BERLIN Soimabend 1. August 1931 10 Pf. Nr. 356 B 176 4».Iahrgang Ersch eint tSglich aoßerSonntag«. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 8i> Pf. pro Woche, 3MM. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW68,Lindenßr.3 Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297 yMyfutoLfh Anzeigenpreis: Die einspaltigeNonpareillezetle 8o Pf., Reklamezeile b M. Crmäßigunoen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G.m. d.H.. Berlin Nr. 37 636,— Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Korruptionssumpf Oevaheim Strafanzeige gegen völkischen Rechtsanwalt Der Dausparskaichal der christlich-nalionalen Devaheim ziehi immer weitere kreise. Die Staatsanwaltschaft I rechnet mit einer langwierigen Arbeit. Sie hat bereits ein Sonderdezernat zur Prüfung der zahlreichen Strafanzeigen eingesetzt, die sich nicht mehr nur gegen die Geschäftsleitung des Postorentonzerns richtet. Der hinter der Deutsch-Evangelischen heimstättengesesischast flehende Zentralausschuh für innere Mission hat gestern endlich, nachdem der Staatsanwalt eingegriffen hat, eine Erklärung abgegeben, dah er nicht gewillt ist, Verfehlungen irgend- welcher Personen zu decken. Er hat monatelang zu dem Korruptionssumpf in seinen eigenen Reihen geschwiegen. Er ist von der Verantwortung dafür, dah das Geld der kleinen Sparer mit vollen Händen zum Fenster hinausgeworfen wurde, a u f keinen Aall freizusprechen. Auch der Oberkirchea. rat ist. wie jetzt bekannt wird, bereits vor Monaten über die pastorenwirtfchaft im Devaheimkonzern aufgeklärt worden. Mit der Begründung, über keine rechtlichen handhaben zu verfügen, hat er Schritte gegen die Gefchäflsleilungen und ihre Hintermänner im Zentralausschuh für Innere Mission abgelehnt. Er verfügte je- doch über genügend moralische Druckmittel zur Klärung der früh- zeilig erhobenen Vorwürfe, die herbeizuführen auch seine elementarste Pflicht gewesen wäre, nachdem der Apparat der Kirche für einen riesigen Reklameseldzug der Devaheim eingespannt worden war, und Viele kleine Sparer durch ihre„Seelsorger" für den Abschluß von Bausparvcrträgen angeworben waren. Die Strafanzeigen, die bei der Staatsanwaltschaft eingegangen sind, richten sich jetzt auch gegen einige Hintermänner der zu- erst allein verantwortlich gemachten Z e p p e l und Dr. L a n s e r: den Pastor Müller in Mülheim o. d. Ruhr, der Aufsichtsrats- Vorsitzender der Baugenossenschaft des Deutschen Evangelischen Volks- bundes. den Pastor v. E r e m e r aus Potsdam, den Auffichtsrats- vorsihenden der meisten Konzerngefellschaften sowie gegen den stellvertretenden Aussichlsratsvorsihenden de, Deutschen Evangelischen volksbundes, den Rechtsanwalt und Notar Dr. Brandes. Brandes hat eine ganz besondere Rolle als Ver- leidiger der völkischen Bombenlcgcr Schleswig- Holsteins in dem Jtzehoer Prozeß gespielt, und ist ebenso wie sein völkischer Kollege, Luetgebrunne, berüchtigt für die Bombenhonorare, die er nicht nur bei „vomben"prozessen zu nehmen pflegt. Dieser patentierte völkische Vorkämpfer für nationale Ehre und Sauberkeit war, wie die beiden anderen Herren, von den Verfehlungen der Devaheim-Geschäftsleilung auf das genaue sie. unter- richtet. Es wird ihm überdies vorgeworfen, dah er wie die beiden anderen genau über die rechtswidrige Verwendung der Spargelder im Bilde war. Zm Zntereffe der öffentlichen Sauberkeit und der 20 000 geschädigten Sparer ist zu fordern, dah die Staatsanwaltschaft mit aller notwendigen Schärfe schleunigst den nationalen Korruptionssumpf bei der Devaheim ohne Rücksicht auf politische Querverbindungen zu einfluhreichen Rechts- krcisen ausdeckt. Zusammenschluß der«-Devaheim"-Sparer. Die Notwendigkeit, die Interessen gerade der kleinen und mittleren Gläubiger und Bausparer durch Zusammenschluß und gemeinsame energische Vertretung zu wahren und zu fördern, hat die Gründung des„Schutzverband der Gläubiger und Bausparer des D e v a h e i m- K o n z e r n s" veranlaßt.— Anmeldungen bzw. Anfragen sind zu richten an den„Schutzverband der Gläubiger und Bausparer des Deoaheim-Konzerns", zu Händen des Schriftführers, Herrn Rechtsanwalt und Notar Dr. zur. Eonrad Oppen, Berlin W. 35, Potsdamer Straße 113, Lilla 5. Spiel mit dem Hochverrat Nationalsozialistische Bisten über„zuverlässige" Reichswehr- und Polizeioffiziere/ Vorbereitung zur Errichtung der faschistischen Diktatur— Der wahre Sinn des Volksentscheids Wie wir von zuverlässiger Seite erfahren, existieren aus allen Teilen Preußens und Deutschlands Berichte der nationalsozialistischen Gauleiter an das Braune Haus über Reichswehr und Polizei. In diesen Berichten sind Namen von Rcichstvehrange- hörigen und Dienststellen aufgeführt, dazu Charakter!» stiten, inwieweit diese Personen und Dienststellen„zu- verlässig" im Sinne Hitlers sind. Sie erstreche« sich nicht nur auf Reichswchroffiziere und Mannschaften, sondern auch aus Polizeioffiziere und Mannschaften. ■4c Diese Berichte stellen den denkbarschwer st enBor- w u r f dar für die Personen, die darin namentlich aufgeführt und als„zuverlässig" im Sinne Hitlers charakterisiert werden. Es ist selbstverständlich, daß die Betroffenen sich gegenüber diesem Vorwurf zu rechtfertigen haben werden— ebenso selbstverständlich aber auch, daß diese Charakterisierung keinen Beweis für die Richtigkeit des Vorwurfs darstellt. Die Go« wissenlosigkeit nationalsozialistischer Funktionäre ist bekannt, es ist durchaus möglich, daß sie zum Beweis ihrer Tüchtigkeit in ihren Listen Personen führen, die mit ihnen nichts ziz tun haben. Es ist ein verbrecherisches Spiel mit deml Hochoerrat, das von der nationalsozialistischen Organts sation betrieben wibd! Das ist die eine Seite der national-« sozialistischen Aktion, die andere Seite ist der V o l k s-> entscheid. Das gemeinsame Ziel ist die Errichtung der faschistischen Diktatur! Der Kommunist Schwenk hat durchaus recht gehabt. als er am 16. Oktober 1930 im Preußischen Landtag erklärtes „Dieses Volksbegehren der Nazis hat nur das Ziel, di«! Blulherrschaft der faschistischen Diktatur auszu« richten." Die Vorbereitungen dazu sind von der Nationalsozialisti-, schen Partei getroffen— die Kommuni st ische Partei aber leistet ihr heute dabei Bundeshilfe! Curtius rückt ab. Scharfe Erklärung gegen den Volksentscheid. Der Reichsaußenminister Dr. Curtius, der sowohl dem vor- stand als auch der Reichstagsfraktion der Deutschen volkppartei an- gehört, ist vor zahlreichen Vertretern der ausländischen presse von dem Stahlhelm-Volksentscheid gegen die preußische Regierung, zu dessen Beteiligung die Partei des Herrn Dr. Curtius erst am Freitag aufgerufen hat. scharf abgerückt. Curtius erklärte sich nicht nur gegen den Volksentscheid, sondern gab zugleich der 5)offnung Ausdruck, daß diese Schwindelbewegung, von Stahl- helmisten und Kommunisten gemeinsam geführt, nicht zum Cr- folge führen werde. Kongreßabschluß in Wien. Ueberwältigende Mehrheit für die politische Resolution. Wien, 1. August.(Eigenbericht.) Der sozialistische Weltkongreß hat in einer Nachlsitzung zum Sonnabend, die bis 1 Uhr morgens dauerte, die politische Debatte zu Ende geführt. Einen ähnlichen Standpunkt wie die englischen Unabhängigen vertrat auch Erlich vom Bund jüdischer Arbeiter in Warschau. Otto Wels antwortete innerhalb der für die Abendsihung vorgeschriebenen 3 Minuten Redezeil sowohl Erlich wie Maxton, indem er deren Kritik an der deutschen Sozialdemokratie mit dem Hinweis auf die ungeheuer große Verantwortung und auf die positiven Leistungen und Erfolge der Sozialdemokratie zurückwies. Mit Rezepten politischer Wunderdoktoren werde kein besserer Weg gewiesen. Nach einem eindrucksvollen Schlußwort Otto Bauers wurde der Antrag der Kommission mit 314 gegen 7 Slim- men angenommen. Die verschwindende Minderheit wurde von den englischen Unabhängigen gestellt. Zum Schluß referierte Grimm- Schweiz über die Arbeilen der Kommission für Weltwirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit. Die Debatte darüber wird am Sonnabendvormiltag weitergeführt. Henderson über Oeuischland. Der englische Außenminister henderson hat sich in London seiner näheren Umgebung gegenüber sehr anerkennend über die Herzlichkeit geäußert, mit der Macdonald und er von der deutschen Bevölkerung empfangen wurden. henderson erklärte weiter, er habe das unbedingte Ber� trauen zu Deutschland, daß es die gegenwärtige Krise und auch manche neue Schwierigkeit überwinden werde. Deutschland könne darauf rechnen, daß die englische Arbeiterrcgicrung nach Kräften bemüht sein werde, ihm seine Sorgen zu erleichtern, Erpresferischer Postbeamter. Er will Pensionsempfänger zum Volksenffcheid zwingen. Aus Friedrichhagen wird uns folgender unerhörter Vorfall mib« geteilt: Auf dem Postamt in Fricdrichshagen fanden gestern, am Frei, lag. die üblichen Auszahlungen für die Pensions- und Rentenempfänger statt. 3n der Hauptkasse dieses Postamtes. wo ehemalige Postbeamte ihr Ruhegehalt abholen, erNärle der Schalterbeamle, der gestern zwischen 9 und 10 Uhr vormittags Dienst tat, den Pensionsempfängern folgendes: „Den zweiten Teil Ihrer Pension bekommen Sie am 10. August. jedoch nur. wenn Sie am 9. August zum Volksentscheid ge- gangen sind. Andernfalls erhallen Sie nichts, und außerdem kommt dann auch noch ein zwanzigprozenliger Abbau sämtlicher Gehälter." Der Beamte, der diese freche Erpressung an den Pensions. cmpsängern unternahm, wurde von einem der vor dem Schalter stehenden Pensionäre mit„Herr S ch m i d l" angeredel. Die Tür von dem Schallerraum zum Nebenzimmer, in dem sich der Vor- steher des Postamtes befand, stand sperrangelweit offen, so daß dein Vorsteher diese erpresserisch« Drohung seines Schallerbeamlen nicht eulgangen sein kann. Trotzdem ist der Vorsteher des Postamtes gegen seinen erpresserischen Beamten nicht eingeschritten. Dieser unglaubliche Vorfall zeigt, mit welcher Frechheil die Re- oktion in den Reichsbehörden ihr Haupt erhebt, wir fordern eine sofortige Untersuchung des Vorganges und unnachsichlliche B e st r a s u n g des beschuldigten Beamten. Im übrigen sollte das Reichsposlministerium diesen beispiellosen Fall einer politischen Erpressung zum Ansaß nehmen, um endlich in seinem Bereiche die Nazizellen mit eisernem Lesen auszukehren. Bisher hat man die notwendige Energie zur Reinigung des Behörden. apparales bei der Reichsposs leider vermissen müssen. poliiische Schlägerei in Köln. Am Freitag gegen 22 Uhr kam es in der Stadthalle Köln-Miil» heim anläßlich einer Versammlung der NSDAP., in der Reichstags- abgeordneter Dr. Ley zum Volksentscheid sprach, zu einer Schlägerei mit politischen Gegnern, die sich auf der Straße fortpflanzte. Im ganzen wurden 15 Personen verletzt. England erhält seinen Kredit. Eine Milliarde aus Frankreich. Paris, 1. August.