BERLIN Sonnabend 15. August 1931 10 Pf. Jlr. 3S0 B 190 48. Jahrgang LrscheinttSglich außer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 8b Pf. pro Woche, 3,60®. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SWss.Lindenstr.s Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297 AnzelgenpretsiDie einspaltigeNonpareillezeil« 8o Pf., Reklamezeile 6 M. Crmäßigunaen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m. d. H.« Berlin Nr. 3? 536.— Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Hamburg in Not Auswirkung der Wirtfchastskrise- Radikale Sparmaßnahmen Hamburg. 15. August.(Eigenbericht.) Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise, die auch den Hamburger Staat besonders stark betroffen haben, haben den Senat zu einem einstweiligen und radikalen Drosselungsprogramm veranlaßt. Da nach Abzug aller bisherigen Einsparungen noch ein Fehlbetrag von etwa 38 Millionen Mark oerbleibt, hat der Senat eine gleichmäßige Einschränkung aller Zweige der Verwaltung be- schlössen. Diese Einschränkungen beginnen mit der V e r k l e i n e- rung des Senats, der von sechzehn auf 12 Mitglieder vermindert werden soll. Auch die Zahl der Staatsräte soll eingeschränkt werden. Ferner werden alle sachlichen Ausgaben des Senats, besonders die Aufwendungen für Repräsentation, auf das denkbar geringste Maß herabgesetzt. Die gesamte Behördenorganisation wird weit- gehend vereinfacht. Die Berufs- und Oberschulbehörde wird zusammengelegt, die Aufgaben des Wohnungsamtes sollen von anderen Behörden durchgeführt werden: die Behörde für Landwirt- schast wird aufgelöst: die Polizeibehörde soll eine Reih« von Bezirksbüros schließen, einzelne Abteilungen zusammenlegen, be- rittene Polizei verkleinern und gemietete Räume freimachen. Bei der Landesjustizverwaltung sollen freie und frei werdende Stellen nicht wieder besetzt werden. Die Geschäftsstellen der Gerichte und eine Reche von Strafanstalten werden zusammengelegt. Aehnliche Zusammenlegungen sollen auch bei der Finanzdeputation und bei der Arbeitsbehörde erfolgen. Zu diesen organisatorischen Maßnahmen tritt eine Reihe sehr weitgehender sachlicher Einschränkungen, die durch den furchtbaren Ernst der Situation erforderlich geworden nd. Alle öffentlichen Arbeiten, besonders Bauten, werden eingestellt, soweit nicht vertragliche oder gesetzliche Verpflichtungen vorliegen oder eine Gefährdung des Bauzustandes zu befürchten ist. Die Finanzierung des Wohnungsbaus wird zunächst auf be- reits vergebene Bauten beschränkt. Im Hafen sollen Wert- stätten zusammengelegt und einzelne Kaischuppen stillgelegt werden. Die Gehälter der Beamten und Angestellten sollen denen gleich zu bewertender Reichsbeamten angeglichen werden. Der Urlaub der Beamten und Angestellten wird v e r i n g e r t. Die Pausen werden künftig in die 48stündige Arbeitszeit nicht mehr einbezogen. Frei werdende Stellen sollen vorläufig nicht wieder besetzt werden. Im Schulwesen werden die Klassenfrequenz und die Pflichtstundenzahl der Lehrer erhöht. 459 Lehrkräften ist vorsorglich am 15. August gekündigt worden. Die Vorlesungen in der Uni- versität, der Volkshochschule und im technischen Dorlesungswcssn werden wesentlich eingeschränkt. Im Gesundheitswesen sollen Krankenstationen zusammengelegt werden. Die Jugendbehörde muß die Erholungsfürsorge einschränken und die Belegung fremder Heime ganz aufgeben. In Verbindung mit den personellen Maßnahmen ist die Herabsetzung der Altersgrenze von 65 auf 6? Jahre in Aussicht genommen. Ferner hat der Senat die sofortige Schließung des Stadttheoters und der Philharmonie erwogen, die Entscheidung aber vertagt, da die Verträge für die laufende Spielzeit bereits abgeschlossen sind. Verträge für die nächste Spielzeit dürfen zunächst nicht abgeschlossen werden. Der Wohl- fahrtsbehörde soll eine große Anzahl anderweitig freigemachter Be- amten und Angestellten zur Verfügung gestellt werden, um miß- bräuchliche Inanspruchnahme der öffentlichen Fürsorge zu unter- binden. Insgesamt erwartet der Senat von diesem umfangreichen Trosse- lungsprogramm eine Einsparung von etwa 25 Millionen Mark. Ueber die Deckung des noch zu verbleibenden Defizits soll Beschluß gefaßt werden, wenn Klarheit über die nächsten Schritte des Reiches besteht. In einem allgemeinen Ueberblick über die Finanzlage Hamburgs schildert der Senat, wie die zunehmende allgemeine Vertrauenskrise sich auf die hamburgischen Kreditverhältnisse besonders schwerwiegend ausgewirkt hat. Die in größtem Umfange angeforderte Rückzahlung kurzfristiger Kredite in den letzten Monaten war nur durch In- anspruchnahme aller Kassenreserven und inländischer Kreditquellen möglich. Die gesamte Neuverschuldung Hamburgs seit der Inflation beläust sich, wie der Senat weiter mitteilt, auf 345 Millionen, wovon 129 Millionen Auslandsschulden sind. Zum Vergleich weist der Senat darauf hin, daß sich vor dem Kriege die Staats- schuld auf etwa eine Milliarde Mark belausen hat. 'Die tKiiHiettkumlgebnng derSSerlinerSomialdemokratieimSportpalafi Es wird wärmer! Südliche iüistströme sorgen für Temperaturanstieg. Seil gestern ist über Südosteuropa starker Druckanstieg Zu verzeichnen, so daß mit einer leichten Wetterverbesserung für den morgigen Sonntag zu rechnen ist. Die Prognose lautet: Teils heiler, teil» wolkig und etwas wärmer. Da sich gleichzeitig westlich von Irland ein sehr kräftiges Tiefdruckgebiet herausgebildet hat, ohne seine Lage zu verändern, wird durch die herrschende Druckver- leilung das heranflulen südlicher Luslströme bedingt. Da die Winde aber ziemlich feucht sind, wird der Himmel zeilweise stärker bewölkt sein. An der O st s e e k ü st e herrscht seit heute früh heiteres, jedoch verhältnismüßig kühles Weller. Anarchie im Kapitalismus. Breitfcheid fordert planmäßige Wirffchast in Europa. Magdeburg. 15. August. In einer öffentlichen Versammlung der Sozialdemokratischen Partei sprach gestern abend der Vorsitzende der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion Dr. B r e i t s ch e i d über„Deutschland in der Krise". Er behandelte vor allem die Frage der Kredite und betonte, Deutschland müsse Kredite haben, wenn nicht die ganze Welt, vor allem auch das Proletariat, selber leiden solle. Um diese Kredite zu erhalten, müsse das Vertrauen zu Deutschland wiederhergestellt werden. Es handle sich vor allem darum, eine richtige Außen- Politik zu treiben. Er sei in Paris gewesen, nicht, wie man ihm vorgeworfen habe, um der französischen Regierung zu sagen, sie nwge Deutschland Bedingungen stellen, sondern um die Lage in Deutschland so schwarz wie möglich zu schildern. Er habe auch keine Antwort gehabt, als man ihm gesagt habe, wenn es Deutschland so schlecht gehe, dann hätte es keinen Panzerkreuzer bauen sollen. Er habe auch keine Antwort gehabt, als man ihm sagte, es fei nicht nötig gewesen, die Welt durch die Zollunion vor den Kopf zu stoßen in einem Augenblick, wo man Geld haben wolle. Gewiß sei Deutschland im Recht: aber es komm« nicht immer aus das Recht an, sondern auf die Völkerpsychologie. Die deutsche Außenpolitik sei zu großmannssüchtig gewesen: die Sozialdemokratie aber verlange Völkerverständigung, vor allem die Verständi- g u n g m i t F ra nk r e i ch, ohne die es nie Frieden geben könne. Ilm das Vertrauen der Welt wiederzugewinnen, müsse man auch in der inneren Politik einen ruhigen Weg gehen. Es gehe nicht an, daß der Stahlhelm seine Tage feiere, daß man Kavalleristentag« in Dresden abhalte. Damit täten die Leute, die sich national nennen, das Unnationalste, was es gibt: sie schädigen die Nation! In längeren Ausführungen wandte sich dann Breitscheid geg«n den Kapitalismus, den er anarchisch nannte. Ihm müsse eine plan- mäßige europäische Wirtschafts- und Staatsgestaltung gegenübergestellt werden. Weite Kreise, selbst unter den Kapitalisten, hätten heute schon eingesehn,' daß das kapitalistische System in höchstem Maße für die heutig« Not verantwortlich sei. Auch unter den Nationalsozialisten gebe es viele Tausende, die dumpf fühlten, daß der Kapitalismus an ihrer Not die Schuld trage. Das seien die Enttäuschten des versinkenden Mittelstandes. Diese Leute seien die künftigen Rekruten des Sozialismus. Zum Schluß verteidigte Breitscheid die Sozialdemokratie gegen den Vorwurf, daß sie, obwohl sie in dem Kapitalismus den Feind sehe, doch die kapitalistische Regierung Brüning unterstütze. Das geschehe nur, weil die Regierung, die heute im Reich herrsche, noch immer derjenigen vorzuziehen sei, die zweifellos kommen würde, wenn heute oder morgen das Kabinett Brüning gestürzt würde. Die Sozialdemokratie wolle den Faschismus eines Hitler und eines Hugenberg verhindern. Auch sei die Sozialdemokratie jetzt noch immer in der Lage gewesen, den Notverordnungen, die sie in vielen Punkten gewiß nicht billige, ihre Härten und Scharfen gegen die Arbeiterschaft zu nehmen. Es drohe die Gefahr einer VerbreiterungderRegierungBrüningnachrechts. Dafür sei besonders im Zentrum einige Neigung vorhanden. Ein- dringlichst warnte Breitscheid davor, zu versuchen, die Krise durch Gewalt zu lösen. Das mache die Sozialdemokratie nicht mit, sie er- warte den Soizalismus in ruhiger Entwicklung. Wenn aber die Enttäuschten des Volksentscheids die Politik von der Wahlurne, wie es scheine, auf die Straße trügen und der Sozialdemokratie mit Ge- walt entgegenträten, so werde die Sozialdemokratie, die den Grund- satz der Gewalt ablehne, mit denselben Mitteln zu antworten wissen. Zur Mitarbeit bereit aber... Reaktionärer Wunschzettel der Hausbesitzer. Der 52. Verbandstag des Zentraloerbandes deutscher Haus- und Grundbesitzervereine in Würzburg, dessen Teil- nehmer sich am 9. A u g u st in geschlossenen Kolonnen über die preußische Grenze fahren ließen, um aktio an der Abstimmungsblamage des Volksentscheids beteiligt gewesen zu sein, hat seine mehrtägigen, mit Festlichkeiten reich garnierten und daher gewiß anstrengenden Verhandlungen abgeschlossen. Er ver- öffentlicht eine Entschließung, in der er die Leitung des Zentral- Verbandes ermächtigt, der Reichsregierung die Mitarbeit des deutschen Hausbesitzes zum Wiederaufbau zuzusagen. Diese Phrase ist eine Anmaßung und ein durchsichtiges Agi- tationsmanöver zur Täuschung der Oesfentlichkeit. Wie die K o h l e n- und Eisenbarone Westdeutschlands sich in der schweren Zeit während und nach der Besetzung an st a a t l i ch c n S u b v e n- tioncn gesund machten, wie die Großindustrie bei der Sanie- rung der Danatbank große Gewinne aus Reichskosten einsteckt, so versuchen auch die Hausbesitzer jetzt, in dem Wirrwarr der Finanz- krise ihren Bereicherungsfeldzug auf Kosten der breiten Massen endgültig zu Ende zu sühren. Zur„Mit- arbeit am Wiederausbau" sind sie nämlich nur unter B e d i n- g u n g e n bereit, deren Erfüllung die allgemeine Wirtschaftskrise ungeheuer verschärfen muß. Sie verlangen, daß die Reichsregierung auf dem Notverordnungswege die Hauszinssteuer aushebt, die Wohnungszwangswirtschaft restlos beseitigt und die mietsrechtlichen Bs- stimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches, deren höchste soziale Un- gerechtigkeit jeder Mieter der Vorkriegszeit am eigenen Leibe gespürt hat, unverändert wieder in Kraft setzt. Der Abbau der Hauszinssteuer, die trotz der Minderemgänge der Steuerbefreiungen für Wohnungen Zlrbeitsloser, für leerstehende Großwohnungen und Geschäftsräume eine der sichersten Staatsein- nahmen ist, gefährdet die Finanzen der Gemeinden und der Länder auf das stärkste. Eine auch nur geringe weitere Kürzung der öffent- lichen Einnahmen aus dem Althausbesitz— gleichgültig, ob sie in Gestalt der Hauszinssteuer oder einer an ihre Stelle tretenden Staatsrente fließen— führt zu völligem Erliegen des Wvhnungs- baucs mit seinen katastrophalen Folgen für den Arbeitsmarkt. Die Aufhebung der Wohnungszwangswirtfchaft gibt die Mieter schutzlos willkürlichen Mietserhöhungen preis, deren Folge wiederum die Unterhöhlung der