BERLIN Mttwoch S.August 1931 10 Pf. Nr. 362 B 151 48. Jahrgang Erscheint täglich außer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben 81» Pf.»roWoche, 3,«IM. vro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SWss.Lindenstr.S Fernsprecher: Dönhoff CA 7) 292—297 SfuUcuüygaße xle& Anzeigenpreis: Die einspaltigeNvilpareillezeile 80 Pf„ Reklamezeile ö M. Crmäßigunoen nach Tarif. Postscheckkonto: VorwärtS-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr. sn 536.— Der Verlag bcbält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Schupomörder gefaßt? KommumsiischerSchnstsieller unter dringendem Tatverdacht verhastet Das Poliz«iHräsidiwm teilt mit: Auf Gruttd der Ermittelungen der Politischen Polizei des Polizei- Präsidiums wurde am Montag der kommunistische ÄS Jahre alte Schrift st eller Johannes M o e« k verhaftet, da er im Verdacht steht, am 1. August bei den Unruhen in der Frankfurter Allee den Polizei- oberwachtmeister Fiebig schwer verletzt zu habe«. Der Verhaftete wird noch heute dem Vernehmungs- richter zugeführt, da durch die erste Vernehmung sich der Verdacht der Täterschaft noch verdichtete. Die Ermittelungen der Polizei haben ausierdem ergeben. daß der Verhaftete noch im Mai und Juni in Rußland weilte. In seiner Wohnung in der Frankfurter Alle« 1.?.? ,„"..sc sehr viel belastendes Material gefunden, u andere« Regieanloeisungen für Unruhestifter und Plane, wie dem Angreifen der Polezei bei solchen An» lassen von feiten der Demonstranten wirksam begegnet werden kann. Wieder das Messer? Die KpO. hetzt weiter gegen Arbeiter. »Den größten Schaden für die Sache der Arbeiterklaffe bringen Zölle von gegenseitigen Schlägereien zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten." sExetulive der komm. Internationale 1325.) Kömmunistische Prügelhorden haben gestern sozialdemo- kratische Flugblattverteiler überfallen. Sie hatten dort, wo sie in der Uebermacht waren, unsere Flugblätter gestohlen und unsere Genossen, die Parteiarbeit verrichteten, mißhandelt. Diese kommunistischen Rowdykolonnen haben sich be- nommen wie die Hitler-Banden. Sozialdemokratische Arbeiter geschlagen, sozialdemokratische Flugblätter gegen Hohenzollernprinzen und Stahlhelmgenerale gestohlen, die Agitation gegen die Reaktion mit Gewalt gestört— w o i st noch ein Unterschied gegenüber den faschistischen Banden der politischen und sozialen Reaktion? Das ist die beste Illustration für das Bündnis der KPD. mit dem Faschismus! Der Prügelexzeß kommunistischer Schlägerkolonnen gegen sozialdemokratische Arbeiter, gegen die eigenen Klassen- genossen, das ist der schlimm st e Arbeiterverrot der jemals denkbar ist. Wenn die Arbeiterschaft sich unter- einander prügelt, grinst im Hintergrunde die Bande der Reaktionäre vor Vergnügen: solange sie sich gegen- seitig totschlagen, ist für uns keine Gefahr! Wir sind überzeugt, daß vielen anständigen und ehrlichen kommunistischen Arbeitern die Schamröte ins Gesicht steigt, wenn sie hören, daß Leute, die sich auch Kommunisten nennen, mit Messer und Schlagring über sozialdemokratische Arbeiter herfallen. Wir sind überzeugt, daß ihr gesunder Klassen- instinkt sie erkennen läßt, welche traurige Verwahrlosung in diesen Prügelexzessen hervortritt. Aber wir müssen diesen kommunistisäzen Arbeitern sagen, daß diese Prügelexzesse gegen sozialdemokratische Arbeiter zur Tradition der Kommuni st ischen Partei ge- hören— ebenso wie das Bündnis mit der Reaktion! Wir erinnern sie an die Lage bei der Reichs- Präsidentenwahl von 1925! Die perverse Taktik der Kommunistischen Partei von damals ist noch nicht oer- gesfen! Wir erinnern sie daran, daß auch damals Schläger- kolonnen gegen sozialdemokratische Arbeiter mit Gummi- knüppel. Messer und Schlagring von der ultra- linken Ruth-Fischer-Zentrale vorgeschickt wurden! Die sozialdemokratische Arbeiterschaft hat sich damals energisch zur Wehr gesetzt. Sie hat die Erziehungsarbeit an den unreifen Burschen übernommen, die mit Messer und Schlagring über klasienbewußte Arbeiter hergefallen sind, und die Aolge ihrer Erziehungsarbeit war es, daß die Scham und Ruhe im Bankenviertel Aber nach wie vor Arbeitsüberlastung der Bankangestellten Nach vierwöchiger Pause sind ob heute wieder die Schalter der Banken für den normalen Zahlungsverkehr geöffuel. Diese Wiederaufnahme der unbeschrankten Barauszahlunzen auf Kontokorrent- und Giroguthaben hat zu keinem Ansturm des Bankpublikums geführt. Das Berliner Bankenviertel gewährte am Mittwoch dos Bild eines verhältnismäßig ruhige» Tages. So erschienen vor den Schaltern der Stadtzentralc bzw. Hauptkasse der DD.-Bank in den frühen Vormittagsstunden nicht allzu viele Kunden, um Abrechnungen vorzunehmen. Aus den erloschenen Börsenverkehr weist die in der Mitte der Ricsenhalle stehende Schiefertafel hin, an der nun schon wochenlang und auch noch für absehbare Lest die ersten, zweiten und Schlußkurse der Berliner Börse nicht mehr notiert werden. In den späten Bormittogsstunden wurde der Betrieb etwas geschäftiger. Ebensp war das Bild bei den anderen Banken. Diese Tatsache darf jedoch nicht über die außerordentliche Ar- beitsüberlastung der Bankangestellten hinwegtäuschen. Wie uns von gewerkschaftlicher Seite mitgeteilt wird, mußten in den vergangenen vier Wochen einzelne Angestellte b i» zu 18 Stunden täglich arbeiten. Das war eine Folge der verschiedenen Notverordnungen, die bekanntlich zweierlei Kontenarten unterscheiden. Um sich überhaupt in diesen Notver- ordnungen völlig auszutennen, dazu gehören Juristen. Um Zweifels- freie Entscheidungen zu treffen, waren fast in jedem Fall ständige Nachfragen der Angestellten nötig, die bei der an sich schon großen Ungewohntheit des gedrosselten Zahlungsverkehrs die Arbeit für das Personal noch erschwerten. Auch für die Zukunft muß bei den Banken noch mit einem verstärkten Arbeitsanfall gerechnet werden. Um schließlich die Arbeit bewältigen zu können, mußten die Bankseitungen.aus den Arbeits- markt zurückgreisen. Teilweise wurde bei schon gekündigten Au- gestellten die K ü n d i g u n g z u r ii rf g e n o m m e n oder Angestellte aus den früheren, entlassenen Personalbeständen wurden wieder c i n g e st e l l t. Insbesondere herrschte eine starke Nachfrage noch qualifizierten M a s ch i n e n b u ch h a l t e r n, die bei der hochprozentigen Technisierung der Bankbctriebe sehr gesucht waren. Aordwolle-Arbeiter entlassen. Sie Folgen des Derbrechens der fchworzweißroten Bahnsen Die Zolgev des Wirtschaftsverbrechens Zlordwolle wirken sich immer katastrophaler für die Arbeiter und Angestellten aus. Zeht Ist auch die Delmenhorst er Kammgarn- s p i a n e r e i. das Hauptwerk von Nordwolle, zu einschneidenden Vetriebseiaschränkungen gezwungen. Nachdem schon in der vorigen Woche ollen Beamten und Angestellten die Kündigung ausgesprochen wurde, sind jetzt in den Abteilungen Wäscherei und k ö m m e r e i sämtliche Arbeiter und Vorarbeiter, insgesamt etwa 6 5 0 Mann, zum nächsten Sonnabend gekündigt worden. vorläufig bleibt nur noch die Spinnerei mit ihren Neben- obtellungen In Betrieb. Das Personal der wohlsahrtseinrichtungen— Bodeanstalt, Säuglings- und Kinderheim usw.— ist bereits restlos entlassen. Weilerhin ist vom Konkursverwalter 100 Angestellten der Eisenacher Kammgarnspinnerei die Kündigung zuge- stellt worden. Eine große Zahl von Arbeitern ist bereits entlassen. Nach Erledigung der Aufträge soll das ganze wert, das mit einer Belegschaft von 18 000 Mann arbeitete, stillgelegt werden. Die Stadt Eisenoch will Schritte unternehmen, um eine völlige Stillegung zu vermeiden. Es bleibt heiß. Mittags bereits 52 Grad Wärme. Die Hitzewelle, die zur Zeil das Reich überflutet, dürste allem Anschein nach noch von einiger Dauer sein. Gestern betrug die Höchsttemperatur in Berlin ZI Grad Wärme, heute mittag waren um dieselbe Zeit bereits 3 2 Grad und das Quecksilber zeigte Neigung zu weiterem Anstieg. Das schöne Wetter mit seinen tropischen Temperaturen hat seine Ursache in eineni sehr kräftigen Hochdruckgebiet, das mit seinem Kern über dem Atlantik liegt. Das jzoch erstreckt sich bis nach Südskandinavien, Ostdeutschland und Polen. Es sieht so aus, als ob sich dieser Ausläufer„Selbständig machen" und weiter nach Osten wandern wird. Durch diese erwartete Druckveränderung werden die Winde vermutlich noch weiter nach Süden drehen, die Folge wird dann eine Steigerung der tzitze sein. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Wärmcgcwitter auftreten werden. die Einsicht bei den Kommunisten die Oberhand über die gewissenlose Arbeiterverhetzung gewannen. Im Sommer 1925 erließ die Exekutive der kommunisti- schen Internationale den bekannten E k k i- B r i e f, in dem mit der ultralinken Ruth-Fischer-Zentrale und ihren Methoden Schluß gemacht werden sollte. Dieser Brief wandte sich auf das schärfste gegen die Prügelexzesse. Es hieß darin: „Den größten Schaden sür die Sache der Ar- beilertlasse bringen Fälle von gegenseitigen Schlägereien zwischen Kommuni st en und Sozialdemokraten, die durch die Schuld der Sozialdemokraten, mitunter aber auch nicht ohne Schuld der Kommunisten, bis aus den heutigen Tag noch stattfinden." Diese richtige Erkenntnis war die Wirkung des Katzen- jammers, den die kommunistischen Spalter nach der Hinden- burg-Wahl ergriffen hatte! Heute ist die Situation über- raschend ähnlich. Die Reaktion unternimmt in Preußen einen Angriff, der ihr die Macht zur Wiederherstellung des alten Dreiklassenpreußen geben soll. Die Kommunistische Partei wiederholt ihre perverse Taktik von 1925. Sie unterstützt die Front der Reaktion. Und genau so wie damals s ch i ckt s i e heute wieder Prügelkolonnen mit Messer und Schlagring gegen sozialdemokratische Arbeiter vor! Ein kommunistischer Strolch hat einem soziaidemokra- tischen Arbeiter einen Messerstich versetzt. Warum? Weil unser Genosse sozialdemokratische Flugblätter verbreitet hat! Soll das wieder anfangen? Wir warnen die Kom- munistische Partei sehr ernstlich. Die sozialdemokratischen Arbeiter lassen sich nicht terrorisieren, weder von faschistischen Strolchen noch von kommunistischen Prügelkolonnen, sie werden im Notfall eine höchst energische Erziehungsarbeit wieder aufzunehmen wissen! Ist es nicht genug an der Schande, daß T h ä l m a n n gemeinsame Sache mit Hitler und Hugenberg macht, und damit auf dem Klassenbewußtsein der kommunistischen Arbeiter herumtrampelt? Thälmann ist von den Moskauer Dirigenten der KPD. bisher immer noch in der Zentrale der KPD. gehalten worden, weil sie in ihm ein„gesundes Arbeiterelement" gegenüber den gesinnungslosen Be- rufsreoolulionären und Literaten erblickten. Dies„gesunde Arbeiterelement" marschiert jetzt mit den Hohenzollernprinzen, den reaktionären Generälen und Scharfmachern in einer FrontI Der letzte Rest von Klassenbewußtsein ist vor die Hunde gegangen!. Run noch das Messer gegen sozialdemokratische Arbeiter? So geht es nicht weiter! Kommunistische Arbeiter, wacht auf! Erkennt, wozu ihr mißbraucht werdet! Soeben erreicht uns die Trauerkunde von dem plötzlichen Tode des eandtagsnbgeordneten Genossen Eugen Brückner, sle» verlrelendem Bürgermeister im Bezirksamt Berlin-Z r i e d r i ch s- Hain. Schon sei« Jahren schwer herzleidend, erlag er in der Bucht vom 4. zum 5. August einem Herzschlage. Am IQ. November 1872 in Berlin geboren, erlernte der Ber- storbene das Buchbinderhandwert, und bereits in den neunziger Jahren sehen wir Eugen Brückner eifrigst für die Interessen seiner Berufskollegen tatig. Von 1894 bis 1897 und von 1991 bis 1993 ist Brückner der 1. Vorsitzende der Zahlstelle Berlin des Buch- binderverbandes und wird im Februar 1995 vom Ber- trauen feiner Berufskollegen als unbesoldetes Mitglied in den Ber- bandsvorftand gewählt, dem er bis zu feinem Tode ununterbrochen angehört hat. Auf einer Reihe von Verbandstagen feiner Berufs- organifation leitete der Verstorbene mit Takt und großem Geschick die Verhandlungen, und wiederholt ist er der Vorsitzende der Inter- nationalen Kongresse seiner Berufskollegen gewesen. Von 1999 bis 1994 als Angestellter der Ortskrankenkasse der Buchbinder tätig, tritt er am 1. August 1994 in das Arbeitersekretariat Berlin ein, dem er bis zum 31. März 1921 als Sekretär angehörte. Neben feiner aufopferungsvollen und erfolgreichen Tätigkeit im Buchbinderver- band widmete der Verstorbene sich außerordentlich stark auch der Berliner Komunalpolitik. Von 1919 bis 1921 bekleidete er das Amt eines Stadtverordneten in Berlin. Sein Ausscheiden erfolgte nach seiner Wahl zum besoldeten Stadtrat und stellvertretenden Bürger- meister im Bezirksamt Friedrichshain. In feiner neuen Hauptamt- lichen Tätigkeit oblag ihm in erster Linie die Verwaltung des Arbeitsamtes Berlin-Friedrichshain, und unum- wunden kann gesagt werden, daß unter seiner Leitung das Amt Friedrichshain vorbildlich gearbeitet hat. Daß der Mann, der auf gewerkschaftlichem Gebiet Außerordentliches für seine Berufskollegen geleistet hat und auch in der Berliner Kommunalpolitik rege tätig war, sich mit seiner ganzen Kraft der Parteiorganisation zur Ber- fügung stellte, war eine Selbstverständlichkeit. Seit 1993 war Eugen Brückner Reichstagskandidat im Reichs- tagswahlkreis Friedeberg-Arnswalde und feit dieser Zeit der Gegen- kandidat des berüchtigten„Wahrheit"-Bruhn, des Führers der Antisemiten. Außerordentlich schwere Kämpfe hatte der Verstorbene mit diesem Sozialistenhasser zu bestehen. Mehr als einmal war er den persönlichen Angriffen seiner politischen Gegner in diesem schwarzen Gebiet der Provinz Brandenburg ausgesetzt. Dessen un- geachtet, und alle körperlichen Strapazen zurückstellend, ging er Sonntag um Sonntag in seinen Wahlkreis hinaus, und nicht zuletzt ist es feiner jahrzehntelangen propagandistischen Tätigkeit zu danken, daß die Arbeiterschaft in diesem Gebiet zum politischen Denken und Urteilen herangebildet worden ist. Heute stellt die Sozialdemokratie in diesem Bezirk eine respektable Macht dar, und unvergessen wird es bleiben, was Eugen Brückner für den Aufstieg der Arbeiterschaft geleistet hat. Eugen Brückner als Landiagsabgeordneler. Eugen Brückner hat als Vertreter des Wahlkreises Frank- furt a./O. dem Preußischen Landtag seit 1919 ununterbrochen an- gehört. Mit besonderem Interesse widme.te er sich den Fragen des Rechts und der Verwaltung und ist namentlich als Vorsitzender des Rechtsausschusses und später, als der Vorsitz nicht mehr der sozialdemokratischen Fraktion zufiel, als dessen stellvertretender Vorsitzender rühmlich hervorgetreten. Er hat es verstanden, die Arbeiten des Rechtsausschusies so zu organisieren, daß das un- geheuer große Maß der dem Ausschuß überwiesenen Gnadengesuche und Petitionen(etwa 1599 im Jahre) stets laufend und rechtzeitig erledigt werden konnte. Wenn er dabei in seiner humoristisch-bär- beihigen Art zuweilen einem allzu weitschweifigen Berichterstatter ins Wort fiel und die Entscheidung des Ausschusses vorweg nahm. so wurde dies gern geduldet, denn jedermann wußte, daß es wesent- lich Eugen Brückners Verdienst war, daß dieser Ausschuß sein un- geheures Arbeitspensum überhaupt bewältigen konnte. Dabei war Brückner selber bei allen Sachen von prinzipieller Bedeutung mit starker innerer Anteilnahme dabei und er hat um die Kompetenzen des Ausschusses mit den Regierungsvertretern manchen energischen Strauß ausgesochtem Das Los der Verurteilten und Inhaftierten fand bei ihm starke menschliche Teilnahme und es gibt Tausende, die ihm persönlich eine Milderung ihres Geschickes verdanken. Daneben wußte Eugen Brückner aber auch gegen die politischen Auswüchse der Justiz, gegen gewisse Hakenkreuz- und Nazirichter bei den alljährlichen Beratungen des Justizetats mit Frischheit und Schärfe zu Felde zu ziehen. In der sozialdemokratischen Landtagsfraktion war Eugen Brückner Vor- sitzender der Arbeitsgemeinschaft für Rechts- und Verwaltungs- angelegenheiten, in mancher wichtigen Rechts- und Verwaltungs- frage hat er die Entscheidung der Fraktion maßgebend beeinflußt. Die preußische Landtagsfraktion verliert in ihm eines ihrer tat- kräftigsten und fleißigsten Mitglieder, das immer selber zu Stelle war und mit erfreulicher Entschiedenheit auch bei den Kollegen seines Arbeitsbezirks auf äußerste Pünktlichkeit und Z u v e r- l ä s s i g k e i t hielt. Wenn Eugen Brückner für eine Sache verant- wortlich war, so konnte man gewiß sein, daß„alles klappte". Es wird schwer sein, einen Nachfolger für ihn zu finden. Frankreich und die Kanzlerrede. Buhige Beurteilung in Paris. Paris, 3. August.