Morgenausgabe Nr. 379 A 191 4S.Iahrgang Wöchentlich SSPs� monatlich 3.60 M. im voraus zahlbor. Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands« obonnement 6.— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen- vorto 6.— M. A Der �Vorwärts' erschetm wochentäg« lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend" Illustrierte Beilage.Volk und Zeif. Ferner.Frauenstimme'. �Technik',.Blick in die Bücherwelt". .Iugend-Vorwärts'u..Stadtbeilage' W f> Aerttner VottSvtatt Sonnabend 15. August 1951 Groß-Äerlin 10 pf. Auswärts 1Z pf. Dte eins palt. Nonpareillezelle 60 Ps. Reklamezeile S.— RM.„Kleine An- zeigen" da» fettgedruckte Wort 25 Pf. lzulässig zwei fettgedruckte Worte), jede» weitere Wort 12 Ps. Rabatt lt. Taits. Stellengesuche das erste Wort IS Pf, jede» weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte, Arbeitsmartt Zeile 60 Pf. Familien» anzeigen Zeile 40 Pf- Anzeigenannahm» im Hauptgeschäft Lindenslraße 3. wochen- täglich von SVa bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich da» Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Jentvawrgan der Sozialdemokratischen Vaetei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernspr.: Dönhoss(A 7) 292— 297. Telcgramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37 533.— Bankkonto: Bankdcr Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3, Dt.B.u.Disc.-Ges., Depofitciir.,JerusaIemcrStr.K5/KS. Aufmarsch für den Sozialismus Machwolle Kundgebung der Berliner Arbeiterfchasi Der Hieb ist die beste Parade! Dieser Lehrsatz aus den alten Kricgsspielen hat auch für die anders gearteten politischen Kämpfe der Gegenwart seine volle Gültigkeit. Die rüden Methoden der Hakcnkreuzler wie die eisenstirnige Verlogenheit der Moskaujünger hoben die soziatdemo- kratische Bewegung lange genug berannt. Die Sozial- demokrotie geht wieder zum Angriff über, sie denkt nicht daran, das Kampffeld den Hasardeuren und Falschspielern zu überlassen. Nachdem durch die eiserne Disziplin der sozialdemokra- tischen Wähler der Volksbetrug abgeschlagen wurde, der mit dem sogenannten Volksentscheid gegen Preußen beabsichtigt war, mögen andere vom Burgfrieden träumen. Die Sozialdemokratie ist sich ihrer historischen Mission bewußt, der deutschen Arbeiterklasse auf demokratischen Wegen den Sozialismus zu erkämpfen. Kein Bürgerkriegsgeschrei, keine organisierte Gewaltanwendung kann sie von dem rechten Wege abbringen. Sie ruft die Massen, sie zeigt ihnen, daß nur bewußtes und einheitliches Wollen, nur bewußtes und einheitliches Handeln sie vorwärts führen kann.- In diesem Zeichen stand auch die gewaltige Massenkundgebung, die gestern abend von der Berliner Sozialdemokratie im Riesensaal des Sportpalastes veranstaltet wurde. Zehntausende waren dem Rufe gefolgt. Tausende warteten draußen, da kein Eintritt mehr möglich war. Die Versammlung wurde zu einer begeisterten Ver- trauenskundgebung für den meistbefehdeten Führer der Preußenrcgierung, Otto Braun, und für den Führer der Sozialdemokratie Otto Wels. Sie warmem rauschendes Bekenntnis für die planvolle Arbeit der Sozialdemokratie, ein Bekenntnis zum Kampf für den Frieden, für Demokratie und Sozialismus! Sie war der Beginn des Kampfes um Preußen! * Ter Beginn der Kundgebung war auf 30 Uhr feft- gesetzt. Tichon um Uhr standen Hunderte vor dem Tportpatast an, um Einlast zu finden. Von 18 Uhr ab füllte sich der weite Raum, und immer neue Masse« strömten mit der Strastenbahn, dem Omnibus und der Untergrundbahn herbei. So war schon um �20 Uhr der Sportpalast überfüllt. Als dann Pünktlich um 20 Uhr der preustische Ministerpräsident, Genosse Otto Braun, vorfuhr, brach ein Zwbel aus, wie ihn das Haus noch nicht erlebt hat. Tausende fanden keine« Einlast, aber sie harrten geduldig aus, um durch deu Lautsprecher die Reden der beiden sozialdemokratischen Führer zu hören. Eine Reichsbannerkapelle spielt die Kampflieder der Republik. Beim Einmarsch der Fahnen erhebt sich die Versammlung, um die Banner der Partei mit stürmischem Beifall zu begrüßen. Der Chor der Sozialistischen Arbeiter-Iugend singt begeisternd„Wir sind die junge Garde des Proletariats" und„Jung Volk, Kameraden". Theo Maret rezitiert hinreißend Karl Brögers „Die Freiheit spricht". Dann nimmt der Berliner Partei- Vorsitzende Franz Künstler zur Eröffnungssprache das Wort: „Am vergangenen Sonntag hat der saschistisch-kommunistische Block eine schwere Schlappe erlitten. Für die Sozialdemokratie gibt es aber auch nach dem Volksentscheid keine Ruhepause. Unser Angriff muß weiter vorgetragen werden. Wir setzen uns das Ziel: Faschisten und Kommunisten müssen aus der deutschen Republik als politische Faktoren verschwinden. Die Sozialdemo- traten und alle überzeugten Republikaner müssen den Erfolg vom 9. August für die Republik und die Arbeiterschaft zu einem End- sieg über die Konterrevolution und ihre kommuni- stischen Helfershelfer gestalten. Man soll sich ernstlich einmal die Frage vorlegen, wie lange Hitler in Deutschland noch sein Unwesen treiben soll. Vielleicht ist es angebracht, daß bei einer zweiten Arktisfahrt des Zeppelins der deutsche Faschistenhiiuptting mit seinein bolivianischen Stabschef Rohm auf Franz-Josephs-Land oder einem anderen noch unerforschten Gebiete um den Nordpol hemm ausgesetzt wird.(Heitere Zustimmung.) Die kommunistische Zentrollcitung ist der Judas Jfchariot an der deutschen Arbeiter- k lasse. Den kommunistischen Arbeitern muß unsere ganze Auf- merksamkeit gewidmet sein, auf daß sie erkennen: nur durch die Sozialdemokratie sind Erfolg und Aufstieg der Arbeiterklasse gewähr- leistet. Den verantwortlichen Männern im Reich aber sei gesagt: Den berechtigten Forderungen der Arbeiterklasse, die arbeitslos und hungernd ein so hervorragendes Beispiel von Selbstdisziplin und politischer Veratwortung gegeben hat, darf man nicht länger Wider- stand entgegensetzen.(Begeisterte Zustimmung.) Wir geloben, alles daran zu setzen, daß im neuen Preußischen Landtag die Sozial- deinokrotie starker und mächtiger einziehen wird als zuvor. Das ist unser Gelöbnis und unser Dank." Dann nimmt, wiederum mit anhaltendem Beifall empfangen Otto Braun das Wort. Er dankt zunächst ollen sozialdemokratischen Funktionären und Parteimitgliedern für die heroische Arbeit, die sie in den letzten Wochen im Kampfe gegen die Reaktion geleistet haben. Diese Arbeit diente nicht nur Preußen, sondern dem ganzen Reich. Ihm mußte eine weitere ruhige republikanische Entwicklung gesichert werden. Ich soll hier über den Voltsentscheid sprechen. Es ist schwer über eine Sache zu sprechen, die gewesen ist. Von dieser Stelle aus habe ich am 14. April gesagt, daß der Bolksentscheid «ine verlorene Sache sei. Ich bin sonst kein Freund von politischen Prophezeiungen, diesmal aber habe ich recht gehabt. Nachdem beim Volksbegehren unter Druck und Erpressung, namentlich im östlichen Preußen, knappe 6 Millionen Stimmen in 14 Tagen erreicht worden waren, war die Hoffnung gering, zum Voltsentscheid weitere 7 bis 8 Millionen Stimmen zu erlangen. Es war verständlich, daß der Gedanke erwogen wurde, an die preußische Regierung mst einem Kompromiß heranzutreten: wir sollten den Landtag im September oder Oktober auflösen, dann würde man auf den Volksentscheid verzichten. Offiziell ist diese Anregung nicht an mich herangetreten, aber die Antwort, die ich an Kreise, die sie mir übermittelten, gab, hät wohl die Lust vertrieben, der Sache weiter nachzugehen. Für die preußische Regierung bestand keinerlei Veranlassung, auf den Volksentscheid durch ein Kompromiß zu verzichten. So standen die Dinge für die Volksentscheidler. Da kam als Retter in der Not der Reitergencral i la suite der russischen Armee, T h ä l- mann, und nun hoffte man auf einen positiven Erfolg des Volks- entscheides. Im„Lokal-Anzeiger" verkündete man:„Der Landtag wird aufgelöst werden." Wir kennen den Ausgang des heroischen Kampfes dieser seltsamen Bundesgenossen, sie glaubten an eine fort- gehende stürmische Entwicklung nach rechts und links. Diese stür- mische Entwicklung zu den Radikalen ist aber nicht mehr vor-, sondern rückwärts gegangen. Als man dann die Bescherung sah, suchte man nach den Gründen des Mißerfolges, und man sprach von einer beispiellosen Einwirkung der preußischen Regierung. Die preußische Regierung hat sich, wie immer bei Wahlbewegungen, sehr zurückgehalten, obwohl der Volksentscheid keine eigentliche Wahl, sondern ein ZNißtrauensantrag ist, der durch die Wähler ausgetragen wird. Wie im Parlament, so hat auch gegenüber dem Boll die Regierung das Recht, sich zu wehren. Sie hat das mit ihrer Kund- g e b u n g, die auf Grund der Pressenotverordnung veröffentlicht wurde, getan. Aus den weitesten Volkskreisen sind an die preußische Regierung Anregungen und Anfragen gebracht worden: Wie steht Flugzeug auf der Wohnlaube. Eine Frau schwer verletzt. In der Trippsteinstrassc in Lankwitz ist gestern abend ein Flugzeug der Lufthansa bei Notlandung auf eine Wohnlaube abgestürzt. Eine Frau in der Wohn- laube wurde schwer verletzt und nach dem Krankenhaus Lankwitz gebracht. Die Insassen des Flugzeugs wurden nicht verletzt. Zur Zeit weilt die Polizei an der Unfall- stelle. Laval telephoniert mit Brüning. Oer Besuch verschoben.— Briand noch immer krank. Paris. 14. August. Ministerpräsident L a v a l hat sich heute abend tclcphonisch mit Reichskanzler Dr. Brüning in Verbindung gesetzt. Ep hat ihm nochmals sein Bedanern zum Ausdruck gebracht, wie zuvor dem deutschen Botschafter v. Hoesch. sich wegen des Ge- sundhcitszustandes des Außenministers Briand nicht zum ursprünglich vorgesehenen Datnm nach Berlin begeben zu können. Er hat hinzugefügt, daß er nach wie vor den dringenden Wunsch habe, die in Paris im vorigen Monat eingeleiteten Bcsprcchnn- gen sobald wie möglich wieder aufzunehmen. Paris, 14. August. Ministerpräsident Laval hat das folgende mit dem deutschen Botschafter v. Hoesch vereinbarte Komnmnique der Presse überaeben: Man weiß, daß Ministerpräsident Laval gestern den Besuch des deutschen Botschafters von Hoesch empfangen hat, der ihn sowohl wie Außenminister Briand im Auftrage der deutschen Regierung offiziell eingeladen hatte, nach Berlin zu kommen. Das für die Reife vorgeschlagene Datum war der 26. und 27. August. Ministerpräsident Laval, der Herrn v. Hoesch für die Einladung dankte und sie annahm, hatte ihm gesagt, daß er, soweit es das Datum angehe, keine endgültige Entscheidung treffen könne, weil Außenminister Briand gegenwärtig nicht in Paris sei. Der Ministerpräsident hat heute nachmittag von neuem Herrn v. Hoesch empfangen. Er hat ihm mitgeteilt, daß die Aerzte, Pros. B a q u e z und Dr. Marx, die beauftragt worden waren, sich über den Gesundheitszustand des Zlußenministcrs Briand aus- zusprechen, zwar mit der lebhaftesten Befriedigung die Fort- schritt« festgestellt hätten, die jeder Tag zur vollständigen Wieder- Herstellung des Außenministers bringe, sie haben jedoch zum Aus. druck gebracht, daß sie ihm vor seiner Abreise nach Genf eine Unterbrechung in der Ruhekur auf dem Lande nicht gestatten könnten, die ihm für einen Monat verordnet sei, und deren Nutzen nach einer so kurzen Frist durch die Anstrengungen einer offiziellen Resse nach Berlin ausgehoben werden könnte. Unter diesen Umständen sind Ministerpräsident Laval und Bot- � schafter v. Hoesch, in der Erwägung, daß die Teilnahme des Außen- 'Ministers Briand bei diesem Besuch unerläßlich sei, sich darüber einig, daß die Resse der französischen Minister nach Berlin auf ein Datum verschoben wird, das so nah« wie möglich nach dem Ende der Völkerbundstagung liegt. Zwei Monate Schlaflosigkeit. Paris, 14. August.(Eigenbericht.) Der ärztliche Untersuchungsbefund Briands kann zwar über- raschend erscheinen, zumal in den letzten Tagen mitgeteilt worden war, daß Briand fast wieder vollkommen auf dem Posten sei. Tat- sächlich aber scheint dieses Allgemeinbefinden des Außenministers doch noch nicht so gefestigt zu sein, daß Briand sich schon größere Anstrengungen zumuten darf. Nach der Londoner Konferenz hat der Außenminister rinen völligen Zusammenbruch erlitten, der auf eine zwei Monate lange Schlaflosigkeit zurückzuführen ist. Die Nächte hindurch lag er lesend im Bett: erst in den Morgen- stunden konnte er bisweilen einen kurzen Schlaf finden. Wohl oder übel muhte sich Briand aber Ende Juli den Anordnungen der Aerzte fügen und sich zu einem längeren Erholungsurlaub auf sein Landgut begeben. Dort trat nach kurzer Zeit eine merkliche Besserung ein, die aber nach der Ansicht der Aerzte einen Rückschlag noch nicht aus- schließt, zumal wenn die Erholung unterbrochen wird, linier diesen Ilmständen ist es auch fraglich, oh Briand zu der Tagung des Völkerbundes nach Genf fährt. Es ist möglich, daß er nur an der Vollversammlung des Völkerbundes teilnehmen mirkv die am 7. September beginnt. ihr zum Volksentscheid, warum wehrt ihr euch nicht? Die W ä h l« r- s ch a f l hat ein Anrecht zu wissen, wie die Regierung steht. In jenen Kreisen, in denen nur rech tsreaktionärc Blätter gelesen werden, wie in einem Teil des preußischen Ostens, mußte bekannt werden, wie die Regierung steht. Heute spricht man von einer ungeheuren Wahlbeeinflußung, die deutschnationale„Schlesischo Zeitung" hat aber nach dem Aufruf geschrieben, daß man der Staats- regierung Dank wissen müsse, da noch diesem Aufruf am Erfolg des Volksentscheides nicht mehr gezweifelt werden könne. Und die „Rote Fahne" hat den Aufruf für den Erfolg des Volksentscheides unbezahlbar genannt. Ich stehe seit 40 Iahren im politischen Leben und ich habe die Wirkung des Aufrufes für die Menschen, die nur ihr Kreisblatt, ihr deutschnationalcs Wurstblatt lesen, richtig eingeschätzt. Der Erfolg hat mir recht gegeben. 3eht ist die Votverordnung geändert worden. Es ist hier nicht Ort und Zeit, auf die Vorgeschichte einzugehen. Das wird noch geschehen. Aber der Umstand, daß der Herr Reichspräsident Ehrenmitglied des Stahlhelms ist. verpflichtet mich und die Staatsregierung nicht, uns vom Stahlhelm und seinen Bundesgenossen. von den Anhängern Moskaus bis zum Braunen Hause, beleidigen zu lassen.(Stürmische Zustimmung.) In dieser meiner Ansicht können mich auch journalistische Gouver- nanten demokratischer Blätter nicht beirren.(Erneuter anhaltender Beifall.) Jetzt ist im gegnerischen Lager der Streit ausgebrochen, wer der Geschlagene ist. Herr Dingeldey, dieser sonderbare Führer der V o l k s p a r t e i> will vom Volksentscheide nichts mehr wissen. Das ist erklärlich. Die Kommuni st en sagen: wir hatten alle Stimmen. Die Nazis sagen das gleiche. Einer ihrer Führer hat erklärt, daß die Kommunisten schaurig versagt hätten, wie das bei sittlich verkommenen Schweinen nicht anders zu erwarten war Alle außer den Nazis hätten sich geschlagen wie die Säue und seien ausgerissen wie Schafleder. Geht es gut, verträgt man sich, geht es schlecht, dann beschimpft man sich. Aber so wie diese rauhen Kämpfer braucht man nicht zu reden. Wie ich schon am 14. April ausführt«: das Volksbegehren war ein V o r p o st e n g e f e ch t. Der Volksentscheid war ein erstes schweres Gefecht, das wir bestanden haben. Jetzt dürfen wir die Pflicht nicht vergessen, selbst zum Angriff überzugehen. In diesem Augenblick ertönt das Wort vom Burgfrieden. Der Feind Hot die Burg nicht erobert und glaubt jetzt mit diesem Trick von hinten herum mit der Maske des Friedens in die Burg ein- � zuziehen. Wir werden darauf nicht hereinfallen. Im Gegenteil, wir werden den Kampf weiter vorwärts treiben und bei der Land- tags wähl den Gegnern die Larve vom Gesicht reißen. Große Ansprüche werden an die E i n s i ch t d e r Wähler gestellt werden. Sorgen wir dafür, daß sie nicht Spielball reaktionärer Kräfte werden. Die Republik wird die Grundlage sein, auf der wir Sozial- dcmokraten zu einer Umgestaltung der wirtschaftlichen Verhältnisse gelangen.(Stürmischer, anhaltender Beifall.) Ein ausländifcher Parteifreund überreicht dem Genossen Braun einen Strauß roter Nelken. Als Braun den Sportpalast verläßt, ist er wiederum Gegenstand einer begeisterten Kundgebung. Dann nimmt das Wort der Parteioorfitzende Otto Wels: „Am 1. August hat der Parteivorstand der deutschen Sozial- demokratie zugerufen: Schafft uns die Mehrheit, gebt uns die Macht! Am 9. August ist die erste Antwort ge- .-kaimnen. Den vereinigten National sazja listen, Deutschnatioualen und ,�pmmunistsn ist eine deutliche Absage erteilt worden. Aber dies« Antwort ist nicht positiv genug. Dia Niederlage der vereinigten Reaktion von recht» und link» ist noch kein Sieg der Sozialdemo- kratie. Der Sinn unseres Appells„Schafft uns die Mehrheit" liegt in der Linie unseres Führers Karl Marx„Proletarier aller Länder, rereinigt euch". Einigt euch im Willen zum Sieg für eure Forderungen, denn ihr seid ohnmächtig, wenn einer gegen den anderen steht. Das haben wir beim Volksentscheid erlebt. Die Schamräte ist mir ins Gesicht gestiegen, als ich vor den Wahl- lokalen kommunistische Arbeiter neben hakcnkreuzbandüen stehen sah. (Zustimmung). Wir haben für diese Arbeiter nicht Verach- tung, sondern tiefes Mitleid, weil sie zu Helfershelfern der finstersten Reaktion geworden sind. Es ist nicht das erstemal, daß die kommunistische Leitung ihre Anhänger hierzu herabgewürdigt hat. Seit ihrem Bestehen ist die Tätigkeit der kommunistischen Zentral« auf die Schwächung der Stoßkraft der Arbeiterklasse gerichtet gewesen. Als Mehrheitssozialisten und Unabhängige 1918 zusammenarbeiteten, da proklamierten die S p a r t a k i st e n, die späteren Kommunisten, den Bürgerkrieg. Sie erschreckten den Spießer und verhinderten eine proletarische Mehrheit in der Nationalversamm- lung. Als der grandios« revolutionäre Generalstreik den K a p p- P u t s ch niederschlug, e»klärten die Kommunisten, es sei gleich, ob Ebert oder Lüttwitz regiere. Erinnert euch der Plakate der Kapp-Regierung, daß Streikposten erschossen werden sollen. Die kommunistische Parteileitung ist jetzt beim Volksent- scheid Bundesgenosse dieser Faschisten gewesen. Nach dem mittel- deutschen Aufstand, der unendlich viel Arbeiter ins Unglück und ins Zuchthaus brachte, wimmerten die Kommunisten mit dem Fürsten- Verteidiger Everling zusammen um A m n e st i e. Man merkte nichts vom Geist des alten heckerliedes:„Der hat steife Knie." Herr Goebbels hat in diesem Sportpalast erklärt, daß die Nationalsozialisten ihre Gegner höflich st zum Galgenbe- gleiten würden, an dem sie trotz aller Höflichkeit aufgehängt werden würden. Die kommunistischen Führer hoben bei ihnen durch ihre Teilnahme am Volksentscheid um gut Wetter gebeten! Wir aber müssen die kommunistischen Arbeiter über diese Führerclique aufklären. Wir Sozialdemokraten hätten die Mehr- heit, wenn klare Erkenntnisse sich durchsetzten. Das Bürgertum steht wie 1918 und 1923 am Rande des Abgrundes. Das kapitalistische Vlirlschaflssystem ist moralisch geschlagen, das Volk will etwas Neues und die Sozialdemokratie zeigt den Weg. Die Arbeiterklasse fordert ihren Platz. Aber wir Sozialdemokraten wollen nicht den Weg der Gewalt, weil wir wissen, daß er Jahrzehnte grausigen Schreckens brächte. Wft wollen den demo- kratischen Weg der Erziehung und Aufklärung. Wir wissen, daß. wenn wir anders Handellen, die Arbeiterbewegung zuerst unter den Trümmern begraben würde. Wir lehnen die politischen Wunderdoktoren, die Eharlatane und Kurpfuscher rechts und links ab. Nicht ahne Grund hat der Nationalsozialismus bei Diskussionen darüber, was wirtschaftlich sein Ziel ist. so kläglich und jammervoll abgeschnitten. Man sagt, wem, der groß« Adolf zur Macht kommt. dann wird alles von alleine gehen. wir glauben nicht an Wunder, wir glauben nur an da» Wunder in wns selbst, an unsere Sräfle und unser wollen. Nach dem 14. September sind Milliarden Mark au» Deutschland abgezogen worden. Denkt an die Regierung Hermann Müller, durch die die ausgesperrten Proletarier am Rhein durch da» Reich».- I Ministerium und di« preußische Regierung unterstützt««den konnten. Denkt daran, daß diese Regierung gestürzt wurde, weil ihre sozialdemokratischen Mitglieder für die Erfüllung der Forderungen der Arbeiterklasse kämpften. Denkt daran, ihr Partei- genossen, ihr Gewerkschaftler, ihr Sportler, ihr republikanischen Kampforganisationen, die in cinhelllicher Front stehen! Man spricht von marxistischer Mißwirtschaft. Ist der Fall der Danotbant und der Lahusens, der Geldgeber des Braunen Hauses, eine Folge marxistischer Mißwirtschast? Aus dem Hunger ihrer Arbeiter zogen die Lahusens ihre Millionen. Ihre Pastoren sagten den Arbeitern, sie sollten nicht Schätze sammeln, die der Rost und die Motten fressen. Eine Frau Lahusen erklärte, daß sie, ehe sie streikenden Arbeitern Lohnerhöhung bewillige, lieber ihren Pferden die Hufe vergolden ließe.(Pfui-Rufe.) Jetzt, wo die Privatwirtschaft versagt hat, soll das Reich in die Bresche springen. Die Maßnahmen der Reichsregierung sind uns zum Teil unverständlich. Wir verlangen, daß die Kontrolle bestehen bleibt und das Reich von dem, was sie jetzt überwacht, nie wieder die Hand läßt. Wir fragen: wie sichert sich das Reich, wenn es für die Einlagen bei der Danatbank gerade steht? 