BERLIN MeiMg 11. August 1931 10 Pf. Ar. 322 B 156 48. Jahrgang ErscheinttSgllch außer Sonntag«. Zugleich Abendausgade de«.Dorwärt«'. Bezugspreis beide Ausgaben 8b Pf. proWoche. 3.eoM. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW68,Lindenstr.S Fernsprecher: Dönhoff CA 7) 292—297 fflbwusfa Anzetgenpreis-Die einspaltigeNonpareillezeile so Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr. 87 536.— Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen«ort Der Tag der Republik Die Verfassungsfeier im Lustgarten und im Reichstag Die Reihe der großen Verfassungsfeiern, die Berlin heute zu Ehren des Geburtstages der Weimarer Ver- fassung veranstaltet, wurde durch die grandiose, bereits traditionell gewordene Feier der Berliner Schutz- Polizei im Lustgarten eröffnet. Ter Lustgarten hatte ein feierliches Kleid erhalten. Alle Kandelaber des Platzes sowie das Geländer der«chloßterrasse waren mit Tannengrün verkleidet. Ueberall wehen riesige Banner in den Farben des Reiches und Preußens. Auf dem tveiten Platz vor dem Schloß hatten die Formationen der Polizei unter Führung des Kommandeurs Heimanns- berg und des Oberst Gentz mit ihren Fahnen und Musik- kapellen Aufstellung genommen. Hinter dem abgesperrten Teil wohnte ein großes Publikum, das trotz des Regens bis zuletzt aushielt, dem erhebenden Schauspiel bei. Der preußische Ministerpräsident Otto Braun und der Reichstagspräsident Paul L ö b e waren neben zahlreichen hohen Beamten des Reiches und Preußens erschienen. Die Festrede hielt der Berliner Polizeipräsident Albert Grzesinski. Die Rede des Präsidenten. In seiner Ansprache führte der Polizeipräsident aus: Selten hat das deutsche Volk die Feier seiner Verfassung in so schwerer Stunde begehen müssen, wie gerade heute. Das Wüten der deutschen und der Weltwirtschaftskrise, die seit bald zwei Iahren Opfer über Opfer vom deutschen Volke verlangt, hat in diesem Jahre eine schlimme Zuspitzung erfahren. Schwer sind die materiellen Auswirkungen, schlimmer aber noch sind die seelischen Folgen, die unser ordnungliebendcs, arbeitsames Volk in die schwerste Be- drängnis und Verwirrung gestürzt haben. Tausende und aber Tausende von Existenzen wurden vernichtet. Die Not ist ungeheuer gestiegen, und auch die Beamtenschaft hat schwere Opfer bringen müssen, u.n der Regierung des Reiches und des Landes Preußen die Bekämpfung des wirtschaftlichen Chaos zu ermöglichen. Es ist nützlich, daran zu erinnern, daß wir schon einmal eine Verfassungsfeier begangen haben, bei der die Not und die Ver- zweiflung über alles Maß hinaus das deutsche Volk bedrückte und verwirrte Das war die Verfassungsfeier im Jahre 1923, die unter derart chaotischen Umständen stattfand, daß sie in keiner Weise mit der heutigen Krise verglichen werden könnte. Wir leben in einer seltsamen Zeit. Die Wirtschaft leidet nicht an Mangel an Waren, sondern an Uebersluß. Einem Uebersluß, der nicht abgesetzt werden kann und olle wirtschaftlichen Kanäle ver- stopft: darum ist eine feste, staatliche Gewalt besonders vonnöten, da sie allein imstande ist, die Regelung der verworrenen Verhältnisse sicherzustellen. Hier aber beginnt die Aufgabe der Polizei. Nicht, daß ich der Meinung wäre, daß wirtschaftliche und soziale Fragen durch die Polizei gelöst werden müßten oder könnten. Aber der Staat kann nicht handeln, seine vielfach tief ins Leben der Nation eingreifenden Gesetze und Verordnungen nicht durchführen, um eine starke, geschlossene Exekutive, die mit Leib und Leben sich für die Kraft und Sicherheit des Staates einsetzt. Ich darf mit Stolz sagen, daß die Berliner Polizei vom ersten bis zum letzten Beamten ihre Aufgabe nie anders aufgefaßt hat. So wahr die Republik -heute wie gestern die einzige Möglichkeit darstellt. Deutschlands staatliche Existenz in den wieder- holten fürchterlichen Erschütterungen der Nach- kriegszeit zu sichern, so wahr ist es. daß die preußische und die Berliner Polizei durch ihre aufopferungsvolle, hingebungsvolle Arbeit Staat und Volk immer wieder in den Stunden höchster Not vor dem Hineinstürzen in den Abgrund be- wahrt haben. Auch das letzte Jahr hat wieder beispiellose Anforderungen an die Berliner Polizeimannschaft gestellt, Anforderungen, die kaum (Fortsetzung auf der 2. Seile.) ffierlin unter Schwarmrolgold Berlin bot heute in den Vormillagsstunden das festliche Bild, das den verfasiungstag feit Iahren in seinen Rahmen kleidet. Geschmückt mit den Reichssarben waren alle öffentlichen Gebäude und In vielen Wohnvierteln der Außenbezirke herrschten die schwarzrotgoldenen Farben. Aus dem Plah der Republik hatte sich um 11 Uhr trotz des regnerischen Wetters ein zählreiches Publikum eingefunden, Männer und Frauen, Schüler mit ihren Lehrern, Reichsbanner- kameradcn. viele mit dem Abzeichen der Sozialdemokratischen Partei. Auch ein starkes Aufgebot der Schuhpolizei war zur Stelle. Von zwei hohen Fahnenmasten wehten die Nationalflagge und die S r i e g s s l a g g e der Republik. Unter der Inschrift„Dem Deutschen Volke" slatierten lange schwarzpolgoidene. Wimpel mit dem Reichsadler. Alle Gebäude der Umgegend hatten geflaggt. Das Bild wurde belebt durch die Hoheitszeichen der ausländischen Missionen. die der Republik ihre Ehrerbietung erwiesen, das weiße Sreuz im roten Feld der schweizerischen Eidgenossenschaft, den Löwen im blauen Kreuz der sinnischen Republik, den Danebrok, das Zeichen Norwegens usw. Auch zahlreiche prioatwohnungeck waren mit der schwarzrotgoldenen Fahne geschmückt. * Während der Feier im Reichstag konzertierte draußen die Reichswehrkapelle und die Sänger trugen verschiedene Lieder vor. Bereits um 12 Uhr war der Platz der Republik von Menschen dicht umsäumt. Besonders erfreulich ist die große Zahl von dienstfreien Reichswehrsoldaten, die als Zuschauer erschienen sind. Kurz vor 13 Uhr erschein auf der Freitreppe der Ches der Heeresleitung, General von H a m m e r st e i n, und ließ sich die Ehrenkompagnie melden. Das war für das Publikum das Zeichen, daß die Feier im Reichstag zu Ende war. Kurz daraus betrat der Reichspräsident, umgeben von den Ministern des Reiches und Preußens und vom Publikum stürmisch begrüßt, die Freitreppe. Die Musik intonierte nach dem Präsentiermarsch„Deutschland, Deutschland über alles!", das vom Publikum entblößten Hauptes mitgesungen rmirde. Dann schritt der Reichspräsident, nachdem er zuvor die Richtung gemustert hatte, mit dem Reichswehrminister und dem Ches der Heeresleitung die Front ab. Damit war die offizielle � Feier beendet. Oer Anschlag auf den O.Zug Eine Spur der Täier— Herkunst des Zünddrahies ermiiieli Die Ermittlungen nach den Urhebern des Attentats auf den D-Zug Frankfurt— Berlin zwischen Jüterbog und G r ü n a- K l o st e r Zinna, haben schon nach überraschend kurzer Zeit zu einem wichtigen Ergebnis geführt. Es konnte in Berlin das Geschäft ausfindig gemacht werden, in dem von einem der Täter die Eisenrohre und die zu dem Attentat verwandte Klingelleitung gekauft worden ist. In einer Besprechung, die gestern am Tatort von den verschiedenen Vertretern der Behörden geführt wurde, ist die Ge- samtmaterie in einzelne Abschnitte ausgeteilt worden, von denen jeder einzelne einer bestimmten Beamtengruppe zur Bearbeitung überwiesen wurde. Sehr wichtig ist die Herkunft des bei den: Altentat verwandten Materials. Im weitesten Umfange wurden in Spezialgeschäften und Fabriken der Schwachstromindustrie ein- gehende Ermittlungen angestellt. Diese Aktion verlief zunächst erfolglos. Von einem Beamten der Reichsbahn wurde jedoch unweit der Attentatsstelle ein interessanter Fund gemacht. Bekannt- lich ist die Sprengladung, die den Zug zur Entgleisung brachte, auf elektrischem Wege entzündet worden, und zwar von dem Ver- brecherlager aus, das vom Tatort 189 Meter entfernt ist. Dichtes Gebüsch und eine tiefe Mulde boten den Verbrechern ein außerordentlich günstiges Versteck. An dieser Stelle entdeckte der vahnbeamle unter Gras und Moos verborgen ein Paket in Packpapier, das eine holzrolle mit noch etwa 200 Meter des gleichen Drahtes enthielt, das zu dem Eisenbahnanschlag benutzt worden war. Die Umhüllung des Pakets wurde einer genauen Besichtigung unter- zogen, und dabei entdeckte man die zum Teil ausgekratzte Adresse eines Berliner Installationsgeschäfts in der Friedrich st ad t. Beamte suchten das Geschäft noch in der vergangenen Nacht auf, und hier wurde ihnen vom Geschäftsinhaber bestätigt, daß in den letzten Tagen der vergangenen Woche von einem unbekannten Mann zwei Eisenrohre°/, Zoll Durchmesser, eine Schachtel Isolierband und eine Holzrolle mit 599 Meter Draht verkauft worden war. Die Eisenrohre holte der Mann am Freitag, dem 7. August, ab, am Tage daraus in den Vormittagsstunden den Draht und die Schachtel Isolierband. Daß sich die Polizei auf der richtigen Spur befindet, steht außer Zweifel, denn die Umhüllung des Pakets wies sehr charakteristische Merkmale auf. Die Frau des Installateurs hatte gerade am Sonnabend von außerhalb von ihrem Sohn eine Wäschcsendung erhalten. Nach d-rn Oeffnen des Pakets hatte die Frau die Umhüllung unter den Laden- tisch gelegt, um sie bei späterer Gelegenheit zum Einwickeln zu be- nutzen. Diese Umhüllung ist den Verbrechern nun zum Verhängnis geworden. Wie weiter ermittelt wurde, ist derselbe Mann noch in einem anderen Elektrogeschäft gewesen, wo er mehrere hundert Meter Draht erwerben wollte. Da das Verlangte nicht am Lager war, wurde der Draht von der Firma besorgt, der Kunde, der es zuerst auffallend eilig hatte, holte die Ware dann aber nicht ab. Der Mann wird wie folgt beschrieben: 1,72 Meter groß, bis 35 Jahre alt, schlank, aufrechte Haltung, auffallend bräunliche Haut, glatt rasiert, doch starker Bartwuchs erkennbar, fast schwarzes Haar, dunkelbraune Augen. Er spricht angeblich gebrochen deutsch und ließ im Laufe der kurzen Unterhaltung mit der Geschäftsfrau durch- blicken, daß er früher irischer Offizier war und eine Pension von 799 Mark monatlich beziehe. Er erzählte noch, daß er seit vier Iahren in Deutschland eingebürgert sei und daß sich seine Frau in Frankfurt a. RI. aufhalte.- Der Betreffende trug graublauen Jackettanzug, weißes Oberhemd, weißen Umlegekragen, rotbraunen Selbstbinder, grauen Schlapp- Hut mit vorn heruntergebogener Krempe, Sommermantel von ver- mutlich grauem Stoff und Halbschuhe. Die Polizei ist der Meinung, daß die Angaben des Mannes über seine persönlichen Verhältnisse in keiner Weise den Tatsachen ent- sprechen. Sie bedeuten offenbar eine bewußte Irreführung. Unter Hinweis auf die Belohnung von 199999 Mark werden alle Personen, die glauben, zweckdienliche Angaben machen zu können, gebeten, ihre Wahrnehmungen dem Polizeipräsidium, Zimmer 52, Hausanschluß 428, zuzuleiten. i- Wie wir aus Jüterbog erfahren, ist heute vormittag Professor Dr. Ritter, eine anerkannte Autoritä» aus dem Gebiete des Spreng- stoffwesens, am Tatort-eingetroffen, um eine genaue Untersuchung des bei dem Attentat verwandten Sprengstoffs vorzunehmen. Dos Ergebnis dieser Untersuchung steht noch aus. Otto Braun und Otto weis am Freitag im Snertnaiast Die Feier im Lustgarten. (Fortsetzung von der I.Seite.) einer so beurteilen kann, wie ich selbst, der ich täglich und stündlich gezwungen bin, das Aeußerste von der Berliner Beamtenschaft zu verlangen und ihre Tätigkeit ständig beobachte. Ich weiß, was in den letzten Monaten im Berliner Polizeipräsidium geleistet wurde und ich wollte nur, daß ganz Berlin mit mir begriffe, was es der hingebungsvollen Arbeit seiner Polizeibeamtcnschaft zu danken hat. Ich selber möchte Ihnen aber, meine Damen und cherren, vor aller Oeffentlichkeit danken, herzlich und aufrichtig! den Wacht- meistern und den Offizieren, den Kriminalbeamten und Verwal- tungsbeamten, den Angestellten und Arbeitern, kurzum allen, die in vorbildlicher Treue und in hingebungsvollem Pflichtbewußtsein das beste geleistet haben, was sie konnten. Der Polizeibeamte steht heute leider noch auf schwerem(Bc- fahrenposten. Nicht nur, daß die Not und die Nervosität des Volkes seinen Dienst ungeheuer schwer macht. Die Verhetzung, die gewalttätigen Methoden des politischen Kampfes, welche die radi- kalen Partsien unter unser Volk getragen haben, haben Sie als Polizeibeamte besonders zu spüren bekommen. Denn man ist auch nicht vor tätlichen Angriffen auf die Polizeibeamten zurückgeschreckt. Dabei waren die Angreiser Anhänger von Parteien, deren offizielle Vertreter In den parlamentarischen Körperschaften keine Ge- legenheit vorübergehen