BERLIN Donnerstag 30. Zuli 1931 Erscheint tSzllch außerSonntag«. Zugleich Abendausgabe de«»Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben 8i> Pf. prvWvche, 3,eoM. pro Monat. Kedaktion und Expedition: Berlin SW68. Lindensir. 3 Fernsprecher: Dönhoff CA 7) 292—297 10 Pf. Nr. 352 B 176 43. Jahrgang Anzelseaprei«: Die einspaltige Nonpartilleztile 80 Pf., Reklamezeile s M. Crmäßigunaen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwarts-Verlag G.m.b.H» Berlin Nr.»7 S36.— Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vvri Im Sdiatten der Hohenzonern Thälmann für den schwarzweißroten Volksentscheid TL'" -v t WM WM F � A � >n Wi � d A' t d.'-'-i W■ u' l J �4 toi »■ -» i M-- Mij, k ■■* RßW W > dm � w m fc'j Üfe . r: . & !!' Teddy, schmettre los! Hier biste Trumpf, hier steh sie als der Clou. Rings die ganze Mottenkiste Von Alt-Preußen hört Dir zu. Nein, Du darfst Dich nicht genieren. Wer vereint den Volksentscheid Schlägt, kann auch vereint marschieren. Drum zur Einheitsfront gereiht! Generale, Exzellenzen Huldvoll auf Dich niederschaun. Sieh nur, wie die Augen glänzen, Schimpfst auf Sev'ring Du und Braun. Übergieße Du nur tüchtig Preußens Republik mit Hohn. Jene schmunzeln:„Der ist richtig, Der schafft Raum der Reaktion." Mackensen zum Kronprinz raunet: „Was der Thälmann brauchbar Ist Dabei hör' ich ganz erstaunet: Er ist wirklich Kommunist Gott läßt Preußen nicht versinken. Nie wär's uns allein geglückt. Da kommt Hilfe von der Linken, Wird die K.P.D. verrückt!" Oer schlimmste Feind. Oie Kommunisten laufen zum Klassenfeind über. Der schlimmste Feind der Arbeiterschaft ist der Feind im Innern der Arbeiterbewegung, die Kommunistische Partei� Sie Hat sich noch immer in entscheidenden Situationen auf die Seite des Klassengegners geschlagen und die Geschäfte der Reaktion besorgt! Sie trägt Schuld daran, daß Heute dem Ansturm des Faschismus nicht ein einheitlicher, ungebrochener Wille der Arbeiterschaft ent- gegengesetzt werden kann. Sie hat nicht nur die Arbeitersront ge- spalten, sie ist selbst zum Feind übergelaufen. Die um chugenberg jubeln über die Unterstützung, die sie von den Kom- munisten erhalten chugenberg selbst gesteht in einem Aufruf, daß ein Erfolg des schwarzweißroten Volksentscheides ausgeschlossen er- schien, aber, so triumphiert er,«das ist jetzt anders!". Die neuen Hoffnungen der Faschisten zeigen die Kommunistische Partei am Schandpfahl der Geschichte. Das Ueberläuserlum zum schlimmsten Klassengegner, der verrat an den politischen Interessen und an dem Klassenbewußtsein der Arbeiterschaft ist bei der kommunistischen Partei bereit» Tradition. Sie wiederholt heute, was sie nach 1923 bereits geübt hat. Das war die Zeit des sogenannten Linksturses der Kommunistischen Partei unter Ruth Fischer und Konsorten. Dieser sogenannte Links- kur» war die schamloseste Unterstützung der faschistischen Rechten. Damals, zur Zeit des Beamtenabbaues nach der Stabilisierung, hat die Kommunistische Partei der Reaktion geholfen, die R e p u b l i- kantsierung der Verwaltungen wieder rückgängig zu machen. Hand in Hand mit den Deutschnationalen haben die Kommunisten in zahllosen Gemeinden dafür gesorgt, daß sozialdemo» kratische Beamte abgebaut wurden, damit deutschnationale Beamte im Amt bleiben konnten! Von dieser Tradition haben sie niemals abgelassen. Noch nach den Gemeindewahlen der jüngsten Zeit haben sie gemeinsam mit Deutschnationalen und anderen reaktionären Parteien dafür gesorgt, daß zahlreiche Gemeindeverwaltungen in reaktionäre Hände gerieten! Unter der Herrschast diese» sogenannten Linkskurse» hat die kommunistische Zentrale systematisch denkommunistlschen Arbeiter auf die soz iatdemokrak»scheu Arbeiter gehetzt. Sie hat Ueberfälle verhetzter Jugendlicher auf sozialdemokratische Arbeiter veranstaltet! Sie hat jugendlichen Kommunisten Messer. Schlagringe und Gummiknüppel in die Hand gedrückt und hat sie dainit auf die sozialdemokratischen Arbeiter dressiert. Sie hat die Kampfmethoden der Ueberfälleaus klassen» bewußt« Arbeiter geschaffen und organisiert, die später den deutschen Faschisten als Vorbild gedient haben. Erst die ungeheure Entrüstung und die energische handgreifliche Abwehr der sozialdemo- kratischen Arbeiter, die besonder» nach einem Ueberfall verhetzter Jungkommunisten aus Teilnehmer an einer sozialdemokratischen Riesenversammlung in Berlin emporschlug, hat diesem widerwärtigen Treiben ein Ende gemacht. . vomal» warb Ruth Fischer inbrünstig u>n die s a s ch i st i s ch e n und antisemitischen Studenten, damals leisteten die Kommunisten im preußischen Landtag wie bei allen Wahlen den Deutschnationalen offene vundeehilfe. Ostpreußische Junker erklärten bei den Reichstagswahlen von'1921 ihren Acheitern:«Wenn Ihr schon nicht deutschnational wählen könnt, dann wählt wenigstens kommu- n i st i s ch". Und die Kommunisten revanchieren sich, wenn sie bei diesen Wahlen die Parole ausgaben:„Lieber National- sozialisten als Sozialdemokraten!" Damals unterstützten die Kommunisten jeden Ansturm der Re- aktion gegen sozialdemokratische Minister in Preußen.„Wir haben fünfmal die schwarzrotgoldene Regierung gestürzt", so rühmte sich damals Ruth Fischer. Der Gipfel aber war erklommen, als bei der Reichs- Präsidentenwahl im Jahre 192S die Kommunisten dem Ge- neralfeldmarschall von H i n d e n b u r g, der damals der Kandidat der gesamten Rechten war, zum Siege oerhalsen! Als Hindenburg dann gewählt war. versuchten sich die Kommunisten, die seine Wahl herbeigeführt hatten, an die sozialdemokratischen Arbeiter mit so- genannten Unterstlltzungsangeboten heranzumachen! Da» ist die Tradition de» Ueberläufertum», der die Kommunistische Partei bei ihrer Unterstützung de» schwarz- weißroten Aolksentscheid» der deutschen Faschisten folgt! Die um Hugenberg und Hitler wissen, wa» sie ar> ihren Kommu- nisten haben. Zhr Ziel ist die Niederwerfung und Niederknüppelung der Arbeiterschaft. Zhr pro- gramm ist bekannt: Aushebung de» Arbeilerschuhe». Beseitigung der Sozialversicherung, v-seltigung de» Arbeitsrecht», veseiti. gung de» 0rganiso»lon»rechl». Beseitigung der Konsumvereine. der Arbeiterbanken, der Arbeiterpress«, Beseitigung der staat». bürgerlichen Sleichberechligung der Arbeiterschaft. NtemalskönnensiedieseZieleerreichen.wenndie Arbetterschafteintgist! Daß die Kommunistische Partei zu ihnen übergelaufen ist, stärkt ihr« Hoffnungen. Sie wollen zunächst du Macht in Preußen um da» alte Dreiklassen- p r e u ß c n wieder herstellen Aber sie wollen mehr, sie wollen mit dieser schwarzweißroten saschisttschen Aktion zugleich die in nächsten Jahre sällig« Reich, Präsidentenwahl vorbereiten. Sie wollen die»- mal einen garantiert echten„nationalen" Reichspräsidenten, den Reichspräsidenten de» faschistischen Staat»- streich» Das ist da» Ziel, da» der Bundeskanzler de» Stahlhelm» am Mittwoch aus einer Pressebesprechung bei der Stahlhelmführung in Magdeburg aufgestellt hat. Da sind die Kommunisten wieder genau in derselben Front, wie IVZö. Sie sind abermals zum Feinde übergelaufen. sie hoben abermals die Front der klassenbewußten Arbeiterschast»erraten! Me wieder Oreiklaffenpreußen! Keine Stimme dem schwarzweißroten Volksentscheid /Von Carl Severin� In den„Blättern des Deutschlandbundes" veröffentlicht Genosse Carl Severing einen Aufruf gegen den Bolls- entscheid, in dem es heißt: In einer stürmisch bewegten Zeit, die Deutschlands wirk» schaftliche Grundlagen aufs schwerste erschüttert, sollen sich alle Kräfte und Gedanken zusammenfinden in dem Willen, die katastrophalen Folgen der jetzigen Krisis zu mildern und von Volk und Staat abzuwenden. So sollte es sein! Aber der Politiker hat festzustellen, daß die Not der Zeit gewisse Partei- gruppierungen in Deutschlands größtem Lande, in Preußen, nicht abhält, weiter auf ihrem Vorhaben, den Preußischen Landtag durch Volksentscheid aufzulösen, zu bestehen. Der Schaden, den die mit dem Voltsentscheid verbundene politische Agitation und Erregung für das deutsche Volt bringt, ist sicherlich nicht gering und wird an niemandem vorübergehen. Aber die politische Selb st sucht der Voltsbe- g e h r l e r ist noch größer, so daß wir mitten in der größten deutschen Krise das traurige Schauspiel einer Selbstzer- fleischung erleben, die dem kranken Volkskörper nur neue Wunden schlagen kann. Das Ziel der Auflösung des Preußischen Landtages ist der Sturz der preußischen Regierung, der preußischen Regie- rung, die den Kurs innehält, der seit 12 Jahren dem Willen der Mehrheit der preußischen Bevölkerung entspricht. Ihre Leistungen in diesem Augenblick hervorzuheben, scheint müßig zu sein. Aber doch muß daran erinnert werden, daß die Flut von Vorwürfen und Angriffen, die gegen den preußischen Staat und seinen Haushalt von der radikalen Rechten erhoben werden, in ein Nichts zerrinnen muß angesichts der Tatsache, daß der preußische Staatshaushalt Jahr für Jahr im Gleich- gewicht gehalten worden