(Eigenbericht.) Die Rundfunkrede Brünings hat in der Pariser Presse im all- gemeinen eine günstig« Ausnahme gefunden. Das radikale „Oeuvre" nennt sie eine mutige Rede und beglückwünscht den Reichs- kanzler dazu, daß er kaltblütig die Dinge so geschildert habe, wie sie sind. Die Zeitung unterstreicht besonders die Stell«, an der Brüning von der Notwendigkeit einer Politik der internationalen Zusammenarbeit und von der Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich gesprochen hat. Das Loucheur nahestehende„Petit Journal" stellt fest, daß die Rede den Eindruck der Oesfenheit und Loyalität nicht Lügen gestraft hat, den Brünig während seines Pariser Aufenthalts hervorgerufen hat, und daß sie diejenigen nicht enttäuscht habe, die fest an die MöglichkeiteinerFortsetzungderVerhandlungen zwischen Frankreich und Deutschland glauben. Das„Petit Journal" begrüßt auch die Erklärung Brünings, daß er nicht für den Volks- entscheid stimmen werde. Während das Gewerkjehaftsblatt„Le Peuple" von Brüning schärfere Töne gegen die nationalistischen Treibereien erwartet hätte, schreibt L e o n B l u m im„Populaire":„Eine schnelle, entscheidende, generöse Hilfe des Auslandes häte die ganze Masse der Zögernden. der Unruhigen in Deutschland gestärkt und in das Loger der demokratischen Parteien gebracht Sie hätte also die Währung, den Kredit, die Hoffnung und die Republik stabilisiert. Diejenigen im Ausland, die aus kurzsichtigem Mißtrauen gezögert und abgewartet haben, sind schuld an der Verwirrung in Deutschland." Die KPD. kämpft... ... für eine reaktionäre Verwaltung in Preußen. Die preußische Landtagsfraktion der Kommunisten hat zur Unterstützung des schwarzweißroten Stahlhelmvolksentscheides eine Extrazeitung herausgebracht, in der keinerlei Kampf gegen die Reaktion geführt wird. Der ausschließliche Inhalt der Zei- tung erschöpft sich darin, an der Hand verfälschter und entstellter Zitate den„Beweis" zu erbringen, daß oevenng und Braun Faschisten seien und daß es der Arbeiterschaft ganz gleichgültig sei, ob Hitler und Hugenberg, oder Braun und Seoering in Preußen regieren. Der berechtigte Vorwurf, daß das Verhalten der Kom- munisten auf eine direkte Unterstützung der Rechten herausläuft, wird mit folgender Rabuliftik abgetan: Genossen! Eine Rechtsregierung in Preußen würde dem ebenso entschlossenen Kampswillen der Kommunistischen Partei be- gegnen, wie sie ihn gegenüber der gegenwärtigen Preußenregie- rung bekundet, die der stärkste Horl der Brüning-Regierung und der politischen Reaktion ist. Der Kamps des Stahlhelms, der Nazis und der hugen- bergianer geht nicht so sehr gegen die Preußenregiernng, als nur um den Kampf um die Futterkrippe, um die B e s e tz u n g d e r R e g i e- rungs« und Verwaltungsposten. Die Kommunisten sind sich also bewußt, daß es sich in Preußen um einen Machtkampf, nämlich u. a. um die Besetzung der entscheidenden Regierungs- und Verwaltungsposten handelt. Es ist nur demagogische Verlogenheit, wenn sie ihren Anhängern vorspiegeln, daß dies lediglich ein Geraufe um„Futterkrippe", um persönliche Versorgung sei. Mit dieser persönlichen Hetze gegen sozialdemo- kratische Staatsfunktionäre haben die Kommunisten seit jeher ihren Anhängern die wirkliche Bedeutung der Dinge vernebelt. Der Be- sitz des preußischen Verwaltungsapparates ist in Wirklichkeit eine der wichtig st en Machtpositionen, die es in Deutsch- land überhaupt gibt. Der„entschlossene Kampfwille", den die Kommunisten angebsich auch gegen eine Rechtsregierung be- künden wollen, fängt also damit an, daß sie die Machtmittel des größten deutschen Landes der Reaktion ausliefern' Hugenberg-pleiie in Pommern. Zusammenbruch eines deutschnationalen Zeitungsverlags. s Stettin, 5. August.(Eigenbericht.) Die rechtsradikale pommersche Reichspost-Druckerei und 33er- lagsgosellschast in Stettin hat ihre Zahlungen eingestellt. Der Verlag hat bisher u. a. die„Pommersche Tagespost", ein von Hugenberg herausgegebenes Unternehmen, finanziert, dazu eine ganze Reihe von Kopsblättern. Auf der am Dienstag abgehaltenen Gläubigeroersammlung wurde mitgeteilt, daß das gesamte Aktienkapital von einer Million Mark, das zu mehr als die Hälfte von g e n o s s e n s ch a s t- lichen Kreisen eingezahlt wurde, v e r l o r e n ist. Es ist bemerkenswert, daß der Aussichtsratsvorsigende der Gesellschaft, der deutschnationale Agitator v o n R o h r, diesen Verlust noch vor knapp zwei Monaten im Preußischen Landtag in Abrede stellte. Sie saßen zusammen am Teetisch... Mit Gott für Thälmann und Volksentscheid! Das Präsidium der„Vereinigten Vaterländischen Verbände" er- läßt in letzter Stunde einen flammenden Aufruf für den Volks» entscheid..Leder tue seine Pflicht und stimme mit Ja!" Der Ausruf ist von folgenden Einzelvereinen unterschrieben: Alldeutscker Verband. Altherrenschost des Deutschen Hoch- schulringes, Arbeitsgemeinschaft für vaterländische Aufklärung. Vismarck-Gefellschaft. Bund der Großdeutschen, Bund für Nationalwirtschaft und Flottenbund deutscher Frauen, Germanenhort. Gesellsibait„Deutscher Freiheit", Nationaler Klub, Berliil. Nationolklub von 1919. Hamburg, Nationalvekband Deutscher Ofsiziere, Neiilandbewegung, Preuhenbilnb. Reichsbund vaterländischer Arbeiter- und Werkbereine. Reichsverband Deutscher Klein- und Strasienbahner, Reichsbund Deutscher Angestellten- Berussverbäiide, Reichsverbaiid Deutscher Haus- und Privatlehrerinnen. Bund Deutscher Lokomotivführer. Reicksbund ebem. Kadetten, Reichslandarbeiterbund, Reichsofsizierbnnd. Großdeutscher Baltikumverbond, Ring nationaler Frauen. Verband Deutscher Kriegsveterane.:. Gelbe Wertvcreine— Adelsgenossenschaft— Königin Luise— Germanenhort— ehemalige Kadetten— und Kommunistische Partei Deutschlands Hand in Hand! Heinrich Heine hätte zu diesem Aufruf gedichtet: Am Tische war noch ein Plätzchen. Mein Thälmann, da hast Du gefehlt. Da hättest so schön Du, mein Schätzchen, „Von„Rotem Volksenscheid" erzählt! Werksgemeinschast, Bund Königin Luise. Deutschbanner Schwar;-Weiß-Rol, Deutsche Adelsgenossenschaft, Deutsche Ausbaubilse, Deutsche Bereinigung, Deutscher Besreiuiigsvund, Deutscher Frauenbund, Deutscher Frauendienst. Deutscher Herold, Deutscher Hochschulring, Deutscher Ossiziersbund. Deutscher Oslmarlenverein. Deutscher Wehrverein, Deutschorden, Abschied von Bertin Wie unsere amerikanischen FreundeOeuischland sehen/ Massenelend auch in LlSA. Die von der„New Porker Volkszeitung" und dem„vorwäris" New Park veranstaltete Oesterreich-Deuschland-Reise fand gestern bei einem Zusammensein mit Berliner Genossen im Gewerkschaslshaus ihren Abschluß. Die amerikanischen Genossen, die in Deutschland die Organisationen der deutschen Arbeiterschaft und die Wirtschaft- lichen Unternehmungen der modernen Arbeiterbewegung kennengelernt haben, verbschiedeten sich von den Mitgliedern de» Berliner Bezirksverbandes und den Kreisleitern. Im Namen des Reichsausschusses für sozialistisch« Biidungs- arbeit begrüßte Genosse Alexander Stein unsere amerikanischen Gäste, die Mitglieder des Bezirksverbandes und die Äreisleiter. Genosse Stein knüpfte an die Arbeiten des Wiener Kongresses an und begrüßte es besonders, daß die amerikanischen Genossen in persönlicher Fühlungnahme den internationalen Zusammenschluß der Sozialisten aller Länder verwirklichen. Dann sprach Genosse Franz K Ü n st l e r. der ein« genaue Darstellung der Entwicklung der politischen Lage in Deutschland seit 1918 gab. Er zeigte, wie oer- hängnisooll sich die Zersplitterung der deutschen Arbeiterschaft in jenen Zeiten auswirke» muhte, in der es galt, vereint zusammen- zustehen gegen die gewaltigen Kräfte des alten Deutschland. An Hand interessanter Zahlen gab Künstler einen Einblick in die Eni- Wicklung Berlins zu jenem gewaltigen Gemeinwesen, das es heute mit feiner über 4 Millionen zählenden Einwohnerschaft darstellt. Er legte besonderen Wert aus die Ziffern, die dos ungeheure Massenelend widerspiegeln, das in Berlin herrscht und das am stärksten im Osten und Südosten der Reichshauptstadt zu finden ist. Trotz der großen Schwierigkeiten und Widerstände ist es den Berliner sozialdemokratischen Gemeindevertretern gelungen, wichtige soziale Einrichtungen für die arbeitende Bevölkerung zu schassen. Als erfreuliche Tatsache konnte der Vorsitzende der Berliner Partei- organifation den Amerikanern mitteilen, daß trotz Wirtschaftskrise und größtem Elend die Mitgliederziffern sowohl der Partei wie auch der freien Gewerkschaften dauernd im Steigen begriffen sind. Als Vertreter der amerikanischen Gäste, unter denen sich mehrere Genossen befanden, die schon unter dem-Sozialistengesetz in Deutschland für Freiheit und Demokratie gekämpft haben, sprach Genosse Johanntges. Er dankte den Berlinern für die freund- liche und herzliche Aufnahme, die man ihnen auch in Berlin, wie in den anderen deutschen Städten bereitet habe. In Amerika herrsche ein E l e n d, das nicht kleiner sei als in Deutschland. Wenn die Regierung in USA. die Zahl der Arbeitslosen mit Kl- Millionen angäbe, so läge die wirkliche Ziffer weit höher. Der Redner be- klagte dos Fehlen einer sozialen Gesetzgebung, die die deutsche Republik unter sozialdemokratischer Initiative für die Arbeiterschaft geschaffen Hab«. In dem reichen Amerika fehlen noch heute die einfachsten Arbeitsschutzgesetze. Üloch heute kämpfen z. B. die Textilarbeiter verzweifelt um die Schaffung einer menschen» würdigen Existenz. Man sei bestredt, in Amerika eine Zusammen- fassung der noch schwachen Arbeiterbewegung zu erreichen, aber auch hier widersetzten sich solchen Bestrebungen die Kommunisten. Die öffentliche Meinung in Amerika ist heute von dem Gedanken durchdrungen, daß die Deutschland auferlegten Reparations- l a st e n die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes bei weitem übersteige. Auch dem amerikanischen Sozialisten sei es unverständ- lich, daß die Kommunisten sich in Deutschland dazu hergeben, die größten Feinde des Proletariats, die Hitler-Garden und die Mannen Hugenbergs beim Volksentscheid zu unterstützen. Die Amerikaner werden die Reichsliauptstadt mit dem Gefühl verlasien können, neue Brücken für internationale Zusammenarbeit und Solidarität geschlagen zu haben. Kinderschändung in Köpenick. Oer Täter geflüchtet. Das Opfer eines Sittlichkeitsoerbrechens ist ein 10)? h r e «lies Mädchen in Köpenick geworden. Der Täter, ein junger Bursche, ist geflüchtet und konnte noch nicht ermittelt werden. Ein Arbeiter S„ der mit einer Familie in der Reuterstraß« in Neukölln wohnt, hat augenblicklich Urlaub. Den schönen Tag venytzt« er gestern, um mit seiner Frau und der 19 Jahr« alten Tochter Ruth «inen Dampserausslug noch„Neu-Heringsdorf" zu mach»-'. Von dort wanderte man zu Fuß bis zum Restaurant„R e u- A h l» b e ck". Während die Eltern sich im Garten an einem Tisch« nieder- ließen, erbat und erhielt die kleine Ruth die Erlaubnis, noch der im hinteren Garten angebrachten Luftschaukel zu gehen. An diesen hinteren Garten stößt ein kleines Wäldchen an. das aus niedrigen Aussein besteht. Hier muß der Verbrecher auf kleine Mädchen, die zum Spiel kamen, gelauert haben. Erst längere Zeit darauf fand ein Ehepaar, das auf einem Spaziergang war, die klein« Ruth ver- stört umherirren und nahm sich des Kindes an. Auf behut- sames Fragen erfuhr man. was dem Mädchen zugestoßen war. Ein junger Bursche, der ein Fahrrad bei sich hatte, hatte das Mädchen an der Hand gepackt und es in die Kusseln geschleppt. Um das arme Opfer am Schreien zu oerhindern, hatte er es m i t h e m Tode bedroht. Das Kind wagte natürlich nicht, Widerstand zu leisten. Erst nachdem der Verbrecher auf seinem Rade davongesahren war, kam es zum Vorschein. Die Eltern, die über das lange Aus- bleiben bereits in Sorge waren, begaben sich mit dem Kinde nqch dem Kronkenhaus in Köpenick. Dort mußte das Mädchen auch ver- bleiben. Von dem Verbrecher hat man nur eine unvollständige Be- schreibung. Er war etwa 19 Jahre alt. hatte dunkelblondes, langes nach hinten gekämmtes Haar und trug ein blaues Sporthemd. Die Kriminalpolizei nahm auf die Anzeige der Ellern sofort die Nach- sorschungen auf, konnte den Gesuchten aber nicht mehr finden. Aeuer Zeppelin wird gebaui. Regelmäßiger Verkehr zwischen Oevtfchland und Amerika geplant. Friedrichshafen. 5. August. Da die Leiter des Friedrichshofener Luftschiffbaues der festen Ueberzeugung sind, daß die Zeppelinluftschifse sich auch in Trans- atlantikverkehr durchsetzen werden, so schreiten die Zeppelin- werke jetzt zum Bau eines neuen Luftschiffes, des ,\JL 129". Das Luftschiff, das sich zurzeit in Friedrichshaien im Bau befindet. soll zuerst in den Dienst für regelmäßige Aerkehrsverbindungen zwischen Deutschland und Amerika gestellt werden. Fackelzug am Verfassungstag Feier des Reichsbanners im Lustgarten.- Lobe spricht Die neuen Milttarifien. Thälmann und Seldte Arm in Arm. Die Braunheiriden, die srühercn kaiserlichen Offiziere, Larch- junker und reaktianären Fabrikbesitzer sind Militaristen. Daß der Stahlhelm militaristisch ist, bekennt er Tag für Tag, und das ist nach Namen und Art selbstverständlich. Daß die Nachtäufer Seldtes, die Anbeter Hitlers aus dem bürgerlichen Lager bei Deutschnatio- nalen, Volksparteilern und Christlichsozialen für den bunten Rock und die Ordensschnalle schwärmen, ist uns gleichfalls bekannt. Für diese Menschen sind die zwei Millionen deutscher Kriegstotcr umsonst gestorben. Aber� genau so militaristisch wie diese, Ungeist vom gleichen Ungeist, Fleisch vom gleichen Fleisch, ist die Kommunistische Partei. Man blättere einmal in der„Roten Fahne"! Nr. 153, Ueberschristen aus einer knappen Zweidrittelseite:„Das rote Berlin greift an!"„Meldung vom Wedding."„Frauen in der Front." „Mobilmachung auf den Stempelstellen."