BERLIN Mittag Z. August ISZ1 10P?. Nr. 358 B 179 48. Jahrgang erscheinttSglich außer Sonntag«. Zugleich AbendaiKgabe de«.Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 8t» Pf. pro Woche, 3,60M. pro Monat. Redaktion und Expedition: BerlinSWSS.Lindenstr.S Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 293—297 Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpar�illezeile 8o Pf., Reklamezeile S M. Crmäßigunoen nach Taris. Postscheckkonto: VorwärtS-Verlag G.m.b.H.. Berlin Nr. S? S3S.— Der Verlag dehält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Massenaufmarsch für Frieden Oeuifch-franzöfische Verständigung/ Bastardbündnis gegen Preußen Die Sozialdemokratische Partei Berlins hat mit ihrer Kundgebung, die sie gestern im Stadion Neukölln gegen Krieg und Völkcrverhchung, für Frieden und B öl kervcr söhnung veranstaltete, gezeigt, daß sie auf der Wacht steht. Das weite Rund des Stadions füllte sich schon eine Stunde vor Beginn der Kundgebung. Das Straßenbild der Arbeitervorstadt Reukölln war gekennzeichnet durch die Massen, die in siegeSgewisser Ruhe von den Anmarschstraßen herbei- strömten. Nicht der glühende Sonnenbrand des August- sonntagS, nicht die Sehnsucht, herauszukommen auS der Steinwüste der Millionenstadt, nicht kreischendes Gebell der Reaktionäre rechts und links, hielten unsere Partei- genossen ab. Rund 3Y 000 Menschen waren es, die sich eingefunden hatten. Aber nicht nur daS überfüllte Stadion ist der Beweis für die nicht zu erschütternde Stoßkraft der Berliner Sozialdemokratie, nein, die Zusammenarbeit zwischen alt und jung, zwischen kulturellen, sportlichen und poli- tischen Kräften der Partei, die sich gestern wieder offen- barte, sagt viel mehr. Dies« Arbeiter im Sonntagsanzug, diese Frauen im schlichten Kleide, djese Angestellten und Beamten, diese Alten im weißen Haar und diese Jungen, MädelS und Burschen in blauen Blusen, diese kraft- strohenden Menschen im Sportdreß, daS alles ist die Partei der Arbeit! Die Sozialdemokratie ist jung und frisch, und wie sie Sozialistengeseh nnd Kaiserreich, Kapp-Putsch und Bürgerbräu-Putsch überwand, so wird sie auch daS Triumvirat Hitler-Hugenberg- Thälmann überwinden. Politisch waren es zwei Dinge, die bei dieser ge» waltigen Kundgebung der Berliner Sozialdemokratie im Bordergrund standen. Der Wille zur Verständigung mit Frankreich und auf der anderen Seite der leiden- schaftliche Zorn über den abscheulichen Ar- beiterverrat der Kommuni st en. Immer wenn Siegfried Aufhäuser die Notwendigkeit des deutsch-fran- zösischen Einvernehmens betonte, immer wenn Genosse Grumbach-Paris an die beiden benachbarten Völker appellierte, sehte tosender Beifall ein. Als dann der Berliner Prteivorsihende mit dem französischen Abgeord- neten Grumbach auf der Tribüne stand und ein Hoch auf die deutsch-französische Verständigung ausbrachte, da währte es Minuten, bis sich der Beifall der Massen, die sich wie ein Mann von den Plähen erhoben hatten, legte. Nachher fand der preußische Landtagsabgeordnete Qtto Meier immer dann den stärksten Applaus, wenn er den kommunistischen Verrat in seiner ganzen Nacktheit geißelte. Die Sozialdemokratie kann auf diese erhebende Kund- gebung stolz sein. Tie Gegner aber mögen sich gesagt sein lassen, daß, wer die Sozialdemokratie angreift, auf Granit beißt. * Schon um 14H Uhr war das große Stadion besetzt. Als die Kundgebung begann, war kein Platz mehr frei, als sie endete, standen hunderte hinter den Galerien. Stürmisch begrüßt ward der Einmarsch der roten Fahnen, die von Sportlern und Jugend- genossen getragen wurden. Ueber dem Plage kreiste ein Flug- zeug des Sturmvogels, des Flugoerbandes der Werk- tätigen. Unsere trefflichen Arbeitersänger leiteten die Kundgebung ein. Dann sprach Genossin Martha John mit Hingab« und Leidenschast aufrüttelnde Verse. Danach nahm der Vorsitzende der Berliner Partei, Franz Künstler, das Wort:„In ernster Stunde richtet die deutsche Sozialdemokratie am denkwürdigen Tage des Kriegsausbruches einen Kampf- und Mahnruf an die Massen. Wir wenden uns nicht nur gegen die Kriegshetzer in allen Ländern, nein, wir sagen im be- sonderen den Kampf an dem Dreibund Hugenberg- Hitler. Thälmann.(Stürmische Zustimmung.) Die ganze Welt, das gesamte internationale sozialistische Proletariat blickt auf uns, in der Hoffnung, daß wir am kommenden Sonnlag den Volksfeinden eine gewaltige Niederlage zufügen. Brüderlich wollen wir in sozialistischer Schlagkraft und proletari- scher Solidarität Hand in.Hand zusammenstehen. Ueber dein Kampf- banner von 1848 muß die rote Sturmsohne der Sozialdemokratie wehen. Ich begrüße unseren französischen Freund G r u m- dach, und habe darüber hinaus den Auftrag vom Vorsitzenden der Sozialistischen Internationale, Genossen Emile V o n d e r- (Fortsetzung auf der 3. Seite.) Er ist zufrieden! Adolf Hitler schreibt am I.August im»Völkischen Beobachter« wörtlich: »Ich war noch nie in meinem Leben so aufgeräumt und innerlich zufrieden, wie in diesen Tagen.« Gebt dieses Wort millionenfach weiter: sagt es den Millionen Erwerbslosen, sagt es den hungernden Unterstützungsbeziehern, sagt es den Kriegsopfern, denen die Rente verkürzt worden ist, sagt es den kleinen Beamten, die unter fortgesetzten Abzögen ihrer kargen Bezüge zu leiden haben, sagt es den Sparern, die vergeblich auf die Auszahlung ihrer Notgroschen warten, sagt es den Gewerbetreibenden, die von der Vernichtung ihrer Existenz bedroht sind, Sagt es allen: Das Volk leidet und klagt, aber Hitler ist aufgeräumt und zufrieden! Laßt ihn und seinesgleichen beim Volksentscheid allein! 3)er Jluimarich im Stadion Grumbach am StednerpuU Krieg gegen Schupo. planmäßige Vorbereitung der Schießerei im Osten. Der Berliner Polizeipräsident teilt mit: In der Nähe der Stelle, an der am 30. Zum der Polizeihauptwachtmeister si u h s e l d von kommunistischen Demonstranten erschossen wurde, im am t. August der Polizeihauptwachlmeister F i c b i g bei gleicher Ge- legenheit lebensgefährlich verletzt worden. Die siommn- nisten hatten dem Demonstrationsverbot zuwider für den 1. August Straßendemonstrationen unter der Parole„Für den Roten Volksentscheid! Für die Verteidigung der Sowjetunion! Für die prole- torische Einheitsfront im Kampfe um Sowjetdcutschland!" ausge- rufen. In den ersten Rachmitagsstunden bildeten sich an zahlreichen Stellen Demonstrationstrupps, die dem Innern der Stadl zustrebten, meist ober rechtzeitig von der Schutzpolizei, stellenweife unter Wassenanwendung, zerstreut werden konnten. Zn drr Frankfurter Allee trat Fi e b i g mit anderen Schuhpolizeibeamten einem Demonstrationszug entgegen. Die weitere Enlwick- lung war ganz ähnlich dem Vorkommnis am Z£>. Juni. Die Kommunisten. die, vorheriger Anweisung gemäß, nicht in der üblichen Kommunislentracht, sondern in besonders guter Kleidung sich befanden. gingen in„Kniestellung", nahmen die Beamten„aufs Korn" und schössen wie seinerzeit Kuhfeld so auch jetzt den Beamten Ficbig ab. Die Beamten und die hinzueilende Unterstützung wurden von den Demonstranten mit Steinen beworfen, beschimpft und an der Verfolgung des Schützen gehindert. Die planmäßige Vor- b c r e i t u n g zeigte sich auch, als die Beamten in einer nahege. legenen Gastwirtschaft durch den Fernsprecher Unterstützung her- beirusen wollten. Die Telephonvcrbindung war aussallendcrweise gerade in dem Augenblick du r ch s ch n i t t e n oder sonstwie gestört worden. In der Röhe der Straßenkreuzungen waren von den Kommunisten Posten ausge st ellt worden, die hin- und herpatrouillierten und den Demonstranten Anweisungen erteilten. Dies Verhalten ließ die von den Kommunisten betriebene„militärische Ausbildung" erkennen. Insgesamt sind 5t Personen der Abteilung l A zugeführt worden. Sozialdemokrat vor seiner Wohnung überfallen. Der Leiter der 53. Abteilung. Genosse Schmidt, der infolge seiner hervorragenden Werbetätigkeit als Ehrengast dem Leipziger Parteitag beiwohnte, erfreut sich offenbar nicht der besonderen Sym- pathie der„revolutionären" Volksenlscheids-Enthusiosten. Als unser Genosse sich in der Rächt vom Sonnabend zum Sonntag in seine Wohnung begeben wollte. Erasmus- Ecke Veustelstraße, wurde er von „revolutionären Kämpfern" umringt. Die Bravos hatten unseren Genossen ausgelauert, und ihm„eine proletarische Abreibung" zuteil werde« zu lassen, ihn„krankenhausreis" zu machen. Fünfzehn gegen einen! Fünfzehn tapfere volkscnl- scheidskämpen gegen einen Sozialdemokralen. Unserem Genoflen Schmidt wurde der Arm ausgekugelt. Die weitere Untersuchung seines körperlichen Befunds wird ergeben, ob damit Knochen- Verletzungen verbunden sind. Das feige Gesindel mag sich zunächst de» Erfolge» seiner Helden- tat erfreuen. Befinden des niedergeschossenen Schupo. Im Befinden des von den Kommunisten schwer verletzten Schupohauptwachtmeister F i e b> g ist seit der vergangenen Nacht eine leichte Besserung zu konstatieren. Die Kugel hatte k ie Lunge getroffen und war unmittelbar am Herzbeutel stecken ge- blieben. Wie wir aus dem Krankenhaus erfahren, ist der Zustand Fiebigs den Umständen nach zufriedenstellend. Im Verlaufe der Zwischenfälle in der Frankfurter Allee war ein junger Mann von einer Kugel der von allen Seiten hart bedrängten fünf Schupobeainte» getroffen worden. Der Verletzte, der jetzt als ein 2<1jähriger Rudi Toffel aus der Kronprinzen- straße in Lichtenberg festgestellt wurde, ist bereits auf dem Wege ins Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. Autzerdem hat noch, wie erst nachträglich bekannt wird,«in Demonstrant einen Steckschuß in die Hand erhalten. ,/�oie Fahne" verboten. Auf eine Woche. Der Berliner Polizeipräsident hat die Sonnlagauegabc der „Roten Fahne" b« j ch l a g n a h m e n lassen und das Blatt sogleich auf sieben Tage verboten. Das Blatt hatte es fertig gebracht, die blutigen Vorgänge wäh- rcnd der Sonnabenddemonstrationen und das plairmäßige Ab- schießen der Polizeibeamten als„rote Selbst hilf«" zu vcr- herrlichen. Kriegsspiele auch im Ztoch. Blutiger Antikriegssonntag. halle. 3. August.(Eigenbericht.) Eine von d�n Kommunisten veranstaltete Kundgebung in Halle nahm einen blutigen B erlauf. Es kam zu einen, schweren Zu sammenstoß zwischen den Demonstranten und der Polizei, in dessen Verlauf ein Polizeibeamter durch einen Messerstich in den Rücken schwer oerletzt wurde, 1 sichert, die Kontrolle eingeführt wird.(Stürmische Zustimmung.) Es ist eine grobe Irreführung des Volkes, wenn der Eindruck erweckt werden soll, es könne die sogenannte nationale Selbsthilfe irgendwie ausreichen, das wieder gut zu machen, was die deutschen Wirt- schaftsführer in den letzten Monaten oerwirtschaftet haben. Es genügt keineswegs, den kredilverkchr iechnisch wieder herzustellen. Uns kommt es darauf an, daß die arbeitende Bevölkerung wieder leben kann. Arbeit und Brot aber können nur geschaffen werden, wenn die reichen und die armen Länder den Ausgleich suchen und finden. Die Finanzhilfe für Deutschland ist aber nicht zu trennen von einer außenpolitischen Verständigung. Und hier liegt der Schlüssel bei Frankreich. Es kann den vereitschostswillen im französisch«, Volk nicht fördern, wenn Stahlhelmparaden, Savalle» rietogc und faschistische Umtriebe gedulde» werden.(Stürmische Zu- stimmung.) Wer wirklich nationale Politik betreiben will, muß in dieser Stunde eine aktive Außenpolitik im Sinne der Verständigung mit Frankreich und der Welt verlangen. Deutschland muß die Sprache der Welt verstehen und in Deutschland muß eine politische Sprache gesprochen werden, die von der Welt»er- standen wird. In diesem Sinne wendet sich unsere Antikriegekund- gsbung an die Regierung Brüning. Der Reichskanzler muß sich entscheiden. Er muß sich in die Front der Friedensfreunde und cnd- lich mutig gegen die Nationalksien aller Färbungen stellen. Die PcndclcidcrDingcldcyals Regierungspartncr ist unerträg- lich geworden. Wir warnen, mit dem Schlagwort von der natio- nalen Selbstbehauptung wiederum in eine IsolierungDcutsch- lands hineinzurudern. Die deutschen Arbeiter hoben von 1914 her noch die Nase voll. Die Annäherung Deutschlands und Frankreich» kann nicht nur ein Geldgeschäft sein. Sie muß politisch fundiert sein. Heran an Frankreich, nicht um zu morden und zu sprengen, nein, um gemeinsame Auf- bauarbeit zu leisten zur Befriedung der Völker. Krieg den Nationalisten im eigenen Lande, das ist der Weg zum Völterfrieden. (Erneute anhaltende Zustimmung.) Nur auf diesem Wege werden die Befreiung von Reparationszahlungen, die Streichung der Kriegsschulden und der Beginn eines neuen Lebens der Völker möglich sein. Der letzte Krieg wird er st dann beendet sein, wenn die verheerenden Vorbereitungen zu neuen Kriegen ihr Ende gefunden haben werden. Nur die Abrüstung sichert den Arbeitern, Angestellten und Beamten die Sozialpolitik. Die deutsch- französische Verständigung ist der Anfang zum Weg ins Frei«. Die französischen Staatsmänner wollen nach Berlin kommen.. Wir Arbeiter laden die französischen Arbeiterführer ein, zu uns zu kommen. Wir müssen zusammen, um die große Kraft der inter- nationalen Sozialdemokratie wirksam werden zu lassen, die allein das Glück der Menschheit bringen wird. Nie wieder Krieg, Kamps den, Kapitaiismus und Sieg dem Sozialismus!"