Morgenausga»« Sonnabend zzz rrÄZ:ÄäÄ?L■ LI Mmi mKm m m»« � � Auswärts 15 pf. .in'chliehlich evPf. Postzeiwngs. unö IM MM M M M M MM M Mi 72 Pf. Postbestellgebühren. Ausland»- ��KBH 1| P BBa WW BD �B H WLW T-- Die elnfpalt. Nonparetllezetle 60 Pf. obonnement 6,— M. pro Monat: für i�MM ��B> WD �W �B �B BI M) �B I Reklamezeile ö.— RM.„Kleine An- LSode? mit ermäßigtem Drucksachen- M�DB �B DD WD BD«B BD �D DB l�� zeigen" da» fettgedruckte Wort 2ä Pf. porto b,— M. �r�DI{ j DB l �B�L �B �B �B �B �B ��B�DBB/ zwei fettgedruckte Worte). Hx �B H M �B BDI �B ��M��BI weitere Wort l2 Pf- Rabatt lt. To'tf. � � W>ZBl■.ÄrÄ»'"—™ frSrfffir.ss«™."! 4tXe*lli6Äll4lljfcti Ä&Ä�-£;ä:ss-4pid!ltlt(v S�Plv9Plilll aaÄ:rxr.'.s Zientealovgan der Sozialdemokratischen Oavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 i�ernspr.: Dönhoff(A 7) 292—297. Telegranim-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Wir marschieren! Glänzende Versammlungen der Berliner Sozialdemokratie gegen den faschistischen Volksentscheid. Die Berliner Sozialdemokratie hatte die Arbeiterschaft zu fünf Versammlungen gegen den Volks- betrug der Hitler, Seldte und Thälmann in den fünf größten Sälen Berlins gerufen. Diese Versammlungen sind zu machtvollen Kund- gedungen der klassenbewußten Arbeiterschaft gegen den Faschismus und seine kommunistischen Helfer geworden. In ollen Versammlungen mußten Parallelversammlungen veran- staltet werden, und trotzdem fanden viele Tausende keinen Einlaß. In den Gärten und auf den Straßen standen die Massen, unerschütterlich ausharrend— kampfentschlossen, be- reit, dem Faschismus einen unübersteigbaren Damm ent- gegenzusetzen. Die Berliner Arbeiter stehen in diesem Kampf zur Sozialdemokratischen Partei! Mit Zorn und Empörung wenden sie sich gegen den kommu- nistischen Klassenverrat. Eine Welle der Kampfentschlossen- heit nach alter sozialdemokratischer Tradition geht durch die Arbeiterschaft. Jede einzelne dieser mächtigen Kundgebungen war stärker als die sogenannte Massenkundgebung der Kommu- nistischen Partei im Sportpalast am Donnerstag. Das ist die Antwort, die die Berliner Arbeiter den kommunistischen Bundesgenossen des Faschismus geben. In drei dieser Versammlungen traten kommunistische Diskussionsredner auf. Ihre stammelnden Verlegcnheits- phrosen zur Verteidigung der verräterischen Haltung ihrer Kartei gingen in Empörung und Gelächter unter. An den Vorwäris-Verlag G. m. b. H. Kommunisten vollzieht sich ein Gericht: die Arbeiter- fchaft spricht sie schuldig und verwirst ihre Partei! Wenn die Sozialdemokratische Partei die Parole gegen den Volksentscheid der Reaktion ausgibt, so spricht sie im Namen der ge s a m t e n klassenbewußten Berliner Arbeiter- schaft. Die Sozialdemokratische Partei führt den Kampf gegen den Faschismus. Sie ist das Bollwerk, das sich dem reaktiv- nären Ansturm entgegenstellt. Sie ruft der Arbeiterschaft und allen Gegnern der Re- aktion zu: Wir marschieren! Her zu uns! Sie brauchen �3449500 La-Stimmen Das Preußische Statistische Landcsamt hat berechnet, daß es zur Zeit in Preußen 26 88S 000 wahlberechtigte Personen gibt. Danach sind zu einem Er- folg des PokkSentscheidS mehr als 13 143 366 Ja- Stimmen erforderlich. Gehaltszahlung bereits am Sonnabend Wie der Amtliche preußische Pressedienst mitteilt, hat die preußische Regierung alle Vorsorge getrossen, daß die zweite Gehaltsrote sür August bereits am Sonnabend, dem S. August, den preußischen Staatsbeamten ausgezahlt werden kann. Berliner Sparkasse zahlte schon gestern voll! vci der Sparkasse der Stadt Verlin konnte bereits am Freitag lstotl am Sonnabends der?tuszahlungsverkehr im sahungsgemoßen Rahmen ausgenommen werden. Per verkehr wickelte sich überall glatt ab, die Zahl der Einzahlungen über- stieg erheblich die Zahl der Anszahlungeu. Postscheckkonto: Berlin 37 ö3k.—BanikonIo: Bant derArbcitcr, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3, Dt. B. u.DiSc.-Gcs., Dcpositcnk., Jernsalcmer Str. KS/Kö. Verdächtige Entrüstung. Leute Freiheitssänger— gestern noch Scharfrichter In dem T a u m e l t a n z um die durch Preußen angcb- lich verletzte Pressefreiheit wirken verdächtige Ge- stalten mit. Wir wissen wohl zu unterscheiden zwischen denen, die ehrlich um die Freiheit der Meinungsäußerung besorgt find— nicht immer wird eine so sachlich urteilende Regierung in Preußen amtieren wie die gegenwärtige— und den anderen, die die„Freiheit" nur respektieren, wenn sie sie für sich selber in Anspruch nehmen können. Ein Beispiel für viele: Vor einigen Tagen hat die Reichsrcgierung oder eine Stelle der Reichsrcgierung durch die Prcsscabteilung einem demokratischen Mittagsblatt eine„Auflage"-Erklärung zuge- sandt, die eine politische Programmerklärung in Form einer gereizten polemischen Antwort auf sachliche politische Meinungsäußerung darstellte. Der„Vorwärts" hat sofort gegen diesen ofsenkuudige» Mißbrauch der Presse-Notverordnung auf dos schärfste Protest hinsichtlich Form und Inhalt der Zuschrift erhoben. Die ge- samtc Rechtspresse, die heute so empfindlich greint, weil die republikanische Regierung Preußens in einem offenkundigen Notstand von der Notverordnung des Reichspräfi- deuten Gebrauch machte, hat damals im wesentlichen ge- schwiegen. Nur eines der Blätter hat sich sehr deutlich geäußert: In einem Organ des Herrn Hugenberg wurde nicht die Pressefreiheit gefordert, sondern— das Ä e r b o t des„Vorwärt s", weil er es gewogt hatte, einen Miß- brauch einen Mißbrauch zu nennen! Das gleiche Hugenberg-Vlatt schreit heute mit den ubri- gen um die Wette gegen Otto Braun und preist Hindenburg, weil er auf Drängen des„Stahlhelm" seine eigene Vcrord- nung nach Anwendung preisgibt! Der Scharfrichter von gestern ist heute zum Freiheitssänger umgewandelt! Die Entrüstung derer um Hugenberg ist durch diese Tat- fachen hinreichend gekennzeichnet. Und was sich auf dein Wege über Hugenbergs Korrespondenzbüros und Matern- korrespondenzen in ein Heer von Provinzblättern ergießt, wird mit diesem Urteil gleich einbegriffen. Wo die politische Herabsetzung von Republikanern gewissermaßen zum Prinzip erhoben ist, kann man in einer Kundgebung einer republika- nischen Regierung begreiflicherweise nichts anderes erblicken, als eine Störung der eigenen keineswegs erhebenden Tätigkeit. Das alles sind Begleiterscheinungen eines politischen Kampfes, der längst vergiftet ist durch ein System der Ver- dächtigungen und persönlichen Verunglimpfungen. Aber auch diese üblen Begleiterscheinungen können nicht hindern, zu wiederholen, was wir bei Erlaß der umstrittenen Notverordnung gesagt haben. Wir lieben die Notverordnung nicht und hoffen, daß die Entwicklung der politischen Ver- hältnisse ihre baldige Erledigung möglich mache. Die Ge- fahren, die im System solcher Nowerordnungen liegen, sind gerade auf dem Gebiete der Meinungsäußerung mit Händen zu greifen. Jeder, der die Feder für irgendeine geistige Bestrebung führt, muß gleicherweise wünschen, daß ihm keine überflüssigen Schwierigkeiten bei der Veröstentlichung seiner Gedanken gemacht werden. Aber Voraussetzung ist doch dabei das ehrliche Wollen, der Menschheit und dem eigenen Volk zu dienen. Voraus- setzung ist weiter, daß politischer Kampf ein Kampf mit geistigen Waffen bleibt, daß das S t r o l ch t u m in der Publizistik verfemt sei. Seit Jahren ist die Neugestaltung des Pressegesetzes in Vorberei- tung. Wann die ordentliche Beratung einmal im ordent- lichen Gesetzgebungswege möglich sein wird, kann, angesichts der katastrophalen politischen Verwilderung und journalistischen Verrohung in gewissen Kreisen, leider niemand voraussagen. Gegen diese politisch-journa- listische Verwilderung aber richtete sich die Notoerorvnung des Reichspräsidenten. Sie war sozusagen ein Vorgriff auf das spätere Pressegesetz, von dem man annehmen darf, daß es den Notwendigkeiten der Neuzeit auch nach dieser Richtung gerecht werde. Wenn es Bestimmungen schafft, die geistige Auseinandersetzungen auf jedem Gebiete des öffentlichen Lebens ermöglicht, aber die heutige Praxis politischer Re- voloerjournalisten, die persönlichen Verleumdungen und Schmähungen unmöglich macht, so wird niemand dagegen Einspruch erheben, dem wirklich etwas an der Freiheit der Presse liegt. Aber es wird auch notwendig jein, der Tatsache ins Auge zu sehen, daß in einem demokratischen Staate nicht nur die Presse Anspruch aus Freiheit hat. Die Presse wird Arbeiter und Angestellte! Die Kommunistische Partei verehrt in Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ihre ersten Führer und Begründer. Auch über die Reihen dieser Partei hinaus gelten beide als Märtyrer der Arbeiterbewegung. Jetzt hat die Kommunistische Partei sich verbündet mit den rechtsradikalen Parteien, aus deren Reihen d i e Mörder Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts hervorgegangen sind. Die heutigen Führer der KPD. schänden daS Andenken ihrer beiden großen Borkämpfer und verkaufen die deutsche Arbeiterschaft au den Faschismus. Die furchtbaren Entbehrungen, die Ihr seit Iahren zu tragen habt, sind der KPD. nicht genug. Sie will Euer Elend, Eure Rot noch vergrößern. Die seitherigen Notverordnungen wären ein Kinderspiel gegen die Willkürmaßnahmen, die Euch drohen, wenn in Preußen, in Deutschland die Faschisten und die S6)werindustrie regieren würden. Ihr erlebt eS in den letzten Wochen, daß schon die Möglichkeit cineS Sieges des Faschismus die deutsche Wirtschaft an den Abgrund reißt und den Zusammenbruch der deutschen Währung in gefährliche Nähe rückt. Nationalsozialisten und Stahlhelm sind nur Wegbereiter dieser Diktatur. Die Kommunistische Partei, die sich jetzt zum organiflerten Arbeiterverrat bekennt, ist der Bundesgenosse dieser Heerscharen der sozialen Reaktion. Der Sieg des Faschismus würde der deutschen Wirtschaft den Todesstoß versetzen. Er würde den Rest Eurer ohnehin verkümmerten Rechte mit einem Schlage beseitigen. Die Diktatur der pensionierten Generäle und der Schwerindustrie würde nicht viel Federlesen mit Euch machen. Ihr älteren Arbeiter und Angestellken, die Ihr nicht nur daS NachKricgSdcutschland kennt, sondern auch die Jahrzehnte vor dem Kriege, in denen die deutsche Arbeiter- und Angestelltenbcwegung ihren Kampf gegen die reaktionären Gewalten führte, Ihr wißt eS am besten, wie damals Eure Rechte mit Füßen getreten wurden. Euch brauchen wir nicht an Eure Pflicht zu erinnern. Ihr werdet den haßerfüllten Gegnern unserer Bewegung nicht daS jämmerliche Schauspiel bieten, am 9. August in das Lager Eurer Feinde überzulaufen. AberdaS istnichtgenug. Ihr habt auch die Berpflichtung, es der arbeitenden Jugend zu sagen, um was es geht. Die Jungen wissen nichts von der Borkriegszeit, sie sehen nur die gegenwärtige Rot. Sic können sich nicht vorstellen, daß eine Periode brutalster Entrechtung wiederkommen würde, wenn es den Kommunisten gelingt, den Faschismus in den Sattel zu setzen. So müßt Ihr Euren Kameraden im Betrieb das Gewissen schärfen, Ihr müht Eure �Verwandten und Freunde zurückhalten, den Faschisten zum Siege zu verhelfen. Ihr müßt alle sagen: Wer am 9. August seine Stimme für den Volksentscheid abgibt, verrät die arbeitende Klasse. Wer der Eiuheitsparote von Hitler, Hugenberg und Thälmann folgt, begeht ein Verbrechen an seinen Kameraden; darum: Nieder mit dem Faschismus! Nieder mit allen feinen Helfershelfern! Berlin, den 7. August 1931. Die Bundesvorstände des Allgemeinen Deutschen Gewerkfchaftsbundes und des Allgemeinen freien Angestelltenbuudes. Freiheit, die sie meinen! Wie die Rechte das Kulturgut der Pressefreiheit hochhält, wenn sie die Macht hat. '— ihrer inneren Entwicklung nach— nur dann ihre Auf- gäbe erfüllen können, wenn sie nicht ein Staat im Staate ist, sondern als Diener öffentlicher Interessen auch den verfassungsmäßigen Regierungen nicht einfach die Mög- lichkeit verweigert, zum Volke zu sprechen, in dessen Namen sie handeln müssen. Das ist ein so selbstverständlicher Grundsatz, daß es fast lächerlich erscheint, an ihn zu erinnern. Aber die Tatsache, daß die Konzernierung des Zeitungswescns es heute schon in der Hand hat, weiten Schichten der Leserschaft jede Möglich- keit zu nehmen, von den wirklichen Absichten und Taten der Regierenden überhaupt Kenntnis zu erhalten, macht auf den Uebelstand aufmerksam, aus dem die Notverordnung ge- boren ist. Gerade im Interesse wirklicher Freiheit der Presse — als des Sprachrohrs der im Volk lebendigen Kräfte— ist es notwendig, zu betonen, daß diese Freiheit auch Pflichten umschließt, deren Nichterfüllung unfehlbar zu Konflikten führen muß. Die Entrüstung gegen die Anwen- dung einer Notverordnung ist innerlich unehrlich, wenn nicht der Wille dahintersteht, die Notverordnung durch S e l b st d i s z i p l i n der Presse überflüssig zu machen. Eine preußische Kundgebung. Der Amtliche Preußische Pressedienst schreibt: „Die Notverordnung ist ausdrücklich zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen erlassen worden. Die„politischen Ausschreitungen" aber in der radikalen, gegen die preußische Regierung Sturm laufenden Presse haben eine starke Unruhe und Ausregung unter der Bevölkerung erzeugt. Dadurch wurde es zur Pflicht der preußi- schen Staatsregierung, ihre Stimme zu erheben und vor der Beteili- gung an einem Unternehmen zu w a r n e n, dessen Gefahren für das gesamte deutsche Volt von Tag zu Tag deutlicher sichtbar wurden. Es wäre pflichtvergessen gewesen, wenn die Staatsregierung, an die ununterbrochen von den Freunden der Ordnung und Ruhe im Lände die dringende Aufforderung herankam, sich zu äußern, weiter geschwiegen hätte. Die preußische Staatsregierung hat von der Notverordnung auch deshalb Gebrauch gemacht, weil sie erfahren hat, daß ein gewisser Teil der Presse nicht gewillt ist, freiwillig und loyal eine Stellungnahme der Landesregierung wörtlich zu veröffentlichen. Nach Auffassung der preußischen Staatsregierung war damit ein begründeter Anlaß gegeben, auf Grund der Notverordnung eine amtliche Kundgebung über den Volksentscheid— das für das In- und Ausland wichtigste politische Ereignis dieser Tage— und zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen, gegen die man sonst wehr- los gewesen wäre, zu erlösten. Seit langem wird der politische Kampf in ganz Deutschland auf das unerhörteste durch die vielerorts geübte Taktik verschärft und vergiftet, nichts zu berichten, was für die preußische Regierung und ihre Leistungen spricht, aber alles immer vergröbert und verzerrt zu bringen, was etwa gegen die Arbeit der Staatsregierung vorgebracht werden könnte. Die ungeheuer- lichstcn Vorwürfe und Anschuldigungen wurden ununterbrochen in der radikalen Presse gegen die Staatsregierung erhoben, um die Staatsautorität durch diese Minierarbeit zu untergraben. Die preu- ßische Staatsregierung ist ober der Anficht, daß ■"'Kiit eine starke Regierung in dieser ernstev Iest'die ReehZltalst« meistern kann. tf-■-■ v , Sie hat es deshalb für notwendig geholten, allen Wählern und Wählerinnen vor Augen zu führen, was es für unser Land und für die Existenz jedes einzelnen für Folgen hoben kann, wenn etwa eine Mehrheit des Volkes der Parole des Volksentscheids folgen würde. Deshalb mußte die Staatsregierung entscheidenden Wert darauf legen, in der gesamten Preste des Landes gehört zu werden. Damit wollte sie zur Beruhigung derer beitragen, die hinter ihr stehen, und die in der widerspruchslosen Aufnahme der zahllosen Beschimpfungen der Staatsregicrung eine falsche und gefährliche Schwäche erblickten. Die preußische Staatsrcgierung hat ihre Auffassung über den Volksentscheid der Oeffentlichkcit mitgeteilt. Sie hat dem nichts mehr hinzuzufügen. Mögen die preußischen Wähler und Wählerinnen klar erkennen, daß es beim Volksentscheid um mehr geht als um das «chickfal eines Landtags oder einer Regierung. Mögen sie sich vor Augen halten, daß unser aller Geschick, daß die wirtschaftliche Grund- läge Deutschlands und seine politische Gestaltung an diesem Tage ent- scheidend beeinflußt werden!" Zentrumsaufruf gegen Volksentscheid. Gegen die Lüge von der marxistischen Mißwirtfchast. Die preußische Zentrumspartei veröffentlicht einen Aufruf gegen den Volksentscheid, in dem es heißt:" „Der Volksentscheid soll nach der Parole seiner Väter einer »zehnjährigen inarxiststchen Mißwirtschaft kki Preußen" ein Ende machen. Bis zum Jahre 1925 bestand in Preußen die Große Koa» lition, aus der damals die Deutsche Bolkspartei ohne Grund austrat. Aber auch von da ob zählt« das Preußisch« Kabinett unter acht Ministern mtndestens fünfnichtsozialistischeMitglieder. War es nun Mißwirtschaft, wenn unter dieser Koalitionsregie- rung Preußen von allen politischen Erschütterungen und Fieberer» scheinungen fast völlig verschont blieb und einen festen Block der Ordnung in allen vergangenen Iahren bildete? War es Mißwirtschaft, wenn die preußischen Finanzen bis heut« dank altpreußischer Sparsamkeit in guter Verfassung blieben? War es Mißwirtschaft, wenn für die Förderung der Land- Wirtschaft wie auch aller anderen notleidenden Gewerbezweigc viel« Hundert« von Millionen staatlicherseits aufgewandt wurden? Wenn 70 Prozent aller Neubauwohnungen mit Staatsmitteln gefördert wurden? Wenn das Schul- und Bildungswejen unter großen Geld- opfern auf eine niegekannte Höhe gebracht wurde?" .»Das wahre Ziel feines Kampfes offenbart der Rechtsradikalis- mus mit seiner Parole:»lieber Preußen zum Sturz des Kabinetts Brüning." Es geht also um die Eroberung der gesamten politischen Macht! Haben diese Kreise wirklich nicht«ms den Verhandlungen der verflossenen Wothen gelernt? Dos Kabinett Brüning in einem Augenblick stürzen zu wollen, in dem es in ent- scheidenden Verhandlungen mit dem Ausland steht und Fäden neuen Vertrauens geknüpft Hot, die uns vor weiterem Niedergang de- wahren sollen« hieße, die langsam erwachend« Hilfsbereitschaft wiedcr välstiz zerschlagen und dos Vertrauen des Volkes in die gesund« Kraft i>ns«r?r innerdeutschen Wirtschaft vernichten!" Für u/.sere Freund« in Stadt und Land ergeht als Losung zum 9. August:„Keine Beteiligung an diesem Volksent- scheid!" Wir bleiben der Wahl fern. Nur wer glaubt, aus persönli�z Gründen an einer Wahlbeteiligung nick* vorbeikommen zu kökne», der seh» hm. stimme ab« mit.Rem". Der Stahlhelm und gemeinsam mit ihm die gesamte Presse der Rechten beschuldigt die preußische Staatsregierung der Verletzung der Pressefreiheit. Di« Anbeter der Diktatur wollen sich zu Paladinen der Pressefreiheit auswerfen. Mit einigen wenigen dokilmentarischen Zeugnissen über ihr wahres Verhältnis zur Preflefreiheit reißen w,r ihnen die heuchlerische Maske vom Gesicht.> Am 13. März 1920 erfolgte der K a p p- P u t s ch. Am 14. März 1923 lieh Kopps Reichswehrminister Lüttwitz jolgcnden Fernspruch ergehen: „Reichskanzler ersucht, im ganzen Deutschen Reich diejenigen Zeitungen und Zeitschriften, die über die neue Regierung unwahre Gerüchte in Umlauf setzen, bis auf weiteres zu verbiete«, de» gesamten Redaktionsstab in Schutzhast zu nehmen und. falls notwendig, auch das Wiedererscheinen der Blätter unmöglich zu machen. Der Befehl ist unverzüglich allen Dienststellen bekanntzugeben." Verbot und Schutzhaft für die Redakteur«— das ist die wahre Pressefreiheit, die diese Leute meinen! Wo ist bis auf den heutigen Tag die Entrüstung aller der Rechtsblätter über diese Verfügung geblieben, die heute heuchlerisch über Verletzung der Presscfreihetl schreien? Als während des Kapp-Puffches eine große Berliner Zeitung die Nachrichten der rechtmäßigen Regierung veröffentlichte, wurde ihr diese Veröffentlichung untersogt. Gleichzeitig wurde ihr angedroht, daß die Redakteure verhaftet und erschossen werden würden, wenn sie die Regiernngsmeldungeu weiter veröffentlichten! Das wollen sie heute wieder haben! Damals wollten sie die Redakteure erschießen,� die die Nachrichten der rechtmäßigen Regie- rung veröffentlichten, heute zetern sie laut, weil die preußische Staatsregierung für die Veröffentlichung ihres Aufrufs Sorge gc- tragen hat. Das Geschrei von heut« und die Drohung mit Er- schießen von damals— das ist die Pressefreiheit, die sie meinen! Dieser Versuch des Terrors durch die Kopp-Regierung wurde unternommen von dem sogenannten Pressedienst der Kapp-Regie- rung. Ihm gehörten deutschnationale Journalisten an, die heute aus vollem Hals über angebliche Verletzung der Presse- Endlich handelspolitische Vernunft! Devisenzuteilung nach Bedarf.— Keine Oringlichkeitsliste. vlc Reichsregierung hat die vevisenbewirtfchoftuugsstellen«m- gewiesen, bis auf weiteres den Firmen, dl« eine, entsprechende Handelskammerbescheinigung vorweisen können, allgemein die Genehmigung zum Erwerb von Devisen und zur Verfügung über Devisen zu erteilen, soweit diese Devisen zur Finanzierung der Ein- und Aussuhr und des Transithandel» von waren verwendet werden sollen. Die Reichsregierung erwartet aber von Verbroucherfchast. Handel und Ranken, daß sie bei der Einfuhr insbesondere von Luxus- waren und Gcnuhmikteln sich die durch die kvirtfchafksloge gebotene Zurückhaltung auserlegen. Eine Kontrolle der Verwendung der für die Einsuhr in Anspruch genommenen Devisen wird nachträglich durch die Devisenbewlrsschastungsftcllen staltfinden. «- Di« Durchführungsbestimmungen zur D«vis«twer- ordnung sind entsprechend diesem Beschluß der Reichsrogierung abgeändert worden. Auf eine Bescheinigung der zuständigen Industrie- und Handelskammer wird eine allgemein« Genehmi- gung zmn Ankauf vpn Devisen und zu? Verfügung über Devisen er- teilt, wenn diese Devisen im Rahmen des bisherigen Geschäfts- betriebs für die Ein- und Ausfuhr und den Transithandel von Waren benötigt werden. Zahlungen zur Abdeckung von Schulden bei aus- ländischen Banken sind ausdrücklich von der allgemeinen Genehmi- gung auszunehmen. Die allgemein« Ermächtigung berechtigt auch zum Abschluß von Termingeschäften über ausländische Zahlungsmittel gegen inländische Zahlungsmittel, wenn diese Ge- schäfte mit der Reichsbonk oder mit den von dieser ermächtigten Kreditinstituten abgeschlossen werden. Die Handelskammer kann die Erteilung der oben erwähnten Bescheinigung ohne Angab« von Gründen versagen. Die Bescheinigung ist zu entzieh«!, wenn die Voraussetzungen der Ertgilung nicht oder nicht mehr—.