Ur. 141. Erscheint täglich außer Montag». Preis pränumerando: Viertel- jährlich 3,30 Marl,»lonatlich I.iv Mr., wöchentlich 33 Psg. frei in'« HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntage-Nummer mit tllustr, Sonntags-Beilage„Neue Welt" iv PI». Post-Abonnement: 3,3v Ml. pro Quartal. Unter Kreuz- dand: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn 3 M., sür daS übrige Ausland 3 Ml. pr. Monat. Eingetr. i» der Post- ZeilungS- Preisliste sür ISSS unter Nr. 1»17. 13. Jahrg. JnsertionS-Sebilhr beträgt sür die fünsgespaltene Petttzetle oder deren Raunt 40 Pf., sür BereinS- und BerfammluiigS- Anzeige» 3v Psg. Inserate sür die nächste Nummer inüfse» bis t Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, a» Sonn- und Festlagen bis« Uhr vormittags geöfsnet. Fernsprecher: Amt l, Ur. 1508 Eelegramm-Adress«: „Koiinidemolirat Uerlin". Verlmer Volksblalt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, MeutH-Straße 2. Freitag» den 19. Juni 1896. Spedition: SW. 19, Menth-Straße 3. Die LvÄheungsfeAge und die SozialdemoUeakie. teute kann die Sozialdemokratie sich nicht mehr mit arlegung allgemeiner ökonomischer Probleme, mit der Erläuterung ihres Programms und einer allgemeinen Kritik der bürgerlichen Gesellschaft begnügen. Ihre starke Ver- breitung im Lande, ihre Machtstellung in den Parlamenten zwingt sie nalurgemäß Stellung zu nehmen zu den Tages- fragen. Früher hat man so manche Streitfrage der bürget lichen Parteien in unseren Reihen kurz damit erledigt, daß man sie als einen Hausstreit der Bourgeoisie bezeichnete, in den einzugreifen für die Sozialdemokratie nicht von Nöthen sei. Zu diesen Fragen gehörte auch die Währungs frage. Man ließ meist die bürgerlichen Parteien, die Bam- berger, Barth, Arendt und Kardorff darüber unter sich streiten und that so, als kümmerte uns die Sache nichts. Nur selten griff ein Vertreter der Sozialdemokratie, so z. B. die Abgg. Auer und Schoenlank, in die Tebatte ein. Auch unsere Presse widmete der Frage ihre Auf- merksamkeit nicht, und während die wissenschaftliche und Parteiliteratur über die Währungsfrage zu mächtigen, das Studium derselben mehr erschwerenden als er- leichternden Bibliotheken anwuchs, besaß die sozial demokratische Literatur, abgesehen von gelegentlichen Bemerkungen, wie im Kapital von Karl Marx, nichts, woraus man sich über die Stellung der Sozialdemokratie zur Währungsfrage orientiren konnte. Das Bednrfniß nach einer solchen Schrift ist aber ein immer größeres geworden. Bei dem großen Interesse, mit dein in unseren Reihen die Verhandlungen der parlamentarischen Körperschaften verfolgt werden, bei der Energie, mit der die agrarischen Interessenten für die Umwandlung unserer freilich immer noch nidjt ganz durchgeführten, weil mit einem Ballast von ca. 400 Millionen Mark in Thalern beschwerten Goldwährung«intraten und bei dem Eiser, mit dem die Vertreter des Handels- und Leihkapitals sich sür die Erhaltung unserer Goldwährung einsetzten, frugen sich unsere Genossen immer wieder, weshalb diese so erregten Kämpfe geführt werden, welche wirthschaftlichen Interessen den im Phrasennebcl verhüllten Reden für und gegen eine Aenderung der Wäh rung zu gründe liegen und wodurch die Stellung unserer Partei bedingt werde. Bei der außerordent- lichen Komplizirtheit der Währungsfrage war es böchste Zeit, daß endlich aus diese Fragen eine gründliche Antwort gegeben wurve. Leicht war diese Aufgabe nicht, denn die Währungsfrage ist nur bei genauer Kenntniß der weltwirthschaftlichen Zusammenhänge und ihrer Entwiche- lung, bei klarer Erkenntniß der Jnteressenstandpnnkte der wirthschaftlichen Parteirichtungen, bei einer vollkommenen Erfassung der Gesetze der Geld- und Krcditwirthschast möglich. Es giebt freilich wenige nationalökonomische Gebiete, auf denen das Dilctlantenthum sich so breit macht, SklAvenkeben im klaMifchen Alkerthum. 11. Die Sklaven Alt- Roms. Die rauhe Soldatennation der Römer verfuhr mit ihren Sklaven weniger menschlich als die harnionischer gestimmte» Hellenen. Wenn Euripides und Alexis, ei» Autor von Dramen der miitlereu attischen Komödie, den Sklaven sozusagen auch für einen Menschen erklärten, so fragt der Satiriker Roms, allerdings durch den Mund einer seiner dargestellten Personen: Ist denn der Sklave ein Mensch? William Blair sagt darum in seinem Buche über die Sklaverei bei de» Römern, sie sei„in ihrem Wirkungskreise ausgedehnter und in ihren Einzelheiten systematischer Herausgearbeitetgewese». Eine Milderung aber lag in dem rechtlich geordneten Freilassungswesen, das das Juristenvolk der Römer in gewissem Bezüge die Griechen überflügeln ließ. Auch bei den Römern haben jedenfalls in ältester Zeit, wo die Nation noch ihren bäuerlichen Charakter bewahrte und der freie Landbebauer auch persönlich Hand anlegte bei aller Arbeit, wo man noch nicht gewöhnt war, sich in allen Stücken bedienen zu lassen, wie später bei steigendem Reichthum und luxuriöser, weichlich bequemer Lebensführung, mildere Sitten geherrscht. Anders wurde die Sache, wenn der Großgrundbesitzer, dessen Ländereie» in der Provinz lagen, nicht selbst dort, sondern in der amüsanten Hauptstadt wohnte. Da zerfiel sein ganzer Sklavenstand naturgemäß in zwei Theile, in die auf dem Lande bleibenden und die, welche er um sich hatte in der Stadl zur Hausarbeit und Bedienung. Die letztere Klasse hatte es gemeinlich besser, es galt als Gunst, beim Herrn zu fein, von der Familie verbannt, von dem Etadtgesinde aufs Land geschickt zu werden, galt als Strafdegradation. Schwerer war draußen auf den Villen die Arbeit, härter die Behandlung. In ihre Gelasse(srxaZtuIa) »ingeschlossen, nicht selten angekettet, schlechter beköstigt wie im Stadthanse des Herrn, war der Landsklave der eigentliche Paria der Sklaven RomS. Freilich konnte sich bei einem launischen, grausamen Ge- bieter auch das Verhältuiß umkehren und das Sprichwort sich bewähren: Weit davon ist gut vorm Schuß. >als gerade die Währungsfrage. Nirgends wird so gewissenlos nachgebetet und abgeschrieben wie hier, nirgends wird so leichtfertig mit unrichtigen Zahlen und unbeweisbaren Behauptungen gearbeitet, wie bei dieser Frage. Desto erfreulicher ist es, daß die von unserer Partei ausgehende Darstellung:„Di e Wä h r u n g s- frage und die Sozialdemokratie"*) trotz ihres geringen Umfanges und ihrer Gemeinverständlichkeit als eine sehr ernste und gründliche Arbeit aufs wärmste empfohlen werden kann. Ueber den Inhalt der Schrift giebt am besten die Anführung der Ueberschriften der Haupt- kapitel Aufschluß: l. Die Währuugsumwälzuugen seit 1ö70.— II. Die alten Silbermassen im Heuligen Münzumlauf.— III. Die Lage der deutschen Silberproduklion.— Das Schwanken des Silberprcises und der Handel zwischen Gold- und Silberländern.— IV. Die vermeintliche Begüiistignng der Silberländer durch das Sinken des Silbers.— V. Die Berlegenheiten der britisch-indischen Ver- waltung.— VI. Goldmangel und Wirthschaftskrisen.— VIl. Die Ursachen der Silberentwerthnng. Daher Geldentwerthung und allgemeine Preissteigerung bei freier Silberprägnng.— VIII. Die Interessen bei der bimetallistischen Agitation. Die Araeiter- seindlichkeit dieser Bestrebungen.— In den ersten sieben Kapiteln seiner Schrift hat Schippe! gezeigt, ... daß alle Befürchtungen der Bimetallisten entweder ganz gegen- standslos oder doch maßlos übertrieben sind: daß von einer Ge- sährdnng unseres Münzsystems durch die Reste der alten Silberwährung kaum zu sprechen sei, daß die konnnerziellen Folgen der Valutaschwankungen zwischen Gold- und Silberländern gewöhnlich überschätzt werden, daß der sinkende Geldwerth zwar vorübergehend der Ausfuhr der Silberländer den Vortheil einer Exportprämie gewähren könne, aus der anderen Seite jedoch deui wirthschaftlichen Auf- schwung derselbe» Gebiete die schwersten Hemmnisse bereiten müsse, sodaß die behauptete allgemeine Verschiebung in de» Weltmarktsbeziehungeu zu Ungunsten der höher entwickelten Goldländer ebenfalls in das Reich der schillernden bimetallisti- schen Fabel und Phrase gehört. Weiter zeigte er, welches Maß von interessirtem Unverstand dazu gehört, die Preisbewegungen der letzten Jahrzehnte und die— bald über längere, bald über kürzere Zeiträume sich er- streckenden— Krisenpreise nicht aus dem innersten Wesen des kapitalistischen Fortschrittes, sondern aus den äußerliche» Zu- fälligkeiten der Edelmetall-Zufuhr erklären zu wollen. Schippel's Betrachtung der Umwälzungen in der Silber produklion zeigt, daß eine jähe Geldentwerthung bevorsteht, wenn durch die unbeschränkte, freie Prägung des weißen Metalls jeder Unterschied in dem Werthniveau des Silbergeldes und des Barreir silbers unterdrückt würde. Gerade diese Geldentwerthung und die daraus mit Natur nothwendigkeit folgende Inflation(Aufblähung)'*) aller Preise *) Eine gemeinfaßliche Darstellung der wirthschaftlichen Zu- stände und Kämpfe von Max Schippet. 64 S. S. 8«. Berlin 1896. Buchhandlung Vorwärts. ") Jnflalionisten nennt man in den Vereinigten Staaten die- jenigcn Geldreformer, die eine künstliche Herabsetzung des Geld- werthes durch Vermehrung der Geldmittel erstreben. Von schlechten Herren werden uns Beispiele von rohen Aus- schreitnngen genug berichtet. Einfache Püffe, Ruthen- und Stock- hiebe, Geißelung mit Lederlnuten, wie mit Drahtpeitschen mit Bleikugeln sind üblich und werden von besonderen dazu bestimmten Kollege» der Sklaven, den llorurii genannten Knutmeislern vollzogen. Gerichtliche Zeugenvernehmung von Sklaven war stets mit der Folter verbunden. Eine ganz ge- bräuchliche Strafart war die mit der Gabel(furca), einem langen, mehr oder weniger schweren Balken oder Stamm, der sich gabelte und dem Sklaven in den Nacken gelegt wurde, wobei die Arme an die beide» Zinken oder Gabel- ballen angebunden wurden; damit ließ man ihn stehen oder Tage lang herumlaufen, natürlich meist noch mit der Zulost von Prügeln. Die Todesstrafo der Sklaven mar die Kreuzigung, die freilich ganz anders vor sich ging, als sie in der christlichen Kunst seit Jahrhunderten dargestellt wird. Dem Todeskandidaten wurde ein gerader Balken in den Nacken gelegt, der putibulum hieß, daran wurden links und rechts die Arme angebunden oder mit Nägeln, die man durch den Handteller trieb, angehestet. So wurde der Sträflling zur Richtstätte geführt, wo schon ein Standpfahl(sbixs) aufgerichtet war. An diesem ward der zu Kreuzigende eniporgezogen und dessen Füße an den Stamm angebunden oder angenagelt. Nun erst war das Kreuz(arux) fertig. Gewiß wurde auch Christus in dieser Weise gerichtet. Darum konnte Simon von Kyrene auf dem Gang Christi zur Richtstätte gar nicht dessen„Kreuz" aufgelegt bekommen, wie es in der Bibel(Lucas 23, 26) berichtet wird. sondern nur den Querbalken, de» der Todeskandidat gewöhnlich selbst zur Richtstätte zu schleppen hatte. Die Kreuztragung Christi, wie sie Dürer u. a., die Kreuzaufrichtung, wie sie etwa Rubens darstellt, indem das mit deni Delinquenten benagelte