Morgenausgabe Dienstag s«fif HUI«m rnTTm WWW M Auswärts 15 m einschließlich 60 Pf. PoflAeitungs- und JSSi h=4K W W W W SH // KS j 72 Pf.Posld-slellgebühren. ilu-innd». �MgWg IL_gHB M»W WM MW Wk W» M» HB KB MW f--■%/ fle tlnlpolL OicnparetCejeUt 80 551. »donnement 6,— M. pro Mpnnl; für �KBH f/�MB HB W» �H Hfl En R| KW xi) Bfl ER ✓/ NeNnm-zeile 8,- RM.„meine An. ei-d» mil ermäßigtem Drucksache». BMMW I KW HD HN HS WK 1W» HB VW HH HM DB»eigen" dp- s-Ngedeulkie W°n?p 55s. pprlp S.— M. HZ l FK H R§«WS BM JBIL Hat HB EH HB B/ Zulässig zwei s-Iigedrucki- Wottes. sede, ch HyS||�ffl M HM jHak mnWi t AÄ, Hm �lHH!SKjf weitere Wort 12 Vi. Rndiiti iL Xa>tf. -«.-,pew»n...r,ch-.n. wnchen.»». M Ml MLJ� Ml J/M uCÄrTaS." lütt lSSL22«�?«?HSi0;?* ÄHk // n» IS Buchsiob.n zahlen w, zwe,«°r„. -.»n,-!. di'«�nd<>tl»ga>>« wr»erlw*W/ V/ HW�> ZI— � BN tlrbeitsmorfi Zeil. SO Ps gamilien. 30¥dprnationule in historischer Stunde den Blick in die Zukunft richtete und den Weg praktischer Hilfe wies. In engster Gemeinschaft mit dem I n t e r- nationalen Gewerkschaftsbund hat es die Forde- rungcn zur vorläufigen Hilfe formuliert. Als eine der wesentlichsten ist damit die Forderung der Vierzig- stundenwoche zum Gemeingut aller sozialistischen Par- teien geworden. Sie wird, auch wenn der Tiefpunkt der gegenwärtigen Krise überwunden sein wird, ihren program- matischen Wert behalten. In der Zeit der rafftniertesten Mechanisierung des Arbeitsprozesses bildet die Verkürzung der Arbeitszeit ein notwendiges.Gegengewicht gegen die Folgen maschinellen Schnelloerbrauchs menschlicher Arbeits- kraft. Die Sozialistische Arbeiter-Internationale folgt ihren großen Traditionen, wenn sie die Wunden der Gesellschaft und gleichzeitig die Mittel aufzeigt, die zur Gesundung führen. Deshalb hat sie es nicht bei sozialen Forderungen bewenden lassen. Sie hat vielmehr auf den ungesunden Einfluß der privatkapitalistischen Monopolbildungen hingewiesen und die staatliche Bant- und Monopolkontrollc ge- fordert, was gleichbedeutend ist mit starker Einflußnahme der Gesamtheit auf die wirtschaftliche Entwicklung. Es ist gewiß nur ein zufälliges Zusammentreffen, daß die Wirtschafts not Deutschlands diese Debatten beherrschte. Den Sozialisten der Welt, die politische Demokratie und wirtschaftliche Planmäßigkeit erstreben, ist klar, daß der Ausbruch eines Rades aus dem wirtschaftlicher Getriebe den Zusammenbruch der ganzen Maschine zur Folge haben kann. Sie haben deshalb das Gebot der Stunde wohl verstanden: Wirtschaftshilfe für Deutschland bedeutet Hilfe für die Arbeitsmöglichkeit von Millionen Proletariern hier und in allen europäischen Ländern. Sie würde mehr be- deuten als dies. Sie würde gegen die Wogen des i n t e r- nationalen Faschismus den starken demokratischen Damm stützen, den die deutsche Sozialdemokratie bildet. In klarer Erkenntnis dieser Tatsachen hat der Kongreß sein Per- trauen in die Kampfbereitschaft der deutschen Sozialdemo- kratie bekundet und den Willen zum Ausdruck gebracht, in allen Ländern auf die Regierungen dahin zu wirken, daß notwendige wirtschaftliche Kreditgewäh- r u n g nicht von politischen Zugeständnissen abhängig gemacht werde, die als Erpressung und damit als Gefährdung der friedlichen Entwicklung wirken würden. Der feste Glaube, daß die Sozialdemokratie Deutschlands und besonders Preußens einen festen Wall gegen faschistische Abenteurer bilden wird, soll nicht zu Schanden werden. Der Volksentscheid in Preußen, den die Faschisten eingeleitet haben und den jetzt die Thälmänner zu vollenden hoffen, wird Gelegenheit geben, dieses Vertrauen zu rechtfertigen. Jeder Sozialdemokrat weiß, daß er eine selbstverständliche Pflicht für die Republik und den Sozia- lismus erfüllt, wenn er dem faschistisch-moskowitischen„Volksentscheid" nicht nur fernbleibt, sondern auch dafür sorgt, daß die Beteiligung an ihm so gering als möglich bleibt. Die Niederlage der Faschisten und Bolschewisten bei der Abstimmung über Preußen macht die Bahn frei für ein weiteres vertrauensvolles Zusammenarbeiten der sozia- listischen Parteien in der Internationale und darüber hinaus der Völker, die diesen Kontinent bewohnen! Aaiionale Autarkie. Wir haben sie schon einmal erlebt. Wenn anläßlich der Geldkrise wieder einmal das Schlagwort von der„nationalen Autarkie" umgeht, d. h. von einer unabhängigen Selbstwirtschaft Deutschlands, die jeden Handelsverkehr mit dem Aus- lond überflüssig machen soll, so dürfte sich eigentlich jeder Deutsche über 25 Jahre daran erinnern, daß wir die gesegneten Zeiten der nationalen Autarkie während voller fünf Jahre gehabt haben, nämlich von 1914 bis 1919 einschließlich, als wir durch die feindliche Blockade vom Ausland abgeschnitten waren. Wer diese Zeiten erlebt hat, der weiß, daß sich die nationale Selbstipirtschaft Deutschlands an dem einzelnen folgendermaßen ausgewirkt hat: Hemden aus Papier, in der Wäsche zergehend. Stiesel aus Segelluch, mit Holz besohlt. Abgeschraubte Messingklinten, Fenstergriffe und Ofentüren. Gerste statt Kaffee.. Eichenlaub statt Tabak. Schokolade, Kakao— ersetzt durch..Morgentrank' sun- deftmerbar). Brot(mit Kleie und Kartoffel» gestreckt) auf Karten. Fleisch, Kartoffeln. Eier usw. in ungenügende« Rationen auf Korten. Butter, Margarine dito, von 30 Gramm wöchentlich abwärts. - Seif« ersetzt durch Tow•■' � 00'-.it-. Marmelade aus Fallobst und Röbenabsällen als tägliche? Brotaufstrich...............-—-• Die Liste könnte noch beliebig verlängert werden. Wen es noch diesen Zuständen zurückgelüstet, der trete immerhin mit De- geisterung für nationale Autarkie ein. Zwei Matenalisten. Seeberg und Grimme. Bor dem Deutschen Studentenverband hielt der sozialdemokratische Kultusminister Grimme bei der Verfassungsfeier ein« Rede, in der er u. o. ausführte, daß der„Student ein Schuldner der Nation sei, weil das, was er an Studiengebühren zu zahlen habe, doch nur ein Bruchteil dessen sei, was die Gesamtheit ausbringe, damit er zum Studium Gelegenheit habe.' „Diese materialistische Auffassung von der Dankespflicht des Studenten hat in akademischen Kreisen, wie nicht anders erwartet werden konnte, starkes Befremden ausgelöst', so glossiert diese Fest- stellung der„Lokal-Anzeiger' und veröffentlicht einen angeblichen Gcgenartikel des Theologen Seeberg. Aber Seeberg scheint auch schon vom„Materiolismus der Gegen- wart" angefressen. Er schreibt nämlich:„Der Dank des Studenten wie jedes jungen auf einen Beruf sich vorbereitenden Menschen ge- bührt daher in erster Linie dem Volt, aus dem er hervorgeht, seiner Geschichte mit ihrem Bildungserbe und mit den großen Traditionen des Strebens nach Wahrheit. Dies Volt ist« aber auch, das die Mttel herbeischafft, um dem Studenteu sein Studium zu ermöglich«». So ist der Student freilich auch dafür, daß er studiert, seinem Boll zu Dank verpflichtet. Dieser Dank wird zunächst darin bestehen, daß er wirklich studiert____* Worin besteht denn nun eigenllich der Unterschied der Auf- fassungen? Der ein« spricht von der„Gesamtheit", der andere vom „Volke', der eine vom Studenten als Schuldner der Nation, der andere van seiner Dantespflicht! Vielleicht hat her.Lokal-Anzeiger" die Güte, uns auseinanderzusetzen, warum derselbe Gedanke bei See- berg„idealistisch', bei Grimme„materialistisch" ist. Berliner betrauern Lauras. � Pari». 3. August.(Eigenbericht.) An der Grabstätte von Iaure» im Pantheon»purden am Sonn- tag vormittag von Delegierten des Pariser Bezirksverbandes der Sozialistischen Partei sowie von dem Berliner Bürgermeister Ostrowski im Namen von 33 Berliner Lehrern und Stadtröten Kränz« niedergelegt. Am Nachmittag fand im„Cafe du Croissant". in dem Jaurö» qm Tag« vor Kriegsausbruch ermordet wurde, eine kleine Feier statt.� Bei dieser Gelegenheit wurde ein« Gedächtnis- tafek eingeweiht. cöbc in Budapest. Steichstagspräsidaitt Löb« ist vom Wiener Sozlallstenkongretz kommend in Budapest eingetroffen. Löb« wird in«iner sozialistischen Versammlung ein« Rede halten. Iroktioussitzuag der Deutschen Volkspartei. In der Sitzung der Reichstaasfraktion der Deutschen Bolksportei am Montag erstattete der Bo�itzende. Abgeordneter Dingeldey,«inen Bericht über die politisch««age- Reichsaußenminister Dr. Eurtms berichtete dann üb« die außenpolitische Situation. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Steigbügelhalter der Reaktion. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung", das Organ der Scharfmacher, schreibt über die Beteiligung der Kommunisten am Volksentscheid: „Die Kommunisten begehen eine politische Per- versität, nicht die Rechtsparteien, die sich die kommunistische Unterstützung gefallen lassen. Die Kommunististhe Partei hat offenbar de« Wurrsch, der Steigbügelhalter für eine Rechtsregierung in Preußen zu sei«. Das ist ihre Sache. Wir unterschätzen die Gefährlichkeit der kommu- nistischcn Bewegung keineswegs. Daß aber jemand annehmen könnte, daß die 5)erren Dingeldey, Hugenberg oder Seldte sich zum Kommunismus bekehren oder auch nur mit ihm sympachi» sieren würden, weil die Dritte International« von ihren Anhängern die Unterstützung des preußischen Volksentscheides verlangt, dos scheint uns doch etwas komisch. Einmal angenommen, der Volks- entscheid und die Landtagswahlen würden zu einer Rechtsregierung in Preußen führen: die Situation der Herren Torgler und Genossen wäre nicht gerade beneidenswert." Steigbügelhalter einer Rechtsremerunq in Preußen, und zum Danke dafür vom Organ der Scharfmacher noch ange- spien zu werden— es muß eine Freude sein, Kommunist zu sein! Wofür die kommunistische Partei eintritt. 'IT-Stunden-Tag und 20 Pfennig Stundenlohn. Dieser Tage hielt die Deutsche Volkspartei in Aachen eine Per- sammlung für den Volksentscheid ab. Es war am Freitag, am Abend des gleichen Tages, an dem sich der volkspartei- liche Reichsaußenminister vor ausländischen Journalisten gegen den Volksentscheid aussprach. Einer der Redner in der volksporteilichcn Versammlung war der frühere Reichswehroffizier Oberst a. D. Gilsa- Sterkrade. Er befaßte sich u. a. mit den Kommunisten, die er als„verrückte Hunde" bezeichnete,„deren Hilfe man sich jetzt zwar gefallen lasse, mit denen man aber später noch gründlich abrechnen werde". Nach diesem Fußtritt für Thällnann und Genossen führte der Aachener Stahlhelmführer Dr. Busch wörtlich u. a. folgendes aus: „Man wird, tvenn der volksculscheid gelingt, zu Hunger- löhnen arbeilen müssen. Der Zwölf finndöutag wird Tot- fache uterdikn. Die il r b e 1 t» d l e rrst? f kl ch k wird bis zur letzten Svufequenz durchgeführt. Man wird wieder lernen müssen. Schwarzbrot zu essen. In den Arbettologeru wird man fichmtk Z 0 Zff. Stundenlohn be- gnügeo müssen. Man wird die Männer zur Zwangs- arbeil in die Fabriken führen." Die völlige Rechtlosmachung der Arbeiter- s ch a f t— das ist der Sinn des Volksentscheids vom 9. August. Wer bisher noch daran gezweifelt hat. der dürste durch die dankens- werte Offenheit des Aachener Stahlhelm endlich eines anderen belehrt worden sein. Und in dieser Front zur Rechtlosmachung der Arbeiter stehen mit den Schwerindustriellen von der Volkspartei die Stahlhelm! st cn von der KPD. Heil und Sieg mit Loeffelholz. In der„K r e u z- Z e i t u n g" läßt sich ein gewisser Frei- Herr Loesfelholz von C o l b c r g. Major a. D., aus Fasanengarten bei München oernehmen, der zum prcußi- schen Volksentscheid kommandiert: „Nur der v e r b re ch er isch e M a rxi s mus mit all seinen Auswüchsen hat uns in dieses fürchterliche Chaos gebracht. Nur er, der Vater der verruchten Revolution in Deutschlands schwerster Schicksalsstunde, die einzig und allein aus der sündhaften Machtgier der ihm anhängenden Parteinarren heraus entstand und mit den schamlosen Mitteln des Dolchstoßes verwirklicht wurde, trägt die Schuld an dem, was wir heute er- dulden. Hast du, deutscher Arbeiter, innerhalb der preußischen Grenzpfähle noch nicht genug von der Futterkrippe deiner roten und schwarzen Beglücker? „Nie wird Preußen untergehen, wenn eure Söhne und Enkel euch gleichen!" Damit schloß Blüchers Tagesbefehl an seine Truppen am Tage nach der Schlacht von Belle-Alliance. Und nun, Urenkel und Ururenkcl jener Preußen von Belle- Alliance, zeigt, daß ihr wahre Preußen seid. Ganz Deutsch- lands Geschick ruht in eurer Hand. Niemals gab es eine heiligere, größere Mission. Schafft uns den Sieg, schlagt die erste Bresche in die wacklige Marx! st en- Festung." Drauf, ihr kommunistischen Arbeiter, aus die verbrecherischen Marxisten, drauf wie Blücher aus das rote Gesindel, Loesfelholz ruft! Ihr sollt für Hugenberg sein, was die Preußen bei Waterloo für Wellington waren—„ich wollte, es wäre Nacht, oder die Kommu- nisten kämen!" Die Volkspariei in Nöten. Weder Geld noch Propaganda zum Dolksentschefd. Von volksparteilicher Seite wird uns geschrieben: Die Volkspartei nimmt an dem Volksentscheid teil. Aus Furcht vor der Agitation von Hugenberg und Hitler hat sie in den sauren Apfel gebissen. Also nicht aus Ueberzeugung und nicht aus eigenem Triebe. Das zeigt auch ihr Ausruf, in dem zur Teilnahme am Volks- entscheid aufgerufen wird. Er enthält weder etwas von Kampf- «nffchlossenheit noch verrät er auch nur das geringste Siegesbewußt- fein. Man macht eben mit, lveil man muß und da erzwungene Dundesgenossensthast nie Begeisterung auslöst, wird man von der Volkspartei nicht erwarten können, daß sie sich für den Volksentscheid besonders einsetzt. Sie stellt für die Propaganda weder Geld zur Verfügung noch bringt sie Propagandawateriol zum Versand. Das einzig«, ivas sie tun wird oder beretts getan hat, ist der V e r- fand eines Flugblattentwurfs an die Geschäftsstellen im Lande. Gi e können damit machen was sie wollen. Haben fi« Neigung und Geld, dann können.sie das Flugblatt verbreiten, haben sie weder das eine noch dos andere, und das fft in vielen Fällen der Fall, dann wandert der Entwurf in den Papierkorb. Dies« Einstellung der Zenttolleitung der DVP. kommt nicht von ungefähr. Sie hat chre Ursache mehr noch als in der Geldkalamität in Meinungsvorschiedcnhetten über die Zweckmäßigkeit des Voltsentscheids. Es ist deshalb damit zu rechnen, daß viele Volks- parteiler am Sonntag unter dem gesellschaftlichen Druck zwar zur Wahlurne gehen, aber nicht mit Ja, sondern mit Nein stimmen werden. Knesebeck plauderi aus. Nazis wolle« alle Beamten ohne Ruhegeld entladen. Aus Baden schreibt man uns: Daß ein leibhaftiger Regierungsrat von dem Knesebeck aus Ratingen im Düsseldorfer Landkreis in seinen Versammlungsreden Töne schärfster Art gegen„das heutige System" anschlagen darf, hat uns, wenn wir auch in Baden von den Nazis vieles gewöhnt sind, doch etwas verwundert. Im Reichstags-Almanach gibt dieser nationalsozialistische Reichstagsabgeordncte stolz an, daß er bei der Regierung in Merseburg war, dann Landrat in Eisleben und im April 1928 Regicrungsrat geworden ist. Er hat es also im heutigen System zu etwas gebracht. Wie dankt er es diesem System? Kürzlich sagt er in L a h r in Baden in einer öffenttichen Versammlung: „Deutschland steht mit seinem heutigen System am End« seiner Macht. Der Wille des Volkes w'rd von diesem System mit allen Mitteln unterdrückt. Man hat eben Furcht, daß der Nationalsozialismus in Deutschland zur Staatsmacht kommen werde. Wir lassen die heutigen Machthaber in ihrem Fett schmoren, bis sie gekocht sind. Das Direktorium Brüning-Braun-Geßler ist in Vorbereitung. Wir Nationalsozialisten werden beim Antritt der Macht keinen Vertrag des heutigen Systems anerkennen: wir werden olle für null und nichtig erklären. Die früheren Fürsten- Heraus zum Kampf gegen den Volksbetrug derHitler# Hugenberg undThälmann! Freitag, den Z.August, 20 Uhr Große Versammlungen in folgenden lokalen: Spichernsäle, Kliems Festsäl«, Saalbau Friedriehs- hain, Atlantik-Säle u. Hochschulbrauerei, Seestraße / Redner: &ohm-Schuch, Cri spien, Dittmann, Kern, Kurgaß, Kunstler, Utk«, Otto Maier, Toni Sender und Mothllde Wurm Häuser(auch dos badische) hatten wirklich Verdienste zu oer- zeichnen. Ich frage, wo sind die Verdienst: der Herren Brüning und Stresemann?" In einer Studentenversammlung in Freiburz er- klärte er:„Ich(o. d. Knesebeck) sehe