Morgenausgabe Tir. 351 � t A 177 4S.Iahrgang Wöchentlich SVPf� monatlich 2.60 im voraus zahlbar, Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitnngs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslandsabonnement 6,— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen» porto S.— M. Der �Vorwärts' erscheint wochentäg. lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel �Der Abend" Illustrierte Beilage»Volt und Zeit-. Ferner»Frauenstimme- �Technik-„Blick in die Bücherwelt". .Jugend-DorwSrts-u.»Stadtbeilage� Nerlmer SolKSblatt Donnerstag 30. �ul> 1931 Groß-Äerlin 1V pf. Auswärts 15 pf. Die eins palt. Nonparetllezeile 80 Pf. Neklamezeile 5.— RM.„Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Won 25 Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Worte), ledes weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Taiif." Stellengesuche das erste Won 15 Pf., jede» weitere Won 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien- anzeigen Zeile 40 Pf Anzeigenannahm» im Hauptgeschäft Lindenstraße 3. wochen» täglich von 8�/, bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vorl Jentvatorgan der«Sozialdemoßvaiischen Oavtei DeutfOlands Postscheckro«io:Berlin3/ö36.— Bankkonto: BaiikderArbeitcr, Angestellten uttd Beamten, Lindenstr. 3. Dt. B. u.Disc.-Ges., Depositeur., Jerusalcmer Str. öö/K-Z. Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Fernspr.: Dönhoss(A 7) 292—297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Qshossihhsn und Genossen! In emster Stunde ruft die SPD. die werktätige Bevölkerung Berlins zu einer großen Kundgebung auf: Gegen Krieg und Völkerverhetzung, für Frieden und Völkerversöhnung am Sonntag, dem 2. August 1931, 14'/- Uhr auf dem Stadion Neukölln, Oderstraße Alljährlich scharen sich am Tage des Kriegsausbruchs die klassenbewußten Proletarier Berlins um die rote Fahne der Sozialdemokratie, um gegen die Kriegstreiber zu demonstrieren. Unsere diesjährige Antikriegskundgebung steht zugleich im Zeichen des Kampfes gegen die kapitalistischen Bankrotteure, die den Volksentscheid zum Sturz der preußischen Regierung eingeleitet und die willige Hilfe zur Aufrichtung der faschistischen Diktatur durch die Kommunistische Partei erhalten haben. Männer und Freuen! Jungwähler! Protestiert mit uns gegen Krieg und Kriegsgefahr, gegen den Volksbetrug beim Volksentscheid der Nazi, Stahlhelmer, Hugenberg und ihre Steigbügelhalter, die Kommunisten I Programmfolge: Gemischter und Männerchor(Arbeitersängerbund)/ Rezitation(Martha John)/ Ansprachen (Siegfried Aufhäuser, MdR., Otto Meier, MdL.)/ Sprechchor/ Volkssport Neukölln-Britz Die Arbeitersportler nehmen 14V« Tlhr Aufstellung auf dem Stellplatz hinter der Südkurve. Die Banner und Fahnen der Partei und der SAJ. nehmen 14 V« Uhr Aufstellung vor dem Haupteingang zum Stadion an der Oderstraße. Der Bezirksvorstand Berlin der SPD. Soz. Arbeiterjugend Groß-Berlin. 80000 greifen an! Ein Alter schreibt uns: Mit Bergmiqen haben wir gelesen, dah die Zahl der orgoni- sierten Sozialdemokraten und Sozialdemokratinnen in Groß-Berlin die 80 EX) weit überschritten hat. Unser Vergnügen würde aber nach viel großer sein, wenn jeder und jede— Sozialdemokrat und Sozialdemokratin— der Kerl wäre, der er sein sollte! 80 000 Menschen, die wissen, was sie wollen med die es sich in den Kopf gesetzt haben, etwas Bestimmtes zu vollbringen, sind in Berlin schon eine Macht. Würden diese 80 000 es sich jetzt in den Kopf setzen, die Berliner Arbeiterbewegung zu säubern, sie von dem stahlhelmistischen Maulaufreißer- und Gesinnmxzslumpentum zu befreien, so würden sie mit ihrer Tat den Ruhm des Herkules übertreffen, der den Augiasstall reinigte. Aber der Sozialdemokrat von heute ist— leider, leider!— oft nicht mehr der alte Kampfhahn. Was nützt nur in diesen Dreckzeiten eine still verschlossene Natur, die allen rauhen Tages- kämpfen vornehm aus dem Wege geht? So einer sitzt im Wirt- Haus, hört die hlödesten Lügen über die SPD.— und zahlt und geht und sagt keinen Ton, weil er sich„nicht auf dieses Niveau herablassen" will. In der Werkstatt hört er die albernsten Redens- arten eines maulsertigen KPD.-Jünglings an— er weiß, er ist diesem albernen Burschen an politischem Wissen und an Charakter turmhoch überlegen, aber er tritt ihm nicht entgegen, sondern er verachtet und schweigt. Solche Genossen, denen man heutzutage oft begegnet, sind gol- dcne Seelen, sie würden jeder ethischen Gesellschaft als Zierde dienen, aber sie taugen wenig für eine Kampfpartei. Wir Alten, als w>r uns mit Anarchisten, Syndikalisten, Jungen und dem Stöckerzeug herumschlugen, waren weniger vornehm, aber wir hielten die Bude rein. Jetzt ober, denke ich, angesichts dessen, was die Kommunisten treiben, angesichts dieses Kotaus der Weltrevolutionäre vor Hitler- 5) ugenberg, angesichts dieses schmutzigsten Arbeitervcrrats der Weltgeschichte— jetzt inüßt« jeden Genossen und jede Genossin eine heilige Wut packen, jetzt müßten sie ihre vornehmen Manieren zum Teufel schicken und den Kampf gegen den Feind>m Inner» der Arbeiterbewegung, den Kamps gegen den schllMinsten Arbeiterfeind, den Kommunismus, auf der ganzen Linie ausnehmen! Wenn 80 000 Genossinnen und Genossen diesen Kamps sichren, wenn sie unter Verzicht auf jede falsche Vornehmheit, die dock) nur Maulfaulheit ist, in Haus und Betrieb, auf der Straße, in der Stadtbahn, überall wo sich Gelegenheit dazu bietet, als AnNäger gegen den kommunistischen Arbeitervcrrat auftreten, dann wirkt das auch! 80 000 sind eine Macht, wenn sie sich zu einem gemeinsamen Ziel in Bewegung setzen! Die Arbeitcrbctrüger vom Bülowplatz können ihr« Kosscr packen, wenn es einmal heißt: Die Sozial- demokratische Partei von Groß-Berlin hat sich in Marsch gesetzt! 80 000 greifen an! Die Kabinettsberaiungen. Um die Normalisierung des Zahlungsverlehre!. Die Verotungen de» Reichskabinetts über die R o r m a l i f i c- rnng de, Zahlungsverkehrs werden am Sonnabend abgeschlossen werden. Ihr Ergebnis wird in neuen Rotverordnungen niedergelegt, in denen für die Banken eine völlige freigäbe des Zahlungsverkehr» und für die Sparkasse eine starke Lockerung der gegenwärtigen Zahlung-sperre angeordnet werden dürste. 3n diesem Zusammenhang ist die Ernennung eines besonderen lv i r t s ch a s l» k o m m i s s a r» von der Reichsregiernng ebensowenig beabsichtigt wie die Ernennung eines Bankkommissars. Richtig ist jedoch, daß an den Veratungen des Kabinettsausschusses für Wirlschastssragen außer dem Generaldirektor der ZG. Farbenindustrie Schmiß auch der Berliner Bankier Melchior teilnimmt. Beide haben aus Wunsch der Reichsregierung als Wirt- jchastssachverständige bereits an der letzten Londoner Konferenz teilgenommen. Die Verhandlungen der Rcichsbank mit den Vertretern des ausländischen Stillhaltekonsortiums haben in prinzipieller Hinsicht bereits zu einer Verständigung geführt. Vorstoß get-en die Ausreisesperre. Die Gesandten von Oesterreich, der Schweiz und der Tschecho- slowakei haben am Mittwoch im Auswärtigen Amt einen gemein- samen Schritt gegen die Ausreisesperre unternommen. Dennoch ist die 5)ofsnung, daß die Sperr« schon in absehbarer Zeit fällt, nach unseren Informationen, unbegründet. Der Reichs- sinanzininister hängt zur Zeit noch sehr an seinem Kind, und Zwar sowohl aus wirtschaftlichen als auch politischen Gründen. Leßi aber auch Ernst! Zur Durchführung der Notverordnung gegen die Steuerflucht. Von einem Steuerfacbmann. Endlich! Diesen Ausruf der Erleichterung konnte man überall hören, wo die Verordnung gegen die Steuer- und Kapitalflucht besprochen wurde. Zuchthausstrafe bis zu zehn Jahren, das ist eine Strafandrohung, die gegen Leute, die ihr Vaterland und ihre Volksgenossen in der schwersten Not im Stiche lassen, in- dem sie ihre Kapital- und Steuerkraft im Auslande verbergen, völlig gerechtfertigt ist. Diese Schädlinge, die nicht unter den armen Proleten, sondern in den Kreisen zu suchen sind, die die Worte„national" und„Vaterland" nicht häufig genug im Munde führen können, sollen und müssen entlarvt und an den Pranger gestellt werden! Mit den hohen Strafandrohungen ist es aber nockz nicht getan. Schon nach den bisher geltenden Bestimmungen der Abgabenordnung konnten Steuerhintcrztcher, zu denen die Kapitalflüchtltnge zu mindestens 9Y Proz. gehörten, mit Ge- fängnts bis zu zwei Iahren und Verlust der bürgerltdjen Ehrenrechte bestraft werden. Skrupellos haben sich aber diese Herren darüber hinweggesetzt. Wußten sie dock) nur zu gut, daß man an maßgeblichen Stellen des Glaubens war, nicht durch Strafen, sondern durch möglichst schonende Besteuerung des Kapitals im Inlande das flüchtige Kapital zur Rückkehr anreizen zu können. Die im Gegensatz zu der Belastung der schwachen Schultern geradezu ungeheuerliche Schonung der Besitzenden in der Notverordnung vom 5. Iuni'd. I. war sicherlich ein Ausfluß dieser Hoffnung, die eitel war. Man verspreche sich auch nicht allzuviel von der erlassenen Amnestie. Jeder, der seinerzeit die Zeit des Erzbergerschen Generalpardons miterlebt hat, weiß, daß selten so viel Steuer zu hinterziehen versucht wurde, wie beim Reichsnotopfer und bei der Kriegsgewinnsteuer. Die Sozial- demokratie hat schon längst richtig erkannt, daß nur energische Strafdrohung die habsüchtigen Triebe abschrecken kann. Sott das Rechtsbewußtsein des deutschen Volkes nicht unheilbaren Schaden erleiden und der erwartete Erfolg erzielt werden, so muß mit der Durchführung der neuen Notverordnung a u ch wirklich Ernst gemacht werden! Es muß erwartet werden, daß sich die maßgebenden Kreise von ihren bisherigen Illusionen völlig freigemacht und ihre Anschauungen ganz, aber auch ganz umgestellt haben. Nur so kann der richtige Geist von oben wehen. Nieder- schlagung von Strafverfahren, Erlasse von Geldstrafen, Rück- sichten irgendwelcher Art dürfen nicht mehr vorkommen. Der Schwerpunkt des Vollzugs der Notverordnung liegt hei den Finanzämtern. Sic müssen die Sieuererklärun- gen, die Bücher und Belege, sowie alles sonst vorhandene Material eingehend nachprüfen, im Verdachtsfalle die erfor- derlichen Ermittlungen anstellen, �Vernehmungen durchführen usw. Erst noch gründlicher Vorarbeit werden sie das Ma- terial dem Staatsanwalt zuleiten. Haben sie zu dieser Mehrbelastung die notwendige Ze i t? Trotz der Vereinsachungsmoßnahmen der Dezember- Notverordnung ist die Gefchöstslage der Finanzämter heute keineswegs eine erfreulickze. Es sollen nur zwei Hauptursachen hierfür herausgegriffen werden. Zur Zeit sind Zehntausende von Beamten und Angc- stellten der Finanzämter damit beschäftigt, den ganzen Grundbesitz im Deutsckien Reich zu bewerten. Die nach keineswegs einfachen Vorfdiristen ermittelten sogenannten„Einheitswerte" sollen die Grundlage werden für die Grundsteuern der Länder und Gemeinden. Bei Steuern des Reichs haben sie nur Bedeutung bei der Vennögenssteuer und der Erbschaftssteuer. Zweifellos ist eine für das ganze Reich einheitliche Bemessungsgrundlage für die Grundsteuer eine schöne Sache. Aber abgesehen davon, daß die jetzt vorgeschrie- bene Bewertungsnorm für landwirtschaftliche Betriebe nach übereinstimmendem Urteil der Praxis auf die Dauer kaum durchführbar fein wird, sollte man dock) meinen, daß in der jetzigen Notzeit unsere Finanzbehörden wirklich Roiwendi- geres zu tun hätten, als eine große Grundsteuerreform vorzu- bereiten, die dem Reiche keinen Pfennig Geld bringt: im Gegenteil, ganz abgesehen von den Personalkosten eine große Stange Geld kostet und bestimmt ist, einer Grundsteuer- sentung die Wege zu ebnen. Daher: Schluß mit dieser Arbeit, mindestens soweit sie nicht für die Vermögenssteuer nötig ist. Noch ein Punkt. Die Abgabenordnung gewährt heute einen Rechtsschutz, wie ihn sich nur ein reicher Staat in ganz geordneten Zeitläuften leisten kann. Heute Die Lleberwindung der Krise. Vorschläge der Gewerkschaften. müßte auch auf diesem Gebiet nicht nur im Interesie der Ent- lastung der Verwaltung und damit der Sparsamkeit eine Ver- einfachung durchgeführt werden, sondern auch im Interesse der Steuerpflichtigen. Uebcr jede Steuerfestsetzung vom Um- satz, Einkommen und Bernrögen entscheidet eine Abteilung des Steuerausschusses in der Besetzung von 9, 12 oder 15 Mit- gliedern, desgleichen über jede Festsetzung einer Besteuerungs- grundlage, zum Beispiel der Einheitswerte. Gegen diese Ent- scheidung gibt es den Einspruch, der auch vom Finanzamt, dem beteiligten Lande und der beteiligten Gemeinde eingelegt werden kann. Uebcr ihn entscheidet wieder der Steueraus- schuß in der gleichen Besetzung. Gegen die Einspruchscntschei- dung kann Berufung zum Finanzgcricht eingelegt werden, das unter Mitwirkung von drei Beamten in der Besetzung von sieben Mitgliedern entscheidet. Ueber die weiter zulässige Rechtsbcschwerdc entscheiden fünf hohe Richter des Reichs- finanzhofes. Eine Vereinfachung hat die Dezembernotverordnung nur insoweit gebracht, als bei einem Streitwert bis 199 M. dos Fmanzgcricht nach freiem Ermessen entscheiden kann, und daß bei einem Streitwert bis 299 M. die Rechtsbeschwerde aus- geschlossen ist. Dazu kommt ein peinliches, höchst kompliziertes Verfahren, so daß es kein Wunder ist, wenn oft Jahre ver- gehen, bis eine Steuer endlich rechtskräftig festgesetzt ist, der Pflichtige infolge des in der Zwischenzeit gehabten Aergers auch durch einen Erfolg feines Rechtsmittels sich nicht mehr freuen kann. Hier tut eine Vereinfachung dringend not, besonders in den Fällen, in denen keinerlei Bücher vor- liegen, mithin nur eine Schätzung möglich ist. Bei Erledigung der Rechtsmittel wirken nur qualifizierte Kräfte mit, beim Finanzgericht fast ausschließlich Juristen. Diese Kräfte für die Durchführung der Notverordnung freizumachen, wäre eben- falls ein Gebot der Stunde! Schreiendes Steuerunrecht. Zahlen sprechen Bände. Das Reichsfinanzministmum veröffentlicht jetzt die Einnahmsn des Reiches für den Monat Juni und für das gesamte e r st e Quartal des laufenden Sicucrjahres 1931/3 2. Gegenüber dem vorhergehenden Vierteljahr Januar bis März 1931 weisen die Steuereinnahmen des Reiches einen erschrecken- den Rückgang auf. So sind von April bis Juni an Besitz- und Verkchrssteuern nur 1171,3 gegen 1392,8 Millionen Mark in dem vorhergehenden Quartal eingegangen. An Zöllen und Verbrauchs- abgaben kamen in den abgelaufenen Monaten nur 636,6 Millionen auf, was einen Rückgang von 118 Millionen gegenüber dem vorher- gehenden Quartal bedeutet. Es liegt auf der 5)and, daß die Fortsetzung eines derartig scharfen Rückganges an Steuereinnahmen für das Reich und damit für die Gesamtheit s ch w e r ft e Folgen noch sich ziehen muß. Die Frage liegt nahe, an welchen Stellen diese gewaltigen Löcher im Steucrsäckel des Reichs entstanden sind. Bei näherer Untersuchung zeigt sich, daß der Rückgang der Steuereinnahmen in der Hauptsache auf die veranlagten Einkommen und auf die Körperschaftssteuer entfällt. Andererseits haben die Lohn- und Gehaltsempsängex. also die überwiegende Mehrheit des deutschen Volkes, der die Steuer sofort von ihrem festen Wochen- oder Monatsvcrdiensk abgezogen wird, über 23 Millionen mehr aufgebracht als im vorhergehenden Quartal. Die Steuerlast hat sich also In der Krise ganz wesentlich zuungunsten der breiten Massen verschoben. Damit aber jjpch nicht genug, zeigt sich in dem angefügten Bericht des Reichssinanzministeriums, daß die Verschlechterung der Einkommensverhältnisse bei den zur Einkommensteuer Veranlagten vielfach zu Erstattungen, also zu Rückzahlungen, eines Teils der im vorangegangenen durchgeführten Vorauszahlungen geführt hat. Während also die Notverordnung vom S. Juli nicht davor zurückgeschreckt ist, den Aermsten der Armen, nänllich den erwerbslos gewordenen Lohnsteuerzahlern die Erstattungen zu st reichen, muß das Reichsfinanzministerium selbst zugeben, daß bei den veranlagten Einkommen in großem Umfang Erstattungen vorgenommen worden sind. Dazu kommt aber noch, daß die weiche Politik des Reichsfinanzministeriums, die wir bereits im gestrigen„Abend" kritisiert haben, Steuer- st und un gen in einem Umfang duldet, die bei der gegenwärtigen angespannten Lage in keiner Weise angebracht sind und sich unter allen Umständen verhängnisvoll auswirken müssen. Es ist ein ganz unhaltbarer Zustand, daß man in einer Krise, deren Lasten zum allergrößten Teil auf die Schultern der werk- tätigen Bevölkerung abgewälzt sind, die besitzenden Schichten, die schon bei der Steuerzahlung mit Glacehandschuhen angefaßt werden, während bei den kleinen und kleinsten Steuer- Zahlern mit größter Rücksichtslosigkeit vorgegangen wird. Wofür die Kommunisten eintreten. Die Front der Kaiserlichen. Das„Deutschbanner Schwarz-Weiß-Rot, Front der Kaiserlichen"(Geschäftsstelle: Berlin S 42, Branden- burgstr. 22), erläßt folgende Kundgebung: „Das deutsche Volk ist in seiner großen Mehrheit noch gesund, noch arbeitswillig und arbeitsfähig. Es kann sich noch immer, auf die eigene Kraft gestützt, aus seiner durch den Marxismus ver- schuldeten Notlage befreien. Es braucht nur andere Führer, und die sind da in der Willensstärken Opposition, die geschlossen hinter diesen Führern steht. Am 9. August, dem Tage des Volksentscheides, wird in Preußen auch für das Deutsche Reich die Entscheidung fallen, ob unser Volk der marxistischen Irreführung weiter folgen, oder sich zu den Führern bekennen will, die in voll- kommener Abkehr von den Methoden heutiger Staatsführung in erster Linie die Interessen des eigenen Volkes wahrzunehmen be- fähigt und willens sind. Hugenbergs mahnendes Wort„Es gibt nur ein Entweder— Oder", entweder eine st a r t e, von den gesunden natio- nalen Kräften des deutschen Volkes getragene Regierung oder Bolschewismus, ist nicht die Prophezeiung irgendeines beliebigen Politikers, sondern das Wort eines die kam- inende Entwicklung übersehenden, die Lage beherrschenden Staats- manne?.— Am 9. August fällt die Entscheidung über dies „Entweder— Oder". Sejmmarschall Daszinski schwer erkrankt. D» Führer der pol- nischen Soziali st en und ehemalige wejm Marschall Daszinski ist schwer erkrankt. Es besteht kaum noch Hoffnung auf seine vollständige Wicdergenesunz. Der Vorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerk- s ch a f t s b u n d c s hat unter Beteiligung des A s A- B u n d e s in feiner gestrigen Sitzung folgende Entschließung zur Lag« gefaßt: Die ernste Loge der deutschen Wirtschaft erfordert entschiedenes und schnelles Handeln. Die Gewerkschaften als Vertreter der von der Not am härtesten betroffenen Volksmassen erheben daher folgende Forderungen: 1. Damit die Wiederaufnahme der Zahlungen bei privaten und öffentlichen Banken und Sparkassen gleichmäßig und schnellstens gc- sichert wird, ist die Versorgung mit ausreichenden Umlaufmitteln durch weitere Wechseldiskontierung der Rcichsbank not- wendig. � 2. Ilm die notwendige Räumung der Warenlager her- beizusiihren und die Währung zu sichern, sowie den erforderlichen Druck auf die Abgabe von Devisen- und Notenvorräten auszuüben, darf vor der vorübergehenden Erhöhung des Diskont- satzcs der Reichsbank nicht zurückgeschreckt werden. 3. Die Regelung der Rückzahlungen kurzfristiger Auslands- Verschuldungen darf nur durch Vermittlung der Reichsbank erfolgen. Hierbei ist das Stillhalteübereinkommen durch ein t e i l w e i s e s Auslandsmoratorium zu ergänzen. 4. Der inländische Geld- und Kapitalmarkt bedarf der öffentlichen Kontrolle und Lenkung. Das Reich muß maßgeblich an der Verwaltung der Banken beteiligt werden. Zu diesem Zwecke ist ein B a n t e n a m t zu errichten. Zu seinen Aufgaben gehört besonders: die Kreditpolitik der Banken zu kon- trollieren, Richtlinien für die Anlagepolitik der Kreditinstitute auf- zustellen und die Durchführung der Richtlinien zu überwachen. S. Die ins Ausland und in ausländische Werte geslüchteten Kapitalien sind der deutschen Wirtschaft wieder zuzuführen. Die bis- her erlassenen„Notverordnungen gegen die Kapitalflucht" beziehen sich nur auf die Flucht in Devisen. Sie sind deshalb zu er- w e i t ern: 1. Alle ausländischen Effekten in deutschem Eigentum sind der Reichsbank zum Kauf anzubieten. 