Morgenausgabe Nr. 361 A 182 4S.Iahrgang Wöchentlich SV Pf, monatlich 3,60!R im voraus zahlbar, Postbezug 4.32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitun gS' und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands» obonnement 6.— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen» porto 6,— M. Der �Cortofirts* erscheint wochentäg» (ich zweimal, Sonntags und Montag, einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend" Illustrierte Beilage.Dolt und Zeür Ferner.Frauenstimme'. �Technik',.Blick in die Bücherwelt', .Iugend-Dorwärts'u..Stadtbeilage� AerUner Volksblatt Mittwoch S. August 1931 Groß-Äerlin 10 Z)f. Auswärts 15 Z)f. Die ein sp alt. Nonparetllezeil« 80 Pf. Netlamezeile S.— RM.„Kleine An- zeiaen" das fettgedruckte Wort 2b Pf. (zulassig zwei fettgedruckte Worte), sede, weitere Wort 12 Ps. Rabatt lt. Tarif. Stellengesuche das erste Wort IS Pf, jede» weitere Wort 10 Ps. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Wort«. Arbeitsmarkt Zeile 00 Pf Familien- anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3. wachen- täglich von S�/z bis l? Uhr. Der Verlag behält sich das Recht de« Ablehnung nicht genehmer Anzeigen«orl Jentvalovgan der Sozialdemokratischen zsavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 �entspr.: Donhosf(A 7) 292—297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlaa G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37 S3K.—Bankkonto: Banlder Arbeiter, Angcstclllen und Beamten, Lindenstr. 3, Dt. B. u.DiSc.-Gcl., Depositenk., Jerusalemer Str. KZ/K'I. Pleite bei Hugenbergs. Gtahlhelmgewinne auf Kosten anderer.— Hugenberg warnt vor Zahlungen für den Volksenischeid.— Die Finanzkrise der Oeuischnaiionalen. Die Konfusion bei der„großen Koalition" Hitler-Seldte- Hugenberg-Thälmann ist geradezu bewundernswert. Je lauter die Aufrufe zum Volksentscheid, desto größer der Katzen- jammer in den Reihen der Organisatoren der Niederlager. Wer noch daran zweifelt, dem mag das folgende Rund- schreiben des deutschnationalen„Parteiführers" ch u g e n- b e r g an seine Unterführer die Augen öffnen. Dieser Mahn- brief, kein Geld für den Volksentscheid, auch nicht vorschußweise, zu geben, wurde zunächst im M a i ver- sandt, dann aber, da er augenscheinlich nichts genutzt hatte, noch einmal im Juli erneuert. Er spricht Bänldc. Hier der Wortllaut: Deutschnationale Volkspartei. Der Vorsitzende. Berlin NW 7. den 20. Mai Ig3l. Reichstag. An die Vorsitzenden der Landesverbände. Wie mir berichtet ist, sind in vielen Landesverbänden erheb- l i ch e Mittel zur Vorbereitung des S t a h l h c l m v o l k s- Kegchrens aufgewendet worden, ohne daß vorher mit der ort- lichen Stahlhelmleitung Abmachungen über eine wenigstens anteilige Wiedererstattung getroffen wurden. Dadurch sind leicht vorauszusehende finanzielle Schwierigkeiten in den de- trofseoen Organisationen entstanden: zum Teil haben die Landes- oerbändc Schulden gemacht, zum Teil haben, sie den Beitrag an die parteizeulrale nicht geleistet. Am 7. Februar. 1931 haben die Landesverbände klare Anweisungen bezüglich der F i n a n z i e- rung de» Stahlhelmvolksbegehrens erhalten; unter anderem war darauf hingewiesen, daß eine finanzielle Unter st ützung, wie sie jetzt nachträglich von einem Landes- verband bei der Parteizentrale beantragt wird, unmöglich sei. Wörtlich hieß es weiter in der Anweisung: „Es wird daher empfohlen, die Propaganda in den Rahmen der allgemeinen Parteipropaganda einzuspannen, um besondere Kosten auch Kasten für Redner— zu sparen. Es wird im Interesse der Landesverbände davor gewarnt, die kosten für Sonderveranstaltungen für das Volksbegehren— auch nicht vor- ichußweise— aus die Landesverbände usw. zu übernehmen. wenn nicht die Bedürfnisse der eigenen Parteiorganisation ein- schließlich der Pflichtbeiträge an die Parteizentrale für das lau- sende Jahr sichergestellt sind. Wenn die Parteiorgani- s a t i o n organisatorisch und finanziell in Schwierig- k« i t e n kommt, ist der Kampf um Preußen, der mit dem Volksbegehren erst beginnt, bei dem Hauptkampf a u s s i ch t s» l o s." Ich habe ferner auf die Bildung eines besonderen Preußen- kampfsonds hinweisen lassen. Alle diese hinweise und Anregungen sind leider bei einigen Gliederungen nicht nur nicht beachkel. sondern in ihr Gegenteil verkehrt worden: man hat gestaltet, daß bei deutsch. nationalen Veranstaltungen Sammlungen für das Volksbegehren durchgeführt wurden, deren Ertrag nicht in den Händen der Partei- organisation blieb, sondern dem Stahlhelm zufloß, so daß— viel- fach ist es jedenfalls so gewesen— der parket die Rednerunkosten und ein großer Teil der Kleinarbeit, dem Stahlhelm aber die Ein- nahmen zufielen. Ich richte nochmals an die Landesverbandsoorsitzenden das dringende Ersuchen, die finanziellen Bedürfnisse der Partei allen minder wichtigen voranzustellen. Die finanzielle Krise ist die Krise der Partei: eine andere Krise gibt es nicht. Das politische Machtmittel der Deutschnationalen Volkspartei wird ausgeschaltet werden, wenn es nicht gelingt, diese Krise zu über- winden, wichtiger als ein Volksentscheid von zahlenmäßig un- sicherem und politisch problematischem Erfolge ist die Aufbringung der Mittel zur Erhaltung der Partei. Ich bitte daher nochmals darum, keine Schulden zu machen und überhaupt keine kosten für den Volksentscheid zu übernehmen, wenn nicht die Bedürfnisse der eigenen Parteiorganisation einschließ- lich der Pflichtbeiträge für die Partcizentrale sichergestellt sind. Ich ersuche Sie auch, bei den unterstellte» Gliederungen die Finanz- geborung in diesem Sinne zu überwachen. Andererseits bitte ich, die Sammlungen für den Preußenkampffonds, für die im Rund- schreiben Rr. 12 praktische Hinweise gegeben sind, fortzusetzen. Mit deutschem Gruß gez.: Hugenberg. Vereint marschieren untz vereint verlieren— das ist das Programm der Antipreußenfront. Aber vereint die Mittel dazu aufbringen? Nein, da geht die Freundschaft in die Brüche. Stahlhelm spielt Heilsarmee und sammelt. Hugen- berg bleibt schließlich mit seinen Papiersoldaten sitzen und hat außer den 23 Millionen bei der Danat-Bank auch noch die Stahlhelm-Thälmann-Hitler-Schulden zu decken. Das geht sogar seinem deutschnationalen Preußenherzen begreiflicher- weise zu weit. Jeder sammle vor der eigenen Tür und in die eigenen Töpfe! Eine zuckersüße Gesellschaft von Brüderchen, in der Tat! Brünings Warnung. Er geht n i ch t zur Abstimmung. Der Reichskanzler hat am Dienstagabend in seiner Rundfunkrede, die auf sämtliche deutsche Sender übertragen wurde, zum Volksentscheid erklärt, daß man ihn am Sonntag nicht an der Wahl» u r n e sehen werde. Wie wir dazu erfahren, trifft daS gleiche für alle Reichsminister zu. Der Reichskanzler und fämt» liche Reichsminister lehnen den Volksentscheid auS innen- und außenpolitischen Gründen ab. Das fette Oollarguiachten. fristlose Entlassung des Professors Everling. Der Reichsvcrkehr-minister hat, wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, Professor Everling, dem Bruder des rechtsradikalen Fürftenanwolts. den Dienstoertrog nach erfolgter Vernehmung frist. los gekündigt. Borher hatte Prof. Everling versucht, den Schein zu wahren und durch seinen Bruder sein Angcstelltenverhöltnis im Reichsvertehrsministerium kündigen lassen. Diese.Kündigung" Hot jedoch das Ministerium durch die fristlose Entlassung beantwortet. Der Fall Everling ist allerdings skandalös genug, um das scharfe Vorgehen des Reichsvertehrsministers z» rechtfertigen. Der Herr Professor hat es nämlich mit seinem deutschnationolen Gewissen für vereinbar gehalten, ohne die vorgeschriebene Geneh- migung seiner vorgesetzten Behörde ein Gutachten in einem Potentstreit gegen die Junkers-Werke für den Ford-Konzern ouszu- arbeiten. Besonders belastend für Everling war in diesem Fall, daß er sich als R c i ch s a n g e st e l l t e r zum Gutachter gegen seinen eigene» Arbeitgeber, das Reichsoerkehrsministeriuin, auf- schwang, denn Junkers wird in einem Umfang mit Reichszuschüsfen vom Verkehrsministerium versehen, daß hier in starkem Maße affent- liche Interessen auf dem Spiele stehen. Aber offenbar sind alle Be- denken dieser Art bei Herrn Everling im Hinblick auf das fette DollarhonoraroonHenryFordim Keime erstickt worden. Heraus zum Kampf gegen den Volksbetrug der Hitler, Hugenberg undThälmann! Freitag, den Z.August, 20 Uhr Große Versammlungen in folgenden lokalen: Saalbau Friedrichshain— Kliem's Festsäle, Hasenheide 15— Spfchernsäle, Splchernstr. 3 — Hochschulbrauerel, Seestraße— Atlantik- Säle, BehmstraBe 5, Ecke Badstraße Redner; Clara Bohm-Schuch, Arthur Crispien, Wilhelm Dittmann, Käthe Kern, Paula Kurgaß, Franz Künstler, Karl Litke, Otto Meier, Toni Sender, Mathlide Wurm Kontrolle der Banken. Aber keine„weifte Salbe"! Von Fritz Naphtali. 3n seiner gestrigen Rundfunkrede, über die wir an anderer Stelle berichten, hat Reichskanzler Brüning unter anderem auch gesetzliche Maßnahmen zur Sicherstellung einer Kontrolle der Bänke» angekündigt. Die Erschütterung der deutschen Wirtschaft durch die Vcr- trouenskrise der letzten Woche und der Zwang, an allen Ecken und Enden der Kreditwirtschaft die Hilfe des Reichs in Anspruch zu nehmen, hat die Erfüllung der Forderung nach Bankenaufsicht und Kapitalkontrolle zwingend gemacht. Die Interessenten laufen Sturm gegen den Gedanken. Ihre Widerstände sind auch noch keineswegs als überwunden anzusehen. Immerhin ist es ein Fortschritt, daß die Reichs- regierung unter dem Druck der öffentlichen Meinung die Rot- wend-gleit, auf diesem Gebiete zu handeln, eingesehen hat. Wir begrüßen es, daß auf diesem Gebiet etwas geschehen soll, wir wissen aber zugleich, daß der ganze Nutzen davon ab- hängt, was geschehen wird. Wir zweifeln nicht daran, daß starke Kräfte am Werk sein werden, um der Bankenaufsicht den Charakter der„weißen Salbe" zu geben. Wir halten es deshalb gerade jetzt für dringend notwendig, ausgehend von der Parole, die an dieser Stelle immer wiederholt worden ist:„W er das Risiko trägt, soll auch die Füh- rung habe n", einmal mit einigen Einzelheiten darzulegen, wie wir uns das Mindestmaß an Sicherung der öffent- lichen Führung im Bankwesen praktisch vorstellen. Das Ziel der Bankenkontrolle ist ein zweifaches: Erstens Aufsicht zum Schutze der Einleger und der Kreditempfänger der Banken gegen Mißwirtschaft und Versagen: zum Zweiten: Lenkung des Kapitalstroms im Interesse der Volkswirtschaft unter Zurückdrän- gung der bisher ausschließlich maßgebenden und in hohem Maße zu Fehlleitungen führenden Privatwirtschaft- lichen Entscheidungen der einzelnen Institute. Um diese Ziele zu erreichen, müssen die organisatorischen Voraus- fetzungen für eine staatliche Bankenaufsicht geschaffen werden. Für die gesetzliche Grundlage der zu schaffenden Banken- aufsicht stellen wir die folgenden Richtlinien auf:' 1. Das Reich hat die Aufsicht über alle Unternehmun- gen öffentlicher und privater Art, die Geldkapitalien leihen, um sie wieder auszuleihen. Die Reichsaufsicht über die Banken wird ausgeübt von einem B a n k e n a m t, das der Dienstaufsicht des Reichswirtschaftsministers untersteht. 2. An der Spitze des Bankenamtes steht ein vom Reichs- Präsidenten ernannter Präsident, der über die notwen- dige Zahl von Beamten und Wirtschaftsprüfern für die Durchführung seiner Aufgaben verfügen muß. 3. Ihm zur Seite steht ein Beirat, dessen Mitglieder- zahl nicht zu groß sein darf(höchstens 20 Personen) und in dem öffentliche und private Banken sowie Vertreter von Industrie, Handel und Landwirtschaft— Unternehmer und Arbeitnehmer paritätisch sowie einige unabhängige Wissen- schaftler— vertreten sein sollen. Der Beirat muß mindestens einmal monatlich zusammentreten und über alle generell zu treffenden Anordnungen des Bonkenamtes gehört werden. 4. Die Aufgaben des Bankenamtes: Das Bankenamt hat die P u b l i z i t ä t s p f l i ch t e n der ihm unterstellten Institute z u ü b e r n e h m e n, vor allen Dingen sich Monats- bilanzen weitgehender Gliederung, der Forderungen und Ver- pflichtungen einreichen zu lassen. Dem Bankenamt müssen von den einzelnen Instituten Kredite in jeder Form, die einen bestimmten Betrag, etwa eine halbe Million Mark, übersteigen, einzeln gemeldet werden. Dabei sind Konzerne mit Mutter- und Tochtergesellschaften als einheitliche Unternehmen für die Kredithingabe zu betrachten. Das Bankenamt hat das Recht, jede ihm nützlich er- scheinende Aufgliederung der Verpflichtungen der Banken oder der Außenstände zu seiner Unterstützung cinzu- fordern. Das Bankcnamt hat die Ausgabe, auf Grund der ihm zugegangenen Meldungen beteiligte Banken darauf hinzu- weisen, daß ein Unternehmen bei verschiedenen Bonken gleichzeitig nerschuldet ist. Das Banken- amt hat das Recht, von den betroffenen Banken die Ein- schränkung von Krediten zu verlangen, falls das Kredit emp- fangende Unternehmen sich nicht einer Untersuchung durch Wirtschaftsprüfer unterzieht und diese eine Aufrechterhaltung des Kredites befürworten. Das Bankcnamt hat generelle Anlagevorschristen zu er- lassen unter dem Gesichtspunkt der Liquidität und der Sicher- heit der Anlagen und unter dem Gesichtspunkt der volks- wirtschaftlichen Interessen der Kapital- lettkung. Im besonderen für diese wichtige Aufgabe der Lenkung des Kapitals durch Kreditgewährung in eine bc- stimmte Richtung hat das Bankenamt im Einvernehmen mit dem Reichswirtschaftsminister zu handeln, und es sind ihm nötigenfalls Sonderkommissare für die einzel- Nen Wirtschaftszweige zur Verfügung zu stellen. Dem Bankenamt sind alle von Bankinstituten geplanten Emissionen von Aktien oder Schuldoerschreibungen z u melden, und es steht ihm ein innerhalb vier Wochen aus- zuübendes Einspruchsrecht gegen die Emissionen aus Gründen der privatwirtschaftlichen Sicherheit oder der volks- wirtschaftlichen Erwünschtheit der Kapitallenkung zu. Das Bankenamt hat im Benehmen mit der Reichsbank, dem Reichswirtschaftsministerium und seinem Beirat die Auf- gäbe, Soll- und Habenzinsen festzusetzen oder hierzu Rahmenbestimmungen zu erlassen. Die Festsetzungen können sich nicht nur auf Zinsen, sondern auf alle sonstigen Kreditbedingungen erstrecken. 5. Die Ueberwachung: Die Durchführung der Richt- linien und Anweisungen des Bankenamtes ist im allgemeinen durch periodische Revision der Wirtschafts- Prüfer zu überwachen. Bei Banken, deren Verpflichtungen 50 Millionen Reichs- mark übersteigen, müssen ein oder mehrere B a n t k o m- m i s s a r e ernannt werden, die den betreffenden Banken zur ständigen Mitarbeit zugeteilt werden. Gegenüber diesen Bankenkommissaren besteht eine unbeschränkte Aus- k u n f t s p f l i ch t der Institute. Sie haben an allen Sitzun- gen des Borstandes, des Aufsichtsrates sowie an Versamm- lungen der Aktionäre oder Genossen teilzunehmen: sie haben das Recht, Beschlüsse aller Organe der Bant zu beanstanden. Im Falle der Meinungsverschiedenheit zwischen Bankkom- missaren und den von ihnen zu betreuenden Instituten ist die Entscheidung durch das Bankenamt zu fällen. Bei Zuwiderhandlungen gegen Maßnahmen des Banken- amtes ist der Reichsbank von dem Bankenamt Mitteilung zu machen. Dabei ist ein Zusammenwirken in der Weise anzu- streben, daß die Reichsbank dem Institut, das zu dieser Be- schwerde Anlaß gibt, den Kredit entzieht. 