(Eigenbericht.) Sir Robert Kindersley, einer der Leiter der Bank von England, ist am Freitagabend wieder in Paris eingetroffen, um mit dem Gouverneur der Bank von Frankreich die Verhandlungen über die Gewährung eines Rediskonkredites an die englische Notenbant fortzusetzen. Noch einer kurzen Unterredung war eine prinzipielle Einigung erzielt, die nach der nicht zweifelhaften Zustimmung der Vertreter der Pariser Großbanken am Sonnabend endgültig werden wird. Die Bank von Frankreich wird danach zusammen mit der Federal Reserve Bank in New Fork der Bank von England einen Kredit von 4 5 bis 50 Millionen Pfund Sterling (eine Milliarde Mark) zur Verfügung stellen. Irgend welche p o l l- tische Bedingungen für die Gewährung des Kredits sind ent- gegen den Vermutungen englischer Blätter n i ch t g e st e l l t. Die finanziellen Bedingungen sollen sehr g ü n st i g sein. Die französisch« Hülste des Kredits wird gemeinsam von der Bank von Frankreich und den großen Privatbanken aufgebracht werden. Naubübersall aus Händlerin. Durch Schlag mit Gummiknüppel niedergestreckt. Ein räuberischer Ueberfall, der in der Art der Ausführung an den Mord an Frau Silberzweig in Spandau erinnert, wurde am Freitag spät abends in der W a s s e r t o r st r a ß e verübt. Im Erd> geschah des Hauses Wassertor ftraße SO betreibt die SO Jahre alte Witwe Emilie Apfclt ein kleines Garderoben- g e f ch ä f t, hinter dem ihre Wohnung liegt. Am Freitag abend gegen 10 Uhr läutete es an der Flurtür und Frau Apfelt wunderte sich, wer so spät noch Einlaß begehren und etwas kaufen wollte. Kaum hatte die Frau vorsichtig die Tür geöffnet, als sie bereits von einem draußen stehenden jungen Mann mit einem Gummiknüppel einen heftigen Schlag über den Kopf erhielt. Glücklicher- weise konnte sie noch die Türe zuwerfen, dann verließ sie die Be- sinnung und sie sank ohnmächtig zu Boden. Als sie wieder zu sich kani und die Nachbarn um Hilfe rief, war der Unhold natürlich längst verschwunden. Die Frau war mit einer blutenden äußeren Wunde davongekommen. Vor der Tanzdiele erschlagen. Tragischer Ausgang eines Streites. Einen tragischen Ausgang nahm in den gestrigen spülen Abendstunden eine Schlägerei, die sich vor einem Tanz. k a s s e e in der!N ü l l e r st r a ß e im Norden Verlins abspielte. Zwischen mehreren jungen Leuten, die mit ihren Freundinnen in der Tanzdiele weilten, war es beim Tanzen unter der Einwirkung des Alkohols zu Streitigkeiten gekommen. Dem Geschäftsführer gelang es jedoch, die Streithähne zu trennen und offenbar den Frieden wieder herzustellen. Als einige Zeit später der 23 Jahre alte Tischler Fritz Schröder aus der Müllerstratze 134 das Cafe oerlassen wollte, wurde er von mehreren jungen Leuten a n- gerempelt und niedergeboxt. Schröder wurde dabei von einem Hieb so schwer getroffen, daß er zu Boden stürzte und besinnungslos liegen blieb. Als ein Arzt zur Hilf« gerufen wurde, konnte er bei dem jungen Manne nur noch den Tod feststellen. Die Täter flüchteten: da ste in der Gegend aber bekannt stnd, dürfte mit ihrer baldigen Festnahme durch die Kriminalpolizei zu rechnen sein. Die Leiche des Erschlagenen wurde zur Obduktion ins Schauhaus 'gebracht. Banditenüberfall auf der Landstraße. Einem Postauto 21 000 Mark geraubt. Am frühen Sonnabend überfielen drei bewaffnete und maskierte Banditen einen Kraftomnibus der Reichspost, der von Dresden über F r e i t a l und Ober-Häselach nach Alten- bürg verkehrt. Mit einem Auto, das die N u m m c r II. 29 21 5 trug, überholten die Räuber den Autobus zwischen den Stationen Oberhäselich und Oelsa, stellten ihren Wagen quer aus die Chaussee und zwangen so den Postfahrer, anzuhalten. Die Räuber bedrohten ihn mit den Waffen und nötigten ihn, zwei Geldbeutel und ein Wert- stück herauszugeben. Mit der Beute im Betrage von etwa 21 000 Mark sprangen die Banditen wieder in ihr Auto und rasten davon. Falschmünzerkolonne ausgehoben. Eine sechs töpfige Kolonne von Falschmünzern konnte fehl von den Beamten der Falschgeldslelle dingfest gemocht werden. Der Führer ist ein 50 Jahre alter Ernst Wudlke. der als Banknoten- falscher bereits bekannt Ist. In der Inflationszeit hat er M i l l i o n e n s ch e i n e in eigener Werkstatt hergestellt. Jetzt hat Wudtke sich auf das Hartgeld verlegt. Zusammen mit fünf anderen Leuten stellte er in einer Laube in Reinickendorf-Ost Fälschungen von Fünf-, Drei-, Zwei- und Einmark st ücken und von Fünfzigpfennigstücken her. Eine überraschende Durchsuchung der Laube beförderte noch Arbeits- Material und fertige Stücke zutage, darunter etwa 20 0 0 nach- gemachte Fünfzigpfennig st ücke, 500 Zweimarkstücke usw. Einen größeren Posten fertiger Dreimarkstücke hat die Kolonne, die sich beobachtet fühlte, an unbekannter Stelle in den Teltowkanal ge- morsen. Auch in den Wohnungen der Beteiligten in der Hermann- .straße in Neukölln und in der Ackerstraße im Norden Berlins wurden noch allerlei Sachen gefunden und beschlagnahmt.— Noch nicht ermittelt ist eine zweite Kolonne, die falsche Zweimarkstücke anfertigt und vertreibt Stadtrai Heue? im Amt eingeführt. . Stadtrat Heuer wurde am heutigen Sonnabend vormittag von Oberbürgermeister Dr. Sahm in sein neues Amt als besoldete» Magistratsmitglied«ingesührt. Stadtrat Heuer, der der Sozial- demokratischen Partei angehört, ist das Gesundheitshezer- n a t übertragen worden; er ist Mitglied der Finanz- und Steuer- deputalion, der Deputation für das Stadtreinigungs- und Fuhrwesen. �r Deputation für den Städtischen Vieh- und Schlachthof, der Serkehrsdeputation. der Berliner Stadtgüteroerwaltung, sowie Mitglied des Aufsichtsrotes der Städtischen Sparkasse und des Vernvlt'.mgsrots der Stadtbank. Die Zugendweiheannahmestellen werden hierdurch gebeten, da- von Kenntnis zu nehmen, daß Herb st- Jugendweihen nicht mehr durchgesührt werden. Die nächsten Jugendweihen stn- den im Fri�jahr 1932 statt. Am Schandpfahl! KPO. von den Kupferschmieden einstimmig gebrandmarkt. Wir werden um die Derösfenttichung folgender, einstimmig, also auch mit den Stimmen der Kommunisten, angenomme- nen Enischließung ersucht: Die am 30. lull 1931 im Gewerkschafkshaus tagende Versammlung der Kupferschmiede der Verwaltungsstelle verlin sieht in der Unterstützung der SPD. zum Volksentscheid der Deulschnalionalen und Nationalsozialisten einen Verrat an der arbeitenden Klasse. Die Aufforderung, am 9. August den Volksentscheid zu unterstützen, muh von jedem organlsierten frelea Gewerkschaftler mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen werden. Der republikanische Gedanke innerhalb der sreigewerkschasilich organisierten Ar- beiterschoft ist so stark, daß letztere es ablehnt, sich zum Steigbügelhalter der Reaktion herzugeben. Es ist Pflicht fedes freien Gewerkschaftlers, innerhalb der Arbeiterschaft dem Volksentscheid �entgegenzuwirken. Oer geschonte Stahlhelm. Kommunistische Rücksicht auf den deutschen Stahlhelm. Zum kommunistischen Antikriegstag bringt die„Rote Fahne" auf der Titelseite folgende symbolische Zeichnung: Ein Bajonett, auf dem die Sowjetflagge-weht, streckt einen Soldaten in Uniform und Gasmaske nieder. Auf dem Kopse trägt diese Figur, die den ver- abscheuenswürdigen Krieg symbolisieren soll, einen Stahlhelm. Aber bezeichnenderweise ist es— der e n g l i s ch e Stahlhelm. Dem deutschen Stahlhelm darf nämlich nichts geschehen, da ja die Kommunistische Partei das Stahlhelmvolksbegehren am 9. August unterstützt. Oer Manikürsalon vor Gericht. Von der Filmdiva zur Bordellmutter. Einst war si« eine berühmt« Filmdiva. Sie hielt nicht mit mit der Zeit, die Zeit ging an ihr nicht spurlos vorüber, die Ersparnisse schmolzen zusammen und mit dem Rest eröffnete ste eine Pension. Die Einnahmen waren zu gering, vielleicht brauchte s i« auch zuviel, sie richtete ein Heiratsvcrmittlungsbüro ein und spielt? schließlich neben der vornehmen Pensionsinhaberin die Empfangs- damc im Manikürsalon. Die Inhaberrechte an diesem Unter- nehmen sind hier mit aller Genauigkeit festzustellen. Eigentlich ge> hörte es einem Herrn N., einem Mann, der wegen Glückspiels und Rennwetten schon einmal mit dem Gericht zu tun gehabt hatte. Die srübere Diva wacht« eifrig-. darüber, daß- zwischen ihrer vornehmen Pension in der Knesebeckstraße und dem Manikürsalon in der Lietzenburger Straß» keine Fäden hin- und hergingen: daß ihre ehrsamen Gäste; ein Konzertmeister mit Frau, eine Sängerin, ein Arzt, ein Advokat an der Rumänischen Gesandtschast nur ja keinen Verdacht hinsichtlich ihrer Doppelrolle schöpften. Aber eines Tages stieg bei ihr eine üppige 19jährige Blondine ob, angeblich Tochter eines bayerischen Fabrikanten.„Ob sie ihren Freund empfangen dürfte."„Wenn es nur einer ist, weshalb nicht." Es waren ober ihrer mehrere, mitunter vier an einem Tag«, Frau G. zog es vor, die üppige Blondine von der Knesebeckstraßc in die Lietzenburger Straße überzusiedeln.„Sie haben sie also dahin vermittelt?" fragt der Vorsitzende des Schösfengerichts Berlin-Mitte, vor dem sich Frau G. und Herr N. gestern wegen Kuppelei zu verantworten hatten.„Durchaus nicht. Aber auch ein« ander« jung« Dame ist aus der Pension in den Manikllrsalon hinübergewechselt." Die beiden Damen und mit ihnen noch etwa ein Dutzend andere empfingen nun hier ihre„Freunde". Diese fanden den Weg dahin durch die bekannten Inserate in den Sensationsblättern, sie wurden von Frau G. empfangen, durften sich nach ihrem Geschmack eine erfahren«„Assistentin" wählen— das Maniküren kostete 10 M. Als der Kpiminalbeamte eines Tages Frau K. im Salon überraschte, traf er hier Herren an, die ihm offenherzig über den Zweck ihrer An- Wesenheit Auskunft gaben. Frau G. berief sich auf ihre vornehme Pension, wollte mit dem Monikürsalon nichts zu tun haben: es half ihr nichts, der gesetzliche Tatbestand der Kuppelei lag vor, sie erhielt 200 M. Geldstrafe, H c r r N. 400 M. Das Geschäft hat sich also gelohnt._ „Hut ab vor Onkel Eddie!" Theater in der Behrenstraße. Warum Hut ab vor Onkel Eddie? Weil er ein nettes Mädel haben kann, aber edelmütig auf die angetragene Liebe verzichtet. Onkel Eddie ist ein kultivierter, ein wenig angejahrter Lebemann von der alten Schule und Dolly ein modernes junges Mädchen, das alles haßt, was irgendwie nach Romantik riecht. Was sie an ihrem Verlobten nicht leiden kann, Schwärmerei und Sentimentalität, da» gefällt ihr bei Onkel Eddie, und sie stiegt ihm mit wehenden Fahnen zu. Und er benimmt sich heldenhaft: nachdem er sozusagen die Knosp« erschlossen hat, überläßt er si« neidlos ihrem Bräutigam. Das Lust- spiel demonstriert die beachtenswerte Lehre, daß all« Sachlichkeit vor der ewig romantischen Liebe zusammenschmilzt, wenn die Tricks tunst- gerecht angewandt werden. Es ist ein sanftes Lustspiel, dasRudolfKurtz geschrieben hat. Er hat es mit Weisheiten von der Liebe und dsr Lebenskunst»oll- gestopft und vor aller Nachdenklichkeit kommen die Zuschauer nicht so zum Lochen, wie ste gern möchten. Aber sie freuen sich über Onkel Eddie und seinen Darsteller Alfred Abel, mit dem sie ein beglücktes Wiedersehen auf der Bühne feiern. Wie vor Jahren be- wundern wir seine leise, vornehme Art, die Unaufdringlichkeit, mit der er Pointen hinlegt, die bestrickend« Liebenswürdigkeit und den elegischen Klang seiner Stimm«. Seine Partnerin Ellen Schwan- neck« ist etwas