Morgenausgabe Nr. 355 A 129 4S.Zahrgang WSchentNch 85 monatlich 3.60 3Ä im voraus zahlbar. Postbezug 4,32 M. einschließlich 60Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands- obonnement 6.— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen» porto 5.— M. De?„Vorwärts� erscheint wochentäg« lich zweimal. Sonntags und Montag» einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„De? Abend" Illustrierte Beilage„Volk und Zeit". Ferner„Frauenstimme". �Technik"„Blick in die Bücherwelt". .Ougend'Vorwam-u.»Stadcheilage� Berliner Sottsblatt Sonnabend 1. August 1931 Groß-Äerlin 1© pf. Auswärts 15 pf. Die einfpalt. Nonparetllezeile 80 Pf. Reklamezeile 5.— RM.„Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Worte), sedes weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Tarif. Stellengesuche das erste Wort IS Pf.» jede» weitere Wort lü Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien- anzeigen Zeile 40Pf. Anzeigenannahm» im Hauptgeschäft Lindenstraße 3. wachen- täglich von 8�/z bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht de» Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor l Zenteatssgan de« Gozialdsmosratischen Oavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernspr.! Dönhoff(A 7) 292—297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwäris-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: BerlinZ? WS.— Bankkonto: BankderArbcitcr, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3. Dt. B. u.Disc.-Ges., Depositcnk., Jerusalcmer Str. 65I6'X Genossinnen unö Genossen! Oer Kufrus des parteioorstandes und Parteiausschusses der Sozialdemokratischen Partei an das deutsche Volk hat gewaltigen Widerhall gefunden, vie bankerotten wtrtschaftsführer setzten sich erbittert gegen die Aufdeckung ihrer Schuld zur wehr, aber aus ihrer Abwehr spricht die Sprache des schlechten Gewissens, vie Illusion ist zerstört, datz die Unternehmer im Kunde mit den Rechtsparteien, mit Uationalsozialisten und Stahlhelm Deutschland..herrlichen Seiten" cntgegenführen könnten, vie nackte Existenz der Arbeiter, Angestellten, Beamten und des gesamten Mittelstandes ist bedroht. An sie alle ergeht unser Ruf: Jene haben euch belogen und betrogen. Schasst uns! öie Mehrheit! Der Bankerott der kapitalistischen wirtschaftsführer ist auch der Bankerott der nationalsozialistischen Partei. Mit der Lüge von der„marxistischen Mißwirtschaft" ist die Lüge vom Sozialismus der Hitler-Partei zusammengebrochen, vie Lotterwirtschaft der Lahusen und Genossen ist der„Sozialismus" der Nazis, veshalb schweigen sie über das ungeheuerliche Wirtschaftsverbrechen nordwolle, über den Kapitaliftischen Riesenskandal, von dem die Bankkrise. die Schließung der Banken und Sparkassen, die Serstärung der Snfangswirkungen des hoover-planes, die Vernichtung der Aussichten auf eine Lösung der Krise ausgegangen ist. Sie schweigen! Sie müssen schweigen, denn die Schuldigen sind ihre Geld- und Auftraggeber. Sie haben Hitler gestützt und finanziert. Sie schürten das Jeuer des Kufstandes, um ihre Schulden, den vorausgesehenen nahenden Bankerott durch den allgemeinen Zusammenbruch zu verdecken und sich durch die Vernichtung der demokratischen volksrechte der Kritik und der Verantwortung zu entziehen. vie Katastrophentreiber in veutjchland. ote Hitler-Partei und der Stahlhelm, dle Partei hugenbergs, kaiserliche Generale und hohenzollernprinzen, politische Abenteurer, nationa- listischo Schreier. Großindustrielle und ostelbische Junker wollen einen neuen Ansturm gegen die Stellung der Sozialdemokratie, gegen die republikanische Regierung Preußen unternehmen! Sie wollen in Preußen wieder herrschen, wie zur Zeit des vreiklassensystems. Ihnen leisten die Kommunisten Zutreiberdienste aus ohnmächtigem haß gegen die Sozialdemokratie. Sie gehen Hand in Hand mit den schlimmsten Feinden der Arbeiterschaft. So machen sie ihre Parole zur Wahrheit:„Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft". Kommunisten, Nazi, hugenberg und Stahlhelm in einer Front— darauf gibt es nur eine Antwort: Schasst uns öle Mehrheit! Genossen! Jetzt ist es Zeit, zu den Arbeitern zu sprechen, die noch außerhalb unserer Reihen stehen, zu den Bevölkerungskreisen, die den Lockungen des nationalismus gefolgt sind, heute haben sie die Folgen vor Kugen, die der nationalistische Wahlsieg vom 14. September 1YZ0 über veutschland gebracht hat: das durch den Bankerott der kapitalistischen wirtschaftsführer aus tausend Wunden blutende Volk. An diese alle ergeht jetzt unser Ruf, sie zu gewinnen für den Sozialismus. Jetzt gilt es aber auch, den kommunistischen Arbeitern zu zeigen, wie verderblich die Existenz und die Politik der Kommunistischen Partei auf die Stellung und die Macht der deutschen klassenbewußten Arbeiterschaft einwirkt. Im Augenblick, wo die Schuld der kapitalistischen Führer riesengroß vor dem deutschen Volke steht, wo der Hitler-Partei die sozialistische Maske vom Gesicht gerissen ist, wo die Illusionen der von den National- sozialisten gefangenen Arbeiter zusammenbrechen, will die kommunistische Führung den Scharfmachern und Junkern, den hohenzollernprinzen und Industriebaronen die Arbeiter- schaft als Hilfstruppe zuführen. vie deutsche Sozialdemokratie tritt diesem Irrsinn und dieser Schande entgegen und ruft euch zu: Schasst ans öie Mehrheit! Genossen! Ueberall, wo ihr mit kommunistischen Arbeitern zusammenkommt, müßt ihr diesen niederträchtigen Streich gegen die deutsche Arbeiterbewegung brandmarken! Jetzt muß unser werbefeldzug den Höhepunkt erreichen, jetzt gilt es, ihn zu politischer Wirkung zu bringen! wir rufen zur Ilmkehr von den verhängnisvollen wegen, die seit dem 14. September beschritten worden sind, wir fordern die Umkehr nicht nur von der Rcichsregierung, wir fordern sie vom ganzen deutschen Volk. Die sozialdemokratische Partei verlangt jetzt öie Macht, um sie an den eutfcheiöcnöen Punkten eintufetzen. Noch nie hatte sie bisher öie Mehrheit im Parlament. Jetzt fordern wir Macht zum Kampf gegen die verderbliche Selbstherrschaft der Finanzmagnaten und Industriekapitäne, wir fordern Macht gegen die unfähigen privatkapita- lisuscheu wirtschaftsführer. Macht zur Drganisiermig der Wirtschast. Macht zur Sicherung einer stabilen Außenpolitik der Verständigung! Genossen! vie Krise ist ernst, die schwere Erschütterung der deutschen Kreditwirtschast bedroht Arbeiter und Angestellte mit weiterer Arbeitslosigkeit. Mühselig arbeitet man auf schwankender Grundlage an der Wiederherstellung des zerstörten Vertrauens zu Deutschland in der Welt, immer gehemmt durch den verhängnisvollen Wahlsieg der nationalsozialisten vom 14. September 1930. Der Druck der Not liegt auf dem Volke. Verzweiflung bemächtigt sich der Volksschichten, die die Illusionen vom 14. September zusammenbrechen sehen. Jetzt erhebt sich die Sozialdemokratie, gefürchtet von den Scharfmachern, gehaßt von ihren Lands- knechten, unerschüttert durch die Welle des nationalismus. durch den Sturm der haßerfüllten Angriffe von rechts und links, in ständig wachsender organisatorischer Kraft. wir werben nicht, um nur zu wachsen, wir wollen wachsen, um zu wirken. Dringender als je zuvor heißt unsere Losung:„wo bleibt der zweite, der dritte, der vierte Mann?" Unsere Arbeit ist jetzt gerechtfertigt vor aller Welt! In diesen kritischen Stunden rufen wir dem Volke zu: Gebt««S die Macht! Schafft«ad öie Mehrheit! B e r l i n. den I. August 1931. Der parteivorstanö. ISProzentReichsbank-Oiskont Bankenverkehr freigegeben. Sparkassen ausgenommen. Der Zentralauöschust der Reichsbauk nahm am Freitagabend in cttva t'�stündiger Beratung von dem Beschluß des Reichsbankdirektoriums ftenntnis, den Neichsbankdiskont von 10 auf 15 Proz. und den Lom- bardsatz von 10 auf 20 Proz. mit Wirkung ab Tonn- abend zu erhöhen. Weitere Maßnahmen der Regierung. Heber die Veratungen des Zentralausschusfes der Reichsbank wird noch solgendes mitgeteilt: Die Vertreter der Landwirtjchast und teilweise auch der vanken hatten Bedenken, eine derartig scharfe heraussehung des Diskontsahes vorzunehmen. Das Rcichsbankdireklorium vertrat jedoch die Aussassung. daß man das.Experiment" versuchen müsse, zumal mit Wirkung ab ZNittwoch der volle Zahlungsverkehr wieder in Gang gebracht werden wird, von dieser vollen Zngangsehung werden die Sparkassen, wie bereits angekündigt, zunächst nur in de- g r c n, t c m VI a h c beirussen. Aus diese wird also troh der von d?n Gewerkschasten vertretenen. Im Zenlralausschuh erhobenen Bedenken zunächst nureinegesehmähigeAuszahlungs- Möglichkeit bestehen. was den Reichsbankstatus selbst anbelangt, so sind seit dem kehlen ilusweis vom 23. lull 1931 rund 80 AI i l l i o n e n VI a r k o n Devtsenmaterial herausgekommen. Za Zusammenhang mit der Diskonterhöhung und der bevorstehenden Zahluogsbereit- schaft der Banken bereitet die Reichsregieri.vg weite> Vtohuahwea vor hierzu gehören ein Markaussuhrverbol. ein Verbot ausländische Wertpapiere zu handeln sowie eine scharte Devisen- z w a n g s w i r l s ch a s l, für die voraussichtlich ein R». kommi. ar bestellt werden wird. Eine entsprechende Botverorduung:! in Bor- bereUung. Zndustriekonirolle über Oanai. Aktienpaket von 35 Millionen übernommen. Amtlich wird mitgeteilt: Die Darmstädter und Rational b a n t wird bei Wiederaufnahme des allgemeinen Aahlungs Verkehrs ihre Schalier öffnen und alle Zahlungen unbeschränkt leisten. Durch ein« Verständigung mit der Industrie ist erreicht worden, daß diese von der Bank und ihr nahestehenden Kreisen angenommenen Aktien, die unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden, im Nennwert von 35 Millionen Mark zum Kurse von 125 Proz. übernimmt. Dadurch werden der Bank neue Mittel im Betrage von rund 43 Millionen Mark zugeführt. Die Ausfallbürgschaft des Reiches für die alten und neuen Gläubigerforderungen besteht fort und wird auf alle Wechsel- Verbindlichkeiten und Bürgschaftsverpstichtungen der Bank ausge- dehnt werden. Die Aufstellung des Status der Bank hat ergeben, daß die notwendig gewordenen Abschreibungen durch die offenen und stillen Reserven voll abgedeckt sind. Für später ist eine Verbreiterung der Kapitalbasis der Bant vorgesehen. Die Ausführung dieser Absicht wird geschehen, sobald die Berhältnisse in der Wirtschast eine klare Beurteilung zulassen. Durch die Besprechungen mit der Reichsregierung und der Reichsbatik ist die Gewißheit geschaffen, daß die Bank allen Anforderungen, die durch die volle Ausnahme des Zahlungsverkehrs an sie herantreten können, zu entsprechen vermag. Der französische Ministerbesuch Zn der zweiten Augusthälfte „havas" meldet, daß die Reichsregierung unmiitelbar nach der Rückkehr des Reichskanzlers und des Außenministers aus Rom den französischen Ministerpräsidenten und den Außenminister Briand nach Berlin einladen würden. Verhängnisvolles Zaudern! Unfähigkeit der Interessentenwirtfchast? Von Rritz Naphtali. . Oc länger die Stockung des Z a h l u g s v c r- k e h r s dauert, desto schlimmer müssen die Rückwirkungen auf die Gesamtwirtschaft, auf die Verschärfung aller Krisen- erscheinungen werden. Das haben wir an dieser Stelle immer betont und deshalb ein entschlossenes Handeln der Reichslei- tung und der Reichsbank gefordert. Inzwischen sind drei Wochen mit Teilmoratorium der Banken und Sparkassen verstrichen, die Rückwirkungen der Zerrüttung des Krc- ditsystems auf die Wirtschaft und die öffentlichen Finanzen werden immer stärker sichtbar. Für den Ansang nächster Woche war die Wiederaufnahme des Zahlungsver- kehrs allgemein in Aussicht gestellt. Wir haben immer bc- tont, daß die Rückkehr zu normalen Verhältnissen nur ge- lingen kann, wenn das Zurverfügungstellen von Zahlungs- Mitteln gleichermaßen ausreichend für die privaten Banken, nicht nur für die großen, sondern für alle Institute und für die öfsentlichen Banken und Sparkassen gesichert wird. Heute muß man leider feststellen, daß es an dieser Vorsorge durchaus fehlt und daß im günstigsten Fall dar Ueberweisungsvcrkehr, aber sicherlich nicht der Zah- lungsverkehr in dem notwendigen Ausmaße ohne Difseren- zierung der Arten der Einleger am Ansang der nächsten Woche wird erfolgen können. Jede weitere Hinausschiebnng der Vollauszahlung bedeutet aber ein weiteres all- mähliches Abzapfen des Blutes bei Spar- lassen und Banken ohne entsprechende Rück- flüsse. Es muß also immer wieder gesagt werden: Die Maschine muß schnell in Gang gesetzt werden! Aber es muß ebenso nachdrücklich gesagt werden, daß es Verhängnis- voll wäre, den neuen Anlauf zu nehmen, ohne zureichende Vorsorge für den Ansturm. Woran es liegt, daß wir nach drei Wochen wieder nicht genügend gerüstet sind? Sicher- lich zum Teil an der Unfähigkeit und Entschlußlosigkeit der leitenden Männer, vor allein bei der Reichs dank. Sie haben noch immer nicht erkannt, daß nach allen geschichtlichen Erfahrungen das einzige Mittel, eine Vertrauenskrise zu überwinden, die Bereitschaft zur vollen Aus- Zahlung ängstlicher Gläubiger ist. Sie haben nicht er- kannt, daß es dabei nicht nur auf die Großbanken ankommt, sondern auf die Gesamtheit der Kreditinstitute, sie haben nicht erkannt, daß es unerträglich wäre, in einer solchen Krise die großen Gläubiger zu befriedigen und den kleinen, auch wenn sie verängstigt sind, Geduld zuzumuten, sie haben nicht er- kannt, daß der gesamte Apparat nur dann wieder in Gang ge- bracht werden kann, wenn er an allen Stellen die er- forderliche Stütze durch das Zentralnoteninstitut erhält. Ist soviel Nichterkennen glaubhaft oder muß man nicht vielmehr annehmen, daß es hier wieder einmal wie so oft Interessenten sind, die als Sachverständige verkleidet, einen unheilvollen Einfluß auf entschlußlose Führer aus- üben? Den Großbanken ist durch Reichsgarantien und durch die Gründung der Akzept- und Garantiebank der Weg zur Kredithilfe der Notenbank geebnet worden. Daprit scheint für diese bei der Neichsbank besonders einflußreichen Kreise, die ihren Generalrat ganz beherrschen, die Frage ge- löst. Ja man kann den Verdacht kaum unterdrücken, daß ihnen eine schlechtere Behandlung der kleinen Banken, der Genossenschaftsbanken und vor allen Dingen der öffentlichen Banken und Sparkassen gar nicht so unsympathisch ist. Dürfen aber für die Reichsregierung und die Reichsbant solche Jnteressentengesichtspunkte Geltung haben? Die Sparkassen befinden sich in schwierigster Lage. Nicht einmal die geringe Kredithilfe von 75 Millionen Mark für Lombard-Darlehen, die ihnen für Freitag zugesagt war, ist pünktlich beschafft worden. Manche haben deshalb nicht einmal den bisherigen Teiloerkehr aufrechterhalten können. Sehr zum Schaden vieler kleiner Gewerbetreibender, denen es auch an der Möglichkeit der Umwandlung ihrer Spargut- haben in Giroguthaben und damit der Möglichkeit des An- schlufses an den Ueberweisungsverkehr fehlt. Hier muß schleunigst geholfen werden. Die sofortige Schaffung einer Akzept- und Lombardbank, die den öffent- lichcn Banken die gleichen Möglich keiten der Beschaffung flüssiger Mittel schafft, die für die Großbanken durch die Akzept- und Garantiebank e r- ö f f n et worden i st. ist unerläßlich, wenn die Voraus- fetzungen für ein schnelles Wiederingangkommen des Zah- lungsverkehrs und damit für die Verhütung weiteren schweren Unheils geschaffen werden sollen. Die Roichsbankleitvng zeigt sich in diesem kritischen Augenblick nicht fähig, sich von den Einflüssen der Groß- interessenten freizumachen. Daraus müssen K o n s e- guenzen in der Zusammensetzung des Reichs- bankdirektoriums und des Gencralrats der R e i ch s b a n k gezogen werden zur Stärkung des ge- mein wirtschaftlichen Einflusses, zur Stärkung der wissenschaftlichen Beratung gegenüber beamteter Un- sähigkeit und privatwirtschaftlicher Interessiertheit. Die hier nötigen Wandlungen können ohne schwierige Gesetzes- oder Statutenänderungen von einer Regierung, die den nötigen moralischen Mut und die nötige Energie aufbringt, und die sich ihrer schweren Verantwortung in dieser ernsten Stunde bewußt ist. durchgesetzt werden. Es ist unerträglich, wenn sich in den breiten Massen der Bevölkerung das Gefühl festsetzt, daß bei der Liqui- dierung dieser Kreditkrise nicht mit gleichen Maßen im Interesse der Gesamtwirtschaft gemessen wird, sondern daß die großenInteressentenderBank- muß sich festsetzen, wenn es immer so weiter geht, daß dos mittlere und Kleingewerbe und mit ihm die breiten Massen der Arbeiterschaft benachteiligt werden. Dieser Eindruck