ist, ohne daß bis zum Jahre 1S2S die preußischen Steuern erhöht wurden. Das neue Preußen hat sparsam gewirtschaftet, ohne dabei die sozialen und kultu- rellen Bedürfnisse zurückzustellen. Die positiv eLei- stung war und ist dasKennzeichen preußischer Politik! Was Preußen für die Politik des Reiches war und ist. braucht nur angedeutet zu werden. Die Stabilität und die Sicherheit der Zustände in Preußen ist nur dem Kurs zu danken, den die preußische Regierung gemäß den Mehrheiten in den verschiedenen Landtagen seit 1918 unbeirrt innegehalten hat. Sicherheitund Ordnung inPreußen war und ist die Voraussetzung für eine Außen- politik der Verständigung, die allein Deutschland nach dem Zusammenbruch des Novembers 1918 zum Aufstieg oerhelfen konnte und auch heute nur verhelfen kann. Die preußische Regierung hat das Chaos gebannt, die abenteuer- lichen Putschgelüste radikaler Flügelparteien niedergehalten. der Wirtschaft die Vorbedingungen zum Arbeiten geschaffen. Das Preußen von einst, die Domäne rückschritt- lichstcn Kastengeistes, das Preuße» deS Drei- klafsenwahlrechts» ist endgültig erledigt. Und nur die„Politiker", die von feiner Wiederherstellung träumen, stehen hinter den Kräften und Gruppen, die die eifrigsten Befürworter und Träger des Volksentscheids find. Wir können heute in Preußen und Deutschland politische Experimente nicht gebrauchen, sie würden das Ende unserer staatlichen Lebensmöglichkeit sein. Kämen heute die Kreise der ungehemmten nationalistischen Rechten in Preußen zur Herrschaft, so würde da» für die Bevölkerung nicht nur Preußens, sondern ganz Deutschlands namenloses Elend und oerzweifelte Not im Gefolge haben! Keine Stimme dem Volksentscheid! Sie wollen neue Lohnsenkung? Ltnd noch Arbeitszeiiverlängerung hinzu.— Drohung gegen das arbeitende Volk. Der Zweckoerband der Industrie- und Handelskammern zu Bochum, Dortmund, Essen und Münster erläßt einen Aufruf zur Wirtschaftslage, der ebensogut von den Scharfmachern In Rheinland- Westfalen direkt hätte uMerzelchnet sein können. Der Aufruf bemüht sich, die Krise auf den„angewandten Sozialismus der Vorkriegs- zeit" zurückzuführen. Es ist die Flucht aus der Vejrant- wortung des Kapitalismus. Die„Selbsthilfe", die dieser Aufruf fordert, ist nichts anderes als der alte Schrei nach noch stärkerer Lohnsenkung: �,Di« Leistungsfähigkeit der Wirtschaft und damit die Fähigkeit, brachliegende Arbeitskräfte wieder auszunehmen, muß durch die Senkung der Gestehungskosten wieder her- gestellt werden. Die Wirtschaftlichkeit ist in Deutschland in einen völlig unhaltbaren Zustand geraten. Kohlen, deren Erzeugung ini Inland« 3 bi» 4 Mk. pro Tonne teurer Veränderte Situation .Halt,- nicht mehr prügeln! In einer halben Stunde ist gemeinsames Antreten zum Volksentscheid!* ist als im Auslande. Eisen, das in Deutschland herzustellen 39 Mk. pro Tonne mehr kostet alz im konkurrierenden Auslande, können ohne Selbstkostensenkung einfach keinen ausreichenden Absatz finden. Da Steuern, soziale Lasten und Zinsen schwerer denn je aus der Gütererzeu- gung lasten, muh der Arbeil-koslenanleil an der Gülererzeugung sowohl nach der Seile der Arbeil», eil al» nach der Seile der Lohn- höhe beweglicher gestallel, d. h. au» der politischen Bindung herauskommen und wieder auf das Marktbedürfnis eingestellt werden. Die A r b e i t» k o st« n, bedingt durch Lohn und Ar- beitszeit, sind ein Teil der Markterscheinung, richten sich nach den Weltmarktpreisen und können nicht durch polttischeSewaltdavongelö st werden." Di« Leute, die diese Forderungeiz aufstellen, haben als Wirt- schaftsführer im größten Stile bankrott gemacht— und geistig bankrott sind sie obendrein! Wir beweisen es ihnen» Im deutschen Kohlenpreis ist der Anteil des Arbeitslohnes der niedrigst« in der ganzen Welt! Die Höhe des Eisenpreises in Deutschland ist begründet durch die Fehlspekulation mit den langfristigen Erzverträgen, durch verschleu- derte Investitionen und durch Aufkäufe von Außenseitern, die allein SV Millionen Mark erfordert haben. Die Arbeitsintensität und di« Arbeitsleistung pro Kopf in der deutschen Schwerindustrie gehören zu den höchsten in der Welt! Wer trotzdem durch Lohndruck und Arbeitszeitver- längerung Preise senken will, der ist entweder ein geistig ban- krotter Charlatan oder ein bösartiger Scharsmacher! Lohndruck, Arbeitszeitverlängerung— das ist alles. was die Scharfmacher dem Volke als Heilsrezepte zu verkünde« haben! Das ist ihr«„Selbsthilfe"! Di« Handelskammern sind öffentliche Institut«, die Staatsmittel erhallen. Die Handelskammern im Industriegebiet erblicken ihren Beruf darin, da, Sprachrohr der Scharfmacher abzu- geben! Di« Scharfmacher aber bezahlen di« Organisationen, di« den schwarzweißroten Dolksentscheit» betreiben, der ihnen den Weg zur Macht eröffnen soll! Die Arbeiterschast weiß, wa, ihr bevorsteht, wenn dieser Anschlag glückt. Sie weiß aber auch, was sie oon den K o m m u n i st« n zu hallen hat, di« mit den Sold- knechten der Scharjmacher gemeinjame Sache rnocheti! Weg mit den Kriegsschulden! Die politische Entschließung in Wien/ Keine Bedingungen für Kredichilfe 80. Wien, 30. Juli.(Eigenbericht.) Soeben hat die Politische Kommission den Text der umsang- reichen Kundgebung festgelegt, die Otto Bauer als Referent über die Lage in Deutschland und Mitteleuropa vor dem Kongreß be- gründen wird. Diese Kundgebung sagt im Eingang, daß durch die Erschütterung des Kredits in Mitteleuropa und besonders in Deutsch- land die Krise der kapitalistischen Weltwirtschaft ihren Höhepunkt erreicht hat, wenn nicht sofort eine großzügig« internst i o» nale Kreditaktion die Gefahr des politischen Zusammen- bruchs und seiner den Frieden schwer gefährdenden Folgen ver- hindert. Zeder versuch, die Kredithilse an politische Bedingungen zu knüpseu, muß verworfen werden. Denn er könnt« nur dem deutschen Nationalismus nützen. Die Kreditgewährung wird erleichtert, wenn die deutsche Regierung aus eigenem Antrieb den demokratischen Nationen die Beruhigung zu geben vermag, daß diese Mittel nicht einer Politik des Ratio- nalismus und der Diktatur, sondern des Friedens und der demo- kratischen Politik dienstbar sein werden. Der Kredithilfe muß so schnell als nur möglich eine Neuregelung der Reparationen und Kriegsschulden folgen, die gegenwärtig schon durch die Erhöhung der Kaufkraft des Geldes drückender geworden, ober durch die wirtschaftliche Katastrophe in Deutschland al» vollkommen unhaltbar erwiesen worden sind. Die Annullierung der Kriegsschulden ist heute not- wendiger denn je. Mit dieser Neuregelung im engsten Zusammen- hang steht die Abrüstung, die mit größtem Nachdruck gefordert wird. Nach scharfer Brandmarkung der nationalistischen Hetze und der von Rüstungsinteressenten verbreiteten Gerüchte über Krieg und Kon- slikte bezeichnet die Kundgebung es als unabwendbare Pflicht der Regierungen, Deutschland sofortige Hilfe zu bringen und die Welt- krise einzudämmen. Darauf folgt der zweite Teil der Resolution, der sich direkt an die Arbeiterschaft in Deutschland wendet: So unerläßlich die inter- nationale Hilfe für Deutschland ist. so bleibt doch die wichtigst« Auf- gäbe in der Verteidigung der deutschen Demokratie, der deutschen Arbeiterklasse gestellt. Der Kongreß hat volle» vertrauen zu den deutschen Arbeitern, daß sie den deutschen Faschismus schlagen werden. Sic werden dadurch mit ihrer eigenen Freiheit die Freiheit in ganz Mitteleuropa und den Frieden der ganzen Welt retten. Die sozialistischen Arbeiter der Welt werden in diesem Kamps mit ollen ihren Kräften an der Seite der deutschen Arbeiterklasse stehen. Die junge Demokratie der mitteleuropäischen Staaten kann nur durch die Kraft der Arbeiterklasse verteidigt und behauptet werden. Aber die Demokratie wird den ganzen Enthusiasmus und damit die ganze Kraft der Arbeiterklasse nur dann für sich zu ent- fesseln vermögen, wenn sie die TVIrlschasl unter Ihre wirksame Kontrolle zu stellen, wenn sie sich vor den Massen der ArbeitcrNafse al, ein Instrument sozialer Umgestaltung zu bewähren vermag. Die Verteidigung der Demokratie muß darum auf da, engste verknüpft bleiben mit dem Kampf um den Sozialismus. Faschisten und Kommunisten empfehlen den besiegten Völkern die gewaltsame Zerreißung der Friedensverträge. Aber jeder Versuch, die Verträge durch einseitigen Bruch oder durch Ge- malt zu revidieren, könnte nur die Wirtschaftskrise verschärfen und zum Kriege führen. Was die Friedensverträge an Unrecht ent- halten, kann nicht anders überwunden werden als mit den M e- thoden der Demokratie und des internationalen Rechts. Es wird überwunden werden durch den Aufstieg der Ar- b e i t e r k l a s s e. Wie die SAJ. schon bisher gegen jede Lerant- wortung der besiegten Nationen gekämpft hat, so werden die so- zialistischen Arbeiterparteien, wenn sie und in dem Maße, wie sie die Macht erobern, schrittweise und friedlich die Verträge revidieren, in dem Sinn«, daß sie allen