10 Pf. Nr. 378 B 1S9 48. Jahrgang BERLIN Zreitag ll August 1931 ErschelnttSglich außerSonstag«. Auzleich AbendauSzabe de«.Vorwärt«'. Bezugtprei« beide Ausgabe» 6b Pf. proWoche. 3,60 5R. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW6S,Lindenstr. 3 Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297 Sfiaiauigaße Jeh Anzeigenprei«: Die einspaltigeNonpareillcieile 80 Pf., Reklamezeile SM. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: VorwartS-Verlag G.m. H.H.. Berlin Nr. s? 536.— Oer Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Aineigen vor! Skandal um dieInnere Mission Die christlich-naiionale Oevaheim endgültig pleite/ Sparer klagen an Verantwortungslose Innere Mission/ Rettung aussichtslos Nazi-Lleberfall auf Itzehoe. Eine ganze Stadt planmäßig überfallen.— Schwerster Landfriedensbruch. Rund 300 Sparer des jetzt in Konkurs.gegangenen D e o a- heim- Konzerns waren gestern abend im Kriegervereinshaus in der Chmifseestraße versammelt, um über Maßnahmen gegen die Der- antwortlichen für den Ausammenbruch des Dcvaheim-Konzerns zu beraten. Sie alle— Gewerbetreibende, kleine Beamte und An- gestellte und auch einige Arbeiter, denen von der Kanzel die Ein- Zahlung von Spargeldern bei den Konkrotteuren der Deoaheim ge- predigt worden war— standen unter dem Eindruck, daß ihr Geld verloren ist. Zahlreiche Dausparcr wissen nicht ein nockz aus, da sie auf Grund verbindlicher Zusagen der Gcschästsleitungcn für die Zu- tcilung von Baudarlchcn Hypotheken gekündigt haben, für die jetzt kein Ersatz geschaffen werden kann, und Bauten angefangen haben, die jetzt stillgelegt werden müssen. l?s war bereits von einzelnen Selbstmordversuchen der am schlimmsten Geschädigten die Rede. Die Versammlung begann mit einem Entrüstungssturm gegen die Einberufer, zwei Rechtsanwälte Ieschek und Oppen, die sich selbst zu Vorsitzenden eines„Schutzoerbandes der Gläubiger und Vau- sparcr des Dcvahcim-Konzerns' ernannt haben. Die Herren, von denen Ieschek sich vorwerfen lassen mußte, daß er mit dem in- haitierten früheren Generaldirektor der Deoaheim I e p p e l engste Freundschaft gepflogen hat, legten Statuten vor. die den Sparern neue hohe Lasten in Form von Einschrcibegeldern und Beiträgen auf- erlegen wollen. Die Versammlung lehnte es ab, diesen eigenartigen Schutzoerband, der grgründet wurde, um Geschäfte mit dem Elend der Sparer zu machen, anzuerkennen. In der allgemeinen Ver- wirrung wurde ein neuer Ausschuß zur Wahrung der Sparerinter- essen gewählt, der jedoch mit den beiden kompromittierten Rechts- onwälten weiter zusammenarbeiten wird und der Geschäftsleihing des Devahcim-Konzerns eine loyal« Haltung zusicherte, In der Diskussion versuchte der jetzige Geschäftsführer der Deva- heim. Landrat a. D. K o t h e, mit den bekannten tendenziös«» Dar- stellungcn die Innere Mission von aller Verantwortung rein» zuwaschen und weiterhin Vertuschungspolitik zu treiben. Erst auf präzisiert« Fragen eines Freigcwerkschaitlers hin mußte er sich zu Darlegungen über den finanziellen Stand der Deoaheim bequemen. Seine Mit» teilungcn waren niederschmetternd. Er mußte zugeben, daß berefts ein buchmäßiger V c r l u st van 1,8 Millionen Mark zu verzeichnen ist. Sechs Millionen Kredite, die an die Mülheimer Baugenossenschaft gegeben wurden, sind kaum freizumachen. Von rund 8 Millionen Bausparhhpotheken sind 4 bis si Millionen bereits von der Dresdner Bank und Guts» besihern sowie anderen Großbausparern verwendet. Wenn die festgcfrorenen saulen Kredit« nicht flüssig gemacht werden können— und dafür besteht wenig Aussicht—, so muß mit Verlusten von 8 bis 10 Millionen Mark gerechnet werden. Kothe, der behauptete, nur im Interesse der Sparer im Mai dieses Jahres die Geschäftsleitung der Deoaheim übernommen zu haben., mißte zugeben, daß der Zentralausschuß für Innere Mission wegen„gewisser finanzieller Unmöglich- leiten' nicht zu schneller und durchgreifender Hilfe in der Lage sei. Nach diesen Darlegungen muß man die Rettung der Spargelder als aussichtslos bezeichnen. Oie Rolle der Inneren Mission. Wie bereits in der Versammlung der Devaheim-Sparer ausgeführt wurde, müssen die Versuche, die christlich-nationalen Hintermänner des bankrotten Devaheim-Konzerns von der Verantwortung freizustellen, erfolglos bleiben. Die engsten Zu- sammenhänge zwischen den kirchlichen Einrichtungen und (Fortsetzung auf der 2. Seite.) Kiel, 14. August.(Eigenbericht.) In Itzehoe spielten sich in der Nacht zum Freitag gegen Mitternacht Vorfälle ab. wie sie in der politischen Geschichte Schlcswig-HolstcinS bisher wohl einzig da- stehen. Im GewerkschaftShaus fand am Tonnerstag- abend eine überfüllte Versammlung der Sozial- dcmolratischen Partei statt. Als die Versammlung kurz nach 11 Uhr beendet war. wurde gemeldet, daß die ganzeStadtvonauswärtigenTA.-.Kolonnen überschwemmt und belagert sei. die zweifellos aggressive Absichten hätten. Die Reichsbannerleute und Mitglieder der SPD. teilten sich daraufhin in mehrere größere Trupps, um die einzelnen Versammlungsteil- nehmcr nach Sause zu begwiten. Diese Vorsichtsmaß- nähme erwieS sich jedoch nicht alS ausreichend. Zahlreiche Trupps wurden an verschiedeneu Stellen der Stadt von einer vielfachen Uebermacht bewaffneter SA.-Kolonnen planmäßig überfallen und zusam menge- schlagen. Bei den Ueberfällcn gab es eine Anzahl von Verletzten. Ihre genaue Zahl läßt sich im Augenblick noch nicht übersehen. Die Polizei, die von dem bandenmäßigen Ueberfall auf eine ganze Stadt nicht unterrichtet gewesen war, konnte erst eingreifen, als der Lärm der Ttraßenschlachten Itzehoe erschütterte. Geradezu rudelweise wur- dendieSA.-KolonnenaufdiePolizeiwachen gebracht. Tie Beamten mußten mehrfach von der Schußwaffe Gebrauch machen. Bei einer Durchsuchung des SA.-Heims wurde eine große Anzahl schwerer Stöcke und auch Schußwaffen vorgefunden. Daß cS sich nicht um SA.-Leute aus Itzehoe handelte ergibt sich daraus, daß in einem Wachtlokal von 5v Festgenommenen nur ein Nazi aus Itzehoe selbst stammte. Wie die Polizei fest- stellte, hatten die Nazis alle Ausgänge der Stadt besetzt und die Verbindung zwischen ihren einzelne« Ko- Aul in den Sportpalast! Heute Freitag 20 Uhr Otto Braun: Der Volksentscheid Otto Wels: Gebt uns die Macht! Der neue BVG.-Tarif Llmsteigen Zv Pfennige.— Jünffahrscheinheft 4 Mark. In der heute vormittag abgehaltenen Aufsichtsrats- fitzung der Berliner Verkehrsgesellschaft wurden folgende neuen Tarife festgelegt: Einzelfahrschein Äsi Pfennig. Fünffahrscheinheft 1 M. Umsteiger 30 Pfennig. Schnlerabonnement für Straßenbahn von 5 auf 6 M. erhöht und Schüler- und Bahnmonatskarten von 6,50 auf 6 M. ermäßigt. Der Zeitpwntt des Inkrafttretens des neuen Tarifes wird heute nachmittag bekanntgegeben werden. lonnen durch Radfahrer und Motorradfahrer aufrechterhalten. Anläßlich der Vorgänge in der letzten Woche sind von republikanischer Seite die für die Ruhe und Ordnung verantwortlichen Behörden der Provinz darauf aufmerk- sam gemacht worden, daß der Belagerungszustand. den die SA.-Horden über die Westküste verhängt haben, unerträglich sei, und daß der Sozialdemokratie und dem Reichsbanner schließlich nichts übrig blei- ben wird, als zur Selbsthilfe aufzurufen, wenn die staatlichen Organe nicht in der Lage sind, mit der Nazi- Pest ferttgzuwerden, Günstige Steuereingänge. Die Ausfälle vom Juli schon fast ausgeglichen. Das vlinderciokommco an Reichssteuern im Zuli von ungefähr 180 Millionen Mark ist schon in der ersten Dekade de» August zu einem erheblichen Teil wieder einge- kommen. Man zieht daraus den Schluß, daß dieser Sleuer- ansfall zum großen Teil eine Folge der Bankenfpcrre gewesen ist. Eine Ertragssteigerung der Ilmsahsteuer wird dadurch erklärt, daß vielfach Angstkäufe vorgenommen worden sind. Llnsicheres Weiler. Bisher sind noch keine Anzeichen für eine wesentliche Besserung des bereits seit acht Tagen anhaltenden schlechten Wetters vorhanden. Die ollgemeine Wetterlage ist ziemlich kompliziert. Heber England und Skandinavien ist erneut kräftiger Druckfall eingetreten. was zu einer neuen Wetterverschlechterung führen kann. Die Meteorologen des Amtlichen Berliner Wetterdienstes sagen für Sonnabend etwas milderes Wetter bei bedecktem Himmel voraus. 3n den nächsten Tagen wird unser Gebiet offenbar in den Bereich wesentlicher feuchter Luftströme gelangen. Genaueres kann jedoch erst morgen vom Wetterdienst gesagt werden, da andererseits auch wieder Anzeichen vorliegen, die am Sonntag auf eine Wendung zum Besieren schließen lassen 452 Todesopfer der„St. philibert". Empfang zu Ehren der deutschen Hebefchiffsbefahung. Erst seht ist es gelungen, die Zahl der Todesopfer der ..St. Philiber t"-Katastrophe einwandfrei zu ermitteln. Räch den amtlichen Feststellungen haben von den insgesamt 489 Fahrgästen des llnglücksdampfers 4S2denTodgesuodea. Skandal um dieZnnere Mission (Fortsetzung von der I. Seite.) den Bausparkassen sind nicht mehr abzuleugnen. Bereits im Januar 1S30 ist der O b e r k irch e n r a t der evangelischen Kirche daraus aufmerksam gemacht worden, daß die Bauspargelder der Tevaheim verwandt wur- den» um Zahlungen an Wohlfahrtsanstalten zu leisten» zu denen die Hilfskasse gemeinnütziger Wohl- fahrtseinrichtungen K. m. b. H. auf Grund speku- lativer Investierungen von Reichs- und Länder- geldern in Margarinefabriken und ähnlichen Unter- nehmungen nicht mehr in der Lage war. Die chilfskasse, zu deren Gründern der evangelische Zentral- a u s s ch u ß für Innere Mission, der katholische Caritas-Berband, das Rote Kreuz und andere religiöse Wohlfahrtsorganisationen gehören, muß für die Verluste der Devaheim-Spare? regreßpflichtig gemacht werden. Ihr Direktor war der Pastor v. Cremer, der als Aujsichtsratsvorsitzender der Devaheim über alle Vorgänge in der Geschäftsführung der Deoaheim-Gesellfchaften informiert war. Ohne seine Zustimmung konnten nach den Geschäftsbestimmungen Geschäfte über 20 OVO Mark nicht abgeschlossen werden. Den be- teiligten Beauftragten der Inneren Mission, die in einer später ein- Sie Generalstreikparole der KPS. Wie die Zentrale ihre Wirkung sich vorstellte. Wie sie in Wahrheit wirkte. gezogenen Werbeschrift der Devaheim ausdrücklich als Delegierte des Zcntralausschufles für Innere Mission im Aufsichtsrat der Devaheim bezeichnet worden sind, können die fragwürdigen Großbauspar- geschäfte nicht oerborgen geblieben sein. Der unerhörteste Fall ist der Abschluß von Verträgen mit einer Maklersirma über S Millionen Mark, die in kurzer Zeit für 5)ypothekengeschäfte zur Auszahlung gebracht werden sollten. Dieses Geschäft ist durch einen bekannten nationalen Politiker vermittelt worden. Bereits im Februar war ein Verlust der Devaheim von löOOO Mark bei einem Stammkapital von 68 200 Mark bekannt. Trotzdem hat man weiter Vertufchungspolitik getrieben und da- durch die Verluste zu dem jetzigen Ausmaß anschwellen lassen. Auch die jetzige Gesckzäftsleitung, die bereits seit einigen Monaten amtiert, ist für die Verschleppungspolitik mitverantwortlich. Die christlichen Würdenträger der Inneren Mission sind nach dem Zusammenbruch demonstratio in die Ferien gegangen. Die Beauftragten des Zen- tralausschusses, in deren Händen sich fünf Sechstel des Devaheim- Stammkapitals