Morgenausgabe Nr. 371 A 182 4S.Iahrgang WSchenMch SB 15t., mvTiatBch 3,80 W int voraus zohlbor, Posldezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. PostzeitungS' und 72 PI. Polideftellgedühren. Ausland» adonnement 6.— M. pro Monat; fite Linde» mit epmößlgtem Drucksachen. dort» 6.— M. De».Vorwirt-' erscheint wochentig. sich zweimal. Sonntag» und Montag, einmal, die Abendau-gabe für Berlin und im Dandel mit dem Titel.Der Adend' Illustrierte Beilag,.Palt und Zeit' Ferner.Frauenstimme', .Technik'..Blick in die Bücherwelt'. ,2ugend-Vorwärt»'u..Stadtdeilage' Oienstag tl. August 1931 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf, Sie elnspalt. NonvorelllezeNe 80 Pf. Slellamezeile 5,— RM.„Kleine An» zeiget da» fettgedruckte Wort 25 Pf. Zulässig zwei fettgedruckte Worte), jede» weitere Wort 12 Pf- Rabatt lt. Talif. Stellengesuche das erste Wort 1b PI, jedes weitere Wort 10 Pf. Worte übe» 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Lrbeitsmartt Zeile 60 Pf. Familien« anzeigen Zeile 40 Pf. 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T. schon seit vielen Mo- naten, vielleicht- sogar seit Jahren, aus dem Produktions- prozeß ausgeschaltet sind. Der Deutsche hat nicht das politische Temperament des Romanen. Ihm eignet auch nicht die über- schäumende Freude des Amerikaners, mit der er die Ver- ßassttngs» und Unabhängigkeitsfeste feiert. Bei uns ist auch in guten Zeiten mehr gesammelte und ernste Freude vor- herrschend. Diesmal liegt auch auf ihr noch der Schatten wohl des schwersten Wirtschaftskampfes, den eine große Kulturnation mit einem bis aufs feinste durchorganisierten Wirtschafts- und Kreditapparat je zu bestehen hatte. Bei allem aber fühlen wir doch«inen starken Stolz in uns. Unsere Verfassung hat sich gerade in diesen Tagen auf das beste�bewährt. Sie.hat mjt dem Äplksentfcheid '— zum ersten Male in der Geschichte des geeinten deutschen Volkes— die urdemokratische Einrichtung der direkten Volksbefragung in unser Verfassungsleben eingeführt. Wir haben die Feuerprobe bestehen müsien, ob wir schon reif genug sind, demokratische Einrichtungen anzuwenden, die sich sonst nur in der Verfassung, von Völkern finden, in deren Mitte sehr alte und starke demokratische Gedankengänge immer lebendig geblieben und niemals verblaßt waren. Die preußischen Staatsbürger mußten am 9. August darüber ent- scheiden, ob ihr Landtag vorzeitig nach Hause geschickt werden sollte oder nicht. Sie sollten mit dieser Entscheidung zugleich auch über ihre Regierung zu Gericht sitzen. Diese Regierung hat aber nach der Kraft des Menschenmöglichen versucht, an der Eroberung einer deutschen Zukunft mitzuarbeiten, die dem Lebenswillen und der moralischen, politischen, wirt- schaftlichen und kulturellen Leistung der preußischen Bevölke- rung gerecht wird. Sie hat es vermocht, das Land vor schweren politischen Krisen und schädlichen Unruhen zu bewahren und eine durchaus konsequente, zielbewußt republi- konische Politik zu verfolgen, immer mit dem Ziel, die zu- verlässigste und stärkste Stütze der Reichsregierung bei der Durchsetzung einer für Deutschlands Wiederaufstieg notwendi- gen friedlichen, völkerversöhnenden, dabei immer würdigen Außenpolitik zu sein. Die Gegner der Staatsregierung wollten diese demo- kratische Regierung durch das urdemokratische Mittel des Volksentscheids stürzen. Sie haben ihre Rechnung ohne die Mehrheit des preußischen Volkes gemacht. Diese Mehrheit hat am 9. August klar und ein- deutig bewiesen, daß sie eine Politik der Abenteuer verurteilt, daß sie es ablehnt, einen Sprung ins gefährliche Dunkel zu machen. Sie denkt vor allem nicht daran, das Geschick des Landes wieder in die Hand derjenigen Mqchte zu legen, die Feinde der Demokratie, des Volksstaates und noch heute im Herzen Anhänger des alten, nicht nur gestürzten, sondern vor der Geschichte auch längst innerlich überlebten Obrigkeitsstaates sind. Das preußische Volk hak begriffen, daß die demokroki- schen Volksrechte nicht deshalb geschaffen sind, damit das Volk sich durch ihre Hilfe selbst wieder seiner neuen Rechte entäußere und das Rad der Geschichte zurückdrehe. Der 9. August 1931, an dem die Mehrheit des preußischen Volkes das Ansinnen der aus den verschiedensten Lagern sich zusammenfindenden dunklen Mächte abgelehnt hat, gegen alle politische und wirtschaftliche Vernunft und vor allem auch gegen jede wahre Demokratie zu handeln, wird damit zu- gleich zu einem Ruhmestage derWeimarerVer- f a s s u n g vom 11. August 1919, auf der auch unsere preu- ßische Staatsverfassung sich gründet. Die von den Feinden der Republik oft geschmähte Verfassung von Weimar hat Graue Kolonne! Dieser tMarsch(Text von(Max Barthel (Mostt vorl QÖilhriln J&nöchcl) gelangt zar Uraufführung bei der grossen Ver- faffnngcfticr des(Reichsbanners Schwarz« (Rot«Goldarn 11.Ängnst193I im Tnsigarten. Taug genug währt die üktot, macht, daß sie zu Ende. Tluser Vormarsch gibt uns Brot. reicht euch uuu die 0än&e Graue Kolonne, uns leuchtet die Sovne. Vorwärts marsch I Marschiert I Vorwärts marsch. Tritt gesaßt l Schließt die große Reihe. Ghne Ruh nud ohne Rast stoßen wir ins Freie. Graue �Kolonne, uns leuchtet die Souue. Vorwärts marsch! ÄNarschiert! Darum reiht schnell euch ein, Sieg ist uns beschiedeu. Glürt soll aus der Erde sein, Brot genug und Frieden. Graue L�olouue uns leuchtet die Sonue. Vorwärts marsch! Vkarschiert! dem deutschen Volke ja doch unbestreitbar die einzig mögliche Grundlage zum Wiederaufbau seines staatlichen Lebens in Zeiten der äußersten Gefahr für den Bestand Deutschlands geschaffen. Sie hat am 9. August bewiesen, daß sie nicht zu früh gekommen ist, daß sie auf ein Volk zugeschnitten ist, das auch inmitten einer viele Hirne benebelnden und viele sonst tapfere Herzen bis zur Verzweiflung niederdrückenden Wirt- schaftsnot entschlossen, ist, nicht, ein Stück von seinen demokra- tischen Einrichtungen für immer wieder aufzugeben. Die deutsche Arbeiterschaft hat ein Recht, dop- pelt und dreifach stolz auf diesen Erfolg zu sein. Sie hat von Anfang an diese Verfassung als einen ungeheuren Fort- schritt gegen die Verhältnisse im alten Reich, insbesondere aber im königlichen Preußen begrüßt. Sie hat instinkthaft empfunden, daß hier die Vorbedingungen geschaffen sind, um in konsequenter Weiterarbeit die früher als Stiefkind des Staates behandelte Arbeiterschaft wirklich in den Staat voll- berechtigt einzugliedern. Sie fühlte weiter, daß ihr damit endlich der Einfluß auf die Geschicke des Landes gegeben werden sollte, auf den die von keinem Industrieland der Welt an Bildungsfähigkeit und Arbeitsleistung übertroffene deutsche qualifizierte Arbeiterschaft Anspruch erheben tonnte, insbesondere nachdem sie so lange politische Zurücksetzung hatte erfahren müssen. Die deutsche Arbeiterschaft hat der neuen Verfassung— auch hier nach dem Dichterworte, daß der ärmste Sohn des Vaterlandes auch sein getreuester war— in einer oftmals unerhört heroischen Weise die Treue ge- halten. Sie hat damit aufrichtend und ermutigend für all die anderen Volkstreist gewirkt, die den gerade für wirt- schaftlich Abhängige oft keineswegs leichten Kampf für die Republik im Lande mit Opfermut und Entschlossenheit führen. Die deutsche Arbeiterschaft ist in ihren wertvollsten Teilen der Verfassung auch treu geblieben, wenn das furchtbar schwere wirtschaftliche Mißgeschick, das seit der Staatsumwäl- zung als Folge des Weltkriegswahnsinns bisher nicht von uns weichen wollte, ihr das seelisch oft nicht leicht machte. Sie hat einen vollen Anspruch darauf, daß ihr diese Treue und Hingabe öffentlich gedankt wird, und daß es insbesondere all denen warnend und mit der nötigen Klarheit gesagt wird, die heute mit dem Gedanken spielen, die deutsche Arbeiter- schaft wieder einmal in die politische Einflußlosigkeit und wirtschaftliche Abhängigkeit früherer Zeiten zurückführen zu können. Die demokratische Republik kann diesen Verfassungstag nicht besser begehen, als wenn sie sich gelobt, ihre jetzt wieder einmal vor der deutschen und der europäischen Oeffent- lichkeit bewiesene Kraft einzusetzen für die zähe, ent- schlossene und unbeirrbare Arbeit an der W i e d e r a u f- richtung unserer Wirtschaft, von der ja auch das Schicksal der deutschen Arbeiterschaft abhängt. Dieser wirtschaftliche Wiederaufbau aber muß vor sich gehen im Sinne der Reichsverfassung von Weimar, die an den Anfang der Bestimmungen zur Regelung des Wirtschaftslebens des deutschen Volkes den Satz setzt: ..Die' Ordnung des wirkschastslebens muh den Grundsähen der Gerechtigteit mit dem Ziele der Gewährleistung eines menschenwürdigen Dasein» für alle entsprechen." Deutschland wird alles daransetzen müssen, um durch B e- friedung der europäischen Atmosphäre, um durch Wiederverflechtung unseres Landes in die Weltwirt- schaft, um durch Hinwegräumung all der lähmenden und schädigenden Unruhe und Depression, durch Hinwegfegen weiter der Bürgerkriegsspielerei die Bedingungen zu schaffen und zu verbessern, unter denen wir wieder aus Not und Elend aufsteigen können. Preußen wird dem Reiche ohne jede Spur von Parti- kularismus und Eigenliebe zur Seite stehen, wenn es jetzt daran gehen will, die Grundsätze einer vernunstgemähen Rationalisierung des deutschen Verwaltungsapparates in die Wege zu leiten. Es wird ihm die Wege ebnen helfen zu einer Reichs- v e r w a l t u n g s r e f o r m, bei der sich alle diejenigen auf breiter Basis zusammenfinden werden, die einsehen, daß jetzt nicht Parteientampf und öder Zank erlaubt sind, sondern daß das deutsche Staatsschiff von allem unnötigen Ballast befreit werden muß, wenn es die stürmische Fahrt in schwerer Seenot bis zum sicheren Hafen bestehen will. Der preußische Volksentscheid hat mit einem Schlage die Situation geklärt. Er hat vor der Welt sichtbar bewiesen, daß die Mehrheit des Volkes sich nicht einem uferlosen Radikalismus oder einem hoffnungslosen, resignierten Skeptizismus hingibt.«." Die vlasfen wollen Arbeit und Brot, aber sie wollen es nicht als Sklaven verzehren, sondern als freie Bürger eines demokratisch regierten Staates. Diese Erkenntnis wird der Welt das eine Zeitlang zu Unrecht erschütterte Vertrauen zu Deutschland wiedergeben. Sie wird auch dem gesamten deutschen Volke nicht nur Anlaß sein, heute mit warmer innerer Anteilnahme und mit stolzem Vertrauen seiner freiheitlichen Reichsverfasfung zu gedenken. Darüber hinaus wird sie ihm vielmehr auch die Zuversicht geben, daß die unheilvollen Mächte eines dunklen Schicksals nun beschworen und verscheucht sind. Mutig schreiten wir vorwärts ganz im Sinne des größten deutschen Dichters: „Vor uns das Licht— die F i n st e r n i s im Rücken." Auf zurVerfassungsfeier nach dem Lustgarten! Mißbrauch des Volksrechts Wie lange noch? Voll TVilZiolill Dittmann. Das demokratische Mittel des Volksentscheids wird von den Rechts- und Linksradikalen mißbraucht zur dauernden demagogischen Aufwühlung der Volksmassen. Die P a n ze r k r e u ze r a k t i o n der KPD. blieb bereits im Volksbegehren stecken, das Pronunziamento der Hugen- berg-Hitler-Front gegen den Uoung-Plan scheiterte kläglich beim Volksentscheid. Der gemeinsame Vorstoß der vereinigten Rechts- und Linksradikalen gegen die Preußenregierung ist jetzt gleichfalls elend zu- sammengebrochen. Das Volk hat diese„Volksbegehren und„Volksentscheide in seiner großen Mehrheit a b g e- lehnt. Ja, nicht einmal die eigenen Wähler der Arran- geurc dieser Aktionen haben für sie votiert! Vergegenwärtige man sich noch einmal die Sprache der Zahlen: Beim Panzerkreuzer-Volksbegehren der Kommunisten stimmten 1S28 ganze 1 21(5 968 Wähler dafür, während die Kommunisten kurz vorher bei der Reichstags- wähl 3 262 584 Stimmen aufgebracht hatten: also 62,7 Proz. der eigenen Wähler hatten sich n i cht beteiligt. Erforderlich waren für das Volksbegehren 16 Proz. der Gesamtwähler- schaft oder 4 134 006 Wähler. Beim Noung-Volks- begehren der Rechtsradikalen 1929 wurden ganze 7410 Eintragungen über die erforderlichen 10 Proz. der Stimm- berechtigten erreicht, und beim Volksentscheid brachten es Deutschnationale, Stahlhelm und Nationalsozialisten auf !> 800 000 Stimmen, während sie bei der voraufgegangenen Reichstagswahl 6 890 000 mielt hatten; es waren also nur 84,5 Proz. der eigenen Wähler zur Urne gegangen! Und nun die kläglich zusammengebrochene Aktion gegen Preußen: Zunächst nur von den Rechtsradikalen betrieben, brachte sie 5,9 Millionen Wähler beim Volks- begehren zur Einzeichnung. Von ihren eigenen 9 400 000 Wählern, die am 14. September 1930 für sie gestimmt haben, fehlten also 3 500 000 Wähler. Beim Volksentscheid stießen die K o m m u n i st e n mit 3 100 000 Stimmen von der Sep- temberwahl dazu, so daß hinter den Parteien des Volksent-' scheids 12 500 000 Wähler standen. Mindestens die Hälfte aller Wähler, genau 13 276 838, waren für das Gelingen des Volksentscheids notwendig. Rur drei Viertelmillionen über den eigenen Wöhlerbestand hatten die vereinigten Rechts- und Linksradikalen aufzubringen. Und was ist das Resultat? Ganze 9 793 603 Stimmen gleich 37.1 Proz. der Gesamt- Wähler! Es fehlten also noch 2 807 397 der eigenen Wähler vom September vorigen Jahres und insgesamt 3 483 255 Wähler an der erforderlichen Mehrheit. Was lehren diese Zahlen der drei Volksbegehren und Volksentscheide? Daß es sich bei ihnen überhaupt um keine wirklichen Volks begehren, sondern nur um Partei- bewegungen engster Art gehandelt hat. Das zeigt klar der Vergleich mit der einzigen wirklichen Dolksaktion großen Stils auf Grund des Volksentscheids, der Volksbewegung für die Enteignung der Fürstenvermögen(1926). Damals hatten die beiden Parteien, die hinter der Aktion standen, Sozialdemokraten und Kommunisten, bei der voraufgegange- nest' Reichstagswahl zusammen 10,6 Millionen<7,8 und 2,7 Millionen) Stimmen aufgebracht: Beim Volksbegehren erzielten sie 2 Millionen Stimmen mehr: 12� Millionen! Und dann beim Volksentscheid nochmals 2, insgesamt also 4 Millionen Stimmen über ihre eigenen hinaus: 14'A Millionen Stimmen! Darin zeigte sich, daß es sich nicht nur um«ine Partei- forderung, sondern um eine weit über den Partei- rahmen hinausgehende Volksforderung handelte! Be- kanntlich erreichte auch sie nicht ihr Ziel, aber sie war eine Bewegung, die wirklich die Tiefe des Volkes erfaßt hatte. Das aber gilt weder von der Panzerkreuzer-, noch von der oung- und auch nicht von der Antipreußen-Aktion. Ihre efultate haben sich offenbart als reine Partei aktionen. Zugleich aber auch als Mißbrauch der demokratischen Institution des Volksentscheids! Sie dienten lediglich der politischen Verhetzung und Beunruhigung. Daneben aber belasten sie die Reichs- und Staatskassen mit starten direkten und noch stärkeren indirekten 2l u s g a b e n. � Diese Erfahrungen sollten Anlaß sein, der l e i ch t f e r t i- gen Inszenierung von Volksbegehren und Volksent- scheid einen Riegel vorzuschieben. Da die Rechtsradikalen vom Großkapital, die Linksraditalen von Moskau finanziert werden, kann man getrost die Kosten, die der Allgemeinheit durch solche Aktionen verursacht werden, für den Fall ihres Mißlingen? den Arrangeuren aufbürden. Wenn man jetzt nur 10 Pf. pro Wähler beim Volksbegehren(gleich 265 536 M.) und später beim Volksentscheid(gleich 1 327 683 Mark) als Vorschuß gefordert hätte, wäre schon die Lust zu diesem pseudo-demokratischen politischen Betrugsmanöver wesentlich gedämpft worden. Jedenfalls kann die Demo- kratie, die als ultima ratio des Volkswillens gedachte In- stitution des Volksentscheids von den Feinden des Volkes nicht weiter gebrauchen lassen zur demagogischen Volksver- hetzung und Aufwühlung niedrigster politischer Instinkte und Leidenschaften. Das lehrt der 9. August 1931. i Kein Verbot der KPD. Fehlgegangene Mord-Spekulationen. Wenn die Mordtaten gegen Polizeibeamte den„höheren' Zweck gehabt haben sollten, ein Verbot der KPD. herauszufordern und die H i t l e r- G« h i l s e n der KPD.-Leitung vor dem Gericht ihrer empörten Partei zu schützen, so geht diese gewissenlose Spekulation seht. Das Polizeipräsidium erklärt nämlich, dag die Nutzlosig» keit eines Verbots der KPD. schon durch das geheime Weiterbestehen des„RFB" erwiesen sei. Außerdem wäre ein ort- iiches oder für ein oder mehrere Länder geltendes Verbot auch nicht zweckmäßig, sondern allenfalls nur ein zentrales Ver- bot. Aus diesen Gründen wird für Berlin und Preußen ein solches Verbot nicht erlassen. Totenfeier am Verfassungstag. Polizeipräsident G r z e j i n s t i wird heute bei der Ver- sassungsfeier der Polizei, die gegen andere Jahr« nicht die geringste Einschränkung erfährt, der Wachtmeister Zänkert und Kuh. feldt sowie der Hauptleute Anlauf und Lenck gedenken, die in Ausübung! ihrer Pslicht von Mörderhond getötet worden sind. Auf die Gedenkworte falgt ein« Minute trauernde» Schweigen und«in Trommelwirbel. Dann wird der Polizeipräsident seine An- spräche jortsetzen. Fürstenrecht und Volksrecht. Korderungen zum Verfassungsiag/ Von Staatsanwalt Dr.Hoegner, M.d.R. Die Lage der deutschen Justiz ist auf dem Salzburger Juristen- tag von dem Senatspräsidenten Reichert am Reichsgericht mit den treffenden Worten gekennzeichnet worden:„Die deutsche Justiz entspricht nicht dem Kulturzustand des Menschenalters.' Für die Ursachen dieser Erscheinung hat man anderweitig die Formel:„Volksfremdheit des Rechts, Weltfremd- heit der Richter, Rechtsfremdheit des Volkes" geprägt. In diesem Dreiklang ist«ins der schwierigsten Probleme der jungen deutschen Republik mit angeschlagen: ob und wie es möglich ist, die tief« und schauerlich gewordene Kluft zwischen Volk und Recht, und damit zwischen Volt und Staat, zu überbrücken. Daß dieser Gegensatz aufgerissen wurde, oerdanken wir einem der folgen- schwersten Ereignisse der deutschen Kulturgeschichte, der Auf- nähme des römischen Rechts in Deutschland, die zu Beginn der Neuzeit stattgefunden hat. Dieses römische Recht hat aus den Lehensmännern des deutschen Königs souveräne und absolute Fürsten, aus unabhängigen Reichsbürgern kncchtselige Untertanen gemacht und damit dos innen- und außenpolitische Schicksal des deutschen Volkes auf Jahrhunderte verpfuscht. Das römische Recht hat die Zerstörung der alten Wirtschafts- gemeinden, iibcrihaupt aller genossenschaftlichen Verbände, die Ab- sperrung der unteren Volksschichten vom Gemeingebrauch an Wold. Weide und Wasser, die Vertreibung zahlloser Bauern von Haus und Hof, den Sieg eines selbstsüchtigen Krämergeistes über altdeutschen Gemeinsimr auf dem Gewissen. Das römische Recht hat endlich die Rechtspflege in eine G e h e i in w i s s e n s ch a f t verwandelt, sie zum Vorrecht einer in, Staatsleben lange ausschlaggebenden Gelehrtenkaste erhoben und damit den Trennungsstrich zwischen Recht und Volk, zwischen Recht und Leben, gezogen. Die große Bewegung der Bauernkriege hatte mit sicherem Gefühl im römischen Rechte den Todfeind der deutschen Volksfreiheit erkannt. Das Heilbronner Bauernparlament von 1525 forderte die Austreibung der Doktoren des römischen Rechts aus jedem Gericht und aus jedes Fürsten Rat, die Ab- schaffung alles weltlichen Rechts im Reich und feine Ersetzung durch das göttliche und natürliche Recht, „damit der arme Mann soviel Zugang zum Recht, als der oberste und reichste hat". Aber zum Unglück für das deutsche Volk wurde der Bauernaufstand niedergeschlagen, die Fürsten siegten über das Volk. Erst die Weimarer Bcrfassung von 1919 hat endgültig den politi- schen Umschwung gebracht, die Staatsgewalt d e m. A o l k übertragen und ja das politische Ziel der Bouernsührer vor 490 Jahren verwirklicht. Dagegen ist das aus dem Fürstenstaat übernommene Rechtsgebäude bis heute unerschüttert ge- blieben. Jede Rechtsresorm in Deutschland muß als» zunächst darauf ausgehen, das überkommene Recht an die Demokratie anzupassen, Fürstenrecht i n V ol k s r e.ch t zu verwandeln. Dos' gilt vor allem für das dem B e r f a s su n g s r e ch t am nächsten stehende B c r w a l t u n g s r c ch t. Die Staatsverwaltung in vielen deutschen Ländern hat ihren Charakter seit der Zeit des fürstlichen Absolutismus wenig geändert. Sie ist in ihrem Wesen häufig rein fiskalisch-bürokratische Vermögensverwallung, Aus- Übung von Hoheitsrechten gegen den„beschränkten Untertanenoer- stand", Mittel der Selbstherrlichkeit für engstirnige Bürokraten ge- blieben. Der einzige Fortschritt gegenüber den, 18. Jahrhundert besteht zumeist darin, daß an die Stelle des allmächtigen Fürsten der Popanz einer angeblich über Zeit, Raum und Bersassung erhabenen geheimnisvollen Staatsperson lichteit getreten ist. Mit äußeren Mitteln