Völkern die volle Gleichberechtigung innerhalb der friedlichen Gemeinschaft der Völker, das Selbstbe- stimmungsrecht innerhalb eines befriedeten Europa und Schutz und kulturelle Selbstverantwortung innerhalb ihrer nationalen Minder- heite» sichern werden. „Die SAJ. setzt ihre ganze Kraft daran, der Arbeiterklasse aller Länder die Möglichkeit zu sichern, ihren Kampf auf dem Boden der Demokratie und mit demokratischen Mitteln zu führen. Wenn aber die k a p i t a l i st I s ch« n Kräfte, die heute noch die Demo- kratie beherrschen, trotz allem Druck der sozialistischen Parteien aller Länder und trotz der Anstrengungen der britischen Arbeiterregie- rung zu ihren Bemühungen um die Sicherung des Friedens und der Demokratie die Internationale das vollste Vertrauen hat, die mitteleuropäische Wirtschaft und die mitteleuropäische Demo- kratie untergehen lassen sollte, wenn im Gefolge einer solchen Ka- tastrophe der deutschen Wirtschaft in ganz Europa östlich vom Rheiu die faschistische Gewalt der Arbeiterklasse ihren demokratischen Kampsboden entreißt: dann wird der Arbeiterklasse kein anderer Ausweg bleiben, als der Herrschaft de» Faschismus alle ihre Machtmittel entgegenzuwerfen. Die Welt hat keine anders Wahl mehr als die: Entweder eine sofortige und großzügige internationale Aktion zur Rettung der Wirtschaft, der Demokratie und des Friedens, oder die K a t a- strophe und den Bürgerkrieg. Ehrung Vittor Adlers. Wien, 30. Juli.(Eigenbericht.) Die von Vandervelde angeregte Ehrung am Grabe Viktor Adlers vollzog sich unter großer Beteiligung von Delegierten aus allen hier vertretenen Ländern. Unter der Führung der beiden Kongreßpräsidenten S e i tz und Vandervelde versammelte sich ein erheblicher Teil des Kongresses vor dem Denkmal der Republik, das auf drei Säulen die Büsten von Viktor Adler, Ferdinand Ha- nusch und Jakob Reumann trägt. Karl Kautsky hielt eine kurze Gedenkrede. Zu Beginn der Feier hatten vier Schutzbündler ein riesiges Blumengebinde am Denkmal Viktor Adlers nidergelegt. Zur gleichen Zeit legte eine Abordnung von Reumanns ehemaligen Wahl, bezirk ebenfalls einen Kranz nieder. Faschismus droht Deutschland Vor dem Haager Gerichtshof wegen der Zollunion Im Laufe seines Plädoyers über die deutsch-österreichische Zoll- union vor dem Ständigen Internationalen Gerichtshof hat Pro- fessor Scialoja, der dem italienischen Vertreter Pilotti bei den Haager Verhandlungen als Anwalt zur Seite steht, eine unerhörte Aeußerung getan. Nachdem Scialoja bereits vorher bei der Besprechung der politi- schen Grundlagen, aus denen seiner Meinung nach das erste Genfer Protokoll von 1922 beruht, betont hatte, daß dieses Protokoll die Aufrechterhaltung des europäischen Friedens bezweckte, da der vollständige wirtschastliche Zusammenbruch Oesterreichs möglicher- weise von einigen Staaten als eine Kriegsursache betrachtet werden könnt«, wies er gegen Schluß seines Plädoyers nochmals besonders eindringlich darauf hin, daß der Haager Gerichtshöf, obwohl die bevorstehende Entscheidung unter juristischen Gesichtspunkten abge- geben werden solle, bei ihrer Abfassung doch daran denken soll, daß sie politische Folgen haben könnte. Daher müsse der Ge- richtshof bei der Formulierung seines Gutachtens den historischen Umständen Rechnung tragen und bedenken, daß hier weniger die Möglichkeit des Abschlusses einer Zollunion durch Oesterreich, son- dern vielmehr ein« dem Dölkerbundsrat zuerkannte Befugnis zur Debatte stehe. Allein der Völkerbundsrat müßte darüber entscheiden, wann und unter welchen Voraussetzungen Oesterreich eine Zollunion abschließen dürfe. Scialoja fuhr an dieser Stelle wörtlich wie folgt fort:„Aber es geht hierbei nicht um eine Kleinigkeit, weil eine Abänderung der politischen Lag« unter den gegenwärtigen Um- ständen eines Tages den Krieg oder den Frieden bedeuten könnte. Es handelt sich nicht um Dinge, die man wie ein rhetorisches Spiel auffassen darf. Sie können, ich wiederhole es, den Krieg oder den Frieden bedeuten. Ihre Entscheidung(zu den Richtern gewendet) bedeutet also etwas mehr, al« sie in anderen Fällen bedeuten würde, wenn Sie erklären, daß der Rat nicht» mehr zu tun hat. dann würde dies« Erklärung morgen eine Kriegserklärung fein können." (Li vous dcciarer quc 1c Conseil n'n plus nen i faire, ceüe declaration pourra etre demain une declaration de guerre.) Scialoja beendete diesen Passus sodann mit der Feststellung, daß man seines Erachten« schon bei der Abfassung des Vertrages von St. Germain sehr gut gewußt habe, daß der Anschluß Oester- reichs das Ideal Deutschlands darstelle. Da man somit damals schon die Möglichkeit habe ins Auge fassen müssen, daß diese Frage später wieder auftauchen werde, habe man die Entscheidung darüber dem Völkerbunde vorbehalten wollen, der sie in seiner Eigenschaft„als politische Körperschaft und nicht al» Richter" treffen sollte. * Im Auftrag« der faschistischen Regierung hat der italienische Anwalt vor dem Internationalen Gerichtshof«in Verbrechen gegen den Frieden begangen. Sein« Red« ist um so schlim- mer, als es sich um einen Mann handelt, der bisher hohes Ansehen in der Welt des internationalen Rechts besah, um«inen Gelehrten, der den Sinn seiner Wort« kennt. Sparer um Millionen betrogen Ltnregelmäßigkeiien bei der Evangelischen Heimstättengesellschast Wi« wir von der Justizpressest«ll« in Moabit erfahren, ist zahl- reiches belastendes Material sichergestellt worden, das erst eingehend geprüft werden muß. Zu erwähnen ist noch, daß sich die Untersuchung nicht gegen die zur Zeit amtierende Direktion der Dewoheim, sondern gegen die frühere Geschästsleitung richtet. Tie Berliner Staatsanwaltschaft hat gegen die Leitung der Deutsch- Evangelischen Heimstättengesellschast sDeva) wegen schwerer llnregelmäßigteiten der verantwortlichen Leiter dieser Organisation eine Untersuchung eingeleitet. Der durch die Unregelmäßigkeiten entstandene Schade» wird von unterrichteter Seite auf mehrere Millionen Mark geschätzt. Geschädigt sei« solle« etwa KV 000 Sparer. Die Unregelmäßigeeite» beziehen sich aus Bilanzfälschungen, Uonkursverbrechen, Urkunden, und Wechselfälschungen. Al» besonder» belastet gelten der bisherige Generaldirektor der Deutsch-Evangelischen Heimstättengesellschast WilhelmJaPpelundder bis. herige Prokurist Dr. Laufer. Die Gesellschast war zur Durchführung von Bau. sparverträgen gebildet worden und unterhielt eine der größte» Bausparkassen Deutschland», hinter der die Innere Mission stand. Bor Wochen geriet die Or« ganisation in finanzielle Schwierigkeiten. Der Schwindel kam an» Tageslicht. Hastbefehl gegen Mzi-Abgeordneien. Vom Schöffengericht Oranienburg ist heute gegen den nationalsozialistischen Reich, togsabgeordneten Karl Kaufmann H a s t b« f e h l erlassen worden. Razi-Kaufmann. der in dem Oranienburger Hakenkreuzblöttchen al» verantwortlicher Redakteur zeichnete, hatte die bekannten Straßcr-Bries« vom 13. März 102«. die von Beleidigungen gegen den preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun nur so strotzten, veröffentlicht. Während der Berfysser der Briefe, Gregor Straßer, bereit» abgeurteilt ist. konnte Kaufmann bisher nicht zur Verantwortung gezogen werden. Sämtliche Ladungen zu den wiederholt angesetzten Terminen ließ et unbeachtet. Jetzt wird die Polizei den Rszihelden dem Richter vorführen. Sein« Rede ist eine offene Drohung mit d«m Krieg. Mit kriegerischen Gewallmaßnahmen bedroht sie den internationalen Gerichthof. Sie kündigt die Zerreißung Oer internationalen Nie, wieder-Krieg-Verträge an. Sie droht den entwaffneten Deutsch- land und Oesterreich mit der Uebermocht einer gerüsteten Groß, macht. Der Weltgerichtshof im Haag wurde vom Völkerbundsrat be- rufen, um ein Gutachten zu erstatten über die rechtliche Zulässigkeit oder Unzulässigkeit einer deutsch-österreichischen Zollunion: er wurde wie ein Derfassungsgerichtshof vom Völkerbund beauftragt, die Vereinbarkeit des Zollunionsplanes mit dem geltenden Recht zu prüfen. Der faschistische Regierungsvertreter wagt es, diesen Ge-- richtshof mit„politischen Konsequenzen" zu be» drohen. Er erschüttert und untergräbt und greift die Autorität der höchsten rechtlichen Instanz, die es in der Welt gibt, damit an. daß er sie warnt, die Zollunion für zulässig zu erklären. Von ihrer Pflicht, die Wahrheit und nichts als die rechtliche Wahrheit zu finden, sucht der Faschismus die Haager Richter abzubringen: er setzt sie unter politischen Druck, er tut etwas, das noch nie eine Regierung gewagt hat. Der Internationalen Schieds- gerichtsbarkeit weiß der Faschismus sonst nur zu gut Lippendienst zu erweisen. In dem Augenblick aber, wo es sich zum ersten Male um eine lebenswichtige Frage handelt, kündigt der Faschismus an. daß er sich über das Recht hinwegsetzen wird, wenn es zu seinen Ungunsten ausgelegt wird. Die Kriegsdrohung des Faschismus richtet sich zugleich ober gegen den internationalen Nie-wieder-Krieg, Vertrag. Er