Morgenausgabe Nr. 353 A 128 48.I WVVW Berliner Vvttsblatt Zrettag ZI. Zull 1931 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die elnfpalt. NonpareillezeNe 80 Pf. Rellamezeile b.— RWt.„Aletne An- .eigen" das fettgedruckte Wort 25 Pf. zulässig zwei fettgedruckte Worte), jede» weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Tarif. Stellengesuche das erste Wort IS Pf, jede» weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Lrbeitsmartt Zeile 60 Pf. Familien» anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannahm« im Hauptgeschäft Lindenstrahe 3. wochen- täglich von 8V, bis 17 Uhr. D« Verlag behält sich das Recht d« Ablehnung nicht genehmer Anzeigen»ort x Jentraloegan der Sozialdemokratischen Partei Deutschtands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Fernspr.: Dönhosf(A 7) S92— 297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postschtckkonto: Berlin37 S36.—Bankkonto: Bankder Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3. Dt.B.u.DiZc.-Ges., Deposttenk., Jerusalcmer Str. K5/8S. Oer Sozialismus auf dem Marsch. Otto Bauer über die kapitalistische Krise.— Oer Wiener Kongreß fordert Kredithilse für Deutschland.— Gegen politische Bedingungen.— Kür Revision der Friedensverträge und Rettung der Oemokratte. Wien, 30. Juli.(Eigenbericht.) Don lebhaftem Beifall begrüßt nahm heute vormittag Otto Bauer das Wort zu seinem politischen Referat: Di« Ueberwindung der Kriegsoerwirrung im Kapitalismus, die wir in Brüssel 1928 festgestellt haben, als wir die Arbeiter- fchaft aufforderten, sich gegen die Anschläge des Kapitalismus zu- sammenzuschließen, ist seit Ende 1929 einer schweren industriellen und Landwirtschasts-K r i f« gewichen. Diese hat ihren Höhepunkt erreicht in der akuten Kreditkrise der letzten Wochen in ganz Mittel- europa, und wir stehen vor einer neuen Phase, die durch schwere Erschütterungen gekennzeichnet sein wird. Immer noch hält der Faschismus nicht nur Italien, sondern auch die Balkanländer und Polen in Ketten, und wir begrüßen unscrn Freund Lieber- mann(stürmischer Beifall), das Opfer der Knechte koprolalischen SadistenPilsudski. Zwar hat Spanien das Joch abgeworfen, wohl haben die Arbeiter von Oesterreich und von Finnland fa- schistische Angriffe abgewehrt, aber in dem großen Deutsch- land ist der Faschismus zu einer ernsten Gefahr geworden. Die deutsche Regierung spricht nach dem ergebnislosen Berlauf der Konferenzen von Paris, London und Berlin von Selbsthilfe. Gewiß kann Deutschland seine Währung aus eigener Kraft halten, aber nur durch Maßnahmen, die die ganze Wirtschaft unter schwersten Druck setzen, weitere Lohnreduzierung und Verelendung zu einem Grade steigern müssen, die allzu grausam wäre. Ein solcher Druck auf die LöW, eine solche Steigerung der Arbeitslosigkeit würde die gleichen Erscheinungen in der ganzen Welt ganz ungeheuerlich steigern. Direkt« schwere Er- schütterungcn können nicht ohne starke soziale Folgen einhergehen. Der Untergang der deutschen Demokratie würde durch seine Folgen den Frieden in ganz Europa östlich vom Rhein in die ernsteste Gefahr bringen. Ein Sieg des schwerindustriell-landwirtschaftlich- militaristischen deutschen Faschismus würde jede Hoffnung auf dauernden Frieden und auf Abrüstung zerstören und einen Zustand schassen, der nur allzu wahrscheinlich zum Kriege führen mühte. Der Kapitalismus ist heute nicht mehr imstande, seine eigenen Mittel anzuwenden. Ungeheure Kapitalien liegen in Frankreich und Amerika— Mitteleuropa dagegen erstickt im Kapitalmangel. Nicht mehr wie in früheren Wirtschaftskrisen wird das frei- werdende Kapital automalisch zurückgeführt in die Produktion. Nur noch die Aktion der Regierungen kann bewirken, daß das doch geschieht, wir fordern deshalb eine großzügige internationale Kreditaktion für Deutschland, weil diese Probleme heute nicht mehr Probleme der Kapitalisten sind, sondern nur gelöst werden können durch bewußte Aktionen der Regierungen. Schroff und unbedingt lehnen wir es ab. daß die Kredithilse an irgendwelche politische Bindungen geknüpft sein soll. Keiner hat es besser als Leon Blum dargestellt, daß jeder solche Versuch nur die nationalsozialistisch« Gefahr in Deutschland stärken kann.(Lebhafter Beifall.) Es handelt sich um das Schicksal der Arbeiterklasse der ganzen Welt. Es handelt sich darum, ob Mil« lionen Arbeiter die deutsch« Krise mit noch größerer Arbeitslosigkeit bezahlen sollen. Ob die Demokratie bestehen bleibt, beides find Fragen auch für den demokratischen Sozialismus. Hinter unseren Forderungen an die Regierungen steht unser entschlossenster Wille, überall, wo wir Einfluß auf die Regierungen haben, dos Maximum an Anstrengungen zu leisten, um das größtmöglich« Maß dieser Hilfe durchzusetzen und dabei jede Knüpfung an irgend- welche Bindungen auszuschließen. Nur so kann die Welt vor einer furchtbaren Katastrophe bewahrt werden.(Lebhafter Beifall.) Wir haben das vollste Vertrauen zur deutschen Ar- beitertlasse, daß sie im Kampfe gegen den drohenden Faschis- mus ihre Pslichl in ihrem eigensten Interesse tun wird. Es ist dieselbe deutsch« Arbeiterklasse unter der Führung der deutschen Sozialdemokratie, die dag Sozialistengesetz des eisernen Kanzlers Bismarck zerschlagen hat. Es ist dieselbe Arbeiterklasse, die erschöpft und aus unzähligen Wunden blutend nach dem fürchterlichen Krieg, den Habsburg und Hohenzvllern verschuldet haben, das Kaiserreich zerbrochen und die Republik gegründet hat. Es ist dieselbe Arbeiterklasse, die in den Tagen des Kapp-Putsches den Angriff der Reaktion auf die Republik durch einen grandiosen Generalstreik niedergeworfen hat.(Stürmischer Beifall.) Wir sind überzeugt, daß die deutsch« Arbeiterklasse sich nicht irresichren lasten wird durch Verwirrung und das Wentcurertum derjenigen, die heut« bei dem Volksbegehren in Preußen, bei diesem Kampf« um die Macht in Preußen,„Im Nomen der proletarischen Weltrevolution", gemeinsam mit den Faschisten Konterrevolution machen.(Lebhafte Zustimmung.) Die deutsche Arbeiterklasse führt den Kampf gegen den Faschismus unter den alten Fahnen der deutschen Sozialdemokratie. Und ich habe noch dazu zu sagen, daß, wenn der Faschismus mit Gewalt die deutsche Arbeiterklasse nioderzuwerfen versuchen sollte, und wenn er ihr keine andere Dahl mehr läßt als die, sich in Knechtschaft und Sklaverei zu beugen oder mamchaft die Freiheit der Arbeiter» schoft zu verteidigen, daß für diesen Fall wir hoffen und über- zeugt f 1 sind. daß die allen kriegerischen Tugenden der deutschen Arbeiter, die verbrecherisch mißbraucht worden sind von dem herrschenden Deutschtand der Kaiserzelt zum Fluche der Welt, sich erst völlig ensalten werden im heiligen Verteidigungskamps für die Frei- heil der deutschen Arbeiter. (Stürmischer minutenlang anhaltender Beifall im überfüllten Riesen- saal und auf den dicht gefüllten Tribünen.) Es ist ganz selbstverständlich, daß die ernste Sorge um die Taktik, um die Strategie des Kampfes der deutschen Arbeiterklasse gegen den Faschismus alle deutschen Sozialdemokraten erfüllt und heute auch die ernsteste Sorge aller Sozialdemokraten der Welt ist. Es wäre fast unbegreiflich gewesen, wenn nicht Besorgniste, wenn nicht gewisse Skrupel laut geworden wären an dem Verhalten der deutschen Sozialdemokratie und wenn sie nicht auch ihren Wider- hall gefunden hätten in inneren Beratungen der sozialistischen Parteien anderer Länder und daher auch in unseren Kommissions- beratungen. Unsere Freunde von der englischen Unabhängi- gen Arbeiterpartei haben der Kommission einen Antrag vor- gelegt, der sich gegen die Haltung der deutschen Sozialdemokratie richtet, die sie gegenüber der Regierung Brüning eingenommen hat und der weit darüber hinaus verlangt, daß in allen Ländern die Sozialdemokratie mit bürgerlichen Parteien nicht zusammengehen und eine bürgerliche Regierung nicht stützen dürfe. Ich habe darüber in der Kommission gesagt, daß ich überzeugt bin, daß jede Kooperation der Sozialdemokratie mit bürgerlichen Par- teien, sei es durch Teilnahme an der Regierung, sei es in Form einer Stützung der bürgerlichen Regierung und durch unumgängliche innere Widersprüche der kapitalistischen Welt zu schweren G e- fahren nicht nur für die Sozialdemokratische Partei, sondern für die Demokratie überhaupt führen kann, weil dann, wenn die Sozial- dcmokratie bei solchem Zusammenwirken nichts für die Arbeiterschaft herausholen kann, sie das Vertrauen verlieren würde, daß durch die Dcmokratie ihre Lage anscheinend gebessert werden könne. Ich habe volles Berständnis für die Besorgniste, die der Antrag der ILP. verrät. Aber trotzdem könnte dieser Kongreß nach meiner Meinung gar keine schlimmere Leichtfertigkeit begehen, als wenn in dieser kritischen Lage, in der es sich für die deutsche Ar- beiterschaft in kurzer Zeit vielleicht um Freiheit oder Tod handelt, die Bewegungsfreiheit der deutschen Sozialdemokratie eingeschränkt würde. Wir wollen eine solche Einschränkung nicht vornehmen. (Lebhafter Beifall.) Wir österreichischen Sozialdemokraten haben vor noch nicht zwei Iahren Tage und Wochen erlebt, wo wir nicht wußten, ob in der folgenden Nacht der Faschismus losschlagen wird. Wir wußten nicht, ob durch einen faschistischen Staatsstreich die Ar- beiterklaste dann zu einem Verteidigungskampf unter den aller- schwierigsten Bedingungen gezwungen sein würde. Wer solche Fälle erlebt hat. der weiß, daß es eine Entscheidung für Jahrzehnt« sein kann, ob man imstande ist, durch noch so schwere Opfer die Staatsmacht mindestens in der Neutralität zu halten oder ob sie mit den Faschisten zusammengehe.(Lebhafte Zustimmung.) Es ist, liebe Freund« von der ILP., ganz leicht, aus der in- sularen Sicherheit(Heiterkeit), von einer von keinem Fo- fchi-mus bsdrohten Demokratie zu sprechen, Ich will üagegen nicht polemisieren. Heute präsidiert uns Turati. Fragen Sie die Ita- liener.(Stürmischer Beifall.) Es ist sehr leicht zu sagen: In keinem Fall und in keiner Situation darf man mit Bürger- lichen zusammen in eine Regierung gehen oder eine solche Regie- rung stützen; es ist leicht, das zu sagen, wenn man sich nicht gegen- Übersicht einer Situation, wo der Klastcngegner, der uns gegenüber- steht, keineswegs eine reaktionäre Moste ist, sondern wenn eine noch so konservative Bürokratie einer rein faschistischen Staatsgewalt vorzuziehen ist. Lonntag, 2. Aug./M'/e Uhr, im Stadion Neukölln gegen Krieg und Kriegshetze für Frieden u« Völkerverständigung Das ganze Schicksal der Arbeiterklasse Deutschlands und der ganzen Welt kann davon abhängen. Wenn im Verlaufe eines großen Krieges eine der Armeen im Entscheidungskampf steht, dann darf man nicht aus einem Hauptquartier der kämpfenden Armee die Handlungsfreiheit nehmen. Es wäre sehr schwer, die Verant- wortung vor der deutschen Arbeiterklasse und vor den Arbeitern der ganzen Welt zu tragen, wenn die Abwehr der faschistischen Ge- fahr leichtfertig geschwächt oder gar verhindert würde.(Lebhafte Zustimmung.) Wir wollen nicht unseren reichsdeutschen Genossen gute Weisungen geben, wie sie sich zu verhalten haben, svn- dern wir wollen alles, was in unserer Kraft steht, tun, um den deutschen Arbeitern, der deutschen Sozialdemokratie zu helfen.(Leb- hafte Zustimmung.) Otto Bauer wendet sich nun dem Teil der bereits veröffent- lichten Resolution über die Revision der Fricdensvcr- träge zu und unterstreicht die darin enthaltene Erklärung der sozialistischen Parteien der Internationale. Er erinnert an ein Wort von Karl Marx an die polnischen revolutionären Flüchtlinge, daß nämlich Polen erst dann frei sein werde, wenn die Arbeiter frei würden. Bauer fährt fort: Bon dem Unheil, das aus dem ver- fluchten Krieg der Habsburger und Hohenzollern auf uns gefallen ist, werden wir nicht frei werden, bevor nicht die Arbeiterklasse Europa regiert. Die sozialistischen Parteien erklären in dieser Eni- schließung, daß wenn sie an die Macht gelangen, sie die Ungerechtigkeiten aus den Friedensverlrägen entfernen werden. Insoweit die Friedensverträge altes Unrecht gutgemacht, den Bäk- kern die nationale Freiheit und Selbstbestimmung gegeben haben, ist gegen sie nichts einzuwenden.(Lebhaste Zustimmung.) Aber was an Ungerechtigkeit darin enthalten ist, zu dessen Abschaffung erklären sich die sozialistischen Parteien für den Fali ihrer Machtergreifung ausdrücklich bereit. Es hängt also von der Machtergreifung der sozial! st ischcn Parteien in Frankreich und England, in Polen und überall ab, daß diese Hoff- nung der Völker erfüllt wird, und daß die besiegten Völker von diesen Ungerechtigkeiten befreit werden. Mit dieser Erklärung über- nimmt die Internationale und die ihr angehörenden Parteien vor den Nationen der Welt, vor der Arbeiterklasse der weit eine heilige verpslichlung. und ich bin sicher, wir werde» sie erfüllen.(Allgemeine stürmische Zustimmung.) Es ist eine Tcchache, daß die britische Arbeiter- regierung bereits in außerordentlich wirksamer Weise— und wir österreichischen Sozialdemokraten haben allen Grund, ihr besonders dankbar zu sein— für die Demokratie vieles getan hat und auch unserem Lande in seiner wirtschaftlichen Not zu Hilfe gekommen ist. Aber wir wissen, daß ihr Einfluß zu beschränkt ist, schon wegen der anderen Mächte, die mitzureden haben. In der Frage der Kredit- Hilfe für Deutschland sind nicht einmal nur die Regierungen, son- dern vorerst noch die Bankiers zuständig. Wir müssen damit rechnen, daß eine Katastrophe in Mitteleuropa eine neue Periode für den Sozialismus in der Welt einleitet und uns vor neue und unerhörte Aufgaben stellen kann. Es sind verschiedene Wege zum Sozialismus denkbar. Es ist denkbar jener Weg der Gewalt, der Dikta- tur, des Terrors, zu dem das weltgeschichtliche Beispiel der russischen Revolution breite Massen von Arbeitern aus allen Ländern verlockt. Aber dieser Weg wird mit den denkbar schwersten Entbehrungen erkauft, mit dem Verzicht auf olle die kostbaren Güter der persönlichen und der geistigen Freiheit, die wertvollste Errungenschaften jahrhundertelanger Freiheitskämpfe der Menschheit sind. Dieser Weg der Gewalt, der Diktatur, des Terrors, er ist n i ch: unser Weg. Er ist nicht der Weg, den wir wünschen. Wir haben immer einen andere» Weg zum Sozialismus gewollt und wollen ihn auch heute. wir wollen die Freiheilsrechtc. die Garantien der persönlichen und der geistigen Freiheit, für die die Besten der Menschheit gestorben auf den Scheiterhausen der Gegenrevolutionen, in den Bastillen des Absolutismus, auf den Barrikaden oller Revolutionen. wir wollen ihn auch nicht preisgeben um des Sozialismus wegen, sondern sie ausnutzen um den Kamps für de» Sozialismus. Wir wollen aus die Dcmokratie nicht verzichten um des Soziallsmus willen, sondern sie zum Fundament machen des Aufbaues einer sozialistischen Gesellschaft. Aber in Deutschland hängt der Weg der Demokratie nicht von uns allein ob. Wenn die kapitalistische Klasse, die die Welt regiert, nicht mehr imstande ist, in ihrem eigenen Hause Ordnung zu machen, wenn an den Widersprüchen der kapitalistischen Klasse die Demokratie in größeren Teilen von Europa zerfällt, wenn die brutale Ge- walt des Faschismus die Arbeiter niederzuschlagen versucht, auch oann, ja, die Herren Kapitalisten mögen sich nicht täuschen, dann erst recht, wird die Arbeiterklasse den Kampf um den Sozialismus führen, und wenn man ihr die demokrattschcn Kampfmittel nimmt, so wird sie den Kampf eben nut anderen Mitteln führen müssen.(Stur- Noch längere Zahlungssperre? Das Reichskabineit vor stündlich neuer Giiuation. irischer, minutenlang anhaltender Veifollh Die Stunde ist viel zu ernst, als daß man leichtfertig solche Worte gebrauchte. Wir Sözialdemokroten wollen- nach wie vor die Möglichkeit des Kampfes auf demokratischem Wege und mit demokratischen Mitteln erhalten, aber wenn trotz unserer größten Anstrengungen die demokratischen Möglichkeiten durch den Feind der Arbeiterklasse zerstört werden, wenn man der Arbeiterklasse keinen anderen Ausweg mehr läßt, wenn nur ein Kampf mit anderen Mitteln übrigbleibt, werden die Massen der Sozialdemokratie nicht abseits stehen, sondern kämpfen auch auf dem neuen Boden, sich anpassen den neuen K a m p f m c t h o d c n, an der Spitze stehend im ersten Schützengraben fechten,(Stürmischer Beifall,) Wir wollen alles tun, damit diese furchtbare Notwendigkeit nicht komme. Wir wollen nicht, daß der Sozialismus komme aus blutigem Bürgerkrieg oder als Er- gcbnis eines neuen Krieges zwischen den Völkern, auf den Trümmern der Zivilisation, aber wir wollen der Bourgeoisie sagen: Diese Welk, die heuie wankt, hat nur noch eine Wahl: Entweder gelingt es, durch rechtzeitige Hilfe für Deutschland und Mitteleuropa, die Wirtschaft wieder herzu st eilen, gelingt es, die Demokratie in Europa und damit auch den Frieden in der Welt zu retten, dann ist der Arbeiterklasse der Weg der Demokratie er» halten. Oder aber, uijsser Einfluß ist nicht stark und wirksam genug, das durchzusetzen, oder aber, diese kapitalistischen Regierungen, die vor dem, was kommen kann, zittern, und trotzdem nicht im- stände sind, ihre inneren Widersprüche, ihre Egoismen, ihre Prestige- fragen zu überwinden, und die rettenden Maßregeln auszuführen: oder aber die Katastrophe kommt: Dann möge sich niemand darüber täuschen, dann wird es nur mehr die eine Aufgabe geben: Wenn schon das Entsetzliche hereinbricht, es auszunützen mit aller Kraft für die Eroberung der politischen Wacht für die Arbeiterklasse, für den Sturz des Kapitalismus, für die Errichtung der sozialistischen Gesellschaft. (Der Kongreß und alle Zuhörer brachen in unaufhörlichen, stürmischen Beifall aus. Die Delegierten erheben sich und bringen dem Redner Ovationen dar, wobei aber die überaus ernste Stimmung, in die diese Ausführungen alle Zuhörer versetzt haben, unverkennbar ist.).,/ Mit dieser Rede Otto Bauers war die Nachmittagssitzung be- endet. Am heutigen Freitag 9X Uhr morgens beginnt die Diskussion mit einer Rede Leon Blums. Sparkassenfchatter auf! Sind die Sparer Bankgläubiger zweiten Ranges? Von besonders sachverständiger Seite wird uns geschrieben: Nach langen, viel zu langen Erwägungen scheint man endlich bei der Reichsregierung und Reichsbank zu dem Ent- schluß zu kommen, den vollen Zahlungsverkehr bei den Banken wieder herzustellen. Die Bereitstellung der erforderlichen Kre- dite wird, sei es durch direkte Einreichung von Akzepten, sei es auf dem Wege über die Garantie- und Akzeptbank, durch die Rcichsbank geschehen. Man hofft, sobald die volle Funk- tionstätigkeit des Bankensystems für den innerdeutschen Ver- kehr wieder gewährleistet ist, auf ein baldiges Abflauen der Abhebungen, Mit einer MlsitgshendilK Beruhigung ist Zweifel- los zu rechnbn, sobold'- der Vormast Gefchkiftsnerkehr wieder hergestellt und jeder ubörzeu'gt ist, über sein Güthaben dis- panieren zu können. Die Gewährung hoher Habenzinsen in Verbindung mit empfindlichen Sollzinsen wird dazu beitragen, den Strom der zurückgehaltenen Gelder zu den Banken zurück- zuleiten und auf die Abdeckung in Anspruch genommener Kredite mit allen Kräften hinzuwirken. Unvcrständlicherweise aber will man nach allen bisherigen Mitteilungen das gleiche Rezept bei den Sparkassen und öffentlichen Banken nicht anwenden. Die Reichsbank st raubt sich, die dafür erforderlichen Kredite bereitzustellen, obwohl ihr gute Effekten als Lombard- unterläge angeboten werden und notfalls durch Gründung einer geeigneten Akzeptstelle auch die von ihr gewünschten Wechsel zur Verfügung gestellt werden könnten. Man ist auf die seltsame Begründung verfallen, daß die Gelder bei den Sparkassen nicht die gleiche Funktion ausüben wie die De- positen der Banken. Die Spargelder sind nach dieser Auf- fassung als langfristige Rücklagen der einzelnen Sparer ge- dacht, auf die notfalls auch noch einige Wochen oder Monate verzichtet werden kann, ohne daß das wirtschaftliche Leben wesentliche Schäden erleidet. Nichts ist falscher als diese Meinung! Sie verkennt vollkommen die tatsäch- lichen Verhältnisse bei den Sparkassen, wie sie sich insbesondere seit Stabilisierung der Währung entwickelt haben. Die Spar- kassen sind heute in größtem Umfange die Banken des kleinen Mannes, des Mittelstandes, des Handwerkers und des Klein- gewerbes. Eine Differenzierung in der Behandlung zwischen Sporkassen und Banken beim Einsetzen des freien Zahlungsverkehrs würde ein schwerer und nicht wieder gut zu machender Schlag gegen die Interessen des Mittel st andes und der Ar- beitnehmcrschaft und Angestelltenschaft fein. Zahllose Handwerker und Kleingewerbetreibende, die auch in unserer hochkapitalistischen Wirtschaft immer noch einen außer- ordentlich großen Teil des gewerblichen Lohnes tragen, wären gehindert, Betriebsmittel abzuheben, Rohstoffe einzukaufen. Löhne zu zahlen und ihren Verpflichtungen gegenüber ihren Gläubigern nachzukommen. Eine Reichsregiening— besonders Reichskanzler und Reichsfinonzminister— die sich in ihren wiederholten Ansprachen mit besonderem Nachdruck für die Pflege und Erhaltung einer leistungsfähigen wirtschaften- den Mittelschicht eingesetzt hat, würde durch die beabsichtigten Maßnahmen gegenüber den Sparkassen einen vernichtenden Schlag gegen die Interessen gerade dieser Schichten führen. Mindestens ebenso stark betroffen aber werden breite Kreise von Angestellten und Arbeitern. Die Rücklagen bei den Spar- kassen dienen diesen Schichten als Notpfennig, über den im Falle der Erwerbslosigkeit, bei Todesfällen, Erkrankungen. Umzügen und allen möglichen sonsti- gen Fällen verfügt werden muß. Will man diesen Konto- inhabern die Verfügungsgewalt über ihr Geld gerade dann nehmen, wenn sie dasselbe unbedingt benotigen? Will man sie zwingen, in jedem einzelnen Falle Notwendigkeit und Be- Der Stand der Beratungen de? Reichskabinett, bzw. seine» Wirtschaftsausschüsse» über die Lockerung der Banken- sperre erfährt infolge der zugespitzten wirtschaftlichen Lage fast stündlich Veränderungen. Selbst große Geldinstitute werden von der Krise schwer bedroht und, soweit das nicht der Fall ist, können sie ihr nur unter schwierigen Umständen widerstehen. -i- Diese Situation bringt es mit sich, daß die Reichsregieruug in den letzten Tage« öfter vor die Frage gestellt worden ist. inwieweit sie von der Ermächtigung des Reichspräsidenten, sich an Zndu- strieunteruehmungen oder Baaken finanziell zu beteiligen. Gebrauch machen sollte. In einzelnen Fällen sind entsprechende Anträge abgelehnt, in anderen, so bei einer Baak mit der Zentrale in Berlin, ist ihnen grundsätzlich zugestimmt worden. Diese Beteiligung de» Reiches birgt eine Garantie für die Gelder der Gläubiger in sich. Was das große Publikum davon hält, ist dürftigkeit nachzuweisen und sich damit als Bantgläubi- ger zweiten Ranges ansehen zu lassen, die über ihr Geld nur verfügen können nach vollständiger Offenlegung ihrer Verhältnisse? Schon diese Fragen stellen, heißt sie ver- neinen, ganz abgesehen von der Unmöglichkeit, in groß- städtischen Verhältnissen in eine derartige tatsächliche Prüfung einzutreten und nicht dem Mißbrauch Tür und Tor zu öffnen. Aber nicht nur die schweren Schäden, die dem gewerb- lichen Leben und den breiten Arbeitnehmerschichten zugefügt werden, sind bei einer verschiedenartigen Behandlung der Sparkassen gegenüber den Banken zu beachten. Es kommt hinzu, daß man in schwerster Weise die großen Sparinstitute schädigen, ihre Anziehungskraft auf die sparende Bevölkerung auf Jahre hinaus auf das schwerste beeinträchtigen und damit ein« Kapitalbildungsstelle gefährden würde, die durch keinerlei andere Institute, wie die Erfahrung immer wieder gezeigt hat, wirksam ersetzt werden kann. Oder soll es sich hier wirklich um einen van der Reichsregierung unbewußt geförderten Kampf der Privatbanken gegen die öffcnt- lichen Institute handeln? �Kir können nicht annehmen, daß eine solche Absicht bei Reichsregierung und Reichsbank besteht, denn sie wäre nicht nur vom politischen Standpunkt in einem Augenblick grotesk, in dem gerade Privat- danken ohne öffentliche Hilfe ihre Zahlung»- fähigkeit nicht aufrechterhalten könnten und außerdem im Interesse des öffentlichen Kredits das höchste Interesse daran besteht, alle geeigneten Grundlagen einer umfassenden Spartätigkeit zu erhalten und zu kräftigen, Steht man aber allen diesen Auffassungen ablehnend gegenüber, dann sollte wenigstens die kühle Ueberlegung, bei welcher Regelung die Reichsbank stärker beansprucht werden beispielsweise daraus zu ersehen, daß bei der unter Reichsaufsicht stehenden und mit Reichsgarantic arbeitenden Danatbaat in letzter Zeil wieder zahlreiche Einzahlungen vorgenommen worden sind. Am Montag dürste auch die Danatbank unter der Kontrolle des Reiches ihre Schalter wieder öffnen. Wie hier da» Reich sich auch bei allen anderen Znstitutionen. an denen es sich finanziell beteiligen muß, den notwendigen ausschlaggebenden Einfluß sichern müsien. In Banken, die nur mit Hilfe de» Reiches zu halten sind, gebührt dem Reich selb st ver stand- lich das ausschlaggebende Bestimmungsrecht. Die neuesten Vorgänge aus dem Geldmarkt werden aller vor- onssichl nach noch dazu führen, daß am Montag bei den Großbanken nur die laufenden Konten restlos freigegeben werden, während für die Sparkonten, wie bei den Sparkassen, noch eine Sperre von voraussichtlich längerer Dauer bestehen bleibt. 