BERLIN Imtag 31. Zuli 1931 10 Pf. Nr. S-54 B 127 48. Jahrgang ErscheinttSzltch außer Eonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben St» Pf. proWoche, S.KOM. pro Monat. Vledaktion und Expedition: BerlinSWSS.Lindenstr.Z Fernsprecher: Dönhoff(.A 7) 292—297 Anzelgrnprei«: Die einspaltige Nonpareillezeile so Pf„ Reklamezeile SM. Crmäßigunaen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr. S7SSS.— Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Programm im Dementi Ein unglaublicher Mißgriff des Auswärtigen Amts Die Entlarvten schreien Verlegenes Geschwätz der Giahlhelmisten hsregierung hat auf Grund 3. Z. am Mittag" die Die Presseabteilung der Reil der Pressenotverordnung der folgende Entgegnung geschickt: „Di«„SB. 3- am Mittag" oersucht in ihrer Ausgabe vom 39. d. M. in einem Artikel„W irtschaftsplan der Reichs- r e g i e r u n g" den Eindruck zu erwecken, als ob gegenüber Frank- reich durch„Aufgabe einer mißverstandenen Prestigepolitik" Kredit« für Deutschland flüssig gemacht werden könnten. Dieser Versuch der Irreführung der öffentlichen Meinung ist aufs schärfste zurückzuweisen. Die Reichsregierung treibt keine„Prestigepolitik", auch nicht Frankreich gegenüber. Die Politik der Reichsregierung dient lsdig- lich dem Frieden, den deutschen Interessen und der Verständigung unter den Völkern. Sie gründet sich auf die Tatsache, daß eine ausländische Anleihe als Hilfe aus den durch den Kapital- «ntzug entstandenen Schwierigkeit«» n i ch t m ö g l i ch ist. Die für eine Deutschlandanleihe geforderte Staatsgarantie Frankreichs, Englands und Amerikas ist in keiner Weise zu erhalten. Die Ausführungen der„B. Z. am Mittag" gefährden daher den Willen des deutschen Volk«? zur Selbsthilfe und schwächen das Vertrauen auf seine eigene Kraft, durch das in diesen Zeiten allein die Ueberwindung der Wirtschaftsnöte möglich Ist." Das ist nicht mehr sachliche Entgegnung, sondern politische Polemik, und noch dazu in der übelsten rzorm! Wenn die Gedankengänge, die in dieser Entgegnung mit so viel Selbstherrlichkeit und Ueberheblichkeit entwickelt werden, wirklich das Programm der Reichsregierung dar- stellen würden, so würde es schlimm uin Deutschland stehen! Wir warnen auf das entschiedenste vor einem derartigen Mißbrauch der Pressenotoerordnung! Der Versuch, mit ihrer Hilfe die Presse zu uniformieren, wird die heftigste, nicht zu unterbindende Abwehr hervorrufen. Wir protestieren gegen den unerhörten, ungezogenen und schulmeisterlichen Ton dieser Entgegnung, der bürokratische Selbstherrlichkeit ohne politisches Verständnis offenbart! Wir fordern, daß die Oeffentlichkeit erfährt, wer die Verantwor- tung für diesen unglaublichen Mißbrauch der Pressenotver- ordnung trägt! Krause Gelahrtheit Verfassungsfeier verboten— Stahlhelmentscheid erlaubt! Wi« wir erfahren, hat der Rektor der Berliner Universität den Deutschnationalen, Stahlhelmern und dem Völkischen Studenten- riirg, unter dessen Flagge die Nazistudenten jetzt ihre Anschläge veröffentlichen, Ausrufe für den Volksentscheid zum Anschlag in der Universität ausdrücklich genehmigt. Seit wann fühlt sich der Rektor an seine eigene Verordnung vom ö. Juni 1931 nicht gebunden? In dieser heißt es ausdrücklich:„An den Anschlag- brettern der studentischen Verbände dürfen nur die lausenden Mitteilungen dieser Verbände an ihre Mitglieder angeheftet werden", weiterhin„der Anschlag von Flugblättern, Zeitungsab- schnitten, Bildern, Karikaturen und anderem Propagandamaterial ist unzulässig". Zieht man nun in Betracht, daß der Rektor auf Grund vor- stehender Verordnung politisch linksgerichtete Studenten- gruppen zahlreiche Anschläge verboten hat, darunter unglaublicher- weise die Ankündigung der Derfassungsfeier. in der Kultusminister Genosse Grimme sprach, und die für den Film„Im Westen nichts Neues", so ist dem Rektor der Vorwurf nicht zu er- sparen, daß er seine Amtstätigkeit in immer steigendem Maße zu einseitiger Begünstigung der rechtsradikalen Studenten ausnutzt. Es wird nötig sein, daß das Kultus- Ministerium den Rektor ein wenig an seine eigene Verordnung er- innert._ Teils heiter, teils wolkig Für das Wochenende ist nach den bisher vorliegenden Anzeichen mit teil, heiterem und teils wolkigem Wetter zu rechnen. Zm großen und ganzen besteht aber die Tendenz zu einer weiteren Besserung. Zur Zeit ist die Situation so, daß über dem südlichen Teil des Reiches hoher Druck liegt, der sich noch zu verstärken scheint. Morgen wird unser Gebiet aus der Nordseite dieses vieloexsprechen- den Hochdruckgebietes liegen. Ob es schon zu«iner völligen Auf- heiterung des Himmels kommen wird, ist allerdings noch zweifelhaft, da aus dem SlBesten noch immer leichte feuchte Luftström« heran- fließen. Di« Temperaturen lagen heute wesentlich höher Die Photomontage, die der gestrige„Abend" auf seiner Titel- seite brachte, hat im Loger der kommunistischen Stahlhelmknechte wie eine Bombe eingeschlagen. Die„Rote Fuhne" bricht in ein fassungsloses Wutgeschrei über die Kennzeichnung der KPD. als Hilfstruppe der Reaktion aus. Obwohl sie selber das Ganze als Photomontage, als Zusammenstellung verschiedener Photos zu einem gemeinsamen Sinn, erkennt, hat sie die Dreistigkeit, von„Bild- fälschung"(!!) zu reden. Dabei passiert ihr selber allerhand Unglück. Frage an die Kommunisten Werbeplakat des Stahlhelm Sie meint, daß im Bild die Luftgartendemonstration des Stahl- Held dargestellt sei, die der Sozialdemokrat Grzesinskl gestattet habe. Es ist aber in Wirklichkeit die Lu st garte ndemon- st ratio« der Kommunisten, auf der Thälmonn als „Redner Nr. 3" durch das Plakat des neben ihm knienden Kommu- nisten gekennzeichnet ist Ein witziger Einsall unseres Photomonteurs hat den dicken Eitel Schicberich in Stahlhelmuniform als Korrefe- renten neben ihn gestellt, wie sich das für einen gemeinsamen Volks- entscheid von Kommunisten und Stahlhelm eben gehört. Um von ihrer schweren Blamage abzulenken, zählt die„Rote Fahne" dann eine Reihe von„Schandtaten" der Sozialdemokratie aus, über die in den Betrieben diskutiert werden soll. Wir wollen zu diesen„Schandtaten" gern Diskussionsmaterial liefern. Als solche ist beispielsweise bezeichnet, daß die sozialdemokratische Reichstags- fraktion am 7. Juli 1927 für das Arbeitslosenversiche- rungsgefetz gestimmt hat. SWenn das eine Schandtat war. warum brüllen dann jetzt die Kommunisten dauernd über den „Raub" der Arbeitslosenversicherung? Geraubt werden kann doch den Arbeitern nur, was sie gern besitzenl Der Höhepunkt aber ist, daß sich die„Rote Fahne" sogar aus das Glatteis der Fememörderamnestre begibt. Es ist richtig, daß zu Weihnachten 1929 die Preußenregierung vier unter- geordnete Mittäter begnadigt hat, dienichtzudereigentlichen Feme gehörten, sondern nur in einem Einzelfall(Panier) durch die Drohung ihrer vorgesetzten Offiziere, daß es ihnen sonst, selber an den Kragen ginge, zu der Mordtat gezwungen wordeV, waren. Die berüchtigte Bombe-Kammer hatte seinerzeit nur diese Werkzeuge n l verurteilt, dagegen die verantwortlichen höheren Offiziere, die Anstifter der Tat, freigesprochen. Als Ausgleich war hier ein Gnadenakt angezeigt. Aber warum schweigt die„Rote Fahne" darüber, daß wenige Monate später durch ein gemeinsames Amnestiegeseh der Rationalisten und Kommunisten die eigentlichen Fememörder, die Häupter der Feme, nämlich Oberleutnant Schulz, Leutnant Heines, Feldwebel Klapprolh und Fahlbusch amnestiert wurden?! Sie behauptet zwar, daß Oberleutnant Schulz im Oktober 1923 aus der Zitadelle Spandau freien Abzug erhalten habe. Aber Schulz hat zur Zeit der Kapitulation sich gar nicht in der Zitadelle aufgehalten. Dagegen ist folgendes Tatsache: Der jetzige Gauleiter der NSDAP, für Berlin-Brandenburg verdankt der Zustimmung de? K o m m u n i st e n für die Fememörderamnestie, daß er heute aus freiem Fuß die faschistischen SA.- Bataillone formieren kann.— Weiter verschweigt die„Rote Fahne", daß kommunistische Landtagsabgeordnete sich für eine Begnadigung der rechtsradikalen Bombenleger aus Holstein, der Klaus Hein und Konsorten eingesetzt hat. Das Bündnis zwischen Kommunisten, Fememördern und Bomben- legern hat ober jetzt beim Volksentscheid durch die Hereinnähme de; Stahlhelms nur eine Erweiterung erfahren. Vor den Schaufenstern der„Vorwärts"-Expe!>ition und vor den „Vorwärts"-Filiolen stauten sich gestern dichtgedrängte Be- s cha u e r m a s s en, die mit Heiterkeit und SBefriedigung die Thäl- mann-Photomontage betrachteten. Man hörte lebhafte Zustimmung, daß die kommunistische Verräterei hier einmal treffend angeprangert sei. So sehr es die„Rote Fahne" schmerzen wird, müssen wir mit- teilen, daß für eine noch viel weiter« Verbreitung der verdienten Charakteristik Sorg« getragen ist. Kommunisten überfallen Reichsbanner Äluttge Saalschlacht auch zwischen Kommunisten und Nazis kommunistische Prügelkolonnen überfielen gestern nacht wieder an zwei Stellen Reichsbanncrleute und verletzten zwei von ihnen erheblich. 3n einem anderen Fall gerieten sie mit Hakenkreuzlern schwer aneinander. Der erste Ueberfall spielte sich gegen Mitternacht vor dem Hause Prenzlauer /Allee 176 ab. Etwa 29 Kommunisten sielen über drei R e i ch s b a n n e r l e u t e, die sich auf dem Nach- hauseweg befanden, her. Nur mit Mühe konnten sich die Reichs- bannerkameraden der Uebermacht erwehren. Als die Polizei erschien. flüchteten die kommunistischen Rowdys und entkamen. Das zweite Opser der kommunistischen Wegelagerer wurde der 45jährige Reichs- bannermann Paul Hartmann aus der Kasfpnienallee. Meist jugendliche Kommunisten schlugen nach Verbrecherart aus Hartmann ein und brachten ihm erhebliche Verletzungen am rechten Auge bei. Auch in diesem Falle ist es den Burschen leider gelungen, zu entkommen. Steine gegen �Vorwärts''- Filialen. Die Propaganda des„A b e n d" gegen den rechtsradikalen Volksentscheid, dem sich die Kommunisten angeschlossen haben, hat bei den Moskouanhängern begreifliche Nervosität ausgelöst. I» ihrer ohnmächtigen Wut schleudern sie zur Abwechslung wieder ein- mal Pflaster st eine gegen die Scheiben der„Vor- w ä r t s"- F i l i a l e n. In der W a t t st r a ß e wurden zwei Scheiben eingeworfen und in der P r i nz e n st r a ß e die Scheibe eines Konfitllrengeschästes. Die Steine galten natürlich der daneben- liegenden„Vorwärts"-Filiale. In der Wattstrahe konnten zwei der Täter, obgleich sie auf Fahrrädern zu entkommen versuchten, fest- genommen werden. Die Steine waren mit Papier umwickelt, auf dem geschrieben stand:„Die Antwort des R. F. B. an den ,A b e n d'."— Die Scheiben aller„Vorwärts'-Filialen sind versichert. Saalschlacht in Arih. Einen blutigen Ausgang nahm gestern abend eine Versomm- lung, die von Hakenkreuzlern in einem Lokal in Britz einberufen worden war. Als die Versammlung um 21 Uhr eröffnet wurde, waren etwa 100 Hakenkreuzler und 300 Kommunisten anwesend. Bon der Polizei wurde gleich zu Beginn eine Wasscn- durchsuchung aller Anwesenden vorgenommen. Dabei wurden drei ge?»dene Pistolen, Messer, Schraubenschlüssel, Dolche, Totschläger und ein Dietrich(!) beschlagnahmt. Nach der polizeilichen Aktion begann die Versammlung, um aber schon nach wenigen Minuten in eine wüste Schlägerei auszuarten. Wie die Besessenen hieben die Verbündeten des Volksentscheides auseinander ein. Als die Polizei in den Saal eindrang, lagen bereits vier Personen bc- w u ß t l o z am Boden, die mit schweren Verletzungen ins Buckower Krankenhaus transportiert werden mußten. Die Polizei schaffte dann sehr schnell Ordnung und nahm dreizehn Personen fest, die der Abteilung I A des Polizeipräsidiums übergeben wurden. Amerika verlangeri die Kredite. Wallstreet- Banken ohne Morgan einig. Washington, Zl. Zuli.(Eigenbericht.) Die Verlängerung der in Deutschland laufenden Kredite durch IZ große Wallstreet- Znstitute ist gesichert. Die französisch gerichtete Worgan-Gruppe, die an dieser Aliion nicht teilnimmt, be- sitzt in Deutschland nur ganz wenige Guthaben. Frankreichs 56 proz. Golddeckung. Paris, 30. Zuli.