als einzigen Ausweg aus der Krise nur die energische Aufrüstung Deutschlands an. Man muß kämpfen, und fei es auch mit Eichenknüppeln." Den Beamten gab er die echt nationalsozialistische Quittung: „Wenn das Beamtentum an unserer Freiheitsbewegung nicht mitkämpft, hat es auch später kein Recht, von der erkämpften Freiheit zu leben. Das Berufsbeamtentum kann oaim nicht kommen und sagen, das sind wohlerworbene Rechte. wir erkennen wohlerrvorbene Rechte der Beamten nicht an. Wir werden auch die Pensionen abschassen. Wenn der Beamte nach Vollendung des 65. Lebensjahres vom Dienst aus- scheiden muß, wird ihm ein Stück Land zugewiesen. Dort kann er sich dann weiter betätigen, denn wenn der Beamte müßig ist, legt er sich hin und stirbt." Da in Baden bei der letzten Reichstagswohl und auch bei der Gemeindewohl die Beamten in Scharen zu den Nazis übergelaufen sind, haben diese offenherzigen Worte wie eine eiskalt« Dusche ge- wirkt. Jedenfalls hat der Knesebeck in Baden alles getan, um das „heutige System", dem er fem« Existenz und sein Amt verdankt, zu diskreditieren. * / Soweit die Zuschrift. Wir können sie dahin ergänzen, daß besagter Knesebeck bereits seit längerer Zeit vom Amte suspen- d i e r t ist und daß ein Disziplinarverjohren gegen ihn schwebt. Die Mitteilungen über sein Auftreten in Baden wenden für dieses Verfahren nicht ohne Interesse sein. ©ic Tiroler Städte und Kurorte, die durch die Erhebung der Ausreisegebühr besonders schweren Schaden erleiden, haben ein ge- meinsames Schreiben an den Reichspräsidenten von Hindenburg ob- gesandt, in dem sie um die Aushebung der Verordnung ersuchen. In dem Schreiben wird darauf verwiesen, daß das kleine Land Tirol, das durch den Krieg bis zur Lebensunfähigkeit zerstückelt worden ist, numnehr im Neuaufbau und zur Zeit der beginnenden Gesundung durch Einführung der Paßverordnung bis ms tiefft« Lebensmark getroffen und in seiner Existenz schwer gefährdet fei. pilsudfki degradiert politisch. Vor dem Militärgericht in Krakau hatte sich«in Oberleutnant des 73. Infanterieregimentes ,u oer- antworten, weil er wenig« Tage nach der Verhaftung und Inter. nierung Korfontys in Brest-Litowsk in einer Geselllchaff aeäufc�t hatte, dotz die Verhaftung ein« ungesetzliche und ungerechte Handlung Korfanty» sei. Der Oberleutnont wurde verkästet ,1nh noch mehrmonatiger Untersuchungshast vom Gericht degradiert aus dem Offiziertorps ausgestoßen. Nr. 359-» 48. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Dienstag. 4. August 4931 vis Kommunisten schweigen...i StahlheBmentscheid, Stempelstelle und Wohlfahrtsamt. Von einem Arbeitslosen wird uns geschrieben: Wenn politisch irgend etwas los ist, benutzen die Kommunisten sonst immer mit Vorliebe Stempel st elle und W o b l f a h rt s- a m t zu ihrer Agitation. Wer nun geglaubt hätte, daß sie auch diesmal zur Befolgung der Parole ihrer Führer in der„bewährten" Weise an den genannten Stellen die sonst üblichen Agitations- gespräche für den Volksentscheid des Stahlhelms be- ginnen würden, irrt sich sehr. Die kommunistisch gesinnten Arbeits- losen sind diesmal merkwürdig still, und die als KPD.-Agitatoren bekannten Leute schweigen ganz und gar. Das will bei einem Kommunisten sehr viel heißen! Sonst können die Moskau-Anbeter das Maul nicht weit genug ausreißen, aber für den Stahlhelm- entscheid offen zu agitieren, dafür haben sie doch keinen Mut. Wie laut wurde sonst geschimpft, wie wurden die Sozialdemokraten vorgenommen, die sogenannten„Stehkonvente" nahmen überhaupt kein Ende, und wenn ein Sozialdemokrat sich in eine Diskussion einließ, dann gab es„Argumente" noch und noch, um die Sozial- dcmokratie totzureden. Wenn heute die sozialdemokratischen Er- werbslvsen den Stahlhelmentscheid zur Sprache bringen und den Verrat der KPD.-Führer an den Stempelstellen kritisieren, dann wissen die kommunistischen Nachläufer darauf nichts zu erwidern. Sie schweigen, sie müssen schweigen, weil hier auch die dümmsten Argumente versagen. Wenn sie aber reden, dann erklären sie ossen, daß sie sich nicht an dem Volksentscheid beteiligen. Der k o m m u- n i st i s ch e V e rr a t an dem Freistaat Preußen ist an den Stempel- stellen nicht zu verteidigen, weil sich jeder Arbeiter schämt wegen des Verhaltens der kommunistischen Führer. Man kann die kom- munistisch gesinnten Arbeitslosen fragen, was man will: Man be- kommt eben keine Antwort, auch das einfachste Wort der Verteidi- gung bleibt im Halse stecken. Das Klassengefühl der arbeitslosen Proletarier sträubt sich gegen den Gedanken, Zlrm in Arm mit Hitler und Hugcnberg den Verrat zu begehen. Auch der letzte Arbeitslose weiß, daß es im Falle des Sieges der vereinigten Reaktion gar keine Unterstützungen mehr ausgezahlt werden. Nicht umsonst haben Hitler und Hugcnberg gegen die Arbeitslosenunterstützung gehetzt. Jeder Arbeitslose handelt im eigenen Interesse, wenn er dem Volks- entscheid fernbleibt, wenn er selbst dafür sorgt, daß sich kein Arbeiter an dem Stahlhelmentscheid beteiligt. Aus den Wohlfahrtsämtern sieht es ähnlich aus. Auch hier schweigen die Kommunisten und unterlassen ihre sonst übliche Agi- tation. Möglich, daß die Wohlfahrtsempsänger einen Kommunisten, der wagen würde, für Stahlhelm, Hitler und Hilgenberg zu agi- ticren, nicht mit Glacehandschuhen anfassen würden. Zu oft haben die Wohlfahrtsempfänger das gehässige Wort vom„W o h l- f a h r t s st a a t" gehört, das in der reaktionären Presse geprägt wurde, und nun sollen sie auf Geheiß der Kommunisten den schwarz- wcißrotcn Bekämpfern dieses Wohlfahrtsstaates am Sonntag zum Siege verhelfen. Das wäre ein schmutziger Verrat. Gerade die Wohlfahrtsempfnäger erinnern sich zu genau, daß der Hakenkreuz- minister Franzen in Braunschwcig versucht hat, alle Wohlfahrts- empfängcr zu entehren, indem er sie mit„A r m c n g e l d e m p- f ä n g e r" bezeichnete. Ja, Hugcnberg und Hitler wollen, daß es wieder Armengeldempfänger gibt— es soll werden, wie es vor dem Kriege war, da hatten nämlich die Armengeldempsänger, die un-. verschuldet in Not geratenen Staatsbürger, keinerlei Rechte. Sie dursten nicht einmal wählen. Wieviel weniger dürften sie über das Schicksal eines Staates abstimmen, der seit zwölf Iahren alles daran gesetzt hat, wenigstens die schlimmste Not abzuwehren. Daß der Freistaat Preußen unter Führung O'tto Brauns das getan hat, ist nicht zu bestreiten. Die Kommunisten sollten nur wagen, ihre Phrasen anzubringen. Man würde ihnen gründlich heimleuchten. Bis jetzt hat nur die kommunistische Presse Reklame für Hitler und Hugenberg gemacht. Die kommunistischen Wähler und Wähle- rinnen danken dafür und machen nicht nur keine Reklame, sie bleiben am kommenden Sonntag zu Haus. In diesen Tagen wird, auf den Wohlfahrtsämtern nur die eine Frage erörtert, ob der Zahlungsverkehr bald wieder in Gang kommt, ob Staat und Reich auch zum nächsten Termin die leider ja nur geringen Unterstützungssätze zahlen werden. Daß diese Zahlungen erfolgen, das erkennt als eine ihrer Hauptaufgaben die Sozialdemokratische Partei. Das haben die Massen der Arbeits- losen und Wohlfahrtsempsänger erkannt, und sie wenden sich empört gegen den Verrat durch die kommunistischen Führer. S i e marschieren nicht mit Stahlhelm,. Hitler und Hugenberg. Oer hörige Liebhaber. Wegen Körperverlehung und Bedrohung verurteilt. Diese traurige Geschichte ist nur zu verstehen, wenn man weit in die Vergangenheit des Angeklagten zurückgreift. - Ein Pubertätserlcbnis hatte ihm als 17jährigen Gymnasiasten den Revolver in- die Hand gedrückt. Er schaß auf seine Rächst«« ünfc' wurde wegen-Mordes und wegen dreifachen versuchten Mordes zu sechs Iahren Gefängnis verurteilt. Im Krieg, wo er sozusagen den Rest der Strafe abmachen durste, erhielt er Auszeichnungen und versuchte auch später, sich im Leben zu behaupten. Mit geringem Erfolg. Cr muhte wegen Betrügereien noch mehrmals ins Gefäng- nis. 1926 hatte er seine letzte Strafe. Damals war er beinahe 36 Jahre alt. Er heiratete und erfreute sich als Vertreter eines guten Auskommens: wenn auch ein wenig spät, so schien er doch endlich die Krise endgültig überwunden zu haben. Im Jahre 1929 lernte er aber auf der Straße eine Frau K. kennen. Mit dieser Bekannt- schaft verlor er sein seelisches Gleichgewicht. Frau K. lag mit ihrem Manne in Scheidung. Unstet und schwan- kcnd, wie er nun einmal war, erblickte er plötzlich in Frau K. sein Ideal und beschloß, in der festen Absicht, Frau K. zu heiraten, sich gleichfalls scheiden zu lassen. Er traf sich mit ihr Abend für Abend, scheute keine Ausgaben, hielt seine Frau sehr knapp mit Wirtschasts- geld, bis diese eines Tages hinter die neue Liebe ihres Mannes kam und Frau K. aufsuchte. Damit beginnt die eigentliche Kata- strophe. Frau K. versuchte sich von W. loszumachen, jedoch ließ er nicht locker. Es gab ein ständiges �in und Her von Versöhnung und Trennung� l�ines Zli�es'. lmn es. ausser«iratze wieder zu einer. Auseinandersetzung. W versetzte Frau K.«inen. Fußtritt in den Unterleib, so daß sie umfiel: ihre Verwandten erstatteten Anzeige wegen Körperverletzung. Die Frau fühlte sich nun derart ein- geschüchtert, daß sie überhaupt nur noch in Begleitung eines Polizei- beamten ausging. Vor dem Einzelrichter Berlin-Mitte lernte man einen Menschen kennen mit vollkommen zerrüttetem Nervensystem, einen derart schweren Hy steriler, daß die Anwesenheit eines psychiatrischen Sachverständigen nicht überflüssig gewesen wäre. Man lernte auch Frau K. kennen, die anscheinend gleichfalls einen Stich ins Hysterische hat. Der Angeklagte schob die ganze Schuld seiner früheren Geliebten zu und sie wieder ihm. Wer von den beiden recht hotte, war schwer zu entscheiden. Soviel stand aber fest, sie war an Leben und Gesundheit ernstlich bedroht. Der Richter ver- urteilte W. zu 10 Monaten Gefängnis. Er gab Frau K. den Rat, wenigstens für eine Zeit Berlin zu verlassen. Er mag wohl der Ansicht gewesen sein, daß den Verurteilten auch das Gefängnis, in das er sofort abgeführt wurde, von seiner hörigen Liebe nicht heilen würde. Man hätte in der Tat in diesem Falle gern einen Psychiater gehört. 4000 Mark Belohnung! Oer(Schuß auf den Schupobeamien. vom Berliner Polizeipräsidenten Grzesinski find gestern 1000 Mark Belohnung zur Aufklärung des Verbrechens an dem Schupohauptwachtmeister Z i e b i g, der in der Frankfurter Allee von kommunistischen Demonstranten niedergeschossen wurde, ausgesetzt worden. Die ausgelobte Summe ist ausschließlich sür Personen aus� dem Publikum bestimmt, die durch zweckdienliche Angaben zur Ermittelung der Täter oder Mittäter führen. Die Verteilung der Belohnung erfolgt unter Ausschluß des Rechtsweges. Selbstver- ständlich werden alle Angaben sowie Wahrnehmungen von Zeugen streng vertraulich und mit größter Verschwiegenheit be- handelt. Mitteilungen sind an die Abteilung I A des Polizeipräsidiums, Kommissar Dr. Braschwitz, zu richten. Im Befinden des schwerverletzten Beamten ist, wie. wir aus dem Hubcrtus-Krankenhaus erfahren, eine weitere Besserung zu verzeichnen. Zu Besorgnissen besteht zur Zeit glücklicherweis« kein Anlaß. Dampfer rammi Schleusentor. 45 Arbeiter in der Flutwelle ertrunken. London,. 3. August. Nach einer Meldung aus Toronto(Kanada) ereignete sich in einer Schleuse des Lachinekanals ein schweres Unglück. Der Dampfer „R a p i d s P r i n e e" fuhr mit voller Wucht gegen ein geschlossenes Schleusentor und zertrümmerte es. Durch die herausströmenden' Fluten wurden 4 0 Arbeiter, die am Ufer beschäftigt waren, fortgeschwemmt. Nur 23 konnten sich durch Schwimmen retten, während die übrigen 13 ertrunken sind. Der Schiffsverkehr im Kanal ist sür drei Tage unterbrochen. Der Schaden wird auf 1,2 Millionen Mark geschätzt. Lokomotive stürzt 400 Meter tief. Vom Felsen in den Abgrund geschleudert. C h u r. 3. August. Die elektrische Lokomotive des Frühzuges der Rhätischen Bahn Chu r— E ngadin wurde zwischen Filisuv und Sluls von einem niedergehenden großen Felssturz getroffen, etwa 400 Bieter über die SteinHalde hinuntxrgeschleudcrt und ze» triimmeri.: Der-Lvt»««» ti vf ü h r e« wurde getötet; die Reisenden und da» übrige Zugpersonal blieben unverletzt.--.T Schnellzug überfährt ein Auto. Acht Frauen getötet. Tortona(Oberitalien). 3. August. Ein Kraftwagen mit acht Fahrgästen wurde bei einem Bahn- Übergang von einem Schnellzug erfaßt und zertrümmert. Die Mit- fahrenden, acht Frauen, wurden getötet, nur der Chauffeur kam mit dem Leben davon: er wurde schwer verletzt ins Kränken- Haus gebracht. Von I. I LF UND F. PETROW Vor Balta gab Ostap Worobjew fünf Zentimeter von der Wurst, er selbst aß zehn Zentimeter davon. „Ich ernähre die Familie", sagte er, ich muß mich besser nähren." Der Weg nach Balta führte in einen Engpaß und wurde ein schmaler Psad," der in den dunkeln steilen Felsen gehauen war. Der Weg ging spiralförmig hinaus und die Konzessionäre befanden sich gegen Abend in der Station Lars, tausend Meter über der Meeressläche. Sie übernachteten unentgeltlich in einem armseligen Gast- Haus und bekamen überdies zwei Gläser Milch dafür, daß sie dem Wirt und den Gästen einige Kartenkunststücke zeigten. Der Morgen war so schön, daß sogar Worobjew. von der Bergluft munter gemacht, lustiger als gestern ausschritt. Hinter der Station Lars erblickte man sofort die kolossale Wand der seitlichen Bergkette. Das Terektal war von beiden Seiten von Bergwänden eingesäumt. Der Charakter der Gegend wurde immer düsterer und die Inschriften in den Felsen immer zahlreicher. Kissa!" sagte Ostap.„Wir müssen unsere Namen hier auch verewigen. Ich habe Kreide mit. Bei Gott, ich will hin- aufklettern und schreiben:— Hier waren Kissja und Osja.— Und ohne viel zu überlegen, legte Ostap den Vorrat von Touristcnwurst und Brot auf das Geländer, das die Straße von dem donnernden Terekabgrund trennte und begann auf den Felsen zu klettern. Anfangs verfolgte Worobjew den Aufstieg des großen Kombinators mit einigem Interesse, später aber setzte er sich bequem nieder und betrachtete das Fundament, das von dem Schloß der Königin Tamara erhalten geblieben war und auf einem Felsen stand, der einem Pfcrdczahn ähnelte. In diesem Zeitpunkt betrat Vater Fedor, zwei Werst weit von den Konzcssionären entfern, in der Richtung von Tislis her. das Darial-Tal. Er ging mit gemessenen Soldaten- schritten, sah mit harten glänzenden Augen nur vor sich hin und stützte sich auf einen Stock mit gebogenem Griff. Vater Fedor war mit dem letzten Geld bis Tiflis ge- fahren und wanderte jetzt zu Fuß in seine Heimat. Er er- nährte sich von dem, was ihm die Menschen unterwegs gaben. Beim Ueberfchreiten des Kreuzpasses(2343 Meter über der Meeresfläche) schoß ein Adler auf ihn herab. Vater Fedor drohte dem frechen Vogel mit dem Stock und ging weiter. Er schritt in den Wolken dahin und murmelte:„Nicht aus Habsucht, nur um den Willen meiner Frau zu erfüllen." Er wiederholte diesen Satz auch im Darial-Tal. Die Entfernung zwischen den Feinden verminderte sich immer mehr. Als Vater Fedor um eine scharfe Felsenecke bog, sah er sich einem alten Mann mit goldenem Zwicker gegenüber. Der Engpaß spaltete sich vor den Augen Vater Fedors. Der Terek unterbrach sein tausendjähriges Donnern. Vater Fedor erkannte Worobjew. Nach dem schrecklichen Mißgeschick in Batum, nachdem alle seine Hoffnungen zunichte geworden waren, wirkte jetzt die Aussicht aus eine Möglichkeit, doch noch zu dem Reichtum zu gelangen, auf Vater Fedor in unerhörter Weise. Er packte Worobjew an seinem mageren Hals, schloß seine Finger zusammen und rief mit heiserer Stimme:„Wo ist der Schatz deiner Schwiegermutter, die du getötet hast?" Worobjew, der auf so etwas nicht vorbereitet gewesen mar. schwieg und rollte die Augen so weit heraus, daß sie fast die Gläser des Zwickers berührten. „Sag es!" befahl Vater Fedor.„Beichte. Sünder!" Worobjew fühlte, wie er den Atem verlor. .In diesem Moment sah Vater Fedor, der seines Sieges schon sicher gewesen war, Bender, der in Sprüngen den Felsen heruntereilte. Ein panischer Schrecken bemächtigte sich der Seele Vater Fedors. Mechanisch hielt er den Vorsitzenden immer noch an der Kehle fest, aber seine Knie zitterten. „Ah, da haben wir's!" rief Ostap freundschaftlich aus. „Das Konkurrenzunternehmen!" Vater Fedor.zögerte nicht. Einem tierischen Instinkt ge- horchend, packte er Wurst und Brot der Konzessionäre und lief davon. „Haun Sie ihn durch, Genosse Bender!" schrie vom Boden her der zu Atem gekommene Worobjew. „Fangt ihn! Haltet ihn!" Ostap pfiff und brüllte.