befinden, verzichteten darauf, zu einer Gesellschafter- Versammlung zu erscheinen. Die ganze Hallung der Inneren Mission beweist, daß man nicht die Absicht hat, helfend einzugreifen, nachdem auch das Reichs- arbeitsminlsterium die Bewilligung von Mitteln für die Sanierung abgelehnt hat. Man hält die Sporer hin und veranstaltet in der Zwischenzeit hosenknopfkollekten. Die schwergeschädiglen Sparer des Deoaheim-Konzerns werden sich damit abfinden müssen, daß der Konkurs durchgeführt wird. Illusionen über eine Sanierung durch neue Beitragszahlungen der Sparer sind bei dem Ausmaß der Verluste nicht am Platze. Es kommt jetzt darauf an, daß die Sparer die verantwortlichen In- stanzen der Evangelischen Kirche nicht nur moralisch, sondern auch vor Gericht für den Betrug an 22 000 Sparern verantwortlich machen. Nachdem der Prokurist der Devaheim, C r e m e r jun. verhaftet ist, ist die Frage am Platze, wann Haftbefehl gegen C r e m e r jun., den Hauptoerantwortlichen am Zusammenbruch, den Beauftragten der kirchlichen Kreise, erlassen wird. Die Klage der Nordwestlichen. Und die Widerklage des Metallarbeiterverbondes. Nach monatelangen Verhandlungen in dem Schadenersatzprozeß der Nordwestlichen Eisen- und Stahlindustriellen wurde gestern vor dem Arbeitsgericht verhandelt. Da durch die Widerklage des Deut- schen Metallarbeiterverbandes der komplizierte Rechtsstreit noch ver- wickelter geworden ist. konnte das Arbeitsgericht kein Urteil fällen. Es setzte einen besonderen Verkündungstermin an, der den Rechtsstrett wenigstens in erster Instanz beenden dürste. Das Mental Kein Toter unter Ken Trümm Die polizeilichen Ermittelungen nach den Eifenbahnaltentälern von Jüterbog haben bisher keine neuen wesentlichen Anhaltspunkte ergeben. Die Uulersuchungskommissionen sind weiter stark überlastet, da Hunderten von Fingerzeigen und Verdächtigungen nachgegangen werden muß. Bis heute früh hatte sich das Gerücht hartnäckig gehalten, daß unter einem der umgestürzten Wagen noch ein toter Passagier liege. Es sollte sich um den Kaufmann Tizian Staly aus Winterthur in der Schweiz handeln. Staly wurde seit dem Unglückstag vermißt. Aus Breslau kommt jetzt die Meldung, daß der Schweizer Kaufmann schon vor Tagen dort wohlbehalten ein- getroffen ist. St. war bereits in Halle ausgestiegen und hatte einen anderen Zug nach Schlesien benutzt. Schwierige Eingleisungsarbeiien. Die Eingleisungsarbeiten an der Unfallstelle gestalten sich doch weit schwieriger, als es zuerst den Anschein hatte. Don den sieben Wagen waren bis Donnerstagabend erst fünf wieder in die Schienen gebracht. Inzwischen ist auch der in Essen stationierte zweite 60- Tonnen-Riesenkran der Reichsbahn an der'Unglücksstätte eingetroffen. Mit beiden Kränen wird ohne Unterbrechung ge- von Jüterbog ru/ Ltniersuchung geht weiter arbeitet, denn man will die Gleise so schnell wie möglich freibekommen. Bei den heutigen Hebeversuchen ereignete sich»in Zwischenfall, der glücklicherweise ohne ernstere Folgen blieb. Als der Speisewagen angehoben wurde, riß das Fahrgestell ab und rollte ein Stück den Abhang hinunter. Im Laufe des Sonnabends, spätestens jedoch Sonntagmittag, dürften die Eingleisungsarbeiten beendet sein, und die stark beanspruchte Strecke ist für den Normal- verkehr wieder frei. Wo stammt der Sprengstoff her? Der bei dem Attentat zur Verwendung gelangte Spreng- st o f f ist von den Chemikern f e st g e st e l l t worden, seine Zu- sammensetzung wird aus verständlichen Gründen jedoch geheiin gehalten. Unter allen Umständen soll versucht werden, die Her- k u n f t des Explosionskörpers zu ergründen. Es wird vermutet, daß die Attentäter Helfershelfer gehabt haben und der Sprengstoff vielleicht aus einem Werksdieb st ahl herrührt. Da wiederholt in Betrieben in letzter Zeit Sprengstofsdiebstähle vor- gekommen sind, hat die Polizei eine Liste all dieser Diebstähle zu- sammengestellt. Auf Grund von angeforderten Proben werden dann die Chemiker der chemisch-technischen Reichsanstalt unter Leitung von Professor Dr. Ritter die notwendigen Versuche anstellen. Llntersiichung der Schupomorde 28 Kommunisten im Gewahrsam— Geheimsihung ausgehoben. Im Zusammenhang mit den blutigen Vorgängen am vülow- pla h sind in den letzten Tagen noch mehrere Fe st nahmen erfolgt. Insgesamt befinden sich zur Zeit 28 Sommuuiften bzw. Mitglieder des Kampsbundes gegen den Faschismus in Ge- wahrsam. heute vormittag erfolgke eine abermalige Vernehmung der Inhaftierten, die bisher sämtlich streiten, bei den Unruhen am Vülowplatz geschossen zu haben. In einem Teil der Berliner Sensationspresse werden über an- gebliche Spuren und Verhaftungen oer Täter immer wieder irre- ftihrende Nachrichten veröffentlicht, die den Tatsachen in keiner Weise entsprechen und in mehreren Fällen sogar völlig aus der Lust gegriffen sind. Es braucht kaum betont zu werden, daß diese Alarmmeldnugen der polizeilichen Untersuchung in keiner Weise dienlich sind. -i° In der Kolonie„M ä r k is ch e Schweiz", im Nordosten Berlin?» wurden gestern abend bei einer Razzia in der Laube des Arbeiters Führer neun Kommunisten verhastet, die sich auf dem Grundstück zu einer Geheimsitzung eingefunden hotten. Alle neun wurden der politischen Polizei übergeben. Kranzens Aachsolger wirb gewählt. Am 15. September. * vraunschweig. 14. August.(Eigenbericht.) Der Plan der bürgerlichen Rechtsparteien im Lande Braun- schweig, das deutschnationale Rmnpfkabinett mit nur einem deutsch- nationalen Minister weiterbestehen zu losien, wurde in der heutigen Sitzung des Aeltestenrats preisgegeben. Die Einberufung des Landtags wurde auf den 15. September mit der Tagesordnung Ministerwahl beschlossen. Der Aeltcstenrat lehnte ferner«ine Stellungnahme des Parlaments zu» kommunistischen Volksbegehren aus Auflösung des Landtags ab, so daß nunmehr der Volksentscheid durchgeführt werden muß. Die Sozialdemokratie wird sich an der aussichtslosen Aktion nicht beteiligen. Schluß mit dem Nachkrieg! Senator Borah scharf gegen pariser Politik. New York. 14. August.(Eigenbericht.) Buudessetmtor Borah» der Vorsitzende des Aus- wärtigeu Senatsausschusses» erklärte in einer Rede, die übertriebenen französischen Sicherheitsansprüche bedeuteten eine Zerstörung Deutschlands, Oesterreichs und Ungarns. Frankreich genieße heilte größere Sicherheit als irgendeine Nation in den letzten 20V Jahren gehabt habe. Ter Weltkrieg müsse endlich einmal ein Ende haben. Schuldenstreichung schon- Reparation muß bleiben? Paris. 14. August.(Eigenbericht.) Der„Matin" wendet sich in einein scharfen Artikel gegen die Be- strebungen des Gouverneurs der Bank von England, zur Aufrecht- erhaltung der engliischen Währung eine Herabsetzung oder Streichung der interalliierten Schulden und der Repa- rationszahlungen in die Wege zu leiten. Um jedem der- artigen Versuch zuvorzukommen/ müßten folgende kategorische Im- perativ aufgestellt werdsn? In keinem Falle werde sich Frankreich damit einverstanden erklären, daß man das Problem der Rsporations- Zahlungen unter der Hand und hinter seinem Rücken be- handle! In keinem Falle werde Frankreich die Abschosfung der Reparationen zulassen, denn das sei eine Frage der Moral, der Gerechtigkeit und des Gefühls, gemäß dem ersten der 14 Punkte Wilsons. In keinem Falle werde Frankreich zugeben, daß man Reparationen und interalliierte Schulden gleichmäßig be- handle. Man könne die Schulden vollkommen annullieren, aber nicht die Reparationen. Man könne die Schulden beträchtlich herabsetzen, nicht aber die Reparationen! Stadt Kottbus macht Experimente. Mit der Post, mit den Fernsprechteilnehmern und mit dem stecht. Ein merkwürdiger Fall wird aus Kottbus berichtet: Dort sollte das Fernsprechwesen im Jahre 1938 automatisiert werden. Die Stadt wünschte wesentliche Beschleunigung, die Post sagte das auch zu, aber nur wen die Stadt einen Kostenbeitrag von 100 Mark für jeden Fernsprechteilnehmer zahle, was eine Gesamtsumme von 222 000 Mark be- deutet. Ein entsprechender Vertrag wurde geschloffen. Infolge der Krise konnte-die Stadt jedoch nicht zahlen. Darauf wurde sie von der Post verklagt. Nun versucht die Stadt, von jedem Fern- sprechteiluehmer den Betrag von 100 Mark in Monatsraten von 5 Mark einzuziehen. Sic hat damit wenig Erfolg, zumal ihr kein Recht auf eine solche Zahlung zur Seite steht. Da ist nun die Ktadt Kottbus auf den Zlusweg verfallen. die Erteilung städtischer Lieferungen, Steuererleichterungen und sonstiger Begünstigungen von der Zahlung dieser Extrafern- sprcchsteuer abhängig zu machen! Linier Trümmern begraben. Fünf Tote, drei Verlehte beim Hauseinsturz. Paris, 14. August.(Eigenbericht.) In dem Lyoner vororl Villeurbanne ereignete sich heute früh gegen 3 Uhr in einem von Algeriern und Spaniern bewohnten hause eine hesttge Explosion, deren Ursache noch nicht festgestellt worden ist. Das Haus wurde vollkommen zerstört und die 3 3 Bewohner unter den Trümmern be- graben. Die sofort alarmierte Feuerwehr konnte bisher süns Tote und drei Verletzte bergen. Mehrere Personen wurden lebend ausgegraben. Die Rachbarhäuser und eine gegenüberliegende Fabrik wurden durch die Explosion stark in Mitleidenschaft gezogen. Die beiden Nachbarhäuser mußten schleunigst gestützt werden, da sie einzustürzen drohten._ Eine Stahlhelmlüge entlarvt. Ein Nachspiel zum Koblenzer Aufmarsch, Der Stahlhelm läßt durch die rechtsstehende Presse eine Mel- dung verbreiten, wonach sein Bureau in Koblenz am Sonntag, den 9. August, aus Anlaß des Reichsbanncrtreffens erstürmt und die im Bureau anwesenden Stahlhclmleutc verprügelt worden seien. Der Kreis Koblenz des Reichsbanners Schwarz-Rot-Dold teilt dazu folgendes mit: Das sogenannte Bundesamt des Stahlhelms veröffentlicht«ine Notiz in der Tagespreffe, wonach die Geschäftsstelle Koblenz von Reichsbannerleuten überfallen worden sein soll. Der Vorfall hat sich in Wahrheit folgendermaßen zugetragen, was durch eins Rückfrage bei der Koblenzer Polizei bestätigt werden kann: Beim Abmarsch der Reichsbannerleute noch dem Festzug wurden sie von Stahlhclmleuten vor dessen Geschäftsstelle in übelster Weise provoziert. Als die Reichsbanncrleutc sich das verbaten und einen der 5)auptschreicr zur Rede stellten, fiel Plötz- lich aus dem Stahlhelmbureau ein Schuß, der einen Reichs- bannermann am Kopfe streifte. Nun bemächtigte sich der Reichs- bonnerleute begreiflicherweise eine große Erregung. Nur dem be- sonncnen Verhalten der Führer des Reichsbanners und dem so- fortigen Eingreifen der Schutzpolizei ist es zu danken, daß ein Sturm auf das Stahlhelmbureau, aus dem der feige Schuß auf die Rcichsbannerleute fiel, vermieden wurde. Der Täter wurde sofort oerhaftet und das Bureau einer Untersuchung unterzogen. Hierbei wurden nicht weniger als 8 Pistolen gefunden, die die Stahlhelm- lcute weggeworfen hatten, so daß sich nicht feststellen ließ, wem sie gehörten. Bemerkt sei noch, daß bei der polizeilichen Räumung die Stahl- Helmleute sich weigerten, das Haus zu verlassen, wenn ihnen nicht eine genügend große Zahl Schutzpolizei zum persönlichen Schutz zur Verfügung gestellt würde. Der Schutz wurde ihnen gestellt. Trotzdem zogen die Herren es vor, vorher ihre Stahlhelmabzeichen abzunehmen und wegzuwerfen. Erst dann begaben sie sich unter dem Schutz der Polizei aus dem Hause. Klugzeugunsall bei Göppingen. Göppingen, 14. August. Em Derkehrsslugzeug München— Böblingen, dos auf der Schwäbischen Alb bei Auendorf wegen Regen und Nebel eine Landung vornehmen wollte, streifte dabei einen Saum und stürzte, als es den Voden bereits berührt hatte, eiuen an dieser Stelle beftudlichen Steinbruch hinunter. Verletzt wurden die beidenPiloten, darunter der Flugzeugführer Kraft schwer, von den Fluggästen Direktor Fritz Wiedmer aus Starnberg bei Münchep schwer und drei weitere Personen leicht. Die beiden Schwerverletzten wurden in das Göppinger Krankenhaus einge- liefert. Der Flugzeugführer erlitt einen Schädelbruch und Quetschun- gen. Direktor Wiedmer soll einen Beckenbruch davongetragen haben. Nanttassenraub in Mecklenburg. Güstrow. 