2. Die Anmeldepflicht für Devisen ist auf sämtliche Auslandsforderungen ohne Rücksicht auf ihre Höhe und den Fälligkeitstermin auszudehnen. 3. Die Bewilligung von Ausnahmen bei der Devisen- ablieferung auf Grund der ergangenen Notverordnungen darf nur von der Reichsbank unmittelbar erteilt werden. Ueber die zur Uebcrwindung der augenblicklichen Stockung zu treffenden Maßnahmen hinaus sind zur Rückhehr des Vertrauens im In- und Auslande die Reform des Aktienrechts und diö Ausdehnung der Kartell- und Monopolkontroll«. entsprechend den Forderungen der Gewerkschaften notwendig. Ebenso dringlich sind Sicherheitsmaßnahmen für di« öffentlichen Finanzen und für die Stützung des realen Einkommens der Arbeiterschaft. Der Lohnabbau hat sich als ein Irrweg erwiesen. Um die Läger zu räumen. dürfen Vcrlustoerkäufe nicht gescheut werden. Kartellhemmungen müssen beseitigt werden. Ueberhöhte Zölle in Landwirtschaft und Industrie sind abzubauen. Die deutsche Außenpolitik muß in erster Linie auf eine Verständigung mit Frankreich gerichtet sein. Forderungen der christlichen Gewerkschaften. Der volksnationale Reichstagsabgeordnete Baltrusch, der auch dem Zentralausschuß der Reichsbank angehört. fordert in einem Schreiben an die Reichsregierung und an das Di» rcktorium der Rcichsbank die sofortige Oeffnung der Schalter der Banken und erhebliche Lockerungen bei den Sparkassen. Gleichzeitig mit dieser Mahnahme soll ein- hergehen die Heraufsetzung des Reichsbankdiskonts auf 29 Prozent und eine erhebliche Erhöhung der Zin» s e n für eingezahlte Gelder und Spargelder. Der Z ahlun gs mitte lumlau f könne seitens der Reichs- bank ohne Jnjlationsgesahr auf 6 bis 7 Milliarden llllark vorübergehend herausgetrieben werden. Gleichzeitig sei eine Stempelung der Noten oder der Notenaufruf in die Wege zu leiten, um die Hamsterer zu fassen. Außerdem müßten die Zeitungen verboten werden, die jetzt ! noch dauernd die Währung unterminieren, indem sie zur Flucht in die Sachwerte oder die Sparer zu Abhebungen veranlassen. Am Schluß verlangt Baltrusch weitere beschleunigte Verhandlun- gen über einen langfristigen billigeren Kredit. Je länger darüber die notwendigen Verhandlun gen mit Frankreich hinausgeschoben würden, je schwächer würde unsere Loge bei der Abwehr unerträglicher Bedingungen. Alle staatlichen Mittel seien bereitzuhalten, um die Autorität des Staates in jedem Falle gegenüber allen Hetzern und Ruhestörern aufrechtzuerhalten. Gcharsmacherniveau. Sittliche Entrüstung über Tee, Keks und Pfeifentabak. Wie das Scharfmachertum seine niedrige Hetze gegen sozialdemo- kratische Führer betreibt, kann man dieser Tage wieder anläßlich des Besuchs des Genossen Macdonald studieren. Der Empfang des Mannes, der immerhin als Chef des größten Weltreiches und als Freund zu uns gekommen ist, hat sich in den denkbar schlichtesten Formen abgespielt. Das hindert ein ausgesprochenes Untcrnehmerorgan, die„Berliner Börsen-Zeitung" nicht, an die Bootsfahrt auf der 5iaycl, zu der Genosse Braun die eng- tischen Gaste eingeladen hatte, folgenden Kommentar zu knüpfen: Pfeifchen rauchend, auf der Reeling der beflaggten«taats- barkasie„Mark" mit„galauniformiertem Kapitän' sitzend, ja, da sieht man eben nicht hin auf die Massenopfer sozialistischer Staat?- und Parteipolitik. Da merken sie nicht, die Vertreter der zweiten Internationale, wie weit sie es mit ihren famosen Theorien endlich gebracht haben. Auf dem Tisch der Kabine standen „12 Tcegedecks, einige Keks, Konfekt, Zigarren und, als besondere Aufmerksamkeit für Macdonald, Pfeifentabak". Wie berauschend proletarisch einfach! O ja, welche Schlemmerei, wenn man dagegen die spartanische Einfachheit hält, mit der z. B. die Wollkönige L a h u s e n auf ihrem Schloß„Hohehorst" gehaust haben. Man muß nur an die Aerm- lichkeit der 197 Palasträume von Hohehorst, an die 12 Marmor- badezimmer, an d«n Schloßpart in der Größe des Parks von Sanssouci denken, um sich dann mit sittlicher Entrüstung über eine Bootsfahrt mit Tee, Gebäck und Pfeifentabak vollzupumpen! Das deutsche Unternehmertum, dessen vielgepriesene Wirtschaftskapitäne — siehe L a h u s e n, K a r st a d t, Stinnes, Raiffeisen, Danat, Schröder, Kunstseide usw.— gleichermaßen durch Verschwendungssucht wie Unfähigkeit die deutsche Wirtschaft in den Bankerott geführt haben, es ist zu Moralpauken über Keks und Pfeifentabak wirklich berufen! Die Pressekulis dieser Herrschasten aber erzählen alle Tage, daß die Sozialdemokratie aus innenpolitischer Verranntheit zu wahrhafter Außenpolitik unfähig sei. Offenbar halten es diese Herrschaften für eine nationale, Deutschland fördernde Außenpolitik, wenn sie anläßlich des freundschaftlichen Besuchs eines fremden Staatsleiters die Dreckigkeit ihrer Gesinnung vor aller Welt an dem Gast aus- toben. In England, wo die Führer der Oppositionsparteien jüngst gemeinschaftlich mit Macdonald auf einer Friedenskundgebung sprachen, dürfte man diesen„deutschen" Manieren ziemlich fasiungs- los gegenüberstehen. Llniernehmer diskutieren die Lage. Ablenkungsversuche bleiben das Wichtigste. In Berlin traten am 29. Juli Präsidium und Borstand des Reichsverbandes der Deutschen Industrie zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, in der die gegenwärtige Wäh- rungskredit- und finanzpolitische Lage eingehend diskutiert wurde. Das einleitende Referat hielt der bekannte westdeutsche Jix- dustrielle Dr. Silberberg, der nunmehr völlig im Fahrwasser der- schwerindustriellen Gedankengänge schwimmend, sich im wesentlichen in Angriffen gegen die öffentliche Verwaltung und Wirtschast er- schöpfte. Er glaubte diese Angriffe und die Forderungen nach Kon- solidierung der kurzfristigen Länder- und Gemeindeverschuldung damit motivieren zu können, daß die Industrie selbst bereit sei. die notwendigen Aenderungen in der Kreditpolitik der Privatwirtschaft zu verlangen. Er vergaß nur hinzuzufügen, daß die leichtfertige Kreditpolitik und die gesunkene Moral der deutschen Privatwirt- schaft das ganze Land jetzt an den Rand des Verderbens gebracht hat. Nach dem folgenden Referat von Dr. K a st l wurde in der Diskussion besonders der Forderung auf Wiederherstellung des den Bedürfnissen der Wirtschaft Rechnung tragenden N o t e n u m- laufe der Reichsbank Ausdruck gegeben. Wenn sich auch ein hoher Rcichsbankdiskont nicht vermeiden lasse, so dürfe er doch nur für eine kurze Ucbergangszeit in Aussicht genommen werden. Die Zwangsbewirtschaftung der Devisen und das Ausfuhr- verbot für Reichsmarknoten wurde gebilligt. Scharfe Kritik fand dagegen die Verordnung über die Ausreisegebühr. Oer Bericht der Banksachverständigen. Am Ende der Woche.— Macdonald in London. London, 29. Juli.(Eigenbericht.) Macdonald ist am Mittwochabend aus Berlin kommend im Flughafen von Hendon eingetrossen. Als er den Flugplatz verließ. gab er folgende Erklärung ab: „Unsere Unterhaltungen in Berlin waren sehr zu» frieden stellend und erfolgreich, wir hoben über alles gesprochen, was Europa betrifft, aber unser Werk ist noch nicht vollendet. Bevor weitere Schritte unternommen werden, müssen wir den Bericht der Banksachvcr ständigen abwarten, die noch in Berlin sind.? wir werden weitere Konferenzen haben, aber wann und wo kann ich noch nicht sagen." Amsterdam. 29. Juli. Der britische Premierminister Macdonald ist heute um IS Uhr auf dem Rottcrdamer Flugplatz Waalhovcn gelandet. Er wurde vom englischen Gesandten und dem übrigen Personal der englischen Gesandtschaft empfangen. Auch ein Vertreter des niederländischen Auswärtigen Amtes war zur Begrüßung erschienen. Vor seinem Abflug erklärte Macdonald Pressevertretern, daß kein Grund dafür vorhanden sei, das Vertrauen in die Zukunft des deutschen Volkes zu verlieren. Eigenart und Kraft dieses Volkes seien ein Beweis dafür, daß es alles tun werde, was nur möglich sei, um die bestehenden Schwierigkeiten zu überwinden. Dazu brauche es aber die Hilfe anderer, namentlich der BIZ. Augenblicklich werde untersucht, in welcher Weise eine Lösung zu finden sei. Dem zu diesem Zweck zu ernennenden Ausschuß würden wahrscheinlich drei oder vier Deutsche angehören. -» Die Banksachoerständigen werden ihren Bericht wahrscheinlich noch in dieser Woche fertigstellen und an Macdonald, als dem Vorsitzenden der Londoner Konferenz, weiterleiten. Erst Rom, dann Lavals Besuch in Berlin. Ein Termin für den Besuch des französischen Mi- ni st erpräsidenten und Außenministers in Deutschland steht bisher noch nicht fest. Es ist aber so gut wie sicher, daß Reichskanzler Dr. Brüning und Reichsaußenminister Dr. E u r t i u s vor dem Besuch der französischea Minister der Einladung der italienischen Regierung nach Rom nachkommen werden. Die Furcht vor den Sachlieferungen. Brüssel. 29. Juli. Die Hauptobordnung der Metallarbeiter Belgiens hat heute vormittag dem Ministerpräsidenten die Beunruhigung dargelegt, die sich bei den Arbeitern der Maschinenfabriken infolge der Presse- komnientare bemerkbar macht, nach denen in Durchführung des Hoover-Plancs Maschinen von Deutschland als Sachlieferungcn gc- liefert werden sollen. Miiusterpräsidcnt Reutin erwiderte, daß in jedem Falle der belgische Maschinenbau von den deutschen Sachliefc- rungen nichts zu befürchten hätte. Lloyd George operiert. London, 29. Juli.(Eigenbericht.) Der Führer der Liberalen Partei, Lloyd George, hat sich am Mittwoch einer Niere nopcration unterziehen müssen. Die Operation ist gut verlaufen. Die Ursache für die Nierenblutungcn, die Anlaß zu dem ärztlichen Eingriff gaben, wurde nach Mitteilung der Aerzte durch den operativen Eingriff völlig beseitigt. Die Aerzte weisen jedoch in einem Bulletin gleichzeitig auf den schweren Charakter der Operation hin. Bomben in Kairo. In dem Hause der rechten Hand von Nahas Pascha, dem Direktor des Klubhauses der Opposition, explodierte in der Nacht zum Montag gegen 2 Uhr 39 Min. eine B om b e. Wenige Tage zuvor wurde im Garten des Justiz- Ministers eine Bombe zur Explosion gebracht. Die Attentäter sind unbekannt. Nr. 351» 48. Jahrgang i. Beilage des Vorwärts Donnerstag. 30. Juli 1931 Besuch in der KinderrepubiiK. Weit unten im Tal liegen die Zelte der Kinderrepublit. Heute herrscht dort geschäftiges Treiben: es ist Sonntag. Eltern kommen aus der nahen Stadt, um ihre Kleinen zu besuchen und die Bauern aus der Umgegend wollen sich dieses neue Ereignis in ihrem gleich. mäßigen Leben natürlich auch anschauen. Und für diese vielen Gäste müssen Vorbereitungen getroffen werden. Zelte werden ge- schauert, Schuhe geputzt und nicht zuletzt der eigene Körper im nahen Fluß einer gründlichen Reinigung unterzogen. Dann kommen sie alle: die besorgten Mütter und die tüchtigen Väter, jedes ein dickes Paket mitbringend. Aber sie mußten sich über- Das Zeltlager im Lahn tal, vom Naturfreundehaus gesehen. Zeugen, daß ihre Kinder auch ohne Sondcrgabcn vorzüglich unter- gebracht sind. Selbst bei kaUcm Regenwetter ist es auf den Stroh- sacken in den dichten Zelten warm und gemütlich. Und wenn gar die Sonne locht, kann es gar keinen besseren Platz geben, als hier inmitten von Wold, Wiesei; und Wasser. „Und gibt es denn auch genug zu essen?", fragt eine besorgte Mama. „Oh, mehr als wir vertrogen können", antwortet das ganze Zelt,„und gestern abend gab's Heidelbeeren. Hm, war dos sein. Wir wollten, es gäbe zu Hause auch immer so Vieles und Gutes." Am Nachmittag zeigen dann die Gören, was sie alles können: Sprechchörc und Musikkapellen gestalten eine ernste Feier. Später wird es mit Zirkusaufführungen und Volkstänzen lustiger, bis die Abschiedsstunde schlägt und die Eltern mit einem kräftigen „Freundschaft" ihre Kinder gern in der Obhut der Helfer und in gesunder Natur zurücklassen. Dorf A in Gefahr! Aus der Kinderrepublik„Lübecker Bucht". Achthundert Falken aus Berlin und Brandenburg hatten ihre Zelte, so schreibt man uns aus der Kinderrepublik „Lübecker Bucht", aufgebaut. Sechs Dörfer standen. Am vierten Tag setzte Regenwetter ein.„Morgen wird es wieder schön", hieß es. Aber auch am nächsten Morgen hing der Himmel voll grauschwarzer regcnschwcrer Wolken. Immerzu regnete es. Der steinharte Boden wurde weich und klitschig. Soll sich eine Kinder- rcpublik vom Regen einschüchtern lassen? Nein! Und das große Zelt war ja da. Dort versammelten sich alle Kindcrrcpublikancr zur Vollversammlung. Alle standen sie weiter zur Kindcrrepublik! „Mag es regnen, wir halten Disziplin, wir werden durch- halten!" Dann spielte der Kasper im großen Zelt. Was gab das für einen Spaß! Man wußte schon gar nicht, daß draußen so unfreundliche Wettergesellen am Werk sind. Der Sturm wurde gegen Abend heftiger. Trotzdem verlief auch dieser Tag glänzend Regen und Sturm ließen nicht nach. Alle Zelte wurden gut ver- schlössen, die Zeltgräben nachgesehen, die Abflußgräben tiefer ge- graben, die Spannung nachgesehen, die Heringe tiefer in die Erde geschlagen. Der Sturm tobte um die Zelte. Wie rollender Donner hörte sich das im Zelt an. Unaufhörlich plätscherte der Regen. Kaum ertönte der Ruf, und schon war Hilse da. In Dorf 3 wollte das Wasser die Oberhand gewinnen. Alle wollten dem Dorf Helsen: Helfer, Rote Falken, ja sogar Jungsalken wollten mittun. Tiefe Gräben wurden gezogen, um das Wasser abzuleiten. Da ging die Geschichte auch schon im Dorf 6 los. Das Dorf auf dem Berge kämpfte mit dem Sturm. Vier Zeltgemeinschastcn inußten ausziehen. Es waren Jungfalken. Sofort wurde in anderen Zelten für die Vertriebenen Platz freigemacht. Die Roten Falten nahmen die Jungsalken auf.„Wie in Seekamp", sagten sie,„w i r sind zu jeder Hilfeleistung bereit!" Alle anderen Zelte hielten stand. Nur im großen Zelt wütete der Sturm mit stärkerer Wucht. Von allen Seiten kamen die Windstöße und sammelten sich in dem weiten Raum, bis durch einen ungeheuren Stoß das Riesenzelt zusammenkrachte. Das war ein schwerer Verlust. Nichts blieb als ein Trümmerhaufen.„Wie ein abgc- stürztcr Flieger sieht das aus", sagten die Falken. Das Unwetter ist vorüber. Was hat es in der Kinderrcpublik angerichtet? Zu Schaden ist niemand gekommen. Aber das, was selbstverständlich erwartet wurde, hat eingesetzt: erhöhte Solidarität, gesteigerte Hilfsbereitschast, starkes Zusammenhalten. Das Verant- wortungsbcwußtsein gegenüber der Kindcrrepublik wuchs. Noch einen anderen Gewinn können wir buchen: Das schlechte Wetter hat den Erfindergeist der Falken angeregt, hat sie noch arbcitssrcudiger werden lassen. Neue Möglichkeiten entstanden, um die Zelte noch besser vor Wind und Wetter zu schützen. Nach Zeitungsberichten soll auch in Berlin ein Unwetter gewesen sein. Dort wurden Sonntäglicher Besuch. Häuscrdächcr beschädigt. Bei uns hat kein Falke Schaden ge- nommen. Im Gegenteil: Wir können stolz auf unsere Kinder- republik sein, in der wir in dieser Situation sozialistische Gemeinschaft erlebten. Zeppelin auf Rückflug. Heute Eintreffen in Leningrad. Wie die Hamburg-Amerika-Linie mitteilt, befand sie»! das Luftschiff„Graf Zeppelin" in den Vormittagsstunde» des 29. Juli wieder über N o w a j a I e m l j a. Nach weiteren bei der Hamburg-Zlmerika-Linie eingetroffenen Meldungen hat das Luftschiff„Graf Zeppelin" Kurs auf Leningrad genommen, wo es heute eintreffen wird. Friedrichshasen, 2g. Juli. Der Funkleiter der Landstation des Lustschiffbaues, Speck, der auf Veranlassung Dr. Eckencrs mit einigen Mitgliedern der Deutschen Betriebsgesellschaft für drahtlose Telegraphie während der Polar- sahrt des Luftschiffes die Beobachtung des Funkdienstes bei der Bodenfunkstelle übernommen hat, teilt mit, daß mit einer Funk- Verbindung nach Ueberschreiten des 80. Grades(Polargrenze) nicht mehr gerechnet wurde. Etwas Hoffnung, die allerdings für die Nachtzeiten vorhanden war, erfüllt« sich nach Ueberschreiten der Polargrenze nicht mehr. In der Nacht verkehrte das Luft- schiff mit dem Dampfer„Resolut e", der sich aus der Fahrt von Reykjavik nach Spitzbergen befindet. Die letzte direkte Verbindung, die die hiesige Funkstelle mit dem Luft- schiff hatte, war in der Nacht von Montag auf Dienstag mit recht guter Lautstärke. Die verabredeten Zeiten mit dem Luft- schiff„Graf Zeppelin" werden bei Tag und Nacht immer genau ein- gehalten, jedoch konnte selbst die Großfunkstelle Norddeich keine Ver- bindung mehr mit dem Luftschiss erhalten. Telegramme, die im Laufe des Montag einliefen, beförderte das Luftschiff über die Küstenfunkstelle Vardö, die sie teils durch Funktelegraphie, teils durch Kabel weiterleitete. Daß man aus der P o l a r g e g c n d vom Luft- schiff auf Kurzwelle nichts mehr hörte, ist lediglich auf besondere atmosphärische Verhältnisse zurückzuführen, zumal dort keine Nacht, sondern nur ein vorübergehender Dämmerzustand herrscht, der vermutlich und erfahrungsgemäß die Kurzwellen in ihrer Ausdehnung beeinträchtigt. 180000 Mark unterschlagen. Wettleidenschast eines Kölner Büroangestellten. Köln, 2g. Juli. Wie das Slädlischc Presseamt mitteilt, wurde gestern bei einer unerwartet vorgenommenen Revision bei der st ä d t i s ch e n V e- schasfungsstelle umfangreiche Unterschlagungen ausgedeckt. Die unterschlagene Summe beläuft sich, wie die Nachprüfung ergab, auf l S 0 0 0 0 Mark. Die Versehlungen reichen dre» Jahre zurück. Der schuldige Vüroongestellle K e r tz war seit ISlS Angestellter der Stadt Köln und hatte in den verschiedenen Verwaltungsslellen, in denen er beschäftigt war. ungetrübtes Vertrauen genossen. Seine bescheidene Lebensweise ließ nie irgend einen verdacht gegen ihn aufkommen. Cr machte äußerlich einen fast ärmlichen Eindruck. Zum Verhängnis ist ihm seine Wettleidenschast geworden. Bei seiner Vernehmung gab er an, er habe zu drei Buchmachern in Köln in Beziehung gestanden und gelegentlich mehrere tausend Mark auf ein Pferd gesetzt.__ Heringssegen ans deutschen Fängen. Täglich werden jetzt gewaltige Mengen 5?eringe aus deutschen Fängen angebracht. Die diesjährigen Herings- schwärme zeigten sich etwas früher als im Vorjahre. Die deutsche» Fischer haben zurzeit alle Hände voll zu tun, um den reichen Heringsscgen zu bewältigen. Durch den Hering erhalten wir bc- kanntlich auch den Bückling(den geräucherten Hering) sowie die verschiedenen anderen Hcringsprodukte. „Ordnung muß fein," murmelte er.„jede fremde Kopeke muß notiert werden." Dann begab sich der große Kombinator auf einem Berg- weg eilig zum Abhang. Eine schmale, in den Felsen gehauene Galerie führte in eine kegelartige, sich nach ob�n hin verengende Schlucht. Die Galerie mündet in einen kleinen Balkon, von dem aus man in der Tiefe der Schlucht die kleine Pfütze einer malachitfarbenen stinkenden Flüssigkeit sehen konnte. Diese Schlucht gehörte zu den Sehenswürdigkeiten von Pjatigorsk und täglich besuchten sie viele Exkursionen und eine Menge Touristen. Ostap hatte die Sachlage sofort übersehen lind war zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Schlucht für einen vor- urteilslosen Menschen eine gute Einnahmequelle bilden konnte. — Merkwürdig— dachte Ostap— wieso ist diese Stadt bis jetzt noch nicht auf die Idee gekommen, für die Schlucht Eintrittsgeld einzuheben? Ich glaube, es ist dies der einzige Ort, an den die Pjatigorsker die Touristen kostenlos hinein- lassen. Ich werde diesen Schandfleck auf dem Ruf der Stadt ausmerzen und die Nachlässigkeit korrigieren.— Und Ostap handelte, wie ihm sein Verstand, der gesunde Instinkt und seine Situation diktierten.