lassen, ihr angeblich gutes Herz für die Be- amten zu bekunden. Tleuerdings scheint sogar der gemeine Meuchelmord politisches Kampfmittel geworden zu sein. chier auf der Straße jedenfalls und im Dienst haben schon viele Beamten die„Liebe" dieser Kreise mit ihrem Leben bezahlen müssen. Ich nenne nur die Namen Z ä n k« r t und K u h f e l d, und wir sind dem gütigen Geschick dankbar, daß F i e b i g trotz des heim- tückischen Schusses mit dem Leben davon gekommen ist. Und am Sonnabendabend sind die beiden chauptleute Anlauf und Lenk von hinten nach Verabredung meuchlings erschossen und der Wacht- meister W i l l i ch angeschossen worden. Das Grab des Wacht- meisters Z ä n k e r t ist gestern von seinen Mördern geschändet wor- den. Schlimmeres und Verabscheuungswürdigeres ist hier in Berlin, und ich glaube auch in Deutschland, noch nicht passiert. Wir wollen heute am Verfassungstage der Toten der Polizei ehrend und dankbar gedenken. Vor allen Dingen der Männer, die ihre Pflichterfüllung, ihre Treue zur Verfassung und zum Volk in jungen Iahren mit dem Leben besiegelten. Die heutige Verfassungs- feier soll für sie eine grandiose Totenfeier sein. Anlauf und Lenk, Zänkert und Kuhfeld, alle haben uns das Vorbild äußerster Pflichterfüllung bis zum Tode gegeben. Diese treuen braven Kameraden und Kollegen sollen uns unvergessen sein. Ihr und oller anderen Gefallenen Andenken wollen wir jetzt durch eine Minute des Schweigens ehren. Auf diese Worte hin entblößten sich die chäupter und auf das Kommando„Stillgestanden" nahmen sämtliche Beamten salutierende Haltung ein. Regungslos verharrten die Versammelten, völlig« Stille liegt über dem gewaltigen Platz, nur unterbrochen von dem eintönigen Geräusch des niederfallenden Regens. Nachdem die Minute des Gedenkens oerstrichen war, fuhr der Polizeipräsi- dent fort: Wir anderen aber wollen unserer Pflicht erneut gedenken und mit Entschlossenheit und Zuversicht das neue Lebens- jähr unseres Dolksstaates beginnen eingedenk der Erkenntnis, daß nur Ordnung im Innern einen Aufstieg des deutschen Volkes ge- währleisten kann. Die Tlachkriegspolizei ist eine Volkspolizei und soll es bleiben, iroh manchmal notwendig werdenden, rücksichtslosen Zugreisen». dag jedoch nur im Interesse des Ganzen erfolgt. Der Staatsbürger, der zur Gewalt greift, muß wissen, daß er die überlegene Kraft der Berliner Polizei nachdrücklich zu spüren be- kommt. So sehr ich verständige Einsicht und Besonnenheit von allen Beamten immer wieder oerlange, so sehr ist harte Entschlossen- h e i t und Rücksichtslosigkeit in der Abwehr dann selbstverständlich, wenn es zum Angriff auf die Beamten, zur offenen Auflehnung gegen die Gesetze oder gar gegen die Verfassung kommt. Ich weiß, Irrtümer sind bei aller Sorgfalt in der Ausbildung und Erziehung der Beamten nicht immer zu vermeiden. Geduld und Nerven der Berliner Polizeibeamtenschaft werden oftmals auf eine äußerste Probe gestellt. Auch der Polizeibeamte ist bei aller gebotenen Selbstbeherrschung schließlich nur ein Mensch, der sich wehrt und wehren soll, wenn er von mißleiteten Volksgenossen im Büro oder auf der Straße beleidigt oder gar angegriffen wird. Trotzdem heißt es, R u h e zu bewahren und sich in dem Willen zum roschen, sicheren Entschluß nicht beirren zu lassen. Nur so kann der Polizeibeamte seiner hohen Aufgabe gerecht werden. Es werden wieder andere, bessere Zeiten kommen. Wir hoffen das nicht nur, wir wissen es im Grunde alle, wenn auch manchmal gerade draußen in der Bevölkerung der Kleinmut überhand zu nehmen droht. Das Hoch auf die Republik und Schwarz-Rot-Gold. Und wenn der Tag gekommen ist, den wir alle mit heißem Herzen ersehnen, der Tag, an dem auch dem deutschen Volke die Sonne wieder lacht und die herrliche Verheißung unseres National- liedes in Erfüllung gegangen ist:„Einigkeit und Recht und Freiheit", dann wollen wir von der Polizei stolz darauf sein, daß wir geholfen haben. Deutschland einer besseren und glücklicheren Zukunft entgegengeführt zu haben. In diesem Sinne erheben wir auch an diesem Tage der Volksversassung unsere Herzen, salnmeln neue Kraft für den harten Alltag und gedenken Preußens und Deutschlands, wie es vor unser aller Sinnen und Wollen steht— einig, gerecht und frei—. geloben unablässigen Dienst und treue Pflichterfüllung an Verfassung und Volk. Die Deutsche Republik und ihre Farben Schwarz-Rot-Gold, sie leben hoch! hoch! hoch! Be- geistert stimmt das P�ilikum in den Hochruf ein, während die Poli- zeiformationen salutierende Hallung einnehmen. Die neue Standarte der Berliner Schuhpolizei. Nach dem gemeinsamen Gesang des Deutschlandliedes und der Meldungserstattung des Kommandeurs der Berliiier Schutzpolizei Heimannsberg sowie der Fahnenübergabe nahm der Polizei- Präsident noch einmal das Wort: Sehr geehrter Herr Kommandeur! Ich habe den heutigen Verfassungstag zum Anlaß genommen, der Berliner Schutzpolizei eine Standarte zu stiften, die ich Ahnen hiermit zu tbeuen Händen übergebe und die eins besondere Weihe dadurch erhalten wird, daß sie. offiziell zum e r st e n m a l gezeigt werden wird, wenn sie dem Sarge von Anlauf und Lenk folgt. Die Standarte trägt die Farben der Deutschen Republik Schwarz- Rot-Äold und Preußens mit dem Polizeistern. Die Doppel- f a r b i g k e i t der Standarte soll die unlöslich« Verbundenheit aller Teil« Preußens mit dem Reich und die Tatsache andeuten, daß die 3)1e VerfaHungsfeier der berliner Schuisepolistei S)ie SSertiner Scfiulspolisef feierte vormittag den Verfaf- fungstag in Verbindung mit einer gedenk- und Vrauer- kundgebung für die er- fchoffenen Poli sei beamien. Die Reichsfeier im Reichstag Die Ikol der Zeil und der Zwang zum Sparen haben auch der amtlichen versassungsfeier im Aeichslagssaal ihren Stempel ausgedrückt. Die Ausschmückung war wesentlich einfacher gehalten. Reben dem großen Reichsadler an der Stirnwand sah man zum erstenmal nicht mehr die Einleitungsworte der Reichsverfasiung. Die Tribünen sind zwar schwarzrotgold verkleidet, aber die Wappen der Länder fehlen, vielleicht soll das einen Ausblick auf eine sich nähernde Vereinheitlichung des Reiches bieten. Auch der Schmuck in Tannengrün und Hortensien an der Rednertribüne ist weniger reichlich als in früheren Kahren. Saal und Tribünen find bis auf den letzten Platz gefüllt. Die gesamte Reichsregierung, das vollzählige preußische Staats- Ministerium, die obersten Beamten, der Oberbürgermeister Sahm, der Polizeipräsident von Berlin und die Vertreter der anderen Länderregierungen füllen die Regierungsbänke. Die Diplomatenloge ist dicht gefüllt. Punkt 12 Uhr erschien der Reichspräsident, begleitet vom Reichstagsprästdenten Lobe, vom Vizepräsidenten o. Kar- d o r f s, von den Reichsministern Dr. W i r t h und G r oe n e r in der Mittelloge, die mit der Flagge des Reichspräsidenten ge- schmückt ist. Der Staats- und Domchor unter Rudels Leitung ist in der Ab- geordnetentribüne untergebracht und eröffnet die Feier mit Johann Sebastian Bachs Motette„Der Geist hilft". Die Festrede hall der Vizekanzler, Reichsfinanzminister Dietrich: In dem Aufstieg nach W23 haben wir wohl ein zu rasches Tempo eingeschlagen und ist im Volk ein zu starker Optimismus hervorgerufen worden. Der Stoß des Weltkrieges und des Zu- sammenbruchs ist auch heute noch nicht überwunden. Unser Wieder- aufbau ist nicht nur mit unseren eigenen Mitteln geschehen, sondern auch aus dem ersparten Gelde anderer Nationen, das vielfach nur kurzfristig geliehen war. Daraus ist die schwere Not der Gegenwart entstanden. Aber die Unruhe und das Mißtrauen, die die Welt erschüttern, ist schließlich auf politische Gründe zurückzuführen: Es ist nicht die Krise der Wirtschaft allein, sondern die Krise der Friedens- Verträge. Wir bauen auf die Hoffnung, daß die Erkenntnis sich mehr und mehr durchsetzt, wie sehr alle Völker voneinander ab- hängen, und daß daraus die Revision der Verträge hervorgeht. Die letzten Wochen haben bewiesen, daß unser Staat nicht gefährdet ist. Mit imponierender Ruhe hat das deutsche Volk die schwere Zeit ertragen und sich den harten Maßnahmen der Regierung gefügt. Der Deutsche hat sich in dieser Zeit als ein besserer Bürger erwiesen, als man ihm vielfach zugetraut hatte. Nicht die Lust an hetze und Verleumdung, nicht der Glaube an Wunderdoktoren, sondern Geduld, Mut und Besonnenheit sind die Haupteigenschaften des Deutschen auch in dieser Zeit. Wir feiern heute das Andenken und die großen Verdienste des Freiherrn vom Stein. Seine politischen Forderungen sind heute er- füllt und schon überschritten worden. Di« Weimarer Ver- fafsung hat das deutsche Volk mündig erklärt. Freilich erhebt das mündige Volk Forderungen an Staat und Gemeinden, die nicht er- füllt werden können. Ebenso wie die Wirtschaft zu stürmisch auf- gebaut worden ist, ging der Aufbau auch hier in falscher Richtung. Hätten wir nicht besser getan, daß platte Land stärker zu ent- wickeln, mehr Menschen als zufriedene Bürger in dem leeren Osten anzusiedeln, statt sie in den Städten sich notleidend und un- zufrieden zusammendrängen zu lassen? Wir befinden uns in einer großen wirtschaftlichen Umwälzung. Zwei Systeme, Kapitalismus und Bolschewismus, stehen miteinander im Kampf, und mit banger Sorge sehen viele seinem Ausgang entgegen. Selbstverständlich kann sich nur ein System halten, das seine Aufgaben erfüllt. Die letzten Wochen haben gezeigt, daß unser Volk Opfer zu bringen fähig und bereit ist. Es kommt daraus an, ein staats- bewußtes Volk zu erhalten. Man hat die Aufgaben des Staates über feine Leistungsfähigkeit hinaus erweitert. Eine Verände- rung des Verhältnisses von Reich, Ländern und Gemeinden zuein- ander bringt noch nicht die notwendigen Ersparungen. Die Ausgabe ist nicht, die besonderen Eigenarten und die Dielgestaltigkeit dem deutschen Volke zu nehmen, sondern vielmehr die Zuständigkeiten und Aufgaben ihnen richtig zu verteilen, die finanziellen Konsequenzen zu ziehen und Doppelarbeit zu vermeiden. Das Fundament, das die Weimarer Verfassung uns gegeben hat, ist durchaus gesund und tragfähig. Der Ansturm gegen die Reichs- versafsung wird von der Geschichte einst als Episode gewertet werden. Aber die Anpassung derVerfassungandie Not- wendigkellen der Zeit ist unerläßlich. Die deutschen Gemeinden sind nach glänzender Entwicklung in sehr gefahrvoller Lage. Ihnen zu helfen ist um so notwendiger, als die Staatsgesinnung zuerst in der Gemeinde sich entwickelt. Die Bildung des Staatsbürgers ist das große, das entscheidende Problem. Der Freiherr vom Stein hat uns gelehrt, daß die Größe der Nation von der Qualität ihrer Bürger abhängt. Der Staat, der die besten Bürger hat. wird nicht nur der mächtigste sein, er wird auch stets Ordnung im Innern haben. Mit dem Freiherrn vom Stein sind wir stolz auf unser Volk. Wir feiern die Verfassung in Achtung vor der Vergangenheit und im festen Glauben an Deutschlands Zukunft.