(Stürmischer Beifall.) Als zweiter Redner nahm der preußische Landtagsabgeordnete Otto Meier: das Wort: „Dieselbe Reaktion, die vor dem Kriege im Banne des imperialistischen Machtgedankens stand, die den Kriegsausbruch herbeisehnte, sörderte und am 2. August 1914 jubelnd begrüßte, die i'A Jahre hindurch unsägliches Elend über Deutschland brachte und die schließlich 1918 an ihrer eigenen Unfähigkeit zusammenbrach, sammelt jetzt beim Bolksentscheid ihre Kräfte, um den ent- scheidenden Stoß gegen die deutsche Arbeiterklosse zu führen. Das ist das Entscheidende, daß es sich bei diesem Volksentscheid nicht allein darum handelt, den Landtag neu zu wählen, sondern, daß sich hinter den Parolen„Kampf gegen die Demokratie" und„Fort mit den sozialpolitischen Errungenschaften" verbirgt der Generaislurm gegen den politischen Bestand, gegen das poliiische Dasein der deutschen Arbeiterklasse überhaupt.(Stürmischer Beisall.) Dieses letzte Ziel verbarg sich hinter denz Kapp-Putsch 1929, diesem Zwecke diente die jahrelange gemeine, heimtückische und niederträchtige Hetzkampagne gegen die Exponenten des demokratischen Systems und die Erfindung des heuchlerischen Schlagwortes von der Fäulnis der Republik. Die Re- gierung Otto Braun soll gestürzt werden, um mit ihr die letzte Grundlage für den politischen Einfluß der deutschen Arbeiterklasse zu beseitigen. Der beispiellose Haß der Boltsfeinde gegen die preußische Re- gierung wird begreiflich, weil das demokratische Preußen der Re- aktion den Weg zur Macht in Deutschland oersperrte. In all den Zeiten der Irrungen und Wirrungen der Reichspoliük war die Regierung Otto Braun der ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht. Deshalb der Schlachtruf: Heran an Preußen! mit der Begründung, daß der Weg zur Macht im Reiche nur über Preußen geht. Deshalb der Sturm auf diese Bastion, weil damit der politische Einfluß des Junkertums und der Schwerindustrie wie in der Vorkriegszeit wieder hergestellt und die deutsche Arbeiterklasse zur politischen Cinfluhlosig- keit zurückgeworfen werden soll. Die Reaktionäre aller Schattierungen haben den Zeltpunkt ihres Kampfes gegen die Sozialdemokratie und damit gegen die deutsche Arbeiterschaft nicht schlecht gewählt. Die der Weltwirtschaftskrise geschuldete riesige Arbeitslosigkeit mit ihrer psychischen Depression hat das Ergebnis der Septemberwahlen 1939 verursacht und damit den Boden geschaffen bei den ewig Unentschiedenen sür ihre schamlose Demagogie: die Sozialdemokratie hat an allem schuld. Es ist ein Treppenwitz der Weltgeschichte, daß die vereinigte Reaktion mit diesem Ruf gegen uns zu Felde zieht in einem Augenblick, da die nationale Wirtschast durch die beispiellose Mißwirtschaft der Groß- kapitalisten Lahusen und in der Danatbank aufs schwerste er- schlittert ist. Aber es ist mehr als ein Treppenwitz, es ist schurkenhafteste verrälerei an der eigenen Klasse, wie sie die Geschichte der modernen Arbelkerbewegung noch nicht erlebt Hot, daß sich die KPD. in diese Front der Preußenstürmer eingereiht hat. Ist die Leitung dieser Partei wirklich so blöde, daß sie nicht er- kennen sollte, daß auf der Tagesordnung in Deutschland jetzt weder die Einführung des Sozialismus noch die Eroberung des Sowjet- staates steht, sondern die Abwehr des Faschismus?! Ist sie wirklich so blöde, daß sie nicht erkennt, daß der Sieg der Re- aktion auch gleichzeitig die KPD. vernichten müßte! Von der Toleranz der Preußenregierung, die von den Rechts- und Links- radikalen bestritten wird, hat die KPD. im Falle des Bolksentscheides sicher den weitgehendsten Gebrauch gemacht: sie ist tatsächlich viel dümmer, als es selbst die preußische Polizei erlaubt! Vorausgesetzt natürlich, dah sie selbst glaubt, was sie über den„roten" Volks- entscheid faselt. Ich kann jedenfalls die Gedankengänge des kommunistischen Arbeiters verstehen, der mir vor einigen Tagen erklärte, daß es ihm heute zweiselhast erscheine, daß die KPD. allein von Ruhland unterstützt werde und daß die Frage berechtigt ist, ob nicht einflußreiche Kreise der Leitung der KPD. direkt oder indirekt von der deutschen Reaktion gekaust sind. Auf jeden Fall will die KPD. den Dolchstoß in den Rücken des kämpfenden deutschen Proletariats führen. Aber auch diese ver- räterische Hilsc der KPD. für die Hitler- und Stahlhelmparteien wird die Sozialdemokratie nicht aufhalten, die Lcbensinteressen der deutschen Arbeiterschaft zu verteidigen. In dieser Abwehrstellung gibt sie jetzt die Parole aus, daß kein deutscher Arbeiter diesem verbrecherischen Anschlag auf das Mitbestimmungsrecht der Arbeiterklasse Vorschub leisten darf. Sie weiß, daß auch die kommunistischen Zlrbciter vernünftig genug sein werden, sich nicht am Volksentscheid zu beteiligen. Sie brand- markt gleichzeitig die Heuchelei der KPD., die am Tage des Kriegs- ausbruches vorgeben, für den Völterfrieden zu demonstrieren, gleicki*--« zeitig aber den schwarzweißroten Volksentscheid propagieren. Der Sieg der Volksfeinde würde nicht den Sieg des Kommunismus, sondern innere Reaktion des Faschismus, neue Kriegsgefahr und weit schlimmeres Elend bringen. Darüber hinaus aber ruft sie den Reaktionären von rechts und links zu, daß sie in Abwehrstellung steht. Noch lebt der von Otto Bauer anläßlich der internationalen Tagung in Wien beschworene alte Kampfgeist aus der Zeit des Sozialistengeseges in ihr. Die Sozialdemokratie ist stark und möchtig genug, jeden Angriff auf die Demokratie und die politischen Existenzbedingungen der deutschen Arbeiterklasse zurückzuschlagen. Nieder mit den reaktionären Volks- feinden, nieder mit der arbeiterverräterischen KPD., es lebe die deutsche Sozialdemokratie!"(Stürmischer Beifall.) Frankreich an Deutschland Als nunmehr Genosse Grumbach- Paris zusam- men mit dem Genossen Künstler die Rednertribüne betrat, und Genosse Künstler ein Hoch aus die dcutsch-französische Verständigung aus» brachte, erhoben sich die Dreißigtausend von den Plätzen, um begeistert einzustimmen und immer wieder ihrer Freude über den Besuch des französischen Genossen Ausdruck zu geben. Grumbach, dessen Ausführungen in deutscher Sprache von glühender Leidenschast zum Frieden getrogen waren, sagte: „Im Namen aller französischen Genossen spreche ich zu euch. In Gesinnungsgemeinschast und Freuichschaft. Ich gebe euch die Versicherung, eure Sorgen sind unsere Sorgen, eure Kämpfe sind unsere Kämpfe, eure Hofsnungen sind unsere Hoffnungen. Dem Weltkrieg, diesem unerhörten Verbrechen der Weltgeschichte, fielen dreizehn Millionen Menschen zum Opfer. Aber nie tiefer, als gerade jetzt, haben die Völker Europas, haben das französische und das deutsche Volk, die deutschen und die sranzösischep Sozialisten empfunden, wie notwendig die endliche Ausschaltung des jähr- hundertealten Mißtrauens zwischen Frankreich und Deutschland ist. Deutschland steht unter dem Druck all dessen, was als Folge des Krieges und seines Ausganges auf ihm lastet, unter dem Druck der hohen auferlegten Zahlungen, und auch einer Rationalisierung, die ohne Rücksicht auf die Menschen durchgeführt wurde, und des schäd- lichen Schaltens und Waltens einer allzu profitgierigen Groß- Industrie. Millionen sind am Abgrund und das Gespenst der Arbeitslosigkeit drückt immer breitere Massen. Aber die siegreichen Länder fühlen, allen Siegen und ollen Goldschätzen zum Trotz, dah der Zusammenbruch Deutschlands aus die Dauer auch ihren eigenen Zusammenbruch nach sich ziehen würde. Nur gemeinsames Zusam- menstehen könne helfen.(Stürmischer Beisall.) Die deutsch- französische Verständigung ist das notwendig st« Gebot. Wir tragen den Willen zu ihr im Herzen: aber auch Verstand und kritische Erkenntnis gebieten sie. Der Kapitalismus hat Wunder der Technik vollbracht, aber das natürlichste, unerläßlichste aller Wunder, das der Verständigung der Menschen, ist ihm nicht ge- lungen. Flugzeuge führte er zu stolzen Höhen empor und über alle Ozeane. Rebellische Flüsse kanalisierte er und regelte ihren Lauf. Der Rundfunk umkreist den Erdteil in einer Sekunde! Nur das Zusammenleben der Völker ist noch keiner für alle gültigen Friedens- regel unterworfen. Am letzten 14. Juli, dem Tage der französischen Nationalfeier zum Gedächtnis der Erstürmung der Bastille, dieses Gefängnisses des Absolutismus, hatte ich Gelegenheit, m>t dem französischen Ministerpräsidenten Laval über die Lage in Europa zu sprechen. Ich sagte ihm: Draußen in den Straßen von Paris ist Volks- feiertag. Die Musik spielt, die Menschen tanzen. Und zu gleicher Stunde harren drüben im unmittelbar an uns grenzenden Nachbar- staat Deutschland Millionen von Menschen in lltot und Bangen, ob nicht morgen das deutsche Wirtschaftsleben zusammenbricht. Was könnte den unerträglichen Wahnsinn der gegenwärtigen Lage pa- thetischer illustrieren. Deshalb, Herr Ministerpräsident, kann das, was besteht, nicht so bleiben. Es muß durch Neuss ersetzt werden. Das Vertrauen zwischen den beiden Völkern, das wirtliche Ver- trauen, mutz endlich herbeigeführt werden, damit aus der Zu- sammenarbeit auch Wirklichkeit werde,(Stürmische Zustimmung.) Seit dem Ende des unseligen Mordens, Genossen, hoben wir Tage hochgespannter Hoffnungen und auch Tage arger Konflikte zwischen Frankreich und Deutschland erlebt. Immer wieder haben die Kräfte des Alltags die Dinge auf eine mittlere Linie zurückgeführt, auf der sich schließlich nichts Katastrophales, nie wieder Gutzumachen- des ereignete, aber auf der auch nichts endgültig Nützliches aufgebaut wurde. Diese miltlere Linie genügt nicht mehr. Es muß endlich der sachliche und seelisch große Ausgleich zwischen Frankreich und Deutschland gefunden werden.(Erneuter stürmischer Beisall.) Unter den Peitschenhieben weltwirtschastlicher Not hat die neu« Aera begonnen. Zum ersten Mole seit 1SH7 ist ein deutscher Kanzler au« verlin nach Pari« gefahren, um mit dem französischen Ministerpräsidenten stch auszusprechen. Und zum ersten Male wird wohl bald Frankreichs Ministerpräsident in verlin weilen, um die Aussprache fortzuführen, von der wir alle erhoffen, daß sie konkrete Resultate ergeben wird, die den Zement sür zukünftiges Zusammenwirken bilden können. ES hat der Feindschaft des Weltkrieges, der Millionen Toten, der großen deutschen Not, der Gefahr weltwirtschaftlichen Zusammen- bruchs bedurft, ehe dieses selbstverständliche Sichaussprechen endlich zur Wirklichkeit wurde. Die Sozialisten Frankreichs und Deutschlands, dieses Zeugnis dürfen wir uns ausstellen, haben diese Aussprache seit langen Jahren, über alle Hindernisse hinweg, allen Angriffen zum Trotz, denen sie in ihren Ländern ausgesetzt waren, in entscheidender Weise vorbereitet. Und die ganze sozialistische Internationale kämpft, wie es der herrliche Kongreß in Wien zeigt, von dem ich soeben zurückkomme, gegen nationalistische Verblendung, wo sie sich auch zeigen möge. Dort, wo die Menschheit ist, und ihre wahren Interessen verteidigt werden, dort, wo Europa ist und das Streben, es zu einigen, dort, wo der Friede zwischen Deutschland und Frankreich ist, da steht auch hilfs- und kampfbereit die Sozial- listische Internationale. Gegenwärtig führt ihr, deutsche Genossen, unter der leiden- schaftlichen Aufmerksamkeit der ganzen Welt, den schweren Kampf gegen die Bastardgemeinschast der Hitler und Thälmann. Ich darf es wohl sagen: Der Friede der Zukunft würde ans haken- kreuz geschlagen, jede Hoffnung auf Verständigung zwischen unseren beiden Völkern würde mit der Sowjetsichel meggemäht werden, wenn jene in Deutschland zu triumphieren oennöchten.(Stürmischer Beifall.) Die deutsch-sranzösische Verständigung ist, wie es Aufhäuser mit Recht sagte, nicht nur eine Geldfrage, nicht nur eine Frage der Kredite, so dringend diese auch notwendig sein niögen. Sie ist für die großen Massen unserer beiden Völker vor allem eine Frage langfristiger seelischer Kredite, die gegenseitig ge- währt werden müssen. Solange es noch in Deutschland Millionen gibt, die glauben, daß Frankreich, sobald es von„politischen Bcruhigungsmaßnahmen" spricht, etwa nur das eine Ziel verfolgt, Deutschland noch enger an Versailles zu ketten, ihm gar neue Verpflichtungen aufzuerlegen, kann kein Vertrauen bestehen. Solange Millionen Franzosen fürchten, das Dritte Reich mit seinen Revanchcgespcnstern drohe, solange Frankreich sich durch neue deutsche Panzerkreuzer veranlaßt sieht, mit neuen französischen 23 OOO-Toiincn-Kreuzcri, z» antworten, solange das französische Volk, das den Krieg vier Jahre lang im eigenen Lande seine verheerenden Wirkungen ausüben sah, noch glaubt fürchten zu müssen, daß der gleiche Schrecken wiederkommen könnte, wird auch in meinem Land nicht jenes Vertrauen sich ent- wickeln, ohne das es keine Zusammenarbeit mV) Freundnachbar- fchast gibt. Ach ja, wenn die Völker aller Länder aus die Losung des neuen Ausrufes des Parteivorstandes der deutschen Sozial- demokrotie hörten: „Schafft uns die Mehrheit". wenn infolgedessen die Sozialisten in ollen wichtigen Staaten zur Macht gelangten, dann schwänden die Fesseln von g c st e r n, die wirtschaftlichen und politischen Schwergewichte von heute. Dann könnte die Zusammenarbeit zum Glück und Wohl der beiden großen Rationen rasch zur Wahrheit werden. Wir sind, Genossen und Genossinnen, bei Ihrem Kampf am 9. August mit unserem herzen und unserem Hirn bei Ihnen, und hoffen, daß nicht etwa ein Sieg des völkisch-kommunistischen Kota- strophenwohnsinns den Kampf, den wir französischen Sozialisten in unserem Lande für die Verständigung führen, zum Mißerfolg vcr- urteilen wird. Dos herrlische große deutsche Arbeilsvolk kaniz und darf nicht im wirtschaftlichen und politischen öikend versinken. Siegen Sie, dann kann die deutsch-frarzzösifche Kuppel errichtet werden, ohne die ein europäisches Gebäude undenkbar ist. Wir sranzöjischen So- zialisten haben Vertrauen zur deutschen