Erscheint tSzlich außerSonntag«. Zugleich Abendausgabe des.DorivSrtS'. BezugSereis beide Ausgaben Sü Pf. xr» Woche. s.KoM.pro Monat. .Redaktion und Txoedition: Berlin SW 69, kindenstr. 3 Fernsrrecher: Dönhoff(A 7) 292—29? Anzetsennrel«: Die eiasxaltlgeNoupareilleietle So Pf., Reklameteil« S M. Cnoäßigunaen nach Tarif. Poftscheckkvnt«: DorwättS-Derlag G.m.b.H.. Berlin Nr. S7SZS.— Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anteige» vor? 10 ps. Nr. 324 B 157 48. Jahrgang BERLIN Mitwoch 12. August 1931 Mit gesenkten Köpfen Die KVD. nach der Niederlage— Verpuffte Massenstreik-Parolen Roch ln der Rächt nach dem �euerüberfall auf die Polizelbeamken am vülowploh begann die SPD. die„Ztklion zu steigern". S« wurde die Parole..Massenstreik gegen Arbeitermord!" ausgegeben. Am Montag früh standen vor den Verliuer Betrieben erwerbslose RGO.-Leute und verteilten ein noch in der Rächt hergestelltes Itugblalt, das zum Massenstreik und zum Sumpf für ein Sowjekdeutschland aufforderte. Zum Leidwesen der SPD.'Strategen kümmert« sich aber kein Arbeiter. auch kein kommunistischer, um die Streikparole. Einige Stunden später klingelte in den Betriebs- rat s zimmern verschiedener Großbetriebe das Telephon. Es meldete sich die„Unterbetriebsleitung Nord der KPD." Bei Borsig in Tegel wurde die Frage gestellt:„Wie steht es mit dem Generälstreik?"„Wir denken gar nicht daran, zu streiten", war die Antwort des Betriebsrots, und als der Mann von der UB. Nord noch mehr sagen wollte, wurde ihm bedeutet, er möge feinen Generalstreik allein machen. Darüber lachen die ArbeUer bei Porsig heut« noch. vktzt klingelt des Telephon im Aetriebsrotszimrner von Berg« m an n- R o svn'th e l.. Wieder ist die UB. Nord am Apparat. ..Äir wollten mal ustssen, wie es bei euch im Betrieb aussieht."— ..Was heißt aussieht?"—„Ja, bei euch sind doch hevte- morgen Flug- blätter-uerteiU wordcit, hatten die keinen Ersoljj?"—„Gewiß", antwortet der Kolleg« von Bergmann,„euer Leiter ist schon unterwegs und macht die Marschkolonnen'mobil. Sie werden wohl bald her- ausgehen, euer Leiter rennt' schon den ganzen Tag herum."—„So, dann haben wir ja Schwein, M. soll sofort die UB. Nord anrufen", schallt es zurück. Die Handlanger der KPD.-Zentrale in der UB. Nord merkten nicht einmal, wie sie von den Bergmann-Arbeitern veralbert wurden. Als man dann dem kommunistischen Arbeiterratsvorsitzenden von Bergmann-Rosenthal von diesem Gespräch Mitteilung machte, mußte er selber lachen. Am Dienstag erklärte er:„Wir haben erst gedacht, es wären IS Tote, ober wo sich herausstellt, was wirklich los war, da ist der Streik nicht angebracht. Deshalb haben wir die Parole nicht befolgt." Sonst herrscht bei den Bergmann-Kommunisten tiefste Niedergeschlagenheit über das Scheitern des Volksentscheids. Die Arbeiter versuchen mit Kommunisten in den Abteilungen, die fast völlig von der NGO. beherrscht werden, wie das Metallwert, der Drahtzug-Prüfroum oder das Blechwalzwerk, zu diskutieren. Die Kommunisten lassen sich seit Montag früh in kein Gespräch mehr ein. Auch im Siemens-Konzern lassen die Radikalen trüb- selig die Köpfe hängen, im Bcrwaltungsgebäude die Nazis und in- den Werken die Kommunisten. Die Kommunisten bei Siemens sind anscheinend vom Sonntag zum Montag vom Erdboden verschwunden. Sonst kamen die KPD.-Fllhrcr jeden Tag ein paarmal in das Arbeiterratszimmer des Werner-Werks, bis jetzt lieh sich kein Mensch blicken. Ebenso läßt sich im Arbeiterratszimmer des Kleinbauwerks kein Kommunist sehen. Als man einen traf und ihm das Ergebnis des Bolksentscheids vorhielt, meinte er:„Na, jetzt habt ihr wohl die Kommunisten klein gekriegt." Auf mehr lassen sie sich nicht ein, keiner diskutiert, niemand will etwas mit dem Aolks- entscheid zu tun haben. Auf die Frage, was die Kommunisten vom Dynamq-Wcrk machen, antwortet ein Kollege:„Die sind bei uns tot, wir haben keine mehr. Da waren wohl noch ein paar Kommunisten, die sind aber im Verband geblieben, und in der vorigen Woche haben sie unser Flugblatt„Unser Weg" und die„Siemens- Wacht" mitverteilt." Im Schaltwerk haben sich die Kommu- nisten mit den Nazis in die Haare gekriegt, jeder schiebt dem anderen die Schuld für das Mißlingen des Volksentscheids in die Schuhe. Jedenfalls ist im ganzen Siemens-Konzern über Nacht die kommu- nistische Opposition vollkommen lahmgelegt wprden. Wie die Kollegen erfahren haben, soll jetzt die Zelle geprügelt und dann neu aufgebaut werden. Viel Glück dazul Am Montag früh hatte die KPD. auch auf die Turbinen- f a b r i t der AEG. in M o a b i t ihre Hoffnung gesetzt. Frühmorgens standen die Flugblattverteiler vor der Tür und agitierten für ihren Massenstreik. Bis eine Polizeistreife kam und die RGO.-Leute auf- forderte, lieber nach Hause zu gehen. Die Arbeiter hotten sich ohnedies nicht um die KPD.-Parole gekümmert. Auch in der Turbinenfabrik hat der kommunistische Arbeiterratsvorsitzende am Montag sein Zimmer nicht betreten. Offensichtlich hat er sich geschämt. Im Wert Brunnenstraße der AEG. ist den Kammunistsn desgleichen die Sprache weggeblieben. So oft sozialdemokratisch« Kollegen die Revolutionäre anzuzapfen versuchten, keiner reagierte darauf. Auch aus dem kom- munistischen Arbeiterratsvorsitzenden ist kein Ton heraus, zubringen. Um so mehr diskutieren die Derbandskollegen die Situation nach dem Volksentscheid. Allgemein wird jetzt eine generell« Anordnung Otto Braun hat jetzt endgültig zugesagt bei der von der Sozialdemokratischen Partei veranstalteten großen Kundgebung im Sportpalast am Freitag abend zu sprechen. Außerdem wird eine Ansprache halten der Vorsitzende der Partei Otto Wels zur 40-Stunöen- Woche verlangt, um dos Heer der Erwerbs- losen und Kurzarbeiter z» verringern. Das blutrünstigste Flugblatt wurde Montag vor dem Tor der Zigarettenfabrik Garllaty iii Pankow verteilt. Hier glaubte. die KPD. mit den grauen«in leichtes. Spiel zu haben. Die Vor- gonge auf dem Bi'ilowplatz wurden in ein„Blutbad d«r Polizei" umgelogen, die Polizeioffiziere feien bei der Abwehr der Arbeiter erschofien worden. Dann heißt es weiter:„Gegen diesen groß an- gelegten Polizeiprovotationsplan gilt es sich zu wehren. Wir wollen 'keinen zweiten mitteldeutschen Ausstand.. Den Zeitpunkt zur Generalabrechnung bestimmen wir, nicht Herr Severing... Sowjet- Preußen wird kommen, mit der Waffe in der Hand... Rüstet zum revolutionären Massenstreik gegen die Blutherrschaft eines Severing!" Während sonst immer die KPD.-Flugblätter an die Garbaty-Beleg- schaft der Landtagsabgeordnete A. G o h l k e verantwortlich zeichnete, trägtz dieses Flugblatt vorsichtigerweise keine Unterschrist. Aber kein Mensch bei Garbatg kümmerte sich um das Pamphlet. Süas Wappen der Tolksenlfctieidler Bei allem Ernst des politischen Kampfes muß auch der Humor zu seinem Rechte kommen. In Eichwalde-Schmöckwitz hat ein witziger Mann Wappen und Sinnspruch der Antipreuhenfront in einem Plakat knapp und klar gekennzeichnet. Das Plakat hat den Abstimmenden, die es am Eingang ihres Wahllokals an der Bahnhofstraße fanden, sicher viel Freude gemacht. Der Versassungstag im Ausland. Glückwünsche und Feiern. Glückwünsche anläßlich des Berfassungstages haben in Wien Bundespräsident M i k l a s und die Bundesregierung dem deutschen Gesandten Dr. Riech übermittelt. Beim Empfang der Reichsdeutschen hielt Gesandter Riech ein« mit lebhaftem Beifall ausgenornmene An- spräche, in der er auffordert«, alles Trennend« zurückzustellen und nur an das zu denken, was alle Angehörigen eines Volkes verbindet. Auch in den Hauptstädten der Bundesländer wurden Empfänge auf den deutschen Konsulaten abgehalten. Präsident Hoover hat an den Reichspräsidenten ein Glückwunsch- telegramm gesandt. Auch auf allen reichsdeutschen Botschaften und Konsulaten wur- den festtiche Empfänge abgehakten, wobei zumeist mich die Regie- rungen der Gastländer ihre Sympathien für die deutsche Republik aussprechen ließen. Berichs des Londoner Komitees Ein Protokoll über die Ingangsetzung des Hoover-Plans. Dos Londoner Sa ch v« rst ä n di g e n k om i t e e für die Durchführung des Hoover-Plai»es hat den Entwurf eines Be- richtes über seine Tätigkeit fertiggestellt. Es schlägt vor, den Hoover-Plan mit Hilfe eines Protokolls in Kraft zu setzen, das von den beteiligten Regierungen unterzeichnet und rückwirkend vom 1. Juli 1931 an in Kraft gesetzt werden soll. Im wesentlichen sind vier Punkte zu regeln: Der Aufschub für die nichiaufschiebbare Annuität, für die ausschiebbare Annuität, die Frage der Sachlieferungen und der Aufschub der Regierungsschuldcn untereinander. Nach den Vorschlägen des Sachverstünbigenkomitees soll der letzte Punkt durch direkt« Verhandlungen der beteiligten Regierungen ge- regelt werden. Für die nicht ausschiebbare Annuität wird solgendes Verfahren vorgesehen: Monatl-ich. beginnend mit dem 15. Juli 1931. zahlt di« deutsche Regierung an die BIZ. den Betrag von 51 Plil- liemen Marki Die BIZ. verwendet davon etwa t> Millionen'für den Dienst der Poung-Anleihe, der Rest von etwa 4? Millionen Mark wird der Reichsbahn als Darlehen überwiesen. Das Darlehen ist vom 1. 3)(Ii 1933 ab tritt 3 Prozent zu verzinsen. Es ist bis zum 30. Juni 1943 in zehn gleichen-Annuitäten zu tilgen. Di« ausschiebbare Annuität soll vom 1. Juli 1933 ab in zehn Iohrcszahlungen zu zahlen sein, und zwar in gleichen monat- lichen Teilbeträgen om 15. jeden Monats. Bei der Annahme eines 3prozentigen Zinssatzes würde sich die jährlich« Rückzahlung auf 117 831 000 Mark belaufen. In der Frag« der Sachlieferungen soll nach Möglichkeit Sorge getragen werden, daß Sachleistungen weitergehen Jedoch dürfen die Leistungen keine Belastung für den Haushalt eines Gläubigerstaates oder des Deutschen Reiches für di« Zeit bis 30. Juni 1932 mit sich bringen. Der Bericht legt ferner dar, welche Durchsührungsschwiengkeiten in Griechenland und Jugoslawien entstanden sind. Der Mord an den Polizisten. Die Untersuchung geht weiter. Die Politische Polizei ist weiter mit Hochdruck an der Aufklärung des Doppelmordes an den beiden Schnpoofsizieren be- schästigt. Die ausgesetzte Belohnung von 23 000 Mark hat das Publikum zu eifrigster Mitarbeit angeregt. Fast unaufhörlich wer- den Bekundungen gemacht und es lausen zahlreiche Anzeigen ein. die Hinweise auf verdächtige Personen enthalten. Wie immer er» weisen sich die meisten Verdächtigungen als haltlos, trotzdem muß all diesen Fingerzeigen genau nachgegangen werden. Sämtliche Beamten der Abteilung IA des Polizeipräsidiums sind ständig unter- wegs, um die notwendigen Nachforschungen anzustellen. Fünf Personen, die der Kommunistislhen Partei angehören, befinden sich noch in Haft. Sie sind zumindest der Mit- täterschaft an dem feigen Meuchelmord stark verdäclitig. Ob sich unter den Inhaftierten jedoch die Mordschützen befinden, erscheint fraglich. Stahlhelm kriecht zu Kreuze. Erst beschimpft er Brüning, dann bittet er um Vergebung. Das Wolff-Büro verbreitet heute folgende nicht uninter- essante Meldung: In der Zeitschrift„Der Stahlhelm" Nr. 23 vom 14. Juni 1931 war aus der letzten Seite ein B i l d erschienen, dos unter der lieber- schrift„Am Ende" zwei Personen zeigt, die lächelnd und mit einer gewissen Zufriedenheit aus dem Körper des deutschen Michels für Reparotionszwecke Blut entzapften. Don den beiden Personen soll die eine den Herrn Reich»- kanzler darstellen. Eine zynische Begleitzeile erläutert die verunglimpfende Darstellung. Bon diesem Bilde ist die Leitung des Stahlhelm in der Nr. 30 des„Stahlhelm" vom 26. Juli 1931 abgerückt, indem sie auf Seite 4 mitteilt: „Die Bundesführung hat diese Zeichnung mißbilligt und dem Herrn Reichskanzler diese Mißbilligung zur Kenntnis gebracht." Der Banditismus am Werk Lleberfall auf ein Volkshaus bei der Verfassungsseier In dem an den Herrn Reichskanzler gerichteten Schreiben vom 16. Juli 1931 Hot die Bundesleitung sich wegen des Borkommnifles ausdrücklich e n t I ch u l d i g t und zum Ausdruck gebracht, daß der Stahlhelm nicht wünscht, irgendein Mitglied des Kabinetts zu verunglimpfen. Diese Erkenntnis ist dem Stahlhelm sehr spät gekommen und es hat augenscheinlich erst eines Druckes von bestimmter Stelle bedurft, um eine solche Erklärung loszueisen. Daß durch die ganz« sogenannte Politik des Stahlhelms und seiner Bundesgenossen die„Lerunglimpsung" von Regierungsmit' gliedern zur Regel geworden ist, hat er anscheinend ver- gessen! Aenderung der Notverordnung. Die Verhandlungen aufgenommen. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hatte auf ihrer letzten Tagung eine wesentliche Abänderungd«? Notverordnung vom 5. Juni 1931 für notwendig erklärt und auch vor ihrer damaligen politischen Entscheidung die Zusage des Reichskanzlers für ent- sprechende Abänderungen erhalte». Im Juli war die erste Fühlungnahme mit der Relchsregierung erfolgt, jedoch konnten die beabsichtigten Verhandlungen infolge der inzwischen ein- getretenen katastrophalen Geld- und Kreditkrisc nicht sofort geführt werden. Jetzt sind die erforderlichen Besprechungen mit den zuständigen Ressorts aufgenommen worden, Das Ziel der Sozialdemokratie ist die Wiederherstellung des Tarifrechts für die öffentlichen Arbeitnehmer, die Be- s-itigung der Härten in der Arbeitslofenpersicherung und der Krisen- fürsorgc, die Abänderung der Bestimmungen im Lcrsorgungswesen für die Kriegsbeschädigten, die Beseitigung der llngerechtigteiton in der Staffelung der Gehaltskürzungen für Beamte und der Umbau der Krisenstencr. Verleumder am Pranger. Die Massenlüge gegen Hilferding. In einer Reihe von rechtsstehenden Zeitungen ist gegen den Genossen Dr. H i l f e r d i n g der Vorwurf erhoben worden, er habe dem R e e m t s m o- K o n ze r n 2 9 Ii Millionen Steuerschulden erlassen und sei dann zum Lohne dafür von diesem Konzer» mit einer Jahresvergütung von IAjOOÜ M. in den Auf. sichtsrat aufgenommen. Genosse Hilferding hat gegen alle Zeitungen, die diese Mitteilung gebracht haben, Strafantrag gestellt und es läuft eine lange Reih« von Verfahren. Das Sehöffengericht Stallupönen hat gegen einen der Beklagten das folgende Urteil gefällt; „Der Angeklagt« wird wegen Beleidigung in Toteinheit mit übler Nachrede zu einer Geldstrafe von S00 M., erfafzweis« für je}0 M, ein Tag Gefängnis und zu den Kosten de« Verfahrens verurteilt. Dem beleidigten Reichsministe? g. D. Hilf-rding wird die Befugnis zugesprochen, den erkennenden Teil des Urteils' binnen 1 Monat nach Zustellung des rechtskräftigen Urteil, an ihn je einmal auf Kosten de. Verurteilten in der„Eydt kuhner Grenz- zeitung" und In der„Königsberger Allgemeinen Zeitung", sowie durch vierzehntägigen Aushang an der Gcrichtstasel»fientlich be. kanntzumachen." Krankreichs neuer Boischaster. Zustimmung zu pontet geteilt. Die Reichsregierung hat der französischen Regierung da, Agrement für den Unterstaatssekretä? Poncet al, Botschafter in Berlin erteilt. Der neue französische Botschafter in Berlin. Poncet, ist am 13. Juni 1887 geboren als Sahn eines höhere» Gerichtsbeamten! sein Pater war Kammerpräsident. Poncet war Schüler der Ecole Normale in Paris und ist aus dieser Schule hervorgegangen. Er hat verschiedene Bücher geschrieben, so eins über„Goethes Wahlverwandtschafte n", ein zweites, etwa im Jahre 1914/15.