aber muß sich festsetzten, wenn es immer so weiter geht, daß das Reich zu Lasten der breiten Massen der Steuerzahler die Risiken übernimmt, daß es aber sich, wenn es schon in dieser Art für eine nicht ohne eigenes Verschulden erschütterte Privatwirtschaft einspringen muß, nicht einmal als Gegengabe den entscheidenden Einfluß auf die künftige Ge- staltung des Bankwesens, auf die Leitung der großen Bank- institute, der Sammelbecken des Kapitalstroms, sichert. Was man gestern über die Form der geplanten Neu- ordnung bei der Danat-Bank gehört hat, ist ein Skandal, und wir müssen dagegen protestieren, daß in dieser Form die sogenannte Sanierung erfolgt. Auch wir sind der Meinung, daß es im Interesse der allgemeinen Wiederflottmachung des Zahlungs- und Kredit- Verkehrs nützlich ist, die Danat-Bank wieder in Gang zu setzen. Wir haben nichts dagegen, daß zu diesem Zweck durch eine neue Verordnung die R e i ch s g a r a n t i e für die Danat-Bank erweitert ist, so daß sich die Ausfallsbürg- jchaften auch auf die Erfüllung der Wechselverbindlichkeiten der Darmstädter und Nationalbank, auch soweit es sich nicht um eigene Akzepte der Bank handelt, erfolgt. Aber wer d a s R i s i ko t r ä g t, m u ß, wir können es nicht oft genug wiederholen, auch die Leitung haben! Was ist dem- gegenüber bei der Danat-Bank geplant? Kreise der In- dustrie, d. h. Kreise, die zu den größten Schuld- nern der Danat-Bank gehören, sollen von den von der Bank und ihr nahestehenden Kreisen aufgenommenen Aktien 35 Millionen Reichsmark zum Kurse von 125 Proz. übernehmen. Dadurch sollen der Bank neue Mittel im Be- trage von rund 43 Millionen Reichsmark zugeführt werden. Wir fragen erstens, woher st a m m e n die Mittel, die die Industrie zur Verfügung stellt? Entweder man wird ihr die Aktie n sofort beleihen oder man wird ihr Wechfelkredite zur Verfügung stellen. In beiden Oingeldeys Kotau vor Hitler. Die Partei des Außenministers für den Volksentscheid. Dr. Enrtius nimmt an der Sitzung teil. Der parteivorstanb der Deutschen volkspartei hielt am Freitag im Reichslage eine Sitzung ab. au der auch Rcichsaußenministcr Dr. E u c t i u s teilnahm. Räch einem Bericht des Parteiführers Dingelden über die politische Lage wurde beschlossen, einen Ausruf für den Volksentscheid herauszugeben. Ferner wurde bestätigt, daß Herr Dingeldcy am Dienstag In Rürnbcrg mit Herrn Hitler verhandelt hat. Der Aufruf der Volkspartei für den Volksentscheid hat folgenden Wortlaut: „An unsere Freunde! Am g. August l93l findet in Preußen der Volksentscheid über die Frage der Auslösung des Landtages statt. Die Deutsche Volkspartei, die fast sieben Jahre gegen die Politik der herrschenden Parteigruppierung im Preußischen Landtag gekämpft und deshalb von Anfang an dem Volksbegehren zu- gestimmt hat, erwartet von ihren Anhängern, daß sie ihrer Ab- lchnung gegen die bisherige preußische Äoalitionspolitik durch ihre Stimmabgabe für die Auflösung des Landtages Ausdruck geben. Wir treten ein für ein sachlich und kraftvoll regiertes Preußen, das eine feste Stütze nationaler Politik im Reiche sein muß. Der Partei- vorstand der Deutschen Volkspartei." * Ob der Parteirest der Deutschen Volkspartei danach drängt, in die Einheitsfront Hitler, Thälmann, Hugenberg aufgenommen zu werden oder nicht, kann herzlich gleichgültig sein. Etwas anderes ist es mit dem amtierenden A u ß e n m i n i st e r des Reichs, der an der Sitzung des Parteivorstandes der Volkspartei teilgenommen hat. Hat der im Amt befindliche Außenminister des Reichs. Herr Dr. C u r t i u s, nicht die Zivilcourage, öffentlich zu be- kennen, ob er für oder gegen den Volksentscheid ist? In der gegenwärtigen politischen Situation ist Kon- t i n u i t ä t der Reichspolitik notwendiger denn je zuvor. Daß diese Kontinuität bisher behauptet werden konnte, daß die Stabilität der Regierungsverhältnisse im Reich echalten blieb — darair hat die preußische Regierung ein unbe- streitbares und unbestrittenes Verdienst. In dieser Situation unternimmt die Partei des amtierenden Außenministers eine Aktion, um gemeinsam mit den Kommunisten und National- sozialisten die preußische Regierung zu stürzen. Wie steht dazu Herr C u r t i u s und wie die Reichsregierung? Die Reichsregierung braucht heute Autorität, und wir wünschen nicht, daß sie untergraben werde— nicht von außen her, aber auch nicht aus dem Schöße der Regierung selber! Es werden der Fehlgriffe entschieden zu viel: die Verordnung über die Ausreifegebühr— die Schimpfepistel an Zeitungen, die sich um die Verteidigung des Regierungs- kurjes bemühen und nun die Dingeldeyerei! Die Reichs- regierung wird darauf achten müssen, daß sie ihre Autorität nicht selber untergräbt! Die KPD. für Kn'denrus! Ziel des Äslksenffcheids- das friderizianische Preußen. Di»„Landvolk-Nachrichten" veröffentlichen einen Auf- ruf für den schwarzweißroten Volksentscheid, der um c n w a h r« n Preuhcngeist" gehe. Hie führen Beschwerde darüber, daß Otto Braun dem kaiserlichen Dreiklassenpreußcn wie dem sriderizianischen Preußen keinen Respekt bewiesen habe, und fahren dann sort: „Das sind Tatsachen, die für sich sprechen und die deutlicher als alles andere beweisen, von welcher Gesinnung die leitenden Männer der preußischen Staatsrcgierung beseelt sind. Sie zeigen aber auch, wie notwendig es ist, daß dem herrschenden Regime in Preußen ein Ende gemacht wird. Der Weg dazu ist der Volksentscheid, der nach der Auflösung des Preußischen Landtags Neuwahlen herbeiführen soll. Die erhoffte andere Zusammen- sctzung des Preußenparlaments wird dann eine Regierung bringen, für die dos all« Preußen nicht tot ist, sondern die bereit ist. es wieder lebendig werden zu lassen. Das Landvolk ist der ursprüngliche Träger des preußischen Staatsgedankens und wird seiner konservativen Ge- H it n u n g durch die restlose Abgab« der Stimmen s Fällen ist nicht einzusehen, warum dieser Weg der Kredit- finanzierung zugunsten einer neuen industriellen Herrschaftsgruppe in der Bant und nicht zu- gunften des Reichs, das weiter für alles garantiert, be» schnitten wird. Was wird geschehen, wenn es gerade die Jndustriekreife sind, die in Zukunft die Danat-Bank be- herrschen wollen? Die großen Kredite, die die Schwerindustrie selbst bei der Danat hat« werden nicht gekündigt werden, die großen Kredite des Herrn H u g e n- b e r g und anderer reaktionärer Zentren, die sich der Gunst des Herrn Jakob Goldschmidt erfreuten, werden weiterlaufen. Die notwendige Liquidierung aber wird mit voller Wucht zu Lasten der kleinen und mittleren Bankkunden, die wahrhaftig nicht die Schuld an den Schwierigkeiten tragen, erfolgen. Das ist unerträglich, und wir wollen nur hoffen, daß man uns damit verschont, uns etwa auch noch diese Beteiligung der Industrie als eine „vpferbcreitschaft" von ihrer Seite darzustellen. Bei der Dresdner Bank ist eine andere Form der Rechtsbeteiligung durch neue Kapitaihingabc vorgesehen. Offenbar springt auch hier das Reich ein, ohne sich in der Zwischenzeit den notwendigen Einblick in die Ge- schäftslage verschafft zu haben. Offenbar ist auch hier die notwendige Sicherung des beherrschenden Einflusses bei der Uebernahme des Risikos durch dos Reich nicht gegeben. Wir fragen, ob es überhaupt angeht, daß das Reich immer dann einspringt, wenn ein großes Bankinstitut nicht weiter kann? In Wirklichkeit steht es doch durch diese Ga- rantien heute schon hinter dem ganzen privaten Bankwesen. Deshalb sollte es fick) auch, gl-ichoicl ob man dabei den Weg der formalen Kapitalbeteiligung ein- in die Waagschale werfen, damit es gelingt, mit einem Zustasö Schluß zu machen, der dos Land Preußen schon seit der Rs< volution bedrückt und niederhält." Auf ihr kommunistischen Führer, betätigt eure konservative Ge-. sinnung durch die rechtlose Stimmabgabe für den Volksentscheid der Fridericus-Anbeter! Don roten Ketten macht euch frei allein die Deutsche Volkspartei. Die Volkspartei oeröffentlich einen Aufruf für den schwarzwciß- roten Volksemschcid. Wer ist die Volkspartei? Sie ist die politische Vertretung der Scharfmacher, der schlimmsten sozialen Reaktion. Sie ist die Feindin aller Sozialpolitik, die Feindin jeder Hilfe für die Arbeitslosen. Sie ist das Sprachrohr des Unter- nehmertums. Sie ist die Erfinderin der Parole:„Von roten Ketten macht euch frei allein die Deutsche Voltspartc i." Sic will mit den Faschisten zusammen in die Preußenrcgierung, deshalb unterstützt sie den Volksentscheid der Faschisten. Wer hilft ihr dabei? Die Kommunistische Partei! Staatsfeindliche Reichsbeamte. Die Mitgliedschaft im monarchistischen Nationalverband Deutscher Offiziere. Im Reichsministerium des Innern schweben zur Zeit Er- wägungen darüber, ob die Zugehörigkeit von Beamten zum Nationalverband Deutscher Ossiziere mit den Pslich- ten eines Reichsbeamten länger vereinbar sind. Die Ressort- besprechungen mit anderen Ministerien, die zu dieser Prüfung am Freitag stattfanden, solle» in nächster Zeit weitergeführt werden. Wir hätten gewünscht, daß die jetzt eingeleiteten Erwägungen längst angestellt und schon vor Jahren in dem Sinne zu einer positiven Entscheidung gejährt hätten, daß aktive Beamte aus dem NOB. auszuscheiden haben. Welche Gesinnung im Nationalverband Deutscher Ofisziere herrscht und welchen Zielen er zustrebt, hat er wiederholt selbst zum Ausdruck gebracht. Er ist nichts anderes als ein Anhängsel der Nationalsozialisttschen Partei, die trotz aller Legalitätsbcteuerungen den Gedanken eines gewaltsamen Umsturzes bisher nicht endgültig aufgegeben hat und in dieser Beziehung insbesondere in letzter Zeit wieder bestimmte Vorbereitungen zu treffen versucht. Vor uns liegt die Abschrift einer Rede, dle der Herausgeber der Bundeszeitschrift des NOB., der„Deutschen Treue", Major von S o d e n st e r n, auf einem Reichsvcrtretertag des Verbandes in Berlin gehalten hat. Sodenstern erklärte zunächst, daß sich der NOB. noch heute zu der„allein rechtmäßigen monarchistischen Staatssorm" bekennt, daß es die Pflicht der Bundesr.ntglicder sei, s ü r den König zu kämpfen und„ihm wiederzugeben, was inan ihm in den Tagen des Verrats hinterrücks geraubt hat". Wörtlich hat Sodeisttern dann weiter ausgesührt: „wie wir heute in der vordersten kampslinic mit den uns befreundeten verbänden, zu denen wir in erster Linie den Stahlhelm zählen, ohne die anderen geringer zu schätzen, stehen, so werden wir. wenn die Entscheidungsstunde nah!. Schulter an Schuller mit der schwarzweißrolen Fahne in der stand eintreten in den Kampf für das dritte Reich auf föderativer Grundlage Bismarckscher Art mit einem hohen- zolternkaiser an der Spitze." Das ist nicht etwa nur die persönliche Ansicht de» Herrn van Sodenstern, sondern das sind Ausführungen, die als progrommotlichz Erklärungen zu werten sind und im Austroge des Vorstandes dez natisnalsozialistischei, NOB. abgegeben wurden, Beurteilt man sie im Zusammenhang mit dem, was sich neuerdings wieder In der NSDAP, tut, dann kann unseres Erachtcns nicht der geringste Zweifel mehr darüber bestehen, daß die Zugehörigkeit eines Staats- bcamten zu diesem Anhängsel der nationalsaziolistischen Umsturz- bewegung mit den Pflichten eines republikanischen Beamten un- vereinbar ist. Wenn verschiedene Ministerialräte und Obcrregierungz- räte im Arbeits- und Reichsfinanzministerium, sonst übrigens ziem- lich hellhörige Herren, dafür kein Verständnis haben, dann muh ihnen das aus Gründen der Staatsraison bei- gebracht werden. Paßt ihnen dos nicht, dann müssen sie ver- schwinden und dort hingehen, wo sie im Geiste längst stehen: zu Hitler und Konsorten. Die Behauptung, daß der Reichspräsident ebenfalls dein NOB. angehört, ist unwahr. Zn Sevilla herrschte am Freitag Ru?)e, Die Geschäfte hatten geöffnet, auch die Zeitungen sind wieder erschienen. Der Telephon- streik flaut langsam ab. Viele Streikende haben die Arbeit wieder aufgenommen. schlägt oder nicht, den entscheidenden Einfluß auf die Geschäftsführung zum mindesten bei allen größeren Banken sichern. Der Risikotrager hat neue Männer zu be- stellen und von den alten diejenigen, die abgewirtschaftet haben, fortzuschicken. lieber die Sicherung des Einflusses des Reiches bei den einzelnen Großbanken, deren Seschästsführung eben snd- gültig aufgehört hat, eine private Angelegenheit zu sein, muß sich aber das von uns schon oft geforderte Dankenamt erheben, das im Zusammenwirken mit den einzelnen Vertretern des öffentlichen Interesses in den Bantleitungen die volkswirtschaftlichen Richtlinien für den Liquidicrungsprozeß dieser Kreditkrise sichern muß und daß darüber hinaus für die Zukunft zum Instrument einer Kapital- l e n k u n g werden muß, die die Interessen der Gesamtwirt- schaft über die private Willkür und Jnteressenwirtschaft des Bantenkapitals stellt. Die Reichsregierung hat kein großes Kapital an Vertrauen im Volke niehr zu ver- wirtschaften! Wenn sie nicht mit Entschlossenheit zeigt. daß sie gewillt ist, sich bei dem Finden des Ausweges aus der gegenwärtigen Kreditkrise freizumachen von den alten Interessentenhaufen, die versagt haben und ent- schlössen, für die Sicherung der wirtschaftlichen Interessen der Gesamtheit einzutreten, dann draht uns die Gefahr von allen möglichen törichten wirtschaftlichen und geldlichen Einzelmaßnahmen, die als Verzweiflungsakte anzusprechen sind, und dann wird ein Sturm der Entrüstung ausbrechen in weiten Kreisen, die bis heute mit bewundern?- werter Disziplin den Kampf gegen alle Nöte des Tages ge- führt haben! 1. Beilage des Vorwärts e*— ,,.�«31 Nr. 355* 48. Jahrgang Das 25-Pf cnnig- Wochenende Das Mühlrad bei Rahnsdorf.— Im Gebiet der Püttberge. Der Wald im Gebiete Berlins i(t Jahr um Jahr kleiner geworden. Das bis vor kurzem vorhandene ständige Wachstum der Weltstadt zwang gebieterisch dazu, neues Land urbar zu machen und zu besiedeln. So ist denn auch das einst so stille Waldgebiet östlich von Friedrichshagen immer mehr„erschlossen" worden. Wir fahren mit der Straßenbahnlinie 84 bis zur Endhaltestelle in der, Nähe der Wasserwerke am Müggelsee. Friedrichshagen, das heule zum Verwaltungsbezirk Köpenick gehört, wurde 1733 ge- gründet. Friedrich II. hatte das Land böhmischen Kolonisten zur Siedlung überlassen. Die günstige Lage des Ortes am Ausfluß der vree aus dem Müggelsee förderte seinen Aufstieg. In früheren Iahren war Friedrichshagen als Sommerfrische sehr beliebt Bruno > l l e, Wilhelm B ö l s ch e, Gerhardt Hauptmann, die Brüder n r d t und andere hatten hier geradezu eine Dichterkolonie ge- r ludet, die den Ruhm dieses früheren Berliner Vororts ver- breiteten. Wir wandern nun an dem Wasserwerk, das die größte im ige dieser Art in Berlin ist, an der L a n d e s a n st a l t für Binnenfischerei und an der Seezeichen-Versuchz- a n st a l t vorüber auf den Höhen am Ufer des Müggelsees entlang hi Richtung auf Rahnsdorf. Leider hat das Ufer selbst in den b'Jen Jahren sehr gelitten. Allen Bitten, allen Mahnungen zum rotz gibt es immer noch zuviel Berliner, die den Wald als einen Papierkorb betrachten und vergessen, das überflüssig gewordene . pier mit nach Hause zu nehmen. Tafeln fordern auf, das Baden im Müggelsee zwischen dem Freibad und dem Wasserwerk zu unter- lagen Das Müggelseewasser gelangt nämlich in die Berliner Haus- Haltungen. Trotzdem gibt es aber immer noch Ausflügler, die der Meinung find, daß man Verbote grundsätzlich nicht beachten solle... Der Blick aber auf den Müggelsee entschädigt für vieles. Auf er andern Seite ragt die Kulisie der M ü g g e l b e r g e empor, und über den See hinweg gleiten ungezählte Sportboote und die weißen Berliner Ausflugsdampfer mit ihren sangesfrohen Fahr- gästen. Das Freibad kündigt sich an durch rote, gelbe, braune und weiße Wochenendhäuschen, die eng beieinander am Strande stehen. Bald sind wir am Eingang des Bades. Ein buntes Gewimmel er- iülll an schönen Sonntagen den Strand. Die deutschen Ost- und Nordseebäder könnten neidisch werden. Wer Lust hat, kann hier eine Wanderung unterbrechen und sich in den kühlen Fluten er- "üchen. Wenn wir weiterwandern, treffen wir bei der Förster«! Müggelsee auf ein schlichtes Holzkreuz, das zur Erinnerung an einen Forstmann errichtet wurde, der hier einem Verbrechen zum Opfer siek. Etwa 3 Minuten hinter dem Freibad liegt die R a h n»- dorser Mühl«. Von Bäumen umgeben in geheimnisvollem Dunkel steht heute noch das Mühlrad, und ein langes Gerinne leitet ihm das Wasier zu. Nördlich der Fürstenwalder Straße, die über das M ü h l e n f l i e h hinwegführt, liegt der gestaute M ü h l t e i ch, auf dem die breiten Blätter der Wasserrose schwimmen und über, den Schwäne in ruhiger Fahrt dahinschweben, ein Idyll im Bereich« V.rlins und noch dazu im Brennpunkt de» sonntäglichen Verkehrs. Durch die Fürstenwalder und Hohenzollern Straße führt der Weg zu den Püttbergen, einer Dünenlandschaft, die ihr Entstehen der Eiszeit verdankt. Vor wenigen Iahren haben hier noch Ber- liner Segelflieger bescheidene Gleitversuche gemacht oder Flugzeug- modelle fliegen lassen. Heute steht auf einem dieser Hügel ein Denk- mal, das den Opfern des Weltkrieges gewidmet ist und die Siedlung hat sich des ehemaligen Fluggeländes bemächtigt. Von der Höhe des Denkmals blickt man weit ins Land hinaus. Der Müggelsee blitzt im Sonnenschein, die Türme von Köpenick begrenzen den Hori- ont. Hinter der Siedlung liegen die bewaldeten Höhe der Pütt- >erge, die inzwischen glücklicherweise Naturschutzgebiet geworden sind. Vor allem Kiesern und Birten beherrschen die Heidelandschaft. Maiblumen wachsen am Waldboden. Einen prächtigen Fernblick hat man über Wilhelmshagen hinweg auf den Gosener Berg und die Waldungen zwischen Dämeritz- und Seödinsee. Bei klarem Wetter sieht man auch die Funktürme von Königswusterhausen. Don den Püttbergen aus kann man weiter nach Wolters- dorser Schleuse und Erkner wandern, oder auch durch den herrlichen südlich der Eisenbahnlinie Friedrichshagen— Erkner ge- Blick von den Püttbergen auf Wilhelmshagen. legeuen Wald nach Rahnsdorfer Mühle zurückkehren und mit der Straßenbahnlinie 187, die hier in einer Schleife endet, die Heimfahrt antreten. Weglänge vom Wasserwerk am Müggelsee zu den Pütt- bergen etwa 5 Kilometer, von den Püttbergen bis Woltersdorfer Schleuse 4 Kilometer. Reuer Sparfüssenskandal. Unterschlagung durch Fälschung in Höhe von 200 000 M. Bielefeld. 