— Er postierte sich am Eingang in die Galerie, schwenkte seinen Billettstock in der Luft und rief von Zeit zu Zeit aus: „Bitte, Karten zu lösen. Bürger zehn Kopeken, Kinder und Rotgardisten Eintritt frei. Studenten fünf Kopeken. Wer nicht Mitglied von Berufsverbänden ist, dreißig Kopeken." Ostap hatte richtig kombiniert. Die Pjatigorsker besuchten die Schlucht nicht und es war leicht, von einem Sowjet-Tou- risten zebn Kopeken Eintrittsgeld, wohin es auch sei, zu be- kommen.' Gegen fünf Uhr hatte Ostap bereits sechs Rubel einkassiert. Gegen Abend langten zwei Droschken mit einer Exkursion: Ehorkower Miliz bei der Schlucht an. Ostap erschrak und � wollte schon das Gehaben eines harmlosen Touristen an- nehmen, die Milizleute aber näherten sich bereits schüchtern dem großen Kombinator, so daß ein Rückzug unmöglich war. So rief denn Ostap mit ziemlich fester Stimme:„Mitglieder von Verbänden zehn Kopeken, da aber Angestellte der Miliz als Studenten oder Kinder angesehen werden können, so zahlen sie fünf Kopeken." Die Beamten der Miliz zahlten und fragten diskret, zu welchem Zweck dieses Geld verwendet würde. „Zur gründlichen Restaurierung der Schlucht," erwiderte Ostap dreist,„damit sie nicht so abschüssig ist." Während der große Kombinator derart geschickt mit der Aussicht auf die malachitfarbene Pfütze handelte, stand Wo- robjew gebückt unter einem Akazienbaum und kaute, vor Schande glühend, an den beiden Sätzen, die ihm der große Kombinator eingetrichtert hatte. „dlekc-ieurs, jo ne manp-e pos... Geben Sie mir bitte... Geben Sie dem Duma-Deputierten etwas..." Die Leute gaben Geld her, aber mißlaunig. „Geben Sie dem gewesenen Dumamitglied etwas!" mur- melte der Vorsitzende. „Sie waren also wirklich Mitglied der Duma?" vernahm Worobjew an seinem Ohr.„Sie waren tatsächlich bei den Sitzungen anwesend? Ach, ach! Hohe Klasse!" Worobjew hob die Augen und war starr. Der dicke Awessalom Wladimirowitsch Jznurenkow sprang wie ein Sperling vor ihm her. Er hatte seinen braunen Lodzer Anzug gegen einen weißen Rock und eine hellgraue Hose eingetauscht. Jznurenkow hatte Worobjew nicht erkannt und überschüttete ihn mit Fragen. „Sie haben also wirklich Rodzianto gesehen? War Pu- rischkewitsch wirklich kahlköpfig? Ach, ach! Welches Thema, was für Perspektiven! Hohe Klasse!" Iznurenko drückte dem überraschten Vorsitzenden einen Dreirubelschein in die Hand und lief davon. Und lange noch war seine dicke Gestalt im Blumengarten zu sehen und man hörte, als töne es von den Bäumen:„Ach, ach! Meine Schöne, singe mir nicht die Lieder des traurigen Georgien! Ach, ach! Sie erinnern mich an ein anderes Leben und an fremde Länder!... Und am Morgen, da lächelt« sie wieder... Hohe Klasse!" Worobjew aber stand andauernd da, mit gesenktem Blick. Und schade, daß er so dastand, er sah vieles nicht. In der Duftenden Dunkelheit der Pjatigorsker Nacht spa- ! zierte Elly Schtukina in den Parkalleen und schleppte den | milden Ernst Pawlowitsch mit sich, der sich indes mit ihr ver- söhnt hatte. Die Reise in den Kurort mar die letzte Phase in dem schweren Kampf mit der Vanderbist-Tochter. Die stolze Amerikanerin hatte nämlich kürzlich eine Vergnügungsfahrt zu den Sandwich-Inseln unternommen. „Ho— ho!" tönte es in der nächtlichen Stille.„Schön, Ernestulja! Wunder— bar!" Und im Büfett, vom Licht der Lampen beleuchtet, saß der Dieb Alchen mit seiner Gemahlin Saschi. Ihre Wangen waren wie früher mit dem Kaiser-Nikolai-Backenbart ge- schmückt. Alchen aß verschämt gebratenes Schöpsenfleisch und trank dazu Kachetinski-Wein N 2, Saschi liebkoste ihren Backen- bart und wartete aus den bestellten Störfisch. Nach der Liquidation des sozialen Fürsorgehauses war alles verkauft worden, einschließlich der Leinenmütze des Koches und der Devise:„Wenn du die Nahrung sorgfältig durchkaust, so hilfst du der Allgemeinheit." Alchen hatte be- schlössen, auszuruhen und sich zu amüsieren. Worobjew ging erst zur Quelle, als die Musiker ihre In- strumcnte zusammenlegten. Das Sonntagspublikum ent- fernte sich langsam, und nur die Liebespaare blieben in den Alleen des Blumengartens zurück. „Wieviel hat es getragen?" fragte Ostap, als die gebückte Gestalt des Vorsitzenden an der Quelle erschien. „Sieben Rubel neunundzwanzig Kopeken. Ein Drei- rubelschein darunter, alles andere Silber und Kupfer." „Für ein erstes Auftreten wunderbar. Kissa, Sie gefallen mir! Ich möchte aber wissen, welcher Narr Ihnen den Drei- rubclschein gegeben hat!" „Jznurenkow hat mir ihn gegeben." „Nicht möglich! Awessalom? Die Kugel? Wo ist sie hin- gerollt! Haben Sie mit ihm gesprochen? Ach, er hat Sic wohl nicht erkannt!" „Er hat mich über die Duma ausgefragt und war vergnügt." „Sehen Sie, Vorsitzender, es ist gar nicht so schlimm, Bettler zu sein, besonders bei mittelmäßiger Bildung, und wenn man dazu die richtige klägliche Stimme hat! Auch ich, Kisfotschka, bin indessen nicht müßig gewesen. Fünfzehn Rubel. Es wird langen!" Am andern Morgen bekam der Monteur das Geld und brachte am Abend zwei Stühle.„Den dritten Stuhl zu nehmen, war nicht möglich", sagte er,„das Orchester hat darauf Korten gespielt." Die Freunde stiegen bis auf den Gipfel des Berges Maschuk, um in Sicherheit zu sein. Ostap sah gegen den sterncnbedeckten Himmel und nahm die erprobte Zange aus der Tasche. (Fortsetzung folgt.) Llrteil im Kommunistenprozeß. 2 Angeklagte Zuchthaus, 12 Angeklagte Gefängnisstrafen. Das Landgericht III verurteilte unter dem Vorsitz des LanZ»f gcrichtsdireklors Behringer in dem Prozeß gegen die zwanzig ß o m m u n i st e n. die angeklagt waren, im Vlärz dieses Zahres in Hohenschönhausen einen Ilazilrupp überfallen zu haben, die Angeklagten k l e m k e und W i n k l e r wegen versuchten Totschlags, schweren Landsriedensbruches und verstoß gegen die Not- Verordnung zu zwei Jahren resp. zu einem Jahr und neun Monaten Zuchthaus, 16 Angeklagte zu Gefäng- ii i s st r a f e n von neun Monaten resp. einem Jahr und den jugendlichen E. zu vier Monaten Gefängnis unter Zubilligung einer Be- wöhrungssrifl. Der Angeklagte B. wurde freigesprochen. Mit Aus- nähme von Slemke und Winkler wurden sämtliche Angeklagten, sofern sie sich in hast befanden, aus freien Fuß gesetzt. Es ist tief bedauerlich, daß verhetzte Menschen ins Gefängnis sollen, und man kann nur die Hoffnung aussprechen, daß sie wenig- stens für einen Teil der Strafe Bewährungsfrist erhalten. Andererseits wird man dem Gericht Recht geben müssen, wenn es die Planmäßigkeit des Uebersalls als festgestellt er- achtet hat. Es berief sich dabei auf die Aussagen der Angeklagten selbst, die bis in Einzelheiten gehende Schilderungen gaben über die Vorbereitungen, über die Zusammenziehung der Staffeln des Kampfbundes gegen den Faschismus, über die Führerbesprechung und über die Verteilung der Kommunistentrupps in den Lokalen: sie belasteten auch schwer ihre Genossen. Das Gericht kam auf Grund eingehender Betrachtungen zu dem Schluß, daß die plan- mäßigen Vorbereitungen einem Ueberfall auf die Nationalsozialisten gegolten hatten. Hier gelangt man zu dem ent- scheidenden Punkte. Zum zweiten Male in wenigen Wochen erlebte man in Moabit einen Prozeß, in dem sich zweifelsfrei ergab, daß Kommunisten einen planmäßigen Ueberfall verübt haben. In dem Prozeß gegen Achtenberg und Genossen, die in der Wilhelmsaue auf Nationalsozialisten geschossen haben, ist dies vom Verteidi- ger zugegeben worden: in diesem Prozeß von den An- geklagten selbst. Wie damals so auch jetzt beriefen sich die Kam- innnisten auf die nicht wegzuleugnende Tatsache, daß die National- sozialisten sich einer Unzahl von Morden an kommunistischen Arbeitern schuldig gemacht haben. Wenn die Kommunisten daraus die Schlußfolgerungen ziehen wollten, daß sie berechtigt seien, sich mit allen Mitteln gegen derartige Ueberfälle zu wehren, ja, wenn sie in dem einen oder anderen Fall einen spontanen Uebergriff ihrer Genossen rechtfertigen wollten— das wäre ohne weiteres be� greiflich. Es heißt aber Wasser auf die Mühlen der National- sozialisten gießen, wenn man ohne besondere Ursache planmäßig Ueberfälle organisiert, ganz so, wie es die Nationalsozialisten selbst tun. Man begibt sich auf diese Weise des Rechts, den Ankläger gegen die mordenden Nazis zu spielen. Eine nicht alltägliche Geschichte. Wie der Wanderbursche zu einem Sohn kam. Ein achtzehnjähriger Arbeiter unterhält eine Liebschaft mit einem Mädchen. Ein Kind kommt zur Welt: der Achtzehn- jährige soll der Vater sein. Er bestreitet seine Vaterschaft. Der Aus- schuß des Kreises Niederbarnim oerklagt ihn auf Alimente. Ein Termin wird anberaumt. Der Richter sieht sich in schwieriger Lage: der Beklagte ist minderjährig. Die Sitzung wird vertagt, damit ein Vormund ernannt werde. Das geschieht. Zum neuen Termin sind zwar Mutter des. Kindes und Vormund anwesend, nicht aber der B.eklagt�. Er�befmdet sich auf Wan de r- sch a.ft. Der Vormund kennt, sein Mündel nicht; als er ernannt wurde, war dieser schon weg. Er erkennt aber dessen Vaterschaft an, das Urteil lautet: Zahlung von Alimenten, 66 M. vierteljährlich. Das war 1923. Der Wanderbursche läuft die Landstraßen bergauf, bergab, läßt sich den Wind um die Nase wehen, zieht von Dorf zu Dorf, von vtadt zu Stadt, fängt neue Liebschaften an, macht sich keine Gedanken wegen der möglichen Folgen und ahnt nicht, daß er Das eigene Kind ermordet. Furchtbare Tat einer Geisteskranken. Eine furchtbare Tragödie spielte sich gestern im Hause Pestalozzi st raße 11 in Eharlottenburg ab. Vermutlich in einem Anfalle von Geistesgestörtheit schnitt die 36 Zahre alte Frau Emma Drews ihrem 4jährigen Töchkerchen die kehle durch und versuchte dann selbst ihrem Leben ein Ende zu bereiten. Der Mann der unglücklichen Frau, der ZZjährige Tischler Walter Drews, der beim Nachhausekommen die entsetzliche Tat entdeckte, wurde von Verzweiflung gepackt und versuchte, sich vor ein Auto zu werfen. Nur mit Mühe konnte der Mann von Haus- bewohnern an seinem Vorhaben gehindert und im letzten Augenblick vom Zahrdamm zurückgerissen werden. Drews war lange Zeit arbeitslos und feine Familie hatte unter wirtschaftlicher Not, die heute alle Arbeitslosen bedrückt, sehr zu leiden. Ständig war er auf Arbeitssuche, bis es ihm vor einigen Tagen gelang, im Hause Konstanzer Straße 65 eine freigewordene Portierstelle zu erhalten. Frau D. war offenbar mit dem Wohnungs- Wechsel und ihrer neuen Zukunft anfänglich nicht ganz einverstanden, zuletzt schien sie sich aber damit abgefunden zu haben. Am Dienstag hatte Drews mit einem kleinen Wagen schon den größten Teil der Möbel nach der neuen Wohnung gebracht. Nur die Betten und MchensnMslul nach Kopenhagen am kommenden Sonnabend Sonnlag ab Berlin und zurück zu dem auBcr. gewöhnlich billigen Fahrpreis von 20.— Mark(Bahn und Schiff), teilnehme, karten bis Freitag bei den bekannten Steilen oder beim Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbeit, Berlin SW 68, ündenstr. 3. etwas Hausgerät war in der Pestalozzistraße verblieben. Der llnu tr anspart dieser letzten Möbelstücke sollte am Freitag erfolgen, Gestern nachmittag entfernte sich Drews aus der Wohnung in der Pestalozzistraße, um in seinen neuen Räumen noch einige Arbeitens vorzunehmen. Gegen 18.15 Uhr kehrte er zurück. Er fand keinen Einlaß. Die Wohnungstiir war von innen verschlossen. Nichts Gutes ahnend, brach Drews die Tür auf. Gleich im Flur schlug dem Manne starker Gasgeruch entgegen. Als er das Schlafzimmer betrat, machte er eine schreckliche Entdeckung. In dem mit Gas erfüllten Raum lag sein vierjähriges Kind mit durchschnittener Kehle und durchschnittenen Pulsadern aus dem über und über mit Blut be- sudelten Bett. Die Mutter des Kindes hatte' sich nach der grausi- gen Tat ebenfalls die Pulsadern an beiden Armen zerschnitten und dann die Gashähne geöffnet. Frau D. gab noch schwache Lebens- zeichen von sich, sie wurde in sehr bedenklichem Zustand in das Westend-Krankenhaus gebracht. Drews erlitt einen Nervenzusammenbruch. Ihm war die Tat seiner Frau so ungeheuerlich, daß er plötzlich, von Heller Verzweiflung gepackt, auf die Straße eilte und sich vor ein herannahendes Auto werfen wollte, um gleichfalls den Tod zu finden. Er konnte zurück- gerissen werden, mußte aber von der Kriminalpolizei in Schutz- Haft genommen werden, da man bei der Erregung des Mannes einen neuerlichen Selbstmordversuch befürchten mußte. Man neigt fast zu der Ansicht, daß sich Frau D. schon längere Zeit mit dem Gedanken eines Selbstmordes getragen hat und ihr Kind mit in den Tod nehmen wollte. Gleich nach dem Fortgang des Mannes muß sie die unselige Tat ausgeführt haben. anerkannter Vater eines Kindes ist. Monate vergehen, Jahre, die zu zahlenden Alimente gehen bereits in viele Hunderte, Zahlungsbefehle werden erlassen, der Adressat ist unauffindbar. Gegen den unpünktlichen Zahler wird ein Strafverfahren eingeleitet — er entzieht sich ja der Alimentationspflicht— es ruht. Der Adressat bleibt unauffindbar. Aber eines Tages, Ende 1939, ist der Wanderbursche endlich wieder in Berlin. Jetzt erreichen ihn die Zahlungsbefehle, und die Ladung vor das Gericht. Im Januar 1931 wird er zu fünf Wochen Haft verurteilt. Er legt Berufung ein. Also befaßt sich die Kleine Strafkammer des Landgerichts I noch einmal mit dem Wanderburschen und seinem Kinde.„Hab' ich es etwa anerkannt", sagt er vor Gericht. Woher wußte der Vormund, mit dem ich nie ein Wort gewechselt, daß ich der Vater des Kindes bin?" Was sagt aber di.e Mutter des Kindes? Die sagt gar nichts, weil sie nicht befragt werden konnte: sie ist seit geraumer Zeit g e i st e s- krank. Was soll nun das Gericht tun. Das Kammergericht erklärt in seinen Entscheidungen: ein rechtskräftiges Zivilurteil ist für den Strafrichter obligatorisch. Das Dresdener Oberlandesgericht ist ober anderer Ansicht:-s meint, daß Strafrichter auch rechtskräftigen Zivil- urteilen gegenüber Stellung nehmen können, wenn geklärt werden muß, ob bei dem Angeklagten das Bewußtsein vorhanden war, sich böswillig seinen Alimentationspflichten entzogen zu haben. Das Gericht erkannte an, daß das Bewußtsein der Böswilligkeit bei dem Wanderburschen gefehlt habe: er hatte ja nicht gewußt, daß er zur Zahlung der Alimente verurteilt worden war. Nun wird der Wanderbursche zahlen müssen. Das Urteil des Zivilgerichts ist für ihn unanfechtbar, Er kann sich wede? auf neue Zeugen noch auf irgendeine Urkunde berufen. Bergsprengung in Rüdersdorf. Am Freitag nachmittag um 3 Uhr findet im Alvensleben- bruch der Rüdersdorfer Kalkbergwerke eine große Sprengung statt. Eine riesige Bergwand ist auf mehrere hun- dert Meter Länge und beträchtliche Tiefe untertunnelt worden. Am Kelverenhumg frilff Nofieidcndc. In der Sprechstunde des Wohlfahrtsamtes. Die erste Befucherin ist Clli B., eine hochaufgeschossen« Sech- zehnjährige, ein Sorgenkind der Fürsorgerin; zu Hause das übliche triste Milieu: Zank und Streit zwischen Eltern. Bald wird es der Halbwüchsigen zu eng in der dumpfen Stube, wo eng zu- sammengepfercht alles miteinander vegetiert und wo der Hunger ständiger Gast ist; auf der Straße gefällt es ihr besser, da ist Leben, Betrieb, man lernt bald hie, bald da einen kennen, wird in die Eis- diele, ins Cafä oder auf iden Tanzboden geführt. Mit der Arbeit ist's sowieso Essig und Elli bemüht sich auch nicht sonderlich darum. Bis eines Tages die Mutter ganz aufgeregt zur Fürsorgerin konimt und diese anfleht:„Clli treibt sich den ganzen Tag auf der Straße herum, daß sie um Gotteswillen nicht so wird wie ich!" Da wird denn Elli ins Gebet genommen, man hält ihr vor, was ihre Zu- tünft ist, wenn sie so weiter macht und ob sie denn nicht doch lieber was Ordentliches werden will: und Elli macht Kehrt, es findet sich eine Stellung für sie, die Leute sind sehr zufrieden mit ihr. Die Fürsorgerin kriegt schon Angst, als sie das Mädchen bei sich sieht, ob sie etwa wieder genug von der Arbeit hat: aber Elli meint fteudestrahlend:„O nein, es gefällt mir sogar sehr gut auf der Stelle; aber ich brauche jetzt so dringend ein Paar Schuhe. Ich habe mir auch schon was erspart, da—" und sie nestelt stolz etwas aus einem Zeitungsbogen, das sich als Sparbuch entpuppt—„und nun kann ich's doch nicht abheben! Wenn ihr der Arbeitgeber das Geld nicht vorstrecken will, dann wird die Beamtin oersuchen, es irgendwie zu beschaffen. Ganz aufgeregt zieht das Mädel dann wieder ab.„Ich kann wirklich so nicht mehr gehen, Fräulein", ruft sie nochmals zwischen der Tür und streckt zum Wahrheitsbeweis ein Paar Schuhe mit Notausgängen und einer zerrissenen Sohle der Beamtin entgegen. Der Nächste ist der stellungslose Arbeiter H., der nach jahrelangem Privatisieren jetzt endlich eine kleine Portierstelle ge- sunden Hot.„Fräulein, machen Sie mir es doch bitte einmal vor, wie ich mit Frau und zwei kleinen Kindern von 35 Mark Gehalt und ganzen 6.38 Mark Krisenunterstützung existieren soll." Bisher hatte er mit seiner jetzigen Frau nur im gemeinsamen Haushalt gelebt, da bekam also jedes seine Unterstützung. Um dem ewigen Gerede und Genörgle der lieben Nachbarn, das schon bis zu den Ohren des Verwalters gedrungen war, ein Ende zu bereiten, hatte er, mehr aus Verzweiflung als aus Begeisterung, den„Bund fürs Leben" geschlossen. Nun war er sowohl für die Frau, als auch für deren außereheliches Kind unterhaltspflichtig geworden. Seine Krisenunterstütznng beträgt......,. 14,85 M. davon gehen ab: für Rückzahlung d.Wohlsahrtsunterstützung 2,— M. „ die Portierstelle.......... 4,82„ laut Notverordnung......... 1,65„ 8,47, so verbleiben dem Manne ganze......... 6,38 M. (Bei dem Abzug der Wohlfahrtsunterstützung handelt es sich um ein gewährtes Darlehen, um einen Krankenhausaufenthalt und um andere außerordentliche Beihilfen.) Da ist ein arbeitsloser Klavierbauer mit Frau und zwei Töch- tern. Die eine geht noch zur Schule, die andere ist in Stellung: davon muß sie die ganze Familie erhalten, Wohnung, überhaupt alles bezahlen, weil der Vater an errechneter Krisenfürsorge ganze 79 Pfennig pro Woche bezieht! Ein anderer Fall: Eine Familie von Mann, Frau, Sohn und Tochter: der Vater erwerbslos, die Tochter ist noch klein, der Sohn Alleinverdiener, bezieht 49 Mark Gehalt pro Woche: auch er muß wieder alles bestreiten, denn die Krisenunterstützung des Vaters beträgt 95 Pfennige! Der junge Mensch verliert die Freude an allem und zieht von zu Hause weg: als der Vater den Wegzug meldet, wird dies als Scheinmanöver betrachtet und es bleibt, wie es ist. Nun haben sich Vater und Sohn auf die Hinter- deine gesetzt und warten auf den Erfolg... Heftig wird die Tür aufgerissen und ein S ch w e r k r i e g s- beschädigter kommt herein: er bittet um ein Paar Schuhe, weil er sich doch täglich ani Nachweis uni Stellung bemühen muß. Vier Jahre ist er arbeitslos. Die Beamtin läßt sieh seine Papiere vorlegen, woraus sie ersieht, daß er krank geschrieben ist.