Massenkaufkraft ist. Was die Haus- paschas vorschlagen, ist also nicht„Mitarbeit am Wiederaufbau", sondern Katastrophenpolitik eines Jnteressentenhaufens. Der Entschließung des Würzburger Verbandstages der Haus» besitzer find der Zentralverbanü des deutschen Bank- und Bankier- gewerbes, der Reichsverband der deutschen Industrie und weitere Unternehmerverbände beigetreten. Der Reichsvcrband der deutschen Industrie mag sich mit seiner Fachgruppe Baugewerbe über die Auswirkungen des Hausbesitzerprogramms auf die Beschäftigung in der Bauwirtschaft auseinandersetzen. Werden die Forderungen der Hausbesitzer erfüllt, so droht das Baugewerbe voll» ständig zu erliegen, da es auf die öffentlichen Mittel Haupt- sächlich angewiesen ist. Es werden ferner die„deutschen Hypothekenbanken" unter den Unterschriften genannt. Damit wird ekne Irreführung der Leffentlichkeit oersucht. Der Entschließung der Hausbesitzer sind nur diejenigen Hypothekenbanken beigetreten, die hauptsächlich A l t h a u s b e s i tz beliehen haben, und zwar in den letzten Jahren zum Teil ohne die wirtschaftlichen Notwendigkeiten genügend zu be- rücksichtigen. Mehrere Hypothekenbanken, die die Interessen des Wohnungsneubaus wahrzunehmen haben, haben sich ganz entschie- den geweigert, die geforderten Unterschriften zu leisten. Die reaktionären Forderungen der Hausbesitzer werden dem stärksten Widerstand der Arbeiter, Angestellten und Beamten und ihrer politischen Führung, der Sozialdemokratie, begegnen. Das Aussterben der alten Generale. Reichsregierung verlangt keine Pensionskürzungen. Die vor einiger Zeit verbreitete Meldung, daß anläßlich der Gehaltskürzung im Juni die Empfänger hoher Pensionen durch eingeschriebene Briefe der zuständigen Reichsministerien auf- gefordert worden seien, auf einen angemessenen Teil ihrer Pension zu verzichten, wird von neuem kategorisch dementiert. Zugleich wird mitgeteilt, daß es überhaupt kein« Militär- Pensionäre mit über 16 000 M. Iahrespcnsion gibt, und daß nur 115 Militärs 12 000 bis höchstens 16 000 M. Jahrespension be- ziehen. Allein im letzten Jahr seien 100 ehemalige Generäle ge- storben! seit der Veröffentlichung der Pensionsdenkschrift an den Reichetag im Jahre 1926 rund 500 ehemalige Generäle. Der frühere deutsche Kronprinz habe niemals einen Pfennig Militärpension beansprucht oder bezogen, der ehemalige bayerische Kronprinz Ruprecht überweise seit Kriegsende feine ganze Pension dem Landeskriegerverband Bayern. Von den pensionierten früheren Reichsmini st ern haben einige auf nicht unwesent- liche Teile ihrer Pension verzichtet. Im übrigen unterliegen auch die Pensionen, Wartegelder, Witwen- und Waisengcldcr sowohl der Gehaltskürzung wie auch, wenn sie I61OOO Mark überschreiten, der Krisensteuer. Die Angaben eines Münchener Sonntagsblattes, das nur die ehemaligen Generäle Schönaich und Daimling auf einen Teil ihrer Pension verzichtet, die anderen Briefempfänger aber entweder gar nicht oder ablehnend geantwortet oder die Briefe zurückgeschickt oder sich mit kameradschaftlich gehaltenen Beschwerden an den Reichs- Präsidenten gewendet hätten, wird mit dem Hinweis darauf demcn- tiert, daß solche Briefe überhaupt nicht verschickt worden seien. Oummerjungenstreich in Aliona. Verirrte Zagdkugeln bei Erfurt. Wie die Reichsbahngesellschaft mitteilt, können die Schüsse gegen den Schnellzug bei Erfurt noch weiteren Feststellungen auch ver- irrte Kugeln aus einem Jagdgewehr gewesen sein. In Altona waren es Bauarbeiter, die Latten usw. über die Schienen gelegt haben, was aber nur als ein D u m m e r j u n g e n st r e i ch angesehen wird. Die„Freude" der Geschlagenen. Kommunistisches Verlegenheitsgerede. Die Kommunistische Partei veranstaltete am Freitag mehrere Versammlungen, um den„Sieg" des„rotey" Volksentscheids zu seiern. Im Wedding sollte der Parteipapst Heinz Neu- mann sprechen. Trotz dieser„Zugnummer" hatte man sich jedoch einen recht kleinen Saal ausgesucht, den des„Swinemünder Gesellschaftshauses", der dann auch nur halbwegs gefüllt war. Wer aber nicht erschien, war Heinz Neumann. Mit reichlicher Ver- spätung und unter heftigem Murren wurde die Versammlung fchfießlich mit einer Rede des Lanotagsabgsordneten Fleming er- New yorfc Gesundheitskommissar spricht im berliner Nathans Vor Mitgliedern vieler medizinischer Organisationen sprach gestern abend im Berliner Stadtverordnetensitzungssaal der mit dem Bürgermeister Walker nach Verlin gekommene Gesundheits- k 0 mm issar von New Jork, Dr. Schroeder, über die Ge- sundheitsverhältnisse in der amerikanischen Riesenstadt. Bon Oberbürgermeister Dr. Sahm freundschaftlichst begrüßt, fand Dr. Sä) r oeder herzliche Worte für den Empfang in Berlin und für das hier Gesehene. Schroeder, dessen Bater Schleswig-Holsteiner, dessen Mutter sogar Berlinerin waren, bedauerte, das Deutsche nicht so zu beherrschen, daß es zu einem Vortrag in deutscher Sprache reiche! trotzdem fühle er ein tiefes Anlehnungsbedürfnis an sein „Mutter"land. In der Beurteilung der sanitären Verhältnisse New Jorks müsse man das rapide Wachstum der 8-Millionen-Stadt berücksichtigen, die erst jetzt dazu übergegangen sei, die gesamte Gesundheitspflege und die Stadthygiene in die Hände von nur drei„Drigalskis" zu legen. Es sei gelungen, in kurzer Zeit die Sterblichkeit insbesondere bei epidemischen Krankheiten ganz außerordentlich zu senken und auch die Sterblichkeit der Säugling« ist infolge einer umfassenden Milchüberroachung von einer Schlüsselzahl von 1000 auf 800 heruntergegangen. Die Stadt sei jetzt dabei, Einrichtungen zu schaffen, in denen Voltsaufklärung auf allen Gebieten der sozialen Gesundheitspflege möglich ist. Bei seinen Studienfahrten in Berlin fiel Dr. Schroeder die SauberkeitderStadtundd er Straßen auf. Er nannte in diesem Zusammenhang Zahlen von der Strahenreinigung in New York und kam zu dem Ergebnis, daß Berlin ebe» zu 99 Prozent von Deutschen. New York dagegen zu 90 Prozent von Nicht- newyorkern bewohnt werde! Ungleich schwieriger sei in New York auch die M ü l l b e s e i t i g u n g als in Berlin. Der amerikanischen Hausfrau käme es nicht darauf an, alles zu verwerten, sondern recht schnell mit der Hausarbeit fertig zu werden. Dabei steigt dann der Müll- und Abfallhaufen ganz enorm. Nach Berliner Vorbild richte man jetzt eine staubfreie Müllabsuhr ein. Dr. Schroeder schloß seinen sehr beifällig aufgenommenen Vor» trag mit einem herzlichen Dank an Berlins Stadtverwaltung. öffnet. Dieser recht rundliche Herr ließ auf die„Bonzen" der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften eine Brandrede los, die in der Behauptung gipfelte, sie seien die wahren Verbündeten der Faschisten. Nur darum sei es richtig, die Preußenregierung zu stürzen. Der„rote" Volksentscheid sei ein„schwe:er Schlag" für die Bourgeoisie gewesen. Nazis und Hilgenberg hätten deswegen den Volksentscheid gebremst und ihn zu einer„parlamentarischen Komödie" gemacht! Der Schluß war eine begeisterte Lobeshymne auf„das Land ohne Arbeitslose", die Sowjetunion, und sein Aufruf, es hier genau so zu machen wie dort. Wofür sich die deutsch« Arbesterschaft bedanken dürste.— Nach Fleming sprach noch der Reichstagsabgeordnete Beck. Die Korruption in Vraunschweig Deutschnotionale Ausrede Zu unserer Meldung über den Zusammenbruch der deutschnatio- nalen Wohn- und Zweckbau G. m. b. H. in Braunschweig verbreitet die Telegraphen-Union eine lendenlame Gegenerklärung. Sie be- streitet nicht, daß Unterschlagungen in Höhe von 48 000 Mark be- gangen wurden. Sie kann auch nicht ableugnen, daß Verluste von 170 000 Mark bei einem Gesellschaftskapital von 20000 Mark vor- handen sind. Sie leugnet nicht ab, daß die H a u p t g e s e l l- schafter deutschnationale Politiker sind. Sie versucht jedoch, den deutschnationalen Minister Dr. K ü ch e n t h a l von jeder Verantwortung freizusprechen. Wir stellen dazu fest, daß von einer persönlichen Bereicherung des Dr. Küchenthal auch keine Rede ge- wesen ist. Ob der braunschweigische Staat bei dem Zusammenbruch der Wohn- und Zweckbau G. m. b. H.„nicht den geringsten Schaden erlitten hat", wird sich jedoch erst herausstellen, wenn die Bauten unter den Hammer kommen und die Hauszinssteuerhypotheken aus- fallen. Zu unserer Meldung über die Bevorzugung der zusammenge- brochenen Gesellschaft durch den Finanzminister Dr. Küchenchal er- klärt die Telegraphen-Union, daß die frühere sozialdemokratische Re- gierung„marxistische" Ballgesellschaften bei der Verteilung der Hauszinssteuermittel bevorzugt habe.„Um dies wieder gut- zumachen", habe Dr. Küchenthal nach seiner Einsetzung als Fi- nanzminister im letzten Jahre den privaten Bavgesellschaften Haus- zinssteuermittel zur Verfügung gestellt. Wir stellen dazu fest, daß die älteste Baugenossenschaft in Braunschweig, die Braun- schweizer Baugenossenschast, die über einen Hausbesitz von 1700 Wohnungen verfügt und in den früheren Jahren regelmäßig 80 bis 100 Wohnungen jährlich erstellen konnte, unter dem Re- gime des Deutschnationalen Küchenthal 1930 nur 24 Wohnungen bewilligt bekam. Einer B a u u n t c r- nehmergruppe unter Führung der jetzt in Konkurs ge- gangenen Wohn- und Zweckbau G. m. b. H. wurden jedoch öffent- liche Mittel für 270 Wohnungen bewilligt. Es ist gewiß nicht die Schuld des Finanzministers Dr. Küchen- thal, daß diese umfangreichen Mittel wegen der inzwischen eingc- tretenen Finanzschwierigkeiten noch nicht zur Auszahlung kommen konnten. Die Dcutschnationale Partei kann die Zusammenhänge zwischen ihren führenden Politikern in Braunschweig und dem neuen Baustandal nicht ableugnen. Hanna Neuis in Berlin. Verhandlung gegen die Mordgeschwifier noch im Ottober. Zu der hier stallgefundenen Vernehmung der von den italienischen Behörden ausgelieferten und zur Zeil im Lörracher Amts- gerichlsgesängnis befindlichen Geschwister Reins erfahren wir noch folgendes: Der zuständige Berliner Untersuchungsrichter hat seit seinem Eintreffen die drei Geschwister ständig verhört. Der Mörder selbst ist in vollem Umfange g e st ä n d i g, so daß die Mord- tat nunmehr restlos aufgeklärt ist und die Voruntersuchung als ab- geschlossen angesehen werden kann. Die jünger« Schwester Hanna Reins ist bereits mit einem Spezialtransport nach Berlin abtransportiert worden. Ernst Reins wird am Dienstag mit Sammeltransport nach Berlin folgen. Di« zweite Schwester Sophie Reins wird acht Tage später ebenfalls mit Sammeltransport nach Berlin zurückbefördert. Es ist damit zu rechnen, daß die Gerichtsverhandlung noch im Monat Oktober statt- finden wird. Das Nauberirio von der Danatbank. Dritter Beteiligter am Raubüberfall am 25. Februar verhastet. Am 28. Februar d. I. wurde aus den 53jährigen Kassenboten Otto Schulze von der Danatbank ein Raubüberfall ver- übt. Schulze wurde im Hause Hermannstraße 148 in Neukölln, in dem sich eine Filiale der Danatbank befand, niedergeschlagen und um 10 000 Mark beraubt. Während zwei der Täter in der Zwischenzeit bereits festgenommen werden tonnten, gelang es jetzt den Beamten des Raubdezernats, den dritten Täter, einen 25jährigen Leo Band, in einem Lokal in' der Landsberger Straße zu er- Mitteln und festzuhalten, Band bestreitet jedoch noch, an dem Ueber- fall beteiligt gewesen zu sein, ist aber von Zeugen einwandfrei wieder- erkannt worden. Außerdem wird Band noch von zwei Polizei- dienststellen wegen Einbruchs gesucht. Kraneinsturz am Kolumbusbau. Zwei Arbeiter schwer, einer leicht verletzt. Auf dem umfangreichen veubaugelände des„Kolumbus- Hauses" am Potsdamer plah Ecke Ariedrich-Ebert- Straße ereignete sich heute vormittag ein folgenschwerer Kroneinsturz. Obgleich der Riesenbauschacht überall vorschriftsmäßig abgesteift ist, scheint es, daß durch die Regenfälle der letzten Tage das E r d- reich unterspült wurde. Mitten in der Arbeit rutschte ein viele Tonnen schwerer Kran ab und stürzte um. Der 22jährige Monteur Alfred G 0 r z aus der Großen Frankfurter Straße 14 und der 25jährige