31. Juli. Der frühere Rendant Schwarz der Kaunitzer Spar- und Darlehnskasfe wurde verhaftet und nach Bielefeld ins Untersuchungsgefängnis gebracht. Schwarz soll die Kaunitzer Kasse durch Unterschlagungen und schwere Urkundenfälschungen um mehr als 200 000 Ztt. geschädigt haben. Die Landeszentralkasse will einen Teil des Fehlbetrages übernehmen. Von den etwa 400 Genossen soll jeder 230 M. zur Deckung des Fehlbetrages aufbringen. Die Ge- nassen wollen den Vorstand und den Aufsichtsrat für den ent- standenen Schaden haftbar machen. „Ich bin nicht verrückt. Nur um den letzten Willen meiner Frau zu erfüllen.. „Zum Teufel", sagte der Ingenieur,„er fängt wieder zu kriechen an. Mussik! Er kriecht schon wieder!" „Nennen Sie also Ihren Preis!" stöhnte Vater Fedor. „Mussik, ich glaube doch, er ist nicht verrückt. Er ist vielleicht nur durch die Krankheit seiner Frau so aufgeregt. Sollen wir ihm die Stühle oerkaufen? Na, was meinst du? So werden wir ihn endlich los. Er haut sich sonst am Ende noch den Schädel'" „Worauf sollen wir aber sitzen?" „Wir kaufen uns andere Stühle." „Für zwanzig Rubel?" „Für zwanzig Rubel gebe ich sie nicht her, auch nicht für zweihundert... Schließlich ließe ich für zweihundertfünfzig mit mir reden." Ein schrecklicher Schlag mit dem Kopf gegen den Baum war Vater Fedors Antwort. „Nun, Mussik, jetzt habe ich aber genug davon!" Der Ingenieur trat entschlossen zu Vater Fedor und diktierte sein Ultimatum. „Erstens entfernen Sie sich mindestens drei Schritte von diesem Baum. Zweitens stehen Sie sofort auf, und drittens verkaufe ich die Möbel nicht unter zweihundertfünfzig Rubel." „Nicht aus Habsucht", stöhnte Vater Fedor—„nur um den Wunsch einer kranken Frau zu erfüllen." „Nun, mein Lieber, meine Frau ist auch krank. Nicht wahr, Mussik, deine Lungen sind nicht in Ordnung? Deshalb werde ich aber nicht verlangen, daß Sie mir... sagen wir, Ihren Rock für dreißig Kopeken verkaufen sollen!" „Nehmen Sie ihn umsonst", sagte Vater Fedor in singen- dem Ton. Der Ingenieur wehrte gereizt mit der Hand ab und sagte kühl:„Lassen Sie diese Scherze. Ich spreche nicht mehr mit Ihnen. Ich schätze die Stühle auf zweihundertfünfzig Rubel und werde keine Kopeke nachlassen." „Fünfzig!" bot Vater Fedor. „Mussik!" sagte der Ingenieur.„Ruf den Diener. Er soll diesen Bürger hinausbegleiten." „Nicht aus Habsucht.. „Bagration!" Vater Fedor lief erschrocken davon und der Ingenieur begab sich ins Speisezimmer und begann den Gänsebraten zu verzehren. Der Genuß seiner Lieblingsspeise hatte auf seine Stimmung einen guten Einfluß. Er beruhigte sich. In dem Moment, als der Ingenieur einen mit Seiden- papier umwickelten Knochen an seinen roten Mund führte, erschien das flehende Gesicht Vater Fedors im Fenster. „Nicht aus Habsucht", sagte er sanft,„fünundfünfzig Rubel." Der Ingenieur brüllte, ohne sich umzudrehen. Vater Fedor verschwand. Den ganzen Tag über konnte man Vater Fedors Gestalt an allen Ecken und Enden des Gartens auftauchen sehen. Der Ingenieur rief immer wieder nach seiner„Mussik", klagte über Kopfweh und schwor darauf, daß Vater Fedor wahnsinnig sei. Von Zeit zu Zeit hörte man die Stimme Vater Fedors in der einbrechenden Dunkelheit.„Hundertacht- unddreißig!" rief er irgendwo vom Himmel her. Und einen Augenblick später tönte seine Stimme von der Seite des Dumbasowschen Hauses her:„Hunderteinund- vierzig", bot er.„Nicht aus Gewinnsucht, Herr Bruns, sondern..." Schließlich hielt es der Ingenieur nicht mehr aus, er trat an die Verandabrüstung, spähte angestrengt in die Dunkel- heit und rief skandalierend:„Der Teufel soll Sie holen! Zwei- hundert Rubel! Aber geben Sie mir endlich Ruh!" Man hörte Knistern der Bambusse, ein leichtes Stöhnen und ein Geräusch von Schritten, die sich entfernten. Dann war alles still. Vater Fedor fuhr im letzten Autobus das Meeresufer entlang nach Batum. Am selben Abend noch sandte Vater Fedor folgendes Telegramm an feine Frau Katerina Alexandrowna in die Stadt N: Ware gefunden, überweise mir telegraphisch 230, verkaufe, was du willst, Fedja.— Zwei Tage lang irrte er verzückt um das Vrunssche Haus, grüßte Mussik von weitem und ließ sogar von Zeit zu Zeit seinen Ruf ertönen:„Nicht aus Habsucht, nur um den letzten Wunsch meiner Frau zu erfüllen!" Am dritten Tag kam das Geld mit einem verzweifelten Telegramm:— Alles oerkauft, bin ohne Geld, küsse und er- Berliner Schüler in England. Wir wiesen bereits früher darauf hin, daß es der Stadt Berlin— dank der eifrigen Bemühungen des Stadtschulrats Genossen Nydahl und des Magistratsoberschulrates Heye— trotz der überaus schwic- rigen Zeiten gelungen ist, im Rahmen der Auslandsschulen Gruppen von etwa 2 0 Schüler gegen eine gleiche Zahl ausländischer Schüler nach Frankreich, Spanien und England auszutaiischen. Für England hat die Stadt Sheffield mit Genehmigung der zuständigen Behörden de» Austausch für die Dauer eines Monats vermittelt. 20 englische Primaner sind, wie bereits mitgeteilt, im Sanatorium von Dr. Pannwitz in Hohenlychen mit drei englischen Lehrern eingetroffen. Drei Tage zuvor haben 20 deutsche Schüler verschiedener Berliner Schulen nach kurzem Aufenthalt in London, wo sie das Parlament besichtigten, Sheffield erreicht. Sie werden im dortigen Lehrerseminar, in dem sie an jedem Morgen— die deutschen Jungen von englischen Lehrern und unigekehrt— in vier Lektionen unterrichtet werden, aufs beste betreut. Bei ihrem Empfang in Sheffield richtete der dortige Stadtverordnetenvorftehre, Genosse R 0 w l i n s 0 n, herzliche Warte an unsere Berliner Jungen, Worte, die ausklangen in den ehrlichen Wunsch dauernden Einvernehmens zwischen den beiden Nationen, die in dieser Notzeit— in Sheffield sind 30000 Arbeitslose— mehr denn je zusannnenhalten müßten. Arn Sonntag, dem 28. Juli, fand sodann von erste» Shessielder Künstlern in Collegiate Hall zu Ehren der deutschen Gaste ein Kon- zert statt, in dem unsere Berliner Jungen inoderne englische Musik kennenlernten. Genosse Trümpener, der gemeinsam mit Genossen Hauer und Studienrat Schulz von der Königstädtischen Oberrealschule durch die Unterrichtsverwaltung der Stadt Berlin mit dem Unterricht an der Sheffielder Ferienschule betraut ist, dankte den Künstlern für ihre liebenswürdige Bereitwilligkeit und sprach den Wunsch aus, daß die bemerkenswerteste der intenationalen Sprachen, die Musik, ihr Teil dazu beitragen möge, daß die Freundschaft zwischen den jungen Generationen beider Länder mehr und mehr gefestigt werden möge. Gelbstmord eines Bürgermeisters. Verfehlungen in der Stadtverwaltung. Schwaan, 31. Juli. Heute früh wurde der Bürgermeister Stedemann aus Bad Doberan mit einem Schuß in der Schläfe auf einer Bank im Lindenbruch tot aufgefunden. Es liegt zweifellos Selbstmord vor. In der Stadtverwaltung in Bad Doberan waren im vorigen Jahre Verfehlungen vorgekommen, worauf der Bürgermeister zur Disposition gestellt wurde. Feuer im Stadthaus Klosierstraße. In den Büroräumen der Wohnungsfürforgegefell- fchaft im Stadthaus Klosterftr. 47/39 brach gestern nachmittag«in gejährlicher Brand aus, durch den erheblicher Sachschaden angerichtet wurde. Ein Raum brannte völlig aus. Die Feuerwehr weilte längere Zeit an, der Brandstelle und zum Glück gelang es, ein Wellergreifen der Flainrnen auf die angrenzenden Büros des vierten Stockwerks zu verhindern. Die Entstehungsursache des Feuer» konnte noch nicht einwandfrei ermillelt werden. Sonntag Schluß-Elitetag der Bauausslellung! Berlins größte Ausstellung, die Deutsche Bauaus st cllung, schließt am Sonntag, dem 2. A u g u st, mit entern großen Schluß- Elitetag ihre Pforten. Im Rahmen des Programms der sonstigen sonntäglichen Sonderveranstaltungen(Doppel- konzert im Funkturmgarten und Deutschen Darf, Darbietungen im „Haus Ring der Fraue n", Tonfilmkino usw.) wird das Rose-Theater am Nachmittag, ab 8 Uhr, am Fuße des Funk- turms im Funkturmgarten Szenen aus seiner Repertoireoperette „Unter der blühenden Linde" und aus der bevorstehenden Urauf- sührung„Panne um Mitternacht" zeigen. wqrte dich, Ewsigneew mittagmahlt noch immer hier, Katja.— Vater Fedor zählte das Geld nach, bekreuzigte sich, mietete einen Lastwagen und fuhr zum Ingenieur Bruns. Das Wetter war düster. Der Wind jagte Regenwolken von der türkischen Grenze her. Des Sturmes wegen war Baden und Bootfahrt im Meer verboten. Ein Donnern und Krachen ging über die Stadt Vatum nieder. Der Sturm tobte über dem Meerufer. Bei Bruns' Haus angelangt, befahl Vater Fedor dem Kutscher, zu warten, und begab sich ins Haus, die Möbel zu holen. „Ich bringe das Geld", sagte Vater Fedor,„Sie könnten aber vielleicht doch noch etwas nachlassen." „Mussik", stöhnte der Ingenieur.„Ich halte das nicht aus." „Aber nein, ich habe das Geld gebracht", beeilte sich Vater Fedor zu versichern,„zweihundert Rubel. Wie Sic gesagt haben." „Mussik! Nimm das Geld von ihm! Gib ihm die Stühle! Er soll nur rasch machen. Ich habe Kopfschmerzen!" Das Ziel des ganzen Lebens war erreicht. Die Kerzen- fabrik in Samara war gesichert. Die Brillanten rollten wie Sonnenblumenkerne in die Tasche. Zwölf Stühle, einer nach dem andern, wurden auf den Lastwagen geladen. Sie waren den Worobjew-Stühlen sehr ähnlich, nur mit dem Unterschied, daß ihr Ueberzug nicht ge- blumt, sondern blau und rosa gestreift war. Vater Fedors bemächtigte sich eine fieberhafte Ungeduld. Unter seinem Ueberrock hatte er eine kleine Axt bereit, an einer gedrehten Schnur befestigt. Vater Fedor setzte sich neben den Fuhrmann, sah sich jeden Augenblick nach den Stühlen um und fuhr gegen Batum. Das Donnern der Flut peitschte Vater Fedors Nerven auf. Gegen den Wind kämpfend näherten sich die Pferde langsam dem Dorf Machindjauri. Soweit man sehen konnte, war das Meer mit weißumsäumten grünen Wellen bedeckt. „Bleib stehen!" schrie Vater Fedor plötzlich.„Bleib stehen, Muselmann!" Und nun begann er zitternd und stolpernd die Stühle auf dem menschenleeren Ufer abzuladen. Der stupid interessc- lose Fuhrmann bekam seine fünf Rubel, peitschte auf die Pferde los und fuhr davon. Vater Fedor überzeugte sich, daß niemand in der Nähe war, trug die Stühle den Abhang hin- unter, an eine kleine, von den Wellen noch nicht bespülte Strandstelle und ergriff die Axt.(Fortsetzung folgt.) Allgemeine Wetterlage. Bei« des Saison-AusverKmifs. Aushilfspersonal wird selten eingestellt. Der diesjährige Saisonausverkauf steht im Zeichen der erhöhten Wirtschaftskrise, verbunden mit Geldknappheit und Kapitaldrosselung. Die Geschäftswelt, die den Ereignissen mit einiger, allzu berechtigter Besorgnis entgegensieht, hofft, durch ganz besonders niedrige Preis- gcstaltung die geschwächte Kaufkraft des Publikums beleben zu können. Und man wiegt sich in dem Glauben, vorausgesetzt, daß Banken und Sparkassen ihre Kassen ausgiebiger öffnen, doch noch ein leidliches Geschäft zu machen. Die Devise heißt notgedrungen: Heraus mit der Ware um jeden Preis und einer wird der anderen zu überbieten suchen; eigentlich kann man hier besser von einem gegenseitigen Unterbieten sprechen. Die schlechte Kaufkonjunktur sucht ihre Opfer aber auch vor allem unter den Arbeitnehmern. Mit jedem Jahr— in diesem naturgemäß ganz besonders— wird der Bedarf an Aushilfs- personal zu den Saisonausoerkäufen geringer und die Möglich- Feit, wenn auch nur für ganz kurze Zeit, Geld zu verdienen, schmilzt mehr und mehr. So ist die Entlastung des Arbeitsmarktes nach dieser Richtung hin kaum merklich, während auf der anderen Seite durch den fortwährenden Abbau des ständigen Personals die Er- wcrbsloscnziffer sich ganz ungeheuerlich vergrößert hat. Es gibt Großbetriebe, die mit 3lXX) Angestellten ihre Betriebe eröffneten und heute mit 1200— 1300 arbeiten; vielfach wird Freitag und Sonn- abend, den beiden Hauptvcrkaufstagcn, aus dem Heer der Entlasse- ncn, ein kleiner Aushilfsstamm beschäftigt. Der wird dann auch, bei besonderen Gelegenheiten, wie beispielsweise den Ausverkäufen, herangeholt, so daß neues AusHilfspersonal wenig oder gar nicht an die Reihe kommt. Bon informierter Seite wurde festgestellt, daß vielfach mit Personal, das zu den diesjährigen Ausverkäufen aushilfsweise ocr- pflichtet wurde, bereits wieder Verhandlungen wegen Rückgängig- machung des Engagements gepflogen werden, weil die Arbeitgeber wieder ängstlich wurden und es vorziehen, mit den vorhandenen| Angestellten zu arbeiten; geht nun der Arbeitnehmer darauf nicht ein, dann läuft er Gefahr, überhaupt nicht wieder angenommen zu werden. Nicht minder traurig sieht das Bild im städtischen Nachweis für Fachgruppen aus; auch hier sind die Nachfragen nach Personal sehr gering, am besten läßt sich noch die Schuh- und Konfektionsbranche an. Bei den Putzmacherinnen ist der Bedarf gegen sonst auf mindestens die Hälfte zurückgegangen und auch in der Anfertigung der sogenannten„Anreißer"-Ware, die aus billig- stem Stoffmaterial zu Hundelöhnen hergestellt wurde— macht sich ein starker Rückgang bemerkbar. In der Wäschebranche blieb der erhoffte Aufschwung in der Herstellung besserer Wäschestück« aus und damit auch die Beschäftigungsmöglichkeit für diesen Artikel; aus- schließlich Wäschenäherinnen für billige Kunstseidenwäsche haben zuweilen noch Arbeit, denn billig ist und bleibt die Devise. In der Herstellung des Mittelgenres in der Konfektion macht sich ein auf- fallend starkes Auslandsgeschäft, hauptsächlich nach den nordischen Nachbarstaaten, bemerkbar. Die Flucht in die Sachwerte, die mit der Kapitalsperre Psychosen- artig einsetzte, hat manchem Unternehmer eine vorzeitige, ganz bedeutend hohe Verkaufskonjunktur geschaffen und ihre Läger auf diese Weise vor dem offiziellen Termin gelichtet. Wie unbedacht und unzweckmäßig dabei gehandelt wurde, erhellt aus der Tatsache, daß Käufer, die als Genossenschaftsmitglieder ihr Sparguthaben in Sachwerte umwandelten, jetzt an das Unternehmen sas etwas naive Ansinnen stellen, die Ware wieder zurückzunehmen. Da findet z. B. einer, daß er sich mit SS Hemden denn doch allzu reichlich eingedeckt hat, der zweite hat die Freude an dem gekauften Brillantring wieder verloren, Uhren, Wäsche und alles mögliche möchte man wieder in Bargeld umtauschen. Es wurden ganze Zimmereinrichtungen gekauft, für die der Käufer weder Verwendung noch Platz hat und bei der Lieferung blieb nichts anderes übrig, als die neuen Sachen auf den Boden zu stellen. B-s? ©wolkenlos,® he�r.O halb bedeck! dvaikia.SbedsckC�RegeivoOraupein iwe=Hebel,T'Gewitte9@Wiri£!sfillc Zwei Llnierschlagungen. Für Veruntreuung von Falschgeld 1 Jahr Gefängnis. Zwei Anklagen hintereinander vor dem Schöffengericht Berlin- M i t t e. Dieselben Richter. Die eine Anklage gegen einen kleinen