„Die Armee der roten Helfer wächst." Ist das nicht Oberste Heeresleitung in Reinkultur? Aber man wird entgegnen, daß dies Aeußerlichkeiten feien. Das «chlimme ist, daß der Geist der Sprache entspricht, daß Geist und Sprache eins sind. Die Kommunistische Partei ruft auf der einen Seite auf„gegen die Kriegshetzer und Volksfeinde" und preist dabei Tag für Tag die Vollkommenheit der militärischen Rüstungen Sowsetrußlands. Das ist Widerspruch, Unwahrhaftigkeit, Lüge. Bisher hat man den Arbeitern und Angestellte», die sich vom Trug der kommunistischen Parolen einsangen ließen, den guten Glauben zubilligen können. Das ist seit einer Woche vorbei, ein für ollemal vorbei! Die Koinmunistische Dolkspartei hat sich zum Anti-Volkscntscheid in Preußen mit den grimmigsten Mili- taristen, den schärf st en Kapitalisten, mit den Seldte, Hitler und Hugenberg zusammen- geschlossen. Die Karten sind auf den Tisch geworfen, das Spiel ist offen und klar, der Verrat ist eingestanden. Der Arbeiter, der im Dienste der kommunistischen Parteiparolen auf sozialdemokratische Arbeiter einschlägt, handelt als Büttel und Scherge und Helfers- Helfer der Hitler, Seldte und Hugenberg. Der Arbeiter, der den Anweisungen des Bülowplatzes folgt, unterstützt die Spione der faschistischen Sturmabteilungen vom Braunen.Hause, die jeden Gegner nationalistischer Schande beschnüffeln und ans Messer brin- gen wollen. Der Arbeiter, der Thälmann folgt, folgt Hitler und Hugenberg, er folgt einer Parteiclique, die sich selbst oerleugnet. Der kommunistische Landtagsabgeordnete Schwenk sagte am 15. Oktober 1930 im Landtag:„Wir lehnen es ab, diesen Volks- betrug mitzumachen." Alle Arbeiter müssen deshalb heute sogen wie Schwenk: Wir lehnen es ob, diesen Volksbetrug mitzumachen! Wer anders handelt, darf sich nicht beklagen, wenn ihm der Vor- wurf des Verrates an seiner Klasse gemacht wird. Die nnlitaristische Front umfaßt Hitler, Seldte und Hugenberg ebenso wie Thälmann. Wer die Vermottung der Kaserne, die Verrottung des scharf- macherischen Kapitalismus, die Dergottung eines 5)itlcr will, folgt der anti-prolctarischen Thälmann-Parole! Die Nordwestlichen iarisbrüchig. OMV. erhebt Widerklage avf Schadenersah. Bekanntlich hat der Arbeitgeberoerband der Nordwestlichen Gruppe den Deutschen Metallarbeiter- Verband aus Schaden« rs atz verklagt wegen angeblichen Tarifbruchcs. Den Tarifbruch sieht„Arbcit-Nordwest" darin, daß der Deutsche Metall- orbeiter-Verband anläßlich der A k k o rd a b b a uo ff e n s i v e der rheinisch-westfälischen Schwerindustriellen im Juli 1930(nach dem Oeynhausener Schiedsspruch) seine ausgesperrten Mit- g l i e d e r u n t e r st ü tz t hat. Die.�age schwebt bereits a n- nähernd ein Jahr am Arbeitsgericht Berlin. Dieses Gericht hat mehrfach Beweis erhoben, ohne jedoch bisher zu einer Eni- scheidung zu kommen. In diesem Rechtsstreit ist jetzt«ine wesentliche Wen- d u n g durch eine Entscheidung des Reichsarbeitsgerichts«ingetreten. Von verschiedenen Werten wurden auch Betriebsräte ent- lassen, weil sie die von den Unternehmern gekürzten Akkorde nicht anerkennen wollten. Diese Betriebsräte klagten, gestützt auf 8 96 des Betriebsrätegesetze«, auf Fortsetzung ihres Arbeitsverhältnifstes. In einem Prozeß der Firma Both u. Tilmann, Dort- m u n d, hat das Landesarbeitsgcricht entschieden, daß der Arbeitgeber auf Grund de» Tarifvertrages Nordwest nicht zur einseitigen Festsehung der Akkorde berechtigt gewesen sei: daher liege in der Weigerung der Arbeiterschaft, zu den von den Werken verkürzten Akkorden zu arbeiten, keine beharrliche Arbeitsverweigerung. Die fristlose Entlassung der Betriebsräte sei daher rechtsunwirksam. Da» Reichsarbeitsgericht hat dieses Urteil— allerdings mit abweichender Begründung— bestätigt. Es hält auf Grund des Tarifvertrages den Arbeitgeber für berechtigt, Akkordtürzungen von sich au» vorzunehmen, wenn«ine Verständigung darüber mit den betei- ligten Arbeitern nicht zu stände kommt. Die Leistung von Arbeit zu den herabgesetzten Akkorden könne jedoch vom Arbeitgeber erst verlangt werden nach Ablauf der arbeilsvertragllchea Kündigungsfrist, gerechnet vom Tage der Bs- kanntgabe der gekürzten Akkorde an den Akkordarbeiter. Da die Firma Both u. Tilmann aber die„ermäßigten" Akkorde e r st am 3 0. Juni 1930 bekanntgegeben hatte, konnte sie nicht bereits am 1. Juli Arbeit zu diesen verschlechterten Akkorden fordern: denn in ihrem Betriebe bestand 14tägige Kündigungsfrist. Die am 1. Juli wegen beharrlicher Arbeitsverweigerung ausge- sprachen« fristlose Entlassung sei daher rechtsunwirksam. Nun hat aber nicht nur die Firma Both u. Tilmann so ge- handelt, sondern fast sämtliche Werke haben erst am 28. bis 30. Juni 1930 die Akkordkürzungen bekanntgegeben und gefordert. daß ab 1. Juli zu diesen Akkorden gearbeitet werden sollte, obwohl längere Kündigungsfristen bestanden. Soweit eine Verständigung über die Aktordreduzierung nicht zustande kam, erfolgte am 1. bzw. 2. 3uli die Aussperrung der Arbeiter. Da dieses Verhalten der ein- zeknen Werke auf die Anweisungen des Arbeitgeber- verbände? zurückzuführen ist und unter dessen ausdrücklicher Duldung erfolgte, liegt eine Verletzung der tarisvertragllchen pflichten von Arbeit-Nordwest vor, was den Deutschen Metallarbeiter-Ver- band oeranlaßt hat. gestützt auf die Entscheidung de» Reichsarbeits- gerichts, Widerklage zu erheben. Der Deutsche wetallorbelter-verband beziffert den ihm entstandenen Schaden aus mindestens 150 000 wart, von denen mit der Widerklage zunächst 7000 Mark gefordert werden. Der Echadensersatzanspruch von Arbeit-Nordwest gegen den DMV-'st damit hinfällig geworden. Denn wenn die Aussperrung unter Tarisbruch erfolgte, so kann natürlich in der Unter- stützung der ausgesperrten Mitglieder keine tarif- widrige Handlung liegen. Termin am Arbeitsgericht Berlin zur weiteren Verhandlung über die Klage und damit zur Verhandlung über die Widerklage steht am 13. August an. Die verfassungsseier wird vom ReichsbanncrSchwarz- Rot- Gold am Abend des 11. August mit einer großen Kund- gebung im Lu st garten begangen. Ihr geht in der Zeit von 19 bis 20 Uhr ein Platzkonzert voraus, das von den vereinigten Musikkapellen der Ortsvereine Charlottenburg, Treptow und Weihen- fee sowie einem Spielmannszug unter der Leitung des Kameraden Gefe ausgeführt wird. » Die Verfassungskundgebung, die pünktlich um 20 Uhr beginnt, wird eingeleitet mit einem Fanfarenmarsch. Anschließend erfolgt die Uraufführung eines Massenchores mit Spielmannsbegleitung. Das Werk trägt den Titel„Graue Kolonne": den Text schrieb Max B a r t h e l. komponiert wurde es von dem in Arbeitersängerkreisen bekannten Komponisten Wilhelm Knöchel, der die Aufführung durch den Verein„Fichte Georginia"(Mitglied des DASB.) persönlich leitet. Die Spielleute stellt der Ortsverein Treptow. Die Verfassungs- rede hält Reichstagspräsident Paul L ö b e, ferner spricht voraus- sichtlich der Bundesführer des Reichsbanners, Oberpräsident z. D. Otto H ö r s i n g, Magdeburg. Mit dem gemeinsamen Gesang der dritten Strophe des Deutschlandliedes wird die Kundgebung be- schloffen. Sodann formieren sich die vier Berliner Kreise zu dem traditionellen Fackelzug, der durch die Linden, das Branden- burger Tor und die Friedensallee zum Platz der Republik führt. Beim passieren des preußischen Ehrenmales wird den Gefallenen des Weltkrieges eine Ehrenbezeugung mit gesenkten Fahnen erwiesen. Vom Platz der Republik aus marschieren dH vier Kreise in ihre Bezirke zurück. Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold ruft das republikanische Berlin auf, mit ihm die Verfassungskundgebung zu einer gewaltigen Demonstration gegen Faschismus und Bolschewismus und für den Ausbau der Republik zum Volksstaat zu gestalten. Volksfeste in den einzelnen Bezirken. Aus Anlaß und zu Ehren des Versassungstages finden ferner nachstehend Feiern in Gestalt von Volksfesten statt: 8. A u g uft: Neukölln,„Neue Welt", Hasenheide. 9. August: Char- lottenburg, Wilmersdorf und Zehlendors: Luna- park: Köpenick: Spreerestaurant Sadowa: Friedrichshain: Restaurant Orankesee, Hohenschönhausen: Kreuzberg: Nestau» rant Schultheih-Patzenhofer, Hasenheide: Lichtenberg: Restaurant Schonert, Am Rummelsburgcr See, Kynaststrahe. Mitte: Büttners Festfäle, Schwedtcr Straße 23-24: R e i n i ck e n° dorf: Seepavillon am Tegeler See: Spandau: Loebel, Hakenselde: Schöneberg: Birkenwäldchen in Tempelhos, Man- teuffelstraße: Steglitz: Lichterfelder Festsäle. Zehlendorfer Straße 5: Tempelhos: Seebad Mariendors: Tiergarten: Ulap, Lehrter Bahnhof: Treptow: Kyffhäuser, Niederschöne- weide. 15. August: Wedding: Hochschulbrauerei, See- Ecke Amrumer Straße. 16. August: Pankow mit Prenzlauer Berg und Weißen see: Lindner, Pankow, Breite Straß«. Ltniversitäisrekior verbietet die Anschlagbretter der Linksgruppen in der llniversitöt. Der Berliner UniversitSlsrektor. Theologieprofessor D« i ß. mann, hat gestern die Anschlagsbretter der psli- tischen Gruppen an der Berliner UniversitSt entfernt und den einzelnen Gruppe» mitgeteilt, daß sie an der Universität nicht weiter geduldet würden. Sie könnten sich die Bretter bei der llniversitätsverwaltung abholen. Eine nähere Begründung für diese Mahnahme ist nicht gegeben worden. Man muß jedoch annehmen, daß dem Rektor seine ein- seiligen Maßnahmen in der letzten Zeit selbst unhaltbar erschienen, nachdem er die Rechtsgruppen weitgehend geschont und ihnen die Volksentscheidpropaganda gestattet hatte, während er den Linksgruppen Anschläge sür eine Verfassungsseier und gegen den Volksentscheid verbieten ließ. Von dem Verbot sind sämtliche Linksgruppen, so die Freiheitliche Studentenschast, Soziali- stische Studentenschaft, der Sozialistische Hochschulausschuß, der De- mokratische Studentenbund und andere betroffen worden: jedoch sind bei weitem nicht alle politischen Vereinigungen der Rechten von dem Entzug des Anschlagbretts heimgesucht worden. So ist nicht verboten morden die der politischen, nationalistischen„Deutschen Studentonschast" an- gehörende Fraktion„Berliner Waffenrin g". Ferner sind die Bretter der„Nationalen Hochschule sür Politik" und die Bretter sämtlicher durchaus politischen Korporationen. Nor allein fällt auf, daß der berüchtigte„Verein Deutscher Stüde nie n", der auf seinem Brett das Motto„Mit Gott für Kaiser und Reich" bc- stehen läßt, weiterhin nach den, Willen des Rektors gegen den Staat wirken darf. Es bleibt zu hoffen, daß die Aufsichtsbehörden sich mit dieser ungeheuerlichen Maßnahme des Rektors endlich energisch beschästigen werden. Die republikanische Studentenschaft selbst kann sich im Augenblick gegen diese Maßnahmen kaum wehren, da der Rektor es vorgezogen hat, seine Gewaltmatznohmen nach dem praktischen Abschluß des Semesters, jedoch vor dem offiziellen Schliehungstermin der Universität, dem 15. August, vorzunehmen. Welikrise und Weltkongreß Die Kundgebung der Zniernationale Der. Kongreß der«sozialistischen Internationale hat in seiner Schlußsitzung eine Kundgebung zur Wirtschaftskrise beschlossen, die die Beschlüsse von Brüssel und Zürich in Erinnerung bringt und fortfährt: Seit diesen Beschlüssen hat sich die Wirtschaftskrise gewaltig verschärft. Das Mißverhältnis zwischen Produktion und dem Kon- sum ist gewachsen, die Märkte sind zerrüttet, dem Zusammenbruch der Produktion sind katastrophale Erschütterungen des Kreditwesens gefolgt. Die kapitalistische Mrtschast befindet sich heute in der um- sossendften und tiesstgehenden Krise, die sie je erlebt hat. Der Kapitalismus hat die Produktivkräfte in ungeheuerlichem Ausmaß gesteigert und vermag sie nicht zu meistern. Der Kapitalismus hat die Rationalisierung auf die Spitze getrieben, der Welt vermehrten Reichtum verheißen: erhöhte Ausbeutung, unerläßlich gesteigerte Arbeitslosigkeit vieler Millionen Menschen, die in Not und Elend leben, sind die Folgen. Der Kapitalismus hat die freie Konkurrenz erheblich eingeschränkt, die Kartell« auf das internationale Gebiet ausgedehnt, Zölle und Verkehrsbefchräntungen zum Schutz der nationalen Märkte maß- los gesteigert: politische Spannungen, Wirtschaftskriege und schwere Störungen des internationalen Verkehrs find das Ergebnis. Der Kapitalismus hat das Kreditsystem durch die Zusammenarbeit der Notenbanken, durch die Wiederherstellungen der Goldwährungen, durch die Gründung der Bank für Internationale Zahlungen zu stabilisieren versucht: an die Stelle einer Stabilisierung sind wilde Ausschweifungen der Börsenspekulation, gefolgt von nie für möglich gehaltenen Insolvenzen der größten Banken, schwere Erschütterungen der Währungen und eine allgemeine Unsicherheit und Vertrauenskrise getreten. llede» Mittel, das der Kapitalismus zur Bekämpfung der Krise versuchte, hat sich unter seiner Herrschast in einen Fluch sür die Arbeiterklasse oerwandelt. Er hat sich als unfähig erwiesen, die Wirtschast zu organisieren und die von ihm angeeigneten Güter so zu verwalten, daß sie der ollgemeinen Wohlfahrt dienen. II. Die Anarchie, die der kapitalistischen Wirtschaft innewohnt, kann nicht beseitigt werden, ohne das kapitalfftische System selbst zu be- seitigen. In weiten, auch nichtproletarischen Kreisen lebt angesichts des unerhörten Maßes von Elend die Ueberzeugung, daß an die Stelle des kapitalistischen Wirtschaftssystems eine planmäßige Gestaltung der Weltwirtschaft treten muß. Aufgab« der internationalen sozialistischen Parteien und Arbeiterorganisationen ist es. diese Er- kenntnis durch die klare Aufdeckung der Grundursachen der kapita- listischen Mißwirtschaft zu fördern, die Wege zu weisen sür die Verwirklichung der sozialistischen Gemeinwirtschost, um die gegenwärtige Krise auszunützen für den systematischen Kampf des Proletariats gegen die bürgerliche Klassenherrschaft. Der Kamps der Arbellerklasfe sür die Ueberwindung de» kapi- lallslischen wirlschaslssystem» und den Ausbau einer sozlallstl. schen Wirtschaft muh im Interesse des Proletariats in der Gegenwart verbunden fein mit dem Kampf zur Linderung der Krise und der Not der Krisenopfer. Das Inkrafttreten der Washingtoner Konvention muß für die organisierte Arbeiterklaffe einen Ansporn bilden, weitere A r- beitszeitkürzungenzu erkämpfen. Die vom Internationalen Gewerkschaftsbund und der Sozialistischen Arbeiterinternationale geforderte Einführung der Vierzigstundenwoche ist in hohem Maße geeignet, einen Teil der Arbeitslosen wieder in den Produktionsprozeß einzugliedern und so den Gefahren entgegenzuVirken, die durch den dauernden Ausschluß eines Teils der Arbeiterklasse von jeder wirtschaftlichen Tätigkeit der Gesamtheit des Proletariats erwachsen. Der Kongreß fordert mit Nachdruck die ö f f e n t l i ch e d e m o- kratische Kontrolle der Wirtschaft, insbesondere der monopolistischen Zusammenschlüsse aller Art. Die Voraussetzung ihres vollen Erfolges ist die Aenderung des Eigentums an den Produktionsmitteln sowie der Wirtschaftsmethoden. Als wichtigen Schritt hierzu und zugleich als lleberleitung zur sozialistischen Planwirlschast. betrachtet der Kongreß die Sozialisierung der Schlüsselindustrien, die Errichtung staatlicher oder genossen- schastlicher Handelsmonopole, die im Interesse der Gemein- schast verwaltet werden, und die D e r st a a t l i ch u n g d e s B? n k- und Kreditwesens. Er fordert die sozialistischen Parteien auf, diese Forderungen in den Mittelpunkt des Kampfez gegen die Krise zu stellen, durch ihr« Verwirklichung auf nationalem Gebiet die Be- dingUngen für die Durchführung einer internationalen öffentlichen Wirtschaftskontrolle zu schassen und den Boden für die Verwirk- lichung des Sozialismus vorzubereiten. III. Der Kampf der Arbeiterklaffe gegen die Krise ist zugleich der Kampf für die Erringung der politischen Macht des Proletariats. Nur in dem Maße, als das organisierte Prole- tariat eines jeden Landes im Klassenkampf seine Positionen festigt und ausbaut, wird es ihm gelingen, die Krisensolgen, Not und Elend in der Welt zu mildern und mit der Ueberwindung der kapitalistischen Wirtschaft die Krisen selb st zu beseitigen. Nie zuvor war die Verflechtung von Politik und Wirtschaft so deutlich wie in der Gegenwart, nie zuvor die Anspannung aller Kräfte, die Einigkeit und Geschlossen- h e i t des internationalen Proletariats so notwendig wie in diesem furchtbaren Augenblick. Opfer der kapitalistischen Anarchie sind nicht nur die Industrie- und Landorbeiter: in ebenso grausamer Weise hat die kapitalistische Konzentration die Enteignung und Verarmung der mittel- ständischen Schichten in der Stadt und aus dem Lande her- beigesührt, den Intellektuellen und Jugendlichen ein Dasein ohne Zukunstshoffnung bereitet. Das Proletariat ruft diese neuen Opfer der kapitalistischen Wirtschaft zum geschlossenen Komp' gegen den gemeinsamen Gegner auf. Der Sozialismus ist der höchst« Ausdruck menschlicher Solidarität. Er appelliert an alle geistigen und sittlichen Kräfte, die sich ausbäumen gegen den Kapitalismus. gegen jenes Wirtschaftssystem, das ausschließlich vom Profitstreben geleitet ist. das auf nicht zu rechtfertigenden Klaffenvorrechten be- ruht und die überwältigende Mehrheit der Menschen an der Ent- faltung der freien Persönlichkeit hindert. Keine andere Macht der Well wird der Arbeiterklasie bei ihrem ungeheuren Werk der Umgestaltung der Wirtschaft Hillen. keine andere Macht der Weit wird imstande sein, dieses Werk zu vollbringen. Die Arbeiterklaffe muß alle Möglichkeiten des Klassenkampfes ausnützen, um unter dem Druck der unerhörten Wirtschaftskrise in internationaler Verbundenheit sür die Abwehr aller Angriffe der sozialen Reaktion und für die Verwirklichung des Sozialismns und des wahren Völkersriedens zu wirken. Llnfug in der Handelspolitik. Gefahren durch Devisenkontrolle.