BERLIN Donnerstag 13. August 1931 10 Pf. Nr. 376 B 155 43. Jahrgang erscheinttiglich außerEonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts''. Bezugspreis beide Ausgaben 8t» Pf. pro Woche» s.koM. pro Monat. Liedaktion und Expedition: DerlinSWSS.Lindenstr.Z Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297 f,\£iWaiß& Anzetgenpret«: Die einspaltigeNonpareillezeile Ky Pf., Reklamezeile S M. Crmäßigunoen nach Tarif. Postscheckkonto: DorwärtS-Verlag G. m. b. H- Berlin Nr. 87 536.— Der Verlag behält sich da« Siecht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Oeutfchnationale Korruption Deutschnationale Wohnungsbaugesellschast in Braunschweig zusammengebrochen B r a u n s ch w e i g, 13. August. sEigenberieht.) Nach dem Krach der Devaheim» in dem außer dem dülkifchen Rechtsanwalt Brandes, dem Verteidiger im Jßehoer Bombenlegcrprozeß» mehrere rechtsstehende Würdenträger der evangelischen Kirche verwickelt sind» wird ein neuer nationaler Korruptionsfall bekannt: In Brau»schweig ist soeben gegen den KeschLsts- sichrer der Wohn- und Zweckbau G. m. b. H. Straf. antrag gestellt worden» da er 48 000 Mark unterschlagen hat. Unter seiner Leitung hat die mit einem Kapital von SO 000 Mark ausgestattete Gesellschaft Verluste in Höhe von 170 000 Mark erlitten. Obwohl also nach den gesehlichen Bestimmungen längst der Konkurs hätte angemeldet werden müssen» haben die nationalen Hintermänner versucht» die Gesellschaft zu halten. Die Hauptgcsellschastcr sind sämtlich führende deutschnationale Politiker. Ihnen waren die Unterschlagungen, die bis in das Jahr 1028 zurückgehen» seit längerem bekannt. Sie hatten allen Anlaß» Vertuschungspolitk zu treiben. Die Wohn- und Zweckbau G. m. b. H. wurde auf das stärkste von dem deutschnationalen Finanzminister Küchenthal unterstützt, der ihr mehr Hauszins st euermittel bewilligte als sämtlichen gemeinnützigen Baugenossen- schaften und Baugesellschaften Braunschweigs zusammen. * Die durch diesen neuesten Korruptionsskandal heillos kompromittierten deutschnationalen Politiker gehören den Kreisen an, die seit Jahren gegen den gemeinwirtschaftlichen Wohnungsbau und ganz besonders gegen die Errichtung des mustergültigen Bebel-Hofs in Braunschweig mit den gröbsten Verunglimpfungen Sturm liefen. Sie sind Mitglieder der Partei, die den traurigen Mut besessen hat, im Preußischen Landtag die Einsetzung eines Ausschusses zur„Prüfung der Verwirtschaftung öffentlicher Gelder im Wohnungsbau" zu beantragen. Wir empfehlen den Herrschaften» die Prüfung der öffent- lichen Finanzierung des Wohnungsbaues Berufeneren zu überlassen, die auch die moralischen Qualitäten mitbringen, und sich auf die Bildung von Untersuchungsausschüssen zur Prüfung der Korruption in den nationalen Wirtschafts- kreisen zu beschränken. Man muß leider nttr befürchten, daß hier niemals Untersuchungsausschüsse» sondern nur Ver- tuschungsausschüsse gebildet werden! Lahusens Opfer. Immer neue Kündigungen bei Nordwolle. Delmenhorst, 13. August. Die Leitung der Norddeulschen Wollkämmerei und Kammgarn- spinnerei hat weiteren 300 Personen die Kündigung zugestellt. Wie verlautet, hat die Verwaltung die Absicht, die hauploerwal- lung wieder von Bremen nach Delmenhorst zurückzu- verlegen. Ferner beabsichtigt die Direktion der Rordwolle. den Betrieb nach und nach aus eine Schicht umzustellen. In diesem Falle muß mit noch weiteren Kündigungen gerechnet werden, da für den Betrieb mit einer Schicht schätzungsweise nur 1600 bis 1L00 Arbeiter nötig sein werden. Die Not der Gemeinden. Seratung der Neichsratsavsschüffe.- Brüning berichtet. In den vereinigten Ausschüssm des Reichsrales werden heute ans Wunsch der Länder die Regierungsmaßnahmen der letzten Wochen und besonder» die finanzielle Rotlage der Ge- weindeu besprochen. Reichskanzler Dr. Brüning hat längere Anssührnogen dazu gn-'-ichf Die Beratung ist vertraulich. i 3)ie Aufräumungs- arbeiten i bei Jüterbog lllil Spesialhränen neuester ZKonstruklion werden die enlgteiften 3>-3,ugwagen wieder auf das Qleis gehoben Baumwolle wird vernichtet. Ein Drittel der Ernte soll zerstört werden. Washington, 13. August. Der Federal Farm Board hat den Gouverneuren der 14 baumwollerzeugendeck Staaten telegraphifch anemp- fohlen, den Pflanzer« nahezulegen, ein Drittel der bevorstehenden Baumwollernte einfach zu vernichten. Als Gegendienst verpflichtet sich der Farm Board, seinen Ueberschuß an Baumwollvorräten ein Jahr lang zu ver- Nichten. Der Farm Board erklärte in einem Telegramm: Wenn dieser Vorschlag voll durchgeführt wird, so be- deutet er eine Verminderung der gesamten Baumwoll- Vorräte um mindestens 4 Millionen Ballen und eine Ein- schränkung der Belieferuug des diesjährigen Marktes um weitere drei Millionen Ballen. Ein tolleres Beispiel für die Widersinnigkeit des kapitalistischen Auf in den Sportpalast i Freitag 20 Uhr OttoBraun: Der Volksentscheid Otto Wels; Gebt uns die Macht! Wirtschaftssystems hat es noch nicht gegeben: Ein Drittel der Baum- wollernte der Bereinigten Staaten soll vernichtet werden, weil die Größe der Ernte auf der einen Seite und die Absatzschwierigkeiten auf der anderen Seit« die Preise so gesenkt haben, daß nur ein« Massenvermchwng des Produktes sie heben kann. Hunderttausende von amerikanischen Baumwollsarrnern gehen wirtschaftlich zugrunde, weil sie„zuviel" produziert haben. Hunderttausende von Baumwollspinnern sind arbeitslos, weil es für Baumwollwaren keine Käufer gibt. Hunderttausende und Millionen von Menschen laufen schlecht bekleidet herum, weil sie nicht genügend Geld haben, um sich Stoff und Kleider aus Baumwolle zu kaufen. Die Massen hungern nach Baumwollwaren— die Textilarbeiter hungern, weil sie kein« Baun»wollwaren herstellen können— die Farmer verhungern, weil sie zuviel Baumwolle haben: das ist die Situation des vollendeten Wahnsinns, in die sich die kapitalistisch« Wirtschaftsordnung hineinbegeben hat. Ein gemeiner Hakenkreuzmord Neichsbannervorfihender von Lagow niedergestochen. Am Sonalag. dem Tage des Volksentscheids, kam es in L a g o w im kreise Zielenzig zo einem empörenden lleberfall von haken- kreuzlern aus Reichsbannerkameraden. Die Razi.SA.-Gr«ppe pelersdorf. die durch ihre Schlägereien und Ausschreitungen in der ganzen Gegend bekannt ist, trieb auch am Sonntag in Lagow ihr Unwesen. Eine Gruppe in Stärke von etwa 10 bis 15 Mann begab sich geschlossen, zum Teil in voller Uniform ausgerüstet, in das viertel der Stadt, in dem die meisten Republikaner wohnen. Dort kam es auch bald zu heftigen Wortwechseln mit Reichsbanner- leulen. Die Razis wurden tätlich und stachen dem Vorsitzenden des Reichsbanners, Arbeiter DaulMüller.in feigster und gemeinster weise von hinten ein Messer in den Rücken. Müller brach zusammen. Er mußte in das Krankenhaus Meserih übergeführt werden. Sein Zustand ist sehr bedenklich, da infolge ver- letzung des Rückgrats eine Lähmung eingetreten ist. Als Täter kommt eln petersdorfer SA.-Allge>- höriger in Frage, als Mittäter bzw. Helfer der Sausmaau Feodor Seydel j u n. und ein Horst Wienfkowski, beide Mitglieder der braunen Mordgarde Wetter für Berlin und weitere Umgebung: Teils wolkig, teils Heller und am Tage etwas wärmer.— Für Deutschland: Im Süd- osten noch etwas Regenneigung, sonst vorübergehende Wetterbesse- mag und geringe Erwärmung. Verbrechersuche bei Jüterbog. Polizei verfolgt mehrere Spuren. Bei den llnlersuchungskommissioaen zur iluskläruag des Zülerboger Eisenbahnaltenlals herrscht weiter hoch- betrieb. Krimina trat Gennat Hot wieder im Berliner Polizeipräsidium sein Hauptquartier aufgeschlagen, Kriminalkommissar Dr. Bern- dorsf ist noch gestern abend nach Klo st er Zinna zurückgekehrt, wo er zusammen mit den Kommissaren Lehmann und Dr. Wächter die Ermittlungen sortsehen wird. Die Nachforschungen gestalten sich immer schwieriger, trotzdem wäre es verfrüht, schon jetzt zu behaupten, daß sie auf ein totes Gleis gelangt sind. Nun fetzt die M o s a i k a r b e i t ein: Hunderte Zeugenvernehmung in Zinna von Spuren müssen oerfolgt werden, und der Beamtenstab ist kaum ausreichend, um alles überprüfen zu können. Tag und Nacht wird ohne Unterbrechung an der Aufklärung des Verbrechens gearbeitet. Die Sprengkörper waren an der Unterseite des Schienenstücks angebracht. Bei der Explosion scheint auch nur die Schiene und der Unterbau in Mitleidenschaft gezogen zu sein, denn an den Wagen konnten bisher keine Explosivschäden festgestellt werden. Der ge- samte Unglllckszug ist als Beweismittel sichergestellt worden. Der Zug wird nach seiner restlosen Wiedereingleisung in seiner ursprüng- lichen Wagenfolge zusammengekoppelt, und dann wird Professor Dr. Ritter im Verein mit einem Eisenbahnsachverständigen nochmals alles Erforderliche überprüfen. Diese Maßnahme wird sich besonders auf den Unterbau der Wagen beziehen, die bisher nicht kontrolliert werden konnten, da sie sich bei der Entgleisung zum Teil tief in das Erdreich einbohrten. Wie uns noch von der Unfallstelle berichtet wird, schreiten die Eingleisungsarbeiten weiter rüstig vorwärts, so daß in kurzer Zeit mit der Wiederaufnahme des Normalverkehrs zu rechnen ist. Oer Beschluß des Zenirumsvorstandes. Die Bundesgenossen des Volksbetrvgs und das Zentrum. Die„G e r ni a n i a" versieht den gestrigen Beschluß des Zentrumvorstandes mit einer leisen Ermahnung an die Volks- entfcheidsparteien: „Vor ollen Dingen aber müssen wir eins hervorheben. Es ist eine falsche Unter st ellung, wenn das in der Oeffentlich- keit stark kritisierte Verhalten der preußischen Zentrumsminister als Affront gegenüber anderen Parteien bezeichnet und ausgedeutet wird. Das heißt den preußischen Zentrumsministern eine Absicht unterschieben, die sie in keinem Falle gehabt haben. Leider haben sich einige mittlere Parteien dadurch, daß sie beim preußischen Volksentscheid mit den extremen Parteien rechts und links zusammengegangen sind, mitten