„Wieso müssen Sie sich um Arbeit umsehen, Sie sind doch krank geschrieben?" „Ja, ja, stimmt, Fräulein, und mich kann auch kein Arzt der Welt mehr gesundschreiben, weil bei mir alles kaputt ist: Herz, Lunge und Nerven. Bloß, ich kriege kein Versorgungsgeld mehr. Er- froren habe ich mir die Zehen draußen außerdem und die ge- schenkten Schuhe, in denen ich laufe, sind nicht bloß zerrissen, sie drücken mich auch mordsmäßig." Beim Weggehen wirft er der Beamtin einen bitterbösen Blick zu, daß diese aufatmet, als er die Tür von draußen schließt. Wer aber könnte es nicht begreifen. wie diesem Menschen zumute ist? Freitag werden an den restlichen Stützpfeilern Sprengpatronen an- gebracht und um 3 Uhr wird der ganze Erdkompler gesprengt. Zu der interessanten Sprengung werden aus Berlin Tausende von Zu- schauern erwartet, die sich dieses eigenartige Schauspiel nicht ent- gehen lassen werden. . Berliner Aerztin abgestürzt. Die Todestour im Engadin. S ch u l s(llntcrengadin), ZS. Juli. Am P i z Linard stürzte gestern Fräulein Dr. k i r s ch n c r aus Berlin ab. Ihre Schwester, die A u g c n z c u g i n des Unglücks war, holte sofort hilse herbei. Bis nach Witternocht wurde nach der vermißten gesucht. Ihre Leiche wurde erst heute morgen zu Tal gebracht. Die verunglückte Dr. Eva Charlotte Kirschner war Hals-, Nasen- und Ohren-Aerztin und hatte ihre Praxis in der Mllllerstrahe. Sie war die Tochter eines Sanitätsrats Dr. Kirschner. Devisenschieber verhastei. Breslau, 29. Juli. Auf Grund der Notverordnung über den Verkehr mit aus» ländischen Zahlungsmitteln wurden hier ein B a n k i e r a u s Wien und sein Bevollmächtigter, sowie ein Kaufmann aus Breslau festgenommen. Sie waren übereingekommen, einem 'hiesigen Geschäftsmann, der Dollars Hamstern wollte, mehrere tausend Dollar zu einem die amtliche Notierung weit über- schreitenden Kurs zu verkaufen. Der Breslauer Kaufmann ließ sich nun nach Eintreffen der Wiener in Breslau zunächst 759 Dollar aushändigen, wobei er angab, er wolle sie dem Käufer überbringen. Cr ging jedoch zur Polizei, verriet dort den Plan, verschwieg aber, daß er selbst 759 Dollar bereits in Empfang genommen hatte. Die Polizei verhaftete die Schieber. Keine vorsätzliche Brandstiftung. Die Annahme, bei den Dachstuhlbränden in jüngster Zeit handle es sich um vorsätzliche B r a n d st i f t u n g, ist nach den Polizei- lichen Ermittlungen nicht begründet. Die Zahl der Dachstuhl- brände überhaupt liegt innerhalb der normalen Ziffer. Die im Be- zirk Charlottenburg-Tiergarten in den letzten 4 Wochen zu verzeichnende Zunahme der Dachstuhlbrände dürfte eine zufällige sein. Jedenfalls hat sich vorsätzliche Brandstiftung bis jetzt in keinem Fall feststellen lassen. Sicher ist, daß Brände in Dachgeschossen in den weitaus meisten Fällen durch Fahrlässigkeit(Betreten der Bodenräume mit offenem Licht, Rauchen, Abstellen von Be- hältern mit noch heißer Asche) zustande kommt. Für Eckhäuser ist infolge der größeren Zahl der Hausbewohner das Gefahrenmoment natürlich erhöht. Dennewitzbad bekommt auch Familienbad. Nach einer Schließung von vier Wochen wird das Stadtbad Dennewitzstraße 24 a, nahe dem Ho'chbahnhof Bülowstraße, am Sonnabend, dem 1. August, morgens 7 Uhr, wieder eröffnet. Während der Schließung sanden notwendige Ergänzungsarbeiten statt, außerdem sind technische Neuerungen ge- schaffen worden, um berechtigten Wünschen des Publikums zu ent- sprechen. Bei alten, billigen Preisen sind auch die Badezeiten dieselben geblieben, nur mit. der Einschränkung, daß Wannen- und Brausebäder vonMontagbiscinschlicßlichDonnerstag er st ab 12 Uhr, Freitag und Sonnabend dagegen nach wie vor ob 7 Uhr abgegeben werden. Der auf vielseitigen Wunsch neu eingeführte Familienbadbctricb findet Mittwochs von 7 bis 19 Uhr und Sonnabends von 7 bis 19.39 Uhr statt. Unsicherheit auf der Landstraße. Dieser Tage wurden in Wustermark mehrere Kraftwagen von drei Wegelagerern angehalten. Die drei Gesellen schlugen die Fenster der Wagen ein und stachen mit Dolch- messern auf die Insassen ein. Die herbeigerufene Polizei nahm die Verfolgung auf. In einem bei Wustermark gelegenen Zeltlager einer berüchtigten Berliner Wanderctiquc wurden vier Verhaftungen vorgenommen. Man hofft, mit ihnen die Wegelagerer ersaht zu haben. An unsere blonden Leserinnen! Wir weisen darauf hin, daß eS jetzt ein neues Spezial-Shampoo für Blondinen gibt: Schwarzkopf„Extra-Blond" mit Haarglanz und Schaumbrille. ES hellt nachgedunkeltes Blondhaar allmählich bis zu jeder ge- wünschten Nuance auf und gibt ihm so semcn ursprünglichen Blondton zurück. Sie erhalten„Extra-Blond" zu 39 Psg. überall dort, wo„Schwarzkopf- Extra"(hell und dunkel) vorrätig ist. Die richtige Packung erkennen Sie an dem roten Aufdruck„Extra- Blond". Nr. 35i* 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 30. Juli 1931 Rußlands Außenhandel. Das heutige Gowjetrußland kaust weniger von Oeutsthland als das zaristische. Dieser Tage erschien ein Bericht der Forschungsstelle für russische Wirtschaft an der Universität Vir- in i n g h a m, das reiches und gut gewähltes Material über den Augenhandel der Sowjetunion bringt. Angesichts der landläufigen falschen Aussassungen, welche über die Handelsbeziehungen Ruß- lands mit der übrigen Welt herrschen, und weiter wegen der Be- deutung, die der Handel mit Rußland im besonderen für Deutsch- land hat, verdienen die dort gezogenen, quellenmäßig belegten Ver- gleiche mit der Vorkriegszeit Beachtung. Rußlands Aussuhr betrug ISlZ 1520, seine Einfuhr 1374 Mllionen Rubel. Die entsprechenden Ziffern für 1330 sind 1030 und 1053. Die Aussuhr bleibt um 31,3, die Einsuhr um 23 Proz. hinter der Vorkriegszeit zurück. Dabei ist zu berücksichtigen, daß sich die Ziffern für das Jahr 1913 auf Vorkriegsrußland beziehen, also auf ein bedeutend größeres Gebiet. Die Sowjetwirtschaftler nehmen an, daß auf die ver- lorenen Gebiete(Polen, die Randftaaten und Bessarabien) etwa 2 0 P r o z. des Außenhandels entfielen, was annähernd, wenigstens für den Gefamtumfang, richtig sein dürste. Für einzelne Waren ist diese schematische Korrektur nicht anwendbar. So wäre es z. B. falsch, den Getreide- export zu Vergleichszwecken einfach um ein Fünftel zu reduzieren. Die abgetretenen Gebiete führten, Bessarabien ausgenommen, kein Getreide aus, sondern deckten ihr Getreidedefizit aus dem jetzigen linionsgebiet. Aehnliche Berechnungen wären für jeden einzelnen Exportposten anzustellen, sind aber mangels jeder Unterlag« un- durchführbar. Im folgenden werden daher die unkorrigierten Vorkriegsziffern angeführt. Der Wert wird bis 1923/24 in Vor- kriegsrubel, von dann an in Tscherwonetzrubel gegeben, die nicht genau übereinstimmen. Schließlich führt die Sowjetunion in ihrer Ausfuhrstatistik Gold und Platin nicht mehr an. Trotz dieser Un- zulänglichkeiten ist die Entwicklungsrichtung recht gut feststellbar. Ungleich stärker als der Gesamlexporl ist der Export von land- wirtschaftlichen Produkten zurückgegangen, und zwar sowohl wert- wie mengenmäßig: Ausfuhr in Millionen Tonnen Weizen Gerste Butter Eier Flachs Hanf 1913..... 3329 3927 78 240 305 08 1930..,,, 2531 1181 11 10 53 0 Von Weizen und Gerste wurde 1930 mengenmäßig wenig mehr als die Hälfte dessen ausgeführt, was 1913 ausgeführt worden ist, wertmäßig ist der Rückgang infolge der abnorm niedrigen Ge- treidepreise auf dem Weltmarkt noch größer. Der Rückgang der Butter-, Eier- und Viehausfuhr war in den letzten zwei Jahren besonders stark. Den Grund hat man in den Massenschlachtungen zu suchen, zu denen die Zwangstollektivisierung geführt hat. Der Bestand an Großvieh war 1930, 1929 gleich 100 gesetzt, nur noch 77, an Schafen und Ziegen 08, an Schweinen 00.(Der sinkende Eierexport erklärt sich nicht etwa durch eine Berbrauchssteigerung in den Städten, sondern durch einen erhöhten Konsum des Dorfes, wo die jetzt fehlenden Milchprodukte wenigstens zum Teil durch Eier er- setzt werden.) Es wird Jahre brauchen, um die Viehverluste wieder gut zu machen. Ob es Rußland gelingen wird, den Getreidexport in den nächsten Jahren zu steigern, ist heute noch nicht zu sagen. Jedenfalls ist eine Steigerung des landwirtschaftlichen Exports, wenn über- Haupt, nur durch Getreidexport möglich. Der Anteil landwirtschaftlicher Produkte an der Gesamt- ausfuhr ist von 00 Prozent(1313) aus 28,5 Prozent zurückgegangen. Sie haben den ersten Platz den Rohstossen und Halbfabrikaten abgetreten, deren Anteil von 34,4 auf 02,4 Prozent gestiegen ist. Die absolute Zunahme ist nicht so bedeutend— von 522 auf 681 Millionen Rubel—, es ist aber die Schrumpfung des Gesamt- außcnhandels zu berücksichtigen. Innerhalb dieser für den russischen Export heute entscheidenden Gruppe sind die H a u p t p o st e n Holz(1913: 7,0 Millionen Tonnen, 1930: 7,4) und Mineral- Produkte(Raphtha 1913: 0,9: 1930: 4,7 Millionen Tonnen). Eisenerz ist gleich geblieben, Manganerz sank von 1,2 auf 0,8 Millionen Tonnen.) Der Export von Fertigwaren hat zwar zugenommen, von 84 auf 100 Millionen Rubel, ist aber noch immer verhältnismäßig klein. Das Memorandum saht zusammen:„Die Richtung, in der sich der Rachkriegsexport Ruhlands entwickelt, ist eine ganz andere als in der Vorkriegszeit. Europa muh seine Ausfassung von Ruhland i ändern. Es hat aufgehört, die„Kornkammer der Well" zu sein und ist zu einem in der Hauptsache holz- und Rlineralprodukte ausführenden Land geworden, wenn der Zndustrialisierungsplan gelingt. wird man eine Entwicklung der Ausfuhr von Fcrtigfabrikaten zu erwarten haben." Der Jndustrialisierungsplan hat auch die Einfuhr nach Rußland entscheidend verändert. Der Import von Maschinen, Erzen, Metallen, elektrischen Artikeln ist absolut und relativ b e- deutend g e st i c x« n. der oller anderen Waren bedeutend gc- zunkeu.>913 wurden Maschinen, Erze und Metalle für 310 Mil- lionen Rubel eingeführt, 1930 für 008. Sie machten 1913 23,1 Pro- zent der Einfuhr aus, 1930 dagegen 57,6. Der Import aller ande- r e n Waren wurde sehr stark gedrosselt. Während z. B. 1913 der Anteil der Textilrohstoffe und Textilfabrikate 23,9 Prozent aus- machte, war er 1930 nur noch 12,9, was nur zum allerkleinsten Teil dem Wegfall des Luxuskonsums geschuldet ist und auch nicht einer wachsenden inländischen Produktion als vielmehr, bei be- stehendem Bedarf, dem Zwang, diesen Bedarf unberücksichtigt zu lassen, um die Maschineneinfuhr bezahlen zu können. Mit der Strukturänderung des russischeu Auhenhandels ändern sich auch die Beziehungen zu den einzeluea Staaten. Am auffälligsten kommt das in dem Import aus Amerika zum Ausdruck, von wo 1913 Waren im Werte von 79 Millionen Rubel eingeführt wurden, 1930 aber von 204(vor allem Maschinen, land- wirtschaftliche Maschinen und Traktoren). Das Sinken der Ge- treideausfuhr zeigt sich an dem Verfall der Aussuhr nach Hol- land, wohin 1913 noch 12, 1930 nur noch 3 Prozent der russischen Ausfuhr gingen. Zum Teil wurde das nach Holland verschiffte Getreide noch Deutschland reexportiert. Der Anteil Deutsch- l a n d s endlich ist, einer weit verbreiteten Anschauung entgegen, beträchtlich zurückgegangen, selbst wenn man bedenkt, daß das jetzige Polen einen bedeutenden Teil der deutschen Ausfuhr nach Ruhland aufgenommen hat. An der Einfuhr nach Rußland war Deutschland 1913 z u 47,5 Prozent beteiligt, 1930 nur noch zu 23,7. Der Wert der deutschen Ausfuhr nach Ruhland betrug 1913 052 Millionen Rubel, 1930 nur 250. Die Bedeutung, welche besonders in der jetzigen Weltkrise der Handel mit Ruhland hat. ist gewiß sehr groh. Dennoch soll man nicht vergessen, daß Ruhland heute ungleich weniger in Deutschland kaust als vor dem Krieg. Das ist wichtig gegenüber der Phrase:„Sowjetruhland gibt den deutschen Arbeitern Arbeit und Brot." Das zaristische Rußland war für die moderne Welt ein politischer Schandsleck. Gegenüber den kommunistischen Phrasen ist aber festzustellen, dah das zaristische Ruhland den deutschen Arbeitern doch noch mehr Arbeit und Brot gegeben hat, als das heutige Sowjetruhlond. M. 140 Millionen statt 50. Oer Skandal um die Staatskontrolle bei der Akzept- und Garantiebank. Das Mißverhältnis zwischen dem tatsächlichen Risikoanteil des Reiches und der dem Reich zustehenden Vertretung im Aufsichtsrat, von dem wir gestern sprachen, wird durch neuere Mitteilungen geradezu zu einem öffentlichen Skandal. Die„Frank- furter Zeitung" teilt über den Vertrag des Reiches mit den Gründerbanken Einzelheiten mit. Danach wird das Reich nicht 80 Millionen, sondern 140 Millionen des 200-Millionen- Kapitals zeichnen. 70 Proz. Reichsrisiko stehen also nur etwa 14 Proz. Reichskontrollrechte im Aufsichtsrat gegenüber. Auf 30 Proz. Bankenrifiko kommen 70 Proz. Kontrolle. Die Einzah- lungen sollen folgendermaßen erfolgen: 1. Einzahlung 25 Proz.— 50 Mill. M., davon Reich 20Mill.M. 2.. 50.-- 100.... 100.. 3.. 25.= 50..... 20,, Zusammen....... 140 Mill. M. Anfangs wurde erklärt, daß der Reichsanteil nur 80 Millionen betrage. Zu dieser Rechnung kam man auf folgende Weise: Die einzelnen Gründerbanken sollten übernehmen: OD.-Bank... j.. 20 Mill. Golddiskontbank... 20 Mill. Dresdner Bank.... 12„ Bank für Ind. u. Oblig. 12. Commerz- u. Prio. Bank 10. Rentenb.- Kreditanstalt 12. Berl. H. G. tz, �< 0. Preuß Staatsbank. 12, Mendelssohn,<««< 0» Reichskredit AG.., 0. _ Verkchrskredil„ Zusammen.. 54 Mill. Zusammen.. 00 Mill. Demnach blieben für das Reich in der Tat von 200 nur 80 Mil- lionen. In Wirklichkeit find die Bankbeteiligungen aber nur nominell und Schein. Die nominellen Beteiligungen werden nur zur Hälfte eingezahlt werden, also mit 27 und 33 Millionen, so daß fürs Reich die besagten 140 Millionen Zahlung und Risiko bleiben. Demgegenüber bringt die Reichsregierung es fertig, sich mit 14 Proz. Kontrolle abspeisen zu lassen, statt mindestens 70 Proz. zu verlangen. Wo gibt es in der Privatwirtschaft den Dummkopf, der sich so etwas zumuten ließe! Zollkrieg mit Chile? Llm die Stickstoffzölle.- Kampfpreise auf dem Weltmarkte Die Verhandlungen über die Verlängerung des i n t e r n a t i o- n a l e n Stickstoffkartells in Luzern verliefen infolge der chilenischen Forderungen ergebnislos— auch die Verständigung der e u r o- p ä i s ch e n Produzenten in Brüssel kam nicht zustande. Während der Luzerner Verhandlungen wurden die deutschen S4 i ck st o s s- zolle in Kraft gesetzt: danach hat Chile den Handelsvertrag mit Deutschland gekündigt. Nunmehr werden zwei Veröffentlichungen bekannt- gegeben, eine vom deutschen Stickstofssiindikat, die andere von„maß- gebender Seite", die beide ein wenig nach Erleichterung des schlechten Gewissens aussehen. Das Stickstofssiindikat stellt fest, daß allein die Chilenen mit übermäßigen Forderungen eine Einigung der Produzenten vereitelt hätten: jie hätten das Vier- bis Fünffache ihrer Einfuhr vom Jahre 1930 als Kontingent verlangt, eine Forderung, die unerfüllbar sei. Danach habe man den deutschen Markt durch Zölle geschützt, wie sie andere Länder schon früher eingeführt hätten. Auffälligerweisc wird keine Aufklärung darüber gegeben, warum die europäische Einigung nicht zustande ge- kommen ist. Die zweite Erklärung besaßt sich mit der Kündigung des Handelsvertrages von Chile. Dieser Vertrag stamnie aus dem Jahre 1802: und die chilenische Regierung habe das begreifliche Interesse, ihre Handelsbeziehungen auf neue Grundlagen zu stellen. Ver- Handlungen über ein neues Handelsabkommen würden alsbald aufgenommen. Ob dieser Grund zur Erklärung ausreicht, mag dahingestellt bleiben, lleberroschend ist immerhin, dah die Kündigung so prompt noch Einführung der Zölle erfolgte. Daß diese Zölle praktisch nur gegen Chile zur Anwendung kommen, kann nicht bestritten werden. Es wäre ein schlechtes Zeichen für die deutsche Handels- Politik, wenn es über einem Schutzzoll für die rentabelste In- dustrie Deutschlands, die zugleich die technisch best gerüstete der ganzen Welt ist, zu einem Zollkrieg mit Chile kommen sollte. Denn im Jahre 1930 führte Deutschland für 50,4 Mill. Mark Waren aus Chile ein, aber für mehr als 100 Mill. Mark(darunter 95 Mill. Fertigwaren) nach Chile aus. Wieder also wäre die ver- arbeitende Industrie durch Maßnahmen zugunsten einer Roh- stofsindustrie benachteiligt. Das deutsche Stickstoffsynditat hat soeben die Preise für den l Auslandsmarkt bekanntgegeben. Sie sind erheblich herab- gesetzt worden. Die Kaltsalpeterpreise wurden um etwa 10 Proz., die Preise für schwefelsaures Ammoniak um nicht weniger als 3 5 Proz. ermäßigt. Diese Kampfpreise richten sich in erster Linie gegen die europäischen Konkurrenten, die— gleich der deutschen Industrie— ihre Anlagen weit über jedes wirtschaftlich ver- n ü n f t i g e Maß hinaus erweiterten. Auch diese Kämpfe der Stick- stoffindustrie sind ein Zeichen für die unsinnige Kapitalver- s ch w e n d u n g in der Privatwirtschaft. Flucht unter die Staatsgarantie Zur Fusion AOCA. Sächsische Staatsbank.— Weitere Angliederungen? Der Zusammenschluß der Allgemeinen Deutschen Creditanstalt in Leipzig(Adca) mit der Sächsischen Staatsbank in Dresden ist überraschend schnell vollzogen worden. Diese verdächtige Eile wird damit begründet, daß die Provinzbonken durch die Gründung der Garantie- und Akzeptbank, an der nur Berliner Banken beteiligt sind, ins Hintertreffen ge- raten feien und deshalb von sich aus etwas zur Stärkung des Ver- trauens in ihre Kreditwürdigkeit tun mühten. Da aber andere Provinzbanken bisher keine ähnlichen Schritte unternommen haben, da der Beitritt anderer Institute— z. B. der Sächsischen Girozentrale— keineswegs so wahrscheinlich ist, wie zuerst ange- nommen wurde, so müssen für die Fusion wohl andere Gründe maßgebend gewesen sein. In den letzten Monaten ist der Oesfentlichkeit von den sächsischen Behörden und den sächsischen Wirtschaftsvertretungen immer wieder verkündet worden, daß die Industrie Sachsens in besonderer Notlage sich befinde. Hauptkreditgeber für diese waren aber die beiden fusionierten Banken. Die Sächsische Staatsbank hat erheb» liche Mittel an die A u t o m o b i l i n d u st r i e(DKW. und Horch), an die A.- G. Sächsische Werke, in der Sachsens Stromver- sorgung zusammengefaßt ist, gegeben. Vielfach hatte diese Kredit- gewährung durchaus Subventionscharakter. Die Adca hat als größte deutsche Provinzbank die Finanzierung der mitteldeutschen Industrie in noch viel größerem Umfange betrieben: so ist sie z. B. der Hauptgläubiger der Mansseld A.-G. Die offizielle Mit- teilung, daß die Auslandsverschuldung der Adca gering sei, daß sie unter festgefrorenen Krediten nicht mehr als andere deutsche Banken zu leiden habe, will nicht viel besagen. Fest steht, daß ein sehr großer Teil der 2 0 2- M i l l i o n e n- M a r k- Debitoren„fest gefroren" sind, wahrscheinlich ist, daß die Adca bei Eröffnung des freien Banken- Verkehrs in starke Liquiditätsschwierigkeiten hineingeraten wäre. Diesen Schwierigkeiten beizeiten vorzubeugen, das ist der Sinn dieser Fusion. Wie käme sonst der sächsische Staat dazu, die Garantie sür alle Einlagen zu übernehmen, das heißt, Steuer- gelber für die Ausschaltung des von der Adca eingegangenen privatwirtschaftlichen Risikos zu übernehmen! Die Oesfentlichkeit, die Steuerzahler müssen daher verlangen, daß die Fusion nicht ein- fach durch eine Summierung der Bilanzziffern stattfindet, sondern daß die Adca eine S a n i e r u n g s b i l a n z vorlegt, in der die uneinbringlichen Forderungen restlos ab- geschrieben sind. Diese Sanierungsbilanz wird die Grund- läge dafür abgeben müssen, was den Aktionären der Adca für die Abgabe ihrer Aktien gegeben wird. Uebrigens ist ein großer Teil des Kapitals der Adca in Händen ausländischer Finanzgruppen. Die Bilanzen vom 30. Juni dieses Jahres zeigen bei der A d c a ein Kapital von 40 Millionen Mark, Reserven von 11 Millionen und Kreditoren von 309 Millionen Mark: der Umsatz im Jahre 1930 betrug 22 Milliarden Mark. Das Kapital der Sächsischen Staatsbank beträgt nur 10 Millionen(1 Million nicht ein- gezahlt): dagegen sind die Reserven verhältnismäßig höher mit 8,4 Millionen Mark. Kreditoren beliefen sich auf 219 Millionen Mark, der Umsatz des Jahres 1930 13 Milliarden Mark. Die Adca hat eine große Zahl von Filialen(05 eigene Bantgebäude!) und ist maßgeblich beteiligt an der Anhalt-Dessauischen Landes- bank, der Amlterdamsche Credit-Maatschappij, Amsterdam, und am Bankhaus I. Liebig u. Comp., Wien. Die Sächsische Staatsbank besitzt außer vielen Filialen die Kapital-Mehrheit der Städte- und Staatsbank der Oberlausitz in Zittau und ist mit der Thüringischen Staatsbank eng verbunden. Ob dieses Institut, ob auch die Sächsische Landespsandbriefanstalt und die Thüringische Landes-Hypothekcnbank dem neuen Unternehmen an- gegliedert werden, steht noch dahin. Für die speziellen Staatsfinanz- geschäfte des Sächsischen Staates wird ein besonderes In- stitut neu gegründet. Ford legt still! Aus New Dork kommt eine Meldung, die ein bezeichnen- des Licht auf die amerikanische Wirtschaftskrise und besonders auf die Notlage der Autoindustrie wirft. Bis Anfang Septem- der werden die gesamten Fordwerke stillgelegt! Die Ford-Werke in Köln haben ebenfalls den Betrieb eingestellt, zunächst für 14 Tage. Deutschlands Kohlenproduklion im ersten Halbjahr 1931. Nach Feststellungen des Statistischen Reichsamts ist in ganz Deutschland die Förderung von Steinkohlen van 73,3 Millionen Tonnen im ersten Halbjahr 1930 auf 00,3 Millionen Tonnen im ersten Halbjahr 1931 zurückgegangen, das heißt um 18 Proz. Weniger stark ist die B r a u n k o h l e n f ö r d c r u n g gesunken, von 71,8 auf 02,5 Millionen Tonnen oder um 13 Proz Dabei ist zu be- nierken, daß im Juni dieses Jahres die Braunkohlenfördcrung mit 11,8 Millionen Tonnen höher als im Juni vorigen Jahres (11,7 Millionen Tonnen) war. Sehr viel stärker war der Rückgang bei der K o k s si r o d u k t i o n: sie betrug im ersten Halbzahr 193) nur 11,97 Millionen Tonnen— das ist gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres(17,49 Millionen Tonnen) ein Rückqanq um mehr als 30 Proz. halbiertes Kapital bei Frankonia- Schokoloden. Unter Protest wurde die Sanierung der F r a n k o n i a S ch o k o l a d c n w e r k e A.