5)ält sie sich an die Schuldner? 5)err hugenberg hat 30 Millionen Schulden bei der Danatbank. Wir verlangen, daß diese Schulden schleunigst abge- glichen werden. Herr hugenberg gewann sein Vermögen zurzeit des Kaiserreiches und durch die Inflation. Es fft grotesk, daß in der Dresdner Bank, kn der Danatbank und auch in der Reichsbaftk noch immer die gleichen Leute sitzen, die das Unheil herbeigeführt haben. (Anhaltende lebhafte Zustimmung.) Wir verlangen eine Aenderung. Die Industriellen haben eine angebliche Sicherheit geleistet, die in Wirklichkeit für sie ein gutes Geschäft ist. Sie geben keinen Pfennig, das Geld wird ihnen vom Reiche vorgestreckt. Sie nehmen noch Zinsen ein und müssen cs erst nach fünf Iahren zurückzahlen. Die Arbeiter, die Sparer, die Mittelständler haben ein Recht zum Einspruch gegen eine solche Wirtschaft. Unsere Augen richten sich auch auf die Ab r ü st u ng s k o n- f e r e n z, der unser Freund Arthur henderson vorsteht. Unser französischer Genosse Blum Hot in Wien mit aller Deutlichkeit gesagt, daß der Giftstoff internationaler Feindschaft und internationalen Mißtrauens endlich beseitigt werden muß. Der Weg hierzu führt über den Sozialismus. Wir glauben an die Solidarität. Ich rufe nicht mehr: Wo bleibt der zweite Mann!, sondern wo bleibt der dritte, vierte, fünfte und sechste Mann? Es lebe der Kampf, der Sieg, der Sozialismus, der Friede!(Stürmischer Beifall.) Wieder singt die Jugend, wieder spielt dos Reichsbanner. In seinem Schlußwort weist Franz Künstler unter stürmischer Zustinmiung darauf hin, daß die Botjchast der Berliner Sozial- demokratie an Laool und Briand bei ihrem Besuch in Berlin eine Botschast des Friedens sein wird. Es brennt in den Gemeinden? Linter Strafandrohung diktierter Lohnabbau. Der Rejchsvcrband kommunaler und anderer öffentlicher Arbeit- gcberverbände Deutschlands hak seine Drohung wahrgemacht. Durch ein Rundschreiben vom 13. August fordert er von den angeschlossenen Vezirksverbänden und Rlitgliedftädteu die vorläufige Durchführung des z 7 Absah 4 des zweite« Teiles der Rotoerorduung vom 5. 3uni. A b Lohnwoche Mitte August sollen die Löhne sämtlicher Gemeindearbeiter und Straßenbahner b i» zu 9 Pfg. pro Stunde gekürzt werden. Reu einzustellende Arbeiter sollen nur noch nach den noch wesentlich niedrigeren Löhnen der R e i ch s a r b e i l e r entlohnt werden. Die Löhne der Fürforgearbeiter, die bisher nach den Lohntarisen der Ge- meindearbeiter bezahlt wurden, sollen ab Lohuwoche Mitte August aus die Lohasähe der Reichsarbeiter Herabgesehl werdcn. 3m Rundschreiben an die angeschlossenen Bezirtsverbäude wird um schleunigste Durchführung der Beschlüsse ersucht. Die Mitgliederstädle, die sich weigern, die Beschlüsse durchzuführen, sollen in Verbands strafe genommen werden. Der Gesamtverband hat demgegenüber alle Maßnahmen ergriffen, um diesem vorgehen den schärfsten Widerstand entgegenzusehen. Die Anordnungen des Arbeit. gcberverbaades gehen zum Teil über die durch die Votoerordnung gezogenen Grenzen hinaus. So werden u. a. auch die Sozial- Zulagen in die Augleichungeu hilleingezogen. 3n den An- Weisungen des Gesomtverbandes an feine Bezirke und Ortsoer- waltungen fordert der Gefamwerband angesichts der schweren Situation strengste Disziplin. * Damit ist der Konftikt, der durch die Finanzpolitik des Reiches geschaffen, wurde, in ein akutes Stadium getreten. Man lzot die Reichsonstalt. saniert, indem, man die Rezugsberechtigung der Arbeitslosen abgebaut und damit di« Arbeitslosen der Wohl- sahrtsfürsorge der Gemeinden überwiesen hat. Man .half" den Gemeinden, indem man ihnen den Abbau der Löhne und Gehälter vorschrieb. Freilich wird, selbst wenn der Lohnabbau durchgeführt wird, die Finonznot der Gemeinden damit nicht behoben. Selbst wenn, wie angenommen wird, die Gemeinden durch den Abbau der Löhne und Gehälter insgesamt 100 Millionen im Jahr ersparen, und dies dürfte sehr hoch gegriffen sein, so bliebe immer noch ein Defizit von annähernd 700 Millionen. Gebessert ist rein finanziell damit so gut wie nichts: jedoch auf der anderen Seite wird es zu den schwer st en Konflikten kommen, deren Folg« sozial und politisch ungleich schwerer wiegt als das finanzielle Ergebnis, Wir haben bereits mitgeteilt, daß der Gesamtverband sich ver- gebens beim Reichsarbeitsminister bemüht hat, eine Beilegung des Konflikts herbeizuführen. Der Reichsarbeitsminister scheint nun die Verantwortung für den Konflikt etwas schwer zu finden, denn in verschiedenen Blättern wird mitgeteilt, daß der Reichsarbeits- minister seine Bemühungen keineswegs als beendet betrachte. Die Frage ist nur. welche Taktik die klügere und erfolgreichere ist: ab- zuwarten bis es brennt, um dann mit der Feuerspritze anzurücken, oder einen Brand von vornherein zu verhüten. Der Reichsarbeits- minister kann nicht mehr im Zweifel darüber sein, daß es morgen schon in den Gemeinden brennen wird. Le mehr Nazis, um so mehr Not. Oas Eingeständnis eines nationalistischen Anwalts. In Kassel ist vor einiger Zeit eine Genossenschaft verkracht, deren leitender Mann der deutschnationale Rechtsanwalt Brill war. Dieser Rechtsanwalt, der Wortführer der Deutschnationalen in der Kasseler Stadtverordnetenversammlung, war und ist der gehässigste Gegner der Sozialdemokratie: er hat sich in den ersten Iahren nach dem Umsturz in Reden und Zeitungsartikeln über die„korrupte" SPD. gar nicht genug austoben können. Jetzt machen ihn die zahlreichen Opfer der Genossenschaft für ihr Unglück verantwortlich. Das Gericht Hot ihnen bereits weitgehend recht gegeben, so daß Brill auch persönlich mit seinem groß«>n Privatvermögen herangezogen werden soll. Daß der Nazianwalt Freislcr in Kassel, von dem Brill sich kaum unterscheidet, jetzt die Genossenschastsopfer gegen Brill ver- tritt und mit den heftigsten Vorwürfen nicht zurückhält, ist äußerst. pikant. Der Deutschnationole Brill sucht sich dem Nazi gegenüber wie folgt zu rechtfertigen: »Er sei rnll bester Aussicht auf Erfolg bemüht gewesen, mit Hilfe eines holländischen Konsortiums die Genosseufchafi zu retten. aber— das Ergebnis der Reichslagswahlen vom 14. September habe die Holländer abgeschreckt; man habe sich nicht mehr getraut, Gelder nach Deuffchland zu geben. So sei die varlehnsaufnahme unmöglich geworden." Je mehr Nazis, um so mehr Not und Bankrotte, da» bezeugt nun auch der hugenberger B r i l l I Die Bankenkontrolle. Vorberatung unter Hinzuziehung von Sachverständigen. Der Wirtschaftsausschuß der Reichsregierung. mit Beteiligung der Reichsbank, wird in der nächsten Woche unier hinzuziehnug eines kleineren Kreises von Sachverständigen aus der deutschen Wirtschaft und Wissenschast die Entscheidung der Fragen vorbereiten, die sich in verfolg der von der Reichsregierung für die Darmstädter und Vationalbank sowie für die Dresdener Bank ergriffenen Rlaßnahweu ergeben, einschließlich der Frage einer Aufsicht über das deutsche Bankgewerbe. Die Thüringer Sparkassen. EtaotSbürgfchast für einen Reich Skredit an die thüringischen Sparkassen. Weimar, 14. August. Auf Ersuchen der Staatsregierung trat gestern der Haushalts- ausschuß des thüringischen Landtags zusammen und nahm mit den Stimmen aller Parteien bei Enthaltung der Kommunisten den An- trag an, eine Bürgschaft in höhe von 12 Millionen für einen Kredit des Reiches an die Sparkassen des Landes Thüringen zu übernehmen. Die thürin- gifche Staatsbank wünscht, vorläufig nicht in den Kredit«inbezogen zu werden, dach hat die Regierung vorsorglich die Staatsbank mit berücksichtigt. Die Verteilung des Kredites erfolgt durch die Mittel- deutsche Landesbant unter Kontrolle des thüringischen Finanz- Ministeriums. Die Regierung wird die Bürgschaftserklärung sofort abgeben, damit die thüringischen Sparkassen schon in den nächsten Tagen in den Besitz der 12 Millionen kommen. Steuern zahlen! Die Verzugszinsen sind in Kraft. Da« Reichsfinanzministerium erinnert nochmals daran, daß e§ wegen der hohen Zuschläge im eigenen Interesse der Steuerpflichtigen liegt, ihr« Steuern pünktlich zu bezahlen. Steuer- betrage, die in der ersten Augusthälsle fällig geworden sind(dazu gehört auch die Vermögensrats vom 13. August 1931), inüssen spätestens bi« zum Ablauf des 13. August 1931 gezahlt werden, da sonst für jeden halben Monat«in fünfprozentiger Verzugszuschlag verwirkt wird. Für Steuerbeträge, die schon vor dem 1. August 1931 fällig geworden und bis-dahin nicht pünktlich bezahlt waren, war bereits für die erste Augusthälfte«in fünfprozentiger Zuschlag verwirkt. Werden diese Rückstände nun auch nicht vor dem Ablauf des 13. August 1931 bezahlt, so wird für die zweite Augusthälfte und für jeden weiteren halben Monat ein weiterer Zuschlag von je 3 Proz. verwirkt._ Stillhaltung für 2 Milliarden. Die Baseler Verhandlungen. Basel, 14. August. Der Vereinigte Stillhalteausschuh, dessen Mitglieder telegraphisch nach Basel berufen worden waren, hat am Freitagvormittag in den Räumen der BIZ. seine erste große Aussprache gehabt, die drei- einhalb Stunden dauerte. Entgegen den ersten Meldungen nahmen die Mitglieder des Sachverständigenausschusfes an diesen Besprechungen nicht teil. Auch die deutsche Stillhalteabordnung ist den Verhandlungen ferngeblieben. Der Vereinigte Still- Halteausschuß hat die Aufgabe, nachdem bereits im einzelnen mit England, Frankreich und den Vereinigten Staaten Stillhalte- abmachungen getroffen wurden, nunmehr für sämtliche Gläubiger Deutschlands eine gemeinsame Verlängerung der kurzfristigen Kredite zu vereinbaren. Als Verhandlungsgrundlage gilt der amertkanisch-englifch-deutschc Vorschlag, welcher eine Stabilisierung der Kredite aufsechs Monate vorsieht. Es sind Aussichten vor- Händen, daß auch die anderen Gläubiger Deutschlands diesem Vor- schlag notgedrungen schließlich zustimmen werden, die Bedingungen und Garantion allerdings, die man von Deutschland hierfür ver, langt, bereiten gewisse Schwierigkeiten. Der Stillhalteausschuß hofft jedoch, noch im Laufe des Freitag zu einer gemeinsamen Gläubiger- abmachung zu kommen. Diese wird dann der deuffchen Stillhält-» abordnung übermittelt werden. Wie man aus zuverlässiger Quelle erfährt, beläuft sich die ge- samt« deutsche kurzfristige Verschuldung aus 7 Milliarden Mark. Di« deutschen Mitglieder des Stillhalteausschusses werden alsdann mit Dr. Melchior zusammen über die vorgelegten Bedin- gungen beraten. Ob ein Abschluß noch im Laufe dieser Woche mög- sich sein wird, richtet sich ganz nach den vorgelegten Bedingungen. Unter Umständen ist ein« persönliche Rücksprache mit der Reichs- regierung und Reichsbankleitung nötig. De? Sachverständigenailsschuß Hot alsdann die Ausgabe, wenn ihm von Sir Layton der zusammenfassende Bericht über die Ber. einbarungen des Stillhalteausschufscs vorgslegt wird, als Vermittler aufzutreten und«ventuell, falls keine Eiftigung möglich ist, einen Schiedsspruch zu fälle«. Tlr. 379• 45. Jahrgang ± Beilage des Vorwärts Sonnabend, Il5. August 1931 künkkslirtsn Aber Einzelfahrschein 25 Pf.. Umsteigen 30 Pf. Wie wir gestern«bent» kurz meldeten, hat der Auf» sichtsrat der Verlincr Verkehrsgesellschaft am Freitag folgende Aendcrung der Fahrpreise beschlossen: Es werden Tammclkarten für 5 Fahrten auf der Straßenbahn oder U-Bahn ohne lim steige berech- tigung zum Preise von 1 Mark ausgegeben. Tie Geltungsdauer ist unbeschränkt. Tie Einzelfahrt auf der Straßenbahn. der U-Bahn oder dem Lmnibus kostet 2 5 P f., der Umsteigefahrschein für Straßenbahn, U-Bahn und Omnibus 3 0 P f. Schüler Monatskarten für die Straßenbahn kosten K M. lbisher 5 M.) und Schülermonatskarten für die U-Bahn ebenfalls K M.(bisher«.iist M.). Die Fahrpreise für den Schülerfahrschein und den Umsteigefahrschein zur Reichsbahn sowie die sonstigen Monatskartenpreise bleiben unverändert. Die neuen Fahrpreise treten am 1. September in.straft. Mit dieser Aendening de? Berliner Berkehrztarife beschäftigte sich gestern abend eine Konferenz der Berliner Presse, auf der Bürgermeister Dr. Elsas als Borsitzenoer des Aussichtsrats der BVG. sprach und nach ihm Oberbaurat Zangemeister. Dr. Elsas führte einleitend aus, daß schon bei der Beratung des diesjährigen lzaushaltsooranschlags der Stadt Berlin darauf hinge- roiesen wurde, daß auf Jahre hinaus die BVG. das Sorgenkind der Stadt Berlin sein wird. Dr. Elsas bekannte allerdings ceftern abend mit Nachdruck, daß die seinerzeitioe Bereinigung der drei Berliner Verkehrsunternehmungen eine organisatorische Großtal war, und in der gleichen anerkennenden Weift sprach er sich über die Schaffung des Einheitsfahrscheins aus. Dieser Ausspruch des Bürgernieifters war besonders anerkennenswert gegenüber den An- feindungcn, denen die Verkehrspolitik der Berliner Sozialdcmo- kratie von bürgerlicher Seite ausgesetzt ist. Allerdings gerät das Prinzip des Einheitssahrscheins in Zeiten wirtschaftlichen Rückgang? in Gcsahr. Oer Rückgang des Verkehrs. Was die Entwicklung im einzelnen anbelangt, so wirkt sich die Wirtschaftskrise in den Verkehrszahlen in vollem Umfange aus. Im Jahre 1929 betrug in den Monaten Januar bis Juni die Zahl der Fahrgäste rund 729 Millionen, 1939 rund 649 Millionen, 1931 aber nur noch 523 Millionen. Dementsprechend gestalteten sich die Ein- nahmen. Hinzu kommt, daß zum Zwecke des Ausbaus der U-Bahn von 1926 bis 1939 in den Unternehmungen der BVG. rund 359 Mil- lionen Atark neu investiert worden sind. Unter diesen Umständen ergibt sich die Verpflichtung, daß die schienengebundenen Verkehrs- mittel, insbesondere die U-Bahn,.fy wirtfchgftjids wie lüöglich ausgenutzt. werden.....■.•;' i Lteberhandnehmen der �Schmetterlinge�. Mit der Neuregelung der Berliner Verkehrstarife soll vor allen Dingen ein Schlag gegen die.Schmetterlingssucher" und Schwarzfahrer geführt werden. Es muß leider gesagt werden, daß die Be- trügereien mit den sogenannten„Schmetterlingen" einen geradezu gefahrdrohenden Umfang, angenommen haben. Der Ausfall an Einnahmen, der der BVG. durch die Schwarzfahrer erwächst, ist naturgemäß schwer zu schätzen. Soweit sich die Personalvertre- tung der BVG. eine Uebersicht verschafft hat, konimt diese Stell« aus einen täglichen Einnahmeausfall von 19 999 M. durch die Schwarz- fahrer. Ab 1. September wird das Umsteigen auf allen Berliner Verkehrsmitteln nunmehr 39 Pf. kosten, es wird sich also nur der- jenige einen Ilmfleigesahrschein lösen, der auch tatsächlich umsteigen will. Zu der Frage der Schwarzfahrer bemerkte Oberbaurat Zange- meistcr noch, daß nach den bisherigen Verkehrserhcbungen sich dos Verhältnis der Umsteiger zu den Emzclfahrtcn wie 49 zu 69 oer- hält. In diesen 69 Prozent sind nach Zangemeisters Schätzung un- gefähr 19 Prozent Schwarzfahrer enthalten. Das brauchen nicht immer etwa„Schmetterlingsfuchcr" zu fein, sondern es find auch Fahrgäste, die auf einen Straßenbahnfahrfchein beispielsweise von Charlottenburg nach der City fahren, um Einkäufe zu machen, und dann mit der U-Bahn nach Eharlottenburg zurückfahren. Denn die Sperre auf dem U-Bahnhof Potsoamer Platz kann bekanntlich nichr kontrollieren, ob jemand zum Spittelmarkt oder zum Zoo fährt. Da sich die Kontrollen gegen diesen Mißbrauch der Umsteigeberechtigunz als unwirksam erwiesen haben, deutete Zangemeifter gestern die Wiedereinführung der Ausgangssperre an. Die unrentablen Monatskarten. Auch die Monatskorten bereiten der BVG. viele Sorgen. Man sollte annehmen, oaß die Monotskarteninhaber täglich durchschnitt- lich zwei Fahrten machen. Di« Verkehrskontrallen haben aber er- wiesen, daß durchschnittlich auf jede Monatskarte 89 Fahrten im Monat gemacht werden. Bei den Inhabern von Monats- karten für«ine StraßerrbaHnIini« bringt jede Fahrt der BVG. 11,67 bei den Zweilinienkarten jede Fahrt 19,19 Pf., bei den Karten für alle Linien trotz des Preises von 39 M. nur noch 9,8 Pf. un» die Schülerkarten gar nur 7,3 Pf. Demgegenüber muß jedoch die BVG. mit einem Selbstkostenbetrag von 13,31 Pf. für jede Fahrt rechnen. Es ist nun die Forderung erhoben worden auf sofortige Wieder- cinführung eines 19- oder 1 5- P f.-T a r i f s. Dies würde nach sorgfältigen Berechnungen einen Einüahmeausfall von 2 3 bis 39 Millionen Mark bedeuten, ist also wirtschaftlich un- tragbar, weder für die BVG. noch für die Stadt Berlin. Das schließt nicht aus, daß man auf Strecken mit einer riesigen Verkehrsdichte, wie zwischen dem Hcrmannplatz und dem Dönhoffplatz, wohl mit 13 Pf. auskommen könnte, ober die Dinge liegen so, daß die guten Linien die Zuschüsse der Außenlinien mitverdicnen müssen. Man muß nun einmal auf die Siedlungen in den Außenbezirken Rücksicht nehmen, es ist unmöglich, 29 Autobuslinien nach Gatow, Malchow, Müggelheim usw. einfach einzustellen, weil sie nicht ren- tabel sind. Eine Zwischenlösung. Uin auf die Ausführungen des Bürgermeisters Dr. Elsas zurückzukommen, so führte er noch aus, daß die gestern vom Auf- sichtsrat der BVG. verabschiedete Regelung«ine Zwischenlösung dar- stellt. Sie will den augenblicklichen wirtschaftlichen Verhältnissen weiter Kreise der Bevölkerung Rechnung tragen, wie auch der Be- reinigung von ün�trägtich gewordenen Erscheinungen dienen. So erhosfk Oberbastrat Zangemeifter von der Rruvegelimg noch ein Ber. schwinden der'Dequemlichkeitsfahrer, die die Hauptstrecke bisher mit der U-Bahn zurücklegten und dann für zwei weitere Haltestellen mit der Straßenbahn weiterfuhren. Man schätzt, daß sich rund 69 bis 79 Prozent aller Fahrgäste»er BVG. in Zukunft des 5-Frhr- fcheinblocks bedienen werden, wo die einfache Fahrt 29 Pf. kosten wird. Das Schicksal der Zwischenlösung hängt davon ab, ob der durch den 5«r-Block zu erwartende Einnahmerückgang ausgeglichen wird durch einen entsprechenden Verkehrszuwachs. Die 39. weltliche Volksschule Lichtenberg veranstaltet an: Sonn- tag, dem 16. d. M., auf dem Ferieirspielplatz Wuhlheidc (Sadowa) ein Spiel- und Sportfest siir juiKj und alt. Beginn der Wettkämpse 13 Uhr. Eintritt 39 Pf., Kinder 19 Pf. All« Freunde der Schule und Parteigenossen sind Herzlichsteingeladen. Attentatsfieber. Neue Anschläge auf Züge versucht.— Aufmerksamkeit verhinderte Unglücksfälle. Die Pressestelle der Reichsbahndirektion Erfurt teilt mit: Der Fern-V-Zug 3 Basel— Berlin wurde am Freitag bei Kilometer 1 1 7 der Strecke Neudietendorf— Bischleben in Fahrtrichtung links von einem unbekannten Täter beschossen. Das letzte Fenster im Durchgang des ersten Personenwagens zeigte zwei ftugeleinschläge. Der Streifendienst der Reichs- bahndircktion Erfurt sowie die 5lriminalpolizei Erfurt und Gotha sind benachrichtigt. verlin, 14. August. Der Zug traf sahrplanmäßig um 13.43 Uhr aus dem Zl n- Holter Bahnhof in Berlin ein, wo der beschossene Wagen, wie die Pressestelle der Reichsbahndirektion mitteilt, sofort plombiert und nach Erfurt zurückgefahren wurde zwecks genauer Untersuchung durch die dortigen Kriminalbehörden. Die Kugeln, die nach Durchschlagung eines Fensters in der Wand des Durch- ganges stecken geblieben sind, wurden noch nicht entfernt. Glücklicherweise konnten die Geschosse keinen Schoden anrichten. In dein bc- schädigten Wagen befand sich der Reichsbahnrat Carius von der Reichsbohndirektion Dresden, der Zeuge des Vorfalls war. Der Streifendienst und die Kriminalpolizei von Erfurt und Gotha »ahmen sofort die Ermittlungen auf, konnten jedoch bisher keine greifbaren Anhaltspunkte für die Täterschaft finden. Die Schüsse winden vermuttich aus einem in der Nähe des Bahndamms be- findlichen Gebüsch abgegeben. Eine Barrikade auf den Gleisen. Hamburg, l4. August. In der Nacht zum Donnerstag wurde beim D a n, m l o r- Bahnhof auf dem A l l o n a e r Ferngleis von unbekannten Tätern eine Barrikade errichtet, und zwar waren mehrere zusammengebundene Planken aus die Schienen gelegt und mit emem Stein beschwert worden. Durch Ausmcrksamkcil des Führers eines Güterzuges, der die Stelle bald daraus passierte, konnte größerer Schaden vermieden werden. Nur die Lokomotive wurde leicht be- schädigt. Personen sind nicht zu Schaden gekommen. Als Täter kommen drei Männer in Frage, die durch die Flucht entkommen sind. Die Reichsbahndirektion Zlltona teilt folgendes mit: Ein grober Unfug von frevelhaftem Leichtsinn wurde in der Nacht zum 13. dieses Monats beim Dammtor-Bahnhof dadurch begangen, daß unbekannte Personen eine außerhalb der Bahnhofshalle auf dein Fernbahnsteig stehende Bank sowie drei Schottengitter, die aus dem Botanischen Garten entwendet worden waren, aus die Schienen des Ferngleises Altona— Hamburg legten. Geplanter Ueberfall auf Straßenbahnzug. Frankfurt a. Main, 14. August. Am voimerstagabend Mgen elf Uhr blieben die aus der Strecke Fränk f u'rk-�'P äd"'Häm bu r g berkehrenden Sträß'rn- bahnzüge auf freiem Felde liegen, da der Slrom der 1000-Voll- Leitung plötzlich versagte. Zwischen Obercschbach und Unlercschboch war die Stromzusührung der Oberleitung zerstört und die an einem Most angebrachte Geräte st ange etwa 29 Meter weit ins Feld geworfen worden. Die Fahrgäste konnten erst mit großer Verspätung ihr Ziel erreichen. Nach Ansicht der zu- ständigen Stellen muß die Ausschaltung de» Stromes von fach- kundiger Hand vorgenommen worden sein, da sich ein Laie kaum an die gefährliche hochspannungsleilung heranwagen dürste. Es dürste sich entweder um einen Bubenstreich handein oder um eine beabsichtigte Beraubung der Fahrgäste, die unterblieb, weil die Magen des Zuges stark beseht waren. Die Untersuchung ist im Gange. Lange sitzt James in der Ecke einer stillen Weintneipe. Er trinkt wieder Chablis und bedeckt Notizbuchblätter mit Zahlen, mit langen, endlosen Zahlenreihen. 