1 würde, zu einer Umkehr vom bisherigen Wege oeranlassen. Gibt man den Sparkassen die volle Zahlungsmöglichkeit nicht wieder, sondern beschränkt ihre Auszahlungsberechtigung in der bisherigen Weise, dann ist mit Bestimmtheit damit zu rechnen, daß der Strom der kleinen und kleinsten Abziehungen nicht versiegt, sondern die täglichen Aderlässe in kurzer Zeit einen wesentlich größeren Betrag an Zahlungsmitteln er- fordern werden, als nach menschlichem Ermessen bei einer raschen und kühnen Wiederherstellung der vollen Zahlung?- freiheit erforderlich wäre. Sehen erst einmal die Sparer, ebenso wie die Bankkunden, daß sie uneingeschränkt über ihr Guthaben vorsiigen können, so ist bei der besonders hohen Sicherheit, die die Sparkassen bieten, damit zu rechnen, daß die Geldabziehungen sehr rasch aufhören und die Rückflüsse einsetzen. Dies um so mehr, weil die Sparkasien auch ihren Einlegern eine der allgemeinen Geldlage angepaßte wesentlich höhere Verzinsung als in normalen Zeiten bieten und damit auch von der Zinsseite her den Anreiz zu erneuter Spar- tätigkeit schaffen werden. Es gibt nur einen Weg: Gleiche BeHand- lung der Banken und Sparkassen, Bereit- stellung der erforderlichen Beträge gegen Lombarddeckung oder Akzept und damit Wiederherstellung eines funktionsfähigen Zahlungssystems im Lande. Nichts schädigt die Wirtschast schwerer und nachhaltiger als die Erschütterung des Banken- und Kreditsystems, von desien baldiger Intaktheit die Verhinderung weiterer wirtschaftlicher Schäden und erneuter verheerender Arbeitslosigkeit abhängt. Lange genug hat man gezaudert, es ist höchste Zeit zum Entschluß: Die Schalter der Banken und Sparkassen auf! Die Pläne der Bankrotteure. Dingeldey verhandelt mit Hitler.— Ein Dolchstoß gegen die Reichsregierung? Der Sozialdemokratische Pressedienst meldet: Herr Hitler und Herr Dingeldey von der Dolkspartei haben sich am Dienstag in Nürnberg über Politik unterhalten. Jedenfalls trifft die Nachricht zu, daß Dingeldey in Nürn- b e r g gewesen und dort mit Hitler zusammengetroffen ist. Die Herren haben sich«ine ganz« Zeitlang unterhalten und zwar über das, was nach dem Volksentscheid werden soll. Hugenberg und Hitler haben darüber bereits Beschlüsse gefaßt. Sie sind über die kommunistische Bunde sgenossenschaft außerordentlich entzückt und sehen sich bereits als Sieger. Ist es soweit, dann wollen sie dem Reichspräsidenten die Pistole auf die Brust fetzen und unter Hinweis darauf, daß Preußen zwei Drittel der Wählerschaft des Reiches stellt, den Rücktritt der Reichs- regierung fordern. Sollte dem nicht entsprochen werden, dann wollen sie z u d e m„l e tz t e n Mittel" greisen. In dieser Offenheit dürfte Hitler Herrn Dingeldey seine Absicht und die von Hugenberg nicht klargestellt haben. Aber er hat ihm klarzumachen oersucht, daß er zur Macht kommen muß und Hugen» berg den Wunsch hat, unbedingt mit bei der Parti« zu sein. Warum plötzlich diese Eile? Es ist ein offenes Geheimnis, daß die NSDAP, sich in großen finanziellen Schwierig- keiten befindet, ihre Zeitungen fast restlos vor dein finanziellen Ruin stehen und ihre sonstigen Gründungen aus letzter Zeit zum großen Teil bereits wieder eingegangen sind, oder in der nächsten Zeit eingehen werden. Die Hoffnung, daß diese Finanzkalamität durch eigene Kraft zu, beheben est, besteht im Nazilager nicht, und wird auch von Hitler nicht gehegt. Aehnlich liegen di« Verhältnisse bei Hugenberg. Dort mangelt es ebenfalls an dem notwendigen Betriebsstoff. Di« Schulden sind in den letzten Monaten ins Un- geheuerliche gestiegen. Angesichts dieser Zustände hat auf der Rechten «ine ungeheure Derzweislungsstimmung Platz gegriffen. Ihr einziger Hoffnungsstrahl ist, daß der Volksentscheid Hitler und Hugenberg mit Hilfe der Kommunisten s o o d« r f o zur Macht bringt und dann, an der Futterkrippe angelangt, finanzielle Hilfe für die bankerotten Unternehnmngen, vom Braunen Haus angefangen bis zum kleinsten Käseblatt, in Aussicht steht. Das ist die Situation, wie sie im Lager der„nationalen Oppo- sition" im Augenblick gesehen wird. Es kommt hinzu, daß weite Kreise, die am 14. September den Verderbern Deutschlands nach- gelaufen sind, der rechtsradikalen Front in letzter Zeit verärgert den Rücken gekehrt haben. Sie sind enttäuscht und verstimmt, daß „nichts geschehen" ist, daß zwischen Theorie und Praxis der „nationalen Opposition" ein himmelweiter Unterschied besteht. Dos wiederum hat dazu geführt, daß insbesondere im Lager der NSDAP. zur Zeit eine heftige Diskussion über den neuen Kurs der Partei im Gange ist und die Gcwaltanbeter immer mehr Terrain gewinnen. Auch die kürzlich in einer deutsch- nationalen Versammlung in Berlin unter Bezugnahme auf den Reichskanzler gefallenen Worte wie„Aushängen" usw. kamen nicht von ungefähr. Man bereitet eine Stimmung vor, die der im Oktober 1923 außerordentlich ähnelt und die Anführer, ob sie wollen oder nicht, schließlich zu Gefangenen der eigenen unver- antwortlichen Agitation machen muß. So dumm ist Hitler nicht, daß er das nicht selbst erkennen würde. Seine Unterhaltung mit Dingeldey stellte deshalb den Ber- such dar, auf legalem Wege an die Kasfenschränke desReichesheranzukommen. Seine Absicht war, die Volks- parte! zum Ausbruch aus der gegenwärtigen Koalition zu ver- anlassen und ihr den Steigbügel zu halten. Nicht um das Volk zu„retten", sondern um zunächst sich und seine Partsi vor dem drohenden Untergang zu bewahren und sich nicht zum Gefangenen feiner Politik machen zu lassen. Wahr- scheinlich ist auch er davon überzeugt, daß schon der Versuch einer Gewaltaktion von der abwehrbereiten preußischen Polizei mtt drako- nischen Mitteln im Keime erstickt werden würde. * Die Reichstagsfraktion der Deutschen Volks- parte! tritt am Montag zu einer Sitzung zusammen. Lord Kylsani ein Lahr Gefängnis. - Wegen Bilonzfälfchong.- Looöoa. 39. Juli.(Eigenbericht.) Lord Kylsant.der Leiter der Royal Mail-Schiffahrtsgesell- schnst, des größten Schiffahrtskonzerns der Welt, wurde am Donners- tag wegen B il an z f als ch u n g zu 12 Monaten Ge- f ä n g n i s verurteilt. Kylsant wurde von der ersten Anklage frei- gesprochen. Der Verteidiger Kylsants hat gegen das Urteil Bc- rufung eingelegt. Der Prozeß hat insofern weittragende Bedeutung, als er in England über gewiss« Methoden in der Bilanzaufstellung eine Dis- kussion hervorgerufen Hot, die sicher zu Reformen sichren wird. Insbesondere handelte es sich darum, wie weit die Kenntnis der stillen Reserven den Aktionären vorenthalten werden darf b.zw. wie weit die stillen Reserven früherer Jahr« in einem un- günstigen Jahr als Gewinn ausgewiesen werdcn dürfen. Gparkassenmißhandluug dauert fori. Die Reichsbank hat jetzt einen geringen Batrag— man spricht von 75 Millionen Mark— für die Sparkassen bereitgestellt, um, wie es heißt, für die n ä ch st e n T a g e im Rahmen der Notverord- n u n g die Auszahlungen zu ermöglichen. 5lr. 353• 48. Jahrgang ± Beilage des Vorwärts Freitag, 34. Juli 4934 Zeppelin in Tempelhof Von Zehntausenden begrüßt/ Weiterfahrt nach Friedrichshafen Nach fefiKt erfolgreiche« Arktisfahrt ist das Luft- schiff„Graf Zeppelin" gester« gegen?LlS Uhr auf dem Zentralflughafen in Tempelhof glatt ge- landet. Das schiff verweilte eine knappe Stund« auf dem Flugfeld und setzte dann«ach Uebernahme von Brennstoff und Wafserballast die Weiterreise um �20 Uhr nach Friedrichshafen fort. Der Funk- station des Luftschiffbaues wurde vom Schiff mitgeteilt. das das Luftschiff Freitag früh um 5 Uhr dort landen werde. Zehntausende in Tempelhof. So gewaltige Menschenmossen. wie gestern nach- mittag, hat Tempekhof schon lang« nicht mehr gesehen. Vom Zeppelin war noch nichts zu sehen und zu hören, als bereits der Zustrom der Zuschauer einsetzte. Di« U-Bahn brachte viele tausende hinaus nach Tempelhof, die Stratzenbahnen waren zeitweise überfüllt— fast unendlich war die Kette der Kraftfahrzeuge, die dem Flughasen zu- strebten. Daß ein solcher Massenandrang nicht ohne ein starkes Polizeiaufgebot abgeht, ist selbfwerständlich, und so hatte dos Kommando der Berliner Schutzpolizei viele hundert Beamte ein- gesetzt, die für eine reibungslose Abwicklung des Verkehrs Sorge trugen. Schon am challeschen Tor zeigte es sich, daß„etwas Be- sonderes" los war. An allen Straßenkreuzungen verstärkte Schupo- posten, die den Verkehrsbeamten in ihrem anstrengenden Dienst zur Seite standen. Der Menschenstrom ergoß sich auf das Flugfeld, und die Tribünen weisen bald die allerstärkste Besetzung auf. Zehn- tausende aber halten sich am Weftende des Flugplatzes auf, und warten auf die Ankunft des ,�epp". Zeppelin taucht auf. Es ist gerade 20 Minuten nach 18 Uhr, als fernes Motoren- geräufch den von seiner Cissahrt heimkehrenden Luftriesen ankündigt. Noch ist nichts zu sehen, vergeblich werden die Hälfe gereckt. Zu allererst bekommen das Luftschiff dann die„Zaungäste" zu sehen, als er aus der Richtung des Halleschen Tores her über den Häusern auftaucht. Schnell nähert sich das Schiff dem Flughafen, und unter dem Jubel der Tausend«, unter Tücherschwenken und Hurrah, über- quert das Schiff in geringer Höh« das Flugfeld. Doch bis zur Landung währt es noch eine Weile. In einer großen Kurve umfliegt der„Zepp" den Flughafen, entschwindet den Blicken der Vielen und nimmt wieder Kurs auf das Stadtinnere, wo er noch etwa 20 Minuten kreuzt. Um%7 Uhr kommt das Luftschiff wieder in Sicht, um nun endgültig zur Zwischenlandung überzugehen. Aus der Westseite haben sich zweihundert Schupobeamte postiert, die auf das Niederwerfen der Halteleinen warten. Die Spitze des Schiffes neigt sich langsam zur Erde, vierhundert Hände packen kräftig zu, die Landung,. di<.kaum � Ministen gedauert hat, ist glänzend geglückt. Niemand verläßt die Kabine. Das Luftschiff soll erst von der Westfeit« nach der Mitte des Platzes gebracht werden. Die zwei- hundert Schupobeamten geleiten das Schiff sicher zur Mitte des Flugfeldes i genau um 7 Uhr, also zur vorgesehenen Zeit, geht das Fallrep hinunter. Dr. Eckener entsteigt, mit einem dicken Woll- anzug bekleidet, darunter noch einen Pullover, dem Schiff. Professor Samoilowitsch ist neben ihm, dann folgen die übrigen Teil- nehmer an der Arktissahrt. Wieder, wie vor einigen Tagen in Staaken, ist es Berlins Oberbürgermeister Dr. Sahm, der Dr. Eckener und seiner verdienten Mannschaft die Grüße der Stadt Berlin und den Glückwunsch zum Gelingen des glänzend verlaufenen Arktis- sluges überbringt. Es ist ein minutenlanges Händeschütteln vor der Gondel, Blumen werden überreicht, ein dreifaches Hoch gilt dem Führer des Schiffes und den Getreuen, die schon so manche gemein- same Fahrt hinter sich haben. Dann sind es die Presiephotographen und Tonfilmturbler, die nicht eher Ruhe geben, als bis sich Dr. Eckener, Profesior Samoilowitsch und die übrigen, je nach Bedarf, knipsen oder kurbeln lassen. Oie Ansprachen. Dr. Eckener mik dem mehrhundertköpfigen Gefolge schrecket dann langsam den Zuschauerplätzen zu, wo in unmittelbarer Nähe das Mikrophon aufgebaut ist, das die Begrüßungsreden übertragen soll. Dr. S a h m richtet an Dr. Eckener das Wort und überreicht ihm das Wahrzeichen der Stadt Berlin, einen bronzenen Bären auf marmornem Sockel zur Erinnerung:„Das silberne Luftschiff sei uns in diesen Tagen tiefster Not ein Symbol des heißersehnten Aufstiegs, von dem wir lernen wollen, was zäher Wille vermag. Mit uns blicke die Weck auf die Leistung des Schiffes, seiner Führung und der wissenschaftlichen Pioniere des russischen Volkes." Dr. Eckener, dem von allen Secken zugejubelt wird, ist sichtlich über den vielleicht nicht so erwarteten herzlichen Empfang gerührt. Er dankt den vielen, die sich zur Begrüßung des Zeppelins ein- gefunden haben, und erzählt dann der gespannt lauschenden Menge, die Fahrt sei dauernd unter einem herrlichem blauen Himmel von- statten gegangen, und auch die Orientierung habe keine Mühe ge- macht. Die Aufnahmen, die man mitgebracht habe, würden zeigen, ein wie ausgezeichnetes Forfchungsmillel das Luslschiss ist. Zum Schluß sprach Dr. Eckener die Ueberzeugung aus, daß es noch sehr häufig für solche ähnliche Fahrten verwandt werden wird. Ueber den weiteren wisienschaftlichen Erfolg der Lustexpedition äußerte sich Dr. Eckener zurückhallend. Vielleicht wollte Dr. Eckener dem be- rühmten russischen Gelehrten Samoilowitsch in keiner Weise vorgreifen. Oer russische Botschafter Chintschuk hieß darauf die Führung des Schiffe» und der Expedition in deutscher Sprache herzlich willkommen. Er zweifle nicht daran, daß die Ergebnisse dieser Fahrt für die ganze Well von großer wissen- schastlicher Bedeutung sein werden. Die Expedition sei eine neue Bestätigung für die völkerverbindende Mission von Wissenschaft und Technik. Mit besonderer Genugtuung erfülle ihn hier natürlich das deutsch-russische Zusammenwirken. Zum Schluß beglückwünschte der Botschafter Dr. Eckener noch einmal zu dem großen Erfolge. Auch Professor Samoilowitsch äußerte sich sehr anerkennend über die gelungene Expedition. Als letzter richtete Kapitän Lehmann, Dr. Eckeners treuer Gefährte, noch einige herzliche Worte der Be- grüßung an die Berliner. Damit hätte die. offizielle Veranstaltung eigentlich ihr Ende erreicht, wenn nicht die Menge verlangt hätte, Dr.' Eckener aus nächster'Nähe zu stehen. Was blieb rhm weiter übrig, er mußte sich den Enthusiasten beugen, und im Auto fuhr er, von Oberbürger- meister Dr. Sahm begleitet, an den Tribünen entlang. In der Zwischenzeit sind die Brenn st offübernahme und die Auffüllung der Wasserreservoire erfolgt. Di« neuen Passa- giere, die das Lufffchiff nach Friedrichshasen begleiten, haben in- zwischen auch unbemerkt Platz genommen, der Start zur Weiter- fahrt kann ersolgen. Kommandos ertönen. Die Motoren beginnen ihr dröhnendes Lied, die Halteleinen werden eingezogen, Zeppelin ist wieder in Fahrt. Von Scheinwerfern beleuchtet, geht der riesige Leib immer höher in die Lüste, und nach einer großen Schleife über dem Lufthoseu strebte er seinem Standort Friedrichshafen zu. Und die Musik spielte währenddessen:„Muß i denn, muß i denn zum Städtele hinaus." Ankunft der Ozeanflieger in Tempethof. Fast völlig unbemerkt waren um 19.30 Uhr die beiden Ozean- flleger H e r n d o n und P a n g b o r n, die um 14.14 Uhr aus dem englischen Großflughafen Croyden gestartet waren, gelandet. Der rote„Bellanca-Pacemaker'-Apparat N. R. 796 W., der mit einem ZOO-Lti-Wright-Motor ausgerüstet ist, war später Las Ziel vieler Schaulustigen, die von der erfolgten Landung erfahren hatten. Die beiden amerikanischen Ozeanbezwinger waren in New Pork gestartet und hatten gestern an der englischen Küste notlanden müssen. Die Flugstrecke Eroyden— Berlin legten sie in einer Durchschnitts- geschwindigkeit von 200 Kilometer zurück. Die amerikanischen Gäste wurden herzlichst begrüßt. Wahnwih des Paragraphen. Sine Mutter wegen Kuppelei verurteilt. Das Strafgesetzbuch als Wahrzeichen einer überlieferten bürgerlichen Morolheuchelei führt, immer noch zu sonderlichen Dingen. Es erklärt für Unzucht jeden Liebesverkehr, der nicht standesamtlich besiegelt ist: es stempelt Mütter zu„Kupplerinnen", weil sie die Liebe ihrer Kinder nicht zerstören wollen; es nennt das dann„durch Verschaffung von Gelegenheit der Unzucht Vor- schub leisten". Wegen„Kuppelei" saß neulich ein« Mutter auf der An- klagebank, eine abgehärmte Arbeiterin, die 23 Jahre schwer ge- schuftet und ein braves Mädchen großgezogen hat, angezeigt von dem eigenen Sohn, auf Veranlassung ihres Mannes. Saß da, vergoß Tränen und konnte es nicht begreifen, weshalb sie vor den Richter kam, konnte nicht verstehen, was sie verbrochen hat. „Ich fürchtete, daß die Tochter von mir gehen würde; ich war schon so allein geblieben mit dem Kleinen; den großen Jungen hatte der Mann mit sich genommen. Es gab immer soviel Streit und Zank, er war Rohköstler. Wie sollte ich nach der Tagesmühe und bei dem geringen Arbeitsverdienst noch besonderes Essen bereiten? Er be- stand aber darauf und hatte keine Einsicht. Es war in der letzten Zeit bereits so schlimm geworden, daß wir gar nicht mehr wie Mann und Frau miteinander lebten. Er suchte nur einen Vorwand, um sich von mir scheiden zu lassen. Ich sollte der schuldige Teil sein, damit er für den Kleinen nicht zu sorgen brauchte. Den großen Jungen hetzte er gegen mich auf: ich zöge den Hans vor! Ich tat es aber gar nicht. Er hat ja keine Eltern, der Hans. Er arbeitete bei Tietz, lernte da meine Tochter kennen, die Verkäuferin war, er bat mich, ob er nicht zu uns ins Haus ziehen könnte. Wir hatten ein Zimmer frei, er gab mir das Kostgeld ab und war wie ein eigenes Kind. Ich wußte, daß er meine Tochter lieb hat, sie wollten auch heiraten, war denn das so schlimm? Sie sind auch jetzt verlobt. Der Mann hat mich aber verdächtigt, ich hätte was mit dem Hans vor.(Unter Schluchzen): Das war ja aber gar nicht der Fall. Jetzt waren Vater und Sohn gegen mich, und dann gingen sie beide und ließen mich allein, und der Sohn zeigte mich an, weil der Pater einen Scheidungsgrund habe» will �.." ..... Der Staatsanwalt beantragt« zwei- Wochen Gefängn iß wegen„Kuppelei". Während der Beratung setzten sich Tochter und Verlobter zu Seiten der Mutter und trösteten sie, so gut sie konnten. Sie wischte sich aber immer nur die Tränen ab. wegen der Schmach, die Sohn und Mann ihr angetan haben, daß sie nun in aller Oesfentlichkeit ihr Leid klagen mußte. Das Gericht o e r u r t e i l t e die Frau zu zwei Wochen Gefängnis und billigte ihr Bewährungs- frist zu. Die geringste Strafe wäre ein Tag Gefängnis gewesen. Draußen mußte sie sich erst das Urteil erklären lassen; sie hatte es vor Aufregung gar nicht begriffen. Der Mann kann nun seinen billigen Triumph feiern, seine Frau i st verurteilt. Der unsinnige Paragraph leistete in diesem Falle Vorschub zur Denunziation durch Sohn und Ehemann. Von I HF UND F. PEIROW Das grüne Kap. Ingenieur Bruns saß auf der Veranda seines Land- Hauses unter einer hohen Palme, deren steife Blätter scharfe schmale Schatten aus seinen rasierten Nacken warfen, auf sein weißes Hemd und den Gambs-Stuhl der Generalsfrau Po- powa, auf dem sich der Ingenieur in Erwartung des Mittag- essens langweilte. Bruns zog seine dicken Lippen kreisförmig zusammen und sagte im Tone eines schelmischen Kindes:--Mu— u— fit!" Im Hause blieb es still. Die tropische Flora umschmeichelte, den Ingenieur und suchte ihm wohlzutun. Die Kakteen breiteten ihre stachligen Arme vor den Ingenieur hin. Die Zweige der Bananen- und Sagopalmen bewegten sich leise und jagten die Fliegen von der Glatze des Ingenieurs hinweg, Rosenblätter sielen zu seinen Sandalen nieder. Aber alles vergeblich. Bruns war hungrig. Er sah ge- reizt auf die perlmutterfarbene Bai, auf das ferne Kap von Batum und rief mit singender Stimme:„Mu— u— ussik! Mu— u— ssik!" Der Ruf verlor sich schnell in der feuchten tropischen Luft. Keine Antwort erfolgte. Bruns stellte sich die große braune Gans mit der fetten zischenden Kruste vor. Er hatte nicht mehr die Kraft, sich zu beherrschen, und rief:„Mäuschen!!! Ist dos Gänschen bereit?" „Andrej Michailowitsch!" rief eine Frauenstimme vom Hause her.„Gib mir Ruh!" Der Ingenieur begann seine Lippen wieder kreisförmig zusammenzuziehen und antwortete unverzüglich:„Mussck! Du hast kein Mitleid mit deinem kleinen Mann!" „Halt den Mund, du Fresser!" war die Antwort aus dem Zimmer. Der Ingenieur aber gab den Kampf nicht auf. Wieder wollte i-r ins Haus rufen, ein Gehaben, das er bereits seit zwei Stunden praktizierte, als eine unerwartete Bewegung in den Sträuchern ihn zum Hinsehen zwang. Aus dem schwarzgrünen Bambusdickicht kam ein Mensch in zerrissenem blauem Hemd hervor, mit einer abgeschabten Schnur gegürtet, mit großen Quasten daran und schmutziger gestreifter Hose. Ein wirres Bärtchen zierte das gutmütige Gesicht des Menschen. Seinen Rock trug er über dem Arm. Der Mann näherte sich und fragte mit milder Stimme: „Befindet sich hier der Ingenieur Bruns?" „Ich bin Ingenieur Bruns", sagte der Gansbraten- enthusiast in tiefem Baß.„womit kann ich dienen?" Der Mann fiel schweigend in die Knie. Es war Vater Fedor. „Sind Sie verrückt geworden?" rief der Ingenieur und sprang auf.„Bitte stehen Sie auf!" „Ich stehe nicht auf", antwortete Vater Fedor und sah den Ingenieur mit klaren Augen an. „Stehen Sie auf!" „Ich stehe nicht auf." Und Vater Fedor begann— vorsichtig, um sich nicht wehzutun— mit dem Kopf auf den Boden zu schlagen. „Mussik! Komm rasch her!" rief der erschrockene In- genieur.„Schau her, was da vorgeht. Ich bitte Sie, stehen Sie auf! Run, ich beschwöre Sie!" „Ich werde nicht aufftehen", wiederholte Vater Fedor. Mussik, die sich im Tonfall der Stimme ihres Mannes gut auskannte, kam auf die Veranda gelaufen. Als Vater Fedor die Dame erblickte, kroch er, ohne sich aufzurichten, rasch zu ihr hin, senkte den Kopf bis auf die Erde und flüsterte eilig:„Auf Ihnen, Mütterchen, auf Ihnen, mein Täubchen, ruht meine ganze Hoffnung." Ingenieur Bruns wurde rot vor Wut, packte den Bitten- den unter dem Arm, hob ihn mit Anstrengung auf und ver? suchte, ihn auf die Beine zu stellen. Vater Fedor zog aber die Beine unter sich. Der empörte Bruns schleppte den seit- samen Gast in die Ecke und setzte ihn krästig auf einen Gambs- seffel, der aber nicht aus Worobjews Haus, sondern aus den Räumen der Generalsfrau Popowa herrührte. „Ich wage es nicht", murmelte Vater Fedor,„mich in Anwesenheit so hochgestellter Personen zu setzen." Und Vater Fedor machte wieder den Versuch, auf die Knie zu fallen. Der Ingenieur hielt ihn mit einem entsetzten Schrei an den Schullern zurück. „Mussik", sagte er. schwer atmend,„sprich mit diesem Bürger. Es muß irgendein Mißverständnis sein." Mussik sprach sofort in sachlichem Ton.„Ich ersuche Sie", sagte sie drohend,„in meinem Hause nicht zu knien!" „Mein Täubchen!" sagte Vater Fedor.