%-»» fteiheit schreien. Wir nennen Dr. T r a u b von der öhugenbergschen „München- Augsburger Abendzeitung" und Herrn Johannes E. Harnisch. Redaktucr des Hugenbergschen „Lokal-Anzeiger". Das ist es. was sie unter Pressefreiheit verstehen. Und so sehen die Leute aus, die heute das Maul aufreißen. Run zum Hitler-Putsch! In der Putschnacht vom 8. auf den 9. November 1923 verbot der Pressechef des Herrn von Kahr. der Chef- redakkeur Adolf J ch i e d t, unter Androhuu« der Todesstrafe den Münchcncr Zeitungen, irgend- welche Nachrichten über die Vorgänge im Bürger- bräukcller ,« veröffeutlichen. Todesstrafe für wahrheitsgemäße Rachrichten— so jassen sie die Pressefreiheit auf! Herr A d o l s S ch i e dt ist heute Chefredakteur der rechtsstehen- den„Münchener Zeitung". Er hat sich erdreistet, ein Telegramm an die Reichsarbeitsgemeinschaft der Deutschen Presse zu richten, in dem er die Anordnung der preußischen Staatsregierung ein Dilta t, einen unerhörten Mißbrauch und eine tyrannische Maß- nähme nennt. Das ist ganz der richtige Mann, der als Ver- teidiger der Pressefreiheit auftreten könnte! Nach dem Hitler-Putsch zogen 200 schwerbewaffnete Haken- kreuzlcr vor das Gebäude der sozialdemokratischen„Münchcncr Post". Sie zertrümmerten die großen Schaufenster, stürmte» die Berlagsräume und schlugen hier alles kurz und klein, ebenso in den Rcdattionsräumen. Sie stahlen die Kasse, sechs Schreibmaschinen und die zur Aus- Zahlung bereitgelegten Lohngelder. Tie Druckerei wurde zerstört. Heute heucheln sie Erbitterung über eine angebliche Verletzung der Pressefreiheit, die nicht geschehen ist, morgen würden sie, wenn sie zur Macht gelangten, die Freiheit der Presse mit Füßen treten! Wer das Kulturgut der Pressefreiheit betnahren will, der muß dafür sorgen, daß die Kräfte, die sich heute heuchlerisch als Verteidiger der Pressefreiheit auf- spielen, niemals zur Macht gelangen! > Firma hat bis zum(5. des folgenden Monats an die zuständige Stelle 1 für Devisenbewirtschaftung«ine Zl u f st e l l u n g über die vorgenom- menen Devisengeschäft« einzureichen. -»> Di« Reichsregierung ist mit diesem Beschluß erfreulicher- weise von den Bestrebungen, ein autarkes Wirtschafts- fyftem in Deutschland von hinter herum, d. h. auf dem Um- wege über die Devisenbewirtschaftung einzuführen, abgerückt. Wenn auch vielleicht an den verantwortlichen Stellen nicht die Absicht bestand, so lag doch die Gefahr sehr nahe, daß man mit Hilfe der vorgesehenen differenzierten Devisen- Zuteilung auf die Wareneinfuhr unser ganzes handelspoli- tische? System auf den Kopf stellte. Die ursprünglichen Bestimmungen, insbesondere die Gruppierung der Wareneinfuhr nach lebenswichtig, weniger wichtig und un- wichtig(oder unerwünscht!), hatten bereits zufehrerreg- t e n Aeußerungen im Auslande geführt, die Deutschland«in« höchst illoyal« Verletzung der Handelsverträge vorwarfen und deshalb mit«ntsprechenden Repressalien drohten. Die Gefahren für den deutschen Export und für die gesamte Wirtschast sind mit der Freigabe des Devifenvcrkehrs für den Außenhandel befestigt. Zlltuifierpräsidenl Alacdouold und Staatssekretär Sllmson waren am Donnerstag und Freitag gemeinsam in Schottlattd: es wurden besonders die politischen und finanziellen Probleme Englands er- örtert. Macdonald wird in etwa 14 Tagen zur Erörterung van Sparmaßnahmen in dem von der Regierung eingesetzten Aus- schuß nach London zurückkehren. XOe steigende Arbeitslosigkeit in Wien zeigt sich darin, daß die Zahl der unlerstugten Arbeitslosen in der zweiten Iulihälit- sich um 2X39 auf 886 Iii vermehrt hat; gegen das Borjahr um 15 433. Die Arbeiter g Die Stimmung Gastern nahm der Arbeiterral der Firma Stock-Mariea. f-lde Slchchßj»SÄ»V-�bestcht an» frchs Sozioldcmokratckü und fünf Kommunisten. Ml sieben Stimmen bei vier Enthaltungen nahm der Arbeiterrat eine Ensschiießung an. in der die Belegschaft auf- gefordert wird, sich nicht an dem dentschnalionalen Stahlhelmvolksentscheid zu beteiligen, der nur zur Barelendung der Massen führe. * Bei Löwe- Radio fand am vonaerslag die Wahl de, Arbeilerral, statt. Bei der letzten Wahl im Zuni erhielten die freie» Gewerkschaften ZS7 Stimmen und vier Mandate, die kommunistische RGO. 322 Stimmen nnd fünf Mandate. Da die kommunistischen Arbeilcrratsmilglieder bei allen schwierigen Sitna- i'onen immer die Sozialdemokraten vorschoben, und sich von der Verantwortung drückten, legten die freigewerkschaftlichen Arbeiter- ratsmitgliedcr ihre Mandate nieder, um die Belegschaft entscheiden zu lassen. Bei der Reuwahl erhielten die freien Gewerk- schasten Z2S Stimmen und sechs Mandate, die Kommunisten 183 Stimmen und drei Mandate. * 3n einer stark besuchten Versammlung der Belegschaft der AEG. in Treptow, wo bisher die SPD. einen großen Einfwß egen die KPD. a den Beirieben. hatte, wurde gestern mit allen gegen elf Stimmen eine Entschließung angenommen, in der es heißt: —»Die Anmefcaden halten den fchwarzmeihraten volksenstcheid der hugenberg, Hitler. Scldte. Thälwann für verderblich und werden ihr« Kräfte dem Kampf gegen diesen Volksentscheid zvr Verfügung stellen. Kein besonnener Arbeiter wird sich am Sonnlag. dem g. August 1931, an diesem Volksentscheid beteiligen!" Die Massenversammlung der Einundzwanzig. Gestern war„große Massenversammlung" de? SPD. in der Siemensstadl. Von den rund<0 000 Menschen, die gegenwärtig dort beschäftigt werden, waren 2 l(e i n u n d. zwanzig) erschienen, die e» sich in dem großen Saal bei weidner. der über 10 900 Personen faßt, gemütlich machen tonnten. Der kommunistische Reichstagsobgcordnete Ulbricht war in Begleitung eines Stoßtrupps von 30 Arbeitslosen und Jungkommunisten gekommen, womit er in der Versammlung eine sichere Mehrheit hotte. Trotzdem wagte man selbst dieser Versamm- lung nicht einmal eine Entschließung für den Volksentscheid vorzu- legen. Gesenkten Hauptes zog Herr Ulbricht wieder ab. Nr. 367* 48. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend. 8. August 1931 Sturm gegen den Vollubetrug Die Riesenkundgebungen der Berliner Sozialdemokratie.- Wir anl In den gröfttcn«rilen Perlins hat gestern die in her Sozialdemokratie geeinte Berliner Arbeiterschaft durch fünf Riesenversammlungen, die eine wie die andere überfüllt waren und durch ebenfalls überfüllte Parallel- Versammlungen erweitert wurden, aufgerufen zum Kampf gegen den kommunistischen Verrat und den Vorftost der Reaktion. Tie Stimmung war überall gleich aus- gezeichnet und siegesgewift. Ter entschlossene<;orn über den niederträchtigen Angriff der.Kommunisten in den Rücken des kämpfenden Proletariats aber»aar der Grundtenor, der in allen diesen Riesenkundgebungen deutlich zum Ausdruzk kam. Fünftausend im Friedrichshain. Allein die Kundgebung im Saalbau Friedrichshain mies nach der Zahl der Menschen einen stärkeren Besuch auf als der gestrige knmimmistischc Aufmarsch im Sportpalast. Die Ansprachen der Genossen Arthur C r i s p i e n und Clara B o h m- S ch u ch wurden von etwa S(X)0 Menschen gehört. Ein Lautsprecher, der von der Firma Hübcncr u. Zirkcr gratis zur Verfügung gestellt war. über- trug die mit immer neuer Zustimmung aufgenommenen Reden. Nach- dem Genosse Crispien dargelegt hatte, daß nicht die Reparationen, sondern die kapitalistische Krise als Ganzes die Ursache unserer Röte und Sorgen sei, und dah die Fragestellung auf Ent- scheidung zwischen dem Kapitalismus, der von Krise zu Krise schreit- und diese durch politische Entladungen Bürgerkrieg und Ausbeutung Zu überwinden suche, und planmäßig sozialistischer Wirtschaft steh-, sagte er:„Die Front ist klar und einfach. 5)ic Proletariat, dort kapitalistisches Bürgertum. Eine geschlossene Arbeiterbewegung, die noch Ucberwindung der bolschewistischen Krankheit in entschiedenem Kampf um die Macht steht, würde Aus- ficht auf Erfolg haben. Aber in Wirklichkeit ist die proletarische Front noch nicht vorhanden. Millionen Proletarier stehen abseits, andere folgen den bolschewistischen Ideen. Die Kommunisten hoben noch nicht dos geringste für die Arbeiterklasse geleistet. Sie haben keine produktive Leistung auszuweisen. Sie haben gespalten und Bruderkampf gestiftet. Durch den bolschewistischen Betrug kam der Kapitalismus, anstatt in die Verteidigung gedrängt zu fein, zur Möglichkeit des Angriffs. Ein Teil dieses Angriffs ist der Volks- entscheid vom kommenden Sonntag. An diesem Vorstoß gegen dos Prolelliriat beteiligen sich die Kommunisten, die noch am l. Zuli den Volksentscheid einen Ausplünderungsfeldzug nannten. Sie begehen dadurch Verrat. (Stürmische Zustimmung.) handeln auf� Peschs aus M p s t a u. Die Verbindungert zwischen dem deutschen Kapital ünd'vem Bälschewismus' sind eng und' innig. Rußland will Deutschland von den Westmächten trennen, die Ver- ftändigung mit Frankreich stören, isolieren, aushungern und dann zum Spielball seiner Wünsche machen. Thälmann ist der Zutreiber. Niemals war sein Betrug so schamlos, niemals so klar. Die Kom- niunisten handeln auf Moskauer Befehl, sie werden von Moskau bezahlt.(Stürmische Zustimmung.) Dos sind keine Arbeiterführer, sondern bezahlte Agenten, die ihren Paß nach Moskau für die Stunde der 7to» in der Tasche haben.(Anhaltendes Sehr richtig!) Das deutsche Proletariat kann dann, was sie angerichtet haben, aus- badcn.'Aus eigener bitterer Erfahrung weiß ich, wie die Turkcftaner s92l1 mit gutem, klingendem Lohn Agenten gewinnen wollten. Das sind politische Banditen und Freibeuter, die unschädlich gemacht werden müssen, wenn jemals die Arbeiterbewegung gesunden soll.(Anhaltende Zustimmung.) Im Kampf gegen den Faschismus steht die Soziaidemokratie allein. Aber sie ist nicht zaghaft, nicht mutlos. Sic, die so vieles überwunden hat, wird auch Hitler, Hugenberg und Thälmann zum Teufel jagen. (Nicht cndenwollcndcr Beifall.) Unser der Sieg trotz alledem!" Genossin Böhm- Schlich wandte sich vor allein an die Frauen.„Daß wir überhaupt zu diesem Volksentscheid Stellung nehmen müssen, ist das größte Verbrechen, das die Koimministen bcgelzen konnten. In, Augenblick, da die kapitalistischen Kräfte eine offene Krise durchmachen, mallen uns die Kommunisten einen Knüppel zwischen die Beine Wersen. Die Kommunisten gehen mit .Hilgenberg und Hitler zusammen, die gerade uns Frauen in den Zustand politischer und sozialer Knechtschaft zurückführen wollen. keine denkende Frau darf am Sonnlag an die Urne gehen.(Erneut anhallende Zustimmung.) Wer den Frieden will, wer die Rechte der Frau will, ist gegen den Volksentscheid. In der Diskussion vermochte sich ein Kommunist trotz aller Versuche des Vorsitzenden, bei der Empörung der Arbeiter nicht durchzusetzen. Der linke politischer Banditismus. Nevolverjournalistik in der Hakenkreuzpresse. Der„Angriff" hat in seinen Ausgaben von Donnerstag und Freitag eine Reihe von offenkundigen, schmutzigen Verleumdungen gegen den Genossen Brolat, die sein Privatleben in niedrigster Weise verdächtigen, verbreitet. Gegen diese gemeinste Form des politischen Kampfes versagt leider jeder Rechtsschutz. Genosse Brolat schreibt uns dazu in bc- greiflicher Erregung: „Ich erkläre, daß die Bchouptungcn des„Angrifs" über mich von A bis Z erstunken und erlogen sind. Die Burschen, die der- artige erlogene Behauptungen in der Presse über mich verbreiten, sind in meinen Augen politische Banditen und Wegelagerer. Ich lehne es ab, mich vor deutschen Gerichten mit ihnen zu treffen. Für solche Burschen habe ich nur die Hundepeitsche. Brolat." WDy müssen runter! „Weitere Liebesgaben an den Hausbesih unerträglich!" Der Reichsbund Deutscher Mieter e. V. hat an den Reichskanzler und die Reichsminister folgendes Telegramm gerichtet: „Steigende wirtschaftliche Rok weiter kreise der Wohnraum- mieler und der Geschästsraummieter erfordert unverzügliche Maßnahmen zur Senkung der Mieten für All- und Neubauten bis aus die höhe der Vorkriegsmieten. Senkung der hauszinsslcuer muß in vollem Umfange zur Senkung der Mieten dienen, weitere Liebesgaben an den hausbesih sind au« Gründen sozialer Ge- rcchtigkei« unerträglich. Weiterer Abbau des Mieterschutzes ist unbedingt abzulehnen. Mittel für den Wohnungsbau bedürfen sofortiger entschiedener Verstärkung. Reichsbund Deutscher Mieter." Kommunist Urbans wandte sich ccgcn den Volksentscheid, aber ebenso gegen die Regierung Braun-Scvcrina. In seinem Schluß- wort betonte Genasse Crispien unter stürmischer Zustimmung, dag nur die Sozialdemokratie den Faschismus wirklich bc- kämpfe, daß sie ihn aber auch besiegen werde. Riesenkundgebung in der Hasenheide Schon lange vor Beginn der Versammlung war der große Saal von„Kliems Festsälen" in der 5) a s e n h e i d e gänzlich überfüllt, so daß in einem anderen Raum noch eine Parallelveranstaltung stattfinden muhte. Trotzdem standen lange Reihen noch auf der Straße, die keinen Einlaß gesunden hatten. Nach einem Sprechchor der Arbeiterjugend nahm Genosse Künstler das Wort: Die Aus- lösung des Preußischen Landtags ist in diesem Volksentscheid nur eine äußerliche Angelegenheit. In Wahrheit geht es um die politische Macht in Preußen und damit um die Eroberung Deutschlands durch die Reaktion. Unter allgemeiner Entrüstung der Bcrsamnilung berichtete Genosse Künstler von einer ungeheuren Fälschung der Hugcnberg-Presse. Im Deutschen Schriftenverlag ist ein Volksentschcidblatt Nr. 7 herausgekommen, das wörtlich den Aufruf der Sozialdemokratie abdruckt und zum Schluß in roter Schrift die Worte bringt:„Der Landtag ist auszulösen." Unterschrift in Klammern: Parteivorstand der SPD. Was aber Hot der Stahi- hclmffihrcr Dr. Busch in Aachen als Ziel des Volksentscheids er- klärt? Einführung des Z w ö l f st u n d e n t a g e s, Arbeitsdienst- Pflicht und Zwangsarbeit in Deutschland. Das nennen die Konimu- nisten:„roter Volksentscheid".(Allgemeines Lachen.) wie der Hund der Hündin, so länfl der Transportarbeiter Thälmann heute Adolf Hitler und den hugenbergianern nach! Dieser Arbeiterverrat ist das größte Verbrechen, dos an der Arbeiterschaft als Klasse verübt worden ist!(Lebhafter Beifall.) Wenn es aber sein muß, dann werden wir mit allen Mitteln unsere Rechte zu verteidigen wissen.(Langanhaltender Beifall.) Für die Kommunisten bedeutet dieser Volksentscheid nur die Vor- bereitung zum Bürgerkrieg, der aber die sozialdemokratischen Führer in Deutschland und Berlin sehen wird und nicht mit falschem Paß im Ausland. NutzenwirdicZeit! Die Niederlage der Kom- munisten am Sonntag soll unsere Offensive gegen die Reaktion und ihre kommunistischen helfershelscr einleiten! Anschließend sprach Genossin Paula Kurgaß besonders zu den Frauen. Preußen ist das Bollwerk des Friedens in der Republik. Es geht um Mündig- kcit der Frauen, um die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Arbeiter- schaft und um den Kampf der Arbeiterklasse. Wer gegen Krieg und Inflation, wirtschaftliche und politische Reaktion ist, der bleibt am Sonntag zu Hause. Zu gleicher Zeit sprachen im ebenfalls über- füllten kleinen Saal, her Genosse.M a d.e-.z-l) o l z und die Genossin K u r g a ß. j-T>i'fcvr parattelversammlung auch in der Hochschutbrauerei. Die Versammlung in der Hochschulbrauerei in der Seestraße, in der Karl L i t k e und Käte Kern referierten, war gleichfalls vor Beginn überfüllt. Es fand eine Paralleloersommlung in einem zweiten Saale statt, hunderte hatten auch hier nicht Einlaß gesun- den. Sie hörten durch die geöffneten Fenster des Saales die Reden im Garten der Brauerei mit an. Auch in dieser Versammlung zeigte sich der Zorn der sozialdemokratischen Arbeiter über den schändlichen Verrat der Kommunisten, und jene Stellen der Litke-Rcde, die sich mit der perversen Paarung zwischen Stahlhelm und Sowjetstern befaßten, fanden besonders starke Zustimmung. Käte Kern In diesem Augenblick fuhr ein Feuerwchrwagcn mit Fackeln durch die Gasse und bei seinem Licht sah Worobjew einen so schrecklichen Ausdruck auf Ostaps Gesicht, daß er sich sofort unterwarf und ihm den Stuhl übergab. „Jetzt ist es gut", sagte Ostap und atmete erleichtert auf. „der Aufstand ist unterdrückt. Nehmen Sie den Stuhl und tragen Sie ihn mir nach. Sie sind für ihn verantwortlich. Verstehen Sie?" „Jawohl!" Die gynze Nacht hindurch irrten die Konzessionäre in- mitten der entsetzten Menschenmenge umher, wie alle andern trauten sie sich nicht, in die verlassenen Häuser einzutreten und erwarteten neue Erdstöße. Gegen Morgen fand Ostap ein Plätzchen, in dessen Nähe keine Mauern waren, die sie hätten bedrohen, und keine Menschen waren, die sie hätten stören können, und so machten sie sich daran, den Stuhl zu untersuchen. Das Resultat war für die beiden Konzessionäre er- schlitternd. Im Stuhl war nichts zu finden. Für Worobjew waren die Aufregungen der letzten Nacht zu viel gewesen, er hielt es nicht aus. Er fiel wie ein Tier aus Hände und Füße nieder, wandte sein müdes Gesicht der trüben roten Sonne zu und heulte. Als der große Kombinator dies sah. verließen ihn die Sinne, er fiel in Ohnmacht. Als er wieder zu sich kam, sah er Worobjews mit lila Borsten bedecktes Kinn. neben sich. Auch er war bewußtlos. „Schließlich und endlich", sagte Ostap mit der Stimme eines vom Tnphus Genesenden,„sind von hundert Chancen immer noch hundert geblieben. Der letzte Stubl"— bei diesen Worten kam Worobjew zu sich—„ist im Warendepot des Oktoberbahnhofes verschwunden, aber schließlich hat ihn doch nicht die Erde verschluckt. Was kann uns passieren? Die Sitzung dauert weiter!" Irgendwo fiel mit Gepolter eine Mauer in Trümmer. Eine Dampfsirene schrie in langgezogenen Tönen. Eine Frau mit ausgelöstem haar, im Unterrock, lief durch die Straße... Der Schatz. An einem regnerischen Oktobertag arbeitete Worobjew in Iwanopulos Zimmer, ohne Rock, nur in der sternenbesätcn Weste. Er arbeitete auf dem Fensterbrett, da es hier noch immer keinen Tisch gab. Der große Kombinator hatte einen großen künstlerischen Auftrag bekommen. Anfertigung von Adreßtäfelchen für das Wohnungsamt. Die Ausführung der Täfelchen nach den Schablonen hatte Ostap Worobjew über- geben. Er selbst irrte schon fast einen ganzen Monat lang. seit der Ankunft in Moskau, im Rayon des Oktoberbahnhoss herum, und suchte leidenschaftlich die Spur des letzten Stuhles, der zweifellos die Brillanten der Frau Pjetuchowa enthielt. Ostap, der täglich mit Worobjew zusammenkam, bemerkte keinerlei Veränderung an ihm. Und doch war Worobjews Wesen sehr verändert. Wenn er heute in seinem heimatlichen Amt erschienen wäre, hätte man ihn für einen armseligen .Bittsteller gehalten und seinen Gruß nachlässig erwidert. Worobjews Gang war nicht derselbe wie früher, der Ausdruck seiner Augen erschien vermildert und der Schnurrbart wuchs nicht mehr parallel mit der Erdfläche, er sträubte sich wie bei einem alten Kater kerzengerade in die höhe. Auch innerlich war Worobjew verändert. In seinem Charakter zeigten sich kleine Züge der Entschlossenheit und Grausamkeit, die ihm früher durchaus nicht eigen gewesen waren. Drei Geschehnisse hatten in ihm ollmählich diese neuen Gefühle gezüchtet. Die wunderbare Rettung aus den Fäusten der Schachamateure, das erste Auftreten als Bettler im Pjatigorskcr Blumengarten und das Erdbeben, nach dem Worobjew etwas wirr im Kopf geworden war und seinen Kompagnon im geheimen haßte. In der letzten Zeit hatte sich Worobjews ein schwerer Verdacht bemächtigt. Er fürchtete, Ostap würde den letzten Stuhl selbst öffnen, den Schatz an sich nehmen, Worobjew seinem Schicksal überlassen und oerschwinden. Er fürchtete. seinen Verdacht auszusprechen— er kannte Ostaps schwere Hand und seinen unbeugsamen Eharaktcn Bon Tag zu Tag deutlicher setzte sich in ihm die Vorstellung fest, Ostap würde nicht mehr zurückkommen, und er, der gewesene Vorsitzende des Gubernial-Adels, müsse hinter einem nassen Moskauer Zaun Hungers sterben. Ostap aber kam jeden Abend zurück, obwohl er keine fröhlichen Nachrichten zu überbringen hatte. Seine Energie und sein Humor waren unerschöpflich, die Hoffnung verließ ihn keinen Moment lang. Nun hörte man ein Stampfen von Füßen im Korridor, jemand stieß gegen den Panzerschrank, und die leichte Holztür tat sich auf wie ein Blatt Papier, das der Wind umdreht. Der große Kombinator stand auf der Schwelle. Er war ganz durchnäßt, die Wangen rot wie Aepfel. Er atmete schwer. „Ippolit Matweewitsch!" schrie er.„Hören Sie zu, Ippolit Matweewitsch!" Worobjew staunte. Nie noch hatte ihn der technische Direktor bei seinem Tauf- und Vatcrnamen gerufen. Und plötzlich verstand er. „Ist er da?" sagte er aufatmend. „Jawohl! Ach Kissa, der Teufel soll Sie in Stücke reißen!!!" „Schreien Sie nicht, man hört ja alles!" „Es ist wahr, fremde Leute könnten es hören", flüsterte Ostap rasch.„Er ist da, Kisia, und wenn Sie wollen, kann er sofort vorgeführt werden. Er befindet sich im Klub der Eisenbahner... in dem neuen Klubhaus... Gestern war die Eröffnung... Wie ich ihn gesunden habe? Kleinigkeit! Eine außergewöhnlich schwierige Sache! Eine genial bis zum Ende durchgeführte Kombination! Ein klassisches Aben- teuer!... Mit einem Wort: hohe Klasse!" Ohne zu warten, bis Worobjew den Rock angezogen hatte, lief Ostap auf den Korridor hinaus. Worobjew holte ihn auf der Treppe ein. Beide stellten aufgeregt Fragen aneinander und durcheilten die regennassen Straßen bis zum Ka- lantschewski-Platz. Es fiel ihnen nicht einmal ein, daß sie In die Eiettrische steigen können. „Sie sind angezogen wie ein Schuster!" plapperte Ostap freudig.