—Wollen wir den Handelskrieg mit aller Welt? Dsr Reichskanzler Dr. Brüning hat in seiner gestrigen Rede sich auch gegen eine handelspolitische Ueberspannung der Selbsthilfe- maßnahmen gewandt und gesagt, daß sich Deutschland unmöglich bei seiner engen Verflechtung mit der Weltwirtschaft mit einer chinesischen Mauer umgeben könne. Es besteht oller Anlaß, daß die Reichsregierung diese Auffassung des Reichskanzlers sehr wörtlich nimmt und auch im Zu- sommenhang mit der vorgesehenen auswärtigen Devisenkontrolle alles unterläßt, was das handelspolitische Verhältnis Deutsch- lands zum Auslande gefährden könnte. Eine Devisennot dürfte gegenwärtig für Deutschland überhaupt nicht bestehen, soweit der Außenhandel und die deutsche Zahlungsbilanz in Frage kommen. Wie immer in Kriscnzeiten ist die deutsche Handelsbilanz gegenwärtig sehr st a r k aktiv, und der Devisenüberschuh aus dem Außenhandel ist entsprechend hoch. Auch die deutsche Zahlung?- b i l a n z dürste, sobald die ausländischen Banken mit ihren Krediten, wie erwartet, stillhalten, hoch aktiv sein, da zu den Devisen- Überschüssen aus der Handelsbilanz ja auch noch die Devisen- ersparnisse aus dem Reparationsfeierjahre kormnen. Grund zu einer offiziellen Devisenkontrolle besteht also nur insofern, als man Devisenschiebungen verhindern und den vorhandenen Devisenüberschuß wirklich noch Deutschland bringen muß. Dennoch scheint man in Deutschland den Wahnsinn begehen zu wollen, die Devisenkontrolle handelspolitisch zu miß- brauchen. Einflußreiche Interessenten sind an der Arbeit, be- sonders bemüht sich der Reichsernährungsminister in dieser Richtung, durch das Wittel der Devisenkontrolle Zoll- und Handelspolitik von hinten herum zu macheu und unter der Flagge der nationalen Selb ft Hilfe einzelnen Interessentenkreisen auf Kosten der Gesamtwirtschaft vor- übergehende Vorteile zu sichern. Die neue Devisenkontrolle bietet dazu die besten Möglichkeiten. Die Dinge sind offenbar schon soweit gediehen, daß in schärfster Weise aus die drohenden Gefahren hingewiesen und gegen den zu erwartenden handelspolitischen Unfug protestiert werden muß. w i r fragen die Reichsregierung, ob es richtig ist, daß man D r i n g l I ch k e i t s ft u f e n für die Devisenzuteilung einzuführen gedenkt, und daß zur ersten Dringlichkeitsstufe Kupfer, Baumwolle. Eisenerze und Oelfrüchte gehören, zur zweiten Butter, und zur dritten Obst und Gemüse. Was diese Dringlichkeitsstufen be- dculen, liegt auf der Hand. In erster Linie würde der Devisenbedarf für die genannten Rohstosse befriedigt werden. Für die Einfuhr von Butter würde schon nicht mehr viel und für die Einfuhr von Obst und Gemüse fast nichts mehr zugeteilt werden. Die Bestätigung dafür also läge vor. daß der Reichsernährungsminister hintenherum Zoll- und Handelspolitik aus eigene Faust treiben darf, und daß das handelspolitische System Deutschlands durch diese Art der Devisenzuteilung aus den Kops gestellt wird. Im Zuge der Devisenkontrolle liegt es also, daß eine Einfuhrdrosselung allergröbster Art durchgeführt und daß Deutschland die wichtigsten Handelsverträge brechen würde mit Ländern, die die besten Abnehmer für die deutsche Ausfuhr sind. Die Zeit ist wahrlich zu ernst für derartige Experimente. Deutschland darf in der Zukunft nicht weniger, sondern muß mehr ausführen als bisher. Es ist unmöglich, das Vertrauen im Aus- land durch eine Handelspolitik zu stärken, die Deutschlands Ansehen in der Welt als handelspolitischer Gegner untergräbt. Wir können uns nicht vorstellen, wie Deutschland in der Zukunft wieder auf ausländische Kredite hoffen und wieder in ein anständiges Wirt- schaftsverhältnis mit dem Auslande kommen will, wenn man mit solch törichten Eisenbartkuren der sogenannten nationalen Selbst- Hilfe systematisch Porzellan zerschlägt. Wir warnen die Reichsregierung eindringlich, sich von Interessenten auf solche Wege treiben zu lassen. Die Toten und die Lebenden Gegen den Krieg! Die Toten. 181.? Soldotenfriedhöfe zählt Frankreich als Folge des Krieges 1914— 1918. Davon sind 241 Friedhöfe des Staats und 1574 der Gemeinden. Weiterhin hat Frankreich als Folge des Weltkrieges noch 214 Friedhöfe außerhalb Frankreichs, nämlich 156 in den Kolonien und 58 im Ausland. In Frankreich gibt es 16? Friedhöfe, auf denen nur deutsche Soldaten liegen. Der größte von ihnen ist in der Nähe von Arras. Er enchält 38 865 Mann. Wer je im früheren Schlachtgebiet die eiserne Stille eines Soldatenfriedhofs auf sich hat einwirken lassen, kann diesen Eindruck Zeit seines Lebens nicht vergessen. Man führe die Kinder oller Nationen an dies« Stätten statt der Touristen. Die Wirklichkeit dieses noch heute durchwühlten Geländes spricht eine beredtere Sprache als die besten Filme. Auf dem einstigen Schlacht- seid, wo die Toten mit ihren schlichten Kreuzen ewig mahnen und nach Frieden schreien, lernt man auch den Wahn der heutigen Rüstungen der Völker mit ganzer Leidenschaft verurteilen. Im Wechsel der diplomatischen Noten und Besuche zwischen Berlin und Paris hat man den Warnungsruf der 2006 Massengräber nicht genügend beachtet. Die Lebenden. Unter den Soldaten, die während des Krieges mobilisiert waren, unterscheidet man in Frankreich drei Kategorien: Di« Soldaten, die direkt im Feuer standen. Waren sie min- bestens drei Monate an der Front, so erhalten sie die Frontkämpfer- karte. Die Soldaten, die, ohne im Schützengraben gewesen zu sein, in der„vorderen Zone" waren. Sie bekommen die„interalliierte Medaille". Die Soldaten, die in der„Zone der Heimat" waren, für die es nur eine„Erinnerungsmedaille" gibt. Die Inhaber der Frontkämpferkarte haben im Alter von 56 Iahren Anspruch auf 566 Franken pro Jahr und auf 1266 Franken im Alter von 55 Iahren. 2 566 666 Frontkömpferkarten wurden ausgegeben. Nun hoben zehn französisch« Abgeordnete in der französischen Kammer den Antrag eingebracht, daß jeder, der mobilisiert war, eine „Mobilisiertenkarte" bekommen soll, um sich auf Grund dieses Aus- weises offiziell an den großen nationalen Feiern beteiligen zu können, um auf Grund des französischen Mietgesetzes dieselben Vor- teile zu haben wie die Inhaber der Frontkämpferkarte und um nicht als Franzose zweiter Güte betrachtet zu werden. Zur Zeit finden darüber heftige Debatten statt. Denn, wie man sich denken kann, wehren sich alle Inhaber der Frontkämpfer- karte gegen diesen Vorschlag der Abgeordneten, der darauf hinauslaufe, daß zum Beispiel Fabrikarbeiter, die hundertmal 6,25 Franken pro Tag verdienten, oder daß nicht kriegsverwendungsfähige Beamte aus den Schreibstuben der Ministerien denen gleichgestellt würden, die in vorderster Feuerlinie standen. Die Inhaber der Front- kämpferkarte befürchten weiterhin, daß später auch die Inhaber der einfachen„Mobilisiertenkarte"«in« Pension erhalten könnten, was schließlich zur Abschaffung der Pensionen für alle drei Kategorien führen kann. Die 16 Abgeordneten bekommen von allen Seiten Protestbriefe und sehen für das nächste Jahr ihre Wiederwahl ernst- lich in Frage gestellt. Die kommenden Geschlechter. Der Höhepunkt des sozialistischen Parteitages von Tours war in diesem Jahr die Rede des Abgeordneten Georges Richard. Er gehört zum rechten Flügel der Partei, ober in den Fragen des Krieges und des Friedens und der internationalen Beziehungen der Völker steht Georges Richard, ein glänzender Redner, ganz links. Als er in Tours gesprochen hatte, erhob sich der ganze Kongreß spontan und sang die„Internationale". Nur einige Abgeordnete, die zum Teil zu den besten Gesinnungsfreunden von Richard gehören, standen dabei ostentativ nicht auf, weil sie meinen, ein Parteitag dürfe sich nicht von einer Begeisterungsstimmung zu sehr hinreißen lassen. Dieser Abgeordnete Georges Richard hat fetzt vor einigen Wochen einen Antrag in der Kammer zur Rettung der kommenden Geschlechter eingereicht. Er will, daß jeder das Recht habe, den Kriegsdienst zu oerweigern, der mindestens ein Jahr vor Ausbruch des Krieges einer Kriegsdienstverweigerungsgesellschaft beigetreten ist und der mindestens einen Monat vor Ausbruch des Krieges seiner zuständigen Militärbehörde mitteilte, daß er den Kriegswahnsinn nie mitmachen wird. In der heutigen Kammer besteht allerdings keine Aussicht auf Annahme dieses Antrages. Xurt Lonr. Eine„großdeulsche Buchgemeinde(und nationale Verlagsgesell- schaft") fordert in der„Deutschen Zeitung" zur Zeichnung von Anteil- scheinen— von 566 M. an— auf. In den versandten Werbeschriften wird als Zweck der Gründung angegeben:„Bewußter Kampf gegen alle bestehenden Buchgemeinschaften, die samt und sonders verjudet wären."„Bon Fremdstämmigen und Fremdhörigen organisiert, ver- folgen alle bestehenden eine antideutsche Bücherpolitik." Im Gegen- saß dazu stellt die neue Gründung als Leitsatz aus:„Gemeinnutz geht vor Eigennutz", verheißt allerdings gleich hinterher ihren Zeich- nern eine„Dividende" sowie„Verwendung der Ueberschüsse zum weiteren eigenen Aufbau". Etwaige dann noch verbleibende Beträge sollen schließlich an nationale Verbände abgeführt werden. Auch die Geldgeber werden nur angenommen, wenn sie Mitglieder nationaler Verbände, des Stahlhelms, der Hitlerpartei oder der Deutschnatio- nalen Volkspartei sind. Als Gründer werden genannt unter anderen die Buchbinderei Lehniger, sowie der Inhaber des Verlages Greth- lein u. Co. Das verdient um so mehr Beachtung, als daraus hervor- geht, daß der Verlag Grethlein u. Co. jetzt neuen Ufern zusteuert. Noch unlängst verlegte er ein Buch von Jakob Wassermann, auch brachte er früher Georg Engel und Jakob Schaffner heraus und ist heute noch Verleger von Karl Rosner und Walter Bloem, die wahrscheinlich über diese neueste Phase ihre Berlages sehr erfreut sein werden. Natürlich fehlt bei den Gründern auch nicht der Ver- lag Schünemann, Bremen, mit dem ja der Verlag Grethlein in Interessengemeinschaft steht. Der schlesisch« Dichter Paul Barsch ist im 72. Lebensjahre in Zobten an Herzschwäche gestorben. Barsch ist besonders ourch seinen Roman„Von einem, der auszog" und seinen Gedichtbond „Ueber der Scholle" auch über die Grenzen Schlesiens hinaus be- könnt geworden. Die Akademie der Künste veranstaltet im Herbst eine Schwarz- Weiß, und P l a st i k- A u s st e l l u n g, zu der freie Einendungen zu- gelassen sind. Die Einlieferung der Kunstwerke hat vom I. bis 19. Septem- per zu erfolgen. Ein Schildbürgerstreich. Sabotage des internationalen zahnärztlichen Kongrestes in Paris. Vom 3. bis 8. August findet in Paris der VIII. Inter« nationale zahnärztliche Kongreß in Paris statt, für den schon seit längerer Zeit in allen angeschlossenen Ländern Vor- bereitungen getroffen worden sind. Noch am 21. Juni d. I. hat der deutsche Vizepräsident der Internationalen zahnärztlichen Bereinigung(FDI.), Prof. Schaesfer-Stuckert, die drin- gende Aufsorderung an die deutschen Zahnärzte gerichtet, sich an dem Pariser Kongreß zu beteiligen, um der deutschen zahnärztlichen Wissenschaft entsprechende Geltung in internationalem Maßstabe zu verschaffen. Auch in der Tagesordnung des Kongresies sind die Deutschen in außerordentlich starkem Maße berücksichtigt worden. So sind insgesamt 16 offizielle Berichte, 42 Vorträge und 15 De- monstrationen von deurschen Teilnehmern angekündigt worden, die in ihrer Gesamtheit die hohe Anerkennung zum Ausdruck brin- gen, die von der Kongreßleitung der deutschen Sektion gezollt wird. Nun erscheint plötzlich in Nr. 36 der.Zahnärztlichen Mit- teilungen" vom 26. Juli eine offizielle Kundgebung des deutschen Nationalkomitees der Internationalen zahnärztlichen Vereinigung, daß die..Ereignisse der letzten Wochen" die deutschen Vertreter veranlaßt hätten,„ihren deutschen Kollegen von dem Besuch des Kongresses abzuraten". Soweit deutsche Vorträge angemeldet seien, ge- nüge es, die ausgearbeiteten Vorträge einzuschicken, die dann ohne weiteres in den offiziellen Kongreßbericht aufgenommen würden. Dieser Beschluß der deutschen Vertreter in der Internationalen zahnärztlichen Vereinigung wird zweifellos im Auslande st a r t e s Aufsehen erregen und den Eindruck erwecken, daß ihm nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Motive zugrunde liegen. Mag dem deutschen Nationalkomitee auch jede Absicht fern- gelegen haben, durch seine Aufforderung, dem Pariser Kongreß fernzubleiben, eine politische Demonstration zu veranstalten, so wird das faktische Ergebnis seiner Warnung dennoch sein, daß sie im Auslande als ein Schlag gegen den Pariser Kongreß, begründet durch die„Ereignisse der letzten Wochen" empfunden werden wird. Dies um so mehr, als durch das Fernbleiben der deutschen Nefe- renten eine starke Beeinträchtigung des gesamten Verlaufs des Kon- gresses hervorgerufen wird. Nachdem das deutsche Nationalkomitee beschlosien hatte, den Pariser Kongreß nicht zu beschicken, telegraphierte der General- sekretär Billoin im Namen des Kongreßkomitees noch Berlin, daß er Schritte bei der deutschen Botschaft unternommen habe, die sich für die Teilnahme der Deutschen am Kongreß inter- essiere und entsprechende Schritte beim Auswärtigen Amt in Berlin unternehmen wolle. Außerdem stellte das Kongreß- komitee den Deutschen die Summ« von 18 666 Fr.« das sind 3666 Mark, zur Verfügung, um 36 Kollegen zu ermöglichen, zu den Bedingungen des Mitteleuropäischen Reise- büros nach Paris zu kommen. Anscheinend sind aber alle diese Be- mühungen, die Deutschen zum Besuch des Kongresies zu bewegen. ergebnislos gewesen, denn über eine Abänderung des vorher ge- faßten Beschlusses wird in den„Zahnärztlichen Mitteilungen" nichts mitgeteilt. Wir bedauern den Beschluß des deutschen Nationalkomitees nicht nur deshalb, weil er unnötigerweise polstische Verstimmungen hervorzurufen geeignet ist, sondern auch weil er der Stellung der deutschen zahnärztlichen Wisienschaft aus internationalem Gebiet ob- träglich ist. