BERLIN Montag 12. August 1931 10 Pf. Nr. 382 B 191 4». Jahrgang Ersch eint tiglich außer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben 8t> Pf. proWoche, 3,60M. pro Monat. Redaktion und Expedition: DerlinSW68,Lindenstr.3 Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297 „l&Wxzsfa Anzeigenpreis: Die einspaltigeNonpareillezcile 8o Pf., Reklamezeile s M. Ermäßigungen nad) Tarif. Postscheckkonto: Vorwarts-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr. 3? S3S.— Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vorl Die Kreditverhandlungen stocken Neue Schwierigkeiten in Basel- Die Neichsregierung berät Das Reichskabinett nahm am Sonntagnachmittag in einer mehrstündigen Sitzung einen Bericht über den Stand der Baseler Stillhalteberatungen entgegen. Die Baseler Verhandlungen haben sich am Sonnabend und Sonntag ziemlich zugespitzt, so daß den deutschen Dele- gierten neue Instruktionen der Reichsregierung zugehen mußten. Die Schwierigkeiten gehen hauptsächlich von den französischen, schweizerischen und holländischen Delegierten aus. Welcher Art diese Schwierigkeiten sind, ergibt sich aus dem nachfolgenden Bericht aus Bafel, der zwar einen gewissen Optimismus erkennen läßt, der zur Zeit in Berlin aber nicht geteilt wird. Man spricht hier bereits von der Möglichkeit eines Auslandsmoratoriums für den Fall, daß die Baseler Verhandlungen nicht so schnell zu einem positiven Ergebnis gelangen wie es Deutschland wünscht. Die„Steile Züricher Zeitung' erhält über die Sonntagsperhand- langen aus Basel folgenden Bericht: Am Sonntag wurde in Basel intensiv gearbeitet. Die Komitees der Experten und der Bankiers hielten lang« Sitzungen ab. Die Verständigung zwischen den ausländischen und den deutschen Bankiers ist noch nicht' in vollem Umfange gesichert, es wurden aber immerhin merkliche Fortschritte erzielt. Besonders zwei Punkte bereiten Schwierigkeiten: Die deutschen Wanken ver- langen die Einbeziehung der kurzfristigen Verpflichtungen, die ihre Filialen im Ausland eingegangen sind, in die zu verlängernden Kredite. Würde diesem Begehren Rechnung getragen, so beliefe sich die Gesamtsumme der um S Monate zu verlängernden Kredite— auf diesen Zeitraum hat man sich nun geeinigt— auf etwa 5 Milliarden Mark. Die ausländischen Bankiers wider- setzen sich jedoch diesem Begehren wie auch einer Sperrung ihrer Markguthaben bei den deutschen Banken.„Da wir dies« Kredite nicht als Darlehen zur Verfügung gestellt haben— sagen die ausländischen Bankiers— haben wir das Recht, frei darüber zu verfügen.'„Dos ist im wesentlichen richtig— antworten die deutschen Vertreter—, aber wenn ihr diese Gelder jetzt zurückzieht, wenn ihr sie in ausländische Devisen umwandelt, ge- fährdet ihr die deutsche Währung.' Zwecks Lösung dieser beiden Fragen muß also eine elastische Formel gesunden werden, die die Interessen der ausländischen Bankiers nicht allzu sehr schädigt und für die deutschen Banken tragbar ist. Hinsichtlich der Ver- zinsung der zu verlängernden Kredite einigte nmn sich auf einen Zinssatz, der etwas über dem für die ursprünglichen Kredite be- stimmten Zinssatz liegt. Man hofft nun, sehr bald zu einer Einigung zu gelangen. Das Studienkomitee hat die Ausarbeitung eines Berichts an die Regierungen bereits übernommen, und zwar aus Grund eines Vorentwurfs von Sir Layton. Wie der Korrespondent des„Soz. Pressedienst" erfährt, wird der Bericht etwa folgende Schlußfolgerungen enthalten: Deutschland wird sofort sehr scharfe Maß- nahmen ergreifen müssen, um dos Budget des Reichs, der Länder und Gemeinden ins Gleichgewicht zu bringen. Ganz erhebliche Ersparnisse sind zur Erzielung des finanziellen Gleichgewichts notwendig, das für die Sanierung der beut- scheu Finanzen unerläßlich ist. Man wird daher die Aus- Wirkungen der Maßnahmen abwarten müssen, die unbedingt zu treffen sind. Eine ausländische Finanzhilfe wirdnotwendigsein. Aber die ausländischen Finanz- Märkte werden trotz der Maßnahmen, die in Deutschland getroffen werden sollen, wenig geneigt sein, neue Kredite ohne weitgehende Garantien zu gewähren. Verhandlungen mit Banksachverstandigen. Die Beratungen derRegierung über die notwendigen Maßnahmen zur Behebung der Wirtschafts- und Bonkenschwierigkeiten werden fortgesetzt. Da dabei auch die notwendigen Schritte zur Sicherung der Reichsgarantien für die Bankenkrcdite zur Besprechung kommen, wird wahrscheinlich ein Kreis von Sachverständigen hinzugezogen merdem Als solche werden u. o. genannt: der Nationalökonom Abolf Weber, Bernhard Dernburg, Rudolf Hilferding pnd Bankdirektor Reinhardt. v-3ug- Katastrophe in Oesterreich Zwölf Passagiere getötet, elf verleht Wien, 17. August.(Eigenbericht.) An» Sonntagmorgen gegen 4 Uhr ist der I)-Zug Rom— Wien bei der Einfahrt in den Bahnhof Goß bei Leoben(Steiermark) auf einen Güterzug auf- gefahren. Die Lokomotive und die ersten drei Wagen des Zuges entgleisten und stürzten über die Böschung. Zwölf Personen wurden getötet, sieben schwer und vier leicht verleht. Anprall auf den Güterzug. Die Uinstände, die zu dem schweren Unglück führten, konnten bisher noch nicht festgestellt werden. Der Güterzug war etwa gegen 3.SS Uhr morgens, unmittelbar vor der Station Göß, zum Halten gebracht worden, fo daß die Einfahrt für den D-Zug versperrt war, ohne daß ein entsprechendes Signal gegeben worden wäre. Der D-Zug Rom— Wien raste in voller Fahrt heran. Als der Lokomotivführer plötzlich hinter einer Kurve die roten Schluß- lichter des Güterzuges bemerkte war es bereits zu spät. Zwar ver- suchte er noch, mit aller Kraft zu bremsen, aber er konnte die Geschwindigkeit des D-Zuges nicht genügend herabmindern. So saufte die Maschine mit aller Gewalt auf die Güterwagen auf, e n t- g l e i st e und st ü rz t e um, indem sie drei weitere Wagen, den Postwagen, einen Wogen zweiter Klasse und einen Wagen dritter Klasse mit sich riß. Die beiden Verkehrsbcamten der Stationen Göß und Hinter- b e r g sind unter dem Berdadzt, das Unglück durch Unvorsichtig- keit verschuldet zu haben, bis auf weiteres in Haft genommen worden. Beide bestreiten jede Schuld. Der Lokomotivführer des oeruuglückten D-Zuges und der Heizer der Maschine, die beide kurz vor dem Unglück den Zug übernommen hatten, blieben unverletzt. Auch die Postbeamten des Schnellzuges kamen wie durch ein Wunder davon. Sie wurden durch die Wucht des Zufamemnpralls in den Gepäckraum des Post- wagen? geschleudert und dort unter Poststücken sörmlid) begraben. Einzelne erlitten Nervenchocks, andere leichte Gehirnerschütterungen. Die Opfer der Katastrophe sind ausschließlich Ocsterreichcr und Ungarn. 80 aus einem Adriabadeorl heimkehrende Kinder blieben verschont. Mörder KpO. «Haben wir ne neue Parole aus Moskau?' .Nein, du kannst ruhig weiter abstechen!' Von der Gewalt, mit der der Zusammenstoß erfolgte, kann man sich einen Begriff madzen, wenn man bedenkt, daß die zwölf Toten in einem Raum von nur zwei Meter Breite zusammengehäuft waren. Die Körper waren furchtbar entstellt und durch die Ausströmungen des Gaskessels vollkommen geschwärzt. Unglücklid)erweise waren auch drei Telegraphen- mäste umgerissen worden, so daß zunächst die Verbindung Lohnfireit bei den Gemeinden. Lleberraschende Wendung. Der Reichsarbeitgeberverband kommunaler und anderer össent- liehet Betriebe hat das von ihm erlassene einstimmige Lohndiktat vorläufig telegraphisch inhibiert. Wahrscheinlich ist das im Hinblick auf die heutigen Verhandlungen im Reichsarbeilsministerium zwischen den Parteien geschehen. heute vormittag 11 Uhr begannen im Reichscirbeilsminislerium die Verhandlungen in dem Konflikt, der durch die Rotverordnung vom 5. Juni zwischen den Gemeinden und ihren Arbeitern hervor- gerufen worden ist. Die Verhandlungen fanden aus Einladung des Reichsarbeitsministers statt. Rachdem damit die Reichsregierung zu erkennen gegeben hol. daß sie die Verantwortung für den von ihr heroorgerusencn Konflikt nicht mehr allein auf die Gemeinden abwälzt. Hot der Reichsarbeitgeberverband der öffentlichen Verwaltungen telegraphisch seine Anweisung, die Löhne um 9 Proz. zu kürzen, zurückgezogen. Riit dieser Zurückziehung der Anweisung sind die Verhandlungen im Reichsarbeilsministerium erst möglich gemacht. Die heutigen Verhandlungen. Zn der heutigen Verhandlung unter dem Vorsitz des Reichs- orbeitsministers Dr. Stegerwald machte ein Vertreter des Reichssinanzmini st ers den Parteien einen Vorschlag zur veilegung des Konflikts. Heber diesen Vorschlag wird in den nächsten Stunden beraten werden. mit der nächsten größeren Station Lcaben unterbrochen war. In- folgedessen kam die Unglücksnachricht erst um 16 Uhr auf dem Um- wege über einen in der Nachbarschaft wohnenden Eisenbahnbeamten in Leoben an. Den Hilfsmannschaften der Eisenbahn und der Feuerwehr, die auf drei Rettungswagen zur Unfallstelle kamen, bot sich ein furchtbares Bild. Die Bergungsarbeiten ge- stalteten sich besonders schwierig, da die Trümmci die an dieser Stelle sehr schmale Schiencnanlage vollständig bedeckten. Die Verletzten mußten fast eine Stunde in ihrer entsetzlichen j Lage zubringen, bevor ihnen Hilfe gebracht werden konnte. Die Derunglücktcn wurden dann in Kraftwagen nach Lcoben ge- bracht. Die übrigen Wagen des D-Zuges sind glücklicherweise un- beschädigt geblieben. In dem dichtbcsetzten Schlafwagen, der dem zertrümmerten Wagen folgte, sind nur einige Fensterscheiben zersprungen. Die Aufräuniungzorbeiten sind noch in vollem Gange: sie dürften erst in der Nacht abgeschlossen werden. Bis dahin wird der Verkehr durch Umsteigen unter Zuhilfenahme von Kraft- omnibusjen der Bundesbahn durd)geführt. Die beiden Fahrdienstleiter der Stationen, zwischen denen sich das Unglück ereignete, sind verhaftet und dem Kreisgericht zugeführt worden. Warum der Güterzug aus offener Strecke stehen blieb und warum gleichzeitig der D-Zug das Fahrt- signol erhalten hat, muß erst die weitere Untersuchung ergeben. Außer mehreren Direktoren der Bundesbahnen hat sich oud) Landeshauptmann Dr. Rintelen an die Unglücksstelle begeben. Lediglich der Geistesgegenwart eines Eiscnbahnbeamten, der in dem verunglückten Zuge mitfuhr, ist es zu verdanken, daß sich nicht noch ein zweites Unglück ereignete. Unmittelbar auf dem D-Zug folgte nämlich ein besdzleunigter Personenzug. Der Eisenbahnbeamte konnte im Dauerlauf die Station Hinterberg noch recht- zeitig erreichen, so daß der Personenzug aufgeholten werden konnte. Das Eisenbahnunglück in Steiermark hat in Wien große Auf- regung verursacht. In dem Unglückszug befand sich, wie mitgeteilt, auch ein Transport von 86 Wiener Kindern, die aus einem Ferienheim zurückkehrten. Die Eltern hatten sich reichlich früh am Verkehrsunfälle am Gonntag Gin Mann geiöiei, neun Personen verlehi Der gestrige Sonntag weist für Berlin eine besonders hohe Zahl von Verkehrsunfällen auf. An nicht weniger als sieben Stellen kam es zu Zusammenstößen. Ein Mann wurde getötet, neun Menschen zum Teil schwerverletzt. Gegen Uhr überfuhr in Tegel, Karolinenstraße Ecke An der Mühle ein Lastkraftwagen einen Radfahrer. Der Radfahrer wurde getötet, die Leiche wurde in die Friedhofshalle in Tegel gebracht, tonnte aber bisher nicht identifiziert werden.— In der Leipziger Ecke Friedrichstrahe stießen um die dritte Morgenstunde eine Kraft- drofchke und ein Prioatkraftwagen zusammen. Der Fahrgast, der 37jährige Geschäftsführer Josef K r o n e g au« Neukölln, Donau- stroße 99, erlitt schwere Kopfverletzungen und mußte in das Urbankrankenhaus eingeliefert werden.— An der Friedrich- Ecke Kochftraße kam es gegen 10 Uhr zu einem Zusammenstoß zwischen einem Straßenbahnwagen der Linie 62 und einem Motorrad. Der Motorradfahrer Erich S i e g b e r t aus Spandau wurde so schwer oerletzt, daß er ins Urbanlrankenhaus eingeliefert werden mußte. Sein Soziusfahrer konnte nach Anlegung eines Notverbandes in feine Wohnung entlassen werden.— In Lichtenberg, in der Sieg- friedstraße Ecke Wagnerstraße stießen eine Viertelstunde später zwei Motorräder zusammen. Der 50jährige Arbeiter Alfred B e e s k o w aus der Mirbachstraße erlitt eine Gehirnerschütterung und einen Knöchelbruch am linken Fuß: die 19jghrige Frisöse Gerda Schulze aus der Raschdorfstraße brach sich den rechten Mittelfuß. Man lieferte die Verletzten in das Hubertuskrankcnhaus ein.— Ganz in der Nähe dieser Unfallstelle erfolgte eine Viertelstunde später in der Wagner- Ecke Hubertusstraße wieder ein Zusammen- stoß-zwischen einem Prioatkraftwagen und einem Motorrad. Die Folgen waren diesmal weniger schlimm. Der Motorradfahrer August Pohl aus der Gabclsbergerftraße trug eine Hüft- quetschung und eine Gesichtsabschürfung davon, während sein Mit- fohrer Erich Boll mit einer leichten Verletzung der rechten 5)and davonkam. Auch sie wurden in das Hubertuskrankenhaus gebracht. Um die Mittagsstunde war der 22jährige Günter Storch aus Friedenau in der Kaifer-Wilhelm-Straße in Lichtenrade von einem Prioatkraftwagen angefahren worden. Man brachte ihn mit einem Knöchelbruch in das St.-Joseph-Kronkenhaus. Kurz nach 13 Uhr er- folgte an der Kniprode- Ecke Thorner Straße ein Zusammenstoß zwischen einem Motorrad und eine Kraftdroschke, wobei der 23jährigc Motorradfahrer Kurt B a g i n s k i, Weißensee, Trierer Str. 4, wohnhaft, und der 29jährige Soziusfahrer Erich P r e u ß, Hohenschönhausen wohnhaft, schwere Kopsverletzungen erlitten und in das Krankenhaus am Friedrichshain eingeliefert werden mußten. 47 Freie Gporiler verunglückt. I« Schlesien schlug ein Lastauto um. Breslau, 17. August. lTig�nbericht.) Am Sonnlag unternahm die 1. Abteilung der Freien Turncrschaft Breslau einen Ausflug ins hcuscheuergeblrge. lieber 400 Teilnehmer fuhren auf vier Lastwagen mit Anhängern. Sieben Kilometer vor Glah, bei Hochofen, ist der eine Lastzug dadurch verunglückt, daß dem lvagensührer die Bremsen versagten, als er auf der besonders gefährlichen Straße, die viele Kurven hat. bergab fuhr. 3n der dritten Kurve stürzte der Anhänger u m und die 4S Znsassen wurden auf die frisch geschotterte Straße geschleudert. Das Auto kam erst etwa 20 Meter weiter zum Stehen. wo es dem Wagenführer möglich war, mit dem Motorwogen in einen Schotterhausen zu fahren. Die Verletzten wurden in das Krankenhaus in Glatz und in das Krankenhaus in Scheibe bei Glatz gebracht. Von den 48 Insassen ist nur einer unverletzt geblieben. 24 hatten jedoch nur leichtere Verletzungen und konnten nach An- legung von Notverbänden mit der Eisenbahn nach Breslau zurück- kehren. Die übrigen 23 Verletzten mußten im Krankenhaus ver- bleiben. Drei sind schwer verletzt. Die übrigen Autos der Ausflugsgesellschast waren vorausgefahren, so daß sie von dem Unfall erst später erfuhren. Die Sportler eilten, als sie von dem Unfall erfuhren, an die Unfallstelle, doch hatten bereits die Bewohner der benachbarten Orte und die alarmierten Sanitätskolonnen die Verletzten abtransportiert. Die Staatsanwaltschaft in Glatz hat den gestürzten Wagen beschlagnahmt und den Führer, Paul Viertel aus Breslau, in Hast genommen. Wie wir noch erfahren, ist der Unfall darauf zurückzuführen, daß die Fußbremsen versagt haben; der Belag der Bremsklötze war abgebrannt. Ooppelfelbstmord mit zwei Revolvern! In der Friedrichstraße in B c u t h e n(Oberschlesien) verübtä ein Kaufmann dadurch Selbstmord, daß er in jede Hand einen Revolver nahm und sich zugleich Kugeln in beide Schläfen schoß. Kellerbrand in Reukölln. Vier Menschen in Lebensgefahr. Am hohenzollernplah l7in?1eukölln brach heul« vormittag ein Kellerbrand aus. SellerverschlSge, in denen Späne angehäuft waren, die Decke und die Balkenlage gerieten in Brand. Die Feuerwehr brachte zwei Fraucnundzwei Sinder aus der raucherfüllten Kellerwohnung in Sicherheit. Man forscht nach der Arsoche des Brandes. « Unfern der Kurfürstenftraße in der Potsdamer Str. 118«! wütete heute ein D ach stuh lb ra n d. Es gelang der Feuerwehr, mit 6 Rohren das Feuer einzukreisen. Die Arbeiten zur Löschung halten an. Südbahnhof eingefunden, um ihre Kinder abzuholen. Als der Zug nicht kam, wurde ihnen mitgeteilt, daß er Verspätung habe. In- zwischen verbreiteten sich aber schon Gerüchte, daß ein Unglück ge- schchen sei. Später wurden dann auch im Rundfunk Meldungen über das Unglück verbreitet. Es spielten sich darauf herzzerreißende Szenen ab. Um so größer war die Freude, als gegen Abend der Zug eintraf und es sich herausstellte, daß sämtliche Kinder wohlbehalten waren. Sie waren im siebenten Wagen des verunglückten Zuges untergebracht und sind unbehelligt geblieben. Llnglückskurven auf eingleisiger Strecke. Der Güterzug 6868, der von Görz kam, war aus bisher noch unaufgeklärter Ursache vor der Station Göß auf offener Strecke stehen geblieben. Als der Stationsvorsteher in Göß dies bemerkte, gab er ein Signal und der Zug setzte sich wieder in Bewegung. Im gleichen Augenblick kam jedoch der D-Zug heran, der ebenfalls das Signal„freie Fahrt" hatte und fuhr mit etwa 4V Kilo- meter Geschwindigkeit in den Güterzug hinein. Das Unglück ereignete sich an einer völlig unübersichtlichen Kurve der enggleisigen Strecke unterhalb der Zellulosefabrik Hinlerberg. wo sich vor einigen Tagen ein schwerer Betriebsunfall ereignet hat, bei dem die Umgebung der Fabrik unter Chlorgas gesetzt ' wurde. Die Strecke ist dort auf der einen Seite von steilen Felsen abge- schlössen, auf der anderen Seite fließt unterhalb der IV Meter tiefen Böschung die reißende Mur. Bei dem furchtbaren Zusammenprall der beiden Züge stürzten drei mit Südfrüchten b e l a d e n e Güterwagen in den Fluß. Der Zugbegleiter, der sich auf dem letzten Güterwagen be- fand, konnte sich im Augenblick des Abstürzens der Wagen durch einen gewagten Sprung retten. Ein weiterer Güterwagen, sowie die Lokomotive und der Tender des D-Zuges stürzten ebenfalls ab, blieben jedoch auf der Böschung liegen. Der Postwagen des D-Zuges, der hinter dem Tender lief, stellte sich quer ühxr die Gleise. Der Paketwagen und der ihm»achfolgende D-Zug-Wagen II. und III. Klasse schoben sich fast vollkommen ineinander. Ein weiteres Opfer. Wien, 17. August.