„Wer geht so herum, Kissa? Sie brauchen gestärkie Wäsche, seidene Socken und unbedingt einen Zylinder. Es ist etwas Edles in Ihrem Gesicht! Sagen Sie, waren Sie wirklich Vorsitzender des Gubernial-Adels?..." Ostap geriet in einen seltsamen Wirbel von Uebermut, wie nie zuvor. Aus Freude darüber, daß sich der Schatz vielleicht noch heute nacht in ihren Händen befinden werde, hatte er sich die Erlaubnis erteilt, sich dumm und kindisch zu benehmen. Er stieß Worobjew, stellte sich den vorbeigehenden jungen Mädchen in den Weg und versprach ihnen goldene Berge.(Fsrtsetzung folgt) appellierte an die Frauen, am Sonntag der Abstimmung fern» zubleiben. Ein Kommunist, der in der Diskussion stammelnd den Umfall und Verrat seiner Partei zu rechtfertigen suchte, mußte unter dem Gelächter der Versammlung bald abtreten. Lleberfüllte Säle auch am Gesundbrunnen. Auch die Kundgebung für die nördlichen Bezirke in den AT lantik-Sälen am Gesundbrunnen nahm einen blendenden Ver lauf. Lange vor Beginn mußte der eine Saal wegen U e b e r- f ü l l u n g gesperrt werden. Nach kurzer Zeit standen auch im zweiten Saal die Arbeiter des Wedding und vom Prenzlauer Berg Kopf an Kopf, �n dem unteren Saal referierte Genosse Otto Meier, in dem oberen Genossin Mathilde Wurm.„Ein arm seliges Schlagwort beherrschte die Agitation unserer Gegner", führte Otto Meier aus,„nämlich die Phrase: Es muß anders werden. Allerdings hat die Konterrevolution jetzt zu einem entscheidenden Schlag gegen die deutsche Arbeiterbewegung ausgeholt und den günstigsten Zeitpunkt gewählt. Die Not der Zeit ist groß genug. Ganz richtig hat seinerzeit im Landtag der Kommunist Schwenk den Volksentscheid als den größten Volksbetrug bezeichnet. Dann platzte in das politische Leben der wahnwitzige Beschluß der KPD.-Zentrale, am 9. August für die Konterrevolution zu stimmen. Wenn die Kommunisten von einem roten Volsentscheid reden, dann erklären wir: Die KPD. hat gar keinen Volksentscheid in die Wege geleitet, die KPD. hat nur diese Mißgeburt des Stahlhelms für sich annektiert.(Stürmischer Beifall.) Die deutsche Arbeiterbewegung kennt keinen ähnlichen Verrat an den Interessen des Proletariats als diesen Beschluß der Spv.-Zentrale. Es ist ein grauenvoller Irrtum,'leichtfertig zu sagen: Schlimmer als jetzt kann es nicht kommen, wo die Hitler-Banden nur darauf warten, die Arbeiterbewegung in einem Meer von Blut zu ersäufen. Dann wird man sich noch einmal noch dem Regime Otto Brauns und Karl Severings zurücksehnen. Der sich immer wiederholende Beifall zu den Ausführungen des Genossen Meier bewies, daß die Arbeiter und Arbeiterfrauen seiner Darstellung der politischen Situation voll und ganz zustimmten. Der kommende Sonntag muß der Reaktion eine Niederlage bringen. Einige anwesende kommunistische Agenten verlangten an- schließend zu diskutieren. Das Büro der Versammlung erNärte unter der Zustimmung aller Anwesenden, daß man mit Leuten, die noch wenige Minuten vor Beginn der Versammlung erneut sozialdemokratische Flugblattvertciler überfallen hatten, nicht mehr diskutieren könne. Als daraus die Agenten der Thälmannn-Zentralc krakeelen wollten, wurden sie kurzerhand an die frische Luft gesetzt. Die Versammlung schloß mit einem begeisterten Hoch auf die Sozialdemokratie. Zn den Spichernsälen hatten die Kreise Wilmersdorf und Charlottenburg zur Kundgebung gegen den Volksentscheid aufgerufen. Wilhelm Dittmann kenn- zeichnete die arbeiterfeindliche Politik der Kommunistischen Partei mit ihren eigenen Worten. Noch vor wenigen Wochen haben die Zeitungen der KPD. die Einheitsfront der reaktionären Volks- cntschcidparteicn als dos gekennzeichnet, was sie ist: als ein Unter- nehmen des Großkapitals, des Junkertums und des Faschismus. Heute ist die Kommunistische Partei dazu über- gegangen, diesen Volk» betrug selbst zu fördern. Sie folgt däbei den alten anarchistischen Parolen, die sie schon in der Ruth- Fifcher-Zeit unseligen Angedenkens herausgab:„Erst muß es schlechter werden, damit es besser wird. Je elender der Arbeiter, desto eher empört er sich." Das Gegenteil davon ist wahr. Die lommunsstischen Arbeiter auf dem Lande und in den Kleinstädten wissen genau, was ihnen von der Junker- und Kapitalistenherrschaft blüht: vollkommene Entrechtung, verschärfter Terror und Elendslöhne. Die Herrschaft der Kasten, die den Krieg und das heutige Elend oerschuldet haben, soll wieder aufgerichtet werden! Dagegen gilt es, alle Kräfte der Arbeiterschaft und aller Republikaner zu sammeln, um den Volksentscheid zur großen Niederlage für die Feinde des Volkes werden zu lassen. Preußen muß als Stütze der Demokratie und der Republik erhalten bleiben. Genossin Toni Sender untersuchte vor allem die Ursachen der heutigen Krise, die durch die Herrschaft des Kapitalismus und die U n f äh i g k e i t der kapitalistischen Wirtschaftsführer verschuldet ist. Schacht, der jetzt in der reaktionären Front steht, hat den Gemeinden die langfristigen Kredite gesperrt und sie gezwungen, teuere, kurzfristige Kredite aufzunehmen. Mit durch feine Politik brach die Krise in Deutschland mn anderthalb Jahre früher herein als in den anderen Ländern. Jetzt nehmen die deutschen Unternehmer Staatshilse in Anspruch. Aber sie wollen ihren eigenen Grundsag nicht durchführen: wer das Risiko trägt, mutz auch die Leitung haben. Wir wollen diesem Grundsatz jetzt zur Durchführung verhelfen, denn dieses System, das Millionen nicht mehr die nackte Existenz gewährleisten kann, hat seine Dasein sberechttgung verloren. Um aber zunächst den Weg aus der Katastrophe herauszufinden, muß dafür gesorgt werden, daß in Deutschland die politische und wirtschaftliche Beruhigung eintritt, die uns die dringend not- wendige Hilfe des Auslands verschafft. Wir müssen immer daran denken, daß es Sozialisten gewesen sind, die uns die erste Hilf« des Auslands verschafft haben. Macdonald und Hen- d e r s e n haben sich in Amerika für die Stundung unserer Schulden eingesetzt, und auch im Innern Deutschlands kann der Weg aus der Krise nur gefunden werden, wenn der Einfluß des Sozialismus nicht nur erhalten bleibt, sondern noch gestärkt wird. Deswegen darf keiner sich am Volksentscheid beteiligen, denn er bedeutet den Sieg der Reaktion und das Chaos. Der Vorsitzende der Versammlung forderte den von der„Roten Fahne" groß angekündigten kommunistischen Diskussionsredner auf, das Wort zu ergreifen. Es meldete sich aber keiner. So konnte d,e Versammlung unter großem Veisoll der Anwesenden ohne Diskussion geschlossen werden. Oie Beamten in der Neuen Weli. Der Einheitsverband der Eisenbahner und der Ortsausschuß de« Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes hatten zu einer.Kund- gedung gegen den Volksentscheid in der„Neuen Welt" aufgerufen. Die überfüllte, namenttich auch von zahlreichen Frauen besuchte Bersammlung nahm einen glänzenden Verlauf. Der Referent des Abends, Genosse Dr. Kurt Löwen st ein. kennzeichnete den Volks- entscheid als den großen Vorstoß der Reaktion. Der Volksentscheid muß zum Volksgericht werden über die Volksbetrüger vom Stahlhelm und Sowjetstern. Der große Beifall zeigte, daß alle verantwortungsbewußten Beamten mit diesem Volksentscheid nichts zu schaffen haben wollen, ifrawaüe in der Friedridistadt. Kommunistische Sdiaufcnstcrstürmcr in den Spuren der Hakenkreuzler. In der Friedrichstadt wurden gestern abend von kom- tnuniftischen Störungstrupps die Schaufensterscheiben mehrerer Geschäfte durch Steinwürfe zertrümmert. Alb die Polizei eingriff, flüchteten die Täter, und den meisten von ihnen gelang ed bei dem starken Publikums- verkehr, der kurz vor Gefchäftsschluß in der Friedrich- strafte herrschte, zu entkommen. Zwei Personen wurden festgenommen und der Politischen Polizei übergeben. Kurz vor 19 Uhr oersuchten meist jung« Burschen aus den Nebenstraßen in die Friedrichstraßc zu ziehen und hier unter Hoch- und Niederrufen Demonstrationszüge zu bilden. Wie auf Kommando wurden aus den Reihen der Unruhe- stifter Pflastersteine gegen die Scheiben mehrerer Schuh-, Kon- fitüren- und Stahlwarengeschäfte geschleudert. Das Krachen der zer- splitternden Scheiben brachte große Unruhe unter die Passanten. Aber auch die Geschäftsleute des von dem Krawall betroffenen Straßenabschnittes, vornehmlich einige Juweliergeschäfte, sicherten sich dadurch, daß sie sofort die Jalousien herunterließen und ihre Läden früher schlössen. Die wenigen Beamten, die den Schcibenzertrümme- rern zunächst entgegentraten, erhielten sehr schnell Verstärkung durch berittene Kommandos und zahlreiche Mannschaften, die auf Schnell- lastwagen herangeführt wurden. Die Ruhe konnte schon nach wenigen Minuten wieder hergestellt werden. Wie immer wurde die Arbeit der Polizei dadurch erschwert, daß das Publikum, das aus den Geschäftslokalen strömte, nicht sofort weiterging, sondern an den Straßenecken neugierig stehen blieb und den Beamten so zunächst jede Uebersicht nahm. Mehr Selbstdisziplin des Publikums würde von der Polizei zweifellos begrüßt und vor manchen Mißgriffen, die sonst unausbleiblich sind, bewahren. Einige Zeit später versuchte an der Kanonierstraße abermals ein kommunistischer Zug unter Führung eines Mannes, der eine rote Armbinde trug, zu demonstrieren. Die Straße konnte schnell frei- gemocht und der Haupträdelssührer, ein siebzehnmal vorbestrafter Mann, festgenommen werden. * In der Ackerstraße wurde gestern nachmittag der Bezirksführcr der 16. Abteilung bei der Flugblattvcrbreitung von sieben Kommu- nisten überfallen und seiner Flugblätter beraubt. Die Täter ent« kamen. In der Kaiser-Friedrich-Strahe in Neukölln wurde ein Mit- glied der SAI. von Nazis angegriffen und tätlich beleidigt. De? Haupttäter wurde festgenommen und der Politischen Polizei über- geben. Schweres Eisenbahnunglück. Schnellzug rast auf Personenzug.- Bisher fünf Tote. Warschau, 7. August. Kurz vor B i a l h st o k ereignete sich am Freitagvor» mittag ein schweres Eisenbahnunglürk. Ein aus Warschau kommender Personenzug muftte infolge Maschinen» schadens auf freier Strecke, etwa 4 Kilometer vor Bialy- ftok, haltmachen. Indessen fuhr ein Schnellzug gleich- falls aus demselben Gleis aus Warschau nach Bialystok ab. Da das Zugpersonal des im Felde stehen gebliebenen Personenzuges keinerlei Sichcrheitsmaftnnhmen getroffen hatte und der Schnellzug auch sonst ohne Warnung seine Fahrt mit voller Geschwindigkeit fortsetzte, war das Un- glück unvermeidlich. Der Jusammenstoft war so heftig, daft der letzte Wagen des Personenzuges völlig zer- trümmert wurde. Die Lokomotive des Schnellzuges ent- gleiste und stürzte den Eisenbahndamm hinunter. Bis jetzt wurden fünf Tote und mehrere Schwerverletzte unter den Trümmern hervorgezogen. Ungefähr 30 Per- fönen tugcn leichtere Verletzungen davon. Der Lleberfall im pofiaml. Wie ausgesteuerte Jugendliche zu Verbrechern wurden. Die Notverordnung, die die Not der Gemeinschaft vermindern soll, steigert melfach die Not'des emzelnen. Not und Verbrechen find aber Zwillingsbrüder... Der achtzehnjährige S. hatte keine frohe Jugend. Während de? Vater im Kriege war, wurde er bei der Großmutter erzogen: später kam er zur Stiefmutter, der Vater hatte für ihn nicht viel übrig und entzweite sich mit dem Sohn endgültig, als dieser nicht Schuster werden wollte wie er, sondern Bäcker. Kaum ausgelernt, verließ der Achtzehnjährige das Vaterhaus, als Minderjähriger wurde er auf Grund der Notverordnung vor sechs Wochen ausgesteuert, er konnte sich ja vom Vater ernähren lassen. Das schuf in dem jungen Menschen einen Seelenzustand, in dem der Vorschlag seines 23jähri- gen Freundes F. bei ihm ein geneigtes Ohr fand. F. lebte im Gegensatz zu S. in geordneten Verhältnissen. Aus- gesteuert war auch er: er hatte aber zu Hause sein Esten und Trinken. Die Mutter lebte in ständiger Sorge: der Mann war krank, krank auch der ältere Sohn und die Schwiegertochter. Der junge Mensch nahm sich das sehr zu Herzen, seine Stimmung wurde ganz schlimm, als ihm das Wohlfahrtsamt eines Tages eröffnete, der Beamte habe ihm versehentlich 275 Mark Unterstützungsgelder ausgezahlt, die ihm nicht zustanden und die er nun zurückzahlen müsse. Was sollte er nun tun, woher das Geld nehmen? In diese seelische Verfassung fiel der Tip eines Bekannten, der bei einer Firma in der Ritterstraße angestellt war. Der Bote der Firma holte vom Postamt SW. 68 Tag für Tag stets zur selben Zeit Geld ab. Nun geschah das Unbegreifliche. Die Freunde S. und F., un- vorbestrafte Burschen, entschlossen sich kurzerhand, den Kassenboten zu überfallen und zu berauben. Sie beobachteten ihn mehrere Tage hindurch, hatten anfangs nicht den richtigen Mut, zuzufassen, am 27. Juli nahmen sie aber Aufstellung in dem Hausflur des Post- amts, schlugen den jungen Burschen zu Boden, F. ergriff die Akten- tasche mit 1706 Mark, wollte flüchten und wurde gefaßt. Das Gericht übte mit beiden Burschen Nachsicht. Es verurteilte F. zu sieben Monaten Gefängnis, S. zu sechs Monaten. Der Haft- befehl wurde jedoch nicht aufgehoben, auch eine Bewährungsfrist nicht zugebilligt. Das Gericht wollte anscheinend abschreckend wirken. Oer betrügerische Generaldirektor. Essen. 7. August. Gegen den Generaldirektor der Baugenossenschaft des Deutsch- evangelischen Volksbundes in Mülheim-Dümpten, Wilhelm I e p p e l, ist, wie vom Polizeipräsidium Obcrhaufen mitgeteilt wurde, ein Er- mittlungsverfahren wegen Betruges eingeleitet worden. Jeppel soll unter betrügerischen Versprechungen Mitglieder für den Bund geworben haben, die dann eine Gebühr von 566 M. leisten und eine Haftsumme in gleicher Höhe übernehmen mußten. Die eingegangenen Geldmittel will Jeppel angeblich für sein Gehalt und für die Ge- Hölter seiner eingeschobenen Verwandten verwandt haben. ,Oie find ja zu hirnverbrannt.� Ein Leser des„Vorworts" wohnte kürzlich folgender Szene an einem Bodestrand bei. Am Strand« zwei Familien, denen Wohlhabenheit und real- tionäre Gesinnung van weitem anzusehen sind. Die Herren unter- halten sich über gute Rassehunde. Plötzlich kommt man auf den Volksentscheid zu sprechen. Der eine, anscheinend ein Fabrikant, er ist im eigenen Auto von Berlin gekommen, zweifelt an dem Sieg des Stahl- Helms. Der andere, anscheinend Direktor eines größeren Unternehmens, ist ganz zuversichtlich:„Seitdem sich die Kommunisten ange- schlössen haben, ist an unserem Sieg kein Zweifel." Eine der Dame» aber lispelt:„Ich fürchte nur, daß die Kommunisten wieder abfallen." Darauf der Herr Direktor:„Ganz ausgeschlossen, die sollen nicht ab!" Und dann sagt er, leise kichernd:„Die sind ja zu hirnvcr- b ra n nt."... „Die Unternehmer haben ja auch allen Grund, sich über ihre kommunistischen Steigbügelhalter zu' freuen", fügt unser Freund hinzu. Er hat nur zu recht!___ Schande der Menschheit. Oie Greueln des elektrischen Stuhls.— Grauenhaftes Sterben eines Delinquenten. New Zork. 7. August. Zu einem grauenhaften Vorsoll kam es anläßlich einer Einrichlung in der Stadl T r e n t o n im Slaate New Jork. Es handelte sich um die Exekution an einem eingewanderten Italiener, dem Fleischer N a r d e l l a, der vor einigen Monaten seine Gattin mit einem Fleischerbeil erschlagen hat. Nardella Halle, obwohl er schon nahe an Sechzig ist, mit einem 17jährigen Mädchen Beziehungen angeknüpft. Als feine Frau ihm daraufhin drohte, einen Ehebruchs- und Scheidungsprozeß anzustrengen, zertrümmerte er ihr mit zwei Dutzend Beilhieben den Kopf. Bor wenigen Tagen sollte feine Hinrichtung stattfinden. Nardella wurde auf dem elektrischen Stuhl festgeschnallt und man setzte ihm den Metallhelm auf den Kops. Dann wurde ein Strom von 1866 Volt eingeschaltet. Plötzlich vernahmen die Anwesenden ein Knistern und ein elektrischer Funke sprang von dem Stuhlbein aus den Delinquenten über. Nardcllas Hose geriet in Brand. Im Nu war der Delinquent in Flammen eingehüllt: seine rasenden Schmerzen sschreie waren im ganzen Gefängnis vernehmbar. Bis es dem Scharfrichter und dessen Assistenten gelungen war, das Feuer mit Löschapparaten zu ersticken, lag Nardella in schwerer Bewußtlosigkeit da. Als der Arzt feststellte, daß er noch nicht tot sei, schaltete der Scharstichter wieder den Strom ein und jagte noch einmal die 1866 Volt durch den Körper des Unseligen.'' Erdlawinen in Güdiirol. Unwetterkatastrophe.- diesige Ueberfchwemmungen. Innsbruck, 7. August. In den Grenztälern nördlich von Bruncck ging ein ver- hecrcndes Unwetter nieder. Felder und Wiesen wurden über- schwemmt. Erdlawinen führten vielfach zu Wasserstauungen. Vom Hochgall und vom Windgall stürzicn große Steinlawinen in den Antholzer See. Infolge der vielen hunderitausende Kubikmeter Gestein trat das Wasser über die Ufer. Eine brausende Flut, verinengt mit Steinen uni> Bäumen, ergoß sich durch das Tal und bedrohte die Siedlungen. Die gefährdeten Häuser waren jedoch bereits geräumt. Elf Häuser wurden stark beschädigt. Die Straßen, die Telephon- und Telegraphenleitungen sind zerstört. Die Bahn- anlage bei Kematen-Miihlen wurde stellenweise vollständig ein- gerissen. Groß sind auch die Verluste an Vieh. Ferienkurse der Arbeikerbildungsschule. Die diesjährigen Ferienkurse der Arbeiterbildungsschule finden im Ferienheim der Naturfreunde Reiherhorst in Älein-Köris statt. Diese Kurse biete» Gelegenheit, sich in bestimmte, für den Kampf der sozialistischen Arbeiter notwendige Wissensgebiete zu vertiefen. Daneben bleibt aber auch noch Zeit zur Erholung. Das Haus, eine gute Verpflegung und die schöne Umgebung tragen hierzu bei. Jeder Kursus(6 Tag«) kostet einschließlich Fahrt ab Berlin und zurück, Quartier. Verpflegung und Hörgeld 3 3,56 M. Erwerbslosen, die sich ausweisen können, wird die Teilnehmergebühr in Höhe von 5 M. erlassen. Da noch Plätze frei sind, werden An- Meldungen erbeten an die Arbeiterbildungsschule, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3, 2. Hof, 2 Treppen, Zimmer 9. 1. Kursus vom 16. bis 22. August. Dr. Hermann Brill- Weimar:„Das Heidelberger Programm". Der Fericnkursus soll die Aufaabe Hoden, den Teilnehmern mit Hilfe des Heidelberger Progromm� der Eozialdemolratischcn Pnrtei von liW eine Ein» fithrung in die geistige üntwicklunq und die Aufgaben des Sozialismus zu geben. Ed fall gezeigt werben, wie aus der Arbeit eines Jahrhunderts der Sozialismus sich vom kommunistischen Wannest 1M8 über das Gotha er Pro. gramm 1MI zu den Anschauungen de» Heidelberger Programms entwickelt ha». Aufhauend auf dem griivbsdstlichcn Teil de» Erfurter Programms fall bann die ölonomische und gesellschaftliche Lorstellungswelt des modernen Sozialis- imis erarbeitet»erden. Daran wird sich eine Betrachtung des Verhältnisses der sozialistischen Acberterhewegung vom Staan seiner Perfassung, seiner Per. waltizng und feinen Machtmitteln, Heer und Justiz schließen. GrundsäKe und Tagesforderungeri der Wirtschafts.. Finanz, und öoziolvolitik sollen Picht. linien fijr dl» heut« alltäglichen Diskussionen in der Arbeiter, und An» gestellenschaft gahen. Schließlich mild eine Untersuchung der Bilbu nasaufgaben und der auswärtigen Politik dl« kulturell« Mission des Sozialismus beleuchten. Der Schlug de, Kursus soll durch«inen Pergleich d-z Heidelberger Pro. gramens mit dem Programm der englischen Arbeiterpartei, der russischen und ösrerreichigchen Sozialdemokratie die internationale geistig« Situation des So. zialismus zeigen. Im zweiten Sürst,, vom 23. bis 29. August behandelt Dr. Carl M i e r e n d v r s das Thema:„Der deutsche Parlamentarismus, was er ist und wie er arbeitet".— Im 3. Kursus vom 30. August bis 5. September spricht Dr. Arkadij Gurlantz über:.Das Proletariat m Der Krise", Nr. 361• 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 8 August 4934 Frankreich und Deutschland. Wie französische Finanzkreise die Gegensähe sehen— Was Deutschland tun kann. f Die deutsch-französischen Gegensätze sind das Haupthinder»! n i s für die Widderherstellung des gegenseitigen Vertrauens aus dem europäischen Kontinent. Es würde schlimm um Europas Zu- iünft bestellt sein, wenn es nicht gelänge, diesen Gegensatz zu über- brücken. Allen, denen aus ideellen oder materiellen Gründen an einer friedlichen Entwicklung der Dinge in Europa gelegen ist, der weitaus größte Teil der Arbeiterklasse in allen Ländern, ein großer! Teil auch der bürgerlichen Parteien, große Industricgruppen, die internationale Finanzwclt, insbesondere die einflußreichen Groß- danken der Vereinigten Staaten und Englands, das Handelskapital sind bemüht, zur Ueberwindung dieses Gegensatzes beizutragen. In Deutschland und in Frankreich selber ist sicher die Mehrheit der Bevölkerung von dieser politischen Notwendigkeit überzeugt. Bis in die letzte Zeit haben sich deutscht-sranzösische Gemeinschasts- transaktionen, gegenseitige Kapitalbeteiligungen, gemeinsame Grün- düngen von Unternehmungen sortgesetzt. Aber man sollte sich keinen Illusionen hingeben, als ob die Dinge, wie ste jetzt laufen, wirklich ohne weiteres zum Ziele führen. Wenn der Reichskanzler Dr. Brüning Paris und der französische Ministerpräsident Laval Berlin besucht, so schlagen solche Zusammenkünfte Brücken, aber es wäre ein Trugschluß zu glauben, daß hierdurch allein die Atmosphäre, die seit Jahr und Tag vergiftet worden ist, wieder erträglich gemacht werden kann. Gerade in Kreisen, die die französische Zinanzpolitk und das außenpolitische Verhallen Frankreichs entscheidend bestimmen, ist heute das Mißtrauen gegen Deutschland größer alz jemals. Worin das Mißtrauen besteht, was diese Tonangeber eines großen Teils der öffentlichen Meinung Frankreichs in diesen Tagen denken, geht aus den nachfolgenden Ausführungen Berengers hervor. Aeuße- rungen dieser Art finden sich in der frdnzösijchen Presse vielfach, aber Henry B e r e n g e r, den wir zitieren, ist nicht irgendein Publizist, er ist nicht nur Redakteur der politischen Beilage der besten französi- schen Wirtschaftszeitung„Agence Economique et Financiere'', sondern ein einflußreiches Mitglied des französischen Senats, war mehrmals F i n a n z m i ni st e r, schloß in dieser Eigenschaft vor einigen Jahren das französisch-amerikonische Schuldenab kommen ab lAbkommcn Mcllon-Berenger), war lange Zeit Direktor an der Pariser Großbank Union Parisienne und gehört noch heute dem Aufsichtsrat dieser politisch sehr aktiven, der französischen Schwer- industrie und dem Riistungskonzern Schnei de-Creusot nahestehenden Bank als prominentes Mitglied an. Die Union Parisienne und Schneider-Creusot sind Haupttriebkräfte Frankreichs, die heute auf eine Abhöngigmachung der osteuropäischen Staaten von Paris hinarbeiten. Wir werden zeigen, welcher Uebertreibungen sich Bcrcngcr schuldig macht. Aber Bcrcngers Meinung soll man kennen, auch wenn man sie nicht teilt. Henry Li'rcnger verkritt die Ansicht, daß die Hauptursochen für die Schärfe der gegenwärtigen deutschen fcrife in Deutschland selbst, Hilgen. Ech.glaM.yM.. dgß.