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß hier wiederum unter dem Einfluß nationalistischer Stimmun- gen und Verstimmungen ein Beschluß gefaßt wurde, der für die deutsche Wissenschaft kein Ruhmesblatt bedeutet! Biedermeierliche Glückwunschkarten. Eine stattliche Sammlung von alten Gratulationskarten ist vom Antiguariot Paul Graupe der K u n st b i b l i o t h e k(Prinz-Awrecht- Straße) zur Ausstellung überlassen worden. Ihre Zeit umspannt etwa hundert Jahre: am End« des 18. Jahrhunderts kamen sie in Farm gestochener, bald auch geklebter Darstellungen mit Sprüchen aus, in der Biedermeierzeit(bis 1836) erlebten sie ihre höchste Blüte. und von der Verfollzeit bis in die 76er Jahre sind auch noch stattliche Beispiele vorhanden. Das Ganze ist die geschlossene Sammlung eines Wiener Liebhabers, da Wien auch die Hauptstätte ihrer Erzeugung war, und umfaßt 422 dieser äußerst seltenen, weil sehr gebrechlichen Kunstkärtchen von kleinstem Format.?1ußer schlichten und kolorierten Stichen und Lithographien finden sich da die scherz- hasten, bis in unsere Zeit sehr beliebten Zug-, Klopp- und Schiebe- karten, und vor ollem die sogenannten K u n st b i l l e ts der eigentlichen Biedermeierzeit. Hier gibt es sogar Künstlernamen und deren Signierung. Er sind wunderliche Kleinlebewesen einer stillen und versonnenen Kunstepoche, bildhaft von Goldrähmchen gehaltene Kärtlein mit allerverschiedenstem Inhalt von Blumen, Landschaften, Geräten, Symbolen, Liebesszenen, Geranke usw. aus Papier, Glasstückchen. Perlmutter, Stroh, Wachs geformt und geschnitten und meist auf durchsichtigen Hintergrund von«tromin, Seidenflor oder dergl. aus- geklebt, stets plastisch erhaben und durchbrochen, mit lieblichen Sprüchen biedermeierlichcr Gefühlsseligkeit versehen. Eine robustere Zeit, wie die unsrige, kann die empfindsamen und verschnörkelten Dinge nur mit einem Gefühl rühriger Verwunderung betrachten. Zuletzt stand dahinter freilich die Empfindungstiefe der Romantik, dieser geistigen Erhebung des mündig gewordenen Bürgertums. Aber das Bisdermeiertum, diese schreckhafte Oienhockergemeinde des Vormärz, übertrug ihren naiven und leicht kindisch gewordenen Geschmack unverfälscht auf dies kunstgewerbliche Gebiet. p. k.»ch. verantroortl. tttr die Redakiion: Kerbert Severe, Berlin: Ansteigen: Th. Glocke. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. A.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch« öruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer Se Co., Berlin SW 68. Lindenstrafte 5. Hierzu l Beilage. jugung* Restai�nt Berlins »v.uhr CASINO-THEATERs'/. Lothringer Strohe 37, Wiedereröffnung Sennabend, d. 15. August Modern renoviert! Moderne Darbietungen! Trotzdem zeitgemäßer Preisabbau Berliner VVlk-TriO M• U fc ö 1 1■. W[.abnatr 74J75J KBÄBettenssfiÄ Kinderb.. Polster. ChalseL. an Jeden, Teil* KataJog CreL EUeamöbelfAbrlk Sohl OÜüaJ metropoi-iiieater Täglich 8<(i Uhr Die Toni aus Wien Mady Christians. Michael Bohnen RorlBrsiendomin- Tpeater Jismärck 448/4� SV. Uhr Die schöne Helena ran lacqoes Bneahao ■nl«: Hu Bilitartl (Beilage Mittwoch, 5. August 1931 SprjHnmD SbAlauJu&iäa ifa to+vtoifIL S)er gefpaUene lUenfch 'Vergnügen, UnlerhaUung und Sport im„mechanifehen Zeitalter 3>er„gefpaUene" Itlenfch Es ist ein banaler Satz, daß wir in einer Zeit größter Spannungen und Gegensätzlichkeiten leben. In den großen Städten des Kapitalismus gibt es fast keine Lücke mehr, in welche die Atmo- sphäre tiefster ilnruhe nicht eingedrungen wäre. Sicherheit und Geruhsamkeit find Werte, die in einer romantisch verklärten Ver- gangcnheit begraben liegen. Auch heute noch lebt eine alte Gene- ration, die den alten Werten sehnsuchtsvoll nachtrauert. Aber nie- mand vermag sich dem erregten Rhythmus des Tages zu entziehen. . Und schon die Söhne und Töchter der rückwärts gewandten Gene- ration stehen inmitten der komplizierten Mechanik und werden von deren Tempo innerlich angefressen. Der heutige Mensch in seiner modernen durchschnittlichen Aus- Prägung ist das bis in die letzten Widersprüche gesteigerte Resultat der bürgerlichen Gesellschaft. Schon die klassische deutsche Philosophie am Beginn dieser Epoche setzte das neue Verhältnis des Menschen zur kapitalistischen Wirklichkeit in ein theoretisches Weltbild um. Der Mensch war herausgerissen aus dem geschlossenen System der Be- darssdeckungswirtschaft. Er war hineingestellt in neue, automatisch ablausende Beziehungen. Sein Blick mar wohl auf neue Welträume ausgerichtet. Aber in zunehmendem Maße empfand er die ihn um- gebenden Tatsachen als wesensfremd, als über ihn hinweggehend. Er war vollkommen Objekt der Entwicklung geworden, denn er hatte seine Verwurzelung mit der Scholle verloren und arbeitete mit fremden Werkzeugen. Dieser Entwurzelung- und Enteignungsprozeh machte den Menschen formal„frei", d. h. er lockerte die Beziehung zum traditionellen Sinn und Ort der Arbeit. Gleichzeitig aber wurde durch diese Entwicklung ein Widerspruch ausgerissen zwischen der juristischen Freiheit des einzelnen, nach seiner Fasson zu leben, und dem sozialen Zwang zur Lohnarbeit in dem industriellen System der Warenwirtschaft. Auf dieser Stufe wird dem Menschen der Gegensatz zwischen„Freiheit" und„Notwendigkeit" bewußt..Er erlebt ihn allerdings nicht in seiner sozialen Grund- beziehung, sondern in den mannigfachsten Gefühls- und Bewußtseins- konflskten innerhalb der Zivilisation. Der„gespaltene" Mensch ist deshalb der Mensch im Kapitalismus schlechthin. Der Mensch zwischen dem„Sein" des Alltags und dem „Sollen" der sittlichen Normen— wie die Philosophen sagen. Oder das„5ch" mit seinen Triebkonflikten zwischen den unterbewußten Gesühlsströmungen des„Es" und der idealen Moralwelt des „Ueber-Jch"— wie die moderne Psychologie es formuliert. In der -Psychologie ist allerdings aus der einfachen Spaltung zwischen „Sein" und„Sollen" bereits eine dreifache Aufsplitterung geworden. Und in der Tat ist der heutige Mensch im Spätkapitalismus, viel? f a ch. gespalten: er ist einer Reihe sich durchkreuzender und einander widersprechender Einwirkungen ausgesetzt. Vergangenheit, Gegen- wart und Zukunft sind keine miteinander verbundenen Entwicklungs- stufen, sondern treten getrennt voneinander und gegeneinander auf. Stummelplate und Slachllokat Trennung von der Natur und Zusammenballung großer Massen in industriellen Zentren sind die Voraussetzungen für die kopita- listische Entwicklung. Es find keineswegs nur die Massen der In- dustriearbeiter, die in den Strudel des Großstadtlebens einbezogen werden. Auch das städtische Bürgertum lebt in diesen Anschauungs- slätten, von denen die mächtigen Ausstrahlungen des modernen Klassenkampfes erfolgen. Es bildet sich eine städtische Kultur heraus, die ihren vielfältigen Eharakter durch die verschiedenen sozialen Schichtungen ausgeprägt erhält. Jede Gruppe versucht ihr besonderes gesellschaftliches Interesse auch kulturell durchzusetzen, lind wenn es auch durch die Uniformierung des städtischen Lebens allmählich zu einem Ausgleich kommt, so bleiben dock) neben dem tonangebenden l Stil verschieden« gegensätzliche Ausdruckssormen erhalten, die aus dem gegensätzlichen Klasseninteresse herauswachsen. Es ist wichtig, die soziale Funktion des Vergnügens im Kapitalismus zu erkennen. Der bis in die feinsten Verästelungen ausgebaute Vergnügungsopparat der Großstädte zeigt zwei markante Stellen: er erweckt erstens die Illusion c i n e r f r e i e n W e I t, die dem Zwang des Alltags entgegengcrichtet ist: er gleicht zweitens einem unheimlichen Mechanismus, der alles in seinen Rahmen hineinzwängt, dem niemand entgehen kann. Diese widerspruchsvolle Zweiseitigkeit steht in einem innigen Ergänzung?- Zusammenhang miteinander und wird durch eine elementare Grund- iunktion überwölbt: der kapitalistische Vergnügungsapparat ist Haupt- sächlich ein Flucht opparot. Sein Sinn und sein Aufbau sind daraus eingestellt, eine Psychose des Vergessens und Versinke»? im Menschen zu erzeugen. Ob das Element der scheinbaren Freiheit oder das des geheim- nisvollen Zwanges in diesem Fluchtmechanismus überwiegt hängt gleichfalls von der sozialen Schichtung in den Städten ab. Solange das Jndustrieproletariat noch das Gesicht der Städte bestimmt, sucht es nach großen und freien Kollektiolösungen des Aergnügunzs- bedürfniffes. Man geht auf die großen Plätze vor der Stadt. Dort tritt sogar eine soziale Mischung zwischen den Proletariern und den mittleren und kleinen Bürgern ein. Der Rummelplatz erinnert an ein ungebundenes, freiheitliches Leben. Die hundert Eindrücke einer solchen Veranstaltung geben den Menschen die Freiheit der Wahl, sich diesem oder jenem Eindruck hinzugeben. Dadurch werden spontane Energien ausgelöst, die in allen anderen Lebensbezirken unterdrückt und eingedämmt werden. Erst allmählich werden die Ueberreste aus einer mit der Natur noch stärker verbundenen Zeit durch den typisch städtischen Vergnügungsstil oerdrängt. Bei Volks- fest und Karneval dringen sie manchmal durch. Heute hat sich der soziale wtandort der großen Massen der ? Dergnügungskonsumenten vielfach verschoben und es ist infolgedessen auch ein Funktionswandel des Vergnügungsapparates eingetreten. Das industrielle Proletariat hat ein eigenes weitverzweigtes Organisationsleben ausgebildet, in dessen Rahmen auch der Vergnügungsbetrieb teilweise befriedigt wird. Die übrige Zeit wird von Kino und Schrebergarten beschlagnahmt. Der vorherrschende Vergnügungsbetrieb ist(wie S. Kracaucr in seiner Arbeit„Die Angestellten" überzeugend nachweist) in erster Linie auf die neuen Massen der Angestellten und die angrenzenden Schichten ausgerichtet. Das„Cafe" war ursprünglich ein geselliger Tresf- punkt, ein Ort der Aussprache. Dann machte es seine individuali- sierende Epoche durch, es grenzte die Menschengruppen voneinander ab. Heute ist auch diese Individualisierung überwunden' und das typische Nachtlokal entspricht einer kollektivierten, ausgeweiteten Form der„Geselligkeit". und Tergnügungsswang Die„Geselligkeit" des Nachtlokals entbehrt jeder„Gemütlich- keit" im alten Sinne. Es gleicht einem Vergnügen am lausenden Band. Ungeschriebene, aber desto festere Gesetze lassen Rädchen um Rädchen dieser Vergnügungsmaschinerie ineinandergreifen, ohne daß die agierenden Menschen sichtbaren Einfluß auf deren Ablauf und Gestaltung hätten. Die Entwicklung geht zweifellos dahin, den zer- mürbten und entnervten Menschen als aktiven Faktor auszuschalten, ihn auch in seiner Freizeit völlig zum Objekt der Appa- r a t u r zu machen. Der fast hypnotische Zwang, unter dem die Menschen offenbar stehen, äußert sich auch in den musikalischen und bewegungsmäßigen Linien des nächtlichen Lotallebens. Wir alle empfinden die neue Musikalität des Jazz als eine Bereicherung. Es handelt sich nur darum, wie es zu einer solchen allgemeinen Anerkennung kam. Der Jazz hat zwei Hauptelemente: er erweckt erstens die Vorstellung jener phantastischen ungehemmten Welt, woher er seinen Ursprung hat. Er drängt andererseits den Menschen in unerhört primitiv- mechanische Bewegungen. So greifen die Illusion der Frei- h e i t und die Tatsache des Zwanges ineinander. Der Jazz ist es auch gewesen, der die maschinelle Entwicklung der Instrumente t« ungeheuer beschleunigt hat. Vielleicht prägt sich im Jazz am deutlichsten und objektivsten jener Spaltungscharakter und jene Zwanghaftigkeit aus, der hier als die menschliche Grundlage des Vergnügüngsapparotes im„mechanischen Zeitalter" herausgesteltt werden sollte. Jlusgleich und Befreiung Es kommt für uns Sozialisten daraus an, aus diesem ver- krampften Zwangsoerhältnis herauszukommen und dabei nicht zu vergessen, daß die mechanischen und maschinellen Elemente der modernen Kultur die Voraussetzung für die sozialistische Lösung sind. Wir brauchen nur den bürgerlichen Sport zu betrachten: Wie von Furien gehetzt, wie unter einem unsichtbaren Zwang stehend, steigern sich diese Menschen in eine sinnlose Ekstase, die das Gegenteil von Körperkultur ist. Und doch ist der Sport jener Anknüpsungspunkt, von dem der Ausgleich herbeigeführt werden kann. Der Arbeitersport lehrt, welche Einbruchsstellen durch ihn in den gespaltenen Menschen der Gegenwart vorhanden sind. Gewiß können wir die Spaltung nicht aufheben. Aber wir können einen Ausgleich anstreben. der die auseinandergeratenen Proportionen des menschlichen Lebens zu einer höheren Einheit zusammenführt. Das ist das Problem sozialistischer Menschenbehandlung und Menschengestaltung, das von der Erkenntnis der tiessten Ursachen aus in Angriff genommen werden muß: Ein neuer sozialistischer Menschenschlag, der die Elemente einer einheitlichen Zukunstskultur bewußt verkörpert und sie in den großen sozialistischen Kampf einsetzt. Leo Friedman». Wo lind denn'Jhre Arbeitslolen? Sin SZufaUsgefpräch mit amerikanischen Shidenlen Spät am Abend, nach eiiiein Vortrag, gehe ich in ein Aschinger- Lokal an der Friedrichstraße. Es ist schwül und drückend. Männer ohne Jackett mit zurückgeschobenen Hüten und Frauen in leichten Sommerkleidern sitzen an den Tischen und trinken noch rasch eine Molle, bevor sie langsam weiter nach Hause gehen. Gerade bricht ein« kleine Gesellschaft auf, ich nehme Platz und bestelle eine Kleinigkeit. Dann blättere ich in der Abendzeitung, um vielleicht doch irgendwo einen Lichtstrahl in unserer düsteren Zeit zu entdecken. Aber die Seiten sind angefüllt mit den Beschreibungen der Ministerreisen,, den sreundtichen Gesprächen der Regierung?- oberhäupter und sanften Andeutungen der Wirklichkeit: niemand wagt mit einer kraftvollen Aktion an die Wurzel des Uebels zu packen, des deutsch-französijchen Mißverständnisses. Da stören zwei junge Männer meine Besinnlichkeit: „Gestatten Sie?"„Bitte schön", und ich nehme meine Mappe vom Stuhl weg, um ihnen Platz zu machen. Musternd sehen mich zwei Augenpaore hinter altmodischen Brillengläsern an. Berliner können das nicht sein, dafür sind sie zu unsicher. Sie sind gut, ober einfach gekleidet. Ich reiche ihnen die Speisekarte. Sie studieren lange, fahren mit dem Finger über die einzelnen Rubriken, also Ausländer. Ja, jetzt beraten sie in unverkennbar breitem Amerikanisch, was wohl das einzelne Essen sein möge. „Bielleicht kann ich Ihnen helfen?" frage ich auf englisch. „Was ist dos hier, Leber mit Zwiebeln?" Sonst gibt es zwar Gemüse da, zu, aber der Ober ist in diesem Fr?mdenvi«rt«l schon an Sonderwünsche gewöhnt. Schön, Bier wollen die durstigen Seelen aus dem Prohibitionslandc auch haben. Dann kommt die sich immer wiederholende Frage:„Sind Sie Deutscher? Woher könn«n Sie so gut englisch sprechen?" Ich erkläre ihnen, daß ich längere Zeit in USA. und Konada gelebt habe. „Well, gerade von da kommen wir eben. Wir sind vor acht Tagen in Hamburg mit dem„Albert Ballin" gelandet. Jetzt wollen wir etwas Deutsch lernen und dann einen Kursus auf der Wiener Universität besuchen." „Na, da haben Sie gerade eine schlechte Zeit in Deutschland erwischt", antworte ich„Aus welchem Teil der Vereinigten Staaten kommen Sie?" „Aus dem M i t t c l w e st e n." „Richtig, genau so sehen sie aus. Brave Söhne, mit strengen, noch etwas bubenhaften Puritanergesichtern. Der Typ des werdenden kleinbürgerlichen Babbit. Sie trinken gerade ein Bier, schlagen an- gebotene Zigaretten ab und vertrauen mir später an, daß sie sehr mit ihrem Reisegeld sparen müssen.„Aber wir haben noch nichts von Unruhen gemerkt", meinen sie.