„W a s die deutsch« Jugend denkt", sodann ein Buch über„Frankreich und d-r Achtstundentag" und über „Frankreich und das Kriegsschuldenproblem". Den Krieg hat er al« Infanterieoffizier mitgemacht. Er ist verwundet und mit dem Kriegstreuz ausgezeichnet worden. Er ist Offizier der Ehrenlegion. Räch seiner Verwundung war er bis zum Kriegsende in dek Schweiz in dem Büro eines Professors Haguenin tätig. Roch dem Kriege gründete er eine wirtschaftliche Studien- und Nachrichten- gesellschast, deren tägliche Berichte i» Frankreich von Banken und großen Wirtschaftsorganisationen vielfach benutzt werden. Im Jahre 1924 wurde Poncet zum ersten Male in Paris zum Ab- geordnete» gewählt. Seit dieser Zeit hat er der Kommer an- gehört und war verschiedentlich Staatssekretär, so z. B. für die schönen Künste. Zuletzt war er Unterstaatssekretär des Ministerpräsidium» und Wirtschaftsministeriums und er bat in dieser Eigenschaft an allen Sitzungen der letzte» Monate in Paris, London usw. teilgenommen. Poncet ist verheiratet und hat vier Kinder. Paris, 12. August.(Eigenbericht.) Wie der„Matin" mitteilt, wird an Stelle Fron? als P o n c e t 5, der vom nächsten Ministerrot zum Botschafter In Berlin ernannt werden soll und für den bereits die Genehmigung der Reichsregierung erteilt ist, der Abg. Signoux. Chefredakteur der „Iournee Industrielle", den Posten des Unterstaatssekretärs für nationale Wirtschast übernehmen. Gignaux ist Spezialist für Wirt- schastsfragen und war seinerzeit Berichterstatter für den Gesetzentwurf zum Young-Plan. Er gehört wie Poncet der Fraktion M a g i n o t an. China unter Wasser. S000 Menschen ertrunken, 23 Millionen obdachlos. S ch a n g h a i. 12. August. DI« llebcrschwemmungen in China nehmen immer größere Aus- maße an. Der Pangtsekiang sieigi weiter. Zu den Provinzen filnagfl, honan und hupeh werden die von den Alulen angerichtelen Schäden aus 15 Millionen Pfund Sterling geschäht. Etwa 2 Z Mit. lionenMenschensindabdachlos und befinden sich in großer Rot. Die Anzahl der zerstörten Häuser wird aus vier Millionen ge- schätzt. In den Ueberschwemmungsgebielen um hankau sind etwa e000Personencrtrunien.Die Jlirt«n führen unzählige Deichen mit, die ein« immer größer werdend« Gefahr für d!« Gesundheit der übrigen Bevölkerung darstellen. An eine Bestattung der Deichen ist infolge der Ueberfchwemmung nicht zu denken. Erdbebenherd in China? Zu den Vermutungen über da» Zentrum des schweren Erdbebens. da» am Montagabend in einer feil über 10 Jahren nicht erlobten Stärke erfolgtc, kommt jetzt die Angabe des physikalischen Instituts Bielefeld. 12. August.(Eigenbericht.) ©in offenbar planmäßig vorbereiteter Uebcrfall auf das AolkshauS in Herford wurde Dienstag» abend gegen 22 Uhr von einem nationalsozialistischen Trupp in Stärke von etwaa»s in Brand zu stecken; man hörte auch verschiedentlich Schüsse. Da griff der schwerbedrongte, nur mit dein Heind bekleidete Genosse zur Waffe und verteidigte sich durch zwei Schreckschüsse, die er aus der Wohnung abgab. Di- ganze Umgebung des Hauses glich einem Schlachtfeld." Hakenkreuzstrolche gegen Zungbanner. Itzehoe, 12. August.(Eigenbericht.) Nachdem es an der Westküste Holsteins schon in d-r vergangenen Woche»nd am Sonntag zu lebhasten Auseinandersetzungen und zum Teil auch schweren Schlägereien gekommen war, ist hier am Diens- tag erneut ein Trupp Juiigbannerlcutc von National- s o z i a l i st c n ll b e r f a l l e n worden. Mit schweren Eichcnknüppeln sind mehrere Iungbannerleute niedergeschlagen worden. Einer von ihnen mußte sosort dem Krankenhaus zugeführt werden. Sprengkörper in den Reichsbanner-Zug. Köln. 12. August.(Eigenbericht.) Der Fackelzug de» Reichsbanners am Abend des Perfassungstages wurde mehriach durch Provokationen ge- stör». Am RePerungsgebsude in der Zenghausstroßc wurde vor den Kraftwagen des Kouführers des Reichsbanners ein Spreng- körpcr geworfen. Die Polizei nahm zahlreiche Berliastungen vor. Gegen 10 Uhr wund« auf dem Hohenzollcrnring aus einem Hause wieder eip Sprengkörper in den Reichsbannerzug geworfen. Die Polizei gab daraus Schreckschüsse ab und mußte hier cbensalls mehrere Personen festnehmen. Auch Hein, Abmarsch wurden einzeln» Gruppen des Reichsbanners mehrfach provoziert. Die Disziplin de, Reichsbanner» ließ jedoch dies« Versuche ergebnislos bleiben. Lausende Hiiler-Zungens. Als der Fackelzug des Reichsbanners hei d-r Hindersinslraß« vorbeikam, brüllten zwei Bäckerdutzend Hitlcr-Jungen„Deutschland erwache", Sie zeigte» aber gleich darauf, daß bei ihnen d i« Bein« besser entwickelt sind als die Hirne. Denn als einige Reichsbannerkameraden die Störenfriede fassen wollten, stoben sie mit sliegenden Beinen und keuchendem Atem davon wie die aufgescheuchten Kornickel. Das„Deutschland erwache" ist etwa? überholt. Wenn die Hitler-Jünger Verstand hätten, würden sie am vergangenen Sonntag an der Blamage des Volksentscheids gegen Preußen gemerkt haben, daß Deutschland vom Rausche de» 14, September bereits erwacht ist- lauf unterstellt war. Im selben Augenblick erscholl kurz von seilen des Reichsbanner» das Kommando:„Augen link», Fahnen gesenkt." Di» in der Straße diensttuenden Schupobeamten waren über die spontane Ehrung ihrer gemeuchelten Kameraden ergriffen und stellten sich grüßend zu leiten des Reichsbannerzugss. Sozialistische Aktiviiai. Leon Vmm läßt nicht nach. Paris. 12. August.(Eigenbericht.) Im„Populaire" fordert Läon Blum voü neuem die fran- zösifche Regierung auf. ohne Zögern Deutschland die notwendige flnanziell« Unterstützung zu gewähren. Der Einwand, den die Re- gierung während der Pariser Konserenz gegen die 5)er.gade von Krediten geltend gemacht habe, daß nämlich die der Regierung Brüning gewährt« Hilf« epentuell einer Hugenberg- oder Hstlsr- Regierung zugute käme, sei jetzt hinsällig geworden. Der Alt»- gong de» B o l t»« n t s ch«> d» sei di« stärkst« Bekundung d«s Willen, der deutschen Volk,mehrh«!t zur Verständigung und kein Vertrag, kein Protokoll zwischen Ministern könne di« Klarheit und dt« Kraft der Entscheidung haben, die die Wähler Preußen» gesollt haben. Di« Regierung Brüning bleibe an der Macht mit der klaren Absicht, da, Werk der Annäherung fortzusetzen. Hugenberg und Hitler sei der Weg nersperr«. Mehr könne man nicht verlangen- Die etwa gewünschten Berpslichtungen habe das souveräne deutsch» Volt übernommen. Suche nach den v-Zug-Verbrechem Mehrere Aestnahmen- Die Arbeiten an der Ltnfallstelle Trotz der gestrigen werlvollen Ermiltelungen der Berliner Kriminalpolizei. nach denen eine genaue Beschreibung eine» der Eisenbahnattentäter von Jüterbog gegeben und die Herkunft des bei dem Altentot verwendeten Zflaicrials einwandfrei festgestellt werden konnte, gehen die weiteren Rachforschungen nur schleppend vor sich. Das erklärt sich zunächst aus der ungeheuren Fülle de» von den Beamten zu �bewältigenden Material». Außer dem o n g e b- l i ch e n irischen Offizier, der in dem Jnstallationsgeschäst in der Friedrichstadt die 500 Meter Leitungsdraht und di« Eisen, röhre gekauft hat, richtet sich der Berdacht der Mittäterschaft gegen einen zweiten Mann, e, soll sich«bensalls um einen Aus- länder handeln, der in einem Berliner Geschäft mehrere 4'Nolt- Lampen gekaust hat, di« vermutlich bei dem Attentat Aerwendung gefunden haben. Dieser Mann soll sich im Westen Berlin» auf- halten. Die Polizei fahndet zur Zeit nach ihm. Lokaltermin am Tatort. Im Laus« de» gestrigen Tage- ist Professor Dr. R i t t e r p°n der Ehemisch-Technischen Reichsanstalt in Kloster Zinna eingetroffen. Der Sachverständige soll die Zusammensetzung de» bei der Sprengung verwendeten Material» ergründen. Schon kurz nach der Antunst Prosessor Ritter» wurde am Tatort«in Lokal- t e r m i n abgehalten, der im großen und ganzen kein« wesentlichen neuen Feststellungen ergab und den bisherigen Untersuchung»»«?« lauf bestätigte. Heute mittag ist Kommissar G e h r» vom Reichsbahn- Überwachungsdienst nach Berlin zurückgekehrt, um seiner vorgesetzten Stell« bei der Reichsbahndirettion Berlin ausführlichen Bericht zu erstatten. Di« Behörden haben die bestimmt« Hoffnung, die Täter bald hinter Schloß und Riegel zu bringen. Die Aufgleisungsarbeiien an der Unkollstelle. die sich zunächst sehr schwierig gestalteten, sind seit heute vormittag rüstig vorwärtsgeschritten. Bereit» gestern waren die Arbeiten so weit gediehen, daß der B e r k« h r ein- gteisig aufgenommen werden tonnte. Trotz der In- betriebnahme wurden die Eingkeisungsarbeiten der sieben umgestürzten Waggon, fortgeführt. An der Unfallstell« arbeitet ein riesiger K0-Tonnen- und ein kleinerer SO-Tonnen-Kran. Ein zweiter Riesentran, über den die Reichsbahn verfügt, ist von der Rsichsbahndirektion Essen im Anrollen. Bisher sind drei Wagen eingegleist, die übrigen vier höfst man spätestens morgen abend in die Schienen zu bringen- Der bei dem Unfall zerstörte Unterbau und die zerrissenen Gleise sind bereits völlig wiederhergestellt. Es wird damit gerechnet, daß der zweigleisige Bertehr vielleicht schon am Freitag wieder aus- genommen wird. Der„rote Hahn" geflüchtet. Oer Naziüberfall in der Silvesternacht. vor dem Schwurgericht Hl in Moabit sollte heule gegen den Sll..Aührer Hahn vom„Sturm 3Z" und einige seiner Kumpane wegen der blutigen Vorgänge in Charlottenburg per. handelt werden. Die hakenkreuzler haben sich wegen versuchten Totschlages und schweren Dandsriedensbruches zu verantworten. Hohn Hot es vorgezogen zu slüchten, es ist darum h a s t b e s e h l gegen ihn erlassen worden. Trotz der Abwesenheit des geslohenen Haupt- angeklagten wurde in die Verhandlung eingetreten und das verfahren gegen Hahn abgetrennt. Mehrere von den Itazihorden Überfallene Personen haben sich dem Perfohren als vebeaklöger angeschlossen. In der Silvesternacht wurde den SA.-Leuten, die In dem Lokal in der h e b b e l st r a ß« feierten, gemeldet, daß ihre Parteigenossen in der Nähe van Kommunisten überfallen worden seien. Daraufhin zog ein« größere Gruppe der Anwesenden zur Hilfeleistung ab. Per- geblich durchstreiften sie aber die Straßen, sie trafen weder auf Kommuni st en, noch auf bedrängte Kameraden.po?itik m LtSV. geahndet, Die leitenden»ergntwartlichen Beamten und Direktoren der Bnntz yk UaiM ßtatez(New York), die por»inigen Monaten zusammenbrach, sind wegen schlechterGeschäst-führung zur Ausbringung von SO 000 Dollar Schadenersatz unter Anklsge ge- stellt morden. Dieser Betrag stellt das Geschästsdefizit wegen fchiechtor Geschältssührung dar. Der Präsident und der Bizepräfident der Bsn» Wurden»or einigen Monaten zu je s yahren Gefängnis verurteilt. Senasie Alex Pagel, ersucht UNS um die Berössentlichung dieser Zeilen: Bei der großen Zahl der mir aus Anlaß weine» 33. Geburt«, fages.zuteil gewordenen Glückwünsche und Geschenk« kann ich nur auf diesem Wege herzlichen Dank sagen. Ater Patzet» Ein neues. Aaiionalfozialismus Wer immer nach an die Deutschen als on das Volk der Dichter und Denker glaubt, den muß der jähe Avjstleg der nattonalsozialisti- Ichen Bewegung in arge Verwirrung setzen, Offenbart doch der hitlerismus eine„Geistigkeit", deren Ursprung sich weder auf Lessing, Goethe, Schiller noch auf die deutschen Philosophen. Nietzsche ein- geschlossen, zurückführen läßt, Aber das Wort von der„Nation der Dichter und Denker" ist eben nicht« als»ine selbstgefällige, über- hebliche, lügnerische Phrase. Mag immer der ernste Buchhandel mit hohen Auslogeziffern auch künstlerisch und geistig anspruchsvoller Werks prahlen, was bedeute» seine Zahlen gegenüber denen, mit welchen die Hersteller ausgesprochene? Schundliteratur auf- warten— konnte». Sie denken überhaupt nur noch In Hundert- taufenden von Exemplare». Diese werden allwöchentlich mit Hilfe eines raffiniert ausgebauten Kolportagesystems abgefetzt und finden im Volk der„Dichter und Denker" Millionen Lese?. Erst wen» man das weiß, begreift man. daß eine Partei mit der„Mentalität" der hitlerfchen zur zweitstärksten im Reich« werden konnte. Denn es ist der gleiche Geist, der sich in d«r Schundliteratur und in der nationalfozialistischen Bewegung kundtut. Dies« Erkennt- ms vermittelt dem, de? nicht die Erzeugnisse des„Vereins der Ber- leger der Volksliterotur. Sitz Dresden", verfolgt, eine im Neuen Frankfurter Verlage erschienen« Studie von D?. H ck»« E p st e> n: Der Detektivroman der Unterschicht. I.i 351« Frank Allan-Serie. Epsteins Untersuchung beschränkt sich daraus, mit wissenschaftlicher Sachlichkeit di« Elemente dieser Art Schundliteratur sestzustell«». Da» ist keine mühige philologische Spielerei. Steht doch hinter Schriften wie den allwöchentlich in dreihunderttousenh Exemplaren vertriebenen Heften der Frank AUan-Seri««ine breit« Bildungsschicht mit ihren geistigen Ansprüchen und Bedürfnissen. Nicht etwa bloß junge, unaufgeklärte Arbeiter, sondern auch Schüler höherer Lehranstalten, Studenten, Angestellte, mittlere Beamte, kleine Gewerbetreibend« usw. verschlingen heißhungrig die wunderbaren Abenteuer des„berühmten" Meisterdetektivs. Das aber sind die Kreise, aus denen sich die Truppen Hitlers hauptsächlich rekrutieren. Dies« Uebereinstimmung ist kein Zufall, sondern hat tiefere Ursachen. Es besteht nämlich eine überraschend enge Verwaudtsch.ist zwischen d«M nationalsozialistischen Führerideal und dem litera- rischen Heldenwunschbild, das ein anonymer Verfasser mit großem Verständnis für die Seele der untersten Bildungsschicht in Frank Allan geformt hat. Obgleich von Epstein in seiner Wissenschaft- lichen Arbeit dieser Zusammenhang»irgend» hervargehoben wird, drängt«r sich doch dem politisch unterrichteten Leser geradezu ge- waltsam auf. Frank Allan heißt im Untertitel der..Räch er der Eni, erbten". Das klingt, als hätte der Leser in dem Helden einen Man» mit besonders stark entwickeltem fazialen Gefühl por sich. Es ist ab-r durchaus nicht sa. Allans Tätigkeit steht fast ausschli-ß, lich im Dienste der Neichen, genau sa wie«» bei dem„Saziolisten" Hitler der Fall ist. Der unkritischen geistigen Unterschicht aber ge« nügt di« Versprechung, die in dem Titel liegt, als Legltimatjan.— Das Wort„Rächer" hat hier auch noch eine» metaphysischen Bei- geschmack. Wenn alle Organ» irdischer Gerechtigkeit vor einer Untat persagen, dann tritt Allan in Erscheinung, durchschaut mit Hälfe einer von jeder menschlichen Logik unabhängigen„Kombi- nstionsgabe" oll« Verwicklungen, erlöst die bedrängt« Unschuld und sühnt da» Verbreche», indem er pi» Schuldigen der Besttasung überliefert. Mit Recht sagt Epstein!