„Tju— u— u!" schrie er und lief Bater Fedor nach.„Wohin laufen Sie denn, verehrter Kunde? Ich kann Ihnen einen gut durchgesehenen Stuhl an- bieten!" Vater Fedor hielt die Qual der Verfolgung aus ebenem Boden nicht aus und stieg einen ganzen steilen Felsen hinan. Das bis an den Hals pochende Herz und ein besonderes Jucken in den Fersen, das nur die Feiglinge kennen, stießen ihn nach oben. Die Füße lösten sich von selbst von den Steinen los mnd trugen ihren Gebieter nach oben., „O— u— u!" rief Ostap von unten her.„Haltet ihn!" „Er hat unsere Vorräte weggetragen!" schrie Worobjew und näherte sich Ostap laufend- „Bleib stehen!" donnerte Ostap.„Bleib stehen, sage ich dir!" Das verlieh aber dem schon müde gewordenen Vater Fedor nur noch neue Kräfte. Er stieg noch rascher empor und war mit einigen Sprüngen zehn Meter höher als die höchste Inschrift. „Gib die Wurst zurück!" rief Ostap.„Gib die Wurst zurück, du Idiot! Dann verzeihe ich dir alles!" Vater Fedor hörte aber nichts mehr. Er befand sich auf einer Felsplatte, auf der noch kein Sterblicher vor ihm ge- wesen war. Entsetzen bemächtigte sich seiner. Es war ihm klar, daß es ihm nie mehr gelingen werde, von hier hinunterzukommen. Der Felsen fiel kerzengerade gegen die Chaussee ab und ein Abstieg war nicht denkbar. Er schaute hinunter. Dort stand der wütende Ostap und in der Talestiefe glänzte der goldene Zwicker des Vorsitzenden. „Ich gebe euch die Wurst zurück!" rief Vater Fedor. „Nehmt mich hinunter!" Als Antwort hörte er das Donnern des Terek und ein wüstes Gekreisch aus dem Schlosse der Königin Tamara. Dort-� hausten Eulen. „Nehmt mich hinunter!" schrie Vater Fedor Mitleid- erregend. Er konnte alle Manöver der Konzessionäre deutlich sehen. Sie liefen unten am Felsen hin und her, und nach ihren Gesten zu urteilen, schimpften sie über ihn. Eine Spanne Zeit verstrich so. Vater Fedor legte sich auf den Bauch und sah hinunter: die Konzessionäre schritten in der Richtung des Kreuzpasses davon. Die Nacht kam rasch heran. In der stockfinsteren Dunkel- heit, im höllischen Donnern des Flusses, hoch oben in den Wo�en zitterte und weinte Vater Fedor. Er wollte keine Schätze mehr. Er wollte nur das eine— hinunter auf die Erde..........(Fortsetzung folgt.), Heute Dienstag allgemeine Fiugbiattuerbreitung von den bekannten Lokalen aus. Ein jeder tue seine Pllicht. Hausbesitzer total reaktionär. Begeisterte Propaganda für den Volksentscheid. Der Bund Berliner Haus- und Grundbesitzer wird von dem immer noch aktiven Reichsbantrat Ladendorff geleitet. Das amtliche Organ dieses Bundes, das„T r u n d e t g e n t u m", er- scheint im Berliner Hugenberg-Verlag. In seiner neuesten Nummer schreibt dieses Blatt:„Da am 9. August in Preußen die Abstimmung über den Stahlhelm-Voltsentscheid betreffend Auflösung des Preußischen Landtages durchgeführt wird, ist es für Tagungs- teilnehmer(des Zentralverbandstages der Haus- und Grundbesitzer- vereine vom 7. bis 9. August in Würzburg) unbedingt notwendig, sich so bald wie möglich einen Stimmschein zu besorgen, damit sie sich außerhalb des Wohnortes an der Abstimmung über den Volksentscheid beteiligen können." Ein bedeutender Teil der Berliner Haus- und Grundbesitzer stand vor dem Krieg, wiewohl er dem Berliner Haus- und Grundbesttzervcrein angehörte, im frei- finnigen bezw. demokratischen Lager. Die oben charakterisierte einseitige politische Stellungnahme des vollkommen reaktiv- när gewordenen Berliner Haus- und Grundebiitzerveretns sollte die immer noch fortschrittlich und demokratisch ein- aestellten Hausbesitzer endlich zu dem energischen Schritt veranlassen, Schluß mit einem solchen Verein zu machen. Die Organisation der wirklich fortschrittlich, demokratisch und sozial eingestellten Hau»- besitzer ist die Freie Haus- und Grundbesitzcrvereinigung Groß-Bcrlin (Vorsitzender Senatspräsident Freymuth. Charlottenburg S). Als man im Krieg R i x d o r f die Ehre zumutete, sich nach dem „graußen General" in Ludendorff umzutaufen, da verzichtete es dankend darauf. Die fortschrittlichen und demokratischen Berliner chous- und Grundbesitzer sollten alles hm, um zu verhindern, daß «au» der Weltstadt Berlin ein Ladendorff wird. Hauswirte drohen! In Berliner Mieterkreisen herrscht große Aufregung über ein �Rundschreiben der Hausbesitzer, für das der Verband Groß-Berliner Geschäfts- und Industriehausbe. s i tz e r C. B., Berlin SW. 68, Zimmerstr. 19, verantwortlich zeichnet. Es heißt in diesem Schreiben u. a.: „Wir müssen dringend bitten, den demnächstigen Mietzinsbetrog auf das pünktlichste am 1. August bzw. dem nächsten vertraglich fälligen Zahlungstermin zu zahlen. Sollten Zahlungen unpünkt- lich erfolgen, so müssen wir in Uebereinstimmunr, mit den Debet- Zinsberechnungen der Großbanken vom Fälligkeitstage an 13 Proz. p. a. Zinsen berechnen und darüber hinaus im Falle drohender Schäden vollen Schadenersatz von unseren Mietern verlangen." Wir stellen einmal fest, daß dieses Schreiben nicht etwa, wie man aus der Bezeichnung„Verband Groß-Berliner Geschäfts- und Jndustriehausbesitzer" entnehmen kann, nur an Ladcnbesitzer ver- schickt worden ist, alle Wahnungsmicter in Häusern von Verbands- Mitgliedern haben dieses Schreiben erhalten. Wir stellen weiter fest — und das erscheint uns wesentlich an diesem merkwürdigen Rund- schreiben—, daß sein Inhalt in schroffstem Widerspruch zu jener Notverordnung steht, in der ausdrücklich Schutzbestimmungen für diejenigen Mieter vorgesehen sind, die ihre Gehälter nur ratenweise ausgezahlt erhalten. Die Vermieter begründen ihren Schritt damit, daß sie auf Grund der Zinsnotverordnung vom 22. Juli 1931 bei Strafe von IM Proz. jährlicher Zinsen(5 Proz. sür jeden angefangenen Monat) gezwungen sind, die Hauszinssteuern, Grundsteuern pp., Einkom- men- und Vermögenssteuern pünktlich zu zahlen. Sie versäumen aber hinzuzufügen, daß ihnen eine solche Strafe nicht droht, wenn fi« die Mieten, aus denen sie Steuerbeträge zu zahlen haben, nur zmn Teil hereinbekommen. Sie haben nur den Anteil der 'Steuern! abzuführen, ster auf die eingezogenen Mieten entfällt. E» erscheint dringend notwendig, daß die zuständigen Behörden des Reiches, vor allem ober Preußens sofort eingreifen, um die durch das Rundschreiben der Hausbesitzer stark beunruhigten Mieter zu schützen. Suche nach einem Mörder. 300 Mark Belohunng. Wie berichtet, wurde der IZjährige Tischler Fritz Schröder, Müllerstraße 134 wohnhaft gewesen, nach einem vorangegangenen Streit in einem Case in der Müllerstraße 136 in der Nacht vom 31. Juli zum 1. August auf der Straß« von zwei zuerst unbekannt gebliebenen Personen niedergeschlagen. Der Tod war auf der Stelle eingetreten. Nun ist es gelungen,«inen dieser Täter in der Person des 10jährigen Karl Klaus aus der Genter Straße zu ermitteln und festzunehmen. Klaus gibt zu. in der fraglichen Nacht an der Schlägerei beteiligt gewesen zu sein, bestreitet jedoch, den für Schröder tödlichen Schlag geführt zu haben und beschuldigt einen gewissen „Erich", den er nicht näher kennen will. Dieser Erich soll etwa 25 bis 30 Jahre alt und Linkshänder fein: er hat ein ein- gefallenes Gesicht und vorstehende Backenknochen, ist etwa 1,72 bis 1.76 Meter groß und war bekleidet mit blauem Anzug und blauer Schirmmütze. Für seine Ergreifung sind llOOMarkBelohnung ausgesetzt. Zweckdienliche Angaben, die ans Wunsch vertraulich be- handelt werden, erbittet Kriminalkommissar Dr. Kattolinsky, Zimmer 135 des Polizeipräsidiums. Verfassungsseier in Berlin. Abendveranstaltung in der Kroll-Oper. Au» Sparsamkeitsgründen sollte ursprünglich als offizielle Ver- fassungsfeier nur die Feier im Reichstag stattfinden. Nunmehr ist ein Uebereinkommen zwischen Reich, Preußen und der Stadt Berlin dahw erzielt worden, daß doch noch eine Abendfeier stattfindet. Sie wird am Dienstag, dem 11. August, um 20 Uhr in den Räumen der früheren Staatsoper am Platz der Republik stattfinden und im wesentlichen von den freien Körperschaften der Stadt Berlin getragen werden. Das Festprogramm sieht als Einleitung die Ouoer- iure zur„Iphigenie in Aulis" vor. Die Festrede, die Oberbürzer- meistcr S a hm halten wird, wird als Mittelpunkt die Gestalt des Freiherrn vom Stein Hadem Mit dem Vortrag des 1&>n?erto grosso in Ll-Moll von Händel schließt die Feier, deren musikalische Leitung Generalmusikdirektor Dr. Busch-Dresden haben wird. Dann findet vor dem Reichstagsgebäude auf dem Platz der Republik ein Konzert statt, bei dem ein Chor des Arbeiter- sängerbundes und ein Orchester arbeitsloser .Musiker mitwirken wird. Finnlands Arbeiierfportler eingetroffen. Die finnischen A r b« i t e r s p o r t l e r, die auf der Wiener Arbeiterolympiade so glänzende Erfolge erzielen konnten, trafen gestern abend auf dem Potsdamer Bahnhof in Berlin ein. Unsere willkommenen Gäste haben auf ihrer Reise durch Deutschland schon eine Reihe von Wettkämpfen absolviert. In Dortmund, Bremen und Magdeburg belegten sie fast in allen leichtathletischen Konkurrenzen und Fußballspielen die ersten Plätze. Nur in Magdeburg mußten die Finnen eine überraschend« 0:4- Niederlage im Fußball hinnehmen. Bei dem heutigen A b e n d s p o r t f e st der Berliner Arbeiter- sportler im P o st st a d i o n Lehrter Straße wird auch die finnische Mannschaft vollzählig zur Stelle sein. Für jeden Leichtathleten und Fußballspieler sollte allein die Anwesenheit dcr Finnen ein Anreiz sein, die Veranstaltung zu besuchen. Der Beginn der Wettkämpfe ist um 17 Uhr. Die Rauber iu Friedrichshageu. Die Räuber von Schiller natürlich, und im Naturcheater in Friedrichshagen selbswerständlich. Glänzendes Wetter, dos Theater sehr gut besucht. Man weiß in Friedrichshagen noch immer, was man der Literatur und der Kunst schuldig ist. Schillers mächtiges Pathos wurde von begeistert spielenden Künstlern im ganzen recht annehmbar gesprochen. Und die Natur, in großartiger Gcbelaunc, lieh ihre riesig« Lichtmaschine, die über die Maßen trefflich funktio- werte. Unvergeßlich, wie ganz allmähllch das Togesgestir« sich senkte, wie natürliches Dämmern sich über den waldigen Bühnen- grund breitete und die Spieler, die Räuber in den Böhmischen Wäldern, wie unheimliche Schatten umhergeisterten. Und zwischen ihnen, verzweifelt, vergrämt, auftrotzend, Karl Moor, von Adolf C a l v o«indrucksstark gegeben. Sein bis in den Tod getreuer Kum- pan Schweizer eine trefflich von Richard H e i n z e verkörperte Lands- knechtsfigur. Leider hat es der Regisieur Berthold nicht verstanden, die Räubermasse lebendig zu machen. Man sah und hört« nur immer die Einzelsprecher. Gerade die Naturbühne verlangt Lebendigkeit und Bewegung.__ Bombenexplosion im Zug. Drei Personen geiötek, mehrere schwer verleht. Budapest, Z. August. Nach Belgrader Meldungen wurden am Sonntag abend bei der Einfahrt in die Station Zimony-Neustadt in dem direkten wagen TNünche n— B e l g r a d infolge einer Explosion Zwei Personen getötet und mehrere schwer verletzt. Da» jugoslawische Verkehrsministerium hat angeordnet, daß zur Ver- meidung ähnlicher Anschläge in Zukunft die direkten wagen an der Grenze abgekoppelt werden, der Verkehr soll durch jugoflawische Wagen abgewickelt werden. Von den zwei Getöteten tonnte bisher lediglich da» Kind des Professors Brunetti identifiziert werden, da sich die Familie des Profeffors in dem Unglückswagen befand. Di« Personalien des zweiten Toten konnten noch nicht festgestellt werden. Unter den Verletzten befinden sich der Vater des getöteten Kinde», Professor Brunetti, dessen Frau und drei Kinder. Die Frau ist, einer Spätmeldung zufolge, ihren Ver- letzungen erlegen, so daß sich die Zahl der Todesopfer auf drei erhöht hat. Die Eisenbahnbehörden haben olle weite- ren Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Von nun an sollen alle Züge, auch die im Inland, untersucht werden. Nach Ansicht der Eisen- bahnüirektion ist die Bombe von kroatischen Emigran- ten, die im Auslande leben, in den Zug eingefchmuggelt worden. Abschluß der Bauausstellung. Man zählte eine Million Besucher. Die am 2. August 1931 beendete Deutsche Vao- ausstellung Berlin 1931. die gerade in den letzten Wochen eine außerordentlich starke Besuchssteigerung aufwies. hat während Ihrer zwölfwöchigen Dauer rund eine Million Besucher auf da» Ausstellungsgelände am Kaiserdamm gebracht. Es ist gelungen, dieses gute Besuchsergebnis in einer Zeit der anormalsten Wirtschaftsverhältnisse zu erzielen und das Anfang 1930 endgültig festgelegte Ausstellungsprogramm trotz der Zuspitzung der Wirtschaftskrise vollkommen durchzuführen, wobei der in den Ausgaben und Einnahmen ausgeglichene Etat der Ausstellung»- leitung nicht zuletzt infolge vorsichtiger Finanzgebarung i n n e- g e h a lt e n werden konnte. Dieser unter Berücksichtigung der Wirt- schaftslage besonders befriedigende Abschluß darf als ein erneuter Beweis für die Anziehungskraft der Berliner Ausstellungsidee und für die Anerkennung des kulturellen und wirtschaftlichen Wertes der Bauausstellung angesehen werden. Das Echo, das die Ausstellung gefunden hat, ist gewaltig und wird sich zweifellos bei einem mit Ueberwindung der Wirtschaftskrise zu erwartenden Neueinsatz dcr Bautätigkeit auch wirtschaftlich für die Ausstellung und das gesamte Bau- und Wohnungswesen noch weiter auswirken. Wie wir mitteilten, wird die aus 22 Baulichkeiten bestehende Abteilung dcr Deutschen Bauausstcllung„Der ländliche Siedlungsbau" über den Schluß der Deutschen Lauausstellung hinaus für alljährlich wiederkehrende Ausstellungszweck« erhalten. Neuerdings sind nunmehr an die Ausstellungsleitung von den ver- schiedensten Seiten Anregungen herangetragen worden, auch andere erhaltenswerten Teils der Bauausstellung weiterzuführen, nachdem die im Verein Bauausstellung zusammengeschlossene Bauwirtschaft durch Beschluß vom 20. Juli ihre Unterstützung und Mitwirkung bei der Durchführung dieser Absichten im Benehmen mit den wissenschaftlichen und künstlerischen Organisationen des Bau- und Wohnungswesens zugesagt hat. Einbruch bei der �eichsmarine? Siel. Z. August. Die beiden Besitzer einer Bootswerft am Priesterftranb in Friedrichsort stellten in der vergangenen Nacht zwei Männer auf dem Werftgelände, die anscheinend einen Einbruch ausführen wollten. Die Ueberrafchten erklärten, daß sie die die Werft umgebende Planke tn der Annahme überklettert hätten, auf M a r i n e g e l ä n d e zu sein. Während der eine Werftbesitzer die Leute festhielt, wollte der ander« Hilfe herbeiholen. Jetzt flüchteten die Einbrecher und schössen dabei auf die Werftbesitzer, die so schwer verletzt wurden, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Bei den Tätern handelt es sich um zwei jüngere Leute. Dem Werftgelände benachbart befindet sich der Marine- s ch e i b e n h o f. Die polizeilichen Ermittlungen sind noch im Gang«. Ferienkurse in der Zlrbeiterbildungsschule. Wie in den Vorjahren veranstaltet die A r b e i t e r b i! d u n g s- schule auch in diesem Jahr drei Ferienkurse, die je 6 Tage dauern und den Teilnehmern neben der Möglichkeit wissenschaftlicher Arbeit unter Leitung tüchtiger Referenten auch Gelegenheit zur Eni- spannung und Erholung bieten. Die Kurse finden im F c r i e n- h e i m der Noturfreundegenossenschaft„R e i h e r h o r st" in K l e i n- K ö r i s statt und kosten einschließlich Fahrt ab Berlin und zurück sowie Verpflegung. Quartier und Hörgeld je Kursus 3 3,50 Mark. Erwerbslosen, die sich ausweisen können, wird die Teilnehmergebühr in Höhe von 5 Mark erlassen. Anmeldungen zu den Kursen sind zu richten an die Arbeitcrbildungsschule Berlin SW. 68, Lindcnstr. 3, 2. Hof II, Zimmer 9. 1. Kursus vom 16. bis 22. August. Lehrer: Dr. Hermann B r i l l- Weimar, Thema:„Das sozialdemokratische Programm", 2. Kursus vom 23. bis 29. August. Lehrer: Dr. Karl M i e r e n d o r s f- Darmstadt, Thema:„Der deutsche Parlamen- tarismus, was er ist und wie er arbeitet." 