allein ist dieser Bersteinerung des innerstaat- liehen Lebens nicht beizukommen. Gründlich helfen kann hier nur die Uebertragung aller geeigneten örtlichen Staatsverwaltung an beweglichere Selbstverwaltungskörper und eine zeitgemäße Umge- staltung der Bcrwaltungsgerichtsbarkeit. Dem Staatsbürger muß gegen jeden Uebergrisf einer Behörde der Verwaltungsrechtsweg eröffnet, an der Rechtsprechung aller Verwaltungsgerichte muß das Laienelement beteiligt werden. Nur das verbürgt die Umwandlung des Obrigkeitsstaates in den wahren Volksstoat, und das wird zu- gleich zu einem ausgezeichneten Mittel staatsbürgerlicher Erziehung. einer starken Quelle lebendiger Demokrat«. Die fehlende politische Reife weiter Teile des deutschen Volkes kann eben nicht von ungefähr kommen, sie muß langsam von innen heraus erarbeitet werden. Das geltende Strafrecht trägt vielfach noch die Spuren seiner geschichtlichen Herkunft an sich. Es hat lange Zeit weniger der Aufrechterhaltung einer menschlichen Gemeinschaft, als der Bc- hauptung der Herrschaft einer bevorrechtigten Klasse gedient. Das zeigt besonders der bevorzugte Strafschutz des Privat- e i g e n t u m s, der z. B. in Jagd- und Waldrecht so weit geht, daß ein Angriff gegen einen privaten Jagd- und Waldaufseher be- straft wird alz Widerstand gegen die Staatsgewalt! Die mensch. lichc Arbeitskraft dagegen, das einzige Rechtsgut der Besitz- losen, ist gegen wucherische Ausbeutung vogelsrei, die Geschlechtsehre der Frauen und Töchter der arbeitenden Stände ist gegen Miß» brauch der durch«in Dienst- oder Arbeitsverhältnis begründeten Abhängigkeit nicht geschützt. Erfreulicherweise soll im neuen Siros- gesetzbuch Wandel geschaffen werden. Die Daten der politischen Justiz im ersten Jahrzehnt der Republik haben gelegentlich zur Erörterung der Frage geführt, ob die richterliche Itnabhangigkeit auf die Dauer aufrechterhalten werden kann. Zweifellos ist sie nicht Selbstzweck, sie ist nicht um der Richter willen, sondern um des Staates willen da. Ein« Justiz, die ihre Macht dazu benutzte, dos Gefüge des Stoales auseinanderzusprengen, hätte keine Daseinsberechtigung mehr. In unseren verwickelten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnissen wird man den g e l e h r l e n R i ch t c r nicht mehr entbehren können. Immerhin hat sich in der Praxis die Ver- mählung der juristischen Verstandesschärfe des Berussrichters mit dem gesunden Menschenverstand und dem angeborenen Rcchtsgefühl des Laienrichters als äußerst glücklich erwiesen. Leider ist die Mitwirkung der Laien an der Rechtspflege aus Ersparnis- gründen seit 1924 erheblich zurückgedrängt. Die alten Geschworenen« gerichte, eine Errungenschast de» Jahres 1848, sind beseitigt, der Einzelrichter ist in weitem Umfang an die Stelle des Schössen- gerichts getreten. Fast alle Volksparteien fordern feit Iahren die Wiedcrlzerstellung des früheren Zustandes. Darüber hinaus muh die Mitwirkung des Laienrichters in der Zivilrechts- pflege, zunächst wenigstens in Mietsachen, auf die Dauer ge- sichert, im Fomilienrecht, besonders in Ehescheidungssachen und aus dem Gebiet der freiwilligen Gerichtsbarkeit angestrebt werden. Das Bismarcksche Reich hat dem deutschen Volke die Rechts« e i n h e i t auf vielen Rechtsgebieten gebracht. Das Wert ist noch unvollendet, es muß fertiggestellt werden. Einer einheitlichen Rcchtspolitik im Reiche stehen die Landesjustizverwaltungen entgegen. Ihr« Zeit scheint erfüllt zu sein. Gerade auch aus Juristen- kreisen, ist in den letzten Iahren immer stürmischer der Ruf„Ein V o I k, c l n Reich, ein Richte r!' erkliingen. Die Rechtsresorm, die allenthalben im Gange ist, wird sich erfreulicherweise auch aus das stammverwandte O e st e r r e i ch er- strecken. Seit Jahren arbeiten deutsche und österreichische Iurlstcir auf den verschiedensten Rechtsgebieten.zusammen, um für die beideiz Staaten eine möglichst weitgehende Rechtsangleichung zu«rzielem Diese Zusammenarbeit verspricht sür das gesamte deutsch« Volt außerordentlich fruchtbar zu werden. Das Hauptziel der deutschen Rechtsresorm kann nur sein, aus dem überkommenen Rechte, das zum Besten einer Herrenklasse ge-. dacht war, ein Recht zu schaffen, das sich In den Dienst des g e- samten Volkes stellt. Der Herrschaftsgedanke muß durch diu' Gemcinschaftsidee überwunden werden. Je eher und je bester das gelingt, um so mehr wird das Recht aus äußerem Zwang zu einer innerlichen Verpflichtung für den guten Staatsbürger werden. Eine Rechtsordnung anzubahnen, die auf vernünftige Einsicht, sittliches Gebot und freiwillige Unterordnung des einzelnen unter den höheren Zweck der Gemeinschaft gegründet ist. ist die schön st e Auf- gab« für die Demokratie, die mit dem Glauben an das Gute Im Menschen steht und fällt, die aus der losen Zweck- bindung der heutigen Gesellschaft zu einer innerlich verbundenen Gemeinschaft strebt. Wieder ein Polizist ermordet. Durch einen Stich in den Nücke«.— Oer Täter verhastet. Dortmuni», 10. August.(Eigenbericht.) Auf dem Steinplast überfiel am Montagabend um V-yQ Uhr ein S3jähriger Bursche namens Wilhelm Raujocts einen dort diensttuenden Polizei- beamten und stieft ihm mit dem Rufe„Rache für unseren Hunger" ein S!> Zentimeter langes, stehendes Messer in den Rücken. Der Beamte brach auf der Stelle zusammen. Der in der Nähe stehende Verkehrs- Posten erhielt beim Hinzuspringen einen Stich in die Hand. Er konnte Naujocks jedoch verhaften. Au» der sich ansammelnden Menge hörte man die Worte: „Z echt ist es Zeit. Jetzt w ollen wirdic Hunde aushängen." Der Rufer konnte ebenfalls ver» haftet werden. Der schwerverletzte Polizetbeamte wurde ins Krankenhaus gebracht. Die Parteizugehörigkeit des Naujocks konnte noch nicht festgestellt werden. Ficht beantwortete Oanat-Kragen. Gilt für die Staatsbürger nur die Parole: Steuern zahlen und Maulhalten? Wir haben am 6. August in unserem Leitartikel„Fragen über die Danat" eine amtliche Aufklärung über diejenigen Fragen gefordert, die im Zusammenhang mit der Sanierung der Danotbank bisher in ein tiefes Dunkel gehüllt sind, das geeignet ist, das schwerste Mißtrauen gegen diese Aktion auf Reichskosten zu- gunsten privater Interessenten zu erwecken. Eine Antwort auf diese Fragen, die zum Teil auch von anderer Seite in der Oesfentlichkcit erhoben worden sind, ist bisher nicht erfolgt. Wir halten es deshalb für notwendig, die zuständigen Stellen des Reiches— das Reichefinanzministerium soll in erster Linie diese sonderbare Sanierungsaktion geführt haben— mit allem Nachdruck darauf hinzuweisen, daß es gerade in einem Augenblick, in dem die normal« parlamentarijcheKontrolleg«hemmt ist, unerträglich erscheint, daß den Steuerzahlern nicht einmal mit der erforderlichen Klarheit gesagt wird, was mit den von ihnen aufgebrachten oder aufzubringenden Mitteln zugunsten der Sanierung einer privaten Bank eigentlich geschieht. Unter der Devise„Steuerzahlen, soziale Verkürzungen hin- nehmen und Maulhalten" dürfen derartige sonderbare Reichsgeschäfte, wie sie bei der Sanierung der Danatbank vorge-/ nommen worden sind, nicht abgewickelt werden. Wir fordern deshalb nochmals mit Nachdruck eine genaue Beantwortung der von uns auf- gestellten Fragen über die Danat durch eine verantwortliche Er- klärung der Reichsregierung. Abbau des Aotdiskonts. Zentralausschuß der Neichsbant einberufen. Die Reichsbank teilt mit. daß der Zentralansschuß der Reichsbant für heute 4% Uhr nachmittos einberufen' worden ist. wie DIL..Handelsdienst dazu erfährt, erwartet man eine Herabsehung de» Diskontsahe» von 15 ans 10 Proz. und des Lombardsohes von 20 auf 15 proz. Da» wäre nach nur zehn- tägiger Gültigkeit des Rotdiskonls ein Abbau auf den Stand der- schwarzen Tage nach dem Vanat-Zusammenbruch. Ein Rürgersteig wird versteigert. Dos polnische Städtche i Ruda-Pobjanicko im Kreise Lodz ist vollständig bankrott Es sind jetzt sogar die Steinplatten der Bürgersteige zur Versteigerung aus- geboten worden, um wenigstens etwas Geld für di, Stadtkaste ,u beschaffen." 0 Nr. 374* 48. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Dienstag, 44. August 4934 Freiheitstage der Menschheit Der Verfassungsiag des Jahres 1931 steht unter einem besonderen Zeichen. Die Republik hat einen Sieg errungen, die Gegner der Demokratie haben erfahren müssen, daß sich das deutsche Volk die Freiheit nich t von irgendwelchen diktaturlüsternen Gruppen entreißen läßt, mögen diese nun eine Hakenkreuz-, eine schmarzmeißrote oder eine Somjetfahne tragen. Das Grundgesetz der deutschen Freiheit ist die Verfassung von Weimar, ihr Symbol ist das schwarzrotgoldene Zeichen. Verfassungstag ist Freiheitstag an sich, aber in diesem Jahr ist er es ganz besonders. Feiern mir den Freiheitstag, wie alle freiheitlichen Völker die Ereignisse ihrer Geschichte festlich begehen, durdi die sie von innerer oder äußerer Unterdrückung befreit wurden! Schauen wir uns um in der Wehl Der Kreiheitötag der Amerikaner. Einfache Farmer, Menschen, die rauhen, unkultivierten Boden nutzbar zu machen gewohnt waren, Soldaten, die vom Acker hinweg die Uniform angezogen hatten, biedere, strenggläubige Menschen zumeist, bildeten die denkwürdige Versammlung, die im Jahre 1776 in Philadelphia tagte. Ihr Beschluß vom 4. Juli schuf den G e- burtstag der Vereinigten Staaten von Amerika. „Wir, die im Kongreß versammelten Vertreter," so heißt es in der Unabhängigkeitserklärung,„erklären hiermit feierlich, daß diese Ver- einigten Kolonien freie und unabhängige Staaten sind und von Rechtswegen sein sollen, daß sie losgelöst sind von ihrer Zugehörig- keit zur britischen Krone." Daneben aber verkündet dieses historische Dokument ein Programm, das die Naturrechte proklamiert. Gleich- heit und Freiheit ausspricht und eine Formulierung der Menschen- rechte folgen zu lassen zusicherte. Das stand zum erstenmal im Staatsgrundgesetz eines Landes, und es geschah in einer Zeit, da in Europa mehr oder meistens weniger aufgeklärter Absolutismus der Monarchen regierte. Noch heute ist es vielleicht der größte Vorzug des amerikanischen Volkes, daß es alle Vorzüge der Her- kunft verachtet und den Menschen nur nach seinem Können beur- teilt. Ein Amerikaner würde sich schämen, einem Staatsmanns seines Volkes vorzuwerfen, daß er früher einmal Schlosser oder Sattler gewesen ist. Diese nationale Würdelosigkeit bleibt den deutschen schwarzweißroten Patrioten vorbehalten. Der Amerikaner betont, wenn er es weit gebracht hat, daß er von unten aufstieg und aus eigener Kraft etwas wurde. Der 4. Juli aber ist als Tag, an dem die Freiheit des Landes und die Gleichheit seiner Bürger verkündet wurde, noch heute das Nationalfest Amerikas. Von ollen Dächern und Ballonen weht das Sternenbanner, Raketen knallen in die Luft, ein Volk, das stolz auf feine Freiheit ist, feiert. Die Erstürmung der Äastille. Als am Abend des 14. Juli 1759 der Graf Liancourt in das Schlafzimmer des Königs Ludwig XVI. eilte und ihm über die Vorgänge in Paris und die Zerstörung der Bastillc berichtete, schlug Ludwig die Hände über den Kopf zusammen und rief: „Großer Gott, das ist eine Revolte!" Der Graf erwiderte:„Nein, Majestät, das ist die R c v o l u t i o n!" Es w a r die Revolution. Durch das zornerfüllte Volk war die Zwingburg der Bourbonen Stein für Stein niedergerissen, die Zellen waren geöffnet worden, der königliche Absolutismus hatte seine erste große, seine e n t- scheidend« Niederlage erlitten. Europa aber blickte herüber nach Frankreich, der große Freiheitstag der Menschheit schien angebrochen. Durch die ganze Welt ging ein Handeln mit Steinen, mit Modellen, mit Eisen und Holz der Bastille. Klop- stock beklagte, nicht hundert Stimmen zur Feier der Befreiung zu hoben, der Gelehrte Schlözer meinte, im Himmel müsse ein Lob- gesang für das wunderbare Ereignis gesungen werden, out den Straßen der Hauptstädte umarmten sich die Menschen. Die Königin Marie Antoinette erkannte sehr wohl die Bedeutung des Ereignisses. Wenig später sagte sie ihrem Manne:„Ich glaubte nicht, einen Bürger geheiratet zu haben." Daß die Könige den Nimbus der Unantastbarkeit verloren, daß der Glanz einer der ältesten Kronen Europas erlosch, ist der Sinn des 14. Juli. Heute tanzt das kran- zösische Volk an seinem Nationalfeiertag auf Straßen und Plätzen, und der P r ä s i d e n t der Republik vertritt ein freies Volk als erster Bürger. Die Stumme von portici. Am 25. August 1830 wurde in der Oper in Brüssel Anders Werk„Die Stumme von Portici" aufgeführt. Die Menge lauschte, im Lande war eine bedrückte, zur Entladung reife Stimmung. Der Wiener Kongreß von 181S, diese Versammlung reaktionärer Staats- männer, hatte das Königreich der Vereinigten Niederlande oe- schaffen, in dem vom Haag aus der volksfremde König aus dem Hause Oranien die romanischen Wallonen regierte. Als in jener Vorstellung der Oper im letzten Akt die Soldateska über ein freies Volk triumphierte, stürzten die Menschen auf die Straßen, nnd eine Revolution war ausgebrochen. Sie hat gesiegt, Belgien gab sich einen König, aber es gab sich auch eine Verfassung, und diese Verfassung kennt keine Königsgewalt. Ihr Artikel 78 besagt: „Alle Gewalten gehen vom Volke aus!" Belgien es lebe die Republik! Aur zum Verfassungstag I Wie Berlin den Freiheitstag feiert. Republikaner! Das freie Deutsdiland begeht den Ehrenlag von Weimar. Das Programm für Berlin lautet: 9.15 Uhr: Yerfassungsfeier der Berliner Polizei im Lustgarten. Vorbeimarsch. Ansprache: Polizeipräsident Grzesinski. Weihe einer vom Präsidenten gestifteten Standarte in den Farben Schwarzrotgold und Schwarzweiß mit dem Polizeistern. Bekundung der unauslöschlichen Verbundenheit aller Teile Preußens mit dem Reich. 12 Uhr: Verfassungsfeier der Re. ichsregierung im R e i ch s t a g. Festrede: Reichsfinanzminister Dr. D i e t r i ch. Schlußansprache: Reichskanzler Dr. Brüning. Vor dem Reichstag schreitet der Reichspräsident die Front der Ehrenkompagnie der Reichswehr ab. 15.30 Uhr: Endspiele des Tennis- und Wintersportklubs Schwarzrotgold auf den Plätzen am Avus-Eingang. 19 Uhr: Platzkonzert des Reichsbanners im Lustgarten. Ansprache des Reichstagspräsidenten Paul Lobe. Fackelzug zum Platz der Republik. 19.30 Uhr: Verfassungsfeier der Sozialistischen Arbeiter-Jugend auf dem Gondarmenmarkt. Anschließend Fackelzug zum Reuterplatz. 20 Uhr: Gemeinsame Feier der Reichsregierung, der preußischen Staatsregierung und- der Stadt Berlin in der Oper Am Platz der Republik. Festansprache: Oberbürgermeister Dr. S a h m. Die Republik ruft! Republikaner, auf zum Verfassungstag! war die erste jener Monarchien, die man Republiken mit mon- archischer Spitze nennt. Das belgische Volk feiert als Nationaltag nicht den Geburtstag seines Königs, sondern den 25. Juli, an dem im Jahre 1931 sein erster König den Eid auf die Verfassung leistete, die alle Gewalt dem Volke gab. Fürst Bülow schildert eine Szene, in der Wilhelm II. dem König der Belgier phan- tastische Vorschläge machte und Leopold ihn darauf hinwies, baß er ein streng konstitutioneller Monarch sei. Wie der Präsident einer Republik, ist der König nicht mehr und nicht weniger als der erste Bürger des Staates. Die Pulververschwörung von London. Es gibt in der Weltgeschichte eine Verschwörung gegen die Volksrechte, die in ihrer Ausführung an die Taten erinnert, deren man das Trio der Gebrüder Saß beschuldigt hat. Im Jahre 1605 bezogen einige Verschwörer ein Haus, das Weitminster, der Tagungsstätte des Parlaments, benachbart ist. Bei Nacht und Nebel, in aller Heimlichkeit, gruben sie einen unterirdischen Gang und mieteten dann einen Keller des Parlamentsgebäudes. In ihn transportierten sie heimlich 20 Tonnen Pulver, die sie unter Holz- scheiten und Reisigbündeln versteckt hatten. Der König, die Lords und die Mitglieder des Unterhauses sollten in die Luft gesprengt werden. Geldsummen waren beigesteuert, Waffen angekauft und alle Vorbereitungen für den Ausbruch eines Aufstandes getroffen. Fast im letzten Augenblick wurde einer der Verschworenen durch die Angst für das Leben eines Verwandten, eines Mitgliedes des Hauses der Lords, dazu getrieben, das Geheimnis in ziemlich deut- lichen Worten zu verraten. In der Nacht des 4. November wurde jener Keller durchsucht und Guy Fawkes, ein aus Flandern nach England zurückgekehrter Soldat, auf dessen Mut und Gewandtheit besonders gerechnet war, in dem Gewölbe ergriffen. Das ganz- weitverzweigte Komplott kam an den Tag. Die Schuldigen wurden vom Volke auf der Flucht niedergemacht oder auf den Richtplatz geführt. Noch heute aber ist dieser Tag in England«in Gedenktag für die Errettung der bedrohten Volksrechte. Noch singt man: „Remember. remember the fiflh of November."(Gedenke, gedenke des fünften November!) * Portugal feiert den 5. Ottober, an dem 1910 Manuel II. gestürzt und der Freistaat ausgerufen wurde, und es feiert am 31. Januar die Vorläufer und Märtyrer des Freistaates. Der Nationaltag Chinas ist der 10. Oktober, an dem man der Aus- rufung der Republik im Jahre 1911 gedenkt. Alle südamerika- nischen Staaten begehen die Tage ihrer republikanischen Unab- hängigkeit und ihrer Befreiung von den Herrschergeschlechtern Bourbon und Braganza. Wir Deutschen feiern heute Verfassungstag. Im stolzen Bewußtsein, daß die Republik und die Demokratie von ihren Feinden rechts und links nicht zerstört werden können, begehen wls diesen Berfassungstag 1931. Die schwarzrotgoldene�� Banner wehen, die Fackeln werden leuchten-, und wir werden geloben: Die Freiheit soll bei uns in treuer Hut sein! Schulprämien zur versafsungsseier. Wie der Amtliche Preußi- sche Pressedienst erfährt, kommen wie alljährlich auch bei der dies- jährigen Verfassungsfeier in den höheren und mittleren Vo)ks- schulen Preußens Bücherprämien zur Verteilung. Da die Feier in diesem Jahre im Zeichen der Erinnerung an den Freiherrn vom Stein steht, ist als Prämie das neue Werk von Projesjor Schnabel„Freiherr vom Stein" bestimmt worden. '(Schluß.) Worobjew kauerte sich auf den Fußboden, stemmte den Stuhl zwischen seine sehnigen Beine und begann mit der Kult- blütigkeit eines Zahnarztes die kleinen kupfernen Nägel her- auszureißen, ohne einen einzigen auszulassen. Seine Arbeit war mit dem zweiundsechzigsten Nagel beendet. Der englische Zitz und die Matten lagen frei auf dem Gestell des Stuhles. Man brauchte sie nur aufzuheben, um die großen und kleinen Etuis und Kästchen, mit Schmucksachen gefüllt, vor sich zu sehen. — Und dann gleich ins Auto— dachte Worobjew, der die Lebensweisheit in der Schule des großen Kombinotors gelernt hatte— zur Bahn und dann sofort zur polnischen Grenze. Gegen Erlag von ein paar Steinchen wird man mich ins Ausland lassen und dort-.. Und in dem Wunsche, so rasch als möglich zu sehen, was „dort" eigentlich los war, riß Worobjew den Zitz und die Matten vom Stuhle herunter. Seinen Augen bot sich der Anblick von Sprungfedern, wunderbaren englischen Sprungfedern, und einer Füllung. einer ganz besonderen Füllung, Vorkriegsqualität, wie sie heute nicht mehr zu finden ist. Sonst aber gab es nichts zu sehen. Worobjew wühlte mit den Fingern mechanisch m der Füllung und saß eine geschlagene halbe Stunde da. ohne den Stuhl aus seinen wankenden Beinen loszulassen, und wieder- holte nur stumpf vor sich hin:„Warum ist denn nichts hier? Das kann nicht fein! Das kann nicht fein!" Es war schon beinahe ganz hell, als Worobjew alles, wie es war. liegen ließ, seine Zange und die Mütze mit dem goldenen Wappen des imaginären Iacht-Klubs vergaß und, ohne von jemandem bemerkt zu werden, schwer und müde durch das Fenster auf die Straße kroch. „Das kann nicht sein!" wiederholte er, als er sich schon int nächsten Stadtviertel befand.„Das kann nicht sein!" Er ging wieder zum Klubhaus zurück und begann unter dem Fenster aus und ab zu spazieren, dabei bewegte er die Lippen. Was kann nicht fein!"