Monteur Paul Kinger aus der Reichenborger Straße erlitten erhebliche Verletzungen. Die Verunglückten wurden mit Rettungswagen nach der Unfallklinik in der Johannis- straße gebracht. Ein dritter Arbeiter erlitt leichte Verletzungen. Eine polizeilich« Untersuchung ist sofort eingeleitet worden. Geständnis eines Frauenmörders. Am Dienstag vormittag wurde, wie berichtet, im Dorf Gram- Nitz bei Klosterheide ein Frauenmord entdeckt. Nach dem Brande einer Scheune fand man in dem Gebäude die in Decken eingewickelte Leiche einer 22 Jahre alten Frau Mal- w i tz, die, wie die Spuren ergaben, erschlagen worden war. Der Täter hatte oersucht, die Leiche bei dem Brand der Scheune zu vernichten. Unter dem dringenden Verdacht der Täterschaft war ein 28 Jahre alter Schattschneider verhastet worden. Schatt- schneider hat jetzt ein G e st ä n d n i s a b ge l e g t. Er hat, wie er angibt, die Frau Malwitz in einem Streit mit einer Zaunlatte e r- s ch l a g e n und die Leiche in die Scheune hinübergetragen. An dem Feuer will er keine Schuld haben, er behauptet, ihm müsse seine Tabakspfeife aus der Tasche gefallen sein und den Brand entfacht haben. Der Mörder ist dem zuständigen Gericht zugeführt worden. Das Parteibuch. Oer Exkronprinz sucht Waldarbeiter. Die Stahlhelmer sprechen von dem heutigen Staat als von einem Parteibuchstaat, den es zu beseitigen gilt. Das hindert sie nicht, der Parteibuchwirtschast im stärksten Maße Vorschub zu leisten. Beweis dafür ist das Verhalten des Försters und Stahl- Helmmannes Kotott in der dem Exkronprinzen gehörenden Försterei Maliers, Kreis Oels. In der Försterei Maliers wurden kürzlich 8 bis 10 Forstarbeiter gesucht. Kokott hängte zu diesem Zweck im Gasthaus ein Plakat aus, auf dem folgendes ge- schrieben steht: „Für den diesjährigen großen Einschlag stelle ich 8 bis 10 ordentliche Waldarbeiter ein. Meldungen in der Försterei Maliers unter Vorlegung des Parteibuches. gezeichnet: K 0 k 0 t t, Förster." Die Anwürfe des Stahlhelm gegen den heutigen Staat sind ausgesprochener Dummenfang. Es soll mit ihnen das Bemühen bemäntelt werden, die früheren Verhältnisse wieder herbeizuführen, deren hervorstechendste Merkinale bekanntlich die Alleinherrschaft der Kreise ist, die heute hinter dem Stahlhelm stehen. Der Aussall des Volksentscheides am 9. August dürfte den Herrschaften indessen be- wiesen haben, daß es falsch ist, zu glauben, alle Wähler seien Dummköpfe._ Amnestie in Nußland. Für musterhafte Strafarbeit. Moskau. 15. August. Der Vorsitzende des Amnestie-Ausschusses. Solz, unterbreitete dem Präsidium des Hauptoollzugsausschusses für Innerrußland ein Namensverzeichnis derjenigen in Moskauer Arbeitskolonien und Ge- fängnissen befindlichen Arbeiter, Werktätigen und Bauern, die wegen musterhafter Ausführung ihrer Arbeiten Straferleichterung verdienten. Das unter dem Vorsitz Kalinins stehende Präsidium des Allrussischen Vollzugsausschusses erkannte die Möglichkeit einer solchen Straferleichtcrung für 808 Personen zu, von denen 700 freigelassen werden sollen. Zeitungsverboke. Die in Mannheim erscheinende kommunistische „Arbeiterzeitung" ist mit Wirkung vom 14. August aus die Dauer von zwei Wochen verboten. Der Obcrpräsident der Rhcinprovinz hat die„Bergisch-Märkische Zeitung" auf die Dauer von acht Tagen vom 14. bis 21. August wegen des Inhalts eines Inserats, das zuni Volksentscheid aufforderte, verboten. Menschinskis Rücktritksgesuch abgelehnt. Das Polit-Büro der Kommunistischen Partei hat dos Rücktrittsgesuch Menschinskis vom Posten des Vorsitzenden der GPU. abgelehnt. Zur Wiederher- stellung seiner Gesundheit wind Menschinski ein dreiwöchiger Urlaub gewährt. Die Einwanderung nach Amerika wird 1931 kaum 50 000 Seelen ausmachen, wäbrend die Zahl der Deportierungen un- gesotzlich eingewanderter Ausländer über 20 000 betrogen dürfte. Mit diesen Ziffern wird ein Rekord aufgestellt. Seit dem Jahre 1831, wo die Einwanderung 22 633 Seelen ausmachte, wurde die Ziffer von 50 000 in jedem Jahre weil überschritten. Im Jahre 1930 wanderten 97 000 Ausländer ein und 18000 wurden ausgewiesen. Agitation im Postamt. Eingreifen des Reichspostministers. In der Abendausgabe vom 1. August gaben wir einen Bor- fall wieder, der sich auf dem Postamt in Berlin- Friedrichs- Hagen am Tage vorher ereignet hatte. Danach hatte ein Post- beamter den Pensionsempfängern, die sich ihr Ruhegehalt abholten, gesagt, daß sie den zweiten Teil ihrer Pension am 10. August bekommen würden, jedoch nur, wenn sie am 9. August zum Bolksentscheid gegangen seien. Andernfalls erhielten sie nichts, und außerdem komme dann noch ein 20prozentiger Abbau sämtlicher Gehälter. Wie wir dazu erfahren, haben die Ermittlungen ergeben, daß der Oberpostsekretär Schwedt(nicht, wie zuerst angegeben wan Schmidt) sich in der Tat in der von uns kritisierten Weise geäußert hat. Er gibt aber an, er habe sich zu der Aeußerung, die er nur scherzhaft gemeint haben will und die er lebhaft bedauere, hinreihen lassen durch politische Bemerkungen einzelner Empfänger. Der Vor- steher des Postamts hat von dem Vorfall nichts hören können. Er Llnterdrücktepächterwerden Jauern Oer große Bauernkrieg in China Genießer Goebbels Am nächsten Sonntnq werde» wir die «enleber sein, höflich bi» zur letzten Galaev• sprosse, oder gehängt wird doch! Goebbels im Sportpalast. Wie er es sich dachte... Wie es in Wirklichkeit kam hat seinen Dienstraum nicht neben der Gehaltszahlstelle, das benach- bart« Zimmer ist ein Kassenraum. Die Borwürse in unserer Notiz gegen den Vorsteher sind also nicht begründet. Der Reichspostminister hat den Oberpostsekretär Schwedt, dessen Verhalten auf das schärfste mißbilligt worden ist, mit einer empfindlichen Geldstrafe belegt, außerdem wird er von Berlin- Friedrichsyagen fortversetzt. Heiliges Land— Industrieland. Palästina entwickelt sich unter britischer Mandatsverwaltung zu einem Industrieland. Ueber die Wasserkraftwerke am Jordan be- richtet eine technische Zeitschrist in Washington:„Palästina modcrni- sicrt sich. Mit der Errichtung von drei Kraftanlagen, die an dem historischen Iordanfluß erbaut werden, mit dem Netzwerk der Ka- näle, die das lange schmale Tal des Heiligen Land durchziehen, und mit der Ausnutzung des Sees von Galiläa als Staubecken ist das Ge- lobte Land tatsächlich der Industrie erschlossen worden. Der Jordan ist mit seinem 1000 Meter starken Gefälle von seiner Quelle am Berg Hermon bis zu seiner Mündung ins Tote Meer dafür sehr geeignet. Durch die Ableitung der saisongemäßen Flutwasser des Jordan und seines Nebenslusies Jarmut in den als großes Sammelreservoir dienenden See von Galiläa und durch den Bau entsprechender Dämme und Kanäle wird den Ingenieuren auch in der trockenen Jahreszeit genügend Wasser zur Verfügung stehen. Diese drei Kraststationen werden insgesamt 48 000 Pferdekräfte leisten: sie sind der erste Schritt auf dem Wege der vollständigen Elektrifizierung Palästinas. Di« erste Kraftanlage ist jetzt in Jisr-el-Mujameh fertig geworden. Sie bezieht ihre Wasserkraft aus einem Kanal, der das Wasser dem Iormutfluß entnimmt. Diese Station erzeugt allein 18 000 Pferdestärken, wenn es notwendig wird, das Doppelte. Alle drei Stationen sollen miteinander verbunden werden, um den Bedarf an elektrischer Kraft jeder Stadt, jeder Ortschaft und jeder landwirtschaftlichen Siedlung zu decken., Künstlichcr Krebs. Im Londoner Krebstrankenhaus gelang es den Aerzten, Krebserkrankungen künstlich hervorzurusen. Es liegt auf der Hand, daß sich auf diese Art und Weise Mittel und Wege finden ließen. Krebs auch wirksam bekämpfen zu können. Wie dazu aus medizinischen Kreisen oerlautet, ist die Tatsache an sich, Krebs künstlich hervorzurufen, bereits beim sogenannten„Terpentinkrebs" bekannt. Es ist auch schon gelungen, aus Teer einen Bestandteil auszuscheiden, der Krebs erzeugen �kann. Solange über die Zu- sammeirsetzung der chemischen S u b st a n z nichts näheres be- kannt geworden ist, die den Londoner Versuchen zugrunde lag. läßt sich auch ein abschließendes Urteil über den Wert der Experimente nicht fällen. Premierenverlegung wegen technischer Schwierigkeiten, die durch den Einbau einer neuen Drehbühne verursacht wurden, mutzte die für heute im„Theater im A d m i r a l s p a l a st" angesetzte Premiere der „D u b a r r h" aus Montag verschoben werden. Von Zeit zu Zeit liest man unter de,, Auslandsnachrichten, zwischen Meldungen über einen Militärputsch in Südamerika und ein Flugzeugunglück in Polen, ein Telegramm, immer überschrieben „Die Wirren in China", das in drei Zeilen mitteilt, daß die Gene- , räle Peng und Feng gegen General Tschiang marschieren, oder daß I die Säuberung der Provinz Kiangsi von Banditen begonnen hat. � Besser gesagt: man liest solche Telegramnie nicht.„Wir haben doch I so unendlich nähere Sorgen, was geht das uns an?" Aber es geht uns an. Zn China tobt seit vier Jahren der wildeste, blutigste, an Zahl der Beteiligten und an weltgeschichtlicher Bedeutung größte Klassenkrieg des zwanzigsten Jahrhunderts. „KS Millionen bauen Sowjet-China", verkündet triumphierend die kommunistische Presse. Das rote Banner mit Hammer und Sichel weht über einem Gebiet, größer und volkreicher als Deutsch- land. Die Nankingregierung läßt wieder alle Welt wissen, daß sie auf dem gefährdetsten Frontabschnitt mit dem roten Ungeheuer ringt, daß sie der-V o r p o st e n der zivilisierten Welt ist im Kamps gegen den Feind der Menschheit, und weil sie die hehre Aufgabe erfüllt, bittet sie um Unterstützung in Form von Kriegsschiffen. Flugzeugen und Militärinstruktorcn. Also, müßte man schließen, kämpfen in China jetzt Millionen Proletarier gegen die chinesische Bourgeoisie, ist in China die sozialistische Revolution ausgebrochen. Aber dieser Schluß ginge fehl. Wohl kämpfen in den letzte Wochen ganze rote Armeen gegen eine Viertelmillion Re- gierungstruppen, und wohl beherrschen die„Sowjets" gewaltige Gebiete, aber was sich in China jetzt abspielt, ist keine proletarische Revolution, Hot mit Sozialismus nicht das allermindeste zu tun. Es ist der große chinesische Bauernkrieg. ein« ungeheur« Iacquerie, der chinesische Bundschuh. Vor achtzig Jahren verwüstete der Taipingaufstand fast ein Jahrzehnt hindurch halb China. Sechzig Millionen Menschen wurden hingeschlachtet, verhungerten, starben an Seuchen. Nur mit Hilfe des Auslands gelang es der Dynastie, der Revolution Herr zu werden. Seit den fünfziger Iahren riß die Kette der Aufstände nicht ab. Bald in lokalen Revolten, bald m wohlorganisierten, ganze Provinzen um- fassenden Aufständen erhoben sich die Massen, die Bauern- massen. In ganz normalen Zeiten, bei mittlerer Ernte, vegetiert die große Masse der Bauern knapp am Rande des Hungers. Eine Armee diebischer Beamter plündert sie durch die mannig- saltigsten Steuern, eine Armee von Wucherern preßt sie aus. Es bedarf nur einer kleinen Erschütterung, einer Mißernte, einer Vieh- seuche, um dos Elend untragbar zu machen, die Bauern zur Ver- zwsislung zu treiben. Sie stehen auf, erschlagen ihre Peiniger, plündern die Stadt— und werden immer wieder niedergeworfen. Gegen die Steuern, gegen die Beamten, gegen die Wucherer, lautete und lautet auch heute die Parole der Bauernaufftände. Aber in den letzten zehn Jahren ist eine neue Parole dazugekommen: Gegen die Soldaten. Man schätzt die Zahl der Söldner heute auf ungefähr drei M i l- l i o n e n. Sie zu erhalten, kostet ungeheure Summen. Aufzu- bringen haben sie in erster Reihe wieder die Bauer». Indirekt in Form von neuen Steuern, direkt durch Gratiseinquartierung. Stellung von Gespannen und Lastträgern usw. Der unaufhörliche Krieg der Generäle untereinander verwüstet die Felder, zerstört Deiche und Kanäle, verödet das Land. Als die Kuomintang (Nationalpartei) vor sieben Jahren den Kampf gegen die feudalen Militaristen begann, war es ihr ein Leichtes, die Bauern in Bünde zu organisieren zum Kampf gegen den Feind, der der ihre und der der Bauern war. Die Vauernbünde sollten ihr Werkzeug sein, nicht mehr. Als sie die Macht erobert hatte, wollte sie die von ihr gegründeten Bünde wiederauflöfen. Sie bedurfte ihrer nicht mehr. Doch die Bünde lebten weiter und wandten sich nunmehr ebenso gegen die Kuomintangarmeen wie sie, unter der Führung der Kuomintang, sich seinerzeit gegen deren Gegner gewendet hatten. Tod der Soldateska, hieß die Losung der Kuomintang 1924, und die Bauern schlössen sich begeistert an. Tod der Kuomintang-Soldateska heißt die Losung heute.