(Eigenbericht.) Die Eisenbahnkatastrophe bei Lcoben hat inzwischen ein weiteres, und zwar das 13. Todesopfer gefordert. Ein schwer- verletzter Pfarrer erlag in der Nacht seinen Verletzungen. Die Giaaispariei iagi. Höpker-Afchoff über den Volksentscheid. �' Der Gesomtvorstand der Deutschen Staats- parte! beschloß in seiner Sitzimg am Sonnabend, den Partei- tag der Deutschen Staatspartci vor dem Zusammentritt des Reichstags, und zwar voraussichtlich am 26. und 27. September, in Berlin im Preußischen Landtag abzuhalten. Reichssinanzminister Dietrich erläuterte und verteidigte seine Politik der letzten Monate. Nach dem Reichsfinanzminister Dietrich schilderte der preußische Fi nanzmini st er Höpker-Aschofs am preußischen Beispiel die Lage der Länder. Er behandelte im besonderen auch den preußischen Volksentscheid und wies darauf hin, daß man der preußischen Regierung das Recht geben müsse, sich an die Bevölkerung zu wenden und auch dort gehört zu werden, wo sonst die Aeußerungen der preußischen Staatsregierung nicht hingelange». Die Sitzung endete mit Annahme einer Entschließung, in der es heißt: „Voraussetzung für die Ausbauarbeit der Rcichsregierung ist die Sicherung ihrer Autorität und der ihr zur Verfügung stehenden verfassungsmäßigen Machtmittel, die rücksichtslos gegen alle ftaats- zerstörenden Elemente eingesetzt werden müssen. Der Parteivorsland sieht in der Ablehnung des preußischen Volksentscheides einen Beweis, daß die große Mehrheit der Bevölkerung nicht parteipolitische Verhetzung, sondern ruhigen Ausbau auf der Grund- läge von Sicherheit und Ordnung will." Angstzustände im Hause Goebbels. „Oer Angriff" unter Zwangsverwaltung Hitlers. In dem Montagsblatt, das von dem SA.-Hauptmann S t e n n e s herausgegeben wird, finden wir interessante Mit- teilungen über die Geschäftslage des„Angriff", in dem Goebbels seme politischen Weisheiten an den Mann zu bringen pflegt. Das Stennes-Organ will„aus der unmittelbaren Umgebung" des Dr. Goebbels erfahren haben: „Der nach der Stennes-Aktion von München aus eingesetzte Reichstagsabgeordnete Hans H i n k e l ist nicht mehr für die Gesellschafter des„Angriff" als Prokurist zeichnungsberechtigt. Er leitet nur noch für kurze Zeit den Verlag, ist aber im übrigen e r- setzt worden durch den aus München überraschend nach Berlin gesandten Revisor Zierler, der nunmehr sämtliche Anord- nungen trifft und das Geschick des vor dem Zusammen- bruch stehenden Berliner Organes in letzter Stunde wenden soll. Eine der übelsten Erscheinungen im„Angriff", der Oberbuch- Halter Born, der in geradezu gewissenloser Weise die schwebenden Prozesse behandelte und dann in Unkenntnis und leichtfertiger Pflichtvcrgefsenheit den Verlag einen Prozeß nach dem anderen in blamabelster Weise verlieren ließ, den Verlag dadurch um annähernd 20 000 Mark schädigend, ist bis zu seiner Entlassung beurlaubt w> rdcn. Der dem Verlag des„Angriff" gehörige O p e l>n a g e n wurde in diesen Tagen durch den Gerichtsvollzieher gepfändet, und zwar auf Grund rechtskräftiger Urteile früherer Angestellter. H i n k e l s und Borns geradezu strafbare Leicht- sertigung bei der Abwicklung der zahlreichen Prozesse bat dem „Angriff" nach unseren genauen Informationen etwa 1600 Mark unnötige Gerichtskosten verursacht, eine Summe, die genügt hätte, um eine stattliche Zahl arbeitsloser und hungernder Sturm- ungehöriger für viele Wochen über Wasser zu halten. Ob Herrn Z i c r l e r die Sanierung der Zeitung gelingt, ist mehr als fraglich, denn Hand in Hand mit dem Rückgang der Berliner Bewegung geht auch ein« starke Verminderung des Absatzes und der Auflage der Zeitung. München hätte die heutige Sanierungsaktion einige Monate früher versuchen müssen." Wieder Lteberfälle aus Vorwärisläden. Diesmal sogar Brandstistungen. In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag wurden die für die„V o r w ä r t s"- F i l i a l e in Neukölln, Neckarstraße 2, bestimmten Zeitungspakete, die gewohnheitsgemäß im Flur des Hauses abgefetzt werden, mit einer brennbaren Flüssigkeit über- � gössen und angezündet. Die Zeitungspakete wurden vernichtet und für die Ausgabe unbrauchbar gemacht. Die Haustür wird nach dem Abstellen der Zeitungen stets wieder verschlossen. In der gleichen Nacht ungefähr um die gleiche Zeit wurde die Schaufensterscheibe unserer Filiale Neukölln, Siegsried- straße 28-29, durch Steinwurf zertrümmert. Ebenfalls in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag wurden die Schaufenster- und die Türscheiben unserer Ausgabestelle Steglitzer Straße 37 durch Steinwurf vernichtet. Wenn man in Betracht zieht, daß auch auf unsere Ausgabestelle Rcinickendorf-Ost, Provinzstraße 56, in der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag ein Ueberfall verübt wurde, indem zwei Unbekannte in den Laden eindringen und über die für die Boten- frauen bereits ausgelegten Zeitungen zwei Eimer Unrat ausgössen, so ergibt sich, daß diese Ueberfäll« ganz systematisch nach einem be- stimmten Plan durchgeführt werden. Das Polizeipräsidium hat jetzt verstärkten Schutz der „Vorwärts'-Filialen zugesagt. Offenbar handelt es sich in allen Fällen um Angriffe kommunistischer Fanatiker. Lohnkürzung ruiniert Volkswirtschast. Erklärung der britischen Arbeiterregierung. London. 17. August.(Eigenbericht.) Die geheimen Beratungen der Regierung mit den Oppositions- führern über den Ausgleich des Fehlbetrags im Staatshaushalt haben eine gewisse Beunruhigung erzeugt. Wenn auch die Regierung den Fehlbetrag durch einprozentig« Zinsherabsetzung der fünf- prozentigen Kriegsanleihe decken will, gehen doch Gerüchte über Lohnabbau herum. Abg. Fenner-Brockway von der Un- abhängigen Arbeiterpartei hat denn auch einen heftigen Protest gegen solche Pläne veröffentlicht. Nun hat Ministerpräsident Mac- donald in einem Interview des„Daily Herald" die Behauptung dementiert, daß die Regierung im Einverständnis mit den Konseroa- tiven und Liberalen ein Manifest für allgemeine Kürzung der Löhne und Gehälter veröffentlichen werde. Macdonald führte dazu aus: „Es wäre ein verhängnisvoller Fehler, die Not- wendigkeit des Budgetausgleichs durcheinander zu bringen mit einem Gerede von Lohnkürzungen. Eine allgemeine Politik der Lohn- kürzung würde den Erfolg haben, j c d e I n d u st r i e in II„- ordnung zu bringen und die wirtschaftliche Lage des Landes zu verschlechtern statt zu verbessern." Beruhigungsworte Gnowdens. London. 17. August. Zu einem Vertreter des„Daily Herold" äußerte sich Finanz- minister S n o w d e n über die Finanzlage Englairds und warnte vor alle» Dingen vor einer Panik, für die trotz oller alarmierenden Nachrichten kein Grund vorhanden sei. England habe schon andere schwere Zeiten überstanden und werde auch diese Krise überstehen: immerhin sei die gegenwärtige Loge außerordentlich«rnst und erfordere entsprechende Maßnahmen. Diese wunden drastisch sein, er hoffe aber, daß sie jeder willig tragen werde, wenn si« gerecht auf die einzelnen Bevölkerungsschichten verteilt würden. Der Notzustond sei nur vorübergehend. Snowden legte besonderen Wert auf die Feststellung, daß die englische Finanzlage im Grunde genommen vollkommen gesund sei. England habe enorme Kapitalrescrven, auf die es zurückgreifen könne. Die augenblickliche Lage des englischen Geldmarktes sei durch die I gänzlich unbegründete Nervosität ausländischer Gläubiger hervorgerufen. England müsse deshalb alles tun, die Befürchtungen zu beseitigen und seinen Gläubigern zu beweisen, daß die Lage Englands völlig gesund sei. Er werde alles tun, um den englischen Kredit zu verteidigen. Auch das Dollarland muß dran glauben. Washington. 17. August. Die Staatseinnahmen haben starke Einbußen zu verzeichnen. Allein die internen Einnahmen haben«inen Rückgang von 600 Millionen Dollar aufzuweisen. Die Gesamteinnahmen in dem am 30. Juni 1930 zu Ende gegangenen Rechnungsjahr betrugen zufolge vorläufiger Verlautbarung des Schatzamtes 2,428 Mil- liarden Dollar. Die Eintomme»steu«r erreichte nur 1,860 Milliarden Dollar, was einen Rückgang von rund 550 Millionen bedeutet. Oer kluge Oroschkenchauffeur. Ein Lleberfall, der eine rasche AufNärung fand. Durch große Geistesgegenwart verstand es gestern morgen ein Berliner Drofchkenchauffeur, zwei Wege- lagerer. die ihn mil der Pistole bedrohten, zu überlisten und der Polizei auszuliefern. Um 1 Uhr wurde der Droschkenführer Otto Spiegel am Alexanderplatz von zwei jungen Burschen angehalten und zu einer Fahrt nach Hohenschönhausen aufgefordert. Als man dort auf unbebautem Gelände angekommen war, stieg einer der Burschen aus und erklärte, er müsse sich erst„orientieren", da er die Gegend nicht genau kenne. Statt sich nun ober umzusehen, trat er plötzlich mit gezogener Pistole an den Chauffeur heran, setzte ihm die Waffe auf die Brust und oerlangte von ihm die Herausgabe f e i n e s G e l d e s. In der einsamen Gegend blieb ihm nichts weiter übrig, als fein Portemonnaie mit 20 Mark herauszugeben. Beide Burschen gaben ihm zu verstehen, daß sie„alte Zuchthäusler" feien, die nichts zu verlieren hätten und ohne weiteres auf ihn schießen würden. Sie verlangten dann, daß der Chauffeur sie nach der Stadt zurückbringen sollte. An der Stadtgrenze wollten sie aussteigen. Jeder Widerstand gegen die Forderung wäre zwecklos gewesen, des- halb brachte Spiegel das Auto in Gong und fuhr nach Berlin zurück. Unterwegs kam ihm ein rettender Gedanke. Ohne daß feine Fahr- gäste, die ihn dauernd mit dem Tode bedrohten, es sehen konnten, schaltete er das Licht aus und fuhr in der Dunkelheit schnell weiter in der Hoffnung, eine Schupostrcife möchte ihn anhalten. Direkt zu einem Polizeirevier zu fahren, wagte er nicht, da ihn jeden Augenblick ein Schuß treffen konnte. Seine Hoffnung erfüllte sich. An der Ecke der Elbinger Straße und der Lands- berger Allee traten zwei Schupobeamte dem unbe- leuchteten Wagen in den Weg und hoben die Hände, damil der Fahrer anhalte. Die Räuber im Wagen waren sehr verblüfft, als sie plötzlich zwei Beamte vor sich sahen. Mit wenigen Worten verständigte der Chauffeur die Polizisten von dem Vorfall, und die beiden Infasien mußten mit erhobenen Händen herauskommen. Die Waffen und das geraubte Geld wurden ihnen abgenommen. Die Verbrecher find die Jugendlichen Fritz Dehrn und Paul P r o b s aus Essen: sie waren am Donnerstag ohne einen Pfennig Geld nach Berlin gekommen und hatten beschlossen, sich durch Raub an einem Droschkenchauffeur in den Besitz von Barmitteln zu setzen. Welker für Berlkn: Fortdauer des veränderlichen Wetters mit etwas Abkühlung, frische westliche Winde.— Für Deutschland: Im Süden meist trocken und ziemlich heiter, im Norden und Osten noch wechselnde Bewölkung mit einzelnen Schauern und meist etwas tieferen Temperaturen. Faschisten-Dichter mimt den Hund Eine Sensation in der ungarischen Akademie Herr Marinetti, eine der geistigen Hauptstützen des italienischen Faschismus und allgewaltiger Sekretär der Akademie der Wissen- schoflen in Italien, machte vor einigen zwanzig Jahren viel von sich reden. Aus Protest gegen das Althergebrachte in der Kunst hatten eines Tages einige junge Künstler eine neue italienische Kunstrichtung gegründet. Herr Marinetti machte sich zu ihrem Im- presario— und der Futurismus war entstanden. Herr Marinetti war für die Welt der Führer des Futurismus: während aber die wenigen futuristischen Künstler wirklich einige Spielereien neuartiger Forni herstellten, versatzte der Führer ununterbrochen Manifeste und Pamphlete. Diese in die Welt geschricnen Manifeste schusen durch ihren anmaßenden, diktatorischen Ton gewisscrmatzen den Stil späterer faschistischer Kundgebungen. Es steht denn auch unzweifel- hast fest, datz die Kunstrevolte des Futurismus ideologisch und geistig, vor allem aber psychologisch die Entstehung des späteren Faschismus vorbereitete. Die lyrischen Manifeste Marinetti? waren kriegerisch gestimmt: die Maxime wurde aufgestellt, jetzt gelte es, in der Kunst und Lite- ratur angreifenden Sprung, gymnastische Präzision, Faustjchlag und Gefahr zu besingen. Schönheit und Kampf seien gleichbedeutend. Einzige Hygiene der Welt seien Krieg, Militarismus, Patriotismus und die schönen Ideen, welche töten. Man rebellierte gegen Hör- monie und„guten Geschmack", verkündete sich als Jünger der Primi- tivität und fühlte sich als Krieger. M>t vollem Recht mutz man in diesen Manifesten von 1309 den Ausdruck einer entstehenden chauvi- nistifchen Vorkriegsstimmung sehen, und tatsächlich waren die Futu- risten mit Marinetti an der Spitze schon damals ausgesprochene Kriegshetzer. Gleichzeitig gewahrt man hier die ersten Vorboten des aggressiven Faschismus. Die Jünger einer neuen italienischen „Kunst", die Futuristen, waren auch die ersten Kaders, aus denen der neugebackene Chauvinist Mussolini nach Kriegsende seine schwor- zen Banden schuf. So entstand die Fusion zweier großer M... äulcr— die Fusion Mussolini-Marinetti. In diesen historischen Tagen der Europarundreisen großer Männer begab sich auch Herr Filippo Tommaso Marinetti zu einem kurzweiligen ausländischen Gastspiel und selbstverständlich nur, daß er seine wohlbemessenen Schritte zuerst in ein lernbegieriges, den Faschismus nachahmendes Land lenkt«. In Budapest angekommen, sollte der hohe italienische Gast im Zcrcmonicsaal der Akademie der Wissenschaften eine Vorlesung halten. Marinetti wurde ein außergewöhnlich freundschaftlich-begeisterter Empfang bereitet. Ganz Ungarn schaute auf Marinetti— denn Ungarn richtet jetzt all seine Hoffnungen auf Italien. Ein exklusives Publikum füllte den Saal der Akademie. Den Vorsitz der feierlichen Versammlung führte diesmal der Präsident der Akademie selbst. Allein an dieser Tatsache, daß der Präsident und ehemalige Kultusminister Albert Bcrzewitsch, der klassische Typ eines alten Gelehrten, besonder» feierliche Worte der Einleitung fand, konnte man die Bedeutsamkeit des bevorstehenden Aktes er- messen. Herr Marinetti begab sich unter rauschendem Veisall zum Katheder und begann ein selbstocrfatztes Gedicht über das alitägliche Leben eines Foxlerieur-Pintschers zu deklamieren. Der Dichter be- mühte sich auf dem altehrwürdigen Katheder mit außerordentlichem Erfolg, sich in das Objekt seines Gesanges hineinzuleben, schließlich schien es, als spreche der Hund selbst, so großartig gab er seine Stimme und seine hündischen Bewegungen wieder. Er sprang wie ein lebendiger Hund herum und kroch dabei auf allen Vieren, er bellte und schrie mitleidcrrcgend. Der Präsident Bcrzewitsch, der kurz