Morgenausgabe Nr. 365 A 184 4S.I Jahrgang � i�i'eitog- 7. August 1931 Lichtenbergs neue Schulstadt Den Deutsdinaiionalen für Arbeiterkinder zu gut! 3m Bezirk Lichtenberg sind vor einigen Tagen die bis jetzt fertiggestellten Lautelle der Schulneubougruppe an der Schlichtallee und der �ischerstcatze ihrer Bestimmung übergeben worden, und zwar an eine Knabeumittelschule. eine Volksschule und an eine Snabenberufsschule. Ein weiterer für das Pestalozzi-Ober- lyzeum bestimmter Banteil ist im Rohbau ebenfalls schon fertig- gestellt, mit Rücksicht auf die Finanzlage der Stadt konnte er jedoch nicht vollendet werden. An dem Aulagebäude, an den Hos. und anderen Anlagen wird zur Zeit noch gearbeitet. Vor mehr als Jahresfrist hat der„Vorwärts" wiederholt auf die S ch u l r a u m n o t im Bezirk Lichtenberg hingewiesen und zu ihrer Behebung die Notwendigkeit des Projektes betont, das von dem bekannten Berliner Architekten Max Taut entworfen wurde. Uns ist noch sehr gut erinnerlich, daß das unter maßgeblichem Ein- fluß der Sozialdemokratie gereifte Projekt in der Lichten- berger Bezirksversammlung mit den Stimmen aller Parteien an- genommen worden ist. In der Stadtverordnetenversammlung bekam die Sache später aber ein etwas anderes Gesicht. Die Deutschnatio- nalen hatten plötzlich entdeckt, daß eine so großzügige Schulanlag«, wie die Lichtenberger sie planten, für einen proletarischen Bezirk eine doch zu große Sache wäre und unter dem Vorwand, daß hier die verhaßten Roten einen.Luxusbau" ausführen wollten, wurde mit allen Mitteln gegen den Plan Sturm gelaufen. In der entscheidenden Sitzung der Stadtverordnetenversammlung stimmten die Dcutschnationolcn dann auch gegen die Vorlage. Dennach wurde sie mit den Stimmen der seinerzeitigen Rathauskoalition und der Kommunisten angenommen. Man sollte nun meinen, daß die Angelegenheit damit ihr Bewenden gehabt hätte. Doch weit gefehlt. Kaum beziehen in diesen Tagen die ersten Arbeiterkinder die eben fertiggestellten Schulen, da bellt wieder der„Berliner Lokol-Anzeiger" gegen das von der„roten Mehrheit" nun„allein" geschaffene Werk. Wir sind über dos auf richtig 6,2 Millionen Mark veranschlagte und jetzt 4 statt 3 Schulen umfassende Projekt etwas besser in- formiert als die Herren Redakteure des„Berliner Lokal-Anzeiger". Wir wissen, daß die Lichtenberger wahrhaftig keinen„Luxusbou" aufgeführt haben und daß, auch in der heutigen Finanzmisere, man noch lange nicht von einer„Ungeheuerlichkeit" und von einer„Pro- vokation" sprechen kann, wie der„Berliner Lokal-Anzeiger" dieses großzügige Projekt zu kennzeichnen beliebt. Allein die Tatsache, daß in den jetzt fertiggestellten Gebäudeteilen drei statt wie ursprünglich vorgesehen zwei Schulen untergebracht sind, zeigt, daß gerade wegen der schlechten Finanzlage der Stadt alle nur zu verantworten- den Einsparungen vorgenommen worden sind. Die Lichlenberger Schulanloge ist ein Musterbeispiel Vorbild- licher Einfachheit und Zweckmäßigkeit. Dabei trägt der Schulneubau allen unterrichtlichen und hygienischen Bedürfnissen Rechnung, die unbedingt an moderne Unterrichts- anstalten zu stellen sind. Urteil im Heckendorf-Prozeß. 6 Monate Gefängnis für den Kunstmaler wegen Unterschlagung. Der Kunstmaler Franz Heckendors wurde gestern wegen Unterschlagung und Betrug unter Zubilligung einer Lewährungs- frist zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Waller Heckendors wegen Unterschlaguug und einfacher Hehlerei zu t 3ahr 6 Monaten Gefängnis. Der Hastbefehl gegen Wolter Heckendors blieb aufrechterhalten. * Zum Verständnis des Urteils ist in tatsächlicher wie persönlicher Hinsicht folgendes nachzutragen: Das Gericht hat Franz Heckendorf geglaubt, daß er die Kolbesche Plastik ihrem rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben beabsichtigte. Er hotte am Tatabend einer Bekann- ten auf deren Frage, weshalb er sich verspätet habe, erwidert:»Wir haben eine verwegen« Autofahrt gemacht und aus einem Garten eins Puppe herausgeholt: wir wollen sie wieder zurückstellen" Und di« Braut des Au geklagten hsstatizte,.daß-Franz Höckendorf versucht bat. Profcsfm' KdW« tdkäphöblfch-zü ��ichen, NW Nvivchm die Erlaubnis zu erhalten,«inen Abguß von der Plastik herzu- stellen.' Professor Kolbe salbst erklärte als Zeug«, daß von dem nackten Mädchen fünf bis sechs Mgüffe vorhanden feien, und er ohne weitere» bereit gewesen wäre, seine Plastik auf Heckenoorfsch« Blld«r einzutauschen. Andererseits, nahm dos Gericht als nicht erwiesen an, daß Franz H«ckendorf über die Herkunst der Bilder und Teppiche, die er weiter verkauft hatte, Bescheid gewußt habe. So blieb also nur die Unterschlagung: für den angeklagten Maler immer noch ein Trost. In gewissem Sinne ist er nun in den Augen seiner Kollegen rehabilitiert. Di« Kollegen als Zeugen gaben auch den Schlüssel zum Verständnis seiner eigenartigen Persönlichkeit und seiner noch viel eigenartigeren Verfehlung. Der bestohlene Fabri- kant Göritz. Franz Heckendorfs Nachbar in Teltow, nannte ihn einen»Trinkgewaltige n". In den Bors sah man ihn meistens trinkend, und als er eines Tages den Zeugen besuchte. um dessen Kunstschätze anzusehen, und einige Flaschen Wein vor- gest'tzt bekam, da vergoß er beim Leeren der Flaschen den«igent- lichen Zweck seines Besuches. Besonders aufschlußreich war die Aussage des Dorsitzenden der Berliner Sezession, des bekannten Malers Eugen Spiro. Die Kollegen hatten Franz Heckendorf gern wegen seiner heiteren Natur. Sie nahmen ihn ober nicht für voll. Er war wi« ein großer Jung«, der nie reif geworden war. Er mußt« immer irgendwelche Streiche anstellen und war fast stolz, wenn sie ihm gelangen. Bezeichnend mar ein Dorfoll während einer gemein- samen R�ise dixrch Daimatien. Di« Frou� de»-Zeugen äußerte chr« BewuOderungv»«izmde Bgim». � bi.<ü an einem Houle wuchs. Heckendorf li«f foofrt zur Palme, holte sie und überreichte sie der Frau Spiro mit dem vergnügtesten Gesicht der Welt. Diese Charakterisierung fand ihre Bestätigung, in der wuchs. Heckendorf lief sofort zur Palme, holte sie und überreichte ihm eines Tages mit strahlenden Augen die Plastiks Als der Zeuge dann erfuhr, daß sie aus dam Garten des Dr. Ieidels stamme, war er einfach bestürzt. Das Ganze fei nur aus irgend- einem geistigen Defekt des Angeklagten zu erklären. Heckendors war äußerst leichtsinnig. Mehr als einmal hatte der Zeuge zu ihm gesagt: Herr Heckendorf, Sie sollten Ihr« Ausgaben Ihren Ein- künften anpassen. Der Zeuge unternahm alles, um zu verhüten, daß die Angelegenheit in die Oeffcntlichkeit dringe, und bat des- Die Freunde betraten als erste den heißen Kai. Beim Anblick der Konzessionäre löste sich aus der Menge der kartenden und Neugierigen ein Bürger in rohseidenem Anzug lps und suchte rasch im Gewühl des Hafens zu ver- schwinden. Es war aber schon zu spät. Der Jägerblick des großen Kombinators hat den rohseidenen Bürger sofort er- kannt. „Warten Sie ein« Weile, Worobjew", rief Ostap. Und er ftürzte so rasch vorwärts, daß er den rohseidenen Mann mit wenigen Sätzen erreichte. Ostap kehrte bald mit hundert Rubeln zurück. „Mehr gibt er nicht. Ich habe aber auch mcht darauf be- standen, da ihm ohnehin kaum noch Geld bleibt, um nach Hause zu kommen." Und so war es auch. Kisljarsti fuhr noch in derselben Stunde mit seinem Auto nach Sebastopoi und von dort mit der Bahn dritter Klasse noch Hause, nach Storgorod. Den ganzen Tag verbrachten die Konzessionäre im Hotel. Sie saßen nackt auf dem Fußboden und Uesen jeden Moment unter die Brause. Das Wasser aber floß lau. wie schlechter Tee. Bor der Hitze gab es kein« Rettung. Es war. als ob ganz Jalta schmelzen und ins Meer fließen wollte. Gegen acht Uhr abends verfluchten die Freunde alle Stuhle der Welt, zogen leichte Schuhe an und gingen in? Theater. Wieder gab man die„Heirat". Der von der Hitze er- mattete Stepan machte Handstand und fiel dabei fast um. Agafia Tichonowna lief auf dem Seil und hielt mit den von Schweiß ganz nassen Händen den Schirm mit der Slusschnst: .Lch will Podkolessin haben". Eigentlich wollte sie in diesem Augenbück. wie auä, schon den ganzen Tag über nur dos eine haben: Frisches Wasser mit Eis. Auch das Publikum war durstig. Daran mochte es liegen— oder vielleicht daran, haß der Anblick Stepans, der die heiße Eierspeise verschluckte, Widerwillen hervorrief,— kurz, die Vorstellung fand bei den Zuschauern wenig Anklang. Die Konzessionäre waren befriedigt. Ihr Stuhl war da und stand neben drei neuen eleganten Rokokostühlen. Die Freunde saßen versteckt in einer der Logen und warteten geduldig auf dos Ende der Vorstellung, die sich ungemein in die Länge zog. Endlich war es so weit. Das Publikum entfernte sich und die Schauspieler liefen aufatmend hinaus. Außer den Mitgliedern des Brillontenunternehmens blieb niemand im Theater. Was lebendig war, lief auf die Straße, um sich in dem Regen, der niederzugehen begann, zu erfrischen. „Folgen Sie mir, Kisso!" kommandierte Ostap.„Ertappt man uns, so sagen wir. daß wir Provinzler sind, die den Ausgang nicht finden können." Sie begaben sich aus die Bühne und durchsuchten bei Zündholzlicht die ganze Bühne, wobei sie sich an der hydrau- lischen Presse tüchtig anstießen. Der große Kombinator lief sodann die Treppe hinauf, in die Requisitenkammer. ..Kommen Sie her!" schrie er von oben. Worobjew schwenkte die Arme und lief hinaus. „Sehen Sie?" sragte Ostap und zündete ein Streich- Hölzchen an. Eine Ecke des Gambs-Stuhles war in der Dunkelheit zu sehen. „Da ist er! Hier befindet sich unsere Vergangenheit. Gegenwart und Zukunft! Zünden Sie Streichhölzchen an, - Kisso, ich werde ihn untersuchen." Und Ostap kramte in der Tasche nach seinem Werkzeug. „Run", sagte er und streckte seine Hand nach dem Stuhl aus,„noch ein Streichhölzchen, Vorsitzender." E? murde hell, aber merkwürdigerweise sprang der Stuhl von selbst zur Seite, der Boden spaltete sich, und der Stuhl fegt« vor den Augen der staunenden'Konzessionäre irgend- wohin ins Leere. „Mama!" schrie Worobjew und wurde in demselben Moment, ganz gegen seinen Willen, gegen die Wand ge- schleudert. Die Fensterscheiben sielen klirrend in� Freie hinaus und der Schirm mit der Aufschrift:„Ich will Podkolessin haben" ward von einem Windstoß erfaßt und durch dos Fenste'' ins Meer hinausgeschieudert. Ostap lag auf dem Boden und mar mit Brettern und Kulissen bedeck».... Es- war zwölf Uhr vier Minuten nachts.'. Was hier ge- schuh, mar der erste Swß des großen Erdbebens in der Krim, halb um die Vermittlung des mit Heckendorf befreundeten Eugen Spiro. Spiro wußte, daß, sobald um die Angelegenheit Heckendors ein Spektakel entstehen würde, dieser als Maler in Berlin erledigt märe. Schon im Interesse der Künstlcrschoft wollte er den Skandal vermeiden. Es war aber nicht möglich, da sich der Sache bereits die Kriminalpolizei bemächtigt hatte. Spiro äußert sich über den Angeklagten als einen äußerst gütigen Menschen, der gern seinen Kollegen hals. Er war sich der Strofbarkeit seiner Handlungsweise in dem Augenblick gor nicht bewußt. In dem gleichen Sinne sagte der Moler Freiherr von König aus: Die Tat, die er begongen, sagte er, sieht ihm ähnlich. Das Charakterbild des Kunstmalers Heckenvors ist somit klar gezeichnet. Er ist Opfer seiner geistigen Unreife, seiner Direk- tionslosigkeit im Leben geworden. Auch die Gesellschaft seines Bruders wurde ihm zum Verhängnis. Vielleicht hatte Spiro recht, als er meinte, daß dieses Erlebnis ihn zum reifen Mann machen würde. Die Verteidiger legten dem Gericht Bilder vor, die Franz Seckendorf im Gefängnis gemalt hatte. Bleibt seine schöpferische Kraft ungeschmälert, so wird er trotz seiner Verfehlungen und trotz des Urteils seinen Weg als Künstler weitergehen. Giftgas im ElektriziiätSVerk. Ein Ammoniak» Kompressor explodiert. Paris, 6. August.(Eigenbericht.) In der Elektrizitätszentrale des Pariser Haupt- tclegraphenamtes explodierte am Donnerstag infolge zu hohen Drucks ein Ammoniak-Komprefsor, der zur Herstellung von kalter Luft für die Rohrpostleitungen diente. Ein Monteur wurde getötet, zwei Personen wurden schwer verletzt. Infolge der Explosion strömte das Ammoniakgas aus und drang in jäinlliche Usbermittlungsräum« des Amtes ein, so daß diese schleunigst gc- räumt werden mußten. Mehrere Beamte wurden durch dos Ein- atmen des Gases ohnmächtig. Die Feuerwehr reinigte mit Eni- lüfwngsapparaten die Atmosphäre. Nach mehrstündiger Unter. brechung kannte der Dienst wieder aufgenommen werden. Flugzeugunfall bei Lübeck. Pilot Hagen gerettet. Travemünde, 6. August. Am Mittwoch nachmittag startete im hanseatischen Seeflughafen der bekannte Pilot Hagen vom Reichsverband der Deutschen Flngzengindusirie mit einem Heinkel-Sportflngzeug zu einem Probeflug. Da der Motor nicht einwandfrei arbeilen wollte, schritt Hagen sogleich wieder zu Landung. Er sehte die Ma- schine hart ans, und im gleichen Augenblick murde dos Flugzeug durch Explosion i n V r a n d gesetzt. Hagen konnte sich in Sicherheit bringen, das Flugzeug wurde völlig vernichte». Motorraöunglück in Spandau. -'.Tmder 5k«nzung'He«>r.jtr»ß« und Go-tower Ghaus ,10 Spandau ereignete(ich gestern nachmittag ein schwerer Motorrad- uniall. Der Bijährige Dreher Paul S ch i mch e l p f« n n i g au» Üei. Kolonie„Süd" in Spandau raste■ mit seinem Motorrad in einen Traktor. Sch. wurde in hohem Bogen auf da» Straßenpflaster geschleudert, wo er mit zertrümmertem Schädel tot liegen blieb. Die Leiche wurde nach der. Spandauer Halle gebracht. Eugen Brückners Beisetzung. Di« Beisetzung des Genossen Landtagsabgeordneten Eugen Brückner findet am Sonnabend, dem 8. August, nachmittags S Uhr, auf dem Zentralfriedhof in Berlin-Friedrichsfelde, Gudrun- stroße, statt. im Jahre 1927. Es war jener Stoß, der der Halbinsel einen ungemessenen Schaden zufügte und den Schatz den Händen der Konzessionäre entriß. „Genosse Bender! Was ist dos?" schrie Worobjew ent- setzt. Ostap war außer sich. Ein Erdbeben stellte sich ihm in de» Weg! Es war der erste Fall dieser Art in seiner an merk- würdigen Vorkommnissen wahrlich nicht armen Praxis. „Was ist das?" brüllte Worobjew. Man vernahm von der Straße her Geschrei, Klirren und Stampfen. „Das bedeutet, daß wir so rasch als möglich auf die Straße flüchten müssen, bevor uns die Wände hier zermalmen. Rasch! Rasch! Geben Sie mir ihre Hand, Sie Feigling!" Und sie stürzten dem Ausgang zu. Zu ihrer Verwunde rung lag der Gambsstuhl völlig unbeschädigt bei der Tür, die von der Bühne auf die Straße führte. Worobjew winselte wie ein Hund und packte den Stuhl mit beiden Händen.„Geben Sie die Zange her!" rief er Ostap zu. „Sie sind ein verfluchter Idiot!" stöhnte Ostap.„Gleich wird der Plasmid einstürzen und Sie machen sich mit solchen Sachen verrückt! Rasch ins Freie!" „Die Zange!" brüllte der schon halb wahnsinnige Worobjew. „Der Teufel soll Sie holen! Sie können hier mit Ihrem Stuhl zugrunde gehen! Für mich aber hat mein Leben schon als Andenken einen gewissen Wert!" Mit diesen Warten stürzte Ostap zur Tür. Worobjew schrie auf, packte den Stuhl und lief Ostap nach. Als sie sich in der Mitte der Stroße be- fanden, wankte die Erde unter ihren Füßen, Ziegelsteine fielen vom Dach des Theaters herab, und auf der Stelle, die die Konzessionäre eben verlassen hatten, lagen die Trümmer der hydraulischen Presse. „Run, geben Sie jetzt den Stuhl her!" sagte Ostap kalt- blutig.„Ich sehe. Sie sind schon müde vom Tragen." „Ich gebe ihn nicht!" winselte Worobjew. „Was soll das heißen? Meuterei? Geben Sie den Stuhl her! Hören Sie?" «Das ist mein Stuhl!" brüllte Worobjew so gewaltig, daß er mit seiner Stimme das Stöhnen, Klirren, Krachen und Weinen ringsum übertönte. „Wenn es so steht, da haben Sie Ihr Honorar, Sie alte Galosche!" Und Ostap hieb Worobjew mit seiner bleischweren Hand w den Racken.