zu sehr Backfisch, zu hastig und unbeherrscht in den' Bewegungen. Aber sie kommt über die Fährnisse ihrer schweren Rolle mit Anmut hinweg. Maria K a st e n stellt mit fröhlicher Auf- geregcheit eine knusperige Mama auf die Bühne und bringt damit in die etwas schleppende Komödie einen frischen Zug. Dxn Di» Ratioaalgaleri« teuft Eintrittspreis. Tis Nätipnolgalerie hei in ihrem alten Hause und in ihrer neueren Abteilung, im ehemaligen Kran- prinzen-PalaiS, das Eintrittsgelb für den Sonnabend auf 20 Pf. ermäßigt. Die„Junge Garde", das Zentralorgan der kommunistischen Jugend, bringt zum gleichen Anlaß Porträts vom Kronprinzen, von Mackensen, Seldte und altpreußischer Generäle. Die Unterschrist lautet:„Gegen sie wird am 1. August marschiert." Und mit ihnen marschiert die kommunistische Partei am 9. August! Wie muß es in dem Gehirn eines kommunistischen Jugendlichen aus- sehen, der mit der gleichen Begeisterung am 1. August gegen die Stahlhelmgeneräle marschiert, am 9. August aber Schulter an Schulter mit ihnen zum Volksentscheid antritt! Ooch„Roier" Volksentscheid. In einem Betrieb ist großer Krach zwischen dem kommunistischen Zellenobmann und seinem Stellvertreter entstanden. Der Obmann:„Nante, du mußt jetzt für den roten Volks, entscheid agitieren." Der Stellvertreter:„Mensch, Orje, mach keen' Mist! Der Volks- entscheid is doch nich rot. der is schwarzwcißrot." Der Obmann:„Cr is rot, in der.Fahne' hat's jestanden." Der Stellvertreter:„Ausjeschlossen! Die.Fahne' hat früher immer dajejen jeschricben." Nach längerem Hin und Her entschließt sich der Stellvertreter, mit den Kollegen Rücksprache zu nehmen. Er kommt ganz kleinlaut zurück: „Du hast recht, Orje, der Volksentscheid is wirklich rot." Der Obmgnn(triumphierend):„Na siehste!" Der Stellvertreter:„Wie ick nämlich den Kollejcn erzählt Hab', daß wir von Partei wejen jetzt fir den Stahlhelmrummel stimmen müssen, da sind se alle— schamrot jeworden!" Reinhardts„Schöne Helena". Theater am Kurfürstendamm. Ja, ist sie von Osfenbach oder von Reinhardt, diese„Schöne Helena", die gestern im»Theater am Kurfürstendamm" zum 50. Male die Zuschauer entzückte. Es liegt im Wesen der kapitalistischen Natur, daß die Mittelspersonen die Hauptsache werden. Beethoven existiert nur noch als Piedestal dieses oder jenes Kapellmeisters, und die dramatische Literatur ist die manchmal immer noch unentbehrliche Voraussetzung, um das Talent des Regisseurs oder Schauspielers ausleuchten zu lassen. Der selige Jacques hat sich eine gründlich« Umgestaltung gefallen lassen müssen, um alle Reinhardtschen Feuerwerke des Tanzes, der Ausstattung und auch de» Esprits losprajseln lassen zu können. Aber saget nicht, daß es ein Fehler war: Offenbach ist wtedergeboren aus dem Genie Rein- Hardts und funkelt und blitzt, entzückt und. berauscht aus» neue. Während fast alle Berliner Theater geschlossen sind, machten die Reinhardtbühnen immer noch gut besuchte Häuser. Vorige Woche konnte der»Hauptmann von Köpenick" das Jubiläum der 130. Aufführung feiern,»Di« schöne Helena* bleibt noch weiter auf dem Repertoire. Dies« Serien gestatten dem Allerwelteregisseur, gleich- zeltig Berlin und Wien, Salzburg und Riga oder wo er sonst noch zu wirken vor hat, zu beglücken. Gleichgültig wie lange diese letzte Nachblüte des bürgerlichen Theaters noch dauern wird, sie ist in ihrer Art bewundernswert gewesen. Niemand hat alle die Mittel des Theaters im� alten Sinn« so zu handhoben verstanden, wie Rein- Hardt. Die neue Bühne, die kommen wird, muß neue Wege ein- schkägen, sie wird weniger die Kunst, sondern die Kunst,, weniger den Glanz und den Schimmer als den Geist der Gemeinschaft entwickeln müssen. Aber niemand ist vorläufig da. der dem Neuen ein so er- solgreicher Diener sein könnte wie Reinhardt dem alten Theater. D. Reuerwerbungen der Rationalgalerie. In aller Stille hat Iusti einige sehr bemerkenswerte Neu- erwerbungen in die Bestände des Kronprinzenpalais eingeordnet. Im obersten Geschoß vor allem, in dem schönen Saal der deutschen und sranzöstschen Abstrakten: das aus der Auktion Streit kürzlich erworbene, sehr feine und noble Stilleben von George B r a q u e: im Raum« der„Neuen Sachlichkeit" eine nächtliche Landschaft von Joachim Ringelnatz, von dem sputhasten Zauber, den die geheimnisvollen Bildchen dieses so vielseitig und originell Begabten ausströmen: eine schwäbische Landschaft des trocken sachlichen Franz Lenk, ebenda. Im Beckmann-Hofer- Saal findet man gleich vier Erwerbungen: ein Hafenbild des Hoser- schülers E. W. N a y, malerisch sehr geschlossen, von gedrungenem Ausdruck, und von Karl H o s e r selber drei Bilder, die seine jüngst« Entwicklung repräsentieren m. E. freilich nicht mit dem für diesen bedeutenden Künstler erforderlichen Nachdruck. Weniger wäre mehr gewesen: schön ist eigentlich nur die Tessiner Landschaft„Bei Bellinzona", das„Gewitter" von 1930 stellt seine jüngste Abschwei- fung in die Abstraktion nicht sehr erheblich dar. Im Nebensaal entzückt eine reife und schön bewegte Frauen- gestalt in Bronze von Milly Steeger. Im Durchgangsraum zum Schinkel-Museum sieht man von Charlotte Behrend ein Selbstbildnis mit Modell in ihrer neuen Weise, dünn gemalt mit frischen hellen Farben. Und auch der große Eingangssaal des Schinkel- Museums enthält eine Neuerung: die beiden reizenden kleinen Bronzetüren, die von den Chorschranken des von Schinkel umgebauten Alten Doms stammen. p- k- Wiederherstellung der Mosaiken der hogia Sophia. Die türkische Regierung Hot jetzt dem Lyzantinischen Institut von Amerika die Erlaubnis gegeben, eine genaue Untersuchung, Reinigung und Wiederherstellung de? Mosoikenschmucks der Sophien-Kathedrale in Konstantinovel vorzunehmen. Dos Institut, das vor drei Jahren in den Vereinigten Staaten gegründet wurde, beschästigt sich Haupt- sächlich mit dem Studium der byzantinischen Kunst und der Er- Haltung ihrer Denkmäler. Da seit über 80 Jahren an diesem einzig- artigen Bauwerk keine Restaurierung vorgenommen wurde, so ist die Arbeit an dem wundervollen Mosaikenschmuck unbedingt not- wendig. Außer den besten türkischen Kennern wird sich an der Wiederherstellung der Hauptarchitekt der Basilika von San Marco in Venedig beteiligen. Leon Blum für Revision der Verträge Auslandshilfe für Deutschland muß ohne politische Bedingungen gewährt werden Wien. 31. Juli.(Eigenbericht.) In der Freitagsjtzung des Internationalen Kon- g r e ss es gedenkt der Vorsitzende Robert Grimm-Schweiz des vor 17 Jahren in Paris ermordeten Jean Ja u res. Der Kwigrefc und die Zuhörer erheben sich von den Plätzen. Grimm fügt hinzu: Wir können sein Andenken nicht besser ehren, als indem wir L4on Blum das Wort erteilen. Leon Blum-Paris, mit lebhaftem Beifall empsangen: Die letzten Tage und Stunden von Jean Jaures waren erfüllt von seinem luftigen Widerstand gegen die bevorstehende Katastrophe, die man zwar ahnte, die aber noch nicht ein- getreten war. Er wollte an sie nicht glauben, er sträubte sich auf das äußerste dagegen. Wenn es ettfas gibt, das ihn hätte trösten können über dieses Geschehen, so ist es die Tatsache, daß.jwch vier Jahren des fürchterlichen Völkermordens die Internationale wieder erstanden ist und heut« brüderlicher und einiger als jemals vorher dasteht. In diesem Sinne gedenken wir unseres unocrgeßlichen Führers, der seinen Geist und sein Leben dem französischen Sozialismus und der Internationale geopfert hat. Vorsitzender Grimm: Zum Vorsitzenden neben mir ist für heute Raphael Abromowitsch bestimmt worden. Damit wollen wir die russische Sozialdeniokratsiche Partei ehren, die so heldenhaft gegen den Zarismus gekämpft und der Internationale so wertvolle Kräfte geschenkt hat. Gerade Abramowitsch ist das Ziel niederträchtiger Verleumdungen der bolschewistischen Diktatur gewesen. Aber auch gegen unser« Internationale sind die schlimmsten Verleumdungen geschleudert worden, daß wir und die russischen Sozialdemokraten Sabotageakt« in Rußland und Interventionspläne gegen die Sowjetunion gefördert hätten. Mit Abscheu und Entrüstung weisen wir dies« niederen Verleumdungen zurück.(Lebhaft«! Beifall.) Abramowitsch, vom Kongreß herzlichst begrüßt: Wir russischen Sozialdemokraten danken euch innigst für alle Beweise der Soli- darität, die ihr uns immer wieder gegeben habt. Ueber die Stel- lung zur Sowjetunion hat jeder von uns und sicherlich auch viele von euch die schwersten inneren Kämpfe mit sich selbst ausgetragen. Diese Stellungnahme ist noch kompliziert durch die Frage: Sozia- lismus oder Staatskapitalismus, und dadurch, daß im heutigen Rußland alle Legrisse vertauscht sind, recht» und link» verwechselt Ist. Ich verweise auf die Glückwunschadrcsse, die eine Anzahl unserer Genossen in Rußland an unseren Kongreß gerichtet hat. Zu diesem Zweck haben sich diese Genossen heimlich an einem bestimmten Ort zusammengefunden. Auf Papiersetzen, mit chemischer Tinte geschrieben, haben wir diese erschütternde Urkunde erhalten, die wir im Bulletin der russischen Sozialdemokratie veröffentlicht haben. Wir werden unseren Kampf um die Freiheit des Gedankens und Wortes In Rußland und in der ganzen Welt fortsetzen, ohne uns durch die Versolgungen und Verleum- düngen darin beirren zu lasten.(Stürmischer, langanhaltender Lei- fall.)- Nunmehr wird die polltische Debatte üb«r da» Referat Otto Bauers und die Entschließung der Kommission begonnen. Pom Kongreß stürmisch begrüßt, ergreist als erster Redner tton Blum das Wort: Wie in chamburg 1823 im Augenblick der Ruhrbesedung stehen wir auch auf diesem Kongreß plötzlich vor einer nicht vorher- gesehen«» Frage von höchster Dringlichkeit, nämlich vor der dcut- s ch e n K r i s e. Die französische Sozialistische Partei erklärt ebenso feierlich, wie sie sich 1323 au die Seite der deutschen Sozialdemokratie gestellt hat in dem Kampf um die Einheit und Souveränität des Deutschen Reiche», so heute an der Seite der deutsche» Sozialdemokratie im Kampfe um die Demokratie und die Sicherheit Deutschland» zu stehen. (Stürmischer, longanhaltender Leisall.) Wir sehen auch in dieser Krise wiederum, wie die Fortschritte der Technik statt zum Wohle der Gesamtheit zu gewaltigen Pro- siten für die einen, zu Not und Arbeitslosigkeit für die anderen werden. Wa» wir jetzt erleben, bedeutet den Zu- sammenbruch einer Ideologie, nämlich des neuen Wirtschast«» opiimismus, der der Arbeiterschaft den Klassenkampf verschleiern wollte, indem er ein unbegrenztes Steigen der Profite, der Löhn« und der Preise versprach. Di« hohen Kosten der konzentrischen Zu- sammenlegung der Industrie und der höchsten Verbesserung der Technik hat soviel neues Kapital erfordert, daß die auf- gehäuften Profite der Industrie dazu nicht mehr ausreichten. Di« Inanspruchnahme des Finanzkapitals und der allgemeinen Spor- kraft gab der Hochfinanz die Macht über die Industrie, und so sehen wir. daß die Danatbank unier der Krise der Industrie zusammen- gebrochen ist, während insolg« des Zusammenbruches der Oester» reichischen Kreditanstalt die von ihr kontrollierte Industrie r u i- n i e r t worden ist. So mußte die Hilfe des Auslairde» gesucht werden. Sie bestand in Krediten. Die Rückberufung der Kredit« war die Ursach« der Panik und ist heute die Ursache des drohenden wirtschaftlichen Zusammenbruchs in Deutschland. Ausländische Hilfe für Deutschland muß unverzüglich und in einem Maße eintreten, das allen Dedürfnissen der deutschen Wirtschast entspricht. Diese Kredit« müssen ohne jede polltlsche Bindung geschehen. wir haben ununtctbrochen von unserer Regierung gesorderl. daß sie so vorgehe, und wir wiederholen hier den formellen Prolest, den wir gegen die Bedingungen der französischen Regierung erhoben haben. Aber wir sprechen die Zuversicht aus, daß ein solcher Dewei« inter- nationaler Solidarität durch finanzielle Hilfe für Deutschland unter der Mitwirkung und durch die Initiative Frankreichs«inen wohl- tuenden Einfluß auf wenigsten, einen T«il der öffentlichen Meinung in Deutschland und des deutschen Volkes ausübsn und beitragen wird, dem deutschen Volke zu zeigen, daß nicht aus dem Wege des nationalen Egoiimus, nicht auf dem Wege des Haste». sondern nur auf anderen Degen Deutschland oder irgend«!» andere« Land sein Heil suchen kann— nur auf dem Weg« der herzlichen Verständigung. d«r Freundschaft, de» Vertrauen», der Zu- sammenarbeit aller Völker in einem neuen Europa.