vorher den hohen Gast im schönsten Italienisch begrüßt l>atte, hörte mit unerschütterlicher Kalt- blütigkeit die„Deklamation" Marinettis. Inzwischen erreichte aber die Umwandlung Marinettis in die Gestalt eines Hundes seinen Höhepunkt. Er reproduzierte die bekannte Bewegung der Hunde an den Straßenecken— eine Szene, die in den Annalcn dieses Instituts einzigartig bleiben dürste. Das Auditorium aber dankte mit stürmi- schein Applaus. Die frühere Leidenschaftslosigkeit bewahrte lediglich der Präsident Bcrzewitsch, und er war auch der einzige, der sich an den darauffolgenden Ausbrüchen des Enthusiasmus nicht beteiligte. Der Präsident wahrte die vor die Hunde geflohene Würde; der sünfundsiebzigjährige Greis hatte an diesem Katheder schon viele große Gelehrte gesehen, aber noch keiner hatte von dieser Stelle aus oersucht, einen Hund darzustellen. Marinettis Hundevorstellung kann aber insofern noch ein Nachspiel haben, als möglicherweise Berzewitsch für sein reserviertes Verhalten noch zur Verantwortung gezogen wird. Und noch eine nachdenkliche Seite hat dieses Ereignis: Herr Brüning und Herr Curtius werden sicher Bennito Mussolini zu einem Gegenbesuch nach Berlin eingeladen haben. Nur zu möglich, daß sein eigentlicher geistiger Vater, Marinetti, auf dem Fuß« folgen wird. Dann steht Berlin im Herbst vor großen kulturpolitischen Sensationen. � Böbber. Oer polnische Korridor. Ein Lösungsvorschlag. Der Präsident der Paneuropa-Union R. N. C o u d e n h o v e- Kalcrgi tritt mit einem eigenartigen Vorschlag zur Lösung der Korridorfrage hervor. Er geht davon aus, daß die Dersailler Lösung weder Deutschland befriedigt, da Ostpreußen isoliert, das Reich zer- rissen, die kerndeutsche Stadt Danzig abgetrennt wurde—, iroch Polen, weil der einzig brauchbare Hafen des Gebietes, Danzig. außerhalb der polnischen Souveränität gestellt wurde. Darum habe Polen mit dem Aufwand vieler Dollarmillionen den Hasen Edingen gebaut. So sei der Sinn des Freistaates Danzig über- holt. Der polnische Korridor aber bilde das Rückgrat Polens, denn er berge seinen einzigen Hasen. Die polnischen Nationalisten müßten einsehen, daß es für jeden deutschen Patrioten unerträglich sei, sein Vaterland in zwei Teile zerschnitten zu sehen und aus Danzig zu verzichten. Die deutschen Nationalisten müßten an- erkennen, daß das Festhallen Polens an seinem Küstenstrich nicht llcbcnnul oder Bosheit, sondern eine Lebensfrage sei. Denn während der Eisenbahn-Gllteroerkehr zwischen Deutschland und Ostpreußen sich 1923 auf 1 402 000 Tonnen bclicf, betrug der polnische Schiffahrtsverkehr 11 900»00 Tonnen. Es muh daher eine Lösung gefunden werden, die den berechtigten Forderungen Deutsch- lands und Polens Rechnung trägt. Das Gebiet der Freien Stadt Danzig mit dem östlichen Teile des Korridors, der deutsch ist, müßte an Deutschland fallen, der westliche Teil des Korridors mit einem von Dirschau nach Edingen anzulegenden Schiffahrls- kanal bliebe polnisch, während die Weichsel mündung zu internationalisieren wäre. Die Verbindung zwischen Ost- preußen und dem Reiche könnte hergestellt werden nach dem Plan der Heroorragenden Schweizer Ingenieure Jules und Charles Iaeger. Danach wäre zwischen Deutschland und Ostpreußen«ine Eisenbahnlinie, die durch eine Autostraße ergänzt würde, zu errichten. Die Straße hätte von der deutschen Grenzstadt Stolp auszugehen und wäre zur Halbinsel Hela zu führen. Von dort würde die Linie auf einem Damm den Putziger Wiek bis zur Höhe von R e w a überqueren und in der Nähe von Edingen ans Land stoßen. Von dort würde die Linie in einem 7 bis 8 Kilometer langen Tunnel Donzigs Grenze erreichen. Die Kosten des Projekts werden für eine eingleisig« Linie auf 22 Millionen Goldfrankcn, für eine zweigleisige und eine Autochaussee auf 34 Millionen Gold- franken berechnet, und der Urheber des Vorschlags meint, dieses Projekt würde nicht nur den deutschen Wunsch iioch einer direkten Verbindung mit O st preußen erfüllen, sondern auch «inen wirtschaftlichen Ausschwung dieses Gebietes zur Folge haben, der die Kosten reichlich aufwiegen würde. Reises Zug-Aiieniat beabsichtigt? Ein Zentner Dynamit bei Helmstedt gefunden. Braunschweig, 17. August.(Eigenbericht.) Ein unheimlicher Fund wurde heute an der Magdeburg— Brounschweiger Eisenbahn st recke unweit Helmstedt gemocht. In der Bähe des Bahnkörpers stieß man aus einen Zentner Dynamit von hochwertiger Brisanzkrast, das trotz Zeuchtigkett die Spreugfähigkeit nicht eingebüßt halte. Augenblicklich ist die Staatsanwaltschaft bemüht, die Herkunft des Sprengstoffes zu erforschen. Oer Oegen von-1870. Rückgabe kl 930. Der„Petit Parisien" meldet aus Berlin, Reichspräsident von Hindenburg habe dem französischen Botschafter de Margcrie bei dessen privatem Abschiedsbesuch als Geschenk einen Degen über- reicht, den Hindenburg als junger Leutnant im Kriege 1870 einem französischen Offizier abgenommen habe. Das Blatt sieht darin eine schöne Geste, das linksstehende„Oeuvre" meint, es komme auf die Völker an, nicht auf die Einfäll«„gerissener Diplomaten". Diese Erörterungen sind überflüssig, denn die Sache ist über- Haupt ganz anders: Ein Privatmann hat seinerzeit dem Reichs- Präsidenten einen Ehrendegen zum Geschenk gemacht, der 1870 einem französischen General abgenommen worden war. Herr von Hindenburg weigerte sich zunächst, dieses Geschenk anzunehmen, besonders auch weil«s«in Ehrendegen war; schließlich wurde die Gabe doch entgegengenommen, aber mit dem Hinzufügen, daß sie der Familie des ehemaligen Besitzers übermittelt werden sollte. Ais nun Botschafter de Margerie im Oktober 1930 das Beileid der franzöfifchen Regierung zu der Bergmannskatastrophe von Alsdorf aussprach, überreichte ihm der Reichspräsident jenen Degen zur Weiterlcitung an die Familie des napoleonischen Generals. Indessen konnten Angehörige des Generals nicht mehr ermittelt werden und so ruht der Ehrendegen jetzt im Aeughausmuseum zu Paris. G e st e n zur Förderung der deutfch-französischen Annäherung müssen natürlich öffentlich gemacht werden und liegen in der Zuständigkeit der Reichsregierung und besonders des Auswärtigen Amtes. Oie spanische Verfassung. Demokratisch und weltlich. Paris, 17. August. Die Hauptartikel des spanischen Verfassungsentwurfs bestimmen: Spanien bildet eine demokratische Republik. Die Befug- nisse sämtlicher staatlichen Organe gehen vom Volte aus. Das Kastilische ist die ofsizielle Sprache. Die Bildung autonomer Bezirke innerhalb des spanischen Staates wird unter bestimmten Bedingungen zugelassen, doch geht das Recht des spanischen Staates den Rechten der autonomen Landesteile vor. Es gibt keine Staatsreligion. Sämtliche Religionsgesellschasten unterstehen den allgemeinen Gesetzen des Staates. Der Staat dar? a u f k e i n e n Fall die kirchlichen und religiösen Vereinigungen und Institutionen wirtschaftlich b c g ü n st i g e n. Sämtliche religiösen Orden werden aufgelöst und ihr Vermögen geht auf den Staat über. Sämtliche Spanier sind vor dem Gesetz gleich. Die Gleichberechtigung beider Geschlechter wird anerkannt. Die Gewissens- und Religionsfreiheit wird proklamiert. Sämtliche Spanier beiderlei Geschlechts genießen vom 21. Lebensjahr an das aktive und vom 23. Lebensjahre an das- passive Wahlrecht. Der Volksschulunterricht wird als Ausgabe des Staates bezeichnet. Er ist obligatorisch und kostenlos und wird auf laizistischer(weltlicher) Grundlage erteilt. Die neuen Cortes werden nach allgemeinem, gleichem, direktem und geheimem Wahl- recht gewählt. Der Präsident der Republik wird gleichfalls in allgemeiner, gleicher, direkter und geheimer Wahl gewählt. Wählbar sind nur Spanier, die das 4 0. L e b c n s j a h r erreicht haben und im Besitz der bürgerlichen und politischen Rechte sind. Die Wahlperiode de» Prajibenteu läuft sechs Jahr», Ein Künstler des deutschen Idealismus. Am 17. August 18SI in Darmstadt geboren, seit 1903 an der Weimarer, seit 1916 an der Dresdner Akademie als Professor tätig, ist L u d w i g v. H o f m a n n der Gegenwart fast schon in ei»e historische Vergangenheit entrückt; obwohl er eben jetzt erst in den Ruhestand tritt. Er war nie eine Kämpferi'atur, die noch außen hervortrat, und darin ähnelt er, ganz wie in seiner Kunstaufsassung, dem jüngeren Otto Mueller, der jeine Ideale übernommen und in neuzeitlichere Formen überführt hat. Doch war auch Hojmann ein- mal unter den Ausrührern und Stürmern gegen eine veraltete Kunst- anjchauung zu finden: das war um 1890, als er zu der Gruppe der „E l s" gehörte, die in Berlin unter Führung von Liebermann und Leistitow gegen akademischen Despotismus sich empörten und der Vorläufer der Berliner Sezession waren. Damals galt er als Impressionist— er war es niemals; viel- mehr hat er, aus den bestimmenden Eindrücken seiner Jugend, aus der Monumentalkunst von Puois de Chavannes und Maröes heraus, eine heitere und sinnenfrohe Welt jugendlicher Schönheit geschaffen, die mit Recht als gefühlswarme und neuartige Wiedererweckung des deutschen Idealisinus angesehen wurde. Was ihn gleichwohl mit den Künstlern jener revolutionären Generation verband, war die Wahrhaftigkeit seiner Malerei und der Gegensatz zu dem verknöcherten Akademikertum der A. v. Werner und Knaus. Seine Werke wiederholen das eine maßgebende Thema freudig bewegter Lebenslust, dargestellt in Mädchen und Jünglingen, deren Nacktheit sich in paradiesischer Landschaft in Tanz und Bad, in Ruhe und zart- lichcn Empfindungen ergeht. Dieses idyllische Dasein ist immer der Sinn von Hofmanns Kunst geblieben. Um dieser Heiterkeit und Süße seiner Gestaltungen, um dieser sehr deutschen Sehnsucht nach einer südlichen Lebensform willen rönnen wir heute noch seine besten Werke als bleibendes Kuisstgut bezeichnen. p. k. seh. Reue Kurzwellen. In der Technik der Raviotelephoni« ist kürzlich ein großer Fort- schritt gemacht worden. Die Internationale Telephon- und Tele- graphengesellschaft hat, noch der„Umschau" gezeigt, daß man Hertzsche Wellen mit einer Länge zwischen 10 und 100 Zentimeter benutzen kann, anstatt der gegenwärtigen Kurzwellen, die zwischen 10 und 100 Meter liegen. Die Eigenschaften der neuen Mikro- strahlen sind ungefähr dieselben wie die der Lichtstrahlen. Sie pflanzen sich in gerader Richtung fort und können zurückgeworfen und gebrochen werden. Für die Reichweite sind daher die Erdkrüm- mung und die Höhen des Senders und Empsängers die bestimmen- den Faktore. Es ist notwendig, daß die beiden Stationen einander sehen können. Zwischen den Felsen von St. Margarets Boy, in der Nähe von Dover und Blanc Rez in Frankreich, wurde eine Bor- führung des neues Systems veranstaltet. Die Sprcchtöne wurden auf«ine Mikro-Radioröhre übertragen, in der Wellen von 17 Zenti- meiern erzeugt wurden. Die modulierten Wellen wurden dann durch einen parabolischen Reflektor von 3 Metern Durchmesser auf einen entsprechenden Reflektor in Frankreich gesandt, wo sie auf den Empfänger konzentriert wurden. Die Vorführung, zeigt« die praktische Verwendbarkeit des neuen Verfahrens, daß ein neunmal so großes Wellenband umsaßt, als man bisher verfügbar hatte. Da die Wellen sich in gerader Linie fortpflanzen und ihr« Reichweite begrenzt ist, kann«ine große Anzahl von Stationen auf derselben Wellenlänge arbeitin, so daß die gegenwärtig« Ueberlaftung des Aethers vermieden wird. Sprechen ohne Kehlkopf. Die Anschauung, daß der Kehlkopf dos eigentliche und einzig« Stimmorgon ist, wird dadurch widerlegt, daß es kehlkopflos« Men- scheu gibt, die«in« kräftige und modulation»sähige Stimme hervor- bringen, sich fließend unterhalten. Als die Operation der Eni- fernung des Kehlkopfes zuerst von Billroth 1873 glücklich durchgeführt wurde, da war sie noch ein großes Wagnis, aber heute ist die Sterblichkeit auf ein Mindestmaß herabgesetzt, und viele Menschen leben auch ohne Kehlkops, können sich gut oerständigen. Zunächst benutzte man zur Wiedererlangung der Stimm«„künstliche Kehlköpfe", aber das Organ war dabei eintönig und blechern. Nun- mehr ist es gelungen, die Bildung, einer neuen Stimme ohne die geringste mechanische Hilfe durchzuführen. Man kann auch ohne Kehlkopf sprechen, wie der Phonetiker Prof. G. Panconcelli-Calzia in der Frankfurter Wochenschrift„Die Umschau" ausführt. Schon 1828 war diese Möglichkeit behauptet worden, ober erst 1888 wurde ein Fall von einer solchen„Pseudo-Stimme" beschrieben. Heut« ist diese Pseudo-Stimme eingehend erforscht. Hauptaufgabe .der Behandlung ist, einen Ersatzblasebalg oder Lustkessel oder ein Ersatzstinmiorgan zu bilden. Als Lustkessel kommt in erster Linie der Magen in Betracht, doch können auch andere Hohlräume, wis die Speiseröhre, dazu benutzt werden, es besteht sogar die Mög- lichkeit, daß sich zwei Liiftbehälter bilden. Für den Ensstehungsort des Ersatzstimmorganes gibt es kein allgemeickes Gesetz. Jede Schleimhautfalte, jeder dut angelegte Narbenstrang, jeder Muekel kann den Kehlkopf ersetzen, und die Ausbildung der„Pseudo- stimme" ist heute so vervollkommnet, daß man auf jede Anwendung eines Instrumentes verzichtet. Die neuerworben« Stimme ist bis- weilen etwas leise und hat eine eigentümliche Klangsarbe, ober ist modnlationsähig und veränderlich. Der Kranke kann die eigenen Fortschritte verfolgen und gewinnt dadurch Vertrauen zum fort- gesetzten lieben. Mssenschaslliche Kongresse und Wirlschastsnok. Wie der Per- band der Deutschen Hochschulen und die Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten, haben ein« Reihe wissenschaftlicher Ge- sellschaften ihre Herbsttagungen abgejagt. Die Deutsch« Pharma- kologische Gesellschaft hat ihre in diesem Jahre in Wien geplante Tagung auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Arbeitsgemeinschaft der Zahnärztlichen Standcsvertretungen Deutschlands beteiligt sich am Internationalen Zahnärztekongreß in Paris nur mit einigen Vertretern, und ebenso beschränkt sich die Deutsche Röntgen-Gesell- schast auf die Entsendung von drei Vertretern zum Internationalen Röntgenologenkongreß nach Paris. Der TRuskauer Bark wird Boturschuhgebiet. Der im Kreise Rothenburg in der Oberlansitz liegende Muskauer Park ist jetzt durch eine Verordnung des Regierungspräsidenten in Liegnitz zum Natur- schutzgebiet erklärt worden. Außer den üblichen Vorschriften über die Schöning von Pflanzen und Tieren des Naturschutzgebietes enthält die Verordnung auch Verbote der Vodcnvcränderung. Der Muskauer Park ist kein Park im landläufigen Sinne des Wortes, sondern eine großzügig gestaltete parkartigc Landschast und einzig in ihrer Art und Größe. Beratungsstelle für das Ehorvereinswefen. Bei der Musik- abteilung des Zentralinstituts sür Erziehung und Unterricht in Berlin W. 35 ist eine mit der Interessengemeinschaft sür da» Ehor- gesangswesen in Verbindunq stehende Beratungsstelle sür das Chor- nereinswefen eingerichtet. Sic erteilt in allen das Chorgesangwosen betresscndcn Fragen, besonders auf dem Gebiete der Chorliteratnr, der Ausbildung und Fortbildung von Chorleitern, Rat und Auskunst. Die Anker des Kolumbus. Die Anker der drei Karavellen, mit denen Kolumbus seine erste Reise nach Amerika mochte, stellen gegenwärtig einen Wert von je 1 Million Dollar dar.(?) Einer dieser Anker ist zurzeit im Haitischen Pavillon der Pariser Kolonial- ausstelliing nusgesiellt. Die anderen beiden Anker, von denen jeder drei Tonnen wiegt, sind im Besitz der„Historischen Gesellschaft" von Ehikago, die sie seit der Zeit der Ausstellung vom Jahre 1893 in Verwahrung hat. Diese beiden Anker werden die Hanptsehens- Würdigkeit der dartigen Weltausstellung des Jahres 1933 bilden. (Hosientlich ist es mit ihrer Echtheit nicht ebenso bestellt, wie mit der Amme Washingtans, die Barnim' und Bailey zur Schau stellten oder den Kindsköpfen der heiligen drei Könige, die es in mehrfacher Ausführung gibt.) Das Ergebnis der Voltszählung in USA. Das Ergebnis de« am 1. April d. I. durchgeführten Volkszahlung in den Vereinigten Staaten ist jetzt offiziell bekanntgegeben worden. Die gesamte Ein- wohnerzahl Amerikas betrug an: 1. April 122 775 046. 