„Das kann nicht sein!" „Das kann nicht fein!" Manchmal schrie er auf und griff sich an den vom Morgennebel feuchten Kopf. Während ihm alle Nachtereignisse durch den Kopf gingen, schüttelte er die grauen Haare. Die Aufregung mit dem letzten Sessel war ein zu starker Chok gewesen. Binnen fünf Minuten zum Greis geworden — das ergab sich als Resultat. „Hier treiben sich allerlei Individuen herum", körte Wo- robjew eine Stimme an seinem Ohr. Er sah einen Wächter neben sich ,der sehr alt und an- scheinend sehr gutmütig war. „Immer gehen hier Leute herum", sagte der alte Mann, der der nächtlichen Einsamkeit schon überdrüssig war, redselig. „Und Sie, Genosse, interessieren sich wohl auch für die Sache. Es ist auch kein Wunder. Man kann sagen, daß unser neues Klubhaus schon etwas ganz Besonderes ist." Worobjew sah den rotbackigen Alten mit einem Leidens- blick an. „Ja", sagte der Alte,„dieser Klub ist etwas Außerordent- liches. Es gibt nicht so bald etwas in dieser Art." „Was ist da so Ungewöhnliches dabei?" fragte Worobjew, seine Gedanken sammelnd. Der alte Mann sah Worobjew freudig an. Anscheinend hatte er ein besonderes Gefallen an der seltsamen Geschichte dieses Klubhauses, und es machte ihm ein besonderes Vergnü- gen, sie immer wieder zu erzählen. „Nun", begann der Alte,„ich bin hier bereits seit zehn Jahren Wächter und habe einen solchen Fall noch nicht erlebt. Höre zu, mein Männlein. Hier hat es früher schon ein Klub- haus gegeben, und ich habe es bewacht. Es war ein schlechtes Klubhaus. Man heizte in einemfort und konnte es nicht warm kriegen. Und der Genosse Krasilnow fragte mich: „Wozu brauchst du so viel Holz zum Heizen?" Und ich habe dos Holz doch nicht gegessen. Der Genosse Krasilnow quälte sich mit diesem Klub ab, hier war es feucht, dort war es kalt, für die Musiksektion gab es keinen Platz, und im Theater zu spielen, has war eine Strafe, die Herren Schauspieler er- froren beinah. Fünf Jahre lang hat man um Kredit für ein neues Klubhaus gebeten und bekam keinen, ich weiß nicht, warum. Es war im Frühjahr, da kaufte der Genosse Krasilnow einen neuen Stuhl für die Bühne, einen guten gepolsterten Stuhl..." Worobjew lehnte sich mit seinem ganzen Körper gegen den Wächter und hörte zu, � z, Er war halb ohnmächtig. Und der alte Mann lachte freudig und erzählte, wie er einmal auf diesen Stuhl gestiegen sei, um eine elektrische Birne einzuschrauben, „Ich rutschte hinunter und der Ueberzug riß entzwei. Und da sehe ich, daß aus dem Ueberzug Steinchen heraus- fallen, weiße Glasperlen, auf einen Faden gereiht." „Glasperlen", sagte Worobjew. „Glasperlen", jauchzte der alte Mann entzückt,„ich schaute in die Polsterung hinein und entdeckte da allerlei Schächte!- chen. Ich habe diese Schächtelchen nicht angerührt, sondern ging direkt zum Genossen Krasilnow und meldete ihm alles. Genau so habe ich es auch später der Kommission gemeldet: Ich habe dieses Schächtelchen nicht angerührt. Und paß auf, mein Männlein, daran habe ich sehr gut getan, denn man hat in den Schächtelchen Schmucksachen gefunden, die die Bour- geoisie dort versteckt hat." „Und wo sind denn diese Schmucksachen, wo?" rief der Vorsitzende. „Wo, wo", äffte der Alte nach,„dazu muß man Verstand haben, mein Männlein. Hier sind sie!" „Wo? Wo?" „Hier sind sie!" rief der rotwangige Wächter und freute sich über die Wirkung seiner effektvollen Erzählung.„Da sind sie! Putze deine Augengläser! Man hat die Brillanten verkauft und für das Geld das Klubhaus gebaut, mein Männlein! Siehst du! Da ist er, der Klub! Dampfheizung, Schach, Büfett, Theater, man läßt niemanden mit Galoschen an den Füßen hinein!..." Worobjew wurde es eisig kalt, und ohne sich von der Stelle zu rühren, besah er den massiven Bau. Also dies hier war der Schatz der Frau Pjetuchowa! Hier waren sie, die ganzen hundertfünfzigtauscnd Rubel null null Kopeken, wie der getötete Ostap-Soliman-Berta- Maria Bender zu sagen pflegte. Hier war der Schatz, er existierte, hatte sogar ein weit größeres Volumen erlangt. Man konnte ihn mit den Händen anfasien, aber wegtragen konnte man ihn nicht. Er diente jetzt irgendwelchen anderen Menschen. Worobjew berührte mit den Händen die Granitmauern. Die Kälte des Steines ging in sein Herz über. Und er schrie auf. Sein Schrei— der wahnsinnige, leidenschaftlich wilde Schrei eines zu Tod getroffenen Wolfes— flog auf, in die Mitte des Platzes, unter die Brücke, wurde von den Tönen der erwachenden Großstadt übertäubt und erlosch... Ein wunderbarer Herbstmorgen schwang sich über die nassen Hausdächer in die Straßen von Moskau hinab. Und die Stadt trat ihren Vormarsch an— heute wie alle Tage.. Suche nach den schupomordern. 23000 mark neiohnung.— Kommunistische Terrorgruppen. Di« Nachforschungen der Polizei nach den Mördern an den beiden Schupohanptlenten Anlauf und Lenk haben bisher leider noch zu keinem greifbaren Ergebnis geführt. Im Laufe des gestrigen Tages haben bei der Politischen Po- lizei des Polizeipräsidiums unausgesetzt Vernehmungen statt- gefunden. Ueber das Ergebnis wird zur Zeit noch StAschweigen be- wahrt. Sowie! kann bisher nur gesagt werden, daß sich gegen mehrere Personen der Verdacht verdichtet hat, daß sie an den Terrorakten unmittelbar beteiligt waren. Die Namen der Verdächtigten werden im Interesse der weiteren Untersuchung vor- läufig geheim gehalten. Der Polizeipräsident hat außer der bereits gestern angekündigten Belohnung von 3000 Mark weitere 20 000 Mark ausgelobt, die für Personen aus dem Publikum bestimmt sind, die durch zweckdienliche Angaben zur Ausdeckung und Unschädlichmachung der zweifellos be- stehenden kommunistischen Terror- und Aktionsgruppen beilragen. In dieser Auslobung sagt der Polizeipräsident u. a.:„Noch den polizeilichen Ermittlungen kann kein Zweifel daran bestehen, daß es sich in allen vorgenannten Fällen um planmäßige Mordtaten handelt. Kommunistische Terrorgruppen haben es sich zur Aufgabe gesetzt, die Exekutivorgane des Staates mit Mitteln v r g a n i- sierten Meuchelmordes zu bekämpfen. Nach den westeren polizellichen Ermittlungen ist anzunehmen, daß die einzelnen kommu- nistischen Terrorgruppen miteinander In Verbindung stehen und der Weisung einer zentralen Stelle unterliegen. Die obige Belohnung ist für Mitteilungen bestimmt, die dazu führen, die Terrorgruppen. ihre Mitglieder, Führer und Hintermänner zu ermstteln und fest- zunehmen." « Das Befinden des im Staatskrantenhaus in der Scharnhorst- straße daniederliegenden Polizeihauptwachtmeisters Willig hat sich erfreulicherweise so weit gebessert, daß Lebensgefahr nicht mehr besteht. Eine Lumperei. Schamlose Burschen haben gestern am Grabe des vor einiger Zeit von Kommunisten erschossenen Polizeihauptwachtmeisters Z ä n k e r t auf dem Garnisonfriedhof in der Hasenheide eine kleine Marmortafel niedergelegt, die in roten Lettern folgende Inschrift trug:„Ruhe in Gott, Rot Front lebt!" Diese neueste Gemeinhest kann wohl nicht mehr überboten werden. 100000 Mark Belohnung. ür die Ergreifung der Täter des D-Zugattentats. Amtlich wird mitgeteilt: Für die Ermittlung und Ergreifung der Täter des am 8. August 1931 bei Jüter- bog verübten Eisenbahnanschlags haben die Reichs- regierung und die Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahngesellschaft Belohnungen von je 50 000 Mark» insgesamt also von 100000 Mark, ausgesetzt. Ueber die Verteilung der Belohnungen entscheiden unter Ausschluß des Rechtsweges der Reichsverkehrsminister und die Hauptverwaltung der Deutsche« Reichsbahngesell- schaft. Strengste Geheimhaltung der Namen der Personen, die an der Entlarvung der Täter mithelfen, und die die Belohnung erhalten, wird zugesichert. Zweckdieuliche Angaben über de« Anschlag und die mutmaßlichen Täter sind zu richten an Kriminalpolizeirat Geuuat beim Polizeipräsidium Berlin, Zimmer 52, Postanschluß: Berolina 0023, Apparat 428. Der Schnellzug Basel— Frankfurt— Berlin, auf den am Sonn- abend der schändliche Anschlag verübt wurde, bestand aus starten Stahlwagen. Dem ist es zu verdanken, daß die Wagen nicht in- einandergepreßt wurden, während die ebenfalls verwendeten Hülsen- puffer das Uebereinanderschieben der Wagen verhinderten. Es ist glücklicherweise fast keine einzige Fensterscheibe zerbrochen, so daß auch nur wenige Schnittwunden vorgefallen sind. Insgesamt mußten füist Verletzte in das Elisabeth-Krankenhaus in Berlin und westere fünf in das Krankenhaus Jüterbog gebracht werden. Drei der Verletzten sind bereits wieder entlassen. Der Zustand der anderen ist gleichfalls besorgnisfrei. Die Täter in Berlin? Die Fahndung nach den Attentätern, die bei Jüterbog den FD.-Fug 43 zum Entgleisen brachten, wird mit allen verfügbaren Mitteln geführt. Zur Unterstützung der am Tatort weilenden Ve- amten werden noch aus Berlin kriminalrat Gennat, die kom- missare Dr. Wächter und L issig keit und 5 Beamte der In- spektion A entsandt werden. 3n Berlin werden auch au den Säulen Plakate verösfentlicht werden, in denen besonders wichtige Fragen gestellt sind, wo ist z. B. eine größere Menge rot- gewachster Klingeldraht gekauft worden? hat vielleicht jemand an- dere Personen über ein geplantes Eiseubahnatlental sprechen hären? Da immerhin die Möglichkeit besteht, daß einer oder mehrere der Täter aus Berlin stammen, so wird auch hier eingehend nachge- forscht. Irgendwelche Mitteilungen, die zur Aufklärung beitragen können, werden hier an die Inspektion A der Kriminalpolizei im Polizeipräsidium erbeten. Ein wichtiger Anhaltspunkt. Bei der Reichsbahndirektion hat sich inzwischen ein Arzt gemeldet, der in dem verunglückten Zuge mitfuhr und sich auch der Verletzten sofort angenommen hat. Er gibt an, er habe zwei junge Burschen teilnahmslos in der Nähe der Unglücksstell« herumstshen sehen, die sich weder um die Verletzten gekümmert, noch sonst irgend- wie Hand angelegt hätten, so daß der Verdacht in ihm aufgestiegen sei, die beiden könnten mit dem Anschlag auf den Zug zu tun haben. Die Ueberwachungsstelle der Reichsbahn ist ersucht worden, sich mit dem Arzt, der eine genaue Beschreibung der beiden Leute geben kann, in Verbindung zu setzen. Heute in den Lustgarten? Auf zur Verfassungsfeier des Reichsbanners. Der Gesamtvorstand Berlin-Brandenburg des R« i ch s b a n- ners Schwarz-Rot-Gold schreibt uns: Der Angrisf auf Preußen ist abgeschlagen! Die Front der Ber- nünftigen ist stärker gewesen als die Front der Verantwortungslosen, der Irregeleiteten und der Verhetzten. Nicht einmal die von Hugen- berg so stürmisch begrüßte Hilfe der Kommunisten hat die schwarz- weiß-roten Verräter des Volksentscheids vor einer so erbärmlichen Niederlage retten können. Das republikanische Preußen unter der zielsicheren Führung Otto Brauns hat einen Sieg errungen, dessen Bedeutung vor allen Dingen aus den Kommentaren der Weltpresse hervorgeht. So wird die morgige Verfassungsfeier des Reichsbanners im Lustgarten mit dem anschließenden Fackelzug zur Sieges- frier. Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold tritt bis auf den letzten Mann an und ruft das republikanische Berlin zur Teilnahme aus. Die Feier, bei der Reichstagspräsident Paul Lobe spricht, beginnt nach einem Platzkonzert um 20 Uhr. Keiner bleibe zu Hause, jeder reihe sich ein in die republikanische Front, die nunmehr zum Gegen- stoß antritt und den reaktionären Staatsverderbern samt ihren kommunistischen Lakaien schärfsten Kampf ansagt. Verfassungsfeier im Arbeitsamt. Im großen Saal der Fachabteilung für das Baugewerbe des Arbeitsamtes Berlin-Mitte haben sich Beamte, Ange- stellte und Arbeiter zusammengefunden, um den Verfassungstag fest- lich zu begehen. Der große nüchterne schlichte Raum ist reich ge- schmückt mit schwarzrotgoldenen Fahnen: Gesang ertönt von der Galerie. Ein Sängerchor, gebildet aus Angestellten des Hauses, singt mit schönem Empfinden Flemmins„Eintracht und Liebe". Dann ergreift der Vorsitzende des Arbeitsamtes, Genosse Dr. Kunze, das Wort und spricht über den Aufbau und das Werden der preu- ßischen Verwaltung und ihres eifrigsten Vorkämpfers, Freiherrn vom Stein, der die Grundforderung der Menschheit erkannte und zu erfüllen bestrebt war. das Recht zur freien Entfaltung all ihrer Kräfte. Nach Schluß der eindrucksvollen Rede fang der Chor„Hab Sonne im Herzen" von Kaun und das Lebenslied„Stehe und falle". Mit einem Hoch auf die deutsche Republik schloß die schöne, stimmungsvolle Feier. Verfaffungsflugtag des„Sturmvogel". Der Volksflugtag, den der„Sturmvogel" anläßlich der Ver- fassungsfeiern in Tempelhof veranstaltete, war ein voller Er- folg. Schon vor Beginn des Meetings umsäumten Tausende von Zu- schauern das Feld, ein ganz großer Zustrom aber setzte in der vierten Nachmittagsstunde ein. Das flugsportliche Programm war überaus reichhattig, es trat nicht die geringste Stockung ein, immer war etwas los, und das Publikum geizte nicht mit Beifallsäuße- rungen. Die Veranstaltung wurde mit Kunstflügen Liesel Bachs, Ernst U d e t s und Bobby W e i ch e l s eröffnet. Nach Begrüßungs- warten Walter Binders hielt Ministerialdirektor Dr. Karl Spiecker eine kurze zündende Festrede, in der er die Bedeutung des Tages würdigte. Das Publikum stimmte begeistert in das Hoch auf die Republik ein und sang die dritte Strophe des Deutschlandliedes. Nach einem interessanten Luft rennen zeigten die von den Ortsgruppen Neukölln, Spandau, Weißensee, Tiergarten und Osten erbauten Gleit- und Segelflugzeuge Bodenstarts. Dann folgten Fallschirmabsprünge, ausgeführt von Lucie Byczkowfki, den Piloten H a st e r und K u h n k e. An dem Fallschirmabsprung Lucie Bycztowski war bemerkenswert, daß sie ihn ausführte, als sich das Flugzeug in der Rückenlage befand. Der zu gleicher Zeit stattfindende Start des größten deutschen Landflugzeuges, des D 2000. und des kleinsten, von Werktätigen erbauten Sportflugzeuges, des„Fried- richshain", bot einen überaus interessanten Anblick. Im Anschluß an die flugsporllichen Darbietungen starteten die mit schwarzrotgoldenen Wimpeln versehenen Ver, kehrsflugzeuge der Luft-Hansa zu Rundflügen, deren Preis bedeutend herabgesetzt war. Es war ein Festtag für das Volk und der„Sturmvogel" hat bewiesen, daß sein Name und seine Ziele außerordentlich große Werbekraft besitzen. Die Laubenkolonie feiert. Der Garten-Verein„Guter Wille", der mit städtischer Hilfe sein« nun wohl gesicherte Musterkolonie auf dem Tempelhofer Feld errichtet hat, verband sein Sommer- und Erntefest mit der Verfassungsfeier. Die Veranstaltung, an der sich die Nachbar- kolonien und zahlreiche Besucher beteiligten, verlief unter Leitung des Genossen B a ch m a n n ebenso würdig wie fröhlich. Am Fest- platz vor der neuerbauten Vereinshalle begrüßte der Borsitzende Genosse Offenhammer die Feftteilnehmer. Die Festrede hielt Genosse Kamm. Er führte u. a. aus, auch die Verfassung sei ein Erntegut, das es zu nutzen gelt« als Zukunftssaat. Daran seien auch besonders die Gartenkolonisten interessiert. Der§ 155 böte die Möglichkeit, ihren Wunsch nach Sicherung von Dauerklein- gärten in der Stadtplanung zu verwirtlichen, wie über- Haupt durch die Verfassung alle Volkswünsche Erfüllung finden könnten, wenn sich alle, die„guten Willens" sind, zu sachlicher. verantwortungsbewußter Arbeit zusammenfänden. Jugendspiele leiteten den heiteren Teil des Festes ein: ein« 30 Mann starke Musik- kapelle spielte auf. Ein Fackelzug beendete das harmonische Fest, das jedenfalls in glücklicher Weise für die Sache der Kleingärtner- bewegung wie für die Festigung des republikanischen Gedankens geworben hat. Republikanische Schüler heraus! Die Freie Nationale Schülerschaft(FNS.) ruft Berlins republi- konische Schülerschaft auf, am Ehrentag der Deutschen Republik vor aller Oeffentlichkett ein Bekenntnis zum deutschen Volksstaat abzu» legen. Keiner darf fehlen. Sammeln am 11. August, Punkt 19 Uhr, am Hau-vogteiplatz zum Abmarsch und Fackelzug nach dem Lust- garten. Das..Haus der Ingenieure" hat zum Volksentscheid nicht schwarzweißrot geflaggt, wie uns irrtümlicherweise berichtet wurde. Es handelte sich um die Hauptgeschäftsstelle der Deutschnationalen Volkspartei. Äefangskonzert im Schulgarten an der Panke. Im Rahmen einer Abendoeranstallung der welllichen Schule in der Gotenburger Straße singt am kommenden Freitag, 5420 Uhr. zu widerhollem Male der„Berliner Schubert Chor".— Freunde des Gesanges und der weltlichen Schule sind herzlich eingeladen.— Eintritt frei. Für Alte und Kranke gute Sitzgelegenheit. volkstümliche Konzerte am verfaffungstaa. Au, Anlaß des Dersassungstoges findet heute um 18 Uhr im Schultheiß-Brauerci- Ausschank, Hasenheide 20/31 ein volkstümliches Doppelkonzert vom Kosleckschen Bläserbund und vom Reichsbundorchester ehem. Mlli. tär-Musiker statt. Eintritt 30 Pf„ Tragödie in Gchöneberg. Arztehepaar vergiftet aufgefunden. Im Schlafzimmer ihrer Wohnung im hause viktoria-lluise- Platz 1 in Schöneberg wurden gestern der 68 Jahre alte Professor Dr. med. Edmund Meyer und seine SSjährigc Frau Rosa tot aufgefunden. Nach dem Befund ist das Ehepaar im gegenseitigen Einver- ständnis aus dem Leven geschieden. Professor Meyer war erst am vergangenen Sonnabend mit seiner Frau von einer Reise nach Berlin zurückgekehrt. Sür Sonntag hatte das Ehepaar die Haus- angestellte beurlaubt. Die Abwesenheit des Mädchens haben beide benutzt, sich im Schlafzimmer mit Zyankali zu vergiften. Wie es heißt, sollen wirtschaftliche Schwierigkeiten das Ehepaar zu dem gemeinsamen Verzweislungsschritt veranlaßt haben. Krankenhaus eingestürzt. 400 Todesopfer der Lleberschwemmungen. .Hankau, 10. August. 400 Insassen eines Krankenhauses kaum ums Leben, als das Gebäude infolg« der seit mehreren Tagen an- dauernden starken lleberschwemmungen über ihren Köpfen einstürzte. Nähere Einzelheiten über das Unglück fehlen noch. Tornado in Güdfrankreich. Paris. 10. August. Ein Tornado von ungewöhnlicher Heftigkeit hat den Küstenstrich von Toulon heimgesucht. Zahlreiche Fischer und Sonntags- ausflügler, die sich in kleinen Booten aufs Weer hinaus- begeben hatten, kamen in den meterhohen wellen ums Leben. Das Meer hat bisher acht Leichen angeschwemmt. Etwa zwan- zig Personen werden noch vermißt. Angekündigter Mord. In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag wurde am Hause Hagenauer Str. 18 mit großen Lettern angemalt:»Für«inen erschossenen Arbeiter fallen zwei Schupo-Offi- ziere. Rot Front lebt! Rot Front nimmt Rache!" Die Ereignisse haben gezeigt, daß dies die Ankündigung des Morde« an den beiden Polizeioffizieren am Bülowplatz war. „Friedrich-Ebert-Brücke" in Hameln. Kürzlich ist in Gegenwart des Oberpräfidenten der Provinz Hannooer die neu« Straßenbrücke über die Weser in Hameln für den Verkehr freigegeben worden. Die in den Jahren 1929—1931 erbaute Brücke ersetzt die alte in Hängebrückenform ausgebildete Ausleger- brücke und überspannt auf der Klütseite anschließend den neuen Bor- Hafen der im Bau befindlichen Schleppzugschleuse. Die für den Neubau erforderlichen Mittel in Höhe von rd. 1,52 Millionen Mark stellte im wesentlichen das Preußische Ministerium für Handel und Gewerbe und für die Ueberbrückung des neuen Vorhafens das Reichsverkehrsministerium zur Verfügung. Wie der Amtliche Pressedienst mitteilt, hat dieser Bedeutung entsprechend der Regierung?- Präsident in Hannover auf Anordnung des Preußischen Ministers des Innern der Brücke am diesjährigen Verfassungstage den Namen „Friedrich-Ebert-Brücke" erteilt. Nazistrolche überfallen Reichsbanner. Ein Auge ausgeschlagen. Nach dem Fackelzug des Reichsbanners Schöneberg-Friedenau am Sonnabend, der am Rudolf-Wilde-Platz nach 22 Uhr seinen Ab- schluß fand, wurden vier Reichsbannertameraden auf dem Heimweg am Wartburgplatz von etwa 50 Nationalsozialisten angerempelt. Als die Reichsbannerkameraden die Rowdys aufforderten, sie nicht zu belästigen und weiterzugehen, schlugen einige der Burschen dem älteren Reichsbannermann mit Knüppeln derart über den Kopf, daß er das Bewußtsein verlor. Die anderen Reichsbannertameraden alarmierten die Polizei, die noch einige der Uebeltäter verhaften tonnten und sie zur Abtei- lung IA des Polizeipräsidiums brachte. Der verletzte Kamerad wurde durch ein Unfollauto zur Charit« gebracht, wo festgestellt wurde, daß Glassplitter von seiner zerschlagenen Brille ins rechte Auge gedrungen waren und die Hornhaut schwer oerletzt haben. Es ist zweifelhaft, ob das Auge des Kameraden durch Operation erhalten werden kann. Liebe Gäste im„Vorwäris"«Haus. tztachdem wir vor kurzem dänische Arbeiterkinder und eslländische Arbettersporller im„Vorwärts"-Gebäude begrüßen tonnten, waren es gestern österreichischeKinder.die aus der Kinderrepublik Lübecker Bucht kamen und in ihre Heimatstadt Wien zu- rückkehren wollten. Mit Interesse besahen sie sich die technischen Einrichtungen des Hauses und ließen sich dann ein Mittagessen, das ihnen von den Berliner Kinderfreunden gegeben wurde, wohl schmecken. Besonders schön war es für Helfer und Gastgeber, als sie mit einem frohen Lied begrüßt und auch zum Abschied mit Gesang erfreut wurden. Am Frellag um 19 Uhr verlassen sie dann vom Anhalter Bahnhof aus endgültig Berlin. Wir rufen ihnen ein herzliches Freundschaft nach. Mögen sie an die wenigen Stunden, die sie unsere Gäste sein konnten, mit Freude zurückdenken! Billige Wochevendsahrl nach Rügen am Sonnabend/Sonntag, den lö./lß. August, ob Berlin und.zurück zu dem außergewöhn- lichen Fahrpreis von 14 Mk.