14. August. In die Städtische Sparkasse in Lange wurde in der Nacht zum Freitag ein schwerer Einbruchsdiebstahl verübt. Die Täter gelangten durch die Gärten auf den Hof des Sparkaffen- gebäudes und erbrachen hier die nach dem hos zu gelegene Tür. Dann verschafften sie sich weiter Zugang ins Geschäftszimmer, wo sich die Geldschränke befinden. Einer der Schränke wurde fach- männisch ausgebrochen, aus dem mehrere tausend Mark Lohn- und andere Gelder geraubt wurden, von den Tälern fehlt noch jede Spur. Zweierlei i Schallplatienschau Zwischen Mozart und Strauß. Die fortschreitende Senkung des kulturellen Niveaus, die wir allgemein auf dem Schallplattenmarkt feit längerer Zeit beobachten, zeigt sich nicht zuletzt in dem steigenden Prozentsatz, der innerhalb der gesamten Produktion auf Tanz- und Schlagerplatten entfällt. Nicht zu reden von der Unzahl minderwertiger„Charakterstücke", geschmackloser Opernphantasien und Operettenpotpourris, kitschiger Rhein- und Weinlioder, vom Gemüt spießiger Männergesangs- quartette und Humor sogenannter Stimmungssängcr. Immerhin, Tanzmusik muß nicht allemal künstlerisch wertlose Unterhaltung sein. Halten wir uns daran, daß das Tänzerische— im Volkstanz, im Kunsttanz, im Gesellschaftstanz— ein Grundelement aller Musik bildet: halten wir uns an das künstlerisch Wertvolle, das auch aus diesem Gebiet auf den Markt gebracht wird. Auch Mozart hat Musik zum Tanzen geschrieben: aber diese„Deutschen Tänze", dar- unter die„Schlittenfahrt" mit dem lustigen Schellengeklingel, die wir von den Philharmonikern lDirigent: Meyrowitz) in bester Wiedergabe hören(U.*), sind eben Musik von Mozart, die in all ihrer Anspruchslosigkeit ihren Wert und Reiz nach ISO Jahren bewährt. Norwegische Volkstanzweisen hat Edvard G r i e g zu einer Reihe von„Sinfonischen Tänzen" gestaltet, reinlich empfundene, sauber gearbeitete Orchestermustk, die Issai D o b r o w e n mit der Staatskapelle zu sympathischer Wirkung bringt(P.). Auch in Moritz Moszkowskis„Spanischen Tänzen"" und„Swingin' in a hammock". Von ebenso hoher Qualität sind Platten von Rat Lewis, wie„Sing>ou sinners"(Orch.): von Carl B u r t n e tt, wie„Puttin' on the Uite"(Br.): oder von Roy Miller, wie „In a kitdienettc"(Br.). Daneben bei Br. Jesse Stafsord. Tom C l i n e s, Ben Bernte, Abe L y m a n, Roger Wolfe Kahn, Jaques R e n a r d, Red N i ch o l s und nicht zuletzt die Lumping Jacks mit ihrer suggestiven Lustigkeit. Bei C. Ray Starita, Jack Payne. Bei E. Rat Shilkret und Ted W e e m s. Bei D. G. die Jan und Patrick H o s f m a n n Band. Bei U. die New A orkers, Julian F u h s. Bei Orch. die M e e r y m a k e r s. Bei Ho. Lud G l u s k i n und Harry Sculthorpe. Neue Tangos, sehr typisch in ihrem stockenden, steifen Rhythmus, spielen die Kapellen Ralando di Perron(Ho. und ll.) und Juan Llossas(U.). Beim Waltz, der amerikanischen Spielart des Walzers, ist Vorsicht geboten: hier herrscht das Sentimentale, Kitschige vor. Als angenehme Ausnahmen sind„Märchen von Tahiti" und„Monterey" zu bemerken, jenes von den S c a r p o s Radio Rhythmicans(Ho.), dieses von Sllfred B e r e s(II.) und dem„Orchestrola-Iazzorchester" gespielt. Abkürzungen: A.— Adler: Br. Brunswick: C. Columbia: D. G.'— Deutsche Grammophon: E.— Elecdrola: Ho.= Homocord: O.— Odeoir: Orch. Orchestrola: P.— Parlophon: Tr.— Triergon: u.= Ultraphon. Henriette Fürth. Zum?t>. Geburtstage der pionierin des Sozialismus und der Frauenbewegung am TS. August. Henriette Fürth in Frankfurt a. M., die unermüdliche Vor- kämpferin für die Sache der Arbeiterschaft, die vorzügliche Sozial- Politikerin, deren Name innerhalb wie außerhalb der Partei besten Klang hat, vollendet am 1ö. August das siebenzigfte Jahr eines Lebens, reich an Mühe und Ringen, aber auch an Erfolg und an persönlichem menschlichen Glück. Es war das Leben einer Voll- natur, die sich nach allen Richtungen verausgaben konnte, ohne da- durch ärmer zu werden:«incr Natur, die durch Geben wuchs. Henriette Fürths Persönlichkeit verdient, vielen als Vorbild nahe- gebracht zu werden. In Gießen geboren, Tochter eines liberalen Kaufmannes, der als bürgerlicher Demokrat auch i» Arbeiterkreisen geachtet wurde, wollte Henriette Fürth nach dem Besuch der üblichen höheren Mädchenschule den einzigen Beruf ergreifen, der damals geistig strebenden Mädchen osfenstand, den Lehreriimenbcruf. Sie hoffte, hier im Sinne ihrer pädagogischen, sozialen und künstlerischen Neigungen wirken zu können. Aver sie ließ den Plan fallen, als sie sehr jung einen Frankfurter Kaufmann heiratete. Das Leben außerhalb der Familie— Henriette Fürth wurde Muttsr von acht Kindern— gehörte der sozialen Arbeit. Ihr temperamentvolles, warmherziges Wesen, ihre Klugheit, die sich trotz aller Geistesschärfe mit großer Liebenswürdigkeit verbindet, ihre angeborene Rednergabe, gewannen ihr Sympathien, wo immer sie auftrat: bei ihren zahlreichen Vorträgen für die Sozialdemokro- tische Partei, ihren Lehrgängen für die Volkshochschule, ihrer Mit- arbeit in der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechts- krankheiten, ihrer Tätigkeit als Stadtverordnete in Frankfurt a. M. Henriette Fürth war auch Kandidatin zur Nationalversammlung in Hesien, und zwar ach einer Stelle, die fast noch Erfolg hatte: Zweifel- los wäre ihre große Erfahrung z. B. auf dem Gebiete der Woh- nungs-, Bevölkerungs-, Hauswirtschasts- und Erziehungsfragen in jedem Parlament besonders wertvoll gewesen. In Frankfurt a. M. wirkte sie im Institut für Gemeinwohl und on verschiedenen anderen Stellen, auch in der Arbeiterwohlfahrt, viel für die Stadt, die ihr Heimat geworden. Henriette Fürth gab ihrer praktischen sozialpolitischen Arbeit einen wissenschaftlichen Niederschlag in zahlreichen Beiträgen zu Zeitungen und Zeitschriften und auch in einer Reih« bedeutsamer Bücher. Als eine der ersten machte sie den Versuch Volkswirtschaft- l icher Erfassung der einzelnen Hauswirtschaft in ihren Schristen über „Ein mittelbürgerliches Budget vor und nach dem Kriege". Sie ist eine der Vorkämpferinnen der„M u t t e r s ch a f t s- Versicherung", schrieb über„Das Pflegekinderwesen" und„Die Fabritarbeit der verheirateten Frau" über„Das Beoölterungsproblem in Deutschland" und„Die Regelung der Nachkommenschaft".(Fast alle die genannten Schriften erschienen bei Gustav Fischer, Jena.) Und wenn gerade diese Mutter von acht Kindern Geburtenregelung, Be- seitigung der Zwangsmutterschaft sowie des unhellvollen Para- graphen 218 befürwortet, kann sicher niemand mangelndes mütter- liches Gefühl gegen sie geltend machen. Die Arbeiter fast aller Länder, die wirtschaftlich und durch Gesetze bedrückten Frauen insbesondere, haben Anlaß, Henriette Fürth zu ihrem siebzigsten Geburtstag warmen Dank abzustatten und sich zu freuen, daß diese unentwegte Kämpserin ihn voll Frische in unverminderter Regsamkeit begehen kann. .......i �Aäeia Schreiben. Agrarischer Gelbsthilfewahnsinn. Neue unsinnige Forderungen des Veichsiondbundcs. Der Reichs-Landbuch richtete am 13. August ein Schreiben an die Reichsregierung, in dem es u. a. heißt: „Der Herr Reichskanzler hat letzthin mehrfach die Notwendigkeit der nationalen Selb st Hilfe betont. In das Gebiet der nationalen Selbsthilfe gehören auch alle diejenigen Maßnahmen, die es verhindern, daß Deutschland unnötig ausländische Waren kauft und deutsches Geld für diese Waren ins Ausland fließt. Die aus oen Vorgängen der letzten Wochen heraus entstandene Devisenbewirtschaftung hätte ein geeignete Mittel der nationalen Selbsthilfe werden können. Nun hören wir, daß Devisen ohne nähere Nachprüfung des tatsächlichen deutschen Bedarfs den Importeuren im Rahmen ihres früheren normalen Importes gege- den werden sollen. Dadurch entfallen alle die Erwartungen, oie die Landwirtschaft an dieses Mittel der nationalen Selbsthilfe ge- knüpft hatte. Es. dürste wohl kein Zweifel mehr darüber bestehen, daß«in ganz erheblicher Teil des bisherigen Agrnrimportes über- flüssig und schädlich gewesen ist und sehr wohl durch heimische Pro- dukte ersetzt werden kann. Es ist daher nicht zu verstehen, daß von dem in der Devisenordnung gegebenen Mittel, die Erzeugnisse der bäuerlichen Vcredelungswirtschast zu schützen, nicht Gebrauch gemacht werden solle. Insbesondere verweisen wir auf die Notwendigkeit und Möglichkeit der Abdrosselung von Fetten aller Art, insbesondere auch von Tranen, von Obst» Südfrüchten, Gemüse, Wein, sowie der Molkereiprodukte u. a. An die Reichsregierung richten wir daher den dringenden Appell, von den ihr jetzt zur Verfügung stehenden Möglichkeiten des Schutzes der bäuerlichen Deredelungsproduktion nicht nur im Interesse der Landwirtschaft, sondern der gesamten Volkswirtschaft nachdrücklichst Gebrauch zu machen." Wenn der Reichslandbund von„nationaler Selbsthilfe" redet. dann meint er eine Sonderaktion zur Begünstigung der Landwirt- schast, damit sie in ihrem alten Schlendrian weiter wirtschaften kann. Dr. Simons Regierungspräsident von Liegnih. In der am Donnerstag stattgefundenen Sitzung des Provinzialausschusses stimmte dieser mit den Stimmen der Sozialdemokraten und des Zentrums der vom preußischen Staatsministerium vorgesehenen Ernenming des Ministerialrates Dr. Simons zum Regierungspräsidenten in Liegnitz zu. Dr. Simons ist Sozialdemokrat. Versammlungsocrbotc in kioburg. In der vergangenen und in dieser Woche waren in Neustadt(bei Koburgl, in Rod ach und in K o b u r g selbst sowie in mehreren Dörfern össentliche nationalsoziali st ische Versammlungen anberaumt. Sie wurden sämtlich im Hinblick auf die politische Lage o c r- boten. Zeitungsverbot-. Wegen eines Aufsatzes, der sich gegen die Oschilfepolitik der preußischen Staatsregicrung wendet, ist das Organ des Pommerschen Landbundes vom Ober- Präsidenten der Provinz Pommern bis zum 28. August verboten worden. Wegen eines das Verbot einer nationalsozialistischen Ver- sammlung kritisierenden Artikels wurde die„K o b u r g e r Nationalzeitung", das Organ der NSDAP., mit sofortiger Wirkung auf die Dauer von zwei' Monaten verboten. Das Verbot erstreckt sich auch auf neu« Druckfchriktsn. dl« fachlich eine Fore feyung der„Natianalzeitung" darstellen. In dem ftaglichcn Artikel erblickt die Aufsichtsbehörde eine Verächtlichmachung des Stadt- lammisiär». Cröffnungsprogramm der Berliner Bühnen. Für den Beginn der kommenden Theatersaison der Berliner Bühnen liegt jetzt ein vollständiges Programm vor. Dag Große Schauspielhaus, das unter der künstlerischen Leitung von Max