(Eigenbericht.) Der am Donnerstag veröffentlichte Ausweis der Dank von Z r a u k r e i ch. der sich auf die Woche vom 17. bis 24. Zuli bezieht, verzeichnet eine Zunahme des Goldbestande» um rund 114 Milliarde Francs, der vor allem auf die Goldeinsuhr au» Eng- land zurückzuführen ist. Die Notendeckung durch Gold hat sich damit aus 56,63 proz. erhöht, während die gesetzlich festgelegte Deckung nur 35 proz. beträgt. Wie lange noch Ausreisezoll? Schwerste Nackenfchläge für die Reichsbahn. Die Ausrcisespcrre hat sich in der Zwischenzeit so ausgewirkt, daß die Kurswagen nach dem Ausland, die in den letzten Monaten im allgemeinen eine Besetzung von 60 Prozent aufzu- weisen hatten, heute zum Teil vollständig leer, zum Teil nur zu 10 Prozent gefüllt sind. Das bedeutet sür die Reichsbahn eine ganz außerordent- liche Belastung, zumal sie nach den Bestimmungen der europäischen Fahrplankonferenz nicht in der Lage ist, die Kurs- wagen ohne weiteres von sich aus ausfallen zu lassen. Bemühungen, neue Einschränkungen vorzunehmen, sind im Gange. Es sind zu diesem Zweck jedoch wegen der Abänderung des internationalen Fahrplans Verhandlungen mit dem Ausland not- wendig. Ost-Locarno-Lügner Oer„Angriff" verleumdet die englische und deutsche Sozialdemokratie Die politischen Bankrotteure in der Redaktion des„Angriff" haben[ich ein politisches Märchen aus den Fingern gesogen. Um von den schmutzigen Zuständen und dem politischen und finanziellen Bantrott der Rationalsozialistischen Partei abzulenken, verbreiten fie politische Lügen über die englische Arbeiterregierung und die deutsche Sozialdemokratie. Leider besseres Wissen behaupten die Verleumder, daß Hender- son einen Druck auf die Reichsregierung angestrebt hat, um sie zum Abschluß eine» Ost-Locarnos zu bringen. Das ist eine Erfindung: Gleichzeitig behauptet das Naziblatt, Henderson habe seinen Arbeitersänger bei der Antikriegskundgebung. Zu der Antikriegskundgebung am Sonnlag, dem 2. August, treffen sich die Mitglieder de, Gaue« aus der S ü d- kurve im Stadion Neukölln um 2 Uhr nachmittags (derselbe platz wie beim Gausest). Gesungen wird im Männerchor„Gesang der Völker" und„Zch warte dein": im gemischten Chor„Weckruf" und„Der Freiheit mein Lied". Der Gauvorstand erwartet vollzähliges Erscheinen. sozialdemokratischen Freunden anempfohlen, alle Kräfte zum Ab- schluß eines Vst-Loearnos aufzubieten: er habe dabei daraus hin- gewiesen, daß Frankreich keine Anleihe ohne Anerkennung der deutschen Ostgrenze geben wird. Hierauf erklären wir, daß beide Behauptungen aus den Schmutzfingern der Nazis gesogen sind. Kein Wort ist daran war. Weder hat Henderson derartige Behauptungen aufgestellt, noch denkt die deutsche Sozialdemokratie an eine derartige Politik. Die Haltung der deutschen Sozialdemokratie— und gleichzeitig die Haltung aller übrigen sozialistischen Parteien in der Frage der Kredithilfe— ist der breiten Oefsentlichkeit hier erst gestern wieder bekannt gemacht worden: Otto Bauer hat auf dem Wiener Kongreß der Internationale erst gestern die internationale Kredithilf« für Deutschland gefordert, aber es unbedingt abgelehnt, daß „diese Kredithilse an irgendwelche politische Bindungen geknüpft werden soll". So Ist es heute morgen im Kongreßbericht aus Wien zu lesen, und so ist die Haltung der deutschen Sozialdemokratie und de» internationalen Sozialismus. Wir warten darauf, daß der„Angriff" feine Leser dementsprechend unterrichtet. Wann kommen Laval und Briand? Nicht vor dem 9. August. pari?, 31. Juli. Die Pariser Presse glaubt heute erneut bestätigen zu müssen, daß die Berliner Reise Lavals und Briands unbedingt erst nach der Volksabstimmung über die Auflösung des Preußischen Landtages erfolgen werde. Vor dem 9. August, erklärt jetzt auch der ehemalige Untevstaatsfekretär Lautier im„Hamme Libre", fei die Reise nicht wünschenswert. Briand leicht ertrankt. In politischen Kreisen lief am Donnerstag abend das Gerücht um. daß sich der Gesundheitszustand des Außenministers Br i a n d plötzlich in besorgniserregender Weise verschlechtert habe. Dos „Oeuvre", dessen enge Beziehungen zum Quai d'Orsay bekannt sind, Nacht der Liebestragödien Monumentenstraße, Augsburger Straße und Bahnhof Wedding 3n der vergangenen Nacht hat eine unglückliche Ehe dadurch ihr Ende gefunden, daß der Mann seine Frau dnrch drei Re- voloerschüsse kok zu Loden st reck« e. Die Getötete ist die 33 Zahre alte Ehefrau Eugenie des 39 Zahre alten Schlossers Rudolf Lehmann aus der Monumenlenstr. 27 in Schöneberg. Lehmann ist flüchtig und wird von der Kriminalpolizei gesucht. Aus der Ehe, die von Anfang an nicht glücklich war, sind drei Kinder hervorgegangen, zwei Söhne im Alter von 13 und 12 Jahren und eine Tochter von 8 Jahren, die augenblicklich mit einem Ferienzug verreist ist. Am Freitag waren die beiden Söhne schon zu Bett gegangen, Lehmann und seine Frau zankten sich, wie die Nachbarn hören konnten, bei offenem Fenster in der Küche. Plötzlich hörten die Hausbewohner drei Schüsse satlen. An der Tür der Wohnung kamen die beiden Knaben den anderen Mietern weinend entgegen und berichteten, daß der Vater die Mutter angeschossen habe. In der Küche fand man die Frau in den letzten Zügen daliegen. Sie hatte drei Schüsse in Brust und Becken davon- getragen. Die rasch alarmierte Feuerwehr brachte die nur schwach Atmende nach dem St.-Josephs-Krankenhause, wo sie bald darauf oerstarb, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Die Kriminalpolizei unternahm noch in der Nacht Streifen nach dem flüchtigen Täter, konnte ihn aber bisher nicht ermitteln. Bekannte der Familie, die von dem Morde bereits wußten, sahen Ihn in den Morgenstunden im Viktoria-Park am Kreuzberg und wollten ihn fassen. Es gelang ihm aber, ihnen zu entkommen. Liebesdrama in einer Pension Drei rasch aufeinander folgende Schüsse und gellende Hilferufe alarmierten in der vergangenen Nacht gegen 3 Uhr das Personal einer„Pension" in der Augsburger Straße. Gegen 2.14 Uhr waren dort ein Mann und ein Mädchen abgestiegen und hatten sich ein Zimmer geben lassen. Der Mann hatte eine Flasche Sekt mit- gebracht und oerlangte zwei Gläser. Ehe das Zimmermädchen sie noch hereinbringen konnte, hörte sie die Schüsse fallen und die Hilfe- rufe. Auf dem Flur vor dem Zimmer fand man die Legleiieriir des Riannes, die zweimal von Schüssen gelrossen worden war. 3n dem Zimmer fand man den Mann mit einem kopsschuh tot aus dem Leite liegen. Der Selbstmörder tonnte festgestellt werden als ein 30 Jahre alter Pole Georg Fliederbaum, das angeschossene Mädchen, das schleunigst nach dem Krankenhause gebracht werden mußte, ist eine 18 Jahre alte Kontoristin Ursula W i n k l e r aus der Mcnzelstraße. Uebcr die Vorgänge in dem Zimmer konnte sie noch nicht befragt werden, da ihre Verletzungen sehr schwer sind. Die Aerzte hoffen ober, sie am Leben erhalten zu können. Fliederbaum, dessen Wohnung in Berlin nicht bekannt ist, hat Briefe an An- gehörige in Brüssel und Wien hinterlassen. Sie sind verschlossen, der Inhalt ist daher nicht bekannt. Nach Loge der Sache ist aber anzunehmen, daß es sich um eine Liebestragödie handelt. Die Leiche des Polen wurde beschlagnahmt und dem Schauhause zugeführt. Mordversuch eines Abgewiesenen Große Aufregung verursachte am Donnerstag abend der Mord- versuch eines Mannes auf dem Bahnhof Wedding. Dort stieß der 39 Jahre alte Packer Arthur Le uschner, der von seiner Frau getrennt in der Gerichtstr. 66 wohnt, die Ehefrau Gertrud B. aus der Reinickendorfer Straße auf dos elektrische Gleis der Stadtbahn und sprang selbst hinterher. Bahnbeamte holten beide wieder herauf. Außer leichten Hautabschürfungen sind sie ohne Schaden davongekommen. Leuschner wurde verhaftet und wird wegen oersuchten Mordes der Kriminalpolizei eingeliefert wer- den. Das Ehepaar B., das in glücklicher Ehe lebt, kannte den Packer seit etwa 6 Jahren Vor 3 Jahren wurde der Bertehr aber abgebrochen, weil Leuschner, der sich von seiner Frau getrennt hat, Fiau B. ständig mit Anträgen verfolgt«. Gestern abend wartete sie vor dem Bahnhof Wedding auf ihren Mann, der von der Arbeit zurückkommen mußte. Leuschner war ihr gefolgt und belästigte sie wieder. In ihrer Angst flüchtete� die Frau auf den Bahnsteig A, wo sie von Leuschner überrumpelt wurde. stellte demgegenüber fest, daß der Außenminister bei seiner Rückkehr aus London lediglich einen leichten Asthmaanfall erlitten habe. Zu irgendwelcher Beunruhigung liege jedoch kein Anlaß vor. Immerhin berichtet„New Park Herald"(Pariser Ausgabe), daß dem Außenminister Briand, der seit seiner Rückkehr aus London an Schlaflosigkeit und hohem Blutdruck leide, von seinem Arzt eine mindestens vierwöchige Erholungsreise nach seinem Landsitz ver- ordnet worden sei. Es fei nicht ausgeschlossen, daß Briand in der nächsten Zeit, wie übrigens schon in den letzten Monaten, keinen aktiven Anteil an der französischen Politik nehmen werde, doch hält man es für wahrscheinlich, daß er sich im September zur Völkerbundstagung nach Genf begibt. Entspannung bei den französisch-englischen Kredit- Verhandlungen. Paris, 31. Juli. In den Berhandlungen zwischen der Bank von Frankreich und der Bank von England über die Kreditaktion scheint eine gewisse Entspannung eingetreten zu sein. Die geplante Kreditoperation von 100 Millionen für die Bank von England dürfte, wie die Poriser Presse erklärt, A n f a n g d e r n ä ch st e n W o ch e d a ch z u st a n d e- k o m in e n. Wahrscheinlich werde die Entscheidung schon am Sonn- tag oder Montag bei der Sitzung des Aussichtsrates der BIZ. fallen, wo die Präsidenten der beiden Notenbanken in Basel sich treffen werden. Die letzte Schwierigkeit, die jetzt noch aus dem Wege zu räumen sei, erklärt„Echo de Paris", sei die einer eventuellen Garantie des englischen Schatzamtes. Gewiss« City-Banken hätten ein« staat- liche Garantie sür den Kredit an die Bank von England für wünschenswert erNärt. Zeppelin wieder daheim. begeisterter Empfang aller Fahrtteilnchmer. Friedrichshasen. 31. 3uli. Nach der Landung am Freitag früh um 4�52 Uhr wurde das Lustschiss„Graf Zeppelin" vor die Halle gebracht. Um 5.20 Uhr erfolgte dann die Einsahrt. Um die possagiergondel drängte sich trotz der frühen Morgenstunden eine große Menschenmenge. Als erster verließ Professor Weikmann die Gondel: ihm folgten Professor L e r s v n von der Aero-Arttt«, der die Fahrt von Verlin nach Friedrichshasen mitgemacht hotte, sodann Professor S a- m o i l o w i t s ch und Professor M o l z a n o w. Daraus erschien an der Gondeltür Dr. E ck e n e r, der vom Publikum mit stürmischen Hochrufen empfangen wurde. Bor dem Verwaltungsgebäude erklärt« Dr. Eckener, daß er von der outen und ergebnisreichen Fahrt vollkommen befriedigt sei; die Flugstrecke betrage insgesamt 13000 Kilometer Professor Samoilowttsch sagte: Die ersten acht Tage ist uns leider Schweigepflicht auferlegt: aber ich darf Ihnen versichern, daß die Fahrt wider Erwarten guten Verlauf nahm. Au einer Arktisfnhrt gehört Glück, und das haben wir ja sehr viel gehabt. Klares Wetter und günstige Windverhältnisse waren uns während der ganzen Fahrt beschieOen. Wir haben sehr viel gelernt, und ich hätte mir vor Antritt dieser Fahrt einen solch großen Erfolg, wie wir ihn gehabt haben, nicht versprochen. Was wir auf wissenschaftlichem Gebiet in wenigen Tagen gelernt haben, würde sonst Jahre bean- spruchen." Die voni Eisbecher„M a l y g i n" übernommenen acht P a st s ä ck e wurden, nachdem das Lustschiss festgemacht hatte, sofort von den deutschen Postbeamten in Empfang genommen. Oer Schutz des Kühlwassers. Eines der wesentlichsten technischen Probleme bei der Ausrüstung des„Grafen Zeppelin" für seine Fahrt in die Arktis war der Schutz des Kühlwassers der Motoren sowie des Ballastwassers gegen die Einwirkungen derpolarenTempe- r a t u r e n. Um die mitgeführten Wassermengen auch bei den tiefsten Wintertemperaturen flüssig zu halten, bedient man sich auf dem Luftschiff eines von der I. G- Farbenindustrie hergestellten Gefrierschutzmittels. Ueber diese Glysantinmischung wird uns berichtet, daß sie selbst bei den tiefsten Temperaturen keinen festen Eisblock wie Wasser, bildet und deshalb selbst beim Erstarren keine Sprengwirkung ausüben kann. Wasier verwandelt sich bei Temperaturen unter Null unvermittelt in einen starren Eisblock. wobei sich der Rauminhalt plötzlich beim Zufrieren um 9 Proz. vergrößert. Die Sprengkraft des einfrierenden Wasser» ist ungeheuer groß, es ist eine der stärksten unter den zerstörenden Kräften der Natur. Glysantinmischungen erstarren dagegen niemals ganz und gehen sehr allmählich aus dem flüssigen in breiigen und schließlich in teigigen Zustand über. Ein Zusatz von 34 Proz. Glysantin genügt, damit die Mischung bis 20 Grad unter Null ganz dünnflüssig bleibt. Sinkt die Temperatur weiter, dann treten die ersten kristallinischen Flocken auf, wobei aber die Lösung voll- kommen flüssig bleibt, und nur eine Ausdehnung von 0,6 Proz. erfährt. Bei steigender Kälte bildet diese Lösung einen Brei, etwa wie Fruchteis, der selbst bei Ausdehnung keinen Druck auf die Gesäß- wände auszuüben vermag. Ein sprengender Eisblock bildet sich selbst bei den tiefsten Polartemperaturen nicht. Durch Erhöhung der Glysantintonzentration kann man das Wasser bis— 50 Grad Celsius flüssig halten. Die Spaltung in der Wirischastspartei. Wahlkreis Leipzig geschlossen ausgetreten. Der Gesamtoorstand der Wahlkreisorganisation Leipzig der - Wirtschastspartei veröffentlicht den in seiner letzten Sitzung ein- si immig gefaßten Beschluß, mit seinen Ortsgruppen aus der Reichspartei des Deutschen Mittelstandes(Wirtschaftspartei) auszuscheiden und sich der Opposition anzuschließen, die unter der Führung der preußischen Landtagsabgeordneten von Detten und Dr. Rhode steht._ Reichsrat genehmigt Silberausprägung Gesamtbetrag von LOO Millionen vorgesehen. Der Reichsrat genehmigte neuerdings die vom Reichsfinanz- minister im Einvernehmen mit dem Reichsbankdirektorium bean- tragt« Ausprägung von Iünfmark stücken im Gesamtbetrag von zunächst 100 Millionen Mark. Dadurch soll die gegenwärtige Zahlungsmitteltnappheit be- kämpft werden. Die Ausprägung soll unverzüglich vor- genommen werden. In Zusammensetzung, Größe, Gewicht und Gestalt sollen die neuen Fünfmarkstück« genau den bisherigen gleichen. Das Kontingent an Scheidemünzen ist mit dieser Neu- Prägung immer noch nicht voll ausgenutzt, es bleiben noch über 600 Millionen verfügbar. Pech und Glück eines Geneppten. Oer Glasring für 250 Mark. Vor dem Schnellrichler Halle sich heule der 55jährige Händler Ernst kusche aus der husiitenstrahe S wegen eilte» gefährlichen Lelruges an einem allerdings äußerst leichl- gläubigen Menschen zu verantworlen. Kusche gehört zu jener Sorte Menschen, die„berufsmäßig" auf der Durchreise befindliche Provinzler mit„Juwelen beglücken". So hatte, er Ende Juni aus dem Stettiner Bahnhof dem nach Swine- münde reisenden Elektromonteur Meyer aus Heisede bei Hildcsheim einen G l a s r i n g im Höchstwerte von 1 Mark für 260 Mark angedreht. Zufällig traf der Geschädigte am Mittwoch abend auf der Rückfahrt von Litauen in der Vorhalle des Schlesischen Bahn- Hofs Kusche und mehrere Komplicen. Als er ihnen den Betrug vorhielt und polizeiliche Feststellung verlangte, lockten si« ihn in einen dunklen Tunnelgang, wo sie ihn an die Wand drückten und würgten. Seine Hilferufe worden von einem Dr. Z. gehört, der die Festnahme des Kusche vcranlaßte, während die andere» flüchten konnten. Nach längerem Leugnen aus der Bahnhofswache gestand Kusche endlich dem ihn vernehmenden Kriminalbeamten den Betrug ein. Da kusche bereits wegen gemeinschaftlichen Betrugs mehr- fach vorbestrast ist, erkannte das Schnellgericht auf die Straf« von 1 Jahr 4 Monaten Gefängnis. Inzwischen oerhastcte die Kriminalpolizei den bei dem Ringkauf als sachverständigen Gutachter fungierenden Emil Heinrich au« der Nooalisstraße 7. der sich ebenfalls nun vor dem Schnellrichter zu verantworten hat. 3n der Corles-Deballe griff ein Redner der katalanischen Linken den Innenminister wegen der blutigen Vorgänge in Sevilla heftig an. Die