�(Lebhafter Beifall.) Wenn wir gegenüber dem Streit der Regierenden in einer Welt, die den Frieden ersehnt, die Einigkeit der Arbeiterklast« zeigen. wenn die Sozialisten der beiden Rationen, di« sich im Weltkriege am stärksten feindlich gegenüberstanden, hier sich bruderlich mit- »inander vereinigen, ja wird das die stärkst« Propaganda für den Sozialismus sein, indem sie zeigen, daß die Brüderlichkeit der Völker keine Phrase ist. sondern daß es nur gilt, diese brüderliche Einigkeit zur W- l t e i n i g k e i t zu erweitern!(Stürmischer Beifall.) Wir Sozialisten haben das Ziel, die kapitalistische Gesellschaft zu zerstören, nicht in ihrem materiellen Bestand, sondern in ihrem rechtlich gesellschaftlichen Zusammenhang. Zugleich aber ist es die Pflicht der Sozialisten, di« Interessen, Rechte und die Wohlfahrt der Arbeiter zu bewahren und zu schützen. In der Praxis besteht manche Schwierigkeit, diese beiden Ausgaben zu vereinen. Wir haben aus der kapitalistischen Unordnung di« revolutionäre Lösung zu finden. Bestände heute auch nur di« Mög- lichkeit, daß aus der Zerstörung der kapitalistischen Wirtschast wirklich di« sozialistische Gesellschaft hervorginge, dann wäre ich dafür e» zu tun. Aber da» Kapital wird auch diese Krise wie die früheren über st ehe«, wenn auch vielleicht mit manchen Besitz» Veränderungen: aus allen vorhergegangenen Krisen ist der Kapita- li»mus vielleicht verändert, aber im Wesen noch stärker hervorgegangen. Am schlimmsten aber leiden dann unter der oerdoppelten Lost dieser neuen Oligarchie die Arbeiter und in diesem Falle die deutsche Arbeiterschaft. Nicht dem deutschen Kapitalismus wollen wir helfen,- sondern den deutschen Arbeitern. Damit verteidigen wir den Frieden Europas, der nicht möglich ist ohne di« deutsch« Demo- kratie. Ebenso wie Otto Bauer habe auch ich keinen Zweifel über den Ausgang dieses Kampfes, der auf die Kraft und den Mut der deutschen Arbeiter gestellt ist.(Lebhafter Beifall.) Den Gegnern der deutschen Sozialdemokratie entreißen wir ein« mörderische Waffe, wenn wir in der Resolution klarer als jemals den Gedanken der Revision der Friedensverlrüge eingefügt vnd unterstrichen haben. Zw Hamen der französischen Delegation erkläre ich unsere volle und freimütige Zustimmung zu Äesem Punkt. Ich habe da» schon auf dem Kongreß in Homburg 1323 gesagt, die Haltung der französischen Settion der Internationale hat in diesem Punkt niemals geschwankt. Immer haben wir die Un- gerechtigkeiten und Unsinnigkeiten in den Friedensverträgen hervor- gehoben. Alle sozialistischen Parteien der Siegerländer werden durch die Entschließung verpflichtet, an diesem Werk zu arbeiten und dort, wo sie noch kein« Aussicht haben, Einfluß auf die Regierung zu gewinnen, wenigstens Aufklärungsarbeit im Volk zu leisten. Wenn wir von Demokratie sprechen, denken wir nicht allein an den Parlamentarismus mit seinen Schwächen, ober wenn wir in einem Augenblick wie diesem von Demokratie sprechen, dann verknüpfen wir sie mit einer beftimmten Form der Regierungsgewalt. Demo- kratie ist heute etwas für un«. was un» der Faschismu« in den letzten Jahren sehr Aar gemacht hat. Demokratie ist für uns die Ordnung des Staatswesens, die den Mensch«» ein Mindestmaß der persönlichen Freiheilsr�chle gibt, die seit einem Jahrhundert nicht bestrittener und vollkommen gesicherter Besitz der Kuitunneilschheit gewesen sind und erst soft 10 Jahren in manchen Staaten umgestoßen und besudelt worden sind. Demokratie ist- für uns der Boden, aus dem sich der Sozialis- mus stützt. Wenn wir di« Demokratie verteidigen, kämpsen wir nicht für Regierungen oder Koalitionen, sondern wir kämpfen für uns. Wir fordern dabei die Genossen auf zum sozialistischen Kamps für die Interessen der Arbeiterklasse selbst.(Lebhafter Beifall.) In diesem Kampfe haben wir alle» Vertrauen in unsere Internationale. aber wir haben auch kein« Scheu vor der furchtbaren letzten Möglichkeit, die Otto Bauer gezeichnet Hot. Wenn der Kapitalismus sich unfähig erweist, die Krise zu meistern, wenn au» der wirtschaftlichen Zerstörung der Gewaltstreich, hie Diktatur, her- vorzugehen droht, dann sagen auch wir, daß wir den Verteidigungs- kämpf ausnehmen werden. Da» sage ich im Namen einer Partei, deren Sozialismus hervorgegangen ist aus einer mehr als hundert- jährigen revolutionären Tradition.(Stürmischer Beifall.) Dreimal ist die französische Republik hervorgegangen aus dem Willen der Gewalt und der Empörung der breiten Massen(wiederholter leb- hafter Beifall). Ebenso wie Otto Bauer wünschen wir selbstverständ» lich den gesetzlichen Weg, und wir ziehen die gesetzlichen Mittel vor, mit einem Wort von Jule» Guesd«:„Wir wenden alle Mittel, auch die gesetzlichen, an!" Wir können uns nicht ein- sperren lassen in den Rahmen der Gesetzlichkeit, wir können unsere Aktion nicht beschränken auf diesen Rahmen. Die Internationale kann eine solche Berpslichtung nicht übernehmen, weil auch niemand dies« Verpflichtung un, gegenüber übernommen hat(sehr richtig). Warum soll die Gewalt immer nur die Dienerin der herrschenden klasie, die Dienerin de, Unrechte, sein? Aus allen diesen Gründen stimmen wir der Resolution voibehaitlo« und au» ganzem Herzen zu. Seit dem End« des Kriege», seit der Wiederherstellung der Internationale, Ist die Zusammenarbeit mit den sozialistischen Parteien der anderen Völker, besonders mit der deutschen Sozialdemokratie, unser oberstes Gebot. Wir denken an den herrlichen Festzug zu Ehren des Kongresiee hier in Wien und wir sagen mit der Arbeiterjugend, al, sie in ihren Händen die leuchtenden Fackeln erhob:„Für den Frieden, für den Soziali-mu», wir schwören!"(Der Kongreß bereftet Leon Vwm eine begeisterte. longanhaltende Ovation.) Darauf folgt« da» Referat von Breitscheid, über da» wir bereit« berichtet haben. NachmitiagMung. In der Nachmittagssitzung begrüßte der Vorsitzende Habrman-Prag den polnischen Delegierten Dr. Liebermann. Dieser dankt- und fährt fort:„In dem Augenblick, wo die Abge- sandten de, Proletariat» aller Völker für da» deutsch« Proletariat einstehen, werden sie sich der Wichtigkeit nicht verschließen, daß der Sieg oder der Untergang der Demokratie in Polen«in« groß««uro- päische Schicksalsfrage ist. Und in diesem Kampf reichen wir pol- Nischen Sozialisten den deutschen Sozialdemokraten die Hände(stur- Mischer Beifall) und wiederholen: Jlit wieder die großen Streitigkeiten, die die Geschichte zwischen unfern Völkern aufgeworfen hak. Wir werden sie in der Liebe zUm Sozialismus lösen."(Wiederholter stürmischer Leisall.) AI» nächster Redner der politischen Debatte spricht Latham (Vritische Arbeiterpqrtei):„Die Regierungen müssen oerstehen, daß der wirtschaftlich« Wiederaufbau Europas die wichtigste Ausgabe de» Augenblicks ist. Di« Gefahr für Deutschland» Demokratie und für die Lebenshaltung der deutschen Arbeiter ist jedem offenbar. Da» Anwachsen der Arbeitslosigkeit in Deutschland bedeutet vermehrtes Elend auch für die Massen der englischen Arbeiter. Die deutschen Genossen werden am besten wissen, welche Mittel ihre Situation erfordert. Die Frage, ob Deutschland sich anstatt fremde Hilfe zu fordern, nicht selber helfen könnte, hat man in diesem Augenblick nicht zu stellen. Mit einem Ertrinkenden kann man keine Diskussionen darüber beginnen, weshalb er ln» Wasser geraten ist. Man muß ihn retten. Die unabhängige Arbeiterpartei spricht nicht für die große Masse der englischen Arbeiterpartei. Die Labour Party will hier nicht gute Lehren erteilen. Sie hat Vertrauen zur beut- schen Sozialdemokratie und erklärt sich solidarisch mit ihr."(Leb- hafter Beifall.) Huysmans- Belgien: „Die International« hat nichts anderes zu tun. als das voll- ständige Einoernehmen zwischen den deutschen und den französischen Genossen zu unterstützen und ihre gemeinsamen Bemühungen zu fördern. Di« belgische Arbeiterpartei begrüßt die Resolution, beson- ders die Formel, daß wir uns gegen die Folgen des Kriege» von gestern und gegen die Möglichkeit des Krieges von morgen wenden. Wir sind immer für die Abrüstung unseres Landes in dem Maß«ingetreten, in dem Deutschland ab- g e r ü ste t ist. Der Dichter Paul Valery hat gesagt, daß di« besten Kräfte Europas ein immenses Kapital nutzbringenden Wissens sind. Aber Europa macht nicht die Politik seiner Denker. Nur wir oer» treten dies« Politik des europäischen Denkens."(Lebh. Beifall.) Lee(Dereinigte Staaten): Unsere Partei übt trotz ihrer Kleinheit aus tue öffentliche Meinung, in Amerika einen verhältnismäßig großen Einfluß aus. Spät, ober doch erkannt« die amerikanische Oeffentlichkeit, daß«ine Wirtschaftskrise in Mitteleuropa die schwersten wirtschaftlichen Stö- rungen in der ganzen Welt hervorrufen müsse. Ein solcher Zu- sammenbruch könnte sich bis zum Bürgerkrieg oder Bölkerkrieg stei- gern. Die aufgeklärt« bürgerliche Oeffentlichkeit in USA. blickt heute vor allem auf die sozialistischen Parteien Mitteleuropas und auf die Sozialistische Arbeiterinternationale und erwartet von ihnen, daß sie Wege aus der Gefahr des Augenblicks weisen. Unser« Partei wird alles tun, was in ihren Kräften steht, um Volk und Regierung Amerikas dahin zu bringen, an der Lösung der großen politischen Probleme mitzuwirken: Hilfe für Europa und Abrüstung der Welt.