I u st i z a n g c st e l l t e n wegen Unterschlagung von 6 0 Mark beschlagnahmten Falschgeldes. Die andere gegen einen B a n k b u ch h a l t e r. Unterschlagung: 80 000 Mark. Ein Jahr Gefängnis für den ersten; ein Jahr drei Monate für den zweiten. Natürlich: der kleine Justizangestellte war durch Handschlag und Eid sozusagen als Beamter verpflichtet worden; also war er ganz was anderes als der Buchhalter einer Privatbank. Das Strafgesetz macht hierin strenge Scheidung. Beide beriefen sich auf ihre Not, beide hatten Schulden und doch— welch' Unterschied in der Art, wie der eine und der andere der„Not" zu steuern versuchte. Der kleine Justizangestellte W. hatte nach dem Tode seines Pflegevaters dessen Schulden übernommen: es waren 1300 Mark. Seitdem kam er aus den Schulden nicht heraus..Er heiratete, kleidete sich auf Abzahlung ein, erhielt bei seiner vorgesetzten Behörde Vor- schuß, ein Gläubiger, dem er einen Mantel abgekauft hatte, bestand aber auf dem Offenbarungseid; ihn leisten, hieß den Dienst verlieren, md da geschah es eines Tages. W. packte in den Rucksack 40 Akten, in denen sich von der Polizei eingelieferte falsche Zwei- und F ü n f m a r k st ü ck e befanden, verbrannte die Akten, entnahm seinem Schatze zwei Fünfmarkstücke und begab sich mit seinem Schwager zu einem Altkleiderhändler, um einen Anzug zu kaufen. Vom Preise von 18 Mark handelte man 8 Mark ab, der Altkleiderhändler erkannte die Fünsmarkstücke als falsch und erhielt statt ihrer richtiges Geld. W. bezahlte darauf von dem falschen Geld zwei Mollen. Der Altkleiderhändler hatte aber die Polizei be- nachrichtigt, der Schatz wurde beschlagnahmt, W. kam ins Gefängnis. Auch der B u ch Halter der Preußischen Boden- K r c d i t- A k t i e n g e s e l l s ch a f t K. hatte Schulden. Mit der Krankheit der Großmutter begannen sie. Die Großmutter starb, die Schulden blieben. Im Jahre 1020 geschah es. K verfiel auf eine verwickelte Kombination mit Pfandbriefen, die er auf den Namen eines Schulfreundes kaufen ließ und die er hinterher ver- kaufte, um den Erlös einzustecken. Er legte sich sogar in seiner Bank ein fingiertes Konto an. Die Einzelheiten, wie er das machte, sollten besser nicht geschildert werden, sonst findet K. noch Nachahmer. Bei der ungeniigenden 5lontrolle, die in diesem wie bereits in manchem anderen Falle die Gerichtsverhandlung offenbarte, würde eine detaillierte Darstellung nur zu ähnlichen Manipulationen anreizen. K. enthob aber in schneller" Alifeinanderfolge Summen von 2000, 3000, 7000 Mark, er heiratete, mietete sich eine Fünfzimmerwohnung. lauste sich für 20 000 Mark Möbel, machte Reisen u. a. m. In 1�1 Jahren will er 80 000 Mark durchgebracht haben— bloß für seinen soliden Haushalt. Im Dienst mar er bescheiden, fleißig, nie- wand merkte etwas. Aber eines Tages verschwanden aus dem Schrank eines Kollegen 300 Mark; bald darauf aus der Brieftasche eines anderen Kollegen 200 Mark. Sie erstatteten Anzeige, lenkten den Verdacht auf K. So kamen seine Verfehlungen ans Tageslicht. Auch K.s Karriere ist zu Ende. Etwas stimmt bei beiden nicht. Die tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse lagen klar ausgebreitet vor den Richtern— darin hatte der Staatsanwalt recht—, nicht ober die persönlichen; die blieben in Dunkel gehüllt. Die Frage des Vorsitzenden an den einen wie an den anderen:„Erklären Sie, wie Sie das tun konnten"— blieb unbeantwortet... Erdbeben in Zialien. Nur leichte Schäden, keine Menschenopfer. Rom, 31. Juli. Im ll m b r i e n wurden im Lause des Mittwoch mehrfach Erdstöße verspüri, die zum Teil von unterirdischem Grollen begleitet waren. In Poggio di Olricoti, Rarni und in Ealvi sind zahlreiche Häuser beschädigt und einige ei n g e st ü r z t. Zum Glück scheint das Beben keine Menschenopfer gefordert zu haben. Räch den bisher vorliegenden Meldungen ist nur eine Person verletzt worden. Ein Kind, das von den Trümmern eines einstürzenden Hauses begraben wurde, konnte unverletzt geborgen werden. Die Hitzewelle in Amerika. Rew Dort, ZI. Juki. In den Staaten des Westens und Mittelwestens herrscht immer noch eine Hitze mit Temperaturen bis zu ZV Grad Eetsius. Die Zahl der Todesfälle beträgt 80, wovon die Mehrzahl aus Kalifornien ge- meldet wurden. In den Staaten Nord-Dakota, Süd-Dakota, Nebraska, Iowa und Michigan sind die Heuschrecken zu einer wahren Landplage geworden, während in den Staaten Montana und Idaho durch die große Hitze Waldbrände verursacht wurden. Sturz aus dem fahrenden Wannseezug. Zwischen den Stationen Zehlendorf und Schlachten- see ereignete sich gestern nachmitag ein schwerer Unglücksfall. Während der Fahrt öffnete sich plötzlich die Tür eines Abteils 2. Klasse des Wannscezuges und eine Reisende, die 18jührige kauf- männische Angestellte Hella Wae.ner-Schapira aus der Wins- straße 22 in Berlin N. stürzte kopfüber auf das Nachbarglcis. Der Zug wurde sofort zum Halten gebracht und das Zugpersonal sorgte für die sofortige Ucberführnng der Schwerverletzten ins Lichter- fcldcr Kreistrankenhaus. Von der Reichsbahn und von der Krimi- nalpolizei ist inzwischen eine Untersuchung über den eigenartigen Vorfall eingeleitet worden. Die Ankunft der Roten Falken aus der Lübecker Bucht erfolgt heute, Sonnabend, 14.S9 Uhr, auf dem Lehrter Bahnhof. Die Falken scheiden schwer von ihren Freunden, aber sie freuen sich auf das Wiedersehen mit d c n E l t e r n. Darum: Genossen und Genossinnen, seid, wenn ihr Zeit habt, alle am Bahnhof. Das Raturtheater Friedrichshagen bringt heute, Sonnabend, den 1. August, und Sonntag, den 2. August, abends 7 Uhr, Schillers „Die Räuber" mit Fackelbeleuchtung und Waldhornmusik zur Aufführung. Beginn 7 Uhr. Genosse Richard Ebert, einer der Sänger des Ebert-Manz- Quartetts, begeht heute sein 4 0- j ä h r i g e s P a r t e i j u b i l ä u m. Ueber Mitteleuropa bestehen zur Zeit nur sehr geringe Luftdruck- unterschiede. Daher waren schon am Freitag die Winde in Deutsch- land recht schwach und auch unbestimmt. Zu meßbaren Niederschlägen kam es nur in Ostpreußen. Die Temperaturen erreichten in Mittel- deutschland bis zu 26 Grad. Ein flaches Hoch hat sich über den süd- lichen Ostseeländern und Westpolen ausgebreitet, während ein Tief am Westausgange des englischen Kanals erschienen ist; es scheint sich aber mehr nach Südosten zu entwickeln, so daß unsere Wetterlage zunächst nicht von ihm beeinflußt werden dürfte. Das Wetter wird vorläufig mehr von dem nordöstlichen Hoch bestimmt werden. Wetteroussichkcn für Berlin. Warm, teils heiter, teils wolkig, keine nennenswerten Niederschläge, schwache Luftbcwcgung.— Für Deutschland. Allgemein ziemlich warm, im Westen aufkommende Gc- witterneigung, im übrigen Reiche vorwiegend trocken. fLfJlpl SoziaWsche Arbeiterjugend Groß-Berlio s rv OH CNnfcntmnqtn für dies- Jtubrif nur m da« Susenbftfrtlori«. Berlinerck, neuen Dclelrchtungsesfekken, findet'in Rose-Harten vom.3. bis 5. August, nchmittags."Hä Uhr, statt. Das volKonnnen neu« Variet�.Programm bringt u. a. Willn Rosen und Bruno.�afrner mit List Tirflch in ihrem Cketsch„Tonfilmfimmcl". Abends tz'i Uhr Uraufführung der Operette von Haans Dckner und Harry Waldau„Panne um Mitternacht" mit Hilde Hofer, Loni Pyrmont, Blanko Berbenji, Karl Gülfich, Kurt Mifulffi, Hans Rose. SchAnA KSlme»Auch 1$ möchi- nicht»-r. WVH8C öUÜWÄiC fehlen. Ihnen meine atöfne Anerkennung und vollste Zu- sriedenheit über die„Chlorobont- Zahnpaste" zu Lbennisteln. Ich gebrauche „Chlorodont" schon fest Jahren und werde ob mein«: schönen weih-n Zähne oft beneidet, die Ich letzten Endes nur durch den täglichen Eebrauch ihrer ühtorodont- Zahnpaste erreicht habe." E. Reichelt, Sch... Man verlange nur die echte CHIoro- dvnt-Zahnpaste, Tube 54 Ps. u. 30 Ps., und weise jeden Ersatz dasur zurück. i0>........... Am Sonnabend, dem 1. August 1931, beginnt unser großer INVENTUR-VERKAUF 5: Oranienstr. 164-65/ N: Reinickendorfer Str. 21/ N: Brunnenstr. 188-90, Speziaihaus für Herrenbekleidung/ Frankfurter Allee 60 Werkszeitungen. Spekulation auf die Dummheit ihrer Leser. Jeder Arbeiter, der mit einer Werkszeitung bedacht wird, muß von vornherein wissen, daß diese Werkszeitung imJnteresse des Unternehmers für ihn zurechtgemacht wird, darauf berechnet, ihn zu verwirren und zu verdummen. Dann sind derartige Geistes- Produkte ungefährlich. Wenn die Arbeiter diese Blättchen mit der ihnen gebührenden Verachtung behandeln, dann können die Unter- nehmer ihr Unkostenkonto entlasten, indem sie ihre Werkszeitungen eingehen lassen. Vor uns liegt eine„W erkszeitung für Bergbau- Aktiengesellschaft Lothringen in Bochum, Gewerk- schast Herbeder Steinkohlenwerks in Bochum. Gewerkschaft des Stein- kohlenbergwerks Graf Schwerin in Castrop-Rauxel, Eisen- und Hüttenwerke 2k.--®. in Bochum, Chemische Werke Lothringen G. m. b. H. in Gerthe". Also auch hier Rationalisierung, damit die Sache nicht zu teuer wird. Das Blättchcn erscheint im Industrieverlag und Druikerei-Akt.-Ges. Hütte und Schacht in Düsseldorf. Ob es nicht, mit den Namen anderer Unternehmungen versehen, auch noch für deien Arbeiter ausgegeben wird, sei dahingestellt. Der Leitartikel dieser Werkszeitung vom 25. Juli behandelt den KampfumdasKapital. Der ungenannte Verfasser geht ohne Umschweife gegen den Marxismus ins Zeug:„Das Streben der sozialistischen Wirtschaftsform, das in Privathänden befindliche Ka- pital in die Hände der Gesellschaft zu„legen", beruht im Grunde genommen... auf einer falschen Vorstellung über das Wesen und die Rolle, die das Kapital im modernen Wirtschaftsleben zu spielen berufen ist." . Anstatt auf die gegenwärUge Krise einzugehen, den Zusammen- bruch des Nordwolle-Konzerns, die Stillegungen und Slrbeiter- cntlassungen im Ruhrbergbau, geht der Verfasser bis auf Plato zurück, machte bei dem„bekannten schwedischen Gelehrten Professor Cassel" eine Anleihe und kommt dann auf Eugen Richter zurück, den er zwar nicht nennt, aber zitiert: „Die Gegner des Kapitals—(gsmeint sind die Gegner des kapitalistischen Wirtschaftssystems)... verlangen dessen Teilung, um durch diesen„Platzwechsel" den sog.„Besitzlosen" eine verbesserte Lebenshaltung zu ermöglichen." Nach der Verhöhnung der„sogenannten" Besitzlosen und ihres gesunden Menschenverstandes reitet der Schreiber eine Attacke gegen den Teilungspopanz, den er an die Wand gemalt hat. Gegen die Demokratisierung der Wirtschaft wird der Mißerfolg der Sozialisie- rungskommission nach Kriegsschluß ins Feld geführt, also zu einer Zeit, als wir vor dem großen Trümmerhaufen standen, der allerdings nicht zu sozialisieren war. Es ist das zweifelhafte Verdienst der privaten Unternehmer, insbesondere in der rhcinisch-westfälischen Schwerindustrie, durch ihre ausschweifenden Annektionspläne zur Kriegsverlängerung beigetragen und diesen Trümmerhaufen ver- größert zu haben. Wir wollen aber mit dem ungenannten Falschmünzer dieser Werkszeitung nicht streiten, sondern lediglich an einem gelegentlichen Beispiel zeigen, was hinter diesen Werkszeitungen st e ck t. Die Zechen fügen dieser Ausgabe ihrer Werkszeitung noch ein besonderes Flugblatt bei, worin gegen die Kundgebung der sozial- demokratischen Parteiinstanzen vom 14. Juli polemisiert wird, wozu u. a. ein Zitat des„Deutschen" vom 16. April 1930 herhalten soll. Schließlich werden folgende Sätze als Trumpf auszuspielen versucht: „Auf menschliche Dummheit spekulierend, suchen jetzt die daiür Verantwortlichen die 2lufmerksamkeit von sich abzulenken, indem sie die Unternehmer schmähen, die doch den schwersten Schaden von der unsinnigen Politik haben, die ihre Ankläger getrieben Imben. Sie möchten ihren Platz auf der Anklagebank dem Kapitalismus ein- räumen." Die Spekulation aus die Dummheit ist einzig Sinn und Zweck der Werkszeitungen. Regelung der Kohlenwirischast. Die Vergarbeiter-Znternationale fordert Verständigung. Das Exekutivkomitee der Bcrgarbeiterinternationale, das dieser Tage in Wie» zusammengetreten war, hat sich von»euein energisch iiir Wirtschaftsverständigung im Kohlenbergbau eingesetzt. Die Berichte über die Lage der Kohlenindustrie der ver- schiedcncn Länder ergaben ein trostloses Bild. Geradezu erschütternd wirkte der deutsche Bericht. In einer besonderen Entschließung verlangt die Berg- arbciterinternationale, unter Ausnützung der bereits vom Völkerbund geleisteten Vorarbeiten eine Regelung der Kohlenwirt- schast zur Eindämmung des immer bedrohlicher werdenden inter- nationalen Krisenherdes im Kohlenbergbau durchzuführen. Die ange- schlösse»?» Landesorganisationen werden von der Internationale auf- gefordert, für eine schnelle Ratifizierung des Genfer lieber- cinkommens zur Vereinheitlichung der Arbeitszeit in den Gruben einzutreten.- Bei den Berliner Besprechungen Macdonalds und Hendersons mit dem Reichskanzler wurde auch das Uebereinkommen zur Regelung der Arbeitszeit im Steinkohlenbergbau be- rührt. Der Rcichsarbcitsminister nahm an dieser Erörterung des Ab- kommcns nicht teil. Ein Teil der Presse deutet diesen Umstand dahin, daß eine Ratifizierung zur Zeit nicht beabsichtigt sei. Demgegenüber wird von maßgebender Stelle betont, daß zunächst einmal der amt- liche Text des Uebereinkommens in Berlin vorliegen müsse. Danach werde ein authentischer deutscher Text von einer besonderen Ueber- sctzungskommission angefertigt und wenn das erledigt sei, sei zunächst »och zu prüfen, welche 2lbänderungen in der deutschen Gesetzgebung durch das Uebereinkommen notwendig werden. Erst dann könne die Ratifizierung in Gang kommen. Gewiß kann die Ratifizierung nicht übers Knie gebrochen werden, trotzdem: Tempo, Tempo! 25 Jahre Verbandsangestellter. Paul Schulz, Tanffekretär des Gesamt-Verbandes. 2luz der Berliner Straßenreinigung wurde am 1. August 1906 der Obmann des 2lrbeiterausschusses gewählt, um in der O r t s v e r° waltung Berlin des Gemeindearbeiteroerbandcs als A g i t a- tionsleiter zu wirken. Die Wohl erwies sich insofern als be- sonders glücklich, als Schulz bereits vorher in den Gasbetrieben tätig war und auch sonst die Nöte und Schwierigkeiten eines städti- schen Arbeiters der Vorkriegszeit am eigenen Leibe hinreichend kennen gelernt hat. Bei der Berliner Straßenreinigung stand damals noch ein „hlauer" Hirfch-Dunckerfchcr Verein in Blüte, der von der Direktion künstlich gepflegt und gehätschelt wurde, als Gegengewicht dem„roten Verband" gegenüber. 2lber unter dem planmäßigen Einwirken des Kollegen Schulz gelang es bald, den blauen Verein in den Hinter- grund zu drücken. Dann bearbeitete Paul Schulz insbesondere auch die Sektion der Gasarbciter und später die Gruppe Gesundheitswesen, deren glanzvoller organisatorischer Ausstieg allerdings in der Haupt- fache in die Nachkriegszeit fällt. 1919 wurde Paul Schulz auf dem Verbandstag in Nürnberg zum Vorstandssekrctär des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter gewählt, wo er sowohl die Reichs- sektion Gesundheitswesen als auch die Tarifabteilung leitete. 