Kommer beschloß schließlich, eine Kommission zur Untersuchung der Vorkommnisse in Sevilla und zur Unter- suchung der Methoden der Unterdrückung de» Aufstände» ein- zusetzen. Forschung über der Gswelt Ergebnisse der Zeppelin-Expedition Die Llmschuldung im Osten. Eine ErNärung des preußischen Landwirffchastsministers. Im preußischen Staatsrat ist jetzt die Antwort des Land- w i r t s ch a f t s m i n ist e rs auf die förmliche Anfrage der Arbeits- oemeinfchaft und des Zentrums eingegangen, in der die Staatsregie- rung um Auskunft ersucht wurde, woraus die bisherige Erfolglofig- keit der U m f ch u l d u n g im Osten zurückzuführen fei, und welche Mittel in Aussicht genommen feien, um beim Reich«ine beschleunigte Durchführung der Umschuldung zu er- reichen. In der Antwort heißt es u. a.; Nach dem Stande vom 30, Juni d, I. sind von den Landstellen insgesamt 149K An- träge mit einer Summ« von insgesamt 19 151 997 M, an die mit der Durchführung betrauten Umschuldungskreditinstitute abgegeben worden. Darüber hinaus find von den Landesstellen überwiegend als Vorschüsse auf llmschuldungshypotheken oder als verlorene Zuschüsse an einzeln« Betriebe 13 849 392,97 M. gezahlt worden. Ein Ueberblick über die von den beteiligten Bankinstituten vor- genommenen Bewilligungen und Auszahlungen ist wegen oer fort- laufenden Abwicklung der bantmäßigen Geschäfte nur annähernd möglich. Noch den vor einiger Zeit getroffenen Feststellungen hat die Deutsche Rentenbanttreditanstalt 348 Anträge mit 4 124 999 M. bewilligt und 27 Anträge mit 639 499 M. aus- gezahlt, die Preußische Zentralgenossenschaftskass« rund S99 Anträge mit 4 229999 M. bewilligt und 34 Anträge mit 319 999 M. ausgezahlt. Zur Zeit nehmen die Bank für deutsche Industrie- obligationen, auf die die von der Rentenbanttreditanstalt vor- bereiteten Anträge übergegangen sind, und die Preußische Zentral- genosfrnschaftstasse fortlaufend Bewilligungen uns Auszahlungen von Umschuidungsanträgen vor. Darüber hin- aus sind die Landstcllen ermächtigt, auf Umschuldungsanträge. deren Durchführbarkeit als gesichert gelten kann, zur Fortführung des Be- triebe- und zur Abdeckung dringendster Verbindlichkeiten Bor- s ch ü s s e zu gewähren, Ez lrisst hiernach nicht zu, daß die Umschuldung bisher erfolglos gewesen ist. vielmehr ist zu berücksichtigen, daß die Durchführung der Umschuldung, die zu einer dauernden Gesundung landwirtschaftlicher Betriebe führen soll, ein gewisses Maß von Zeit erfordert. Abgesehen von den in der Sache liegenden Schwierigkeiten. hat auch die Entwickluug der allgemeinen wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnisse in Deutschland der Durchführung der Umschul- dungsaktion hindernd im Wege gestanden. Die Verknappung des inländischen Geld- und Kapitalmarktes lieh die mit der Deutsche» Renlenbankkreditanslalt und der Preußischen Zentralgenossenschasts- kasse geführten Verhandlungen erst mit Beginn des lausenden Jahres zum Abschluß gelangen. Die Rot der Städte. Wohnungsbaugelder in Ehemnih beschlagnahmt. Chemnitz, 31. Juli.(Eigenbericht.) Der Finanzdezernent der Stadt Chemnitz hat die der Stadt zu Wohnungsbauzwecken zugewiesenen Mittel beschlagnahmt. Erließ das Konto des Wohnungsamtes sperren und verwendete sti» Gelder für Wohlfahrtsunterstützungen. Die Folge ist. daß in Chemnitz alle angefangenen Wohnungsbauten bis auf weitere» stillgelegt werden mußten. Oer Karlsruher parlamenisstandal. 23 Stadtverordnete vor Gericht. Karlsruhe, 31. Juli. Während der Etatsberatungen des Bürgerausschusses war es am 11. Mai d. I. im Sitzungssaal des Rathauses zu einer Schlägerei gekommen, bei der mehrer« Bürgerausschuhmitglieder verletzt wurden und Sachschaden in Höhe von mehr als 2999 Mark angerichtet worden war. Wegen dieser Zwischenfälle ist heute abend folgende- Urteil gefällt worden: Die beiden Hauptangeklagten, der kommunistische Stadt- rat B 8 n i n g und der nationalsozialistische Abgeordnete Streit erhielten wegen Sachbeschädigung, gefährlicher Körperverletzung und Hausfriedensbruch je 2 Monate Gefängnis. 14 Stadtverordnete erhielten wegen Sachbeschädigung und Körperverletzung G e l d st r a s e n von je 39 bis 69 Mark. während 7 weitere Stadtverordnete von der Anklag« des Haus- friedensbruchs bzw. der Körperverletzung freigesprochen wurden. Wechsel aus das Dritte Reich. Die Dummen sterben nicht aus. Hannover, 31. Juli.(Eigenbericht.) Die Arbeiter der Nazi-Druckerei in Hannover wollen— wie der sozialdemokratische„Volkswille" meldet— ab Montag st reiken, wenn ihnen nicht bis dahin der Lohn garantiert wird. Einem großen Teil der Angestellten ist bereits gekündigt worden. Es soll sich allerdings inzwischen wieder ein Mann gefunden haben, der einen auf das Dritte Reich gezogenen Wechsel der Nazis in Höhe von 15999 M. übernommen hat. Die nationalsozialistischen Geldgeber in Hannover scheinen über- Haupt mehr als naiv zu sein. So ist den hiesigen Nazi» kürzlich ein Auto gegen einen Wechsel verkauft worden, der den Vermerk trägt: zahlbar am Tage der Verkündigung des Dritten Reiches." Roste stellt Verleumder. Strafantrag gegen Raziblätter. Hannover, 31. Juli.(Eigenbericht.) In verschi«dnen Naziblättcrn wird die Behauptung aufgestellt, daß der Oberpräsident von Hannover, N o s t«, in Goslar dos .Hau« der Frau Katharina pon Oheimb-Kardorff zum Preise von 129 999 M. täuslich erworben habe. Di« Meldung, die mit gemeinen Beschimpfungen gespickt ist, ist mit d«r Ueberschrift versehen:„Noske hat's geschafft." Selbstver- ständiich handelt es sich bei dieser Meldung um«ine unver- schämte Nazilüge. Der Oberpräsident hat gegen die Der- breiter dieser Lüge bereits Strafantrag gestellt. Abreise der ausländischen Bankiers. Die mit den Stillhaltcver- Handlungen betrauten ausländ iscbenBankiers haben Berlin aestern verlassen, nachdem die Besprechungen zur Zufriedenheit abge- schloffen und Grundlagen für weitere. Vorgehen geschaffen waren. Die erste große Polarexpedition des„Graf Zeppelin" hat gerade- zu phantastische Ergebnisic gehabt, und es hat sich gezeigt, daß auch hier der prophetische Blick des alten Grasen Zeppelin untrüglich war, denn er war es, der zuerst auf die Bedeutung des Starrluftschiffes für die Erforschung der Polargebiete hingewiesen hat. Mit der ihm eigenen Energie hatte er alle Vorbereitungen dafür getroffen, die durch den Krieg hinfällig wurden. Dr. Eckener hat auch auf diesem Gebiete sein Erbe angetreten. Er hat die Expedition fachmännisch vorbereitet, daß auch die geringste Angelegenheit vorbedacht war, ehe sich das Luftschiff zum Fluge in die Arktis in die Lüfte erhob,»m ein Mißlingen auszuschalten. Aus sein Lustschifs konnte er sich verlassen, denn es hat sich in den Stürmen des Ozeans bewährt und jetzt nun auch den Beweis erbracht, daß es für die schwierige Ausgabe der Erforschung der Polarländer das geeignetste Werkzeug ist. Erstaun- lich, wie völlig programmgemäß der Flug bis in die kleinsten Einzel- heiten verlies. Sogar die„Landung" und die Uebergabe der Post an den„Malygin" konnten durchgeführt werden. Nur die Ueber- nähme von Personen mußte unterbleiben, da das Treibeis dos Luft- schiff zu gefährden schien. Die Expedition ist nicht in der beabsichtigten vollen Ausführung bis zu den Neu sibirischen Inseln ausgedehnt worden. Ein Grund ist vorderhand nicht zu erkennen. Aber auch so wurde die Expedition ein voller Erfolg, der alle wissenschaftlichen Erwartungen und Hoffnungen weit übersteigt. Noch nie ist bei einer Polarreise soviel wissenschaftliches Neuland entdeckt worden, wie jetzt, und noch dazu in so kurzer Zeit. Für die wissenschaftliche Arbeit im Polargebiet hotte der„Graf Zeppelin" nicht viel mehr als drei Tage zur Verfügung. Man nennt die Polar- expedition in Berliner Forschungskreisen den„Rekord-Kolum- b u s". Tatsächlich wurde die große Entdeckertat des Kolumbus in mehrfacher Auslage wiederholt, wenn auch nicht«in Kulturland ge- funden wurde. Aber damit rechnete niemand, und es bedeutet eine große Förderung der Erforschung unseres Planeten, daß über die geographischen Verhältnisse am Nordpol endlich einmal Klarheit ge- � schaffen worden ist. Das große Viereck Nowaja-Semlja— Franz-Joseph-Land— Nordland— Taimyrhalb» i n s e l wurde eiiTgehend untersucht und kartographisch aufgenommen. Dabei erlebten die Gelehrten die größten Ueberraschungen, denn es stellte sich heraus, daß die bisherigen Landkarten völlig falsch waren. Im Südwesten von Franz-Ioseph-Land verzeichnete bisher die Landkarte das Harmsworth-Land. Es ist ebensowenig vorhanden „Oer Zinker". Atrium. Der Schriftsteller Edgar W a l l a c e, Spezialist fiir Kriminal- geschichten, hat einen anrüchig smarten Reklomechef. Der hat dem Publikum, selbst dem, das keine Wallace-Bücher kauft, eingehämmert, daß es unbedingt von Wallace gefesselt wird. Dorum verspricht sein Name ein Geschäft, und zwei Produktionsleiter und drei Autoren verfilmten frei und ungeschickt den berühmten Zinker. Carl Lamac, der einfallsreiche Regisseur für stumme Lust- spiele, nahm ihn in Regie. Lamae versagt beim Kriminol-Reiher. Er kennt keine Entwicklungen oder Steigerungen, sondern nur die allergröbsten Knalleffekte. Er steht offenbar auf dem Standpunkt, daß das Fehlen von Anhaltspunkten ohne weiteres Spannung er- zeugt. Die Dialoge bestehen aus ein paar erklärenden Worten. Während einer Pause wurde die Begabung des Publikums ge- prüft, und es konnte durch Abstimmungszettel bekanntgeben, wen es für den Zinker hielt. Trotzdem kam keine rechte Stimmung auf; denn bei dem ganzen Film gruselten sich nur die Zuschauer, die eine allzu starke Anlage zur Gänsehaut haben. Carl Ludwig D i e h l macht als starker Spieler mehr aus seiner Rolle, als die Autoren ihm zubilligten. Außer ihm fiel noch Szöke S z a k a l l auf. Paul H ö r b i g e r spielt den Zinker ohne jede Dämonie und Verschlagenheit. Er macht aus ihm einen gutmütigen Tölpel. Im lobenswert aktuellen Beiprogramm sah man Macdonald und den Zeppelin, sie wurden herzlich begrüßt. Bei der kleinen M i ck y jedoch raste das Publikum Beifall. e. b. Gute alle Filme. Das Planetarium am Zoo zeigt gegen- wärtig(täglich um 5. 7 und 9 Uhr, außer Montag) einen der besten Tierfilme.„Chan g", den Herrn der Dschungel. Große und klein« Tiere aus dem Tierparadies Siam sind in oft staunenswerter Weise von der Kamera belauscht worden. Tiger, Leoparden, Riesen- schlangen und vor allem wilde Elefanten zeigen sich in voller Natur- wüchsigteit.— Dke Kamera ist aktuell: eine Zusammenstellung der bisherigen Zeppelin fahrten gibt prachtvolle Bilder au» der Luft. Daneben läuft der Rusienfilm„Die Kommune", packende Szenerien aus dem Paris 1879/71, mit den gewohnten artistischen Vorzügen, aber viele? ist darin spezifisch russisch hineingesehen und mit Sowjettendenzen und übermäßiger Typisierung versehen. Das Ende der Warschauer Oper. Das Warschauer Opernhaus wird aus seiner Ferienruhe nicht mehr erwachen. Die Oper be- nötigte wie fast alle diese Institut« schon seit Jahren laufend erheb- liche Zuwendungen, die sich Im letzten Spieljahr auf 3 Millionen Zloty belaufen haben. Eine solche hohe Summe kann die Stadt Warschau allein nicht ausbringen, und das polnische Kultusministerium hat jede weitere Subvention abgelehnt. Ein Sultan mit S0 Frauen. Unter den exotischen Besuchern der Pariser Kolonialausstellung fällt besonders eine Gestalt auf. die auf den großen Boulevards zu sehen ist. Es ist der Sultan von Nord-Kamerun, der in einer reichen Seidenrobe, über die ein langer weißer Mantel fällt, daher schreitet, auf dem Kopfe trägt er eine weiße Bedeckung, die so um das Haupt gewunden ist, daß man nur die obere Hälfte des Gesichtes sieht. Der Sultan, der als eifriger Käufer in den eleganten Läden auftritt, wird von einer schön ge- kleideten Dame begleitet, die ihm in respektvoller Entfernung folgt. Das ist die Lieblingsirau. Sie allein hat die Vergünstigung er- halten, ihn nach Paris zu begleiten, während er sein« übrigen 79 Frauen zu Hause gelassen hat. Tie Eröffuungevorftelluiigea an den unter der Tircklion Dr. Robert Klein stehende» Bühnen sind nunmehr sestgeseht. Da« L e s I i n g< Theater wird in den ersten SeptembertagiN mit dem.Revisor' von Gogol in der Inszenierung von Hans Hinrich erössnet werden. Dann folgt die„Am er, tonische Tragödie" von Drevser in der In- szenierung von Erwin Pitrator. Da? Ztenaissanee-Tbeater wird mit der deutschen Uraufführung von Melchior Lenghel» Schauspiel „Engel" eröffnet. Das Wallner-Theater veranstaltet Sonnabend, Sonntag»nd Montag drei Wcrbetage. Parkctt-Fauteuil- und l.-Rang-Plöhe für 75 Pfennig. Da» Varlet-AnNquarla» 3pH. Homburg 36, Kaiser-Vilhelm-Str. 16, brachte anlätzlich de» Internationalen Sozialisten-KongrcsscZ in Wien Nr. 2 dez.Po.itischen Antiquar«" herau» wie das Albert-Edward-Lond. Das„N o r d l a n d" scheint Größe eines Kontinents zu haben. Auf Nowaja Semlfa und Franz- Jofeph-Land wurden ganz neue Verhältnisse der Grenzen und des Eises erkannt. Die wesentlichste Entdeckung erfolgte auf der Taimyr- Halbinsel, denn hier in diesem bisher ziemlich unerforschten Gebiete fanden die Gelehrten ein neues„R i e s e n> G e b i r g e",«> dos ungefähr 39 Kilometer breit und bis zu 1599 Meter hoch ist. Vorläufig lassen sich die ganzen Ergebnisse in ihrer vollen Tragweite nach nicht erkennen, da man auf geringe drahtlose Meldungen ange- wiesen ist und nur die Größe des wissenschaftlichen Neulandes durch Vergleiche mit den bisherigen geographischen Ergebnissen der Polar- fahrcr ermessen kann. Es ist ein erster Ueberblick, der hier geboten werden kann, denn das volle Endergebnis werden wir nur von Professor Samoilowitsch und seinen Kollegen erfahren, auf die die Forscher mit größter Spannung warten. Dann wird es möglich sein, die Karte des Polargebietes neu zu zeichnen und die Grundlag« für weitere Erkundungsarbeiten zu schaffen. Die meteoro- logischen Messungen werden der Wetterkunde zugute kommen. In praktischer Beziehung hat die Polarexpedition des „Graf Zeppelin" auch bedeutende Erfolge erzielt. Bisher war die Schiffahrt hier durch die magnetischen Anomalien stark behindert. Es wurden hier zahlreiche erdmagnetisch« Messungen vorgenommen, die der Sicherheit der Kompaßnavigation dienten. Für den voraus- sichtlich kommenden Luftverkehr über den Nordpol sind diese Ar- beiten von Bedeutung. Durch die wissenschaftliche genaue Erkundung der Eieverhältnisse ist auch die Möglichkeit eines Schiffsverkehrs hier stark gefördert worden. Der Pol hat seine Schrecken verloren oder man hat jedenfalls einen genauen Einblick in die Gefahren erhalten und kann die Möglichkeiten ihrer Umgehung schaffen. Der„Zeppelin" ist also in des Wortes wahrster Bedeutung der Pfadfinder und Wege- bahncr einer künftigen Polarforschung und eines Verkehrs über diesem Gebiete geworden. Es ist zu erwarten, daß diese Luftschiff- j expeditionen sich in absehbarer Zeit wiederholen werden, da die erste so ungewöhnlich erfolgreich verlief und die Geeignetheit unserer Starrluftschiffe für derartige Zwecke ermiesen hat. Das Luftschiff als Instrument der Wissenschast! Der Sieg des„Graf Zeppelin" wird voraussichtlich auch in wirtschaftlicher Beziehung fruchtbar wer- den, denn so große Leistungen, die bisher mit Recht als gefährlich galten, sind geeignet, das Urteil der Welt über die Bedeutung der deutschen Luftschiffe auss günstigste zu beeinflussen. Preitaz, 31. Juli. Berlin. Ifi.OS Ralph J. Hake: Psychologische Plauderei«des den Wettkämpfer. 