gilt seit zwei Jahren und besagt, daß für alle Zukunft die Regierungen auf den Krieg und die Kriegsdrohung als «In„Mittel der nationalen Politik" verzichten. Unter diesem Ver- trog steht auch die Unterschrift Mussolinis. Wir stellen vor aller Welt fest, daß die Androhung politischer Konsequenzen, daß die Drohung mit dem Krieg einen offenen und glatten Bruch des Ni«, wieder-Krieg-Vertrages darstellt. Di« demokratischen Völker der Welt hatten durch die Unterschrift ihrer Regierungen den Krieg. geächtet. Der Faschismus ober spricht vom Krieg für den Fall. daß die Zollunion als International rechtlich zulässig erklärt wird und Deutschland und Oesterreich von diesem Recht Gebrauch machen; d«r Kriegsächtungsvertrag ist vom Faschismus zerrissen. Aber nicht nur wird das International« Gericht vom Faschis- mus bedroht und da» internationale Recht von ihm verhöhnt: die faschistische Regierung beoroht zugleich Deutschland und Oesterreich. Noch ist gar nicht festgestellt, ob Deutschland und Oesterreich das Recht auf die Zollunion haben, noch ist es eine offene Frage, ob sie von einem solchen Recht Gebrauch mach«»: und schon droht der Faschismus mit Gewalt. Ein Recht Deutschlands und Oesterreichs auf die Zollunion soll im Keime erstickt werden; der Faschismus will 1931 das Anschluhverbot von Versailles und St. Germain er- neuern. Ein Recht Deutfchlanos, das dem Faschismus nicht paßt, soll mit Waffengewalt unterdrückt werden. Was sagen die deut- schen Nationalisten dazu? Sie sehen einzig in Paris Nationafis- mus. Werden sie aus dem Plädoyer des faschistischen Anwalts im Haag lernen, daß der Anspruch des deutschen Boltes auf Selbst- bestimmung, schärfer noch als von Paris, von Rom au» be» kämpft wird? Werden sie jetzt endlich aus dem Traum erwachen, daß Deutschland beim Faschismus Unterstützung gegen Frankreich findet? 30-StundewWoche inAmerika Zur Linderung der Arbeitslosigkeit. Washington, 30. Juli.(Eigenbericht.) Die Lundesbehörden sehen dem kommenden Winter angesichts der stärker und stärker werdenden Arbeitslosigkeit mit wachsender V e s 0 r g n t» entgegen. Die Ministerien prüfen die Frage, inwieweit es angebracht ist. die Hilfsmaßnahmen für die Arbeitslosen und die Maßnahmen gegen die Krise unter einheitliche Leitung zu stellen. Der Lundesarbeitsminlster voak tritt zur Linderung der Zustände für eine Z0stündige Arbeitswoche in der Industrie und bei den Behörden ein. Gireiknachwehen in Aordfrankreich. Pari«. SO. Juli.(Eigenbericht.) Am Mittwoch haben auch die bisher noch streikenden kommu- nistischen Arbeiter In der nordfranzöstschen Textilindustrie die Arbeit wieder aufgenommen, so daß der Streik endgültig beendet ist. Zahl, reiche Arbeiter sind aber brotlos geworden, da einige Ja- briken vollkommen geschlossen wurden und andere aus Mangel an Rohstoffen die Arbeit noch nicht wieder ausgenommen haben. Lloyd George» Befinden. Lloyd Georg« ist von den Aerzten für die Dauer von vier Monaten völlige Ruhe angeroten worden. Er wird nach seiner Heilung eine schon seit längerer Zeit geplante Weltreis« antreten. Zurück aus der Eiswüste „Zeppelin" noch heuie über Verlin, keine Landung in Leningrad Moskau. 30. Zuli. Das Luftschiff„Graf Zeppelin" erschien um S.40 Uhr über Leningrad, beschrieb einen Kreis über dem Flughafen und lieh in einem Fallschirm die Aufzeichnung von Dr. Eckener und Prof. Samoilowilsch für die Kommandanten des Flughafens hinunter. Gleichzeitig wurde milgeleill, dah Dr. Eckener infolge der ungünstigen Witterung zu seinem tiefsten Bedauern aus die Lau- dung verzichten und nach Süden wenden müsse. Wie das Nachrichtenamt der Stadt Berlin meldet, wird das Luft- schiff„Graf Zeppelin" heute gegen 19 Uhr in Berlin zwischenlanden. Näheres ist beim Flughafen Tempelhof, Bärwald 5991, zu erfahren. Das Forschungsergebnis. Die Forschungsfahrt hat nach hier vorliegenden Erklärungen des russischen Professors Samoilowitfch zu der Entdeckung mehrerer Inseln geführt. Ferner ist festgestellt worden, dah ein Hamsworth- Land und ein Albert-Eduard-Land nicht bestehen, dah die Eremitage eine Halbinsel ist und das Alexander-Land wesentlich anders aussieht, als es bisher beschrieben und kartographiert dargestellt wurde. Außer- dem machte die Expedition nach den Erklärungen des russischen Pro- fessors wertvolle Beobachtungen und Temperaturmessungen. Es wurden vier Stratosphärenballons abgelassen. Bei Oberbürgermeister Dr. S a h m ist ein Telegramm Dr. Eckeners eingetroffen, das besagt, Dr. Eckener hoffe, gegen 19 Uhr mit dem„Graf Zeppelin" in Tempelhof zu landen. Man nimmt an, dah das Luftschiff eine Stunde in Tempelhof bleiben wird. Es find noch keine Dispositionen darüber getroffen, ob das Luftschiff in Staaken übernachten oder nach Friedrichshafen weiterfliegen wird. Ozeanflieger in England gelandei. Oer Flug Herudons und pangborns geglückt. Von den beiden amerikanischen Flugzeugen, die am Dienstag Amerika zu einem Ozeanflug in Richtung Slambul bzw. Moskau verlassen haben, ist bisher nur das Flugzeug gelandet, dessen Insassen, die Flieger h e r n d o n und Vangbora, den Weltrundflugrekord der Amerikaner Post und Gatty brechen wollten. Die Flieger landeten am Mittwochabend in England, von dem zweiten amerikanischen Flugzeug, das Slambul in einem Ronstop-Flug erreichen wollte, fehlt bisher jede Nachricht. Die Etargagen werden gesenkt Beschlüsse der Berliner Bühnenleiter Generalangriff auf die Prominentengagen! Im Januar d. I. hatte bereits ein Borgeplänkel stattgefunden, als sich in München die Vertreter der deutschen Opernbühncn mit der Herabsetzung der Star- gagen beschäftigten. Nun wird der Hauptschlag in einer Bersamm- lung des Verbandes Berliner Bühnenleiter geführt, auf der fast alle namhaften Direktoren der Privattheater erschienen waren. Man will mit einer Forderung Ernst machen, wie sie schon seit Jahr und Tag nicht nur in den Kreisen der engagementslosen Schauspieler, sondern auch in der Oeffentlichkeit laut wurde. Die schwer« Krise, in der sich das Theater befindet, wird nicht mit Unrecht zum Teil auf die Auswüchse des Startums zurückgeführt, das unhaltbare Zustände geschaffen hat. Es gibt in Deutschland nur ein paar Sänger und Bühnendarsteller, deren Einnahmen in die Hunderttausende gehen, die beim Theater, beim Film, beim Rundfunk und durch die Schall- platte beträchtliche Summen verdienen. Dieser ungesunde Zustand, an dem das Publikum übrigens die Hauptschuld trägt, hat dazu ge- führt, daß einige Künstler mit ausgebreiteter Tätigkeit einen rich- tigen Geschäftsbetrieb gegründet haben, um auf kaufmännische Weise den Bertrieb ihrer Darbietungen zu besorgen. Bor drei Jahren wurde die Oeffentlichkeit mit der Nachricht überrascht, daß eine„Fritz K o r t n er- I o h a n n a H o f e r- G. m. b. H." ins Handelsregister eingetragen worden sei. Als man sich darob verwunderte, erfuhr man zur Beschwichtigung, daß derartige Firmen längst„Handels- üblich" seien. Wie ungesund und aus die Dauer unhaltbar dieser Zustand war, haben die hochbezahlten Prominenten selbst begriffen: so hat sich Werner Krauß vor einiger Zeit der Staatsbühne verschrieben und gegen die Sicherheit eines lebenslänglichen Vertrages gern auf die hohen Gagen verzichtet, die ihm von den Berliner Privatbühnen bewilligt waren. In den letzten Monaten haben sich die Wirtschaft- lichen Verhältnisse im Theaterwesen, besonders in der Berliner Bühnenwelt noch mehr zugespitzt. Auch Optimisten wagen nicht zu prophezeien, wie die Saison in der„ersten Theaterstadt der Welt" während des kommenden Winters aussehen wird. Es ist daher nur ein Gebot der Selbsterhaltung und eine Existenzfrage der Theater, wenn sich jetzt die Berliner Bühnenleiter einig geworden sind, an eine Senkung der Ausgaben mit aller Energie heranzugehen. Die Höchstgage soll für alle ohne Ausnahme 3999 Mark monat- lich betragen, wobei es dem Bühnenleiter anheimgestellt werden soll, hervorragende Darsteller prozentual an dem Reingewinn seines Unternehmens zu beteiligen. Auch die Doppel- und Dreifach- beschäftigung im Theater, Tonsilm und Kabarett soll unmöglich ge- macht werden. Vor einigen Tagen hat in der Reichshauptstadt eine tumultuarische Versammlung der Schauspieler stattgefunden, in der die furchtbare Not der engagementslosen Künstler ohne Beschönigung geschildert wurde: die Beschlüsse des Verbandes Berliner Bühnen- leiter werden von dem Ergebnis dieser Versammlung nicht ganz unbeeinflußt gewesen sein. Was haben eigentlich die„Prominenten" bisher verdient? Nicht immer kann man die Ziffern exakt angeben: oft werden die Gagen aus naheliegenden Gründen zu niedrig angesetzt, manchmal aber auch übertrieben, wenn es gilt, die Reklametrommel zu rühren. Es ist aber kein Geheimnis, daß die Berliner Theaterdirektion Rotter ihrem Star Richard Tauber für jeden Abend 2S99 M. zahlte, und seine letzte Partnerin Gitta A l p a r einen Vertrag für 299 Abende zu je 899 M. hatte. Käthe Dorsch und Michael Bohnen hatten im vergangenen