-G., Würzbu'rg, beschlossen. Die Verwaltung hat die Halste des 2-Millionen-Morr-Kapitals in Besitz. Diese 1 Million Aktien werden im Verhältnis 5:1 aus 0,2 Millionen, die übrigen Aktien im Verhältnis 2:1 auf 0.5 Millionen Mark zusammengelegt. Unter Ausschluß des Bezugsrechts der Aktionäre wird das Ka- pital auf 1 Million Mark erhöht. Die neuen Aktien(0.3 Mill.) und die Verwaltungsaktien(0,2 Mill.) werden Vorzugs- akticn. Sie erhalten 9 Proz. Dividende ini voraus, dazu die gleiche Dividende wie die Stammaktien und haben dreifaches Stimmrecht!— Kein ZLunder, daß Protest zu Protokoll gegeben wurde. Diese Sanierung ist ein Musterbeispiel dafür, wie" die in der Verwaltung sitzenden Großaktionäre ihre Macht zu sichern suchen, ein Beweis für die Dringlichkeit der Llktieurefoim. Eberhard tKuhlmann: 'Mörder Jon QambeUa SuÄ Gambetta, meinen armen Freund. steckt hält, denn ich bin kein Freund der Polizei, aber ich will kurz und bündig seine Geschichte erzählen und warum er zum Mörder wurde. Und die, die seine Geschichte kennen, werde» dann vielleicht einen kleinen Haß oerspüren gegen sogenannte seine Herren und vor allem gegen gewisse Bluthunde, 2000 Stück an der Zahl, die man auf Panzerwagen und Mortorradkoppeln hinter ihm herhetzte, hinter Jon Gambetta, meinem armen Freund. Allen Schnüsslern, Denunzianten und sonstigen Dunkelmännern sei aber gleich gesagt, daß tn meiner Geschichte die Namen mit guter Absicht verändert wurden. So heißt mein armer Freund in Wirk- lichkeit gewiß nicht Gambetta, und wenn ich von New Jork spreche, so kann ebensogut Philadelphia oder Boston gemeint sein, ihr werdet's nicht erraten. In New Dort also war's. Ion und mir war es nach vielen dreckigen Wochen, von denen hier gar nicht gesprochen werden soll, gelungen, den Winter über bei der Revue„Wunderbares Märchen- land" unterzukommen,.er als Hilfsinspizient, ich als Techniker. In Ion, das weiß ich, steckte das Zeug zu einem erstklassigen Theater- mann, er hatte die besten Einfälle, sein ganzer Kops schien voll- gepfropft damit, und in seinem Elternhaus in Frankreich— ja, Ion stammt aus Frankreich, aber feine Eltern hatten ihn, weil sie von seinen Talenten nichts wissen wollten, in ziemlich herzloser Weise einfach nach New Dork abgeschoben, und ich erkläre ösfentlich: die Alten sind ab allem schuld— Ion hatte also schon in den frühesten Jugendtagen daheim in Frankreich mit Jungens und Mädels Theatervorstellungen gemanagt, und hätte er nur die richtige Bezie- Hungen gehabt, er wäre heute ein besserer Revuecheaterleiter als mancher andere ahnungslose Kerl, der sich mit'ner dicken Havanna zwischen den Zähnen wichtig tut oder sich in seinem Büro mitten am hellen Tage stundenweise einschließt. Aber so ist's im Leben, und der begabt« Ion mußte froh sein, als Hilfsinspizient mitmachen zu können, aus Klingelknöpfe zu drücken, die Seeschlangen rauszuschickcn oder den Zauberleuchter herabzulassen. Man wird gleich verstehen, warum der Zauberleuchter Ions liebste Nummer war. Der Zauberleuchter war nämlich kein üblicher Leuchter, wie sie hierzulande in den Kinopalästen oder in den Kirchen hängen, sondern er bestand aus einer gläsernen Plattform, die an langen goldenen Ketten hing, und auf der Plattform standen, das war der Clou, fünf lebendige bronzierte Frauen und hielten auf den Köpfen und mit erhobenen Armen eine riesige Krone brennender Kerzen: Das war ein Bild, sage ich, und wenn der Leuchter aus die Bühne herabgelassen wurde, wo ein altertümlicher Saal aufgebaut war, und wenn ich dann noch von der Beleuchtungsbrücke meinen hellsten Scheinwerfer auf die Bronzedamen richtete, so war das tat- sächlich so etwas wie ein Zauberspuk, und die Zuschauer draußen staunten mit offenen Mäulern und manche riefen„ah, wundervoll!" und manche klatschten. Die vorderste aber von den Bronzedamen war Jon Gambettas Freundin Minny Roberts, hübsch, schlank und golden. Man kann also begreifen, daß Ion den Zauberleuchter nicht ungern herabließ, denn dann konnte er ihr von der Kulisse aus zu- lächeln und sehen, wie ste sein Lächeln erwiderte. Das war natürlich ein Trug, sie ahnte höchstens, daß er unten stand, denn sie tonnte ja den Kopf nicht bewegen, sonst wäre die Kerzenkrone ins Schwanken gekommen. Aber Ion freute sich und strahlte und wurde erst wieder ernst, sogar etwas traurig, wenn der Zauberleuchter nach oben ver- schwand, denn Minny und die anderen mußten bis Schluß der Bor- ftellung da oben hängen bleiben. Das mit Ions Freude ging, sagen wir, zwei Wochen lang, dann begann ihm der Anblick des Zauberleuchters unbequem zu werden. Er ahnte wohl die vielen tausend Augen, die auf Minny gebannt waren, auf ihr Lächeln, ihre Brüste und ihren schmalen Leib, und das alles so grell beleuchtet. Ion war eifersüchtig, und Tag für Tag, wochenlang, das hat er mir selbst mal gesagt, war ein höllischer grausamer Moment für ihn, wenn er den Zauberleuchter herablassen mußte, der Schweiß brach bei ihm aus, und seine Knie zitterten dann vor Aufregung. Seine Minny nackt und allen Blicken preis- gegeben! Und ich sah von meiner Brücke, wie Jon in den Kulissen herumrannte und die Leute, die hinaufblickten, kurzerhand verjagte, und dann stand er am seitlichen Guckloch, stierte in den Zuschauer- räum hinaus und kontrollierte die Gesichter. Armer Ion! Und wenn ich jetzt sage, daß Jon infolge solcher gräßlichen Qualen einmal vergaß, den Zauberleuchter zur rechten Zeit ver- schwinden zu lassen und deshalb Knall und Fall seinen Posten ver- lor, so werden, daß weih ich, viele kommen und von Jons grober Pflichtoernachlässigung reden. Aber bedenket, ihr Hartherzigen, ob Jon, wäre er bei Sinnen gewesen, auch nur die kleinste Sekunde gezögert hätte, den verdammten Zauberleuchter rechtzeitig fortzubringen und so, was ihn doch am meisten peinigte, sein nacktes Mädel den tausend Blicken zu entziehen. Doch das ist's ja gerade: Ion war nicht bei Sinnen, und nun stand er aus der Straße und ohne Arbeit, und unsere Revue„Wunderbares Märchenland" bedeutete bei ihm nicht viel anderes als das graue Elend. Denn Minny mußte ja weitermachen, so sehr er sie auch beschwor, alles aufzugeben. Aber wovon sollte so ein armes Statistenmädel leben, sie unterstützte ihn ja auch so gut es ging, das hatte Ion wohl ver- gessen. Ob er nun, da er mit dem Zauberleuchter nichts mehr zu tun hatte, ruhiger geworden war, kann ich nicht sagen, er sprach kaum davon, hatte eine zerfurchte Stirn und fraß alles in sich hinein, und daran konnte man schließlich erkennen, daß er doch noch litt. Wenn er den ganzen Tag nach Arbeit herumgerannt war— wir hatten damals einen eklig kalten Winter—, brachte er Minny ins Theater und holte sie drei Stunden später ab; er ließ sie niemals einen Schritt allein gehen. Mein Gott, es hätte alles gut ausgehen können, die Revue sollte nur noch vier Wochen spielen, und dann wollten die beiden aufs Land nach West-Birginia zu Minnys Mutter, die dort irgendwo sowas wie ein Kaufhaus besitzt. Jon dachte sich, daß es dort leichter wäre, ganz von vorn anzufangen und was Rechtes zu beginnen, als in irgendeiner von den großen Städten. Aber nein, das waren schöne Träume, denn ausgerechnet dem armen Ion mußt« es passieren, daß er eines Abends vergeblich am Bühnenausgang wartete, sie kam nicht, nicht nach einer Stunde, nicht nach zwei, sie tarn nicht. Natürlich ist es eine einfache Sache, jetzt mit den Schultern zu zucken und lächelnd zu versichern, man wisse ja seit langem, daß Statistenmädel und Treusein zwei unreimbare Begriffe seien. Gut, gut, ich weiß, von wem solche fabelhasten Berleum- düngen ausgedacht werden, aber ich nehme hier alle Statistenmädels und an der Spitze Minny öffentlich in Schutz! Daß Minny an jenem Unglücksabend nicht kam, war nicht ihr freier Wille. Jon saß indes in seinem kalten Zimmer, es war eine schlimme Nacht, und ich oersuchte ihn mit so dummen Worten wie: Jon, sei ein Kerl, oder Wetten, daß sie in'ner Stunde da ist! zu trösten, mir fiel nichts anderes ein. Jons Berfassung war grauenhaft. Er quälte sich ab, Möglichkeiten und Gründe rauszusinden, er dacht« sich die tollsten Sachen aus, und dazwischen weinte er, und dann kam ich mit meinen Tröstungsversuchen. Plötzlich stand Minny in der Tür. Es war schon hell draußen. Minny, bloß, mit zerheulten Augen, auch sonst nicht in bestem Zu- stände. Sie fällt ihm gleich um den Hals, und Jon, ganz benomnien, lacht und sagt: Minnymädel, und sie sagt: Mein armer Ion! Es war ein richtiges Wiedersehen. Aber dann kam alles an den Tag, und die Stunde werde ich nicht vergessen! Minny erklärte anfangs. sie wisse eigentlich nichts, rein nichts, und sie sprach auch wirr und unverständlich, aber schließlich reimte sich alles zusammen. Und als Jon, der Mund und Augen immer weiter aufriß und leise keuchte und mit den Fingern und dann mit den Fäusten sinnlos herum- trommelte, als John erfahren hatte, daß Minny auf Bcranlassung des Direktors noch vor Beginn der Borstellung von eineni gelben Wagen— einem Lincoln glaubt sie— nach Norden zu aus der Stadt hinausgefahren und in einem Landhause von einem älteren Manne, anscheinend dem Besitzer, empfangen worden war und mit Altohol und anderen Rauschmitteln, durch raffinierte Nerführungs- künste, aber auch durch gewaltsamen Zwang soweit gebracht worden ist, daß sie— mein Gott, der Zaubcrleuchter in seiner sicheren Höhe wäre dagegen nicht der geringsten Eifersucht wert gewesen— daß sie, paßt jetzt auf Jon auf, daß sie willenlos unterlag, da stand Jon zuerst aus, wie hochgezogen, sein Gesicht verzerrte sich noch mehr, und dann mit einem Male brüllte er so, wie ich in meinem Leben noch keinen brüllen hörte: im Kriege sollen sie in ihrer Todesnot auch oft so sehr gebrüllt haben, aber ich war noch zu jung dazu. Jons Brüllen aber war die Wut, die ohnmächtige Wut, daß man mit ihm, ausgerechnet mit seinem Mädel so hundsgemein nmzu- gehen gewagt hatte, und er hörte auch gar nicht mehr auf Minnys Berzsihungsbitten, sondern rannte einfach aus dem Zimmer und war fort. Tags darauf wurde der rätselhafte Mord bekannt. Ein Liebes- paar, das trotz Schnee und Kälte draußen am Rande irgendeiner Landstraße in seinem Auto saß(an Sommerabenden parken sie dort zu Tausenden) war von einem Manne überfallen worden. Der männliche Begleiter, so hieß es, wurde erschossen, das Mädchen aber zur nächsten Autobushaltestelle geführt. Der Wagen war ein gelbes Lincoln-Kabriolett!— Und Ion der Täter, das stand bei mir fest. Ich habe nie mit ihm über die Einzelheiten gesprochen, kann also hier nur meine ungefähren Kombinationen angeben: Jon, der sich den ganzen Tag unter furchtbaren Seelenqualen und kaum mehr zurechnungsfähig herumgetrieben und Rachcpläne ausgedacht hat, Ion sieht plötzlich, es wird gegen Abend gewesen sein, vor dem Theater einen gelben Wagen stehen, einen Lincoln. Der Eigentümer des Wagens kommt mit einem jungen Mädchen, er ist ein älterer Mann, das hat Jon genau gesehen.(Vielleicht ein Freund des Di- rektors oder ein Aktionär, dem zuliebe jeden Abend ein Revue- müdel beurlaubt wird, denkt Jon grimmig, was weiß man.) Ion ist seiner Sache sicher, folgt dem Wagen und erschießt den Verführer seiner Minny. Das Mädchen, in dem Jon ein neues unschuldiges Opfer vermutet, geleitet er zur Haltestelle. Und dieser Weg vom Mordplatz zur Haltestelle, nächtlich, heimlich mit einem schluchzenden Mädchen, muß aus Jon, ich habe meine Gründe dafür, einen fa- natischen Beschützer alles Schwachen, aller Unschuld gemacht haben, dann am folgenden Mittag veröffentliche die„Times" einen Brief des(wie sie schreibt„offenbar geistesgestörten") Mörders, worin er mitteilt, daß noch andere Männer von seiner Hand sterben würden, denn es sei seine Pflicht, die Mädchen vor Verführung zu bewahren! Armer Jon. Zwei Wochen später trat er eines Nachts elend und abgemagert in mein Zimmer. Er hatte einen Brief für Minny, worin er sie bat, sie möge bei ihrer Mutter auf ihn warten. Ich konnte Jon natürlich nicht bei mir unterbringen, die Gckahr wäre zu groß ge- wesen, aber ich gab ihm Geld und andere Kleider und ein paar Adressen. 2000 Polizisten und 400 Detektive sind hinter ihm her, und Panzerwogen patrouillieren auf den Landstraßen, damit die parkenden Autos an den Wegrändern ihre Ruhe haben. Ion, das hoffe ich, wird sie auch bald wieder haben. Wetten, daß sie ihn niemals zu saffen kriegen? EeMe und unechte Zwillinge Irgendwie sind die Zwillinge etwas Seltsames, etwas Geheim- nisvolles, eine Durchbrechung der Regel. Sie locken die Wissenschaft zur Erforschung des Ungewöhnlichen, der Abweichung. Sie geb�n den Forschern die Hoffnung, daß man an dieser Stelle einen Blick in viele bisher noch unerforschte Geheimnisse des menschlichen Lebens tun kann. Die Anthropologen haben ein besonderes Kapitel der Zwillingsjorschung gegründet und studieren gerade an den Zwillingen wichtige medizinische Probleme, wie die Frage der Vererbung, der abweichenden Entwicklung, der Einwirkung der Außenwelt, der Frei- heit des Willens. Kurzum— selbst die letzten Probleme der Mensch- heit finden gerade in diesem Zwillingsproblem eine besondere Stütze. Nach dem Stand der bisherigen wissenschaftlichen Forschung zum Problem der Zwillinge unterscheidet man bekannttich ein- und zwei-eiige Zwillinge, das heißt, solche Zwillinge, die sich entweder aus einem befruchteten Ei entwickelt haben— das sind die echten Zwillinge— oder die aus zwei befruchteten Eiern stammen, das sind die unechten Zwillinge. Diese unechten sind auch die uninter- essanten für die Wissenschaft. Sie sind nichts anderes als gewöhn- liche Geschwister, die nur zufällig zu gleicher Zeit geboren wurden. Mit ihnen kann man nichts anfangen. Anders ist es aber mit den ein-eiigen, den echten Zwillingen. Während die unechten Zwillinge zweierlei Geschlechts sein können, sind ein-eiig« Zwillinge immer gleichgeschlechtlich. Bei ihrer Entstehung teilt sich das Ei in zwei erbgleiche Hälften, so daß eigentlich zwei Lebewesen entstehen müßten, die auf Grund der ererbten Eigenschaften einander völlig gleich sein müßten. Das ist nun aber keineswegs der Fall. Die Zwillinge weisen gar mancherlei Unter- schiede auf. Und diese Unterschiede sind es, die für die Zwillings- forschung von größter Bedeutung sind, denn an diesen Unterschieden kann man den Einfluß der äußeren Umwelt auf die Lebewesen stu- dieren. Die Wirkung der Umwelt auf das Lebewesen beginnt eben schon in dessen frühesten Entwicklungsstadium. Die Aenderungen hängen schon von der Lage der Zwillinge im Mutterleib ab. Es ist heute eine für die Wissenschaft bekannte Tatsache, daß es günfttge und ungünstige Plätze im Mutterleibe gibt. Der eine der Zwillinge kann vorteilhafter gelagert sein als der andere und deshalb besser em- wickelt zur Welt kommen. Allerdings kann das spätere Leben diesen Vorteil häufig wieder ausgleichen. Solche Aenderungen bezeichnen die Wissenschaftler als Nebenänderungen und sie betreffen nur alle nicht erblichen Dinge. Tritt eine Aendcrung der Erbmasse selbst ein, was allerdings sehr selten vorkommt, so bezeichnet man has als Erbänderung. Die Ursachen einer solchen Erbänderung sind heute der Wissenschaft noch völlig unbekannt. Die Frage ist nun, wie man ein-eiige und zwei-eiige Zwilling« unterscheidet. Früher galt als besonderes Merkmal dafür die Beschaffenheit der Eihaut, in die die Frucht gehüllt war. Die ein-eiigen Zwillinge stecken nämlich gewöhnlich in einer einzigen Haut, während die zwei- eiigen in zwei voneinander getrennten Häuten stecken. Neuere For- schungen haben aber gezeigt, daß das kein zuverlässiges Merkmal ist. Dagegen stimmen ein-eiige Zwillinge in einer großen Anzahl von erblichen Eigenschaften überein, und diese Uebereinstimmung grenzt oft ans Wunderbare. Es ist zum Beispiel charakteristisch für ein- eiige Zwillinge, daß einzelne Körpermerkmale bei ihnen spiegelblld- lich vorhanden sind. Außerdem haben die ein-eiigen Zwillinge die gleiche Temperatur, den gleichen Blutdruck, die gleiche Art der Herz. tätigkeit. Die Kinder lernen gleich rasch gehen und sprechen und haben auch in psychischer Hinsicht interessante Gleichheiten. Die echten Zwillinge besitzen gewöhnlich dieselben Neigungen, dasselbe Talent, sind unzertrennlich und ergreisen nicht selten den- selben Beruf, ja, gewisse vererbte Krankheiten treten zu gleicher Zeit bei ihnen auf, so Erkrankungen der inneren Organe: des Herzens, des Magens, der Ohren und der Nase, aber auch der Nerven und des Geistes. Die Zwillingsforschung steht heute noch in den An- sängen ihrer Entwicklung und wird uns wahrscheinlich in den nächsten Iahren noch wertvolle Ausschlüsse über die Entwicklung des Menschen und über die Probleme der Vererbung und der äußeren Beein- flussung bringen. SteUung der iBank Der 6. Dezember 1745 war ein Schreckensfreitag für London. Karl Eduard Stuart stand mit seinen schottischen Truppen schon in Derby, verkündete in einem Manifest die Wiederaufrichtung der Stuartherrschast, Ungültigkeitserklärung aller unter dem Hannooe- raner Georg I. aufgenommenen Staatsschulden und den Tod aller Gegner der Stuarts. Diese Nachricht traf am späten Nachmittag in London ein und wirkte in der Bank von England wie eine Bombe. Die Lage der Bank war durch den Anmarsch des aufständischen Heeres ohnedies äußerst schwierig geworden, sie war- dem zu erwartenden Run auf ihre Kassen nicht mehr gewachsen, man beriet also stundenlang, ent- schloß sich endlich, als letzten Versuch Gerüchte über die bevor- stehende Landung von französischen Truppen verbreiten zu lassen und holte sofort den Agenten David Maky. David Maky kam, hörte, schüttelte den Kopf. Er war die Ratte der Bank, die alle unterirdischen Kanäle kannte, durch die man wich- tige Nachrichten um einige Stunden früher erfuhr als die anbei en Banken, er war das Faktotum für alle verschwiegenen Aufträge, aber er erklärte jetzt, daß selbst der dümmste Makler Londons auf diesen Schwindel mit dem französischen Heer nicht hereinfalle und machte einen neuen Vorschlag, der schließlich angenommen wurde. Jetzt rannte David Maky von acht Uhr abends bis vier Uhr morgens durch ganz London, schellte bei seinen Agenten und Spitzeln, verteilte seine Anweisungen. Um fünf Uhr standen seine dreihundert Leute in der nebligen Finsternis vor der Bant von England und versperrten der Menge der später kommenden Kaufleute und Bürger den Weg. Und jetzt begann jene Komödie, die Maky ein schönes Stück Geld eintrug: Seine Garde ließ sich Mann für Mann am Schaller auszahlen, jeder erhielt einen Stoß kleiner Noten, die er vorsichtig nachzählte, jeder marschierte dann durch einen Seiteneingang in die Bank, liefert« dort sein Geld wieder ab und stellte sich sofort wieder an! Es wurde fast Mittag, bis die Leute David Makys erledigt waren. Dann kamen die ersten wirklichen Abheber an die Reihe, aber mit ihnen drängten sich auch schon