4- Wir haben vorstehend nur die wichtigsten Richtlinien ent- wickelt. Im besonderen wird die wirksame Durchführung der Aufgaben des Bankenamtes in Zukunft auch die K o n- z e s s i o n s p f l i ch t für neu zu errichtende Banken oder für Niederlassungen ausländischer Bankinstitute erforderlich machen. Es wird der Betrieb von Bankgeschäften an die Voraussetzung bestimmter Rechtsformen und bestimmter Mindestkapitalien zu binden sein. Dos Bankenamt muß vor einer einseitigen Bürokratisie- rung durch eine ständige materielle Zusammenarbeit mit einem kleinen, aber wirtschaftsdemokratisch aufgebauten Beirat gesichert sein. Es muh mit der Leitung der R e i ch s b a n k in engster Zusammenarbeit stehen, aber es muß von dieser Leitung unabhängig sein, und es muß, wo feine eigenen Befugnisse nicht ausreichen, jederzeit das Recht und die Pflicht zur unmittelbaren B e- richter stattung an die Reichsrcgierung hoben, um ihr rechtzeitiges wirtschaftspolitischcs Eingreifen erzwin- gen zu können. Entscheidend für eine nützliche Tätigkeit des Bankauf- sichtsamtes ist, daß die in ihm vertretenen Persönlichkeiten von gemeinwirtschaftlichem Geiste durch- d r u n g e n sind und ihre?lufgobe in dem Hinarbeiten auf eine gem ei n wirtschaftliche Lenkung des Ka- p i t a l st r o m s, auf eine Unterordnung der Funktionen oller Kreditinstitute unter die Interessen einer gesamtwirtschaft- lichen Führung erblicken. Wir wissen, daß dieses Ziel nicht von heute auf morgen erreicht sein wird, aber wir glauben, daß es einen ent- scheidenden Schritt vorwärts zur Gesundung der deutschen Wirtschaft bedeuten würde, wenn sich die Regierung auf diesem Weg zu schnellem und entschlossenem Handeln auf- rafft. Dabei muß jede Zaghaftigkeit und jede Rücksicht auf die Interessenten unterbleiben. Die Gesamtheit, das Reich und alle arbeitenden Menschen haben die Last der Funktionsstörung des Bankwesens, das wir in diesen Wochen nicht ohne Verschulden seiner bisherigen Führung erlebt haben, zu tragen. Deshalb gilt es auch, dem Risikoträger Reich schleunigst den Einfluß auf die Führung zu sichern, der ihm gebührt. Kein Verbot von Verfassungsfeiern. Sin Runderlaß des preußischen Innenministers. Aus republikanischen Kreisen ist die Befürchtung laut geworden, die von den versassung-treuen Organisationen für den 9. August d. I. geplanten Verfassungsfeiern könnten mit Rücksicht auf den am gleichen Tage stattfindenden Volksentscheid verboten werden. Mi« der Amtlich« Preußische Pressedienst mitteilt, weist der preu- ßische Minister des Innern in einem Runderlaß zur Vermeidung ran Zweifeln darauf hin, daß«in Verbot von Verfassungsfeiern keinesfalls in Frage kommt. Oer �Angriff" verboten. Stuf drei Tage. A /Ider Polizeipräsident teilt mit: Di« Tageszeitung„Der Angriff" est mit sofortiger Wirkung auf die Dauer von dreiTagen darboten worden, weil sie in ihrer Ausgabe vom Montag, dem 3 August, unter der Ueberschrift„Schluß mit der Mordkommune" Ausführungen brachte, die die öffentlich« Sicherheit und Ordnung gefährden. In dem genanntsn Artikel wird zu Gewalttätigkeiten gegen Personen, also zum Ungehorsam gegen G-setzc aufgereizt. In einem anderen Artikel der gleichen Ausgabe unter der Ueber- f�rift„Beleidigung der Polizei. Wieder ein Prozeß gegen Pg. Dürr" ist die Polizei beschimpft und böswillig ver- ächtlich gemacht worden. Brüning im Rundfunk. Eine politische Xede an Oentschlaud.— Ltebertragung nach Amerika. Der Reichskanzler Dr. Brüning hielt am Dienstag abend folgende Rede im Deutschen Rundfunk: Die deutsche Oeffentlichkeit Hai«in Recht darauf, von der Reichsregierung über die Gcschehnige der letzten Wochen unter- richtet zu werden, zumal die berufen« Volksvertretung, der Deutsche Reichstag, in staatsmännischer Einsicht dem Wunsche der Rcichsregierung gefolgt ist und von einer Sommcrtagung in diesen Krifenmonaten Abstand genommen hat. Die Reichsregierung mußte in den vergangenen Monaten in ihren Maßnahmen, vor allem in der Rcparationspolitik, ohne Rücksicht auf Agitationsbedürfnisse, behutsam vorgehen, weil sie sich gewister, in der Lage unseres Geldmarktes bedingter Gefahren bewußt war. Diese Politik wurde vielfach nicht ver- standen. Daher haben sich für Außenstehende die politischen und wirtschastlichcn Ereignisse in den legten sechs Wochen geradezu über- stürzt. Der Hoover-Plan ist in seinem wesentlichsten Inhalt Wirklichkeit geworden, wenn auch seine mehrwöchige Verzögerung schwere Rückwirkungen aus die deutsche Wirtschaft ausgeübt hat. Die in diesen Wochen erfolgte Entziehung kurzfristiger au-ländischer Kredite in Milliardenhöhe aus den deutschen Banken bedeutet für unsere Bolkswirtjchast einen plötzlichen und gefahrvollen Blutverlust. Starke Geht nicht hin! Artikel 6 der preußischen Verfassung, der sich mit Volksbegehren und Volksentscheid beschäftigt, schreibt inAbs.6 vor: „Anträge, dieVerfassung zu ändern oder den Landtag aufzulösen, bedürfen zu ihrer Annahme der Zustimmung der Mehrheit der Stimmberechtigten." Soll der Volksentscheid der Hitler, Thälmann und Hugenberg Erfolg haben, so muß die Mehrheit der Stimmberechtigten mit Ja stimmen. Mehr als die Hälfte der preußischenWähler, also mehr als 13,2 Millionen müßten mit Ja für die rechtsradikale Diktatur stimmen.— Jede Nein-Stimme bedeutet also eine Enttäuschung für die Volksentscheld ier. Die Parole heißt: Niemand geht zum Volksentscheid! Wer aber wirtschaftlich abhängig ist und Terror fürchtet, der stimmt mit Nein oder macht den Stimmzettel ungültig Störungen des ZaHlunge Verkehrs und Erschütterungen des gesamten Wirtschaftslebens waren die naturgemäße Folge. Ein bedeutsamer Fortschritt ist aber als Ergebnis dieser Krisis unoerkennbar. Heute ist sich die gesamte Welt darüber einig, daß die Geschicke der Völker miteinander auf da» engste verflochten sind, daß Störungen im Organismus eines so großen Wirtschosts- körpers wie Deutschland nicht ohne ernste Folgewirtungen auch im Ausland bleiben können. Kein Politiker kann mehr die Richtigkeit des Satze» bezweifeln, daß dce Not eines Volkes nicht der Vor- teil des anderen sein kann. Aus solchen Erwägungen, die trotz aller Hindernisse in steigen- dem Maße bei den entscheidenden Faktoren sich durchzusetzen be- ginnen, ist es inzwischen zu dem deutschen Staatsbesuch in Paris gekommen, dem sich alsdann die Sieben-Mächte-5wnferen.z in London anschloß. Dieser Konserenz folgten die Besuche der amerikanischen und englischen Staatsmänner in der Reichshaupt- stodt. Morgen abend begebe ich mich, einer Einladung der ita- lienischen Regierung folgend, in Begleitung des Herrn Reichs- außenministers nach Rom. Hoffentlich werden wir demnächst den in Paris ausgenommenen deutsch-französischen Ge- d a n k e n a u s t a u s ch bei dem Gegenbesuch der französischen Staalsmäimer in Berlin in freimütiger Weise fortsetzen. Die Ergebnisse dieser außenpolitischen Besprechungen sind naturgemäß nur erste Schritte auf eurem Wege, an dessen Ende nach unserer Hafsnung eine dauerhaste internationale Kooperation stehen soll. Zwischen den Erstlingeergebnissen solcher Zusammen- fünfte und den durch die dringende Not erregten Hoffnungen wird immer eine schmerzliche Distanz bestehen. So sehr ich dieses Gefühl verstehe und würdige, so bedauerlich wäre es doch, wenn solch« Anfairgsenttäuschungen imstande wären, den entschlossenen Willen Deutschlands zu hemmen, auf dem beschrittenen und auf die Dauer allein aussichtsreichen Wege weiterzugehen. Was das bisher auf der Londoner Konferenz erzielte Ergebnis anlangt, so wiederhole ich Bekanntes, wenn ich sage, daß zunächst der an die Reichsbank bewilligte 4V0-Millionen-Kredit für drei Monate erneuert worden ist, daß durch gemeinsamen Beschluß der beteiligten Regierungen und durch Einwirkung auf die heimischen Banken weiterer Abzug von Krediten aus Deutschland verhindert worden ist und daß schließlich ein Komitee erster Bank- so choer ständiger in den nächsten Tagen beroten soll, um die Frage weiterer deutscher Kreditbedürjnisse zu prüsen und geeignete Vorschläge zu niachen. Eine durchgreifende Finanz hilf« großen Stils ist, ich trage keine Bedenken, dieses festzustellen, damit eiitstweilen nicht erreicht. In der deutschen Oesfentlichkeit wurde da und dort von einer umfassenden Ausländsanleihe gesprochen und der deutschen Reichsregierung der Borwurf gemocht, daß sie aus mißverstandenen Prestigegründen den Anleihegedanken nicht ernst genug verfolgt hätte. Dieser Auffassung ist die Reichsregierung bereits mit Nachdruck entgegengetreten. Ick) stelle erneut fest, daß geraume eine große Ausländsanleihe augenblicklich und für ge« Zelt außerhalb der realpolikifchen Mözlichfeli liegt. Hierfür gibt es verschiedene Gründe. Ein Hirsdernis liegt insbesondere in der Tatsache, daß zu einer solchen Anleih« die Garantie mehrerer großer Länder vorlangt wird, deren Zusage zu erreichen teil» aus staatsrechtlichen, teils aus finonz- technischen Gründen zur Zeit ausgeschlossen ist. Darum ist vorerst Deutschland und seine Wirtschaft auf Selbst l?ilfe und auf das Vertrauen in seine eigene Kraft angewiesen. Niemand möge hier- bei die Besorgnis haben, daß diese Stellungnahme der Reichs- regierung der Ausfluß eines überspitzten Nationalismus sei. Keiner kann von der internationalen I n t« r« s s e n v e r.» flochtenheit all er Länder überzeugter sein als die Reichs- regierung. E» ist ao«geschlostea. daß wir Deutschland mit einer«btaeflfchen Mauer umgeben köauten. innerhalb deren da» deutsche Volk, unter vesriedigung seiner eigenen vedürfnlsse. ausschließlich eigenem Handel und Mandel nachgehen könnle. Deutschlands Dirischaft ist und bleibt auf enge handelspolUiich« Zusammenarbeit mit dem Ausland angewiesen. Ohne Zaudern ist die Reichsregierung lchon vor und während der Pariser und Londoner Verhandlungen daran gegangen, die Folgerungen aus dieser Sachlage zu ziehen. Einen gewissen Abschluß haben die erforderlichen ersten, mehr technischen Sanier rungsmaßnahmen am vergangenen Sonnabend gefunden. Ich er- wähnte vorhin die Schwierigkeiten, in die ein Teil der deutschen Großbanken durch die plötzliche Abziehuvg großer Posten kurz- fristiger Kredite gekommen war. Bei der Bedeutung, die die Groß- danken in der gegenwärtigen Struktur unseres Bankwesens für die deutsche Gesamtwirtschaft haben, waren schnelle Entschei- düngen der Reichsregierung notwendig. Sie kennen die Maß- nahmen, die vor wenigen Wochen hinsichtlich der Darmstädter und Nationalbank und in den letzten Tagen hinsichtlich der Dresdner Bank ergriffen worden find. Auch in personeller Hinsicht werden geeignete Schritte erfolgen. Die Einschiebung von Bankfeiertagen gab der Reichs- regierung und den beteiligten Wirtschastskreisen die Möglichkeit, mit Sorgfalt und im engen Zusammenwirken mit der Reichsbank und berufenen Sachverständigen des Inlandes und Auslandes alle die Maßnahmen vorzubereiten, die für eine planmäßige Wieder- ingangsetzung des Zahlungsverkehrs erforderlich waren. Ein wesentliches Glied in der Kette solcher Maßnahmen mar die Schaffung der Akzept- und G a r a nJ i e b a n k. die als neuer Garantieträger der ersten deutschen Bankhäuser erst die Vor- aussetzung schuf, die Reichsbank durch Hergäbe einer weiteren Wechselunterschrift zur Herausgabe der erforderlichen Noten instand- zusetzen. Durch die letzten Entschließungen vom»ergangenen Sonn- abend wurde erreicht, daß vom morgigen Mittwoch an der Geldumlauf im Bar- und Ueberweisungsoerkehr bei den Banken wieder in Gong geseht werden kann. In Verbindung damit waren einschneidende Bestiin- mungen zur Verhinderung der Kapitalflucht und für den Verkehr mit ausländischen Devisen erforderlich. Aus der schärfe der Bestimmungen, die bis zur F e st s e tz u n g von Z u ch t h a u s- strafen bei ehrlosem Verhalten und schweren Verstößen gegen diese Vorschriften gehen, möge man die Entschlossenheit der Reichs- regierung entnehmen, volksschädlichen Sonderwüuschen auf dem Kapitalmarkt in dieser allgemeinen Notzeit zu begegnen. Gewiß ist es richtig, daß bei der in Aussicht genommenen vor- übergehenden Devisenbewirtschaftung durch die Landes- finanzämter in Einzelfällen fühlbare Härten eintreten können. Die Reichsregierung ist entschlossen, dafür zu sorgen, daß diese durch die Not der Zeit erzwungenen Maßnahmen bei aller Schärfe ihrer Durchführung nicht wirtschastsstärend wirken. Mit den dargelegten Maßnahmen ist das zur Zeit Notwendige geschehen, um den Geldumlauf von morgen ab wieder gewohn, ten Verhältnissen anzunähern. Ich will nunmehr auf einige besonders wichtige Einzelheiten eingehen: Alles, was Reichspräsident und Reichsregierung i» diesen Wochen anordnen mußten, hat mit I n f l a t i o n s g e s a h r nicht das mindeste zu tun. Vielen, vielleicht den meisten meiner Zu- Hörerinnen und Zuhörer, sage ich damit nicksts Neues. Immerhin mag diese meine Feststellung zur Beruhigung des einen oder anderen aufgeregten Gemütes beitragen. Wir leiden keinesfalls an einem Zuviel an umlaufenden Zahlungsmitteln. Darum ist eine Sorge, als ob das sauer verdiente und ersparte Geld, da oder dort angelegt, in Gefahr sei, seinen Wert wie in der Inflationszeit einzubüßen, durchaus gegenstandslos. Im Gegenteil, die Ueber, legung liegt nahe, von seinem Guthaben möglichst wenig abzuheben. ja es. wenn möglich, noch zu erhöhen, weil die Kaufkraft des Geldes steigt. Die Wiederherstelluno des Zahlungsverkehrs hat auch den Sinn einer Frage an das deutsche Volk selbst, der Frage nämlich, daß es in Selbstbesinnung ans seine eigene Kraft und Würde entschosien ist« an der Gesundung de». Zahlungsfrelslauss und wlrtfchasts- gefchehens aktiv keilzunehmen. Notverordnungen und ergänzende Borschriften können nur die er« forderlichen technischen Maßnahmen geben, um Störungen de? Wirtschaft zu überwinden: die Maßnahmen mit Inhalt und Wirklichkeit zu erfüllen, ist Sache eines aufgeklärteu Wirt». schaftsvolkes selbst. Sie können auch sicher sein, daß wir nicht nur an die; Großstädte, sondern mit der gleichen Sorgsalt an die Wirt, schastsvorgänge in der Provinz, in Mittelstädten und auf dem Lande denken, wenn wir auch nicht oermeiden können, daß da und dort noch Uebergangsschwierigteiten auftreten. Wenn unsere heutige Aussprache eine wechselseitige sein könnte. würde mir vielleicht von manchem Gewerbetreibenden und manch«: Hausfrau der Zuruf entgegenklingen, wie es mit dem Geldvertehr der Sparkaffen aussieht. Daher auch hierzu ein offenes Wort: Es ist richtig, daß wir zunächst davon absehen mußten, den vollständigen freien Kossen- verkehr bei den Sparkassen sowie bei den Banken schon von morgen ab in Wirksamkeit treten zu lassen. Das aber hängt mit dem Wesen und der Zweckbestimmung der Sparkossen zusammen. Die Sparkosseiwermögen sind so sorgfällig als möglich angelegt, und zwar in erster Linie in der Anlagesorm. die man für die sicherste hält, d. h. in e r st st e l l i g e n H y p o t h e k e n. Die! Sicherheit einer solchen Anlag« muß aber zunächst damit erkauft werden, daß die angelegten Gelder nicht in beliebiger Höhe zurück- gezahlt werden können, weil Hypotheken ihrem Wesen nach lang- f r i st i g e Anlagen sind. Das muß ein« Sparkasse einfach mit in Kauf nehmen, denn sie ist ja ein Institut, das ersparte Vermögen mit einem Höchstmaß von Sicherheit verwalten, und nickst etwa eines, das tägliche Gelder bewirtschaften soll. Gewiß ist dieses Wesen der Sparkassen, insbesondere mit Rücksicht aus'die Kreditbedürfnlsse des kleinen Mannes, nicht überall aufrechterhalten worden, und ein Teil der Sparkassen hat mehr oder weniger neben diesem ihrem Hauptzweck auch noch die Tätigkeit von Banken, also dem täglichen Geldinstitut, mit übernommen. Weil das so ist, und weil dieser Dienst insbesondere den kleineren Handwerkern und Gewerbetreibenden unentbehrlich ist, hat die Reichsregierung und Reichsbonk in voller Uebereinstimmung mit der Deutschen Girozentrale und den Spar. fassen alles vorbereitet, um auch bei den Sparkassen den un- beschränkten Zahlungsverkehr in einem nahen Zeitpunkt wieder her- zustellen. Dies« Ding« sind im Augenblick in Arbeit. Noch in dieser Woche muß und wird Klarheit über den Termin der Wiedereröffnung des unbeschränkten Zahlungsverkehrs im Rahmen der Satzungen bei den Sparkassen geschaffen werden. Die Lag«, wie sie nun einmal hauptsächlich durch den Abzug der Auslandsgelder entstanden ist, zwang uns, das Problem der Groß- danken zunächst in Angriff zu nehmen. Aber der Eindruck, als ob Reichsregierung und Reichsbonk weniger großes Interesse für mittlere und kleinere Wirtscho'tsbetriebe haben, oder«in« vielleicht da und dort aufgetauchte Mißstimmung aus dieser Meinung heraus. sind völlig abwegig. Schon die Doraussetzung dieser Ansicht ist un- richtig. Denn die Ordnung der deutschen Großbanken kommt keines- weg? nur oder überwiegend den großen Firmen und Kunden zugute. Die Gläubigerkunden, die bei einer endgültigen Erschütterung jener Danken zuschaden gekommen wären, hätten sich aus viele Hundert- tausende und zweisellos zum größten Teile aus mittlere und kleinere Wirtschaftskreise, aul Gewerbetreibende und Handwerker, ausgewirkt. Weit über tausend Tcnossenschosten und Genossenschast-.banken stehen mit der einen der in Frage lammenden Großbanken in innigster Be, Nr. 364. 