Jahr einen Vertrag über 299 Abende zu je 1S99 M., Bohnen beanspruchte außerdem noch einen bestimmten An- teil an der Theatereinnahme. Elisabeth B e r g n e r soll im ver- gangenen Jahr eine Tagesgage von 1S99 M. gehabt haben, während die Einnahme des Ehepaares Pallenberg-Mafsary an einem einzigen Tag 3999 bis 4999 M. betrug, also etwa soviel, wie ein kleiner Beamter im ganzen Jahr verdient. Zu den Höchstbezahlten gehören Albert Bassermann und Werner Krauß, die beide wahrscheinlich nicht unter 1299 M. am Abend aufgetreten sind. Fritz K o r t n e r bezog früher am Staatstheater eine Iahresgage von 129 999 M., die ihm aber nicht ausreichte: er hatte sich daher vor- behalten, die Hälfte des Jahres entweder auf Urlaub zu gehen oder Gastspielreisen zu unternehmen. Warum zahlen die Theaterdirektoren solche Summen, die doch oft, wie jedem Unterrichteten klar sein muß, weit über das hinaus- gehen, was sie selbst verdienen können? Es ist kein Leichtsinn, son- dern das Publikum zwingt sie dazu. Es gibt in Berlin sehr viele Menschen, die sich ein bestimmtes Stück ansehen, nur um einen be- rühmten Schauspieler zu bewundern. Diese Erwägung bringt den Theaterleiter in eine Zwangslage. Nicht anders ist es beim Film. Ohne einen Namen von Klang würde irgendein beliebiger Film nicht halb soviel Zulauf finden, und das ist der Grund, warum bisher die Stargagen trotz allen Abmachungen unangreifbar gewesen sind. Es Hot schon seit längerer Zeit ein Abkommen bestanden, das die Opern- kühnen verpflichtete, auch dem berühmtesten Sänger nicht mehr als höchstens 1999 M. für den Abend zu zahlen. Der Beschluß ist nicht ein- gehalten worden, und er konnte nicht eingehalten werden, wenn die Opernbühnsn nicht ihre besten Kräfte an das Ausland verlieren wollten. Es wird sich zeigen, ob der Versuch der Berliner Bühnen- leiter mehr Erfolg haben wird. Diesmal steht die wirtschastliche Not im Hintergrund, die Theaterleitern und Schauspielern kaum eine andere Wahl läßt: auch bieten sich dem Künstler der Sprechbühnen die Möglikeiten des Sängers nicht, der überall gehört und ver- standen wird. KpO.-Giudenien kneifen. Oer Stahlhelm-Volksentscheid der Kommunisten. Unter diesem Thema hielt an der Hochschule für Politik am Mittwoch die'Sozialistische Studentenschaft eine über- füllte Studentenversammlung ob, in der der Vorsitzende Genosse Groß scharfe Abrechnung hielt mit dieser neuesten„antifaschistischen" Parole der KPD. Die Leitung der KPD.-Studenten war vorher offiziell eingeladen, einen Korreferenten mit gleicher Redezeit und Schlußwort wie der Referent zu stellen. Sie zog es aber vor, zu kneifen mit der verschämten Begründung, daß ihnen die Themen- stellung zu„provozierend" sei. Es war aber doch ein be- trächtlicher Teil der kommunistischen Studenten in die Versammlung der Sozialistischen Studentenschaft gekommen. Da die Leitung der KPD.-Studenten es aber zu keiner Aussprache kommen lassen wollte, in der ja nur ihre innere Unsicherheit und Uneinigkeit zum Ausdruck kommen konnte, zwqng sie bei Beginn der Diskussion ihre Mitglieder zum Verlassen der Versammlung, wieder unter der oberfaulen Begründung, die Formulierung des Themas„Stahlhelm-Volks- entscheid der Kommunisten" sei„zu provozierend". Pathetisch kün- digten sie eine eigene Versammlung unter dem Thema„Roter Volksentscheid" an. Dieser Auszug, der unter dem Gelächter der Versammlung er- folgte, zeigte, wie es für die kommunistische Führung immer schwie- riger wird, ihre Massen für ihre klassenverräterischen Parolen zu halten. Das betonte auch ein Vertreter der KPD.-Opposition, der sich gegen den Stahlhelm-Volksentscheid der Kommunisten aussprach. Gegen den kommunistischen Zirkus. Nieder mit dem Volksentscheid der Stahlhelmisten! Obwohl die Kommunisten mit ollen Mitteln versuchten, die An- nähme der nachstehenden Resolution zu hintertreiben, wurde sie mit allen gegen etwa 29 Stimmen angenommen. „Die am 28. Juli 1931 in der Schloßbrauerei Schöne- berg, Hauptstraße, von der gesetzlichen Arbeitervertretung einberufene Betriebsversammlung der Mix u. Genest Aktiengesellschaft fordert alle bei der Firma Beschäftigten auf, sich nichi an dem Volksentscheid vom 9. August 1931 zu beteiligen. Da der Stahlhelm und die ihn unterstützenden Parteien wie Hitler-Hugenberg usw. nur die Absicht haben, die demokratischen Volksrechte zu beseitigen, so hat die werktätige Bevölkerung die Vslicht. sich von diesen reaktionären Bestrebungen fernzuhalten. Die Parole muß darum lauten: Kein Werktätiger zum Volksentscheid der Stahlhelmisten.". Daß solche Beschlüsse erst noch gefaßt werden müssen, ist das zweifelhafte Verdienst der„revolutionären" Volksentscheidler. Französischer Botfchafterwechfel. Die Pariser Regierung hat beschlossen, den durch die Ernennung des bisherigen französischen Botschafters in Rio de Janeiro, Graf Dejcan, zum französischen Botschafter in Moskau sreigewordenen Posten mit dem derzeitigen Gesandten im Haag, Kammerer, zu besetzen. ! Grimme bei den Austauschschülern. Oer hohe Wert der konationalen Erziehung. Gestern stattete der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, Dr. Grimme, zusammen mit dem spanischen Botschafter E a st r o und dem Berliner Oberbürgermeister Dr. Sah m, den Austauschschulen der Gesellschajt für konatiouale Erziehung in hermsdors, hohenlychen und aus der pannwihinsel einen Besuch ab. * In HermSdorf bespricht ein deutscher Lehrer mit französischen Schülern, während man gemeinsam ein« Novelle von Max Eyth liest, Schönheiten und Klippen der deutschen Sprach«. In einem anderen Zimmer ist es umgekehrt:«in Kabinettstückchen der franzö» sischen Literatur gibt dem französischen Lehrer Gelegenheit, seine deutschen Schüler in die Sprache des Nachbarvolkes einzuweihen. Im dritten Zimmer aber ist«ine gemeinsame Diskussion, und Minister, Botschafter und Oberbürgermeister fetzen sich hinzu. Nach- her sind Erwachsene und Zöglinge zusammen, und Dr. Grimme hält eine kurze Ansprache.„Konationale Erziehung liefert durch die Erkenntnis des Wertes einer anderen Kultur nur eine höhere Mag- lichkeit, stolz zu sein aus das, was die eigene Nation geschaffen hat. Deshalb wird die preußische Regierung dieses schöne Werk nach besten Kräften unter st ützen, und ich freue mich, hier bei den jungen Franzosen und Deutschen zu sein, die gemeinsam lernen und leben." Im Ferienheim in Hohenlychen sind die Reichsflaggs, die englische und die französische Fahne gehißt. An dem munteren Treiben im Garten nimmt die Bevölkerung, nimmt vor allem die Arbeiterschaft regen Anteil. Da sind 25 deutsche und 25 französische Mädchen mit ihren Lehrerinnen zusammen. Auch hier werden die Vertreter Preußens, Berlins und vor allem auch Spaniens, das in einem früheren Königsschloß deutsche Austouschschüler ausgenommen hat, herzlichst begrüßt. Aber noch eine dritte Ferienschule wartet: das sind die Engländer aus der Industriestadt Sheffield, die auf der Pannwitzinsel zusammen mit ihren deutschen Alters» genossen leben. Hier spricht Oberbürgermeister Sahm, der seine Freude über das Werk ausspricht und der Hoffnung Ausdruck gibt, daß recht bald dieses Werk noch stärker durch die staatlichen und kommunalen Stellen unterstützt werden kann. Der Vertreter des Auswärtigen Amtes, Geheimrat Böhme, nahm an der Rundfahrt teil und bekundet« das Interesse seiner Behörde für dieses schöne Werk. Am Sonnabend wird Landtags- Präsident Bartels, am Montag der französische Botschafter de Margerie die Aisstalten besuchen. Als die Gäste gestern von Hermsdorf schieden, sangen franzö- fische und deutsche Schüler gemeinsam:„Mit uns zieht die n e u e Z e i t." Das war wie ein Symbol. Dieses Sichkennenlernen. dieses gemeinsame Arbeiten ist ein wertvolles Stück Fortschritt auf dem Wege zur Verständigung der Völker, es ist ein Zeichen einer neuen Zeit._ Das Stillhaliekomiiee der BIZ. Schweiz hat sich noch nicht angeschlossen. In Basel ist als Spihenorganifalion der nationalen Stillhalte- konforten der BIZ. gebildet worden. Deutschland ist in der Kommission durch den Bankier Melchior vertreten. ' Die inzwischen von der Reichsbank und Vertretern der englischen und der amerikanischen Banken über die Stillhaltung von Auslandsbanken erzielte grundfähliche Vereinbarung betrifft zunächst die englischen und amerikanischen Banken allein. Es darf jedoch angenommen werden, daß die Großbanken in Holland und der Schweiz sich den Vereinbarungen bald anschließen werden und damit die Stillhaltung des weitaus größten Teils der an Deutsch- land gegebenen kurzfristigen Kredite gesichert wäre. Solange ins- besondere die Schweiz sich den Vereinbarungen nicht angeschlossen hat, ist mit der Aushebung der Reisesperre nicht zu rechnen. * Den englischen und amerikanischen Banken ist die Zusicherung gegeben worden, dah sie einen gewissen Betrag ihrer Forderungen aus andere deutsche Firmen umlegen können. Die Golddiskontbank wird bei dieser Umlegung eingeschaltet. Neue Diskonterhöhung in England. Abwehrpolitik der Notenbank. London, 30. Zuli. Der Diskont der Bank von England wurde heute wiederum um 1 Proz. also von 3H aus 4% Prozent erhöht. Mit dieser abermaligen Diskonterhöhung ist also zur Abwehr der sran- zösijchen Goldabzüge der englische Bankzinssah innerhalb einer Woche nahezu um das Doppelte verteuert worden. Wetter für Berlin. Wolkig bis bedeckt mit etwas Regen, mäßige südwestliche bis westliche Winde.