„Der Detektiv wird so etwas wie der Stellvertreter Gottes auf Erden." In den gleichen Rang rückt Hitler der Beiname„Retter". In vielen charakteristische» Einzelheiten deckt sich da» Bild Frank Allans mit dem Hitlers, wie es dem Nationalsozialisten er- scheint, wie er es sehe» will. Abenteurer großen Stils, aber mit sittlichem Ziel, kühn, energisch diese Kennzeichnung de, Detektivs wird jeder gläubig« Hakenkreuzler auch für Adolf In München gelten lassen; mag immer die Revolution im Bürgerbräukellcr uvd �Oer König der Rassauer." ll.-T. Kurfürstendamm. Die stummen sranzäsischen Filme kamen außer in Frankreich und den, französisch orientierten Orient kaum irgendwo in der Welt zur Geltung. Ganz anders ist es mit den französischen Tonfilmen, von denen schon einige internationalen Ruhm erlangten. Darum sah man auch mit berechtigter Spannung der Urauf- führung des„Königs der Nassauer" entgegen, der bereits seit Mo- nat«n in Parcs dj« Lichtspielhäuser füllt. Er handelt von Bouboul«, einem französischen Straßensänger. der es unnachahmlich geschickt versteht, sich überoll al» Nassauer Zutritt zu verschaffen, sei es nun bei einem Boxkampf, einem Sechstagerennen oder einem Rugby- länderkampf. Da er bei diesem sich wider Willen und ahnungslos sportlich auszeichnet, bekommt er sein« Angebetete zur Frau, die diesmal nur die Freundin einer Millionärin ist. Das alle» erzählen die Franzosen recht liebenswürdig als wunderschöne» Mörchen. D«? Hauptdarsteller ist der kleine, temperamentgeladen« Georges Mil, tk> n. der alle mit sich sortreißt. Pierre Colon, bi«? stellt ihn ganz vorzüglich heraus. Der Regisseur schildert auch mit eigener Lebendig- keit Sportlzenen, doch ist ein« solche Häufung pon sportlichen Er- eignissen auf die Dauer etwas reichlich. Die mitspielenden Damen Helene Robert und Hälene PerdriSre» haben di» übliche» Photographiergestchter und Photographlerkörper, die sich gleich vor- teilhast, aber nicht ausregend im Gesellschastekleide und im Bade- trikot mach«». Sa»st tan» man noch manchen interessanten Typ beobachten. Volkstümlich wird der Film hier wohl kaum werden, da die sran- zdstschen Dialoge nicht jedermanns Sachs sind.«. b. „Zwischen Rachi und Morgen." TitllNia-palgfl. Die alternde Dirne verliebt sich in einen jungen Mann, Sohn reicher Eltern, der wegen Spielschulben da» Vaterhaus perkasssn muht», und al,«? sich von ihr abwendet und zu der Hungen geht. läßt sie dt« Rivalin dur» ihren Zuhäller«rmarden. So das Thema i» Wilhelm Braun» Theaterstück«Dirnentraaödi«". da» vor et» paar Hahren in Berlin di« Uraufsührung erlebt,. Da» naturalistisch«, grob gezimmerte, aber in der Handlung stark konzentriert« Drama wurde bald darauf versilmt. Ast» Nielsen spielte die Hauptrolle. Sie allein stand im Mittelpunkt. Der Re- gisseur Rahe hielt sich eng an die Vorlag«, doch es gskang ihm nicht, die psychologischen Vorgänge ohne störenden Rest in« Bildhaft« ZU übertrage». Jetzt liegt die Tonsiliysassung des Stoffes por, ynd her Regiilw Gerhard L am p recht geht andere Wege. und Gchundliteraiur der Marsch auf Berlin ein« kläglich« Force gewesen sein, mag die Kühnheit des Helden vor den Schranken des Gerichts sich in lautere Legalität auflösen. Wenn wir erfahren, daß Allan den Umgang mit Aristokraten als hohe Ehr« empfindet, daß er einem verbrecherischen Prinzen„höflich" sagt!„Ich w«lß, was ich dem Namen ihres erlauchte» Geschlechtes schuldig bin" dann wundern wir uns nicht mehr, daß der Führer einer sogenannten Arbeiterpartei sich mit Exzellenzen und Kaisersöhnen drapieren darf, ohne van seinen Parteigenossen zur Ordnung gerufen zu werden. Bei ihnen steigert solch„erlauchter" Umgang Adolfs Ansehen wahrscheinlich noch be- deutend. Allan verkehrt i» de» vornehmsten- Klubs, Hitler sitzt stolz im Smoking an einem Tisch mit hochkapitaiistischen Bankherren. Beide haben ein eigenes Haus, nur daß es bei dem Detektiv eine Villa, bei Adolf ein Palast, das„Braun» Haus" ist. beide haben natürlich auch jeder ein feudales Auto. Besonders bemerkenswert ist, daß die Aussassimg vom Verhältnis de?„Helden" zum Untergebenen lm Schundroman wie in der Nationalsozialistischen Partei genau die gleiche ist. Vom Gefolgsmann wirb eigentlich nur blinder Gehorsam und„Treue" per- langt.„Was lag ihm daran, wem, sie ihn umbrachten, wenn nur sei» geliebter Meister gerettet wurde. Für Ihn würde«x zu jeder Zeit freudig sein Leben lassen." Aus diesem Satz, entnommen dem chh? Frank Allan-Hest. spricht eine Ideologie, der man auf Schritt und Tritt auch in der nationalsozialistischen Presse begegnet. Die Treu« pergilt der Herr damit, daß er den Untergebenen noch Kräften schützt oder, falls e» dafür zu spat ist, ihn rächt. Hitler deckt selbst notorisch« Verbrecher in seiner Partei, wem, sie nur ihn, treu gc- blieben sind, und er verspricht i„ seinen Nachrufen auf„Kameraden", die die eigene Rauflust mit ihrem Leben bezahlen mußten, an den, Gegner strenge Vergeltung zu üben. Ist es ein Zufall, daß Frank Allan und Hitler uuverheiraict sind/ Bon dem Detektiv heißt es:«Er muß frei sei» wie ein Künstler, der ledig bleiben sollte." Der Held in Ehesesieln, als treu sorgender Familienvater— diese Vvrstellm� paßt anscheinend nicht zu den, Idealbild, das sich die Unierschicht macht. Die Stellung zur Frau im allgemeinen ist in den Detektivgelchichien so reaktionär wie in der Nationalsozialistischen Partei. Bedeutsame Rolle» wer- den weiblichen Wesen nicht zuerkannt. Tritt die Frau selbständig handelnd oder als gleichberechtigt« Gesährti» des Mannes auf, so nur als Gesellin pon Verbrechern � der entsprechend« Ausdruck bei Hitler heißt:„November-Verbrecher". Sogar im Antisemitismus begegnen sich Schuudliteroiu? und 5zakentreuz. Der Froick Allan-Verfosser braucht in einer Ge- schichte, die in Prag spielt, eine Gegend, in der hie Verbrecher und Hehler hausen—- er wählt dazu das Ghetto, das Judenviertal, pon dem er allerdings kein« Ahnung hat. Aber er kennt die Psyche seiner Leser und ihre Einstellung zu den Juden, den„Ostjuden" im besonderen. Noch manches Beispiel ließe sich anführen zum Beweise, daß der Nationalsozialismus und Schundliteratur vom Schlage der Frank-Allan-Herie aus der gleichen Geistigkeit wachsen. Daß der unbekannt« Dersasse? dieser Detektivgeschichten sich Hitler zum Muster wählt, oder daß sich dieser nach dem Vorbild de« Buch- Helden geformt habe, ist nicht anzunehmen: wenngleich, wer de» großen Adolfs Rad«- und Schreibstil kennt, ihn sich leichte? mit einem der 461 Frank Allan-Schmöker als mit einem guten Buch in der Hand varst«llen kann. Unzweiselhast aber ist di« iimere Verwandtlchaft der beiden„Helden", der gemeinsame Ursprung aus den Bedürfnissen der geistigen Unterschicht, die weder Erkenntnis-, noch Willenskräfte genug besitzt, die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse zu überblicken und zu verändern. Ihr bleibt also nur die Hoffnung aus den„Rächer" und„Retter", nur die Flucht aus der trüb«» Wirklichkeit in das Märchenland, mag dieses nun Frank Allans Wunderwelt der Abenteuer, mag es Adolf Hitlers„Drittes Reich" sein. Loui hlociimolln. Der individuell« Fall trägt nicht mehr den Hauptakzent. Er ist dem Milieu eingegliedert, das breit de» Kern der HaMuntz um- lagert. Die Straße, das Haus, das Bumslokal erhalten ihr eigenes Leben, sie dienen fast als Erklärung des Geschehens- 3» allem Schmutz, in allem Unglück hat sich Emma die Sehnsucht nach der großen Liebe bewahrt. Es ist ein« elementare, echt« Sehnsucht, die jedoch verkitscht« Worte findet, die das Vokabularium aus billigen Groschenromanen nimmt. Da» Wort umkreist nur die Wahrheit. Ein großes Gefühl greift„ach der theatralischen Geste, ehe» weil für diese Emma Pathos die Befreiung au? de? verdreckten Um- gedung bedeutet. Aud Egede-Rissen. manchmal zu weit auf dieser Klaviatur greifend, umreißt hier vollkommen richtig di« Fi, gur. Die Nielsen war großer, aber die Nissen wirkt echter, un- frisierter. Sie ist dem Typ näher. Reben ihr 5) o m o l k a. der Lude. Eine glänzende Studie, in pielen Farben spielend. Rots van Goth überzeugt durch seine ge- pflegte Geste. Verglichen mit dem Tiefstand der Tanzsilmoperetten bleibt„Zwischen Nacht und Morgen"«in Werk künstlerischer Arbeit. V. Sei,. I Da» Ende eines berühmten schwarzen Zwerge». Aus Pieter- maritzburg in Südafrika wird der Tod ein«? uralten Buschmann- Zwerges berichtet, der unter dem Namen„Punch" bekannt war, Er hat durch drei Generationen in der Familie Heine zu Weene» gedient. Punch, der nur 122 Zentimeter groß war, hat mindestens e i n Alter von llOIahren erreicht. Sein Bruder Windoonel, der noch in Transvaal lebt, behauptet, 130 Jahre alt zu sein. Der stolzeste Tag in Punchs Lehe» war es. als er mit einem Gewehr, das fast doppelt so groß war wie er, einen Tiger erlegte. Ein arktische» Museum in Leningrad. Wie aus Leningrad ge- »neidet wird, ist mit der Organisation»in«, besonderen arktischen Museums begonnen worden, in welchem u. a. Gegenständ« aus den arktischen Stationen. Fuich« aus arktische» Expedition«», und viel «Issenschafttiches M-iteriai ausgestellt werden stll- Da» größte Fernrohr ist vollendet. Wi« di« aineritanisch« Ge- nerat Sleetric Gesellschaft mittetlt, sind jetzt alle Vorarbeiten sür Erbauung«es 30 ÖOQ Pfund schweren Reikektopz für das neu« kali- fornische?00-Zvll«Fernrohr vollendet. Man hat vier Jahr« dazu godroucht, um 4000 Pfund van xukg«rtsiert«m Ouarz auszu- chmelzen. dst für den Spiegel, den gräßten der Welt, der den Um. sang eines Wagenrad«, hat. verwendet werden:«, ist die größte Meng« so» reinem Quarz, die jemals hergestellt wurde. Die Ar, besten werden nunmehr noch etwa drei Jahr« in Anspruch nehmen. öl« da? Fernrohr auf der Sternwarte eine? noch nicht genau be, stimmten Gipfel, in Südkalifornien ausgestellt sein wird. Dieses Fernrohr, dessen Lollendling pon den Gelehrten der ganzen Well sehnlichst erwartet wird, soll bisher unerforscht« Gebieje des Welt, all» erschließen hie 30 mal großer sein werden als die bisher dakanulen. Oer Deutsche Baugewerksbund Er zahlie im Vorjahre über-15% Millionen Mark Ltnterstühungen aus Die groß« Krise trifft nicht nur die Arbeiterschaft durch Ar- bcitslosigkeit, Kurzarbeit, Lohndruck und Einengung der Soziolver- ficherung, auch ihre Gewerkschaften bleiben nicht davon verschont. Die Unterstützungseinrichtungen der Gewerkschaften waren gut aus- gebaut, aber doch nicht derart fundiert, daß sie von einer solch um- fangreichen und langaiüiauernden Krise unberührt bleiben konnten. Beim Deutschen Baugewerksbund überstiegen die Ausgaben im Jahre 1930 die Einnahmen um 6106S97 Mark und zwar infolge der erhöhten Aufwendungen für Unterstützungen. Seit dem Jahre 1927 stiegen die Ausgaben für Unterstützungen von 7,3 auf 10 Millionen im Jahre 1928, auf nahezu 13 Millionen Mark im Jahre 1929 und auf 15,5 Millionen Mark im vorigen Jahre. Auf die Dauer kann natürlich kein Verband mehr ausgeben als er ein- nimmt. Hinzu kommt, daß die gleiche Ursache, die höher« Unter. ftützung-summen erfordert, die Leistungsfähigkeit der Mitglieder schwächt und obendrein die Mitgliederzahl verringert. Obwohl die Unterstützungseinrichtungen der Gewerkschaften nicht mehr von ihnen zu trennen und heute notwendiger denn je find, so sind sie doch immer nur Mittel zum Zweck, zu dem Zweck, die Existenzgrundlage der Gewerkschaftsmitglieder zu heben und die in Not geratenen Mitglieder vor dem Absinken zu bewahren. So kommt es denn, daß ein Verband nach dem anderen ge- wissermaßen zu Notoerordnungen übergehen, seine Unterftützungs- leistungen einschränken muh, da eine allgemeine Beitragserhöhung jetzt nicht in Frag« kommt. Hinzu kommt, daß die Not mit der Ausdehnung und Ausdauer der Krise immer mehr anschwellt und so im ersten Halbjahr 1931 die Ausgaben für Unterstützungen noch höher geworden sind als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Sobald wieder eine günstigere Konjunktur einsetzt, müssen die Gewerkschaften wieder aufholen, zu unvermeidlichen Lohnkämpfcn gerüstet sein. Kurzum, die Verhältnisse zwingen die Gewerkschaften ihre llvterslühungen einzuschränken. Das hat jetzt auch der Deutsche Baugewerksbund tun müssen, wie vor ihm schon andere Organisa» tionen und vielleicht manche noch nach ihm. Die mit dem Volksentscheidsdurchfall behafteten Gewerkschafts- feinde, an ihrer Spitze die Kommunisten, suchen diese Notmaß- nahmen der Gewerkschaften zur Verhetzung der Gcwerkschaftsmit- glieder gegen die freien Gewerkschaften auszuschlachten. Den„Re- volutionären" muß demgegenüber die Frage vorgelegt werden, was denn die SPD. samt ihren RGO.-..Einheits".Sonderorganisalioncn bisher an Unterstützungen ihrer Mitglieder geleistet hat und was sie etwa weiterhin leisten wird. Solange die Herrschasten auf diese Frage eine klipp und klare Antwort schuldig bleiben, haben sie das Recht verwirkt, in die Mahnahmen der Gewerkschaften sich einzumischen. Die Gewerkschaften sind nur ihren Mitgliedern, nicht aber ihren ordinärsten Gegnern Rechenschaft schuldig. Tariffeindliche Rechtsanwälte. Entscheidung zugunsten der Angestellten. Das Reichsarbeitsgericht hatte sich am 8. August mit einem Rechtsstreit zu befassen, den die Rechtsanwälte. in den Bezirken Berlin. Magdeburg, Halle. Hannover, Brounschweig. Thüringen und Sachsen angestrengt hotten. Auf Antrag der Angestelltenverbände hat der Schlichtungsaus- schuh durch Schiedssprüche vom 16. Juli und 10. August 1931 Tarifverträge mit den Rechtsanwälten in den verschiedensten Bezirken sestgesttzt, die für verbindlich erklärt worden sind. Die tarisgegnerischen Rechtsanwälte hoben auf Nichtigkeit der Schieds- spräche evtl. der Verbindlicherklärung und Feststellung, daß für die einzelnen Rechtsanwälte ein rechtswirksames Tarifvertragsverhältnis nicht geschaffen sei, Klage erhoben. Die Entscheidung sei weder richtig noch zweckmäßig. Die beklagten Verbände verlangen die Abweisung der Klage. Die vom Schlichtungsausschuß gefällten und von dem Schlichter für verbindlich erklärten Schiedssprüche haben Rechtswirksamkeit erlangt. Die Arbeitsgerichte und auch die Landesarbeitsgerichte haben die Rechtsanwälte mit ihrer Klage abgewiesen. Die klagenden Rechtsanwälte mochten in der Revision geltend, daß die Zuständigkeit des Schlichtungsausschusfes nicht gegeben war, weil zwischen ihnen und den Angestellten völliger Arbeitsfriede bestanden habe und keinerlei Gefährdung eines Arbeits- frieden? drohte. Auch die Schiedssprüche und die Verbindlichkeit?