„Wer auf einem Tiger reitet, kann nicht absteigen", sagt das chinesische Sprichwort. Die Bauernschaft, von den Soldaten wachgeprügelt, von der Kuomintang wachgerüttelt, begnügt sich im Süden des Landes nicht mehr damit, nur gegen den äußeren Feind zu kämpfen. Die ungeheuren Erschütterungen des letzten Jahrzehnts haben die Klassengegensätze in den Süd- Provinzen, in„Sowjetchino* außerordentlich v e r s ch ä r s t. Dort arbeitet weit mehr als die Hälfte der Bauern, stellenweise 80 und 85 Proz., auf gepachtetem Land. Eigentümer des Bodens sind Kaufleute in der Stadt, Beamte, viele hunderttausende kleiner und mittlerer Grundbesitzer im Dorfe selbst. An Pachtzins ist gewähnlich die Hälfte der Ernte zu bezahlen. Selbst wenn es keinen Krieg gibt, die Steuern„mäßig", die Zinsen„niedrig" sind, hungert der kleine Pächter. Er hungerte in den letzten Jahren maßlos. Und er erhob sich. In den„Sowjetgebieten" verjagen die Pächter die Grundbesitzer oder erschlagen sie. Sie zahlen keinen Pachtzins mehr. Sie verwandeln das gepachtete Land in ihr Eigentum. In „Sowjetchina" sind Akillionen Pächter Eigentümer geworden. Das, und nur das ist der soziale Inhalt der Revolution. Da und dort wird auch noch das Land neu verteilt, aber es bleibt immer und überall in Privateigentum. Der Bauer, der in der Roten Garde gegen die Truppen Tschiang Kai-scheks kämpft, kämpft gegen dre Steuern und gegen die plündernden, sengenden und brennenden Sol- daten. Er kämpft für sein Stück Land, sein pri- v a t e s S t ü ck L a n d. Es ist eine echte, rechte Bauernrevolution. Daß die Fahnen, unter denen sie marschiert, rot sind, hat seine be- sonderen Gründe in der Geschichte der jüngsten Jahr«. Hammer und Sichel auf ihnen bedeuten nicht mehr, als der Kelch auf den Hufsitenbannern bedeutet hat. dl. Ein Gpionagefilm. llfa-palast am Zoo. Di« direkte Kriegsverherrlichung ist heute im Film nicht mehr möglich. Aber auf Umwegen wird immer noch versucht,„die große Zeit" mit heroischen Lorzeichen wieder lebendig zu machen. Dieser neueste Ufa-Film„Im Gcheimdien st" verherrlicht den deutschen Spion, der im Auslande unter Einsatz seines Lebens für sein Vaterland wertvollste Dienste leistet. Aber trotz der Beratung durch ehemalige Offiziere des Großen Generalstabs ist dieses Unter- nehmen keineswegs der sensationelle Erfolg geworden, den man sich davon offenbar versprochen hat. Das Manuskript hat keinen Mangel an Unwahrscheinlichkeitcn und psychologischen Naivitäten, und der Regisseur Gustav U c i ck i hat keineswegs die Hoffnungen, die er bisher erweckte, eingelöst. Sicherlich hätten sich eine viel auf- regendere Handlung und interessanter« Situationen in der wirklichen Spionagegeschichte finden lassen. Es ist im Jahre 1916. Der deutsche Generalstab erwartet nach Ablehnung des deutschen Friedensangebots eine starke russische Offensive. Der sähigste deutsche Spion, der in den Ententeländern als amerikanischer Geigenvirtuose Higgins herumreist, wird nach Petersburg geschickt. Er findet wertvolle Unterstützung in einein Beamten der Ochrana, der als Gegner des Zarismus freiwillige Dienste tut. Der Geiger bekommt Zutritt in die höchste russische Gesellschaft und weiß die Frau des russischen Generalmajors Lanskoi, eine Deutsche, die ihrem Vaterland die Treue wahrt, zu gewinnen. Mit Hilfe eines Mikrophons, das im Zimmer des russischen Generalstäblers eingebaut ist. wird der russische Offensiv-, plan erkundet und über Stockholm weitergeleitet. Die Deutsche, von ihren» Gatten des Verratverfuchs überführt, wird von ihm ins Aus- land geschickt und trifft ihren Landsmann, der inzwischen mit Hilfe des Ochrana-Agenten geflüchtet ist, wieder. Deutsche Flugzeuge zer- stören das russische Munitionslager hinter der Front, die Offensive ist vereitelt. Willy F r i t s ch ist berufen, den gesellschaftlich gewandten Spion zu spielen, auf den die Frauen fliegen. Er entledigt sich seiner Aus- gäbe mit Geschmack Auch sonst sind gute Darsteller herangezogen. Oskar H o m o l k a für den russischen General, dem aber die spezl- fische russische Lebensart schon fehlt. Theodor L o o s für den Ochranaagenten und Karl Ludwig Diehl für den interessanten Adjutanten des Generals. Friedrich Kayßler hält eine Reichs- kanzlerredc, Eduard v. W i n t e r st e i n und Alfred B e y e r l e sind in wichtigeren Nebenrollen vertreten. Brigitte Helm, zur Statue entgeistert, starr und ausdruckslos, ist die Deutsche. Glücklicherweise spricht sie wenig: aber das Rätselhafte, das sie anfangs umspielt. verliert bald an Wirkung und es fehlt dann der seelische Kontakt, r. „Galio Mortale." Atrium. „Es fällt sehr schwer, sich selber auszuweichen", diese Worte gelten vollinhaltlich für E. A. Du p o n t, dem weltberühmten Re- gisscur von„Variete". Er kann über sein Spitzenwerk nicht hin- auswachsen und darum bemüht er sich peinlich krampfhaft, das Zirkusmilieu neu zu sehen. So erzählt er in photographischer Artistik, aber inhaltlich leer. die Geschichte dreier Menschen, die Ehrgeiz, Freundschaft und Liebe miteinander oerbinden. Im Mittelpunkt steht natürlich der Todes- sprung, der diesmal— das Manuskript sei darum gelobt— nerven- kitzelnd, jedoch glimpflich abläuft. Der zum Krüppel gestürzte Mann bescheidet sich als Löwenwärter, und seine Frau und ihr todesmutiger Partner werden nicht nur gemeinsam den Weg von Engagc- ment zu Engagement, sondern auch durchs Leben gehen. Otto W a l l b u r g s Rundfunkreportage muß man als den besten Einfall bezeichnen. Da sitzt der unnachahmlich Quasselnde vorm Mikrophon, und sobald es irgend etwas von Bedeutung zu berichten gibt, setzt er sich unter Alkohol. Sonst wirkt der Film am stärksten in den stummen Szenen, und ihretwegen brauchte man wirklich keinen Tonfilm zu drehen. Anna S t e n ist zu Beginn viel zu exaltiert, sie findet erst zum Schluß rein menschliche Töne. Reinhold B e r n d t und Adolf W o h l b r ü ck geben sich Mühe, sie begründen ihre Rollen auch seelisch, doch kommen sie nicht recht zum Ausspielen, weil die Photo- graphie viel zu oft als Selbstzweck eingeschoben wird. Otto Wall- bürg und Kurt G e r r o n haben es etwas bedenklich leicht: denn das Publikum ist schon zufrieden und begeistert, wenn es die beiden nur auf der Leinwand sieht. c. b. „Mädchen zum Heiraten." Rose-Theater. Der Ungar Stefan Zagon, bisher in Berlin unbekannt, ar- bellet in der Art seiner Landsleute Molnar und Lengyel. Sein Lust- spiel„Mädchen zum Heiraten" sucht die Wirkung im Dialog. Die Situationen, übrigens dünn gesäet, kommen erst in zweiter Linie. Es geht darum, den Fürsten Akos zu überzeugen, daß bürger- liche Arbeit nicht schändet und daß der Titel zu den veralteten Sym- bolen gehört. Akos wohnt mit drei Freunden zusammen(Boheme- stiimnung), die ihn für eine reiche Heirat ausstallen, die auf die Millionen spekulieren. Ein kleines Mädchen zerstört diesen Traimi, indem sie mit dialektischer Gewandtheit dem Fürsten die Vorteile einer Liebesheirat auseinandersetzt. Sie versteigt sich sogar zu einer Philosophie über das arm« Mädchen. Der Dialog umtändelt diese Dinge. Cr entfaltet sich sehr breit. Zagon geht von dem Grundsatz aus, du mutzt es dreimal sagen. Er strebt nicht nach geistreicher, überspitzter Formulierung, die sich über ihren Witz freut, sondern nach versöhnendem Humor. Die Menschen sind alle grundanständige Existenzen, wenn sie sich auch sonderbar benehmen. Aber Zagon gelangt nicht zu einer tieferen Charakteristik. Er legt die Figuren auf einen Generalnenner fest, er typisiert, er möchte sich auf modern und sozial kostümieren, ohne daß er an die wirklichen Probleme der Gegenwart rührt. So entsteht nur eine Koniödie, die an der Oberfläche bleibt. Ein unterhaltendes Spiel, das durch die Regie stärker konzentriert werden könnte. Gut die Darsteller. Traute Rose findet hier eine Rolle, die sie vollkommen erfüllen kann. Sie spielt das neckische Mädchen mit dein goldenen Herzen und der treu behüteten Sentimentalität, lebensvoll echt, während Carl de Vogt seinem Fürsten manchmal die Allüren eines bewunderten Heldentenors verleiht. Armin Schweizer ist ein eingemotteter Staatsbeamter, zwingend in Geste und Wort. F. Seh. Die.Kamera zeigt bis Dienstag ciuschlieglich die letzte in Teutschland noch vorhandene Kopie von Chaplins„G o l d r a u s ch"., Die Porfiellungen der Polksbühne beginnen in der Li n den o per bereits in den lebten Augusttagcn, im Schlllcr-Theatcr am 7. September, im Theater am Bnlowplab am lS. September. Mitgliedcranmeldungen zur Volksbühne nehmen noch sämtliche 200 Zahlstellen entgegen. Zur Förderung zeitgcnösiischer Tonsctzcr beabsichtigt das Berliner S i n f o n i c- O r ch c st c r mit seinem Dirigenten Ernst Kunwolp in Sonderkonzertcn zeitgenössische Komponisten gegen einen geringe» Unkosten- beitrat mit unaufgesnhrten Werken aufzuführen. Oer Kampf in den Gemeinden Wer irägi die Verantwortung? Cs ist heute so gut wie sicher, daß es zu schwerwiegen- den Arbeitsein st ellungcn in den Städten kommen wird, wenn nicht sofort von der Reichsregierung die nötigen Maßnahmen ergriffen werden. Es handelt sich dabei weder um ein kompliziertes Verfahren, noch um einen Eingriff in bestehende Rechte, wie dies die Notverordnung vom 5. Juni tut. Cs würde vollkommen ge- nügen, wenn die Reichsregierung dem Reichsarbcitgebcrverband der Gemeindeverwaltungen nahelegte, mit seiner Aktion zu warten, bis die versprochene Korrektur der Notverordnung vom S. Juni vor- genommen ist. Wogegen wehren sich die Gemeindearbeiter? Im letzten Früh- fahr sind ihre Löhne bereits um durchschnittlich 8 Proz. abgebaut worden. In den allermeisten Fällen geschah das durch direkte Lohnkürzungen, in einigen Städten, wie Berlin, Hamburg, Leipzig und Dresden, durch Arbeitszeittürzung ohne Lohnausgleich. Die unter Androhung von Verbondsstrafe diktierte neue Lohnkürzung beträgt im Durchschnitt 9 Proz. Das macht also in einem Jahre bereits eine Lohnkürzung von 17 Proz. aus. Damit soll es aber keineswegs sein Bewenden haben. Im nächsten Monat sollen die Löhne weiter gekürzt werden, und zwar nochmals um 9 bis 13 Proz. Im Endefsekt würde das bedeuten, daß die Löhne der Geineindearbeiter in diesem Jahre um 25 bis 39 Proz. gekürzt würden. Diese Lohn- kürzung würde einfach diktiert werden unter Außerkraftsetzung des Tarisrechts. Es liegt auf der Hand, daß keine Arbeiterschicht der- artige Lohnkürzungen und eine derartige Rechtlosmachung hin- nehmen kann und darf. Run wird man vielleicht einwenden, daß die Gemeindearbeiter für sich nicht beanspruchen können, besser und höher entlohnt zu werden als die Reichsarbeiter. Es ist deshalb notwendig, aufzuzeigen, daß die Bestimmung der Notverordnung, die die An- gleichung der Löhne der Gemeindearbeiter an die der Reichsarbeiter vorsieht, an sich vollständig sinnlos i st. Für die Reichsarbeiter ist zunächst ein sehr niedrig bemessener Grundlohn festgesetzt worden, wozu noch O r t s l o h n- Zuschläge kommen. Grundlohn und Ortslohnzuschlag zusammen dürfen jedoch nicht höher sein als die Tariflöhne der M e t a l l i n d u st r i e des betreffenden Bezirks. Run sind die Tariflöhne in der Metallindustrie keineswegs gleichzusetzen den tatsächlichen Verdien st en. Der größte Teil der Metall- arbeiter arbeitet in Akkord. In den Tarifverträgen ist meist vor- gesehen, daß die Akkordlöhne mindestens um 19 oder 15 Proz. höher sein müssen als die Tariflöhne. In normalen Zeiten ü b e r st e i g e n die Akkordoerdienste diesen