56,2 Proz. der gezählten Personen bilden die städtische Bevölkerung, der Rest enssällt auf die Landbevölkerung. Biihnenchronit. Dir. Jacob I i t o m i r s l v, Leiter des Jüdischen Künstlertbeatcr« in Moskau, bat das Theater am Schifsbaner- dämm für die kommende Saison übernommen. Tic Eröjsnung ist sür den 22. September dorgeschen. Die Staatsopcr Unter de« Linden crössnet ihre neue Spielzeit Sonn- tag, de» 22, August, mit Mozarts«Zauberslöts", Die Keier der Textilarbeiter Tom Shaw begrüßt den deutschen Verband Den Delegierten zum 13. Internationalen Textil» arbeiterkongrcß, der heute in Berlin zusammentritt, wurde am Sonntagabend ein nicht alltäglicher Empfang bereitet. Der Hauptoorstand des Deutschen Textilarbeiter-Verbandes verband die Begrüßung der in- und ouslänidischen Delegierten mit der Feier des vierzigjähriger, Bestehens des Verbandes im Rahmen einer Fest- Veranstaltung in der Krollopcr. Dem Ernst der Zeit entsprach auch das künstlerisch gewählte Programm dieser Veranstaltung. Der Konzertverein 1930, ein Orchester arbeitsloser Musiker, eröffnete die Feier unter der Leitung des Generalmusikdirektors Schein pflüg mit dem Vorspiel aus der Wagner-Oper„Die Meistersinger von Nürn- berg". Das Wirken des Deutschen Textilarbeiter-Verbandes in den vierzig Jahren seines Bestehens schilderte der Verbandsvorsitzende Genosse Schräder. Arbeitszeiten von zwölf bis fünfzehn Stunden, Wochenlöhne von sechs bis dreizehn Mark, Kinderarbeit in den Textilfabriken, Willkürherrschaft der Unternehmer, das war dos Charakteristikum der Zeit vor vierzig Jahren, als d«r Deutsche Textilarbeiter-Verband sein Banner entrollte. Achtstundentag, tarif- liche Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen, Mitbejtimmungs- recht der Arbeiter in den Betrieben, Verbot der Kinderarbeit und vieles andere mehr sind die Errungenschaften, um deren Erhaltung heute die deutsche Textilarbeiterschaft kämpft. Wenn auch das Ziel der Gründer des Verbandes noch längst nicht erreicht ist, so ist es in den ch) Jahren seit 1891 doch ein beträchtliches Stück vorwärtsgegangen. Mit stürmischem Beifall begrüßt, nahm dann das Mitglied der englischen Arbeiterregierung> Genosse Thomas Shaw, der Sekretär der Textilarbciter-Jntcrnationale, das Wort. In seiner Muttersprache, hierauf in französischer und in deutscher Sprache, überbrachte er sämtlichen Delegierten und Fest- teilnehmern die Grüße der englischen Textilarbeiter. In zündenden Worten feierte er den Deutschen Textilarbeiter-Verband als das treueste Mitglied der Textilarbeiter-Jnternationale. Auf Beethovens„Fünfte Sinfonie" folgte das Chorwerk „Das Lied vom Arbeits mann" von Otmar Gerstcr, das unter Mitwirkung des Berliner Volkschors, dem Orchester sowie den Solisten Condoo K e r d y k und Carl Rehsuß unter der Leitung Dr. Ernst Zanders hinreißend zu Gehör gebracht wurde. Verbreiterung der Gewerkschastssront. Tagung der graphischen Äerufsinternationale. Die Berliner Verhandlungen im Verbandshaus der Buchdrucker wurden geführt von Vertreter des Internationalen Buchdrucker- fekretariats, des Internationalen Bundes der Lithographen und der Internationalen Buchbinderföderation mit Vertretern van graphischen Organisationen Großbritanniens. Die eng- tischen graphischen Organisationen hatten insgesamt acht Vertreter entsandt. Da die englischen Verbände der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe schon seit rund 30 Jahren dem internatio- � nalen Bund dieser graphischen Arbeiter angehören, drehten sich, die Verhandlungen in der Hauptsache nur um den Anschluß der englischen Buchdrucker, Buchbinder und graphischen Hilfsarbeiterschaft. Die zweitägigen freundschaftlichen Beratungen führten zunächst zu einer Verständigung über den Anschluß der englischen Buchbindereiarbeiter an die Internationale Buchbinder- föderation ab 1. Januar 1932, sowie zur Erklärung der Bereit- Willigkeit der maßgebenden englischen Hilfsarbeiter- organisatiouen zum Anschluß an die Buchdruckerinter- nationale, soweit deren Mitglieder im englischen Buchdruckgewerbe in Frage kommen. Die Verhandlungen über diesen Teilanschluh sollen in nächster Zeit zum Abschluß gebracht werden. Die Bertreter der Buchdruckerorganisationen Groß- britanniens machten dagegen vielfach Bedenken grundsätzlicher und finanzieller Art geltend. Sie haben noch mit einer erheblichen Zersplitterung in beinahe 20 lokale und regionale Verbände und kleinere selbständige Vereinigungen zu rechnen. Diese, von den englischen Vertretern selbst bedauerten, ungünstigen Organisations- Verhältnisse lassen eine straffere Zusammenfassung auf nationaler Basis vorerst noch notwendiger erscheinen als einen internationalen Zusammenschluß. Die überaus sachliche und kollegiale Erörterung dieser Schwierigkeiten führte zu der Zu- sicherung der englischen Buchdruckervertreter, daß sie die Schaffung entsprechender organisatorischer Voraussetzungen für einen Anschluß an die Buchdruckerinternationale in Zukunft energischer und wirk- samer betreiben und nach besten Kräften die unter den englischen Buchdruckern immer noch herrschende Ueberschätzung gewerkschaftlicher Sonderorganisationen zu überwinden oersuchen. Durch den Anschluß der englischen Buchbindereiarbeiter, der eigentlich einen Wiederanschluß an die Buchbinderinternationale be- deutet und durch den in nahe Sicht gestellten Anschluß der Buch- druckereihilfsarbeiterschaft Englands würde sich die Zahl der in den drei graphischen Internationalen vereinigten Gewerkschaftsmitglieder auf über 300 000 erhöhen. Nachzahlung von Llnterstühung. Wenn versehentlich zu wenig gezahlt wurde. Bei der Ueberarbeitung des Arbeitsamtspersonals häufen sich die Fälle, daß den Arbeitslosen nicht die richtigen Unterstützungssätze gezahlt werden. In den Fällen, in denen der Arbeitslose zuviel erhalten hat, weiß die Reichsanstalt sich zu helfen. Umgekehrt aber ist sie weniger geneigt, zu wenig gezahlte Unterstützungen nach- zuzahlen. Die Arbeitsämter berufen sich auf eine Bestimmung des Arbeits- losenversicherungsgesetzes, wonach der Anspruch auf Auszahlung der Arbeitslosenunterstützung ausgeschlossen ist, wenn seit dem Tage, für den die Unterstützung bewilligt worden ist, drei Monate oer- strichen sind. Eine höchstinstanzielle Entscheidung über die Frage liegt bislang noch nicht vor. Bei falscher Einstufung in die Lohnklasse kann der einzelne Arbeitslose bis zu 300 M. und mehr in seinem Gesamtanspruch geschädigt worden seien. In einem anderen Falle hat jedoch der Spruchsenat über eine Nachzahlung im Sinne der Arbeitslosen entschieden und die Möglichkeit der Verjährung bei einem materiellen Rechtsanspruch glatt verneint. In dieser Entscheidung— 40S7 RABl. 12/31— heißt es: „Materiell rechtlich ist von Bedeutung, daß die höhe der Arbeits- losenunlerstützung unmittelbar von dem Gesetz festgesetzt ist und daß die Arbeitslosenunterstützung grundsätzlich in der vollen gesetzlichen höhe zu gewähren ist..." Genau wie in diesem Falle, in welchem es sich um einen Kinder- Zuschlag handelte, muß dieser Grundsatz auch in den Fällen gelten, in denen der Arbeitslose infolge Irrtums eine zu geringe Unter st ützung erhalten und erst jetzt— also bei Forderung der Nachzahlung oder unmittelbar davor— Kenntnis von seinem höheren gesetzlichen Anspruch bekommen Hot. Es erscheint ohne weiteres als selbstverständlich, daß die Reichs- onstalt in allen diesen Fällen zur Nachzahlung zu wenig gezahlter Unterstützungen verpflichtet ist. Rückschau. In der Vortragsreihe der Deutschen Welle„Menschen im Berus" sprach Dr. Betty Wiener über„Die S ch u l ä r z t i n". Di« Vortragende schilderte nicht persönliche Eindrücke, sondern sie leistete mit ihrem Referat wichtige allgemeine Aufklärungsarbeit über den Wirkungskreis der Schulärztin, der, räumlich mindestens, riesengroß ist: er umfaßt in Berlin für jeden Schularzt 6000 Kinder. Dci dem Schularzt für seine Tätigkeit einschließlich aller dazu notwendigen Schreibarbeit nur zwei Fürsorgeschwestern als Hilfskräfte zur Verfügung stehen, ist es kaum vorstellbar, wie er seine Arbeit überhaupt bewältigen kann. Vor der Einschulung und vor der Ent- lassung müssen sämtliche Schulkinder untersucht werden, zwischen dieser Zeit in zweijährigen Abständen. Kinder, die in körperlicher oder geistiger Beziehung besondere Aufmerksamkeit erfordern, werden jedoch halbjährlich dem Schularzt vorgestellt, so daß dieser etwa 2S Proz. der Kinder zweimal im Jahre sieht. Doch auch für die übrigen Kinder wäre der zweijährige Abstand nicht zu verantworten, wenn nicht die Lehrer selber die Kinder genau überwachen, und jeden irgendwie verdächtigen Fall dem Schularzt in die Sprechstunde schicken würden. Man begriff, daß die Vortragende diese Notwendig- keit besonders hervorhob, als man erfuhr, daß die 6000 Kinder, die sie. zu betreuen hat, sich auf zwölf Volksschulen, ein Lyzeum und eine Mittelschule verteilen. Da bei den Kindern aus Mittel- und höheren Schulen die ärztliche Ueberwachung durch das Eltern- haus im allgemeinen bester ist, machen diese Kinder dem Schularzt weniger Arbeit. Desto größer ist gerade heute die Verantwortung gegenüber den Volksschülern. Infolge der Kosten für Krankenschein und Arzneien wird der Arzt nur noch im dringenden Fall aus- gesucht, und die Eltern, die sich in der Sprechstunde des Schularztes — der nur berät, nicht behandelt— erkundigen, ob ihr Kind eine ärztliche Behandlung nötig hat, vermeiden wenigstens bei ernstester Erkrankung gefährliche Verzögerungen. Der Schularzt ist aber keineswegs nur Berater bei körperlicher Erkrankung: auch in sehr vielen pädagogischen Fragen ist sein Rat notwendig. Leider scheint bei Lehrer- und Elternschaft diese Erkenntnis sich noch nicht allgemein durchgesetzt zu haben, wie das z. B. in Wien der Fall ist, wo Erziehungsmaßnahmen zwischen Eltern, Lehrern und Schularzt beraten werden. Die Vortragende betonte, wie wichtig es wäre, wenn jeder Schularzt die Möglichkeit hätte, in den Unterrichtsstunden an den von ihm ärztlich überwachten Schulen zu hospitieren, um so die einzelnen Kinder aus ihrer Teil- nähme am Unterricht heraus beurteilen zu können. Dazu hat der Schularzt unter den gegenwärtigen Verhältnissen natürlich keine Zeit. Aber gerade der ungeheure Umfang seines Arbeitsgebietes sollte olle Eltern dazu anhalten, den Schularzt in seiner Arbeit für die Gesundheit ihrer Kinder zu unterstützen. Das bedeutet nicht nur, daß sie seinen Anordnungen, von denen bestimmt keine ohne Notwendigkeit gegeben wird, auch wirklich Folge leisten(„mancher Mutter muß ich es zehnmal sagen, ehe sie mit ihrem Kinde zum Augenarzt geht", klagte die Vortragende), sondern auch daß sie selber, wenn es ihnen notwendig erscheint, das Kind in die Sprechstunde des Schularztes bringen und seinen Rat einholen. Der Vortrag, an den sich ein kurzes Zwiegespräch über die wichtigsten Punkte seines Inhaltes anschloß, war auch durch diese anregende Form besonders zweckmäßig. Tez. hlontaz, 17. August. Berlin. 16.00 Konzert. I. Corelli: La folia(Hans Cbolou-, Violine). 2. Liederkreis (für eine Singstimme. von Beethoven)(Karl Rehfuß, Bariton). 3. Tartini; Teufelstrillcr-Sonatc(Hans Cholow; Flügel: Julius Bürger). 17.00 Karl Dcincrt: Mit Rucksack und Bergstock. 17.20 Dr. Ernst Herrmann: Haltungsfehler. 17.40 Teemusik.* 18.10 Kurt Blumenfcldt: Wirtschaftsrundschan. 18.35 Aktuelle Abteilung. 19.00 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 19.05 Neue Unterhaltungsmusik. 20.00 Goethe und Frau von Stein. Ein Querschnitt von Ernst Bulowa. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Budapester Streichquartett. 1. Mozart: a) Quartett D-Moll(K.-V. 421); b) Quartett B-Dur(K.-V. 458). 22.15 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königswusterhausen. 17.00 Prof. Dr. Friedrich Feld: Die Heimat als Ausgangspunkt in der Berufsschulbildung. 17.30 Modernes Liedschaffen. 18.00 Herbert Dähn und Mitw.: Pfadfinder im Heim. 18.30 Prof. Dr. Felix Lampe: Der Asienforscher Emil Trinkler. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Englisch für Anfänger. 19.25 Dr. von Monrcy: Forstliches Geräte- und Maschinenwesen. 20.00 Kurgarten Zoppot: Blaskonzert. 20.45 Felix Dassel: Die neue Linie der russischen Wirtschaftspolitik. 21.10 Leipzig: Abendmusik. Dezantwortl. für die Reduktion: Kerbert Lepdre, Berlin; Anzeigen: Tb. Glocke, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. S., Berlin. Druck: Vorwärts Buch. drucke«! und Verlagsanstalt Paul Singer& Eo.. Berlin 633 68y Lindenstrabe 3. Stenn 1 Beilage. «v.uhr CASINO-THEATER*/.™. Lothringer Sir ad« 37. ItllllltlltlllllllllllMIIIIIIIIIIMIIIIIIIIIMIIIIIIIII Der neue Eröffnungs-Schlager Das Parfüm meiner Frau dazu ein erstklassiger bunter Teil. Für die Leser: Gaischcin 1— 4 Per,. Fauteuil 1.25 M., Sessel 1,50 M. Sonstige Pr.: Rang Mitte I M., Parkett 75 Pf.. Rang 60 Pf. Reichshailen-Theater Lachen: „Alles verrucktr* Stettiner Sänger Anfang| 8 j Uhr HAttERUto fäpugungf Restaurant Berlins SiädLOper Chariottenburg Bismarckstraße 34 VolkiTordeUnng kein Kartenverkauf Anfang 20 thr Fidelio Komische Oper Friedrichstr. 104 8'ii Uhr Frauen haben das gern... Musikal. Schwank von Arnold Musik r. Walt. Kollo Sommerpr.0.50-2.00 HEINI SIHUFZIMNER direkt ab Fabrik EngrosPreise BERLIN O 34 Kurtürstenaamm- Theater Bismarck 445,4? |»>,. Uhr| Die schöne Helena von lacqnes ßnon&aib ttepie; Ma* neinfiardi Theater desWestens Tägl. S u. HV« Volksvorstelluntjen Viktoria und ihr Husar »Iiiigster PI. 0.50 M Teuerster PI. 2.— M. Theater im Admiraisoalast Montag, 17. Augu;l 75. Uhr- Premier« Rotter-üastgpiel Die Dubarry mit GittarAIpar Preise: 0,50 bis 12,50 Pußipen, RDliren. Filto Ersatiielle Preisliste gratis Koßlanks Co. 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Sie klingelten an den Türen und stellten sich vor, jeder nach seiner Methode— der eine lächelnd, der andere mit Würde. Aber allesamt machten sie diejenigen, welche ihnen öffneten, auf die Ge- fahren des Lebens aufmerksam. Es kann ein Feuer ausbrechen, eine lleberschwemmung kann kommen, man kann krank werden, man lann sogar sterben... Aber während der Versicherungsagent auf eine Art mit den Leuten spricht, als hätte eine waltende Macht persönlich ihn her- gesandt, um die Menschheit vor Unglück und Jammer zu bewahren — wissen die Leute, die sich die Preislieder auf seine Versicherungs- gcsellschaft anhören, daß er um seine Prozente kämpft. Und viele wissen, daß unter dem feinen Anzug, den er, der guten Ein- führung halber, zu tragen liebt, ein gehetzter, um das tägliche Brot ringender Familienvater oder Sohn einer Witwe verborgen ist. Der Mann muß vielleicht ein Gros mal am Tag dieselben Worte heruntersprechen, jedesmal mit Betonung, und muß möglichst im ersten Augenblick scharssichtig das Wesen seines Gegenübers be- stimmen, um individuell darauf einzugehen. Am Ende, wenn er sich, ohne einen Erfolg erzielt zu haben, lächelnd verbeugt, sagt er ver- kindlich, ohne jede Spur von Gereiztheit:„Nun, meine Adresse haben Sie ja... vorkommendenfalls erbitte ich.. So verdient man Geld. Im allgemeinen wird er nicht viel respektvoller als ein Bettler und ein Hausierer angesehen. Mitunter aber passiert es ihm, daß irgendein einsiedlerisch veranlagter Jung- geselle oder eine zum Schwatzen gern aufgelegte Frau von sich aus ein Gespräch beginnen. Dann blüht, unterm Lächeln der Mitmensch- heit, seine Seele auf— er erzählt, eh er sich? versieht, von seinen ganz privaten Sachen, von seiner Frau, von seiner Tochter, drei- einhalb Jahre, mit Namen Melitta.