in einen unschönen Kampf begeben, und es ist wiederholt die Frage aufgeworfen worden, ob es nicht klüger gewesen wäre, wenn sich dies« Parteien, Nock) dazu beim Hinzutreten der Kommunisten, überhaupt absentiert hätten. Aber auch darüber erscheint uns jetzt eine Auseinandersetzung überholt und post lestum über- flüssig" Gegenüber dieser Sanftmütigkeit führt die„Deutsche All- gemeine Zeitung" ein« sehr energische Sprache, sie ruft die Volksentscheidsparteien zur Rebellion gegen das Zentrum auf: „Wir vermögen jedoch in diesem Beschlüsse keine aus- reichende Genugtuung für die Illoyalität zu er- blicken, die das preußische Zentrum dem Reichskanzler und den fünf Parteien zugefügt hat, die ihn unterstützen. Diese Parteien haben nun ihrerseits das Wort, und wir möchten nicht daran zweifeln, daß ihre Sprache deutlicher fein wird als die des gestrigen Zentrumsbeschlusses." Hier wird zu neuem Krach gehetzt. Man hört förmlich den Revolver der Reichstagseinberufung knacken. Kommunistischer Mörder verhafiei. Oer Mörder des Kölner Stahlhelmführers ermittelt. Köln. 13. August. Die Ermittlungen nach dem Mörder des Gaugeschästssührers 0c» Stahlhelm Köln, Albert Heister, der in der Nacht zum Sonntag vor seiner Haustür durch einen Pistolenschuß getötet wurde, haben Erfolg gehabt. Als Täter kommt der der Kommunistischen Partei angehörend« 2Sjährig« Arbeiter Theodor Dürwcrdt aus dem Martinsfeld in Köln in Frage. Dürwerdt hatte nach der Tat sogleich die Pistole seinem 18jährigen Parteifreund, dem Ar- bester Heinrich Nicksch, übergeben. Nickfch hat jetzt zugegeben, daß er die Waffe von Dürwerdt zugesteckt bekommen hat. Die Pistole wies noch sieben Schuß auf. Ein Schuß war abgefeuert worden, und zwar muß dies erst unmittelbar vor der Beschlagnahme der Waffe geschehen sein. Hinzu kommt, daß die am Tatort gefundene Patronenhülse genau in die Pistole paßt. Dürwerdt bestreitet noch immer die Tat. Das Beweismaterial gilt als vollkommen ein- wandfrei. „?iheinisch-Westfälische Zeitung'" verboten. Essen, 13. August. Der Oberpräsident der Rheinprovinz hat mit sofortiger Wirkung die„Rheinisch-Westsälische Zeitung" auf die Dauer von 1 4- Tagen nerboten. Der Grund für das Verbot ist ein Inserat vom 8. August, das zur Beteiligung am Volksentscheid aufforderte. Nie„vergeßlichen" VerfaWgsredner Oer Freiherr vom Giein und die neue Legende Preisend mit viel schönen Reden haben am Verfasiungstag nacheinander der Reichsfinanzminister Dietrich, der Reichskanzler Dr. Brüning und der Oberbürgermeister Dr. S a h m den Frei- Herrn vom Stein gefeiert. Im übernächsten Monat sind es 18 Jahre her, daß man auch allen Grund gehabt hätte, seiner zu gedenken. Es waren da hundert Jahre seit der Schlacht von Leipzig verflossen, und der letzte Hohenzoller wäre nicht der gewesen, der er war, wenn er eine so schöne Gelegenheit zu ausgiebiger Feierei nicht gründlich benutzt hätte. Wie es in einer Monarchie nicht gut anders möglich ist, wurde damit gleichzeitig eine großzügige Reklamepropaganda für die Firma verbunden: die Männer, die alles getan hatten, wie Stein, mußten bescheiden zurücktreten, Scharnhorst wurde sogar vollkommen„vergessen". Dafür aber dem König Friedrich Wilhelm III., der nichts getan, ja alles Nützliche nur nach Möglichkeit verhindert hatte, alles Verdienst zugeschrieben. Die frechste Verhöhnung der historischen Wahrheit war die Prägung einer Gedenkmünze mit der Inschrift:„Der König rief, und alle, alle kamen!" In Wahrheit waren sie früher oder später alle gekommen: auch der König— zuletzt. Das war in den finsteren Tagen der Monarchie. Was wir an ihrer Stelle heute haben, ist leider nicht so wundervoll, daß wir mit gar zu mitleidigem Achselzucken auf sie herunterblicken könnten. Daß der Oberbürgermeister der deutschen Reichshauplstadt noch 12 Zahre nach Annahme der republikanischen Verfassung das Wort„Republik" kaum über die Lippen brachte, ist an dieser Stelle schon bemerkt worden. Es blieb leider nicht nur bei diesem Wort. Solcher— sagen wir neutral„Vergeßlich- k e i t e n" gab es so viele, daß der historisch halbwegs Orientierte sich wieder lebhaft an die herrliche Zeit des noch weit Herrlicheren erinnert fühlte. Da meinte der Herr Oberbürgermeister, daß an den für das deutsche Volk immer wiederkehrenden Zeiten der Niederlage, Not und Verzweiflung„die zentrale Lage im Herzen Europos" die Schuld trage. Nun saßen aber die Preußen, als sie sich auf den Weg nach Sedan machten, genau an derselben Stelle wie beim Aufbruch nach Jena. Der Wohnsitz kann also unmöglich das Unglück ver- schuldet haben. Ueber die wahre Ursache hat sich just der Freiherr vom Stein ganz eindeutig geäußert, als er am 3. Januar 1806 über die damaligen politischen Versäumnisse Preußens an den Freiherrn von Vincke schrieb: „Hätte eine große moralische und intellektuelle Kraft unseren Staat gelenkt, so würde sie die Koalition... zu dem großen Zweck der Befreiung Europas von der französischen Uebermacht geleitet haben. Diese Kraft fehlte dem König. Ich kann ihm, dem sie die Natur versagte, usw." Es ist recht merkwürdig, daß unsere Verfassungsfestredner zu den unwahrscheinlichsten Konstruktionen greifen müssen, wenn so einfache Erklärungen in den Quellen stehen. Da steht noch recht vieles, das ihnen entgangen ist: Daß der Zusammenbruch, aus dem Stein wieder herausführen muhte, lediglich daher kam. daß mau den Staat nicht auf die Vaterlandsliebe des„gemeinen" Mannes, sondern auf den Hoch- mal bevorzugler Stände hatte gründen wollen. Daß der König mitten in der schwersten Krise, am 4. Januar 1807, aus Leidenschaft und persönlichem Haß den besten Mann Preuß«ns fortjagte als einen„widerspänstigen, trotzigen, hart- näckigen und ungehorsamen Staatsdiener, der, auf Genie und feine Talente pochend, weit entfernt fei, das Beste des Staates im Auge zu haben". Daß es groteskerweise just Napoleon war, der dann am 28. Juni 1807 bei der ersten Begegnung mit Friedrich Wilhelm auf einem Floß des Memelstromes die Wiederanstellung Steins dem König ausdrücklich ans Herz legte:„Lroner lo Baron de Stein, c'est un komme d'esprit!")(Nehmen Sie den Baron Stein, das ist ein Mann von Geist!") Ohne diesen Wunsch Napoleons wäre der jetzt so gefeierte Reichsfreiherr nie zur Entfaltung seiner genialen Gaben gekommen. Denn zwei Eigenschaften haben ihm bei der deutschen Herrenklasse von jeher von vornherein diskreditiert: Genie und Charakter. Damals stempelte man einen solchen Man« zum Jakobiner, heute würde man ihn als Marxisten behandeln. Selbst wenn er von Geburl ein altfränkischer Edelmann wäre! Man hätte ferner daran erinnern können, daß sofort nach Be- kanntwerdung des Bauernbefreiungsedikts in den adligen Kasinos gejammert wurde:„Lieber noch drei Schlachten von Jena und Auerstädt, als dieses Gesetz! Daß selbst der Eisenfresser Jorck ingrimmig murrte über das..Natterngezücht der Reformer" hauptsächlich im Hinblick auf die zu ändernden Besitz- Verhältnisse. Daß diese Herrschaften denn auch dafür sorgten, daß das Edikt lange genug ein Stück Papier blieb. So hätte man noch viel« historische Tatsachen anführen können, die das deutsche Volk vielleicht veranlaßt hätten, darüber nachzudenken, ob nicht noch die- selben Kräfte am Werk sind, um jede Reform zu verhindern. Denn was damals das Emanzipationscdikl war. sind heute auf dem Papier gebliebene Verordnungen über die 40- Stunden- Woche, gegen die Kartelle usw. Aber gerade solche fatale Gedankengänge sollten wohl vermieden werden, daher die seltsamen Lücken und Verschleierungen der Ver- fassungsreden. Was da erzählt wurde, war vielleicht Geschichte. aber kein« vom Volk ausgehende, sondern von der Klasse. Ob in diesem Geiste wirtlich das versprochene„neue" Deutschland auf- gebaut werden kann? Der Anblick gibt den Zuschauern einstweilen keine Stärke... G. H. Tragödie einer Kranken. Auf eigenen Wunsch erwürgt. Die Tragödie einer schwerkranken betagten Ar au hat in Eharlattenburg ihr tragisches Ende gefunden. In der Rehrlag st raße erwürgte der öS Jahre alte Händler Karl S u a e r t seine um zwei Jahre ältere Ar a u auf deren eigenen Wunsch, um sie von jahrelangen Qualen zu befreien. Räch der Tat stellte sich Sunert selbst der Polizei, die ihn dem Amtsgericht in Eharlattenburg zuführte. Kunert war seit 28 Jahren mit seiner Frau Ernestine ver- heiratet. Aus dem Bunde sind zwei Kinder hervorgegangen. die aber lange erwachsen und selbst schon verheiratet sind. Sie wohnen auch nicht mehr bei den Eltern. 