(Lebhafter Beifall.) Der Chor singt nun die Hymne„Sämann Deutschland' von Schaub. Darauf tritt Reichskanzler Dr. Brüning ans Rednerpull: „Die deutsche Geschichte ist an Höhen und Tiefen reich. Die Bedrängnis der Gegenwart findet ihre greifbarst« Parallele wohl nur in den Jahren, in denen der große Staatsmann lebte und wirkte, unter dessen Zeichen sich der diesjährige Derfassungstag be- wüßt stellt. Freiherr vom Stein, Wegbereiter deutscher Einheit und Freiheit, der Führer zum volkhaften Staat ist uns gerade in diesen Zeiten des Duldens und harren», de» handeln» und Gestaltens aufrichtendes und mahnendes Beispiel. Stein war der Künder kommender Zellen. Er sah im Geiste das geeinte deuffche Volk. Di« Bürger dieses Reiches sollten die mündi- gen Träger eines freien Staates sein. In der Linie seines Zukunfts- wollen? liegt die Reichsv-rfassung vom 11. August 1919 als bedeut- same, wenn auch nicht in allem vollendet« Erfüllung. Di« Erinnc- rung an den großen Deutschen Freiherrn vom Stein und das, was uns alle mit ihm verbindet, soll uns eine Mahnung sein, alle aufbau- fähigen und eingliederungsbereiten Kräfte zufammenzu- fassen und einzusetzen zur Ueberwinüung der Nöte und Gefahren dieser Tage. So wie seine freiheitlichen Reformen die sittlichen und moralischen Kräste der Nation zur stärksten Opferwirkung anfachten, so soll und muß die in der Reichsverfassung gegebene Freiheit und Mündigkeit uns allen ein Appell sein, in bewußtem und diszipliniertem Wollen uns der Bürgerpflichten zu erinnern, die diesen Bürger- rechten entsprechen. Der Versassungstag, ebenso wie der Gedenktag der im Welt- krieg Gefallenen ist ein Besitz de» g a n z e n Volke», an dem die Tageskämpfe schweigen und das Bewußtsein der natio- nalen Gemeinsamkeit in sein Recht tritt. Dieses Sichbesinnen auf das, was uns eint, darf nicht nur im Gedankenbereich des Theoreti» schen bleiben, sondern muß. wenn es echt und tief ist, auch im Ge- biet des politischen Handeln» zu fruchtbaren Ergebnissen führen. Das war Steins Ziel in einer noch unvergessenen Vergangen- heit, das muß auch unser Ziel sein in dieser schweren und um- strittenen Gegenwart. Auf die Zeit der Not, in die Steins Schaffen siel, folgte der Aufstieg. So soll auch jetzt jedem Deutschen die Zuversicht erfüllen, auf«ine bessere Zukunft und auf den Wiederaufstieg unseres Vaterlandes. In diesem Sine bitte ich Sie, Herr Reichspräsident, und Sie. meine Damen und Herren, mit mir einzustimmen in den Ruf: Das in der Republik geeinte deutsche Volk, es lebe hoch!" Die Versammlung erhob sich, wiederholte dreimal den Hochruf und sang'oie erste und dritte Strophe des Deutschlandliedes. Dom't war die Feier zu Ende. Der Reichspräsident und feine Begleitung begaben sich aus die Nordrampe, vor der dann die Reichswehr- pars de erfolgte. aufopferungsvolle Arbeit der Berliner preußischen Polizei nicht nur dem größten deutschen Lande Preußen, sondern zugleich dem ganzen deutschen Volke und Baterlande dient. Ich weiß, daß die Fahne von der Berliner Polizei stets in Ehren getragen wird. Kommandeur Heimannsberg übernahm die Standarte mit den Worten:„Vom jüngsten Beamten bis zum höchsten Offizier wird diese Standarte stets in Ehren getragen werden." Nachdem der feierliche Akt vorüber war. begann der Vorbeimarsch der Polizeisormationen, der annähernd eine Stunde dauerte und von der berittenen Polizei eröffnet wurde. Waffensund am Bülowplatz. Sin« Verhastung. von der politischen Polizei wurde heute mittag da» hau» Hirtenstraße 16 noch einmal genau auf Waffen durchsucht. Dabei wurden eine Armeepistole mit 6 Schuß, eine Pistole OS mit 8 Schuß. eine Pistole 7 65 mit 7 Schuß und eine Kiste mit 160 Schuß S.'Munition gesunden. Nu Maua wurde verhaftet. Westen Stimmen? Das Geraufe der Unterlegenen. Der komische Wettstreit zwischen Faschisten und Kommunisten, auf wessen Konto die am Sonntag abgegebenen Stimmen zu buchen sind, geht weiter. Münzenbergs Presse schreibt am Montag- abend: Gestern gab es in Berlin nur einen roten Volksentscheid. Das beweist auch die ungeheure Zunahme der Stimmen gerade in Berlin. Dagegen am Dienstag früh die faschistische„Deutsche Zeitung": In Berlin hat sich die Werbung der Stimmen v e r d r e i- sacht, das ist ein starker Erfolg. Wobei wir doch annehmen müssen, daß das Faschistenblatt nur Rechtsstimmen als„Erfolg" seiner„Werbung" betrachtet. Münzenbergs Morgenblatt ist durch die Kaltblütigkeit, mit der der„Angriff" 7 Millionen Stimmen für die Nazis reklamiert«, zur Nacheiferung angespornt worden. Das Kommunistenblatt macht folgende Rechnung auf: Die Kommunisten hatten bei den Reichstagswahlen mehr als 3 Millionen Wühler in Preußen aufzuweisen, und v i« r M i l l i o- 11 c n sind der linterschied zwischen deni Volksbegehren und dem Volksentscheid. So sieht der„W ä h l e r st r e i k" der Kommu- nisten aus. Donnerwetter, da ist doch der Volksentscheid in Wirklichkeit ge- glückt! Rechnen wir zusammen: 7 Millionen Nazistimmen, 4 Mil- lionen Kommunistenstimmen, 8 Millionen Stimmen, die der Stahl- Helm für sich in Anspruch nimmt, das sind— ohne alle sonstigen chüssoölker— bereits 19 Millionen Stimmen. Und trotzdem durch- gefallen? Wie kommt das nur, wie kommt das nur...? Weg mii der kommunalen Kreditsperre! Protest des Landkreistages. Der Presiedienst des Landkreistages teilt Mit: Gegen die Notverordnung vom 5. August 1931, die den Kommunen plötzlich und unverhofft jeden Kredit bei den Spar- kassen und den kommunalen Kreditinstituten abschnitt, ist nicht nur von den großen Städten, sondern durch Vermittlung ihrer Spitzen- verbände auch von allen übrigen Kommunen und Kommunalver- bänden lebhafter Widerspruch erhoben worden. Dadurch, daß die Zohlungsinstitute. aus welche die Kommunen angewiesen sind, plötzlich nicht mehr zahlen dürfen, sind besonders für laufende Zahlungen, wie z. B. für die Auszahlung von Ge- hältern. Löhnen, Wohlsahrtsunterftützungen«in- schließlich derjenigen für die Erwerbslosen große Schwierigkeiten ent- standen. Eine Notwendigkeit zur Aufrechterhaltung dieses Ein- griffes liegt nach Ansicht der kommunalen Spitzenverbände nicht vor, da die Erfahrungen gezeigt haben, daß eine Gefährdung der Befriedigung der eigentlichen Sparkassen künden durch den Kommunalkredit nicht eingetreten und nicht zu be- fürchten ist. Der Kommunalkreditanteil beträgt ähnlich wie in der Vorkriegszeit im Durchschnitt nur 17 Proz., während in Preußen z. B. 25 Proz. zulässig wären. Die sofortige Beseitigung der Kreditsperre ist zur vollen Aufrechtcrhaltung des all- gemeinen Zahlungsverkehrs bei den Kommunen unbedingt er- forderlich. Chlorgasvergistungen. Mehrere Fabrikarbeiter und Feuerwehrleute erkrankt. Graz. 11. August. In der Zellstoffobrik in Hinterberg ob. Donawih ereignete sich gestern ein äußerst gefährlicher Betriebsunfall, der aber noch glimps- lich abgelaufen ist. Arbeiter der Fabrik waren damit befchästigt, Chlorga, aus einem Bahnlonkwagen in das Ehbarhaus abzu. lassen. Während dieser Arbeit wurde aus dem gleichen Gleis ein wagen mil A e h t a l k zur Kalkkammer gezogen. Dabei stieß dieser wagen an den Tankwagen. Durch den Anprall riß das Leitungsrohr und das Thlorgas strömte au». Zm weiten Umkreis verbreitet« sich ein ätzender Geruch. Acht Fabrikarbeiter und zwei Feuerwehrleute erlitten Bergislungen. Es besteht für sie jedoch keine Lebensgefahr. Mehrere Personen, bei denen sich nur leichte Dergislungserfcheinungcn zeigte«, konnten in ihre Wohnungen entlassen werden. Der Bahn- und Straßenverkehr wurde nach zweistündiger Unterbrechung freigegeben. Zn den Abendstunden durften die Bewohner in ihre Wohnhäuser zurück- kehren. Zn den kleinen Tierstallungen der Arbeiter sind zwei Schweine und viele Hühner und Kaninchen infolge de» Ehlorgases, da» bis nach Loeben wahrgenommen wurde, verendet. (Semeinsam in den Tod. Tragödie eines Berliner Liebespaares. Königsberg. 11. August. Am Sonntag wurden zwei junge Berliner, ser Student Werner S ch o r i s ch aus Tempelhof und Annalis« Mattheta aus Steglitz, als Leichen in der Fifchhausener Wiek treibend, von Fischern aufgefunden. In der Nacht von Dienstag zu Mittwoch hatten die jungen Leute ein Boot vor. einem Fischer genommen und waren damit auf das Haff hinausgerudert. Hier banden sie dann an ihr« Füße einen 39 Pfund schweren Stein. Nachdem sie sich noch gemeinsam mil einem Riemen umschlungen hatten, haben sich die beiden Liebenden in» Wasser gestürzt. In der um- schlungenen Stellung wuroen die Leichen vorgefunden. Vor der Ausübung ihrer Tat haben die beiden jungen Leitte an ihre Eltern Abschiedsdrief« geschrieben._ Eine Stadt, die ihre Leihhauskunden beschenkt. Di« Stadt- Verwaltung von Rosario(Argentinien) macht jedes Jahr an- läßlich der Feier des Unabhängigkeitstages den Bürgern der Stadt die in Not geraten und dann Kunden des städtischen Leihhauses reworden sind, ein besonderes Geschenk In diesem Jahre wurden die im Leihhaus befindlichen oreitausend Nähmaschinen, die eine» Wert von 290 990 Pesos darstellten, ihren Besitzern gratis zurück- gegeben. In der ossiziellen Kundmachung der Stadt beißt es, daß diese Nähmaschinen für die Familien, die im Lause oes Jahres gezwungen waren, damit das Leihhaus aufzusuchen, besonders in der heutigen Zeit der allgemeinen Wirtschastskrife«ine Lebensnotwendig- keit darstellen. Professor Richard Wettstein gestorben. Auf seinem Landsitz in Trins im Gechnitz-Tal am Brenner starb am Montag im Alter von 68 Jahren der Professor der Wiener Universttät und Direktor des Botanischen Gartens Richard Wetlstein. Wettstein war auch Vize- Präsident der Akademie der Wissenschaften und Vorsitzender der öfter- reichisch-deutschen Arbeitsgemeinschaft. Einer seiner Söhne ist Di- rektor des Botanischen Gartens in Göttingen. Tie neue Spielzeit Per Städtilchev Lper beginnt am Montag, dein 17. August. Ter Vorvertaui für die Vorstellungen der ersten Spielwoche wird Tonnerstag, 13. August, an den Kossen der Lper eröffnet. Kassen- stunden 16—14 uuh 1S-20 Uhr. Die Verbrecher Doch heutzutage stehn sie wieder auf, Mit zwanzig Todeswunden an den Köpfen Und stoßen uns von unfern Stühlen. Macbeth. Lange genug haben wir uns gegen die Ueberfchrift gewehrt; wir fanden keine andere. Zugegeben, daß es etwas Ungeheuerliches ist, Zeitgenossen mit dem ehrverletzenden Prädikat Verbrecher zu bedenken: seine Wahl soll keineswegs entschuldigt werden mit dem Ausbruch berechtigter leidenschaftlicher Empörung, sie ist das Er- gebnis sorgfältiger Ueberlegung. Der 9. August 1931, der das Urteil über die Reaktion sprach, ist auch zum Gerichtstag für die kommunistische Partei geworden. Der gewaltige Stimmenverlust der vereinigten Rechts- und Linksopposition geht in der Hauptsache zu Lasten der Kam- munisien. Ein großer Teil von ihnen hat, soweit sie aus Disziplin stimmten, gemeutert. Hunderttausende von ungültigen und Nein- Stimmen sind der offene Protest kommunistischer Arbeiter gegen den wahnwitzigen Beschluß ihrer Zentrale. Nach der Aufregung des Wahlkampfes erlebte Berlin den ruhigsten Wahlsonntag seit langem. Es sah die unauslöschliche Schande, daß vor den meisten Wahllokalen nur Arbeiter standen, die, von ihrer politischen Leitung schamlos mißbraucht, für den Volksentscheid des Faschismus Propaganda machten. Und als bei Anbruch der Nacht mit der Vertündung der Abstimmungsergebnisie offenbar wurde, daß die Arbeiterschaft über den perfiden Verrat der kommunistischen Zen- tralc das Dcrdammungsurteil gesprochen hatte, fielen vor dem Hauptquartier des„roten Volksentscheides" am Bülowplatz die Schüsse, die zwei Polizeioffizieren und einem Jüngling von 16 Jahren das Leben kosteten. In kurzer Frist lagen 23 Verletzte auf dem„Schlachtfeld". Diese Schüsse müssen Klarheit schassen! Sollte der feige Feuerüberfall aus Polizeiosfiziere, der das Gemetzel einleitete, etwa die Weltrevolution eröffnen? Ein solcher naiver Glaube unmittelbar nach Bekanntwerden der eklatanten Niederlag« ist selbst dem dümmsten Kommunisten nicht gegeben. Oder waren es die Kugeln eines Wahnwitzigen, der seiner Ver- zweiflung Lust machen wollte? Aber nicht die Einzelheiten der blutigen Vorgänge interessieren uns hier, sondern diese selbst und zwar im Zusammenhang gesehen mit der Taktik und der verzweifelten Lage der kommunistischen P a r t e i l e i t u.n g. Nach dem Verbrechen des Klassenverrates wollen seine feigen Urheber in schlotternder Furcht vor der unaus- bleiblichen Auseinandersetzung in den eigenen Reihen sich hinter Menschenopfern verstecken. Man sucht das schützende Dunkel der Illegalität, man provoziert das Verbot, um mit dem Geschrei über „Ausnahmerecht" und„Bluthunde" die auseinander- fallende Partei zusammenzuhalten und von der eigenen Schuld abzulenken. Dos ist die infamste Art des politischen Kampfes, blutgeilen Haß zu schüren, in dem sich die Schüsse von selbst lösen. Das ist die nichtswürdige Taktik der kommunistischen Führer, aus dem sicheren Versteck heraus aufgereizte Arbeiter ins Feuer und Ver- derben zu schicken, weil sie Menschenopfer zu Propagandazivecken brauchen. Wie Macbeth, sind sie in ihren Verbrechen vdn fürchter- licher Konsequenz. Um das Verbrechen des Klassenoerrates beim Volksentscheid zu verdecken, begehen sie das noch weit größere des Arbeitermordes. Diese„revolutionären Führer" sind in der Tat von fürchter- licher Konsequenz, auch in— ihrer Feigheit. Die Methode des Abschießens von Exponenten der Staatsmacht und von Poll- zisten ist nichts anderes als die s ch e m a t i s ch e U e b e r t r a g u n g des russischen Nihilismus der siebziger und achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts auf die moderne deutsche Ar- beiterbewegung. Die Blutopfer des Nihilismus waren vergebens, mußten vergebens sein. Aber die grundsätzliche Ablehnung dieser blutigen Terrorakte durch die deutsche Arbeiterbewegung hindert nicht, den todesmutigen Heroismus der Nihilisten anzuerkennen, die in ihrem Irrwahn wenigstens die eigene Haut zu Markte trugen und bedenkenlos ihr Leben für den einmal als richtig er- Reform der Akademie der Künste. Neue Aufgaben— Neue Mitglieder. Wie der