„Das ist ein seltener Name, nicht wahr/ sagte der Agent,„aber wenn ich Ihnen etwas Gutes raten soll, so schließen Sie die Versicherung ab../ An heißen, überheißen Tagen nicht anders als an eisigen steigen die Agenten die Treppen hinauf. Treppen, Treppen... Aeltere Herren, die beim Steigen in den Schenkeln leicht empfindlich wer- den. wandern mit ebenderselben fatalistischen Entschlossenheit vom Erdgeschoß bis zum vierten Stock, wie der hofsnungslos um Arbeit Wandernde auf der Landstraße. Aber es fällt dem Agenten im Traum nicht ein, sich für etwas anderes als für einen zum Mittel- stand gehörigen Bürger zu halten. Auf Leben und Tod ist er mit seinem weißen Kragen verbunden, dessen Bedeutung für den ersten gunstigen Eindruck er sehr wohl kennt. Er denkt nie darüber nach, daß die Gesellschaft, die ihn als Angestellten— denn die meisten Agenten waren früher einmal Angestellte— nicht mehr beschäftigen konnte, ihn in Wahrheit zum Vetter des Proletariers gemacht hat. Es gibt viele Agenten, die ihren Beruf als u n e i n g e st a n d e n e Stellungslosigkeit auffassen. Sie gleichen in ihrer Gesamt- heit jenem Passagier des„St. Philibert", der, als das Schiff in der Nälie der Loiremündung läpgst versunken war, noch eine Stunde lang seine Frau über Wasser hielt... bis er sie endlich doch, weil ihm die Kräfte versagten, hinabsinken lassen mußte. Sic wollen sich in ihrem äußeren Dasein, in ihren bürgerlichen Gepflogenheiten und auch in ihrer Empfindungswelt auf eben dem Stand erhalten, in dem sie geboren sind. Mitunter kommt auch eine Agentin. Wenn eine Agentin kommt, so bedeutet das: der Staubsauger ist da. Sie fragt nach der Frau Gemahlin... und die Frau Gemahlin, die von der Küche her hört, daß die kostenlose Probevorsührung im Ansummen ist, ruft sogleich entschieden:„Nein, danke/— Aber es scheint, daß die Frauen im Agentenberuf noch verzweifelter als die Männer an den Grundsatz der Zähigkeit, die endlich zum Ziel führen müsse, glauben. Sie fangen mit einem Lächeln an— mit einer beleidigten Lippe hören sie auf. Am liebsten würden sie den Fuß in den sich schließenden Türspalt klemmen— aber ihr Fuß und vor allem der Schuh ist ihnen zu schade. Die Agenten, die mich gegen Feuer, Wasier und Flugzeugüber- fälle versichern wollen, weise ich darauf hin, daß es bei mir cigent- lich gor nichts zu versichern gäbe:„Was steht heutzutage noch in der Stube drin? Nischt. Das hat die Sachlichkeit mit sich gebracht/ Die meisten halten die Sachlichkeit für eins Krisenerscheinung. Andere glauben überhaupt nicht an dies Argument. „Es war wohl schon vor mir einer von meinen Kollegen bei Ihnen?" fragen sie mißtrauisch. Dann empfehlen sie sich unter Zurücklassen einer Karte. Einer aber, mit meliertem Bart, der die Sache mit Energie, Erfahrung und Bearbeitungstreue anfaßte, fing an zu schimpfen. „Was heißt Sachlichkeit? Haben Sie keinen Tisch? Haben Sie keine» Besen?'n Klavier sollen Sie ja auch nicht gleich haben. Aber ne Frau Gemahlin haben Sic doch gewiß— lassen Sie ihr Leben versichern!" Ich schüttelte den Kopf. „Wieso!" schrie er empört,„wieso mit'm Kopf gewackelt! Liegt Ihnen nichts an dem Leben Ihrer Frau?" „Sie hat eine eiserne Gesundheit." „'ne eiserne Gesundheit. So'n Unsinn. Und wenn sie aus'm Fenster rausfällt— was dann?" „Das wollen wir nicht hoffen", sagte ich. „Na, Sie haben ja'ne schöne Weltanschauung," schrie er,„das muß ich schon sagen." „Ich will lieber bei der Wahrheit bleiben," gestand ich,„ich habe gar keine Frau." „Kuck mal an. So sehen Sie mir aber gar nicht aus." „Wieso denn nicht?" „Weshalb haben Sie denn vorhin das Gegenteil zugegeben?" „Nun, weil Sie es gern haben wollten... So wie man das auch vorm Untersuchungsrichter tut... Das war halt'ne Suggestiv- frage, wissen Sie../ Der Agent schwieg grimmig. Dann fing er wieder an: „Und ihr Leben? Haben Sie schon mal daran gedacht, daß Sie eines Tages, was Gott verhüten soll, per Auto in's Mausoleum „Wissen Sie, da kann ich dem Chauffeur mal die Taxe schuldig bleiben. Da freue ich mich bloß drauf..." „S i e freuen sich", schrie er,„und Ihre Angehörigen?" „Die— noch mehr." „Sie sind ein Gotteslästerer, ein elender Satan, Ihnen geht's noch mal schlecht," fauchte er,„mit Ihnen will ich gar nichts zu tun haben, soviel Kaltschnäuzigkeit bringt nur Unglück.— Wollen Sie sich nun versichern lassen oder nicht?" „Gegen Sie... wenn das ginge." Er riß den Kneifer herunter und starrte mich an, er war empört.„Sie müssen doch zugeben," fuhr ich fort,„daß ich nicht nur zum Versichertwerdcn auf der Welt bin. Man hat auch andere Pflichten." „Meinen Sie, man steht gern so an der Tür," antwortete er, „nach all dem Treppcugelause? Wie stellen Sie sich eigentlich meine inneren Organe vor? Meinen Sic, ich habe ein Herz aus Leder?" „Wie soll ich das ändern?" „Wenn Sie mir wenigstens'n Stuhl anbieten würden, damit ich mich'n bißchen setzen kann../ „Bitte, treten Sie näher../ In der Stube besah er sich das Mobilar. „Und kenn Ihnen eines Tages Ihre Bücher da verbrennen?" „Dann brauche ich sie nicht mehr zu lesen: wie sie dastehen und mich vorwurfsvoll anglotzen, sind sie für mich doch bloß'n Gewissens- zwang." „Dann würde ich sie lieber gleich verschenken." „Nee, die Bücher habe ich mir doch immer für die letzten Groschen zusammengekauft. Und nun, da sie alle so hübsch in der Reihe stehen— verschenken?... Nee." „So'n Leben wie Sie, möcht' ich auch haben", sagte er später, als wir beim Tee saßen. Er rauchte mit der Langsamkeit des Ge- nießenden eine Virginia.„Das muß das wundervollste Gefühl von der Welt sein— wenn man nichts zu versichern hat. Ich meine das so," fügte er schnell hinzu,„wenn man nichts so ernst und so teuer und so heilig nimmt, daß es einem nicht ruhig gestohlen werden könnte. Sehen Sie, meine Frau ist ein Drachen, aber wenn ich nach Hause käme und sie wäre weg— was natürlich nicht in Frage kommt: Drachen sind eben nie weg, sie sind immer da, daher sind sie Drachen— aber recht war es mir doch nicht, wenn ich ihn beim Heimkommen nicht mehr vorfände."—„Wen?"—„Nun, den Drachen."—„Ach so.""—„Ja, wir Menschen sind mal gediegen... Sie sind'n netter junger Mann, Sie gefall'n mir. deshalb will ich nun gehen und Sie nicht länger mit meinen Policen berennen. Machen Sie's gut." Und der Agent empfahl sich. Hu\i Scftmeii$ext J)ie Cetftcn met§eftH Itage Es gibt viele Dinge im Leben, die uns im ersten Augenblick sinn- und zwecklos erscheinen und die dann doch, sieht man näher hin, ihrer tieferen Bedeutung nicht entbehren. Da ist zum Beispiel, das, soviel ich weiß, noch immer geheimnisvolle Problem der g c- teilten Briefkästen auf den Postämtern: einer für Druck- fachen und einer für Briefe. Werden die Kästen damt geleert, so schüttet der abholende Beamte alles munter in einen Sack. Aber darüber Hadem sich schon größere Geister die Köpfe zerbrochen: wenn' mir die Lösung eines andern Problems gelungen ist, so will ich das gar nicht so sehr als mein Verdienst betrachten, denn der Zufall kam mir dabei zu sehr zu Hilfe. � Ich meine das öffentliche Aufgebot. Um verheiratet werden zu können, muß man vierzehn Tage im Kasten hängen, nicht geradezu persönlich, aber doch mit seinen sämtlichen Personalien und seiner Absicht. Das weih jeder und denkt sich vielleicht dies und jenes, man will etwa der Bigamie vorbeugen... Aber, du lieber Gott, wieviele Fälle von versuchter Bigamie mögen schon auf diese umständliche Art aufgeklärt worden sein? Man beruhigt sich wohl zunächst bei dem Gedanken, daß eben der Standesbeamte doch auch etwas zu tun haben muß und geht zur Tagesordnung über. Aber die Sache liegt tiefer. Es geschieht eines Tages, daß man selber in die Lage gerät. Nun ja! Hat man schon so lange ohne den Segen der Ehe aus- gehalten, wird man auch noch diese vierzehn Tage ertragen, aber siehe da: da kommt die neue Erkenntnis und man erfährt, wenn man den Scharfblick hat, wozu diese Maßnahme eigentlich gut ist. Also: man hängt„aufgeboten" im Kosten. Während der ersten yoiieß i Sefto&eCadc, die man ißt... Da heißt es immer, die rauhe Gegenwart habe keinen Sinn mehr für Gedichte. Ich unternehme es hiermit, diese Meinung zu widerlegen. Nämlich, es gibt einen Berufsstand in Deutschland und be> sonders in Berlin, der glaubt blindlings an die Wirkung der Lyrik. So blindlings, daß zwei Zeilen, die sich nach Ansicht der Vcrtretcr dieses Standes hinten reimen, für teures Geld weiteste Verbreitung finden. Dieser Berufsstand ist der der R e k l a m e f a ch l e u t e. Nicht, daß die Rcklamcfachlcutc ihre Gedichte an die Rcdak- tiouen senden. Das wäre zu billig, und außerdem haben Redaktcure einen so komischen Geschmack, jedenfalls einen ganz anderen als der Rcklamcfachmann. Vielmehr werden die Üntergrundbahnwagen serienweise gemietet, und an deren Wänden werden die Verse eben- so serienweise angebracht. Mit II r b i n fings an— na, das ging noch. Man kann ja nicht verlangen, daß die Urbinsabrik Stephan George verpflichtet, und dessen Gedichte würden auch kaum die er- uxirtet« Wirkung auf den Käufer leiben. Aber der Ürbindichter hat Epigonen gefunden. Die fordern dichtenderweise zuih Ankauf von Möbeln, Klosettpapicr oder Schoko- lade auf. Die Verse haben unzweiselhast etwas Rührendes. Sie stimmen weder im Rxsthmus noch im Reim noch auch nur im Stil: es ist auch unmöglich, sie zu beholten: aber der Glaube des hart- gesottenen Kaufmanns an dies« Lyrik, der dahinter steht— der er- greift mich. Ich kann mir nicht helfen. Ich will hier nicht mehrere solcher Verse nachdrucken, es kostet sonst Nochdruckshonorar, sicher sehr viel, wenn sich die Höh.' der Summe nach dem Ausmaß der Selbstzufriedenheit des Dichtenden richtet. Aber einen davon anzuführen— das kann ich mir nicht verjagen. Sie alle hoben ihn gewiß schon im Üntergrundbahnwagen gelesen? j.Betm Training sehr erquicklich ist Schokolade� die»ran gerne ißt." Waraus imnierhin die erschütternde Wahrheit hervorgeht, daß Schokolade, die man nicht gerne ißt, beim Training unerquicklich ist. Sportler mögen sich das merken. Immerhin sind es nicht nur die Reklamefachleute, die an Lyrik glauben. Es gibt auch Domen, die das tun und danach dichten, und Redakteure, die es drucken. In einer Provinzzeitung finde ich ein solches Gedicht aus zarter Hand, daß ich, in memoriaw Friederike Kempner, hier anführen möchte: „Horch! der Kuckuck ruft! Irgendwo im Wald Es von weither schallt Kuckuck— Kuckuck— Kuckuck. Mal Gott Donar heilig. Heilig auch dem Volk— England sagt: cuckold, Weil dem Teufel nah'. Der Germanen Frühlingsbote lind Symbol der Werde-Welt— Heut befragt noch Geld Und noch Lebensdauer. Menschheitsverbunden ist der Kuckuck Erdenbreit, seit grauer Zeit— Irgendwo— nicht weit Der liebe Kuckuck ruft." Verzeihung, teure Verfasserin: Ihre allgemein« Bildung und Ihr Lcxikonstudium in allen Ehren— aber ich glaube, ich weih. wo bei Ihnen der Kuckuck ruft. �_ Tage geschieht gar nichts, man merkt nichts von dem ungewohnten Zustand. Da findet man zwischen seiner Post eine Karte, bei der man stutzt. Eine Bettfedcrnsirma empfiehlt mit zartem Hinweis auf die baldige Veränderung ihre Dienste. Man lächelt teils belustigt, teils peinlich berührt und tut sie zum übrigen Abfall in den Papierkorb. Aber siehe da: bei der nächsten Post ist schon wieder ein Herr mit Bettsedern und allmählich staunt man, wieviel Leute Rupffedern und Schlcißdaunen sind echte Eiderdaunen zu ihrem Lebenszweck gemacht haben. Es bleibt nicht bei den Bettsedern. Der Kasten am Standesamt muß sich eines regen Zuspruchs erfreuen. Es naht sich ein Herr mit Brautkutschcn und ein anderer mit ebensolchen Autos. Er ahnt natürlich nicht, daß wir schlicht die Elektrische zu diesem Schicksalsweg benutzen werden und gibt sich mit kulanten Be- diugungen und freundlichen Redensarten der Hoffnung hin, daß wir seine Dienste in Anspruch nehmen werden. Der Bedeutung des Unternehmens entsprechend dichtet einer: Lcihsrack trage»? Meyer fragen! Dieser Herr Meyer ist offenbar Spezialist in Leihsräckcn. Herr- liche Sache, im Leihsrak mit Leihauto den dicken Wilhelm mar- kicren! Am Ende noch Elisabeth im Lcihmyrthenkranz? Aber nein, soweit geht die Freundschaft denn doch nicht, die Damen müssen zahlen. Herr Wolfgang etwa dichtet auch: Willst du als Braut recht schön aussehn, So nmßt du nur zu Wolsgang geh»! Denn eine Braut im W o l f g a n g- K l e i d Wirkt schick und reizvoll jederzeit. Wen sollte das nicht locken? Weder Schönheitssalan noch Ver- jüngungskur ist fernerhin bei einer Dame, die jederzeit schick und reizvoll wirkt, notwendig. Daß Herr Wolsgang seine Kleider nicht leihweise abgibt, ist durchaus zu verstehen... Aber wir werden auch aus seine Dienste verzichten müssen, denn Elisabeth geht direkt vom Dienst zum Standesamt, und vorher im Dienst mit einem Wolfgangbrautverjüngungskleid antreten— nein, das geht doch nicht, das wird selbst der lyrische Herr Wolsgang mit seinem regen Geschäftsgeist einsehen müssen... Da wäre schon eher über eine andere Osscrte zu reden, die Wein mit Auto verbindet. Denn schon bei einer Bestellung von vierzig Mark an gibts ein Hochzeitsauto gratis, ein schwarzes aller- dings nur, aber bei sechzig Mark Konsum ein weißes mit Diener und Myrthenschmuck. Wunderbar ausgeklügelt! Die Braut möchte natürlich im weiße» Auto den Neid und das Bewundern der Nach» barschaft in Gang bringen, der Bräutigam schwärmt für Alkohol sollten sie sich nicht einigen? Ich muß doch noch einmal mit Elisabeth ein ernstliches Wort reden. Da kliugelts schon wieder— Es war ein Herr R e i m a n n. Nicht der Kollege aus Leipzig. jedoch ein nicht minder ulkiger Zeitgenosse. Zunächst oersicherte er arbeitslos zu sein und bot seine Dienste als Helfer bei der Feier an, dann aber offenbarte er, daß er einen Flaschenbier» Handel betreibe, auch Wein und Orangeade führe er. Allerdings stellt er kein weißes Brautauto zur Verfügung, wohl aber, als ich ihm keine Bestellung ausgeben wollte, gab er sich als O k k u l t i st und T h e o s o p h zu erkennen und bemitleidete mich gründlich, als ich ihm auch diese Offerte ablehnte. Sicher ständen wir jetzt noch zwischen Tür und Angel, denn er hatte ein ousgezeich. netes Mundwerk, wenn nicht Elisabeth von einem Ausgang zurück- gekommen wäre. Herr Reimann konnte sreilich nicht ahnen, daß er auch bei ihr seine Floschcnbierofserte hätte anbringen können, son» dern empfahl sich teils bieder, teils augenzwinkernd. Die vierzehn Tage sind noch nicht vorüber, wir hängen immer noch zur ösfentlirhen Kenntnisnahme im Kasten und ich bin einiger- maßen gespannt, was noch olles kommt. Man soll doch nicht sagen, daß die hohe Behörde kein Ve» ftändnis für die Bedürfnisse der Geschäftswelt habe. flez>lzz2 sendet ficbr spiele Die Deutsche Welle dringt in ihrem Programm häusig söge- nannte„L e h r s p i c l e". Nicht nur in dem Jahreszyklus„Aus der Welt des Arbeiters" werden sie dem Hörer geboten, sondern ge- legentlich auch als Sonderocranstaltungen, die mit Lebens- oder Berufssrogen bekannt machen wollen. Die Lehrspielc haben, wie ihr Titel sagt, die Aufgabe, den Hörer über irgend etwas zu be- lehren— sie wollen keine Dichtungen, keine Kunstwerke sein. Der Grundgedanke, dah sich durch Aussprachen vieles leichter verständlich machen läßt als durch Vorträge, hat neben den Diskussionen vor dem Mikrophon auch diese Lehrspiele entstehen lassen: hier ist er in breitester Form verwirklicht. Die Aussprache wird ins Visuelle, ins Bildhaste übersetzt. Aber auch hier gibt es Fragen und Antworten, und es ist eine gute Lösung, wenn, wie es häusig geschehen ist, eine Person als Fragesteller in dos Lehrspiel eingeführt wird, die sich nach den Dingen erkundigt, noch denen sich eben auch der Hörer erkundigen würde. Das ist überhaupt die unbedingte Voraussetzung für die Wirksamkeit eines Lehrspiels, daß der Hörer immer das Gefühl behält, über ihm unbedingt wichtige Fragen aufgeklärt zu werden. Es genügt nicht, daß der Verfasser sich der Wichtigkeit der in seinem Lehrspiel behandelten Dinge bewußt ist. Tatsächlich haben wir mehrfach Lehrspiele erlebt, in denen der oder die Verfasser sich geradezu bemühten, die sachliche Klarheit von Frag« und Antwort zu retuschieren und die Handlung ihres Lehrspiels durch allerlei schnörkelhaftes Beiwerk gefälliger zu gestalten. Solche Ucber- griffe in das Reich der Dichtung sind bisher jedem Lehrspiel schlecht bekommen. Die klare Linie des Lehrspiels wurde verwischt, und eine Dichtung entstand ebenfalls nicht— was sowohl den Voraussetzungen wie der mangelnden dichterischen Begabung der Verfasser entsprach. Durch solche gelegentliche Mißgriffe ist das -Lehrspiel bei manchen Hörern in Mißkredit geraten. Sehr mit Unrecht. Die Anzahl der guten Lehrspiele, die van der Deutschen Welle aufgeführt wurden, übersteigt bei weitem die der unzu- länglichen, und viele wichtige Dinge, mit denen nur die aller- wenigsten Hörer sonst sich hätten bekannt machen können, wurden ihnen dadurch nahe gebracht. Daß solche Informationen nicht nur Wissen und Verständnis erweitern, sondern auch oft von recht praktischer Bedeutung für den einzelnen sind, wird jeder zugeben, der z. B. das vor geraumer Zeit aufgeführte Lehrspiel abgehört hat, das in eine Säuglingsfürsorge stelle führte. Nur Kinder, die irgendwie von der Gemeinde betreut oder überwacht werden, müssen diesen Stellen regelmäßig vorgestellt werden: sonst steht es den Müttern frei, ob sie sich an sie wenden wollen. Viele machen von dieser für das Wohlergehen ihres Kindes wichtigen Möglichkeit in- folge von Verständnislofigkeit oder Vorurteilen keinen Gebrauch: andere, die hingehen oder hingehen müssen, bringen den not- wendigen Anordnungen nicht dos nötige Interesse entgegen und be- folgen sie nur unzureichend. Was im Verlause eines Arbeitstages in einer solchen Säuglingsfürsorgestelle den Besucherinnen nur un- zureichend oder gar nicht erklärt werden kann, zeigte eindrucksvoll und übersichtlich das Lehrspiel. Das anschauliche Bild, das es von einem Arbeitstag in solcher Fürsorgestelle gab, fesselte ober gewiß nicht nur die Mütter und die Frauen, sondern jeden, der sich zum Zuhören entschlossen hatte und der nun«inen gründlichen Einblick in eins der wichtigsten Gebiete der öffentlichen Gesundheitspslege erhielt. Als Gegenbeispiel mag ein anderes Lehrspiel angeführt werden, das mit verschiedenen Zweigen des P o st b e t r i e b c s vertraut machen wollte. Auch diese Ausführung liegt bereits recht lange Zeit zurück. Der Verfasser besaß, dos war deutlich zu erkennen, ein gründliches Wissen um die sachlichen Vorgänge, die er schildern wollte. Hätte er sich auf ihre Abbildung beschränkt, so hätte er unzweifelhaft ein brauchbares Lehrspiel schassen können: das spürte der Hörer an einzelnen Szenen, in denen Arbeitsprozesse in der Heraushebung des charakteristischen Ablaufs anschaulich wurden. 