5kundert betrieb einen kleinen Handel mit Schnürsenkeln und ähnlichen Bedarfsartikeln, und die Verhältnisse un Hause waren recht kümmerlich. Frau Kunert litt seit über drei Jahren an schwerer Gicht, und alle Heilungs- oersuche waren erfolglos geblieben. Wenn die Anfälle einsetzten, hatte sie furchtbare Schmerzen zu ertrage� und fand nächtelang keinen Schlaf. Die verheiratete Tochter nahm sich in solchen Zeiten der Mutter an und schlief mit ihr in einem Zimmer, während der alt« Vater sich nebenan ein Lager aufschlug. Das Unglück wollt« es, daß die Tochter vor 14 Tagen selbst erkrankte und in ein Kranken- haus gebracht werden mußte. So war Kunert mit seiner Frau allein. In der vergangenen Nacht setzten die Gichtanfälle, wahrscheinlich unter dem Einfluß der kühlen und regnerischen Witterung, mit großer Kraft wieder ein. Die alte Frau konnte nicht einschlafen und weinte vor Schmerzen. Sie bat ihren Mann, sie zu töten, damit die Qual ein End« habe. Lange sträubt« sich Kunert gegen das Verlangen, dann ober faßte er den Hals her Leidenden und drückt'« zu. Wie er später angab, war seine Frau schon nach wenigen Augenblicken verschieden. Nachdem er sich überzeugt hatte, daß sie tot war, kleidet« er sich an und begab sich nach dem 12S. Polizeirevier in der Schloßstraße. Hier schilderte er, was er getan hatte und aus welchen Gründen. Beamte, die sofort nach der Wohnung gingen, fanden alles bestätigt. Die jahrelange Krankheit hatte die bedauernswerte Frau so abgezehrt und entkräftet, daß der Körper nicht mehr widerstandsfähig war. Kunert wurde festgenommen und dem Amtsgericht eingeliefert. Oer Kommunistenmord in Wien. Haussuchungen in der(Sache(Semmelmann. Graz, 13. August. Wie die„Grazer Tagespost" meldet, wurde in Altenburg im Zusammenhang mit der seinerzeit erfolgten Ermordung des kom- munistifchen Geheimagenten Semmelmann«ine Haussuchung im Schlößchen eines Berliner Kaufmanns vorgenommen, da seinerzeit bei Scmmelmann eine Geldanweisung auf einen höheren Betrag in Reichsmark gefunden wurde, die von einem Absender mit dem Namen des Kaufmanns ausgestellt war. Die Durchsuchung förderte eine Reche kommunistischer Flugschriften und anderer Dokumente zutage. Es wurde festgestellt, daß der älter« Sohn des Schloßbesitzers, ein Student in Berlin, der Kom- munistifchen Partei angehört und mit Semmelmann in sehr reger Korrespondenz stand. Als Mittelsmann scheint dessen jüngerer Bruder, ein ISjähriger Gymnasiast, verwendet worden zu sein, der nach dem Ergebnis der Untersuchung ebenfalls bereits für die politischen Bestrebungen seines älteren Bruders lebhaftes Interesse zeigte. So wurden die meisten Angestellten des Schlößchens, aber auch zahlreiche Personen aus der Umgebung der Ortschaft als Mit- glieder der Kommunistischen Partei geworben. Der Kaufmann ist gegenwärtig in Berlin, und seine Frau, die mit den bechen Söhnen in Altenburg wohnt, scheint von dem Treiben ihrer Kinder und deren Parteizugehörigkeit nichts gewußt zu haben. Verhaftungen sind bisher nicht vorgenommen worden. Wieder politische Bluttat? Zm(Schönebevger(Stadtpork niedergeschossen. In der vergangenen Rächt wurde der Zojährige. Erich Braun aus der Isoldestraße im Schöneberger Sladtpark offen- bar im verlause einer Schlägerei von politischen Gegnern nieder- geschossen. B. fand im Krankenhaus Aufnahme. Von den Tätern fehlt bisher jede Spur. In Weißensee wurden gestern, wie berichtet, vier Kom- m u n i st e n festgenommen, die gegen den Revieroorster Ober- lcutnant B o e ck e r schwere Drohungen ausgebracht hatten. In der letzten Nacht find in diesem Zusammenhange abermals sieben Personen verhaftst worden, die dem Kampfbund gegen den Faschis- mus angehören. In mehreren Wohnungen wurde belastendes Schriftenmatsrial gefunden und beschlagnahmt. Gesinnungstheater in Moskau. Meyerhold, der gefeierte Moskauer Theaterleiter, hat so- eben die Saison seiner Bühne beendet. Das Theater hat für zwei Monate feine Pforten geschlossen, hinter denen freilich nicht die Ferienruhe wie sonst herrscht. Ein Sturm ist über Meyerholds Bühne hinweggegangen und droht nicht nur den künstlerischen Leiter des Theaters, sondern auch das Unternehmen selbst in Mitleidenschaft zu ziehen. Die Meyerhold-Bühne sieht sich plötzlich von einer geschlossenen Front der Sowjetkritiker heftig bestürmt. Man ist mit Meyerhold sehr unzufrieden, weil er in der letzten Spielzeit ein Stück heraus- gebracht hat, das lebhaftes Mißfallen erregt«. Es handelt sich um „Eine Liste der Wohltaten", das Werk des jungen Theoterautors Olefa. Die Heldin des Stückes, eine Frau namens Gontfcharowa, begibt sich im Lauf der Handluyg nach Paris, um die kapitalistische Welt besser kennenzulernen. Die offiziellen Kritiker nannten das Stück eine Dummheit, ein scheinheiliges konterrevolutionäres Werk, und sie verlangten, daß es unverzüglich vom Spielplan abgefetzt werde, und daß sich Meyerhold rechtfertige. Dieser protestierte und erklärte, daß allein der Klub der Schriftsteller berufen und zuständig sei, ein« Entscheidung in dieser Angelegenheit zu fällen. So wurde dieser Tage das Klubhaus der Schriftsteller der Schauplatz einer nicht alltäglichen Veranstaltung. Vor einem Parkett von 500 Zuhörern spielten drei Schauspieler der Truppe Meyerholds die Szenen, an denen man Anstoß genommen hatte. Als die Vor- führung zu End« war. herrschte eisiges Schweigen im ganzen Saal. Niemand wagte zu applaudieren. Da trat der Hauptankläger, Karl R a d e t, der sich neuerdings als eine Art Literaturpapst aufgetan hat(man vergleiche sein anmaßendes Vorwort zu Pilnjaks Roman „Die Wolga fällt ins Kafpifche Meer"), auf das Podium und er- klärte:„Die Konzeption dieses Stückes ist erbärmlich und stupid. Es beweist eine große Kühnheit, den Skeptismus der Intelligenz von neuem zu beleben und dem Proletariat demoralisierende Szenen aus dem Pariser Leben vorzuspielen, die geeignet sind, seinen Glauben zu erschüttern. Dieses Stück muß unverzüglich aus dem revolutionären Spielplan entfernt, die Schuldigen dieses Skandals müssen bestraft werden." Meyerhold versuchte, sich zu rechtfertigen. Er berief sich auf die künstlerische Freiheit, kam aber gegen den allgemeinen Widerspruch und dos Hohngelächter nicht auf. liniere Forderungen an SSriining Qlänasend befuchte iKreismUgliederterfammhmgen der Partei Die sozialdemokratische Dlikzliederversammlung de» Kreise» Tleraarlen, die erste nach dem Scheitern de» Volksbelruge» vom S. August, war übersülll. Landlageabgeorduelcr Offo Meier und Reichetagsabgeordneter Siegfried Aufhäuser referierten. Genosse Otto Meier führte aus: Der 9. August war ein Ersotg der«ozialdemotratie, aber ein Erfolg in der Abwehr» nicht im Angriff. Die Mehrheit des Volkes hat eingesehen, daß mehr auf dem Spiele stand als die Neuwahl eines Landesparlaments. Es ging um politisches Sein oder Nichtsein der deutschen Arbeiterklasse. Kein Zufall war es, dah gerade Preußen angegriffen wurde. Preußen ist seit 1918 die Bastion der Demokratie. Der Abwehrerfolg ist in der schweren Notzeit größler Arbeitslosigkeit errungen durch die beispiellose Disziplin, den Kamps und Opfermut und die heroische Geschlossenheit der Sozial- demokratie. Wieder hat die Sozialdemokratie Deutschland vor Wirtschaft- f sichern und politischem Chaos gerettet. Wieder war der ärmste Sohn der getreueste, der Mühen, Drangsal und Lebensgefahr nicht scheute, troxdem nur die politische Demokratie zu verteidigen war und die wirtschaftliche Demokratie noch keineswegs erreich ist. Die Abstimmung bewies, daß kollettivistrsches Bewußtsein in der Ar- beitertlasse lebendig ist. Sie kann nicht verantwortungslos handeln. Dieser Sachbefund beleuchet den katastrophalen Zu- sammenbruch der kommunistischen Taktik. Di« Ver- luste der gegnerischen Stimmen in Berlin gegenüber dem 14. Sep- tember fallen in der Hauptsache zu Lasten der Kommunistischen Partei, deren Mitglieder offen gemeutert haben. Aber wir würden uns schwer täuschen, wenn wir glaubten, daß Zufriedenheit und Begeisterung die Ursache des Fernbleibens gewesen wären. Nein, die Kommunisten, die der Abstimmung fenblieben, sind ebensowenig zufrieden wie wir, sie standen aber darin in Uebereinstimmung mit uns, daß sie die offenkundig konterrevolutionäre Tenden.; dieses Volksentscheides erkannten. Außenpolitisch: Interessen Moskau» bs- stimmten die Haltung der Zentrale. Jetzt ist die Kommunistische Partei innerlich aufs schwerste erschüttert. Durch die politischen Meuchelmord« an Polizeibeamten sucht sie den Ausweg, um durch ein Verbot der Kommunistischen Partei in das Dunkel der Jlle- oalität zu flüchten. Ein Verbot der Kommunistischen Partei wäre ein grober Fehler. Sollen die Führer Rechnschaft oblegen vor ihren Parteigenossen! Die Sozialdemokratie aber muß den moralischn Gewinn ausnützen: sie muß dies auch gegenüber der Reichsregierung tun. Nokverorduungs Politik, die sich nur gegen die Arbeiterklaffe richtet, ist auf die Dauer untragbar. Das muß Brüning mit aller Deutsichkeit gesagt werden. Di« So- zialdemokratie hat eine große Chance erhalten. Es heißt, sie aus- nutzen.(Lebhafter Beifall.) Genosse Aufhäuser führte aus: In den letzten zwei Monaten, in denen wir dreimal an, Abgrund standen, waren es immer nur die Arbeiter, die durch Opfer, Selbstzucht und politisch Schulung die technisch« Nothllfe darstellten. Sie haben ein Recht, zu verlangen, daß au» dem Geschehen die politischen Konsequenzen gezogen werden. Die Sozialdemokratie hat nicht den Kapitalisten zuliebe gehandelt. Im Gegenteil: sie erkennt und geißelt die Fehler und die Gewissenlosig- teil der Wirtschaftsführer. Wir wollen nicht immer nur die Gebenden, sondern auch die Empfangenen sein. Es genügt nicht, daß die Bankschalter wieder geöffnet sind. Die Vorgänge bei der Dresdner Bank, der Danatbank und der Schröderbank haben be- wiesen, daß der Einfluß des Staates auf die Banken und ihre Kontrolle durch ihn aufrechterhalten werden muffen. Ebenso ist eine konkrolle der Karlelle und eine Monopol- konlrolle notwendig. Die sogenannte nationale Selbsthilfe ist eine Illusion. Sie würde zu einer wirtschaftlichen Blockade Deutschlands führen. Diese nationale Selbsthilfe, von der in den Blättern der Reaktion soviel geschwärmt und gefaselt wird, würde zu einem Lohndruck und zu einem weiteren Abbau der Sozialgesetz- g e b u n g führen. Die Arbeiterschaft müßte zu einem Stillhalte- konsortium werden. Brüning sprach in seiner Versassungsrede von einer„Zusammenfassung aller aufbauenden Kräfte". Das klingt ver- dächtig nach Burgfrieden.