3. Kursus vom 30. August bis 5. September. Lehrer: Dr. Arkadij Gurland- Berlin. Thema:„Das Proletariat in der Krise." Eine Wochenendfahrt in den Sprecwald veranstaltet am 8. und 9. August 1931 die„Liuba", Werbestelle für Spreewaldfahrten. Der Preis einschließlich Eisenbahn- und Kahnfahrten. Führung, Vortrag. Uebernachten und Morgenkaffee beträgt 10,75 M. Anmeldung: Berlin N. 58, Kremmener Str. 15,„Dineta 1793",(Zigarrengeschäft). Allen Besuchern des Planetariums werden von jetzt ab— eine erfreuliche und dankenswerte Maßnahme— an der Kasse und an der Garderobe 24 Seiten starke, reich illustrierte Heft« über das Zeiß-Planetarim überreicht, und zwar in deutscher, sranzösi- scher, englischer oder italienischer Sprache. Außerdem können die Hefte auch frei entnommen werden. Wetlerausfichten sür Berlin: Fortdauer des vorwiegend heiteren. trockenen und sehr warmen Wetters, zeitweise ausfrischende östliche Winde.— Für Deutschland: Im Süden stark wolkig und vielfach Gewitterregen, im südlichen Mitteldeutschland, in Schlesien und im Westen aufkommende Gewitterneigung, sonst im Reiche trockenes, warme» und meist heiteres Wetter. Sozlalifilsche Arbeiterjugend Groß-SerNv awloid«,«» für»lese Dtabr« nur an d-e ZuaendltUelarW. Striin SW«. On&enflrofi«> Alle»evppen treffen sich heute zur Flughlattvcrbrritung bei b-n»u. ständigen?lbt«ilungen der Partei. Abteilnngilritrr! Rechnet die bish««erkaufte« Plaketten zum Reich»- Zugendtog ad. Abteilungsmitgliederversammlungen heute. 191- Uhr: «etenapln»! Elisabethkirchstr. IS.— Oranienburger Tor: Tieckstr. 18.-- R-senthaler«»rstadt: TÜfabethkirchstr. I».— Zentrum- Landsberger Str. 50. —»runnenplaK: Panistr. 22.—(Sefunbhrunnen I: iSotendurger Str. 2.— Humboldt Hain: Putbusser Str. 8.— StopnUvU»: Serstr. 84.— Schillerparl: Schont ngstr. 17.— Wedbing: Turiner Ecke Seestrahe.— Wcdbing(R-F): Willdon rnnstr. 5.— Wedding-Rord: Willdenowstr. b.—«rnimvla»: Sonnen- burger Str. 2g.—«r»»u»l>«r Pia» X: Rastendurgcr Str. 16,— Humannpln»: Gloimftr. 33—35.— Wörth» Pl-»! Nastantenallee Sä.— s-scnheihe: ffiaifcr- torftr. 9.— Eäbfn: Porckstr. 11.— Südwesten: Lindensir. 4(«crixlndsbilcher mitbringen).— schöneberq III. IV und V: Hanptstr. 15.— ah-rlottenburg. »erb:»aifrrin.Augusta-Allre 97z.— Siemennstadt: 11. Poltsschule.—«es,. end: SportPlaä Westend.— Lichterselde: Alberchtstr. 14a.— Steglih 1: Albrecht. stroße 47.— Aeulölln III: Ziethenstrahc äS.— SRcutilln 5 II: AMS.— Reu. köllu vin: RiltlitSchuIe.— Alle Abrechnungen, Zugendtag und Plaketten müssen unbedingt erl-digt werden.—«epenick l: ffitünautr Str. 5.—«oll,- Horst: TreskowaNe« 44.— Pankow I und II: Sörschslr. 14. k Balkan: Mondelstr. 2.„Krieg— AntUUneg."— Reldoften I: Rostcn- durger Slr. 1«. Anti.Zlriegeabcnd.— Weiheus«: Parlstr.:>6. Anti-Kriegsabend. — Frankfurter Viertel: Frankfurter Allee 397. Funktionärverfammlung.— Linden hos: Heim der Siedlung. Infonnolionoabend.— Schoneberg l: Haupt- straße 15.„StUluiu, der Zugenb zum«rieg."— Sharlottenburg-Söd: Wall- straste 76. Antt�kri'egeadcnd.— BrtH: Chanssecstr. 48.„Das Lind als Träger der werdenden Geselllchart."— Neukölln I: 19 Uhr bei Grvmmeck. Anschließend Heim.— Reukölln II: 18 Uhr Prinz-Handsern. Ecke Lcsflngstragc. Flugblatt. Verbreitung.— Reutöllu V: 19 Uhr bei Slnlifch, Hobrecht- Ecke Lenauslrage.— Renkilln VI: Treptower Str. 95. Froirffurtabend.— Reuköln IX: Schierke. straße 44. Der Tramp erzählt.— Reukölln XI: Flughafenstr. 58.„Der Bolsche- wiamus", 3. Teil.— B»hn»l»»rf: Funttionärversammlnng.— Lichtenberg. Nordwest: Flugblattverbrertung. Treffpunkt bei Bartz, ZWllendorfstraße. SSS. Reinickendorf: 18 Uhr Schöneberger Straße.„Moderner Strafvollzug." «erdebezirk Keiuickendarf: Mitgli-ber Versammlung mit Vortrag:„Arbeit-. recht und Schlichh-Ngswetat". Wittenau, Hauptstr. 13, 2« Uhr. «erb-bezirs Oberspree: Treffpunkt der Strrwesssos.Fcchrcr 19� lüjt auf dem Sport» laß an der Äarlohorster Rennbahn zur Spielprobe. Hier auch näheres über die vorangehende Fahrt. Faltbaotfahre« zum Zugendtag: Abfahrt am lö. August auf Fahrpreis- ermähigung bis Salle an der Saale. Antragen find tu richte» beim Genossen Ditmar Kirsche, Neukölln, Herrfuvthstr. 12. Anmeldungen umgeh-nd. Voriräge,VeremeundVersammlungen. # Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". S-sSSft, stalle: Berlin s. 14. Seb-lti-nstr 37—88 Hol 2. Tr. Dienatag, 4. August. Schöncderg.Zrietcuau ISameradsämft Rot- haus). 20 Uhr Aameradschaftsversammlung. Mühlenstr. 8. Referent: Mar Reinheimer..11. August l»lg d!s 11. August 1931." Besprechung der 38fr. sassungefeiern de» Ortzvereins und des Saue».— Freitag, 7. August. Weißeusce sOrtsöcrcin). 20 Uhr Mitgliederversammlung im Bertiner Hol. technische Funktionäre 19 Uhr.— ilrcuzberg lOrtsvcrein). Kamerad W. Rietsche(Fun 51 ist vcrstorbcn. Einäscherun« Dienstag, 4. August. 12 Uhr,«rematorium Baum. lchulenweg. All« dienstfreien Kameraden erscheinen. Berbaud für ckherechtorrsorn- E. B. Si-ß Berlin. Organisation getrennt. lebender Ehegatten. Der Berein hält auch im August keine Mitgliedrrvcr, sammlun,»b. zentralverban» der Ardeiternoaliden und Ditwcn Teutschland». Troß-Berlin. Geschästdstesse: Berlin 38. 57, Bülowstr. 4», rechter S-itenklügtl Dienstag. 4. August. Friedenau: Lokal Rotkirch, Holsteinische Str. 15, 18 Udr — Charlotte ndurg: Lokal lhräfc, Äantitc. vi. 18 Uhr. Referent: chauleitcr Kolleg« Bolgt.— Tiergarten I: Lokal«rminiusfestsäle, Bremer Str. 72, iz Uhr. Referent: Gauleiter Sollog« Voigt.— Oberschdnrweid«: Bereinecklause, wr: scheu' Ecke Luissenstraße, l« Uhr.— ssrisdrichsfmgen: Stadttheater. Friedrichstr II" 16 Uhr. R-f-r-nt; Kollege Fischboch.— Delhensee: Schulaula Wilhevristr. 4»' 16 Uhr.— Adlershof: Lokal Schmidtbaucr, Bismarckstr. 74. 19 Uhr.— g-eenvel' Hof: Lokal Pinger. Dorfstr. 50. 18 Uhr.— Wilmersdorf: Lokal Albert straße 37u. Ecke Pfalzburger Straße, ll Uhr.— Lankwiß: Lrdmanns TrstsiUr Kaiscr-WIlhetm-ertraßr, ,8 Uhr. Rrirrrntin: Kollegin Haas.'' Rcichsbund der«riegtdeschäd igten. Kricg»«c>lnchmcr und Krieaerdinter. blicbeuen, Ortsgruppe Süden 6. Mittwoch, 5. August, Zo Uhr Restaurant „Märkischer Hof", Admiralstr. IZa.«ersammlung. Kamerad Lorm-'s��«g.r- „ Kriegsopfer und Ratperordnung". � umrnjt uver. Tlr. 359» 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Dienstag. 4. August 1931 Die Reichsbank am Sl.Luli. Reichsbankausweis im Ausnahmezustand/ Warum so wenig Publizität? Die Reichsbank hat ihren Ausweis zum 31. Juli ver- öffentlicht. Am Juli Ultimo war die Diskonterhöhung auf IS Proz. noch kaum wirksam, die Krediteinschränkungen waren aber schon stark gelockert und die Devisen- und Kapitalfluchtgcsetze hätten sich schon auswirken müssen. Ein Ausnahmezustand bestand noch und besteht auf dem Geldmarkt. Einen Geldmarkt gibt es überhaupt nicht; einzige Kreditquelle ist nach wie vor die Reichsbank. Zum Iuliende war offensichtlich schon eine gewisse B c- ruhigung der deutschen Geldwirtschast zu verzeichnen. Die Kreditansprüchc an die Reichsbank waren nicht nur deshalb llein, weil die Reichsbank sich noch gegen größere Kreditgewährungen sträubte, und der Zahlungsverkehr noch eingeschränkt war, sondern auch deshalb, weil von innen und außen durch Reichsgarantien, stillhalten der Ausländer und wachsende Einsicht der Bank- und Sparkasseneinleger der Zustand des Runs auf die Banken über- wunden war. Die W e ch s e l b e st ä n d e der Reichsbank haben sich um S94 auf 3272,6 Millionen vermehrt, die Lombard- darlehen sind gegen die Vorwoche nur um 36,6 auf 347,6 Mil- 'onen gestiegen, die Bestände an Reichsschatzwechseln haben sich um .6,1 auf 243,6 Millionen erhöht. Diese Saldoziffern in der Kreditgewährung der Reichsbank sind auch für einen ZNonalsschluß vielleicht um anderthalb Milliarden höher. als sie ohne die Kreditkrisis sein würden. Nimmt man die Devisen- und Goldverluste der Reichsbank hinzu, so ist die Behauptung gc- rechtfertigt, daß wahrscheinlich die gesamte Kreditspannung in Deutschland von der Reichsbank hat finanziert werden müssen. Dennoch glauben wir, daß die Kreditgewährung der Reichsbank auch zum Juliende schon hätte höher sein können und in ü s s e n. Die gewaltige Sphäre der Sparkassen und Kom- inunalbanken wurde ja in ungerechter und unvernünftigerWeise von der Reichsbank völlig vernachlässigt. Auf der anderen Seite stecken sicher in den von der Reichsbank gewährten Krediten heute Risiken, die durch eine bessere Reichsbantpolitit hätten vermieden werden können. Der Notenumlauf ist um 253,1 auf 4 453,7 Millionen Mark weiter gestiegen, der Umlauf von Rentenbankscheinen hat sich um 3,4 auf 413,2 Millionen Mark vermehrt. Der Notenumlauf ist nur um etwa 156 Millionen höher als Ende Zuni: der gesamte Geldumlauf der Reichsbank ist sogar um KZ Millionen niedriger als zur gleichen Zeil des Vorjahres. Die Zunahme des Umlaufs blieb freilich auch gering, weil sich die Einzahlungen auf dem unverzinslichen Girokonto weiter um 242,8 auf 833,8 Millionen Mark erhöht haben: ein Zeichen dafür, daß der Geldbedarf der Banken ziemlich gesättigt sein dürfte. Wichtig ist die Entwicklung bei den"Gold- und Devisen- b c st ä n d e n. Durch Ankäufe von R u s s e n g o l d stieg der Goldbestand um 16,5 auf 1363,3 Millionen. Die Bestände an deckungs- fähigen Devisen vermehrten sich um 86,8 auf 246,3 Mil- lionen. Die Deckung der umlaufenden Noten durch Gold und Devisen zusammen blieb mit 36,1 Proz. gegen die dritte Juliwoche unverändert. Wir halten den Schluß für berechtigt, daß die Devisen- und K a p i t a l f l u ch t v e r o r d n u n g e n bisher kaum wirksam gewesen sind. Der Zugang von rund 87 Millionen bei der Reichsbank ist l ä ch e r l i ch gering. Man muß bedenken, daß die Handelsbilanz stark aktiv ist, die Devisenüberschüsse sich also bei der Reichsbank sammeln müßten, daß ferner der Reparotionsbedarf von rund 125 Millionen jetzt nicht besteht, die Devisen also stärker zunehmen müßten, daß endlich eine wirksame Kapitalslucht und Devisenordnung ein starkes Ansteigen der Devisenbestände hätten bringen müsien. Freilich kann man nicht übersehen, ob das Ausland nicht kurzfristige Kredite weiter gekündigt hat und infolgedessen weitere Devisen abgeflossen sind. Hier müßte viel größere Klarheit bestehen, als die Reichsbank sie zu geben bereit ist. Wir sind der Meinung, daß die Reichsbank in den augenblicklichen kritischen Verhältnisien die Publizitätspflicht gegenüber der Gesamtwirtschaft und der Gesamtpolitik geradezu sträflich vernachlässigt und daß hier Wandel geschaffen werden muß. Ende eines Stickstoffwerkes. Erfies Opfer des internationalen Stickstoffkampfes. Eine tolle Kapitalfehlleitung. Di« Stickstoffwerke A.°G. Waldenburg wird in den nächsten Tagen den Kontursantrag stellen, da die für Fortführung des Betriebes erforderlichen Mittel nicht beschasft werden können. Damit endet die Geschichte einer Fehlinvestition, wie sie selbst in der an Kapitalsehjlleitungen nicht armen Privatwirtschaft» lichen Ordnung unserer Tage selten ist. Im Februar 1323 wurde die Gesellschaft begründet, nach Zi-z Jahren bricht sie zusammen, ohne überhaupt je zur vollen Produktion gekommen zu sein. Hauptgrund ist, daß das Unter- nehmen für eine Produktion geschaffen wurde, die zwar zur Zeit der Gründung Gewinnchancen hatte; aber diese Gewinnchancen haben zu einem übermäßigen Ausbau der Anlagen geführt, nicht allein in Deutschland, auch in ganz Europa, in der ganzen Welt. Im Falle Waldenburg wirkten noch andere Dinge mit— die Baukosten der Anlage überschritten den Voran- schlag um mehr als 166 Proz.; statt 11 machten sie 23 Mill. Mark au-—; davon sind 11 Mill. Mark bis heute nicht bezahlt. Das Unternehmen gehört zum Konzern des Fürsten Pley, der darüber selbst„schwach" wurde. Da die Gläubiger hoff- tcn, das Wert würde— nach einer Zeit schlechter Produktion und schlechter Führung— allmählich rentabel werden, bewilligten sie zweimal ein Moratorium; das zweite läuft bis Ende Sep- tember. Aber das Werk kann nicht rentabel arbeiten, da die Anlagen noch nicht zu 56 Proz. ausgenutzt werden, da die bohen Baukosten die Produktion viel zu stark mit Zins- und Amor- tisationskosten belasten. Mit einer besseren Ausnutzung der An- lagen kann bei der herrschenden Ueberproduktion nicht gerech- n c t werden. Im Gegenteil. Der Kampf um den Stickstoffabsatz wird nach dem Scheitern der Verhandlungen über das i n t e r- nationale Stickstoffkartell, nach dem Scheitern der Verstöndi- gung auch unter den europäischen Produzenten neue Lasten für die Produzenten bringen. Und so sind ja auch die deutschen Ausfuhrpreise bereits bedeutend herabgesetzt worden. Diese Lasten kann dos Waldenburger Unternehmen nicht mehr tragen—, jetzt suchen die Gläubiger zu retten, was noch zu retten ist. So sind die Sttckstofswerke Waldenburg das erste Opfer des inlernatlonalen SNckstosfkampje, geworden; dos technisch hervor- ragendste. das neueste Werk Hot die finanzielle Belastung durch die internationale Ueberinvestition in Stickstossanlagen am wenigsten aushalten können. 23 Millionen sind sinnlos verpulvert— durch die kurzsichtigkeil, durch das Gewinnstreben der kapitalistischen „Wirtschastssührer"!_ Preußenkasse und Ernieverireiung. Der Präsident der Landwirtschaftskammer für die Provinz Pommern. Rittergutsbesitzer von Flemming, verbreitet durch die Presse eine an die Landwirte gerichtete Warnung, die Ge- treideernte vorzeitig zu verwerten. Darin wird behauptet, die Preußenkasse dränge trotz dringender Warnung„auf sofortigen Ver- kauf großer Teile der Ernte, ohne Rücksicht auf die unmöglichen Preise, die weit unter den Produttionskosten liegen". Diese Be- hauptung ist unwahr. Der Präsident der Landwirtschaftskammer für die Provinz Pommern hat auch nicht den Versuch unter- nommen. sich über die Haltung der Preußentasse zu der von ihm behandelten Frage unmittelbar zu unterrichten. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat die Preuhenkasse ihrerseits die ihr angeschlossenen Genosien- schaften davor gewarnt, Kredite über das erforderliche Mindest- maß hinaus zwecks Verzögerung der Ernteoerwertung aufzunehmen, da derarttge Maßnahmen angesichts des überhöhten Zinsniveous und der sinkenden Tendenz der Warenpreise die Gafahr großer V e r l u st e herbeiführen würden. Diese Auffassung wird die Preuhenkasse nach wie vor in ihrem Geschäftsbereich zum Aus- druck bringen. , 9*4$ if-*"- � Deutsche Raiffeisenbank. Die Abwicklung der deutschnationalen pleite. Ueber die Verluste der Deutschen Raiffeisen-Bonk A.- G. infolge der deutschnationalen Mißwirtschaft in der Ver- waltung haben wir des öfteren berichtet. Die Abwicklung dieser Plette geht infolge der Wirtschaftskrise nur langsam von- statten, und so erhöhen sich die Verluste noch dauernd. Im Geschäfts- jähr 1336 sind neue Verluste von 3,8 Millionen Mark entstanden, so daß sich der Gesamtverlust der Raifseisen- Bank auf 77,3 Millionen Mark erhöht hat. Ver- mutlich ist mit einer weiteren Erhöhung dieser Zisfer zu rechnen. Bekanntlich muß die Preuhenkasse die Liquidierung dieses Unternehmens durchführen und erhebliche Mittel dafür auf- wenden. Ihre Zuschüsse haben sich um 2,4 Mil- lionen Mark(zur Abdeckung des neu entstandenen Verlustes) auf 56,85 Millionen Mark erhöht. Der Rest des Verlustes von 1,4 Millionen Mark wird durch Eni- nähme vom Rückstellungssonds gedeckt. Der neue Verlust ist durch Zinszahlungen auf den Ueberbrückungskrcdit und durch Ausfälle bei der Rückforderung von Krediten entstanden. Die Loslösung der Filialen der Deutschen Raifseisen- Bank von der Zentrale ist jetzt durchgeführt. Die Filialen Berlin und Köslin wurden mit den bestehenden Verbandskassen ver- einigt, wahrend die Filiale Frankfurt o. M. in der Genossen- schaftsbank für Hessen-Nassau(jetzt Genossenschaftliche Zentralkosse E. G. m. b. H. Frankfurt a. M.) aufging. Die Bilanz vom 3l. Dezember 1936, die zugleich als Liquidationseröffnungsbllanz vom 1. Januar 1931 gilt, zeigte einen Verlust vortrag von 25,25 Millionen Mark, dem das Aklienkapttal in gleicher Höhe gegenübersteht. Hauptaktivposten der Bilanz sind die I m m o- b i l i e n mit 7,6(im Vorjahr 9,2) Millionen Mark und Debttoren mit 5,8(33,8) Millionen Mark. Bankschulden werden mit 13,7(39,8) Millionen Mark ausgewiesen. Die Rückstellungen haben sich von 16,9 auf 7,1 Millionen Mark ermäßigt; sie werden durch Abwicklung der bereits feststehenden Verluste restlos auf- gebraucht werden. Abschluß im Ostwerke-Konzern. Schlesische Mühlenwerte A.