„Mütterchen!" „Ich bin nicht Ihr Mütterchen. Was wünschen Sie?" Der Pope murmelte etwas Unverständliches, allem An- schein nach aber sehr Flehendes. Erst nach langem Hin und Her erfuhr man, daß er es auf zwölf Stühle— auf deren einem er jetzt saß— abgesehen hatte und flehentlich um die besondere Gnade bat, man möge sie ihm käuflich überlassen. Der Ingenieur ließ vor Staunen Vater Fedors Schulter frei. Dieser kniete unverzüglich abermals nieder und kroch dem Ingenieur wie eine Schildkröte nach. „Warum", rief der Ingenieur und suchte den langen Armen Vater Fedors zu entgehen,„warum soll ich meine Stühle verkaufen? Sie können knien, so viel Sie wollen, aber ich verstehe doch nichts von alldem." „Es sind doch meine Stühle", stöhnte Vater Fedor. „Ihre Stühle? Was soll das heißen? Sind Sie verrückt geworden? Mussik! Jetzt ist mir alles klar! Er ist wahn- sinnig!" „Ihrer Meinung nach habe ich Ihnen die Stühle ge- stöhlen?" rief der Ingenieur empört.„Gestohlen? Hörst du, Mussik? Das ist irgendein Schwindel!" „Nein, um Gottes willen!" flüsterte Vater Fedor. „Wenn ich sie Ihnen gestohlen habe, so belangen Sie mich vor Gericht, in meinem Hause aber machen Sie keinen Skandal! Hörst du, Mussik? Wie weit die Frechheit geht! Man läßt einen nicht ruhig Mittag essen!" Nein, Vater Fedor hatte durchaus nicht die Absicht, dem Ingenieur der Stühle wegen mit dem Gericht zu kommen. Er suchte dies klarzumachen.— Keinesfalls wolle er das tun. Er wisse, daß der Ingenieur Bruns seine Stühle nicht ge- stöhlen habe. Er denke nicht im Traum an so etwas. Und doch hätten diese Stühle vor der Revolution ihm gehört, ihm, dem Vater Fedor, und sie seien seiner jetzt in Woronesch im Sterben liegenden Frau unendlich teuer. Nicht aus Frechheit, sondern in Erfüllung ihres Willens habe er sich erlaubt, den Aufenthaltsort des Bürgers Bruns ausfindig zu machen und vor ihm zu erscheinen. Vater Fedor wünsche kein Almosen. O nein! Er habe genügend Mittel(eine kleine Kerzcnfabrik in Samara), um die letzten Stunden seiner sterbenden Frau durch den Kauf der alten Stühle zu erleichtern. Er sei nicht kleinlich und erkläre sich bereit, für die Stühle zwanzig Rubel zu erlegen. „Was?" rief der Ingenieur und wurde rot vor Empö- rung.„Zwanzig Rubel? Für eine herrliche Salongarnitur? hörst du, Mussik? Er ist doch verrückt! Bei Gott, er ist verrückt!" (Fortsetzung folgt.) Die grüne Internationale. „Eine wesentliche Bedingung des menschlichen Glücks ist der Boden- besitz, welcher früher bestand und jetzt nicht mehr. Das Land gehört nur wenigen, und die Masse geht leer aus. Es besteht eine ganze lasse der Besitzlosen, welche ihre Not weiter oererbt: dies ist die Ursache des sozialen Unbe- Hagens. Der Vaterlandsgedanke hat bei vielen seine Anziehungskraft ver- loren, weil tatsächlich Vaterland und Bodenbesitz zueinander gehören. Sie haben eben kein Fleckchen Erde mehr und können sich keines mehr an- eignen." Diese Worte stammen aus einem offenen Brief, den das Büro der „Grünen" Internationale an den Völkerbund gerichtet hat. Eine „Grüne Internationale"! Nur wenige Menschen außer den Kleingärtnern und Bodenreformern wußten etwas von ihrer Existenz, obwohl sie die Hauptländer des Kontinents verbindet und bereits bis nach Aegypten hinübergreift, denn Kleingärtner gibt es auf der ganzen Welt. Sie hat ihren Sitz in Brüssel, und alle bedeutenden Organisationen wie der Pro- vinzialoerband der Kleingärtner Groß-Berlin sind ihr angeschlossen. Die politischen Ereignisse dieser bewegten Zeit übertönen freilich einen solchen Ruf. der doch der einzig ruhende Pol in der Erschei- nungen Flucht genannt werden darf. Immer ist der bescheidene und fleißige Kleingärtner in seinen Forderungen hintenan geblieben, ob- wohl sein Streben der Allgemeinheit zugute kommt. Auch jetzt er- hebt sich die Frage: was geschieht mit der Sleingarlenbewegung. wer hilft den Kleingärtnern? Die Laubenbesitzer machen eine schwere Zeit durch. Wer an ihren blühenden und fruchttragenden Gärten vorüber wandert, der soll sich nicht täuschen lassen oder sie gar um ihren Besitz beneiden. Die Arbeitslosigkeit hat in den Reihen der Laubenbesitzer am heftigsten gewütet, denn es find vornehmlich ältere Arbeiter, Beamte und Angestellte, die zur Arbeitseinstellung gezwungen wurden, und nur ältere Leute sind es, die sich den Sinn für den Kleingarten be- wahrt haben. Das schönste Stück Grünland hilft nicht, sie über ihre Sorgen hinwegzutrösten. Dazu kommt, daß die Unterhaltung und Pflege des Gartens der Familie keine Entlastung, vielmehr eine B e- l a st u n g bringt. Wer hat von den arbeitslosen Kleingärtnern überflüssiges Geld, teuren Dung, teure Sämereien oder Gemüse- pflanzen zu kaufen? Wer kann noch Aufwendungen zum Schmuck der Lauben, zur Reparatur der Zäune machen? Die laufenden Aus- � gaben für Pachtzins und Wassergeld müssen von der knappen Arbeitslosen-Unterstlltzung abgespart werden. Darum sieht man auch ollerorten an den Wegen die Laubenbesitzcr mit Blumen und Früchten stehen, die sie über den Zaun hinweg anbieten, damit durch diese kleinen Einnahmen die Kosten des Gartens sich verringern. Dennoch ist es eine Freude, zu konstatieren, daß sich der Kleingärtner auf dem Wege der Selbsthilfe und de» genossenschast- lichen Zusammenschlusses über die Schwere der Zeit hinwegzuhelfen versteht. Für viele ausgesteuerte Familien ist der Kleingarten die letzte Zuflucht geworden, wenn sie bei aller Not auch noch aus der Wohnung vertrieben wurden. Zu Tausenden Hausen ste draußen in primitiven Hütten in den Gärten. Zeichen der Zeit! Di« Polizei tut gut daran, gegenüber diesen gewiß nicht angenehmen Zuständen ein Auge zuzudrücken. Doch gibt es auch erfreulichere Dinge zu be- richten: Sieht man z. B. die gepflegten Laubenkolonien auf der Jungfernheide und erlebt dort ein Volksfest wie an einem der letzten Sonntage im Volkspark Jungfern Heide, dann er- kennt man in den Laubenbesitzern die Pioniere für das Ganze, die unentwegt dem Fortschritt Bahn brechen. Was wäre wohl aus dem schönen Wald geworden und der Gegend, die heut« Kunstmaler Heckendorfs Vergehen. Am Donnerstag Termin vor dem Schöffengericht Potsdam. Der Kunstmaler Franz heckendors und sein Bruder Waller werden sich am kommenden Donnerstag vor dem Schössengericht Potsdam wegen gemelnschastlichen schweren Einbruchsdiebstahl» und anderer vergehen zu verantworten haben. Beide Brüder befinden sich in Untersuchungshaft und stnd ge» ständig, am 12. Januar dieses Jahres eine einen Meter hohe, von dem Bildhauer Prof. Dr. Kolbe geschaffene Bronzestatue, die ein nacktes Mädchen darstellt, im Werte von 5000 Mark aus dem mit einem Drahtzaun umschlossenen Garten des Bankdirektors Dr. Jei- dels in Wannsee gestohlen zu haben. Zunächst stellten ste sie in der Wohnung von Franz Heckendorf unter, der sie dann einige Tage später in die Wohnung des mit ihm befreundeten Rechtsanwalts Dr. Krüger nach Dahlem brachte. Franz Heckendorf, der im Hause de» Rechtsanwalt» Dr. Krüger verkehrte, behauptet, daß er dem Rechtsanwalt Dr. Krüger ver- sprachen habe, ihm eine Plastik von Prof. Kolbe zu beschaffen, die dieser gegen ein paar von ihm gemalte Bilder austauschen wollte. Da Rechtsanwalt Dr. Krüger auf Beschaffung der Plastik gedrängt habe, wollte er die Bronzestatue durch«inen Abguß er- setz«n. Da Krüger den künstlerischen Rat Heckendorfs hoch einschätzte, besichtigte er mit ihm, als er ein Haus kausen wollte, mehrere Villengrundstücke. Als sie bei einer Dillenbesitzerin wertvolle Perser- brücken sahen, wurde Dr. Krüger von Franz Heckendorf gefragt, ob er nicht von der Villenbesitzerin«inige Perserbrücken er- werben wolle. Das lehnte aber Dr. Krüger ab. Als aber«inige Tage später Franz Heckendorf mit Perserbrücken, die angeblich aus dem Besitz der Villenbesitzerin stammen sollten, kam, kaufte er ihm doch fünf Perserbrücken für 1000 Mark sowie eine Kohlezeichnung von Liebermann und eine Radierung von Rembrandt für je 250 Mark ab. Diese Dinge stammten au» der Sommervilla des Fabritbesitzers Göritz in Geltow. Franz Heckendorf will davon nichts gewußt haben. Sein Bruder habe ihm vielmehr erzählt, daß Heim und Arbeitsstätte. der modernen Gartenstadtbesiedlung näherrückt, hätten die Lauben- besitzer nicht seit 30 Jahren vorgearbeitet! Hier haben die Klein- gärtner eine Jugendbewegung ins Leben gerufen, dt« ihresgleichen in Berlin vergeblich sucht. Die Kinder der Laubenbesitzer sammeln sich auf den der Kolonie zugehörigen Spielplätzen und werden von erwachsenen Genossen in gymnastischen Spielen untsrwiesen. Frisches Obst, so oft man danach verlangt,— und eine Butterstulle, ein Teller voll frischem Gemüse, das reicht zur Not auch, um die jungen Körper gesund zu erhallen. Es ist ein großes Stück Idealismus, was den Kleingärtner«an den Garten bindet. Das Gemüse ist bei den heutigen Marktpreisen sicher nicht t«urer als wie er es selbst produziert. Bei den Gärten ist es ebenfalls so wie bei den anderen Dingen: Wenn man nichts hineinsteckt, so kann man auch keine ergiebige Ernte erwarten. Da in diesem Jahr das Beerenobst und Kernobst mit reichem Behang aufwartet, so ist dieser unverhoffte Segen den fleißigen Kleingärtnern wohl zu gönnen. Ein« Angelegenheit freilich soll in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben, nämlich die Frage der sogenannt«n „D a u e r k o l o n i e n". Es ist in Berlin mit diesen Dauerkolonien viel hergemacht worden, nachdem die Kleingärtner seit Jahren um die Erfüllung ihrer Forderungen gekämpft haben. Berlin weist dies« Gärten aber nur auf zehn Jahr« au» und bleibt in der Beschaffung des nötigen Freilands well hinter anderen Städten zurück: Danzig und große rheinisch« Industriestädte haben vielmehr die Bedeutung der Kleingartenentwicklung im modernen Städtebau erkannt. Täglich fressen neue Wohnungsbauten an dem Bestand der Gärten, und meist sind es die ällesten und schönsten Kolonien wie die auf dem Schöneberger Südgelänlde, die der Be- bauung weichen müssen, ohne daß Ersatz für die verlorene Scholle geschafien wird. Durch die Richtlinien, die dl« Stadt den ausgewiesenen Dauer- kolonien aus den Weg mitgibt, entsteht die Gefahr, daß die Klein- gartenbewegung eine L u x u» a n g e l e g e n h« i t für wohlhabende Kreise wivd, die es sich leisten können, einige tausend Mark für Um- zäunung, Wegebepflanzung, Wasserbeschafsung und Typenlauben zu opfern. Die Stadt, die diese kostspieligen Richtlinien ausstellt, muß auch den Weg zur billigen Kreditbeschaffung freimachen, denn in diesem Punkt versagt selbstverständlich die Selbsthilfe der Kleingärtner. Wie ein Märchen klingt es dagegen, wenn man liest, daß auf Aussorderung des Kongresses der Kleingärtner in Hull in diesem Jahre die englische Regierung 200 000 Arbeitelosen kosten- los Kleingärten zur Verfügung gestellt hat. Eine solche Notverordnung würde sicher auch in Deutschland aufs wärmste begrüßt werden. tt die Perserbrücken auf einer Auktion in Belgien billig er- worden und dann über die deutsche Grenze geschmuggelt habe. Diesen Angaben schenkt die Staatsanwaltschaft aber keinen Glauben, zumal Franz Heckendors wiederholt von seinen Bs- kannten gewarnt worden sei, doch den Verkehr mit seinem un» verbesserlichen Bruder auszugeben. itvo-Mark-Verordnung verschärst Krise Die Mitropa will 30 Prozent des Personals entlassen. Die Notverordnung, die, von einigen Ausnahmen abgesehen, nach dem Ausland reisende Reichsdeutsche mit einer Sondersleuer von 100 IN. belegt, erweist sich, je länger sie besteht, als eine immer schwerere Beeinträchtigung de» Wirtschaftslebens. Besonders schwer betroffen ist die Reichsbahn. Wie uns auf Anfrage mitgeteilt wird, hat sich der Reiseverkehr nach dem Aus- lande, der beim Inkrafttreten der 100-Mark-Verordnung katastrophal zurückging, noch immer nicht erholen können. Diese Tatsache wirkt sich naturgemäß auch auf den Geschäftsbetrieb der Mitropa aus. Die 100-Mark-Derordnung hat dem durch die Unsicherheit im Wirt- � schaftsleben hervorgerufenen Rückgang des Reiseverkehrs gewisser- ! maßen die Krone aufgesetzt. Die Mitropa war gezwungen, ver- schieden? bisher gefahrene Kurswagen aus dem Verkehr zu ziehen. Davon ist vor allem der Verkehr nach der Schweiz betroffen. Aber auch auf den anderen Linien sieht es katastrophal genug aus. So schloß eine Linie nach der Tschechoslowakei mit einer Tageskasse von 1200 tschechischen Kronen ab, das sind in deutscher Währung rund 120 M. Jetzt verlangte die betreffend« Grenzstation für die sieben Mann Personal des Speisewagens die Ausreisegebühr von je 100 M. Es hat erst eines umfang- reichen Telegrammwechsels bedurft, das Personal der Mitropa von der Zahlung der lOO-Mark-Gebühr zu befreien. Im Hinblick auf alle diese Umstände beabsichtigt die Mitropa, wie wir von gewerkschaft- licher Seite erfahren, rund 30 Prozent ihres Personals zu entlassen. Nicht andere Absichten dürften bei ähnlichen durch die Drosselung des Auslandsverkehrs betroffenen Instituten bestehen. Schon um diese Entlassungen zu verhindern, die die Krise nur noch mehr verschärfen, sollte man die 100-Mark-Verordnung endlich ver- schwinden lassen. Auch beim Reichsausschuß für sozialistische Bil- d u n g» a r b« i t ist die Lage noch ungeklärt. Wie uns das Reise- büro dieser Organisation mitteilt, schweben zur Stunde immer noch Verhandlungen mit den betreffenden Reichsbehörden, um die Reisegesellschaften, die im Monat August starten, von der 100-Mark- Gebühr freizubekommen. Man muß hierbei berücksichtigen, daß Hunderte von Arbeitern und Angestellten monatelang sich Spar- groschen für die immer ersehnte Reise nach dem europäischen Süden zurückgelegt haben und daß sich diese Kreise jetzt in ihren Hoffnungen betrogen sehen. Nicht zu reden davon, daß neben der Unterdrückung kultureller Bestrebungen das Reisebüro des Reichsausschusses auch eine empfindliche materielle Einbuhe erleidet. Dagegen fallen die Wochenendfahrten des Reichsaus- schusses nach Kopenhagen nicht unter die 100--Mart-Ver- Ordnung. Die Fahrten werden ausgeführt von einer deutschen Reederei und außerdem dauert der Etadtausenthalt der Reiseteil- nehmer in Kopenhagen nur S Stunden, bewegt sich also unter der 12-Stunden-Grenz«. Die nächste Fahrt nach Kopenhagen findet am kommenden Sonnabend statt. Todessprung vom Gmnewaldturm. Vor den Augen der Ausflügler. Am Grunewaldlurm. unweit Schildhorn, an der Havel, spielte sich gestern abend eine Schreckensszene ab. Als gegen lg Uhr noch mehrere Ausflügler auf der Plattform des Grunewaldwrme» weilten, erklomm ein Mann plötzlich die Brüstung de» Aussicht»- türme» und stürzte sich vor den Augen der entsetzten Leute in die Tiefe, ver schreckliche Borfall kam so überraschend, daß niemand den Selbstmörder zurückhalten konnte. Der Sturz von dem über 40 Meter hohen Turm hatte den sofortigen Tod de» Manne» zur Folge. Er wurde später von der Kriminalpolizei al» ein ZZjähriger Saufmava Georg Fürstenau aus der Marienfelder Straße in Marlendorf ermittelt. Das Motiv zu dem Berzweiflungsschritl ist unbekannt. Benzinexplosion im Lastkrastwagen. Führer und Beifahrer vollkommen verkohlt. Stralsund, 30. Juli 1031. In den Morgenstunden des Donnerstag wurde auf der Rostocker Chaussee in der Nähe von Damgarten Heller Flammenschein gesichtet. Hinzueilende Personen fanden dort einen Lastkraftwagen in hellen Flammen vor. Der 36 Jahre alte Fahrer K ü tz n e r und der 28 Jahre alte Beifahrer Dreier, beide aus Hammer, waren bereits bis zur Unkenntlichkeit ver- k o h l t, ehe sie geborgen werden konnten. Neuer Haftbefehl gegen Kollah. Der Untersuchungsrichter hat erneut Haftbefehl gegen den Albeiter Hans Kollatz erlassen. Kollatz hat seine früheren An- gaben vor dem Untersuchungsrichter widerrufen und es besteht jetzt der Verdacht der Verdunkelungsgefahr. Kollatz ist in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert worden und hat Bs- schwerde gegen den Haftbefehl eingelegt. Kollatz soll sich in der Siloesternacht an der Schlägerei in der Hufelandstraße beteiligt haben, bei der die beideü Reichsbannerleute Schneider und Grat ums Leben kamen. Er wurde seinerzeit schon einmal oerhastet, später aber wieder entlassen, da ihm nichts zu beweisen war. Seine beiden Mittäter tonnten erst vor kurzem festgenommen werden. Sonnabend# dem 1. August 1931/ beginnt unser großer INVENTUR-VERKÄUr KONSUM-WARENHAUSER S: Oranienstr. 164-65/ N: Reinickendorfer Str. 21/ N: Brunnenstr. 188-90/ Spexialhaus für Herrenbekleidung Durch schwerste Not... Die Tragödie in der Pestalozzistraße. Zu der ZamiNentragödie ln der Pestalozzis? ratze ll ln «Lharlottenburg. über die wir gestern morgen bereits berich- teten, erfahren wir. dah das Motiv der furchtbaren Tat noch nicht völlig geklärt ist. Frau Dreros liegt noch im Krankenhaus Westend so schwer dar- nieder, daß sie nicht befragt werden konnte. Es ist zweifelhaft, ob ihr Leben zu retten sein wird. Wahrscheinlich ist die bedauernswerte Frau unter der Einwirkung der langen Arbeitslosigkeit ihres Mannes und des Elends, das in der Familie herrschte, in g e i st i g e Umnachtung verfallen. Durch die Uebernahme der Pförtner- slellung hätte die Familie jetzt bessere Tag« erwarten dürfen. Be- sonders tragisch ist der Umstand, daß die kleine Ursula ihren Vater, an dem sie zärllich hing, am Dienstag in die neue Wohnung in der Konstanzer Straße begleitet hatte. Es gefiel ihr dort sehr gut, und sie bat. schon dort schlafen zu dürfen. Da die Vellen noch nicht hingebracht worden waren, mußte das Kind aber in der Pestalozzistraße noch eine Nacht oerbringen. Wahrscheinlich hat die Mutter das kleine Mädchen schon in den Morgenstunden des Mittwoch getötet und dann den Gashahn aufgedreht. Für diese Vermutung spricht die Schwere der Gasvergiftung, an der die Frau leidet. Drews hat früher als selbständiger Meister gearbeitet, mußte aber sein Geschäft aufgeben. Er hat infolge des Schicksalsschlages einen Nervenzusammenbruch erlitten und muh mit Ver- nehmungen oerschont werden. „Zehi machen wir dich kalt!" Kommunistischer Lleberfall auf Reichsbannermann. Eine kommunl st Ische Klebekolonne ln Stärke von lS Mann unternahm gestern nacht aus einen Reichsbanner- mann in der Graun st ratze einen brutalen lleberfall. Rur durch das Erscheinen de» Uebersallkommandos konnte der Bedrängte vor dem Schlimmsten bewahrt werden. Der Reichsbannermann, der von einem Gruppenabend heim- kehrte, wollte gerade die Haustür aufschließen, als plötzlich 15 Kommuni st en heran st ürmten und ihn umringten. Zwei der kommunistischen Burschen zogen Pistolen hervor und setzten die Läuse dem Reichsbannermann mit den Worten aus die Brust:.So du Schweinehund, jetzt haben wir dich endlich. Jetzt machen wir dich kalt." Kritisch wurde die Sache, als nun mehrere der Strolche mit Schlagringen auf den Reichsbanner- kameraden einHieben. Von Passanten, die Zeugen des gemeinen lleberfall» der kommunistischen Horde auf den Einzelnen geworden waren, wurde telephonisch das Ueberfallkommando alarmiert. Leider wurden die Rowdies durch das Fanfarensignal des anrückenden Kommandos so rechtzeitig gewarnt, daß alle flüchten konnten. Der Ucberfallene hat einige Wegelagerer jedoch so genau beschreiben können, daß ihr« Festnahme durch die Politische Polizei nur noch eine Frage von Stunden ist. Eine.saubere" Rolle bei dem hinterhälttgen lleberfall spielle der Inhaber einer Gastwirtschaft, vor dem die Kom- munisten über den Reichsbannermann herfielen. Dem Ueberfallenen war es gelungen, in das Lokal zu ecken, um von dort telephonisch die Polizei zu rufen. Der Gastwirt wie« dem Bedrohten jedoch die Tür und trieb ihn wieder in die Hände seiner Peiniger zurück. Die Gpandauer Raubmörder. Sie gestehen zahlreiche Einbrüche ein. Die wegen de» Spandauer Raubmorde» verhaflelen haben bereits ein volles Geständnis abgelegt. Reben diesem Raub- mord gestanden sie zahlreiche Einbruchsdiebstähle, besonders in Spandau, einen Einbruch in eine Kirche in Rothenburg und schließlich einen Einbruchsversuch in da» Postamt Schönwalde. Die Vernehmung ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Eine Million Dollar für Berlin. Amerikanische Stistung für zahnleidende Kinder. Durch Vermittlung des amerikanischen Botschafters S a ck« t t hat der in Deutschland bereits durch eine große Stiftung bekannte Julius R o s e n w a l d aus Chikago oem Oberbürgermeister Dr. S a h m seine Absich» kundgetan, der Stadt Berlin eine Stiftung in Höhe von 1 Million Dollar zu machen. Die Stiftung ist für die Errichtung einer Zahnklinik für Kinder Im Alter von 3 bis 16 Jahren bestimmt. In seiner Sitzung am Mittwoch hat sich der Magistrat grundsätzlich mit der Annahme der Stiftung einverstanden erklärt. Sobald über die vertragliche Regelung zwischen dem Stifter und der Stadt Berlin die nötigen Unterlagen vorliegen, wird der Stadtverordnetenversammlung eine Vorlage unterbreitet werden. Llnfall eines Fen'enzuges. 40 Reifende verletzt. Hagen in üJestsalen. 30. Juli. Durch einen leichten Zugunfall ln der Nähe von K i r ch h u n- den bei Altenhunden wurde Donnerstag nachmittag in dem Zug« Essen— Frankfurt, der hauptsächlich mit Ferienreisen- d e n besetzt war, ein« große Anzahl Personen verletzt. Der Unfall entstand dadurch, daß beim Halten des Zuges vor dem Blocksignal Kirchhunden die Schiebelokomotive auf den Zug drückte, während die Zuglokomolive hielt. Bei dem Anprall wurden die Koffer in den Gepäcknetzen herabgeschleudert und dadurch etwa 40 Personen leicht oerletzt. In der Hauptsache haben sie Armquetschungen oder leichtere Verletzungen durch Glassplitter er- litten. RschlZi'sdlirale aemeinderate. Wie schöneiche um eine halbe Million betrogen wurde. Räch einer länger al» ein Jahr geführten vocunlersuchung hat nunmehr die Slaatsanwallschafk II in der aufsehen- erregenden Riesenunlerschlagungsaffäre bei der Gemeinde- Verwaltung Schöneiche Anklage erhoben, ver frühere Ge- meindevorsteher Hermann A l b r e ch t und der frühere Gemeinde- kassenrendanl Waller Steffen werden sich vor dem Erweilerlen Schöffengericht Köpenick, dem die Sache zur Aburteilung überwiesen ist, wegen sortgesetzter Amtsunterschlagung. fortgesetzten Betruges, schwerer Urkundenfälschung, gewinnsüchtiger Falschbeurkundung und Registcrsälschung zu verantworten haben. Durch die Betrügereien, die ihren Anfang nachweisbar schon im Jahre 1925 genommen haben, ist die Gemeinde Schöneiche um nahezu eine halbe Million Mark geschädigt worden. Albrecht, offenbar der Hauptschuldige, der bei einer angesetzten Revision durch das Landratsamt die Aufdeckung der Riesenunter- schlagungen befürchten mußte, fuhr einen Tag vorher, am 6. Mai 1930, nach Swinemünde, wo er in einem Hotel seinem Leben durch Erschießen ein Ende zu machen versuchte. Die Verletzung war zwar nicht lebensgefährlich, aber Albrecht hatte sich so unglücklich in die Schläfe geschossen, daß er das Augenlicht auf beiden Augen ein- büßte. Albrechl war Mitglied der Deutschnalionalen volksparlei, während Steffens sich als Führer eines nationalsozialistischen Slotzlrupps betätigt hatte. Die gesamten Gelder sind auch nicht der Gemeindekass« zu- geflossen, sondern von den Angeklagten, die einen sehr großen Aufwand trieben und aus den Rennbahnen ständig wet- teten, verbraucht worden. Offenbar haben die Angeklagten schon seit Kriegsend« Eingriffe in die Gemeindekasse gemacht. Die Bücher- Nachprüfungen lassen aber einen sicheren Nachweis der Verschlungen erst seit der Stabilisierung der Mark feststellen. Schon im Jahre 1925 waren 20 000 Mark unterschlagen. Als in diesem Jahre eine Revision stattfand, erfolgt« aber kein« Entdeckung, denn Steffen hatte die eingegangenen Steuergelder nicht verbucht, so daß sie als Steuerrück stände erschienen. Diese Revision machte die An- geklagten aber bedenklich, denn sie mußten sich sagen, daß bei einer gründlicheren Prüfung die Sache herauskommen müßte. Zunächst versuchten sie«» mit großen Wetten auf den Rennbahnen. Die erhofften Gewinne blieben aber aus und das Loch in der Kasse wurde immer größer, zumal die Angeklagten auch für chren perfön- lichen luxuriösen Aufwand große Summen verbrauchten. Nun faßten sie einen Plan, der für die Gemeindefinanzen verhängnisvoll werden sollte. Sie benutzten den Kredit der Gemeinde, um hinter dem Rücken des Gemeindevorstehers eigenmächtig Dar- lehen aufzunehmen. Das geschah teilweise durch Fälschung von Gemeindebeschlüssen oder Abänderung gefaßter Beschlüsse des Gemeindevorstandes und des Kreisausschusses Über die Aufnahme kurz- und langftistiger Krebste. Die ersten Versuch« machten die Angeklagten mit Wechselkrediten. Stessen stellt« einen Wechsel der Gemeinde Schöneiche Über 30 000 Mark aus und Albrecht gab das Akzept für den Straßenbahnverband Schöneiche-Kalkberge, wozu er gar nicht berechtigt war. Mit diesem Wechsel machten die An- geklagten trüb« Erfahrungen. Sie gerieten einer Betrüger- g r u p p e in die Hände und erhielten nur 8000 Mark. Zur Ein- lösung brauchten sie nun weiteres Geld und gaben neue Wechsel aus, mit denen sie aber keine besseren Erfahrungen machten. Dies- mal erhielten sie nur 1500 Mark und hatten große Mühe, einen Teil der ausgegebenen Wechsel wieder zurückzuerhalten. Dieses Wechselgeschäft endete damit, dah sie gegenüber einem Erlös von noch nicht 10 000 Mark 34 000 Mark zur Einlösung der Wechsel aufbringen mutzten. Nun begannen die Angeklagten mit sehr verwickellen Trans- aktionen, indem sie mit Banken und privaten Geldgebern, angeblich im Auftrage der Gemeinde in Verbindung traten und kurz- und langfristige Darlehen für die Gemeinde ausnahmen. Die eingegau» genen Gelder wurden nicht in die Bücher eingetragen, sondern von den ungetreuen Gemeindebeamten selbst verbraucht. Lm Oktober 1927 hat die Gemeindevertretung beschlossen, zur Förderung der Neubautätigkeit ein Darlehen von 150 000 Mark bei der Kurmär- tischen Bant aufzunehmen, und der Kreisausschuß hatte die Genehmigung dazu erteilt. Steffen und Albrecht fertigten Abschriften der Beschlüsse an, die sie mit dem Gemeindesiegel versahen, wobei sie aber den Vermerk über die Kurmärkische Bank wegließen. Es gelang Albrecht bei der Mitteldeutschen Boden- und Kreditbank für die Gemeinde zwei Kredite in Höhe von insgesamt 200 000 Mark aufzunehmen. In derselben Weise wurden immer neue Kredits bei anderen Banken und öffentlichen Kassen ausgenommen, die teilweise zur Abdeckung alter Kredite benutzt wurden. 