�c., husch Hoover ermöglichte einjährige Reparation'spause Deutschland helfen werde. Er ist dagegen, daß man Deutschland jetzt mit treuen An- leihen hilft.„Was muß Deutschland tun, um seine Panik zu über- winden? Sehr einfach: es muß aufhören, in Europa Lärm zu machen. Es muß aufhören, den Anschluß vorzubereiten und danach zu streben, Oesterreich einzuverleiben: es muß aufhören, die Wieder- crobcning des Danziger Korridors zu betreiben und Polen vernichten zu wollen. Es muß mtfhörcn, danach zu streben, den Bankerott zu organisieren, nur um nicht Reparationen zahlen zu müssen. Es muß aufhören, solange„Bankerott" zu schreien, bis man diesen Bankerott geradezu provoziert. Die Hilfe für Deutschland in seiner Not liegt weder in Amerika noch in Frankreich, sie liegt in Deutschland selbst und kann nur dort liegen. Wenn Deutschland sein gegebenes Wort und feine Acrtragsunterschrist respektiert, wenn es in seine Politik Ordnung und in seine Ausgaben Sparsamkeit bringt, dann werden Vertrauen und Kredit von selbst wiederkehren, aber vorher kann ihm nicht ernstllch geholfen werden. Alle Goldbarren des Erdballs wür- den nicht ausreichen, sie würden spurlos in dem Abgrund der berrschenden Widersprüche verschwinden. Behalten wir unsere Kalt- blütigkeit inmitten der allgemeinen Unvernunft. Nur diese Kalt- blütigkeit bat uns selbst in den kritischen Stunden des Jahres 1326 ocrettet. Wir wollen nichts anderes als Vernunft und Sicherheit, ober dies wollen wir in ausreichendem Umfang. Will Deutschland dies auch einerseits und weiß es sich danach zu verhalten, dann wer- de? Kredit und Wirtschaitsaufschwung wiederkehren und damit der Friede und das Vertrauen. Wenn nicht, dann nicht. Einig« Tag« vorher drückte sich Bärenger über das, was in Deutschland vorgegangen ist, noch krasser aus. Er brar«d- markte die Beunruhigung, die von Deutschland seit den letzten Reichs- tagswahlen ausgegangen ist. Cr stellte den Klagen über den Um- sang der Wirtschaftskrise die akfwe Handelsbilanz gegenüber und nannte die deutschen Arbeitslosenziffern einen statistischen Betrug. Er kritisierte vor allem die Verschwendungssucht, die in ganz Deutsch- land herrscht, diejenige der großen Jndustriekonzerne und ebenso auch die der öffentlichen Hand. Ueber die offensichtlichen Verimingen Sprengers ist kein Wort zu verlieren. Es wird jedem Einwohner Deutsch- lands und ebenso jedem ausländischen Kenner der deutschen Verhält- nisse unverständlich sein, wieso angesichts der Massenarbeitslosigkeit von rund 4 Millionen, angesichts der Stillegung von Hunderten von Unternehmungen noch ein statistischer Betrug notwendig wäre, u» die Lage des Arbeitsmarktes zu oeranschaulichen. Ebenso u n- verständlich sind Bärengers Anschauungen über die angebliche Verschwendungssucht der Kommunen, denn ganz offenbar weiß er nicht, wie weitgehend die Verpflichtungen der deutschen Städte gegen- über der Vorkriegszeit gewachsen sind. Lächerlich ist es auch, die Einrichtungen der deutschen Sozialversicherung, insbesondere d>e Erwerbslosenversicheruitfl, als eine Verschwendung der öffentlichen Hand zu bezeichnen. Es ist auch vor allem unzulässig, für gewiss« politische Ansichten und Tendenzen, für die nur nationalistische Rechtstreise verantwortlich sind—«s gibt Reaktionär« genug auch in Frankreich—. da» deutsche Volk verantwortlich zu machen. . Woraus man lernen muß. Dafür sind aber andere Dinge, die»e'renger kritisiert, un- bestreitbar richtig. Die deutschen Kapitalisten, sagt er. haben ja gegenwärtig kein Vertrauen zu sich selbst. Tatsächlich war der all- tztmewe Zw» der Kapitalisten auf die Banken, hk Verschiebung deutschen Kapitals ins Ausland schon lange vorhanden, ehe die kleinen Sparer begonnen hoben, an der Sicherheit ihrer Spar- kasseneinlagen zu zweifeln. Unbestreitbar ist die Beunruhigung Europas durch die zahlreichen Ueberheblichkeiten der Rechtsparteien, unbestreitbar ist es auch, daß diese Parteien und die rechtsradikalen Organisationen von Industriellen selbst finanziert worden stnd. Ebenso ist es unbestreitbar, daß in Deutschland in den ver- gangenen Jahren Milliarden in Anlagen investiert worden sind, die keine Erträge abwerfen und wofür die Aufwendungen eine immer unerträglicher werdende Last darstellen: Milliarden wurden für Rationalisierungsmaßnahmen, für Maschinen und Ein- richtungcn ausgegeben, die eine volle Ausnutzung ihrer Leistungsfähigkeit voraussetzen, wenn sie sich rentieren sollen, d. h. in erster Linie eine Kaufkraft der Massen in einem solchen Umfang, daß die volle Produktion auch ihren Markt findet. Die Kapazität vieler Industriezweige ist in einem Ausmaß gesteigert worden, daß auf absehbare Zeit mit einer rentablen Verwertung der investierten Kapitalien nicht zu rechnen ist. Die großen Stickstoffanlagen, Hoch- äsen, Stahlwerke, Kunstseidesabriken, Werften— um mir einige besonders markante Beispiele herauszugreifen— haben eine so große Leistungsfähigkeit, daß die Produttion teilweise mit künstlichen Mitteln, die die Wirtschaft schwer belasten, durch Syndikatsbindun- gen, hohe Zölle usw. geschützt werden mußte. Diese falsche Verwendung lang- und kurz- fristiger Kapitalien in Höhe von einigen Milliarden Mark ist es, was Börenger mit einem gewissen Recht als Verschwendungs- sucht und größenwahnsinnige Jndustriepolitik bezeichnet. In der Tat ist eine radikale Abkehr von der bisherigen Wirtschafts„führer"- Politik ebenso lebensnotwendig für Deutschland wie der Verzicht auf das politische Lärmmachen, und zwar nicht deswegen, weil Herr Berenger es sagt, sondern weil sich diese Wirtschaftspolitik ganz genau so wie das Geschrei der Rechtsorganisationen auf gefährlichen Illusionen aufbaut, deren Haltlosigkeit erwiesen ist. Es ist natürlich grundfalsch, wenn Berenger meint, daß die Reparationszahlungen ohne tiefergehcnden Einfluß auf die deutsche Wirtschaftscntwicklung wären. Die jährliche Auf- bringung von 1,7 und mehr Milliarden Mark auf rund ein halbes Jahrhundert ist auf die Dauer eine untragbare Belastung. Es wäre aber zweifellos zu der gegenwärtigen Zuspitzung der Vertrauens- krise nicht gekommen, wenn die Milliarden, die falsch investiert wur- den, stattdessen als laufendes Betriebskapital der deutschen Wirt- schaft zur Verfügung ständen. Ein radikaler Bruch mit dieser Wirtschaftspolitik, die auf Kosten des Wohlstandes der Bevölkerung betrieben wurde und die außerhalb der Grenzen viel mehr be- »nruhigt hat als nötig war, ist aber jetzt möglich. Wenn das Reich den gewaltigen Einfluß, den«s auf einen Teil der deutschen Großbanken erlangt hat. zweckmäßig ausnutzt, wenn es eine weitgehende Kontrolle aller Kredite organi- siert uu�, die Widersprüche und Ilnsinuigteitcn der prüzatkapitaliU-„ schen Expansion auf ein vernünftiges Maß rcdu,ziert, so wäre damit ein entscheidender Schritt auf dem Wege zur wirklichen Sanierung der deutschen Wirtschaft getan. Berenger und diejenigen politischen und finanziellen Kreise, die ihm nahestehen, werden auch dann noch weiter kritisieren. Die Union Parisienne und der Konzern Schneider-Creusot werden mich weiterhin in Osteuropa wirtschaftliche Eroberungen machen, und ihre politischen Hintermänner werden fortfahren, politische Bündnisse im Zusammenhang mit diesen wirtschaftlichen Eroberungen zu organi- sieren. Viele der zwischen Deutschland und Frankreich bestehenden Interessengegensätze werden nicht ohne weiteres zu bereinigen sein. Aber eine Wandlung in der angedeuteten Richtung würde, abgesehen von dem unmittelbaren Nutzen für Deutschland selbst, dazu bei- tragen, auch die internationale Atmosphäre zu cnt- giften und Voraussetzungen für Verhandlungen und ernste Ver- ständigungsversuche zu schassen. Wenn das Reich die expansions- lustigen Jndustriekonzerne zwingt, auf ihre Illusionen über Markt- Möglichkeiten zu verzichten, so würde es gleichzeitig auch den politischen Abenteurern, die ja mit den wirtschaftlichen großenteils identisch sind, einen entscheidenden Schlag versetzen. Wirtschafiliches Leichenfeld. Eine Stillegungswelle in Lahusens Nordwolle-Konzern. Eine Mahnung für den 9. August. Die Pleite im Rordwollekouzern hat bereits zur Stillegung vcrschledeuer Vclriebe geführt. Taufende von Arbcllern sind in ihrer Existenz bedroht. Der Todeszug der Lahusens, die durch unverantwortliche Spekulationen die Pleite verschuldeten, wird durch folgende Liste gekennzeichnet: Außer den Maßnahmen im Aachener Bezirk ist bereits die SammgarnfpiunereiDresden außer Betrieb geseht, wäh- rend die Sammgarnspinnerei Kappel sEhemnih) bereits seit längerer Zeit stillgelegt wurde. Stillgelegt Ist auch die Kammgarnspinnerei Zocke. Manchmal haben es die Betriebe verstanden, sich der Bordwolle- kakastrophe zu entziehen. Dazu gehört die R o w a- S t r u m p s- sabrik in(Chemnitz, die seit Juli nicht mehr der Bordwolle angehört. Sie führt ihren Betrieb fort. Dagegen erfolgten bei den Sächsischen Wollgarn- fabriten vorm. Titlet n. Krüger in Leipzig starke Belegfchaftsentlassungen. Die Spinnerei, die etwa 1000 Arbeiter beschäftigt, arbeitet jetzt nur zwei Tage in der Woche. Einschließlich von 500 Heimarbeitern dürsten die Sächsischen Wollgarnsabriten etwa Z000 Mann beschäftigen. Den Angestellten ist hier die Knndi- onng schon zugestellt. Man glaubt dos Unternehmen Hollen zu können, indem man es aus dem Nordwollekonzern herauslöst. Soweit die Kammgarnspinnerei Eisenach in Frage kommt, muß sich die Stadt Eisen ach dafür verwenden. eine Stillegung zu vermeiden. Den Angestellten, etwa 100. ist be- reit? gekündigt worden. Die Bclegschas« von rund 1800 Köpfen arbeitet 16 Stunden in der Woche. Andere Tochtergesellschaften der Nordwolle haben ihre Arbeitszeit schon viel stärker reduzieren müssen. So arbeiten die Sammgarnspinnereien Glücks- bruun und Wernshausen nur S Stunden in der Woche. Sei der Sawmgaruspiaaerel Langensalza und der Sammgarnspinnerei Mühlhausen konnte vorerst die lö-Slunden-wochc geholten werden. Für die wollhaarkämmerei und Spinnerei Hai- n i ch e n verwendet sich die Stadt Hainichen, die Aufträge der Reichs- und Staalsregierung sichergestellt hat. Bei der w e i ß f l o g und der Färberei- und Appre- tu ran st alt Schütze u. Leube, sind bereits Stilleguugs- antrüge gestellt worden, hier soll von einer Belegschaft von 1200 Köpfen die Hälfte entlassen werden. Stillegungsanlrag ist auch erfolgt bei dem Zweigwerk Mar- k e r s d o r f. hier kommen für die Entlassung etwa 110 Arbeiter und Ii Angestellte in Frage. Ueber die Fortführung des Werkes Lichten st ein- Eallenberg liegt Bestimmtes noch nicht vor. Die Bautzener Tuchfabrik wird nur beschränkt fortgeführt. hier bemüht sich die Stadl Bautzen einen Käufer zu finden. Sollte diese Absicht scheitern, dann ist wohl mit der Schlie- ßung des Betriebes zu rechnen. Es ist eine fürchterliche Liste, die die Sünden der Lahusens gezeitigt haben. Und diese Leute, die den g. August sinon- zierten, haben den Mut. über„marxistische Mißwirtschaft" zu sprechen. Hilfe fürRheinischeLandesbank 2vv Mill. Kredit von Reich und Preußen.— Oer Status ist aktiv. Die Verhandlungen über eine Kreditgewährung zur Behebung der Illiquidität der Rheinischen Landesbank sind endlich zum Abschluß gekommen. Leider haben sich die öffentlichen Stellen nicht so schnell zur Hilfe entschlossen, wie es bei der Danat-Bank und der Dresdner Bank der Fall war. Durch diese Verzögerung sind, wie der Landeshauptmann der Rheinprovinz Dr.'Horion be- tont hat, nicht allein große Schadenersatzansprüche gegen die Landes- dank entstanden, sondern der gesamte öffentliche Kredit hat— unnötigerweise— einen großen Schaden erlitten. Nunmehr werden das Reich und der preußische Staat der Landesbank einen Schatzanweisungskredit von 200 Millionen Mark einräumen. Die Einzelheiten des Kreditangebots werden von einem 6-köpsigen Ausschuß festgesetzt werden, in dem neben pri- vaten und öffentlich-rechtlichen Banken auch die Vereinigten Stahl- werke vertreten sind. Der veröffentlichte und von der Revisionsstelle des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes geprüfte Status belegt die von uns bereits mitgeteilte Tatsache, daß keinerlei Vertu ste ent- standen sind, daß vielmehr die Forderungen in Höhe von S34 Millionen Mark die Verpflichtungen in Höhe von 488 Millionen Mark nicht unerheblich übersteigen. Von diesen Verpflichtungen sind 3Z0 Millionen Mark bis Ende dieses Jahres fällig, der Rest später. Nur 14 Mil- lwnen Vtark sind direkte Kredite des Auslandes an die Landes- bank. Langfristig von der Landesbank gewährte Kredite sind in Höhe von 71 Millionen Mark nur durch t n r z f r i st i g herein- genommene Einlagen gedeckt: von dieser Summe stnd aber noch das (langfristige) Betriebskapital und die offenen Reserven von insgesamt 40 Millionen Mark abzurechnen, so daß nur 31 Millionen Mstck l a n g s r j st i g c Auslcihmzgen durch kurzfristige Einlagen gedeckt sind. Die Krise bei der Landesbank ist also eine reine Jlliquiditäts- crscheinung, d. h. für die plötzlich gesteigerten Rückforderungen von Einlagen können nicht die nötigen Mittel flüssig gemacht werden. Die Hauptursache liegt darin, daß die Kommunen nicht in der Lage sind, ihre kurzfristigen Kredite zurückzuzahlen. Die Gründe dafür sind bekannt: in erster Linie sind sie eine Folge der skandalösen A n l e i h e p o l i t i k Schachts: weiterhin sind die Kommunen in den letzten Jahren in immer größere Bedrängnis geraten, weil das Reich seine Finanzen wettgehend auf Kosten der Kommunen in Ordnung brachte, weil diesen die H a u p t l a st aus der stets wachsenden Arbeitslosigkeit ausgebürdet wurde, weil ihre Rot bei den letzten Notverordnungen ivenig oder gar keine Berück- sichtigung fand. Baden bürgt für Gparkassen-Wechfel. Mit der völligen Freigabe des Sparkassenverkehrs ist mit einem Ansteigen des Bedarfs an flüssigen Mitteln bei den Spar- lassen zu rechnen. Damit die b a d i s ch e n Sparkassen und ihre Girozentrale in der Lage sind, sich die notwendigen Mittel durch Wechseleinrcichungen bei der Garantie- und Akzeptbank in Berlin zu verschossen, hat die badischc Regierung durch Notgesetz die Bürgschaft für diese Wechsel übernommen. Die Bürgschaft darf den Gesamtbetrag von 27 Millionen Mark nicht überschreiten. Die badische Regierung glaubt aber, daß weder der Kredit bei der Garantie- und Akzeptbank noch die Bürgschaft in nennen?» wertem Umfange in Anspruch genommen werden, da man nicht mit starken Abhebungen bei den Sparkassen rechnet. Generalversammlung der Dresdner Bank. Die Dresdner Bank beruft eine außerordentliche Generaloersammlung auf den 2!). August nach Dresden ein. Aus der Tagesordnung steht die Erhöhung des Grundkapitals von 100 auf 400 Millionen Maxk durch Ausgabe von 300 Millionen Mark 7prozentiger Vorzugsaktien, die bekanntlich vom Reich übernommen werden. Außerdem find Neu- wählen zum Aussichtsrat und eine Aenderung der Bezüge des Auf- stchtsrats(Einführung fester Vergütungen,' Herabsetzung der Tantieme) vorgesehen. Schuberl& Salzer A. G. verzichtet aus Berusung! In der außerordentlich wichtigen Frage des Ankaufs eigener Aktien ist vor einiger Zeit gegen die Schubert& Salzer Maschinenfabrik 31.-0., Cheinnitz, ein Urteil ergangen, das einen Generalversammlung?- beschluß, der die Verwaltung zum Ankauf eigener 3lktien ermächtigte, für nichtig erklärt«. Entgegen der zunächst geäußerten Absicht hat der Aufsichtsrat des Unternehmens einstimmig beschlossen, gegen das Urteil keine Berufung einzulegen. Einspruch Hollands gegen deutsche kalipreise. Unter Hinweis darauf, daß die hohen Kalipreise in keiner Weise der Notlage der Lundwirtschait Rechnung tragen, hat die Zentralorgamsation der niederländischen Landwirtschaft in einem Telegramm an das Kalisynditat in Berlin Protest gegen die Höhe der Kali- preise erhobeil und eine sofortige Herabsetzung der Kalinotierung verlangt., wieviel Münzen lausen um? Im Monat Juli sind für OM Mil- tonen Mark Fünsmartstücke und für 0.46 Millionen Mark Dreimark- stücke neu geprägt worden. Der g e s a m t e U m l a u f von Münzen zeigt folgende Ziffern: 336 Millionen Mark Fünsmarkstücke, 179 Mil- lwnen Mark Dreimarkstücke. 200 Millionen Mark Zweimarkstücke, 267 Millionen Mark Eimnartstückc. 74 Millionen Mark Fünfzig- Pfennigstücke, 64 Millionen Mark Zehnpsennigstücke, 28 Millionen Mark Fünfpfennigstücke, 5 Milionen Mark Zwcipfennigstücke, 6 Mio lionen Mark Einpfennigstücke. oermilagt ist. All«Ä»ings besteht hie Tatsache, dah normalenveiss die Intelligenz des Menschen durch die Menge der grauen Gehirn-, substanz bestimmt wird; vor allem maßgeoeub ist jedoch die mehr oder weniger komplizierte Struktur der grauen Gehirnsubstanz. Denn es gibt Menschen mit verhältnismäßig kleinen Gehirnen, deren geistige Fähigkeiten trotzdem weit über denen vieler Nomnlnienschen stehen, was besonders bei zartgebauten, schmallöpfigen Personen nicht selten zu beobachten ist. Andererseits zeigt fich auch das Gegen- teil, indem Menschen mit großen Gehirnen alle««her als sehr intelligent sind, weil eben in solchen Fälle» die allerdings reichlich vorhander»« Gehirnmenge gleichwohl zu wenig Windungen aufweist. Daher ist auch das kleinere Gehirn der Frau keineswegs der Beweis eines Mangels an geistigen Fähigkeiten, da auch bei der Frau die Struktur des Gehirns und nicht allein sein« Größe den Grad der Intelligenz bestimmt. Auch die verbreitete Annahme, daß beim geistig arbeitenden Menschen nur der vordere Teil des Gehirns in Tätigkeit sei, ist nicht richtig, weil bei jeder geistigen Arbeit das aus zehn Milliarden Einzelzellen zusammengesetzte Gehirn als ein Ganzes sunktioniert. Wie jede Maschine, so braucht auch dos Gehirn des Menschen eine gewisse Zufuhr von Energie, die dem Menschen am besten durch entsprechende Nahrungsmittel zugeführt werden könnte. Bis jetzt ist es allerdings noch nicht gelungen, eine besondere ..Gehirnnahrung' zu entdecken i vielleicht wird es ober zukünftigen Nahrungsmittelchemikern glücken, einen Nährstoff au»findig zu machen, mit dem der Mensch sein Gehirn„füttern' kann. 3)er Jilub der wilden Siel Sonderbare&llubs in USA. Wir sind noch immer geneigt, als das„Land der Klubs' Eng« lartd anzusprechen, obwohl dieser Titel längst zu Recht a» die Vereinigten Staaten von Amerika übergegangen ist. Man braucht hierbei nicht gleich an den berühmten Tammany-Klub zu denken, der, an Machtsüllc nur mit dem Klub der Jakobiner ver- gleichbar, viele Jahrzehnte lang das öffentliche Leben der Bar- einigten Staaten beherrschte und zum Teil auch heute noch beherrscht. Nein, es sind die kleinen Klubs, nicht selten kaum zwei Dutzend Mitglieder umfassend und oft nur zu dem Zweck« gegründet, damit ein Herr Babbitt sich als Präsident bezeichnen kann, die die Ver- einigten Staaten zum Land der Klubs machen. Daß der Amerikaner wohl ebenso gerne wie der Deutsche und wahrscheinlich noch leidenschaftlicher als dieser fachsimpelt, wissen wir ja aus den Nomonen Sinclair Lewis' im ollgemeinen und aus seiner Satire„Der Mann, der den Präsidenten konnte' im be- sonderen: es versteh: sich daher, daß in jedem Orte, wo es etwa ein halbes Dutzend Eisenwarenhändler gibt, alsbald ein„Klub der Eisenwarcnhändler von Katzelshausen", und in einem Bezirk, wo es ein Dutzend Aktionäre einer Betonröhren-Guß-A.-G. gibt, alsbald ein„Klub der Besitzer von Aktien der Betonröhren-Guß-A.