Reinhardt stehen wird, cröfsnet am 1. September mit dem von Charell inszenierten„Weißen Rößl". Mit Max Adalbert schweben zur Zeit noch Verhandlungen wegen Uedernahm« der Rolle des Gicscke. Unter der Leitung von Viktor Barnowsky wiro das Deutsche K ü n st l c r t h e a t e r mit Pelzers„Rosenbraut" eröffnet werden. Unter der Direktion von Meinhard und Bernauer wird das Komödienhaus am lö. September mit der Komöbie „Zu Hilfe" von Achard beginnen. Das Theater in der St r e s em a n n st r a ß e soll mit einem neuen Lustspiel von Bcr- nauer und Oesterrcicher eröffnet werden. Gogols„Revisor" wird das Eröffnungsstück sein, mit dem Dr. Robert Klein am 1. Sep- tember seine Spielzeit im Lcssing-Theater beginnt. Als Eröffnungsvorstellung im Metropoltheater ist„Die Blume von Hawai" vorgesehen. Das Lustspielhaus hat sich zur Er- öffnung„Tempo über hundert" von Cammerwhr gesichert und der Admiralspalast eröffnet mit dem Ausstattungsstück„Die Dubarry". In der„T r i b ü n e" wird der Verleger Paul Gordon mit dem Lustspiel„Mein Friseur" von Karl Mannheim die Saison eröffnen. Die Kammerspiele bleiben vorläufig noch geschlossen. Für das Theater am Schiffbauerdamm werden Verhandlungen mit der Gruppe junger Schauspieler unter Leitung Gerhard Bienerts ge- führt, die als Erösfnungsprograimn„Avantgarde" von Äatajew vorgesehen haben. Auch über das Renaissonce-Theater. das Berliner Theater und das Kleine Theater sind zur Zeit Verhandlungen noch im Gange. phoiozelle entlarvt Medium. Im„Institute Metapsvdntjua" des Dr. Noftys zu Poris wurde das berühmte spiritistische Medium Stanislaw», das durch seine unerklärlichen Leistungen Aufsehen erregte, durch einen ganz modernen Apparat entlarvt, gegen dessen Beobochtungsschärfe auch die schlauesten und genialsten Tricks nicht helfen. Es wurde nämlich die Photozelle als Waffe gegen den Betrug des Mediums verwendet. Man hat bekanntlich diese Photozelle im inodernen Leben schon mchrsach verwendet, da sie auf einfachste Weise funktio- niert, wie zum Beispiel zum Zahlen von Passanten, zum Schutz gegen Einbruch usw. Unsichtbare ultrarot« Strahlen werden als „Zaun" vor die Häuser gelegt. Wenn ein Mensch vorübergeht, wird der Strahl für einen Augenblick unterbrochen, untr dadurch wird eine Alarmoorrichtung ausgelöst. Da die Einbrecher die ultraroten Strahlen nicht sehen, so können sie auch diesen Schutz nicht außer Betrieb setzei- Dieses Prinzip wurde nun zur Prüfung der Leistun- gen des Mediums Stanislawa verwendet. Sie leistete Hervor- ragendes auf dem Gebiete der �Telekinefe", das heißt, ia. ihrer Gegenwart flogen Gegenstände durch die Lust, ohne daß sie von Menschenhand berührt wurden. Dr. Noftys kam auf den guten Gedanken, ultrarote Strahlen zu verwenden, die mit einem photographischen Apparat verbunden waren. Sobald sie unterbrochen wurden, wurde ein Viitzlichtouf- nahm« ausgelöst. Der Raum zwischen dem Medium und den Gegenständen, die mit Hilfe der Telekinesc durch das Zimmer fliegen sollten, wurde mit ultraroten Strahlen„belegt", die unsichtbar sind. Wenn das Medium durch Taschenspielcrstücke die Fcsieln abstreifen konnte, um nach den Gegenständen zu greifen, mußte eine Blitzlicht- aufnähme erfolgen. Und siehe da! Kaum war dos Experiment im Gange, als der Apparat funktionicrle. Auf der photograschi- schcn Platte was das Bild der Stanislawa zu sehen, wie sie den Arm vorstreckte, um die Gegenstände zu werfen. Wie sie den Arm frei gemocht hat, weiß man nicht. Sicher ist aber, daß sie es ver» steht, nach der Telekinese den Ann wieder so in die Fesieln zm stecken, daß man keine Veränderung merkt. Der scherzhafte Vorgong erinnert an eine Berliner Szene, wo der bekannte Arzt Dr. Albert Moll ein Medium cnt- larvte. Ein gewisser Pinkort genoß den Ruf, Geister bc- schwören zu können. Totsächlich ließ er bei einer Sitzung in Berlin zwei Geister auftreten oder erscheinen, von denen einer erklärte, daß er«in« Frau sei und Alida heiße. Diesen „Geist" begoß nun Dr. Moll in dem finsteren Raum, ohne daß jemand etwas merkte, mit einer roten Flüssigkeit. Als die Sitzung zu Ende war, wurde Pinkert auf Wunsch Molls genau untersucht, und in seiner Hosentasche fand man einen großen Gaze- schleier, der mit der roten Flüssigkeit Molls getränkt war. Es zeigt sich also, daß die Geister in Wirklichkeit Gazeschleier waren. Kleider mache»— Bolschewisten. Es scheint, daß der so leiden- schastlich bekämpfte.chourgeoise" Geist im Sowjetstaat mehr und mehr an Geltung gewinnt. Wurde erst kürzlich die Welt durch die Ankündigung überrascht, daß zwischen gelernten und ungelernten Arbeitern künftig in bczug auf Löhne ein Unterschied gemacht wer- den soll, so kommt nun aus Moskau ein Ausruf, der den Mitgliedern der Kommunistischen Partei ans Herz legt, mehr Sorgfalt auf che Kleidung zu verwenden.„Die Zeit ist gekommen", so erklärte Iaroslawsli vor der Kontrollkommission der 5Zommunlstischen Partei, „da die Mitglieder sich besser anziehen müssen. Es ist nicht not- wendig, ja sogar dem Ansehen unserer Organisation schädlich, wenn die Arbeiter so aussehen, als wären sie Angehörige irgendeines Bettelordens. Man muß ihnen gestatten, sich so zu kleiden, wie es ihrer materiellen Lage und ihrer kulturellen Mission entspricht." Die vor einiger Zeit in die Wege geleitete neue„Reinigung der Partei" hat zu der Ausstoßung von über 130 000 Mitgliedern ge- führt, aber während der ersten drei Monate dieses Jahres sind ein« Viertelmillion neuer Mitglieder aufgenommen worden, und di« bolschewistische Partei zählt jetzt mehr als 234 Millionen Mitglieder, etwa zwei Drittel aller Industrieorbeiter. „Da» Mädchen au» der Fürsarge" mußte aus der Klcsterslraße au»- rieben, da da» Konsistorium der franjnüscbcn gemeinde au» sittlichen Gründen am Inhalt de» Stücke»?li>stoß genommen hatte. Es wird nunmehr allabendlich 8% Uhr im Wallner-Theatcr in der Besetzung der UrauMhrung gespielt, Gewerkschastsfront unerschüttert Oer AOGB. im Jahre �930 In Zeiten einer Wirtschaftskrise, wie wir sie jetzt erleben, ist der Aufstieg der Gewerkschaften gehemmt. Mit 4 948 209 Mitgliedern Ende 1929 war der ADGB. der Zahl von fünf Millionen ziemlich nahe gekommen. Im Laufe des Jahres 1 930 trat jedoch ein M i t g l i e d e r r ü ck g a n g um 233 068, das sind 4,7 Proz., ein, so daß die Mitgliederzahl Ende 1930 auf 4 717 369 stand. Im Jahresdurchschnitt hatten die ADGB.- Gewerkschaften, deren Zahl infolge von Verschmelzungen und dem Ausfall der Filmgewerkschaft, von 35 auf 31 zurückging, 4 821 832 Mitglieder. darunter 684 978 weibliche. Der Mitgliederrllckgang ist nach dem Bericht der„Gcwerkschafts- Zeitung" größtenteils auf das Ausscheiden solcher Mitglieder zurück- zuführen, die infolge kurzfristiger Mitgliedschaft noch keine statutari- schen Ansprüche auf Unterstützung erworben hatten.„Unter Berück- stchtigung der unentwegten Angriffe von rechts und links auf die Gewerkschaften kann im Berichtsjahr kaum eine Abbröckelung, ge- schweige eine Erschütterung der Gewerkschaftsfront festgestellt werden." Drei Verbände, darunter die Buchdrucker, hatten noch eine gewisse Mitgliederzunahme zu verzeichnen. Der Rückgang traf mit 16,7 Proz. am stärksten den Steinarbeiterverband, der von der Arbeitslosigkeit besonders hart betroffen wurde. Auch die Musiker haben einen verhältnismäßig starken Berlust mit 13,7 Proz. zu verzeichnen, da bei ihnen die Arbeitslosigkeit durch den Tonfilm noch besonders verschärft wurde. Am geringsten ist der Rückgang bei den L i t h o g r a p h e n mit 0,2 Proz. Während die Einnahmen der Gewerkschaften um 19,7 Mil- lionen Mark zurückgingen, sind die Ausgaben um 31,3 Millionen ge- stiegen. Zu dem Ausfall infolge des Mitgliederrückgangs kommt eine geringere Leistungsfähigkeit der Mitglieder, da die ausgesteuerten »nd noch arbeitslosen Mitglieder beitragsfrei sind. Arbeitslose Mit- glieder können den Gewerkschaften nicht beitreten, so daß die Ein- trittsgelder von 562 352 Mark auf 325 670 Mark gefallen sind. Die Einnahmen aus Verbandsbeiträgen sind von 47,36 Mark auf 43,93 Mark je Mitglied zurückgegangen, um 3,43 Mark. Die Solidarität der Gewerkschaftsmitglieder kommt in einer Mehrleistung an Cxtrabeiträgen von 1 147 406 Mark im Jahre 1929 mit rund zwei Millionen einhundert- lausend Mark im Jahre 1930 zum Ausdruck. Die Zlusgaben für Unterstützungen machten mehr als die Hälft«— 51,2 Proz.— der Gesamtausgaben aus. Im Jahre 1929 wurden für Unterstützungen 86 793180 Mark gezahlt, im Jahre 1930 dagegen wurden für Unterstützungen 123 522 713 Mark aufgewandt, das sind 36,7 Millionen Mark mehr als im Jahre 1929. Dagegen sind die Ausgaben für Arbeitskämpfe im Jahre 1930, ,st>as hinsichtlich der Tarifbcwcgungen als ein Jahr des Stillhaltens bezeichnet werden kann, um 3,4 Millionen Mark zurückgegangen. Auf die einzelnen Unterstützungsorten ver- teilt, ergeben die Ausgaben für Unterstützungen folgendes Bild: Arbeitslosenunterstützung Lronkenunterstützung.■. Stcrbefallunterstützung ,, Jnvalidenunterstützung. Notfallunterstützung.. Reiseunterstützung... Ilmzugsunterstützung.. Sonstige Unterstützung Rechtsschutz an Mitglieder „Der gewaltige Detrag von 123,5 Millionen Mark, den die freien Gewerkschaften 1930 für Unterstützungen aufwendeten, ist aus dem Wege über den Masienkonsum restlos der deutschen Wirtschaft zugeflossen." Die Ausgaben für Jnvalidenunterstützung, die von 7 Verbänden mehr als im Jahre 1929 geleistet wurde, sind um 3,7 Millionen Mark auf acht Millionen Mark angewachsen. Ortsausschüsse des ADGB. bestanden im Jahre 1930 1288, acht mehr als 1929. Ueber 5000 bis 25 000 Mitglieder waren in 116 Ortsausschüssen mit zusammen 1139 248 Mitgliedern, über 25 000 Mitglieder in 26 Ortsausschüssen mit 1836183 Mitgliedern. Arbeitersekretariate, die von rechtskundigen Angestellten verwaltet werden, wurden wie im Vorjahre 123 unterhalten, darunter 16 Bezirkssekretariate. Die Arbeitersekretariate wurden von 607 244 Personen, 62 451 mehr als 1929, in Anspruch genonmien. Die Ortsausschüsse unterhielten außerdem an 423 Orten nebenamtlich verwaltete Rechtsauskunfts- stellen. Daneben wird in einfachen Fällen auch von den Orts- Verwaltungen der Verbände Auskunft an die Mitglieder erteilt. Auch auf dem Gebiete der Bildungsarbcit entfalten die Ortsausschüsse eine umfangreiche Tätigkeit. 479 Bildungskurse für Gewerkschaftsfunktionäre, 247 für Betriebsräte, für beide zusammen 528 Kurse und 603 Kurse für sämtliche Mit- glieder, 6743 Gewerkschaftsversammlungen und 4431 Versammlungen mit Bildungsoorträgen, mit und ohne Lichtbild, illustrieren diese emsige Tätigkeit. Gewerkschaflshäuser wurden 167 unterhalten, mit 125 Büros, 144 Restaurants, 146 Ver- sommlungssälen, 30 Herbergen und 43 Hotels. 142 Gewerkschafts- Häuser waren 1930 Eigentum der Ortsausschüsse, die übrigen 25 Miet- oder Pachträume. Die Ortsausschüsse beschäftigten Ende 1930 204 Angestellte- und 132 Hilfskräfte, darunter 142 Sekretäre und 85 Hllfskräfte in den Arbeitersetretariaten. Das demnächst erscheinende Jahrbuch des ADGB. bringt eingehendere Angaben über die Gewerkschaftsbewegung im Jahre 1930, die sich trotz aller Schwierigkeiten verhältnismäßig gut be- hauptet hat. Die Gewerkschaften Amerikas. Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit. Allanlic-City, 14. August.' Der hier tagende Exekutivausschuß der amerikanischen Fede- ration of Labour hat sich in seinen bisherigen Beratungen beson- ders eingehend mit dem immer größere Ausmaße annehmenden Arbeitslosenproblem in den Vereinigten Staaten beschäftigt. Der Vollzugsausschuß schlägt zur wirksamen Bekamp- stcng der Arbeitslosigkeit die folgenden Maßnahmen vor: 1. Allgemeine Einführung der Fünftagewoche in der Privatindustrie und in den staatlichen Betrieben. 2. Eventuelle Einführung eines Sechsstundenlages. 3. Aufrechlerhaltung des jetzigen Lohnniveaus. 4. Inangriffnahme einer beschleunigten Durchführung von kam- munalen Bauprojekten. 5. Einberuftmg einer Konferenz zwischen Präsident Hoover»nd Vertretern der amerikanischen Industrie sowie der Arbeitergewerk- schasten. Beratungen in England. Oer Generalrat der Gewerkschaften einberufen. London, 14. August. Der Generalrat der englischen Gewerkschaften ist zu nächsten Donnerstag zufammenberufen worden, um im Anschluß an die Voll- sitzung des Kabinetts am Mittwoch die finanzielle Lage zu erörtern. Weiter wird eine gemeinschaftliche Sitzung des Generalrals mit dem Vollzugsausschuß der Arbeiterparlei stattfinden, auf der die der Ar- beiterpartei angehörenden Mitglieder des Kabinetts Gelegenheit haben werden, ihren Einfluß auf die Parteimitglieder geltend zu machen, die von der Regierung in der Zwischenzeit beschlossenen Sparmaßnahmen zu unterstützen. Der 10. Internationale Tabakarbeiler-Kongreß tritt am 17. Au- gust in Stockholm zusammen. Die Internationale der Tabak- arbeiter umfaßte Ende 1930 in den angeschlossenen Länderorgani- sationen 122 031 Mitglieder, wovon nur 31 355 männliche. dagegen 90 696 weibliche Mitglieder. Berantwortl. für die Redaüion:»ttbctf Severe, Berlin? An,-igen: Tb. Sl-Se. Berlin. Verlan: Vorwärts Verla» G. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch» bruckerei und Berlagsaustalt Paul Einucr& Co.. Berlin SW 68. Lindenstraße 8. Lierzu l Beilaae. ROSE-THEATER Restaurant„Groß-Berlin ■■ »>' Alexsndcrplaiz. Unsere Spezialitäten: � GroB-BerllnerSuppenteller 40 Pf. Löffelerbsen mit Spitzbein 40 Pf. Stammessen 60 und 90 Pf. Er*flda«>iSe ZobercUnng.— Jeden Abend Mntik. Reichshallen-Theater Lachen: „Alles verrückt!" Stettiner Sänger Anfang| S| Uhr Berli ms BETRIEB t KEMPIHSKI' rnetropoi-Tiieater Täglich»>-. Uhr Die Toni aus Wien Mady Christians, Michael Bohnen Rarlfirslendanmi- Theater Bismarck 448/49 |�8V|JUhrJ Die schöne Helena «so lacttossonsobaa Beule: Max Reintiardi Theater desWestens Tägl. Ii u.»Vt Volksvorstellungen Viktoria und ihr Husar Billigster PI. 0.S0 M Teuerster PI. 2.— M. Komiscne oper Friedrichstr. 104 8V, Uhr Frauen haben das gern... Muslkal. Schwank von Arnold Musik r. Walt. Kollo Sommerpr. 0�0-7.00 IcTQ Barbarossa 9256 Täol. B u. BVs II. Barlo&Mann Tina TIellcr Weintraubs South China Walter Nilsson o. weitere Neobeiten Besonders JSMÄ in der Gesamt« Auflage f*2||jo.f des Vorwärts und trotzdem Betten-Fürst Berlin- Neukölln Herrn ann- straBe 33 Berlin- Tempelhof Berliner Gegründet 1908 Straße 132 Telephon: F2 Neok&Un 1424 für die Zeit vom 14. bis 17. An�usl K I N O-T A F E L PROGRAMM für die Zeit vom 14. bü 17. August ©IOG Potsdamer Strafe 35 VV. 5. 7. 9, 5. 3. 5, 7, 9 Uhr Opern redoute mit Liane Haid, Georg Alexander Rheimtrafjc 14 k�eIcUj W. ab 5.15, S. ab 3.15 Uhr 5eia bester Freund mit Harry Ptel Für Jugendliche freigegeben Odcon, Potsdamer Sir. 75 W. 5, 7, 9, S. 3, 5, 7, 0 Uhr Daa Ekel mit Max Adalbert Ufa-T onkabareit Nr. 1 Für Jugendliche freigegeben! Turmstratjc 12 �.V�u" Momi« Carlo mit Jeanetie Mac Donald— Regie; Ernst Lnbitsch Alexanderstr. 39-40 (Ptutage) Den ganzen Tag geöffnet. Das Ekel mit Max Adalbert Tonkabareil Nr. 1 Für Jugendliche freigegeben! a Waten fc Primus-Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margaretenstr. Wochentags 5.15. 7.15, 9.15 Uhr Sonntags 3.15, 5.15, 7.15, 9.15 Uhr Oer Scfaredcen der Garnison mit Felix Bresaart Für lugendliche freigegeben W Frledrichatadt jj Franziskaner Georgenstraße(Ecke Friedriclistraße) Die heilige Flamme mit Dita Parlo— Die Komödiantin mit Norma Moabit Artushof Buhn' W. 6.30 U. Blkhne Sonntags 5 U. Perleberger Str. 29 Tonlustspiel: Das Ekel mit Max Adalbert Tonkabarett mit Otto Wallbnrg, Siegfried Arno u. a.— Böhnemdian W*>If~Kinrk W: 6'45 u- 905 u w cu-mno Sonn, ab 4.4z u. Alt-Moabit 99 100 proz. Tonlustspiel: 3 Tage Mittelarrcat mit Bressarl, Lade Englisch, Sdmlz— Tonbdpr. /j7. So. ab 5 Uhr 100 proz. Tonsingspiel I Die Faaeblngafee mit Anny Ahlen. Walter Jantten Der Sdieidongsgrnnd nim-Paiast Kammersäle Teltower Str. 1 W. 630, 9, Stg. ab 5 U 100 proz Tonfilm: Das Ekel m. Max Adalbert Addangl 0*Zag in Gefahr Süden Primus-Palast Am Hermannplatz, Urbanstr. 72/75 W. 630, 9 Uhr, So. 5. 7, 9 Uhr Lnstige Tonfilmoperette: Der Liebeaexpre� mit Dina Gratia, Georg Alexander, Joaef Schmidt, der beliebte Rundfunktenor Lnatlgea Beiprogramm Internationale BObncnsdhan Jugendliche haben Zutritt Th. am Moritzplatz Beg. Wo. 630, 9, Stgs. ab 4.30 Uhr Tonlustspiel: Daa Ekel mit Max Adalbert Kabareilonfilm mit S. Arno Luisen-Theater Reichenberger Str. 34 Anf. W. ab 6 30 U. Stg. ab 5 U. KriminalfonIMm: Va banqne(Schrecken der Polizei) mit Ul Dagover Fat nnd Pataehon ala Kannibalen Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Wochtgs. ab b'h ü., Sonntags ab 4:/- U. Lustige Tonoperette! Walzerparadiea m. Gretl Thelmer, Verebea, Szakall Beiprogramm Internationale* Variete Sternwarte— Treptow Sonnabend 8, Sonntag 4, 6, 8 Uhr Kalabaka, mit Auto und Kurbelkasten durchs unbekannte Europa � Nordoztcn dwrc4aimw Prenzlauer „tlysium Allee 56 Wochentg. 5.15, 7.00, 9 15. So. ab 3.15 Uhr Kriminaltonfilm; Der Zinker mit Liul Arna Foxtonwoche Bühne: Bnaterda Ballett Flora-Liditsp. W. 6»/2. 9 U., Sfg. ab 4 U. Der Zinker nach Edgar Wallace Der Hauptmann von Köpenick Ab Dienstag: Schrecken der Garnison Ton woche ■ w Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochentgs. 6.30 U- Sonntags ab 5 Uhr Großes Tonlustspiel: Opernredonle mit Liane Haid, Georg Alexand Iwan Petrovldt, Otto Wallbnrg Auf der Bühne; Zwei groche VarieiBattraklioncn Beiprogramm_ LunasPalastSutÄ Große Frankfurter Str. 121 Tonfilm: Panik In Chikago mit Tsdiedsowa Bühne: Otto Fasse! a. a. Attrakt. Schwarzer Adler AF,£e� Woch. 5. 7. ca. 9, Stg. 3, 5, 7. 9 U 100 pro?- Tonfilm; „M", Ein Film von Friiz Lang Tönendes Beiprogramm V. T. Lichtspiele Ä. Frankfurter Allee 48 W.5, So. 3 Uhr Greta Garbo spricht deutsch in Anna Christie Grotzes Beiprogramm W Zentrum fc Babylon, am BQlowplatz Wochentags ab 6 30 U. Sbd., Stg. ab 5, letzte 9.10 U. 100 proz. Tonfilm: Opernredonle mit Liane Haid, Georg Alexander, Pelrovidr B&hnensdiaa W Neu-Llchtenberg"fc Kosmos-Lichtspiele Lückstr. 70 Wochent. 7, 9 Uhr Sonntags 5. 7, 9 U Das Ekel mit Max Adalbert Der erste Kabaretlfilm mit Otlo Wallbnrg, Siegfried Arno Jugendliche haben Zutritt WelOetisee Hiirtnnnfp wochent 7 u. 9U. narmunie Sonnt 3. 7u. 9u. Langhansstr. 23 Nene Direktion Tel. E 6 3225 Tonfilm• Schatten der Unterwelt mit H, Fiel. Oarry Holm. H. Janker« mann, Elisabeth Pinafen Beiprogramm Schloßpark FUm. Bühne Berliner Allee 206—216 6,30, 9 Uhr Fat nnd Pataehon aaf Freiersfühcn Volldampf Charly mit G. Bancioft d Frie0richsFelde Kino Busch ITwfÄ Alt-Friedrichsfelde 3 100 proz. Tonfilm: Der Liehcwxpreb mii Dina Gralia, Georg Alexander Gnies Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt AlhamKi-A Müllerstraße 136, /Ainomura Ecke Scestraße Wochent. 5, 7. 9 U., Sonnt. 3, 5, 7, 9 U. Dpernredontc mit Liane Haid, Georg Alexander Pharus-Liditspiele Müllerstr.142 w. 5. 7.9 u., Stg. 3.5.7. 9U. Das Ekel mit Max Adalbert Groher Kabarctlfilm mil O. Wallburg, S. Arno. Trade Berliner Jugendliche haben Zutritt ■ Pankow g Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 7 u. 9. Stg. 5, 7. 9 U. Tonfilm:«M". ein Fritz-Lang-Film mit Peter Loire, Gustav Cründgens, Rosa Valetll— Tonbeiprogramm > Tegel � Filmpalast Tegel Wochent. 6. Sonnt. 4'u U 100 proz.Tonfilm Walzerparadies mit Chart. 6nsa, Gretl Thcimer, Szakall Buhne: H. Bienstcln in neuer Szene g Hennigsdorf M Filmpalast Berliner Straße 59» 100 proz. Tonfilm: Walzerparadies mit Chart. Snsa, J. Werden, Grell Thelmer— Beipr, t o &eila£e Freitag, 14. August 1931 LprÄbimd �inlnn\Qfi/Za iIiyhiHi*4k 3>er täcyilfeur der&raM ZHteiner Ausflug durch ZPoirds W/ Ton Hemmer Leute, die nicht schreiben können, schreiben oft die interessantesten Bücher. Was bedeutet der lebendigste Stil, die blühendste Phantasie gegen Dinge, die man uns— wenn auch noch so hölzern— erzählt, aus einer Atinospl)äre, Hemisphäre, Stratosphäre, in die wir nicht selber gelangen können. Mühten nicht zünftige Schriftsteller, wenn solche Troubadoure der Wirklichkeit auftreten, sich hinter ihre Tinten- süsser verkriechen? Und wenn gar in dieser modenärrischen Zeit, ein Modekünstler seine, sollte man glauben: hochpikanten, Lebens- crinnerungen aufzeichnet, ein Paul Poiret, der„La hulzitlunt Ubipogue"(so heißt das Buch:„Während ich die Epoche bekleidete"), während er uns anzog: d. h.namentlich die großen Damen der Welt anzog(hinter denen ja die großen Herren und Herrchen her- scharwenzeln), alle Eitelkeiten dieser eitlen Welt erschaut und also durch schaut haben müßte und dem alle hochwohlgeborenen Atmosphären und„Hemisphären" bekannt sind,..., sollte man da nicht glauben: ein großer biblischer Wind bliese in dieses kleinliche Treiben der Menschen hinein, daß wir alle zappelnd, wie auf den Rücken gefallene Käfer, daliegen...? Poirets Memoiren find in der Tot eine Sensation, aber nur deswegen, weil sie zum Gähnen langweilig find. Poirets Roben find Gedichte voller Schwung, aber seine 300 enggedruckten Seiten Erinnerungen sind flachste Prosa... Man muß in breiten Wassern geduldig fischen, um ab und zu einen guten Happen zu angeln. Paulchen ist der Sohn eines braven Pariser Tuchhändlers, der aus einer ganz unfranzösisch kinderreichen Familie stammt: IL Groß- onlels und-tantchens sieht Klein-Paulchen bei einer unvergeßlichen Gelegenheit einmal alle vollzählig versammelt. Anläßlich der Beerdigung der Frau des Aelteften unter ihnen, nämlich, einem Mummelgreise, dem Gedächtnis und Wirklichkeitssinn so nach und nach ein bißchen stark abhanden gekommen waren... so daß dieser die Häupter seiner Lieben zählend, seine— Frau vermißte...(auf ihrem Leichen- begängnis). „Nu, wo steckt sie denn wieder, die Brichette", fragte der Greis, stch an einen der vielen Brüder wendend. Der antwortet, auf den Sarg weisend, brutal:„Da— da drin",— worauf der trauernde .Gatte, sich nun doch erinnernd, in Tränen der Rührung ausbricht. Paul, ein mittelmäßiger, alle Schulheftseiten mit lustigeren Dingen als Aufgaben umkritzelnder Schüler, war schon als Knabe elegant: besonders so in einem gewissen schwarzen Samtanzug... aber mit der Männer Eleganz(alt oder jung) ist's so«ine Sache: sie muß, wenn schon, dann als Selbstverständlichkeit auftreten— spricht man große Töne darüber, so gibt das den Eindruck: 9iöln- 3)üifeldoti-�Duisburg 3)rei SVädlejchickjale auf einer Ebene/ Ton Meinrich dieining Landkarte. Die Landkarte spricht ein« verschwiegene Sprache: sie punktiert an einer Linie drei Stadtkreise, deren gemeinsame Tangente der Rheinstrom ist. Von Süden nach Norden weist dieses schüchtern sich schlängelnde Band von Köln über Düsseldorf nach Duisburg. Sie, die Landkarte, nennt in einem Atemzuge drei schicksalsschwere Namen. Sie läßt erraten, daß ungefähr 70 Kilometer Köln von Duisburg trennen. Dabei bleibt es, Freilich kommt ein knalliges Grün zur Hilf« und erzählt van ebener Fläche, auf der drei Punkte wuchsen. Im übrigen ist das Grün monoton wie Linie und Punkt.