Republik und vor allein zur deutschen Sozialdemokratie. Wir wissen, daß der Rationalismus seine Breslauer und Dresdener Tage hat. Wir kennen den Stahl- Helm, und wir erleben es täglich, daß er zur Freude der französischen Nationalisten besteht.?lbcr wenn ich dos nächste Mal in der Kammer spreche und mich etwa gegen die Nationalisten meines Landes wenden muß, die mir Hitler, hugenberg und Thälmann sehen wollen, dann werde ich ihnen sagen: Es gibt ein anderes Deutschland, das ich gesehen habe, und ich werde ihnen die unvergeß- liche Kundgebung schildern, an der ich heute die Ehre habe, teil- zunehmen. Dieses andere Deutschland ist das Deutschland der Zu- kunft und der Jugend. Mit ihm in Frieden, enger wirtschaftlicher Zusammenarbeit und Freundschaft zu leben, ist der höchste Wunsch jedes französischen Sozialisten und sicherlich auch der großen Mehr- heit des großen proletarischen und bäuerlichen französischen Volkes." Als Grumbach geendet hatte, wurden ihm anhal- tende Ovationen dargebracht. Tie Genossen Wels, Aufhäuser und viele andere sagten ihm durch Hände- druck ihren und den Tank der Berliner Sozialdemokraten. Tie Arbeiterchöre sangen GisnerS„Weckruf der Bölker". Wieder sprach hinreißend Genossin John. Tann ttelg, Münfüer, Qrumhadi zeigten die Genossen vom„Volkssport Reukölln-Brifc". Männer. Frauen. Fungen und Jungmädchen, in treff- licher Schulung rhythmische Uebungen. Gin Sprech- chor der Kinder machte den Abschluß. Gr gipfelt« in dem Satze: „Wir wollen Frieden für alle Zeit, Wir wollen Glück und Gerechtigkeit." Gin Transparent aber mahnte:„Volk gib acht, niemals Fememördern die Macht!" Begeistert sangen dreißigtausend Mensche» die Juter- nationale. Die deutschen Großstädte wachsen nicht mehr. Während bis vor einigen Jahren die Bevölkerungszahl unserer Großstädte durch Geburtenüberschuß, Zuwanderung und Eingemeindung immer mehr stieg, ist jetzt nicht nur ein Stillstand, sondern ein Rückgang des Wachstums eingetreten. Der Ueberschuß an Zugewanderten betrug 1927 in sämtlichen preußischen Großstädten noch über 103 000 Personen. Dagegen sind im Jahre 1930 mehr als 30 000 Personen aus den Großstädten abgewandert. Dieser Verlust wird durch den Geburtenüberschuß in höhe von 30 000 Menschen nicht aufgewogen, und so ist die Einwohnerzahl der preußischen Großstädte im letzten Jahr um mehr �als 7000 Personen zurückgegangen. Dieses Zeichen der S t a d t f l u ch t ist überaus de- merkenswert. Der 23. inlernalionale Wellkongreß der Esperantisten, zu dem Vertreter von 22. Staaten erschienen sind, wurde in Krakau am Sonnabend eröffnet. Auch i>l« Museen schränken sich ein. Wegen Personakeinschränkung were den die beiden Museen siir Völkerkunde von Montag ob bis auf weiteres wechselnd gcösjnet sein. An den Dienstagen sind beide Häuser wie bisher geschlossen. Rückschau. Auf dem Friedhof von Niederhermsdorf wurde ein Denkmal enthüllt zum Gedächtnis an die 33 Bergleute, die am 29. Juli 1929 von der Schlagwetterkatastrophe im Waldenburger Revier ums Leben kamen. Ein Drittel aller deutschen Sender über- nahm die Feier, die für die Hörer zu einer Gedenkstunde wurde für alle jene, die als Opfer fallen auf dem Felde der Arbeit, als Opfer für die Bedürfnisse der Allgemeinheit, als Opfer aber auch kapita- listischer Arbeitsmethoden, die das Leben des Werkenden durch unzureichende Sicherheitsmaßnahmen aufs Spiel setzen. Eine andere Gedenkstunde aber erwarteten die Hörer oller Sender vergeblich: Erinnerungen an die August tage vor 17 Iahren. Erinnerungen an Millionen Menschen, die der Krieg traf. Nirgends, soweit es sich aus dem Programm feststellen läßt, fiel auch nur ein Satz darüber: nirgends erklang das Bekenntnis: Nie wieder Krieg! Der Berliner Hörer hoffte, daß wenigstens am Sonntag Alfred Kerr in seinen„Tages- glasten" Raum für diese Mahnung finden würde: aber auch hier blieb sie aus. Dafür fand Kerr manches kluge, erhellende Wort über die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die uns die Gegenwart aufgetürmt hat und die schon fast zu hoch sind, um den Völkern noch die freie Aussicht zueinander und die unbehinderte Zusammen- arbeit zu gestatten. Ohne diese Zusammenarbeit aber geht es heute nicht mehr. Er betonte, daß schon die 100 Mark Grenzsperre die umliegenden Länder in Schwierigkeiten bringt, weil ihnen der Zu- ström der deutschen Reisenden fehlt: wenn Deutschland verarmen würde, wäre das eine Katastrophe nicht nur für uns, sondern für ganz Europa. Darum kann Hilfe wohl hinausgezögert, jedoch nicht verweigert werde». Die Fahrten unserer Staatsmänner zu den Besprechungen darüber ins Ausland hatten aber nicht nur wirt- schaftliche Bedeutung, sie dienten der geistigen Verständigung, die allein eine sichere Basis für die finanzpolitische Kraft ist. Tcz. Montag. 3. August, Berlin. 16.00 Konzert. Lieder und Klaviermusik. 17.00 Institut für Bienenkunde in Dahlem.(Prof. L. Armbrustcr.) 17.20 Walter Stölting und Dr. med. Levy-Lenz: Sie brauchen nicht zu altern! 17.45 Unterhaltungsmusik. 18.30 Dr. Richard Lohmann: Querschnitt durch die Berliner Verwaltung. 19.00 Rudolf Wittenberg liest eigene Dichtungen. 19.30 Jazzstundc. Miw.: Die Melodie Gents. Uarr-Trio auf Flügeln.) 20.30 Rückblick auf Schallplattcn(Juli). 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Robert Schumann. Dir.: Dr. Ernst Kunwald. 1. Konzert für Klavier und Orch. a-moll, op. 54(Prof. Wilhelm Kcmpff, Flügel). 2. Sinfonie Nr. 1. B-dur, op. 38(Berliner Funk-Orchester). 22.20 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten, Tanzmusik. Königswusterhausen.~ 17.00 Prof. Rieh. Müllcr-Frcicnfels: Pädagogische Psychologie. /. 17.30 Prof. Dr. F. Schönemann: Mark Twain. 18.00 Pfarrer Abramczyk: Was muß man von der Vormundschaft wissen? 1S.30 Prof..I>t. Eugen Fischer: Der. Mensch als- Na tut wesen.•''ii. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Englisch für Anfänger. '19.25 Landw.-Rat Albrccht: Wie rfchtef der Landwirt seine Bücher in ein--� ■ fachster Welse ein?.- 20.00 Rcinhold von Walter: Das Eheproblem in der Sowjetliteratur. 22.40—23.30 Budapest: Zigeunermusik. Wetter für Berlin: Forthauern des vorwiegend heiteren, trockenen und warmen Wetters, zeitweise auffrischende südöstlich« Winde. Für Deulschland: Im Süden stark wolkig, stellenweise Ge- witterregen, im südlichen Mitteldeutschland und in Schlesien auf- kommende Gewitterneigung, sonst im Reiche trockenes, warmes und ineist heiteres Wetter. verantwortl. für die Rcdakiion: Keebert geriet«, Berlin: Anreisen: Tb.»locke. Berlin. Verlas: Vorwärt» Verlas®. m. b. K.. Berlin. Druck: Vorwärt, Buch. bruckerei und Verlag�rnlialt Paul Einser& Co.. Berlin SW 68. Lindenftrobe 3. Kierr» 1 Bei las«. 1 6.15 III» Flota 3434 Raudien erlaubt E I Borbotte! Hofsänger-Soxiett, I I Bourlakoff-Truppe, 8yd Fox, Reichshallen-Theater „Alles verrückt!" 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August 1931 SprÄbpnö SfinJauifaSh 4a VofUHxsA Die Erfüllungspolitik des Freiherrn vom Stein Die schwarzweißroten Revanchehetzer berufen sich zu Unrecht auf ihn-- Von Hermann Wendel Da dieses Jahr der Verfafsungstog im Zeichen des Freiherrn vom Stein stehen soll, bietet sich unserer verantwortungslosen Rechten Gelegenheit zu der gleichen schalen Posse, die sie schon zu seinem hundertsten Todestag aufgeführt hat. Da tobten die Hetz- blätter Hugenbergscher und Hitlerscher Observanz gegen den Versuch, den Reformer Preußens zu einem Eideshelfer der Weimarer Ver- faffung zu machen, und im Preußenparlament reckte sich sogar ein knirpsiger Nichtswisser schwarzweißroter Couleur. weil.E e v e r i n g < aus dem Reichsfreiherrn einen Sozialdemokraten gemacht habe. In Wahrheit ist solcher oder ähnlicher Unsinn niemand eingefallen: die fe sozialdemokratische Presse hat durchaus nicht verschwiegen, wie ff Steins Gesicht nicht nur der Zukunft, sondern auch der Ver- gangenheit zugekehrt war: wären die sozusagen geistigen Führer des Hakenkreuzklimbims nicht durch die Bank ausgesprochene Analpha- beten, hätten sie Franz Mehring anführen können, der schon 1Sl2 in der„Wiederherstellung mittelalterlicher Korporativbildungen aus moderner Grundlage" den Kern von Steins Weltanschauung sah und betonte:„Ueber den ständischen Staat ist er nie hinaus- gekommen, und nichts ist verkehrter, als wenn ihn der heutige Liberalismus zu seinen Heiligen zählt." Dafür heißt es den Tatsachen brutalste Gewalt antun, will man Stein, wie es die„Deutsche Zeitung" unternimmt, als „ausgesprochen völkisch im Sinne der heutigen nationalen Rechten" hinstellen oder sich gar zu der Behauptung versteigen, daß„all die großen Gedanken Steins im Ralionolsozialismus ihre glanzvolle Auferstehung gefunden" hätten: dasselbe Blatt, natürlich der„Völkische Beobachter", bei dem neulich Hans R e i m a n n mit Recht an- fragte, wann endlich er denn eine Ausgabe für Erwachsene herausbringe, hat die Stirn, auszusprechen, Stein sei für die Gegenwart in der Gestalt Hitlers lebendig geworden. Stein und Hitler— warum nicht? Es ist nur ein kleiner Unterschied, etwa wie der zwischen Immanuel Kant und dem„Weißenkäse"- Propheten Weißcnberg! Aber Tatsachen, an Tatsachen waren die Festartikel des „Völkischen Beobachters", des„Angriffs", der„Deutschen Zeitung" und der.Lreuz-Zeitung" merkwürdig arm. Ein paar knappe Schlag- warte wie Bauernbefreiung und Städteordnung, aber nichts vom wahren Werk und Wesen Steins, dessen Bild in dem üblichen Phrasennebel verschwand. Verständlich genug! Denn so ost ist den Nachläufern der Hakenkreüzfahne das Preußen Friedrich W i l h e l m s I. und Friedrichs Il> als Ädeal verkündet worden, daß man ihnen schon verheimlichen muß, wie Stein diejen in der Trennung, der Stände und. in der obrigkettlichen Bevormundung ein- gefrorenen Kommißstaat mit seiner übermütigen Herrenkafte: dem Gcburtsadel, und seinen stumm kuschenden Untertanen verneinte und verwarf und von Grund auf umzukrempeln strebte. Auch der Versuch, Steins Reformideen zu den.Irrlehren des Westens", zu den Leitgedanken der Großen Revolution in strikten Gegensatz zu bringen, rechnet mit Lesern, die vom Wesen dieser Reform im einzelnen nichts erfuhren. Denn was anderes als ein starker Widerhall des Jahres 1789 war feine Forderung:„Man muß die Nation daran gewöhnen, ihre eigenen Geschäfte zu verwalten und aus jenem Zustande der Kindheit binauszutreten, in dem eine immer unruhige, immer dienstfertige Regierung die Menschen halten will!" Mit Fug sagt Steins tief- gründigster Biograph, Max Lehmann: „War es nicht die S p r a ch e d e r Menschenrechte, wenn er gegen Unterdrückung und für Freiheit, Selbständigkeit, Eigentum, Schutz der Gesetze seine Stimme erhob? Er stimmte mit den Franzosen übcrein in der Tendenz aus Emanzipation des I Bauernstandes, auf Befreiung von Gewerbe und Handel, auf Egolisierung der Steuern, in dem Prinzip der Einkommensteuer, in der Trennung von Justiz und Verwaltung, in der Beseitigung der Patrimonialgerichtsbarkeit, in der Abneigung gegen die Zünfte, in der Annahme des territorialen Einteilungsprinzipes für die Verwaltung wie für die Gerichtsbarkeit. Nicht minder in der Zentralisierung dessen, was dem Staat und der Bürokratie verbleiben sollte, also in der Organisation der Ministerien, der Aufhebung der Binnenzölle und der Errichtung von Gren.zzöllen, der Kreierung einer Generalstaatskassc. Für letztere zitierte er geradezu die Protokolle der Nationalversammlung." Oa, es hotte schon seine Gründe, wenn jene Schichten, die sich heute im Lager der„Kreuz-Zeitung", der„Deutschen Zeitung" und des„Völkischen Beobachters" sammeln, die Anbeter des Ewig- gestrigen, die Ablehner des Neuen, die Junker und Junkergenoffen Stein wie die Pest haßten, und wenn der Minister v. Voß in ihrem Namen die Reformer bei Friedrich Wilhelm IH. als Demokraten, als Befürworter einer konstitutionellen Monarchie, als Anhänger der Prinzipien der Pariser Konstituante anschwärzte. egur— pst! pst!— davon dürfen die Leser der rechtsradikalen Blätter ebensowenig vernehmen wie von der dumpfen Abneigung, mit der der Hohenzoller S t e i n als einen„widerspenstigen, trotzigen. hartnäckigen und ungehorsamen Staatsdiener" verfolgte oder von den niedrigen Ränken, mit denen die preußische Luise zum Sturz des unbequemen Staatsmannes beitrug. Um den monarchistischen Nerv derer, die auf Hugenberg und Hitler schwören, nicht zu reizen, fehlt selbstverständlich auch Steins mannhaftes Wort gegen „das Lumpengesindel der deutschen Fürsten", und in„Deutscher Zeitung".