999 999 Mark ist der Kurswert der Aktien. Die Hälfte bezahlt er. Drei- hundert bleibt unter allen Umständen ein sehr billiges An- gebot. Na ja, einer braucht bares Geld, und man wirft nicht gern kostbare Papiere offen auf den Markt. Der Kurs könnte dabei an Leib und Seele Schaden nehmen. James ist sehr zufrieden. Das Geschäft verspricht viel. Kurz vor zwölf hält er vor der Haustür. Er hat sich bei seinen Rechnereien verspätet. Nun, Manfred ist ein ver- nünftiger Mensch, er wird nicht übel nehmen. Ein jäher Schreck durchzuckt ihn. Lieber Gott! Vilma! James bleibt angewurzelt aus der Treppe stehen. Er bewohnt die erste Etage. Wie konnte er nur die Verabredung ver- {Jessen. An der Tür des Rauchzimmers tritt ihm Manfred Grmnacher entgegen. Er ist groß und schlank. Das volle, braune Haar trägt er tief und glatt in das dunkle Gesicht ge- scheitelt. Nichts erinnert in der Haltung an den Bühnen- fänger. Er wirkt eher wie ein intelligenter Kaufmann, der amerikanische Sakkos bevorzugt. King umwedelt ihn. „Ich scheine ihm sympathisch zu sein." Manfreds Stimme klingt in der Unterhaltung gedämpft und überschattet.„Das würde ich ihm auch geraten haben, ich bin schon mit größeren Kötern fertig geworden. Ein Schlag auf die Nase, und der Herr zappelt nicht mehr." Er streicht über den Kopf der Dogge. die jetzt nur noch für ihren Herrn Interesse hat. King steilt sich auf und legt die Pfoten auf Herrchens Schultern. Die Rute beschreibt weitgezogene Kreise in der Lust. Herrchen greift in die Falten des muskulösen Hunde- Halses und schlenkert Kings Kopf hin und her. „King ist gewissermaßen das Symbol für mein Gluck! „Glück und Glas..." trällert Manfred vor sich bin. „Aber James, ich will dem guten Tier doch nichts Böses tun noch yiel Keinem „Er liebt nun einmal den Huich." Fränze schält sich aus Decken und richtet sich auf der Chaiselongue zu einer sitzenden Stellung auf, sinkt aber sofort mit einem unterdrückten Schmerzensruf zurück. „Entschuldigt bitte, daß ich so spät komme. Geschäftliche Verhandlungen hielten mich ab." James gibt sich ein wichtiges Ansehen. Der dunkelrot geschminkte Mund leuchtet in Fränzes ein- gefallenem, bleichem Gesicht.„Lieber, Manfred ist nicht böse, weil du seine Romerzählung nicht hörtest. Du warst ja in Geschäften abwesend." Dieser entsetzliche Schmerz. Er zieht sich von unten her- auf bis zum Herzen. Die kalten Hände krampfen sich um die Decken. Doch nur einen Augenblick. Warum sollen die anderen Zeugen eines albernen Leidens sein. James ist zurückgekehrt, er kann sich jetzt mit Manfred unterhalten. Im Schlafzimmer liegt das Morphium. In Geschäften abwesend! In den Worten schwingt die Zlhnung einer Angst, eines Zweifels. Manfred empfindet intuitiv diese Dissonanz. „Fühlst du dich schlecht?" James beugte sich über Fränze. „Rein, keineswegs, ich war nur müde und mich fror." Fränze setzt vorsichtig die Füße auf den Teppich. Jede Be- wegung verursacht einen stechenden Schmerz.„Ich werde jetzt zu Bett gehen." Auf dem Korridor allein ohne Zeugen, verläßt sie die «Selbstbeherrschung. Fränze stöhnt auf und tastet sich an den Wänden zum Schlafzimmer entlang. James geht nervös mit kurzen, zerhackten Schritten auf und ab. King mustert ihn scharf und knurrt hin und wieder unterdrückt. „Du machst noch so spät am Abend Geschäftsabschlüsse?" Manfred liegt zurückgeworfen im Klubsessel und trinkt Port- wein. Er ist nicht beleidigt, daß sein Schwager beim dritten Akt durch Abwesenheit glänzte. Bewahre, er gehört nicht zu denjenigen Leuten, die glauben, sie seien das Zentrum der Welt. Doch auch ein vernünftiger Mann kann empfindlich werden, wenn er sich offensichtlich vernachlässigt glaubt. Acht Jahre hat ihn James nicht gehört. Oder sind es schon neun her? Damals in der Berliner Lindenoper, als Othello. Warum singt er denn überhaupt in dieser Provinzstadt, die ihm höch- stens ein Viertel der üblichen Gage zahlt? James bleibt vor ihm stehen. „Du hast recht, die Zeit ist ungewöhnlich." Er fährt sich out dar Hand über das Gepchl uod bedeckt einen Aikgenblick nachdenklich Mund und Rast.„Es ging leider nicht anders. Die Deda bot mir ein Aktienpaket an." In abgerissenen Sätzen schildert er den geschäftlichen Vorgang. Manfred fesseln weniger die Tatsachen als die Haltung des Schwagers. Er versteht nicht die Erregung. Das Geschäft ist alltäglich und für einen Aktienroutinier ohne jede originelle Rote. „Bis morgen hättest du Zeit gehabt", darin soll ein leiser Vorwurf liegen, eine kleine, verborgene Spitze, die nicht bös- artig verwunden, sondern nur auf ihre Existenz aufmerksam machen will. „Du irrst, ich mußte schnell handeln, sonst wäre ich morgen unschlüssig geworden. Bedenke die Chancen!" James fängt an, vor Begeisterung zu glühen. Manfred schüttelt den Kopf. „Aber, Bester, wie oft wirst du schon ähnliche Geschäfte abgeschlossen haben." „Rein, Hab' ich nicht!" James stellt mit scharfem Schlag das Weinglas auf den Rauchtisch. Mit einem klingenden Schrei bricht der Fuß ab. Keiner achtet darauf. „Du hast bisher niemals in Aktien spekuliert?" Manfred reißt vor Staunen Mund und Rase auf. Dann lacht er schallend los und springt aus dem Sessel. „Verzeihe, das kommt mir so komisch vor. Ich als Sänger, als leitender Tristan spekuliere täglich, stündlich, kaufe und verkaufe ständig Aktien und Immobilien, und was weiß ich, und du als Großkausmann hältst dich mit aristokratischer Geste von der Börse fern." Das Lachen schüttelt ihn. „Aktienspekulationcn passen nicht für ein traditionstrcucs Geschäft!" James spricht von hoher Warte aus. Jetzt wird Manfred nervös und temperamentvoll.„Lieber James, mit deiner Tradition ist es doch nicht so weit her. Du stammst aus der Konfektion, in der Heinrich noch immer sitzt, wie er uns heute mittag erzählte, und hast von deinem kinder- losen Onkel den Getreidehandel übernommen. Du brauchst dich also nicht auf den roval mercbant zu stilisieren." James macht ein gekränktes Gesicht. Am liebsten möchte er sich mit eisigem Schweigen umpanzern, aber es drängt ihn zum Reden, er will selbst Klarheit über sich gewinnen, und Klarheit findet«r im Sprechen. Der royal merolmnt nagt an ihm. er verwindet ihn nicht so leicht, er verwindet über- Haupt nicht leicht. Manfred kommt ihm mit einer Frage ent- gegen. _(Fortsetzung folgt.) In die Priegnitz. Zur Karthane. Aoin Lehrter Hauptbahnhof (Spandau-Hauptbahnhof umsteigen) fahren wir b i» E l ö w e n. Sonntagskarte bis Wilsnatt lösen, S.IO M. Vom wandern wir nördlich in das Dorf, ein misgeiprochenes Runddorf, eigenartige Bauweise dieser Dörfer noch sehr gut erkennen läßt. Das Dorf war ursprünglich nur von der Westseite her zugänglich, wo jetzt die Chaussee vor- überfuhrt. Die Straße zum Haltepunkt der Kleinbahn auf der Südostseite von Glöwen ist erst in neuem Zeit durchgebrochen worden. Wir folgen der Chaussee eine Viertelstunde nördlich weiter bis zu einer Windmühle. Hier zweigt halblinks der Wegi nach Groß- L« p p i n ab. Durch hügeliges, teil- weife bewaldetes Gelände kommen wir an dem Ausbau Storbeckshof vorüber zu dem an der Karthane ge- legenen Dorf. Die Karthane ist eins der zahlreichen Flüßchen, die die Hochfläche der Prigmtz entwässern. Sie entspringt in den Hügeln und Wiesen zwischen Kyritz und Pritzwnlk und mündet bei Witten. berge in die Elbe. An der Westseite des Turms der aus Feldsteinen erbauten Kirche befinden sich zwei schöne Grabsteine aus Sandstein für einen früheren Besitzer des Dorfes(gestorben 1602) und seine Gattin. Von der Westseite des Dorfes führt die Straße durch die von der Karthane durchflossencn Wiesen zum Beginn des Waldes. Nun bleiben wir«ntlveder auf der Straße, die durch den Wald geht, oder wir folgen dem Pfad, der rechts ab, am Rande von Wald und Wiese entlangführt und schließlich wieder in die Straße einmündet. Wir haben die Plattenburg erreicht. Die Platienburg nach einem alten Stich. Die Plattenburg. Im flachen Lande, inmitten weiter Wälder, liegt die Platten- bürg, von der Karthane in mehreren Armen umflossen, die gleich- zeitig die Gräben zum Schutz der Burg bildeten. Die Plattenburg ist wahrscheinlich bereits im 13. Jahrhundert gegründet worden. Die Burg bestand aus einer Vorburg und einer Hochburg, die beide durch einen breiteren Graben getrennt waren. Die ehemalige Bor- bürg bildet den jetzigen Wirtschaftshof, der Graben ist zum größten Teil zugeschüttet worden. Um den Hof der Hochburg gruppieren sich die Gebäude und die Kapell«. An der linken Hoffeite liegen die Wohngebäude, die ältesten Baulichkeiten der SBurc,. Von ihnen ist der„Bischofsflllgei* der eigentliche frühere Palast. Die Plattenburg gehörte bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts den Bischöfen von Havelberg, die hier mit Borliebe residierten. In früherer Zeit be. fand sich an der Nordwesffeite ein starker, runder Turm, der die Burganlage vervollständigte. Er ist auf einer vermutlich aus dem 16. Jahrhundert stammenden Kart« abgebildet. Jetzt befindet sich an der Stelle ein im 19. Jahrhundert erbauter viereckiger Turm, der bestiegen werden darf. Ein weiter Fernblick über große Ge- bMe der Prienitz bietet sich hier. Weite Wälder und große Acker- flächen sehen wir. Am Gesichtskreis ragen die maffigen Kirchen- bauten von Havelberg, Wilsnack und Perleberg auf. Aach Wilsnack. Ein von alten Kastanien eingefaßter Damm führt von der Plattenburg durch die Karthanewissen gen Nord zum Wald. Hier iveiiden wir uns links, zunächst am Waldrand, dann durch Wiesen und wieder Wald zum Forst hau« Plattenburg. Hierher jährt auch«in schöner Fußweg durch die Wiesen unmittelbar neben der Karthone. In stiller Waldeinsamkeit liegt das Forsthaus mit seinem breiten Walmdach, ein Bild«inladender, ruhiger Behaglich- keit. Wir folgen der Straße weiter durch den Kiefernwald und kommen zu einem eigenartigen Wegweiser. Ein Wichtel- niännlein steht auf dem Pfahl und zeigt den Weg nach Forst- haus Pfattenburg. Die Straße führt über die Bahn, und bald find wir in W i l s n a ck, einem klemen freundlichen Städtchen an der Karthane. Der Nam« erinnert an die slawische Völkerschaft der Witzen, die zur Zeit Karls des Großen in der Prignitz saß. Wilsnack war im 12. Jahrhundert als Dorf gegründet worden: aber als gegen End, des 14. Jahrhunderts die Mär des Wunder- bluts von Mlsnack auftauchte, gewann der Ort derart an Aus- dehnung und Bedeutung, daß er sich bald zur Stadt entwickelt hatte. Von der Wichtigkeit Wilsnacks in vergangenen Zeiten zeugt noch die gewaltige Wallfahrtskirche, die man unter teilweiser Mftbmutzung des Gemäuers der alten Dorfkirche errichtet hat. Manchen künft- lerifch wertvollen Schatz hütet die Kirche heute noch. An der Nord- feite der Kirche, an der Stelle de« ehemaligen„PrAatenhause»', steht das Schloß, das mit der Kirche durch einen Uebergang ver- dun den ist. Einen recht malerischen Winkel bilden die Gebäude an dieser Stelle. Das neu errichtete Eisenmoorbad, dem da» Städtchen jetzt die Bezeichnung„Bad Wilsnack" verdankt, gibt seinem Aufblühen einen verstärkten Auftrieb. Im Jahre 1383 wurde das Dorf Wilsnack durch den Ritter von Bülow in- Brand gesteckt- Das Feuer verschonte die auf dem Altar der Kirche befindlichen drei Hostien, auf denen sich nachher je ein Tropfen Blut befand. Die Kund« von diesen Blutzeichen ver- breitete fich bald im ganzen Lande und die Wallfahrten nach dem Wunderblut von Wilsnack begannen. Die Kirche wurde neu auf- gebaut, denn die frommen Gaben und Stiftungen flofien reichlich. Die Zahl der Wallfahrer wuchs ständig: aus Ungarn und Polen kamen Scharen, die nach Hunderten zählten. Die von Berlin nach Wilsnack führende Straße hieß in ihrem Teil In der Iungfernheide zwischen Berlin und Spandau noch lange„der Heilige Blutsweg". In kirchlichen Kreisen machte sich eine starke Gegnerschaft gegen das Wunderblut geltend, das man ais Abgötterei ansah. 1451 wurden durch einen päpsllichen Legaten die Wundertaten für«inen Betrug des Volkes erklärt und verboten, weiterhin die blutigen Hostien vorzuzeigen. Als die Pfaffen von Wilsnock fich dagegen Wegweiser zum Forsthaus Plattenburg. sträubten, wurden sie von dem Erzbifchof von Magdeburg exkom- muniziert und die Wallfahrtskirche mit dem Interdikt belegt. Der Papst legte sich ins Mittet, hob die Verbote auf, so daß alles beim alten blieb. Di« Wallfahrten dauerten auch zu Luthers Zeiten noch fort, der anriet, die Kirche zu„Welsnacht" dem Erdboden gleichzu- machen. Erst am 28. Mai 1552 war das Wunderblut zu Ende, als der evangelische Prädikant Joachim Ellefeld die drei Hostien ver- brannte. Die neue Zeit hatte auch die Zahl der Pilger bereit» merklich abnehmen lassen. So war denn die Bedeutung Wilsnacks al« Stadt des Wunderbluts dahin. Vom Bahnhof Wilsnack treten wir di. Heimfahrt an. Wegliinge der Fußwanderung etwa 17 Kilometer. Empfehlen»- werte Karten: Meßtischbtatt(1: 25 000) 1543, Wilsnack und 1544, Glöwen: Reichstarte(1: 100 000) 41, Havewerg. Mordgeschwister ausgeliefert. Bruder und Schwestern DReins kommen nach Berlin. Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, find die Geschwister R e i n s, die nach der Ermordung eines Rriefträgers geflüchtet waren, ausgeliefert worden und befinden sich bereit» a u f deutschem Boden. Der Untersuchungsrichter hat fich nach L S r r a ch begeben und die Geschwister am INittwoch and Donnerstag eingehend oerhör«. BoraussichtNch erfolgt die ll-ber- führung der Geschwister Beins nach Berlin noch am Freilag. Instandsetzung von Altwohnungen. Um dem immer dringender werdenden vcdürfni» nach Erhaltung des Altwohnraumbestandes nach Ulöglichkeit Rechnung zu tragen, können die Semeinden(Gemeindeverbände) im Rechnungsjahr 1SZ1 aus dem Ihnen zufließenden Anteil an dem zur Förderung der Baulöligkeit bestimmten H a u sz i ns st e u e rauf f am m e n einen Teilbetrag für die Zastandfehung von Altwohnungen verwenden, der über 15 P r o z. jenes Anteils nicht hinausgehen darf. Falls in einzelnen Gemeinden ein ganz befonder» dringend«? Bedürfnis nach Erhöhung des Slnteils von 15 Proz. bestehen sollte und das verbleibende örtliche Hauszinssteueraufkommen aus Mangel an ersten Hypotheken oder aus anderen Gründen für Neubauzwecke im lausenden Rechnungsjahr m den betrejfenden Ge- memden voraussichtlich keine volle Verwendung finden kann, sind dem Minister entsprechende Anträge mit eingehender Begründung und ausführlicher Darlegung der Berhältnijfe wie bisher vorzu- legen. Dabei ist das vovaussichttiche Hauszinssteueraufkommen der betreffenden Gemeinde für das laufende Rechnungsjahr, soweit es für die Bautätigkeit bestimmt ist, anzugeben. Die Bestimmungen bezüglich der Inanspruchnahme eines Antolls bis zu 6 Proz. der den Gemeinden(Gemeindeverbänden) aus dem staatlichen Wohnungsfürsorgefonds zusließenden B- träg« für die Instandsetzung von Altwohnungen werden durch den vorstehenden Erlaß nicht berührt. Wieder Postauweisuugen nach dem Auslände. Nachdem di« Postscheckämter vor»imflcn Tag»» d«, Ueder wi-'�unosuerkshr noch dem Ausland in ö«n durch die Devffenoerord- nuugon gezogenen Rohmen wieder aufgenommen haben, können sich» auch Postanweisungen nach dem Auslande in be- schranktem Umfang wieder aufgeliefert werden. Ein Ab- seuder darf an einem Tag« nur de» für Postanweisungen festgesetzten Hachstdetrag in» Ausland versenden. Selbstverständlich gitten di« durch hi« Devffestoerprdnungen gogebenen Einschränkung«» wje Einzahlungen auf Postanweisungen «ifWlct am U5. Aftgust ehrt B ef�chkignngsfahrii«aH teE Kleinticrfarm Dr. Reinhardt. Gütergotz bei Seegarten. Treffpunkt v Uhr Bahnhof Stralau-Rummelsburg, Bahnsteig Ii. Abfahrt 9.10 Uhr bis Wonnsee, umsteigen nach Stahnsdorf, von dort gemem- famer Abmarsch._ Raubüberfall im Fabrikkontor. Die Täler mit geraubter Kassette entkommen. Im Fabrikkontor der Zementfabrik von G u t t m a n n u. I e s e- rich in Kaltberge wurde gestern ein Raubüberfall ausgeführt. In den Kleinoerkaufsraum. in dem nur eine Angestellte anwesend war, drang plötzlich ein j ü n g e r e r M a n n ein, der eine P i st o l e in der Hand trug. Er feuerte sofort mehrere Schreckschüsse ab und ergriff, als die Angestellte zurückwich, eine auf dem Tisch stehende Kassette, die200Markenthi«lt. Mit der Beute stürmte er zur Tür hinaus. Am Straßenrande wartete sein K o m- plice mit einem Motorrad, dessen Motor lies. Der Räuber schwang sich aus den Soziussitz und die Maschine fuhr in schnellem Tempo in der Richtung nach Berlin zu davon. Einige Arbeiter der Zementfabrik nahmen noch die Verfolgung auf, wurden aber durch Schüsse zurückgeschreckt. Getroffen wurde zun, Glück niemand. Die Täter, beides Leute im Alter von etwa 25 Iahren, die wie Motor- fahrer gekleidet waren, find entkommen. lusla nT Gartenfreunde und Slcinlierzüchlcr! Der Z« n t r a l k l c i n- t i c r fn ch a u s s chu ß des Prooinzialoerbandos Groß, Berlin e. V. im Reichsverband der Kleingartenvcreine Deutschlands e. L. per- Erwerbslose Artisten. Rotfiandsvorfiellungen der ZAL. in der„Neuen Welt". Sie haben längst das Lachen verlernt, denn die Zeiten und die damit verkinipsten BeNdienftmöglichkeiten sind trostlos. Ein Lokal nach dem anderen muß wegen schlechten Geschäftsganges schließen, die wenigen Varietes kaben kaum Platz für die Besten ihres Faches. was fallen die Kleinen und Kleinsten beginnen?„Umsatteln" ist ein schönes Wort, aber ein mrausführbarcr Begriff geworden, denn es herrscht ja auch in allen anderen Berufskategorien dasselbe Elend und überall kommen nicht einmal die Tüchtigen, geschweige denn die Anfänger zu Arbeft und Brot. Der Artist ist gegenüber anderen Erwerbslosen in bezug auf seine Unterstützungsansprüche arg im Hintertreffen, da er ja selten oder eigentlich nie die hierfür ersordcr- licheu Bedingungen erfüllen kann; so ist er auf die paar Mark Krisen- Unterstützung angewiesen, und während er die Hände in den Schoß legen müh, darbt er nicht bloß, sondern seine Arbeitskraft, die fort- gesetztes Training erfordert, erlahmt mehr und mehr: der Akrobat wird steif und der Spaßmacher verliert den letzten Rest Humor. Zur teilweisen Linderung der großen Not veranstaltet mm die Jnter- nationaie Artistenloge bis zum 20. August täglich abends 7 Uhr(Sonntags 6 Uhr) in der„Neuen W e l t", Hasenheide, Varietevorst eil ungen zu ganz kleinen Preisen(30 und 50 Pfennige, Kinder srei). Eine bunte Reihenfolge wirklich guter artistischer Darbietungen wird dem Publikum vorgeführt: da sind die 3 Evelyns, die auf dem Drahtseil neue Tricks zeigen. Mit dem Einrad über das Seil fahren, über«inen auf dem Seil befestigten Tisch springen, oder als Untermann mit dem geschulterten Obermann über das Seil spazieren, sind immechin sehenswerte Leistungen; die Banjo-Airtuosen, 2 ArimaKs, verstigen über aus- gezeichnete Technik und flotten Vortrag und Orenses vierbeiniger Trape.zkünstter— ein kiemer Terrier— kann sich getrost als Klasse- ortist bezeichnen. Aber auch all« übrigen Nummern, Enffesselungs- künstter, russisch« Tänzer und komische Jongleure, bieten durchweg gute Arbeil. Leider sind die Vorstellungen schlecht besucht und die Kaslenrappor'te weisen Mnste Ziffern auf: würde nicht die städtische Kunstdepuation chr Scherslein dazu beitragen, dann könnten diese Notstandsvorstellungen überhaupt nicht stattfinden und auch diese kleinste Derdienstmöglichkeit käme in Forlsall. �iesen-Wespennest im VoSenverfchlag. Der Gärtnereibesitzer Greulich in Marienselde, Adolf- straß« 33, entdeckte durch Zufall in einem kleinen Bodenver- schlag seines Hause», wo er Werkzeug und altes Gerumpel unter- stellt, ein Wespcnheim im Riesensormat. E» ist dies ein 50 mal 60Zentimetergrauer Zelluloseberg— wie die Bienen den Honig, so sondern di« Wespen eine zelluloseartige Masse ab—. der ein« ganz gleichmäßige, flechtartige Musterung zeigt und von Hunderten und aber Hunderten kleiner und großer Wespen bevölkert ist. Es ist ein äußerst geschäftiges Hin und Her, was ja schon daraus erhellt, daß dieser— für Wespenbegriffe— riesenhafte Berg in einem Zeitraum von etwa 3 bis 4 Monaten entstanden ist. Aber es wird immer weiter fleißig gebaut und der Mann kann beobachten, wie da» Gefüge von Tag zu Tag umfangreicher wird. Der kleine Raum, in dem sich dieses eigenartige Rest befindet, ist ganz dunkel und verschlossen, die nötige Sonnenwärme empfangen die Tiere aber in genügendem Maße durch die das Dach erwärmenden Strahlen: damit sie aber nicht ganz von der Welt und der notwen- digen Nahrung abgefchlofien sind, haben sie sich direkt über dem Nest«inen Ausflug durch«ine kleine Dachritz« geschaffen. Sie brauchen gar nicht lange suchen, denn im Garten ihres Hauswirtes blühen die allerprächtigsten Sommerbluinen, Gräser und. sanstige Pflanzen. Im Hause selbst machen sie sich in keiner Weise unliebsam bemerkbar, ausgenommen es wird Obst gekocht, da können sie dem süßen Dust denn doch nicht widerstehen und statten den Einmache- töpsen ihren Besuch ab; dies aber nicht etwa in hellen Scharen. sondern nur einzelne Essenträger holen sich ein kleines, schmackhaftes Dessert. Wie lange diese Wespen-Großsiedlung bestehen wird, ob sie in der kälteren Jahreszeit und dem damit verbundenen Absterben der Tiere vertrocknet, läßt sich zur Zeit noch nicht sagen. Wohnhaus auf Abbruch. Vor kurzem mutzten wir über den baufälligen Zustand der Mietekasernen in der Saarbrücker Straße 7 berichten. Leider hat sich an dem Zustand des Gebäudes trotz aller Versuche der gesetzlichen Mietervertretung, mit den Eigentümern über die notwendigen Renovierungen eine gütliche Einigung herbeizuführen, bisher nichts geändert. Die Schäden sind im Gegenteil noch schlimmer geworden und es besteht jetzt ernste Gefahr für die Ge- fundheit de» größten Teiles der Micterjchaft. Das Wohnungsamt Prenzlauer Berg hat sich bereits mehrfach mit der Angelegenheit besaßt. Ein Stadtobsrarchftett Hot die Mängel im Haufe festgestellt und in einem 15 Schreibmaschinenfolioscften langen Bericht nieder- gelegt- Di«s«r Bericht verzeichnet nicht weniger als 76 Po- fitionen dringend ouszusllhrcnder Reparo- turen. Danach muß sich das Haus in einem geradezu skandalösen Zustand befinden. Den Eigentümern ist vor Wochen aufgegeben Cteen tiblen MnnJgerneh daß ich fett bem Ihrer Zahnpaste„ChlorodonI" nicht nur reine, weihe Zähne besitze, sondern au» ben bei mir sonst tiblich-n Munbgeruch verloren habe. Ich werde Ihr Chlorodon! au'» beste empfehlen." gez. T.