„Auf den Straßen ist elegantes Leben, Wir sehen viele schöne Neubauten. Und wo sind eigentlich alle Jhre vielen Arbeitslosen?" Diese Anschauungen und Fragen sind typisch für den reisenden Amerikaner. Sicher geht man auch in den höchsten Bankkreisen, deren Urteil für uns einschneidende Konsequenzen haben kann, sehr oft von solchen oberflächlichen Beobachtungen aus. Immer wieder hört man auf Grund persönlicher Betrachtung amerikanische Stimmen, die unsere Krise als nicht so schwer ansehen und glauben, daß wir uns aus eigener Kraft helfen können. „Wo sind die deutschen Arbeitslosen?" Eine gar nicht so lächer- liche Frage für einen Amerikaner, der gewohnt ist, daß sich die Männer ohne Arbeit an den Straßenecken ansammeln und die Passanten belästigen, der die langen Schlangen der Hungrigen ver- mißt, die in seinem Vaterlande für eine armselige Suppe anstehen müssen. Ich versuche, den beiden Studenten die Sache klar zu machen: „Unsere Erwerbslosen sind oft schon jahrelang ohne Arbeit. Für viele besteht überhaupt kaum noch Möglichkeit, jemals wieder unter- zukommen. Von dem kläglichen Lohn können sich die Arbeiter kein Sparkonto errichten, und die Regierung muß sie unterstützen, wenn sie nicht verhungern sollen." Sie sagen zwar yes, aber verstanden haben sie den Unterschied zwischen der amerikanischen Wechselarbeitslosigkeit und dem deutschen Dauerzustand doch nicht. Deshalb frage ich sie, ob sie am nächsten Morgen Zeit haben. Ja, sie würden gerne mitkommen, um sich die Verhältnisse an- zuschauen. Eine Stempelstelle in Neukölln. Wir müssen durch einen langen Hof zum Hinterhaus. Früher war darin eine Malzbier- fabrik, jetzt hat man aus Bretterwänden Zimmer und Kassenschaltor eingerichtet. Im dunklen, übelriechenden Raum stehen die langen Reihen.und warten auf ihre Unterstützung. Viele der Wartenden sind noch sehr jung, sie können kaum ein paar Jahre aus der Sd)ulc sein. Pie mageren, erbitterten Gesichter sehen uns nicht gerade freundlich an, als ich den beiden Amerikanern die Einrichtung erkläre. Schließlich läßt sich doch einer herbei und zeigt uns seine Ab- rechnung, als er gerade vom Kassenschalter kommt. Mit bitterem Sarkasmus erklärt er uns seine Verhältnisse: Er ist Maurer, 58 Jahre alt, und hat noch eine Frau zu ernähren. Bisher bekam er in der höchsten Lohnklassc 25,20 Mark Unterstützung. Noch der neuen Notverordnung bekommt er ober nur noch 14,63 Mark Saisonarbeiterunterstützung. „Wie soll ich da leben und Miete bezahlen?", meint er sorgen- voll, der doch früher gut verdiente, Ich übersetze den Studenten noch einige andere Fälle, die zum Teil noch schlimmer sind. Eine Kriegerwitwe bekommt im ganzen noch wöchentlich 1,38 Mark, nachdem man ihre monatliche Rente von 40,30 Mark anrechnet. „Well, das ist nicht möglich", wirft Mr. John ein, der sich eifrig alles notiert,„das sind gerade ll Dollar, was die Frau im Monat bekommt." „O doch", sage ich,„sehen Sie', hier sind die Schicksale der Arbeits- losen und das Elend, hinter dem der Glanz der City kläglich verblaßt." Ich spreche mit der Frau, sie nimmt uns mit in ihr« Wohnung. Das heißt Wohnung ist zu viel gesagt. Ein klägliches Kellerloch, in dem ein Bett, Stuhl und die blecherne Wasch- gelegenheit stehen. „Hier würde keiner unserer Tramps übernacht««", meinen die Amerikaner. Doch ich bin überzeugt, sie wissen über deren Schicksal genau so wenig Bescheid. Sie geben der Frau einen Dollarschein. den diese erst nicht annehmen will. Doch ich versichere ihr, es seien steinreiche Leute und sie solle nicht so dumm sein. Auf der Straße kommt uns gerade ein Schupo entgegen mit einem jungen Kommunisten am Arm. Dahinter eine Menge aufgeregter Gestalten. „Ouh, das sind Bolschewisten", sagen ängstlich die beiden, naiven Gemüter, nachdem ich ihnen erklärt habe, um was es sich wahrscheinlich handelt,„dann wollen wir schnell zurück zur Bahn gehen." Kommunismus ist das Schreckgespenst aller braven Pankees. Damit wollen sie nichts zu tun haben. Ab«r ich glaube, die beiden haben«in anderes Bild von Deutschland bekommen als die üblichen amerikanischen Reisenden, die ihre Eindrücke auf dem Kurfürsten- dämm sammeln. �_ Karl Moeller. ZeUgenöffifches Di« Gondel des Ballons, mit dem Piccard in die Stratosphäre stieg, liegt noch immer aus dem Gurgler Ferner. Ihr Aussehen indessen hat sich insoweit verändert, als jeder der zahlreichen Be- fucher seinen Namen in das Aluminium kratzt. Diese wichtige und geschmackvolle Denkmalsschasfung hat sich so oft wiederholt, daß bereits der Platz knapp wird. Es handelt sich bekanntlich um ein Aluminium, dem die Schrecken der Strato sphäre nichts anzuhaben vermochten. Die Schrecken der A t m o sphäre hingegen... Eine deptsche Filmgesellschaft macht« Außenaufnahmen in Monako— für einen Gesellschaftsfilm. Ein Teil der vorgesehenen Bilder durfte nicht aufgenommen werden, weil er— im Regen spielte. Das, so erklärte die Regierung, schädige den Fremden- verkehr... J» Monte Carlo also hat es nicht zu regnen. Wer dennoch nah wird, wird erschossen. Yorick. 'Radio aus allov Wolf ßurojpa bat vcrgesscnl Wrzlich sagten wir, daß am Tage des Beginns des großen Völkermordens die europäischen Rundfunksender sicher nicht darauf konimen werden, Worte des Friedens in den Aekher zu funken, Leider hatten wir recht... Am Aliend des 1. August sah man am Radio und dachte: Um diese Stunde rollte vor l? Jahren die ersten Schüsse und die ersten Todesschrcie gellten durch Europa. Äm Aether aber knatterten da- mals die Militör-Radiosender und befahlen Menschen andere Menschen zu zerfleischen... Erinnern sich die Völker dieser ersten Stunde des Mordens?? Ruft es im Aether in allen Sprachen:„R i e w i e d er K r i« g?" Wir schalten das Radio ein... „Mein Fräulein, ich verehre Sic..." „Bad)' I love you.. „Paris. Paris!"... So rasen die Foxtrotts und klingen die Tangos. Menschen lachen... Frauen singen von Liebe... Europa sendet Kabarett auf ollen Wellen! lind Radiowellen voller Jazztöne kreisen um die Welt, kreisen auch über den Hunderttausenden Hügeln in ganz Europa, in denen Väter. Söhne, Männer, ganze Völker liegen... S i n d M i l- lionen Toter vergessen? Und von nirgends eine Welle des Gedenkens?? Doch, an einem englischen Sender steht ein kriegsverletzter Arbeiter und erzählt von Krieg. Ganz ruhig spricht er, aber seine Worte lassen das Grauen auferstehen. Er spricht vom Tod. von zer- fegten Mcnschenleibern, von Blutströmen, und dann ruft er be- schwörend:„Gocxt dye to all that!"„Adieu, mit all diesem!" „Xever morc!"„Nie wieder!" ruft er noch einmal in den Aether, aber kein Echo ist zu hören, in keinem Sender nimmt man diesen Ruf auf und die Friedenzstimm« bleibt einsam. Einige Sender haben sogar das Gefühl, ausgerechnet am 1. August militärische Feiern zu veranstalten! Man hört Vorträge für den Bau neuer Kriegsschiffe und Bombenflugzeuge, und dazu tanzt man in allen Ländern! Auch am Radio konnte man es hören: Europa tanzt, Europa panzert, am l. August 1931, und einsam bleibt der Ruf:„Nie w i e d e r K r ie g!" N. Q. Der Empfang am Sonntag Viele eisrige Rundfunkhörer haben die Beobachtung gemacht, daß am Sonntag sowohl der Fern- wie Ortsempjang am Radio viel besstr ist. Das ist nicht etwa darauf zurückzuführen, daß die Sender am Sonntag mit anderer Kraft senden. Viele Hörer glauben irrtüm- lich, daß die schwankende Lautstärke mancher Sender auf Regulie- rung der Sendekrast beruht. Das ist nicht der Fall. Die meisten europäischen Rundfunksender senden mit immer derselben Energie. Nur in Rußland ist es üblich, bei für das Ausland bestimmten Propagandaprogrammen die Energie bis zum äußersten anzuspannen. Die schwankende Lautstärke liegt also am Empfang und nicht am Sender. Der lautere und sauberere Empfang am Sonntag findet ober eine ganz einfache Erklärung: In jeder Großstadt arbeiten am Werktag eine Unzahl von Mo- tnren in den Fabriken und in den Betrieben. Der Straßenverkehr ist mächtig. Jeder kleine Motor ist im Betrieb und sendet seine Kleine'Delvachiungen ftexopl gegen(üievbaiilt-fianbievs So war es vor siebzehn Iahren: Sie saßen im Wirtshaus, setzten die Salzmätze zu ihrer Rechten, den Bieruntersetzer zu ihrer Linken, benannten diese beiden nützlichen Requisiten nach Heeres- gruppen und manövrierten mit ihnen gegen das Bierglas, das die Festung Lüttich vorstellte. Es war von Abschnürung, von Um- klammerung die Rede.....: Stammtischstrategie! Wieder blüht die Stammtischstrategie: allerdings keine, die sich aus militärische, sondern eine, die sich auf wirtschaftliche Dinge bezieht. Es ist verständlich, daß sich die Oessentlichkeit in Kriegs- Zeiten vom Kriege und in finanziellen Krisenzeiten von den Finanzen unterhält und gerade in der Demokratie ist es Bürgerpflicht, die öffentlichen Dinge öfsentlich zu diskutieren. Aber wie sehen diese Stammtischgespräche aus! Bei den militärischen Gesprächen gab es die Salzmäste und den Untersetzer: das waren sahbare, erschaubare Dinge, die sich gegeneinander bewegen ließen und der Phantasie immerhin vom Stoffe her gewisse Grenzen zogen. Hingegen Phantasie in Fragen der Währung und des Diskontsatzes! Eine kleine Blütenlese dessen, was an Stammtischen so alles für die Situation verantwortlich gemocht wird: Der Poung-Plan, Haß der Franzosen gegen uns, ein Geheimkomplott der Engländer, der Völkerbund, die Sozialgesetzgebung, die katholische Kirche, Severings Herrschaft in Preußen, dos Nichtvorhandensein deutscher Kolonien und dann natürlich: die Juden und die Freimaurer. Die so reden, sind die politischen Hysteriker. Aber dann gibt es auch Gutartige. Sie reagieren nicht ihre haßvoll« Ignoranz ab, sondern rücken mit wohlgemeinten Vorschlägen heraus. Sie pro- pagieren eine„Lohnmark" oder die Wiedergeburt der Rentenmark. Sie verbeißen sich in Variationen über das berüchtigte Thema Autarkie. Die Fanatiker der Finanzstrategie sind schwer zu fassen. Sie kommen mit unüberprüfbaren Zahlen, mit unkontrollierbaren historischen Parallelen- Es stimmt alles nicht, was sie sagen, aber der Nochweis, daß es nicht stimmt, ist nicht mathematisch zu führen: um so weniger, als auch der Besonnene zumeist mit der immerhin entlegenen und schließlich außerordentlich komplizierten Materie der Reichsbankpolitik nicht genügend vertraut ist, um als Autorität auf- treten zu können. Immerhin, ich habe mir eine Methode zurechtgelegt, den Selbst- sicheren eine leise Ahnung von der Fragwürdigkeit ihrer Thesen beizubringen. Sie hat mir in diesen Tagen manchen guten Dienst geleistet. Ich stelle zur Erörterung, ob die Güte einer Währung mehr von dem Prozentsatz ihrer Golddeckung oder mehr von der Höhe der Noten-Umlaufmenge abhängt. Die Kollegen vom Handels- teil schlagen ja wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammen ob solcher naiven Frage. Fächleute sind in solchen Dingen komisch und es ist mit ihnen nicht zu spaßen. Aber ich möchte einwenden, daß ich im Augenblick keinen Anspruch auf ihre Achtung erheben möchte, sondern nur vorhabe, mich darauf zu berufen, daß in Laien- kreisen mein Einwurf noch regelmäßig die zerfahrenen Geistes- ausschweifungen vom Himmel der Geschwollenheiten auf die Erde nüchterner Rede herniedergeholt hat. Und das ist immerhin schon etwas in einer Zeit der Wirtschaftsphantasterei, in der allen Ernstes auf das dritte Reich ausgestellte Hitlerschecks und Silvio Gesellsches Prioat-S'' wundgeld von Kaufleuten in Zahlung genommen worden sind— und in der Herr Jakob Goldschmidt. Stern der Bankier- tagungen, nicht incrtte, daß der von ihm protegierte Nordwoll- konzern mit der Kleinigkeit von einer Viertelmilliarde pleite ging. Hans Bauer. Störungswellen in den Aether. Der Rundfunkempfang wird un- sauber und schwächer. Auch an den Abenden eines Werktages laufen in der Großstadt noch immer genug Motore, um die Rundsunkwellcn zu stören. Am Sonntag aber fallen die meisten dieser Störungen weg. Dazu kommt noch, daß der Fernempfang auf vielen Wellen merklich von Telegraphiescndern zerhackt wird. Diese Telegraphiesender stehen meistens im Dienst des Handelsverkehrs und haben einen sehr schwachen Sonntagsdienst. So kommt es, daß die Wellen des Rund- funks an Sonntagen viel ungestörter in die Antenne kommen. Uövbttre Sender Jeder geduldig« Hörer hat mit einem Fernempfänger die Mög- lichkeit, mil einer guten Hochantenne bis zu 50 oder noch mehr europäische Sender zu empfangen. Für die Sommermonate aber möchten wir eine Reihe Sender anführen, deren Empfang ein wirk- lichez Vergnügen ist und nicht erst langes Herumsuchen und Angeln im Aether erforderlich inacht. Mit einer AMenne von 25 Meter Länge, über den Hof gespannt, und einem Vier-Whren-Empfänger hörten wir im Zentrum Berlins folgende Radiostationen: Hörby- Schweden(Welle 257). Leipzig. London(National). Heilsburg. Preß- bürg, Straßburg, Graz, London(Bezirk), Mühlacker. Lemberg, Toulouse. Rom, Langenberg, Prag. Mailand, Wien, Budapest, Leningrad, Oslo, Kallundborg, Moskau(WZSPS.), Warschau und Motala-Schweden. Diese stattliche Anzahl Sender war sehr gut zu hören. Natür- lich hörten wir viel mehr, führen aber nur die besten an. Da der Empfang in jedem Stadtteil etwas anders sein kann, ist es natürlich möglich, daß viele Hörer noch ander«„Paradesender" haben. Wir betonen aber nochmals, daß es im Sommer besser ist, sich an die gut hörbaren Sender zu halten, um die Ohren vor unnötigen „Störsinfonien" zu bewahren und keine„Radioopposition" in der Familie zu schaffen! Wir fkorlen... Der holländische Rundfunk sendet jetzt wöchentlich einige Male eine„Halbe Stunde der sozialdemokratischen Arbeiterpartei", in der nur Parteimitteilungen verbreitet werden. Am 10. Jahrestag des Todes Carusos sandten viele Sender Europas Caruso-Schallplatten. Die herrlichste aller Stimmen klang über den Aether Europas und riß Millionen hin, während der Sänger seit zehn Jahren verstummt ist... Seitdem ein polnischer Arbeiter während einer Mikrophon- reportage im Mikrophon ein Hoch aus die polnische Sozialdeinokratie ausbrachte, läßt die polnische Regierung bei jeder Außenübertragung das Mikrophon von Kriminalbeamten scharf bewachen! Außerdem wird der Sprecher von einer kleinen Gendarmenabteilung begleitet. So hofft man die Stimme des Volkes zum Schweigen zu bringen. Ein Arbeitsloser bat durch einen skandinavischen Rundfunksender gute Menschen, seine drei kleinen Kinder in Pflege zu nehmen, weil er keine Möglichkeit hat, sie zu ernähren... Im Aether Europas sangen die Geigen, schlugen die Banjos und dazwischen rief ein Vater um Brot für seine Kinder! Der sronzösische Rundfunk stellt sich gan.; in den Dienst der Kolonialpolitik des Landes. Die Regierung wird jetzt von Paris aus für jede Kolonie ein Sonderprogramm verbreiten lasten und auf dem drahtlosen Wege einen engeren Kontakt mit den Eingeborenen suchen. Der holländische Sender übertrug�die große Feier der Arbeiter- Esperantisten aus Amsterdam. Der Sender Hiloersum wird in Zu- kunst sozialistische Ansprachen auch in Esperanto verbreiten In der Tschechoslowakei inacht man jetzt den Versuch, aktuelle Ereignisse der Woche in akustischen Szenen den Hörern vorzuführen. Der Rundfunk versucht also eine eigene akustisch« Radiowochen- schau zu schassen. Im dänischen Rundfunk eröffnete der Verkehrsminister einen Arbeiterhörerkursus. Schon immer machte sich der Kopenhagener Rundfunk verdient durch seine populär-wissenschaftlichen Vorträge, die aus der Universität für die Arbeiterhörer übertragen wurden. Der große neue Schweizer Sender Bero-Münster— Welle 459 — sendet nur in deutscher Sprache, während für die französische Schweiz der Sender Sottens— Welle 408— in Betrieb ist. So löst die Schweiz ihr nationales Problem auch im Aether. Während der letzten Opernübertragung aus Salzburg waren 139(!) Rundfunksender in aller Welt an Wien angeschlosten. Das bedeutet, daß die ganze Welt diese Sendung hörte. Natürlich nutzte Wien diese Gelegenheit aus und machte tüchtig Fremdenverkehrspropaganda, Nathan Gurckus. £ Buch Jterberl Qeorge itells:„'Der 3)iklalora Professor Pellmm wird Diktator von England, well er an den nationalen Phrasenglaubcn seiner Landsleut« appelliert und die richtige Pose für seine Rolle findet. Er ist ein Diktator, wie ihn sich die Masse vorstellt, er erfüllt eine Wunschsehnsucht. Man hat den Glauben an den Parlamentarismus verloren. Also ertönt der Ruf nach dem starken Mairn, nach dem Retter, und wenn dieser Retter die äußere Haltung beherrscht, wird ihm zugejubelt, ober nur so lange er Glück hat. Wells gestaltet nun in seinem„Diktator"(Paul-Zsolnay- Verlag, Wien) die Problematik der Diktatur überhaupt. Ent- standen aus einer Ueberspitzung des Nationalgefühls, treibt sie notgedrungen zum Kriege. Das moderne wirtschaftliche und politische Leben ist zu kompliziert, um von einem einzigen gelenkt zu werden, besonders wenn dieser einzige an Ideale vergangener Zeiten glaubt und sie in eine ganz anders geartete Wirklichkeit verpflanzen möchte. Der Diktator Pelham ist Romantiker und kann die Folgen seiner Taten nicht einschätzen. Er bricht zusammen. Ein schwacher Mensch zittert in der Schicksalsstunde, verliert den Kopf und wird zum Werkzeug in den Händen brutaler Militärs. Ich Hab es nicht gewollt, bleibt der letzt« Schluß seiner Weisheit. Aber Wells beschränkt sich nicht auf den Sonderfall Pelham. In kurzen, sehr witzigen Szenen führt er eine Reihe dieser Herr- schaften vor. Und. jeder trägt eine Uniform, die ihm viel zu groß ist. Der politische Diktator, mag er auch von Idealen ausgehen, erscheint als der Gegenpol des Geistes, des menschlichen Fortschritts, er bleibt der ewig Gestrige. Die wahren Beherrscher der Menschheit sitzen auf anderen Posten. Der geistige Mensch, der Wissenschaftler, der der Entwicklung der Welt neue Bahnen zeigt, ist der ungekrönte Kaiser. Der Roman ist eine Utopie, wie fast alle Bücher von Wells. Als Einkleidung wählt der Verfasser eine spiritistische Seoncc, und die Vorgänge erleben harmlose Bürger als einen suggerierten Traum. Jeder durchkostet die Rolle, die er gern« spielen möchte und reagiert dabei seine Geltungskomplexe ab. Dieser Rahmen wirkt wie eine Parodie auf Canon Doyle, der schließlich im Spiritis- mus endete. Der Auftakt ist geistreich pointiert, und auch im weiteren Verlauf durchschießt Wells den Ernst der Situation mit witzigen und grotesken Sarkosmen. Trotzdem zeigt das Buch eine beinahe tragisch« Note. Diese tritt heute um so stärker hervor, da es Mode geworden ist, mit der Idee der Diktatur zu kokettieren. Ein paar knappe Bilder zeigen die Sinnlosigkeit und die Kata- strophe eines zukünftigen Krieges. Bomben über London. Frauen, Kinder und Männer werden zerrissen, zerquetscht, oergiftet. Der Krieg ist da, und niemand wollte ihn ernstlich, er ensttand, weil ein von Phrasen umnebeltes Hirn vom Ehrgeiz besessen war und die Tragweite der Handlungen nicht zu berechnen verstand. Mag der Roman zu breit angelegt sein, mag Wells bestimmte Kräfte des sozialen Lebens zu niedrig notieren, so bleibt das Buch trotzdem wichtig, denn es leuchtet hinter die Heldenmask« des er- sehnten Diktators und weist auf die Folgen hin, die eine Diktatur nach sich zieht, und es ist von einem Manne geschrieber», der an die menschliche Vernunft glaubt. kclix Scherret. 