-- Es darf keinen Burgfrieden mit dem Faschismus geben! Es muß Hitler mit feinen helfelshelfera mit aller Energie angc- griffen werden. Das ist auch außenpolitisch notwendig. Der Angelpunkt' unserer Außenpolitik ist die Notwendigkeit der Verständigung mit Frank- reich. Auch Amerika gibt uns kein Geld, wenn wir uns nicht vor- her mit Frankreich verständigt haben. Wir müssen gegen die Kriegs- Hetzer im eigenen Lande vorgehen, ebenso wie die französischen So- zialisten und Friedensfreunde gegen ihre Nationalisten kämpfen müssen. Das französische Volt ist ein Volk der kleinen Sparer. Es will wissen, wem es durch feine Finanzinstitute sein Geld leiht. Der Verständigung mit Frankreich durch den Kampf mit den deutschen Nationalisten vorzubereiten, ist die geschichtliche Aufgabe der deutschen Sozialdemokratie. Der 9. August hat da» Signal gegeben, eine reinliche Scheidung gegenüber der deutschen Reaktion und ihren kommunistischen Lakaien durchzuführen. Dieses Signal muß von der Partei und von der ArbeiterNasse verstanden werden. Wir dürfen nicht länger stillstehen, wir müssen angreifen! Nur dann wird der Volksentscheid mehr als ein bloßer Abwchrsicg über die Reaktion, dann wird er eine wichtige Etappe auf dem Wege zum Siege der Arbeiterklasse,(«türmische Zustimmung.) Eine vom Vorsitzenden Genossen Hennig begründet« Re- solution, die scharfe Mahnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosig- lest verlangt, wurde einstimmig angenommen. Die Lehren des Volksentscheids. Die Kreismitglisderoersammlung. die der Kreis Spandau am 12. August nach Kochs Festsälen einberufen hotte, erfreute sich eines außerordentlich starten Besuches. Ueber 1900 Personen füllten den großen Saal, die Stimmung war die oller- best«. Der Kreisvorsitzende Genosse Adolf Guth eröffnet« die Versammlung mit Worten, in denen er der Erbitterung der Ar- beiterschost darüber Ausdruck gab, daß beim Volksentscheid die Kommuni st en im Bunde mi�t den Faschisten der Arbeiterschaft in den Rücken gefallen sind(Lebhaftes Pfui!) Der Redner des Abends, Landtagsabgeordneter Genosse Kuttner, führte zu dem Thema„Die Lehren des Volksent- scheids" aus: Das widernatürliche Bündnis Seldte-Hugenberg-Thäl- mann hat nicht zum Erfolg geführt. Jetzt beschuldigen sich die un- sauberen Alliierten gegenseitig, an der Niederlage schuld zu sein. Hugenbergs Presse behauptet, daß die Kommunisten dem Volksent- scheid mit Absicht geschadet hätten, die Kommunisten behaupten, Hugenberg habe den Abstimmungskampf„gedämpft". Beides ist gelogen. Deulschnalionale wie Kommunisten haben bis zum lehien Augenblick mit den gemeinsten nnd verlogensten Hetzereien für den Sieg gekämpfl. Gescheitert sind sie an dem gesunden Sinn der Wühler, die Kommunisten nam-mllich an dem nicht zn , täuschenden klasseniastlnkl der Arbeiterklasse. (Lebhaftes Sehr richtig!) Um sich der drohenden Auseinander- setzung in der eigenen Partei zu entziehen, greift jetzt die kommu- nistisch« Parteileitung zum wilden Putschismus. Die Schüsse am Bülowplatz, die ebenso verbrecherische wie wirkungslose General st reikparol« in den Betrieben, sie zeigen, dah den kommunistischen Führern kein Opfer— wenigstens der anderen — zu hoch ist, um die Folgen ihrer Berrätertaktik von sich abzuwenden. Für die Sozialdemokratie kommt es nicht allein darauf an, die Situation agitatorisch auszunutzen. Der Sieg der Republik vom 9. August muß bis zu den Landtagswahlen vom Mai 1932 auch durch politische Leistungen gefestigt werden. Bor allem ist es notwendig, dah Parteileitung und Reichstagsfraktion Herrn Brüning sehr energisch an seine Versprechungen aus Re- vision der Notverordnungen erinnern. (Lebhafte Zustimmung). Eine Rettung des Staates, die durch Per- nichtung von Millionen Existenzen erkauft wird, ist auf die Dauer keine Rettung. Ferner fordern wir, daß aus den Zusammenbrüchen und Fehllei st ungen der kapitalistischen Wirtschaft die gesetzgeberischen Konsequenzen gezogen werden, daß vor allem die staatliche Bankenkontrolle kommt. Es muß mit sozialer Einsicht, aber auch mit republikanischer Festigkeit re- giert werden. Wir wollen uns nicht durch das Gewinsel irgend- welcher Kaffeehausliteraten über Gefährdung der Pressefreiheit stören lassen, wenn den intellektuellen Urhebern des S t r a ß e n t e rr o r s und des Meuchelmordes von der Regierung das Handwerk gelegt wird, denn die Hetzer sind schlimmer und gefährlicher als die blinden Werkzeuge! (Stürmische Zustimmung.) wird mit sozialer Einsicht und republikanischer Zestigkeil regiert, so werden die Preußenwahlen im ZNai die Niederlage der Salaslrophenpoliliker beim Volksentscheid voll- enden.(Stürmischer Beifall.) Angesichts der einmütigen Zustimmung der Versammlung zu diesen Ausführungen wurde auf eine Diskussion verzichtet. Mit einem begeistert ausgenommenen Hoch auf den Frieden, die Re- publik und die Sozialdemokratie schloß Genosse Euch die Ver- sammlung. Der Löwe von Zermatt Von Rudolf Ändert Zwei jungen deutschen Bergsteigern ist vor kurzem— am 31. Juli 1931— eine Bergfahrt gelungen, die die Lösung eines der größten alpinen Probleme, wenn nicht die des größten überhaupt darstellen: die Bezwingung der Matterhorn-Rordwand, jener furchtbaren Steil- flanke, die in einer absoluten Höhe von etwa 1200 Meter gegen den Matterhorngletscher niederstürzt. Es ist jene Wand, die mit halbem Gesicht nach Zermatt niedersieht, unten fast senkrecht anwachsend, oben scheinbar leicht zurückgeneigt. Zu kleinem Teil berührt man sie aiich, wenn man auf dem gewöhnlichen Anstieg über den Schweizer Grad den Gipfel erreichen will und sich unterhalb der überhängenden Platten gezwungen sieht, nach rechts— also in die Nordwand— hinaus zu quälen. Di« Riesenflanke stellt eigentlich den idealsten Anstieg zum Matterhorn dar: wenn es bis heute nicht gelang, sie trotz der verschiedensten Versuche zu durchsteigen, so mag man schon hieraus die ungeheuren Schwierigkeiten ermessen, mit denen sie sich gegen ihre Bewerber verteidigt. Wie bei so vielen anderen Wand- durchquerüngcn ist es auch hier eine einzige gewaltige Rinne, die einen Auffkkeg-möglich erscheinen läßt, eine Rinne allerdings, die von ständig niederprasselnden Eis. und FelstrümMern bestrichen wird, denen auch der gewandteste Bergsteiger zum Opfer fallen kann. Ein klassisches Beispiel hierfür bietet die berüchtigte Pallavicinirinne am Großglockner, die, nebenbei gesagt, ebenfalls von den Nordwand- bezwingern, Franz und Toni S ch m i d, bereits unter h«n un- günstigsten Verhältnissen„gemacht" wurde. Es mag uns Deutsche mit Stolz erfüllen, daß es zwei Landsleuten gelang, diese beispiellose kühne Tour zustande zu bringen— eine Tat, die sich ruhig neben die Erstersteigung des Löwen von Zermatt selbst durch Edward Whhmper im Jahre 186S stellen kann. Fast unwillkürlich ruft die Lösung des letzten Wandproblems an dem einmaligen Berg die Erinnerung wach an jene denkwürdige Erstersteigung des steinernen Riesen, die vor nunmehr 06 Jahren— am 14. Juli 1865— vollendet wurde. Ein Schweizer und ein Engländer waren es, die als erst« den Fuß auf da» bis dahin nie betretende Haftpt des für unersteiglich gehaltenen Giganten setzten: der Führer Michael Croz und der Engländer Edward Whymper, ein fanatischer Bergsteiger, der sich die Bezwingung des Matterhorn als Lebensaufgabe gesetzt hatte. Nicht weniger als siebenmal wurde er zurückgeschlagen, ein furchtbarer Sturz an dem Tete äs lion, der ihm fast das Leben getostet hatte, tonnt« ihn nicht zurückhalten: und wirklich wurde ihm beim achten Male auch die Genugtuung zuteil, sein Ringen von Erfolg gekrönt zu sehen. Gleichzeitig mit ihm versuchte ein anderer das Wagnis. Der Italiener Iean-Antoine Carrel, ein Bergführer und Jäger aus dem Laltournanche an der Südseite des Theodulpasscs. Whymper versuchte oft und oft, Carrel für sich zu gewinnen— jener aber, halb und halb dem Engländer zusagend, verband sich schließlich mit seinem Landsmann Giardono, um mit diesem den Berg zu erobern.— Aber Whymper. der das Ziel seines Lebens unter allen Umständen als erster erreichen wollte, war schneller— in Michael Croz. dem berühmten Mann aus Shamonir, fand er den Begleiter, den er für seine großartige Tour brauchen konnte. Ein Zufall führte ihn mit dem ersten Besttiger des Monte Rosa zusammen, dem Reverend Hudson aus London, der sich mit seinem Schützling Hadow der Portie anschließen wollte: dazu kam der junge Lord Douglas mit zwei Zermatter Führern, dem be- kannten Peter Taugwalder und dessen Sohn. Sieben Leute brachen von der Schweizer Seite aus auf, und die sieben Leute erreichten auch in der Mittagsstunde des 14. Juli 1865 die Spitze, Croz und Whymper zuerst, nach Uebcrwindung unsäglicher Mühen und Ge- fahren. Mit jauchzendem Freudengeheul begrüßten die Sieger das Land zu ihren Füßen, während man sie gleichzeitig von Zermatt aus mit dem Fernglas sah und der Telegraph das große Ereignis der staunenden Welt kundgab. Und mit dem wahnsinnigen Schrei der Ueberlegenen auch riefen sie zu den geschlagenen Italienern unter Carrels Führung hinib, die von der anderen Seite eben anzusteigen begannen und nun nach dem Siege der anderen im tiefsten betroffen, in ohnmächtigem Zorn wieder umkehrten. Nach einer Stunde ging es wieder bergab, da man die gefähr» lichsten Stellen noch bei gutem Tageslicht überwinden wollte. An- fangs schien olles gut zu gehen, bis man zu den blankpolierten Platten etwa zweihundert Meter unterhalb des Gipfels kam, die schon im Anstieg soviel zu schaffen machten. Croz ging voran, dann kam der junge Hadow, der unsicherste der sieben. Hudson und Douglas folgten, dann die beiden Taugwalder, während Whymper den Schluß macht«. In einem Augenblick, als sich Croz gerade umwandt«, geschah das Fürchterliche: Hadow glitt aus, traf den vor ihm gehenden Croz in den Nacken, die zwei kamen ins Gleiten, rissen Hudson und Lord Douglas mit und rutschten sausend gegen die Kant«, über die hinweg der Weg in das Nichts führt«... Die anderen klebten in entsetz- lichem Schrecken an der Wand, bereit, im nächsten Moment ebenfalls mitgerissen zu werden; aber nichts dergleichen geschah, denn das Seil riß gerade zwischen Douglas und dem älteren Taugwalder entzwe!. Und während die drei Geretteten in maßloser Angst mehr als eine halbe Stunde reglos an den Stein gepreßt dahingen, lagen die vier, die in das Bodenlose hinausgeflogen waren, irgendwo an Felsen oder tief unten aus dem Maiterhorn-Gleffcher tot und bis zur Unkenntlich- leit zerborsten,.. drei von ihnen wurden als Leichen wiederge- funden: von Lord Douglas hat man bis heute nichts entdeckt, wenn- gleich Whymper selbst alljährlich nach Zermatt kam, um dem jungen Freund ein Grab graben zu können. Das war die Tragödie der ersten Matterhorn-Bezwinger, die in Bergsteigertreffen bis auf den heutigen Tag in furchtbarer Ursprünge lichteit lebendig ist. Man darf nicht glauben, daß Croz, Hudson, Hadow und Douglas die einzigen blieben: der Friedhof von Zermatt zeigt nur allzuviele Kreuze mit den wenigen Worten:„Mort au Mont Ccrvin." Der Löwe von Zermatt hat viel« Opfer gefordert von Whymper bis zu den beiden Münchenern, die dem großartigen Berge nun das letzt« Geheimnis entrissen und auch der Nordwand den Ruhm der Unersteiglichkeit nahmen. Das Matterhron, der riesenhaft« Obelisk an der schweizerisch- italienischen Grenze, hat keine ungelösten Probleme mehr. Zu einer Zeit, da die meisten der großen Schneeberge um Zermatt dem An- stürm der Menschen sich beugen mußten— Lyskamm, Monte Rosa, Mffchabel, Piz Palü— wurde es zum erstenmal bestiegen; seine vollkommene Unterwerfung blieb unserer Zeit überlassen, die die fast ungeheuerliche Tat der Nordwanddurchkletterung miterleben konnte. Und dennoch, wenn auch nun nach 66 Jahren die letzt« Bastion des einmaligen Berges fiel— das Motterhorn ist und bleibt für olle Zeit der schönste, einsanffte, wundervollste Gipfel der ganzen Alpen, ja vielleicht der gesamten Welt, dessen Majestät auch durch tausend Besteigungen nichts von ihrer Größe verlieren wird. te»i; SteiPrelu:| Tiäiich s u. au Sonnte. ä.