- erklärun�en seien rechtsunwirksam, weil die in dem Schiedsspruch aufgeführten Parteien nicht t a r i f f ä h i g sind. Gegen die Revisionsgründ« der Kläger wenden sich die Der- treter der Angestellten aus das schärfste und. verlangten Der- werfung der Revision. Das Reichsarbeitsgericht eatfchied zugunsten der Rechtsanwalts- angestellten und legte den Reoisionsklägern die Kosten des Rechts- ftreits auf. Diese Entscheidung ist eine große Schlappe für die tarifseind- lichen Rechtsanwälte, die alles angestrengt haben, um aus dem Rechtsstreit als Sieger hervorzugehen. Das Arbeitslosenproblem. In den Vereinigten Staaten. New York. 12. August. Das Arbeilslosenproblem in den Vereinigten Staaten wird aller Voraussicht nach während des kommenden Winters ernstere Formen annehmen als im vergangenen Jahre. Noch den sehr vorsichtigen Schätzungen des amerikanischen Gewerkschaftsbundes wird die Zahl der Arbeitslosen jetzt im Sommer auf über 5V? Millionen angenommen, während für den Winter eine Gesamtzifser von wenigstens sieben Millionen erwartet wird. Dieser Ausblick be- unruhigt um so mehr, als die maßgebenden politischen wir Wirt- schaftskreise eine Arbeitslosenunterstützung nach dem Vorbilde Eng- lands und Deutschlands um jeden Preis vermeiden möchten. Jedenfalls sollen derartige Maßnahmen vermieden werden, so- weit die Bitndesbehärden in Frage kommen. Dagegen können die Einzelstaaten, Gemeinden und sonstigen Verwaltungsverbände den lokalen Anschauungen und Mitteln entsprechend derartige Hilfen ge- währen. Auch der amerikanische Gewerkschaftsbund tritt nicht für eine unmittelbare Arbeitslosenunterstützung in größerem Maßstäb ein, sondern empfiehlt nur lokale Unterstützungssonds für die schlimmsten Notfälle; im übrigen erwartet er eine gewifle Milderung der Arbeits- losigkeit durch Verkürzung der Arbeitszeit, die Garantie- rung eines Mindestmaße» an Arbeitsgelegenhett w jede» Betrieb« und die Durchführung von Notstandsarbeiten. Auf die Dauer werden auch in den Dereinigten Staaten Palüa- tiomaßnahmen nicht ausreichen. Mißbrauch mit der Notverordnung. Zinsgewinne auf Kosten der Angestellten. Di« Vereinigten Stahlwerke haben Ende Juli nur die Hälfte der Gehälter gezahlt, indem sie von der Notverordnung Ge- brauch gemacht haben. Dazu wird uns vom Zentralverband der Angestellten geschrieben: Uns kgnn niemand weismachen, daß die Vereinigten Stahlwerke nicht die Mqglichkeit gehabt hätten, ausreichend« Zahlungsmittel zu erhalten. Was der Firma Krupp möglich war, ist den Dereinigten Stahlwerken ebenfalls möglich. Aber es ergibt sich aus dieser ver- zögerten Gehaltszahlung ja ein ganz netter Zinsen- gewinn. Bei der Masse der Angestellten— die Dereinigten Stahl» werke beschäftigen immerhin noch 13 000 Angestellte— macht der Zinsengewinn allein etwa 9000 Mark aus. Das ist— im Maßstab der Bereinigten Stahlwerke gesehen— gewiß nicht viel; immerhin könnte man damit Herrn Hitler für sein Braunes Haus wieder einige braune Lappen spenden, ohne daß es den Vereinigten Stahl- werken auch nur«inen Pfennig kostet. Die Kohleuabsahkrise. Sie führt auch in Frankreich zu Arbeitslosigkeit. Paris. 12. August.(Eigenbericht.) Die nordfranzösischen Grubenarbeitergewerkschaften haben in einer in Douai abgehaltenen Versammlung die durch die Kohlen- obsatzkrise geschaffene Lage geprüft, die große Arbeitslosigkeit und Verkürzung der Löhne hervorgerufen hat. Am nächsten Dienstag findet in Lens eine neue Besprechung statt, in der wichtige Be- schlüsse gefaßt werden sollen. weller für Berlin und weitere Umgebnng: Wechselnd bewölkt ohne erhebliche Niederschläge. Temperaturen wenig verändert bei mäßigen westlichen Winden.— Für Deutschland: Ueberall Fortdauer des wechselnd wolkigen und kühlen Wetters. Im westlichen Küsten- gebiet vielfach leichte Schauer, sonst keine erheblichen Niederschläge. Groß-Nerliner parteinachnchten. 14.«wi* aeuloJn. Die für F'reUas bieser Wsche»orgescheu« MrtgÄedcrver. saomrlung' findet weg«» der Sportpai«rsi?mTdgel»ung nicht staut. heule. Mktwoch. 12. August: 13. BH. 191� Ifijr ZuhIavoU»: in den bekannitn Eelaten. 21.«dt. 19Vj Uhr Zahwdcndi in btn dtfonnlon Lotolrn. TD. Abt. 194 Uhr ZjohIdKnbt in btn bcfannlrn LoirN-n. "Da. 20 Uhr Mitglied« rversavunlimg im Ledigrichrim. Seftunt: Senossr ©coro&iibt. 81. Abt. 20 Uhr zahlobend in drn bekennten Lokalen. 87. Abt. 20 Uhr bei Schuster,«irchstr.«8, M tgljrderv-rsaimNlim«. Referent: ©ennlsa Greulich:»Wien und Berlin". 88. Abt. Terichtigrmg: Die Mitgliederocrsammluna findet in«er Schule Stoon, strotz« statt.. «erautroartl. für die Stebaktion:. Leebert ttpi't. Berlin: Dtaaelfitn: O.©locke. Berlin. Verlan: Vnnniirt» Berlaa®. m. b. S.. Berlin. Druck: BarwStt» Buch. dnickcrei lind Derlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin 6SB 88, Cindenffraltis. Lierz» 1 Beilage. tikfchifte'Jtotstfger (Qexirfc füden-tüeften ebzpüdez* Silz fUaachinentaJbrlb er. R�porcrfi/r- Werieaf2i<.f.f>mKc2Kere»er-Frtedrldi-$lr. 241 um. l�CUKOXin Nähc Hermannplatz Bandagen— GummistrUmpfe Spezialist für SenkfuBelnlagen yieferant fOr Krankenkassen und Behörden [C-startseil, Wäsche-Verleih Tel.: Moritzpl. F. 1, 0918. S 42, Fürstenstr 20 Wäsche aller Art � Gate Besclialienlieit. knlepte Bedingungen! llnoleum. Farben, ladie, Pinsel, Dadtiadte. diverse Papnen für Inneopelileldiuist kaufen sie am besten und billigsten bei l�3SCllGlC9m Neuk&Blii ThUrlmer Otr.Be 31». Tel:"füf! i {Beilage Mittwoch, 12. August 1931 StmlauXaaße Ja tbieäsü Die Tragödie eines Dorfes Bericht ÜSser 30 Jahre Von Karl Bahnmüller >. Tigion ,fttfon!efenö€it dehnen sich lönys der Eisenbahnschienen, die aus 5)annc>ver kommen, di« ungeteilten Felder. Sie liegen glatt wie eine Seesläche. Dann ober zerschneidet der Bahndamm einen Misch- tm�d, den Gürtel der che! de, die nun deginnt. Schnell wechseln die Bilder, di« sich jetzt in das Viereck des Wagenfensters drehen: Sumpfig« helle Wiesen. Bruch mit dunklem Gewässer, Wold. jchneiscn, braun und stohlgrau di« Heide. Nicht mehr sind die Felder endlos ausgebreitet, sondern eingelegt zwischen Waidstreisen oder eingeschnitten in die Heide. Wi« ein ungebetener Gast, so unerwartet in diesem Landstrich, erscheint ein Schlot. An den Bahndamm stößt ein grauer, spar- � lich bewachsener Hügel: Abraum des Kalischachtes, dessen För- derturm neb«n dem Schlot steht. Niedrige Ziegelgebäude, dazwischen dunkle Breit«rbuden. sorglos aufgeführt und jetzt windschief. Eine Sestbahn fiihrt zum gleichmäßig aufgeschichteten Hügel des Ab- raumes. Von der Bahnlinie zweigt ein Geleise ab und endet zwischen Silos. Die Fördertörbe schweben zwischen Himincl und Erde. Das große Nad d«s Turmes liegt in seinen Lagern, Loren stehen auf schmalen Geleisen bereit, und es ist, als fei es nur die kurze Pause ein«s Feiertages, der den Mechanismus, die Maschinen, di« Getriebe dieses Werkes ruhen läßt. Es ist. als drehten sie sich morgen wiederum, Äs müsse nur dieser eine Tag zu End« sein, und die Förderkörbe schwanken wiederum an ihren Seilen hin und zurück. Aber sieh, da und dort auf dein Hof und zwischen den G«leis«n wächst Gras. Hohe Halme, die im Vorjahr gewachsen sind und kein Schuh kann über sie gegangen sein. Die Geleise und die Loren sind rostbraun. Der Kohlenbunker gähnt leer und Regen- schauer schwemmten den schwarzen Staub in seine Vertiefungen. Blatternarben des Zementbodens. Ein Zaun liegt schi«f. Putz siel von den Wänden. Der Anstrich der Eisenteile blätterte ab an vielen Stellen und legte den roten menniefarbenen Eij«nleib bloß. Das große Tor ist verschlossen. Kein Mensch geht um. Stille. Es ist wahr, daß das Werk ruht. Es ist stillgelegt, nicht nur für di« kurz« Pause eines Feiertages. Zum Dorf führt«ine breit« Landstraße. Sie ist ein» gesöumt von kleinen einstöckigen Häuschen zwischen Gärten. Wer auf dieser Straße geht, sieht am End« der geraden Flucht den Schlot uich den Fövderturm. Man muß ihr Dasein unvermeidlich konstatieren und auch, daß di« dunkle Rauchfahne«ingezogen ist. Das Werk ist der Blickpunkt der Dorfperspck- tivc, und dennoch hat«s aufgehört real zu sein. Es gleicht einem gemalten Theatervorhang, der di« Blicke erwartungsvoller Zuschauer auffängt. Auf diese lBkis« find die Bewohner der Arbei. [r terkokonie«inem Publikum ähnlich, das vergeblich auf den Beginn der Verstellung wartet. Dor dreißig Sohren Als da vor dreißig Fahren die Leute der Kaligewerk- schaft zum eistenmal ins Dorf kamen, wohnten hier schlecht und recht NX) Menschen in den Häusern, die sie von ihren Bätern geerbt hatten. Unter«inem Doch rings um die Tenne logen alle Räume. Nach hinten an der Giebelseite gegen den Garten befand sich link« di« Stube des Bauern und seiner Familie, rechts die Stube der Alten und dazwischen die Feuerstelle, die zugleich di« großen Oefen in den Stuben heizte. An den Längsseiten schlössen sich nacheinander an die Schlafkammern, di« Milchkühe, die Ställe für Milchvieh, Schweine, Schafe und Pferde. Darüber befand sich nichts als der Boden für Stroh und Heu. Die Tenne, aus die alle Tore mündeten, verschloß nach der Straße zu ein mächtig«? Tor, durch das alles aus- und einging, das Lieh, die Wagen und di« Menschen. Da« Dorf hotte einen schlechten Ruf in d«r Gegend jenseits des Waldgürtels, in den reicheren Dörfern zwischen den weit aus- gebreiteten Feldern. Es gab nur wenige Namen im Dorf. Jeder dritte hieß Caspar. Di« jungen Männer holten ihr« Frauen aus den Nachbarhäusern, was g«wiß nicht gut war, denn die Mensche» hier waren auf irgendein« Weise all« miteinander verwandt. Sie sprachen ihr Niedersächsisch in einem Tonfall, ver schon im nächsten Dors Befremden erregte. Auch aßen sie noch jenes seltsame, verschollene Gericht, das K a schau l en, sie bauten Buchweizen für Gkützepufser und Lein für ihr Bettzeug, als in den nahen Dörfern längst schon die Sitten der Städte eingekehrt waren. In den Iahren, da di« Gewerkschaft begann, den Schacht anzn- l«g«n. glich das Dorf einem aufgeschreckten Ameisen- Haufen. Arbeiter kamen aus Staßfurt und aus dem Sächsischen. Sie haust«» in schnell errichteten Barocken und dann fingen sie an, zwischen Schacht und Dorf ihre Häuschen zu errichten. Diel« Sied- lung zeigte ein anderes Gesicht als dos alte Dorf: Die Wohn- front richtete sich statt nach dem Garten gegen die Straße und die Menschen leben in ihr nicht mehr mit den Tieren unter einem Dach. Den Bauern wurd« sie ein Beispiel. Mit den fremden Arbeitern fuhren die N a ch g e b o r« n e n Bauernsöhn« und jene klein«» Bauern, deren Land- besitz nie recht zum Austominen gereicht hatte, in den Schacht. Die Gewerkschaft begann an viele der Bauern Mutungsgelder zu zahfen und ihr« Milch tauften die Arbeiter. Daß Geld ins Dorf kam, merkte zunächst der Kaufmann, der bislang zwischen seinen Aecker'n und seinem Ladentisch hm und her gependelt hatte. Größere Bestellung«« gingen noch der Stadt. Er vergrößerte seinen Laden und unterdessen setzte sich in der neuen Siedlung«in Konkurrent fest. Auch in den Truhen der Bauern sammelte sich Geld und wer von ihnen klüger war, legte es an. Eipig« begonnen jenes rötlich« Salz, das aus dem Schacht kam. auf ihr« Felder zu streuen. Und eines rief das andere: Für hie größeve Ernte reichte di« Scheune nicht mehr aus. Als die Milch verkäuflich wurde, gaben sie ihr Vieh nicht, melje im He:bft fort, sondern ließen es auch im Winter in den Ställen stehm, die sich als zu eng«rwiesen. Mit den Mutungsgeldern kauften einige Dreschmaschinen, Heuwender, Dieselmotoren, Häckselschneidemaschinen und Seperotoren. Was hinzukam brauchte Platz und«in Unterkommen. Es ergab sich, daß di« Häuser, die ihren Bätern und Großvätern genügt hotten, allzu, eng und unpraktisch waren. Do und dort lehnte sich ein Stall oder ein« Remise an das olle Haus. Die veränderte Wirtschaftsweise aber forderte ihr Recht. Reichgewordene Bauern ließen neu« Höfe ersteh«»: Wohnhaus, Stall, Scheune und Remise gcson- dert, Tiere und Menschen nicht mehr unter einem Dach vereint. Die alt« Bauform, die sich so schwierig erweitern ließ, verschwand, denn alles Vernünftige wird wirklich, und das Unvernünftige geht unter. Ziransig Jahre später... Nach zwanzig Jahren hatte das Dorf sein Gesicht völlig ver- änd«rt. Sein Zentrum hatte sich bis zur Grenze zwischen allem Dorf und Arbeiterkolonie verschoben. Dort erheben sich di« L ä de n, die Sparkasse, das neue Gemeindehaus, die Wirts- Häuser und zeigen damit di« Bedeutung des Schachtes. Die Einwohnerschaft hatte sich verdoppelt und wer unter den Bauern früher schläfrig, dohingetrottelt war, tat nun eifrig und geschäftig. Am Ende der Inflation tauchte ein Gerücht im Dors auf, das alarmierend wirkte. Es hieß, das Kalisyndikat beabsichtig« den Schacht st i l l z u l e g e n. Sie sprachen darüber in den Läden, in den Wirtshäusern, in den Bauernstuben und am erregtesten in den Arbellerhäuschen. Ein« unsichtbare Macht, das Kalisynditat, unersaßbar, anonym, entschied über das Schicksal dieses Dorfes. Als erster verschwand der Direktor. Zwanzig Arbeiter gingen mit ihm. Einige kamen in einem benachbarten Schacht unter. Die übrigen sragten nach Arbeit und fanden keine. Im Dors? Was kann«s im Dorf an Arbeit geben für 200 Arbeiter? Manche gingen ins Ruhrgebiet, andere nach dem Sächsischen. Di« Ein- wohnerzahl sank. Aber die übrigen? In der Arbeiterkolonie haben viele der Häuschen einen Anbau aus unverputzten Ziegeln, der mit geteerter Pappe gedeckt ist. Ein Stall jür ein« Kuh, für Ziegen. Seine grobe und einfach« Aus- fühning deutet an, daß ihn ein Bergarbeiter mit ungeübten Händen baute. Düngerhaufen liegen doneben, übrig gebliebene Halme des vorjährigen Heus, Zeichen ländlichen Lebens, oesscn improvisiertes Auftreten beweist, daß es nicht von Anbeginn vorhanden war. Es kam hinzu, als di« Feuer unter den Kesseln des Werkes auf». hörten zu brennen. Die Männer, die keine neue Arbeit fanden, waren gewohnt, die Spitzhacke und die Schippe zu führen, nun gehen sie, nicht freiwillig, wie Wasser nicht ungezwungen bergauf fließt, mit Spaten und Sense um. Ihre Felder sind schmal. Es ist nicht viel, was ihnen zuwächst. Den Bauern kaufen sie keine Milch mehr ab und so rief auch dort wiederum das eine das andere: Die ledigen Bauernsöhne, die mit den Arbeitern in den Schacht eingefahren waren, stellten sich auf dem väterlichen Hof ein. Si« richteten sich alle ein, streckten sich nach der Decke, aber sieh, wie auch sie kärglicher als zuvor leben. Di« Hauptstraße im Dorf führt zum Sckzacht. An ihrem Ende steht der Schlot und der Fördertunn. Wer auf dieser Straße geht, muß ihr Dasein unvermeidlich konstatieren. Aver keine Rauchfahne weht. Im Goldzentrum Südafrikas 30 Jahre Entwicklung Von P. Skawran Die Union von Südafrika hatte im Jahre l9Z7 einen Antell von 51.7 Proz. an der Gesamtgolderzeugung der Welt. Von den 18 größten Goldminen der Erde befinden sich 16— und darunter die größten— in Südafrika. Und von seinen 123 Goldminen liegen die meisten in Transvaal. Hier wiederum ist Johannesburg und der Witwatersrand das Zentrum der Goldindustrie. «- Als ich vor einem Jahr mit dem ersten Kap-Kairo- Flieger, Colone! van Rhyneveld— in großer Höhe (21000 Fuß), über den Witwatersrand flog, lag die Mehrzahl dieser Minen mit ihren gewaltigen Groiiitschulltzalden als ein» Rech« weißer Strich« unter mir, Vom Westen zogen sie sich, oft Zu zweien parallel laufend, auf ihr Zentrum Johannesburg zu, wo sie sich sternförmig zwischen das Gewirr der kaum erkennbaren Häuser schoben, um sich dann— mehr vereinzelt— im Osten zu verlieren. Das Ganze eine fast gerade Linie. Nähert man sich Johannesburg mit dem Zug. so ist der Ein- druck, de» diese Stadt auf einen macht, überwältigend. Nach oft tagelanger Fahrt durch endloseSteppe, ohne je einer nennens- werten Häufung von Häusern begegnet zu sein, gerät man unver- mittelt in dieses Chaos von Wolkenkratzern, Wellblech- Hütten, Minendumps und Fabriken, in dem mehr als 300 000 Menschen zusammengedrängt leben. Nach der beinahe atem- losen Ruhe des Veldes, ist man plötzlich im Zentrum stark pulsieren- den Lebens, im Zentrum intensivster Arbeit. Die gewaltigen Schutthalden türmen sich wie Gletscher, wie die hohen Dünen der Ostsee. Darüber ragen die mächtigen Schlote der Fabriken und di« rastlosen Förderräder. Man hört Ketten rasseln und Eisen hämmern, Auto hupen und Straßenbahnen läuten. An den unscheinbaren und staubüberdeckten Wellblechbaracken der schwarzen Arbeiter vorbei rast der Zug in die eigentliche Stadt. Ferner auf den Höhen protzen die luxuriösen Villen der Spekulanten und Bodenwucherer. Wahre Märchenpaläst«. Nicht nur im Vergleich mit den Wellblechbaracken. Die Stadt selbst— obgleich sie schon einige wenige einheitliche Straßenzllge hat, ist noch immer ein geschmackloses Durcheinander aller Stilunmöglichkeiten. „Ja, wenn Sie Johannesburg gesehen hätten wie ich als Sieb- zehnjähriger," sagte neulich ein etwa sechzig Jahre alter Engländer zu mir,„dann würden Sie sich bei solchen Kleinigkeiten nicht aus- halten." Und er begann von jenem kaum mehr als dreißig Jahre zurück- liegenden Zeiten zu sprechen, als Johanncsburg nur aus ein paar elenden Wellblechhütten bestand. * Die Kenntnis von den Goldsckätzen Südafrikas reicht möglicher- weise bis in die Zeiten Solomons zurück und man hat viel- fach— wenn auch wohl nicht mit' Recht— die rätfelhaftenZimbabwe- ruinen als Goldminen des Judenkönigs zu erklären versucht. Sicher ist, daß das erste Gold im Jahre 1868 von dem Deutschen Karl Mauch am Olifantssluß nördlich von Johannesburg ent- deckt wurde. 