3m ganzen wurden Darlehen und Kredite in höhe von über 750 000 Mark genommen und von diesem Betrage sind durch die Finger der Angeklagten nicht weniger als 351 000 Mark, die nicht in den Büchern verbucht worden sind, gegangen. Die Gemeinde Schöneiche ist aber noch weiter um etwa 100 000 Mark geschädigt worden, welchen Betrag die Angeklagten aus der Gemeindekasse entnommen haben, um die laufenden Zinsen, Pro- Visionen und anderen Spesen bei den Kreditgeschäften zu decken, so daß der Schaden, den die Gemeinde erlitten hat, Über 450 000 Mark beträgt. Die Staatsanwaltschaft hatte auch Anklage gegen die Ehefrau de» Angeklagten A l b r e ch t, Frau Amalie Albrecht, wegen fortgesetzter Hehlerei erhoben. Auf Antrag von Rechtsanwalt Dr. S ch m o l l e r hat die Straf- kammer des Landgerichts ll Frau Albrecht jedoch außer Verfolgung gesetzt. Dagegen ist das Haupwerfahren gegen Albrecht und Steffen in vollem Umfange der Anklage eröffnet worden. Wieder ein Ozeanflug geglückt. s o u st a n l i n o p e l. 30. ZuU. Die Landung der amerikanischen Flieger voardmau und polando ersolgle ohne Zwischenfall. Die Flieger haben eine Strecke von 7975 Kilometern ln 29 Stunden 48 Minuten zurückgelegt. Sie überreichten den Beamten, die sie Inmitten einer unüberseh- baren Menschenmenge empfingen, einen Brief de» Präsidenten H o o v e r an den Präsidenten Mustafa Semal. Tozialiftischer und bürgerlickier Arzt. „Der bürgerliche Arzt billigt den Klassenunterschied. Aus einer eigenen Klassengebundenheit heraus genügt ihm die Leistung im Einzelfall, er stellt sie höher oder zum mindesten gleich der Leistung der Gesamtheit. Er dürfte auch infolge seiner bürgerlichen Mentalität das Versagen der Medizin für die breite Masse der Bevölkerung weniger deutlich und störend empfinden. Klar erkennen kann die Zusammenhänge der Medizin wie jeder andern angewandten Wissen- schaft mst der sozialen Umwelt nur der sozialistisch orientiert« Forscher, vorwärtstreiben kann die medizinische Wissenschaft zu einer restlosen Auswirkung ihrer Forschungsergebnisse' für das soziale Gesamtgeschehen nur der sozialistisch überzeugte Fachmann." In dieser Weise setzte sich Gen. Professor V. A. Knack-Hamburg in seiner als Aufsatz wiedergegebenen Rede auf dem sozialdemokratischen Aerztetag in Leipzig über das Problem„Bürgerlicher und sozialisti- scher Arzt" auseinander. Der Vortrag ist abgedruckt in der „Sozialärztlichen Rundschau", dem Organ der Arbeits- gemeinfchaft sozialdemokratischer Aerzte Deutschlands, deren Redaktion für Deutschland in den Händen des Stadtarztes Gen. Dr. K o r a ch, Berlin-Wilmersdorf, liegt. Große Deutsche Funkausslellung 1931". Wie der Amtlich» Preußische Pressedienst mitteilt, sind der Preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung G r i m m e und der Preußische Minister für Handel und Gewerbe Dr. Schreiber dem Ehren- ausschuß der„Großen Deutschen Funkausstellung 1931" beigetreten. Schmutzfink beschmiert eine Kirche. In der Nacht zum Donners- tag in der Zeit von 1 bis 2 Uhr wurde die C h r i st u s k i r ch e in der Dieffenbachstraße mit der Aufschrift„Heraus zum 2. August. Sowjetstern sturmbereit" beschmiert. Di« Täter sind unbekannt geblieben. Per ge*oBe Abgtur» am Bahnhof«lannowitzbrücke Am Sonnabend, dem 1. August, beginnen allgemein die Saison-Ausoerkäuse. Diese Ausoerkäufe stehen im Zeichen des Preissturzes. Di« größte Sensation auf diesem Gebiete ist der Ausverkauf der Herrenkleiderfabrik Wogner, Alexander st raße 22. Diese Fabrik erregt« bis- herschongrohesAufsehen durch ihre außergewöhn- lich niedrigen Preis«. Durch den Verkauf von der Fabrik direkt an den Derbraucher, also durch Ausschaltung des verteuernden Zwischenhandels, durch Ersparnis der teuren Ladenmiete, ist diese Fabrik imstande, Herrenbekleidung direkt dem Konsumenten zuzuführen, welch« trotz guter Qualität und guter Verarbestung enorm billig ist. Während des Ausverkaufs hat die Firma chre Preis, teilweise bis zur Hälfte des früheren Werte» herabgesetzt, so dah jedermann, der Wert auf gute Kleidung legt, diese besonders günstige Gelegenheit nicht vorübergehen lassen darf. Auf alle Nicht herabgesetzten Waren wird während des Ausverkaufs ein Rabatt von 10% gewährt.(Ein einzig dastehendes Angebot ist ein Anzug mit 2 Hosen aus g a r a n- tiert reinwollenem Aachener Kammgarn, in prima Verarbeitung, ganz reguläre Ware zum Ten- sation» preis für nur Mk. 44.— Auch zum Einkauf von W i n t e r m ä N t e l n ist jetzt eine besonders günstige Gelegenheit. Trotz des Trommelfeuers von allen Seiten besuche man zuerst die Herrenkleiderfabrik Wagner. Sie ist bequem mit der Untergrund-, Stadt- oder Straßen- bahn zu erreichen. Direkt am Bahnhof Iannowitz- brücke, Fabrikgebäude I. Stock. Achten Sie auf die genaue Adresse: Alexanderstraße 22. Berliner Kunden erhalten außerdem gegen Vorlage dieses Inserates das Fahrgeld zurückerstattet. Auch werden Schecks jeder Bank in Zahlung genommen. Bezhui am 1. Angnat wie immer— unübertroffen billig im Saison-Ausverkauf Preisherabsetzung bis zu»ii jo 10 0/o Rabatt auf alle regulären Waren Saidenttoffei Samte, Welleteffe, Berreaetoff«,' Waiehiteffa, Kiaderatoffe and-K leidnag, Spiteea, Strümpfe, Handiohnhe, Krawattea and Trikotagen AufWuflseb MoAaUsjtae« tinfenbungen für diese Rubrtt sind B e r l i a SW K8. Lindenstraße 3. Parteinachrichten für Groß-Berlin stet, im da» Be>irk»serr«tarlai i. Hos, 2 Treppe« reibt», zu richte» Das Mitgliedsbuch Nr. 804 des Genossen Erwin Beyer. Kaufmann, Markgrofendamm 32, ist gestohlen worden.— Sollte versucht werden, dieses Buch als Ausweis zu benutzen, dann ist es anzuhalten und der Vorzeig er festzustellen. Z. A. Alex P a g e l s. -i- Beginn der Veranstaltungen IS Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! Heute, Freitag. Zt. Zuli. t>. strcig Köpenick. MItmna-ausschug: Wegen besonderer UmstSnd« kann die fiir heute in Aussicht genommen« Sistung nicht stattfinden. Besondere Einladungen werden»och ergehen. Sonnabend, t. August. «. Abt. IS'j Uhr Abrechnung sämtlicher Bczirksfilhrer bei Keller, FIlrstcn. straßc 1. 5". Abt. Kundgebung gegen Krieg, stir Völkersrieden»ud B»ll«r»«rsöh»»»g um ZZ'z Uhr, Schlüter-Theater, Schlüterstr. 17. Vorsührungisolge! Streiter heran», Kämpfer hervor.(Film vom Parteitag in Leipzig.) Auftreten de» .Roten Kcllcttiv»". Ansprach« be» Senosirn Pfarrer Bleicr. Porführung de» grosicn Antitriegsfilm«„Dcrdun". Unkostenbeitraa Sa Pf. E, ladet herzlich ein 57. Abt. der SPD. Sonnabend, l. August. tbl. Abt. 20 Uhr fsunktionärzuf-mmenk un ft bei Klindt, am Friedensplah. Di« Flugblätter sind beim Senossen Duchroeih, Bwcherstrahe, abzuholen. De. zirk der Kleingärtner Blankenfeldc-Rosenthali 20 Uhr Versammlung in der Soortk lause fsriedrich. Referent Genosse Altmann:„Sozialismus und Freedenrerwm". Montag, Z. August. U>. Krei». 20 Uhr Krcisvorftandssstzung bei Schnorre, Potsdamer Str. i. 40. Abt. 20 Uhr Funktionärsshung bei Keufncr, Hagclberger Str. 20». Er. scheinen aller Funktionäre ist Pflicht. Bezirksausschuß für sozialistische Bildungsarbeil. Heute, Freitag, Uhr,«rbeitcr-Bildnitgschule, Arbeitsgemeinschaft Paula »urgaß. Frauenoeranstaltungen. 1l. Abt. Dampferkorten fllr die Fahrt am Dienstag, 4. August, sind bei der Genossin Jordan, Lübecker Str. 4Z, ober bei der Genossin Mathias, Kirch. strahe ö, in Empfang zu nehmen. i04. Abt. Für die Dampferfahrt am Dienstag, 4. August, nach Reue Mühle sind Karten zum Preise von I M. sSinder 50 Pf.) bei der Abteilungs. leitcrin und den Funttivnärinnen sowie bem Genossen Sasomski, Grünauer Strasse, am Bahnhof Echijneweidc, zu Imben. Abfahrt g Uhr vom Kyff- Häuser. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Grofz-Berlin. steej, Ncutöll». Wir sind heute bei jedem Wetter auf dem Sownenplaü ab 17 Uhr. Uebe» zur Antikricgsfeier im Neuköllner Stadion. Es nehmen Jung. und Rote Falken daran teil. Alle Helfer müssen wegen einer wichtigen Be. sprechung erscheinen.— Achtung, Eltcru und Falke»! Untiere Ieltlagerteilnchmer treffen morgen, Eonnabend, um 14.57 Uhr, auf dem Lehrter Bahnl>of«in. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 47. Adt. Am Mittwoch, 20. Juli, verstarb unser Genosse T h i o v h i l Rcliss, Wrangclstr. HO. Ehre seinem Andenken! Einäscherung Sonn» abend, l. August, 10)� Uhr, Krematorium Baumschulenmeg. Um reg« Be» toiligung wird gebeten. 124ii. Abt. Unser altbewährter Genosse Max Kahler ist plStzlich per. swrbcn. Wir werben ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Einäscherung Sonnabend, l. August, 12 Uhr, Krematorium Boinnschulcnweg. Rege Bcteili. guug erwartet die Abteilungslcitung. 1 Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin <Änsendunaen für diese Itabrik nur an das 3uoen&fefrttöfl4t Berlin KW 6®. llndenffrafie 3 Bezirl«au»schuss: Wochenendkuvsu, l.ß. August im Vortragssaal des P..V., EW., Llndenftr. 2. Beginn morgen 10 Uhr. Thema:.Falkenarbeit". Referent Karl Schäffer.Nllrnberg. Kundgebung mit der Partei:„liegen Krieg und Kriegsheh«. für-Frieden nnd Bölkeroerständig'.ing�„am.'Kl,'Zlugust, Uhr, im. Stadion Reuköllli,. x>der. strasse nsnm. Warenhäuser in 9atbt Orwuienstr. 164—105, Berlin IL, Reinickendorfer Str. 21, Berlin O., Frankfurter Allee 00. und Berlin R., Brunnenstr. 188—190(Speziolhaus für Herrenbekleidung), veranstalten für die 200 000 Mitglicdcrhaushaltungen der Aanfurn-Genossenfäiaft Berlin und Um-' gcgend ab Sonnabend, dem l- August, einen Inventur-Ausverkauf. Alle Ab- terlungen der Konfum-Warenhänser wetteifern in unübertroffen billigen An- geboten. K>in Genossenschaftsmitglied sollte versäumen, während der Inventur. Ausverkaufs-Wochen die Warenhäuser seiner Organization zwecks vorteilhaftester Bedarfsdeckung zu besuchen. De» Saison-Ansverlaus der Firma Baer Sohn A.-G., Ehansseestr. 2»— zo, beginnt am 1. August, vormittags 8'A Uhr. Am besten fahren von unseren. Kunden diejenigen, die in den ersten Tagen und Stunden die ausserordentlichen Borteile wahrnehmen, die wir ihnen bieten. Wir haben alle regulären Preis- begriffe über den Haufen geworfen und haben Vorkehrungen getroffen, daß durch diesen einzigartigen Eaison-Ausverkauf eine Veranstaltung in die Wege geleitet ist, über die ganz Berlin staunen wird. Reben den bedeuteichen Preis- Herabsetzungen auf unser« regulären Lager für Herren-, Jünglings- und Knabenklcidunq erfolgt während des Saison-Ausvevkaufs der Restverkauf unserer Abteilung Damenkonfektion, in der wir die Preise mit 00 Proz. reduziert haben. Das Fest der Frauen. Sonnabend Premier». Welches Frauenherz vermag ihm zu widerstehen, dem grossen Soinmerfest der bMgeit Preisle? Alle haben wir seit Woche» oft darauf gespart... und wenn es nur für ein Paar Schuhe »der zwei, drei Paar Strümpfe reicht. Ergänzen wollen wir, wenigstens die größten Lücken stopfen— wir wollen uns dem so beglückenden Rausch des Kausens hingebe». Gelegenheitskäufe machen! Aber wir wollen nicht mit alten Ladenhütern noch Hause kommen— das können wir uns nicht leisten! Sehen Sie, darum hat für das Allernotwendigste— für das. was wir alle brauchen: Schuhe und Strümpfe— Herr Rernhold Stiller lder- Alleininhaber des Schuhhauses Stiller) gewissermaßen die Garantie übernommen, daß jeder Groschen, den Sie in Schuhen und Strümpfen anlegen, in jeder Beziehung richtig angelegt ist. Er garantiert für Qualität, für Passform und Sitz— auch im Ausverkauf? Und Auswahl...? Da können Sie wirklich beruhigt sein. Denn Auswahl ist neben dem Ruf für Qualität— die Stärke des Hauses Stiller: einer der Gründe, warum anspruchsoolle Berliner teilweise schon in der vierten Generation bei Stiller kaufen! Doch... sehen Sie es selbst; kommen Sie zur Premiere! Bcrantwortlich für Politik: Tr. Cntt Geyer; Wirtschaft:®. Klingelhöscr! Gewerkschaftsbewegung: d. Steiner: Feuilleton: Dr. John Schikowsti; Lokoles und Sonstiges: Fritz Karstädt; Anzeigen: Th. Glocke: sämtlich in Berlin. Beriaa: Borwäris-Berlag E m b. H,. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerek »od Berlagsanstalt Paul Einger u. Co.. Berlin SW 08, Lindcnstrasse 3 Hierzu 3 Beilagen und.Stadtbeilage". KLEINE ANZEIGEN iiiimimiMiiiiiniimiiiimiiiiiiiiimiiiniiMmimiimiiiimiMiiiiiimMiiiiiiiiimmiiiiiiiraiiiiiimumiiiMiniiiiiiiiiiiiiiim Preise: Uberschrifttwort 25 Pfennig, Textwert 13 Pfennig Wiederholungsrabott i 10 mal 5 fror., 20 mal oder 1000 Worte Abschluß 10 Proz., 200U Worte 15 Proz., 4000 Worte 20 Proz. ✓ Stellengesuche: Oberschriftswort 15 Pf., Textwort 10 Pf. s Anzeigen, welche für die nächste Nummer bestimmt sind, müssen bis 4>/, Uhr nachm. im Verlag, Llndenstr. 3, oder auch in sömtl. Vorwärts-Filialen und-Ausgabestellen abgegeben sein I ueritame| Tapeten Szillat, Kolonie- strasse 9. »ieliiungzslUeiis. u/Zscus UM. Patentmatratzen „Primiisima". Me. tallbetten Aukleae. Matratzen. Chaise- lonaues Walker Etargarderstrasse achtzehn. KeinLaden Saison-Ausverkauf bei Stiller. Riesenmengen Waren, modisch und qualitativ hochwertig, fließen schon seit Tagen ununterbrochen von dem Zentrallager in die ein- zetnen Filialen. Die Preise sind sehr niedrig, z. B. 2,90, 3,90, 4,90, 5,90, 6,90 Mark usw. Schuhe und Strumpfe sind kein Wein. Ans Ankah des bevorstehenden Saison-Kus.v?rkaufs hkielt Ä&rr Julius Klausner, ftex Inhaber d-es bekannten Schuhen sas.zL»ki«'>.-fffarjua. Ansprache: M»in«.KMe«,zWd. Hoerclzi Ein: Schuh,.und Styiunpfgefchäfr ist keine Wein- Handlung: Je länger der Wein liegt, desto wcrtoollcr wird er. Je Mnger aber Schuhe und Strümpfe lagern.desto'mrht. verlierest sie äst'Wert. Unter keinen Umständen darf in einem modernen..Geschäft Ware länger als höchstens vier Monate liegen bleiben. Am'l. August beginnt unser diesjähriger Saison-Aus- verkauf. Ich bitte' Sie' dalver," Jhte Läger auf das genaueste zu prüfen; wir wollen uns in diesem Jahr im Ausverkauf.qanz besonders anstrengen, denn wir brauchen dringend Platz für die Herbstneuhelten und wollen aus diesem Grunde alle Saisonartikel sowie Einzelpaare und Restbestand« zu Preisen verkaufen, wie sie überhaupt noch niemals geboten worden sind. Unsere Angebote werden diesmal sio günstig sein, daß jede Leiser-Filiale Selcgenheit haben wird, sich neue Dauerkunden zu erwerbe». Als oberstes Gesetz gilt nach wie vor mein Prinzip:„Der Kunde ist König"; das Wahl des Kmrden mi>ss auch im Ausver- kauf in erster Linie im Auge behalten werden. Der Kunde muß— auch im Ausverkauf— das Gefühl haben, daß man sich seiner so gut annimmt, wie es überhaupt nur möglich ist. Bitte machen Sie Ihre Kunde» insbesondere auf die Rest, und Einzelpaare aufmerksam. Sagen Sie ihnen, daß Einzelpaare Z. T. weniger kosten als ein« Schuhreparatur. Vergessen Sie auch nicht, auf Haus- schuhe und Strümpfe hinzuweisen, denn jeder Kunde freist sich, wenn man ihn auf wettere Gelegenheitskätrfc aufmerksam macht. Reue Ware kommt zum Herbst herein— alte muß deshalb geräumt werden. Um jeden Preis!— Der diesjährige Saison-Ausoerkauf im Deutschen Teppichhau» Emil LefCute, Berlin S. 42, feit 49 Iahren nur Oranienstr. 158, Nähe Moritzplatz, findet vom 1. bis 2l. August statt. Die ausserordenilich preiswerten Angebote in Teppichen, Läuferftoffen, Gardinen, Stores, Bettdecken, Tifch-, Diwan-, Schlaf-, Stepp- decken ufto. sind eine Sensation, da alle Waren ohne Ausnahme im Preise herabgesetzt sind. Ans Wunsch gahlungserleichtrrung ohne jeglichen Preisaus- schlag. Spezialkatalog kostenlosl Bon Kavalierea wenig getragene und neue Iackestan- züge, Smokingan- züg«, Frackanzüge jede Figur passend, Herrenpelze.Damen pelze, enorm billig. Leihhaus Friedrichstrasse 2, Lallesches Tor. Keine Lom- bardware. 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Vi Ds-".65 Junge Erbsen msttelfein V1 Ds. 0.85 Jg. Erbsen mit Karott. V, D». 0.60 Gemisch. Gemüse....Vi D»- 0-66 Steinpilze.••.••.•••••••Vi Ds- 1.20 Brechspargel dünn.....% Ds. 1.25 Senfgurken..;,........ Vi&'• n.65 Stachelbeeren......... Vi Ds. 0.60 Aprikosen, V, früchto...'/« Ds. 0.95 Reineclauden......... Vi D5- 0.95 Kirsch-Marm.-.ca. 2 Pfd. Eim. 1.10 Aprik.-Marm.-ca. 2 Pfd.-Eim. 1.10 Johannisb.-Marm.co. 2 Pfd.-Eim. 1,10 Vierfr.-Marmel.ca.2Pfd.Eim. 0.88 Pfirsiche.................. p'd- 0.28 Pflaumen blau«•••••••••.Pfd. 0,20 Coscie Tafelbirnen....Pfd. 0.25 Musäpfel............ an 5 Pfd. 0.48 Klaräpfel........... an 3 Pfd. 0.33 Johannisbeeren...... 2 Pfd. 0.35 Preißelbeeren......... 2 Pfd. 0.45 Wassermelonen..... an Pfd. 0.1 2 Netzmelonen• Zitronen........ Blumenkohl..... Salatgurken.... Einlegegurken- Schmorgurken- Tomaten. ...... Pfd. 0.20 ...an Dtz. 0.38 ..an Kopf 0.1 2 ..an Stüde 0.1 2 ....2 Pfd. 0.15 ...... Pfd. 0.05 ...... Pfd. 0.16 Neue Kartoffeln AQ lO.Pfd............ an Pf. Neue Metjesherlnfle TfO Inha.t 6 Stüde, Ds.-.-Pf.* O Fetter Speck„,72 an Ptd.............. Pf-' ZUR BOWLE 5 Fl. Frankenweiler oh. flasdie I Fl. Obstsehaumw. 1 Ds. Ananas, zus. M. Weiß- u.Wirsingkohl..Pfd. 0.05 Möhren gewaschen..... 2 Pfd. 0.09 Apfelwein.... Ltr. Och», 10 1fr. 5.50 Bowlenwein...Lfr. 0.75, 10 l»r. 7.00 Moselwein....ltr. l io, 10 Ltr. 11.50 Niersteiner...ltr. 1.25, 10 Ltr. 12.00 Tarragona....Ltr. i.oo, 10 Ltr. 9,50 Muskat........ Ltr. 1.10, 10 Ltr. 10.50 Wermut, dtsdi. Lfr.l.lO, 10 Ltr. 10,50 Douro Portw. Ltr. 1.00, 10 Ltr. 18.00 Madeira...... Ltr.tso, lOLtr. 24.00 Himb.- o. Kirehsaft ltr. ISO, 5 Ltr. 7.00 27er Graves............. F. 1.65 2öer Sauternes........ m. Fi. 2.00 Medac(roter Bordeaux),.m. Fl. 0.88 Weinbrand-Speziai, 1 L m. Fl. 4.80 Alter Korn........' Ltr. m. Ft. 3.75 27er Graacher Domprobst,...Fl. 2.25 27er Bernkasteler Llrglück....FI. 2.60 DELIKATESSEN WOCHENENDKONSERVEN Königskuchen........... Stck. 1.00 Königskuchen mit GuO-.Stdc. 0.50 GEFLÜGEL UND WILD FrTsCH E FISCHE Cremetorten............ Stck. 0.95 Rollkuchen............... Stck. 0.65 Kranzkuchen......... Streifen 0.50 Wickelklöben........... Sick. 0.50 Kopenhg.Plund.-Geb. Stdc. 0.10 Karstd.-Spez.-Brot Stck. 0.85, 0.45 Wolga-Hühner...... an Pfd. 0.92 Fr. Suppenhühner...an Pfd. 0.94 Fr. Brathähnchen... on Stück 1.08 Junge Gänse........ an Pfd. P. 92 Rehblätter............an Pfd. 0.93 Kabeljau O. Kopf i.Gz.an Pfd. 0.24 Kabeljaufilet........an Pfd. 0.32 Seelachs 0. K. i. Gz....an Pfd. 0.16 Lebende Aale....... an Pfd. 0.85 Lebende Krebse. an Mandel 0.50 Oelsardinen........... 2 Oelsardinen in Trüffel. Brieslinge in Tomaten.. Russ. Sprotten it»Tom. Makrelenfilet in Oei.. Rollheringe i. Remoul Import-Sardellen.... Fettbücklinge.........- Seelachs geräuchert... Schellfisch geräuchert. Ds. 0.58 • Ds. 0.45 .Ds. 0.60 .Ds. 0.60 .Ds. 0.65 .Dt. 0.65 Pfd. 0.68 Pfd. 0.34 .Pfd. 0.38 Pfd. 0.32 Hausmannskost.......... Dt. 0.75 Schweinskopf m Gelee...Dt. 0.75 Würstchen b Paar......... Dt- 0.76 Senfgurken la..-'0 Pfd. Ds. 1.90 Essiggewürzgurken..... Dt. 0.60 Mixed-Pickles......' Pfd. Ds. 0.70 Italien. Sal., HeringtSal. Pfd. 0.70 Mayonnaise, Remoul..Pfd. 0.70 Schweine-Gaul...400 gr Dt. 0.68 Rinds-Goulasch400grDs. 0.68 1 Llnternehmerneid. Zur Hetze der Scharstnacherpreffe gegen Mardonald „pfeife raucht er, Tee trinkt er, und an die armen Arbeitslosen zu denken überläßt er uns darbenden Unternehmern!" Sie überfallen Sozialdemokraten? Kommunistische Gchlägerkolonnen gegen sozialdemokratische Arbeiter. Gaalschlacht in der Wohnstadt Carl Legien In einer öffentlichen Versammlung in der Wohn» stadt Carl Legien kam es gestern zu einem wohlorgani- sierten Ueberfall kommunistischer Gchlägerkolonnen ans sozialdemokratische Arbeiter wnd Reichsbannermttglieder. Die Überfallene» Sozialdemokraten setzten fich so kräftig zur Wehr» daß die kommunistische« Gchlägerkolonnen durch die Fenster verschwanden. Das polizeiliche Ueber» fallkommando konnte eine» grosten Teil der komm«- nistifchen Schläger festnehme«, die zum Polizeipräsidium gebracht wurde». «° Die kommunistische Leitung des Bezirks Nordost hatte die sozial- demokratischen Arbeiter der Wohnstadt siarl Legisn aufgefordert, zu einer öffentlichen Versammlung über den Volksentscheid zu kommen und hatte dazu freie Diskussion zugesagt. Beim Beginn der Ver- sammlung lehnte die kommunistische Versammlungsleitung ein«®«, schästsordnungsdebatte ab, gestand jedoch für einen sozialdemokra- tischen Redner längere Redezeit zu. Als kommunistischer Referent sprach«in gewisser Glückauf, der nichts über den Volksentscheid sagt«, sondern nur in jämmerlichster Weise die abgedroschenen kommu- nistifchen Agitotionsphrasen gegen die Sozialdemokratie vortrug, vi« Mehrheit der Versammlung antwortete auf sein« Ausführungen mit zahlreiche« Entrüstungsrufen. Donach erhielt Genosse vressel das Wort. Er rechnete wirkungsvoll mit den Kommunisten ab, er zeigte die Bundesgenossenschast der Kommunisten mit der Reaktion und legte dar, worum es in Preußen geh«. Er geißelte den kommu- nistifchen Arbeiterverrat und forderte zum Schluß all« Arbeiter, sozialdemokratische und kommunistisch«, zum gemeinsamen Kampf gegen die Reastion auf. Genosse Dreisel hatte den stürmischen Beifall der Mehrheit der Versammlung. Die Kommunisten, die ihr« Niederlage erkannten, holten eiligst den„Rote-Fahne"- Redakteur Werner Hirsch herbei, der Drcsscl antworten sollte. Auch sein« Antwort war schwach, Sie war im wesentlichen«in« Wiederholung des Ausspruchs des ersten kommunistischen Referenten: „Hitler ist nicht einen Deut schlechter als Severing." Am Schluß seiner Rede schlug in einer diskutierenden Gruppe'M Saal ein Kommunist auf sozialdemokratisch« Arbeiter ein, doch gelang es. den Ausbruch einer Schlägerei zu uiUerbinden. Am Schluß der Versammlung ließen die Kommunisten die KPD. hochleben, die über- wiegende Mehrheit ober antwortete mit stürmischen Hochrufen auf die Sozialdemokratische Partei und Pfuirufen auf die verräterische Haltung der KPD. Dabei standen die Sozialdemokraten an einer Seite des Saales, die SchlägerkolonnederKommunisten mitten im Saal, der Häuptling der kommunistischen Schläger auf einem Tisch, den Sozialdemokraten gegenüber. Als die sozialdemo» krotischen Arbeiter und Reichsbannerleut« mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie abmarschieren wollten, packte der Führer der kommunistischen Schlögerkolonne einen eisernen Gartenstuhl und warf ihn mitten in die abziehenden sozialdemokratischen Arbeiter hinein. Das war das Signal zn einem kommunistischen Aeberfall. Die kommunistischen Schlägerkolonnen bekamen jedoch die Fäuste der sozialdemokratischen Arbeiter und des Reichsbanner» so zu verspüren, daß sie den Saal fluchtartig durch die Fenster verließen, voran ihre Führer. Indessen konnte ein Ueberfallkommando, das der Wirt alarmiert halle, noch einen großen Teil der Schläger festnehmen. Ein Teil der Raufbolde verschwand in da» umliegende Laubengelände, doch konnte die Polizei auch dort noch einige Feststellungen vornehmen. Eine Anzahl sozialdemokratischer Arbeiter und Reichsbanner- leut« ist durch Schläge mit Stühlen und Biergläsern verletzt worden. * Das Bündnis der Kommunistischen Partei mit den nationalsozialistischen Gchläggrhorden und den Banden des Faschismus zeitigt seine Früchte. Die kommunistischen Schlägerhorden fassen den Kampf gegen den Faschismus so auf. daß sie über sozialdemokratische Arbeiter herfallen. Schlimmer hätten sich Hitlerbanden gegenüber Sozial- demokraten nicht benehmen können. Im Augenblick, wo der Faschismus einen Stunn auf Preußen unternimmt, hetzen die verbrecherischen kommunistischen Führer kommunistische Arbeiter gegen sozialdemokratische Arbeiter! Oer Stahlhelm will den Militärsiaat. llitd die Kommunisten durften die Kulis stellen. Im Bundesorgan des„Stahlhelm" schreibt der Bundeskanzler des Stahlhelm: „Gewiß, jetzt sind die Aussichten für den Gewinn des Volks- entscheids gut— auch ohne di« Kommunisten. Wir haben deren Hilf« nicht erbeten, und wir fühlen uns in keiner Weise zu Dank verpflichtet. Wir würden sie notfalls sehr entschlossen daran zu hindern wissen, aus Deutschland eine russische„Provinz" zu machen. Wir wollen nicht„an den Staat heran" oder„in den Staat hinein", wi« di« schiefen Phrasen lauten. Wir wollen d«n Staat grundlegend soldatisch umformen— von Preußen her." Oie Gehaltszahlungen der Länder. Preußen zahlt 50 Prozent am 1. Augost. wie wir erfahren, wird Preußen am l. August nicht nur ein Drittel, sondern die Hälfle der Veamtengehälter auszahlen. Der Best wird unler allen Umständen vor Monatsmille zur Auszahlung gelangen. Weniger günstig sind die Vcamlen in anderen Ländern gestellt. So wird Sachsen die Gehälter in drei Abschnitten, am l., 10. und 21. August zahlen, auch Oldenburg. Mecklenburg und Laden werden eine Dreiteilung bis in die dritte Angustwoch« vor- nehmen.