-G. halbiert das Kapital. Im Schultheiß-Ostwerke-Konzern scheint man auch über den Sinn der Veröffentlichung von Bilanzen und Geschäftsberichten besondere Ansichten zu haben, nämlich die, daß die Oeffent- lichkeit möglichst wenig Einsicht erhatten soll. Dabei hätte man doch seit dem Industriebauskandal Veranlassung gehabt, umzulernen Der Bericht der S chl e si s ch e n Mühlcnwerke A.°G. zum Abschluß für das Geschäftsjahr 1936 ist so wenigsaxend wie nur möglich. Im Laufe des Jahres sind Grundstücke verkauft, Abteilun- gen stillgelegt. Beteiligungen abgestoßen worden; alle Bilanz- Ziffern sind stark heruntergegangen. Ob man dabei gewonnen »der verloren hat, ob stille Reserven gebildet wurden— darüber kein Wort. Im vorhergeh en den Jahre hatte man durch sehr hohe Sonderabschreibuneen(6,9 Millionen Mark) und durch offene Reseroestellung von 6,6 Millionen Mark einen V e r l u st von 1,2 Millionen Mark ausgewiesen— in diesem Jahre hat man im Mühlenbetrieb mit Gewinn gearbeitet, und der Verlust ermäßigt« sich auf 6,97 Millionen Mark. Wo die offene Reserve von 6,6 Millionen Mark geblieben ist, wird nicht verraten. Man hat es auch nicht nöttg, Ziffern für die Abschreibungen onzu- geben— es sind aber„weitere Abschreibungen" vorgenommen worden. Da der Mühlenbetrieb sich jetzt auf ein Werk beschränkt, sei das Nominalkapital von 4,4 Millionen Mark zu hoch geworden— es soll halbiert werden. Der Buchgewinn von 2,2 Millionen Mark, der dadurch entsteht, soll zur Ti l g u n g des Verlustes und zur Stärkuno der inneren Reserven verwandt werden. Also sind bereits stille Reserven(wie hoch?) vorhanden; es sind auch noch offene Reserven(6,36 Millionen Mark) da— aber zur Verlusttilgung werden sie nicht herangezogen. Burgfrieden der Banken? Auf Konkurrenz im Sparverkehr soll verzichtet werden. Der Zentralverband des Deutschen Bank- und Bankier- gewerbes(E. V.), der Deutsche S p a r k o ss e n- und Giroverband, der Deutsche Genossenschaftsverband e. V., der Rcichs- verband der deutschen Landwirtschaftlichen Genossenschaften — Raifseisen— e. V. sowie der Deutsche Beamten- Genossen- schaftsverband e. V. haben im Interesse einer ruhigen und reibungs- losen Wiederaufnahme des Zahlungs- und Ueberweisungsverkehrs nach Maßgabe der am 1. August d. I. ergangenen Verordnung ihren Mitgliedern nahegelegt, sich in dieser Zeit aller Maßnahmen zu enthalten, die dem Zwecke eines Einlagenwettbewerbs auf Kosten anderer Kreditinstitute, sei es der eigenen Gruppe, sei es anderer Gruppen, dienen. Im Interesse der Wirtschast und des Publikums ist es wünschenswert� daß in dieser Zeit Geld- bewegungen zwischen Kreditinstituten nur insoweit stattsinden, als es den Bedürfnissen des normalen Zahlungsverkehrs entspricht. Solange die Sparkassen, Kommunalbanken und Genossen- schaften von Reichsbant und Reichsregierung schlechter b e» handelt werden als das private Bankkapital, scheint uns ein Burgfriede solange falsch, als das private Bankkapttal sich nicht selbst gegen die Kreditmoral auf doppeltem Boden von Reichs« bank und Reich aussprechen. Die Verluste bei Rordstern. Sanierung beschlofsen.— Oie Vormacht der rheinischen Gruppe gesichert. In der Generalversammlung der Nordstern- und Vater- ländische Allgemeine Versicherungs-A.-G. in Berlin wurde durch die beschlossene Sanierung endlich der Schluß-- strich gezogen unter eine Angelegenheit, die die Voraussicht unserer Wirtschaftsführer wieder einmal in merkwürdigstem Lichte zeigte. Im Herbst 1929 übernahm die Nordstern-Versicherung den Konzern Vaterländische und Rhenania, der nach Mitteilung des Nordstern im Kredit- und Transportversicherungsgeschäft Verluste in Höhe von 12 Millionen Mark erlitten hatte. Im Herbst 1936 ver- sprach die Nordstern-Verwaltung eine Dividende von 14 Proz. In diesem Jahre stellte sich bei den Bilanzarbeiten für das Jahr 1936 heraus, daß die Verluste der Vaterländischen nicht 12, s o n- dern 28 Millionen Mark ausmachten. Der Ausgleich der Bilanz für 1936 gelang durch Auflösung aller offenen und stillen Reserven und durch Höherbewertung der Aktiven(das letztere eine außerordentlich ungewöhnliche Maßnahme!) Man mußte aber eine Anlehnung andie rheinische Gruppe, die Aachener und Münchener Feueroersicherung und Colonia, suchen. Diese weigerte sich aber, eine Kapitalbeteiligung auf Grund der vorgelegten (ausgeglichenen') Bilanz zu übernehmen. Also mußte die Nordstern- Verwaltung für weiter zu erwartende Verluste(!) eine Rück- st e l l u n g vornehmen, wodurch die Bilanz mit einem Verlust von 4 Millionen Mark abschloß. Jetzt wurde die soeben beschlossene Sanierung notwendig. Das Kapital wird von 8 auf 4 Millionen Mark herabgesetzt und wieder auf 6 Millionen erhöht. Die neuen 2 Millionen Aktien werden von der rheinischen Gruppe zu 136 Proz. übernommen, die außerdem 1,1 Millionen Mark zusammengelegte Aktien von Großaktionären zu 166 Proz. kauft. Mit ihrem früheren Aktien- besitz zusammen besitzt dann die rheinische Gruppe eine Mehrheit von etwa 66 Proz. des Nordstern-Kapitols. In der Generalversammlung suchte die Verwaltung des Nord- stern ihr Versagen mit Hinweisen auf ihr Verantworwngs- bewußtsein(bei der Uebernahme der Vaterländischen) und auf die allgemeine Krise zu entschuldigen. Nur fünf Stimmen stimmten gegen die Entlastung des Aufsichtsrats. Wozu Mansfeld Geld Hai. Aus dem Bericht über eine Zwangsversteigerung der Burg Lenzen teilten wir vor einigen Tagen mit, daß die Mansfeld A.-G. eine Hypothek von 16 666 Mark an den Besitzer der Burg gewährt habe und daß das Geld wahrscheinlich verloren sei. Das letztere dürste richttg bleiben. Die Mansfeld A.-G. teilt uns aber mit, daß die in Frage kommende Hypothek auf die Burg Lenzen für die Mansfeld A.-G. als Treuhänderin von sieben deutschen Messingwerken eingetrogen wurde, und zwar als Sicherheit für Forderungen aus dem Jahre 1929 an eine zahlungsunfähig geworden- Berliner Schraubenfabrik. Dem Besitzer dieser Schraubenfabrik gehöre Burg Lenzen. Mansfeld habe für die be- treffenden Messingwcrke durch die Hypothekeneintragung versucht. sich an dem Privatvermögen des Besitzers der Schraubenfabrik schadlos zu holten. Der Wert der Burg— jetzt werden 2666 Mark geboten. D. R.— sei damals auf mehrere hunderttausend Mark geschätzt worden. 2 Kstschla<|e fül" die Schönheitspflege auf der Reise 1. 2utt natürlichen Bräunung der Haut sei!« man vor und nach der Besonnung die Haut, in: besondere Gesicht uich Hände, mit Creme Leobor gründlich ein; man erzielt bann ohne schm-rzhaste Siküing eine gesunde, sonnengebräunte Houtsärbung.— Creme Leobor— scttfiei, rote Packung, selthattig, blaue Packung— Tube eo Ps. und 1 Mark, Leobor-Cbel-Stise so Ps. 2n all» THIorodont-Dertausssiellen zu Hab». 3»r Eelangu", jchSntr weißer Zähne putze man früh und abends dl- Zähne mtt der c:lrqlj:;ch-n Zahnpaste Chlorodont, die auch an den Seitenflächen mit Heise der Chtorodont- ahnbürste einen iorodont« tigen Gla Chlm» [cujjt.— Chlorodont-. " ibcrbürstt 60 iahnpqste, Tube 54 Pf. und 36 Pf» — v»Bt-JKiwlnailI«t 1 Mark. Eine faule Gründung. Man sucht Dumme unier den Heimarbeitern. Mir hoben bereits vor der neuesten Gründung, dem angeb- üchen„Reichsverband Deutscher Heimarbeiter", gewarnt. Der „Kozialdemotrotische Presssdienst" schreibt darüber: Don wem geht die neue Gründung aus? Nach unseren Jnfonna- tionen handelt es sich nicht um eine Gründung von unten heraus, d. h. um eine Aktion der Heimarbeiter selbst, sondern um ein Unternehmen von Leuten, die glauben, mit den Hei mordet- tern Geschäfte machen zu können. Man braucht sich nur die Satzungen der Neugründung etwas näher anzusehen, dann weiß man schnell Bescheid. Den Mitgliedern wird neben einer Aufnahmegebühr der Bei- trag für drei Monate im voraus abgefordert und der Austritt von vornherein erschwert: denn bin Ausscheiden hat schriftlich durch Einschreiben drei Monate vor dein Quartalsersten zu erfolgen. Die Mitglieder werden in Ehrenmitglieder, ausübend« und unterstützende Mitglieder(passive) ein- geteilt. Die Ehrenmitglieder und der Vorsitzende blei- den b ei t ra g s s rc i. Der Vorsitzende hat in diesem famosen Ver- band überhaupt die meisten Rechte. Er und seine wenigen Vor- standsmitglisder haben sich in einer sogenannten Vorstands-Haupt- Versammlung selbst eingesetzt und unterliegen keinerlei Wahlen weder durch die Mitglieder, noch durch eine General- Versammlung. Anscheinend haben sie sich selbst aus Lebenszeit be- rufen. Di«„ausübenden" Mitglieder haften mit ihren Bei- trägen für den Verband in jeder Form. Für den Vorsitzenden und die Ehrenmitglieder besteht eine solch« Haftung nicht. Wie steht's nun mit den Rechten? Den„ausübenden", also d«n zahlenden Mitgliedern wird die Nutznießung folgender Rechte in Aussicht gestellt: Kostenloser Rechtsschutz, Verbands- Zeitschrift, Landaufenthalt(natürlich nicht umsonst), Streikkasse und die Gestellung eines Verhandlungsführers. Der Ausbau dieser im K 5 vorgesehenen Einrichtungen wird jedoch von einer Mit- gliederzahl von SO 000 abhängig gemacht. Also erst wenn SO 000 Mitglisder ausgenommen find, können diss« hoffen, daß die geschilderten Einrichtungen wirklich geschaffen werden. Wenn Mitglisder«in Vierteljahr oder länger arbeitslos find, können sie«ine— Beitragsermäßigung von 50 Proz. beanspruchen. Kann ein solches Organisationsgebilde den Heimarbeitern helfen? Die Antwort darauf ergibt sich von selbst. Schon das Zusammen- werfen aller Hennarbeiter m eine Organssation. wie es das Statut vorsieht, ist ein Fehlgriff: denn dadurch wird die not- wendige Verbundenheit der Heimarbeiter mit den Berufskollegen verlorengehen. Die Interessen der Heimarbeiter in den einzelnen Sparten der Bekleidungsindustrie z. B. find mit den Werkstattarbeitern genau so verknüpft wie die Jnter- essen der Heimarbeiter in der Tabatbranche mit den Arbeitern der größeren läbakbetrieb«. Und so liegt es in allen anderen Industrie- gruppen. Di« Heimarbeiter können in der Wahrnehmung ihrer Lohn- und tarifpolitischen Interessen von den anderen Branchenau gehörigen nicht getrennt werden. Den Gründern dieser mehr als merkwürdigen neuen„Heim- arbeiterorganifation" scheint das Wesen der modernen Arbeiter- bewegung und die von den Gewerkschaften in den letzten Jahr- zehnten für die Heimarbeiter und Heimarbeiterinnen gelesstete Arbeit völligfremdzu sein. Sie wissen nichts von den Heimarbeiter- schutzkongressen, nichts von den Heiniarbeiterausstellungen, nichts von den unzähligen Lohn- und Tarifkämpfen der Gewerkschaften für die Heimarbeiterschaft. Wenn die Heimarbeiter mit der Wahr- nehmung ihrer Interessen aus die Neugründung hätten warten müssen, dann wären sie bestimmt längst verhungert. Die G e w e r k- schaften— sie allein waren den Heimarbeitern in Not und Mühsal ein guter Kamerad, und zwar den Heimarbeitern aller Branchen. Wenn es den Heimarbeitern zur Zeit besonders schlecht geht, dann aus dem gleichen Grunde, aus dem die gesamte Arbeiterschaft in erster Linie unter den Nackenschlägen der Krise leiden muß. Zersplitterung und gegenseitige Bekämpfung—- sie sind der größte Feind der Arbeiterschaft. Zusammenfassung der Kräfte und Konzentrievung der Energie auf die wichtigsten Aus- gaben: Brot und Arbeit— sie sind das Gebot der Stunde, nicht aber unnütze Organisationsspielereien, mit denen nur einigen gut- gläubigen armen Teufeln die sauer verdienten Groschen aus der Tasche geholt werden. Gewerkschaftsarbeit ist keine Vereinsmeierei, die nur Geld kostet und nichts einbringt. Immer noch mchr Organssationen, rote, gelb«, schwarze, schwarzweißrot« usw.— das ist den Unternehmern gerade recht. Den Arbeitern nutzt es nichts. Was der gesamten Arbeiter- schast und insbesondere den Heimarbeitern not tut, ist«ine straffe Organ! sationsverbundenheit in ihren zuständigen B e- rufs- und Industrieoerbänden, und deswegen kann der Ruf für die Heimarbeiter und Heimarbeiterinnen nur lauten: Keine Organifationszerfplitterung! Hinein in die freien Gewerkschaften! Russisches oder deutsches Recht? Die Garaniiebank nach öeuischem Recht verurteilt. Die Garantie- und Kreditbank für den Osten war schon wieder eimnal beim Berliner Arbeitsgericht zu Gast. Im Gegensatz zu den meisten früheren Prozessen suchte diesmal sin russischer Staatsangehöriger, vertreten durch den Allgemeinen Derbond der Deutschen Bankangestellten, sein Recht. Der Kläger war bis zum Dezember 1923 bei der Russischen Handels- »«rtretung in Revol tätig, schied dort auf eigenen Wunsch aus, war dann in Berlin bei deutschen Unternehmungen beschäftigt und trat im Juni 1Z2S in die Dienst« der Garantie- und Kreditbank für den Osten. Anfang Juli d. I. wurde dem Kläger plötzlich gesagt, er solle sofort nach Rußland fahren und dort in der Aus- landsabteilung der russischen Staatsbank arbeiten. Der Kläger weigerte sich, dieser Aufforderung nachzukommen. Einmal sei er in Deutschland für die Garantie- und Kreditbank in Berlin und nicht auch für Arbeit in Rußland engagiert worden. Zum anderen aber, und dos sei der wichtigste Grund seiner Ablehnung, sei seine Frau sterbenskrank, so daß es ihm auch aus diesem Grunde un- möglich sei, der Aufforderung nachzukommen. Der Kloger behauptete auf den Einwand hin, er könne auch wegen seiner schwerkranken Frau nicht nach Rußland gehen, sei ihm von einem Direktor geantwortet worden, das seien bürgerliche Sentimentalitäten, an die er sich nicht kehren brauche. Er soll« seiner kranken Frau nur sagen, daß er für vierzehn Tage ver- reise und ihr nachher schreiben, er könne nicht zurückkehren. Der Vertreter der Garantie- und Kreditbank, dem diese Behauptung des Klägers vor aller Oeffentlichkeit sichtlich peinlich war, suchte sie dadurch zu entkräften, daß er erklärte, der russische Direktor be st reite diese Aeußerung, im übrigen sei ihm aber.auch eine solche Aeußerung gar nicht zuzutrauen Seinen Antrag auf Abweisung der Klage begründete er damit, daß der Kläger angeblich von Rußland zur Garantie- und Kreditbank noch Verlm abkommandiert worden ist, demzufolge als russischer Staatsbürger unter russisches Recht falle, das jeder- zeilige Zurückberufung nach Rußland und im Fülle der Weigerung zur Rückkehr Me fristlose Enktaswng des Betrefteriden zuMe� Der Vertreter des Kläger» führte jedoch den schlüssigen Beweis. daß der Kläger in Deutschland engagiert worden ist. und neben anderen Gründen auch schon deswegen unter deutsches Recht falle, well die Garantie- und Kreditbant als Mitglied des Arbeitgeberverbandes der deutschen Banken ihm das tariflich festgelegte dreizehnte Monatsgehalt gezahlt habe. Da die Garantie- und Kreditbant den Nachweis schuldig geblieben sei, daß der Kläger nach Berlin abkommandiert worden ist, und der Kläger das Recht habe, die deutsche Gerichtsbarkeit für sich in Anspruch zu nehmen, müsse die Direktion verurteilt werden, ihm das Gehalt für die gesetzliche Kündigungszeit bis zum 30. September und seinen bis dahin fälligen Anteil an dem dreizehnten Monatsgehalt zu zahlen. Das Arbeitsgericht, unter Vorsitz des Amtsgerichts Dr. Ascher, schloß sich der Aufafssung des Vertreters des Allgemeinen Verbandes der Deutschen Bankangestellten an und verurteilte die Direktion zur Zahlung des Gehalt, bis Ultimo September und zur Zahlung von 231 Mark als Anteil vom 13. Monatsgehalt, sowie zur Tragung der Gerichtskosten. Wenn ein Ausländer, so führte der Gerichts- Vorsitzende in seiner Urteilsbegründung aus, der schon jähre- .lang in Deutschland lebt und sich an die deutschen Sitten und Gebräuche gewöhnt hat, eine Stellung in einem Betriebe an- nimmt, dessen Borstand sich aus seinen Londsleuten zusammensetzt. so gelte für ihn deshalb noch nicht das Recht des Landes, aus dem er und seine Arbeitgeber stammen Kassen und Aerzte. Eine Vereinbarung. Zwischen den Krankenkassen und Aerzten ist ein Burgfriede proklamiert worden. Die bisherige einseitige Be- lastung der Versicherten durch die Notverordnung war unerträglich geworden. Die Krankenkassen hatten deshalb wiederholt nachdrück- lichst darauf aufmerksam gemacht, daß der bestehende Zustand aus die Dauer unmöglich von den Versicherten hingenommen werden könne. Nunmehr ist es zwischen den Krankenkassen und Aerzten zu einer Vereinbarung über den Abbau der Ho- norare gekommen. Die Neuregelung bringt Abschläge von den Kosten der ärztlichen Behandlung in Höhe von 10 bis 20 Prozent, gestaffelt je nach der Leistungsfähigkeit der ein- zelnen Kassen. Das Abkommen gilt vorläufig auf unbestimmte Zeit. Es soll so bald wie möglich durch eine endgültige Regelung ersetzt werden, die alle zwischen den Krankenkassen und Aerzten bestehenden Streit- fragen bereinigen soll. Für die Dauer des vorläufigen Abkommens ruhen zunächst alle Streitigkeiten. Äuchdruckerstreik in Köln a. Rh. Im kommunistischen„Volksentscheids".»