Mindestsatz. Da es sich bei den Reichsarbeitern aber nur um Z e t t l o h n a r b e i t e r handelt, fallen diese Zuschläge weg, so daß die Reichsarbeiter tat- sächlich nur den nackten Richtlohn haben, der in der Metall- industrie üblich, aber nicht der tatsächliche Lohn ist. Bielfach gehen aber diese Löhne der Reichsarbeitcr infolge der Zweiteilung in Grundlohn und Ortszuschlag noch unter die Richt- löhne der Metallindustrie hinab. Es gibt große Städte, besonders im Westen, wo es keine oder nur sehr wenige Reichsarbeiter gibt. Hier sind also auch keine Ortszuschläg« festgelegt worden, oder aber die Ortszuschläge sind sehr niedrig gehalten, da bei Verhandlungen kein großes Gewicht auf die Erhöhung der Ortslohnzuschläge in diesen Städten gelegt wird. Es haben sich dadurch ganz groteske Verhältnisse herausgebildet. Wenn also die Löhne der Gemeinde- arbeiter in gewissen Städten angeglichen werden an die Löhne der Reichsarbeiter, so bedeutet das eine Herabsetzung der Löhne, die bis zu 39 Proz. geht. Eine derartige Lohnregelung ist undurchführbar. Die hohe Bürokratie hat da bei der Ausarbeitung der Notoerordnung vom 5. Juni einfach vom grünen Tisch etwas dekrediert, was praktisch unmöglich ist Wenn man aber nun darauf besteht, das Undurchführbare gewaltsam durchzuführen, dann muß es zu Ex- plosionen kommen. Wenn die Rcichsregierung nicht rechtzeitig eingreift, so fällt auf sie die volle Verantwortung für die Ereignisse, die sonst unvermeidlich sind. Der Oanatkredit der BVG. Günstiger Verlauf der Verhandlung. Unter den Verpflichtungen der BVG. befindet sich auch ein sogenannter kurzfristiger Danatkredit, dessen Name allerdings irre- führend ist, da es sich bei diesem Kredit weniger um Gelder der Danatbank, als um solche in- und ausländischer Gläubiger handelt. Dieser Kredit war am 15. Juli zurückzuzahlen. Di« BVG. hatte bei der Danat hierfür einen Tilgungsfonds angesammelt. Kurz vor dem 15. Juli brach jedoch die Zahlungskris« bei der Danatbank aus, so daß man eine Regelung suchen mußte, die eine Verlängerung des BVG.-Kredits zum Ziele hatte. Diese Verhandlungen nähern sich, wie Bürgermeister Dr. Elsaß gestern abend mitteilte, ihrem Ende. Die Besprechungen, die hier- über in den letzten Wochen ununterbrochen geführt wurden, haben infolge der verständigungsbereiten Haltung der an dem BVG.- Kredit beteiligten in- und ausländischen Konsorten auch während der kritischen Wochen einen befriedigenden Fortgang genommen. Anfangs forderten die amerikanischen Gläubiger wohl, daß die Stadt Berlin die Bürgschaft für eine Verlängerung des Kredits über- nehmen sollte. Den Bemühungen der BVG. und der Stadt ist es ober gelungen, die Inanspruchnahme einer solchen Bürgschaft für die Verlängerung des Kredits zu vermeiden. Die Geldgeber haben der augenblicklichen Situation Rechnung zu tragen versucht und die BVG. hat sich ihrerseits bereit erklärt, im Rahmen der geltenden gesetzlichen Bestimmungen bei einer Mobili- sierung der inländischen Schuldanteils zugunsten der beteiligten Kon- sorten mitzuwirken. Es kann damit gerechnet werden, daß, sobald die in Basel stattfindenden Stillhalteoerhandlungen ob- geschlossen sind, auch die Verlängerung des 35-Millionen-Dollar- Kredits rasch zustande kommen wird. Ob und wann dann die weiteren Besprechungen über die Verlängerung und endgültige Kon- solidierung des Kredites ausgenommen werden können, hängt von dem weiteren Gang der gesamten deutschen Wirtschaftsentwicklnng ab. Vorderhand ist durch ein Gentlemen-Agreement der Kredit bis zum 15. Oktober verlängert worden. Messerscharfs dunkle Zeit. (Schwindelgeschichten vor dem(Schnellschöffengericht. Die Verfehlungen des vielfach vorbestraften Messerscharf inter- essieren nur sehr wenig. Er ist geständig,«in Damen-Fahrrad, das man ihm sofort abgenommen, gestohlen zu haben; er gibt auch zu, in drei weiteren Fällen gestohlene Fahrräder, die er für 9,.8, 9 M. „gekauft", für 15, 18 und 29 M. weiterverkauft zu haben. Wer also«in wirklich gutes und billiges Fahrrad erstehen will, der braucht nur in die Münzstraße zu gehen: Ständiger Aus- verkauf zu denkbar herabgesetzten Preisen! Aber, wie gesagt: die Verschlungen des Herrn Messerscharf interessieren nicht. Allein von Interesse ist, wie er die Schnell- richter und Schnellschöffen zu beschwindeln versuchte. Auch Herrn Messerscharf wäre es beinahe gelungen: nur beinahe—, denn im letzten Augenblick entpuppten sich feine Erzählungen als aufgelegter Schwindel. Herr Messerscharf ist eine elegante Erscheinung, er besitzt einnehmende Manieren und klagt sein Leid in einer außer- ordentlich sympathischen Weise. Ja, er ist vielmals vorbestraft, das will und kann er ja gar nicht bestreiten; aber 1929 beschloß er unter seine Vergangenheit einen dicken Strich zu machen. Er legte sich aus den Handel— so um die Dragoncrstraße herum—, und nicht ohne Erfolg. Sein Gesuch um Erteilung eines Gewerbescheins liegt bei den Akten. Es ging alles gut, er wohnte bei seiner alten Mutter: dann aber kam die Notverordnung, die Spartassensperre: er hatte kein bares Geld zum Handeln, seine Mutter und seine Schwestern, die nähen, konnten gleichfalls keinen Pfennig aus der Sparkasse erhalten: er geriet in Not, und so verfiel er wieder nach zwei Jahren„ehrbaren Daseins" der Versuchung. „Meine Herren Richter, haben Sie doch ein Einsehen. Ich bin bereit, jede Strafe auf mich zu nehmen, aber lassen Sie mich jetzt nach Hause." Mit feuchten Augen:„Ich mutz meine Sachen regeln. ich muß meine Mutter über alles aufklären, ich habe zwei fremde Kanarienvögel in meiner Pflege, einen Anzug auf Abzahlung...." „Ja", meint der Vorsitzende,„es wird hier viel erzählt." Großzügig:„Ich glaube Ihnen, aber ich weih nicht, ob es wahr ist." ,,Es ist alles wahr, Herr Vorsitzender." Der Staatsanwalt beantragt 1 Jahr 6 Monate Gefängnis.„Es ist sehr viel, wenn ich das alles abmachen soll," meint der Angeklagte Sbas Flugzeug auf der Wohnlaube In Lankwitz ist, wie bereits gemeldet, gestern abend das Frachtflugzeug B e r l i n— L o n d o n auf einem Wohnlauben- grundstück notgelandet. Eine Frau in der Laube erlitt Ver- letzungen, während die Flugzeuginsassen unbeschädigt blieben. in seinem letzten Wort. Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück und erscheint m wenigen Minuten wieder im Gerichtssaal. Es wird von neuem in die Beweisaufnahme eingetreten.„Angeklagter", sagt der Vorsitzende,„ich muh noch einmal auf Ihre Vor st rasen zurückkommen. Sie sagten, Sie wären das letztemal im Jahre 1929 aus dem Gefängnis entlassen. Ich finde hier aber noch eine Vor- strafe von 1929 in Würzburg und dann ein« Berliner Strafe im Dezember 1929 von 1 Jahr 9 Monaten Gefängnis. Haben Sie die Strafen verbüßt?" Der Angeklagte, ganz kleinlaut, seine Augen laufen unruhig hin und her:„Ja, in Tegel."„Und wann haben Sie Tegel verlassen?"„Am 24. Juni dieses Jahres...." Herr Messerscharf hat also in Tegel zwei Jahre seinen anxeb- lichen Handel in der Dragonerstraße betrieben.— Beklommene Stille im Gerichtssaal. Der Staatsanwalt hat keine neuen Anträge zu stellen. Als das Gericht sich zum zweiten Male zurückzieht, sitzt Herr Messerschars da, wie ein begossener Pudel. Das Gericht urteilt trotz alledem milde: Ein Jahr Gefängnis wird wohl auch der Herr„Händler" aus der Dragonerstraße nicht als allzu hurte Strafe empfunden haben. Es gelingt also doch nicht immer, den Schnellrichtern und Schnellschöffen einen Bären aufzubinden.... Züterbog-Gleise morgen frei. Zahlreiche(Spuren, aber keine Festnahmen. Das Züterboger Eisenbahnattental beschäftigt die Kriminal- polizei weiter in hohem Maße. Einer ganzen Reihe von Spuren wird zur Zeit nachgegangen, im Interesse der Untersuchung kann über das Ergebnis der Rachforschungen vorläufig jedoch nichts gesagt werden. Wie wir aus Jüterbog erfahren, sind die Aufgleisungs- arbeiten an der Unfallstelle zwischen Grüna und Jüterbog mit Hochdruck gefördert worden, so t«ß bereits heut« mittag die Hebung der letzten umgestürzten Wagen erfolgen konnte. Unter einem Wagen ist bisher lediglich eine Schreib- Maschine gefunden worden, lieber den Zustand der in den Krankenhäusern daniederliegenden Verletzten wird noch mitgeteilt, daß der Zustand aller Patienten zufriedenstellend ist. Verhinderte Lynchjustiz. Mit Tränengas gegen die rasende Volksmenge. Rew Dort. 15. August. Aus Arbor im Staate Michigan wird gemeldet: Die Polizei mußte in der vergangenen Nacht mit Tränengas gegen eine tobende Menge vorgehen, die den Gerichtshof zu stürmen versuchte, um einen Neger und zwei Weiße zu lynchen. Diese hatten zwei 16jährige Jünglinge und zwei ebenso alte Mädchen, die im Auto von einem Tanzvergnügen heimkehrten, in einer einsamen Allee eines geringen Geldbetrages beraubt. Aus Furcht vor einer Entdeckung schössen die Verbrecher dann ihre Opfer nieder, nachdem sie sich noch an einem der Mädchen vergangen hatten und setzten das Auto in Brand. Nach den Strafgesetzen von Michigan können die Mörder nur zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt werden._ Wenn die Kapiialisten Pleite machen. Sie Arbeiterschaft muß es ausbaden. Wien, 15. August. Zwischen der Direktion der Kreditanstalt und dem Be- triebsrat des Instituts wird gegenwärtig über eine Herabsetzung der Löhne und Gehälter verhandelt. Die Direktion wollte ursprünglich vom Geholtsetat, der in der letzten Bilanz mit nahezu 22 Millionen ausgewiesen ist, SV? Millionen durch Gehaltskürzungen einsparen. Der Betriebsrat jedoch will nicht mehr als 4 Millionen Schilling zugestehen. Inzwischen hat sich die Direktion schon mit einer Herabsetzung auf 4'A Millionen dem Standpunkt des Betriebs- rats genähert. Die Pensionen sind in der letzten Bilanz mit zehn Millionen Schilling ausgewiesen gewesen, sie werden aber infolge der neuen gesetzlichen Bestimmungen im nächsten Jahre nur mehr 154 Millionen betragen. Keine Lohn- und(Sehaltssteuer in England geplant. London, 15. August. Schatzkanzler Snowden dementierte dem politischen Korrespon- denken des„Daily Expreß" gegenüber nachdrücklich die von einem Abendblatt gebrachte Meldung, daß er eine sieben- bis zehnprozentigs Steuer auf Löhne und Gehälter erwäge. Theater der Woche. Vom 16. bis 24. August. Staatskhealer. Städtisch« Oper, aharlottcnbiirg: 17. Fidelio. 18., 24. Der glrischütz. 19., 23. gar u.tö Ziimnrrmonn. 20. Das Spigcntud) der Äönigin. 21. Di« äfritanetin. 22. Angelina. Thealer mik festem Spielplan: Theater des Westen«: Viktoria und ihr Husar.— Komische Oper: Frauen haben das gern...— Theater am Kurfjjrstcndanpm: Die schöne Helena.— Theater in drr Behreastraße: Hut ab vor Onkel Eddie!— Metropol-Theater: Die?oni aus Wien.— Wallner-Theater: Das Mädchen aus der Fitrsorge.— Rose-Theater.- Mädchen zum Heiraten.— Rose-Theater(Gartenbithne): Panne um Mitternacht.— Theater in de? Klosterstraße: � Büchse der Pandora.— Casino-Theatcr: Das Parfüm meiner Frau.— Wintergarten, Plaza, Skala: Internationales Variets.— Reichshallea-Theater: S�ettinex Sänger. Rachmittagsveranstaltungen: WallNkr-Theat««! 1«., 23. Das Mädckicn aus der Fllrkdrg«.— Rose-Theat««: 16., 23. Mädchen zum Heiraten.— Rosc-Theater sGartenbiihne): Konzert und DarietS.— Theater in der Klosterstrahe: 16., 23. IS Uhr Erdgeist. 17 Uhr. Wichse der Pandora.— Wintergarten: 16., 22., 23. Interna tionalcs Variete.— Plaza, Skala: Jntcrnatsonales Varicle. Erstaufführungen der Woche: Moatag. Admiralspalast: Dubarrq. Wetter für Berlin: Meist wolkig und noch etwas wärmer, nur im Westen Niederschläge, schwache südliche Winde.— Für Deutschland: Weitere Temperaturansteigung. Im Südwesten teilweise heiter und vorwiegend trocken, im übrigen Reiche meist wolkig und stellenweise leichte Niederschläge. Verantwortl. Hlr die ZIcdaktion: Herbrrt Lrpdr«, Berlin: Anzeigen: Th. Stock«, Verlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch» druckerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 68. Lindenstralle 8. Hierzu 1 Beilage. ROSE-THEATER Wochentag* 8 30 Sonntag* S45 u. 9 Uhr Uraufführung für Deutschland: mädchen zum Heiraten Lustspiel v. Zagon. Regie: PAUL ROSE RONE-«4 ART EX Großes Variete u.a. Paqultav Olympia- Theater, Paris Willy Rosen. Maria flübner 6.14 Operette: „Panne um mmernacht" Sonntags 5. Wochentags S30 1. Cicroße Frankfurter Straße 1S2 Vorverkauf; Tätlich 11—1 und 3—9 U. BETRIEB*1% KEMPIHSKllö Komische Oper Frledrichstr. 