4S. Iahrgang Mittwoch, 5. August il 931 vis Hommunisiisciien Schläger. Wohlverbereitete Ueberfälle auf Sozialdemokraten. Aus zahlreichen Bezirken gehen uns im Laufe des Abends Meldungen zu. die von lleberföllen auf sozioldemokralifche Flug- blotlvcrteiler durch Kommunisten berichlen. Aus ihren verkehrslokalen heraus stürmen die kommunistischen Prügelhelden zu wohl- vorbereitelen Anschlägen aus unsere Parteigenossen ein, um ihnen die Flugblätter zu enlreihen. Roheil und Gewalttal sind die Parolen. Natürlich haben die Kommunisten nur Mut, wenn sie in der U e b e r- z o h l sind. Andernfalls sind sie sehr schüchtern und kleinmütig. Aus dem Prügelhelden wm der Kommunisten spricht ganz deutlich das schlechte Gewissen. Die Sozialdemokratie hat ihnen die trügerische Maske vom Gesicht gerissen und der Bevölkerung bewiesen, dost der Arbeiterverrat der Moskowiter sie zu offenen Bundesgenossen des Großkapitalisten hugenbcrg. des Faschisten h i l l e r, des Stahlhelmsührers S e l d t e und des Kaisersohnes Prinz Anwi von hohenzollern stempelt. Dolch und Faust werden ihnen darüber nicht weghelfen, dah am g. August durch die Berliner Arbeiterschaft die verdiente Quittung erfolgt. Wir verzeichnen folgende Einzelmeldungen: Bei der Flug- blattverbrcitung der 24. Abteilung wurden gegen 20 Uhr Jugend- genossen in der Iablon-kistraß« von Kommunisten über- fallen, die versuchten, ihnen die Flugblätter zu entreißen. In der Nähe weilende Parteigenossen und Reichsbannerkamcra- den eilten sofort zu Hilfe und es entwickelte sich«in Handgemenge. Der Rcichsbannermann Genosse Friß Musehold erhielt einen Stich in den Unterleib. Ein Parteigenosse der 24. Abteilung, Rudolf K ü h n c l, bekam einen Schlag mit dem Koppelschloß auf den Kopf, und ein anderer Reichsbannermann wurde vom Fahrrad geschlagen. Nach Anlegung von Notverbänden auf der Rettungswache konnten sich die beiden erstgenannten Verletzten in ihre Wohnungen begeben. Einer der Täter, ein in der ganzen Gegend als großer Rowdy de- kannter Kommunist Bruno Rüdiger, Jablonskistr. 2Z, konnte verhaftet werden und wird heute früh der Abteilung I A zugeführt. In der D r i e s e n c r Straße wurden einem Partei- genossen die Flugblätter entrissen. Die Täter flüchteten. Ein regelrechter U e b e r f a l l wurde auf den 40jährigen Parteigenossen Fritz P. in der S t e t t i n e r Straße verübt. Mehrere Kommunisten schlugen auf ihn ein und brachten ihm V e r- l e tz u n g e n am Kopf bei. Dann st a h l e n die Burschen die Flugblätter und entkamen unerkannt. Gestern gegen 20 Uhr wurden mehrere Genossen in der Dunckerstraße nahe H e l m h o l tz p l a tz bei der Flugblatt- Verbreitung von etwa 20 Kommunisten, die aus ihrem Verkehrslokal in der Dunckerstraße auf die Straße kamen, überfallen und geschlagen. Die Flugblätter wurden ihnen aus den Händen gerissen. Verunglückter Brunnenbau. Acht(Siedler auf der AnNagebank. Eine Arbeitersiedlung im Norden brauchte notwendig ei'-rn Brunnen. Der Siedlungsverein beschloß, die Arbeitslosen so- zusagen zum Arbeitsdienst für die Gemeinschaft heranzuziehen und ihnen eine Mark die Stunde zu zahlen. In zwei bis drei Tagen sollte der Brunnen geschafft sein. Man stieß aber auf Schwierig- kciten, das Wasser war nicht so leicht zu erreichen.' So zog sich die Arbeit hin und die Arbeitslosen, acht an der Zahl, erhielten ihre Mark die Stunde, bezogen aber weiter ihre Arbeitslosen- resp. Wohl- fahrtsunterstützung. Aus dem Brunnenbau wurde nichts. Es war bestimmt nicht die Schuld der Brunnenbauer. Nun fand sich einer, der gegen die Arbeitslosen Anzeige erstattete: sie hatten, obgleich beschäftigt, ihre Unterstützung abgehoben. Vom Arbeitsamt bzw. Wohlsahrtsamt vorgeladen, verpflichteten sie sich, die Unter- ftützungsgelder zurückzuzahlen. Bei dem einen machten sie 200 Mark aus, bei dem anderen 50 Mark, bei dem dritten 88 Mark, beim vierten 161 Mark usw. Damit wäre die Sache er- lcdigt gewesen. Leider hatten die Unterstützungsempfänger erklärt, kein« Beschäftigung zu haben: sie hatten also die Unterstützungsgelder unter Vorspiegelung falscher Tatsachen abgehoben. Und nun saßen sie vor dem Schöffengericht Wedding. Der älteste von'den acht�„Betrügern� 63- Jahre alt. Der jüngste 23 Jahre.„Weshalb haben Sie das Unterstützungsgeld ab- gehoben, fragt« sie der Vorsitzende." Ja, weshalb? Ich hatte durch den Laubcnbau Schulden, sagte der eine."„Ich muhte meine Pacht zahlen", der andere.„Meine Kinder waren dauernd krank", der dritte.„Ich befand mich in Not", meinte der vierte usw. „Wußten Sie denn nicht, daß es strafbar ist", fragte der Vorsitzende. „Doch, doch, wir haben ja dem Vorstandsmitglied die Karten wieder- holt angeboten. Er nahm sie aber nicht. Was sollten wir da tun? Der Staatsanwalt beantragte gegen zwei Angeklagte je einen Monat Gefängnis, gegen die übrigen sechs Geldstrafen. Das Gericht hatte aber für diesen„Betrug" und für diese„Bc- trügcr" menschliches Verständnis: Die Strafen bewegten sich zwischen 12 und 20 Mark. Bedenkt man, daß die Angeklagten einen Teil der Unterstützung bereits zurückgezahlt haben und daß der andere Teil von ihren kargen Notstandsarbeiten-Vcrdienst oder von ihren Militär- renten' und dergleichen mehr noch abgezogen werden wird, so ist auch diese Strafe schließlich hart genug. Die heutige Not schafft eigenartige Angeklagte... Die Explosion im D-Zug. Drei Todesopfer.- Llntersuchung ergebnislos. B u d a p e st, 4. August. Der„P e st e r L l o h d" bringt heut« aus Belgrader Quelle weitere Einzelheiten über die Bombenexplo- s i o n im Exprestzug Paris— Münehen— Belgrad. Die Zahl der Lpfer hat sieh auf drei erhöhj, da die Gattin des schwerverletzten Professors Brunetti ihren Verwun- düngen erlegen ist. Professor Brunetti selbst ringt mit dem Tode. Die Eisenbahnbehörden sind der Ansicht, daß die Höllenmaschine durch im Ausland lebende kroatische Emigranten in den Zug geschmuggelt worden ist. Der Zünder war derart eingestellt, daß die Bombe bei der Einfahrt in die Station-Bc« l g r a d explo-. dieretf sollte. Da jedoch der Schnellzug 20 Minuten Verspätung hatte, kam die Bombe bereits vor der Einfahrt in den Bahnhof Zimony-Neustadt zur Explosion. Ueber die Zahl der Verwundeten ist bis jetzt noch nichts bekanntgegeben worden. Gestern abend hat die Eisenbahndirektion eine weitere Mitteilung herausgegeben, wonach sie die internationalen Züge bereits seit Tagen beobachten ließ, weil man aus verschiedenen Anzeichen folgerte, daß Attentate vorbereitet würden. So wurden Sonntagnachmittag an der öfter- reichisch-jugoslawischen Grenze drei Wagen eines Güterzuges abge- koppelt, auf eine Seitenlinie geschoben und dort untersucht. 3n einer Aklenlosche fand man fünf Päckchen Explosivstoff, die in ein Exemplar des„Reuen Wiener Journal" eingewickelt waren. Mon- tag mittag explodierte in einem Eisenbahnwagen, der Abteile erster und zweiter Klasse enthielt, eine Bombe. Man nimmt an, daß die Attentate im Ausland vorbereitet wurden. Verbrecher durch Alkohol. Oer Frau das Meffer in den Leib gerannt. Wieder einmal ist eine eheliche Zwisligkcit mit einem Ri esserstich ausgeglichen worden. In dem Hause Lange Str. 10 3, in der Nähe des Schlesi- scheu Bahnhofs, � wohnt der 40 Jahre alte Tischler Stanislaus Sicra mit seiner zwei Jahre älteren Ehefrau Joscphn. Das Ehepaar stammt aus Polen. In der letzten Zeit war das Zu- sammenleben nicht mehr glücklich und es kam zu heftigen Austritten uno Handgreiflichkeiten. Der Tischler neigte dem Alkohol zu und soll, wie die Frau klagt, auch Be- Ziehungen zu anderen Frauen unterhalten haben. Am Dienstag- nachmittag kam es zu einem Streit, der bei offenen Fenstern aus- getragen wurde. Plötzlich hörten die Nachbarn laute Hilferufe der Frau Siera. Wie sich später ergab, hatte der Mann ein Messer gepackt und seiner Frau einen tiefen Stich in den Leib bei- gebracht. Dann war er aus der Wohnung geflüchtet. Bald daraus stellte er sich aber selbst auf dem 88. Polizeirevier. Er wurde in Haft genommen. Die schwerverletzte Frau wurde in das Krankenhaus am Friedrichshain gebracht. Schweres Siraßenbahnunglück. Möbelwagen gerammt.— Zehn perfonen verleht. Auf der Spandauer Ehaussec Ecke Reichsstraße ereignete sich gestern nachmittag ein folgenschwerer Zusammenstoß zwischen einen, Straßenbahnwagen der Linie 54 E und einem Möbelwagen mit Traktor. Zehn Personen erlitten zum Teil schwere Berlehungen. Fünf Verunglückte mußte» durch die Feuerwehr und durch Wagen des Städtischen Reltungv amtes in das Westend-Krankenhaus übergeführt werden. Allem Anschein nach ist das Unglück auf ein Versagen der Bremse des Straßenbahnwagens zurückzuführen. Der Traktor mit dem Möbelwagenanhänger wollte in die Reichsstraße einbiegen und hatte die Straßenbahngleise bereits zum Teil passiert, als der Straßenbahnwagen mit großer Wucht seitlich hineinfuhr. Bei dem sehr heftigen Zusammenprall wurden zwei Packer, die auf den, Vorderteil des Möbelwagens saßen, auf die Straße ge- schleudert. Dem Straßenbahnwagen wurde der Vorderperron eingedrückt und eine große Zahl von Scheiben zertrümmert. Der Fahrgäste bemächtigte sich eine Erregung und alles drängte den Ausgängen zu. Verschiedene Personen hatten außer Quetschungen starkblutende Wunden erlitten. Die Feuerwehr und das Städtische Rettungsamt sorgten für den Abtransport der Verunglückten zur nächsten Rettungsstelle. Fünf Personen, bei denen sich die Wunden als nicht gefährlich herausstellten, konnten nach Anlegung von Not- verbänden wieder entlassen werden. Fünf weitere Verletzte, der Chauffeur Paul Schröder aus der Käiserallee 86, Chariottenburg, der, 87jährige Kaufmann Gustav v o N Höhend o rtf ans der RhemstraßeckJ in Iriedennu, der 22jährige Arbeiter Kurt Rn ü t e n- sdrauch aus der Wallstraße 63 in Charlottenburg, ber-Zl- Jahre alte Packer Ernst L a d e w i g aus der Schloßstraße 102 in Steglitz und der 62jährige Packer Friedrich F l e m m i n g aus der Born- straße 12 in Friedenau mußten in das Westend-Krankenhaus ge- bracht werden. Durch den Unglücksfall entstand eine empfindliche Verkehrsstörung. Der Bund für Mullerschuh richtet eine dritte Eheberatung s- stelle ein in Wilmersdorf, Uhlandstraße 143. Leitung: Frauen- und Kinderärztin Dr. Elsbeth Prinz. Sprechzeit: Freitags 10 bis 20 Uhr. Erste Sprechstunde am 11. September. Von I. ILF UND F. PETROW Er brüllte so stark in die Nacht hinaus, daß er zuweilen ,as Donnern des Terek übertönte. Am Morgen stärkte er ich mit Touristenwurst und Brot und lachte dämonisch über >ie unten vorbeisausenden Autos. Den Rest des Tages verpachte er in Betrachtung der Berge und der Sonne. In der stacht sah er die Königin Tamara. Die Königin kam aus hrem Schloß zu ihm geflogen und sagte kokett:„Wir sind ,un Nachbarn.".„ „Mütterchen", sagte Vater Fedor gefühlvoll,„mcht aus Habsucht..." „Ich weiß, ich weiß", bemerkte die Königin,„nur um den Dillen deiner Frau zu erfüllen."£ „Woher wissen Sie das?" wunderte sich Dater tzedpr. „Ich weiß es. Besuchen Sie mich, Nachbar. Wir werden starten spielen. Ja?" Sie lachte und flog davon. Am dritten Tag begann Vater Fedor den Vögeln zu pre- zigcn. Aus wer weiß welchem Grunde riet er ihnen, zum utherifchen Glauben überzutreten.„Ihr Vögel", sprach er nit volltönender Stimme zu ihnen,„beichtet öffentlich eure Sünden." n» t v 2ln, vierten Tage wurde er unten bereits den Reisenden zezeigt. Rechts das Schloß der Königin Tamara", sagten die :rfahrenen Führer,„und links steht ein lebendiger Mensch. nan weiß nicht, wie er hingekommen ist und wovon er lebt. „Ein wildes Volk!" staunten die Reisenden.„Kinder der Serge!", Die Wolken zogen vorbei. Adler kreuzten über Vater Fedors L>aupt. Der Kühnste unter ihnen stahl den Rest der rouristcnwurst und fegte mit einem Flügelschlag das Stuck örot in den schäumenden Terek. Vater Fedor drohte dem Adler mit dem Finger und lächelte schelmisch. ,~ Räch zehn Tagen erschien aus Wladckawtas die Feuer- wehr mit ihrem Wagen und den nötigen Behelfen und holte Vater Fedor von der Felsplatte herunter. Während man sich um ihn bemühte, fuchtelte er ununter- brachen mit den Händen und sang mit schriller Stimme. Man schaffte den lachenden Priester auf dem Feuerwehr- wagen ins Irrenhaus. Das Erdbeben. „Was glauben Sie, Vorsitzender", fragte Ostap, als sie sich dem Dorfe Sioni näherten,„womit könnte man in dieser traurigen Gegend, die zweitausend Meter über dem Meeres- fpiegel liegt, Geld verdienen?" Worobjew schwieg. Die einzige Art, auf welche er Geld zu verdienen imstande war war Bettkln, hier aber, in den Bergen, war niemand, bei dem er hätte betteln können. Und doch wurde auch hier gebettelt— nur in einer ganz besonderen Art. An jeden vorbeifahrenden Autobus, an jedes Privatauto liefen Kinder heran und führten vor dem in Be- wegung befindlichen Publikum einige Tanzschritte des kau- kasischen Nationaltanzes Lezginka aus. Dann liefen sie dem Auto nach und schrien:„Gebt Geld her! Geld her!" Die Reisenden warfen ihnen Kupfermünzen zu und dann ging es weiter, den Kreuzpaß hinaus. „Eine heilige Sache", sagte Ostap.„Man braucht kein Betriebskapital, der Gewinn ist nicht groß, aber sehr zu schätzen." Gegen zwei Uhr des zweiten Reisetages tanzte Worobjew unter der Aufsicht des großen Kombinators vor den Vorbei- fahrenden seinen ersten Tanz. Dieser Tanz war so etwas wie eine Mazurka, die Reifenden aber, benommen von der Schön- heit des Kaukasus, glaubten, es sei die Lezginka und belohnten die Vorführung mit fünfzehn Kopeken. Vor dem nächsten Fahrzeug, das ein Autobus war, der von Tiflis nach Wladi- kawkas fuhr, tanzte und sprang der technische Direktor selbst. „Geld her! Geld her!" schrie er bös. Die belustigten Passagiere belohnten ihn reichlich für seine Sprünge. Ostap sammelte im Staube der Straßen dreißig Kopeken. Da setzte aber plötzlich ein Steinhagel ein, verursacht von den Sioni-Äindern, die sich über die Konkurrenz ärgerten. Mit raschen Schritten flüchteten die Konzessionäre ins nächste Dorf, wo sie das verdiente Geld gegen Brot und Käse ein- tauschten. Derart beschäftigt, verbrachten die Konzessionäre Ihre Tage. Sie übernachteten in den Berghütten. Am vierten Tage stiegen sie die im Zickzack laufende Straße in das Kaj- schaurtal hinab. Hier strahlte heiße Sonne und die Knochen des Kompagnons, die noch von der Kälte auf dem Kreuzpaß steif waren, erwärmten sich rasch. Jetzt wurde es den Konzessionären behaglich zumute und so schritten sie kräftiger aus. Gegen Mittag kamen die Reisenden nach Mzchet, der antiken Hauptstadt von Grusien. Hier befreundeten sie sich mit einem Bauer, der sie auf seinem Wagen gegen 11 Uhr abends nach Tiflis brachte, zu einer Stunde, da die Kühle des Abends die nach einem schwülen Tag ermatteten Stadt- bewohner auf die Straße lockte. „Das Städtchen ist nicht schlecht", sagte Ostap. als sie auf die Straße Schota Rustawelli herauskamen.„Wissen Sie, Kissa..." Ohne den Satz zu beenden, stürtzte Ostap plötzlich einem Bürger nach, holte ihn mit ein paar Sätzen ein und begann lebhaft auf ihn einzusprechen. Dann kehrte er rasch zurück und versetzte Worobjew mit dem Finger einen Stoß in die Seite. „Wissen Sie, wer das ist?" flüsterte er hastig.„Das ist der Bürger Kisljarski, kommen Sie mit. Es ist paradox, aber ich kann mir nicht helfen, jetzt sind Sie wieder der Riese des Gedankens und der Vater der russischen Demokratie. Ver- gessen Sie nicht, die Wangen aufzublasen! Teufel nach ein- mal, welch ein Zufall! Ein Glück! Wenn ich nicht fünfhundert Rubel aus ihm herausbekomme, können Sie mir ins Gesicht spucken! Und jetzt gehen wir! Gehen wir!" Und tatsächlich stand, nicht weit von den Konzessionären, der vor Schrecken milchblaue Kisljarski da, in rohseidenem Anzug und Strohhut. „Ickz glaube, Sic kennen einander", sagte Ostap im Flüsterton.