16.30 Teemusik., 17.50..Boten aus dem Weltall."(Relchcnbach.) 13.15 Das neue Buch. Kautsky;..Reparationen und Rüstung".(HcS u. Co.. Leipzig.)(Am Mikrophon; Dr. Woltg. Brctholz.) 18.25 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 18.30 Hlrtsiefer: Wohnungs- und Städtebaufragen auf der Berliner Bau-Ausstellung 1931. 19.00 Studenten diskutieren: Die außenpolitische Zukunft Deutschlands.(Ltg.: Prof. Dr. Otto Hoetzsch.) 19.40 Neue Unterhaltungsmusik. 21.00 Praktische Wochenend-Ratschläge. 21.05 Tages- und Sportnachrichten. 21.15 Dichtung und Wirklichkeit. Eine Gegenüberstellung.(Sprecher: Hermann Kasack.) 22.15 Wetter-, Tages-, Sportnachrichten, Tanzmusik. Königs Wusterhausen. 16.00 Leipzig: Konzert. 17.00 Otto Heyl: Neuzeitliche Instrumentalpfiege in der Volksschule. 17.30 Hede Oeber: Lustiges Abenteuer von Sochtschenko. 18.00 Emst Collin; Der Kampf des Handwerks im Zeitalter der Maschine. 18.30 Prof. Dr. Dülberg: Moderne Ciasmalerei. 18.55 Wetter für den Landwirt, 19.00 Wlssenschaltileher Vortrag für Aerzte. 19.30 Arbeit und Familie als kultureller Faktor im Arbelterleben. 20.00 München: Lustiges aus Siiddeutschland. 20.45 Langenberg:„Was frag' ich viel nach Qcld und Gut". Komödie von Hana Müller-Schlösser. Rückschau. Unter dem Titel„Deutsche Stiefkinder" hatte Dr. Kurt K e r st e n im Programm der Funkstunde einen Vortrag über„zu Unrecht vergessene Dichter" angekündigt. Seine Aus- führungen, die allerdings auch biographische Notizen über einige wirklich„Vergessene" enthielten, behandelten gleichwohl eigentlich ein ganz anderes Thema; denn den Beweis, daß es sich um zu Unrecht Vergessene handelt, hätten nur Proben aus ihren Werken geben können. Darauf verzichtete Dr. Kersten leider völlig. Nur ein kleines Publikum weiß heute noch von den Arbeiterdtchtern Georg W e e r t h und Ludwig Pfau und den Verfasser der„Ansichten vom Niederrhein", Johann Georg gor st er, kennt kaum noch jemand. Es hätte sich schon gelohnt, sie selber zu Worte kommen zu lassen. Dem Dortragenden kam es jedoch darauf an, zu zeigen, wie- viele deutsche Dichter um ihrer freiheitlichen Ueberzeugung willen von der Lzeimat verstoßen und zum Elend oder zum frühen Unter- gang verdammt wurden. Büchner, Kleist, Heine, Reuter, Freiligrath waren solche„Stiefkinder", denen die Nachwelt zwar den Dichter- rühm nicht vorenthält, die aber zu ihren Lebzeiten von ihrem Bater- lande nur Leid ernteten. „DasThcaterstellt sichu m", weil es die hohen Pachten für die Theatergebäude und die noch viel höheren Stargagen nicht mehr ausbringen kann. Wie diese Umstellung gedacht ist, darüber sollte ein Gespräch zwischen Alois Münk und Dr. Martin Zickel dem Publikum Aufklärung geben. Durch Abbau der hohen Zahlungen meinte Dr. Zickel, und prozentual« Beteiligung der Theoterbesitzer und der Stare am Tagesverdienst. Sein« Aeuße- rungen schienen außerdem anzudeuten, daß er den Versuch einer grundsätzlichen Slbkehr vom Storunwesen und stärkere Pflege de» Ensemblespiel« von den Theaterleitern erhofft. Ein« Reportage vom Berliner Zeppelin-Empfang nach seiner Rückkehr aus der Arktis mußte sich naturgemäß darauf beschränken, Bericht von einem interessanten Ereignis zu sein, und auf eine Diskussion der wissenschaftlichen Ergebnisse dieser Fahrt verzichten. Trotzdem wäre es vielleicht nicht nötig gewesen, daß die Teilnehmer der Fahrt sich darüber so völlig ausschwiegen! der Hörer gewann den peinlichen Eindruck, daß zugunsten eines bestimmten Zeitungsunternehmens jede nähere Mitteilung der Oeffentlichteit vorenthalten wurde. Tm. Der MeZneckesche Männerchor, Mitglied dez Arbeitersänger- bundez, veranstaltet am Freitag, dem 31. Juli, abends 7% Uhr, im Tanzring des Volksparks Rchberge(Hinter dem Stadion) ein Freikonzert. Wetter für Berlin: Heiter, teils wolkig, zeitweise schwül: leichte südwestliche bis westliche Winde.— Zur Deutschland: Im Süden heiter und ziemlich warm, sonst im Reiche zeitweise etwas Bewölkung und vielsach schwül. Im Nordwesten Aufhören der Niederschlags- Neigung. Opanken? Ein Glück, daß die traurigen Zeiten in der Damenschuhmode nicht ihren Niederschlag finden! Die Justigen, farbenfreudigen, in aller Welt von den Frauen mit so viel Bequemlichkeit bei Sonnen- schein und Hitze getragenen Opanken werden in diesem Sommer durch den diesjährigen Sonderverkauf bei D o r n d o r f in weiteste Kreise hinaus getragen werden Der Preis zu 3,50 M., zu dem die Firma Dorndorf diesen lustigen, farbenfreudigen Schuh in vielen Zehntausenden von Paaren aus den Markt bringt, gestattet seder Frau, zu dem kaum mZglichen Preis einer Schuhbesohlung sich diesen lustigen Schuh zu beschaffen. Der Sonderverkauf beginnt Sonnabend früh in den Dorndorf- Geschäften, und zwar nur in der F r i e d r i ch st r. Köa und Tauentzienstr. 16(nicht mehr Königstr.). Verantwortl. Mr die Redaktion: Serbert Severe, Berlin: Anaeigen: Tb. Glocke. Berlin. Berlag: Vorwärts Verlan(B. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch» druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin£38 88, Lindenliraht 3, Sterin 1 Beilage. Theater,/- U. H. u. H. 1 WILLIAMS LEE GAIL- ENSEMBLE 1 3 Wbirlvlnib nnr. Reichshallen-Theater „Alles verrückt!6* Stettiner Sanger Anfang| w[ Uhr Berliner Illh-Trio N• U k B 1 1 n. Laima tr. 74/76J BETRIEB»«K kempinskitJ 1 Damenschubberohlui� Friedrichftraße 65a und Tauentzienßraße 16 Das Leibgericht des Berliners WlMkAmmW! Halbe geschälte Erbsen Pfd. 25 Pfg. Ganze geschälte Riesenerbsen Pfd. 33 Pfg. Viktoria-Erbsen Pfd. 22 Pfg. NeuerSauerkohlpfund16pfg. Dazu aus unseren 86 Fieischabgabestellen: Eisbein mit Spitzbein.»,,» Pfd. 0.45 Dickbein..... g Brustrippen......... Schwänze........... Schweineköpfe o. b..,.. Kassler-Rollen....... „-Kamm u. Schuft #/—Kotelett...... sciiioHenspecK...Pi(i. 1.60- magerer speck... rid. 1.00 Neue Kartoffeln Weiße 10 Pfd. 40 Pfg. Blaue 10 Pfd. 4 0 Pfg. Gelbfleischige 10 Pfd. 48 Pfg. Deutsche Fettheringe Stück 6 Pfg. kOnium Die Mitgliedschaft kann in joder Abgabestelle erworben werden n H 0.60 0.40 0.40 0.20 0.85 0.95 ab 1.10 PROGRAMM für die Zeit vom 31. Juli bis 3. August K I N O-T A F E L für die Zeit vom 31. Juli bis 3. August mo\Q Potsdamer Strafe 35 W. 5, 7, 9, S. 3, 5, 7, 9 Uhr Die Million Ein Tonfilm von Rend Clair Für Jugendliche freigegeben Rhcinstrafjc 14 k£Ä) W. ab 5.15, S ab 3,15 Uhr Die Todeskllppc, ein Abenteuer in 7 Akten mit Fred Thomson Nacfatredaklion(6 Akte) mit Bebe Daniels Moabit Artushof Bühn" Odeon, Potsdamer Str. 75 w. 5, 7, 9. S. 3, 5, 7. 9 Uhr Panik In Chlkago mit O. Tscfaediowa. H. Rehmann 9 U. 9U Turm strafe 12 Das Ekel mit Max Adalbert Ufa-TonkabArett Nr. 1 mit Evelyn Holt, Rosa Valeltl. Heinz Kdneckc Für Jugendliche freigegeben Alexandersir. 39-40 (Pattage) Den ganzen Tag geöffnet, Stgs. ab 3 Uhr „M-, Fritz-Lang-Film Primus-Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margaretenstr. Wochentags 5.1 S. 7.15, 9.15 Uhr Sonntags 3.15, 5. 15. 7.15, 9.15 Uhi Verlängert: Oer Sdirecken der Garnison mit Felix Brettari FOr[ugendliche freigegeben E Friedrichstaut W Franziskaner Äin°0Sl Gcorgenstraße(Ecke Friedrichstraße) La Bohöme mit Lilfan Glth Tonfilm; Das Sdhldaal der Renale Langen mit Madjr Chrittiant Beiprogramm W. 6 30 U. BOhne Sonntags 5 U. Perlcberger Str. 29 lOOproz. Tonfilme: D-Zag 13 hat Ver •pStnng mit CharloHe Susa Die Stamme van PoHicl mit Szökc Szakall— Ton wodie— BQhnenscfaau W�lt.Kinn W: 6-45 u- 9 05 U " Cll-ivmo Sonnt, ab 4.45 U. Alt-Moabit 99 lOOproz. Tonfilm: Arme kleine Eva mit Grete Moihelm Tonbeiprogramm— Tonvodie Kant-Lichtspiele Kantstr. 54(an der Wilmersdorfer Str.) W. 5. 7, 9 Uhr S. ab 3 Uhr SchmcUng— Slribllng, Weltmeister- schaftskampf— Panik In Cblkago mit O. Itdiediowa, H. Rebmann W Wllmersdorg � Atrium Bcba-Palast Kaiserallee, Ecke Berliner Straße W. 7 u. 915 Uhr S 5. 7, 9.15 Uhr Uraufführung des Kriminaltonfilms: Der Zinker(nach d. Buch v. E.Wallace) Preitanucfareibenl Wer ist der Zinker? Das Publikum sucht mit d Schönaberg W Titania Sdiönebg. tjXt Hauptstraße 49 Sonntags 3, 5, 7. 9 Uhr lOOproz. Tonfilme: Das Ekel mit Max Adalbert— Kabarett-TonBlm mit OtioWallborg, S. Arno u. a m. Jugendliche haben Zutritt Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 55 Wochentags 7, 9 uhr Sonntags 5. 7, 9 Uhr Tonfilm; Seine Frenndin Anneile mit LUsl Arna, Fr. Deliot Gnies Beiprogramm A st* am«■ Titania-P alast Steglitz. Schloßstr.S. Ecke Gutsmuthsstr. Tonfilm-UrauffOhrung: Elisabeth von Oesterreidi(Der Leidensweg einer Frau) mit LH Oagover, Panl Otto Tonbetprogr.— Tonwocfaenscbaa g Z Ohlendorf- Mitte W Wochentags 7. 9 Uhr — Sonntags 5, 7, 9 Uhr Potsdamer Str. 40 Stg. 3 Uhr: Jugendv. Tonfilmerfolg: Drei Tage Liebe mit Hans Albers, Käthe Dorsch Beiprogramm U HarlandorF> Ms» T i Mariendorfer Wochentg. � äö— Tonllditspiele O'/s, 9 Uhr So. ab 5 U Sonnt. 3 U.Jugend-Vorst. Chausseestr. 305 Der große Fritz-Lang-Tonfilm:„M' Raab im Weslcxpreb ���TtriTipelho����P TivOÜ Berliner Str. 97 Beg. 7, 9 U. Stgs. 3 Uhr: Jug.-Vorst lOOproz. Ton/ilm! Da« Ekel mit Max Adalberi— Der ewlc Kabarett-Tonfilm m Wallburg, S# Arno, Da)os Bela u. a. V Nemtaim 1 Mercedes- Palast Hermannstraße 212, Ecke Jägerstraße Woch. 6>/-, 9 Uhr. Stg. 5. 7, 9 Uhr lOOproz. Tonrevue— Tonfilm: Wau Wau(Die große Hundeschau) Wir sdralten am aal Hollywood Tonbeiprogr.— Bü,: Turl Damhofer- Kompagnie Die lastigen Tiroler Montag und Donnerstag: Erwcrbslosentage g_ Südwesten p Lichtspiele Südwest Blöcherstr. 12 W.»/,7. So. ab 5 Uhr lOOproz Tonfilmoperette: Der Bettelslndeni mit Frlfx Sdinlz, Hans Heinz Bollmann,). Novotna Lastiges Beiprogramm Film-Palast Kammersäle Teltower Str. I W. 6J0, 9, Stg. ab 5 U. lOOproz. Tonfilm: Wir schalten am anf Hollywood m. Morgan, Keaton, Novarro, Mcnfon— Der Kntz mit Greta Garbo Süden Primus-Palast Am Hermannplatz, Urbanslr. 72/76 W. 6.30, 9 Uhr, So. 5. 7, 9 Uhr Heute und folgende Tage! Fritz Längs großer Tonerfolg:„M." Beiprogramm— Auf der BOhne Fanta(Der große Zauberer) Montag und Donnerstag Erwerbslosentage Th. am Moritzplatz Beg. Wo. 6.30, 9, Stgs. ab 4,30 Uhr Tonfilm: D. Tanzhnsar m. Karlwels, Grell Theimer— Der Fleck auf der Ehr mit Grit Haid Südosten Luisen-Theater Reichenberger Str. 34 Anf. W. ab 5 30 U. Stg. ab 5 U Tonfilm: Kinder yor Gericht (Frenzel-Prozeß)— Siegfried Arno in dem Unterweltfilm: Spelnnke Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Wochtgs. ab öVa U., Sonntags ab i'h U. Die letzten Tage! „M*(Fritz-Lang-Tonfilm) Beiprogramm— BOhnenscbaa Sternwarte— Treptow Sonnabend 8, Sonnlag 4, 6, 8 Uhr: SUberkondor Ober Fenerland, Günther-Plüschow-Film E Wordostcn™|��� „Elysium Prenzlauer Allee 56 Wochent. ab 5.15, Sonnt, ab 3.15 Uhr Tonwocfaenichaa Das Ekel mit Max Adalberi Erster Kabarett-Tonfilm BO.: 10 Akkordeon-Harmonisls Jugendliche haben Zutrittl Flora-Lichtsp. W. 6�. 9 u., Stg. ab 4 U Tonfilm: Idigeh AusnuddublelbaidA mit CAmillA Horn, DrAotc wetter GAlgenvögcl— Ton wo ehe ■ Q'f*■ Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochentgs. 5.30 U, Sonntags ab 5 Uhr Tonlustspiel: Das Ekel mit Max Adalbert Ton-Kabarett Nr. 1 mit Otto WaUburg, 5. Arno u. a. m Tonbeiprogramm— Bflhnenschaa Jugendliche haben Zutritt Schwarzer Adler Xn« 99 Woch. 5. 7. ca. 9, Stg. 3. 5, 7. 9 U Tonoperette: WalzerparAdle» mit G. Theimer, Jo«6 Wedorn, Ch. Susa T onbclpr oßr am m V. T. Lichtspiele v�o". Frankfurter Allee 48 W. 5, So. 3 Uhr 100 proz. Tonfilm: Die hellige Flamme mit Dita Parle, Gustav FrOhlich Dazu da« grobe Beiprogramm E Zentrum Babylon, am BGlowplalz Wochentags ab 6.30 U. Sbd., Stg. ab 5, letzte 9.10 U. 100 proz. Tonfilm: Wenn die Soldaten... mitVercbes, GrctI Theimer Bühne: Tanz-Gesang Show > Hcu-Ilchtenb«rg"h Kosmos-Lichtspiele Lückstr. 70 Wochent 7, 9 Uhr Sonntags 5, 7, 9 U. lOOproz. Tonoperette: In Wien bab Ich einmal ein Mädel gelieb1 mit Grell Theimer, Werner FQtterer Gnies Tonbeiprogramm WalOense« Schloßpark FOm. Bühne Berliner Allee 206—210 6,30, 9 Uhr Tonfilm: Der Liebesexpreß mit Dina Gralla« J.Alexander Scfamellug im Training Tonbeiprogramm— B&hnen schau U Fii»drlch»f Ida Kino Busch uh"; Alt-Friedrichsfelde 3 100 proz. Tonfilm;... nnd das Ist die Hauptsache mit H. Liedtke, Falkensteln— Großes Beiprogramm Alhambra EckLTeÄ� Wochent 5. 7, 9 U., Sonnt. 3. 5, 7. 9 U. lOOproz. Tonfilm: Hary mit A.Abel, Olga Tschechowa/ Tonbeiprogr am m Pharus-Lichtspiele Müll erstr. 142 W.5.7.9U� Stg.3,5,7,9U. lOOproz. Tonfilm: Die Maske f&lli mit Lissi Arna Wettlauf um den Mann mit Bebe Daniels � Pankow � Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 7 u. 9. Stg. 5, 7. 9 U. lOOproz. Tonoperette: Die Million Ein Film v. Ren 6 Clair ✓Tonbeipiogr. Tegel Z Filmpalast Tegel W. 5. Stg. Vit U Stgs. 2 U. Jgd.