Amtlich« Preußische Pressedienst mitteilt, hat zum Ver- fassungstag Kultusminister Grimme namens des preußischen Staats- Ministeriums die neue Satzung der Akademie der Künste in Berlin genehmigt. Die Satzung ist im Benehmen mit einer Kommisston, der führende Mitglieder der Kommission angehörten, auegearbeitet worden. Die 1696 gegründete Akademie ist nach der neuen Satzung «ine Gemeinschaft von hervorragenden deutschen und ausländischen bildenden Künstlern, Musikern und Dichtern, die zur Ehrung und Anerkennung ihrer künstlerischen Leistungen in freier Wahl durch die Mitglieder der Akademie berufen werden. Die neue Satzung befreit die Akademie von bürokratischen Fesseln, die dem letzten aus dem Jahre 1822 stammenden Statut anhafteten, und weist ihr erweiterte Aufgaben im Rahmen der staatlichen Kunstverwaltung zu. Ein neues Wirkungsfeld wird der Akademie unter onderm auf den, Gebiet des Theaters erschlossen, da sie in Zukunft auch hier zu gutachtlicher Tätigkeit herangezogen werden soll. Eine engere Verbindung zwischen Akademie und staatlicher Theoterverwaltung wird dadurch hergestellt, daß der Generalintendant der Staatstheater und der Leiter der Staatlichen Schauspielschule künftig an den Be- ratungen der Akademie teilnehmen. Um eine stärkere Heranziehung der Akademie zu den Verwaltungsaufgaben auf dem Gebiet des Kunstlebens zu ermöglichen, verlegt die neue Satzung das Schwer- gewicht der Arbeit in den Senat, der den Arbeitsausschuß der Akademie darstellt. Außer der Mitwirkung bei wichtigen Ausgaben der staatlichen Kunstoerwaltung soll die Akademie durch eigene Ver- anstaltungen, besonders durch Ausstellungen. Konzerte und Vorträge künstlerisch« Leistungen jeder Art und Richtung der Oeffentlichkeit vorführen, wobei neben den anerkannten Leistungen der Mitglieder besonders das Schaffen der aufstrebenden jungen Künstler berücksichtigt werden soll. Der Ausstellungsausschuß hat das Recht, auch von Mitgliedern eingesandte Werke nicht aufzunehmen. Da sofortige Neuwahlen für die Akademie nicht möglich sind, hat Minister Grimme als Uebergangsmaßnohme das bisherig« Prä- sidium und den bisherigen Senat für ein Jahr mit der weiteren Führung der Geschäfte beauftragt. Der Minister hat ferner gemäß den Vorschlägen der Reformkommission eine Reihe von bildenden Künstlern in die Akademie berufen, und zwar die Maler Nolde, und ihre Opfer ze auf Kosten der Arbeiter kannten Zweck opferten. So starben Scheljabow, Kibaltschitz, Sofie Perowskaja u. a. Wir brauchen nur diese Namen niederzuschreiben, um die persönliche Feigheit der kommunistischen Führer in ihrer Erbärmlichkeit zu erkennen. Sie wollen den Nihilismus modernisieren. Das berüchtigt gewordene Wort von der„intellektuellen Urheber- schaft", die meistens straflos bleibt, ist doch schließlich nichts anderes. als mit der abscheulichen Motivierung vom angeblich„höheren" Zweck— lies: der eigenen, höchstpersönlichen Sicherheit!— den unbekannten Mann von der Straße zu opfern. Was gilt solchen gewissenlosen Naturen ein Menschenleben! Den lallrechnenden Politikern der KPD.-Zentrale sind die unabwendbaren Folgen der Schüsse auf die Polizisten in ihren Berechnungen höchst erwünschte Deckungs- und Propagandamittel. Die verbrecherische Feigheit gewisser Kommunistanführer ist die Schande der deutschen Arbeiterbewegung. Not und Verzweiflung können vieles erklären. Aber weder Not, noch Verzweiflung sind eine Rechtfertigung für eine Politik, die den deutschen Arbeiter nur zu einem Opfer macht. Es ist nicht ein- zusehen, warum gerade kommunistische Arbeiter diese volksfeindliche Tendenz in der Politik ihrer Führung nicht erkennen sollten, gerade jetzt, wo sie durch den ihnen unverständlichen Dolksentscheidbeschluß eine so bittere Lettion empfangen haben. Die Sozialdemokratische Partei darf keinen Pardon geben, sie muß den geschlagenen Feind verfolgen. Sie, die seit Jahr und Tag auf das unflätigste beschimpft wird, deren Mitglieder in Berlin und im Lande draußen während der Gegenagitation zum Volksentscheid zu Hunderten von aufgehetzten Kommunisten mißhandelt wurden, hat im Angesicht der Todesopfer vom Bülowplatz das Recht, die Verbrechen kommu- nistischer Führer auch Verbrechen zu nennen. Je eher sie diesen Demagogen erbarmungslos die Maske vom Gesicht reißt, um so schneller werden die verhetzten und schändlich mißbrauchten kommunistischen Arbeiter erkennen, daß die„Blut- Hunde" nicht in der Sozialdemokratie sitzen, sondern in ihrer un- mittelbaren Nähe als angebliche Freunde und„proletarische Führer". die mit ihnen ihr verbrecherisches Spiel treiben. Otto dleier. Gympaihie mit den Mördern. Die kommunistisch«„w e l l a m Abend" kündigt an, daß unter dem Vorsitz des kommunistischen Reichslagsabgeordneten Arthur Golk« ein„proletarischer llntersochungsausschuß" eingesetzt werde, um die Vorgänge am Bülowplatz zu untersuchen. Man weiß, wa, ein solcher„Untersuchungsausschuß" ist: e i n e V e r- aaslaltung zu neuer Mordhehe gegen die Schutzpolizei. Werden die feigen Mörder zu Ehrenmitgliedern des Ausschusses ernannt, den die intellektuellen Urheber veranstalten? Die kommunistische„A r b e i l e r p o l i l i k" stimmt ihre Berichte über den Mord am Bülowplatz auf die Tonart: die Polizei ist schuld. Natürlich: die feige von hinten abgeschossenen Polizisten sind schuld, daß sie sich haben erschießen lassen. Da» Zentralkomitee der Kommuni sti scheu Partei nenni die Besetzung de, Sarl-Liebknecht-Hauses einen„widerrecht- lichen Akt", es beruft sich aus sein Eigentumsrecht und da. Bürgerliche Gesehbuch. Ein» sucht man in allen kommunistischen Aeußerungen vergebens: ein Wort des Bedauern, für die Opfer, eine Verurteilung de» Verbrechens! Auch nicht das leiseste Abrücken von der Tat und den Tätern! Diese Haltung zeigt ganz unverhohlen, daß die SPD. mil den Mördern sympathisiert! Ruhe am Bülowplah. Am Bülowplatz herrscht« gestern abend und während der Nacht völlige Ruhe. Auch die anliegenden Nebenstraßen, die vielfach als Schlupfwinkel dienten, waren vollkommen menschenleer. Die Schupo achtet darauf, daß die Passanten nicht stehen bleiben. Die Wenigen, die den Bülowplatz überqueren, werden vielfach aus Waffen durchsucht und darauf hingewiesen, daß sie nicht die Hände in den Taschen halten dürfen. Eine verständliche Maß- nahm« der Polizei, um gegen neue Feuerüberfälle gesichert zu sein. Schmidt- Rottluff, Dix und Kirchner, die Bildhauer Belli ng. Scharsf, Gies und Renä Sintenis und die Architekten Erich Mendelsohn, Mewis, Mies van der Rohe, Martin Wagner und Bruno Taut. Wie es gemacht wird. Zahlreich sind die Leute unb die Aus- schüsie, die das deutsche Volk von Zeit zu Zeit beschützen, retten, auf- rütteln. Man braucht führende Persönlichkeiten dazu. Und manch- mal hat man es eilig. Daun läßt man etwa«in Rundschreib«» los, worin die Umworbenen ersucht werden, ihren Namen herzuleihen. Erfolgt innerhalb einer Woche keine Antwort, so wird das als Zu- stimmung betrachtet. Und so kommt dann manches unter manches. Genosse Hermann Wendel(Frankfurt a. M.) ist diesem Schicksal auch nicht«ntgangen. Da er längere Zeit verreist war, konnte er überhaupt nicht antworten, und so wird er voraussichtlich auch unter dem Ausruf der Aktionsgemcinschaft für geistige Freiheit stehen, ohne zu wissen, wieso und warum. Diejenigen Kommunisten, die bei ihren Aktionen noch gern mit Namen von Persönlichkeiten prunken, die Ruf und Klang haben, ohne daß ihre Inhaber ausgesprochene Parteimitglieder sind, machen sich die Sache noch leichter. Münzenberg hat sich selbst Blankovollmacht verliehen, solche Nomen für seine Prioatzwecke auszunutzen. U p t o n Sinclair Hai das ja vor einiger Z«it im „Vorwärts" aufgedeckt. Mancher wird so Edelkommunist, ohne es zu wollen. Tote sind natürlich ganz schutzlos. 16 Milliarden Mark für Rüstungen im Zahr. Noch einem Bericht der Weltfriedens-Stiftung in Boston, deren Angaben sich auf dos Rüstungsjahrbuch des Völkerbundes stützen, haben die Nationen für die„nationale Verteidigung" im letzten Jahr 4158 999 990 Dollar ausgegeben, das sind über 16'/( Milliarden Mark. Die Zahlen, di: aus den Mitteilungen von 69 Regierungen beruhen, bedeuten ein Anwachsen der Rüstungsausgaben um etwa 499 Millionen Mark gegenüber dem Vorjahr. Die Ausgaben der Vereinigten Staaten, die mit 2899 Millionen angegeben werden, stehen an der Spitz« und machen«twa ein Sechstel der Gesamtsumm« aus. Dann folgt die Sowjetunion mit 2360 Millionen Mark. Frankreich init 1910 Millionen Mark, Großbritannien mit 1900 Millionen Mark, und daran schließen sich in ungefähren Zahlen: Italien mit 980 Millio- nen Mark, Japan mit 940, Indien mit 840, Deutschland mit 660 und Polen mit 369 Millionen Mark. Hilgenberg-presse. Oer Redakteur hat mit dem Auftraggeber zu irren. Der Hugenberg-Konzern hat sich vor längerer Zeit der„M ü n- chener Neue st en Nachrichten" bemächtigt. Der Chef- redakteur der„Münchener Neuesten Nachrichten", Dr. G e r l i ch, geriet mit den Vertretern chugenbergs in einen Konflikt, der dazu führte, daß er ausschied. Jetzt hat Dr. Gerlich in einem Münchener Sonntagsblatt Angriffe gegen die Politik der sogenannten„natio- nalen Opposition" erhoben. Die Hugenberg-Presse antwortete darauf mit massiven Verdächtigungen, und Dr. Gerlich revanchiert sich, indem er aus der Schule plaudert. Er erzählt: Bei den Verhandlungen über die Uebernahme der Chefredaktion der„Münchener Neuesten Nachrichten" sei als einer der Anteils- eigner der im Jahre 1920 nach dem Verkauf der„MNN." neu- gebildeten G. m. b. ch. ein ihm bis dahin unbekannter Kapitän Mann aufgetreten. Erst viele Wochen nachher sei er dahinter gekommen, daß dieser Kapitän Mann der Privatsekretär Hugenbergs und sein Strohmann war. Als Dr. Gcrlich bei dem Sturze des Kabinetts Kahr im Sommer 1921 eine Haltung eingenommen habe, die der Deutschnationalen Partei nicht gepaßt habe, habe Hugenberg den Versuch unternommen, ihn vertragswidrig durch die Vernichtung seiner wirtschaftlichen Existenz zu beseitigen. Obgleich ihm vertraglich die volle Unabhängigkeit bei der Redaktionsführung zugesichert worden sei, habe Hugenberg seine fristlose Entlassung beantragt, weil Gerlich in seiner dem deutschnationalen Minister Dr. Roth nicht genehmen Politik „Bayern in den Bolchewismus führe". Dabei habe Hugenberg einem der Anteilseigner gegenüber den Grundsatz aufgestellt,„d a ß ein Angestellter, d. h. der angestellte Redakteur. auch die Verpflichtung habe, mit seinen Auftrag- gebern zu irren". Das ist die Methode, mit der Hugenberg Pressepolitik macht! Cr kauft Zeitungen und glaubt damit zugleich die Gesinnung der Redakteure zu kaufen. Bei ihm macht Geld die Meinung. Der Be- sitzer der Zeitung kommandiert, und der Redakteur hat Ordre zu parieren. Der Redakteur hat eine seiner eigenen Meinung ent- gegengesetzte Meinung zu vertreten, wenn der Geldgeber es befiehlt. Zünstlerisches im Kriseurgewerbe. 