2lls sich dann 1920 der neue Arbeitgebervcrband der Kommunen und Kommungloerbände bildete, war Schulz der berufene Vertreter der Arbeitnehmer sowohl im Zentralausschuß für Gemeindetarifsachen als auch bei den zentralen Verhandlungen um den Manteltarifver- trag für das Reich. Auch die Rechtsschutzabteilung sowie die Ver- bandsstatistik standen unter seiner Leitung. Beim Zusammenschluß zum Gcsamtverband übernahm Schulz das T o r i f s e k r« t a ri a t, wo er auch heute mit seiner großen Arbeitskraft wirkt. Stets aber hat er über den Rahmen seines Arbeitsressorts hinaus die allgemeinen Berbandsfragen durch die mannigfaltigen 2lnregungen nach besten Krästen gefördert. Genosse Schulz sst auch in Groß-Mühlenbcck(Kreis Nieder» barnim), wo er seit längerer Zeit wohnt, für unsere Partei als Borsitzender der Ortsgruppe eifrig totig. Seine Frau, Genossin Mari« F r i e dr i ch- Schulz, ist dort Vertreterin im Gemcinde- parlament. Zu seinem Jubiläum unsere besten Glückwünsche! Generalversammlung der Maschmisten. Weihnachtsunterstühung der Ausgesteuerten. Auf der Generalversammlung der Maschinisten und Heizer ain Sonntag erstattete Genosse Reinsfeld zunächst den Bericht von der Generaloersammlung des Verbandes. Die Entschließungen der Generalversammlung(Einführung der 42-Stunden-Woche für die in kontinuierlichen Betrieben Beschäftigten) sowie die Nicht- bewilligung weiterer Mittel für die technische Nothilfe und Arn- Hebung der Verordnung des Reichspräsidenten vom 10. November 1920 wurde einstimmig gutheißen. In dem Geschäftsbericht, den Reinefeld anschließend gab, wurde festgestellt, daß im abgelaufenen Quartal, mit Aus- nähme kleinerer Industrien, weitere Lohnrcduzierungen nicht vorgenommen wurden. Einzelne Bezirkstarife konnten neu abgeschlossen werden; Kündigungen von Tarifverträgen(Mantel- sowie Lohnverträge) seien bisher von den Unternehmern nicht vor- genommen. Leider sei zu verzeichnen, daß durch weitere Stillegungen die Arbeitslosigkeit innerhalb der Organisation im abge- laufenen Quartal noch g e st i e g e n ist. Durch Klage vor dem Arbeitsgericht bzw. Landesarbeitsgericht konnten verschiedene Kol- legen wieder in Arbeit gebracht werden, andere 51ollegen erhielten 2lbfindungen bis zum Betrage von 1400 Mark. Der Kassenbericht wurde von R u ck st u h l gegeben, aus dein hervorging, daß die Mitgliederzahl, umgerechnet nach dem Marken- Umsatz, gegenüber dem 1. Quartal nicht gehalten werden konnte. Die Ausgaben für die erwerbslosen, kranken und invaliden Kollegen haben sich gegenüber dem Vorquartal noch erhöht. Ein Antrag, daß zwecks Unterstützung der Ausgesteuerten zu Weihnachten 4 Marken ä. 50 Pfennig für das Jahr 1931 zu kleben sind, wurde einstimmig angenonnnen. Tarifgehälter in Nordwest. Neuer Angestelltentarif. Mit der Neuregelung der Tarifgehälter der Angestellten in Nord. west sst ein ajter und langwieriger Konflikt nunmehr bereinigt. Die Vereinbarung, bedeutet nicht etwa einen neuen Schritt vorwärts auf dem verhängnisvollen Weg des Lohnabbaus: sie gehört sozusagen noch zur alten Lohnabbaukampagne. Die Ncuregeluiig bringt in verschiedenen Punkten ein« Zjerbcsserung des Schiedsspruches vom 22. April. Die Gehälter werden um 6 bis 8 Proz. gekürzt, bei Kurzarbeit soll eine weitere Kürzung um 4 bis 7 Proz. eintreten. Entscheidend war bei dem Zustandekommen der'Vereinbarung für die Angestelltenorganisotioncn die Beseitigung des tanfloscn Zustande«. Tariflosigkcit bedeutet gerade in diesen Tagen nichts anderes als«ine 2luslieferung der Angestellten a» die Willkür des Unternehmertums. Syndikalistische Streikmethode. Beim Streik in Katalonien. Madrid, 31. Juli. In Katalonien sst es zu neuen Ausschreitungen Streikender gekommen, Im Zentrum von Barcelona wurden nicht strei- kende weibliche Telephonangestellte von streikenden Syndikalisten tät- lich angegriffen. Die Angreifer oersuchten, ihnen die Kleider vom Leibe zu reißen und die Haare abzuschneiden. Das Ueberfallkoinmando mußt eingreifen und die Akteure durch Schreckschüsse vertreiben. Mehrere Telcphonkabel sind erneut zcr- stört worden. # Freie Gewerkschafts-Iugend Berlin Heute, Sonnabend, im Saat des ssilm. und Bitdamtes der Stadt Berlin, Lel>etw)N>str. 1—2, Antikriegsvcraniwltnnii. Film: ,.7>ie Solnme". Martlia John: Rezitationen. Kapelle Schacbethal: Musik. Ztostindei« trog Zll Pü Einlob 19 Uhr. Beginn lll!4 Uhr. Iugendgruppe des Zentraiverbandes der Angestellten I Spiele im Freien ab IS Uhr auf dem Sportplah Humboldthain und im Schillerparl. '' wv-i' "V-.. r V- y. .elÄfe �oOCvvo0- & .• 6 o ./ÄO*®* tg\o4e e�e<� �4%. .\\e� />.uc;u57. u-s��«c)f. vep '•'£&:.'*•%■_; i»-.'.y--.• Z.�.>.'.'V■ 4-' ■;,:.-- v"■■■•■:■ � �'"•'"':''''"'"'�'V1'":;-jv'"'' 1''sr?1-*';-'-- �■>. �. caWOOOQ XchAMA��OM� ulSOOO VMwkr VaMiAic~ famfekkw. T&cUm cuoqejkouM. euciMi(Mcf .WwMAAlW/HAtZ , �.',. D•■ht>• &mi~wx Sommerkleider n qo aus Voil«, reinseid. loile, Wasdikunstseide, Hauskleider und Trikolette- Sportkleider, D M nur kleine Größen............... M, 3.00, 1 Sportkleider roo a. kunstt. Leinen, Douppion, Volle-, Chor- j meuse- u. Woll-Mussel.-Kleider jetzt M. 8.00, w Flamengo-Kleider �qo kunstseid, Marocaine-Kleider für d. Nachm., reinseid. Crepe-de-Chine-Druck-Kleider und J a Tanzkleider, bemalt........ jetzt M. 14.00.* Nachm.-Kleider T O00 teils aus reiner Seide, Georgette- Kleid neueDrudcmust. cleg. Ausf. 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Met.r, eingeteilt 1/�»iefont.nnqrbig. Vollrlndl.d.r, gam j-rc ., Pf. 45,.. Pf. 25,„I Pf. 1 0 4 e Deutschlands Verbundenheit mit derWelt Breiischeid über den Kampf der Internationale um den Frieden. Die Jugend und Versailles.— Appell an die Menschheit im Andenken IaureS'. Wien, Zl. 3iili.(Eigenbericht.) 3n der Ircitag-Sihung des Internationalen Kongresses sehte Leon Blum die politische Debatte mit einer begeisternden Rede sorl.. Tlach ihm nahm, von anhaltendem Beifall begrüßt, Rudolf Breitscheid das Wort: Die deutsche Sozialdemokratie wäre glücklich, wenn in diesem Augenblick die Aufmerksamkeit der ganzen Welt und des internationalen Proletariats nicht in diesem Mahe auf Deutschland gerichtet wäre. Wir sprechen der Internationale unfern Dank aus für diese treue Bekundung ihrer Solidarität und ihrer Sympathie mit der deutschen Arbeiterklasse. Dieser Dank wird nicht vermindert durch die Feststellung der Tatsache, daß die Krankheit, an der Deutschland leidet, a n st e ck e n d ist. Die wirtschaftliche und politische Verflechtung der Welt ist zu groß, als daß ein solcher Brand auf seinen Herd beschränkt werden könnte. Und mancher, der sein Haus heule noch sicher glaubt, kann sehr bald überzeugt werden, daß für ihn die Gefahr ebenso groß ist als für uns. In den Kellern der Banken von Frankreich und Amerika häufen sich ungeheure Goldmcngen an, die nutzlos daliegen und nicht in den Produktionsprozeß einbezogen werden. Daraus, daß andere Schichten auch da» Versagen des Kapitalismus erkennen, erklärt sich neben anderen Ursachen der Ausfall der Relchstagswahl vom September 1330, der Aufstieg einer phantastischen, extrem nationalistischen und pro- grammlosen Diktaturpartei. Das Versinken der Mittel- schichten in der Inflation und nachher das starke Anwachsen des Monopolkapitalismus hat auch nichtproletarische Schichten aus das schwerste bedroht, und sie sind zu den Nationalsozialisten über- gelaufen, deren Führer den Kapitalisten dienen, die an der Not und dem Elend weiter Volksmassen schuld tragen. Diese Masten empfinden dumpf, daß das Bestehende schlecht ist, daß sie am meisten darunter leiden, und sie glauben daher dem- jenigen, der die radikalsten Forderungen stellt, daß er wohl derjenige sein wird, der sie ins Paradies irdischer Seligkeit zu führen imstande ist. Dieses Erstarken des Kommunismus wird von manchen Kritikern dahin gedeutet, daß wir mit den kommunistischen Arbeitern gemein- same Sache machen sollten. Niemand würde lieber als wir mit den kommunistischen Arbeitern in einer Reihe stehen. Aber wie die Dinge in Deutschland liegen, bei der Entwicklung, die die KPD. ge- nommen hat. ist es uns leider unmöglich gemocht, auf einem Boden mit ihr zu stehen.(Sehr richtig.) In Preußen, demjenigen Staat, der der stärkste Hort der deutschen Republik ist, unterstützen die Kommunisten den faschistischen Angriff auf das republikanische Regime, dieselben Kommunisten, die noch vor wenigen Wochen und Tagen diesen Volksentscheid alz reaktionären Schwindel ge- kennzeichnet haben. Sie gewähren dem deutschen Faschismus ihre Unterstützung— gegen wey? Gegen die Reaktion? Nein, gegen die deutsche Demokratie u yd gegen d te Sozial- deMokrati«. Die deutsche Arbeiterschaft, soweit sie auch sonst dem Kommunismus sich zugeneigt haben mag, hoffen wir an diesem wahnwitzigen, verbrecherischen Vorgehen nicht teilnehmen zu sehen(sehr wahr). Würde diese Aktioy Ersolg haben, so wäre das kein Erfolg der Kommunisten, es wäre vielmehr eine Niederlage der deutschen Arbeiterschaft, die nur der Reaktion und dem Na- tionolismu» zugute käme. Di« Kommunisten hätten dann das Vcr- dienst, diese schwere Niederlage der Arbeiterschast und ihrer Sache herbeigeführt und der schwärzesten Reaktion zu einem Erfolg ver- Holsen zu haben.(Hört, hört!) Wie viel leichter, wie viel aussichts» reicher wäre unser Kamps, wenn wir eine geeinigte Arbeiterschask hätten. Dieser und jener mag sogen, daß in der Vergangenheit auch bei uns Fehler begangen worden seien. Wir sagen nicht, daß wir unfehlbar wären. Aber in diesem Augenblick wird in Deutschland der Beweis geliefert, daß nicht die Sozialdemokratie und ihr« Po- litiker die Kraft der Arbeiterklasse schwächen, sondern die Politik des von Ruhland diktierten Kommunismus, diese Politik eng- stirnigen Hasses gegen alles was mit der Sozialdemokratie zusam- menhängt. Otto Bauer hat in seinem Referat die Lage Deutschlands vollkommen richtig beurteilt, er, der Ocsterreicher. Wieder zeigt sich hier die enge Verbundenheit des gleichen Volkes, das durch eine Staatsgrenze geteilt ist. Die Grenzen werden einmal fallen. Wir denken dabei nicht an die Kunst der kapitalistischen Diplomaten, in deren Hand selbst sehr gute Ideen zum Unheil führen können, weil sie die Voraussetzungen für den Fall der Grenzen nicht sehen, nämlich die Boraussetzung der Demokratie und de» Sozialismu», die in Europa herrschen müssen, wen» die Arbeiterschast in der Lage sein sollte, ihre Ziele durchzusetzen.(Lebhafte Zustimmung.) Bereits Otto Bauer hat sich an die ILP. gewandt. Die JLP-, die ein wenig dos Gewissen des internationalen�ozialismus sein mächt«, eine Rolle, die zu spielen jeder gern berufen sein möchte(Heiterkeit), hat in ihrem Gegen- antrag die deutsche Sozialdemokratie wegen ihres Verhaltens gegen das Kabinett Brüning getadelt. Ich gehe nicht soweit, die Kritik einer Sektion der Internationale an einer anderen grundsätzlich ausschließen zu wollen. Aber ich fürchte, daß zuweilen die Arbeiten unseres Kongresses etwas stark belastet werden würden, wenn jeder von uns sich berufen fühlte, die innere Politik einer der Bruder- Parteien unter die Lupe zu nehmen.(Sehr richtig!) Muß ich noch einmal die Gründe der Tolerierungspolitik gegenüber dem Kabinett Brüning darlegen? Muß ich noch einmal sagen, warum wir bei- spielswcise beim Panzerkreuzer B uns der Stimme enthalten haben? Nichts von unseren Grundsätzen haben wir je- mal» aufgegeben.(Sehr wahr!) Aber was wir tun und getan hoben war diktiert von taktischen Erwägungen, daß wir näm- lich alles in unserer Kraft Stehende tun mußten, um die Verschiebung der Regierung nach rechts zum Zaschismus zu verhindern. Das sollte die JLP. auch begreifen. Die Alternative, vor der Deutschland steht, ist nicht die, daß man heute das Kabinett Brüning fällt und morgen Otto Wels oder einer von uns Reichs- kanzler wird, daß dann eine sozialistische Regierung auf die Beine gestellt werden könnte. Nein, wenn heute Brüning fällt, dann kommt Hitler-Hugenberg.(Lebh. hört, hört!) Glaubt ihr Freunde von der JLP., daß es im Interesse Europas und seines Friedens liegt, wenn eine solche Veränderung in Deutschland ein- tritt?(Lebhaster Beifall.) Wir denken gar nicht daran, uns irgend- wie mit der ganzen Politik des Kabinetts Brüning zu identifizieren. Wir wollen verhindern, daß die Staatsmacht in die Hände der Faschisten kommt. Aus diesem Grunde sind wir genötigt, und sind wir bereit, Opfer zu bringen, Opfer, die jedem einzelnen von uns und der Gesamtheit der Partei oft schwerer werden mögen, als wenn wir auf die Straße gehen sollten, um dort zu kämpfen, Opfer, um die jeder von uns Tag für Tag, Stunde für Stunde gerungen hat und die wir doch gebracht haben, trotzdem sie vielleicht für unsere Organisation und für unsere Agitation oft gar nicht gut waren. Wir haben sie bringen müssen, weil wir über den Augenblick an die Zukunft der deutschen Arbeiterklasie denken (lebhafter Beifall). Andere Kritiker halten uns vor, daß wir Sozialisten uns an die Kapitalisten um Hilfe für Deutschland wenden. Am wenigsten dürfen sich darüber die Kommunisten lustig machen, denn Rußland gehört zu den Ländern, die am stärksten an da, internationale Kapital appellieren. Ich erinnere an die Ausführungen Tornows auf unserem Lcip- ziger Parteitag, daß nämlich unter einem plötzlichen Zusammenbruch des Kapitals die Arbeiterschast am allerschwerstcn leiden würde. Es ist nicht so, daß der Sozialismus aus den Trümmern wie der Phönix aus der Asche aufsteigen würde, so einfach vollzieht sich die ökonomische Entwicklung nicht.(Lebhaste Zustimmung.) Was wir erleben, ist eine neue moralische Erschütterung des Kapitalismus, eine neue Enthüllung seiner Schäden und seiner Unfähigkeit. Aber wir wissen nur zu gut, daß disser Kapitalismus nicht in einer Krise plötzlich dahinsiechen wird, daß er Schritt für Schritt zurückgedrängt und durchsetzt wird von sozialistischen Ideen und sozialistischen Tatsachen, und auch um dieser Teilerfolge willen können wir den plötzlichen Zusammenbruch nicht wollen.(Sehr wahr.) Wir wollen mit unserem Appell die Möglichkeit haben, mit der Wirtschast auch die Arbeiterklasse in Deutschland zu erhalten. Leider sind diejenigen, die die Hilfe bringen können, die Kapitalisten. Leider ist die Internationale bei allem guten Willen, bei aller moralischen Unterstützung, die sie uns gewähren kann, nicht reich genug, um uns auch die notwendige materielle Unterstützung zu gewähren. Wir appellieren also an die Geldmächte der Welt und sind uns vollkommen klar darüber, daß wir deutschen Sozialdemokratin es nicht bei ein«nr solchen Aufruf bewenden lassen dürfen, sondern daß auch, und zwar durch unser« Vermittlung, Deutschland etwas zu leisten und etwas zu beweisen hat, wenn es sich mit Erfolg an das Ausland wenden will. Das Korrelat dieses Aufrufes ist die deutsche auswärtige Politik. Wir deutsche Sozialdemokraten sind mit der deutschen Außenpolitik des letzten Jahres keineswegs in allen Punkten ein- verstanden. Die auswärlige Valitik macht man nicht allein damit, daß man sich aus sein Recht beruft. Man findet sie nicht im luftleeren Raum. Sie ist auch nicht nur eine Frage des Volksrechts, sondern auch eine Angelegenheit der Volkspsychologic. Es will uns scheinen, als ob die Leitung der deut- scheu Außenpolitik diese Ersordernisse zu wenig berücksichtigt hat. Auswärtige Politik für Deutschland heißt alle» tun, um die Mög- lichkciten und Voraussetzungen einer friedlichen Verständigung nicht zu untergraben und nicht zu erschüttern(Beifall), nicht nur um des Prinzips der Verständigung willen, sondern well es für Deutschland in der gegenwärtigen Lage gar keine andere Wahl gibt, weder für die Sozialisten noch für die Kapitalisten. Die Voraus- setzungen find nicht genügend berücksichtigt worden. Die deutsche Sozialdemokratie hat in diesem Augenblick mehr als jemals die Ausgabe, aus die B eji ch t u n g dieser Erfordernisse zu dringen. Die deutsche Sozialdemokratie ist lange Jahre hindurch in Deutschland gegen den Strom der öffentlichen Meinung geschwom- wen. Sie wissen, welche Nockenschläge, welche Beschimpfungen und Verfolgungen diese Politik nach sich gezogen hat. Wir haben dos getrieben, was unsere Gegner höhnisch Erfüllungspolitik nennen, d. h. wir haben die Ausführung übernommener Verpflichtungen für notwendig erklärt. Wir haben aber zu gleicher Zeit niemals Zweifel gelassen, daß wir die Friedensverträge nicht als für die Ewigkeit geschassen betrachten, daß wir in ihnen vielfach politi- s ch e s Unrecht und vielfach wirtschaftlichen Unsinn erblicken müssen. Wir haben stets erklärt, daß diese Vertrag« nicht heilig sind, daß man ihnen aber eine bessere Gestalt nicht durch die Gewalt der Waffen, nicht durch einen neuen Krieg, sondern nur durch die Verständigung der Völker geben kann, indem sich die Gegenseite von der Ungerechtigkeit dieser Verträge überzeugt und daraus praktische Schlußfolgerungen zieht. Bei niemanden haben mir ein größeres Verständnis dafür gesunden als bei unseren französischen Zreunden. (Stürmischer Beifall.) Von niemanden sind wir besser darin unter- stützt worden, als von Leon Blum und den anderen französischen Genossen, und wir erkennen sehr wohl, daß sie sich in einer schweren Situation befinden, in der sie nicht nur Klugheit, sondern auch Kühnheit an den Tag gelegt haben.(Neuer lebhafter Beifall.) Für uns ist es von ungeheuerster Bedeutung, daß jetzt in dieser Reso- lution schärfer und klarer als jemals zuvor von der Revision der Friedensverträge gesprochen wird. E» ist außer- ordentlich wertvoll, daß die Internationale uns damit den Rücken stärkt. Denn in Deutschland ist die falsche Auffassung verbreitet, als ob die Friedensverträge an der Notlage schuld und die deutsch« Sozialdemokratie dafür verantwortlich seien. Besonders danken wir unserem Freunde Vandcrpelde(lebhafter Beifall), der in der Kom- Mission den Standpunkt vertreten hat, es gehe nicht an, daß auf Grund des Schuldurleils von Versailles die deutsche äugend der zukünstigen Generalion aus Jahrzehnte hinaus unter der teilwcisen Schuld der Leiter des kaiserlichen Deutschlands zu leiden habe.