„Hier ist sie, die Persönlichkeit, die dem Zaren nahegestanden ist, hier steht er, der Riese des Gedankens und Vater der russischen Demokratie. Bitte, achten Sie nicht auf seinen Anzug— das hängt mit der Konspiration zusammen. Fahren wir sofort irgendwohin, es gibt Wichtiges zu be- sprechen." Kisljarski war ganz niedergedrückt. Er ließ die schreck- lichen Bekannten in einen eleganten Wagen einsteigen und brachte sie zum Berg Dawid. Sie fuhren mit der Drahtseil- bahn in ein Restaurant aus dem Gipfel des Berges. Tiflis mit seinen tausend Lichtern blieb tief unter ihnen. Die Ver- schwörer stiegen direkt zu den Sternen empor. (Fortsetzung folgt.) Der Sturz auf -Die Künstlerkammer des A rb ei ls g e r i ch ks hak oft seltsame Dinge zu behandeln. Komisch und tragisch zugleich war ein Aall, mit dem sie sich gestern beschäftigte. In einem der größten Berliner Varietes war die gewohnte allabendliche Galavorstellung. Auf einem fünf Meter hohen Trapez zeigte ein Artist seine Künste. Der Beifall rauschte, die Musik spielte, aber ein Augenblick trat ein, in dem der Mann in der Höhe die Nerven verlor. Er verpaßte den Anschluß und landete in kühnem Bogen mitten im Orchester. Ein Trompeter war der Leidtragende. Auf seinem Instrument landete der Artist, und das Instrument, das der Musiker eben noch handhabte, schlug ihm so kräftig in die Zähne, daß mehrere von ihnen gelockert wurden. Das alles wäre ein peinlicher Zwischensall geblieben, wenn nicht der Trompeter sich so starke Verletzungen zugezogen hätte, daß er jetzt in der Ausübung feines Berufes beeinträchtigt ist. Die Sache selbst war an dem Abend vom Pubiikum nach dem ersten Schrecken gar nicht ernst aufgefaßt worden, ja, etliche sahen in dem Plötz- lichen Sturz des Artisten sogar einen besonderen Trick und lachten aus vollem Halse, während in Wahrheit Menschen- leben in Gefahr waren. Der Trompeter strengte mit gutem Recht eine Schadenersatzklage vor dem Arbeitsgericht an und nach langen Mühen brachte der Vorsitzende einen Vergleich zustande. Vorläufig wird sich der schwer geschädigte Musiker mit 250 Mark Entschädigung begnügen, er hat sich aber oer- nünstigerweise ausdrücklich das Recht des Widerrufes für den Fall bewahrt, daß er auf die Dauer an der Ausübung seines Berufes behindert ist. * In ein anderes Gebiet schlägt ein Fall, der denmächst das Schöffengericht Be r l i n- M i t t e beschäftigen wird. Er hat einen sehr viel übleren Hintergrund. Da taten sich ein Schau- spieler, ein Innenarchitekt und ein Kaufmann zusammen und gründeten Filmgesellschaften. Es waren freilich Gesell- schasten, hinter denen kaum ein roter Heller steckte. Aber sie die Trompete. ge eines Musikers. nahmen Kredite auf, stellten Wechsel und Schecks aus und schloffen Pachtverträge. Der eine hatte Anfang 1930 ein Postscheckkonto, da- nur noch 15 Mark betrug. Aber munter wurden auf aus» gegebene Schecks die höchsten Summen gesetzt. Da wurden Teppiche getauft und Photographenapparate und dergleichen Dinge mehr, die aber immer sofort ins Ve r s a tz a m t wanderten, um die Tagesausgaben der Direktoren zu bestreiten. Besonders dunkel ist es um zwei S i l v e st e r b ä l l e, bei denen mit allem Möglichen geschwindelt wurde. Ilcberall wurden Schulden gemacht, überall wurden Verträge abgeschlossen, aber niemals wurden die Verpstich- tungen eingehalten. Das Gericht wird jetzt darüber zu entscheiden haben, inwieweit Kreditschwindel und Betrug vorliegen. Oiplomai und Verkehrspolizist. Ein peinlicher Zwischenfall. Zu einem bedauerlichen Zwischenfall kam es gestern nachmittag am Kurfürsten da mm Ecke Wilmersdorfer Straße. Ein Privatautomobilist, der später als der ägyptische G e» sandte festgestellt wurde, fuhr mit seinem Wagen über die Straßenkreuzung, ohne sich um das Lichtsignal zu kümmern, das auf „Halt" zeigte. Dabei hätte der Gesandte beinahe einen anderen Wagen gerammt. Als der Verkehrsschupo daraufhin zur Fest- stellung der Personalien des rücksichtslosen Fahrers schreiten wollte, verweigerte er ihm die Papiere unter Hinweis darauf, daß er der ägyptische Gesandte sei. Als der Beamte dennoch die Papiere sehen wollte, schleuderte sie ihm der Gesandte ins Gesicht und verließ den Wagen, wobei er die Tür so heftig zuschlug, daß eine Scheibe zer- splitterte. Während der Auseinandersetzung mochte der Gesandte eine beleidigende Handbewegung, indem er sich mit der Hand vor die Stirn schlug. Augenzeugen des Vorfalles bestätigen, daß sich der Beamte durchaus korrekt und höflich benommen hat. Auto zum AntiVolksentscheid. Veitrag aus Graal zur„Rot der Ostseebäder". Man schreibt uns: Die Badeverwaltungen der Ostseebäder klagen über den schlechten Besuch der Bäder. Wie politisch einseitig manche Badeverwaltung glaubt vorgehen zu können, beweist ein gedrucktes Plakat, das im Ostseebad Graal angeschlagen wurde: Ostseebad und Waldluftkurort Graal. Am 9. August findet in Preußen der Volksentscheid statt. Die Badeoerwaitung Graal stellt den wahlberechtigten Kurgästen am 9. August kostenlos ein Auto nach dem am nächsten gelegenen preußischen Ort Damgarten zur Verfügung. Anmeldungen in der Badeverwaltung. Unter den zahlreichen republikanischen Kurgästen wurde das Borgehen der Badeverwaltung als unerhört empfunden. Hier in Graal befindet sich das große Erholungsheim der Berliner Straßenbahner(Betriebskrankenkasse der Berliner Verkehrs- Gesellschaft) und die F e r i e n h e i m st ä t t e n- G e n o s s e n- sch a ft„G ut enb� rg"- Be rl i n� Es dürfte nicht schaden, wenn sowohl der Magistrat von Berlin, wie auch der Borstand der „Gutenberg"-Genossenschaft der Badeverwaltung begreiflich macht. daß die Gelder ihrer Mitglieder, die durch die Kurtaxe eingehen, nicht für politische Zwecke zu verwenden sind. Die BVG. zahlt für etwa 100 Straßenbahner jedes Jahr Kurtaxe. Da Graal zu Mecklenburg-Schwerin gehört, sollte sich die Bade- Verwaltung weniger um den Nazi- und Stahlhelm-Bolksentscheid in Preußen kümmern, sondern Strand und Wege verbessern. In der Lesehalle ist z. B. keine einzige sozialdemokratische Zeitung ausgelegt. Eine Badeverwaltung, die auf der Höhe ist, sollte jede politische Partei berücksichtigen: weder der„Vorwärts", noch bei- spielsweise das„Berliner Tageblatt" liegt aus. Viele Republikaner werden sich die Einstellung dieser Bade- Verwaltung merken. Amerikanische Gäste im Konsum. 59 Deutschamerikaner, zumeist Mitglieder der sozialistischen Partei in den Bereinigten Staaten Nord- amerikas, statteten der Berliner„G e n o s s e n s ch a s t s sta d t" in Lichtenberg am gestrigen Vormittag einen Besuch ab, um die größte Verbraucherorganisation Deutschlands in ihrem Schaffen und Wirken kennenzulernen. Eingehend wurde vor allem die modenie Fleisch- und Wur st warenfabrik in Augenschein ge- nommen, wobei insbesondere die vorbildlichen sanitären und hygienischen Einrichtungen anerkennende Aeußerungen auslösten. Bon Lichtenberg wurden die Gäste nach der neuen Groß- bäckerei der Konsumgenossenschaft Berlin in Spandau- Haselhorst geführt, wo die neuesten Errungenschaften auf dem Gebiet der Bmfwarenerzeugung, wie Mannnut-Brotbackösen und Turnus- öfen für Kleingebäck, zur Anwendung gebracht find. Amerika wird allgemein als das Land des technischen Fortschritts gepriesen— die amerikanischen Freunde bekannten indes freimütig, daß B e- triebe in derartigem Ausmaß und vor allem mit so mustergültigen Fabrikationseinrichtungen in USA. kaum zu finden find. Beklagt wurde, daß es der amerikanischen Arbeiter- bewegung bisher noch nicht gelungen sei, aus genoffenschastlichem Boden Gleichartiges zu schaffen. Jedoch dürste als Auswirkung der Besichtigung ein starker Auftrieb der genossenschaftlichen Bestrebun- gen in den Vereinigten Staaten bei der amerikanischen sozialistischen Arbeiterschaft zu erwarten sein. Ein Bombenflugzeug stürzt ab. Schweres Unglück in der Tschechoslowakei. Pardubitz, 4. August. Ein Bombenflugzeug ist heute brennend auf die Chrudimer Spirituöbrennerei abgestürzt. Das Flugzeug fing in einer Höhe von etwa 2000 Metern Feuer. Der Pilot, Korporal Steiner, sprang mit seinem Fallschirm ab. Er landete wohlbehalten unweit von Chrudim. Der Fallschirm des Beobachters, Leutnants M l e j n e k, blieb am Steuer des Flugzeuges hängen, so daß der Leutnant mit dem brennenden Flugzeug noch etwa vier Minuten durch die Luft flog. Zweihundert Meter über der Chrudimer Spiritusbrennerei brannten die Taue des Fallschirms durch, Leutnant Mlejnek stürzte auf einen Behälter der Brennerei und fiel dann tot in den Garten. Das brennende Flugzeug ohne Bemannung stieß gegen die Wand des Spiritus- magazins, wobei es explodierte. Der Rumpf des Apparates flog etwa zwanzig Meter weit auf ein lzol.zmagazin, dessen Dach Feuer sing. Der Brand konnte durch die Feuerwehr gelöscht werden. Irmgard Geyer als deiche gefunden. Eine tragische Aufklärung hat das Verschwinden der 2>- Jahre alten Irmgard Geyer gefunden, die, wie wiederholt berichtet wurde, seit dem Donnerstag vergangener Woche vermißt wurde. Das kleine Mädchen war in Begleitung feiner Tante nach einem Sport- und Spielplatz in Hönow hinausgefahren, in dessen Nähe der M i t t e l- S e e liegt. Während die Tante eingeschlafen war, hatte sich das Kind allein entfernt und war dann nicht mehr ge- sehen worden. Jetzt ist das Kind in dem See tot aufgefunden worden. Die Kriminalpolizei ist bemüht, da der Berdacht auf Mord besteht, die Todesursache aufzutlären. Es ist jedoch sehr wahr- scheinlich, daß das Kind ins Wasser gefallen und ertrunken ist. WinterglU-ien. Im Wintergarten unterhält das musikalische Universalgenie Fransky, besonders als Saxophonbläfer, die Leute so gut, daß sie nicht genug bekommen können. Ueberhaupt ist für Musik ge- sorgt. Für die ernste seriöse setzt sich mit verblüffender glänzender Technik der kindliche Robert C o n ch e ein, für die wahrhast volks- tümliche das nett und wirkungsvoll singende Hoffänger- f exte it. Dann ist Barbette wieder da, die Frau, die keine Frau ist, was angeblich die Frauen selber sofort, die Männer zu ihrer Ueberraschung aber immer erst am Schluß merken. Barbette tritt als ausgezeichnete Luftkünstlerin auf und was sie(er) an toll- kühnen Sprüngen auf dem Drahtseil leistet, grenzt ans Wunder- bare. Eine höchst tolle übermütige Sache legt der Groteskkomiker N i o t n a hin, der das wohl einzig in der Welt dastehende Kunst- stück fertig bekommt, die Knh am Schwanz zu melken. Der Balance- akt der Princes, wobei der eine Partner sich frei auf dem Kopf auf dem Trapez stehend wild km Kreis drehen läßt, ist erftklafsig. Auch der mit vielen überraschenden Finessen ausgesührie Springakt der P i t a l i und O r i v e ist brillant. Die russische B o u r l a- koff-Truppe tanzt ihre wilden Akrobatiktänze im Gesellschasts- anzug. Ernee und Max Lenclos sind ausgezeichnete Per, treter des Bllhnengesellschaststanzcs, während die drei schönen Schwestern T u r i a uns garantiert echt spanisch kommen. In-- gesamt ein Sommerprogramm von hoher Klaffe. Preisverteilung aus der Bauausstellung 300 Ehrenpreise vom Reich, von Preußen und Verlin. Mit dem am 2. August erfolgten Abschluß der Deutschen Bau- ausftellung hat auch das Preisgericht der Bauausstellung seine Arbeiten beendet. Es zerfiel in drei Gruppenpreisgerichte, und zwar 1. für die Abteilungen„Das Bauwerk unserer Zeit" und„Die Wohnung unserer Zeit"; 2. für die Abteilung„Das neue Bauen" einschließlich der Garagenabteilungen und 3. für die Abteilung„Der ländliche Siedlungsbau". Insgesamt gelangten 300 gleichwertige Preise zur Verteilung, von denen in Anerkennung der allgemeinen kulturellen und wirtschaftlichen Bedeutung der Reich-- arbeitsminifter 50 Preise, der Volkswohlsahrtsminister 100 Preise. der preußische Landwirtjchaftsminister öv Preise und die Stadt Berlin 100 Preise zur Verfügung gestellt hatten. Kraftwagen stürzt ins Wasser. II Menschen in Amerika vms Jteben gekommen. Georgetown(Sudkarolino), 4. August. Ein dem Personenverkehr dienender Lastwagen fiel von einer Brücke in den Fluß S a n t e e herab. Siebzehn Menschen erlranken, 15 Schwarze, zwei Weiße. Llnwetter über Düsseldorf. Ein Mann vom Vlih erschlagen., lieber Düsseldorf und Umgebung ging in den Mittagstunden ein schweres Gewitter nieder, das etwa 114 Stunden dauerte und große Wafferfchäden verursachte. Durch einen Blitzschlag wurde der Eisenbahndamm in der S i e g b u r g e r Straße getroffen und beschädigt, und wäre es nicht gelungen, einen herannahenden Zug aufzuhalten, so hätte sich ein schweres Unglück ereignen können. In der Siedlung bei Holthausen wurde ein Mann, der sich auf einem Feldwege befand, von einem Blitzschlag getötet. An einer anderen Stelle wurde die Lichtleitung von einem Blitz durchschlagen und ein Zimmerbrand verursacht. Fünf Personen beim Baven ertrunken. Der starke Badebetrieb, der bei dem drückend heißen Wetter gestern allerorts in der Umgebung Berlins herrschte, hat wieder eine Beihe von Todesopfern gefordert. Im Teltowkanal ertrank �der Kutscher Rudolf Geh aus der Marienthaler Straße 3 in Britz. Die Leiche des Mannes, der offenbar beim Schwimmen einem Herz- schlag erlegen ist, wurde von der Feuerwehr geborgen. In der Krummen Lanke, unweit des Restaurants Onkel Toms Hütte, oersank außerhalb der Badeanstalt der 22jährige Schneidergeselle Herbert Kajulke aus der Dircksenstraße 47 in Berlin. Der Er- trunkene wurde die Freiwillige Feuerwehr von Zehlendorf an Land geholt. Außerdem wurden in den Abendstunden Bade- Unfälle vom Müggelsee, aus N e u- A h l b e k und vom Wann- see gemeldet. In den drei Fällen sollen Ausflügler beim Baden ertrunken fein. Die Suche nach den Vermißten durch die Waffer- polizei und durch die Feuerwehr verlief jedoch ergebnislos. Unsere Austauschschüler in Rheiusberg. Die englischen, französischen und deutschen Schüler und Schüle- rinnen verließen gestern früh ihre Ferienheime in B e r l i n e Hermsdorf und in Hohenlychen zu einem gemeinsamen Ausflug nach dem schönen Rheinsberg. Nach einem gemein- samen Mittagessen, bei dem Oberstudienrat Dr. Schwarz die junge Schar und die Lehrerschaft begrüßt und auf die Bedeutung des Tages— es saßen dort junge Menschen dreier Nationen am Tisch— und den Zweck des Ausflugs hingewiesen hatte, wurde eine mehrstündige Besichtigung der historischen Stätten Rheinsbergs, der Stadt selbst und ihrer herrlichen see» und ivaidreichen Umgebung vorgenommen. Am Abend fand im Ratskeller ein geselliges Zu- sammensein als Abschluß des frohen und ereignisreichen Tages statt. Die Schüler dankten aus ihrer Mitte heraus für die genossene Gastfreundschaft und brachten zum Ausdruck, daß die Tage und Wochen als Gäste der Reichshauptstadt ihnen unvergeßlich bleiben würden. Der überpiinktliche Hering. Die Heringsschwärme sind diesmal früher als in den Lorjahren an der Oftfeetüste eingetroffen. Die deutschen Fffcher haben zur Zeit alle Hände voll zu tun, um den überreichen Heringssegen des Ostseejahres 1931 zu bewältigen. Zeppelins Arkttsfahrk im planelarium. Archur Köftler, der einzige Berichterstatter beim Flug des„Graf Zeppelin" in die Arktis, wird vom Mittwoch, Nm 5. August, ab täglich(außer Montags) um 19 Uhr im Planetarium(am Zoo) über„Erlebnisse über der Arktis" sprechen. Der Vortrag ist von Lichtbildern begleitet. Toumayee*. � 170 X 140«poilol 22*° Toumay o«w. X, »0x800 Uoohak- oabo mu»t«r........ O« Zam Saison-Ausverkau Wollpersar 1J5x210.hoehflorifl �0 187» pa. veiour s 230(390, dicht 90." �40 3470 Haargarn s »otiso, gut« Mint 94>-43-" Haargarn la »OilQO, rolnoWor« Haargarnläufer 18,92 em br.,ttrapaelerf. .9�3«» Haargarn 69 cm br-Aualegeware 9*® 5ao Vefourläufer alnfarblg. 09 am droit_ Markenware....... r*'" UAMTMnrCR Coeosiäufer (76m breit alt bewahrt auoBtoloualiutsr dem, abwaschbar OaiBtolema. Roste... gemustert Stock von" an Mengenabgabe vorbehalten Soweit Vorrat WILHELM/TB herabgesetzt 55 AN OER LEIPZIGER STR. 9 In den Maschen des Strafgesetzes mit t«Kfad«n für Schöffen u.«Jaachwo. ran*. Von Roohtasnwalt Dr. TIchauer. M. 9,- gbd. Eine volkstümliche Darstellung für Jedermann. Zu beziehen durch J. H. W. Dietz Nachf. GmbH. Borlin SW, tindonatr, 2. Abt Sortlmant und aBmtlieh* VorwBrta-SpadlHonan wirksam sind die S KLEINEN ANZEIGEN loderGeoamtaallase dos»Vorwärts*' ud Ar. 361* 49. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 5. August 1931 Kampf dem neuen Brotwucher. Stürzende Geireidepreise— hohe Brotpreise.