*,su 30*1-1 8v. uhr CASINO-THEATER«'/. Uh, Lothringer Strohe 37. •iiiiiniMiiiiiitiiuiiiiiiiiiiui Wiedsreröffnung IS. Aug. Modern renoviert! Modernes Progr.: Das entrückende Lastspiel Das Parfüm meiner Frau. Dazn ein erstkl. buntes Programm. Für die Leser: Gotscbcin 1— 4 Pers. Faufeuil 1.25 M.. Sessel 1,50 M. Sonstige Pr.: Rang Mitte I M. Parket) 35 PL, Rang 60 PL 8.15 Iltif Flors 3434 RaadiBD erlaobt Barbette! Hofsänger-Sextett, Bourlakoff-Truppe, Syd-Fox, LasTuriasgConche-Franskyusv. AprÄbimö Sfin/n(tla*4l Itelly Wolstheim: Leidet em häßliches Kind? Das Durchschnittskind ist hübsch und nur selten hat man beim Anblick eines kleinen Kindes den Eindruck, es sei häßlich. Um so schwerer lastet es auf den wenigen, die Ausnahmen sind. Eine körperliche Mißgestaltung, unschöne Gesichtsbildung rufen gemeinhin beim Beschauer so viel Erstaunen, zumeist auch Mitleid hervor, daß es dem feinfühligen Kind ausfallen muß. Nicht immer deutlich, nicht immer in der Ursache erkannt, doch aber gefühlsmäßig emp- funden, wird unsei- Blick dem Kinde eingeprägt. Auch Vergleiche ziehen Kinder nur allzu leicht. Sie bemerken es, wenn andere ihnen vorgezogen werden, hören ganz sicher den verschiedenen Tonfall, mit denen man sie im Vergleich zu den anderen begrüßt und behandelt. Nicht zufällig fragte der kleine Tom, nachdem er ein Brüder- chen bekommen hatte: Bin ich denn s o häßlich? Ernst fragend sahen mich seine erschreckten Augen an. Niemand hatte es ihm gesagt, daß er nicht hübsch ist, aber die Bewunderung, die man dem Säugling entgegenbrachte, und die er selbst niemals zu spüren bekam, sie hatte ihn unsicher gemacht. Die Einstellung„Ich bin nicht so hübsch wie mein Bruder" grub sich ihm zeitlebens ein. Und so geht es oft: Auch ein Kind, das nicht häßlich ist, kann an dem Glauben an seine äußere Minderwertigkeit erkranken. Zumeist durch die Schuld der Umgebung, doch häusig auch aus eigener seelischer Disposition. Schon in ganz jungen Kindern kann sich eine Uebcrempfindlichkeit gegen das Verhalten anderer heranbilden, ein Aufpassen„wie wirke ich?"„was denkt man von mir?" Minderwertigkeitsgefühle, die manchmal aus ganz anderen Quellen stammen, heften sich hier an äußerliche Momente. Wirkung hiervon ist bei den Heranwachsenden häufig eine Ueber- wertung der Kleidung, oder auch— wohl ebensooft— ein betontes Nichteitelsein. Die einen versuchen, ihre vermeintliche Häßlichkeit auszugleichen, die anderen denken, es lohnt sich nicht, und ver- schmähen es, sich äußerlich herauszustellen. Wir müssen uns darüber klar sein, daß für die Entwicklung des Kindes jede Selbstherabsetzung Nachteile bringt. Sei es im Verkehr mit Altersgenossen, sei es im Umgang mit Erwachsenen, immer bietet das Gefühl, in irgendeiner Weise minderwertig zu' sein, den Untergrund für Fehlentwicklungen. Starke Hemmung geht davon aus, Mangel an Vertrauen zu sich selbst und zu den anderen, Er- schwerung in der Anbahnung von Beziehungen, geringes Zutrauen zu der eigenen Fähigkeit, Liebe zu erwecken. Ganz besonders wird sich natürlich die Machtlosigkeit gegen unser Aeußeres störend auswirken; seelische Mängel— so denkt man leicht— kann man oerbergen, wenn man sich ihrer bewußt ist, körperliche Miß- gestaltung scheint manchem ein unüberwindlicher Makel. Es scheint denen so, die es so ansehen und wird von denen am schwersten getragen, die ihre Gedanken darauf richten. Was hat die Erziehung zu tun, um in dieser Hinsicht aus- gleichend zu wirken? Machen wir bei unserer Betrachtung keinen Unterschied zwischen einem wirklich unschönen Kind und einem, das unter einer vielleicht schiefen Einstellung zu seinem Aeuheren steht, denn unser Verhalten muß in jedem Fall das gleiche sein. Immer gilt es— dies sei vorangestellt—, Bevorzugungen eines anderen Kindes zu vermeiden. Der Erzieher muß unbedingt auf sich aus- passen, kann er auch nicht immer die Gefühle bezwingen, so sollte er jedenfalls ihre Aeußerungsformen beachten. Aber auch ein Be- mitleiden eines vielleicht bemitleidenswerten Kindes Dürfte niemals zum Ausdruck kommen, keinesfalls eine zu starke Verwöhnung in Anbetrocht eines Mangels einsetzen. Wer denkt, er müsse seinem Kind ersetzen, was die anderen ihm vorenthalten, läuft leicht Gefahr, das zu verschlimmern, was er beheben will. Mehr noch als bei anderen Kindern kommt es bei denen, die sich minderwertig fühlen, daraus an, ihnen Rückgrat zu verleihen. Selbständigkeit und Selbstgefühl muß vorbeugend und ausgleichend angebahnt werden. Den Glauben an sich selbst erwecken. Können vermitteln. Zum Er- kennen vorhandener Vorzüge verhelfen. Einer Ueberwertung äußerer- Dinge entgegenwirken. Herausbilden vorhandener Quali- täten. Das ist der Weg, den wir zu beschreiten haben. Nicht immer wird er zum Ziele führen, denn Erziehung ist Versuch, nichts weiter. Häufig wird all unser Wollen und Bemühen zwecklos sein, unbewußte Momente können als Ursache hinter dem Minderwertig- leitsgefühl stehen. Dann wird eine heilpädagogische Behandlung— Erziehungsberatungsstellen und Aerzte weisen den Weg zu ihr— herangezogen werden müssen, um Hilfe zu bringen. Nicht um gelegentliche selbstquälerische Stimmungen eines Kindes dreht es sich hier, um keinen Preis sollte man mit Kanonen nach Spatzen schießen. Wo aber das ollgemeine Verhalten eines Kindes darauf schließen läßt, daß es unter dem Eindruck steht, an- deren zu mißfallen, dort ist es Pflicht, dem entgegenzuwirken. Martin Böttcher: ...was, wiffenfchaftljch arbeiten heißt u ff Unter dem Titel„Man mache den Studenten klar..." wies Lothar Wiesner im„Abend" vom 30. Juli darauf hin, daß der Prügelgeist unter der Studentenschaft seinen Ursprung nicht nur in der wirtschaftlichen Notlage hat; vielmehr prügeln die rechtsradikalen Studenten aus Uebcrzeuaung, aus ihrem kastenniäßigen Ehrbegriff. Aus der Gegenüberstellung des Unter- richtsbetriebes an der Deutschen Hochschule für Politik und der Universität kommt Wiesner dann zu der Forderung:„Man mache den Studenten Nor, was wissenschaftlich arbeiten heißt." Diese Forderung ist durchaus berechtigt. Nur vergesse man auch nicht, daß es an der Hochschule für Politik leichter ist, Wissenschaft- lich zu arbeiten. Die Absolvierung der Hochschule für Politik ver- leiht keinerlei Berechtigungen. Daher finden sich hier nur solche Leute zusammen, die wirklich aus ehrlichem Wissensdurst studieren. Die Universität dagegen beherbergt heute Tausende von Ver- legenheitsstudenten: Abiturienten, die die Wahl hatten, etwa in einen kaufmännischen Betrieb als Lehrling einzutreten und trotz Abitur im großen Heer der Arbeit unterzutauchen, oder zur Universität zu gehen und vielleicht doch später einmal mit Staats- examen und Doktortitel irgendwo sicheres Brot zu finden, und die sich dann für das Studium entschieden haben. Sie M'.rken nach einiger Zeit, daß sie zum Studium eigentlich ungeeignet sind, bleiben aber auf der Universität, weil jie ja keine Aussicht haben, in einen Beruf zu kommen. Man mache diesen, vom biational- sozialismus aufgepeitschten kleinbürgerlichen, oft mit einer tüchtigen Portion Standesdünkel versehenen Verlegenheitsstudenten einmal klar, was wissenschaftlich arbeiten heißt! Sie sind nur zu gern bereit, das Kollegheft mit dem Schlagring zu vertauschen. Die Universität ist ein traditionsüberlasteter Be- trieb. Noch immer wird von den Profeisoren so getan, als sei die alma mater eine Stätte ernster Forschungsarbeit. In Wirklich- keit dient sie heute zu 99 Proz. der Berufsausbildung für spätere Rechtsanwälte, Richter, Lehrer und Beamte. Noch immer gibt es Studenten, für die die Universität zunächst einmal Be- frelung vom Schulzwang bedeutet und die als Korporationsstudenten zwei oder mehr Semester ausschließlich ihrem Verbindungsbetrieb opfern. Das ist„akademische Freiheit", die„Freiheit des Lernens". Ergänzt wird das Bild durch die überfüllten 5? o r s ä l e, durch Ucbungen mit 299 bis 399 Teilnehmern. Und trotz aller Warnungen läßt der Ansturm auf die Uniocrsitäten nicht noch. Man sieht, die Voraussetzungen zur wissenschaftlichen Arbeit sind auf der Universität heute kaum noch gegeben. Diese Voraussetzungen müssen ober wieder geschaffen werden, soll das Radaustudententum von der Hochschule verschwinden. Man scheide einmal die Spreu vom Weizen. Nach dem zweiten oder dritten Semester stelle eine pädagogisch gute Zwischenprüfung fest, ob der junge Student die Voraussetzungen zur Durchführung eines wisienschaftlichen Studiums mitbringt. Wenn nicht, dann bat er die Universität zu oerlassen. Das liegt auch in seinem eigenen Interesse: denn schließlich