(Bahn und Schiff». Tellnehn�rkarten bis Freitag bei den bekannten Stellen oder beim Reichsauchchuß für sozialistisch« Bildunzsarbeit, Berlin SW68, Lindenstr. 3. n�wugwr: Kundgebung im Sportpalast Prozeß ohne Akten. Theaierproze� vertagt.- Das �Theater der 5000" spukt noch immer. 3n dem Prozeß gegen den Theaterunkernehmer han» R i t l e r. der im Theater in der Sommandantenstrahe große Pachtschwindeleien begangen haben soll, wurde die VerHand- lung nach der Vernehmung de» Angeklagten zur Ausklärung des Tatbestandes vertagt. Zu Beginn der Sitzung teilte der Vorsitzende des Ferienschöffen- gerichts Berlin-Mitte den Prozeßbeteiligten mit, daß die Akten in der Strafsache auf unerklärliche Weise auf dem Transport ins Kriminalgericht aus dem Büro der Staatsanwaltschaft in die Ge- schäftsräume des Gerichts vor acht Taoen verschwunden und heute noch nicht wiedergefunden worden seien. Bei seiner Ber- nehmung gab der Angeklagte Hans Ritter an, daß er gemeinsam mit dem früheren bekannten Theaterdirektor James Klein bei dem Zusammenbruch des Magdeburger„Theaters der 300 0* im Jahre 1929 sein Geld verloren habe. Um sich in Berlin eine neue Existenz zu gründen, konnte er nichts mehr selbständig unter- j nehmen, da er beim Polizeipräsidium durch diesen Skandal reichlich in Mißkredit geraten sei. Darum bemühte er sich zur Pachtung des Theaters in der Kommandantenftraße, in dem er ein felbswerfaßtes Stück aufführen wollte, die„Berliner Theater- und Vergnügungs- ftätten G. m. b. H." zu gründen und einen Konzessionär für das Theater zu finden. Leider hätten sich die Verhandlungen mit be- kannten Berliner Direktoren wie Ralph Arthur Roberts und Friedmann-Frederich zerschlagen. Nach diesen Angaben des Angeklagten sah sich das Gericht nicht in der Lage, ohne Ver- nehmung dieser Zeugen den Prozeß zu Ende zu führen. Dafür sollen zu der nächsten Verhandlung diese Theaterdirektoren sowie der Präsident des Barietedirektorenverbandes Milos und der Notar, vor dem über diese Verträge verhandelt wurde, geladen werden. Der Staatsanwaltschaft wurde aufgegeben, bis zu diesem Termin den Verbleib der verschwundenen Akten zu ermitteln. Der Ange- klagte Ritter wurde aus der Haft entlassen, da kein Fluchwerdacht mehr besteht. Kriegsopser im Erwerbsleben. Gautag des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten in K ottbuS Der Gau Brandenburg des Rcichsbundes der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegelhinterbliebenen hielt im„Volkshaus* in Kottbus seinen 10. Gautag ab, der von 113 Delegierten aus der Provinz Brandenburg und Grenzmark beschickt war. Außerdem nahmen eine Reihe Gäste, insbesondere Behördenoertreter, an der Tagung teil. Der Gauvorsitzende, Kamerad Dräger-Eberswaldc. eröffnete die Tagung. Im Mittelpunkt der Sonnabendtagung standen die Geschäftsberichte, insbesondere der Bericht des Gauleiters Mährlcin, der zunächst die gesamte sozialpolitische Entwicklung seit 1929 behandelte und die Arbeit des Reichsbundes darlegte. Der Berichterstatter beleuchtete sodann die Schwierigkeiten hinsichtlich der Unterbringung der Schwerkriegsbeschädigten im Erwerbsleben. Er zeichnete die ungeheuren Schwierigkeiten auf, die sich auf dem Gebiet des Schwerbeschädigtenrechts ergeben. Der Gauvorstand wurde in seiner bisherigen Zusammensetzung einstimmig wieder- gewählt. In der Tagung am Sonntag wurden zunächst die vorliegenden Anträge behandelt, die sich mit der Versorgung, dem Verfahrens- recht, dem Schwerbeschädigtenrecht, der öffentlichen Fürsorge sowie mit organisatorischen Fragen befaßten. Aus den ganzen VerHand- lungen mußte man erkennen, daß die Funktionäre des Reichsbundes auch in den Untergliederungen den einschlägigen Fragen das größte Augenmerk zuwenden. Die gehaltenen Diskussionsreden waren von dem ganzen Ernst unserer bitteren Notzeit getragen. Den Abschluß des Gautages bildete eine P r o t e st k u n d- gebung gegen den Abbau des Versorgungs- und Fürsorgewesens, zu der außer den Delegierten des Gautages mehr als 2000 Mit- glieder des Reichsbundes aus dem Bezirk Niederlausitz erschienen waren. Da der Saal des Volkshauses die Teilnehmer nicht fassen konnte, erfolgte eine Uebertragung durch Radioanlage in den großen Garten des Volkshauses. Das Referat erstattete der Bundesvor- sitzende Pfändner-Berlin. Der Redner behandelte eingehend die Wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen. Er vertrat den Standpunkt, daß die Sache der Kriegsopfer Sache des ganzen deut- schen Volkes sei und daß es bei einigermaßen gutem Willen unbe- dingt möglich sein muß, den Haushalt des Reiches auszugleichen, ohne die Kriegsopfer in dem Ausmaß zu den Lasten des verlorenen Krieges heranzuziehen, wie es durch die Notverordnungen, insbeson- dere die Nowerordnung vom 3. Juni 1931 geschehen ist. Im An- schluß an das mit stürmischem Beifall aufgenommene Referat wurde eine Entschließung angenommen, die mindestens die Wieder- Herstellung des bisherigen Rechts fordert. Oer erste Devisenprozeß. Eine pleite vor dem Schnellschöffengericht. Mit der Deoisennotverordnung entstand bei der Kriminalpolizei ein Sonderdezernat zur Bekämpfung der Deoisenschiebungen und bei der Staatsanwaltschaft«ine besonder« Abteilung. Der erste Devisenprozeß vor dem Schnellschöffengericht gestaltete sich aber zu einer Pleite der Staatsanwaltschaft. Angeklagt war H., Inhaber einer der ältesten und angesehensten Berliner Südfruchthandlungen. Die Anklage lautete: vorsätzliche Anlegung von Zahlungsmitteln in ausländischer Währung. H. hatte am 16. und 17. Juli von drei italienischen Lieferanten einen Waggon mit Tomaten, einen Waggon mit Pfirsichen und einen dritten Waggon mit Pflaumen und Birnen unter Nachnahme erhalten. Die Nachnahme in Höhe von je 20 000 Lire wurde von der Post ein- gelöst. Die Zollüberwachungsstelle stellte aber fest, daß die Waggon- ladungen einen viel geringeren Wert besaßen. Die Staatsanwalt- schaft nahm an. daß H. unter Umgehung der Reichsbant durch die Reichspost ausländische Zahlungsmittel im Auslande angelegt habe. Auch ein Gutachten des Reichsbankdirektoriums erblickte in H.s Handlungsweise einen Verstoß gegen die Notoerordnung vom 13. Juli. H. erklärte vor Gericht, daß es stets üblich gewesen sei, den italienischen Lieferanten Vorschüsse zu leisten, weil sie ohne dieselben keine Waren lieferten. Die Höhe der bezahlten Nachnahme erkläre sich daraus, daß er den Lieferanten Schulden abzuzahlen hatte. Bloß bei einer Firma lagen die Dinge anders. Sie sei ihm für geleistet« Vorschüsse 4000 Mark schuldig gewesen Aber bereits am 13. Jiili hätte er bei ihr zwei Waggons bestellt, und so hätte das Guthaben nach der Auslösung deren Eintreffen bloß 381 Mark be- tragen. Der Staatsanwalt ließ die Anklage hinsichtlich der beiden ersten Nachnahmezahlungen fallen und beantragte wegen der dritten Sozlallslisclic ArbeUerlosicnd Groft- Berlin. Verfassungs-Kundgebung Heute, ISVz Ubr, auf dem Gendarmenmarkt Ansprache; Dr. Karl Schröder Anschließend Fackelzug durch folgende Straßen: Französische-, Werder Str., Schloßplatz, Breite-, Roß-, Neue Roß-, Dresdener-, Oranien-, Mariannenstr., Kottbuser Damm, PflUger-, Reuterstr., Reuterplatz(Neukölln) Nachnahmezahlung, in der er eine fahrlässige Handlung erblickte, eine Geldstrafe in Höhe von 300 Mark. Das Gericht sprach H. frei: der Saldo in der Wrechnung habe in Reichsmark und nicht in ausländischer Währung gelautet: bei Schwankungen der Markt- preise habe der Angeklagte selbst bei sorgfältigen Erwägungen nicht die Rechnung im voraus aufstellen können. Aeue Mesenschleuse eröffnet. Die Rordschleuse in Bremerhaven.— Zweitgrößte Anlage des Kontinents. Bremerhaven. 10. August. Am Montagnachmtttag wurde die Nordschleuse in Bremerhaven durch den Schnelldampfer Bremen eröffnet. Drei langgezogene Töne aus dem Maschinenraum des Ozeanriesen zeigten an, haß die historische Fahrt ihren Anfang genommen hatte. Nach wenigen Minuten war der Wasserstand in der Schleusenkammer mit dem im Hafen ausbalanciert. Mit der Durchfahrt hatte die„Bremen* als erstes Seeschiff die neue Nordschleuse, nach der in Dixmuiden die größte des Kontinents, passiert. Die erste Durchschleusung vollzog sich reibungslos. Damit ist nun den größten deutschen Dampfern die Möglichkeit geboten, in Bremerhaven zu docken, während bis jetzt auswärtige Dockanlagen aufgesucht werden mußten. Während der Durchschleusung hielt als Vertreter des Senates, Senator Apelt, eine Ansprache. Der Eröffnung wohnten zahlreiche bekannte Per- sönlichkeiten bei. Abschied von den Estländern. Am Sonntagmorgen versammelten sich Berliner Genossen im ,.Vorwärts*-Gebäude um den estnischen Genoffen Lebewohl zu sagen. Der Abschied gestaltete sich sehr herzlich. Für die Berliner Genossen sprach Genosse Weidemann. Er begrüßte besonders, daß die estländischen Genossen trotz Schwierigkeiten und der großen Strapazen soviel Interesse für Berlin und für die Berliner Partei- bewegung gezeigt haben. Der Besuch wird dazu beitragen, die Be- Ziehungen der Arbetter beider Länder inniger zu gestalten. Mit einem begeistert aufgenommenen Freundschaft verabschieden sich die Berliner von ihren Freunden. Für unsere Freunde erwiderte der Parteioorsitzende und ehemalige Staatspräsident R e i: Wir haben die Berliner und die Deutsche Arbeiterbewegung kennengelernt und bewundern ihre große Organisation und ihren Kampfgeist. Trotz der Wirtschaftskrise glauben wir. daß das deutsch« Volk den„Volks- betrugsentfcheid* ablehnt und der Reaktion die Stirn bietet. Dieser Kampf hat große internationale Bedeutung, wir wissen aber, daß die Arbeiter siegen werden und den Weg ebnen zum Sozialismus.— Ein letzter Händedruck und der Autobus rollt gen Osten. Hat der �NatitiluS' aufgegeben? Tromsö. 10. August. Man hat den Eindruck, daß Wilkins seine Nordpolfahrt auf- gegeben hat. Er hat seit Sonntag viele Telegramme nach Amerika gerichtet. Das Versagen der elektrischen Steuerung auf der Fahrt nach Tromsö dürfte jedenfalls Wilkins zu ollergrößter Vorsicht ver- anlassen. .. S lein- Hardenberg. Schule in Spandau. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der Preußisch« Minister für Wiffenschaft. Kunst und Volksbildung Genehmigt, daß aus Anlaß der 2ö>Iahrf«i«r der Obenealschule mit Reform-Realgymnasium, die in das Jahr der Freiherr-vom-Stein-Feiern fiel, die Anstatt künftig den Namen„Stein-Hardenberg-Schule" führt. Reichsbannerkaweradea als Zeugen gesucht. Der Reichsbanner- kamerad vom Kreuzberg, der bei dem Vorfall beim Zettelvertellen an der Gotzkowskybrücke am Sonnabend, 8. August, zwischen 13 bis 14 Uhr zugoaen war, und der Iugsndgenoss« aus Eharlollenburq, Helmholtzsttaße, der mtt dem Fahrrad die Festnahme dos«inen Raufbolde» veranlaßt hat.«erden dringend gebeten, ihre Adresse der „Bor märt»"-Expedition, Wllhelmshaoener Str. 48, mitzuteilen. Allgemeine Wetterlage. 40.Äug.4334iab!te. 0wo)U#nloa<5 heirer.O halb bedeck) ®yvollog.ebedeckt*RegeriA6rsup«ln 1=Nebel,'W3e»nKec@Wndsfin« Allgemein in Deutschland herrschte am Montag veränderliches Wetter. Wiederholt kam es zu Regenschauern. Die gefallenen Niederschlagsmengen waren jedoch nirgends erheblich. Die Tempera- turen lagen selbst in der Mittagszeit recht niedrig. 20 Grad wurden nirgends erreicht. Im Nordwesten des Reiches erhob sich die Temperatur nur auf 16 Grad. Innerhalb des kühlen Luftstromes hat sich eine neue Ränddepression gebildet. Sie liegt jetzt über der westlichen Nordsee. Aus ihrer Vorderseite befindet sich ein breites Regenbänd. Die Fortbewegung der Depression nach Osten ist ziem- sich langsam. Wir werden daher am Dienstag größtenteils auf der Vorderseite liegen. Am Mittwoch dürste wieder veränderliches Wetter einsetzen. » welleraussichtea für Verlin. Meist bedeckt und regnerisch, frische Südwest- bis Westwinde.— Für Deutschland. Im Nord- westen wieder veränderlich, in Mitteldeutschland trübe und regnerisch, im Osten im Laufe des Tages Emtrübung. Im Süden Bewölkungszunahme mtt nachfolgenden Regenfällen. Sozialistische Arbeiterjugend Groß'Berlin aw<-ndil»,m für biete Stabe« nur«a bo< Siucnbfctnhntot VoOm«W«. ChnbenftraSr 3 Fraolflrrt.Faheerl ReslzaUungen müssen allerspätestens am Mittwach, de« 12. August, geleistet werden. Wer de« Termin nicht einhält wird gestrichen. Anmeldungen für Iugendtag und Ferienfahrtrn werden nicht mehr ang» nommen. AbteUnugeleiter! gfa« Freitag, Ii. August, fallen alle(ütinmen. Veranstaltungen aus! Vir beteiligen UN» an der stundgobung der Partei im Sportgalost, Uhr. BcrfafsungSkundgebung heule, ISK, auf dem Gendarmenmarkt. Redner: Dr. Karl Schröder. Treffpunkte der Gruppen und Werbebezirke: HelntHeltzplotz: 18 Uhr Helmholtzplatz. FaAentracht.— Aeedeste« lt Uhr Dangiger Ecke Greifswalder Straße.— Reichen berger Viertel- 18 � Uhr State Falkenecke,-v Beiß: 181z Uhr Jahn. Ecke Siudäwer Str.— Reu- rzil» VN: 181? Uhr IIMS. Nachzügler 1914 Uhr Sendarmenmast.— Re». tdD» IX; 18ü Uhr Bhf. Hermannstroße. 21 Pf. Unkosten.— Reulölln VI: 18 Uhr Herßdergplaß.— Reitiell» V1H: 18Vj Uhr staiser.Friedrich. Ecke Weichsel. ftraße.— Feiedrichsfelde: 18Ms Uhr U-Bhf. Lichtenberg.— Westend: 181z Uhr Sophie-Thorlotte-Plaß.— stchlendors: 18% Uhr U-Bhf. Onkel-Tom-r. Milte,(Jejjc Riemeisterstraße.— Schöneweide I und II: 18?t Uhr Bhf. Schöneweide.— Pa-l-w, R.?.! 1814 Uhr U-Bhf. vinetastraße. ffaltentracht.-«erbebe, itl Bien, laset Belg: Nördliche Gruppen 1811 Uhr Schönhauser Allee Ecke Dan, igte Straße. Oeftlichc Gruppen 18% Uhr Greifmoalder Ecke Danziger Straße.— «erbebe, Iii Tiergarten: 18 Uhr Kleiner Tiergarten(Springbriinnen).—«erbebe, Irl Schöneberg: 18% Uhr Kaiser-Wilhelm-Platz.— Werbe bezirl Lichtenberg: 18% Uhr Frankfurter Allee Ecke Gllrtelstraße.— Werbebezirl Tempelhof: 19% Uhr Senbarmenmarkt._______ Vorträge, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner..Schwarz-Rol-Gold". SekchSltastelle: Berlin S. 14. SeiaManste 87—38, S»k J. St. Ganvorstand. EpielmannsKÜge Treptow, Friebrichvhain und die *•* Hornisten von Wedding Antreten Dienstag, U. August, 18% Uhr, Dahichof Börse, ,mn Platzlonzert im Lustgarten.— Reinickendorf(Ortsverein): Dienstag, 11. August, 18% Uhr, Antreten Sren, ftraße zur Verfassungsfeiee. Kam. Freie Scholle: 17% Uhr Antreten Rest. Schollenlruq zur Kundgebung im Lustgarten. Nachzügler Brunnenstraße Ecke Grenzallee.— Tewpelhos(Orts- verein): Dienstag, 11. August, 17% Uhr, Pflichtantreten mit Spielmannszug und Fahnen Ringbahnstation Tempelhof. i l i Eine Vurgfn'edensparole. Wen soll fle decken?— Wer fürchtet öffentliche Kritik? Am Mittwoch tritt der geschästsführende Vorstand der Zentrumspartei zur Besprechung der politischen Lage zusammen. Zu der Sitzung sind auch die p r e u ß i» schen Zentrumsminister geladen worden. Die Sitzung ist dadurch verursacht worden, daß sich die hinter der Reichsregierung stehenden Splitter durch den Auf- ruf der preußischen Staatsregierung zum Voksentfcheid ge- troffen gefühlt haben und bei der nächsten Gelegenheit sür die Einberufung des Reichstages stimmen wollen. Das Zentrum scheint diesen Drohungen Rechnung tragen zu wollen und zwar nicht, indem es die preußischen Minister desavouiert, sondern indem es mit der Parole zum Burgfrieden vor die Oeffenllichkeit treten will. Die Zentrumspresse proklamiert diese Parole bereits wie folgt: „Unsere Parole ist nach dem Volksentscheid: Sammlung der positiv schassenden Kräfte, wo immer sie stehen, Zusammenfassung aller derjenigen gutgesinnten schöpferischen Kräfte, die mit Hand anlegen zu gemeinsamem Wirken zum Wohl« des Konzen! Und um diese Parole in die Tat umzusetzen, verlangen wir den Burgfrieden. Einen Frieden der Parteien untereinander, die im Bewußtsein dessen, was auf dem Spiele steht, gemeinschaftlich mit Hand anlegen wollen, damit wir die schweren Monate, die vor uns stehen, in erträglichem Zusammen, wirken überwinden. Diese Arbeit muß aber anders orientiert fein, als es der Aufruf der preußischen Staatsregicrung zum Bolksentscheid war." Wir nehmen an, daß die preußischen Zentrumsminister ihren Vorstand eingehend über die Ursachen des von ihnen gebilligten Aufrufes unterrichten werden und mancher der Herren dann über die plötzlich aufgetauchte Burgfriedenparole doch etwas anders denkt, als es zur Zeit noch der Fall zu sein scheint! Bittgang Hugenbergs zu Brüning. In den nächsten Tagen wird der Reichskanzler den Borsitzenden der Deutschnationalen Partei und Bundesgenossen des Reiter- generals Thälmann, Herrn Hugenberg, zu einer p o l i- tischen Besprechung empfangen. Der Besuch Hugenbergs bei Brüning geht auf einen Wunsch des Reichspräsidenten zurück, den Hugenberg kürzlich persönlich um die Vermittlung einer Unterredung mit Brüning ersucht hat. Es handelt sich also um einen sörmlichcn Tittgang Hugenbergs zu Brüning! Oer Reichsminister für das Ehaos. Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschast, Herr Schiele, hat sich in Schollehne am Volksentscheid der Hitler, Hugenberg und Thälmann gegen die preußisch« Regierung beteiligt. Hakenkreuzler überfallen Reichsbanner. Mit Beilen, Eisenstangen und Knüppeln. Köln. ll>. August.(Eigenbericht.) Am Rtontagnachmittag wurden in Köln mehrere Reichs- b a n n« r-l e u t e von Rationalsoziallsten überfallen und. zum Test schwer verletzt.-".~-•- Als auswärtige Reichsbannerleute ahnungslos an dem Partei- hause der Nazis vorübergingen, wurden sie von etwa 40 Nazis als Arbeiter mörber, Verräter usw. beschimpft. Die Reichs- bannerleute gingen ruhig ihres Weges weiter, wurden jedoch von nachsetzenden Nazi« verprügelt. In diesem Augenblick kam ein vollbesetztes Auto mit Reichsbannerleuten von der Koblenzer Kundgebung zurück. Sie kamen den Angegriffenen sofort zu Hilfe, aber auch die Nazi» hatten inzwischen Verstärkung er- halten und gingen nun mit Beilen, Eisenstangen. Stuhl- und Tisch- deinen auf die Reichsbannerleute lo». Frauen und Mädchen be- warfen vom Balkon des Nazihauses aus die Reichsbannerleute mit Blumentöpfen, Flaschen und Tintenfässern. Als schließlich ein Ueberfallkommando der Polizei erschien, f l ü ch t c t e n d i e Nazis. Einige kehrten in da» Partechau» zurück, dessen Tore sosort abgeriegelt wurden, so daß die Polizei durch die Fenster in die Räum« eindringen mußte. Hier nahm sie zwei der Rowdy- soft. Von den Reichsbannerleuien wurden mehrere oerletzt. Einer erlitt eine schwere Kopfverletzung. Sine Rowdytat. -~- Schwerin. 10. August.(Eigenbericht.) In der Nacht zum Montag wurde in der mecklenburgischen Kleinstadt Staoenhagen der Fahnenträger des Reichs- b a n n e r s, Mamerow, überfallen und übel zugerichtet Der Reichsbannermann befand sich auf dem Heimwege von einer Verfassungsfeier. Die Nazis entrissen ihm die Fahne, versetzten ihm mehrere heftige Schläge auf den Kopf und schlugen auch auf den am Boden liegenden Mamerow noch ein. Di« Täter stiegen dann in ein bereit stehendes Auto und entkamen in der Dunkelheit. Schüsse auf Reichsbannerleute. Itzehoe, 10. August. Auf Reichsbannerangehörige, die auf dem Rückmarsch von Kund- gedungen in Dtthmarschen in der Nacht zum Montag Itzehoe passierten, wurden mehrer« Schüsse abgegeben. Ein Reichsbannermann ist durch einen Streifschuß am Kopf verletzt worden. Die Schützen— zwei junge Nationalsozialisten— flüchteten und versteckten sich im Schilf am Stoer-llser, wo sie von der Polizei nach längerem Suchen auf- gesunden und f e st g c n o m m e n wurden. '/ Die indisch« Ralionalsahne. Der allindische Konareßaueschuß hat eine Aenderung an der indischen Nationalsahne gebilligt, di« zu- künstig aus drei horizontalen Streifen faffrongelb-weiß und grün mit einem Spmnrad in tiefblau in der Mitte bestehen wird. Safiran- gelb soll Mut und Opf-rfreichigkeit. weiß Frieden und Freiheit. grün Glauben und Ritterlichkeit, das Spinnrad die Hosfming dtr Massen versinnbildlichen. Unser neuer Roman„wenn der ftur» fällt" von Felix Scherret spielt in der Gegenwart in einer großen deutschen Handelsstadt des Ostens. Der Titel ist symbolisch gedacht. Ein Groß- kaufmann stürzt sich in ein« Spekulation und geht daran zugrunde. Aber diese Spekulativn bleibt nicht das Entscheidende, denn nicht nur die Börsennotierungen schwanken, die ganz« bürgerliche Welt ist ln ihren Grundfesten erschüttert. Man hat kein« Wert« mehr, an die man sich klammern kann. Di« Kritik an einer entwurzelten Schicht vermeidet Pathos und Anklage, die Menschen werden witzig glossiert. Doch hinter den Haltlosen und Willensschwachen, die sich einbilden, die Herren der Welt zu sein, kommt eine neue Macht heraus, das Proletariat. Geburtstag der Verfassung. Zum Geburtstag muß die Stube gut ausgekehrt werden! Aenderung»erpreffenowerordnung Zentralisierung der Handhabung beim Reichsinnenminister. Der Reichspräsident hat am Montag zu der P r e s s e n o t- Verordnung vom 17. Juli eine Abänderungsverordnung erlassen. Danach kann die oberste Landesbehörde die Auf» nahm« einer Kundgebung in der Presse künftig„nur im Einvernehmen mit dem Reichsminister des Inneren verlange n". Außerdem fällt durch die Abände- rungsverordmmg im Absatz 2 der Notverordnung vom 17. Juli folgender Passus fori: „Die KfMgebung� oder EntZMung zst �an der vöM Einsender bestimmten Stelle, mit.der von ihm bestimmten lleberschrüt ünd in der von ihm bestimmten Schrift zum Abdruck zu bringen." Statt dessen wird der Reichsminister des Inneren ermächtigt, über die Art und Weise eines Abdruckes von Kundgebungen oder Entgegnungen allgemeine Bestimmungen zu erlassen. Bon dieser Ermächtigung hat der Reichsminister des Jnnern sofort durch den Erlaß folgender Bestimmungen Gebrauch gemacht: „1. Kundgebungen und Entgegnungen, deren Ausnahm« auf Grund von§ 1 der zweiten Verordnung des Reichspräsidenten zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen verlangt wird, sollen nicht mehr al» S00 Worte umfassen. Für die überschießenden Zeilen sind die üblichen Einrückungsgebühren zu ersetzen. Die Kundgebung oder Entgegnung ist an der vom Einsender bestinnnten Stelle, mit der von ihm bestimmten Ueberschrist, in der von ihm bestinnnten Schriftgröße und in dem von ihm be- stimmten Schriftgrad zum Abdruck'zu bringen. Der Einsender soll darauf Bedacht nehmen, nur solch« Anforde- rungen bezüglich des Abdrucks zu stellen, die sich im Rahmen der der periodischen Druckschrist zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten halten. 