— Kommunisten in der Wuchersront. Ueb«r den Pleiten in der Industrie und der Bankwelt, über Devisen- und Kapitalfjuchtnotoerordnungen und über dem kommu- nistischen Theater gelegentlich des Volksentscheids in Preußen, hat die breite Oeffmtlichkeit offenbar vergessen, daß man erst vor einigen Monaten einen hartnäckigen Kampf um den B r o t p r e i s führte. Manch einer wird, jetzt daran erinnert, fragen: Was ist denn eigentlich aus diesem Brotpreiskampf ge- morden? Die Antwort lautet kurz und bündig: Die Gekreidepreise sind um 50 bis(50 Mark pro Tonne gefallen, der Brokpreis aber slehk dort, wo er stand, und das ehrsame Rackergewerbe steckt Sonderprosite ein. die monatlich in die Millionen gehen. Jedesmal gehen in der zweiten Hälfte des Getreidejahres,- also in der Zeit von Januar bis etwa Juli, die Getreidepreije in die Höhe. Die Vorräte gehen zur Neige und das sich verknappende Angebot bedingt eben höhere Preise. Dieses Mal kletterten die Preise ganz besonder- in die Höhe, weil der Reichs- crnährungsminister Schiele, der Vertrauensmann der Kroßagrarier, die ganze Bewegung mit posttischen Mitteln förderte. So hintertrieb Schiele die Getreidezollermäßigung und wehrte sich gegen ein« genügende Einfuhr von Brotgetreide. Das„ging bis in den Monat Juni hinein gut. Dann trat ein starkes Fallen der Getreidepreise ein. Sicherlich hat die Finanzkatastrophe in Deutschland die Dinge auf den Getreidemärkten beeinflußt. Die Mühlen könn«n sich nicht mit größeren Vorräten eindecken, weil der Zinsfuß, was sich aus der ganzen finanziellen Misere ja erklärt, zu hoch, und weil die Lage an den Getreidebörsen zu unübersichtlich ist. Zum ande- rcn stockt das Mehlgeschäft. Die Tatsache, daß infolge ArbeitÄostgkeit, Kurzarbeit und Lohnkürzung der Leibriemen in Deutschland enger geschnallt wer- den muß, wirkt sich aus den Mehl- und Getreideabsatz aus. Man soll gerade die Landwirtschaft einmal an diese Dinge erinnern. Selbstverständlich ist der Getreidepreissturz in Deutschland kein« Sondererscheinung. Die Getreide- preise auf den Weltmärkten sind noch mehr gefallen. Der Juli- weizen wurde in Chikago so niedrig notiert, wie noch nie seit dem Jahre 1894. Das Reichsernährungsministerium mag mit politi- schen Mitteln in diese Entwicklung eingreifen wollen; es wird sich zeigen,-daß sich das Getreide der Preiskalaftrophe auf den Weltmärkten ebensowenig entziehen kann, wie die Baumwolle, wie Kupfer, Illtker, Gummi und andere Rohstlofse. Die politischen Mittel werden nur zur Folge haben, daß die not- wendige Anpassung an das Weltprei-niveau später erfolgt und die daraus resultierende Krise verlängert wird. Vor allem soll sich der Reichsernährungsminister einmal darüber klar werden, daß angesichts einer solchen Entwicklung seine ü�exhöhten Getreide- richtpreis« einfach Unfug und Popanz siiiu-.• lieber die Entwicklung der Gctreidepreise an der Berliner Börse geben wir folgende Uebersicht: ZV. Mai 1931 4. August 1931 eru»gen für eins Tonn« in Reichsmark an der Berliner Bijrfe an märkischer Station) Weizen........... 272-274 188—190 Roggen.......... 198-200 139—140 Weizenmehl...... 33,00-38,25 25,50—35,00 Roggenmehl»)...... 26,05—28,05 20,50- 24,00 *) 100 kg frei Berlin inkl. Sack. Der Preissturz ist gewaltig. Das mag daraus hervor- gehen,- daß wir gegenwärtig seit 1924 den niedrigsten Roggcnpreis haben. Hier müssen aber die Preise aus den Weltmärkten berücksichtigt werden. Nehmen wir z. B. die Preise sür amerikanische Weizenmittelsorten, so ergibt sich ein Preis ab Hamburg ohne Zoll, der noch unter 90Mark liegt. Südrussifcher Roggen, der in der Qualität besser ist als der deutsche Roggen, wird, immer pro Tonne, für nicht ganz 63 Mark angeboten. Wir können also feststellen, daß die deutschen Getreidcpreise infolge der Zölle immer noch doppelt so hoch sind als die Weltmarktpreise. Wie haben nun die Mehl- und die B r o t p r c i s c auf diese gewaltige Erschütterung reagiert? Wie unsere Aufstellung ergibt, ist der Mchlpreis im Begriff, sich den Getreidepreisen anzupassen. Wir können hellte nur sagen, daß, trotzdem genügend Zeit sür die Anpassung vorhanden war, wir z. B. einen Roggen mehlpreis habe», der einem Getreidepreis von etwa 150 Mark entspricht. Man hat die Preisbewegung ganz genau zu verfolgen, um hier einem drohenden Wucher Einhalt zu tun, und mancher Mann und manche Frau in Dorf und Stadt, die nun einmal radi- kalen Anwandlungen huldigen, täten besser, wenn sie am nächsten Sonntag, dem Tag des kommunistisch-nationalsozia- listischen Volksentscheids, einmal gründlich die Getreide- und Brotpreise studieren wollten, anstatt mit ihrem Stimmzettel den Brotwucher zu fördern. Denn der Brokpreiswucher blüht wie nie zuvor. 3n Berlin kostet das Brot gegenwärtig ZS,5 Pfennig pro Kilogramm. Nach den gegenwärtigen Blehlpreifen, die sich aber noch nicht den Getreidepreisen angepaßt haben, dürfte das Brot pro Kilogramm höchstens nur 35 Pfennig kosten. Das Kilogramm Brot wird gegenwärtig mindestens mit 3,5 Pfennig zu teuer bezahlt. Das ist eine Ungeheuerlichkeit, und man kann sich schon vorstellen, daß gewisse Kreise an einer politischen Unruhe größtes Interesse haben, um die Aufmerksamkeit der Oesfentlichkeit nicht auf diese Dinge hinzulenken. Machen wir uns mal ein Bild von d e n P r o f it e n, die der neue Brotwucher erbringt. Man kann annehmen, daß der städtische Verbrauch an Brot monatlich etwa 250 000 Tonnen betrögt. Rechnen wir nur, daß der gegenwärtige Sonderprofit der Bäcker, Brotfabriken usw. 3 Pfennig pro Kilogramm im Durchschnitt für das ganze Reich ausmacht, so ergibt sich pro Monat für Deutschland ein Wuchergewinn von 750 000 000 Pfennig. Das heißt mit anderen Worten: der gegenwärtige überhöhte Brotpreis bedeutet für das Bäcksrgewerbe einen Extraprofit von monatlich 7,5 Millionen Mark. Daß die Regierung hier mit allen Mitteln einschreiten muß, ist selbstverständlich, und die K o m m u n i st e n, die sich jetzt für die Ideale der alten wilhelminischen Zeit einspannen lassen und mit Hakenkreuz und Stahlhelm gemeinsam gehen, täten gut, sich wieder daran zu erinnern, was der Brotpreis für die Arbeiter- familie in Deutschland bedeutet. Französisches Kapital in Osteuropa. Oer Rüstungskonzern Schneider-Creusot als Schrittmacher. Der französische Schneider- Creusot- Konzern, Europas größtes Rüstungsunternehmen, hat in den letzten Tagen seine industriellen Machtstellungen in Osteuropa aufs neue erweitert. Bemerkenswert ist sein Eindringen in die Wirtschaft Lettlands, denn bisher waren die Einflüsse des französischen Kapitals in den eigentlichen Randstaaten im allgemeinen nur gering. Das lettische Parlament hat dieser Tage die Rigaer Regierung er- mächtigt, eine Anleihe von 30 Millionen Lat(etwa 24 Millionen Mark) aufzunehmen, wovon ein Drittel in bar und die restlichen zwei Drittel in Form von Warenlieferungen gegeben werden sollen. Kreditgeber ist die Gruppe Schneider-Creusot, zu der die französische Großbank„Union Parisienne" gehört, woraus zu schließen ist, daß es sich in der Hauptsache um Lieferungen dieses Konzerns handeln wird. Eine zweite wichtige Eroberung wird aus Polen gemeldet. Bekanntlich hat Schneider-Creusot gemeinsam mit der„Union Parisienne" und einer Reihe weiterer französischer Banken vor einigen Monaten die französisch-polnische Bahngesell- s ch a f t gegründet, die die große polnische Nordsüdbahn von der Ostküste bis nach dem oberschlefischen Industriegebiet fertigstellen und betreiben soll. Da nun die Lieferungen für den restlichen Bahn- bau von polnischen Unternehmungen geleitet werden sollen, so hat Schneider-Creusot dieser Tage auf die ehemals deutsche Friedenshütte(Ballestrem) Einfluß genommen. Diese Gesellschaft, die ihren Sitz in Kattowitz hat und mit einem Aktienkapital von 70 Millionen Zloty(knapp 35 Mil- lionen Mark) arbeitet, besitzt in der Nähe der deutschen Grenze Hochöfen, Stahlwerke, Walzwerke, Radsatzfabriken, auch Kohlen- gruben, Kokereianlagen und hat insgesamt etwa 15 0 0 0 B e- s ch ä f t i g t e. Außerdem ist die Friedenshütte an einigen weiteren Unternehmungen beteiligt, u. a. zu 50 Proz. am Kapital der Ferrum-Gesellfchaft, die ihrerseits die Maschinen- fabrit Zielmenski kontrolliert. 30 Proz. des Aktienkapitals sind in deutschen Händen, und zwar bei der mit 28 Millionen Mark Aktienkapital ausgestatteten Oberschlesischen Eisenbahnbedarfs-A.-G. Die restlichen 7i> Proz. befinden sich bei der Gräflich-oon-Balle- stremschen Verwaltung. Die französische Einflußnahme geschieht nun zunächst in der Form, daß die Schneider-Gruppe der Friedenshütte einen Kredit inHöhevon20MillionenZloty einräumt. Möglicherweise wird später dieser Betrag in Aktien umgewandelt, so daß dann eine unmittelbare Kapitalbeteiligung stattfinden wird. Uebrigens war Schneider schon früher an einem polnischen Montanunternehmen beteiligt, nämlich an der H u t a- B a n k o w a, deren Aktienkapital von der„Union Europeenne" kontrolliert wird, einer Dachgesellschaft, an der neben Schneider auch die„Union Parisienne" beteiligt ist. Diese Gesellschaft kontrolliert bekanntlich in der Tschechoslowakei die Skoda-Werke. Es gehört auch in die Reihe dieser Eroberungen, daß sich die „Union Parisienne" dieser Tage in Ungarn stärker fest- gesetzt hat. Ihr dortiger Einfluß beschränkte sich darauf, daß die erwähnte„Union Europeenne" an der größten ungarischen Bank, der Ungarischen Allgemeinen Creditbank, beteiligt ist. Wie jetzt gemeldet wird, hat sich diese Bank jetzt an der von Ungarn aufgenommenen Schatzwechselanleihe im Gesamt- betrage von 140 Millionen Mark mit 66 Millionen Mark beteiligt; den Rest(84 Millionen Mark) hat das Londoner Bankhaus M. N. Rothschild übernommen. Die Mitwirkung der französischen Gruppe an dieser Anleihe ist von politischen Konzessiv- n e n Ungarns abhängig gemacht worden, über die bisher Einzel- heiten noch nicht vorliegen. Die große Aktivität der Gruppe Schneider-Creusot und„Union Parisienne" gerade in der gegenwärtigen Zeit ist auf alle Fälle ein sehr beachtlicher Vorgang, denn das weitere Eindringen dieser wichtigen französischen Unternehmungen verstärkt natürlich die wirtschaftliche und politische Abhängigkeit der osteuropäischen Länder vom französischen Kapital. Diese Expansionsmaßnahmen find freilich f weit entfernt von jenem Kapitalexport, der die mittel- und oft- europäische Wirtschaft von der heute so gewaltigen Käpitalkraft Frankreichs erwarten könnte: denn sie stehen im Zeichen der franzö- fischen Bündnispolitik mit einzelnen Osteuropastaaten und tragen, solange sich die französische Kapitalhergabe in dieser Richtung konzentriert, zur politischen Beruhigung Europas kaum bei. Der Oevaheim-Skandal. Die Innere Mission hat die Verantwortung! Der Zentralausschuß für Innere Mission machte der Presse Angaben über den Stand der Deoaheim-Angelegenheit. Wenn der Zentralausschuß eine Trennung von Devaheim und Devaheim-Konzern vorzunehmen suchte in der Weis«, daß er die Verantwortung zwar für Devaheim, aber nicht sür die Konzerngesellschaften von Devaheim-Baugenossenschoft des Deutschen Evangelischen Volksbundes, Mülheim und Deutsche Entschutdungs- und Zweckspar-A.-G.(Deuzag)— trage, so ist das vielleicht formal- juristisch richtig. Moralisch trägt der Zentralausschuß auch die Verantwortung für die Geschäfte dieser Gesellschaften, zumal dieselben Mitglieder des Zcntralausschusses in den Aufsichtsräten aller Gesellschaften saßen(wenn auch nur bei Devaheim„als Vertreter des Zentralausschusses"). Wie weit die Vertreter im Aufsichtsrat ihre Pflichten verletzt haben, wie weit sie getäuscht wurden, wird hoffentlich die Unter- suchung des Staatsan wa l t s ergeben. Von etwa 20 000 Sporern wurden 16,5 Millionen Mark Spargeldcr eingezahlt; davon find nur 10,37 Millionen Mark als Baugeldcr zugeteilt worden. Die fehlenden 6 Millionen Mark sind der Baugenossen- schast als Kredite zugeflossen, die damit eine große Bau tätig- keit entfaltete. Auch 3 Millionen Mark Bankkredite, die Devaheim misnahm, sind zur Finanzierung von Bauausführungen der Baugenossenschaft verwandt worden. Was von diesen Geldern zurückfließen wird, ist außerordentlich zweifelhaft. Zur Aufbringung der verbauten 6 Millionen Mark Spargclder hat die Innere Mission eine„N o t g e m e i n s ch a f t" gegründet, in der sich die 4000 Anstalten und Vereine der Inneren Mission zu- sammengeschlossen haben. Die Geschäfte der Devaheim-Deuzag soll die Zentralbausparkasse weiterführen. Die Verlust« wurden auf etwa 1,5 bis 2 Millionen Mark beziffert. Der einmalige Un- kostenbeitrag ist auf 2 Proz. erhöht worden, den man von den eingezahlten Beträgen abbuchen will. Diese Erhöhung macht bei einer Gesamtsparsumme von 150 bis 200 Millionen Mark einen Millionenbetrag aus; ohne die Erhöhung wären also die Verluste entsprechend höher. Es scheint sich zu bestätigen, daß die wenigen Sparer mit hohen Summen bevorzugt wurden. Dabei scheinen auch prominente Vertreter der Inneren Mission die Deoaheim-Deuzgg für allerlei Zwecke(wenn auch nicht für ihren eigenen Vorteil), als Finanzierungsinstitut benutzt zu haben. Kupserpreis nochmals herabgesehi. Das Internationale Kupferkartell hat den Preis für ein eng- lifches Pfund Kupfer auf 8 Dollar-Cents herabsetzen müsien. Das ist der niedrigste Kupferpreis, der je notiert wurde. Diskonterhöhung in Prag. Die tschechoslowakische Nationalbank hat den Diskontsatz mit Gültigkeit vom 6. August von 4 aus 5 Pro- zent erhöht. Abänderung des Handelsgesetzbuches durch Notverordnung. Durch Notoerordnung vom 1. August ist der§ 240 des Handelsgesetz- buchs, Abs. 2 Satz 1 abgeändert worden. A k t i e n g c s c l l- s ch a f t c n haben danach die Eröffnung des Konkurs- oder Ver- glcichsvcrfahrens binnen drei Wochen nach Eintritt der Zahlung?- Unfähigkeit oder nach Feststellung der Ilnterbilanz zu beantragen. Die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten. Die Zahl der Arbeitslosen in den Vereinigten Staaten wird sür den Monat Juli auf 5,2 Millionen geschätzt, was gegenüber dem Stand vom 22. Juni eine Zunahme von 175 000 bedeutet. Der Präsident der amcri- konischen Federation of Labour, Green, ist der Ansicht, daß sich die Zahl der Arbeitslosen aus 7 Millionen erhöhen würde, wenn die Wirtschaftslage sich nicht bald bessere. Wenn Ihr Blondhaar immer dunkler wird, dann waschen Sie es regelmäßig mit dem neuen Spezial-Shainpoo: Schwarzkopf „Extra-Blond" mit Haarglanz und Schaumbrille. Schwarzkops „Extra-Blond" reinigt das Haar und gibt ihm allmählich den alten natürlichen Blondton zurück. Nachspülen mit.Haarglanz" sorgt für Gesundheit und schimmernden Goldglanz. Die Schaum- brille ermöglicht die Haarwäsche mit offenen Augen, eine sehr zu schätzende Annehmlichkeit! Sic erhalten„Extra-Blond" zu 30 Pfg. überall dort, wo„Schivarzkops-Extra"(hell und dunkel) vorrätig ist. Die richtige Packung erkennen Sie an dem roten Aufdruck„Extra-Blond". 0/: fiixiäe'slapendeUeq/e DAS CROSSE RUNDE SCHNE EWEISSE SEIFENSTÖCK NUR NOCH Allgemeine Wetterlage. 4-. Aug. 4934, abda. °»■& o« 3 wolkenlos.C5 hBirer.Ohalbbedecld 3 wolkig,* bedeckt*Regs(uGraupelii SchnassNebelT Auch am Dienstag dauerte im größeren Teil Deutschlands das hochsommerlich warme Wetter fort. Die Temperaturen stiegen bei heiterem Himmel vielfach über 30 Grad. Kühler war es im Süden und Westen des Reiches mit 23 bis 26 Grad, hier war der Himmel starker bewölkt und es kamen vielsach Gewitter vor. Verhältnis- mäßig kühl war es ferner an der östlichen Ostseeküste mit Mittags- temperaturen von 22 bis 23 Grad, die durch Zufuhr kühler Luft von der Ostsee zu erklären sind. Da jetzt das Hochdruckgebiet, das uns das warme Wetter brachte, nach Westen zurückweicht und in seinem östlichen Teil zu zerfallen beginnt, wird für uns ein Tief über dem nördlichen Eismeer an Bedeutung gewinnen; diese Umgestaltung der Wetterlage bedeutet für uns zunächst die Zufuhr kühlerer Ostseeluft. * wetleraussichten für Berlin: Weiterhin trocken und heiter bei mäßigen nordöstlichen Winden, Temperaturen nicht mehr so hoch wie bisher.— Jür Deutschland: Im Süden Gewitterneigung, sonst im Reiche Fortdauer des heiteren Hochsommerwetters. Sport. Trabrennen zu Ruhlebea am 4. August. «ugust-Reaven: 1. Citrus(P. Finn): 2. Kassette; S. Kr« Totv: 86:10- Platz: 15, 18, 20:10. Ferner liefen: Felicitas, Volo Stuten, Jugend-Preii: 1, Sonftnart(Ch. Millt); 8. Minri B.; 8. Saat Maid. Tote: 17:10. Platz: 11, 14, 13:10. Ferner liefen: Monarchie, Hermann Almert, David Dillon. Adria, Pechknab«, Herz-LIlerliebste. Coeur Bube. Gottsried-Rennen: 1. Erich L.(Bes.); 2. Edelmeister; 8. Ctzklon. Toto: 55:10. Platz: 18, 15, 17:10. Ferner liefen: Costa Rica. Feodora Eudozia, Fata Morgans, Blankenese, Natrium. Morgan, Wally R.. Charmant, Dorothea. Internationaler Fliegerpreis: 1. Arnim(Kruichof jr.); 2. König Seat; 8. Semper idem. Toto: 48:10. Platz: 20, 17, 46:10. Ferner liefen; Banco Dusfy, Nimmersatt, Kätchen D., Britton. Zann-Küllia-Renueu: 1. Humorist(Jauß it.): 2. Lercke: 3. Khedive. Toto: 21:10. Platz: 12, 19, 18:10. Ferner liefen: Donald, Hildegard, Htcherta, CdeMnde, Herold, Rideamut, Johannisnacht. parteinachnchien »wsendnngen für dies« Rubrik sind »« r I i»»« 4». Llndealtratze Z. sürGroß-Rerlin stet» an da» Bezirtesekretariai Z. Hof, 2 Zrevpen recht», zu richten. Beginn aller Veranstaltungen 19Vj Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe? Heute. Mittwoch, S. August: 2. strei». Di« jungen Genossen beteiligen sich an dem Informatwnsalbmd der SAI. im Jugendheim Lehrter Str. 18. Genosse Dr. Suhr spricht ilber da» Thema:„SWtroirtfchaftsttifc". U. Nrei» Pankow. Bei Metier. Türkisches Fett, Pantom, Breite Str. 14, Arei». oorftanossstzung mit den Udteilungsleitern. Erscheinen unbedingt eriorderlich. 