„Angriff" und„Völkischem Beobachter" prangt zwar der berühmte Ausspruch des Reformers:„Ich habe nur ein Vater- land. das heißt Deutschland", aber der nicht minder bedeutungsvolle Nachsatz:„Mir sind die Dynastien in diesem Augenblick großer Entwicklung vollkommen gleichgültig" wird von allen drei Blättern gewissenhaft unterschlagen. Vor allem aber dient Stein den gewerbsmäßigen Hetzern auf der Rechten dazu, die auswärtige Politik der Männer, die sich als Konkursverwalter einer durch die Hohenzoller» bankerott gewordenen Firma seit 1918 redlich zu mühen hatten, in den Schmutz zu ziehen: dos geschieht mehr oder minder deutlich in all diesen Festartikeln. Befriedigt kommt, hat er sie verdaut, der schwarzweißrote Spieß- bürger an seinen Stammtisch: Der Stein— das war doch noch ein Kerl, der den Franzosen die Zähne zeigte! Nicht so ein Schlapp- macher wie der S t r e s e m a n n, der mit tschechischem Gold g«> kauft war und den man hätte an die Wand stellen sollen! Wie hätte man an diesen Stammtischen erst Geifer verspritzt, wenn Stresemann etwa auf Poincarös Empfehlung zum Minister ernannt worden wäre! Nun, der Freiherr vom Stein war, al? es nach dem kläglichen Zusammenbruch des preußischen Staates 1807 galt, einen„Schmachfrieden" abzuschließen, der Kandidat Napoleons, dem General C l a r k e als französischer Gouverneur von Berlin gemeldet hatte, jener habe wegen seiner Besitzungen im westlichen Deutschland Anlaß, sich mit den Franzosen nicht schlecht zu stellen: auch noch Anfang 1808 hatte der Bonaparte für den preußischen Minister Worte des Lobes. Denn wie verhielt sich Stein, als er durch seine Berufung und durch seine Willenskraft der mächtigste Man» in dem Preußen wurde, das ohnmächtig zu Füßen Frank- reichs lag? Zeigte er sich nach dem„völkischen" Rezept. von heute „unbeugsam" und„ehern"? Hatte er nur„ein entschlossenes Nein!" iür alle französischen Forderungen? Bewahre! Die nopoleonischen Truppen hielten ganz Preußen bis auf Litauen und Ostpreußen rechts der Passarge besetzt und machten ihren Abzug von der Zahlung phantastischer Summen abhängig: erst waren es 73, dann 120, am Ende 1S4,3 Millionen Franken, die der Sieger aus dem verarmten Lande herauszukeltern dachte. Erklärte Stein nun nach berühmten Mustern großspurig:„Wir oerweigern die Tribute! Mögen die Franzosen so lange in Preußen bleiben, bis sie schwarz werden!?" Es fiel ihm nicht im Traum ein. Vielmehr bemerkte er in klarer Erkenntnis der traurigen Sachlage in dem Schreiben an den König, mit dem er seine Ernennung zum Minister annahm, das Dringendste scheine Ihm die Befriedigung der französischen Forderungen. Die Räumung der besetzten Gebiete war ihm auch das höchste Geld- opser wert, denn um nichts weniger als den Bestand des Staates ging es, und nur ein vollendeter Narr konnte daran denken, den„Starren" und„Unbeugsamen" zu spielen. Allerdings mühte sich Stein, teils durch Widerspruch, teils durch Ueber- redung, teils durch Nachgiebigkeit die erpresserischen Forderungen hcrabzuschrauben: er zog alle Register, die bei solchen Verhandlungen zu ziehen sind: er wandte das psychologische Verfahren an und tat das genaue Gegenteil dessen, was die oller Psychologie ferne Engstirnigkeit unserer nationalistischen Desperados heischt, wenn sein Biograph Lehmann feststellt:„Indem Stein dem Wider- sacher in die Windungen seines Gedankenganges folgte, suchte er ihn dialektisch zu überwinden." So legte er es darauf an, dem fran- zösischen Geiwralinteudanten Daru begreiflich zu machen»� daß Preußen, vom Druck der Besatzung-befreit und dem normalen Leben wiedergegeben, weit eher das Verlangte zählen könne. Um jeden Posten feilschte und marktete er, statt einfach auf den Tisch zu schlagen und zu brüllen: Nein! Wochen und Monate, bis er schließlich im Februar 1808 die Höhe der französischen Forderungen anerkannte und Zahlung innerhalb eines Jahres zusagte. Auch in Punkten, für deren Acnderung er sich mit jeder Faser seines Wesens einsetzte, gab er am Ende nach, wenn der übermächtige Gegner nicht zu erweichen war: die Abtretung von Staatsdomänen als Pfand für die Tribute bezeichnete er als durchaus unannehmbar, aber dem König schrieb er zugleich, es sei ratsamer, den verlangten Betrag„an Domänen zu zedieren als den Staat noch ferner in dem Zustand von Auslösung zu lassen, in dem er sich gegenwärtig befindet". Mit dieser Taktik, mit dieser geradezu geschmeidigen Art, ouf die Gedanken des Feindes einzugehen, rettete er nicht nur die Domänen, sondern setzte auch in einer Reihe wichtiger Nebenpunkte seinen Willen durch. Die junkerlichen und bürokratischen Anhänger des frideri- zionischcn Preußen empfahlen nicht nur. wie die Kriegs- und Domänenkammer Glogau, die Requirierung des im Lande stehenden französischen Militärs gegen die Bauern, die auf Grund des Oktober- edikts ihrer Gutsherrschaft vorzeitig die Fronden weigerten, sondern boten in der Tat, wie die Oberamtsregierung in Breslau, fran- zöfische Bajonette gegen das eigene Landvolk Die heiligsten Güter Ein neues Buch von Ilja Ehrenburg „Ronion der großen Interessen" lautet der Untertitel des von Hans R u o f f schlechthin meisterlich übersetzten neuen Romans Ilja Ehrenburg s*). Diese„großen Interessen" sind sowohl Streichhölzer als auch Platin, Baumwolle, Leder, Kunstseide, Holz und Giftgas, das„schwerer ist als Luft". Die großen Interesse»— die Interessen des Weltkopitalismu- im allgemeinen. Welthandel, der nichts anderes ist, als Schiebung großen Stils. Handelskrieg, der in den finsteren Minengängen der Diplomotie, wohin keines sterblichen Staatsbürgers Auge dringt, ausgefochten wird. Wir wissen, daß alle diese Krieg«, die in Konferenzzimmern an grün» bespannten Tischen, Hotelspeisesälen, Luxuszügen und wo immer auch diese Weltkaufleute zum vernichtenden Schlag gegen den Kon- kurrenten ausholen, eines Tages in einen Waffenkrieg ausarten können, in dem dann nicht mehr Zifferntabellen, sondern Giftgase den„Sieg" entscheiden. Von den Folgen dieses völkeroernichtenden, menschenmordenden Weltkapitalismus wetterleuchtet es in diesem Buche Ehrcnburgs, dos sich einzig und allein auf Tatsächliches in Wirtschaft und Politik stützt. Nichts ist verschleiert, verbogen oder von„dichterischer Phantasie" entstellt. Wir alle haben erlebt und erleben stündlich, was sich in Ehrenburgs Roman begibt. Und was „erfunden" ist, ist so typisch, daß kein Schimmer von„Erfindung" daran haften bleibt. Selbst daß der Autor seine Akteure unter fik» tiven Nomen auftreten läßt, wirkt weniger als Flucht vor dem Tat- sächlichen, sondern als unumgängliche Maßnahme, zu der sich ein Dichter, der mit derartiger Kühnheit in die unmittelbare Gegen- wart greift, gezwungen fühlt. Ob es der Schwede Olfon, der den internationalen Zündholz- *) Ilja Ehrenburg: Die heiligsten Güter. Roman der großen Interessen. Malik-Derlag, Berlin. Preis in Leinen 5,50 Mark. fort. 3,50 Mark. auf. Von solcher nationalen Würdelosigkeit war Stein weit ent- fernt, ober um Napoleon nicht ohne Not zu reizen, trat er doch den Besatzungstruppen gegenüber sehr leise auf. Als er von dem Ge- neralzioilkommiffor der Provinz Schlesien, der vor französischer Willkür aus seinem Amtsbereich hatte fliehen müssen, um Schutz ge- gen Daru angegangen wurde, antwortete er da mit einem Ausbruch des bei unserer„nationalen Opposition" so beliebten kuror teutonicus? Er wußte sich zu beherrschen und legte dem Ge- flüchteten nahe, olle Vorsicht zu beobachten, jeden Zusammenstoß zir vermeiden und ein gutes Einvernehmen mit der Okkupationsmacht zu unterhalten: ebenso empfahl er dem neuen Kommissar für Schlesien. Bismarck,„diejenige Vorsicht und Nachgiebigkeit, welche die augenblicklichen Verhältnisse als Regeln der Klugheit von selbst gebieten". Aber Stein ging noch einen großen Schritt weiter. Nichts wissen wollte er zwar von der Absicht der Königin, nach Paris zu reisen, um den„gekrönten Emporkömmling" mit dem ganzen Auf- gebot ihrer fraulichen Liebenswürdigkeit milde zu stimmen, aber er schickte den Prinzen Wilhelm, Bruder des Königs, in die fran- zösifche Hauptstadt. Er baute darauf, daß es den Imperator schmeicheln werde, auch einen leibhastigen Hohenzoller» in seinem Vorzimmer von einem Fuß auf den anderen treten zu sehen: darum erhielt der Prinz den gemessenen Austrag, auch der Kaiserin I o s e p h i n e, die von den Lästermäulern des Potsdamer Hofs als leichtfertiges Frauenzimmer verschrien ward, schönzutun und ihr van der tugendsamen Königin Luise Verbindliches auszurichten. Als handfestes Mitbringsel ließ Stein aber durch den Prinzen dem Kaiser ein engesSchutz- undTrutzbündnis zwischen Frankreich und Preußen anbieten. Napoleon sollte über 30 000 bis 40 000 Mann preußischer Truppen nach Belieben, selbst in der Türkei, oerfügen dürfen und dafür die Kontributionen mindern, für den Rest billige Zahlungsfristen zugestehen, die be- setzten Gebiete räumen und eine territoriale Entschädigung, am liebsten auf dem linken Elbufer, gewähren. Im äußersten Notfall war, um diesen Vorschlag solid zu unternehmen, Friedrich Wilhelm III. sogar bereit, dem verhaßten Rheinbund bei- zutreten. Und dieses Angebot war nicht etwa eine Finte, um Steins wahre Reoonchepläne zu oerdecken. Nein, er glaubte eine Weile fest an die Möglichkeit dieser preußifch-französischen Verbindung. „Wir müssen"," schrieb er an Alexander.v„ H u m b o l d t,„durchaus die Linie innehalten, hie wir uns vorgeschrieben haben: daß wir versuchen.. Preußen durch Frankreich wieder emporzubringen und das Vertrauen Napoleons zu gewinnen". Noch nach dem Mißerfolg der Pariser Prinzenreife sann Stein über Mittel,„um ein dauerhaftes Verhältnis mit Frankreich zu be- gründen": ihm blieben deshalb Vorwürfe nicht erspart, daß er sich. wie der Kabinettsrat v. Bcyme Friedrich Wilhelm zu- flüsterte, von den Franzosen dazu brauchen lasse, die Hindernisse, die s i e nicht besiegen könnten, durch seine Autorität aus dem Wege zu schaffen: der König habe in Berlin keinen Minister, sondern nur einen Bevollmächtigten, der sich aber von den Franzosen gegen das Interesse des Königs brauchen lasse. Aber Bcyme war zahm und lahm im Vergleich zu den hysterischen Schreihälsen hinter Hugenberg und H i t l er, denn die klare und unzweideutige Erfüllungspolitik, die Stein solange betrieb, bis er einsah, daß mit dem Machtwahn Napoleons kein Auskommen war, hätten sie mit denselben Kotwürfen quittiert, mit denen sie die republikanischen Staatsmänner seit 1918 bedenken: Agent Frankreichs! Er besorgt die Geschäfte des Feindbundes! Er ist als Fronvogt der Feinde reif für den Galgen! Legt den Schuft um! Ja, der Freiherr vom Stein der Erfüllungspolitik wäre heutzutage wahrscheinlich dem Schicksal Erzbergers und Rathenaus nicht entgangen. markt beherrscht, ist, ob Pitschek, der tschechisch« Schuhfobrikant. dessen Rationalisierungsmethoden die Welt in hellen Aufruhr ver- setzen, ob Sir William, aliaz Wulf Wainstein, Sohn eines Flickschneiders aus Witebsk, ob Mr. Doron, der englische Platin- magnat— sie alle sind uns wolstbekannt, und ihr Name braucht erst gar nicht genannt zu werden, um uns dadurch erkenntlich gemackst zu werden. Von allen diesen„Helden" unserer Tage erzählt das Buch Ehrenburgs mit einer solchen Selbstverständlichkeit und Gegenständlichkeit, daß es einem vor deren Nähe sörmlich angst und bange wird. Das ist die Stärke des Romans— aber zu gleich auch seine Schwäche. Es ist das alles uns doch zu nah, die Er- eignisse sind doch noch ein wenig zu unübersichtlich, als daß man es wagen dürste, an ihnen objektive Kritik zu üben. Aber Ehren- bürg, der weniger kritisiert als reportiert, kommt es auf diese un- mittelbare Nähe von Tagesereignissen nicht an. Er schildert sie, stellt sie als nicht wegzuleugnende Tatsachen hin und überläßt dem Leser das Urteil über sie. Sittenschilderer ihrer Zeit wie Balzac und Zola haben die Ereignisse um sich stärker, menschlicher und zwingender gestaltet: sie standen sozusagen über ihren Zeitgenossen, sie hatten ihre Zeit bereits in sich überwunden. Das erhob sie zu dieser unnachahmlichen Größe. Ehrenburg aber ist selbst noch zu viel Zeitgenosse. Man fühlt Unfreiheit, die ihn allzu subjektiv urteilen, läßt. Dort aber. wo er über die Ereignisse hinauswächst, das messerscharfe Stilett seiner Satire ansetzt und das Kleid der Zivilisation zerfetzt, da ist man mehr als interessiert, da packt es, rüttelts einen auf, da schau- dert und ekelt es einen— da fühlt man den Dichter Ehrenburg, dem es jetzt nicht mehr allein um die Zeit, sondern um ihre Men- schen geht. Indem er sie in ihrer ganzen menschlichen Schwäche und Hilflosigkeit dem Spotte preisgibt, erledigt er sie„moralisch" Das will heißen, er führt uns die Nichtigkeit ihrer Scheingrößf, ihres menschenvernichtenden Werkes vor Augen. Es ist kein leichtes Buch, auch kein sehr erquickliches— es leide: auch an einem Zuviel— aber es fesselt und läßt nicht mehr lo?. Friedtich Lichtneker 3ez?lz22 sezzdfef; ScbaUplaltenkonxerie. Der Pressedienst der Deutschen Welle bringt einen Ärtitel:„Achtung, Sie hören ein Schallplatten- t o n z e r t." Darin heißt es: „Die Schallplattenkonzerte werden ost als eine Art Lückenbüßer im Programm angesehen, und in manchen Fällen sind sie es ja auch. Man denke z. B. daran, daß ein Redner ohne Benachrichtigung plötzlich wegen Erkrankung fernbleibt, oder es muß eine Programmumstellung vorgenommen werden und es ist notwendig, einen Zeitraum von 10 oder 20 Minuten auszufüllen. In diesen Fällen muß ein Schallplattenkonzert in 2 bis 3 Minuten zusammengestellt werden, wobei noch zu beachten ist, daß es sich einigermaßen in den Rahmen des Tagesprogramms einpassen muß ... Ein ganz anderer kritischer Maßstab muß ober bei der Bc- urteilung der Schallplattenkonzerte angelegt werden, die als regcl- mäßige Darbietungen in das Programm eingefügt sind. Die Deutsche Welle hat in gewissem Sinne ihre Schallplattenkonzerte auf die Kritik au» den hörerkrcisen ausgebaut: sie beobachtete sehr sorgfältig das Echo, das auf die täglichen Scn- düngen, die in der Zeit von 12 und 13 Uhr liegen, einging, prüfte die Stimmen auf den Wert des Inhalts und oerwandte die Kritik bei der Programmzusommensetzung. So wurden z. B. besondere Sendungen unter dem Titel„W u n s ch p r o g r a m m" eingerichtet, die alle jene Darbietungen zu Gehör brachten, die im Laufe eines Monats von den Hörern besonders häufig gefordert wurden. Ein anderer Weg, um den Geschmack der Hörer zu erforschen, waren Sendungen unter dem Titel„G e g e n s a tz e" oder„W e n hören S i e l i e b e r?" Es muß erwähnt werden, daß die eingehenden Zuschriften oft aufschlußreich und in