BERLIN Sonnabend 8. August ISZ1 10 Pf. flr. 368 B 184 43. Jahrgang Erscheinttiglich außer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe de«»Vorwärts�. Betugsprei« beide Ausgaben 8b Pf. pro Woche, 3,6033?. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SWSg.Lindenstr.S Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297 nVrtutosh Anzeigenpreis: Die einspaltigeNonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 6 M. Crmäßigunoen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37 536.— Der Verlag behilt stch da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vori Kommumstische Blutschuld Todesopfer auf dem Bülowplah Wie wir bei Schluß des Blattes erfahren, kau, es I heute mittag vor dem Karl-Liebknecht-Haus am Bülow- 1 Platz zu schweren Zusammenstößen kommunisti» scher Demonstranten mit Polizeibeamten. In der Ab- wehr von Angriffen gaben die Beamten mehrere Schusse ab. Ein Demonstrant wurde von einer Kugel in die Brust getroffen; sterbend wurde er in die Rettungs- stelle Landsberger Straße eingeliefert. Ein zweiter Ber- letzter, der einen Armschutz erlitten hat, erhielt auf der Rettungswache Lothringer Straße erste Hilfe. Nachdem die Polizei Verstärkung erhalten hatte, konnte die Ruhe wieder hergestellt werden. Da» Slratzenräuberwm der kommuniflifcheu hitlerknechie nimmt von Tag zu Tag frechere formen an. 3n der vergangenen Nacht fielen wieder 40 Kommunisten, die mit Eisenstangen und Zaunlatten bewassnet waren, über acht Reichsbannerleute her. die spät nacht» von einer Gruppensihung heimkehrten. Ein Reich». bannerkamerad muhte mit erheblichen Kopswunden in da» Reinickendorfer Krankenhaus gebracht werden. Der hinterhältige Ueberfall war nach den polizeilichen Er- mittlungen genau vorbereitet. Das Lokal, in dem das Reichsbanner tagte, hatte genügend polizeilichen Schutz erhalten, so daß sich die Kommunisten, die in der Gegend herumlungerten, in einiger Ent- fernung hielten. Als die letzten Versammlungsteilnehmer, eine Gruppe von acht Reichsbannerieuten aufbrachen, wurden sie an der Ecke Resütenz. und Hauptstrohe in Reinickendorf-Ost von 40 Kom- munisten angegriffen. Ein 2ljähriger Reichsbannerkamerad wurde von den Burschen niedergeschlagen, mehrere andere erlitten bei dem ungleichen Kampf gegen eine fünffache Uebermacht leichtere Kops- Verletzungen. Um dem Strahenkampf aus dem Wege zu gehen, hatten die Reichsbannerleute kurz zuvor noch den Hof eines Grund- stückes in der Refidenzftrahe betreten, um zu warten, bis die kommunistischen Strolche abgezogen waren. Die Wegelagerer hatten sich jedoch im Hinterhalt gelegt und stürmten mit Eisen- stanzen und Aaurtlotten auf die Reichsbannerleute ein. Glücklicher- weise war die Polizei sehr schnell zur Stelle und nahm insgesamt 13 Personen fest. Unter den bei der Politischen Polizei des Präsidiums Eingelieferten befinden sich auch drei Reichsbanner- kamcraden, die zedoch nur als Zeugen in Frage kommen. Die kommunistischen Strahenräuber gehören sämtlich der W e d d i n g- k o l o n n e an. Auch in anderen Stadtteilen verlief die vergangene Nacht ziemlich unruhig. Ueberall wurden von der Polizei, die in Kraft- wagen und auf Fahrrädern unaufhörlich die Straßen durchstreiften, Klebe- und Schmierkolonncn überrascht. Insgesamt wurden fünfzig Personen, die der Kommunistischen und Nationalsozialistischen Partei angehören, festgenommen. In den Taschen von zwei Haken- kreuzlern wurden entsicherte und geladene Pistolen gefunden. In der Brandenburgstraße entspann sich zwischen Kommunisten und Hakenkreuzlern eine wilde Schießerei. Obgleich eine große Zahl von Schüssen gewechselt wurden, erlitt niemand Ver- letzungen. Beim Anrücken des Ueberfallkommandos stob die Bande auseinander und allen Beteiligten gelang es, zu entkommen. An der Habsburger Ecke Gausstraße wurde die Litfaßsäule von kom- munistischen Tätern zweimal in Brand gesteckt. Einer der Täter wurde von Beamten des Ueberfallkommandos festgenommen. Das Sonntagsweiter. Von Südengland rückt ein Tief heran. lleber Südenglond hat sich gestern ein starkes Tiefdruckgebiet herangebildet, dos allem Anscheine nach seinen weg nach Osten nehmen und den zur Zeit herrschenden wilterungscharaklcr ver- ändern wird. Die Auswirkungen dieser Depression werden sich am morgigen Sonntag im ganzen Reich bemerkbar machen. Die Prognose lautet: Bei zunehmender Bewölkung ist mit sinkenden Temp«- raturen zu rechnen. Im Rheinland sind erhebliche Niederschläge zu oerzeichnen und longsam rückt die Schlechtwetterzone näher. Die ZRittagstemperatur betrug heute in Berlin 24 Grad Wärme. Appell an die Vernunst Eiu Wort zum Volksenischeid In letzter Stunde ein Appell an die Vernunft! Worum handelt es sich bei dem sogenannten Volksentscheid? Nicht etwa allein darum, ob in Preußen eine links- oder rechts- gerichtet« Regierung die Geschäfte führen soll. Das Wesentliche ist, daß wieder einmal ein großer Teil unseres Volkes sich blindlings mit Hurra und Tschingdera kopfüberindenAbgrund stürzen will. Aber diesmal ohne die Entschuldigung, durch die Tücken irgend- eines„Zeindbundes" hierzu genötigt zu sein, sondern aus völlig freiem Antrieb. Dieser Teil des Volkes hat die Lehre des 14. September 1S30 nicht oerstanden, oder vielmehr: man hat sie ihm absichtlich ver- h e i m l i ch t. Wie viele von denen, die am Sonntag mit Ja stimmen wollen, wissen wohl, daß der Nazi- und Kozi-Erfolg bei den letzten Wahlen vom deutschen Volke mit annähernd 4 Mil- liarden Mark bezahlt werden mußte, mit 4000 Millionen kurz- fristiger ausländischer Anleihen, die infolge des geschwundenen Ver- trauens in die Sicherheit der deutschen Verhältnisse zurückgezogen wurden und nun als Anlagekapital bei uns fehlen? Wie viele von den Ja-Stimmern wissen, daß dieser 14. September 1930 der Ausgangspunkt für das Ansteigen der Arbeitslosigkeit von Z aus 5 Millionen. für die Katastrophe unseres Geldwesens im vergangen Monat ge- wesen ist? Es ist ein Bild von geradezu grausiger Ironie: am Sonnabend werden die Sparkassen soweit sein, um ihren Einlegern, die zum Teil ihr Geld schon für verloren gehalten haben, die vollen Gut- haben ungeschmälert herauszahlen zu können. Und am Sonntag darauf werden Hunderttausende der eben geretteten Sparer zum Volksentscheid gehen.— Warum? Damit sie in das gleiche Wasser, au» dem sie eben heraus- gezogen wurden, sofort wieder hineinfallen. Hugenbergö Marionette KCMMUNtSTEN »Schön haben wir ihn an der Strippe!* Denn daran kann doch kein Mensch, der über den Horizont eines Gemüseladens hinauszusehen vermag, zweifeln. Sollte wirklich dieser wahnwitzige Volksentscheid siegen, dann würde die eben ein- geleitete Stillhalte-Aktion der ausländischen Gläubiger in die Brüche gehen, dann wären neue Kapital- und Devisenabzüge größten Ausmaßes die Folge, dann ist in kürzester Frist der Tag anzusetzen, an dem die Banken wieder schließen müssen, kein Reich sie mehr stützen kann, der Run auf die Sparkassen vo» neuem lo»- geht und die Sparer— diesmal aber wahrscheinlich für immer— auf die Auszahlung ihrer Guthaben werden warten müssen. Ist es zu viel gesagt, wenn wir behaupten, daß dieser Bolt»e entscheid in Wirklichkeit die Aufforderung zum Volksselbstmord ist? Man hetzt die Beamten an die Wahlurne, weil sie ihr August-Gehalt nur in Raten erhalten. Und was sollen sie tun? Eimen Zu st and herbeiführen, bei dem ihnen überhaupt niemand mehr Gehalt wird zahlen können. Man hetzt die Arbeiter auf durch den Hinweis auf die in der Krise gesunkenen Löhne und die verminderte Arbeitslosenunterstützung. Und was sollen sie tun? Durch eine Ja-Stimme für den Volks- entscheid eine neue Erschütterung der Währung her- b e i f ü h r e n helfen, bei der erfahrungsgemäß die Löhn« durch die rapide Geldentwertung in ein Nichts zerflattern, bei der die Arbeitslosenunterstützung nur noch in bedruckten Scheinen ohne Wert bestehen würde. Es ist ein Treppenwitz der Weltgeschichte, daß in dem Augen- blick, in dem sich alle Feinde der Demokratie und der Republik zu- sammenballen, die Kommuni st en als freiwillige Helfer zu ihnen stoßen. Man kann feststellen, daß dies erst den Faschisten Mut gegeben hat. Sie hofften auf keinerlei Erfolg des Volksentscheides, konnten auch nicht darauf hoffen, nachdem sie beim Volksbegehren in vierzehntägiger Agitation es mit Ach und Krach auf 6 Millionen Einzeichnungen gebracht hatten. Es lag für die Seldte, Hitler und Hugenberg außerhalb aller Möglichkeit, aus diesen 6 Millionen beim Volksentscheid die erforderlichen 1334 Millionen zu machen. Da meldet« sich der Bundesgenosse Thälmonn. „Jetzt ist die Lage anders!" jubelte alsbald Hugenberg. Etwas so Blödsinniges hat die Weltgeschichte überhaupt noch nicht gesehen, daß eine Partei, die sich als revolutionäre Arbeiterpartei be- zeichnet, aus freien Stücken ins Lager der Reaktion schwenkt. nur, um dieser bei der Knechtung des Voltes behilflich zu sein. Es ist p l u m p e r S ch w i» d e l, wenn die Kommunisten ihren Schäflein einen„r ot e n" Volksentscheid vorgaukeln. Wodurch soll sich denn die angeblich„roie" kommunistische Ja- Stimme in der Wahlurne von der schwarzweißroten Nazi-Stimme unterscheiden? Wie will die KPD. feststellen, wie viele von den Ia-Stimmen am Sonntag die Kommunisten gestellt haben und wie- viel die Faschisten? Aber es kommt ja nicht auf die Zählung der Stimmen, sondern auf ihre Wirkung an. Die kommunistische 3a- Stimme wirkt genau so sür hiller und hugenberg, wie die faschistische. Für die Faschisten ist der Kampf um Preußen ein Kamps um die reo le Macht. Es geht für sie um die Eroberung des V e r w a l t u n g s a p p a r a t e s und der Schutzpolizei. Danrit die kommunistischen Wähler das nicht erkennen, verzerrt ihnen ihre Presse diesen Machtkampf in ein persönliches Geraufe um Futter- krippenstellen. Die Kommunisten halten es umgekehrt wie Ferdinand Lassall«: Anstatt wie Laffalle auszusprechen was ist, suchen sie ihren Anhängern zu verbergen, um was es geht. Ihre zum Ueberdruß wiederholte Frage, was denn der Unterschied zwischen einem Innenminister Severing und� einem Innenminister Hitler sei, sin- det in der Wirklichkeit eine so augenfällig« Widerlegung, daß man sie nur mit dem bekannten Scherzwort beantworten kann:„Was ist der Unterschied zwischen einer Kutsche und einer Lehm- pfütze?"— Antwort: Man setze sich erst in die eine und dann in die andere, dann wird man den Unterschied sehr rasch bemerken! In der Tat: die Kommunisten üben«ine spezielle Selb st- m o r d p o l i t i k, wenn sie den geschworenen Feinden der Arbeiter- klasse zur Macht verhelfen. Der Unterschied zwischen einem preutzi. schen Innenminister Severing und einem Innenminister Hitler wird in allererster Linie auch der sein, daß man unter faschistischem Regiment von der jetzigen Grotzschnauzig. keit der Kommunisten wahrscheinlich nicht da» geringste mehr bemerken wird. Soll den Arbeitern der Wert des demokratischen und republika- nischen Preußens klar werden, wenn sie diese ihre stärkste Macht- Position endgültig verspielt haben? Nur die recht- zeitige Einsicht vermag zu nützen! Deshalb keine Stimme für diesen Volksentscheid, der Volksselbstmord und für die Arbeiterklasse speziell Slassenselbstmord ist. Niemand gehe hin! Wer ist„dumm genug"? Goebbels empfiehlt Selbstmord der Kommunisten. Dr. Goebbels sprach gestern abend im Sportpalast diese klassischen Sätze: Wenn die Kommunisten dumm genug sind, u«S zn helfen, so haben wie keinen Grund, sie daran zu hindern, sich selbst aufzuhängen. Mögen sie nur ruhig Selbstmord begehen. Wer von den kommunistischen Arbeitern hält sich für dumm genug, dem freundschaftlichen Rate des Dr. Goebbels Folge zu leisten? * Königsberg, 8. August.