-Vorst Tonfilm: Schachmail mit Gerda Maorns Spiel mir das Lied, ZI genner.,, D Hermcgsctorr � Filmpalast stg�ÄÄ Berliner Straße 59 Stg. 2 U. Jug.-Vorst, Tonfilm; Schachmatt mit Gerda Manins Spiel mir das Lied, Zlgcmer... Die Wohlsahrtserwerbslosen. Reichsanstalt spart, Gemeinden werden belastet. Die Zahl der in öffentlicher Fürsorge der Gemeinden betreuten Wohlfahrtserwerbslosen ist im Juni wieder g e- stiegen, nachdem sich im Mai der erste geringe Ansatz eines ganges gezeigt Hot. Nach der Erhebung des Preußischen Statistischen Landesatntes vom 30. Juni 1931 sind in Preußen bei den' Pezirk-fürsorgcocrbänden 718 065 van, Arbeitsamt a n- erkannte Wahlfahrtserwerbslase gezählt worden, gegenüber 707 669 am Ende des Vormonats, so daß sich«ine Zunahme um 10 396 Wohlfahrtserwerbslose oder 1,3 Proz.(im Mai Abnahme um 2100) ergibt. Demnach entfallen aus 1000 Einwohner im Staats- durchschnitt 18.8 Wohlsahrtscrwerbslose. Seit September 1930 hat sich die Wohlfahrtserwerbslosenzahl jetzt um 270 862 oder 60,6 Proz. erhöht. Berücksichtigt man auch die vom Arbeitsamt nicht oncrkaniiten unterstützten Wohlfahrtserwerbslosen(Ende Juni 13 638), bei denen zumeist die Anerkennug nur am Stichtage noch nicht ausgesprochen gewesen ist, so ist die Gesamtzahl der von den preußischen Bezirks- jürsorgeoerbänden oder Gemeinden lausend unterstützten Wohl- iahrtserwerbslosen von rund 723 000 Ende Mai aus 732 000 Ende Juni angewachsen. In den kreisfreien Städten, besonders wieder in den Großstädten, ist ein weiterer Zugang sestzustellen. während in den kreisangehörigen Städten noch ein ganz geringer Rückgang zu verzeichnen ist und die Entwicklung in den Landgemeinden stagniert. Kurze Stillegung der Opel- Werke. Frankfurt a. M., 31. Juli.(Eigenbericht.) Die Opel-Werke in Rüsselsheim haben ihren Betried mit Rück- ficht auf die gegenwärtige Wirtschaftskrise für vier Tage geschlossen. Am Dienstag, dem 4. August, soll die Arbeit wieder ausgenommen »erden. Die Exportausfichten werden nach wie vor als gut be- zeichnet. „Gwßer Sieg" der Gialinhelmisten Und was dahinter steckt Groß ausgemacht veröffentlicht das offizielle Stolinhelmblatt eine Enffchliehung unter der Ueberjchrift:„Freigewerkschaftliche SPD.-Funktionäre für den roten Volksentscheid." Die Ent- schliehung, die übrigens nur ganz versteckt in der letzten Zeil« eine indirekte Empfehlung des Volksentscheids der vereinigten Reaktion enthält, ist angeblich„mit Zustimmung mehrerer SPD.-Funktionäre gegen nur drei Stimmen" von einer sreigewerkschaftlichen Funk- tionärversammlung der Berliner Müllabfuhr angenommen worden. Darob große Freude bei Hitler, Hugenberg, Scldte und Dingeldey. Der Volksentscheid des Stahlhelms macht reißende Fortschritte. Wir müssen leider die Freude der Gönner Thälmanns trüben. Wir stellen die Taffachen fest. 1. Es war gar keine Funktionär- öersammlung, sondern ein D i s k u t i« r a b e n d, zu dem der kommunistisch« Lorsitzende des Betriebsrats die zuverlässigen Mitglieder der KPD., die unbesehen alles schlucken, was von Stalin kämmt, eingeladen hatte; dazu, um den Schein zu wahren, einige Sozialdemokraten. 2. Anwesend waren von etwa 60 Funktionären 14. Von diesen 14 stimmten 9 für die Entschließung, 3 dagegen, 2 enthielten sich. 3. Don den 9(neun), die für die Entschließung stimmten, ist nicht«in einziger Mitglied der Sozialdemokrati- schen Partei, vielmehr gehören sie sämtlich der KPD. an. 4. Die überwiegende Mehrheit der Funktionäre der Müllabfuhr besteht aus Sozialdemokraten. Sic werden sich den kommunistischen Vor- sitzenden wegen seines gemeinen Säiwindcls einmal vorknöpfen. Bei diesem Volksentscheid werden die Hitlerleute seinen Sieg seiern. Erfolgreicher Schneiderstreik in New �fork. New Jork, 31. Juli.(Eigenbericht.) Der New-Porker Schneidcrstreik ist nach Annahme der Streik- forderungen der Arbeitnehmer, wenigstens soweit die Großbetriebe in Frage kommen, beigelegt worden. 20 000 Bekleidungsarbeiter haben inzwischen nach Unterzeichnung neuer Tarifverträge die Arbeit wieder aufgenommen. In den Kleinbetrieben geht der Streik weiter. Die städtischen Behörden haben den streikenden Arbeitern inzwischen polizeilichen Schutz zugesagt. Streikbrecher, die Verbündeten der KpO. Siegreich wollen sie die Arbeiter schlagen Apolda. 31. Juli.(Eigenbericht.) Im Streik der städtischen Arbeiter in Apolda, der am 25. Juli begonnen hat, haben sich Mitglieder des Stahlhelms, einige Kopfschlächter und der bürgerliche Schwimm verein von Apolda zur Leistung von Streik- brecherarbeit zusammengefunden. Obwohl van der gewerk- schaftlichen Streikleitung fiir die Verrichtung der Notstandsarbeiten in den lebenswichtigen Betrieben Sorge getragen ist, wurde vom Oberbürgermeister für nicht l«b«nswichtige Arbeiten die Technische Nothils« eingesetzt, unter der sich fast durchweg Jung- stahlhelmer im Alter von 18 bis 25 Jahren befinden. Erfreu- licherweife hat die Metzgerinnung von Apolda es abgelehnt, dem Ersuchen des Oberbürgermeisters, den Schlachthof durch ihr« Lehrling« reinigen zu lassen, nachzukommen. Der bürgerliche Schwimmverein von Apolda machte bei der Stadt das Angebot, ihm für die Dauer des Streiks das Stadtbad zu verpachten, um es mit eigenen Leuten weiterzuführen, lieber diesen Vorschlag hinaus erklärte er sich bereit, an Stelle der städtischen Arbeiter den Bade« dienst im Stadtbad durch seine Mitglieder versehen zu lassen. Die Gemeinschaft des organisierten Streikbruchs zwischen den Vorgenannten dürste im Zeichen des bevorstehenden Volksentscheids recht lehrreich sein. Die 7. internationale Konserenz der Maler tritt in Prag Mitte September zusammen. Die Zahl der der Maler-Jnternationale an- geschlossenen Mitglieder betrug Emde 1930 241 760. Zugenonimen hat die MitgliederzohMn den Verbänden von Dänemark, England, Holland, Norwegen, Schweden, der Schweiz und der Tschecho- slowakei um 2261 In Amerika, Deutschland, Finnland, Oesterreich, Ungarn und im Tschechoslowakischen Vouarbeiterverbanh ist eine Gesamtmitgliederabnahme um 11 350 zu verzeichnen. Der Jnter- nationale ist auch Jugoslawien beigetreten. Erntefest bei Leineweber. Der Leineweber-Sommer-Ausverkauf ist das Erntefest der Leineweber-Kunden. Auch Sie sollten es mitseiern! Wie das Obst gepflückt und das Korn geschnitten werden muß, wenn es reis ist. so müssen auch die Läger im„Haus, das jeden anzieht", geräumt werden, ehe der Herbst beginnt. Mächtige Plakate rufen von der Front der beiden Geschäfte am Köllnischen Fischmarkt 4— 6 und in der Brunnenstraße 171 den Wahlspruch herab, unter dem das Leineweber-Erntefesl diesmal steht. Er lautet;„Billigkeit, Diktat der Zeit!" Von allen Diktaturen dürfte die der Billigkeit für jeder- mann die willkommenste und die vorteilhafteste sein. Gehen Sie > darum zu Leineweber und nehmen Sie teil an den Gaben, die dieser ! volkstümliche Diktatur zu bieten hat. GraBer $g&misaiM Billig wie noch nie! Inlette f Oberkett.. Mb,«.60. 10.-, 12- KImch..... 1.SS, 2.55, 5.50 rot, tfirklsdi, Makko. Steppdecken..... 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August Wenn am Dienstag, dem 4. August, die finnischen Arbeiterspartler erscheinen, dann haben sie schon eine Reihe von Kämpfen hinter sich. In Wien haben die Finnen gezeigt, wie gekämpft werden muß. Wenn ihnen auch nicht mehr so viele Erfolge beschieden waren, wie in Frankfurt, so deutet das nicht daraus hin, daß die Leistungen der Finnen zurückgegangen sind, sondern daß sich die Vertreter der anderen Länder sehr verbessert haben. Verbessert nur durch das Können der Finnen. Wenn die Finnen in Frankfurt in den Laufkonkurrenzen fast stets die ersten Pläge besetzen konnten, so wurden sie in Wien von den österreichischen und englischen Sportlern von diesem Platz rer- drängt. E t h o l c n, der auch in diesem Jahre einer der besten finnischen Kurzstreckenläufer ist, konnte 192S mit 11,2 Sekunden Olympiameister werden. In Wien gelang es, die internationale Bestleistung aus 10,8 herunterzudrücken. Sieger wurden hier aller- dings nicht die Finnen, sondern ein Engländer und ein Norweger. In den langen Strecken blieben aber die Finnen immer an der Spitze. So konnte ch a r j u den 10 000- Meter- Lauf glatt mit 33:22,8 Minuten gewinnen. Bis zu 8000 Meter konnte ihm wohl ein Engländer folgen, muhte ihn dann aber ziehen lassen. Die große lleberiegenheit trat dann ober in den 25 000 Metern zutage. Gleich drei Finnen kamen als erste durch das Ziel: dabei stellten sie auch wieder eine neue internationale Höchstleistung auf. Die Wurf- und Sprungkonkurrenzen blieben ebenfalls eine sichere Sache der Finnen. Im Dreisprung gewann T a k i h n e n mit 14,29 Meter: F r a n z e n schleuderte den Ball 52.78 Meter: P e I t o n e n warf den Diskus 41 Meter: Lethinen übersprang die Latte in der Höhe von 1,80 Meter; T a r n i warf den Hammer 44,03 Meter. Schon aus diesen Resultaten läßt sich erkennen, vor welche schwere Aufgabe. die Berlin-Brandenburgischen Vertreter gestellt sind. Trotz- dem gehen die Berlin mit nicht geringen Auesichten in die Kämpfe. Belegten doch fast durchweg immer Deutsche die zweiten Plätze, darunter auch nicht weniger Berliner. Bei den Fußballspielern finden wir nicht wenige be- kannte Spieler, die schon des öfteren in der Ländcrmannschaft mit- gewirkt haben. So ist es in der Hauptsache der noch sehr junge Torwart, der beim Fußball wie beim Eishockey gleich große Leistungen gezeigt hat. Im Sturm verdient der 19jährige Halb- rechte besondere Beachtung. Schon als Sechzehnjähriger spielte er in der finnischen Ländermannschaft. Im übrigen werden sich die Mann- fchasten in folgender Aufstellung gegenüberstehen: Finnland: Blava Pulklinm Birianen Paftinen Alho Eeven ENund Epeeti Jtkonen Peckström Vathera Schurr gollmann Weidauer Iähnicke Ztrllaer Adler VS)(Normannia) Ueber die Berliner kann man sich nur schwer ein Urteil bilden. Gewiß gibt es sehr viel daran auszusetzen. Wenn das Ver- sagen des Mittelläufers im Spiel gegen Leipzig nur besonderen Umständen zuzuschreiben ist. so wird er es beweisen können. Seine beiden Nebenleute sind als zuverlässige Spieler bekannt, wirkten sie do chschon mehrcremal für den 1. Kreis mit. Befremdend ist nur die Aufstellung des linken Verteidigers, während sein Nebenmann ihn technisch und sportlich bei weitem überragt. Ueber den Torwart etwas zu schreiben dürfte sich erübrigen. Wirkte er doch in der Olympiamannschaft in Wien mit. Das Schmerzenskind ist der Sturm. Gewiß stehen hier Spieler, die in ihren Vereinsmann- schatten große Leistungen vollbracht haben, ob sie sich aber in dieser Ausstellung bewähren werden bleibt zu zweifeln. Zu wünschen wäre es. 4° Alle Groh-Berliner Vereine müssen zu der Bundesveranstaltung am Dienstag, dem 4. August, 17 Uhr, Finnland— Berlin/Brandenburg, erscheinen. Vorverkaufskarten, Werbematerial und Plakate find abzuholen und zum Aushang zu bringen. Letzter Abholungs- termin: Sonnabend, 1. August, in der Geschäftsstelle bis 20 Uhr. Vorverkaufskarten nur gegen Ausweis des Vereins. Soimtagsrenneu auf der Avus Mehr als fünf Jahre ist es her, seit das letzt« Automobilrennen auf der Berliner Avus zum Austrag gelangte, denn seit dem 11. Juli 1926, an welchem Tage Carracciola auf Mercedes- Benz den Großen Preis von Deutschland für Sportwagen nach einem grandiosen Rennen an sich bracht«, hat es bisher nur einige motorradsportliche Veranstaltungen auf der Avus gegeben. Am Sonntag geben sich wieder die besten Wagenfahrer ein Stelldichein. 39 Fahrer in drei Rennen,«in Rekord für die Avus, und die routiniertesten Fahrer und schnellsten Maschinen, die man sich wünschen kann. Den Beginn macht um 12,30 Uhr das Rennen der.Meinen" bis zu 7 5 0 Kubikzentimeter Zylinder- inhalt, es geht über 98,696 Kilometer. Zchn Nennungen liegen j vor, sechs von DKW., vier von BMW.: es wird also einen inter- «ssanten Markenzweikampf geben. Nanien wie Bauhofer. Oestreichcr. Macher, Simons, Kohlrausch. Delius bieten Qkwähr für ein spannendes Rennen. Als nächste kommen die Wagen bis 15 0 0 K u b i k z e n t i- meter, und hier stehen nicht weniger als acht der schnellsten Bugatti bereit. Der Italiener Graf Lurani, d«r Wiener Frankl, die Deutschen Brudes, Dr. Risse, Ollendorf, Steinweg, Burggaller, Lcwy und Simons, die Franzosen Boucly, Decaroli, Loridant usw. werden für ein schnelles Rennen sorgen, so daß über die zehn Runden(196,561 Kilometer) keine Langeweile aufkommen wird. Bugati gegen Amilcar und Alsa Romeo spricht für sich selbst und für außerordentlich schnelle Runden. Dann kommen die Schweren und Schwersten über 15 Runden (294,426 Kilometer) an die Reih«. Die Mercedes-Mannschast mit Caracciola, Stuck, Brauchitsch und Winter, die Bugattifahr«r Hart- mann, H. Prinz zu L«ining«n, Burggaller, Graf Kalnein, Broschek, Graf Zichy, v. Morgen, weiterhin auch Kotte auf Maserati werden die Veranstaltung einem Höhepunkt entgegenführen. Eine von Siemens u. Halste erstellte Großlautsprecher- a n l a g e von riesigem Ausmaß wird dafür Sorge tragen, daß j«der Zuschauer ständig über den Stand des Rennens, über den Start, über Vorkommnisse auf der Bahn und in den Kurven usw. unterrichtet wird. Nicht weniger als 35 Großlautsprecher wurden zu diesem Zweck an den verschiedensten Stellen, bei den Pressetribünen, der Avusterrasse, in d«r Südschleife usw. aufgestellt. 