14 Innungen in Berlin. Die freie Innung im alten Berliner Stadtbereich macht erneut den Versuch, eine Zwangsinnung zu errichten, und zwar für die Verwaltungsbezirke Mitte, Tiergarten, Wedding, Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Kreuzberg und den Ortsteil Lichtenberg. Die Ab- ftimmung erfolgt in der Zeit vom 21. August bis 8. September. Bisher ist es der Zunft der„besseren" Friseure, der ehemaligen Perückenmacher- und Friseurinnung, jetzt„Haarsormer"-Jnnung, in Verbindung niit den„Wilden" gelungen, die Schaffung einer ein- heitlichen Innung für Groß-Berlin an Stelle der vier- zehn Innungen zu hintertreiben, weil die verhältnismäßig geringe Zahl der Haarformer-Innungsmeister unter sich bleiben, von den„gewöhnlichen" Friseuren abgesondert bleiben möchte. Es sind dieselben Kräfte, die es bisher verstanden haben,„ihre" Gehilfen von der Organisation fernzuhalten und sie in eine Reihe von Fachvereinen und Vereinchen zu zersplittern. Der Arbeitnehmerverband des Friseurgewerbes, die gewerk- schaftliche Organisation der Gehilfen, hatte zu seiner letzten Mit- gliederversammlung die Vereinigung dieser Vereine eingeladen, die sich zu dem besonderen Zweck gebildet Hot, voin preußischen Ministe- rium für Handel und Gewerbe die Aufhebung der Voll- Prüfung und dafür die Einführung der Teilprüfung zu fordern. Es wurde versucht, diesen sonderbaren Schwärmern für die Ideale der Haarformerzunft begreiflich zu machen, daß die Gehilfenschaft wirklich besseres zu tun hat. als den rückständigen lehr- lingszüchtenden Innungen im Reiche Vorspanndienste zu leisten. Ein Vertreter dieser Gehilfenvereine kann es heute noch nicht vergessen, daß die Gehilfenorganisation in der Nachkriegszeit einen tariflichen Stundenlohn als Wochenbeitrag für den Verband forderte. Es sind also keineswegs die sozialfortschrittlichen Friseure, viel- mehr die sozialrück ständigsten Herrschaften, die die Zersplitterung in 14 Innungen beibehalten möchten und deshalb gegen die Errichtung der Zwangsinnung agitieren, die wenigstens den größeren Teil der Berliner Friseurgeschäftsinhabcr zu einer leistungsfähigen Vereinigung zusammenführen würden. Käme die jetzt wiederum beantragte Zwangsinnung endlich zur Durchführung, dann würde es leichter dazu kommen, die übrigen acht Zwangsinnungen mit ihr zu verbinden, so daß die verbleibenden fünf freien Innungen vollends bedeutungslos blieben. Die organisierte G e h i l' e n s ch a f t hat an der heutigen Zersplitterung, die sich insbesondere auf dem Arbeitsnachweis- gebiet und im F a ch s ch u l w e s e n als nachteilig erwies, durchaus kein Interesse und würde es nach allen Erfahrungen in anderen Großstädten, vor allem in Hamburg, nur begrüßen, wenn dieser un- fruchtbaren Zersplitterung ein Ende gemocht würde. Maßschneider nehmen Schiedsspruch an Es wird Äerbindlichkeitserkla'rung beantragt Wie im„Vorwärts" bereits mitgeteilt, wurde in der vorigen Woche nach dem Scheitern der Parteiverhandlungen für das deuljche Maßschneidergewerbe ein Schiedsspruch gefällt, der einen Abbau der Stückzeiten im Positionsschema um 8 Proz. vorsieht. Zu diesem Schiedsspruch nahmen gestern abend die im Deutschen Bekleidungs- arbeiter-Verband organisierten Berliner Maßschneider Stellung. Die Entscheidung lvar nicht leicht zu treffen. Den Maßschneidern blieb nur die Wahl zwischen der Annahme dieses Abbauschiedsspruches oder dem Beginn einer tariflosen Zeit. Infolge der ungeheuren Beschäftigungsflaute im Maßschneider- gewerbe besteht im Augenblick weder die Aussicht durch Kampfmaß- nahmen einen besseren Tarifabschluß herbeizuführen, noch die Mög- lichkeit beim Eintreten des tariflosen Zustandes dem von den Unter- nehmern bereits angekündigten Abbaudiktat wirksam entgegen- treten zu können. Dieses Abbaudiktat soll mit einer etwa Mpm» zentigen Lohnkürzung, der Einführung eines Doppeltarifes und dem Abbau der Arbeitszeiten bei vielen Arbeitsstücken verbunden sein. Der Filialleiter Genosse Lehmann empfahl daher nach einem ausführlichen Bericht über den Verlauf der Tarifoerhandlungen die Annahme des Schiedsspruches, den die Organifations- leitung zwar sachlich nicht für richtig halte, dessen Annahme jedoch rein taktisch im Augenblick für die Maßschneider das kleinere Uebel bedeute. Aus denselben Erwägungen heraus haben die Funktionäre der Maßschneiderbranche und die Mitglieder der Branchenkommission beschlossen, der Mitgliedschaft die Annahme des Schiedsspruches zu empfehlen. Nach kurzer Diskussion nahm die Versammlung dann auch den Schiedsspruch in geheimer Abstimmung an. Da auch die überwiegende Mehrheit der Maßschneider im Reiche dem Schiedsspruch zugestimmt hat, wird der Hauptvorstand des Deutschen Bekleidungsarbeiter- Verbandes beim Reichsarbeits- Ministerium umgehend die Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches beantragen. 14. Abt. Morgen, Mittwoch, Zahlabend in den bekannte» Lokalen. 37. Abk. Funktionärsitzung für heute fällt aus. Rundfunkreportagen von den verfassungsfeiern. Am Ver« fassunstag werden von, Platz der Republik zwei Reportagen gefantt. Die erste nach der Mittagsfeier vom Reichstag gegen 13 Uhr, die zweite nach der Reichsfe'er in der Oper am Platz der Republik zwischen 21.10 und 21.30 Uhr. Am Mikrophon Alfred Braun. Welter für Berlin: Teils wolkig teils heiter und am Tage ein wenig wärmer, mäßige westliche Winde.— Für Deutschland: West- ostwärts fortschreitende Wetlerbesserung mit geringem Temperatur- anstieg. Veranhvortl. für die Nedatlion: Scrbert Sc»-«. Berlin: Anzeigen: Td. Stocke, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. S.. Berlin. Bruck: Vorwärts Bück,- »ruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW(58. Lindenstrage 3. Hierzu 1 Beilage. bei täglicher Kündigung..... 8 Prozent bei monatlicher Kündigung.... 9 Prozent bei vierteljährlicher Kündigung.,, 10 Prozent Konsum-Genossenschaft Berlin und Umgegend e.G. m.b.H. Berlin- Lichtenberg, Rittergutstraße 16— 30 Annahme: In unserer Zentrale, in unseren Warenhäusern, in sämtlichen Lebensmittelabgabestellen und in derSparkassenzweigstelle, Neukölln, BerlinerStr.96 Rurüirstendanin] Theater Bismarck 448/49 i Lü Uhr Die schöne Helena am lacQoes Oilendaiti Segle; Max Relnhardi Komiscne oper Friedrichstr. 104 »l/o Uhr Frauen haben das gern... .�uslksl.5ckvank von Arnold Musik v. Walt. Kollo Somtnerpr. 0.50- 7.00 Theater desWestens Tägl. 5 u. H'i'i Volksvorstellungen Viktoria und ihr Husar Billigster PL 0.50 M Teuerst-rPI. 2.— M. metropoi-Tbeater Täglich»'(. Uhi Heute zum 100. Male Die Toni aus Wien Mady Christians, Michael Bohnen Barbarossa 9256 TSgl. 8 u. 81/2 U. Barto&Mann W.& Q. Ahern Walter Niisson Irieuie Verfassungsfeier im Rahmen des Programms PL Aza Das inte Variett Preef« Heaie Verfeisuojfiitr im Rahmni ön Pnnramnr Achlonijleee Prelle. Tägliehl S U.Bit«n PI. Sonnto. jU thZ,- 2,5,8161 ] CASINO- »'/. Uhr l A51NU-THEA TER»'/. Uhr Lothringer Strafte 37. iiiiniiiiiiiiitfiiiiiiiiiiiMiiitiiinitiiiiiiiiiainiiiniiiifimimiiitniit Wiedereröffnung 15. Aug. Modern renoviert! Modernes Progr.l Das entzückende Lustspiel Das Parfüm meiner Fran. Dazu ein erstkl. buntes Programm. Für die Lesen Gatschcin 1— 4 Per». Fauteuil 1.25 M.. Sessel 1,50 M. Sonstige Pr.: Rang Mitte 1 M., Parkett 75 Pf.. Rang 60 PI. 8.15 Uhr Flora 3434 Barbette! HoYsängi Bourlakoff-Truppe LasTiarias,Conche-i PROGRAMM für die Zeit vom 11. bis 13. August I N O-T A F E L PROGRAMM für die Zeit vom 11. bis 13. August ©IOI0 Potsdamer Strafte 38 W. 5, 7, 9, S. 3, 5, 7, 9 Uhr Das Ekel mit Max Adalbert Außerdem: Ufa'Tonkabareit Nr. 1 Für Jugendliche freigegeben Rheinstrafte 14 W. ab 5.15, S, ab 3.15 Uhr Der Zlgeanerbaron mit Midiael Bohnen, Wilhelm Dleterle. Lya Mara— Außerdem; Da. Laft-Oerbr— Abenteuerfilm Odeon, Potsdamer Sir. 75 W. 5, 7. 9, S. 3, 5, 7. 9 Uhr GaMenhaner Mitwirkende: Die Comedlan Hat. monlsts Turmstrafte 12 swJu Da* Ekel mit Max Adalbert Für Jugendliche freigegeben! Aicxandersir. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag geöffnet, Stgs. ab 3 Uhr Das Schicksal der Renate Langen mit Madjr Christians 1 Watten j Primus-Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margareienstr. Wocheniags 5.15, 7.15, 9.15 Uhr Oer Schrecken der Garnison mit Felix Breuart Für(ugendliche freigegeben Franziskaner nR5shkr,nv0ofm Georgensiraße(Ecke Friedrichstraße) Tonfilm: BSmon des Meeres mit Lissi Arne— Alt Heidelberg mit Novarro Moabit Artushof W. 6 30 U. Bühne Sonntag- 5 U. »erleberger Str. 29 luOproz. Tonfilm. Eine Stunde Glück mit W. Dleterle. Evclioe Holt Tonbeiprogramm—■ BGhnenschaa w 6.45 u. 9.05 U ▼V eil�AinO sonnt ab 4.45 U. Alt-Moabit 99 1 00 proz. Tonoperette: Die Comedian Harmonists singen Gassenhauer— Tonfilmbciprogr. ff Chario�entourg Kant-Lichtspiele Kamslr 54(an der Wilmersdorfer Str.) W. 5. 7. 9 Uhr Verlängert! Das Ekel mit Max Adalbert Für Jugendliche freigegeben Atrium Bcba-Palast Kaiserallee, Ecke Berliner Straße W 7 u. 9.15 Uhr S 5, 7, 9.15 Uhr Uraufführung. Kriminalionfilm: Der Zinker nach Edgar Wallace) Preisausschreiben! Wer ist der Zinker? Das Publikum sucht mit Schöneberg 3 Titania Sdiönebg. Hauptstraöe 49 Sonntags 3, 5, 7. 9 Uhr Elisabeih von Oesterreich mit LH Dagover, Paul Otto— Tonbciprogr. W"'""Friedenau W Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 65 Wochentags 7. 9 uhr Sonntags 5. 7. 9 Uhr Tonfilm: Arme kleine Eva mit Grete Mosheim, H. Hardt Reichhaltiges Tonbeiprogramm ■ Stegnt.■ Titania-Palast skowü; Steglitz. Schloßstr.5. Ecke Gmsmuthsstr Tonfilm-Urauffühi ung; Zwischen Nadit und Morgen mit And Egede Ni.scn, Olk. Homolka Tonbciprogr.— Tonwocfaenscbaa rf-Mitte Zeli Wochentags 7, 9 Uhr Sonntags 5, 7, 9 Uhr Potsdamer Str. 40 Stg. 3 Uhr: Jugendv Tonfilm: Das Llebeslied mit Renate Moller. G, Fröhlich Gnies Beiprogramm M~ I i Mariendorier Wochentg. 1 la—1�1 Tonllcbtsplele 6Va, 9 Uhr Chausseestr. 305 So. ab 5 U 100 proz. Tonfilm: Verklnngene Träume mit M. Delsdiaft Kinderrevue: Micky* Wodtencndc TiVOli Berliner Str. 97 Beg. ft3/*, 9 U. Stgs. 3 Uhr: Jug.-Vorst 100 proz. Tonfilm: Großer Komiker-Wettstreit! Susanne macht Ordnung mit SzOkc Szakail, Max Ehrlich, Albert Paulig, Trnns v. Aalten, K. Lilien Der Knft mit Greta Garbo Mercedes- Palast Hermannstraße 212, Ecke Jägerstraße Woch. 60i, 9 Uhr. Stg. 5. 7. 9 Uhr Die lustige Tonfilmoperetie;«Der Liebe*- Expreg' mit Olna Gratia, Georg Alexander u. Joseph Scbmidl, der belieble Rundfunktenor Beiprogramm— Bühncnscfaaa Montag und Donnerstag: Erwerbslosentage W Südwesten M Lichtspiele Südwest Blücherstr. 12 W.>/,7, So. abSUhr 100 proz. Tonsingspiel! Die Lindenwirtin mit K&ihe Dorsch, Fr. Sdiulz, Bollmann Weib in Flammen miiO.Tzchediowa Film-Palast Kammersäle Teltower Str. I W. 6J0, 9. Stg. ab 5 U 100 proz Tonfilm: Die Million Tonlustspiel— Oer Hauptmann ron Kftpcn.ck mit Kampers SO d an Primus-Palast Am Hermannplatz, Urbanstr. 72/76 W. 6.30, 9 Uhr, So. 5. 7. 9 Uhr Das große Doppelprogramm! Seine Freundin Anette(Die Frau, von der man nicht spricht) mit LImI Arna Lustspiel: Ums Himmel« Willen mit Harald Lloyd— Auf der Bühne; Georg Erich Schmidt, Komiker Th. am Moritzplatz Beg. Wo. 6.30, 9, Stgs. ab 4.30 Uhr Unsichtbare Fesseln mit Greta Garbo Wenn die Groftstadt schl&ft mit Lon. Channey Luiscn-Theatcr Reichenberger Str. 34 Anf. W. ab 6 30 U. Stg. ab 5 U Tlnzerlunen f. Südamerika gcsndil (Mädchenhändler-Film) m. Dita Parle Erlebnisse einer Nacht Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Wochtgs. ab b'h v., Sonntags ab 4Ib U Tonlustspiel: Das Ekel tr it Max Adalbert— Kabarett- Tonfilm mit O. Wallburg u. a. Jugendliche haben Zutritt! Auf der Bühne; Damhofer-Truppe Sternwarte- Treptow Mittwoch 8, Donnerstag 8 Uhr: Kalabaka, mit Auto und Kurbelkasten durchs unbekannte Europa W Nordosten M „Elysium" X'ST Wochentg. 5.15, 7.00. 9 15. So ab 3.15 Uhr Das Geheimnis der roten Katze mit S. Arno, E. Verebe« Foxtonwodxe Bühne; ttaslcrda Ballett Flora-Licfatsp. W. 6»/j. 9 U., Stg. ab 4 U Tonfilm; Harold, halt dich fest mit Harold Lloyd Lockrat der Berge Ton woche Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochcntgs. 6.30 U� Sonntags ab 5 Uhr Großes Tonlustspiel: Opetnredoate mit Liane Haid, Georg Alexander, Iwan Pctrovich, Otto Wallburg Auf der Bühne: Zwei groftc Varicitatiraktionen Beiprogramm Schwarzer Adler X,™« Woch. 5, 7, ca. 9, Stg. 3, 5, 7, 9 U ICO pro?. Tonfilm: .M-, Ein Film von Fritz Lang Tönendes Beiprogramm V. T. Lichtspiele vUorla Frankfurter Allee 48 W. 5. So. 3 Uhr Große Ausstattungsoperette: Die Königin einer Nadit Großer Kriminaltonlilm: Schachmatt M Zentrum H Babylon, am BQIowplatz Wochentags ab 6 30 U. Sbd., Stg. ab 5, letzte 9.10 U. 100 proz. Tonfilm: Opernredouie mit Liane Haid, Georg Alexander, Pelrovldi BUhnenschau Kosmos-Lichtspiele Lückstr. 70 Wochen I. 7, 9 Uhr Sonntags 5, 7. 9 u 100 proz Tonfilm: Die heilige Flamme mit Dita Parlo, Gustav Fröhlidk T onbeiprogramm Weifiensee Schioftpark Film'Bühne Berliner Allee 206—210 6,30, 9 Uhr Tonfilm; Ihre Majestät die Liebe mit Käthe von Nagy Die Schuld des Tom Carrlgan mit Tom Tylcr > Friedrichsfelde Kino Busch �X-oüh"- Alt-Friedrichsfelde 6 100 proz. Tonfilm: Menschen im Sturm(Das Mädel von der Reeperbahn) mit Olga Tschechowa, v. Schlellow Beiprogramm— Woche m Morden g Alhambra EcSeTfrIße36, Wochent 5, 7, 9 U. „M*. der große Fritz-Lang-Film Pharus-Lichtspiele Müllerstr. 142 W. 5, 7.9 U� 5tg. 3,5.7, 9U. Tonfilm-Revue: Wir schalten um auf Hollywood mit P. Morgan, George, Gregor Dick und Dof in Spuk om Mitternacht Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 7 u. 9. Stg. 5. 7. 9 u. Tonlilm-Revue: Wir»halten um auf Hollywood mit Foul Morgan, Men.oo n. a. Tonbeipro�ramm Tegei [0 Filmpalast Tegel �SUef Wochent. b, Sonnt. 