— Für Deutschland. Im Norden und Nordosten meist heiter und trocken, in Ostdeutschland im Lauie des Tages Eintrübung, in Mittel- und Westdeutschland wechselnd bewölkt bis trübe mit einzelnen leichten Regenfällen. V-rantwoitl. tilr die Rcdakiion: Serbcrt Severe, Berlin: Anzeigen: Tb. SloSe Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag S. m. b. Ä., Berlin. Bruck: Vorwärts Buch. druckerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 68. Lwdenstragc 8 vierzu 1 Beilage. EinheUsverband d. Eisenbahner DeutsdUands.Orfsgruppe Berlin Der Mitgliedschaft zur Nachricht. daß der Kollege keindolä Löscbe Pengonär, triiher Dohrer im RAM. Tempelhof, am ü7. Jnii verstorben ist. Ehre seinem Andenke». Die Einäscherung findet Freitag, den 3t. Juli. IZ Uhr, im Krematorium Baumschulenweg Natt. Um rege Beteiligung ersucht 0la OrtsTcrwalsiiDg f Xliealec, Lidtlspiele usw. z Xj----." i. öeülsdiss Mm 8 Uhr letzte Auftötiiuiigen Der üanpünann van KOpenidi v. Carl Zückmayci Pegie: liciiiz West Die Komödie Täglich 8' 5 Uhr Heute zum 100. und letzten Male Dienst am Kunden «od Cmt Suis M Max Bodssd Regie: Hans Deppe Kuriiirstendamm- Theater Bismarck 448/49 Die schöne Helena von lacqnes OllenDafli aegte: Max Helndanli Homiscne oper Friedrichsir. 104 S'h Uhr Frauen haben das gern... Musikal. Zchvank von Arnold Musik v. Walt. Kollo Sommerpr 0.60-7.00 itletropoi-Theater Täglich fixU Uhr Die Toni aus Wien Mady Christians, Michael Bohnea H. u. H. WILLIAMS LEE GAIL- EMSEMBLE 1 3 WMwinil! vit. 1 8.15 lllis Flora 3434 Rauchen erlaubt Ballett Eduardowa, 10 Brox« 4 Richys, Mary- Erik- Paol usw. B3&E3 Tägl. 5 u. 815 Stg. 2, 5 u. 815 Letzte 2 Tagel Lehär-Operette Das Land des LHchelns I Reioa erhöbtsn Preise Reichshallen-Theater „Alles »verrückt!66 � Stettiner Sänger Anfang| r»| Uhr Berllnsr Iflls-TFiO N e II k fi i I 0.'■'Lahnstr. 74/75J Schwerhörige| Neue moiteiie l bOren solorl wieder mit dem ärztlich empfohlenen ORl&iaAL- AHDSTIH• ÜPPABAT uili neneslem ifieiimarer: — Noch Besseres gibt es nicht!— Deulsdis WM Eesellsdiaft nt. b. K. Aelteste u. führende Spezialfabrik Verkauf u. Vorführung: Bsriin-wilRiersiscpt. Motzstr, 43 Bln., KlostersJr. 44, Eing.erunerstr. rleinickanflcrs-os!. Bne.izer s:r. 4 Verl. Sie Hauptkatalog 16 kostenlos! Auf Wunsch Zahlungserleichterung (Beilage Donnerstag, 30. Juli 1931 Sfiälaak&xße de»\/otxode4» �erKa Wext: „Die andere Seite" Als 1450, 1 Jahre nach der Erfindung des Schießpulvers, Gutenberg die Buchdruckerkunst erfand, war nichts von dem Miß- brauch zu ahnen, von der Lobhudelei, die mit der einen Errungenschaft zugunsten der anderen getrieben werden sollte. Von Historikern und Lehrern wurde die Buchdruckerkunst wesentlich dazu benutzt, die mit Schießpuloer zusammenhängenden Geschehnisse zu besingen und der Nachwelt als das Wichtigste und Entscheidenste zu übermitteln. Die meisten Lehrer, ihrer Würde in jedem Augenblick bewußt und ihrer Pslicht, uns für Kaiser und Vaterland zu erziehen, lehrten uns den Ablauf der Dinge durch Einpauken der Regierungs- baten der faulen Ottos und der frommen Heinriche, der kleinen Pippins und der großen Ludwige und all ihrer Untaten mit Schießpuloer(das übrigens keiner von ihnen selbst je erfunden hätte!) oder dessen weniger auss Ganze gehenden Vorgängern. Daß all das, was mehr und„anständiger" mit der Buchdruckkunst zusammenhängt, daß Worte. Ideen, durch Druck verbreitete An- schauungen viel nachhaltiger und bestimmender auf den Lauf der Dinge gewirkt haben, wurde oerschwiegen. Geschichte, die scheinbar nur mit Schlachten gemacht wird, muß immer neu« Soldaten— Schlachtenlenker und Kanonenfutter— erziehen, die die kriegerisch: Auseinandersetzung der Völker als naturnotwendig, als Tradition, als Wunsch und Lebenszweck ansehen. Diese Geschichtsdarstellung und dieser Geschichtsunterricht ist von stärkster Tendenz im Sinne derer, die„oben" sitzen, weitab vom Schuß, in der Etappe. Die derart Geschichte schreiben und lehren, sehen nur die Schießpulverseite in der Vergangenheit. Gegenwart und Zukunft: sie sehen nicht die andere Seite, die Ge- schehnisse, den Einfluß und die Wirkungen der Bücher. Mit dem Namen eines Buches verbindet jeder Begriffe, mit Schlachtennamcn nicht. Worum der Krimkrieg 1856 ging, weiß man kaum. Welche geistige Revolution das fast gleichzeitige Erscheinen von Darwins„Entstehung der Arten" hervorrief, weiß jeder. Und sicher ist das größte Ereignis des Jahres 19IS die Herausgabe von Einsteins„Relativitätstheorie" und nicht die Torpedicrung der .Lusitania" oder der erste Giftgasangriff. Wenn das Geschichtsbuch der Menschheit sozusagen kaufmännisch geführt würde, mit Plus und Minus, so hat man uns bisher getäuscht, indem man fast nur das Negative vor- führte und es als Positives ausgab. Wenn wir nun unsererseits hier eine sehr gedrängte und nur beispielhafte Aufstellung eines solchen„Hauptbuches" versuchen, so wird klar, was durch die nur negative Behandlung der Negativ- oder Schießpulverseite zu ge- Winnen wäre, was durch die Verschweigung der Positiv-, der anderen Seite gesündigt wurde: IMn» Thomas Morus:„Utopia" Shakespeare:„Hamlet"... Die erste deutsche Gramatik in) deutscher Sprache von Io-)l6l8 Hann Kromayer......... j Huyges erfindet die Pendeluhr) Das Chinin wird für Europa! 1632 entdeckt.................. j Leeuwenhoek entdeckt die In- fusorlen.................. 1675 Rousseau:„Emile" u..(Eontrat sozial".................. 1762 9Iinns 1516 Haus Habsburg in Spanien 1603 Englisch- schottische Personal- union (Prager Fenstersturz, d. i. der Ausbruch des Dreißigjäh- ( rigen Krieges Schlacht bei Lützen Emilia Galotti"... 1772 Wilhelm Meisters Lessing: Goethe: Lehrjahre"............... 1795 Ienner: Kuhpockenimpfung. �170« Senefelder: Lithographie____/ Schiller:„Maria Stuart", „Elektrolyse"............. 1800 Schlacht bei Fehrbellin Haus Holstein-Gottorp in Ruß- land Erste Teilung Polens Dritte Teilung Polens Bonaparte in Italien Schlachten bei Marengo und Hohenlinden Beethoven:„Fidelio"....... 1805 Seeschlacht bei Trafalgar Sömmering erfindet den Tele- graphen................. 1809 Steohenson: Lokomotive.....) Grimms Märchen.......... j 1812 Schlachten bei Aspern und Trafalgar /Russischer Feldzug. Brand von s Moskau, 30 000 Tote Romain Rolland beginnt den .Jean Christophe"........ 1904 Russisch-Japanischer Krieg Einstein:„Relativitätstheorie" 1915 12. 2. Masurenschlacht 28. 2. erster Flammenwerfer 22. 4. erster Gasangrisf 7. 5. Torpedierung der„Lusi- tania" Der französische Völkerbundsdelegierte Professor P e l l a hat festgestellt, daß von den 3400 Iahren einigermaßen genau über- sehbarer Weltgeschichte in 248 Iahren Friede geherrscht, in 8152 Jahren Kriege stattgefunden haben. Da einer äußeren Abrüstung eine Abrüstung der Geister vorangehen muh, scheint als deren Mittel eine positive Geschichtsmitteilung wichtig. Es muß erkannt und jedem beigebracht werden, daß die beiden schwarzen Künste, die des Schiehpulvers und die des Buchdruckes keine Verbindung haben dürfen, daß die eine der Krieg ist, die andere der Friede. Daß nur die Erzeugnisse der Buchdruckkunst (im weitesten Sinne) Wert und Bedeutung haben dürfen und unser Geschick bestimmen sollen. Die Lektüre der Frau Walter Hofmann, der verdienstvolle Leiter des„In- stituts für Leser- und Schrifttumstunde" in Leipzig, veröfsentlicht soeben eine umfangreiche und sehr sorgfältige Untersuchung über „Die Lektüre der Frau"(Verlag von Quell« u. Meyer. Leipzig, 210 Seiten, gebunden 9 Mark). Die Arbeit verwertet das statistische Material der städtischen Bücherhallen zu Leipzig aus den Iahren 1922 bis 1926. An Hand zahlreicher graphischer und tabellorischcr Uebersichten zeigt Hosmann, welche Bücher von der Frau bevorzugt werden, wie sich das Lesebedürfnis der Frau v«n Man mache dm Studenten klar.. Anmerkttngm zum„akademischen Oeist" unserer Tage An Deutschlands Hochschulen häufen sich politische Krawalle rechts- und linksraditaler Studenten. Die wirtschaftliche Not hat die Studentenmassen radikalisiert. Rechts- und linksradikale Studenten terrorisieren die Vernünftigen und Gemähigten. Die Studenten greifen zum Knüppel und versuchen ihre politischen Gegner auf diese Weise aus den Räumen der Hochschule zu vertreiben bzw. fernzuhalten. Auch im übrigen politischen Leben Deutschlands herrscht Terror. Die feindlichen radikalen Gruppen tragen ihre po- litischen Meinungsverschiedenheiten mit Schlagring und Revolver aus. Dennoch kann man mit Recht oerlangen, daß die Stuben- t e n. die sich so oft