(Fortsetzung soigt.) Wenn das Spiel gemacht ist... Opfer der Leidenschaff und der Verzweiflung. „Die Berliner lassen sich nicht„ausnehmen", nicht neppen, bluffen,„reinlegen",„anschmieren", das besorgen sie selbst!" Dieser Ausspruch gibt immerhin zu denken! Auch wenn man die letzte Tatsache„... das besorgen sie selbst" erklären muß: die Ber- liner sind zu gewitzt, zu„helle", um auf die diversen Neppmethoden reinzufallen, andererseits aber auch findig genug, um auf Lock- speisen zu reagieren, aus gemachten Fehlern zu lernen und ihre Erfahrung sich selbst nutzbar zu machen! Die Not der Zeit hat das ihrige getan, um weiteste Volksschichten vor der Versuchung zu bewahren. Die Luxuslokale im Westen haben sich auf eine solide Preisgestaltung umstellen müssen, und die Iägerstraße mit ihren leeren Nacktplastiklokalen, die von dunkelster Provinz existiere», spricht mit dem schäbigen Anreißertum eine beredte Sprache von ehemaligem Glanz und Untergang der Lebewelt, dieses Nepp- objektes! Trotzdem wird gespielt! Trotz herrschender Not und so- zioler Lage blühen Bauernfängerei und Schlepperei, Anreißen und Nepp beim Spiel im großen und im kleinen zu Sumpfblumen nie geahnter Größe empor. Der Grund ist klar genug: ganze Volks- schichten sind von Verzweiflung zerrüttet, so daß sie ihre letzte choffnung im Spiel, im„Treffer", im Zufall erblicke». Nament- lich ist es der proletarisierte Mittelstand, der seine Pseudobürger- lichkeit mit sich herumschleppt und der das Opfer gewissenloser Ausbeuter, der Hyänen der Weltstadt, wird! Wallfahrt nach Dresden und Zoppot. Die Tatsache, daß man auf der Dresdener Prager Straße auf Schritt und Tritt kurfürstendämmlichen Gesichtern begegnet, hat seinen tieferen Grund, als der oberflächliche Beobachter, der sich an den Schönheiten der Kunststadt erfreut, annehmen mag. Mit jedem Wochenende setzt nämlich die große„W a l l f a h r t nach Dresden" zahlreicher spielbesessener Berliner ein, die hier der launischen Göttin Fortuna opfern! In Sachsen nämlich im allge- meinen, und in Dresden im besonderen wird das Eeartespiel, um dessen Sein oder Nichtsein als Glücks- oder Geschicklichkeitsspiel sich die hopsgegangenen Berliner Klubunternehmer mit den Gerichten streiten, mit Chouette und Ponte(d. h. mit Beteiligung und Be- ratung!!!) ohne Anlegung des Königpunktes von den Behörden stillschweigend geduldet! Natürlich blühen auch hier Falsch spiel und Nepp, natürlich gibt es hier auch Klubs, in denen auf Zehntausende gespielt wird. Und die Oberkellner der eleganten Hotelrestaurants haben eine lange Liste bei der Hand, in der diese Klubs verzeichnet sind. Eine bemerkenswerte Type ist hier anzu- treffen, die, ein schlagender Beweis, daß Dresden die Ecartestadt geworden ist, früher in Berlin die Klubs in der Schaperstrahe und in der Kaiserallee unsicher machte: es ist der„Tapergreis mit dem Kinderhändchen".„Ein Kinderhändchen haben" heißt im Spieler- jargon soviel wie Glück haben. Und tatsächlich spielt der„Taper- greis" mit einem unheimlichen Glück! Per Flugzeug, Auto, v-Zug und Dampfer ab Swinemünde fährt das snobistische Berliner Spielerpublikum nach Z o p p o t im Freistaat Danzig. Sie haben es natürlich nicht nötig, diese Men- fchen, nach Zoppot zu fahren, um Baccarat, Trente et quarante und Roulette zu spielen. Es gibt in Berlin zahlreiche sogenannte „Privatgesellschaften", fliegende Klubs mit Kokserstllbchen, die stark frequentiert sind... In keinem anderen Ostseebad ist der Strand an sonnigen Vormittagen so schwach besucht wie in Zoppot. Auch Mchmittags wird der Strand weniger von den Kurgästen des idyllischen Bades als von Danziger Bürgern besucht. Punkt 11 Uhr vormittags öffnen sich die Flügeltüren zu den Roulettesälen. Und man sieht vor 11 Uhr auf dem herrlichen Seesteg und in den ge- pflegten Anlagen deshalb so viele für ein Seebad sehr korrekt ge- kleidete Menschen, weil man zu den Spielsälen nicht in Strand- oder gar Badekleidung Zutritt hat! Natürlich sind die Spielsäle vormittags schwach besetzt. Zahl- reiche Spieler, die die Nacht bis zum frühen Morgen in den Bac- sälen verbracht haben, brauchen Ruhe und Schlaf, um abends kampfbereit zu sein. Vier verschiedene Arten von Spielertypen be- Völkern aber auch tagsüber das Kasino, die Roulettesäle, die um 12 Uhr nachts geschlossen werden. Es sind die Berufsspieler, die Gewohnheitsspieler, die Systemspieler und die Gelegeuheitsspieler! „Schwarze Hyäne" und„pantherkahe". Aber auch die schwarze Hyäne" und die„Pantherkatze" finden sich gelegentlich schon tagsüber ein und sondieren das Terrain. Ihre Opfer find die Gelegenheitsspieler, die scherzend heraufkommen, die es nicht nötig haben, auf Gewinn zu rechnen und ironisierend diverse Guldenships aufs Tableau werfen und sich königlich amüsieren, wenn sie was gewinnen, die Achseln zucken, wenn sie verlieren. Diese Opfer der„Schwarzen H y ö n e" und der„Pantherkatz e", meist Rittergutsbesitzer, polnische Agrarier, werden von den beiden Spielern so umgarnt, so willenlos gemacht, daß man nicht recht weiß, ob man über diese groteske Leichtgläubigkeit lachen oder sich vor der suggestiven Ueber- redungsgabe der Betrüger entsetzen soll. Sie reden ihren Opfern, die ihnen mit der Zeit hörig werden und Haus und Hof nicht an die Bank, sondern an diese menschlichen Bestien verlieren, ein, sie könnten die„Hand des Croupiers", die die Kugel zum Rollen bringt. Ein ganzes Konsortium arbeitet sich in die Hände. Die „Fänger" streuen die Gerüchte von dem unbeschreiblichen Glück der beiden Spieler aus, die die Hände der Croupiers studiert haben und nun Vermögen scheffeln. Die„Schlächter" machen die„ge- fangenen" Opfer schlachtreif und spielen sie den beiden Matadoren in die Hände, die sich endlich bereit erklären, für die Opfer mit- zuspielen! Dieser Glaube an das vermeintliche Glück der Betrüger geht so weit, daß verschiedene Opfer gar nicht merken, wie ihre „Handspieler" operieren. Sie haben ja manchmal Glück, aber dann hat die„Schwarze Hyäne" nur aus bestimmten Gründen die Ab- ficht, den Fußtritt, den sie dem ausgeschlachteten Opfer verabreicht, etwas hinauszuschieben. Diese anfänglichen„Gelegenheitsspieler". die später vor jeder Handbewegung und jedem Wort ihres Hand- spielers zittern, sind es, die sich plötzlich vor dem„Selbstmörder- steg" nahe an der polnischen Grenze finden und über deren Tod die Kasinozeitung, die vollgepsercht ist mit den Gewinnummern der letzten Tage, nicht berichten wird! Die Berufsspieler, die ihre Zeit an der Roulette absitzen, bis sie Miete, Essen, Vergnügungen„verdient" haben,-die die Kunst beherrschen, rechtzeitig aufzuhören und sich mit kleinen Gewinnen zu begnügen, die Gewohnheitsspieler, denen das Spiel das gleiche süße Narkotikum ist, wie den Rauschgiftsüchtigen die geliebte Droge, die Systemspieler endlich, auch„arme Irre" genannt, sind zu jeder Tageszeit in den eleganten Räumen des Kasinos im„nordischen Monte Carlo" anzutreffen und bilden das Gros der Dauergäste! Ni« fällt in diesen Räumen ein lautes Wort. Der Spielklub ist hier wie überall eine Schule der Selbstbcherrfchung! Di« Berliner, die hier— meist Baccarat— spielen, sind zu einem großen Pro- zentsatz Verzweifelnde, die alles auf eine Karte fetzen, die konoen- tionelle Lächelmaske tragen müssen, die ein Kreditutensil bedeutet. Die Kehrseite am Schlesischen Bahnhof. So strahlend der Glanz und die Pracht der Abendtoiletten, so vielgestaltig duftend die Aromen in den Kasinos der großen Welt sind, so grauenvoll nackt steht die Begierde in den flackernden Augen der Bauernfänger, die mit gezinkten Karten, beschwerten Würfeln und ähnlichen primitiven Mitteln am Schlesischen Bahnhof arbeiten! Hier, wo von der Polizei der tägliche„Krieg im Dunkeln" glktzen lichtscheue Elemente geführt wird, gehen die polnischen Schnitter, kleine Provinzler, Rentner, die mit ihren sauer ersparten Groschen in der Weltstadt ein Geschäft anfangen wollen, ins Garn. So weich dort die blaue Nacht, so süß die schmelzenden Melodien der Stehgeiger, so ruhig und elegant sich der Betrieb in den verbotenen Klubs abwickelt, so stickig und verbraucht ist die Atmosphäre in den Hinterzimmern letztrangiger Kneipen und Schnapsdestillen, so blechern und asthmatisch das Stöhnen der Or- chestrions, so brüllend die Messerstechereien! Der Meister des„Kümmelblättchen" ist in diesem östlichen Be- zirk„Kanaillenaute", dem seine„Braut"„Crambambuli" die Opfer heranschofft. Dieser„Kanaillenaute" muß das Geheimnis ewiger Jugend ergründet haben. Der vielfach vorbestrafte Zuchthäusler sieht aus wie fünfundzwanzig. Bei einer Molle und einem Korn wird der„Gimpel"„verladen", den Crambambuli herangebracht hat. Dieses Mädchen mit dem neckischen Spitznamen ist nämlich spezialisiert auf Zugbekanntschaften. In Landsberg an der Warthe besteigt sie meist den Zug, dessen Berliner Anfangsstation der Schlesische Bahnhof ist. Ihr zinnobern gelackter Mund verheißt ungeahnte Wonnen, bis Stralau ist der Reisende ihr bereits ver- fallen... Es soll hier nicht über jene Vampyre der werktätigen Be- völkerung berichtet werden, die an Lohntagen in der Nähe der Fabriken, in den großen Parkanlagen des Nordens und Ostens bei Beginn der Dunkelheit, in der Nähe der Stempelstellen sich auf- halten, den Opfern durch einige Gewinne den Anreiz geben, den Lohn, das Stempelgeld zu verdoppeln, um ihnen dann alles ab- zunehmen. Nur die alte Wahrheit soll wieder einmal ausgesprochen werden: Spiel ist eine Vergnügungsquelle, ein Nervenkitzel für die Reichen, niemals aber eine oder gar d i e Chance für Menschen, die schwer um ihren Lebensunterhalt ringen müssen! Litern, warnt eure Kinder! Ein gefährlicher Kinderschänder wird gesucht. Hoch einem gefährlichen kinderschänder. der seine Opfer unter kleinen Knaben sucht, fahndet die Kriminalpolizei. Der Verbrecher ist ohne Zweifel ein anormal veranlagter Mensch, der nach der Schilderung der Kinder etwa 25 bis 3» Jahre alt und 1,75 bis 1,8l> Meter groß fein soll. Er Hot schwarzes Haar und trug bisher immer einen grauen Anzug. Aufgefallen ist den itntallÄteclie Arbcilerlnsiend Grob- Berlin. Verfassungs-Kundgebung 11. August, 19'/z Uhr, auf dem Gendarmenmarkt. Anschließend Fackelzug durch folgende StraBen: Französische-, Werder Str., Schloßplatz, Breite-, Roß-, Neue Roß-, Dresdener-, Oranien-, Mariannenstr., Kottbuser Damm, Pflüger-, Reuterstr., Reuterplatz Jungen fein mit Pickeln bedecktes Gesicht. Im Zentrum und in den nördlichen Vororten spricht dieser Sadist kleine Jungen? von 10 bis 12 Jahren an und fragt sie, ob sie gegen ein Geld- g e f ch e n k ein Paket für ihn besorgen wollen. Die Kinder sind natürlich gern bereit, sich ein paar Groschen zu verdienen, und gehen arglos mit. Um ihr Vertrauen ganz zu erwerben, kaust er ihnen wohl Obst oder eine Eiswaffel. Mit den kleinen Boten fährt er hinaus nach Pankow, Heinersdorf oder Buch und er- zählt unterwegs, daß er das Paket aus feinem Wochenendhaus holen müsse. Statt in ein Haus führt er ober die Kinder in den Wald, schneidet sich dort einen Stock ab und züchtigt die Kinder auf grausame Weise auf den entblößten Körper. In einem Falle hat der Unhold sogar einen Gummiknüppel benutzt. Er ver- schwindet dann und läßt die mißhandelten Kinder hilflos zurück. Bisher konnte die Kriminalpolizei noch keine Spur von diesem Verbrecher entdecken, dem schon acht Knaben zum Opfer gefallen sind. Die Eltern werden gut tun, ihre Söhne zu warnen, daß sie nicht mit fremden Leuten mitgehen, mögen deren Versprechungen auch noch so verlockend sein. Mitteilungen, die geeignet sind, dem gefährlichen Patron das Handwerk zu legen, werden an Kriminal- kommifsar S t r e w e bei der Dienststelle Fi 1 im Polizeipräsidium erbeten. Kriednch Leopold in Bedrängnis. Beamte und Angestellte ohne Geldmittel. Die Güterverwaltung des Prinzen Friedrich Leopold ist in finanzielle Bedrängnis geraten. Prinz Friedrich Leopold und seine Familie haben nach ihrem Wegzug aus Lugano erheb- liche Verpflichtungen hinterlassen. Die Finanzen flössen bisher der prinzlichen Familie von der Güteroerwaltung im Kreise Flatow zu. Jetzt stockt bei der Güteroerwaltung die Zahlung an Forstbeamte, Pensionäre und Diener- s ch a f t. Es ist damit zu rechnen, daß das gesamte noch vorhandene Mobiliar im Jagdschloß Kleinglienicke bei Potsdam, vielleicht sogar das antike Mobiliar im alten Glienicker Schloß, versteigert werden muß. In Potsdam hält sich das Gerücht aufrecht, daß der Prinz seinen ganzen Glienicker Besitz versteigern will, um aus den finanziellen Schwierigkeiten herauszukommen. Die Familie wohnt jetzt auf einem Gut im Kreise Flatow. Die gestohlene Kassetie. Durch Alkohol zum Diebstahl verführt. Der Angeklagte, ein athletischer Mann— gerade so stellt man sichdenPlatzmeistereinesVergnügungsparksvor—, hatte eines Tages Malheur. Er erlag der Versuchung und nun ver- antwortete er sich vor dem Schnellgericht. Er half in einem Vergnügungsetablissement einen Schreibtisch in einen anderen Raum tragen, bemerkte im Schubfach Geld und... dachte sich im ersten Augenblick nichts dabei. Als er aber so gegen 'A12 Uhr abends nach mehreren Mollen an dem Etablisse- mcnt vorüberkam, fiel es ihm plötzlich ein, daß es gar nicht so übel wäre, sich ein paar Märker zu holen. Er stieg durch das Fenster des Heizungsraumes ins Gebäude, öffnete mit einem Stemmeisen das Schubsach und nahm die Kassette mit. Sie enthielt 150 Dollar und 300 Mark. Mit dem Gelde ging er nicht etwa zu seiner Frau, einem netten und liebenswerten Wesen, sondern fuhr zur„Erholung" nach Hamburg. Der größte Teil des Geldes wurde ihm dort geklaut, er kam nach Berlin zurück und mußte ins Gefängnis. Der Platzmeister ist bisher unbestrast, wahrscheinlich sonst auch ein ehrlicher Kerl. Wäre er es nicht, so brauchte er nicht zuzugeben. daß es 150 Dollar waren, während die Bestohlene bloß von 50 Dollar gesprochen hat; höchstwahrscheinlich wollte sie nicht ein- gestehen, daß sie sich beizeiten mit Valuta eingedeckt hotte. Der Staatsanwalt beantragte vier Monate Gefängnis und Aufrecht- erhaltung des Haftbefehls. Das Gericht verurteilte den Platzmeister zu vier Monaten Gefängnis und behielt den Angeklagten tatsächlich in Hast. Auch eine Bewährungsfrist billigte es ihm nicht zu. obgleich der Man» unbestraft war.„Ich lege Berufung ein", sagie der Mann.„Das ist kein Gericht, sonst wird anders gerichtet." lind er war dermaßen verärgert, daß er sogar nicht mit seiner kleinen Frau sprechen wollte, die ganz unglücklich dastand und vom Vorsitzen- den die Erlaubnis erhalten hatte, mit ihrem Mann einige Worte zu wechseln. Hätte man dem Platzmeister nicht doch eine B e w ö l?- r u n g s f r i st zubilligen sollen? War er nicht für seinen alkoholischen Leichtsinn schon genug bestrast durch die Untersuchungshaft? Zurückgehaliene Gieuerbeiräge. Amtsunterschlagungen wegen 200 Mark. vor dem Schöffengericht Eharlotlenburg hatte sich gestern der seil 24 Sohren im städtischen Dienst befindliche D o 11■ streckungsbeamte G. zu verantworten, und zwar wegen Amtsunterschlagung. Der Angeklagte war bei der Steuerkasse des Bezirksamts Wil- mersdorf tätig. Es war bei seiner Dienststelle aufgefallen, daß er wiederholt eingezogene Steuergelder— im ganzen handelte es sich um Beträge bis zu 200 Mark— nicht rechtzeitig a d- geliefert hatte. Bei einer Nachprüfung ergab sich, daß er die eingenommenen Gelder bis zu drei Wochen zurückgezahlt hatte. Die Anklage nahm an, daß er dos Geld für sich verwendet habe, weil er es für einen Neubau benötigte. Der Angeklagte rechtfertigte sich damit, daß die verspätete Ablieferung der Gelder lediglich aus Nach- lässigkeit erfolgt sei. Gerade durch seinen Hausneubau habe er den Kopf so voll gehabt, daß er die Ablieferung vergessen Hab?. Das Geld habe er in der Tasche gehabt und keineswegs für sich verbraucht. Er suchte auch nachzuweisen, daß er gerade in der fraglichen Zeit 15 000 Mark aus einer Erbschaft zur freien Verfügung gehabt härte, so daß er es nicht nötig hatte, Amtsgelder onzugreisen. Nach eingehender Beweisausnahme hielt das Schöffengericht den Angeklagten der Amtsunterschlagung in 11 Fällen schuldig und verurteilte ihn zu sieben Monaten Gefängnis. Estländifche Genossen besuchen uns. Auf der Heimfahrt von Wien passierten gestern 2 7 e s« l ä n- d i s ch e Genossen, die in einem Autobus von R e v a l zum Sozialistentongreß gefahren waren, Berlin. Heute werden weitere 37 estländifche Arbeitersportler erwartet. Im Hof des„Wo r- wärts" stand einige Stunden lang der Wagen mit den estländischen Hoheitszeichen E. W, in dem die 5000 Kilo- meter lange Reise gemacht wird. Es gehört schon einigermaßen Energie dazu, die oft ungünstige Strecke quer durch Europa in einem Autobus zurückzulegen, aber der Wille, dabei zu sein bei den, großen internationalen Treffen der sozialistischen Arbeiterschaft, hat Tausenden in den letzten Wochen die Kraft zu manchen Strapazen gegeben. Besonders schwierig war die Grenzüberschreitung bei ver- schiedenen Ländern. Ganze drei Tage mußten die Genosse» zum Beispiel an der tschechischen Grenze liegen, bevor sie Durchfahrts- crlaubnis bekamen. Drei sozialdemokratische Mitglieder des est- ländischen Parlaments„Riigi Kogu" machen die Fahrt mit, darunter der Parteivorsitzende R e i. In der kleinen, 1 300 000 Ein- wohner zählenden estländischen Republik verfolgt man die politischen Ereignisse bei uns besonders- aufmerksam. Die kommunistische Wahn- sinnsparole zum Volksentscheid kennzeichneten die Genossen:„E i u e Niederlage der deutschen Arbeiterschaft ist auch unsere Niederlage. Noch haben wir