-G. im Bezirk Krähwinkel" über Nacht erblühen wird. Aber das amerikanische Klubwesen hat auch Spitzenleiswngen auf dem Gebiete der Ungewöhnlichkeit der Vereinsziele und der Dereinssatzungen aufzuweisen. Da sind etwa die sonderbaren Klubs, die irgendwie mit, der Lustschiffohrt zu tun haben, welch« Übrigenz nur noch in der Sowjetrepublik ähnlich volkstümlich wie in den Vereinigten Staaten ist. Der aristokratischste unter ihnen ist wohl der„Klub der frohen Vögel', der, wenn er seine Satzungen nicht ändert, früher oder später eines natürlichen Todes sterben muß: denn nur Männer finden dort Aufnahme, die— roohlgemerkt— vor dem Dezember 1316(also lange vor dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den Weltkrieg) hervorragende asiatische Leistungen voll- bracht haben. Ein längeres Leben dürfte jenem Klub beschieden sein, der sich„Raupenklub' nennt und 800 Mitglieder umsaßt, deren jedes bereits zumindest einmal mit einem Fallschirm von einem Flugzeug abgesprungen ist. Dos Klubabzeichen, eine goldene Raupe, gilt als hohe Auszeichnung, Der Verein„Verkühle dich toglich' in Wien bietet für Amerika durchaus nichts Ungewöhnliches dar. Denn der Klub der Eisbären zählt in fast ollen Bundesstaaten Amerikas Anhänger, die sich ver- pftichiet hoben, zu jeder Jahreszeit in Seen und Flüssen zu baden. De? Wolkenklub in New$wk nicht etwa, wie man annehmen sollte, irgend etwas mit der Zloiatik zu tun: er leitet seine Bezeichnung vielmehr von der prosaischen Tatsach« ob, daß sein« Mitglieder in einem der obersten Stockwerk« des Chrysler-Wolken- kratzers ihren Lunch einnehmen. Essen ist übrigens häusig der alleinige Vereinszweck. Wenn wir von Rekorden im Verzehren von Eierkuchen oder von Hühner- pasteten in der Zeitung lesen, dann" handelt es sich gewöhnlich um einen von irgendeinem Kwb veravstalleten Wettbewerb, deren einer kürzlich dadurch siegreich beendet wurde, daß es dem Champion gelang, drei ausgewachsene Wassermelonen in sechs Minuten zu verzehren. Auch durch solche Leistungen kann man in Amerika berühmt werden. Einen der seltsamsten und zu allerlei Mißverständnissen Anlaß bietenden Namen führt wohl der im Jahre 1930 in Minnesota ge- gründete„Klub der wilden Esel'. Er hat bereits zweihundert Mit- glieder, die nach den Klubsatzungen verpftichtet sind,„mit wildem J-a-Geschre> für eine bessere Behandlung der Farmer(durch die Regierung) einzutreten'. Wenn ein paar Leute gerne Walter Scott oder Rudyard Kip- ling lesen, was wird die Folge sein? Die Gründung eines Walter- Scott- oder Rudyord-Kipling-Klubs. Walter Scott kann sich nicht mehr zur Wehr setzen. Aber von Rudyard Kipling ist bekannt, daß er kein einziges der zahlreichen Begrüßungs- und Beglück- wünschungslelegramm« des englischen und des amerikanischen Rud- yard-Kiplings-Klubs je einer Antwort gewürdigt hat. Der Kingsley-Klub ist ein Klub von Stotterern, der Klub für Taube zählt nicht Taube zu seinen Mitgliedern, sondern Leute, die sich für Maßnahmen zugunsten von Taubgeborenen und Ertaubten interessieren. Es gibt kaum eine Stunde des Tages, nach der sich nicht ein Klub benennen würde. Typisch amerikanisch dünkt uns wohl der Sieben-Uhr-Klub, der sich aus Leuten zusammensetzt, die in Philo.- delphia wohnen, in New Hork ober berufstätig sind und täglich fünf Stunden im Eisenbahnzug verbringen. Sicherlich jähren sie alltäglich gemeinsam, gesittet wie ein Modchenpenjionat, mit dem Sieben-Uhr-Zug noch Haus«. Schon weniger amerikanisch dünkt uns der Klub für primitive Kolonien. Sein Gründungszweck sst die Errichtung einer Kolonie in Zentrolafrika, wo nach den Klubsatzungcn„Radio, Jazzband, AutoHupen und jeder andere Lärm' verboten sein sollen. Daß es dort keine Prohibition geben wird, nun, das brauchte nicht erst aus- drücklich in den Satzungen erwohnt zu werden. llec» Kiorten. Jolm'.K-Heirnham: SOIIllllCI'l'li 1*1 ßte Pflichtgemäß wagte dos Meer. Pflichtgemäß brannte die Sonne auf schmerzende Nacken hernieder. Und pflichtgemäß trug der Banjospieler auf der Terrasse des Strandcafes seine Serenade mit einer Stimme vor, die on eine durch einen Tunnel keuchende Loko- motive gemahnte. Als er zu meinem Tisch kam, gab ich ihm 10 Pfennig. Mein Nachbar warf ihm«inen finsteren Blick und 20 Pfennig zu. Dann blickt« er mich an, seufzte und sagte:„Welch ein Leben! Ein wahre» Hundedasein!' „Warum denn?', widersprach ich;„Cr scheint ganz zufrieden zu sein. Aus Pfennigen werden Mark." Mein Nochbor zuckte die Achseln.„Das scheint nur so", sagte er. „Glguben Sie mir, heute läßt sich nur noch im Tonfilm ver- dienen... Ein wahres Hundedasein... Ich kenne die Ver- hältnifse." „Sind Sic vom Fach?", fragil ich. Er nickte,„Einigermaßen. Ich nehme an, daß Sie im Vorjahre nicht hier waren?' „2>och', sagte ich,„ich habe meinen Urlaub auch im Vorjahr hier verbracht," „Dann werden Sie sich vielleicht on da« Variete„Hallo! Hollo!" erinnern, das oorigen Sommer hier im Sttandhotel gastierte?" „Ja ich erinnere mich. Aber ich habe nie ein« Vorstellung besucht," „Dos ist es ja eben", sagte mein Nachbar bitter,„niemand hat seine Vorstellungen besucht. Eine Woche noch dem hiesigen Gastspiel �ot sich die Truppe aufgelöst. Wollen Sic die tragische Geschichte unserer letzten Woche hören?" Ich lehnte mich in meinen Stuhl zurück, zündete mir eine Zigarette on, schloß die Augen und. sagte schicksolsergebcn: „Schießen Sie los!" <- „Wir gastierten in Bad Katzelshausen", so erzählte dos frühere Mitglied der Theatergruppe„Hollo! Hollo!'.„Im Pavillon. Am Dienstag hotten wir 50 Zuschauer, doppelt soviel wie am voran- gegangenen Abend. Aber noch immer nicht gerade ermutigend. Am Mittwoch verknusten wir ebenfalls 50 Karten. Am Donnerstag waren es mir mehr 40.„Wieviele werden es morgen sein?', fragte Bobby, unser Bariton, die langbeinige Soubrette Sylvia.„Ein Dutzend", antwortete Sylvia hoffnungsfroh. Denn morgen mar Freitag, der gefürchtete Freitag. Wir fürchteten ihn nicht, well wir abergläubisch waren, sondern weil der Freitag erfahrungsgemäß der schlechteste Tag für Theater und Variete ist. „Zeitverschwcndung, wenn wir überhaupt spielen", meint« Bobby.„Der Tonfilm hat das Theater erschlagen. Drüben vor dem Kino Royal stehen die Leute Schlange. Seht nur mal hin!" Dre Freitagabend kam heran. Es waren nur noch 10 Minuten lis zum Beginn. Kostümiert und geschminkt standen wir bereit. Aber der Zuschauerraum war leer. Fünf Minuten. Noch immer leer. Eine Minute. Ein altes Ehepaar löste an der Kaff« Karten für die billigste Sitzkategorie und trat ein. Wir blickten uns an. Einige waren ver- blüftt. einige fahl vor Wut. Die beiden, allein im Zuschauerraum, lildeten einen gespenstischen Anblick.„Wir können doch nicht für zwei Personen spielen", sagte einer. Bobby biß die Zähne zusammen.„Doch, wir können!', rief er, „Die beiden sollen zufrieden stin! Kommt nur! Wir wollen uns beute besonders zusammennehmen! Unsere zwei Zuschauer sollen eine Festvorstellung haben!" * Man zauderte, lachte oerlegen. Dann stimmt« man Bobby zu. Sylvia war es, die das Ehepaar einlud, sich in die erste Reihe zu bemühen„Die beiden sollen vergessen, daß sie allein im Saal sind", sagte Bobby. Wir boten dem alten Herrn Zigarren an und beschenkten die alte Dame mit einer Schachtel teurer Bonbon»,. „Und nun los!', rief Sylvia„Die beste Vorstellung unseres Lebens. Vorhang auf!" Und mir leisteten, was wir konnten. Die Gleichgültigkeit, die sich eines jeden von uns wahrend der letzten Monate bemächtigt hatte, als wir vor fast leeren Häusern spielten, wich von uns. Es wurde ein« Galavorstellung. * Bobby sang, wie er seit Jahren nicht gesungen hatte. Er vergaß den leeren Saal. Er sang für«ine vielhundertkSpfige,. andächtig lauschende Zuhörerschaft, Der Komiker war witziger und lustiger denn je. Sylvia übertraf sich selbst. Sie war die verkörperte Anmut. Bequem saß das alte Ehepaar in der ersten Reih« da. Wir konnten seine Gesichter nicht ausnehmen. Aber er schien sich sehr be- haglich zu fühlen, Der Sologieger schien in den Bohnen Kreislers zu wandeln, Der Klavierspieler schien sich in einen zweiten Padercwski ver-- wandelt zu hoben, Und ich versuchte Moissi nachzuahmen, Wir fühlten olle, daß wir unser Bestes gaben. Und das machte uns trotz de» leeren Saales glücklich. Es waren wirklich Höchst- leiftungen. Ich bin dessen sicher, Und das Publikum lauschte, ohne sich zu rühren und ohne einen Laut von sich zu geben, ofsenbor ganz im Bann« unserer Kunst. * Der Vorhang fiel. Wir waren auf der Bühne stehen geblieben und sahen uns, von unserer eigenen Begeisterung hingerissen, mit strahlenden Augen an. „Hervorragend", sagte schließlich Bill.„Nie zuvor haben wir Besseres geleistet. Wirklich hervorragend!" „Gehen wir alle in den Zuschauerraum", schlug Sylvia vor. „Wir wollen unser Publikum fragen, wie es ihm gefallen hat." Wir nickten und gingen in den Zuschauerraum, Das Ehepaar saß noch immer da. * „An diesem Abend", so fuhr mein Nachbar fort,„beschlossen wir einstimmig, die Theatertruppe„Hallo! Hallo!" aufzulösen." „Ich glaub«, das Ende Ihrer Geschichte erraten zu können" sagte ich und stand auf.„Wahrscheinlich entpuppte sich dos alt« Ehepaar als ein mächtiger Filmagent mit Gattin und die beiden haben euch olle auf der Stell« nach Hollywood engagiert, nicht wahr?" Der alte Schauspieler schüttelte den Kopf. „Nein", sagte er traurig.„Zumindest war es nicht feststellbar. Die beiden schliefen so fest, daß wir sie nicht aufwecken konnten." Slirnhildung und Jntelligens Hochstirnige Kopfbildung wird gewöhnlich als gleichbedeutend mit einer besonders guten geistigen Veranlagung betrachtet. Wenn die» nun zuträfe, so wären die Eskimos und viele Indianer, bei denen oft sogar sehr hohe Stirnen vorkommen, geistig besser ver- anlagt al» der Weiße, was aber in Wirklichkeit durchaus nicht der Fall ist. Ebensowenig brauchen Völker mit niederen Stirnen deshalb besonders unintelligent oder roh zu sein. Die Annahme, daß die Intelligenz eines Menschen von seiner Stirnhöh« wie auch von der Größe de, Gehirns abhänge, beruht dalier, wie di« jüngsten, auf Grund dreißigjähriger Studien veröfientlichten Forschungen von Dr. Hrdlicka in Washington gezeigt haben, in vielen Fällen ans einem Irrtum. Es können nämlich auch Menschen mit niederer Stirn geistig sehr gut veranlagt sein, weil bei ihnen die ober« Gehirnpartie nicht, wie es den Anschein hat, zusammengedrückt wird, sondern der untere Teil de« Gehirns sich nur etwas mehr nach vorne verschiebt. Aber auch die Größe des Gehirns ist nicht immer ein sicheres Zeichen, daß«« Mensch hervorragend klug und geistig schwach ytefohition des'Zaren Ton llalhan Qurdun Wenn es dem Väterchen Zaren an den Kragen ging,� dann ließ er Resolutionen schreiben, die mit„Gospadij porniluj Gott- erbarmen— anfingen und mit„Gospockij pornilnj endeten, in der Mitte aber neue Maßnahmen gegen das zur Freiheit strebende Volk brachten und die„Rechtgläubigen" durch eine kleine Aussorde- rung zu einem Judenpogrom abzulenken suchten! Im Jahre 1905 mußte es dem Zaren ziemftch schlecht gehen. denn S. M entschloß sich, zur Beruhigung des Volkes dem Lande ein«„Verfassung" zu geben! Wenn der Zar eine Resolution erließ, so war das mit einem großen Tamtam verbunden. Acht Tage vorher vergaßen olle G« Heimräte des Hofes, daß man in Rußland ein recht gutes Getränk, genannt Wodka, braue und zerbrachen sich die gräflichen Köpfe, um recht schöne Worte für die Resolution des„Gesalbten" zu finden. Nikolai der II. lieble Geheimnisse. Wehe dem, der in der Presse«ine Andeutung über eine Resolution machte, bevor sie im„Staats- anzcigcr" erschienen war! Schon das Sprechen über eine kommende Resolution war staatsgefährlich. Seine Majestät liebte es eben, zu überraschen! lind erst wenn im amtlichsten Organ die Wort« standen ...„Wir usw. usm(40 Druckzeilen usw.)..." Dann erst konnte die andere„gemeine" Presse in die Posaunen stoßen! Wenn eine solche Staatsaktion schon mit jeder Resolution ge macht wurde, kann man sich denken, was geschah als die.Verfassung" vorbereitet wurde. Die Redakteure des Staatsanzeigers sollen vier Wochen vorher nicht geschlafen haben.... Das ganze Land schlug täglich fiebernd die Zeitung auf. Ob es schon drin war". Di« Auslage der Zeitung S. M. stieg sprunghaft... bis— käs eine kleine jiddische sozialistische Zeitung in Wilna der ganzen Press« und Seiner Majestät selbst einen Strich durch die Rechnung machte!-- Die Sache hat sich recht komisch abgespielt. Ein guter Tropfen führt zusammen. Ein hohes Tier, ein Ministerialdirektor, an» der Staatskonzlei liebt«»ben diesen guten Tropfen und schüttet« ihn in ergiebigen Merrgen allabendlich in einem Restaurant in sich hinein. So gegen J 12 Uhr noch dem xten Gla» wurde Seine Exzellenz gemütlich und war sogar auf die Juden gut zu sprechen. Vom Nebentisch rief er dann einen jüdischen Journalisten herbei, um ihm neue Witze(jeden Abend dieselben) zu erzählen. Der guten Informationen wegen hörte der Journalist geduldig die hup... Gespräche... hup..- Seiner hup... Exzellenz on.% An einem kalten, echt Petersburger Abend griff der Herr Ministerialdirektor besonders freudig zur Flasche, sah bald den doppelköpfigen Adler auf der Etikette zu einem vierköpsigen Untier'* werden und die liberalen Gefühle regten sich... Er rief den jüdischen Journalisten herbei und noch dem zwanzigsten Glas und Witz begann er mit schwere: Zunge: „Du... hup... weist nicht, was ich in der Tasche habe... hihihi... Hup di« Verfassung... Jawohl hup... die Der- fossung, die erst in einer Woche hup... erscheinen soll!" Mit diesen Worten nahm der Ministerialdirektor ein Schriftstück aus der Tasche und hielt es dem Journalisten vor die Rase. Dem Journalisten schwindelte, er las wirklich....Abschrift der Der- sassung... Wir Nikolai usw. usw." Seine Iournolistenhand griff zum Bleistift. Aber er kämpfte mit sich. Sollte er diesen betrunkenen Trottel ausnutzen?!-- Ja, denn es galt, den ganzen Zarismus lächerlich zu machen! Und schon flog die Hand über den Block. Ohne daß der Be trunkene etwas merkte, schrieb der Journalist die übrigens nicht besonders lang« Verfassung ob! Noch in derselben Nacht fuhr der Journalist selbst noch Wilna. Und einen Tag später stand die Zarenverfassung zum erstenmal ge- druckt, gleich mit der vernichtenden Kritik, in der kleinen Wilnacr jiddischen Arbeiterzeitung. Das liberale Rußland brüllte vor Lachen! Nun gab es kein Halten mehr: die gesamte Presse druckte die Verfassung aus dem Wilnacr Blatt ab. Natürlich schritt sofort die Polizei ein und beschlagnahmte die Zeitung, aber es waren genug Exemplare In die Oeffentlichkeit gelangt, und eine demokratische Zeitung schrieb mit Bosheit:.Der jiddische„Staatsanzeiger" in Wilna bringt.. Am Hof bekamen drei Geheimräte die Gelbsucht und vier Staatssekretäre Schlaganfall. Die Monarchisten fühlten einen ern- sten Schlag... Das Heiligtum war lächerlich gemacht. Der Journalist, der mir dieses eigene Erlebnis erzählte, fand das Zuchthaus in Wilny gar nicht so schlimm. Den Ministeriol- direkter hup... hat er nicht verraten. Er konnte drei Jahre unge- stört in der Zelle an der Geschichte des russischen Sozialismus arbeiten. ITas Shakespeare verdiente Ein Professor aus Illinois hat viele Arbeitsjahre darauf ver- wandt, Shakespeares Einnahmen genau festzustellen. Er ist dabei zu dem Ergebnis gekommen, daß der Dichter in seinen besten Schaffensjahren al» Dramatiker, Dichter, Schauspieler und Theater- unternehme? im Durchschnitt ein Jahreseinkommen von 5000 Mark hotte. Diese auf den ersten Blick gering erscheinend« Summe ist gleichwohl nicht so klein, wenn man di« inzwischen erfolgte Der- änderung des Geldwertes berücksichtigt. Danach würden Shakespeares Einnahmen heute einen Wert von etwa 40 000 Mark darstellen. Moderne Schriftsteller englischer Zunge brauchen aber ihren großen Vorgänger nicht zu beneiden. Unter ihnen ist mindestens einer, der den fünffachen Betrag von Shakespeares Einnahme als Einkommen- steuer zu zahlen hat. yieue Zinssähe bei der Berliner SfaMbonf. Die Berliner Stodt- bank— Girozentrole der Stadt Berlin— erhöht aus Auloh der Acnderung des Reichsbankdiskontsahes mit Wirkung vom 1. August 1931 ihren Zinssah für täglich verfügbare Guthaben in provisions- freier Rechnung auf 11 Proz. jährlich. Der Zinssah für Spareinlagen bei der Sparkasse der Stadt Berlin beträgt, wie bereits mitgeteilt, ab 16. Juli 1931 8 Proz. jährlich. Grahe verfasfungsfeier im Lunapark. Am Sonntag, dem 9. Au- gast, 16 Uhr, veranstalten die Ortsvercine Charlottenbnrg und Wilmersdorf des Reichsbanners. Schwarz-Rot-Gold im Lunapark eine große Berfafsungsseier, auf der als Festredner der Polizei- Präsident Albert G r z e s i n s k i das Wort ergreifen wird. Rezi- tationen von Alfred B e i e r l e und Friede! Hall, turnerische Bor- fuhrungen, Doppelkonzert, grohes Feuerwerk und Zapienstreich werden diese Veranstaltung wieder zu einem echten Volksfest machen und jeden Republikaner der Parole folgen lassen:„Alles trifft sich am Sonntag zur Verfassungsfeier im Lunapark". Eintritt 80 Pf., im Vorverkauf 60 Pf., Kinder bis 12 Iahren srei. Zeltsahrcr Travemünde. Bei der Ankunft des Zuges(Lehrter Bahnhof) am Sonnabend, dem 1. August, ist ein Kasten mit einer •% Geige im 7. Wagen liegen geblieben. Es wird gebeten, die Geige beim Genossen Gottschling, Zehlendorf, Teltowcr Str. 17b, abzugeben. WcHeraussichlen für Verlin: Weiter« Abkühlung: wechselnd, meist stark bewölkt mit einzelnen Regenfällen und rocstlichen Winden. — Für Deutschland: Ueberall veränderliches und ziemlich kühles ' Wetter mit einzelnen Schauern, an der Ostsecküste stark windig. parteinachn'chien für Groß-Bertin ktufeulnlvge» fflt diese Rubrik find stet» an da»»«jirkisekretirl« Berlin S« 68, Lindenstraße 3, 2. H-f, 2 Treppen recht«, zu richten, Das Vezirkssekrekariat ist am Sonnlag von S Uhr ab bis zur Beendigung des Volksentscheids geöffnet. Telephon: Dönhoff Nr. Svse. Beginn«riter Veranstaltungen IS'- Uhr. sofern keine besonderc Zeitangabe! heute. Sonnabend. 8. August: lt. Am». Fackelzuq des Reichsbanners. Treffpunkt 20 Uhr- Innsbrueker Plah, Eisackftraße. Alle Genossinnen und Genossen nehmen an dem tfaeWzua teil. - Sonntag. 0. August, findet im Birkenwiildllicn, Manteuffeiltraßc, eine Perfassungsseicr des Reichsbanners statt. Gemeinsamer Abmarsch vom Ebcrsmarkt, Echiineberg, um W/» Uhr. Die Beteiligung aller Genossinnen und Genossen ist notwendig. 17. Srei«. Die Abteilungen beteiligen sich mit ihren Bannern an der Bei. setzung des Genossen Eugen Brückner um 17 Uhr Friedhof Friedrichsfclde. i6. Abt� 10 Uhr Eitzung aller Funktionäre bei Eickiholz, Euornstr. 23. 73. Abt. 20 Uhr bei-Muster, Breite Ecke Fricdrichshaller Straße, wichtige Besprechung. Morgen, Sonntag. 9. August: 2. greis. Achtung. Bolksenttcheib! Die Barteiqenossen der einzelnen Abtei. lungcn werden gebeten, sich schon am Pormittag ihrem Abteilnngsnorstond zur Mitarbeit zur Verfügung zu stellen. Das als Treffpunkt dafür be. stimmte Parteilokal ist den Genossen ja noch von früheren Wahlen her bekannt. Genossen, stellt euch bereit! Venassungsscicr des Rcick>sdanNkis ab 10 Uhr im„lllap". Di« Parteimitglieder werden gebeten, diese Ver» anstaltung zu besuchen. 7. Arei«. Ab 16 Uhr Dcrsassungsfcier im Luna-Park. Festredner: Genosse Albert Grzesinski. 8. Abt. Sämtliche Abtkilnngsmitgliedcr beteiligen an den Kontrollarbeiten beim Volksentscheid. Treffpunkt 7 Uhr im ficntrallokal, Rationalhof. Blllowstr. 37. Räch Abschluß der Kontrollarbeiten wird rege Beteiligung au der Vcrfassuugsfeier des Reichsbanners im Ulap erwartet. g. Abt. Die Mitglieder treffen sich um!> Uhr bei Hübncr zwecks Einteilung. 08. Abt. Alle Genossinnen unb Genossen treffen ssch um 8 Uhr bei Sandmann, Westfälische Str. 42. 76. Abt. Die Abtcilungsmitgliedcr versammeln sich zur Wahlhilse 7>/i Uhr bei Kroiß, Holsteinische Str. 60. 81. Abt. Die Genossen melden sich zur Wahlarbeit um 8 Ul>r bei Klabe. Hand- scrnstr. 00—01. Die Parteigenossen treffen sich um 10 Uhr zum gemeinsamen Fackelzug mit dem Reichsbanner auf dem Renter-Plaß. KU. Abt. Die Parteimitglieder beteiligen ssch an der Rcicksbanncr-Berfassungs- stier im Kyffhäuser ab 13 Uhr. Eintritt inkl. Tanz 30 Pf. Arbeiisgemeinfchafl der kinderfreunde Groß-Berlin. Die Wiener Gäste treffen heute, 10.48 Uhr. Lehrter Bahnhof ein. Die Duartiertreifc schicken kleine Faltendelegationen zur Begrüßung. Die Ouariier- eltern erwarte» die Kinder um 17 Ilhr an den Kreistreffpunkten. Reurölln: U-Bahnhof Raihous. Mitte: Iugendlieim Landsberger Str. 50. Die Kinder für Friedrichshoin werden den Quarticreltcrn gegen 18 Uhr ins Haus gebracht. Wien-Berlin. Froher Abend der Wiener und Berliner Kinderfreundc am Montag, 10. August. 10 Uhr. im Saalbou Neukölln, Bergftr. 107. Teil- »ehmcr sind alle Quartierellern und die Berliner Helferschaft. Krej, Prenzlaner Berg. Die Rachuniersuchungen finden am Montag und Freitag nächster Woche i» der Schule Eberswalder Straße statt. Zeit litt Uhr.. Montag für Hort, und Rote Falken Viktor Adler, Frcitag die übrigen Gruppen. Kreis Friedrichshain. Alle Falken erscheinen heule, 17': Uhr, in Falken- trocht auf der Weberwiefe zum Empfang der Wiener Gaste. Klei» Schöneberg. Heute Folkenwiuipclweihe in der Schule Feurigstraße 57. Treffen aller Falten 17zb Uhr in der Schule. Eltern 18 Uhr. Anschließend Fackelzug durch Schöneberg. Kreis Renkölln. Berichtigung. Die Wiener Roten Fallen kommen heute, Sonnabend. INN 10,48(nicht 14,7.7) Uhr Lehrter Bahnhof an. Neuköllner Rote Falken können stch am Bahnhof zum Empfang«infinden.(Faikentracht.) Die Gastgeber finden stch mn 18 Uhr im Heim Bergstr. 29 ei». Kreis Steglitz. Gruppe Lichterfelde. Alle Eltern kommen heute ab 15 Uhr mit be» Kindern zum Konfum-Kafieekochen, Seehof, Lokal Waldschlößchen. Alle Gruppen beteiligen sich an der Verfassungsfeier am Sonntag, dem 9. August, 14Va Uhr, in den Lichterfclder Fcstsälcn, Zehlendorfer Str. 5. Vorträge, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner..Schwarz-Rot-Gold". Defchäktsfielle: Berlin S. 14. Sebastianstr. 87—38. Hof 2. Tr. Sonnabend, 8. August. Friedrichshain(Ortsvcrein). 10 Uhr An- treten oller dienstfreien Äameroöen in Buudeskleidung zur Be- erdlqung des Kameraden Eugen Beilckner. Eingang Aentralfriedhof Friedrichs» felde.— Sonntag, 9. August. Tempelhos lOrlsverein). Verfassungsfeier im Seebad Mariendorf. Beginn 10 Uhr. Festredner: Landtagsabgeovdneter Otto Meier. Eintritt 50 Vf. Treptow(Orlsvercin). Pcrlassungsfeier im Kuffiiäufer, NiederZchöneweide. Ummarlch, Konzert, Festansprache, Vorführungen(Fungda). Musik iMusikkorps und Splelmauuszugl, Tanz. Eintritt 7>0 Pf. Erwerbsloie Kameraden in Bundeskleidung frei. Antreten zum Ummaefch 14' 3 Uhr Martt- platz Oberschöneweide. Pflichtoeranstaltung. Reinickendorf«Ortsverein). 