Kreuz zum Stand gebracht wird— sind sicher historisch falsche Darstellungen, die letztere Handlung an sich schon niechanisch unwahrscheinlich, weil unzweckmäßig. An diesem Kreuze ließ man den Sklaven allmälig vergehen an Hunger und Durst; ein Lanzeustoß, wie der Kriegsknecht Longinus dem Christus einen versetzt haben soll nach der Legende, wäre dann gewiß mehr eine Wohlthat als eine Verschärfung der Qual gewesen, wenn er tödtlich wirkte. An den Mißhandlungen der Sklaven betheiligte sich auch i streben freilich die Doppelwährungsmänner in erster Linie an- Gerade unter diesem Zeichen hoffe» sie zu siegen. Denn selbst in den Vereinigten Staaten, in denen die Silberminen- Besitzer des Westens politisch ähnlich einflußreich sind wie bei uns die Kartoffelbrenner des Ostens— überall würden die Bimetallisten ein kleines Hänslein geblieben sein, wenn sie lediglich dem Er- zeugniß der Silbergruben einen lohnenderen Absatz versprochen hätten. Die Währungsänderung gehört heute zu den großen Mitteln aller agrarische» Programme; aus dem Lkontinent und selbst in England, der Heimath der Goldwährung, schaaren sich die agrarischen Haufen immer dichter und tumultuarischer um diese Forderung. Beim Grundbesitz wird bekanntlich jeder dauernde Preissturz dadurch noch besonders verbängnißvoll, daß Massen von alten Schulden(oder von alten Pachtverbindlichkeilen) aus der Zeit der höheren Produktenpreise fortbestehen. Die Schuldzinsen laufen in der ehemaligen Höhe weiter, während der Grundbesitzer seine Eiunahnien zu immer winzigeren Beträgen zusammenschrumpfen sieht; von seine» gesunkenen Einnahmen wird so ein immer größerer Bruchtheil von außenstehenden Dritten im voraus in Beschlag genomnien. Einer der vielen unlösbaren Gegensätze der kapitalistischen Gesellschaftsordnung kommt so zeitweilig in heftigen Krisen zum Ausbruch. Treffend faßt Schippe! den Jnteressenstandpunkt der nothleidenden Landwirthe und der Arbeiter zu der Forde- rung eines der agrarischen Allheilmittel, des Ueberganges zur Doppelwährung, in folgenden Sätzen zusammen: Es handelt sich da um eine Hilfe nicht für die Produktion- sondern für den kapitalschwachen, dauernd doch konkurrenzunfähigen Unternehmer, der schon bei der Gutsübernahme drei Viertel des Gutes an Miterben und Vorbesitzer verpfändete und der schon keinen Pfennig mehr zur Verfügung hat, wenn das Produziren erst seinen Anfang nehmen soll. Diese unhaltbaren Existenzen künstlich einen Augenblick über Wasser zu heben, um sie dann um so sicherer dem Ertrinken zu überliefern— diese scheußlichen llebergangszustäude von der alten ländlichen Familien- Natural- wirthschafl zur kapitalistischen Unternehmung auch nur einen Augenblick länger zu konserviren, dazu könnls sich die Sozial- demokralie auch durch die größte Sympathie für„Schuldsklaven" und„Schwache" nie und nimmermehr verleiten lassen. Sie kann es in» vorliegenden Falle um so weniger, als der vorübergehende Nutzen für die Heuligen landwirthschaftlichen Be- sitzer nur zu erkaufen wäre mit einer dauernden Herabdrückung in der Lebenshaltung der besitzlosen Lohnarbeiter. Jeder Ruf »ach Preisausblähung muß die Lohnarbeiterklasse zum Widerstand unter die Waffen rufen, weil der Geldlvh» stets nur mühsam und stockend jeder abnormen Vertheuerung des Lebensunterhaltes nachrückt, weil also eine Periode des künstliche» allgemeinen Preisausschlages sür das Proletariat in einer dauernden Ver- elenduug enden muß. Nachdem Schippe! den Standpunkt der Nordamerika- nischcn Farmer und einiger englischer Textilarbeiter-Gewerk- schaftcn dargelegt hat, die für die Doppelwährung eintreten, und die von den Arendt und Kardorff unter bewußter Ver- keunung der vollständig verschiedenen Uutevlagen ihrer Stellungnahme den deutschen Arbeiter» immer wieder als die einsichtigen, verständigen und das Währunysproblem richtig erfassenden Arbeiter vorgeführt werde», schließt er seine allen Parteigenosscil auf's wärmste zu genauem Studium das„zarte" Geschlecht, wie wir das in den alten Schriftstellern öfters belegt finden. Namentlich hatten die unfreien Kammer- zofen und Helferinnen der vornehmen Damen bei der Toilette ein jammervolles Dasein bei eitle», gefallsüchtigen und dabei reizbaren, jähzornige» Herrinnen. Wenn Kaiser Hadrian höchstselbst einschreitend eine Dame der höfische» Gesell- schast auf 5 Jahre in die Verbannung schickt,„weil sie aus den nichtigsten Anlässen Mägde aufs grausamste behandelt hatte", so muß man recht ausgesuchte Mißhandlungen voraussetzen. Puffe, Ohrseigen, Bisse, Stiche mit Stadeln in Arnie und Brüste werden öfters als Begleitszenen bei der Toilette vornehmer Damen bei lyrischen und satirischen Dichtern berichtet. Der minneselige Ovid rühmt es an seiner Geliebten auS- drücklich, daß sie während seiner Besuche nie- mals ihrer Kamuursklavi» etwas an den Kopf geworfen oder ihr mit Nadeln die Arme blutig gestochen habe. In seinem Lehr» buch der Liebe empfiehlt er den Damen, ivelche den Liebhabern gefallen wollen, sich besagter Quälereien ihrer Dienerinnen, als Zerkratzen des Gesichts mit den Nägel», Stechen mit Nadeln in Arme und Brüste, so daß die Sklavinnen blutrünstig herum- laufen, zu enthalten. Eine besonders widrige Strafe war für Sklavinnen da? Fesseln an einen schweren Kübelklotz, den sie längere Zeit, Tage. vielleicht noch länger mit sich herumschleppen mußten. Unser» Quellen berichten, daß diese grausame und ekelhafte Strafe von jnngvcrheiratheten Damen der Aristokratie besonders gern solchen Sklavinnen zudiklirt wurde, welche vorher den Lüsten de? Herrn Gemahls gedient halten. Von den Scheußlichkeiten der Viehmenschen, welche zuweilen den römischen Kaiserthron schändeten, sträubt sich die Feder. nachzuschreiben, was Sueton u. a. berichten auch bezüglich der Sklavenbehandlung. Daß bei so bewandten Verhaltnissen zahlreiche Sklaven zur Flucht griffen(zuweilen auch wegen ungenügender Kost), ist nur zu einleuchtend. In welchem Umfange dies geschah, erhellt aus der Thaisache, daß sich ein eigenes Gewerbe von Leuten, welche entflohene Sklaven aufspürten und wieder zu ihren Herren brachten, das Gewerbe der Ifugitivsm ausbildete, welchen Namen wir etwa mit SklavendeKkliv übersetzen könne». Der Flucht suchte man entgegenzuarbeiten, indem man de» Sklaven 5u empfehlende Arbeit mit den folgenden trefflichen Aus- siihruugen: Demi selbst dc>s Verkmlteu der englischen Textilorgonisationen als berechtigt vorausgesetzt: iv o h a b e n iv i r in Deutsch- l a n d d i e starken Gewerkschaften, die allein die erreichte Höhe der Lebenshaltung der Älrbeiter bei st eigen den Preisen ivahren könnten? Sind unsere armen H a u s i n d n st r i e l l e n thatsachlich in der Lage. in große Lohnkämpfe niil Aussicht ans Erfolg einzutreten? Ist den l a n d w i r t h s ch a f t l i ch e n Tagelöhnern, ist den Insten und Gefindepersonen in Preußen nicht heute noch jeder gemeinsame Lohnkampf gesetzlich verwehrt? Laufen nicht gerade die nächste» politischen Freunde unserer bimetallistischeu Führer fortgesetzt Sturm gegen da sbi scheu Koalitionsfreiheil selbst der gewerblichen Arbeiter? Wenn nicht einmal in Hamburg, der gewerkschaftlich am mächtigsten dastehende» deutschen Stadt, die Lebens- vertheuerung, die der Zollanschluß mit sich brachte, weit gemacht werden konnte durch eine allgemeine Lohnbewegung, wie sollen gerade die Aermsten der Armen, die fast immer auch in ihren Koalitionen am hilflosesten und schwächsten sein werde», einer weiteren Auspowerung und Aushungerung bei steigenden Preisen sich entziehen können? Auch als Steuerzahler würden sie gar bald neue, schwere Aderlässe erdulden müssen. Das Reich, die Einzelstaaten, die Gemeinden müßten ausnahmslos ihre Einnahmen rasch ver- wehren, weil ihre Ausgaben rapid steigen würden; alle Waaren, die sie verwenden, alle Lieferungen, die sie ausschreiben, würden sich in größeren Geldsummen ausdrücken; alle Beamten und An- gestellten müßten, wenn sie nicht auf eine kümmerlichere Existenz herabgebracht werden sollen, eine wesentliche GeHalls- und Ein- kommeuserhohung erfahren. Nur solche Ausgaben wie die An- leihezinsen würden in ihrem Geldbetrage nicht zu wachsen brauchen. Dagegen würden nur wenige Einnahmen mit der allgemeinen Preissteigerung von selber sich erhöhen: so die aus dem Verkauf der fiskalischen Kohlen und Erze, der Hölzer ans den staatlichen Forsten. Die Tarife der Eisendahnen und Posten, die Zölle an der Grenze, die Auflagen im Innern auf den Massenverbrauch, die Stempel und Gebühren der Behörden, sie alle müßten ohne Aus nähme krampfhast emporgefchraubl werden, um die öffentlichen Einnahmen mit den Ausgaben wieder in das alte Gleichgeivicht zu setzen. Steuerzahler und Finanzmini st er müßten einer solchen Zukunft mit gleichem Grauen enkgegeit sehen. Diesem unberechenbaren Würfelspiel um Einkommen und Lebenshaltung, dieser schließlich unabwendbaren Schuiälerung ihrer Lebe nsiv eise sollen die Millionen hartArbeirender ausgesetzt werden die ans Lohn und Gehalt angeiviesen sind Zu gunsten einer Schicht Besitzender, deren Verlegenheiten doch nur momentan etwas erleichtert werden würden, während das den Umlauf überfüllende, fortgesetzt sich entwerthende„silberne Papier" zu immer neuen Krisen im Geldwesen, zu immer neuen Störungen aller wirthfchafllichen Beziehungen führen müßte? Wenn einst Daniel Webster, der amerikanische Staatsmann äußerte: das Papiergeld sei die w i r k s a in st e Erfindung »i m der Reichen Felder zu düngen ni i t d e in Schweiße der Armen— so trifft das in gleicher Weise für eine jede im Wertste sinkende Metall währnng zu, wie sie die Bimetallisten eingestandenermaßen mit der Freigabe der Silberprägunge» erstrebe». Die deutsche Arbeiterklasse und ihre poli tische Vertretung, die Sozialdemokratie, wird darum in den e n t b r a n n t e n W ä H r u n g s k ä m p s e n immer auf der Seit« der Goldwährung zu finden sein. Dolitifche Nebevflrckzk, Berlin, 13. Juni. Im Reichstag fand heute an erster Stelle die Juter- pellalion der Antisemiten und Konservativen wegen der Vorgänge zwischen dem Telegraphenbeamten Kaiser und dem englischen Zeitungs-Korrespondcnten Bashford ihre Erledigung. Ueber das Renkontre zwischen den beiden Herren sind unsere Leser unterrichtet. Daß der Fall thatsachlich mehr Aufsehen erregt hat, als er in Wirklichkeit verdient, erklärt sich ans dem Umstände, daß dieses Mal von der sonst all gemein geübten Praxis abgegangen ist, den Uebelthäter vor den Kadi zu schleppen und dort für eine exemplarische Be- strafung zu sorgen, sondern daß man sich seitens der Post behörden damit begnügte, die Sache auf privatem Wege zum Anstrag zu bringen, und zwar in einer Form, bei der beide betheiligten Theile zu ihrem Rechte kamen. Diese einfache und verständige Schlichtung eines solchen Falles ist bei uns im Deutschen Reiche, wo jede Nacht wächter-Beleidigung als eine Haupt- und Staatsaktion be- handelt wird, ein so unerhörter Vorgang, daß es begreiflich erscheint, wieso sich an