©., Mainz— Man verlange nur die«bte llblora, dont-Zahnpaste, Tube S4 Pf. und SO Pfi, und weise jeden Ersatz dasitt zurück, �r. 379• 48. Jahrgang Sonnabend, 15 August 1931 --—-------—-.-•••■•'"—'.....:_'_ Baumwollkatastrophe. Tiefste preise seit 52 Lahren.- Widersprüche des kapitalistischen Systems. Dqs amerikanische Farm Board(Ackerbauministcrium) soll den Farmern nahegelegt haben, jede dritte Furche der Baumwollpflanzungen umzugraben, um die Ernte um ein Drittel zu verringern. Der Vorschlag des amerikanischen Präsidenten ch o o v e r, Deutschland einen umfangreichen Kredit zum Ankauf von Baumwoll- Vorräten einzuräumen, war weniger im Interesse Deutschlands als im Interesse der amerikanischen Farmer gemacht worden. Tatsächlich befindet sich die amerikanische Baumwollwirtschast. wie die jüngsten amtlichen Ernteschätzungen bestätigen, angesichts der miserablen Wirt- schaftslage vor einer schweren Krise. Falsche Schätzungen.— Riesige Ernten. Man hatte in den Bereinigten Staaten bisher damit gerechnet, daß die Baumwollernte etwa 12 H Millionen Ballen betragen würde, das heißt etwa 1% Millionen Ballen weniger als im ver- gangenen Jahr. Es sei daran erinnert, daß die größte Ernte, die die Bereinigten Staaten in den letzten Jahren erzielten, in das Jahr Ii>26 fiel, wo sie 18,8 Millionen Bollen betragen hatte. Das Jahr lg'Z? brachte dann einen Rückschlag auf rund 14 Millionen Ballen, die beiden nächstfolgenden Jahre wieder eine Auswärtsbewegung. Es hat sich oder nun herausgestellt, daß trotz Verwinde- rungder Anbaufläche die Ernte des abgelaufenen Erntejahres rund 15, 5 Millionen Ballen beträgt. Dieser Ziffer, die um rund VA Millionen größer ist als die Ernte des Vorjahres, steht nun eine starke Verminderung des Ver- b r a u ch s in allen Teilen der Welt gegenüber. Infolgedessen hat der amtliche Ernteschätzungsbericht, der am 8. August veröffentlicht worden ist, in der ganzen Welt eine Ten- s a t i o n bedeutet, und die Baumwollpreise sind in wenigen Stunden aus eiuen so tiefen Stand gesunken, wie er seit 37 Jahren nicht mehr erlebt worden ist. Dies« Entwicklung trifft eine Farmerschast, die bereits seit einigen Iahren unter einem wachsenden Druck der Baumwollpreisc zu leiden hat. Im Jahre 1S25 za�tc man in New Jork für ein amerikanisches Pfund(453 Gramm) rund eine Mark, im Durch- schnitt des Jahres 1930 dagegen mir noch 60 Pfennig. Im Juli 1931 war der Durchschnittspreis bereits auf 40 Pfenmg herunter- gegangen. Nunmehr betrögt aber der Preis noch nicht einmal mehr 3 0 Pfennig. Ein solcher Preis bedeutet für zahlreiche amerikanische Farmer ein« Katastrophe, aber nicht nur für die Farmer selbst, sondern überhaupt für einen großen Teil der Wirtschaft im Süden der Ver- einigten Staaten, insbesondere die großen und die kleinen Landwirtschaftsbankea des Baumwollgebiets. Diese Banken haben chunderte von Millionen Dollar in Baumwolle angelegt und sahen keine Möglichkeit, die Bestände zu verwerten. Die Zahlungsschwieri gteite n und Zusammenbrüche zahlreicher Banken, die sich in den letzten Monaten hier ereigneten, sind bereits größtenteils eine Folge der Baumwollkrisc. Welche Bedeutung die Baumwolle in der amerikanischen Wirtschaft spielt, ergibt sich schon daraus, daß in den letzten Iahren im Durchschnitt >8 Millionen chektar mit Baumwolle angebaut wurden, das sind etwa ,wei Fünftel ganz Deutschlands. Der Erntewert iür Baumwolle bezifferte sich in den letzten Iahren im Durchschnitt aus über 5 Milliarden Mark. Obwohl gegenüber der Vor- lriegszeit die Baumwollausfuhr gegenüber der Ausfuhr von in- dustriellen Fertigerzeugnissen zurückgegangen ist, betrug doch in den letzten Jahren der Anteil der Aussuhr von Rohbaumwolle am Wert der amerikanischen Gesamtausfuhr nicht weniger als 1 7 bis 18 Prozent. Ursachen der Baumwollkrise sind erstens der vermehrteAnbaum einer Reihe anderer Län- der, insbesondeve in Sowsetrußland, Indien und Aegypten, zweitens die Vennmderung des Baumwolloerbrouchs, hauptsächlich infolge der gesteigerten Verwendung von Kunstseide. So betrug z. B. Um die Hauszinssteuer. Dorschläge des Rundes Deutscher Mietervereine für eine Hausbesitzrente. Der Bund Deutscher Mieteroereine, Sitz Dresden, macht zu den Vorschlägen des Hausbesitzes, die Hauszinssteuer zu beseitigen. seinerseits den Vorschlag, de» Hausbesitz mit einer Rente zu belasten, dieöOIahrelangzn zahlen ist. Dazu führt der Bund Deutscher Mietervereine u. a. aus: Eine Rente sei das richtige, weil sie die einfachste Farm der Grundstücksbelastung ist und auch für den Fall der Zwangs- Versteigerung die einfachste rechtliche Gestaltung zuläßt. Die Rente muß selbstverständlich den Vorrang vor allen anderen Krundstückslasten erhalten. Die Rente soll sich auf 60 Jahre erstrecken, damit einerseits die schwer ringende gegenwärtige Generation mit der Tilgung nicht zu schwer belastet wird, anderer- ieits die Rente in einem angemessenen Verhältnis zur Lebensdauer der Häuser steht. Die H ö h e der Rente sei für das ganze Reich ein- beitlich festzusetzen. Die Ungleichheiten, die heute von Land zu Land bestehen, müßten endlich aufhören! es müsse den einzelnen Ländern. wie beispielsweise Preußen, die Möglichkeit genommen werden, den Vermietern Geschenke von Hunderten von. Millionen jährlich auf Kosten der Mieter zu machen. Die Rente müsse für 6 0 Mtl- liarden Entschuldungsbetrag auf l� Milliarde Reichsmark jährlich festgejetzt werden, d. h. das einzelne Grundstück hat eine jährliche Rente von 2� Proz. der festgestellten Entschuldung zu zahlen. Wirtschaftlich schwache Mieter (ebenso Pächter u. ä.) müßten auch künftig einen Rechtsanspruch auf Ermäßigung haben. Auch hier muffen die jetzt bestehenden Ungleich- heiten der Länder untereinander aufhören. Die Rente müsse, wie heute die Aufmertungösteuer. zugunsten der Länder und Gemeinden stießen: der Anteil für den allgenreinen Finanzbedars müsse allmählich abgebaut werden, damit für die Wohnungswirtschaft, insbesondere für Neubau und Siedlung, die dringendst notwendigen Mittel bereitgestellt Werden können. Damit für den Wohnungsbau wenigstens die aller- der Baumwollvcrbrauch Europas im letzten Vorkriegsjahr noch 12,6 Millionen Bollen, in den Jahren 1928 und 1929 dagegen nur noch 10,9 Millionen Bollen. Die Kaufkrise des letzten Jahres hat überall zu einer neuen starken Schrumpfung des Verbrauchs geführt. Im Jahre 1929 hotte Deutschland noch, und zwar hauptsächlich aus den Vereinigten Staaten, 4,8 Millionen Doppelzentner Rohbaumwolle im Werte von rund 815 Millionen Mark eingeführt. Im Jahre 1930 waren es nur noch 4,3 Millionen Doppelzentner im Wert« von 581 Millionen Mark. Der Wert der Vaumwolleinfuhr im ersten Halbjahr 1931 zeigt«inen Retordtiesstand von 187 Millionen Mark gegen- über 321 Millionen Mark in der gleichen Zeit des vergangenen Jahres. Dies« Ziffern machen es verständlich, warum vielen amen- konischen Farmern und Finanzkreisen an einem vermehrten Baum- wollocrbrauch Europas und an einer Finanzierung dieses Ver- brauchs außerordentlich viel gelegen ist. Für die Textilindustrie bedeutet eiu derartiger Tiefstand der Baumwollpreise keineswegs eine Erleichterung. wie es vielleicht auf den ersten Blick erscheint, denn der ollgemeine Tiefftand der Rohstofsprerse stärkt ja nicht die Konkurrenzfähigkeit des einen oder anderen Landes, da er ja für olle Länder gleichmäßig gilt, wohl ober verschiebt sich durch diesen Tiesstond der Kosten- antcil bei der Produktion, und dies ist von um so größerer Ve- deutung, als fast überoll die baumwollverarbeitende Industrie stark übersetzt ist. Obwohl der Baumwollverbrauch der Welt im Jahre 1929 nur um 10 bis 12 Proz. größer war als 1913, hatte sich in diesem Zeit- räum die Zahl der Bau in wollspindeln der Welt von 143 auf 165 Millionen Stück erhöht. Einen besonders starken Zuwachs zeigen Belgien, Frankreich und Itchien, bei den überseeischen Ländern insbesondere Japan, Indien, China und auch die Länder Süd- aincrikas. Die Industrialisierung der überseeischen Ge- biet« setzt fast immer mit der Errichtung von Textilbetrieben ein. weil sich hier das angelegte Kapital am leichtesten zu rentieren pflegt und billige Arbeitskräfte angelernt werden können. Diese kleinen Betriebe haben naturgemäß der alten baumwollverarbestendcn In- dustrie vieler Länder Europas Abbruch getan, am meisten der eng- lischen. deren Erzeugnisse zu einem großen Teil nach den überseei- schcn Ländern ausgeführt werden. In Manche st er, Liver- p o o l und Lancashire hat daher die jetzige Verschärfung der Lage aus den Baumwollmärkten eine neu« schwere Bcun- r u h i g u n g hervorgerufen. Es will angesichts dieser Lage nicht viel besagen, wenn M. C. William,«imMitglied dez amerikanischen Farm Board, der Meinung ist. daß der amerikanische Baum- wollverbrauch um 2 bis 2 Millionen Ballen größer sein werde als im vergangenen Jahre. Stichhaltige Gründe für die Richtigkeit einer solchen Schätzung liegen übrigens nicht vor. Bisher sind die gewaltigen Summen, mit denen die amerikanisch« Regierung die Lag« oer Baumwollfarmer zu befseni gesucht hat, wirkungslos verloren gegangen. Jetzt hat der Gouverneur des Staates Mississippi vorgeschlagen (dos Farm Board soll den Bnrschlag aufgenommen haben), die Farmer sollten jede dritte Furche in ihren Baumwollfeldern umpflügen. Dos würde bedeuten, daß die Ernte der Dereinigten Staaten von 15,5 auf rund 10 Millionen Ballen zusammenschrump- fen würde. Eine solche Maßnahme würde in der Tat ausreichen, um dem Preisdruck cMgegenzuarbesten, obwohl gegenwärtig in der Welt aus der vergangenen Ernte nach sichtbore Borrät« in Höhe von mehr als 5 Millionen Ballen vorhanden sind. Es scheint ober ausgeschlossen. daß die amerikanischen Baumwolljarmer sreiwillig eine solche Ein- schränkungsmaßnahme von sich aus durchführen, denn der ein- zelne will doch soviel wie möglich von seinen Erzeugnissen oer- kaufen. Der ungeheuerliche Widersinn des kapita- listischen Systems wird hier aber von neuem sichtbar: was die Natur und der Fleiß der Menschen erzeugen, muß vernichtet werden, weil durch eine zu groß« Produktion die Preis« zur Er- nährung der Arbeitskräste und zur Deckung der Kosten nicht mehr ausreichen. dringlichsten Mittel zur Verfügung stehen, müßten sich Länder und Gemeinden für ihren Finanzbedars zunächst bei einem Anteil von 1 Milliarde Reichsmark begnügen. Der Bund Deutscher Mieteroereine geht bei. seinen Vorschläge» von der Voraussetzung aus, daß die Althausmiete auf 100 Proz. der F r i e d e n sm i e t« gesenkt wird. Zu gleicher Zcst wird die planmäßige Senkung der Neu- b a u m i e t e n v e r l o n g t, da es unmöglich und untragbar ist. die Neubaumieten, die zum Teil eure Höhe bis zur doppelten Friedens- miete erreicht hoben, auf dieser Höhe zu belasien. Die Zinssubveniionen für die Agrarier. Das R c i ch s e r n ä h r u n g s m i n i st e r i u m hat die Nicht- linien bekanntgegeben, mit denen durch Zinsstibventionen für die Getreide bauende Landwirtschaft der Verkaufsdruck nach der Ernte verringert und die Möglichkeit geschaffen werden soll, über die Wir- kungen der Hochschutzzölle hinaus auf Reichskosten die Getreidepreise hochzuhalten. Die Renten bankkreditan st alt hat Reichsgelder erhalten— wieviel wird nicht gesogt—, um den Getreide verarbeitenden Betrieben auf Antrag die Zinsverbilli- gung auszuzahlen. Diese können dadurch dem Landwirt und den Genossenschaften entsprechend höhere Preise zahlen. Die Zinsrück- Vergütung beträgt 6 Proz jährlich für die Laufzeit und die Summe der Wechsel, soweit diese nicht länger als 6 Wochen laufen. Wird der jetzige Reichsbankdiskont von 10 Proz. her- abgesetzt, so erfolgt ein« entsprechende Kürzung des Prozent- satzes der Rückvergütung, lieber die Zinsrückvergütung der Ernte- belechungskredite werden noch besondere Borschriften erlasien. Ein Krastverkehrsgesetz. Die zunehmend« Güterbeförderung«uif Lastkraftwagen hat der Reichsbahn einen starken Einnahmeaussall gebracht. Der Vertrag der Reichsbahn mit der Schenker A.-G., der den Zubringerdienst zur Bahn neu regeln sollte, wurde vom Reichsoer- kehrsministerium nicht genehmigt, lieber eine Neuregelung des ganzen Verkehrswesens, die eine Beseitigung der Konkurrenz zwischen Reichsbahn und Kraftwagen bringen wird, ist am Freitag in Besprechungen zwischen Reichsverkehrsministerium und den Län- derregicrungen verhandelt worden. Wahrscheinlich durch Notverordnung wird ein K r a f t v c r- kehrsgesetz erlassen werden, daß eine Konzessionierung der Betriebs für Güterbeförderung durch Auto vorsieht. Frei sind Beförderungen bis zu 50 Kilometer und solche durch werkeigene Autos. Für die Beförderung werden Tarife ausgestellt, die denen der Eisenbahn angeglichen werden sollen. Herr Schiele regiert. In einer Woche wurden joggen und Weizen um 15 proz. verteuert. Wir haben eine Woche Schielescher Getreide- Preistreiberei hinter uns. Nach den Notierungen der Ber- liner Produktenbörse hat sie folgendes Ergebnis gehabt: 7. August 14. August (ab märkische Slatton pro Tonne in Marl> Weizen............. 186—188 218-220 Roggen............. 147—148 167-169 Das sind in einer Woche Preissteigerungen von rund 15 Proz.. die sich sehen lassen können. Wie sind diese Preissteigerungen erreicht worden? Einmal haben der Reichslandbund und die ihm gleichgesinnt«» Organisationen die Landwirtschaft aufgefordert, ihr Getreide nicht zu verkaufen. Die Landwirtschost ist dieser Parole gefolgt. Bon ollen Getreidebörsen wird berichtet, daß das A n- gebot äußer st knapp ist. Das muh seltsam berühren. Man hat uns wochenlang erzählt, daß der Staat etwas für die Land- Wirtschaft tun müsse, weil die Landwirtschaft vor Not vergehe und weil die Gefahr drohe, daß die Landwirtschaft ihr Getreide zu jedem Preis verkauft. Nun sehen wir überraschenderweise, daß die Land- Wirtschaft mit ihrem Getreide zurückhalten kann, so sehr zurückhalten kann, daß der Betrieb vieler Mühlen gefährdet ist, weil sie sich mit dem nötigen Getreide nicht eindecken können. Wie steht es nun eigentlich um den B e r k a u f s d r u ck bei der Landwirtschaft? Hat sich dieser Berkaussdruck über Nacht gc- ändert oder hat er vielleicht nicht bestanden? Klarheit erhält man darüber nur, wenn man die Schielesche Erntesinanzierungspolitit berücksichtigt. Nach dem Schieleschen Pro- gramm kann der Landwirt sein Getreide bevorschussen lassen. Der Landwirt erhält auch auf Reichskosten einen Borzugszins. Die Landwirtschaft ist hinsichtlich des Zinssatzes günstiger gestellt als die gesamte Wirtschaft, der es doch sicherlich nicht besser geht als der Landwirtschast. Aber die Bevorschussung und der niedrigere Zins- sotz spielen nicht die Hauptrolle. Eine HauptÄrsachc, daß die deutsche Landwirtschaft deutsches Getreide nicht an deutschen Börsen zum Lerkaus bringt, liegt bei den neuen Exportprämien. Was wir gegenwärtig an den deutschen Börsen erleben, sind regelrechte Exportprämien- Haussen. Wenn heute deutscher Weizen nach dem Ausland aus- geführt wird, dann erhält man sür diesen Weizen, der in Deutsch- land rund 220 Mark kostet, im Ausland etwa 80 bis 90 Mark. Aber für die gleiche Menge exportierten deutschen Weizen kann man ausländischen Weizen einführen, und zwar zu einem weit er- mäßigten Zoll. Selbst wenn man Fracht usw. einkalkuliert, machen die Exporteure mit dieser Art Export- Prämie ein sehr gutes Geschäft. Also vertaust man seinen Weizen nicht an den deutschen Börsen, sondern man wirst ihn nach dem Ausland. Mit dem einzigen Zweck, die Preise in Deutschland zu treiben. Der Reichslandbund Hot so schön die Landwirte gewarnt, die Ernte nicht zu verschleudern. Das tut die Landwirtschaft auch nicht, das heißt, sie verkaust guten deutschen Weizen nicht im Jnlande, aber sie schleudert ihn nach dem Auslande, damit der Brotkorb im Lande höher gehängt wird. So etwas nennt man in Deutschland Wirtschaftspolitik. Bis jetzt hat Schiele mit seiner Preistreiberei Glück gehabt. Man muß sich aber fragen, wie lange das dauern kann. Bor allem muß man sich fragen, woher man das Geld nehmen will, das notwendig ist, um diese Preistreiberei durchzuhalten? Hier sind die Aussichten wenig rasig und die Landwirtschast täte gut, sich nicht oll zu sehr auf die Schicleschc Preistreiberei zu verlassen. Der Hausse tonn nur zu schnell die Baisse folgen. Die Sparkassen im Juni. Zum ersten Male seit der Stabilisierung ist der Einlagen- bestand bei den deutschen Sparkassen gesunken: die Summe der Spareinlagen hat sich im Juni um 152 auf 11 073,6 Millionen Mark crntäßigt. Die Einzahlungen waren so hoch wie im Juni vorigen Jahres: ober die Auszahlungen waren mit 229 Millionen Mark um mehr als 50 Proz. höher. Die Abziehimgen waren in den Industriegebieten stärker als in den landwirtschaftlichen Gebieten. Den größten Einlagenverlust hatte die Sparkasse der Stadt Berlin mit 2,8 Proz. ihres Einlagenbestandes zu verzeichnen. Nach Feststellung des Instituts für Konjunkturforschung hätten die Sporkassen von sich aus allen Zlnsprüchen genügen können: die Schwierigkeiten bei ihnen seien lediglich durch die Illiquidität der Kreditbanken und der Girozentralen verschuldet. Die Sparkassen hätten mit ihrem Kafsenbestand und den innerhalb sieben Togen fälligen Bankguthaben sofort 550 Millionen Mark Einlagen Zurück- zahlen können. Ausländer in der Sowjeiindustrie. Nach den letzten Angaben find in der dem Obersten Volkswirt- schaftsrat der Sowjetunion unterstellten Industrie 3 5 2 8 aus- ländische Fachleute tätig, von denen etwa die Hälfte Ingenieure und Techniker, der Rest qualifizierte Arbeiter sind. Etwr zwei Drittel sind Deutsche, während auf Amerikaner etwa ein Fünftel entfällt. Im Kohlenbergbau sind 500 Ausländer, in der Eisen- und Stahlindustrie 351, im Bauwesen 315, in der Automobil- und Traktorenindustrie 295, in der Maschinenindustrie 231, in der Holz- industrie 149, in der Industrie der Buntmetalle 138, rn der chemischen Industrie 101, in der Naphtaindustrie 25 usw. beschäftigt. Eine große Anzahl von ausländischen Fachleuten ist ferner im Eisenbahnwesen, in der Lebensmittelindustrie usw. tätig. In den letzten Wochen sind 450 Arbeiter und 35 Vorarbeiter der aineri- kanischcn Automobilindustrie. 220 Bergleute. 45 Metollarbeiter. 