wieder die ersten Leute Makys vor und sorgten mit ihren Ellenbogen dafür, daß die Bank von England rasch wieder zu ihren Pfunden kam. So rettete an diesem denkwürdigen Tage der kleine Agent Maky die Bank von England vor dem Run ihrer Einlegerl Volicmar Iro. tJnfektenWne und Temperatur Insekten reagieren so empfindlich auf den Temperaturwechsel, daß sie geradezu als lebendige Thermometer gelten dürfen. Auch die musikalische Betätigung gewisser Insektenarten ist von dem Grade der Temperatur abhängig. So ist die als„Grashüpfer" bekannte gemeine Laubheuschrecke, wie eine amerikanische Zeitschrift ausführt, bei 35 Grad Celsius am lautesten und stellt, wenn die Temperatur unter 16,6 Grad sinkt, das Zirpen ein. Bei einer Temperatur unter 7,2 Grad vermag der.Grashüpfer auch nicht mehr zu fliegen, und wenn das Thermometer auf 2,5 Grad sinkt, ist er außerstande, an einem Grashalm emporzuklettern. Hört man deshalb einen Gras- yüpfer, so kann man daraus schließen, daß das Thermometer min- bestens 17 Grad Wärme zeigt. „Grillen", heit es in dem Artikel weiter,„sind als Temperatur- anzeiger aber noch viel zuverlässiger". Bon den zwei Arten der Grillenfamilie sind die gemeine Hausgrille, das vielbesungene Heim- chen, und die weiße Baumgrille besonders gute Thermometer. Will man die Temperatur nach dem Gezirp des Heimchens berechnen, so braucht man nur die Zahl der Zirptöne, die es in 14 Sekunden hören läßt, zu zählen und vierzig zuzurechnen, um den Temperatur- grab(nach Fahrenheit) zu bestimmen, die an dem Ort, wo sich der Sänger aufhält, gerade herrscht. Die Zahl der Zirprufe der weißen Baumgrille und ihre Wechsel- beziehungen zur Lusttemperatur hat Professor Dolbear von Massa- chusetts auf eine exakte mathematische Formel gebracht und aus dieser Grundlage eine Thermometerskala aufgestellt, von der man die Zahl der verschiedenen Zirprufe entsprechenden Wärmegrade ablesen kann Die Berechnung gründet sich auf die Erfahrung, daß diese Zirprufe viermal in der Minute für jeden Temperaturgrad über 4,5 Grad erfolgen. Dies« weiße Vaumgrille ist deshalb als Thermometer verwendbarer als das Heimchen, weil zwar beide nur die Temperatur der umgebenden Luft anzeigen, erster« aber im Freien zirpt, während das Heimchen im warmen Winkel eines Hauses musiziert. Honigbienen schwärmen aus dem Stock, wenn die Temperatur etwa 39 Grad Wärme erreicht, während sie im Stock einen kam- pakicn Schwärm bilden, wenn oas Thermometer auf 14 Grad fällt. Bei 8,8 Grad beginnt der Bienenschwarm Eigenwärme zu pro- duzieren. Etwa 40 Grad Wärme sind für die Arbeit der Bienen die günstigste Bedingung. Bei diesem Wärmegrad sind sie auch harmlos, während sie sich reizbar und angriffslustig zeigen, wenn die Temperatur unter 21 Grad sinkt. Der Graf von Monte Christo, Lächerlich geringe Geldstrafe für aufgelegten Schwindel. Vor längerer Zeil sah man in vielen Zeitungen und Zeitschriften die Inserate eines Gefion-Verlagcs, der den Lesern, die ihm 1.9Z Ulf. für Portoauslagen einsenden würde, die Zusendung des Roman- werkes von Dumas, Der Gras von Monte Christo, versprach. Dieses Versprechen war Humbug und Schwindel. Nahezu hunderttausend Leute muhten reinfallen, ehe die Gerichte eingriffen. Zeht haben sie eingegriffen und die Schuldigen zu einer lächerlich geringen Strafe verurteilt, einer Strafe, die so gering ist, dah sie für andere Gauner beinahe einer Aufforderung gleichkommt, denselben Schwindel noch einmal zu inszenieren. Der G e f i o n- V e r I a g G. m. b. h. in Berlin hotte durch In- serote in den verschiedensten Tageszeitungen Deutschlands die Leser aus das Werk Alexander Dumas'„Der Graf von Monte Christo" hingewiesen und mitgeteilt, daß er ein Subskriptionswerk kostenlos denjenigen Interessenten zusenden werde, die den am Ende des Inserates befindlichen Abschnitt einsenden würden. Der Jnter- essent brauche nur für jedes Großhcft acht Pfennige, also in Summa 1,92 Mark, für die Portoauslagen zu bezahlen. Den- jenigen, die nun den Abschnitt an den Gejion-Verlag einsandten, wurde darauf nicht das Werk, sondern nur ein Einband zur Ansicht zugesandt mit dem Bemerken, daß der Gesion-Verlag infolge seiner großen technischen Mittel imstande sei, einen imitierten Ledereinband zu liefern, und zwar seien für jeden Einband noch 1,92 Mark zu bezahlen. In diesem Verfahren hat die Jen- trale zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs sowie der Börsenverein der Deutschen Buchhändler in Leipzig einen unlauteren Wettbewerb erblickt und gegen die Geschäftsführer des Gefion-Ver- lages, Vogel und T h o r s e n— der Gesion-Verlag ist inzwischen in Konkurs gegangen— Strafanzeige gestellt. In der VerHand- lung vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte stellte sich der Börsen- verein der Deutschen Buchhändler auf den Standpunkt, daß man die Bücher nicht aus kulturellen Gründen, sondern aus Geldinteresjen versandt Hobe. Der Fachmann habe sofort die schlechte Qualität des Druckes erkannt. Der Gefion-Verlag habe lediglich auf die Un- kenntnts der geschäftsungewandtcn Besteller spekuliert. Worte, wie „gratis" und„kostenlos" seien Schlagworte, die auf die Bevölke- rung stark wirkten, weshalb ein derartiges Geschäftsgebaren irre- führend sei. Es wurde in der Verhandlung noch festgestellt, daß tatsächlich in kurzer Zeit 910(X1 Leute dieses Buch bestellt und dann 13 lXXI die gebundene Ausgabe abgenommen haben. Der Gesion-Verlag habe dabei einen Bruttoverdienst von 12<)lXX> Mark gehabt, denen öl 009 Mark Herstellungskosten gegenüberstanden. Das Schöffengericht Berlin-Mitte verurteilte die beiden Geschäftsführer des Gefion-Verlages wegen Vergehens gegen Paragraph 4 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb zu Geld- strafen von je SO Mark ersatzweise S Tagen Gefängnis, da auch noch Ansicht des Gerichts das Geschäftsgebaren des Gefion-Verlages irre- führend im Sinne des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb gewesen sei. Die Giahlhelm- Kommunisten. Sie tagen im Verkehrslokal ihrer Volksentscheidsfreunde. Für den preußischen Volksentscheid, von dem man nicht weih. ob es sich um einen roten, einen schwarzweißroten, einen sowjcl- saschislischcn AntiVolksentscheid handelt, halten die Mannen Ihäl- manns in einem Berliner Bezirke kürzlich zu einer Zunktionär- konferenz einberufen, wo hat sie gelagt? Wir haben am vergangenen Mittwoch die Kommunisten darauf hingewiesen, daß am Sonntag in mehreren Treptower Lo- k a l e n Stahlhelmkundgebungen zur Propaganda für den sogenann- ten Volksentscheid stattfanden. Wir erlaubten uns, darauf hinzu- weisen, daß sicher auch die Kommunisten sich an diese» Kund- gedungen beteiligen würden, da bekanntlich gleich und gleich sich gern gesellt. Damals war unsere Aufforderung ironisch gemeint, ober die letzte Funktionärversammlung beweist uns, daß bei den Kommunisten auch das Unmögliche Wahrheit wird. Denn: Wo fand die Funktionärversammlung statt? Antwort: In her Bockbrauerei Fidicinstraße. In der Bockbrauerci verkehren, wie uns ein zuverlässiger Gewährsmann mitteilt, die Nazis und Stahlhclmer als Stammgäste. Nach dem Stahlhelmaufmarsch wurde dies Lokal— es ist jetzt zwei Jahre her— von der Berliner Arbeiterschaft gemieden. Warum? Damals nahm dieses heute kommunistisch-stahlhelmitische Lokal die Stahlhelmcr in Quartier. Gerade die Kommunisten, und vor allem die„Rote Fahne", empörten sich hierüber. Sozialdemokraten, Freigcwerkschaftler und Reichsbannerkameraden mieden diese Gast- statte, die Kommunisten halten dort seit dem Abschluß ihres Bllnd- nifses mit Eeldte, Hugenberg und Hitler ihre Funktionär- Versammlungen ab. Wer kämpft gegen den Faschismus?„Nur die Kommunisten!" Wie machen sie es? Sie kämpfen Arm in Arm mit Stahlhelm, Hitlerleuten und Hugenbergcrn gegen das republikanische Preußen und halten ihre Funktionärversammlungen in Lokalen ab, die von jedem wirklich klassenbewußten Arbeiter gemieden werden! Wie eine berühmte Briefmarke entstand. Im Reichspo st museum ist zurzeit eine interessante Sonderausstellung zu sehen, die den Entwicklungsgang des Markendrucks der Marke im Nennwerte von 20 M. darstellt, die in> Jahre 1921 herausgegeben wurde. Diese Marke stellt bekanntlich ein? n Pflügcr mit Pferd dar. Sie wird allgemein in phila- telistischen Kreisen als die schönste Marke bezeichnet, die von der Reichspost in den letzten Iahren herausgebracht wurde. Die Aus- stcllung läuft noch sechs Wochen. Billige Kurtaxe, verteuertes Licht. Um den Fremdenverkehr nicht durch hohe Abgaben fernzuhalten, haben die städtischen Körperschasten in Buckow(Märkische Schweiz) die Kurtaxe nunmehr endgültig in der Weise festgesetzt, daß für jede Nacht eine Gebühr von 30 Pfennig erhoben wird. Ein Auf- enthalt über drei Wochen bleibt steuerfrei. Um den dadurch entstehenden Ausfall im städtischen Etat zu decken, inußten die Lichtpreise von 55 auf 65 Pfennig für die Kilowattstunde er- höht werden. Erntefest in Buchholz. Wenn zu Zeiten Goethes die Kleingartenbewegung schon be- standen hätte, der Dichter würde gewiß statt des„Qsterspaziergangs" ein Erntefest der Laubenkolonisten besungen haben.„Hier ist des Volkes wahrer Himmel!" konnte man auch in Buchholz ausrufen, wo der Verein„G r a v e n st e i n" alljährlich sein traditionell ge- wordenes Erntefest feierte. Welch ein Gewimmel von Volkstypen! Hoch zu Roß und in grllnbekränzten Erntewagen o�er auf Schusters Rappen war jung und alt auf dem Festplatz erschienen, das weib- liche Geschlecht als Sylphiden und Nymphen, die Männer in barocker Vermummung als Landsknechte, Bürgermeister auf Abruf oder in der kleidsamen Kleingärtneruniform mit weißen Hosen und weißer Schirmmütze. Eine neue Notverordnung wurde auf dem Festplatz verkündet: alle Sorgen an diesem Tage fahren zu lassen. Gen- darmcn waren im dichten Volksgewühl emsig tätig, jeden Besucher, den sie beim Rauchen ertappten, mit einer Rauchkarte zu 10 Pf. zu bestrafen: mit einer wahren Besessenheit war das junge Volk beim Tanzen, während von anderen das Glück an den zahlreichen Würfel- budcn, Schießständen und Glücksradern versucht wurde. Ein Kinder- reixcn wurde von den Jüngsten vorgeführt, und abends oab es einen Fackelzug durch die mit bunten Papierkctten und Wimpeln geschmückte Laubenstadt. Gcnoffenschaftsgeist bleibt fiegreich. Am Sonntag, dem 19., und am Montag, dem 20. Juli, seierten die Genossen aus der Siedlung„Freie Scholle" in Berlin-Tegel ihr diesjähriges großes Sonimerfcst unter dem Leitwort:„Genosfenschastsgeist bleibt siegreich!" Aehnlich den Festen in der Gartenstadt F a l k e n b e r g bei Grünau und in der Hufeise nsiedlung zu Britz ziehen die Sommerfeste der „Freien Scholle" durch ihre Versuche, zu einer neuartigen Fest- gestaltung zu lammen, van Jahr zu Jahr mehr Genossen aus anderen Bezirken als Gäste an.. Der Mittelpunkt des Festes war der wirkungsvolle Festzug, der„die Scholle im Wandel der Zeiten" in originellen und humorvollen Gruppen von der Steinzeit bis zur Gegenwart darstellte und viel Anerkennung fand. Nach gut- gelungenen Darbietungen des gemischten Chores Freie Scholle(Mitglied des ASB.) und einem wirkungsvollen Aufruf des Genossen Hugo Schulze zu genossenschaftlichem Wirken und Aufbauen trotz aller wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Gegenwart wurde der Festzug aufgelöst. Auf dem Festplatz entwickelte sich unter Mitwirkung der Roten Falken und des Arbeiter- Schützenbundes bei zahlreichen Volksbelustigungen noch lange ein buntes und lustiges Festtreiben. Steuer auf Kopfhaare. Alt-Derliner Steuer-Koriositäten. Es war in alten wie auch in unseren Zeiten stets Sache der Finanzgewaltigen, den Steucrsäckel durch irgendwelche Abgaben zu füllen, um den Steuerstrom nicht versiegen zu lassen. Auf welch drollige Einfälle auch schon im alten Berlin„Steuerfinanzgenics" kamen, geht aus Slcuerkuriositäten hervor, die z. T. sich recht witzig anhören. Der erste Preußenkönig benötigte zu seinem Titel auch Geld. Deshalb wurden unter ihm sogar die Kopfhaare besteuert, d. h. die P e r ü ck e n, die man an Stelle des natürlichen Haares auf dem Kopfe trug und dafür jährlich 3 bis 3'/i Taler steuern durste. Wer Gold oder Silber in irgendeiner Form(Schmuck) an seinen Kleidern oder als Anhängsel liebte, durfte jährlich für das Zur- schautragcn einen Taler entrichten. Diejenigen, die in einem Wagen über das holprige Pflaster der Residenz fahren wollten, hatten jähr- lich 3 Taler zu zinsen. Die Damen luden jährlich eine K o p s p u tz- st e u e r, eine Strumpf-, Stiefel-, Pantoffel- und H u t st e u e r ab. Während die Pantoffelhelden steuerfrei waren, mußte sich jede Jungfer, die das zwanzigste Jahr erreicht hatte, der Jungfern st euer fügen, bis es ihr gelang, einen Mann zu be- kommen oder sie die„kanonische Grenze"(40 Jahre) erreichte. Am ulkigsten mutet die persönliche, leibhaftige„K o p f st e u e r" an. Jeder zahlte dafür, daß er einen Kopf hatte, seine Kopfsteuer. Auch der Hof führte diese ob. und der König schätzte sein Haupt jährlich auf 4000 Taler, die Königin auf 2000 ein. Dementsprechend zinste auch das Militär, das pro Jahr einen Monatssold einzuzahlen hatte. Wenn also Thüringen im vorigen Jahr seine Junggesellen- steuer propagierte oder wenn einmal in Steuerausschllssen Mcinun- gen über diese oder jene angeblich neue Steuerart auftreten, die Witzbolden Stoff zum Lachen geben, so sind alle diese Vorschlägt irgendwann schon einmal dagewesen, sogar in Berlin. Erleichterung bei Gcheckannahme durch die Kassen der Z�eichsfinanzverwaltung. Versuchsweise werden im Landesfinanzamtsbezirk Berlin bei den Kassen der Reichssinanzverwaltung außer Platz- schccken auch Nichtplatzschecke, und zwar auch Kundenschecke — jedoch nur für Zahlungen— angenommen. Einzahlungstag für Nichtplatzschecke ist erst der Tag, an dem der Scheckbetrag dem Reiche gutgeschrieben wird. Zur Vermeidung der hohen Verzugszuschläge von ö Proz. halbmonatlich müssen solche Schecke daher so rechtzeitig übergeben werden, dah der Betrag bis zum Fälligkeit?- t a g e der Steuerschuld dem Reiche gutgeschrieben werden kann. Schecke, die auf die Darmstädter und Nationalbank ausgestellt sind, werden nur angenommen, wenn sie vom Steuerschuldner selbst auf ein eigenes Konto bei der Danatbank ausgestellt sind. Geheimnis um den Tod eines Großgrundbesitzers. Aus Vrleg in Schlesien wird gemeldet: Der Rittergutsbe- sitzer Friedrich von Lübbecke, ein Mitglied der bekannten schlc- fischen Großindustriellenfamilie, wurde am Sonntag auf Schloß Groß-Neudorf erschossen aufgefunden. Entgegen Mitteilungen, die von einem Unfall sprechen, wird angenommen, daß S e l b st- m o r d, veranlaßt ourch familiäre Verhältnisse, vorliegt. Di« wirt- schastliche Lage des Erschossenen kann als vorzüglich bezeichnet werden. Borträge,Vereine undVersammlungen. Reichsbonner„Schwarz-Rol-Gold". Surli» S 14®«ba(lian(lt 3"— 3S Sa» 2. 5t, Ibuiaatftanb. guilaa, 31. Zu», p«»I«Uch 20 Uhr, Sttzoxa aller«et. ttuet Krciafü�tet, 0rt»«»->i>»oarfitz,>U>rn und d« techuifibea »W Mit«<0rtsoct«nl: Für dt« MUglieder ...... Str. 49—41(am Ssckaschrn Markt), bei JTWm„3m nicht« Z!«»««" gespielt. Besuch rvird empsolilen.— ffteitag, im(Saudfits.— Dauuerxtag, 30. Juli________________ wird im Ätna„Imperial", Rrscnthalet Str. 49—41(am ...... Hl..... 30. Juli. Tiergarten(Iungdanner Moaditi: Heimabend bei Bessel. Wichtige Besprechung und Abrechnung der schan verkauften Harten für die Berfagungs- frier. Zt»ntaw(Ortsvcrein): 20 Uhr sämtllche Iungdannerkameraden und Theaterspieler erscheinen im Jugendheim. Referent Kamerad Avel Über..Per» sassungafeier"._ Reinickendorf(Ortsvercin), Kameradschaft„Freie Schalle)! 20 Uhr Versammlung im Schdllenkrug. Arbaitsgemrinschaft für Zarstschug und Raturknndc, t, V. 153. Arfa-Wand«, rnng: Sannabend, l. August, Besichtigung dsr Bauausftelluna auf dam Messe. gellinde. Fithrung! Dipl.-Ing. Stamm. Treffpunkt 10 Uhr bar dem Haupt' einzang der Ausitellun« tvahi Bahnhof Wchilebrn). Einsendungen für diese Rubrik sind « e r U n SS 03, Lindcnstraß- 3, parieinachrichien /däm für Groß-Berlin stets an da» Bezirkssekretariat Hof, 2 Treppen rechts, zu richten. Beginn aller Veranstaltungen Uhr. sofern keine besondere Zeitangabel heute, Donnerstag, 30. Juli. 32. tibi. 20 Uhr wichtig« ssunktionärsitiung bei Bad«, Kaiserin-Augusta-Allk-.->2. >02. Rbt. Äußcrorbcntlich wichligc Fimktonärsitzung in„Rcu-Tivali", Neu« Krugalle« 33. Freitag. 31. Juli. 13. Krei,. Z>0 Uhr Wiederbeginn de« Erwerhslasenfursus unter Leitung bez Genossen Kralzig im Jugendheim Marieitfelde, am Bahnübergang. 20. Abt. gunttionärlanfcrcn. bei Beinlich. 30.«bt. Funttionärsitzung bei Busch, Tllsiier Straße. Anfang pünktlich. vertreten sein._„.. 33. Ab«. Funktianarsißung bei Bartusch, Friedcnstr. 88. All- Bezirke rnusseil vertreten sein. 33. Abt. 20 Uhr Funktivil-irsißun« Hai Luck. Di« Begirk-führcr müssen er. scheinen. 00. Abt. Iugcndaiteilungssißung bei IHIenselb. Uhlanb. Ecke Günßelstraße. Bartrag de« Genossen Gvßling über..Da« Programm der NSDAP.". 92. Abt. Mitgliederversammlung im Lokal Gambrinu«, Kaifnr.Friednch. Ecke Treptower Straße. Referent Dr. Arana über„Haover.Plan und ssmanz. feist". 07. Abt. Funktianärsißung bei Rohr. Sonnabend, 1. llugusl. 57.«bt.«»»bgebimg gegen Krieg, für Völketsriede»»nd BbNetvctsihnuvg nm Uhr, Schlüter. Theater, Schliiierstr. 17. Parsubrungsfalg-: Streitet heran«. Kämpfet httvat.(ffilm vom Parteitag in Leipzig.) Austreten be» „Raten«allelti»»". Ansprache be««cnassrn Pfarrer Pl-i-r. Porführnnq b«, großen Antilrieg»silm,„Pcrdun". Ilnkastenbeitrng Ob Pf. E« labet herzlich ei» 57. Abt. bcr SPD. Sonntag, 2. August. 32. Abt. Antlkrieg.skundgebunK im Stadion Neukölln. Die Genossinnen und Genossen treffen sich um 13% Uhr vor dem Stadion. Die Bejttlhfudrpc merden gebeten, die Genossen zur Kundgebung einzuladen. Am Dienstag, 21 Uhr, wichtige Funktionärsitzung. Lokal wird noch bekanntgegebeTi» Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde Groh-Derlin. Krei, RritkSll». Mvrgrn auf bem Canvenplaß Probe für die Antikriegsfeier im Neukhllner Stadion. Jung, und Rat« gasten nehmen daran teil. Bar Regenwetter cbrnsalls Sonnenplaß(Veranda). 1 Sozialistische Arbeiterjugend Groß'Berlin ckinlendmigen lllr diese RnbetI aar an da4 Zugenbletretartat LerNn«W 00, Twdensirab« 3 Alle Gruppen melden ssch am Dienstag. 4. August, zur Z-lugblattverbrrltunz bei den in IZraa« kovunenden Abteilungsleitern der Partei. Bezittaanaschuß: Wocheuenbfurfus 1./2. August im Bortvaqssaal de« P-B., SW. 68, Lindcnstr. 3, 2. Hof, 2 Tr. link«. Beginn am Sonnabend, 1Z Uhr. Thama:„tzdlfcnardcit". Referent Genosse Karl Schitfscr-Nürnbcrg. heute, Donnerstag. 20 Uhr. Kundgebungen„Vroletarische Jugend gegen Kirche und Reaktion": Bildungsschiile Rarb(Werbebezi rke Tiergarten. Weddinq und Reinickenbars): Armini-ue-Feftsitl«. ZtW., Bremer Str. 72. Referent Rektor ssriß Schmidt.- Btlbnngaschule Rardast(Werbedezirke Mitte, Prenzlauer Berg und Pankow): (Werbebrzirke Osten, Licht-enberg, Müggelsee und Lbersprees: Andreas-�estsaie, Andreaastraße. Referent IZriß Schmidt, Pankow.— Bildungaschnl« Sud iWerbe, bezirke Kreuzbcrg. Neukölln und Tempethasti 6a alba u Neutöll». Bergstr. 117. Referent Klare Mener.Luga».— Bildunqaschule West(Werbedezirke Ecktöneberg. Wasten»nd Teltowkangl): Aula der Habenzollern. schule, Schöneberg, Leizigcr Ecke Eisenacher Straße. Referent Genosse Graul. Tresfpunkle der Abteilungen und werbedezirke: Arnamasber Plnß II: 1814 Uhr Donziger Ecke Dreisawalder Slraße.— Kott» busser Tor: 19>4 Uhr Äattbusscr Zor.— Rcutölln VII: 10 Uhr caalbau.—> Haiesche« Tor: 10 Uhr„Rosenccke".— Hnsrnheide: 19 Uhr Hrrmannplah. Werbebezirk Wcdbing: 18'; Uhr Müller. Ecke Fennstraße. Zlgchzügler gehen direkt zn den Olrmintus. Festsälen.— Erwerbslose: 10—17 Uhr Ledigenheim öchbnstcdtstr. I, neuer Iugcndsggi:„Arbcitcrschgft und Hoovcr.Plan". Wrrbebezirk Prrazlauer Berg: 19 Uhr Ledigenheim. Föhnen unbedingt mit. bringen.