denselben die wunderlichsten Gerüchte anknüpfen konnten. Halsringe anlegte mit Inschriften wie folgende:„Halte»uch weil ich flüchtig bin, und führe mich zu N. N. in der X strnße/ Natürlich war das die Adresse des Herrn, dem der Sklave gehörte. Auch von Maueranschlägen mit dem Signalement entlaufener Sklaven wird uns berichtet. Daneben hören wir auch, daß Sklaven, welche in bestimmten Tempeln eine Zufluchtsstätte gesucht hatten, von den Behörde» an andere Herren verkauft wurden. Tacitus erzählt sogar von einem Recht der Sklaven, sich über Grausamkeiten ihrer Herren zu beschweren, wie auch die ältere Zeit den Zensoren die Be- fugniß gab. Sklavenmißhanblnngen zu rügen und mit Strafe» zu ahnden. Von der oben schon erwähnten Zulassung der Sklaven als Zeugen ist zu bemerken, daß sie sich aus ganz bestimmte Kriminalfülle beschränkte als Testaments-Uiilerschlaguug, Falsch- münzerei und Majestätsverbrechen. Bei letzterem Vergehen duldeten„gute" Kaiser, wie Trajan, Nerva, Pertinax aus Ab- Neigung gegen das Foltern die Sllavenzeugeuschaft nicht. Beispiele von leutseliger Behandlung der Sklaven fehlen glücklichenveise und zur Ehre der menschlichen Natur dock auch nicht. Bekannt ist das sreundschaftliche Berhältniß des großen Redners, aber politischen Waschlappens Marcus Tullius Cicero zu seinent wohlunterrichteten, geschickten Sklaven Tiro. Humane Herrschasten setzten sogar verstorbene Sklaven in ihren Familienbegräbniffen bei. Gute Behandlung bei Lebzeilen aber hatte ihren Hauptgrund in dem daraus erwachsenden Nutzen des Herrn. Machte Krankheit und Alter die Erhaltung aber unrentabel, so folgte man dem guten Rath des Cato, daß man abgetriebene kranke Ochsen und Sklaven bei Zeiten verkaufen solle. Was die Kost anlangt, sei nur ein häßlicher Zug erwähnt. Da man auch in sehr vornehmer Gesellschaft bei Tafel viel mit Fingern und Händen arbeitete, mußte man etivas haben, was die Dienste unserer Servietten leistete. Das war ein Stück Backleig. in dem man die Finger abrieb und abwischte. Wenn nun abgetragen wurde, gab mau diese Mappae oder Servietten den Sklaven zu essen. Den Revers der Medaille bildet die Notiz, daß ein vornebmer Römer seine Muränen, den Aalen verwandte Fische, die als Delikatesse gern gegessen wurden, mit Sklaven fütterte! Wir Haren keine Ursache uns darüber allzu sehr zn entsetzen, denn bekanntlich sind unsere Tafelkrebse ebenfalls Aasfresser. Von unserer indirekten wirlhschaftliche» Menschen- jrefferei wollen wir gar nicht reden. Der Interpellant Liebermann von Souneuberg war nun ganz der geeignete Mann, den Ausrufer für diese Ge rüchte zu machen, und noch etliche Uebertreibungen aus eigenem dazu zu thuu. Ter Gencrai-Postmeister führte dann, durch Tarstellnng des wirklichen Sachverbaltes, diese Uebertreibungen auf ihren wahren Werth zurück und dabei geschah das noch nicht Dagewesene, daß der Postleiter sogar zugab, daß der Postbeamte unrecht hatte und Bashford unnütz gereizt habe. Herr Kaiser mag sich in Zukunft vor sehen und seine schlechte Laune nur mehr an Reichs angchörigen anslaffcn, den Engländern gegenüber aber sich stets erinnern, daß diese in solchen Dingen keinen Spaß verstehen. Der Antrag auf Besprechung der Interpellation wurde mit allen gegen die Stimmen der Interpellanten ab gelehnt. Der Fall war durch Rede und Gegenrede klar gestellt und Herr Liebermann hatte außerdem für seine Begründung eine Form gewählt, die es auch der Linken unmöglich machte, fiir die Besprechung zu stimmen. Andern falls wäre wohl aus unseren Reihen das Ersuchen an den Eeneral-Postmeister gestellt worden, in Zukunft dafür Sorge zu tragen, daß auch die deutschen Reichsbürger nach den Grundsätzen behandelt werden möchten, welche man dem Engländer Bashford gegenüber zur Anwendung ge bracht hat. Ter zweite Punkt der Tagesordnung, ein Antrag des Grafen Arnim, die Pfandbriefe der landschaftlichen Kredit- institute von der Reichsbank unter den gleichen Bedingungen zu lombardiren, wie die Reicksanleihen, führte zu einer ungemein scharfen Auseinandersetzung zwischen dem Direktor der Reichsbant, Dr. Koch, und den Agrariern. Die letzteren sehen nicht ohne Grund in Herrn Koch den Hauptgcgncr ihrer münzpolitischcn Pläne und sie ver- folgen ihn deshalb mit der ganzen Wuth, deren agrarische Habsucht fähig ist. Herr Dr. Koch ist sich ander seils der Werthschätzung, welche er bei den Agrariern g* nießt, vollständig bewußt und er ist der Mann, der es ver- steht, auf einen Schelmen anderthalbe zu setzen. Daß Graf Mirbach, dieser Liebermann von Sonnenberg in Glacee, Herrn Dr. Barth wieder einmal vor versammeltem Hause forderte, mag nur zur Illustration dafür dienen, wie die Rechte den Ton des Hanfes herunter bringt. Schließlich wurde der Antrag Arnim in namentlicher Abstimmung mit 112 gegen 72 Stimmen abgelehnt. Das Haus war also wieder nicht beschlußfähig. Morgen 11 Uhr vormittags zweite Lesung des Bürger lichen Gesetzbuches.— Im preußische« Abgcordnetcnhallsc kam es am Donners- lag bei der Beralhung der Teukschrüt betr. das Bernstein- Monopol zu einer interessanten Erörterung über den kürzlich stattgefundeuen Prozeß Becker- Stantren. Tie Konservativen empiahlen, um ähnliche Vorkommnisse, wie sie in diesem Prozeß zu läge getreten sind, für die Znlunft zu verhindern, Abänderung der Regalordnuug und sielllen eine wettere Verfolgung dieser Frage für die nächste Session in Aussicht. Eine äußerst scharfe Krilik an dem Verhallen des Kommerzienraths Becker, der das Monopol in unverantwortlicher, unlauterer und eigennütziger Weise ausgenutzt habe, übte Abg. Krause(natl.), der zugleich der Regierung den Vorwurf machte, daß sie die Firma zu wohlwollend behandelt habe. Der Landwirthschaftsminister Frhr. v. H a m m e r st e i n nahm in seiner Erwiderung die Firma Stanlien u. Becker i» Schutz und wies auf die großen Vorlheile hin. die dem Staat aus dem Verlrage erwachsen sind. Obgleich der Minister das Hans ersuchte, keine Kritik an dem Prozeß zu üben, da das gerichtliche Versahren noch nicht definitiv abgeschlossen sei. erklärte er doch. er begreife nicht, wie das Gericht zn der Ansicht gekommen fei, daß der Angeklagte West phal, der pflichttreue Beamte„besudelt" habe, in WaKriiehnuing berechtigter Interessen gehandelt habe. Nach weiterer unwesent licher Debatte wurde die Denkschrift durch Keiuitiiißnahme für erledigt erklärt. Außerdeui nahtn das Haus noch in � dritter Lesung den Gesetzentwurf, bctr. Aufheb niig der Hypo thekenämter im Eeltnngsbezirke des rheinische» Rechts an und erledigte mehrere Petitionen. Am Freilag stehen nur Petttionen aus der Tagesordnung.— DaS Herrenhans erledigte am Lonnersiag eine Reihe von Petitionen und erklärte sodann den Bericht über die Verwendung der vom Staat bereit gehaltenen Fonds von S Millionen zur Förderung des Baues von Kleinbahnen durch Kenntuiß- nahine für erledigt. Hierauf bereiteten sich die Herren Agrarier, tu» ihrer Gewohnheit nicht untreu zn werden, noch kurz vor Schluß der Session eine kleine Freude durch Annahme des An- träges des Grasen von Stolberg- Wer nigerode betr. das Verbot der Einfuhr russischer Schweine nach Oberschlesien„zur Verhiudertuig der Eiuschleppuug von Viehseuchen" und beireffend Ermäßigung der Eiseubahiiftachd Herren ihre Sklaven nur andere Hausthiere. Das englische Philosoph Hume Sklaverei die Fruchtbarkeit Wo nahmen die römischen her? Sie züchteten sie wie genügte aber nicht. Schon der machte die Bemerkung, daß die beeinträchtige. Znuächit bekam man als Beute im Kriege Sklaven, die man meist gleich im Lager zu gunften des EinsängerS, vielleicht auch zu giinsteii der Kriegskasse unter der Lanze— sud hasta, daher das Fremdwort Siibhastalion!— versteigerte. Eine Lanze wurde in eine Wand oder einen Stamm gestoßen und der Sklave oder anderes Gut darunter gestellt und zuni Verkauf ausgerufen. Als die Beutesklaven nicht mehr dem Bednrfniß ge- nügtcn, kam ein schwunghafter Menschenhandel auf, dessen Unter- nehmer ihre Waare von Seeräubern und geschäftsmäßigen Menschenjägern bezogen, oder beide Funktionen in ihren ehrenirertheu Personen vereinigten. ES entwickelte sich eine regelrechte Sklaveueinfuhr ans Afrika, Spanien. Gallien und Deutschland, besonders ans Asien, Bilhynien, Galalien Eappadocien und Syrien. Diese Einfuhr unterlag auch bestimmten Zollsätzen. Auch die freien Römer konnten Sklaven werden. Nach ältestem römischen Recht konnte jeder Vater sein Kind, jeder Gläubiger seinen Schuldner trans Tiberirn d. h. nach jenseits des Tiderfluffes verkansen. Auch als gesetzliche Strase stand auf gewisse Verbrechen die Versklavung, meist Verurlheiiung zur Arbeit in fiskalischen Steinbrüchen oder Bergwerken. Das waren dann sorvi public!, d. i. Staatseigenthmns-Sklaven. Von den verschiedenen Arbeiten der Sklaven, zn denen sie besonders abgerichtet wurden,— auch zu qualifizirten Arbeiten, Wissenschaften und Künsten,— wollen wir nicht eingehend handeln; erwähnt sei nur die Bächersabrik des Atlicus, deS vornehmen Freundes des Redners Cicero. Die Zahl der Sklaven in Rom war so groß, daß ein Vor- chlng, sie durch eine besondere Tracht zu kennzeichnen, als zu gefährlich, keine Annahme fand. Ebenso wenig können wir uns hier weder mit den Sklaven- Verschwörungen und-Aufständen befassen noch mit den Gründen der Beseitigung der Sklaverei, welch' letztere wir an anderer Stelle untersucht haben. Bemerkt sei nur, daß die Arbeitsorganisation mit der Grundlage der Sklaverei erst 'chwand, als durch den Diocleliaiiischen Staatssozialismus, tveiin wir so sagen dürfen, und durch das Colonat hindurch an stelle der Sklaverei die Hörigkeit trat. sätze für die Einfuhr von Schweinen aus den preußischen Ostsee- Provinzen nach dem oberschlesischen Jndnstriebezirke. Der Landwirth- schaslsniinister Frhr. v. Hammerstein gab die entgegeukommende Erklärung ab, daß die betreffenden Staffeltarife um 50 pCl, ermäßigt würden und daß die Regierung wegen der großen Seuchengefahr von ihrer Befugniß Gebrauch machen und all- m ä l i g eine vollständige Sperre herbeiführen werde. Durch ein plötzliches Einsuhrverbol würde, wie ein früheres Experiment beweist, ein» erhebliche Vertheuerung deS Echweiiiefieisches eintreten. Die arme schlesische Bevölkerung hat also wenigstens den einen Trost, daß diese Vertheuerung ihres wichtigsten Nahrungs- mittels zu gunsten der ostelbischen Junker nicht auf einmal über sie hereinbricht, sondern daß sie die Möglichkeit behält, sich all- inälig an die theueren Preise zu gewöhnen.— Am Freitag stehen kleine Vorlagen und Petitionen auf der Tagesordnung.