(Lebhafter Beifall.) Tomaschek, der ehemalige Präsident der tschechischen revolutionären National- Versammlung und dann des Abgeordnetenhauses, führt aus: Unsere Wirtschaft steht in zu engen Beziehungen mit dem Wirtschaftsleben Deutschlands, um nicht durch die deutsche Krise schwer zu leiden. Es liegt in unserem Interesse, daß Deutschland geholfen wird. Wir sind sicher, daß oer Kampf der deutschen Sozialdemokratie gegen die Reaktion vom vollen Erfolg gekrönt sein wird. Wir vergessen nicht. daß die Friedensverträge Gerechtes enthalten, sie sind aber doch nur Menschenwerk, daher unvollkommen und können verbessert werden. Da» wirtsamste Mittel dazu ist da» Bestreben, die Solidarität der politischen und wirtschaftlichen Interessen zwischen allen Völkern und Staaten herzustellen. Sollte trotz unserer Bemühungen eine neue Finanzkotastrophe kommen, so werden wir den Weg finden, um die Gesellschaft aus der Periode kapitalistischer Unsähigteit in die Ordnung des schöpferischen oemokratischen Sozialismus hinüberzu» führen.(Lebhafter Beifall.) Dann sprach von der JLP. Maxton: „Niemand bestreitet die entsetzliche Not, in der sich Deutschland besindet. Aber wo» ist die praktische Botschaft de» Sozio- lismu» an das deutsche Volk? Wechselt eure Geldgeber, erzielt bessere Bedingungen von euren Bankiers! Und diesen Rat geben wir nicht einmal dem deutschen-Volk, wir geben ihn den deutschen Finanz- Männern. Ist e» dentbar, daß ein internationaler Kongreß darum «ine Woche lang tagt. Hat der Sozialismus sonst nichts zu sagen? Warum sagen wir den Völkern der Erde nicht lieber, daß der Kapita- li»mu« nicht mehr stabilisiert werden kann, daß es ein vergebliches Bemühen ist, den Kapitalismus erhalten zu wollen! Eine Rettung durch kapitalistische Mittel ist nicht mehr möglich. Auch mir ist die Demokratie ein« lebendige, eine wichtige Sache.' Sie ist mir mehr als Wahlmaschine, sie bedeutet mir Freiheit der Rede, Freiheit der Versammlung. Freiheit der Organisation. Aber eben darum glaube ich, die Demokratie wird zum Hohn, wenn im Namen der Demokratie eine politische Partei mit Grundsätzen Vereinbarungen mit anderen politischen Parteien eingeht, die sie zwingen, alle ihre Grundsätze zu verleugnen oder zurückzustellen. (Wels: Er soll die Parteien nennen!) Ich habe von unserer insu- laren Stellung aus den Eindruck, daß der Faschismus in Deutsch- land gewachsen ist, seitdem di« deutsche Sozialdemokratie sich auf die Koalition»politit festgelegt hat.(Rufe: Unerhört! Beifall auf der Galerie.) pieiro Aenni-Italien: Wenn Maxton das Recht für sich gefordert hat. frei über die Taktik anderer Parteien zu richten, so bestreite ich ihm diese. Recht nicht, erinnere ihn aber, daß er auch die Pflicht hat, daran zu denken, daß binnen neun Tagen unsere Genossen in Preußen die letzte Festung der Demokratie in Mitteleuropa verteidigen werden. In dieser Situation darf kein Wort gesprochen werden, da, die Stellung unserer deutschen Genossen schwächt- Gewiß, wir hätten gewünscht, daß vor der Internationale einmal die große Debatte geführt wird, die längst fällig ist, die Debatte über alle unsere Er- fahrungen revolutionärer und reformistischer Politik in den letzten Iahren. Aber lassen Sie mich den Genossen von der JLP. sagen: Bieten wir heute nicht das Bild, das wir lewer manchmal in der Vergangenheit geboten haben, das Schauspiel der Schriftgelehrten, die sich am Formeln und Texte und Auslegungen streiten, während über unseren Häuptern das gemeinsame Dach brennt! (Stürmischer Beifall.) Wir haben Vertrauen zur deutschen Sozial- demokrati«, daß sie aus ihrer revolutionären Tradition und aus der Treue zu ihren Grundsätzen die Kraft findet, über Hitler zu siegen. wie sie über Bwmarck gesiegt hat. Den Kampf, den ihr führt, ihr führt ihn auch für uns, ihr kämpft für uns, ihr kämpft für die ganze Welt."(Lebhafter Beifall.) Nach einer kurzen Geschäftsordnungsdebatte wird die Sitzung um 18.30 Uhr auf 21 Uhr vertagt. Mord an einem Förster Wo blieb die Leiche des Erschlagenen? Ein Opfer seines Berufes wurde vor mehr als 12 Zahren der flaalliche Aörfker Wilhelm Rudolph von der Försterei T a m- bach-Dletharz. südwestlich von Ohrdruf in Thüringen, wenn auch einwandfrei feslslehl. daß der Beamte im Dienst von wild- und Holzdieben in bestialischer weise ermordet worden ist, so konnte doch die Leiche trotz aller Rachforschungen bisher nicht gefunden werden. Rudolph war nach Beendigung des Weltkrieges in sein altes Revier in Tambach zurückgekehrt. Er fand den früher reichen Wild- bestand an Rot- und Schwarzwild von den Dieben arg reduziert und paßte ihnen scharf auf die Finger. Die Wilderer, die ihre Ein- nahmequelle plötzlich versiegen sahen, sparten nicht mit Drohungen gegen den Beamten und kündigten ihm an, daß sie ihn beseitigen würden, wenn er sich im Walde sehen lasse. Am Karfreitag, dem 18. April 1919, hörten etwa 12 Leute, die mit Stubbenroden im Walde beschäftigt waren, plötzlich mehrere Schüsse fallen und dann ein jammervolles Stöhnen und Schreien. Wie sie später er- klärten, hatten sie sich wohl gedacht, daß die Schüsse dem Förster gegolten hätten, sich aber aus Furcht vor den Wilddieben nicht zur Hilfe herangetraut. Als die Försterei endlich von dem Verbrechen erfuhr, war die Leiche des Erschlagenen verschwunden. Am Tatort ergab die Besichtigung, daß der Förster ohne Zweifel von mehreren Tätern heimtückisch überfallen sein mußte. Nach einem Schuß wurde ihm mit dem Kolben seines eigenen Karabiners der Schädel ein- geschlagen, und zwar mit solcher Wucht, daß der Kolben splitterte. Spuren auf dem Waldboden liehen auch deutlich erkennen, daß der Mann, der noch gelebt haben muß, etwa 79 bis 89 Meter weit von den Mördern geschleift wurde. Sein Hut, der ihm vom Kopfe ge- fallen war und noch dalag, war von zwei Messerstichen durchbohrt. Wohin die Leiche geschafft worden war, konnte man nicht ermitteln. Der damals 16 Jahre alte Sohn des Gemeuchelten nahm die Nach- forfchungen auf und fand die Radspur eines Handwagens, in der Holzsplitter lagen. Diese Splitter stammten von dem Kara- binerkolben. Es war nun nicht mehr daran zu zweifeln, daß das Opfer mit dem Handwagen abgefahren worden war. Ein Jahr darauf glaubte ein Mann, der durch den Tambacher Forst ging, in jener Gegend an einem zugeschütteten Stubbenloch starken Leichengeruch zu verspüren. Leider teilte er seine Wahrnehmung erst dann der Polizei mit, als er auch anderen Leuten schon davon berichtet hatte. Als man in dem Stubbenloch nachgrub, war die Leiche wieder verschwunden. Es lag darin nur ein Bleistift. den die Familie Rudolph als Eigentum des Försters erkannte. Die Gerüchte im Orte kamen jedoch nicht zur Ruhe. Es hieß dann, daß der Leichnam in einem etwa 39 Meter tiefen Weiher versenkt worden sei. Der Schwager des Erschlagenen, ein Schmied, der früher bei der Marine gedient hatte, meldete sich freiwillig, um den Weiher abzutauchen. Er beschaffte sich einen Taucheranzüg und stieg hinab. Ob nun die Leute, die den Apparat oben bedienten, nicht genügend damit Bescheid wußten oder ob sie absichtlich fahrlässig waren, wird man kaum jemals erfahren. Als der Tauchende empor- gezogen wurde, war er in dem Anzüge er st ick t. Das Ver- brechen hatte also indirekt ein zweites Opfer gefordert. Dann wollten einige Leute wieder wissen, daß der Förster von seinen Mördern in einem frischen Grabe, das zur Nachtzeit wieder auf- gegraben worden wäre, mit beigesetzt worden sei. Aber Nach- grabungen haben keine Spur erbracht. Es scheint, daß dieses Ver- brechen ungefühnt bleiben soll. Im Dorfe heißt es aber auch jetzt noch, daß einige der Ohrenzeugen der Schüsse an dem Karfreitag die Mörder kennen und nur deshalb nicht mit der Wahrheit heraus- kommen, weil sie die Rache fürchten. Bernard Shaw traf heute vormittag, von Moskau kommend, in Berlin ein. Auf dem Bahnhof Friedrich st raße hatte sich eine größere Meng« von Pressephotographen und Freunden des Dichters eingefunden, die aber zu ihrem Leidwesen feststellen mußten, daß Bernard Shaw bereits auf dem Schlesischen Bahnhof den Zug verlassen hatte und von dort nach seinem Berliner Hotel gefahren war. Kontoristin unter Spionageverdachl verhaftet. In Bad Warmbrunn im Riesengebirge wurde die LZjährige Kontoristin Schisfner unter dem Verdacht der Spionage oerhaftet und in das Hirschberger Untersuchungsgefängnis eingeliefert. 21. Abteilung. Berichtigung? Treffpunkt znr Kund- gebung 12% Uhr. nicht 13% Uhr, bei Kroll, Utrechter Straße 21. Theater der Woche. Vom 2. bis 10. August. Thealer mit festem Spielplan: gowifch« Oper: Frauen hoben das gern— Deutsche, zviustlertheater: gibgemacht— Kuß.— Theater am Kursürstendamm: Di« schön« Helena.— Rose- Theater: Madame hat Ausgang.— Rose.Theatcr lGartenbühne): Panne um Mitternacht.— Theater in der Zllosterstr-ße: Büchse der Pantora. � Naturtheater Friedrich-Hagen: 1., 2. Räuber.— Wintergarten, Plaza, Skala: 'Internationales Variete.— Reichs Hallen-Theater: Stettrner Sänger.— Theater am Kottbusser Tor: Alles für euch, schöne Frauen. Rachmillagsveraustaltungen: Rose-Theater: g. Ush und 17% Uhr. Madame hat Ausgang.— Rafle- Theater iibartenbllhne): Konzert und Variete.— Theater in der fllosterstraijc: 2., 9. 15% Uhr. Erdgeist. 17% Uhr. Büchse der Pandora.— Wintergarten: 2., S., 9. Internationales Variete.— Plaza, Skala: Internationales Variete. Erstaufführungen der Woche: Montag. Rose-Theater: Panne um Mitternacht. Welker für Berlin: Bei östlichen Winden vorwiegend heiter und warm. Nur vorübergehend Bewölkungszunahme.— Für Deulsch- land: Im Osten vielfach bewölkt, stellenweise Regen. In Süd- deutschland Gewitterneigung. In allen anderen Teilen des Reiches vorwiegend heiter und warm. Vcrantwortl. für die Redaktion: Herbert Lepdre, Berlin: Anzeigen: Tb. Glocke. Verlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin EW KS. Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. "T ! T emi»eBKaof: 2-Zintmer-Hauszinssteuer-Neubauwohnungen mit Bad und Balkon, Zentralheizung, Warmwasser, ZentralwaschkUche, ca. RM. 60.—, ohne Heizung, . zum 1. September 1931 oder später ScfBilleri»aapl«: 2-, 2'/,- und 3-Zimmer«Wohnungen, teils mit Ofenheizung, ca. RM. 63.— bzw. 88.—, 97.—, ohne Heizung, zum 1. Oktober 1931, eventl. auch früher zu vermieten Mit und ohne W ohnbcrechti�angudieln;: Aalknnil erteilt; Berliner Spar- und Bauverein e.G.m.b.H. Charlottenburg 9, Knobelsdorffstr. 96:: Tel.: Westend 3584, 2797 Für Tempelhof: Tempelhof, Tankredstr. 11, Verukictangtböro[\ Für Sehillerpark: Berlin N SS, Corkcrstrafjc 9, bei Schcller q + 0efdiäft$-Jlnseiger föezirfc Jlowden-Cfien Franz Mitzut konz. Buchmacher Centrale C 25, Alexander sfr. 51 /S2 Telephon E 2, Kupfergraben 0802/03 Nebenstellen: Berlin, Alexandersir. 39/40(Passage) „ Koppenstratze 1 „ Dircksenstr. 20/27 „ Boxhagener Str. 132 Oberscfaöneweide, Wiihelminenhofstr. 22 W- Jalousie- FabriK Seit 1910[241 Ernst Garff, Inh. E.& J. darf SO. 39, Britzer Str. 7. Tel. F l Horitzpl. 3070. EEBER blutffördernd— 12» macht gesund und froh— Gm& dhle (15t ITlafchlnenbau- und XeparalurtVerkfiaU für grapMfrtie Ulafchinen Sierlht SIT 6 8, jfiexandrinenifr. 211125 VeL: Dönhoff U201 IIa cht ruf: SBaernald 25/12 Hermann Lorenz UAUi«5 Kaffee. Tee, Kakao. Eig. Rösterei seit 1879 Tapeten" Linoleum Tapefenhans ÜUSSacK NO, Wörlher Sir. 30 ludwigDorner Berlin-Bohnsdorf Zenfralhelzunp Sanitäre Anladen Bauklempnerel Amt Grfinao 6205 1 R.240 Friedrichshagener JBaugenossiinschaft Hoch- u. Tiefbau FSrnruf�FriedriehAhs�en�0�2�un�0S2S[R.197 BERLIN-FRIEDRICHSHAGEN»KLUTSTR. 