1884 waren es die Deutschen S t r ü b e n, die als erste Gold auf dem Witwatersrand bearbeiteten. Man fand das Gold zunächst oberflächlich. Heut« muß man be- reits in große Tiefen steigen, wenn man ergiebiges Gestein finden will. * Die Geologen nehmen an, daß es sich bei dem Goidreef des Witwatersrand um die Bodenablagerung eines mächtigen Binnensees aus der erdgeschichtlichen Vorzeit handelt. Diese Theorie hat sich in- sofern bewahrheitet, als man im N i g e l d i st r i k t— etwa 40 Mellen von Johannesburg entfernt— das gegenüberliegende Ufer dieses Binnensees entdeckt«. Allerdings weisen hier die Schichten bedeutend weniger Gold auf als am„Rand". » In einem groben Bergmannsanzug steckend,«inen mächtigen Südwester auf dem Kopf, warte ich auf die Absohrt in den über' 7000 Fuß tiefen Schacht Der Förderkorb schwingt erst nervös auf und ab, dann fällt er plötzlich mll rasender Geschwindigkeit Man hört das Wasser an den Wänden des Schachts herabrieseln. Es berieselt auch uns ziemlich ausgiebig. Die Wände der Stollen strahlen das schwache Licht der Glüh- lampe hell wider. Nlan inuh sich wohl fühlen hier, wenn man an Kohlenbergwerke gewöhnt ist. Die Stollen laufen rechtwinklig zueinander und bilden Recht- ecke. Dos goldhaltige„R e e f" läuft aber schräg nach oben, bzw. nach unten. Man arbeitet sich daher von den unteren Ouerstollen guer noch oben und von den darüberlicgenden Stollen schräg nach unten. bis man sich trifft. Ich klettere mit einiger Mühe— mich an den Versteifungen haltend— in so. ein Loch hinein, Es ist. etwa zwei Meter im Durch- Messer. War Ort. arbeiten«in paar geschickt« p o r t u g re s i s ch c Boys mit Preßlufthämmern. Es ist sicher keine leichte Arbeit, be- sonders da es schwierig ist, Halt zu bekommen in diesen fast senkrecht aufsteigenden Löchern. Nach ein paar Minuten habe ich die Augen voll Gesteinssplitter und ich empfehle mich. In einem anderen Loch schlagen die weniger geschickten Basothoboys nnt Hammer und Meißel Sprenglöcher. Wieder andere schieben das gelöste Gestein in Hunden zu den Förderkörben. J Trotz der enormen Tiefe herrscht in diesem Bergwerk eine an- genehm« Temperatur. Ich sehe später den gewaltigen Lüftungsschacht, der nur zum Ausgleich der Temperatur in den tieferliegenden Stollen in die Erde getrieben ist. e- Das so gewonnene Gestein gelangt nach einem ersten Auslesen in das Pochwerk. Mit ohrenbetäubendem Lärm verarbeiten hier an die 60 bis 100 nahezu haushohe Hä m m e r das Gestein zu seinem Sand, das nun mit Wasser gemischt(Pochtrübe), über große Kupsertische läuft, di« mit Quecksilber bestrichen sind. Das freie Gold verbindet sich mit dem Quecksilber zu einem zähen Amalgan und stellt so das erste Roherzeugiiis der Goldgewinnung dar. Der Rest wird in riesige Bottiche geleitet. Die grünliche Zyanidlösung wird dann nach zwölf Stunden in das Ausfällungsgebäudc geleitet, wo das letzte in Lösung gegangene Gold ausgefällt wird. Kind und Dundfunb Für die heranwachsende Jugend ist der Rundfunk ein weseMlicher Bestandteil der geistigen Lebensatmosphäre geworden. Zeitknappheit und wirtschaftliche Not lassen die Einslüss« der Eltern heute hier stark.zurücktreten. Die Macht der Schule beginnt erst zu einer Zeit auf das Kind einzuwirken, wo seine Entwicklung zu einem große» Teil abgeschlossen ist. Lange vor ihr hat der Rundfunk für das Kind Bedeutung erlangt. Oft ist heut« der Radio- apparat der Erste, der ihm Märchen erzählt, der es mit Spielen und Beschäftigungen unterhält. Ja. noch che das Kind überhaupt das gesprochen« Wort versteht, bringt der Rundfunk Musik in sein Dasein, jene Musik, die für Er- wachsen« gesendet und vom Killde unbewußt oder bewußt mitgehört wird. Daß heute zwar sehr viele, aber doch längst nicht alle Kinder dem Einfluß des Rundfunks ausgesetzt sind, ist praktisch genommen schließlich nur ein« wirtschaftliche Frag«: der Rundfunk ist unaufhaltsam auf dem Wege, um ebenso wie Gas und Elektrizi- tät in jeden Haushall einzudringen. Da er gleichsam mll dem Kinde aufwächst, ist es leicht für ihn, mit diesem Freundschaft zu schließen. Als M u s i k m a s ch i n e ist er dem Kind« zuerst eine unpersönliche Sache. Zlm Anfang der wirklichen Bekanntschaft steht hier das dem Kinde verständliche gesprochene Wort, die an Menschen ge» bundene hörbare Stimme— kein distanzierendes technisches Mysterium. Der unbewußte Einfluß, den der Rundfunk durch all« vom Kind« mitgehörten Darbietungen auf dessen Entwicklung gewinnt, läuft von nun an zusammen mit dem bewußten Einfluß, den das Kind ihm auf fein Leben einräumt. Diese Tatsache wird von vielen Ellern noch keinesfalls noch ihrer vollen Bedeutung bewertet. Sie wird aber auch— soviel di« einzelnen Sender gerade für die Kinder auch heute bereits tun— vom Rundfunk selber noch nicht genüget» beachtet. Gewiß, der Rundfunk hatmitdemKindeFreundschaft geschlossen. Das Kind freut sich auf„sein e" Darbietungen; es gewinnt zu den einzelnen Menschen, die unsichtbar zu ihm sprechen, ein oertrautes Verhältnis wie oft nur zu den nächsten Angehörigen. Es trägt ihnen seine Wünsche und Interessen vor, häufig, wenn es erst selber schreiben kann, ohne auch nur einem Menschen sonst den Inhalt seiner Briefe zu verraten. Auch wenn gelegentlich Dar- bietungen seinem persönlichen Geschmack eigentlich gar nicht ent- sprechen, hört es sie vergnügt ab, wenn es die Menschen lieb ge- wonnen hat. die thm die oertrauten Stimmen verkörpern. Aller- dings trifft das alles nur für Veranstaltungen zu, die dem Kinde den Gedankenaustausch zwischen den Menschen vor dem Mikrophon und der chörerjchar bewußt machen— sei es, daß diese Verbindung sich betont durch die ganze Darbietung zieht oder daß sie nur durch eine Einleitung deutlich wird. Diese Verbindung läßt sich jedoch nicht künstlich schassen. Aus dieser Erkenntnis heraus ist wohl auch die„M ä r ch e n t a n te' all- mählich vom Plan zurückgetreten. Das Märchen wirkt auf das Kind wie etwa Musik oder ein Theaterstück, als in sich geschlossene Traumwelt, die durch das Wissen um den, der sie herstellt, nur störend beeinflußt wird. Ganz anders ist es bei Erzählungen, die von einer dem Kinde bewußten Wirklichkeit ausgehen, und in denen die Soße keine Visionen malen, sondern Schilderungen oder Meinungsäußerungen eines Sprechers darstellen. Hier kann, sofern sich ein bestimmter Sprecher stets an die gleiche Altersklasse wendet, dieselbe Verbundenheit mit den kindlichen Hörern entstehen wie bei Veranstaltungen, die in ihrem Ablauf immer wieder das zuhörend« Kind in die Darbietung selber mit hineinziehen, wie das in stärkstem Matze bei solchen Veranstaltungen gelingt, bei denen Kindervordem Mikrophon gleichsam als Ver- treter der kindlichen Hörer mitwirken. Nicht nur der Inhalt der Sendungen, auch das G e in e i n s ch a s t s s ll h l e n, das sie vermitteln, wirkt naturgemäß stark auf das Kind ein, um so mehr, je weniger Zerstreuung es sonst hat oder je einsamer es ist. Für das einzige Kind, das sich sonst leicht als Mittelpunkt seiner Welt fühlt, wird der Rundfunk sogar unter Umständen ein ausschlaggebender Er- z i c h u n g s f a k t o r, da es hier lernt, daß„seine" Veranstaltungen durchaus nicht immer auf seine persönlichen Wünsche Rück- ficht nehmen können, sondern vielmehr auch auf die der anderen Kinder eingehen müssen. Dieses Sich-Fügen unter die allgemeinen Forde- rungen des Rundfunks verstärkt dessen Macht über das Kind, das auch infolgedessen den Inhalt der Sendungen unbewußt tiefer in sich aufnimmt. Es ist also auch bei dieser Freundschaft, die der Rundfunk sucht und findet, wie bei jeder anderen Freundschaft: sie verpflichtet um so mehr, je stärker sie erwidert wird. Man muß es der Funk stund« und der Deutschen Welle lassen, daß sie sich nicht nur alle Mühe geben, diese Forde»' rungen zu erfüllen, sondern daß auch die Mehrzahl ihrer Dar- bietungen ebenso wie die kindlichen Hörer die kritischen erwachsenen Mithörer befriedigt. Die kleinen moralischen Erzählungen und Beispiele, mit denen gute alte Tanten gelegentlich„erziehen" wollten, tauchen heute kaum noch im Lautsprecher aus. Statt solcher dürren, unwahrhaftigen Konstruktionen gibt man den Kindern lebendige Wirklichkeit, in der auch einmal— wie in der fröhlichen Nach-Ferienstunde des Doktor Ueberall — ein richtiger dummer Streich Platz hat, wenn er in einem hübschen »nd fleißigen Aufsatz von einem kleinen Hörer erzählt wird. Das ist überhaupt der große Gewinn, den viele dieser Kinder- stunden bringen, daß sie die Kinderzur Mitarbeit heran- ziehen und im Spiel.die Arbeitssreudigkeit wecken. Wer einmal gesehen hat, in welchem ausgedehnten Maße solche Stunden die Kinder zu eigener Gestaltung anregen, die sich keineswegs auf den s ch r i f t l i ch e n A u s d r u ck beschränkt. sondern in Zeichnungen. Form- und Bastelarbeiten sich ausdrückt, der weiß ihre Bedeutung besonders zu schätzen. Trotzdem besteht der Einwand, daß der Rundfunk seinen Einfluß auf die kindliche Entwicklung nicht hinreichend de- achtet, wohl zu Recht— und zwar im Hinblick auf seine Wirkung als M u s i t v e r m i t t l e r. Das Kind lerntdurchdenRund- funk Musik hören. Wenn man nun berücksichtigt, daß viele Eltern heute noch an der flache st en, minderwertig st en Musik Gefallen finden und nach Möglichkeit Tag für Tag nur moderne Schlager und oerlogen-sentimentale Unterhaltungsmusik ob- hören, so begreift man wohl, daß der Einfluß dieser Klänge für die Entwicklung des Musikgeschmacks des Kindes gerade kein b e s o n- dcrs günstiger ist Ebenso wie in dauernder Umgebung von schlechten Bildern, auch ohne daß das Kind sie besonders beachtet, sein Auge ungeübt bleibt für den Eindruck von Kunstwerken, so bleibt es in diesem Falle das Ohr. Hier ließe sich in den Stunden für die Kinder ein klein er Ausgleichschaffen. Nicht durch ausgedehnte musikalische Darbietungen, die nur einen begrenzten Teil der kindlichen Hörer zu fesseln verstehen, sondern durch stärkere Verflechtung guter, den Kindern verständlicher Musik mit den übrigen Darbietungen. Allerdings müssen diese musi- kalischcn Zutaten sehr vorsichtig abgemessen werden. damit sie nicht den sogenannten„unmusikalischen" Kindern, die fast immer nur musikfremde, einer Bekanntschaft mit der Musik aber trotzdem durchaus zugängliche Kinder find, den Geschmack an der Beranstaltung verderben. Tes. 'RechfsfFu&en des Taffes Haxcige&tUdkl bei Feuewevaicbevung. Es dürfte nicht allgemein bekannt sein, daß jede Eigentums- änderung der gegen Feuer versicherten Gegenstände sofort der Ver- sicherungsgesellschaft angezeigt werden muß, auch wenn es sich nur um eine Sicherungsübereignung der betreffenden Gegen- stände handelt. Das Reichsgericht hat kürzlich entschieden, daß die Unterlassung einer solchen Anzeige die Versicherung von ihrer Pflicht zur Zahlung des Brandschadens entbindet. Der Kläger hatte seinen Schuppen und die darin befindlichen Gerätschaften und Maschinen schon seit Jahren mit 10 000 Mark gegen Feuer versichert. Später übertrug er einem Gläubiger das Eigentum an den Sachen durch Sicherungsübereignungsvertrag, ohne der Versicherungsgesellschaft hiervon Mitteilung zu machen. Als dann der Schuppen abbrannte, verweigerte die Versicherung?- gesellschaft die Zahlung der Schadenssumme. Sie wurde indes vom Landgericht Stendal und Oberlandesgericht Naumburg zur Zahlung verurteilt. Das Reichsgericht hat dieses Urteil aufgehoben und den Rechtsstreit an das Oberlandesgericht Naumburg zurückverwiesen. Laut Vertragsbedingungen war jede Veräußerung der ver- sicherten Gegenstände unverzüglich der Versicherungsgesellschaft an- zuzeigen. Als Veräußerung gelte aber auch«ine Sicherungsübereignung. Es fei indes bisher noch nicht geprüft worden, ob etwa der Sicherungserwerber seiner- seits die Versicherungsgesellschaft von der Eigentumsübertragung benachrichtigt habe: dies müsse noch festgestellt werden: deshalb sei die Sache zur erneuten Verhandlung an das Oberlandesgericht Naumburg zurückverwiesen. ZckarMete Falkcnicld, WAS DER TAQ BRINGT mimr.uiimraiiiuuiunuiiiiiiüiiiiniimniiiirammiiiiiiniiiimniuifflimmimniinmuniiiunraimiiinnniiiiiiiiiiuniiiiiuimiiHiuHiniHi ERZÄHLT VON YORICK Rokoko anno 1931 Es gibt Menschen, die haben irgendwann in ihrem Leben eine bewegte, erlebnisreiche Zeit gehabt—„ihre Zeit", wie man zu sagen pflegt,„ihre große Zeit". Später ändert sich die Zeit um sie, wird die große Zeit anderer, aber dies« Menschen ändern sich nicht mit. Sie bleiben stecken in den Begriffen, den Gepflogenheiten dieser vergangenen Epoche: sind sie still oder stolz, so wirken sie verschollen oder skuril, anziehend oder abstoßend, und schaden niemandem: sind sie cholerisch und betriebsam, so wollen sie ins neue Jetzt eingreifen aus der Mentalität ihres unverwundenen Gestern, und dann können sie sehr vielen schaden; unsere Baltikumer sind ein Schulbeispiel für den letzten Typ. Es scheint aber auch solche Nationen zu geben: Nationen, die eine„Große Zeit" hatten(das heißt, eine Zeit, in der sie groß waren), und aus der Mentalität solcher Zeit nicht mehr heraus- können. Zizm Beispiel Frankreich: Dessen große Zeit war das Rokoko. Di« gesellschaftlichen Grundlagen für das Rokoko sind hinfällig: sein Zerrbild blieb bis heute lebendig— selbst in der modernen Großstadt Paris. Da gibt's etwa in der Dorstadt Vineennes«inen kleinen See, den„Lac Daumesnil", der stammt aus dieser Zeit; damals wurde er angelegt. Seither promenierten Menschen mehrerer Generationen an feinen Usern hin. spuckten hinein, schleuderten ihre Fruchtrcste und ihre nicht aufgegessenen Käsebrote hinein, belegt zuerst mit Empirekäs« und dann mit Biedermeierkäse und dann mit Pseudo- barockkäse und zuletzt mit neusachlichem Käse— schleuderten sie also hinein und fischten sie nicht wieder heraus, und andere taten das auch. Und also geschah es. daß der Lac Daumesnil im Laufe der Jahrzehnte erst zart, dann inrmer heftiger zu stinken begann. Die Vincenner fanden nichts weiter dabei, sie kannten ihren See nicht anders, er hatte gestunken, als sie geboren wurden, und er stank, als sie starben: das war nun mal so. War so bis zum Jahre 1931.