trotz der geringen An- zahl sozialdemokratischer Abgeordneter im estländischen Parlament, 25 von 100. einen verhältnismäßig großen Einfluß auf die Macht- Verteilung. Die Sozialisten stellen zwei Minister. Wir hoffen, daß die deutsche Arbeiterschaft trotz des Moskauer Irrsinns klaren Kopf behält", sagten sie. Unsere estländischen Freunde werden einige Tage in Berlin bleiben und sich mit den Verhältnissen der Reichshauptstadt näher bekanntmachen. Sonntagmorgen geht es dann weiter nach Osten! Neuer I�aziüberfall auf �eichsbannerkameraden. In der Simplonstraße in Lichtenberg fiel gestern wieder eine Horde Hakenkreuzler über einen Reichsbannermann her, um ihm Flugblätter, die er bei sich trug, zu entreißen. Als sich der Be- drohte heftig zur Wehr setzte, schlugen die Nazibanditen mit Koppel- schlössern auf chn ein. Dabei erlitt der Reichsbannermann leichte Kopfverletzungen. Die Täter flüchteten und entkamen unerkannt. Operation an Fiebig gut verlaufen. Der bei den Zusammenstoßen am 1. August, nachmittags, in der Frankfurter Allee schwerverletzte Hauptwachtmeister Fiebig wurde gestern operiert. Das Geschoß konnte aus der wunde ent- fernt werden. Die Operation verlief gut. Berlin fördert Körperkultur. Stadtwald Selchow der Freikörperkulturbewegung erschlossen. Die Zreikörpcrkuiturschule Adolf Koch kann fehl ein neues, großes Gelände beziehen, dank der Unterflülzung der Sladt Berlin: Es handelt sich um das Gelände W a l d s c c und S t a d t w o l d Selchow, das Eigentum der Stadt Berlin ist, zirka 100 Morgen Waldbestand und Freiflächen und zirka 12 Morgen Wafserbeftond < fließendes Wasser) aufweist. Das Gelände ist nur 3,8 Kilometer von der letzten Straßenbahnhaltestelle entfernt, also für 25 Pf. von allen Teilen Groß-Berlins zu erreichen. Besonders der letzte Ilm- stand ist für die werktätige Arbeiterbevölkerung von aller- größter Bedeutung, weil sich infolge der wirtschaftlichen Not immer mehr die Notwendigkeit herausstellte, n a h an der Großstadt eine Freifläche zu finden. Die Bemühungen Adolf Kochs wurden tat- kräftig und aktiv durch die sozialdemokratischen Magi- stratsmitglieder unterstützt. Insbesondere sei an dieser Stelle aus die unermüdliche Arbeit des Vorstehers der Berliner Stadt- lurordnetenversammlung. des Genossen chaß, hingewiesen, dem es auch gelungen ist, politisch anders denkende Stadträte von der Wich- tiakeit und Notwendigkeit der Freikörperkulturarbcit im allgemeinen und der Arbeit der Körperkulturschule Adolf Koch im besonderen zu überzeugen. Mitte Juli wurde dann zwischen den zuständigen städti- schen Behörden und der Schule ein langwährcnder Vertrag ab- geschlossen. Weit bedeutender als diese Vertragsab- fchlicßung sind aber die nachfolgenden Bcglcit- umstände: In der Nähe des neuen Geländes liegt das Berliner Stadtgut Selchow. Dieses Berliner Gut liefert täglich durch eigene Wagen eisgekühlte Milch, frische Butter, reines Roggenbrot, Obst, Gemüse und Käse direkt auf das Gelände. Der Verbrauch an Milch betrug bereits am ersten Tage über 200 Liter, nachdem durch- schnittlich 400 Liter. Erfreulicherweise liegen die Preise weit unter den üblichen Großstadtpreisen. Niemand braucht also Nahrungs- mittel mitzubringen. Jeder erhält billig, frisch und unverfälscht gute Ware an Ort und Stelle. Geplant ist in diesem Zusammenhang das Backen eines besonderen Roggenbrotes noch ärztlicher Ratgabe in großem Umfange, um endlich einmal ein billiges, zweckmäßiges Brot für die breite Masse liefern zu können. Die jetzigen Vollkorn- brote haben zumeist Apothekerpreise und sind für den Durchschnitt der Bevölkerung darum praktisch ohne Bedeutung. Die Zustimmung der zuständigen Stellen für diesen großen Plan liegt bereits vor. Darüber hinaus soll im cherbst eine Versorgung aller Mitglieder mit guten Kartoffeln direkt nach Berlin erfolgen. Die Stadt Berlin hat erfreulicherweise für das Gelände eine Koinpagnicfcldküche zur Verfügung gestellt und damit die Herstellung von Einheitsgerichten für alle Gcländebesuchcr ermöglicht. Morgens gibt es Tee, mittags ein vegetarisches Einheitsgericht. Wenn man weiter erfährt, daß diese Zusammenarbeit auf beiden Seiten mit größter Freude geschieht, daß gegenseitig alles zur Erleichterung geschieht, kann, man auf diesen Erfolg so zi al ist i- scher Kulturarbeit stolz sein. VsisnMnenniiwM in Notzeit. Strafentlassene und Krisenjahr. „®ie die Pestzeiten im Mittelalter Menschen mit geschwächter Körperkonstitution scharenweise niedermähten, so sinken Scharen Strafentlassener, deren moralische, geistige und körperliche Kräfte versagen, hoffnungslos in die Kriminalität zurück." Mit diesen Worten hat der Tätigkeitsbericht der Berliner Gefangenenfürsorge für die Zeit voni 1. April 1930 bis l. März 1931 die Notlage der Strafentlasscnenfür sorge in einer Weise gekennzeichnet, wie man das schärfer nicht tun kann. Die Arbeitsknappheit, das Verhängnis des gesamten Volkes, wird für die Klienten der Gefangenenfürsorgc zum doppelten Ver- hängnis. Der Schrei nach Arbeit verstummt hier keinen Augenblick. Wer mit Strafentlassenen zu tun hat, wer Gefängnisse besucht, weiß das nur zu gut. Es ist immer dieselbe Frage, oder richtiger gesagt, Bitte, die an«inen gerichtet wird:„Können Sie mir nicht Arbeit besorgen?" Und der Staatsanwalt, der neulich in einem engen Kreise sich in dem Sinne äußerte, daß er, in der Lage derer, die er pflichtgemäß anzuklagen hat, wohl auch stehlen gehen würde, hatte bestimmt nicht unrecht.„Die Möglichkeiten, Straf- entlassenen bevorzugt Arbeit zu vermitteln, verringern sich in dem Maße, als jeder Betrieb zahlreiche wegen Abbau entlassene Arbeits- krästc vorgemerkt hat, die bei erster Gelegenheit wieder eingestellt werden müssen", liest man im Tätigkeitsbericht der Gefangenen- sürforge. Hinzu kommen die verschiedenen Erschwerungen für die Strascntlossenen, die Hindernisse, die ihnen die Gewerbeordnung für das Deutsche Reich in den Weg legt und das Verhängnis des Strafregisters. Die Gefangencnfürsorge fordert eine e n t s ch i e- dene Reform sowohl in dieser als in jener Hinsicht. Die Arbeitskrise, die Not wirkt sich am Strasentlassencn be- sonders hart aus. Er besitzt keine Bindungen wie der freie Mensch, keine mannigfachen Beziehungen, bei denen er in der schweren Zeit wenigstens eine moralische Stütze finden könnte. Er gehört auch keinen Vereinigungen an, die ihn, einen Rückhalt gewähren. So entsteht für die Gefangenenfürsorge die Aufgabe, bei verminderter materieller Unterstützung die moralische um so stärker in den Vorder- grund zu rücken. Nicht ganz verständlich ist unter diesen Umständen die Bescheidenheit der Gefangenenfürsorge in bezug auf die Werbung neuer freiwilliger Helfer. Es können deren gar nicht genug sein. Der Strafentlassene muß, wie dies im Bericht anerkannt wird, dazu angehalten werden, neue Bindungen zum Leben zu finden, sich Sport- und sonstigem-Vereinigungen anzuschließen. Mit Recht hebt der Bericht auch die Wichtigkeit des Hand- in- Hand- arbeitens von Strafvollzug und Gefangenen- f ü r s o r g e hervor und besonders begrüßenswert erscheint der Wunsch des Strafvollzugsamts, daß die Tätigkeit der Gefangenen- fürforger sich auch auf die Anstalten ausdehne, in denen sie bisher noch nicht festen Fuß gefaßt hatte. Die Berliner Gefangenenfürsorge nimmt allmählich die Eni- Wicklung, die vom„Vorwärts" stets als die unbedingt notwen- dige befürwortet wurde. Sie begnügt sich nicht mehr in so hohem Maße wie früher bloß eine Durchgangsstation zu sein, indem sie den Wohlfahrtsämtern die Sorge um die Strasentlassencn über- antwortet: sie geht'-ganz bewußt darauf aus, in den vielen Fällen, wo dies angezeigt erscheint, selbständig die Betreuung der Straf- entlassenen zu übernehmen. Daß sie dabei sich der Ergebnisse der wissenschaftlichen Erforschung bedient und auf diese Weise gewisser- maßen den Weg fortsetzt, der durch die kriminalbiologischc Forschungsstelle am Untersuchungsgefängnis hinsichtlich des einen oder des anderen Gefangenen beschritten wurde, ist ganz besonders anerkennenswert. Die Gefangencnfürsorge will nicht blind darauf los helfen, sondern will die Hilfe individuell je noch der Persönlichkeit des Hilfsbedürftigen gestalten. Natürlich werden es immer nur wenige Fälle sein, die in dieser Weise bearbeitet werden können. Bei de» 24 000 Beratungen weiter nicht verwunderlich. Der Tätigkeitsbericht müßte von vielen gelesen werden. Er bietet manche Anregung. Die Form der Darstellung sollte aber vielleicht mehr auf den Massenleser eingestellt sein. L. F. Devisenhamsterei von einst. Ein zeitgemäßer Rückblick in die Geschichte. Menschen, die sich um ihr Geld sorgen, leben nicht erst seit 1331 in Berlin. Es hat sie auch schon vor 450 Sohren gegeben, und schon vor 450 Zähren wurden gegen Leute, die aus Kosten der Allgemeinheit„Devisen", d. h. auswärtige Münzen, sammelten und hamsterten, Notverordnungen erlassen. Die Mark war eines der ärmsten Gebiete des heiligen römischen Reiches. Handelsleute, die besonders klug zu sein glaubten, bevor- zugten deshalb die Taler anderer weltlicher und geistlicher Fürsten. Sie versuchten dann, diese Geldsorten zu einem höheren Kurse aus- zugeben, als er in der Mark vorgeschrieben war. Da liegt also das gleiche vor, was wir heute im Vorgehen gewisser Handelsleute gegen- über den Dummen, die nicht alle werden, erleben. Damals hatten die„rheinischen Golden" etwa dasselbe Ansehen wie heute der Dollar. Deshalb wurde im Jahre 146S ein Edikt erlassen, das befahl,„daß niemand die rheinischen Golden nicht höher oder teurer kaufen oder geben soll, denn zu halben Schocken unserer Münz, das sei dreißig Groschen, und wer kauft oder verkauft an Gäste oder Einwohner, lall dies nicht tun um Gold, sondern um kurante märkische Münze". Damals gab es in der Mark Silbcrpfennige und Silbergroschen, und durch diese Anordnung sollte den Umtrieben der Gold- und Silber- Hamsterer gesteuert werden. Man wollte märkischen Groschen und märkischen Pfennig zu Ehren bringen. Gleichzeitig wurden hier- durch Währungssorgen behoben, und man beruhigte, das Volk. Allen städtischen und Landesbeamten war befohlen, auf strengste Aus» führung dieser Verordnung zu sehen. Darum betont das Edikt:„Wir befehlen Euch auf Euren Eid, dieselben zu strafen mit zwanzig Schock Groschen und niemand dabei zu übersehen." Dieses„niemand dabei übersehen" darf wohl auch heute noch bei den Not- Verordnungen unserer Zeit ganz besonders ins Gedächtnis geprägt werden. Um das Interesse für die Ausführung dieses Ediktes zu wecken, wurde versprochen, daß jedem, der eine Anzeige erstattet, ein Drittel der eingezogenen Strafe zufalle, während dem Staate zwei Drittel zukamen. Der Geldhandel vor Erlaß dieses Ediktes sollte „für diesmal" unbestraft bleiben. Die Verordnung hatte also keine rückwirkende Kraft. In der Tat scheint diese Verordnung den Hamsterern hochwertiger fremder Valuta sowie der Kurssteigerung auf lange Zeit einen Riegel vorgeschoben zu haben, denn erst 130Jahre später, 1572, wird ein neues Edikt erlassen„wider das betrügliche Münzaufwechseln". Lei Verlust von Leib und Gut wurde ernstlich befohlen, auswärtige Valuta nicht zu einem höheren als dem landesüblichen Kurs in Zahlung zu nehmen oder auszugeben. Stadtbedienstete und Zöllner hatten fleißig nachzusehen in Versammlungen, auf Jahrmärkten, an Landpässen und Zollstätten, daß diesem Edikt nachgelebt wurde. Zu- gleich war bestimmt, daß alle, die„fremde Münzen besaßen", diese der Landesmünze gegen einheimisches Geld abzugeben hätten. Auch in späteren Münzedikten, so 1673 und 1690, wurde die Ein- sührung von fremden Sorten und der Handel mit ihnen bei hohen Strafen an Leib, Leben, Hab und Gut verboten. In der Frage der Deoisenordnung hat also das Wort Ben Akibas „Alles f ch o n d a g« w e s e n" tatsächlich Berechtigung. Die Gtahlhelmisten. Wie man auf Stempelstellen über den Volksentscheid denkt. ssolgcnK« Gespräche hat ein„Borwärts".Lescr auf einer Berliner Stempelstelle erlauscht: Ein alter Arbeiter spricht eine Kommunistin an.' Sie trägt ein uniformähnliches Kleid und ihre Gesinnung weithin sichtbar als Brosche: Sichel und Hammer. Die Brosche ist gut 10 Zentimeter im Durchmesser, wahrscheinlich daß sie nicht am Sonntag mit einer Gesinnungskollegin vom Königin-Luise-Bund verwechselt werden kann. „Na, laß dich am Sonntag man nicht mit de Nazis ver- wechseln!"—„Wir wissen schon selbst, was wir tun!"—„Wat macht ihr denn, wenn ihr siegt?"—„Nur Sewjetdeutschland kann uns retten. Wir müssen revolutionäre Situationen schaffen."— „Ja, aber wenn ihr siegt mit dem Volksentscheid, dann hat doch Hitler und Hugenberg gewonnen. Gloobst de denn, daß die euch ranlassen?"—„Für uns kommt es nur darauf an, revolutionäre Situationen zu schaffen, alles andere ist uns piepe."—„Doch Revolution unter schwarzweißroten Fahnen und mit Hitler und Hugen- berg als Führer?"—„Ach, quatsch mir doch nicht an." 4- „Na, Maxe, wat macht«ucr Volksentscheid?"„Laß mir zu- frieden, ick Hab««s nu aber bald« satt! Uctxrall verkohlen sie einen als Stahlhelm isten. Ick kann doch nifcht davor, wenn die da oben varückt sind. So wat können sc mit de Junge»? und Kinder machen, aber nicht mit orjanisierte Arbeeter. Ick bleibe Sonntag zu Hause oder fahr mit Muttern ins Irünc!" * „Achtung: Platz da! Rot Hiller, Heil Front kommt an. Mensch bleib bloß uffn Teppich." Allgemeines Galächter herrscht im Nu auf der ganzen Zahlstelle. Witze über das Bündnis zwischen Hakenkreuz, Stahlhelm und Sowjetstern fliegen hinüber»nd her- über. Wie die begossenen Pudel stehen die Rotfrontler da und bekommen keinen Ton heraus.„Wer wird denn euer Kaiser, wenn ihr siegt?"„Schickt Moskau Propagandageld für Hitlers Drittes Reich?"„De beste Wahlschlepperci macht ihr Sonntag vor de Kirchen." Minutenlang geht es so, bis die Stahlhelmisten den besseren Teil der Tapferkeit wählen und schleunigst Reißaus nehmen. „Wat versprecht ihr euch denn vom Sonntag?"„Den Sturz von Seocving und Braun!"„Na, wat is dann?"„Der Sturz der Faschistenrepublik."„Du. bist ja dos!"„Wir werden es euch ja beweisen."„Faschistenrepublik, ihr Lausejungens wißt ja jar nicht. mit was für Rechten der Arbeiter ihr spielt. Von euch war ja vor dem Kriege noch keener Sozialist, sonst würdet ihr euch schämen. so wat zu sogen,". Soweit die Gespräche, die wir wortgetreu wiedergegeben hoben. Die Masse ist unzufrieden und ist durch die Not radikalisicrt, aber nicht irrsinnig. Die Kommunistische Partei, die Avantgarde Hitlers und Hilgenbergs, wird am Sonntag ihr Waterloo erleben. Verlegung der Oevisenbewirtfchastungsstelle. Die Stelle für Devisenbewirtschaftung des Landesfiuanzamtes Berlin befindet sich vom Montag, dem 10. August, ab in verlin w 10, Lühowufer Z. -i- Nach den Pressemitteilungen hat die Regierung beschlossen, eine Vorprüfung der Anträge auf Genehmigung zum Erwerb oder zur Veräußerung von Devisen durch die Industrie- und Handelskammern vornehmen zu lassen. Die Industrie- und Handelskammer ist bereit, solche Vorbescheinigungen, die zur Vor- läge an die Landesfinanzämter bestimmt sind, zu erteilen, nachdem ihr die erforderlichen Unterlagen zur Prüfung unterbreitet werden. Die Bescheinigungen werden im Rahmen der für die Landesfinanz- ömtcr gegebenen Anweisungen im Dienstgebäude der Industrie- und Handelskammer zu Berlin, Dorotheenftr. 8, Zinnner 1, ausgestellt. Die Verfassungsfeier in Lichtenberg. Die diesjährige Ver- fassungsfeier des Reichsbanners«chwarz-Rot-Gold, die am 9. August im Restaurant N»u-Seeland vorm. Schonert, in Lichtenberg, Kynast- straße(Nähe Bahnhof Stralau-Rummelsburg) stattfindet, verspricht ein wahres Volksfest zu werden. Die Festrede hat Genosse Mar F e ch n e r übernommen. Der Sängerchor„Fichte-Georginia", das Ebert-Manns-Ouartett, turnerische und sportliche Vorführungen der Freien Turnerschast, Konzert der Hauskapelle und des Tambour- Korps, Tanz, Tombola, Preisschießen, Kinderbelustigungen sieht das reichhaltige Programm vor. Plaza. In der ersten Augusthälfte beginnt die Plaza wieder mit einem Variete-Programm. Als modernes Clown-Trio galten die zum ersten Male in Deutschland aufttetenden Clowns C a i r o l i Porto und C e r l e t t o, die auf den verschiedensten Instrumenten Steptänze in ihren urkomischen Darbietungen zeigten. In ihrer Marine-Luftrevue gefielen Id. M a y s Mitship-Girls, die in etwa 6 bis 7 Meter Höhe am Trapez ihre Künste zeigen. Annette Kellermann zeigt den Frauen Körperkultur, wie sie ihre Haus- arbeiten verrichten sollen. Als humoristische Jongleure gefielen C r o- kelt und Partnerin. In ihren urkomischen Spähen die beiden Akrobaten C o r n- D i x i e I Als Berliner Komiker gab Fredy Sieg einiges zum besten. Die sieben Weintraubs Synco- p a t o r s unterhielten das Publikum auf zirka 40 Instrumenten mit originellen Vorträgen. Elite-Sänger. Im Theater Kottbusser Tor gibt Direktor Gaston Briese im September bis zur Rückkehr der beurlaubten Elite- Sänger seine erfolgreiche Gastrolle.