'Recblsfvagen des Tages Haftung des Tievballcrs Eine Dame besuchte ein Warenhaus und übergab ihren Hund dem Portier am Eingang. Bald darauf erschien eine andere Dame, um ihren Hund abzuholen, den sie ebenfalls dem Portier in Obhut gegeben hatte. Der erste Hund, der wohl durch die Annäherung der fremden Dame und durch das Anketten am fremden Ort gereizt war, sprang die Dame an und zerriß ihr das Kleid. Sie klagte gegen die Hunde- besitzerin auf Schadenersatz. Diese wendete ein, daß sie ihren Hund dem Portier in Verwahrung gegeben und daher> für den Schaden nicht aufzukommen habe, daß aber auch die Verletzte selbst ein Mit- verschulden treffe, denn sie sei wahrscheinlich zu nahe an den Hund herangegangen, so daß dieser wohl geglaubt habe, sie wolle ihn mit- nehmen. Der Portier wurde als Zeuge vernommen und bekundete, daß das Verhalten der Verletzten den Hunh in keiner Weise gereizt hätte. Die Hundebesitzerin wurde zum Ersatz des Scha- d e n s verurteilt. Nach§ 833 des Bürgerlichen Gesetzbuchs ist der- jenige, welcher ein Tier hält, verpflichtet, dem Verletzten den Schaden, den ein Tier anrichtet, zu ersetzen. Auch wer das Tier in Ver- wahrung gibt, haftet weiter als Tierhalter. Ein Mitoerschulden der Klägerin, wie es der§ 2M BGB. vorsieht, komme noch der Aussage des Zeugen nicht in Frage. Im Gegensatz hierzu stand folgender Fall: In einer Berliner Mietkaserne hielt ein Mieter einen Hund, der von einem Jungen aus demselben Hause wiederholt gehänselt und einmal derart blutig geschlagen wurde, daß der Hund in einen nahen Laden flüchtete. Einige Wochen vergingen. Eines Tags ging der Junge über den Hof, der Hund stürzte sich auf ihn, verletzte ihn und zerriß ihm die Hose. Durch Zeugen wurden die früheren Miß- Handlungen des Hundes festgestellt, sie bekundeten aber überein- stimmend, daß der Hund sonst nicht bissig war, und noch nie- mal? aus Menschen losgegangen ist. Die Klage wurde abgewiesen. Es ist die Eigenart eines Hundes, sich lange Zeit an Mißhandlungen und Unrecht, das ihm zugefügt wird, zu erinnern. Ofsenbor hat der Hund sich daran er- innert und ist deshalb aus seinen Peiniger losgesprungen. Ganz besonders wurde berücksichtigt, daß der Hund sonst durchaus friedlich war und noch keinen Menschen angefallen hatte. Hier hotte der Verletzte bei Entstehung des Schadens nicht nur m i t g e w i r k t, wie es der 8 2S4 BGB. vorsieht— in welchem Fall das Gericht zu prüfen hat, inwieweit der Schaden vorwiegend von dem einen, oder dem anderen Teile verursacht worden ist—, sondern der Schaden war lediglich durch eigenes Verschulden des Verletzten entstanden. Auch das Reichsgericht steht auf dem Standpunkt, daß die Haftung des Tierhaltxcrs ausgeschlossen ist, wenn das Verschulden des Verletzten als ausschließliche Ursache des Unfalls anzusehen ist. Äarxareillö Falkenfeld. Doch entweder genügte die Nachgestaltung der einfachen Arbeits- Prozesse und der in ihnen eingeschalteten Menschen dem Ehrgeiz des Verfassers nicht oder aber er versprach sich davon keinen genügenden Eindruck auf die Zuschauer: jedenfalls schmuggelte er in sein Lehr- spiel ein paar Versuche zu Charakter st udicn von Po st- b c a m t c n, die ihm so gründlich wie nur irgend möglich daneben- gelungen waren. Da sie im zweiten Teil das Ucbergcwicht über die sachliche Handlung bekamen, entwerteten sie das ganze Lehrspicl und nahmen dem Hörer das Interesse daran. Daß man in einem Lehrspiel Menschen und Menschcnschicksale nur dann eindringlich gestalten kann, wenn man sich begnügt, soviel von ihnen zu zeigen, wie eine sachliche Abbildung des betreffenden Milieus hergibt, bewies wieder eine Aufführung in der vergangenen Woche. Dr. W i l h e l m H e r m a n n s Lehrspiel„Im städtischen Obdach" wuchs zu einem erschütternden Bild von Großstadtelend empor. Hier war kein Versuch unternommen worden, rührende oder interessante Stimmungsbilder zu stellen. Natürlich kann man Berichte und Angaben der Obdachsuchenden nicht wörtlich festhalten, wenn man die Summe eines Tageserlebnisses in einen Hörbericht von 23 Minuten pressen will. Eine aus zahlreichen Ausschnitten zusammengestellte Hörmontage, die auch keineswegs immer die Stücke ganz wirklichkeitsgetreu aneinandcrzupasfen braucht, muß vor dem Hörer aufgebaut werden: nicht Dichtung, sondern konzen- trierte Wirklichkeit, von einem erlebnisfähigen Reporter herausdestilliert. Im Ansang des Hörspiels von Dr. Hermanns stand, gleichsam als Motto, der Satz:„Diese ttnglllcklßjen Menscher! sind keine Ausstellungsobjekte." Dr. Hermanns hat keine aus ihnen gemocht. Die Sachlichkeit seines Berichtes, die weder für tröstende Einwendungen noch für Phrasen Raum hatte, führte die Hörer zn jenen hin, die das Leben ohne Unterschied von Alter, Geschlecht/ Herkunft, ohne nach eigenem oder fremdem Verschulden zu sragen, an den Rand des Lebens gedrängt hat. Solche eindringlichen Lehrspiele lassen den Wunsch im Hörer! wach werden, daß das Lehrspiel überhaupt viel mehr, als es bisher der Fall ist, im Rahmen der Funkprogramme einen Platz finden. Die Eltern stunden würden beispielsweise häusig solche Um- gestaltung recht gut vertragen. Hörbilder aus Erziehungs- berat ungs st eile» könnten sehr viel verständlicher als der gründlichste Vortrag die verschiedensten Erziehungsprobleme erörtern, da diese sich durch die zugehörigen Eltern- und Kindertypen höchst anschaulich illustrieren ließen. Wohlfahrtseinrichtungen, Berufsberatungen ließen sich ebenfalls so vorführen. Zahlreiche andere Gebiete wären dem Lehrspiel zugänglich, das sie entweder alz in sich geschlossene Darbietung behandeln oder Ergänzung sein könnte zu einem vorausgegangenen Vortrag. Die Gefahr, daß durch Lehr- spiele unsachliche und ungenaue Angaben verbreitet werden, ist geringer als bei Vorträgen und Reportagen, da ein Lehrspiel mangelhaftes Wissen um den behandelten Gegenstand viel leichter enthüllt. Seine Dialoge bleiben schwerfällig und unlebendig, sobald der Verfasser den sachlichen Inhalt nicht so beherrscht, daß er keine mühsonic Konstruktion auszubauen bestrebt sein muß, sondern wirklich aus dem Vollen schöpfen kann: daher wird solck�s Werk, wenn der Verfasser den Gegenstand nicht beherrscht, wahrscheinlich von den prüfenden Stellen abgelehnt werden. Tles. WAS DER TAG BRINGT miiiiiiniiimninniiiiiniiniiniiiiimiiiiimiiiiinimniiiiinniimiiimniuiiuiiiiiMiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiniiiiuiiiiiniiiiiuiiimiiiiimiMiiiiiiiiiiuuiiiiniiiniimiuiinns ERZÄHLT VON YORICK Kurze Darstellung einer langwierigen Sache Dioat St. Bürokratius, diesmal nicht von Deutschland, sondern von USA.! In der Stadt New Häven wurden die Bücher der Stadtkasse nachgeprüft. Sie stimmten nicht. Es ergab sich eine kleine Differenz. Sie betrug lKOOE Mark. Sämtliche Beamte der Stadt sichteten, prüften, suchten den Fehler. Sie fanden ihn nicht. Jetzt hat man einem Reoisionsbüro die Sache übergeben. Es soll endlich den Fehelr herausfinden, denn Ordnung muß sein, und schließlich handelt es sich um 16 000 Mark! Die Spegialfirma wird sich der Sache zweifellos energisch an- nehmen und den Fehler finden und die 16 000 Mark eruieren. Sie ist ja an der Geschichte interessiert. Denn das Honorar, das ihr die Stadtväter von New Häven bewilligt haben, beträgt 100 000 Mark... Vioat St. Bürokratius von USA.! Die Pfiffe Ilm Paris herum führt eine Lokalbahn, die sogenannte Ceinture — etwa unserer Ringbahn vergleichbar, doch mit dem Unterschied, daß sie nicht erhöht, sondern versenkt jährt, und daß sie durch andere Verkehrsmittel so in den Hintorgrund gedrängt ist. daß der Verkehr auf der Ceinture kaum noch nennenswert ist: zwischen den Schienen wächst das Gras, und zwischen den Zierbäumen der Abhänge zu beiden Seiten der Gleise sonnen sich die Kinder. Weil aber der Pinscher immer lauter kläfft als die Dogge, darum macht auch die Ceinture einen Krach, der zu ihrer Wichtigkeit in einem krassen Gegensatz steht. Sie pfeift sortgesetzt, laut, lange und eindringlich. und stört die Pariser am Abend beim Einschlasen und am Morgen beim Ausschlafen. Man protestierte, die Eingaben an die Behörden häuften sich zu Bergen— es half nichts, half jahrelang nichts. Bis ein findiger Pariser auf eine gute und menschenfreundliche Idee kam. Er setzte nämlich dem Lokomotivführer hundert Franken aus für den Fall, daß er das Pfeifen auf dem Teil der Strecke, an dem die Wohnung des Spenders lag, unterlasse. Was keiner Eingabe geglückt war, das glückte dem Mammon: mit sanftestem Rollen, ohne jeden Pfiff, passiert« die Ceinture schon vom nächsten Tage ab den frag- liehen Streckenabschnitt. Dagegen wäre nichts zu sagen, wenn die Lokomotive nicht an den nicht dotierten übrigen Streckenteilen um so lauter pfifte. Wenigstens behaupten das die Pariser. Und sie behaupten, daß die Ceinture überhaupt nicht mchr verkehren würde, wenn alle Feinde des Pfeifens sich in gleicher Weise helfen würden wie der Spender der hundert Franken. Denn dann, nicht wahr, könnte sich der Lokomotivführer zur Ruhe setzen und von seiner Rente leben.,. Das Nachthemd Folgende Notiz ging durch die Zeitungen: Ein deutscher Apotheker befand sich in London— nennen wir ihn Müller. Er machte einen Sonntagsausflug. Bei sich hatte er einen Koffer, in welchem sich Gifte befanden, die zur Tätung von mehr als dreißig Personen genügten. Das scheint halt so das übliche Gepäck der Apotheker zu sein, wenn sie reisen. Als er von Leeds, wohin er ausgeflogen war, nach London zurückkehrt«, mußte er feststellen, daß die Gifte sich nicht mehr in seinem Koffer befanden. Statt ihrer lag ein Dameiwchthemd darin. Die englische Polizei sucht nun sieberhast die Gifte. Nicht durch die Zeitungen ging eine Notiz, nach welcher sich auch die Frau des Apothekers, Frau Müller, aufs lebhafteste und min- bestens ebenso fieberhaft an der Suche beteiligt. Aber Frau Müller scheint da ihre eigene Theorie zu haben. Sie sucht nämlich nicht die Gifte. Sondern die Besitzerin des Damennachthemdes... Komisch..? Ich bin Schriftsteller und beruflich verpflichtet, an dieser Stelle so allerlei Komisches zu berichten. Aber manchmal stoße ich auf Notizen, die sind für andere komisch, und die kann ich gar nicht komisch finden... Da ist zum Beispiel in einem englischen Markfflecken ein Man»/ der ist Straßenkehrer und säuberte also ps.lichtgemoß und sorgsam die Straßen, bis er fünfundsechzig Jahre alt war. Da war seine Zeit gekommen, und man entdeckte in ihm das Genie. Nicht ein Genie im Straßenkehren, sondern ein Genie der Musik. Edwin Gagner nämlich, so heißt er, hatte in feinen Mußestunden komponiert, und jetzt kam man mit einemmal hinter den künstlerischen Wert seiner Kompositionen. Einige Konzerte fanden bereits statt, in denen Gagnersche Lieder mit unerhörtem Erfolg vorgetragen wurden, und demnächst wird in der riesigen Albertsholl in London ein großer Gala-Gagncr-Abend mit Solisten und Chören veranstaltet. Wenn man min aber geglaubt hat, Edwin Gagner werde seinen Beruf an den Nagel hängen—: er denkt gar nicht daran. Er blecht im Amt. Denn er ziehe, so äußerte er sich, das sichere Brot eines Straßen- kehrers der ungewissen Laufbahn eines Künstlers vor. Darüber schmunzelt man in England. Ich, wie gesagt, bin Schriftsteller und mithin auch Künstler—- und ich kann diese Ansicht so komisch nicht finden... zBuch IT aller Xuf: 3)ie gemeinuiilSEigeu täaugeuofleufchaflen*) Auf Grund von statistischem Material und andern, von den Ge- nossenschaften selbst gelieferten Unterlagen hat W. R u f ein sehr brauchbares und übersichtliches Buch über die schweizerischen Bau- genossenschaftcn geschrieben. Di« Schweiz ist viel später als etwa Deutschland zur genossenschaftlichen Selbschilfe im Wohnungswesen für Arbeiter und kleineren Mittelstand vorgeschritten, und einen Ver- gleich mit den gewaltigen Siedlungsbauten des neu«,, Deutschland kann sie schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht aushalten. Was aber dann, namentlich seit dem Kriege, für die arbeitende Klasse ge- schehen ist, namentlich in den drei Großstädten Basel, Zürich und Bern, besitzt einen unleugbaren Vorzug gegenüber den meisten der reichsdeutschen Versuche. Das vierstöckig« Miethaus herrscht eigent- lich nur in Zürich und allenfalls Bern vor: größter Nachdruck wird auf das Einfamilienhaus mit Garten gelegt, was die günstigeren Bodenpreise in der Schweiz auch in viel weiterreichendem Maße als bei uns gestatten. Ist das Schweizer Beispiel auch sür uns nicht ohne weiteres maßgebend, so kann man doch aus dem vor- trefslichcn und mit guten Abbildungen versehenen Buch von Ruf lernen, was genossenschaftlicher und Gemeingeist mit Unterstützung woblwollender Kreise zu leisten vermögen: dank ihnen gibt es heute schon längst ktine Wohnungsnot mehr in der Schweiz. L. F. Schmidt. tTIofes Skeß Heß, der sechs Jahre älter als Marx war, tritt neuerdings in der Geschichtsschreibung des Sozialismus wieder mehr in den Vordergrund. Mit Recht! Sein Werk ist für den wissenschaftlichen Sozialismus äußerst anregend gewesen: namentlich Engels wurde von Moses Heß nachhaltig beeinflußt. Irma Goitein untersucht in *> Zürich, Neuland-Verlag. ihrem Buch„Probleme der Gesellschaft und des Staates bei Moses Heß", Verlag C. L. Hirschfeld, Leipzig 1931, Heß' Verhältnis zu Marx. Ihre Untersuchungen bestätigen, was alle ernsthafte Beschäftigung mit Heß immer ergeben hat: Heß ist nie Marxist gewesen. Immer brach sein stark ethisch willens- mäßig gerichteter Sozialismus durch. Die Verfasserin bringt im An- hang ihres Buches eine Reihe neuer, bisher unveröffentlichter Materialien aus dem Heß-Nachlaß, der im Archiv unserer Partei aufbewahrt wird. Leider läßt I. Goitein jedoch die komplizierte Frage, wieweit Heß an der„Deutschen Ideologie" mitgewirkt hat, völlig ununtersucht. Hier hätte unser Archiomaterial schon einigen Aufschluß geben können. J. P. Mayer. 7ranz MAsssonyi Jtaffeuverrvandtfchafi der 3>onaur>ölker*) Von politischer Rasscnkunde haben wir eigentlich genug. Wäh» rend diese aber in Deutschland dazu benutzt wird, di« jahrhunderte- alte Zwietracht, die Gegensätze zwischen Nord und Süd, zwischen Ost und West wieder aufzureißen, zu vertiefen, die innere Zerrissenheit des deutschen Volkes durch eine angeblich wissenschaftliche Grundlage zu verewigen, ist die Tendenz dieses Buches genau das Gegenteil. Kaszonyi fordert die Vereinigung aller Donauvölker: Magyaren, Slowaken, Kroaten, Serben, Rumänen, Bulgaren auf Grund ihrer gemeinsamen rassischen Grundlage, der mongol-kaukasischen(tauri- schen, turanische») Rasse, die in allen diesen Völkern enthalten seü Ihm kommt es nicht auf die isolierte Reinzüchtung dieser Rassen- elemente an, er faselt nicht wie andere Rassenfanatiker von einem „Untergang der großen Rasse". Für ihn gibt es nicht das„Bluts- bewuhffein", sondern das ,.Wir"-Bewußtfein, das noch zahlreiche andere Faktoren enthält. Kaszonyis„Rasse" ist auch nicht die ,chio- logische" Gruppe, sondern der Typus, den Geschichte, Umwelt. Sozialstufe, Sprache und auch die eigentliche„Rasse" gemeinsam herausgearbeitet haben.