-Lei den übrigen Ländern ist gleichfalls zunächst nur mit einer ZOprozentigen Auszahlung zu rechnen. Krieg dem Kriege! Beschluß des Wiener Kongresses: Devolution als letztes Mittel gegen den Krieg. Wie», 30. 3nlL(Eigenbericht) Der sozialistische Weltkongreß hat am Donnerstag nnker dem vorfih von hillqnith. Amerika und Gillies» Großbritannien die Abrüstungsdebatte zu Ende geführt. Znlius D e n t s ch- Oesterreich berichtete über die Ausschußberatungen. Die von der Kommission mit allen gegen vier Stimmen vorgeschlagene Resolutton besagt im wesentlichen, daß der Kamps gegen die Kriegs- gefahren in der augenblicklichen Situation die oberste Ausgabe aller soziallstischeu Parteien ist. Alle sozialistischen Parteien seien einig in dem entschiedenen Willen, alle Mittel, die im Vereich ihrer Macht liegen, anzuwenden, um jede Regierung zu bekämpfen. die den Frieden stört Schließlich wird in der Resolutton an die Entscheidung des Brüsseler Songresses erinnert, daß nämlich gegen eine Regierung, die sich einem internationalen Schiedsspruch nicht fügt und zum Kriege schreitet alle, auch revolutionäre Mittel, anzuwenden sind. Fenner-Vrockway von der Unabhängigen Englischen Arbeiter- parte! bemängelt zugleich für die Delegationen der Schweiz und der Unabhängigen Sozialistischen Partei in Polen die Entschließung als unzureichend, wendet sich gegen jede Koalitionspolitik und for- dort revolutionären Kampf gegen das Bürgertum. Darauf sprach, stürmisch begrüßt, Fillpp Turatt-Zlalien:„Der Faschismus ist der Krieg, der Krieg ist nichts anderes als Faschismus. Die große Krise in Deutschland, die heut« unser aller Denken beherrscht und alles andere auf diesem Kongreß zu verdrängen scheint, ist unlösbar mit dem Faschismus verbunden, der überall auftaucht. Wenn die Hilfe der anderen Staaten für Deutschland schwierig ist und nur zögernd durchgesetzt werden kann, so deshalb, weil die anderen Staaten die Gefahr sehen, daß«ine Deutschtand gewährte Hilfe unter Um- ständen dazu dienen könnte, der Reaktion, den Hitlerianern, dem Faschismus in Deutschland zum Nutzen zu werden. Der Faschismus ist längst keine innere Angelegenheit Italiens mehr, er ist der Feind der ganzen Internationale. Und wenn sie leben will, dann muH sie den Faschismus schlagen."(Stürmischer Beifall.) Marie Luckacz-Nerlm: „Im Auftrage der deutschen Delegation begrüße ich die Worte der Resolution, daß die Gleichheit unter den Völkern in der internationalen Arbeiterschaft kein Streitpunkt mehr ist. Im Namen der deutschen Delegation spreche ich de Brouckäre unseren Dank aus, der in so ganz ausgezeichneter Form dem Gedanken Ausdruck verliehen hat, daß es falsch ist, erst Sicherheit zu verlangen und dann erst an die allgemeine Abrüstung zu denken. Unser Dank gilt auch Vandervelde und vielen anderen Freunden, die der deutschen Sozialdemokratte und ihrer Fraktion im Reichstag für ihre politische 5ialtung Verständnis entgegenbringen. Wir danken auch Leon Blum dafür, daß er in Frankreich einen so heroischen Kampf für die Wrüstung führt Es ist selbstverständlich, daß die deutschen Delegierten der Resolution zustimmen. Den Krieg der Zukunft muß man sich al» einen Krieg gegen Frauen und Kinder vorstellen, als einen Krieg mit Giftgasbomben und Sprengstoffen. Deshalb müssen auch wir Frauen warnend unsere Stimme erheben. Die deutschen Gewerkschaften werden den Kongreß und seine Entschließungen verstehen, weil hier in unzweideutiger Weise der Fmbensgeist zum Ausdruck gekommen ist Zum Schluß möchte ich al» Frau eines sogen: Dir. haben den Sozialismus nicht, und wir haben den Weltfrieden nicht, wenn wir nicht die Frauen und Mütter haben."(Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Hillquiih-Amerika: „Die klein« sozialistische Partei Amerika» hat e» im Krieg als einzige Partei gewagt, rückhaltlos gegen die Teilnahme am Krieg Stellung zu nehmen. Ihre Führer und Redner wurden ver- folgt und ins Gefängnis geworfen. Unser« Partei hat sich bis heute von diesen Verfolgungen nicht ganz erholen können. Trotzdem de- dauern wir nicht, so gehandelt zu haben, und wir würden in der gleichen Situation genau wieder so Hartbelm Wir wollen und können die Aktton der International« nicht aufhalten und stimmen deshalb für die Refoluttem. Da diese aber manch« unserer Wünsch« nicht berücksichtigt, bitten wir, recht bald eine neue gemein- same Sitzung unserer Exekutw« und des IGB. abzuhalten." Arthur Schmid- Schweiz bedauert, daß die in der Kommission Aenderungsanttäg« an die ständige Kommission der SAI. und des AGB. oerwies«» worden sind, was«in« Verschiebung um Monate, vielleicht sogar um Jahr« bedeuten könne. Auch die schwei- zerische Delegation erkenne die Notwendigkeit einer Stellungnahm« des Kongresse» zu der internationalen Abrüstungskonferenz des Völkerbundes an. Für den Fall ihrer Ausführung könnten die Anträge der Kommission an den Kongreß ein wirksames Mittel für die Forderung nach Abrüstung sein. Renaudel-paris: „Man könnte� sagen, wozu ein« neue Resolution fasten, solange di« von früheren Kongressen noch nicht durchgeführt sind. Unsere Internationale ist heute nicht mehr nuraufPropaganda eingestellt Di« sozialistischen Parteien sind in verschiedenen Staaten in der Regierung oder haben großen Einfluß auf st«. Sie müssen alles tun, damit die Abrüstungskonferenz ein voller Erfolg wird. Das Bestehen nichtdemokratischer Regierungen erschwert un- gemein den Kampf um den Frieden. Wenn wir auch mit dem Völkerbund noch nicht vollkommen zufrieden sind, so müssen wir doch sehr bedauern, daß Amerika und Rußland ihm noch nicht angehören und sich noch nicht zur Solidarität der Rationen bekennen." Paul Faure-Paris verliest eine Erklärung:„Die Mehrheit des sozialistischen Parteitages in Tours hat ein internationales verbot der Vewllllgnng von Militärkrediten durch sozialistische Fraktionen an bürgerliche Regierungen gefordert. Dos entspricht dem Geist von Iaures, Bebel, Vittor Adler ufw. Wir verlangen, daß die Internationale eine einheittiche Politik in diesem Sinne festsetzt." Albarda-Holland. der Vorsitzende der Kommission, unterstützt in einer wirksamen Red« die Resolution. Damit ist die Debatte erledigt. Die Resolutionen der Kommission werden mit 39» gegen 5 Stimmen bei 8 Enthaltungen(Schweiz) angenomm-n. Der Kongreß nahm das Abstimmungsergebnis mtt großem Beifall ent- gegen. Mit der gleichen Wehrhett wird ein Gegenentwurf der Englischen Unabhängigen Arbeiterpartei abgelehnt; da- gegen wird ein« Entschließung über die F l ott« n a b r ü st u ng einstimmig angenommen. In der Nachmittagssitzung erklärt Vorsitzender Dan- deroelde:„Attr haben heut« Turatt-Italien und Caballo- Spanien zu Mitvorsitzenden.(Großer Beifall.) Wir begrüße» Turatt ei»&rtT/*et ätftUfts«, der de» Mdachand gegen d-mLtz Gm walt, die Treue zur Ueberzeugung seiner Jugend und den Glauben an ein« besser« Zukunft verkörpert Wir begrüßen den Vertreter Spaniens, dessen Revolution der europäischen Demokratie die größte Freude der letzten Monate brachte und uns gezeigt hat, daß Diktaturen gestürzt werden können. Es leb« da« Italien, das nicht weicht und nicht immer still dulden wird, und es leb« das heut« demokratische und morgen sozialistisch« Spanien."(Stürmischer Beifall.) Turati gibt«inen kurzen Ueberblick über die unzähligen Opfer des Faschis- mus und kündigt für eine nicht allzu fern« Zett, wenn er sie auch7 nicht mehr erleben sollt«, die Einladung der Internationale iaa Weltkongreß dem Sapitol in Rom im fiefnttm Zwo« an. Caballo spricht den herzlichen Donk für die Begrüßung aus und sür die Solidarität des Kongresses:„Wir beklagen, daß unser großer Führer Pablo I g l e s i a s den Sieg der Freiheit nicht erleben konnte. Das neue Spanien ist eine zivile Republik. Das Heer ist nur die gehorsame Exekutivgewalt der Regierung. Wir sind auf dem Wege zur sozialen Republik."(Stürmische Zustimmung.) Otto Wels überbringt unter großem Beifall ihm von Macdonald und Hendcrson in Berlin aufgetragen« Grüße und Wünsche für den Kongreß sowie gleiche Botschaften von Ollo Lraun und Severing. Auf Vorschlag von Vandervelde wird die Absendiing einer tele- graphischen Erwiderung an Macdonald und Henderson beschlossen. Dann berichtet Marion Philips über die Arbeiten und Beschlüsse der Frauenkonserenz, die einstimmig zur Kenntnis genommen meüttt, WERTHEIM SotoeSt(Doifali Zusendung von 5 M an. Obsf, Gemüse u. leicht verderbliche Artikel werden nicht zugesandt HehetBsmittel Frisch. Fleisch Schweinebaudi p«und0.70 Schweineblatt"' Rp�'S 0.78 SchweineschinkenPid. 0.84 Liesen 0.68 Gulasch 0.90 Rinderkamm"*'p'tu'a 0.80 Roastbeef m» Knoche ptd. 1.10 Schmorfleisch 1.10� 1.24 Kalbskamm... Pfund 0.70 Kalbsbrust-"�'nd 0.80 Raiacherwaren Bücklinge Pfund von an 0.26 Flundern"eSlÄn 0.32 Seelachs In Stock., Pfd.v. an 0.36 Obst u. Gemüse Wurst waren Dampfwurst wu�pm'. 0.85 McttWIirSf(Braunschw.Art) 0a90 Leberwursts�inkanpoin. 1»08 Leberwurst 1 40 Holsfeiner Äami�ptund 1.35 Tomaten..... Pfund 0.16 Ungar. Pflaumen Pfd. 0.20 Pfirsiche... Pfund o.u 0.28 Apfel Pfund 0.20 austral. 0.38 Rof-, Weih- SihTÄ 0.06 Gurken, Möhren 4P'd. 0.18 Einlegegurken 1 Pfund 0.1 5 Grüne Bohnen 3 Pfund 0.28 Fische SdiellfiSCh PfonVvon'an 0.18 u. Fischfilet, q 24 Pfund von an' Rotbars----------------- Kabeljau 0.24 Grüne Heringe 3 v."an 0.48 Käse u. Fett AlIgäueÄ�is«* 0.25 Blockkäse h�'iDfaif.�fünd 0.65 Sfeinbuscher voiifatt�fd.0.70 Tilsiter voiifaft... Pfund 0.82 Holländer"Ä�'fund 0.88 Margarine u*2« 0.75 Molkereibutf er Pfund 1.28 Konserven � Apfelmus........ 0.65 Aprikosen halba Frucht 0.95 Pfirsichekalif., halbeFruchl 1.18 Gemüse-Erbsen..• 0.55 Junge Erbsen fein... 1.10 Kolonlalwareat Olympia-Mehl 4 An 5-Pfund-Beutel 1.65, 1.55 1 Rauhreif-Mehl Yautli 1»65 Kartoffelmehl. Pfund 0.20 Bruchreis 0.1 4�21 0.1 6 Hartgrieh. Pfund 0.2t 0.26 SchnittsNudeln Pfd.«.s« 0.46 Makkaroni Bruch, Pfd. 0.52 0.46 Dos« Gemischtes Gemüse 0.65 mitlelfein 4_00 Karotten n y- � exlra klain 0.75 gesdin. U.40 Würstchen oo» 5 Paar 0.75 Rindfleisch 1. elganen Saft 1.60 Wein Preis« für l/x Flasche ohne Glas 1930 Edsnkobener.... 0.65 1930 Bergzaberner Letten 0.78 1930 Meienidi. Königsberg 0.85 1930 Burweil. Schloljberg 1.00 Fein, Kirsch- u. Himbeersaft 1.2D Vom Fah Apfelwein....... Liter 0.55 Johannisbeerwein. Liter 0.68 Maikammerer..... Liter 0.80 Schinken- A Speck Pfund l4® Schweizer- Jfi käse, dän.,,/4fetl, Pfd.» � Neue Kartoffeln 10 Pfund*0 W, Matjesheringe?o neue, 3 Sfück von an � Reh- �a9out Blatter Keule Pfd. v. an 30 Pf. 98 Pf. 1 55 88 Pf. Saison- Ausverkauf Morgen Sonnabend beginnt der Bedeutende Preisherabsetzung. Viele Gelegenheitsposten. Theafer,. Lichtspiele usw. � Staatstheater Geschlossen. Abonnements-Elniadang für die Spielzeit 1931/32 Großer Preisabbau, wesentliche Verbesserung einzelner Platzgruppen durch Vorverlegung, sehr bequeme Zahlungsbedingungen. 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G.) veröffentlicht den Geschäftsbericht und den Abschluß fiir das Jahr 1930. Beide lassen erkennen, daß die B. V. G. mit Er- folg bemüh: ist. die Ansprüche der Bevölkerung zu erfüllen und den Betrieb so wirtschaftlich zu gestalten, wie es bei der zu- nehmenden Verschlechterung der Wirtschaftslage nur irgend mög- lich ist. Im Berichtsjahr 1330 ist die Industrie nur zu 70 Proz., gemessen am Stande von 1928, beschäftigt gewesen. Don 1928 bis 1930 hat sich die Iaht der Arbeitslosen in Berlin nahezu verdoppelt. Und während im Jahre 1929 bei der Berliner Krankenkasse durch- schnittlich 1,48 Millionen Arbeitnehmer versichert waren, waren e- im Jahresdurchschnitt 1930 nur noch 1,31 Millionen. Da? ist cm Rückgang um 11,2 Proz. Diese Verschlechterung wirkt« sich unge- mindert aus die B. V. G. aus, da ja der Berufsverkehr für die Inanspruchnahme der Verkehrsmittel ausschlaggebend ist. Wenn der Verkehrsrückgang von 1929 auf 1330 18,3 Proz. ausmachte, so sirtd davon etwa 6 Proz. auf die Abwanderung von Fahrgästen infolge der Fahrpreiserhöhungen zu rechnen. Diese Fahrpreiserhöhungen— am 2. Jaimar 1330 allgemein von 20 auf SZ Pf.: am 2. Juli Erhöhung des Preises für den Omnibus- Umsteigeschein auf 30 Pf.— waren aber notwendig und in ihrem finanziellen Ergebnis auch wirkungsvoll, da die Bei- beHaltung der alten Fahrpreise einen Einnahmeau-fall(bei Per. meidung der Abwanderung!) von 20 Millionen Mark gebracht hätte: der Abschluß hätte dann einen Verlust ausweisen müssen. Der Verkehrsrückgang zwang natürlich dazu, die Betriebs- l« ist un gen einzuschränken und entsprechend auch die Belegschaft zu vermindern. Durch Lohn- und Steuererhöhungen ergaben sich N e u b e l a st u n g e n, die die B. V. G. auf etwa 3 Millionen Mark veranschlagt. Die Sparmaßnahmen der Verwaltung wirkten sich aber dahin aus, daß die. Betriebs- kosten von 15S Millionen Mark im Jahre 1929 auf 153 Millionen Mark im Jahre 1930 zurückgingen, fo daß die gesamte Ersparnis sich auf etwa 11 Mil- lionen Mark beläuft. Der Gesamtoerkehr der B. V. G.(einschließlich Um- steigesahrten) ist von 1483,5 Millionen Fahrten im Jahre 1929 auf 1197,2 Millionen Fahrten im Jahr« 1330, um 19,3 Proz.— die Zahl der bezahlten Fahrten um 18,3 Proz.— zurückgegangen. Am stärksten war der Rückgang bei der Straßenbahn mit 22,4 Proz. Beim Omnibus waren es 20,8 Proz., bei der U-Bahn nur 7,5 Proz., doch muß man hier die Inbetriebnahme neuer Strecken berücksichtigen. Die Betriebsleistung in Wagenkilometern konnte nicht in diesen: Maße herabgesetzt werden: sie ging von 277,6 auf 255,8 Millionen Wagenkilometer, also nur um 7,3 Proz. zurück, ein Zeichen dafür, daß der Verkehrsrückgang vor allem in schlechter Ausnützung der lausenden Wagen zum Aus- druck kam Das Liniennetz der Straßenbahn hat sich von 1686 ans 1648 Kilometer verringert. Das Liniennetz des Omnibus hat sich durch Eröffnung neuer Linien von 420 auf 449 Kilometer und das U-Bahnnetz von 61,1 auf 75,9 Kilometer vergrößert. Der tag- l i ch e Wageirbedarf betief sich bei der Straßenbahn auf 1566(im Vorjahr 1704) Triebwagen und 1368(1596) Anhängewagen. An Omnibussen wurden täglich 518(im Vorjahr 528) benötigt: der tag- liche Wagenlbedarf bei der U-Bahn ging von 752 auf 740 Trieb- und Beiwagen zurück. Neubauten von Gleisanlagen für die Straßenbahn wurden nur ausgeführt, soweit sie im Vorjahre be- gönnen wurden. Die Erneuerungsarbetten wurden entsprechend dem Verkehrsrückgang eingeschränkt. Es wurden 12,2 Kilometer(im Vorjahr 25,2) Gleise neu verlegt und 63,2(105,4) Kilometer aus- gewechselt. Ebenso wurden im Hochbau nur früher begonnene Arbeiten fertiggestellt. Die Gesamtzahl der Belegschaft mußt« im Zusammenhang mit dem Verkehrsrückgang und mit den Einfchrän- kungen von 28 441 aus 24 964 am Ende des Berichtsjahres oer- ringert werden. Die Zahl der Angestellten gmg von 2176 auf 2087, die Zahl der Arbeiter von 26 265 auf 22 877 zurück. Die gesamten Betriebseinnahmen der B. v. G.(einschließlich der nenerössneten U-Bahn-Linien) haben sich trotz des starken Verkehrsrückganges von 204,1 Millionen Mark im Jahre 1929 aus 215.7 Millionen Mark im Jahre 19Z0 erhöht— das ist ein Erfolg, der die Tariferhöhung, so schmerzlich sie au sich ist. recht- fertigt. Im Durchschnitt hat sich die Einnahme je bezahlte Fahrt(also ohne Ilmsteigefahrten) von 16,6 auf 21-5 Pf. erhöht. Die sonstigen Einnahmen haben sich ebenfalls, von 4,6 auf 5,2 Millionen Mark erhöht. Auf der Ausgabenseite der Gewinn- und Derliistrechnung stehen als Hauptposten die Betriebs- ausgaben mtt 153,1 Millionen Mark(153,3 Millionen: vergleiche oben). Pensionsverpflichtungen der früheren Straßerlbahn sind mit 5 Millionen Mark fast unverändert. Zinsen erfuhren eine starke Steigerung, von 11,6 aus 18,1 Millionen Mark. Obwohl die Rück- läge für Anlogeiilgung von 2,5 auf 2,9 Millionen, für Erneue- rungen und Abschreibungen von 22,8 auf 29,1 Millionen Mark e r- höht wurden, ist der Reingewinn etwas gestiegen, von 12,06 auf 12,64 Millionen Mark. Mtt dem Vortrag aus dem vorigen Jahr ergibt sich ein Ueberschuß von 13,1 Millionen Mark, aus dem 0,66 Millionen Mark dem Reservefonds zugeführt werden. D i« Stadt erhält 12 Millionen Mark, das sind immer- hin 3 Proz. Dividende auf das 400-Millionen- Mark-Kapital der B. V. G. In der Bilanz sind gegenüber dem Vorjahre mancherlei Aenderungen sestzustellen, vor allem im Zusammenhang mtt dem Bau der neuen U-Bahn-Linien. Diese werden zwar von der BBG. betrieben, sind aber von der Stadt gebaut worden und befinden sich noch imBesitzderStadt(die Uebertragung erfolgt in diesem Jahre). Die in der früheren Bilanz bereits aktivierten Neubauten der U-Bahn von 30,7 Millionen Mark sind auf die Stadt übertragen worden: dagegen sind ein Teil der Schulden der BBG. an die Stadt verrechnet worden, so daß diese hauptsächlich dieses Postens wegen von 107,6 auf 75,1 Millionen Mark zurück- gegangen sind. Weiter hat die BVG. für den w c i t c r c n A u s b a u der U-Bahn-Linien der Stadt ein Darlehen von 63,3 Millionen Mark eingeräumt: das Geld dafür hat aber die BVG. selbst bei Banken neu aufnehmen müssen, so daß die Schulden der BVG. bei Banken von 92,1 auf 156,6 Millionen Mark erhöhten. Da die neuen U-Bahn-Linien noch nicht auf die BVG. übergegangen sind, hat sie für die hierfür ausgenommenen Gelder bisher keine Zinsen gezahlt. Der Aktivposten Wertpapiere ist von 28,95 aus 7,2 Millionen Mark zurückgegangen. Dieser Rückgang erklärt sich dadurch, daß die BVG. in ihrem Besitz befindliche 7prozentige Schuldverschreibungen gegen Hochbahn-Aktien getauscht hat: die Schuld an die Hoch- bahn-Gesellschaft in Liquidation ist dafür von 26,4 auf 6,1 Millionen Mark zurückgegangen. Die Vorräte konnten durch die Sparmoß» nahmen von 16,1 auf 11 Millionen ermäßigt werden. Die An- lagen bei der Straßenbahn stehen mit 343, 4, die bei der U-Bahn mit 264,4, die für den Omnibus- verkehr mit 25,9 Millionen Mark zu Buch. Es find nur geringe Zugänge zu verzeichnen gewesen. Beteiligungen mtt 10,8 Millionen Mark sind fast unverändert. Konsumvereine im 4. Halbjahr. Zunahme der konsumgenossenschafilichen Eigenproduktion. Die Umsätze der Großcinkaufsgesellschaft Deut- scher Konsumvereine m. b. H., Hamburg, gestalteten sich im ersten Halbjahr 1931 wie folgt: Der Gesamtumsatz betrug im ersten Halbjahr 1931 206 678 028,52 M. 1930 231 463 062,34. Minder Umsatz 1931 24 758 033,82 M.--- 10.71 Proz.Minderung An Erzeugnissen au» deu eigenen Produkkionsbelricben wurden umgesetzt: im ersten Halbjahr 193t 66 654 512.07 M. .„„ 1930 62 915 205,52„ Mehrnmsah 1931 3 739 306,55 M.— 5,94 Proz. Steigerung Außerdem erzielten die Produktionsbetriebe im Verkehr mit den eigenen Abteilungen und Betrieben einen weiteren Umsatz von 2 524 956,48 M. Wie ein Mäi*ctien aius lOOl Nacht wird in diesem Jahre 9 Ausverkauf anmuten. Noch nie ist eine so überwältigende Auswahl hochwertiger, zum Teil kostbarer Waren zu sehen gewesen. 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Gegen den Generaldirektor des Deoaheim-Konzerns, I e p p e l, und den Direktor der Baugenossen- schaft des Deutschen evangelischen Volksbundes, Dr. Läufer, ist von mehreren Seiten Anzeige wegen Urkunden- und Wechselsälschungen, Bilanz- fälschungen und konkursverbrechen erstattet worden. Eine gestern in der Wohnung des Generaldirektors Jeppel abgehaltene Haussuchung hat wichtiges Belastungsmaterial zutage gefördert. Der Zusammenbruch der Devaheim und der ihr angeschlossenen Deutzag hat, wie der„Vorwärts" bereits berichtete, die Spar- einlagcn von rund 21 000 Bausparern auf das stärkste g e s ä h r d et. Das Unglück dieser Sparer, die sich zur Hergäbe ihrer Spargelder an die Devaheim und die Deutzag auf Grund der Empfehlungen des hinter diesen Gesellschaften stehenden Zentralausschusses sür die Innere Mistion entschlossen hatten, ist im wesentlichen auf drei Ursachen zurückzuführen: In der Hochburg der rechtsstehenden kirchlichen Kreise herrscht eine unerhörte persönliche Mißwirtschaft. hochgestellten kirchlichen Persönlichkeiten wurden aus Kosten der kleinen Sporer billige Baudarlehen sür ihre persönlichen Zwecke zur Verfügung gestellt. Der Schatzmeister des Zentralausschusses für die Innere Mistion, der zugleich bis vor kurzem Aufsichtsratsvorsitzender bei den jetzt bankrot- ten Gesellschaften mar, der streng nationale Pfarrer C r e m e r aus Potsdam, hat seine Stellung dazu benutzt, sich selbst und seinen Ver- wandten persönliche Vorteile mannigfacher Art zu ver- schassen. Die Villenbauten am Pfarracker in Lichterfelde sind ein Wahrzeichen des christlichen Wortes: „Bedenke, daß unser Heiland 3esu Christ um deinetwillen arm geworden ist und daß du— reich durch seine Armut bist." Der Generaldirektor des Konzerns, der frühere kleine Gemüsehändler Wilhelm Jeppel, der bereits einmal den Offenbarungseid geleistet hatte, hat sich ebenso wie andere Leiter der Devaheim-Gesellschast eine luxuriöse Villa gebaut. Den Verbänden und Wohl fahrtsan st alten der Inneren Mission wurden aus Kosten der kleinen Sparer feste Zusagen für die Hergabe billiger Baudarlehen in Höhe von jeweils mehreren hundertaufend Mark, ja bis zu Beträgen über eine Million Mark gemacht. Die Verluste beim Zusammenbruch des Devaheim- Konzerns werden von Sachverständigen auf vier Millionen Mark geschätzt. 