6t RätsehEcke des„Abend Kreuzworträtsel Waagerecht: 1. Nutzstrauch I 4. türkischer Titel 7. Stadt in Finnland: 8. indisches Königreich: 9. Weinernte-, 11. Fisch: 1Z. nordischer Schriftsteller: 13. Schlange: 15. deutscher Maler: 16. Flächenmaß: 17. weiblicher Name; 18. Stadt in Frankreich: 19. Hohepriester: 21. Fächenmaß: 22. italienische Note: 23. deutscher Dichter: 24. Prä- Position: 25. Schweizer Freiheitsheld: 28. Blume: 29. Auto-Ausdruck: 39. alte lateinische Iahresbezeichnung.— Senkrecht: 1, Schiller- sche Dramenfigur: 2. Reichspräsident+: griechische Göttin: 4. Zergliederung(i— y): 5. italienischer Frciheitsheld: 6. Vogel: 8. Kloster: 10. Tierprodukts(Mehrzahl): 14. Naturerscheinung: 18. Bodenschotz: 29. Stammvater(i— j): 21. Schmerzensausruf: 25. Wettausdruck; 26. weiblicher Vorname: 27. vertont« Poesie. Silbenrätsel Aus den Silben a a a a al bei bert bes big de de de e e el sich ger ger i tra li li list ma mann mi mo mün mus mus na nal nau ne ne pa pier ras rat re reichs ro rous seau so so sin sur tag te tern ti« tol tor u vie war zi sind 18 Wörter zu bilden, deren Anfangsbuchstaben von oben nach unten gelesen eine staatliche Ur- künde ergeben. Die Bedeutung der Wörter: 1. Ostseebad: 2. Teil der Schulverwaltung: 3. Schöngeist: 4. bekannter Diplomat: 5. Figur au» den„Räubern": 6. Führer der französischen Revolution: 7. Reichspräsident: 8. Volksvertretung: 9. Schriftstellerin: 19. Hu- manist: 11. französischer Schriftsteller: 12. deutscher Philosoph: 13. Bühnenwerk von Schnitzler: 14. deutscher Sozialist: 15. politisch- Partei: 16. Gewaltherrscher: 17. deutscher Sozialpolitiker: 18. Roman von Zola. Ergänzungsrätsel Werden die Buchstaben a s e e eet i llmnnnsssttu richtig in die leeren Felder einac- ordnet, so erhält man Worte folgender Bedeutung: 1 Insekt: 2 Fisch: 3 Be- leuchiungskörper: 4 Muscheltier(Mehr- zahl): 3. Teil des Zimmers. i. E R T E IT Auflösungen in der nächsten Rätselecke. Auflösungen der letzten Rätselecke Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Ar: 4. Or: 6. Ali: 7. Der: 9. Arme: 19. Idee: 12. Gras: 13. Nest: 15. Erde: 16. Seal: 19. Hand- ball: 22. Fußball: 23. Adele: 27. Sinai: 28. Enkel: 32. Kamin: 35. Neige: 36. Abend: 37. Rege: 38. Lehn: 39. Wer: 49. III.— Senkrecht. 1. Alma: 2. Ries: 3. Etat: 4. Odin: 5. Rede: 6. Arrest: 8. Reseda: 9. Agina: 11. Etzel: 14. Bern: 17. Elf: 18. Emu: 29. Lid: 21. Leo: 23. Asien: 24. Diener: 25. Gewinn: 26. Elend: 29. Kiew- 39. Egge: 31. Leer: 32. Kali: 33. Abel: 34. Mehl. Silbenrätsel: 1. Eukerp«: 2. Ramses: 3. Liebermann: 4. Aristokratie: 5 Unze; 6. vahia; 7. Tachometer: 8. Isis: 9. Sas olin; 19. Tasmania; 11. wrangel.—„Erlaubt ist, was sich ziemt." Rösselsprung: Die Nationalsozialisten sind die größten Feinde der modernen Arbeiterbewegung. Ergänzungsrätsel: 1. Undicht: 2. hundert; 3. Flunder-, 4. Sekunde; 5. Burgund. Finnensieg im Postsiadion Zum internationalen Sportfest 3n fast allen Konkurrenzen, In denen die Zinnen gestern beim Znternaiionalcn Sporkfest im Poststadion startelen, blieben sie, osk erst noch harkem Kampf, siegreich. Den ungefähr Z 0 0 0 Z u- schauern wurden kämpfe gezeigt, die sie so leicht nicht vergessen werden. Anter den Zuschauern bemerkte man auch einen Vertreter der finnischen Gesandtschaft, der den kämpfen mit leb- haftein Interesse folgte. Den finnischen Sportlern merkte man die Anstrengungen der bisher ausgetragenen Kämpfe und die Reise nicht an. Wenn man in Betracht zieht, daß sie, von Wien kommend, an den Veranstal- tungcn in Dortmund, Bremen und Magdeburg mit- wirkten, dort ebenfalls stets an den ersten Plätzen zu finden waren, so muß es überraschen, daß sie auch in Berlin keinerlei Müdigkeit zeigten. Die erzielten Resultate stehen den aus den vorhergegange- nen Veranstaltungen keineswegs nach. So konnte L e t h i n e n im jhochsprung 1,82 Meter erreichen. Hahn, Berlin, warf den Speer trotz starken Gegenwindes 48,72 Meter. In der 4X100-Meter» Stafette verloren die Finnen beim ersten Wechsel den Stab-, bevor sie den Stab aufgehoben hatten, waren die Berliner schon 40 Meter voraus. Die Finnen gaben daraufhin das Rennen auf: Berlins 1 Mannschaft siegte in 44,7 Sek. Im 300Met«r.Lauf: I. Boihaz fFinnland) S:S7.3 Min.: 2. Eklalm (Finnland) 0:01 Min.; 3. Sintfcher(Berlin) 9:43 Min.— Olympische Stafette: l. BSC.(Berlin) 3;43B Min.; 2. Ostring(Berlin) 3:45,4. Das Fußballspiel Noch waren die Hochspringer nicht vom Platz, da traten auch schon die Fußballer auf den Plan. Zuerst die Finnen im roten Hemd und weißer Hose, dann die Berliner in weißem 5) e m d und blauer Hose. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Spartenleiter begann das Spiel mit dem Anstoß der Berliner. Erst allgemeines Abtasten nach schwachen Stellen. Dann unternahm Berlin den ersten Angriff. Eine Steilvorlage vom Halblinken nahm Linksaußen auf, flankte, die Verteidigung Finnlands verfehlte den Ball und der Halbrechte tonnte in der zweiten Minute zum ersten Treffer einsenden. Da glaubte alles, daß dies nur der Anfang einer weiteren Serie von Toren sein würde. Der Gegenangriff der Finnen wurde bereits von der Berliner Verteidigung ab- gestoppt. Da war es wieder der Linksaußen Berlins, der mit dem Ball auf und davon lief. Sein scharfer Schuß auf das Finnentor kann der Torwart nur leicht fausten. Schnell sind die Berliner Innenstürmer am Ball. Der Schuh prallt am Torwart ab; Rechts- außen ist zur Stelle, zieht den Ball über den Kops ins Tor. Leider standen aber zwei Berliner Innenstürmer abseits, so die Mannschaft um einen weiteren verdienten Erfolg bringend. Dann unternahmen die Finnen wieder einige gefährliche Angriffe. Eine für Berlin böse aussehende Situation ereignet sich in der 9. Minute. Der sinnische Linksaußen ist allein durchgelaufen. Kurz vor der Linie gibt er den Ball zur Mitte, der finnische Jnnensturm läuft aber am Ball vorbei. Nur wenig später ist es wieder der linke Flügel Finn- lands, der schnell vorkommt. Den scharfen Schuh konnte der Ber- liner Torwart nur noch durch werfen knapp vor der Linie halten. Die Finnen sind von der Zeit an immer vonangebend. Alle Schüsse gehen aber knapp neben den Pfosten oder werden eine sichere Beute des sehr guten Berliner Torwarts. Mehrere hintereinander folgende Ecken können an dem Resultat vorläufig nichts ändern. Auf der anderen Seite fehlte dem Berliner Sturm der notwendige Druck. Der Sturm ließ jeden Zusammenhalt vermissen. Entweder wurde der Ball den Finnen direkt vor die Füße gelegt oder so schwach gestoßen, daß es einem finnischen Spieler eine Kleinigkeit war, rechtzeitig einzugreifen. Ein Strafstoß für Berlin, dicht an der Strafraumgrenze, wurde durch Abseits unterbunden. Erst nachdem die Finnen noch zwei Eckbälle erringen konnten, gelang es dem schnellen Linksaußen in der 41. Minute den längst verdienten Aus- gleich zu erzielen. Vom Anstoß aus griffen die Berliner dann das gegnerische Tor an. Aber nur zwei Ecken sind die Ausbeute. Die zweite Halbzeit begann für die Berliner genau wie der Anfang vielversprechend. Bei der 4. Ecke entsteht vor dem Tor der Finnen ein längeres Geplänkel, ohne daß es jedoch den Ber- linern gelang, den Ball ins Tor zu bugsieren. Die Finnen hatten dann mehr Glück. Der Berliner linke Verteidiger spielte im eigenen Strafraum mit dem Ball: anstatt den Ball zum Torwart zurück- zugeben, versuchte er den finnischen Mittelstürmer zu sperren. Dieser war aber schlauer und flinker. Er rannte am Verteidiger vorbei und erzielte mühelos das zweite Tor. Der Berliner Mannschaft gelang es wohl noch einigemal vor das Tor der Finnen zu kommen, Schuhunfähigkeit und Nervosität ließen es zu Erfolgen aber nicht mehr kommen. Auch den Finnen sollten weitere Erfolge nicht mehr beschieden sein. Der Torwart Berlins hielt die schwierigsten Bälle. Mit dem Stand von 2:1 für Zinnland wurde das Spiel beendet. Die Berliner spielten wohl selten so zerfahren wie beim gestri- gen Spiel. Einzig die beiden Außenläufer und der Tor- wart konnten gefallen. Der Sturm war nur in den ersten zehn Minuten zu sehen. Der Mittelläufer fiel gänzlich aus. In der Ver- teidigung tonnte der Rechte hauptsächlich in der zweiten Halbzeit gefallen. Bei den Finnen klappte es wie am Schnürchen. Wenn die Berliner in den ersten Minuten mehr vom Spiel hatten, so lag es an dem taktisch richtigen Spiel der Finnen, die verhalten und mit den Kräften sparend spielten. Das Resultat ist für die Berliner äußerst schmeichelhaft. Nach dem Spielverlauf zu urteilen, hätten die Finnen mit mindestens 4 Toren Unterschied gewinnen müssen. in Betracht. Auch zu diesem Treffen der Naturfreunde sind wie zu allen anderen Fahrten Gäste, Arbeitersportler, Parteimitglieder und Jugendgenossen herzlich willkommen. Wettbewerbe im Flugsport Um den deutschen Flugsport und damit die keimenden Ansänge der Lufttouristik nicht mehr und mehr den wirtschaftlichen Schwierig- leiten opfern zu müssen, sind die kommenden Wettbewerbsveranstal- tungen weitmöglichst auf Geldpreisvergebung«ingestellt. Die dies- jährige deutsche Flugsportsaison bringt große Veranstaltungen, zu- nächst den Deulschlandslug vom 11. bis 16. A u g u st mit Start und Ziel in B e r l i n. Bei der Organisation dieses Wettbewerbes ist in weitgehendstem Maße auf sportliche Wirkung auch für das Publikum Rücksicht genommen worden. Deshalb liegt die technische Prüfung(11.— 14. August) vor dem Streckenslug. Alle Auswertung dieser Prüfung werden umge- rechnet in Startoerzögerungen, so daß bei dem Streckenflug am 15. und 16. August auch wirklich derjenige Sieger sein wird, der als Erster auf dem Zielhafen eintrifft. Im Zusammenhang damit soll versucht werden, ob sich für derartige Veranstaltungen ein T o t a l i- satorbetrieb einrichten läßt. Wenn dies möglich ist, hofft man, für später hieraus dem Flugsport vielleicht eine neue Einnahmequelle erschließen zu können. Die Strecke führt am 16. August von Berlin (Staaken) über Lübeck, Münster, Duisburg, Stuttgart nach München (1140 Ki�-meter). Ueberall ist ein Zwangsaufenthalt vorgesehen, der in Münster 15, in den übrigen Städten 60 Minuten ausmacht. In München ist Wertungsschluß um 20 Uhr und Zwangsübernach- tung. Am zweiten Tage geht es über 1090 Kilometer nach Wien. Breslau und Berlin. An Geldpreisen stehen insgesamt 75 000 M. zur Verfügung, wovon der Erste 15 000 M., der Zweite 10 000 M., der Dritte 5000 M. erhält. Außerdem werden vom 1. bis zum 30. Teilnehmer je 1000 M. Beteiligungsprämie ausgezahlt, auch stchen noch Sonder- und Betriebsstoffpreise aus besonderen Stif- tungen zur Verfügung. Einer der wesentlichsten Punkte ist die Preis- Verteilung getrennt nach Führer und Eigentümer der Maschin». Es ist also möglich, daß Sportflieger sich für diesen Flug Maschinen aus- leihen, und daß hierbei sowohl der Flugzeugeigentümer als auch der Führer desselben namhafte Geldpreise gewinnen.— Weiterhin stchen die kunslflugmeiskerschaflen am 5. und 6. September in Tempelhof zur Entscheidung an. Es ist gut, daß die Kunstflugmeisterschaften einmal einheitlich und zentral ausgeschrieben, durchgesührt werden. Was man bisher davon gehört, gesehen und gelesen hat, konnte nicht restlos befriedigen. Die Ausschreibungen waren so, daß sich keineswegs jeder deutsche Sport- und Kunstflieger daran beteiligen konnte. Für die Meister- schaftswetlbewerbe stehen 10 000 M. zur Verfügung. Diese Summe wird gemeinsam an die Teilnehmer verteilt, die die beste Punkt- Wertung in der Kürprüfung aufweisen. Das Pflichtprogramm ist Ausscheidungsprogramm, und nur wer dies vorschriftsmäßig erledigt hat. kann zum Kürprogramm und damit zum Preiszuspruch gelangen. Es besteht aus fünf Uebungen. nämlich: 1. drei Loopings. 2. drei Rollen rechts, drei Rollen links gesteuert. 3. eine Halbs gesteuerte Rolle rechts und links, anschließend mindestens 15 Sekunden Rücken- flug mit einer halben darauf folgend gesteuerter Rolle links oder recht« aus der Rückenlage. 4. ein Turn links oder rechts, 5. einen halben Looping 180 Grad Kurven in Rückenflug mit einem halben Looping aus Rücken- in Normallag«. Für die Sicherheit der Zuschauer ist man ebenfalls besorgt. Einer der Ausschreibungspunkte beschäftigt sich damit. Werden Figur«» über dem Publikum ousgesührt, oder wird dieses in niedriger Höhe überflogen, so kann das Preisgericht Strafpunkte ver- hängen evtl. sogar die geflogenen Figuren überhaupt nicht werten. Wiederholung der Figuren wird nicht gewertet. Die deutschen Kunst- flugmeisterschaften werden aller Voraussicht nach eine Versammlung der Größten und Besten auf diesem Sportgebiet darstellen. Man wird Gelegenheit haben, die Kunstflugmeisterin Lisel Bach, sowie Elli Beinhorn, den Kunstflugmeister Fieseler, weiterhin u. a. auch Stöhr und Achgelis im Wettbewerb zu sehen. Beim Zuverlässigkeilsflug vom 18. bis 2 0. September wird auf einen rein sportlichen Wettbewerb weniger Wert gelegt. Der Flug will mehr den Touristik- gedanken in Fliegerkreisen fördern. Bei dem dreitägigen Strecken- flug kann sich jeder Bewerber seine Flugstrecke selbst auswählen. Geldpreise gibt es nicht, dafür aber Kilometerentschädigung für jeden bei dem Streckenflug anmeldungsgemäß durchgeführten Flugkilo- meter. Das preußische Handelsministerium hat außerdem, zur Ver- gebung nach ähnlichen Gesichtspunkten, einen Sonderpreis in Höhe von 10 000 M. gegeben. Die Bewerberzahl ist auf 50 beschränkt. Neues Naiurfreundeheim in der Mark Naturfreundetrefferi in Luckenwalde. In stiller, zäher Arbeit hat sich die kleine, ganz isoliert liegende Ortsgruppe Luckenwalde des Touristenvereins„Die Natur- freunde"«in schmuckes Wanderheim aus eigener Kraft geschaffen. Sonntag für Sonntag zogen die Mitglieder— Mädel wie Jungen— die anderthalb Stunden gen Osten, wo in der Gemarkung Dümde ein gutgelegenes Grundstück erworben war. Dort baute man eine Baracke zum festen Heim aus, das auch im Winter sichere Unter- kunft gewährt. Nördlich des Hohen Golm, wo der Bibergraben in das Hammer- fließ mündet, liegt das Naturfr«undeheim„H a m m e r f l i e ß" in- mitten von Wiesen. Eine Spielwiese wurde zum vereinseigenen Gelände hinzugepachtet, so daß auch dem Sport Gerechtigkeit wider- fahren kann. Außerdem bieten die beiden schnell«» Gewässer dem Faltbootsport gute Möglichkeiten. Weitgcdehnte Nadelwälder lassen zahlreiche und genußreiche Wanderungen in die Umgegend zu. Der Hohe Golm, die kleineren Berge— Dümdische und Hammerberge— sowie das Gebiet um Sperenberg reizen zu auch Naturwissenschaft- 'ich sehr interessanten Fahrten. Das Heim selbst bietet in zwei Schlafräumen etwa 40 Wanderern Unterkunft. Ein großer Aufenthdltsraum sowie die Sclbstkocherküch« machen den Aufenthalt noch heimischer. Im Winter bieten die Dümdischen Berge ein ideales Skigelände, und auch der Eissport kann in allernächster Nähe reichhaltig ausgeübt werden. In dieses Gebiet führt nun das nächst« größere Treffen der Berliner und wcstbrandenburgischen Naturfreunde. Am Sonnabend, dem 5. September, findet i» Lücke n wol d e selbst die Zehn- I�a H r e s f e i e r der Ortsgruppe statt. Eine Feierstunde und am Sonntag früh ein Umzug durch di« Sladt sind vorgesehen. Am Sonntag folgt sohann am Heim selbst die offizielle W e i h e f e i e r. Neben Brandenburgern, Rathenower» und Luckenwaldern werden vor allem die Berliner Naturfreunde an diesem Treffen beteiligt sein. Di« Sonntagsrückfahrkarte kostet 2,70 M. Anmeldungen für Quartier usw. sind bis zum 15. August(möglichst gruppenweise. weiblich und männlich getrennt) an Adolf Lau. 0. 