— Ei» sonderbares Wahlbündnift ist es, das in Halle zur Ausstellung des Dr. Alexander Meyer geführt hat. Seit Jahren befehdet sich die freisinnige Voltsparlei auf das heftigste mit der sreisiunigen Vereinigung und der nationalliberalen Partei und erst jüngst stießen Herr Richter und Herr Richert erbittert zusammen, als es int Reichstage zur Berathung der Neuformation der vierten Bataillone kam. Waren doch Herr Richert und seine Freunde die begeisterten Verlheidiger der Caprivi'schen Militärvorlage und werden nach allem, was man an ihnen erlebt hat, auch stels als Hilfstruppe für die Turchdrückuna einer neuen Militärvortage zu haben sein— mit vielem liberalen Phrasengeklingel natürlich, aber das ändert nichts an der Thatsache. Die bewährten Caprivi'schen werden auch für Hohenlohe und Bronsart durch Dick und Dünn gehen. Und mitten in kleiner, aber erlesener Gesell- schaft schiebt auch stets Alexander Meyer seinen behäbigen Tambourmajorsleib einher. Jetzt aber, da schon wieber neue Militär- und Marineforderunge« an unserem ewig bewölkten Horizonte drohen, wollen die Anhänger der freisinnigen Volkspartet in Halle dem militär- und marinefrominen Alexander Meyer in den Reichstag verhelfen? Das zeugt doch von einer derartigen Verwaschenheit und Verworren« heit, daß man wirklich nicht begreift, weshalb denn das Parteitiscktuch zwischen den beiden freisinnigen Fraktionen entzwei geschnitten wurde.— Das französische Ministerium Meline besteht nur von Reaklions Gnaden. Seine Majorität liegt außerhalb der republikanischen Parteien. Zllle Feinde der Republik, iiamcntltch die Pfaffen, gewähren ihm ihre Unter- siützniig. Und wenn diese Herren etwas geben, dann thun sie es nur nach dem Grundsatz des cko ut clsz— ich gebe, damit D u gicbst, wobei sie mit der Wurst nach der Speckjeile werfen. Die Herren Pfaffen, die in der Person des Grafen Mun am Montag deni Ministerium christlichen Beistand leisteten, haben auf die Rechnung nicht lange warten lassen: sie fordern„größere Freiheit für die Kirche". Und das Ministcrinnt hat sich denn auch nicht hartherzig gezeigt. Seit Psingsten finden überall in Frankreich öffentliche Prozessionen statt, was seit Jahren — außer am Frohnleichnamstag— nicht gestattet war. Und auch in anderen Dingen zeigt das Ministerium sich den Pfaffen sehr willfährig. Das wird ihm freilich nichts nutzen. Es hat so schwache Füße, und auf schlüpfrigem Boden so viele Steine des Anstoßes vor seinen schlotternden Füßen, daß jede Kammerabstimmung den Sturz bringen kann. An eine Auflösung der französischen Kammer laubt man beiläufig in Paris nicht. Und zwar ans dem infachen, jedoch sehr triftigen Grund, daß nach dem nberein« stimmenden Urtheil s ä m in t l i ch e r Parteien die einzige Partei, welche bei einer Neuwahl zu gewinnen hat, die sozialdemokratische ist.— Allen Anstand und alleö Urtheil verliert die.Vossische Zeitung", fobnid von ihrem TriSpi und dessen Schandthaien die Rede ist. Gestern schimpfle sie wie«in Rohrsperling, daß da? italienische Kriegsgericht den armen Buratieri nicht geopfert hat, um den Hauptschulbigeii an der Katastrophe von Adua wieder zu Ehren zn bringen. Und heute schimpft sie ebenso roh.spayeu- niüßtg über Menelik, der die Italiener„höhnisch behandle." Wir dächten, niemals sei ein Feind, der aus frivolster Er- oberungssucht ins Land eingebrochen ist, von dem Sieger ritier- lichlr und großiuülhiger behandelt worden, als die Italiener von Menelik, der wiederholt von seiner Fähigkeit, italienische Truppen- obiheilimgen und schließlich den ganzen Rest der italieniscye» Armee zu vernichten, keinen Gebrauch gemacht hat, so daß thalsächlich die noch in Afrika befindlichen Slreilkräsle der Italiener Menelik ihre Existenz verdanken. Und das soll«in» höhnische Behandlung" sein? Freilich, Menelik läuft den italienischen Unterhändlern nicht nach, sondern läßt sie zu sich kommen— und das ist sein Ver- brechen in den Augen der zartfühlenden Tanle Boß. Nebrigens istder Friedensschluß zwischen Italien und Abessyuien gewiß.— Tie südtvestafrikanischen Wirre« sind beigelegt— bis ans weiteres. Nach einem vom Auswärtigen Amte ver- breiteten Telegramm des kaiserlichen Landeshauptmanns Major L e n t w e i n vom 2V. Mai wurde K a h i m e m a und der ganze Khauas-Stamm gefangen, Nico- demus hat sich freiwillig gestellt. Der Krieg ist vorläufig beendigt. Hoffentlich verschont man uns aber mit Stegeshymnen über deutsche„Heldenthaten" gegen Hottentotten und Hereros.— Das Gerichtsverfahren gegen Eingeborene in den Kolonien. Die Enlhülluugen über das Treiben der asrikanischen Kolonialroivdies Leist, Wehl an und PeterS hat wenigstens den einen Erfolg gebabt, die Kolonialverivaltungen zu einer weitergehendercn Rücksicht gegen die Neger zu ver- anlassen, als wie bisher üblich gewesen ist. So hat der Goiiverneur Wißmann vor seiner Abreise aus Ostafrika noch einen Gouveriiemeiitsbefehl betreffend das Gerichts- verfahren gegen Eingeborene ergeben lassen. Er 'chließt sich direkt an die veröffentlichte kaiserliche Verordunng vom LS. Februar d. I. und die Verfügung des Reichskanzlers vom 27. Februar an und verfügt, daß in allen Fällen, ivortu in dem — einem europäischen Beamten geleiteten Gerichtsverfahren gegen Eingeborene, ohne Unterschied, ob es sich um einen Zivil oder Strafprozeß handelt, zur Herbeiführung von Geständnissen und Aussagen andere Mittel als die nach den deutschen Prozeß» ordnuitgen zugelassenen Maßnahmen angewendet oder außerordent» liche, insbesondere bloße Verdachtsstrasen verbäugt worden sind, in Geinäßheil der Z§ 343 und 345 des Strasgesetzdnches tut» nachsichtlich vorgegangen werden muß. Geständnisse von?ln geklagte n oder Auslagen von Zeugen dürfen nicht durch unzulässige Maßnahmen, wie Körper st rasen, erpreßt und Strafen nur ver» hängt werden, wenn der Richter von der Schuld des Angeklagten überzeugt ist. Auf den bloßen Ver- dacht hin sind Sirafen ausgeschlossen.'Außerordentliche Strafen lud sowohl solche, die bezüglich des Slrasgrundes. als auch solche, die bezüglich der Art tind Weise der VoUstrecknug weder in den Gesetzen und Verordnungen, noch nach der für das G-richlsverf ahren zulässigen Uebnng vorgesehs» sind. Cchllmm genug ist es, dah deutschen Vcnuiten die En- Pressung von Geständnissen und Zeugenaussagen überhaupt»och untersagt werden mußte.— »«> Tcntsches Reich. — DerBundesrath erlheilie in seiner heutigen Sitzung dem Tutwurf eines Börsengesetzes nach de» Bescblüssen des Reicks- tages die Zustiimnung. Ebenso wurde der Vorlage belresfeud die Ausprägung von Kronen und den Beschlüssen des Landes- ausschusses zu dem Entwurf eines Gesetzes für Elsaß-Lothringen über die Wahlen der Miiglieder der Bezirksvertrelnugen und Kreisvertrelungen die Zustimmung ertheilt.— — Der Eutivurf eines neuen Handelsgesetz- buchs nebst Denischrist. aufpestelll im R-icks-Justizanir, ist», amtlicher Ausgabe soeben im Berlage von I. Gultenlag, Berlin, erschienen.— — Im Wahlkreise Schwetz findet die Ersatzwahl zum Reickstage am Tonnerstag, den LS. d. M. statt. Als Kandidat der sozialdemoiratiscken Partei wurde der Buchdruckerei- besitzer Konstantin Janiszeweki-Berlin von den dortige» Genossen ausgestellt.— — Austritt aus der nationalliberalen Partei. Dem Vernehmen der„Post" nach ist der Abgeordnete ReicksgerichlSrath a. D. Haacke auS der uationalliberalen Fraktion des Abgeordnelenhauses ausgetreten.— — DU Erziehung der christlich-sozialen Geistlich en zur gebührenden Unterthänigkeit und zur Abkehr von aller politischen Agitatioil wird mit Eifer von den berufene» Behörden sortgesetzt. So veröffentlicht jetzt der Präsident des Oberkircheuralhs Dr. B a r k h a u s e n den Wortlant der brief- lichen Anleitung, die er einem Oberpsarrer Lorenz in Weisen- fels gegeben hat. Danach sollen die Psarrer wohl mit allerhand Wohlsahrtseinrichtungen sich befassen. Aber, heißt es: „Der Wortlaut des Erlasses des Oberkirchenraths läßt deutlich erkennen, daß er sich gegen die sozialpolitische Agitation richtet. Nur soweit der eine oder andere Ardeiterverein sich mit sozialpolitischer Agitation befassen sollte, könnte derselbe durch die den evangelischen Geistlichen ertheilte Abmahnuiig von der Betheillgung an solchem Treiben betroffen werden." Und schließlick heißt es:„Inwieweit Ew. Hochehrwürden nach vor- stehender Rtchligstelluug Veranlassung haben, den dortigen Arbeiter- vereinen, deren Ziel und Organisation mir nicht bekannt ist, Ihre bisherige Theilnahnie zu entziehen, muß ich Ihrer gewissen- hasle» Prüfung und Beurtheilung überlassen. Sie werden sich dabei bernußl bleiben müssen, daß die von Jbne» als „s oz i a Ip olitische Sch u l u n g" bezeichnete Thätigkeit zu den A ll s g a b e n des g e i st l i ch e n Zimtes»licht gehört und daß der Diener der Kirche auch im außcramtlichen Leben und bei Ausübung seiner staatsbürgerlichen Rechte sich vor Schädigung seiner Berufsthätizkeit in der Gemeinde zu hüten, insbesondere zu vermeiden hat, durch Parleinahme für oder gegen eine einzelne Klasse der Gesellschaft das Vertraue» in Gefahr zu bringen, dessen er bei allen seine» Gemeindeglicdeut bedarf." Das heißt auf gut deulsch: Du darfst»vohl den gesellschaft- lichen Pelz waschen, aber mache ihn ja nicht naß!— — Der Prozeß gegen Assessor Wehlan. Gegen das am 7 Januar d. I. von der Potsdamer Dikziplinarkammer gegen den stellvertretenden Kanzler von Kamerun, Assessor Wehlan, geiällle Urtheil, das über de» Angeklagten wegen Dienstvergehens zur allgemeinsten Ueberraschlnig nur Versetzrnig in ein anderes Amt unter Beibehaltung der gleichen Rangstufe und eine Geldstrafe von SOO M. verhängte, war bekanntlich von dem vom Ansivärtige» Amte in der Zlngelegenheit bestelllen-Staats- anwalt Leaationsralh Rose Berufung eingelegt worden. In- folge dessen»vird die Angelegenheit vor dem kaiserlichen Disziplinarhof beim Reichsgericht zur Verhandlung kommen. Der kaiserliche Disziplinarhof tritt,»vie das„Leipziger Tageblatt" mittheilt, vorauesichtlich in der e r st e n H ä l s t e d e s M o n a t s Juli zu diesem Zwecke zusammen.— — Ein Seitenstück zum„Fall Zech" hat sich in R a t i b o r ereignet. Wie die„Breslauer Zeitung" mittheilt, wollte sich dort ei» zur Uebung einberusener Vizefeld, vebel N. an einem Tanz betheiligen, durch»velchen der Radfahrer- Verein„Wanderer" das Fest seiner Banneriveihe in Hausmann's Etablissement beschloß,»vnrde jedoch abgeiviese». Der Vizefeld- »vebel begab sich nun sofort zur Hauplwache, requirirte da- selbst zwei mit Gewehr b e»v a f s n e t e Soldaten und drang ,n i l diesen in den Saal, um den Herrn, der ihm das Mittanzen verboten hatte, zu verhaften. Glücklicher- »vcise»var ein Offizier des dortigen Bataillons, bei welchem der Vizefeld, vebel seine Uebung absolvirt, anwesend und veranlaßie den Ruhehtrer, sich mit de» von ihm reqnirirten Mannschaste» zu entfernen.— Eine solche Verirrring des schneidige» Vizefeldwebels erklärt sich wohl aus der Ueberhevung, die in der Brust vieler solcher Jünglinge platzgreifl, wenn sie sich als die Elite der Nation im Waffen- rock preise» böre». Da wittern sie natürlich in der Zurück- Weisung vom Tanze eine ihrer eigenen und der Ehre de» Herr- lichen Kriegsheeres angethane Schmach, die nur durch Re- quirirung der bewaffneten Macht gegen das Zivilpack gesühnt werden kann.