10 Millionen Mark werden schätzungsweise zur Abwicklung der Verbindlichkeiten benötigt. Daß mit einer Sanierung der Devaheim trotz aller gegenteiligen, von intcressiertcr Seit« in die Oeffenllichkeit lancierten Pressenotizen kaum gerechnet werden kann, beweist das Verhalten des Sparkassen- und GiroverbandeÄ, der sich nach längeren Verhandlungen trotz stärkster Interessennahme für die kleinen Sparer nicht entschließen konnte, das Erbe der Devaheim anzutreten. Die öffentlichen Sparkasfdn haben sich für die der öffentlichen Hand neuer- dings so gern zugewiesenen Bolle der offenen Hand bei Pleiten der privolwirlschaft bedankt, zumal die kirchlichen Organisationen größtenteils nicht zu einem Verzicht auf ihre unbilligen Darlehnsansprüche an die Kasse zu bewegen waren. Die angekündigte Sanierung durch die vor knapp einem Jahr gegründete Zentral-Bausparkaste AG. ist mehr als fragwürdig. Die„Centralbau", hinter der der Deutsche Kredit- oerein und die westdeutsche Schwerindustrie steht, hat sich vorläufig nur in mehr als unklaren Aeußerungen bereit erklärt, an der Sanie- rung mitzuwirken. Zum Zwecke der Fortführung des Bauspar- geschästs der Devaheim und der Deutzag ist vorläufig«ine Ueber- leitungsgefellschaft Devaheim-Deutzag mit einem Kapital von sage und schreibe 20 000 M.(!) gegründet worden. Ein« Garantie der im Zentralausschuß für Innere Mistion angeschlossenen Verbände und Anstalten in Höhe von 6 Millionen Mark ist von geringem Wert, nachdem das„christliche Liebeswcrk" der Inneren Mission nicht nur durch den Zusammenbruch der Devahcim-Konzerns, sondern auch durch die Verwirtschastung eines Betrages in Höhe von 10 Mil- lionen, den der nationale Pfarrer Cremer aus Potsdam als amerika- Nische Auslandsanleihe eingebracht hat, einen tödlichen Stoß empfangen hat. Es ist bisher unwidersprochen behauptet wor- den. daß ein bedeutender Teil dieses Auslandekredits an der Börse verspekuliert und in industrielle Unternehmungen gesteckt worden sind. Die Centralbauspartasse A.-G., mit der die Schwer- industrie ebenso wie mit einer anderen Bausparkastengründung angeblich ihr Herz für den kleinen Sparer entdeckt hat, schloß in den letzten Monaten ähnliche fragwürdige Großbauspar- g e s ch ä f t e ab, wie die Devaheim. Sie stellte Baugesellschaften die Auszahlung von Hypotheken zu der außergewöhnlich günstigen Verzinsung von nur 3 Proz. jährlich in 8 bis 3 Monaten in Aussicht, wenn 26 Proz. des geforderten Darlehnsbetrages ein- gezahlt würden,— Geschäftsmethoden, die den Schneeball- s y st« m e n aus der Inflationszeit in nichts nachstehen. In Wirk- lichteit versucht diese großkapitalistische Kaste denn auch, bei der Sanierung dadurch ein außergewöhnlich gutes Geschäft zu machen, daß man den Sparern eine Erhöhung der verwallnngskofienbelträge aufzuerlegen versucht, durch die in Kürze 2,6 Millionen Mark und an laufenden Spesen- beitrügen weitere rund 6 Millionen Mark einkommen werden. Die geplante neue Kassenorganisation setzt die kleinen Sparer der Ge- fahr aus, zugunsten der Großbausparer, der christlichen Wohltätig- keitsanstalten und der Großagrarier stark benachteiligt zu werden. Es kommt nicht nur darauf an, mit den schärfften Mitteln gegen die verbrecherische Mißwirtschaft der Devaheim- Direktion vorzugehen, in gleicher Weise müssen die führenden Personen des Ienkralausschustes für innere Mission sür die Schädigung Tausender kleiner Sparer verantwortlich gemacht werden und nicht zuletzt muß verhütet werden, daß auf den Zusammenbruch der Devaheim noch ein Eanierungsskandal folgt. Der christliche Bausparskandal, dem, wenn nicht alles täuscht, weitere größere Bausparkassenzusammenbrllche in Bälde folgen werden, macht die vom Reichstag beschlossene Staatsaufsicht über die Bausparkassen dringlicher denn je. Sie ist ein wichtiges Glied der nicht mehr aufschiebbaren, von der Sozialdemo- kratie nachdrücklich geforderten staatlichen Kontrolle über die private Kreditmihwirtschaft.- Kr. Günstiger Lumbericht der Reichsbahn. Im Juni ist der Güterverkehr der Reichsbahn weiter ge- funken. Der Personenverkehr überstieg noch etwas das Mainiveau, doch wurden Urlaubs- und Erholungsresten ein- geschränkt- Es wurden 54,96 Millionen Zugkilometer gefahren gegen 64,28 Mill. im Mai. Die Betriebseinnahmen b«. trugen 342,8 gegen 343,1 Mill. Mark im Mai, die Gesamtausgabe 349,0 gegen 344,6 Mill. Mark. Die gesamten Einnahmeaus» fälle für Januar bis Juni gegen das Vorjahr beliefen sich auf 330 Mill. Mark. Dem stehen die Einsparungen auf der Aus- gabenfeite gegenüber. Im Juni waren 640 611 Personen beschäftigt (632410 im Mai)._ Scharfe Preissenkung für Lteberseepassagiere. Die Vertreter der wichtigsten, an dem Passagierverkehr zwischen Europa und Nordamerika interessierten europäischen und amerikanischen Schiffahrtsgesellschaften haben in einer in Paris unter dem Vorsitz des Direktors Kiep von der Hapag abgehaltenen Versammlung beschlossen, vom 17. August ab die Fahrpreise in der ersten und dritten Klasse um 10 bis 30 Proz. zu senken. Für die dritte Klasse wird sich die Herabsetzung aus 13 Proz. belaufen. In der zweiten Klasse und der sogenannten Touristenklasse sollen die Extragebühren erheblich verringert werden. Gute Gewinne bei Brown-Boveri. Oie Krisenbeständigkeit der Gewinne der Starkstromtechnif. Die A.-G. Brown, Bovert u. Cie. in Baden(Schweiz). einer der größten europäischen Starkstromkonzerne, konnte im ver- gangcnen Jahr einen Reingewinn von 5,5 Millionen Schweizer Franken erzielen, etwa 200 000 Schweizer Franken m e hr als im vergangenen Jahre. Da im vorigen Jahre dos Aktien- kapital von 39,2 auf 47 Millionen Schweizer Franken erhöht worden ist, wirs allerdings trotz des gesteigerten Gewinns die Divi- dendenausschüttung von 9 auf 8 Proz. herabgesetzt. Der Geschäftsbericht erwähnt den starken B e ste l l u n g s r ü ck- gang der letzten Zeit, der so umfangreich ist, daß gegenwärtig der Auftragsbestand um mehr als ein Drittel niedriger ist als vor einem Jahr. Aber ebenso wie der Gewinnabschluß gibt auch die Bilanz ver Gesellschaft ein recht günstiges Bild und veranschau. licht die bevorzugte Stellung der großen elektro- technischen Konzerne selbst in der gegenwärtigen schweren Krise. Man hat ausreichend Mittel gehabt, um sowohl bei den An- lagen als auch bei den Vorräten erhebliche Abschreib un- gen(fast 9 Millionen Schweizer Franken) durchzuführen. Gleich- zeitig haben sich die flüssigen Mittel um mehr als ein Drittel er- höht, so daß die Gesellschaft jederzeit in der Lage ist, aus eigenen Kräften größere Transaktionen durchzuführen. Der Brown-Boveri-Konzern, der u. a. in Deustchland die Brown-Boveri u. Co. in Mannheim beherrscht, unterhält mit zahlreichen anderen elektrotechnischen Unternehmungen in Frank- reich, in der Schweiz, in Oesterreich, in den osteuropäischen Ländern usw. Patentaustausch- und Interessengcmeinschaftsoerträge uno ist auch am Aktienkapital dieser Unternehmungen maßgeblich beteiligt. Er hat es verstanden, auch bis jetzt von den übrigen großen Elektro- konzernen der Erde, insbesondere der Weltgruppe der General Elecxric Co., zu der ja auch die AEG. gehört, unabhängig zu halten; vor einigen Wochen wurde gemeldet, daß er einen Patentvertrag, mit dem zweitgrößten anrerikanstchen Elektrokonzern, der Westinghouse Electric and Manufacturing Co., vorberetteie. Aufs engste ist der Brown-Boveri-Trust mit einigen großen schweizerischen Finanzierungsgesellschaften für Elettrizitätsunter- nehmungen verbunden, an deren Spitze die Motor Columbus A.-G. steht. Die von diesen Gesellschaften kontrollierten Unterneh- mungen arbeiten haupstächlich in der Schweiz, in Italien und in den südamerikanischen Staaten. Die Konttolle dieser Unternehmun- gen verschafft den Brown-Boveri-Gesellschafteu umfangreiche Austräge. Auflösung des größten Gchiffahrisirusts. In E n g l a n d hat man keine Scheu, auch größte Unternehmen, die pleite gegangen sind, fallen zu lassen. Die von der englischen Regierung eingesetzten Treuhänder sür die Royal Mail Schiffs fahrtsgef ellschaft haben beschlossen, die einzelnen Unter- gesellschasten des Konzerns zu verkaufen. Mit diesem Verkauf wird der größte Schiffahrtstrust, der jemals bestanden hat. ausgelöst werden. Schrumpfung des Kapitalmarktes in ltSA. Die Auslegungen neuer Anleihen und Mtten m USA. haben im ersten Halbjahr 1931 nur noch die Hälft« des Umfang» gehabt wie in der gleichen Zeit der Vorjahre: rmmerhi» ergab sich auch noch für die Monat« Januar bis Juni 1931 die gewaltige Summe van rund 12 Milliarden Mark. tnsiä 1. Halbjahr 1929-,.», 6 313,8 Millioaat Dollar 2 1, m 1930 �- 9« g 5196,2 m M 1., 1931 2 991,8 Die Emifsionssumme für das erste Halbjahr 1930 atthicht noch 374,7 Millionen Dollar(1,6 Milliarden Marl) Staatsanleihen fremder Länder. Im ersten Halbjahr 1931 hielten die Amerikaner die ausländische Finanzlage für z» unsicher, um irgendeinem ausländischen Staat anch nnr einen Dollar anzuoerttauen. Auch schwedische Diskonlerhöhang. Die fchwedkfthe Zteichsbant hat mit Wirkung ab Freitag den Diskontsatz um 1 Proz. auf 4 Proz. erhöht. Der dreiprozentige Diskont war erst fett 6. Februar 1931 in Geltung. Ein Bankkrach in vraunfchweig. Die Privatbautfirma D. Meyersfeld, Braunschweig, hat jetzt nach fast hundert- jährigem Bestehen ihre Schalter schließen müssen, und muß eine» gerichtlichen Vergleich mit ihren Gläubigern erstreben. Au 0 v erk äu f e ülo er all. kltrn vltEIN' KAR STAU T- AuGverkauf/ So werden zuck Sie urteilen- wenn Sie am S onnaloend gejorüft haken, WIE äp otthillig alles ist'. 3Ir. 353• 48. JaltrflOBä 3» Krettag. 31, Zuli 1931 Am Strand der IMlillionäre Ton tRichard Mülsenbeck Kuba, im März. Es ist noch gar nicht long« her, daß Kuba ein Land für Leute war, die durch Abenteuer(ohne und mit gesetzlicher Zustimmung) reich zu werden wünschten. Gelungen ist es natürlich immer nur wenigen, aber das Leben dieser wenigen ist so bunt und über� raschungsreich, daß die auf Draht und Flaschen gezogenen mittel- europäischen Existenzen sich däneben ausnehmen wie Schattenbilder. Im Süden der Insel, in Santiago da Euba, hatten in grauen Vor- Zeiten die Flibustier gehaust, Leute mit merkwürdigen Gewohn- Helten. Sie überfielen nicht nur die spanischen Karaoellen, die das in Westindien gebuddelte und ehrlich zusammengestohlene Edelmetall zu den leeren Kassen der spanischen Könige brachten, sie machten aus ihrem Leben einen Roman, sie soffen, liebten und abenteuerten. Sie ttieben's so toll, daß heute noch die Verleger der Knabenbücher der ganzen Welt Stoff daraus ziehen können. Als die Kubaner auf die Idee kamen, sich von der mehr als unangenehmen Herrschaft ihrer spanischen Zwingherren zu be- freien— etwa um die Jahrhundertwende— wurde das Land von amerikanischen Unternehmern überschwemmt. Das waren Leute, die irgendwie etwas tun wollten, sie gebürdeten sich als Ideen- und Rat- geber und sahen aus, als ob sie vor eitel Liebe zu den Kubanern platzten. Im Grunde dachten sie aber auch an ihren eigenen Vorteil, manchmal sogar ganz gehörig. Nach dem Siege über die Spanier erklärten diese Leute, alles sei nur für das bisher unglückliche, nun bald aber unter der nordamerikanischen Sonne aufblühende Kuba geschehen. Sie wiederholten das solange, bis sie das Nachhause- fahren vergaßen. Die Amerikaner haben dann gründlich die spanische Romantik der Insel zerstört: dort, wo die Bougainvillas an den Säulen ver- träumter Patios blühten, wuchs Wellblechdach um Wellblechdach aus der Erde. Da, wo man den Rhythmus der tanzenden Paare zu bören gewohnt war, begannen die Maschinen zu stampfen. Der Danzon(so heißt der kubanische Nationaltanz) wurde auf die Kabaretts beschränkt, die im Bädecker mit zwei Sternchen verzeichnet sind und deshalb das Recht haben, unerhört hohe Preise mit un- erhört großer Langeweile zu verbinden. Die Amerikaner drehten das Land um und um. Sie suchten nach den Schätzen de: Flibustier, fanden aber nur Konservenbüchsen, Reste der zahllosen Reisegesellschaften, die, von den Staaten kommend, das Land über- schwemmten. Als während und nach dem Kriege der Zucker im Preise stieg und jeder kubanische Liftboy an der New-Porker Produktenbörse spielte, steckten die Amerikaner Geld in das Land, noch und noch. Ein neues großes Abenteuer begann, Kuba war wieder das Lager der Flibustier, wenn sie auch diesmal statt der blutgefärbten Hemden Frack und Smoking trugen. Niemals hatte Havanna etwas Derartiges gesehen: ein Rauschzustand, in Europa unbekannt, ergriff die Leute und veranlaßte sie, das Geld, das sie durch Nichtstun ver- dient hatten, für Nichtstun wieder auszugeben. Damals entstanden die Luxushotels, an der Spitze das Sevilla, in dem man ohne einen Rolls Royce und zwei Kammerdienern zu den Unbemittelten ge- rechnet wird. Das Kasino wurde erbaut: dichtgedrängt saßen hier um die Bakkarat- und Roulcttetische die Zuckerbarone: eine 1000-Dollar-Note war ein Wisch, und die leichgesinntcn amerika- nischen Damen(es gibt von dieser Art mehr als wir Europäer uns träumen lassen) erlebten die besten Tage ihres Lebens. Geld war viel weniger wert als irgendeine neue Idee, wie man das Leben auf raffinierte Weise genießen könne. Wie das so in dieser Welt ist: auf die Zeit der Millionäre folgte die Zeit der Pleitegeier. Den meisten schwand das Geld hin so schnell wie es gekommen war— und am Ende, als das ganze Land einigen Deflationsgewinnlern gehörte, erfolgte ein grausiges Erwachen. Die Kubaner sahen ein, daß ihre ganze Freiheit keinen weiteren Sinn gehabt hatte als von der i>lstiional City Bank of New York und der Royal Bank of Canada in die Tasche gesteckt zu werden. Sie begannen nach Schuldigen zu suchen, und es gab nun im Lande eine kleine Revolution nach der anderen. Hier und da wurde eine Zeitung verboten, die zu sehr die Wahrheit gesagt hatte. Um nicht fehl zu gehen, wurden dabei die Redakteure verprügelt und ins Gefängnis geworfen. Oder irgendein Mann, der sich äußerlich von anderen Männern nicht unterschied, indem er nämlich einen hellen Baumwollanzug und eine graue Melone trug, wurde öffentlich niedergeknallt, weil er einer Partei nicht paßte. Am Ende trat der General Machado auf und sagte, wenn man ihn zum Diktator ernenne, rberde sich die Wirtschaftsnot bald beheben lassen. Die Kubaner, die generöse Leute sind und sich gern durch edle Gesten bestechen lassen, glaubten dem General Machado alles, sie er- nannten ihn zum Diktator— mit dem Erfolg, daß die.Wirtschaftsnot heute noch schlimmer ist als zuvor. Die Millionäre, die heute in Havanna sind, gehören zur Klasse der Menschen, denen es gegeben ist, an allem zu verdienen. Ob Inflation oder Deflation herrscht, ob immer es etwas gibt, was man als Weltkrise bezeichnet, für diese Haifische fällt ein Brocken ab. Sie geben sich als Biederleute und tun, als schwitzten sie ehrlich unter dem Geschick, Millionär zu sein. Am Strande in Havanna habe ich einige kennengelernt: sie plagten sich damit, nach der Vorschrift des Arztes bestimmte Zeit in der Sonne zu liegen. Sie beklagten sich über die verordnete Diät, weil sie ihnen die Freude am Essen nähme. Sie hatten mannigfachen Kummer. Eins ihrer drei Autos zum Beispiel war gerade in Reparatur. Was zum Teufel kann man mit nur zwei Autos tun? Man kommt sich direkt vor wie ein dummer Anfänger, wenn einem nur zwei Wagen zur Verfügung stehen. Da war ein Mann, der den schönen deutschen Namen Meier trug, aber aus Chikago stammte und durch den Engrosverkauf von Wollsocken in die Ge- sellschaft hineingekommen war, die unter dem Vorwand der Wirt- schaftsnotwendigkeit diejenigen Krisen herbeizuführen versteht, an denen sie selbst verdienen kann. Dieser Meier besaß— wie sich im Gespräch herausstellte— nicht nur drei Autos(darunter einen Pierce Arrow für 30 000 Mark, von dem er sagte, er sei gut und billig), sondern auch mehrere Flugzeuge und nebenbei noch einen Rcnnstall. Wegen des Renn- stall- befand er sich in Havanna: er wollte seine Pferde auf den täglich stattfindenden Rennen laufen lassen. Ihr werdet'? mir nicht glauben, Herrn Meier lernte ich in der Straßenbahn kennen. Meier fuhr prinzipiell Straßenbahn. Nicht etwa, daß seine Autos gerade in Reparatur waren oder daß seine Flugzeuge sich verslogen hatten oder daß sein Rennstall an Kolik erkrankt war. Das hätte ja auch alles vorkommen können, aber Meiers Gewohnheit, in der Straßen- bahn zu fahren, also das billigste Verkehrsmittel zu benutzen, wäre dadurch nicht erst geweckt worden. In der sehr schäbigen und mit Papierresten übersäten Straßen- vahn sagte er mir, er sei Anhänger der Einfachheit, wasche sich jeden Morgen mit einem nassen Laken ab und lebe hauptsächlich von Tomaten. Nach einer weiteren Viertelstunde erklärte er das ganze menschliche Dasein für Schein und das Weiseste, was man tun könne, sei, sich im Dulden zu üben. Nachdem Herr Meier das gesagt hatte, bekam er mit dem Kellner schrecklichen Krach wegen des Trinkgeldes. Meier wollte nur 10 Prozent zahlen, während der Kellner behauptete, 15 ständen ihm zu. Außer Meiern lernte ich noch den Sohn eines europäischen Millionärs kennen, der mir sagte, man könne nicht mehr nach Deauville gehen, weil sich dort zu viele kleine Existenzen breit machten. Auch Biarritz sei nicht mehr der richtige Platz für einen Mann von Welt und von San Sebastian dürfe man wegen der trau- rigen politischen Verhältnisse in Spanien gar nicht reden. Der Ekel vor den geschmacklos aufgemachten europäischen Bädern habe ihn nun nach Havanna getrieben und er hoffe, hier seine Zeit gewinn- bringend zu verleben. Bei dem Worte gewinnbringend lachte er, denn gestern abend im Kasino habe er nicht nur nicht gewonnen, sondern vielmehr ganz gewaltig verloren. Während wir redeten, saßen wir am Strand und ließen uns die südliche Sonne auf den Körper scheinen. Um uns war das Gesumm zahlreicher Menschen: das Bad war über- füllt, Kellner in weißem Tropendreß rannten und die Sonne wurde von dem silbernen Geschirr in blitzenden Strahlen zurückgeworfen. Man hörte das ferne Hupen der Autos und das Geklingel der Straßenbahn, in der ich mit Meiern von Havanna gekommen war. Die Welt um mich herum war voller Millionäre, die Gott einen guten Mann sein ließen. Es gab alte Damen, die sich von Neger- jungen in buntbemalten Kisten schaukeln ließen. Herren mit weiß- quelligen Fleisch und klcnri-qustre-Bart lagen bäuchlings auf dem Sand und spielten Cribagge, das mondäne Kartenspiel. Die jungen Damen waren nach dem letzten Modeschrei in weiße Matrosenanzüge gekleidet. Sie trugen breitrandige vielfarbige Hüte und lachten laut, wo immer sich Gelegenheit bot. Auf dem Heimweg von einem Strandbesuch traf ich Meiern sehr niedergeschlagen. Denken Sie, sagte er, was mir passiert ist. Meine Badehose ist mir gestohlen worden. Xudtcig fthoma: dDd* fldlf Der Rechtsanwalt Ifak Tulpenstock war nach einigen Der- Mahnungen an das Kanzleipersonal soeben im Begriffe, sich in das Landgerichtsgebäude zu begeben, als ihm der Besuch des Oekonomen Mathias Salvermofer gemeldet wurde. „Was für ein Volk, diese Bauernlümmel! Immer in der letzten Minut'I Immer zu spät! Gerad' so, als ob... lassen S' ihn rein!" Salvermofer hatte auf die Erlaubnis nicht gewartet, sondern war schon hinter dem Schreiber eingetreten. „Nu, was wollen Sie?" fragte Tulpenstock immer noch 'ärgerlich.. 5•.. „21 Frag hätt i, Herr Dokta." „Wenn's eine gescheite Frag is, kommen Sie später. Ich muß zum Gericht. Salvermofer verlor seine Ruhe nicht. „Nacha geh' i halt mit", sagte er,„i ko Cahna ja auf'm Weg aa frag'n." Tulpenstock bedachte, daß ein unangenehmer Klient besser ist wie keiner und ließ es zu, daß der Oekonom neben ihm her ging. Es war ihm peinlich, weil die Leute sich nach ihnen umsahen und weil Salvermofer mit seinen Stiefeln auf dem Bllrgersteige einen sehr unfeinen Lärm machte. „Nu, rücken Sie halt emal raus mit der Sprach!" sagte er ungnädig.„Was haben Sie für eine Frag?" Mathias Salvermofer blinzelte ein wenig mit dem linken Auge, dann stieß er den kleinen Rechtsgelehrten mit dem Ellenbogen an und sagte: „Sie, Herr Dokta, was kost' des, bal ma oan mit an kloan Stecken am Kopf aufi haut?" „Was das kost? Das kost emal viel, emal weniger Da gibt's kein Tarif." „Des woas i scho. Aba unser Bürgermoasta hat g'sagt, nach dem neuen G'setz werd's billiger." „Nach was für en neuen Gesetz?" „No, halt nach dem preußischen G'setz, wo s' jetzt ei'gführt Hamm." „Ach so! Das Bürgerliche Gesetzbuch! Da steht nix drin von Strafen wegen Körperverletzung." Salvermofer zeigte sich erstaunt. „Des kon i do scho net glaab'n", sagte er,„daß de G'setzmacher auf des vergessen Hamm. Da hätt's es ja überhaupt net braucht, daß ma was Neu's kriag'n. Des glaub i scho ganz und gar durch- aus net." „Glaubst du nicht? Brauchst du nicht zu glauben", sagte Tulpen- stock sehr ärgerlich. „Guten Morgen, Herr Kollegal" rief er einem Vorüber- gehenden zu..Lassen. Sie mich mitkommen, ich begleite Sie." Salvermofer ließ sich nicht abschütteln. .Halten S' a wengl, Herr Dokta! I bin nv net firti. Moana S', es ko mir was g'jchehg'n. I ko hundert Eid fchwör'n, daß i in einer Notwehr befunden g'wen bi. Ueberhaupts hob i eahm bloß mit an kloan Steckerl am Kopf aufi g'haut." „Nu, um so besser für Sie. Ich Hab' jetzt kei Zeit mehr." „Sie, Herr Dokta, mit an ganz kloan Steckerl. Es is net dicker g'wen als wia mei Finga." „Was reden Sie dann? Wenn er nicht krank war, gibt es vielleicht gar keinen Prozeß." „Iaa, krank war er scho." „So?" Tulpenstock interessierte sich doch etwas für den Fall. „Wann war die Sache?" fragte er. „Vor an sechs, an acht Wocha, beim Unterwirt." „Also eine Wirtshausgeschichte. Mhm! Wie lange war der Mann krank? Hat er sich ins Bett gelegt?" „Iaa, sell scho." „Nu, wie lang is er gelegen?" Salvermofer blinzelte wieder mit dem linken Shuge „Er liegt no", sagte er. „Was? Das ist ja ernsthaft! Ich kann nicht länger auf der Straße bleiben, kommen Sie ins Büro!" „Sie, Herr Dokta...!" .„Später, später!" Der Rechtsanwalt betrat schleunig das Ge- richtsgebäude und ließ seinen Begleiter stehen. 2lls er nach drei Stunden wieder herauskam und eben daran ging,-seinem verehrten /Urfpasssn! n Noch niedagewesener Preissturz!—m Aufpassen! ßAfTt« Beginn 1. August Saison-Ausverkauf Beginn 1. August HcrrCll- Stoffmälltcl Raglanform...Ton Cutaways ond Westen........ tob 9." Herren-Sakkoanzüge.......«„ 12.T7 Herren-Paletots marengo CheTio».. 