(Eigenbericht.) Lei einer am ZNontag, dem Z. August stattgesundenen A ü h- rerversammlung der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei, Gau O st preußen- Rlitte, in£abiau machte der Gauvorsilzende Ostpreußens, Reichstagsabgeordneter Koch, folgende Aus- führungen: „Wir haben begründete Aussicht, den Voltsentscheid zu gutem Ende zu führen, nachdem die uns sonst unerwünschte Kommuni st ische Partei mit uns marschiert. Alle Reibungen mit dieser partei�sind bi» zum 9. diese» Monat» tunlichst zu vermeiden. Nach gutem Gelingen wird unsere Ausgabe sein, den preußischen Verwallungsapparat vom marxistischen Gesindel zu säubern und mit zuverlässigen Leuten aus unserer Mitte zu besetzen. ( Stürmische protestruse:„Und die kommunisten?) koch führte daraufhin weiter au»:„Wir werden, sosern wir die Macht ergriffen haben, zunächst die Führer der Moskowiter Partei unverzüglich mundtot machen. Da» verbot dieser Schäd- Nngspartei dürfte außer Frage stehen!" Wir gratulieren den Kommunisten, daß sie diesen Leuten zur Macht verhelfen wollen! Die gui geschnittene Ecke. Kommunistische Pressephotographen in Nöten. Vor«ine schwierige Aufgabe sahen sich nach dem Fiasko der kommumstifchen Sportpalaswersammlung die dorthin bestellten Pressephotographen gestellt, die den gläubigen Lesern der Kommunistenblätter Aufnahmen der nicht vorhanden gewesenen Massen zu liefern hotten. Bei Münzenberg half man sich mit einer„gut geschnittenen Ecke" des großen Raumes, auf der nur die vorderen Sitz- reihen, nicht aber die leeren oberen Ränge und der ebenso gähnende Hintergrund des Saales zu sehen sind. Dennoch kann man selbst hier, im bestbesetzlen Teil der Versomm- lung, schon die beginnenden Lücken feststellen. Sehr viel einfacher löst aber das Problem der Photograph der „Roten Fahne". Er zeigt nämlich„Gen. Remmele während seiner Sportpalostrede". Man sieht über das Viertel des Bildes die kahle Fläche des Rcdnerpults, ein Lautsprcchermikrophon darauf gebaut und, mühsam die ober« Kante überragend, den vereinsamten Cha- rakterkops des kommunistischen Matadors. Die Massen darf sich der Beschauer nach Bedarf dazu. denken! Das Beispiel von Thüringen. Oer Ordnungsbund und das Abkommen mit Korsch. Herr Karl Korsch schreibt uns zu dem Aufsatz„Das Beispiel des Verrats" in der gestrigen Abendausgabe, daß er vom thüringischen Staat keine Pension beziehe und eine solche auch nicht durch ein besonderes Abkommen mit der Ordnungsregierung gesichert habe: „Im Gegenteil war ich damals aus politischen Gründen gemäß- regelt und an der Ausübung meines Lehramtes oerhindert worden: die„Ordnungsregierung" wollte mir statt des mir zustehenden Profcssorengehaltes die Warte st andsbezüge eines Staatsministers auszahlen, und in meinem Prozeß und dem in zweiter Instanz abgeschlossenen Vergleich erstrebte und erreichte ich gerade die Feststellung, daß ich nach wie vor Professor bin. also keinerlei Pensionsansprüche, sondern nur nach wie vor den Anspruch auf mein Professorengehalt habe. Irgend- ein sinanzielles Interesse an dieser Sache hatte ich nichl und irgend- einen finanziellen Vorteil habe ich durch den Prozeß und Vergleich nicht erstrebt und nicht gehabt. Schließlich bemerke ich noch, daß ich auch niemals„der Führer der thüringischen Kommunisten" gewesen bin. Ich war niemals Funktionär der Partei und vor 1924 auch niemals Abgeordneter im Landtag oder im Reichstag. Ick) war also auch an dem Beschluß vom 15. Dezember 1925 gar nicht beteiligt." Wir geben loyalerweise von diesen Mitteilungen Kennt- nis, ohne im einzelnen zu untersuchen, ob ein wesentlicher Unterschied zwischen einem Abkommen und einem Vergleich besteht. Der Fall Korsch war in dem Aufsatz über den thürin- gischen Verrat der Kommuni ften auch nur ganz nebenher erwähnt. An der Beurteilung dieses Verrats wird auch nichts geändert, nachdem der Fall Korsch ausscheidet, Heraus zum Verfassungstag! Besucht die Veranstaltungen des Reichsbanners Dos Reichsbanner Schwarz-Rot-Go/d, Gau Vcrlin-Brandenburg, schreibt uns: Wochenlang haben die Gegner der Republik im Zeichen des sogenannten Volksentscheides in Wort und Schrift gegen den republikanischen Staat gehetzt. Skrupellos in der Wahl der Mittel haben sie dem Volke vorgetäuscht, an dem gegenwärtigen Notstand trage„das System", die von den republikanischen Parteien gefühlte Politik, die Schuld. Wir vertrauen darauf, baß die Mehrheit des Volkes die Leistungen des„Systems" besser einzuschätzen weiß und kein Äerlangen danach trägt, sich den trügerischen und gefähr- lichen Experimenten der„R e t t e r g e m e i n s ch a f t" H u g e n- berg, Hitler, Seldte und Thälmann auszuliefern. Das mit allem Nachdruck zu bekunden, geben die vom Reichsbanner veranstalteten Versa ssungsseiern Gelegenheit. Der„Stahlhelm" hat es gewagt, diese für den 9. August vor- gesehenen Feiern als eine„bewußte Herausforderung" zu be- zeichnen und ihr Verbot vom preußischen Innenminister zu fordern. Carl Severing hat diese Unverfrorenheit ent- schieden zurückgewiesen, und wir nehmen sie zur Veranlassung, an das republikanische Berlin den Appell zu richten, nun erst recht die Veranstaltungen am 9. August durch Massenbesuch zu gewaltigen Volkskundgebungen gegen die in der nalionalbolsihewistischen Front vereinigten Slaatsseinde zu gestalten. Am Sonntag, dem 9. August, finden nachstehende V e r» fassungsfeiern des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold statt: Chaylottenburg, Wilmersdorf und Zehlendorf: Lunapark. Köpenick: Spreerestaurant Sadowa. Friedrichshain: Rest. Orankesee, 5)ohenschonhausen. Kreuzberg: Rest. Schultheiß-Patzenhofer, Hasenheide. Lichtenberg: Rest. Schonert, am Rummelsburger See, Kynast- straße. Mitte: Büttners Festsäle, Schwcdter Straße 23/24. Reinickendorf: Seepaoillon am Tegeler See. Spandau: Loebel, Hakenfelde. Schöneberg: Birkenwäldchen in Tempelhof, Manieuffelstraße. Steglitz: Lichterfeilder Festfäle, Zehlendorfer Straße 5. Tempelhof: Seebad Mariendorf. Tiergarten: Ulap, Lehrter Bahnhof. Treptow: Kyffhäuser, Niederschöneweide. Am Verfassungstag, am 11. August, tritt das gesamt« Berliner Reichsbanner zu der Abendkundgebung im Lustgarten mit nachfolgendem Fackelzug zum Platz der Republik an. Wir er- warten, daß jeder Reichsbannerkamerad feine Pflicht tut und daß auch die Berliner Bevölkerung noch einmal diese Gelegenheit benutzt, vor aller Oefientlichkeit ihre Treue zur Verfassung von Weimar zu bekunden. An der geschlossenen Phalanx der Berliner Republikaner sollen die politischen Abenteurer von rechts und links erkennen, daß sie in Berlin nichts zu hoffen haben. Darum noch einmal: Massen, heraus zum VerfassunflStag? Es lebe die Republik! Selbstdisziplin der Sparer. Oer erste Tag des freien Sparkassenverkehrs. vom heutigen Sonnabend ab ist der A u S z a h l u n g S- verkehr bei den Sparkassen wieder freigegeben. Trotz der beispiellosen Verhetzung der Volksmasscn durch die radikalen Agitatoren von rechts und links zeigt das Sparerpublikum weiter Vertrauen. Die Ansammlungen vor den Filialen der ver- liner Sparkasse haben heute früh keinen größeren Umfang angenommen, obwohl der Geldbedarf der kleinen Sparer, die in der jetzigen Notzeit auf ihre Spargroschen zurückgreifen müssen, naturgemäß sehr groß»st. viele Sparer, die In den vergangenen vier Wochen des stark begrenzten Zahlungsverkehrs keine Abhebungen machten, suchen jetzt wieder höhere Beträge ausbezahlt zu erhalten. Wie jchon in der letzten Zeit zu beobachten war, ist das Bild bei den vielen Filialen der Berliner Sparkasse auch am Heuligen Sonnabend völlig unheitlich. Sparkassen im Süden der Stadl, die ständig Ansammlungen zu verzeichnen hallen, haben heule einen völlig normalen Verkehr, andere Kassen dagegen, die in den letzten Wochen reibungslos zahlten, haben diesmal einen starken Andrang zu verzeichnen. Das letzlere ist besonder» im Norden und Osten der Stadt zu beobachten. Auch die Schalter der Haupttasse am Mühlendamm genügten zeitweilig nicht für die Auszahlung, so daß Absperrungen vorgenommen und Sparer vor dem hauptporlal warten mußten. Diese Ansammlungen sind allerdings keineswegs mit den Schlangen aus jenen Tagen zu vergleichen, wo beispiels- weise nur 20 oder Z0 Mark ausbezahlt wurden. Wle die Erfahrung weiter gezeigt hat. briagt der erste Freigabetag immer einen ftär- keren Andrang, der in den nächsten Tagen dann wieder abslaut. Nachdem die Plakate, die die Beschränkung der Auszahlungen verkündeten, endlich aus den Fenstern der Spartassensilialen verschwunden sind, werden vom heutigen Sonnabend Beträge bis zu 300 Mark frei ausbezahlt, wer über 300 Mark abheben will, muß entsprechend der Sahung des Spar- und Giro- Verbandes das Geld der Kasse aufkündigen. Solls so in Preußen werden? Braunschweiger Beispiel. Vraunschweig, 8. August.(Eigenbericht.) In der Nacht vom Freitag zum Sonnabend überfiel eine starke Abteilung Nationalsozialisten unter Führung des 24jährigen Landtagsabgeordneten Schmalz das Bootshaus des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, das im Bürger- park liegt. Die Horde zertrümmerte die Fensterscheiben, gab ver- schieden- Schüsse auf Passanten ab und verprügelte die wenigen Jungreichsbannerkameraden, die sich um diese Zeit noch im Boots- haus aufhielten._ Die wahren Absichien. Abstimmung um preußeu— Entscheid gegen Hindenburg! Magdeburg, 8. August. Bei einer Kundgebung des Stahlhelms hielt Seldte gestern eine Rede, in der er sagte, daß er dem Stahlhelm ein zweijähriges Programm gesetzt habe: Wir wollen alle Kämpfe jetzt beenden, um die Rechtsparteien schließlich zu einen und sie aus ein ganz einfaches, klares Ziel bei der Wahl des Reichspräsi- deuten hinzuführen. Wir streben dahin, in den Kabinetten für unsere Mitglieder Sitz und Stimme zu erhalten, weil wir führen wollen. Mit der Kommunistischen Partei ist, was Seldte allerdings nicht bekannt gab, auch schon ein Abkommen geplant. Sie hat be- kanntlich Uebung darin, den Kandidaten der Rechtsparteien zum Siege zu verhelfen._ Landbundwünsche. Keine Steuer- und Beamtengehälter in Naturalien. Schwerin. S. August.(Eigenbericht.) Der Landbund Mecklenburg-Schwerin hei an die mecklen- bvrgische R e ch i s r e g i e r u a g eine Reihe von unmöglichen Forderungen gerichlcl. Unter anderem verlangl der Londbund, durch einen Teil rückständiger Steuern einfach einen Strich zu machen. Weiter will er Steuern in Zukunft möglichst In N a l u- ralien bezahlen. Schließlich stellt der Landbund die Forderung auf. die Beamtengehälter in Roggengut- scheinen auszuzahlen. Die Regierung soll— wie man hört— geneigt sein, einen Teil der Landbundwünsche zu erfüllen. Schon eine teilweise Erfüllung dieser Forderungen würde die wecklen- buroische Finanzwirtschasl in die größten Schwierigkeiten bringen. Noch im Laufe des heutigen Tages finden Verhandlungen zwischen dem Landbund und der Regierung über die Wünsche de» Land- bundcs stall. „Warme Herzlichketten" in Rom. Mitteilung über die Besprechungen. Rom. 8. August. Bei dem Gegenbesuch, den heute vormittag Mussolini und Grandi dem Reichskanzler und dem Reichsaußenminister auf der deutschen Botschaft abstatteten, fand nochmals ein« eineinhalbftündige Besprechung statt. An der Aussprache haben auch der italienische Botschafter in Berlin Orsini Darom und Botschafter Dr. v. Schubert teilgenommen. Nach der Begegnung ist folgendes gemeinsam ver- abredete Kommunique ausgegeben worden: Während des Aujenthalies des Reichskanzlers Brüning und des Reichsaußenministers Curtius in Rom am Freitag und Sonn- abend hat ein mehrfacher Gedankenaustausch zwischen den deutschen Staatsmännern und dem italienischen Regierungschef und dem italienischen Außenminister stattgefunden. Dieser Ge- dankenaustcusch stand im Zeichen gegenseitigen sreundschastlichcn Verständnisses und war in er Herzlichkeit. Im Laufe der Besprechungen ist die ollgemeine europäische Lage eingehend geprüft worden und übereinstimmend die Not- wcndigkeit einer vertrauensvollen und aufrichtigen Zusammenarbeit aller Regierungen zur Ueberwindung der gegenseitigen und der gegenwärtigen Schwierigkeiten erkannt worden. Es hat gleichfalls Uevereinstimmung darüber bestanden, daß es notwendig ist, alles zu tun, damit die kommend« Abrüstungs» t o n f e r e n z günstig« und greifbare Erfolge im Interesse des Friedens und des wirtschaftlichen und moralischen Wiederausfbaues der Welt zeitigt. Mussolini kommt nach Berlin. Rom.«. August.(WTV.) Der Ehef der italienischen Regierung. Wusiolini. hat die Ein- ladung des Herrn Reichskanzlers zu einem Gegenbesuch in Berlin unter Vorbehalt späterer Festsetzung des Zeitpunktes angenommen. Gattenmörder stellt flch. Oie Tragödie einer Arbeiterfrau. Zn der vergangenen Nacht gegen 3 Uhr stellte sich beim kriminal- kommissar vom Dienst im Polizeipräsidium der 39 Zahre alte Schlosser Rudolf Lehmann, der wegen Morde» an seiner Ehefrau gesucht wurde./ Wie wir berichteten, kam es in der Nacht zum 31. Juli in der Wohnung des Lehmann zu einer blutigen Tragödie. Der Schlosser, der mit seiner 33 Jahre alten Frau Eugenie und seinen Kindern in der Monumentenstr. 