— — Di« Beschlagnahme der„Ulm er Zeitung", die wir gemeldet, ist wieder aufgehoben worden, da sich der Herr Justizmiuistcr v. Fader nicht beleidigt gefühlt hat durch den iukriminirteu Artikel, und somit auch keine» Strafanlrag stellte. — Die G e m e i n d e w a b l e n in Elsaß-Lothringen. Tie erste Wahlschlacht ist geschlagen und mit Ehren ist die Sozialdemokratie aus diesem Kampfe hervorgegangen. Zwar hat sie i» diesem erste» Wahlgauge nur einen ihrer Kandidaten zum Mandat verholfen, aber die Zahl ihrer Stimmen ist so bedeutend ge- wachsen, daß alle drei bürgerlichen Parteien im Elsaß sich z» einem Orduungsbrei vereinige» müssen,»m der Svzialdeniokralie gegen- über ihren Bestand zu behaupte». Wehmüthig sagt die„Straß- burger Post" vo» dem Wahlreiultat in Mülhausen, daß die Sozialdemokratie in dieser Stadt die größte Stimmenzahl auf sich vereinigt hätte und wenn die Parteien der Ordnung nicht alles aufböten und sich zu eirieui Konipromiß vereinigten, dann werde am nächste» Sonntag bei der Stichwahl ein« sozialdemokratische Gemeindebehörde gewählt. Diese Befürchtiliig des gouverrie- mentalen Blattes ist durchaus berechtigt, denn während auf einen sozialdemokratische» Kandidaten rn»d 4000 abgegeben wurde», brachten es die Kandidaten der bürgertichen Parteien kaum auf 3000 Stimmen. Ucberall, von Sl. Ludwig bis hinunter an die lolhri»gisch.fra»zösische Grenze, wo die Sozialdemokratie sich an dem Wahlkampfe belheiligte, Halle sie einen bc- deutenden Stimmenzuwachs zu verzeichnen. Die Saat ist herrlich aufgegangen, trotz der so schneidigen preußisch- deutsche» Bureaukratie. In allen Landgenieiiiden weist die Sozialdemokratie erhebliche Minoritäien auf, in St. Ludwig wurden auf die sozialdemokratische Liste 75 von 260 Stimmen abgegeben. Daß es in einem Militärstaate wie Deutschland ohne Aufbietung von Soldaten nicht immer abgeht, ist eigentlich selbst- verständlich, doch richtete sich diesinal der„militärische Schutz" nicht gegen die Sozialdeinokralie, sonder» gegen sonst ganz harmlose Land- leute in der Gemeinde Rosenau bei Basel. Der dortige Bürgermeister lebt« mit seiner Gemeinde seil längerer Zeit schon im Streit, der nun bei der Wahl in aller Heftigkeit aufloderte; Drohliligen sollen gegen ihn gesalle» sein. Ter Bedrohte wendete sich a» die Kreisdireklion um Sckutz und diese sprang ihm mit LS Mann Infanterie bei. Ueber die sonst so friedliche Gemeinde ist nun ganz plötzlich der Belagerungszustand verhängt worden; die Ausbietung des Militärs war ganz überflüssig, denn bis heute ist noch nicht die geringste Ausschreitung vorgekommen, wohl aber ist der Bürgermeister mit großer Majorität w e g g e w ä h l t worden. Da konnten ihm auch die Soldaten nicht Helsen. Die Verwaltung der Reickskaude sorgt durch ihr bekanntes Ans- treten wider Willen dafür, daß die reichsländischcn Bewohner sich immer mehr vo» den bürgerliche» Parteien ab und der Sozialdemokratie zuwende». Das hat uns der letzte Sonntag recht denllick gezeigt, er ist als«i» Ehrentag in der Geschichte der elsässischen Arbeiterbewegung zu verzeichnen. — A n s dem Elsaß»vird uns geschrieben: Ein sozialdemokratischer Geheil» biinds-Prozeß in Sicht. Gegen die Tdeilnehmer an der Landeskonferenz der elsässischen Sozialdemokraten ist seitens der Siraßdurger Staats- amvaltschaft die Untersuchung wegen Tdeilnahine a» einer ge- beimeu Verbindiiiig bezrv.geheinienVer>amuilung eingeleitet worden. Ter Leiter der Konserenz, Genosse Vöhle-Straßburg, ist bereits vor dem Untersnchuugsrrchier vernommen ivorde». Man ver- laugt von ihm die noch nicht bekannten Nainen der übrige» Theiluehmer. Was mir dieser Untersuchniig bezweckt werde» soll? Tie Konierenz war eine sogenannte„Raunion privee", zu der die einzelnen Theiluehmer persönlich und schriftlich ein- geladen waren, was nach den Laridesacsetzen zulässig ist und keiner polizeiliche» Anmetdnng bedarf. Es soll wohl eine zweite Auflage des Prozesses Auer geben? — Die Reichstags-Nachwahl in Schlettstadt soll am S. Juli stattfinden.— Schweiz. — Das Bnndes-Bankgesetz wurde auch vom Ständeralh angenommen.— Frankreich. Paris, 18. Jmri. Ter beute im Elise« abgehaltene Ministerrath beschloß, vor dem Auseinandergehe» des Parlaments eine Vorlage eiliznbringen zum Schutze der neuerdings durch die Gesetzgeb ring verschiedener Länder bedrohten Interessen der Zuckerindirstrie. Ferner beschloß der Ministerralh infolge der über die letzten Frohnleichnams-Umziige angestellten Untersuchung, den Erzbischof von Cambrai wegen Amtsverletzung vor dem Staalsralhe zu delaiigcn und die Au-zahl»iig der Gehälter jeuer Geistlichen aus- zusetzen, welche trotz des vo» den Bürgermeistern erlassenen Ver- bots an den Umzügen theilgenommen habe».— — Mini st er Barthou bestätigte den Beschluß des Pariser Stadtraths nicht, de» aussländigeu Porzellauarbeitern von Limoges 10 0(X) Fr. zuzuwenden. Dafür dürfe» die Pariser Stenerzabler für die Opier des Moskauer Krönungssestes durch ihre Gemeindevertretung Geld beivillige».— England. London, 18. Juni. Nach amtlicher Mittheilung»vird der Prozeß gegen Ja meson nicht vor dem L0. Juli verhandelt iverde». Tie Verhandlung wird vor dem Obersten Gerichtshof statlfinden.— Nnffland. — Merkwürdige N a ck r i ck t e n kommen aus S t. Petersburg. Dem Molff'schcn Telegraphenbnreau gehen nicht ans den üblichen osfiziösen Quellen, sondern wie es aus- drücklich bemerkt, von Privatkorre>pondcnleri folgende Nachrichten aus der Hauptstadt des rnssische» Reiches z»: Einige Tage vor der Krönung fanden in einzelnen Fabriken St. Petersburg? Zlrbeitseinstelluiigeii statt. Denselben wurde jedoch zunächst größere Bedeutnng nicht beigelegt. AU- mälig nahmen die Arbeilseiiisiellungc» an Umfang zu. Die Streikbewegung machte mehr ii»d mehr den Ein- druck der s o r g f ä l t i g st e n B o r b e r e i t u u g und b c st e r O r g a ii i s a l i o». Die Polizei richtete nilnuiehr ihr Augen- merk auf die Vorgänge. Es wurden auch zahlreiche, unter der Arbeiierbevölkeruiig zur Verlheilnng gelangte Ausrufe zur Nieder- legung der Arbeit, Fordetung höherer Löhne und allgemeiner Aufvefferung der Veryälluifse der arbeitenden Klasse ausgcfttnden und konsiszrrl. Dieselben sind in russischer Sprache verfaßt und von der„Vereinigung zum Schutze der Interessen der A r b e i t e r b e v ö l k e r u n g Rußlands" unterzeichnet. Obgleich die Behörden alleMaßregeln ergriffen hatten.dieBeivegnng einztidämmen, streikten in der vergaugeiien Woche die Arbeiter noch mehrerer anderer großer Fabriken. Seit dem 13. d. M. b e s i n d e n s i ch d i e A r b e i t e r der meisten große« und größeren Fabriken Petersburgs im Aus- st a n d. Die Arbeiter- und F a b r i k b e v ö l k e r u n g ver- hält sich vollständig ruhig und verlangt nur Er- höh un g des Tage loh n es und allgemeine Auf- b e s s e r u n g i h r e r L a g e, besonders in sanitärer Beziehung. Ilm aber dem Ausbruch etwaiger Uu- ruhen vorzubeugen, haben sich die Behörden eutschloffe». in de» hanptsächltch von Arbeitern bewohnten Staditheilen. in denen sich auch die Fabriken befinden, Truppeupikets auszustellen, die Geiidaniicrte und die Polizeiuianit- schaften zu verstärken, Fetterwebrkoiumandos bereit zu halten und Kosakeuvalroiiillen durch die Straßen reiten zu laffett. Vorläufig ist tem Grund zn ernsteren Befnrchttittgeit. I n den von Fabrikarbeitern nicht bewohnten Stadt- t Heileu ist von der ganzen Bewegung überhaupt nichts zu bemerke n. Tei»„Berliner Tngeblalt" gehen über diese Vorgänge folgende Mitideilungeii zu: „Am vergiiiigeuen Freitag ertönt«« von der Peter-Pauls- Festung her in kurze» Zwischeuräunren zehn Kauoiienschüsse, aber die wenigsten in unserer Resioenz bauen eine Atmung davon, daß dieses Schießen ein Signal für das im Lager von Krosnoje Sselo kouzentrirte Militär war, sofort Kavallerie nach der Stadt zu derachiren. Bedrohlich genug sah die Siiuatiott auch auf den erste» Blick aus. In der Nähe der Stadl bei dem Milrofani-Friedhof hatten sich auf offenem Felde tausende von Arbeitern aus den Pntilow'scheu Werken, der Nervektfabrtk und anderen industriellen Eiabitsse- meuts gelagert, um hier, ohne e r st d i e P o l i z e i u m E r- laubniß zu fragen, eine Versammlung abzuhalten. Der Grund der Erregung unter den Fabrik- a r b e i t e r ii hängt mit den K r ö u u n g s f e i e r l i ch- keilen eng zusammen. Die Fabriken hatten die Tage des 14., Ib und 13. Mai alten Stills gefeiert, jedoch für die Unterhaltung der Feuerung in de» Hochöse» ii. s. w. eine größere Zahl Arbeiter beschäftigt. Diese verlaugten nun eine besondere Entschädigung für ihre Mühe, andere wieder waren überhaupt damit ii ii zufrieden, daß es für die drei Feiertage kernen Lohn geben solle, n»d wieder andeie schlug?» vor, sich zur Erzielung höherer Löhne und Verkürzung der Arbeitszeit z u s a m m e n z u t h u n. Manch kräftiges Wort fiel besonders gegen den Direktor der Putilow'jchen Werke— dilektor—, wie der einfache Arbeiter sagt; es wurde sogar davon gesprochen, ihn tobt zn schlagen. Aber das waren nur einzelne Schreier. Tie große vieitausend- löpfige Menge hielt sich merkwürdig ruhig.„Wir wollen niwls Ungesetzliches thu»", hieß es.„aber wen» der Zar nach Petersburg kommt, ziehen»vir riusere besten Klerder an und gehen alle nach dem Newski, und kein Militär soll uns daran hindern, und de», Zaren schicker, wir eine Deputation, ihm unser Leid zu klagen." Ab und zu kam sogar ein gewisser Humor zum Durch- bruch; die während der Versammlungszeit zahlreich die Cdauffee passirenden Milchfuhren nach Petersburg wurden angedallen und die Arbeiter stellten sich, als od sie die Milchkannen sortiiedme» wollten, und wenn dann das ihre Ronuaiite kutsckirende Baueruweib den Leuten entrüstet zu- rie>:„Schämt Ihr Euch nicht, mir mein bischeu Milch zu nehmen, von deren Verlaus ich mit meknen Kindern lebe", so aniworteten die Arbeiter lachend:„Aber stehst Du denn nicht. Mütterchen, daß wir blas spaßen, sahre nur mit Gott, wir brauche» Dein« Milch nicht." Angesichts der ruhige» Stirn- tuung der Arbeiter verhielt sich das schleimigst requirirte Militär durchaus zurückhaltend. In einiger Entfernuitg hielten kleine Kosakentrupps, die Flinte auf dem Rücken, uitbeivealich zu Pferde, und von Zeil zu Zeit näherte sich ein besonders kühner Arbeiter den Kosaken, um uuter lebhaften Gesten den Soldaten zu er» zählen, daß man gar nichts Böses thtte. Nach vielen Stunden des Hm- und Herdebattirens verlief sich endlich die Menge; der größere Thcil der Arbeiter kehrte nach teu Fabriken zurück, ein Tbeil hat es vorgezogen, bis auf iveilcres zu feiern. Die Polizei verhält sich rmgemeta zugeknöpft und will von gar nichts iviffen, die Ziesideiizbtätler habe» nicht einmal eine Andettlimg über diese Vorgänge gewagt. Unzweisel- Haft werden für den feterlichen Einzug des Zaren große Borsichic- maßregeln getroffen»verden, tun uttangcnehme Zwischenfälle zu verhindern." Eine amtliche Depesche meldet, daß der Kaiser und die Kaiserin den Zeitpunkt ihres feierliche» Einzuges in Petersburg verschoben haben. Ueber die Sütmuung der von der