(Lebhafter Veisall.) Mit dieser Erklärung des Vorsitzenden der Internationale wird unsere Meinung bestätigt, die wir in dem gleichen Sinne stets geäußert haben. Wie groß die Schuld der kaiserlichen Regierung gewesen sein mag, ein anderes Deutschland ist gekom- m e n, nicht ein so vollkommen anderes Deutschland, wie wir es gerne haben möchten, aber die Jugend, die vielfach bei Ausbruch des Krieges noch gar nicht gelebt und mit dem Kriegsausbruch gor nichts zu tun gehabt hat, kann unter keinen Um- ständen anders behandelt werden als die gleichaltrige Jugend in den Siegerstaaten.(Lebhafte allgemeine Zustimmung.) Was Bauer und Blum dagegen gesprochen haben, daß die Kreditgewährung an Deutschland unter irgendwelche politische Bedingungen gestellt werden soll, das haben wir auch schon von Anfang an betont. Die internationale Hilfsaktion würde durch solche Bedingungen ihren moralischen Wert vollkommen verlieren. Auch die Bedenken, daß Mittel, die der Regierung Brüning zur Verfügung gestellt werden, später von einer nationalsozialistischen Regierung benutzt werden können, wären dann hinfällig, denn wenn durch solche Bedingungen ein nationalsozialistisches Regime in Deutschland zustande käme, so würde es doch diese Mittel benutzen können, die schon einmal gegeben sind, so daß das. was man verhindern will, gerade erreicht werden würde. (Lebhaste Zustimmung.) Eine Politi.k des Drängens, um nicht zu sagen der Erpressung, ist jedenfalls nicht geeignet, den Mantel des Mißtrauens, der Erbitterung des Nationalismus von den Schultern des Deutschen zu nehmen. Aber ein ehrlicher Ver- such, Deutschland als Glied der Welt und der Weltwirtschaft zu bc- handeln, wäre am ersten geeignet, dazu beizutragen, daß all die Eiskrusten des Argwohns und Nationalismus geschmolzen würden. Für uns Sozialdemokraten erwächst selbstverständllch die Pflicht, in dieser Richtung zu arbeiten, mehr noch als bisher, mehr noch den Kampf gegen den Nationalismus, den Kampf für Bälkerfreundsthaft und für die Vernunft zu führen. Die nationalistischen Rüstungen und Paraden bedrohen ja die deutsche Arbeiterklasse viel mehr als die ausländischen Staaten.(Lebh. Zustimmung.) In der heutigen Zwangslage spricht man viel davon, daß Deutschland zur nationalen Selbsthilfe in der Wirtschaftsfrage greifen würde. Es ist s e l b stv e r st ä n d l i ch, daß wir sür nationale Selbsthilfe sind, obwohl wir glauben, daß die nationale Selbsthilfe nicht weit reichen wird. Wir fürchten auch, daß die herrschende Klasse Deutschlands unter der natia- natcn Selbsthilfe in erster Linie neue Opfer des Proletariats verstehen werde. Schon aus diesem Grunde appellieren wir an das Aueland, uns zur Hilfe zu kommen, um der gesamten Welt und ihrer friedlichen Ent- Wicklung willen. Die Berontwortung der Kapitalisten ist klar. Wenn dos Kapital die bedrohten Länder in Elend versinken, wenn es die Völker ver- zweifeln läßt, dann entstehen die Gefahren de» Chaos und des Bürgerkrieg». Wir sprechen davon mit warnendem Mund. Wir sagen nicht, daß wir diejenigen, deren Hilfe wir fordern, mit Revo- lution heiß machon wollen, wir sagen nur, daß, wenn durch das Versagen der Geldmächtc die Demokratie zusammenzubrechen droht, daß wir dann aus einem anderen Boden den Kämpf der Arbeiterklasse führen müßten und daß die Geldmächte sicher sein möchten, die Arbeiterklasse auch auf diesem Boden zu finden. Wir stoßen keine starken Wort« aus. denn starke Worte gebraucht am leichtesten der, der sich der eigenen Schwäche bewußt ist. Wir wollen keine starken Drohungen gebrauchen, wir warnen nur nor den Möglichkeiten, die eintreten können. Wir sagen nicht, wir werden Revolution machen, wir wissen nicht, ob eine solche Revolution in Deutschland von anderen gemacht werden könnte. Wir haben kein Interesse an Gewalt, an Bürgerkrieg, um so mehr, als möglicherweis« durch einen solchen Bürgerkrieg im gegenwärtigen Moment auch für die Arbeiterklasse in Deutschland manches verloren gehen könnte. Wir fragen das Bürgertum, wir fragen den internationalen Kapitalismus, glaubst du um deiner selbst willen zu solchen Mitteln greisen zu können? Wir zeigen noch einmal den Weg, auf dem die Wirtschast einschließ- lich der Arbeiterklasse durch den Kapitalismus gerettet werden kann. Wir hoben den Beweis erbracht, daß wir Ge- malt nicht als ein Mittel des Sieges der Arbeiterklasse anwenden wollen. Wir sind immer noch außenpolitisch sür die demo- kratische Entwicklung, in diesem Augenblick mehr als je zuvor. Wir sehen die Gefahr des Kapitalismus, wir erleben sie täglich am eigenen Leben, und wenn auch vielleicht die Dinge einstweilen erfreulicherweise nicht derart sind, daß aus dieser Krise in Europa ein neuer Krieg entsesselt werden kann, so stehen wir doch in diesen letzten Julitagen unter dem Eindruck der vor 17 Iahren eingetretenen furchtbaren Katastrophe der Menschheit. Unter diesem Eindruck erschallt noch lauter als sonst aus unserem Bunde der Ruf nach Frieden, nach Verständigung, besonder» für im, Deutsche nach Verständigung mit Frankreich(Gewaltiger Bei- fall). Im Gedenken an das Todesopfer des heutigen Tages vor 17 Iahren. an Iean Iauräs. richten wir diesen Appell an die ganze Menschheit und erklären, daß wir weiter daran arbeiten werden, die Sache der Arbeiterklasse und des Weltfrieden» mit demokratischen Mitteln zu fördern, um auch innerpolitisch« Gesahren. die die Mißwirtschost des Kopitalismus hervorgerufen hat, siegreich zu übsrwinoen.(Stürmischer, langanhaltender Beifall. Breitscheid bringen die vielen hunderte Delegierten und die überfüllten Tribünen eine begeisterte Ovation.) Hebet den verlaus der Zreilag-Sihung berichten wir im«Abend". soeim AntjbnionQkiinrinPhimn im Stadion neunoiin wmr Hllllni luHonUllUHullUIIU adv. eruaiDacn-Paris sprieftt Einfenbnngcn für diese Rubrik sind 0 e r l i o SB 68, Lindenstratze 3, parieinachn'chten für Groß-Verlin stet» an da» Bezirt»sekretariiu Z. Hos. 2 Treppe» recht», zu richte» Beginn aller Veranstaltungen Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe? AntlkriegSkundgebung am Sonntag, 2. August. 2. frei», Achtung. Parteimitglieder! 5üc Mitglieder treffen sich alle um 14', Uhr nn Stadion Neukiillu, Oderstrasie, Die Fahnendeleaalionen uekmen li\i Uhr vor dem Haupteingang de» Stadion», Oderstraße, zum gemeinsamen Einmarsch Ausstellung.„. 16. Krci». Treffpunkt zur gemeinsamen Abfahrt 1l>3. und 112. Abt. �ahnbof Köpenick um iz'.H Uhr, Abt. 110, III u. IIS Bahnhof Grirnou um ISS Uhr. 2«.«reis. Die Abteilungsleiter treffen sich-14 Uhr vor dem Eingang zum Neuköllner Stadion zu einer kurzen Besprechung. Auch die Banner. träger der AdteiUingen und des Greifes treten um 14 ITHr um glerchen PlnÄ an.. 14. Abt. Die Genosien treffen sich um 12% Uhr bis 13 Uhr bei Sottscholk, Put. busier Str. 24. 16. Abt. Treffpunkt 13 Uhr bei Obiglo, Stralsunder Str. 11. 17. Abt. Die Monatsschrift„Unser Weg" ist beim Senossen Hohn« abzirholen! desgleichen wird daraus aufmerksam gemacht, daß die Akontozahlungen innegehalten werden müssen.- 21. Abt. Alle Mitglieder beteiligen sich an der Antikriegskundgebung m Neu. kölln. Eladion, Oderstraße. Treffpunkt 13% Uhr bei Kroll. Utrechter Str. 31. 31. Abt. Di« Genossen treffen sich zur gemeinsamen Fahrt zur Antikriegs- kundgebung um 13S Uhr Hochbghnhof Nordring._, 42. Abt. Zur AntikriegÄundgebung treffen sich die Genossinnen und Genossen um 12S Uhr bei Wiersdorfs, Urbgnstr. 6.... 47. Abt. Die Bannerträger treffen sich um 13 Uhr bei Eledeniopf. The Genossen und Genossinnen nehmen alle an der Kundgebung im Stadion teil. 32. Abt. Dlorgen Treffpunkt 12% Ul,r am U-Bahnhof Wilhclnrplatz. 68. Abt. Treffpunkt 13 S Uhr U-Bahnhof Wittenbergpl-K. 83. Abt. Der Gesangverein Männerchor„Einigkeit", Lichierselde(Mitgl. d. DASB.), feiert um 16 Uhr in dem Gartenrestaurant Lichtcrfelder FestsLIe, Zehlendorfer Str.», das 40. Stistungssest. Da der Verein alle Partei- Veranstaltungen bisher in weitest gehender Weise imtcrstützt hat, bitten wir alle Genossen um reg« Beteiligung. 84. Abt. Gemeinsame Abfahrt um 13 Uhr Bahnhof Lankwitz. 85. Abt. Alle Genossinnen und Genossen treffen sich 14S Uhr im Stadion Reu. kolln. Odcrsiraße. 163. Abt. Die Genossinnen und Genossen beteiligen sich restlos an der Kund. §dung. Fahrt Ringbahn bis Bahnhof Hermannstraße. bt. Die Genossen und Genossinnen treffen sich auf dem Bahnhof Nreder- schöneeveide. Der direkte Zug nach Hermamistroße fährt 1.22 Uhr. ll»7. Abt. Alle Genossen und Genossinnen treffen sich Bahnhof Grünau. Ab- fahrt 1.44 Uhr. 1«. Abt. Treffpunkt 13 s Uhr Bahnhof Spindlersfcld. Abfahrt 13.3« Uhr nach Bahnhof Hermannstraße. Wir bitten nm rege Teiinahme. im. Abt. Wir treffen uns zwischen 13 und 13% Uhr gm Bahnhof Friedrichs» Hagen. Abfahrt pünktlich 13.18 Uhr. III. Abt. ParteigenSfsifche dies" besucht unbedingt 10 Uhr im Parkrestaurant----... 119. Abt. Treffpunkt um 13% Uhr Frankfurter-Allee Ecke Mollendorfstraße. (Treffpunkt des Äreifes 14% Uhr Warthe. Ecke Oderstraße, Neukölln, U-Bahnhof Leinestraße oder Stadtbahnhof Hermannstraße.) 12«. Abt. Beteiligung mit Danner an der Antikriegskundgebung. Gemeinsame. Abfahrt 13.60 Uhr vom Bahnhof Lichtenberg-Friedrichsseldc. Fahrt bis Hermannstraße. Antreten 14% Mir in der Warthestraße. 123. Abt. Treffpunkt 13% Uhr Bahnhof Kaulsdorf. Fahrt bis Dahnhof Her. mannstroße. 124. Abt. Sammelpunkt Bahnhof Mahlsdorf um 13 Uhr. Fahrt bis Bahnhof Hermannstraße. 128. Abt. Treffpunkt 13 Uhr Ulitergrundbahnhof Binetaftraße. 139. Abt. All- Genossen beteiligen sich an der Antikriegskundgebung im Neu. köllner Stadion. Abfahrt 13 Uhr von der Endhaltestelle. 143. Abt. Absolut 12.56 Uhr Vorortbahnhof Waidmonnslust. Montag, 3. August. 47. Abt. Funktionärsitzung bei Frcl nehmen an der Anttmegskmrdgebung im Stadion Neukölln teil. Vereinigung der Freunde von Religion und V ölte rfr jeden. Genosse Pfarrer Blcier spricht am kommenden Sonntag. 2. August. 1y Uhr, im Nahmen einen religiösen Feierstunde in der Trimtatis-Kirche� Cl)arlottenburg. ftari-Aiiguft- Platz, übet das Thema„Die Schölrheit des Sonntags".— Am Sonnabend, 8. August, Antikriegskundgebung in den Gosener Bergen. Him. und Rückfahrt per Dampfer 1,25 M. Ansprach« von Pfarrer Bleier, Agitation. Karten bei W. Schönherr, 1. Vorsitzender. Berlin-Steglitz. Schönhauser Str. 14. Zentralverbond der Arbeitviuvoliden und Witwen Deutschlands. Gau Groß« Berlin. Geschäftsstelle: Berlin W. 57. Büloivstr. 49, rechter Seitenflügel 1 Tr. Sonntag, 2. August. Prenzlauer Berg II: Altersheim. Don�iger Str. 62, 9 Uhr. Referentin Kollegin Haas.— Kreuzderg I: Märkischer Hof. Admiralstr. 18, 10 Uhr.— Neukölln: Jugendheim Steinmetzstr. 114, 10 Uhr.— Montag, 3. Augusts Bohnsdorf: Lokal Hey mann, Waltersdorser Etratze, 18 Uhr. Referentin Kollegin Haas.— Johannisthal: Lokal Sobian, Roonstr. 2. 18 Uhr.— Lichterfelde: Lokal Rothe, Hindeirburgdamm Eck« Roonftraße, 18 Uhr. Rejprent Kolleg« Fifchbach.— Grünau: Lokal Werner, Berlinickeftr. 1. 18 Uhr.— Chor- lotte�>urg: Helmholtz-Quelle, Helmholtzftr. A, 17 Uhr.— Lichtenberg: Lokal Wegener, Frankfurter Allee 286, 16 Uhr.— Köpenick: Alt« Dorotheensäiule, Freiheit 15. 17 Uhr.— Steglitz: Lokal Wernicke, Berlinickeftr. 1. 18 Uhr.— Mitte l: Lokal Arndt, Schröderstr. 2, 17 Uhr.— Wedding l: Sängerheim, We-dding. siratzc 9, 18 Uhr. Arbeiter- Radio- Bund Deutschlands, e. V.. Bezirksgrnppe Berlin. Anschrift des Vorstandes: H. Graul, SW. 39. Gneisenaustr. 41(Frerdenkerhaus). Mitt. moch. 5. August, keine Vorstandssitzuna.— Ehorlottenburg: Lokal Lehmann, Königsroeg 8. Freitag, 7. August. 20 Uhr, Technische Plauderei. Leiwng: Ge- nosse Waluga.— Friedrichsfelde: Lokal Tempel, Gudrunstr. 7. Montag, 3. August, 20 Uhr,„.Kondensatoren und deren Anwendung". Referent Genosie Ing. B. Voigt.— Friedrichs ha in: Lokal Wertava, Hohenlohestr. 3. Donners- tag, 6. August, 20 Uhr. Krafrverftärter- Bauabend.— Kreuzberg.Tempelhos: Lokal Thiele, Fltrbringerstr. 9. Freitag, 7. August, 20 Uhr, Bauabend.— Lichtenberg: Lokal Hämmerlein. Rigaer Er. 50— 51. Freitag, 7. August. 20 Uhr, Mitgliederversammlung.— Neukölln-Trcpww: Lokal Eggers. Kaiser.Friedrich. Straße 8. Freitag. 7. August. 20 Uhr. Vorbereitung �ur Veranftaltung in de: Neuen Welt.— Prenzlauer Verg: Lokal Klug, Danziger Str. 71. Dienstag, 4. August. 20 Uhr, Mitgliederversammlung und Frageabend.— Gesundbrunnen: Lokal Münzberg, Stettiner Str. 52. Fällt bis Anfang September aus. Nächste .Zusammenkunft Freitag. 4. September, um 20 Uhr, im Gruppcnlokal.— Achtung! Alle Genossen der Bezirksqruppe Berlin beteiligen sich an der Parter. kundgebung am Sonntag, 2. August, 14� Uhr, im Stadion Neukölln, Oder- stratze. Graul. Voigt.__ (Gewerkschaftliches siehe 1. Beilage.) Bernntwsrtlich für Politik: Tr. Euri Geye«! Wirtschaft:©. Klingelhösci! Gewerkschaftsbewegung: S. Steiner: Feuilleton: Dr. John Schikowski: Lokales und Sonstiges: Fritz Karftädt-, Anzeigen: Tb. Glocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag G m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerek .nd Verlagsanstali Paul Singer u. Co. Berlin SW 68. Lindenstratze 3 Hierzu 2 Beilagcu und„Zugcnd-Vorwärts". WERTHEIM Leipziger Sir.(Versand-Abt) Königstr. Rosenthaler Str. Woritzplatz Die billigsten Preise seit vielen Jahren Saison- XitittediaKl Beginn 1. August � . f%•••.• � £j|| Posten Serie I Serie II Serie III Damen-Mäntel"Ä:;1 2 so 6 so 9 75 frOher bis 24.00 früher bis 28.00 früher bis 29.75 Damen-Mäntel verschiedene Stoffarten u. 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Dos Reich gibt das Geld. Zahlungsunfähige Schuldner privatisieren hier ihre Gläubigerbank und das Reich da.zn. Angesichts des Schalterschlusses der Dormstädter und National- dank und der Zusammenbrüche großer wirtschaftlicher llnternehmun- gen in den letzten Tagen ist es lehrreich und auch von besonderem Reiz, den letzten Geschäftsbericht der Danat vom März dieses Jahres nachzulesen. Die Geschäftsberichte der Donatbank wurden von Jakob Goldschmidt persönlich ver- saßt. Er war stolz auf diese Berichte. Er sprach als berufener und onsrkannter Vertreter des lapitalistischen Systems. Diese Ge- schäftsberichte waren typisch für die Ideenwelt der Unternehmer. May begegnet in ihnen tntiächiich Gedankengängen, deren dilettantischer Hochmut viel von dein begreiflich macht, was wir heute erleben. Das Problem der Arbeitslosigkeit in Deutschland erklärte Jakob Goldschmidt im März so: „Die Arbeitslosigkeit ist wesentlich auf eine künstliche Erhöhung der Löhne durch eine staatlich begünstigte mono- polistische Lohnpolitik zurückzuführen, die einerseits zu einer übersteigerten Rationalisierung und Zusammenfassung von Ve- trieben und damit zur Freisetzung von Arbeitskräften geführt, andererseits einem Teil der Arbeitnehmer zu Lasten der übrigen einen zu starken Anteil an dem lsozialprodukt gesichert hat." Rückschauend sieht man, wie hier der 5iapitalismus in der An» Nage gegen den Staat Deckung sucht vor den Auswirkungen seiner eigenen Sünden. wie eine angeblich monopolislische Lohnpolitik des Staates angeklagt wird, während dieser eine unzweifelhaft mono- polisAschc Preispolitik gerade in den größten Industrien gegenübersteht, deren Zweck nicht volkswirtschostlich auf die Erzeugung billigen Gutes und dadurch vermehrter Produktion gerichtet ist, sondern auf die rücksichtslose Sicherung einer llnternchmerreiite, unbekümmert um alle Konjunktur- und Machtgesetze. Gerade die Duldung dieser Rcntenindustrie und das geflissentliche Uebersehen der in ihr liegenden Gefahren hat nicht zuletzt auch den Einbruch in das Bankgewerbe verschuldet, das willig aus der monopolistischen Preispolitik dieser Unternehmungen auch seine Kreditpolitik aufbaute und damit zur Verfälschung der wahren Wirtschaftssituation beitrug. .Man soll dem freien Spiel der Kräfte mehr Raum geben." Jakob Goldschmidt gab für seine Klassengenossen selbstverständ- k!ch auch eine Rechtfertigung des kapitalistischen Systems. Es heW in dem Geschäftsbericht: „Biel zu sehr ist aber heute schon in die kapitalistische Ordnung die kallektioistisch orientierte Organisation, eine entseelte und verflachte, weil mißverstandene Demokratisierung zu Lasten des unternehmungsmutigen und verantwortungs- freudigen Individuums eingedrungen. Di« Wirtschafts- führung muß überall da, wo verwaltunos, näßige Erledigung der Geschäfte nicht ausreicht, wieder auf die Grundlage der individua» listischen Weltanschauung zurückgebracht werden, wenn sie die Bcr- antwortung für eine Neuordnung übernehmen soll. Man