muß es ihm angenehmer sein, nach einem Jahr die Universität oerlassen zu müssen, als nach sünf oder sechs Iahren beim Examen durchzufallen. Eine fortlaufende Leistungskontrolle bis zum Schluß des Studiums soll dann feststellen, ob der Student auch wirklich wissenschaftlich weiterarbeitet. Und dann gebe man mehr als bisher begabten jungen Ar- b e i t e r n Gelegenheit zur Durchführung eines Studiums. Wenn er den Schraubstock mit dem Hörsaal vertauscht, so zeugt das von einem wirklich ernst zu nehmenden Streben, das der Gesellschaft nutzbar gemacht werden muß. Vor allem aber schasse man Zwischen- Prüfung und Leistungskontrolle. Wer dann an die Stelle wissen- schaftlicher Arbeit Verbindungsrummel oder Radau setzt, wird von der Universität entfernt werden und wird Studenten Platz machen, denen klar geworden ist, was wissenschaftlich arbeiten heißt. Man sieht, von welcher Seite man immer an das Problem Universität herangeht, auch wenn man es, wie Wiesner, unter neuen Gesichtspunkten ansieht, man kommt stets zum gleichen Ergebnis: Hochschulreform tut not. (Beilage Donnerstag 13. August 1931 Angewanöte Geographie Grundsätzliche Vemertzungeu ;u geographischen Neuerscheinungen An jade Wissenschaft stellen wir die Anforderung, daß sie den praktischen Bedürfnissen des Lebens gerecht werden soll. Sie hat uicht nur um ihrer selbst willen Problemen theoretisch nachzugehen, sondern sie hat, will sie nicht isoliert und unfruchtbar verdorren, selbst immer wieder die Brücke von der Theorie zur Praxis zu schlagen, immer wieder ihre theoretischen Erkenntnisse und allgemeinen Wissenscrfahrungen dem Leben und Wirken des Menschen nutzbar zu machen. Wie verhängnisvoll eine sehlende Verlebendigung wissenschaftlicher Forschungsergebnisse sein kann, haben wir in den Katastrophen des Weltkrieges erlebt. Seit über 199 Iahren wird eine intensive Völkerkunde betrieben, werden Beob- achtungen und Ersahrungen über fremde Länder und Völker in Europa und Außereuropa, über ihre Lebensgewohnheiten und Be- dürfnisse, Sitten und Anschauungen gesammelt und niedergelegt, so daß wohl kein irgendwie bedeutendes Volk in der Welt mehr un- ) bekannt und unbeschrieben ist. Und doch sind diese wissenschaftlichen Ergebnisse der Länder- und Völkerkunde für das praktische Leben nicht fruchtbar gemacht worden. Unsere Diplomaten und Politiker der Vorkriegszeit, unsere Militärs und auch unsere Wirtschaftsführer haben sich nur wenig um die wissenschaftliche Erkenntnis der Völker, mit denen sie es zu tun hatten, bemüht, und ebensowenig hat die Wissenschaft ihre Ergebnisse für die Ver- ständigung der Völker untereinander ausgebaut. Es gab keine an- gewandte geographische Wissenschast! Die Nachkriegszeit brachte uns im Ueberschwang eine Fülle geopolitischer Literatur. Aber nicht die Menge macht es, auch nicht der Glaube, in der Geopolitik den Schlüssel zu neuer Weltherrschast gefunden zu haben, was einer Verständigung wieder entgegenarbeiten muß. Praktische Geographie soll selbst- verständlich Wissenschast bleiben, wenn auch so ausgebaut und dar- geboten, daß sie von jedermann zum Vorteil der Erkenntnis der Völker und der politischen Verständigung benutzt werden kann. Hierbei scheinen uns die wirtschaftlichen und politischen Probleme vorderhand am wichtigsten zu sei», wobei natürlich die Kenntnis des Landes als Lebensraum des betreffenden Volkes nicht vernach- lässigt werden darf. Bon diesem grundsätzlichen Standpunkt einer angewandten Geo- graphi« betrachtet, ist unter den diesjährigen Neuerschcimingen das .�Handbuch der geographischen Wissenschast" an erster Stelle zu nennen.(Akademische Verlagsgesellschast Athenaion, Potsdam, herausgegeben von Prof. Dr. Fritz Klute.) Ist die geplante umfangreiche Darstellung der gesamten Erde in etwa 179 Einzelheftcn(Subskriptionspreis 2,49 M.) mit den zahlreichen Kartenbeilagen, mit etwa 1999 Diagrarmnen und Skizzen und 3999 Photographien und Bildtafeln schon rein buchmäßig ein Meisterwerk, so gewinnt die Wertschätzung noch bei Kenntnis des Inhaltes der vorliegenden Lieferungen von Südamerika, Afrika und Australien. Die vielen Mitarbeiter des Handbuches, jeweils aus- gezeichnete Kenner ihres Arbeitsgebietes, haben, von Karte Und Bild vorteilhaft unterstützt, Darstellungen des Landes„i n Natur, Kultur Und Wirtschast" geschrieben, die im Rohmen eines Handbuches erschöpfend und klar alles Wesentliche vortragen. Ueber- sichtliche Anordnung erleichtert den Gebrauch des Handbuches, ein- gehende Literaturangaben weisen auf spezielles Studium hin. So entsteht hier ein Werk, das für Politik, Wirtschast, Wissenschast, Schule und allgemeines Interesse gleichermaßen anregend und un- entbehrlich sein wird. Ein Handbuch für geographisch-statistische Uebersichten, gewisser- maßen ein Weltwissen in der Tasche, ist Prof. H i ck m a n n s„G e o- graphifch.ftatistischer U n i v e r s a l a t l a s", Ausgabe 1939/31, vollständig neu bearbeitet von Dr. Alois Fischer (G. Freytag u. Bcrndt. Verlag. Wien, in Leinen 12, S9 M.). Textliche Erläuterungen bringen wichtige Erscheinungen der Erdober- stäche, des Klimas usw., vor ollem eine statistisch« Tabelle über alle Staaten der Erde mit Angaben über Größe, Bevölkerung. Staatsform, Wirtschaft und Handel sowie statistische Angaben über die Weltwirffchaftslage. Karten und Bildtafeln suchen diese Angaben zu veranschaulichen. Von den Karte» scheinen die Blätter der politi- schen Einzelftaaten(S. 21; 34) wohl überflüssig, weil ein genaueres Arbeiten einen größeren Atlas mit Ortsverzeichnis unentbehrlich macht. Die vorhandenen großen Ucberfichtskarten dürften für den Universalotlas ausreichen, so daß die Möglichkeit für weitere Wirt- schaftskarten oder für eine Preisverbilligung gegeben ist. Sehr wertvoll sind die statistischen Anschauungsblätter und-karten, die auf jede Frage nach der Bevölkerung, der Wirtschaft, der Technik, der Politik und der Kultur«ine Nare Antwort geben. So möchte man den Universalatlas als ein wirtschofts- und politisch-geographi- sches Taschenbuch in der Hand jedes am Völkerleben und Welt- geschehen Interessierten wissen. Weniger ein Buch geogrdphischen Einzelwissens als vielmehr «in Lehrbuch für geopolitische Zusammenhänge ist Prof. Dr. H a s s i n g e r s Werk über„Geographische Grund- logen der Geschichte". Es ist als zweiter Einführungsband eines Sammelwerkes der„Geschichte der führenden Völker" er- schienen, die von Heinrich Finke, Hermann Junker und Gustav Schnürer mit 39 Bänden bei Herber u. Co. in Freiburg i. Br. herausgegeben wird.(2. Band mit 8 Karten 8,59 M., Leinen 19,59 M.) In dem umfangreichen Band versucht Hassinger, die alten Beziehungen zwischen Geographie und Geschichte, zwischen Erde und Mensch an Beispielen aus der alten und der neuen Welt aus- zuzeigen. Wir sehen die geographischen Grundlagen sür die ersten Staatenbildungen der Oasenländer des Orients und in den Monsun- ländern Asiens, wir spüren die Zusammenhänge zwischen Erde und Mensch im Werden und Vergehen der MittsSneerländer und ver- stehen die Staatenbildung Europas jetzt ebenso aus dem Aufbau und den Möglichkeiten des Erdteils wie aus dem Ablauf der uns bekannten Geschichte. Mit der Entdeckung der Neuen Welt setzten neue poilitische Konstellationen, neue historische Ablaufsreihen ein. die bis in die Gegenwart wirksam sind. Dies« grundlegenden Betrachtungen Hassingers sind geeignet, endlich einmal die so überaus begriffsunklare und verschwommene Geopolitik auf wissenschaftlich sichere Funda- m e n t e zu stellen. Seinem Buch kommt daher neben dem stofflich Wertvollen vor allem methodische Bedeutung zu. Leider führt er seine Beispiele nicht bis in die neueste Zeit fort, so daß für die historischen und politischen Geschehnisse der Gegenwart manch« Fragen offen bleiben. Anders als dies« drei unmittelbar zur Länder- und Völkerkunde bzw. zur geopolitische» Erkenntnis führenden Neuerscheinungen wird die angewandte Geographie durch das„Alpine Handbuch" verwirklicht, das vom Deutschösterreichischen Alpenverein bei F. A. Brockhaus, Leipzig, herausgegeben ist.(2 Bände mit 176 Ab- bildungen, 4 bunten und 8 Tiefdrucktaseln, 2 Karten, Leinen je 14,59 M.) Dieses Sammelwerk stellt sich die Aufgabe, alle irgendwie wertvolle wissenschaftliche und technische Erfahrung des alpinen Manderns kurz und übersichtlich darzustellen, um so dem Freund der alpinen Gebirge die Möglichkeit zu geben, sowohl das Gebirgs- wandern selbst wie auch die durchwanderten Gebirge in allem Reich- tum zu erleben. Wohl selten ist auf dem Gebiet der Erdkunde ein Buch so überaus praktischen Wissens geschrieben worden. Der erste Band zeigt uns die Natur der alpinen Gebirge, vor allem der Alpen. Die vier Abschnitte über die alpine Geologie und Wetterkunde sowie über die Tier- und Pflanzenwelt der Alpen läßt das Gebirge anschaulich vor uns erstehen, wir vermissen nur eine kurze Darstellung des in den Alpen siedelnden Menschen. Ein Wörterbuch alpiner Begriffe und eine alpine Geschichte in Einzeldaten sind wertvolle Ergänzungen. Der zweite Band ist der technischen Seite des Alpen- wandern? gewidmet. Ein Aufsatz über„Bergwandern und Berg- steigen" führt«in, dann kommt die unoern, eidlich« und wertvolle Schulung des„Zurechtfindens im Gelände". Sind so die Voraus- setzungen für die Wahl des Weges gegeben, werden dos„Klettern im Fels",„das Gehen im Eis" und„der alpine Skilauf" mit allen technischen Winken und vielen Skizzen dargestellt. Daß dennoch trotz sorgfältiger Vorbereitung und Schulung Ueberraschungen eintreten können, zeigen„Die Gefahren der Berge", so daß Hinweise auf „Bergunglück und Rettung" und„Aerztliche Betrachtungen" ebenso willkommen sind wie die Darstellungen über„Das Bergführerwesen",„Das alpine Jugendwandern" und„Die alpinen Vereine". Eine eingehende Anweisung für„Die Photographie in den Hoch- alpen" schließt das inhaltsreiche Werk ab. Wilbelm Tictgens. Krämpfe im Kmöesatter