104 8>/j Uhr Fraoen haben das gern... MusiituL Schwank von Arnold Musik r. Walt. Kollo Sommerpr OJjQ.T.OO mpol-Tlieater Täglich 8>i. Uhr Die Toni aus Wien Mady Christians. Hicbael Bohnen Theater desWestens Tägl. 5 u. HVt Volksvorstellungen Viktoria und ihr Husar ISilllesterPI. 0.50 M Teuerster PI. 2.— M. RnrlOrslBnUamm- Theater Bismarck 448/4' | 8'/. Uhr| Die schöne Helena «oo lacqnos BMenDafli Beule: Max Belnhami Theater Im AflmlralsDalast Heute 7-i- Uhr Premiere Rotter Gastspiel Die Dubarry mit GittarAlpar Preise; 0,50 bis 12,50 BarbaroiM 9250 Tftgl. B u. S./z U. Barlo&Mann Tina Meiler Weintraubs South China Walter Nilsson n. weitere Neubeiten Ott inie Variete rrigrmnl ■ü Crroll, Cirti«Bi*lc: 21/,- und 3- Zimmer• Wohnungen, teils mit Ofenheizung, ca. RM. 88— bzw 97—, ohne Heizung, zum 1. Oktober 1931, eventl. auch frUher zu vermieten Mit and ohne Wohnberediiigangudieln n Aaiknnft erteilt; Berliner Spar- und Bau verein e.G.m.b.N. Charlottenburg 9, Knobelsdorf fstr. 96 Tel.: Westend 3584 2797 FOr T e m p e 1 h o i: Tempelhof. Tankrtd.tr. Verinlttnnasbflro Für Schillerpark: Berlin N 05, Corker.trahe 9. bei Sdlcller föellage Sonnabend, 15. August 1931 SwAbitiD SttnJnul&iße l£ru>arA In der spanischen Fremdenlegion 4km unvorhergesehener Besuch/ Von Hei«; Christmann Ein„Capo", Unteroffizier der spanischen Legion, dessen Dienstzeit abgelaufen war, führte uns in R i f f i e n, dem Hauptlager der spanischen Fremdenlegion, ein. Ein ausgedehntes Gelände mit vielerlei Gebäuden, langgestreckten Baracken, Zeltlagern, Exerzier- Höfen, Ställen, Waffenlagern, einem großen Offizierskasino, das ist das Lager Riffien. Zweitausend Legionäre leben hier. Unser Führer meldet uns an. Man läßt uns eintreten. Die Offiziere sind zum größten Teil nicht da, sie sitzen in Eeuto, wo es an- genehmer sein mag. Die Nachricht, daß Landsleute angekommen sind, verbreitet sich wie ein Lauffeuer unter den Deutschen. Mit über- strömender Freude werden wir begrüßt. Einen gewissen Prozent- satz machen die Legionäre aus, die irgendwelcher Vergehen halber sich dem Staatsanwalt entzogen. Als besondere Kuriosität fanden wir z. B. einen biederen Bauernburschen, der in Pommern dem Stahlhelm gleich drei Ortsgruppen ge- gründet hatte, Uniformen usw. großzügig auf eigene Rechnung destellte und die Bezahlung hinterher mit einem gefälschten Wechsel vornahm— auf fünf Jahre hatte er sich gleich in Angst und Schrecken der Legion verpflichtet, obwohl drei Jahre die Mindestzeitdauer ist. Neben denen, die aus Gründen solcher Art hierher gekommen sind, trieb viele Abenteuerlust. Sie meinten, hier ein wildes Sol- datenleben führen zu können— und inußten erfahren, daß der Aufenthalt jenseits eines sehr eng bemessenen Terrains schon als Desertion gilt. Bei weitem die Mehrzahl jedoch ist nicht ohne Zwang nach Afrika gegangen. Niemand ist zwar dabei, den ein spanischer Agent gezwungen oder auch nur„veranlaßt" hätte, zur Legion zu gehen; nein, gezwungen hat, und das trifft gerade für Deutsche am meisten zu, ganz etwas anderes, die bitterste Not. Die normale Geschichte eines deutschen Legionärs ist folgende: Als junger Mensch arbeitslos geworden, will er seinen Eltern nicht zur Last liegen, geht auf Wanderschaft. Kommt ins Aus- land, kommt auch nach Spanien. Die letzten Notgrofchen find auf- gezehrt, Arbeit gibt es auch hier nicht, Spanien ist schwach bevölkert, die Entfernungen sind weit, er hungert und verkommt immer mehr. Kein deutscher Konsul gibt ihm einen Pfennig Unterstützung oder Mittel für die Heimreise— da sieht er ein Werbeplakat der Legion. Es verspricht für drei Jahre geordnete Verhältnisse, es verspricht Kleidung, Brot, dazu noch ein Handgeld von mehreren hundert Peseten, zahlbar gleich beim Eintritt, wer will da noch widerstehen? Parallel mit dem Anwachsen der deutschen Wirt- schaftskrise steigt auch die Zahl �der.. Deutschen in der Legion rapide an. Der Andrang der am Leben Verzweifelnden aller Länder ist so groß, daß man sich ein« sorgsame Auswahl der„Be- Werber" erlauben kann. Es gibt kaum einen Legionär, der nicht schon nach wenigen Wochen seinen Entschluß, zur Legion zu gehen, bitter beklagt hätte. So unterhalte ich mich lange mit Zwei jugendlichen Genossen. Sie befinden sich jetzt, nach einem Leidensweg durch Spanien, seit zwei Monaten in Riftien. Beide haben Tränen in den Augen, als sie nach Europa hinüberwcisen, nach dem aus dem Meere stell emporragenden Gibraltarfelsen, der so nahe ist, der die Freiheit bedeutet— und der doch unerreichbar bleibt. Zwar ist das Leben hier nicht so, wie es in vielen alten Legionärsbüchern geschildert wird, mit seiner fürchterlichen BeHand- lung und seinen unmenschlich harten Strafen. Darin hat sich manches gewandelt, auch steht die Strafzumessung in der spanischen Legion der in der französischen bedeutend noch. Aber trotzdem— für einen geistig nicht völlig abgestumpften Menschen bedeutet jeder Tag in der Legion eine unbeschreibliche Oual. Dabei ist Riftien als feste Ansiedlung noch bei weitem am erträglichsten, wenn auch 90 Proz. der angeblichen„kulwrellen Errungenschaften" Schein sind. Es gibt z. B. eine auf Stiftungen beruhende kleine Biblio- t h e k, aber sie ist dauernd geschlossen. Es gibt ein modernes Wasserwerk, auf einem kleinen Bord hat man in demselben eigens ein Wasserglas plaziert, damit ein eventuell hoher Besuch sich von der Qualität des Wassers überzeugen könne, aber es ist außer für die Küche nur für dos Offizierskasino und die— Pferde- tränke bestimmt. Den Soldaten steht ein schmales, schmutziges Rinnsal am Rande des Camps zur Verfügung. Es gibt sogar Brausebadanlagen, aber eineinhalb Jahre vor unserem Besuch sind sie anläßlich einer Besichtigung zuletzt in Betrieb ge- wescn. Es gibt endlich Klosetts mit Wasserspülung, doch nur im Kasino; den Soldaten steht dafür überhaupt kein Abort zur Verfügung. Rings um dos Camp herum ist ja soviel Platz... Es ist daher verständlich, wenn ein ganz großer Teil der Legionäre versucht, irgendwie vorzeitig freizukommen. Viele desertieren, aber nur ganz wenige kommen durch. Nicht so sehr deswegen, weil die Schwierigkeiten so un- überwindlich wären, als vielmehr aus dem Grunde, weil diese Menschen in dem allmählich völlig abhanden gekommenen Ver- trauen aus sich selbst zuviel Mitwisser brauchen, unter denen sich dann angesichts der lockenden Belohnung fast immer ein Ver- räter findet. Ein anderes beliebtes Mittel zum vorzeitigen Freikominen ist das Simulieren von Krankheiten, meistens Geistes- krankheiten, und die Selbstverstümmelung. Nach einigen wenigen Tagen des Zusammenseins mit Legionären sind uns schon einige Dutzend derartiger Mittel bekannt; manchmal hoben die Betreffenden damit auch den gewünschten Erfolg. Hunderle sind schon darüber zugrunde gegangen. Am Rande des eigentlichen Lagers befindet sich jenes Viertel, in dem die Legionäre ihre„Freizeit" verbringen. Es besteht aus einem großen Schankhaus und einer langen Reihe— Proftituiertenhäuser. Die spanische Militärverwaltung macht eine große Reklame damit, daß sie einen so guten— im Vergleich zu Frankreich auch tatsächlich hohen— Sold zahle. Aber sie könnte gern das Doppelte zahlen, ohne daß es sich wesentlich bemerkbar machen würde. Dieser Sold fließt nämlich so gut wie restlos an die Schankstube und an die Prostituierten zurück; die Militärbehörde zieht dann von diesen den wesentlichen Teil als Steuer wieder ein... Das Schankhausviertel gestattet den unverfälschtesten Einblick in das Niveau des Legionärlebens. Oh, es geht alles sehr f r i e d- lich zu; Schtägereien und überhaupt rüpelhaftes Benehmen kennt man kaum. Solange man Geld hat, und dos ist bei den meisten nur wenige Stunden nach der Löhnung der Fall, steht man an der Theke der erschreckend öden Wirtsstube oder man sitzt um einen der schmutzigen Tische herum, einer nach dem anderen gibt eine „Runde" aus für alle, die sich gerade zusammengefunden haben, bis eben das Geld wieder einmal alle ist. Dann spielt man Karten, lehnt sich gedankenlos in irgendeine Ecke, schlendert planlos umher. Aber wenn dann, noch vielen langen Jahren, endlich der Zeit- punkt der Entlassung in die Nähe rückt, ist es bei den meisten aus mit der Gleichgültigkeit. Sie geraten in fiebernde Erregung, bringen nichts mehr zuwege, machen aus lauter Kopflosigkeit möglichst noch in der letzten Woche einen Fluchtversuch. Gewiß, viele finden dann den Weg ins Leben zurück; bei vielen aber ist es zu spät. Einige Monate nach der Entlassung kommen sie— freiwillig wieder zurück. Sie haben sich draußen nicht mehr zurechtfinden können. Garxz leise fragen wir uns nach dem Sinn dieses Ganzen, der Legion, des spanischen Marokko überhaupt. Freies Spanien, hier wartet deiner eine Aufgabe! Roman um Marokko „Ich besitze die folgenden Aufzeichnungen bereits seit einigen Jahren. Es sind Beobachtungen, die ohne bestimmte Ordnung nieder- geschrieben wurden, zuweilen vielleicht allzu genau, auch ohne be- sondere künstlerische Form. Sie entstanden während meiner Militär- dienstzeit in Marokko," schreibt der Verfasser Ramon I. Sender in der Einführung seines Romans Jmän, Kampf um Marokko(Verlag der Bücherkreis, Berlin. In Ganzleinen ge- bundcn 4,80 M.). Also wieder ein Tatsachenbuch, eine Reportage großen Stils unter Hintansetzung künstlerischer Form und Gestaltung, lediglich Schilderung von unmittelbar Erlebtem. Spanien, die jüngste der europäischen Republiken, hat, nachdem es Jahrhunderte lang von seinen Königen zu tiefster kultureller Be- deutungslosigkeit niederregicrt wurde, über Nacht die Anteilnahme der gesamten Welt gefunden. Der Sieg des Sozialismus im reaktiv- närften Lande Europas kam überraschend, aber beileibe nicht unvor- bereitet. Wohl verhielt sich Spanien während des Weltkrieges in den verschwommenen Grenzen einer Neutralität. Dann kam der Krieg mit den aufständischen Kabylen, der Kampf einer einstigen Weltmacht um die letzten Reste einer längst schon geschwundenen Vor- Herrschast. Wie dieses spanisch-curopäische Abenteuer verlief, welche Unzahl Menschen- und Geldopfer diesem Wahnsinn geopfert wurden, und wie endlich, nachdem Frankreich„intervenierte", die blutige Nieder- läge der Spanier zu einem Pyrrhussieg gerettet wurde, daran er- innern wir uns ja alle. Während es dem spanischen Imperium um das kostbare Erz in Marokko ging, kämpfte Abdel Krim mit dem den europäischen Streitkräften sowohl in der Zahl als auch in Militär- technischer Hinsicht weit unterlegenen Bergvölkchen der Rifkabylen einen Kampf um Freiheit und Unabhängigkeit, in dem er zuletzt doch unterlag. Aber gleichzeitig mit ihm unterlag auch der spanische Imperialismus, der sich selbst kraft der Militärdiktatur eines Prima de Rivers nur wenige Jahre danach noch halten tonnte, um dann von der sozialen Revolution zertrümmert zu werden. Der Autor schildert in seinem Romane sehr richtig, wie alle diese Arbeiter- und Bauernsöhne des spanischen Volkes in immerwähren- dem Suchen nach dem Warum dieses Krieges völlig an sich und dem gesunden Menschenverstand verzweifeln und nur eines wissen, daß jemand an diesem Greuel und Elend Schuld trage. Immer wieder taucht die Frage auf: Wer ist der Schuldige? Und dieser ganze Weg des spanischen Soldaten Viance, der dem Entsetzen des Krieges ent- fliehen will und auf seiner Flucht in immer neues Entsetzen gerät, ist nichts anderes als das Suchen nach dem Schuldigen. Ueber tausend und aber tausend Leichen führt ihn sein Weg, überall, wohin sein Fuß rührt, stößt er aus die Schuld, nirgends aber trifft er den, der sie trägt. Ja, das ist erschütternd und immer