sozialistischen Betvegtmg noch nicht erfaßlen russischen Arbeiter dem Zaren gegenüber, wird uns vo» russischer Seite geschrieben: Es wäre durchaus falsch, wollten wir uns darüber tänscheu, daß der Zar»och viele Sympathien unter der rnssische» Arbeiterschaft besitzt— es trat dies namentlich während der Krämmgsseier klar zu tage, denn die Urheber des Krawalls in Moskau, wie auch ein großer Thetl der in Moskau Erdrückte» waren leider großstädtische Arbeiter. In den letzten zwei Jahren haben zwar tmsere Genossen große Erfolge unter der russischen Arbeiler- schaft und namentlich auch in Petersburg und Moskau aufztt- weisen, doch steht natürlich die Majorität der Arbeiter noch nicht unter ihrem Einflnß. Ein großer. Theil des Volkes— d e städtischen Arbeiter nicht ausgenommen— ehrt den Zaren, ivril es in idm de» Repräsentanten einer Macht sieht, welche unter Umständen seine unmittelbare» Feinde, die' Großgrundbesitzer und die Fabrikanten demüthigen kann und. wie dies bei der Bauern emanzipation der Fall war. schon gedemüthigt hat. Es hat sich eine Legende herausgebildet, wonach der Zar von einer glühenden Liebe zum Volke durchdrungen ist und nur von den Vertretern höherer Stände, welche ihn falsch informiren, verhindert wird, diese Liebe zu bethätigen. Daher kann uns jeder Schritt des russischen Kaisers, welcher klar zeigt, wie gleichgiltig ihm das Wohl des Volles ist, nur frenen. Das Tanzen des Zarenpaares am Abend der Kalastrophe, und an einer ganzen Reihe der daraus- solgenden Abende ist daher für die Agitation unserer Genossen nnoezadlbar und nichts karm ihnen mehr erwünscht sein, als daß der Zar dem Rathe seines Onkels, des GeneralgouvernerS von Moskau nachgiebt und den vom Volke aufs iuniaste gehaßten Oberpolizeimeister Wlassowsky für„die musterhafte Aufrechter Haltung der Ordnung ivähreud der Krönuugsfeier" zum General- major bciördert. Wir wollen hoffen, daß die verflossene Krömtngsseier zum Schwinden der Zarenlegende viel beitragen wird und, da die Ereignisse während der Feier uns gezeigt habe», daß das russische Volk sein freudeloses Dasein nicht theuer ein- schätzt, so haben wir daS Recht, auzunehuiert, daß, wenn es ein- mal zur Erkenritniß kommt, wer der Hauptschützer und Bundes- genösse aller seiner Ausbeuter ist, es auch nicht zögern wird, sein Leben einzusetze», wenn es gilt, den letzten Kampf gegen de» rujsischen KapUaltsnutZ anszusechten.— Türkei. Konftantinopcl, 17. Juni. Die Pforte erhielt eine von dem Walt von Wa», Nazim Pascha und dem Präsidenten der Jiispektionsiominission Divisionsgeiieral Eadeddin Pascha»tnter- zeichnete Depesche über Vorgänge in Wan, die sich vorgestern ereignet haben. Nach der Depesche veranlaßie die Verhaftung eines Mädchens, welches revolutionäre Papiere bei sich trug, unter den Armeniern Aufregung. In dem von den Armeniern bewohnten Stadtthcil wurden Militärpatrouillen angeschossen; die Häuser und Geschäste wurden gesperrt. Es sanden Schlägereien mit den Miihamedanern statt. Nazim Pascha und Saoeddin Pascha veiboten, in die armenischen Häuser einzndringen, m» größere Ziisaminenstöße zu verhindern. 60 Menschen verloren das Leben; bei den Armeniern wurden viele Repetiergeivehre und Nickelmantelgesckosse gesrnidem Zur Verhinderung ähnlicher Vorfälle gab die Psorle allen Zivil- und Militärbehörden telegraphisch die Weisitng, die erforderlichen Vorsichtsmaßregeln zu treffen. Tie Pforte versichert, die Pazisikation Kreta'? sei betnahe vollendet. Nach einer in Wien eingetroffenen Meldung ans Konstanti- nopel ivaren die aus Wan gemeldeten Vorgänge ernster, alS in der osfiziellen Meldung dargestellt wurde, und haben yort große� Beunruhigung hervorgernfeii. Die Waffen, welche bei den Armeniern vorgefunden wurden, sind von persischer oder russischer,' Herkuiist. Auch aus arideren Orten liegen beunruhigendeStimmungs-, derirnte vor. Es herrscht die nicht unbegründete Sorge, daß, die Nachrichten von den Vorgängen in Wan auch anderwärts! die Letdeuschafteu wieder zum Ausbruch kommen lassen kört, reit. Amerika. St. Louis, 17. Juni. Das Resolutionskomitee hat mit 40 gegen kl Stimmen das beute gemeldete vom UnternnSschuß ausgearbeitete Programm eiitschlteßltch des auf die Goldwährung bezüglicken Sayes artgenominen. Das Programm hatte der Konvention in ihrer heutigen Abendsitzung vorgelegen. Bezüglich der Schntzzollfrage enthält das Programm»amentlich die Be- fürrvortung von Zöllen zum Schutze der anterilatrischen Schiff- fahrt, Woll- und Zuckererzengung.— — Vom k tt b a n i s ck e ii A u f st a n d Z g e b i e t e. Der für den Krieg auf Kuba ausgerüstete Dampfer„Belico" wurde, als er eine Flnßinütidung htnansfuhr, von den Aufständischen angegriffen und in den Grund gebohrt. Der Kommandant und 2 Mnini der Besatzung des„Belico" wurde» schwer verwundet. Der Loolse wurde aufgeknüpft.— — Der venezolanische Grenz st reit. Aus London wird telegraphirt:„Es verlaniet, daß uu AnSwärtigeu Amte und im Kolotiialamte ossizielle Berichte über einen Einfall der Venezolaner in Britifch-Gniana eiiigelaufen seien, Auf eine dies betreffende Anfrage im Kolonialamle lautete die amtliche Aiilwort, daß zur Zeit über diesen Vorfall nichts geäußert werden könne.— Das sieht wie ein indirektes Ein« gestäudniß aus, daß der Einfall wirklich stattgesunden hat.— Afrika. Kapstadt, 18. Juni. Nach hier eingegangenen Nachrichten ist unter den zwischen Umtali und Salisbury ansässigen Ein- geborene» eine neue aufständische Bewegung ans- gebrochen. Der Häuptling M a k o»i i hielt am 9. d. M. eine Versammlung der Führer der einzelnen Stämme ad, in welcher er eine allgemeine Erhebung empfahl. Ein Theil der Häupt- lirige weigerte sich, der Aufforderung Folge zn leisten, die übrigen stimmten zu. Es sollen noch mehrere Weiße ermordet worden sein.— — L o t h a i r e. Wie dem„Journal de Brnxelles" tele- graphisch ans London gemeldet wird, hat die englische Regierung gegen das Lolhaire freisprechende Urtheil des Gerichtshofes in B o m a Berufung angemeldet.— Slustralieu. — Echan dthate» gegen Eingeborene. Daß auch in Australien die Eingeborenen unter der Ruchlosigkeit europäischer Kolonisten schwer zn leiden haben, beweist eine Mit- tbeilnng, die das„Volk" dem Junihest des„Missionsblattes der Brüdergemeinde" entnommen hat. Da erzählt einer der Missionare, die auf der Halbinsel A o r k, der N o r d s p i tz e v o n A>i st r a Ii e i>, unter großen Schwierigkeiten durch ungesundes Klmia und feindselige weiße Ansiedler und Schrffslaprtär»« et« Missionswerl angesangeu halte», daß er im Oktober vorigen Jahres eine Reise ins Innere des Landes unternahm, um eine gute Stelle für eine neue Station aufzusuchen, und daß er nach vier Tagen aus der Viehzuchtstation Iorkdown anlaugte, von der es heißt: „Die Schwarzen werden auf der Station sowie auf dem dazu gehörenden Lande von 1500 Quadratkilometern in der Runde nicht geduldet, sondern, wenn sie sich blicken lassen, ver- folgt und niedergeschossen. Sie leben deshalb auf beständigem Kriegsfüße mit den weißen Eindringlinge» und tödten so viele Pferde und Rindvieh, wie sie bekommen können. Silier Grund und Boden, welcher irgend welchen Werth hat, ist in dieser Weise von der Regierung an die Viehzüchter verpachtet. Nur das tiefliegende ungesunde Land an der Küste steht den Schwarzen zu freier Verfügung." Charakteristisch ist, daß auch hier die Schandthatcn auf die rücksichtslose Profitwulh kapitalistischer Ausbeuter zurückzuführen sind. Denn die Viehzüchter(Squatters), von denen hier die Rede ist, sind Großunternehmer, denen zum Schaden der Laubes- entwickelung die Regierung ungeheuere Landesstrecken verliehen hat. In den vorgeschritteneren Kolonien(Neusüdivales und Viktoria) haben deshalb auch die Arbeiter gegen dieses Laudvergeudungssystem der Kapitaliste» Front gemacht und ihnen Einhalt geboten. Gerade der Kampf gegen die Squatter-Wirthschaft hat die australischen Arbeiter zu ihrer raschen politischen Entwickelung verholfe». In Nordaustralien fehlt es vorläufig noch an einem aufgeklärten Arveiterelement. Da haben die Kapitalisten noch freien Spielraum und— an ihren Früchten kann man sie erkennen.— Kommunales. Stadtverordueten-Versammlung. Oeffentliche Sitzung vom Donnerstag, 13. Juni, nachmittags 5 Uhr. Die Frequenz der heutigen Sitzung ist nur schwach. Eine sieihe weiterer Urlaubsanzeigen wird zur Kenutniß gebracht. Zur Abrundung des städtischen Grundstücks, auf welchem sich das Kaiser und Kais erin Friedrich- Kinderkrankenhaus befindet, zur Sicherstellung des letzteren vor Errichtung von störenden Betrieben in nächster Nähe und'zur eventuellen Erweiterung der Anstalt ist der Ankauf des Grundstücks Reinickendorferstr. 33 in Aussicht genommen. Die Verhandlungen mit den Besitzern, die zuerst exorbitante Preise forderten, schiveben seit eineni halben Jahre; der niedergesetzte Ausschuß hat sich jetzt zu dem Vorschlage ze- einigt, das an der Oudenarderstraßen-Ecke belegene Vorderland der Grundstücke nicht mitzuerwerben, fondern nur das Rest- Jrundstück von ca. 7131 Quadratmeter zum Preise von 20 M. ür den Quadratmeter anzukaufen. Die Versammlung beschließt demgemäß. Die Skizze zum Neubau einer Volks-Badeanstalt in der Bärwaldstraße hat der eingesetzte Ausschuß unver- ändert genehmigt, desgl. die Skizzen für die Neubauten von Gemeinde-Doppelschulen an der Bärwald- und in der R a v e n e st r a ß e; doch sollen die Projekte der Lehrer- Wohngebäude dahin umgearbeitet werden, daß die Errichtung eines dritten Stockwerkes vorgesehen wird, und außerdem soll bei dem Bau an der Bärwaldstraße zwischen der Schule und den Brausebädern eine Verbindung in Gestalt eines geschlossenen Ganges hergestellt werden. Sämmlliche Ausschußanträge werden ohne Diskussion von der Versammlung angenommen; auch der bei dieser Gelegenheit vom Ausschuß vorgeschlagenen Resolution, wonach der Magistrat „generell" ersucht wird, Anordnungen zu treffen, daß die Aus- arbeituug der speziellen Projekte schneller erfolge, ertheilt sie ihre Zustimmuna. Die Petition des Berliner Rektorenvereins um Gleichlegung der Ferien an den Gemeindeschulen mit denen der höheren Lehranstalten kommt heute zur Verhandlung. Ueber die zum theil recht eigenartige Begründung des Ausnahme- beschlusses:(u. a. sollen die Eltern der Gemeindeschulkinder eine Ausdehnung der Ferien selbst nicht wünschen und diese den Kindern auch nicht zuträglich sein!) haben wir s. Z. ausführlich berichtet. Die zehn Wochen Ferien, welche die Lehrer im Jahre habe», genügen für diese, wie der Referent Stadtv. Cassel meint, ebenfalls vollauf. Stadtv. P e r l s bittet, das Petitum zu berücksichtigen, ES handele sich nicht sowohl um eine Forderung des Lehrer- thumS, als um das Interesse des allergrößte» Theiles der Bürgerschaft. Der Dienst der Gemeindelehrer sei übrigens physisch ungleich anstrengender als der der Lehrer an den höheren Anstallen. Stadtschulrath Bertram behauptet dagegen, daß die Bürgerschaft gerade wünscht, ihre Kinder in Schulen mit vier- wöchentlichen Hundstagssericn zu habe», da dann die übrige» Ferien entsprechend länger sind. Die fünf Wochen Ferien der höheren Schulen seien blos um der Zweckmäßigkeit sür die Eltern willen eingeführt worden. Stadtv. Oberlehrer Müller befürwortet die Petition, die nur eine sehr maßvolle Forderung ausstelle. Am ersten Schul- tage nach den großen Ferien 1894 haben von 132 000 Kindern nicht weniger als 12 000 Kinder gefehlt; das habe doch mit «iner Schul o r d n u n g nicht gerade viel Aehnlichkeit. Von Ver- wilderung oder Verrohung der Schuljugend durch die fünfte Ferien- woche könne doch nicht gesprochen werden; in Wien und München seien 8 Wochen Sommerferien die Regel.