2. Vor dem Erlaß jedes Verbots einer periodischen Druckschrist ist zu prüsen, ob der erstrebt« Zweck nicht schon durch«in« V e r- wo r n u n g und eine amtlich« Entgegnung erreicht werden kann. In leichteren Fällen, bei denen der angerichtete Schoden gering ist und anzunehmen ist, daß lediglich fahrlässiges Handeln vorliegt, ist statt eines Verbote zunächst eine Verwarnung aus- zusprechen, sosern der Verlag sich sosort bereit erklärt, durch unver- zügliche Verössentlichung einer den verletzten oder gefährdeten Interessen Rechnung tragenden Erklärung den Schaden wieder gut zu machen." * Amtlich wird dazu mitgeteill: Der Reichspräsident hat die angekündigte Verordnung zur Aenderung der Press«Notverordnung am Montag erlassen. Die neue Verordnung schreibt eine stärkere Zentralisierung bei der Handhabung des Rechtes vor, von einer periodischen Druck- schrist die Aufnahme amtlicher Kundgebungen oder Entgegnungen zu verlangen. Dos Verlangen kann nur noch von einer obersten Reichs- und Landesbehörde ausgehen. Die bisherig« Möglichkeit der Delegation auf nachgeordnete Stellen fällt weg. Eine weitere Einschränkung ist sür solche Verlautbarungen der obersten Landes- behörde vorgeschrieben, die sich als Kundgebungen darstellen: ihre Aufgabe kann nur im Einvernehmen mit dem Reichsministcr des Innern verlangt werden. Die Art und Weise des Abdrucks zu regeln, ist den Ausführungsbestimmungen des Reichsminister» des Innern überlassen, die auch die Zahlung einer Vergütung vor- schreiben können, soweit der Abdruck einen bestimmten Umfang übersteigt. Um dem berechtigten Interesse entgegenzukommen, das die Oeffentlichksit und die von einem Verbot betroffen« Zeitung an einer größtmöglichen Beschleunigung des Beschwerde oersahrens haben, ist ollgemein bestimmt, daß jede Beschwerde über ein Zei- tungsoerbot spätestens am fünften Tags nach ihrer Einlegung auf dem Instanzenwege derjenigen Stelle zugeleitet sein muß, von der au» die Beschwerde dem Reichsgericht zur Entscheidung vorzulegen ist. Wird die Frist versäumt, so ist das Verbot von der jeweils zuständigen Stelle, d. h. von der Stell«, die mit Ihm bei oder nach Ablauf der Frist befaßt ist, ohne sachliche Prüfung sofort oufzicheben, Diese Vorschrift ist nicht auf den Bereich der sogenannten Presse» notoerorditung beschränkt, sondern gilt auch für Zeitungsnerbote, di« auf Grund der ersten Verordnung des Reichspräsidenten zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen vom 28. März 1031 und auf Grund des Gesetzes zum Schutze der Republik ergehen. Von weiteren Milderungen der Pressenotverordnuitg, wie fia angeregt worden find, mußte noch abgesehen werden. Jnsbesonders erschien es angesichts der Terrorakte des vergangane»"-. Sonntag» zur Zeit unvertretbär. die' Maßnahmen zu beseitigen oder"' abzuschwächen, die nach' der Verordnung zum Schuhe der gefähr- üä deien Sicherheit und Ordnung zulässig sind. Die Rot in den Städten. Duisburg kann keine Llnterstühung mehr zahlen. Duisburg, 10. August.(Eigenbericht.) A>/s Anlaß der Einweihung eines Polizeipräsidiums in Duisl bürg kam es zwischen dem Oberbürgermeister Dr. Iarres und Innenminister Severins zu einem kommunalpolitischeir Rededuell, in dessen Verlauf der Duisburger Oberbürgermeistec ausführte: Was wir im Ruhrgebiet an Stillegungen erleben, geht über das, was ander« Jndustriegegenden mitmachen, weit hinaus, wie die auch meiner Meinung nach überflüssige Schließung der Ve» einigten Stahlwerke beweist. Vor der Art, wie die Bevölkerung, namentlich die Arbeiter. schast, die wider Willen nicht arbeiten kann, dies Schicksal trägt, muß man im allgemeinen den Hut abziehen. Und man wird selbst manches verstehen müssen, was man vom Staat aus nicht dulden kann. Ich vertraue aber darauf, daß, wenn einmal die Stunde kommt— und diese Stunde sehe ich mit starker Gewißheit voraus!— da der Unverstand einer ausgehetzten Masse sich auflehnt gegen die Staatsgewalt, die Polizei sich durch- setzt und dazu beiträgt, daß vielleicht das, was an anderer Stelle in Gärung ist, nicht in Erscheinung tritt. Es geht im übrigen nicht mehr anders, als daß den Gemeinden die unmöglich zu tragenden Erwerbslosenkosten endlich abgenommen werden. Die Stadt Duisburg sieht sich In der Lage, nur noch bis zum 10. August Unterstützungen zu bezahlen und weiß noch nicht, ob sie das dritte Drittel der Beamtengehälter für August über. Haupt bezahlen kann. Wenn man hunderttausende Mün- der nicht mehr stopfen kann, wird einer solchen Situation gegenüber selbst die Polizei mochtlos fein, auch aus menschlichen Gründen. Auf diese Ausführungen antwortete Minister Scoering: Es hat keinen Sinn, wenn Reich und Staat versuchten, die Ge- meindcn zu Schuttabladeplätzen für finanzpolitische Verstimmungen zu machen, zumal dieser Versuch den rheinischen Gemeinden gegen- über einen schweren Akt der Undankbarkeit darstellt. Die Gemeinden dürften nicht anders behandelt werden als die Einrichtungen des Staates oder des Reiches. Den verantwortlichen Stellen im Reiche könne man nur immer wieder sagen, daß alle Kredit- operationen für das Reich überflüssig seien, wenn man konstatieren müsse, daß dieBasisdieserOperationen. die Kommunen, bis zum Zertrümmern erschüttert ist. Die Haltung, die heute das deutsche Volk, inbesondere die Industrie- arbeiterschaft, zeigen, sei nicht allen Gliedern der Arbeiterschaft an- geboren, sondern anerzogen. Dieses Verdienst der Erziehung sei nicht das einzelner Persönlichkeiten, sondern de» Selbst- erziehungswerkes der Gewortschaften. Wa» in Jahrzehnten an der deutschen Arbeiterschaft getan worden sei. trage' jetzt beste Frücht« zur Erhaltung der Substanz des deutschen Volk«». E» wird uns keiir Retter in Gestalt einer einzelne n Person erscheinen, um uns in wenigen Wochen zu helfen. Das Wunder kommt nur, wenn wir an das Wunder glauben, wenn wir den Zutunftsglauben an Deutschlands Erneuerung nicht verlieren." Die Volksentscheids-Albigenser Wem gehören die Stimmen? Wenn sie vermischt auch durcheinander liegen, Gott weih die Seinen schon herauszukriegen. Aus Lenau„Die Albigenser� Im Jahre 1229 eroberte ein frommes Äreuzheer die Ketzerstadt Aldi im südlichen Frankreich. Es war besohlen, die gesamte Ehv wohnerschaft niederzumachen. Doch die fanotisierte Soldateska zögerte, denn es war bekannt, daß außer den ketzerischen Albtgeirsern auch rechtgläubige Katholiken die Stadt bewohnten. Da rief der streitbore Bischof, der die Aktion kommandierte:„Schlagt sie olle tot, Gutt wird die Seinen schon herausfinden", was der Dichter Lenau in die oben zitierten Bcrse umgedichtet Hot. Aehnlich wie mit der Stadt Aldi geht es mit den Wahlurnen des Volksentscheids. Da ruhen friedlich die„Ia-Stimmen" der chakenkreuzlcr neben denen der K o m m u n i st e n. Niemand kann dem Kreuzlein ansehen, ob es für einen„roten" oder„schwarz- weißroten" Volksentscheid ins Feld gesetzt wurde. Dieweil Kreuz eben Kreuz ist, und nicht Hakenkreuz oder Sowsetstern. Aber„Gott weiß die Seinen schon herauszukriegen". In den Redaktionen der Nazi- und der Kozi-Presse sitzen zum Glück lauter Götter, die mit Unfehlbarkeit erkennen, was sonst kein Verstand der Verständigen sieht. Bei Goebbels und bei Münzenberg weiß man daher ganz genxm, was die Kreuzlein zu bedeuten haben — nur sind sich die verschiedenen Götter untereinander nicht einig. Denn sowohl der Nazi-Gott wie der Kozi-Gott ist«in eifervoller Gatt, der da zählet sämtliche Stimmen für sich bis ins tausendste und zehntausendste Glied, und der den fremden Göttern gar nichts übrig lassen will, denn er duldet prinzipiell keine sreinoen Götter neben sich. So erfahren denn die Münzenberg-Leser, daß diese 9,7 Millionen Stimmen ganz überwiegend„r o t e" Stimmen gewesen seien, wobei vorsichtigerweise Zahlen nicht genannt werden. Stolz verkündet das Münzenberg-Organ:„Gestern gab es in Berlin nur einen roten Volksentscheid." Und das, obwohl z. B. auf dem raten Wedding, wo die Kommunisten allein bei der letzten Rsichstagswahl rund 190 090 Stimmen aufgebracht hatten, jetzt Kommunisten und Faschisten zusamncn keine 90 000 Ja-Stimmen aufbrachten. Das, obwohl kein einziger Arbeiterbezirk in Berlin es auf mehr als 30 Proz: Stimmbeteiligung gebracht hat, wovon sicher zwei Drittel auf Rechtsstimmcn zu rechnen sind. Bei Goebbels ist man dreister. Der„Angriff" erscheint unter der Schlagzeile:„Ueber 7 Millionen Nazi-Stim- m e n." Er bringt eine Ausführung der nationalsozialistischen Reichspressestelle, die mit schlichter Bescheidenheit erklärt: „Es ist nach den Beobachtungen der gestrigen Abstimmung ohne Zweifel, daß von den rund 10 000 000 Preußen, die öffentlich gegen Rot-Preußen demonstriert haben, allermindestens 7 000 000 auf dos Konto der Nationalsozialisten zu setzen sind." Aber es meldet sich noch ein weiterer Konkurrent: d c» S t a h l- Helm als der eigentliche Vater oons Janze, als Inspirator der Niederlage beansprucht die zehn Millionen bis auf «inen kleinen Rest für sich. Sein„Bundesamt"(was für hochtönende Titel gibt es doch zu vergeben) teilt nämlich mit: „Unsere Front ist weiter gewachsen. 3.0 Millionen stimmten für den Aoung-Volksentscheid, 5,9 Millionen beim Landtagsvolks- begehren, rund 10 Millionen stimmten jetzt beim Volksentscheid für unsere Front und das, obgleich die Kommunisten cnt- gegen der Parole ihrer Parteileitung säst nirgends zur Urne gegangen find." Aber mit dieser Behauptung kommt der Stahlhelm nicht einmal bei seiner eigenen Presse durch. Der H u g e n b e r g s ch e„Tag", der auf der linken Spalte seiner Titelseite dies abdruckt, kalkuliert auf der rechten Spalte aus eigenem ganz anders. Nach seiner Schätzung hat nämlich die Teilnahme der Kommunisten der bürger- liche Beteiligung geschadet. Er schreibt: „In Wirklichkeit haben die Kommunisten den Volksentscheid stark behindert. Sie haben, wie sich vor allen Dingen aus Ergebnisse» der Wahlkreise Köln-Aachen, Düsseldors-Ost und-West, Hessen-Nassau und auch Süd-Hannooer ergibt, durch die Pro- paganda für den„Roten Volksentscheid" auch Anhänger der Parteien der Mitte, di« sich dem Volksbegehren des Stahlhelms und der nationalen Opposition angeschlossen hatten, ab- geschreckt." So kriegt ein jeder aus dem Stimmzettelhaufen heraus, was seinen Wünschen entgegenkommt. Die braven Kommunisten haben den Reaktionären alle erdenklichen Möglichkeiten sowohl zu Renommistereien wie zu Ausreden geschaffen. Und mit den„roten" Stimmkreuzlein geht es der KPD. wie mit den Sternlein am Himmel: Gott der Herr hat sie gczählet... Ein Glückwunsch an die(Sozialdemokratie. Die Auslandsvertretung der italienischen Sozialisten hat dem Parteivorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands das folgende Telegramm geschickt: „Ein begeistertes Hoch der SPD. und ihrer Führung für die siegreiche Abwehr des faschistisch-kommunistischen Ansturms. Mario Locsi." Schmählich steckengeblieben! Am Tage vor dem Volksentscheid erschien der„Stahlhelm" mit der folgenden Parole: „Sprung auf, marsch marsch! In wochenlanger zäher Vor- bereitung haben sich die Sturmtruppen der nationalen Front in die Sturmausgangsstellungen vorgearbeitet. Jetzt ist der Augen- blick des Einbruchs in die feindliche Stellung gekommen. Auf der ganzen Seite der Front gellen die Hörner das Signal zum An- griff. Ueberall ertönt der Ruf der Führer: Sprung auf, marsch marsch! Vorwärts, Kameraden! Am Abend des 9. August weht über Preußen die Flagge der Freiheit." Der letzte Satz ist richtig. Heute weht über Preußen die Flagge der Freiheit, das schwarzrotgoldene Symbol der Re- p u b l i k. Im übrigen aber ist der Sturm der Volksbetrüger schmählich steckengeblieben. Diesen Siegesbericht noch vor der Schlacht haben sicher die Etappenschweine geschrieben! AOGB. zum Volksenischeid. Zieht die Konsequenzen! Durch die kommunistische Za-Parole in Geistesverwirrung ge- l�ten ist ein Redakteur der„R oten Fahne". Er kann jetzt kasnerlei Richtungen mehr unterscheiden. Anders wäre es unerklär- lich, daß die„Rote Fahne" in Nr. 158, 2, Beilage, unter dem Titel „Zwei öffentliche Bersammlungen" folgendes meldet:„Eine gut be- suchl« Kundgebung in Korffs Festsälen in Spandau nahm eine Rejo- lution an gegen die Sowietregierung"... Am Montag trat der Ausschuß des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes zu seiner 14. Sitzung zusammen, die vor allem der Vorbereitung des Gewerkschasts- kongresses diente, der am 31. August in Frankfurt a. M. seine Tagung beginnen wird. In seinen einleitenden Ausführungen ging der Bundesvor- sitzende L e i p a r t von dem Ergebnis des preußischen Volks» entscheid es aus Die rechtsradikalen Parteien, die zur Er- oberung Preußens und damit Deutschlands in den Kampf gezogen seien, haben sich die erwartete und verdiente Nieder- läge geholt, deren Größe keine Schönfärberei in ihrer Presse ver- schleiern kann. Jetzt wird hoffentlich der hier und da aufgetretene Kleinmut überall oerschwinden, denn das Ergebnis des Volks- entscheids zeigt klar, daß der weitaus überwiegende Teil des Voltes sich zu der gegenwärtigen Staatsform bekennt. Die Entscheidung vom 9. August klärt die innerpolittsche Situation und fordert entschiedenes handeln. Die Gewerkschaften müssen erwarten, daß die verantwortlichen Stellen in Preußen wie im Reich jetzt endlich mit durchgreifender Energie die allgemein erwarteten Maßnahmen gegen die radikalen staats- und gcsellschaftszerstörenden Elemente ergreifen. Die radikalen Parteien haben schon zu lange ihr frevelhaftes Spiel mit den Interessen des deutschen Volkes getrieben. Es ist höchste Zeit, daß diesem Unwesen mit Entschiedenheit Halt geboten wird. Die Gewerkschaften sind überzeugt, daß die deutsche Arbeiter- schast aus dem gesinnungslose« Verhallen der Kommunistischen Partei die notwendige Lehre ziehen wird. Die große Masse der kam- munistischen Anhänger ist am 9. August nicht zur Wahlurne gegangen. Sie haben sich dem Parteibefehl nicht gefügt. Diese Haltung der denkenden kommunistischen Arbeiter zeigt bereits die Entwicklung, die sich in den Reihen der Arbeiterschaft anbahnt. Es ist jetzt eine der wichtigsten Aufgaben für alle Gewerkschafter, ihre ganze Energie dafür einzusetze», diese Entwicklung vorwärts zu treiben, den Arbeitern zu zeigen, wohin sie der blinde Radikalismus der Kommunistischen Partei führt, um endlich die Gesundung der deutschen Arbeiterbewegung zu erreichen und ihre Einheit wieder herzustellen. Die Ausführungen Leiparts, oft vom lebhaften Beifall der Verbandsvertreter unterbrochen, fanden die einmütige Zu- st i m m u n g des Bundesausschusses. Dann erstattete Leipart den Bericht über die Tätigkeit de» Bundesvorstandes. Er schilderte die zur Behebung und Milderung der gegenwärtigen wirtschaftlichen Nollage erhobenen Forderungen und eingeleiteten Schritte. Insbesondere protestiert« er dagegen, daß die Reichsregierung vor den wichtigen wirtschastlichen Ent- scheidungen, die sie in den letzten Wochen zu treffen hatte, die Gewerkschaften nicht zu Rate gezogen habe, während die Unternehmer und ihr« Organisationen ständig in Fühlung mit dem Kabinett gestanden hätten. Es liege in der Linie dieser einseitigen politischen Stellungnahme. daß die Reichsregierung zwar das Geld für die Sanierung der Großbanken hergegeben, aber keineswegs dafür gesorgt habe, dem Reich entsprechenden Einfluß zu sichern. Schon jetzt zeigt sich, daß da und dort nicht in zureichendem Maße für die Sicher- heit der Lohnzahlungen gesorgt worden ist. Di- Gewerkschasten halten sich durch besondere Erhebungen hierüber auf dem laufenden und werden weiter mit größter Entschiedenheit dafür sorgen, daß die Existenzsicherheit der heute noch arbeitenden werktätigen Be- völkerung nicht gefährdet wird. Im besonderen ging Leipart dann auf di« vom Buudesooi» stand eingenommene Haltung in der Frage der Lehrlings- ordnungen ein. Bei ihrem Abschluß ist dringend zu beachten. daß durch die in ihnen enthaltenen Regelungen die gleichberechtigt« Mitwirkung der Gewerkschaften in allen Lehrlingsfragen gewahrt bleibt. Anschließend berichtete der Vorsitzende des Fachausschusses für die Gewerkschaftspresse, S ch e f f l e r, über die Entwicklung der Gewerkschaftspresse. Der Bundesausschuß beschäftigte sich weiterhin mit der Frage des freiwilligen Arbeilsdienste». Infolge der Bedeutungslosigkeit dieser Maßnahme wurde von einer besonderen Beschlußfassung Abstand genommen. Der Entwicklung der Dinge wird aber besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. um zu verhüten, daß sich durch den freiwilligen Arbeitsdienst schädliche Wirkungen für die Lage der Arbeiterschaft ergeben. Zum Gewerkschaftskongreß teilte Leipart mit, daß der Bundesvorstand beschlossen hat, den Kongreß zu einer reinen Arbeitstagung zu gestalten und alle Veranstaltungen fest- licher Art, wie sie sonst Kongresse zu begleiten pflegen, zu unter- lassen. Der Ernst der Zeit erfordere es, dem Gewerkschaftskongreß dieses Gepräge zu geben. An einem Tage wird der Kongreß eine öffentliche Tagung in Mainz abhalten. Europa und der Sieg in Preußen. Das Scheitern des Volksenischeids nühi Oeuffchland. Lo«do n. 1v. August. „Die preußische Demokratie hat(Europa und Deutsch- laud einen Dienst geleistet, ind«m sie es ablehnte, sich von der unheiligen Allianz von Nationalsozialisten und kom- munisten auf den Weg der unverantwortlichen Taten treiben zu lassen." Mit diesen Worten beginnt der heutige Leitartikel des Ar- beiterblattes„Daily Herald", das ebenso wie die übrige englische Presse aus seiner Genugtuung über das völlige Fiasko des Volksentscheids in Preußen keinen Hehl macht.„Daily Herald" sagt, daß ein Erfolg der Nationalsozialisten und ihrer l o in m u- nistischen Alliierten einen vernichtenden Schlag gegen Dr. Brüning bedeutet haben würde. Das Blatt schließt: Durch diese Abstimmung hat Preußen Europa versichert, daß es alles tun wird, was möglich ist, um die Ruhe aufrechtzuerhalten, die die größte Hoffnung der Welt ist. Europa schuldet Preußen viel. „News Chronicle" schreibt: Das deutsche Volk hat sich von neuem der Lage gewachsen gezeigt. Wie bei ähnlichen Gelegen- heitcn in den Krisen 1919 und 1923 hat es den Kopf nicht ver- l o r e n und sich für finanzielle Stabilität erklärt. Dafür wird es den verdienten Glückwunsch seiner Nachbarn erhalten. Dieser Volks- entscheid war eine ernste Probe für die Demokratie, und die prcußi- schen Wähler haben sie glänzend bestanden. Die Ergebnisse dieses Voltsentscheids werden Rückwirkungen weit außerhalb Preußens oder sogar Deutschlands haben. Die Ereignisse der letzten zehn Jahre haben über jeden Zweifel bewiesen, daß ein stabiles Deutschland für ein stabiles Europa wesentlich ist. Die heute früh aus Deutschland eingetroffene Nachricht kann gut der erste und daher der wichtigste Schritt vom Wgrund weg sein. „Daily Mirror" nennt den gestrigen Tag in Deutschland schick- salsschwer. Das Blatt betont die„wunderbare Ruhe und Geduld" des größten Teiles des deutschen Volkes, das gezeigt habe, daß es ohne Erschütterungen weitergehen wolle. Tiefer Eindruck in Krankreich. Glückwunsch der Sozialisten. Paris, 19. August.