15 Kilometer mißt der gesamte Leitungsweg für den Anschluß dieser Arbeitersportler! Am Sonntag, dem 2. August, beteiligen sieb alle Arbeitersportler an der Antikriegskundgebung der Sozialdemokratischen Partei Wir treffen uns alle um 13 Uhr am Stellplatz, hinter der Südkurve(Platz 1):: Beteiligung am Fahneneinmarsoh in Sportkleidung Umkleidemöglichkeit auf dem Sportplatz Lautsprecher. Der Sprecher an Mikrophon in der Nordkurve steht durch Fernsprechleitungen mit alle(r wichtigen Punkten der Bahn ständig in Verbindung. Um seiner Stimme den nötigen„Nach- druck" zu geben, ist eine Zentral« von sechs Verstärkern von je 200 Watt Leistung erforderlich, die sich aus zwei Großlautsprecher- autos und 4 ortsfesten Verstärkern zusammengesetzt. Eine Vorstellung von der Größe dieser Leistung kann man sich machen, wenn man bedenkt, daß ein Zimmerlautsprecher nur etwa 0,5 Watt aufnimmt. wieder Ringkämpfe im tunapark. Durch den außergewöhnlichen Erfolg des ersten Kampfabends angeregt, werden am isonntag im Lunapark wieder Berujs-Ringkämpfe ausgetragen. Den Haupt- kämpf bestreiten die Mittelgewichte Favre(Paris) und Kley(Berlin). Beginn 20.30 Uhr.» -ARBEimTUSSBALL Ausv ahlspiel am Sonnabend Im Mittelpunkt des Interesses steht das morgen Sonnabend stattfindende Auswahlspiel zweier Mannschaften des zweiten Bezirks. Das Spiel soll zur Ermittlung der besten Mann- schaft zu dem im September vorgesehenen Kampf gegen den dritten Bezirk beitragen. Die Mannschaften werden sich in folgender Auf- stellung gegenüberstehen: Mannschaft A: Späth (Pankani) Etcinhöfcl Poslc (Vorwärts)(Panlow) Klcincrt Mrkilbrrg Mrhldcrg (alle Äritzensec) Michael Rflstrr Seltrnhcii» Kohlmcner Schurr (Vorwärts)(Pankow)(WdKrnser)(©cmcuicc)(Adler 08) Äaczmarck Dörffcr Buttke Milllcr Sarins (Eintracht)(Eintracht)(Lehrer)(Eintracht)(Lehrer) Tinste Äuchcnbeckcr Paminerchn (Vorwärts)(Adler 08)(Adler 08) Linord Ndspoditiann (Zehdenick)(Eintracht) Mannschaft B: Schmidt (Eintracht) Dos Spiel, das auf dem städtischen Sportplatz in Pankow, Kissingen st raße, stattfindet, beginnt um 18 Uhr. Weitere Spiele: Friedenau gegen Osten. Schöneberg gegen Hansa 31 auf dem Dominikusplatz in Schönebcrg. Schöne- berg 2 gegen Hansa 2. isUUYuLbCUÜb Am Sonnabend, dem 1. August, spielt P r o l e s mit der 1. Männermannschaft gegen FTGB.- Norden 3. 2. Männer- Mannschaft um 1814 Uhr, und mit der Iugendmannschaft gegen Volkssport Neukölln aus dem Platz an der Bödickerstraße. FTGB.- Rosenthal 1. Männermannschaft hat Marwitz 1 um 19Z(! Uhr in Rosenthal, Hauptstraße, als Gegner. FTGB.-Friedenau und Freier Sportverein Fichte Jugend treffen sich um 18 Uhr in Friedenau. Homuthstraße. ZIadI»hr«r„Solidarität", vrt-gr-pp««rtlin. Geschäft sstoll«: R. Rothbotth. Derlin SW. 11, Schvnkderger Str. 17a. Touton filt Sonntag, 2. August. Allo von den Abteilungen für Sonntag festgelegten Touren fallen aus. Die Abteilungen beteiligen stch an der Anli.stricgskundgebung der SPD. nachmittags im Stadion Neukölln. Korsokleidung erwünscht. Am Dienstag, dem 4. August, 17% Uhr. im Poststadion, Lehrter Strasse.„Internationale Arbeiter-Sporttund. gebung". Die Abteilungen beteiligen sich auch hieran. Sitzungen der Abtei- lungen in der Woche vom ll. bis 8. August. Alle Sitzungen beginnen um 20 Uhr. 1. Abt. 7. August bei Rickert, Steininctzstr. 36a.— 2. Abt.: 5. August bei Lock, Schbnlcinstr. 6.— 3. Abt.: 5. August im Förster VemnsHaus, Forster Str. 0. — 6, Abt.: 6. August im Zelt, ftopenhageirer Str. 17.— 9. Abt.: 5. August bei Schreiber, Trifrstr. 63.— Abt. Friedrichshain(gemischte): 7. August bei Horn, gorndorfcr Str. 9.— Abt. Lichtenberg: 3. August bei Henkel, Sderstr. 18. — Abt. Neukölln: 6. August Kaiscr.Frictrick>.Str. 171—172.— Abt. Moabit: 6. August bei Schmidt, Wrclesstr. 17.— Wilmersdorf: 5. August bei Lau, Hilde. gardstr. 14.— Abt. Eharloitenburg: 7. August bei Reimer, Wilmcrsdorfer Strotze 21.— Abt. Schönebcrg: 5. August bei Ebert, Ebcrsstr. 18.— Steglitz- Lichterfeld-: 5. August bei Schul,. Birtbuschstr. 90.— Wcitzcnsee: 7. August bei Nagel, Pistoriusstr. 27.— Reinickendorf: 5. August bei Ncumann, Proorng- st ratze 108.— Abt. Altglienicke: 7. August bei.Zobian. Köpenicker Str. 3«.— Abi. Köpenick:«. Artgust bei Stippekohl, Schoncrlinder Str. ö.— Abt. Ober- fchöneweidc: 7. August bei Emmerich, Wilhelmincnhosstr. 64.— Abt. Treptow» Baumschulenweg: 4. August bei Marienlal, Vaumschulenstr. 64.— Abt. Souls» dorf: I. August bei Eschrich, AU-Kaulsdorf Ecke Dorfstratze.— Abt. Mohlsdorf: 8. August bei Anders, Vahrihofftr 37.— Abt. Tempelhof.Mariendorf: 7. August im Ratskeller. Königstr. 44.— Abt. Spandau: 11. August bei Vrrtrr, Bis» niarckstr..79. Abt. Wannfec: 8. August im Reichsadler, Königstr. 27. Au allen Sitzungen find Käste gern gesehen. Wofleesportoercin„Aratermtas".(Ausgeschiedene Gruppe des kouumi» nistischen BRV.„Freiheit".) Achtung, Citzungsänderung! Sitzungen ietzt jeden 1. und 3. Freitag im Monat. Nächste Sitzung am 7. August im„Falke Ufte in" (Oberdaumbrllcke). Aebeiter-Schiitzenbund, Ortsgruppe Berlin. Treffpunkt zur Auti-Krieqs» kundgebung am Sonntag um 13zh Uhr Oder. Ecke Warthestratze in Bundes. kleidung. Freie Schwimmer Grotz. Berlin c. V. Hauptausschutzsitzung Donnerstag, 6. August, 2g Uhr, Geschäftsstelle Elsässer Str. 86—88. FTGB., Bezirk Stidoft-Treptow. Alle Genossinnen und Genossen treffen sich zur Anti-Kriegskundgebung am Sanntag, dem 2. August, 13 Uhr, Wiener Brücke, Lohmichienstratze. Funktionär« erscheinen am Montag, dem 10. August, 20 Uhr, im Vertehreloial von Marauortt, Graetzstr. 28. Das Turnen beginnt fllr?r>gcndlich« am 14. August. Anschlietzend die anderen Abteilungen. Bezirlskartell Friedrichshain. Nächste Kartellsitzun« erst Montag, 33. August. 19H Uhr, Boxhagener Str. 114. So»ntag, 2. August. 1414 Uhr, trefen sich alle Kartellpcrcine mit Fahnen und Transparenten im Stadion Neukölln. Tennis-Not Grotz-Beilin. Tennis-Rot beteiligt sich geschlossen an der Anti» Kriegskundgcbung der Sozialdrmokratifchen Partei am kommenden Sonniag in Neukölln. Bon 11 bis 16 Uhr besteht auf allen Plätzen Spielverbot. Kleidung: Vereinsdrctz mit Schläger. Treffpunkt aller Abteilungen um 13>4 Ubr pllnkilich auf Platz 4 im Stadion Neukölln. U-Bahn, und Straßendahnoerbindung Hermann» Ecke Leine straße, Etadtdahn: Bahnhof Hermannfiratz«. Montag, 3. August, 2g Uhr, autzerardrntliche Funktionärkonkcrenz. Geschäftsstelle: Elsässer Strasse. Hamacher und Werner berichten über Olympia. Der Vorstand. H i f f Diktal 4er Zeil Vom 1.— 15. August kaufen Sie die stets zuverlässige Leineweber-Kleidung zu radikal gesenkten Preisen �ylneweber Q&vhapl ermann IMoslctr: Die Qeschicble der'Woche: T�ols'M.itpchen vom bösen gewissen Ernst K., Buchbaltcr einer Berliner Bank, unterschlug iin Laufe von Jahren seiner Firma etwa öl> 00!) Mark. Er arbeitete so geschickt, daß nie das Fehlen der Summe entdeckt wurde; erst kürzlich ereigneten sich merkwürdige Dinge, die den Betrüger beunruhigten. Nein; bei Ernst K. war das olles nicht so gegangen, wie es gemeinhin geht. Er hatte also nicht zunächst über seine Verhältnisse gelebt, solange, bis der Tag kam, der zu dem üblichen unüberlegten Grisf in die ftaste zwang; und er hatte infolgedessen auch kein ver- dächtiges Benehmen gezeigt, nicht vor der Tat und nicht nachher. Gewiß: auch ihm war der Wunsch eigen nach einem reicheren, besseren Leben, als das Gehalt gestatten wollte; der Wunsch nach einer größeren, besser eingerichteten Wohnung, der Wunsch nach Reisen, die ins Ausland und nicht bloß bis zum Wannsee führten, der Wunsch nach Ausgehabenden, bei denen man ausgeben konnte, ausgeben ohne Grenze und ohne Aufhören... Aber der Unter- schied zu den Tausenden, die diesen Wunsch ebenso stark fühlen und ihm erliegen, war doch groß und lag darin, daß er ihm nicht nach- gab, bevor er das Geld hatte; daß er vielmehr zunächst bei seinem bescheidenen Leben verharrte, es womöglich noch bescheidener ge- staltete, und so, ohne Beunruhigung durch Schulden und Aengste, die Mittel zur Beschaffung des Geldes scharf und gründlich durch- denken konnte. Somit vermochte er für seine Unterschlagungen diejenigen Zeitpunkte zu wählen, die am günstigsten waren, keine äußere Not diktierte ihm voreiliges Handeln; und somit gelangen seine Betrügereien auch und wurden nicht entdeckt. Doch begnügte er sich nicht mit dem Durchdenken seines Bsr- Haltens vor der Tat. Mindestens ebenso wichtig war, was nachher kam. Er hatte vorgesorgt, daß sein neuer Lebensstandard auch durch andere Borgänge, etwa unverhoffte Erbschaften und Lotteriegewmne, erklärlich wurde; als das erledigt war, blieb als Motiv für ein« Entdeckung nur noch ein Faktor, der im Unterschied zu den übrigen äußerer Beeinflussung nicht ausgesetzt war, und den nicht einmal ein starker Wille zu lenken vermochte(wie das etwa im Punkte der Schweigsamkeit der Fall war). Dieser eine, rein innerliche und fast schon mystische Faktor war das Gewissen. Ernst K. neigte durchaus nicht zur Innerlichkeit und Mystik; eben darum aber trat er dem Problem mit verdoppelter Vorsicht gegenüber; denn er war klug, und Klugsein heißt nicht so sehr: alles verstehen, als vielmehr: das, was man nicht versteht, darum nicht zu unterschätzen. So las er ausgiebig Kriminalromane, in denen bei der Entdeckung des Verbrechers fast immer das böse Gewissen eine Rolle spielte; er las auch psychologische Abhandlungen über das Problem der Schuld, obwohl ihm das Fachdeutsch zuweilen Mühe machte; und er unterzog sich sogar der Arbeit, Zeitungs- Nachrichten, die von Geständnissen aus Schuldbewußtsein zu berichten wußten, recherchierend nachzuprüfen. Der Schluß, den er nach ge- wissenhafter Durcharbeit der Bücher und Tatsachen ziehen konnte, beruhigte ihn: es gab kein„böses Gewissen". Bald war dies Ge- wissen ein wirren Menschen in Kinderzeiten eingebläutes Ammen- märchen, dem sie erlagen, weil sie nicht kühl und selbständig zu denken verstanden, bald ein Kniff geschäftstüchtiger Romanschrift- steller oder romantischer Dichtergemüter, bald eine auf die weibliche Leserschaft berechnete Zeitungsente. In Wahrheit wurden Ver- brecher durch alles möglich« überführt, nur nicht durch das Gewissen, war es schon einmal da, dann siegte es nicht eher über Selbst- erhaltungstrieb und Lebenslust als auf dem Totenbette; und bis dahin hatte es noch einmal gute Weile, denn Ernst K. war jung, und zum andern war es dann ja gleichgültig. Ernst K. also saß im Büro bescheiden vor seinen Büchern, saß zu Hause in seiner nunmehr luxuriösen Fünfzimmerwohnung, saß während der Ferien in feudalen Bädern und las in den Kriminal- spalten der Tageszeitungen wie in einem Witzblatt. Denn es gibt ja gar kein Gewissen. Nur in den letzten Wochen vor seinem diesjährigen Urlaub ereignete sich etwas, was Ernst K. auffiel. Das heißt, es war eigentlich gar kein Ereignis; es war überhaupt nichts eigentlich Erfaßbares; ober es mochte sich doch eben bemerkbar. Es gab da in der Bank einen kleinen Angestellten, einen jungen, hageren, etwas farblosen Menschen, der seine Pflichten nicht schlechter und nicht besser ausfüllte als die anderen kleinen Angestellten und ihm darum nie besonders ausgefallen war. Nun schien es ihm aber, als ob dieser Walter S. ihn seit einem nicht näher zu bestimmenden Tage fortgesetzt beobachtete. Das erstemal wurde ihm das deutlich, als Walter S. ihn fragte, wo er denn die Ferien zu verbringen gedenke. Es war darin nichts Außergewöhnliches, außer vielleicht dem Umstand, daß der sonst schüchterne, jüngere und ihm untergeordnete Angestellte das Wort zuerst an ihn richtete. Ernst K. nannte einen Ort, der billiger war als der, in den er tatsächlich reisen wollte; im gleichen Augenblick ärgerte ihn diese etwas übertrieben« Vorsicht; er gab sich«inen Ruck und fragte zurück:„Und Sie? Fahren Sie auch dahin?" Der andere lachte, wie ihm schien, zugleich ärgerlich und anzüglich:„Ich? Nee. Dazu habe ich kein Geld." Freilich konnte es auch nur der Neid des schlechter Besoldeten sein, mußte es sogar sein, denn die letzte Unter- schlagung lag lange zurück, und überdies hatte dieser untere An- gestellt« gar keine Möglichkeit, Buchungsding« zu übersehen oder überhaupt zu bemerken; immerhin entschloß sich K., wirklich nur in das von ihm angegebene Bad zu reisen und nicht in das ur- sprünglich vorgesehene. Er hatte dies Gespräch noch nicht vergessen, da ereignete sich ein zweiter, an sich ebenso belangloser Vorfall. Er pflegte mit seiner hübschen Frau, der er die wahre Quelle seines Wohlstandes selbst- verständlich verheimlicht hatte, ein sehr vornehmes Lokal im Berliner Westen wöchentlich ein- bis zweimal aufzusuchen. Eines Abends nun trat Walter S. durch die Drehtür hinein und ging durch die Tisch- reihen, als suche er jemanden, mit dem er oerabredet war. Er kam an K.s Tisch vorbei, überschaute die darauf befindlichen Luxus- speisen und Luxusgetränke, grüßte kurz und ging wieder hinaus. Was aber hatte dieser arme Junge in diesen» reichen Lokal zu suchen...? K. wurde so unruhig, daß sein« Frau es bemerkte, und brach bald auf; nach einer unruhigen Nacht beschloß er, den Stier bei den Hörnern zu packen. Er muhte Gewißheit haben, wenn auch eine Kenntnis seiner Verfehlungen für S. unmöglich war. Am nächsten Tag lud er Walter S. für den Sonnabendabend zu sich ein; der junge Mann nahm an(allerdings, wie Ernst K. zu bemerken glaubte, ohne jenes Gefühl des Ausgezeichnetseins, da» er nach Lag« der Dinge erwartet hatte) und kam. Er bewunderte die luxuriöse Wohnung, unterhielt die hübsche Frau K. etwas uu- beholfen und ließ sich das bescheiden gehaltene Essen gut schmecken. Beim Wein ließ K. ihn unter einem Vorwand ein paar Minuten mit seiner Frau allein. Als er, wenig später, gegangen war, fragte St. seine Frau: „Hat er irgend was Besonderes gesagt?"„Er hat sich über unsere Wohnung gefreut und gefragt, ob solche Möbel nicht recht teuer seien", antwortete sie arglos.„Und was hast du geantwortet?" erkundigte sich K. nervös.„Ich habe ihm von Deiner Erbschaft erzählt", sagte sie verwundert.„Ausgezeichnet!" gab K. zurück und rieb sich die Hände.„Warum ausgezeichnet?" meinte die Frau, noch mehr verwundert.