41/« U. lOOproz. Tonfilm: da&senhauer(Comedian Harmonists) Buhne; Harry Btcnstein in der Szene: Eine feine Familie fl HennsgrSorp1 D Fiimpalast Sta Berliner Straße 59 lOOproz. Tonlilm: Gatsenhaner(Comed i an Hai mon ists Gutes Beiprogramm BcrjUntiÖ StialattXQaße\£yfU>n*4l (Beilage Dienstag, 11. August 1931 v_ Sexualverbrechen Ein Vorschlag von Nr. J. lt. üplnner Wir veröffentlichen diesen Aussatz als beachtlichen Beitrag zur Frage des Sexualverbrechens, ohne uns mit ihm zu identifizieren� Seit über vier Jahren war der polnische Zuchthäusler Stanis- laus M a t t h e k a wegen Sittlichkeitsverbrechen in Brandenburg interniert, also bereits wegen schwerer Notzucht vor- bestraft. Er hielt sich so anerkannt gut— die Frage der Heuchelei und Verstellung zur Erlangung von persönlichen Vorteilen im Straf- Vollzug soll hier nicht in Betracht gezogen werden—. vielmehr anerkannt bleiben, daß seine Führung ihn so wertvoll erscheinen lieh, daß man ihn nicht nur in Kalefaktorenposten, sondern auch im Außendienst auf dem Felde beschäftigte. In der Hundstagshitze nun, draußen auf dem Felde unser geringer Aufsicht, wurde er in der Ferne ein Mädchen— ein weibliches Sexualwesxn gewahr, elfjährig bloß, aber immerhin Weib und Unterrock— und sofort brach sein Triebleben durch. Er überfiel das Mädchen mit besonders brutaler Gewalt und schändete es mit schweren Verletzungen. Daß er hernach nicht, wie man er- wartete, ins Zuchthaus zurückkehrte, sondern sloh, ist eine logische Folge. Wir wollen nicht annehmen, daß er die Anstaltsleitung heuchlerisch getäuscht hat, wenn er sich gut führte, sondern in dem ganzen Falle ein instruktives Menetekel für die Reformbedürstigkeit des Sexualstrafrechts erblicken. Daß fast gleichzeitig der S3jährige Dreher Loose in Alexanderdorf(Sa.) einen Lustmord beging, kann nicht allein als Duplizität der Fälle, sondern muß mehr oder weniger als metereologisches Phänomen der Kriminalbiologie er- scheinen, denn es ist bekannt, daß die Mehrzahl derartiger Sittlich- kcitsverbrechen in die Tage der größten Hitze fällt und im Juli die Spitze der Kurve zu erreichen pjlegk.(S. Forel. Die sexuelle Frage u. a.) � An dem Zustandekommen des Delikts sind also auch andere Faktoren beteiligt, als bloß die„vei brecherische Persönlichkeit" des Polen. Er hat sich als nützlicher fügsamer A r v e i t e r er- wiesen, er hat sich vier Jahre jeden ihm geschenkten Vertrauens für würdig erwiesen, seine Persönlichkeit war einwandfrei in der oscxuellen Anstalt. Aber seinen Sexualtrieb hat das Zuchthaus nicht zu beeinflussen, nicht von der Triebstärke zu heilen vermocht. Es hat ihn wohl gewaltsam unterdrückt, die Spannung vielleicht sogar er- höht, ist also zum mindesten gerade auf die„verbrecherische" Kon- stitution ohne jeden Einfluß geblieben. Das Zuchthaus hat versagt. Vollkommen versagt. Ein tüchtiger Arbeiter war er vielleicht schon ohne Zuchthaus, und das, worauf es ankam, auf die Beeinflussung seines elementar tierisch starken Trieblebens, seiner körperchemisch bedingten Brunst, die ihn ebenso blind wie einen Auerhahn machte, war der auch noch so moderne Strafvollzug er- folglos, wenn nicht sogar schädlich. Sittlichkeitsoerbrecher, wie Mattheka, sind Konstitutions- cwmalien, bis zur Satyriasis gesteigerte Erotiker, denen um ihrer geringen Hemmungen, ihres primitiven Lebens willen auch das Zuchthaus keine Sexuolhemmungen anzuerziehen vermag. Sie sind sozialbiologisch Kranke, weil sie jedes Milieu gefährden und ange- sichts eines weiblichen Wesens einfach explodieren. Vier Jahre voll- kommen? Enthalffamkeit, wie sie im Gegensatz zu Mexiko, Rußland und Brasilien unser asketischer Strafvollzug bedeutet, haben den Trieb nicht erlöschen lassen, sondern weiter in die Bestialität hinein ge- steigert. Wir müssen dem Fall dankbar sein, weil er uns zeigt, daß der modernste Strafvollzug, wenn er die Sexualproblcme nicht be- rücksichtigt, Stückwerk ist, und es ist schon seit langem aufgefallen. daß gerade der ehemalige Zuchthäusler immer wieder schwerste Sexualverbrechen begeht. G r o ß m a n n ist durch viele Zuchthaus- jähre hindurch in seiner elementaren Grausamkeit in den Lustmord hineingesteigert, nicht gebessert oder geheilt worden. In Hunderten von Fällen sind aus dem Zuchthaus entlassene Sexualverbrecher so- fort wieder bei der ersten Sexualbetätigung explodiert und rückfällig geworden. Der TexualverbreeHer ist nur für seine fehlenden Hemmungen verantwortlich, nicht für die Funktion r seiner Drüsen und die Wirkungen seiner Hormone. Darum kann die für andere Delikte zugeschnittene Art des Strafvollzugs auch mit den humansten Begünstigungen nichts aus- richten, weil sie in keiner Weise die Sexualität zu tangieren vermag, die eben einmal ein Ding an sich ist. Die Hemmungen sind ein Erziehungsfaktor. Wo sie nicht vorhanhen sind, hat die Erziehung ein Loch. Daß das Zuchthaus mit seiner absoluten Askese ein Erziehungsinstitut sei, muß in Frage ge- stellt werden. Es wird nicht Beherrschung durch Willensstärkung er- reicht, sondern die Askese erzwungen und die Triebabweichung, die Verdrängung auf Abwege, deren nicht letzter die Grausamkeit ist. er- zwungen. Fast jeder Zuchthäusler geht seines vorher noch normalen Sexuallebens überhaupt verlustig. Die Sexualnot der Gefangenen kann hier nicht weiter diskutiert K werden, sie führt zur Entartung der sexuellen Persönlichkeit, auch da, wo es sich nicht bereits schon um Sittlichkeitsverbrecher handelt. Dieser selber ist weniger ein Verbrecher, als ein Kranker im weitesten Sinne. Nicht etwa im Milieu von Primitiven, die ihren Trieben restlos nachzugeben bereit sind, wohl aber in unserem Kulturmilieu, wo Triebbeherrschung die Regel ist. Die„Krankheit" beruht in der körperchemisch bedingten Steigerung der Hormontätig- keit als biologischer Funktion und in der Unmöglichkeit, dieselbe willensmähig zu beeinflussen und den dadurch bedingten Trieb zu beherrschen. Sexualverbrecher sind die unglücklichsten Strafgefangenen, denn die Arbeit und die Enthaltsamkeit vermögen nicht, die Körperfunktion zu beeinflussen, sondern das Zuchthaus ist nur eine zeitweilig sichernde Maßnahme. Die Illusion der Besserungsfähigkeit kann nicht aufrecht erhalten werden. Der Sexualverbrecher gehört der Medizin, im speziellen der Sexualmedizin. Er kann in den meisten Fällen zum durchaus brauchbaren Menschen zurückverwandelt werden, wenn man seine Sexualität in normale Bahnen zurückgeleitet, oder wo dies nicht geht, medizinisch unterdrückt oder auf ein Minimum zurückbringt. Das: Hier stehe ich, ich kann nicht anders! als Ausdruck der absoluten Hilfslosigkeit, kann durch Operation der Keimdrüsen, der homonerzeugenden Organe behoben werden. Tie Kastration ist das Heilmittel für viele Sexual- Verbrecher. Wohlverstanden nicht die strafweise Kastration mit dem Charakter als S t r a f s a n k t i o n, sondern als Heiloperation. Stellen wir *■ uns hier die Frage, was wäre Mattheka ohne feine phantastisch wuchernde Keimdrüse? Operieren wir nicht auch Kröpfe, Warzen, Krebsgeschwüre und andere Auswüchse schon aus kosmetischen Gründen? Mattheka ist ein brauchbarer Mensch, außerhalb seines sexuellen Aktionsradius. Er könnte in Freiheit belassen werden, wenn er nicht mehr Sklave seiner Keimdrüsen wäre. Er leidet vielleicht selber an seiner qualvoll gesteigerten Sexualität. Warum strafen wir den Menschen für seine wuchernden Keimdrüsen, anstatt sie einfach, wie andere wuchernde Drüsen, still und ohne Zeremoniell(Straf- gerichtsapparat) zu entfernen? Kastration ist allerdings als Strafsanktion seit Jahrzehnten in Amerika gebräuchlich und geübt, und in S a ch s e n hat sich B o e t e r s seit vielen Jahren dafür eingesetzt und Schweizer Kantone praktizieren sie ohne großes Aufheben seit Jahren. Das einzige, was noch irrig dabei ist, die Strafsanktion, der Strafcharakter muß verschwinden. Die Wald- und Wiesenmücke kann, wenn sie in großer Zahl auftritt, durch ihre Stiche recht lästig und zu einer Plage werden. Durch die Hausmücke werden Erreger menschlicher Krankheiten nicht übertragen, doch können die zur Gattung der Fiebermücke gehörenden in Deutschland vorkommenden Gabelmücken dem Menschen gefährlich werden, weil sie unter Umständen die Ueber- träger des auch in Deutschland vorkommenden Wechselfiebers, der Malaria, find. Die. Mückcnwcibchen ernähren sich hauptsächlich durch Blutsaugen an Menschen, Säugetieren und Vögeln. Sie stechen mit ihrem Rüssel eines der kleinsten Blutgefäße, der sogenannten Kapillaren, an, welche in der Haut zahlreich vorhanden sind, und pressen etwas von ihrem Speichel in die Wunde, so daß eine heftig juckende Quaddel sich entwickelt. Gegen Mückenstiche scheint Auf- träufeln von vierprozentigem Euresolspiriws oder Einpinseln mit Nelkenöl in vorbeugendem Sinne günstig zu wirken. Nach dem Stich baldmöglichst Salmiak, Ammoniak oder Karbol-Menthol- Spiritus(1 bis 2 Proz.); noch wirksamer 10 bis 20 Proz. Formalin- ipiritus mit% Proz. Merrt Hot, bei zahlreichen Stellen zweiprozentig« Mentholvaseline, allenfalls essigsaurer Tonerdsverband. Die infolge des Juckens der Mückenstiche entstehenden Kratzwunden heilen unter Borvaseline bald ab. Es kann aber auch infolg« des Kratzens an juckenden Mückenstichen zu eitriger Infektion oder Blutvergiftung kommen. Die Stechlust der Mücken ist während der Abend- und Morgendämmerung am größten, denn sie sind im Gegensatz zu den Fliegen lichtscheue Dämmcrungstiere und benutzen die Nacht- ruhe von Menschen und Tieren, um ungestört Blut zu saugen, wäh- rend die Fliegen als großäugige Zweiflügler im Gegensatz zu den kleinäugigcn Stechmücken im Dunkeln nicht fliegen. Im Sommer halten sich die geflügelten Mücken im Freien auf, dringen aber auch in die Häuser ein. Da sie in größere Höhen über dem Erdboden gewöhnlich nicht aufsteigen, so sind die Menschen in den höhereu Stockwerken der Häuser weniger belästigt als die Bewohner der unteren Stockwerke. Der Mückenflug ist hauptsächlich waagerecht: die Tiere fliegen gern ins Dunkle, treffen sie auf ein Hindernis, z. B. ein Gebäude, so fliegen sie meist senkrecht an denrselben auf und ab und versuchen an den dunkel erscheinenden Stellen(Fenster) ein- zudringen. Die Ttechflieg« besitzt einen Rüssel mit einer in der Ruhe waagerecht gehaltenen, feinen Spitze, welche man vom Rücken des Tieres her genau sehen kann, und welche beim Stcchakt in die Senkrechte, d. h. nach„unten" gebogen wird, so daß die Stechfliege das Blut von Menschen und Säugetieren als Nahrung aufnehmen kann. Neben der indirekten Uebertragung auf dem Wege über die Nahrungsmittel des Menschen vermögen die Fliegen auch Erkrankun- gen direkt von Mensch zu Mensch auszubreiten, so z. B. Aussatz (Lepra), die ägyptische Augenkrankheit(Trachom), Milzbrand, Wundinfektionen und Rückfallfieber. Wahrscheinlich spielen auch die Fliegen eine Rolle und wirken mit bei der Verbreitung der spinalen oder epidemischen Kinderlähmung(akute Poliomyelitis), sowie der Pocken und der Maul- und Klauenseuche, indem sie die Erreger dieser Krankheiten unmittelbar von Mensch zu Mensch bringen können resp. von Tier zu Tier. Leben die betreffen- den Krankheitskeime im Blute des Menschen, so kommen für die Uebertragung die gemeinen Stechfliegen in Betracht, welche das Blut eines kranken Menschen ausgesaugt haben und beim Stich in das Blutgefäß eines gesunden Menschen mit. ihrem Speichel das vorher aufgenommene infizierte Blut entleeren, ohne daß die Krank- heitserreger im Fliegenkörper eine Entwicklung oder Wandlung durchzumachen brauchen wie die Malariaerreger im Körper der Stechmücke. Die Honigbiene, die Wespe, die Hornisse und die Hummel sind mit einem Hohlstachel ausgerüstet, welcher zur Entleerung der giftigen Flüssig- seit in die mit den Stechborsten erzeugte Wunde dient. Die Stech- borsten bleiben in der Haut haften: die Giftdrüse samt Giftblase wird mit herausgerissen, so daß die Biene den Stich mit dem Leben bezahlt. Die G i f t w i r k u n g der Honigbiene beruht aus dem Vorhandenfein einer hitzebeständigen, stickstofffreien, basischen Substanz im Bienengift, welches nicht auf die unversehrte Haut, wohl aber auf die Augenbindehaut, Nasenschleimhaut und Zunge wirkt. An der Stelle des Bienenstiches bildet sich eine sehr schmerzhafte Eni- zündung mit Rötung und Schwellung. Bei den Todesfällen im An- schluß an Bienenstichvergiftungen sind die betreffenden Personen entweder mehrfach gestochen worden oder der Stich ist soft stets in die Haut des Gesichts, in die Lippen, Augenlider oder Ohren erfolgt. Kinder und ältere Leute können scheinbar schon durch einen einzigen Bienenstich tödlich getroffen werden. Bei einem Stich der Honig- Wir denken uns zum mindesten die Uebergangssituation folgen- dermaßen: Jeder Sexualverbrecher ist vor der Verurteilung einer sexual- ärztlichen Begutachtung zu übergeben. Wenn diese erkennt, daß die Vergehen sich auf die Hyperfunktion der Keimdrüsen zurückführen läßt, so gibt sie darüber