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Zu meinem größten Erstaunen antwortete Urbain:„Ts ist untergebracht." „Nicht möglich! Du bist verheiratet?" „Nein ich habe eine Freundin." Ich hätte am liebsten laut aufgelacht! Urbain Badoux. Wi«? Was? Wen hatte er da in fein ödes Leben gezogen? Ich fragte einfach:„Hast du dich fo geändert, Junge?" „Kein bißchen. Ich bewahre meine Eigenheiten. Ich lieb« die Stille in meinen Räumen, den sicheren Rhythmus der Ordnung Du wirst dich wundern, wenn ich dir sage, daß ich gerade des- halb von der gewählt wurde, die mich liebt. Dies kann ich ihr glauben, denn fi« ist zuerst zu mir gekommen! Sie ist eine kluge. feinfühlig« Frau, die in dem Leben, das sie führt— sie ist ver- heiratet—, eine große Sehnsucht nach Ruhe verspürt. Diese Sehn- sucht hat sie zu mir geleitet. Das Bürgerliche meiner Natur Hai sie angezogen. Die feierliche Still« und Exaktheit meiner Umgebung." Mir drehte sich alles im Kopfe„Also." rief ich,„wenn ich richtig verstehe, handelt es sich um etwas ganz Ungewöhnliches- sonst nimmt eine Frau einen Liebhaber, um sich von der Lange- weile ihres ehelichen Heims zu zerstreuen. Diese nimmt einen, weil der Gatte ihr zu aufregend ist und sie sich In dem einförmigen Leben ihres Liebhabers— ich will nicht sagen: langweilen— aber aus- ruhen will!" „So ist es! Sie ist sehr eigenwillig und handelt eben nach dem Gefühl, ganz gegen VI« Gesetze der Logik. Aber du mußt«nt- schuldigen. Gerade jetzt habe ich ein Rendezvous mit der Dame. Du weißt, welchen Wert ich auf Pünktlichkeit lege. Wir sehen un« doch selten. Begleite mich! Und verhöhne deinen alten Kameraden Nicht mehrl Die Beständigkeit meines Eharakters und mein« Lebens» ruhe haben mir ein großes Glück geschenkt!" Wir trennten uns nicht weit von seiner Wohnung. Noch«in paar Schritten traf ich � Madam« Le Halay, die, als st« mich er, kannte, zusammenschreckt« und bei meinem Gruß ties errötete..., t?er«chtiste U-orrh�unz von Ursel SSen Zattbe.) £ine neue indogernwnifche Sprache Die Professoren E. Sieg- Göttingen, W. Siegling- Berlin und W. Schulze-Berlin haben nach langjähriger Arbeit«ine Grammatik einer neuentdeckten indogermanischen Sprache sertiggeftellt. durch die unsere Kenntnis vom Wesen de? Indogermanischen bedeutend be- reichert wird. Es handelt sich um das Tocharische, die Sprache der indo-skythischen Tocharer, die bei der großen Turfanexpedition von Grünwedel und Le Coq bei Ausgrabungen gefunden wurde. Man entdeckte uralte Pergamentrollen, auf denen sich unbekannte Schrift- zeichen einer rätselhaften Sprache befanden. Die Texte stammten nach der Untersuchung ungefähr aus dem 6. Jahrhundert unserer Zettrechnung. Nach der Entzlsserung und Uebersetzung dieser bedeut» samen Denkmäler einer alten indogermanischen Kultur stellte man fest, daß es sich um eine Sprache handelte, die zu den westindo- germanischen oder Zentrumesprachen gehört; zu denen unter an- derem auch das Germanisch», Griechische usw. gehören. Zahlreiche Veröffentlichungen über diese neue Sprach« ln der Preußischen Aka- demie und in wissenschaftlichen Zeitschriften dienten der Erforschung dieser neuentdeckten Sprache in den letzten Jahren. Der indo- germanische Sprachschatz ist in verhältnismäßig kurzer Zeft um zwei bedeutsame Glieder bereichert worden, denn auch dl« hethisch« Sprache, deren rätselhaste Bilderschrift vor Jahren ein» Wissenschaft- liche Sensation ähnlich dem Funde der tocharischen Sprachdenkmäler bildete, gehört aller Wahrscheinlichkeit nach auch zu den indoger- manischen Sprachen Die Entzifferung. Uebersetzung und wissen» schaftliche Durcharbeitung des Tocharischen erfolgte durch die oben- genannten drei deutschen Gelehrten, di, jetzt ihr Werk durch die Per. öffentlichung der ersten Grammatik der tocharischen Sprach« zum Abschluß gebracht und der allgemeinen Forschungsarbeit zugänglich gemocht haben. Diese Sprachdenkmäler, die durch einen glücklichen Zufall erhalten geblieben sind, gehören einem uralten indogerma- nischen Poll an, das fest langer Zeit untergegangen ist. aber noch den Funden schon in alten Zeiten eine hohe Kultur gehabt haben muß. Woitplüsch 250 x330, modern, Touruay eew. 200x300, Uschak- mustei....... Wollperser 28x210, hochfloriß fournay la 10x380. Markenw. zum Saison-Ausverkauf'.i bis 10M 15" Pa. Velour 200x300, dicht u. fast Sf10 Haar-Velour*, 170 x 240, bes. haltbar TD.», Haargarn la/ 200x300, reine Ware 1�0.- 00*" Haargarn/ 200x900, gute Muster Zyß.- t7** Treppenläufer. 69 cm brt, la PlOsch.. lör* S*5 Haargarnl&ufer 18,69 cm ort. strppaeierfäh. 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So lebten sie aber immerhin besser, als wenn fi« sich in ihren jungen Jahren dauernd in möblierten Zimniern herumgedrückt hätten. Sie nahmen die erhöht« Miete auf sich, trotzdem sie dadurch schlechter gestellt wurden als ihre Arbeits- kollagen im Betriebe, die im glücklichen Besitz einer Altwohnung waren und die das gleiche Einkommen hatten. Jeder Neubaumieter ist schon in seiner Erwerbszeit schlechter gestellt als ein Altmieter, da er«inen wesentlich größeren Teil seines Einkommens für die erhöhte Miete verwenden muß. Zur Kakaflrophe wird aber die Lage eines Neubaumielers, wenn er arbeitslos wird! Dieses Schicksal trifft in der jetzigen Wirtschaftskrists Tausende lind aber Tausende, die niemals in ihrem Leben mit einer lang- andauernden Arbeitslosigkeit gerechnet haben. Es war kein un- verantwortlicher Leichtsinn, als sie In ihrer erwerbstätigen Zeit die Neubauwohnung trotz der hohen Miete nahmen, da ihnen einfach kein anderer Weg übrigblieb. Einem erwerbslosen Altmieter wird init Recht die sjauszinssteuer ohne weiteres niedergeschlagen. während die, bei einem Neubaumieter nicht möglich ist, so daß «r doppelt schlechter dasteht als sein erwerbsloser Arbeitskollege in der Altwohnung. In seiner erwerbstätigen Zeit wird ein Neubau- mieter bei den geringen Löhnen und Gehältern kaum irgendwelche Ersparnisse machen können, da das Einkommen für die hohe Neu- baumiete und ein etwaiger bescheidener Rest für die immer not- wendigen Anschaffungen für den jungen Haushalt draufgehen. Es ist aus diesen Gründen Nar, daß ein erwerbsloser Neubaumieter sehr bald seinen Weg zum Wohlfahrtsamt nchmen muß. um dort eine Hilf« zu erhalten. Dort wird er meist ohne weiteres abgewiesen mit der Begründung, daß seine Nottag« selbst verschuldet sei, da er sich ein« teure Neubauwohnung gemietet habe und daß das Wohlfahrtsamt nicht dazu da fei, teure Neubaumieten zu trogen. Da» Wohlfahrtsamt stüht sich hierbei auf eine Enischeidung des vezirksausfchuffes zu Verlin vom 7. Zonuar ISZo— I, 4. 1751/29—. in deren Begründung es heißi: .Die Beschwerdeführerin bewohnt mit ihrer Tochter eine aus zwei Zimmern bestehende Neubauwohnung zu einem monatlichen Mietzins von 83 M. Sie erhält an Invaliden- und Witwenrente monatlich S0, 70 M.. während ihre Tochter einen monatlichen Arbeitsverdienst von 222 M. netto hat... Ihr Antrag von« Iß. August lß2g aus Gewährung einer lausenden SoMrentnerunterstützung wurde abgelehnt. Hiergegen hat sie Einspruch und über den Einspruchsbescheid rechtzeitig Beschwerde erhoben und ihren Antrag wiederholt.... Der Fürsorgeverband beantragt die Zurück- Weisung der Beschwerde, da die Beschwerdeführerin den Not- stand selbst herbeigeführt habe. Denn nur durch das selbständig« Mieten einer Neudauwohnung sei eine Hilfsbedürstigkeit entstanden. Zur Ausmöblierung der Wohnung und laufenden Bestreitung der viel zu teuren Miete könnten öfsentliche Mittel nicht bereitgestellt werden.... D,r Bezirksausschuß ist nach der Prüfung der Sach- läge zu der lleberzeugung gelangt, daß bei der Beschwerdeführerin die gesetzlichen Boraussetzungen für die Gewährung der beantragten Unterstützung, wie der Fllrsorgeverband zutreffend ausführt, nicht gegeben sind. Di« ösfentliche Fürsorge hat die Ausgab«, dem sürsorgerechtlich Hilfsbedürftigen den notwendigen Lebensbedars zu gewahren. Der notwendige Lebensbedarf ist bei der Beschwerde» führe'in als gesichert anzusehen, da ihre Tochter in der Lage ist, ihr entsprechend ihrer gesetzlichen Unterhaltspflicht in dem Umfange Unterhalt zu gewähren, daß unter Anrechnung der 30 M. Rente der Unterstützungssatz der gehobenen Fürsorge für eine Einzelperson von 54 M. erreicht wird.... Im übrigen muß es der Beschwerdeführerin überlassen bleiben, sich entweder um eine billigere Wohnung zu bemühen oder ein leerstchenbes Zimmer zu vermieten.,..* In diesem Falle besteht die Entscheidung des Bezirksausschusses zu Recht, da die Mutter mit ihrer Tochter wissen mußten, daß bei ihrnn geringen Einkommen sie aus die Dauer die teure Neubau- miet« nicht ausbringen werden können. Hier ist ein gewisser Leicht- sinn beim Mieten der teuren Neubauwohnung nicht von der Hand zu weisen. Leider wird aber diese Entscheidung des vezlrtsausschusies bei Beschlüssen der Wohlsahriskvmmissionen aus Aälle angewendet. die wesentlich anders gelagert sind. Sehr oft kommen Leute in Schwierigkeiten, die ihre Neubau» wohnung mieteten, al» der Ehemann sein, wenn auch bescheidenes Einkommen hatte, die also nicht ohne weitere» mit einer dauernden Arbeitslosigkeit rechnen mußten. Auch diese bekommen auf dem Wohlfahrtsamt zu hören:„Warum mieten Sie eine derartig teure Neubauwohnung? Sie hätten doch damit rechnen müssen, daß Sie die Miete nicht werden bezahlen können!" Ich bin Wohlfahrtspfleger in Tempelhof, in einem Viertel, wo zum größten Teil Altwohnungen stehen. Trotzdem kommen die meisten Anträge auf Wohlfahltsunterstützungen aus Neubauten aus Gründen, die ich oben dargelegt Hobe. Mir erscheint daher die Haltung der Wohlfahrtsämter in derartigen Fällen außer- ordentlich ungerecht. Kein vernünftiger Mensch mit einem unsicheren Einkommen wird eine teure Neubauwohnung nehmen, wenn er eine billigere Altwohming haben kann. In der Begrün- dung der oben erwähnten Entscheidung wird sehr leicht gesagt, daß die Neubaumieterin sich eine billigere Wohnung nehmen oder ein Zimmer abvermieten soll. Aber woher eine billig« Wohnung nehmen? Selbst wenn der Neubaumicter zufälligerweise eine billigere Wohnung finden könnte, so entläßt ihn nicht der Wirt aus dem langjährigen Mietvertrag, den er mit Genehmigung der städti» scheu Wohnungsfürsorge-Gesellschaft meist bis auf 10(!) Jahre schließen mußte, da ihm bei der Wohnungsnot einfach keine andere Wahl blieb. Das Abvermieten von Nsubauzimmern ist ebenfalls so gut wie unmöglich, da Tausende von billigen möblierten Zinnnern in Altwohnungen unvermietbar sind. Hier liegt ein« Notlage vor, die nicht der einzeln« ver- schuldet hat, sondern die durch die allgemeine Wirtschaftslage, ins- besonder« auf dem Wohnungsmarkt entstanden ist und wo die Wohlfahrtspflege gegebenenfalls eingreifen sollte. Man kann In- Haber von Neubauwohnungen nicht schematisch mit Altmietern gleich ccher gar schlechter behandeln. Wie oben angeführt, ist jeder Neubaumieter schon in seiner Erwerbszeit gegenüber einem Alt- mieter bedeutend schlechter gestellt, da er einen wesentlich größeren Teil seines Lohnes für die Miete verwenden muß. Diese Härte wird zur völligen Ungerechtigkeit, wenn er im Falle der Hilfsbedürftigkeit von einer Unterstützung ausgeschlossen wird, nur deshalb, weil er ein« Neubauwohnung hat. Mir wird natürlich entgegengehalten werden, daß die schlechte finanzielle Lage der Stadt Berlin nicht erlaube, daß die Neubau- mieter auch noch unterstützt werden. Sind denn aber diese be- bauernswerten Menschen trotz oder vielmehr wegen ihrer Neubau» wohnung nicht auch hilfsbedürftig? Wenn eine Wohlfahrtspflege besteht, so soll diese unterschiedslos allen Bedürftigen zugute kommen! Es darf hier kein Unterschied gemacht werden! Deshalb wäre es notwendig, daß der Magistrat der Stadt Berlin den Dezirkswohlfohrtsämtern die Anweisung gibt, daß S«° suchsteller aus neuen Häusern nicht schlechter, sondern mindestens ebenso wie Gcsuchsteller aus Altwohnungen zu behandeln sind und daß der oben angezogenen Entscheidung ein entsprechender Kam- m elitär gegeben wird. Dr. rer. pol. Wilhelm Wölfl. Um die Freiheit der Erziehung. Die Sammelschulen im kommunalen Schulleben. »Die alle sozialistische Sehnsucht nach Befreiung von Vormündern aller Ari konnte allgemeinpolilisch in der Nach- krlegszeit im großen ganzen befriedig» werden. Auf vielen Gebieten flecken wir aber lief in Bindungen, u. a. im Sffent- lichen Schulwesen." Mit diesen Wort»» beginnt ein außerordentlich belehrender Aufsatz, den der bekannt« sozialistische Lehrer, Genosse Spitzner, Groh-Ottersleben, unter dem Titel„DU Sammelschulen im kommunalen Schulleben" im Heft 15 der„G e m e i n d e" verösfentllcht. Der Verfasser weist hierbei darauf hin. daß die Verwirklichung dieser Sehnsucht durchaus keine ursächliche Angelegenheit sozialistischer oder gar radikaler Schulpolitik, sondern nur die Folgerung aus liberalem Gedankengut sei. Unter einer gewissen geschichtlichen Starrheit leiden am stärksten unsere Volksschulen. Zwar weist die Reichsverfasiung allerlei schöne Artikel auf, aber durch ein« r«ak- tionär« Auslegung dieser Artikel seitens der zuständigen richter» lichen Staatsgewalt wurde eine fortschrittliche Schulpolitik in den einzelnen Ländern gehemmt. Vor 11 Jahren tonnte sich der preu- ßische Unterrichtsminister Konrad Hönisch aus den vielen rechtlichen Schwierigkeiten nur durch eine Verwaltungsmaßnahme retten. Die vom Religionsunterricht abgemeldeten Kinder wurden aus Grund von Ministerialerlassen in einem besonderen Schulsystem vereinigt. Der Träger der Propaganda für die Einrichtung solcher Schulen ohne Religionsunterricht ist die„Freie S ch u l g« s e l l- schaft Deutschland Es sind gegenwärtig rund 3000 solcher Sammeltlassen mit schätzungsweise mehr denn 100 000 Kindern vorhanden. Diese vom Laien„weltlich« Schulen" genannten An- stalten haben sich gut entwickelt und geben dem Schulleben mancher Orte die fortschrittliche Note. voraussehung für die Maßnahmen zur Errichtung solcher Au- stalien ist die Nichiieilnahme am Religionsunierricht der öffenilichen Volksschulen. E» muß für ein« genügend große Zahl von Schulkindern eine entsprechende Erklärung der Erziehungsberechtigten abgegeben sein. Die Erklärungen können auch gesammelt oder durch O r g a n i- satton« n eingereicht werden Die Umschulung in neu zu ey- richtend« Sammelklassen dieser Art soll grundsächlich nur zum Ostertermin erfolgen. Der Antrag zur Errichtung von solchen Sammelklalsen ist beim Schulrat bis zum 1. Dezember jeden Lahres einzu:eich«n, der ihn nach erfolgter Durchprüfung der Schul- deputation übermittelt und der Regierung Mitteilung macht. Aus- drücklich aber verlangt die Staaisregierung, daß eine Schul» Zersplitterung vermieden wird. Auch Spitzner stimmt hierin aus pädagogischen und schulpolitischen Gründen der Ansicht der Staatsregierung zu. Er sagt weiter:„Nicht die konfessionelle Geschicht« darf der Leitstern der kommunalen Schulpfleg« sein, sondern da» wahre Bedürfnis, gemessen an der Kinderzahl und an den Schulwegen, di« jene zurückzulegen haben." In der freien Aus- gestaltung de» Lehrplanes ist nur einigen anerkannten Versuchs- schulen der Weg offen gehalten. Im allgemeinen muß der Lehrplan in den Sammelschulen in derselben Grundform wie an den kon- sessionellkn Volk»schul«n bestehen bleiben. Rur die eine Einschränkung besteht, daß an Stelle des Religionsunterrichtes di« gleiche Stunden» zahl für den lebenskundigen Unterricht verwandt werden darf. Nur die weltanschauliche Bereilschaflsslellung der Lehrer bleiei die Gewähr für die Verbreitung eines freien und sortjchriiklichen Geistes an dtefea Sammelschulen. Dieses Lehrermaterial zu erziehen, ist also ein« vordringliche Ausgabe. Wo dU Voraussetzungen für die Errichtung von Sammel- tlassen noch nicht gegeben sind, da müssen wir für dU vom Religionsunterricht abgemeldeten Kinder die Erteilung«in«? lebens- kundlichen Unterrichts oder„Moralunterrichts" ermöglichen. Die Abmeldungserklärung der Kinder vom Religionsunterricht kann mit dem Antrag auf Erteilung von lebenskundlichem Unterricht in den freiwerdenden Unterrichtsstunden verbunden werden. Es soll eine möglichst einfache Form genügen, die Mitwirkung von Organi» sationen ist möglich. Spitzner schließt:„Alle kommunalpolitisch tätigen Genossen unterstützen die Sammelschule und die Frei« Schulgesellschast als Trägerin des weltlichen Schulgedankens in dem Bewußtsein, damtt der nach Freiheit ringenden arbeitenden Bevölkerung Helferdien st« erwiesen und einer gerechten komn-mnalen Schul- pflege den Weg geebnet zu haben." Attersschwache Berliner Brücken. Schleflsche und(Sandkrugbrücke werden repariert. An der im Jahre 18S4 erbauten Schlesischen Brücke im Südosten Berlins werden demnächst interessant« Erneuerungs- arbeiten beginnen. Es hat sich herausgestellt, daß sich an dem großen 1,41 Meter starken mittleren Stromps«il«r Stein« g»löst haben. Man vermutet« zunächst, daß der Defekt dadurch entstanden sei, daß sich, wie bei der benachbarten Wiener Brücke, schwefelige Säure in dem Mauerwerk gebildet hätte. Die» trifft jedoch nach den Ergebnissen einer Taucheruntersuchung nicht zu. Dringend reparaturbedürftig ist auch die bereit» für schwere Lastsuhrwerke gesperrte Sandkrug-Brücke. eine der wichtigsten Verkehrs- brücken der Stadt. Das Verkehrsamt hat festgestellt, daß diese Brücke täglich von über 3000 Fahrzeugen passiert wird. Man wird daher versuchen, verett» in diesem Jahr« die Reparaturen durchführen zu lassen und nicht erst— wie ursprüng- lich geplant— im nächsten Jahre. v'.e Frage der Bedeutung und vekämpsunq der Lärmplage wird den Deutschen Verein für öffentlich» Gesund- h c I t» p s l e g, auf seiner Tagung am 4. und?. September in Breslau beschäftigen, und zwar werden zu diesem zeitgemäßen Thema sprechen Sanitätsrat Dr. P e y s e r- Berlin, Magistrots- oberbaurat H ö l t j e- Verlin und Regierungs- und Gewerberat M e n z- Breslau. Am 5. September wird die Brotversorgung des deutschen Volkes behandelt werden. Zu dem Thema sprechen Prof. Dr. H. Z o e r n e r. Berlin, Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Falke- Leipzig und Prof. Dr. H. S i c u d e l- Berlin. wieder Beginn: 10RQEN, SONNABEND den-I.AUeuST morgens 9 Uhr in unserm Kalktuff und Orchideen. Aus dem Naturschutzgebiet Schildow. (5s erscheint kauin möglich, daß man noch im Weichbilde der Großstadt heute ein Natnrschutzgsbict als solches ausweisen kann, ineil allenthalben die Eiedelung um sich greift und eigentlich das Gelände so bekannt sein sollte, daß sich nichts Neues mehr entdecken und erhallen läßt. Und doch ist dies möglich geworden durch das Auffinden eines recht eigenartigen Kalktuffgeländes mit interessanter Flora und Fauna am Tegeler Fließ zwischen Mönchs mühle und Schildow. Seit dem Jahre 1929 haben wir dieses landschaftlich hervor- ragende Naturschutzgebiet von 94 Morgen, das durch seine Lage nördlich der ausgedehnten Rieselfelder von Blankenfelde und Buch- holz außerhalb der ominösen Duftzone selbst für den verwöhnten Berliner begehbar wird. Allerdings müssen die Vorschriften für die Erhaltung und ungestörte Entwicklung eines solchen Gebietes auch vom Publikum beachtet werden und es sei daher den Besuchern des siir die wissenschaftliche Forschung werwollen Geländes empfohlen. sich auf den Wegen zu halten, da noch an der Durchforschung des Schutzgebietes gearbeitet wird. Ätan erreicht das Naturschutzgebiet entweder mit dem Autobus vom Ilntergrundbahnhof Binetastraße über Pankow bis zum Dorf Schildow oder man fährt mit der Straßenbahnlinie 24 bis Französisch Buchholz und geht über die Arkenbergs, etwa eine Wegstunde auf einem abwechseluugsreichen, mit hohen Pappeln bestandenen Feldwege durch die Rieselfelder. Der wundervolle Blick von den Arkenbergcn entschädigt uns reichlich für die Anstrengung ihrer Besteigung: sie werden in großen Kiesgruben ausgebeutet und für den Geologen sind die dortigen„Klamotten" recht interessant, weil sie eiszeitliche Geschiebe der mannigfaltigsten Herkunft darstellen. Wenn man mit dem Autobus bis in die unmittelbare Nähe des Naturschutzgebietes fahren will, steige man eine Haltestelle vor dem Dorfe Schildow aus und gehe auf einem Rieselfeldweg in nordöstlicher Richtung zck den mit Wild bestandenen Hängen, die sich bis zu dem Tegeler Fließ in einer schmalen, stark durchnäßten Schilfwiesenzone hinziehen. Das Gebiet, das unter Naturschutz steht, ist durst Tafeln kenntlich gemacht. Abpflücken von pflanzen oder irgendwelche Schädigungen im Gelände sind verboten. Man htilt sich am besten auf einem Wege, der in nordöstlicher Richtung zzvischen dem waldigen Abhang und dem Wiesengeländc führt und zrcr Erinnerung an den um den märkischen Naturschutz verdienten, noch lcbrnden Geheimrat W c t e k a m p, den Namen Wetekampweg erhalten Hat.' Beachtenswert find nun die K a l k t u f f b i l d u n g e n, die zum Schutze des Gebietes mit Veranlassung gegeben haben. Sie liegen auf der Westseite des Wetckampweges und sind äußerlich kenntlich an einem dichten Schilsbestand, der sich auf einer etwa 20 Zentimeter dicken Kalktuffdecke entwickelt hat. Als vorläufiges Ergebnis ist festgestellt worden, daß der Kalktuff dort eine ganz junge Bildung ist, die mittelbar veranlaßt wurde„durch die starke Vermehrung des Wasseraustrittes an dem unteren Waldrande seit der Anlage der Rieselfelder". Das austretende Wasser ist sehr stark kalkhaltig und verliert seinen Kaltgehalt einmal durch die Oberflächenvergrößerung des aus einigen Quellen kommenden Wassers, wobei die gebundene Kohlensäure frei wird, und ferner durch die assimilatorische Tätigkeit von Algen und kalkliebenden Moosen, die dem Wasser gleichfalls die Kohlensäure entziehen und zum Aufbau der Kohlenhydrate im Pflanzenkörper verwenden. Der einfach kohlensaure Kalk fällt also aus und bildet dort noch ständig einzelne kalkluffbänke und Terrassen, selbst in einem kleinen Graben am Westrande des Gebietes. Die bisherige Erforschung des Gebietes, die in einer Denkschrift im Austrage der Berliner Kommission für Natur- dcnkmalpflege in mehreren Aufsätzen über Geologie und einzelne Tier- und Pflanzengruppen zusammengefaßt worden ist, ist, wie bereits erwähnt, noch nicht zum Abschluß gekommen. Es sei hier nur noch darauf hingewiesen, daß allerlei seltene und schöne Pflanzen dort vorkommen, die selbstverständlich geschont werden müssen. So ist das Gebiet besonders reich an Orchideen, ferner an Weidenarten und auch die Moosvegetation weist viele besonderen Arten auf. Infolge des Kalkgehaltes im Boden ist der Reichtum an Schnecken groß. An Säugetieren sind bereits beobachtet worden: Rehe und Standwild in über 30 Exemplaren, ferner Fuchs. Steinmarder, wieset, Maulwurf, Hose, Kaninchen und Igel. Die Mäuse- und Spitzmausarten sind ebenfalls durch Winterfänge erforscht worden. Wir beenden unseren natürlich nur oberflächlichen Gang durch die eigenartige Landschaft, der uns ja nur mit dem Gesamtbilde der Landschaft bekannt machen sollte, unterhalb der Arkenbergs und erfrischen uns vielleicht bei der nahe gelegenen Mönchsmühle unter mächtigen Lindenbäumen oder kehren auf der anderen Seite des Tegeler Fließes nach Schildow zurück. Allgemeine Weiterlage. Unter dem Einfluß eines Zwischenhochs herrschte am Donnerstag. mit Ausnahme des Nordwestens, in ganz Deutschland ziemlich heiteres Wetter. Die Temperaturen stiegen stellenweise auf 24 Grad Celsius. Ueber der Nordsee liegt ein Ausläufer der Depression über dem Nordmeer. Unter ihrem Einfluß kam es in Nordwestdeutschland, namentlich auf den ostfriesischen Inseln, zu Regensällen. Da der Tiefdruckausläuser nach Osten weiter vorzurücken scheint, dürft« er unser Gebiet überqueren. Nach seinem Vorübergang ist dann wieder mit wechselnder Bewölkung zu rechnen. Wetleraussichten für Berlin: Nach vorübergehender stärkerer Bewölkung mit etwas Regen wieder zeitweise heiter, am Tage mäßig warm.— Für Deutschland: Im Küstengebiet vielfach etwas Regen, im übrigen Reiche veränderlich, einzelne Schauer. "T, v\ vXSSW���i tUwt die Rest« und Einzclpaarc zum Brutftteil des wahren Wertes Herrenhalbschuhe Rindbo*_ Damen Leder«Trotteurschuhe Saison- Husvcrkaur� OrcuiftenstiraOe S«/ KleisistfraOe SS/ TurmsiraOe?»