(Eigenbericht.) Alle Zeitungen bringen ausführliche Meldungen und Kommen- tore, in denen die Bedeutung des Ergebnisses für die Politik des Friedens und der Völkerfreundschaft hervorgehoben wird. Der„Matin" schreibt, die Vernunft habe am Sonntag in Preußen über den Wahnsinn gesiegt. Nicht nur das Schicksal einer Länderrcgierung habe auf dem Spiel gestanden, sonder» das Schick- fal des schon wankenden und geschwächten Ansehens des ganzen Reiches. Mit dem Sieg der republikanischen Elemente habe Deutschland einen kurzfristigen Kredit erlangt. Es hänge jetzt von ihm ab, diesen Kredit in ein langfristiges Vertrauen um- zuwandeln. Im„Petit Journal" heißt es, daß der gestrige Tag als entscheidender Tag für alle diejenigen gekennzeichnet zu werden verdiene, die den Frieden in den Vordergrund ihrer politischen und wirtschaftlichen Auffassungen gestellt haben. Der Reichskanzler werde feine Aufgaben durch das Scheitern des Volksentscheids b«- deutend erleichtert finden. Die bevorstehenden d i p l o- matifchen Verhandlungen, von denen er so viele morali- sche Ergebnisse erwarte, würden jetzt endlich möglich. Der sozia- l i st i s ch e„P o p u l o i r c" stellt fest, daß da? glänzende Ergebnis vor allem der Sozialdemokratie, ihrer ausgezeichneten Organisation, dem Opfermut chrer Mitglieder, der Energie ihrer Führer und der Hartnäckigkeit der preußischen Regierung zu ver- danken sei. Das sozialistische Proletariat Deutschlands habe der Reaktion den Weg versperrt, es habe die Republik i« Deutschland lind den Frieden in Europa gerettet. Amerikas Zuspruch an Frankreich. New Park. 10. August. Die„New Park Herald Tribüne" nennt die Abstimmung das freudigste Ereignis feit langer Zeit. Das Ergebnis fei eine vernichtende Niederlage der Kommunisten und Nationalsozialisten und ein höchst ermutigender Sieg der Brüning-Regierung. Der Reichskanzler könne feine Politik mit vermehrter Zuversicht und größerer Entschlossenheit weiterführen. Das Ergebnis stärk« auch die Hoffnung auf auswärtige Hilfe. Die internatio- nale Bankwelt habe gerade ein solches Zeichen deutscher Stabilität erwartet. Deutschland habe nichts besseres tun können, um das Vertrauen des Auslandes wieder zu gewinnen. Der Sieg der Demo- kratie sollte besonders ein Anreiz für die Pariser Regierung sein. sich um die Verständigung mit Deutschland zu bemühen. Jeder Freund Frankreichs könne nur wünschen, daß Laval den Weg finde, wo andere versagten. Oer Volksenischeid im Auslandsradio. Glückwünsche der Demokratie/ Benommenheit in Moskau Verschiedene Sender im Ausland brachten das Ergebnis des preußischen Volksentscheids noch spät nachts. England sagte: „Die Republik hat gesiegt!" Spanien sprach um 1 Uhr morgens dem Freistaat Preußen Glückwünsche aus. Moskau sprach noch um 23 Uhr von einem„Kampf um Sowjet-Preußen". Der Ton wurde bei den folgenden Nachrichten- sendungen immer gedämpfter. Um 3 Uhr morgens aber über- schlug sich der Diktator für die Provinzpress« förmlich in der Lust: Er wiederholte immer wieder, dieser Volksentscheid fei gar nicht so wichtig, es fei doch nur eine kleine Kraftprobe, man hätte die Wichtigkeit bisher überschätzt. Hitler, Stahl- Helm, Hugcnberg hätten den Volksentscheid... diskreditiert(wohl indem sie ihn angefangen haben und die KPD.-Zentrole ihnen nach- gelaufen ist!). Der... Terror der Preußenrcgierung hätte die Arbeiter abgeschreckt, ober... der Kampf geht weiter. Einen römischen Schwindel gegen Preußen zieht die rechts- radikale„Berliner Bürjen-Zeitung" auf. Sie läßt sich schreiben, daß die deutsche Schule in Rom von einem Vertreter des preußischen Unterrichtsministeriums mit allerhand Spar- Vorschlägen bedacht worden sei und daß die preußisch« Regierung daraufhin die Beihilfe für diese Schule gewallig herab- gedrückt habe. Nun ist aber die deutsche Schule in Rom eine indirekte R e i ch s s a ch e und wird vom Auswärtigen Amt unterstutzt. Diese Subvention betrug in den zwei vorletzten Jahren je 20000 W.. in diesem Ighr 19 000 M. P r e u ß e n hat mit der ganzen Angelegenheit nichts zu tun. Das ganze ist nur eine neue Blas« in dem künstlichen Sprudel der Verleumdungen gegen die preußische Stäatsführung. Gewerkschaftliches siehe 3. Beilage. SctontciDtfüd) für Politik: Lr.«»rt S-lier; Wirischast:«.«li»-«ltölrr! (6c»crtf(t>ofti()emcflun geht's nicht weiter! Wie man die Schröder- Bank saniert. So geht's nicht weiter— nämlich i n d e r A r t, wie die Bürokratie die Bankpleiten saniert. Die Sanierung der Danatbonk ist auf alle Fälle zu revidiere»: die der Dresdner Bank ist zum mindesten in Einzelheiten nicht gut zu heißen— und jetzt die Schröder-Bank Bremen. Auch die Bereinigung dieser Pleite war ohne Einsatz öffentlicher Mittel einfach unmöglich. Und doch scheint man die Privatwirtschaft außerordentlich„pfleglich" zu behandeln, ihr wieder die Macht in die Hand zu spielen und die Steuerzahler mit dem ganzen Risiko zu belasten. Damit die Abwicklung der Geschäfte der alten Bank möglich ist, übernimmt der Staat Bremen— als einziger Gläubiger!— einen Verlust von Zö Mill. Mark(wofür also Bremens Steuerzahler geradestehen müssen). Für den Rest der Forderungen erhält Bremen 7 Mill. Mark Aktien des neuen Unternehmens, der N o r d d e u t- sehen Vereinsbank A.-G., die Hälfte dieses Aktienpakets über- nimmt das Reich vom Bremischen Staat. Die Bremer Privat- Wirtschaft beteiligt sich mit 3 Mill. Mark Aktien an der neuen Bank, zahlt aber erst in drei Jahren. Den Rest des 12-Mill.- Mark-Kapitals übernehmen die Reichskreditgesellschaft und die Ber- liner Handelsgesellschaft. Nur diese 2 Mill. Mark fließen der neuen Bank bar zu. Hier erhebt sich die erste Frage: Hat man der Ptivatwirt- schaft die Aktien zu einem niedrigeren Kurse als der öffentlichen Hand gegeben? Ferner kann die neue Bank natürlich nicht mit so wenig baren Mitteln arbeiten. Ihr ist also ein Kredit von 2S Mill. Mark ein- geräumt worden. Zweite Frage: Gibt das Reich diesen Kredit? Weiter ist der große Aktienbesitz der Schröder-Bank (Deschimag-, Nordseefischerei-, Nordloyd-Aktien) an ein Konsortium abgestoßen worden. Dritte Frage: Hat das Reich(oder der Staat Bremen) für diese Aktienpakete eine Kursgarantie über- nommen? wir fassen zusammen: Der Staat Bremen erleidet außerordenl- liche Verlufte: das neue Kapital wird zu zwei Dritteln von der öffentlichen Hand aufgebracht: das Reich gibt einen hohen Kredit und übernimmt eine(risikoreiche) Sursgaranlie. Und dann räumt man der Vrivalwirlschaft besonders niedrige Bezugskurse ein? Und dann entnimmt man alle Aufsichtsratsmitglieder—- bis auf den Vertreter der Reichskreditgesellschast— der„bewährten" Führergarnitur der bremischen Privatwirtschaft? hier scheint man alle wirtschaftliche Vernunft aus den Kops ge- stellt zu haben— der öffentlichen Hand das ganze Risiko, damit die Privatwirtschaft risikolos„führen" kanni So geht's nicht weiter! wir verlangen die Slaalskontrolle über die„Norddeutsche Vereinsbank". eh i reue uii eiliger den Prekaßhau! . VW- htlfch'h' 1 mer'Qey ORIENT RAÄMD itosfef i lief t iiiehr sondern 4*£ bei im veränderter(Suatdat. WERTMARKEN LIEGEN NACH WIE VOR ALLEN PACKUNGEN BEI. ohne Munäsfuck' QoIcldneyKedcLilIv Saloniki(Abascedonieri') Fahnen heraus am Verfassun�siag! 22 Prozent Dividende! Roth-Büchner verdient auch in der Krise glänzend. Seit Jahren zeichnet sich die Roth-Büchner JT.>0.*, Berlin-Tempel Hof, durch außerordentliche Dividendensätze aus. Die Krise geht an dem Unternehmen spurlos vorüber. Denn so mancher, der sich sonst vom Friseur rasieren ließ, besorgt das jetzt selber(mit„Rotbart" oder„Mond-Extra"). Also kann da» Unternehmen, dessen Aktienmehrheit im Besitz der Gilette >--afety Razor Co., Boston und des Bankhauses'Goldschmidt, Roth- schild u. Co. ist, auch für das Geschästsjahr die u n c r h ä N e D t P t> d« n d e von 22 P r o z. auf das Kapital von 2,86 Millionen Mk. zahlen. Da auch noch die Kapitalertragsteuer übernommen wird, ist der wirkliche Dividendensatz sogar 24,2 Proz. Obwohl man einen so hohen Gewinnanteil ausschüttet, weiß man kaum, wo man noch die Gewinne hinstecken soll. An Verbesserung der Betriebe kann man anscheinend nichts mehr tun. Also erhöht man die A b s ch r e I b u n g e n so stark, daß die Gebäude, die im vorigen Jahr noch mit einer dreiviertel Million zu Buch standen, nur noch mit einer Mark bewertet werden, chätte man diese— überflüssige— Abschreibung unterlassen, hätte man dop- p e l-t so viel Dividende verteilen können, was allerdings«inen allzu schlechten Eindruck gemacht hätte. Außerdem hat man so viel Geld, daß t.4 Millionen Mark Wertpapiere neu gekaust wurden! die Bankguthaben sind gleichwohl nur von 1.7 auf 1,6 Mil- lionen Mark gesunken. Nach diesen Anstrengungen hat man es fertig gebracht, den Reingewinn„nur" so hoch wie im Vorjahr auszuweisen(6,94 Millionen Mark), obwohl der Bruttogewinn von 4,2 aus 5,2 Millionen Mark g e st i e g e n ist. Daß das Unternehmen bei solchen Gewinnen„angemessene" Preise nimmt, wird keiner glauben. Im Geschäftsbericht heißt es aber: man werde bemüht sein, etwaige Borteile der Herstellung auch in Zukunft(!) den Verbrauchern zugute kommen zu lassen. Könnte man nicht schon in der Gegenwart einiges in Richtung Preisabbau tun? Der Auftragsbestand ist be- sriedigend und die Umsätze„angemessen". Der Konsum im Juli. Llmsahsteigerung.- Mitgliederzuwachs.— Größere Spar« einlasen. .Notzeiten bringen den Verbrauchern den Wert konsum- genossenschaftlichen Zusammenschlusses verstärkt zum Bewußtsein. Die Äonsum-Genossenschaft Berlin und Um- gegend berichtet für Juli einen Zugang von 1790 Mit« gliedern: di-s Ergebni« liegt erheblich über den Ziffern, die für die Monat« Februar bis Juni 1931 festgestellt«erdin konnten. Auch die Umsatzentwicklung mar günstiger/ freilich auch durch Flucht in Sachwerte,„die mit wieder über- wimde.ner Jnflationsangst etnherging". Ein kleiner Teil der Mit- gliever hat in den konsumgenossenschäftllchen Warenhäusern"und ick Möbelhaus stärker gekauft. Der Gesamtumsatz im Juli beUxf sich auf 6 346 966 Mark und blieb nur unwesentlich hinter dem Um- satz des vorjährigen Juli zurück. Die konsumgenossenschaftlichen Warenhäuser steigerten ihren Umsatz gegenüber dem Juki des Vorjahres um 168 Prozent. Die Sparkasse der Genossenschaft hat den sparenden Mit- gliedern trotz der Bestimmungen in den Notverordnungen, die auch für sie Geltung hatten, weitestgehendes Entgegenkommen gezeigt. Den Sparern wurde Gelegenheit gegeben, Sparguthaben bei der Bedarfsdeckung in den konsumgenossenschafilichen Waren- Häusern zu verwenden. Spargeld cinzahlungen waren im Juli in Höhe von 863 661 Mark zu verzeichnen,«in Beweis, daß auch in den Zeiten ernster Geldwirren die Genossenschaftssparer dem eigenen Unternehmen das Vertrauen bewahrten. Am Monats- schluh verfügte die Genossenschaft über einen Spareinlagenbestand von 46 646 12? Mark._ Früherer Kassenschluß am Verfassungstag. Bei der Preußischen Staatsbank(Seehandlung) und bei der Preußischen Landesrentenbank werden aus Anlaß des Verfassungs- täges am 11. August die Kassenschalter um 12 Uhr geschlossen. Alle öffentlichen Banken und Sparkassen müßten diesem Beispiel folgen. Diskontherobsehung der Bank von Dan, Ig. Die Bank von Danzig hat mit Wirkung ab 16. August ihren Diskontsatz von 16 auf 7 und ihren Lombarosatz von 12 auf 8 Proz. herabgefetzt. Am 28 Juli waren(wie in Deutschland) Diskont- und Lombsrdsatz erhöht worden. Die Deckung des Danziger Notenumlaufs beträgt 76 Proz. Preissturz für Baumwolle. Am Sonnabend, dem 16. August, wurde die Ablehnung des deutschen Kaufangebots für amerikanische Baumwolle bekannt, weil die deutsche Regierung sich nicht aus einen Mindestpreis festlegen wollte. Wie' richtig das war, zeigt der Berlauf der L i v e r p o o l e r Baumwollbörse am gleichen Tage, Der Preis für ein englisches Pfund Baumwolle stürzte von 4,44 auf 3,64 Psnce. Man rechnet mit einer amerikanischen Rekordernte, aber schon jetzt drücken große Borratzmengen auf den Markt. Die seil 35 Jahren bestehende Gamaschen- und Irtkotworenfabrik C. Wolsenstein u. Co.. Berlin, die normalerweise etwa 666 Ar � beittr. beschäftigt, hat laut„Konfektionär" mit Rundschreiben vom 8. August die Zahlungen eingestellt und die Gläubiger für den 14. August zusammenberufen. Die Warenschulden werden mit etwa 266 666 M. beziffert. Berliner Modehaus In Schwierigkeiten. Das seit 66 Jahren bestehende Modehaus M. 65 c r st e I Hot die Zahlungen eingestellt. Die Ursache liegt einmal in dein Zusammenbruch d«r Are, lauer Filiale, zum anderen in dem starken Umsatzrückgang seit April. Jp' vorigen Jahre soll der Umsatz«ine Million Mark betragen haben. Der Status des Sonsektionshauses Emma Lette, Bud u. Lach. mann, verlin. Das bekannte Berliner Damen, und Kinder-Wohe- paus Emma Bette, Pud u. Lachmann A.-S., Berlin, hat por einigen Tagen die Zahlungen eingestellt, Räch einem Status vom 4. August stehen Aktiven von 148 666 M. Passiven von 211 666 M. gegenüber. Die Steinkohlenproduktlo« in den Niederlanden. In den Mo« naten Januar die einschließlich April 1931 förderten die holländischen Staats- und Prwstsruben zusammen 4 133 600 Tonnen Steinkohle». In der gleichen Zeltspanne de» verflossenen Jahre» wurden 4 619 666 Tonnen gefördert. Ein Pergleich des niederländischen Kohlenaußen» Handels in tum ersten Quartalen 1930 und 1031 ergibt für Stein- kahle eins B e r r i 11 g e r u n g d e r E i n f u h r um 17S 3SS Tannen, dagegen eck« Vermehrung der Ausfuhr um 133376 Tonnen bzw. eine Berrmgerung des Elnsuhrüberschusle» um 942 126 Tonnen. Verfassungstag ist erbetag für Partei und Press© Werbt überall für eure Zeitung den„Vorwärts", dem . Kampforgan für Arbelt und Freiheit parteinachnchten/M� fürGroß-Berlin Cinftnbnngcn fät biete Rubrik find Pt stet»»a da» Sc)irt»fe(tet»riai »«rliu SS U. Li»de»i«rah« S. t.KoI. LZrevoe» recht«., u richte» Am Dienstag, lt. Angnfi. bleibt das Parteibüro anläßlich des Versalsungstages geschloffen. * Beginn aller Veranstaltungen 18�> Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! Dienstag. 11. August. fi,»reit, za ujr»fcieoetftand mit äbi«ir«nfl»Ickctn bei Ihl-cke», Ilhland- Sck« Mtntzeckroße, ST.«bt. A Übt«He ffunltienäte bei Raschke. Mitgliederversammlungen und Zahlabende (Thema:„Volksentscheid Politische tage") am Mltwoch, 12, August, in nachstehenden Lokalen: 2. fttei». atcismiiaiiEfitrofcmmmluiia in Sen Armwiuzhallen, Bremer Straße 7Z. Sief»reMen> A-m'bäufee. Meier, U. Ätei». Mhrung bct erweebslps-n ParteigenHslen durch den Batanuchen «arlen in DaKem. l.S Ubr. Treffpunkt vor dem Eingang Unter den Eichen. Aatwendtge fsahrauegaden werden erstattet..... A, Ne»i,»reisnitgliedttversaiirinlpng S>randfchf»b Tegel. Referent Sari Litke. 1.«bt. fiorfefchet f>ef, Rosentb-Uer Str. 40(41. Referent A. Kaltenberg. Z.«bt, Lobann. Brüderf». I«. Referent Paul» fluegafc. 9.«bt, Hewertschaftabau», Enaclnfet 25. Referent Wolfgang 4.««: BeWre, � Reievent Den-sfe«1," 8.«bt. Laut Beschluß der ffunktionijrstbung fallt die pees-mmlung aus. Kächsje Ritglieherversammlunz dafür Teilnabm«»n der .. R,fer«nt Paul, Surgaß. fer 25. Referent Wolfgang Schwort. Referent Genosse Klaußner. fällt die«uguft-Mitglieder, � W____________»inmluna wird an dieser Stelle bekanntgegeben. 7.>«dt> Zabladend in den bekannten Lokalen, ».«bt. Mitgliederversammlung fällt aus, Äreiamitglieberverfammlung... U.«bt. Mitgliederversammlung fällt au», dafür Beteiligung an der«rei». Versammlung in den Rrminluaballen, Bremer Str. 7Z. 12. Mit Die Äbteilunzsversammlun« fällt»US, dafllr Beteiligung an der streisversammlung. lt.«bt. Aablabende in he» bekannte» Lokalen. JT.«bt. jn den bekannten Lokalen. 19. Abi, 8ablabend.jn den bekannte» Lokalen. ig.«bt. Zablabend IN hen bekannten Lokale».„.... A>.«bt. Bantke, Schulste. 79: öten,el, Schwechenstr. ,»z Wende,«alonie- fleaße W: Päse,»oleniestr. Jb! und Tjllgne», ftoloniesit. 42. m!««:• 25. Ii. Grupoe:«blschläger, Wine- Ecke Cbeiftburger Straße. 2. Sruvde!«leberftei», DanUger Str. 46. Vortrag: Wirtfchaftzkrile in Amerika. Referent Genosse Dr. S-nifch. 3. Gruppe: Wenete. Sarmen.Sitlva.Str. 51 Ecke Sofemonnstraße. Referent Ed. siachert, M. d. L. Thema! tö-ooer.Pla» und Wirtschaftskrise. 4. Gruppe: 9». Gruppe in den bekannten Lokalen.(Gruppe 1 Kreitßa, 14. ÄUgUst. im bekannten Lokal.) 27,«bt. In den bekannten Lokalen. 2».«bt. Bogen, Schwedter Ste. 23. Referent Genosse San» Plettner. 29.«bt. Alteepbeim, Danziger Str. 62. Referenlin»ate Äern. Die Mit, gliedsbllcher find»ur Tllrkdntrolle mitzubringen. 36. Abt. Jn den bekannte» Lokalen. , Zt.«bt.'�o 1ll,r, SoldfllMidt. Stolpische Str, SS: Meißner, Schioelbuncr Straße 31: Keinvrich. Mglinäer Str, 17. 92. Abt. Gruppe ßiedtkau pei stromphardt, Boul,Si»ger-Str. 4S. Referent Senke:'Die Banken in her Wirtfchaftokrife. Gruppe Wartmann: Die wirtschaftliche Bedeutung der Banken und Börsen v»d die Notverordnungen. Referent Genosse Bruno Neumann. Gruppe Schädel: Lokal von Saderland, Mdreaastr. 7S, � Thema: Gegne-agitatio», Referent Hans Kriedeman». � � � 99. Abt. Mäller. Simplonftr. 91: Becker. Simon.Dach.Str 9: Soffmann, Strsloiier«Hee 17, Referent Genosse Bernstein. Zgbladend Wertolla fällt aus. 94.«bt. Schulaula. Litauer Gtr. l«. Referent Genosse isuß. ?9.«bt. I. Gruppe: Schulz. Samariterftr. 7p, lebt Zalllabendlokal bei Äelm. Rigaer Ecke Proskauer Siraße. Refeeint Genosse Bösenberg. 2. Gruppe: Schule. Samariterftr. 20. Referent Genosse«arl Schott. 9. Gruppe: noner.»oigtfir. 25. Referent Stadtverordneter Genosse Albert Ulrich. ruppe: Lembke, Schreinerstr, 99. Referent Genosse Will««och. 5. Gruppe: Witt, Rigaer Ecke Boislftraße. Referent Stadtrat Genosse Rudolf SS. Uhr Vorstand»ssbung bei Bartusch, irriedenftr. Ä, 1«'/, Uhr Funktionärk-nifereni. Ab 20 Üb« j» allen Bezirken Zahlabende an bekannter Stell«....„ 99.«dt. Baugeweekabaus Sroßbeerenste.«i. Referent»urt Selnl«, M.�d. R. 41.«bt. In den dekaniiten Lokale» Funltionäestb»»«! 1« Ubr Lokal wchult, Mariendorfer Str. 5. 49.«dt. 20 Ubr in de» bekannten Lokalen. 44.«bt. Schulaul», Mongimenstr. 47, Reterent Mar Gillmeister. �. 45.«bt. Zadlabend t» de» bekannten Lokalen. Grupoe Soblstein bei Sommer, Wien«« Straße. � Gruppe Loch, anstatt de» ftabladend, gemeinsamer Spazieegang»ach Treptow. Treffpunkt: Zaliladendlokal, 1» Uhr, 49.«bt. Zablabende bei Eichholz, Cuvrpslr. 23, und Ada»,. Liibbener Str. 30, 47. Abt." Nablabende: 92. und«9. Bezirk bei Raeaeiu?.«halbe rtstr Ib! «7, B-zirk bei Lier, Naununstr.«: �-Bezirk bei. Siedentypi, Muskaiwr Straße sä: so.»nd 100. Bezirk bei Mar Kraule, Bdarrannenplatz 2»! 101. bis U». Bezirk bei Ledmann. Musfaucr Sic, 1, Referat Tdrateriipt 49.«bt. m Mri�Sbemann, Beanbenburgstr. 1: Teßlaff, Rltterstr. 93: Preske, Prinzenstr. 2«: Neiler. jUrstenstr. 1. Raferent Genosse Majonick. 51, Abt. t» Ubr Zal, labend in den bekannten Lokalen. An Stelle der Ab. teilungsversammlu»« besuchen die Genonen am 19. August die Kreis. Versammlung- Gruppe 1: Neferent Genosse L. Breunig. Gruppe 2: Lokal Iamin, Hopbie.SbarloIte-Str. W. Referenti» Elvira«ritger. 59. Abt. 20 ckbr�ei Koffle, Kaiserin-AugNsta.Allee Ecke Sömmerlngstraße, tzS,. Adn"Äe«en»I�»dt°"»roßsiedlung Inngferndeide. Lokal Sommer. Nonne». dannnallee 97. 20 Udr. Referent Genosse Tie, gen». 54.«bt. Titrklsche» Zelt,»erline« Str. 54. kleine«(Saas. Referent Genosse 59.«bt. �20 I.»nd 9. Gruppe bei Liersch. stanistr,«L. Referent Genosse Rackuschin. 9. Gruppe bei Joskowiak. Solbenhorffftr. TO. Referent Seiwsse Äans Seianvasser. 57.»bt.«.Uchr, Thunach, Wielanbstr. 4. Dl-russiouoabenbi Parteipolitische ssl'b Naphtali. Thema- „Die kapitalistische Mrtfchaftoauarch>e". 99.«bt, 20 Ubr im Restaurant«Zum Leidetruo". Ind.«. Vtarfand, Rannen- dammallee. Mitgllederuersammlung, Tag»»ord»ung! 1. Referat de» Senokken Polizeimoior Leinrich. 0. Partriangelegenbeite� |7,«bt.«abndofsrestauran'. Grunewgld. rokol ''ack/Preffechrf. Uber auswärtige Bolii-k. 69. Abt, �20' Uhr bek Sandmann. Westfijlifchr Str. 42. Referat Genosse Referent Genosse Nickel, 20 Uhr im Deutschen Lau», Preite Straße. Referent Genosse Han» Bauer. 74b,«»t, Stockenann, Machnowee Ste. S, Referent Mllt Schneider, Nefeeenß 79. �ka�S�ch.� G o'«u 1 r Referent Genosse Dr. Sturm. 99. Ahl.' West!"Robhe" chindenburgdamm Ecke Reonftraße. vsti Duberick. i?br ?r. Swinkel:«Sa» fst non»er Nelmaeer»eesossuna 99.«bt. 2-, Uhr M!isli«derneef«»mlung, Schule Rosnstraße. „Virtfchgftanot und Tdeaier",— y 90,«dt. stn den bekanniä Lotalen. 'Straße. Referent Genosse Neefasfuna tibeiggehlieben f chen. Breuee, 90'«dt' Ü" �tr�lei»"�a blasend,' Alle itbrigen Keeirkr in de» bekannte»' Lol«i9>>,....