Die Kunst der Aerzte ist heute imstande, Krämpfe im Kindes- alter in jedem Falle— wenigstens vorübergehend— zu beseitigen. Gegen mechanische oder elektrische Uebererregbarkeit haben sich Vigantol, Lebertran und Höhensonne bestens bewährt. Krämpfe, die eine Folg« rachitischer Erkrankung sind, treten meist im Anschluß an den lichtarmen Winter auf, also im Frühjahr. Die Epilepsie wird nach wie vor auch im Kindesalter mit Brom behandelt. Wenn das Mittel zxicht hilft, geht der Arzt zu der Verordnung von Luminal über, dos inveu meisten Fällen Jahre hindurch gut vertragen wird. Dr. S. Arbeiter-Fußball Die Bilanz der Olympia-Gastspiele Die Fußballouswahlmannschasten des deutschen Arbeiter-Turn- und Sportbundes, die gegen die vom Olympia in Wien gekommenen Ländersußballmannschaften antraten, haben sich sehr gut geschlagen. Bon 32 Spielen gewannen sie 15, spielten viermal unentschieden und verloren 13. Von den Gästen waren zweifellos die Norweger am spiel- stärksten, die 3 Spiele gewannen und nur eins oerloren. Dieselben Ergebnisse weist die Mannschaft des finnischen Arbeitersport- Hundes auf. Nicht viel weniger erfolgreich behaupteten sich U n- g a r n und Polen. Ungarn gewann 2 Spiele, verlor 2 und holte ein Unentschieden heraus: Polen gewann 2, verlor ein Spiel und trennte sich ebenfalls einmal unentschieden. Palästina brachte es zu einem Achtungserfolg durch einen Sieg über die deutsche Ländermannschaft, verlor aber das Rückspiel, wie auch ein anderes. Bei Dänemark steht das Verhältnis zwischen Sieg und Unent- schieden 1: 1. Die letzten Plätze in der Rangordnung nehmen Lettland mit einem Sieg und einer Niederlage und Estland mit einem Unentschieden und vier verlorenen Spielen ein. Die Ergebnisse der einzelnen Spiel« sind: Leipziz— Rorwegen........ 4: Z: 2) Bezirk Weigenfcls— Norweqen....... 4: 12(3: 9) etäbtemaunfdwft«assel— Norwegen..... 0:2(0:1) Bcziri Lübeck— Norwegen......... 0:2(0:1) Dezirk Dordmunt»— Finnlani».......1:4(0:1) Bezirk Bremen— Finnland........ 2:3(1:2) Bezirk Magdeburg— Finnland....... 4:0(2:0) 1.«reis(Brandenburg'Berlin)— Finnland.. 1:2(1:1) Bezirk München— Ungarn.........0:2 Bezirk Bugsburg— Ungarn........ 4:0(2:3) Bezirk Dresden— Ungarn......... 3:2(2:1) Schlestsche Kreismannschaft— Ungarn.... 3:2(3:2) Bezirk Zwickau i. Sa.— Ungarn...... 3:3(3:1) Bezirk Erzgebirge— Polen......... 1:1(1:2) Bezirk Riesa i. Sa— Polen........ 1:2(1:1) Bezirk Annahütte i. d. Lausitz— Polen.... 2:3(0:1) Bezirk Weißwasser t. d. Lausitz— Polen.... 6:2(2:1) Bezirk Oberschlesien— Palästina....... 2:1(0:1) Deutschland— Palästina.......... 1:3(0:1) Deutschland— Palästina.......... 8:3(3:2) Bezirk Salzungen i. Thür.— Dänemark.... 1:1(1:1) Bezirk Kassel— Dänemark......... 2:3(1:4) Krei, Württemberg— Lettland.. Bezirk Karlsruhe— Lettland... Bezirk Frankfurt a. M— Lettland. Bezirk Hannover— Lettland... Bezirk Salle— Lettland..... Bezirk Plauen i. Bogtl.— Estland. Bezirk Burgstädt i. Sa.— Estland. Bezirk Dessau— Estland..... Bezirk Aschcrsleben— Estland.. Bezirk Braunschweig— Estland.. 4:1(4:0) 4:1(2:1) 3:0(1:0) 4:2(3:2) 2:3(1:0) 3:1(1:1) 3:1 4:1(2:1) 1: 1 3:0(2:0) Um den deutschen Bundesmeistcr Wir stehen am Abschluß eines bedeutsamen Teiles der Eni- wicklung der deutschen Arbeiterfußballbewegung. Das 2. Arbeiter- olympia in Wien ließ in den Vorbereitungsspielen zur Aufstellung der deutschen Olympiamannschaft fußballsportliche Höhepunkte reifen, und die deutsche Mannschaft hat in Wien die in sie gesetzten Er- Wartungen erfüllt. Daß sie das Endspiel um die Olympia- Meisterschaft nicht im Vollbesitz ihrer ganzen Kraft bestreiten konnte ist nicht ihr Verschulden, an vier hintereinanderfolgenden Tagen zu spielen ist zu viel; trotzdem war sie Oesterreich ebenbürtig. Die im Frühjahr in den 150 Bezirken des ATSB. begonnene erste Halbserie zur Ermittlung desnächsten Bundes m ei st ers nahm den erwarteten Verlauf. Die Beteiligung hat sich trotz allen Widerständen in der Zahl der Mannschaften gesteigert, und für die Verbesserung der Spielstärke spricht, daß sich in manchen Bezirken jetzt schon neue Mannschaften in den Vordergrund geschoben haben. In diesen Tagen hat im Bundesgebiet der Endspurt be- gönnen. Die zweite Halbseri« hat ihren Anfang genommen. An die 150 Bezirksmeister sind fürs erste zu ermitteln, die, in 17 deutsche Kreise«ingeteilt, dann die Kreismeister ausspielen, die wiederum vier Verbandsmeister feststellen, welche die letzten Anwärter auf den Bundesmeistertitel sind. Der Verwaltungsausschuß der Fußball- sparte des ATSB. hat festgelegt, daß die Kreismeifter bis zum 22. Februar 1932 und die Verbandsmeister bis zum 11. April 1932 genannt werden müssen. Für den 24. April, 8. Mai und 22. Mai sind die Spiele der Verbandsmeister vorgesehen. Ein reichhaltiges Fußballprogramm, das es an Spannung und Ueberraschungen nicht fehlen lassen wird, sieht seiner Abwicklung entgegen. Selbst ist der �tann Der BQrgermcislcr mit dem Farbentopf In F i f ch b a ch b e i N ü r n b e r g ist den Arbeiterspartlern und dem„Derein chrisllicher junger Männer" von der Gemeinde ein ge- meinsames Sportplatzgelände zur Verfügung gestellt worden. Die Arbeitersportler wallten Fußball spielen und bauten Fußballtore auf, wogegen der Gemcinderat und die christlichen jungen Männer nichts einzuwenden hatten, da ihnen die Tore nichts kosteten. Nun sind rohe Holzbalten weder geschmackvolle, noch wetterfeste Sportgeräte. Die Arbeitersporller gaben ihnen einen Anstrich, wobei sie die Querbalken in die Reichsfarben Schwarz- Rot- G o l d kleideten. Das war zuviel für die reaktionäre Ge- sinnung der christlichen jungen Bajuvaren. Ihr Mann Eckstein rannte zum Bürgermeister und verlangte die Entfernung der Reichssarben. Da die Verhandlungen scheiterten, ließ der Bürgermeister schnellstens — es war Sonntag— den Gemeinderat zusammenrufen, der dann beschloß, die Tore dürfen nur weiß angestrichen sein, andernfalls darf das für denselben Nachmittag vorgesehene Fuß- ballspiel der Arbeitersportler nicht stattfinden. Gleich nach dieser Sitzung erschien der 2. Bürgermeister mit einem Kübel weißer Farbe auf dem Sportplatz— nicht etwa aus Sympathie für die Arbeiter- sportler— und pinselte die Tore mit der Unschuldsfarbe voll. Wodurch Bayern wieder einmal gerettet war! Aus der Internationale Die Einsidil kommt— Russische Sportplätze als Schuttablagen Die den kommunistischen Spaltern des Schweizer Arbeiter- Ziftif und Sportverbandes gefolgten Sportler haben ein Jahr Zeit gehabt, um über ihre neue Lage nachzudenken und vor ollen Dingen darüber, was ihnen der kommunistische Sportoerband praktisch an demokratischen Einrichtungen geboten hat. Die Ernüchterung über verfehlte Hoffnungen kommt im kommunistischen Sportverband recht schnell und stark. Ein gutes Teil der kommunistischen Sportler hat erfahren, daß das Gerede van der Demokratie im neuen Ver- band mit der Praxis durchaus nicht in Einklang zu bringen ist und ist in den alten Verband zurückgekehrt. So sind z. B. in den letzten Wochen in Zürich der Sportverein Straßenbahner, der Spartverein Nordstern und Union wieder dem alten Verband bei- getreten, ebenso in Basel der Verein Fortuna. In Winterthur, Adlis- wil, Reinach und in Binningen sind neue Dereine entstanden. Zu Holland gehl es vorwärts. Der Niederländische Arbeitersporwerband hat durch ziel- bewußte Werbearbeit seine Mitgliederzahl vom 1. November 1930 bis zum 1. Juli 1931 von 19 271 auf 14 583 steigern können. Am 1. November 1988, dem Termin der ersten Bestandserhebung, zählte dieser Bund nur 2443 Mitglieder. Sportplätze in Rußland. Wir bringen nachstehend aus dem Zentralorgan des All» russischen Sportverbandes und der Moskauer Sportinter- nationale„Physkultur und Sport" eine wortgetreue Uebersetzung über rusiisch« Sportplatzoerhältnisi«:„Die Stadien, Sportplätze, Wasserstationen kosten viel Geld. Man muß mehr Sorgfalt auf- wenden, um diese Einrichtungen für eine längere Zeit zu erhalten. Man muß sie in so einem Zustand erhalten, daß sie die Arbeiter anziehen und nicht durch ihr entsetzliches Aeußere, durch zerbrochenes Inventar, ihren Mißbrauch zu anderen Zwecken, ihre empörende Unordnung, ab- stoßen." An der Mosel Fuß gefaßt. Die Arbeiterwasserspartler von Metternich haben nach drei- einhalbjähriger anstrengender Arbeit das erste Bootshaus des Arbeiter-Turn- und Sportbundes an der Mosel fertiggestellt. Das Hau» liegt ungefähr bei Kilometer 3,5. etwa 1 Kilometer hinter der Eisenbahnbrücke von Güls. Die Weihe war ein Erlebnis für Güls, der ganze Ort war auf den Beinen. roh führt im Deutschland-Fluö In der Gesamtwertung der technischen Prüfungen zum Deutschlandflug hat die Feststellung der Geringst- geschwindigkeit eine erhebliche Verschiebung zur Folge gehabt. Der nach Anlaß- und Ausrüstungsprüfung an der Spitze liegende Theo Eroncih fiel vollkommen ob, bei einer Geschwindigkeit von 89, 7S Stundenkilometer konnten ihm keine Punkte gutgeschrieben werden. Die weitaus besten Leistungen zeigten Reinhald Poß und Elli Beinharn, letztere jedoch erst in der Wiederholung, so daß ihr bestimmungsgemäß nur die halbe Punktzahl gutgeschrieben werden konnte. Sie brachte es auf 66 Stundenkilometer, Poß auf 66,65 Stundenkilometer. Die G e f a m t w e r t u n g hat sich also erheblich zugunsten von Poß verschoben, der nun mit 39 Punkten an der Spitze liegt vor Dinort mit 33, Hirth mit 32, Iunghanns und Weichelt mit je 39 Punkten. Der Frankfurter Kern, der zu Beginn des Wettbewerbs um 39 Minuten zu spät eintraf, wird nach einem Beschluß der Sport- leitung am Deutschlandflug außer Konkurrenz teilnehmen können, so daß die Möglichkeit gegeben ist, die einzelnen Leistungen der neuen und recht interessanten Maschine„Gerner II R* mit Hirth-Motor und anderen Typen zu vergleichen. Vor Beginn des Rundflugs haben die Bewerber bis zum Freitag noch die Betriebsstoff- verbrouchsprüfung sowie die Start- und Landeprüfung zu erledigen. Arbeitersportler! Braun und Wels sprechen auch zu Euch! Die reaktionären Parteien haben eine Niederlage beim Volks- entscheid erlitten. Dos gilt auch für die kommunistischen Sportorganisationen, da sie den Aufruf für den Voltsentscheid im Auftrage der KVD- mit unterzeichneten. Für die bundestreuen Arbeiter- sportler gilt es, jetzt höchste Aktivität zu entfallen. An der Kundgebung der Sozialdemokralischen Partei am Freitag im Sportpalast beteiligen sich darum alle Arbeitersporller. Uebungsabende müssen aussallen. Die ver- eine delegieren ihre Zahnen und Banner. Treffpunkt zum Umkleiden im Sportpalast nm lg Uhr an bekannter Stelle. Die Träger für die Sturmfahnen stellt die ZTGB. Die Spiellente der..Freien Sport- and Musitvereinigung" spielen zum Einmarsch, llebungsabend fällt aus. Kartell für Arbeitersport und Körperpflege Verlin E. v. F. Larthelmann. Rot~Hakenkr euz~Heil! Der KPD-Sporlvcrband ladt Sfahlhclmcr, Nazis, Wchrwölfe und Gelbe ein Di«.Volkszeitung Nordhausen" vom 39. Juli führt den Noch- weis über die enge Verbundenheit der Rot-Sport-Leute mit den Feinden der ArbeiterNasse. Das Bezirkskomitee Erfurt der die Oberhoheit über den KPD.