35 Elettrizitätsarbeiter, 470 Bauarbeiter, 50 Traktorenarbeiter und 24 Ingenieure neu eingestellt worden. QusU Jlernmayr: �florgen hat Marl Arbeit Wir leben beide in der Großstadt. Sind oon außerhalb nach hier gekommen, um Arbeit zu suchen. Ich Hab« welch« gefunden, Karl nach nicht. Ich kenn ihn gar nicht, er wohnt nur neben mir. wir beide Hausen bei der gleichen Wirtin. Unsere Zimmer münden auf einen langen, dunklen Flur. Vom Flurfenster sieht man auf einen trost. losen steinigen chof. Am Anfang, als ich noch Arbeit suchte, war der tiesgelegene 5?of für mich Ziel meines baldigen Selbstmordes. Nun. da ich keinen Hunger mehr habe und meine Wirtin nicht mehr droht, mich hinauszuwerfen, hat sich mein Sinn gewandelt. Ich seh« gor nicht mehr in den 5?of hinab. Ich dachte an meinen Nachbar nebenan, an Karl, der schon seit vierzehn Tagen nichts zu sich nimmt, außer Tee und etwas trocken Vrot, was er von unserer Wirtin bekommt. Wir grüßten uns anfangs und fanden Kontakt, so lange ich keine Arbeit hatte. Kaum hatte ich Arbeit und wollte ihm helfen, da wurde er zurückhaltend, ja fast schroff. Am W-ihnachtssciertag lief er davon und kam ausgefroren erst am Neujahrstag wieder zurück. Seine Schuhe waren noch zerrissener, sein Anzug noch durch- sichtiger und speckiger. Nur wer selbst in stillen Nächten sein einziges Oberhemd einmal schnell auswusch und am Fensterrahmen trocknete, der weiß, wie Karls Wäsche aussieht, die er schon zwei Monate lang so behandelt. Was die„Wohlfahrt" tut, bekommt die Wirtin und der Rest reicht noch zu Zigaretten, das Stück für zwei Pfennig. Er schreibt fieberhaft Manuskripte. In seiner naiven Art meint Karl, daß die Filmgesellschaften auf seine Werke warten. Seine Ideen sind gut, doch meist zu traurig. Hunger und Kälte sind keine Anreger zu prächtigen, fröhlichen Erzählungen. Die Filmwelt will aber nur solche sehen. Jeden Tag, in oller Frühe, schleicht er durch die Straßen zum Arbeitsnachweis, zu Bekannten, und jeden Abend schleicht er zurück, mit Absagen und leeren Versprechungen. Immer eisiger wird sein Zimmer, der kalte Zigarettenrauch un» erträglich. Karl wird mürrisch und weist auch meine Hilse zurück. Gestern ober schrie er laut durch den muffig riechenden Korridor „Frau Wiesner. vergessen Sie mich nicht morgen um sieben Uhr zu wecken! Ich habe Arbeit!"' Das Wort Arbeit schallt durch den Korridor in sämtliche Neben- gemache, auch ich höre es, ich höre auch die ganze Nacht hindurch Schritte in dem Nebenzimmer. Ist er krank, denk ich mir? Ich will zu ihm, doch seine Tür ist verschlosien. Nu» erfahre ich eine Speisekarte, erfunden von einem Gehirn, das sein Magen bezwang. Erst rechnet er. „Für Deutsch und Französisch bekomm« ich als Komparse M Mark an einem Tage, für zwei Tage zweimal 30, das sind 60 Mark. Ich werde kaufen Wurst, Fleisch, Speck— Strümpfe werde ich wohl auch brauchen, aber nein, Schuhe und Strümpfe brauche ich jetzt noch nicht.— Aber essen werde ich. ssien.. Irgendwo schlägt eine Turmuhr die elfte Nachtstunde. Karl geht auf und ab und ruft„es ist erst 11 Uhr". Er zählt „12, 1, 2, 3, also zirka 12 Stunden, 15 Stunden, in 18 Stunden habe ich das Geld in der Hand' Dann kann ich mich richtig satt essen! Richtig satt esien!" „Warum ist die Nacht heute so unendlich lang?" „Warum kann ich nicht schon arbeiten?"„Ich will doch arbeiten, viel arbeiten! Nur mich einmal wieder sattessen, so richtig satt- essen!" ..Sottessen" war das letzte Wort, dos ich hörte, dann hörte ich nur einen Plumps, als ob sich jemand schnell niedersetzte. In dieser Nacht konnte ich nicht schlafen. Es war mir, als säße mein Nachbar Karl an meinen Füßen und reiße mir das Fleisch herunter, um e» zu verzehren. Naß war es am nächsten Morgen, von den Dächern tropfte es. Frau Wiesner und ich standen im Dustern auf dem Korridor und klopften zugleich an die Tür meines Nachbars. Er öffnete nicht und antwortete nicht. Ein kräftiger Tritt und wir standen im Zimmer. Am Boden mein Nachbar. Er knabbert an einer Handbürste, am ganzen Körper zitternd und fiebernd. Kein Wort kam heraus. Neben ihm lag ein Schreibhekt auf dem Boden, eine Seite auf- geschlagen. In großen Zügen stand: Morgen habe ich Arbeit, morgen taufe ich mir Wurst, 2 Brote, Speck und Fett, Eier, Milch usw. Unten stand: Ich freue mich, daß ich Arbeit habe, denn ich leide furchtbar, ich habe Hunger! Die Rettungsmannschaft brachte Karl auf die psychiatrische Ab- teilung nach der Charit« und der Aufnahmeleiter eines großen Filmkonzerns strich den Namen Karl...„wegen Unzuverläfsigkeit" für immer aus. „Der Mann wird bei uns nie beschäftigt, weil er heute nicht gekommen ist." In eine Zwangsjacke gesteckt, phantasiert Karl fortwährend davon, daß er„morgen Arbeit hat". Mir gefällt es in dieser Wohnung nicht mehr. Es schnürt mir so eigenartig die Kehle zu, wenn ich den dunklen Korridor entlang- gehe und im Nebenzimmer Schritte höre, wieder eines Menschen, der auf den Moment wartet, rufen zu können:„Frau Wiesner, ich habe morgen Arbeit." •mm xey: Wie figeii enlUehen Es ist«in Irrtum, anzunehmen, daß es»ur politisch« Schlag- warte gäbe, auch die Wissenschaft kennt welch«. Ein», das der alt« Darwin selbst geprägt hat, spricht von der Lückenhaftigkeit der paläontologischen Ueberlieferung". Man hat dies Wort seitdem oft gebraucht und noch Meinung mancher auch mißbraucht. Wenn man sich die Sache aber einmal richtig überlegt, dann ist es eigentlich ein Wunder, daß wir überhaupt Versteinerungen hoben. Jeder Naturfreund kennt ja das Schauspiel: Ein Tier ist ge- starben und meist schon nach wenigen Stunden ist die Leiche o«» schwunden. Aasfresscr aller Größen, vom Aasgeier der Tropen herab bis zum Totengräberkäfer, haben ihr Werk gründlich ver- richtet. Was sie übrig lassen, fällt den Fäulnisbakterien und der Verwitterung anheim. Im Gebirge kommt, besonders an Mld- dächen, noch die rein mechanische Zertrümmerung hinzu, die Tier- leiche wird vom Wasser gegen Felsen geschlagen und mit Steinen gestoßen, bis sie einigermaßen zur Ruhe kommt und dann den wasserbewohnenden Aasfresiern(in der Hauptsache Krebsen) zum Opfer fällt. Ganz ähnlich liegen die Verhältnisi« ja auch im Meere, wo die Zahl der auch noch totem Fleisch hungrigen Mäuler noch be- deutend größer ist. Ueberlegt man sich das und versucht danach einige Fälle zu kon> struieren, in denen doch die Leiche des Tieres erhalten bleibt, und zwar so, daß sie die Iahrmillionen der geologischen Zeitalter über» dauert, so ist man im ersten Augenblick einfach ratlos und muß sich bei den trotz alledem(und recht reichlich) erhaltenen Fossilien erkun- digen, wie denn die Natur das eigentlich fertiggebracht hat. Da sieht man denn, die erste Bedingung für die Möglichkeit einer Fossilwerdung ist möglichst schneller und vollständiger Lustabschluß des Kadavers. Jenes Mammut zum Beispiel, das man blutigfrisch zu Anfang dieses Jahrhunderts von der Veresowka holte, war zu seinen Lebzeiten in einen Gletscher eingebrochen und durch die Kälte und die Kanservierungsfähigkcit des Eises erhalten geblieben. Es ist klar, daß ein solcher Fall sich nur be! Fossilien au» der letzten Einszeit finden kann, und auch da nur in Gegenden, wo die Eis- zeitgletschcr niemals vollständig abgetaut sind, denn sonst wären die Tierrefte nach dem Abtauen der Gletscher von genau demselben Schicksal getroffen worden, wie frische. Ein anderes Beispiel ähn- licher Art findet sich in Amerika. Ich meine die berühmten Fossilien der„Taar-pools". Hier hat nicht Eis konserviert, sondern eine asphaltähnliche Mass«: daneben gibt es auch noch Tiermumien an anderen Stellen, die in Erdwachs gebettet sind, wie Fliegen und Mücken in den samlöndischen Bernstein. Auch hier hoben wir über- all dos gleiche Bild: ocr flüssige Asphalt, Erdwachs oder Baum- harz umfließt die noch lebenden Tiere luftdicht, so daß weder aas- fressende Tiere, noch Fäulnisbazillen dem Kadaver zu Leibe gehen können. Etwas anders liegt der Fall bei Fossilien, die ihren Ursprung in vulkanischen Katastrophen heben. Gewiß bildet auch hier der meist mit Regen vermischte Aschenstaub der Vulkanasche bald einen luftdichten Abschluß— was jedoch erhalten bleibt, ist sebr oft nicht der Körper des eingeschlossenen Lebewesens, sondern ein« spätere Ausfüllung der von dem Körper im ursprünglichen plastischen Ma- terial geschaffenen Form. Man spricht in diesem Falle von Aus- güssen, wie sie besonders bei Muschel- und Schneckengchäusen sehr häufig sind. Damit verwandt sind die ebenfalls häufigen Abgüsse. Natürlich werden auf solche Weise nicht nur die Tiere selbst. sondern auch ihre Spuren erholten. Di« meisten Fährten au, der Urwelt— und man kennt deren nicht wenige— denkt man sich so entstanden, daß das Tier in Schlamm seine gußtapsen eindrückte, daß dieser Schlamm dann bald unter den glühenden Strahlen der urweltlichen Mittagssonne trocknet« und die Spuren von Flugsand zugedeckt wurden. Wo-, man findet, sind dann abwechselnd die Spuren im steingewordenen Schlamm selbst oder die verhärteten Spurenausgüsie des darüber gewehten Flugsandes. Dies Motiv eröffnet wieder neue Ausblicke. Man kennt aus Wüteldeutjchland eine Steinplatte von kaum einem Quadratmeter Größe mtt den Resten von mehreren Dutzend winzigen Urwelt- krotodilen, die in solchem Flugsand eines wohl heftigen Wirbel» stürme» erstickt sind. Di« andere Möglichkeit ist, daß der Schlamm selbst nachgab und e» dem Saurier so ging wie dem Beresowka- mammut: das Tier brach ein und geriet so direkt unter lustdichten Konservenbüchsenverschluß, damit die Nochwelt ihr« Forschungs- gegenständ« bekommt. Durch solchen tückischen Triebsandstreifen sind uns beispielsweise die oielbesagten 23 Igoanodont» von Bernissort in Belgien überliefert worden, deren Fußspuren man schon lange vorher gefunden hatte. Wie fein die Konseroierungsfähigkeit von Schlammstreifen für Fahrten sein kann, sieht man an den berühmten Schiefern von Solnhofen. Di« Solnhofcner Schiefer haben uns nicht nur die Krabbelspuren von Krebsen und Würmern erhalten, sondern auch noch viel feinere Fährtengebilde ganz sonderbarer Art, von denen Professor Abel vermutet, daß es sich hier um den„versteinerten Blütenregen" irgendeines Urweltbamnes handelt. Trotzdem manche Fossilien aber etwas rätselhaft sind, man hätte doch gern noch eine ganze Menge davon, da man mit ihrer Hilf« vielleicht andere Rätsel lösen könnte, die uns am Herzen liegen— aber die paläontologisch« Ueberlieferung ist eben lücken- hast--. tUkol&s Aranyofi; 3)er„�iefllnpler" Es sei hier die Geschichte eines jungen Mannes erzählt, der sich eines Tages bei einem Dorfschuster der ungarischen Tiefebene ein- fand, um beb ihm Beschäftigung zu suchen. Er war etwa um die Dreißig her», und erweckte in dem Dorfschustcr wegen seiner städtischen, in den Augen der Landbevölkerung im Werte ohnehin nicht sehr hochstehenden Kleidung Mißtrauen. Doch die aufrichtige Miene, mit der der junge Mann erzählte, daß er die Stadt verlassen habe, weil sie ihm keine Lebensmöglichkeit bot, und daß sein sehn- lichster Wunsch wäre, das Schusterhandwcrk zu erlernen, stimmte den Bauernschuster allmählich um. In seiner primitiven Schlauheit faßte er gleich den Plan, sein« etwas ältliche Tochter mit dem gut- gekleideten, jungen Mann später mal zu verehelichen und mit diesem Hintergedanken erklärte er sich bereit, ihn in diesem ungewöhnlichen Alter mit freier Kost und freiem Quartier in die Lehre zu nehmen. Monate vergingen, der neue Lehrling zeigte eine außer- gewöhnliche Auffassungsgabe für das neue Handwerk und arbeitete zur vollsten Zufriedenheit des Meisters, bis eines Tages die Meistcrstochter erkrankte. Nun zeigte sich plötzlich der Lehrling von einer neuen Seit«. Denn als sich die alten Weiber des Dorfes mit Wunderkräutcrn an das Mädchen heranmachen wollten, erklärte der junge Mann dem Meister, daß er ein wunderbares Mittel hätte, mit dem er fein« Tochter heilen könnte. Und in der Tat, kaum vergingen ein paar Tage, und dos Mädchen war durch die Behandlung des Lehrling wiederhergestellt. Wie«in Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht von der wundersamen Heilung im Dorse, und die wacklige Hütte des Dorfschusters wurde allmählich zu einem Wallfahrtsorte. Erst von der Nachbarschaft, bann vom ganzen Dorfe und alsbald von der weiten Umgebung pilgerten die Kranken zu dem jungen Heilkundigen, und für jeden hatte der junge Mann ein Mittel zu seiner Heilung. Er gab Salben und Pillen, ordnet« Naturhellmittel an, und al« das Cejchäst zu blühen anfing, verzichtete er ganz und gar aus die Schuhmacherzunft und mochte sich alz Naturorzt selb- ständig. Als aber die Gefundbeitsbehörden der Kreishauptstodt von der großoufgelegten Kurpfuscherpraxi» im Dorfe erfuhren— in Ungarn ist die freie Ausübung der Heilkunfi verboten—, da sandten sie ein Aufgebot von Gendarmen aus, um den jungen Raturheil- kundigen zu verhaften. Ohne Widerstreben ließ er sich abführen, in Begleitung der Gendarmen erschien er bei der Polizeihauptmann> jchast der Stadl, aber hier überreicht« er zum größten Erstaunen aller«twesendell PLUzeizewalllgea ihnea——[ein ArMplom. | ffr war Arzt in einer großen Stadt, doch die Ausübung diese» Berufes hatte ihn nicht einmal ernähren können. Dieser Umstand machte ihn zum—.Iüefstapler"(dem Gegenteil des Hochstapler»), indem er an seiner Berufsleiter einige Stufen abwärts stieg und als Wunderdoktor auftrat. Und dieser Abstieg hat ihm nicht im ge- nngsten geschadet, im Gegenteil, nicht nur, daß ihm dieser neue Berus ein gute» Auskommen sicherte, er mochte ihn sogar zu einem wohlhabenden Mann. Dielleicht werden nicht olle Tiefstapler von solchem Erfolg g«' krönt wie unser Wunderdoktor. Trotzdem übersteigt heut« die Zahl der Tiefstapler tausend-, ja, Hunderttausendsach die der Hochstapler. Wir sind ja umgeben von Ingenieuren, die als kleine Elektro- Monteure arbeiten, von einst großen Hoffnungen der Musikwelt, die in Bars und Kaffeehäusern zum Tanz aufspielen, von Architekten und Kunstmalern, die als Tapezierer und Dekorateur« tätig sind, von Diplomkaufieuten, die als Platzverireter fungteren. von Schriftstellern, die ins Reklamefach übergetreten sind, von Schauspielern, die in Tonfilmen als Doubl« auftreten, von mehrfachen Luxusauto- besitzern, die ihren letzten Wagen als Autodroschte chauffieren, von einst berühmten Sportsleuten, die heute Sportschulen betreiben, von früheren Salonlöwen, die Eintänzer geworden sind, von«instigen Konfektionären, die sich auf den Altkleiderhandel geworfen haben, von Opernsängern, die als Stimmungssänger auftreten und von Aberhunderitaujenden von Menschen, die dem aufreibenden Kon- kurrenzkompf, den die Ueberproduktion in fast allen Berufen her- vorgerufen hat, nickt standhalten tonnten und. einem ungünstigen Ausgang ausweichend, sich kurzerhand zu etwas Praktischerem und Mehrversprechenderem entschlossen. Die Hochstopelei ist aus der Mode gekommen. In diesem Beruf ist nicht mehr viel zu verdienen. Es fehlt auch an dem Talent, dos dieser mit allen Salben geschmierten, mit allen Hunden gehetzten Welt gewachsen wäre. Auch die Zeiten sind vorbei, wo man mit einer guten Idee, mit einem Typ in di« Höh« klettern konnte. Das Feld der raschen Karrieren ist dem Feld Ver mühseligen Arbeit ge- wichen und einer ihrer Vertreter ist der Tiefstapler, der sich im Schweiße seines Angesichts emporzuarbeiten versucht. * Ich weiß, ihr wollt auch Namen hören, Namen„berühmter Tiefstapler". Nun: Voronoff, noch vor kurzem als Berjünger der Menschheit genannt, zieht sich infolge der allgemeinen Teilnahms- losigkeit seiner Verjüngungspraxis gegenüber in den Alltag zurück und will nur noch als einfacher Arzt tätig sein: Hermann Jadlowker, Kammersänger und Meteor des Opernhimmels, landete nach allem Ruhm in der Synagoge in Riga als Kantor: Brettensträter, der einstige Anwärter auf die Weltboxmeisterschaft, betreibt«ine Box- schule, Charles Willi Kayser, früher ein Filmstar von Format, will sich heute nur noch als Kinobesitzer behaupten, Wando Treumann ist Pensionsinhaberin, der ehemalige Sechstagefahrer Waller Rull Gastwirt und noch viele, viele einstige Größen, die in der Erinnerung des Publikums als bekannte Schauspieler, Filmstore, Varietetanonen, Politiker leben, haben im Laufe der Zell den Ruhm gegen eine hoffnungsreichere Existenz eingetauscht, oft sogar, ohne daß die neue Existenz mit der ruhmvolleren früheren etwas zu tun hätte. 3)ie Zrürticklung des Telephons Das Telephon ist uns so sehr zu einem Hitfswjttel im täglichen Leben geworden, daß man sich«in« Zell ohne Telephon heute kaum nach vorstellen kann. Ein Geschäftsbetrieb ohne Telephon ist einfach undenkbar. Er wäre überhaupt nicht konkurrenzunfähig. Aber die Zeit, in der es ohne Telephon gehen mußte, liegt noch gar nicht allzu weit zurück, und sehr viel« von uns können sich dieser Zeit noch erinnern. Wenig mehr als 30 Jahre liegen di« ersten An. sänge des Telephons in Deutschland zurück. Deutschland war das erste Land, das Ende des Jahres 1877 die ersten Versuche mit dem von dem Amerikaner Grohem Bell konstruierten Telephon unter- nahm. Vor ihm im Jahre 1861 hat aber auch schon ein Deutscher, der Lehrer Philipp Reis in Friedrichsdorf bei Hamburg,«inen Tele- phonapparat konstruiert, womit, wenngleich unvollkommen, Wort« in die Ferne übermittelt werden konnten. Im Laufe dieser 50 Jahre hat das Telephon, haben auch die Telephonanlagen mancherlei Wandlungen durchgemacht. Zuerst baute man große Apparate, di« 17 Pfund schwer waren. Alle Zu- behärtelle waren ebenso unförmig. Der moderne Telephonapparat wiegt kaum noch den vierten Teil davon. Von den früher üblichen Wandapparaten ist man fast völlig zu den bequemeren Tischappa- raten übergegangen. Di« Telephonleitungen, die ein immer dichteres Netz über die Dächer der Städte spannten, werden jetzt ausnahmslos als unterirdisches Kabel angelegt. Der Beruf der Telephonistin, der Tausende von Frauen ernährte, beginnt mehr und mehr aus- zusterben, weil alle modernen Telephonämter für automatischen Selbstanschluß der Teilnehmer eingerichtet werden und dadurch die Arbeit der Beamtinnen überflüssig machen. So langsam das Telephon sich anfänglich durchsetzte, so un- geheuer ist die Zahl der Anschlüsse in der letzten Zeit angewachsen. Berlin besaß vier Jahre nach dem ersten Tclephongespräch, das im Jahre 1877 geführt worden ist, also 1881, erst 48 Anschlüsse. Einer der eifrigsten Vorkämpfer des Telephons war Emil Rathenau, der Vater Walter Rathenaus.— Heute haben wir in Deutschland nahezu 3 Millionen Telephonanschlüsse, wovon ollein auf Berlin fast eine halbe Million entfallen._ 3)as größte 9taUennefl der TCeli In New York ist kürzlich Herr Billig, ein Deutscher, ein- getrofsen, der sich verpflichtet hat, die Riker-Insel von der Ratten- pest zu befreien. Billig hat den Kampf mit einem Giftstoff eröffnet, dessen Anisgeschmack das Gelüst der Nager so erregt, daß sie ihn mit Gier verzehren. Das Gift regt ein unstillbares Durstgefühl aus, das die Tiere mit Wasser zu stillen versuchen. Dies führt ihren Tod herbei, denn durch die Mischung des Giftstoffes mit dem Wasser entwickelt sich ein tödliches Gas. Die Riker-Insel ist die große Müll- ablagerungssiätte von New York und liegt am Zusammenfluß des Long Island-Sund mit dem East-River. Sie ist bemerkenswert durch zwei Dinge: die groß« Zahl der Ratten, die sie bevölkern, und das Feuer, das seit zwanzig Iahren ununterbrochen brennt, um die Müllabfälle zu vernichten, die täglich von durchschnittlich zehn Dampfern abgeladen werden. Jede Ladung bringt aber mindestens zwei Ratten mit auf die Insel, welche die kopfreiche Rogerkolonie noch weiter vermehren. Das Gesundheitsamt der Hudsonmetropole hat auf Grund seiner Untersuchungen über di« Fruchtbarkeit der Nager berechnet, daß ein einziges Rattenpaar in fünf Iahren ein-- Nachkommenschaft von genau 940 363 936 152 Tieren hat. voraus gefetzt natürlich, daß jede Ratte fähig ist, die Art zu erhallen. Die Rottenkolonie der Riker-Insel vereinigt rund 5 Millionen der ge- jährlichen Nager und ist die größte der Welt. Einige Tiere sind so kröstig. daß sie c» wagen dürfen, Hunde und Menschen anzufallen Bisher haben sich alle Mittel, welche die Stadt New York zur Der nichtung ihrer Feinde anwendet«, als fruchtlos erwiesen- auch die Giftgas« haben nichts geholfen. Man knüpft indesien an das von Billig gemachte Experiment die Erwartung, daß„ endlich gelingen wird, der Plage Her? zu werden. morben, blc Schüben zu beheben. Die Herren haben bisher auf das Ersuchen des Wohnungsamtes, Bezirk Prenzlauer Berg, in keiner Weise reagiert. Es wird höchste Zeit, daß sich die Behörden mit„Wohnhaus auf Abbruch" etwas energischer befassen, bevor ein Unglück geschieht. Die kommende Funkschau. Vom 21. bis 3 0. 21 u g u st wird in Berlin in den sechs Ausstellungshallen rund um den Funkturm die Große Deutsche Funkausstellung und Phonoschau Berlin 1SZ1 stattfinden. Auf 25 000 Quadratmeter Ausstcllungsfläche werden rund 323 Ausftellerfirmen der Funk-, Phono- und Tonfilmindustrie einen Ueberblick über die Leistungen der deutschen Technik geben, lieber die Werbcmahnahmcn für die Aus- stcllung und über die Art, wie die einzelnen Industriezweige auf ihr vertreten sein werden, erstaltete das Ausstellungs-, Messe- und Frcmdcnverkehrsomt der Stadt Berlin in einer Pressebesprechung Bericht. Die Funkindustrie wird der Oesfentlichkeit Apparaturen vereinfachter und doch vollendeter Technik, bei gleichzeitiger Preis- Würdigkeit zeigen. Die deutsche Sprechmaschinen- und Schallplatten- industrie wird technische Neuheiten vorführen, sowie zahlreiche Ber- anstaltungcn abhalten, die die vielfältige Verwendungsmöglichkeit der Schallplatte zeigen sollen. Die Tonfilmindustrie wird nicht nur in einem Tonfilmkino älteste und neueste Filme zeigen, sondern wird auch in einem großen Tonfilmatelier die modernsten 2lpparate, die � zur Aufnahme von Tonfilmen dienen, vorführen. Die Ausstellung in ihrer Gesamtheit soll den Beweis erbringen, daß eine Förderung der Wirtschaft nur durch große, auf hossnungsoollem Selbstvertrauen beruhende Leistungen der Industrie herbeigeführt werden kann. gestern und heute." Zu diesem vor kurzem veröffentlichten Artikel wird uns noch folgendes mitgeteilt: Wenn die Hoch- und Untergrundbahn im Westen der Stadt Berlin schon vor dem Kriege in größerem Ausmaße gebaut worden ist, so ist das auf die Tatsache zurückzuführen, daß die Finanzierung der Lahnbauten zu einem wesentlichen Teil durch die Terrain- g e s« l l s ch a f t e n, die ein großes Interesse an der Auf- schließ ung ihrer Terrains hatten, erfolgte. Die Ver- längcrung der II.