18.«it. Arbritsgemewschaft junger Parteigenossen gn bekannter Stelle. Thema:„Geld, und Währu ngsfrag eil'. SB.«it. Di« Genossinnen und Genossen werden gur Flugblattnerbreitung am Mittwoch und Donnerstag in den bekannten Lokalen autgefordert. M.«bt. zusgmwentunft junger Parteigenossen Hamiemannjtr. 40. Bortrag des Genossen Dr. Eberlein über:„BerwahrlostenProbleme und Gesellschast". (Nicht Dienstag.) 138.«bt. 20 Uhr zui'aumreniunft jugendlicher Genossen zum Schulungsabend bei ttiebn«, Retidenzstr. z. Deferent: Walter Hahn. ,.So,iaIismu» als Weltanschauung." Morgen. Donnerstag. 6. August: tl.«bt. Funktionärkonferenz bei Berger. Ltoetzowssr. 21. Auch die arbeit». losen Genossen, die zum Wahloorsiand eingeteilt sind, müssen erscheinen. ZZ.«bt. Funktionilositzung bei Loiack, Beymestr. 8 39.«bt. 1714ll$r in der Juristischen Sprechstunde Lindenstr. 3. Bezirk» führer. die ihr« Flugbvitter noch nicht abgeholt haben, dürfen diesmal nicht fehlen. 92.«bt. 20 Uhr Funktionärsitzung bei Wolf. flgiser-FriedridHstr. 173, 98.«bt. Di« FuÄtionärversammlung findet wegen der Kundgebung bereit» am Donnerstag bei Etratt statt. 198.«b. Wichtige Funilionäroersammlung auf dem>Eiche"-Sportvlatz. Wenden. schloßstraße. 117.«it. Funktionärsitzung bei Klose. Auch die Destiller müssen erscheinen. 119.«bt. Funktionärs, tzung bei Bartz. 129.«bt. 20 Uhr Funktionärkonferenz im Türkischen Zelt, Breite Straße. Areiiag, 7. August: 19. Krei». Die Genossinnen und Genossen nehmen an der Bersammlung in teil.— Krei»bilbung«u»schuß. 20 Uhr Winterkurs«— LiteraturvertriÄ Arbeilsgemeluschaft der Slnderfreunde Groß-Derlin. Krei, Neukölln. Wir benötigen Quartiere für zwei Sst-rreichischs Falken. gruppen mit Führern für die 3eit vom 8. bis 8 und oom S. bis 11. August. Meldungen sind heute,, Mittwoch, 18—1» Uhr, in der Baracke Sanghoferstroße abzugeben. l. Fer? Prachtmädelz Tochter, Carol, Fechtmeister, Niersperle. Semper-idem-Reuuen: l. Barraba«(H. Finn): 2, Ovatlo»; 3.. Toto: 187:10. Platz: 47, 15, 87:10. Ferner liefen: Farina, Imperator, Turmfalle, Urban, Beta Lee, Karola, Tiillia. W Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Serliv Stasenbimgca für diese Ztudr» aar a» da« Zugenbsetrrtart« Dersta SZS 88. Twdmüraüe» Froakfurt. Fahrer! Hetzt««nnreldetermia heut«! Abkeilungsmikgliederversammlungen heule, 19 K Ahr: Gesuudbruuaea jjt Christianiastr. 38.— Gesundbrunnen(S.�.): Goten. bürget Str. 2.— Licht eatoda: Roonstraß«.— Tempelhof: Sötzsrraße.— Ädlershns: Bismarckftr. 1.— Bohnobors: Wachtelstr. 1.— Falkenberg: Sut»h»f. tedrichahagen: Friedrichstr. 87.— Friedrich»f«Ide: Gunterstr. 44.— Kanüdarf: Adolfstr. 20.— Lichteaberg-Mitte: Gcharnweberstr. 2S.— Karow: Rastaurant Lum Pankgrafen".— Pankow(R.-A.): Krfsingenftr. 48(an. schließend:.Der Kampf um Preußen�). «rnowalber Platz I und U: 18 Uhr Spielen, anschließend breitung.- Waausee: �indenhof", Wühelmplatz...Heinmch Kille J:. ilder). — Reukolla I: Funttionärpersammlung 19% Uhr bei Schleicher, Bürknerür. 5. _ Treptow: Funktionärsitzung.— Lichtenberg.Nord: Gunterstr. 44.„Frechenker und Arbeiterschaft."- Lichtenberg-Zlordweft: Dossestr. S..Warum Zug-nd. tage?"— Mahlsdorf: Melanchthonstr. 62..Kirche und Sozialismus." Werbebezirl Tiergarten: Lehrter Str. 18-19. Znforwation-abend:.Wirt. schaftÄDise". Werbebezirl Prenzlauer Berg: 20 Uhr Sonnenbutger Str. 20 Lorsitzenben. besprechnng.„Reichsjugenbtag." Alle Frankfurt-Fahrer erscheinen Frettag. 7. August. 19 Vj Uhr, zur Sprechchorprobe Danziger Str. 82(Attersheim). Tain. bourkapelle: Morgen üben. All- Antreten, in Tracht. Alt« und neue Spta.er müssen erscheinen, insdesoichere alle Frankfurt-Fochret, Werbebezirl Kreutberg: Z0 Uhr Britzer Str. 80. Politischer Zirsormatwnz. Werbebezirl Reulölla: 18 Uhr engere Werb-b»»iik«porstant>»sitzung im Pnf teibüro. 20 Uhr Sprechchorprob« Sanner Straße. Alle Frank; urteFahrer müssen erscheinen._ Vorträge, Vereine und Versammlungen. »Reichsbanner„Schwarz-Rok-GolD" Geschäft, stell': Berlin 6 14.«ebasiianstr 87-38 So' 2. Dr. Mittwoch, 5 Angnst. Tiergarte»(Ortsoerern). 1. Kmperadschgft. 20 Uhr Sameradschaft-wersamm 2. Kameradschaft. 20 Uhr bei Röstel, Putl GruPyenfilhrer messen einladen.— Donnerstag, _ W bei SckDÄL, Wielefjrraßf. 2. Kam-mdschakt.'S0 Uhr. bai Msbss, Putlitzstr.«i�«�p�ordmw». ---... KKS-, ) Uhr Mit. glieberverfammlüng bei See bat, Wstibald-Alexts�tr. 3. sharioti�aburg(Ort». verein). 20 Uhr Kameradschaftsversammlung„Westend bot Schellbach. Könlgtn- Elisabeth.Str. 6. Tempelhof(OrfR-erein). 20 Uhr Bollversamnilung bei Vommerening, Berliner Str. 100(findet au» bestiurmten Gründen nicht am Donnerstag statt). Lichtenberg(Ortsrerein). 20 Uhr Kameradschaft Bothaoer und Rummelsbutg MitglieOerperteitmliin«. Kameradschaft Gusinn Znnpe! ha. ihr Lokal nicht mehr in der Norwanneustrnß«, sondern bei Barth Möll-ndari. Ecke Rittergutstraße. 20 Uhr Bersammlung. Reiaickendors. Kamerad, chaft Hermsdorf. 20 Uhr Kameradschastooersammlung bei Okrent, Bahnhof. Ecke Berliner Straße.- Friebrichshain(Ortsoerern). Kameoadschaft Warschau. Mit. woch, 3. August,«ameradf chafwvarsammlung. Wichtige Tagesordnung. * Sauvorstand. Freitag, 7.«ngast, 1914 Uhr, Antreten mm Saasschutz für dt.- «W» e«.-».......——■v»_______—: a t*.• �ffÄ�OTotia(T- 1* t" fl t"*;.'- SPD..Versammluugea. Für Brauerei Friedrichshaiu: vrt�reiu Friedrich»- hai». Mit«»ud Lichteuberg: für«liem» Festfäl«: Ort,°«re:u«renzberg uo» Renkollu: für Spicherusöle- v-tsaerei-«harlotteaburg.»ll««r»darf and I'er garteu; für Sochschalbrauarei: Ortsverein Seddiag: für»tla-tie�äle am Bahnhof Sefundbruuuen: Ortsverein Prenzlauer Berg. Laudmaaanfchaft der Schleswig. Ho lsteiaer zu Berlin(1892). Geschäft»sie? S. 14, Prinzenstr. 61. Donnerstag, 6. August, 20 Uhr. Dresdener Garten. Dresdener Str. 4b, geschäftliche Sitzung verbunden mit Unterhaltungsabend und Ausstellung von Städte, und Baberführer Schleswig.Holstetn. Bund deutscher hirnverletzter Krieger«. D. Freitag. 19V4 Uhr, Monatsocr- sgmmlung bei Brandenburg, Berlin C. 2, Stralauer Str. 3�—6. Sturmvogel, Flugoerbanb der Werktätigen t.«. Bezirk sgrupp« Moabit. Freitag, 20 Uhr, zlletgliederoer'anunlung bei Schm idt, � 3B ul efftr.� 17. V- r l ofung Zentralaerbanb der Arbeitoiapaliden und Witweu Deutschland». Gau Groß» «erlln. Geschäftsstelle: Berlin W. Z7. Bülowstr. 49, r. Stfl. Mittwoch, 5. August, Prenzlauer Berg I: Lokal Sliech«, Kopenhagen« Str. 74, 16 Uhr. Reinickendoi'. Oft: Lokal Klähn. Residenzstr. 81, 18 Uhr. Referent: Kollege Fischbach. Schöne. berg: Lokal Groß, Kais«r�riedriS>Str. 9, 17 Uhr. Gartenfest im Lunapark. Am kommenden Sonntag veranstaltet der L u n a p<, r k ein großes G a r t e n f e st mit einem„10-Swnden- Programm ohne Pause", von 4 Uhr nachmittags bis 2 Uhr nachts. Aus dem Konzertprogramm, in das sich S Kapellen teilen, ist be- sonders das Gastspiel Dajos Bela mit seinem aus 40 Musikern bestehenden Iazz-Orchester hervorzuheben. In der„Bunten Stunde" und in 2 Kabarett-Vorstellungen wirken über 50 prominent« Künstler mit. Ein interessantes Preisausschreiben gibt außerdem Gelegenheit zu einem Gewinn von 1000 Mark in bar. Ehren- und Freikarten sind an diesem Tage aufgehoben. Die Männer sollten es einfach nicht zulassen— daß sich ihre Frauen jeden Tag beim Bcschirraufwaschen und Spülen für nichts und wieder nichts abplage» und sich die schönst« Zeit de» Tages stehlen lassen. Weshalb gibt es denn das fabelhafte iMi. da» Geschirrspülen und all« sonstigen Reinigungsarbeitcn wie auf Kommando besorgt? bezahlbare.Mädchen für n Sie e, Ihrer Frau doch mal, wie diese« NN. f Seschirraufuxrscheu so leicht macht! Es geht weiter! fladier Saison- Ausverkauf. der kühnste und größte Verkauf seit Jahren, bringt heute neue Beispiele/ zu welchen märchenhaft niedrigen Preisen vorzügliche Qualitätswaren bei uns zu haben sind. Die riesengroße Auswahl aller ermöglicht es trotz des gewaltigen Ansturms jedem auch jetzt, sein Geld aufs vorteilhafteste zu verwerten. Deshalb wiederum die Lesunei Auf-Gadiel! Beginn 1. 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Wenn der Deutsche Baugewerksbund Ende 1329 noch 489 845 Mitglieder zählte, so waren es Ende 1939 462 428 und heute beträgt dieser Mitglieder- stand nur noch rund 440 000. Dieser Rückgang ist verständlich, es ist eigentlich überraschend, daß er nicht noch stärker ist. Der geringe Rückgang zeugt von der Treue der Baugewerksbllndler zu ihrer Organisation. In der Hauptsache beschäftigte sich die Konferenz mit dem Unter st ützungswesen des Deutschen Baugcwerksbundes. Hierzu reserierte der Lorsitzende, Genosse Nikolaus Bernhard. Angesichts der fortdauernden Krise, die der Bundeshauptkass« seit über Jahresfrist weil mehr Ausgaben im Unlerstühungswesen auserlegt, als an Beiträgen eingehen. sei es nötig, die Unterstützungspolitik der Organisasion auf«ine mehr ausgleichende Basis zu stellen. Man müsse im Baugewerksbund auf die Zukunstspolitik bedacht sein und vor ollem dabei an das Frühjahr 1932 denken, das nach Ablauf der Lohntarife den Bau- arbeitern mancherlei Ueberraschungen bringen kann. Deshalb müsse man aus der Defizitwirtschaft heraus, vor allem, um die Schlag- fcrtigkeit der Organisation in kritischen Zeiten nicht zu gefährden. Nach langer Beratung trat der Beitrat einmütig den Vorschlägen des Vorstandes bei. Es wurden die bisherigen Bezüge in der Streik- Unterstützung, der Erwerbslosenunterstützung, der Hinterbliebenen- Unterstützung und der Wanderunterstützung in ihren Ausmaßen herabgesetzt. Die Konferenz gab der Uebcrzeugung Ausdruck, daß die Mitglieder im Lande diese Notmaßnahmen verstehen und nach wie vor auch fernerhin zur Organisation in alter Treue stehen werden. Interessant war auch die Stellungnahme dieser Konferenz zu der Verordnung vom 23. Juli über die Förderung des freiwilligen Arbeitsdienstes. Di« Konferenz verwarf mit allem Nachdruck diese Verordnung. Angesichts des Umfanges, den heute die sogenannten Notstandsarbeiten angenommen haben, dürste überhaupt kein Raum mehr bleiben für Arbeiten im sogenannten freiwilligen Arbeitsdienst. Jedenfalls müsse alles unternommen werden, um zu verhindern, daß reguläre Bau- arbeiten für den freiwilligen Arbeitsdienst in Frage kommen, sonst würde das schon heute ungebührlich beschränkte Arbeitsfeld der Bau- arbeiter noch mehr eingeengt werden. Die ganze Verordnung sei arbeitsrechtlich und sozialpolitisch widerspruchsvoll und müsse mit aller Schärfe bekämpft werden. Noch interessanter waren die Aufschlüsse, die in der Konferenz gegeben wurden zur Stellungnahme des Rcichsarbeitsministeriums gegenüber der Allgemeinverbindlichertlärung von Tarifverträgen im Baugewerbe. Man hält im Reichsarbeits- Ministerium(trotz oller gewichtigen Gegengründ«, denen sich sogar im April die vom Reichsarbeitsminister für das Baugewerbe eingesetzte Zentrale Schlichtungsstelle nicht ganz entziehen konnte), die Löhne im deutschen Baugewerbe für»viel zu hoch". Die Unternehmerpsychose und das beständige Geschrei der Schars- macherpresse um die„hohen� Bauarbeiterlöhne scheinen sich nunmehr auch restlos der Regierungskreise bemächtigt zu haben. Beachtlich sei vor allen Dingen, daß die heusigen Löhne im Baugewerbe von den vom Reichsarbeitsminister eingesetzten Schlichtern sowohl in den einzelnen Vertragsgebietcn wie auch von der zentralen Stelle aus festgesetzt und teilweise auch für v e r b i n d l i ch erklärt worden sind. Trotz dieser Tatsache seien alle bisher gestellten Antröge auf All- gemeinoerbindlichkeit von Bauarbeitertarifen abschlägig be- schieden worden. Eine solche Stellungnahme würde auf dem Gebiete der Lohnbildung zur vollkommensten Anarchie führen. Man scheint jetzt dieBauarbeiteraucharbeitsrechtlichminderen Rechts erklären zu wollen. Gegen diesen vom Reichsarbeits- Ministerium angestrebten Schutz verantwortungsloser Außenseiter im Baugewerbe müßte ganz entschieden angekämpft werden. Oer Dank der KPO. Der Vorsitzende der ZiGO. bei Kommunistenpresse fliegt. Der Z3proz«ntige Abbau der Löhne des Austrage- Personals der drei kommunistischen Berliner Zeitun- gen„Rote Fahne",„Berlin am Morgen" und„Welt am Abend", der am 1. Oktober vorigen Jahres erfolgte, zieht immer noch seine Kreise. Es ist nicht etwa so, daß sich das Austragepersonal mit dem Lohnabbau bereits abgefunden hat und das Verhältnis zwischen Austrägern, Spediteuren und Verlagsleitung das denkbar günstigste wäre. Das Austragepersonal mußte sich seinerzeit dem Lohn» abbaudkktat füaen, weil ihm nur die Wahl blieb zwischen seiner Annahm e?oder der Arbeitslosigkeit. Im kom- munistischen Jargon bezeichnete man die widerstandslose Hinnahme des Lohnabbaues als„Parteidisziplin" und den Hinauswurf derjenigen, die sich damit nicht einverstanden erklärten, als„not- wendige Entfernung soziqlfgsch.iftifcher Elemente". � Wir' berichteten bereits. Mß vom San d esarbe i t s g e r i ch t dieser famose RGO.-Vertrag für rechtsunwirksam erklärt worden ist, mit der Begründung, daß für die drei kommunistischen Zeitungen nach wie vor der mit dem Gesamtverband(Der- kehrsbund) abgeschlossene Tarifvertrag gilt. In den Terminen vor dem Arbeitsgericht, die diesem Urteil vorausgingen, wurde vom Gesamwerband der Borsitzende der RGO.-Lohnkommission Leh- mann als Zeuge benannt, den man neben verschiedenen anderen Kommunisten zur Unterzeichnung dieses Lohnabbauvertrages ge- zwungen hatte. Seit der Gesamtverband L. als Zeugen benannt hatte, galt er in dem kommunistischen Zeitungsverlag als„Sozialfaschist" und mußte allerlei Schikanen und Verleumdungen über sich ergchen lassen. So verlangte man z. B- von ihm, daß er seine Funktion als Vertrauensmann der Austräger seiner Speditton niederlegt, die ihm von seinen Arbeitskollegen übertragen war. Die Spedition bestimmte einfach nach sowjetrussischem Vorbild eine neue „Vertrauensperson", die jedoch in einer Belegschaftsversammlung nur zwei Stimmen erhielt. Die Belegschaft sprach ihrem ab- gehalfterten„sozialfaschistischen" Vertrauensmann das V e r- trauen aus, worüber die Spedition jedoch mit einer Handbewcgung hinwegging. Es häufte sich Schikane auf Schikane, bis man endlich einen kadenscheinigen„Grund" gefunden hatte, um L. fristlos z u entlassen. Mit diesem Kstnauswurf glaubte man endlich Ruhe in dem Unternehmen zu schaffen. Die Entlassung des L., der zugleich auch Vorsitzender der Gruppenleitung des gesamten Austragepersonals der drei kommu- nistischen Zeihingen war, hat unter den Austrägern jedoch eine starke Erregung wachgerufen. Nachdem L. in dem kommunistischen Verlagsunternehmen so behandelt worden ist wie in dem Betriebe eines privatkapitalistischen Scharfmachers, will er jetzt vor dem Arbeitsgericht, wo er nunmehr fein Recht suchen muß, ebenso wenig Rücksicht auf die„revolutionären" Zeitungsunternehmer nehmen, wie diese auf ihn genommen hoben. Der brave NGO.» Mann begreift eben nicht, daß das Bündnis mit Hitler, Hugen- b e r g und D i n g e l d e y seine notwendigen Konsequenzen hat. Weitherziger Arbeitsdienst. Die Reichsanstalt kann auch großzügig sein. Di« Vorschriften der Reichsanstalt über die Art der Durchführung des freiwilligen Arbeitsdienstes sind nunmehr ebenfalls erlassen. Auch sie. betonen, daß als, Träger des Dienstes, a.l l e V e r e i n i g.» n a t n in Betracht kommen, die für ordnungsgemäße Durchführung des Dienstes im Rahmen der Ver». ordnung Gewähr bietey, gleichgültig, welche Zwecke sie s o n st verfolgen. Die Prüfung des Landesarbeitsamtes erstreckte sich in erster Linie auf die Gemeinnützigkeit der Ar- beit, und der Begriff der Gemeinnützigkeit dürfe dabei nicht eng- herzig ausgelegt werden. Diese Großzügigkeit des Vorstandes der Reichsanstalt gegenüber ausgesprochen reaktionären Bestrebungen muß stutzig machen. Will die Reichsanstalt Lohndrücker züchten? Will sie unreife Studenten als Hcilsapostel auf die Arbeiter loslassen? Man beschaffe Arbeit, aber reguläre, nicht kostspielige Schwindel- Unternehmungen. Neuer Tarifvertrag bei der jReichsatistali. Die Verhandlungen der Organisationen der Angestellten mit der R e i ch s a n st a l t über die Neugestaltung des Tarifvertrags waren bereits Anfang Juli beendet. Die Aufsichtsinstanzen(Reichsarbeits- und Reichsfinanzministerum) hatten jedoch an dem Inhalt des Ver- träges eine Reihe von Beanstandungen vorgenommen, die neue Verhandlungen zwischen den