„Alles für euch, schöne Frauen" betitelt sich seine wohlgelungene Operette in vier Akten, die Briese gemeinsam mit Kurt Lauermann verfaßt hat. Die lustigen und humorvollen Schlagerlieder hat Dr. Karl W i l c z y n- s k i gedichtet, sie sind von Franz G r o t h e komponiert worden. Der langanhaltende Beifall bewies, daß Direktor Gaston Briese die richtige Operette für das Eltte-Stammpublikum getroffen hat. Alle Mitwirkenden trugen ihr bestes bei. In seinem Liede„Alles für euch" gefiel Herbert K i p e r, ebenso fanden die gut singende Käthe Schmidt, Grete H o l l m a n n, die waschechte Berliner Soubrette Else B ö t t ck e r. Erich Rank, Eugen Beckers und Emma Klein tosenden Beifall. Alle Mitglieder mußten sich mehrmals vor dem Vorhang zeigen, darunter auch Dr. Wilczynfki und Franz Groche. Der Berg der DahcUngebHcbenen. Ein Ausflug auf den Kreuzberg. Sierreifen, neue Menschen, andere Lust, veränderte Landschaft. Manche Leute können es sich noch heute leisten. Sie steigen in«inen Zug, lassen sich 500 Kilometer weiter transportieren und gehen dann auf Entdeckungen aus. Viele bedienen sich dabei eine» amtlichen Führers, besuchen die darin fettgedruckten, wichtigsten Punkt«. Dann ruhen sie sich aus, oersuchen, sich zu erholen. Aber da konunt die Zeitung mit Schreckensnachrichten aus der Heimat, da müssen ganze Stöße von Postkarten geschrieben werden, damit es Bekanntschaft und Verwandtschaft auch weiß: Aha, Onkel Theo schreibt vom Grand-Hotel aus der Schweiz. Feine Leute. Dann drückt auf einmal im schönsten Kurschlaf die Matratze, das fremd« Essen schmeckt nicht mehr, alle Leute aus der Umgebung sind schon langweilige Bekannte. Man sehnt sich zurück. Und zu Hause geht es weiter im altbekannten Trott: zweimal der Weg zum Ge- fchäft, mit dieser Bahn komme ich in mein Stammlokal, und jener Omnibus bringt mich zu einer lieben Freundin. Aber Hand aufs Herz: wie viele haben sich schon ohne Zweck, zum reinen Vergnügen aufgemacht, um die nähere Umgebung ihrer Stadtwohnung zu erforschen? Sicher nur wenige. Und doch birgt sie oft mehr Geheimnisse, als mancher ganze Kurort mit seinen hohlen Formen und ängstlichen Menschen. Auch mitten in Berlin gibt es solche Plätze, wo man sich mit Leichtigkeit der Illusion einer Ferienreise hingeben kann. Da ist der Kreuzberg im Süd» w e st« n B e r l i n s? Er hat alles, was ein ordentliches Wander- ziel haben soll: einen Aussichtspunkt mit einem Denkmal, steile, gewundene Wege, die in der schlimmsten Hitze kühl und schattig sind, «inen Wasserfall mit hohen Felsen, Brunnen mit heilendem Wasser und verschwiegenen Ecken, an denen sich köstlich ausruhen läßt. Der Blick von oben ist erhaben, wie die Rundsicht vom Eiffelturm. Tief unten liegt die Stadt: verschachtelte Wohnviertel, Schornsteinriesen über weiten, dunklen Fabrikanlagen, Kirchtürme in den ver- schiedensten Formen und flache, helleuchtende Hochhäuser. Ganz wie in der Fremde schauen sich Männer mit dicken Fern- gläsern da» Panorama an. Aber Berliner steigen hier nicht hinauf. Bewahre, Sachsen oder Thüringer sind es, dieselben, die auf der Zugspitze stehen und jodeln. Aber hier wissen sie nichts besseres, als zu meckern:„Rae, sone Aussicht, scheen is des nich, all die vielen Häuser, da wees man ja gor nich, was nu eichentlich des Rachaus is. So, des mit en viereckigen Dürrn, Hab ich mir doch gleich gedacht.� Und so geht es weiter, bis es zu heiß wird und man sich in den Schatten der schützenden Bäume zurückbegibt. Hier ist das Milieu nun echt berlinisch: Kinder, die sich gegen- seitig Mensch nennen, spielen in den Sandkulen Kaufladen, der schließlich von der erregten Menge gestürmt wird. In dieser Um- gebung fehlen natürlich auch die Alten nicht: Rentner und Kriegs- beschädigte, die ihren wohlverdienten Mittagsschlaf halten, ehr- würdige Damen, deren Kostüm in der nächsten Saison wieder modern sein wird, machen in vorgeschriebener Haltung ihren Spaziergang. Dazwischen ober sieht man viel junge Paare, deren Geldbeutel nicht für«ine Reise reicht. Sie sind auch hier glücklich, ja. Doch nur für kurze Zeit und mit bitterem Nachgeschmack. So erzählen mir zwei prächtige, junge Menschen: „Wir sind seit fünf Iahren verlobt, haben uns wirklich gern, können aber nicht daran denken, zu heiraten. Hat der«ine mal wieder glücklich Arbeit, dann fliegt der andere aus dem Betrieb." Momentan orbeitet er verkürzt, drei Tage. und sie geht ganz, stempeln. t». leben noch bei ihren. Estern und können. sich so'Wahe. Mfr rsser halten. Unfreiwillige, schwcrlostende Ferien, bei"denen Freude und Lachen vergehen. Am End« des Parkes stehen zwei Freundinnen, tleme An». gestellte, nach Geschäftsschluß. Sie wollen sich schnell photographiere«. Die eine tritt auf den Rasen vor einen blühenden Strauch, einen Sonnenschirm kokett über der Schulter, die andere wartet«inen günstigen Moment ab und knipst... „Panne um Mitternacht" im Rose-Theater. Selbst in der heutigen Zeit der sonderbarsten Rekorde tst, was die Länge anbelangt, das Programm des R ose-TH eaters ganz bestimmt nicht zu überbieten. Es müßte dann schon ein Theater- besitzer austauchen, der zugleich Uebernachtungsgelegenheiten sinnig in sein Theaterprogramm hineinkomponierte. Jetzt muß man von %17 Uhr nachmittags bis ein paar Minuten vor Mstternocht im Garten verweilen, wenn man alles hören und sehen will. In buntester Reihenfolge hört man Musik, sieht einen Varietäteil,«klebt «in Feuerwerk und auch noch eine regelrechte Operettenaufführung. Damit man nicht steif wird, kann man in den Pausen tanzen. Der Barietäteil ist erstklasstg und Carter, den Mann mit den hundert- tausend Spielkarten, und Marchs Hübner, die Typendarstellerin, die stets von charmanter Eigenart ist, kennt man von ganz großen Häusern her. Ebenso Willy Serting, ein Mann, der nicht nur auf dem Telephondraht spazieren geht, sondern auf ihm auch noch jongliert, und die spanisch« Tänzerin P a q u i t a erstklassige Artisten. Ferner ist es selbstverständlich, daß Willy Rosen, der bekannte Schlagerkomponist, Stimmung und Freude auslöst. Ernst Walter jedoch meint anfechtbarerweise, er sei volkstümlich, wenn er Zoten bringt. Die Operette„Panne um Mitternacht" hat ein bedenklich kitschiges Textbuch und nette Lieder von Harry Waldau. Sie wurde unter Hanns Deckers Regie außerordentlich flott gespielt und Blanko V e rb e n i j i, Loni Pyrmont, Hilde H o f e r, Hans Rose, Kurt M i t u l s t i und Karl G ü l l i ch kamen zu rechtschaffen verdienten Erfolgen. Zu ihnen trug auch die taktfeste Girltruppe bei. Sport. Rennen zu Hoppegarten am S. August. veheimrot-Reime«: 1. Loc(Printen); 2. Aurelian: 3. Silberling. Toto: MAO. Platz: 24, 89, 16:10. Ferner liefen: Treuling, Hatto, Ary Schlubeck, Agrieola, Eilflug, Luxus, Fahrt, Die Birke, Carma, Corviglia. Ermunterungs-Renueu: 1. Abneigung(Böhlke); 2. Obstblüte; 3. Rosi- fers. Toto: 27:10. Platz: 11, 10, 13:10. Ferner liefen: Katrin, Biolett, Liebesfeuer, Achenais, Martinsfee, Nogill, Lottchen. Oulrl-Rtuueu: 1. Präsect(Plätkest 2. Lanfranchi; 3. Impressionist. Toto: 98:10. Platz: 45, 27:10. Ferner liefen: Spitzweg, Feldjäger, Araber. Laubsrosch-Zievueu: 1. Trochäe(Haqnes); 2. Garde; 3. Mantegna. Toto: 3S:lO. Platz: 22, 19:10. Ferner liefen: Freiwilliger, Jlsha. Hohenlohe-Ochringen-Rennen: 1. Lateran(Hahnes); 2. Gregor; 8. Lvanti. Toto: 34:10. Ermunternugs-Reuuen: 1. Schwadroneur(Grabsch); 2. Rodrigo; 3. Wappenschild. Toto: 38:10. Platz: 19, 49, 62:10. Ferner liefen: Mauve, Tanzgras, Gralsbrechcr, Verräter, Feuerzauber, Goliath, Orkadier. Leichtfuh-RenAen: 1. Nomos(Böhlke); 2. Radetzki; 3. Esparsette; 4. Markols. Toto: 69:10. Platz: 16, 43, 18, 19:10. Ferner liefen: Seapos, Mareianus, Ledon, Polaschin, Le Mauvais, Ad Arenam, PatgMi, Musketier. Hetman, Kasbek, Jsola, Jschtar. parteinachnchten für Groß-Nerlin stet» m da» B«zirk»setretartenda. Sterbetafel der«Sroß« Berliner Partei- Organisation S. Kreit. Zu der Trauerfeier unseres verstorbenen Genossen Eugen Brückner am Sonnabend, dem 8. August, 17 Uhr, in Friedrichsfelde, werden unsere Parteimitglieder gebeten, restlos zu erscheinen. Der Kreisvorstand, die Be- zitcksverorlmetenfräktion, die Bejirksfraktion der SPD. beim Bezirksamt Fried. richshain und die 33, Abteilung. 35. Abt. Am 4. August verstarb unser lieber Genosse Robert Rack. Seit 1901 gehörte er der Partei an und war noch ii, ttt sein hohes Alter als Bezirisfllhrer tätig. Wir werden fein Andenken stets in Ghren halten und oersuchen, ihm naekuueifern. Einäscherung Sonnabend, 3. August. IS Uhr, Krematorium Baumschulenweg. Rege Beteiligung wird erwartet. 42.«bt. Unser Genosse Willi, Schumann, Mittenmalder Str. 2», ist ver- sterben. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet am 3. August. 10 Uhr, auf dem Heilig-Kreuz-Kirchhof, Mariendorf, Eisenacher Straße, statt. Rege Beteiligung erwartet die Abteilungsleiwng. 115. Abt. Unser lieber Genosse Paul Lische, wohnhaft Müggelstr. 27. ist im Alter von 05 Jahren oerstocken. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Einäscherung Freitag. 7. August, 12 Uhr, im Krematorium Baum. schulenweg. m Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Lerlm «nsend-vsm für»lese XatiO rar«■ M Z-geobsetreteet-i. Serital SAB«8. ktabaflrtie J «bteilungtleiter! Rechnet die»erkaufte» Sympathiplatotteu ab, schickt bat September-Programm«in. Streichorchester: Heute, 19)4 Uhr, Probe im Heim See- Ecke Turiner Straße. Alle müssen erscheinen. Abkeilungsmikgiiederversammlungen heule. Jtdfag. 19X Uhr. Hohenschönhausen: Freienwalder Str. 6.—«adreosplatz I: Brommnsir. 1. — Boltenplatz: Tilsiter Str. 4—5.— Frankfurter«ertel: Frankfurter Allee 307.— Petersburger Viertel: Ebertystr. 12.— Sarschauer Biertel: Litauer Str. 13.— Schöneberg I: H-uptttr. 15.— Lankwitz- Schulstr. 19—21.— Steglitz II: Flemmingstr.!«>.— Marieado rf I: Dorfstr. 7.— Eharlettenburg. Süd: Soethestr. 11.— gehlendars: Waldschule, Schlieffenstraße.— Baum- schuleuweg! Ernststr. IS.— Zehannitthal: Rathaus.— Treptow: Eksenstr. 3. — Köpenick U: Dahlwitzer Str. 15.— Reu. Lichtenberg: Hauffstraße.— Lichten- berg-Rock: Dunterstr. 4t.— Herm-dorf: Roonstraße.— tztcutidenberf'Sfi: Lindauer Strotze.— Bnchholz: Wiesenbaude.— Nredorschönhansea: Linden. straße 47. * Arkeneplatz: Elisabethkirchstr. 19.„Frankfurt am Main."— Gewerkschaste- haut: Käpenicker Str. 92..Weshalb Konsumgenossenschaft?"— Rosenthaler Borstadt: Elisabothlirchstr. 19. Anti-Kriegsobend.— Zentrum: Landsberger Straße 50..Wie stehen wir zur Weimarer Beviassung?"— Vrnimplatz: San, nendurger Str. 20.„Die Reichsoerfassung von 1919 und was davon blieb."— Arnswtlder Platz I: Rastenburg er Str. 10. Fille-Abend.— Balte»: Mandel- stratze 2.„Traum. Hnpnose. Fehlhandlung.— Falkplntz tt: Sonnenburger Straße 20.„Ztalien". 1. Teil.— Kumannpletz: Gleirnstt. 33—35.„Weimarer Verfassung und Proleiariat."— Rordofie» I: Danziger Str. 02.„Bon den An. sängen de, Sturmvogels."— Weißens ee: Partstr. 30.„Svanische Revublik."— Börther Platz: Kastamraollee. 32.„Die Staatsgewalt geht vom Bolle aus."— Schönhauser Berstadt: Funktionärversmnmlung 29 Uhr bei Ran, Ueckermünder Stratze 16.— F»' edr'wsdare: Beteilignnq an der Kundgebung der Partei. 19sö Uhr Falkenecke.— Südwesten: 19 Ubr. vor dem Heim.— Schoneberg IV: '.uptstr. 15. Anti,Kr!eg«bend.— Eharlottnnbnrg: Rosinenstr. 4.„Moderner ' lltzug."— Gharlottenbarg-Rord(R.>F.>: KanserurAugusto-Allee. 97s. und KZ."— Lichterseide: Albrechtstr. 14s. Weimarer Bevsassunz." ____ ttentoef Ifc Marienfelde, BerLner Str. 1—2. �lunh um den Erdball."— Reulöll» VIII: Kundgebung der Partei. IMi Uhr Kaiter-Friod-ich. Ecke Werchsei. stratze.— Reuläl» II: Schierkestr. 44. Heimabend für alle. Bretttprele mit- bringe». �.Köpenick I: Grünauer Str. 5,„TNe Zqgend in der Bertassuna., Falke» börg: Oiftäyyf. Anti-Krtegsabend.■— Karlshorst: Tr-zgowoll«: 44 B-iinZ.' abend.—-OeÄdorf: Adoffstr.-25. �futzlandff.— Lichte» de»z,Rordw-st: Dossastr. 22. Tagespolrtik.— Stralauer Viertel: Beteiligung an der Kunz.' gckunz der Pärtei. 19% Uhr vor dem Heim. Serbebezirk Tiergarten: Beteffi-ping an der Kundgebung der Partei in der Hochschulbeauerei. Seestratze, ILtzh Uhr Kleiner Tiergarten iKriegendenkmal> Grupve. Westen: Kundgebung der Parteii. Spichernfäle, Sprchernstratze, ISVj Uhr Bahnhof Bülowstratze. Alle»ruppenvaranstalrungen fallen aus. Warbebezir? Prenzlauee Vera: Treffpunkt aller Fravlfurtfahren morgen (nicht heute) 13 Uhr zur Sprech chorprvbe Danziger Stratze, Altrrsheim. Werbe beziel Renköll»! Beteiligung an der PavteSundgehung i» Kliem» Festsäle. Alle Druppenveranstaltunge« fallen au». Montag, Ighä Uhr, Treffen aller Frankfurtfahrer int Heim Kanner Stratze. Erscheine» ist Pflicht. Sprech. chorprvbe. Sonnabend, Treffpunkte für Fahrte»: Reuiii» VHi 18% Uhr Bahnhof Kaffer�sriehrtch�Stratze.— RevUII» TX: Sonntag. 7 Uhr, Bahnhof ReukiMn. Unkosten 00 Pf-— Südwesten: Sonntag, 0 Uhr. Belle-AXlianee-Platz. Werbedezirk Retnickendorf: Sämtliche Gruppeaveoanstaltungen fallen aus. verantwortlich für Politik: Dr. Enrt Geyer; Wirtschaft:«. Klingelhöser; Gewerkschaftsbewegung: Z. Steiner: Feuilleton: Dr. Zoh» Schikowski: Lokale» und Sonstiges: Fritz Karstädt; Anzeigen: Th.»locke; sämtlich in Berlin. Verlag: Borwöri�Berlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerei «nd Berlagsanstalt Paul Singer o. Eo.. Berlin SB 68, Lindenstckße S. Hierzu 2 Beilage»»nd.Stadtiellage". csrvolotzvkursL 5«t!«ttrtl»»,»», ssstt«« Sp«elc. ..««1.1.1» .pfci.l.l» . Pfd. 0.76 .�niess«� obst und ceMUSj Magerar Speck.. Pfd. 0.98 Dompfwur»*.... Pfd. 0.86 Wien. Würstchen Pfd. 0.03 Bratenschmalx.. Pfd. 0,48 Romadour..... Stück 0.1 6 Gorgonrola-Ktise Pfd. 1.60 Camembert voiif.. Schockt. 0.63 Edelharzer i.Coii., 2RoUon 0.25 TII»ltero.iM.,20%,Pfd..Po» Tomaten..... Di. Brieslinge in Tomaten.....Dt. Frühstüashäppchen....o». Schweinskopf o-"n-.....Di- Würstchen 3 Paar.........D». Würstchen 3 Paar........ Ds Mixed-Pickles............ D». Italien. Sal., Hering« Sal. Pfd. Mayonnaise, Pemoolode Pfd. Fettbücklinge........ o« Pfd. Seelachs................Pfd. Räucheraal Pfd. 1.80, tzd. 0.58 0.45 0.25 0.58 0.60 0.65 0.75 0.43 0.75 0.70 0.70 0.70 0.22 0.36 0.22 ,. Pfd. 0.26 ...... Pfd. 0.1 5 Kabeljau O. Kepf..... an Pfd. 0,1 3 Kabeliaufilet........ an Pfd. 0.22 Schellfisch m. Kopf im Or. Md. 0.1 3 Ordne Heringe........3 Pfd. 0.38 Lebende Aale....... an Pfd. 0.86 Saure Bonbon Miidiung Pfd. 0.50 Pfefferminz-Post, geföii» Pfd. 0.66 Erfrischungswaff. Md. 0.90, 0.80 Kokos-Makronen....... Md. 0.93 Eissplitter i.Schok.i00gr.-78. 0.25 Pfirsiche............. Netzmelonen............ Wassermelonen........ Md. u.i u Mußäpfel.............. 3 Augustiner, 5aspf»i......Md. v'» Klaräpfel.............. 3 Kochbirnen, groo*- � Tomaten............ OB* Einlegegurken..... 0" 2*! 5 Schmorgurken..... ♦ Md. D.io Senfgurken......... m 4 P(d. 0.1 o Wei<5- u.Wirsingkohl 5 PW. 0.20 WURST-WAREN Landleberwurst........ Sulz©.................... Spedcwurst............. Hausm. Fleisdrwurst.. Jagdwurst••••••••••••• KOmmelwurst.......... Leberwurst, feine....an Nußschinken........... Md. 0.78 .Md. 0.48 .Pfd. 0.68 .Md. 0.85 .Pfd. 0.88 .Pfd. 1.18 Pfd. 1.08 Pfd. 1.58 Zur Bowiei 5FI.Pfälz«rweino-n.