8 KitvbttdL Csfende Täglich geöffnet flcxbagencv Straße 17 Paul Zillen, Elektro-BedariGj. hl Berlin, Schiffbauerdamm 15 Ultraphon- und Orchestrola- Schallplatten nud Apparate-Vertrieb maierhutte Berlin G.m.b.H. VORHALS MALEREIBENOSSENSCHAFT GEGRÜNDET 1912 N018,LANDSBERGER ALLEE 38-39 FERNSPR.: E 4 ALEXANDER 5828—30 ALLE MALERARBEITEN MOEBEL- UND AUTOLACKIERUNG Butterhandlung Zu den clrei Sternen '";*** Filialen in allen Stadtteilen? Erd- und Fcucr- Besiattungen in jeder Preislage Potsdamer Str. 97 and Filialen Fcrnspredier: Stephan 690 GRIENCISEN Oberfenster-Verschlflsse, Fenstersteller, Tflrstölleßer, Tilrpufler etc. A. Burkhard& Co. Gegründet 1910 N 54, ClpxstraBe 15, Tel.: Dl, Norden12I9 neue Ressource N 4, Gartenstr. 6, neben Stadtbad Mitte Fernruf; D 2 Weidendamm 8535. Klubräume, Vereinszimmer, Festsäle, 20—350 Personen fassend. Bürgerlicher Mittagstisch— Berliner Kindl— Solide Preise- Inh. Bernhard Taute. wursi Häuser Moabiter Halle Stand 259-263 [248 Stand 259-263 LINOLEUM die idealen F u 6 b o d e n be 1 8 g e kauft man gut und preiswert bei UNO Lucht«Mahnhe STRilillSJ �n.-GöpenicH, Grünsir. 16 Fernsprecher: F 4 0401 £är den Mei'rn kauri man gut und preiswert Höfe, fiülzen, Obenemden, Krawatten, bowie alle mouernen licrrenariikc. im pezialgeschäft ZPaul fllensel Köpenick, Schlogstrafce 17. Weddingplatz, Müllerstraße 174 Prenzlauer Allee 204 Aufzüge i Reparaturen 1254 Neulieferungen Bln.'Wilmmdorl, Tübinger Str. 2/ Tel.: pfalzbarg 1 433 Julius EM Lanzenberger& Co. Berlin'Treptow, Karpfen teiefasira�e 10-12 Größte, älteste und leistungsfähigste Fabrik für Leitern aller Art, Plättbretter, Aermelbretter usw. Georg Müller Holzhandlang, Treptow, Kiefholzstra�e 360-67 Ständig großes Lager in Klefern-, Stamm-, Mittel- und Zopfbrettern, astfreien Selten- Erlen Telephon: Moritzplotx 1616 und 139 Preislisten fordern! Willy Hanka"""" billig Brunnenstrabe 121-122 gut Eduard Busse G.m.b.H. Berllg R 83. Tegeler Str. 13:: r. s Fernrul: Wedding DB, 03T3 Bauhlempnerei- Dadieindeduing Gas-, Wasser-, öesnndheKsfedinisdie Anladen Piarhisdier lieisdiHonsnm Hermann Pohle Palisadensir. 29 Sirausberger Str. 34 Au�iftsSsiraOe 24-25 Bühlers Ballhaus TütSlicta Clardams WiSwenball I I SporlBeslaaraiH Oskar Schulz KOjienidf, Batanbolslr. 34 Verkehrslokal des Reichsbannets Vom Zenlraiiriediiof treffen sich Genossen in Llchtenbers, GadrunstraOe 7 {Beilage Sonnabend, 1. Augusf 1931 SrrAM) StiolauXifaße Ja ibiOa/A Vier Jahrzehnte Rüstungswahn Das Menetekel für die Abrüstungskonferenz Wie in den Iahren vor 1914 gleicht Europa heute wieder einem riesigen wasfenstarrenden Lager. Während oie Rüswn- gen auf einen ungeahnten Stand gebracht werden und Heeresdepots und Marinearsenale sich mit neuen mörderischen Waffen füllen, ergehen sich Europas Staatsmänner in Beteuerungen ihrer unbeding- ten Friedensliebe und Friedenspolitik. Man will den Frieden und bereitet den Krieg vor. Dieser innere Gegensatz mutz das ruhelose Europa in neu« Konflikte stürzen, denn wie sollen Rüswn- gen und Friedenspolitik vereint werden, wo jede Rüfwngspolitik ganz zwangsläufig, mit einem allgemeinen Wettrüsten, dieses aber mit der Katastrophe enden mutz? tolvgssckiilci— Rüstungsschuld 4 Die Entstehung und der Verlauf des europäischen Wettrüstens, das in den legten Jahren vor 1914 ein geradezu ungeheuerliches Tempo angenommen hatte, ist in einem neuen Werk des Reichs- a r ch i v s zusammengefaßt, das erstmalig in allen Einzelheiten die Rüstungspolitit der Vorkriegszeit untersucht: Weltkrieg 1914/18. Kriegsrüstung und Kriegswirtschaft. Vlg. E.S.Mittler u. Sohn, Berlin. Das Werk befaßt sich nicht mit der Kriegsschuld- frage. Und doch wird es zu einer stammenden Anklage! Zu einer Anklage, die nicht« i n Land mit-der Alleinschuld am Ausbruch des Weltkrieges belastet, sondern die international« Rüstungspolitik als entscheidende Kriegsursache anprangert. In dem ersten Jahrzehnt nach dem 70er Kriege lätzt sich von einem europäischen Wettrüsten noch nicht reden. Frankreich führt« zwar nach den Ersahrungen des letzten Feldzuges eine umfassende Heeresresorm durch, oie insolg« erhöhter Kaderzahlen nicht nur den Stand der deutschen Heeresstärk« erreichte, sondern diese sogar über- flügelte, doch führte dies zunächst nicht zu deutschen Gegemnaßnah- men. Erst mit dem Umsichgreifen des Boulangismus in Frankreich sah sich Bismarck zu einem nachhaltigen Antreiben der deutschen Rüstungen veranlaßt. Der 1886 zum Kriegsminister ernannte General Boukanger hatte als schärfster Verfechter der Revanchepolitik die Volksleidenschaften in einem Maße gegen Deutschland ausgehetzt, daß Bismarck entgegen seiner seit IS Jahren betriebenen Politik diö sofortig« Einbringung einer großen deutschen Heeresvorlage vorsah. Di« Aehnlichkeit dieser Vorgänge mit den jüngsten politischen Ereignissen in Deutschland ist frappierend. Damals Revanchege- schrei und Rüswngssieber um Boulaneer, heute um Hitler, S e l d t« und Se e ck t. Rur ein Unterschied gegen damals. Heute „Laßt Euch die Stiefel putzen, meine Herren!" sind in Deutschland und in Europa Kräfte rege, die sich gegen die nationalistische Verhetzung, gegen die Aufrüstung stemmen, Kräfte, die leidenschaftlich um die allgemeine Ab- rüstung kämpfen, von der in der europäischen Staatspolitik der Vorkriegszeit nicht die Rede war. Bemerkenswert sind die internen Kämpfe, die um die Jahr- hundertwend« zwischen den führenden deutschen Militärs wegen der Heeresresormen geführt wurden. Der Forderung des General- stabschefs v. Schlieffen, im Hinblick auf das„Gespenst des ' Zweifrontenkriegs" die möglichst starke Heranziehung der wehr- fähigen Bevölkerung zum aktiven Dienst, dementsprechend also«ine entsprechende Erhöhuno, des Friedensstandards, durchzuführen, stieß bei Vertretern des Kriegsministeriums auf scharfen Widerstand. So beurteilte der spätere Armeosührer im Weltkriege und damalig« Oberst von Einem als Chef der Armeeabteilung im Kriegs- Ministerium die Situation schon zu Ansang, dieses Jahrhunderts durchaus richtig, als er dem Generalstab schrieb: „Aber dieses Wettrüsten muh doch einmal«in Ende nehmen. und es muh der Augenblick kommen, wo der zur Vermehrung der Streitkräfte antreibende Generalstabsches sich mit dem be- gnügen muß, was ihm die Heeresverwaltung zur Verfügung stellen kann. Jede gesunde Organisolion härl auf, wenn jede Truppen Vermehrung des vermeintlichen Gegners ohne weiteres bei uns eine solche nach sich iMst." Auch der Nachfolger Schlieffens im Generalstab v. Moltke war zunächst kein Freund einer mechanischen Heeresvermehrung. Er hielt(1997) den Rüstungsstand bei den Hauptwaffen für so weit ge- fördert,„daß der Rahmen der Armee auf längere Zeit als- stetig angesehen werden könne". Was lag näher, als daß die verantwortlichen Leiter der beut- schen Politik diese von dem Generalstab freiwillig eingelegten „Rüstungsfeierjahre" außenpolitisch zu einer nachhaltigen Entspannung der gesamteuropäischen Lage nutzbar machten! Aber weit gefehlt! Die von allen guten Geistern verlassene Führung in der Aera Bülow unternahm dessen ungeachtet auf der Haagg: Friedenskonferenz 1907 einen Vorstoß zur Sabotage der vom zaristischen Rußland vorgeschlagenen R ü st u n g s e i n ste l l u n g, der Deutschland in«ine verzweifelte Isolierung hineinmanövrierte «ad ihm den Makel der Kriegstreiberei ausdrückte. In, RUstungsfieber Barg das erste Jahrzehnt unseres. Jahrhunderts mit der Marokkokrife 1905, der wachsenden deutsch-englischen Spannung in der Fiottenfrage schon Konfliktsstoffe genug, waren auch in dieser Der Dank des Vaterlandes... Epoche die Rüstungen technisch laufend ausgebaut worden, so er- schien dies« doch gegenüber den nun folgenden Jahren mit ihrem unheimlichen Rüswngstempo wie ein« Oase des Friedens. Es schien, als ob alle zerstörenden Kräfte in Europa zugleich zum Ausbruch drängten. Für die Rüstungsfanatiker und die Kriegs- induftrie brachen herrliche Zeiten an.. Charakteristisch für die Rüstungspropaganda aller Zeiten bleibt die völlige Gleichartigkeit ihrer Schlagworte diesseits und jenseits der Grenzen. Fast auf das Haar gleichen Aeußerungen und Forde- ruNgen führender-deutscher Militärs aus der Vorkriegszeit den Thesen, die bis in unser« Tag« in Paris ausgestellt wurden. „Wir wollen üicht erobern, sondern nur verteidigen, was wir besitzen. Wir werden wohl nie die Angreifen- den, sondern stets oie Angegriffenen sein.(Generalstabschef o. Schlieffen 1901/02 im Entwurf eines Operationspians.)' „Wir müssen allein in der Stärke, die wir unserer Wehrmacht im Frieden geben, die Sicherheit suchen,... daß der Feind nicht an Unternehmungen denkt, die unsere Schwächen kennzeichnen..."(Generaloberst v. Moltke an den Kriegsminister.) Das sind oie gleichen Worte, die wir heute in Europa bis zum Ueberdruß gehört haben i�id die doch nur zur Verschleierung des Abrüstungswiderstandes dienen, so wie sie damals zur verstärkten Ausrüstung herhalten muhten. Aber weder hat damals die forcierte Rüstung Europa vor einem Weltkrieg„gesichert", noch wird sie jemals ein wirksamer Sicherheitsfaktor sein, sondern nur zur Erregung nationalistischer Instinkte dienen. Der zweite Maroktokonflikt im Jahre 1911 sah die beiden arg- wöhnischsten Rüstungsgegner Deutschland und Frankreich mit fast gleich starken aktiven Heeren. In Deutschland standen 25 880 Ossi- ziere und 609 000 Mann und in Frankreich 28 650 Offiziere und 579 000 Mann unter den Wafsen. Infolge seiner viel geringeren Bevölkerungszahl hatte Frankreich 83 Proz. aller Wehrfähigen ein- gezogen, Deutschland bisher nur 51,3 Proz. Dieses Verhältnis änderte sich dann aber wesentlich. Di« Tirpitzsche Flottenpolitik, die sich gegen die Heerespolitit immer stärker durchzusetzen schien, rief Generalstab und Kriegsmini- sterium auf den Plan, die 1912 im Reichstag eine Heeresvei mehrung um fast 30 000 Mann und Errichtung zweier neuer Armeekorps- bezirke durchsetzen tonnt«. Zu unseren Bildern In unseren Schulbüchern stand viel über Krieg und Sieg, über Feldherren und Heerführer. Aber kein Lesebuch gedachte der Opfer dieser Kriege. Die offizielle Kunst der Höfe und des Bürger- tums schilderte nur Kampf und Sieg: aber im'Volke hatte man die Kriegssolgen immer vor Augen. Schon im Jahre 1633(mitten im Dreißigjährigen Krieg) hat der Lothringer Jacques Callot in erschreckend lebendigen Radierungen das Elend seiner Zeit: Militärjustiz, Räubereien, Plünderungen, Ueberfälle, BraiMistun- gen, Foltern und Schändungen von Frauen, dargestellt. In unsicht- baren Lettern trugen seine Darstellungen als Ueberschrift den Not- schrei der Gemordeten, Gequälten und Mißhandelten:„Nie wieder Krieg!" Im Dorf Zizenhauscn am Bpdensee blühte vom Anfang bis gegen die Mitte des 19. Jahrhunderts eine Manufaktur von Terrakotten, deren heute sehr selten gewordene Erzeugnisse Beispiele einer derben, gesunden und urwüchsigen Volkskunst waren. Ihr Versertiger(Anton Sohn) hat sie zwar nicht selbst erfunden, aber er Hot es verstanden, seine Vorbilder plastisch neu zu gestalten und zu wahrer, lebendiger