an das Ge- richt ein dementsprechendes Gutachten ab. Das Gericht fällt eine Strafe aus, mit dem Zusatz, daß dem Be- straften bei einer auf seinen Antrag vorgenommenen Keimdrüsen- entfernung oder-Vernichtung(operativ oder durch Röntgenstrahlen) nach einer bestimmten Zeit Entlassung unter Bewährungsfrist zuge- standen werden wird. Daß dieses Verfahren bereits ausnahmeweise gehandhabt worden ist, und zwar mit gutem Erfolg, ist mir bekannt, aber es sollte zur Allgemeinheit werden. Und auch das nur als Uebcrgangsstadium. Das Ideal ist, daß solche Menschen ohne die Zwischenstation von Untersuchungsgefängnis und Gericht möglichst rasch in die Hände der Fachmedizin kommen und von ihrem krankhaften Stadium geheilt werden, ohne daß sie erst kriminell gebrandmarkt zu werden brauchen. Gewiß sind uns derartige sexuelle Amokläufer im höchsten Grade unsympathisch, aber wir dürfen dabei nie vergessen, daß wir mit derselben Dosis Gift(übermäßige Hormonproduktion ist als innere Vergiftung zu betrachten) vielleicht auch Amok laufen würden. diene, Wespe, Hornisse oder der Hummel muß die Entfernung des Stachels vorsichtig erfolgen, damit die außen anhängende Giftdrüse nicht entleert wird. Obwohl die im Sekret der Biene vor- handene Ameisensäure nur in sehr geringen, bedeutungslosen Mengen vorhanden ist, wird als Hausmittel gegen Bienenstich immer noch Salmiakgeist angewendet. Auch Phenol-, Chlor- und Bromwosser sind empfohlen worden. Ebenso sind angebracht kühlende Umschläge mit essigsaurer Tonerde, Auflegen von feuchter Erde, Scheiben roher Kartoffeln usw., Eisbeutel und Oeleinreibung. Sind zahlreiche Stiche erfolgt, so muß die Entfernung der Stacheln besonders vorsichtig ge- schehen und ausgedehntes Betupfen mit Ammoniakflüssigkeit erfolgen oder ein alkalisches(Soda-)Bad genommen werden. Wespen- und Hornissenncster sind in der Nähe menschlicher Wohnungen zu vernichten. Leichte örtliche Reizerscheinungen(Quaddeln) werden hervor- gerufen durch die einheimischen Ameisen. Sie verfügen zwar nicht über einen Giftstachel, spritzen aber die Absonderung der Giftdrüsen in der Nähe des Afters in die durch ihren Biß erzeugte Wunde. Der Reizstoff der einheimischen Ameise ist wohl die Ameisensäure, welche schon in Konzentrationen von etwa 7 Proz. äußerlich Jucken, Brennen und Entzündung der Haut hervor- ruft. Sie durchdringt die Haut leicht und führt rasch zur Blasen- bildung und Entzündung im Unterhautzellgewebe. Auch die Amciscneier enthalten Ameisensäure. Nach einem Ameisenbiß empfiehlt es sich, die betreffende Stelle mit Salmiakgeist zu betupfen und die übrigen Maßnachnen, wie man sie gegen den Bienenstich anwendet(kühlende Umschläge usw.) anzuwenden. Nach Wanzenbissen kommt es zu nesselartigen Quaddeln bei manchen Menschen auch zu Hautanschwellungen oder Blasenbildung. Es ist charakteristisch, daß die Erscheinungen nur nachts auftreten. Bei Wanzenstichen wird gegebenenfalls zweiprozentige Menthvloaseline angewendet. Die Schlupfwinkel der Wanzen befinden sich in Holzteilen der Bettstellen, hinter Tapeten, Bildern usw. Entsprechende Reinigung mit grüner Seife oder Abreiben mit Petroleum, resp. Vernichten der Keime durch heißen Wasserdampf ist notwendig. Die Flohbisse hinterlassen kleine rote Hirsekorn- bis linfengroße, derbe, feste, über die Haut hervorragende Knötchen(Papeln) mit düsterrotem Zentrum, die auf Finderdruck nicht verschwinden. Bettzeug und Leibrtzäsche weisen oft Blutspuren auf. Bei entsprechend veranlagten Menschen kommt es zu Nesselsucht. Gegen das durch Flohbisse hervorgerufene Jucken und zur Verhütung von'Flohbissen werden Kampferspiritus und Puder ongewende.t Reinlichkeit, Bäder, Wäschewechsel und häufiges Aufwischen der Zimmer dient zur Bekämpfung dieser Insekten, deren Larven in altem Holz(Täfelung, Dielen) sich befinden. Eine Zeckenart, welche zu den Milben gehört, der Holzbock, lebt hauptsächlich aus Bäumen und Sträuchern. Er befällt von dort aus Menschen, Rehe, Hunde und kleine Warmblüter. Man findet ihn oft bei Waldarbeitern und Jägern. Das Weibchen dieses etwa 2 Millimeter großen Parasiten bohrt seinen Saugstachel tief in die Haut und nimmt erhebliche Mengen Blut in sich auf, so daß es viel dicker erscheint und bis zur Kirfchkerngrötze anwächst. Nach einer solchen Verletzung der Haut betupft man die betreffende Stelle mit Terpentinöl, oder tötet das Tier mit Benzin oder Petroleum: es läßt sich dann leicht aus der Haut entfernen. Freilich muß dieser Eingriff so vorsichtig vorgenommen werden, daß der Stachel nicht in der Haut stecken bleibt, da er sonst erst nach einiger Zeit durch Eiterung herausbefördert wird. Beim Genuß des frischen, noch in den Waben befindlichen Honigs, oder beim Essen von Früchten, welche Insekten beherbergen, sind auch Bienen- und Wespenstiche in der Mundhöhle beobachtet worden. Es ist dann zu derartigen Schwellungen der Zunge ge- kommen, daß namentlich bei Kindern die Atmung behindert und der Luströhrenschnitt notwendig geworden ist. Wenn es auch oft gelingt, durch die üblichen Mittel die Be- schwerden eines Insektenstiches zu lindern odex eine gefahrdrohende Infektion zu vermeiden, so darf die häufig zuerst nur unscheinbare Hautverletzung doch nicht unbeobachtet gelassen werden. Um unangenehme Folgen zu verhüten, ist es beim Auftreten irgend- welcher Entzllndungserfcheinungen, die auf die üblichen Hausmittel hin nicht prompt verschwinden, stets ratsam, möglichst frühzeitig den sachverständigen Arzt hinzuzuziehen. Die Verbreitung der Kenntnis betreffend die Entstehung und Folgen der Insektenstiche trägt bei zur Verhütung von Arbeitsunfähigkeit und von gesundheitlichem Schaden. Dr. Max GrünewaJd-Dortrnund. Insektenstiche Ihre Entstehung und Ihre Folgen Vom Berufsboxsport Eine neuartige Rangliste Boxer, Mensch und Bürger Ein bekanntes amerikanisches Fachblatt,„The R i n g", ist au[ die eigenartige Idee gekommen, seinen Lesern die Frage vorzulegen, welchen von den amerikanischen Boxern sie als Mensch, Boxer und Bürger am höchsten schätzen. Das Ergebnis dieser Rundfrage brachte ein paar interessante Tatsachen, vor allem konnte man die Fest- stellung machen, daß Jack S h a r k e y nur 25 mal an erster Stelle genannt wurde. Man muß doch annehmen, daß die Leser eines Fachblattes„ihre Pappenheimer kennen", und wissen warum und weshalb. Die Rundfrage findet, in veränderter Form, alle Jahre statt, und diesmal hat Tommy Loughran den Vogel abgeschossen, der 629 Stimmen erhielt, Poung Stribling brachte es auf 432, und daß auch Micky Walker nicht im besten Ansehen steht, beweist die äußerst niedrige Stimmenzahl, 6. Eine ganze Anzahl von Boxern der leichteren Klasse, wie Fidel la Barba, Mc Larnin, Canzoneri u. a. werden höher eingeschätzt als die Schwergewichte. Daß Tommy Loughran die meisten Stimmen erhielt, ist erklärlich. Der Amerikaner ist sehr zurückhaltend und bescheiden, kann es nicht vertragen, gelobt zu werden, er hat auch noch nichts auf dem Kerbholz, wie verschiedene andere seiner Zunftgenossen. Wenn ihm ein Kampsvertrag vorgelegt wird, nimmt er seinen Füllfederhalter in die Hand und unterschreibt, ganz gleich, welchen Formats der Gegner ist. Gegen Sharkey brauchte er es nicht so eilig zu hoben. Sharkey und Mickey Walker haben nicht ohne Grund so schlecht abgeschnitten. Der„schwatzende Hai", so wird der Litauer drüben ge- nannt, ist mit seinen albernen Redereien schon vielen auf die Nerven gefallen und so allmählich hat man auch drüben von seiner Foulerei genug bekommen. Schmeling ist nämlich keineswegs der erste, der von Sharkey tiesgeschlagen wurde. Sogar seine Trainingspartner haben unter dieser üblen Angewohnheit zu leiden gehabt(George Cook). Sie stammt aus dem Kampf mit Dempsey. Charkey be- hauptet, damals durch einen Tiesschlag knockout geschlagen zu sein, und dann könne er das gleiche Rezept anwenden. Es reißt sich jetzt auch niemand mehr um einen Kampf mit Sharkey, solange ihm von der New-Dorker Kommission das Recht zugestanden wird, seine Gegner nach Belieben in den Unterleib zu schlagen. Sein Angeben im Ring, Verweigern des Handschlags usw., hat auch nicht dazu beigetragen, Sympathien sür ihn zu erwecken. Mickey Walker ist in eine sehr unangenehme Affäre oer- wickelt. Unmittelbar vor dem Kampf mit Sharkey wurde ihm durch das Gericht eine Unterhaltsforderung seiner geschiedenen Frau in Höhe von über 120 000 Dollar zugestellt. Walker hat sich jahrelang um seine Familie, zu der auch zwei unerwachsene Kinder gehören, nicht gekümmert, und so etwas wird in Amerika übel vermerkt. Walker wird von seinem Börsenanteil nicht viel übrig behalten haben, da der Kampf knapp 250 000 Dollar brachte, aber ein Boxer soll, trotz seines rauhen Berufs, auch Mensch sein, und das ist gar nicht so schwer. Brei Europameisterschaften Die Austragung der drei Box-Europameisterschaften im Ring des Berliner Polizeistadions am S o n n t a g, 30 A u g u st, ist nun- mehr gesichert, nachdem die sechs Kampfverträge ordnungsgemäß unterschrieben bei der Bvxsportbehörde Deutschlands hinterlegt worden sind. Das Europameisterschaftsprogramm hat allerdings insofern eine Aenderung erfahren, als an Stelle des Kampfes um den Leichtgewichtstitel ein solcher der W e l t e r gewichtsklasse zwischen dem derzeitigen Meister Gustav Roth- Belgien und dem deutschen Meister Gustav E d e r- Dortmund stattfindet. Beide standen sich schon einmal in Frankfurt a. Main im Titelkampf gegen- über, damals siegte der Belgier knapp nach Punkten. Weiterhin wird Schwergewichts-Europameister Pierre Charles seine Würde gegen den deutschen Meister Hein Müller verteidigen, und schließ- lich steht auch noch die bisher viel umstrittene Mittelgewichtsmeister- schaft auf dem Programm zwischen Poldi S t e i n b a ch-Wien und Hein Domgörgen- Köln. verliner Loxlcämpte Das Programm sür die Berufsboxkämpfe, die am kommenden Freitag im Ring der Berliner Bockbrauerei ausgetragen wer- den, ist jetzt fertiggestellt. Reben vier nationalen Paarungen gibt es ein internationales Treffen, das den Belgier S a e r e n s mit dem Bochumer Hans W i e s e r zusammenführt. Weiterhin kämpfen die Berliner Christian F o r t m a n n und Horst Riege, Harry Stein- Berlin gegen Erich T h r i e n e- Hannover, Erwin Volk- mar- Berlin gegen Rudolf B o g u h n- Berlin und Paul Vogel- Berlin gegen Franz B o j a- Dortmund. Beutseblancifhig beginnt 1 9 Maschinen zum Start bereit Am Montag, mittags 12 Uhr, war auf dem Flugplatz Berlin- Staaken der L a n d u n g s s ch l u ß sür die Teilnehmer des Deutschlandfluges 1931. Insgesamt haben sich 19 Be- satzungen mit ihren Flugzeugen bei der Sportleitung gestellt, der 20. hatte Pech. Es ist dies Kern, der langjährige Begleiter Udets, der am Montagvormiltag um 10 Uhr in Frankfurt a. M. startete, aber erst eine halbe Stunde nach 12 Uhr in Staaken eintraf, so daß ihn die Sportleitung nicht mehr zulassen konnte. Es werden also folgende 19 Flugzeugführer und-führerinnen die emzelnen Prüfungen des Wettbewerbs bestreiten, der heul«, Dienstag, mit den Geringstgeschwindigkeits-, Anlaß- und Ausrüstungsprüfungen beginnt: Clli Beinhorn(Berlin), Klemm, Argus AS. 8-Motor: Lisel Bach(Köln), Klemm, Argus AS. 8-Motor: Theo Croneiß(Fürth), BFW. M. 27, Argus AS. tz-Motor: Theo Osterkamp(Kiel), Arado, Argus AS. 8-Motor: Walter Haogen(Travemünde), Arado. Argus AS. 8-Motor: Dudenhausen(Berlin), Iunkers-Iunior, Siemens SH. 13: Wolf Hirth(Grünau), Klemm, Hirth H. 8; Reinhold Poß (Berlin), Klemm, Argus AS. 8: Fritz Siebel(Berlin), Klemm, Ar- gus AS. 8: Ludwig Maier(Gießen), Klemm. Argus AS. 8: Otto Thontfen(Berlin), Klemm, Argus AS. 8: Waller Weichelt(Münster), Klemm, Argus AS. 8; Walter Junghanns(Leipzig), Klemm, Argus AS. 8: Joachim Beseler(Hannover), Klemm, Siemens H. 13s: Kurt Baumert(Berlin), Klemm, Argus AS. 8: W. Schulze-Eck- Hardt(Berlin), Klemm, Argus AS. 8; Emil Dessner(Stuttgart), 5Äemm, Siemens SH. 13: O- Dinort(Böblingen), Klemm. Argus AS. 8,- Adolf Kneip(Mittelbexbach), Klemm. Argus AS. 8. Schwerathletik Boxen und Heben Die Freie Sportvereinigung„Tegel 1899 ver- anstaltete am Sonntagnachmittag auf der im Tegeler See gelegenen Insel Hosselwerder Wettkämpfe im Boxen und Heben. Leider konnte das Programm nicht in vollem Umfang durchgeführt werden, da die Lichtenberger Boxer nicht am Start erschienen. Den Lichtenbergern sei hier gesagt, daß eingegangene Startverpflichtungcn auch ein- gehalten werden müssen. Die Gewichtheber der Sportvereinigung, Unger, Reichelt, Burkhardt, Padonschek und Rosentreter, versuchten es im Vierkampf an der Scheibenstange. Leider ließ das kühle und windige Wetter außergewöhnliche Leistungen nicht zu. Den Haupt- kämpf im Boxen trugen die beiden Rivalen im Weltergewicht. K l o ß- Luckenwalde und S ch r ö t e r- Tegel, aus; beide Gegner kämpften reichlich offen. Der Ringrichter mußte die etwas nervösen, aber ringfertigen Kämpfer mehrmals aus dem Clinch trennen. Alle drei Runden brachten einen flotten Schlagwechsel: Schröter konnte gute Kopf, und Körpertrefser anbringen, die der Luckenwalder aber wieder ausglich. Der an den Krcismeister Kloß gegebene Punktsieg ist für diesen äußerst schmeichelhaft, ein Unentschieden wäre aber besser am Platze gewesen. � Berlin Kreisschachmeister Wettkämpfe des Deutschen Arbciterschadibundes Die am letzten Sonntag ausgetragenen Endkämpfe um die Meisterschaft des ersten Kreises im Deutschen Arbeiter-Schach- bund hatte folgendes Ergebnis: Berlin mußte mit mehreren Ersatzspielern gegen die kämpfe?