darf n.cht einen Kopitalismus schmähen, den man eines guten Teiles seiner Wesensart entkleidet hat und der dadurch mehr und mehr in fehlerhafte Tendenzen und Handlungen v e r st r i ck t wird. Man soll dem freien Spiel der Kräfte, das das Wesen der kopita- listischen Ordnung ausmacht, wieder mehr Raum geben." Niemals ist der Ruf nach dem freien Spiel der Kräfte stärker als wirtschaftlicher Widersinn gekennzeichnet worden als in den letzten furchtbaren Wochen. Nicht„bolchewistisch-kollektivistische Elemente" und Orientierungen der deutschen Wirtschaft haben den Kapitalismus seiner Wesensart so weit entkleidet, daß er sich„mehr und mehr in fehlerhafte Tendenzen und Handlungen verstrickte", nicht sie tragen die Schuld an der schleichenden Krise des letzten Jahres und an der akuten Krise von heute, sondern dasleidervom Staat noch immer nicht genügend beherrschte Freie- Kräste-Spiel. Gerade in der U n g c z ü g e l t h e i t dieses freien Spiels der Kräfte liegt, wie heute klar erkennbar, die Ursache jener verhängnisvollen wirtschaftlichen Erscheinungen, die wir heute erleben. Ohne jede Rücksicht auf gesamtwirtschaftliche Rentabilität und die besondere Lage Deutschlands in der Weltwirtschaft und Welt- Politik ließ dieses freie Kräftespiel Fehlinvestitionen aus Fehlinvestitio- nen geschehen, vermittelte Kredite auf ungenügenden Grundlagen und vernebelte schließlich die selbst erzeugte schleichende Krise hinler lauten Anklagen gegen Politik und Staat, bis es der selbst erzeugten Atmosphäre politischer und wirtschaftlicher Spannungen zum Opfer fiel. Bor einem halben Jahr ver- kündete man das freie Spiel der Kräfte und die Parole vom Wage- mut des Individuums unter heftigen Angriffen auf den Gegenspieler Staat. Heute müssen Reich und Staat die Folgen dieses freien Spiels der Kräfte und der mangelnden Bor- aussicht der Unternehmerinitiative bezahlen. Das freie Spiel der Kräfte gilt immer nur da. wo es sich um die Chance des Gewinns handelt. Schlägt aber dos eingegangene Risiko ins Negative, dann darf die öffentliche Hand sich am Verlust beteiligen. Die gepriesene Initiative und das gelobte verantwortungs- bewußte Handeln des Unternehmerindividualisten hat aber auch da versagt, wo es sich nicht nur um die Betätigung falscher Ansichten, sondern um die Verwirklichung wirtschastspolitisch r i ch- tigcr Auffassungen handelte. Im März schrieb Gold- schmidt noch: Deutschland muß das Vertrauen des in- und ausländischen Kapitals wieder gewinnen. Es wird seine Politik daraus einstellen müssen, daß es noch für eine lange Reihe von Jahren aus Kapitalzuschüsse angewiesen ist, die es nur erhalten kann, wen» es ständig im Auge hat, dem Kapital die Sicherheit seiner Betätigung zu geben. Deutschland kann durch die Eigenart seines volkswirtschaftlichen Aufbaues nicht daran denken, outokratische Zustände einzuführen; denn dahinzielende Bestrebungen sind nur geeignet, uns von dem Wege abzudrängen, den wir vernünftigerweise gehen müssen." Vielleicht war Goldschmidt nicht schlechter als viele andere Kapi- talisten. Die Mahnung aber, auf die Sicherheit der vom Auslande investierten Gelder und die Stabilisierung des ausländischen Ver- trauens zu achten, hat weder Goldschmidt noch ein anderer Groß- kapitolist beachtet. Der Zusammenbruch der Danatbank ebnete nicht nur Zweifeln an der deutschen Währung die Wege, er eröffnete auch einen unverschleierten Einblick in die Widersprüche zwischen nationalwirtschastlicher veranl wartlichkeit und spekulierender llnternehmergesinnung. Fähigkeiten und Einsichten der Wirtschaftsführer haben sich so g'- zeigt, wie wir sie kennen: in der Erzeugung von katastrophenartigen Widersprüchen der kapitalistischen Produktions- und Kreditwirtschaft. in der Unfähigkeit, die Volkswirtschaft von der Gefahr größter speku- lativer Risiken und eigennütziger Manipulationen zu sichern. Man Hot Gelder unwirtschaftlich ausgeliehen. Man hat den deutschen Aktien- markt durch ein kompliziertes System zur Entrechtung der kleinen Aktionäre seiner wichtigen Funktion als Kapitalmarkt entkleidet. Man Hot mit seinem Risiko auf Kosten der öffentlichen Hand spekuliert. Und man hat schließlich dabei vergessen, daß einmal auch die Probe aufs Exempel kommen muhte.— Die Probe aufs Cxempel ist da: dem Fluch des freien Spiels der Kräfte muß ein Ende ge- macht werden. Man gebe dem Staate, was des Staates ist. Wozu Mansseld Geld hat! Merkwürdige Hypothekengeschäste. Durch einen Zufall erfährt die Oesfentlichkeit, daß die M a n s- f e l d A.- G. neben ihrer eigentlichen Geschäftstätigkeit, dem Betrieb von Gruben und Hütten zur Kupfergewinnung, auch Geld- geschäste besonderer Art tätigt. Das muh um so mehr Befremden erregen, als der Betrieb der Mansfeld A.-G. nur durch st a r k e OpserdcrArbeiterschaft und erhebliche Zuwendungen der öffentlichen Hand aufrechterhalten werden kann. Bei dem fraglichen Geschäft handelt es sich um die B e- leihung der tausendjährigen Burg Lenzen, die zuletzt im Be- sitz eines Rittmeisters von Jsermann(Berlin) war. Nachdem Herr von Jsermann die Burg sehr hoch hatte beleihen lassen, kam die Burg zur Versteigerung. Unter den Hypotheken steht an letzter Stelle auch eine für die Mansfeld A.-G. in Höhe von 10 Olli) M. Für das Objekt, das wohl nur noch Liebhabcrwert hat, wurde eine lächerlich geringe Summe geboten. Wenn auch der Zuschlag vorläufig ausgesetzt wurde, so ist doch bestimmt damit zu rechnen, daß die Mansfeld A.-G. die geliehene Summe nicht wieder zu sehen beko.mmt. Wie kommt die Mansseld A.-G., die Im letzten Geschäftsjahr nicht weniger als Z.ö5 Millionen Mark Steuergelder als verlorenen Zuschuß erhalten hat, dazu, solche Geschäste zu machen. Geschäfte, die nichts weiter als Zuwendungen an Privatpersonen zu fein scheinen? Auioabsah im ersten Halbjahr ilDM. Keine weitere konjunkturelle Verschlechterung.— Stark erhöhte Ausfuhr. Der Gesamtabsatz von Personenkraftwagen in den Monaten Januar bis Juni belief sich auf 35123 Wagen; das be- deutet gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres mit 50 125 Wagen einen Rückgang um 30 Proz. Der Gesamtabsatz an L a st k r a s t- wagen war im ersten Halbjahr 1331 mit 7441 Wagen gegenüber dem Vorjahr(8609 Wagen) um 40 Proz. geringer. Während in den ersten Monaten dieses Jahres der Absatz sehr stark(im Fe- bruar sogar um 53 Proz.) unter den Ziffern des Vorjahres lag, ist in der Zeit nach der Automobilaus st ellung im Mörz eine Besserung eingetreten. Der Absatz von Lastkraftwagen war im Juni mengenmäßig s o h o ch wie un Vorjahr, wenn er auch wert- mäßig infolge der Abwanderung des Konsums zu leichten Wagen nicht unerheblich hinter dem Vorjahrsmonat zurückblieb. Diese Tat- fache und der verhältnismäßig geringe(saisonübliche) Rückgang der Gesamtabsatzziffer vom Mai zum Juni sind ein Zeichen, daß die konjunkturelle Verschlechterung in der Beschäftigung der Automobilindustrie zum Stehen gekommen ist. Daß die Automobilindustrie in dem Bestreben, durch Ver- besserung und Verbilligung ihrer Fabrikate den Absatz zu heben, nicht unerhebliche Erfolge erzielt hat, zeigen die Aus- s u h r z i f s e r n für das erste Halbjahr. An Personenkraftwagen wurden in den Monaten Januar bis Juni 1931 3461 Stück aus- geführt. Das bedeutet gegenüber dem ersten Halb- jähr 1930 mit 1933 Personenwagen eine Steige- rung um nicht weniger als 74 Proz. Verhältnismäßig ge- ring war die Steigerung bei der Ausfuhr von La st kraftwage n, die sich von 1405 auf 1438 Wagen oder um 7 Proz. erhöhte Du» Ausfuhr hat durch diese Steigerung für den Gesamtabsatz eine höhere Bedeutung erhalten. Der Anteil des Exports am Ge- samtabsatz hat sich bei den Personenwagen von 4,6 auf 9,6 Proz., bei den Lastkraftwagen von 12,5 auf 15 Proz. erhöht. Andererseits konnte die ausländische Konkurrenz er- heblich zurückgedrängt werden. Der Anteil ausländischer Wagen am Gesamtabsatz ist bei Personenkraftwagen von 28 Proz. im ersten Halbjahr 1930 auf 13,8 Proz. im ersten Halbjahr 1331, der Anteil bei Lastkraftwagen von 35,8 auf 33,4 Proz. zurückgegangen. In diesem Jahre ist besonders der Absatz der General Motors zurück- gegangen. Aber auch der Anteil Fords am deutschen Personen- kraftwagengeschäft hat sich von 8,9 auf 8,2 Proz. ermäßigt. Sehr viel ungünstiger sind die Ziffern für den Absatz von Motorrädern. Infolge der Arbeitslosigkeit, besonders in der B a u w i r t s ch a s t, ist der Absatz von Großkrasträdern im ersten Halbjahr 1331 gegenüber dem ersten Halbjahr 1330 um 57 Proz., der Absatz von Kleinkrafträdern um 46 Proz. zurückgegangen. Lebenshaltungsindex ein wenig gesunken Nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamtss ist die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten von 137,8 im Juni auf 137,4 im Juli, also um 0,3 Proz., zurückgegangen. Die Jndexzifscr für Ernährung sank um 0,4 Proz. auf 130,4, die für Bekleidung um 0,7 Proz. auf 138,3 und die für„sonstigen Dedarf" um 0,1 auf 184,3. In der Ermäßigung der Indexziffer für Ernährung wirkten sich die Preisrückgänge für Gemüse aus, die durch die Steigerung der Preise für Kartoffeln, für Zucker und Eier nur zum Teil aus- geglichen wurden. Infolge Abbaues der Sommerrabatte für Hausbrandkohle ist die Indexziffer für Heizung um 0,4 Proz. auf 146 gestiegen, während die für Wohnung mit 131,6 u n v e r- ändert blieb. Llmsahrückgang bei Woolworth. Der Einheitspreiskonzern F. W. Woolworth u. Co. verzeichnet sür das e r st e Halbjahr 1931 einen Umsatz von 130,3 Millionen Dollar, d. h. etwa 1 Million Dollar weniger als im ersten Halbjahr 1330, obwohl sich die Zahl der Filialen innerhalb und außerhalb der Vereinigten Staaten erheblich vermehrt hat. Die Gesamtzisser der von Woolworth betriebenen Geschäste beträgt gegenwärtig rund 2300. Hiervon entfallen 1881 auf die Vereinigten Staaten, 375 auf Kanada, Großbritannien und Kuba, 47 auf Deutschland und 2 auf Frankreich. Das Jahr 1330 hatte dem Gesamtkonzern bereits eine niedrigere Verkaufssumine als das Jahr 1923 gebracht, sie betrug nämlilch nur 283,3 gegenüber 303,1 Millionen Dollar im Jahre 1323. Berück- sichtigt man die fortgesetzte Zunahme neuer Vcrkaussanlagen, im Jahre 1330 allein in den Vereinigten Staaten um 56, so ergibt sich je Verkaufsgeschäst eine erhebliche Verminderung des Umsatzes. \N\? Uondirn� -.siÄW-r. ürMM unseren ,50 50 150 S)er UMann mil dem{Revolver lüon lllario Vlohr „?!och jemand da?" fragte Mr. Mc. Asby, der Oelkönig. „Nein. Das heißt: ein junger Mann, der sich nicht abweisen lasse» will. Es sei eine höchst wichtige, persönliche Angelegenheit. Er sieht ziemlich abgerissen aus. Sicher ein Bettler." „Geben Sie ihm etwas, und schicken Sie ihn fort!" Da hörte man plötzlich draußen Schreie. Handgeinenge, einen dunipfen Fall Die Türe wurde aufgerissen, und ein junger, hoch- aufgeschossener, bleicher Mensch stürzte atemlos herein, schob sich die Locken aus der Stirn und sah zu Mr. Mc. Asby herüber.„Ich muß Sie unbedingt sprechen. Es ist lebenswichtig. Nicht für mich, für Sie." Mr. Mc. Asby sah den jungen Menschen an und schickte mit einem Fingerzeig seine Leute aus dem Zimmer.„Bittel Der Weg ist zwar etwas ungewöhnlich, aber, wie Sie sehen, habe ich Ihnen den Gefallen getan. Wir sind allein." „Sie sollen auch niemanden rufen. Ich weiß, Sie haben ver- borgene Klingeln überall: unter dem Schreibtisch, auf dem Fuß- boden." „Keine Angst! Ich rufe niemanden. Was wollen Sie eigentlich von mir?" „Ich werde Sie jetzt erschießen." „Sooo?" „Ja." „Da Sie so freundlich sind, nnr dies vorher mitzuteilen, werden Sie mir vielleicht auch die Gründe Ihres Vorhabens angeben." „Nein." „Und, wenn ich fragen darf, warum nicht?" „Es wäre zu umständlich, würde zu lange dauern, und Sie würden es wahrscheinlich auch gar nicht verstehen." „Wahrscheinlich. Aber es scheint Ihnen ja selbst auf fünf Minuten früher oder später nicht anzukommen. Könnten wir es nicht doch einmal oersuchen? Man muß doch wenigstens wissen, warum man stirbt. Bitte, nehmen Sie Platz!" Mr. Mc. Asby trat hinter seinem Schreibtisch hervor, wies auf einen Klubsessel, setzte sich in einen anderen und wartete, bis der junge Mensch ebensalls Platz genonimen hatte. Dann nahm er von einem kleinen Rauchtisch, der zwischen ihnen stand, eine Kiste:„Sie rauchen?" „Nein, danke, jetzt nicht." „Aber es spricht sich besser, wenn man raucht. Bitte!" Der junge Mann steckte sich eine schwere Havanna in den Mund, kramte in seiner Hosentasche nach Zündhölzern, gab erst Mr. Mc. Asby Feuer und paffte dann darauf los. „Schmeckt es Ihnen?" sragte der Oelkönig. „Verdammt feines Kraut, das. Kunststück. Sie können es sich ja leisten." „Was rauchen Sie denn sonst?" „Zigaretten. Die billigsten natürlich." „Als ich so alt war wie Sie, habe ich Kautabak konsumiert." „Pfui Teufel!" „Ja, aber es war immer noch billiger als die billigste Zigarette." „Jetzt wollen Sie mich einwickeln." „Ich denke gar nicht daran. Ich will nur wissen, warum Sie mich nachher erschießen wollen." „Weil Sie ein Krebsschaden sind. Weil Sie Millionen zu- sammcnraffen, während Millionen andere Menschen Hunger leiden. Ich habe heute sehr gut gegessen. Ich bin nicht hungrig, heute nicht, aber ich habe Hungernde gesehen. Kranke, Sterbende." „Und Sie meinen, wenn ich sterbe, wird olles besser werden?" „Es muß ein Exempel statuiert werden." „Wozu? Damit die Reichen ihr Geld hergeben? Glauben Sie das wirklich? Angenommen, ich bin bereit zu teilen. Was glauben Sie, wieviel beispielsweise auf Sie kommt?" Der junge Mann zuckte die Achseln. „Siebenundreißig Cents", sagte der Oelkönig.„Ich habe es einmal ausgerechnet. Wollen Sie die haben?" „Ich komme nicht deswegen." „Sie schlagen die siebenunddreißig Cents aus?" „Ja." „Das würde ich an Ihrer Stelle nicht tun. Ich habe mit fünf- unddreißig Cents angefangen. Zwei Cents weniger. Damit kam ich in diese Stadt. Es war mein letztes Geld. Wieviel haben Sie bei sich?" „Ich habe mir von meinem letzten Geld einen Revolver gekauft, mit dem ich..." „... mit dem Sie mich erschießen wollen. Ich weiß. Sagen Sie es ruhig! Sie hätten etwas Vernünftigeres damit anfangen können. Ich habe mir mit meinen fünfunddreißig Cents Zeitungen gekauft. Die verkaufte ich. So wurde ich Zeitungshändler. Dann meldete ich allerhand Unfälle und Merkwürdigkeiten, die ich bei meinem Straßcnhandel beobachtete, der Zeitung, wurde Reporter, Redakteur, Handelsredakteur, spekulierte und kam zum Oel." „Ich würde nie spekulieren. Das ist Verbrechen am Volke." „Ich weiß: Sie schießen lieber. Der eine macht Geld, der andere statuiert Exempel." „Aber es kann doch nicht so weitergehen." „Nein. Ich schlage Ihnen ein Geschäft vor." Mißtrauisch sah der junge Mann Mr. Mc. Asby an. Doch der fuhr ruhig fort:„Verkaufen Sie mir Ihren Revolver. Ich zahle Ihnen den vollen Preis. Dann gehen Sie hin und machen mit dem Gelde Geschäfte!" Der Jüngling schüttelte den Kopf. „Sie wollen doch nicht mehr für den Revolver haben", sagte Mr. Mc. Asby,„als er wert ist? Sie sind doch kein Erpresser?" „Nein. Mr. Mc. Asby, ich bin kein Erpresser. Darf ich mich Ihnen vorstellen? Mein Name ist Pit Dearsteel, erster Agent der New-Dorker Lebensversicherungs- und Privatpolizeigesellschast. Ich wollte Ihnen nur zeigen, wie leicht selbst zu Ihnen Unbefugte ein- dringen und Sie bedrohen können. Wie leicht kann einmal wirklich etwas passieren! Ich habe hier in der Tasche zwar keinen Revolver, aber eine Versicherungspolice. Für sechstausend Dollar jährlich bc- wachen wir Sie und garantieren für Ihre Sicherheit. Wollen Sie nicht unterzeichnen?" Und er legte dem verblüfften Oelkönig die Police auf den Schreibtisch und drückte ihm eine Füllfeder in die Hand. dem sie einen Tunnel in den Hügel gebohrt hatten. Bei der Auf- dcckung vor bald 30 Iahren war das Schiff schwer zerstört, ist aber so wundervoll wiederhergestellt, daß man keinerlei Schaden bemerkt und wortlos gefangen dasteht. Heiterer als dieses Denkmal alter Zeit wirken die großen Fveilichtntuseen in Lillehammer und Oslo. Der nun 70jährige Zahnarzt Sandvik in Lillehammer hat als junger Mann begonnen, die All) und mehr Jahre alten Bauernhäuser mit all ihrem Hausrat zu„sammeln". Natürlich konnte er dieses Werk später nur mit öffentlicher und privater Hilfe weiterführen. Heute stehen in dem schönen Naturpark auf dem Berge überall die un- zerstörbar anmutenden Blockhäuser der Bauern mit oem Pfarrhof und der Gemeindehalle, ein greiser Gitarrespieler auf einem Vor- bau entlockt seinem altnordischen Instrument in dünnklimpernden Tönen uralte