-Sportverband führenden„revolutionären Gewerkschaftsopposition" hat den sich aus Stahlhelmern, Nazis, Wehrwölfen und vaterländischen Arbeiter- vereinlern zusammensetzenden Betriebsrat der Maxhütte Unter- wellenborn bei Saolfeld um Unter st lltzuno eines raten Sporttreffens in Erfurt ersucht. Hier die Antwort des hakin- kreuzlerisch-schwarweißroten Betriebsrates: An da» Bezirkskomitee der revolutionären Gewerkfchaftsopposition Erfurt. von eurer Absicht, in den psingfltagen ein rotes Sporltreffen in Erfurt zu veranstalten, haben wir durch die Zeitungen er- fahren, allerdings nicht mit einer besonderen Einladung gerechnet. Mr werden auch eurer freundlichen Einladung keine Folge leisten können, da wir durch eine anderweitige Veranstaltung veihinderl sind, wir beabsichtigen nämlich, an den V fingst- tagen gemeinsam mit den übrigen valerländi- schen verbänden— Stahlhelm und Rational- sozialisten, Wehrwoks und Vaterländische Ar- beitervercine— eine große Kundgebung zu besuchen usw. Der Betriebsrat der Maximilianshütte, Anlerwellenbvrn: gez. Tor res. Vetriebsratsvorsihcnder. Kommentar überflüssig!— Siehe Volksenlscheid! Denkt an die Arbeiter-Samariter t Der Arbeiter-Samariter-Kolonne Berlin, die ständig im Inter» esse der Gesamtbevölkerung wirkt, sei es auf dem Gebiet der ersten Hilfe, der Krankenpflege, der Begleitung von Blinden und Körper- behinderten, wurde zum Zwecke und zur Erfüllung ihrer Aufgaben vom Polizeipräsidenten für den 16. und 23. August«ine Straßen- sammlung genehmigt. Im Jahre 1939 hat die Kolanne in nicht weniger als 13 967 Fällen die erste Hilfe geleistet. Auf dem Gebiet der Kranken- und Hauswirtschaftspflege wurde durch die Kolonne in 13 937 Stunden viel Not und Elend bekämpft und gelindert. Darum spendet an den beiden Sonntagen, damit die Kolonne auch weiterhin die ihr gestellten Aufgaben im Interesse der Allgemeinheit erfüllen kann. Um Verwechslungen zu vermeiden, bitten die Ar- beitxrsamariter auf ihr gesetzlich geschütztes Abzeichen zu achten. Europameisterschaften im Schwimmen. Die Meweliste für die vom 23. bis 39. August in Pa r i s stattfindenden Europa- Meisterschaften i'm Schwimmen liegt jetzt vor. Insge- samt werden die Vertreter von zehn Nationen den Kampf auf- nehmen. Es find dies: Deutschland, Ungarn, Frankreich. Italien. Tschechoslowakei, Polen, die Schweiz. Finnland, England und Holland, von denen die beiden letztgenannten Notionen nur in den Damenwettbewerben vertreten sind. Leider vermißt man Schweden in der Meldcliste und ebenso Belgien; die Titelkämpse haben also nicht die umfasiendo Beteiligung gefunden, die man gern gesehen hätte. Auch bezüglich der deutschen Expedition bestehen noch Schwierigkeiten. Eine hervorragende Leistung vollbrachte der bekannte finnische, Läufer Loukola in Helsingfors, indem er 19 999 Meter in 31:35,6 Minuten zurücklegte, einer Zeit, die in diesem Jahr«»och von keinem Läuser erreicht worden ist, Solidarität, kraftsahrrr. Sonntag, 16. Augusi, findet die Bezirksausfasirt bes 1., 2. und 21. Scjitfs luich Paesi(bei«iinigswusterdaus-a) statt. Tresfeii dort gegen 10 Ulir im Lokal Liste. Bericht vom Bundestag. Dazu Starten die Abteilungen: Abt. Friedrichshoin: 6 Uhr Landsberger Platz.— Abt. zwrdc»: 7 Uhr Peremslokal Sccstr. 62.— Abt. Chorlottenburg: 7 Uhr Wilmersdorfer Strotze 21.— Abt. Neukölln: 7 Uhr«aiscr.Friedrich.Str. 171.— Abt. Lichien. berg:« Uhr Oder. Ecke Finowstratzc.— Ab«. Pankow: 7 Uhr Pankow, Berliner Straße 86.— Abt. Temvelhof.Mariendorf: 7 Uhr Martendorf. Aurfllrfien. Ecke Schlitzen stratze.— Abt. Oberschöneweid«: 6 Uhr Wilhetminenhofstr. 64. «SC.(Verein für Leichtathletik, Handball, Hockey). Donnerstag. 13. August. 20)? Uhr, Monatsvcrfammlunq bei Oppermann, Neukölln, Emser Str. 73. Traininastage Dienstags auf der Haupttompfbahn, Donnnerstags auf Platz 2 im Neuköllner Stadion. Freie Svori- und Schützenvereinigung. Mittwoch. 1«. August, 20 Uhr. Zen. tralvereinsmitgliederverfauunlung bei Prasser, Micharlkirchstr. 2Sa. Borstands» jitzuna 19H Uhr ebenda. Achtung, FTSB., Rordring(Sport)! Die für Freitag, 14. Augast. angesetzte autzcrordenllichc Milqliedervcrsammlung wird wegen der Sportpalaslkundgebung der Partei auf Freitag, 21. August, vertagt. Freitag, 14. August, beteiligen wir uns alle an der Kundgebung der Partei.— Fahnenträger. Für Sportpalast- Veranstaltung an: Freitag, dem 14. August. Jeder Bezirk stellt mindestens fünf Mitglrcdcr. Treffen 10 Uhr in der Mittelgorderobc. Kleidung fchwarzweitz oder Bczirksfarbe mit Brustabzcichen. Erwerbslose erhalten Fahrgeld. Tcani».R»t Srotz-Berlin ffi. Hock« gabt eilung. Sonnabend, 16. August, 18 Uhr, Training auf dem Sportplatz Ost, Laskerstratze. Ardeitersportvcreiu Schäueberg-Friedenau. Freitag, 14. August. 20 Uhr, Beginn des Badebetriebs im Stadtbad Hauptstraße. Startende für Treuen. brietzen müssen sich einfinden. Sonnabend. 13. August, fahren wir mit dem 2. Auto um 1712 Uhr von Innsbrucker Platz ab nach Treuenbrietzen. Fahrgeld für Jugendliche 2— Mark, für Erwachsene 2,30 Mark. Fahr. aeld kann noch am Freitag auf dem Badeabewd beäodli weiden. Donnerstag, 20. August, 20 Uhr, im Picadillh, Ebersstr. 80», Mttgliedeiver, sammlung der Schwimmabteilung. Arbeiter-«chutzcnbund E. B. Ausicheidungskämpfc. Freitag, 14. August, schießt Eharwttcnburg bei Karow, Holzdamm, Bahnhof Iungferncheide. Lichter. selbe schickt Kontrolle. Rad. und Kraftfahrer„Solidarität». Di« Bezirksversiammlung am 14. Au» r gust im Gewcrkschaftshaus fällt wegen der Parterveranstaltung im Sportpalast aus. Der Bericht vom Bundestag wird Sonntag, 16. August,>n Paetz gegeben. Alle, erscheint am 14. August mit Banner und Korsokleidung im Sportpalast. Der Slraßenlous quer durch Pankow muß des Bezirksfestes in Velten wegen abgesagt werden. Er wird später nachgeholt. Rückschau. „Kinder äußern sich über die moderne Rund- f u n k m u s i k." Die Veranstaltung der Funkstunde wurde leider nicht so aufschlußreich, wie der Titel erwarten ließ. Gertrud van Eyseren trat mit Kindern ihrer Kunterbunt-Gruppe, van denen mindestens eine ganze Anzahl über besonders gute musikalische Bildung verfügt, vor das Mikrophon. Wirklich naive Kinderurteile kamen dabei kaum zustande. Um zu erfahren, welchen Eindruck Kinder von Kompositionen von Ernst Toch und Belä Bartok ge- Winnen, hätte man aus verschiedenen Schulkreisen Kinder holen und die Musik unvorbereitet auf sie einwirken lasten müsten. Auch die Mitteilung der bildhaften Texte, die Toch seinen Kompositionen gab, hätte unterbleiben müsten, da hierdurch die Phantasie der Kinder nicht nur in bestimmte Bahnen gelenkt, sondern unter Um- ständen überhaupt erst angeregt wird. Sa war es auch oorauszu- sehen, dtß, nachdem den Kindern der Kunterbunt-Gruppe erklärt worden war, daß Bartak ein ungarischer Komponist ist, der seine Motive gern aus den Volksliedern und Volkstänzen seines Landes nimmt, die jugendlichen Zuhörer das auch heraushören würden. Einem einzigen Ergebnis dieser Veranstaltung darf man allgemeinere Bedeutung zusprechen: dem BekenntniszumIazz-Rhyth» mus, das auch kürzlich in der Veranstaltung der Deutschen Welle, die„Proletarische F e st k u l t u r" behandelte, zum Ausdruck kam. Arbeiterjugend begründete damals ihre Vorliebe für ein modernes Arbeiterlied im Foxtrott-Tempo mit ihrer Freud« am Rhythmus und dem beweiskräftigen Zusatz:„Wir sind eben jung", der viel überzeugender wirkte als die eiftigen musiktheore» tischen Erklärungen der Kunterbunt-Kinder. Tcs. 4- Der Oberbürgermeister van New York, Willi Walter. spricht heute im Programm der Funkstunde, abends zwischen 11 Ii und 11% Uhr. Donnerstag, 13. Angnst � Berlin. 16.00 Konzert. I. 0. F. Hindel: Arioso.(Ruth Patischke. Alt) 2. Beethoven: Sonate C-Moll, op. 30, Nr. 3(Richard Heber. Violine und Willy Hahn, Klavier.) 3. Lieder. 4. Willem de Boer: 4 Stücke.(Rieh. Heber; am Flügel: Willy Hahn.) 17.00 Doktor Ueberau erzählt. 17.30 Arthur Jahn; Musikeruachwucfas. 18.00 Wie geht es Mister Crunch? Hans Philipp Weitz. 18.25 Heilfron: Rechtsfragen des Tages. 19.00 Humor im deutschen Chorlied. 19.30 Wovon man spricht. 19.55 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 20.00 Alte und neue Tänze. 23.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Abend Unterhaltung. Königssrusterhausen. 17.00 Paula Fürst: Wie erwirbt sich ein Kind der Montessorlklasse das Wissen der vier Grundschullahrc. 17.30 Prof. Dr. Windelband: Aus den Erinnerungen des Fürsten Hohenlohe. 18.00 Dr. A. M. Wagner: Grolle deutsche Publizisten. 19.00 Wetter für die Landwirtschaft. 19.05 Englisch für Fortgeschrittene. 19.30 Dipl.-leg. Schnellbach: Billiger erzengen— und wie uns die Techalk dabei hilft. 21.00 Salzburg über Wien; 6. Chorserenade. 22.15 fwkjurt: Zeitbecicbte,