— Tambouriapell«: Wir spielen zur Kundgebung. Trommler 10 Uhr bci Klug. Trommler und Fliitislen Antreten lOsh Uhr vor dem Ledigenheim Pgppelgllce IS. W«rbeb«zirl Osten: Gruppenleiter und W..B.-V,-Mitglieder i 8 Uhr Anbregs-FestsSIc. Fahnen und Wimpel mitbringen. Allgemeine Wetterlage. Tp»!>eonl!i8.- Letzte 2 Tagel Lehär-Operetle Das Land des Lächelns Reine erhöhten Preise wrgungt Kestairanl Berlins» BETRIEB KEMPIHSKIWj Winter *Qarren* .15 Ohr Flora 3434 Raudien erlaubt Ballclt Edaardowas 10 Brox, Richyss Mary- Erik-Paal nsw. Dieos�,obeno SFroftdobohn<»7, 5/. 88.119 1 VororPbahn Schb'nh• RnnicHendf Täglich zweimal artistische Darbietungen auf dem Freilichtpodium Freitag, den 31. Juli Vorwahl Sonntag, 2. Aug. Hanptwahl zur Traomlsnil-SdiönliBitsliDiiigin Bewerberinnen melden sich im Verwaltungsbüro„Traumland". Reichshallen-Theater „Alles «verrückt!" Stettiner Sänger Anfang| w| Uhr Inserate im A Vorwärts sichern Lrfolg 1 Berlins Volkstheater ist das ROSE-THEATER Wochentage 8«» Sonntage 3 mal S«» und 900 Dia siugsiaichnsta Komödie: „Madame hat Ausgang" mit Traute Rose und Armin Schweixer Regie: Pau I Rots Preises 0.50— 3 M Die Besucher des Theaters haben vor der Vorstellung freien Zutritt zum Rose-Garten ROSE-GARTEN Nur noch bis 2. Aujgust Das Weltstadt- Variete- Programm mit Lotte Werkmeister und Carl Braun 8.15: Singspiel „Unter d. blühenden Linde" Vom 3.—5. Augrust Das traditionelle WINZERFEST mit Bruno Kastner, Lisi Tiersch und Willy Rosen Vorverkauf ab 27. Juli Schriftl. u. tslef. Bsstsllg. för das Winzerfest können nicht berücksichtigt werd. Preise x 0.6 O— 2 M Qr. Frankfurter Str. 13 2. U-Bahn Strausberger Platz.— Stäglger Vorverkauf 11— 1 und 3—9 Uhr.— Tel. Bestellung E 7 Weichsel 3422 ROSE- THEATER- ABONNEMENT Der billlsrete und beetoncanlelerfte Theaterbesuch. 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Wir verlieren in ihm einen geschätzten Mitarbeiter und lieben Kollegen, �dessen Andenken wir in Ehren halten werden. Berlin-Schöneberg, 29. Juli 1931. V erstand, V er waltan g.Betr iebsr a t der Allgemeinen Ortskrankenkafse für den Berwalwngsbezirt XI der Stadt Berlin(Schöneberg-Friedenau) Am 26 Juli verstarb nach kurzem, schwerem Leiden die Aron unseres Genossen Willi Yaack. Die Beerdigung findet am 30.7.31, um 2 Uhr. auf dem städtischen Fried- Hof Reinickendorf»West, Humboldt- stratze, statt. In aufrichtiger Teilnahme 5F1>.-Frakttan der Firma Hermann Gersoc. Danksagung Sur die fo überaus zahlreiche Beteiligung und Kranzspenden bei der Einäscherung meines lieben Mannes. unseres guten Vaters, Schwieger- imb Grnhaaters sagen wir allen Srcunden und Parteigenotsen, insbesondere dem Reichsbanner und der Firma E. Ja- niszewsli nnteien herzlichsten Dank. Berlin/ Münster Id. KOnigt und Kinder isufsdier Meiallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeigen. Den Mitgliedern auc Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter Arno Wohltarth am 23. Juli gestorben ist. Die Beerdigung findet am Don» nerstag, dem 20. Juli, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Sankt» Sedastian-Kirchhoses in Reinickendorf. West. Humboldtstr,, aus statt, Am 27, Juli starb unser Kollege, der Mechaniler Eugen Borchers geb. 17. Znii 1895. Die Beerdigung findet am Freitag. dem 21, Juli, nachm. SV, Uhr, von der Leichenhalle des Anstaltskirchhoses in Wittenau aus statt. Am 28, Juli starb unser Kollege, der Drücker Georg Stein geb. 10. August 1879. Die Einäscherung findet am Sonn- abend, am I, August, nachm. 21»: Uhr, im Krematorium Banmschnlenweg, Kiefhoizstraße, statt, Am 28. Juli starb unser Kollege, der Schlofier Alhert Fitsch geb 15. September 1883. Die Einäscherung findet am Sonn- abend, abds. 6 Uhr. im Krematorium Berlin, Gerichtstraße, statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet Die Ortsvcrwaliung. DffltstoMsMatiÄMteöand VerwaltungsmllgUeder! Freitag, den ZI. Juli, abends 7 Uhr, Sitzung der Mittleren Verwaltung. Die OrisTcrwaltong. KLEINE ANZEIGEN iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiii Preise: überschriftfwort 25 Pfennig, Textwort 12 Pfennig Wiederholungsrabatt: 10 mal 5 Proz., 20 mal oder 1000 Worte Abschluß 10 Proz., 2000 Worte 15 Proz., 4000 Worte 20 Proz./ Stellengesuche: Oberschriftswort 15 Pf., Textwort 10 Pf./ Anzeigen, welche für die nächste Nummer bestimmt sind, müssen bis 4Vz Uhr nachm. im Verlag, Lindenstr. 3, oder auch in sämtl. Vorwärts-Filialen und-Ausgabestellen abgegeben sein UMule Linoleum Szillat, Kolonie. strafte 9._ Kleine Büfetts, Standuhren, Bitrincn, wegen Aufgabe der Fabrilation derlei» bcn, spottbillig. Frankfurtcrallec 244 II. «leiaur.gzzlliüüo. u/szests um Wenig getragen« Kavaliergardcrobe von Millionären, Acrzten. Anwälten. Fabelhaft billige Preise. 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Oberschöncweide: Robert Paul. Wilhelmincnhoi- straße 44a F 3 Oberspree 0621 Pankow: R i ß m a n n, Mühlenstr. 70. v 8 Pankow 2452. Potsdam: Gebr Schubert, Junkerstr. 26. Rahnsdorf, U r b a n i a k, Straße 7. Haus 4. Neinickendors-Lst: Wahle. Provinzltraftc 56. Gc- öffnet 2— 6. Reinickendorf- West: Bcndt, Scharnwcberstr. 114, BolkShoui. O 9 Reinickendorf 3621. Roscnthal: Fritz Kosfert. Kronprinzenstr. 4. Rudow: Otto Kaiser, WalterSdorser Chaussee. Sadowa. Kaulsdors-Tüd: H e n I ch k e, Kaulsdors-Sstd, Waldstraße 66. »Tchmargcndors l: N e h a b. Breite Str. 3. E 1 Pfalj» bürg 3541. Tchvnblick: Nenendors, Schönblick. "Zchöneberg: Bclzigcr Str. 27.<3 1 Stefan 7409. Senzig, Gussow, Gräbcndors: Friede Wald, Senzig, Ebausseestr. 54. Tiemensstadt: S t c n z c I, Brnnnenstr. 6, v. 1 Tr. Steglitz: Fr r st Schadenrute 2. Ttransbcrg: Aisred Bannicke. Strausberg, Dirschancr Straße. Tcgel. Tegclort, Hciligensce. Schulzcndors: Spieß, Tegel, Schlicpcrstr. 52. Teltow: Hösel, Ritterstr. 29. 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Sonntags sind die Geschästsstellen geschlosien. Tie mit clncm» verschenen Ausgabestellen sind nachmittags von 2— 6 Uhr unter der angegebenen Rum- mcr lelephonisch zu erreiche». An der Grenze. Untragbare Behandlung der Sparer und des Kleingewerbes Kein Tag vergeht, an dem nicht neue Hilfsleistungen vnm Reich den Großbau ken gewährt werden, neue Risiken zugunsten der privaten Kreditbanken und ihres Kundenkreises über- nommen werden. Für die Großbanken sind nun endlich die Vorbe- reitungen für den unbeschränkten Aahlungs- uird Ueberweisungsver- kehr im Gange. Dagegen werden bisher kein« Anstalten ge- inocht, um den volen Aus Zahlungsverkehr bei den Spart offen zu bemerk st elligen. Der D e u t sch« S t ä d t e t a g mußte bereits angesichts der Untätigkeit und Interesse- inacht, um den vollen Auszahlungsverkehr bei den öffentliäzen Banken beim R eichswirtschaftsm i nister vorstellig werden und die Forderung erheben, daß wenigstens hinsichtlich der Zahlungs- mittelvcrsorgung die öffentlichen Kreditinstitute von Reichsbank und Reichsregierung in gleicher Weise wie die privaten Banken behandelt werden. Di« Sparkassen sind intakt, haben die ihnen onver- trauten Gelder entsprechend den gesetzlichen Vorschriften sicher angelegt, haben keine Fehlinvestitionen finanziert, k«ine«ingc- frorenen Kredite in dem Maße, wie es bei den Graßbonken der Fall ist. Es wäre eine unverantwortliche Diskriminierung des gesunden öffentlichen Bankkurscs, eine Provokation der Sparer und Kleingewerbetreibenden, wenn man den Spar- kassen die hinreichende Barmittelversorgung, die sie zur Vollauszah- lung benötigen, verweigern würde. Man komme nicht mit kredittechnischen Ausslüchten. Will man etwa die Sparkassen für ihre gcmeinwirtschaftliche mündelsichere Anlagepolitik büßen lassen? Die Kreditunterlagen, die die öffentlichen Banken geben können und angeboten haben, sind a b- s o l u t sicher, wesentlich einwandfreier jedenfalls als manche der neu hereingeholten Wechsel der Kreditbanken. Man behaupte auch nicht, daß die Guthaben nicht benötigt werden. Die Sparkassen haben auch in ruhigen Zeiten eine ständige große Fluktuation ihrer Konten, da es sich bei ihren Einlagen zum großen Teil um vor- übergehende Rücklagen des Kleingewerbes und der Ar» beitnehmerfchaft handelt. Der Auszahlungsbedarf be- trägt in ruhigen Zeiten mehr als eine halbe Milliarde pro Monat. Will man die lS Millionen Sparer und Kleingewerbetreibende, die ihre Rücklagen den Sparkassen für volkswirtschaftlich wichtigste Anlagezwccke zur Verfügung gestellt haben, unter ein Sonderrecht stellen, ihnen die Abhebungsmöglichkeit vor- enthalten, die jeder Großkapitalist, mag er auch seine Reserven ins Ausland verschoben haben, für seine Bankguthaben und Kredite in Anspruch nehmen kann? Begreift man denn nicht, daß Ruhe und Vertrauen des Voltes mit dem Sparkassenwesen steht und fällt! Hot man denn kein Verständnis für den Wiederaufbau des Spar- willens und der Spartraft des Volkes, die grandiose Leistung der Sparkassen, die in sieben Jahren aus dem Nichts wieder mehr als H Milliarden Einlagenbestand sammelten! Will man diesen Eck- Pfeiler des deutschen Spar- und Kreditwesens mit Gewalt kaputt schlagen? Der jetzige Zustand der Rationierung der Auszahlung ist völlig untragbar. Hot man denn nichts aus früheren Erfahrungen gelernt, weiß man denn nicht, daß Rationierungen Hamsterei Unruhe und Angst geradezu erzeugen müssen! Solange dieser Zu- stand anhält, werden die Massen verängstigt bleiben, wird keine Bc- ruhigung eintreten und werden außerdem unzählige Einleger, die ihre Rücklagen dringendst benötigen, aufs schwerste geschädigt. Die Sparkassen müssen genau in dem gleichen hinreichenden Umfange mit Barmitteln versehen werden wie die privaten Kredit- bauten. Zur gleichen Stund« mit diesen müssen auch die Sparkassen die Schalter wieder in vollem Umfange öffnen können. Die kommunalen Spitzenorganisationen haben der Reichsbank und der Reichsregierung ganz präzise Vorschläge unterbreitet, nach denen— sei es nun unter Anschluß an die vorhandene oder eine neu zu schaffende Akzept- und Gorantiebank für die öffentlichen Banken, sei es mit Hilfe einer zentralen Lombardstell«— absolut sichere Krcdituntcrlagen der Reichsbank zur Verfügung gestellt werden sollen und sofort die Barmittelversorgung der öffentlichen Banken erfolgen muß. Die Schwindsucht bei den Nazizeitungen Völlige Pleite des Essener Organs. Essen, 29. Juli.(Eigenbericht.) Die Essener„Nationalzeitung", das Organ der Nationalsozialisten des rheinischen Ruhrgebietes steht vor dem finanziellen Ruin und hat von ihren Gläubigern ein „M o r a to r i u m" erbeten. Di« Forderungen sollen nach Möglich- keit in Raten vom 1. Februar bis Mai 1932 getilgt werden. Aus dem Status des Blattes ergibt sich, daß die Aktiven 252 009 Mark, die Passiven 533 000 Mark betragen, also eine Ueberschuldung von 278 000 Mark besteht. Die Gläubiger lehnten das„Moratorium" in der ihnen vorgc- schlagenen Form ab. Man hatte ihnen als Sicherheit u. a. die Ab- trctung einer Forderung des früheren Naziverlcgers Schmidt in Höhe von 200 000 Mark angeboten, die dieser oiis einem Prozeß mit der Stadt Kiel herleitet. Damit war die Gläubigerschaft jedoch nicht zufrieden. Sie forderte als Voraussetzung für ein Stillhalten die rechtsverbind li che Bürgschaft Hitlers bzw. der Reichs- Parteileitung. Schließlich wurde ein vorläufiger Gläubigerausschuß gebildet. Ihm soll zunächst schriftlich der genaue Stand des Blattes mitgeteilt und nach Verhandlungen mit Hitler in einer neuen Vcr- samlung Bericht erstattet werden. Als Vertreter Hitlers wohnt« ein Major a. D. Wagner, der Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung der NSDAP., der Gläubigerversammlung bei. Er erklärte, daß er sich für die Bürg- schalt Hitlers einsetzen werde. Er fahre sofort nach Nürnberg, wo Hitler eiize Besprechung mit einem anderen Parteiführer habe. Es erhebt sich die Frage: Wer ist der„andere Parteiführer", der am Dienstag in Nürn- berg mit Hitler konspiriert hat? Etwa Herr Dingeldey von der Deutschen V o lks p arte i?! LlnzureichendeKapiialfluchwerordnung. Die„Agence Economiqu« et Financiöre" läßt sich aus London melden, daß im Zusamenhang mit der deutschen Notoerordnung. wonach die deutschen Geschäftsleute ihr« ausländischen Vermögen anzumelden haben, sich plötzlich eine starke Vermehrung von Warenkäufen für deutsche Rechnung bemerkbar macht. In der vergangenen Woche wurden die umfangreichsten Käufe van Kupfer. Zinn und anderen industricl- len Roh st offen, aber auch von Pelzwerk auf das Konto von Deutschen durchgeführt. Di« Notverordnung enthält keine Be- stimmung, durch die diese zu erwartende Umgehung der Anmelde- stnd Abgabeverpflichtung verhindert werden könnt«. Hugenberg diktiert seinen Aufruf. „Schreiben Sie: Mancher hat bisher am Erfolge des Stahlhelm-Volksbegehrens gezweifelt. Es schien aus- geschloffen, die Hälfte der preußischen Stimm- berechtigten für irgendeinen Volksentscheid auf die Reine zu bringen...* „Das ist jehi anders!" Wiener Kongreßarbeit. Tagungsbeschlüsse der Journalisten und Juristen. Wien, 29. Juli.(Eigenbericht.) Die politische Kommission des Internationalen Kongresses führte heute nachmittag im kleineren Kreise unter dem B o r s i tz von Camille H u y s m a n s und unter Teilnahme von je zwei Deutschen, Franzosen und Engländern sowie je einem Polen und Tschechen die große Debatte zu End«. Es wurde eine Resolution über die Loge in Deutschland und in Mitel«uropa und die Auf- gaben der Arbeiterklasse gutgeheißen, die Formulierung wurde einer dreigliedrigen Unterkonimission übertragen. Auch die onüeren Kommissionen hoben ihre Arbeit heute weiter gefördert, so daß am Donnerstag die Abrüstungsdebatt« voraussichtlich be- endet und wohl auch schon die große politische Debakte mit dem allgemein gespannt erwarteten Referat Otto Bauer- beginnen wird. Am späten Abend trat noch eine überaus stark besucht« inter- nationale sozialistisch« IournalistenkvnserenA zu- sammen, die sich mit ollgemein interesiierenden Berufsfrage» der Porteipresie beschäftigt«, sowohl mit technischen Zeitungsfrager» sowie auch mit ihren dringenden politisch aktuellen Aufgaben. Gleichfalls am heutigen Tage wurde die Internationale Sozialistische I u r i st c n t o n f c r e n z, die bereits am DieNs- tag begonnen hatte, zu Ende geführt. Nach gründlicher Debatte wurde einstimmig eine Entschließung gegen den ungeheuerlichen Terror des Piljudfkiregimcs in Polen angenommen, wobei besonders die Vorgänge in Breft-Litowfk und in Bialistok eingehend erörtert wurden. Die Leitung der Internationalen Sozialistischen Iuristenkonferenz wurde beauftragt, diese Lorgänge auch weiter genau zu verfolgen, auch die Be- Handlung der politischen Gefangenen in anderen Ländern, besonders auch in Rußland zu beobachten und nötigenfalls mit ihren Ergebnissen vor die Oeffentlichkeit zu treten. Weiter wurde gefordert, daß alle Personen, die wegen Hand- lungen politischer oder sozialpolitischer Natur verhaftet werden, als politische Gefangene behandelt werden müssen, mit all den Rück- sichten und Erleichterungen, die die moderne Kultur politischen Ge- sangcncn längst zugesprochen hat. Auch gegen unberechtigte Ausweisungen von Ausländern aus politischen Gründen wurde p r o t e st i e r t. Eine weitere Entschließung betrifft die Frage des Asylrechts und fordert die Sozialistische Arbeiter- internationale auf, für die Schaffung eines internationalen einheit- lichen Fremdenrechts zu wirken. Dabei soll die Auslieferung von politischen Verbrechern, aber auch die von Deserteuren unbedingt verboten werden. Einstimmig angenommen wurde eine Entschließung, die die Ab- schaffung der Todesstrafe fordert. Dann erstattete Kurt Rosenfeld-Berlin den Tätigkeitsbericht des Bureaus. Während der Debatte war Genosse Dr. Hermann L i e b e r m a n n im Saale erschienen, dessen grauenhafteMiß- Handlung in Brest-Litowsk seinerzeit die Entrüstung der Welt- öffentlichkeit hervorgerufen hat. Er wurde stürmisch begrüßt und die Konferenz beschloß, sich mit ihm und den anderen politisch Verfolgten in Polen solidarisch z» erklären. Weiter beschlaß man, jedes Jahr eine internationale sozialistische Iuristenkonferenz ab- zuhalten. In das Präsidium des Internationalen Bundes Sozial- demokratischer Juristen wurde neben den bisherigen Mitgliedern Danderveldc-Belgien, Longuct-Frankroich, Renner-Oesterreich, Rosen- seld-Deutschland, Modigliani-Italien und Bohy-Belgien, Liebermann- Polen, Soukup-Rußland und Czech-Tschcchoslowakei sowie Bard- Ungarn e i n st i m m i g gewählt. Die Deutsche Sozialdemokra- tische Juristenoereinigung wurde abermals mit der Führung des Internationalen Bureaus betraut. Darauf schloß Kurt Rosenfeld mit Worten des Dankes und der Versicherung der Intensivierung und des Ausbous der internationalen Arbeit der sozialdemokratischen Juristen die Konferenz. Die Internationale und 216. Entschließung der Wiener Frauenkonferenz. Wien, 29. Juli.(Eigenbericht.) Die Internationale Frauenkonferenz fand ihren Abschluß mit der einstimmigen Annohme einer ganzen Reihe von En t- s chl i e ß u n g e n, iy denen die Stimmung der Konferenz wtedergegeben ist. U. a. wird darin festgestellt: Die Frauenorghnisätiöne'n haben nicht in alleü Ländern einen gleich raschen Aufstieg genommen. Der internationale Frauentäg hat jedoch überoll einen mächtigen Auftrieb gebracht. Er soll zu einer wahrhaften Demonstration der sozialistischen Frauen aus- gestaltet werden. Fast ebenso wie in den Lokalorganisationen klagten einige Delegierte über geringe Unterstützung durch die männ- lichen Organisotionsocrtreter. Aber einstimmig war die Konferenz der Ueberzeugung, daß die Arbeit der sozialistischen Frauen nur i n engster Verbundenheit mit der Gesamtorgan isa- t i o n möglich ist. Seit der letzten Internationalen Frauenkonferenz haben die englischen Frauen nicht nur das Wahlrecht erhalten, son- dern auch den Sieg der Arbeiterpartei mit entschieden. Aber große Länder mit alter Demokratie wie Frankreich und die Schweiz halten die Frauen politisch noch immer in geringerem Recht. Die halb und ganz faschistisch regierten Länder halten die Frauen in geistiger und politischer Unfreiheit. Während über die Notwendigkeit, der Frau in der Wahl der Staatsbürgerschaft bei ihrer Eheschließung volle Freiheit zu geben, auf dem Kongreß volle Klarheit herrscht, zeigten sich in Mutlerschaslssrogen Verschiedenheiten der Anschauungen. Manche Länder wie Estland und Lettland, sind in Mutterschasts- fragen sehr weit fortgeschritten. In England bestehen gegen die Schwangerschastsunterbrcchung bis tief in die Reihen der Arbeiter- frauen hinein noch fest verankerte religiöse Bedenken. Di« Konserenz beschloß daher zunächst Erhebungen darüber einzu- leiten, wie es in den verschiedenen Ländern mit dem§ 218 steht, bevor nähere Beschlüsse darüber gefaßt werden. Es ist klar, daß in einer Zeit der Krise die sozialistischen Frauen Verwirklichung der alten Forderung„gleicher Lohn für gleiche Arbeit" verlangen. Sie fordern ferner Schutz der ar- bettenden Frau, im Bewußtsein, daß der Not und der Arbeitslosigkeit, die aus dem System des Kapitalismus entspringen, nicht durch Kampf gegen die Frauenarbeit, sondern nur durch Kampf um Arbeit und durch Hebung der Lage der arbeitenden Frauen entgegengewirkt werden kann— solange nicht das System selbst beseitigt ist. Weitere Resolutionen begrüßen die schwerbedrückten Frauen des Landvolks, die erst sozialpolitische Rechte gewinnen müssen und verlangen für die H a u s g e h i l s i n n c n Würdigung ihrer Leistung, Anerkennung und gesetzliche Verankerung ihrer sozialpolitischen Rechte. Itahe in Sevilla. Drei deutsche Kommunisten festgenommen. INodrib, 29. Juli. Noch einer Erklärung des spanischen Kriegsministers ist der Belagerungszustand in Sevilla aufgehoben worden, nachdem die Ruhe zurückgekehrt ist. Zwei Deutsche sind wegen Ver- teilens kommunistischer Flugzettet verhaftet worden. Eine wäh- rcnd