Volkskunst umzuformen. Unser Zeichner gibt in den nebenstehenden Zeichnungen einige dieser Terrakotten wieder, die den Galgenhumor eines D o lk e s.zeigen, das jahrzehntelang einen Krieg dem anderen folgen sah. Bitterste Ironie steckt in dem Bilde mit den beiden Kriegskrüppeln, die ein Plakat halten, das im oberen Teil einen alten Esel zeigt, der, zu alt zur Arbeit, den Kindern zum Zeitvertreib dient, und das unten einen Hund darstellt, der im Alter nicht einmal das Gnadenbrot wert ist, und der von seinem Herrn erschossen wird. Unterschrifk:„Für geleistete Dienste." Solche Darstellungen sprechen in ihrer ünge- künstelten Einfachheit die Meinung des Volkes aus, das, vor dem Kriege nicht gefragt, nachher allein das Elend zu schleppen hat. In Frankreich und Rußland fand diese außerparlamentarische deutsche Rüstungsoerstärkung stärksten Widerhall. Die öffentliche Meinung Frankreichs sah darin nur die Absicht, zum Angriff gegen die westlichen Nachbarn und gegen den europäischen Frieden zu rüsten. Die Regierung(Poincare) wurde aufgefordert, die Schlogfertigkeit des eigenen Heeres weiter zu steigern. Rußland wurde gedrängt, seine Heeresreorganisation mit Hilfe der französi- schen Milliarden mehr denn je zu beschleunigen. ». fertig zur Zündung Als der Balkankrieg 1912 eine neue schwer« Krise und ein ra- pides Anwachsen des russischen Einflusses in Südosteuropa mit sich gebracht hatte, stellte der Kaiser in einer militärischen Sitzung, eine weitere Heeresverstärkung zur Debatte. Er stieß hierbei aber bei dem Kriegsminister v. Heeringen aus harten Widerstand, der die kaiserlichen Pläne als undurchführbar bezeichnete. Zu g/eicher Zeit hatte der damalige Oberst Ludendorff unabhängig von dieser Beratung ein Projekt zu einer Heeresoerstärtung ausgearbeitet, die eine Neuausstellung von drei weiteren Armeekorps neben zahlreichen anderen Forderungen vorsah. An dem nötigen Druck gegen den „weichen" Kriegsminister ließen es die Rüstungsfanatiker nicht fehlen. Ein Brief Heerineens hierzu besagt: „Durch die Treibereien des Wehroereins und der Alldeutschen ist außerdem das Mißtrauen weiter Volkskreise in unsere Kriegsstärke geschürt worden.... Als Kriegsminister kann ich mir von Seiner Majestät dem Kaiser und in Der Oeffentlichkeit nicht dauernd den Vorwurf machen lassen, daß ich ungenügend für die Stärke der Armee sorge." Dachte auch Heeringen nicht daran, dem phantastischen Projekt Ludendorsss mit einer sofortigen Erhöhung des Rekrutenkontingcnts um 150 000 Mann nachzugeben, so bewogen ihn doch die Nach- richten, die der Generalstob aus Frankreich über oie beabsichtigte Wiedereinführung der dreijährigen Dienstzeit erhalten hatte, doch, dem Reichstag jenes Milliardcnpro- gramm vorzulegen, zu dessen Deckung der einmalige Wehrbeitrag erhoben wurde. Das jährliche Rekrutenkontingent wunde mit dieser Heeresooqlage um 60 000 Mann erhöht. Am 30. Juni 1913 nach der Reichstag die Vorlage an, Anfang August das französisch« Par(ament die Vorlag« der dreijährigen Dienstzeit. Rußland hatte sein Heer im gleichen Jahre durch Ein- behalwng eines Reservistenjahrganges von 1,4 auf 1,7 Millionen Mann heraufgesetzt. Ungeheuerlich waren die Lasten, welche die fWUP „Reich mir den Arm, Kamerad!" Heeres- und Marineetats den Völkern auferlegten. Phantastisch muteten die Steigerungen gegenüber dem letzten Jahrzehnt an. Bei den europäischen Großmächten betrugen oie Ausgaben für Heer und Marine zusammen in Millionen Mark: Div Waffen nieder! Die Dinge waren so weit gediehen, daß Europa Anfang 1914 einer bis zum Bersten mit Explosivstoff gefüllten Pulver- kämm er glich. Der kleinste Funken muhte genügen, um eine Katastrophe herbeizuführen. Und dieser Funken sprüht« im Juni, 1914 in der kleinen unbekannten Stadt. Se ra j e w o auf. Europa, dieser friedlose, krisengeschüttelte Erdteil, liegt wieder im Rüstungsfieber. Ungeachtet aller Schrecken, die ein künftiger chemilsch-technischer Krieg erwarten läßt, ist oie Abrüstung in Europa bisher keinen Schritt vorwärts gekommen. Faschistische. und hasbsaschistische Diktaturen sowie die Sicherheitspsychose in Frankreich haben sie bisher verhindert. Schon in wenigen Mo- naten, Ansang nächsten Jahres, wird in Genf der Kampf um die Abrüstung in sein entscheidendes Stadium treten. Es geht für Europa um höchsten Einsatz! Europa darf sich durch«inen erneuten Mißerfolg in der Ab- rüstungsfrage nicht der Gefahr einer allgemeinen Aufrüstung aus- setzen. Ausrüsten heißt Wettrüsten uno Wettrüsten führt bei den vorhandenen Konfliktstoffen unweigerlich zu neuem Krieg, welcher Slaalsmann und welches Volk will in Gens die Verantwortung aus sich laden. Europa aus den weg zu drängen, der noch die piut- spuren von 1914 aufweist? Rolf Bath«. «tbcitet.Sdjüfecnbunb, Abt. Pankow. SchKKabcnj»« Icbon Montag Mit 19 bis 23 Uhr im Lokal Lehmaan, Mllhlenstr. 38, Ecke Maximiüanstraßr. Iobcn Donncrstag von 20 bis 22 Uhr im IliffOtvbhcim SSrschstr. U Heimabent,. Am Sonntag, dem 2. August, 13 Uhr, Treffpunkt zur Anti-Kriegstunögebung im Neuköllner Stadion am U-Bahnhof VinclastraKe. Kleidung: Weihes Hemd. Freie Schützcnoereinigung, Sruppc Zriebrichshain. Gruppenabend im Lokal Mehcr Str. 27. Montag, 20 bis 22 Uhr, Schiehadend. Ruberer und Kanufahrer, l. Kreis. Montag, Z. August, 20 Uhr, Techniker» Sitzung in der Kreisoefchiiftsstelle, Elfässer Str. 80—88. Kartcllbczirk Pankow.'Die Vereine des 19. Bezirks wollen folgend« Daten beachten. Am 1. August Boststodion. Am 10. August Verfassungsfeier mit der Partei bei Linder. Wahrscheinlich findet ein Umzug vorher statt. Alles in Szortkleidung. Am 13. August ist ein Strahcnlauf aller Kartcllvcrcine gucr durch Pankow. Sieh« letzte. Sportwochenschau. Vom 1. bis 17. August ist die Eefchaftsstellc wegen Urlaub geschlossen. Die Vereine müssen sofort ihre Platze für dos Winterhalbjahr beim Jugendamt beantragen. RV..vorwärts" verlin E. v. Dienstag, 4. August, außerordentliche Vorstandssitzung um 20 Uhr. Donnerstag,«. August, Mitgliederversammlung. Zedhretfcn der Freien Segler Wieder ipn voller Erfolg Ost ernothafen, das kleine Fischerdorf gegenüber von Swinemünde, hatte großen Besuch. Die Arbeitersegler waren ein- gezogen, um das große Seetreffen des Freien Seglerverbandes, das alljährlich im Juli stattfindet, zu begehen. Nollgepfropft lag der kleine Hafen von Sportfahrzeugen, und überall wehte an den Wanten und am Heck die Verbandsnationale. Die rotweihe Natio- nale des Berbandes beherrschte den Hafen. Und wenn wieder ein „Gode-Wind-Ahoi" über das Wasser dröhnte, dann wußte man, daß wieder ein Boot eines Arbeiterseglers von See kommend den Weg in den kleinen Hafen suchte. Von überall kamen sie, kein Weg war zu weit und kein Wetter zu schwer, um mit Freien Seglern zu- sammen zu fein. Boote aus Elbing, Königsberg, Stettin, Berlin und Kiel, vom S0-Ouadratmeter-Kreuzer bis hinab zur 10-Ouadrat- meter-Jolle lagen friedlich im Hafen, und als die Abendwolken heraufzogen, war die stattlich« Zahl von 18 Fahrzeugen erreicht, wovon 3 Boote aus Kiel, 4 Boote aus Stettin, 9 Boote aus Berlin «nd je 1 Boot aus Elbing und Königsberg waren. An Montag war die Zahl von 20 Booten erreicht. Auch auf„rollenden Kreuzern", auf Omnibussen, kamen am Sonnabend 89 Sportgenossen aus Berlin, um dabei zu sein und die Schönheiten des Meeres zu genießen. „Freie Segler am freien Meer!" Nach einer Begrüßung war der Tag den Berliner Sportgenossen gewidmet, und mit Besichtigungen und einer Fahrt auf See wurde der Tag beendigt. Am nächsten Tag stieg dann die erste Seewettfahrt des FSV. vor Swinemllnde. Gestartet wurde von der Ost- mole, mit dem Kurs Ansteucrung Tonne Swinemllnde, Seebrücke Heringsdorf, einen, Dreieckskurs, wobei die Marken backbords zu runden waren. Eine schöne durchstehende Brise von S bis 6 Se- kundenmetern wehte, und als der Vorbereitungsschuh 3 Minuten vor 11 Uhr über die See dröhnte, da lagen sämtliche gemeldeten 16 Boote vor der Startlinie, die Verbandsnationale aus Propaganda an der Gaffel, um auch hier den Weg für den FSV. zu bahnen. In 4 Klassen gingen die Boote über die Startlinie. Da der Wind noch aufbriste, wurde auf verschiedenen Booten noch das Großsegel eingedreht. Bis zur Ansteuerungstonne ging es vor dem Winde, um dann mit Steuerbordschoten die Barke vor der Seebrllcke in Heringsdorf anzusteuern. Ein überwältigender Anblick, in der Ferne die Boote auf einem Schlag liegend, dahinsegeln zu sehen. So manchen Kampf konnte man beobachten, denn keiner wollte zurück- stehen. Alle Boote mit Ausnahme von„Slawi" beendeten die Wettfahrt ohne Bruch und einwandfrei.„Slawi" hatte das Miß- geschick, daß kurz nach dem Start auf der See die Achterwante brach. Der ablandige Wind aus Südwest ohne erhebliche Dünung kam speziell den Berliner Booten gut gelegen, und so konnten die Boote„Tümmler",„Paß upp" und„Klabautermann" in den ersten drei Klassen die ersten Preise davontragen, während die zweiten Preise in den Klassen auf„Rautendelein" aus Stettin,„Winds- braut II" aus Berlin und„Heidekin", ebenfalls aus Stettin, ent- fielen. Die beste Zeit ersegeltc auf der 19 Seemeilen langen Bahn das Boot„Benevento" aus Elbing mit 1: 15: 43 gesegelter Zeit. Auf den zweiten Platz in der gleichen Klasie kam„Hol di stiv" aus Berlin. Ein voller Erfolg war das diesjährige Seetresfen für den Ver- band. Eegebllisse. 1. Klass«: Tümmler lTSV. Tegel! 1:14,35. I. Pr. RaAtendelein 1:1>,28. 2. Pr. 4. Klasse: Venevento (SB. Etößenlee. Berlin) 1:15,24. 2. Zeit angegeben. . Luv Elbing) 1:12,49. 