27 in Schönebcrg eine Wohnung inne hat, war am 30. Juli abends nach Hause gekommen und hatte mit seiner Frau, wie schon oft vorher, Streit angefangen. Lehmann, der im Besitz einer Schußwaffe war, gab auf die Frau nicht weniger als 6 S ch ü s s e ab, von denen drei tödlich waren. Der Mörder flüchtete und war in den nächsten Tagen nicht zu finden. Wie die Nach- sorschungen der Mordkommission ergaben, hatte Lehmann am 30. Juli bei verschiedenen Wohlfahrtsämtern und an anderen Stellen Unter« stützungen abgeholt. Er trug die gesamte Summe von 110 M. bei sich, als er verschwand. Die Vermutung, daß er nicht eher wieder auftauchen werde, als bis das Geld restlos vertrunken sei, hat sich bestätigt. Als Lehmann sich in der vergangenen Nacht stellte, besaß er nicht einen Pfennig mehr. Er will sich an die Einzelheiten seines Verbrechens nicht mehr erinnern können und behauptet dreist, seine Frau sei ihm nicht treu gewesen. Alle Zeugen, die Lehmann kennen und schon vernommen worden sind, bekunden überemstimmend, daß er ein rabiater Patron ist, der die bedauernswerte Frau ständig mißhandelt hat. Der Schlosser ist wegen Körperverletzung auch mehrmals mit den Behörden in Konflikt geraten. Zm Bodensee ertrunken. Vier Tote bei einem schweren Bootsunglück. Friedrichshaseu, 8. August. Don Passagieren de- Kursdompfers Fiiedrichshafen— Konstanz wur.de am Freüaonachmittag in der Ruhe von Immenstaad ein Ruderboot gesehen, das auf dem Bodensee ohne Insassen trieb. Die sofort aufgenommenen Nachforschungen ergaben, daß eine Familie Hamann, deren Kraftwagen in Immenstaad herrenlos stand, das Ruderboot gemietet hatte, um eine Fahrt auf dem See zu machen. Die Suche nach den Verunglückten blich zunächst erfolglos. Erst gegen 19 Uhr wurde die Leiche der 45 Jahre alten Frau Hamann bei Fischbach ans Land gespült, während die Leichen von Voter. Sohn und Tochter noch nicht geborgen sind. Ueber die Ursache des Unglücks ist noch nichts bekannt... i.... Korruptionen! Die vergeßliche„Deutsche Tageszeitung4'. Das Blatt der Agrarier, die„Deutsche Tageszeitung", ist auf den im Zeitalter der Lahusen, Devaheim, Raiffeisen usw. wahrhaft klassischen Gedanken gekommen, den Volksentscheid mit dem Geschrei„Korruption" zu machen. Sie kommt dabei über die alten Ladenhüter Barmat, Kutisker und Sklarek nicht heraus, wobei übrigens zu bemerken ist, dah sogar die D e u t s ch n a t i o- n a l e n seinerzeit im Untersuchungsausschuß feststellen mußten, daß der Fall Kutisker mit Politik oder politischer Korruption nicht das mindeste zu tun hat, sondern einen ganz gewöhn- lichen Betrugsfall darstellt. Um so etwas wie eine L i st e zusammen zu bekommen, fügt dann die„Deutsche Tageszeitung" noch eine Anzahl Unterschlagungen bei Sparkassen bei, die auch gewöhnliche Kriminalfälle sind, und von denen nach unserer Kenntnis mindestens die Hälfte auf deutschnationale Kassenange st eilte und De- fraudanten fallen. Was die„Deutsche Tageszeitung" in chrer Liste an angeblicher Korruption in zwöls Iahren zusammenzählen kann, erreicht knapp den Betrag von 5l> Millionen Mark. Das heißt: es beträgt alles zusammen 20 Millionen Mark weniger als der einzige Totalverlust von 70 Millionen Mark, der durch die Mißwirtschaft der deutschnationalen Direktoren, Reichstagsvize- Präsident Dietrich und Landtagsabgcordnelcr Seelmann-Eggebert, bei der Raisseisenbank herbeigeführt worden ist. Obwohl die Raiffeisenlcute politisch und wirtschaftlich der„Deutschen Tageszeitung" besonders nahestehen, sucht man den Fall Raifseisen vergeblich in ihrer Liste. Natürlich hat sie auch die übrigen agrarischen Korruptionsfälle, so die nach Feststellung des Untersuchungsausschusses von den ihr besreundsten Landvolk- genossenschaften verpulverten 7 Millionen Mark, die Mil- lionen der Landbank und der O st b a n k vollkommen„vergessen". Und gemessen am Fall Lahusen. am Verlust der Rordwolle von 300 Millionen Mark beträgt die Gesamtiiste der„Deutschen Tageszeitung" gerade ein Sechstel hiervon. Wir sind gern bereit, der„Deutschen Tageszeitung" folgende Gegenrechnung der deutschnationalen Korruption nur aus den letzten Iahren aufzumachen, wobei wir den mehr voltsparteilichen St i nn es-Fall noch außer Ansatz lassen: Nordwolle-Lahusen.... 300 Millionen Mark Raiffeisenbank...... 70„„ Landvolkgenossenschaften. 7„„ Landbank, Ostbant usw.... 3„„ Devaheim(vorläufig)..... 10„„ 390 Millionen Mark Hätte die„Deutsche Tageszeitung" nicht besser getan, vor der eigenen Tür zu kehren?! Der Siahthelmer nahm... Gesinnung schuht nicht vor Defiziten. Sletlin, 8. August.(Eigenbericht.) Im Kreise Greisenhagen(Pommern) ist man Unterschleisen eines strammen S t a h l h e l m m a n n e s auf die Spur ge> kommen. Der Kassierer Schröder der dortigen landwirtschaftlichen Kreisgenossenschast ist nach Feststellung eines Fehlbetrages von 9245 M. in der Genossenschaftekasse sofort seines Amtes enthoben worden. Er sitzt setzt in Untersuchungshost. Der„�egierungspalast" in Wiesbaden. Llnwahre Behauptungen über den Regierungspräsidenten. Der Amtliche Preußische Pressedienst schreibt: Eine Reihe von Blättern bringt das folgende von den lokalen Ausschüssen für den Volksentscheid unterzeichnete Inserat, resp. Notiz: „Die neue Dienstwohnung des Regierungspräsidenten in Wies- baden, des sozialdemokratischen Ehrler, kostete 230 000 M. Der alte Vorkriegspräsidcnt wohnte in der 3. Etage des Regierungs- gebäudcs. Nur dies Beispiel von Berschwendung. Sic lag nie in„Preußens Sendung". Doch so ist die„Neue Zeit". Stopp sie ab beim Bolksentscheid!" Der Regierungspräsident in Wiesbaden hat diesen Blättern folgende Berichtigung auf Grund des Z 11 des Gesetzes über die Presse vom 7. Mai 1874 zugehen lassen: „Es ist unwahr, daß der Regierungspräsident Ehrler in einem für 2-10 000 M. errichteten Dienstwohngebäude wognt. Er bewohnt vielmehr den 2. Stock eines Prioathauses in einer über- aus belebten Straße. Das Haus ist ein Reihenhaus, keine Villa. Ein Dicnstwohngebäude für den Regierungspräsidenten gibt es in Wiesbaden überhaupt nicht. Es befindet sich auch kein solches in Bau. Der„alte Vorkriegspräsident" bewohnte nicht nur die 3. Etage des Regierungsgebäudes, sondern auch die meisten und größten Zimmer der 2. Etage. Er war, was Zahl und Größe der Räume angeht, bedeutend besser untergebracht als der jetzige Regierungspräsident." Arzttragödie. Die eigene Frau unter den Händen verblutet. Weimar, 8. August.(Eigenbericht.) Vor einigen Tagen verschied die Ehefrau des praktischen Arztes Dr. S t r e i t b e r g e r in Sitzendorf auf mysteriöse Weise. Die 27 Jahre alte Frau wurde am Morgen des 4. August in ihrem Schlafzimmer tot aufgefunden. Ihr Ehemann war nirgends auf- zufinden. Im Kraftwagen entsandte Beamte der Londeskriminal- polizei nahmen mit der örtlichen Gendarmerie sofort den Tatbestand auf. Da äußere Gewaltanwendung nicht festzustellen war und An- zeichen für eine Krankheit auch nicht vorlagen, wurde zunächst Tötung durch Bergifhing angenommen. Die weiteren Erörterungen und die vorgenommene Sektion durch die zuständigen Gerichtsärzte haben ergeben, daß der Tcd durch einen verbotenen Eingriff, den der Arzt an seiner schwangeren Ehefrau vorgenommen hatte, ein- getreten ist. Dr. Streitberger hat seine Wohnung gegen 3.30 Uhr morgens im eigenen Kraftwagen verlassen unter Mitnahme einer Wäsche- leine in der Absicht, sichln Berggrundstück seiner Eltern in Saal- feld zu erhängen. Sein Vorhaben hat er jedoch nicht ausgeführt, sondern er ließ den Kraftwagen auf dem Grundstück stehen und ist zu Fuß nach der Aumühle bei Volkmannedorf gegangen. Dort ist er noch im Laufe des 4. August gegen 16 Uhr festgenommen worden. Dr. Streitmann hat die Tat zugegeben, er ist daraufhin in das Kerjchtssejängnls nach Rudolltadt emgetlejett worden. � � ZjgSfaßad 5- A''t-**'•W Die Volksbühnen— der anderen Nichts als Pleiten und Versager Tas neueste Heft der„B o l k s b ü h n e", der Zeitschrift für soziale Theaterpoliük und Kunstpflege, gibt eine lehrreiche Zu- samnienstellung, was aus den mit großem Tamtam und kühnsten Versprechungen ausgemachten Volksbühnen der Nazis und Kom- munisten geworden ist. Die Nationalsoziali st ische Volksbühne in Berlin soll nach Mitteilungen eines oppositionellen nationalsozialistischen Blattes zusammengebrochen sein. Ein besonderer Nekrolog erübrigt sich, weil der Verstorbene ein sehr unrühmliches Leben geführt und schon im frühesten Kindesalter das Zeitliche gesegnet hat. Aber ein paar Anmerkungen sind doch nicht zu umgehen. Die NS.-Volksbühne war der Versuchsballon für die Schaffung einer neuen Volksbühnenbewegung, die sich über das ganze Reich erstrecken sollte. Die Berliner Gründung war so ge- dacht, dah zunächst in der Reichshauptstadt die Mutterzelle sich ent- falten, Berlin erobern und gleichzeitig Auftrieb nach außen geben sollte. Die NS.-Volksbühne brachte in Berlin mit einer eignen Truppe eigene Inszenierungen heraus. Die Berliner Besucher reichten gerade aus, um an vier oder fünf Abenden pro Monat die Vorstellungen zu füllen. Die restlichen Abends sollten und wollten in der Provinz untergebracht werden, so lange, bis das Berliner Ensemble am Ort selbst täglich spielen konnte. Dieser Fall ist nicht eingetreten, und es besteht jetzt nach dem Fiasko der gesamten Ein- richtung auch keinerlei Hoffnung mehr, als ob im nächsten Winter ein Wiederaufbau möglich würde. Man hat sich die Sache etwas zu leicht vorgestellt. Zunächst ist es, rein objektiv gesehen, in Berlin wirtlich kein spaßiges Unter- fangen, eine Bühne neu ins Leben zu rufen. Und die„rauhen Kämpfer" der NSDAP, mögen wohl für die Theatralik einer Sportpalast-Versammlung, nicht ganz so selbstverständlich aber für einen Theaterabend oder gar für eine ganze Serie solcher Abende zu gewinnen sein. Hinzu kommt als zweites, daß für die NS.- Volksbühne weder das ideelle Fundament noch das künstlerische Material vorhanden war. Ein reines Partcitheater ist nun einmal ein Ding der Unmöglichkeit, und das heute erst recht. So etwas lassen sich selbst verbissene Parteigänger ein paarmal, nicht ober aus die Dauer gefallen. Und schließlich: Was sollte die NS.-Volks- bühne denn auch spielen? Es gab da etliche gesinnungstüchtige Werkchen, wohl auch hin und wieder einige Qualität: aber damit läßt sich ein neues Unternehmen künstlerisch niemals finanzieren. Herr Goebbels selbst hatte ein Stück geschrieben und gedroht, daß weitere folgen würden. Es ist nicht mehr so weit gekommen. Die NS.-Volksbühne. wenn sie nicht finanziell zerborsten wäre— sie wäre künstlerisch wahrscheinlich sehr bald verhungert. Inzwischen oersucht sich der„Kampfbund für Deutsche Kultur" in München in einer mehr theoretischen Behandlung des Themas vom neuen deutschen Volkstheater. Er untersucht dramaturgische und andere Fragen und wird wohl so etwas wie ein oberstes künstlerisches Partcigericht in theatralischen Dingen schaffen. Auch dieser Versuch, dessen Erfolge zwar erst abgewartet werden müssen, wird von vornherein zur Ergebnislosigkest verurteilt bleiben. Man kann ein neues Theater nicht in die Welt setzen ohne geistige Not- wendigteit— genau so, wie das„alte" Theater nicht einfach durch Dialektik und Diskussion in seinen Grundfesten zu erschüttern ist. Was hier über die NS.-Volksbühne gesagt wurde, gilt ohne Einschränkung für die kommunistische„Junge Bolks- bühne" in Berlin. Sie sollte nach chrer Gründung vor bald einem Jahr in Anlehnung an die P i s c a t o r- B ü h n e eine reue Aera im Theater, die proletarische Kampfbühne, bringen. Das revolutio- näre Proletariat sollte in hellen Haufen in diesen Kunsttempel stürmen und der„alten" Volksbühne zeigen, was eine Harke ist. Das revolutionäre Proletariat hat das nicht getan, sondern es ist fein stille zu Haufe geblieben, weil die proletarische Kampfbühne vermutlich auch nicht mehr an Theater versprach als ein Zahlabend oder eine der täglichen Demonstrationen. Die Pisccator-Bühne hätte verhungern müssen, wenn sie sich allein auf die„Junge Volksbühne" verlassen hätte.