— Da entschlossen sich die Poriser, eine Kolonialausstellung zu veranstalten, um die Kulturtätigkeft Frankreichs zu demonstrieren. Und die Veranstalter wählten als geeigneten Platz für dies« Ausstellung das Gelände, in dem sich der Lac Daumesnil befand. Er wurde dekorativ eingeordnet in dos Ganze, lag da, wirkte sehr und stank. Und weil nun so viel empfindsame ausländische Rasen um den guten See von Vinccnncs herumschnüffelten und die dazugehörigen Münder ein hysterisches Wehgeschrei erHuben— darum inußte der historisch so wertvolle Gestank beseitigt werden. Aber wie? Jeder Engländer, jeder Pankee, jeder Deutsche würde annehmen: durch Reinigung. Das aber kann nur jemand glauben, der vergißt, daß Frankreichs große Zeit das Rokoko war. Wer reinigte sich damals? Die Reifrockdamen stanken, der Sonnen- könig selbst stank derart, daß er für unfranzösische Nasen schwer auszuhalten war: nichtsdestoweniger wusch man sich nicht etwa, sondern man parfümierte sich, man trieb den Teufel mit Beelzebub aus, man setzte den einen Gestank an die Stelle des anderen— jene Zeit erfand das Parfüm. Indessen gingen anderthalb Jahrhundert« ins Land, von Rokokos trübem End« an gerechnet— aber als Anno 1931 der Lac Daumesnil nicht mehr stinken durste, da behandelte man ihn doch nicht anders als eine Rokokodame. Es fand sich ein Chemiker, der spritzt nun abwechselnd Jasminduft oder Rosenduft aufs Wasser, immer 123 Gramm, das tötet keine Fische und rfeftfi gut, nmtdestems so gut wie ein mittlerer Friseurloden, und es erspart die gründliche Reinigung... Es macht dabei für den Sinn d« Sache nichts aus, daß die Kunst dieses Duftfpritzens aus Amerika kommt, in Frankreich jedenfalls findet sie ihre Heimat: sei gegrüßt, sei gerochen, ewiges Rokoko! So Ist das in Frankreich. Und nun, lieber Deutscher, gehe hin und sieh nach, ob etwa nicht auch bei uns noch höchst übelriechende und nur mühsam überporfümierte Reste aus„großer Zeit" vor- handen sind— und weil wir denn nun mal als reinliches Volk gelten, wollen wir sie doch lieber radikal beseitigen.— nicht wahr? Trostlose Geschichte In den letzten zwanzig Jahren diese- von feiner Fortgeschritten- heil restlos überzeugten Jahrhunderts find so movuhe Gebräuche wieder in Aufnahme gekommen, die von Rechts wegpn Zubehörteile der schwerfälligen Wirtschaftsmaschinerie des viel verschrieenen Mittel- alters waren. Dazu gehört nicht so sehr das Golvnwchen(denn Gold versuchen im allgemeinen Generäle zu machen, dfe kein« Krieg« mehr machen können, und Generäle bilden immerhin einen kleinen, wenn auch durchaus zureichenden Bruchteil des Volksganzen), sondern dazu gehört vor allem dos von weitesten Kressen ausgeübt« Goldaujbewahren. Dazu hat man zwar in unserem, w« gesagt, sehr fortschrittlichen Säkulum Danken; aber was die Banksn betriff:— na, reden wir nicht darüber! � Jedenfalls also kam man schon während Krieg uvd Inflation auf dqs höchst primitive Verbuddeln des finanziellen Besitzes zu- rück—; jeder sein eigener Schatzgräber! Und weil neben den Dummen aus Unvorsichtigkeit auch die Dummen aus Ueäervorsichtig- lest nicht alle werden, darum gabs auch in diesen Tagen kapitalistischer Hilflosigkeit Leute, die ihren Schrank oder da» Loch unter.ihrer Diele dem Safe und dem Tresor der Danatbank vorzogen. An sich, Hand aufs Herz, verständlich, nicht wahr-- aber! Aber die Mohammedaner zum Beispiel, die hoben da eine Ein- stellung zum Leben, die. etwas grob gesagt, etwa so ist: Wenn Allah will, daß ich ein armer Teufel bleibe, dann kann ich arbeiten wie ein Zugochse, und ich werde doch nicht reich: und wenn Allah will, daß ich reich werde, dann kann ich faul sein wie ein Murmeltter, und ich de komme doch meinen Palast: und wenn Allah etwa will, daß ich mein Geld los werden soll, dann kann ühs sonstwo verstecken— Allah findet? doch und gibts einem andern.. Schade, daß jener bayerische Knecht, der in diesen Krifentagen sein mühsam genug erspartes Geld von der Bant halte imö in seinen Strohsack tat. kein Mohammedaner war: er hätte dann wenigstens einen Trost gehabt. Denn die Bäuerin, die sonst allzu liebevoller Sorgfalt gegenüber dem Strohsock des Knechtes nicht bezichtigt werden tonnte.— ihr fiel«s, weil Allah es so wollte, gerade am Tage danach ein, das Stroh zu erneuern. Und sie warf, weil Allah es so wollte, das alt« Stroh mit den darin befindlichen Scheinen den Schweinen vor. denn Allah hatte ihre Augen mit Blindheit geschlagen. Und die Schweine fraßen die Ersparnisse des Knechtes auf. und Allah wünschte guten Appetit und sorgte für ausgezeichnete Verdauung... Und der unglückliche, wegen seiner Uebervorsicht so hart bestrafte Anecht war, wie gesagt, kein Mohammedaner, sondern ein trostloser christlicher Bayer. RätseNEcke des„Abend" jisa Blflll«« umuimmuiminuüimaaimiiW Silbenrätsel. Aus den Silben ant bal blem dau de den denz di do do ei el em«n eu fel ga gs i il tro tu la lan let ma ma me mut nau nau n« n«n nuch van ra rams re ser t« tcn ten ttk tof trum tur vi wis sind 17 Wörter zu bilden, deren Anfangsbuchstaben van oben nach unten und deren Endbuchstaben von unten nach oben s«n ein Zitat von Goethe ergeben(ch— 1 Buchstabe).— Di« örter bedeuten: 1. Metall: 2. Haremswächter: 3. englische Hafen- ladt: 4. Altpapier: S. Stadt in Thüringen: 6. Streben in bestimmter "ichtung: 7. Gewinnanteil: 8. Tierprodukt: 9. Gebäck: 10. Wagen- art: 11. Kennzeichen: 12. Nordseeinsel: 13. goldreich« Gegend in Guayana: 14. Schiffahrtskundc; 13. Dienstgrad: 10. Fußbekleidung; 17. weiblicher Vorname.— elcr.— Kreuzworträtsel ft« R a a g e r e ch t: 1. Traubensaft: 4. Waldhütte: 8. salzhaltig« WWMWWMWMWWW 12. Besitzt in Italien: 27. Frauenhalspelz: 29. Segelstange: 31. türkischer Titel: 32. nordische Gotcheit: 34. ungebraucht: 36. Baumteil: 38. Frosch- lurchgattung: 41. Teil des Auges: 43. Hast: 46. zweirädriger Karren: 47. Skandal: 49. Nebenfluß der Donau: 30. Abkürzung für eine Ordensauszeichnung: 81. Fluß in Sibirien: 32. spanischer Artikel; 54. musikalisches Vorzeichen: 33. Planet: 37. Theaterplatz: 39. Zeit- Senkrecht: 1. Ort in Nor- rechnung: wegen: 2. 60. deutscher Fluß. pflanze: 11. Stadt in Thüringen: 13. Stadt am Bottnischen Meer- busen: 16. Nebenfluh der Mosel; 18. Fluß in Sibirien; 20. Papageien- art: 21. Nebenfluß des Rheins: 22. italienische Bejahung: 24. Flach- land; 26. teigförmiges Arzneimittel: 28. kleine Insel bei Greisswald: land; 26. teigförmiges Arzneimittel: 28. kleine Insel bei Greisswald: 30. Tierleichnam: 33. mehrstimmiges Tonstück: 35. Scherz: 36. weibl. Vorname: 37. Zweig eines Weinstockes: 39. griechische Siegesgöttin; 40. Abkürzung sür ein Gewicht: 42. Schweizer Dichter: 44. Präposi- tion: 43. Erfrischung: 47. männl. Schwm: 48. Schweizer Nationalheld: 51. Gedichtsart; 53. Anerkennung; 56. ägyptischer Sonnengott: 58. Note,— elav— Spiralemätsel Waagerecht: 2. Getränk: 3. Festung in Frankreich: 3. verstor- bener Staatsmann; 6. weiblicher Borname: 8. Sportgerät: 9«uropäi- scher Staat; 11. Stadt in der Rheinpfalz: 12. Stadt in der Rheinpro- oinz: 14. europäischer Staat; 13. Nachrichten- mittel.— Senkrecht: 1. Tierprodukk; 2 Hand- lung: 4. Schweizer Nationalheld: 3. mann- licher Vorname: 7. Stadt in Assyrien: 8. männ- licher Vorname. 10. Name eines früheren Reichsministers: 11. Fußbekleidung; 13. Ort in der Schweiz: 14. par- lamentarische Körperschaft. W'' flfcd Rösselsprung Der Rösselsprung ergibt einen Ausspruch von Karl Marr Auflösungen in der nächsten Rätselecke. Auflösungen der letzten Rätselecke Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Tee: 2. Aga; 7, Abo; 8. Anam: 9. Lese; 11. Bars; 12. Li«: 13. Otter: 15. Leibi; 16. Ar; 17. Jsa: 18. Eu; 19. Eli: 21. Ar; 22. Do: 23. Uz: 24. in: 23. Tell; 28. Iris; 29. Pneu; 30. ad.— Senkrecht: Talbot; 2. Eberl; 3. Eos; 4. Analyse: 5. Garibaldi; 6. Amsel 8. Abtei; 10. Eier; 14. Tau; 18. Erz; 20. Jon; 21. Au; 23. Tip: 26. Erna; 27. Lied. Silbenrätsek: 1. Warnemünde: 2. Elternbeirat: 3. Idealist: 4. Mussolini: 5. Amalia: 6. Robespierre: 7. Eberl: 8. Reichstag: 9. viebig: 10. Erasmus: 11. Rousseau: 12. Ficht«: 13. Analol; 14. Singer; 15. Sozialdemokratie: 16. Usurpator; 17. Naumann; 18. Serminal.—„Weimarer Berfassung." Ergänzungsrätsel: 1. Termite: 2. Sterlet; Z. Laterne; 4. Austern; 5. Fenster. Nr. 374 48. Jahrgang W W Mittwoch 42. August 1931 Ein neuer Pyrometer Wie mißt man die Temperatur flüssigen Metalb Thermoelemente, sogenannte Pyrometer, werden zum Messen hoher Temperaturen in Gießereien, Härtereien, Glühereien u. m gebraucht. Gerade für Metallschmelzen ist die Kenntnis der Gießtemperatur kurz vor dem Abguß, die naturgemäß höher als die Schmelztemperatur liegt, ungemein wichtig. Eine zu hohe Gieß- temperatur bedingt längeres Erstarren in der Form, was grob- iristallines Gesüge und damit schlechten Guß zur Folge hat. Andererseits verhindert eine zu niedrige Gießtemperatur das Ein dringen des Metalls in alle Feinheiten der Form. Die in die Oefen fest eingebauten Pyrometer, wie man sie gewöhnlich in Gießereien findet, genügen diesen Anforderungen nicht und dienen hauptsächlich nur dazu, eine Ueberhitzung und Brennstosfverschwendung zu ver- hindern. Aus diesen Gedanken heraus baut das Pyrowerk Dr. Rud. ijase in Hannover handliche Geräte in Gestalt eines seitlich mit Handgriff versehenen Meßinstrumentes(Galvanometer), an das sich nach unten ein Rohr anschließt, aus dem bis zu einer gewissen Länge zwei an ihren Enden verlötete Metalldrähte herausragen. Erfährt die Ver bindungsstelle der beiden verschiedenartigen Metalldrähte, die z. B. aus Kupfer und Konstantan, für höhere Temperaturen aus Platin und Platin-Rhodium sein können, durch Eintauchen des Pyrometers in ein Schmelzbad«ine Erwärmung, so fließt ein Strom über das Galvanometer, dessen Zeiger die Temperatur auf der direkt nach Celsiusgraden geeichten Skala anzeigt. Drei Ausführungsarten mit Meßbereichen von 20 bis 800 Grad, 20 bis 1250 Grad und 20 bis 1300 Grad werden gebaut. Beim Eintauchen soll sich das Element etwa 15 bis 20 Zenti meter tief im Bad befinden: ein Druckknopf am Galvanometer hält den Zeiger in der Höchststellung fest, so daß man nach dem Heraus- ziehen des Gerätes bequem die Temperatur ablesen kann. Für hochschmelzbare Kupferlegierungen, Phosphorbronze, Glockenmctallc u. a. sind die rohrförmigen Thermoelemente bestimmt, die bei Beachtung der vorgeschriebenen Vorheizung hohe Tempe- raturen ertragen können und ein« Meßzeit von etwa 15 Sekunden haben. Hierbei wird der weniger widerstandsfähige Draht im Rohr, durch Quarzröhrchen isoliert, zurückgeführt, so daß das Rohrpyro- meter auch für Zinkschmelzen, in denen sich zuweilen bei Drahtele- menten eine elektrisch leitende Brücke zwischen den Schenkeln bildet, recht gut geeignet ist. Schutz vor Metallspritzern bietet«ine Asbest- Umhüllung am oberen Teil des Rohres sowie ein« Blechkoppe, die den Handgriff umgibt._ Schallplatten im Rundfunk In der folgenden kurzen Betrachtung soll von denjenigen Schall- platten die Rede sein, die von Rundfunkgesellschasten im eigenen Betriebe ausgenommen werden. Die Verwendung solcher Platten im Programm ist zunächst von untergeordneter Bedeutung: dagegen bilden sie einen sehr schätzbaren Behelf für die technische Weiter- entwicklung des Rundfunks. Die Schallplatte bietet dem Techniker vor allem die Möglich« keit, die Güte der technischen Geräte, der Mikrophone, Verstärker, Sende- und Empfangsgeräte, zuverlässig zu erproben, darüber hinaus aber die andere, akustischen Fehlerquellen im Aufnahmeraum nachzuspüren. Der Kontrollbeamte sst nicht mehr auf sein Erinne- rungsvermögen angewiesen, wenn er Unterschied« in der Raum- dämpfung, im Widerhall oder in der Stellung des Sprechers zum Mikrophon gegeneinander auswerten will. Für jede solche Unter- suchung bietet die Schallplatte ein« untrüglich« Unterloge. Die Schall- platte ermöglicht es aber auch dem Rundfunksprecher oder-sänger, die eigene Stimme abzuhören und Fehler in der Klangbildung, der Lautstärke und Aussprache vermeiden zu lernen. Als Lehrbehels bei der Heranbildung eines künstlerischen Nachwuchses ist heute schon die Schallplatte aus dem Rundfunkbetrieb nicht inehr wegzudenken. Endlich erlaubt es die Schallplatte, jeden akustischen Vorgang, vor allem aber die menschliche Stimme selbst, vor der Vergänglich- keit zu bewahren. Die„Rückblick« auf Platten", ein« akustisch« Monatsschau, erscheinen bereits regelmäßig im Programm einiger deutscher Sender. Dabei bleibt zu beachten, daß verschieden« Platten, die uns heut« nebensächlich oder unwichtig klingen mögen, ihren wahren Wert erst durch die Zeit erhalten werden. Elektromagnetische Schallplatten ans Stahl. Die Fixierung von Musik und Sprache auf einem Stahlband ist seit längerer Zeit ein- wandstei gelöst(Telegraphen-Apparat von Dr. Stilles). Das Stahl- band wurde dabei mit einer Sekundengeschwindigteit von 3 bis 5 Meter an dem Elektromagneten vorbeibewegt. Allerdings ist die Reproduktion von Unterhaltungsmusik infolge der jedesmal von neuem erforderlichen Umspulung des Bandes umständlich und zeit- raubend. Die Erfindung der elektromagnetischen Schallplatten aus Stahl vermeidet dies« Uebelstände, indem das lange Metallband in Gestalt einer runden Platte spiralförmig aufgewunden wird. Man erhält auf diese Weise«ine Art Platt« von ziemlich gleicher Größe und Stärke der bisher in Gebrauch befindlichen Grammophonplatten. Das beiderseitig isolierte Stahlband ist zirka 3 Millimeter breit, nur % Millimeter dick und mit einer Rille versehen, die zur Führung des Magneten dient. An Stelle der Schalldose wird eine kleine Nadelmagnetdose auf den Tonarm der Sprechmaschine gesteckt. Da» Abspielen erfolgt genau so einfach wie beim Schallplattenapparat, indem entsprechend der Magnetisierungsstärke des schnell rotierenden Stahlbandes der in der Rille laufende Elektromagnet erregt und die Stromschwantungen über einen Grammophon-Verstärker dem Laut- sprechet zugeführt werden. Unverwüstlichkeit, keinerlei Abnutzung zeichnen die Platten aus: dazu sind