�------ 21. Abt. Bergschloßböhe, Karlszartenstr. e-U. Referent Genosse gippcl, ADGB, 22,«bt, öl., 59, und 60. Bezirk! stägerbc!,». W-ldenbruchstraße Ecke Schandauer Straße. Reg.-Rat Nempner! Die politische Lage nach dem iBolfsentsisteld.— 52., 53. und 57. Bezirk: Lokal öchikorra, Schaudauer Ecke Elbeitraße. Dr. A. Eurlaad: Dir politische und wirtschaftliche Lage.' 54. und 55. Bezirk! d«i G-iuier, Harzer Str. 39. Willi Wolfs: Die palitische Laga »ach dem Lolk-eutscheid,- 5«. Bezirk: Lokal?>scher. Heidelberger«tr. 31. Hans Turß: Die politische und wirtschaftliche Lage.— 5«., 81. und 82. Bezirk: Lokal Wolfs. Naiser.Friedrich.Str. 17». srranz Zate: Wohl. fabitswesen.— 52., 5». und 7«. Bezirk: Lokal Simon, Bertdelsdorfer Str.!>. Heim, Hornifch: Die politifä!« Lage»ach dM Balisentschrtd. 80. und 85. Bezirk: Lokal Schwade, Rosegg-r, Ecke Wilbelin-Busch-Straße. Walter Brochnaw: Worden, Wesen und Wirken der Berliner Balksbühne.— 87. und 98. Bezirk! Lokal Schneider, Rosenste. 7. Schlimme: Die wirt- 94. Abt�Ä!�, ßg.� Bezirk: Lokal«uhfeld. Lichtenrader Str. 59.— 4Z„««. Be- zirk! Lokal Lenk, Selchowcr Str. 9. Bortrag. 67,, 69, Bezirk: Lakai Breuer, Schiverpremenadc 59, Bortrag,- W., fu. Bezirk: Lokal «chriider, Steinmetzstr. 52, Hortrag.—. 9. 98, Bezirk: Loial Kwella. vferftr, 15. Bortrag. 70,, n»., 06. Bezirk findet der Zablabe-id spater am 19. August statt im Lokal stwalla, Okersts. 15. 95. Abt, ffriedersdorf. Jägerstr..3. Referent Genosse Mar Hendcmann. »9.«bt. Bereinohaus Einigkeit, stirchbofstr. 4l. Referent Genosse«tetzmaun. 97.«ot. Helmke, Warthestr. 46-47. Referent Gens, sin Bwthtlde Wurm: Der Wiener Kongreß.„, «8.«bt. Teich, stnefebeckstr. 795, Refeeent Genosse Soret». 99.«dt. 1öS.. 157,, 158.. 159. Bezirk bei Sristram, Bilrgerftr. 49/42. Referent Genosse Liktar tlrllger.,, 99«.«bt. 149.«ezirf. Schule Parchimer Allee. Referent Ohlig:«lassenkampf.— Bezirk 150 ,'iib IS1---162. Bei Wolff, Äudviver Allee, Referent llehfeld: Politische Sitilation.— Bezirk 151. gablabend fällt aus. 161. Abt. In den bekannten Lokalen....._,.„.. 103. Abt, In den bekannten Lokalen. In allen Zahlabenden Referat«. Lokal tinappe, Weftendstr, 19. Refeeent Genosse Max Alinttzer. 194. Abt. 2» Uhr Lokal Brjtckcnstr. 15. Referent Genosse Kurt Sroßmann: Deutschland in der Krise.,.,., 168, Abt, Eallnische Borstabt. Lokal Hinze, Schonerltizder Str. 5. Referent Genosse De, Lohmann.—«It. und Kleb Barstodt.„Elche. Sportplatz. Wendenschloßstraße. Referent Dr, Käthe lsrgnkenthal. Themen ,n Heiden Zablabende»! Der Kampf um Preußen.„ ,,,. 169-«bt. Aula der 9, Bvlkolchule, Barqmannstraße. Referent Sengsse Ufer. man». Di« stinanzkrise, ihre Ursachen und ihr« Auswirkungen. 116. Abt. SN Uhr bei Werner, Kopenickcr Sie, 120, Referent Genosse M-lina. 111.«bt. Lokal va» P. Heiman», Beeltn.Bsbr.odorf, Waltersdorfer>str. 100. Die augenblickliche Geldkeife, Referent Genosse Dr Braunthgl. 114. Abt. Loaenkasino Knorrpromenade 2. Referent wird bekanntgegeben. 1t5.«bt. 19 Uhe Sämlaula Kronprinzenstrosse, Refer,iit wird bekanntgegeben. ll«. Ab». Aula Mittelschule, Marxstr- 12/13. Referent Genosse Bernhard 117. Abt.'" Germaniafäle, TUrrschmidtstr, 45. M„ NI 119.«bt. Tempel. Gudrunftr. 7. Referent Genosse Zfanz Kilnstler, M. d. R. 119.«bt. Lokal Wegcner, Frankfurter Allee 234, Referent Genosse Ernst Reu» 120. Abt'.� Rrinhold.«ifhelmstr. g«. Referent Genosse Dr. Kurt LSwenstein. 122. Abt. 20 Uhr bei Porath. Marzahner Str. 31.__ l?2a.«bt. 20 Uhr im Cafd.Reftaurant Vlesdarf-»iid, Biesdorf, Kopenickcr 123.«bt� Schätze nhn�o,�HchtO«e�S�r.�5�Referen1 Genofstn Bahm.Schuch. 124.«bt. goh labende für �okiisdorf.Ost m ÜM«"derä. WnhMr.; MfT«' Ä�'Re'fee'oT.üb» «W llb«°AuÄftsp!littt. 4 Bez.rt: � Resercnt G. Hädicke: Augenblickliche Lage. 5. Bezirk. LBiat Bofreil, Ber. Üner etr. 98—99 Refeteiit 8. Haffmami: D,e Ardeiterichast und dan Theater 6 Bezirk: Lolal Seinze. Kifsingenstr. 49. Referent nnrd noch d-rnnnen.neben 7 Bezirk: SOtf Hader. Kifstngenstr. 4. 9 Beziri: Lokal tröffe Äifnn'aenitr 11 Referent I. Dauberj: WirtschaftBkrtse vnv W.�0?».»nb'»y. Kezi.!: Lckal Lehmann. Mthlenstraß«. R«f-r-t 12, Ab" �.pm'1-4'" Lokal Sänaerheim. gllorastraß,.(Senoffe Schindler: mä ist Schuld gm Elend der Arbeiterschaft. Gruppe 5-8: Lokal Tllr. ÜfcftcG �elt Breite ctrafee. Genosse Krüger: Gin Gang durch dü Aerliner Gefängnisse Gruppe 9: Lokal Renmann, Zstrndelsieatza. Staat und wir. Gruppe 10:«akal Mandtzl. Waldschättke, Galrnuastraße Ecke Mendelftraßc..� NI Äbt' Ubr Restaurant Sanssouei. Kaiser. Nilhelm-Straße, Rordenb.- ,32.'«l."'ÄuG D-kK!'-. � Kleinarbeit. Referent Genosse Sein." rich Iakubowicz. 139. Abt. Kähne. Berliner Etr. 2S. 134. �bt.�S�pseri!' am Bahnhof. R«ferent wi�»och bekannl�qeben 188, Abt. Die Mitgliederversammlung fafft?us, dafür BeteillgunA 139. A bt! io. � CM if ,°U-derycr f cm mlij»fl fällt aus. Dafür beleiligeu sich dich ,46- VÄ'twach lui.o ftitt. Dafllr Bet.iUgunq an der»'«sn«ig-i'dero�ammwNg um Ubr Strand'schloß Tegel. Referat des Genossen Karl&$.% ll-ber„Die politische Situation von heute�. Abteilungsversammlung am 1v. August 141.«bt/"oiol Hoffmann. Ed.lweißstr. 5. Referent Genosse Abr-mowiisch; 143. Abi 0 Waid mann s tust! Treffpunkt für Teilnebmer an fcet«ceismltjlie>fr. Versammlung, Waidmannslust Ecke Räch der Sichwalde. 20 Uhr Zal) ladend hei Kitte.„Die palltische Lag«.' Reierent Willi Drllgenlllller. Referent Genosse Dr. Schütte: an der 14«reis Boranzciae' Die«,ei»mztgl>ed-r»ersamml-ng Nabet am Frritag, 14. August, bei llliem, H-senheide. statt.. Reseieutc» G-a-sscn Hetlma-n. «,«bt� Baranzeig��'AbtMlungsa-lsflug am Sonntag, 1«. Ausust..»ach, Wendenschlass fWassersxartplatz des' Kinder. beluftigung, BadegeleAenheit. Son»ade»d-„Vorwarl�" beachte». e 1• Frauenveranstaltungen. 13.«bt. Die für heute vorgesehene Fnicktionärinnensißun« kann wegen de« 26. Keei»� MUi!mch! �1 t �Äuguft�" Besichtigung dee�Afbeiislssennähstube i» Wiitciiau, Schule. Treffpunkt 14. Uhr rar der-schul«. Anschließend um 16 Uhr Bestchiigung des Kinderheims Ost, Eckzillerring. 24. Abt. Mittwoch. 19. August, Ausflug nach Buch. Treffpunkt ab 14> Uhr IN der Waldsäiäiike. Röbere Angaben folgen noch. Die Senosssnnen der andere» Abteilunge»»nseres Kreise» sowie die Pantowee und Bucher Ge- .»ssstiinen sind hazn eingeladen. Bezirksausschuß für Arbeiierwohlfahrk. 4.«reis. Donnersiag. 13. August. 16 Uhr. BesschUguim.�U- Wesm- blick" in Wuhlgarten.«mst. stllli gus. Miltiwach Spielen auf dem Exerzierplatz, Ui Ubr. Turnzeug mitbringe». Feeifag. 14. August, Zeltlägerbericht und eine feine Uebereaschnng. Alle Falten Mltsse» kommen. Keeia Steglitz: Iungsalken heute lliß Uhr Jugendheim«Ihrechtft«. 47, Kreio«eulälln, Zgftenmeptaltrei«; Donneeatag, 19. Äuguft, haben mir "" erste Ziifammentunft oon l7li-�v Uhr in der«arl.Maex.--ch>tle,- � Sichtlämpser! Heple. Dienstag, sind alle Falken chonnemplatz«h 1? Mr. unsere »rup?« Gterbetastl der Groß« Berliner Partei e Organisation 46.«bt.«m 9. August ist unser lieber treuer � Kqmpfgenaffe«ernhard Apfelgrlln, Splau« St,. 20, im«». e°beiml-hr° perftorb,». Mehr gl- 39 Jahre ha: er der Partei in unpetbrllchlicher Treu« gehione. Kj, werden bei» Andenken stets in Ehren halten. Die Einäscherunq findet am Mltwoch, 12. August. 15 Uhr, im Kremaiarium»eetchlftrgße statt. Di- G«nafstnnen unb S-nassen«etden aufgefächert, sich zahlreich an d«« Trauerseiet tu beteiligen. 41.«»«. Unser Genosse WilliRbttge«, Freillgrathst«. 5 1393.134.«e. zirtl. ist am 0. Augiis» durch UnaUickosall«erstorben. Ehre seinem An. denke»! Einäscherung Äsiitwoch, 12, tlugust, un- lä Uhr. In Baumschulenwrg. Bin rege lSeiiiiigung wird gehilen, ».«dl, Untere Genossin Klingel Hbf er., Zahrinao« Hl«, ig. ist»er. �«.i««'�choch!'1� �.. � v»ä�a Hwa aw. w»bgWUH MOS«Dwa. MßW w» vtzkwaAW owaoHM aw 0 vma 7tr. 374-» 48. Jahrgang 3. Beilage des Vorwärts Dienstag, 44. August 4934 Die Lugend tagt. Zugendliche Arbeiier und Angestellte beraten. Im Berliner Gewerkschaftshaus tagte am Sonntag die erste B e- zirksjugendleitcr-Konfcrenz des ADGB�, Bezirk Bcrlin-Brandcnburg-Grenzmark. Der Bszirkssekretär Genosse Vollmerhaus kannte die erfreuliche Mitteilung machen, dah sich dieses Kind der Nachkriegszeit, wie er die gewerkschaftliche Jugend- bewegung mit Recht bezeichnete, seit der Anstellung des Bezirks- jugendsekretärs Genossen W ö l l n e r recht gut entwickelt hat. In Berlin sind heute etwa 26 000 jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen biz zu 18 Jahren freigewcrkschasttich organisiert, in der Provinz Brandenburg und der Grenzmark rund 17 000, zusammen also 48 000. Einschließlich der Jugendlichen bis zu 21 Jahren gibt es im Bezirk zurzeit etwa 80 000 sreigewerkschaslliche Organisierte der Jugend. Dieser Macht können auch die Behörden ihre Anerkennung nicht � � mehr versagen, wie sie es anfänglich getan haben. Der Hauptreferent auf dieser Konferenz, Genosse M a s ch k e vom ) ADGB., ging in seinem Vortrag„Die Jugendprobleme der Gegen- wart" davon aus, daß ein Teil der heutigen Jugend ungehalten darüber ist, daß die Arbeiterschaft infolge ungenügenden Elans ihrer Führer und des Kurztrctens der älteren Arbeiter nicht schnell genug vorwärts dringe. Mit mehr Schneid könne nach der Meinung dieser jungen Menschen viel schneller und viel mehr sozialiistsches Terrain gewonnen werden. Diese Einstellung ist durchaus begreiflich. Die heutige Jugend hat den ungeheuren Weltbrand von 1S14 bis 1918 nicht denkend er- lebt, die Kämpfe und Nöte der Arbeiterschaft in der Vorkriegszeit aus eigener Anschauung nicht kennengelernt, und vor allem auch nicht die sprunghaften Fortschritte der Technik im letzten Jahrzehnt durch- lebt. Ihr fehlt daher ein V e r g l e i ch s m a ß st a b mit der Vor- kriegszeit, um die heutige Zeit und die heute notwendige Taktik in der Arbeiterbewegung begreisen zu können. Die Hauptaufgabe der gewerkschaftlichen Jugendarbeit muß daher sein, die Jugendlichen mit der Kompliziertheit allen kulturellen, wirtschaftlichen und poli- tischen Werdens vertraut zu machen und sie von dem Halbwissen zu befreien. Neben dieser erzieherischen und bildenden Arbeit muß aber eine planmäßige Betreuung der Zugendlichen. die persönliche Hilfe, insbesondere der erwerblosen Jugendlichen, ein- hergehen, wie es schon geschieht durch die Berufsberatung, Lehr- stellenvermittlung, berufskundliche Lehrgänge usw. Die Jugend müsse zu wissenden und zielklaren Menschen herangebildet, nicht aber ver- bildet werden. In der Diskussion wurde ganz allgemein das schärfste Mißtrauen dem freiwilligen Arbeitsdienst entgegengebracht und verlangt, daß die Gewerkschaften dieser oerkappten Vorstufe der Arbeitsdienstpflicht ihre größte Aufmerksamkeit zuwenden, damit *■ unter der Maske des freiwiillgen Arbeitsdienstes nicht reaktionäre politische Stoßtrupps heranwachsen. Genosse Mölln er, dessen � Ausführungen mehr internen organisatorischen Charakter hatten, appellierte besonders an die Behörden, daß sie sich bei der Bereit- stellung von Mitteln für die gewerkschaftliche Jugendarbeit endlich be- wüßt werden sollen, daß es sich hierbei nicht um die Arbeit einer Organisation, sondern um das einheitliche Zusammenwirten von dreißig Verbänden im Bezirk handele. In einer einstimmig ange- nommcnen Entschließung wird u. a. ganz entschieden gegen die Herausnahme der arbeitslosen Jugendlichen unter 21 Jahren aus der Arbeitslosenversicherung protestiert. sationen auf das herzlichste willkommen und verlas eine Reihe Be- grüßungsschreiben, so des Reichsarbeitsministers Stsgerwald, der preußischen Minister für Volkswohlfahrt, für Handel und Gewerbe, für Wissenschast, Kunst und Volksbildung. Im Mittelpunkt der Feier stand die Aufführung des Sprech- chorwerkes„Der große Gang" von Alfred Thieme durch die Jugendgruppe Hamburg. Die Aufführung erntete einen wirtlich verdienten Erfolg. Punkt 12.15 Uhr nahm die unter der Devise Arbeit— Beruf — Verfassung" aufgezogene Kundgebung auf dem Marktplatz Lübecks ihren Anfang. Es sprachen der Lübecker Bürgermeister L ö w i g t, für den Verbandsvorstand des ZdA. Georg U ck o. Dieser zeichnete ein Bild des Aufbaues der ZdA.-Jugend, wo heute fast 30 000 Jugendmitglieder in etwa 350 Jugcndgruppen zusammengefaßt sind, sowie die vielfältigen Zweige der Jugend- orbeit des Verbandes. Mit gemeinsamem Gesang: Wann wir schreiten Seit an Seit — und einem von dem Reichsjugendleiter ausgebrachten, begeistert erwiderten dreifachen„Freundschaft" endete die Kundgebung. 4. �eichsjugendiag des ZdA. Lübeck, 10. August.(Eigenbericht.) Selbst für eine Fremdenverkehrsstadt wie Lübeck bot sich am vergangenen Sonnabend und Sonntag auf allen Zufahrtsstraßen, auf den Bahnlinien sämtlicher Richtungen ein überaus lebhaftes, - buntbewegtes Bild: Der Zentralverband der Angestellten hielt seinen Reichsjugendtag ab. Sonderzug auf Sonderzug rollte an: endlose Lastwagenkarawanen, Scharen von Autobussen und Radfahrern bewegten sich, aus den näher gelegenen Orten in Rich- > tung der alten Hansestadt. Die Begrüßungsfeier fand in der gewaltigen Lübecker 700-Jahr-Halle statt. Sie konnte die Teilnehmer längst nicht fassen: trotz letzter Raumausnutzung mußten Hunderte vor den Toren bleiben. Nach dem feierlichen Einmarsch der Fahnenträger eröffnete Reichsjugendleiter Ludwig Diederich die Tagung. Er hieß die Jugendmitglieder des Verbandes sowie- die recht zahlreich er- schienenen Gäste, insbesondere die Delegationen der dänischen, holländischen, tschechischen und deutsch-böhmischen Bruderorgani- Nach dem Llmfiurz in Spanien. Die Wirffchastökämpfe unter politischem Einfluß. Schwere Streiks und blutige Zusammenstöße zwischen Streiken- den und der Pozizei sind in den letzten Tagen in verschiedenen Teilen Spamens an der Tagesordnung. Die Hauptsturmgebiete sind Andalusien und Katalonien. In Sevilla ist das Kriegsgesetz pro- klamiert worden. In Barcelona droht jeden Augenblick der General- streit auszubrechen. Schwere Opfer an Gut und Blut haben die Stürme der letzten Tage gekostet. Zeitweilig mußte man angesichts der sich häufenden Hiobsbotschaften den Eindruck bekommen, als ob nach der Revolution ein« neue Revolution ausgebrochen sei. In Wirklichkeit handelt es sich jedoch zweifellos nur um einen großen Gärungs- und Umbildungsprozeß, der nach dem Sturz der Diktatur mit aller Macht zu einer politischen und sozialen Neuordnung der Dinge in Spanien vorwärtsdrängt. Unendlich viel soll und muß die neue, die republikanische Regie- rung besser machen: denn die breiten Massen hotten unter dem alten Regime schwer zu leiden. Die Arbeiterorganisationen konnten sich srüher politisch und gewerkschaftlich infolge d«r Rückständigkeit der Massen nicht entwickeln. Jetzt macht dieser Rückstand einem Mann wie Caballero, dem Führer der dem JGB. an- geschlossenen Gewerkschaften, die Arbeit für den sozialen Aufstieg ungeheuer schwer. Dazu kommt, daß Not und politische Unreife in den breiten Massen begreiflicherweise Illusionen über eine plötzliche Wendung der Dinge entstehen ließen. Die ausgeplünderten ver- armten Masten glaubten, daß nach der Revolution im Handumdrehen die Not beseitigt werden könne. Je größer der Druck, desto stärker die Sehnsucht nach Besserung der Verhältnisse, desto stärker die Er- Wartungen und Hoffnungen. Den S o z i a l i st e n in der spanischen Regierung geht es ähn- lich, wie es der deutschen Sozialdemokratie und den deutschen Ge- werkschaften nach dem Umsturz erging. Jede Mahnung, daß man nicht auf einmal mit beiden Füßen und in einem Sprung ins Para- dies springen könne, wurde bei uns dem ehrlichen Arbeiter sür die Stiche des Volkes als Verrat, als Floumacherei und Schlappheit an- gekreidet. So ist es heute auch in Spanien. Die Rolle der Kommunisten wollen allem Anschein nach in Spanien die S y n d i k a l i st e n spielen, womit nicht gesagt sein soll, daß der spanische Syndikalismus und der Bolschewismus ein und dasselbe seien. Die Syndikalisten sind antiparlamentarisch ein- gestellt. Sie erwarten alles von der direkten Aktion, und die Folge davon ist, daß sie durch ihr Drauflosstreiken der parlamentarischen Resormarbeit Schwierigkeiten über Schwierigkeiten bereiten. Aber das kümmert sie nicht viel: denn sie erwarten ja vom Parlament nichts. Die Syndikalisten sind auch stark lokal eingestellt und die spanischen F ö d e r a l i st e n, die vor allem in Katalonien obenauf sind, versuchen mit Hilse der Syndikalisten die Zentral- gewalt in Madrid zu schwächen. Eine Stärkung der Madrider Regie- rung wäre aber gerade jetzt nötig, wenn sie ihren umfangreichen und schwierigen Reformarbeiten nachkommen und gerecht werden soll. Ganz wie bei uns in den Sturmjahren nach dem Zusammen- bruch treibt der hemmungslose Radikalismus eines Teils der Arbeiterschaft in Spanien den Gcgenrevolutionären Wasser auf die Mühlen. Es ist bezeichnend, daß sich jetzt bereits schon wieder. die Monarchisten stärker hervorwagen. So wurden der ehemalige Sekretär der monarchistischen Union Fuentes P i l a und der Graf von A r c e n t a l e s bei den Unruhen im Süden verhaftet, weil sie die Demonstranten gegen die Regierung aufhetzten. Für den weiteren Verlauf der politischen und sozialen Neu- ordnung in Spanien hängt viel davon ab, wie sich der Syndikalismus künftig dem Parlamentarismus gegenüber einstellt. Die Partei- bildung und-gruppierung im neuen Spanien ist ja noch nicht zu Ende. Nach einem Umsturz finden sich fast überall in allen Par- teien Leute ein, die eigentlich in ein anderes Lager gehören. Ltm das Nachtbackverbot. Die Gefahren seiner Auflockerung". Ueber die Frage des Nachtbackverbots wird auf dem Frankfurter Gewerkschaftskongreß ein deutliches Wort gesagt werden. Das ist schon deshalb notwendig, weil die Gewerkschaften in dieser Frage nun auch die Konsumgenossenschaften zu ihren Gegnern zu zählen haben. Die Genossenschaften behaupten. das Nachtbackverbot verteuere die Brother'stellung, und mit dieser Behauptung begründen sie ihre Forderung nach der Aufhebung des Verbots. Die Brotpreisverbilligung ist, wie die„G e w e r k s ch a f t s- zeitung", die Wochenzeitschrift des ADGB., in ihrer neuesten Nummer im Anschluß an die Berechnungen des Verbandes der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter feststellt, viel zu gering, als dah sie als Gegenwert für den Preis genügen könne, der auf dem Spiele steht. Die Gefahr, daß ein Teilerfolg der Gegner unserer sozialen Gesetzgebung weitere Verluste nach sich ziehe, bestehe immer, aber sie sei in keinem Falle so groß, wie bei einem Angriff auf das Nachtbackverbot. Bei seiner„Auflockerung" werde es nicht bleiben: denn die Zulassung der Nachtarbeit in den Brotfabriken wäre für die B ä ck e r m e i st e r das Signal zu einem Kampf um die völlige Beseitigung des Nachtback- Verbotes. „Wir sind", so betont die„Gewerkschaftszeitung",„überzeugt, daß die Arbeiterschaft es den Konsumgenossenschaften nicht ver- gessen würde, wenn sie durch eine„Auflockerung" des Nachtback- Verbots den Anstoß dazu geben, daß der nach dem Krieg endlich errungene Erfolg in diesem Ringen der Arbeiterbewegung, der sich im Nachtbackoerbot manifestiert, ausgelöscht wird. Auch die Ar- beiterschaft wird die Ermäßigung des Brotpreises um einen ge- ringen, noch nicht einmal feststehenden Betrag nicht als ange- mestenen Gegenwert für diesen Rückschritt akzeptieren— zumal andere Möglichkestten zur Verbilligung des Brotes gegeben sind." Wir möchten wissen, wie die Anhänger der„Auflockerung" des Nachtbackverbots dessen Aufrechterhaltung bei der Konkurrenz sich vorstellen. Oder glaubt jemand, daß die Wirtschaftspartei, das Zentrum, die Bayerische Aolkspartei, die Deutschnationalen, die Volkspartei, die Staatspartei, daß überhaupt eine einzige bürger- liche Partei dann nicht ihre Mittelstandsfreundlichkeit beweisen werden wollen? Und wo gibt es dann moralische Argumente, die stark genug wären, den Bäckermeistern zu verweigern, was man den Konsumvereinen(ausgerechnet!) erlaubt hat! Und wenn einmal das Nachtbackverbot in den Bäckereien ge- fallen ist— nun, es gibt noch andere Verbote der Nachtarbeit, die den Unternehmern sehr unangenehm sind. Was man den Konsum-' vereinen zugesteht, wird man den Privatunternehmern schwerlich oerweigern. Ein mildes Ltrteil. Unternehmer vor Gericht. Ein trübes Licht auf die Arbeitsverhältnisse in der Großauto- Wäscherei„T r a n s l a g" in der Belle-Alliance-Straße 6 warf am Montag eine Verhandlung vor der Abteilung 14 des Amtsgerichts Berlin-Tempelhof. Gegen die Firmeninhaber Bode und Müller war Strafantrag gestellt worden wegen Verstoßes gegen die Arbeitszeitoerordnung und die Arbeiterinnenschutzbestim- mungen der Gewerbeordnung. In dem Betriebe, wo hauptsächlich Autodroschken am laufenden Band gewaschen