wieder aufrüttelnd. Das»st der Krieg, wie wir ihn alle erlebt haben. Und es ist klar, daß dieses für den Menschen stärkste Erlebnis immer wieder niedergeschrieben und den kommenden Generationen überliefert wird. Auch Spanien hat seinen Krieg erlebt, wenn auch nicht in dem Ausmaße der Völker, die von 1914 bis 1918 verbluteten. Jetzt hat Spanien auch sein Kriegsbuch. Würdig reiht es sich in die Serie der anderen ein. Uebersetzt hat es mit starker Einfühlung G. H. N e u e n d o r f f. FViwirift» Lichtneker. Pensionen in Berlin W Potttote öer �äste/ Von Fritz Lttttfer Wer meint, daß in einer Pension Gast Gast ist, befindet sich damit in einem schweren Irrtum. Da gibt es natürlich solche, die wohl ein Zimmer aus Dauer mieten, aber der unbelehrbaren Ansicht sind, daß man sich außerhalb billiger und besser verpflegen könne. Sie sind daher nicht„erstrangig", werden zwar nicht mit Verachtung verfolgt, aber zählen nicht zu den persönlichen Freunden des Wirtes. Nur in ganz wenigen Ausnahmefällen wird das Sich-Entziehen der Mahlzeit entschuldigt. Am besten aber kommen diejenigen fort, welche weder dauermieten, noch in„voller Pension" sind; das sind die Gäste„auf ein bis höchstens sechs Tage". Ihnen offenbaren sich alle Sonnenseiten einer Pension, denn sie sollen ja wieder und immer wieder kommen. Am schlimmsten aber sind diejenigen dran, welche sich mit Haut und Haar dem Pensionsbetrieb verschrieben haben. Sie beginnen mit der Zeit zur Familie zu zählen— na, und das weiß doch jeder Mensch, was es heißt, bei Verwandten zu wohnen, auch wenn man noch so gewissenhaft seine Lebensansprüche den Gastgebern vergütet. Sonst aber sind alle Gäste gleich und unterscheiden sich blolß durch ihre Zimmernummer. Denn außer in Gefängnissen und Irrenhäusern wird nur noch in Hotels und Pensionen die Identität des Individuums durch eine Nummer bewiesen. Also zum Beispiel:„Zimmer 1 will geweckt werden— Zimmer 8 bekommt das Frühstück— Zimmer 9 wünscht ein Bad" usw. 1, das ist eine Dame, die von Alimenten und Zinsen eines Erb- kapitals lebt. Sie ist weder zu jung, noch zu schön, findet aber beides bei sich in reichlichem Maße. Sie erzählt ständig von„Flirts" und rundet nach jedem Ankömmling männlichen Geschlechts ihre abenteuerlustigen Augen. Sie ist natürlich sehr gesprächig, enthüllt einem das Schicksal ihrer flötengegangenen Ehe und verheißt im Anschluß daran die baldige Wicderverehelichung mit einem Herrn von Sowieso. Sie hat immerzu gesellschaftliche Verpflichtungen, denen sie nur mit Mühe und Not nachkommen kann, mal hie, mal dort, mal zu diesem, mal zu jenem eingeladen, und stets kehrt sie blumenllberladen in ihr Pensionszimmerchen zurück. Einige boshafte Zungen behaupten, sie kaufe die Blumen selbst.--- Der Herr von Nr. 2 ist ein sehr einflußreicher Mann, dessen Name allen Leuten, die Wert daraus legen, etwas zu sein, bekannt ist, so sagt er selbst.— Ich habe keinen Grund, daran zu zweifeln, denn ich oerkehre prinzipiell nur mit Leuten, die ein viel zu bescheidenes Leben führen, um Nr. 2 zu kennen. Und deshalb kann ich nie das Gegenteil von dem, was Nr. 2 von sich behauptet, beweisen. Der Mann spricht sich gerne über seine Geschäfte aus. Sechsstellige Zahlen schwirren durch die Lust. Daß er vier Wochen die Pension schuldig ist und überdies auch dem Zimmermädchen 50 Mark schuldet, will natürlich gar nichts besagen und schmälert nicht sein Ansehen. Auch dann nicht, als er eines Nachts unter Hinterlassung seiner Koffer das Zimmer räumen muß. Ausgerechnet nachts, bei strö- mendem Regen— und sicher hat der Mann höchstens eine Mark in der Tasche.— Es faßt einen so etwas wie Mitlelid an. Aber Unsinn, der Mann hat doch seine Verbindungen--- Ganz ähnlich, aber doch anders liegt der Fall bei Nr. 19. Der Herr ist Amerikaner und sieht gut genährt aus. Besagter Amerikaner wartet schon seit Wochen auf den Riesen-Dollarscheck aus Amerika und wechselt dauernd Radiogramme mit New Park, allerdings auf Kosten des Pensionswirtes. Aber wer würde es wagen, anzunehmen, daß der Mann, dessen Typus allein schon von Wohlstand spricht, eines Tages fortzieht, ohne seine Rechnung aus Heller und Pfennig bezahlt zu haben. Denn was hilft alles Warten auf den Dollar- fcheck, wenn man in dringender geschäftlicher Angelegenheit nach London abberufen wird! Er reist ab— mit den Koffern. Eines Gastes Abgang bestimmt nicht selten sein erster Auftritt. Er allein entscheidet Höhe und Dauer des Kredites. Wesenllich sind Berufsstellung und der Schein einer vertrauenswürdigen gesellschaft- lichen Position. Wer diese äußeren Eigenschaften nicht auf den ersten Blick in sich oereinigt, wird bei erster Zahlungsstockung ausgerückt. Und so hilft Nr. 6, einem Musiker, keine Aussicht auf baldige- Engagement. Eines abends findet er sein Zimmer abgeschlolssen— dies das symbolische Zeichen für Hinauswurf— das Zimmer, das nach ihm wahrscheinlich wieder so ein hoffnungsloser, chancenloser Tropf wie er beziehen wird, das Zimmer, das an den Raum, der gleicherorts Bad und Toilette ist, grenzt. Aber er hat dies gar nicht so als Unannehmlichkeit empfunden, er hängt mit Liebe an diesem fremden Zimmer, das ihm Schutz und damit Hoffnung gab. Deshalb entfernt er sich nicht allzu weit von diesem Zimmer und nimmt auf einer Bank der der Pension gegenüberliegenden Anlage Quartier. Nr. 7, eine Russin, erbarmt sich des Mannes, der ihr Landsmann ist. Sie selbst auf Mitleid des Wirtes und lauteren Tee angewiesen, lädt den ehemaligen Nr. 5 zu sich in ihr enges Zimmerchen und teilt mit ihm dos Brot, das sie selbst nicht zu brechen hat. Ist es gerechtfertigt, wenn man der Dame von Nr. 13, die für alle Menschen ein gleichbleibendes freundliches, verbindliches Lächeln hat, etwas nachsagt, weil sie allabendlich mit ihrem Hündchen einen längeren Spaziergang macht? Sie ist Dauermieterin, bezahlt sogar pünktlich und hat nie den geringsten Anstand, weder mit Gästen, noch mit Personal. Sie belästigt keines Gastes Ruhe, kein Mann im Hause kann sich rühmen, ihr näher gekommen zu sein. Und trotzdem umhüllt sie eine Wolke von Vermutungen. Es ist sehr schwer. Menschen und ihre Schicksale unter ein Dach zu bringen. Und von allen Kreaturen fällt es den Menschen am schwersten, reibungslos in der Gemeinschaft zu leben. Sie belauern und verdächtigen sich mit einer geradezu krankhaften Leidenschaft. Es gibt immerwährende Spannungen. Und selbst die Einträchtigkeit bei den gemeinsamen Mahlzeiten in einer Pension ist nur schein- barer Friedensschluß. Es ist auch gar nicht leicht, alle Menschen auf ein und denselben Nenner zu bringen. Um so schwerer in einer Pension, die die Leute zu einem mehr oder minder-nahen Zusammen- leben zwingt. Da offenbaren sich natürlich auch Schwächen. Wenn der Junggeselle von Nr. 17 das freiwillige wöchentliche Trinkgeld dem Zimmermädchen mittels Scheck aus 5 Mark über- reicht— was er auch schon in bankgesicherten Zeiten getan hat— so ist das verwunderlich und wird als Kuriosum belächelt, aber was würden einen die Eigenarten eines Menschen bekümmern, wenn man nicht mit ihm sozusagen unter einer Decke schliefe. Und daß sie einem auch wider Willen mit der Zeit zu bekümmern beginnen, liegt an der örtlich nahen Berührung mit Charakteren und Schicksalen. Das Menschenpanorama, das bei längerem Wohnen in einer Pension an einem vorüberzieht, ist mit diesen hier aus der Fülle herausgegrifsenen Typen lange nicht vollständig. Aber trotz ihrer Vielfalt, ihrer Gegensätzlichkeiten verbindet etwas Gemeinsames diese Gäste einer Pension: das Schicksal der Menschen ohne ständiges Heim, die immer und überall nur G ä st e sind. Auch wenn sie oft jähre- lang in ein und derselben Pension wohnen, so erwecken sie niemalz den Eindruck der Bodenständigkeit, ob Kaufleute, ob Künstler, ob Rentiers, ob Begüterte oder weniger Begüterte, sie alle suchen Zu- flucht in einer dieser zahllosen Pensionen im Westen der Stadt, hausen in ihren Zimmern mit ihren stets zum Einpacken bereit stehenden Koffern und führen neben ihren bürgerlichen Namen auch noch eine Nummer. Und es ist gar nicht sehr ungemütlich so zu wohnen— wenn man kein eigenes Dach überm Kopf hat. Der Deutschlandflug 20 Maschinen gestartet Freitag nachmittag draußen in Staaken. Das Wetter hat sich etwas aufgeklärt, aber es ist doch noch verflixt maikühl. Der Flug- Hafen hat reichen Flaggenschmuck angelegt, es gibt auch so etwas wie einen Zuschauerplatz, aber außer den Vertretern der Behörden und der Presse kommt eigentlich niemand. Die technischen Prüfun- gen sind ja auch beendet, jeder Wettbewerbsteilnehmer hat seine Punktzahl in der Tasche und betet nun zu sämtlichen Fliegergöttern, daß ihm auf der Strecke nicht die Puste ausgehe. Um 3 Uhr werden die meisten Maschinen aus dem Stall ge- bracht und dann wird getankt und herumgemurkst. Wenn man die Reche der Flugzeuge überblickt, so bietet sich eigentlich wenig Ab- wechslung Der Klcmm-Eindecker herrscht vor, und er ist ja auch in der technischen Leistungsprüsung am besten abgeschnitten. Die beiden Avado-Flugzeuge sind die Typen, die den Europa-Rundflug mitgemacht haben, und nur der Eindecker der Bayerischen Flug- zeugwerke weist einige technische Verbesserungen auf. Kern, der mit seinem kleinen Gerner-Doppeldecker außer Konkurrenz mitfliegen will, bastelt noch an seiner Mdschine herum. Wir werden ja sehen, ob der Doppeldecker und der neue Hirthsche Motor die Zerreiß- probe bestehen. Verschiedene Piloten unternehmen im Laufe des Nachmittags noch einige Probeflüge, dann wird alles zu einer Führerbesprechuug zusammengetrommelt, es hagelt noch einmal Verwarnungen und Belehrungen, die Streckenkarten werden ausgegeben. Alles ist be- reit. Der Deutschlandflug kann beginnen! D!e Stariflagge senkt sich Dunkelheit liegt noch auf dem Staakener Flugplatz, da beginnen schon die Propeller zu brummen. Dutzende von unausgeschlafenen Menschen stehen umher; die einzigen, die die Ruhe bewahren, sind die Piloten. Nun beginnt es zu dämmern, die Sonne kommt vor. alles sieht wunderschön aus. Aber die Wettermeldungen von der Strecke lauten durchaus nicht günstig. Pünktlich um VA Uhr senkt sich die Startflagg« und Reinhold P o ß, der Favorit des Deutschlandfluges, geht auf die Reise. Ein« Minute später startet der bekannte Segelflieger Wolf Hirth, der in der leichteren Flugzeugklasse fliegt und daher einen beson deren Vorsprung erhält. Dann starten D i n o r t(56 Punktes, Iunghanns(56 Punkte) und Liefet Bach(48 Punkte). Um 5.46 Uhr erheben sich die Klemm-Eindccker der Piloten Kneip, Schulz-Eckardt, Weichelt und D e f f n e r, die jeder 45 Punkte aufweisen, zu gleicher Zeit in die Luft. Trotz des Regens, der plötzlich einsetzt, erleidet der Start keine Verzögerung. E fliegen ab: Maier(44 Punkte), Thomsen(43 Punkte), Eroneis (42 Punkte), Beseler(46 Punkte), Elli Beinhorn(46 Punkte), Siebcl (38 Punkte), Dudenhausen(37 Punkte), Baumert(36 Punkte), Haagen(35 Punkte) und Osterkamp(31 Punkte). Kern, der außer Konkurrenz mitfliegt, startet als letzter um TA Uhr. Die Flugroute des ersten Tages führt über Lübeck, Münster, Duisburg, Stuttgart und München. Die Strecke ist 1167 Kilometer lang und hat es in sich. Ueber den voraussichtlichen Verlauf des Flugzeugrennens kann man natürlich gar nichts sagen, es ist bis zum letzten Kilometer mit Ueberraschungen zu rechnen. Der von Eroneis gesteuerte BFW.