— � I Obstschaumwein 1 Ps. Ananas zus.; � Hlmbeer- od. Kirschsaft große Sektflasche 5 Erdbeersofty lose.. Ltr. 1.70 Karotten, geschn. Vi Ds. 0.32 Kohlrabi...... Vi Ds. 0.38 Jg. Breehbehnen Vi Ds- 0-52 3rechspqrgeU_dünnV:D-�28 Aprikosen..... Vi Ds- c-35 Reineclauden»» Vi 0.95 Erdbeeren..... Vi Ps- ,-25 Rind- oder Schweine- Goula&cH e O e 1 PW» � Senfgurken 10 Pfd. Ds. 1.90 Import- Sardellen Pfd�BB ! I lUCHTVIROERSUCHK WAKt Ist vom Vorsand ausga- »chlosson. Zusondungnur bei Bsetellung v. M. S.OO an SPEZIAL-FLEISCH- VERSANO-WAGEN Gutsbutter«14 Frisch....... Pfd. I Allgäuer-20% /IQ Stangank Plätze einmal ein Zklümpchen Menschen. Auf dem untersten Rang mittlerer Besuch mit scheutzlichen Lücken, ja selbst im Jnnenraum wohl zwanzig Stuhlrechen leer. Wer sich die Muße nahm, hatte Gelegenheit, an diesem glorreichen Abend der KPD. mehrere taufend verschiedene Plätze nacheinander unbehindert einnehmen zu können. Die Stimmung miserabel. Bei Ulbricht, der die Einleitung machte, und bei Rem» mel«, der das Hauptreferat hielt, ab und an klägliche Beifalls- kundgebungen. Zum Schluß mußte eine deklamatorische Kanone der Kommunisten geholt werden, die nicht weniger als drei Gedichte abprotzte, und der Schslußredner mußte emen.Polizeistandai" ton- struieren, um auch nur etwas herauszubekommen, das so ähnlich wie Stimmung und Begeisterung aussieht. Ein sosialdemokra- tischer Besucher, der des Interesses halber zu dem kommunistischen Rummel gekommen war, sagte: So etwas Latschiges habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht mitgemacht! Als der Franzose Doriot sprach, war im Raum ein Spek» takel, daß man kaum fein«genes Wort, geschweige denn die Worte des Franzosen oerstehen konnte. Fortwährend ertönten vereinzelte Ruf«: Ruhe, wir wollen doch was hören!, aber es kümmerte sich niemand darum. Es war ja auch soviel Platz da. spozuren zu gehen und eine Plauderei«inzuschieben. Es war ja so wenig Inter- esse vorhanden, was sollte man sich da genieren. Die deutschen Kommunisten beschränkten sich auf die oft gehörte Hetz« gegen die Sozialdemokratie. Parteiredner, die als„Arbeiter» Vertreter" ein Bündnis mit Seldte, Hugenberg und Hitler abge» schloffen haben, dürfen sich nicht wundern, wenn die Berliner Arbeiterschaft über ihre Tiraden zur Tagesordnung übergeht und ihren Kundgebungen fernbleibt. Die Anprangerung des schmählichen kommunistischen Verrates durch das letzte Flugblatt der Berliner Sozialdemokraten hat es Herrn Ulbricht besonders angetan. Er verteidigte die Raufbolde, die unsere Flugblottvlrteiler anfielen, mit minutenlangem Eifer und nm so geringerer Ueberzeugungskraft. Bei den Unentwegten fand er hiermit Beifall, aber selbst dieser Beifall klang sehr matt und lau. Herr Remmele sprach von der Quittung, die am Sonntag über- reicht wird. Die Berliner Arbeiterschaft hat hat durch ihr Fern- bleiben von der„Maffenhundgedung" der Kommunisten diese Quittung schon gestern erteilt. Die Reklame zieht nicht. Zum K. August, 8 Uhr, hotte die Kommunistische Partei, Sektion Wittenau, zu einer Kundgebung für den Volksentscheid ein- geladen. Als Referent war angekündigt der Landtagsabgeordnete Kasper. Die Versammlung war s o„gut besucht", daß man doch schon um beginnen konnte. Da Herr Kasper auf einer Retlamereise ist, sprach der ehemalige nationalsozialistisch« Iugendführer von Mim- chen. Llpinski, und schwelgte in den üblichen Phrasen gegen die Sozialdemokratie und die preußische Regierung. Der zweite Redner sprach so„interessant", daß es die KPD.-Funktianär« für wichtiger hielten, Schach und Skat im Schantraum zu spielen. Leerer und leerer wurde die Persammlung, so daß es der Porsitzende vorzog, die Kundgebung vorzeitig zu schließen. Wanmttgsflgual �923. Die Aoyeristhe Voltspariei warnt vor Hakenkreuzputsth. München. 6. August.(Eigenbericht.) Das führend« Organ der Bayerischen Dotkspartei. die.Fugs- burger Post-Zeitung", schreibt zu dem Urteil im Weil- heimer Landfriedensbruchprvzeß, daß die einzelnen Wendungen in der Urteilsbegründung eine aussolleiud« Unkenntnis des Wesens der nationalsozialistischen Agitationsmethoden enthalten: Die Enthüllungen, die in diesem Prozeßverfahren über die national- sozialistisch« Spionage in amtlichen Stellen gemacht worden seien, legten die Befürchtung nahe, daß der gesamte staatliche V e r- «altungsbetrieb von nationalsozialistischen Spitzel- teil» schon besetzt sei, teils noch durchsetzt werden solle. Ueber die ungeheure Gefahr dieser Bespitzelung brauche kein besonderes Wort verloren zu werden. Einer Partei» in welcher der Bruch des Ehrenwortes zu Parteizwecken als ein ethisch er- laubtes Mittel betrachtet werde, sei alles zuzutrauen. Reichs- und Staatsbehörden müßten die strengsten Maßnohmen gegen diese» Spitzelsystem ergreifen. Die Lage Bayerns vor dem Hitler- Putsch möge Reich und Ländern«ine War- nung sein! Wohlunterrichtete, feine Leuten Der Letter der Münchener Zweigstelle de» W£B., des Süddeutschen Corr.-Büros, gibt nachttäglich Kenntnis von einem Bor- gartg, den wir glauben der Oeffenttichkeit nicht vorenthollon zu dürfen, well er einen bemerkenswerten Einblick in die Umgangsformen der Leute gewährt, die Deutschland sittlich erneuern wollen: „Am 27. Juli rief einer unserer Herren um 19.15 Uhr die Reichsparteileitung der NSDAP, an. um anzufragen. ob die Partei zum Rücktritt Franzens eine Erklärung heraus- gebe. Er wurde an den„Böltischen Beobachter" verwiesen, der die alleinige Pressestelle der Partei darstellt. Dort meldete sich ein H e r r Zech, der unserem Beamten erklärte, daß die Meldung vom Rück- ttitt Franzens„nicht die erste Lügenmcldung des Wolss- Büro» sei. Darauf wurde erwidert, daß der Minister seinen Entschluß bereit» in eine« Schreibe« dem Präsidenten de» Braunschweigischen Landtag» mitgeteilt habe. Di« Antwort lautete: �Va» ganze ist eine Ente und. wie gesagt, nicht die erste und jeden- fall» auch nicht die letzte Lügemneldung. die das WTB. verbrettet" Der Klagen furter tiomnmmfiensührer Rochu» Kersch« hat sich erschossen. Man bringt den Selbstmord in Zusammenhang mtt d-n Angriffe» kommuniitischer Demonstranten m der Hauptstadt Kärntens auf Polizeibeamte, was gegen de» Willen Kersch«» ge- Sparer aus! Helft der Hitler-Thälmann-Front durch ein„Ja' beim Volksentscheid die mühsam gestützten Sparkassen zum Einsturz zu bringen! Der Terror beim Volksbegehren. Aichi nur die Zeiten wandeln sich, sondern auch die Kommunisten. Die Terrorisierten find beim Volksentscheid geschützt. Der Amtliche Preußische Pressedienst schreibt: Die Betelligung der Kommunisten am Volksentscheid ruft die Erinnerung an die Kleine Anfrag« Rr. 2443 im Preußischen Landtag vom 27. Mai 1931 wach. In dieser Anfrage der Kommunistischen Partei hieß es: „In der Provinz Ostpreußen haben die Gutsbesitzer nn- geheuren Terror ausgeübt, um die Landarbeiter zu zwingen, sich zum Volksbegehren für die Landlagsausläsung einzuzeichnen." Es solgteu dann mtt namentlicher Rennung und genauer Orts- angabe nicht weniger als 53 Fälle, in denen, sei es durch Be- drohung mtt dem Ziehschein, fei es durch Mißhandlungen, fei es durch Gewährung von Freibier, durch körperlich« Bedrohung, durch Lorspiegelung falscher Tatsachen, durch wirtschaftliche Schädigung wie Entziehung der Kuh oder des Kartoffelackers, oder durch ge- schloffene Hinsuhrung zum Einzeichnungslokal unter Führung de» Gutsbesitzers n.a. m., die Landarbeiter zur Eintragung gegen ihren Willen gezwungen worden seien. Die Anfrage der kommunistischen Lanhtagsfraktion schloß mtt den Worten: „Das gedenkt das Slaalsm inlsteriym zn ver anlasten, n» die Wählerschaft in Ankunft gegen derartige Terrorakt.-- zu schütz»?" Die Staatsregierung hat alle sehr zahlreichen Klagen der Preffe und der Gegner des Volksbegehren» in Pommern und Ost» preußen genau prüfen lassen. E» ist dabei festgestellt worden, daß das wirtschaftliche Lbhängigteitsverhältnis auf dem Lande in der Tat eine groß« Anzahl von Personen oeranlaßt hat, sich gegen ihre lleberzeugung zum Volksbegehren«rnzuttagen. Als charatte- ristisch sei hier z. B-«in Fall aus Pommern angeführt, wo sich bis zum zwölften Einttagungstage von 54 Personen eines Ortsteiles nur 6 zum Volksbegehren eingettogen hatten. Erst als durch die Ortszeitung(deutschnationol) mitgeteill wurde, daß entgegen den Erwartungen der Bevölkerung die Einttagungslisten den örtlichen Beauftragten des Stahlhelm ausgehändigt werben mühten, erfolgten 33 Einttagungen, bei denen übereinstimmend und ausdrücklich Er- tlärungen in dem Sinne abgegeben wurden: 1.„Wir setzen unsere Ramcn gegen unseren Willen unter da» Volksbegehren." 2.„Wir sind dazu genötigt, weil wir andernfalls unsere mttt- schaftliche Existenz mittelbar bedroht sehen." 3.„Dir werden in der geheimen Akstimmuna des kommenden Volksentscheids unsere gegenteilig« politisch« lleberzeugung mtt „Nein" quittieren." Dies« Fälle werden voll verständlich, wenn man nachprüft, wer die„örtlichen Beauftragten" de» Stahlhelm gewesen sind: zumeist Großgrundbesitzer und andere Arbeitgeber oder lokal sonst sehr einflußreiche Personen. E» werden Fälle berichtet, in denen Wähler sich unter Tränen und unter Verwünschungen gegen den Arbeitgeber eingetragen haben. Die vom Minister des Innern eingeforderten amtlichen Berichte lasten überhaupt in vielen Fällen einen vom moralischen Standpunkt au» geradezu erschütternden Schluß auf die Zwangsmatz- nahmen zu, die gegen Arbettnehmer im Osten angewendet worden sind, um sie zur Eintragung heranzubringen. Diese ungesetzliche Beeinfluffung hat sich über den Kreis der landwirtschaftlichen Arbeitgeber hinaus übrigens auch auf andere, z. B. auf in- dustrielle Unternehmungen erstreckt, von denen Menschen in kleinen Ortschaften in größerer Zahl abhängig sind. Erheblich ist auch die Zahl der s e l b st ä n d i g e n Geschäftsleute, die sich aus Furcht vor wtttschastlichem Boykott gegen ihre lleberzeugung emgettagen haben. Die zwangsweise abgegebenen Stimmen er- reichen vielfach einen hohen Prozentsatz jn den einzelnen Bezirkest-- Es ergibt sich aus einer Durchsicht der amtlich eingeforderten richte ein empörendes Bild der Brutalität Und d er Skrupellofigkeit, mit der man in einer ganzen Anzahl von Orten die wirtschaftliche Abhängigkeit politisch andersdenkender Men- schon mißbraucht hat. Di« preußische Staatsregierung behält sich vor. dieses gesamte� Material in der geeigneten Weise dem Landtag« und der OeffeNt-' lichkeit zugängig zu machen. Etne spezielle Antwort an die kommunistische Landtagsfraklion erübrigt sich wohl, da in der Zwischenzeit, seit dem 27. Mai d. Z„> ja die Kommunistisch« Partei eine Schwenkung vollzogen und den gleichen Landarbeitern, bei denen sie in ihrer Anfrage Terror von rechts festgestellt zn haben glaubt, nunmehr durch Portetparole zn- mutet, mit dem ste terrorisierenden Gutsbesitzer zusammen freiwillig zum Volksentscheid zn gehen. Das kommende neue Sttafgesetzbuch bringt erfreulicherweise nach dem jetzt schon vorliegenden Entwurf die bisher leider noch fehlenden schweren Strasbestimmungen für Wahlverruf und Terror bei Volksbegehren und Volksentscheiden. Heute aber bei diesem Volksentscheid haben die- jeuige» Staatsbürger und Staatsbürgerinnen, welche sich gezwungen sahen, beim Volksbegehren gegen ihren Willen sich einzuzeichnen, wenigstens die Möglichkeit, geschützt durch das Wahlgeheimnis, mit„Nein" zu stimmen oder ungültige» Wahlzettel abzugeben. eiue«««gültigen Wahlzettel abzugeben. Sympathie für Deutschland. Die Wirkung des internationalen SoBatistenkongresses. Nationalistische Kläffer in der deutschen Rechtspresse haben den Versuch unternommen, den Internationalen So- zialistenkongreß in Wien zu neuer nationalistischer Hetze gegen die Sozialdemokratie auszunützen. Ueber die wahre Wirkung des Kongresses für Deutschland schreibt ein unbefangener Beobachter, der Korrespondent des„Berliner Tageblatts" in Wien: „Der Wiener Kongreß der Zweiten Internationale hat durch da« Echo, das feine Redner in ihren Heimathinden gesunden haben, die Sympathien sür Deutschland in einem kaum zu ermessend« n Maße gesteigert. Schon darum müßt« seine Abhaltung aus deutscher Seite beachtet werden. Wie sich jetzt nirgendwo zwei Vankier» oder Minister bis herab zu den kleinsten Mitgliedern der Bourgeoisie auf dem ganzen Erdenrund treffen können, ohne„wie geht es Deutschland?" zu fragen, Hot der Kongreß gleichsam die„andere Seite der Menschhett", die sozialistische Riesenpartei, versammelt mtt» hat sich durch dieselbe Fragenstellung mtt all jenen Fragenden, mögen sie der sozialilftischen Well noch so ferne stchen, in einem vertieften Sinn« verbrüdert. Der Deutsch« ist heute Amfortas, er leidet; und alle treten mit jener Parsisal-Frage an ihn heran: Was fehlt dir?" Die Berichte über den Kongreß haben diese Wirkung be- reits so stark hervortreten lassen, daß de« nationalistisch«» Kläffer» der gute Glaube bei ihren Lugriffe» nicht zuge- billigt werde« kann. Verbot der Zeitschrist„Reichslandbund" Der Amttiche Preußische Pressedienst meldet: Dos Wochenblatt „Reichslandbund", Organ der gleichnamigen Organisation, ist von der preußischen Staatsregierung auf drei Wochen soeben verboten worden. Der preußische Ministerpräsident hatte die vom Vorsitzen- den des Reichslandbund, Grasen Kolckreuth, erhobenen Vonpürse gegen die preußisch« Staatsregierung. sie habe die Osthilfe sabotiert, mtt einer Entgegnung beantwortet, in der an Hand der Tatsachen und belegt durch genaues Zahlenmaterial nachgewiesen war. daß die preußisch« Staatsregierung mit ollen ihr zu Gebote stehende» Mitteln tätig gewesen ist und noch tätig ist, um den deutschen Osten in den vollen Genuß der von der Osthilfe angestrebten Hilfe zu bringen. Der„Reichslandbund" hat in seiner Antwort auf diese Entgegnung den Vorwurf der bewußten Sabotage der Osthllse durch Preußen, verbunden mit schweren Beleidigungen und B«r- öchtlichmachung der preußischen Staatsregierung, in einer Weife wiederholt und ausdrücklich noch erweitert, die ein Verbot unum- gänglich notwendig macht. Der preußische Ministerpräsident wird außerdem gegen die Schriftleitung des„Reichsländbund" noch Strafantrag stellen. Dem Verdienste feine Krone. Hilter hat den bisherigen Schriftleiter der vor de« finanzielles Zusammenbruch stehenden„Essener Rationalzettung", Dk. Diet» rich. zu sich ins Braune Haus nach München befohle» und ihn beauftragt, die Leitung der Pressestelle bei der Reichsleitung der RSDAP. zu übernehmen. Diesen Freundschostsdienst war Hitler dem abgebauten Redakteur schuldig. Dietrich ist einer der erfolg- reichsten Vermittler zwischen der Nationalsozialistischen„Arbeiter"- Partei und der rheimschen Schwerindustrie, insbesandere dem sogenansten herein für bergbauliche Interessen". WERTHEIM Zusendung von 5 M«n. Obst, Gemüse u. leicht verderbliche Artikel werden nicht zugesandi Scufct*(Dorrati (SWige Jßehensmitte Frisch. Fleisch Geflügel, Wild . Pfund 0.74 •RQck.n, A OJ Pfund U.ÖA Kalbskamm Kalbsbrust u Kalbsschnitzel■ p'und 1.80 Schweinebauch Pfund 0.78 Schweineblatt" 0.80 SchweineschinkenPfd. 0.88 Querrippe....Pfund 0.70 Gehacktes.... P'und 0.68 Liesen 0.70 Gulasch 0.90 Räucherwaren Fettbücklinge pw.v.-n 0.22 Makrelen"pfuHS"�« 0.30 Flundern" p�nd«'n«n 0.36 Suppenhühner"n"1n 0.90 Junge Enten Pfunvon an 0.90 Brathühner P'und v. an 1.08 Hirschfleisch JJ0*- Pfund von an 0,75 0,98 0,98 Rehfleisdi***** B,aft Pfund von an 0.30 0.951.55 Obst u. Gemüse Tomaten. Pfund 0.07 0.14 Augustineräpfel P'und 0.1 5 Pflaumen Ungar. 2 Pfund 0.35 Rot-, Weih. üihTÄdO.04 Schmorgurken 4 Pfund 0.1 5 Einlege* gurken 4"und 0.1 5 Fische u. Saaladii, A d 9 Pfund von an«P*1' Kabeljau Schellfisch Pfund von an 0.1 3 Rotbars"'""pwnd von an 0.22 Kabeljaufilet Pfd. v. an 0.22 Grüne Heringe ZPv."an 0.38 3 Tj 0.35 Brafschollen ■ gefroren, ganze Fische f\ 4tQ Lachs � Pfund von an V.OO Lebende AaiePfd-v.an 0.85 Konserven Dosa Apfelmus........ 0.65 Aprikosen halb, Frucht 0.95 Pfirsiche kalif., halb. Frucht 1.25 Erdbeeren os»«.« 1.25 Sauerkirschen Ananas 1-10 ea. S Scheiden 1-kg-Dose 1.35 SenfgurkenDoU0.30 0.58 Gemüse-Erbsen.•. 0.55 Junge Erbsen..... 0.60 Gemischt. Gemüse» 7» 0.65 WÜrSfdien Dosa 5 Paar 0.75 Disardinen 2 Klub- n JK dosen«./» französische, 4 AS ■/.Dose, hoch»»vS Konfitüre in Vi Eimem zu billigsten Preisen Wurstwaren Schweinskopf ln pfj" 0.75 Dampfwurst 0.85 MettWUrSf(Braunschw.Arf) 0.90 Leberwürste.�. 1-OS Speck Pfu�d 0.75 mager 0.98 Käse u. Fett Ramadou halbfett, stock r.■.-i.i c.-(Tilsifer Art) DlOCKKaSe halbfett, Pfund Steinbuscher voiifett,Pfd, Tiisiteru. Briekäse vp!af; Ms.ms.Ira U. Kokosfett, Margarine z ptund Molkereibutter P'und Dän. Butter..•"und 0.16 0.62 0.70 0.78 0.75 1.22 1.56 Kolonialwaren Bruchreis 0.1 3 Väläi 0.1« Reisgrieh..... P'und 0.20 Harfgrieh..... ptund 0.26 Puddingpulver n Vanille- u. Mandel-Geschmack.""�' Kaffee �VÄn an 1.90 Wein Preise för V, Flasche ohne Glas Edel-Apfelwein.. Flasche 0.55 1930 Oberhaardter.... 0.73 1930 Liebfraumilch (Goldkapsal) 0.85 1930 Obermoseler.... 0.80 Vom Fahr Pfalzer Bowlenwein.Lifar 0.70 Jehannisbeerwein.. Liter 0.88 Wermufhu.Tarragena Liter 1,00 Staatstheater Geschlossen. Abonneinents- Einladung für die Spielzeit 1931/32 aroüer Preisabbau, wesentliche Verbesserung einzelner Platzgruppen durch Vorverlegung, sehr bequeme Zahlungsbedingungen. Anmeldungen nehmen in der Zeit von 10 bis 2 Uhr entgegen: für die Sloalsoper und das SlamUdie SAantplelttans: Abonnem-Büro Oberwallstr.22, Fernsprecher: Merkur 9024, für das staotLSdiUierUieaier: Abonnem.