!««. In der„S ozialistischen Republik", dem kommunist!« schen Blatt in Köln, das am Moniag nach zweiwöchigem Verbot wieder erscheinen sollte, ist die Belegschaft in den Streik getreten, weil die Geschäftsleitung all« Löhne auf den Mindest- satz des Tarsses herabsetzen und den Ausschluß der Kün- d i g u n g einführen wollte. Kommunistische Panikmache. Schwindel für den Volksentscheid. In der üblichen typographischen Aufmachung berichtete die „Rote Fahne" vom Sonnabend über„Massenentlassungen in der Berliner Metallindustrie". In dem Artikel waren genaue Angaben über die Zahl der Arbeiter einer Reih« von namentlich aufgeführten Beirieben enthalten, die zur Entlassung kommen sollten. Wir haben die Angaben des Stalinhelmblattez nachgeprüft und folgende Feststellungen gemacht: Der Betrieb R a b o m a in Borsigwalde, der angeblich still- gelegt werden soll, befindet sich zwar in finanziellen Schwierig- keiten, doch besteht Aussicht, daß diese behoben und der Betrieb aufrechterhalten wird. Bei der Firma Ehrich u. Graetz wird wohl kurzgearbeitet, doch wird die Firma voraussichtlich keinen Gebrauch machen von dem Antrage auf Abbau eines Teils der Belegschaft. Die„Rote Fahne hatte behauptet, daß hundert Arbeiter entlassen werden. In der Knorrbremse würden nach den Angaben des Stalinhelmblattes S00 Arbeiter entlassen werden. Diese Behaup- tung hat sich das Blatt aus den Fingern gesogen. Von einem Abbau der Belegschaft ist nirgends etwas bekannt. Bei den N i l e s w e r t e n in Weißensee werden nicht, wie das genannte Blatt behauptet hat, Entlassungen vorgenommen, es besteht vielmehr Aussicht, daß weitere Einstellungen erfolgen. Die Kündigungen bei Schwardkopff, Scheringstraße. sind eine vorsorgliche Maßnohm«, es ist jedoch keineswegs sicher, daß sie durchgeführt werden.« Bei B o r s i g in Tegel sind nicht hundert, sondern drei Ar- beiter entlassen und dreißig in andere Abteilungen oersetzt worden. Lei der Firma Promethea» m Reinickendorf sind nicht 100, sondern 10 bis IS Arbeiter entlassen worden. Bei A r o n, Charlottenburg, werden nicht 700 Arbeiter ent- lassen, es wurden im Gegenteil 12 neue Arbeitskräfte ein- gestellt. Stock Motorpflug verlegt seinen Betrieb nach Heidelberg. weshalb der Berliner Betrieb geschlossen wird- Lei Jach mann sind insgesamt 13 Arbeiter entlassen, aber 3 wieder«ingestellt worden. Das Aolschewistenblatt mit dem Hakenkreuz bemerkt, daß es die Liste über Massenentlassvngen in der Berliner Metallindustrie ndch beliebig erweitern könnte. Daran zweifeln wir nicht. Auf einen Schwindel mehr oder weniger kommt es den Leuten, die den saschi- stischen Volksentscheid als„roten" Volksentscheid ausgeben, gewiß nicht an. Den Behauptungen der vereinigten Diktaturfteunde ist jetzt vor dem Volksentscheid mit zehnfachem Mißtrauen zu begegnen. „Roter" Volksentscheid-Schwindel. Verleumdung der AEG.-Arbeiter. Nach den Lügenberichten der„Roten Fahne" herrscht in den Be- trieben eine Begeisterung für den„roten" Volts- entscheid, die kaum noch zu beschreiben ist. So berichtet« dos Berliner Stahlhel.nistenblatt z. B. am Sonnabend u. a.. daß auch in einer gemeinsamen Betriebsversammlung der beiden AEG- Betriebe Brunnen st raß« und Ackerpraß« zu dem „roten" Volksentscheid Stellung genommen und eine Entschließung angenommen wurde, in der dieser Volksbetrug der Kommunisten be- grüßt wird. Wir sind den Spuren dieser Verleumdung der AEG.-Arbeiter nachgegangen und haben festgestellt: Die RGO. hatte zwar die etwa 6800 Köpfe zählende Belegschaft der beiden AEG.-Betriebe zu einer Versammlung eingeladen, die sich mit dem Volksentscheid beschästigen sollte. Etwa 75 RGO.-Anhänger. also rund ein Prozent der Sesamlbelegschas' der beiden Betriebe, waren dieser Einladung gefolgt. Einem sozialdemokratischen Betriebsangehörigen, der sich durch Zwischenrufe bemerkbar machte, kündigt« man ziemlich unverhüllt eine„proletarische Abreibung" an. so daß er es vorzog, da» Feld zu räumen. Diese„Massenversammlung" der RGO. hat dann die jetzt überall umlaufende kommunistische Entschließung für den schwarzweißroten Volksentscheid angenommen, die nun fälschlich als Willenrausdruck der gesamten Belegschaft der beiden AEG.-Betriebe ausgegeben wird. Uebrigens: Gibt es in den beiden Betrieben jetzt nicht mehr als 75 Sommuuifieu samt den Sympathisierenden oder sind alle übrigen„Revolutionäre" von dem Arbeiter- verrat der KPD.-Zentrale nicht so„begeistert', wie man es der Oeffentlichkeit vorzutäuschen beliebt? Kundgebung der Gewerkschastsjugend. Di« frei« Gewerkschaftsjugend Berlins veranstaltet- am Somi- abend im Film, und Bildawt der Stadt Berlin eine sehr einbrvck?- stark« Antikriegskundgebung. die so gut besucht war.»ß nicht einmal der groß« Festsaal ausreichte. Die Veranstaltung war von starkem Verantwortungsbewußtsein getragen: denn sie zeigte der Jugend da, wahr« Gesicht des Krieges. Dazu benutzte man in geschickter Abwechslung alle Mittel, die Satire und die Statistik,-r- greifend« Kriegsromane und kitschig« Illustrationen sowie oen Film,./ »Di« S o m m e". Durch die Veranstaltung, die nur Tatsachen sprechen lvß wurde die Wachsamkeit der Jugend neu aufgerüttett und sie z» ihrer Aufgabe gestärkt, die darin besteht,»in für allemal Kriege zu vereiteln.__ SPD.-VetriebOsurrktionLrr! «» Mittwoch um im Uk- in den Mnfilersälen, gaisor-Vilholm-Str N. n-ichtia« ftanfoKn* cDer BctiicSsfunftionörc..Di« wirtschaftlich« nnd sinanzirlk Lage Lentschlnnda." S«fcr«nt:»r. Zri» RaphtaU. Scnaff-n!»in bitten«noi. oll««n diesem Dag« gep lauten D«rar.stalt>mg-a ,n»«rtage» nnd ttsUo*->" welrnd zu sin. ffnnJtlonärtatt« nnd P«rt«imitgll-d,dnch sin»»nr L-giti. uatton mitzndringen._ Sa» Batrieb»s»tr-tar-«t. �reie Gewerkschafts-Zugenö Verlin Hnu«. livi lldr, tagen die Saivv-n:«bl«t»hof:-rtfchaft«n»um Lwooe-.Pior. — Schinno, id«: Iuaandheim NicderschönlMtid«. Kerlinor Str. ZI. �'------ low: Jngonthtim N«f«raU.—»c. _____________________________________ ffmiCBcMCWtttt. Stbbtng: ZuaanZdaim Willd«n«wsir. 5, II, Zmunar U. H«inichpr«ch>tnz Sttn.gteiicndng: Iua-ntch-im»unt-rftr. U»oimdesprtchung.„ Fraoi tutt« OT«: Iuo«ntch«im Siimut Str. 1«. H«wid«svr«chuna.— Lichtend«-- Iug-Ndhtim Dasststr. 22. tzrivtdesvrechung.— Ost« ob«: Iug-Ntch«-»«arlHho-ss. Trrrtamall«, U lttant-Lchul»). fttkg dem fleugt.— Xttvhm: Säj-ile BWdor. druchstr. M-M(Hortztmm-r). tzmmbtsprtchung.—»«gStz: gn,,ndh-im Flnmmngstr.:«>. Htimdesprtchung. .�uaendqnlppe des Zentralverbandes der Anqestellten H«uk. Ditnatag. findtn folgtnbt»«ranftaltunoon statt: Rordw.', _ tzugtnlchtim Led-tlr Str. 18— IB. Vortrag:.Di« Btdeutung der Piess- Ntfcrint: flunkel.— Lichtenberg und Lsttn: Wir besuchen die verlammlunq de» ffictbebtjtri*.— Der Sprech, und Dtloegungichv, ltdt ab 20 1ll,r in de? Turnhall» varuther Str. 20.— Spiel« int Freien ab 18 Uhr auf dem Sport. Plast Tiergarten, im Schillerparr, auf der Wies» 8 im Treptmvtr La-l unp ab 1» Uhr Temptlhoser Feld. Flughafeneingang. f Am 1. Ausrast rerstarb nach langem,«cbwaram Leiden im Altar von 39 Jahren unser« liebe Tochter, Sohweater und Schrrügerin, meine henensgute Mutti, Frau Anna Maria Bleck geb. Schumann In tiefster Trauer Oswnld Schumann und Familie. Margit Bleck. Berlin-Mahlsdorf, Fauststr. S. Die Einäscherung findet am Donnerstag, dem 6. August, nachmittags 4'/, Uhr, im Krematorium Treptow- Baumschulenweg, statt. Sonnabend, den l. August 1981, oe> schied nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann,»rudtr. Onkel und Sroßonkei, der Gastwirt Adolf Mcycr Oberberget Straß« 89, im 78. Leben»- sahre. WUwe Augui'e Meyer geb. rSebig Die EinSscheruug studet am Mitt- woch, dem S. August 1931. 17-/, Uhr, im flremaiorium(Berichtstraße statt Bekanntmachung. Die in der Zeit vom 1. Oktober bis 31. Dezember 1929 versetzten Pfänder sind versteigert worden. Heber- schüsse sind bis zum S. No- oember 1931 abzuheben. Staatliches Leihamt. parieinachrichten sürGroß-Bertin Sinsendungen für diese Rubrik sind »» r l t» S««, Sindenstruße Z. stet» in da»»,,irk»srtretar>«» Z.H»s.Z kreppen recht», zu richten Beginn aller Veranstaltungen IS',- Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! Heule. Dienstag. 4. August, Zlugblallverbreilung von folgenden Lokalen aus: i. IB. 24. 32. 41. 43. 45. 4«. 48. 52. 71. 81. 82. 88. 8». itr. 29. 19 Uhr giusMÜHtt oen Snnden», Nen> »dt. 17 Uhr bei Mit». Abt. Be�irksfiihrer holen burger Str. 3. ab. Abt. Ab 18 Uhr sslugblaiwerbreihmg von folgenden Sokaloi aus: 1. Gruppe: Rösner, Iimnanuelkirchstr. 25. 1». Gruppe: Abischläger, Winz- Ecke Ghristbirrger Slraße� 2. Gruppe: Bieberstein, Gongiger Str. 48. 3. und 4. Grnppk: Korbl»r, Greiiswalder Str. 80d kEchwrigerhäuschen). »bt. 21 Ubr ffunktwnärsihuug bei Bollentin. Arautstr. gg. Abt. Flugblaitperbreitung von den bekannten Lokalen au». Material ist von SÄTulz, Mariendorfcr Sir. 5, abzuholen. Abt. 18 Uhr von den gahladendlokalen. Di« Bezirksfiihrer holen das Material um 17 Uhr von Krepp. Ab«. 17 Ubr Abholung der Flugblätter durch die Gruppen von Ionekeit, Rcichrnberger Str. 7»a. Abt. Ab 17 Uhr bei Eichholz, Euvedstr. SS. «bt. 18 Ubr bei«eller. Mrstenstr. 1. Abt. Ab 171« Uhr Lokal Bad«. Kaiscrin-Augufto-Alle« SS. Ab«. Bon lg bis 20 Uhr bei Lau. Hilbegarbsi». 14. «bt. 18 bis 19 Uhr Flugblatlverbeiitung tili den 4. med 6. Bezirf von Baginsti, Stubenrauch. Ecke Taunusstroße, Abt. Um 18 Uhr Zahlabendlokal. Abt. 18 Ubr Besprechung»er Abteilungsleitung mit den Bezirkssiihrern »nb FlugdlaUausgobe bei Görlitz, Ehausteestr. 19. Abt. Um ISVj ljhr Zahlabendlvkalen. «.«M. BezkikoMrer holen He Mugbklitt« tum» Uhristratze23a. Ecke Alt-Mvabit. Wo? kaufen Sie polierte Schlafzimmer, Birke, Mahagoni, Ahorn, Birnbaum, Stuhbaian, schon von 650,— Mark an? 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Allein ist es nie: immer stehen Menschen bei ihm. Mitleidige Frauen, neugierige Kinder; denn es ist nicht schön, es hat zu schwere Beine und einen zu knochigen Leib, und es ist Überdies blind; die Augen sind nichts als zwei flache, ausdruckslose Hebungen in dem langen Kops, sie schimmern sad wie schmieriges Porzellan. Diese Häßlichkeit wäre abstoßend, wenn nicht die Haltung des Hauptes wäre: es ist schräg gegen den Eingang der Kneipe geneigt, genau in der Haltung, die menschliche Blinde haben, wenn sie lauschen... Was des Pferdes gespitzte vibrierende Ohren zu hören scheinen, das ist Peter Rönncbecks angetrunkene Stimme— Peter Rönnebeck ist der Besitzer des Wallachs und des durstigen Acker- wagens, vor dem es steht; Peter Rönnebeck hat ihm auch den schönen Namen gegeben: Johannes; nicht Hans, bitte schön, sondern aus- drücklich: Johannes; Peter Rönnebeck hat überhaupt Sinn für das Schöne— und eben dabei packen sie ihn jetzt dadrin. „Nuja," meint der Schlächter aus der benachbarten größeren Stadt,„dat mag ja woll sind, dat der Jaul noch son bißken ziehen tut. Awwer du kannst dir doch dadermit nich sehn lassen! Die Leute lachen dir jo aus! Sieh mal—" „Ich kann jo nischt nich dafür, daß Johannes blind is," unterbricht Peter und lallt schon ein bißchen.„Wie ich aus'n Krieg kam und mit'n zum Tierarzt jing, war's schon zu spät." „Sagt ja ooch keener!" ruft der Schlächter,„lln dadrum jehts ja ooch jarnich. Daß der Jaul in zwee Monaten reif is fiir'n Schinder mit seine zwanzig Jahre, wenn ich ,n nich nehme— das weeste doch selber. Un das mit Jnadenbrot un Jnadcntod ist doch Quatsch— heutzutage! Ich jebe fuffzig Mark, is mein letztes Wort; da kannste een neuen mit anzahlen, ick will'n dir sogar ver- schassen— eenen, wo de dir kannst mit sehn lassen. Na...?— Nach einer halben Stunde kommt Peter Rönnebeck endlich aus der Kneipe und klettert auf seinen Wagen— komischerweise ohne Johannes über dos Maul gestreichelt zu haben, was er sonst immer tat. Das blinde Tier ist viel empfänglicher für Liebkosungen und für ihr Ausbleiben als ein gesundes; es wird nervös und nimmt die Schritte kurz, wirft viel den Kopf; das wird noch schlimmer, als es einen ungewohnten Weg geht: den zur Kreisstadt, Peter aus dem Sitz aber denkt traurig„Es merkt, daß es sein letzter Gang is— awwer versprochen is versprochen.. Es wird rascher dunkel als Peter glaubte; denn es war muh später geworden im Gasthof, als er annahm. Und es ist März— , um Mittag war's sommerlich warm, jetzt ist's umgeschlagen und eiskalt. Peter wickeli sich in alle möglichen Decken; da wird ihm tatsächlich warm, das macht aber den Kopf noch wirrer, als er schon durch den Alkohol ist— und als er nach einer halben Stunde aus dem Halbschlaf auffährt, muh er einsehen, daß er sich verfahren hat. Er wendet um; es tut ihm leid, daß Johannes' Todeswcg stch ver- längert;. aber er hat's dem Fleischer versprochen, noch heute zu kommen. Das Dunkel hat überall gesiegt, es hat schon den letzten Schein vom Westhimmel gewischt; Peter kennt dies« Gegend auch nicht recht, die Wagenlaterne hilft auch nicht viel; soviel aber ist zu erkennen, daß die Straße, auf die sie nach einer halben Stunde kommen, auch nicht die rechte ist. Di« Wärme verschwindet plötzlich aus Peters Körper, er cnipsindct die schneidende Kälte wie eine Lähmimg. Johannes will rechts einbiegen, Peter hält das für falsch und reißt nach links, heftiger, als nötig wäre— das nervös« Pferd wirst sich zurück und dann im Galopp»ach rechts, ein Kilometerstein, ein Straßengraben, ein splitternder Krach— eine Achse ist gebrochen... Peter, der sonst gutmütige Peter, haut, sinnlos vor Wut, au das Pferd ein. Es steht ganz ruhig unter den Schlägen, den Kopf wie lauschend zurückgeneigt, wieder mit dieser rührend menschlichen Geste— aber Peter kann das nicht sehen im Dunkel. Fluchend und oft nach Johannes stoßend macht er ihn von den Strängen los: es bleibt ihm nichts übrig, als den Wagen hier zu lassen und das nächste Dorf zu suchen; bis Marow, wo er zu Hause ist, müssen es mindestens zwei Wegstunden sein. Eine halbe davon haben Mann und Pferd zurückgelegt: aber es zeigt sich nichts Belebtes und nichts Bekanntes. Und Peter ist müde, so entsetzlich müde... er gibt sich keine Mühe, die Eiszapfen aus seinem knisternden Bart zu wischen oder seine starr werdenden Füße zu reiben: er hat nur den sehnsüchtigen Wunsch, ein Weilchen zu schlafen, ein ganz kleines Weilchen, nicht liegend am Boden, das wäre unvernünftig, sondern stehend, gelehnt an das Pferd. Johannes kennt dies Verfahren, er hält schön still in solchen Fällen. Hat wenigstens immer stillgehalten— heute tut er's nicht. Was ist in die Schindmähre gefahren? Peter drischt wütend draus los. Das Pferd kümmert sich nicht darum, es gelst in den Wald hinein, der um die Straße ist. Es gelingt Peter, es zum Stillstehen zu bringen, schließlich auch zum Umkehren. Das aber hat seine Kräfte erschöpft. Und als nun ein Krachen unter seinen Füßen und eine kaum erahnbare leere Fläche vor seinen Augen ist, also Eis also ein Teich oder ein See, und Dunkel und Frost und Müdigkeit und vielleicht der Tod... da wehrt er sich gegen nichts mehr, da hängt er sich in die Stränge und läßt sich von Johannes ziehen. Es geht ihm durch den Sinn, daß dies alles die Strafe dafür ist, daß er das Pferd an den Schlächter verkauft hat... das ist aber natürlich Unsinn... im Gegenteil... wenn's nicht blind wär, das Vieh, war dos heute nicht passiert... einen sehenden Gaul braucht Peter Rönnebeck, Gotts Donner... Er