Vertragsparteien notwendig machten. Voin Zentralverband' der Ange st eilten wurde dabei ganz eindeutig erklärt, daß hier ein offenborer Miß- brauch der Äufsichtsbefugnisse der Reichsregierung vorliege, wenn sie sich in den Abschluß des Tarifvertrags einmische. Der Vorstand der Reichsanstalt hatte sich die Forderungen der Regierung zu eigen gemacht. Unter Berücksichtigung einiger Aenderungen ist es dann gelungen, am 31. Juli zu einem endgültigen Abschluß zu gelangen. Der Tarifvertrag trat am 1. August d. I. in Kraft. Drohende Wirkung der Notverordnung. Wann kommt endlich die Korrektur? Der kommunale Arbeitgcberverband, d. h. die Stadt Berlin, hat dem Gesamtverband das Arbeitszeitabkommen für dje städtischen Arbeiter und für die Arbeiter und Arbeiterinnen der städtischen Gesellschaften, soweit sie dem kommunalen Arbeitgeber- verband angeschlossen sind, zum 1. September gekündigt. Durch dieses Abkommen wurde, wie noch erinnerlich, die Arbeitszeit von 48 auf 44 Stunden herabgesetzt. Die Kündigung ist aus formellen Gründen erfolgt. Nach Mitteilung des Kommunalen Arbeitgeberverbandes besteht aber nicht die Absicht, die bisherige 44stündige Arbeitszeit zu ändern. Unter Bezugnahme auf die Notverordnung vom 5. Juni dieses Jahres ist auch die vorsorgliche Kündigung der Lohntarifverträge für die Arbeiterinnen und Arbeiter der städtischen Betriebe und der städtischen Gesellschaften, die dem Kom- munalen Arbeitgeberverband angehären, zum 1. Oktober erfolgt. Die U 6 bis 8 der Notverordnung bestimmen bekanntlich, daß die Löhne der Arbeiter der öffentlichen Betriebe ab 1. Oktober an die Reichsarbeiterlöhne„angeglichen" werden sollen. Die Direktion der B e w a g hat ebenfalls das am 2. Januar d. I. abgeschlossene Abkommen über die 44-Stundenwoche in ihrem Be- triebe zum 31. August formell gekündigt. Anträge des Kommunalen Arbeitgeberverbandcs über die zukünftige Neuregelung der Löhne liegen beim Gesamtverbond nicht vor, wohl weil auf die Bewag die Notoerordnung nicht anwendbar ist. Diese schreibt die„Angleichung" der Löhne und Gehälter für Betriebe vor, deren Aktienkapital zu mehr als 50 Proz. im Besitz der öffentlichen Hand ist. Bei der Bewag sind es heute nur noch 50 Proz. Deutschland in der Welt voran. polen macht den Lohnabbau nach. Sallowih, 4. August. Wie berichtet, haben die Arbeitgeber nach dem ergebnislosen Verlauf der Lohnverhandlungen in der Holzindustrie durch Anschlag bekanntgegeben, daß die Löhne vom August ob um 15Proz ge- kürzt werden und den Arbeitern gekündigt werde. In Königshütte hat die Firma Sternberg diesen Anschlag wahrgemacht und 120 Ar- beitern gekündigt. Der Arbeiterrat hat jedoch diese Kündigung nicht zur Kenntnis genommen, so daß der Dcmobilmachungskommissar in den Lohnkonflikt eingreifen mutz. In der Holzindustrie in der Wojewodschaft werden zurzeit etwa 3000 Arbeiter beschäftigt. TPD.-BetriebSfunktionärc! Keilt«, Mittwoch, 1»u Uhr, in txn Musikersälc», ttoiscr-Wilhelm-Str. 31, wichtio» Stonfennft aller Betriebesmiltisnäre.„$!« wirtschaftliche und finanzielle Sa« Deutschland«.-' Referent: Dr. Fritz Raphtali. Fnnttionäriarte und Partei- mitgliedednch find zur Segitimation mitzubringen. Das Betrieb«? clretarlat. jZ�Freie Gewerkschafts-Zugend Berlin f Heute. 19% Ernstste. 16, Uhr, tagen die Gruppen: Baumschvlenweg: Jugendheim Heiuidefprechung. Ausspracheabend: Die neue Ztotverord- nun,, und vi« Stellung der Gewertschaften.— Weihensee: Gruppen heim.Mefheufec„.PiL,—. KZmbaldt: Jugendheim ���Mlardri>WWtzMM�WW Graun. Ecke Lor Heimbesprechung. Nördring: Schule Sannen- bnrger Str. 30. Heimbcsprechung.— Tegel: Jugendheim Tegel, Schbneberger Straße 4 seist mir 20 Uhr). Heimbesprechung und Brettspiele.— Südwesten: Jugendheim Dorckstr. 11 issabriigebüude). HeirnbesiprechtNig. Schachabend.— 1' Gewerkschaften " 29ie geheimnisvolle„etolenuhru Mit der Zerstörung des Holzes durch verschiedene Insekten be- schäftigt sich seit einer Reihe von Jahren das Untersuchungsamt für Holz in London, und rcr Direktor dieses Instituts Ralph S. Pearson hat sich jetzt an die Oeffentlichkeit mit der Bitte gewendet, ihn bei seinem Streben nach Erhaltung der alten Holzkunstwerkc und Möbel zu unterstützen. Seitdem man 1314 mit der Bekämpfung dieser Holzfcindc be- gönnen hat, ist so wenig erreicht worden, daß die Käser den meisten Vorteil davon hatten, denn sie haben sich außerordentlich vermehrt. Trotz mühevoller Untersuchungen weiß man noch verhältnismäßig wenig von ihrer Lebensgefchichtc, ihrer Entwicklung und ihren Gewohnheiten. Immerhin hat man gefunden, daß es verschiedene Insekten sind, die dem Holz in verschiedenen Stadien seiner Ver- Wertung ihre unliebsame Aufmerksamkeit zuwenden. Während die Käser der Familie Lyctus sich in der Hauptsache an neue Möbel und Holzarbeiten halten, werden die wertvollen Altertümer von jener Käserart heinigesucht, die wegen ihres unheimlichen Tickens im Holz den Namen der„Totenuhr" erhalten hat. Es sind daher hauptsächlich diese Insekten, die die kostbaren Holzschnitzereien und das Gebälk der alten Fachwerkbauten vernichten, und man wird sie erst erfolgreich bekämpfen können, wenn man alle Einzelheiten ihrer Lebensform genauer kennt. Bisher weiß man nur, daß nach der allgemeinen Erforschung der Biologie der Insekten gewisse Bedingungen der Temperatur und der Feuchtigkeit nngllnstig auf die Tiere einwirken und ihre Unfruchtbarkeit in zwei oder drei Generationen hervorrufen. Der „Totenuhr" kann man auch mit einer verbesserten Lüftung bei- kommen, während die Anwendung von den landläufigen Insekten- pulvern nichts nützt. Tausende von erwachsenen Exemplaren müßten studiert wer- den, aber in den letzten zwei Iahren konnten nur einig« hundert tote Käfer dieser Art aufgetrieben werden, während die lebendige» Tiere nur ganz selten gefunden werden. Unter anderen Beob- achtungen verdient die besondere Aufmerksamkeit, daß die Larven der„Totenuhr" Blei und alte Bücher ebenso wie Holz zerstören und daß sie die Literatur oder zumindest das Papier aus den drei letzten Jahrhunderten mehr bevorzugen als den mit der Maschine hergestellten Stoff unserer Tage. Die„Totenuhr" ist also auch für die Zerstörung der alten Büchcrschätze in viel höherem Maße verantwortlich, als man bisher angenommen. Solange es nicht möglich ist, den Käser im lebenden Zustande genauer zu studieren, wird er geheimnisvoll bleiben wie sein gespenstisches Klopfen. f ifenbahneii auf Ownmi Daß die Eisenbahnwagen„auf Gummi" daherrollen sollen wie die Kraftwagen, wird den Reisenden eine angenehme Kunde sein, da sich ihnen die Aussicht eröffnet, in Zukunft ohne Stöße und ohne großes Rattern auf den Schienenwegen zu fahren. Aber nicht dies« Annehmlichkeit für das Publikum ist es in erster Linie, die zu Ver- suchen mit Gummirädern angeregt hat, sondern der Wunsch, d i e ReibungderRäderzuerhöhen. Bei»offen Rädern kann diese Reibung so gering sein, daß sich beim Anfahren die Antriebs- räder der Lokomotive nur auf der Stelle drehen. Diese Erscheinung tritt besonders leicht bei Lokomotiven ein, deren Räder nicht so fest auf die Unterlage gepreßt werden. Durch die Gummireifen wird die Reibung so erhöht, daß auch Maschinen von geringem Gewicht ohne Schwierigkeiten anfahren können: man kann daher aus Neben- bahnen leichtere Lokomottoen als bisher verwenden: ebenso erleichtert die stärkere Reibung das Fahren auf Strecken mit starken Steigungen. Aus diesen Gründen hat man. wie in der Franksurter Wochenschrift „Die Umschau" berichtet wird, in Frankreich jetzt Versuche mit Gummirädern auf der Linie Laqueuille der Orleans-Bahn durch- geführt: diese Strecke stellt nämlich mit ihrem starken Gefälle hohe Anforderungen an die Zugkraft. Die Kautschukbererfung, die dabei verwendet wurde, weist statt des glatten Radkranzes einen profilierten auf und die Rippen stehen senkrecht zur Fahrtrichtung. Di« Versuchs- crgebniffe waren so befriedigend, daß man das Rad mit Gummireifen bei den französischen Eisenbahnen einführen will. Gesprochene Briese. Di« Bewohner van Hollywood brauchen jetzt ihre Briese nicht mehr zu schreiben, sondern sie können ihre Mitteilungen mit ihrer eigenen Stimme dem Adressaten vorsprechen. Nach einem Bericht der„Umschau" sind Aufnahmeapparatc wie die öfientlichcn Fernsprecher in den Straßen aufgestellt, die gegen eine Gebühr von 25 Cents oder einer Mark«in Phonogramm auf- nehmen. Die Platte wird dann als„Brief" durch die Post bestellt und der Empfänger legt sie in fein Grammophon«in, worauf er die Stimme des Absenders oernimmt. mm£ey: Wlarstiere auf der Erde Seitdem das alte Weltsystem des Ptolemäus, welches die Erde als den Mittelpunkt der Welt und alles Geschehens ansah, feine Gültigkeit verloren hat, seitdem ist die Frage nicht abgerissen, ob wir Menschen irgendwo im Weltenraum« Brüder haben. Oder ob wenig- stens, so lautet die gleiche Frage in etwas bescheidenerer Form, aus irgendeinem Planeten unseres Sonnensystems Leben existieren wird. Mit dex fortschreitenden Vervollkommnung der astronomischen Instrumente, besonders auch, seil Oer Entdeckung der Spektralanalyse. die die Feststellung der Elemente, welche in einem fernen Stern glühen, ermöglicht, ist man der Beantwortung dieser Frage Immer näher gekommen. Wir können jetzt so ziemlich sagen, wie es auf den inneren Planeten unseres Systems auSsiehl Wir wissen, daß der klein« sonnennächste Planet Merkur der Sonne immer dieselbe Seite zuwendet, so wie der Mond der Erde. Beim Merkur muß darum die eine Seite in ungeheuerlichen Hitzgraden verdorrt sein, die andere, die auf dem atmosphärelosen Planeten der Weltraumkälte schutzlos ausgeliefert ist, unter Eis und Schnee erstarren. Von der Venus wird behauptet, daß sie sich ähnlich verhält, er- wiesen ist es ober noch nicht. Es ist auch sehr gut möglich, daß sie einen Tag hat, der ungefähr, so lang ist, wie der Erdentag,— so, wie es auch beim Mars der Fall ist. Wenn dos zutrifft, dann haben wir in der Venus mit ihrer mächtigen undurchsichtigen Atmosphäre den Planeten der Naturkatastrophen, der ungeheuren wochenlangen Regengüsse, der gewaltigsten Gewitter und Wirbelstürme. Vom Monde wissen wir, daß er gleich dem Merkur ohne Lust- hülle ist, die Sonne brennt bei ihm auf kahles Gestein: nur in den Tiefen seiner großen Krater, deren Entstehung noch immer nicht ganz einwandfrei geklärt ist, hält sich vielleicht noch Luft auf. Beim Mars, dem wir vor einigen Jahrzehnten noch sehr viel zugetraut haben, sind wir jetzt wieder schwankend geworden. Zwar hat der von Wüsten zum größten Teile bedeckte Kriegsplanet eine Lufthülle, die der irdischen in etwa 12—13 Kilometer Höhe entspricht,— von den berühmten„Kanälen" ist jedoch mit guten Gründen verfochten worden, daß sie überhaupt nur eine Augentäuschung darstellen. So geht unser Wissen in diesen Dingen hin und her. Wir können zwar sagen, daß manche irdische Tiere auf solchen Welt- körpern auszudauern vermöchten, und daß natürlich auch der Mensch mit Hilfe seiner Technik es bei einem Besuch aushalten würde, ob aber nun von Natur aus auch Tiere und Pflanzen da sind, wissen wir natürlich nicht, bevor wir mit dem Raumschiff nicht eine» Besuch ausgeführt haben. In einigen Fällen haben wir ja die begründete Vermutung, direkt Spuren von Lebewesen im Fernrohr gesehen zu haben. Die Marskanäle, die dos Werk intelligenter Wesen sein müßten, schalten, wie schon gesagt, aus; der große amerikanische Astronom Pickering hat aber auf dem Monde nicht»ur gelegentliche regelmäßige Aende- rungen der Gesteinsfarbe gesehen, was auf Pflanzenwuchs deuten könnte, sondern auch im Mondkrater Eratosthenes wandernde graue Flecke, die man für ziehende Insektcnheere nach Art der irdischen Heuschreckenschwärme hält. Hierher gehört auch die noch nicht be- stätigte Nachricht, daß ein Astronom schon vor den, Welttriege in den Lufthüllen von Uranus und Neptun mit Hilfe des Spektra- fkopes die Linien des Blattgrüns festgestellt haben will. Von einem deutschen Gelehrten, Dr. Desiderius Papp in Wien, ist die Fragestellung aber letzthin in amüsanter Weise umgekehrt worden. Der schwedische Physiker Evante Arrhenius hatte nämlich nachgewiesen, daß Bazillen imstande sein müßten, eine Weltraum- fahrt zu unternehmen. Erstens nämlich sind sie der Weltraumkälte gegenüber unempfindlich, und zweitens haben sie meistens«ine Größe, bei der sie vom Lichtdruck der Sonne ersaßt werden und ihrer Schwerkroft nicht mehr unterliegen. Nach dieser Theorie mußte die Erde, die ja, wie wir es an uns selbst merken, belebt ist, schon lange die Nachbarplaneten im Weltcnraum befruchtet haben, denn für eine Bazillensahrt auf den Schwingen des Lichtdruckes der Sonne errechnen sich mir drei Wochen Zeitdauer, wenn es beifpiels- weise von der Erde zum Mars gehen soll. Nun ist aber natürlich das Umgekehrte. ebenso wahrscheinlich. daß nämlich die Erde selbst aus dem Weltraum« Besuch erhält, und der Nachweis hierfür ist wohl erbracht. Wir haben nämlich auf der Erde eine ganze Reihe von Bazillenarten, die ganz so aussehen, als stammten sie von irgendeiner anderen Welt. Das heißt, sie sehen zwar nicht so aus, aber sie benehmen sich so. Es ist wohl vollkommen irdisch, wenn sich der Wüstenfuchs an ein Leben in großer Hitze und mit wenig Waffer anpaßt. Ebenso irdisch ist ein Leben in Schnee und Eis und Polarnacht, wie es der Polarfuchs führt. Und es.ist Nur eine Steigerung der Eigenschafken von Regenwurm und Maust wurf, wenn man in gerade angeschlagenen Steinkohlenflözen mikro- jkopische Wesen entdeckt, die schon dort gelebt haben müssen, bevor der Mensch diese Tiefe anbohrte. Es ist aber alles andere als irdisch, wenn man plötzlich von Bakterien hört, denen der Sauerstoff unserer Erdluft, der für alles irdische das Lebensellxier darstellt, ein tödliches Gift ist. Er ist es sogar für mehrere verschiedene Bazillenorten, harmlose und Krank- heitserreger, die sonst unglaublich lebenszäh und mit ijitze und Kälte und Gift kaum zu Tode zu peinigen sind. Werden sie aber von einem Hauch« Sauerstoff gettossen, dann ist es aus mit ihnen. Das ent- spräche einem Wüstenfuchs, der stirbt, wenn er einregnet oder einem Polarfuchs, der eingeht, wenn er im Sonnenschein über ein« grüne Wiese läuft. Eine Anpassung kann man darin also nicht sehen,— oder vielmehr kein« irdisch« Anpassung, für einen lustlosen Mond oder Kleinplaneten mag es zutreffen und praktisch sein. Diese sauer- stosfeindlichen Wesen lieben ihrerseits die Kohlensäure, nur, weil es auch solche hier gibt, vermögen sie zu existieren. Ihre Heimat muß demnach gerade umgekehrt organisiert sein als die Erde.— Einige andere, die man sür Gäste aus dem Weltenraum hält, schwärmen sogar für noch kräftigere Giftgase, der Thiobazillus für Schwefel in jeder Form, der Methanbazillus für Sumpfgas, der Cyanbazillus sogar sür Blausäure. Das sind alles Erscheinungen, die sich nur»nit irdischen Hilss- mittel» erklären lassen. Diese sonderbare Gesellschaft muß aus den Planetenräumen gekommen fein, im Innern von Meteoriten, oder allein auf den Schwingen des Lichtdrucks segelnd. Dr. Papp, der diesen Dingen besonders nachgegangen ist, gibt für einen dieser Gesellen, für„Spirillum rubrum" geradezu den Mars als Heimat an.„Rötlich-gelb leuchten in unseren Fernrohren die weiten Flächen des Marsplaneten. Was mag dieses Rot sein? Wüstensand oder gar die Farbe der Marspslanzen, die nicht in grüner, sondern in roter Pracht erblühen? Wenn dies zutrifft, dann dürsten die Mars- pflanzen kein Blattgrün besitzen, sie müßten an seiner Stelle in ihren Geweben ein rätselhaftes Blattrot beherbergen... Unter dem Mikroskop schießt mit seinen vielen Geißeln ein merkwürdiger Bazillus dahin. Spirillum rubrum. In seinem winzigen Körperchen birgt es einen weinroten Farbstoff, mit dem es genau dasselbe Wunder zustande bringt, wie die irdischen Pflanzen mit ihrem Blattgrün. Es spaltet damit die Kohlensäure und behält den Kohlenstoff sür ihr zartes Körperchen zurück. Unter dem Mikroskop wird ein Marswunder zur irdischen Wirklichkett. Das Spirillum rubrum kann eine sehr dünne Luft gut vertragen. So«in« dünne Atmosphäre hat aber gerade der Mars. Der fremd« Gast oermag jedoch auch ohne Luft fein Dasein zu fristen, ja, nian kann ihn sogar an die dicke Atmosphäre unseres irdischen Luftmeeres ge- «öhnen, so daß er darin gedeiht. Es gibt eine ganze Anzahl solcher ilb-Lustlosleber: sie sind erdfremd« Kleinwesen, die sich an ihren zwecken Heimatstern, den Planeten Erde bereit» angepaßt haben—" sagt Papp. Verantwortlich Mr Politik: Tr. ck»rt«Seycr: Wirtlcholt:«. nliaycltöf«'! ScwrrtickiaftKbrwrauna: 3 Stciar»! jZ-uillelo»: Zoll» Schik»»»«! Lokale» und Sonltiae»: grij, itarftädt: An,ciacn: Zd.»lock«: sämtlich in Berlin. Verlan: Vorwärlo-Perlaa®. tu. b.