(Wahrscheinlich tut sie das ohnehin: ihr Chef leitet in Moskau ein Theater, und die Berliner Truppe ist im Augenblick Heimat- und führerlos). Die„Junge Volksbühne" bat es trotz ungeheurer Anstrengungen auf nicht mehr als 3000 Mitglieder gebracht, von denen wiederum ein Teil nur auf dem Papier vor- Händen war. Und das trotz des gigantischen Kampfes gegen die Berliner Volksbühne, trotz der Unterstützung durch den größeren Teil der Berliner Presse, trotz vieler Ausrufe und Werbeveranstal- tungen! Es fehlte auch hier die Substanz: die organisatorische, die idcel'c, die künstlerische. Diese beiden Experimente waren votwendig. Sie haben eine Diskusürn, die lange genug vollkomme» unfruchtbar geführt worden war, mit einem Male entschieden. Man wird daraus manche Schlußsolgerungen ableiten müssen. Samoilowiisch über die Arktissahri. Der kleine, rundliche, freundliche Mann mit der polierten Tatarenkuppel, der der wissenschaftliche Leiter der Zeppelinfahrt in die nordischen Regionen war. Prof. Samoilowitsch. plaudert im B a ch s a a l über die Fahrt und ihre Ergebnisse mit einer vorbild- lichen Nonchalance. Er kennt offenbar die Schwäche der Deutschen für Vortragende, die mit ihrer Sprache jonglieren.(Marc Henry, der Conferencier der 11 Scharfrichter, verlor ollen Charme, wenn er korrektes Deutsch sprach, und es war ihm daher direkt oerboten.) Prof. Samoilowitsch macht seinen Mangel auch nicht etwa durch ein sorg- fältig präpariertes Manuskript weit. Ein Mann mit soviel arktischer Erfahrung geht frisch und fröhlich jeder Gefahr entgegen: ee wird schon gehen. Und es geht! Er kann uns natürlich nicht viel Neues mehr sagen. Aber e» ist alles aus erster Hand und mit dem ganzen Reiz der Unmittelbarkeit (sozusagen naturburschig). Die Polarsorschung— das ist der Eindruck— ist industrialisiert. Wozu man früher Monate und Jahre braucht«, mit Schiffsexpeditionen und Hundeschlitten und Ueber- wintern, das macht man jetzt mit Hilfe des Luftschisses in einigen Tagen. Die kartographischen Aufnahmen, die automatisch erfolgen, sind dabei genauer und zuverlässiger als die früheren. Trotz der Kürze der Zeit 13 000 Kilometer in 110 Stunden— ♦ sind außerordentlich viele wissenschaftliche Beobachtungen vorgenommen worden. Es wird vieler Monate bedürfen, um sie zu verarbeiten. Klingt es nicht wie ein Wunder, wenn Versuchsballons, die nach ihrem Er- sinder M o l t s ch a n o w benannten Regjstrierapparate aus 7 bis 12 Kilometer Höhe mittels Radio ihre Resultate mitteilen? Nächstes Mal wird man vielleicht schon eine automatische Expedition mit einem unbemannten Boot probieren können, das der Eisdrift überlassen radiotelegraphisch seine Wetterbeobachtungen meldet. Jules Berne ist längst übertrofsen! Man erfuhr mancherlei interessante Einzelheiten. Samoilowitsch sah nach Iahren seinen Assistenten Iwanow bei der Landung auf Frauz-Iosess-Land wieder: ober da das Treibeis den Zeppelin ge- fährdete, ging es schon nach 15 Minuten weiter. Wer weiß, auf wie lange die kleine Forscherschar dort jetzt keinen neuen Menschen wieder sieht. Die Pakete und Briefe, die man für eine andere Station an Bord hatte, konnte man nicht landen, weil man sie im Nebel nicht fand. Dos zum Schluß gezeigte Bildmaterial ergänzte den Vortrag aufs glücklichste. Geographisch ist viel Neue» entdeckt worden: aber olles ist eisig und öde: Treibeis. Packeis, Binneneis, Gletscher, die ins Meer stürzen, vergletscherte Berge von 1000. Meter und mehr Höhe. Die Russen wissen den wissenschaftlichen Wert dieser Expe- dition zu würdigen: sie haben nicht umsonst 20 000 Dollar dafür aus- gegeben(was billig genug ist). Die meteorologische Erforschung des hohen Nordens wird für unsere ganze Welterforschung von größter Bedeutung sein und die notwendigen Vorarbeiten für eine künftige Luftschiffsverkehrsroute über den Pol liefern. Dos nächste Jahr wird ein Polarforschungsjahr. Die Russen wollen sich daran mit Eisbrechern, die Flugzeuge ausschicken werden. beteiligen. Prof. Samoilowitsch soll uns willkommen sein, wenn er darüber wieder so nett— hoffentlich wieder in einer Veranstaltung der„U r a n i a"— berichtet. D. Beuischwnds größte Geeschleuse. Die Entwicklung des Weltverkehrs hat in den verschiedenen europäischen Häfen nach dem Krieg große Erweiterungsbauten not- wendig gemacht. Auch Deutschland ist, allen Schwierigkeiten zum Trotz, die sich dem Wiederausbau entgegensetzten, nicht zurück- geblieben. Bremerhaven hat in den letzten Iahren eine Reihe gewaltiger AnkoZen geschaffen. Die 100 Meter lange C o l u m b u s- k a j e mit dem„Bahnhof am Meer" hat sich für die schnelle, reibungslose Abwicklung der großen Passagierdampfer vorzüglich bewährt. In diesem Monat wird die Rordschleuse, das gewalligste Bauwerk deutscher Häfen, dem Betrieb übergeben. Seit mehreren Iahren schon baggern, pumpen, rammen und bauen tausend Men- lchen mit den modernsten Geräten der Tiefbautcchnik auf dem Hafengelände Bremerbavens. Auf einem dem Meer abgerungenen Boden läßt Bremen Deutschlands größte Seeschleuse erstehen. Die g««Me HtaMu»g der SHiKsKröben macht«Weitete. Zugäsge zu den Höfen und Dockanlagen notwendig. Die vielgenannten Schleusen des Panamakanals, die Londoner Tilbury-Docks werden in ihren Ausmoßen durch das Bauwerk an der nordwestdeutschen Waterkante übertrossen. Rur die kürzlich vollendete Schleuse in Pmuiden, am Nordfeeausgang des Seekanals von Amsterdam, zeigt in der Kammerlänge und in der Einfahrtbreite größer« Maße, während in der Gesamtgröße der Kammer die Nordschleuse an erster Stelle steht. Die Kammer der Nordschleuse zeigt hier, so schreibt die„Um- schau", eine Länge von 372 Meter und eine Breite von 60 Meter. An den beiden Enden der Kammer erwuchsen aus der Tiefe die riesigen Torhäupter, das Außen- und das Innenhaupt, zwischen denen sich die Schiebetore bewegen werden. Tagaus, tagein ergoß sich der Strom der flüssigen Betonmasse zwischen das eiserne Gerüst- werk. Ueber ein Jahr lang wurde allein gearbeitet, um diesen Betonmassen das Fundament im nachgiebigen Schlick zu verschaffen. 25 000 Pfähle bis zu 25 Meter Länge mußten gerammt werden: das ist ein Wald von 100 Morgen. Erst auf diesen, bis in die tragfähige Sandschicht getriebenen Stelzen konnten die Kaimauern des Vorhafens, die Torkammern und die Schleusenwände errichtet werden. Heute sind die Riesenbauten, die gleich Wolkenkratzern aus dem Schlickboden hervorragten, in die Tiefe versunken: die Erd- aufschüttungen und die Wassereinlässe verbergen dem Auge die gewaltigen Fundierungen und die gigantischen Betomnassen. Um welche Arbeitsleistung es sich bei dem Vau handelt, zeigt folgende Berechnung: allein für die Hcranschaffung der Baustoffe und für die Bodenbewegung waren 5788 Güterzüge notwendig. Weizen gegen Anzüge. In den Vereinigten Staaten hat man zwar noch keine Rot» Verordnungen über den Zahlungsmittelverkehr erlassen: dafür ist man zur Lösimg der Schwierigkeiten, die das klassische Land des Kapitalismus heimgesucht haben, im Handel zu ganz ungewohnten und für längst überwunden gehaltenen Formen übergegangen. In den mittleren und südwestlichen Staaten der Union steht der Tausch- Handel zwischen Stadt und Land in vollster Blüte. Die schwere Krise, die in einigen Gegenden durch Dürre und Mißwuchs, in anderen wieder durch Ueberfluß an Getreide entstanden war, hat eine für die Farmer unerwartete Lösung gefunden: in Anbetracht des Mangels an Bargeld fanden sich die Städte bereit, Weizen im Aus- tausch gegen Waren aller Art, Kleider, Nahrungsmittel, Automobile usw. anzunehmen. In den Städten der getreideproduzierenden Staaten sieht man heute schon unzählige Garagen, die in Getreide- spcicher umgewandelt sind. In vielen Städten und Ortschaften kann man beobachten, wie die Frauen der Farmer mit Lastautos, die mit Getreidesäcken beladen sind, vor den Geschäften halt machen und gegen einen Aufschlag von 10 Prozent auf die Marktpreise das Ge- treide im Austausch gegen Kleider und Stoffe verkaufen. Dank diesem weitverbreiteten Zahlungssystem sind die Farmer an vielen Orten vor dem völligen Ruin bewahrt geblieben. Sie hoffen, auf diese Weise bis zum Jahre 1932 durchhalten zu können. Kolgen der Bewährungsfrist. Im Laufe der letzten beiden Mcnschenalter ist die Kriminalität in England stark zurückgegangen: der Zustrom in die Gefängnisse hat demgemäß abgenommen. Diese erfreuliche Entwicklung ist aus die Hebung der allgemeinen Lebensoerhältnisse und auf die Erziehungs- einflüsse zurückzuführen. Freilich würden diese beiden Ursachen nicht ausreichen, um einen so auffälligen Wandel zu erklären. Bor 50 Iahren verschwanden von 10 000 Engländern 600 jährlich hinter Gefängnismauern. Im Jahre 1914 waren es nur noch 370. heute sind es nur noch 120. Es steht außer Zweifel, daß dieser Erfolg größtenteils auf das Gesetz des Jahres 1907 zurückzuführen ist, das Strafaufschub und Bewährungsfrist vorsieht. Der englische Jurist Robert Wallace war einer der ersten, der in der Oeffentlichkeit dafür Verständnis erweckte, daß man einem Rechtsbrecher, der zum ersten- mal mit den Gesetzen"!» Konflikt geraten ist, eine Möglichkeit geben muh, auf den rechten Weg zurückzufinden. Das Gefängnis ist fast in allen Fallen das sicherste Mittel, einen Menschen, der einmal gc> strauchelt ist, in einen hartgejofteven Verbrecher zu verwandeln. Arbeiterbetriebe sind gesund Rechenschastöbencht vor den Betriebsfunktionären Der Ortsausschuß des ADGB. und das AfA-Ortskartell Berlin hatten zu Freitagabend die Betriebsfunttionäre nach dem Gewerkschaftshaus geladen, um ihnen einen Ueberblick über die augenblickliche Lage der wirtschaftlichen Unternehmungen der Arbeiterschaft zu geben. Der informatorische Abend wurde eingeleitet durch ein Referat des Genossen Dr. Alfred Br a u n t h a l über die Wirtschaft?- und Finanzkrise. Der Referent legte besonders eingehend die Zusammen- hänge zwischen den Zinssätzen und der Konjunkturbelebung dar und begründete die jetzt von den Gewerkschaften mit allem Nachdruck er- hobene Forderung nach einer Reform des Aktienrechts sowie der Monopol- und Kreditkontrolle. Im Anschluß an das Referat des Genossen Braunthal gaben die Genossen Bachem, Direktor der Arbeiterbank, L a mg e, Vorsitzen- der der Berliner Konsumgenossenschaft, E l l i n g e r, Geschäftsführer des Verbandes der Sozialen Baubetriebe, und Nestriepke, Leiter der Volksbühne, kurze Situationsberichte über den augenblicklichen Stand dieser Unternehmungen der organisierten Arbeiterschaft. Ge- nosse Bachem kritisierte vor allem die leichtfertige Kreditpolitik der deutschen Privatbanken, die vom Ausland kurzfristige Kredite herein- genommen und sie an Unternehmungen weitergeleitet haben, die j diese Kredite dann für Betriebserweiterungen, Maschinen- anschaffungen usw. verwendeten. Die Unternehmungen waren dann bei dem Ansturm auf die Banken nicht in der Lage, die Kredite zurückzuzahlen, so daß die Privatbanken den an sie gestellten An- forderungen nicht gerecht werden konnten. Weil die Arbeiterbank eine solche Politik nicht betrieben hat, blieb sie auch während der kritischen Tage um die Iulimitte liquid. Während dieser kritischen Zeit hat die Arbeiterbank jedenfalls bewiesen, daß sie des Vertrauens würdig ist, das ihr die Gewerkschaften und die gesamte Arbeiterschaft stets entgegengebracht hat. Genosse Lange von der Berliner Konsumgenossenschaft konnte mitteilen, daß dieses Unternehmen an Werbekraft selbst in den kritischen Tagen des Juli nichts eingebüßt hat, denn allein im Juli wurden 1790 neue Mitglieder gewonnen. Genosse Ellinger von den Sozialen Baubetrieben gab ebenso wie Genosse Nestriepke von der Volksbühne der Erwartung Ausdruck, daß es mit Hilfe der Unterstützung der organisierten Berliner Arbeiter- schaft gelingen wird, auch diese Unternehmungen über die schwere Krisenzeit hinwegzubringen. Mit dem Appell an die Funktionäre, auch in der Werbung für die Volksbühne nicht zu erlahmen, schloß Genosse Bredow die Funktionärkonferenz, die keine Debatte über die Vorträge wünschte. Kommunistische Kampsmeihoden. Arbeiter wegen Körperverlehung verurteilt. Das brutale Vorgehen der H o l z k u n st w e r k st ä t t e n in der Prenzlauer Allee hat bei den streikenden Arbeitern außerordentliche Verbitterung hervorgerufen. Die RGO.-Mitglieder der Streikleitung benutzten nun diese Stimmung, um zu Kampfmethoden zu greifen, die von den freien Gewerkschaften stets verworfen wurden. Vor dem Schnellschöffengericht verantwortete sich be- reits am Mittwoch ein Arbeitsloser wegen schwerer Körperverletzung und am Donnerstag vor demselben Gericht drei Mitglieder der NGO., darunter zwei, die zur Streikleitung gehörten und außer diesen dreien noch zwei frühere Arbeiter der Firma wegen Beihilfe zur schweren Körperverletzung. Der Arbeitslose H. war zu der überaus harten Strafe von 5 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Unter welchen Umftnäden er aber zu seiner Tat gekommen war, erfuhr man gestern aus dem Munde des 18jährigen Z. Die RGO.