-Bahn vom Fehrbelliner bis Breiten- b a ch- P l a tz ging zum Teil auf Kosten der damaligen Stadt Wilmersdorf, zum Teil auf Kosten der Terraingcfellschaftcn „Südwest" und„Rheingau". Der U.- Bahnhof Heidelberger P l a ß, der etwa 20 Meter unter der Straße liegt, weil die Ring- bahn unterfahren werden mußte, wurde als Tonnengfwälbe gebaut. Die Kaschierung als Kreuzgewölbe mit Drahtgewebe sollte eine Nachahmung de» Heidelberger Schlohkellers darstellen. Die Strecke vom Breitenbach- bi» Thiclplatz baute der damalige Gutsbezirk Domäne Dahlem, aus Mitteln des Parzellenverkaufs. Die Domäne Dahlem machte dadurch ein Bombengeschäst. Der starke Zuzug von reichen Leuten, die sich gern um die damaligen Kommunalsteuern drücken wollten, wurde von der Domäne unterstützt durch Frei- stellung von der Kommunalsteuer. Die Verlängerung der U.-Bahn vom Zoo nach dem Westen wurde ebenfalls zu einem erheblichen Teil von den interessierten Terraingesellschaften finanziert. Schließlich ist auch der Bau der Ringbahnstation Witzleben nur durch einen nennenswerten Beitrag der Tcrraingesellschaft Witzleben ermöglicht worden. Ueberslüssiger Lärm der Uchüäen. Man schreibt uns: Ich wohne mit meiner Frau im Altersheim Schön- holzer Heide, dicht daneben hat Berliner Schützengilde ihre Stände. Von dieser Schützcngilde wird nun tagtäglich von 10 Uhr früh bis abends 7 Uhr ein derartiger Spektakel durch Schießerei gemacht, daß einem dabei die Ohren gellen, an ein Mittagsschläfchen ist gar nicht zu denken. Ein Bekannter sagte mir, sie feuern manchmal zehn Schuh mit einmal ab oder so hintereinander, daß da» richtige Trommelfeuer fertig ist. Es stehen doch noch in der Straße von Schönholz.Häuser. Wie diese Leute es aushalten, ist mir rätselhaft. Um mir die knallenden Leute mal anzusehen, ging ich vorigen Sonn- tag zu der Stätte ihres Wirkens, dort sah ich nun die Herren Grün- röcke herumstolzieren, die ganze Heldenbrust mit funkelndem Bleck) behängen und fast alle, die ich traf, angetrunken. Eine Reihe von sechs Mann untergesaht, kam mir gerelde entgegen. Der mittelste, ein alter großer Herr mit aufgezwirbelten grauem Schnurrbart, sang mit lallender betrunkener Stimme das schöne Lied„Siegreich wollen wir Frankreich schlagen", die andern begleiteten ihn mit versoffener Stimme. Die Eingänge zum Schützcnhaus sind flankiert mit früheren königlichen preußischen Fahnen, der alte Preußenadler mit Äönigskrone drauf. Den meisten dieser Helden konnte man es schon von weitem ansehen, wohin sie politisch gehören. Wie auf mehreren Tafeln zu lesen ist, ist das Grundstück Eigentum der Schützengilde, und die Herren werden natürlich sagen:„Wir können auf unserem Grundstück machen was wir wollen. Das glaube ich ober nicht, denn man kann doch selbst in seiner eigenen Wohnung nicht «inen derartigen Spektakel aufsühren, daß es die Nachbarn stört. Was wird am Mühlendamm? Das Sdileusenprolehf in seiner neuesten Gesfalf.- Vorsdilag der BauaKadcmic. Die Akademie des Bauwesens hatte die Presse zu einer Diskussion über ihre Entscheidung eingeladen, die die Frage der projektierten neuen Mühlendamm-Brücke und ihrer Einwirkung aus die Allstadt betraf. Modelle und Pläne stellten die verschiedenen Eirtwürse und Gegenentwürfe dar. Unter dem Vorsitz des Akademie-Präsidenten, Baurat G ä h r s, erläuterte Geheimrat H e r t w i g vom Jngenieurftandpunkt, Professor S e e ck als 2lr- chitekt die von der Akademie getroffene Entscheidung, die neben der Billigung des Brückcnneubaus vor allem die Sicherung des Bau- kleinods von Ephraim betonte. Wir werden uns vielleicht an den Gedanken gewöhnen müssen, daß die Mühlendamm-Schlcuse in der erweiterten Form oberhalb der Brücke und diese selbst in der Spannweite von 80 und der Breite von 41 Metern gebaut werden. Die Verkchrszahlen und technischen Notwendigkeiten, die wie das Räderwerk einer Uhr ineinandergreifen, reden eine Sprache, die verständlicher wird, wenn so besonnene und um das Aussehen der Altstadt bemühte Männer wie Sceck sie bil- ligen und erklären. Der heutige Schiffsverkehr durch die Mühlen- damm-Schleufe beträgt«in Drittel des gesamten Wasscrgüterverkehrs von Berlin(S'A Millionen Tonnen), er ist n i ch t durch den Teltow- kanal umzuleiten, weil er Ortsverkehr ist, d. h. sein« Güter gerade innerhalb Berlins absetzt. Das berühmte Tausendtonnenschiff spielt bei der Angelegenheit eine sehr geringe Rolle, weil es jedenfalls selten bleiben wird und in seiner Größe nicht über die hier üblichen Schiffe hinausreicht(wurde sachniännifch zugesichert: weshalb man wohl auch hoffen darf, daß die seinetwegen befürchtete Notwendigkeit, sämtliche Brücken der Spree und ihrer Kanüle umzubauen, entfallen wird). Um den wassertechnisch notwendigen Vorhafen für die Schifie zu ermöglichen, soll die Insel mit dem Sparkassengcbäude und Brückenhäuschen von 1895 rasiert werden. Den» brauchen wir nun gottlob keine Träne nachweinen: dieser Verlust wäre eine wahr- hastige Bereimgung des Stadtbildes an der Spree. Dadurch würde allerdings nun die große Spannweite der Brücke(80 Meter) bedingt und ferner die Unmöglichkeit, im Strom Zwischcnpfeiler zu errichten, die die Schiffahrt behindern. Technisch ist ein solcher Brückenschlog entweder nur mit zwei hoch emporstchenden Eiscnpseilern zu er- reichen oder mit halb verborgenen niedrigen Konstruktionen. Jene werden aus stadtbaulichen, aus Schönheitsgründen allseitig abgelehnt. Die unsichtbare Konstruktion über 80 Meter Spannweit« erfordert aber angeblich die ungeheure Breite von 41 Metern. Es kommt dabei zum Ueberfluß nur die gleiche Verkehrsmöglichkeit heraus wie jetzt, weil vier Träger nötig sind und beträchtlichen Raum von der Fahr- bahn wegnehmen und weil die Gleise der Elektrischen in der Mitte eine abgesonderte Bahn verlangen. Ephraimhaus soll verseht werden. Aber nehmen wir selbst all diese Forderungen der ZZ«rk«hrsfanotiker als gottgegeben an, bejahen wir mit Gohr» und Seeck die Mammut- form der Mühlendammbrücke und ihr« Eingriffe in die angrenzenden Bauten bi» zum Molkenmarkt, so muh eines von vornherein als unumgängliche Bedingung gefordert werden: daß die 2lusgcstal- tung der Molkenmorktseite unbedingt in dem Geiste geschehe, den das Gutachten der Bauakademie verlangt und voraussetzt. Diese Brückenform hat nämlich nichts Geringeres zur Folge als die Zer- schneidung des linken(westlichen) Straßenteils, d. h. die Opferung des Ephraimpalais. 2llle anderen Versuche, der 41 Meter breiten Brücke ihre vandalischen Giftzähn« auszubrechen, scheinen unmöglich und stadtbaulich unzweckmäßig zu sein. Die Forderung der 2lradem!e geht dahin: das Ephra im palais zwar abzubrechen, es aber in der geforderten Fluchtlinie, eingerückt, wieder aufzu- bauen, und zwar so, wie es vor dem Eingriff von 1895 aussah, d. h. höher und stattlicher. Dies ist darum nicht schwierig, weil die Fassade aus Saudstein besteht und daher mit der heutigen Technik des Konservierens in alter Form wieder erstehen könnte. Wahr- scheinlich würde das Ephraimpalais dann sogar einen günstigeren Eindruck im Straßenbilde machen können als heute: und es bestände die weiteste Möglichkeit, das Innere des wieder errichteten Alt-Rcu- baus den Zwecken entweder eines Büro- oder Museumsgebäudes, oder was sonst damit geschehen soll, glücklicher anzupassen. Immerhin ein merkwürdiges Kompromiß. Gewonnen wird mit dieser Verlegung eine solche Breite des ganzen Straßenzugs zur Spaudauer und Stralauer Straße, daß die ständig drohenden Projekte, die N i k o l a i k i r ch e als Mittelpunkt eines ungeheuren Verkehrsknotens von der 2lrt der Kaiser-Wilhelm- Gedächtniskirchc gänzlich sreizulegcn— ein für allemal gescheitert wäre. Der Mühlendamm, als älteste Haupwerkehreodcr Berlins, würde dann den ganzen Verkehr vom Halleschen und Potsdamer Tor über Epittelmarkt, Gcrtraudienstraße zur Königstraße und Frank- furtcr Allee aufnehmen können. Umgehen läßt sich dieser uralte Verkehrsweg nicht. Die neue Regelung würde dann aber, mit geringen Einbußen, für immer stabilisiert sein und an dem größten stadtbou- lichcn Kleinod der Altstadt, an der Nikolaikirche und ihrer altertüm- lichcn Einfassung, unschädlich vorübergeleitet werden. Auch der pro- jettierte Durchbruch vom Alexanderplatz über Grunerstraße zur Jägerstrahe, der ebenfalls Unschätzbares mit Vernichtung be- drahte, würde dann gänzlich entfallen, nachdem allerdings schon die Neuregelung des Alcxanderplatzes ihn so gut wie erledigt hat. Man sieht, der— von uns aus gesehen— sehr bedenkliche Ausbau der Mühlendammbrücke hat auch sein Gutes. Er behält aber diesen Vorzug mir dann, wenn unbedingt auf die Er» Haltung, d. h. den Wiederaufbau des Ephraim- palais bestanden wird. Seine Kosten wären schon in die 13 Millionen Bauauelagen, die die Stadt Berlin hierbei über- nommcn hat, einbegriffen: die Möglichkeit und damit die Zeit des Umbaus wird von materiellen Bedingungen bestimmt und geht uns vorläufig nichts an. Was unter allen Umständen zu fordern ist. das ist die Sich-rstellung dieser Erhaltung. Zuerst wäre das Ephraimpalai» so aukzubauen, wie die Bauakademie es vorschlägt, dann eist dürfen Brücke und Schleuse gebaut werden. Es steht zu hoffen, daß die Einsicht der maßgebenden Stellen und ihre Liebe zur Heimatstadt Berlin dies« stadtbaulich selbstverständliche Be- dingung durchsetzen werden. U. Schmidt. Diese jetzt schon seit de m Winter tagtäglich dauerndecwigeKnallereidichtb ei denWosi nungen ist n i cht nötig. Hier müßte doch endlich die Polizei«inschreiten, denn dieser Lärm ist ruhestörend in höchstem Maße. 8port. Nennen zu Hoppegarien am 14. August. Trachenberg-Rennen. 1. Dilderich(Böhlke): ü. Lotto; 3.•idwecioll. loto: 21:10. Plae: 14, 121, 25:10. Ferner liefen; Rtnerkrone(4.), Struon, Stcrncnlnnb, Nebukadnezo, Guulrom, Bittsteller, Pelagon, Livius, Herero, Fidelia, Widmung, Puma. «ulliver-Ziennen. 1. Georgia(Hayned): 2. Fiometto: 3. Mottete. Toto: 107: 10. Plötz: 78, 30, 33: JO. Ferner liefen: Willkomm(4.1, Sterneck, Antkor, Attenberg, Reichsmark, Fcldsoger, Atpenflieger, Honstcin, Arober, Grenzmark, öScnimo, Mazedonier, Rohrpfeiscr. Flibusticr-Rennen. 1. Ostermödel(Habnet): 2. Urfehde: Z. Katrin. Toto: 87: 10. Platz: 33. 40, 20: 10. Ferner Uesen: Turmorof(4.), BoreoS. Grcnzwoll, Poulchcn, Rosenfrou, Mondamin, Auna, Minima, sfarfalla. Preissrage-Rennen. 1. Reichswehr(Hahnetl: 2. Groll; 3. Adriennc. Tote: 28: 10. Platz: 10, 21: 10. Ferner Ues: Kirgise. Sporn-Rennen. 1. Widerhall t Grabschi: 2. Janut; 3. Horos. Toto: 20: 10. Platz: 14. IS, 24: 10. Ferner liefen: Trinum(4.), Jngemar, Graltbechcr. Gardcjäger, Llberio, Praeter, Propter, Kameradschaft. Zama-Renaen. 1. Fanden,(Sajdik): 2. Sonncnalaubc: S. Clcmatis. Toto: 52: 10. Platz: 15, 10. 17: 10. Ferner liefen: Prellstein(4.), Pale, Oftade, Teddy, Priester, Holofernes, Astoria. Tieger-Rennc». 1. Mystik(Zchmischi? 2. Helmut: 3. Sanda; 4. Hoheit. Toto: 127: 10. Platz: 23. IS. 22. 20: 10. Ferner liefen: Marcianut(5.), Maiennacht, Lachteiifel. Habicht II, Martonin-k. Rhopfodie. Wintermärchc», Fernländcr, Musketier, Benusta, Meennädchcn. Hector, Fasancnhcnne, Fahrt, Leiste, Jngwelde.> Loriräge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner..Schwarz-Rol-Gold". ttzelchiittsllelte: Berlin(3. 14. Sebaftianfti 87—33. Sof 2. tt. Redding(Ortsvercin): Sonnabend, 15. yluguft, Bolisfest der Repu- WitonK in der Hochfchuldrauceei, Alnrunler Str. Sl. Beginn 17 Uhr. Redner Kam. Nuttner. M. b. tt.— Sonntag, 18. Augnst. Ätcl« Norden, 2. Bell tl(Otioucreint Pantow. W.itzenfce und Prenilancr Berg): 14',» Uhr Antreten aller Nameradcn mit Dahnen und Spielmannsina»ur Berfaifungsfrier in Baniow. Sckoncnlch- Strage, an der Schern Ooitser Allee. Bunde»tterdnng. SPT. und Kartell für Arbcilerfport: Im konzerrhaus Pankow, Breite Str. 84. Ber- fassungskeier. Beginn ISli Uhr, Platzt« nzcrt auf dem Marltplotz. 14.88 Uhr Ummarfch ai> Bornholmcr Etratze, iZete Berliner Straffe. Panlow lOrts- verein): 7Z.: Uhr Antreten aller Nameraden an der Norddahn»wccks Abholung der chranfeer. Spielleute mit Instrumente».- Rontag. 17. August. Bchiine. berg.xried«»»»,«ameradichast Friedenau: 20 Uhr Mitgliederversammlung Im Restaurant Satz. Friedenau, Börnste. 5. Referent Äam. tzothe, Potsdam. Thema:..Wir haben es satt, für Schwerindustrie und Srotzagrarter zn bluten". Otrgli«, lQrtoverei» für Stegliv. Lichterfelbe und Lantwitz): 20 Uhr Mitglieder. Versammlung bei Schul». Steglitz. Blrtburchltr. SO. Rcutöllu-Britz. 2. Namrrad, fchafl: 20 Uhr Migliedcrvcrsanmllung bei Schabcilo, Weichselstr. 5. Arbeiter-Abstiueuten-Build. Sannadcnd, 15. August, 1» Uhr, Schrader.Saal, Malplaguktstr. 14, chrotz-Berliner Mitgliederversammlung und Seditchtniotund» gebung für den verstorbene» Genollen fforef. Arbeiter. Radio-Bund Deutschland«, e V., Beiirlagruppe Berlin. Technische Aiisklinfte erteilt H. Graul, SW. 29, Gneifenaustr. 41(ssreibrnterhaud). Tel.: F 6 Baerwald Ö3U.— Dharlotteulmrg! Lokal Lebmann, Nönigsweg 8. Freitag. 21. August, 20 Uhr. Mlqlicdcrversammlung.— Frlrdrichifcld«: Lokal Tempel, Gudrunstr. 7. greitag, 21. August, 20 Uhr.„Erkliirungcn i»in Bau einer Netz- anode", Referent Genosse Bruxmeicr.— ftzriedrichahain: Lokal Wertalla. Hohen. lohkstr. 8. Donnerotaz, 30. August, 20 Uhr, Sxperimentierabend.— Reuköll». Treptow: Lokal Egers, Kaiscr-Frledr>ch.Str. 8. Freitag, A. August. 20 Uhr, .Rvhrcnmessungcn", Referent Genosse tzirsch.— Preuilaucr Berg: Lokal Klug, Danzigcr Str. 71. Aenotaz, 16. August, 30 Uhr,„Metztechnik und einfachste M-tzmelhobrn zur Prüfung von Ein»eltellen", Referent Genosse Ringes.— Gr- noffen, lest und verbreitet den„Arbeiterfunk", unser Bundesorgan. Werbe. cxcmplarc sind durch de» Verlag, S. 42, Alcraudrincnstr. 87, ,u beziehen. Wir machen besonders auf dt« reich ausgestatteten Ausstcllungsausgabcn aufmerksam! �„All Wie dl Grete macKts Kate wiedieMimi— Allgemeine Wetterlage. Aug. 4934 afads. Owolkenlos.® heifer. 3 h»!b bedeckt 9 wolktyÄbedeckt'RegeruvGranpelfl !Ht«,5Nebe),�&cwittec@Wmiitfille Das Tiefdruckgebiet, dos gestern über Ostdeutschland lag und uns stark veränderliches Wetter brachte, ist nach Lettland und Litauen abgezogen. Der chochdruckausläufer, der gestern über der Nordsee und Ostfrankreich lag. überdeckt jetzt die westliche chälfte des Reichs. Gleichzeitig bat sich jedoch ein Tiefdruckgebiet, das gestern abend bei Irland erschienen war, ostwärts ausgedehnt und in West- deutschland Niederschläge gebracht Es ist damit zu rechnen, daß das westliche Tiefdruckgebiet allmählich auch Einfluß auf dos Wetter in Brandenburg gewinnt. wekleraussichten für Berlin: Im Lause des Togcs wieder Bc- wölkungszunahme mit Rcgenneigung, mild.— Für Deutschland: Im Osten ruhigeres und etwas" wärmeres Wetter, im mittleren Deutschland allmählich zunehmende Bewölkung mit Rcgenneigung, im Westen vielfach trübe und regnerisch. küilenbunge» für diese Rubrik sind >» r l i» SW 68. Lindenktrnhe 3. parteinachnchten für Groß-Berlin stet»«n da» BezirkOsekretaria! 2. Hof, 2 Trevven rechts, zu richte» Ve�inn aller Veranstaltungen 1S'/e Uhr, sosern keine besondere Zeitangabe! Schulzeodorf bei Zeuthen. Um Eonnabenb, 15.?luqust, A Uhr, MitgNederver- ssmmlunfl bei Gr�umann. Waldstraße. Vortrag des Genossen Zudrian. Thenna:„Die Aufgaben der Sosialdemokra'iie im Arcis und in der Ge- meinde". Sonntag, IS. August. 7. jhei». H Uhr Wald fest auf der großen Eviesiviese im Bolkspavk Zungfern. Heide, verbunden mit Weihe der Nreisfahne und Uebergabe der Eturm- fahnen für die Abteilungen. Weiherede vom Genossen Karl Hilden- brand, M. d. R. 18. Rteis, Besichtigung der neuerbairien weltlichen Schule Park. Ecke Amalien- sieaße. Treffpunkt lft Uhr an der Schule. 4. Abt. Abteilungsousflug nach Wendenschlosi sWossersportplasi des Reichs. banners in Kövenick, Wendenschwßstraße). Spiel, Sport, ltindcrbelustigung, Badegelegenheit, Kaffeekochen. Treffen Bahnhof Iannowitzbrücke, Haupt- eingang, um» Uhr und IZ Uhr. Recht iiohlreiehe Beteiligung erbittet die Abteiwngsleitung. freunde und Bekannte sind herzlich eingeladen. <8. Abt. Ausflug der Abteilung noch Friedrichsfelde. Sportplasi llpstallweg. Treffminkt 9% Uhr Dönhoffplatz. Nachzügler: Linie SS bis Eteiers Wald- fchlötzchen. l»8o. Abt. Die Genossinnen nnb Genassen werden gebeten, am Volksfest der Abt. Fried richshogen im Kurpark Friedrichshogen teilzunehmen. Beginn ls Uhr. Treffpuntt zum Umzug lgth Uhr. Abmarsch l< Uhr Wogner- Lyzeum, Bruno-Wille-Strotze in Friedrichshogen. 168. Abt. Bolkssest im Kurpark Friebrich»bage». Programm: Konzert, Gelang, Ansprache de- Schristleiter« de,„Spandauer Bolt-Matt»*' Z. Seling, Polls- tiaze, turnerilche nnb artistische Darbirtnngen, Kinbersaikelzug. Eintritt srei. Beginn 1Z Uhr. Borher Umzug durch de» Or. Tressen 1Z Uhr»or dem Wagner-Lyzenm, Bruno-Wille-Strotz». Abmarsch 14 Uhr. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Groh-Berlin. Helsersitzung Srvß.Bcrli» Mittwoch, 19. August, lNV: Uhr, Porckstr. ll, Be- zirksomt Krcu.zderg, Sitzungssaal.— Ausgabe von Feltlagermalerial Montag von 16— 19 Uhr. Es wird gebeten, alles Materiol abzuholen. Krei» Krruzberg, Gruppe»ergmannftraße. Rote Falken: Treffen zur Fahrt um lS?z Uhr Görlitzer Bahnhof. Kre,» Prenzlauer Berg: Kreishelfersitzung Donnerstag, A. August, 29 Uhr, Dauziger Str.«2. Srei- Eharlottenburg: Wir treffen uns zur Teilnahme emr Balbfeft am Sonntag. 16. August, g>h Uhr. Wilhelmplatz. Hrvppe Köpenick: Wir beteiligen uns am Sonntaq, lü. August, am Volksreit Kurpark Friedri-lishage». Treffpunkt lz Uhr Iugendheiin. lg Pf. mitbringen. Die Nestsalten treffen sich wieder jeden Montag um IS Uhr im Jugendheim Dahlwitzee Straße. Gruppe Treptow: Sonntag, 16. August. Wanderung nach dcr Berliner Sötweiz. Treffpunlt 7 Uhr Graetz. Ecke Bouchöftraße. 33 Pf. Fahrgeld arit- brinae». Kreis Pankow: Dienstag, 18. August, 30 Uhr, Kreishelfersitzung im Jugend. heim Pankow, Kissingensiraße. Krei» Neulölln: Helferarbeits'ahrt. Treffpunkt für Radfahrer um 16 Uhr. für all- anderen um!6>.si Uhr Bhf. Neukölln. Fahrt bis Finkenkrug. Urckofieil etwa 75 Pf. Pflichtfahrt für alle Helfer. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation j 17, Abt. Der Genosse Karl Groß, Genter Str. 97. ist verstorben. Ein. äscherung am Sonnabend, 1.3. August, 13 Uhr, im Krematorium Serichtstraße. Rege Beteiligung wird erwartet. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin awsendunge« für»lese Bobeil nur m b«< Zuarndiekreto»«-» T'rrN» ff 35) 68. Twdenstratr J AbteUuug»l«iter, reicht umgehend das September.Programm ein: rechnet die Sympathieplaketten ab. Heute. Sonnabend. Reichenberg er Viertel: Fahrt nach Kremmen. 17 lll>r„Rote-Falken-Ecke".— Herm-dorf: Fahrt nach Strausberg. Y!% Uhr Bhf. S-rmsbvrf(Nordausgang). — Pankow, R. F.: 17 Uhr Spielen Schimholzer Heide.— Rentöll» VII: Fahrt. ISis Uhr Bhf. Kaisier-Friedrich-Straße. Morgen. Sonntag. Falkplaß Ii: Fahrt noch Bernau. 7 Uhr Bhf. Gesundbrunnen. Werbrbezirt Teltowlanal: Bei schönem Setter Fahrt. 7!4 Uhr Bhf. Lichter- felbe-Ost. 30 Uhr Heimabend in Wannsee. Laßt rechtzeitig eure eiserne» Herde— Oefen erneuern. Im letzten Winter ist eine große Vermehrung der Brände zu beobachten gewesen durch die schlechte Beschoffenlieit der eiserne».Herde und Oesrn infolge mongelhafter Unterhaltung. Räch den allgemeinen Versicherung sbedingungen der Stadtische» Feuersozietät ist der Versicherungsnehmer zur Schadenabwendung verpflichtet uird darf die gesetzliche» und polizeilichen Sicherungsvorschristen nicht verletzen. Wer es ferner unterläßt, dafür zu sorgen, daß die Feuerstätten in seinem Haus« in baulichem und brandsicherem zustande unterhalten werden, macht sich nach K 366 StGB, strafbar. Es liegt daher im eigenen Interesse jedes Wohnungs-, Laden». Hausbestßers und Restaurateurs, rechtzeitig vor Beginn der kalten Witterung für die Instandsetzung und Erneuerung der schadiiosten und unbrauchbaren Herde und Oefen zu sorgen und hierdurch zur Erhaltung wichtiger volkswirtschaftlicher Werte beizutragen. Die Reparatueen und Neuliefe rungen werden sorgsam nnb der Vorschrift gemäß ausgeführt von der alten Spezialfirma Seurmler u. Bleyberg A.-G., Berlin S. 14, Dresdener Str. 96.-99. ( Theater, Lichtspiele usw. Staatstheater Geschlossen. Abonnements-Einladung (Qr die Spielzeit 1931/32 OroBer Preisabbau, wesentliche Verbesserung einzelner Platzgruppen durch Vorverlegung, sehr bequeme Zahlungsbedingungen. Äntbcl dangen nehmen in der Zeit von 10 bis 2: Uhr entgegen r für die Stadl fOper und das SlaalUcbe-äcbauspleiliaus: Abonnem-Büro Oberwallstr.22, Femsprecher: Merkur 9024, für das staalL SdUiierflieater: Abonnem.-Bflro: Charlottenbg., Qrolmanstraße 70, Fernsprecher: Sleinplalz 6715 BnrbaroiH 9256 Tlgl. B u.