auf akademischen Geist und akademische Zucht berufen, ihre politischen und weltanschaulichen Meinungsverschieden- in der g e i st i g e n Kampfform, der Diskussion, zum Austrag bringen. Dieser Prügelgeist hat auch tatsächlich seinen Ursprung nicht nur in der wirtschaftlichen Verzweiflung, sondern, vielleicht sogar hauptsächlich in einer anderen Tatsache. Die rechtsstehenden Studentenverbände huldigen in ihren Kreisen der Gewalt. Wer in eine solche Verbindung eintritt, erhält ungefähr folgende„wert- volle" Regeln als höchsten Grundsatz seines Benehmens eingepaukt: „Du hast eine eigene Meinung, aber deine„eigene" Meinung hat die Meinung deiner Verbindung bzw. deines Verbandes zu sein. Wer deine Meinung angreist, der greift dich persönlich an, er greift deine persönliche Ehre an. Die Ehre ist dein höchstes Gut. Wer die angreift, der beleidigt sie. Wer deine Ehre beleidigt ist ein Schuft. Mit einem Schuft verhandelt und unterhält man sich über- Haupt nicht. Einen Schuft schlägt man einfach nieder." Da nun der größte Teil aller Studierenden entweder den rechtsstehenden Verbänden angehört oder mit ihnen sympathisiert, so ist diese oben beschriebene Ueberzeugung, die bewußte und ver- teidigte Anschauung der meisten deutschen Studenten. Dadurch werden die übrigen Studenten von diesem Gewcrltfetischismus so stark infiziert, daß sie zum mindesten unterbewußt sich dieser Mei- nung anschließen. Diese Auffassung verhindert es, daß man sich zu einer Diskussion überhaupt bereit erklärt. Auch noch so große Gegensätze, auch noch so große Meinungsverschiedenheiten geben die Möglichkeit einer Debatte mit Worten. Man braucht dem Gegner nur das Recht zugestehen, daß er seine Meinung zum Vortrag bringen kann. Die verzweifelte Lage der Studierenden ist zum wenigsten der Grund dafür, daß man bei dem geringsten Anlaß die Brachialgewalt anwendet. Man predigt ja gerade in akade- mischen Kreisen die körperliche Beherrschung der geistig Gebildeten. Man gesteht dem Gegner gar nicht das Recht zu, diskutieren zu dürfen. Man prügelt also nicht aus Verzweiflung, sondern aus Ueberzeugung. Der akademische Geist be- findet sich also in den Universitäten auf dem Aussterbeetat. Sonderbarerweise findet man aber diesen akademischen Geist in einer Hochschule, die nicht nur Akademiker zu ihren Angehörigen zählt. Es ist die Deutsche Hochschule für Politik. Ihren Aufbau kennzeichnet, daß sie nicht nur von Akademikern besucht wird. Sie ist in drei Abteilungen eingeteilt: 1. Die proseminaristische Abteilung, 2. die seminaristische Abteilung, 3. die akademische Ab- teilung. Nur in der letzten befinden sich Akademiker. Dennoch waltet in allen Abteilungen ein vorbildlicher akademischer Geist. Trotzdem die Hörer der Hochschule allen denkbaren politischen und weltanschaulichen Richtungen angehören, kommt es dort nie- mals zu irgendwelchen Tätlichkeiten, und gerade hier ist doch die Politik der einzige Lehrgegenstand. Doch nicht nur in bezug auf den geistigen Kampf ist die Hochschule für Politik „akademischer" als vielleicht viele Universitäten, sondern auch in bezug auf das L e r n b e st r e b e n der Hörer. Auf der Berliner Universität z. B. sitzen in den Kollegs und Uebungen Hunderte von Hörern. Neben den Hörern, die tatsächlich voll mitarbeiten, ist ein Teil dieser Hörer nur zufällig da, um sich vom Professor das notwendige Testat zu verschaffen. Ein anderer Teil besucht die Vorlesungen höchst unregelmäßig und ist daher uninteressiert, weil er den Gedankengängen des Vortragenden nicht folgen kann. An- ders an der Hochschule für Politik: Die Vorlesungen und Uebungen sind nur von einer geringen Hörcrzahl besucht und diese Hörer erscheinen regelmäßig und sind sehr bei der Sache. Sie haben alle den Willen, die Politik als Wissenschaft zu betrachten und möglichst tief in die Materie dieser Wissenschaft einzudringen. Während der Kollegs sind die Gänge in der Hochschule für Politik leer, denn alle anwesenden Hörer befinden sich in Kollegs, und wenn sie eine Freistunde haben, so arbeiten sie eifrig im Lesesaal. Anders in der Universität: Die Verbindungen haben ihre Stehkonvente auch während der Kollegs, wenn sie auch offiziell sich nur auf die Pausen beschränken sollen. Nur in den Korridoren und Hallen, wo sich die„Arbeitslosen" während der Kollegs auf- halten, kann es zu Reibereien kommen. Im Kolleg ist der Geist den interessierten Studenten vollauf in Anspruch genommen und man hat keine Zeit, sich auch noch mit anderen Dingen zu beschäftigen. Man sieht also an dem Beispiel der Hochschule für Politik, wie man einige Ursachen dieser dauernden Krawalle beseitigen könnte. Man mache also den deutschen Studenten einmal klar, was wissenschaftlich arbeiten heißt. Man mache ihnen klar, daß Universitäten keine Rauf- und Rummel- Plätze sind, sondern Stätten der Wissenschaft. Man mache ihnen klar, daß selbst mit dem schärfsten politischen oder weltanschaulichen Gegner eine gemeinsame Diskussionsbasis möglich ist, und daß es ehrenvoller ist, in einer Diskussion mit Erfolg seinen Mann zu stehen, als den Andersdenkenden niederzuschlagen. Wenn diese Er- kenntnisse und ihre Bedeutung den Studenten richtig eingegangen sein werden, so wird es keine Krawalle mehr geben und kein polizei- licher Gummiknüppel mehr die Universitätsgebäude beherrschen. Mit einem Wort: Dann wird der so vielgerühmte akademische Geist wieder in die Hallen der„alma mstcr" zurückkehren. E-otbar Wiesner. dem des Mannes unterscheidet und welche Interessen bei den ein- zelnen Frauengruppen vorherrschen. Solche Untersuchungen sind für die Psychologie der Frau in den verschiedenen Lebensaltern und in den verschiedenen sozialen Schichten von großer Bedeutung. Es ist interessant zu erfahren, daß Frauen Bücher über Recht, Staat, Volkswirtschaft, über Chemie und Physik gar nicht lesen. Dagegen wird alles bevorzugt, was mit der realen Lebcnssituation der Frau zusammenhängt: z. B. Bücher über Sexualfrage, Ehe- frage und Frauenfrage. Der biographische Roman, der den Ablauf eines Lebensschicksals verfolgt, wird immer wieder von den Frauen gesucht. Diesen Ergebnissen kommt auch unmittelbar praktische Be- deutung für den Ausbau und die Leitung von Volksbüchereien zu. Es zeigt sich z. B., daß das Lesebedllrsnis der Frauen mit eineni relativ sehr kleinen Bücherbestand befriedigt werden kann: ein be- trächtlicher Teil der in Leipzig vorhandenen Bücher wurde in den untersuchten Jahren gar nicht benutzt. Für die Wirkung einer Volksbücherei ist also eine auf genauer Kenntnis der Leserinteresssn beruhende Auswahl viel wesentlicher als die absolute Größe der Bücherei, eine Erkenntnis, die besonders in der Zeit äußerster Geldknappheit von großem Wert ist. Die Kenntnis der Leserinter- essen gibt auch die Möglichkeit, den Benutzer der Volksbüchereien besser zu beraten. Es ist zu hoffen, daß das Institut für Leser- und Schristtumskunde seine Untersuchungen aus andere Lesergruppen ausdehnt und dadurch die praktische Litcraturpflege fördert. 8. WoinborA. Nellzf Wolfiheim: lacht mit öen Kindern! „Wenn Du wüßtest, Mutti, wie schlimm es für Kinder ist, wenn die Erwachsenen über sie lachen", sagte die Sechsjährige voll Schwermut. Nicht von sich sagte sie es als Augenblickserfahrung, — nein, das Massenelend ganzer Kindergenerationen ward dabei zusammengefaßt. Wie es für Kinder ist, als Gesamtheit, als leidender Teil, erdrückt von der Uebermacht der Erwachsenen. Riesen sind sie für das Kind, Herrscher, auch wenn sie noch so gut sind. Gut, nicht aber gütig zumeist. Denn Gütige haben Ver- ständnis. Einfühlung, und Ueberheblichkeit liegt ihnen fern. Ueberheblich sind wir fast alle den Kindern gegenüber, fast alle denken und fühlen wir:„Du bist ja nur ein Kind!" Dieses verdächtige Nur, das uns so geläufig ist! Dieses kleine Wort ist Grundeinstellung, Charakteristikum für unsere Selbstgesälligkeit. Immer glauben wir, ein Kind brauche man nicht ernst zu nehmen, sein Leid sei kein wirkliches Leid, sei Baga- telle, schnell verwischbor. Kinder sind abzulenken, bald ist nach schwerem Kummer Lächeln, ja. Lachen da. Aber wie oft wirkt nach, was das Kind erlitt, das, was uns so nebensächlich schien. Abends im Bett, auch im Traum vielleicht, taucht es auf und bedrängt. Kindheitserinncrungen sprechen eine deutliche Sprache. Mütter sind erstaunt, wenn sie von ihren herangewachsenen Kindern hören, wie es einst war. Dos hast du gedacht, das erlitten? So wenig wußte ich von dir? Aber so ist es, viel zu wenig erfahren wir von den Kindern. Könnte es jostp sein, daß wir sie so quälen, unbewußt quälen? Ganz besonders hüte man sich davor, Kinder zu verlachen. Tiefste Kränkung kann es bringen, unüberwindliche Scham er- wecken, die ein Lebelang nachwirkt.. Auslachen kann Sünde sein. nie wieder gut zu machen. Eine Kindesseele ist leicht verwundbar, schonungsbedürftig. Und die Robusten, die darüber stehen, die uns vielleicht auslachen, sind nicht so häufig, wie wir