manchen Fälle» wegweisend waren. Grundsätzlich muß natürlich die Sende- gesellschaft von sich aus ein Wochen- oder gar Monatsprogramm aufstellen, das nach ganz bestimmten großen Gesichtspunkten zu- sammengesetzt ist. Leitend ist hierbei natürlich dos Moment des Ausgleichs. Bolkslieder, Kammermusik, Heimattänze und Märsche, Potpourris aus Opern und Operetten, Haus- und Salonprusik müssen sorgfältig untereinander abgewogen werden! daneben waren besondere Stunden einzelnen großen Musikern gewidmet,... andere Stunden dann wieder den Neuerscheinungen. Das Wochenende blieb regelmäßig der leichteren Musik vorbehalten. Aber selbst dieser Progrommaufbau erwies sich noch nicht als die beste Lösung. Es wurde ein neuer Weg gesucht, der sich auch in kurzer Zeit als der richtige erwies: die tägliche Schallplattenstunde der Deutschen Welle wurde häufig noch einmal geteilt, um der Gefahr der Eintönigkeit zu begegnen. Die erste halbe Stunde bringt dann klassische Werk», der zweite Teil leichte Unterhaltungsmusik. Märsche oder Volkslieder. Diese kurze Uebersicht zeigt bereits, daß es der Deutschen Welle nicht daran liegt, in ihren Schallplatten- konzerten nur Unterhaltung zu bieten, sondern daß sie sich immer wieder bemüht, ihr« Hörer durch Abwechselungen und Gegenüber- stellungen anzuregen und ihnen kleine Hinweise zum Musik- verstehen zu geben. Es soll eine gewisse Beurteilungsfähigkeit und Kenntnis der verschiedenen Musikgattungen gefördert werden, fei e» durch Gegenüberstellung von beispielsweise deutscher und italienischer Musik oder durch verschiedene Interpretationen des gleichen Werkes durch berühmt« Dirigenten. Der Erfolg ist dieser Aufbauarbeit nicht versagt geblieben: forderten früher die Hörerbriefe im allgemeinen modern« Schlager, neue oder alte Walzer, Potpourris au» Operetten oder Märsche, so werden in den letzten Monaten in weit größerem Maße Bitten ausgesprochen, die sich auf gut« deutsche, leicht verständliche, wert- volle Musik bezogen. Diese Wandlung im Geschmack de, Publikums, die ganz unverkennbar festzustellen ist, gewinnt an Wert, wenn man sich einmal kurz klar macht, wer denn eigentlich vormittag» die Schallplattenkonzerte abhört... Die Hausfrau,... in vielen Fällen natürlich auch... die Familie, der das Schallplattenkonzert alz Tischmusik dient. Wir müssen un» darüber klar sein, daß wir hier durchaus nicht mit dem„konzentrierten", sondern höchsten» mit einem„aufnahmebereiten" Hörer zu rechnen haben,.. Aus dieser lleberlegung ist z. B. die Teilung der mittäglichen Konzert- stunde eingeführt worden, um ein« sogenannte schwere Darbietung aufzulockern... Die Aufgabe der genannten Schallplattenkonzerte, die übrigens durchaus nicht nur als„Beiwerk" zu werten sind, konnte im Laufe der Zeit immer deutlicher erkannt werden und führte zu einer slistematischen, der Zusammensetzung der Hörerschaft angepaßten P r o- grammgestaltung. die teils den Wünschen der Hörer ent- gegenkommt, teils von sich aus wegweisend und fördernd wirken will." Wir geben diese Ausführungen der Schallplattenabteilung so ausführlich wieder, da sie programmatischen Charakter tragen und auch in ihren Schlußsolgerungen von allgemeiner Be° deutung sind. Grundsätzlich wird sich jeder Hörer der Deutschen Welle wohl mit ihnen einverstanden erklären, auch wenn er in Einzelheiten abweichende Wünsche hat— deren Berücksichtigung ja so großzügig zugesagt wird. Einen wesentlichen Einwand fordert nur die Trennung von Haus- und Salonmusik heraus: da nur an- genommen werden kann, daß„Salonmusik" als die in der Musik- literatur gebräuchliche Bezeichnung für kitschige Unterhaltungsmusik gemeint ist, hieße die in dem Artikel gebrauchte Wendung also, daß die Deutsche Welle sich die Aufgabe stelle, die Hörer mit guter und anerkannt schlechter Unterhaltungsmusik zu versorgen. Das soll sie doch lieber nicht tun! Die gesamte Einstellung zum Schallplattenkonzert, die sich in dem zitierten Aufsatz ausspricht, entspringt der Programm- etgenart der Deutschen Welle und ist für diese sinnvoll. Di« Deutsche Welle ist eine Art Rundfunk-Volkshochschule, ein au»- gesprochener Bildungssender neben den anderen Sendern, die wesentlich andere Aufgaben dem Publikum gegenüber hoben. Alle musikalischen Darbietungen, soweit sie nicht von musik- erläuternden Vorträgen begleitet sind, bedeuten daher für das Programm der Deutschen Welle«in Nebenher, da» zwar selbst- verständlich eine möglichst hohe Qualität aufweisen soll, aber doch da» Budget nicht allzusehr belasten darf. In diesem Ausnahmefall ist es daher auch berechtigt, Musikdarbietungen aller Art in Schallplattenaufnahmen zu bringen. Für jeden anderen Rundfunksender wäre ein Schallplotten- Programm wie da» der Deutschen Welle em« Unmöglichkeit, Der Rundfunk in Dänemark hat beschlossen, aus alle Schall- plattendarbletungen in seinem Programm zu verzichten. um lebenden Musikern Platz vor dem Mikrophon und damit verdienst zu schassen. Damit Hot er ein Beispiel gegeben, das hoffentlich recht zahlreich« Nachahmer findet! die For- derung nach Abbau der Schallplattenkonzert« kann heute gar nicht laut und ga� nicht oft genug ausgesprochen werden. Nur Darbietungen von besonderer Eigenart, vor allem künst- lerisch besonders hochwertige, sind als Schallplatten- oufsllhrungcn berechtigt. Hervorragende Orchester, weltberühmte Solisten, verstorbene große Künstler müssen selbstverständlich immer dem normalen Programm durch das Mittel der Schallplatte ein- gereiht werden. Die Hörer würden um manchen erlesenen Genuß gebracht, sollten sie sich mit dem seltenen Ga st spiel eines ganz Großen vor dem Mikrophon ihres Senders begnügen. Sonst aber haben Schallplattenveranstaltungen heute weniger als je eine Berechtigung im Programm. Trotzdem füllt die Funkstunde heute noch täglich rund vier Stunden damit. Die Schallplattensendung am Vormittag„für Versuche und für die I n d u st r i e" bringt in ihrer ersten Hälfte allerdings meist über dem Durchschnitt stehende Platten, die sich durch keine un- mittelbar ausgeführte Musik ersetzen ließen. Was dann aber folgt, ist oft ein schauriges Gsmisch von kitschigen Schlagern aus den letzten dreißig Jahren. Hier wäre es für die Hörer und für die arbeitslosen Musiker ein Gewinn, wenn man diese Klänge— ebenso wie da» tägliche Frühkonzert— durch Darbietungen lebendiger Orchester ersetzte. Ebenso könnte ohne künstlerischen Verlust für die Hörer mindestens zweimal in der Woche das Schallplattenkonzert zwischen zwei und drei durch unmittelbare Musik ersetzt werden. Das würde keinen Verzicht auf irgendeine in diesen Stunden gesendete Schall- Plattendarbietung bedeuten: nur die Wiederholungen würden seltener sein. Der Deutsch« Funktechnische Verband teilt mit: „Rundfunk st örung st eis rechtswidri g". Der Inhaber eines Lebensmittelgeschäftes in Berlin störte durch seine e l e k- irische Kühlanlage den Rundfunkempfang. Einer der ge- schädigten Rundfunkhörer erhob Klage. Das Amtsgericht Berlin-Mitte verurteilte den Störer. Das Land- gericht I Berlin wies seine Berufung kostenpflichtig zurück. Die Entscheidung führt aus, daß den Rundfunkhörern gegen Stö- rungsn durch elektrische Maschinen und Geräte, wie mit Recht über- wiegend angenommen werde, der Besitzstörungsanspruch auf Unterlassung zustehe. Bon einer Ortsüblichkeit der Störungen könne keine Rede sein. In einem kürzlich veröffentlichten Urteil hatte das Land- gericht Schwerin den Anspruch des Rundfunkhörers auf Störbefreiung von dem früheren Vorhandensein der Rundfunkanlage abhängig gemacht. Das Land- gericht Berlin I und über 60 andere Gerichte haben anders geurteilt: nach dem Besitzrecht des Bürgerlichen Gesetzbuches ist es gleichgültig, ob die Rundfunkanlage früher oder später als die störende Vorrichtung angeschasst ist. Der S t ö r e r muh die Störung stets auf feine Kosten beseitigen." Tos. feechlstvasfen dies Tages Sind"Renten xurückxuxablen? Schlechte Wirtschaftslage und Arbeitslosigkeit lassen viele Menschen der öffentlichen Fürsorge anheimfallen. Dieser geht ober die llnterhaltspflicht, die vor allem durch das Bürgerliche Gesetzbuch nach Voraussetzung und Inhalt bestimmt wird, vor. Die privat- rechtliche Rangordnung des 8 1606 BGB. muß grundsätzlich er- schöpft sein, bevor die öffentliche Fürsorgepflicht eintritt. Dieser Grundsatz gilt für alle fürsorgerischen Leistungen gleichmäßig. Er besagt, daß die Voraussetzung der sürsorgerechtlichen Leistung nicht gegeben ist. solange die Unterhaltsansprüche erfüllt werden. Geschieht die» nicht, und ist der Grund die Leistungs- Unfähigkeit des Verpflichteten, so besteht volle Hilfsbedürftigkeit auf der anderen Seite. Liegt aber Leistungsfähigkeit vor und trotzdem Nichterfüllung der Unterhaltspflicht, so kommt für die fürsorge- rechtliche Leistung im Augenblick ebenfalls volle Hilfsbedürftigkeit in Betrocht. Dann ist aber eine Veränderung der Rangfolge hinsichtlich der Verpslichtungen eingetreten' mit besonderen Rechtsfolgen für die Rückforderung an die Unterhaltspflichtigen. Der Fürsorgeverband, der infolg« der Nichterfüllung der Unter- Haltspflicht hat eintreten müssen, hat einen Ersatzanspruch an denjenigen, der dem Hilfsbedürftigen auf Grund des BGB. oder eine? Unterhattsoertrages unterhaltspslichtig ist. In Frage kommen Eheleute, Verwandte in gerader Linie(also nicht Geschwister, Stief- eltern, Stiefkinder), ferner der unehelich« Vater und die uneheliche Mutter. Der Ersatzanspruch steht sowohl dem vorläufigen wie dem endgültig verpflichteten Fürsorgeoerband zu. d. h. dem Fürsorge- verband, in dessen Bezirk der Hilfsbedürftig« sich bei Eintritt der Hilfsbedürftigkeit befindet, wie dem Fürsorgeverband, in dessen Bezirk der Hilfsbedürftige den„gewöhnlichen Aufenthalt", das ist im allgemeinen der Wohnsitz, hat. Di« Voraussetzungen des Ersatz- anspruche» sind dieselben wie beim Unterhaltsanspruch de» unter- stützten Hilfsbedürftigen selbst. Die Bedürftigkeit muß in den Fällen vorliegen, in denen sie vom Bürgerlichen Gesetzbuch verlangt wird. Auf jeden Fall muß jedoch die volle oder teilweis« Leistungsfähigkeit bei dem Aerpslichteten gegeben sein. Nach der maßgebei�en Rangordnung des Z 1606 DGB. sind Abkömmlinge vor den Verwandten der aufsteigenden Linie(Vater, Mutter, Großeltern), der Vater vor der Mutter unterhaltspflichtig. Der Ersatzanspruch des Fürsorgeverbandes ist nun zeitlich und der Höhe nach bestimmt. Es muß insbesondere innerhalb de» Zeit- raums, während dessen die fürsorgerechtliche Leistung gewährt wird, gleichzeitig auch die prioatrechtliche Leistungsfähigkeit des Unter- Haltspflichtigen bestehen. Tritt also die privatrechtliche Leistungs- sähigkeit erst während des Laufes der fürsorgerechtlichen Leistung ein, z. B. der Sohn wird erst fünf Monate nach der Unterbringung des Vaters in ein« Anstalt erwirbsfähtg, so beginnt die Ersagpflicht erst mit diesem Zeitpunkt. Danach sind z. B. auch schulpflichtige Minderjährige nicht verpflichtet, die für ihre Eltern aufgewandten Fürsorgekosten zu erstatten. Ferner ist der Erstattungsanspruch der Höhe nach bestimmt. Die tatsächlich durch die Fürsorge aufgewandten Kosten bilden zunächst die Höchstgrenze. Außerdem kann die Ersatzpflicht des Unterhalts- Pflichtigen niemals höher sein als seine prioatrechtliche Unterhaltspflicht, so daß eine zweite Höchstgrenze gezogen ist. Hat also der Fürsorgeverband sür den Hilfsbedürftigen monat- lich 60 M. aufgewandt, und ist der Unterhaltspflichtige leistungsun- fähig oder kann nur S M. monatlich zahlen, so besteht entweder kein Erstattungsanspruch des Fürsorgeverbandes oder«in solcher nur in Höhe von S M. monatlich. Von diesem Grundsatz hat aber Z 22 der Fürsorgeoerordnung eine Ausnahme gemacht. Kinder sind nämlich nach dem BGB. chren Eltern gegenüber nicht unterhalt?