13'.: Uhr Antreten der Kameraden zur Verfassungsfeier nach Tegel. Arbeiter. Radio-Bnnd Deutschland, e. V,, Bezirksgruppe Berlin. Aichchrist des Vorstandes: H. Graul, SM. 29, Gneifenaustr. 41(Freiden1erihaus>. Tele- Phon: I? 0 Baerwald 5311. Friedrichsfelde: Lokal Tempel, Gudrunstr. 7. Freitag, 14. August, Mitgliederversammlung und Kritik am Rundfnntpro- gramm. Leitung: Genosse Rovak, 20 Uhr. Fricdrichshain: Lokal Wcrtalla. Hohenlohestr. 3. Donnerstag, 13. August. Mitgliederversammlung, 20 Ahr. Reu- kclln. Treptow: Lokal Eggers, Kaiser-Friedrich-Etr. 8. Freilag, 14. August, Vortrag:„Was brachte uns unsere Veranstaltung?", 20 Uhr. Achtung! Tech. nitersißung am 10. August ist bis auf weiteres verschoben, findet also nicht statt! 1 Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Lerliv linsend ml gen für diese llknbrtl mn gn da» Zooendlelrel-et« »«0» SW«. TwdenlIraS«? Frsnkfurtfahrer! Heute letzter Tag der Schlußabrechnungen. Vcrsassnpgskundgebung Dienstag, 1l. August, IgZb U1,r, auf dem Gen. dormenmarkt. Anschließend Fackelzua ditrch folgende Straßen: Französssche, Werderstraße, Schloßplatz. Breite Straße, Roßstraße, Dresdener Straße, Oranienftraße, Mariannenstraße, Kottbusser Damm, Pflügerstraße, Reuter. straße, Reuterplatz. Heute, Sonnabend. 8. August: Lichterseld«: Verfassungsfeier der Partei bei Schilling. Zehlendorfer Str. 8. — Neukölln Vit: Fahrt. 1814 UI)c Bahnhof Kaiser.Fpiei>rich.Straße.— Hein». darf: Roonstraße. Werdefeier.— Hasenheide: Fahrt. 19 Uhr Kottbusser Tor.— Friedrichsselde: Fahrt. 18 Ahr Bahnhof Lichtenberg.— Pankow(R.-F.): Fahrt. 18! 1 Abr Bahnhof Rordring. Unkosten 1,13 M. Werbebezirk Prenzlauer Berg: Achtung, Frankfurtfahrer! Heute, 10 Ahr, Cprechchorprobe im Altersheim, Danzigcr Str. 02. Werbebezirk Neukölln: Enger« Werbebezirkssitzunq im Parteibüro<10 Ahr). Werdebezirl Obersprec: Struveshof-Fahrer 19'4 Ahr ans dem Balhuhof Treptow. Zlachzilqler 20 Uhr Anhalter Bahnhöf. Nur gemeldete Genossen können sich beloiligen. Morgen, Sonntag, 9. August: Kallesche» Tor: Fahrt. 5Vt Uhr Görlitzer Bahnhof.— Neukölln IS: Fahrt. 7 Ahr Bahnhof Neukölln. Unkosten 00 Pf.— Arnswalder Platz tu: Fahrt. 7 Uhr Bahnhof Weißensee.— Südwesten: Abschied von den Eft landen:. 0 Uhr„Vorwärts". Anschließend Fahrt.— Käpenicker viertel: Fahrt. 7 Uhr Görlitzer Bahnhof.— Lichtenberg. Nordwest: Fahrt. 0 Uhr Bahnhof Stralau. Rummelsburg. «erbe bezirk Reinickendorf: Werbebezirkstitreffahrt. 7% Uhr Bahlch-if Hciruigsdorf. Staatstheater Geschlossen. Abonnements-Einladung für die Spielreit 1931/32 OreBcr Preisabbau, wesentliche Verbesserung einreiner Platzgruppcn durch Vorverlegung, sehr bequeme Zahlungsbedingungen. Anmeldangen nehmen in der Zeit von 10 bis 2 Usir entgegen; für die ftaslMPCr und das Staallidie Sdiauspieltians: Abonncm-Büro OberwaUstr.22, Fernsprecher: Merkur 9024, türdas ttaalLMülieiilieater: Abonnem.-Büro; Charlottenbg., Grolmanstraße 70, Fernsprecher: Steinplalz 6715. sCatA Barbaress« 9256 Hol.»». m/t U Barto& Mann W.* Q, Aham Walter Ml,-an South China Walntraub, u. weltar* HauhaiL Du zral, VarlettProir»»! ■It C« roll, Port, 1 1 knien« frech Siej.' Miltnip Sirk«:*. leMni' loa« Prtlie: J 30*",:. Reichshallen-Theater „Alles verrückt!6' Stettiner Sänger Anfang| w| Uhr Winker » Qarren� 8.15 Utir Flon 3434 fiauduii irlaubt Barbette« Bourlakoff-Truppe, Conche, Fransky und weitere Internationale KnnttkT&fic Sonoabend und Sonntag je 2 Vonlellungeo 4 und 8" Uhr. 4 Uhr kleine Pr. »v.uhrCASINO-THEATERsv.ui., Lothringer Strohe S7. iiiiiiiiiiiiHHiiHiiHMiMiuiiimiiiMiimiiiiiiiiiriftlnumiiiHiniiiif Wiedereröffnung 15. Aug. Modern renoviert! Modernes Progr.! Das entzückende Lustspiel Das Parffim meiner Frau. Dazu ein erstkl. buntes Programm. Für die Leser: Cntsdiein 1-4 Pcra. Fauteuil 1.25 M.. Sessel 1,50 M. Sonstige Pr.: Rang Mitte 1 M., Parkett 75 Pf., Rang 60 Pf. Traumland Sdiloft SdiönhoU. Neue Attraktionen! Dienstag, Donnerstag, Sonnabd Großfeuerwerk Ab FrcUag, 7. Aagmt, täglich 6 und 10'': Uhr Internat. Ringkämpfe um den Traumland-Pokal. Es haben sich bis jetzt gemeldet: ?ou dem Born-Ho 11 and— Pielro Scholz-Berlin- Pogrzeko-Ober. Mbteiien— GrAneiaen-Schwelz- ■ Voigt-Glatz— Weinerl- Sadhtew. BHI ROSE-THEATER Wocfaentags S15 Sonntsg. den 9. Aug. 3 x 2*, 5«, 9«i Uhr „madame hat Ausgang" mit Traute Rone u. Armin blchwcizer Prelae: 0.50— 3 M. RORE- CiABTF.IV der großen Schlager 8.15: „Panne um mitternachr 3 aktige Operette. Preise: 0,60-2 M. Or. Frankfurter Str. 13 2. U-Bahn Strausberger Platz.— 6 tagiger Vorverkauf 11— 1 und 3—9 Uhr.— Tel. Bestellung E 7 Weichsel 3422 itletropoi-itieater Täglich 8>l. Uhr Die Toni aus Wien Mady Christians, Michael Bohnen Komische oper Friedrlchstr. 104 8'.- Uhr Frauen baben das gern... Musikal. Schwank von Arnold Musik v. Walt. Kollo Sommerpr. 0.50- 7.00 Suriursrendamm- Theater Bismarck 448/49 | 8'/. Uhr| Die schöne Helena «on lacqnes Ollenbadi Segle: Mmt Helntinrfli Bilanz am 31. März 1931 OecmSgen Gedändc-Konio 1—6. Adschritt............ Grundstück-Konto.... ?>ückständ-.......... Inventar............ Abschrist............ Grund- und Boden-Konto .Kstsa-Konto.......... iScldenlwrrlungs-Aus glcichkonlo......... Eingänge....... 856,23 Aofchrijt........ 2200,— Beteiligung........... c-partaffen-GuI haben.. Sebäude-Konlo 7...... Abschrift.............. Außenstehende Forderungen.............. Gedäude-Konto 11..... Gedäude-Konto S— 10.. Abschrift.............. Bankguthaben......... RM 144 988,18 1 090,— 2 520,49 2 319.49 8 115,29 3 056,25 85 874,72 500,- .583 355,- )5 617,55 RM 143 908,18 13 000,— 4 954,10 1,— 20 933,57 3 383,89 5 059,04 12 500.- I 010,— 85 374,72 24 805,— 1 130 198,09 1 567 717,47 95 562,18 3 108 407,84 Schulde» Hnpotheken-Konto (öffentliche Mittel) in früheren Jahren getilgt........ 11 573,28 im Berichtsfahr getilgt/....... 4 927,99 Sonstige Hypothcten. in früheren Jahren getilgt........ 22 644,21 im Berichtsiahe getilgt........ 6 805,10 Reservefonds------ Svarfonds-Kontö....... Hilfsrefervefonds Rücklagcu-Konto— Erneuerungston ds..... Echuldverfchrcibnng«- Konto................ Darlehen-Konto........ Delchäitsante,l-.Konto... Gewinn.....-.......... RM 1 682 600,— 16 501,27 1 130 343,76 29 449,31 RM 1666 098,73 1 100 894,45 23 331,78 45 247,83 49 190,03 60 153,78 40 079,05 16 59G17 84 727,— 21 138,02 3 108 407,84 Im Laufe des S-fchäftsjahrcs sind 33 Genossen mit 34 Anteilen ausgelchieden und 78 Genossen bei- getreten.— Am Schlüsse de» SclchLstsfahze» gehörten der Genossenschaft 802 Genossen mit 80b Anteilen an mit einer Dcsamlhaflsnmme von 241 500,— RM. Berlin-Bohnsdorf, den 2. August 1931. Arbeiter-Äaugenossenschast Paradiek! zu Berlin eingetragene Gcnosienschajt mit deschränlier Haslpss'cht ver Vorstand Georg Dorn er Paul Schiffte Gustav Pfeiffer tUM.Erogrsnuiiolidei'giM Ah 4 Uhr Konzert d, Lunapark-Orch. 5 Uhr: Tanz-Tee im Freien Knp. Gcrh.HofTmann u. Blue.Jary.Lartics Ir® Nachm.- Kabarett im LUnapalaU ü» IHrlgcnlst-n- Gastspiel: Gilbert. Holländer, Künnecko. May usw 8 Uhr: Dajos Bela mit 47 Mus. u. Sängern ß44 Uhr; Bunte Stunde: Alfred Braun. Cornelia Bronsgecst. Bruno Seidler- Winkler, Kammersängerin Uarcclla Roeselcr usw. (»Biit. FEUERWERK Billett. Hilda Aderhold. 9 Romano». IQ10 Schwimmsport-Fest Im Wellenbad 1030 Nacht-Kabarett im Lunapal.iis Tanza.d.Terrassen. Verläop. Polizeist. Tischreserv. bis 8 U. telef. Pfalzb. 2541 App. 17. Ehren- u. Freikart. aufgehoben. Morgen; Vr"; Ab 4 Uhr Konzert» 2 Kapellen Fest- Akt 1% Festredner: Herr Polizeiprisldcnt Grzesinski |BeEiUtionen• Voiführungen 9'U FEUERWERK S',. 9 Romanos, klassische Kraftsplele Gr. Zapfenstreich Eintritt 80 Pfe. Kinder unt. 12 Jahr, frei Ehren- nnd Freikarten halbe Preitie MMmWN mmm rergnugun� Resfauraut Berlins Beste eine unserer bll tASN Parzellen in Friedrich$felde-Ost an der Marzahner Chaussee. Stadtbahn bei Fried richsfelde-Ost Auskunft auf dem Gelände bei Schneider, Obcrfeld 17, Friedr. Henke G.in.i).H. Sonnabend und Sonntag Dresdner Bank. Außerordentiiche Generalversa mralung. Hiermit werden die Aktionäre zu einer anBcrordcnt- Uchcn CrencralTCmammlnns:. die Sonnabend, den 20. Ausrast 1931, mlttaes l!t Ilhr. im Bankgcbfinde Drctden, Johannstraße 3, stattfinden wird, eingeladen. Tagrcaordnnnzc: 1. Beschlußfassung Ober die Erhöhung des Grundkapitals von bisher nom. Reichsmark 100 000 000.— bis zu nom. Reichsmark 400 000 000— durch Ausgabe von bis zu nom. Reichsmark 300 000 000.— auf den fnhaberlautcnden, ab 1. August 1931 dividendenberechtigten und einziehbaren Vorzugsaktien mit in Höhe von 7% bevorrechtigter und nachzahlbarer Dividende sowie mit Vorzugsrecht am Liquidationserlös. Ausschluß des gesetzlichen Bezugsrechts der Aktionäre. Festsetzung der Begebungsmodalitäten. 2. Beschlußfassung über die Aenderung des Gcsellschafts- verxrages aus Anlaß der Kapitalserhöhung, und zwar: .'. jies-§ 4: Höhe, und Einteilung d.�. neuen. Grundkapitals nach Durchführung der Kapitalserhöhung, des 5.6: Einziehbarkeit der Vorzugsaktien. des§ 19; anderweitige Festsetzung der Vergütungen für den Aufsichtsrat(Einführung fester Vergütungen, Herabsetzung des Anteils am Reingewinn), des§ 25: Aenderung der Bestimmungen über die Gewinnverteilung(Dividende auf Vorzugs- und Stammaktien, Aufsichtsratsvergütungen). des§ 27: Einfügung von Bestimmungen über die Verteilung des Liquidation seriöses im Falle der Auflösung der Gesellschaft. 3. Wahlen zum Aufsichtsrat. Jeder Aktionär ist zur Teilnahme an der Generalversammlung berechtigt Um in dieser stimmen oder Anträge stellen zu können, müssen die Aktionäre ihre Aktien oder die über diese lautenden Hinteriegungsscheine einer Eflektengirobank gemäß§ 21 der Satzungen•patenteno bis zum 26. Augost 1931 elnscUlleBlicH bei einer der nachverzeichneten Stellen bis zum Ende der Schalter- kassenstunden hinterlegen und bis zur Beendigung der Generalversammlung dort belassen; bei der Dresdner Bank in Dresden und Berlin sowie Ihren Übrigen Xiederlassnngen. bei der DUrcner Bank in Düren. bei dem Bankhause bilmon Hirschland in Essen und Hamburg, bei dem Bankhause Veit I-, Hamburger in Karls- ruhe, bei dem Bankhause A. I-cvy in Köln, bei dem Bankhausc Flcmmlng 4t Co. in Hagdc- bnrg. bei der Oldenburgischen Landesbank in Oldenburg 1, 0., bei der Rostorkcr Bank in Rostock und Schwerin, bei den Herren Proehl A Gntmann) in Amstcr- bei der Amsterdamsehen BankN.V./ dam. Dresden, den 6. August 1931. Der Vorstapd Nathan. Frisch. Deolsdier Metallarbeiter-IfeM Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeigen Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Lackierer Robert Rettig geb. 31. Dezember 1863, am 6. August gestorben ist. Die Einäscherung findet Sonnabend, den 8. August. 14'/, Uhr, im Krematorium Gerichtftraße statt. Am B. August starb unser Kollege, der Schmied IM firafflsch Die Einäscherung findet Montag, den 10. August, 12 Uhr. im Krematorium Baumschuienweg, Kiefhoiz- stroße, stail. Ferner starb am 6. August unser Kollege, der Klempner Rernbanl Apfelgrön Die Einäscherung findet Mittwoch, den 12. August. 15 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung wird erwartet. vir Ortsverwaltnng. Am 16. Jlonember 1931, 9 Ahr, wird an Gerichtstelle Berlin- Lichlerseide, Ringstraße 9, Zimmer 122. das im Grund- buche von Berlin-Lankwitz, Band 5, Bialt 157 eingeiragene Grundstück— Wohnhau» mit Hofranm, Restauration«- garten, Saaigedäude, 2 Stallgebäude und Seitenwohnhaus, Kaiser-Wilheim- Straße 34, Ecke Seydittzstr. 20— zwang«- weise versteigert werden. Bieter haben aus Deriangen des Gläubigers in der Regel eine Sicherheit von 10 v. H. des Bargebots in bar ober Wertpapieren zu leisten. Die Nachweisungen über Bezeichnung. Lage und Größe pp. können hier, Zim- mer 10, eingesehen werben.— 7. K. 82/27, Berlin Lichterfelbe» den 28. Juli 193L Das Amtsgericht. Rennen zu Karlsliorst Sonnabend, den 8. August, nachmittags 3 Uhr Tepper-Laski-Jagdrennen. KLEINE ANZEIGEN liuuiiiiiumiiuiiiiiiiiuuiiuiiuuuimimuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiuuuiiiiiiiiuuiuiu Preise: Überschriftswort 25 Pf., Toxtwort 12 Pf. Wiederholungsrabaft: 10 mal 5 Proz., 20 mal oder 1000 Worte Abschluß 10 Proz., 2000 Worte 15 Proz., 4000 Wort© 20 Proz. � Stellengesuche t uberschriffs- worf 15 Pf., Textwort 10 Pf./ Anzeigen, welche für die nächste Nummer bestimmt sind, müssen bis 4V3 Uhr nachm. im Verlag, Lindenstr. 3, oder auch in sämtlichen Vorwärts-Filialen und-Ausgabestellen abgegeben sein I uerhaute 1 Linoleum Szillat, Kolonie. straße 9. HiBidungsstgcna. ujssena usw. Wenig getragene Gabardrne-Mäntel, Marengo- Sommer. Paletots, Svortan- züge, Frackanzüge, Smokiuaanzüg«, Gehrockanzüge, Iackettanzilge, für jede Figur pasiend. Spezialität: Bauch, auzüge. Spottbillig. Gefellschaiisanzüge werden verlieben. Salpern, Rosen. fbalerftraße 4. ein« Treppe.* Bon Kavalieren wenig getragene und neue Jockettan- züge, Suwlingan- ziige, Frackanzüqe, jede Figur pasiend, Herreupelze.Damen. pelze, enorm billig. Leihhaus Friedrich. straße 2. Halleiches ?ne. Keine Lom- dardware,_• Wenig getragen« Kavaliergarderobe von Millionären, Aerzten, Anwälten. Fab-lhaft billig« Preise. Empfehle Taillenmäntel.Pale. tots, Fracks. Smo- kings, Eehrockan» zllge. Hofen. Sport». Gehpelze. Gelegen- beitsläuse in neuer Garderobe. Weite- ster Weg sahnend. Sothringerstraße 56, l Treppe. Rosen- tbaler Platz.» Wenig geteagen. teils auf Seide ge- arbeitete Iackettan- züge. Frackanzsig«, Smokinganzllge. Gehrockanzüge, Bau-Hanzüge. Früh- johrs. und Som- mermäntel. erst- klafssge neu« Gar. derobe zu stau- nend billigen Prei» sen. Gelegenheits» kaufe in Herren- und Damenpelzen. Leibhau« Lowick!, Prinzenstraße lvö, eine Treppe. Keine Lombardware. wusi Polierte Zimmer 590,—, Die- lengarniturrn 39,—. Riesenauswahl. Teilzahlung. Kamerling. Kastanien. aller 56.* Achtung! Räumungsverkausl! wegen Eeschästsauf- gäbe. Preise teil- weise bis zu 20"/« herabgesetzt. Sdstas- »immer Eiche 345.—: Speisezimmer, Her. renzimmer, Küchen, Einzelmöbel spoti� billig. Ankleide- schränke 92.—. Gita stige Gelegenheit für Äasseläuseri Bankguthaben, Sparkassenbücher werden in Zahlung genomincn. Rur Kastanienallee 47. Batentmatratzen „Primiisima". Me. iallbetlen, Aufleae. Matratzen. Ehaise. longues Walter. Etaraarder straße achtzehn. KeinLäden Mllfflll- inslrninsnto Riesenlager. Bedffteinviano. Blüthnerpiano Ibadiviano. Schwechlenpianos, Bieieniano. Dun- fenpiairo, Salon- viauos 175.—, 272,— an, Markenflügei 490,— an, gebrauchte. Abendroth, Pols- damerstraße 74.' Liukpiano», Mietpianos über» aus preiswert. Bianoiabrik Link. Brunnenstraße 35,* Piano 120,—, Tetizahlung. auch Miete 8,—. Kaufanrechuung. Pianohaus Alb» Moabit 80o. I Falirraiier Gebrauchte Fahträder. 15,-, 20,- 25,—, 30,—. Machnow, Weinmeisterstr. 14. Ballonrenner, Ballon-Touren-, Ballon- Damenmo- fchinen 50.—, 58.—, 65.—, 75.—, Origi» nol-Brennabor-Bai- ionräder 85.—. Machnow, Wein- meisterstr. 14. stadoaebisse, Platinobiälle Oueckülber Zinn- metalle, Silber- schmelze. Goldlchmel- zerei. Ehristionat, Kövenickerftraße 39 Salteftelle Adalbere- straffe. Badpru.Kuror+p Wenn jemand eine Reise madii... 8« muh er die bahnamflidicn Bestimmungen kennen. Fahrkarten können am Reisetage bei den Fahrkartenausgaben und vorher bei den Reisebüros gelöst werden. Werden Fahr- karten im Vorverkauf ausgegeben, so erhalten sie den Stempel des Reiseantrittstages. Die Fahrkarten haben eine Gültig- keit von vier Tagen. Während der Gültigkeit kann die Fahrt ein- mal unterbrochen werden. Der Fahrpreis pro Kilometer beträgt im Personenzuge in der 2. Klasse 5,8 Pf. und 3. Klasse 4 Pf. Bei Benutzung von Eilzügen sind in der 3. Klasse folgende Zuschläge zu zahlen: In einer Entfernung von 1 bis 35 Kilometer 25 Pf., für 36—75 Kilometer 50 Pf., für 76—150 Kilometer 1 M.. sür 151—226 Kilometer 1,50 M., für 226— 300 Kilometer 2 M., über 300 Kilometer 2,50 M. In der 2. Klasse wird das Doppelte dieser Zuschläge er- hoben. Für Schnell- bzw. D-Züge werden in der 3. Klasse folgende Zuschläge erhoben: 1 M. für 1— 75 Kilometer, 2 M. für 76—150 Kilometer, 3 M. für 151— 225 Kilometer, 4 M. für 226— 300 Kilometer und 5 M. für über 300 Kilometer, also überall das Doppelte der Eilzugzuschläge. In der 2. Klasse wird dos Doppelte der 3.-Klasse- Zuschläge erhoben. Die 1. Klasse genieht die besondere Vergünsti- gung, daß sie in D-Zügen nicht mehr Zuschläge zu zahlen hat als die 2.- Klasse. Platzkarten für Schnellzüge, die vom Abgangs- bahnhof, z. B. Berlin, benutzt werden, können schon 3 Tage vor Abgang des Zuges bei gleichzeitiger Lösung der Fahrkarten bei den Reisebüros besorgt werden. Die Gebühr beträgt für die 1. und 2. Klasse 1 M., sür die 3. Klasse 50 Pf. Gepäck. Handgepäck, d. h. leicht tragbare Gegenstände, kann in die Personenwagen mitgenommen werden. Dem Reisenden steht der Baum über und unter seinem Sitzplatz für sein Gepäck zu. galt- boote auf Bootswagen dürfen in die Personenwagen, auch in Wagen für Reisende mit Traglasten, nicht mitgenommen werden. Als Reisegepäck rechnen Gegenstände, die in Reisekoffern, Reise- körben, Reisetaschen, Rucksäcken, handlichen Kisten und dergleichen verpackt sind. Auch Krankentrag- und Fahrstühle, Kinderwagen, Wasserfahrzeuge bis zu 3 Meter Länge usw. können als Reisegepäck ausgegeben werden, ferner Fahrräder, auch mit Hilfsmotor, einsitzige Kraftzweiräder, auch mit Hilfssitz. Jeder Reisende kann nur zwei Stück dieser Gegenstände mit einer Fahr- karte, Kraftzweiräder nur ein Stück aufgeben. Die Gepäckfrochl beträgt beispielsweise für 20 Kilogramm in einer Entfernung von 91—110 Kilometer 1,20 M.. sür 201—250 Kilometer 2,30 M.. sür 301— 350 Kilometer 2,80 M. Nähere Auskunft erteilen die G c p ä ck- abfertigungen. Das Reisegepäck kann bei den Gepäckschaltern der Bahnhöfe gegen Verlust, Minderung und Beschädigung ver- sichert werden. Fahrpreisermäßigungen. Folgende Fahrpreiscrmähigungen können in Anspruch ge- nommen werden: Die um 33M> Proz. ermäßigten Sonntagsrückfahrkarten.(Die Aushänge auf den Bahnhöfen geben über Zielorte, Wandermöglichkciten, Preise usw. Auskunft.) Die 50 Pro.;. betragende Fahrpreisermäßigung für Jugendpflege, die 25 Proz. betragende Fahrpreisermäßigung für G e s e l l s ch a f t s- fahrten und die leider nur mit 20 Proz. Ermäßigung aus- gestatteten Feriensondcrzüge. Ferner genießen Fahrpreis- ermäßigungen mittellose Kranke, Blinde, Kriegsbeschädigte und Kriegsteilnehmer und Messebesucher. Die weite st gehende Fahrpreisermäßigung genießen die Reichswehr- angehörigen, die mit 1 ie Pf. pro Kilometer beinahe umsonst fahren. Voraussetzung zur Inanspruchnahme der 50-Proz.-Vergünsti- gung ist, daß der Verein als Organisation fürIugend- pflege durch den Oberpräsidenten in Berlin, Eharlottenburg, Kaiserdomm 1, sonst durch den zuständigen Regierungspräsidenten anerkannt ist. An den Fahrten müssen mindestens neun Jugendliche, d. h. Personen unter 20 Iahren, unter Leitung von sachverständigen Führern teilnehmen. Die Führer müssen im Besitz eines von dem zuständigen Jugendamt beglaubigten Führer- ausweises mit Lichtbild sein. Zu den Festen müsien die Fahrten acht Tage vorher bei den Abgangsbahnhösen unter Vorlegung des ausgefüllten Antragsvordrucks angemeldet werden. Die 25 Proz. be- tragende Fahrpreisermäßigung für Gesellschaftsfahrten tritt ein bei gemeinsamen Reisen von mindestens 15 Personen. Bei einer Teil- nähme von 51 Personen erhöht sich die Ermäßigung auf 33 Vb Proz. Die Reichsbahn gewährt außerdem bei 30 bis 50 Personen eine Freifahrt. Die Eil- und Schnellzugzuschlöge werden bei diesen Fahrten ebenfalls um 25 bis 33'.« Proz. ermäßigt. Der Antrag auf Gewährung dieser Fahrpreisermäßigung ist rechtzeitig beim Ab- gangsbohnhof unter Angabe der Teilnehmerzohl, Wagenklasse, des Zuges, des Reisetages usw. ohne Verwendung eines Vordrucks zu stellen. Münchhausens Heimat. Weserbergland.— Alte Sitten und Bräuche sind hier noch -lebendig— Reiterzüge bei ländlichen Festen, die. lodernde« Osterfeuer auf den Höhen, die Heucrräder-vyn Lügde bei PyMont.