-Eindecker fliegt sehr schnell, aber es er- scheint doch fraglich, ob er Poß. der einen zu großen Punktvor- sprung hat und ein erfahrener Pilot ist, gefährlich werden kann. 5m kombinierten Land- und Seeflughafen Travemünde, wo die Teilnehmer am Deutschland-Rundflug ihre erste einstündig« Zwangslandung vornehmen müssen, trafen die Flieger in folgender Reihenfolge ein: Poß um 5.45 Uhr, Wolf chirth um 6.63 Uhr, Dinort um 6.65 Uhr, Junghanns um 6,35 Uhr, Liefe! Bach um 6.45 Uhr. Weichelt um 6.56 Uhr, Schulze-Eckardt um 6.58 Uhr, Kneip um 7.61 Uhr, Deffner um 7.66 Uhr, Maier um 7.16 Uhr, Thomfen um 7.63 Uhr, Cronreiß um 7.67 Uhr, Elli Beinhorn um 7.19 Uhr, Siebet um 7.23 Uhr und Beseler um 7.26 Uhr. Im Flughafen Travemünde herrschte seit den frühen Morgenstunden reges Leben und Treiben, alles stand im Zeichen der Erwartung der Teilnehmer am Deutsch- land-Rundflug. Das Wetter ist kühl, es weht ein leichter Südwind. Die A n k u n f t der Spitzengruppe wird voraussichtlich Sonn- tag nachmittag zwischen 2 und 3 Uhr aus dem Flughasen Tempel- h o f erfolgen. Lndlkh eine Motorfähre in der Sakrowcr-Enge In S a k r o w an der Havel wird Im September eine Motor- fähre für 460 Personen dem Verkehr übergeben. Das Schiff hat elektrischen Dieselantrieb und ist bereits in Potsdam eingetroffen. Gleichzeitig wird die Enge von 200 Meter auf 265 Meter erweitert, wozu umfangreiche Arbeiten notwendig sind, die bereits im vorigen Sommer begonnen wurden. Der„A b e n d" hat wiederholt auf die Gefahren, die die Sakrower Enge für die gesamte Schiffahrt bringt, hingewiesen. An- läßlich eines Bootsunglücks Ansang Mai dieses Jahres, das unser Gewährsmann miterlebte, war von uns mit aller Bestimmtheit gefordert worden, daß die mittelalterliche Urwaldseilfähre verschwindet und einer modernen Platz macht. Der jetzt angetündete Einsatz einer den dortigen Bcrkehrsverhältnissen Rechnung tragenden Fähre ist um etwa zehn Jahre zu spät gekommen. Sdmiinmer-Llite bei„Ncptan''-Wei6cnsec Bei dem Jubiläums- Schwimmfe st des Arbeiter- Schwimmoereins„Neptun" heute und morgen im Schloß Weißensee stellten sich Vertreter aus Dresden und Magd«- bur? sowie aus zwölf größten Schwimmvereinen des 1. Kreises im Arbeiter-Turn- uno Sportbund dem Starter und werden hoch- interessante Kämpfe liesern. Ein großer Teil der Wettkämpfer hat erst vor drei Wochen erfolgreich die deutschen Farben beim Wiener Olympia vertreten. Abwechslungsreich ist die Reihenfolge der einzelnen Wetttämpfe. Aeußerst spannend der Ausgang der 4 X 166-Mcter-Männerbrust- Stafette. Es ist unmöglich, hier zu beurteilen, wer wohl die meiste» Siegeschancen hat. Dresden, Magoeburg, Charlottenburg, Hellas, Union und Neptun gehen mit fast gleichwertigen Mannschaften ins Rennen. Im Wafferball-Mehrkampf wird es hart um die Punkte gehen. Besonders hervorzuheben wäre noch, daß sich im Turm- fchau-springen Berlins gesamte Springerelite mit den Springern aus Dresden ein Stelldichein gibt; Glanzleistungen sind dabei zu er- warten. Im Wasserballspiel treffen sich Magdeburg-Hellas und im zweiten Spiel Dresden und Neptun. Di« Veranstaltung findet um 15 Uhr im Seebad Weißen- f« e. Berliner Allee, statt. Eintrittspreis« 56 Pf., Erwerbslose 36 Pf. Der Besuch dieses Festes kann jedem Arbeitersportanhänger empfohlen werden. Wie schon mitgeteilt, wird heute ab 18 Uhr das Jubiläumsfestspiel im Schloß Weißensee aufgeführt. Der Eintritt ist frei. �rdeiter-�ssserdall „Neptun" Weißensee und Hellas I müssen sich in dieser Serie zum zweiten Male gegenübertreten, da das erste Spiel wegen Un- wetters ein vorzeitiges Ende fand. Das Spiel findet heute abend, 19A Uhr, in Weißensee statt und verspricht äußerst spannend zu werden, da es uxy den zweiten Platz in der Tabelle geht.— Charlottenburg absolviert am Sonnabend in Westend sein letztes Spiel gegen Lichtenberg und dürfte einen sehr sicheren Sieg davontragen. Pferderennsport Mit einem interessanten Programm nehmen die Rennen in Karlshorst morgen Sonntag, 15 Uhr, ihren Fortgang. Im Gipfel- punkt des Nachmittags steht die„Berolina", ein« klassische Prüfung, in Oer die Elite der dreijährigen Steepler sich über 3666 Meter auf der Jagdbahn trifft. -ü 2lm Montag. 17. A u g u st. folgt in Mariendorf wieder einer der beliebten Abend-Renntage. Für den abschließen- den Preis von Pankow sind die Nennungen so zahlreich eingelaufen, daß oas Rennen geteilt werden mußte. Im Mittelpunkt steht das Gynz-Rekowsti-Rennen, eine über 1666 Meter führende Zucht- Prüfung, in der die guten zweijährigen Traber zum ersten Male ihre Kräfte mit schnellen Dreijährigen messen. Die Rennen be- ginnen wieder um 18 Uhr. Mit Rücksicht auf die Baden-Badener Rennwoch« hat der V e r- «in für Hindernis-Rennen, der bekanntlich in oiesem Jahre auf sein 56j ähriges Bestehen zurückblickt, sein ur- sprünglich für Mitte August angesetztes Jubiläums-Meeting auf den 13., 17. und 26. September tu Karlshorst verschoben. Menschenmarkt Der Spielerkauf im bürgerlichen EuHballager Stets, wenn es Heißt, die Fußballspieler im Deutschen Fußball- bund wären verkappte Berufsspieler, trat der Vorstand oes Bundes mit der Erklärung in die Oeffentlichkeil: An diesen Gerüchten ist kein wahres Wort. Eine Bezahlung der Spieler sowie«in Auf- kauf findet nicht statt. Die Wirklichkeit sieht aber denn doch anders aus. Erst vor kurzer Zeit konnten wir an dieser Stelle berichten, daß die Spieler Appel und Hahn von Hertha BSC. ihrem Berein den Rücken gekehrt und sich dem Berliner Sport-Verein 92 verschrieben hätten. Appel war früher im BSV., trat aber aus, da es sich angeblich mit seiner politischen Ueberzeugung nicht ver- einbaren ließ, unter den Farben Schwarzweißrot zu spielen. Vom BSV. wurde ihm aber nachgewiesen, daß nur die bessere Be- Zahlung durch den deutschen Meister der treibende Faktor war. Jetzt kann es aber derselbe Spieler mit seiner Gesinnung verein- baren, unter den gleichen Farben zu spielen. Zahlt der BSV. jetzt wieder besser? Aber dies ist nicht der einzige Fall, der sich in den letzten Tagen abgespielt Hot. Als„Großeinkäufer" in Fußballspielern tritt jetzt der P o st s p o rt v e r e i n auf den Plan. Alles, was bisher an Spielerkauf geschah, wird vom Postfportoerein bei weitem über- troffen. Selbstverständlich hat der Verein diese Spieler nicht„ge- kauft", sondern sie„fanden alle den einzig richtigen Weg"! Wie soll es auch anders fein? Die Hintergründe zu diesem Wegfinden liegen aber tiefer: Ein Pöstchen bei der Reichspost wird wohl allen offen- stehen. Sind cs doch nicht die schlechtesten Spieler, die sich der Post sportve rein geholt hat. So sind vom VfB. Pankow nicht weniger als drei anerkannte Kräfte, Groß, Z i e j« und K u b«, die in der nächsten Saison für die Post spielen werden, hinzu kommen noch G u t tm a n n- Wacker, S ch u l z« Meteor, Panke- Spandau, Lallensack- und Z i m m e r l i n g- Minerva. Geraoe der letztere gilt als einer der erfolgreichsten Stürmer Berlins. Der Zweck dieses Spielerkaufs ist klar und offensichtlich: Der Platz an der Sonne— die Oberliga— ließ einige höher« Herren nicht schlafen. Da dieser Platz aber auf normalem Wege nicht zu er- reichen war, bediente man sich eben einiger tüchtiger Aufkäufer. Der Plan ist geglückt, der Tanz kann beginnen. Ein anderes Kapitel ist der Spieler S ch u l z- Preußen. Der Fußballklub Preußen ist dafür bekannt, daß er wohl der einzige wirkliche Amateurverein im Verband Brandenburgifcher Ballspiel- oereine ist. hieß es doch van verschiedenen Spielern, daß man sich bei den Preußen selbst die Schnürsenkel für die Fuhballstiefel selbst kaufen müsse. Preußen hat es weiter abgelehnt, selbst die zulässigen 7,56 M. an ihre Spieler zur Auszahlung zu bringen. Jetzt hat Schulz aber die Forderung gestellt, daß er nur noch nach Zahlung von 36 M. für jedes Spiel weiterhin für die Preußen spielen würde Dieses Verlangen wurde aber von Preußen glatt abgelehnt und Schulz zog zu Hertha. Schulz dürfte sich aber dabei in die Nesseln gesetzt haben, da er von Preußen keine Spielgenehmi- gung erhalten wird. Der Verband wird sich diese Art„Amateure" aber einmal vornehmen müssen, um die übermäßige Bezahlung von Spielern zu unterbinden. Noch eine andere Frage verdient hier Beachtung. Der für seine Spielerbezahlung und Spielerziehung bekannte Fußballverein Hertha BSC. hat vor nicht allzulanger Zeit gegen eine Berliner Abendzeitung, die dem Verein«inen Doppeloerkauf von Eintritts- karten sowie übermäßig, hohe Bezahlung von Spielern vorwarf. eine Klage angedroht. Vergeblich wartete nicht nur die Zeitung, sondern alle Fußballinteressenten auf diesen Prozeß. Galt es doch hier vor allen Dingen festzustellen, ob die Beschuldigungen auf Wahrheit beruhen. Hertha BSC. leugnete in der Presse sowie vor dem Verbandsvorstand genau so, wie es wenige Zeit später auch Tennis-Borufsia tat. Nur waren die Tennis-Borussen vorsichtiger: sie verkündeten nicht in allen Zeitungen, daß sie eine Klage eingereicht hätten. In den letzten Tagen fand nun ein be- deutungsvoller Prozeß statt, in dem diese Frage leicht hätte geklärt werden können. Der Spieler F r i t s ch e von Hertha klagte gegen den Derein auf Zahlung der Unfallunterstützung, die ihm vom Ver- ein versprochen war. Nur hatte Hertha vergessen, diese Unterstützung auszuzahlen. Als der Verteidiger Fritsches den Antrag stellte, daß alle Spieler der ersten Mannschaft Herthas unter Eid vernommen werden sollten, um festzustellen, ob Verträge dieser Art mit den Spielern bestehen, war der Vorsitzende Herthas sofort bereit, einen Vergleich«in zu gehen! Hertha bezahlt, die Oeffentlichkeit erfährt wieder einmal nicht, ob nicht die Gerüchte doch Wahrheit sind. Und so etwa- nennt sich dann noch„Amateursport"! Vierhotter am Start beim Maratbonsdiwimmen in Toronto Die Elite der Berufslangstreckenjchwimmer gibt sich olljährlich beim Marathonschwimmen in Toronto ein Stelldichein, das in diesem Jahre am 2. September zun, fünften Male zum Aus-- trag gelangt. In den eiskalten Fluten des Ontariosees sind auf einem Dreieckskurs 15 englische Meilen gleich 24 Kilometer zurück- zulegen, eine Aufgabe, der erfahrungsgemäß nur die wenigsten Be- Werber gewachsen sind. So ereignete sich vor drei Jahren der Fall, daß von 118 ge- starteten Teilnehmern nicht ein einziger das Ziel erreichte; alle inußten wegen der niedrigen Waffertemperatur vorzeitig die Waffen strecken. Wie in den vorangegangenen Jahren ist auch diesmal wieder der deutsche Kanalbezwinger Ernst Vierkötter mit von der Partie. Der Kölner, der seit einigen Jahren in Kanada lebt, gilt als einer der aussichtsreichsten Teilnehmer, neben ihm sind noch der Italiener Costoli und der vorjährige Sieger Marvin Nelson als erste Anwärter auf den 5?auptpreis von 16 666 Dollar zu nennen. Insgesamt verzeichnet die Meldeliste in diesem Jahre annähernd 266 Namen. Das erste Marathonfchwimmen in Toronto im Jahre 1927 gewann bekanntlich Vierkötter in 11:42:12 nach scharfem Kampfe gegen den französischen Kanalschwimmer Michel, der gleich dem Kölner das biedere Handwerk eines Bäckermeisters ausübt. 1928 blieben, wie schon erwähnt, alle Bewerber, darunter auch Vierkötter und Michel, auf der Strecke, ein Jahr später mußte sich Vierkötter mit 256 Yards Rückstand mit dem zweiten Platz hinter dem Amerikaner Keating begnügen, und im Vorjahre langte es für den einstigen Kölner nur zum fünften Platz hinter Nelson» Amerika. Dersassungsfeier der Kanufahrer im Deutschen kanuverband. Am Sonntag, dem 16. August, nachmittags 4 Uhr, findet auf dem Dämmeritzfee vor dem Gesellschaftshaus Hessenwinkel zur Feier des Verfassungstages eine Kurzstreckenregatta des Deutschen Kanuver- bandes, Märkischer Kreis, statt. Zu dieser Regatta haben 69 Boote mit 167 Fahrern ihre Meldungen abgegeben. Freie Schwimmer Charlottenburq 04., Kanwabteilunq. deute, 20 tdhr, italienische Stacht im kootshauz in Ti-swerder. Gäste herzlich willkommen. Im geräumigen Pvotslzaus kiinnen noch Freunde des Kanusports ihr eigenes Boot gut unterstellen. Auskunft: Donnerstags, Sonnabends und Sonntags im Boots- Hans oder durch die Geschäftsstelle, Charlottenburg, Airchstr. 6. Freie Sportoereinigung Riederschönhansen, Abt. Pankow. Mitglroher, die nichr nach Velten sahren. beteiligen sich an der V-rfassungafeier, auch die Niederschimhaufener. Treffpunkt zum Umzug Sonntag, 14% Uhr, Bornholmer Ecke Schönhauser Allee. Karlen bei Finzel. Freie Sport- und Schnhenoereinigung. Sonnabend, lZ. August, Gästeschiehen bei Reche, Metzer Str. 20. Sonntag, 20 Uhr, Funktionärsihung bei Guhl, Stahl. heimerstr. 2. Freie Photooercinignng. Sonntag, 10. August,