«Vz U. Barlo&ManB Tina Heller Weintraubs South China Walter Nilsson L Veiten Nnbiiten Variete Pr-erunl M CtirM, krst, 4 1 Unitti.Fraeitht.l BWiklp- eirlt m. r kktni:iMUreb«:| Täglich 5 u. 815 Sonnto 2, S.ilS 30JLI LUNAi Heute Feuerwerk Winter * Qcirrerv US ihr Flora 3434 lisibi erlnbt Barbatta! Hofslngar-Saxtatt, Bouriakoff- Trupp«, 2 Lanclun, UasTurlaa,Conch«-Franakyvrv. sbtiiJ ail Soutig je 2 lontenonges 4 und 8» Uhr. 4 Uhr hieine Pr. »rUbrCASINO-THEATER�uh, Lothringer Strafe 37, nun ii um iiiiiiiiiiiiiiKimauiui MtneoeioMuniiittMitiiemimiiim Der neue ErSffnungs-Schlager Das Parfüm meiner Frau dazu ein erstklassiger bunter Teil. Für die Leser: Oatsdieia 1—4 Pen. Fauteuil 1.25 M.. Sessel 1,50 M. Sonstige Pr.: Rang Mitte 1 M., Parkest 75 Pt. Rang 60 PI. BETRIEB a H KEMPIHSKiO ROSE-THEATER SPD., Abteilung 109 Friedrichshagen Am Sonntag, dem 16. August 1931, i! im Kurpark in Friedrichshagen ii Volksfest Programm: Konzert, Gesang, Sprechchor, Ansprache, Volkstänze, turnerische und artistische Darbietungen, Fackelzug. Eintritt frei! Beginn 15 Uhr. Vorher Umzug. Treffen IS1/« Uhr vor i demWagner-lyzeumBrvno-'Wiliestr.| Theater im AdmiralSBaiasi Heute 7�4 Uhr Pramlara Rotter Gastspiel Die DubarrF mit GlttarAlpar Preise; 0�0 bis 12,50 ffletropoi-Theater Täglich 8',. Uhr Die Toni aus Wien Mady Christians, Michael Bohnen RariQrstendanim- Thealer Bismarck 448/ 11- JrwihiJ Die schöne Helena ton lacqnn ottenbadi Beule: Mu Relntardi Theater desWestens Tägl. 5 u. S'lt Volksvorstellungen Viktoria und ihr Husar Billigster PI. 0.50 M Teuersftr PI. Z.— M. Komiscne oper Friedrlehslr. 104 S'b Uhr Franen haben das gern... Musikal. Schwank von Arnold Musik r. Walt. Kollo Sommerpr. 0.50. 7.00 Am 12. August 1931. mittags 1 Uhr. verstarb plötzlich und uns allen unerwartet, das langjährige Mitglied unseres Vorstandes der Tischler William Klages im 69. Lebensjahre. Wir verlieren in ihm einen stets dienstbeflissenen und immer auf das Wohl der Versicherten bedachten Muarbeiter, dessen Andenken wir dadurch ehren werden, daß wir an dem Ausbau der deutschen Sozialversicherung in seinem Sinne weiterarbeiten. Innungskrankenkasse der Tischler-Innung zu Berlin Der Vorsiand. jeder Art liefert prefewert Paul Goiletz vermal» Robert Meyer Marlannenstr. 3 F 8» Oberbaum 1 303 OfcVofiöWlZ w I �(�V�itraneirtctn 91, 51: 86,119 NW/ VorastSEii Sdijnh-testickeniK Reichshallen-Theater Lachen: „Alles verrückt!" Stettiner Sänger Anfang| s| Uhr Bad SchiRledelierg Bezirk Halle a. S. StSdtiichet Eisenmoorbad Salt Uber SO Jahren harvarragand bewahrt bei Gicht. Rheuma, Frauenleiden usw. Harri. Waldgegend. Wochenendzicl. Mttirgs darO Uagistrat.tzEdGvenraltnng Kurzeit: April bis November NORDS8 cbad r Seeuhassetf Wtümschwimmbad ijWmairijßiut R Alf An rvdhwll Stahl matr« Klndarb.. Polster, Cbaienl, an Jeden, Teilat Kataios freu Eiaenmöboliabrik Sohl(Thütv) EISD Ä DeaMer Metailarbeiter-Verbaßd Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeigen Den Mitgsirdcrn zur Nachricht, daß unser Kollrzr. drr Schlosser Erich Langner grb. 13 Dezember 1908, am TL Anglist gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonn» abend, dem 14, August. 14', Uhr, von der Leichenhalle des Zentral» Friedhofes in Friedrichsselde aus statt. Am 13, August starb unser Kollege, der Schlosser Aldert kauuehke geb 7. Februar 1873, am 13 August gestorben ist. Die Beerdigung findet am, Mon. tag, dem 17. August. 16 Uhr: von der Leichenhalle de» Friedrns-Kirch. Hofes in Nordend aus statt. Ehre ihrem Andeuten! Rege Beteiligung wird erwartet. T>ie OirtsvcrvalliinB. Ans jede gezogene Rummer sind zwei gleich Hobe Gewinne gefallen, und zwar je einer aus die Lose gleicher Rummer « de» beiden Zlbleilungen I und ll Gewitmaoszug 5.{tfafte 37. Preutzisch-Süddeulsche(slaafs-Eollcrit. Ohne Gewähr Nachdruck verboten S. Ziehungstag iz. August 1931 In der Heuligen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 6 Ocminn« i» 10000 W. 64256 379434 399770 4(Pinünnc zu 5000 M. 35177 263174 .. 18»'»in"•«u 3000 M. 33210 126732 128196 143828 213360 322446 341342 354790 371185 58 OelBisnt in 2000 931. 5970 13954 18654 78009 88784 115163 125759 134432 141491 153218 159633 176949 189161 194079208616 226985 250596 264502 273878 292645 297230 319162 334021 345777 369297 370000 379615 392292 392456 126«'wwn->»1000 M. 11 5514 10732 13485 15331 23993 34213 66 6,836 62869 69902 77420 77467 77699 80911 95384 191717 110112 110322 111958 119646 135809 137357 138200140118 144439 164567 168996 173766 178051 182846 205389 206573 207498 214287 223740 231244 250190 266399 267478 269311 281024 285322 286071 287287 289536 292336 303856 314545 318109 321968 332891 337097 337114 344632 345746 350195 353685 359040 371736 378791 383489 390445 ITS atttlnn» ,U 500 M. 5237 9541 26494 29285 34931 41333 42005 67216 67732 73969 75669 62294 83563 64663 66357 86452 94407 «4537 100111 109248 110051 110195 116419 118395 123115 124252 126179 134829 134966 135735 144072 169233 170040 170247 179771 193945 194356 197180 199433 203097 204789 205317 206571 214931 216573 220644 229214 237650 251610 251744 253520 259851 264596 265040 269210 271247 271584 271743 272670 273308 274142278264 280148 283918 288164 288697 290809 293129 311910 314940 315299 321405 329630 334160 345501 346435 351896 355849 359297 361233 363789 364562 368290 376332 380251 392198 396319 397146398177 3a der heutigen Nachmittogsziehung wurden Gewinne über 4M M. gezogen 2 Geiviune zn 50000 98. 223933 2 Oewinne zu 10000 M. 248490 359201* 38 34 ao" 6000 � 3253 103340 1 92892 227903 267689 317130 WM 87087 102193 148996 176117 181563 184938 186005 209909 231496 319421 356481 -A6., i" 2000 w- 47730 48284 76778 86780 112983 12825:3 132379 M6922 169593 205363 220637 231583 237096 241248 263396 316061 338579 348800 359287 384263 378020 385845 389907 . ,32!n 1 000®- 322 1140 3153 3191 6966 14008 26382 44935 4o31 6 45946 48336 50075 52181 52537 56447 59335 62603 67118 69377 73574 75381 82798 87995 103961 104537 107159 112343 114356 123220 125207 128166 130993 161518 172267179624 192016 193442 196386 208577 234525 238014 240717 241925 247529 254199 271551 272439 276902 289733 293941 311931 3241 15 326941 340329 343247 352932 360236 367436 372736 373467 37C1 34 377705 379174 380851 383095 384166 19«•e»1"'«"> 500 M. 1 3037 13524 15277 16436 21177 23320 30363 37,99 39475 45855 46790 50668 51706 55308 56358 63449 64438 68398 75633 77789 82012 83403 85160 91635 91663 91721 96429 101054 102226 102870 106603 107037 118602 123003 123353 126111 134118 135944 136233 141770 1 48052 151005 131 457 153476 157375 162774 165080 166268 167771 174745 181222 184958187885 188773 189574 194873 201856 206023 217665 217739 219415223386 229344 23(943 230806 241043 246702 257771 256-112 267818 267074 272890 274749 275321 275752 284611 290534 294895 302811 303359 306822 308447 313457 314531 314628 324513 324571 325085 332919 3361 12 343658 346958 357870 359879 366486 373983 386938 392180 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000, 2 Gewinne zu j- 500000, 2 zu je 300000, 2 zu je 200000, 4 zu je 100000, ti zu je 75000, 6 zu je 50000, 26 zu je 25000, 152 zu je 10000, 402|B je 5000, 810 zu je 3ÜOOt 3408» je 2000, 4852 zu* maoes jp je 50�34444 a» jpchOOSBteJ.---------- KLEINE ANZEIGEN JMflrtss Pt. Frtlgedndcte Wirt 25 Pf. (rulauig 2 fcttgedrudcti Werte),- Sfellrngasrnki ltn 1. Wort(fittgfdridrt) 1 5 PfM jetles writeft Wort 10 Pf. Worte mit mrhr als 15 B'Jthstabca tüiiio für rwri Wortf. Anziigts. vi'drc für di« nädut« Hommtr betimmt sininissn PisiHtntms 4Vf Der DKhnittags in der Kaopt- Expedition du Üenrlrts, LindetrctraBt 3, si�egebsn rerdan. Dieselbe ist wetheutags im norgtos 5Vz Uhr in nschm. 5 Uhr Dsuntertrodwi gedttnet. I tfecHaute| Linoleum Szlllat. Kolonie straße S.___ Kochhc-d- tiftenc. Gas, Kohle feber Art. Bahr rineichrnng, Teil- .zahlnug. Wasch- kessel, Orfen allrr Art. Die alte Spe ziatfirma Semmlrr u, Bleyberg A.-G., Dresdenerstr. U6 lM nisiallngzzlllcu. ll/szests mvi. Wenig getragene Gabardine-Mäntel, Marcngo- Sommer. palctots, Sportan- zllge, Frgckanzüge, Smokinganzüa«. Gehrockan.züge, Iackettanzllge, für icde Figur passend. SpeziolitSt: Bauch- anzüge. Spottbillig. G«scllsd)af>san,üge werben verliehen. Holpern. Rosen. 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Vom Provinzialschulkollegium nahm Geheimrat Schmidt an der Ver- anstaltung teil. Dieser hatte nach Schluß der offiziellen Festrede in Form eines Werkes über Freiherrn vom Stein einem der Schüler eine Schulprämie zu überreichen. Er benutzte die Gelegenheit, die mißglückte Ansprache des Herrn Böget unmerklich wieder ein- zurenken. Er wies darauf hin, daß die Nationalfeiertag« republikanischer Staaten in allen Weltteilen sich zumeist mit der B e r f a s s u n g s g e b u n g der Staaten im Zusammenhang befinden, daß sie wirkliche Volksfest« darstellen, und daß die Mit- Wirkung des Volkes selbst in Monarchien wie England dauernd ge- steigert werde. Als er in diesem Zusammenhange darauf zu sprechen kam, daß nach dem Zusammenbruch des Kaisertums im Jahre 1918 das Volk selbst seine Staatsform zu bestimmen hatte und sich so die Weimarer Verfassung schuf, begann das Schülerauditorium demonstrativ zu scharren, also seinen Widerspruch gegen die Ausführungen des Vertreters der Schulbehörde ganz offen gel- tend zu machen. Direktor dieser Schule, die eine objektive Dar- stellung der tatsächlichen Vorgänge im Staatslelben nicht ertragen kann, ist der frühere deutschnationale Landtags- abgeordnete Pflug. Dieser hielt es nun nicht etwa für not- wendig, seine Schüler wegen ihrer Ungezogenheit zu rügen. Dafür aber erklärte er vor versammelter Mannschaft dem Vertreter des Provinzialfchulkollegiums, dieser habe wohl aus der bei seinen War- ten entstehenden Unruhe entnommen, daß die Schüler mit seinen Ansichten nicht übereinstimmten und er müsse hinzufügen, daß auch er, der Direktor, die Aeußerungen des Ob-rschulrats nicht unter- schreiben könne. Das ganze nennt man dann im deutschnationalen Jargon: Wah- rung der Staatsautorität! Aber ist das Prooinziallschulkollegium mit dieser Abkanzelung seines Vertreters zufrieden? Oer Pfarrer und Gtrefemann. Freisprvch eines Schimpfpriefiers. Dresden, 14. August. Vor dem Dresdener Schöffengericht stand der nationalfoziali- stifche Pfarrer Krieger, der in einer öffentlichen Versammlung sich dreister Beschimpfungen von republikanischen Staatsmännern schuldig gemacht hatte. Unter anderem hatte er gegen S t r e s c- m a n n die Beschuldigung erhoben, daß er sich vom Auslande hätte bestechen lassen. Dafür Hobe er dann in Genf und Locarno dem internationalen Finanzkapital das deutsche Volk ausgeliefert. Die Aeußerungen waren von einem Stadtverordneten in Rade- borg unmittelbar mitgeschrieben worden. Trotzdem dieser Stadtverordnete vor Gericht den Wortlaut der Aeußerungen vorlegte, sprach das Schöffengericht den Nazi- priester frei mit der Begründung, daß ein einzelner Zeugs zur Verurteilung nicht ausreiche. Die von dem Schimpfpastor gc- laden«« Entlastungszeugen hatten selbstverständlich erklärt, daß solche Aeußerungen nach ihrer Erinnerung nicht gefallen seien., Das Gericht ist gegenüber dem hakenkreuzlerischen Schimpf- apostel von einer geradezu unbegreiflichen Leichtgläubigkeit ge- wesen. Der Pastor, der zwar mit dem Hakenkreuz, hoffentlich ober auch noch mit der Bibel Bescheid weiß, wird sich bei dem Freispruch gesagt haben:„Solchen Glauben habe ich in Israel nicht gc- fanden!" polizeiverfiärkung für Zhehoe. Die Folgen des Hakenkreuzüberfalls. Itzehoe, 14. August. Um den politischen Zusammenstößen, die nun schon seit Tagen Itzehoe beunruhigen, ein Ende zu machen, ist jetzt die Z u s a m me n- ziehung st ärkererPolizeikräfte in der Stadt beschlossen worden. Aus Altona werden zwei Schnellkrastwagen mit Schutz- polizei nach Itzehoe beordert und außerdem wird Landjägerei aus der Umgebung in der Stadt selbst stationiert werden. Da die Polizei- wache ungünstig liegt, will man die neu hinzugezogenen Mann- schaften an den besonders exponierten Stellen einquartieren. Wieder ein deutschnationaler Skandal. Schwindel mit Einfuhrscheinen. Stettin. 14. August.(Eigenberich.) Die Siaaisanwaltschafi in Stettin beschäftigt sich zur Zeit mit skandalösen Borkommnissen bei der Pommerschen Land- wirtschaftlichen Hauptgenossenschaft G. m. b. H. Dem Skandal liegen großzügige Schwindeleien mit Ein- fuhrscheinen zugrunde. Diese Scheine, die Exportprämien des Reichs darstellen und mit denen man der Landwirtschaft helfen will, wurden von den Beteiligten an Interessenten in Westdeutschland verschoben. Der Verdacht gegen eine Reihe von leitenden Personen bei der Genossenschaft hat sich derart verdichtet, daß die Stettiner Staatsanwaltschaft bereits Anklage auf Grund des Paragraphen 396 der Reichsabgabenordnung erhoben hat. Die Eröffnung des Haupi- Verfahrens steht bevor. Der Staat foll bei diesen Schwindelmanövern um ganz be- deutende Summen geschädigt worden sein. Die Schwindler find fast ausschließlich Anhänger des Dritten Reichs bzw. Nachläufer Hitlers und Hilgenbergs._ Muniiionsöepot in die Lust geflogen. Hongkong. 14. August. 2a yn*r*n ist gestern ein Muuitionsdepot in die Luft geflogen. Fünf Portugiesen und zwei Afrikaner wurden getötet und eine große Anzahl von Personen verletzt. darunter mehrere schwer. Jast alle Häuser Alacaos wurde» bc- schädigt, ver Sachschaden wird auf 200 000 Pfund Sterling ge- schätzt. Man vermutet, daß Selbsteutzäudvng der lagernden Mpnitlon die Explosion verursacht hat. Fünf Millionen Pfund-Anleihe für ltngarn. Budapest. 14. August. Ffaanzmmister Wekerle teilte mit. daß er die telephonische Nach- richt«hatten hob«, daß der Vertrag üb« die ungarische Fünf-Mil- So>«-W»md-Artirth« imiayikhnrt warben tp. Oer Dank vom Hause Hitler an die La- Stimmer vom 9. August. Angriff-Redakteur Or. v. LeerS: ,Oie nationalen Bürger haben sich beim Volksentscheid geschlagen wie die Gätie.� Völkischer Beobachter:»Die Landvolkpartei gilt es zu zertrümmern. Wer sich zu einer Schweinebande bekennt, ist eben ein Schwein.-' Zwischen M und Tigris. Oie Entwicklung im vorderen Orient. Seit 1914 sind wir so in unser eigenes Schicksal verkrampst, so von unserem eigenen Unheil benommen, daß wir nur selten einen Blick dafür haben, was draußen in der Welt vorgeht. Von Staaten wie Irak, Transjordanien, Hedfchas haben wir kaum den Namen je gehört, und von dem weltwichtigen Prozeh, den Hans Kohn in seinem soeben erschienenen Buch„Nationalismus und Im- perialismus im Vorderen Orient"(Societäts-Verlag, Frankfurt a. M.) aufrollt, ist wenig mehr als ein schwacher Hauch zu uns gedrungen. Aber, Hand aufs Herz, auch vor 1914 brannten uns die Probleme dieser Völker nicht auf den Nägeln; sie fielen unter den Sammelbegriff der Untertanen des Padifchah in Konstantinopel, und der war, ob es sich auch um einen bluttriefenden Armenier- schlächter wie Abdul Hamid handelte, ein treuer Bundesgenosse Wilhelms II., der Rest ging uns nichts an'. Und was sollten wir jetzt von den sozialen, kulturellen und nationalen Verschiebungen zwischen Nil und Tigris groß wissen, da der Durchschnittsdeutschs des Jahres 1931 selbst von dem Nachbarland Frankreich ein wildes Zerrbild im zottigen Bujen trägt.. Das Buch Koh n«T füllt deshalb süzüfägcn einen weißen Fleck auf der Karte aus. Nicht nur stehen bei diesem gründlichen Kenner des Vorderen Orients Sachkunde, Urteilsvermögen und Dar. stellungskroft auf gleicher Höhe, sondern sein Werk fußt auch durchaus auf der uns vertrauten soziologischen Geschichtsbetrachtung. Wirt- schaftliche Wandlungen sind ihm Voraussetzung für geistige Verände- rungen, er gebraucht die von Friedrich Engels geprägte Vezeich- nung„Gc schichtslose Nation", die Untersuchungen der „Auftromarxisten" über die Nationalitätenfrage haben ihm manchen Baustein geliefert, und als Motto könnte dem. Ganzen das Wort Otto Bauers dienen:„Das Erwachen der gefchichtslofen Nation ist eine der zahllosen Erscheinungsformen der kapitalistischen Entwicklung." Hier handelt es sich um das Erwachen der arabischea Nation, soweit sie in den Ländern zwischen NU und Tigris, also in Aegypten, Arabien, Syrien und Mesopotamien, siedelt. Vor einem Jahrhundert herrschte hier noch das unverfälschte Morgenland, bis in den Traum aus Tausendundeiner Nacht die modernen Verkehrswege einbrachen: der Suezkanal, die Bagdadbahn, die Hedfchasbahn brachten an diese Gebiete die Wirtschaftsformen des Abendlandes heran. Aber erst die letzten Errungenschaften der Vcrkehrstechnik nach dem Weltkrieg haben wahrhaft revolutionierend gewirkt: auf den uralten Karawanen st raßen durch die Wüste bewegen sich Automobile in großer Zahl, und die Achse des transkontinentalen Flugzeugverkehrs beginnt im ägyptisch-arabischen Raum die Linie Kairo— Bagdad zu werden. Mit dem Eindringen der kapitalistischen Produktionsweise in diese zurückgebliebenen Gaue entfaltet sich ein einheimisches Bürgertum, das sich rasch seiner Aufgabe bewußt wird und genau wie vor hundert Jahren in Europa durch seine Vorhut, die BUdungsschicht, die Losung des Nationalismus und der Demokratie gegen die alte Zeit verficht. Ohne daß die Kraft des Islam von heute auf morgen verschwände, lockert sich für eine Paiye große Welt die Jahrhunderte während- religiöse Bindung, um einer neuen, einer nationalen Bin- dung Spielraum zu lassen. Ein junges arabisches Ratio- n a l b e w u ß t f e i n ist zwischen Nil und Tigris im Werden, am stärksten in den Gebieten, die, wie Aegypten, von Geldwirtfchast und Industrialisierung am meisten erfaßt sind, am schwächsten in Teilen wie Hedschas und Nedschd, die noch dem schweifenden No- madentum der Wüste sehr nahe stehen. Das National« kompliziert sich überall durch ein soziales Problem, das im allgemeinen aus dem Landhunger der besitzlosen oder bodenarmen Bauernmasse entspringt und in den fortgeschrittensten Gebieten auch schon al» Arbeiterfrage auftritt. Aber nationaler und sozialer Lefreiungs- drang erscheinen als zwei Sellen ein und derselben Bewegung: arabische Bauern und Arbeiter geben dem Kampf der Intelligenz erst die rechte Stoßkraft. Dieser Kampf richtet sich nicht nur gegen die einheimische Adelsund Priesterkaste, sondern mehr noch gegen den euro- päischen Imperialismus, der beim Zerfall des osmanifchen Reichs am Ausgang des Weltkrieges hier festen Fuß gefaßt hat. Während Aegypten 1922 die Erklärung seiner Unab- hängigkeit erlebte, um gleichwohl unter britischem Einfluß zu bleiben, schufen die Gebieter Europas Palästina, Irak. Trans- jorbameiv Hedfchas, Jemen als englische Vasallenstaaten, und Frank- reich setzte sich in seinem Mandatsgebiet Syrien wie in einer Kolonie fest. Aber London wie Paris hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht. J» den letzten zehn Iahren warf das arabisch« National- gesühl unausgesetzt Blasen: täte Ntvolntiou im Spat mußten die Engländer durch Fliegerbomben„beruhigen": der Ausstand in Syrien kostete die Franzosen beträchtliche Opfer an Gut und Blut: die religiös fanatischen Wahabitcn trugen ihre grüne Fahne ohne Rücksicht auf Wünsche und Beschlüsse europäischer Konferenzen bis nach Mekka und ans Rote Meer. Dank dieser Bewegung, aber auch dank der einsichtigen Politik der Londoner Arbeiterregierung sieht heule der vordere Orient ganz anders aus, als es sich 1918/19 die Sieger im Wettkrieg beim Verteilen der Beute träumen ließen. Aegypten, Transjordanien, Irak, Syrien sind mehr oder minder unabhängige Staaten mit eigenen Ver- fassungen und Parlamenten, uird eine trotzige Selbständigkeit bewähren auch die Wüstenstaaten Hedschas und Jemen. Das Irak wird sogar, ein bedeutungsvoller Schrill, im nächsten Jahr als voll- gültiges Mitglied in den Völkerbund ausgenommen werden. Roch sind die sozialen, kulturellen und politischen Unterschiede zwischen den«inzeweu. Teilen erheblich: hier noch Sippenverfassung der. Urzells dort schon moderner Sozialismus, hier schon Arbeiter- schutzgesetze des zwanzigsten Jahrhunderts, dort noch Bestrafung hes Diebes durch Handabhacken und des Einbrechers mit dem Tod! Aber das Gefühl der arabischen Einheit zieht weiter seine Kreise. Der gestattwandelnde Prozeß, den Hans Kohn beschreibt, ist nur ein erster Anfang. König F e i s s a l vom Irak erklärte schon 1923 dem brittschen Hohen Kommissär ins Gesicht,„daß die Araber nichts Geringeres annehmen werden-als die Einheit aller arabischen Länder", zu denen, wohlverstanden, auch das französische Nord- astika zählt, und bereits im April 1927 sah Kairo eine gewallig« Kundgebung der arabischen Einheit vom Jemen zum Libanon, vom Irak bis Marokko! Hermann Wevckel. Britische Sanierung. Arbeiterregierung für Kapitalertragsstever. London, 14. August.(Eigenbericht.) Die grundlegende Idee der britischen Arbeiterregierung zum Ausgleich des Staatshaushalts ist, die Bezieher von Einkommen aus sestoerzinslichen Papieren, also die Nutznießer der Steigerung des Geldwertes, heranzuziehen. Füh- rende Bankiers haben der Einführung einer besonderen Kapital, ertragssteuer unter Umständen nur für begrenzte Zeit zu- gestimmt. Die Verhandlungen der Minister über diese Probleme wurden am Donnerstag unter Hinzuziehung der Führer der Oppo- fition fortgesetzt. Der konservative Führer B a l d w i n ist unerwartet nach London zurückgekehrt und hatte mit Macdonald eine längere Besprechung. Der liberale Führer und Vertreter Lloyd Georges, Herbert Samuel, ist ebenfalls nach London zurückgekehrt. Di« Kon- servativen sind vor ollem für einen Illprozentigen Finanzzoll auf die gesamte Einfuhr. Die Pläne, für die sich die Regierung schließlich entscheiden wird, sind dem vielleicht schon in der nächsten Woche einzuberufenden Parlament vorzulegen. Der Gouverneur der Bank von England, Montague Nor- man, der durch die Bearbeitung der Vorschläge zur Bereinigung des Budgets überanstrengt war, hat einen gesundheitlichen Zu, sammenbruch erlitten und wird sich in den nächsten Tagen von den Geschäften zurückziehen. Woldemaras mii langem Haar. Dreitägiger Llrlaub aus der Verbannung. Sowvo. 