denken,— auch sie haben zumeist ihre wunden Stellen, die bei der Berührung schmerzen. Gemeinsames Lachen mit den Kindern kann Bindung bringen, Gefahr aber bedeutet alles, was von obenher kommt. Schulhygiene Im Austrage des Reichsausschusses und der Landesausschüjfe für hygienische Volksbelehrung wurde unter Mitarbeit bedeutender Fachgelehrter von Prof. Dr. C Adam, Rektor F. L 0 r e n tz und Ministerialrat Prof. Dr. K. M e tz n e r ein„Lehrbuch der Gesund- heitspflege und der Gesundheitslehre in der Schule" herausgegeben. (Verlag Quelle u. Meyer, Leipzig.) Es ist ein breit angelegtes Wert, das mit seinem Vorläufer vom Jahre 1923 kaum zu ver- gleichen ist. Es will der Durchführung der vom Ministerium aus- gestellten„Richtlinien für die allgemeine g e s u n d h e i t- liche Belehrung der Lehrer und die Erziehung der Schüler" dienen. Eine stattliche Reihe namhafter Pädagogen, Aerzte und Hygieniker hat damit gleichsam ein amtliches Standard- werk der Schulhygiene geschaffen, und zwar im Sinne einer „positiven" Hygiene mit aktiver praktischer Beteiligung jedes ein- zelnen, dem Gesundheitspflege nicht nur verstandesmäßiges, sondern vor allem lebendiges Wissen ynd Wollen bedeutet, eingeimpft durch Bildung und Erziehung in der Jugend. Nach einleitenden und richtunggebenden Rahmenartikeln von M e tz n e r(Berlin), Schneider(Dresden), L 0 r e n tz(Berlin) folgt eine anatomisch-physiologische Begründung der körperlichen Erziehung von Müller(Spandau) mit einem Abschnitt über Freiluftkultur von L 0 r e n tz und L a q u e u r(Berlin). Im zweiten 5)auptteil folgen eine Reihe von Aufsätzen zu dem Thema: die biologische Entwicklung des Kindes von F.Rott, C. Franken- st e i n, W. G 0 t t st e i n, K. B 0 r n st e i n, H. Roeschmann (Berlin) und R. F e t s ch e r(Dresden). Am meisten Kritik erfordern die Seiten von Roeschmann:„Geschlechtliche Ausklärung und Be- wahrung". Dieser Punkt ist in dem ganzen Werk nicht nur zu kurz gekommen, sondern wird für die meisten Leser dunkel bleiben. Muster-Entlassungsreden wie die vorgeschlagene bringen immer noch dieselbe Enttäuschung wie vor 10 Jahren. Ein weiterer Ab- schnitt ist der psychischen Hygiene(G a u p p, Tübingen) und der Gesunderhaltung wichtiger Organe gewidmet(C. Adam und A. Bruck, Berlin). Der letzte Hauptteil geht speziell auf Krank- heiten ein und zeigt, wie die Gesundheitsfürsorge für behandlungs- bedürftige Kinder durch die Schule unterstützt werden kann. (K. Seiffert) München: H. Eckhardt, Berlin-Dahlem: A. Kantorowicz, Bonn). Zum Schluß einige Grundbegriffe der sozialen Hygiene stehend« Berein nimmt diesen Sporrziveig ab August in seinen Berernsbetrlef auf. Di««rste Versammlung der Interessenten und ehemaligen Homyspirle/ findet am kommenden Sonnabend, dem l. August, tm Lokal von H. Hoku, aolchurtz. Mllhlenstr. g. 20 Uhr. statt. Monatsbeitro« für Hockepspielcr 1,10»>, Wer am Sonnabed verhindert ist am Kommen, melde sich schriftlich a* M. Stellmacher, W. 80, Soltzftr. 2S. Ebenfalls find pasfioe Spieler bsm. FSrderer unserer neuen Sparte gern gelehen. Freie Schwimmer Eroh-Derlin E. B., Kruppe RenkWn, Altersriege fMänner und Frauen). Sonnabend, 1. August. 18 Uhr, Altersriegenabend»m Sommerbad. Gomnastit, Mcdizinball, Faustballspiel, Schwimmen. Anschließend Sichung und geselliges Beifammsnsein.— Kiuderabtelluug. Freitag, 31. Juli, Besuch des Freibades Oberspree. Treffpunkt 9 Uhr Ringdahnhof Neukölln. Fahrgeld: Kinder 20 Vf., Erwachsen« 40 Pf. Eintritt zum Freibad: Kinder fr«, Erwachsene 10 Pf. Eltern stnd herzlichst eingeladen. Touristen»-«!,»„Die Rotursreundr", zentrale Wie». Ortsgruppe Berlin: Am Sonntag, dem 2. August, fallen all« Fahrten au». Alles beteiligt sich an der Anti-Kriegstundgebung im Doikspart Neukölln.— Freitag, 31. I»li. 29 Uh». Abt. Charwttenburg: Spreestr. 30. Bunter Abend.— Abt. Brich: Ehausssestr. 48. To war der Krieg cKriegserlebnisse).— Faltbodtabteilung: Iohonnisstr. 15. Geschäftliches.— Iugendgruppe Humboldthain: Bade abend in Plöchensec. Treffpunkt im Heim.— Abt. Treptow: Elsenstr. 3. Geschäftliche». — Abt. Lichtenrade: Badeabend in Mahlow.— Abt. Vinctaplach: Lorching. Ecke Sraunstrage.— Abt. Südost: Bricher Str. 27. Spieladcnd.— Photo, Osten: Frankfurter Alle- 307.— Phot. Neukölln:«ergstr.'29.— Abt. Schönhauser Bor. ftadt: Rastknburger Str. 16. Anti-Kri-gsabend.— Montag, 3. Angnst, 20 Uhr. Photogemeinschast: Iohannisstr. 15. Das Photo als Naturdokument.— Rlal- gcmeinschast: Wrangclstr. 128. Rückschau. lieber„S t a a t s f o r m und Wirtschaft" sprach im Pra- gramm der Funkstunde Dr. Alfred Braunthal. Er betonte, daß nur die Erhaltung und Sicherung der demokratischen Staats- form eine gesunde Entwicklung der Wirtschast gewährleistet. Di« gegenwärtige Weltwirtschastskrise, die zur Zeit besonders schwer auf Deutschland lastet, ist nicht eine Folge der Demokratie, sondern die Auswirkung des kapitalistischen Wirtschaftssystems. Sie täit nur möglich, weil das kapitalistische Wirtschaftssystem an einem Zuwenig an Demokratie leidet gegenüber der ungeheuren Größe der ihm gestellten Aufgaben. Wie eng das Schicksal der Arbeiter mit dem der Großunternehmen verknüpft ist, haben wir jetzt ge- sehen, wo infolge der Unfähigkeit seiner Leiter ein« Reihe dieser Unternehmen zusammengebrochen ist. Nur«in gut durchge- bildetes staatliches Kontrollsystem kann die Oefsent- lichkeit vor der gefährlichen Selbstherrlichkeit dieser Wirtschaftsgebilde schützen. Zum Liberalismus, den manche erstreben, kann die heutige Wirtschaft nicht mehr zurück: es gibt nur«in Bor- wärts zum Staatseinfluß. Das bedeutet in den praktischen Aus- Wirkungen keinen störenden Eingriff in die Produktion; dieser wurde gerade bisher von den kapitalistischen Unternehmen durch ihre Kartelle und Trusts zum Schaden der Allgemeinheit vorge- nommen. Energisch wandte sich der Lortragende gegen den Vor- wurf, der von den Feinden der Demokratie ihr heute so gerne gemacht wird, daß sie ein Staatsrentnertum züchte. Wer ist denn Staatsrentner, fragte er, die Kriegs- und Arbeitsinoaliden, die Witwen und Waisen, oder jene, die Arbeitskraft und Arbeitswillen haben und die im kapitalistischen Produktionsprozeß keine Arbeit mehr finden können? Die hohen Versicherungsbeträge, die die Werktätigen bereitwillig von ihrem geringen Einkommen leisten, sind die Grundlagen jener„Renten", die schon dadurch alles andere als ein Almosen darstellen. Daß die Wirtschaft heut« in einem erschreckend hohen Maße mit Arbeitslosen belastet ist, ,ft die Folge ihres ungesunden, undemokratijchen Aufbaues. Ein Zeitbericht von Aktualis„England und die Ab- rüstung" begann leider erst um 22% Uhr, so daß die späte Stunde vielen werktätigen Hörern den Empfang kaum noch mög- lich machte. Man sollte diese stets außerordentlich gut zusammen- gestellten Berichte, die nie schwer verständlich oder langweilig sind, grundsätzlich zu einer Zeit bringen, die recht vielen das Abhören ermöglicht. Gerade dies« englische Parlamentsdcbatte, die zu einer einstimmigen Kundgebung gegen den Rüstungswahnsinn wurde, verdient« allgemeine Aufmerksamkeit. Tes. Donnerstag, 30. Juli. B» r I i n. 16.00 1. Fresaobildi-Bacb: Oredwerke(ErsUu(ührunt)(lilr Klavier bearbeitet v. Weishaus).(Imre Weishaus, Klavier.) 2. SchiIHnts: I.ißder.(Clisabeih Schwalm. Sopran.) 3. a) Hure: Air; b) Valencln: Menuett: c) Jeral: Zigeuoerianz; d) Faur«: Sicilienne; e) GlasunoAr: Sdrenadc Espagnole; I) Popper: Elfentanz.(Louis Schuyer. Cello. Am Flügel: J. Bürger.) 17,00 OroBe Ingenieure(Dipl..Ing. Josef Klultmann). 17.25 Wilhelm Ehlers: Helslngfors. 17.45 Dr. Leo Schwering. M. d. L.: Politische Gegncrschafien, Bismarck und Eugen Richter. 18.10 Zu Unrecht vergessene Dichter.«Dr. Kurt Kersten.) 18.40 Aus dem Gesangsaal der Otto-Schule. Stettin: Stimmen der VSIker. (Volkslieder.) � 19.05 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 19.10 Alois Münk und Dr. Martin Zickel; Das Theater stellt sich pm. 19.40 Räuscher: Politische Zeitungsschau. 20.00 Wien; Salrburger Festspiele:„Die heimliche Ehe". 22.30 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschlieüend bis 0.30: Tanzmusik. KOnlgswusterbausen. 17.00 Benedict Lachmann: Der Philosoph Max Stlrner. 17.30 Karl Förster: Die Gartepblume des Monats. 18.00 Architekt Paulseu: Grundriügestaltung des modernen Wohnhauses. 18.30 Jens Lützen: Praktische Ratschläge lür Amatdurphotographen. 18.55 Wetter für den Landwirt. 19.00 Dr. Hans Roeseier: heue historische Literatur. 19.30 Min.-Rat Dr. Giese: Schweinepest. 20.00 Leipzig: Die vier Temperamente bei dem Verlust der Geliebten von Leck Maria von Weber. 20.30 Leipzig: Tanzabend. Berlins Olympia'Teflnehmer wurden auf der ösferreiebi. sehen Station Siegmunds. h e r b e r g besonders herzlich begrübt. Zum Klang Wiener Walzer wurde bis zur Abfahrt des Zuges getanzt Die deutsche lOXfiO-nfFrauen. Staffel, die den Lauf gegen Oesterreich gewann, aber wegen Uebersdireitung einer Wechselmarke disqualifl. ziert wurde