„Na, so..." sagte ihr Mann verlegen, blieb aber beim Händereiben und war überzeugt, daß ein so sicheres Verhalten nur ein Mann zeigen konnte, der wußte, daß das Märchen vom Gewissen eben nur ein Märchen war... Immerhin: Gewißheit hatte K. nicht bekommen, und Gewißheit bekam er auch nicht. Walter S. schlich im Büro weiter um ihn herum und stellte, so schien es ihm, weiter verfängliche Fragen. Namentlich das Datum seines Urlaubsantritts, das sich ein paarmal verschob, schien S. zu interessieren. K. gab immer nervöser Aus- kunft und wurde schließlich immer schon blaß vor Erregung, wenn S. auf seinen Platz zukam; er redete ihn unwirsch an, etwa so:„Na, was haben Sie denn nun schon wieder zu fragen?", obwohl er wußte, wie fehlerhaft das war; es machte ihn rasend, daß der junge Mann immer freundlicher zu werden schien, je mürrischer K. sich gab, und er glaubte im Hintergrund von S.' Augen manchmal ein tückisches Aufleuchten zu entdecken. So begann er die Zeit seiner Ferien fieberhaft herbeizusehnen; nach vierwöchentlicher Erholung würde, so glaubte er, diese ekelhafte Nervosität schon vorüber sein. Endlich war es so weit. Aber eine Stunde, bevor er das Büro verließ, um gleich zum Bahnhof zu gehn, ließ sich Walter S. vom Prokuristen beurlauben— wie es K. schien, unter einem recht fadenscheinigen Vorwand. Diese letzte Stunde wurde ihm zur Hölle. Seine wild gewordenen Gedanken stellten die lächerlichsten Kom- binationen her, auf welche Weise S. wohl von seinen Unter- schlagungen erfahren haben könnte. Er wälzte irrsinnige Pläne; zum Beispiel wollte er S. stellen, einfach stellen, vor allen Kollegen: „Sie glauben, lieber S., ich hätte Geld unterschlagen. Ich weiß, daß Sie es glauben. Das ist eine Unverschämtheit, die ich mir verbitte!" Natürlich verwarf er solche Pläne in der nächsten Sekunde. Er war doch schließlich kein Gewissenssklave— er nicht! Er ertappte sich dabei, wie er das laut vor sich hinsagte. Die Kollegen blickten verwundert zu ihm herüber. Die Qual wurde unerträglich, die Stunde zu einem ganzen Jahr zerreißender, sinnloser und doch un- besieglicher Ungewißheit. Die Bürozeit war zu Ende. Er verabschiedete sich hastig, ließ sich zerstreut und schwitzend Glück wünschen und lief fast zum Bank» portal hinaus. Dort taumelte er. Vor ihm stand Walter S. mit einem Man:». der einen Ausweis vorzeigte.„Ich muß Sie bitten, mit mir noch einmal in die Bank zurückzukehren." K. lallte unverständlich- Worte. Der Kriminalbeamte sah ihn scharf an— und erkannte sofort, daß es hier das beste war, aufs Ganze zu gehen, der augenblick- lichen Verwirrung ein Geständnis zu entlocken.„Was haben Sie mit dem Geld gemacht?" fragte er scharfen Tones. K. suchte nach einem Halt und sagte, auf S. zeigend:„Der weiß es doch. Ich habe mir eine Fünfzimmerwohnung dafür getauft." „Das ist doch nicht möglich!" sagte der Beamte erstaunt— faßte sich aber rasch und fragte wieder:„Wieviel haben Sie denn gestohlen?" K. sah auf den Beamten, auf Walter S. Hier war nichts, gar nichts zu machen. „Neunzigtausend Mark", sagte er gehorsam und wahrhaftig... In dieser letzten Stunde, die K.s Schicksal entschied, war folgendes geschehen: Walter S. war zur Polizei gegangen und hatte angezeigt, daß ihm vor mehereren Wochen seine Briestasche mit etwa 230 Mark im Büro entwendet worden sei. Er habe niemandem etwas von dem Verlust gesagt, sondern habe auf eigene Faust seine Kollegen beobachtet. Hierbei sei ihm der unmäßige Aufwand K.s ausgefallen. K. reise jetzt in die Ferien— er bitte, ihn noch vorher zu verhören. „Sie haben sehr klug gehandelt!", hatte der Kommissar den jungen Mann gelobt— und dann war er gleich selbst mit ihm ge- gangen und hatte K. gestellt. Daß Ernst K. an dem Diebstahl der Brieftasche unschuldig war. stellte sich erst später heraus. K. brach im Gefängnis zusammen. „Am Gewissen", sagte er viel später zu seiner Frau,„am Ge- wissen ist dies das Schlimmste, daß es nicht in uns ist. Es ist unsichtbar, weil es ganz fremde Gestalt annimmt; aber es ist außer uns.. PL//? DEN KLEINGÄRTNER ■uumiiiuiuiuiuiiiiiuiiiuimiiiimiiiiiiiuiiiuimiuuiiiuiuiuuiiuiiuiüiiuuiuaiimmiiiuuiiuiuuuiuiiiiiuuiinnimiininmuiiiiiuiiiiiiuuiiiniMiiuuiiiiMiuiuuiiiiinniiiiiiimnuiiiiiiuieiiminiima Arbeitskalender für August Auch der August gehört zu den Monaten, in denen die Arbeit zum Vergnügen wird, denn es heißt ja nun, die vielen Früchte von Baum und Strauch und Gartenbeet zu ernten und selbsterzeugte Vorräte für den Winter anzulegen. Daneben darf die sorgfältig« Pflege des Gartens keine Unterbrechung erleiden; ganz besonders muß derjenige, welcher auf eine vorbildlich« Rasenfläche Wert legt, immer mit dem gleichen Eiser die Unterhallungsarbeiten aus- führen. Zum Schnitt des Rasens wählt man während der heißen Zeit möglichst eine regnerische, jedenfalls aber eine trübe und feuchte Witterung, damit der Rasen, geschnitten und seiner schützenden Decke durch die Halme beraubt, nicht ausbrennt und leere und kahle Flecken entstehen. Nach jeder Mahd sind die Rasenflächen mit einem stumpfen Besen abzukehren oder mit einem engzähnigen Rechen ab- zuHarken und danach zu walzen. Im Ziergarten stehen mm die messten der sommerblühenden Sträucher und der Blütenstauden, die ein- und zweijährigen Gewächse, in voller Ent- Wicklung und erfreuen uns durch ihren reichen Blütenflor. Auch die ersten Herb st blüher beginnen beretts ihre Pracht zu entfalten, wie z. B. Staudenaster, japanische Anemonen, Edeldahlien, Gladiolen, Solidago, Tritoma, Helenium u. a. m. Die"reifen Blumensamen der bereits abgeblühten Stauden werden von Zeit zu Zeit ab- genommen, nachgetrocknet, gereinigt und in Tüten aufbewahrt. Dabei vergesse man beileibe nicht, die Samentüten sofort zu b e- schriften, einmal vergessen, ist es zu spät. Viele Samen ähneln einander derart, daß man sie im nächsten Frühjahr nicht mehr aus- einanderhalten kann und sie dadurch unter Umständen nicht zu ver- wenden sind. Jetzt ist auch die Zeit gekommen, in der man die Frühlings blüher in den Staudenbeeten, wie?rimula, BaIHs, Viola cornuta, doronicum, Federnelken, Phlox cana- densis, Enzian u. a. durch Tellung vermehren sollte. Man nimmt die Pflanze vorsichtig heraus, teilt sie und pflanzt sie in guten, nahr- haften Gortenboden um. Läßt man solche Pflanzen mehrere Jahre ungeteilt stchen, so lassen sie nicht nur in der Blühwilligkeit nach, sondern gehen nach und nach ein. Auch Zwiebelgewächse, wie Lilien, Narzissen, Crocus, Skills usw. sind alle zwei bis drei Jahre nach dem Einziehen auf andere Stellen umzupflanzen. Die von größeren Zwiebeln abgelösten Brutzwiebeln steckt man einzeln je auf einige Zentimeter Entfernung und nach Sorten geordnet auf ein gut gelockertes Gartenbeet, bis sie blühbar geworden sind. Wie wir im Ziergarten für unsere Arbeit durch die mannigfache Farbigkeit der Blütengewächse vollauf belohnt werden, liefert uns auch der Gemüsegarten in reichlicher Auswahl seine Schätze für die Küche. Neben den vielen Gemüsesorten reifen die Tomaten, Gurken, Zwiebeln und die ersten Blumenkohlrosen. Wassermelonen werden zum Verspeisen nur vollreif abgenommen; man erkennt ihre vollständige Reife an dem aromatischen Geruch und an der satten Färbung der Früchte, die sich von den Stielen nun leicht abnehmen lassen. Um ganz sicher zu gehen, muß man sie zwischen den Händen stark drücken und nahe ans Ohr halten; hört man ein ziemlich starkes Knistern, so sind die Früchte erntereif. Auf die völlige Reif« ist gerade bei den Melonen besonders zu achten, da sie unreif abgenommen ohne jeden Geschmack und obendrein noch hart sind. Die halbausgewachsenen, noch grünen Früchte der Trauben- und anderer kleiner Gurken werden abgenommen und als Essig-, Pfeffer-, Salz- und Gewürzgurken ein- gelegt: für Senfgurken verwendet man nur reif« Früchte. Daneben denkt man auch an die Samengewinnung, zeichnet die schönsten Gurken aus und läßt sie überreif werden. Abgenommen bleiben sie zur Nachreife noch einige Tage an einer trockenen und lustigen Stelle liegen. Während guter und trockener Witterung nimmt man die frühen und mittelfrühen Kartoffeln heraus, läßt sie tagsüber auf dem Felde liegend, gut abtrocknen und verwahrt sie in luftigen Kellern, anfänglich einzeln auseinandergelegt, da sie sich in der heißen Sommerzeit leicht erhitzen und dann in Fäulnis ubergehen. G e- würz- und Arzneikräuter müssen in diesen» Monat das letztemal geschnitten werden, damit sie sich noch u>ährerld des Herbstes wieder erholen und buschig und kräftig werden. Das abgeschnitten« Kraut wird im Schatten getrocknet und dann in wohlverschlossenen Kisten ausbewahrt. Die Tomaten köpft man jetzt, um weiteres Blühen zu verhiirdern urrd das Reifen der Früchte zu fördern. Uin Karotten, bzw. Möhren schon rechtzeitig im Frühjahr zu erhalten, macht man spätestens Anfang dieses Monats eine Aussaat, dünnt die jungen Pflanzen frühzeitig aus und überdeckt bei Eintrüt ernsten Frostes das Beeb mit einer hohen Lage Laub, Streu oder Torfntull. Das um diese Zeit in den Gemüsegärten häusig aus- geführte Abblatten von großen Planzen des Blumen- und Kopfkohls, Kohlrabis, Selleris usw. ist für das Wachstum und die Ausbildung dieser Gewächse von den nachteiligsten Folgen begleitet urid deshalb unbedingt zu unterlassen.— Bei Busch-, Stangen-, Garten- und Puffbohnen, Auckererbsen und dergleichen werden die nun ausreisen- den Hülsen von Zeit zu Zeit abgebrochen und geerntet. Stangen- bohnen, welche trotz der Reife der meisten und schönsten Hülsen noch fortwährend blühen und junge Früchte ansetzen, zieht man etivas aus dem Boden, um dadurch das Wachstum zu stören und die Nachreife der Hülsen zu fördern. Im Obstgarten düngt man Mitte des Monats auch die Obstbäume im Umkreis der Kvone mit gut vergorener und reichlich mit Wasser verdünnter Mist- jauche: diese Düngung wirkt aus die Ausbildung der Früchte ungemein günstig. Die im vergangenen Herbst und Frühling an- gepflanzten jungen hochstämmigen Obstbau ine sind sorgsam zu beobachten; alle Wurzelausschläge und die Wildtriebe,»velche am Stamm unterhalb der Krone erscheinen, auch unerwünschte Wasser- schösse sind zeitig zu entfernen: die Erde unter den Bäumen ist locker und unkrautfrei zu halten. Die Neu anlöge von Erdbeerbeeten ist im vormonatlichen Arbeitskalender bereits besprochen worden und darin bis Mitte September fortgesetzt werden. Nach dem Abernten der Himbeeren schneidet man die Fruchttriebe, welche gettagen haben, am Wurzelstock der Pflanzen ab und heftet nach Bedarf die »vähtend des Sommers entstandenen Triebe an das Spalier, bzw. den Pfahl an. In gleicher Weise wird mit den Brombeeren verfahren. Auch im Obstgarten ist die Arbeit ein Vergnügen, denn die Haupternte der Beerenfrüchte, Spätkirschen und der ersten Pflaumen, Sonrmeräpfel»md-birnen ist gekommen. II. Fr. Pohlenz. e Buch „Wochenende" In der höchst vielseitigen, mannigfach anregenden Serie„Schau- bücher" des Orell-Fllßli Verlages(herausgegeben von Dr. Emil S ch a e f e r) ist ein Bändchen über„Wochenende" erschienen.') Die ansprechende Form dieser Anschauungsbücher: knappe Einleitung, als Hauptteil viele klug ausgewählte und gut aufgenommene Ab- bildungen zum Thema, jedes durch eine kurze Anmerkung erläutert— trifft sich hier sehr glücklich mit den Wünschen wohl jeden Lesers, über Möglichkeiten des Wochenendaufenthaltes orientiert zu werden. Adolf Behne, bekannt als einer der ersten Vorkän»pf-r für Neuzeit- liches Wohnen, führt uns von Strandbad und einfachem Zelt über Schreberlauben und Autowohnwagen(glückliche Amerikaver!) bis zum Hausboot und richtigen Wochenendhaus, von denen uns die Bei- spiele Max Tauts und Klaus Hoffmanns„Kleiner Christoph" al» kleinste und erschwinglichste Möglichkeit am besten gefallen. Die großen Häuschen oder gar die Ferien- und Ski-Bauden für die Jugend sind natürlich hochwillkommen, sie leiten aber schon zu einem anderen Typus des Landheims über. Alles in allem ein erquick» liches und unterhaltendes Büchlein. Paul F. Schmidt. *)„Wochenende"— und was man dazu braucht. 71 Bilder ein- §-leitet und erläutert von Dr. Adolf Behne. Schaubücher 2E. jürich-Leipzig, Orell-Füßsi Verlag 1931. (Beilage Freitag, 3<. Juli 193! Opräbpträ Sfuz/aui&xße Jt* lervtarü Der Mensch in der Krise SÄÄ«i£e" Niemals Hab« ich das Berliner Balk so viel über auswärtige Politik sprechen hören, und zwar keineswegs im plumpen Wirtshaus siil(Frankreich muß... England wird... Amerika kann nicht...), sondern nachdenklich, forschend, mit dem ehrlichen Wunsch, den -Dingen auf den Grund zu gehen, mit dem intensiven Gefühl, daß wir alle betroffen sind. Gleichgültig« sprechen davon, die sich sonst nur„um ihr« eigenen Angelegenheiten kümmern", und sogar germanistisch Eingestellte, alles Fremdländische Verpönende, die mir sagen, ich sei kein rechter Deutscher, weil ich das Wort„Pardon" gebrauche: mitten in den Alltag des Erwerbslebens ist die aus- wärtige Frage hineingeplatzt: Mensch, sind« dich zurecht! Ja, natürlich, wir hallen uns mit Frankreich verständigen wollen: das würde so nach und nach von selbst kommen, dachten wir, eine Frag« der Zeit, die Einsicht kann nicht ausbleiben: denn der Zankapfel, dos Elsaß, wir haben real und ideell und definitiv darauf verzichtet, wir wollen nur feste und faire Grenzen und unser Deutschtum und unsere deutsche Arbeit, alles wird sich zum Besten wenden— ja, aber: das hätten wir uns nicht träumen lassen, daß wir uns von heute auf morgen mit Frank- reich verständigen sollen, jetzt plötzlich, als ein Gebot momentaner Notwendigkeit— Mensch, willst du oder willst du nicht? Das Leben war schon schwer, der Verdienst karg, die Arbeit hart und rar genug, aber es ging so gerade, man lebte so halb auf Kredit der Hoffnung auf bessere Zeiten: da stockte auf einmal das Rädergetriebe, man fühlte den Boden unter sich wanken, man hotte das Gefühl, sich anhalten zu müssen: was gibt es noch irgend- wie Festes, Unumstößliches?... Die wir aus schlechtem Geschäfts- gang und Vorsicht Pessimisten geworden waren, die positive Ein- stellung unserer Natur, der Instinkt einer kerngesunden, rigorosen Rasse zwang uns jetzt einen neuen Optimismus ab, denn Kops- hängenlasser, Miesmacher, Fatalisten sind wir nimmermehr. Also: vielleicht hat die Finanzkrise dos eine Gute, jagt man sich, daß man jetzt zwangsläufig die äußere Lage bereinigen und sich zu- sommen an den rielgenannten„runden" Tisch setzen muß: mir geht es schlecht, Nachbar, ich bin bereit, dies und das zu tun, bloß schneid mir nicht gleich ein Stück Fleisch aus dem Leibe. Und kon- ferieren nicht tatsächlich Männer aus dem Volke mitsammen, be- rufen« Leute, die Not aus der Welt zu schaffen? Da ist dieser Fran- zos«, ein Bolksdiplomat, wie das neugeprägte Wort heißt, der geradeheraus ist, unumwunden.