- pflichtig, wenn sie bei Berücksichtigung ihrer sonstigen Verpslichtungen außerstande sind, ohne Gefährdung ihres standesmäßigen Unter- Haltes den Unterhalt zu gewähren. Sie würden dann insoweit auch nicht ersatzpflichtig sein. Ausnahmsweise kann aber der Fürsorge- verband auch in diesem Falle von den Kindern der hilfsbedürftigen Eltern, jedoch nur unter Berücksichtigung Ihres notdürftigen Unter- Haltes, Ersatz seiner Aufwendungen verlangen. Der Fürsorge- verband hat also weitergehende Ansprüche al, die Eltern selbst. Dieser besonder« Ersatzanspruch ist durch 8 22 der Fürsorge- Verordnung jedoch wieder so eingeschränkt, daß diese Erweiterung EJ praktisch wenig Bedeutung hat. Denn die auf dlese Wels« in Anspruch genommenen Kinder de» Unterstützten können dem Für- sorgeoerband gegebenfalls mit Erfolg den Einwand entgegensetzen, sie seien wegen Gefährdung ihres standesgemäßen Unterhaltes nicht verpflichtet, ihren eigenen Angehörigen den standesgemäßen Unter- halt zu gewähren, oder durch die Ersatzleistungen würde ihr Fort- kommen oder da» ihrer Angehörigen unbillig erschwert. Für die zwangsweise Befriedigung des Ersatzanspruches gelten dieselben Bestimmungen, wie sür die zwangsweise Befriedigung der Unterhaltsansprüche des Hilssbedürstigen gegen den Unterhaltspflichtigen, insbesondere auch die Erleichterungen, die das Lohn- beschlagnahmegesetz für die Durchführung von Unterhaltsansprüchen vorsieht, d. h. die sonst gegebenen pfändung»fre>en Grenzen sind hier aufgehoben, hssgistratsrat Dr. zur. W. Krolosdiiner. WAS DER TAG BRINGT Niiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii|iiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiniiinnniniinmimiiiniiiiiiiiniiniiiiiimiiiiniiiiniiimiiiiiiiiinniniuiniiiiii»>uiHiiiiiuuuiuiuiiiiiiiiiiiiiiiiiinim ERZÄHLT VON YORICK Der Zigeuner Der D-Zug hielt mit jähem Ruck, wenige hundert Meter vor der ungarisch-rumänischen Grenze. Als die erschreckten Fahrgäste au, den Wagen sprangen, bot sich ihiwn«in erschütternde» Bild. Das Zugpersonal umstand eine Gruppe von Menschen, die sich vor dem Zug auf die Schienen gelegt hatte, Erst im letzten Augen- blick war e« dem Lokomotivführer gelungen, die Maschin« zum Stehen zu bringen— um ein Haar wäre der verlumpte Zigeuner mit seinen sünf völlig nackten Kindern überfahren worden. Aber dos habe er gewollt, erzählt« der Zigeuner. Denn er wisse nicht, wie er die hungrigen Mäuler ernähren solle: jetzt, nach dem sähen Tode der Mutetr, sei er oollkomemn ratlo» und suche, im Einverständnis mit den Kindern den Tod. Die Kinder schrien herzzerbrechend. Man sammelte. E» waren viele reiche Leute im Zug. An 500 Mark kamen zusammen. Der Zigeuner weinte vor Freude. „Das reicht doch vielleicht fürs erste!" meinte eine Dame— und Dankesworte stammelnd verschwand der Zigeuner, und ratternd verschwand der Zug. "k Und nun rechne man: Sieben D-Zugstrecken hat Rumänien. Macht für den Zigeuner etwa 3500 Mark. Er verdiente sie im Zeitraum von einer Woche. Als die Polizei eingriff, erwischte sie die fünf unbekleideten Kinder. Der Vater verschwand über die immer nahe ungarische Grenze. Er tat recht daran. Denn Ungarn hat noch viel mehr D-Zug- strecken. Gauner hatten einen Einfall Gauner hatten einen neuen Einfall. Gauner aus Bochum-Lehr. Ganz einfach war der Einsall, und da, soll immer gut sein. Nämlich sie züchteten Briestauben. Als die erste Brieftaube sertig ausgebildet war. taten si« sie in ein verschnürte» Paket und legten dies einer Gutsbesitzerin in Altenbochum vor die Türe— nächtlicherweile. Am Hals trug das Tier eine Streichholzschachtel, in der Streichholzschachtel lag ein Brief, in dem Briese stand:„Wenn Sie innerhalb von zwei Tagen dieser Taube nicht 200 Mark mitgeben, geht Ihr Besitz in Flammen auf." Die Frau indes bemühte vorerst di« Kriminalpolizei. Hier wurde man zuerst starr vor Staunen— und dann wurde man logisch. Was fliegt� sagte man sich, kann man nur fliegend ver- folgen. Und also telephonjerte man mit dem Lustfahrtverein Essen- Oberhmtsen. Zwei Tage später flog di« Taube tatsächlich ob. Aber über ihr kreisten schon beim Aussliegen zwei Flugzeug», und die Flugzeuge hefteten sich an ihre Fer... nein, an ihre Schwanzfedern und stellten schließlich jest, daß sie in einen Taubenschlag von Bochum- Lehr hineinflog. Hierhin tonnten ihr die Flugzeug- nicht folgen, weil der Erbauer aus die Spannweit« von Aeroplanen keine Rücksicht ge- nrnnmen hatte. Aber au, dem einen Flugzeug wurde sie photo- graphiert, und im anderen wurde von kundiger Hand ein Lageplan de» Schlage» und des Hauses gezeichnet. Dieser Plan und diese Photographie wurden einen, mit Kriminalern besetzten Auto, da» an der Stadtgrenze hielt, zugeworfen. Fünf Minuten später wurden zwei Brüder, die Brieftaubenzüchter, verhastet. Sie leugneten eine Weile— aber man hatte die Richtigen! Gauner hotten einen guten Einfall. Aber die Polizei hatte einen besseren. Zeitgenössisches In Eolumbia, USA., sollt« ein Delinquent auf den elektrischen Stuhl. Die Exekution mußte verschoben werden, weil man den Verurteilten erst von einer Hirnhautentzündung kurieren mußte. Der Hauptgrund für diese zarte Rücksicht auf die Gesundheit des zu Tötenden liegt darin, daß sich über tausend Menschen als Zuschauer sür die Hinrichtung gemeldet hoben— und Hirnhaut- «ntzündung ist ansteckend... Um einem dringenden Bedürfnis abzuhclien. bildete sich ü, Ehikago eine Vereinigung langer Männer. Di« Vereinigung will Baubehörden, Möbelsabrikanten und Hotelbesitzer zwingen bei de-, Ausmaßen der Zimmer. Türen. Betten. Wannen und so fort nur die berechtigten Ansprüche etwas lang geratener Mitmensche» Hr.* ficht zu nehmen.— Der Vorstaiü) dieser Vereinigung weilt« türrt* in Berlin und besuchte eine moderne Kleinwohnung. Ueber l- n- Eindrück« konnte er sich nicht äußern, weil«r nicht durch die'rur kam In einer belgischen Ortschaft kam es zu einer Schlägerei Zwei verfeindeten Musikkapellen. Die Jnstrunu:me �»„.» Waffen benutzt. E» gab über vierzig Verletzte. Besonder« lall liw das Schlagzeug heroorgetan haben...-» I ll s> z Nr. 358 48. Jahrgang Montag 3. August 193! Ein Halbdieselmotor tür Flugzeuge Das europäische üroJjkraftnetz Schon seit geraumer Zeit mird daran gearbeitet, das Diesel- prinzip auch im Flugmotorenbau zur Anwendung zu bringen. Die Arbeiten haben in der letzten Zeit gute Fortschritte gemacht und teilweise recht zufriedenstellende Ergebnisse im praktischen Flugbetrieb ergeben. Gewifl ist man noch nicht so weit, den Dieselflugmotor in den regelmäßigen Flugdienst einzustellen Immerhin werden auch in dieser Richtung Versuche angestellt, um weitere Grundlagen für die künftige Entwicklung zu erhalten. Interessant ist da ein neuer, jetzt in der Schweiz gebauter H alb die selm ot or, von dem Deutschen Dr. Hansen konstruiert, der zur Verwendung für kleine Sport- und Touren- flugzeuge bestimmt ist. Wie shon aus der Bezeihnung„Halbdiesel" hervorgeht, handelt es sih bei diesem neuen Motor um keine ausgesprochene Rohölmashine, vielmehr um einen Motor, der, sofern er warm geworden ist, Petroleum und die üblichen Dieselöle verarbeitet. Die konstruktive Durhbildung dieses Motors ist reht interessant. Bei dem Statax ,,S 3" handelt es sih i?' um einen luftgekühlten Dreizylinder von 80 mm Bohrung, 80 mm Hub und 1200 com Zylinderinhalt. Der Motor ist ein hohverdihteter, nah dem Einspritzverfahren arbeitender Zweitakter mit reiner Luftspiilung. Mittels eines kleinen Kompressors wird der Brennstoff mit Luft in jeden Zylinder unter verhältnismäßig geringem Druck mährend des Verdihtungshubes eingeblasen. Jeder Zylinder bildet gemeinsam mit dem Ein- blaskompressor zusammen ein vollständiges Kraftaggregat. Angelassen wird der Motor mit Benzin, nahdem er einige Minuten gelaufen und warm geworden ist, genügt zu seinem Betrieb einfahes Lampenpetroleum oder alle Arten von Dieselölen. Die Zündung erfolgt dann selbsttätig durh einen im Kompressionsraum auswehselbar angeordneten Glühpunkt. Sobald die Selbstzündung in Funktion tritt, mird die Motordrehzahl um 5 Proz. gesteigert. Die mit drei Ringen versehenen Kolben bestehen aus Silumin. Die Kurbeln und Kolbenbolzen aus Chromnickelstahl sind nitrier gehärtet. Die Kurbeln, Kolben und Pleuelstangen sind nadelgelagert, während die Luftshrauben- welle in Kugellagern läuft. Die Getriebezahnräder befinden sih dauernd im Oelbäd. Bei 1200 ininuilihen Umdrehungen der Propellermelle leistet der Motor 40 fS. Die Leistung kann vorübergehend auf 45 bis 50 PS gesteigert werden. Das Gewiht des kompletten Motors beträgt 68 kg(1,7 kg/PS), Im Normalbetrieb weist er einen Brennstoff oerbrauh von etwa 210 gjPSjSt und einen Oel- perbrauh von etwa 20 g/PS/Si auf. Absolute Betriebssiherheif, gleichförmiges Drehmoment, geringer Brennstoff oerbrauh und verminderte Brandgefahr sind die besonderen Vorzüge dieses neuen Morlors, I ntz Wittckind. Mullbinden als Elektroden Das Schoopsche Metallspritzoerfahren hat jetzt eine neu« Anwendung gefunden und zwar im Dienste der Medizin, wie in der Frankfurter wissenschaftlich-technischen Wochenschrist„Die Umschau" mitgeteilt wird. Bekanntlich können elektrische Wechsel- ströme von sehr hoher Wechselzahl, eine Million und darüber in der Sekunde, durch den menschlichen Körper geleitet werden, ohne daß dieser irgendwelche elektrischen Reizerscheinungen spürt und ohne daß irgendwelche Schädigungen entstehen. Ströme von hoher Spannung und großer Stärke, die in anderer Form sehr schädlich, ja lebensgefährlich wirken, können bei so hoher Wechselzahl ganz unbedenklich durch den menschlichen Körper geschickt werden. Hier- auf beruht ihre Anwendung in der Medizin. Sie werden dort Diathermieströme genannt, weil der größte Teil de, Stroms in die Tics« dringt und sich aus seinem Wege in allen durchslossenen Ge- weben in Wärm« umsetzt und so den Körper innerlich durchwärmt. Eine üble Nebenwirkung ist aber, daß bei lockerem Anlegen und schlechter Befestigung der Elektroden schmerzhafte Verbrennungen der Haut entstehen, was man durch mannigfache Abänderung der Form der Elektroden zu vermeiden gesucht hat. ohne doch den ge- wünschten Zweck, das glatte Anschmiegen der Elektroden an die Haut, völlig zu erreichen. Nun sind Dr. M. U. Schoop und Dr. med. 0. v. Ries gelegentlich einer Unterhaltung über diesen Uebelstand auf den Gedanken gekommen, die Binden, mittels deren die ge- bräuchlichen Elektroden an den verschiedenen Körperteilen befestigt werden, selbst zu Elektroden zu machen, indem inan sie durch das Schoopsche Verfahren metallisiert. Bei diesem Verfahren wird Metall, das durch starkes Erhitzen flüssig geworden ist. aus der Metallspritzpistole in überaus feiner Zerstäubung auf den zu metallisierenden Stoff(Zelluloid, Papier. Textilgewebe u. d-rgl.) ge- spritzt. Di« äußerst seinen Metallteild,en dringen hierbei in das Innere de» Gewebe» und überziehen jede einzelne Faser, die da- durch elektrisch leitend wird. ätrom in allen Staaten für alle Staaten Das Internationale Arbeitsamt hat den Bau des europäischen Großtrastnehes in das Programm zur internationalen Dekämpsung der Arbeitslosigkeit ausgenommen. Der von Dr.-Jng. Oliven der Weltkrastkonserenz in Berlin unterbreitete Vorschlag eines europäischen Grohkraft- netzes gehört zu den bemerkenswertesten Resultaten der Forschung auf dem Gebiete der Energieversorgung. Der Vorschlag behandelt die Verbindung aller europäischen Länder durch ein einheitliches Großkraftnetz, das den Austausch und die Verteilung elektrischer Energie zwischen den Ländern ermöglichen soll. Die Weltkonserenz hat diesem Vorschlag größte Aufmerksamkeit gezollt. Gegenwärtig ist die Versorgung mit elektrischem Strom auf die einzelnen, durch politische Grenzen voneinander abgesperrten Länder beschränkt. Nach unseren heutigen Vorstellungen— ein unrationeller Aufbau, er entspricht aber der historischen Endwicklung der Staaten und der Wirtschastskräste. Mit der zunehmenden Bedeutung der Weltwirtschaft als Wirtschaftsform für die europäischen Länder werden Austausch und Ausgleich von elektrischer Energie über die Grenzen hinaus zu der gleichen Notwendigkeit, wie der Austausch anderer Güter. Wo liegen die Schwierigkeiten? Eisenbahn, Post, Telegraph, Telephon, Radio beweisen, daß ein« Verbindung der Länder sich erreichen läßt, und daß die finanzielle Abrechnung der Kostenanteile zur Zufriedenheit aller Beteiligten organisiert werden kann. Don technischer Seite besteht gleichfalls die Mögiid)keit, ein Europanetz zu schaffen, nachdem 200 000 Volt Uebertragungsspannung bereits gebräuchlich sind und Leitungen für die doppelte Spannung gebaut werden können. In geringem Umfange ist der Energieaustausch zwischen einzelnen Ländern bereits in Vorbereitung, und in den Ländern selbst erfolgen Zusammenschlüsse von Landesnetzen zu größeren Systemen zur gegenseitigen Auahilfe und zur Erhöhung der Wirtschaftlichkeit der Anlagen. Di« Idee der Gemeinsamkeit der elektrischen Energie hat festen Boden in der Wirklichkeit. Die Schwierigkeiten liegen vorwiegend auf politischem Gebiet. Für das großartige Projekt fehlt vorläufig die gesichert« international« Basis einer zuverlässigen Verständigung. Es ist aber zu hoffen, daß die nächste Zukunft dem Projekt die Wege ebnen wind. Der Olioensche Plan eines europäischen Krastnetzes sieht fünf Großkraftlinien vor: drei verlaufen von Norden nach Süden, zwei von Osten nach Westen. Von den Nordsüdlimen führt die eine in etwa 3000 Kilometer Weg von den Wasserkrösten Skandinaviens über Hamburg. Berlin, das mitteleuropäische Braunkohlengebiet zu den Wasserkräften der Hochalpen und, der Brennelstraße folgend, nach Italien, wo die Kohlenkrastwerke in Genua vergrößert werden. Die zweite Linie(etwa 8100 Kilo. meter) sieht in Calais ein großes Kohlenkraflwerk vor(Kohle aus England, Nordfrankreich und Belgien mit billiger Fracht) und geht von dort über Paris zu den Wasserkräften im Rhonegobiet und weiter zur Mittelmeerküste und nach Spanien. In Saragossa findet sie Anschluß an Wasserkräfte und geht dann nach Madrid und Lissabon, das für europäische Kohle günstig liegt. Für die dritte Linie ist folgender Weg gedacht: Von Warschau über das deutsch-polnische Kohlenzebiet durch die Tschechoslowakti nach Wien und über die österreichischen Wasserkräfte nach Jugoslawien, wo die Wasserkräfte an der Dalmatischen Küste einverleibt werden. Länge etwa 1500 Kilometer. Die beiden Ostwestlinien kreuzen alle Nordsüdlinien und sind an diese angeschlossen. Sie verlaufen folgendermaßen: Die eine setzt im deutsch-polnischen Kohlengebiet ein, eventuell mit An- schluß an das galizische Endöl. geht über die niederschlesischen Kohlen- selber zur mitteldeutschen Braunkohle bei Halle und weiter nach Westdeutschland, über das Ruhrgebiet und nach Paris. Die Linie ist 1200 Kilometer lang. Die andere, von 3000 Kilometer Länge, beginnt in R o st o w im Donez-Kohlengebict, benutzt die Dnjepr- Wasserkräfte bei Alexandrowsk und läuft nach Odessa, wo sie in einem zu errichtenden Großkraftwerk für kaukasisches Oel Unterstützung findet. Der Weg führt dann über das rumänische Evdölgebiet, in Bukarest kann eine Energielieferung nach Bulgarien und nach der Türkei abgezweigt werden. Weiter geht es zu den Wasserkräften der Donau am Eisernen Tor, über Budapest, Wien, die Alpen und endet bei Lyon an der linken Nordsüdlinie. In diesem Netz soll die