-Mitglieder der Streikleitung S. und K. hatten ihm am 3. August anbefohlen, sich am Morgen des 4. August am Bahnhof Prenzlauer Allee einzufinden und speziell zu diesem Zweck angeworbenen Erwerbs- losen die Streikbrecher zu zeigen, damit sie eine„tüchtige Wucht" erhielten. Der Achtzehnjährige ließ sich überreden und war tatsächlich zur Stelle. Die Werkmeister G. und B., die mit dem Streik eigentlich nichts zu tun hatten, gingen harmlos ihres Weges, als sie vom Heizer M. darauf aufmerksam gemacht wurden, daß Z. sich hinter der Litfaßsäule verberge, und anscheinend irgendetwas gegen sie beabsichtigt wäre. Wenige Augenblicke später wurden alle drei von mehreren Leuten überfallen. M. kam mit heiler Haut davon, G. und B. wurden zu Boden geschlagen und mit Füßen getreten. Ein Polizeiwachtmeister rettete sie vor weiteren Mißhandlungen. Festgenommen wurde bloß der am Mittwoch vom Schöffengericht zu S Monaten Gefängnis oerurteilte Erwerbslose U. Zwei von den gestrigen Angeklagten wurden freigesprochen. Die RGO.-Mitglieder erhielten wegen Beihilfe zur Körperverletzung je einen Monat Gefängnis, der Angeklagte Z. wegen des gleichen Delikts zwei Wochen Gefängnis. Sämtlichen Verurteilten wurde jedoch B e- w ä h r u n g s f r i ft für die Dauer von 3 Jahren zugebilligt. Giahlhelm-Hoffnungen. Auf den freiwilligen Arbeitsdienst. Der Stahlhelm, Landesverband W e st m a r k, will durch freiwilligen Arbeitsdienst sechs größere Projekte für Fluß- regulierung und Meliorationen in Westdeutschland durchführen. Daß er sie durchführen will, glauben wir gern. Die Frage ist nur, woher das Geld kommt. Man wird den Herrschaften genau auf die Finger sehen müssen. Das gilt auch für den Drill zum S t r e i k b r u ch, der dem Stahlhelm besonders viel Freude macht. Erst dieser Tage haben sich in Apolda beim Streik der städtischen Arbeiter Stahlhelmleute als Streikbrecher angeboten. In der vom Bürgermeister eingesetzten Technischen Nothilf«— sie wurde eingesetzt, obwohl die Gewerkschaften für die Verrichtung der Notstondsarbeiten in den lebenswichtigen Betrieben Sorge getragen hatten— befinden sich sast ausschließlich durchweg Iungstahlhelmer im Alter von 18 bis 25 Jahren. Die KPD. hat sich diesem Stahlhelmunternehmen bis jetzt noch nicht angeschlossen. Das kann noch kommen. Ein Revolutionär aus dem Lande. Spielt Lohndrücker und macht lleberstunden. Im Kreise Gumbinnen in Ostpreußen machte seit einiger Zeit der KPD.» und RGO.-Anhänger Holzmann von sich reden. Seine Spezialität ist der Kampf gegen die freien Gewerkschaften und die SPD. Die Führer der SPD. und der freien Gewerkschaf- ten sind in seinen Augen„Verräter", die Mitglieder„Dumme" und „Streikbrecher". Wie handelt aber dieser„Revolutionär" selbst? Nach einer seiner üblichen Schimpfreden wurde ihm vorgehalten,'daß er bei Drainagearbeiten fortwährend lleberstunden schiebe. Er entgegnete treuherzig, daß er das tun müsse, weit„die ver- räterische SPD." und die Brüning-Regierung«s so weit gebracht haben, daß er nur 46 Pf. pro Stunde bekomme. Als ihm darauf geantwortet wurde, daß der tarifliche Stunden- lohn für Drainagearbeiten 64 Pf. beträgt und er unter diesen Umständen nicht nur ein Ueberstundenschieber, fondern auch«in Lohndrücker ist, redete er sich daraus hinaus, daß er den Tarif nicht kenne. Seine Rechtfertigung war eine einzige Schimpferei. Den gewerkschaftlichen Tariflohn um«in Drittel unterbieten, lleberstunden schieben und dann auf die Gewerkschaften schimpfen. Das find so die„Revolutionäre", mit denen man V o l k» e n t- scheid machen kann. Die Agrarier brauchen solchem„Stimm- vieh" nicht einmal Schnaps zu spendieren. Das leistet der Reaktion freiwillig Vorspanndienste, weil die KPD. es als„r e o o l u t i o- n ä r e" Aktion befiehlt. Llrlaubsgeld und Notverordnung. Gehaltsregelung bei Äeamten und Behördenangestellten. Beamte und Behördenangestellte erhalten auf Grund Gewohn- heitsrechtes oder tariflicher Regelung das Gehalt im voraus gezahlt. das während des Urlaubs dann fällig wird. Ist also der Beurlaubte am Tage der nächsten Gehaltszahlung noch in Urlaub, so erhält er bereits am Vortage des Beginns des Urlaubes seine nächstfälligen vollen Bezüge vorausgezahlt. Durch die Notverordnung über Auszahlung von Gehältern wird nun schon das an sich fällige Gehalt nicht auf einmal, sondern in zwei Raten gezahlt. Die erste Rate ist am üblichen Gehaltstage fällig, die zweite zehn Tage später. In den Kreisen der Beamten und Bchördenangestellten besteht nun vielfach Beunruhigung darüber, wie es mit der Zahlung der während des Urlaubs fälligen Bezüge gehandhabt werden wird. Die Beunruhigung ist um fo be- rechtigter, weil der einzelne nur im Hinblick auf die Voraus- Zahlung kleine Erholungsreisen projektieren konnte und nun be- fürchtet, daß er sie jetzt aus„Mangel an Masse" nicht durch- führen kann. Die Beunruhigung ist tatsächlich unbegründet. Das während des Urlaubs fällig werdende Gehalt wird auch während des Urlaubs gezahlt, allerdings in zwei Raten. Die erste Rate ist am Vortage des Beginns des Urlaubs und die zweite zehn Tage später fällig. Wenn z. B. ein Beamter oder Behördenangestellter am IS. des Monats Gehaltstag hat und am 24. August in Urlaub gehen will, so erhält er sein Augustgehalt am IS. und 25. August und sein Septcmbergehalt, vorausgesetzt, daß er über den IS. September hinaus in Urlaub bleibt, am 24. August und am 3. September. In der Praxis wird er also sich lediglich sein Urlaubsgeld nach- schicken zu lassen brauchen, um restlos, wie er es vorgesehen hatte, darüber verfügen zu können. Es braucht dckher niemand um seinen Erholungsurlaub zu fürchten und voreilig Reisepläne auf- zugeben oder gar getroffene Vereinbarungen rückgängig zu machen. Freiwilliger Arbeiisdienst. Was die Gewerkschaften dazu sagen. Ueber die Durchführung des freiwilligen Arbeitsdienstes bemerkt die„Gewerkfchafts-Zeitung": Im Verwaltungerat der Reichsanstalt (für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung) hatten die Vertreter der Gewerkschaften Gelegenheit, zu den einzelnen Be- stimmungen der Verordnung gutachtlich Stellung zu nehmen. Dabei handelte es sich nicht um eine grundsätzliche Kritik des Gedankens der Arbeitsdienstpfljcht, die die Gewerkschaften zur Genüge geübt haben, sondern um die Einflußnahme auf die Auswahl und Durch- -führung der Arbeiten und auf die Sicherung der„Freiwilligkeit" der Teilnahme. In der vorliegenden Ausführungsoerordnung ist den Wünschen der Gewerkschaften in gewissen Punkten entsprochen worden, wie sich aus Artikel 6 und 8 der Verordnung ergibt. Abschließend schreibt die„Gewerkschafts-Zeitung": „Die Gewerkschaften haben nur geringe Veranlassung, um das Schicksal der Arbeitsdienstwilligen, das jedenfalls ein selbsterwähltes ist, übermäßig besorgt zu sein. Um so mehr müssen sie ihr Augen- merk darauf richten, daß nicht die zum Arbeitsdienst drängenden Verbände, für die die Auszahlung der Unter- ftützung, namentlich wenn sie sie als Träger der Arbeit unmittelbar beanspruchen können, selbstverständlich eine, wenn nicht finanzielle so doch organisatorische Stärkung bedeutet, in planloser Weise schwere Störungen auf dem ohnedies trostlosen Arbeitsmarkt verursachen. Darum ist alle Aufmerksam- keit der A u s w a hl der Arbeiten zu widmen und in den Ver- waltungsausfchüfsen der Landesarbeitsämter und der Arbeitsämter schärfste Kontrolle zu üben darüber, daß nicht Arbeiten vom freiwilligen Arbeitsdienst ergriffen werden, die die Existenz- bafis bestimmter Berufsarbeiter bilden könnten. Mögen diejenigen, die es dazu treibt, getrost ihrem Hang zum Lagerleben oder zum zivilen Militarismus folgen. Weder dies braucht uns zu stören noch die Tatsache, daß der freiwillige Arbeitsdienst auch nicht die allerbescheidenste En!- laflung für den Arbeitsmarkt bedeuten wird— wenn nur eine Gewähr gegeben ist, daß nicht neue Belastungen des Arbeitsmarktes durch zusätzlich geschaffene Scheinarbeitnehmergruppen erfolgen, und wenn anderseits verhütet wird, was ja auch die Ver- ordnung in ihrem Artikel 2 verhüten will,"daß nämlich„die Zusammenfassung von Arbeitsgruppen im freiwilligen Arbeitsdienst für politische oder staatsfeindliche Zwecke miß- braucht wird." Konflikt bei der Essener Straßenbahn. Dem gesamten Fahrpersonal gekündigt. Die Verwaltung der Süddeutschen Eisenbahngesellfchaft, Ab- teilung Essener Straßenbahn, teilt mit, daß sie sich entschlossen habe, dem gesamten Fcchrpersonal unter Einhaltung der tarifvertraglichen Kündigungsfrist zu kündigen. In der Mitteilung der Gesellschaft heißt es weiter: Da der Arbeiterrat der Essener Straßenbahn sich weigert, der Einführung einer dritten Feier- schicht zuzustimmen und das bestehende Abkommen über zwei Feierschichten sogar gekündigt hat, mußte diese Maßnahme ergriffen werden, um nach Ablauf der tarifvertraglichen Kündigungsfrsst, auch ohne Zustimmung der zuständigen Betriebsvertretung, die dritte Feierschicht einführen zu können. Nur auf diese Weise ist es möglich, die sonst unausbleibliche Entlassung von rund 150 Angehörigen des Fahr- Personals zu vermeiden. Bei Einlegungvon drei Feierschichten soll eine Lohnschmälerung des Fahrpersonals gegenüber der vom Arbciterrat geforderten Ein- führung des Achtstundentages nicht eintreten. Theater der Woche. Dom S. bis i7. August. Theater mit festem Spielplan: ttomiiiS« Lp«: ffrauen haben das gern...— Theater am Knrfjirsteaoamm: Die schöne Helena.— Rctropol-Theatcr: Die Toni aus Wien.— Wallaer. Theater: Das Mäöchcn ans der Fürsorge.— Rose.Theater: Bis 13. Madame hat Ausgang. Ab 14. Mädchen aum Heiraten. Gartenbithne: Bann«>-m Mitternacht.— Theater in der Klosterstrahe: Büchs« der Bandora.— Wintergarten, Plaza, Scala: Internationales Tariel«.— Zirichshallen- Theater: Strttiner Sänger. Zlachmikkagsveranfkaltungen: Wallner. Theater: 1«. Das Mädchen aus der Fürsorge.— lllose-Theater: l«. Mädchen zum Heiraten. Sartenbühn«: Konzert und Variete.— Theater in dr,»wstersteah«: g.. 1«.. 15% Uhr: Sodgeist; 1714 Uhr: Büchs« der Pandora.— Wintergarten: 9., 15., 15. Internationales Ba riete.— Plaza,®caja: Inier. nationales Variete. Erstaufführungen der Woche: Freitag. Adrniralspalast: Die Dllbarry.— Rose-Theaterz Mödchen zmn Heiraten.___ Wetter für Berlin: lieberwiegend wolkig mit Neigung zu Regen. wieder etwas kühle.— Für Deutschland: Westostwärts fortschreitende Wetteroerschlechterung und Abkühlung. In West-, Mittel- und Nord- deutschland vielfach Regen, in Südosten meist noch trocken. vrrantWortl. für die Redaktion: Herbrrt Levdr«, Verlin: Anzeigen: Tb. Elmfe. Verlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Lorwärt» Buch. druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer 5c ff«., Berlin SW 68. Lindenstraste 8. Hierz« 1 Beilage. ROSE-THEATER Wodienia#« 818 Sonntag, den 9. Aug. 3 x 1», 5«, Uhr „madarne hat Ausgang" mit Tränte Kose u. Armin Hchwelzer Preise; O.JO— SM. ROSE- KARTEX 8.15: „Panne um mmernachr* 3iWgi0perittf. Prtist: 0,60-2 R. Or. Frankfurter Str. 132. U-Bahn Strau«- berger Platz.— 6 täglger Vorvofkauf 11— 1 und 3—9 Uhr.— Tel. Bestellung E 7 Welcheel 3422 Komische Oper Frledrlchstr. 104 8% Uhr Frauen haben das gern... Muslksl. Schwank ran Amnld Musik T.Wnlt. Kollo Sommerpr. 0-50-7.00 Täglich 8>/. Uhr Die Toni aus Wien Midy Christlaos, Michael Rohnen svziihr CASINO-THEATER«1/. vi» Lothringer Stroge 37. mHMHMnfmMMNiiiiiniiiiiiiiiiniMNtiiMiimmiiimiNmnmmn Wiedereröffnung IS. Aug. Modern renoriert! Modernes Progr.! Das entzückende Lustspiel Das Parfüm meiner Fran. Dazu ein erstkl. buntes Programm. Für die Leser; Gotscheln 1-4 Pen. Fauteuil 1.2S M.. Sessel 1,50 M. Sonstige Pr.: Rang Mitte l M-, Parkett 75 PL. Rang 60 Pf. Relchshallen-Theater „Alles verrückt!4' Stettiner Sänger Anfang[�] Uhr !WtzgMg.kM.iii!diiii.M Kr. Preis derRepnblik 30000 H. Ich habe mein Büro verlegt nach Berlin-NenkSlin, Hennanostr.228 TelepDon; r 0 BenBaanplaix 1823 Dr. Werner Weyer, fetawalt Temiaellaofi: 2-Zimmer>Hausrinsxleuer-Neubauwoiinungen mit Bad und Balkon, Zentralheizung, Warmwasser, ZentralwaschkUche, ca. RM. 60.