werden, wird formell in drei Schichten zu je sechs Stunden gearbeitet, von denen die erste des Morgens um 3 Uhr beginnt und die letzte um 9 Uhr abends endet. Ab 3 Uhr morgens hatte die Firma auch Arbeiterinnen beschäftigt, obwohl die Gewerbeordnung die Beschäftigung von Arbeiterinnen o o r 6 Uhr morgens verbietet. Weiter hatte sie Arbeiterinnen nicht nur an Wochentagen, sondern auch an Sonntagen beschäftigt und sogar über zehn Stunden hintereinander. Pausen wurden überhaupt nicht regelmäßig und nur in ganz unzureichendem Maße gewährt. Die Herren Chefs und ihr Rechtsanwalt versuchten, dies« Arbeitszeitregelung mit der„Eigenart" ihres Betriebes zu be- gründen, sich als ein„Vcrkehrsunternehmen" zu firmieren, für das 25 Qildehof-Werl'marken IC Zigareh-en Sparen Sie Qeld durch Sammeln der Werl-marken die allen 10*25 u.50 Srück Qildehof- Packungen beiliegen „Wohlfahrt" auf dem Lande. Wie ausgesteuerie Landarbeiter behandelt werden. Die Behandlung der ausgesteuerten Landarbeiter nimmt Formen an, die kaum noch übertroffen werden können. Ein ausgesteuerter schlesischer Landarbeiter, der 54 Jahre alt ist und mit seiner 85jährigen Mutter zusammenlebt, erhielt auf seinen An- trag, ihm Wohlfahrtsunterstützung zu gewähren, folgenden Bescheid: „Schosnitz, den 1. Juli 1931. cherrn 21. Sch. Laut Beschluß des Fürsorgeausschusie« erholten Sie ob 28. Juni 1931 täglich 0,10 Mark Armenunter- st ü tz u n g, da Sie, im Haushalt der Mutter lebend, mit diesem Betrag den Richtsatz erreichen. Zur Ausführung der Pflichtarbeit von wöchentlich iM Stunden wollen Sie stch bei Herrn Gutsverwalter Krosz dort melden. Der Fürsorgeausschuß gez.: Brinnig, Becker/ Nicht nur, daß man dem Antragsteller zumutet, mit 10 Pf. pro Tag sein Leben zu fristen, daneben verlangt man von ihm noch, daß er einem Gutsbesttzer wöchentlich VA Stunden lang seine Arbeits- kraft zur Verfügung stellt. Derartiges kann nur verfügen, wer die Verhältnisse, unter denen die ausgesteuerten Landarbeiter zu leben gezwungen sind, nicht kennt. Aehnlich skandalös wie der Bescheid des Fürsorgeausschusses in Schosnitz ist die Behandlung, die einem ausgesteuerten Landarbeiter m P a st e r n i tz in Schlesien zuteil wurde und über die der „Dolkswille", Neusalz a. d. Oder, in Nr. 173 berichtet. Danach wurde dem ausgesteuerten Landarbeiter die Wohlfahrtsunter- stützung mit dem Bemerken verweigert, daß seine Frau bei einem Stellenbesitzer 3 bis 5 Mark pro Woche verdient. Von diesem Verdienst mußten sieben Menschen leben. Eines Tages verbot der Inspektor I. dem Stellenbesitzer, die Frau weiter zu beschäftigen mit dem Bemerken:„Wenn die nicht verhungern, ziehen sie überhaupt nicht weg/ Die Frau wurde entlassen. In der Familie ist kein Pfennig zum Lebensunterhalt. Trotzdem weigert sich die Gemeinde, Wohl- fahrtsunter stützung zu zahlen. Frau und Kinder sind außerdem lungenkrank. Bei der Forderung eines Kranken- scheines soll die Frau von dem Gemeindevorsteher mit den Worten abgewiesen worden sein:„Sie kriegen keinen Kranken- schein, und wenn ihr all« umkommt/ Wie lange gedenken die maßgebenden Stellen, insbesondere das preußische Wohlfahrtsministerium, zu der Behandlung, die sich die ausgesteuerten Landarbeiter heute gefallen lassen müssen, noch zu schweigen? die Arbeiterinnenschutzbestimmungen nicht gelten. Sie versuchten weiter, sich darauf hinauszureden, daß die überlange Arbeit von ihren 2lrbeitern und Arbeiterinnen„freiwillig" geleistet worden sei. Das Gericht verurteilte schließlich die beiden Firmeninhaber wegen Verstoßes gegen die Arbeitszeitverordnung und die Gewerbe- okdnung zu der geringfügigen Geldstrafe von je 49 Mark. Die gesetzwidrige Ausbeutung ihrer Arbeiter und Arbeiterinnen ist den beiden Unternehmern also nicht teuer zu stehen gekommen. Sie wären wahrscheinlich nicht so billig weggekommen, wenn die als Zeugen von der Staatsanwaltschaft geladenen Arbeiter und Arbeite- rinnen organisiert gewesen wären und ihnen ein Gewerkschafts- Vertreter zur Seite gestanden hätte. Vor allem aber wären solche skandalösen Arbeitsverhältnisse überhaupt nicht möglich, wenn in dem Betriebe ein« gesetzliche Betriebsvertretung bestünde, worauf die Belegschaft aber keinen Wert legt. So standen die als Zeugen benannten Arbeiter und Arbeiterinnen dem Einzelrichter ziemlich hilflos gegenüber, der zu allem Unglück den Vorsitz in dieser Kommer nur vertretungsweise hatte und, wie er selbst betonte, mit dieser arbeitsrechtlichen Materie nicht vertraut ist. Die Verhandlung zeigt«, wie notwendig es ist, endlich auch diese Streitigkeiten den Arbeitsgerichten zu übertragen, bei denen zumindest die Bei- sitzer auf Grund von Erfahrungen mit den Verhältnissen im Be- triebe oertraut sind, was man von einem Zivil- oder Strafrichter gar nicht oerlangen kann. Wie lange noch Erwägungen? Die Feierschichten im Bergbau. Die Zahl der Feierschichten im Ruhrbergbau ist in den letzten Monaten von neuem gestiegen. Im Januar wurden 495 999 Feierschichten(1,72 pro Mann der Belegschaft) gezählt, im Februar 1 958 999(3.72). im März 979 999(3.61). im April 771 999 (2.95). im Mai 649999(2.51), im Juni 761 999(3.2) und im Juli beträgt die Zahl der Feierschichten höchstwahrscheinlich 889 999. Eine Entlastung des Arboitsmarktes erfordert eine kräfti- gere Verkürzung der Arbeitszeit als auf 7%. Stunden, d. h. um mehr als das, was in Genf in den Arbeitszeitverhandlungen erreicht wurde. Die Verkürzung der Arbeitszeit nur um eine Viertelstunde wird den Fluch der Feierschichten bestimmt nicht beseitigen. Die rückläufige Entwicklung des Lohnanteils je Fördertonne macht eine kräftigere Verkürzung der Arbeitszeit auch tragbar. Der Lohnanteil, der im Januar auf 5,97 Mark stand, ist bis zum April bereits auf 5,82 Mark gesunken. Es m u ß endlich der Arbeitslosigkeit zu Leibe gegangen werden. Musiternachwuchs. Unter der Wirtschaftskrise haben die Arbeitnehmer der Der- gmjgungsinduftrie bekanntlich sehr zu leiden. Ganz besonders schlecht aber geht es den Musikern, die außerdem auch noch unter der Einführung der mechanischen Musik und des Tonfilms zu leiden haben. Eltern, die in der heutigen Zeit chre Kinder Musiker werden lassen wollen, können nicht dringend genug er- mahnt werden, beim Deutschen Musiker-Verband, Kommandanten- straße 63. Auskunft über Berufsaussichten und Ausbildungsmöglich» keilen einzuholen. Wir weisen ganz besonders daraus hin, daß am Donnerstag, dem 13. August, nachmittags von 5,39 bis 6 Uhr, in der Berliner Junkstunde ein Vortrag über„Musikernachwuchs" gehalten werden wird. Mißstände in den Arbeiisämtem. Die Verantwortlichen suchen die Schuldigen. Seit Bestehen der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung laufen die Gewerkschaften Sturm gegen den Raubbau an den Angestellten. Personalabbau, Steigerung des Arbeitstempos und Gehaltskürzungen wechseln seit Jahr und Tag in munterer Reihenfolge. Selbstverständlich bleiben die Folgen dieser Personalpolitik, die wir oft und leider immer vergeblich kritisiert haben, nicht aus. Immer häusiger werden die Klagen von Arbeitslosen, daß das Aufsuchen der Arbeitsämter wegen der langwierigen Abfertigung allmählich zur Qual geworden ist. Zur Aufnahme eines einzigen Versicherungsantrages wird der Arbeitslose drei- bis viermal hinbestellt, um dann noch trotz Vor- bestellung drei und mehr Stunden in meist ganz unzulänglichen Aufenthaltsräumen warten zu müssen. Die andere Seit« der Medaille sieht genau so aus. Das über- arbeitete und durch das Publikum gehetzte Personal macht natürlich Fehler in der Bearbeitung der Versicherungsanträge. Drei Not- Verordnungen haben allein das Arbeitslosenoersicherungs- gesetzt dreimal von Grund auf geändert. Der Personalabbau und die ungeheure Steigerung des Arbeitstempos sind neben der Er- schwerung durch Gesetzesänderungen die Ursachen für all« sachlichen Fehler, die die Reichsanstalt mitunter allerdings viel Geld tosten. Was macht nun die Reichsanstalt? Erkennt sie die Fehler der verkehrten Personalpolitik? Keineswegs. Statt schleunigst das Per- sonal durch Neueinstellungen zu entlasten, um dadurch wieder Qualitätsarbeit zu erreichen, versendet die Reichsanstalt Rund- schreiben an die Arbeitsämter, worin Meldungen darüber verlangt werden, welche Fehler von Angestellten gemacht worden sind, wie hoch die uneintreibbar« Ueberzahlung dadurch ist, ob Ausficht be- steht, daß der Arbeitslose den überhobenen Betrag zurückzahlen wird u. ä. m. Daneben verlangt man zu jeder Ueberhebung die Feststellung und Meldung des schuldigen Angestellten. Die Reichsanstalt hat alle Warnungen unbeachtet gelassen: für die Folgen hat sie selber aufzukommen. Man hat schon oft an die Anwendung des letzten gewerkschaftlichen Mittels, des Streiks ge> dacht. Nur das Verantwortungsbewußtsein dieser glänzend diszipli- inerten Angestelltenschaft gegenüber dem Staat hat davon ab- gehalten._ f Freie Gewerkschafts-Iugend Berlin Hinte, 18Vi Uhr, tagen die Gruppen:«dlerihof: Gruppncheim Atters. Hof, Btsmarcksrr. z. Gruppenabend fällt aus.— Schöneserde: Zug-::> heim Nieterschöneweide Berliner Str. ZU Spa�ergang.— Ponlow: Zugentheim«issingenstr. 4«. Zimmer 5..Di« Zieichsoerfaffun»*— Sewert- schastshau«: Gngelufer 34—25, Saal Ii. Wir beteiligen in» an der Ber- s-ssungef-ier.— Seddin«: Augendheim Willtenowstr. 5..Gin Tag in Paris.' — Neu-Lichreuberg: Jugendheim Gunterftr. 44. Wir beteiligen uns an der Versassunasfeier.— Zranks««««llee: Städt. Zugentheien Litau«r Etr. 18. Gruppenabend fällt aus.— Lichtenberg: Zugendheim Dossestr. 22.»Wie lese ich eine Wanderiarte und ein tiursbuch."— vstende: Jugendheim Sarishorst, Treslowallee 44 sttantschule). Gruppenabend fällt au».— Treptow: Schule Wild-nbruchstr. R— 54. Fochrteicklatsch.— Gtegliß: Jugendheim Z4emming. st roh» I4d. Wir treffen un« um ISlt Uhr nor dem Heim.— Iugendgrnppe de, Zentraloerband«, der Dchnh wacher: Jugendheim Große Frankfurter Str. IS, Zimmer Z. Lichtbildervortrag:.Die Razis". @Iuqendgruppe des Zentralverbandes der Slngesteltteu Heut«. Dienstag, finden folgende B-ranstaltungen stall: Nordwest: Jugendheim Lehrter Str. 18— IS. Bunter Abend.— Lichtenberg: Zugentboim Gunterftr. 44. Bortrag:.Was ich im Sefänani, sah". Referent Lewinsfr.— Der Sprech, und Bewegungschor übt ab 30 Uhr in der Turnhalle Baruther Str. 20.— Spiel« im Freie» ab 18 Uhr auf dem Gportplaß Tier- garten, im Schillerpari, auf der Wies« 8 im Treptower Bar! und ab lg Uhr Tempelhofer Feld, Flughofenoingang. BUND DER TECHNISCHEN ANGESTELLTEN und BEAMTEN vereinigt in sich xll« Techniker, Ingenieure, Cheniiker,Architekten, die im freigewerkscbattUchen ZusaramenschluC die erste Voranssetiang für eine Wahrnehmung und Förderung ihrer Berulsinteressen sehen. Die mit der Mitgliedschaft verbundene Beitragszahlung rentiert sieh für den einzelnen in den Arbeitserfolgen des Bundes. Der Bund strebt die berechtigte Anerkennung technischer Arbeitsleistung und den dem Arbeitnehmer zukommenden Anteil am Arbeitsertrag an. Jeder sohaSende Techniker kann nur durch gewerkschaftliche Selbsthilfe— überzeugt von dem unüberbrückbaren Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit— den Ausnutzungsversuchen eines rücksichtslosen Unternehmertums begegnen. Jeder noch außenstehende Kollege stelle sich deshalb durch seine Mitgliedschaft unter den Schutz des Bundes. Techniker, Ingenieure, Chemiker, Architekten! Tretet ein In den Bund der lechnischen Anuesiellleu u. Beauilen! Auskunft und Material sind kostenlos erhflltileh durch die Ortsverwaltung Berlin des Bundes, NW 40, WerftstraBe 7«. Oetriiclcr Sdimidt [er GmtR Drudcfarkn-FatriU BcrlinwHemersJorf Frankfurt a. A4.-West SamtkcKe Parken für Jas grapfufcke Oe werte Export Gesamtverband der Arbeitnehmer der öffentlichen Betriebe und des Personen- und Warenverkehrs Angeschlossen dem Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund und dem Allgemeinen Deutschen Beamtenbund Der Gesamtverband ist die Groß-Organisation für das gesamte Personal der Reichs-, Staats-, Provinzial-, Kreis- und Gemeinde-Betriebe und -Verwaltungen, Gas-, Elektrizitäts-, Wasserwerke und sonstigen der öffentlichen Versorgung dienenden Betriebe sowie des Gesundheitswesens und der Berufsfeuerwehr, für das in den privaten Handels- und Transportbetrieben und in den Handels-(Versand) und Transportabteilungen industrieller Unternehmungen beschäftigte Personal, für das Personal in den Kraft- und Luftverkehrsbetrieben, bei den Straßen-, Klein-, Hafen-, Werksbahnen usw., für das Personal der Post und Telegraphie, für das Personal in den Schiffahrts-, Fischerei- und Hafenbetrieben, des Lotsenwesens und beim Wasserbau, für das Personal der Hauswirtschaft einschließlich der Wach- und Schließgesellschaften, für das gesamte Personal der Gärtnereibetriebe. Der Gesamtverband gewährt; Streik- und Gemaßregeltenunterstützung, Rechtsschutz, Unterstützung im Krankheitsfalle, in besonderer Notlage, bei Arbeitslosigkeit, bei Invalidität, bei Todesfällen usw. Im Jahre 1930 sind für die Mitglieder 8987 973,58 RM an Unterstützungen gezahlt worden, davon entfielen; an kranke Mitglieder............ 3333926,14 RM an arbeitslose Mitglieder........... 2788958,24 RM für Weihnachtsunterstützung.......... 958 354,02 RM in Todesfällen............... 810794,27 RM für Rechtsschutz.............. 394 135,70 RM in Notfällen............... 385275,58 RM an Streikende und Gemaßregelte........ 281 995,39 RM Reise- und Umzugsunterstützung........ 34534,24 RM oder pro Beitrag des Mitgliedes 31,51 Pfennig Her zu uns, kämpft mit uns für Sicherung und Ausbau der Tarifverträge— Arbeitsschutz— Sozialgesetzgebung— Koalitions- und Streikrecht— Schutz des Berufsbeamtentums— Erweiterung des Mitbestimmungsrechtes aller Arbeitnehmer— Förderung der öffentlichen Wirtschaft— Wirtschaftsdemokratie und Sozialisierung. AHjeiter�Ar� schließt die Kampffront, reiht euch ein in die Großorganisation der 700 000, dem "N.. Gesamtverband der Arbeitnehmer der öffentlichen Betriebe und des Personen- und Warenverkehrs Bezirks« und Ortsverwaltung Berlin N 24, johannisstraße14-15 Sammelruf: D1, Norden 6361 BANK UND SPARKASSE ALLER ARBEITNEHMER IST DIE BANK 3ER ARBEITER, ANGESTELLTEN UND BEAMTEN, S BERLIN �-... V»-v*i*40** ZENTRALE- S. 14, WALLSTRASSE 65 DEPOSITENKASSE- LINDENSTRASSE 3 KAPITAL UND RESERVEN: 15,3 HILL. RM EINLAGEN 1930: 168 HILL. RM ZINSEN FÜR SPAREINLAGEN: bei täglicher Kündigung....... 8 Proz. bei monatlicher Kündigung..... 9 Proz. bei vierteljährlicher Kündigung.. 10 Proz. 45 ZAHLSTELLEN IN ALLEN STADTTEILEN BERLINS 16 FILIALEN UND 243 ZAHLSTELLEN IM REICHE ZMerM der NisdHiMi und Heizer «owie Berutsgenogsen Deutschlands Sitz Berlin SO. SS, Skalltzer Straße Nr, 47-48 Eigene Verbandshäuser in Berlin, Chemnitz, Erfurt, Duisburg und Senftenberg Eigenes Erholungsheim in Ahlbeok(Ostseebad) Unser Zentralverband, der im Jahre 1892 gegründet worden ist, stellt die organisatorische Zusammenfassung eller in der Krafterzeugung und Kraftverteilung tätigen Arbeiter, Angestellten und Beamten dar Die kulturellen und sozialen Belange unserer 85 000 Mitglieder werden durch 520 Tarifverträge gesichert Die Ausgaben unserer Organisation betrugen im Jahre 1930 für Kampfmaßnahmen........ 179 000 RM, Soziale Unterstützungen..... 692 000 RM Invalidenunterstützung..... 184 000 RM. NotfallunterstUUung u.Sterbegeld 42 000 RM. Rechtsschutz.......... 25 000 RM. Die Interessenvertretung wird von 48 hauptamtlich angestellt. Funktionären durchgeführt! Im Zeitalter der Elektrizität darf unsere Organisation als die wirtschaftlich wichtigste angesehen werden (i (> (> Theater, Lichtspiele usw. >1 LichterfeSder -> Staatstheater Geschlossen. Abonnements-Einladung für die Spielzeit 1931/32 Großer Preisabbau, wesentliche Verbesserung einzelner Platzgruppen durch Vorverlegung, sehr bequeme Zahlungsbedingungen. Anmeldangen nehmen in der Zeit von 10 bis 2 Uhr entgegen i kür die Stoatsoper und das SloalUdie Sdianspielbans: Abonnem-Büro Oberwallstr.22, Fernsprecher: Merkur 9024, für das Staoll. Sdililerttiealer! Abonnem.-Büro: Charlottenbg., GroImanstraBe 70, Fernsprecher: Steinplatz 671$ Zehlendorfer Straße S Oekonom Otto SchilBinsi T© I o p h o n: Lichterfeld© Q 3 1445 Festsäle für 1100 Personen mit modern eingeriditeten Bohnen tDr Veranstaltungen jeder Art/ Hodizeitssäle/ Vereinszimmer fflr 20 bis 300 Personen Großer schattiger Naturgarten für 3000 Personen mit Tierpark und Kinderspielplätzen Btrkarosta 92S8 T&gl.Su.«i/aü Barto&Mann W.* O.Ahorn Walter Nüssen South China Welntraubs u. weitere Neuheit PLAZA Du inb Varietf Pregrseial ■It Ci'iell, Perte 1 1 (edifts, FrtStllsi. Hiiskii.«Irls w». «rtlni! UseePrslse; j TfiöUch SM,»Ii Sonnlo. 2. 5, eis 30 n" 1 mimm ignugungf' Rgdawam Berlins Ii'Miel) BeriiHer||lhTrio N e H k S I i a. � Lahnatr. 71/7SJ Winter yQarren� Rollin-Mosiridi Rollln-lssK NSS.Eherswalder Str. 20 8.15 Diu Flora 3434 Baudien eilaobl Barbatta! Hofsäager-Sajitett, BauriakaH■ Truppa, Aytl-Fo», LasTurlas.Cancha-Franakysiw. I »v.uhr CASINO-THEATERs'/, ut« Lothringer Strafe 37. Wiedereröffnung 19, Auge Modern renoviert! Modernes Pregr.! Das entzückende Lustspiel Das ParfQm meiner krau. Dazu ein crstKI. buntes Programm, Für die U9$er OnUdieln 1-4 Per». Fauteull|,25 M.. Sessel 1,50 M. Sonstige Pr.: Rang MUte l M,. Parkett 7$ pt.. Rang 60 Pf. Theater desWestens Tagt. 5 u. MV. Volksvorstellunpen Viktoria und ihr Husar Bllllg|(»rPI. 0.5« M Teuerster PI. 2.— M. ROSE-THEATER Wochentags 815 „Madame hat Ausgang" mit Traute Kose u, Armin Schweizer Preise: O.SO— 3 M. ItOSF-<.\ HTI V Die Varieteschau der Prominenten a.ts: „Panne um Minernacht" 3 ikliji Opmlte. Pniu: 0.S0-2*. Wodientags 5'°. Sonntags 5 II. Qr. Frankfurter Str. 13®. U-Bahn atraujr berger Platz.— 6 täjljer Vqrvtrkauf 11—1 und 3—9 Uhr. r- Tel. Be»tellung E 7 Weieh»el 3422 ■iiiriiii'nut"-™-! TraumSand SgHloi» Sv!en Auf jad» gezogene Nummer find zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je riner auf die Lose gleich« Nuwwer in de» beiden Abteilungen I und II 2- Slfhungslag 10. August 193t 3n der heullgen Bormillagsziehung würben Eewinne über 400 M. gezogen 1 B.l»!ane w looyo M..17067 142571 174032 »eBinn«|u 5000 M. 61602 78960 389072 24 S.winn,)u 3000 M. 7557 14438 62449 77527 151374 199385 199665 258393 340879 365359 373645 382363 42»riDlnn, ,u 2000 9«. 22930 56024 74318 78261 88961 188998 118814 122639 123939 144415 158996 190948 258847 27054t 87561 I 279687 303520 323285 344905 374918 379993 1 00»«»Inn, ,« 1 000 in. 11534 13580 22257 2S9S7 70980 79567 96764 110406 125205 126809 129293 t! 171236 174674 löZIZI 190565 198476 20033"--- 836 174674 18 074 246560 24 502 2764 708 247 1521 303429 31 0 251 275602 276413 2801 WMWWWWW 364250 376953 380827 381527 383097 31 476 200334 2091 60 21 .973 256680 259539 26i 394 832250 335083 84 I 76 eroinn.!u 500 Wl. 38692 40993 56305 68751 86156 87908----- 8275 9837 13356 72239 73963 345519 348658 352392 877593 37 3n der heiiligen Nachmitlagsziehung wurden Gewinne über iOÜ ZR. gezogen 4 S,w!nn« tu 10000J8. ,83704 64�99 6».Binne|u 8000 Bl. 24»»tninn. iu 3000 M. 187900 190735 203471 25 50»«Vinn, iu 2000 M. 103949 120560 127152 141 357677 879996 3' 9703 320547 i 1 14»ctDinnc zu 1000 M. 7910 16469 56927 73692 83147 87055 90126 100491 131878 131900 133723 134542 148985 17 214907 218914 253457 27273? 274905 27�141 0601 142136 185662 84957,27749,193?2624|§ 6374 24162 62891 096 194060 219192' Z54136 i?9670 »32660 375241 7396 1 302745 3iääS2 827 iÖ3 359248 369208 373707 1 96»etoinnt zu 800 M. 37674 44632 45289 46048' 51632 52308 08291 55845 77629 7987? 86290 85309 89543 61S13 91879----- 115639 116170 123134 132798 144459 14561 165554 170152 176965 1------------- 554 170152 176965 179588 182176 18226 206131 210028 210152 212129 212515 21 406' ------------- 44e8T 3 a4er _. 6836 241337 243190 273482 284161 287607 23 »S7SS 93309 67028 7598? 64287 99620 1(' 4687 --68282 291 311002 313326 ZI 376g 319301 319! misfissmlmiii Im Gewinnrode verSliebeni 3 Prämlen S Gewinn« Beginn 1. August Ein Riesen posfen TRIClOAEIDiR u. Com plets t HWYmmiku&pmhmt� ÜttMÄW/ f 2� � STRICKKLEIDER: Z.�eilije COMPLETS: Mengenabgabs vorbehalten Verkauf soweit Vorrat . Ü'> t'.-i Am 8. Augnft cntschlics nach langem. schwerem Leiden mein« liebe Frau. unsere gute Mutter und Kroßmutter. frao Liesbeth Kunze geb. Mfihlbadi im 68. Lebensjahre. B e r l i n SO Ri. Skalitzer Slr.<4. Im Namen der Hinterbliebenen Lnrll Kunze. Die Einäscherung findet Donners» Z. August, nachm. 5 Uhr. im tag, den IZ. Krematorium kaumschulcnwcg statt. Zurück Dr. H. Bernhardt Hals— Nasen— Ohrenarzt eisb.�Betten is», Kincierb», Polster, ChalseL, an Joden. 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