(Landkarten �ind erschlossen, herzlos und ungerecht. Das ist- ihr Schicksal.)-.- j--v Wachstum. Drei Steinwälder wuchsen am Strome: drei Steinwälder wuch- scn auf ebener Fläche. Der Strom bot die entscheidende Bedingung, die Fläche bot die weitblickende Organisation des Wachstums. Der Rhein ist väterlicher Erzeuger und, für alle Zeit, die Bürgschaft der Existenz. Di« mütterliche Ebene schloß die Gebilde in ihren Schoß. Drei Städte recken und dehnen ihre Glieder auf plattem Boden will- kürlich und ohne bergige Gegenwehr. Gemeinsamkeit und Trennung. Drei Städte eint das geschwisterliche Band der Landschaft. Die Gleichheit der geographischen Bestimmungen ihres Seins gab der Physiognomie der drei Brüder notwendig gleiche Einzelzüge. Brücken schwingen stolz ih'-« Bogen über den Strom und binden die Ufer: feste Mauern schützen vor dem launischen Uebörmut des strömenden Vaters: Uferstraßen begleiten auf zementiertem Unterbau den Fluß: Häfen sind nächtliche Herberge der Schiffe»der die ge- fchäftigen Gaststätten, in denen die riesigen Leiber der Lastkähne stch füllen. Die landschastsverwandte Gemeinsamkeit der drei Städte zerfällt in drei ökonomisch« Einzclschicksale. Die Individualität ihrer Existenz entwickelte sich am wirtschaftlichen Prozeß. Köln— Düsseldorf— Duis- bürg: drei Brüder marschierten drei Wege. Ihre Schicksalsräder fügten sich zu verschiedenen Zeiten in das Getriebe der Welt. Wären sie Drillinge, so wären sie langweilig. Köln. Köln, das älteste Glied unserer rheinslächigen Familie, hieß früher Eöln. Die Wandlung des Konionanten ist ein historischer Rückwcgweiscr.(Ein philologischer Detektiv würde die nächsten dreißig Zeilen zu einem etymologischen Singsang mißbrauchen.) Der Rückweaweiscr weist doppelarmig nach Rom: zum Staat und zur Kirche. Roms streitbare Legionen bauten sich, wie in Ko- blcnz und Tanten, ein streitbares Ncft. Sie nannten es Eolonia Agrippina. Auf den Trümmern dieses bald zerstörten Kolonisie- rungswahns traf sich, Zufall, Absicht oder Sendung, die Avantgarde des Thristentiiins. Die Form der Stadt bezeugt den tiefen Einschlag dieser beiden Kchtu:«». Der römische Grundriß widerstand der Wucht zweier Jahrtausende: er gilt, für einen Teil der Stadt, noch heute. Die Hohe Straße des Jabrcs 1931 ist die Bia Appia des Jahres Null. Die Kirchen wölben sich als verschwenderisch geschmückte und kunstvoll getürmte Gräber über den Gebeinen fanatischer Fahnen- träger der neuen Lehre. Der Dom ist das Grab der heiligen drei Könige aus dem Morgenlande. Der Dom, den sechs Iah: hunderte bauten, atmet in seiner gigantischen Form und feinen wundersamen Inhalten rein und unverfälscht den Geist der Gotik. Die Kraft der Kirche trieb Köln bis ins 13. Jahrhundert. Reg- fam gesellte sich dann zu dem triebhaften Geist ihrer Dogmen der materielle Bundesbruder der Hansa. Kaufleute gebar dieser not- wendige Wendepunkt, und aus dem heiligen Ort wurde eine händ- lerischc Stadt. Der Rhein schleppte fortan auf breitem Rücken Kauf- fahrtsschiffc. ohne freilich die leichtere Bürde bittmurmclnder Pil- grimskähnc zu verjagen. In stürmendem Zuge schnellten, in diesem Sinne, Jahrhunderte, und in und mit ihnen vollzog sich die Ber- Wandlung von Eöln in Köln. Duisburg. Auch in Duisburg pocht nion auf Historie. Man hat, undant »Zuer Urkunde, auf einem Platz der Stadt eine merowingisch« Pfalz »ntdcckt. Schwarze Rauchfahnen wehen über grauem Steinmeer, aufgc- rissen von zyklonischem Furor stampfender Industrie. Dome recken sich hier als nackte Fabrikfassaden und slammenscheiende Hochöfen: Märtyrer der Arbeit ist der werktätige Mensch. Er steht im Mittel- punkt. Um ihn dreht sich Duisburgs Schicksalsrad.(Wegen seiner sollte sich Duisburgs Schicksalsrad drehen.) Die Ruhr tankt hier den Rhein. Das gibt Betriebsstoff, der das Turbulento der Schiffahrt, des Verkehrs und der Industrie um das Vielfache potenziert. Häfen, Eisen, Stahl, Teer, Mctallhllttcn, Schiffswerften, Kabelwerke, Zechentürme: auf diesen Rädern rollt «ine Stadt: auf diesen Rädern rollt ihr Schicksal. Wir pzollen pgtv- Ecjchich�poHM fefin Gefallen tun: Duisburg führt heute noch, gleich Bremen und HamMrg/ pie weißröten Farben der Hansa. Es gehörte also zum Bunde. Der emsigen Wirtschast stand der gelehrte Eifer nicht nach. Ein gevierteltes Jahr- tausend hindurch besaß die Stadt eine Universität, deren Männer der Aufklärung ein« Bresche schlugen und der Wissenschaft manche Provinz eroberten. . Das Gestern mag wichtig fein, das Heute ist wichtiger.(Weil das Gestern romantischer ist, erscheint es, eine betrügerische Konsc- quenz, interessanter als das 5)cute.) Wer ein einziges Mal Duis- bürg ins Gesicht sah, weiß, daß das Gestern hinter schwarzen Rauch- sahnen verschwindet, die über grauem Steinmeer wehen. Der Inhalt der Stadt Duisburg ist de? Arbeitsmann. Der Held der Stadt Duisburg ist der Arbeitsmann. Die Zukunft der Stadt Duisburg gehört dem Arbcitsmann. Die Vermittlerin. Düsseldorf liegt ein geflankt zwischen Kölns Domtürmen und Duisburgs Rauchschlotcn. Düsseldorf ist die Vermittlerin zwischen der vergangenheitweisenden Gegenwart Kölns und der zukunftweisen- den Gegenwart Duisburgs. Die Stadt war immer zu zeitnah, um, wie Köln, ihr Fähnlein im klassischen Hauch römischer Historie und in der heiligen Brise kathylischcr Mystik wehen zu lassen: aber andererseits: vornehm ist Düsseldorf genug, um zu wissen, daß man lautes Jndustriegedröhn in einer Kunststadt lediglich in oorörtlicher Distanz antichambrieren läßt. Wie vennittclte nun Düsseldorf zwischen der Zeitferne Roms und der Zeitnähe eines kochenden Jndustriekessels? Man nahm ein Stück Lcinewand, spannte es stramm aus ein Brett, zückte einen Pinsel und mo.Ite. Man malle die Schlachten der Punischen Kriege, die Bcrgprcdigt und die Heiligen: man malte Fabrikdame und sein- glicdrige Fördertiirmc. Man malte, was man gemeinsam besitzt, das Land mit dem Strom und seiner Fläche. Talfahrt. Man mnß den Sinn dieses Begrisfcs aus dem Gegenteil ableiten und begrcisen: Bergfahrt. Unsagbar mühvoll schleppt von Duisburg ein Dampfer den.langen Zug seiner vollgepfropften Kähne den Rhein hinauf. Meter um Meter werden erkämpft. Zäh stampfen trickreiche Räder und dampsgepeitschte Schrauben gegen die strö- mende Kraft des Rheines. Es ist, kiipp und klar, so: im Kriterium einer Bergfahrt besiegt die Technik die Natur; aber dieser Sieg kostet einen ungeheuren Aufwand von Kraft und Zeit. In langen, langen Tagen ringt sich ein Schleppzug mit seiner Last von Duis- bürg bis Mannheim. Niemals wird der Widerstand gebrochen. Der natürliche Organismus des Wasserstromes gleicht dem natür- lichen Organismus des Zcitjtromcs. Wer wollte, ohne künstliches Raffinement, den Geist von Duisburg zurückdämmen in die geistigen Bezirke des Mittelalters, dessen Wind in Kölns winkligen Gasten weht?» Der Strom weist den Weg! Organisch, gesund, selbständig, pausenlos, zielbewußt strömt er vor und trägt von Köln über Dussel- darf nach Duisburg seine Fracht. Sein Weg ist voraussetzungsloser Fortschritt. Seine zielstrebige Wanderung kennt weder Rast noch Rückkehr. Wenn seinem Weg das heilige Flämmlein Kölns ent- schwindet, und seine Bahn dem kühlen Feuer Dllsteldorfs begegnet, grüßt er schon, das ist das Wunder seiner strömenden Bestimmung, Duisburgs«isenfrestende Glut. In der Natnrgebundenheit dieses Laufes rundet und vollendet sich, mit dem Schicksal dreier Städte, ein deutsches Schicksal an: Rhein. Kasperle! Nach dem Abiturium wird Poiret-Sohn von dem wohlwollenden aber(vom Genie in der Familie) nichtsahnenden Poiret-Vatcr zu einem Schirmfabrikanten in die Lehre geschickt, Paul muß Schirmseidcnlöcher zupappcn, im Kittel in Paris hcrumfcgen..., bis sein Farbensinn sich an den bunten Schirm- seiden entzündet, von denen er Schnipselchen wegschnappt, um Mode- puppen(vorerst aus Holz) zu bekleiden, und seine Hand, statt Schul hefte, Modeblätter zu bemalen beginnt: welche Tätigkeit seinem Genius bald auf die Beine hilft. Mit bescheidenem Staunen betritt der Schirmmacherlehrling(Mappe unterm Arm) die Werkstätte einer berühmten Pariser Modeschickse, und wird gleich auf den ersten Hieb ein Dutzend Zeichnungen a 20 Franken los... Der weibisch-große Geschmacksgustierer, Modekönig Doucct, zu dem Poiret bald darauf in die Lehre kommt, wendet dem kleinen Poiret gegenüber eine den P. P. Berliner Chefs gar nicht genug zu empfehlende liberale Lehrmethode an: er läßt ihn machen! Und siehe: Poiret geht hin und creiert ein rotes Pelerinen-Erfttings- modcll, das sich gleich IMmal verkauft. Nicht lange, so schafft der Meistereleve für die große Tragödin R 6 j a n e jenen elegischen schwarzen Abschiedsmantcl und für die ditto Sarah Bernhardt jenen wcißfatinierten„Napoleonsvhnanzug"(aus dem Aiglon), in dem das Pariser Theatcrpublikum, unter dem zu jener Zeit auch ziemlich regelmäßig ich mich befand, beide wonnegruixzcnd be- wunderte. Weil er aber bei der Pariser Hauptprobe, zu der er sich eingeschlichen, abfällige Regicbcmerkungen(für Roftands und der Sarah Ohren) nicht leise genug gemacht hatte, wurde Poiret bei Dmicet, wo er schon damals SOO Franken Monatsgehalt bezog, abgebaut. Dasselbe wiederholte sich bei dem großen Worth, in Paris' erstem Haufe, wo heute, wie bei der ganzen hohen Kleidermachcr- brauche, die in Größenwahn verfiel, der Pleitegeier uncherkreist— und wo damals, zu Poirets Entsetzen, gerade theaterhafte Hermelin- Mäntel mit abgestuften Scharlach-Samtschleppen zu König Eduards Krönung gefertigt wurden... Und Poiret wird ein kämpfender, die Auslage jahreszeitenhaft arrangierender und alsbald siegreicher eigener Geschäftsmann. Eines Tages trat, wie ein Wirbelwind, Lady Afquith bei Poiret ein, und eh' die bcrühistten Robenkollektionen vorgeschleift werden kann- ten, erklärte sie Poiret, wie sie sich anzuziehen pflegte und zeigte eine... Klllotte, die sie trug: aus violettem Satin.