- frohe junge Stettiner Mannschaft antreten und konnte nur«in Un- entschieden(8: S Punkte) erreichen. Kottbus gegen Stettin 6: 4 Punkte, Luckenwolde gegen Wittenberge 4)4:5!� Punkte, Witten- berge gegen Kottbus 4H:5H Punkte. Endresultat: Berlin gegen Kottbus nach Erledigung der Hängepartien, deren letzte von der Spielleitung remis gegeben wurde, 6: 4 Punkt«. Das Gesamt- ergebnis der Kreiswettkämpfe ist folgendes: I.Berlin 29 Punkte und damit M e i st e r des ersten Kreises. 2. Kottbus 24 Punkte. 3. Stettin 20� Punkte. 4. Wittenberge 14'A Punkte. 5. Luckenwalde 13 Punkte. Kllstrin Mußte wegen zweimaligen Nichtantretens gefttichen werden. Die Berliner Städtemannschaft wird sich auch die nächst« Position zur Bundesmeisterschast erkämpfen. �rbeiter-Tennis-Serie Die letzten Spiele Die Treffen in der Kreis-Serie der Berliner Arbeiier-Tennis- sportler brachten keine besonderen Ueberraschungen. In der Frauen-LGruppe schlug, Tennis-Rot Friedrichs- Hain Tennis-Rot Prenzlauer Berg mit 14: 4. Bei diesem Resultat ist zu beachten, daß Prenzlauer Berg sehr junge Spielerinnen in der Mannschaft führt. FIGB. schlug Tennis-Rot Charlottenburg mit 12: 6. Tennis-Rot Wedding bleibt in der L- G r u p p e für Männer durch einen Sieg über Tennis-Rot Frieorichshain mit 13:5 führende Gruppenmannschaft, während Friedrichshain Hofs- nungslos den Tabellenschluß bildet. Die L-Gruppe für Männer brachte zwei Treffen. Tennis-Rot Neukölln schlug FT. Spandau knapp mit 10:8. FTGB. schlug nach gutem Spiel Tennis-Rot Prenzlauer Berg mit 13: 5. Das Resultat ist un- verdient hoch. Am kommenden Sonntag sind für alle Gruppen Spiele an- gesetzt, die besonders bei den Männern endgültig« Entscheidungen bringen dürften._ «Bürgerlicher Fugball" Ist dos eine Bestrafung? „Der bekannte Verteidiger der.Spielvereinigung Fürth', Kraus I, ist jetzt vom Deutschen Fußballbund sür seine unfaire Spielweise mit einer Disqualifikation bis zum 28. De- zember 1931 bestraft worden." So lautet die Meldung, die an die gesamte Presse geleitet wurde. Wie, so fragt man sich, für eine Verfehlung, die schon des öfteren vorgekommen ist, nur Strafe von 5 Monaten? Wie sahen denn diese Versehlungen aus? Bei dem Spiel um die Deutsche Fußballmeisterschafr 1930 in Fürth zwischen der„Spieloereinigung Fürth" und„Hertha-BSC." war es der linke Verteidiger der Fürther, eben jener K r a u ß, der durch seine außerordentlich unfaire Spielweise das Leben und die Gesundheit seiner gegnerischen Spieler gefährdete. Seine Herausstellung und die Meldung an den Deutschen Fußballbund hatten einzig und allein eine„Verwarnung" zur Folge. Schon damals machte sich, selbst beim Fürther Pub- likum, eine starke Erbitterung gegen Krauß bemerkbar. Im dies- jährigen Spiel zwischen Hertha-BSC. und den Fürthern am 17. Mai im Berliner Poststadion, kam dann die rohe Spielweise des Fürthers klar zutage. Als den Berlinern der Sieg nicht mehr zu nehmen war, trat der Fürther dem Berliner Rechtsaußen, Ruch, derart in den Unterleib, daß Ruch schwer verletzt vom Platz getragen werden mußte. Das Berliner Publikum ließ sich dann zu einer Tat hinreißen, die zwar nicht gutgeheißen werden kann, die aber durch die ungeheure Er- regung verständlich ist: Krauß wurde von der einstürmenden Zu- fchauermenge buch st üblich niedergeschlagen. Auch er mußte von Sanitätern vom Platz getragen werden. Dieser Vorgang hätte der Bundesfußballeitung zu denken geben müssen. Kann man es vom sportlichen Gesichtspunkt aus verant- warten, einen Spieler mit solchen Veranlagungen überhaupt noch einmal Spielberechtigung zu geben? Die ganze Fußballwelt er- wartete vom Deutschen Fußballbund, daß der Fürther vollkommen kaltgestellt würde. Die jetzt bekannt gegebene„Bestrafung" mutet eher wie eine Belobigung an. Allerdings sind wir derartige Be- strafungen vom Deutschen Fußballbund schon vom Fall Kalb- Nürnberg bei der Amsterdamer Olympiade her gewöhnt. Um<)cn Motorrad-Weltrekord Seit einiger Zeit schon geht der Kampf zwischen dem Münchs- ner Ernst Henne und dem Engländer Joe Wright um den absoluten Geschwindigkeits-Weitrekord der Motorräder. Wright ist derzeit der Wettrekordmann über den Kilometer, den er am Strande von Cork(Irland) mit fliegendem Start in 14"/,«, Sekunden mit einem Stundenmittel von 242.587 Kilometern durchraste: Henne dagegen hält den Weltrekord über die englisch« Meije mit 2\n/ir*, Sekunden— 234,275 Stundenkilometer, während er über den Kilometer bei jenem Rekordversuch im April in Wien auf„nur" 238,255 Stundenkilometer kam. Beide treffen nun beim Rekord- Meeting von Arpajon, das vom 23. bis 30. August statt- findet,' zusammen, und es dürste einen erbitterten Kampf um den absoluten Weltrekord geben. Wright benutzt sein« Spezialmalchine OEC.-Tempfe, der Münchcner fährt seine bewährte BMW.-Maschine. Durch das„W u r z e l f e n n" auf den ,K r ä h c n b c r g" führt am Sonntag, dem 16. August, eine Wanderung der Führer- sektion des Touristenoereins„Die Naturfreunde". Bon B�nhof Seddin geht die Wanderung zum Gr. Liencwitzsee, dann durch dos Wurzelfenn auf den Krähenberg und weiter am Petziensee vorüber durch die Pürfchheide nach Wildpark. Abfahrt vom Schlesiichcn Bahnhof um 6.58 Uhr bis Seddin(Vorortzugskarte lösen!), Um- steigen in Wannsee. Trejspunkt in Wannsee-Fernbahnsteig um 7.30 Uhr. Fahrgeld 1,50 M. Partei- und Gewerkschaftsmitglieder sind zu dieser Wanderung gern willkommen. Der Deutsche Reichs-Aulo-Club veranstaltet heute 21 Uhr im Zoo gemeinsam mit den im Deutschen Sportkartell oereinigten Ver- bänden einen Verfassungskommers. Der Abend ist als Wohltätig- keitsveranstaltung gedacht und der Ueberschuß wird den erwerbe- losen Berusssahrern zugeführt werden. Das Festkonzert wird von erwerbslosen Musikern ausgeführt. Die Ansprache hält Polizei- Präsident Grzesinski. Eintrittskarten an der Abendkasie im Kaiser- saal. „P-olee", Verein sür«örperluliur. Nach der Ferieiipause Wiederdegin» des Heb imgsbetriebes in allen Abteilungen. AHe Mitglieder finden fich rest» los wieder in ihren Abteilungen«i». Sruwe Osten: Männer: Ureitaa» Turn» Halle Gubener Str. öZ, 30—22 Uhr Altersturner: Freitags Turnhalle Frledcn. straßc ZI, 20— 22 Uhr. Zunginädchcn: Dienstags Turnhalle Waldemarstr. 77, 20— 22 Uhr. Aeltcrc Turnerinnen: Mittwochs Turnhalle Friedenftr. 31, 30 vis 22 Uhr. Knaben und Mädchen: Dienstags und Freitags Turnhall« Gubener Straße SZ, 18—2» Uhr.— Rardgruppc Schönhauser Vorstadt: Knaben und Mädchen Dienstags und Freitags Turnhalle Connendurger Str. 20: 18— 20 Uhr. — Norhgruppc Wcdding: Knaben und Mädchen Dienstags und Freitags Turn. Kalle Lllttiäier Str. 4, 18—20 Uhr. Jugend und Männer Freitags Turnhalle Antonstr. 36—49. Iungmädchen und Frauen Dienstags Turndalle Anton. straße 50-40.— Vorstandssißung 1Z. August, pünktlich 30 Uhr, LUttlcher Straße 4.— Alle Mitglieder dclriligen sich am 16. August am Bezirk sscsl. Ver. cinsklridung. Trekspuiikt 7 Uhr Bhf. Grünau, Bahnsteig. Rürtschau. Des Sophokles„Oedipus tyrannos*, von Heinz L i p m a r> n i»„Oeöipus der Herrscher" verdeutscht, wurde von der SendebiHsne der Funkstunde aufgeführt. Daß man sich dort Plötz- lich für die antiken Dichter begeistert, ist ein wenig unverständlich. Den schicksalhaften Ablauf der von den Göttern vorbestimmten Greueltaten kann schließlich nur der verstehen, der mit der Weit- anschauung der Antike einigermaßen vertraut ist. Die Vermutung. daß die Mehrzahl der Hörer ober auch nur die klassischen Sagen kennt, dürfte jedoch irrig sein.„Das is doch'n Hintertreppenroman", sagte ein proletarischer Jugendlicher zu mir, und aus seiner Per- sprktive hat er sicher recht. Auf der Sendebühne wirkt nicht die großartige dichterische Formulierung von Gedanken, es wirkt nicht das Wort, das für die sichtbare Bühne geschaffen wurde, wenn eine stark dramatische Handlung den Hörer fesselt. Er erlebt ja nicht das Theaterstück mit den doppeltett Sinnenkräften des Auges und des Ohrs; er kann auch nicht, wie bei der Lektüre, bei Einzelheiten beliebig zögernd verwetten. Dos Tempo des Handlungsablaufes stellt an seine akustische Aufnahme- fähigkeit meist sehr große Anforderungen. Dem Hörer bleibt dabei nur die Wahl: entweder seine Aufmerksamkeit auf die Einzelheit oder auf das Ganze zu richten. Das heißt, sie bleibt ihm eigentlich nicht: denn es gehört eine überdurchschnittliche Konzentrationsfähig- keit dazu, um seine Gedanken von einer fortlaufenden Handlung ab» ziehen zu können. Die hervorragend gute Aufführung, die nur bis- weilen von Musik empfindlich gestört wurde, mag manchen, der das Werk sonst völlig abgelehnt hätte, mit der Veranstaltung oer- söhnt haben. Anna Seghers erzählte in der Jugendstunde„G« f ch i ch- t e n vom Gebrauchsgegenstand". Das Geheimnis, das in jeder noch so alltäglichen Umgebung wach ist, ergreist sie, und mit suggestiver Eindringlichkeit weiß sie es zu künden. Sie erzählte vom Schwamm, der unter Lebensgefahr für den täglichen Gebrauch erobert wird, von dem Handtuch, das die heiße Luft der tropischen Länder in sich trägt und von den Leiden ihrer Proletarier weiß. Es scheint, daß man Anna Seghers für eine Folge ähnlicher Vor- träge gewonnen hat, und das ist bestimmt eine Bereicherung für das Programm der Funkstunde. Sie wird jedoch der Jugend noch näher kommen als diesmal, wenn sie sich in den Einzelheiten etwas beschränkt und technische Fachausdrücke erklärt, falls sie sich nicht vermeiden lassen. Der Jugend sind Schilderungen um so verständlicher, je mehr sie ihre Phantasie in Bewegung setzen; sie muß die Dinge bildhaft sehen, nicht erst durch verstandesmäßiges Umdenken gestalten können. In der„Stunde sür die reifere Jugend" im Programm der Deutschen Welle sprach Regierungsrat Max Harteck über Friedrich Eberl. Er gab keine heroisierende Schilderung eines großen Mannes, wie sie früher in Schulbüchern so beliebt war, sondern eine schlichte Würdigung des Menschen, der sich selbst, seiner Idee und darum seinem Volke sein Leben lang treu war, und dem es darum gelang, in einer Zeit, wo alles dem Abgrund ent- gegengesteuerte, die Zügel, die die hohen Herren nicht mehr zu holten wußten, mit sicherer Hand zu packen. Tes. Dienstag. U. August: Berlin. 16.05 Rcsr.-Rat Dr. Wollcnberg; Was man vom Urheberrecht wissen muß. 16.30 Unterhaltungsmusik. 17.30 Das Olympia der Qroß-Berlincr Jugend.(Richard Blasig.) 17.50 Bücherstunde. Du und der Staat.(Am Mikrophon: Min.-Rat Hans Goslar.) 16.20 Reichskunstwart Dr. Redslob: Von der bildenden Kunst. 18.30 Dr. Otto Staramcr: Der Arbeitslose in der Volksbildung. 19.00 Lconid Kreutzer spielt. Beethoven: Sonate C-Dur, op. 53. Rondo. 19.30 Prof. Dr. Goldschmidt: Die Bestimmung des Geschlechts«nd Ihre Kontrolle. 20.00 Verfassungsfeier der Rclchsregicrung, der preuß. Staatsregierung und der Stadt Berlin aus der Staatsoper Am Platz der Republik. 1. Gluck: Ouv. zu..Iphigenie in Aulls". 2. Ansprache des Oberbürgermeisters Dr. Sahm. 3. Händel: Concerto grosso G-Moll.(Musik. Ltg.: Generalmusikdirektor fritz Busch. Dresden.) 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Königswusterhausen. 16.00 Leipzig: Konzert. 17.00 Dr. Karl Würzburger. Josef Bunzl: Literarische Porträts politischer Köpfe. 17.30 Krammer: Königin Luise von Preußen. 18.00 Felix Stössinger: Die moderne Französin im Leben upd in der Literatur. 18.30 Dr. Paul Ernst: Die menschliche Seele. 19,00 Wetter für die Landwirtschaft, 19.05 Französisch für Anfänger. 19.30 Adametz: Sparpolitik. 21.30 New York: Deutsche Verfassungsfeicr. Ansprache des deutschen Öenefafc konsuls und Darbietungen deutscher Künstler.