— Besonders interessant ist für uns Mittel- europöer der Ueberblick über die uns nahezu unbekannte Mittelalter- liche Geschichte der Donauvölker, die Bedeutung der Hunnen, A waren usw. vr. K. Lewin. •) Amalthea-Verlag, Zürich-Leipzig-Wien. 273 S. Preis geheftet 6 M., gebunden L M. Nr. 382 48. Jahrgang Montag 17. August 1931 Die Urantöngc der Radiotedinlh Zur Grofjen Funkausstellung vom 21. bis 30. ilugust findet in den Ausstellungshallen am kaijerdamm die diesjährige Junkausflelluog statt. Sie wird das Neueste auf dem Gebiete der Radiotechnik bringen. Deshalb wird auch der folgende Aufsatz Interesse bei unseren Lesern und Zunkfreunden finden. Er führt in die Uranfänge der Funktechnik zurück. Es find einige wenige Namen, die sich um die Uranfänge der Radiotechnik, also um die Entstehung dieses großartigen, weit- und menschenverbindenden technischen Begriffs, gruppieren. Der größten einer, die sich auf diesem technischen Gebiet der Menschheit verdient gemacht haben, ist M i ch a e l F a r a d a y, der wohl der größte Forscher und Entdecker aus dem Gebiete der experimentellen Physik gewesen ist. Er wurde am 22. September 1731 in Newington Butts bei London geboren, erlernte das Buch- bindcrhandwerk, bildete sich autodidaktisch und fand endlich in Sir Humphrey Davy einen Gönner, der ihm eine Stellung bei der Royal Society in London verschasfte. 5iier stieg Faraday in wenigen Jahren vom Laboratoriumsgehilfen zu einer der be- deutendsten wissenschaftlichen Persönlichkeiten seiner Zeit empor. Bon dem Physiker O e r st e d stammt die Entdeckung, daß der elektrische Strom durch einen Magnet beeinflußt wird. Faraday begann, diese Entdeckung nachzuprüfen und fand die engen Bc- Ziehungen zwischen Elektrizität und Magnetismus. Ein Landsmann von ihm, der große Engländer James Clerk Maxwell, ist der Mann, der die Faradayschen Phänomene in ihrer wahren Natur klarlegen und das Medium finden konnte, durch das die elektrischen Auswirkungen in den Raum übertragen werden. Anknüpfend an die Schriften und Versuche Faradays stellte Maxwell die Be- hauptung auf, daß sich die Elektrizität durch den gleichen Aether fortpflanzen würde, der auch als Träger der Lichtstrahlen erkannt war, und er kam zu dem Schluß, daß Lichtwellen ebenfalls elektro- magnetische Wellen seien. Es müßte deshalb möglich sein, daß eine andere Art elektromagnetischer Wellen unsichtbar fei, und daß die bei Faraday beobachteten Erscheinungen auf eben diese elektro- magnetischen Wellen zurückzuführen sind. Bekanntlich pflanzt sich das Licht mit einer Geschwindigkeit von 300 000 Kilometern in der Sekunde fort. Hiervon leitete Maxwell die Behauptung ab, daß, wenn die Geschwindigkeit der elektrischen Wellen gemessen werden könnte, die bei den Jnduktionserscheinungen der Faradayschen Ver- suche austreten, sich zeigen würde, daß auch die elektrischen Wellen mit 300 000 Kilometer in der Sekunde durch den Aether eilen. In dem Werk„Elektrizität und Magnetismus", das Maxwell 1873 er- scheinen ließ, entwickelte er diese Ansicht, die leider von ihm experi- mentell nicht nachgeprüft werden konnte, da er bereits im Jahre 1879, 48jährig, starb. Es mußten nunmehr die Maxwellfchen Theorien nachgeprüft werden, und es sollte einem deutschen Professor, Heinrich Hertz, vorbehalten bleiben, deren praktische Bestätigung der Wissenschaft- lichen Welt vorzulegen. Hertz erzeugte elektrische Funken und kleine künstliche Blitze in einem Bersuchsfeld, dem ein sogenannter Resonator gegenüber- gestellt war. Der Resonator bestand aus einem Metallring, der nicht ganz geschlossen war. Wenn nun in dem Sendeapparat Funken erzeugt wurden, so traten winzige kleine Funken in der Lücke des Metallringes auf. Wenn auch dadurch noch nicht bewiesen war, daß Lichtwellen und magnetische Wellen gleich sind(wie Maxwell es behauptet hatte), so zeigten doch die Hertzschen Versuche, daß auch die elektrischen Wellen gleich dem Licht von geeigneten Oberflächen reflektiert werden. Die„Hertzschen Wellen", wie man die neuentdeckten Schwingungserscheinungen nannte, wurden durch die Wissenschaftler der ganzen Welt studiert. Dem Engländer Sir William C r o o k e s gebührt das Verdienst, als erster die elektrischen Wellen zur Weitergabe von Nachrichten benutzt zu haben. Er veröffentlichte im Jahre 18S2 einen Artikel, in dem er die Anwendungsmöglichkeitcn der Faradayschen und Maxwellfchen Theorien umschrieb. Die Auslastungen zeigten, daß er die Nutz- anwendung der Theorie der elektrischen Wellen richtig erkannte. So weil war die Wissenschast der Radiotechnik im Jahre 1896 angelangt. Man konnte elektrische Wellen nach der Hertzschen Methode aus- senden und durch geeignete Vorrichtungen, die als„künstliche Augen" bezeichnet wurden, wieder auffangen. Don ollen Wissen- schaftlern, die sich mit diesen Neucntdeckungen beschäftigen, war jedoch keiner auf den Gedanken gekommen, die Versuche auch prak- tisch durchzuführen. In diesem Entwicklungspunkt trat der Italiener Guglielmo M a r c o n i auf den Plan, der 1896, im Alter von 22 Jahren, fein erstes Patent erhielt, dos eine drahtlose Sende- und Empfangsstation zum Gegenstand hatte. Schon ein Jahr später konnte Marconi über eine Strecke von 6 Kilometer Morsezeichen geben, und Ende des gleichen Jahres ließen sich drahtlos Entfernungen bis 50 Kilometer überbrücken. Nun jagten sich förmlich die Fortschritte auf dem Gebiete der Radiotechnik. Neue Namen, neue Erfinder und Entdecker tauchten auf und führten das Wunder der unsichtbaren elektromagnetischen Wellen zu immer größeren, immer wertvolleren Leistungen im Dienste der Menschheit. Von dem Engländer Sir Oliver L o d g e stammt das Prinzip der Resonanz. Er schuf eine Einrichtung, die es gestattete, nur eine Welle bestimmter Länge und Schwingungszahl auszusenden, wobei die Empfangsstation auf diese Welle abgestimmt war, so daß verschiedenartige Wellenlängen die betreffende Station nicht beein- flussen konnten. Erst durch diese große Entdeckung waren dem drahtlosen Verkehr ungeahnte'Möglichkeiten erschlossen. Marconi, der sich mit Lodge zusammenfand, konnte durch dieses System den Wirkungsgrad seiner Anlage wesentlich steigern. Das Jahr 1906 sah in der Radiotechnik eine weitere sehr wichtige Entwicklungs- stufe durch die Erfindung der Verstärkerlampe. Der amerikanische Radioingenieur D r F o r e st hatte entdeckt, daß durch die Einschaltung eines Gitterwerkes zwischen den Glllhdraht einer elektrischen Lampe eine wesentliche Verstärkung des aufge- nommenen Tones entstand. Durch Hinzufügen einer beliebigen Zahl von Verstärkerlompen konnte man die von der Sendestation herrührenden Zeichen und Töne noch mehr verstärken. Die Eni- deckung der Verstärkerlampe muß als ganz besonders radiotechnische Großtat angesprochen werden? erst durch diese Erfindung tonnte die Radiotechnik ihren großen Aufschwung nehmen. War es doch jetzt erst möglich, unbegrenzte Entfernungen drahtlos zu überbrücken. Wenn auch in dieser kurzen Uebersicht so mancher Name großer Erfinder und Entdecker auf diesem Gebiet keine Erwähnung ge- funden hat, so bleiben doch deren Werke und Entdeckungen mit dem technischen Wunder des Radios für alle Ewigkeit verbunden. Neue Namen und neue Ideen werden weitere, wertvolle, der Menschheit zum Segen dienende technische Erkenntnisse schaffen? sie werden dabei niemals die Namen der großen Pioniere der Radiotechnik, auf deren Forschungsergebnissen sie basieren, vergessen machen können. �Ikreck Nanck. Hingerichtete Insekten Ein elektrischer Stuhl tür Fliegen und Mücken Beträchtliche Aufregung in den Kreisen des fliegenden Ungeziefers dürfte die Nachricht hervorruscn, daß der Mücken-, Fliegen- und Wespenplagc neuerdings auch mit dem elektrischen Strom zu Leibe gegangen wird. Eine Elektrosirma hat sehr wirksame Fang- apparate herausgebracht, die weder die Klebrigkeit, noch die Unappe- titlichkeit der üblichen Fliegenfänger besitzen, unauffällig sind und fast unberechenbar kleine Strommengen verbrauchen. Es handelt sich um zwei verschiedene Apparate, von denen der eine zur Vertilgung von Fliegen und Wespen, der andere zur Ver- nichtung von Stechmücken bestimmt ist. Der Fliegentöter besteht aus einem tastensörmigen Aluminiumkasten mit einem Gitterdeckel aus Isoliermasse, der mit Kupferdraht umwickelt ist. In die Tasche kommt Honig, Zucker oder Obst als Köder? dann wird der Apparat mit der nächsten Steckdose verbunden, und die von dem süßen Geruch angelockten Fliegen sterben, sobald sie den Rahmen be- rühren, eines blitzartigen Todes. Sämtliche stromführenden Teile des Fängers sind durch einen Vorschaltwiderstand gesichert? infolge- dessen ist der Fänger für Menschen vollkommen ungefährlich und daneben auch kurzschlußstcher. Der Stechmückenfänger beruht auf demselben Prinzip? nur � wird statt Zucker das elektrische Licht als Köder benutzt. Der todbringende, kupferdrahtbewickelte Rahmen ist bei diesem Apparat kreisförmig zusammengerollt und wird mittels einer einfachen Vorrichtung an den Schirm der nächsten Glühbirne gehängt. Die Stromentnahme erfolgt aus der Lampenfassung. Eine drittes Modell ist zum Einbau in Moskito- netze bestimmt. Nach Ausschneiden einer entsprechenden Oesfnung in dem Netz wird der Rahmen, der eine Klemmvorrichtung besitzt. in diese Oefsnung gesetzt. Ein besonderer Vorzug der elektrischen Fänger ist die rasche Abtötung der Insekten, die sich an den bisher üblichen Kleberollen stundenlang quälen müssen, außerdem besitzen sie im Gegensatz zu anderen Fangapparaten fast unbegrenzte Lebensdauer. Die l,utt als Isolierstoff beim Häuserbau In der Bauausstellung wurde an verschiedenen Beispielen dar- gestellt, wie die Luft als Jsoliermittel gegen Wärmeoer- lust, gegen Kälte und gegen Schall Verwendung findet. Nach den Ergebnissen der Forschung ist nur ruhende Luft als Isolierstoff ge- eignet, wenn sie in horizontal verlegten Luftkammern eingesperrt ist. Die aufgebauten Leichtwände aus porösen Ziegelsteinen und Platten mit horizontal laufenden Hohlräklmen entsprachen diesen Anfor- dcrungen. Als schlechtes Beispiel sah man eine Außenmauer, 30 Zentimeter stark, zweimal halbstein, mit 6 Zentimeter Luftschicht gemauert, deren Luftraum in der ganzen Stockwerkshöhe durchgeht. Bel diesem System wird durch die Beheizung der Innenräume die Lust erwärmt, sie steigt dann hoch. Bei nächtlicher Abkühlung bildet sich an den Innenseiten der Mauer Schwitzwasser, das herunterläuft und bald zum Faulen der Balkenköpfe führt. Diesem Uebel kann ober abgeholfen werden, wenn man beim Hochmauern in Abständen von je einem halben Meter die Luftschicht mit Mauersteinen dicht abdeckt. Dann ist das Prinzip der horizontal abgesperrten Luft- kammer erfüllt und die 30 Zentimeter starke Außenmauer kann dann als isoliert gelten. Für massive Decken wurden auch verschiedene Baustoffe dar- gestellt, so z. B. gelochte Steine in Ziegel und in Schlacke für Decken mit Eisenträgern und für trägerlose Decken, deren tragendes Element Rundeisen ist. Bei den Trägerdecken muß der Höhenunterschied zwischen Deckenstein und Träger mit Stampfbeton ausgefüllt wer- den, der die Isolierwirkung der porösen, gelochten Deckensteine zum größten Teil beseitigt. Diese Massivdeckcn sind hellhörig und fuß- kalt. Man verwendet sie in Miethäusern meist nur für die Keller- decke. Die notwendige Derbilligung der Baukosten wird ober dazu führen, an Stelle der altmodischen, hellhörigen Balkendecken, mit Staakung, Schüttung, Rohrputz und Holzfußböden in allen Ge- schössen die trägerlose Deck« vorzusehen. Das sind fertige schallsichere und wärmehaltende Decken, die sich um 20 bis 25 Proz. billiger als Balkondecken stellen. Da die trägerlosen Decken je nach Spannung 8 bis 13 Zentimeter schwächer sind als Balkendecken, werden bei einem Großbau Hunderte von Kubikmetern Mauerwerk gespart. Daß alle Fußböden der Wohnung fugenlos sind, ist in hygienischer Hinsicht von größter Bedeutung. I'aul Lstilk-xol, Architekt. Kleineisensammler aus der Landstraße. Jenseits des großen Teiches werden die merkwürdigsten Berufe ausgeübt, die auf den ersten Blick absonderlich erscheinen, bei näherem Zusehen aber den eminent praktischen Blick der Amerikaner für Verdienstmöglichkeiten beweisen. So gibt es dort drüben schon lange den„Magnet-Bill", wie der amerikanische Volksausdruck für die Kleineisensammler auf den Landstraßen lautet, die sich zu ihrer Arbeit eines an einen Stab gebundenen Magnets bedienen. Allerdings war die Arbeit bisher mehr eine Bettelkunst als eine wirklich lohnbringende Beschäftigung. Die wurde sie erst, als man zum maschinellen Absuchen der Land- straßen überging, um die Beschädigungen der Autoreifen zu ver- ringern. So hat ein Magnet-Straßenabsucher oder Nagelklauber, der vom Straßenamt Nord-Dakotoh vor einem halben Jahre in Betrieb gesetzt wurde, in 61 Arbeitstagen 1900 Kilometer befahren und 6300 Kilogramm Eisenteile aufgeklaubt. Das Gerät fährt während der Arbeit mit einer Geschwindigkeit von 10 Kilometer- Stunden und überstreicht einen Streifen von 2,4 Breite. Um eine Landstraße vollkommen abzusuchen, muß sie daher dreimal be- fahren werden. Im Tagesdurchschnitt sucht die Maschine etwa 30 Kilometer Straße ab. Seekabel Deutschland-Dänemark Ein neues Telephonkabel ist kürzlich zwischen Warnemünde und Gjedser verlegt worden Es gestattet, 44 Gespräche gleichzeitig zu führen, ist 89 km lang, 5,5 cm dick und wiegt 12 000 Zentner Die fleckrolle des Kabeldampfers Das Kabel im Lagerraum des Schiffes Der, Landtransport des Kabels Radkampf Deutschland— Frankreich Deutscher Sieg auf der Olympiabahnl 3m Landerkampf Deutschland gegen Zrank- r e i ch, der gestern auf der Olympiabahn zum Auslrag kam, konnten die deutschen Vertreter, Sowoll, Krewer und Dcderichs, einen eindrucksvollen und einwandfreien Sieg gegen die französischen Steher Grassin, Lacquehay und Maronnier herausfahren. Das Resultat: Deutschland 32'A Punkte, Frankreich 18>s Punkte. Mit einer Ehrung der beiden deutschen Meister S a w a l l und Stesses wurde der Renntag eingeleitet. Die mit den schwarzrot- goldenen Trikot- geschmückten und mit Blumen überladenen neuen Meister legten nach einer kurzen Begrüßung durch Walter Rütt eine lebhaft applaudierte Ehrenrunde zurück. Das Steherländertreffen sah zunächst drei Berfol- gungsrennen über je 10 Kilometer vor. Im ersten Lauf trafen Dederichs und Maronnier zusammen. Dederichs fuhr von Beginn an ein flottes Tempo, während Maronnier nur schwer in Fahrt kam. Schnell war die kurze Strecke zurückgelegt, wobei Dederichs 30 Meter gegen Maronnier aufholen konnte. Wesentlich spannender sollte der zweite Lauf vor sich gehen. Stieß doch hier Krewer auf Grassin. Beide Fahrer hielten bis zur 12. Runde die gleiche Distanz. Da stürzte einen Moment später Krewer in voller Fahrt in der Auslauskurve, so daß der Lauf abgeläutet werden mußte. Der zähe Kölner hatte Glück: nach einigen Minuten erhob er sich wieder, humpelte von bannen, um dann später beim 40-Kilo- meter-Lauf, stark bepflastert, wieder zu starten! Der Lauf wurde für Deutschland und Frankreich mit je 1)4 Punkten gleich gewertet. Schließlich das Zusammentreffen Sawall gegen Lacquehay, das Sawall gegen den flott und leicht fahrenden Franzosen gewann. Lacquehay hatte hier 80 Meter verloren. Das Rennen stand nun SA:3Vj für Deutschland. Im ersten 40-Kilomster-Lauf vermochte dann Deutsch- land seinen Punktvorsprung weiter auszudehnen. Beim Start hatte Frankreich die ersten drei Plätze inne. Nachdem Dederichs Lacquehays dritte Position eingenoinmen hatte, ging auch Krewer zum Angriff über, schob sich an Lacquehay, Dederichs und Maronnier vorbei, um aber plötzlich wieder zurückzufallen. Dieser tolle Angriff kostete Krewer viel Platz. Im gleichen Augenblick drehte der an letzter Stelle liegende Sawall auf, nahm Mann für Mann aufs Korn und alle mußten beigeben, ja Krewer und Maronnier büßten je eine Runde ein. In der Spitze führte nun: Sawall vor Grasfin, Dederichs und Lacquehay. Nach einigen Plänkeleien zwischen Dederichs und Lacquehay kam Krewer langsam auf. 1V Runden vor Schluß lag er dann hinter Grassin, um gleich darauf den Franzosen zu passieren. Im zweiten 40-Kilometer-Lauf hatte Krewer die ungünstigste Position. Diesmal war Deutschland auf den ersten drei Plätzen, und zwar in der Reihenfolge Dederichs, Sawall, Krewer. Der Kölner hatte also als erster die französischen Angriffe, die nicht abzureißen schienen, abzuwehren. Abwechselnd gingen Lacquehay und Lrassin gegen Krewer vor, und es war eine Freude, zu sehen, wie der stark bandagierte Fahrer jeden Angriff abwehrte: das wiederholte sich etwa zehnmal. Das Publikum begann bereits zu pfeifen, daß keiner der Deutschen dem Kölner in dieser mißlichen Lage beisprang, bis dann der, der allein dazu in der Lage war, nämlich Sawall, ein glänzendes Tempo anschlug, sich vor Maronnier und gleich darauf vor Grassin und Lacquehay legte, um so Krewer z» decken. Nim waren die Franzosen angriffsmüdc. Krewer, der jetzt eine Atempause hatte, benutzte diese, an Maronnier und Dederichs vor- beizugehen und sich so den zweiten Platz zu sichern. Kurz vor Schluß ging Sawall noch einmal davon, wobei Dederichs überrundet wurde. Mit Blumen und Schleifen, die die deutschen und französischen Nationalfarben trugen, geschmückt, konnten die Sieger und ihre ehr- lichen und tapferen Widersacher unter den Klängen des Deutschland- liebes und der Marsellaise ihre Ehrenrunde absolvieren. In der Revanche der Fliegermeisterschaft wurde der ! Meister Stesses von Engel bezwungen. Einjelecgctmifte: Fliegertrcffe», 1. Lauf: 1.