der Unruhen von Sevilla verhaftete junge Deutsche, die eben- falls kommunistische Flugzettel oerteilt hatte, hat man wieder frei- gelassen, da sie den Nachweis erbrachte, nicht an den Unruhen beteiligt gewesen zu sein. Englands Erwerbslosigkeii. Winterlicher Höchststand im Juli überschritten. London, 29. Juli. Die Zahl der Arbeitslosen belief sich am 70. Zuli aus 2 660 733. Gegenüber der letzten Woche hat sich damit der Stand um 1 8 0 4 4 erhöht. ?a Brüssel kam es im Anschluß an eine kommunistische Massen- Versammlung unter freiem Himmel zu Zusammenstößen mit der Polizei. Ein Polizeiosfizicr und mehrere Beamte wurden schwer verletzt. SO Kommunisten wurden verhastet. Wie lange noch? Aus den Kehlern der Vergangenheil muß man endlich lernen! Die Wirtschaftskrise wirkt sich in Deutschland mit besonderer Schärfe und Hartnäckigkeit aus, weil es durch niedrige Löhne und einer auch dadurch möglichen Kapitalverschlcuderung bei der sogenannten Rationalisierung zu einer ungeheuren Aus- schaltung der Arbeitskräfte gekommen ist. Senkung der Selbstkosten durch Senkung der Löhne wurde nun zur Parole der Unternehmer, einer Parole, die sich auch die Reichsrcgierung zu eigen gemacht hat. Die Folge war, daß die Absatzmöglichkeit im Jnnenmarkt noch weiter oerknappt worden ist und damit der Beschäftigungsgrad weiter sank. Diese Tatsachen sind heute auch in Deutschland unbestritten— wenn wir natürlich die Unternehmerorganisationen ausnehmen. Unsere sogenannten Wirtschaftsfuhrcr sind entschlossen, aus ihren Fehlern nichts zu lernen. Es ist geradezu grotesk, wenn die Unter- nehmerverbände und das ihnen zur Bcrfügung stehende Zeitung»- papier heute noch immer wieder einen Lohnabbau zur. Heilung der Krise fordern. Wenn es sich bei den Löhnen und Gehältern der Arbeiter, An- gestellten und Beamten nur um die Kaufkraft dieser Volksmassen handeln würde, dann wäre ein derartiges Verlangen angesichts der zusammengeschrumpften Kaufkraft der Arbeiterschaft an sich schon widersinnig genug. Aber auf die Kaufkraft dieser Massen baut sich die Kaufkraft des gesamten Mittelstandes auf, von ihr hängt der Absatz im Klein- und Großhandel ab, von ihr sind bedingt die Einnahmen der Reichsbahn und der Reichsposi wie oller öffentlichen Verkehrsbetriebe. Von ihr hängt schließlich ab, ob die Steuer- einnahmen des Reiches, der Länder und der Gemeinden zur Deckung der notwendigen Ausgaben ausreichen. Wenn man diese Zusammenhänge überblickt, dann sollte man meinen, daß es heute nur noch eine Stimme geben darf, wenn es sich um die Festsetzung der Löhne und Gehälter handelt: Schluß mit jedem Lohnabbau! Das wirtschaftliche Denkvermögen der verantwortlichen Kreise scheint aber gegenwärtig ausgeschaltet zu sein. Roch immer werden Schiedssprüche geiällt, die einen Lohnabbau vorsehen, und noch immer können die Unternehmer die ungeheuerlichsten Forderungen auf Abbau der Löhne und Gehälter stellen, ohne daß sich ein oll- gemeiner Entrüstungssturm der öffentlichen Meinung erhebt. Man scheint sich in den Regierungskreisen wohl darüber klar zu sein, daß eine allgemeine Verkürzung der Arbeitszeit vor- genommen werden muß. um wenigstens einen Teil der Arbeits- losen wieder in die Betriebe zu bringen und der Verzweiflungs- stimmung der Arbeitslosen entgegenzuwirken. Wenn von diesem Gedanken bis zur Tat offenbar auch noch ein weiter Weg ist, so scheint man sich im Reichsarbeitsministerium aber noch nicht darüber klar zu sein, daß esne Verkürzung der Arbeitszeit praktisch un- möglich wird, wenn mit der Kürzung der Löhne und Gehälter nicht endlich Schluß gemacht wird. Als wenn gar nichts passiert wäre, werden auch heute noch Be- triebe aufgekauft und stillgelegt, d. h. es werden ungeheure Kapi- tolien verschleudert, und diese Kapitalverschleuderung, die zur Ver- größerung der Arbeitslosigkeit führt, versucht man wettzumachen, indem man die Löhne noch weiter drückt und die Preise in die Höhe treibt. Eine derartige Politik der Unternehmer noch weiter zu dulden oder gar zu fördern, ist eine soziale, politische und moralische Unmöglichkeit. Ein derartiges Geschehenlassen ist gleichbedeutend mit der Begünstigung einer Katastrophenpolitik. Nur immer langsam voran. Stegerwald hat Zeit. Eine Korrespondenz meldet: „Die vom Reichsarbeitsministerium eingeleiteten Perhondlun- gen über eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeits- z c i t zu dem Zweck, Plätze für Arbeitslose freizumachen, dürften sich bis ir» den September hinein ausdehnen. Für die Berufe des Vervielfältig u ngsgewerbes(Buchdruckereicn und Steindruckereien) waren für den 4. August Verhandlungen zwischen den Orgamsationsvcrtretern der Unternehmer und Arbeiter ange- setzt worden. Diese Verhandlungen sind jedoch mit dem Einver- ständnis beider Parteien zunächst auf den 2l. August vertagt worden." -i- Zunächst sollte— nach der Ankündigung Stegerwolds— die 4i!. Stunden-Woche im April steigen, salls bis dahin die Arbeits- lesigkeit nicht wesentlich zurückgegangen sein würde. Dann ließ sich der Reichsorbeitsrninister nochmals zwei Monate Zeit, ehe er es mit gütlichem Zureden der Umecnehmer der verschiedenen Berufs- gruppen versuchte. Wenn das so weitergeht, dann wird im Oktober ader� November wohl die erste Verordnung herauskommen, die die Zh-Stunden-Woche für das Baugewerbe während der Winter- Monate verordnet. Die übrigen Berussgruppen werden warten müssen, wie das Experiment im Baugewerbe ausgeht. Oer rechie Mann am rechten Platz. Herr von Borsig und die Vereinigung. Der„Börsen-Eourier" brachte die Nachricht, Herr v. B o r s i g habe gebeten, ihn vom Vorsitz der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände zu entbinden. Dieser Wunsch sei entstan- den, weil er durch oie erbetene und erhaltene Subven- t i o n von 1,2 Millionen Mark sich in Widerspruch gesetzr habe nicht nur mit seinen reaktionären politischen Ansichten. wonach dem Staat jedes Eingreifen in die Wirtschaft verboten sein soll, sondern auch mit der Auffassung der Vereinigung, die jed: Suboentionspolitik ablehnt, deren Vorsitzender Herr von Borsig aber immer noch ist. Darauf erging folgendes Dementi: „Gegenüber dem Gerücht, wonach Herr von Borsig be- absichtigte, den Vorsitz der Vereinigung Deutscher Arbeitgeber- verbände niederzulegen, erfährt die Telegrophen-Uninn aus Aufsage bei der Deutschen Arbeitgebervercinigung. daß dort von einer derartigen Absicht Herrn von Borfigs nichts bekannt sei, aber auch kein Grund für einen derartigen Schritt vorhanden sein könne." Wir nehmen Kenntnis. Die Vereinigung der Deutschen Arbeit- geberverbändc muß am besten wissen, was sie sich selbst und was -ihr der Vorsitzende zumuten darf.?m übrigen würde uns eine andere Stellungnahme überrascht haben. Es ist eine ganz alte Tradition der Unternehmer aller Grade und aller Gruppen, von den Agrariern bis zu den Schwerindustriellen, gegen den Staat zu wettern, dabei aber die hohl« Hand hinzuhalten. Herr von Borsig ist dieser Tradition treu geblieben. Er eignet sich also ganz ausgezeichnet zum Vorsitzenden der Vereinigung deutscher Arbeitgebcrverbände. Rordwsst-Lohnsthiedsspruch verbindlich Mie steht es mit der Arbeitszeit? De? Rcichsarbcitsministcr hat den Schiedsspruch in dem Lohn- streit in der nordwestlichen Gruppe der Eisen- und Stahlindustrie für verbindlich erklärt. Damit ist der Konslikc in der Schwer- tndustne noch nicht beendet Er wird in den nächsten Wochen w-eder aufleben, sobald die Verhandlungen über das Arbeitszeit- abkommen beginnen. Es fei denn, der Rcichsarbeitsminister faßt einen Entschluß und setzt dem Skandal einer Arbeitszeit von 52 bis 60 Stunden wöchentlich durch Verordnung der 40-Stunden- Woche ein Ende. Damit zu rechnen wäre allerdings mehr als epti- mistisch. Oer Konflikt bei der„Krastag". Oberprasident erklärt sich unzuständig. Der Oberpräsident hat eine Entscheidung über den Antrag der „Kraftag", die Hälfte der Belegschaft zu entlassen, abgelehnt. Er erklärte sich für u n z u st ä n d i g. da der Antrag nicht den Vor- schriften der Stillegungsverordnung entspricht, weil die Firma nicht eine Anzahl von Wegen, also einen Teil ihres Betriebes stillegen, sondern die zweite Schicht abschaffen will. Trotz dieser Entscheidung des Oberpräsidenten hat aber die Firma die Möglichkeit, den Teil der Belegschaft zu entlassen, den sie angeblich aus Rentabilitätsgründen nicht mehr beschäftigen kann. Daran kann weder der„reformistische" Betriebsrat noch die „revolutionäre" Gewerkschastsopposition etwas ändern. Die RGO. nimmt gegenüber den Maßnahmen der„Kraftag" wie immer in solchen Situationen eine Haltung ein, die der Dirck- tion nur erwünscht sein kann. Als Abwchrmahnahme gegen die geplanten Entlassungen propagiert sie den Streik der ganzen Belegschaft, dessen Durchführung der Betriebs- leitung erst die Handhabe bieten würde, die ganze Belegschost aus die Straße zu setzen und nach dem üblichen„Erfolg" dieser sinn- losen Aktion, die Chauffeure nach ihrem Belieben wieder einzu- stellen. Die RGO. setzt die blöde Streikparole anscheinend aber auch nur in die Welt, weil sie genau weih, daß die Krastag-Belegschaft ihr nicht folgen wird. Welchen Anhang die RGO. in der„Kraftag" hat, bewies am deutlichsten die von ihr zu Montag einberufene Betriebsversamm- lung, in der mit Einschluß der fünf Gewerkschaftsstrategen aus der Kleinen Alexanderstroße und einiger Betriebsfremder ganze 27 Mann anwesend waren bei einer Gesamtbelegschaft von an- nähernd 3000 Mann. Die Belegschaft der„Kraftag" lehnt es ab. die„Kampfbeschlüsse" einer solchen Versammlung auszuführen. Sie steht vielmehr in chrer übergroßen Mehrheit hinter den„resormisti- schen" Betriebsräten, die sich der Außerkraftsetzung des tariflichen Garantiewhnes von 4,50 Mark pro Tag entschieden widersetzt haben und deren Haltung gegenüber der Direktion durch die Urabstimmung der Belegschaft sanktioniert worden ist. Die Betriebsräte verlangen ober auch van der Belegschaft, daß sie endlich mit ihrer Arbeitskraft haushält und die tariflich und polizeilich zulässige Arbeitszeit von höchstens 12 Stunden täglich nicht überschreitet, sowie den ihr in jeder Woche zu- stehenden freien Tag nimmt. Ltferlose Nationalisierung. Im Zeichen des Lohnabbaues. Die Bergbaugruppe Hamborn der Vereinigten Stahlwerke hat jetzt den Umbau der Zeche Friedrich Thyssen 2/ö beendet. Diese größte Schachtanlagc des Ruhr- gcbiets kann infolge umfangreicher Rationalisierung täglich 0000 Tonnen Kohlen fördern, das Doppelte als vor dem Umbau. Die Arbcitcrzahl ist mit 3500 Mann aber die gleiche geblieben. Die Förderung ist durch Feierschichten gegenwärtig aus 5500 Tonnen gedrosselt. Die Uebertageanlage ist bis aufs Letzte mechanisiert. Der 54 Meter hohe Förderturm bildet ein Wahrzeichen Hamborns. Auch der Schacht Beekcrwerth in Verbindung mit der Schachtanlagc Fiiedrich Thyssen 3/7 wird zum Grohförderschacht umgebaut. Absatzrückgang, Feierschichten und Produktionsverdoppelung, die nicht ausgenutzt werden kann. Hochhaltung der Preise, Tiefhaltung der Löhn«, Verschleuderung des Kopitals: das nennt man„Wirt- schaftsführnng". Nochmals Lohnabbau im Transportgewerbe? Damit muß endlich Schluß gemacht werden. Im Berliner Möbeltransportgewerbe ist bereits im Januar d. I. ein Abbau der Löhne um g Proz. durch- geführt worden. Trotz dieses über den allgemeinen Rahmen noch hinausgehenden Lohnabbaues hat der Verein Berliner Möbel- transporteure das Lohnabkommen schon wieder zum ZI. Juli ge- kündigt und einen nochmaligen Abbau der Löhne um 16 Proz. gefordert! Es kommt aber noch besser. Bei diesem ungeheuerlichen Lohnabbau wollen es die Möbcltransporteure »och nicht bewenden lassen. Sie fordern darüber hinaus noch einen erheblichen Abbau der sonstigen tariflichen Zuschläge, wie z. B. der Extrazuschläge bei Transporten von schweren Geldschränken, Ge- schäfts- und Fabrikumzügen usw. Außerdem verlangen sie, genau wie bei der letzten Lohnbewegung im Januar, die Wiedereinführung des sogenannten Metergeldes, um dessen Abschaffung die Möbeltransportarbeitcr im Jahre 1921 vier Wochen lang gestreikt haben. Die Wiedereinführung des Metergeldes würde eine Erhöhung des Profits der Möbelspediteure auf Kosten der Umziehenden und der Arbeiter des Möbeltransportgewerbes bedeuten. Daß durch die Einführung des Metergeldes wie überhaupt durch die Kürzung der Löhne eine Senkung der Umzugskosten eintreten würde, wird von den Arbeitern des Möbeltransportgewerbes auf Grund ihrer bis- herigen Erfahrungen bestritten. In den Verhandlungen über den Neuabschluß des Lohnabkommens verhielten sich die Unternehmer jedem Verständigungsversuch der Gewerkschaftsvertreter gegenüber strikt ablehnen, so daß nunmehr die Verhandlungen vor den staat- lichen Schlichtungsinstanzen fortgesetzt werden müssen. Im Berliner Speditionsgewerbe ist ebenfalls ein Tarifstreit ausgebrochen. Auch hier ist bereits anfangs dieses Jahres «in Abbau der Löhne um 5 Proz. erfolgt. Zum 1. Mai wurde der Lohntarif von den Unternehmern bereits wieder zum Zwecke des Lohnabbaues gekündigt. Dem Gesamtverband gelang es jedoch, ein« unveränderte Verlängerung des Lohn- abkommens bis zum 15. Juli zu erreichen. Da am 31. August auch der M a n t e l t a r i f für das Spedstionsgewerbe abläuft, einigten sich die Tarifparteien dahin, sowohl über den Lohntarif wie auch über den Manteltarisvertrag bis zum 15. Juli zu verhandeln. Ver- Handlungen haben jedoch bis jetzt noch nicht stattgefunden. Die Unternehmer haben dem Gesamtverband einen Manteltarifentwurf eingereicht, der so unerhörte Abbausorderungen ent- hält, daß er vom Gesamtoerband nicht als Verhandlungsgrundlags angesehen werden kann. Ueber die Neufestsetzung der Löhne schweigen sich die Unter- nchmer des Speditionsgewerbes noch aus. Sie haben sich lediglich bereit erklärt, die bisherigen Löhne so lange weiterzuzahlen, bis ein neuer Lohnoertrag geschaffen ist. Verhandlungen werden vor- aussichllich Anfang nächster Woche stattfinden. Es ist zu wünschen, daß sich die staatlichen Schlichtungsinstanzen, denen in beiden Kon- flikten sicherlich die Entscheidung zufallen wird, an die bekannte Erklärung des Reichsarbeitsministers halten, in der er sich ganz ent- schieden dagegen gewendet hat, die Schlichtungsinstanzen für die Durchführung eines zweiten Lohnabbaues zur Verfügung zu stellen. Was Pieck kann, kann auch pielicke. Streikhetzer und Streikbrecher in einer Person. Der Arbeiter Wilhelm Pielicke in Kanena, Saalekreis, ist ein eifriges Mitglied der KPD. Er betrachtet es deshalb als seine Pflicht, die Landarbeiter für die RGO. und den E r n t e st r ei k zu gewinnen. Gleichzeitig ist er aber schon jetzt darauf bedacht, s i ch um Streitbrucharbeit zu bemühen. Dieser Prachtkerl sucht alle größeren landwirtschaftlichen Betriebe in der Umgegend auf und bietet seine Arbeitskrast für wöchentlich 8 M. und die Kost an. Warum soll er nicht? Das Zentralkomitee der KPD. hat bis zum 21. Juli den auf Antrag der vereinigten Reaktion aus- geschriebenen Volksentscheid als Volksbetrug, als faschistisches Manöver gcbrandmarkt. Jetzt macht es für diesen Volksbetrug Propaganda. Was den Oberbonzen des Zentralkomitees recht ist. muß man dem kleinen Pielicke aus Kanena zubilligen. Ein unmöglicher Betriebsleiter. Die Reichsmonopolverwalwng muß eingreifen! Vom Berbanö der Nahrungsmittel- und Ge- tränkearbeite r, Ortsgruppe Berlin, wird uns geschrieben: In Berlin befinden sich sechs Betriebe der Reichsmonopol- Verwaltung für Branntwein. Jeder dieser Betriebe wird von einem von der Zcntralverwaltung bestimmten Betriebsleiter verwaltet. Man sollte mm annehmen, daß diese meist aus dem Angestelltenverhältnis hervorgegangenen Betriebsleiter für die Nöte der ihnen unterstellten Arbeiter ein besonoeres Verständnis ent- gegenbrächten. Das ist aber in den weitaus meisten Fällen nicht der Fall. Besonders gegenüber der gesetzlichen Betriebsver- t r e t u n g nehmen gerade jene Betriebsleiter eine eigentümliche Stellung ein. Ein besonders krasser Fall gibt uns Veranlassung, die Oeffentlichstkeit anzurufen. Es handelt sich l.m den Betriebsleiter der Abteilung Reinickendorf. Als er noch Betriebsleiter in ver Abteilung Adlershof war, nahmen die Differenzen mit den dort beschäftigten Arbeitern kein Ende. Ein Ausatmen ging durch die Belegschaft, als der Herr nach Reinickendorf verfetzt wurde. Nachdem im Anfang des Jahres bei der Betriebsrats wo hl die Unorganisierten zwei von den drei zu vergebenden Sitzen erholten hatten, schien der Zeitpunkt gekommen, um den Haß gegen die Or- ganisierten zum Ausbruch zu bringen. Der organisierte Arbeiterrnt wurde entlassen. Bei der vor dem Arbeitsgericht angestrengten Klage— vertreten durch die Organisation— wurde die Reichsmonopolverwaltung o e r u r t ei l t, den Entlassenen wieder«inz».- stellen. Nun kommt das Ungeheuerliche. Der Betriebsleiter ließ den Wachangcstelltcn H. nach dem ersten Termin— was wir durch glaubwürdige Zeugen beweisen können— zu sich kommen, las diesem dreimal die von ihm vor dem Arbeitsgericht gemachten Aus- sagen vor und gab ihm dann noch eine Abschrist der gemachten Aussagen. Der Wachangestellte war nämlich beim ersten Termin als Zeuge mitgenommen, ober nicht vernommen worden. Zum nächsten Termin sollte er wieder da sein. Der zweit« Fall: An Stell« des entlassenen organisierten Ar- beiterrotsmitgliedes war der nächstfolgenöc Kollege getreten. Eine- Tages tritt der Betriebsleiter zu dem Wachangestellten H. und sagte folgendes:„M. ist jetzt Betriebsratsmitglied: er muß heraus aus dem Betrieb. Passen Sie auf, ob er des Nachts nicht in den Ecken sitzt und schläft." Weiteres zu jagen, ist überflüssig. Wir überlassen es der Ocsfentlichkeit, sich ein Urteil über diesen Betriebsleiter zu bilden. Iuaendgruppe des Zeniralverbandes der Angestellten Heut« tagt btim t>?r Schule ttitaucr Str. 18. Äntitricgsabrne.— Zrrrtow: Iiigeirötirim f>«c Schuir W! Idenbruchstr. 83 /Zugang von der Srortzstrah« in rrrxtnw). ixK- trag;..Nie mitdrt«r!r-ck. Referent fleug.—„Jtwi««»acstcNtrnbank, e.©. in. t>. H.".©«lchäftsstmtdrn rtm 20 22 Uhr im SrrhaulHchmrfr.— Spiel« im Zreie» ab 12 Uhr Hportplot, Jungfrrnheid«, Sportploh Hinndvldthain und im Schillcrparl und ab 18 Uhr Sportplah Tiergarten. »Freie Gewerkschafts-Zugenö Verlin Heute um 1»� Uhr tagen die Srupven: flapinick: Zugenhhann Grüna,, er Straße Ü.„Arbritcrklafsr und fliiche."— G«fuudbr»nn«n! gugrudhrlm S'.otc Schule Gn trnburgrr Str. 2.„S Jahre Gruppe Gagundbninncn."— Schönhauser Tor: Jugendheim Ticckstr. ig. Heimbespreü-ung.— Tempethos: Gruppenheim Lyzeum Germairiastr. 4—6...Garmn Freikörperkultur?"— Südosten: Reichenberger Str. 66 sFruermehrhausl.„llGI. und SA3."— Sfloabit: Jugendheim Lehrter Str. 18—12.„m Jahre Berliner Schuhpalizri."— Staate»: Jugendheim 17. Volksschule, Gartenstadt, flirchplatz...Gamerkschoften im Aus- tand."— Reu. Lichtenberg: Jugendheim Gunterftr. 41. Eine Stunde Literarisches und dann spukt es.— Landsberger Platz: Gruppenheim Dicstelmcyerstr. d. .Die beutschc Arbeiterbewegung von 1870 bis 1214."— Lichtenberg: Jugendheim Haurl. an der L«1singstrvßc. Unser« flapede übt.— Jugendgrupye des Verbandes der Rahrungsmitt«!. und Getränkcarbciter: Neue Schern lnvrser Str. 4-5. Vor. trag des floflegen H. Neh:.Die Notwnalsozialistische Arboiierpartei und die Arbeiterschaft".— Gesaadoerband: N. 24, Iohonnisstr. 14—15. Gr'amtverau. stallung im Jngenddeim Engeluser 24—25, Gew-rkiLhaftshaus. Aufgoua D, rart. Mit Lichtbildern:»Erlebnisse auf graben Fahrten".— Iugendgruppe des Nischen Bcklciduags-rbeiterixi-b-ndc»-. Jugendhem Schaft laustr. Z7-N. Lieder- abend. Verantwortlich für Politik: Er. Satt Setzer: Wirtschaft:».«I'ogelhöser-, Gcwcrtschaftsbewegung! H. Sieinet: Feuilleton:®t. Zod» Schikowoki: Lokales und Sonstiges: Fr,» flarstädt: Anzeigen: Tb. Glocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlaa G m b. 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