-Büro: Charlottenbg., Orolmanstraße 70, Fernsprecher: Steinplalz 6715 «vsUhr CASINO-THEAiERs'/.uhi Loihrintfer Strafe 37. ymuutmii iiiiii luuiiuiiin mm iiiimiiiiimiimimiiituHiHiuiiii Wiedereröffnung Sonnabend, d. 13. August Modern renoviert! Moderne Darbietuogenl Trotzdem zeitgemäßer Preisabbau B.tS Diu Flora 3431 Raudieo erlaabt Bamelte. einmalig in der Welt, 2Lenclos,Conciie.FransKy usw. Sonnabend und Sonntag je 2 Vorstellungen 4 und 8" Uhr. 4 Uhr kleine Pr. üMUUM Mnugung� i�stauaiit Berlins Vertanil lUfldiliiiiiler u.PaDierverailieiterDentsililaDils Am Dienstag, dem 4. August, verschied plötzlich und unerwartet im Anschluß an eine Verbandsvorstands- sitzung unser lieber Freund und Kollege Eugen Brückner im Alter von 58 Jahren. Seit vielen Jahrzehnten war er ständig als ehrenamtlicher Funktionär in unserer Organisation tätig, in Berlin im besonderen hat er neben vielen Verbandsfunktionen lange Jahre ehrenamtlich als Bevollmächtigter der Zahlstella gewirkt. Seit über 25 Jahren ist er ehrenamtliches Mitglied des Hauptvorstandes und hat, obwohl er in außerordentlichem Maße für die Partei im Landtag und in der Kommune tätig war, bis zum Schlüsse, soweit es seine freie Zeit erlaubte, für unseren Verband gearbeitet. Sein ganzes Leben von Jugend auf war der Arbeiterbewegung gewidmet. Er war jederzeit bereit, Rat und Hilfe zu leisten. Sein uneigennütziges, selbstloses Wirken für die Interessen der Arbeiterschaft wird uns immer im Gedächtnis bleiben. Der Verbandsvorstand; Haueisen Ortsvcr wallung Berlin: Imhof Die Beerdigung findet am Sonnabend, dem 8. August, 17 Uhr, auf dem Zentralfriedhof in Berlin-Friedrichsfelde, Gudrunstraße, statt. Inserate im Vorwärts sichern Erfolg! DER TOD FOt&r /AREA/ v» SPORBMf Die lästigen Insekten sind bekannt als gefährliche Krankheitsüberträger. Sie nisten auf Dnnghaufen, fliegen in Ihr Heim und verbreiten oft die schlimmsten Krankheiten. Töten Sie die Fliegen, ehe die Fliegen Sie töten.— Zerstäuben Sie Flit. Flit vernichtet Fliegen, Mücken, Schnaken, Flöhe, Ameisen, Motten, Bettwanzen, Schaben und deren Eier. Flit-Zerstäubung ist für Insekten tödlich, für Menschen jedoch unschädlich. Bequem anzuwenden, fleckt nicht. Verwechseln Sie Flit nicht mit anderen Insektenvertilgungsmitteln. Zerstäubt FLIT Rur echt in der gelben Packung mit tchwarzem Rands Barbarossa 925« Tlfll. S u. 81/2 U. Barto AMann w.* O. Aham Waltar Nllsaon South China Walntraubs a. waltara Hau halt Komische oper Frledrichstr. 104 Uhr Frauen haben das gern... Musikal. öchwaak von Arnold Musik t. Walt. Kollo Somraerpr. 0230-73)0 metropoi-Theater Täglich SWs Uhr Die Toni aus Wien Mady Christians, Michael Bohnen Rurtflrstenflamni- Theater Bismarck 448/49 | 8'/» Uhr| Die schöne Helena «an lacqoBS Ollenbaffi Begis: Uoi Rsiohardi Alexanderplatz Neue Königstr.43 PlanetariniHamZoo Verlängerte Joadilmalhaler Sir. Täglich(außer Montag) 4 Uhr;„Der Sternenhimmel Im Sommer" (50 Pf.) Vortrag mit Zeiß-Instrument 5, 7. 9 Dhr: »Himmel Uber Indien*— Vortrag mit{ Zei�. Instrument— Film..Chang;" Eintrittspreis auf allen Plätzen 80 Pf. 1 Schüler u.Studierende zahlen die Hälfte Ab Mittw.S. Aug. bis 12. Aug. tägl. 7 Uhr: ..Die Arktis ans dem Xeppclin- fenster*', Vortrag mit Film u. Licht- I bild von A. Koestler, dem einzigen Be- 1 richterstatter auf der Polarfahrt des »Grafen Zeppelin" Eintrittspreis 80 Ptg. Freikarten und Vergünstigungen für| diesen Vortrag aufgehoben. Reichshallen-Theater „Alles verrückt!" Stettiner Sänger Anfang| s| Uhr - m — 3—-�Taql • SFroAcnbahr» Vorortbahn Scbb Der gufe Kapflän- KaulabaK;v,:s.rÄ C. Röcker, Berlin UdiioiiiicrDBr StraBe 22. KOniosi. 3861 ROSE-THEATER Wodicniags 816 SonDtig. den 9. Aug. 3 x j» j« q« Uhr „Madame hat Ausgang" mit Tränte Rose u. Armin stehwelzer Preise: 0.40—3 M. ROSE- C-V KT Kl Das Varieteprogramin 8.13: „Panne um Minernacnt" 3 ikfige Opflnhie. Preiu: 0.60-2 Zt. Qr. Frankfurter Str. 132. U-Bahn Strausberger Platz.— 6 täoloer Vorverkauf 11— 1 und 3—0 Uhr.— Tel. Bestellung E 7 Weichsel 3422 Am Dienstag, dem 4. Angust 1931, 22 Uhr, entschlief, völlig unerwartet, mein lieber, guter Mann, unser guter Vater, Schwiegervater und Großvater Eugen Brückner im Alter von 58 Jahren. In tiefstem Schmerz für alle Hinterbliebenen Ella Brückner und Kinder. Berlin 0112, den 5. August 1931. Simplonstraße 37. Beileidsbesnche herzlichst verbeten. Die Trauerfeier findet am Sonnabend, dem 8. Angust 1931, 17 Uhr, auf dem Zentral-Friedhof in Berlin-Fned- richsfelde, Gudrunstr., statt. In den Abendstunden des 4. Angust verschied der stellvertretende Bürgermeister des Bezirks Friedrichshain, Stadtrat Eugen Brückner M. d. L. Der Verstorbene war seit mehr als 10 Jahren Mitglied des Bezirksamts. In schwieriger Zeit hat er seine Arbeitskraft und sein reiches Wissen in den Dienst unseres aufstrebenden Bezirkes gestellt. Das Bezirksamt verliert in ihm einen lieben und gerechten Mitarbeiter. Sein Andenken wird über den Tod hinaus in verbindender Treue in Ehren gehalten. Die Trauerfeier findet am Sonnabend, dem 8. August, um 17 Uhr auf dem Zentralfriedhof in Berlin-Friedricbs- felde, Gudrunstrasse, statt. Bezirksami Friedridishain. Arn Dienstag, dem 4. August, verschied unerwartet unser treuer Genosse Eugen Brückner Stadlrat im Bezirk Friedrichshain Der Verstorbene hat seit 40 Jahren unermüdlich für unsere Ziele und für den Aufstieg der Arbeiterklasse gewirkt Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Sozlaldemokr&iUche Partei BerUn-Friedriduhain Sozialdemokraliscfae Fraktion der Bczirks- versammlung Friedrichthain Sozialdemokratische BetriebsfrakHon des Bezirks. amts Friedrichshain SPD. 33. Abfeilung Die Trauerfeier findet am Sonnabend, dem 8. August, 17 Uhr, auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde statt. Berliner Volkschor misi. d DenitdL Arb.-sanderb. Am Ditnsiaz. bem 4. August, otr- starb unser lieber Süngesbtubet Otto Gatzmann nach kurzem, schwerem Letben. Wir werben ihn stets i» ehrenbem Anbenten behauen. Die Einäscherung finbet am Freitag, bem 7. August. I9V, Uhr. im Ätema- torium«Serichtsirahe statt. Möbelverkauf Wegen Aufgabe eines grä Heren Hotel« werben am Sonn abend, dem 8. Angnft, vorm. 10 Uhr, ans de»»rundstürk Doyen- strahe 31, besterhaltene Möbel für jeden Preis vertäust: Seffstsllea, Sofa», Schränke, woschlolleflen. Sessel. Tische, SlOhie, Spiegel, Sekten nsio. -u�Bstten issä Klndort, PoUtor. PuUeL. an J#d.m,T«Ua KaUJogtroLElMomOlMltabrlkSahl(TbOal EM � Dentsdier Metaliarlieiter-YerbaDii Verwaltungsslelle Berlin Todesanzeigen Den Milgiiebern zur Nachricht, baß unser Kollege, der Schlosser Ednard Jähner am 3. August gestorben ist. Die Einäscherung stnbet am Freitag, bem 7. August, vormittags>dl2 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Kiesholzstraße, statt Berichtigung Am Z. August starb unser Kalleae, der Schmieb ködert kottmsnn Die Beerbignnz finbet Freitag, 7. August, nicht Sonnabenb.8. August. nachm. IM, Uhr. von der Leichen- Halle des St. Seargen-KirchdoleS in Weißensee. Rölckestraße, aus statt Ehre Ihrem Andenken l Rege Beteiligung wirb erwartet nie OrtsverweUnng, ?lr. 365• 48. Lahrgang 2. Beilage des Vorwärts Freitag- 7. August 1934 Wissenschaft für Bankenkontrolle. Oie staatliche Bankenkontrolle von Felix Gomary schon-1930 gefordert. Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, daß dos Ver- trauen zu den Banken nur dann wieder hergestellt werden kann. wenn die bisherigen Mißstände beseitigt werden. Es ist ein u n- haltbarer Zustand, daß den Banken die Wirtschaftsführung völlig überlassen bleibt und das Reich dann mit feiner Garantie einspringt, wenn sich die Banken nicht mehr zu Helsen wissen. Das Reich, d. h. die Steuerzahler müssen jetzt für die Politik und die Verpflichtungen der Banken gerade stehen. Die Steuerzahler hoben das Risiko übernommen, ohne einen Einfluß ausüben zu können. Die Banken trifft eine große Mitschuld an den erheblichen Kapital- fchlleitungen. die zu den Ursachen der gegenwärtigen Wirtschafts- und Kreditkrise gehören. Dieser Kriscnherd muß beseitigt werden, und zwar durch die Aufsicht des Reichs über die Ge- schäftsführung der Banken. Daß es sich bei der Kontrolle der Bonken nicht nur um eine Forderung der Arbeiterschaft handelt, geht daraus hervor, daß einer der besten Banktheoretiker und-praktikcr, der Züricher Bankier Felix S o in a r l>, die gleiche Forderung erhebt. Somary, der als Theoretiker und Bankfachmann wahrhaftig nicht verdächtigt werden kann, der sozialdemokratischen Bewegung nahe- zustehen, hat in der 1930 erschienenen zweiten Auflage seines Buches „Bankpolitik" zur Frage der Bankenaufsicht Stellung genommen, die eine Begründung unserer Forderung darstellt. Er weist in seinem Werke(S. 3ll) daraus hi», daß die Kreditbanken einen wachsenden Teil des Zahlungsverkehrs an sich gezogen haben, daß die Guthaben bei ihnen dem Kaufmann und Fabrikanten als oores Geld gelten, daß ihre Sicherheit für die Währung und ihre Liquidität für den Geldmarkt von entscheidender Bedeutung seien. Somary fährt dann wörtlich fort: „Itormen zur Wahrung der Liquidität werden sich darum in allen führenden Wirtschastsreichen durchsehen, entweder durch freie Vereinbarung oder durch Gesetz. Darüber hinaus mag in nicht zu ferner Zeit sich die Frage des Eingriffs des Staates in die Wirtfchastspolitik der Kreditbanken auswerfen. Die Kreditbanken des deutschen Systems greifen in die Produktions- uud die Einkommenspolilik in zunehmendem Maße ein, sie bilden die stärksten prinatwirlschastlichen Organisationen innerhalb der Volkswirtschaft. Die Art der Anlage der Gelder der Kredit- danken ist für die Vermögensverwendung und die Verflechtung der heimischen Wirtschaft mit dem Ausland von entscheidender Bedeutung. Bisher haben die Staaten nur auf die Frage der Zulassung ausländischer werte Einfluß genommen, in Mittet- und Westeuropa ober im übrigen den Kreditbanken freie Bahn ge- lassen... Das Verhältnis zwischen Staat und Kre- dilbanken, der öffentlich- rechtlichen Wirtschasts- leitung und der. finanziellen O rganisationen der Privatwirtschaft scheint aber schon in naher Zeit reif zur gesetzlichen Regelung zu werden. Dazu wird die... in der Gegenwart immer deutlicher siäz akzentuierende tatsächliche hastung der Allgemeinheit für die Verpslichlung der G r o ß i g st s t» t e sühren; während die Tendenz zur Loslösung der Rotenbanken vom Staat. wie sie das neue Reichsbankstatul anschlug, keine Fortsetzung erfahren hat, führt die Ausionsbewegung der Kreditbanken zumindest in Europa zur Abhängigkeit vom Staate." Das sind, l9Zi) geschrieben, die gleichen Ueberlegungen, die » n s zur Forderung noch der Bankenkontrolle geführt hoben. Nur ist für die Notwendigkeit, die Somary l 9 3 9 theoretisch formulierte, heute eine furchtbare praktische Be- weisgrundlage gegeben. Wir zweifeln nicht daran, daß die Autorität, die Somary in Bankenkreisen genießt, in diesem Falle keinen Eindruck machen wird. Um so mehr haben wir Anlaß, der Oeffentlichkeit zu zeigen, daß die Bankenkontrolle keine demo- gogische und sachlich etwa ungerechtfertigte Forderung der Arbeiter- schaft ist, sondern daß sie auch von denen anerkannt wird, die vor- urteilslos genug sind, kim aus ihrer intimen Kenntnis des Bank» wesens heraus die Folgerungen zu ziehen, die im Interesse d e i> Allgemeinheit gezogen werden müssen. * Sanierung der Schröderbank, Bremen Mit Hilfe des Zleiches!- Lind die Bankenkontrolle? Die Sanierungsverhandlungen über die I. F. Schröder- Bank, Bremen, scheinen abgeschlossen. Man rechnet mit Wieder- eröffnung der Schalter am Montag. Die ausländischen Glau- biger werden mit ihren Forderungen, soweit sie gedeckt sind, 18 Monate lang stillhalten. Soviel steht sest— ohne das Reich wäre die Sanie- rung unmöglich gewesen. Bon dem Verlust von 45 Mill. Mark werden 15 Mill. durch das Kapital und weitere 15 Mill. M. durch die Reserven gedeckt. Der Rest des Verlustes— also 15 Mill. Mark— geht z u Lasten des bremischen Staates, der 24 Mill. M. Forderungen an Schröder hatte. Das neue Unter- nehmen soll 12 Mill. M. Kapital und 3 Mill. M. Reserven erhalten. Von dem Kapital übernimmt nominell der Staat Bremen 7 Mill., die bremische Privatwirtschaft 3 Mill. und Ber- l i n e r Banken 2 Mill. M. Aktien. Tatsächlich aber muh das Reich weitgehend einspringen— es übernimmt die Hälfte der Beteiligung sowohl des Bremer Staates wie der Privatwirtschaft. Man scheint also hier den gleichen Weg wie bei der Finanzierung der Uebernahme von Danat-Aktien durch die Schwerindustrie ein- schlagen zu wollen. Man muß mit allem Nachdruck ver- langen, daß das Reich seinen Einfluß in der Ver- waltung der neuen Bank wahrt, da die Sanierung ohne Reichsmittel unmöglich gewesen wäre, daß das Reich nicht wieder als Finanzierungsinstitut für andere(zum Teil private) Kreise Risiken ohne Kontrolle übernimmt. Da die Hälfte der Bankenbeteiligung auf die Reichskreditgesellschaft entfällt, wird das neue Kapital tatsächlich zur Hälfte aus Reichsmitteln ge- bildet. Nachdem die alte Verwaltung der Schröder-Bank so glänzend versagt und die Finanzen des Bremer Staates schwer in Mitleidenschaft gezogen hat, ist es selbstverständlich, daß sie ab- tre��muß. Die Bremer Privatwirrschast will 5)errn Schröder halten— viele Beziehungen hat er sa wohl, aber Vertrauen hat er keines mehr, nicht im Inland, erst recht nicht im Ausland. Banken- kontrolle durch dos Reich— das muß auch in diesem Falle erstes und letztes wort bleiben! � Die Erben der Devaheim-pleite. Central-Bausparkasse und Deutscher Creditverein berichten nichts Erfreuliches. Der„Vorwärts"" wies am 31. Juli bereits darauf hin, daß die angekündigte Sanierung der zusammengebrochenen Bau- sparkasscn der evangelischen Inneren Mission Deva- heim und Deutzag und die Sicherung der Einlagen ihrer 21 900 Sparer, die durch Ueberleitung der Bausparverträge aus die Central-Bausparkasse A.-G. bewerkstelligt werden soll, recht frag- würdig ist. Die soeben erschienenen Geschäftsberichte der „Centralbau"" und der hinter ihr stehenden Deutscher Creditvcrein A.-G., die in ihrer nichtssagenden Knappheit Musterbeispiele einer Publizität sind, wie sie nicht sein soll, sind nur geeignet, die Zweifel an der sachlichen Eignung dieser Interessenten zur Sanierung der Devaheim zu verstärken. Der Deutsche Creditverein, an dein die West- deutsche Industrie durch Aktienbesitz interessiert ist, hat ihr nominelles Aktienkapital jetzt von 10 Millionen Mark auf den bisher eingezahlten Betrag von 6 Millionen Mark herabgesetzt. Als Rein- gewinn werden nur rund 298 000 Mark ausgewiesen, aus dem keine Dividende verteilt wird. Auf der anderen Seite konnte jedoch eine Sonder-Rücklage von rund 2 389 000 Mark neu gebildet werden. Ueber die Interessen des Deutschen Creditvereins am Parzellier ungsgeschäft in der Hingebung Berlins und über die interessaiüesten Bilanzposten, die Bürgschaftsver- pflichtungen in Höhe von 2 997 000 Mark sowie die Be- tciligungen und Konsortialgcschäste in Höhe von 548 099 Mark schweigt sich der Geschäftsbericht vollständig aus. Die Verbindung zur Central-Bausparkasse, die vom Deutschen Creditverein gegründet wurde, und deren Vorstandsmitglieder Kollektivprokuristen des Deutschen Creditvereins sind, ist aus diesem Bericht ebensowenig ersichtlich wie die Tatsache, daß der Creditverein für die Einzahlungen auf Grohbausparverträge von Bauunternehmern und Baugesellschaftcn Garantien über hohe Be- träge übernimmt. Die Bilanz der erst 1930 gegründeten Central-Bauspar- k o s s c, die als rein kapitalistische B a u s p o r b a n k be- trieben wird, weist ein eingezahltes Aktienkapitol von 250 000 Mark aus. Hn den Werbeschriften dieser Kasse heißt es jedoch:„Für die Sicherheit der Spareinlagen und die Erfüllung des Sparvertrages bürgen ein Aktienkapital von 1 000 000 Mark und die Bonität der der Centralbau nahestehenden Banken."" Bei Sparkonten in Höhe von nur 1 128 952 Mark kannten als einmalige bei Vertragsabschluß zu zahlende Vcrwaltungskostenbciträgc 138 224 Mark vereinnahmt werden. Angabe» über die Anzahl der Sparer und die Höhe der Dcrti agssummcn sucht nian in dem Geschäftsbericht vergebens. Der„Vorwärts" wies bereits auf mehr als eigenartige Groß- Bausporgefchäjte der Centralbau hin. Der Bericht für 1930 empfiehlt weitere fragwürdige Geschäfte: den Abschluß von �Kaxüalveitrageu",„die den Sparer in die Lage versetzen, mit einer verhältnismäßig kleinen Einzahlung in einer verhältnismäßig kurzen Zeit ein größeres Vermögen zu bilden". Es wird damit eine baldige Auszahlung eines zweiprozentigen Darlehens in Aussicht gestellt, dos hochverzinslich in Pfandbriefen und Schuldverschreibungen angelegt und ohne weitere Zuzahlungen getilgt werden kann. Diese Gewinnchancen, mit 2000 Mark z. B. in wenigen Jahren 10 000 Mark zu verdienen, bestehen für einzelne natürlich nur, weil andere Sparer warten und Zinsverluste bei 0 Prozent Verzinsung ihrer Guthaben erleiden müssen. Der Unfug der Bauspar-Lotterien um Zinsgewinne einzelner auf Kosten ihrer Mitsparer ist hier kraß auf die Spitze getrieben. Die Minister und hochgestellten Persönlichkeiten im