ferner kein« Radeln nötig. Nebengeräusche werden vermieden, und e» wird eine außerordentlich gute Wiedergabe erzielt. Löte mit Silber! Neuerding» werden Silberlote mit einem Silbergehalt von 10, ZO oder 50 Proz. hergestellt. Je höher der Silbergehalt, je geringer ist die notwendig« Wärm«, um die 28t- arbeiten durchzuführen. Dos Löten mtt Silber hat d«n großen Vor» teil, Lötverbindungen zu liefern, die fester und hastbarer als solche mtt Blei sind, ganz abgesehen davon, daß sie Wärmeeinflüssen wesent- besser widerstehen. Diese Erkenntnis dürfte namentlich für den In- stallateur von ganz besonderer Bedeutung jem, Neue Scliwclffverfahrcn Das„arcogcne" und das Sehweiten mit Aluminiumstaub „Arcogen" heißt ein neuartiges Schwei sj verfahren, das durch die Vereinigung von autogen und elektrischer Schweihung eine hohe Qualität und wirtschaftliche Ersparnisse bietet. Jede normale Anlage, mit Injektor, wie auch mit Gleichdruckbramer, ist zu gebrauchen und bedarf lediglich der Ergänzung durch ei»e zusätzliche Lichtbogen- schweißanlage aus einem Transformator, dein Elektrodenhalter mit Spezialelektrode und einem Schutzhelm bestchend. Der Schweißer hält den Azetylenbrenner in der rechten, die Elektrode in der linken Hand und kann mit Hilfe der im Schutzhelm vorhandenen Gläser, die ihn zugleich vor den ultravioletten Strahlen des Lichtbogens schützen, den Fortgang der SHweißung gut beobach- ten. Wesentlich ist der wirksame Schutz, den da« Brennerflamme dem geschmolzenen Metall vor schädlichen Einflüssen der attnosphärischen Luft verleiht. Die eigenartigen Verhältnisse in der schnellströmenden Gasflamme machen ein Halten des Lichtbogens bei Verwendung von blankem Elektrodendraht ziemlich schwiorig. Daher wird eine umhüllte Spezialelektrode verwendet, die die, leicht« Führung des Schmelzflusses ermöglicht. Umfangreiche Versuche haben gezeigt, daß sich alle autogen schweißbaren Werkstoff« auch arcogen schweißen lassen. Di« erreichte Schweißgeschwindigteit ist etwa doppelt so groß wie die der Autogenschweihung. Infolge ihrer hohen Wärmeleit- fähigkeit eignen sich Kupfer� und Aluminium: besonders gut für das Arcogen-Verfahren. In der Universität Syracuse in Amerika wurden Versuche an- gestellt, um die von der Thermitschweißung her bekannten hohen Temperaturen, die durch Entzündung feinsten Aluminiumstaubes entstehen, für«in normales Schweißverfcchren nutzbar zu machen. Bisher scheiterte die Konstruktion eines geeigneten Brenners an der schwierigen Staubzuführung, dem Schmelzen des Brennermundstückes durch die enorme Wärmeentwicklung und dem häufigen Zurück- schlagen und Ausblasen der Flamme bei hoher Austrittsgeschwindig- keit. Bei dem neu entwickelten Brenner wurden die Aluminium» staub- und Sauerstofszuleitungen in 8 Einzelzuleitungen unterteilt, die an ihren Enden 8 Brennermundstücke haben. Diese 8 Zuleitungen führen mit ihren Mundstücken in einen gemeinsamen zylindrischen Brennerkopf aus Stahl, und zwar derart, daß die gedachten Ver- längerungen der Mundstücke sich etwa 1 Zentimeter vor dem Brennerkopf treffen. Jetzt kann selbst durch einen verhältnismäßig hohen Sauerswffdruck die Flamme weder zurückgeschlagen noch aus- geblasen werden, ferner fällt das Zerschmelzen der Mundstücke fort, da die Flamme im 1 Zentimeter vom Brennerkopf entfernten Brennpunkt brennt. Die Staubzuführung besorgt eine Transport- schnecke. Die Flamme brennt blendend weiß und ruhig und ist ziemlich stabil. Ihre Temperatur soll so hoch sein, daß man damit Molybdän bei 2535 Grad leicht schmelzen kann: dagegen ist Wolfram(3400 Grad) kaum schmelzbar. Bon deutscher Fachseite werden jedoch dagegen folgende Nachteile angeführt: Bildung einer zähen Wu« miniumoxyd-Haut auf dem Schmelzbad anderer Metalle, deren Beseitigung die Anwendung geeigneter Flußmittel erforderlich macht. ferner die Entstehung seiner Aluminiumoxyd-Wolkcn, die sich oft 24 Stunden in geschlossenen Räumen halten und schwer« Un- annehmlichkciten für Personen mit sich bringen. Schließlich ist es noch die geringe Handlichkeit des neuen Brenners im Gebrauch, die kritisiert und die betriebssichere Staubzuführung, die angezweifelt wird. Blumen in der Technik Wie Parfüms gemacht werden 'So seltsam die Behauptung auch erscheinen mag, daß Blu- men ihren Duft verlieren, so ist diese» Tatsache dem Fach- mann fett langem bekannt. In den letzten Jahrzehnten haben manche Arten von Rosen, Nelken, Veilchen ihren Duft eingebüßt, und dieser geheimnisvolle Vorgang zeigt sich besonders deutlich bei der Glockenblume, die wegen ihres starken Geruches stüher Moschus- blume hieß und heute kaum noch duftet. Soweit in Kulturen ge- züchtete Blumen, insbesondere Rosen in Frag« kommen, ist bei vielen Arten aus den Geruch kein großer Wert' gelegt worden, da man größeren Wert auf die Farbe und die Foww legte. Wa» man früher an diesen Kindern Flora» bewunderte, war ihr belebender und stärkender Duft, dem man HeilZrkfte zuschrieb. So sind Rosen und Lilien die ersten Blumen, die von Deutschen ge- priesen wurden, nicht wegen ihrer bunten Färbung, sondern wegen ihres herrlichen Dustes, und aus diesem Grunde wurde auch das schwach duftende Veilchen zunächst wenig beachstt. Je kräftiger und würziger der Geruch war, desto mehr oersprach man sich von der Heilwirkung der Blume und so sind denn in tzevtschen Kloster- und Bauerngärten durch die Jahrhunderte die am stärksten riechenden Blumen gepflegt worden. Da der medizinisch« Wert de» Blunvenduftes heute nicht mehr im Vordergrund steht, so ist damit ein wichtiger Anttieb zur Züchtung starkriechender Pflanzen sortgefallen, andererseits sorgt die P a r f u m i n d u st r i e für die Verwertung der Blumendüfte im großen und so taNn man solche Gerüche sich immer verschaffen, ohne erst die Blütenzeiten abwarten zu müssen. Immerhin hat in neuester Zeit eine Bewegung gegen die Verarmung unserer Gärten eingesetzt, und e» sind verschiedentlich Preis« für Züchtung schön duftender Blumen ausgesetzt worden. Die Welt der Blumendüste bietet der Forßchung noch viele Ge- Heimnisse, von denen sich erst langsam der Schicker zu heben beginnt. Man hat versucht, die verwirrende Fülle der Gerüche in einige große Gruppen einzuteilen entsprechend ihrer organffchen Zugehörigkeit in Körper, die z. B. parafsinoide. benzoloide und terpenoide Düfte enthalten. Aus dem Ausland liegt hier ein System vor. das nur vier Hauptgerüche kennt, nämlich: einen wohlriechenden Geruch(reinen Blumenduft), den Säuregeruch(wie z. B Essig, Kampfer), den Brandgeruch(von gebrannten oder brennenden Gegenständen). Und zuletzt den ekelerregenden Geruch(Verwesung und faule Eier). Diese Grundgerüch« werden in neun verschiedene Stärkestufen eingeteilt, so daß nun die Möglichkeit gegeben ist den Gefamtgeruch durch ein« vierstellige Zahl festzulegen. So wird beispielsweise der Geruch des Vanillins durch die Zahl 6021 ausgedrückt. Man wählt für die erste Wohlgeruchsreihe die Normalzahl 6, und da das Vanillin fast säure- stei ist, kann al» Zahl der Säurereihe 0 gesqtzt werden, während für die Reihen Brandgeruch und ekelerregender' Geruch die Zahlen 2 bzw. 1 festgesetzt sind. Solche Riechstoffe befinden sich aber nicht allein in einer Blüte, sondern vermischen sich im Geruch der einzelnen Blume. Mit der chemischen Analyse ist es immerhin gelungen, Kompositionen herzustellen, die ein Gleichnis der echten Blumendüfte sind Die natürlichen Blumendüfte enthalten sämtlich einen Kohlen- Wasserstoff, und da an den Ausscheidungen dieses Gases die Kohlen- säure«inen hervorragenden Anteil hat, so kann man sich daraus die überaus stark« Wirkung mancher Blumen auf den menschlichen Organismus erklären. Es ist bekannt, daß der Geruch von Tube- rosen, Narsissen und ähnlichen starkriechenden Blumen Kopfweh her- vorruft. Die Chemie hat auch festgestellt, daß die Duftstoffe der Blüten durch Wärm«, dann auch durch Wasser und durch Sauerstoff ver- ändert werden, wie jedoch die Pflanze diese Riechstoffe herstellt, ist noch nicht klargelegt Wie ich schon eingange erwähnte, sorgt für die Verwertung der Blumendüst« die P a r f ü m i n d u st r i e. Betritt man eine Riechstosfabrik, so sieht man lang« Reihen von Mahl- Maschinen, Destillationsapparaten, Rühraggregate, Bottiche und Korbflaschen. Hunderte Zentner an Blüten wandern in jeder Saison durch diese Räume. Hauptsächlich nach drei Verfahren wird den Blüte» der Riechjtoij entzogen: Durch die warme Maceration. durch die kalte„Enfleurage' und durch die Exstaktion mit Aecher. Für jede der zahlreichen Blütenarten ist eins der drei Verfahren am geeignetesten und die Methode, die von dem Riechswff der«inen Blüten ohne Schaden vertragen wird, würde den der anderen voll- ständig zerstören. Interessant ist die kalte Enfleurag«. Hier stecken in einer auf Glasplatten aufgebrachten cremartigen, gelben Mass« Hunderttausende verschiedenster Blütenarten, von denen die einen noch ganz frisch, andere jedoch beretts dahingewelkt find. Und jedes Duftmolekül, d. h. alles, was an ätherischem Oel in der Blüte vorhanden, saugt dies« gelbe Creme auf. Es liegt nun die Frage nahe, welche Masse eine derartige Aufnahmefähigkeit für ätherische Oele aufweist: Es ist Buller! Und zwar Butter, die bereits über ein Jahrzehnt alt ist, ja sein muh. Würde man stische Butter hierzu verwenden, so wäre man erst nach 8 bis 10 Iahren in der Lage, daraus wohlriechende ätherischen Oele zu destillieren. In der Zwischenzeit entweichen näm- lich immer noch Zerfallsprodukte der Butter selbst im Destillations- Prozeß, so daß man durch jahrelang sortgesetztes Erwärmen und Schmelzen der Butter diese vollkommen austreiben und abdeftillieren muß, bis sie mit ätherischen Oelen gesättigt ist, damit bei schwachem Erwärmen die Oele leicht abdeftillieren. Der hohe Wert liegt hier in dem Alter der verwendeten Butter. Dieses Verfahren ist kein Betriebsgeheimnis, denn es wird sich so leicht kein Unternehmer finden, der erst einen in zehn Iahren rentablen Betrieb eröffnet. Karl Meier, Chemiker. Was es Neues gibt Ein praktischer Znhalaiionsapparat. Vor kurzem ist ein neuer Jnhalationsapparat auf dem Markt erschienen, der infolg« seiner handlichen Form und schnellen Gebrauchseinstellung einen wesent- lichen Fortschritt auf dem Gebiete der häuslichen Krankheitsvor- beugung bedeutet. Das Gerät beruht auf dem Prinzip der Elektto- bodenheizung und wird einfach an die Lichtleitung angeschlossen. Bei Verwendung kalten Wassers gibt er innerhalb 6 bis 8 Minuten, bei Verwendung warmen Wassers schon in 2 bis 3 Minuten Dampf. Der Apparat ist universell für die Spannungsbereiche 100 bis 130 oder 200 bis 240 Volt zu verwenden. Die Umänderung der Spannung geschieht durch Verschieben einer beweglichen mittels Kordelmutter feststellbaren Elektrode. Dadurch kann der Elektrodenabstand ver- gröhert oder verkleinert und somit der für die jeweilige Spannung maßgebende Widerstand eingestellt werden. Im übrigen kann die Einstellung der Elektrode mittels vorhandener Markierungen von jedem Laien leicht vorgenommen werden. „Trapez-Schallschirm"— ein neues Radiogerät. Mit einem neuen Schallschirm, der durch Reichspatent geschützt ist, hat eine rheinische Firma ein Lautsprechergerät auf den Markt gebracht, das sich bereits viele Freunde erworben hat. Der neue Apparat,«in Mittelding zwischen Schallschirm und Lautsprechergehäuse, oerfügt trotz seiner kleinen Maße von 75X50 Zentimeter über eine außer- ordentliche Lautstärke. Der Trapez-Schallschirm hat das Schalloch unten an der Vorderseite des Schallschirms, nicht wie bisher in der Mltte, und ist unten durch einen dreieckigen Boden verschlossen, so daß hinter dem Schallschirm«in trichterförmiger Raum entsteht, durch den ebenso wie durch den vorderen Schallschirm die Schall- schwingungen abgeleitet werden. Der Apparat wird in einer Zimmerecke angebracht und durch Filzstreifen mtt den beiden an- grenzenden Zimmerwänden fest verbunden, so daß sich die Schall- wellen auch an den Zimmerwänden entlang fortpflanzen. Durch diese dreifache Fortpflanzung der Schallwellen werden Deutlichkeit und Tonstärke erheblich verbessert. Die höchsten Rundfunksender der Welt. Der bisher h ö ch st e Rundfunksender auf dem P i c du Midi(etwa 1000 Meter) ist jetzt von der bolivianischen Sendestelle La Poz Übertroffen worden, die 3500 Meter hoch liegt. So mußte es kommen! Gegen rücksichtslose Schnellbootfahrer D«r Regi«rungspräslÄent in Potsdam hat an den markischen Wossersportbeirot folgendes Schreiben gerichtet: „Zahlreiche Beschwerden über rücksichtsloses Fahren von Renn- Motorbooten sowie über das unerträgliche, lärmende Knattern mancher Kraftboote, die in letzter Zeit sowohl bei mir eingingen als auch in der Tagespresse laut wurden, veranlassen mich, auf folge cid es hinzuweisen: Die Verwaltung der märkischen Wasserstraßen möchte an sich gern die zur Zeit für Motorboote zugelassenen Fahr- g e s ch w i n d i g k e i t e n soweit erhöhen, als es an- gängig ist, um dadurch auch ihrerseits zur Entwicklung leiftungs- sähiger deutscher Motoren beizutragen. Das Verhalten einzelner Schnell- und Rennbootfahrer, die durch rücksichtsloses Fahren außer- halb der Regatten dos Publikum gefährden und durch unnötigen, ohrenbetäubenden, knatternden Lärm die Ruhe auf den Wasserstraßen stören, lassen es mir aber immer wieder Zweifel- Haft erscheinen, ob die beabsichtigten Erleichterungen tatsächlich schon am Platze find. Zum mindesten könnte ich derartige Erleichterungen nach den letzten Erfahrungen nur für solche Boote in Aussicht stellen, die mit einer wirksamen, neuzeitlichen Schalldämpfung versehen sind, wie sie nach meinen Erkundigungen neuerdings für all« besseren Schnellboots- und Außenbordsmotoren geliefert werden können. Vor allem aber könnten auch nur solche Fahrer eine solche Ausnahmegenehmigung erhalten, die nach ihrer ganzen wassersportlichen Vergangenheft die Gewähr dafür bieten, daß sie auch bei schneller Fahrt die erforderliche Rücksicht gegen andere Wassersportler nicht vergessen. Fahrern, die weiterhin durch rücksichtsloses Fahren und unnötigen Motorenlärm dem ruhigen Sportpublikum den Aufenthall auf und am Wasser verleiden, würde ich eine solche Ausnahme- genehmigung jedenfalls nicht erteilen sonnen, sondern ich würde mich sogar genötigt sehen, ihnen die Benutzungder Wasser- straßen mit solchen Schnellbooten überhaupt zu untersagen. Wenn ich Ihnen diese meine Stellungnahme hierdurch mit der Bill« um weiteste Verbreitung zur Kenntnis bringe, so lasse ich mich dabei von der Hoffnung leiten, daß alle einsichtigen Motor- bootsfportler daraus solche Folgerungen für ihr Verholten auf dem Wasser ziehen werden, daß mir die Möglichkeit bleibt, meine spart- freundliche Einstellung auch gegenüber dem Motorbootsport bei- zubehalten, und daß ich nicht etwa genötigt werde, die Benutzung von Schnellbooten ganz allgemein von dem Erwerb eines besonderen Erlaubnisscheins ob- hängig zu machen. Jeder gewissenhafte Motorbootsportler muß meines Crachtens