(Was man aus Mcmoirenbüchern alles erfährt!, Poiret wird nach London geladen und führt beim Tee der Lady Asquith Mannequins vor, was Mister Asquith., den darauf die cttvas kühl abgefertigten, Poiret abschnappenden Interviewer als Verräter 'englischer Hä nd e l S i n tc r efsc n angreifen, bitter--büßen muß. ' Der M i st i n g u e t t fertigt Poiret(der einen Kontrakt für eine Revue hatte) aus reiner Begeisterung ein Kostüm als„Rche" an, das ihm zehnmal so viel tostet«, als er dafür e r h a lt c n s o l l..., die Mistinguett jedoch behauptete(behauptet Poiret), sie könne dies Kostüm nicht tragen, weil sie darin nicht tanzen kann: trägt aber dann eine genaue Kopie davon, von einem Rivalen gefertigt, einem ehemaligen Angestellten Poirets, dem sich die Mistinguett chrerseits konttaktlich verpflichtet hatte... Theaterschneiderintrigen: wer durchschaut sie! Eines anderen Tages entdeckt der in seinem Paris herum- flanierende Poiret ein 13 Jahre leerstehendes und entsprechend vcr- nachläsfigtcs, altes Palais, weit draußen in den Ehamps- Elysees, mietet es kurzerhand, läßt es renovieren, adaptieren, aus- staffieren, den Garten ä la Versailles aushöhlen, zieren und vcr- anstaltet dann großartige M o d e s ch a u e n und- f e st e, die(das sagt er nicht) den Beginn einer dem Pariser Modegewerbc rer- hängnisvoll gewordenen„großzügigen" Epoche markierten.... (heute kriselt es bedenklich in allen alten und neuen außengelegenen Modepalais: Die Idee machte Schule— und statt zu creieren stempelt man gekaufte Fabrikate mit der illustren Hausmarke. Damals war es eine Tat,„ganz Poris"(wozu natürlich nur das autobesitzende Paris gehört) soweit hinauszulotsen, was trotz aller üblen Prophezeiungen, wie alles Neue, vorerst von Erfolg gekrönt war. Nun, durch 15 Jahre, bitte, desiliert in diesem Zauber- palais die ganze Pariser und erotische feine Welt— um das Wunder Poiretscher Roben zu schauen. Poiret muß seine Schau- stelhingen auf Käufer beschränken: Geschäft ist Geschäft. Folgt Poirets Mobenschaureise durch Europas Hauptstädte: mit neun kleinen Französinnen. In B u k a r e ft sperrt er sie ein: die Rumänen stehen vor dem Hotel Spalier: den Teufel im Leib... In Budapest lernt Poiret den abführenden Hunyadi Janas kennen... Groß- und Erzherzoginnen patroniercn. In Sanssouci war man auch: ach, und doch gähnt der Leser über all diese Erlebnisarmut. lind ach, französische Flußreiscn im eigenen Hausboot(Kapitel„Zerstreuungen") folgen, eine Mittel- meertour in gemieteter Jacht, mit gemieteter Mannschaft und geladenen Gästen... eine Paradefahrt, die nichts, nichts hergibt. Arme reiche Leute! Poiret liebt, daß man kokett gekleidet cinhergehe an Bord(wie auf einem Modeeinbanddeckel?)... aber der Kapitän bindet ein grausliches Halstuch um und zieht sich eine Zipfelmütze über die Ohren!(Her� Poiret: ein Mann ist nur dann ein Mann, wenn er seine Eleganz auch a b legen, kann, ohne lächerlich zu wirken!) Poiret verfügt über eine eiserne Gesundheit und schier un- erschöpsliche Energien: er ist immer„in Laune". Nach einer Berlin— Wiener Reise, die ihn mit der Wiener Werkstätte und Hermann Gerson in Berührung bringt, wirft er sich in Paris aus das Kunstgewerbe, eröffnet eine Schule, läßt zwölfjährige Mädchen ohne alle Instruktion noch der Natur zeichnen, druckt und verwendet die besten Dessins. Bald darauf stattet er eine Londoner Revue aus, studiert im Kensington Museum, entdeckt juwelenbespickte Radja-Turbans, streichelt sie, telegraphiert seiner Direktrice sie zu kopieren— ein paar Wochen darauf ist die Tnrbanmodc geschaffen. Wenn Poiret Feste feiert, feiert er feste. Bant de Castellane, der Erzscstcscirer des festlichen Poris, der Ur- §rei?h€ii?t Uevm&nii 2)f©sfcci?r©zc Q&schicbt& der Woche: ?61feed �klavl...? Vor sechzehn Jahren verschwand aus dem französischen Stadtchen Booai ein Mann namens Alfred Alart. Er verließ zu gewohnter Stunde sein Stammcase, und wurde seither nie mehr gesehen: am Flußufer sand man seine Kleider und nahm an, er habe sich ertrankt Bor einigen Tagen erschien nun in dem Cafe ein Mann, der Alart verblüffend ähnlich sah: er kam zur gleichen Tageszeil, zu der�früher Alart zu kommen pflegte, und setzte sich aus Alarts Stammplatz. Der alte Kellner, der feit dreißig Jahren im gleichen Lokal bediente, ging absichtlich nicht auf den Gast zu, sondern machte sich am Büfett zu schassen, um alles, was ihn bewegte, um Schreck, Angst, Grauen zu verbergen. Die alte chand, welche die Serviette hielt, zitterte. Plötzlich fuhr er zusammen: der Fremde hatte nach ihm gerufen— hatte mit Alarts Stimme gerufen. Der Kellner ging zögernd auf den Tisch in der Ecke zu. Es war dämmerig in dieser Ecke: der Alte freute sich des Zwielichts: es er- leichterte ihm sein Verholten. Er wollte ganz unbefangen tun: das war das beste.: gewiß. Als der Gast die Bestellung aussprach, warf es den Kellner wieder einen Schritt zurück. Alarts Stimme bestellte Alarts Lieb- lingsgetränt. Der Alte brachte es: gottlob, draußen vorm Schaufenster war schon das merkwürdige Blau des Sommerabends, im Eck war es noch dunkler geworden, er brauchte wirklich nichts zu sehen: das Tablett, das er auf die Marmorplattc stellte, klirrte verdächtig, er wandte sich hastig um und wollte schnell verschwinden. Da rief der Mann ihn leise an:„Könnten Sie mir wohl einige Fragen beantworten?" „Bitte..." Es klang mühsam. „Nehmen Sie doch Platz! Wollen Sie etwas trinken?" „Danke, nein... im Dienst..." „Ah so.— Sagen Sie: Kannten Sie hier in Bavai einen Herrn Alfred Alart?" „J— ja. Herrn Alfred Alart. Jawohl." „Er ist nicht mehr hier?" „N— nein, mein Herr. Er hat vor sechzehn Jahren— er soll vor sechzehn Jahren--" „Was soll er?" „Er soll— soll Selbstmord begangen haben.. im Fluh." „So. Herr Alart hatte eine Frau?" „Eine Frau und eine Tochter." „Können Sie mir sagen, was aus Frau Alart und ihrem Kinde geworden ist?" „Frau Alart hat einige Jahre nach dem— nach fccin Verschwinden ihres Mannes Herrn Guillaume geheiratet." „Aha. Herrn Guillaume. Sie konnte doch nur heiraten, wenn Alarts Selbstmord feststand?" „Freilich, freilich, mein Herr." Verschwender, der Obergenießer hat Poiret die Palme gereicht: dos genügt ihm, was immer dieser oder jene einwenden mag. Da war da» Lever, der Morgenempfang des Sonnenkönigs: königliche Einladungen wurden dafür ausgeschickt, und die 100 2. Nacht... eine Dame der Aristokratie wollte später ein ebensolches Fest geben. da sagte Poiret, die 1002. Nacht war mein Fest, nehmen Sie die 1W>3.(Es sind ja noch genug da.) Poiret hotte einmal 3 00 Gäste und die tranken 900 Liter Champagner. Aber das Fest war so perfett, daß alles in bester Ordnung oerlief: die Göttinnen, Nymphen. Satyren des Dcrsailler Parks haben sich bei Poiret Rendezvous gegeben: also! Zum Krieg wird Poiret einfach als„Schneider" eingezogen,— man hält anfänglich nicht viel vgn ihm, da er nicht mal nähen kann. Poiret beschwert sich bei Cl�menceau, es sohlen Militärmäntel, und der eingezogene „Schneider" hat nichts zu tun. aus einer Kirche kann man'ne feine Fabrik machen, 3000 Frauen sind arbeitslos, und in Angouleme gibt es ein Depot deutscher Nähmaschinen. Poiret schreibt an M i l l« r a n d. Poirets neuer Militärmantel siegt. Bulletins fliegen aus an alle Schneider von Frankreich und Navara... Demobilisiert beschäftigt sich der unermüdliche Poiret mit einer Propagandaaus st ellung in Madrid und fährt dann, um sich vom Krieg zu erholen, nach Marokko. Fez erscheint ihm das schönste, das er je gesehen, schöner noch als die 1902. Nacht. Beim Pascha von Marrakech, einem Mann mit 52 Köchen, dessen Freund Poiret, geht? diesem Gourmet, der sich hauptsächlich für Schlemmereien interessiert, fein: in einem KuHferbassin werden 200 gas est logen« Eier serviert und sonst aller Teufel. Nach Paris zurückgekehrt, veranstaltet Poiret Elitcgarten- Vorstellungen für die vornehme Welt. Das Garten- theater heißt„die Oase". Aber wie einen Garten mit lOOjährigen Bäumen gegen Regen schützen— ein Automobilfabrikant rät dem Modekönig: einen K o u t sch u k- D o m... Jeden Abend füllt ihn ein Spezialmontenr mit komprimierter Luft und läßt ihn über die Bäume steigen: unten stehen breite Stühle in allen Farben. Die Dvette G u i l b e r t wird ausgegraben, B r u a u t— neu sind nur die Vorwände neuer allwöchentlicher Feste:„Der Bauch von Paris"(olles erscheint im Mnrktkostüm).„Das F e st der R e u r e i ch e n"... just in dieser Epoche, wo die Neureichen Neuarme zu werden befürchten müssen(alle Damen in Silber oder Gold), Mondscheinfeste. Die Oase(obwohl das Publikum nachts nicht rauszukriegen ist) geht pleite. Poiret»erliert eine halbe Ml- lion: nichts von Bedeutung. Den Höhepunkt bildet(im Buch wenigstens) die amerika- nifche Tournee. Poiret spricht(in englischer Sprache) vor 7909 bis 8000 Frauen, die ihm eine Ovation bereiten... Mode, das Wort übersteigert sich schließlich, wird zum Symbol: durch die Kraft und zugleich Leere, mit der es gehondhabt ill. Kein warmes Wort. Kein menschliches Wort. Und dieses Welt- dominieren, dieses die Welt am Schnürchen halten von einem im Grunde kalten Menschen, der keinen Anteil nimmt an den 1000 kleinen Freuden Tausender mit inniger Phantasie und weniger kultiviertcrem Geschmack— es ist der herzlose Aesthetizis- mus eines ins Praktische übersetzten, seelenlosen, mit Pferdekrästen geladenen O s t a r Wilds! Poiret Hot sich zurückgezogen: und malt. Das letzte Kapitel: zwei Seiten, heißt..?hilo»opdenau«7. NoäMkldungcn zur Autofahrt nach Treurnbrtrtzcn worden noch anaelwimnrn evtl. bei der Abfahrt. Fahrpreis: Jugend 2 SR., Erwachsene 2,50 M, Abfahrt: Eonnabtnd, 17 und 17U- Uhr, To»«- tag, äVi Uhr, Innobrnckcr Platt Uhr. »oll«lp»rt ReulSlln. Britz. Autofahrt zum Bezirksfest. Abfahrt Sonnabend, 1(5. August. 16% Uhr, Britz, Buickstrug, 17 Uhr Vahnhof RenkRlN. Wimpel, Fahnen nllw. miissen zur Stelle fein. Rachmeldunge» noch bei Abfahrt mdglich. Arbeiter-Turn. und Sportbund, Schwimmer, t. Bezirk. Die Schwimmwett» kämpfe„IM Besirksfest an, 16. August beginnen pünktlich 16 Uhr. Zlompfrichler und Mannfä-oftsfitlieer g'h Uhr. Die Reigenschwimm erinncn g Uhr in der Vadeanswlt sein. Stoppuhren inithringe».«onturreng und 7 der Ans. fchreibung fällt ous. Sonstige Bekanntmachungen des Bezirks in der Sport- Wochenschan beachten. Radfahrer.Soiidaritäl". Touren fllr Sonnabend, 17. August, med Sonn- tag, 16. August. Sonnabend, lö. August, findet die Vezirks-Italienische-Racht verbunden mit Irrlichterfohrt der Jugend in Portz bei Sroß-Besteu statt. Dazu starten die Abteilungen wie folgt: 1. Abt.: 16'/. Uhr Vlllowstr. 56.— z. Abt.: 16 Uhr Maoiannnenplatz.— 6. Abt.: 17 Uhr Zelt. Kopenhagener Str. 17.— 6. Abt.: ISsh Uhr bei Schreiber, Trifistr. 61.— Abt. Friedrichshain: fgenrifchte Fugend). 17 Uhr Petersburger Platz.— Abt. Lichienberg: 15 Ulir bei Henkel, Oberste. 18.— Abt. Weißenfee: 9 Uhr und 18 Uhr Antouplatz.— Abt. Neukölln: 3« Uhr Hohenzollernplatz.— Abt. Treptow-Bgumschulenweg: 19 Uhr Bahnhof Vauinschulenweg.— Abt. Schäneherg: 17 Uhr bei Ebert, Ecke Ebersstraße.— 16. August findet die Sausternfahrt noch Poetz statt. Dort wird der Bericht vom Vimdestag gegeben. Di« Abteilungen storien wie solgt: I. Ab.: 5 Uhr ViUowstr. 55.— 2. Abt.: 7 Uhr bei Robbe, Dieffenbochstr. 66— 3. Ab,.: 6 Uhr Moniannenplatz.— 9. Abt.: 7 Uhr bci Schreiber, Triftstr. 63— Abt. Fried- richsham(gemischte): Radfahrer 5 Uhr. Sraftahrer 7 Uhr Petersburger Platz. — Abt. Lichtenberg: 6 Uhr bei Henkel, Oderstr. 18.— Abt. Neukölln: 6 Uhr Hohenzollernplatz.— Abt. Trepivw-BantNifchulentreg: 7 Uhr Bahnhof Baum- schulenwea.— Abt. El>orlottenburg: Rabfabrer 6 Uhr, Kraftfahrer 7 Uhr bei Reimer, Wilmersdorfer Str. 21.— Abt. Schöneberg: 7 Uhr bei Ebert, Ebers- stroße 16.— Abt. Steglitz-Lichterselde:« Ubr bei Schulz. Birkbulchstr. 96.— Abk. Wilmersdorf: 6 Uhr bei Lau, Hildegardstr. lt.— Sitzungen it> der Wochc vom 17. bis 12. August. Alle Sitzungen beginnen NM 26 Uhr. 1. Abt.: 21. 6. bei Richert. Steinmetzstr. 66-.— 2. Abt: 19. 8. bei Lock, Schönleinfir. 0.— 3. Abt.: 26. 8. in Forsters Vereinshaus. Forster Str. 9.— 6. Abt.: 26. 6. im?elt, Kopenhagener Str. 17.— 9. Abt.: 19. 8. bei Schreiber, Triftstr. 63. Abt. Friedrichshain lgemifchte): 21. 8. bei Harn. Iorndorfer Str. 9.