elektrische Energie als Drehstrom von 400 000 Volt Spannung transportiert werden. Jeweilig wären Leistungen von 450 000 Kilowatt auf 1000 Kilometer Entfernunz zu übertragen. Di« für das europäische Netz erforderlichen finanziellen Mittel sind— gemessen an den Vorstellungen eines einzelnen Landes— natürlicherweis« sehr groß. Der Bau der Leitungen, der Phasen- schieberstotlonen und der Umspannwerke zu den Landnetzen er- fordert annähernd 2 Milliarden Mark, dazu kommen die Kosten des Kapitaldienstes, die Betriebs- und Unterhaltungskosten und die Kosten der Ueb«rtragungsverluste. Dr. Oliven holt aber eine inter- europäische Anleihe mit CA Proz. Verzinsung einschließlich Amorti- sation für möglich und errechnet bei 5000 Benutzungsstunden im Jahr die Kilowattstunde an den Anschlußstellen der Bezirksnetze alles in allem mit 1,5 bis 1,6 Pfennig, was eine«norm« Verbilligung des elektrischen Stromes bedeutet und allein schon die Verwirklichung des Planes rechtfertigen würde. Die übrigen Dorteile des Europanetzes können des Raumes wegen hier nur angedeutet werden. Alle vorhandenen Kbaftquellen werden in das Netz einbezogen, brachliegende werden mit Leichtigkeit angeschlossen, von jeder Stelle des Netzes kann an jede andere Energie abgegeben werden, der Ausgleich ist vollkommen, die Be- lastung kann stet» reguliert werden, die Spitzenleistungen abgeflacht, die Benutzungsdauer der Höchstleistung erhöht werden u. a. m., was zum höchsten Grade der Wirtschaftlichkeit in der Energieerzeugung. Verteilung und Verbrauch führen wird. Ing. S. Micfaelson. Technisches Allerlei Wie man früher Messing machte Die Messingherstellung, wie wir sie heute kennen, Ist gerade 150 Jahre alt. Ein Engländer, James Emerson, erhielt am 13. Juli 1761 ein Patent auf das Zusammenschmelzen von Kupser und metallischem Zink zum Zwecke der Messinggewimmng. Obwohl Kupser-Zinklegierungen schon im Altertum bekannt waren, wie Untersuchungen von Münzen aus der Zeit Kaiser Neros und Hadrians gezeigt haben und auch das bereits von Plinius mit Oreichalkos und Aurichalcum bezeichnete Metall eine solche Legi«- rung gewesen sein soll, wußte man nichts vom metallischen Zink. Zinkerze, hauptsächlid? kohlensaures Zinkoxyd, gewöhnlich Galmei genannt, waren der Stoff, der, in zerkleinertem Zustande, zu 5 Teilen unter Zugabe von 2 Teilen Kohlenstaub mit 3 Teilen ebenfalls zerkleinertem Kupfer in tönernen Tiegeln zusammenge» schmolzen wurde. Der Zusatz von Kohl« bezweckt, das Zinkoxyd zu reduzieren, d. h. Ihm den gebundenen Sauerstoff zu entziehen, so daß sich in der Schmelz« metallisches Zink bildet, das mit dem Kupfer eine Legierung eingeht. Nach etwa zwölfstündiger Schmelz- dauer wurde da« Metall in ein« vorher angewärmte Sandgrub« vor dem Ofen ausgegossen und gleich nach dem Erstarren, in noch heißem Zustande, zerschlagen. Da» so gewonnene Stückmessing oder Rohmessing mit etwa 20 Prozent Zinkgehalt kam in den Handel und wurde von den Gclbgießern je nach Bedarf ein zweites Mal mit altem Messing oder Messingabfall unter Zusatz von Kupfer und Kohlenstaub zu der gerade benötigten Legierung zusammen- geschmolzen. Bekannt ist ein„Messingwerk" des Nürnberger Eras- mu» Ebener in Goslar um 1550, ein anderes in Reichraming(Ober- österreich) um 1600 und die Gründung eines Messingwertes in Bristol im Jahre 17("2. E. H. Geschweifte Metalle Auf geäußerte Wünsche aus der Industrie hin wurde im Ver- ein Deutscher Ingenieure vor sieben Iahren eine Organisation ge- bildet, die die beim Schweißen von Nichteisenmetallen auftretenden wissenschaftlichen und technischen Fragen näher prüfen und erforschen sollte. Vor einigen Tage wurde aus den einzelnen Abteilungen über die beim Schweißen von Kupfer, Nickel und Aluminium erzielten Fortschritte berichtet. Oberbaurat Weese von der Reichsbahn führte über die Kupserschweißung aus, daß sie zu- kvlge der starken Wärmeleitung des Kupfers ein besonderes Gepräge hat, die Flamme muß dem Kupfer von beiden Seiten zugeführt werden. Ferner hat geschweißtes Kupfer nur eine geringe Festigkeit/ die sich aber durch Hämmern sehr beträchtlich steigern läßt. Im Be- triebe oerändert sich das Kupfer und auch seine Schweißbarkeit: es wäre daher wünschenswert, die Schweißbarkeit von Kupferstäben verschiedener Herkunft näher zu erforschen und ebenso die Berände- rung der Schweißbarkeit des Kupfers durch die Feucrgaie. Die jetzt vorliegenden Erfahrungen mit geschweißten Feuerbüchsen sind so gute, daß man unbedenklich sagen kann: Die Zeit scheint gekommen, die genieteten Feuerbüchsen ganz zu verlassen und als durch die Technik überholt zu bezeichen. Ein zweites großes Anwendungs- gebiet der Kupserschweißung ist der chemische Apparatebau. Auch hier ist man jetzt dazu übergegangen, bei Ausbesserungen mangcl- hafte Nietnähte zu ersetzen. Ein Bedenken ist freilich, daß man sich hierbei weniger leicht wie bei Nietnähten von der Güte der Arbeit des Schweihers überzeugen kann und daher ein sehr gut ausge- bildete, zuverlässige, Personal braucht. Doch gibt die Röntgenunter» suchung ein gutes Mittel zur Nachprüfung. Auch von der Verwcn- dung geschweißten Nickel» und geschweißten Aluminiums im Apparatebau konnte Günstiges berichtet werden. In der chemischen Industrie hat sie bereits einen großen Umsang angenommen und nimmt noch beständig zu. Lt. „Festcllan" statt Porzellan Seit zwei Jahrzehnten wird das Kunstharz in der Elektro. technik als vorzügliche» Isoliermaterial verwendet. Doch erst seit dem Kriege ist«ine eigene, Kunstharz herstellende und verarbei. tend« Industrie geschassen worden, die zur Zeit in voller Entwick- lung ist. Sie begnügt sich heute nicht m»hr mit der Anwendung dieses vielseitigen Material» in der Elektrotechnik, sondern erobert sich ständig neu« Gebiete. In der allerletzten Zeit hat sie sich nun auch dem Sport und dem Haushalt zugewandt. Farbenprächtige, formschöne Teekannen, Tassen, Vasen, Ascher usw. werden aus Kunstharzpreßmaterial hergestellt, ansprechend durch die glatte, glänzend« Oberflä-he, hygienisch, da leicht zu reinigen(es ist Hitze-, wasser- und säurebeständig) und infolge seiner Bruchsestigkeit sür diese Zwecke besonders geeignet. Aus der letzteren Eigenschast er- klärt sich sein Name„Festellan"(im Gegensatz zum Porzellan!). Totsädilich kann man einen Gegenstand aus Festellan ohne Be- denken zu Boden fallen lassen, was bei Wodzenend- und Auto- fahrten, im Boot, im Zeltlager, aber auch im Garten, in Kinder- Heimen und Jugendherbergen sehr angenehm„auffallen" wird. Festellan wird au» Phenol(Karbolsäure) und Formaldehyd her- gestellt. Der spröde, bernsteingelbe Harz hat die Eigentümlichkeit. in der Wärm« erst zu schmelzen, bei weiterer Erhitzung jedoch in ein unschmelzbares, unlösliches Produkt überzugehen. Das Kunst- harz wird fein gepulvert, mit Holzmehl oder Asbest oermischt und mit Farbstoffen versehen, in erhitzte Stahlformen gebracht und unter hohem Druck gepreßt. Das Preßstück verläßt mit bereits hochglänzender Oberfläche, vollkommen fertig, die Form»nd mir der Prehgrat muß noch entfernt werden. vom Kampf gegen die Rundfunkstörungen. Der Stadtrat der bayerischen Stadt Regensburg hat beschlossen, In Zukunft die Ge- nehmigung von Lichtreklameanlagen von der Bedingung abhängig zu machen, daß durch sie der Rundfunkempfang keine Störung er- leidet. Hunderttausende auf der Avus Carraciola(Mercedes-Benz) siegt mit 1S7 Stundenkilometern Hach fünf Jahren auf der Berliner Avus-Bahn das erste grohe Autorennen. Bei dem schönen Sommerwettcr gab es eine wahre Völkerwanderung nach der Rennstrecke, die aus allen plähen dicht beseht war, und, da der Ueberschuh den Notleidenden Berlins zuflieht, durfte eine recht nette Summe der Wohltätigkeit übermittelt werden können. Leider lieh die Disziplin des Publikums zu wünschen übrig, mehrfach wurden die Absperrungen durchbrochen, so dah die Abwickelung des Programms erhebliche Verzögerungen erfuhr. Die Einleitung besorgten die Wagen bis 730 Kubikzentimeter Zylinderinhall, die 96,096 Kilometer zurückzulegen hatten. Neun Maschinen gingen aus die Reise, durchweg DKW. und BMW. und es gab dann auch einen spannenden Zweikamps zwischen dem DKW.-Frontantriebswagen des Berliners Gerhard Macher und dem BMW. von Bobbi) Kohlrausch-Eisenach. Beide lagen ständig dicht zusammen an der Spitze, der besser aus der Strohe liegende DKW. holte in der Nordschleise stets einige Meter Borsprung heraus. Kohlransch hatte seinen Konkurrenten kurz vor dem letztmaligen Ein- biegen in die Nordschleise zwar erwischt, siel aber in der Kurve wieder zurück und mußte Macher einen glatten Sieg mit etwa 20 Meter Dorsprung überlassen. Beide fuhren den sehr anständigen Durchschnitt von über l19 Stundenkilometer, für die kleinen Motoren eine ganz Heroorragende Leistung. Anton Bauhoser-München, eben- falls aus DKW.-Frontantrieb, belegte einen achtbaren dritten Platz vor Rötinger-Schleiz aus BMW. und szippoldsteiner-München aus DKW. Das zweite Rennen für Wagen über 750 bis 1300 Kubikzentimeter Zylinderinhalt nahm einen recht verheißungs- vollen Beginn. Bon den Gemeldeten fehlten zwar Bolkhart-Düssel- darf, Burggoller-Berlin, Graf Arco-Zinneberg, Graf Lurani-Jtalien und Rndolf Steinweg-München, so dah insgesamt sieben Bugatti, je zwei Salmson und Amilcar ins Rennen gingen. Es gab aber von Beginn an scharfe Positionskämpse zwischen den vier Bugattifahrern Brudes-Breslau, Lewy-Drcsden, Ollendorf-München und Seidel- Berlin. Die Führung wechselte mehrfach, bis zwei Runden vor Schluß Brudes wegen Motorschaden ausscheiden mußte. In der 9. Runde folgten Ollendorf und Seidel seinem Beispiel, so daß L e w y zu einem mühelosen Erfolg kam, der sein Pensum mit dem famosen Durchschnitt von 130,4 Stundenkilometer erledigte. Bon den übrigen beendete nur noch der Franzose Decaroli aus Salmson das Rennen, die Ausfälle waren hier also außerordentlich stark. Zu einer Rekordsahrt wurde das abschließende Rennen der großen wagen über 294,426 Kilometer. Schon in der ersten Runde sonderten sich Caracciola, Stuck(Mercedes-Benz) und v. Morgen (Bugatti) vom Felde ab. Im 190er Tempo jagten die drei um die Bahn. Aber bereits nach zwei Runden mußte Stuck beide Hinter- reifen wechseln, wodurch er kostbare Zeit verlor. In der dritten Runde nahm Caracciola dem führenden von Morgen die Spitze ab. Der Berliner gab sich aber nicht so ohne weiteres geschlagen und folgte Caracciola dicht auf den Fersen. Stuck hatte in der achten Runde erneut Reisenschaden und als ihm eine Runde später der Kühlwasserschlauch am Motor brach, gab er das Rennen aus. In- zwischen tobte der Kampf zwischen Caracciola und von Morgen weiter, während sich hinter ihnen das Feld schnell lichtete. Kotte- Dresden(Maserati), Burggaller-Berlin(Bugatti), Prinz zu Meinin- gen(Bugatti) und Winter-Berlin(Mercedes-Benz) wurden durch Defekte aus dem Rennen geworfen. Auf halbem Wege hatten die beiden Führenden alle anderen Fahrer überrundet. In der zwölften Runde ereilte von Morgen das Geschick in Gestalt eines Reifen- schadens und so war Caracciola seinen schärfsten Konkurrenten los. Trotzdem verminderte er sein Tempo aber kaum und beendete das Rennen mit dem fabelhaften Durchschnitt von mehr als 180 Stunden- kilometer als überlegener Sieger vor v. Morgen und v. Brauchitsch. Ergebuiffe: Rc»n?n I: Bis 750 com, 96 696 Kilometer: 1. Mocher.Perlin lDKW. Frontantrieb): U,4(130,'i4 Etuiiitnlilometet); 2. koblrausch. Eisenach «BMW.» 49: 16; 3. Lauhoser-Mtinchen lDKW. Frontantrieb) öo: 36.8; 4. Rö- tinger-SchleE lBMW.)) ö. Hivpaldsteiner-MUnchen lDKW.)-— Rennen II: Bis lövo emn, 196,561 Kilometer: l. Lewn-Dresden lBuaatt!) 1; 18: 26(130,4 TW». denliloincter); 2. BecaroU-Frankreich(Salmson) 1: 23: 28,6.