14. August. Am Donnerstag und im Laufe der Nacht zum Freitag hat die litauische Geheimpolizei mehrere Personen, darunter den im Wolde» maras-Prozeß Mitangeklagten ehemaligen Schriftleiter und Führer des verbotenen„Eisernen Wolf", S l« s o r a i t i s, der bis zum Prozeß gegen Sicherheitsleistung enthaftet war, verhaftet. Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, erfolgte diese Verhaftung im Zusammenhang mit der Ausdeckung einer Verschwörung, die das Ziel hatte, Woldemaras bei setner gestrigen Ankunft in Kowno erneut zum Diktator auszurufen. Woldemaras, der am Donnerstagabend mit einem dreitägigen Urlaub aus der Verbannung unter starker Bewachung in Kowno eintraf, steht kränklich und sehr gealtert aus. Er zeigte sich in ab» getragener Kleidung, unrasiert und mit bis auf den Schullern herabhängendem 5)aar. Er bat die Pressephotographen, in An- betracht seines verwilderten Aussehens vorläufig von Aufnahme» odzuseheu.-_ ABB. zur Gemeindesanierung. Reue Belastungen.— Ltnmögliche Zumutung. Der Borstand desAllgemeincnDeutschenBeamten- b u n d e s hat in seiner Sitzung vom 14. August zu dem„Selbsthilfe- Programm der deutschen Städte" Stellung genommen und zunächst sein Bedauern darüber ausgesprochen, daß es der Deutsche Stüdtctag, die Zusammenfassung der deutschen Großstädte, nach Arbeitgeberart nicht für notwendig gehalten hat, sich vor Herausgabe eines solchen Programms mit den gewerkschaftlichen Organisationen zu ver- ständigen. Der Bundesvorstand des Allgemeinen Deutschen Bcamtenbundes bedauert, daß dieFinanzpolitikdesReiches auf die Lebens- Notwendigkeiten der deutschen Gemeinden keine Rücksicht genommen Hot. Die srcigewerkschaftlichcn Beamtenoerbönde haben in Gemein- schaft mit dem Allgemeinen Deutschen Beamtenbund schon beizeiten auf die schweren Gefahren hingewiesen, die diese finanzielle Reichs- Politik zur Folge haben muß. nämlich den Ruin der Gemeinde- finanzen und die Vernichtung der öffentlichen Wirtschaft der Ge- tneinden. Ohne im einzelnen auf die allgemein kommunalpolitischen Fragen des Selbfthilfeprogramms der deutschen Städte einzugehen, bringt der Allgemeine Deutsche Beamtenbund zum Ausdruck, daß die für die Gcmeindebedicnsteten sowie für alle Reichs- und Länderbeamten. -angestellten und-arbeiter vorgeschlagenen neuen Belastungen eine unmögliche Zumutung darstellt. Durch das Versprechen einer Preissenkung, das ja auch von der Rcichsregierung wiederholt gegeben, aber nicht erfüllt worden ist, können die Pläne des Städtctages den in Frage kommenden Arbeitnehmern nicht schmackhaft gemocht werden. Eine Gesundung der deutschen Gemein- den kann nur auf Grund der vom Allgemeinen Deutschen Beamten- bund miederholt aufgestellten Forderungen erreicht werden. Die Vorschläge des Städtetages, eng verwandt mit den Plänen der hoch- kapitalistischen Wirtschaftskreise, werden die Notlage des deutschen Volkes nicht mildern, sondern nur weiter verschärfen. Auch dieses Programm des Deutschen Städtctages veranlaßt den Bundesvorstand des Allgemeinen Deutschen Bcamtenbundes, die Be- amten mit größtem Nachdruck auf die Ursachen der katastrophalen wirtschaftlichen und sozialen Lage des deutschen Volkes hinzuweisen, nämlich auf das völlige Versagen der kapitalistischen Wirtschaftsordnung. Der Bundesvorstand des Allgemeinen Deutschen Bcamtenbundes fordert die freigewcrkfchaftlichcn Beamten auf, alles zu tun, um ihre Kollegen über diese Ursachen aufzuklären und die verfehlte Politik des Kapitalismus auf das schärfste zu bekämpfen. Ein Internationales Jahrbuch. Ein Nachschlagewerk für Sozialpolitik und Wirtschaft. Wer bisher sich über den Stand der Sozialgesetzgebung, über die Löhne, die Produktion, die Lebenshaltungskosten, die Gewerkschaften Usw. in den verschiedenen Ländern informieren wollte, der war ge- zwungen, sich mühselig sein Material aus verschiedenen Ver ösfentlichungcn zusammenzusuchen. Diesem U« beistand Hot nunmehr das Internationale Arbeitsamt abgeholfen. Es ist soeben die erste Ausgabe eines Internationalen Jahrbuches der Sozialpolitik, das das Jahr 1930 umfaßt, erschienen�). Der Inhalt des 380 Seiten starken Werkes, das mit einer großen Anzahl von Tabellen und graphischen Darstellungen versehen ist, greift jedoch weiter, als der Titel zunächst anzuzeigen scheint. Das Jahrbuch enthält nicht nur einen Einblick in die internationale Ar- beitsorganisation, ihren Aufbau und ihre Tätigkeit. Es gibt einen lleberblick über die Gewerkschaftsbewegung der ganzen Welt, über die llntcrnehmerverbändc, die Genossenschaften, wie überhaupt über olle Institutionen und Verbindungen, die dem Internationalen Arbeitsamt oder dem Völkerbund nahestehen. Das Jahrbuch gibt Aufschluß über die Tätigkeit des Internationalen Arbeitsamts, sowie über die Durchführung der internationalen llebereinkommen. Dies alles ist aber sozusagen nur die Einleitung. Das Jahr- buch enthält statistische liebersichten über die Groß- und Klein- handelssragen, die Gold- und Silberproduktion, den Notenumlauf, die Währungskurse, über Kapitalemissionen, die Kurse der Dioidcndenpapiere, über die Produktion und den Handel, über Ge- winne und Löhne, über internationale Jndustrievereinbarungen (Kartelle und Trusts). Es folgt dann ein eingehender Ueberblick über den Stand der Sozialgesetzgebung in den verschiedenen Ländern, der außerordentlich interessant und ausschlußreich ist. Eine umfang- reiche tabellarische llebersicht über die Arbeitslosigkeit folgt, sowie eine Darstellung der Gesetzgebung zum Schutze der Arbeitslosen in verschiedenen Ländern. Ein Kapitel behandelt den Sonderschutz einzelner Arbcitcrgruppen(Seeleute, Binnenschiffer, Fischerei und Luftschiffahrt, Landarbeiter, geistige Arbeiter, Eingeborcnenarbeiter). Das Internationale Jahrbuch der Sozialpolitik enthält noch eine Fülle von Informationen. Teilweise handelt es sich dabei um kurze Mitteilungen, die linzureichünd sind, teilweise um ausge- zoichnetes statistisches Material. Ein großer Teil des Materials war bisher in den Jahresberichten des Direktors des Internationalen Arbeitsamtes enthalten. Diese Jahresberichte haben den Nachteil, in einem unhandlichen Format zu erscheinen und außerdem war dort das statistische Material nicht übersichtlich geordnet. Das Jahr- buch beseitigt diese Mängel und ergänzt die Informationen durch statistisches Material. Das Jahrbuch ist jetzt schon in seiner ersten Ausgabe ein aus- gezeichnetes Nachschlagewerk, dos für jeden, der sich mit sozial- politischen und wirtschaftlichen Fragen zu beschäftigen hat, unent- behrlich werden wird. Es ist zu begrüßen, daß das Internationale Arbeitsamt mit der Veröffentlichung des Jahrbuches die un- geheure Menge an Informationen und statistischem Material, die bei ihm zusammenläuft, in einer handlichen Ausgabe der Oeffentlich- keit zugänglich macht. Die Arbeiislosigkeii in Krankreich. Schein und WirNichkeit. Die Bestrebungen zur systematischen Organisierung des Arbeits- Marktes sind in Frankreich noch neueren Datums. Dieser Umstand darf nicht ausschließlich auf Nachlässigkeiten oder mangelndes Inter- effe der Behörden zurückgeführt werden, sondern ist zu einem großen Teile darin begründet, daß sich der Franzose nur ungern„statistisch erfassen" läßt. Diese Eigenschaft, bei der ein gewisser persönlicher Stolz nicht unbeteiligt sein mag, macht sich besonders dann geltend, wenn es sich darum handelt, soziales Unglück oder Elend— wie z B. die Arbeitslosigkeit— zahlenmäßig festzustellen. Deshalb auch der große Unterschied zwischen der Zahl der u n t e r st ü tz t e n— also angemeldeten— und der nichtunter st ützten Arbeitslosen. Als sich in Europa die ersten Zeichen der herannahenden Wirt- fchaftskrise geltend machten, setzte sich der Französische Gewerk- schaftsbund unverzüglich für behördliche Vorforgemaßnah- men ein: er verlangte insbesondere die Bildung von staatlichen Arbeitslosenkassen. Die Zahl dieser in den verschiedenen Departe- menten gegründeten öffentlichen Kassen beläuft sich heute immer- hin auf mehr als 1000: die Ziffer der unterstützten Arbeitslosen erreichte Mitte Juli 3S 000.(Davon entfallen allein auf das De- partement Seine 23 620 Arbeitslose, gegen S38 im Vorjahre.) Welches ist jedoch die tatsächliche Zahl der Arbeitslosen? Noch zu Beginn der Sommermonate betrug die Gesamtzahl der Erwerbslosen schätzungsweise 250 000 und jene der Kurz- arbeiter etwa e i n e M i l l i o n. Da die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen noch Mitte Juli— also mitten im Sommer— eine steigende Tendenz aufwies, darf man annehmen, daß die wirtliche Zahl der Vollarbeitslosen auch heute noch 200 000 übersteigt. Eine Gelegenheit zu zuverlässigen Feststellungen auf begrenztem Sebiete gibt eine vom Arbeitsministerium unternommene Erhebung *) Broschiert 10 Mark, gebunden 12 Mark. Zu beziehen in Keutfchlond durch das Zweigamt des IAA., Berlin NW. 40, Scharnhorststraße 35, über die Dauer der wöchentlichen Arbeitszeit in Unternehmen m i t mehr als 100 Arbeitern. Aus dieser Aufstellung ist zu ersehen, daß am 1. Juni d. I. in 8415 erfaßten Unternehmen 2 647 663 Arbeiter beschäftigt waren, gegen 2 831 394 am gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Der Rückgang der Zahl der Beschäftigten beträgt somit allein in diesen Unternehmen 183 831, wobei an- genommen werden darf, daß ein großer Teil dieser Arbeiter heute erwerbslos ist. Was das Los der Kurzarbeiter betrifft, so ist bereits am 10. März ein Dekret zur Annahme gelangt, auf Grund dessen olle von Departementen, Gemeinden, Gewerkschaften, Unternehmer- organisationen, Hilfsgesellschaften usw. gegründeten Arbeitslosen- kasien für die Unterstützung jener Arbeiter, die weniger als 32 Stunden die Woche beim gleichen Unternehmer beschäftigt sind, unterstützungsberechtigt werden. Leider ist trotz dieser Berord- nung auf diesem Gebiete bis jetzt wenig geschehen. Die Regierung weist darauf hin, daß die Durchführung solcher Spezialmaßnahmen auch in anderen Ländern viel Zeit erforderte: die Gewerkschaften erwidern, daß aus alle Fälle in diesen Ländern(z. B. Deutschland und Polen) zur Zeit für die Kurzarbeiter gesorgt sei und auch Frankreich das nötige sofort veranlassen müsse. Die Prüfung der A r b e i t s z e i t der von obengenannter Er- Hebung erfaßten Arbeiter ergibt folgendes Bild: 69,72 Proz. dieser 2,6 Millionen Arbeiter arbeiteten am 1. Juni d. I. 48 und mehr Stunden per Woche(96,8 Proz. im Vorjahre), 17,53 Proz. arbeiteten mehr als 40 Stunden und weniger als 48 Stunden (2,46 Proz. im Jahre 1930), 6,89 Proz. arbeiteten nur 40 Stunden <0,40 Proz. im Jahre 1930), 5,10 Proz. arbeiteten mehr als 32 Stunden und weniger als 40 Stunden(0,16 Proz. im Vorjahre) imd 0,68 Proz. arbeiteten nur 32 Stunden(0,06 Proz. im Jahre 1930). Rund 3 0 Proz. der Arbeiter waren also Kurzarbeiter. Wenn man diese umrechnet in Vollarbeitslose und für drei Kurz- arbeiter einen Vollarbeitslosen setzt, so macht das allein schon 10 Proz. Arbeitslose. Bemerkenswert ist, daß die Zahl der Kurz- arbeiter die der Arbeitslosen weit üherwiegt. Das ist vor allem auf die größere soziale und wirtschaftliche Einsicht der Unternehmer zu- rückzuführen. In Deutschland dagegen, mit seiner kata- strophalen Arbeitslosigkeit, sträuben sich die Unternehmer mit Händen und Füßen gegen die 40-Stunden-Woche. Lohnabbau der Weisheit letzter Schluß. Wieder einmal die Zigarrenfabrikanten. Die Zigarrenfabrikanten strapazieren sich wieder ein- mal in L o h n d r u ck. Da die tariflich vereinbarten Lohn- und Arbeitsbedingungen für allgemeinverbindlich erNärt und unabding- bar sind, veranlassen sie ihr Personal— so z. B. neuerdings die Firmen E. B. G e r st e in Görlitz und Rinnu. Cloosin Heuchel- heim bei Gießen, beim Deutschen Tabakarbeiterverband eine Herab- setzung der Ortszuschläge zu beantragen. Der Deutsche Tabakarbeiterverband wird selbstverständlich nichts unversucht lassen, um eine Umgehung oder Durchbrechung der tarif- lich vereinbarten Lohn- und Arbeitsbedingungen zu verhindern. Die Zigarrenfabrikanten sind wieder einmal dabei, die ohnehin schon große Not der Tabakarbeiter auszunutzen.' Am 7. August tritt in S t o ck h o l m der 10. I n t e r n a t i a- nal« Tabakarbeiterkongreß zusammen. Die Internatio- ncrle der Tabakarbeiter umfaßte Ende 1930 in den angeschlossenen Länderorganisationcn 122 031 Mitglieder: davon sind 90 696 Frauen. Oas unsinnige Stempeln. Vernunft wird Llnfinn, Wohltat plage. Von einem Arbeitslosen wird uns geschrieben: Nicht mit Unrecht schimpfen die meisten Arbeitslosen über das unnötige Stempeln, Gedacht war ursprünglich der Stempel als Kon- trolle für den unterstützten Arbeitslosen. Der Stempel ist der Aus- weis, daß der Arbeitslose sich vergeblich um Arbeit bemüht und somit der Forderung des Arbeitslosenversicherungsgesetzes hinsichlllch der Arbeitswilligkeit Genüge getan hat. Der Gedanke der Kontrolle war gut zu einer Zeit, als es noch hinreichend Arbeitsvermittlungsmöglichkeiten gab. Aber heute? Heute belastet sie unnötig den Arbeitslosen und den Staat. Nirgends treibt der Radikalismus stärkere Blüten als da, wo das Elend sich sammelt. Die Polizei bemüht sich in diesen schweren Zeiten, Massenonsammlungen der Notleidendsten zu verhindern. Die Arbeitsämter treiben allwöchentlich vier Millionen Arbeitslose auf 360 Arbeitsämter zweimal zu- f a m m e n, um einer Pflicht zu genügen, die nur noch auf dem Papier als solche anerkannt werden kann. Aus staatspolitischer Klug- heit heraus schon müßten diese Massenansammlungen unterbleiben. Der Arbeitslose selber leidet unter dieser Pflicht, die unsinnig ist. 4 Millionen Menschen müssen sich wöchentlich zweimal„um Arbeit bemühen", obwohl kaum für 4000 Arbeit vorhanden ist. Ein Teil der 4 Millionen muß zweimal wöchentlich biszu60 Kilometer über Land ohne jede Rücksicht auf die Witterung marschieren, um „stempeln" zu können. Ja, es gibt Landbewohner, die von ihrem Recht auf Arbeitslosenversicherung nicht Gebrauch machen, weil sie LaS fUr Lerarkg weAe Wege notwendige Fahrrad nicht Lefitz«! Stiefel- und Kleiderabnutzung dürfen sich die Landbewohner genau so wenig berechnen, wie die Großstädter, wo die Entfernungen wohl nicht ganz so groß, aber desto ermüdender und anstrengender sind. Wie oft Müssen aber die großstädtischen Arbeitslosen teure Ver- kehrsmittel benutzen, weil trotz Ueberweifungen zu lokalen Stempelstellen der Weg immer noch reichlich weit ist und die Klei- dung besonders bei schlechter Witterung den Besitzer nicht mehr vor Regen oder Schnee schützen würde. Bei mittleren und kleinen Städten mögen diese Beschwerden nicht so erheblich ins Gewicht fallen. Für die ländliche und groß- städtische Bevölkerung muß ober ein Weg gefunden werden, der Arbeitslosen Unkosten für Fahr- und Zehrgelder sowie für Kleidungs- abnutzung erspart. Die Arbeitslosen gehen stempeln, weil ihnen sonst für jeden fehlenden Stempel Geldabzüge gemacht werden. Sie wissen aber genau, daß sie trotz allen Stcmpclns vorläufig doch nie an eine Arbeitsvermittlung denken können. Für die gegenwärtig wirklich freiwcrdenden Stellen würde es genügen, wenn die Arbeitsämter 10 Proz. der Arbeitslosen zum Stempeln bestellen. Mehr Auswahl braucht kein Unternehmer. Das Stempeln an sich ist auch bestimmt keine Kontrolle gegen Schwarzarbeit, denn wer neben dem Unterstützungs- bezug arbeiten will, findet dazu in der Großstadt noch Zeit genug. Will aber die Rcichsanstalt auf die Stempelkontrollc nicht ver- zichten, so soll ihre sonst so übereifrige Bürokratie andere Mittel und Wege suchen, die auf den Staat und die Arbeitslosen genügend Rück- ficht nehmen. Der Arbeitslose ist ein Staatsbürger wie jeder andere und kann genau so Rücksichtnahme verlangen wie jeder Steuerzahler, denn an seiner Arbeitslosigkeit trägt er keine Schuld. Oer Konflikt der Möbeliransporteure. Doch zweiter Lohnabbau? Im Berliner Möbeltransport gewerbe, wo von den Unternehmern gleichfalls das Lohnabkommen gekündigt worden war, fanden ain Donnerstag Verhandlungen vor dem Schlichtung-- a u s s ch u ß statt. Die Unternehmer hatten einen Lohnabbau von 1 6 14 Proz. gefordert, sowie den Abbau der Zu- schlüge für besonders schwere Transporte, wie z. B. der Zuschläge bei Geldschrank- und Maschinentransporten, Geschäfts- und Fabrik- Umzügen usw. Als„Ausgleich" für diesen Lohnabbau soll das Metergeld wieder eingeführt werden, das aber nicht etwa von den Spediteuren, sondern von der Kundschaft gezahlt werden muß. Es sollte also ein teilweiser Lohnausgleich auf Kosten der Umziehenden erfolgen, vom Unternehmerstandpunkt aus eine gar nicht so üble Idee. Zur Vcrkündung eines Schiedsspruches kam es in den Ver- Handlungen vor dem Schlichtungsausfchuß nicht. Die Schlichlungs- kammer machte' den Parteien vielmehr einen Vorschlag, über den noch in direkte Verhandlungen eingetreten werden soll. Dieser Vor- schlag sieht in zwei Etappen einen Abbau der Wochenlöhne um insgesamt 8 Proz. vor. Als„Ausgleich" dafür sollen die Möbel- transportarbeitcr ein Metergeld von 1 Mark pro Wagenmcter erhalten, so daß bei einer Kolonne van vier Mann, die im Durch- schnitt pro Tag acht Wagcnmeter Möbel umziehen, 8 Mark tarifmäßiges Trinkgeld von der Kundschaft zu zahlen wäre, mithin der einzelne Arbeiter 2 Mark tarifmäßiges Trinkgeld erhalten würde. Bei den nichtständigen Arbeitern soll der Tagelohn jedoch um etwa 16 Proz. gekürzt werden. Ob die Verhandlungen über diesen Vorschlag der Schlichtung?- kammer zu einer Verständigung sichren werden, erscheint sehr fraglich, zumal auch in diesem Gewerb« im Frühjäh-r bereits ein Abbau der Löhne um etwa 714 Proz. erfolgt ist. Für den Fall, daß eine Einigung zwischen den Parteien nicht zustande kommt, hat sich der Schlichtungsausfchuß die endgültige Entscheidung durch die Verkündung eines Schiedsspruches vorbehalten. Schlichiungsausfchuß für zweiten Lohnabbau. Schiedsspruch im Speditionsgewerbe. Wie im„Vorwärts" bereits mitgeteilt, hatte der Verband Berliner Spediteure dem Gesamtoerband das Lohnabkommen und den Manteltarifvertrag für die Arbeiter des Spe- ditionsgewerbcs gekündigt und neben Verschlechterungen der Arbeits- bedingungen eine Herabsetzung der Löhne um 10 Proz. gefordert. Infolge der starken Gegensätze kam es nicht zu Pnrteiver- Handlungen. Die Unternehmer riefen den Schlichtungsaus- s ch u ß an, der setzt einen Schiedsspruch gefällt hat, wonach die Löhne im Berliner Speditionsgewerbe ab 15. August u m 4 Proz. gesenkt werden sollen. Der Vertrag soll bis zum 30. Oktober d. I. gelten. Der Manteltarifoertrag ist durch den Schiedsspruch unverändert bis zum gleichen Tage verlängert worden. Der Vorsitzende des Schlichtungsausschusses vertrat ebenso wie die Unternehmer des Speditionsgewerbes die Ansicht, daß eine längere tarifvertragliche Bindung im Augenblick nicht eingegangen werden könne, da die Verhandlungen wegen des Abkommens der Firma Schenke? u. Co. mit der Reichsbahn über den söge- nannten Schenker-Vertrag noch nicht abgeschlossen sind, von dem Abschluß dieses Vertrages jedoch die weitere Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen im Berliner Speditionsgewerbe ab- hängig sei. Die Lohnkommission der Speditionsarbeiter und der Gesamt- verband haben den Schiedsspruch abgelehnt, vor allem aus dem Grund«, weil schon zu Anfang d. I. ein Abbau der Löhne u m rund 5 Proz. erfolgt ist. Im Einvernehmen mit der Orga- nisationsleitung hat die Lohnkommission beschlossen, über die An- nähme oder Ablehnung des Schiedsspruches in den Spedition?- betrieben eine U r a b st i m m u n g vorzunehmen. Am Dienstag werden die Funktionäre der Branche je nach dem Resultat der Abstimmung die weiteren Beschlüsse fassen. Bessere Beschästigung bei Opel. Die Opelwerke in Rüsselsheim haben die kürzlich angekündigte Dreitagewoche angesichts der gebesserten Exportlage um einen Arbeitstag vermehrt. Die Werksleitung hofft, in einiger Zeit die Belegschaft wieder voll beschästigen zu können, da ihr neuer Opeltyp ein Schlager auf dem Weltmarkt zu werden verspricht. Der Wagen ist ein Viersitzer, 1,2-Liter-Typ, zum Preise von 2500 M. Iuqendciruppe des Zentralverbandes der Anaeftellten Spielc im Freien ab IS Uhr auf dem SportpteK Humbolbthain und im Cchillerpark. Bcrantwortii» sllr Politik: Tr. Snrt«eqer; Wirtschasl:«.«linaetbölcr- rScmcrki-baftsbcwceun«: b. Slcincr: Feuilleion: Dr. Jahn Schikowski- LatlUe,' und Sonsturcs: Fritr Karstädt:«nzeiaen: Td. Glocke: siimliiei in Berlin Berlaa: Porwäris-Verwo G. m. b. S.. Berlin. Druck: Pornilws.Buck»drückorei und Berlaasanstalt Paul Srnaer u. Co..«erlin SB fcs. Kierzu 2 Beilagen.««jcohwis».