-die-bunten Bückeburger Trachten, die Volkslieder, die man abends in den -Dörfern hört. Von fern her klingt aus dem alten Hameln die Flöte des Rattenfängers... In Hannoversch-Münden, wo Werra und Fulda zu- sammenfließen und von hier an Weser hießen, in dieser Stadt, von der Alexander von Hunrboldt gesagt hat, sie sei„eine der sieben schönst gelegenen der Welt", lebte und wirkte der„Weiland Hochedle Hoch- erfahrene Weltberühmte Herr Johann Andreas Eisenbart, Königlich Brioilegierter Landarzt wie auch Königlich Breußischer Raht und Hofoculiste", wie auf seinem Grabstein an der St. Aegidienkirche zu lesen ist. Es klingt in unseren Ohren aus Kinderzeit:„Ich bin der Doktor Eisenbart, kurier die Leut nach meiner Art, kann machen, daß die Blinden gchn und daß die Lahmen wieder sehn, widdcwitt bumbuin!" Er hat aber schon mehr gekonnt, als das Scherzlied wahr haben will. Im Straßenbilde der Stadt fallen die Grünröcke auf. Münden hat eine forstliche Hochschule, und wenn im Herbst die Hubertusjagd beschlossen ist, so leuchtet Fackelschein durch die engen Straßen SM.d alte Jagdliedcr ertönen. Bei Holzminden beginnt das Land WUHeli» Raabcs, dessen 100. Geburtstag wir im Herbst feiern werden. Zahlreiche Schauplätze seiner Romane liegen in dieser Gegend, die in ihrer ruhig-besinnlichen Bewegtheit mit dem Leben dieses lächelnden Weisen eng verknüpft ist und als Bild seiner milden, heiteren und ins Vergangene gerichteten Art gelten mag. Bei dem engen, stromumrauschten und köstlich schrulligen Boden- w c r d e r gedenkt man des„Lllgenbarons" Münchhausen, dessen Heimat hier ist, und dessen Gartcnhäuschen hoch oben im Wald noch in dem alten Zustande gezeigt wird. Und dann grüßen die grauen Renaissancebauten von Hameln. Die Stadt ist die Hochburg der sogenannten Weserrcnaissance: Stein- bauten wie das Hochzeitshaus, das Rattenfängevhaus, der Rattenkrug, das Museum, das reich geschnitzte Stiftshcrrenhaus sind Höchst- leistungen vergangener Architektur. Alles das würde Hameln aber nie so weltbekannt gemacht haben wie die Sage vom Rattenfänger, die, eine Mischung von historischen Begebnissen, mythischen Vorstellungen und gestaltendem Volksgeist, ihre endgültige, einsachc Form durch Kr1MM gefUK»cn hat: An Schristtichem aus älter- Zeit ist nur die Inschrift dm Mttensängerhaus erhalten, wo es: heißt:„Am Tage Johannis et Pauli War der 26. Junii Dorch einen Piper mit allerley Farve bekledet Gewesen Kinder verlebet Binnen Homeien geboren To Calvarie bi den Koppen verloren". Von allen Nach- dichtungen der Sage hat ihr allein Goeches Rattenfängerlied eine tiefere. Deutung zu geben gewußt. Im benachbarten Lippeschen ist neben der ehemaligen Residenz Detmold die schönste alte Lipperstadt Lemgo, das um die Zeit der frühen Renaissance einen Rekord im Hexenverbrennen aufgestellt hat und darum noch heute das„Hexennest" heißt. Da ist serner das kleine, ganz einheitliche, malerische Schwalenberg mit dem schönsten Fachwerkrathaus des Weserberglaiides, ein buntes Genüsch von farbigem Gebälk, hellen Giebeln, krausen Winkeln, Blumen- gärten, roten Hähnen und blauen Schwalben. Und zeigt nicht die Natur die gleiche Art wie das Volk und wie die Siedlungen? Man fühlt: es besteht hier ein überraschender Einklang zwischen Landschait, Mensch, Dorf und Stadt, der in einigen Gestalten besonders erhöht, geformt und weithin sichtbar heraus- gestellt ist. Raabe ist schon erwähnt worden. Man kennt neben der Weite auch das Schrullige, Dickköpfige, Versponnene seiner Art. In Städten und Dörfern gibt es noch eine große Zahl solcher Originale. Die Mllnchausiadcn werden immer wieder in Schäfern, Forstleuten, alten Bauern aufs neue produziert. Eulenspiegeleien — der Schelm lebte nicht weit von der Weser abseits— sind gang und gäbe. Und dicht hinter dem letzten nördlichen Bergzug. noch fast aus der Grenze zwischen Bergland und Ebene, war Wilhelm Busch zu Hause. Der Geist lebt nicht nur in diesem originalen Menschen, er lebt in der Natur selbst. Da sind die einsamen Waldgebiete des S o l- lings und Reinhardswaldes, trächtig von Sagen und Wilddiebsgeschichten, wo Idyllisches und Romantisches durcheinander wachsen. Gibt es im Solling noch Hochmoore, so trägt der Rein- hardswald herrlich ausgereckte Eichen, und hinter urwaldgleichen Bezirken erscheint die Phairtasmagorie des ehemaligen Jagdschlosses Sababurg, in dem das Märchen vom' Dornröschen seine Heimat hat. Der Teutoburger Wald, an dessen Hangen einst die edlen Sennerrosse brausten, hat die Grotenburg nrit dem Hermannsdenkmal und der einzigartigen frühgermanischen Kultstätte der Externsteine. Auf dem Süntel gibt's die Hohensteinfelsen mit wildwachsenden Eiben, und auf dem Dachtelseld«, wo einst Karls Frankenheer von den Sachsen vernichtet wurde, von wo der Blut- dach durchs Totental fließt, wachsen noch einige Süntelbuchen, eine fast ausgestorbene Art schlängelnder, sich drehender, steinerner Waldungetüme. Es gibt diese Bäume nur hier, sonst nirgends auf der Welt, und sie wirken im modernen Forst wie Saurier der Vorzeit._ Bad Landeck. Die Notverordnung I>at dem Bade einen Zu- wachs von Kurgästen gebracht, die sonst gewohnt ivaren, Bäder. des Auslands aufzusuchen. Daß auch der Erfolg der Kur ein ebenso guter sein wird, dafür bürgen die seit Jahrhunderten gemachten guten Erfahrungen bei Gicht, Rheuma, Frauen- und Nervenleiden und Alterserscheinungen. Erfreulich ist es, daß gerade in diesem Jahre sehr viel Acrzte. darunter solche von anerkanntem wissenschaftlichen Ruf, den Kurort aufgesucht haben. Zur Zeit werden Versuche einer IInioersitäts-Klinik mit der stark radioaktiven Georgenquellc bei Nierenkrankheiten und hohem Blutdruck durchgeführt. TNozarl-Gedächtnis in Vad Ems. Die diesjährige September- musikwoche wird von der staatlichen Kurverwaltung als„Mozart-Ge- dächtnis"(anläßlich des 175. Todestages des Komponisten) geplant. Es werden drei Konzerte(Orchester, Gesang. Violine, Klavier, Kammermusik) veranstaltet, deren Programme dem großen Publikum wie dem Mozart-Kenner etwas Besonderes bieten sollen. Als So- listen sind Pros. Havemann, Berlin(Violine), Frau von E o n t a, Erfurt(Sopran) und Alfred H o e h n, Frankfurt a. M.(Klavier) gewonnen. Die Leitung liegt in den bewährten Händen von Kurt Barth. hahnenklee-vockswiese. Trotz der ungünstigen Witterung in den letzten Tagen hat sich der Kurbetrieb in Hahnenklee-Bockswiese zu- friedenstellend entwickelt. Am nächsten Sonntag wird im Familien- bad am Kuttelsbachcr See der Schwimmsportklub„Hellas", Magde- bürg, ein volkstümliches Werbeschwimmen veranstalten mit Staffelschwimmen, Hindernis- und Kleiderschwimmen, Wasierballspiel und Kunstspringen. Am 8. und O.August werden in Hahnenklec die Tischtennis-Harzmeisterschaften unter Teilnahme der deutschen Extra- klaffe ausgetragen werden. Rübeland. Am 14. Juli konnte die weltberühmte Hermanns- höhle in Rübelond(Harz) ihren diesjährigen 50 000. Besucher begrüßen. Obwohl der Verkehr im Harz infolge der schlechten wirt- schaftlichen Lage nicht so lebhaft ist als in den Vorjahren, haben die Rübeländer Höhlen als Hauptsehenswürdigkeiten des Harzes auch in diesem Jahre sehr starken Zuzug zu verzeichnen. Die Leitung der Hermonnshöhle hat weitere ausgedehnte Höhlenräume erforschen und vermessen lassen und wird voraussichtlich sür das nächste Jahr auch diese Teile dem Publikum zugängig machen können. hochsommerrast im harz. Die stattliche Reihe Harzer Höhen- lustkurorte und Heilbäder, teils mit subalpinem, teils mit mildem Klima sind alle von den grünen Harzwäldcrn und Harzwiescn um- geben. In seiner Vielseitigkeit schenkt der Harz allen etwas. Seien es die weiten Brockenwäldcr, seien es die Sommerfrischen im ro- Mänsischxn Bod.etal, im lieblichen Selketal, am waldreichen Ostharz- ränd� im milden Südharz, am Kyffhäuser, int Oberhorz Mit f«fi8Ä zahlreichen Teichen, seien es die historischen Stätten mit ihren herrlichen Baudenkmälern, ihren Kunstschätzen und kulturellen Merk- Würdigkeiten, seien es die zahlreichen Tropfsteinhöhlen, nirgends wird der Harz enttäuschen. Die zentrale Lage des Gebirges ver- billigt die Ferienreise und gibt allen Erholungsbedürftigen die Mög- lichkeit, ihren Urlaub im 5zarz zu verbringen. Bad Grund(Oberharz), Gebirgsluftkurort, Heilbad usw., eignet sich ganz besonders für Nachkuren. Der Kurort liegt im schönsten Teile des westlichen Oberharzes und hat ein mildes, sonniges Klima. Gute Hotels und zahlreiche Familienpensionen sorgen für ein gutes und preiswertes Unterkommen der Gäste. Wer nach seinem Vöde- aufenthalt eine Nachkur nötig hat, wird gut tun, sich in- den Reise- büros oder von der Kurverwaltung Bad Grund die Druckschriften sür eine Nachkur einzuholen. Eine vierzehntägige Nachkur kostet einschließlich Wohnung, Verpslegung. ärztliche Ueberwachung, Be- Nutzung des städtischen Sonnen- und Schwimmbades usw. 90 M. wildemann(Oberharz). Die Zahl der Kurgäste hat sich in den letzten Jahren ständig erhöht. Wildemann rühmt sich seiner weit- ausgedehnten ozonreichen Nadelwälder und seiner alpinen Wiesen- hänge. Das Spiegcltal gehört zu den köstlichsten Idyllen des Ober- Harzes. Ein großer Anziehungspunkt ist das in herrlicher Wald- läge befindliche Schwimm- und Sonnenbad mit schönem Liegestrand. Wer von einem der vielen Aussichtspunkte auf das idyllische Städtchen hernicderblickt, genießt ein wundersames Verwachsensein von Wald, Wiese und Mcnschensicdlung. VersSumfn Sit nicht die weltbarühmttn Naturwundtr des Hartes 'Rübeländer Tropfsteinhöhlen �rmannshÖhleu.Baumannsh6� in RubeSand, Harz besichtigen. i Gute Unterkunft in Hofe/s u- Privat Jederzeit möglioh. BAD ORB SPESSART Das aufblähende Heilbad für Herz.fiefbBe. Rheuma, magen. Darm u. Leber in reizender Lage, mit vorzüglich mildem Klima und drei an Kohlensäure überreichen radioaktiven Sprudeln. Abgestufte Bäderkuren, Trink- und Inhalationskuren. Dircktar Versand der Marlinusqueite zu Haustrinkkuren. Reiseweg: Von Wächtersbach(D-Zugstation der direkten Strecke Berlin— Frankfurt a. M.) in 15 Minuten. Verlangen Sie kostenlosen Prospekt durch die Kurdirektion. Kurhaus-Hotel Das führende Haus in Regie der K u rvc rw a 1 1 u n g. den und KgfFhäuSeT Prospakta koatenioal '«rtR M OTtOMALZ HHGIEHE PUSSTELtUKC DaESDEMüHSSl rilißäwa! Empf. pa. Zimmer. a.Bhf, Bettpr. 2.50 M. m. Frühst. Anmeld. erw Frau Stcrl, Srhfllerstr. 31. 3 Treppen. lleuruppiiKLuniturort) Am schöntn Ruppiner See Pforte zur Ruppiner Schweiz. Wälder. Seerf, Anlagen, bist. Sehenswürdigkeiten, Angel- u. Badegelegenheiten, Spori- Möglichkeiten. Günstige Bahnver- bindungen�anntagsrückfahrk.von u, nach Berlin II Kl 4,10 M..II1. Kl. 4 20 M. Härten ohne Sinn! Die Ttotverordnung gegen die Städte muß falle«. Der Deutsche Städtetag hat bei der Reichwegierung mit vollem Recht gegen die Rowerordnung vom 5. August sehr scharfen Ein- spruch erhoben. Er übergibt der Oeffentlichkcit folgende Sachdar- stellung, die sensationell genug ist: Die durch die letzte Notoerordnung angeordnete plötzliche Kredittrennung der Sparkassen von ihren Ge» währsverbänden, den Gemeinden, hat bei den Kom- rnunen Entrüstung und einmütige Ablehnung hervorgerusen. Der Präsident des Deutschen Städtetoges Dr. Mulcrt hat namens der Städte bei dem Reichskanzler und bei Reichsfinanzminister Dr. Dietrich scharfen Einspruch dagegen eingelegt, daß diese Rotoerordnung ohne jede Fühlungnahme mit den Gemeinden und zum Teil in Unkenntnis der tatsächlichen Verhältnifie ergangen ist. Dr. Malert Hot beantragt, die Ziffer 3 der Notverordnung als- bald wieder aufzuheben. In dem Schreiben des Städtetagcs heißt es, daß das Verbot des Kreditverkehrs zwischen Gemeinden und Sparkossen den Lebensnerv der kommunalen Selbstverwaltung träfe. Es werde völlig verkannt, daß die Sparkassen von jeher auf Grund von Gesetz und Statut zur gleichmäßigen Pflege von Real- kredit und Kommunalkredit bestimmt seien. Im Realkredit sind heute mehr als SV Prozent der Sparkossenguthaben angelegt, im Kommunalkredit, der nach dem Gesetz eine Inanspruchnahme bis zu 2S Prozent zuläßt, im Durchschnitt gegenwärtig weniger als 17 Prozent(!), nicht nennswert mehr als in der Vor- kriegszeit, obwohl der preußische Innenminister noch vor wenigen Monaten die volle Ausnutzung des Gemeindeanteils den Kom- munen zur Pflicht gemacht hatte? Die Gemeinden stehen im Rahmen der von ihnen in Anspruch genommenen Sparkassenmittel zugleich in einem regelmäßigen Kontokorrent-Verkehr bei den Sporkassen hinsichtlich der für sie eingehenden Steuero, Gebühren und sonstigen Ein- nahmen. Dieser völlig ordnungsgemäße verkehr wird durch die Notverordnung zerschnitten. Die Gemeinden sind die Träger der Reichs- und Staatsgewalt in der örtlichen Instanz und müssen imstande sein, ihre Zahlungen an Gehältern, Löhnen und Unter st ützungenregel- mäßig zu leisten. Den Anlaß zur Krise haben bekanntlich weder die Städte noch die Sparkassen, sondern die Großbanken gegeben. Die Sparkassen sind nicht wegen des legalen Kommunalkredits in Schwierigkeiten gekommen, sondern im Zusammenhang mit der allgemeinen Zahlungsnnttelkrise insbeson- dere deswegen, weil auf ausdrückliches Verlangen der Reichs- und Staatsregierung ein übergroßer.Teil der Sparkassenguthaben im Realkredit und in jetzt illiquiden Reichs- und Staats- papieren angelegt worden ist. Auch vom Standpunkt der Sparer aus wäre diese einschnei- dcnde Maßnahme nicht notwendig gewesen. Der Status der Spar- fassen ist völlig gesuud. Die von den Sparkassen im Real- und Kommunalkredit angelegten Beträge sind erstklassig ge- sichert. Das Sparkassenpublikum hat in den vergangenen Wochen fast durchweg mit Recht eine besonnen« und ruhige Haltung einge- nommen: infolge dessen ist mit Sicherheit anzunehmen, daß auch die Kzporstehende Eröffnung des freien Zahlungsverkehrs sich ohne jede Schwierigkeit vollziehen wird. Die Benachteiligung der Gemeinden gegenüber der privaten Wirtschast durch Reichsbank und Reichsregierung erhält nach An» ficht der Städte«inen besonders grotesken Ausdruck durch die Bestimmung, daß den Gemeinden zwar der Wog zu den Znstituten, die sie selbst für den kommunalen Kredit ausdrücklich geschaffen Haffen, abgeschnitten, gleichzeitig aber al« selbstverständlich angesehen wird, daß die Gemeinden weiterhin wie bisher die volle Haftung dieser Institute tragen. Der sofort einberufene Vorstand des Städtetoges wird zu dieser Log« Stellung nehmen: es unterliegt keinem Zweifel, daß er zu einschneidenden Beschlüssen kommen wird. In der Notverordnung vom 3. Juni 1331 war die Zahlung der Reichszuschüss« an Kommunen von Garantien für eine äußerst spar- same Gemeindewirtschaft abhängig gemacht. Keine einzige deutsche Stadt ist unter Berufung aus diese Bestimmung von der Reichshilsc ausgenommen worden. Dadurch haben Reichs» und Slaatsregierung bekundet, daß die jetzige haushaltswirlschaft der Gemeinden nicht zu beanstanden ist. Gleichwohl haben die Städte angesichts der gesamten Wirtschaftslage die Initiative ergriffen, um ihrerseits bestimmte Vor- schlage für einen weitercn Abbau öffentlicher Ausgaben bei. den Gemeinden selbst, aber auch bei Reich und Ländern zu machen, die bereits in ollernächster Zeit fertig vorliegen und alsdann der Oessent- lichkeit bekanntgegeben werden.. Der Städteiag begrüßt«s, daß der R e i ch s r a t mit großer Mehrheit beschlossen hat, den Reichskanzler zu ersuchen, nach seiner Rückkehr aus Rom über die Gründe und Absichten der Notoerordnung vom S. August Auskunft zu geben." Wir haben sofort bei ihrem Erscheinen die Notverordnung gegen die Städte als unhaltbar gekennzeichnet. Sie reiht sich der lOO-Äark-Verordnung als Beispiel des Versagens der Resso-rtbürokrotie und der Reichsbank würdig an. Sie muß ver- schwinden, wie diese praktisch verschwunden ist. Die pariser Verhandlungen. Hoffentlich heute Ergebnis. Pari«. 7. August. Die Verhandlungen zwischen den Vertretern französischer und er deutschen Banken zur Erhaltung der in Deutschland angelegten », fristigen Kredite sind gestern und heut« in Pari» fortgesetzt wrden. Noch einer Havas-Aeußerung ist bisher noch keine ndgültige Entscheidung getroffen worden, doch hofft man i gut unterrichteten französischen Finanzkreisen, daß man morgen ormittag zur Formulierung eines Abkommens gelangen werde, das m mit England und den Bereinigten Staaten getroffenen Abkommen hnlich ist._ Verbastung in einer NSVAP.-Versammlung. In einer von NSDAP, in Eddelak(im Süd-Dithmarschen) veranstalteten Versammlung sprach in einer Diskussion ein out Wanderschait be- findlicher Tischlergeselle aus Deihentels an der Saale. Der Redner ließ sich zu schweren Beleidigungen de» Reichs- kanzlers Dr. Brüning hinreißen, fo daß die anwesenden PoLzaibeomten einschritten und den Mann verhasteten. Er wurde d«o Amtsgericht sgesäHams zugeführt. der Das richtiggestellte Gäulenplakat. Gegen Gevering— für Hitler! Das ist der politische Ginn des kommunistischen ,3a' beim Volksentscheid! Tischreden in Rom. Mussolim und Brüning tauschen Zreuudschaffsworte. Während eines Staatsdiners zu Ehren Brünings und Curtius' hielt Mussolini eine Ansprache, in der es nach den Begrüßung?- warten hieß: In diesem für Deutschland und für alle anderen Länder außer- ordentlich schweren Augenblick hat Italien völliges Verständnis für die Notwendigkeiten, die sich aus dieser Lage ergeben, und für die Verpflichtungen, die jedem einzelnen im Interesse oller obliegen. Wir sind vor allem überzeugt, daß«ine immer regere und sreundschastlichc Zusammenarbeit der Regierungen und der Völker den besten Weg bedeutet, um endgültig aus den Schwierigkeiten herauszukommen und um allen eine Äera des Gedeihens und des Wohlstandes zu sichern. Das faschistische Italien hat stets alles getan, um wirksam teilzunehmen an diesem großen gemeinsamen Werk, dessen Ziel es ist. die moralischen und materiellen Hebel zu hellen, die der Krieg hinterlassen hat und woran noch alle Völker leiden. Es beabsichtigt, auch fest hierbei zu verharren und leiht feine willens- starke Mithilfe denen, die sich dieses Ziel fetzen, so wie es die» kürzlich für den Vorschlag des Präsidenten Hoovcr getan hat. Wir sind überzeugt, daß die Verwirklichung einer oiimchrigen politischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen �Ländern auf immer weiteren und tieferen Gebiete,» ganz besonders dazu dienen wird, jenen Geist gegenseitigen Vertrauen» zu schaffen, der Gewähr ist für einen wahren Frieden, begründet aus Recht und Gerechtigkeit. Italien ist überzeugt, daß da» deutsch« Volk seinen Weg mit neuer Kraft weitergehen wird und im vollen Bewußt- sein der großen Kräfte, die ihm innewohnen. In dieser lleberzeugung merdc tch bestärkt durch die klug« und energisch« Tätigkeit, die Ew. Exzellenz entwickeln, um das deutsche Volk wieder in die günstigsten Verhältnisse zu führen und ihm die Zukunft zu sichern, die es verdient. Hierauf erfolgt« der Trinkspruch auf Hindenburg, Brüning, Curtius und das Gedeihen Deutschtands. Reichskanzler Dr. Brüning erwiderte mit Dankesworten, um dann fortzusetzen: Wir sind in die ewige Stadt gekommen und machen von Ihrer liebenswürdigen Gastfreundschast Gebrauch, durchdrungen von dem Gedanken, daß in der Lage, in der sich heute der größte Teil der Welt befindet, nichts nützlicher gewesen sei als der persönliche Kontakt und die offene Aussprache zwischen den leckenden Staatsmännern. Wir sind hoch erfreut, daß es uns trotz der Schwierigkeiten in unserem Lande möglich gewesen ist, Sie jetzt in der Hauptstadt Italiens, Ihres großen und unaufhaltsamen emporstrebenden Landes, aufzusuchen. Indem Sie an die lleberlieferungen der alten Zeit anknüpfen, die mit dem Begriff der römischen Bürgerlugend unzertrennlich verbunden ist, haben Sie die im italienischen Volk schlummernden Kräfte zu Leistungen auf allen Gebieten der Zivilisation geweckt. die uns mit hoher Achtung ersüllen. Die schweren Aufgaben, mit denen die deutsche Regierung ringt, sind Ew. Exzellenz bekannt. Wir hoben Vertrauen auf die .Kraft, den Arbeitswillen und die Enffagungsfähigkeit unseres Volkes, für die es schon oft genug Beweise gegeben Hot. Es bereitet mir besonder« Genugtuung, daß Sic derselben lleberzeugung soeben spon- tan Ausdruck gegeben haben Da unsere Sorgen nicht allein unser eigenes Land, sondern Europa und die Welt angehen, erhoffen wir das Verständnis aller, die guten Willens find und der Welt den Frieden geben wollen. Sie, Herr Ministerpräsident, waren unter den Ersten, die die bahnbrechende Bedeutung der Botschaft Präsident Hoovers erkannten und mit dem Ihnen eigenen staatsmännischen Weit- b l i ck und in Verfolg Ihrer seit langer Zeit eingenommenen grundsätzlichen Haltung in die Tat umsetzten. Ihr schneller und groß- herziger Entschluß hat wesentlich dazu beigetragen, die kritische Loge der Weltwirtschaft hoffnungsvoller zu«sstalten. Dafür gebührt Ihnen unser aller Dank. In Gedanken an die hrstorischc Be- deutung der deutsch- italienischen kulturellen Beziehungen habe ich die Zuversicht, daß sich auch die wirtschaftliche und politische Zu- sammenarbeit zwischen Deuffchland und Italien zum Segen beider Länder und zur Förderung der ollq--m«inen internatio- nalen Kooperation aui der Grundlage von Recht und Serechtig. kelt fruchtbar weiter entwickeln wird. In dieser Zuversicht bin ich nicht nur durch den freundlichen Empfang bestärkt worden, sondern auch durch den ziekbäwußten Ernst, mit dem Sie der Ausammenarbeck der Regierungen und der Volker da, Wort geredet haben. Ich gebe der Hoffnung Ausdruck, daß die Zeck nicht mehr allzu fern fein möge, in der wir un» am Erfolg der gemeinsamen Bemühungen um die Ueberwindung der arvßei, Schwierigkeiten der Gegenwart erfreuen und mit Dante sagen können: Iis tuno erros, respirantes in pace, confusionis miserias in gaudio recolemus. Der Reichskanzler erhob fem Glas auf da» Wohlergehen de» Königs sowie Mussolinis und auf ein« glücklich« Zukunft de» ttaliem» jchen Volke». Das Zitat in Brünings Tischrede stammt aus der Epistel Dantes an Kaiser Heinrich VII. und bedeutet: Aufatmend im Frieden und voller Freud« besinnen wir Bürger uns auf die Trübsal der Per» wirrung. Wie in Chequers. Rom, 7. August. Der Besuch des Reichskanzlers und des Reichsaußenminifters beim Chef der italienischen Regierung im Palazzo Venezia dauerte fast 1H Stunden. Diese erste Aussprache, an der auch der italieni- {che Außenminister und der deutsche Botschafter beim Ouirinal teil» nahmen, trug sehr offenen und freundschaftlichen Charakter. Donach empfingen Dr. Brüning und Dr. Curtius die deutschen Pressevertreter. Sie erklärten, daß die Unterhaltungen im Geiste von Chequer» geführt werden und gaben ihrer besonderen Genugtuung darüber Ausdruck, daß ihr Gedankenaustausch in London mit dem italienischen Außenminister, jetzt mit M u s s o- lini fortgesetzt werden könne, der den Gedanken der europäischen Kovperatirm seck Jahren ganz besonders in den Vordergrund ge- stellt' habe. Auch die Besprechungen' irr Rom würden dazu bei- trbgen, daß sich die Erkenntnis von der dringenden Notwendigkeck überall durchsetz«, daß man nur durch gemeinsame Arbeit und durch Schaffung einer Vertrauensatmosphär« bei den Völkern selbst über den Berg der gegenwärtigen sinanziellen und«irffchaft- lichen Schwierigkeiten hinüberkommen und die Gefahren über» winden könne, die daraus der ganzen Welt drohen. Do« sei das Ziel der in Chequers begonnenen und seither in Pari». London und Berlin fortgesetzten und jetzt in Rom aufgenommenen Be- sprechungen. Grüße Viktor Emanuels. Rom. 7. August. Reichskanzler Brüning und Außenminister Curtius haben den Wunsch ausgesprochen, dem König ihre Hochachtung bezeugen zu dürfen. Der König, der zur Zeit in Sant'Dei Valdieri ist, hat diese Absicht mit großem Dank ausgenommen, hat die Minister ober>m Hinblick darauf, daß sie so bald wie möglich nach Deutschland zurückkehren müssen, wo sie schwere und dringende Auigaben er» warten, gebeten, von der bcabfichtigten langen Reise abzusehen und hat ihnen seinen Gruß entboten. Brüning und Curtius bei Grandi. Rom. 7. August. Außenminister Grandi hat im Palais der Villa Borghef« zu Ehren der deutschen Gäste ein Frühstück gegeben, an dem außer Brüning und Curtius der deutsche Botschafter o. Schubert, Ober- regiemngsrat Planck, Legationsrat Thomsen, Botschaftsrat Smend und der Sekretär der Botschaft teilnahmen. E» waren außerdem Senatspräsident Federzoni, Kammerpräsident Giuriati, verschiedene Minister usw. anwesend. Das neue Gpamen. Gewaltigetz Banprogramm. Rladrld. 