/ Brunnenstfrcsfö« 33 Clioi>lotfteiil>«ia*tt R. Berliner Straüe 133/ Neukölln. Berliner SlraBe 4t3 3m Lichte Oer Nankroii der ,, lieber die Mittel, die zur lleberwindung der Wirtschafts- und Finanzkrise am besten und schnellsten führen können, mögen heute die Meinungen noch geteilt sein. U n b e st r i t t e n ist jedenfalls, daß die unmittelbare Ursache der Finanzkrise, die auch zur Ver- schärfung der Wirtschaftskrise beigetragen hat, die Kartell- Politik in Deutschland ist, die zu den katastrophalen Fehl- investitlonen führte. Diese ungeheuerliche Sapilalverschleuderuug. die durch die niedrigen Löhne möglich geworden ist, hat die deutsche Wirtschast und den deutschen Staat in die gegen- wärtige Situation gebracht. Ein führendes bürgerliches Schweizer Blatt, die„Neue Züricher Zeitung", schreibt dazu in seiner Nr. 1363 unter dem Titel„Irrwege des Kapital? in der deutschen Wirtschaft", die verantwortlichen Leiter der großen Firmen, die kein p e r s ö n- l i ch e s Risiko trügen, hätten vielfach jede Selb st kontroll« vermissen lasten, und durch wagehalsige Kombinationen und Ex- pansionen die größtenteils für sie selbst reservierten Augenblicksgewinne der Unternehmung zu erweitern gesucht. In den gleichen Zusammenhang gehöre die unglückselige Verkettung der Betriebsleitung mit dem reinen Finanz- und Börsengeschäft. Wie viele kostspielige„Rationalisierungsmaßnahmen", meist be- stehend in der Angliederung unrentabler Betriebe, würden durch- ' geführt, nicht well sich die Leitung irgendeinen produktionswirtschaft- lichen Erfolg davon versprach, sondern weil sie aus die bloße Börsenwirkungspekulierte.„Wie kraß in den Augen der Masse, wie sozial verhetzend mußte es wirken," so fährt das Blatt wörtlich fort,„daß in der Zeit der schwersten Entbehrungen aller übrigen Volksschichten, in der Zeit der Dauerkrise, der Kapital- not und des Lohnabbaues, für die auf den lichten Höhen wandernden Matadore der deutschen Wirtschaft bis hinab zu den simpelsten Direk-, toren und Verwaltungsräten kleiner Aktiengesellschaften trotz allen Reparationslasten echt amerikanische Luxuseinkommen verbsieben, die nicht selten in ebenso amerikanischen Luxusausgaben den äußeren Rahmen fanden." Dieses Urteil fft keineswegs alleinstehend in der Presse des Auslandes. Allgemein ist man der Auffassung im Auslano, daß Großmannssucht, gepaart mit Leichtsinn und Unfähigkeit, an der Wiege der gegenwärtigen Krise in Deutschland stehe. Gleichzeitig gibt man der Besorgnis Ausdruck, daß die deutschen Kapitalisten versuchen würden, die Sünden der Vergangenheit auf dem Rücken der deutschen Arbeiter auszutragen und durch verstärkten Lohndrvck eine Exportsteigerung um jeden Preis herbeizuführen. Freilich würde eine derartige Exportsteigerung die Wirtschaftskrise in Deutschland keineswegs abhalten, weil der ausschlaggebend« Innenmarkt durch die weiter« Zu- samm«npressi.ng der Kaufkraft sich noch mehr verengen muß und damit das, was durch den Export gewonnen werden könnte, zehnfach in Deutschland wieder verloren gehen würde. Die Größe der Krise. Wirischastsführer". des Außenhandels steht im engsten Zusammenhang mit der Entwicklung oes Innenmarktes. hohe Arbeitsleistung und niedrige Entlohnung sind unvereinbar. Man hätte erwarten können, daß die gegenwärtige Krise endlich den führenden Kreisen des deutschen Unternehmertums zur Ein- kehr und Selbstkritik Veranlassung gibt. Vergebens aber wird man in der Kundgebung des Reichsverbandes der deut- schen Industrie nach einer solchen Selbstkritik Ausschau halten. In unserer gestrigen Abendausgabe haben wir bereits den Auf- ruf des Zweckverbandes der Industrie- und Handelskammern von Rheinlano-Westfalen einer kritischen Würdigung unterzogen. Es ist geradezu unglaublich, mit welch abgedroschenen hohlen Phrasen, die durch die Tatsachen längst ad absurdum geführt sind, die söge- nannten Wirtschaftsführer auch heute noch zu operieren wagen. Diese totale Unfähigkeit zur Selbsterkenntnis und zur Selbstkritik ist geradezu niederschmetternd und befeuchtet blitzhell die zwingende Tlotwendigkelt, die kapikalwirlschask in Deukschland unter staatliche Kontrolle zu nehmen. Ein derartiger wirtschaftlicher und geistiger Bankrott schreit geradezu nach einem Konkursverwalter. Den Forderungen der freien Ge- werkschaften, die wir gestern im„Vorwärts" veröffentlicht haben, müßte endlich Rechnung getragen werden. Es ist beinahe selbstverständlich, daß die Kommunisten den kankrotten Privatkapitalisten zu Hilfe eilen. So darf man sich nicht wundern, wenn z. B. die„Welt am Abend", das Blatt des Skandals und der Volksvevblödung, seinen Lesern zwar nicht den Inhalt der Forderungen der freien Gewerkschaften, aber die Behauptung auf- zutischen wagt, diese Forderungen deckten sich mit denen des Reichs- verbände? der deutschen Industrie. Das Blatt scheint aber die Ge- dankenlosigkeit seiner Leser wirklich zu überschätzen, wenn es be- hauptet, die Räumung der Warenlager auch zu Verlust- preisen führe zur Vergrößerung der Arbeitslosig- keit. Das kommunistische Blatt will also seine Leser glauben machen, daß der Beschäftigungsgrad sinkt, wenn der Absatz steigt. Ungefähr so sagen es auch die angeblichen Wirtschaftsführer, wenn sie die Behauptung wagen, daß niedrige Löhne die Stärkung der Kaufkraft und damit die Hebung des Absatzes bedeuten. Iniernaiionale des Bergbaus zur Krise. Wirtschastöverstandigung gefordert. Wien, 30. Juli.(Eigenbericht.) Das Exekutivkomitee der Bergarbeiterinter- nationale hat hier anläßlich des sozialistischen Weltkongresses getagt. Ein Bericht über die Genfer Verhandlungen, die zur An- nähme der Konvention über die Vereinheitlichung der Arbeitszeit im Kohlenbergbau führte, wurde beraten. Die Exekutive sprach dem Internationalen Arbeitsamt und allen, die zum Gelingen dieser Konvention beigetragen haben, besonders auch dem englischen Mi- nistcr Shinwcll, Dank aus, erklärte aber, daß die Können- tion den Forderungen der Bergarbeiter nicht gerecht werde. besonders was die Arbeitszeitbestimmungen, die Uebertagarbeiter und die Ueberstunden anlangt. Die Bergarbeiterinternationale wird den Kampf für die volle Erfüllung ihrer'Forderungen fortsetzen. Sie erkennt aber an, daß die Konvention den wichtigen Gruitdsatz, für den die Internationale seit Jahren kämpft, der Verwirklichung entgegenbringt: die Vereinheitlichung der Arbeits- zeitindcnGruben. Die Internationale fordert die angeschlossenen Landcsorgani- sationen auf, alle Anstrengungen zu machen, um dj� schnelle Ratifizierung des Abkommens durch ihre Regierungen zu erreichen. Ueber die internationale wirtschaftliche Ver- ständigung im Kohlenbergbau verhandelte die Exeku- tioe an zwei Tagen. Hierzu wurde eine Entschließung an- genommen, die in den bisher geleisteten Vorarbeiten des Völker- bundes auf diesem Gebiete eine brauchbare Unterlage für die beabsichtigte internationale Kohlenkonferenz erblickt. Besonders verweist die Exekutive auf die dem Völkerbund bereits vorliegenden Vorschläge zur Errichtung eines Völkerbundamtes für Kohlcnwirtschaft, sowie auf Förderung internationaler Kohlenproduktions- und Kohlenhandelsabkommen, und endlich auf ein Uebereinkommen betreffend die Abschaffung der in letzter Zeit in einer Reihe von Ländern wiederum verschärften Kohlenhandels- befchränkungen, sowie der bestehenden und drohenden Dumping- Maßnahmen. Die Bergarbeiterinternationale verlangt, an der Ver- wirklichung dieser Vorschläge gleichberechtigt mit den übrigen Be- teiligten mitzuarbeiten, um den in wirtschaftlicher, sozialer und po- litischer Hinsicht immer gefährlicher werdenden internationalen Krisenheerd im Kohlenbergbau mit größter Beschleunigung durch praktische Regelung der Kohlenwirtschaft zu ordnen. Das Inter- nationale Bergarbeiterkomitce ersucht seine Mitglieder, dieser, in völliger Einmütigkeit der angeschlossenen Bergarbciterverbände auf- gestellten Forderung in ihren Ländern den größten Nachdruck zu geben. Falls diese ernsten Bemühungen ergebnislos bleiben, wird die Internationale über die Anwendung weiterer gewerkschaftlicher Mittel zu beschließen haben. Die Berichte über die Lage der Kohlenindustrie in den verschic- denen Ländern ergaben ein trostloses BUd. Der deutsche Be- richt, der die Bedrohung aller sozialen Errungenschaften durch die Krise schildert- wirkte so eindringlich auf das Komitee, daß be- schlössen wurde, den Bericht schriftlich allen angeschlossenen Orga- nisationen zuzusenden. Arbeiisvermitilung und Aeichsanstali. Tolerierung illegaler Handlungen. Von gut unterrichteter Seite wird uns geschrieben: Der„Vorwärts" hat seinerzeit berichtet, daß die Hirsch- Dunckersche Organisation der Hotel-Angestellten, der G c n f c r V e r- band sich bemühte, die gewerbsmäßige Stellenver- m i t t l u n g für weibliche Arbeitnehmer im Gastwirtsgewerbe, die auf Grund des Reichsgesetzes am 30. Juni d. I. zu existieren auf- gehört hat, ansichzureißen. Inzwischen hat das Arbeits- amt Berlin-Mitte die Stellenvermittlungspraxis der gewerbs- mäßigen Stellenvermittlung Renate llcko, die bedeutendste unter den Berliner Stellenvermittlung an sich gebracht. Dessen ungeachtet gibt sich der Genfer Verband immer noch als„Rechtsnachfolger" des Geschäfts der Renate Ucko aus. Trotz der Mitteilung des Landes- nrbeitsamts Brandenburg, daß der Genfer verband keine® e- n e h m i g u n g zur Vermittlung weiblichen Personals besitze, daß die Vermittlung unzulässig und st r a f b a r sei, vermittelt der Genfer Verband lustig darauf los. Er betreibt offensichtlich eine gewerbsmäßige Stellenvermittlung. Die zu ibm kommenden weiblichen Arbeitnehmer werden, bevor man ihnen eine Stellung anbietet, gezwungen, Mitglied nicht clwa des Genfer Verbandes, der die Vermittlung betribt, sondern des„Verbandes der Arbeitnehmer im Gastwirtsgewerbe Berlin", zu werden und nimmt ihnen dafür 2,75 M. ab. Diese Dinge geschehen nun schon wochenlang, ohne daß von der chauptstcllc oder einer anderen Stelle der R c i ch s a n st a l t irgend etwas geschieht, um dem Gesetz über Arbeitsvermittlung die nötige Beachtung zu schenken. Legt man in der Reichsanstalt keinen Wert darauf, die gesetzlichen Bestimmungen durchzuführen und gegen den Genfer Verband vorzugehen? Man müßte sonst annehmen, daß dem Genfer Verband bereits Zusicherungen gemacht worden sind, die ihn veranlassen, diese unverfrorene Art von Ausbeutung der Arbeitslosen zu betreiben. Wenn er sich nicht auf Schonung durch die Hauptstelle der Reichsanstalt ver- lassen könnte, würde sich der Genfer Verband schwer hüten, auch seine nichtgewerbsmäßige Vermittlung männlichen Personals, auf der seine Existenz beruht, aufs Spiel zu setzen. Es ist die höchste Eisenbahn, daß diesem Skandal ein Ende bereitet wird, und daß man sich auch in der Reichsanstalt aus die Pflicht besinnt, auch in dieser Beziehung dem Gesetz Achtung zu verschaffen. Aus einer Mücke ward ein Elesani. Oder: Die Kunst des Aufblasens. Die„Rote Fahne" brachte in knalliger Aufmachung unter der Uebcrschrift„Gewerkschafter gegen ADGB." einen Bericht über eine Mitgliederversammlung der Filiale Potsdam-Nowawes des Deutschen Bekleidungsarbeiter-Verbandes, in der angeblich„einstimmig bei einer Stimmenthaltung" eine Entschließung angenommen worden ist, in der dem Bundesvorstand des ADGB. das Mißtrauen aus- gesprochen wird. Dieses„Dokument" beweise, daß die s i e b e n M i l l i o n e n Mit- glieder der freien Gewerkschaften„nicht für den Klassenkampf ver- loren sind". So schreibt das Stalinhelmblatt. Die Filiale Potsdam-Nowawes des Deutschen Bekleidungs- arbeiter-Verbandes zählt ganze 43 Mitglieder. Die 43 Mit- glieder der Filiale sind fast ausnahmslos Maßschneider und-Schneide- rinnen, die in den wenigen Potsdam-Nowaweser Maßgeschästen, zum Teil auch in Berlin tätig sind, denn eine Bekleidungsindustrie gibt es in Potsdam-Nowawes nicht. Die Filiale steht schon seit Iahren unter kommunistischer Leitung. Aus dieser Tatsache erklärt sich auch die Annahme einer solchen„Entschließung", von der noch nicht einmal feststeht, ob sie der Versammlung in ihrem Wortlaut bekanntgegeben worden ist. Und wieviel Mitglieder haben an der Versammsung tatsächlich teilgenommen? Es dürfte kaum mehr als ein Dutzend gewesen sein. Der Deutsche Bekleidungsarbeiter- Verband hat aber 7S0(X) Mitglieder und der ADGB. fast fünf Millionen. Die KPD. ist sehr bescheiden geworden. Frauen in der Krise. Rückblick des Buchbinderverbandes. Unter den Verbänden, die von der Wirtschaftskrise im vorigen Jahr stark in Mitleidenschaft gezogen wurden, bildet der V e r b a n d der Buchbinder und Papierverarbeiter keine Aus- nähme. Mit 7917 oder 13,1 Proz. erwerbslosen Verbandsmitgliedern begann das Jahr 1930, mit 13 314 oder 23,4 Proz. ging es zu Ende. Der Jahresdurchschnitt der Arbeitslosigkeit der Verbandsmitglieder lag mit 20 Proz. im Jahre 193g etwa siebenmal höher als in den letzten Vorkriegsjahren. An, stärksten betroffen wurde von der Arbeitslosigkeit die B u ch b i n d e r b r a n ch e, die eine jahresdurchschnittliche Arbeitslosigkeit von S2 Proz. aufzuweisen hatte! In Kurzarbeit standen im Jahresdurch- schnitt 1930 f a st 2 3 Proz. der Mitglieder. 89 Betriebe mit fast 3000 Beschäftigten wurden im vorigen Jahre gönzlich still- gelegt und 211 Betriebe mit 5144 Beschäftigten teilweise. Wenn trotzdem der Verband der Buchbinder das Jahr 1930 nur mit einem Verlust von 3779 Mitgliedern oder 6,5 Proz. des gesamten Mitgliederbestandes vom Anfang des Berichtsjahres abschließt und demzufolge zu Ende des Berichtsjahres noch 54 795 Mitglieder musterte, beweist das, welches Vertrauen die Mitglieder auch oder vielmehr gerade in Krisenzeiten zu ihrer Organi- sation haben. Die Tatsache, daß der Verlust bei den männlichen Mitgliedern nur 1,9 Proz., bei den weiblichen dagegen 8,6 Proz. ausmacht, erklärt sich daraus, daß das Gros der Verbandsmitglieder, nämlich 36 454 oder 66,5 Proz., Frauen und Mädchen sind. Die Lohn- und Tarifpolitik war infolge des Krisen- drucks vornehmlich auf die Erhaltung des Bestehenden abgestellt. Die Zahl der Lohnbewegungen ist von III im Jahre 1929 auf 34 im Berichtsjahr zurückgegangen, die Zahl der daran beteiligten Arbeiter und Arbeiterinnen von 165 696 auf 133 136. Für 102 240 SPD.- Betriebsf usiktionare! Am Mittwoch, dem S. August, 1S>/z Uhr, findet in den MusikersSien, Kaiser- Wilhelm-Strafie 31, eine wichlioe Konforenz aller Belriebsfonktienäre stall- Tagesordnung: „Die wirlsdialtMe nnd finanzielle Laee Denfsdiiands" Referent: Dr. Fritz Naphlall. Genossen! Wir bitten euch, alle an diesem Tage geplanten Veranstaltungen zu verlegen und restlos anwesend zu sein. FunktionSr- karle und Parieimftgliedsbuch sind zur Legitimation mitzubringen. Das Betriebssekretariat. der an den Lohnbewegungen Betelligten konnte ein voller oder teilweiser Erfolg erzielt werden. Nur für 325 Arbeiter und Arbeiterinnen konnte eine Kürzung der Löhne nicht abgewehrt werden, wogegen es der Organisation im vorigen Jahre aber noch gelang, in allen übrigen Fällen die Angriff« der Unternehmer auf die Löhne abzuwehren. Hinsichtlich der Arbeitsbedingungen konnten in einigen Fällen sogar noch Verbesserungen erzielt werden. Die Gesamteinnahmen der Organisationen blieben hinter den Gesamtausgaben um über 238 000 M. zurück, wodurch sich das ge- samte Verbandsoermögen auf rund 3,13 Millionen Mark verringerte, was mit 57 M. auf den Kopf des Mitgliedes immerhin noch sehr viel ist. Von den gesamten Ausgaben standen die sür Unter- st ü tz u n g e n an erster Stelle. Sie betrugen rund 1!4 Millionen Mark oder 69,4 Proz. der gesamten Beitrogseinnahme. Allein auf die Unterstützung der Arbeitslosen entfielen 962 265 M. und auf die Unterstützung der Krankenverbandsmitglieder 229 524 M. Daß der Verband der Buchbinder und Papierverarbeitcr trotz der schweren Wirtschaftskrise und obwohl zwei Drittel seiner MitgliederFrauen undMädchen sind, sich so widerstand?- sähig erwiesen hat, ist wert, besonders unterstrichen zu werden: d i e Frauen haben den Nachweis ihrer Gleichberechti- gung erbracht. Was man sich in Rußland erzählt. 3ar Beleuchtung der Zustände in Rußland. Die in Moskau in deutscher Sprache erscheinende„Deutsche Zentral-Zeitung" enthält in ihrer Nummer vom 27. Juli folgende Meldung: „Die Berliner Telephonarbeiler bereiten sich zum Streik vor." Berlin, 22. Juli sTASS). In der Berliner Vorstadt Lankwitz erklärten die Telephockarbeiter, daß, falls der Arbeitlohn nicht im vorhinein ausbezahft wird, wie das jetzt oft vorkommt, sie in den Streik treten werden." Jeder Kommentar ist llberflüsiig. Warum aber, wird der Leser fragen, tischt man dem russischen Leser solche Enten auf? Wenn man sich erinnert, daß es in Rußland große Streik- bewegungen gab, weil die Auszahlung des Lohnes oft um Wochen und Monate im Rückstände war, wenn man sich weiter erinnert, daß der Lohn des Arbeiters willkürlich ganz erheblich gekürzt wird durch Zwangsanlech'en, Sammlungen und„frei- willige Beiträge", die einsach vom Lohn abgezogen werden, dann begreift man sofort, daß dem russischen Arbeiter eingeredet werden soll, in Deutschland sei es damit nicht viel besser. Der miserable Baumarki. 600 Millionen Mark weniger Bauarbeiterlöhne.— Bericht des Baugewerksbunds für das'l. Halbjahr i93i. Der Deutsche Baugewerksbund stellt fest, daß sich der Baumarkt im ersten Halbjahr 1931 außerordentlich ungünstig eirt- wickelt hat. Die Arbeitslosigkeit im Baugewerbe ist niemals unter 55 Prozent gesunken, so daß man für das ganze Jahr mit einem Durchschnitt von mindestens 66 Prozent rechnen muß. Städtijdics Gebiet und flaches Land sind von der Arbeitslosigkeit ziemlich gleich- mäßig betroffen. Der Umsatz dürste siä) für das erste Halbjahr 1931 auf 2 Milliarden Mark stellen gegenüber 3,2 Milliarden Mark im Jahre 1930— immer das erste Halbjahr—, 3,8 Milliarden Mark im Jahre 1929 und 4,1 Milliarden Mark im Jahre 1928. Der Umsatz im vergangenen Jahre ist also um annähernd 40 Prozent weiter gesunken. Man kann annehmen, daß die Schrumpsting der Umsätze am Baumarkt mehr als doppelt so groß ist, als auf anderen wichtigsten Märkten. Die weitaus stärksten Ausfälle find im Wohnungs- bau eingetreten. Immer mehr zeigt sich, daß die Hoffnungen, die amtlicherseits mit der Aufhebung des Hauszinssteuerfonds auf den freien Kapitalmarkt gesetzt wurden, nicht in Erfüllung gehen können. selbst wenn die Situation am Kapitalmarkt sich durchgreifend bessert. Es war ein verhängnisvoller Fehler, mit dem Prinzip der Vau- förderung durch Hingabe niedrig verzinslicher nachstelliger Hypo- theken zu brechen, ohne sür entsprechenden Ersatz gesorgt zu haben. Die Lücke, die dadurch in die Finanzierung gerissen worden ist, muß durch Schaffung und Alimentierung einer Organisation für nach» stelligen Realkredit schleunigst geschlossen werden. Die öffentliche Hand, die sich schon im vergangenen Jahr durch weitgehende Beschränkung der Bauausgaben hervortat, hat ihre Aufwendungen für Bauten nun weiterhin kürzen müssen. Im Gegensatz zum vergangenen Jahre dürften diese Ausfälle von den- jenigen im Wohnungsbau jedoch bei weitem übertroffen werden, weil die öffentlichen Bauetats ohnehin schon auf das Notwendigste bc- schränkt und kaum noch zu kürzen sind. Die Bautätigkeit für die Industrie ist gleichfalls zurück- gegangen. Das Einkommen der Bauarbeiter hat durch die Umsah- schrumpsung im ersten Halbjahr einen Aussall von etwa 600 Ulil- lionen Mark erlitten. Lohnabbau und kein Ende. Köln, 30. Juli.(Eigenbericht.) Für die rheinisch-westfälische Lederwaren-« Reise- und Sportartikelindustrie wurde eine Lohn- r e g e l u n g vereinbart, wonach der Stundenlohn des über 23 Jahre alten Facharbeiters 88gegenfrüher91Pf. beträgt. Das Ab« kommen läuft bis Ende des Jahres. Huisabrikanien kündigen Tarife. Der Arbeitgeberverband der Hutindustrie hat dem Deutschen Hutarbeiterverband eine ziemlich unklar formulierte Tarifkündigung überreicht. In dem Schreiben an den Hutarbeiterverband heißt es, daß der Reichslohntarif, und zwar der Sommer- und Winterhuttarif, zum 31. August d. I. gekündigt wird, daß sich diese Kündigung aber auch auf den Manteltarif, die Grundlöhne und die Ab- und Zu- schlüge erstrecke, soweit die letzteren nicht durch Sonderabmachunge« für eine längere Geltungsdauer festgelegt sind. Vom Vorstand des Deutschen Hutarbeiterverbandes ist dem Arbeitgeberverband der Hutindustrie daraufhin sofort mitgeteilt worden, daß er die Kündigung des Manteltarifes unbestritten ent- gegennehme, sich aber eine präzisierte Stellungnahme zur Kündigung der übrigen Verträge vorbehalte. 0Iugendgrupps des Zentralverbandes der Angestellten Heute, Freitag, ftitböt folgt tri« Deranslalwngen statt: Sorben: Iugent» heim fiorstmgftt. 19. Aarzreferate.—®übio«f»: Jugendheim Darckstr. 11 Aussprachtabeird.— Berliner Druckerei, unb Verlag,. Gesellschaft m. k. H., lbe- schäftsstiurden oon 20— 22 Uhr im Jugendheim Tdertnstr. 12.— Spiele t» Freie» ob 18 Uhr auf dem Sportplofc„Einsaun: Pappel-(Norden) und Sportplatz Pankow, Kisfingenstraße. I müinekO« gefroren.... Pfd. von j Frisches Obst Tomaten..........«...pm. 0,16 Johannisbeeren....2Pid. 0,35 Fstlaumen.....„..Md. ton 0,20 Pfirsiche......... Md. von 0,28 Prelsselbeeren...... Pfd. 0,22 Wassermelonen..... Pfd. 0,1 2 Birnen.................. 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Pfd. 0,82 Holländer 40«/r......... Pid. 0,88 Edamer tox........... Md. 0,88 Dänisch. Schweiz.30»/„Md.0, 78 Schweizer voiifett, Pfd. von 1,34 Frisches Kalbskamm o. Beüg, PfAv. 0,70 Kalbsbrust....... Pfd. von 0,80 Kalbskeule bla S Pfund schwer, ganz od, geteilt, Pfd. v. 0,88 Kalbsschnitzel.. Pfd. von 1 ,80 Kalbskotelett..... Pfd. von 1,28 Kalbsroulade geroUt,Pfd.T. 1,28 Schweinebaucho.Eig.Pfd. 0,70 Schweineblatt o.Bige. Pfd. 0,78 Schweineschinken mit Bein................. Pfd. 0,84 Schweinekamm oder Schuft ohne Beilage... Pfd. 0,98 Schweinekotelett Pfd. von 1,06 Kasseler mild..... Pfd. von 0,98 Fleisch Eisbein m.SpU»befB,gep. Md. 0,44 RUckenfett bratfertig, Pfd. 0,62 Hammel-Hordarflelacli, Md. v. 0,96 Suppenfleisch..... Pfd.v. 0,68 Schmorfleisch Kaule,e.l(a.Pld. 1 ,24 Rouladen.......... Pfd. von 1 ,34 Roastbeef o. Km. Pfd. von 1 ,34 Rinderzungen m.schid. Pfd. 0,88 Gehacktes............ P'd. 0,70 Schweineköpfe m. Back«, Pfd. 0,32 Schweinenieren...... Pfd. 0,68 Rinderbacken o.Kn... Pfd. 0,44 Rinderlungen......... Pfd. 0,30 Rinderherzen......... Pfd. 0,48 Euter.................... Md. 0,24 Landleberwurst..... Pfd. 0,88 ff. Leberwurst....... Pfd. 1,08 Jagdwurst............. Pfd. 0,98 Gekocht.Schinken'lePfd. 0,42 Filetv/urst.............. Pfd. 1,40 Fleischwurst.......... Pfd. 0,85 Dampfwurst........... Pfd. 0,85 Sülzwurst.............. Pfd. 0,65 Käse und Fette Gefrierfleisch Suppenfleisch....Md.von 0,64 Hammelrücken....... Pfd. 0,78 Schmorfleisch Keoieo.KaPid.». 1 ,04 Hammelkeule........ Pfd. 0,80 Hammel-Vorderflaitch, Pfd. v.0,68 Rinderleber........... Pfd. 0,88 Angebote unserer Wein-Abteilung Guts-Molkereibutter Pfd. 1,23 Moikereibutteraiiorteimi. pui. 1,42 Tafelbutter liiert.(Markan), Pfd. 1,48 Margarine........... 2 Pid.0,75 Rohschmalz........... Pfd. 0,58 Bra'enschmalz....... 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Pfd. 0,42 Paprikaschoten...... Pfd. 0,30 Wild und Geflügel Rehrücken........ Pfd. von 1,65 Rehkeule......... Pfd. von 1,55 Wildschweinblatt Pfd. von 0,95 Wildschweinkeule..Pfd. 1,25 Wildschweinrucken Pfd. 1,25 Bruchreis............. P'i 0,14 Tafelreis............... Pfd. 0,16 Moulmainreis........ Pfd. 0,26 Blue-rose-Reis....... pm 0,32 Sago................... Pfd. 0,34 Har.griess............ Md. 0,26 Welzengriess........ Pfd. 0,23 EiermakKaroni....... Md. 0,56 Eierbandnudeln..... Md. 0,46 Kolonialwaren Eierschleifchen..... Pfd. 0,58 Kalif. Birnen getr..... pm. 0,58 Kalif. Pfirsiche getr, Md. 0,62 Krümelschokoladen- pulver................. pm. 0,85 Gebr. Gerste......... Pfd. 0,22 Gebr. Roggen........ pm. 0,22 Kaffee frisch gehrannt, Pfd.v. 1,90 Konserven'i, vose Rheinhessischer n 70 Weisswein I-itei'»10 10 Ltr. 7,50 OranOeiiiie .1, Flasche 1,25 Junge Erbsen sehr fein... 1,25 Junge Erbsen fein........ 1,10 Junge Erbsen mitteifein.. 0,85 Junge Erbsen............ 0,65 Gemischtes Gemüse mitteifein.....................>,— Leipziger Allerlei........ 0,85 Junge Karotten.......... 0,65 Stangenschnittbohnen 0,70 Junge Schnittbohnen I 0,55 Erdbeeren................ 1,25 Pflaumen mit stein........ 0,72 KUi bis in Essig nnd Zucker 0,68 Preisseibeeren.......... 1,25 Konfitüre Eimer ca. 2 Mund Johannisbeer, Aprikos. 1, 1 0 Orangen.................'.. 1,20 Erdbeer, Himbeer...... 1,40