34, Warschauer Straße 70 1, einzureichen. Voraussichtlich kommt nur Privatquartier Schachkämpfe des Arbeifer'Schachbundes Im ersten Kreis des Deutschen Arbeiter-Schachbundes wer- den am Sonntag, dem 9. August, in Ewalds Vereinshaus, Skalitzer Straße 126, in zwei Runden die Endkämpfe um die Kreis- Meisterschaft» durchgeführt. 4» Runde: Anfang 10 Uhr. 1. Berlin gegen Kllstrin: 2. Luckenwalde gegen Wittenberge: 3. Kottbus gegen Stettin. 5. Runde: Anfang 14 Uhr. I. Kllstrin gegen Lucken- walde: 2» Stettin gegen Berlin; 3. Wittenberge gegen Kottbus. Freiluft-Boxkampf in Haselwerder Am Sonntag, dem 9. August, veranstaltet die Freie Sportvereinigung Tegel im Freibad Haselwerder einen Freiluft- kampftag im Boxen» Es starten Kämpfer aus Lichtenberg L/F» und Luckenwalde gegen Tegel. Beginn der Kämpfe 3 Uhr nachmittags. Volkssport Neukölln-Britz veranstaltet zum Bezirksiest des 4. Bezirkes eine gemeinsame Autofahrt. Zur Feststellung der Teilnehmerzahl müssen sich die Genossinnen und Genossen sofort melden. Für die 1. Abteilungen bei Paul Gärtner, Neukölln, Kaiser-Friedrich-Str. 49: für die 2» Abteilungen bei Otto Schiftan, Berlin-Britz, Rungiusstr. 32. Abfahrt: Sonnabend, 15. August: 1. Abteilungen 16-% Uhr, Buschkrug: für die 2» Abteilungen 17 Uhr, Bahnhof Neukölln. ..Solidarität" Gau 9. Bezirk 1, Berlin. Kraftfahrer. Touren für Sonntag, 9. August. Abt» Kreuzberg: Kreuzbruch(Römer- brücke), Start 8 Uhr, Warschauer Ecke Renaler Straße» Abt. Frie- drichshain: Eichhorst(Werbellinsee), Start 6 Uhr, Landsberger Platz. Abt. Norden: Weißer See, Start 6 Uhr, Seestr. 62. Abt. Lichtenberg: Schwarzer See, Start 6 Uhr, Oder- Ecke Finowstr. Abt. Neukölln: Peetzer See, Start 7 Uhr, Vereinslokal» Abt» Ober- schöneweide: Möllensee, Start 6 Uhr, Wilhelminenhofstraße» Abt. Charlottenburg: Kalksee, Start 6 Uhr, Wilmersdorfer Str. 21.— Versammlungen: Abt» Kreuzberg: 7. Aug., 20 Uhr, Reichen- berger Str. 91; Abt. Friedrichshain: 7. Aug», 20 Uhr, Strausbergsr Straße 3: Abt. Norden: 7. Aug., 20 Uhr, Seestr» 62; Abt. Char- lottenburg, 7. Aug». 20 Uhr, Wilmersdorfer Str. 21. Arbeitcr-Tchützenbund, t. 33. ZlusscheidungslennPs Sonuctsttg, 6. August, In Seit), Sürgerftr. 48— 49, bei Trtstram. Echonebcrg entsewSet Kontrolle. Bc» ginn pünktlich 8 Uhr. Arbeit«r.Phot»-Silbe Berlin. Donnerstag, S. August, 20 Uhr, Dunkel. kämmet. Wassertorstr. 9:„Entwicklungsarbeiten". Freie Photo.33«rei»iguna. Donnerstag,«. August, Physlkgiinmer der welt- lichen Schule, Pank, Ecke Wirscnstrahe, Vortrag des Genossen Maiwald:„Per- slpektioe". Freie Wafferfahrer„Aufwärts". Sonntag, 9. August, 13 Uhr, Start nach Hassclwerder. Betetligung an der Auffahrt des Reiätsbanners» Bootsständc stich noch frei. Bootshaus, Tegel, Bernaner Strasse(Uferpromenade). FTGB., Bezirk Sudost-Treptow. Freitag, 7. August, 20 Uhr, Liederabend, Graetzstr. 28. Montag, 10. August,'30 Uhr, im obengenannten Lokal Borftands- sitzung. Erscheinen aller erforderlich, Volkssport Reulolln-Britz. 1, Frauenabteilung: 1. Hallenabend Dienstag, 11. August.— 2. Männerabteilung(auch Gitinnastikgruppe der Aelteren): 1. Hallenabeich Danncrstag, 0. August.— Volkssport-Badefahrt Sonntag, 9. August. Treff Bahnhof 7 Uhr. August-Mitteilungsblatt-Ausgabe in ollen Abteilungen, auch für die Äitchet, in den ersten llebuttgsstuirden. Beachtet die Notf, betreffeich Fahrt zum Bezirksfest an besonderer Stell« rm Sportteil des ,3lbcnkr". Frei« Spork, und Schüssen»« reinigung, Abt. Prenzlauer Berg. Schiessabens am Donnerstag, 8. August,»on 19—22 Uhr Uhr, bei Reche, Messer Str. 28. Frei« Faltbootfahrer Berlin, e. V. Donnerstag, 8. August, 20 Uhr, lbe- famtveranstaltung„gur Ressource", Garienftr. 8. Vortragsabend. Senpsse Adler:„Eottrische Dichtungen". Gäste williottmten. Gruppenabende fallen aus. Badcabeich Dienstags 20 Uhr Stadtdab Milte, Gartcnstrasse. Rückschau. Ueber„W e ch s e lb e z i e hu n ge n zwischen Stadt und Land" sprach im Programm der Funkstunde Staatssekretär Hans Krüger. Der Vortragende zeigte, daß Stadt und Land heute schon voneinander ebenso abhängig sind wie die einzelnen Kultur- staaten untereinander. Nur«in Austausch von Rohstoffen, Pro- dukten, geistigen Erzeugnissen kann für die gemeinsame Entwicklung sorgen, und wenn ein Teil verliert, so bedeutet das für keinen einen Gewinn, sondern für alle einen Verlust. Heute ist die Zahl der Stadtbevölkerung in Deutschland etwa doppelt so hoch wie die der Landbevölkerung: noch vor 100 Jahren war das Verhältnis wte 1: 3. Die durch die fortschreitende Industrialisierung ungeheuer angewachsene Stadtbevölkerung ist der Hauptabnehmer für die land- wirtschaftlichen Erzeugnisse. Geht es den Stadtbewohnern schlecht, so geht es auch dem Lande schlecht, weil es ihm an Absatzgebieten fehlt. Arien und Lieder von Mussorgsky brachte der Bariton Iso Golland zum Vortrag. Die auch in der musikalischen Aus- führung sehr hörenswerte halbe Stunde gewann durch einige er- läuternde Worte, mit denen Heinrich Burkhardt die Ver- anstaltung ergänzte. Am Abend hörte man eine Aufführung„Tageszeiten der Liebe" von Dario Nicodemi. Das Funkprogramm nannte das Werk Lustspiel, obgleich ihm eher der Titel„Miniaturoperettc" zugekommen wäre. Der Inhalt war so banal und unsinnig, wie bei allen Operetten, und aus lauter sichtbaren Vorgängen aufgebaut, die dem Hörer in den Gesprächen und Selbstgesprächen beschrieben wurden. Im einzelnen war der Dialog jedoch recht schlagfertig zu- gespitzt, und diese Tatsache sowie die anspruchslose Aufmachung des ganzen Werkes und die gute Aufführung verhalfen ihm zu einiger Wirkung. Tos. Miittwodi, 5. August. Berlin. 16.05 Aktuelle Abteilung. 16.30 Rheinlieder und andere lustige Lieder. 16.50 Franz Schubert. 1. Aus den„Moments musicaux*', op. 94(Kläre Köhn- lein, Flügel). 2. Vier Lieder(Käte Ravoth, Sopran; Flügel: Brun., Scidler-Wlnkler). 3. Aus den„Moments musicaux", op. 94(Kläre Kohnlein). 17.30 Ferienerlebnisse(Dr. Ueberall). 1«.15 Blasorchester-Konzert. 19.00 Oberstaatsanwalt Benno Köhler; Strafrechtliche Tagesfragen. 19.30 Wovon man spricht. 19.53 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 20.00 Tanz-Abend. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Abendunterhaltung. Königswusterhausen. 16.00 Hamburg; Konzert. 17.00 Dr. Hans Wenke: Staatsbürgerliche Erziehung. 17.30 Erna Arnhola: Mohammedanisches Frauenleben. 1S.00 Otto Heuscheie: Der Brief kn deutschen Gcisteslcheu, 18.30 Fischer: Der Mensch als Naturwesen. 1�.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Dr. Draht: Die Rechtsstellung des Beamten nach der neuen Notverordnung. 19.20 Erich Mühsam: Literarische Gaststätten. 19.40 Willy Meyer: Die Luftrflstung der Welt. Auch eine Revolte. Was sich in einem Lehrlingsheim abspielte. Die Berufungskammer des Landgerichts III hote sich mit einer „Revolte" zn befassen. Sie passierte am 9. Juni im Brandenburger Lehrlingsheim. Die 79 Fürsorgezöglinge, die hier wohnten und tagsüber bei ihren Meistern arbeiteten, gerieten in Unruhe, einige Fensterscheiben gingen in Scherben, gegen die Er- zieher flogen Steine, das Ueberjallkommando wurde geholt und etliche Rädelsführer fortgebracht. Anlaß und Verlauf dieser„Re- volte" sind äußerst charakteristisch dafür, wie sglche Ereignisse ent- stehen und wie sie bei einigermaßen verständigem Verhalten der Erzieher ihr schnelles Ende finden. Am 9. Juli wurde von seinem Stiefvater«in Junge zurückge- bracht, der 5 Tage vorher davongelaufen war. Der Stiefvater machte dem Stiefsohn in Gegenwart des Heimleiters Vorhaltungen, er meinte:„Wenn das mit dir so weitergeht und du schließlich ins Ee- fängniz kommen solltest, da ist es schon besser, du hängst dich aus." Der Heimleiter soll hinzugefügt haben:„In solch einer Lage ist es allerdings schon besser, anstatt weiterzuleben, sich zwei Ziegelsteine um den Hals zu binden und sich zu ersaufen." Als der Heimleiter später in den Gemeinschaftsraum kam, merkte er eine gewisse Un- ruhe; die Lehrlinge äußerten ihm gegenüber ihren Unwillen dar- über, daß er angeblich ihrem Kameraden gesagt haben sollte, er möge sich aufhängen. Der Heimleiter klärte die Zöglinge über den wahren Sachverhalt auf, die Angelegenheit schien damit erledigt. Kurze Zeit darauf hörte er von seinem Büro aus singen und Rot- srontrufe. Eine Hand schob sich durch die Spalte seiner Tür und steckte an die Wand einen Zettel, auf dem etwa folgendes stand: „Einigkeit macht stark. Auf zur Revolte. Die Verhältnisse sind nicht mehr zu ertragen; wir fordern 1. daß der alte Schmerbauch sich pensionieren läßt, 2. andere Kost und anderes Abendkostgebäck" usw., usw. Dabei klirrten schon zerbrochene Scheiben. Er holte seine Erzieher, ging auf den Hof, einige weitere Steine flogen gegen ihn und gegen die Fenster. Das herbeigerufene Ueberfall- kommando sorgte für Ruhe. Die Anxelegnheit hatte ein gerichtliches Nachspiel. Vier I u n g e n s wurden zu geringen Strafen mit Bewährungs- f r i st verurteilt, gegen den 17jährigen S. beantragte der Amtsanwalt Freispruch. Das Gericht sprach ihn tatsächlich frei. Laut Urteils- begründung schien seine Teilnahme an der Revalte jedoch erwiesen, die Staatsonwastschast legte Berufung«in. So stand P. gestern zum zweiten Male vor Gericht. Augenblicklich besindet er sich in der Fürsorgeanstalt Templin und arbeitet in der Stadt bei einem Meister. Auf die Frage des Borsitzenden, ob es in Templin besser sei als in Brandenburg, meinte der Junge, es sei ein und dasselbe. nur das Essen sei in Templin besser. Er bestritt auch, sich an dem Steinbombardement beteiligt zu haben. Heimleiter und Erzieher be- riefen sich auf die Dunkcjheit, die ein genaues Wiedererkennen der „Meuterer" nicht gestattet hätte; der Staatsanwalt nahm die Be- rufung zurück und die Jungen konnten in ihr« Anstalten zurück- gebracht werden. So sah also diese„Revolte" aus. Eigentlich nicht viel anders als die in Scheuen und doch hat sie einen ganz anderen Ver- lauf genommen. Man soll eben solche„Revolten" nicht allzu ernst nehmen. Vertrustung im Varietö. Hinter den Kulissen der künstlerischen Großbetriebe geht es genau so nüchtern-kauimännisch zu, wie in jeder anderen Branche; hier, wo das Auslandsgeschäft eine ganz bedeutende Rolle spielt, muß man der Rentabilität des Unternehmens wegen vor allem darauf bedacht sein, den Spesenetat möglichst auszubalancieren. Ein Berliner Großoariete bot gelegentlich einer Presse- besprechung Einblick in das Arbeitsfeld seiner kaufmännischen Ab- teilung. Es gilt heute, am Varietö Außerordentliches zu leisten, vor allem Neues zu zeigen; artistische Spezialisten und Großkönner sind — der schlechten wirtschaftlichen Konjunktur zum Trotz— sehr be- gehrte Leute, die man sich nicht einfach vom Nachweis verschreiben lasten kann. So reisen die Direktoren der Varietes in der Welt- geschichte umher, hauptsächlich in den Großstädten, und suchen nach den Sensations-Größe» Die ausländische lleberflutung des Ver- gnügungsgewerbes geht bestimmt nicht von diesen Großkönnern aus, denn diese zu gewinnen, ist gar kein so leichtes Stück Arbeit; ab- gesehen von den Riesengagen, die sie beanspruchen, kostet eine lieber- seefahrt mit manchmal sebr reichlichem Gepäck sehr viel Geld, und dann ist den Künstlern mit einem Engagement von Monatsdauer nicht gedient, weil sie ja die Rückreise selbst zu bestreiten haben. Nun hoben sich verschiedene deutsche Varietes— wie dies im Ausland schon lange der Fall ist— zu einem Konzern zusammen- geschlossen, um auf diese Weise dem ausländischen Artisten eine längere Engagementsdauer bieten und auch ihre Gagen- anspräche erfüllen zu können. Dem Publikumsgeschmack, der sich ans musikalischem, tänzerischem und komischem Gebiet gänzlich dem des Auslandes angepaßt hat, scheinen bedauerlicherweise nur mehr ausländische Artisten entsprechen zu können. In Verbindung mit artistischen Spitzenleistungen stebt die szenische Ausmachung, die durch technische Neuerungen oller Art, unerhörte Lichtefsekte, Raum- gestaltung und wirkungsvolle Dekorationen auf ein Höchstmaß gesteigert wird.___ Lugend gegen Reaktion. Die Berliner Soziali st ische Arbeiterjugend bekundet mit mehreren öffentlichen Kundgebungen ihre Sympathien für die Freidenkerbewegung. In den Arminius-Festsälen in der Brenter Straße traf sich die proletarische Jugend der Bezirke Wedding, Tier- garten und Reinickendorf. Sie bekundet« ollein durch ihr Erscheinen ihre Bereitwilligkeit mitzukämpfen gegen die Intoleranz der Kirche und der Reaktion. Und es waren viel«, die gleich an Ort und Stelle ihren Austritt aus der Kirche vollzogen. Das kurze aber eindringliche Reserat des Genossen Rektor Schmidt über den Stand der Freidenkerbewegung in der deutschen Republik hinterließ bei den Jugendgenosten einen starken Eindruck. Sie erkannten deut- lich, wie weit wir noch entsernt sind von der Verwirklichung unseres Programmsatzes: Religion ist Privatsache. In Fragen der Rcligions- zugHörigkeit ist der Jugendliche schon mit Bollendung seines 11. Lebensjahres mündig, und kann selbständig seine Entschlüsse auf diesem Gebiet ziehen. Musikalische Vorträge der Tambourkapelle Wvdding umrahmen die Kundgebung. Im Werbebezirk Prenzlauer Berg hielt bei einer Kund- gebung der Bildungsschule Rord-Ost der Genosse Karl Schröder eine temperamentvolle Anklagerede gegen die Reaktion auf allen Gebieten. Er wandte sich gegen die dunklen Kräfte, die sich dem Proletariat in seinem Kampf entgegenstellen, denn nur eine klar und bewußt denkende Masse kann unseren Sieg erkämpfen. Die Erläuterung dieses Satzes gestaltet sich zu einer Abrechnung mit kommunistischer Demagogie: eine Masse, die auf Befehl in 24 Stunden ihre Meinung ändert, ist im Kampf unbrauchbar. Gerade heute ist die Haltung der Kommunisten um so verbrecherischer, da die Reaktion im Angriff steht. � fäsfchäfi#-Jbtsäger � (Bezirk fiiden-Weften BAVIfiHVTE BCRl/fiN GPIBH Ernst Sdiiiler Berlin SW, Llndenstr. 11/12 Elektrische Anlagen jeder Art auch In 10 Monatsraten. 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