—, ohne Heizung, zum 1. September 1931 oder später 2 Vi• und 3•Zimmer- Wohnungen, teils mit Ofenheizung, ca. RM. 88.— bzw. 97.—, ohne Heizung, zum 1. Oktober 1931, eventl. auch früher zu vermieten Mli und ohne Wohnberedillgimgssdicia Ii Aoslninft erteilt: Borllner Spar- und Bauwereln e.G. m.b.H. Charlottenburg 9, Knobelsdorffstr. 96:: Tel.; Westend 3584, 2797 kNr Tempelbof: Tempelhot, Tankredstr. II, Vennietan.ibaro FOr Sehillerpark: Berlin N OS, Corkerstrahe», bei Sdieller Die einzige Ersatzkasse für sämtliche Berufszweige ist die M»_____.__ MW M.M»__ M> � mm MW MTM. MW Kranken- und Stferkekasse für das Deuisdie Heidt ■na Salnre«»«4 Gnsdn-dindos« CB-laSaderfeldcr ExsaatelcaM«) ■m Jntair«; ao«4 sSeprUn«*«;* die Versicherungspflichtigen und Nichtversicherungspflichtigen ausreichenden Krankenversicherungsschutz bietet Houisiirerwaltfund: Berlin M24. Oranienburger s*r. 69 und SOO Verwaltungsstellen im Reich (Beilage Sonnabend« 8. August 1931 S-rMmS StillauXqaSe Ja l/ofaatt Das Schiff ohne Arzt Ein Abenteuer auf hoher See-- von Dr. Kurt stewe Zehn, elf Tage fuhren wir weitab von den befahrenen Linien und Straßen des Ozeans. Nichts als das graue, wogende Meer war zu sehen. Kein Zeichen von einem menschlichen Wesen, keine Rauchsahne eines in der Nähe befindlichen Schiffes war am Horizont fichtbar, ab und zu nur trieben Büschel von Seetang vorbei. Ging man in die Funkbude und schnallte sich die Kopshörer an, drohte man am Radioempfangsgerät, so schwirrte die Luft von drahtlos geführten Unterhaltungen der unsichtbaren Schifssgenossen, täää— tä tä, täää— täää, man glaubt« sich in einen Börsenfaal versetzt. Und trotzdem draußen kein Lebenszeichen anderer Menschen zu sehen und zu hören. Zwölf Tage schon fuhren wir auf abgelegener Straße, zwölf Tage nichts als Wasser, Wasser, Wasser und Himmel. Noch nicht einmal eine Möwe war zu sehen, sie waren nach etwa zwei Tag»', Entfernung von der Küste verschwunden. Wir saßen im Rauchsalon, und das Gespräch ging, eigentlich naheliegend, über die Sicherheitseinrichtungen der großen Schiffe und über die Möglichkeiten, sich auf hoher See von jedem Festlande gegenseitig zu Hilf« zu kommen. In einem gewissen Aberglauben, den ja jeder Seemann hat und von dem jeder Passagier angesteckt wird, vermieden wir es, von den berühmten LOS-Rufen zu sprechen. Man soll den Teufel nicht an die Wand malen. Der Funkoffizier kam in den Salon herunter und übergab mir «in drahtloses Telegramm, dos als Ueberschrift die mystischen Buch- staben„8. V. It.' trug. Ich fragte ihn, was diese zu bedeuten hätten, und erhielt die Antwort, daß es die Abkürzung des inter- nationalen Seehilfsabkommens sei: Lecuvite(de la) vie humane (dans la Navigation maritime), Hilfe für Menschenleben in der Seeschiffahrt, und daß der Zweck dieses Telegramms der Schutz des menschlichen Lobens sei. In einem entsetzlichen Kauderwelsch, aus dem ich nur in Ge- meinfchaftsberatung aller anwesenden sprachkundigen Passagiere und Offiziere mich herausfand, verlangte ein etwa zwei Tage weit ent- fcrnter nordamerikanifcher kleiner Dampfer zu wissen, ob wir«inen Arzt an Bord hätten, der bei einem Krankheitsfall irgendwelche Aus- künfte und Anweifungen zu geben bereit wäre. Selbstverständlich freute ich mich, hier auf hoher See behilflich sein zu dürfen, und so- fort ging ein Funkspruch auch wieder mit dem Anfangszeichen „S. V. H.* als Antwort ab. Alle Schiffe der Umgebung— und das ist ein weitgehender Begriff— schwiegen während unserer drahtlosen Morseuntcchaltungen, und nun entwickelte sich ein Frage- und Ant- Wortspiel nach den genauen Symptomen, nach der Dauer der Er- krankung, nach dem Befinden des Erkrankten, es wurden funken- telegraphifch« Derhaltungsmaßnahmen gegeben und fortlaufender Bericht erbeten. Immer bedrohlicher wurde von dem unsichtbaren Schiffe, das etwa 320 Seemeilen von uns entfernt war, der Zustand geschildert, die Atemnot des erkrankten Matrofen nähme zu und das Fieber stiege rapide. Wieder eine Beratung mit Kapitän und Offizieren, wieder ein Bitten und Drängen des amerikanischen Kapitäns mm Hilfe, und dann der Entschluß, auf hoher See ein Zusammentreffen der beiden Schiffe stattfinden zu lassen, damit ich persönlich den Kranken in Augenschein nehmen und ihn vielleicht durch einen operativen Ein- griff am Leben erholten könne. Mit voller Kraft dampften die beiden Schiffe auf den durch die Positionsmeldungen festgelegten Treffpunkt los, und schon noch etwa zwölf Stunden sahen wir am Horizont eine Rauchfahne aufsteigen, der bald die Mastspitzen, der Schornstein und endlich das Bild des ganzen Schiffes folgten. Immer näher hörten wir in der Funkenbude den drahtlosen Anruf, bis wir uns schließlich durch Morseblinkzeichcn der an der Kommandobrücke angebrachten Signallampe verständigen konnten. In einer Ent- fernung von ungefähr einer halben Seemeile stopten beide Schiffe, ein Boot wurde bemannt, ausgeschwungen und zu Wasser gelassen, und ich stieg mit einigen Medikamenten und dem nötigen Jnstumen- tarium auf der Strickleiter ins Boot herab, das in der kräftigen Dünung an der Schiffsseite auf- und abtänzelte. Schon nach wenigen Minuten waren wir drüben und nach Lotsenart erkletterte ich die Schiffswand. Händeschütteln und ein herzliches„Good day" empfing mich, und der Kapitän des kleinen Amerikaners, den ich ja eigentlich von unserer funkentelegraphischen Morseunterhaltung her schon genau kannte, führte mich in das Mannfchaftslogis, wo ein dicker Matrose röchelnd und nach Atem ringend meiner harrte. Ein Stich in die Gegend der rechten Gaumenmandel, ein Herausquellen schier unerschöpflicher Eitermengen und ein kräftiges„Thanh you" des eben kaum noch atmen Könnenden zeigte mir an, daß ich das Richtige getroffen hatte. Rasch hieß es wieder zurückrudern, herz- liches Winken und nochmaliges„Thanh you" und„Happy days", und bald hatte ich meinen Dampfer wieder erreicht, das Boot wurde hochgehivt, die Flaggen senkten sich zum Gruße, und weiter ging die Reise in die unendliche graue Wasserwüste. 36 Stunden später meldete der Funkspruch das Wohlergehen des Patienten. otto Benzin: Eine Ziiie fahrt „Um drei Uhr früh sind Sie an Bord, damit wir bei Sonnen- aufgang in See stechen können!" Mit diesen Worten verabschiedete sich von mir der alte Schiffer, der mich auf einer Fahrt durch die mecklenburgischen Seen mit seiner Zille mitnehmen wollte. Noch einmal streckte ich meine Glieder im Federbett des kleinen Gasthauses wohlig aus, dann heißt es: Raus aus den Federn. Denn der Morgen graut schon. Fast nächtliche Ruhe herrscht in dem Städtchen P l a u. Nur meine infolge des„Katzenkopfpflasters" holprigen Schritte zerreißen die morgendliche Stille und verhallen an den niedrigen Häusern, hinter deren Fenstern noch alles in tiefstem Schlafe liegt. Ein roter Streifen zieht sich im Osten entlang, der werdende Tag beginnt. Ich schlendere ein Stückchen Wegs an der ruhig fließenden E l d e entlang und stehe vor dem schwarzen Kahn, der mich auf einige Tage zu Gaste lädt. Im ersten Morgen- rot leuchtet am Steven der Name der Zille„M arte". Mit einem „Gooden Dag" balanziere ich über den schmalen, schwankenden Lauf- sieg an Bord, wo mir der Käptn die Hand reicht. Im Kahn ist das Leben erwacht. Der Bootsmann löst das Getäüe und macht unser Schifflein flott. Die Schiffersrau brüht den Morgenkaffee. Der goldene Sonncnball entsteigt den Fluten des P l a u e r Sees. Wir setzen Segel und nehmen Kurs auf die feurige Masse. Eine leichte Nordwestbrise schwellt das graue Leinentuch, das bauchig sich am hohen Mäste dehnt und das Tauwerk knarren läßt. Langsam schiebt sich der lange Leib der„Marie" über die sich kräuselnde Fläche dahin. Tiesblau und smaragdgrün ist das Wasser, der kalk- haltige Seeboden gestattet einen Blick bis auf den Grund. Die Sonne ist längst ihrem Morgenbade entstiegen und gilt uns nicht mehr als Leitstern: ihre- Bahn ist nicht unsere. Die Weite des hlguen Sees liegt hinter uns, wir fahren ly die sich zu einem schmalen See erweiternde E l d e ein. Eine Brücke nötigt uns zum Segeleinziehen und Mastlegen. Knarrend senkt sich der stolze Fichtenbaum. Nun wird die Zille durch Staken, wie es in der Schiffersprache heißt, vorwärts geschoben. Schiffer und Bootsmann drücken mit gebeugten Schultern das schwere Fahrzeug vorwärts, während die Frau das Steuerruder betreut. Wasserhühner beleben das schilfbewachsene Seelein. Die Rohr- dommel schreit ihr Kala... kala.. kiek.. kiek und schaukelt Karin:„Nur eine Verkäuferin. ii Als mein Dater', der dank der auskömmlichen Pension eines hohen Beamten imstande war, uns Kindern eine gute Erziehung geben zu lassen, plötzlich starb, stand ich, als älteste von drei Töchtern, vor der dringenden Notwendigkeit, zum Haushalt und Lebensunter- halt der Familie mit beizutragen. Wochenlang lief ich in der Stadt herum— überall Höflichkeit und Bedauern— die schlechten Zeiten— nur ganz billige Kräfte werden gesucht, eben schulentlassene Mädchen, die fast nichts bekommen usw. Traurig sprach ich mit einer Dame, die in meiner Nachbarschaft ein kleines, aber flott gehendes Papiergeschäft hat.„Aber, Kindchen, kommen Sie doch zu mir," sagte sie,„ich kenne Sie doch, seitdem Sie bei mir die Schulhefte kauften. Sie können meine rechte Hand hier sein, und abends schreiben' Sie für mich zu Hause auf Ihrer Maschine meine Rechnungen und Geschäftsbriefe." Nun stehe ich hinter demselben Ladentisch, vor dem ich viele Jahre hindurch selbst Käuferin gewesen bin. Alle die Damen aus dem Westen, die ich kenne, kommen in„unser" Geschäft, Bekannte von Ansehen und Damen, denen ich hier oder dort vorgestellt worden bin. Aber wie anders sind sie jetzt, da ein Ladentisch mich von ihnen trennt, ein Ladentisch, der ein Abgrund zwischen zwei Welten be- deutet. Ohne die Hand zu geben, reden mich plötzlich gute Bekannte kühl grüßend mit„Fräulein" an, als ob sie mich nie gekannt hätten. „Fräulein, ich bin schrecklich eilig— geben Sie mir doch schnell." Ich renne, eil«, steige die kleine Leiter hinauf, hinunter, ge- hetzt, denn die Dame ist nervös vor Eile— da, im Moment, wie sie zahlen will, kommt eine Bekannte von ihr in den Laden.„Ach, liebe, gnädige Frau, wie lange ist es her, seit wir uns zuletzt gesehen haben" und die Unterhaltung dauert über eine halbe Stunde. Oder— eine Dame steht und wartet, während ich eine andere bediene. Ungeduldig trippelt sie von einem Fuß auf den anderen. „Fräulein, ich kann nun aber nicht mehr länger warten."—„Gnädige Frau, ich bin sofort zu Ihrer Berfügung." Und wirklich nach einer Minute kann ich mich ihr widmen.„Ich mächte zwei Fünfpfennig- marken haben, Fräuleinchen..." Eine dritte kommt prinzipiell um zwei Minuten vor Ladenschluß. Alle hinter dem Ladentisch sind schon müde und warten hungrig auf warmes Essen und auf Echolung nach langem Arbeitstag. Aber die Dame überlegt, ob sie die blauen oder die roten Papierservietten nehmen soll. Die Angestellten können erst um halb acht fort. Zwei Freundinnen kommen zusammen und suchen Briefpapier aus. Als sie noch über da» Monogramm beraten, wendet sich ihre Unterhaltung ihren Hüten zu, während sie mich unbeachtet stehen lassen, die ich doch möglichst viele Damen bedienen, möglichst viel verkaufen soll. Sie nehmen in Seelenruhe ihre Hüte ab, probieren sie gegenseitig auf, und sicherlich ging eine Viertelstunde verloren, che sie sich wieder auf den Zweck ihres Besuches besinnen. Haben diese Damcn noch nie davon gehört, daß jede Verkäuferin die Höhe der Summe ihrer Verkäufe vor dem Chef verantworten muß, und daß sie bei ungenügender Leistung entlassen wird? Eine mir lange bekannte, sehr elegante Dame kam in ihrem Auto vorgefahren. Sie suchte eine bestimmte Sorte von Bridgekarten, die zufällig nicht vorrätig waren. Aber fast die gleichen waren zur Stell«, nur um einen Sechser teurer.„Fällt mir ja gar nicht ein, einen Sechser mehr zu zahlen," sagt die Dame empört,„wenn Sie mir diese Karten nicht zu meinem gewohnten Preis geben wollen, lassen wir es eben." Natürlich gab man ihr die Karten und ver- zichtete auf den Sechser. Zufrieden stieg die Dame in ihr Auto. Eine sehr würdige Dame kommt herein:„Kann ich die Inhaberin selbst sprechen?" Alle warten gespannt auf den ungewöhnlichen Austrag, den sie geben wird. Für einen Einkauf von 15 Pfennig ließ diese Frau sich die Chefin selbst kommen! Der Gipfel aller Psennigfuchserei war aber wohl folgendes Er- lebnis: Eine„Gnädige Frau" verlangt einen Kofferanhänger. Solch ein Ding kostet einen Pfennig. Wir sollen aber nicht unter fünf Pfennig verkaufen. Ich sage also liebenswürdig:„Ich darf Ihnen wohl fünf Anhänger geben. Die übrigen vier sind ja immer wieder verwendbar, und Sie haben sie dann bei Gelegenheit gleich zur Hand."