1. Pr. Hol in stiv Bei sämtlichen Booten ist die berechnete Boxlcampfe in der Bodebrauerei Harter Sport und Fehlurteile Der neue Boxring in der Bockbrauerei Fidicin- straße hatte gestern abend mit seinem ersten Kampfabend einen guten Start. Annähernd 2599 Zuschauer füllten die Sitze rings um den überdachten Freiluftring. Mit einem Oualifikationskampf im Halbschwer- gewicht wurde der Abend eingeleitet. Horst Riege- Berlin (73,5) trat gegen Paul V ö l k n e r- Berlin(75 Kilo) an. Das über vier Runden gehende Treffen sah Völkner ständig in Front. Auf einen schweren Rechten mußte Riege in der 3. Runde sogar bis„8" zu Boden, überraschend gut erholt kämpfte er aber weiter und zeigte zum Schluß, daß er noch über nicht zu verkennende Reserven verfügte. Der Punktsieg Völkners war klar und verdient. Einen aufregenden, wenn auch wenig rühmlichen Verlauf nahm die Begegnung zwischen dem Belgier van Meensel(55 Kilo) und dem deutschen Bantamgewichtsmeister Georg P f i tz n e r- Berlin (54 Kilo). Gleich in der ersten Runde bekam Pfitzner die Rechte seines Gegners an der Halsschlagader zu spüren. Er ging für einen Augenblick zu Boden und überwand den Schwächemoment jedoch sehr geschickt. Der Belgier, ein wendiger Boxer, der aus allen Lagen gefährlich schlug, brachte Psitzner, der wenig Meisterliches zeigte, mehr als einmal in arge Bedrängnis. Leider boxte Pfitzner reichlich unsauber und rief durch seine sonderbare Kopfhaltung wiederholt den Unwillen den Publikums hervor. Die letz/« Runde war für den deutschen Meister allerdings groß, und er hatte den Belgier fast groggy. Trotzdem hätte das Urteil nie unentschieden lauten dürfen, Meensel hatte knapp und einwandfrei nach Punkten gewonnen. Mit einiger Erwartung wurde dem Auftreten des Negerboxers Billy de James- Amerika(75,2 Kilo) gegen den Gleiwitzer Emil K o s k a(78,3 Kilo) entgegengesehen. Für den Neger war es anfänglich mehr ein Katz-und-Maus-Spiel, der Koska von einer Ecke in die andere jagte. Der Gleiwitzer war klug genug, sich nur auf die Defensive zu beschränken. Gegen die mit ungeheurer Wucht vorgetragenen Angriffe des Farbigen wäre eine andere Taktik zweifellos auch verfehlt gewesen. Bei größerer Genauigkeit hätte es de James gelingen müssen, Koska auf die Bretter zu schicken. So aber ging der Kampf über alle 8 Runden und endete mit klaren Vorteilen des Amerikaners. Unoerständlicherweise gab das Punkt- gericht den Kampf unentschieden. Die Boxgemeinde protestierte heftig. Im Schwergewichtskampf versuchte Horst H i n z m a n n- Berlin(86,5 Kilo) gegen den zweiten Amerikaner Andy W a l l a c e (85,7 Kilo) von Beginn an eine Entscheidung herbeizuführen. So gut diese Absicht war, so scheiterte sie an dem starken Ueberseer, der sich als unerhörter Nehmer erwies. Hinzmanns Punktsieg stand allerdings nie in Frage. Einen etwas unerwarteten Ausgang nahm die Begegnung W. S a b o t t k e- Berlin(76,5 Kilo) und Otto H ö l z e l- Dresden(76 Kilo). Zwei alte Rivalen, die ver- bissen um den Sieg stritten. Hölzel wurde nach seinen Leistungen als Sieger erwartet, wieder war es jedoch das Punktgericht, das anders wertete und unentschieden verkündete. Meistersdiaften bei Rütt Ehmcr und Lehmann-Wissel die Sieger T Bei Rütt kamen gestern die Berliner Meisterschaften im 1- K i l o- meter-Einzel und 59-Kilvmeter-Mannschafts- fahren zum Austrag, die von E h m e r und von Lehmann- Wissel gewonnen wurden. Für die I-Kilometer-Meisterschaft hatten sich»ach diversen Vor-, Hoffnungs- und Zwischenläufen Ehmer, Petri und W. Nickel für den Endlauf qualifiziert. Ehmer tonnte, wie wohl kaum anders zu erwarten, seine Gegner etwa 199 Meter vor dem Ziel überzeugend abfertigen. Die Mannschaftsmeisterschaft, die über die Distanz von 59 Kilometer ging und von zwölf Mannschaften bestritten wurde, nahm einen ziemlich ruhigen Verlauf. G i e s e e Ausreißversuche unterband das Feld schnell und fand sich nur dann zur flotten Fahrt bereit, wenn es galt, in den Wertungen um die Punkt« zu streiten ? oder eine Prämie zu gewinnen. Dabei wurden Kuhn-Schuffenhauer und Koch-Giese überrundet. In den Wertungen waren Lehmann- Wissel auf dem Posten und konnten so mit 49 Punkten ihren Sieg sicherstellen. Zweite wurden Dom-Petri(28) vor Engel- mann-W. Nickel(24), Ehmer-O. Nickel(24), Wolke-Mandelkow(19) und Funda-Maczineki(8 Punkte. Lebhaft akklamiert wurden die Teilnehmer des Werner- Krüger-Erinnerungsrennens. Es waren Stellbrink, Lorenz, Rütt, Peter, Techmer, Häusler und Ganzevoort, die zu diesem Wettbewerb wieder einmal das Rad bestiegen. Walter Rütt ließ hier die Schar seiner ehemaligen Kampfgenossen unter lautem Jubel der Besucher hinter sich. -ARBEIIEIÜFUSSEALL Spiele am Sonntag Oberspree gegen Wilmersdorf in der Wuhlheide in Oberschöneweide.'Minerva gegen Freie Scholle im Neu- köllner Stadion Platz 6. B r i tz 8 8 gegen Kaulsdorf in Britz. Eintracht-Spandau gegen Brieselang in Spandau, See- burger Stieße. Ketzin gegen Cladow. Brandenburg gegen Nvwawei. Potsdam gegen Nauen. Zweite Mannschaften: Eiche gegen LSB. Neukölln. Oberspre« gegen Wilmersdorf. Kogel gegen Butab. Minerva gegen Freie Scholle. Britz 88 gegen Strausberg. Elstal gegen Volkssport Neukölln. Spandau 25 gegen Brieselang. Kaltberge gegen Lichten- berg I. Caputh gegen Butab. Staaken gegen Charlottenburg. Knoblauch gegen Spandau 25. Drewitz gegen Werder.— Jugendmannschaften: ASV. Neukölln gegen Wilmersdorf. Nor- mannia gegen Vorwärts-Wedding. Staaten gegen Saxonia. Lichten- berg l 2 gegen Nowawes 2. Luckenwalde II gegen Lichtenberg l. Beginn der Spiele am Sonntag. Erste Mannschaften 17 Uhr. Zweite Männermannschaften 15.15 Uhr. Jugendmannschatten 19 Uhr. MXjvAJooJJU Am Sonntag stehen sich in F a l k e n s e e der dortige Sportverein und die Charlottenburger Klein- gärtner gegenüber. Um 14 Uhr spielen die 2. Männermann- schuften und um 15.19 Uhr die 1. Männermannschaften. FTGB.- Friedenau hat in Friedenau, Homuthstraße, Turn- und Spohvereini- gung Kaulsdorf als Gegner. Hier spielen die Jugcndmannschaften um 19#! Uhr und die 1. Männermannschaften um 11.49 Uhr. FTGB.-Lankwitz trifft sich mit der Freien Turnerschaft Hennigs- darf in Lankwitz und spielen die Frauen um 19.59 Uhr und die 1. Männermannschaften um 12 Uhr. Eintracht-Mahlsdorf spielt in Mahlsdorf, Hönower Chaussee, mit der Jugendmannschaft gegen Volkssport Wedding um 15 Uhr und mit der 2. Männermannschaft gegen Werlsee um 16 Uhr. An weiteren Spielen finden statt: Ptännermannschaften: Rehfelde 1 gegen Lankwitz 2 um 15 Uhr in Rehfelde. Fußballklub Oberspree gegen Kaulsdorf 2 um 19 Uhr im Plänterwald, Platz B. Münchcberg gegen Volkssport Neukölln 2 um 15 Uhr in Müncheberg. Frei« Sportvereinigung Reinickendorf gegen Siemensstadt um 19 Uhr in Reinickendorf, Scharnweberstraße. Bornstedt gegen FTGB.-Rosenthal um 16 Uhr in Bornstedt. Trebbin gegen FTGB.-Osten 2 um 15 Uhr in Trebbin. Segelslugzeugtause des Sturmvogel. Am Sonntag, dem 2. August, veranstaltet der„Sturmvogel", Flugverband der Werktätigen c. V., Bezirksgruppe„Prenzlauer Ber g", im Garten und in den gesamten Räumen des Sportrestaurants, Jnh. C. Rupnow, Berlin N. 58, Eantianstr. 10, eine Segelftugzeug- taufe ihres ersten selbstgebautcn Segelflugzeuges. Olympiabahn sagt ab. Die Direktion der Radrennbahn hat die sür den kommenden Sonntag, 2. August, vorgesehenen Rad- rennen, bei denen in erster Linie der Nachwuchs zu Worte kommen sollte, abgesagt. Maßgebend für diesen Schritt war, daß keine Möglichkeit bestand, den Rennen«ine der Reichshauptstadt würdige Besetzung zu geben. Rückschau. In der Reihe„Studenten diskutieren" hat eine be- sonders glückliche Hand— oder wahrscheinlich vielmehr ein besonders verständnisvoller Geist— bei der Auswahl der Diskussionsleiter gc, waltet. Es kommt so für den Hörer fast immer zu einer klaren und unmißverständlichen Gegenüberstellung der Meinungen. Die Kräfte- Verteilung der einzelnen politischen Richtungen an der Universität, die zu erfahren sür den Hörer sehr lehrreich wäre, ist allerdings bis heute noch nicht im Zusammenhang mit diesen Unterhaltungen dar- gelegt worden. Es wäre sehr zu wünschen, daß auch hierüber ein- mal eine Diskussion vor das Mikrophon käme. Diesmal hörte man eine Auseinandersetzung zwischen einem sozialdemotrati- s ch e n und einem deutschnationalen Studenten über„Die außenpolitische Zukunft Deutschlands". Der sozialistische Student zeigte sich als der realpolitisch Denkende, der für das deutsche Volk und für die europäische Völkergemeinschaft alle Möglichkeiten einer friedlichen Zusammenarbeit zum Zwecke der gemeinsamen Wirtschaft« lichen und kulturellen Entwicklung erfaßt sehen will. Der deutsch- nationale Student kam mit den Theorien seiner Partei: Revisions- Politik ohne Frankreich, Wiederaufbau der deutschen Wirtschast ohne Auslandsgelder. Auf die Frage seines Gesprächspartners, wie er sich die Praxis solcher Wirtschaftspolitik denke, die auf den Rücken der Arbeiterschaft abgeladen werde und eine weitere Senkung des allgemeinen Lohn- und Lebensniveaus zur Folge haben würde, kam die Antwort, daß es Männer in Deutschland gäbe, die sich solche Umstellung der Wirtschast zutrauen. Deutschland hat allerdings bis heute nur sehr schmerzhaft erfahren, daß diese Herren von der Rechten sich schon viel zu viel— aus Kosten des Voltes— zugetraut haben! Eine sehr interessante Neuerscheinung besprach in dem Zyklus „Das neue Buch" Dr. Wolf gang Bretholz: Benedikt Kautskys„Reparationen und Rüstungen". Dem sachlichen Teil spendete er das umfassendste Lob: aber, da das Buch die parteipolitische Einstellung des Verfassers nicht oerleugne, sei es „nicht wahrer als andere Veröffentlichungen dieser Art". Diese Folgerung mußte den aufmerksamen Hörer, auch wenn er das Buch selber noch nicht kennt, einigermaßen verblüffen: denn Urteile und Meinungen auf einer unantastbaren sachlichen Grundlage haben � doch wohl Anrecht auf Allgemeingültigkeit. Tes. Sonnabend, 1. August. Berlin. 16.05 Blasorchester-Konzert. 18.00 Die Erzählung der Woche.(Georg Schwarz.) 18.30 Balladen. I. Chopin: a) Ballade E-Dur, op. 38: b) Ballade As-Dur, op. 47.(Bruno Eisner. Klavier.) 2. L6we: a) Prinz Eugen: b) Odins Meeresrllt; c) Der Nock: d) Tom der Reimer.(Wilhelm Stricnz, Baß. Am Flflgcl: S. Bürger.) 3. Brahms: a) Ballade D-Moll, op. 10; b) Ballade D-Dur, op. 10.(Bruno Eisner.) 19.30 Wovon man spricht. 19.55 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 20.00 Bayreuth von damals. Ein halbes Jahrhunderl Musikgeschichte mit Schall- plalten.(Am Mikrophon; Gustav Hochstetter.) 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Kaba>etlrevue von Robert Schiltan. Musik von Werner Michel. 22.15 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Kdnlgswusterhaulen. 16.00 Hamburg: Konzert. 17.00 Erna Amhold: Blumen und Menschen in Hawal. 17.30 Dr. H. Arndt: Ratschläge eines alten Arztes. 18.00 Französisch für Fortgeschrittene. ß 18.30 Dr. W. Hoffmann-Harnisch; Veraltete Wahrheiten 18.55 Wetter für den Landwirt. 19.00 Dr. Arno Schlrokauer: Leipzig. 19.30 Stille Stunde. Herzschlag der Well. 20.00 Hamburg; Wochenende. VI Sonntag, 2. Augnbt. Berlin. 6.30 Funk-Gymnastik, Frühkonzert. 8.00 Für den Landwirt. 8.55 Morgenfeier. 10.05 Wettervorhersage. 12.00 H. W. Anders liest aus eigenen Arbeiten. 12.16 Konzert. 14.00 Märchen.(M. M. Mewes.) 14.30 I. Beethoven: Sonate, op. 81 a. 2. Brahms; Rhapsodie h-moll, op. 79 (Katharina Freiwaid. Flügel). 15.00 Nationalfcstsäle in Magdeburg; Konzert anläßlich des Bundestages der Arbeiter-Musikvereirtc Deutschlands. Dir.: Fritz Schneider. Magdeburg.\ I. Urbach; Per aspera ad aslra. Marsch. 2. Eilenburg; Ouv.„KOnig Mydas". 3. Bettche; Struwelpeters Geburtstag, Intermezzo. 4. Meißner: Zum Städlle hinaus.. 15.46 Nachmitlagskonzert. 20.10 Tagesglossen.(Alfred Kerr.) 20.40 Tages- und Sportnachrichten. 20.50 Orchesterkonzert. 22.30 Wetter, Nachrichten, Sport. Tanz-Musik. Künigswusterhausen. 7.00 Hamburg: Hafenkonzert. 11.00 Breslau; Gemeindefriedhof Nleder-Hcrmsdort: Denkmalseinweihung. 12 00 Aus fernen Zonen. Emil Bischolt. 14.00 Amtsrat Fritz Deiche; Der Amisrat. 14.30 Arthur Brausewetter liest seine Novell«„Die Nichte". 15.30 Avus; Autorennen des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs. 15.45 Dr. AlPhons Marx: Soll unsere Jugend noch an Autorität glauben? 18.30 Niederüslerreichischc Bauernmusik. Frei bearbeitet von Erwin Schaller, 19.00 Königsberg: Wald-Oper in Zoppol: 1. Akt aus„Die Walküre". 20.50 Königsberg: UrtterhaltungskortzerL 22.00 New York: Konzert des Sinfonie-Orchesters der National BroadCasting Company. Llg.; Walter Damrosch. Landre-Breithaupt E D E LW EISSE