schläft ein— im Gehen. Manchmal will er stehen bleiben — Johannes läßt ihn nicht. Manchmal fällt er hin— dann bleibt Johannes stehen dreht sich mühsam und sorgsam in den Strängen um und stupst ihn erst zart und dann derb mit dem Maul ins Gesicht, bis er fluchend aufsteht. So geht der seltsame Zug durch den Wald, ohne Weg und, wie es Peter vorkommt, ohne Sinn... Stundenlang? Nächtelang? Peter weiß es nicht... In den Schlaf? In den Tod? Peter ist es gleich... Sonderbarerweise ist Johannes bei seinem Lauf qucrnxrtdein aus eine Straße gekonnncn. Sonderbarerweise hat er sie nicht über- schritten, sondern ist in sie eingebogen und sie entlang gegangen, be dächtig und zielgcwiß. Sonderbarerweise fühlte sich Peter plötzlich von einer Laterne angeleuchtet, von Händen gerüttelt und gerieben, von Stinnncn umfragt und umsorgt: sonderbarerweise wurde er in einen Hof und ein Haus und ein Bett geführt, und er fand sonder barerweise, daß Hof und Haus und Bett sein eigen waren; daß sein blindes Pferd den Weg nach.Hause gefunden hatte; daß er aber ohne dies Pferd-- etwa mit dem neuen, das er da von dem Schlächter -- pfui Deibel! Und Peter Rönnebeck, der eben noch kaum zu wecken gewesen und nur mit fremder Hilf« aus den steifgcfrorencn Kleidern und' ins Bett gekommen war— Peter Rönnebeck stand plötzlich noch einmal auf und ging in den Stall zu seinem blinden Pferd, und da blieb er lange drin; und dann kam er raus und schrieb noch in später Nacht einen Brief an den Schlächter in der Kreisstadt; und enidlich tat er das, weshalb er nachher noch jahrelang im ganzen Dorf für ein bißchen wunderlich galt: er ging nochmals in den Stall und zeigte den Brief dem Pferd, als ob die blinden Augen ihn lesen könnten. Orinoco Quelle enldeckl! Eine dreizeilige Notiz macht die Runde durch die Weltpresse; ihr Inhalt, über den man in diesen Tagen hinwegliest, würde in ruhigeren Zeiten das größte Aussehen hervorgerufen haben. Die Quellen des Orinoco sind endlich entdeckt worden! Auch in Zeiten wie den gegenwärtigen kann uns dieses Ereignis nicht gleichgültig lassen. Bedeutet es doch die erfolgreiche Enträtselung eines der un- bekanntesten Gebiete der Welt, vor dem unser Deutschland zusammen- schrumpft, einer Welt sur sich, mit ungeheuren Strömen, endlosen Urwäldern und Savannen, einer phantastisch bunten Tierwelt und Bewohnern, die primitiv und furchtbar zugleich sind. Wir wissen, daß der Amazonenstrom der größte Fluß auf unserem Planeten ist, aber wie es in seinen Urwäldern aussieht, wie dieses ganze Herz- stück Südamerikas gestaltet ist, hat man bisher nur oberflächlich er- forscht, und manch einer, der es unternahm, in die Wildnis vor- zudringcn, hat seine Neugierde mit dem Tode bezahlt; das Schicksal der Expedition des Obersten Fawcett ist noch in frischer Erinnerung. Der Orinoco ist der drittgrößte Strom Südamerikas; fein Flußlauf 2-tOO Kilometer lang, sein Stromgebiet, zu dem nicht weniger als �36 Nebenflüsse gehören, eine Million Quadratkilometer groß. Der Rhein ist 1225 Kilometer lang, sein Stromgebiet erstreckt sich nur über 193 000 Quadratkilometer— und welche Bedeutung hat schon dieser Strom als Grenze, Verkehrsweg und Wohlstandsquelle für ganze Völker! Alle Maße, mit denen der Orinoco zu messen ist. spotten unserer europäischen Vorstellungen: das Delta des Stromes ist 25 000 Quadratkilometer groß, ein unübersehbares Gewirr von Mündungsarmen, Kanälen, durch Schlammablagerungen gebildeten Inseln. Wenn zur Regenzeit der Orinoco über seine Ufer tritt, wird er zu einem ungeheuren See, ja fast zum Meer; das Wasser ist dann bis zu 190 Kilometer breit. Aber auch in normalen Zeiten hat der Fluh an manchen Stellen eine ungeheure Ausdehnung. Alexander von Humboldt, der ihn vor 130 Jahren befahren hat, erzählt, daß der Flußlauf bei den Bergen von Encaramada so breit ist, daß die Berge aus dem Wasser emporzusteigen schienen, wie wenn man sie über dem Mecrcshorizont sähe. Humboldt ist diesen gewaltigen Strom hinaufgefahren, und er hat sich nicht durch die Schnellen zurückschrecken lassen, die den Ober- lauf bei ültures abschließen. Es ist einer der spannendsten Berichte der Entdeckerliteratur, den der große deutsche Gelehrte über die Fahrt durch die Stromschnellen und Katarakte gegeben hat. Er legte seinen Weg in einer Piroge zurück, einem mit Axt und Feuer ausgehöhlten Baumstamm von 13 Meter Länge und 4 Meter Breite. Diese Pirogen, das Verkehrsmittel der Indianer feit Jahrtausenden, sind beweglich, und sie erfordern, weil sie so wenig Widerstand leisten, eine so gleichmäßige Verteilung der Last, daß man, wenn man einen Augenblick ausstehen will, den Ruderern zurufen muß. sich auf die entgegengesetzte Seite zu lehnen; ohne diese Vorsicht liefe das Wasser notwendig über den geneigten Bord. Es ist unvorstellbar, wie Humboldt mit den Indianern tage- und wochenlang in diesem elenden Fahrzeug eine so gewaltige Leistung vollbringen konnte. Freilich, der Anblick der Natur entschädigte ihn für alle Mühen. Immer wieder schildert Humboldt das großartige landschaftliche Bild, die Felsen und aufeinandergetürmten Granitbläcke an den Ufern, die verfallenen Burgen gleichen, die gewaltige Naturszenerie des tosenden Stromes, der durch eine ununterbrochene Reche von Katarakten j seinen Weg zieht, die ungeheuren Schaumflächen des Stromes, aus der riesige Steinmassen cisenschwarz aufragen. Die einen sind, je zwei und zwei beisammen, abgerundete Massen, Basalthügeln ähn- lich; andere gleichen Türmen, Kastellen, zerfallenen Gebäuden. Ihre düstere Färbung hebt sich schwarz vom Silberglanz des Wasser- schaums ab. Jeder Fels, jede Insel ist mit Gruppen kräftiger Bäume bewachsen. Vom Fuß dieser Felsen an steht, so weit das Auge reicht, eine dichte Dunstmasse über dem Strom, und über dem weißlichen Nebel schießt der Wipfel der hohen Palmen empor. Zu jeder Tages- stunde nimmt sich die Schaumfläche wieder anders aus. Bald werfen die hohen Eilande und die Palmen ihre gewaltigen Schatten dar- über, bald bricht sich der Strahl der untergehenden Sonne in der feuchten Wolke, die den Kataxakt einhüllt. Farbige Bogen bilden sich, verschwinden und erscheinen wieder, und im Spiel der Lüste schwebt ihr Bild über der Fläche. Humboldt, der die ganze Welt gesehen, gesteht, daß kaum ein anderer Anblick ihm einen solchen Eindruck gemacht habe wie das Schauspiel der Katarakte des Orinoco. Und dabei ist dieses Bild, das der große Reisende mit poetischer Kraft geschildert hat, nur ein Teil in dem phantastischen Gemälde, das der ganze Orinoco darbietet. Bald liegen die Ufer weit am Horizont, bald tritt der Urwald dicht an das Wasser heran. Darin gleicht der Orinoco seinem größten Bruder, dem Amazonas: in beiden strömt das Wasser trüb und gelb dahin, zwischen Mauern turmhoher Vegetation, die zu Fuß fast undurchdringlich ist. In den sandigen Ufern sammeln sich, wie Up de Grass schreibt, Schildkröten und Alligatoren. Große Sümpfe dehnen sich meilenweit auf beiden Seiten. Wälder von Hartholz wechseln mit Palmen, auf den zahl- losen Inseln wachsen riesengroße Bambusstauden. Tapire und Wasserschwein«, Ameisenbären, Jaguare und Affen bewohnen die Wälder. Tukane, Araras und zahllose Mengen anderer schwatzen- der Papageien umschwirren die Bäume oder fliegen pfeilschnell über den Strom. Wie luftige Juwelen schweben Kolibris über den Blumen; ihre winzigen Schwingen zittern gleich Schmetterlings- flügeln. In den Schlupfwinkeln der Sümpf« lauern Anakondas von gewaltiger Größe. In den Gewässern beider Ströme leben Zitteraale, Stechrochen und der gefräßige kleine Fisch, der Earibc, der wegen seiner Bissigkeit bekannt ist Unendlich vielfältig zeigt sich die eingeborene Bevölkerung: zivilisiert« Indianer und zahlreiche Wildstämme, die„Jndos bra- vos", der Schrecken der auf einer höheren Stufe Stehenden, Erd- esser und Jäger, Indianer, die nach Schildkröteneiern suchen und an Händler aus den Städten das Schildkröteneieröl verkaufen. Auf einer Insel des Orinoco, der Pesca de Torwgas, findet all- jährlich die Eosecha, die Eierernte, statt. Man besucht dieses Stück des Orinoco, wie man bei uns die Leipziger Messe besucht. Soweit das Auge an den Ufern hin reicht, liegen Schildkröteneier unter einer Erdschicht. Man schürst nach ihnen mit einer langen Stange, um zu sehen, wie weit die Eierschicht reicht. Nach den Mönchen, die zur Zeit der spanischen Herrschaft in die tiefft« Wildnis vordrangen und dort ihre Missionsstationen er- richteten, waren es deutsche Gelehrte, die den Orinoco erforscht haben. Nach Alexander von Humboldt betätigten sich die Brüder Schomburgk und unmittelbar vor dem Krieg der deutsche Gelehrte Koch-Grünberg. in dieser Weltgegend mit dem besonderen Ziel, die Quellen mrfzusinden. Aber alle Forschungen wurden in ihrer Ge- I«ouigkeft dadurch beeknkrkkchkkgk, daH N? fers vev Iwn» Kckeg«ff« astronomischen Ortsbestimmungen in unbekannten Gebieten unter dem Mangel einer zuverlässigen, transportfähigen Uhr litten. Erst als die drahtlose Telegraphie erfunden war, hatte man das Mittel, überall auf der Erde die Greenwicher Zeit zu erhalten und damit «ine fortlaufende Kontrolle der Chronometer zu gewährleisten. 1913 fand in Paris eine internationale Konferenz für drahtlose Zeitüber- tragung statt, die für die ganze Erde ein Netz von Funkstationen festlegte, welche Mittags- und Mitternachtszeit bestimmter, von Grecnwich aus gerechneter Stundenzonen drahtlos an jeden Be- sitzcr eines Empfangsapparates weitergeben sollten. Die erste deutsche Expedition mit drahtlosen Empsangsapparatcr» war die deutsche Orinoco-Erpedition, die kurz vor dem Krieg zusammen- gestellt worden war. Der Ausbruch des Weltbrandes hat sie ver- hindert, ihr Ziel zu erreichen. Anderen ist es geglückt, die große Entdeckung zu machen, der deutsche Gelehrt« so wirksam den Weg geebnet haben._ Sorbecks Jlhenleuer Ton'.Karl Schalst Der Arzt Dr. Sorbcck bewohnte eine Villa, die tief in einem Garten lag. An einem Abend gegen 10 Uhr saß der Arzt lesend in seinem Zimmer. Seine Frau war mittags zu ihrer Schwester gereist; ein Telegramm hatte sie nach dort gerufen. Das Haus- niädchen hatte um Ausgang gebeten, so daß Dr. Sorbeck allein im Hause weilte. Da erklang die Flurglocke. Kam das Mädchen schon heim? Aber die hatte doch einen Schlüssel mitgenommen. Als Dr. Sorbeck öffnete, stand ei.i Mann vor ihm.„Wie kommen Sie denn in das Haus?" „Ich fand die Tür offen." „Die Haustür offen?" fragte Dr. Sorbeck.„Das ist sonderbar." Der Arzt sann einen Augenblick. Dann zu dem Manne:„Was wünschen Sie?" „Ich möchte Sie bitten, zu meiner kranken Frau zu kommen." Dr. Sorbeck wollte erst nicht. Er ließ sein Haus zu dieser Zeit nicht gern ohne Aufsicht. Schließlich gab er doch den Bitten des Fremden nach, zumal da dessen Wohnung nicht allzu fern war. „Hier hinein, Lzerr Doktor!" Der Mann öffnete eine Tür am Ende des Flurs. Das Zimmer war dunkel. Nur durch den Spalt einer Tür zum Nebenzimmer drang ein schwacher Lichtschein. „Wo liegt die Kranke?" „Nebenan. Sie schläft. Sie leidet an einer besonderen Krank- hcit." „So— und was ist das für eine?" „Sie stiehlt mir meine Ideen. Wenn Ich arbeit«, tritt sie unbemerkt hinter nüch. Ich fühle das, kann mich aber nicht da- gegen wehren, wenn sie mir meine Gedanken raubt." „Das ist ja sonderbar." Dr. Sorbeck wurde mißtrauisch. Der Mann machte Licht.„Sonderbar?— Nein, durchaus nicht — sie will sich rächen. Aber sie soll ihr Ziel nicht erreichen. Ha, ha, ha— nicht erreichen!— Sic schläft jetzt— da wird es ge- lingen!" „Was?" „Sie müssen mir Helsen, müssen diesen Herd in ihrem Gehirn zerstörem— den Schädel anbohren— die Stelle, wo dieser Wille sitzt, vernichten— radikal vernichten." Dr. Sorbeck merkte, daß er es mit einem Irren zu tun hatte. Das war böse. Er sah sich im Zimmer um. Der Mann beobachtete ihn scharf. Als der Arzt einen Schritt nach der Tür zu machte, sprang jener mit einem Satz vor, verschloß die Tür und zog den Schlüssel ab.„Gefangen", murmelte Dr. Sorbeck. ,/Tie kommen nicht, herqus.— erst müssen Sie getan hälKVfs was ich vetlassge,"'Der'.Mahmzög einen Revolver hervor.„Wssst fahren Sie nicht, schieße ich Sie nieder!" Jetzt hieß es Ruhe bewahren. Vielleicht bot sich ein Ausweg, dachte Dr. Sorbeck. Zu dem Mann gewandt:„Ich habe ja noch gar nicht gesagt, daß ich Ihnen nicht helfen will." Der Irrsinnige steckte die Waffe wieder ein, behielt aber die Hand in der Tasche. „Ich befürchte nur, Ihre Frau wird erwachen, wenn ich die Operation vornehme." „Erwachen?— Hihi, ich gab ihr ein tüchtiges Puloer— sie wacht nicht auf." „Schön— aber Instrumente muß ich doch erst haben." „Instrumente?" Der Irrsinnige sann nach.„Geht es nicht mit einem Bohrer?— Den habe ich da.— Gewiß, das geht!— Sie nehmen den Bohrer— keine Widerrede!— Sie bohren in das Gehirn..." Der Mann lauschte an der Tür.—„Sie schläft noch. das Puloer wirkte doch gut." Der Mann öffnete die Tür ein wenig. Dr. Sorbeck trat näher und sah eine junge Frau, bis an den Hals zugedeckt, auf einem Chaiselongue liegen. Er streift- den Irrsinnigen dabei am Rock. Sofort schob der den Arzt zurück und schloß die Tür.„Sie wollen mir wohl meinen Revolver wegnehmen, he? Den halte ich fest! Sehen Sie. so." Der Mann bewegte die Waffe vor dem Gesichte des Arztes hin und her. Diesem wurde recht unbehaglich zumute. Sich zur Ruhe zwingend, sagte er:„Stecken Sie die Waffe ein; sie könnte losgehen, und die Kugel könnte mich treffen. Dann kann ich Ihnen nicht mehr helfen." „Hm, da haben Sie Recht." Der Mann steckte den Revolver wieder ein und setzte sich aus einen Stuhl nahe am Fenster. Es schien, als lauschte er. Auch Dr. Sorbeck setzte sich. Was würde nun kommen? Minute aus Minute verrann. Plötzlich stand der Mann wieder aus. Unruhig ging er hin und her, hatte scheinbar den Arzt vergessen. Dieser dachte daran, zu versuchen, vorerst ein- mal in das Zimmer zu gelangen, in dem die Frau lag. Er stand auf. Sofort nahm der Irrsinnige eine drohende Haltung ein. Dr. Sorbeck setzte sich wieder. Vielleicht beruhigte sich der Kranke, wenn auch er sich selbst ruhig verhielt. Dem Arzt dünkte die Zeit des Wartens endlos. Da ertönte auf der Straße das Hupensignal eines Autos. Zweimal kurz, ein- mal länger. Der Irrsinnig? sprang zum Fenster und im gleichen Augenblick wieder zurück. Ehe sich Dr. Sorbeck dessen versah, war er im Finstern Im Nebenzimmer ertönte Gepolter. Eine Tür wurde zugeschlagen. Dann war es still um den Arzt. Dr. Sorbeck lauschte.-- Was war geschehen? Er machte Licht. Die Tür zum Nebenzimmer stand offen. Vorsichtig schlich der Arzt zur Tür — das Zimmer war leer. Wo waren der Geisteskranke und die Frau?— Als Dr. Sorbeck nach seiner Befreiung in seine Wohnung eilte, tellte er fest, daß der Schmuck seiner Frau und die wertvollsten Teile seiner Sammlung geraubt waren. Er war in eine Falle getappt. Das Telegramm an seine Frau war eine Fälschung ge- wesen, der Ausgang des Mädchens hing ebenfalls mit der Ge- chichte zusammen Und das Tollste: Er war einem der Bande auf- gesessen, der ihn aus der Wohnung lockte und so geschickt den Irren 'pielte. daß er, der Arzt, sich täuschen ließ.— Deshalb schwieg Dr. Sorbeck über dies Erlebnis und fand sich mit dem recht er- heblichen Verlust ob. Verantwortlich für Politik: Tr. Siirt«eyer: Wirtschaft: 6.«linactdötcr- lücwcrlschattsdcwcauna: d. Steiner:'.Zeuilleton: Dr. 3olin Schitowotj. Lotoleo uni Sonktiaes: Sri» SarftoM;->Ii„eijien: ZI,.«locke: samtlich in Berlin Verla«: Vorwarts-Verta««. m. b. S).. Berlin. Druck: Borw-rts-Buckünm�r-t in» Verlaasanstalt Paul Sinacr u. Co.. Berlin EW.