Aufsichtsrat der Centralbau sind ebensowenig, wie es der liebe Gott im Auf- sichtsrot der Devaheim war. eine Garantie gegen fragwürdige Geschäftsverfahren. Die Annahme ist nicht ganz unberechtigt, daß sich die Centralbau, unter zahlreichen Vorbehalten übrigens, nur zur Sanierung des Devaheim-Konzerns bereiterklärt Hot, um den lebensfähigen Teil des Bestandes an Bausparverträgen aus der K o n k u r s m a s s e zu erwerben. Br. „Riffe in der Agrarpolitik." Bemerkenswerte Ausführungen der Oomänenbank. Die deutsche Pächterkreditbank(Domänenbonk) e. G. m. b. H. schickt ihrem Geschäftsbericht für 1930 einleitend Be- inerkungen über die deutsche Agrarpolitik voraus, die verdienen, der Oeffentlichkeit bekannt zu werden. Das um so mehr. As die Presse, die sich in erster Linie zur Vertretung landwirtschaftlicher Interessen berufen fühlt, von diesen(unangenehmeni Feststellunzen ihren Lesern entweder gar nicht oder unter Fortlafsung der e n t s ch c i- d e n d e n Stellen berichtet. Das zusammenfassende Urteil der Domänenbank lautet:„D i e Agrarpolitik zeigt Risse in sich selbst il n d inan- gelnde Berücksichtigung ihrer nun einmal ge- gcbcnen Stellung in der allgemeinen Wirtschasts- Politik." Alle agrarpolitischen Maßnahmen hätten das Ziel, die Preise für einzelne Produkte(Weizen, Roggen, Zucker usw.) und die Einnahmen für einzeln« Jnteressentengruppen zu stei- gern. Mit diesen Mitteln konnte man der V e r e d e l u n g s w i r t- schaft(Geflügelzucht, Viehwirtschast) nicht helfen(man darf wohl ergänzen: sondern man Hot sie direkt geschädigt. Die Red.i. Vor allem Hobe man sich nie überlegt, ob diese Preiserhöhungen sich nicht letzten Endes, wenn sie sich allgemein ausgewirkt hätten, zu einer neuen Belastung der Landwirtschaft hühren mußten, nämlich zu einer neuen Erhöhung der Löhne und Prr.duktions- mütelpreise. Die protektionistischeN Maßnahmen seien zu. oerwerfen: sie hätten der Volkswirtschaft Schaden zugefügt und der Landwirt- schaft wenig oder gor nicht genutzt: sie hätten vor allem eines ver- hindert— die Senkung der Ausgaben. Nicht von der Einnahmeseite her, sondern durch„Angleichung der A u s g a b e n s e i t e an den derzeitigen und späteren Preis- stand" müsse eine Gesundung der Landwirtschaft erstrebt wcrden. Dazu sei eine„Veränderung der Industrieschutzzoll- m d Kartellpolitik sowie, in Gleichschritt mit einer späteren Veränderung der Nahrungsmittelpreisbasis, eine Acnderunz der Lohnpolitik" notwendig. Die i n d u st r i e l l e„T e i I p l a n w i r t I ch a f t", die von den Kartellen unter dem Schutze von hohen Zöllen, die längst den Charakter von Erziehungszöllen verloren hätten, durchgeführt werde, diese Teilplanwirtschaft habe eine„erstaunliche Widastands- fähigkeit der Preise" gezeitigt. Die Kartellpreise seien in erster Linie zur Senkung der Produktionskosten der Landwirtschaft abzubauen. Eine Senkung der Löhne verlangt die Domänenbonk nur unter der Bedingung, daß eine Senkung der Nahrungs- mittelpreise vorausgegangen ist. Allerdings vermissen wir die Feststellung, daß die Löhne nicht allein Produktionskosten-, sondern w i ch t i g st e r Nachfragefaktur sind. Eine Senkung der Löhne schwächt die Kaufkraft und muß sich unter allen Um- st ä n d e n zuungunsten gerade der Landwirtschaft auswirken. In der Durchführung der O st h i l f e a k t i o n fordert die Do- mänenbank ein schnelleres Tempo. Ader auch in der Frage der U m f ch u l d u n g fei zu wünschen, daß allein das„allgemein- wirtschaftliche Interesse maßgebend" sei. Das bedeutet also, daß auch nach Ansicht der Domänenbank nur diejenigen Betriebe der Unterstützung durch die Osthilfe teilhaftig werden dürfen, deren Betriebsfllhrung die Gewähr für einen dauernden Be- stand nach vollzogener Umschuldung bietet. Jji' Aus dem eigentlichen Tätigkeitsbericht sei noch mit- geteilt, daß die Domänenbank stark an der Erneuerung des Pacht- rechts mitgearbeitet Hot. Der Mitgliederbestand hat sich uuf 1 155 erhöht. Das Geschäftsguthaben belief sich Ends 1930 auf 2,23 Millionen Mark, während die Haftsumme(in'olge Herab- sctzung auf den dreifachen Betrag der Geschäftsanteile) schon von 11,4 Millionen Mark Ende 1929 aus 6,8 Millionen Mark Ende 1930 ermäßigte. Rechnet man die Ziffern für die U u t e r g e n o s I e n- s ch a f t e n hinzu, so ergibt sich für Ende 1930 eine Mitgliedszifser von 2033 Genossen, eine Gesamthaftsumme von 20,2 Millionen Mark und ein Gesamtkapital von 3,5 Millionen Mark. Der Gesamt- Umsatz auf beiden Buchseiten betrug 2,69 Milliarden Mark. Brot wird billiger. Aber nicht genug!— Auffällige Entwicklung der Mehlpreife. Der Zweckoerband der Bäckermeister Groß-Berlins hat seinen Mitgliedern empfohlen, den Brotpreis ab Montag, dem 10. August. bei gleichbleibendem Gewicht um 3 Pf. aus 47 Pf. zu ermäßigen. Wir verzeichnen mit Genugtuung die Tatsache, daß aus unseren Angriff gegen den neuen Brotwucher vom 5. August so schnell ein Beschluß zur Herabsetzung der Brotpreise gefolgt ist. Wir stellen aber noch einmal die s k a n d a l ö s e.Tatsache fest, daß dieser Be- schluß erst auf Druck der Oeffentlichkeit erfolgte, nach- dem mehrere Wochen lang ungerechtfertigte Profite vom Bäckergewerbe eingesteckt worden sind. Ader warum die herab- sehung der preise erst ab Montag, warum nicht sofort? Weiterhin muß festgestellt werden, daß die Ermäßigung durch- aus ungenügend ist. Das Brot hätte auf Grund der letzten Mehlpreise mindestens um 5 Pfennig billiger werden müssen. Außerdem muß darauf hingewiesen werden, daß die Roggenmehlpreise eine überaus merkwürdige Entwicklung auf- weisen. Während nämlich die Roggenpreise um 30 Proz. gesustten sind, sind die Mehlpreise nur um 15 bis 20 Proz. zurück- gegangen. Und am Donnerstag, als der Beschluß des Zweck- Verbandes gefaßt wurde, ist der Preis für Roggenmehl plötzlich um 75 Pfennig je Zentner an der Börse hinaufgegangen, anstatt zur Angleichung an die Roggenpreise zu sinken. Wenn der Roggen- preis am gleichen Tage ebenfalls eine Erhöhung erfuhr, so will das nicht viel besagen— der Mehlpreis ist trotzdem viel zu hoch. Wir werden diese merkwürdige Preisbewegung weiter verfolgen! Lockerung der Devisenordnung! Die Durchführungsbestimmungen zur Devisenver- ordnung erfahren, nachdem der freie Bankenverkchr ohne Reibungen voisstatten geht, schon jetzt gewiss« Lockerungen. Man rechnet mit weiteren Freigaben des Devifenverkehrs in kurzer Zeit. Wenn die Devifenanforüerungen den Gegenwert von 3 0 00 Mark im Einzelfall nicht überschreiten, so hoben die Durch- führungsstellcn Genehmigungen zu erteilen für Zahlungen von Zinsen und Amortisationen, von Transportkosten und Zöllen, von Patentgebülhren, von Gehältern, für geschäftliche Lluslandsreisen. Erleichterungen sind weiter vorgesehen für Auswanderer, für den Transithandcl und für die Deckung von Kosten für Schiffsbedarf. Versicherungen, die dem Reichsoussichtsamt unterstshen, können eine allgemeinen Genehmigung zur Verfügung über Devisen und zum Ankauf erhalten. Die Begebung von Wechseln deutscher Exporteur« auf ausländische Abnehmer ist frei. Von besonderer Wichtigkeit aber ist die Gruppierung für die Wareneinfuhr. Waren der Gruppe I gelten als lebens- wichtig: auf ihre Einfuhr werden unbeschränkt Devisen zugeteilt. Die Zuteilung für die Einfuhr von Waren der Gruppe II darf im Einzelfalle nicht 10000 Mark überschreiten. Für Waren, die nicht in eine dieser beiden Gruppen ausgenommen sind, darf keine Zuteilung von Devisen erfolgen. Bei der Einsuhr von Kohle ist die Zustimmung des Reichswirtschastsministers erforderlich.— Ehe man nicht diese Gruppierung und die Uebung des Reichswirtschastsministers betreffs der Kohleneinsuhr kennt, kann man kein Urteil über diese Bestimmungen abgeben. Aber zweifellos birgt diese Regelung außerordentliche Gefahren für die deutsche.Handelspolitik— es sei denn, dies« Unterscheidungen werden sehr bald beseitigt! Konkurse und Vergleichsversahren im 3uli 1931. Nach Mitteilung des Statistischen Rcichsamts wurden im Juli 1931 durch den Reichsanzeiger 1013 neu« Konkurse— ohne die wegen Masse- mangels abgelehnten Anträge auf Konkurseröffnung— und 657 eröffnete Vergleichsverfahren bekanntgegeben. Die entsprechenden Zahlen für Juni 1931 stellten sich auf 1034 bzw. 647. Absahnickgang beim Ruhrsyndikai. Der Absatz des Rheinisch- Westsälischen Kohlensyndikats ist arbeitstäglich van 193 000 Tonnen im Juni auf 182 000 Tonnen im Juli zurückgegangen. In das unbestrittene Gebiet gingen arbeitstäglich im Juli 90 000(im Juni 94 000) Tonnen, in das bestrittene Gebiet 92 000(99000) Tonnen. Die Haldenbestände hoben sich nur wenig verändert: sie sind von 9 Millionen Tonnen Ende Juni aus 8,9 Millionen Tonnen Ende Juli gesunken. Doppelte Ausbeutung. Sanierung durch„freiwilligen" Lohnabbau. SürgerlUhc Zeitungen brachten dieser Tage eine Notiz. dah die zum Blumen st ein-Sonzern gehörende viersener St.-®, sät Spinnerei und Weberei. Viersen(Rheinlands, mit ihren gesamten Strbeitern und Angestellten eine.Jlotgemeiuschafr gegründet habe, vorläufig für die Dauer eines Zahres, um ein zinsloses Kapital von rund 100 000 Mark als Sicherheit bzw. Bürgschaft für die Rohstoffbeschasfung zu bekommen. Zu diesem Zweck soll sich die Arbeilerfchast mit einer ISprozentigeu Lohnkürzung einverstanden er- klären, während die Angestellten und Direktoren fich in noch höherem Ausmaße betätigen wollen. Dazu wird uns vom Deutschen Textilarbciteroerband ge- schrieben: Die Dicrsener Flachsspinnerei beschäftigt zur Zeit Sö mann- liche und 260 weibliche Arbeiter. Es wird in Doppelschicht gearbeitet, jede Schicht 48 Stunden die Woche. Bis 1027 war die Belegschaft, die damals 4S0 Beschäftigte zählte, restlos gewerk- schaftlich organisiert. Im April 1928 ist dann die Spin- nerei stillgelegt worden. Nach etwa 8 Wochen wurde der Betrieb mit einer kleineren Arbeiterzahl(200) wieder eröffnet. Bis zur Stillegung war der Lohn für die Spinnerinnen durch die gewerk- schaftliche Tätigkeit 36 bis 42 Mark. Durch die kommunistischen Treibereien wurde die Organisation im Betrieb sehr geschwächt. Die Mehrzahl der Kom- munisten und der mit ihnen Sympathisierenden o e r l i e ß e n den Textilarbeiteroerband mit der Erklärung, die Arbeiterschaft könne sich selber helfen. Die Folge war, daß bei Wiederaufnahme de» Betriebes im Jahre 1928 die Verdienste um 30 bis 40 Proz. herabgesetzt wurden. Die Kommunisten, die sich ohne den Verband selber Helsen wollten, ließen sich das ruhig gefallen. Es genügte ihnen, daß der Textil- arbeiterverband im Betrieb einflußlos geworden war. Im März dieses Jahres machte der Direktor dem Betriebsrat den Vorschlag, die Belegschaft solle täglich 1 Stunde oder 5 Stunden wöchentlich umsonst arbeiten. Die Firma käme durch die Lohnersparniss« in die Loge, den Betrieb, der seit Jahren mit Ver- lust arbeitet, weiterzuführen. Der Vorschlag wurde von der Ar- beiterschast mit großer Mehrheit abgelehnt. Mitte Juli dieses Jahres hat die Firma Stillegungsantrag gestellt. Anfang August wurde dem Betriebsrat mitgeteilt, daß die gesamte Belegschaft am IS. August entlassen würde, wenn es nicht gelänge, Geld zum Flachscinkauf zu beschaffen. Das sei möglich, wenn eine Werksgemeinschast gebildet würde iu der Zorm, daß die Arbeiter auf 15 Proz. ihres Lohne« verzichten. Diese 13 Proz. Lohnabzug würden der Firma ein Kapital von rund 100 000 Mark einbringen, das zur Rohstoffbeschasfung diene. Falls der Betrieb wieder hochgebracht würde und man wieder mit Verdienst, d. h. hohe Verzinsung des Aktienkapitals, abschließe, sollte eventuell der cinbchaltcne Loynabzug zurück- gezahlt werden. Da dem Betriebsrat der Vorschlag zu ungeheuerlich erschien, hat die Direktion sich an die Arbeiterschaft direkt gewandt. 80 Proz. der Belegschaft hat sich dann durch Unterschrift mit dem Lohnabzug einverstanden erklärt. Die große Angst vor der Arbeitslosig- keit hat die Bereitwilligkeit der Arbeiterschaft erwirkt. Die Kommunisten waren die ersten, die die llnlerichristen leisteten. Die Arbeiterschaft der anderen Betriebe muß hierdurch ge- warnt werden, einem ähnlichen Experiment zuzustimmen. Sie wird ihr Geld los und kann doch nicht, verhindern, daß ein leistungs- unfähiger Betrieb zusammenbricht. Bei dieser Gelegenheit möchten wir auch ausdrücklich vor den Werkssparkassen warnen. Im Nordwolle-Konzern hat die Arbeiterschaft über 700 000 Mark investiert, die sehr wahrscheinlich zum großen Teil verloren gehen. Der Versuch des Blumenstein-Konzerns ist die zweite Auflage des Stahlwerks Becker. Er unterscheidet sich von diesem durch größere Offenheit. Der Blumenstein-Konzern gesteht, jeden Kredit verloren zu haben. Die Folgen dieser Wirtschaft sollen die Arbeiter tragen, mit deren Löhnen die Firma ihren Kredit wieder aufsrischcn will. Hier wie auf politischem Gebiet betätigt sich die KPD. als Hand- langer einer unfähigen Reaktion. Da die Arbeiter dem Rate der KPD. gefolgt sind und ihrer Gewerkschaft untreu wurden, müssen sie sich die doppelte Ausbeutung gefallen laisen. Der Vorgang hat eine symptomatische Bedeutung. In der Textilindustrie wurde noch und noch verdient. Unsere so anspruchs- voll auftretenden„Wirtschastssührer" haben es aber zuwege ge- bracht, selbst hier die Pleite zu organisieren. Trotz einer Technik, die in Textilmaschinen an der Spitze marschiert, trotz einer Ar- beiterschast, um deren Leistungsfähigkeit uns die Unternehmer der ganzen Welt beneiden, trotz des niedrigsten Lohnniveaus, wenn man die Akkordpreise berücksichtigt, haben es die Unternehmer fertig- gebracht, auch die Textilindustrie in eine schwere Krise zu treiben. Und nun suchen sie bei den Arbeiter» Rettung! Wenn die Arbeiter- schast einig wäre, sich endlich wieder in den Gewerkschaften und der Sozialdemokratie geschlossen zusammenfände, welche Erfolge könnte sie jetzt trotz der Krise erzielen! daß es für die klassenbewußte proletarische Jugend kein Bünde ni» mit den Faschistenhäuptlingen Adolf Hitler u n d 5) u g e n b e r g. die für die Einführung der Arbeitsdienstpflicht sind, geben kann. Die Vertrauensleute sind sich bewußt, daß«ins Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen nur erreicht werden kann durch den schärfsten Kampf unter Führung, der freien Gewerk- schaften und der Sozialdemokratischen Partei. Sie fordern alle jugendlichen Metallarbeiter auf, die wenigen Tag« bis zum Volks- entscheid auszunutzen, um die notwendig« Aufklärung zu schaffen� damit sich kein Arbeiter an dem Volksentscheid beteiligt/ Schiedsspruch in der Maßschneiderei. Zweiter sLohnabbau.— Der Kampf um den Tarifvertrag. Für die Herren- und Damcnmaßschneiderei ist am Donnerstag nach zweitägigen Verhandlungen unter dem Vorsitz des Schlichters Prof. Dr. Brahn ein Schiedsspruch gefällt war» den, der folgende Neuregelung vorsieht: Der Reichstarifver- trag, der am 31. Juli abgelaufen ist, und die zum 31. August gekündigten Lohnabkommen behalten bis zum 13. November 1031 Geltung mit der Maßgabe, daß im Positionsschema(Stück- berechnungsgrundlage) ein Abzug von 8 Proz. eintritt. In dem Reichsschema für die Damenschneiderei werden die zwei Posi- tionen der vorzeschrittenen Zuarbeiterinnen zu einer Position zu- sammengefaßt. Die Parteien müssen fich bis zum 11. August über Annahme oder Ablehnung des Spruchs entscheiden. Der Arbeitgeberoerband hatte nach Zlblauf des Vertrages am I. August in einseitiger Weise ein Lohndiktat zur Durchführung bringen wollen, das neben einer etwa 20prozentigen Lohnkürzung die Zulassung eines um mindestens 10 bis 13 Proz. niedriger liegenden Doppeltarifes in jedem Geschäft vorsah. Die Einführung dieses Doppaltarifes wollten die Arbeitgeber durch Kampfmaßnahmen erzwingen, und sie lehnten deshalb sachliche Ver- Handlungen zur Erneuerung des Reichstarifvertrages ab. Der Schiedsspruch vom 6. August ist nur als eine Zwischen- l ö s u n g zu betrachten. Er verpflichtet die beiden Parteien, die einzelnen Positionen des Positionsschemas, zirka 400 an der Zahl, durchzuprüfen und, wo eine Einigung nicht erzielt wird, Sachver- ständige hinzuzuziehen. Diese Arbeit muß bis 31. Oktober beendet sein. Spätestens am 8. November haben die Parteien, wenn zwischen ihnen eine Einigung nicht erzielt ist, vor einem Schlichter oder einem unparteiischen Kollegium zu verhandeln und eine Entscheidung herbeizuführen. Ist durch Vereinbarung oder durch Schiedsspruch ein Ergebnis für den künftigen Tarifvertragsinhalt erzielt, tritt auto- matifch der neue Vertrag an Stelle des Schiedsspruches vom 6. August mit Wirkung ab 16. November in Kraft. Die Unternehmervertreter haben diesen ihnen weit entgegen- kommenden Schiedsspruch abgelehnt, weil sie unter allen Um- ständen die für sie günstige Situation zur unumschränkten Lohn- diktatur ausnützen wollen. Den Mitgliedern der Arbeitervcrbände ist die Annahme des Schiedsspruches von ihren Verhandlung-- tellnehmern empfohlen worden— nicht, weil sie den Schiedsspruch sachlich fürrtchtig halten, denn der Schiedsspruch bringt einen zweiten schweren Lohnabbau, sondern um das für die Arbeiterschaft viel schlimmer sich auswirkende Lohndiktat der Unternehmer abzuwehren. Küuf Mark Tagelohu für geistige Arbeit. ..... Sugenberg als llnternehwer,. . In der Klagesache der bei der Herstellung des im Hugenberg- Verlag erscheinenden Berliner Adreßbuches beschäftigten Korrektoren hat nunmehr auch das Landesarbeitsgericht die Kläger abgewiesen. Ter technische Leiter des Betriebes mutzte zur völligen Einfluß- lojigkeit herabgesetzt werden, um zu beweisen, was der Verlag beweisen wollte. Der Mann habe sich lediglich um die Personal- angelegcnheiten zu kümmern, bei 20 beschäftigten Personen während neun Monaten und etwa 200 in drei Monaten jährlich. Der Assessor K. vom Scherl-Hugcnberg-Verlag vertrat die Aufsasiung. die „Revision" sei eine Arbeit, die jeder T-beliebige verrichten könne, obwohl sie die schwerste aller Korrekturarbeit ist. Mit täglichen f ü n f M a r k. die die Korrektoren beim Berliner Adreßbuch bezahlt bekommen, anstatt der Sätze des Korrektorentorifs, sei die Revision»- arbeit reichlich bezahlt. Vielleicht macht sie der Herr Assessor noch billiger. Kurzum, nach Lokalbesichtigungen, Sachverständigengutachten, Zeugenvernehmungen und dem„ganz eigenartigen Ver- trag", den der technische Leiter— der ftüher selber Schriftsetzer war— mit den Setzern abgeschlossen hatte, bleibt es dabei, daß für die Korrektur- bzw. Revisionsarbeit am„Berliner Adreßbuch" fünf MarkTagelohn eine„rcichlii�Bezahlung" sind. Wenn der Hugenberg-Verlag� mit dieser Bezahlung geistiger Arbeit überall davonkäme, dann wären die Dinge reif für das dritte Reich. Syndikalistische Streikmache. Madrid, 6. August.