— Rennen III: Heber 1500 com, 294.426 Kilometer: 1. Rudolf Caraccm'a.Derlin(Mercedes-Ben») 1: SS: 07.6(186 Etunbenkilometer); 2. v. Morgen.Berlin(Bugatti) 1; 39: 49,8; 3. o. Brauchitsch-Bcrchtesgaden(Mercedes-Benz) 1: 42: 32,2. Das Polizei-Sportfest Wenn ein Verein ein Jubiläum feiert, und im Rahmen dieses Jubiläums mit Kämpfen aufwartet, die großen Erfolg versprechen, so ist es in der heutigen schweren Zeit außerordentlich zu begrüßen. Leider hotte der Polizei-Sportverein mit seiner gestrigen Veranstaltung reichlich Pech. So zeigte sich die Verpflichtung der Wiener A d m i r a- M a n n s ch a s t als nicht sehr glücklich. Man erwartete eine technisch gut durchgebildete Mannschaft zu sehen und sah eine Elf, die es anscheinend nur aus die Gesundheit der gegnerischen Mannschaft abgesehen hatte. Die Herausstellung des Halbrechten im Spiel gegen Tennis-Borussia hätte schon im ersten Kamps gegen die Polizei vorgenommen werden müssen. - Der Verlaus des Turniers ist kürz solgeiider: Den Ansang machen die Polizei und Sl d m i r a. Trotz Ueberlegenheit der Wieftxr ist der Halbzcitständ 0 l 0, Gleich zu Beginn der. zweiten Hälfte können die Wiener den ersten Treffer buchen. Die Polizei hatte wohl Gelegenheit, den Ausgleich zu erringen, der Sturm war aber zu unentschlossen. Admira gelang es dagegen, den sehr un- sicheren Torwart der Polizei noch zweimal zu Ueberwinden. Resultat; 0; 3. Eckenverhältnis: 1: 5. Hertha-BSC. gegen Tennis-Borussia. Die beiden Meisterschaftsrivalen lieferten sich einen Kampf, der von Beginn an auf Sieg eingestellt war. Die Hcrthaner konnten in der achten Minute mit 1:0 in Führung gehen. In der elften Minute hotten die Börussen eine glänzende Ausgleichmöglichkeit verpaßt. Nach der Pause wurden die Borussen immer eifriger. In der dritten Minute gelang es dann, eine sehr gut eingegebene Ecke zum Ausgleich zu verwandeln. Sechs Minuten später verwirkte die Tennisoerteidigung einen Elfmeter, der vom Torwart aber blendend abgewehrt werden konnte. Kurz vor Schluß konnte Hertha dann noch einmal er- folgreich sein. Resultat: 2:1. Ecken: 1:2. Im dritten Spiel standen sich Admira und Hertha gegen- über. Für die Berliner galt es, die am Sonnabend bezogene Nieder- läge auszugleichen. Wenn es trotzdem nur zu einem Unentschieden reichte, so lag es an dem Hertha-Sturm, der hauptsächlich in der zweiten Halbzeit etwas zerfahren spielte. Das Resultat van 1: 1 stand bereits bei Beendigung der ersten Spielhälfte fest. Ecken: 2:0 für Admira. In dem nun folgenden Tressen zwischen Admira und Tennis- B o r u s si a zeigten sich die Wiener von der schlechtesten Seite. Sie spielten nach dem Grundsatz: erst der Mann und dann der Boll. So kam es dann auch in der zweiten Halbzeft zur Herausstellung eines Wieners. Di« Borussen lieferten ein technisch schönes und fließendes Spiel, dem der Erfolg auch"ftichi versagt blieb. In der 16. Minute rutschte dem Wiener Torwart der Ball aus der Haftd und rollte ins Netz. In der 19. Minute wurde Borussias Linksaußen sehr unfair gelegt. Der verhängte Elfmeter wurde mit Bombenschuß eingesandt. Resultat: 0:2. Ecken 1: 0. Einen torlosen Kampf lieferten sich Tennis und die Polizei. Bei Tennis macht« sich eine leichte Ermüdung be- merkbar, wogegen die Polizei mit dem gleichen Elan verteidigte und angriff. Trotzdem blieb es bis zum Schluß 0: 0. Ecken: 2: 1. Der schönste Kamps des Tages war die Begegnung zwischen Hertha und der Polizei. Beide Mannschaften befleißigten sich einer sehr fairen Spielweise. Wenn die Herthaner hier mit 4: 2 Sieger blieben, so sind die Leistungen der Polizisten darum nicht geringer zu bewerten. Mit diesem Abschluß wurde aber der schlechte Eindruck von Admira zum Teil verwischt. Sieger des Turniers blieb Hertha mit 4 Gewinnpunkten. Tennis und Zldmira erzielten je 3 Punkte, während die Polizei sich mit 1 Punkt begnügen mußte. �eicKtatKIetik-MeisterseKaften Jonath schlägt Körnig/ Hirschfeld schafft 1 5,56 m Dem zweiten Tag der deutschen Leichtathletikmeisterschasten der Männer im Deutschen Stadion Berlin-Grunewald war er- wartungsgemäß ein weitaus größerer Erfolg als dem Vortage be- schieden. Trotz der fühlbaren Konkurrenz der Automobilrennen aus der Avus wohnten den Ereignissen etwa 15000 Zuschauer bei. Be- merkt sei vorweg, daß die Leistungen in den Lauswettbewerben hinter den in den technischen Uebungen fast ganz allgemein zurück- blieben. In der ersten mit Begeisterung ausgenommenen Entschei- dung des Nachmittags, dem 800-Meter-Lauf, gelang es Dr. Peltzer zum vierten Male Meister zu werden. Die Zeit von 1:58,9 ist recht mäßig und illustriert den Verlauf des Renncns. Im 5000-Meter- Laus enttäuschten der Titelhalter Helber und der Hannoveraner Petri. Der Stuttgarter gab aus halbem Wege aus. Nach 3 Kilo- meter waren nur noch Petri, Schaumburg, Syring und Diekmann im Rennen. Zum Schluß zog Schaumburg(Oberhausen) von Petri weg und gewann leicht. Das Hochspringen enttäuschte, denn keiner der Bewerber kam über 1,86 Meter. Im Stechen übersprang der Stettiner Köpke 1,90 Meter, der Turner Bornhosst(Limbach) 1,88 Meter Dritter wurde Betz(Berlin). Im Kugelstoßen war Hirschseld eine Klasse für sich, er schaffte mit 15,56 Meter seine beste diesjährige Leistung. Den Weitsprung gewann der Kölner M ö l l e mit der sehr guten Leistung von 7,47 Meter, er ließ den vorjährigen Meister Köchermann(Hamburg) knapp hinter sich. Dos neu in das Programm aufgenommene Schleuderballwerfen gewann der Kieler W e g e n e r mit dem guten Wurf von 68,53 Meter. Im Speerwersen verteidigte Mäser seinen Titel mit Erfolg. Der Königsberger schaffte 63,65 Meter, ihm zunächst kam der Turner Dinkler(Heidelberg) mit 61,62 Meter vor dem deutschen Rekord- mann Weimann(Leipzig) mit 61,34 Meter. Mit großer Spannung sah man dem Duell zwischen Körnig und Jonath im 200-Meter- Laus entgegen. Es war die ganze Gerade heraus ein erbitterter Kamps zwischen den beiden alten Rivalen, den der aus der Außen- bahn gelaufene Jonath mit kaum sichtbarem Vorsprung'ür sich entschied. Jonath wurde also D o p p e l m e i st e r. Die Zeit von 22,2 ist nicht besonder» gut, hat auf der schweren Bahn auch nicht viel zu besagen. Im 400-Meter-Hürdenlaus konnte der Zehlendorfer Schumann seinen Titel in 56,1 erfolgreich verteidigen. Er ge- wann knapp gegen den Düsseldorfer Kürten. Einen w ikungsrollen Abschluß erhielten die Meisterschaften mit den Staffeln über 4X100 und 4X400 Meter. In der Sprinterstassel sah es lange noch einem Sieg des SC. Charlottenburg aus. Körnig hatte seinem Verein einen guten Vorsprung gesichert, der letzte Wechsel ober verdarb olles, so daß die gut wechselnde Mannschaft von Eintracht- Frankfurt, die in der Besetzung Eldracher, Welscher. Mährlein, Geerling lies, den Charlottenburgern Sieg und Titel entreißen konnte. Die Zeit ist mit 41,7 für die schwere Bahn ausgezeichnet. Schon in den Vorläusen zur Staffel über 4X100 Meter gab es einige Ueberraschungen, so blieb der Berliner Sport-Club hirter Kölner BC. und Phönix-Karlsruhe. der SC. Eharlottenburg hinter Preußen-Stettin und Stuttgarter Kickers. In der Entscheidung ge- lang es dem Hamburger Sportverein mit der Mannschaft Henne, v. Eberstein, Schein, Wicnecke seinen Titel nach scharfem Kamps mit dem SB. Zehlendors erfolgreich zu verteidigen. Zieht man die Gesamtbilanz der beiden Tage, so hat West- deutschland am besten abgeschnitten. Von den 22 Titeln sielen sechs nach Westdeutschland. Fünf Meisterschaften eroberte sich Branden- bürg, nach Norddeutschland gingen vier, nach Süddeutschland drei. Mitteldeutschland und der Baltenverband hatten Zwei Erfolge zu oerzeichnen. Ringkampfe im Lunapark Kley besiegt Favre Der Internationale Ringer-Verband veranstaltete am Sonntag seinen zweiten Kompfabend im Lunapark und auch diesmal mit gutem Erfolg. Diese einmaligen Matchkämpse haben sehr schnell ihre Anhänger gesunden. Der Beifall und die an- feuernden Zurufe bewiesen, daß der Ringkampf immer wieder zu begeistern vermag. Im Haupttamps des Abends standen sich die zur Zeit besten Mittelgewichte Kley-Berlin und Favre-Paris aus der Matte gegenüber. Diese beiden glänzenden Techniker zogen im pausenlosen Ringen oll« Register ihrer vollendeten Ringkunst, in dem inter- essanten Stand- und Bodenkamps wurden die Zuschauer stets ouss neue überrascht. Der trickreiche Franzose fand in dem Berliner seine wundervoll« Ergänzung, an dessen übergroße Gewandtheit und enormen Können die gewagtesten Angriffe scheiterten. Die ersten drei Gänge blieben völlig offen, erst in einer Zusagrunde konnte Kley seinen Gegner in der dritten Minute mit einem Plötz» lichen Ueberwurf überraschen. Gesamtringzeit: 24 Minuten. Das flotte Ringen Philipp gegen Pietro Scholz-Berlin endete bereits in der 8. Minute mit dem Siege des technisch stärkeren Berliners Scholz, der seinen Gegner mit einem Schultergriff aus dem Stand auf die Schultern zwang. -ARBESTEH TUSSBALL Auswahlspiel in Pankow Der zweite Bezirk l)atte mit seinem Auswahlspiel A gegen B am Sonnabend reichlich Pech. Mußten doch in letzter Minute die Spieler von Adler 08absagen,da ihr Verein bereits am Nach- mittag nach Stettin fuhr, um dort mit dem Ballspielklub und Pomme- rehnsdors Freundschaftsspiele auszutragen. Beide Mannschaften mußten nun mit je 10 Mann das Spiel beginnen. Irgendwie hervor- ragende Leistungen wurden von keiner Seite gezeigt. Im Gegenteil. Beide Mannschaften verließen sich auf Einzelleistungen, die aber nicht von Vorteil waren. Bis zur Pause lagen die B-Leute mit 1:0 in Führung. In der 65. Minute gelang es A den Ausgleich zu erzielen. Als dann von A noch ein Spieler herausgestellt werden mußte, be- hielt B stets die Oberhand, ohne jedoch bei der A-5)intermannschast etwas erreichen zu können. Das Spiel endete mit dem Resultat 1: 1. H a n s a 3 1 weilte mit zwei Männermannschaften bei S ch ö n e- b e r g. Beide Mannschaften mußten eine Niederlage einstecken. Während die erste Mannschaft trog Feldüberlegenheit mft 3:4 ge- schlagen wurde, hatten die zweiten während der gesamten Spieldauer nur wenig zu bestellen. Mit nicht weniger als 8:1 Toren blieben die Schöneberger Sieger.— Lichtenberg I hatte sich die T r e b- b i n e r zum Gegner ausgesucht. Die Lichtenberger mußten hier mit 3:4 die Waffen strecken.— Eiche hatte sich mit der Ib-Mannschast den A S V. Neukölln eingeladen. Die Neuköllner muhten die Ueberlegenheit Eiches mit dem hohen 8: 1-Resultat anerkennen.— Lichtenberg 1. Jugend gegen Luckenwalde II 1:4. Lichtenberg 2. Jugend gegen Nowawes 5: 0. In Falkensse standen sich der dortige Schwimmverein und die Sportobteilung der Kleingärtner-Charlottenburg gegenüber. Im Spiel der zweiten Männermannschaften gewannen die Charlottenburger mit 7: 2(2: 0). Bei dem Spiel der ersten Männermannschaften, das sehr slott begann, waren sich beide Mann- schasten bis zur Pause noch gleichwertig. Den Falkenseern gelaug cs aus dem Gedränge heraus einzusenden und damit in Führung zu gehen. In der zweiten Halbzeit wurden die Kleingärtner über- legener und konnte bald zwei Tore erringen. Aus der Umklamme- rung machten sich jedoch die Falkenseer ollmählich frei und stellten dann auch schnell den Gleichstand her. Einige Minuten vor dem Schlußpfiff hatten die Kleingärtner doch noch das Glück, das Sieges- tor zu buchen._ Neue Jiu'Jitsu- Abteilung in Tegel Am kommenden Dienstag eröffnet die Freie Sportvereini« gNNg'Tegel 1899 e. V. eine I iu-Irt f u- A b te ilu n g, um allen Gelegenheit zu geben, diesen Sport zu treiben. Der Iapa- Nische. Iiu-Iitsu-Ringkampf soll und mutz auch bei uns Volkssport werden, darum helfe jeder an seinem Ausbau. Alle Gewerkschaftler und Parteigenossen melden sich Dienstags in der Oberrealschule (Gras-Rödern-Korso II am Bahnhof Tegel). Die Leitung liegt in den Händen des Genossen Patschondek, welcher zugleich auch Trainer dieser Sparte ist. Am Sonntag, dem 9. August, veranstaltet die Freie Sport- Vereinigung Tegel im Freibad Haselwerder ein Freiluftkampstag im Boxen. Es starten Kämpfer aus Lichtenberg L/F. und Luckenwalde gegen Tegel. Beginn der Kämpfe 3 Uhr nachmittags. Linweibung einer ASB.-Rettungswache Den unausgesetzten Bemühungen der Kolonne Trebbin des Arbeitcr-Samaritsrbundes ist cs gelungen, eine eigene R e t t u n g s» mache erstehen zu lassen. Unter reger Beteiligung der Trebbiner Arbeiterschaft erfolgte Sonntognachmittag die Einweihung des an den Sportplätzen gelegenen schmucken Gebäudes, von dem die Flagge des ASB weht. Nach dem Weiheakt, an dem sich auch Sanitäter vom Roten Kreuz, die Feuerwehr und Vertreter der Stadt beteiligten, wurde das Haus seiner Bestimmung übergeben. Eine öffentliche Besichtigung der aus zwei geräunngen Zimmern bestehenden, mit allen modernen Hilfsmitteln für den Rettungsdienst eingerichteten Wache und Vorführungen praktischer Hilfeleistung schlössen sich an. Die Kolonne konnte auch in den Abendstunden einem verunglückten Fußballsportier die erste 5iilse leisten. Man- dolinen- und Gesangsvorträge der Arbeitervereine umrahmten die Feier. Die Trebbiner Arbeitersamariter hoben aus eigener Kraft etwas geschassen, was sich dem freiwilligen Dienst der Arbeiter- samariter an der Allgeineinheit würdig anreiht. Die wiener Olympiade in wort und Bild. Die soeben er- schienen« Nummer des„K u ck u ck" veröffentlicht eine Fülle Bilder von der großen Wiener Zlrbeitcrsportolympiade. Wir sehen Aus- nähme» von den Sportplötzen, von den Siegern, von dem prächtigen Festzug, der vier Stunden long über die Ringstraß« zog, und van den Verbrüderungsfesten zwischen Wienern und Gästen, die es in dieser Woche der Olympiade so zahlreich gegeben hat. lontifkniKKiB.Di« Rxtuft«»»»»«-, gcnttal- Di«». Acht»»«, Canbtt- fSH««! Eitzung d«r 3iU>r»rsektion M-nlog, 3. Zlugust, 20 Ukr, Iohannioslr. 15. Vortrag: �ujettertunde". Alle Wanbcrfllhrcr erscheinen.— Dienetag, 4. August, 2» Ulli. Abt. Frirdrichsha:»: lsrankfurter All« 3-17:..Militarismus in der üariiatur*, Lichtbilder._ Abt. Friedenau: EruncuxUdsce.— Abt. Humroidi- hain: WillbenoVstr. 5:.Kriza dem Rriege".— Abt. Norden: Eonnendurgcr Etraße 20;.Maxim Illorti(Dr. Schütte).— Abt. Wedbing: Willtenawstr. 5: .Weltcrtund«".— Ab». Oberschönemeibe: Laufen«! Str. 2: Mvnaisversamm» luug.— Abt. Osten: Eberlnstr. 1Z: Geschäftliches. Vortrag:.Di« Rricgs'chuld. Illge".— Abt. Treptow: Epielen Wiese 9 ad 18 Uhr.— Mlitwoch, 5. August 29 Uhr. Iugendgruppe Osten: ssrautfurtcr Allee 307: Wöstmann und drenner".— Daanrrstag, 6. August, 20 Uhr. Abt. Lichtenberg; Gunterftr. 44 Dienstag» ISlü Uhr Etadiou Lichtenberg.— Abt. Ncufölln: V-ergftr. 29: Eesanä und Musik.— Abt. Preu, lauer Derg: Danziger Str. 62. Varackt II: Mitglieder. Versammlung.— Mullkgemeinschafi: 19� Uhr bei W«!ß.'nb«rgcr, Kreiliaroid. straßc 9, v. 1 Tr.— Abt. Eitdwel«: Doeekstr. 11: Gruvptnfragen.«h.-ri.?. gärten: Naben in Plbtzensee.— Ab«. We:K:nsee: Visdoriusstr. 24: Mitälieiierner (ammlung.— Abt. 9t»s:nthaler Vorsladt: Wcinmeislcrstr. I6~n- Grimma ä>i Presse".- Naturkunbliche Ab'cilung: Iohannisstr. 15: Arbeiteahenb'- Mi««: Iohannisslr. 15. �St0 6. auswr i?i(i( Schwimmer Groß. Berlin.«. B. Hauptansschufissguna Dann,-.,.. Str- Fe-blen»« OrgantsgtW Frei« T»,n«rschast Groh-Berlin,«. gz. K,-«, Stralau..., nationalen Wellkämpfe im Vostslabion iällt die am 4. August fäll ü>« Mo Versammlung au«. Nächste Versammlung Dienstag. 1. Sevlemd,? Monat»- Rnderverei- T-llegia,.. V. Dienstaq, 4. August uj Shunof. Treitäg. 7. August, 19% Uhr. Iugendversan�wn�'W�"« �