«z, Lindenftrake 8, Hierzu 3 Beilagen. Die uneigennützige Schwerindustrie. Sie saniert die Oanatbank- mit Mitteln, die das �eich ihr vorschießt! Es geht abwärts mit Hitler. Oeutschnationale Betrachtungen. Hilgenberg hat vor««mgen Tagen die Bründung einer eigenen.Lausma cht' angekündigt und dabei verlauten lassen, daß er wahrscheinlich schoi, demnächst ein« ganze Reihe Unterführer vor die Tür setzen werde. Diese Ankündigung ist u. a. darauf zu» rückzuführen, daß ein TeU der deutschnationalen Unterführer von Hugenvergs Nazi-Kurs sehr wenig entzückt ist. In Pommern hagelt es beispielsweise nur so Rundschreiben gegen diesen Nazi-Kurs. Dor einigen Wochen konnten wir darüber ein Rundschreiben an die Ber- trauensleute der deutschnatianalen Partei in Grimmen vcröfsent- liehen. Heute liegt uns ein jvlches Rundschreiben, ebenfalls jüngeren Datums, an die Funktionäre des deutschnationolen Vereins in Schlaw« vor. Ihm entnahmen wir über die Entwicklung ÄerNazi-Lewegung s»�jendos: „Die Situation, in der stich der Nationalsozialismus heute befindet, ist eine analoge wie diejenige der Deutschnationalen zur Zeit der Dawes-Abstimmung, also durchaus krisenhaft. Die Tatsach«, daß es der NSDAP, in Oldenburg noch gelungen ist, weiteren Stimmen- Zuwachs zu erzielen, ist sympchnnatifch nicht mehr auszuwerten. Das lawinenartige Anwachsen der NSDAP, hat aufgehört. der Fortschritt ist relativ uoheachtlich, die Bewegung als solch«, welche bereit» in Parteidogmqn erstarrt und durch den Kadaver- gehorsam, wie ihn Hitler neriodigt, vollkommen überzüchtigt ist. ist über den Aulminationeipunkt bereits hinweg. Das von den Nazis und auch von Herrn Hitler neuerding» wieder im Moabit« Prozeß so gern im Mund« geführt« Moment des.Lereinftrömens neu« Wastini' ist überaus versänglich, weil fich darunter, nachdem das Privatleben des Pg. Herrn Hitl« nicht mehr interessiert, sehr viel polnische» Treibholz befindet und die Mafien wohl Mitläufer, aber kein« Mitkämpfer sind, ohne welche nun einmal die aus Stoßkraft aufgebaute und be- rechnete NSDAP, nicht vorwärts» kommen kann. Gerade aber die aktiven Element«, insbesondere dw öA.» und SS.-Leute, beginnen allmählich doch sehr nachdenklich zu werden, wenn sie imm« und immer wieder hören müssen, wie Ad als Schritt fürSchritt zurückgeht. Eine Spaltung in der NSDAP, ffl nicht mehr ausznhalter wenngleich die ziffernmäßigen Auvwirkungen d« Stennes-Aktwn nicht übermäßig ins Gewicht fallen. Die Vorgänge Otto Strasser, Oberleutnant Mendt. Ludin und Scheringer, sowie Hauptmann Stennes beginnen sich aber geradezu katastrophal dahingehend aus» zuwirkcn, daß die Unfehlbarkeit Hitlers einen ganz erheblichen Stoß erlitten hat und heute weit« Kreise der NSDAP, bereits mit einem kritischen Maßstab an die Münchener Führung herantreten, welcher der NSDAP, als einer auf zwei Augen aufgebauten und Kadavergehorsam voraussetzende Partei keinesfalls forderlich sein kann. Die Spaltpilze wirken bereits, was sich auch in einer ununter- brachen zunehmenden Nervosiläl Hitler» bemerkbar macht. Der lZOpferdige Mercedes des kleinen Dr. Goebbels, sowie der Braune-Haus-Dctrieb in München und der neu« Mexcede«- Benz de« großen Adolf, übrigens der teuer st e Wagen der Automobilausstellung, erinnern eben zu sehr an Zeiten, in denen man solche Leute als Parvenüs bezeichnete. Di« Rück- wirkunden solcher Torheiten sind eben unvermeidlich und weder durch fulminant« Ausruf« noch durch rücksichtslose Ausmerzung gerade der kritischen, übrigens wertvollsten Element« aufzuhalten. Die NSDAP, unter Hitler hat ihren Zweck verfehlt, seit- 1iem PS avfgchört'har. ein?" revolutionäre Partei zu sein. D« ehr- liche, au» wirklich rein idealistischen Gründen kämpfend« Jeil ist zweifellos die Richtung Stennes. '... ZPir haben genug Beweise, daß die NäZis den sogenannten Burgfrieden mit uns absolut nicht halten.(Beweise stehen gern zur Verfügung.) Stets wird gegen uns gehetzt, wenn meist auch nur versteckt. Pommern war immer national. Das Anwachsen der Nazi» bei uns geschieht nuraufunserc Kosten. Stecken wir also den Kopf nicht in den Sand, sondern Augen auf und aufgepaßt, sonst wird der Tag kommen, daß wir schuldig sind, wenn Deutschland bolschewistisch fft..." Die deutschnationale Schilderung der Zustände in der NSDAP, stimmt in vieler Hinsicht genau mit dem überein, was man in letzt« Zeit aus dem Nazilager gehört hat. Es fit schlecht um die Zukunft des Nationalsozialismus bestellt. Die Agitation«» Methoden der„Parvenüs' vom Schlage Hitler haben hemmend auf die Bewegung gewirkt. Wenn die Entwicklung so weitergeht, wird «s in den Mitgliederlisten der Parvenüs bald ebenso faul au»- sehen wie in ihrer Kasse. Wem wird geholfen? Zweierlei Maß bei Reich und Reichsbank. Bei den Vorbereitungen für die englische Wiederingang- setzung eines normalen Zahlungsverkehrs haben die maß- gebenden Instanzen des Reiches und der Reichsbank offen- bar immer noch nicht begriffen, welche entscheidende Be- deutung es hat, daß die Wiederingangsetzung nicht nur an den von ihnen besonders geliebten Stellen der Großbank- welt, sondern an allen Stellen, auch bei den öffent- lichen Banken und Sparkassen klappt. Man hat den schweren Fehler gemacht, die Zahlungswiedcraufnahme bei den Sparkassen nicht gleichzeitig mit der Oeffnuna der Bankschalter erfolgen zu lassen. Die Nachteile dieser Zwei- teiluna müssen um so fühlbarer werden, je länger der zeit- liche Abstand wird. Bis heute aber find Ent- scheidungen über die notwendige Vorsorge für die Sparkassen noch immer nicht ge- troffen! Während mit Reichsmitteln und Garantien die Garantie- und Akzeptbank für die privaten Banken bereits in Gang gesetzt ist, ist die Frage des Anschlusses der Sparkassen und öffentlichen Banken, die Frage der Gründung einer be- sonderen Lombard- und Akzeptbank für die Befriedigung der Zahlungsmittelbedürfnisse dieser Institute noch immer . unentschieden, und es wächst damit die schwere Gefahr und das schwere Unrecht für die Sparkassenkunden, daß sich die reguläre Wiederaufnahme des Zahlungsverkehrs in diesem Bezirk noch weiter verzögert. Wir halten das für unerträglich und mahnen erneut mit allem Nachdruck Reichsbank und Reichsregierung, endlich von dem Messen mit zweierlei Maß abzugehen und die Interessen der öffentlichen Banken und Sparkassen nicht als zweitrangig gegenüber den Interessen der privaten Banken zu behandeln! Im Augenblick erscheint besonders wichtig, daß. nachdem die Vollaufnahme des Spartassenverkehrs leider noch ver- tagt ist, wenigstens die Girozentralen vor Schwierig- leiten bei der Wiederaufnahme des Bankzahlungsverkehrs geschützt werden. Diese Schwierigkeiten drohen dadurch, daß die Garantie- und Akzeptbank es abzulehnen scheint, die Girozentralen in ihren Geschäftstreis einzubeziehen, während eine andere Hilfsstellung, die selbstverständlich die öffentlichen Banken genau so wie die privaten gebrauchen, noch nicht geschaffen ist. Wenn man hier zaudert und wenn man wieder einmal glaubt, bei dieser Gelegenheit der öffent- lichen Wirtschaft eins auswischen zu können, so treibt man ein gefährliches Spiel, denn es wird durch diese un- gleichmäßige Behandlung der Gesamterfolg der Wieder- ingangsetzung des Zahlungsverkehrs gelähmt. Geradezu aufreizend ist das Messen mit zweierlei Maß an den Stellen, an denen sich Sanierungsaktionen als un- vermeidlich erwiesen haben. Während man über die not- wendige Hilfsstellung bei der Landesbank für die Rheinprovinz, obwohl es sich dabei um weit geringere Summen handelt, als etwa bei den Kapital- und Garantie- übernahmen bei der Danatbank und der Dresdner Dank, noch immer redet und nicht zu einem die Lage erleichternden Entschluß kommen kann, hat man die Sanierung der privaten Großbanken mit einer Großzügigkeit in der Zur- �e.rfügungstellung von öffentlichen Mitteln durchgeführt, die bei dem allgemeinen Krisendruck auf die Lebenshaltung der Bevölkerung geradezu aufreizend wirken muß. Das stärkste Stück ist. wie uns scheint, der Sanierungsplan bei der Danatbank. Hier solle» mit unverzinslichen Krediten des Reiches den industriellen Großinteressenten die. Aktien und damit die Herrschast über das Unternehmen und über die Abwicklung seiner Außenstände überantwortet werden. Also das' Geld vom Reich, das Risiko für das Reich, die Führung der Geschäfte für dieGroßindustri«! Auch bei der Dresdner Bank stehen die Reichs- mittel reichlich zur Verfügung, während man über die Art der Sicherung des Reichseinflusses auf die Geschäftsführung noch nichts gehört hat. Das Rechnen fängt bei den zu- ständigen Stellen erst an. wenn es sich einmal darum handelt. wenn auch mit geringeren Mitteln, einem öffentlichen Bant- institut beizuspringen, siehe Rh einprovinz. Glauben Reichsbank und Reichsreaierung wirklich, daß diese Bevorzugung privater Großinteressen, daß dieses Messen mit zweierlei Maß gegenüber der privaten Bankwelt und den öffentlichen Banken und Sparkassen im Augenblick der Krisenzuspitzung, an der gerade die Unfähigkeit der privaten Bantleiter entscheidenden Anteil hatte, geeignet ist, das un- bedingt notwendige Vertrauen wiederherzustellen? Wir fordern im Interesse der Sparkasseneinleger und im Interesse des Klein- und Mittelgewerbes, dessen Baken die Sparkassen find, daß nicht länger gezögert wird mit der notwendigen Gleichbehandlung dieser Institute mit den privaten Banken. Wir protestieren im Namen aller Steuerzahler gegen eine Verwendung von Reichsgeldern zugunsten der Jnter- essenten der Großindustrie, wie sie bei der Danatbank im Gange ist. Wir protestieren dagegen, daß das Reich Risiken übernimmt, ohne die Konsequenz daraus zu ziehen, daß ihm die entsprechende wirtschaftliche Herrschaft zufallen muß! Wir fordern, daß diese von den Interessenten beherrsch- ten Sanierungspläne unverzüglich revidiert werden und daß das Reich aus der Generalrisikoübernahme für die Banken, zu der es in dieser Krise gezwungen worden ist. die Konsequenz zieht und eine a l l g e m e i n e B a n k c n- aufsicht und Kapitallenkung einführt. Das muß geschehen im Interesse der Allgemeinheit, wenn sich auch die Wortführer der Privatwirtschaft dagegen noch so sehr sträuben. Weder ihre Leistung noch ihre Unfähigkeit, das Risiko zu tragen, berechtigen sie. mit großen Worten gegen die notwendige öffentliche Wirtschaftsführung zu kämpfen. Notwendig ist freilich eine Regierung, die sich nicht dem altgeliebten Interessentenhaufcn in die Arme wirft, sondern die selbst den Mut zur Führung hat! Ein Witz vom Tage. Die Dresdner Bank, die Danatbank. der Rordivolle-Konzern und Devaheim fiaben«in Konsortium gebildet, das fortan die Ga- rantie für all« finanziellen Transaktionen des Reiches übernimmt. An Genna explodier ic am Sormabendmorgen am Hauptbad nhof fm«« der"Anstmft des italienischen Aönigspaare» eine Bombe. Person»« kamen nicht zu Schaden; der Sachschaden ist jchmh ziemlich groß. Reichsbanner gegen Nörgler. Das Reichsbanner ficht auf ber Wacht. Di« Pressestelle des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, Bau Berlin-Brandenburg, übermittelt uns die folgende Entschließung der B«lin« Reichsbannerfunktionäre: „Die verantwortlichen Funktionäre des Reichsbanner» Schwarz- Rot-Gesid stellen mit Bedauern fest, daß-die„Welt am Wontag' mit dem in Nr 30 vom 27. Juki 1931 veröffentlichten Aussatz„Dprn- roschsn schläft— Da» Reichsbanner mich wieder marschieren lernen' den Boden sachlicher Kritik verlassen hat. Sie erklären, daß, wenn der Verfasser behauptet, der Beniner Sau sei selig entschlummert und unterstütze die Propaganda d« Reichsbann« rsunktionäre nicht. sein Urteil von keinerlei Sachkenntnis getrübt ist. 5m Gegensatz zu diesen Behauptungen ist im Gau Berlin feit Monaten stärkst« Aktivität wahrzunehmen, die fich freilich nicht nur in politischen .Kundgebungen und Aufmärschen, denen gewiss« Grenzen gezogen sind,«schöpft, sondern die viel mehr in der Aufstellung und Durchbilduno, der Schuf» und s y st e m a t i s ch« r Or. gonisationsarbeitinderProvinz zum Ausdruck kommt. Was«s bedeutet, daß seit dem 14. September 1930 mehr als 40 neue Ortsverein« gegründet wurden, vermag nur der zu, würdigen, der tätigen Anteil an dies« Arbeit nimmt, nicht aber jene, die sich nur in Nörgelei und unfruchtbarer Kritik ergehen. De» weiteren weisen die Berliner Funktionäre den in dem gleichen Aufsatz gegen den Berliner Gauvorsitzenhen Kameraden Stelling»unternommenen Angriff einmütig«zd mit aller Entschiedenheit zurück. Die unklare Formulierung de» Angriffs sopKe einzeln« au» der Lust gegriffen« Behauptungen— z. B. Kamerad Stelling sei auf Z Monate in der Provinz tätig uyd könne daher un- möglich die Geschäft« eines Gauvorsitzenden führen— lafien den, Schluß zu, daß e» dem Verfafier lediglich darauf ankommt, Miß- trauen gegen vi« Führung des Berliner Nsichsb«nn«s zu säen. Die Berliner Reichsbannerfunktionäre eryären demgegenüber, daß dieses Beginnen aussichtslos ist und daß sie nach wie vor in uner- schütt«lichem Vertrauen hinter ihrem Gauvorsltzenden. dem Kam«. raden Stelling, stehen. Die Berliner Fiuckllonäve pUea«odkch»U dkm IBudfimT fest, daß derartig wahrheitswidrige Ausführungen, wie sie in dem Aufsatz in der„Welt am Montag enthalten sind, nur den Geg» nern des Reichsbanners und der Republik nützen. Sie sind der Auffassung, daß es verdienstvoller ist. Innerhalb»es Reichsbanners mitzuwirken, als seine Arbeit von außen her durch unfiuchtbare Kritik zu stören. Dem Reichsbonner ist jeder Repu- blikaner, der gewillt ist, in seiner Front mitzukämpfen, willkommen, Miesmacher und Nörgler ober, die die in der gegenwärtigen Zeit so notwendige Geschlossenheit stören, lehnt es ob und ist auch nicht gewillt, von ihnen Lehren und Ratschlage entgegenzunehmen.' Volksparieiliche Lugend. »Wie die Alien jungen.. 2n Koblenz tagte am Montag die Führerschaft der im Hindenbqrg- Bund zusammengeschlossenen voltsparteilichen Jugend Im Mittelpunkt der Beratungen stand die Beteiligung am pneu- ßischm Volksentscheid. Der Hauptreferent«klärte, daß die oolksparteiliche Jugend im Kampf gegen Sozialisten und Kommu- nisten, aber auch gegen die Konservativen und die Nationälsozia- listen steht. Der Hindenburg-Bund hat sich ein bißchen viel auf einmal vor- genommen, und da er sein Kampsprogramm wohl selbst nicht ernst nimmt, wurde der Beschluß gefaßt, zunächst einmal mit den Kommunisten, den Hugenbergern und Nationalsozialisten zu- sammen zum Volksentscheid zu marschieren. Der«zreaktionäre Ianuschauer hat kürzlich einmal aus- gesprochen, daß die Deutsche Volkspartei vor einem Zusammen. gehen mit den Deutschnationalen erst entlaust werden müßte. Un» scheint, daß sich die Volkspartei bei dem Einreihen in die Front Thälmann-— Hftler neue Läuse in den Pelz setzt, die sie sobald nicht wied« loswerden wird. Die spanische Nationalversammlung setzt sich nach den«nd- gültigen Ziffern wie folgt zusammen: 14S republikanisch« Allianz. 114 Sozialisten, 56 radikal«(bürgerlich«) Sozialisten. 42 katalqnüche Link«. 28 Rechtsliberal«, 22 galizlsche Föderation, 19 Agrarier, 16 Basten, 14 Unabhängige, 3 Federale, 2 nationale Aktion und 2 nnakchängige Liberale. 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Eiektromonteur«, Ernalllirrrr, Bauaufchiäger, Jndustricjchmicde, «csteijchmiede. Kupferschmiede. Sagen und Hufschmiede. IttAfllfrtrnor II* Z>Utw»ch. Ben 12. August, oarmiltag» 11/, Ahr. Im ÄlUpiiPTper 11. Sihungsilmi Ben BerBouBshanfa». Liuieusir.BZ 85 Eisenkauftruktwu»-. Auto-. Maschweu-, Bau-, Schwarzhiech- und Sarosterie- schlaffer. IRAltlf(trlirr HI• vouuerafag. Bau 13. Ungnff. mittag* 12V, Ahr. im �tyuljllprpcr III. Slhnugslaal bes 8et6anBof)anfes,£inlenflc,83'8S: Eiseu-, Metall-, Beuolutt',«oruffell. und Bohrwerk-dreher, Schraubendreher, Rundschleiser,«iurichter, Autowaieueiurichter, Rohrleger, Rohriegerheiser. WahltörperlV: Sraoeure, giseieure,»firtier, DrBcker, Schieifer, Galoaniseure, Siseuformer, —...............-t---"' t, Felle--i---—- Mctallsorwer,«erumacher, Arbeiterinnen, ffelienhoner, S> orbetter, gigorettenmoschinenführer, Betriebehandwerter, :ei. nnd HUfa- >rfLhrrr. 5 Uberarbeiter» Mechaniker, Optiker, Uhrmacher, Bertzeügmacher, Scharsjchleifer, »rbeitertuueu. Tagesordnung: Beratung der Anträge und Wahl der Delegierten zur Generalversammlung am 24. August 1SZ1. guiritt haben nur diejenigen Mitglieder, die im Derdandßbuch die Beruf»- bezeichnung haben, für weiche bie Bersamnilungen einberufen find. Ohne Mitgliedsbuch und Arbeitslosenfarie kein guirili. Ole Optuveewsltung. 8-/.ubz vb. l-otl»rtbHer Straße 97. tMereröttmuig Sonnabend, d. 15. August Modern renoviert! Moderne Darbietungen! Trotzdem peitgemäßer Preisabhati Emil Heinrich Blii.'Niedersdiön]iaiisens Gennanenstr.36 Telephon Pankow 1886 BaasclUosserei. Tür- n. FensterbesclHäse AntüBgn• Sfliff elBerel, ElsenkDnstnifrtionen