„Nein, ich will nur«inen einzigen. Die anderen brauche ich nicht." Der Kunde behält bekanntlich immer recht, und so gab ich ihr den gewünschten einen Anhänger.„Fräulein, haben Sie nicht einen Draht oder eine Schnur, um das Ding zu befestigen?"„Ge- wiß, gnädige Frau, wir haben diese kleinen Knäuel Schnur zu fünf Pfennig."„Nein, kaufen will ich keine Schnur, nur so ein Stück- chen möchte ich von Ihnen hab'en."„Das kann ich Ihnen leider nicht geben, gnädige Frau.— Kasse bitte ein Pfennig!"—„Aber, gnädige Frau, ein Pfennig lohnt doch nicht zu zahlen," sagt Frau T. ver- bindlich hinter der Kasse.„Nehmen Sie den Anhänger nur so mit." Das tat die„gnädige Frau", und sie ging nicht einmal beschämt. Viele schimpfen prinzipiell über schlechte Bedienung, ohne zu überlegen, daß solche Bemerkungen auf alle Fälle ernst genommen lverden und zu unabwendbarer Schelte führen. Seit ich hinter dem Ladentisch stehe, weiß ich erst, daß die Menschen vor dem Ladentisch jede Art von Einfühlung von jenen verlangen, das letzte an Mit- schwingen, wenn es sid) darum handelt, Dinge des persönlichen Ge- schmacks vorzulegen, das äußerste an persönlicher Aufopferung zur Befriedigung eines Wunsches. Aber ich weiß auch, daß für die meisten Menschen vor dem Ladentisch die hinter ihm Stehenden nur Aufnahmestationen für ihre Wünsche sind, ohne daß ihnen einen Moment lang zum Bewußtsein kommt, daß sie zu Menschen sprechen, Menschen, die den ganzen Tag stehen, rennen und ihren Willen völlig ausschalten, und nur das Begehren anderer zu erftillen trachten. Als Anerkennung für diese Tätigkeit sagen die meisten Kunden an der offengehaltenen Tür nicht einmal„Adieu". sich an den schlanken Rohrhalmen, an denen ihr Nest hängt. Ein Schwanenpaar erblickt in der Zille seinen Feind und geht mit ge- spreizten Federn zum Angriff vor, die beiden Jungen zwischen sich führend. Gewaltig dehnt der Alte die weiten Schwingen, während die Schwanenmutter mehr um die Kleinen besorgt ist. Wildenten, deren Brut längst flügge ist, streichen unter lautem Geplätscher ab. Nach abwechslungsreicher, ruhiger Fahrt kommt das Kloster Malchow, ein roter, weithin leuchtender Backsteinbau, in Sicht. Es liegt auf einer Insel und ist durch einen Damm mit dem Städtchen gleichen Namens verbunden. Hier hemmt uns eine Schleuse. Doch nicht ist das Tagewerk beendet. Es öffnen sich die Schleusentore, und am Malchower See gehen wir vor Anker. Still liegt das Schiff am Ufer vertäut, leise lispelt der Abend- wind im Röhricht. Die Kapitänsfrau tischt uns eine tiefe Schüssel mit Pellkartoffeln, Hering und Speckstippe auf. Es ist die Haupt- mahlzeit nach den Stunden harter Arbeit in der Sonnenglut. Denn am Tage ist keine Zeit vorhanden. Mächtig hauen wir ins Essen ein. Ein Topf schwarzen Kaffees ist der Abcndtrunk, und schon kräuseln in der Abendluft die Wölkchen der Tabakspfeifen. Man plaudert und klöhnt von diesem und jenem. Vieles haben die Schiffer auf ihren Fahrten erlebt, jedes Erlebnis wissen sie genau wiederzugeben. Stark ist ihre Erinnerungsgabe und ruhig und wohltuend fürs Ohr ihre Plauderei. Der Bootsmann spielt einige Weisen auf dem Schifferklavier. Der Mond blinzelt über dem Wald, er mahnt an den Schlaf. Ich beziehe mein Lager in der Boots- mannskabuse. Am grauen Morgen geht eine Bewegung durch den Körper der Zille: wir fahren weiter. Die. Sonne nimmt ihr Morgenbad im F l e e s e n s e e. Gewaltige Schwärme von Wildgänsen, die diese Wiesenlandjchaft bevölkern, streichen mit lautem, heiserem Geschrei ab. Bei der Durchfahrt zum K o t p i n s e e sieht man auf einer Halb- insel Hünengräber. Grau und verwittert ragen die Steine aus dem sie umrankenden Brombeergestrüpp. Vom Wind zerzauste Birken werfen fliehende Schatten drauf. Aus dunklem Kieferngrün leuchtet das Schloß Schwenzin von der Höhe herab. Die Luft wird bewegter, wir fahren unter Land, um gegen Wind und Wellen an- kämpfen zu können. Nicht können wir Segel setzen, vier braune Arme staken den Kahn am sandigen Ufer entlang.» Die Wellen wachsen und nehmen der Landschaft das ruhige Gepräge. Weiß schäumt der See, kurz sind seine Wellenschläge. Die Sonne versinkt, ein Tag schweren Kampfes mit den Naturgewalten geht zu Ende. Wir erreichen die schützende Mole und legen an der ruhigen Elde fest. Noch mehrere Zillen, die vor dem Sturm Schutz suchten, liegen hier friedlich beieinander. Nur ein Kahn kämpft, draußen verankert, mit den Wellen. Wie eine Nußschale wird er hochgeworfen, weißer Gischt umzüngelt sein niedriges Bord. In dieser Nacht gibt es wenig Ruhe, man will die Windstille vor Sonnenaufgang ausnutzen und die weite Fläche der Müritz, den gewaltigen Binnensee, überqueren. Grell leuchtet der Mond und bietet genügend Licht, um die Kähne zum Schleppzug zu formieren. Noch hört man die Brandungen der sich wälzenden Wallungen. In der alten Pappel heult heiser die Eule. Ein Schleppdampfer stampft heran und nimmt uns und zwei andere Zillen mit. Die letzte Wucht der Müritzwellen zerbricht im Schilf, bald wird Ruhe auf der unübersehbaren Wasserfläche herrschen. Wie ein Schatten gleitet der Schleppzug im Mondeslicht dahin, dem Blink- feuer der B o l t e r Mole entgegen. Selten habe ich diesen See so ruhig gesehen, doch bald mit Sonnenaufgang wird der Wind seine Wasser schäumen machen. Nicht kann das Auge an dem Lande haften, es sieht nur Wasser, Wasser, In dem sich der Mond spiegelt. Fast endlos wird einem dieses Gewässer, aber im Osten wird Land sichtbar, und die größte Wegstrecke liegt achter uns. Die morgendliche Ruhe hält mich umfangen, erst das Schlagen der Dampferwellen an die Bolter Mole macht mich wieder wach. Wir fahren durch den Bolter Kanal, dessen Ufer dicht mit den Zelten der Wassersportler besät sind. Auch bieten hier Schutzhütien Zuflucht bei schwerem Wetter, wie es oft auf der Müritz tobt. Weiter geht die Fahrt an M i r o w vorbei durch waldumsäumte Seen. Einer reiht sich an den anderen wie eine Kette ungleicher Perlen. Bald leuchtet uns das verschiedene Grün der Mischwälder ent- gegen, bald dringt der helle Ton der den Roggen mähenden Sensen ans Ohr, bald erfüllt die klappernde Mähmaschine die Luft mit ihren harten, schneidenden Lauten. Mit gebeugtem Rücken binden Frauen die Garben. Es ist die Zeit der Reife und Arbeit auf dem flachen Lande. Still und verträumt liegen die Gehöfte, nur auf den Feldern ist das Leben und die Unrast, das Schaffen. Beim Dorfe P r i e p e r t schwimmen wir in die Havel, die den Cllbogensce durchfließt und sich weiterhin die Seen zum Flußbett auswählt, bis sie hinter der mecklenburgischen Grenze ihren eigenen Weg sich bahnen muß. Wunderschön ist die Fahrt durch die sogenannte Steinhavel, deren User Niststätten des prächtigsten heimischen Vogels, des Eisvogels, bergen. Alte Buchen und Eichen neigen ihre belaubten Arme weit über das Ufer hinaus. Der Auf- enthalt in der Schleuse gestattet, länger an diesem landschaftlich schönen Fleckchen zu verweilen. Nicht stört das monotone Brummen der Wasserturbine einer Mehlmllhle. Weiter schraubt sich der Schlepper mit seinen„Anhängseln" durch die letzten Seen der mecklenburgischen Seenplatte, an denen das kleine Städtchen Fürstenberg liegt. An der Schleuse nehme ich Abschied von den Schifsersleuten und von der Zille, die nun ihren Weg havelabwärts zur Reichshauptstadt nimmt.... — Fric-drichsham(gemischte): Radfahrer Gamcngrund, Stark b tlhr: Kraft- fahrcr Gamengruird, Start 7 Uhr: Fugend S. August Altenhof. Start rWii llhr. all- Petersburger Platz.— Lichtenberg: Altsnhof, Start 6 Uhr Weigenfce: 8. August Beteiligung an Veranstaltung d-Z ArbeitertSlternbundo». Weitzensee. im Oranlesee: g. August Eorinsee, Start 10 Uhr Antonplatz.— NeuiLlln: 8. August Altcnhof. Start 18 Uhr: g. August Sohenbtnde. Start S Uhr, beide Hohenzollernplatz.— Moabit: 8. August Altenhof. Start 17 Uhr Wiclessir. Z7.— Oberschöneweide: Seddinsee. Start 8 Uhr Enrmerlch. Wilhelminenhofstr. K4.— Baumschulenweg: Streiszilge an der Havel, Start 8 Uhr Bhf. Baumschulenweg,— Sitzungen in der Woche vom 1i>. bis 15. August. Achtung. Abteilungsfahrwarte! 10. August. 20 Uhr. gVthrwartesitzuug der Lohann, Briiderstr. 15—18. 14. August, IS!- Uhr. Bezirksversammlung, Gewert. schaftehaus. Bericht vom Bundestag. 3u allen Veranslaltungcn und Düste gern gesehen. Neuausnahmen werden in den Abteilungsfitzungen vargenonnnen. FTGB., Rordring. Die Hockenabtellung Nordring der FT/i Uhr, Verwaltungsausschußsitzung, Sonnenplatz.— Zum Be. zirksfest am 15. und 16. August gemeinsam- Autvfahrr, Teilnehmerkarten sofort entnehmen, damit die Fahrtleitung Uebersicht hat und frei« Plötze sofort weitergeben kann. Gleiches Recht für alle Die Frage der Sporiabzeidien Bei fast allen Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden existiert eins bekanntliche Verfügung, daß das Tragen von politi- fchen Abzeichen allen Arbeitern, Angestellten und Beamten während des Dienstes untersagt ist. Man kann über diese Ver- fügung geteilter Meinung sein, wenn sie aber durchgeführt werden muß, dann haben sich alle Arbeitnehmer der Behörden danach zu richten. Unter das Tragen von politischen Abzeichen werden auch die Abzeichen der Sportvereine verstanden. Als politische Abzeichen will man von der bürgerlichen Seite nur die Abzeichen der Arbeitersportverbände bezeichnen, während Abzeichen bürger- licher Sportverbände man unter dem Deckmantel„Neutral" ge- statten möchte. Eine politische Neutralität git es heute kaum mehr: auch nicht im Sport. Man findet daher immer wieder, daß dieser oder jener, der bei einer Behörde tätig ist, während des Dienstes mit einem bürgerlichen Abzeichen herumläuft. Besonders ist es hier das Sportabzeichen des Reichsausschusses für Leibesübung. Es wird so hingestellt, daß dieses Sportabzeichen von einer„Behörde" her- ausgegeben wird und daß man es aus diesem Grunds tragen kann. Der Deutsche Reichsausschuß für Leibesübung ist genau wie die Zentralkommission für Sport und Körperpflege eine p r i cka t e Organisation und hat kein Vorrecht gegenüber dem Arbeiter- spart. Besonders muß man feststellen, daß bei den Beamten der Schutzpolizei, die wohl politisch fast alle republikanisch eingestellt sind, aber sportlich sich oft während ihrer Dienstzeit mit dem Sport- abzeichen des Reichsausschusses schmücken. Es liegt an uns, diesem Unfug schnell ein Ende zu machen, indem wir jeden Träger eines bürgerlichen Abzeichens, der eine Tätigkeit bei einer Behörde ausübt, darauf aufmerksam machen, daß dieses nicht gestattet ist. Sollte eine höfliche Ermahnung nichts nutzen, so ist eine schriftliche Beschwerde bei der vorgesetzten Dienststelle sehr angebracht. Auch ist es angebracht, daß unsere Parteigenossen in leitender Stellung einer Dienststelle darauf achten, daß diese Verfügung auch von den bürgerlichen Sportlern durchgeführt wird. Auch müßten von Zeit zu Zeit die Arbeitersportverbände die Behörden auf diesen Zustand aufmerksam machen. Denn es wirkt direkt provozierend, wenn auf sozialen Dienststellen wie Arbeitsämtern, Wohlfahrtsämtern usw. die Berzweifelten und Hungernden von jemand abgefertigt werden, der sich stolz mit republikfeindlichen Abzeichen schmückt. Arbeitersport gegen Voiksbcirug Die..Reichsleitung" der Kampfgemeinschaft für Rote Sport- einhell" ruft in der bürgerlichen Znseralenzeilung„Rot Sport" zur Beteiligung am schwarzweißroten Volksentscheid auf. Sie fordert alle sporttreibenden Werktätigen aus. sich als„rote" Helfer beim „roten" Volksentscheid zu betätigen, und am 9. August für die Forderungen der Hakenkreuzler und Stahlhclmer mit 3a zu stimmen. Laßt euch durch die Lüge„Roter Volksentscheid" nicht in Verwirrung bringen. In Wahrheit ist es ein s ch w a r z w e i ß r o t e r Volks- b e t r ug. Rieder mit diesen Spaltern der Arbeiterschaft. Zeigt den Verrätern eure Verachtung. Keiner von uns gehl am Sonntag zum Volks- entscheid der Hitler, Hugenberg und T h ä l m a n n! | Laßt die Hakenkreuzler und