(Beifall.) Stadtv. Direktor Schwalbe kann sich nicht überzeugen, daß der Zeitpunkt für eine solche Aenderung schon gekommen ist. Von den höheren Schülern könnten auch nur etwa 33pCt. die ganze Ferienzeit verreisen. Der Ausschußantrag wird angenommen. Die Besprechung der städtischen Gewerbesteuer wird auf die zweite oder dritte Septembersitzung verschoben. Die Nestflächen der städtischen Grundstücke Gertraudten- st r a h e 3j9, Ecke Pelriplatz und Kl. Gertraudtenstraße, sollen für den Preis von 1100 M. sür den Quadratmeter an den Architekten und Maurermeister Pape verkauft werden. Der Käufer hat die Verpflichtung, bis spätestens Ende 1397 die Fläche zu bebauen. Einem Antrag Bergmann entgegen wird die Vorlage sofort angenommen. Der Magistrat beabsichtigt die Herausgabe eines Werkes über die Brücken Berlins, dessen Verlag der Buch- Handlung I. Springer hier gegen eine Entschädigung von 23 000 M. übertragen werden soll. Die Gesammlkosten sind auf 30 000 M. veranschlagt. Die Vorlage geht an einen Ausschuß von 10 Mitgliedern. Ueber die an die Versammlung gerichtet« Beschwerde des Tischlers Friedrich Hühn über die Behandlung eines Schwerkranken im städtischen Kranken Hause am Urban hat der Magistrat Erhebungen� gepflogen, welche nach seiner Ansicht ergeben, daß die betreffenden Klagen gegen die Krankenhausverwaltung durchaus unbegründet sind. Der Hilfswärter Nogge, der sich thatsächlich grobe und unstatt- hafte Aeußeruugeu hat zu schulden kommen lassen, ist von der Direktion sofort entlassen worden. Bezüglich des in der„Volks- zeitung" erwähnt geweseneu Falles, auf den Stadtv. Singer die Aufmerksamkeit des Magistrats gerichtet hatte, erklärt dieser, daß bei ihm eine Beschwerde nicht erhoben sei. daß aber die Untersuchung eingeleitet worden und die Grundlosigkeit der Klagen ergeben hätte. Stadtv. F r i ck beantragt, die Angelegenheit auf die nächste Tagesordnung zu setzen und einen Berichterstatter zu ernenne». Stadtverordneten-Vorsteher Dr. L a n g e r h a n s hält diesen Vorschlag für sehr zweckmäßig, um den Interessen des Publikums gereckt zu werden, während die..™.. Stadtvv. Meyer und H o r w i tz sich von dieser Maßnahme keinen Nutzen versprechen und die Sache sofort heute zur Er- ledigung bringen wollen. Stadtv. Singer: Eine Vertagung zwecks genauerer Prüfung scheint auch mir nicht nölhig. Im Falle Hühn hat der Vorstand des Krankenhauses gewiß alles gethan. was er nach Lage der Sache thun konnte, indem er den Hilfswärler Nogge sofort entlassen hat. Ob dieser thalsächliche Mißhandlungen begangen hat, ist nicht festgestellt, doch konnte man von einem Manne, der so rohe Aeußerungen gethan hat, ivie: man müsse den Kranken matt machen, damit er sich nicht mehr widersetzen könne, sich auch der Thal versehen. Durch die Entlassung ist das Vergehen gesühnt und der beleidigten Bürgerschaft Genugthuung verschafft. Sollte aber nicht vielleicht für solche Rohheiten eine gewisse Erklärung in einer Ueberbürdung des Wärterpersonals zu finden sein? Es wäre interessant zu wissen, wieviel Stunden die Wärter Dienst haben und welche Zahl von Kranken ihrer Pflege unterstellt ist. Vielleicht ergäbe sich daraus, ob dort etwa Verhältnisse herrschen, welche die Wärter zu nervösem Thun reizen, sie dazu führen, ihre schlechte Laune über nicht konvenirende Dienst- Verhältnisse die Kranken entgelten zu lassen. Auch die Frage der Entschädigung der Wärter wäre zu prüfen. Und reicht es wirklich aus. daß jemand wie hier eine Zeit lang als Rekon- valeszent Theilnahme für seine Mitkranken zeigt, um ihn als Hilsswärter sür qualifizirt zu erachten? Der vorliegende Fall beweist doch das Gegentheil. Ich bin gewiß der letzte, einem vielleicht Arbeitslosen die Möglichkeit eines solchen Erwerbes zu verschränken, aber eine Prüfung der Qualifi- kation hätte vorausgehen müssen, und es ist nicht auf- geklärt, ob hier nicht ein gewisser Fehler gemacht ist. Auch hier scheint sich doch wieder die Nothwendigkeit zu ergeben, nur geschultes Wärterpersonal zu verwenden. Bei der ziveiten Be- schwerde habe ich mit Dank anzuerkennen, daß der Magistrat von seiner ursprünglichen Auffassung, als sei es unter seiner Würde. auf Zeitungsartikel zu antworten, abgekommen zu sein scheint. Es wäre ja auch sehr wunderbar, wenn auch bei uns jenes stolze Wort irgendwie zur Geltung käme: die Oeffentlichkeit existirl nicht! Aber die formal vielleicht unanfechtbare— um nicht zu sagen bureaukratische— Haltung des Magistrats, die als Be- schwerde nur ansieht, was mit einem Petitum schließt, entspricht nickt den berechtigten Anforderungen der Bürger- schast. Der Magistrat hätte also besser gehandelt, das ihm als Abschrist eines Mannskripts sür eine Zeitung zu- gegangene Schriftstück sofort zum Gegenstand der Untersuchung zu machen(Ruf vom Magistralstisch: Ist ja geschehen!) und dem Einsender Bescheid zugehen zu lassen. Der Betreffende war bei verschiedenen Kollegen»nd auch bei mir. Er machte den Eindruck liefer seelischer Erregtheit über das seiner Frau zugestoßene Unheil. Nicht bestritten ist, daß er bei einem Besuche in die Tobzelle hineingekommen ist und dort seine todtkranke Frau statt auf der Matratze auf dem steinernen Boden liegend gefunden hat. Sollte sich nicht eine Einrichtung treffen lassen, die es unmöglich macht, daß der Kranke sich von der Matratze auf dem Boden wälzen kann?(Ruf: Festbinden!)— etwa ein Bett mit hohen gepolsterte» Wände», wie sie in anderen Krankenhäusern vorhanden sind? Vielleicht erwägt die Krankenhansverwaltnng den Vorschlag und instruirt außerdem ihr Wärterpersonal noch eindringlicher als jetzt, mit den Kranken menschlich umzugehen. Oberbürgermeister Zelle: illuch heute hat Herr Singer wieder von dem bureaukratische» Verfahren des Magistrats ge- sprechen. Der Fall ist ja vom Magistrat untersucht worden und das Gerechtigkeitsgefühl des Herrn Singer hätte doch so weit gehen sollen, auch zu erwähnen, daß alle Klagepunkre sich als unrichtig erwiesen haben. Der Mann trug mir seine Sache vor, ich hörte ihn ruhig an und sagte ihm, er solle die Sache schriftlich aussetzen. Er ist dann garmcht wieder gekommen, sondern schreibt mir später blos, er sende mir einen Artikel, den er der„Volks-Zeitung" übersandt habe. Das ist doch nicht die Art und Weise, wie man eine Beschwerde bei einer Behörde, die auf sich doch auch etwas halten muß, an- bringt. Dennoch sind wir der Sache auf den Grund gegangen. Heute kommt er wieder mit einem Schriftstück an wich, ich möchte jene Zuschrift als Beschwerde ansehen. Dazu ist es jetzt, wo wir hier über die Sache verhandeln, doch wohl zu spät. Stadtrath Bail als Vorsitzender der Krankenhaus-Deputatio» setzt auseinander, daß bei Hilsswärtcrn von Ueberbürdung nicht die Rede sein kann. Der Kranke Hühn sei nicht einen Augen- blick bis zu seinem Tode ohne Aufsicht geblieben. Die Absicht der Beschwerde sei lediglich gewesen, in frivoler Weise Skandal anzuzetteln, deshalb sei sie gleichzeitig an das Krankenhaus und an die Versammlung ge- richtet worden. Der Fall der tobsüchtigen Frau habe auch jede denkbare Rücksicht erfahren; es sei garnicht zu vermeiden, daß Tobsüchtige von der Matratze springen, die Ein- richtung der Tobzelle lasse sich nicht in der angedeuteten Weise ändern; auch Sopha, Tische und Stühle ließen sich da nicht hineinsetzen. Stadtv. F r i ck ist von dem Erfolg seiner Anregung sehr be- friedigt und zieht seinen Vertaguugsantrag zurück. Stadtv. Singer: Ich verstehe nicht die Begründung des Vorwurfs, daß man frivol habe ein bischen Skandal machen wollen. Liegt darin ein gewisser Aerger darüber, daß wir hier überhaupt die Sache besprechen?(Widerspruch.) Wir müssen uns als die legitimste» Vertreter der städtischen Einrichtungen dock freuen, wenn deren Mängel in aller Oeffentlichkeit erörtert iverden. Ich habe nicht die Verwaltung und die Einrichtiiiigen unserer Krankenhäuser getadelt, ich habe lediglich einen Vorschlag gemacht, über de» sich Herr Bail bedauerlicherweise absällig äußert, den ich aber sür technisch ausfiihrbar halte. Stadtv. L a n g e r h a n s: Wir können hier unmöglich über die beste Bettform für Jrreuhäuser debattiren. Bei den Geistes- kranken besteht natürlich eine stete Unzusriedenheit mit allein und jedem, auch mit der Behandlung in den Krankenhäusern. Ein so großer Vorwurf ist es doch nicht, daß jeuer Hilss- wärter von der Kraiikeiihaus-Verwaltung angestelll wnrde; er hatte sich ein halbes Jahr lang durch sein Verhalten sür einen solchen Posten sehr empfohlen. Damit wird der Gegeiistand verlassen. Schluß»/s3 Uhr. Narkei-Kachvichten. Von der Agitation. Sonntag, den 14. d. M. fand in Kahla eine von zirka 400 Personen aus vielen umliegenden Orten besuchte Versammlung statt. Unter wiederholtem Beifall ließ der Referent Genosse Reichstags-Abgeordnetcr Reiß Haus (Erfurt) die neuen Ereignisse aus wirthschastlichem und politischem Gebiet Revue passire». Polnische Parteipressc. Das offizielle Bulletin der sozia- listischen Partei Polens, das in französischer Sprache in London in einer Auslage von 1000 Exemplaren erscheint, giebt eine Uebersicht über die Verbreitung der polnisch-sozialistischcn Presse. Zu deren Organen gehören außer dem genannten Bulletin sol- gende Organe:„?r-isdswits!"