(Eigenbericht.) In Barcelona streiken seit Donnerstag 3 8 000 Metallarbeiter. Wahrscheinlich werden sich 70 000 Textilarbeiter dem Streik anschließen. In Saragossa sind durch einen Streik fünf Textilfabriken stillgelegt worden. In Wgreciras wurde am Don- nerstag zum Protest gegen die Unterdrückung der Gewerkschaften der Generalftreik ckrklärt. Einigung im schottischen Bergbau. Nachdem die Bergarbeiter sich mit einer Mehrheit von 13000 Stimmen f ür eine Regelung ausgesprochen hatten, ist es heute nach monatelangen Veihandlungen zu einer Einigung, zwischen den Bergarbeitern und Zechenbesitzern Schottlands gekommen. Da- neue Abkommen sieht ein« 100prozentige Erhöhung der Lohnbasis vom Jahre 1888 oder einen Minimumlohn von 8 Schilling je Tag und«inen Arbeitstag von 71� Stunden vor. In der Kundgebung de» Bezirksausschusses des StvB. und des Einheitsverbande» der Eisenbahner in der..Neuen Welt" heul abend 10 Uhr, spricht an Stelle des dienstlich verhinderten Genossen Sevc- ring der Genosse Reichstagsabgeordnete Dr. Kurt Löwenstein über Rotmaßnahmen und Volksentscheid. 0Ivsendgnlppe de« Zentralverbandeei der Angestellten Heute, ssreitqg. folgen!»- Beranftoltunaen: Row«»: Wir brfuchon!>i« Derlommlung de- Werdebejirks.— SlUxocst: Jugendheim Slorckftr. U (2. Hof. Quergcböude. 1 Zrepre. Z-inmer 5). Vortrog:..Nie wieder Stieg"- Veferont: Krug.— Dertiaer Druckerei, sab»erlog�eteifchoft«. b. H. De- ichsttsstunden von 20 H» 23 Uhr int Augondheivr(Sbertnftt. 12._ Spiele im Freien ad IS Uhr auf dem lvportplat.Sdifarne Pappel"(Sotätn), Sport- pl-rtz V«»*»».»lsfingenftroge und Socksfemck«rfSB», EMne Spietoiele(a, der Ziodewah»), Bei„Holzkunst" geht Streik weiter. Einstweilige Verfügung mit Streikverbot aufgehoben. r;- tfbt Äre wir im„Abend" vom 21. Juli berichteten, hat die Arbeit- gaberorggnisation(Vabeho) eine ein st weilige Verfügung de» Arbeitsgerichts Berlin gegen den Deutschen Holzarbeiterverband und vier Mitglieder der Betriebsoertretung der Holzkunstwerk- st ä t t« n erwirkt, die einem Verbot des Streiks in dem ge» nannten Betriebe gleichkommt. Die Verfügung untersagt dem Holz- arbeiterverband, zur Sperre des Betriebes aufzufordern, Streit- leilyngen zu bilden, Streikposten aufzustellen, die Weitersührung des Streiks zy organisieren oder Arbeitswillige an der Arbeit zu ver- hindern. Den Mitgliedern der Betriebsvertretung wird untersagt, Streikposten zu stehen oder Streikposten auszustellen und eine Streik- leityng zu bilden.— Die einstweilige Verfügung beruft sich auf § 823 und 826 BGB., welche besagen, daß, wer einem anderen in einer gegen die guten Sitten verstoßenden Weise Schaden zufügt, zum Ersatz des Schodens verpflichtet ist. Am Donnerstag fand vor der Kammer 21 des Arbeitsgerichts unter dem Borsitz des Assessors Dr. Zunft die mündliche Berhand- lung über die einstweilige Verfügung statt. Schleicher vom Hauptoorftand des Holzorbeiterverbandes betonte zunächst, daß dieser mit dem Streik gar nichts zu tun habe. Der Streik fei eine An- gelegenheit der Ortsverwaltung, für die der Hauptvorstand rechtlich nicht verantwortlich sei. Weiter führte der Redner aus, daß das Berliner Holzgewerbe gegenwärtig in einer tariflosenZeit lebe�weil durch die Schuld der Arbeitgeber ein neuer Tarifvertrag an Stehe des gekündigten nicht zustande gekommen sei. Die Arbeiter der Holzkunstwertstätten wehrten sich gegen Lohnkürzung und fordern Ferien, wie st« sie während der Dauer des Vertrages erhalten haben. Da» sei ihr gutes Recht. Von einem Verstoß gegen die guten Sitten könne keine Rede sein. Es sei befremdend, daß ein Gericht den ge- fetzkich zulässigen Streit durch ein« einstweilige Verfügung verbieten woh«. Daß es wegen der Ferienfroge zum Streit gekommen fei, das fei zum großen Teil die Schuld des Arbeitgebsrfyndikus H ä r t- lein, der feinen Mitgliedern bei Strafe verboten habe, Ferien zu gewähren. Harnisch, der die Mitglieder der Betriebsvertretung vertrat, führt« unter anderem aus, daß die einstweilige Verfügung, weil sie tatsächlich den Streik verbiete, der weder gegen ein Gesetz noch gegen «inen Vertrag verstoße, unter den Arbeitern große Erbitterung er- zeugt habe. Di« Arbeiter seien entschlossen, den Streik weiterzu- führen, wie sich auch das Gericht zu dieser Angelegenheit stellen möge. Die Aeußerung, durch den Streik solle der Betrieb vernichtet werden, sei nicht gefallen. Die Arbeiter würden doch nicht so töricht sein, den Betrieb zu vernichten, in dem sie ihren Lebensunterhalt verdienen. Syndikus H ä r t l c i n behauptete, bei diesem Streik seien sittcn- widrige Handlungen, wie Terror gegen Arbeitswillige, verübt worden, auch sei es als sittenwidrig anzusehen, wenn jetzt, wo das gesamte Erwerbsleben unter dem schwersten wirtschaftlichen Druck steht, der besonders schwer auf dem Holzgewerbe laste,«in Betrieb dieses Gewerbes bestreikt werde! Nach zweieinhalbstündiger Beratung verkündete der Vorsitzende das Urteil, daß die einstweilige Verfügung aufgehoben wird und die Kosten de» Verfahrens der antragstellenden Firma auferlegt wsrden. In der Begründung wurde unter anderem gesagt, die vom Antragsteller vorgelegten Unterlagen reichen nicht aus, um die einstweilige Verfügung aufrechtzuerhalten. Der Ansicht, daß bei schlecht»? Wirtschaftslage jeder Streik sittenwidrig sei, könne die Kammer nicht beitreten. Die Behauptung der Antragstcsterm, ihr sei durch den Streik ein Schaden erwachsen, treffe nicht zu, denn sie sage sa selbst, sie habe statt der 03 Streikenden 92 Arbeitswillige eingestellt. Also geh« doch der Betrieb weiter. Gewalttätigkeiten gegen Arbeitswillig« feien verübt worden. Das sei entschieden zu verurteilen. Wenn Berbandsmitglieder an Gewalttätigkeiten teil- genommen hätten, so würde der Verband dafür haftbar gemacht werden können. Aber die Beteiligung von Mitgliedern des Ber- bandes(oder der Betriebsoertretung) sei nicht erwiesen. Brandmarkung! Belegschaft der Frister Sl.S. gegen KPD. Ein« glänzend besuchte Versammlung der Belegschaft der R. Frisier A.-4 Uhr An. treten zum Fackelzug am Iunsbrucker Platz. 21 dz Utzr Schlutzkundgebung auf dem Rudolph. Wilde.Platz. Ansprache Kamerad Rudolpl, Philippsdorn. Steglitz lOrtsverein für Steglitz. Lichterselde Itnd Lonkwitzs.«Hä Udr Antreten der Stato. Schuso und des Iungda in Bundeskleidnng zum Fackelzug. Sammel- Punkt ist Sanpt. öcke� Fnnsbrucker Stratze in Schöneberg iam U-Bahnboft.— Sonntag,!». August. Mitte lOrtsverein!. Perfossungsfeier in den öchwedter Festsäleu. Schwedter Str. 33. Beginn 13 Ul,r. Eintrittskarten zum Preise von du Pf. bei ollen Funktionären und an der Kasse erbältlich. Tiergarten(Orts. verein). Ad ll! Ul,r grosse Persassungsfeier im Illap. Antreten zum Ummarsch 13. Ubr am Kleinen Tiergarten. Pflichtveranstaltung. Schöueberg.Friedenan lOrtsverein). l-l'i. Uhr Marktplatz, Ebertstrasse. Festzuq zum Birkenwäldchen, Tempelhof, Manteuffelstr. ll— 12. Festrede Kamerad gärgiebel, Poli�tpräsi. iirnt z.?. Snmnostische Turn, und SportvorfUhrnngen, Ziu.Irtsu.Aämpfe, E-ärtenkonjert,»inderbelustigungen und Tanz. Eintritt 30 Pf. Kinder unter 13' Jahren und Erwerbslose frei. Steglitz lOrtsverein für Steglitz, Lichterfelde und Lankwitz). Verfassungsfeier in den Lichterfelder Festsälen. Aktive Käme» raoen in Bundeskleidung. Antreten 17 Uhr.— lbauoorstaud. Sonnabend, 8. August. 18 Uhr, wichtige Besprechung der Ggufunktionäre, Berliner Kreis. fübrer, Ortsvereinsvorsitzenden und technischen Leiter im lbgubiiro. linker Aufgang.— Friedrichshäin. Kameradschaft Andreas. Die Kameradfchaftsver. sammlung am Freitag, dem 7. August, fällt aus. Dafür Saalschutz im Saal- bau Friedrichshain.- Eharlottenburg lOrtsverein). Freitag, 7. August. In- folge Saalschutz bei der SPD.-Bersammlung in den Spichernsälen fallen Kamera dschaftsversammliingen und Sitzungen aus.— Reinickendors. Korne. radschaft Reinickendorf. West. Freitag, 7. August, 20 Uhr, MitgNederverfamm. lung. Erscheinen Pflicht. Wichtige Tagesordirung. 19 Uhr Borstand. Karten zur Berfassungsfeier ssnd bei den Gruppenführern zu haben.— Kreuzberg. Fug It. Kamerad Willi Schumann ist verstorben. Peerchiguna Sonnabend, 10' Uhr, Mariendorf, Seisig.Kreuz.Friedhof. Um starke Beteiliguna wird ge. beten.— Lichtenberg lOrtsverein). Sonntag, 9. August. Berfassungsfeier bei Schonen, am Rummelsburger See. Konzert. Festansprache. Mussk. Bor. strhrungen. Tanz. Eintrittspreis 30 Pf. Kinder 20 Pf. Erwerbslose 25 Pf., Kinder derselben 10 Pf. Reichskaetell Republik. Sportplatz Friedrichsfelde. Sonntag. 9. August. Gauschietzen aus Anlotz der Berfassungsfeier für alle Grvtz.Berliner Ort». vereine. Probeschietzen von 7 bis 9 Uhr, um 9 Uhr Beginn des Wettschietzen». Erscheinen Pflicht. Sturmwogel, Flugverband der Werttätigen e. B. Bezirksgruppe Friedrichs- hatn. Freitag, 7. August, 20 Uhr, Petersburger Hof, Petersburger Str. 57. Arbeiter, Abstinenten, Buud. Bezirksgruppe Lichtenberg. Freitag, 7. August, 30 Uhr, Ratskeller, Siadthausstr. 1. Zentralverband der Arbeitsinvaliden und Witwen Deutschland«. Gau Gross-Berlin. Geschäftsstelle: Berlin W. 57, Biilowstr. 40, r. Stfl. Freitag, 7. August. Eharlottenburg: Lokal Ernst Knhrle, Schöneberg. Hohenstaufen. stvatze 38. 18 Uhr. Kreuzberg lll: Lokal Reichenberger Hof. Reichenberger Strasse 147, 17 Uhr. Referent: Gauleiter Kollege Boigt. Baumslchulenweg: Lokal Hätz. Baumschulenstr. 72, 18 Uhr. Referent Kollege Pints. Kreuzberg 11: Lokal Oranienfestzsäle, Oranienflr. 180, 17 Uhr. Prenzlauer Berg l: Lokal Bogen, Festsäle, Sliuvedter Stt. 23—24, 16 Uhr. Tegel: Lokal Lehnhardt, Ber» liuer Str. 84, 18 Uhr. Referentin Kollegin Haas. Reinichendorf-West: Pvlks- haus, Echornweberstr. IIS, 19 Uhr. Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer nnb Kriegerhivter- bliebenen, Ortsgruppe SW., Bezirk 16. Mitgl-iederversammluna Freitag, 7. August, 20 Uhr, Restaurant„Pfauen", Belle-Allianee-Str. 22. Esperanto-Gesellschast Eharlottenburg. Montag, 10. August. 20 Uhr, Kon- ditorei Wolter, Eharlottenburg, Bismarckstr. 114 lKnie), Kwbzimmer, Kon. verfationsahend. Gäste willkommen. Allgemeine Wetterlage. 6. Aug. sbäs. Ein Tiefdruckgebiet, dos am Mittwoch abend noch über dem südwestlichen Europa lag, ist rasch nach Mitteleuropa vorgedrungen, und hat sich dabei vertieft. Unter seinem Einsluß nahm die Ge- wittertätigkeit im Reiche stark zu; in Mitteldeutschland wurden wieder vielfach 30 Grad erreicht. Da der Druck im Bereiche des Tiefs weiter fällt, dürfte unser Wetter auch am Freitag unter seinem Einfluß stehen: da es sich ferner langsam nach Osten weiter bewegen dürfte, werden wir allmählich in die kühlere nordwestliche Lust- strömung auf seiner Westseite kommen. * Wetteraussichten für Berlin: Meist stark wolkig, vielfach Regen und Gewitter, Temperaturen sinkend, aber noch schwül.— Für Deutschland: Ueberall schwüles und wolkiges Wetter mit ver- breiteten Gewittern. 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Pfd. von 1 ,80 Kalbsroulade geroiU,PM.v. 1,38 Schweinebauch,o.Big.Pfd. 0,78 Schweineschinken... und Biatt................. PW 0.33 RUckenfett bratfertig, PM.0,68 Kassler mild....... PId. von 1,1 8 Eisbein m. Spitzbein, gep. Pfd. 0,54 Hammel- Vorderfleitch, Pfd. v. 0,98 Suppenfleisch..... pm.v. 0,68 Goulasch.............. PM. 0,98 Schmorfleisch Kenie ohne Knochen, Pfand v. 1 ,24 Fleisch Rouladen.............. p«. 1,34 Roastbeef a Kn., Pfd. von 1,38 Gehacktes............pm. 0,68 Schweineköpfe m.Baeke. Pfd. 0,38 Schweinenieren...... pm- 0,72 Rinderherzen......... pm.0,52 Rinderbacken o.Ka.. Pfd. 0,46 Rinderlungen......... Pfd. 0,30 Euter.................... PM. 0,24 Gefrierfleisch Hammel-tzorderfleiseh, Pfd. v.0,68 HammelrUcken....... Pfd. 0,78 Hammelkeufe........ pm. 0,84 Suppenfleisch....PM.von 0,64 Schmorfleisch Keule ohne Knochen, Pfund t. i ,04 Konserven'/> dos« Kaiserschoten........... 1,45 Junge Erbsen fein........ 1,10 Junge Erbsen............ 0,65 Gemüseerbsen........... 0,55 Gemischtes Gemtlse mittelfein..................... 1,— Berliner Allerlei........ 0,65 Junge Karotten.......... 0,65 Stangenbrechbohnen 0,60 Junge Schnittbohnen I. 0,55 Erdbeeren................ 1,25 Span. Aprikosen'/iFmcht 0,95 Pflaumen mit stein........ 0,68 KUfblS in Gasig und Zacker 0,68 Kalif. Pfirsiche'I, Frucht 1,25 KonfltÜrC Eimer ca. 2 Pfund Johannisbeer, Aprikos. 1,10 Orangen................... 1,20 Erdbeer, Himbeer...... 1,30 Nürnberger Rotwurst Dose ca. 40u g Inhalt, 2 Dosen 0,85 Nürnberger Leberwurst Dose ca. 400 g Inhalt, 2 Dosen 0,85 Dose ca. 250 g Inhalt, 3 Dosen 0,85 BratwUrstel........... Dose 0,85 Delikat Schweinefleisch Dose ca. 400 g Inhalt, 2 Dosen 0,90 Schweinskopfsülze nach Prager Art.......... Pfd. 0,78 Dampfwurst........... Pfd. 0,85 Gekocht.Schinken'/.PM. 0,40 Käse und Fette Holländer 40«(0......... pm. 0,80 Harzer...... Edamer 40%........... pm. 0,80 Tilsiter voiifetf..... pm. von 0,78 Schweizer vollfett Pfd. von 1,34 Blockkä8eTiis.Art,20°)»Pfd. 0,62 Brie-Käse voiiiett..... pm. 0,78 Bayr. Emmenthal.'/. Seht 0,48 Wurstwaren Fleischwurst.......... Pfd. 0,78 Landleberwurst..... Pfd. 0,78 ff. Leberwurst....... Pfd. 1,08 ZervelatoderSalami Pfd. 1,35 Schinkenspeck....... Pfd. 1,48 Nußschinken.......... Pfd. 1,58 Fetter Speck.......... Pfd. 0,75 Magerer Speck....... Pfd. 0,98 Knoblauchwurst..... Pfd. 0,96 Mettwurst Brschw. Art, Pfd. 0,90 Pökelfleisch........«j4pm. 0,35 Fische und Räucherwaren •Kabeljau r-.o-M.i.tz.i'M-a 0,1 3 Schellfischgartachert, Pfd. 0,30 »Seelachs lg, ndi. 0,13 Island-Schellfisch ig.dtii.O.1 3 •Rotbars Im ganzen.... Pfd. 0,22 •Austernfisch.......Pfd. 0,24 •Kabeljaufilet....... Pfd. 0,22 Bücklinge......... Pfd. von 0,22 *1» allen Häusern inner Andreuetruna Seelachs gerloohatt.. PM. 0,36 Rotbars gerinohert..... Pfd. 0,48 Steinbeisser geriocK, Pfd. 0,46 Makrelen gerlnchert... P.M. 0,30 Portug. Oelsardinen 5 Dosen... 0,95 3 Dosen... 0,88 Neue Matjesheringe l!ve«0,75 Neue Salzheringe io st 0,45 ...... Pfd. 0,35 Dänisch.Schweiz.30<';,PM.O,72 Stang.-LimburgerllaVoPM. 0,54 MolkereibutteraiiefieireL pm. 1,48 Markenbutter»Uert, Pfd. 1,52 Guts-Molkereibutter Pfd. 1,22 Margarine........... 2 pm.0,75 Enten............... Pfd. von 0,90 Suppenhühner frieeh. pm.v. 0,90 Hühner gefroren... Pfd. von 0,84 Rehblätter........ Pfd. von 0,95 Kolonialwaren Bruchreis............. pm. 0,13 Sternchen............. Pfd. 0,55 Tafelreis............... Pfd. 0,16 Bassin-Reis........... Pfd. 0,20 Patna-Reis............ Pfd. 0,26 Weizengriess........ Pfd.�,23 Harigriess............ Pfd. 0,26 Bruchmakkaroni..... pm. 0,44 Eierbandnudeln..... pm. 0,46 Sago................... Pfd. 0,28 Aprikosen.............. Pfd. 0,70 Pfirsiche............... Pfd. 0,62 Backobst.............. Pfd. 0,45 Kakao lose, stark entölt PM. 0,48 Kaffee kolfem(ref....