Weisen. Aber natürlich spielt er auch, als er danach gefragt wird, das Nationallied:„Jo twi clskaar dötte landet", das genau so beginnt, wie unser„Wenn wir schreiten", und dessen An- fangsworte lauten:„Ja, wir lieben dieses Land." Einen mehr ge- schlossenen, aber vielleicht noch großartigen Charakter hat das staat- liche Folket-Museum in Oslo. Die Hauptstadt selbst ist eine moderne Großstadt und steht unter der Verwaltung der Arbeiterpartei. Diese hat 42 Stadtverordnete, ebensoviel hat die Rechte, 2 Linke geben die Entschei- dung, aber nicht allein, denn der Vorsitzende, ein Arbeiterparteiler, hat nach norwegischem Recht zwei Stimmen. Die Stadt baut eben «ine großartige Volksbadeanstalt mordern um und ein gewaltiges Schwimmbad daran. Ueberall im Lande regt sich Schaffenskraft. Bergen hat eine prachtvolle neue Schule gebaut, in der sogar die größeren Knaben neben Tischlern und sonstigen Fertigkeiten auch Kochen lernen. Ein Schwimmbad ist der Schule angegliedert. Zum Besuch des städtischen Seebades von Oslo wird man unentgelilich auf dem Fährboot übergesetzt. Der Staat baut neue Bahnen nach dem hohen Norden, nach Tromsö z. B., wobei er ebenso- wenig wie bei den älteren Bergbahnen auf Verzinsung und Ausgabentilgung rechnet. Ueberschüsse liefern nur die Bahlen in dem halbwegs ebenen Süden, über Drammen und Kongs- berg, wo die älteste der vielen Zellstoffabriken steht. Dia Baumstämme werden einfach hoch oben in die Wasserläuse geworfen und treiben hinab. Das Eigentumsrecht wird an den Spezialzeichen erkannt, die mit der Axt eingehauen sind. Von unvergleichlicher Großartigkeit sind auch die vielen Berg- straßen, die oft hoch über brausenden Wildströmen durch Felsgalericn führen und mit ihrem Steinboden fast staubfrei sind, freilich so schmal, daß sich begegnende Autos erst eine breitere Stelle suchen müssen, die ein Vorbeifahren gestattet. Für die Straßen in der Ebene hat man das Mittel gesunden, sie mit Calciumchlorid zu bestreuen, das Wasser anzieht und so den Staub bindet. Die norwegischen Eisenbahnen sollte sich die Deutsche Reichs- bahn zum Muster nehmen, denn dort oben ist auch die 3. Klasse gepolstert; vielleicht ein schrecklicher Gedanke für manchen kontinen- talen Fiskalbürokraten. In Norwegen glaubt man nicht, daß der Reisende für sein Geld tagelang die harte Holzbank drücken muß. Ein dicker Lederbezug, wenn auch ohne Federung und nicht von Klubsesselcharakter, ist auf allen Bänken der 3. Klasse angebracht. Haben wir nun von Skandinavien endlich den Schlafwagen 3. Klasse übernommen, so sollte man auch diese Belederung nachmachen, wo- mit nebenbei tausende Arbeiter für einig« Zeit Beschäftigung und Erwerb finden würden. kjcdsrck Kernsteuu S)ie leiSBien SHefenelefanien Unter den wilden Tieren des britischen Reiches, deren Schutz die Gesellschaft zur Erhaltung der Fauna des Empire dringend empfohlen hat, befinden sich neben den Gorillas von Uganda, dem indischen Rhinozeros, der Elefantenrobbe und der Seeotter auch die wenigen noch übrigen Elefanten von Südafrika. Bon den Tausenden von Riesen, die einst dieses Gebiet durchtrabten, sind nur noch 11, höchstens 13 übrig geblieben. Das sind die Riesen- clefanten der Wälder von Knysna, nur einige hundert Sllomotcr von Kapstadt entfernt. Sie bilden die letzte Herde der afrikanischen Riesenelcfanten südlich vom Sambesi. Da der ausgewachsene afrikanische Elefant doppelt so groß ist als der asiatische und die Tiere von Knysna besonders mächtige Vertreter ihrer Gattung sind, so darf man in ihnen die größten Elefanten der Welt erblicken. Manche dieser mächtigen Rüsselträger haben sicherlich die ersten Weißen gesehen, die hier mit ihren Hinterladern anlangten, und vorher sind sie den ver- gifteten Pfeilen und den Fallgruben der Buschmannjäger ent- gangen. Die letzte Herde lebt ziemlich ungestört in den dichten Wäldern, die aber durch die Axt des Holzfällers immer mehr auf- gelichtet werden. Es fragt sich, wie lange sie noch hier Schutz und Zuflucht finden werden. In Regenzeiten oerläßt die Herde den Wald und weidet auf dem offenen Feld, denn der Elefant haßt Hitze und will den Fliegen entgehen, die ihn iin Waldcsdunkcl belästigen: vielleicht weiß er auch aus Erfahrung, daß er bei schlechtem Wetter weniger Menschen antrifst. Ucbcrhaupt unternehmen die Tiere regelmäßige Wände- rungen, von denen sie dann wieder nach chrem Lieblingsaufenthalt. einem Oubrand genannten Platz, zurückkehren. Welch seltsamer In- stinkt�sie zu diesen regelmäßigen Reisen oeranlaßt, ist unbekannt. Selbst diese kleine Schar verursacht in den Pflanzungen ge- wältigen Schaden und läßt es begreiflich erscheinen, worum die Pflanzer dem Elefanten früher so grimmig nachgestellt hlchcn, daß sie ihn fast ausrotteten. Seit 30 Iahren haben die Knysna-Elefanten nur einen Mensche» getätet. Dieser war so unvorsichtig, sein Lager an einer Elefantenfährte aufzuschlagen, und als er nachts schlief, griff sein Hund einen Elefanten an, der in seiner Wut den Gegner verfolgte und dabei den Schläfer zertrampelte. Die Holzfäller fürchten die Riesen, und wenn sie in der Nähe von Oubrand ar- beiten, befestigen sie sich stets eine Strickleiter an einem hohen Baum, um sich im Falle eines Angriffes sofort retten zu können. Die Eingeborenen behaupten, daß die Elefanten von Knysna nach einigen Iahren ihren kleineren Vettern im Addo-Urwald einen Besuch abstatten. Sie marschieren die 200 Kilometer durch das Land, bis sie mit diesen Zwerge» vereinigt sind. Nach der Ansicht der Gelehrten waren auch die Addo-Elefanten einstmals Riesen, ober im Lause der Jahrtausende sind sie zu Zwergen geworden infolge des niedrigen Dickichts, in dem sie sich verbergen: viele haben dabei auch ihre Hauer verloren. Zu An- sang dieses Jahrhunderts war die Addo-Herde noch mehrere hun- dert Stück stark, aber es' erwies sich als unmöglich, die Tiere in ihrem 60 Kilometer langen und 30 Kilometer breiten Schutzgebiet zu halten: sie verwüsteten die Feldes und wurden abgeschossen. Dadurch sind sie noch gefährlicher geworden als früher, und nur ein sehr kühner Jäger wagt sich an diese aussterbende Rasse. D>e Riesenelefanten von Knysna und die Zwerge von Addo sind die letzten Herden in Südafrika. Die erste palenlamtlich geschützte Blume. Im Patentamt der Vereinigten Staaten wurde soeben das erste Patent, das einer Pflanze den Urheberschutz gewährt, ausgefertigt. Das Patent wurde einem gewissen Henry Bosenberg aus New Brunswick im Staate New Jersey für eine von ihm gezüchtete immer blühende Rose er- teilt. Sie wird in der Patentschrift als eine zur Familie der Kletterrosen gehörende Varietät bezeichnet, und der Patentanspruch bezüglich der Neuheit und Eigenart der Pflanze gründet sich auf die nachgewiesene Fähigkeit der Rose, das ganze Jahr hindurch zu blühen.' Ais S)euifeher in llorwegen Tertvandles- llnlerfchiedliches Vom gedruckten Norwegisch wird«in sprachlich interessierter Durchschnittsdeutscher ein gutes Drittel verstehen können—, vom gesprochenen Norwegisch aber gar nichts. Die höheren Schulen Norwegens lehren Deutsch und Englisch. Oft hat man das Gefühl. daß Norwegisch im Ausdruck und mit seinem bißchen Grammatik mehr mit Englisch als mit Deutsch verwandt ist, aber die meisten Norweger sagen. Deutsch zu lernen falle ihnen leichter. Zuerst berichtigt man als Ankömmling die vielverbreitet« Vor- stellung von einem nahezu arktischen Lande. Das Wunder des Golfstroms, tropisch gewärmtes Meerwasser von Mexiko über den Atlantik, um Irland und Schottland herum, immer noch 5 bis 10 Grad warm an die Küste Norwegens zu bringen, macht sie dauernd eisfrei, läßt Gras sprießen, Bäume wachsen und Getreide gedeihen. Sogar das Nordkap und die Eismeerküste bis zum russi- schen Archangelsk hinauf sind vom Golfstrom bespült und eisfrei. 1Z0000 Inseln(kein Druckfehler!) begleiten die norwegische Küste: denkt man sich das Nordkap bei Hamburg, so wäre die Südspitze Norwegens— in Tunis! Der größte Test Norwegens ist eine gewaltige Hochfläche mit tiefen Tälern: sind sie wassergesüllt. so bilden sie Seen, über die man stundenlang mit dem Dampfer fährt, oder die berühmten Fjorde, deren Hauptarm« hundert und mehr Kilometer lang sind. Die Baumwuchsgrenze liegt bei 80g— 1000 Meter See höhe. Da hat man schon ein Landschoftsbild wie in den Alpen auf der doppel- ten Höhe: steinige Oede, ewiger Schnee, Ferner und im Norden Gletscher, die bis nahe a»s Meer herunterreichen. Bei der Bahn- station Finse, 1500 Meter ü. M. trafen wir den See im ersten Iulidrittel noch gefroren an. Da kann man im Hochsommer Schlitt- schuh laufen. Starke Holzwäirde b/gleiten die Bergbahnstrecken als Schneeschutz. Selbst im Südwesten des Landes streifen wilde Renn- tiere auf der Hochebene und Elche in den Wäldern. Es gibt da noch verlorene Bauernsiedlungen, deren Bewohner sich verstecken, wenn ein Fremder kommt: sie stellen aus der Wolle ihrer Schafe ihre Kleider noch her, fertigen ihre Schuhe selber, und was sie kaufen müssen— Kaffee, Zucker, Tabak—, das tauschen sie beim letzten Kaufmann gegen Naturprodukte. Aber mit dem Radio dringt die Gegenwart ein. Mit Ausnahme von Oslo und Bergen, den größten Städten des Landes, sind die meisten Häuser, auch die einsamen Touristen- Hotels und die Bahngebäude, aus Holz. Alles von blitzender Sauberkeit, oft mit Zentralheizung und elektrischem Licht. Die un- zähligen gewaltigen Wasserfälle und das Gefälle aus den Höchsten treiben Elettroturbinen. Das größte dieser Werke, die Lustslick- stofsabrik der„Norsk Hydro" in Rjükan, hat in seinen zwanzig Jahren den Ort von 400 auf 10 000 Einwohner anwachsen fassen. An den Kantinen sieht man, wie auch sonst manchmal in Norwegen, das— Hakenkrenz als reines Schmuckmotiv. Kein Mensch sieht etwas anderes darin. Jetzt freilich steht fast die ganz« Industrie Norwegens still. Unter Berufung auf eine Lebensverbilligung haben die Unternehmer fast gleich große Lohnreduktion gefordert. zumal sie mit billiger arbeitenden Ländern konkurrieren müßten. Di« Arbeiter, von denen im ganzen Lande nur 5 Proz. nicht organisiert sind, lehnen ab. Es gibt zwar ein Einigungsoerfahren mit allmonatlichem Beilegungsversuch, aber kein« Schiedssprüche. noch Berbindlichkestserklärung. Durch Streik und Aussperrung sind s rund 100 000 Mann arbeitslos. Von den 50 Fischkonservenfabriken Staoangers—„Hermetic-Jndustrie"— arbeiten kaum die aller- größten: bisher ist auch der Fisch ausg«blieben, nämlich der Hering und die Sardinen. Frankreich hat 1919 durchgesetzt, daß das nor- wegische Aussuhrprodukt in Deutschland nicht mehr Sardinen ge- nannt werden darf, darum heißen si« jetzt Bristlinge. Aber an Lachsen und Forellen ist kein Mangel und fischen darf jeder ohne besondere Erlaubnis. Das norwegische Volk ist von Grund auf demokratisch. Der Adel ist längst abgeschafft. Wenn man 1905 nach der Absetzung der schwedischen Königssamilie doch wieder«in Königtum errichtet hat, so nur, weif die Rücksicht auf die mächtigen Monarchien England, Deutschland und Rußland dies notwendig erscheinen ließ, aber König Haakon hat«bensowenig zu gebieten, wie der Präsident der französischen Republik. Norwegische Konservative versichern dem Ausländer, daß si« mit kontinentalen Rechtslern nichts gemein haben, si« seien gemäßigt rechts und beileibe nicht etwa antidemo- kratifch. In einem Lande, wo alles nach links verschoben ist, hat auch die Arbeiterbewegung ihren besonderen Charakter. Die alte Sozialdemokratie ist nicht mehr vorhanden. Di« norwegische Ar- beiterpartei unter der Führung von Tranmacl hat die alte Partei abgelöst und gehörte bis 1924 zur Moskauer Internationale. Da Moskau die Selbständigkeit, die die Norweger verlangten, nicht zu- gestand, sind si« aus der Komintern ausgetreten, ohne jedoch bisher unserer Internationale beigetreten zu sein. Die Partei hat 73 000 Mitglieder. 38 000 davon sind korporativ beigetretene Gewerkschaft- ler, wobei jedoch in den Gewerkschaften keinerlei Zwang nach dieser Richtung ausgeübt wird. Di« Partei hat bei der letzten Parla- mentswohl 400 000 Stimmen und 43 Mandate von insgesamt 150 erlangt. 1928 war si« 14 Tage lang an der Regierung: Kapital- flucht und die Forderungen des Staatsbankpräsidenten veranloßten sie, die Regierung niederzulegen. Bei den darauf folgenden Wah- le» jagten ihr die Bürgerlichen 10 Mandate ab: die jetzig« Regierung der Bauernpartei(Bundepartiet) hat keine Mehrheit. Die Arbeiter- Partei Hot 30 Zeitungen, davon 15 täglich erscheinende. Selbst in den hochnordischen Industriestädten Hammenest und Kirkenaes be- stehen Orgonssationen und kleine Arbeiterblätter. Die Gewerk- schasten Norwegens haben 140 000 Mitglieder. Fragt man Arbeiter- parteiler. worum sie sich nicht der sozialdemokratischen Internatio- nche anschließen, so ist die Antwort, daß dazu erst die Gewerk- schasten sich dem IGB. anschließen müßten. Die Kommunisten haben kein Mandat. Aber da sind wir schon in der neuesten Gegenwart, wo man ooch in Norwegen so häufig arr seine große Vergangenheit erinnert wird. Die alten Baudenkmäler, wie die Dome der Städte, die Holzkirchen in stillen Bergtälern, die eindrucksvolle Haakonshalle in Bergen sind durchwegs 800 und mehr Jahre alt. Damals war Nor- wegcn ein mächtiges Reich, eine Königstochter zog als Prinzen- gemahlin nach dem fernen Spanien. Zlber nicht viel älter sind die Wikingerschiffe, die man im Süden des Landes aus mächtigen Hügeln ausgegraben hat und deren eines am Oslofjord in einer Halle der Universität ausgestellt ist. Man hatte eine mächtige Königin mit unzähligem Schmuck und Hausgerät, mit Rudern und Waffen, mit Tierkörpern und Landesfrüchten darir� beigesetzt. Die Wertsachen haben Einbrecher schon vor Jahrhunderten entwendet, nach- « 'W ff/ < »m Dekorationsstoff|25 gestreift, indanthr� ca. 120 br� Meter■• Haibstores O'o Gittertüll, Handdurchzug, ca,150/230» Fensterdekoration 750 gemost. Bagdad-Stoff, eig. Anf� Garn, ff# —««rkenÄ�I J50 Fenstera©K.o.- gemost. Bagdad-Stoff, eig. Anf� Garn.*# Diwandecken"S O50 verschied. Farben, ca. 150/300, an■-äi s Boucle-Läufer� 10 gestr.reinesHoargarn�a.ö5cinbr.,A�tr. Jm m Boucle-Teppiche lO�o rein.Hoarg.ca.200|300M,-,160f230■ �. Herren-Sporthemd|95 mit.Kragen, Panama, leicht angestaubt■. Smokinghemden 19s mit Pikee- Einsatz, leicht angestaubt■ m Kunsts. Unterkleid 195 mit Spitze........................... I# Strumpfhaltergürtel A Q m.2Paar Haltern, Kunstsd Jacquard, Pf. Bettgarnitur£25 gut. Linon, m. Kunstseide reich bestickt m Bettgarnitur �»o Damast, mit 2 Kissen, volle Grösse ff, Bettlaken �95 prima schweres Reinleinen, 150/210# Paradekissen Linon, vierseit.garn., m. br.Stick.-Eins. 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Die Einäscherung findet am Sonn- abend, dem l, August, mittags lZ Uhr, im Krematorium Baumschulenweg, Kieshotzstrabe, statt, Am 29, Juli starb unser Kollege, der Galvaniseur Alfred Schultz geb. 19. Dezember lS7Z. Die Einäscherung findet am Montag, dem 3. August, nachm. 3 Uhr, im Krematorium Baumschuienweg, Kies- holzstrafie, statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Nachruf. Am 20, Juli starb unser Kollege, der Schlosser Karl Ehrhardt Die Einäscherung Hat bereits statt- gesunden, Ehre ihrem Andenken! Die OrisverwaUnng. Für die Beweise herzlicher Teil» nähme bei der Bestattung meines lieben Mannes, unseres guten Barers Eduard kranke sage» wir allen Freunden und Be- tonnten beste» Dan«. Berlin-Grünau Cilpenicker Strofie Itö PI. et. Frauke nebst Kinder HEKEßHE««' 4M9»99agta, jjif Unserem lieben Genossen | Josef Buchmann| 9 Zum 70. Geburtstage W die herzlichsten Glückwünsche,-i H Die 41. Abteilang SPD. ««999999« 0 Mecesairi.glattVbllriniJ.6tlg.M.9.'5 Toilettekoffer.VWIiiniHfretoStlo.liimZP1 Koupeekoffer, glatt Vollfind bOtnniS.1 aaresse auiDewahrenl SieniDekSobilßep Grauierungen ffi bester Ausführung beim Genossen Eduard Peterson Berlln-schöneDerg Akazienstraße 10. Abbenrode (Aordharz) am herrlichen Harz- walde gelegen. Beste Vervflegung. Tägl. 4 Mt. Gr. Garten Liegew'ese, Liege- stilhle.Autoverdindg, Badeanstalt. Privat- heim..Elfriede". Enttkurort Gfisfebiese (SIcumotk). Wunder volle Lage an Wald und Oder. Anged u, Badegelegenheit, Grofier Garten mit schöner Aussicht, elel irischem Licht, Warm- bad im Hause. Beste r«ichl.Berpfl, mitgim- mer 4—2». Pension Deutsches Hans, Iclcpl). Rr, 6. Nttndien! Empf. pa. Zimmer, a.Bhf, Bettpr. 2.50 M. m. Frühst. Anmeld erw Frau Sterl, Schillcrstr. 31, 3 Treppen. Gelenk-, Nerven-Zrauen-' Krankheiten. 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