— Abt. Lichten- berg: 19. 8. bei Henkel. Oderstr. 18.— Abt. Neukölln: 26. 8. Kaiser. Friedrich. Straß« 171—172.— Abt. Moabit: 2». 8. bei Schmidt, Wielefstr. 17.— Abt. Wilmersdors: 19. 8. bei Lau, Hildegardstr. 14.— Abt. Eharlottenburg: 26. 8. bei Reimer, Wilmersdorfer CIr. 21.— Abt. Schöneberg: 16. 8. bei Ebert, Ebersstr. 18.- Abt. Eteglitz-Lichterfelde: 19. 8. bei Schulz. Birkbuschstr. 96.- .Abt. We.ißenfee: 21. 8. bei Nagel. Pistoriusstr. 27.— Abt. Reinickendorf: l» 8. bei Neumann, Provinzstr. 168.— Abt. Oberfchäneweide: 21. 8. bei Emmerich, Withelminrnhofstr. 64.— Abt. Mghlcdorf: 18. 8. bei Anders. Bahn. hofftr. 37.— Rennsabrer Berlin. Mitle: 21. 8. bei Fanetzke. Seibelftr. 21. Touristenverein„Die Raturfeeunde", Zentrale Wien. Freitag, 14. Angnlt. 2» Uhr. Abt. Eharlottenburg: Eprrestr. 30. Wewtar? Kritisches zur Bersassung. — Falwootabioilunq: Iohannisstr. 13. Naturschutz ans dem Wasser.— Abt. Britz: Ehemssrestr. 48. Soziale Wanderstirdien(Epi).— Iugendgruppe Humboldt, Hain: Grnppenfragen. Kurzreserate.— Abt. Treptow: Elfenlir. 3. Lieder.— Abt. Lichten rode: Badenbend in Mahlow.— Abt. Binetaplatz: Lortzing. Ecke «raunftroße. � Abt. Seide st: Britzer Str.??. Svielabend.- Pbotn. Osten: Frankfurter Allee 337. Sonnabend und Sonntng. 15. und l6. August. Heidesee. Treffen Sonnabend, 15. August. UM Ubr. Bahnhof Schonewe'de. Fahren bi» Königsmusterbaufen.— Photo, Neukölln: Bergstr. 29.— Abt. Schönhauser Borstadt: Rastenburger Str. 16. Verfassung«fragen.— Mo»tag, 17. Aug» st. 26 Uhr. Photogeineinschgft: Iohannisstr. lä. Diskusfionsgbenh.— Malgotirein- ichefc PrmMlpr. 126, Rückschau. Ein Zeilbericht aus den Verhandlungen der englischen Unter- suchungskommlssion„Für und w i d e r d i e T o d e s st r a f e" von Aktualis wurde von Frankfurt übernommen. Die überwiegende Mehrzahl der deutschen Sender brachte ihn und bewies damit, daß sie seine Bedeutung richtig einschätzte. Man hörte zwei Befürworter und zwei Gegner der Todesstrafe, Befürworter jene, die rein juristisch das Verbrechen, nicht den Menschen betrachten. Gefängnisarzt und Gefängnisgeistlicher traten gegen die Strafe ein, die Mord durch neuen Mord sühnen will, und forderten menschlichere Maßnahmen. Besonders interessant war die Stellungnahme des Arztes, der in jedem Fall Erziehung des straffällig gewordenen Menschen fordert und Jnternierung, solange er kein Glied der menschlichen Gemein- schaft werden kann. Außerdem betonte er, daß er die großen Schwindelgründungen, die häufig Geschädigte zum Selbstmord treiben, für viel schwerere Verbrechen halte, als einen Mord. In der Stunde„Rechtsfragen des Tages" wies Geh. Justizrat Professor Dr. H e i l f r o n u. a. auch auf die Versuche zur Um- gehring des Kündigungsfchutzgesetzes hin. Um der Be- stimmung. der zufolge nach fünfjähriger Anstellung bei der gleichen Firma eine dreimonatige Kündigungsfrist in Kraft ritt, zu entgehen, kündigen manche Firmen kurz vor der Dollendung des fünfjährigen Angestelltenoerhältniffes ihren Angestellten und schließen dann mit ihnen Monatsverträge ab. Professor Heilsron hebt hervor, daß kein Gericht durch diesen Umgehungsversuch sich bei seiner Urteilssprechung täuschen lassen dürfe. Ueber„M usikernachweis" sgrach der Kunstwart des Deutschen Musikerverbandes Artur Jahn. Der jährliche Zu- ström zu dem Beruf der Orchestermusiker beträgt etwa 1900 bis 2000, während er höchstens für 500 junge Musiker alljährlich Raum bietet, d. h. für so viele, wie die deutschen Orchesterschulen verlassen. Wenn auch nach Ansicht des Dortragenden hier in Schülerauswahl und Unterrichtsgeftaltung noch manches verbesscrungbedürftig ist, so sind doch, wie er betonte, diese Orchestersägilen die einzigen Stätten, die eine vollwertige Ausbildung des Orchestcrmusikers gewährleisten. Da man berücksichtigen muß, daß die Umstellung auf mechanische Musik und mechanische Musikoerbreitung viele Berufszweige den Orchester- musikern endgiiltig verschlossen haben dürften, so mußte die dringende Warnung vor dem Ergreifen dieses Berufes ohne überragende Be- gabung dafür besonders beherzigenswert klingen. Im Programm der Aktuellen Abteilung der Funkstunde sprach eine knappe halbe Stunde vor Mitternacht der Oberbürgermeister von New Port Jimmy Walker, djr als Gast in Berlin weilt. In seiner Ansprache hob er hervor, daß die Uebertragung ein Er- eignis darstelle, wie es in der Geschichte der Radiotechnik bisher wohl einzig sei. Ein Gebiet von über 200 Millionen Menschen— sämtliche deutschen Sender und die größten von Amerika— war zusammengeschlossen. Oberbürgermeister Walker sprach von dem Eindruck, den er in dieser schweren Zeit von der Berliner Bevölkerung empfangen habe. Die New-Dorker, so sagte er, sollten sehen, wie in Deutschland trotz aller Not die Menschen aufrecht geblieben seien und den Mut nicht verloren hätten. Er habe aber bei diesem Besuch auch hinter die Kulissen geblickt und sehr viel Not und Elend gefunden. Doch sein gesamter Eindruck von Berlin bestärke ihn in dem festen Ver- trauen, daß Deutschland wieder hochkommen und seiner Bestimmung in der Welt gerecht werden würde. Tcs. Freitag, 14. August. Berlin. 16.05 H. Hellweeer: Die Rad-Weltmeisterschaften im Wandel der Zelt. 16.30 Unterhaltungsmusik. 17.30„Warum beherrschen die Weißen die Welt?"(Dr. Wolf Zucker.) 17.50 Ernst Glaeser liest eigene Arbeiten. 18.20 Das neue Buch. 18.30 Walter Kauh„Sportausfluge in die Mark". 18.50 Volkstümliche Unterhaltungsstunde. Mitw.: Dr. Otto Frederich. Singende Säge; Guido Gialdini, Kunstpfeifer; Luciano, Mundharmonika-Virtuose; Walter Sommerfeld, Xylophon; am Flügel Julius Bürger. 19.45 Originalkompositionen für Harmonium.(Mitw.: Emst Schauß, Meistcr- harmonium; Dr. Eigel Kruttke, Flügel und Mitgl. d. Berliner Funk-Orch.) 20.30 Zehn Minuten Funkhilfe. 20.40 Räuscher; Politische Zeitungsschau. 20.55 Praktische Wochenend-Ratschläge. 21.00 21.10 22.15 16.00 17.00 17.30 18.00 18.30 18.55 19.00 19.30 20.00 Tages- und Sportcachridrtea. Budapester Streichquartett, t. Mozart! Oljarteft B-Dnr. OC.-V. S89j[ 2. Mozart: Quartett F-Dur.(K.-V. 387.) Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. KÖnigswusterhausen. Leipzig Konzert. Stud.-Rat Erich Soltau: Muscurasbcsuche mit Schulklasscn. Rudolf Jonas: Technische Seifenblasen. Dr. Hans Oestrich: Aktuelle Währungsfragen. Kurd Kißhaucr: Raketen im Raum. Wetter für die Landwirtschaft. Wissenschaftlicher Vortrag für Zahnärzte. „Im Städtischen Obdach", Lehrspiel von Dr. Wilhelm Hermanns Langenberg: Lustige Stunde. Verkehrsrückgang und Siraßenbahner. Arbeitszeiwerkürzung statt Entlastungen. Frankfurt a. ZU., 14. August.(Eigenbericht.) Die Frankfurter Straßenbahner haben sich bei der Di- rektivn für eine Arbeitszeitverkürzung eingesetzt, um aus diese Weise Entlassungen zu verhindern. Die Direktion halte 480 Straßenbahnern am 10. Aug u st gekündigt. Die Entlassungen sollten bereits am 24. August erfolgen. Die Haltung der Straßenbahner wird auch in der bürgerlichen Presie rühmend hervorgehoben. Wir haben hier ein neues Beispiel von der Selbstdisziplin und Solidarität freigewerkschaftlich orgoni- sierter Arbeiter. Die Nationalsozialisten wie die Kommunisten hatten den Versuch gemacht, die ergangenen Kündigungen agita- torisch auszunutzen. Hilfe für die von der Entlassung betroffenen war ihnen weniger wichtig. Ivelter für Berlin: Im ganzen etwas milder, aber stark wolkig mit Neigung zu einzelnen Regensällen.— Für Deutschland: Im Nordosten sehr kühl und unbeständig mit wiederholten Schauern. Im Südwesten vorübergehend trocken, zeitweise heiter und etwas wärmer. Im übrigen Reiche stark wolkiges, mildes und zu einzelnen Regensällen neigendes Wetter. Weißens«: Von beute ab finden unsere Leser auch das Programm der Harmonie. Lichtspiele, Langhansstr. 2Z,?icnstags uich Freitags in unserer Linotafcl. �(Befdiäfis-Jlnseiger t (ftezixfc Jtorden-Cften Fenster- und Gebäude Reinlgunss Gesellschaft m.h.H. Berlin S036,SchlesischeStr.42 Fernruf: F8, Oberbaum 3553-54 Billigste und zuverlässigste Ausführung aller Reinigungsarbeiten ✓ Bohner- und Oelmaschinen/ Staubsauger/ Vertreter- besuch jederzeit unverbindlich tFranz Mitzutl konz. Buchmacher CenlraleC 25, Alexandersfr. 51/52 Z Telephon E 2, Kupfergraben 0802/03 G Nebenstellen: 5 Berlin, Alexandersfr. 39/40(Patsage) „ Koppentfraffe 1 „ Dircksentir. 26/27 „ Boxhagener Str. 132 Obcrtdiöneweide, WUhelminenhofstr. 22 fflaiernotte Berllh G.m.b.H. VORMALS MAIEREIGENOSSENSCHAFT GEGROnDET 1912 N018, LANDSBERGER ALLEE38-39 FERNSPR.: E 4 ALEXANDER 5628— SO ALLE MALERARBEITEN MOEBEL- UND AUTOLACKIERUNG Friedrichshagener Baugenossenschaft f.G, Sl|& M.B.H. Hoch- u. Tiefbau 1 [R.197 BERLIN-FRIEDRICHSHAGEN» KLUTSTR. 8 &ür den Merm kauft man gut und preiswert HGie, Mützen, Oberhemden, Krawatten« sowie alle modernen Herrenartikcl im Spezialgeschäft Aaul ttlenseel Köpenick, Schlo�stra�e 17» Kartoffel-Konter k.m.d.IL NW 40. Heidesir. 30.- Hansa 4848. liefert Speisekartoffeln für GroB-Verbrauchcr, Kantinen u. Behörden Fr. Fischer C Co. gegründet 1899 Büro- und Kartothek-Höbelffabrik Kompletter Innen-Ausbau Johannisthal, Waldstr. 14-15 Telephon: Oberspree F. 3 0732/33 AudueHstfroOe 24-25 Bühlers Ballhaus TttältcKa Clcardiens Wiafwenbcill p I Hermann Lorenz LMK K»iiet.Tce, Kakao. Elfc Röcterei seit 1879 Greif Camemberl die ffihrende Harke Erhaltlich In allen Lebensmittel' und Feinkosiget chatten Genossen! Unterstützt Eure eigenen Betriebe' Deckt Euren Bedarf a. Urnen u. Grabdenkmälern nur in der Steinmetzhütte.&rb""»� KfaulenweR, Kiefholxitr., gegen Ob er d. Krematorium. Tel.: F3. Oberspree 1685. Lieferung nach allen Friedhöfen in GroG-Berün. Bitte aal die Firma amten. Sonmaos geotmet. Gebr. Löffier Berlin Ol 7, Ostbahnhof[221 Kartoffffelgroßhandlung kaufen und verkaufen alle Sorten Spelscka rief fein waggonweise ICöneiiicKer RaisKeiier SchloBstraBe 4 1 Billige sehr �uieKficfae.gepfleSieGeiTfiDke|�j 1 Zimmer für Getellschafien und Vereine 1 Sonnabend« n. Sonntagt Künttlerkonzcrf /« 1 Robert Pommerening Kartoffffelhandlung Heidestraße 30 Tel.: C. 6, Moabit 3829 u. 7770 BERLINER ELEKTRO HUTTEH G.M.B.H. Unser gemeinwirtschaftliches Unternehmen bietet die größten Vorteile bei Installationen u.dem Bezüge von Beleuchtungskörpern, Radio u. and. elektrotechn. Bedarfsartikeln BERLIN SO 36, ELISABETH-UFER 5-6 BERLIN-TEN PELHOF, ATTILASTR. 10 F, h Willy Hanka"""" billig Brunnens fr ahe 121—122 gut Vom Zeniralfriedhof treffen sich Genossen in laicht eii her«;. Ciindrun«traße 7 Ifta» It»i hX™ otn puren bmutaWI Gri'milra&e 23/2«'.Köpenick am Schloßplalst Etsenwarenhandüing KöpenicH,schioßstr.l3 FfMsdier FKeisdiKonsnm Hermann Pohle Palisadenstr. 29 Sirausberger Str. 34 Kuvbad. C st ende Täglich geeftnet Scixbaxjen&T Straße 27 Großgarage Hordbahnhof J. Maximilian Janischewski SS E ES I B&B hl CO Fbcrswalder Sir. U— IS j fc-J S t-a kB SxS IllH Odcrbcrgcr Slrabc 19\ Garagen:: Tankstellen:: Werkstatt Tos and Nacht geöffnet- Telephon: D. 4, Hamboldt ISS/ 1 Minute vom Nordbahnhof wnrs< Hauser Moabiter Halle Stand 259-263 [2« Stand 259-283 LINOLEUM die idealen F u 8 b o d e n b e I g e kauft man gut und preiswert bei Luchl& MahnSso STRAGULA■»n.-cspenick, Grunstr.is Fernsprecher; F 4 0401 URO Fleisch Willy Friedrichshagen, Friedrichsir. 97 billig gut Wurst 1119