darüber unterrichtet sein, worin die ver- hängnisvolle Wirkung zu schnellen Fahrens an Engstellen, vor Steilufern oder auf flachem Wasser und dergleichen besteht, worauf sie zurückzuführen und wie sie zu vermeiden ist."' Oer Deutschlandflug 1931 Beginn der icdmischen Prüfungen Auf dem Flugplatz Berlin-Staaken begannen die Wettbewerbe des Deutschlandfluges 1931 mit den technischen Prüfungen. Den Anfang machte die Auf- und A b r ü stu n g s p rüf u n g, bei der als Höchstzeit 20 Minuten vorgeschrieben sind. Jeder Bewerber, der diese Zeit überschreitet, scheidet automatisch aus dem Wettbewerb aus. Die Wertung steht als höchstsrreichbore Punktziffer die Zahl 6 vor. Wenn diese auch keiner der 19 Teilnehmer erreichte, so ist es doch erfreulich, festzustellen, daß die Maximalzeit in keinem Falle überschritten worden ist. Die besten Leistungen zeigten Theo E r o n e i ß- Fürth mit seiner neuen BFW. und Ho g e n- Travemünde(Arado), die es auf je 5 Punkte brachten. Je 4 Punkte erreichten die vier Berliner Siebel, Poß, Dinort(alle Klemm) und Ofterkamp(Arado). Am langsamsten waren die beiden Damen Liesel Bach und Ell! Bein- harn(beide Klemm), die beide nur je 1 Punkt erhielten. Bei der Ausrüstungsprüfung gab es im Höchstfalle 39 Punkte, die jedoch keiner der Bewerber auch nur annähernd erreichte. Theo Croneiß stellte hier unter Beweis, daß er mit feiner Maschine den modern- sten Apparat im Wettbewerb hat. Das Preisgericht sprach ihm 13 Punkte zu, während der nächstbeste, Dedenhausen(Junkers jr.), es nur auf 11 Punkte brachte. Hagen und Ofterkamp bekamen je 19, Reinhold Poß 9 und Siebel 8 Punkte. Die nun folgende Gering st gefchwindigkeitsprüfung ist insofern von größter Bedeutung, als sie bei Notlandungen in den meisten Fällen ausschlaggebend ist für das Gelingen derselben. Ein Abweichen über ein bestimmtes Maß von der vorgeschriebenen Flugstrecke und Höhe macht die Wiederholung der Prüfung not- wendig, jedoch wird bei der Wiederholung nur die Hälfte der vorge- schriebenen Punktzahl zuerkannt. Lm allgemeinen waren auch hier die Leistungen außerordentlich zufriedenstellend, denn der größte Teil der Bewerber tonnte die Geschwindigkeit so herabsetzen, daß im Durchschnitt nur einig« 70 Stundenkilometer herauskamen. Besonders Pech hatte Elli Beinhorn, deren Maschine stark imifetzte, daß die Tragflächen des Tiefdeckers den Weg verdeckten, wodurch sie von der vorgeschriebenen Flugstrecke abkam, so daß sie zur Wiederholung gezwungen war. Das Ergebnis der technischen Prüfungen, das erst am Freitag- abend errechnet sein wird, ist zugleich die Startreihenfolge zum Streckenflug, so daß der beste aus der technischen Prüfung als erster zum Streckenflug starten kann. Die Flugzeuge der Gruppe I geben, weil sie stärkere Motoren haben, außerdem der Gruppe II noch eine entsprechende allgemeine Borgabe. Auf die Interessen des sportliebenden Publikums ist also bei diesem Deutschlandslug im Gegensatz zu den bisherigen internationalen Rundflügen weitgehendst Rücksicht genommen worden. Wer also den am Sonnabend und Sonntag stattfindenden Streckenflug mit Start und Ziel in Berlin- Tempelhof als erster beendet, ist auch Sieger des ganzen Weit- bewerbs. Lndmnden bei„Schwarz-Rot-Gold" Im Beisei» von zahlreichen Ehrengästen, unter denen sich u. o. Frau Luise Eberi, Posizeioizepräsident Dr. Weiß und Bürgermeister Mielitz befanden, wurden trotz der zeitweiligen Regenschauer die Spiele der Endrunden des Verfassungsturniers, veranstaltet vom Tennisklub Schwarz-Rot-Gold. planmäßig durchgeführt. Es siegten im Herreneinzel A Dr. Kahl-BSE. über Bergmann-BSC., iin Dameneinzel A Frau Rost-Dahlem über Fräulein Zehden-Gelb-Weiß. Im Herreneinzel L Schneider-BSE. über Rasmussen-BSC. Im Dameneinzel Ii Fräulein Kast-BSC. über Fräulein Zehden-Gelb- Weiß. Im Mixed ö Frau Hübinger und Herr Meißner-Schwarz- Rot-Gold. Im Damendoppel A Frau Rost-Dahlem und Frau Fabian-Gelb-Wciß über Frau Dr. Mente-Schwarz-Weiß und Frau Beier-Burgund. Alle Spiele boten guten Sport und die Ehren- preise waren hart umstritten. Die Preisoerteilung oereinte Spieler und Zuschauer im Kaisersaal der Zoo-Festräume. Oer DHAC. in Potsdam Zur Feier des Verfassungstages veranstaltete die Motorbootabteilung. Gruppe Havel des Deutschen Reichs- Auto-Clubs, am Sonntag eine Auffahrt, an der sich die Mit- glieder des Republikanischen Motor-Jacht-Clubs von Deutschland be- teiligten. In Kiellinie fuhren die Boote vom Stößenseegemünde an der Pfaueninsel vorbei durch Potsdam nach dem Luftschiffhafen. An den Ufern, wie auf dem Wasser erregte die stattliche Auffahrt von 33 Booten, geschmückt mit den schwarzrotgoldenen Farben der Re- publik, großes Aufsehen. Ganz besonders die Bevölkerung von Potsdam zeigte großes Interesse und begrüßte die Boote bei der Durchfahrt an der Potsdamer Brücke. Kurz vor dem Luftschiff- Hafen traten vereinbarungsgemäß die Boote der Havel-Aktidns- gruppe Schwarz-Rot-Gold Potsdam dazu. Nach dem Hissen von drei schwarzrotgoldenen Flaggen fand eine gemeinsame Kaffeetafel statt. an der auch Teilnehmer der Autoabteilung und vom Motorradkartell teilnahmen. Der Letter der Motorbootabtellung des DRAE., Ober- ingenieur Franz Braun, gab ein begeistert ausgenommcnes Be- kenntnis zur Republik ab. „Deutschland— Frankreich1* Die Olympiabohn bringt den großen Steherkampf Das Hauptinteresse bei der großen radsportlichen Veranstaltung am Sonntag auf der O l y m p i a b a h n wird dem Steher- Länderkampf Deutschlan d— F r o n k r e i ch gelten, in dem die drei ausgezeichneten französischen Dauerfahrer Lacquehay, G r a s s i n und Maronnier gegen die drei deutschen Lang- streckler Sawall, Krewer und D e d« r i ch s antreten werden. Dieser Kampf, der insgesamt über 119 Kilometer führt, sieht ab- weichend von dem sonst üblichen Aüstragungsmodus, zunächst drei Verfolgungsrennen über je 19 Kilometer vor. Die Einteilung dieser Läufe hat eine vollkommen ausgeglichene Besetzung, so daß schon in diesen drei Begegnungen mit äußerst fesselnden Kämpfen gerechnet werden kann. Es treten in diesen Verfolgungsrennen an: Sawall gegen Lacquehay, Krewer gegen Grassin und Dederichs gegen Maronnier. Alle sechs Teilnehmer am Länderkampf bestreiten außerdem noch gemeinsam zwei Läufe über je 49 Kilometer, in denen einmal die Franzosen und einmol die Deutschen beim Start die drei ersten Plätze einnehmen werden. In den Verfolgungsrennen gibt es jedesmal? und 1 Punkt, während die Plätze in den beiden 49-Kilometer-Läufen mit 6, ö, 4, 3, 2 und 1 Punkt bewertet werden. Es ist neben dem Länderklassement auch ein Einzelklassement der sechs Teilnehmer vorgesehen. In der von den vier Sprintern Stesses, Engel, Osz- m e l l a und Bernhardt bestrittenen Revanche zur Deut- schen Fliegermeisterschaft startet zunächst jeder Fahrer gegen jeden der drei Gegner, so daß man eine Wiederholung der Elberfelder Entscheidungskämpfe um die deutsche Meisterschaft in den Läusen Oszmella— Bernhardt und Stesses— Engel erleben wird. Außerdem sind noch zwei Viererläufe vorgesehen. In den Zweier- läufen gibt es 2 und 1 Punkt, in den Viererläufen jedesmal 5, 3, 2 und 1 Punkt. Die Rennen beginnen um 16 Uhr. Frei« ZUederschSnhauIrn.«bt. P<>»l«w. peSe�bteil»»«: S'chunq lZ. August, 20 Ai>r. bei Lcwminn. Aufftellunq der MonMchaften und Meldeschluß ,ur Serie. Zi'.I-resl-nre» und Anfänger wMoinui-». Kand- ballabtellnug: Sißung IZ. August bei Lelm« NN. Jugend und Männer suchen»ur Vcrnollftändcgiing der Mnnnschalt noch Inlerffenten. ATS«., Veru»»ltuu»ta»»schußsiK-»g Donnerstag, 13. August. IS'-i Uhr, in fcfr Nrersgeschäftsstclle. R»derbe, irl. Sitzung bei Schmidt, Schöncroeide, Berliner Straße 98. Ucbungsahend jeden Dienstag und Donnerstag. Ze»»i,de,i»I Wedding. M'ilglieberverianrmlung A Uhr im Sporthaus Rehbergc. Bejirl Lichtenberg. 20 Uhr Funktionärsttzung bei Rittcr. Freie Schwimmer tlcharlotieaburg, staanabtcilung. II. August Training im BootÄmus irm 18 Uhr. 20 Uhr Monotssttzung. Tennis-Rot Groß. Berlin., Adt. Rentoll». Donnerstag, 13. August. Al'Z Uhr, Mitaliederversomml-.lng im Cafe Reinhardt, Halcnheide öl. Lichtbildervortrag. Freie Faltbootsahre» Berlin. Donnerstag. 10. August, 20 Uhr. Krupp« Norden: Jugendheim Brunnenplatz,„looo stilometer im Fastboot, vom Inn bis gur Slhr."— Gruppe Nordosten: Restaurant Schädel, Prenzlauer Allee 32. „Was es avi der Olnmznoid« gab.'— Gruvv-. Stidvsten:„Schlestlche Heimgi" Neue Fricdrichstr. 1 sWuisendrllcte). Vortrag:»Knipsen, aber mit Berstonb." Sonntag, 18, August, Pslichtsahrt fiir alle Gruppen nach bem Ktzrtser Zelt. gelände zur großen humoristischen Aequatortaitte, Abfahrt der Istae am Sonn. abend 12.42, 14.32, 15.00, 16.16, 18.46, 31 ,26, und Sonntag 7.05 und 7.12 Uhr ob Gorlitzcr Bahnhof bis Ffcupitz-Groß.stäris. Gäste stets wllltommen. Rnderuerein Collegia. Freitag, 14, August. leine Mitglicdervcrsarmnlung. Sonnabend, 13. August, 17 Uhr, Tammcrg-neralv-rsanunlung bei Srausst in Gatom. Um 16 Uhr ebenda Bcrfammlung der erwerbslosen Mitglieder. »nitelbezr-l Weißens««. Donnersiag, 12. August, 20 Uhr, ÄMteBfliaag M Peters. Lichtcndergcr Straße. �. Urbeiter.Phot». Gilbe Berlin. Donnerstag, IS. August, 30 Ahr, Dunkel- lotraftet Wassertorstr. 9, Dreifchal-ncntwicklung. Frei« Photo-Bereiniguag. Donnerstag. 13. August, 20 Uhr, Phnsckzinuner der weltlichen Schule Pank. Ecke Metenstraße. Dt««rheitsgemeinjchaft proletarischer Vollstan, kreise nenansdaltet Witt. woch, l2. August, 20 Uhr, auf der Spielwiesic 4 im Treptower Park, nahe gor pfenieich einen Bolkstanzabend. Bei Eintritt der Dunkelheit wirb der Platz durch Zockelst deleuchtet. Es werden Potts- und Iugendtänze getanzt. Als Un- kastenbeirag stlr Musik werden 10 Pf. pro Person erhaben. Gäste herzlich wlll- kommen. Rückschau. . Der Dienstagabend stand im Zeichen der Verfassung?- feiern. Die gemeinsame Veranstaltung der Reichsregierung, der preußischen Regierung und der Stadt Berlin in der K r o l l o p e r wurde übertragen. Eine anschauliche Reportage führte dann die Hörer unter die festliche Schar vor dem Reichstag, bis die lieber- tragung der deutschen Versafsungsseier in New Pvrk einsetzte. Die Summe dieser Abenddarbietungen schloß sich zu eindrucksvoller Einheit zusammen. lieber das Thema„Der Arbeitslose in der Volks- b! ld u n g* sprach Dr. Otto Stammer. Er betonte, daß die sinnvolle Ausfüllung der den Arbeitslosen aufgezwungenen Freizeit eine dringende Notwendigkeit ist, wenn diesen unglücklichen Menschen nicht jeder Holt im Leben verlorengehen soll. Deshalb genügt es nicht, ihnen Berufsfortbildiing zu geben. Nur durch die seelische Erfassung des ganzen Menschen kann den oft auf sehr lange Zeit aus Beruf und Arbeit Gedrängten genützt werden. In Gemeinschaft mit den Gcwerkschaftsverbänden find beretts eine Reihe von Einrichtungen geschaffen worden, die der Gesamtbildung der Arbeitslosen und damit der Herausarbeitung lebenswerter Ziele dienen. Die Erwerbslosenbildung in Gemeinschaft mit den Gewerk- jchasten ist auch gerade darum so wertvoll, weil hier im Zusammen- schluh mit Gleichgesinnten der Erwerbslose nicht so leicht von dem Gefühl ergriffen wird, daß er, für dessen Arbettskraft es keine Ver- Wendung gibt, ein Ausgestoßener der Gesellschaft ist. Im Programm der Deutschen Welle schilderte Felix Stöfs inger die moderne Französin, die durchaus nicht dem Bild entspricht, das sich die meisten Menschen in Deutschland von ihr machen. Sie hat zwar auch heute noch kein Wahlrecht errungen: aber ihr Anteil am wirtschaftlichen Leben ist eher größer als der Anteil der deutschen Frau. In Frankreich sind prozentual ..mehr Frauen berusstätig als bei uns, und die französische Frau ist auch in die größte Anzahl der männlichen Berufe eingedrungen. Am erstaunlichsten ist für den Deutschen die große Anzahl der I u r i st i n n e n, die auch zahlreich als Rechtsanwätte vor den Gerichten plädieren. Auch als Apothekerin, Chemikerin und Ingenieurin ist die Französin zahlreich tötig. In einem Zyklus„Die Frau auf dem Throne" behandelle Dr. Mario Kram m er„Königin Luise von Preußen". Seine Ausführungen waren von wenig kritischer Sachkenntnis ge- trübt. Die charmante, politisch aber höchst unbegabte Frau um- kleidete er mit dem heroischen Schimmer verstaubter Geschichte- legende. Daß sie gegen den weitsichtigen, staatsklugen Freiherrn vom Stein den Hofmann Hardenberg ausspielte, rechnete ihr der Vortragend« anscheinend sogar zum Lobe an. To?.- Mittwodi, 12. August. Berlin. VSHS AW. AMeihinr- UottrhaltunKsniusik. 17.30 Hans Rewald: Hcilwirkunff der Karikatur. 17.55 Kinder äußern sich über moderne Kindermusik.(Gertrud van Eyserca mit der Kuntcrbunt-Truppc.) 15.55 Albert Daudistel liest ciÄcnc Erzählungen. 18.45 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 15.50 Blasorchcster-Koozert. 19.50 Ing. J. Boehmcr: Eine Viertelstunde Technik. 19.�5 Stefan Fingal: Geist und Glück im Spiel. 3C.00..Der häusliche Krieg'*. Oper von Franz Schubert. Dir.: Sclmar MeyrOwitz. 21-00 Tages- ynd Sportnachrichten. 21.10„Heitere Bilder um und von Jcrome K. lerorne". Ein Querschnitt von Renäe Christian. 22.15 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königs Wusterhausen. 10,00 Hamburg: Konzert. 17.00 Min.-Rat Dr. Carl Haslinde: Zentralstelle für Schulfunk. 17.A0 Ohrjnann: Hausmusik für Harmonium. 18.00 Theodor Kappstein: Urheimat zweier Weltreligionen. 18.30 Schwerin: Die großen politischen Parteien in der Karikatur. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Theodor Koten r: Geschicbtsblättcr a�s der Bcanitenbewcgung. 19.23 Dr. H. Relsscr: Zahlungskrisen der Vergangenheit. 20.00 Breslau: Monstrekonzert. 22.00 Dr. Jose# Rauscher; Politische Zeitungsschau. Kartoffeln Woißschalige.,».......... 5 Pfund 1B Pfjj. Blaue Oderwälder.......... 6 Pfund 18 Pfg. Gelbfleischige............ 5 Pfund 18 Pfg. Deutsche Fettheringe StUck 6 Pfg. Neuer Sauerkohl Pfund 16 Pffl- Konsum- Genossenschaft Berlin und Umgegend a. 8. m.b.H. Berlin- Lichtenberg, Rittergutstraße 18—30 Flora 3434 Raadien erlaubt ettel Hofelnger-Sextett, Bourlakoff-Truppo, Syd-Fox, LasTurleetConche-Franskyasw. »v.uhr CASINO-THEATERs«/, uti Lothringer Strafe 57. iiieiitf im iNiiioeii um iiiiiii im in im iNiiiinif im iiiiiiiiiii, Wiedereröffnung 15. Aug Modern renoTiert! Modernes Progr.: Das entzfickeade Lustspiel Das Parfüm meiner Fran. Dazu ein etstkl. buntes Programm. Für die Leser- Gabdietn 1— 4 Pers. Faultuil 1.23 M.. Sessel 1,50 M. Sonstige Pr.: Rang Mitte I M., Parkett 73 Pf., Rang 60 Pf. BETRIEB-• A KEMPIHSKIlJ Theater desWestens Tägl. 5 u. 8V. Volksvorstelluntfen Viktoria und ihr Husar RimssterPI. 0.50 M. Teuerster PI. 2.— M. Honuscne opar Fricdrichstr. 104 8Vi Uhr Frauen haben das gern... Muslkal. Schwank von Arnold Musik v. Wall. Kollo Sommerpr. 0.50-7.00 Kietropoi-Theatcr Täglich 8'it Uhr Die Toni aus Wien Mady Christians, Michael Bohnen RuriOrstennamm- Theater Bismarck 448/49 |»% ührl Die schöne Helena roo lacqietonoBtae Bcola; Max Relntardl Inserate im (J Vorwärts sichern Ccfolfll