7. August- Das katalanische Statut ist in der Volksabstimmung mit 6929061 gegen 3276 angenommen worden: außerdem wurden 110S weiße Zettel abgegeben. Der Bauminister hat den Corte» einen Plan über öffenlliche Arbeiten für 1931— 1933 in Höhe von 31S Millionen Peseten vorgelegt, der den Bau von Straßen, Kanälen und Bewässerungsanlagen, vor allem in Andalusien und Estremadura vorsieht. Der Ministerpräsident erklärte, daß die Regierung die vorüber- gehend- Vertrauenskrise dmch schnellste Verabschiedung der Verfassung und der Agrarreform beseitigen werde. Der in Sevilla befürchtete Generalstreik ist vorläufig ousgeblie- den. Der parlamentarische Untersuchungsausschuß hat nicht fest» stellen kömien, ob bei der Erschießung von vier Syndi. k a list e b in Sevilla da» sogenamck« Fluchtgesetz zur Anwendung gekommen sei. Der chinesische Kommunistensührer Chotchisan ist in Kaschaar roor.ben' Q'3 er mit seinen Begleitern die russisch- chinesische Grenze überschreiten wollte: mit ihm sind seine Frau, ein« Europäerin und zwei weitere Kommunisten erschossen worden. •■>? Kalkutta hingerichtck wurde der Bengale B u s w a s wegen der Ermordung eine» Polizeiinspektors in Tschonepur im vorigen September. Volksentscheid-Programm. Wofür die Reaktion gemeinsam mit der KPD. kämpft. Während die vereinigten Parteien der Junker, Scharfmacher und Faschisten gegen dos inarxistischc Regime in Preußen zu- sammen mit den„echten Marxisten" der KPD. Sturm laufen, wirft die„Deutsche Allgemeine Zeitung" in einem Leitartikel die Frage auf, ob es in Deutschland während der letzten dreizehn Jahre überhaupt einen Kapitalismus gegeben habe. Und wenn die„DAZ." eine derartige Frage stellt, so will sie sie natürlich verneinen. Ein politisch erzwungener Kapitalscntzug, schreibt die„DAZ.", schließ« bereits das Vorhandensein eines wirtlichen Kapitalismus in Deutschland aus. Woraus man schließen muß, daß die kapita- listischen Westmächte, als sie in Versailles den Friedensvertrag diktierten, damit dem Kapitalismus in Deutschland den Garaus machen wollten, genau so wie die.„DAZ." und ihre Geldgeber wahrend des Krieges nur deshalb phantastische Kriegsentschädigungen von den Alliierten forderten, um in der übrigen Welt den Kapita- lismus umzubringen. Freilich hat das weder die deutschen, noch die französischen, belgischen, amerikanischen Kapitalisten gehindert, nach dem Kriege nicht nur miteinander Geschäfte zu machen, sondern auch internationale Kartelle und Trusts abzuschließen. Es macht das Wesen des Kapitalismus aus, schreibt die„DAZ.". daß der Unternehmer„mit eigenem oder fremdem Kapital nach beliebigem Gutdünken Waren einkauft und Arbeiter anwirbt, um Mit ihnen für den freien Markt wieder zu produzieren". Es ist richtig, daß die Kartell- und Tru st Wirtschaft in Deutschland dieses„Wesen des Kapitalismus" zum guten Teil ausgeschaltet hat. Davon spricht das Blatt freilich nicht. Es behauptet dagegen, daß der Gesetzgeber dem Unternehmer vor- schreibe, wen er einstellen und wen er entlassen dürfe, und daß auf dem Wege der Verwaltung die Löhne festgesetzt würden. Die „j)AZ." Hot nun vergessen hinzuzufügen, daß es gegenwärtig vor allem die Unternehmer sind, die von den Schlichtungsinstanzen diese Festsetzung der Löhne verlangen, die natürlich eine ch e r a b- s e tz u n g sein soll. Wenn alles so wäre, wie es die„DAZ." wünschte, also Herabsetzung der Löhne um 30 Proz., keine Reparationszahlungen, Herabsetzung der Steuern, dann würde es in Deutschland nicht mehr fünf Millionen Erwerbslose geben. Als Musterländer, wo der Kapitalismus noch in Reinkultur herrsche, gibt die„DAZ." die Vereinigten Staaten und Frank- reich an. Nun ist es ja nicht unbekannt, daß in diesen Ländern, wo Milch und Honig des Kapitalismus fließen, auch das Elend seine Heimstätte hat. Die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten, die keine Reparationszahlungen leisten, sondern empfangen, beträgt schätzungsweise gegenwärtig über 6 Millionen. In Frank- reich ist die Arbeitslosigkeit nur eine scheinbar niedrige, in der Hauptsache deswegen, weil die zweieinhalb bis drei Millionen er- wcrbstätiger Ausländer, die in normalen Zeiten in Frankreich beschäftigt werden, in Krisenzeiten zum guten Teil wieder ab- wandern und im übrigen die Bevölkerung noch zu mehr als fünfzig Prozent auf dem Lande ansässig ist. Die„DAZ." begnügt sich erfreulicherweise nicht damit, nur alles zu kritisieren, sie sagt auch, wie es besser gemacht werden muß. Wir zitieren: „Das Programm der freien Wirtschaft ist sehr einfach: billige Mieten durch Einstellung der kostspieligen Neu- bauten, billige Tarife für Licht und Kraft durch Lösung der Versorg ungsbetriebc aus den Defizitansprüchen der Kommunen, niedrige ivteuern durch r ü ck s i ch t s l o s e Drosselung atlcr öffentlichen, heute noch geübten Verschwendung, ohne dabei über juristische Zwirnsfäden zu stolpern, niedrige Bahnsrachten und schließlich zwei Millionen neue Arbeitsplätze einmal durch die erwähnte'Lastenscntunc> und zum anderen durch die Freisetzung neuer wirtschaftlicher Kräfte, wenn die private Initiative durch llebcrnahmc der Kommunalbetriebe und die Wiedererlangung der Bewegungsfreiheit im Hause sich wieder zu regen beginnt." Also um es in ein leicht verständlicheres Deutsch zu über- tragen: Beseitigung der Sozialpolitik und Sozial- neiiichemng, die für die„DAZ." mit Verschwendung gleich- bedeutend sind, Beseitigung, des Schlichtungswesens und der Tarifverträge, ohne dabei über juristisch« Zwirns- säden zu stolpern, Privatisierung aller öffentlichen Betriebe, besonders aber der Derjorgungsbetriebc der Gemeinden, St c i g e- rung der Wohnungsnot und damit der Mieten ins Asch- graue durch Einstellung der Neubauten. Man braucht hier nicht die Frage an die„DAZ." zu richten, wie sie unter diesen Umstanden zwei Millionen Arbeitskräfte unterbringen will. Immerhin bleibt das Eingeständnis, daß ein Heer von drei Millionen Arbeitslosen ein untrennbarer Bestandteil des kapitalistischen Ideals der „DAZ." ist. Nun weiß man sozusagen aus erster Hand, welche Politik die Verbündeten der KPD. treiben werden, wenn der Volksentscheid zum Siege führt. Gegen den Volksentscheid. Beschluß der Karstadt- Belegschaft. In der am Donnerstag von den freien Gewerkschaften einberufe- nen Betriebsversammlung der gewerblichen Arbeitnehmer kam auch der Hitler-Thälmann-Volksentscheid zur Sprache. Von allen Red- nern wurde in herzerfrischender Weise der Arbeiterverrat der Kom- munisten gebrandmarkt. Kämen diese Zweckvcrbündeten ans Ruder, dann könnte die deutsche Arbeiterschaft unter den rauchenden Trüm- mern der Gcwerkschaftshäuser nach den Svzialgesctzen suchen. Moskau will die Lebenshaltung des deutschen Arbeiters auf das russische Niveau herabdrücken. Die Arbeiter, die heute noch der RGO. und ihren neuen Verbündeten nachlaufen, sind die früheren Gelben mit ihrer krankhaften Scheu vor BeiträgSleistungen. Die folgende Entschließung fand einstimmige Annahm«: „Die am 6. August in Kliems Festsälcn tagende Betriebsversammlung der gewerblichen freigewerkschaftlichen Betriebs- angehärigen des Warenhauses Karstadt, verurteilt das Eintreten der Kommunistischen Partei für den Stahlhelm-Volksentscheid auf das schärfste und brandmarkt es als gemeinen Arbciterverrat. Die Betriebsversammlung fordert alle Kolleginnen und Kollegen auf, am S. August nicht zur Abstimmung zu gehen und der Reaktion Hitler-Thälmann zur verdienten Niederlage zu verHelsen." Die Christlichen-1930. Die Wirkungen der Krise. Wie aus dem soeben veröffenllichten Jahrbuch 1930 des G«- samtverbandes der christlichen Gewerkschaften hervorgeht, haben auch die christlichen Arbeitergewerkschaften in- folge der anhaltenden Krise Mitglieder verloren. Ausschließlich der nicht nur aus Lohnempfängern bestehenden Gruppe der Verkehrs- und Staatsbediensteten, die kooperativ dem Gesamtverband der christlichen Gewerkschaften Deutschlands angeschlossen ist, zählten die christlichen Avbeitergewerkschastcn zu Ende des vorigen Jahxes 658 707 Mitglieder gegenüber 673 127 Mitfliedern Ende 1929. Einschließlich der Verkehrs- und Staatsbediensteten zählte der Gesamt- verband der christlichen Gewerkschaften Deutschlands Ende 1930 ins- gesamt 778 863 Mitglieder. Es gingen demnach im Laufe des Be- richtsjahres in den christlichen Ärbeitergewcrkschaften 14 420 Mit- glieder oder mehr als 2 Proz. der Gesamtmitgliedschaft verloren. Während einige Verbände noch geringe Mitfliederzunahmen zu ver- zeichnen haben, sind bei anderen Verbänden zum Teil sehr groß? Mitgliederverluste eingetreten, wie z. B. bei dem christlichen Zentral- verband der Landarbeiter ein Verlust von rund 10 Proz. der Mit- glieder. Die stärksten Verbände im Gesamtverband der christlichen Gewerkschaften Deutschlands sind die Metallarbeiter mit 126 619 Mitgliedern am Jahresschluß 1930. die Bergarbeiter mit 100128 Mitgliedern, die Textilarbeiter mit 72 702 Mitgliedern, die Land- arbeiter mit 72 749 Mitgliedern, die Fabrikarbeiter mit 68 000 Mitgliedern und die Bauarbeiter mit 49 113 Mitfliedcrn. Im Zentrum der christlichen Gewerkschaften, in Rheinland und West- salen, sind etwa 44 Proz. der gesamten Mitglieder der christlichen Arbeitergewerkschaften ansässig, und zwar 128 120 in Westfalen und 163 564 im Rheinland, zusammen also 291 684 Mitglieder. Ueber Lohnbewegungen und Streiks im vorigen Jahr sowie deren Erfolge wird weder in dem allgemeinen Teil des Jahrbuches, noch in den Berichten der einzelnen Verbände viel gesagt, was seinen Grund hauptsächlich darin haben dürfte, diß die christlichen Gewerkschaften insolee des lleberwiegens der freien Gewerkschaften selbständige Lohn- und Tarifbewequngcn fast gar nicht führen. Di« finanziell- E n t w i ck l u n g der christlichen Gewerkschaften ist durch die Krise ebenfalls stark beeinflußt worden. Einer Gesamteinnahm« von rund 25 Millionen Mark im Jahre 1929 steht im Berichtsjahr eine Einnahme von rund 24% Millionen Mark gegenüber: einer Gesamtausgabe von rund 20,4 Millionen Mark im Jahre 1929 dagegen eine Ausgabe von etwa 21,56 Mil- lionen Mark im vorigen Jahr. 'Abschließend seien noch einige Bemerkunfen aus dem all- gemeinen Teil des Jahrbuches wiedergegeben. So wird in dcm Kapitel„Gewertschaftskartelle" berichtet, daß es neben einer günstigen Beurteilung der Tagespress«, die der christlichen Ge- werkschastsbewegung nahesteht, auch nicht an kritischen Stimmen fehlt. Ein Gewerkschastskartell berichtet z. B.:„Der Einfluß der Unternehmer wird auch auf unser« Presse jeden Tag größer(!) und wirkt sich unheilvoll für uns aus." Zur Loh nabbaupolitik des Rcichsarbeits- Ministers wie überhaupt zu der Politik der Reichsregieruno äußert sich das Jahrbuch der christlichen Gewerkschaften Deutsch- lands aus begreiflichen Gründen nur sehr unklar und zaghaft. Oer Kampf der Konditoren. (Strafantrag wegen Erpressung gestellt. Die Berliner Konvitore n I n n ü ri g scheint unter der Führung ihres Syndikus Dr. R u h n k« schlecht beraten zu sein. Der Scharsmachcrkurs, den dieser Syndikus im Namen der Kon- ditorinnung gegen das Konditoreipersonal zu steuern versucht, wird ihm durch den Verband der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter immer wieder durchkreuzt. Nachdem der Innung vom Arbeitsgericht in einer von ihr angestrengte» Klag« der Tarifbruch attestiert worden war, mochte sie nach dem Scheitern der Verhandlungen über den Neuabschluß eines Tarif- vertrage? den Versuch, einen von ihr entworfenen„Tarifvertrag" diktatorisch in Kraft zu setzen. Die glaubt«, durch das Eintreten des tariflofen Zustandes am 30. Juni schon halb gewonnenes Spiel zu haben und keinen nennenswerten Widerstand des Konditorei- Personals mehr zu finden. Das Konditoreipersonal hielt sich aber an d!« Weisung der Or- ganisation und lehnte die Unterschrift unter die von der Innung fabrizierten Einzeltarife ab. Einem schon wesentlich milderen „Tarifvertrag" blühte das gleiche Schicksal. Die Innung mußte zu ihrem Leidwesen feststellen, daß selbst während einer tariflosen Zeit, mitten in einer schweren Krise gegen eine Arbeiterschaft, die eine gute gewerkschaftlich« Rückendeckung hat, nicht viel auszurichten ist. Nun versuchten es einige Konditoreibesitzcr mit der Bravour. Die bekannte Konditorei G u m p e r t, die Konditorei Schilling am Kursürstendamm und die Konditorei S ch a u ß in�der Köpenicker Straße, unter Assistenz des Obermeisters, erzwangen von ihren Belegschaften unter Androhung der Entlassung die Zu- stimniung zum Abbau ihrer Löhne und zum Verzicht auf die An- spräche, die sie noch aus dem Tarifvertrag haben, der bis zum 30. Juni in Kraft gewesen ist. Wegen dieses brutalen Vorgehens hat der Verband der Nahrungsmittel- und Getränkearbciter gegen die drei Firmen und de,, Obermeister der Innung Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft wegen Erpressung gestellt. Dieses energische Vorgehen der Organisation wurde in der Kon- dstorenversammlung am Donnerstag im„Palais des Zentrums", in der Genosse Thieme vom Verband der Nahrungsmittel- uns Getränkearbeiter einen Situationsbericht gab, lebhaft begrüßt. Di« ?)ersammlung gelobte auch, alle Kräfte aufzubieten, um die der Organisation noch Fernstehenden für den Verband zu gewinnen, damit in den nächsten Monaten zum wirksamen Gegenstoß gegen die tarisfeindliche Innung ausgeholt werden kann. Opfer der Reichsanstali. Zwei Arbeitsamtsangestellte im Irrenhaus. In den letzten Tagen mußten zwei Arbeitsamtsangestellte in städtische Nervenheilanstalten übergeführt werden. Sie hatten infolge der Uebcran strengung durch den Dienst einen Nervenzusammenbruch erlitten. Es handelt sich um Angestellte der Arbeitsämter West und Mitte. Ost wurde an dieser Stelle auf die Folgen der Heraus- s c tz u n g e n der sogenannten Meßziffern hingewiesen. Im Laufe von noch nicht zwei Iahren wurde die Zahl der von einem Arbeitsamtsongestcllten zu betreuenden Arbeitslosen von durchschnitt- lich 80 auf fast 200 hinaufgesetzt. Das Arbeitstempo wurde dem- entsprechend erhöht. Zugleich mit der Erhöhung des Arbeitstempos erfolgte gerade in Berlin eine Verlängerung der Arbeitszeit und ein gewaltiger Abbau des Gehalts. Die Arbeitszeit stieg von tag- klch 8 auf 8% Stunden, wöchentlich von 4? auf 48 Stkmden. Durch Neueinstufungen im Dienstalter sank das Gehalt der einzelnen Angestellten um30bisl48Marrim Monat neben den Kürzun- gen aus den verschiedenen Notverordnungen. Ohne Kenntnis der Praxis oder besser noch unter Nichtachtung der Erfahrungen aus der Praxis hat unter anderem die Personalstelle der Rcichsanstalt angeordnet, daß Berlin prozentual mit dem gleichen Personal auskommen müsic wie das übrige Reich, obwohl jeder Fachmann weiß, daß der Zu- und Abgang der Arbeitslosen die meiste Arbeit verursacht und gerade in der Großstadt und ganz be- sonders in Berlin weitaus am stärksten ist. 5000 Arbeitslose in Schlochau im Winter bleiben ständig 5000 lausende Unterstützungs- fälle, bis das Frühjahr die Arbeitslosigkeit behebt. Von 5000 Arbeits- losen in der Großstadt gehen aber tagtäglich hunderte in Arbeit und kommen hunderte neue Arbeitslose hinzu, so daß st a t i st i s ch wohl fast dieselbe Ziffer bleibt, aber tagtäglich 5)underte von Akten zur neuen Bearbeitung anfallen. Durch die Notverordnungen ist die früher fast einfache Arbeit in der Arbeitslosenversicherung allmählich zu einer Geheim- Wissenschaft geworden. Mitunter müssen heute 20 Paragraphen bei der Bewilligung eines Antrages beachtet werden. Trotzdem— Personalabbau. Urlaubs- und Krankenaushilfen gibt es bei der Rcichsanstalt seit einem Jahre überhaupt nicht mehr. Man hält es hier für selbstverständlich, daß die bis zum äußersten angespannten Angestellten die Arbeiten der Urlauber und Kranken einfach mit- machen. Wenn nun wenigstens die Räumlichkeit der einzelnen Arbeitsämter halbwegs menschlich wären! Teilweise sind die Acmter noch in Holzbaracken und Schuppen untergebracht, die bei einem privaten Arbeitgeber schon längst von der Baupolizei b c- hordlich geschlossen worden wären. Dazu kommen ständige„vorsorgliche" Kündigungen. weil angeblich in absehbarer Zeit die Zahl der Arbeitslosen sinken wird. Dann die verständliche Nervosität der Arbeits- losen, die zu bedauernswerten Ausschreitungen gegen das Personal sührt. Das Arbeitsamtspersonal ist am Ende seiner Kraft. Der Winter wird leider sechs oder noch mehr Millionen Arbeitslose bringen. Was dann? Kommt es zu ernsten Konflikten, so trägt die Reichsanstalt die Schuld. Die ersten Opfer sind jene zwei Angestellten in der Nerven- Heilstätte._ Grobe Täuschung der Oeffenilichkeii. Erfundene Lohnerhöhungen. An den schlechten Zeiten sind, wenn man die Unternehmer hört, einzig und allein die„hohen Löhne" und die soziale n L a st e n schuld. In allen Geschäftsberichten ist das bereits eine stehende Redensart. So heißt es auch z. B. in dem Geschästsberictst der Stettiner C h a m o t t e f a b r i k A.-G. vorm. Didier Berlin für das Jahr 1930:„Durch organisatorische Maßnahmen wurden zwar weitere Ersparnisie erzielt, sie wurden aber zum größten Teil durch Lohnerhöhung und durch die Steigerung der steuerlichen und sozialen Losten wieder aufgehoben." Wir möchten die Verwaltung des Didicr-Konzerns einmal öffentlich fragen, in welchem ihrer Werke im Jahre 1930 eine Lohn- erhöhung eingetreten ist. Unseres Wissens ist in den Werken im ver- gangenen Jahre keine einzige Stunde nlohnerhöhung eingetreten, und was die Akkordsätze betrifft, so ist uns in ver- schiedenen Fällen berichtet worden, daß nicht eine.Erhöhung, son- dern eine Senkung erfolgt ist. Stellt die Verwaltung des Didier-Konzerns den Geschäftsbericht etwa nach vargedruckten Formularen her? Jedenfalls bleibt eine derartige Berichterstattung eine grobe Täuschung der Oeffentlichkeit. Und nun die soziale.« Lasten? Wir können uns denken, daß wohl für den einzelnen Kopf der Belegschaft die sozialen Lasten gestiegen sind, der Gesamtbetrag kann jedoch bei Ein- schränkung der Betriebe, Verminderung der Belegschaftsstärke nicht nur infolge der Wirtschaftslage, sondern vor allem infolge neuer technischer Einrichtungen gefallen sein. In dem Geschäftsbericht heißt es:„Im Verein mit der Scheidhauer Giesing A.-G. und der Stellawert A.-G. vorm. Wilisch u. Co. sind weltgehende Rationalisierungsmaßnahmen durchgeführt, die ihren äußeren Ausdruck in dem Abschluß von Interessengemeinschafts- Verträgen gefunden haben." Der Didier-Konzern spielt heute in der feuerfesten Industrie eine gewaltige Rolle. Das verdankt er nicht zuletzt seinen t ü ch- tigen Arbeitern. Von Arbeiterfreundlichkcit zeugt es aber nicht, wenn man stets und ständig erklärt, die hohen Löhne feien schuld, daß das geschäftliche Ergebnis nicht befriedige. GchuharbeiiervonLimoges ausgesperrt. Paris, 7. August.(Eigenbericht.) Die Schuhfabriken in Limoges haben am Freitag- mittag ihre sämtlichen Arbeiter, etwa 6500 Mann, aus- gesperrt. Dem Konflikt liegt ein unbedeutender Zwischenfall in einer kleineren Fabrik zugrunde, die kaum 100 Arbeiter beschäftigt. Diese Firma, die wegen der Absatzkrise nur jede zweite Woche arbeitet. hatte einen Arbeiter fristlos entlassen. Acht Arbeiter erklärten sich daraufhin mit ihrem Kollegen solidarisch und legten die Arbeit nieder. Da keine Einigung zwischen der Leitung der Fabrik und den acht Arbeitern zustande kam. trat schließlich die gesamte Beleg- schaft in den Streik. Das hatte die Generaldirektion der Schuh- fabrik veranlaßt, am Freitag die Belegschaft aller Werke auf die Straße zu setzen. Viertagearbeit bei Opel. Wie die Adam Opel A,-G. in Rüsselsheim a. M, mitteilt, hat sich ihr Absatz schneller erholt als vorauszusehen war. Sie hat daher die Arbeitszeit von drei Tagen wöchentlich in dieser Woche wieder aus vier Tage ausgedehnt. Jugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Wir fahrcn nach Lilbrck! Treffpunkte: 1. Transport» Uhr, 2. Transmrt 16 Uhr, 3, Transport 22% Uhr Lehrter Lahnhof. Verantwortlich Mr Politik: Tr.«urt»eper; Wirtschaft:«.»liaaclliiil.i! EewerkschaftAeweauna: 3.«teiper: is-uilleton: Dr. John Schikowili- Lolale, und Sonstige»:«rtg«oestädt: An,-igen: Id.»locke: sämtlich in Verlin Verlag: Borwärte-Berlag S, m. b. S.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchärn�-e», „nd V-rlag-anstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW SS. Lind-nst�s.» Siergu z Beilagen. Immer weiße Zähne � ww-nen. Ii ir in i i Ii M w>r schon über 15 nuften. Noch nie hat sie uns enttSuschtl Wir hatten immer � einen angenehmen Geschmack im Mund«, umsometir, da wir ichvn lnnn.77 da» llhlorodont. Mundwasser benutzen. Auch benutzt die gon« Sil G EbwrodoM-Zahnpaste, Tube b4 Pf. u. SO Pf, iü weise jeden Erfttz dasir zur