£>.. Berlin. Druck: Borwärto-Buchdruckeret „n» BerlaasanstaU Paul Sinaer u. Co.. Berlin EW. 6?, Lindenstrak«* ««ms Z«eiliges. zishunA und waren nyn der Erschütterung unmittelbar und drastisch betroffen worden. Das besondere Eingreifen der Rcichsregierung in diesem Fall war eine ausgesprochene Mittelstandsmaßnahme. Die Bankenkontrolle angekündigt. selbstverständlich kann die Reichsregierung nicht dar» auf verzichten, längst überlegte Maßnahmen auf dem (Sebiete des gesamten Kredit- und Kapitalverkehrs und des Aktienrechts vorzubereiten. Diese Erklärung bc deutet keinen Schlag gegen das freie Bankgewerbe. Aber nachdem einmal der Staat auf dringendes Ersuchen der Beteiligten sich rettend und schützend auf diesem Gebiet hat einschalten müssen, kann er sich nicht der Pflicht ent» ziehen, auch Maßnahmen vorbeugender Art für die Zu- kunft zu treffen, wie cS andere Völker längst getan haben. Und nun zum Schluß noch eins Antwort auf viele öffentlich und privat an mich gestellte Fragen: Die Reichsregierung nimmt nicht die II n fe h l b a r k e it für sich in Anspruch. Sie ist in diesen ent- scheidungsvollen Wochen und Monaten, in denen sich oft in Stunden die Lage änderte, die Entscheidungen sich häuften, bestrebt gewesen, in allen Punkten das'Beste zu tun, aber sie behauptet nicht, daß es ihr in allen Augenblicken gelungen ist. Für die Aufgaben und Ent- schließungen, vor die sie sich gestellt sah, gibt es in der Weltgeschichte nur wenige Beispiele. In solchen Zeiten hat es sich regelmäßig als besser erwiesen, rechtzeitig zu handeln, als in dem unerfüllbaren Be- streben, das theoretisch Vollkommene zu erreichen, zu zögern und die Stunde zu versäumen. Alles in allem genommen ist das Ziel sedenfalls erreicht, daß von morgen ab die Voraussetzungen für einen normalen Wirtschaf tskrcislaus der Güter und des Geldes gegeben sind. Notwendig ist nunmehr, daß sich das Vertrauen, die unentbehrlichste Ergänzung aller technischen Maßnahmen, stärke und endgültig befestige. Hierzu kann jeder von Ihnen beitragen. Ja. es' ist die Pflicht jedes einzelnen, es zu tun mit Rücksicht auf unser eigenes Land und mit Rücksicht auf unser Ansehen dem Ausland gegenüber Eine große ausländische Finanz- hilf« ist, wie ich schon sagte, im Augenblick außerhalb des Bereichs der Möglichkeit. Was für die Stunde gilt, braucht aber nicht auf die Dauer zu gelten. Fremde Hilf« erfährt nur der, der sich zunächst selbst zu Helsen weiß und damit das Vertrauen der Umwelt gewinnt. Einem Volk, das sich selbst nicht genügend Kraft zutraut, die Dinge lausen läßt und nur in der Kritik sich auszeichnet, wird niemand Achtung und Vertrauen schenken. Sieht aber die Umwelt, daß kraftvolle Selbstbesinnung in schweren Stunden bei uns Deutschen sich steigert, so zweifle ich vicht, daß die Fortsetzung der internationalen Verhandlungen zur Erschließung zusätzlicher Kraftquellen in der We,'t- Wirtschaft führen wird. Ist es notwendig zu sagen, daß für die aussichtsreich? Fortsetzung dieser Entwicklung Freiheit von inner politischen Störungen, Aufrechterhaltrma von Ruhe und Ordnung im deutschen Volke unentbehrliche Voraus- sctzung ist? In einem Augenblick, wo alle Völkskrast der gemein- samen und verstehenden Arbeit an der lleberwindung der Wirt- sckastsnot gehört, müssen selbstzersleischcnde politische Kämpfe, die in der Geschichte so oft Leid über Deutschland gebracht haben, zu- rücktrcten., Warnung vor dem Volksentscheid. Und wenn Sie, meine Damen und Herren, in Fortführung dieses Gedankens mich nun fragen, was ich vom Volksbegehren über die Auflösung des Preußischen Landtages halte, so muß ich Ihnen erwidern, daß es sich staatsrechtlich hier um keine Reichs-, sondern um eine preußische Angelegenheit landest. Als Staatsbürger— nicht als Parteipolitiker— oder erkläre ich Ihnen, daß Sic mich nicht an der Dahlurne sehen »verden. Zuspitzung der parteipolitrschen Gegensätze ist das Gebot der Ätunde. sondern ihre Frücht btlrVtvrchu ng itt einer diese Gegensätze' i'btrl rückenden schöpferischen Synthese. In einer Synthese aller der Kröste. die bereit sind, einer im wahren Gemeinschaftsgeist aufgefaßten Wirtschaftsretorm und einer aufbauenden Staatspolitik rückhalllos und uneigennützig Hand und Herz weihen. Das Recht der Angestellten. AfA-Ävnd zur Ratenzohwng der Gehälter. Nach der Freigabe des Zahlungsverkehrs liegt kein Grund mehr vor. den Angestellten ihre fälligen Gehälter vorzu- enthalten. Der§ 6 der Durchführungsverordnung vom l8. Juli muß verschwinden. Alle Angestellten, ob in der Industrie oder in der össentlichen Wirtschast, die ihre Gehälter postnumerando bekommen, müssen am Letzten dieses Monats ihr August- geholt erhalten. Mit schärfstem Nachdruck wurde diese Forderung auf einer Konferenz der im A f A- B u n d vereinigten Angestellten- verbände am Dienstag zum Ausdruck gebracht. Die Angestellten haben, nachdem durch das Versagen der Banken die Kreditorgansation ins Wanken geraten war, die Not- mendigkeit einer Regelung des Zahlungsverkehrs nicht verkannt. Sie müssen jedoch gegen die Ungerechtigkeit protestieren, die den Unternehmern in demselben Augenblick das gibt, was den Angestellten genommen wird. Der Z 6 der Durch- fiihrungsverordnung vom 18. Juli, der nach Auffassung der Re- gierung eine nachträgliche Ratenzahlung der postnume- rando fälligen Gehälter gestattet, greift ohne jede Notwendigkeit in die tarifoertragliche Regelung der Zahlungstermine ein. Während die Notoerordnung den Unternehmern die Möglichkeit gab, sich die rrotwendigen Lohngelder van den Bonken zu ver- schassen, mußten die A n g e st e l l t e n aus ihre längst abgearbeiteten Gehälter weiter warten, und zugleich versperrte man ihnen den Zugriff zu ihren Spargroschen. Die Unter- nchmer räumten ihren Kunden neue Kredite ein, die Ange- stellten aber mußten aus ihre Gehälter warten. Und wer will bezweifeln, daß vielfach Lohnzahlungen von den Banken genehmigt wurden, die nicht den Weg zu den Ange st eilten gefundenhaben? Es gibt Leute, die gerne die Ratenzahlung zu einer Durch- löcherung der Angestelltcnrechte benutzen möchten. Der AfA- Bund bekämpft deshalb auch jegliche Ratenzahlung bei den Be- Hördenangestellten, die sich nicht zwingend aus den Kassen- schwierigteiten des Reiches ergibt,»ei aller Rücksichtnahme auf die angespannten Finanzoerhältnisse im Reich, in den Ländern und Kommunen müsse für die sozialen Nöte der Angestellten und Pensionäre Verständnis gefordert werden. Auch vom finanztechni- schen Standpunkt aus sei nicht einzusehen, weshalb die meisten Renten und Pensionen bis unter 50 Mark jetzt in Raten be- zahlt werden. Di« Belastung der Behörden mit den Doppel- Zahlungen sei schlimmer als all- Sparmaßnahmen. Z ubedauer» fei auch, daß da» R e i ch s f in a n zmi n i ste r i u m durch seine gegen die tarifoertragliche n Bestimmungen verstoßende Regelung der Gehaltszahlung praktisch den Behördenangcstelltcn jede Urlaubsreise unmöglich mache. Preußen habe einen Weg gefunden, der solche Schwierigteiten beseitig«, die keine finanzielle Entlastung brächten, sondern nur die Angestellten unnötig verärgerten.— Der A fA- Bund erwartet� daß die Regienmg alsbald die Durchführungs» verordnunA vom IL. Igst«wer 3UtM4}oo«nterzieht. J_ Die kluge Moskau-Maus „Was ist denn schon dies Preußen? — Eine Stühe des Faschismus, also---• // -- weg damit!" Zahlungsverkehr der Sparkassen. Volleröffnung erst nächste Woche.— Aeuer Kredit der Veichsbank. Die Banken werdcn heule ihre Schaller dem imbefchränttea Zahlungsverkehr össncn. Durch die einseitige Politik vo« Reichs- regienmg und Reichsbank wird die volle Oeffnung der Spar. lassen er st ab nächster Woche möglich sein. Bis zum Ende der Woche bleibt es also bei der Beschränkung der Auszahlungen auf 50 Mark und bei der Bedarfsnochtveisung führ höhere Betröge. Ab nächster Woche soll der Zahlungsverkehr der Sparkassen unter Berücksichtigung der Kündigungsfristen für Beträge über dreihundert Mark voll in Gang komme«». Unsere fast einheitlich von der össentlichen Meinung unter- stützte Forderung nach Gleichberechtigung der öffentlichen Banken gegenüber den privaten hat also zu einem grundsätzlichen Erfolge geführt. Die R e i ch s b a n k Hot sich veranlaßt gesehen. zu den bisher eröftaelen Krediten im Betrage von 175 Millionen Mark noch erheblich größere Betröge bereitza- stellen. Auf dieser Grundlage ist zu hoffen, daß es auch beim Zahlungsverkehr der Sparkassen von der nächsten Woche ab zu größeren Schwierigkeiten nicht mehr kommen toird.: F a st komisch ist allerdings die Vorsicht, mit der die Reichs» dank gegenüber den öffentlichen Banken und Sparkassen glaubte vorgehen zu müssen. NeueKredite sollen nur den Girozentralen, Landesbanken und öffentlichen Kreditanstalten zugeleitet werden. Solange die neuen Kredite lausen, dürfen die Gemeinden zu» sätzliche Kredite nicht erhalten. Die Kreditgewährung geht so vor sich, daß die Garantie- und Akzeptbank die lombardmäßig gesicherten Wechsel an die Reichsbant zum Diskont weiterleitet. Für diese Wechsel wird noch eine Bürgschaft der Länder verlangt, und außerdem müssen die einzelnen Kredit- betrage noch doppcltdurch Wertpapiere überdeckt sein. Wir bewundern die Vorsicht der Reichsbank in diesem Fall. Während man im Falle der Privatbanken ohne jedes Be- denken fast den Bock zum Gärtner gemacht hat, verlangt man bei den Sparkassen usw. mit ihren fast zwölf Milliarden sicheren Kapi- talsänlagen und ihren 6 Milliarden Hypotheken derartig phan- tastische Sicherungen. Wir wünschen nur, daß sich bei den Privat- danken ebenso wenig Risiken ergeben werden, wie es bei den öffent- lichen Banken gewiß ist. Die Frage ist offen, wie die Interessen der öffentlichen Banken im Kreditausschuß und im Vorstand der Akzept- und Garantiebank wahrgenommen werden. Es wird unbedingt not- «ßrchig'stilö'ssöss'dsr JKfeMftrnsföuß Kirch Vertreter der Länder und der öffentlichen Institute, erweitert und daß auch im Vorstand der Garantie- und Akzeptbank der erforderliche öffentliche Einfluß gesichert wird. Frieden und Solidarität. Die Forderung der Kriegsopfer. Prag. 4. August.(Eigenbericht.) Die stark besuchte Tagung der Kriegsopfer-Jnternationale hat eine Kundgebung beschlossen, in der es heißt: Das wichtigste Heilmittel gegen die Folgen des Krieges und der Politik des Egoismus ist die Wiederherstellung des gegenseitigen Vertrauens unter den Völkern durch An« erkcnnung ihrer Pflichten gegeneinander, durch Ausübung der inter- nationalen Solidarität und des Willens, die internationalen Verpflichtungen jeder Art loyal innezuhalten, lim die Gegensätze zu beseitigen, die nur mit friedlichei, Mitteln ausgetragen»verden dürfen, ist es unerläßlich, das internationale Wirtschaftsleben zu organisieren und eine internationale Regelung im europäischen Rahmen für den Umlauf der Güter, für die p« r s ö n- liche Fühlungnahme und für den Gedankenaustausch zu schaffen. Zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise als der hauptsächlichsten Quelle der Schwierigteiten ist eine umsostende und durch- greisende kreditattion erforderlich, durch die Deutschland die zur Verhütung einer Finanz- und Wirtschaftskatastrophe not- wendigen Kredite erhält, deren Gewährung lediglich dadurch erleichtert werden sollte, daß Deutschland durch Akte der Frciwitligkeit die Kreditgeber davon überzeugt, daß die gewährten Mittel ausschließlich dem wirt- schoftlichen und sozialen Wiederaufbau, dem Frieden und der Erstarkung der Demokratie dienstbar gemacht werden. Im Zug« dieses Sonierungsprogramms erscheint eine Prüfung der Möglich» kcit angebracht, die internationale Kriegsjchuldenlast auf die Wieder- gutmachung der Personen- und Sachschäden zu beschränken. Im übrigen fordert die Kriegsopfer-Jnternationale kraftvolle Bemühungen zur Sicherung eines Erfolgs der ersten allgemeinen Abrüstungskonferenz, die für 1932 nach Genf einberufen ist und eine internationale Jugenderziehung im Geiste des Ftiedens. Mit besonderem Nachdruck erhebt die Internationale Einspruch dagegen, daß zur Ausgleichung der durch d>« Krise oeruvsachten Finanzschwierigkeiten mancher Staaten auch die Kriegsopferrenten herangezogen werdcn. Die Zollunion vor Gerichi. Immer neue Gegenzöge. Amsterdam. 4. August.(Eigenbericht.) Vor dpn Haager Ständigen Internationalen Gerichtshof er- klärte der österreichische Vertreter Professor Kaufmann auf eine Frage des Präsidenten, daß er D o k>! m e n t e zu dem von chm an- geführten Entwurf einer italienisch- österreichischen Zollunion im Jahre 1922 nicht beschaffen könne, daß aber diese Unterhandlungen auch von Italien zugegeben worden seien. Der italienische Pro- �essor Plllotti erwiderte, daß die Merxeichische Regiminz damals eine Zoll- und Münzunion vorgeschlagen, Italien aber niemals irgendwelche Schritte dazu unternommen habe. Italien habe da» mals die österreichische Anregung wegen einer befürchteten zu hohen Belastung abgelehnt. Beide Regierungsvertreter erklarten sich bereit, dem Gerichtshof entsprechende Unterlagen zu beschajscn. Professor Basdevant- Frankreich hob in seiner Replik her- vor, daß der Artikel 88 von St. Ger'main nicht nur die rechtliche Un- atchängigkeit betrefse. Auch die wirtschaftliche Abhängigkeit Oester- reichs von einem anderen Staat gefährde seine politische und recht- liche Unabhängigkeit. Zudem habe das Wort Unabhängigkeit in den »»«schieden«» internationalen Verträgen durchaus nicht immer die gleiche Bedeutung. Stahlhelm fälscht eigene Flugblätter. Aerlegenheitsousreden in Form einer Berichtigung. Der„Stahlhelm" schickt uns die folgende Berichtigung zu unserer Feststellung, daß er seine eigenen Flugblätter gefälscht hat: „1. Unwahr ist. daß der Stahlhelm die Herren van Soden- stern und von Stephanl zum Reichsminister des Innern geschickt hat, wahr ist vielmehr, daß der stellvertretende Landesführer des Stahlhelm Groß-Berlin, Dr. V ö l k l e, sich�perfönlich in Begleitung des Leiters des Bolksentscheids, Major von Soden stern. zum Reichsminister des Jimern begeben hat. 2. Unwahr ist, daß der Versuch einer arglistigen Täuschung des Reichsministeriums des Innern vorliegt, wahr ist vielmehr. o) daß die Herren Dr. Völklc und v. Sodenften» den Herrn Rcichsminifter des Innern daraus aufmertsom gemacht haben, daß es sich bei dem vorgelegten Flugblatt um ein solches handle, in dem die zunächst beanstandete Stelle bereits abgeändert sei, der Text des ursprünglichen, inzwischen beschlagnahmten und daher nicht mehr vorhandenen Flugblatts befinde sich in der— gleichzeitig dem Herrn Reichsniinistcr des Innern übergebenen— Entscheidung des Polizeipräsidiums, b) daß die Herren Dr. Völkle und v. Sodenstern dem Herrn Reichsminister des Innern ferner erklärt hoben, sie»»endeten sich deshalb unmittelbar an ihn, iveil dem Stahlhelm von Beamten der Abteilung la des Polizeipräsidiums gesagt worden sei, auch mit dem abgeänderten Text werde das Flugblatt wegen seines übrigen Inhalts verboten werden, c) daß der Leiter des Volksentscheids, Major v. Sodenstern, dem Ministerialrat Schönn« im preußischen Ministerium des Innern bereits am Freitagabend um 7 Uhr auf seine Anfrage hin diesen tatsächlichen Vorgong mitgeteilt hat. gez. Dr. Völkle. gez. Hans v. Sodenstern. Die Herrschosten drehen und winden sich, um diese fiir ste so unendlich blamable Angelegenheit zu verdecken. Wenn unreif« Schul- buben auf einem Dilmmensungenstreich ertappt werden, suchen sie sich herauszureden. Also auch die Herren vom Stahlhelm nach dem Dummenjungenstreich mit dem selbst gefälschten Flugblatt. Damit kein Irrtum entsteht: unsere Angaben waren richtig, und die sogenannte Berichtigung entspricht in keiner Weise den Tatsachen. Saison In fast allen Abteilungen Bealmi 1. Aagusl » Verkauf soweit Vorrat— Mengenabgabe vorbehalten Damen-Wäsche Tashemden mit Stickerei, Stück 1,1,1 Taghemden farbig Batist.... Stück Jetzt Nachthemden Nachthemden sater �»j« Schlafanzüge farbig Batist, Stück Jetzt Schlafanzüge el �te Veri�Ä Unterkleider Chimense' �'s�Ä 1 ImAawI�I AisJ AW Cbarmeose, mit gesticktem umemeiaer Motiv......... stück j-m 0.48 0.95 0.95 1.35 2.95 3.90 2.95 3.90 Herren-Artikel halsfrei oder m. Kragen, früh. 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