Kommunisten unter sich. Kartell für Arbeitersport und Körperpflege Berlin. C£. V. Der Geschäftsführende Ausschuß. Freisverteilung aut der lföon Mit der auf der Wasserkuppe vorgenommenen Preisverteilung fand der 12. Rhön-S«gelflugwettbewerb seinen Abschluß. Staatsminister a. D. D o m i n i c u s. der Vorsitzende des Deutschen Luftfahrtoerbandes sowie die Segelflugpioniere Oscar U r s i n u s und Professor G e o r g i i hielten Ansprachen an die versammelten Segelflieger. Professor Georgii gab seiner besonderen Anerkennung darüber Ausdruck, daß Leistungen erzielt worden sind, die man noch vor wenigen Jahren nicht für möglich gehalten hat. Der erfolg- reichste Teilnehmer des diesjährigen Wettbewerbes war der Frank- furter Günther Groenhoff, dem für seine Flüge nach Magde- bürg(220 Kilometer) und nach Usingen(107 Kilometer) die beiden ersten Preis« im Streckenflug-Wettbewerb zufielen. Weiterhin wurde Groenhoff für seinen Magdeburger Flug auch noch mit dem ersten Preis des Leistungswettbewerbes im Fernsegclflug ausgezeichnet, während Wolfgang hirth für seinen 192-Kilonieter-Flug nach Brohl an der Mosel den zweiten Preis erhielt. Den Höhenpreis holte sich T e i ch m a n n mit einer Leistung von 2082 Meter gegen Pfeifer mit 2080 Meter und H a k e n j o s, der Ermunterungs- pr«is im Streckenflug wurde R ö h m, der 100 Kilometer zurückgelegt hatte, zuerkannt. Die als Fernzielflugprcis ausgesetzte Stiftung des Handelsministeriums wurde nicht vergeben, da die Bedingungen von keinem der Bewerber restlos erfüllt worden find. Abschließend kann gesagt werden, daß der 12. Röhn-Segelslug- Wettbewerb alle seine Vorgänger bei weitem überflügelt hat, sowohl hinsichtlich der Aktivität als auch in bezug auf Spitzenleistungen. Weit m«hr als 500 Flüge sind während der Dauer der Konkurrenz ausgeführt worden. Die Höchstleistungen während der „12. Röhn" fewn nachstehend nochmals wiedergegeben: Sroenhoff. Streckenfluq nach Magdeburg, 220 Kilometer Läng«, 2500 Meter HZh-- Hirth, Etreckenflug nach Hall-, 175 Kilometer Länge. 1700 Meter Höhe: Kronfeld, Streckenflug nach Arnsderq, 171 Kilometer Länge. 1100 Meter Höbe: Geoenhosf, Streckenflug nach Laubach. 110 Kilometer Länge, 1100 Meter Hohe: Hirth, Etreckenflug nach Brohl, 180 Kilometer Länge: Groenhoff, Etreckenflug nach Usingen, 107 Kilometer Läng«: Teichmann,.Höhenflug«an 2082 Meter: Pfeiffer, Höhenflug von 2080 Meter: Lchnud, Daucrflug von 8 Sld. 56 Min. Arbcitcrsporiler zur Verfassungsfeier des Reichsbanners Alle Arbeiterfportler werden gebeten, sich an der Ver- sassungsseier des Reichsbanners am Sonntag, dem 9. A u g u st, Beginn 4 Uhr, im Lunapark zu beteiligen. An dem Tage, an dem die vereinigten Feinde der Republik ihren Volks- entscheid steigen lassen, ist es Pflicht eines jeden Republikaners, sich zur heutigen Staatsform zu bekennen. Der Eintrittspreis beträgt im Vorverkauf 60 Pf. einschl. Tanz. Karten sind zu haben bei den RB.-Kameraden, sowie in folgenden Parteilokalen: Restaurant Adolf Reimer, Wilinersdorfcr Str. 21, Restaurant Alexander Schellbach, Königin-Elisabeth-Str. 6. Tages- taste 80 Pf. Benutzt deshalb den Vorverkauf und tragt mit dazu bei, daß die Vsrfassungsfewr ein wahres Volksfest wird. Boxen auf dem Nordcn-Nordwcsf-Plafz Der Brandenburgische Boxverband führt am Dienstag, dem 11. August(Verfastungstag), auf dem Norden- Nordwest-Platz am Bahnhof Gesundbrunnen eine Werbe- Veranstaltung bei den billigsten Eintrittspreisen durch, die ein recht zugkräftiges Programm auszuweisen hat. Im Fliegengewicht wird es ein gutes Gefecht zwischen Steingräber(Hermes) und Krauß (Sparta) geben. Im Bantamgewicht hat man Behle(Forst), den Spitzenreiter aus dem Gau Lausitz, für Rösler(BSC. Neukölln) verpflichtet. Als Hauptkamps des Abends darf man wohl die Paarung im Federgewicht zwischen Gehlhaar(Tenn.-Bor.), dem Meister- sthaftszweiten, und Reckler(Wittenberge) bezeichnen. Hier wird es sicher«inen ausgezeichneten technischen Kampf geben. In zwei weiteren Federgewichtskämpfen werden Konrad(Landsbcrg) gegen Friedländer(Teutonia) und Lehmann(Guben) gegen Arens(BSC. Neukölln) antreten. Die beiden Auswärtigen sind recht kampfstarke Boxer und werden den Berlinern ein gutes Gefecht liefern. Im Leichtgewicht kämpft Schwarz(Guben) mit Leopold(Westen). In der gleichen Gewichtsklasse wird Ionschker(Teutonia) gegen Weise (Sparta) kämpfen. Im Weltergewicht kämpft Ludwig(Hermes) gegen Iendrika(Westen). Schirrmeister(Landsberg) gegen Kott (Sparta) und Daniel(Hermes) gegen Eckert(Westen) heißen die Paarungen im Mittelgewicht. Eine gute Zusammenstellung ist die Halbschwergewichtspaarung zwischen Senst(Teutonia) und Borch (BSV. Helios). Beide gehören nach Abgang von Dölkner(Heros) zur Spitzengruppe, und es ist eine Klärung des Besseren für die kommenden repräsentativen Kämpfe des Verbandes sehr wichtig. Im zweiten Halbschwergewichtskampf wird Eggebrecht(Westen) gegen Malender(Weißensee 1900) antreten. Zum Abschluß des Kampf- abends wird ein Schwergewichtstreffen zwischen Ritz(Hermes) und Opitz(Tennis-Borustia) zum Austrag kommen. Di« Veranstaltung beginnt um 8 Uhr abends.__ Hockey Arbeitersportler und alle Partei-, Gewerkschafts- und Reichs- bannermitglieder, alt und jung, die Interesse für dieses schöne Stock- bollspiel haben, finden Spielgelegcnheit im Arbeiter-Sportverem Schöneberg-Friedenau 07. Erstes Trainingsspiel findet heute, Sonnabend, um 18 Uhr auf eigenem Platz statt, im Süd- gelände an der Rubensstraße, Ratanelkirche. Fahrgelegenheit nur mit Straßenbahn Nr. 66 bis Ratanelkirche. Auskunft auch über andere Sportarten erteilt Max Stellmacher, W. 30, Goltzstr. 25: Kurt Werner. Schöneberg, Hohenfriedbergstr. 3; Oswald Greiß. Schöne- berg, Gotenftr. 68._ Ringen im Traumland In dem Lunapark des Nordens streiten jetzt allabendlich kämpf- stärkste Mitglieder des Internationalen Ringer- Ver- bandes um den Pokal des Traumlandes. Der außergewöhnlich stark« Publikumserfolo, den die Ringer bei ihren Wettkämpfen am kalensee verzeichnen konnten, scheint ihnen auch hierher zu folgen. Die ersten Kämpfe, die am gleichen Abend bis zur Entscheidung ausgetragen werden, nahmen gestern«inen recht interessanten Verlaus. Der stärkere Berliner Pietro Scholz brachte de» gewandten W e i n e rt zwar oft an den Rand einer Niederlage, konnte aber seinen Gegner erst in der 13. Minute durch einen Hüstschwung auf beide Schultern bringen. Pogzeba-Oberschlesien besiegte den Glatzer Voigt in der 8. Minute durch«inen Kopfzug aus dem Stand. Heute kämpfen unter anderem Scholz— von den Born und Weinert gegen Grüneisen. Die Kämpfe werden um 18 und 22 Uhr ausgetragen. versastungskegeln des Freien Keglerbundes. Der Gau Berlin des FKBD. bat zum morgigen Sonntag Sportkonkurrenzen aus- geschrieben. Auf den Bahnen der Sporthalle Südende werden die besten Fünfer- und Zweier-Mannschaften der Berliner Verein« sich um die vom Reichspräsidenten ausgesetzten Ehrenurkunden be> werben. Besonders spannende Momente verspricht der Dreikampf (Bohle, Asphalt, Schere) sowie der kombinierte Kampf(Herren und Damen). Die Konkurrenzen beginnen vormittags 10 Uhr. Freunde und Sportinterestcntcn als Gäste willkommen. Arbeiter-Sportverein Schöneberg-Friedenau 07. Am Sonntag beteiligen wir uns an der Verfassungsfeier des Reichs- b a n n e r s im Birkcnwäldchen(Tempelhos). Treffpunkt Ebers- Markt um 14X Uhr. Männer möglichst im dunklen Anzug und Schillerkragen. Genossen, es gilt an diesem Tage für die Republik einzutreten. Keiner sollte fehlen. Vormittags ist Platztraining(ab 9—12 Uhr) Dominicus-Platz. Touren der Radkahrcr,„Solidarität, Sonntag,«. Angnst. I.Abt.: 8. Auguli Auiv fahrt Noch Finsterwalde. Start 18 Uhr. g. August Störlgsee, Start 5 übr, beide BAowstr. 65.— 2. Abt.: 8. August, Jugend.. Werbellinsee, Start 1? Uhr. 9. August Samithsee, Start 5 Uhr. b?cde Rvhd«. Dieffenbachstr. z«: Kraitsahrer, Werbellinse«, Start 6 Uhr ebenda.— 6. Abt.: Lehnistsee. Start 5 Uhr Zelt, Kapenho gener Str. 17.— 9. Abt.: Lehnchse«, Start 6 Uhr Schreiber, Triflstr. 63. Rückschau. Die Deutsche Welle brachte als Ausschnitt aus der„Welt des Arbeiters" eine Veranstaltung, die das„Wesen und Werden der F e st k u l t u r des Arbeiters" zeigen sollte. Nicht«in historische Rückblick wurde versucht, auch nicht die Darlegung einer Festkultur- Theorie. Aus einer Diskussion, die, obwohl sie natürlich mindestens in Stichworten vorbereitet sein mußte, burttjous improvisiert wirkte, baute sich eine festliche Arbeiterveranstaltung aus. Im Entstehen enthüllte sie Sinn und Ziel. Lebendig ging Frage und Antwort, gingen Vorschläge und Hinweise hin und her. wurden einzelne Darbietungen zur Diskussion gestellt. So zeigte sich endlich die Arbeiterfeierstunde den Hörern, nicht nur im Wollen, sondern auch im Vollbringen: als Ausdruck der Gefühlswelt des Werktätigen. als Aufstieg aus dem Dunkel und der Unzulänglichkeit seines gegen- wältigen Alltags in die zukunftbauende Gemeinschaft, nicht von nebelhafter Romantik umdämmert, sondern als klares, starkes Be- kenntnis. Nicht zuschauend, sondern miterlebend, mitlebcnd steht der Arbeiter zu seinen Feierstunden, und wenn, in der Praxis stärker noch als es naturgemäß vor dem Mikrophon möglich ist. er das Fest mitgestaltet durch Sprech-, Gesang- und Bewegungschor, so drückt sich darin vielleicht am eindringlichsten der geistige Gehalt der proletarischen Festkultur aus, deren tiefster Sinn es ist, lebens» verbunden zu fein und Lebensverbundenheit zu schaffen. T«;. Sonnabend, 8. August. Berlin. 16.05 Dr. C. Lubrany: Die plucdt ans dem AMai. 16.30 Blasorchester-Konzert. 17.00 Harabure: Internationale Tennismeisterschaften. 18.00 Gustav Büscher: Kampf gegen die Rnndfunkstörungen. Ü'.SO I. Leclair; Sonate D-dur. 2, Mozart: Sonate Cs-dur(K.-V. 302). 3. Reger; Suite a-moll. 0p. 103a(Hedwig FaBbaender-Rohr, Violine, und Dr. Hanns Rohr. Flügel). 19.30 Die Erzählung der Woche(Otto Rombach). 20.00 Programm der Aktuellen Abteilung. 20.30 Irene de Noiret singt. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10„Berliner Panoptikum". Ein Kabarett von Eugen Tann. 22.15 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königswusterhausen. 16.00 Hamburg; Konzert. 17.00 Hamburg: Internationale Tennismeisterschaften. 17.15 Dorothea Hofer-Dcrnburg: Sommerfrische. 17.35 Prof. Dr. Benda: Pilze und Pilzvergiftung. 18.00 Französisch für Fortgeschrittene. 18.30 Prof. Fritz Ohrmann- Hausmusik für Harmonium. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Louis von Kohl: Die Grundlagen der primitiven Gesellschaft. 19.30 Prot. Dr. Werner; Heitere Stilblüten. 20.00 Langenberg: Lustiger Abend. Sonntag, 9. August: Berlin. 6.30 Funkgymnastik. 8.0 Für den Landwirt. 8.55 Morgenfeier. 10.05 Wettervorhersage. 12.00 Mittagskonzert. 14.00 Märchen.(Maria Markstein). 14.30 Harmoniumvorträge. 14.50 Schubert: I. Impromptu Es-Dur, op. 90, Kr. 2(Walter Bohle, Flügel). 2. Lieder.(Martha Mlrus. Sopran und Karl Miros. Tenor.) 3. Improptu As-Dur, op. 142, Nr. 2: Impromptu F-Moll, op. 142, Nr. 4.(Walter Bohle.) 4. Lieder.(Martha und Karl Mirus.) 5. Impromptu B-Dur. op. 14t. Nr. 3. (Walter Bohle; am Flügel: Julius Bürger.) 15.30 Georg Hermann liest aus eigenen Werken. j, 16.00 Nachmiitagskonzert. 18.00 W. K. Nohara: StraOcn im Fernen Osten. 18.30 I. Wilhelm Borger(geb. 9. August 1861): Sonate D-Moll. op. 28, Wf Cello und Klavier. 2. Mendelssobn-Bartholdy: Trio D-Moll. op. 49. (Konzertm. Julius Bcrger, Cello und Bruno Seidler-Winkler, Flügel.) 19.20 Alice Ekert-Rotbolz:„Ganz alltägliche Ballade". 19.50 Sportnachrichten. 20.00 Belcanto und Koloratur. Dir.: Bruno Seidler-Winkler. Solisten: Sabin« Meyen. Joseph Schmidt. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten, ynterhaltungsmusik. Königswusterhausen. 7.00 Hamburg: Hafenkonzert. 11.30 Elly HeuB-Knapp; Die eingeschüchterten Ellern. 12.15 Hamburg: Marktplatz Lübeck; Reichsjugendtag des Zentralverbandes der Angestellten. 15.30 Pastor Brüggemann: Lünehurger Heide. 16.45 Hamburg: Internationale Tennis-Meisterschaften. 18.00 Hoffer-Reichenäu: Stadt und Land. 18.30 New York: Konzert des Landeshochschul-Orchester«. Lfg.: Joseph E. Maddy. I. Dvorak; Symphonie aus„Neue Welt. 2. Wagner: a) Vorspiel zu„Die Meistersinger von Nürnberg"; b) Einzug der Götter in Walhall, aus„Rhoingold". 19.30 Julius Bah: Vom Wesen der Kritik. i Landre-Breithaupt E D E LW EISSE