(Engel; 2. Scniljartt'■ Lg. 2. Sauf: 1. Steffcs; 2. OfjmcHa I Lg. 3. Sauf; 1. Engel; 2. Ol'mella% Lg. 4. Sauf: 1. Bern Hardt;"2. Steffes Reifenstärke. 5. Sauf; 1. Bernhardt: 2. Ofzmella)4 Lg. 6. Lauf: 1. Engel; 2. Steffe»'? Lg. 7. Sanf: 1. Engel: 2. Ostmella Reifenstärke; 3. Sleffes Lg-: 4. Bernhardt. 8. Lauf: 1. Steffes; 2. Oszmella% Lg.: 3. Engel V, Lg.; 4. Bernhardt. Scfamt: 1. Enget 13: 2. Steffes U: 3. Ostmella P; 4. Bernhardt 7 Punkte.— Steher. Landerkampf Deutschland— Frankreich, 1. Lauf, 10 Kilpmeter: 1. Dederichs 8; 06,6; 2. Diaron. nier. 2. Lauf: Vrafsin-Krewer abgebrochen. 3. Sauf: 1. Sawall 7: 52: 2. Lac- quehan 80 Meter.— 1.«.Kilonieter-Sauf: 1. Sawall 34: 38,4; 2. Dederichs 240 Meter; 3.(Btaffin 310 Meter: 4. Laeguehan 370 Meter; 3. Krewer 520 Meter; 6. Maronnier 980 Meter gudld.— 2. 40-fliIomctct-Sauf: 1. Sawall 35: 56,2; 2. Dederichs 405 Meter; 3. Laequehap 490 Meter; 4. Grasfin 610 Meter; 5. Ma. romtter 780 Meter; 6. Krewer. Gesamt: Deutschland 32,5, Frankreich 18,5 P. Kuischbach gewinnt„Rund um Berlin" Das klassische Straßenradrennen„Rund um Berlin" hatte auch am Sonntag bei seiner 28. Austragung wieder größtes Jnter- esse ausgelöst, aus der ganzen 240 Kilometer langen Sirecke hatten die Radsportfreunde, teilweise in dichten Kolonnen, Ausstellung ge- nommen. Rund 250 Bundesamateure stellten sich in früher Morgen- stunde dem Starter auf der Heerstraße in der Nähe von Pichels- dorf. Das Rennen der A-Ff a h r e r nahm bis Königswusterhausen einen recht monotonen Verlauf. Im Endkampf griff der Favorit Risch aus letzter Position zu spät an und unterlag um Reisenstärke gegen den überraschend stark gefahrenen K u t s ch b a ch. Die Fahrer der Gruppen L, C und D oereinigten sich schon nach 00 Kilo- meiern, aber in der Hauptkontrolle Erkner bestand die Spitze nur noch aus 20 Fahrern, von denen bis Trebbin weitere zehn zurück- fielen. Vier weitere Bewerber erlangten wieder Anschluß an den Führenden und im Endkampf setzte sich Schröter- Ratingen sieg- reich durch. Das nur über 100 Kilometer führende Rennen der Altersfahrer, in welchem neben 34 Senioren auch ein Mäd- chcn startete, gab dem unverwüstlichen Gustav Schulze- Trebbin Gelegenheit zu einem weiteren„Rund um Bcrliii"-Sieg. Edith Grügmacher fuhr recht wacker und belegte einen guten fünften Platz. Verfassungsspurtfest der Polizei Alljährlich begeht die Berliner Schutzpolizei ihre Derfassungsfeier im Rahmen eines Sportfestes. Die dies- jährige Feier fiel zwar etwas spät, hatte aber trotzdem sehr zahlg reichen Besuch zu oerzeichnen. Die Polizei hatte es sich nicht nehmen lassen, ihr in der Chausseestraße gelegenes Stadion reichlich mit schwarzrotgoldenen Fahnen auszuschmücken. Schon dadurch wurde dem Fest der äußere Rahmen gegeben. Die Masten am Ein- gang in der Chausseestraße trugen einen Trauerflor zum Gedenken an die ermordeten Polizeiangehörigen. Die gebotenen Leistungen fanden den lebhaftesten Beifall der Zuschauer. Als die 200 Polizeibeamten unter den Klängen der Schupokapclle zu den gymnastischen Uebungen einmarschierten, sah es aus, als sollte die Veranstaltung verregnen. Aber bei den Vorführungen, die des öfteren große Heiterkeit auslösten, hatte auch Petrus ein Einsehen. Mit einem Stellbild, in dem die Beamten in riesigen Buchstaben das Wort„S ch ü p o" bildeten, endeten die Uebungen. Bei den leichtathletischen Kämpfen gab es mehrere Ilcbcrrafchungen. Wurden doch teilweise die polizeilichen Höchst- lcistungen überboten und die Meister des Vorjahres in fast allen Konkurrenzen geschlagen. In der 4xlö00-Meter-Staffel konnte die P o l i z c i s ch u l e Brandenburg in der sehr guten Zeit von 17:30,6 Minuten eine beachtliche Leistung erzielen. Das 400-Mcter- Laufen brachte einen Sturz der Höchstleistungen von 60,7 auf 50,5 Sekunden. Im Stabhochsprung erzielte B o n n e t mit 3,73 Meter eine neue Polizeihöchstleistung. Ucberhaupt war Bonnet der erfolgreichste Mehrkämpfer, der auch im Speerwerfen und im Hochsprung an erster Stelle landete. Lebhaftes Interesse rief die große Staffel über 50 x 200 Meter hervor. Bis zum zwanzigsten Wechsel gab es stets harte Kämpfe um die Führung zwischen den Gruppen Mitte und West: doch zog Mitte auf und davon und blieb in der Zeit von 20:38,2 Minuten siegreich. Westen mußte sogar den zweiten Platz noch an Süd abgeben, während Südost von der siegreichen Mannschaft überrundet wurde. Das Handballspiel, das zwischen Spandau und Berlin ausgetragen wurde, endete mit dem Sieg der Spandauer von 11: 3. Dem etwas körperlichen Spiel der Spandauer waren die Berliner nicht gewachsen. Außerdem er- eignete sich in der ersten Hälfte ein bedauerlicher Unfall, bei dem ein Berliner verunglückte. Der Ersatzspieler behinderte seine eigene Mannschaft mehr, als er ihr nützte.— Im nachstehenden bringen wir die Resultate: 4 x 1560.Meter.Sfaffel: 1. Palizefschule Brandenkxieg 17:36,8 Minuten: 2. Gruppe EÄdost, 156 Meter zurllek.— 50.Me!er.Laufen: 1. Miä>el 7,2 Sek. <6,6); 2. Kaufmann 7,2 Set.— lOO-Meter-Saufen: 1. Blestmann 11,4 Sek.(11, 5); 2. Micha! ff i 11.5.— 4«>.Meter.Laufen: 1. Schulz.50,5 Sei.(52,6); 2. Adrai>am 50.0.— 80v.Meter.Laufen: 1. Abraham 2:03.4 Minuten;, 2. Maller 2:05.1.— 200-Meter.Laufen: 1. Blefimann 12,9 Sek.; 2. Michalski 2.3,1.— 110. Dielet. Hiirbenlaufen: 1. Schulge 10,6 Sek.<15,8); 2. Siellnna 16,8.— OOOO.Meter-Lauh'n: 1. Mallflur 8,58 Minuten(außer Ser.ifuttcnj); 2. Buhk 9.06; 3. Brauch 9,21.— 4xlOO.Ddeter.StaffeI filr Patizefaffiziere; l. Mitte 17.2 Set.(47,6); 2. Süd 47,2; 3. West 47,8.— 4x100 Meter für Paiizei.Znllpettianen: I. West 44,4( 44,9); 2. Siegt ig 44,5.— 10 x 200 Meter: 1. Mitte 4:16.8 Minuten: 2. Süd 4:18.5,- Große Staffel 50 x 200 Meter: 1. Mitte 20:38,2 Minuten; 2. Süd; 3. West,— ZOOO-Meter.Mannfchaftslaufeu: 1. Süd 13 Punkte; 2. Südost 12 Punkte.— LX um wiche Staffel: 1. Brande ndura 3:45,6 Minuten; 2. West 3:48,8.— Kugel- stoßen: I. Waelte 13,61 Meter; 2. chaafe 13,23 Meter.— Speerwerfen: 1. Bannet ■53,23 Meter; 2. Soest W,05 Meter.— Kacklfprung: 1. Bannet 1,80 Meter; 2. Pah! 1,75 Meter.— Weitsprung: Kuralua 6,60 Meter; 2. Bannet 6,59 Meter, — Diskuswerfen: 1. Hänchen 42,35 Meier; 2. ron Fmuda 36,85 Meter,— Stabhochsprung: 1. Bannet 3,73 Meter; 2V Saft 3,10 Meter. Ende des Deutschlandfluges Ein Segelflieger als Sieger Der Deutschlandflug ist beendet. Von den neunzehn in Staaken gestarteten Fliegern legten vierzehn den Streckcnflug ordnungsmäßig zurück. Das Wetter war streckenweise sehr schlecht, so daß die von den Fliegern erzielten Leistungen durchaus zufriedenstellend sind. Am Sonntag war die 1186 Kilometer lang« Strecke Stuttgart- München— Wien— Berlin abzufliegen. Reinhold P o ß, der mit civcm beträchtlichen Vorsprung das Rennen geführt hatte, mußte in »Stuttgart aufgeben, weil fein Motor streikte: auch der Pilot Siebe! bekam kurze Zeit nach dem Start Schwierigkeiten und schied aus dem Wettbewerb aus. Da Hagen, Thomfen und Croneiß bereits am eisten Tage das Rennen aufgegeben hatten, standen nur noch vier- zehn Flieger im Wettbewerb, die im Laufe des Nachmittags alle in Tempelhof eintrafen. Zum Empfang der Piloten hatten sich Reichs- verkehrsminister von Guerard, Oberbürgermeister Dr. Sahm, der Präsident des Aero-Clubs und eine nach Taufenden zählenden Menschenmenge eingefunden. Kurz vor 2 Uhr nachmittags kam dcr erste Wettbewerbsteilnehmer in Sicht. Es war Rcichswehrober- leutnant D i n o r t auf Klemm-Argus. dcr um 1,59 Uhr das Zielband überflog und begeistert begrüßt wurde, Dinort, der Inhaber des Douerweltrckords im Segelflug ist, Hot die 2154,6 Kilometer lange Kefomtstrecke in der guten Zeit von 11 Stunden 55 Minuten durch- flogen. Um 2.24 Uhr kam der zweite Sieger Wolf Hlrth in Tempel- Hof an. Seine Leistung ist insofern besonders beachtenswert, als sein Klemm-Eindecker mit einem schwächeren Motor, dem bv-UZ-Hirth- Motor ausgerüstet war. der somit seine erste große Prüfung glänzend bestanden hat. Um den dritten Platz entspann sich unterwegs zwischen Liesel Bach und dem Piloten Kneip ein heftiger Kampf, in dem die Fliegerin unterlag. Sie traf 6 Minuten später al? ihr Kollege in Tcmpclhof ein und mußte sich daher mit dem vierten Platz begnügen. I Ihr folgten um 15.47 Uhr Pilot Weichelt und um 15.59 Uhr Jung- Hanns, dcr bis Wien in der Spitzengruppe gelegen hatte, aber infolge einer Düsenverstopfung Zeit verlor. Den siebenten Platz belegte Schultze-Eckardt, den achten die Pilotin Beinhorn. Die anderen Flieger trafen in folgender Reihen- folge ein: Baumert, Maicr, Bescler, Dcsfner, Dudcnhausen und Osterkamp. Boxkämpfe in Magdeburg „LF. 04" in großer Form Ein brechend volles Haus hatte zum Wochenende dcr Sportklub Vorwärts in Magdeburg- Sudenburg fei seinem Mann- schaftsboxkampf Berlin-Magdeburg. Von Berlin startete die Boxmannschaft der Sportlichen Vereinigung Lichtcnberg-Jriedrichs- felde, die wohl als einzige Berliner Boxmannschaft seit ihrem kurzen Bestehen jede Woche im Reiche gekämpft hat. Im Fliegengewicht bezog Glogcr-Berlin von dem mit Uebergewicht antretenden Frank II-Magdcburg eine Punktniederlage. Bantamgewicht: Henneberg-Berlin und Liwowski-Mogdeburg zeigten in der 1. Runde einen technisch hochwertigen Komps, der den Berliner im Vorteil sah, dann aber legte dcr Olympiadevertreter mächtig los und Henneberg konnte das Tempo nickit mehr mitholten, in der 3. Runde stoppte der Ringrichter wohl etwas übereilt den Kampf zugunsten Liwowfkis. Federgewicht: Berndt-Berlin und Gellert-Magdeburg trennen sich mit einem unentschiedenem Er- gebnis. Auch im Leichtgewicht hotte Kröning-Berlin mehr vom Kampf, mußte sich aber mit Franke 1-Magdeburg die Punkts teilen. Weltergewicht: Schröter-Berlin bekommt ebenfalls nur ein Unentschieden gegen Schwarzseld-Magdeburg. Mittelgewicht: Molinfki-Berlin und Kiel-Magdeburg kämpfen ungemein hart, I bleiben aber im Rahmen des Erlaubten, auch sie erhalten ein Un- j entschieden. Halbschwergewicht: Reimers-Berlin legt sich mächtig ins Zeug und kann Roeske-Magdeburg nach Punkten beo siegen. Im Schwergewicht gab es eine große Ueberraschung: dcr Berliner Sandmann hatte seinen Gegner Gerßmann-Magdeburg in der 1. Runde durch einen genauen Rechten auf das Kinn schwer zu Boden geschlagen. Bei Beginn der 2. Runde machte es der Magdeburger genau so, nur siel der Berliner unglücklich auf dcu Kopf und konnte sich nicht mehr erheben. Derhner Boxkämpfe Im Ring der V o ck b r a u e r e i gab es außerordentlich harten und interessanten Sport. Leider verunglückte der Hamptkamps insofern, als dem Belgier Saercns in der 6. Rund« ein Tief«. schlag unterlief, so daß er zugunsten von 5)ans Wieser- Bochum disqualifiziert werden mußte. In den beiden ersten Runden mußte Wiefcr den Boden aufsuchen, blieb seinem Gegner ober für die Folge nichts schuldig und landete sogar in der 4. und 5. Rund« wiederholt mit Wirkung. Als ein verbissener und zäher Kämpfer zeigte sich einmal mehr der Hammer Halbschwergewichtler Otto Hölzl, der durch unermüdliche Angriffe und variiertes Schlag- repertoire einen klaren Punklerfolg über den Berliner Paul Vogel davontrug. Fritz R e p p e l- Herne und Darwin Meergrün- Berlin trennten sich nach spannendem Kampfe unentschieden, das gleiche Ergebnis hatte das matte Treffen zwischen den beiden Berlinern Erwin Volkmar und Rudolf Boguhn. Horst Riege- Berlin kam dank eines Uebergewichts von mehr als 12 Pfund zu einem knappen Erfolge über seinen Landsmann Fortmonn. ILlemer Sport von überall Arbeiler-Wasierballfpiele. Die für Freitag und Sonnabend vorgesehenen Seriensplele zwischen Hellas I und Weißenfee und Eharlottenburg und Lichtenberg fielen zugunsten der Jubiläums- Veranstaltung"des ASV.„Neptun" Weißenfee aus, an der die meisten Spieler der genannten Mannschaften beteiligt waren. Die Spiele werden in Kürze nachgeholt, da noch vor Ende des Monats die diesjährige Serie erledigt sein muß. Schöne Autos in Swincmünde. Bei prächtigem Sommerwetteb nahm das Auto-Schönheitstournier des ADAC in Swinemünde am Sonntag einen glanzvollen Verlauf. Zu der gleichzeiiig ausge- schrieben«» Strahlcnfahrt waren nicht weniger als 99 Wagen und 36 Motorräder gestartet. Der Sonderpreis für den schönsten Wagen bis zum Preise von 5Q00 Mark wurde einem Stöwer-Frontantrieb zugesprochen. Mit je vier ersten Preisen waren Mercedes-Benz uüd Stoewer am crsolgreichsten. Stoewer erhielt außerdem noch sechs zweite und einen dritten, Mercedes-Benz fünf zweite und zwei dritte Preise. Weiterhin wurden Austro-Daimler und NAG. mit je drei goldenen Medaillen bedacht, während Sleyr und Röhr je einen ersten Preis erhielten. 20. Deutsche Rudermeislerschasten. Auf der Grünauer Regatta� strecke wurde am Sonntag zum 20. Male die Mcisterschaftsregatta des Deutschen Ruderverbandes ausgeführt. Meister wurden: Im Vierer ohne Steuermann Mannheimer Rudervcrein Amicitia: im Eiiier Buhtz(Berliner Ruderclub): im Vierer mit Steuermann Berliner Ruderclub: im Riemenzweier Triidn-Wien: im Doppelzweier Ber- liner Ruderclub und im Achter Mannheinier Rudervcrein Amicitia. Wcllkamps englischer und Zehlendorfer Schüler. Englische Schüler, die den vorjährigen Besuch der Zehlendorfer Obcrrealschüler in Wallasey bei Liverpool erwiderten, beteiligten sich auch an dem zu ihren Ehren veranstalteten Sommcrfest und traten in Wettkanips im Schwimmen und im 100- und 1000-Metsr-Louf. Da die Eng- ländcr bei der Zluswahl ihrer Schüler auf die sportliche Ausbildung keine Rücksicht genommen hatten, so schnitten sie nicht so gut ab, wie es erwartet wurde. Im 5Y-Meter-Freistilschwinimeii war Mr. Ed- wards in 32,4 Sekunden Sieger vor Zehlcndorf(45 Sekunden). Im 100-Mcter-Lauf siegte Hollc-Zchlendorf in 12 Sekunden und ließ Mr. Haper mit Brustweite hinter sich. 1000 Meter war für die Engländer wohl eine ungewohnte Strecke: sie belegten den 3, und 4. Platz. In einem Rugbyspiel zeigten sich die Engländer in einem Wcrbespicl als ttichtige Lallfpicler. Zeltsladi am Heidesee In der Nähe von Gröben darf,\A Wegstunden von Königs- Wusterhausen entfernt, zeigt sich ein kleiner See in idyllischer Loge dem Wanderer. Nach vor wenigen Jahren herrschte hier große Ein- samkeit. Dcr Eigentümer, ein Bauer, fand für das Grundstück keine Verwendungsmöglichkeit. Da kam die Berliner Ortsgruppe dek „Naturfreunde" auf einen glücklichen Gedanken: Sie erwarb das Grundstück, und so entstand hier ein ideales Freikörper- kulturgelände. Jetzt in den Hochsommertagen reiht sich Zelt an Zelt, und nicht nur Naturfreunde, auch Mitglieder anderer sozial» demokratischer Organisationen, vor allem Rote Falten, Mitglieder dcr Sozialistischen Arbeiterjugend und Sportler pflegen hier ständig ihr Lager auszuschlagen. Viele Familien verbringen ihre Ferien am „H e i d c s c c". wie er getauft wurde. Es ist ein Ausflugsziel vieler Freikörperkultur treibender Berliner Parteigenossen geschossen worden.