„Wenn imnier Sie eine gute Idee haben, lassen Sic mich es nur wissen", sagte er unserem Kanzler zum Abschied. Als es dann nichts wurde... ... als es dann doch nichts geworden, allerhand Ecken und Kanten am„runden" Tische zum Vorschein kamen— man muß i�ich in Geduld fassen, Mensch, und ach, den Leibriemen wieder �tjvas enger schnüren. Aber— es wird wirklich nichts verabsäumt, die Räder wieder ins Rollen zu bringen— da ist ja noch dieser sclk-maäe-Politiker aus dem schottischen Dorse Losfiemonth, zu dem wir fuhren und der jetzt unser Gast gewesen ist, ein Friedens- und Menschenfreund, der sich selber oft den Leibriemen enger zusammenschnüren mußte auf seinem Werdegong(welcher sich wie eine Dickenssche Brave- Jungen-Geschichte liest), der selber einmal, weil« r uns den Krieg nicht erklären wollte, die ganze Welt gegen sich hatte, und der durch sein« unerschütterliche Ueberzeugung und seine Festigkeit die Welt zu seiner, der sozialen Ansicht, bezwunger» hat. Dessen anerkennende Worte über Deutschland im hintersten kanadischen Blockhaus, in der verlorensten australischen Wellblechhülle einen Widerhall finden werden, und dessen Anwesenheit und Willkommensein auf deutschem Boden vor allem bei seinen Volksgenossen, bei denen sich ohnedies der Gesinnungsumschwung vollzogen hatte, bleibeichen Eindruck hinterlassen wird. Es ist alles in gute Bahnen gelenkt: es ist gar nicht aus- zudenken, was daraus einmal werden wird. Einmal! -> Aber zuerst dachte man doch, jede Stunde könnte eine glück- liche Lösung bringen, man drängte sich zu den Zeitungsständer», horchte bei den Radioberichten mehr als bei den Lieblingsschlagern auf— uird die Stunden ziehen sich, Tage und Wochen fließen in die Ewigkeit: die Lösung— die Lösung müssen wir aus eigener Kraft Vollzieher», zumindest muß sie damit beginnen, heißt es... Mensch, fasse dich! Es ist nicht so, daß irgendwo ein Goldquell für uns springt, und der Tüchtige wieder freie Bahn hat, die Wirt- jchast wieder„angekurbelt" wird, wie ein schrecklicher Ausdruck lautet. So ist es nicht. Mensch! Man muß wiederum... Ja, natürlich nicht! Jetzt lernen wir, die wir uns-immer nur mit kleinen Anleihen beschäftigten, die wir„unterbrachten", oder die bei uns untergebracht wurde!», uns mit dem Wesen der inter- nationalen Bankan!eih«n vertraut machen. Das Bankwesen ist eine gewiß nützliche und ersprießliche Wissenschaft, in der uns wie in der äußeren Politik unsere englischen Vettern individuell und tollet- tlv überlegen sind, und ohne zwingenden Anlaß würden wir ui»s kaum so eingehend damit beschäftigen. Es ist«inleuchtend, daß um Kredit zu erholten wir uns vor allem als kreditfähige Leute zu benehmen haben, ruhig, zielbewußt, vertrauensvoll in die Zukunft blickend(trotz des immer enger werdenden Leibriemens), entschlossen, unsere Sache auf uns zu stellen, wie der gut« Stirner zu sagen pflegte. Es ist ein tragischer Zug im Einzel- sowie im Staatsleben, daß wir Menschen dann, wen» die Not am größten ist, daß wir dann, ehe die Abhilfe kommt, aus die wir brennen, als Borbedingung dann plötzlich noch lernen oder umlernen müssen— es ist außerordentlich tragisch, ober es ist so, ist immer so gewesen. Mensch, was willst du da machen! Ja, natürlich, man muß wiederum und erst recht seine Kräfte anspannen, muß unter Schwierigkeiten nicht„weiterwurschteln", wie man in Wien sagt und tut, sondern weiterwirtschaften, arbeiten und haushalten, immerzu unverdrossen weiter, trotz Not und den leider notwendigen Notverordnungen, trotz immer weiteren Abknapsens am Notwendigen. Kops hoch, Mensch. Ja, natürlich! Aber, eines, finde ich, muß nun denn doch diesem Volk gesagt werden, was ci»glisch« und amerikanische Männer und Frauen mir gegenüber so ost zum Ausdruck gebracht haben:„Wir haben eine restlose Bewunderung für den deutschen Arbeiter", so hörte ich's Dutzende Male. Für das Riefenmaß an Geduld und Ausdauer und Arbeitswillen(soll das heißen), trotz oller Schicksalsschläge, trotz aller Sorgen, trotz aller Abzüge und einer Welt von Hindernissen, die sich ihn» wieder und wieder in den Weg stellen, um endlich «imnol zu dem heiteren, unter keinem Druck stehenden Dasein des Nachbarn zu gelangen. In der Tot ist diese schon Jahr um Jahr gegen Tod und Teufel kämpfende wirtschaftliche Tapferkeit und Lebenstüchtigkeit des deut- schen arbeitenden Menschen von außen gesehen und ohne Neid gs- sehen, ganz einfach heroisch. Sie wiegt alles, was man am Deutschen bemängeln und bekritteln kann, so sehr auf, daß die damit beschwerte Waagschale tief hinabsinkt, bei allem, was man auf die andere hin- legen mag. Ich glaube, daß man dem hart arbeitenden Deutschland, dem man so wenig Trost zu bieten vermag, gar nicht oft und laut genug sagen kann, daß sein Weg ein heldenhafter ist. Das Schmerzlichste... Das ist ja das Schmerzlichst«: wir wollen eine neue Welt auf- bauen, neue Lebensgestaltungen sprießen in uns empor, ein neuer Wille, ein guter Glaube— und diese psychischen wie physischen Kräfte liegen zum Teil brach, zum anderen Teil« können sie sich nicht entfalten. Wir bitten diese Welt, uns zu helfen, diesem selben Deutschland, das doch der Welt etwas geben könnte. Das ist das Tragikomische an der Sache. Deswegen lächeln wir auch mitunter ein wenig in unserer Not. Weil wir dos Gefühl haben, daß uns «in ungerechtes Schicksal trifft. Da sind ältere Kulturen, im Westen von uns. Wir ehren sie und studieren sie, aber wir wollen etwas Neues. Eine neue Welt wollen wir aufbauen, nicht wie jene neue Welt, die über dem Wasser liegt, nicht ein mechanistisches Amerika, sondern vielleicht eher ein verinnerlichtes spirituelles, soziales „Amerika". Wieviel gibt es nicht von sogenannten„Bewegungen" in diesem jungen Deutschland! Was in U. S. A. ein äußeres System wird, bei uns wird es eine stilisierte, praktisch durchgeführt« Welt- anschauung. Was wollen wir nicht alles, seitdem wir nicht mehr Krieg führen wollen. Alle paar Monate entdecke ich neue Fachzeit- schriften, irgendeine neue Welt aufzeigend, an der gebaut wird— von der ich gor nichts ahnte— und überall fehlt es nur an einem zur Entwicklung— Geld.„Amerikas Glaube an Deutschland" heißt ein neues, allerdings auch schon gleich wieder heftig um- strittenes Buch, in dem auf alle Fälle die ganze Krise vorausgesagt wurde. Da liegt auch auf alle Fälle der Weg zur Heilung. Man muh an uns glauben. W i r müssen an uns glauben, aus daß man an uns glaubt. Berliner Portäts IL Folge: Menschen, denen wir alle Tage begegnen 1. Frau Ly. In ihrer Geburtsurkunde steht: Elisabeth. Sie nennt sich Ly, weil das angeblich besser klingt. Innerhalb ihres Bekanntenkreises gilt sie für eine Schönheit.(Auf einem Ball hat ihr mal jemand gesagt:„Wenn S i e zum Film gingen... Sie würden bestimmt die Dagover in den Schatten stellen!) Frau Ly weiß, daß sie gut aussieht und dementsprechend Eindruck auf Männer macht. Aber sie ist eine verständige Frau. Ihr Mann ist Angestellter in einem Exportgeschäft. Er vec- dient nach allen Abzügen 215 Mark im Monat. Die Miete für die 1 i4-Zimmcrwohnung beträgt 63 Mark, 100 Mark entfallen aus Essen, 62 Mark bleiben für Kleidung, Fahrgeld und Sonderaus- gaben. Frau Ly hat ihren Mann aus Liebe geheiratet. Die Eh« be- steht ein Jahr. Sie ist glücklich. Aber— Frau Ly sinnt, wie die Einkünfte verbessert werden könnten. Ihr Mann wird(wenn die Wirtschaftskrise nachläßt) in zwei Iahren aufrücken und 25 Mark mehr verdienen. Ueber ein Gehalt von 350 Mark wird er schwerlich hinauskommen, in zehn Jahren nicht, und wenn auch Hochkonjunktur wäre. Frau Ly war früher Steno- typistin. Als sie heiratete, wurde sie entlasten, weil die(sonst tu- lante) Firma keine Doppelverdiener beschäftigt. Manchmal denkt Frau Ly, daß die Ehe doch eine Strafe sei... Man hätte so zu- sammenleben sollen... Eines Tages trifft Frau Ly Herrn Richelsen, den sie mal irgendwo kennengelernt hat. Herr Richelsen ist seines Zeichens Kunstphotograph. Er ist sehr erfreut, Frau Ly zu sehen. Er macht ihr tausend Kompliment«. Frau Ly hört sich das an und lächelt. „Wissen Sie," sagt Herr Richelsen,„Sie müßten mir mal Modell stehen. Was meinen Sie wohl, was die„Illustrierte" für ein Photo zahlt—!" Frau Ly hat das wohl gehört— ober sie hat kein richtiges Zutrauen zu der Sache(auch nicht zu Herrn Richelsen) und verab- schiedet sich kurz. Nach einiger Zeit muß Frau Ly ihrem Mann ein Geständnis machen: sie erwartet Mutterfreuden. Der Mann verbirgt seinen Schreck, schließt seine Frau in die Arme und küßt sie zärtlich. Das Kind wird geboren. Der Vater bekommt einen Vermerk im Steuer- register, demzufolge er eine Steuerermäßigung erhält. Weiter nichts. Die Entbindung hat Geld gekostet. Es sind Schulden gemacht worden. Man muß sich einschränken. Frau Ly überlegt. Und geht zu Herrn Richelsen. Der ist nicht überrascht. 5)ört teilnahmsvoll zu.„Wir werden sehen, was sich inachen läßt", sagt er. Frau Ly muß sich aus einen Divan setzen. Richelsen schwatzt und photographiert(ohne Platten in die Kassette zu legen):„...mit diesen Aufnahmen ist noch kein Geld zu verdienen, aber—; für ganz große Kunst, dafür wird gut gezahlt!" So nach und noch rückt er damit heraus, was er unter „ganz großer Kunst" versteht. Und schließlich läßt sich Frau Ly be- wegen, ihr Kleid auszuziehen und einen Schal umzutun. Richelsen macht eine Ausnahme von ihr und ist für's erste zufrieden. Frau Ly soll am nächsten Tage wiederkommen und— wenn die Aufnahme gelungen ist— einen Vorschuß haben. Am nächsten Tage geht Frau Ly wieder zu Herrn Richelsen. Er ist hart wie Stein. Einen Vorschuß will er nicht zahlen. Aber er wird deutlich:„Meinen Sie, daß ich für dies hier Abnehmer finde—? Rein. Da müssen wir schon andere Sachen bringen!" Und er zeigt ihr Bilder, die Frau Ly entsetzt auf den Tisch wirft. Sie geht. Frau Ly sitzt neben uns in der U-Bahn, wir sehen sie auf der Straße, wir treffen sie überall in tausendfacher Auflage. Hübsch (und doch nicht hübsch genug, um Karriere zu machen), nett ge- kleidet, sind sie wie zur Freude geschassen— und dennoch, wenn wir gut beobachten: ein Schleier müder Resignation liegt auf ihren Gesichtern und beeinträchtigt deren Schönheit. Das Schicksal der Frau Ly ist das ungezählter anderer Frauen, die nach ähnlichen, nicht größeren Enttäuschungen in den Schlamm der Großstadt sanken. 2. Kollege„T r o ck e n b r o t". Der junge Adam ist Expedient in einem angesehenen Handels- haus. Er ist ein hochaufgeschossener, blasser, schmalbrüstiger junger Mann von etwa 23 Iahren. Er kleidet sich einfach aber sauber und sieht nett aus. Sein Wesen ist angenehm und bescheiden. Er verdient 122 Mark netto monatlich und davon leben seine Mutter. eine jüngere Schwester und er. Die Mutter ist alt und kann nicht mehr arbeiten, die Schwester ist Lehrfräulein und verbraucht ihr Taschengeld für Monatskarte und Verbandsbeitrag. Obgleich der junge Adam der Haupternährer der Familie ist, hat er sozusagen gar nicht» von seinem Leben. Seine Freizeit be- nutzt er, um die vom Zentraloerband der Angestellten eingerichteten Forchildungskurse zu besuchen. Seine Sonntagserholung besteht in einem Spaziergang mit der Schwester. Der junge Adam lernt eines Tages ein junges Mädchen kennen und verliebt sich in sie. Jetzt macht er mit dem Mädchen allsonntags Ausflüge und oerbringt seine Abende zuweilen in der Familie des Mädchens. Der junge Adam kann seiner Braut nicht viel bieten. Besser: gar nichts. Aber darauf kommt es dem Mädchen auch nicht an, denn sie hat ihn gern. Ihre Eltern sehen die Verbindung nicht ungern, weil der junge Adam so höflich und bescheiden ist. Aber: „Wie denken Sie sich die Zukunft?" fragt die Schwiegermutter in spe eines Abends. Ja, wie denkt er sich die Zukunft? Darüber hat er wohl schon gegrübelt, aber er hat den Gedanken daran wieder verscheucht. Nun, man muß etwas unternehmen! Am nächsten Tage läßt der junge Adam sich beim Chef an- melden. Er wird in dessen Privatkontor geführt. Der Chef ist keineswegs ein an dicker Importe saugender unnahbarer, hinter respekteinflößendem Schreibtisch thronender Machthaber. Er besitzt gute Umgangsformen, ist sehr liebenswürdig und hält sich was dar- auf zugute, daß er auch den geringsten Angestellten wie seines- gleichen behandelt. Adam muß Platz nehmen, der Chef bietet ihm ein« von seinen Zigaretten an. Und während der junge Adam vor- erst stockend, durch.die Eleganz seiner Umgebung befangen, und nachher freimütig seine Lebensumstände auseinandersetzt und die Bitte um Gehaltsaufbesserung vorbringt, betrachtet der Chef wohl- gefällig feine schmalen, rassigen Hände. Er hört sich alles teil- nahmsvoll an und verspricht, mit dem Prokuristen reden zu wollen. Der junge Adam ist mit seinem Erfolg zufrieden und berichtet seiner Braut. Die Braut sagt:„Es wird schon werden", und Adam schmic- det Zukunftspläne. Nach vier Wochen ist alles genau dasselbe. Adam läßt sich wieder beim Chef melden und wird wieder freundlich empfangen. Der Chef setzt ihm(sehr fteundlchastlich) auseinander, daß er keine Zulage bewilligen könne. Der Chef ist direkt betrübt, daß er nichts bewilligen kann. Das Telephon schrillt. Der Chef gibt mit seiner nichtssagenden, betont freundlichen Stimme seiner Bank Auftrag, für 40 000 Mark Kunstseideaktien abzustoßen. Er notiert: 12 Punkte gestiegen. Macht 4800 Mark Verdienst. So macht man Geld! Der junge Adam schleicht nach stummem Gruß niedergeschlagen hinaus. Es bleibt alles, wie es vorher war. Nur: der junge Adam hat zu Ende des Monats oft nur trocken Brot zum Frühstück. Weil er doch seiner Braut auch einmal ab und zu ein bescheidenes Ver- gnügen bereiten muß. Irgend jemand bringt in häßlichem Scherz den Namen auf, den er wahrscheinlich nie verlieren wird:„Kollege Trocken-Drot." Jeden Nachmittag, etwa um die vierte Stunde, können wir die „Trocken-Brots" Straßenbahnen, Autobusse und U-Bahnen füllen sehen. Sie sind bescheiden aber sauber gekleidet. Ihre Augen leuch- ten, weil sie des Tages Last und Arbeit hinter sich hoben. Sonn- tags sitzen sie mit ihrem Mädel stundenlang bei einem Bier in den verschiedenen Ausflugslokalen. Manchmal zieht dann«ine Wolke über ihr sonst fröhliches Gesicht. Das ist, wenn sie an die Aussichtslosigkeit ihrer Lage denken. Lricl» Preussc.