(„Morgenröthe"), 1381 gegründet. in London in einer Auflage von 1000 Exemplaren er- scheinend;„Uodotnilc"(„Arbeiter"), seit 1694 in Warschau allmonatlich in einer Geheimdruckerei in einer Auflage von 1500 Exemplaren hergestellt;„Napr�od"(„Vorwärts"), seit 1392 in Krakau in«iner wöchentlichen Auslage von 1900 Exemplaren ausgegeben;„Nowy Eobotnik"(„Der neue Arbeiter") erscheint dreimal im Monat seit 1690 in einer Auslage von 1500 Exemplaren in Lemberg; „Lrviatlo"(„Das Licht"), eine populärwissenschaftliche Monats- schrifl, erscheint seit 1395 in Lemberg in einer Auslage von 1000 Exemplaren; das Blatt soll künftig in Krakau unter dem neuen Tuel„Xrzitjdoi"(„Die Kritik") erscheinen. In jüdtsch-deutscher Sprache erscheint in Lemberg in einer Auflage von 500 Exem- plaren zweimal im Monat„Der Arbeiter"; gleichfalls zweimal im Monat erscheint in Lemberg das Fachblatt der polnischen Buchdrucker„OAnisko"(„Die Heimath"� in einer Auflage von 1000 Exemplaren. Das Organ der in Teutschland lebenden Polen ist bekanntlich die in Berlin erscheinende„Gazetst Eobot- nieza"(„Arbeiter-Zeitung"). Sie erscheint seit 1891 und hat jetzt eine Auflage von 1300 Exemplaren. Jnsgesammt hat die polnische Parteipresse 24 200 Auflage und sie publizirt im Lause eines Jahres 290 400 Exemplare. Polizeiliches, Gerichtliches rc. — Auf Veranlassung einer Staatsanwalt- schast in Oberschlesien wurde von der hiesige» Polizei Dienstag früh in der Redaktion der„Gazeta Robotnicza" nach einem polnischen Liede gehaussucht. Einige Exemplare des ge- nannten Liedes wurden mit Beschlag belegt. DerVerleger der„Gazeta Robotnicza", in dessen Wohnung sich die Redaktion befindet, wurde aus diesem Anlaß zweimal— vor- und nachmittags— zum Verhör auf das Polizeipräsidium zilirt. Das staatsgefährliche Lied ist«in bektographischer Abklatsch des vor 2 Jahren in der„Gazeta Robotnicza" abgedruckten Liedes mit dem Refrain:„Noch ist Polen nicht verloren." Der Text richtet sich speziell gegen den russischen Zarismus. Es ist uns nicht recht erklärlich, warum das Lied gerade jetzt vor den scharssichtigen Augen eines schlestschen Staatsanwalts keine Gnade gesundeii hat. — Eine zweimonatliche Gefängnißstrafe „erachtete" die Erfurter Slrafkammer als„angemessen" für eine Beleidigung des dortigen Bürgermeisters, die der Staats- anwalt mit 4 Monaten geahndet wissen wollte. Genosse Wiertelarz sollte dieselbe als verantwortlicher Redakteur der „Thüringer Tribüne" begangen haben durch eine Notiz, in welcher das Verbot des Mai-Umzuges kritisirt worden war. Wegen eines damit im Zusammenhange stehenden Inserats er- folgte Freisprechung, da der Genosse Wiertelarz nachweisen koinite, daß er erst nach Drucklegung von demselben Kenntuiß erhielt. — Merkwürdige Schicksale einer Revisions- eingäbe. Unsere Leser erinner» sich wohl alle noch des ans- sehenerregenden Urlheils des M ü l h a u s e n e r Gerichts- Hofes, durch dessen Spruch der Redakteur der M a n n h e i in e r „ V o l k s st i in m e", Genosse Keßler, zu sechs Monaten G e f ä n g n i ß, der Verfasser des inkrimi- nirten Artikels, Genosse Martin, zu einem Jahre Ge- fängniß vernrtheill worden waren, während der Staats- anwalt nur 300 M. Geldstrafe bezw. 2 Monate Gefängniß beantragt hatte. In der gesammten Presse Deutsch- lands hatte dieses Urlheil den Ausdruck des Erstaunens und des Befremdens Hervorgerufe». Gegen das Urtheil war seitens der Beklagten Revision eingelegt worden. Dieser Tage nun er- hielten die beiden voni Landgericht Mühlhausen die kurze Mittheilung, daß die Revision, weil verspätet eingereicht, als unzulässig verworfen sei. Die Mannheimer„Bollsstimme", der wir obige Mit- theilung entnehmen, bemerkt demgegenüber, daß die Beklagten i» der Lage sind, den Beweis zu erbringen, daß sie das Rechts« mittel der Revision rechtzeitig ergriffen haben. Soziale Aebeelichk. Fiir dcu Achtuhr-Ladenschluff nach den Vorschlägen der Reichskomluission sür Arbeiterstalistik entschied sich eine am 17. Juni in Leipzig abgehaltene, von gegen 400 Handels- angestellten besuchte und von der Freien Vereinigung der Kauf- leute einberufene Versammlnug durch einstimmige Annahme folgender Resolution:„Die Versammlung erklärt, daß der gesetz« liche Achtstundentag nickt blos sür offene Verkaufsgeschäfte, sondern für die Augestellten des gesammten Handels- gewerbes nach wie vor mit allen Kräften zu erstreben ist. Als Uebergangsstadium erscheint der von der Reichskommission sür Älrbeilerstatistik vorgeschlagene Achtnhr-Ladenschluß ohne alle Ausnahme, aber sür alle Handelsgeschäfte überhaupt als an- nehmbar. Außerdem ist für die jugendlichen Personen bis zu 18 Jahren eine um mindestens zwei Stunden kürzere Arbeitszeit einznsühren." Gauitäre Minimalforderungen an die vom Unternehmer gestellten A r b e i t e r- W o h n u» g e n hat kürzlich der öster« reichischc„Oberste Sanitätsrath" festgelegt. Vom Referenten, einem Ober-Sanitälsrath, war, auf grund eigener Jnaugenschein« nähme, namentlich die sanitälswidrigen Wohnungsverhältnisse in den Ziegeleien der Umgebung Wiens, beleuchtet worden. Die Schilderungen deckten sich mit dem, was von deutschen Ziegel- Höllen allgemein bekannt ist. Eine Statistik der Analphabeten, die von dem Ein- wanderungsamle der Vereinigten Staaten aufgestellt worden ist, giebt das Verhältniß der Analphabeten zu der Gesammtzahl der Einwanderer ans den verschiedenen europäischen Ländern an. Darnach liefert Portugal verbältnißmäßig die meisten Analpha- beten mit 87,35 pCt., dann kommt Italien mit 52,93, Galizien und die Bukowina mit 45,88, Russisch-Polen mit 39,32, Ungarn mit 37.69, das eigentliche Rußland mit 36,42, das übrige Oester- reich mit 32,70, Griechenland mit 25,13, Rumänien mit 17,75, Belgien mit 15,22, die europäische Türkei mit 14,79, Wales mit 10,43, Böhmen und Mähren mit 3,98. Spanien mit 3,71. Irland mit 7,27, Finnland mit 3,58, Frankreich mit 3,50, England mit 3,49, Niederland(ohne Schulpflidit) niit 3,38, Schottland mit 2,83, Deutschland mit 2.49, Nonvegen mit 1,02, Schweden mit 0,74. die Schweiz mit 0,60 und schließlich Dänemark mit nur 0,49 pCt. Die nordischen Länder und die Schweiz stehen somit obenan. Gemevkfclzafklirhes. Die Schieferdecker Münchens haben den Meistern folgende Forderungen unterbreitet: Einführung der»ennstündigen Arbeits- zeit: Beibehaltung des gegenwärtigen Tagelohns, welches gleich- bedeutend mit 12 pCt. Lohnerhöhung; einen Mindestlohn von 4,50 M.; Abschaffuuft der Akkord- und Sonntagsarbeit; für Ueberiluiiden 25 pCt. Lohnzuschlag; ferner dürfen Maß- regelunge» innerhalb eines Jahres nicht statlfinde». Falls die Meister nicht bewilligen, soll der Generalstreik proklamirt werden. Die Organisation umfaßt 95 vCi. aller in München Be- schäftigten. Bei eventuellem Beginn des Streiks wollen die Z i m m e r l e n l e und Klempner mit den Dachdeckern sich solidarisch erklären und keinerlei Arbeiten sür sie verrichten. Ter romanische Typographeubund tagte Sonntags in Genf; die Versammlung war von 686 Mann aus 9 Sektionen besucht. Die verschiedenen Berichte wurden genehmigt. Das Vereinsvermögen beträgt 27 000 Fr. Die Versammlung beschloß Unterstützung der Petition des deulsch-schweizerischen Typographen- bundes an den Bundesrath um Erlaß besonderer gesetzlicher Vorschriften für die Buchdruckerei-Werkstätten. Die Versamm- lung beauftragte das Zentralkomitee, bei den Buchdrnckereie» der welschen Schweiz, welche in ihren Werkstätten Fraue» be- schäsligen, Schritte zu thun um Abschaffung der Frauenarbeit, Depeschen und lvhke Kachvichken. Brüssel, 13. Juni.(W. T. B.) Heute begann vor dem Schwurgericht die Verhandlung gegen'Hennin, den Kassirer der„Sociötö gsnörale", welcher wegen Unterschlagungen im Betrage von über zwei Millionen Fraucs angeklagt ist. Hennin ist geständig. Tunis, 17. Juni.(W. T. B.) Hier ist das bestimmt auf- trelende Gerücht verbreitet. Marquis Mords fei mit 35 Mann im südlichen Tripolis, wahrscheinlich vom Stamm der Senussi, ermordet worden. Einzelheiten fehlen noch. Verantwortlicher Redakteur: August Jarobey, Berlin. Für den Jnseratenlheil verantwortlich: Th. Glocke in Berliu. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu S Beilagen. 1 Beilage zum Ztr. 141. VetchskAg. WS. Sitzung vom 18. I u n i 1896. 1 Uhr. Am Tische des Bundesraths: von Bötticher, von Etepha», Nieberding. Koch. Aus der Tagesordnung steht zunächst die Verlesung der Jnter- pelktio» der Antisemiten Liebermann v. Sonnenberg, Förster (Neilstettin), Werner u. Gen.: 1. Ist dem Herrn Reichslanzler bekannt geworden, daß der kaiserl. Telegraphenbeamte Kaiser aui lu. Mai d. I. während ordnungsmäßiger Ausübung seines Dienstes im Annahmeraum des hiesigen Haupttelegraphen-Amtes durch den englischen Zeilungskorrespondenten Bashford beschimpft und thätlich beleidigt ist? 2. Weiß der Herr Reichskanzler davon, daß der beleidigte Beamte durch Einwirkung des Herrn Staatssekretärs des Reichspostamtes Dr. v. Stephan veranlaßt worden ist, auf eine strafrechtliche Verfolgung zu verzichten und dem Beleidiger lediglich eine Geldbuße von 160 M. und eine mündliche Entschuldigung auferlegt worden ist? Staalssekreiär v. Stephan erklärt sich bereit, die Juter- pellation gleich zu beantworten. Abg. Liebermann von Sonnenberg(deutschs. Reform-P.): Wenn die Mittheilungen sich bewahrheilen, dann würde das An- sehen des Deutschen Reiches geschädigt. Eine offiziöse Erklärung ist angekündigt worden, aber nicht erfolgt. Die Hauptsache ist, od dieser Herr einen Beamten beschimpft und thätlich angegriffen hat und ob die vorgesetzte Behörde eine gerichtliche Sühne des Falles verhindert hat. Das ist keine Partei- fache, sonder» eine Sache des öffentlichen Interesses. Herr Bashford giebt das meiste, was die Zeitungen über den Fall berichteten, zu. Nach den Zeitungen ist Herr Bashford Vertrauensmann des Herrn Mackenzie unseligen Andenkens ge- wesen, er ist Vertrauensmann der südwestafrikanischen Gesellschaft und soll auch Mitglied einer der ältesten Jagdgesellschaften sein. Wenn solchen Einflüssen der höchste Beamte der Reichs-Post- Verwaltung nachgegeben hätte, so würde das seinem Ansehen sehr schaden. Es ist behauptet worden, daß die Sache friedlich beigelegt sei, uin den Empfang der englischen Schiffsingenieure nicht zu stören. Wenn der deutsche Kaiser nach England kommen würde, würde man schwerlich Deutsche, die sich vergangen haben, straflos ausgehen lassen. Wenn solche Be- hauptungen in die Welt hinausgehen, dann kann man sich nicht wundern, daß das Ansehen des Reiches herabsinkt. Eine Straf- Verfolgung ist ja nicht mehr möglich, aber es giebt eine Be- stimmung über lästige Ausländer, und ich kann mir kaum einen lästigeren Ausländer denke», als einen solchen, der einem in Ausübung seines Berufs befindlichen Be- amten auf die Finger schlägt. Man beuriheilt diese Verhältniffe im Auslande für uns sehr wenig erfreulich. Man sagt in Amerika, daß das Deutsche Reich zu gründe gehen werde an seiner Bureaukratie; auf den Leichenstein werde man schreiben: Hier liegt das einige Deutsche Reich, leider zu früh in der Tinte ersoffen. Staatssekretär v. Stephan: Ich werde den hohen Ton des Vorredners nicht anschlagen.(Beifall links.) Ich könnte den Ausführungen des Vorredners zustimmen, wen» die Thalsache», von denen er ausgeht, richtig wären. Die Darstellungen in einigen untergeordneten Berliner Zeitungen, welche auch das Unsinnigste glauben und weiter erzählen, leide» an großen Uebertreibungen und Entstellung des Sachverhalts. Man ist daran ja gewöhnt. Es ist nur ein Theil des Publikums, der sich des Lesens dieser Zeitungen schuldig macht.(Heiterkeit.) Die erste Unrichtigkeit ist, daß vollständig verschwiegen wird, daß der Beamte den allererste» Anlaß zu dem Zwist gegeben hat. Während sonst zur Beschleunigung und Erlelchterung des Dienstes der Zeitungskorrespondente», die ja sehr gute Kunden sind,(Aha! rechts) bestimmt ist, daß die Zählung der Worte, zu welcher der Beamte nicht verpflichtet ist. unterbleiben kann, er- folgte hier die Zählung. Nach einer halben Stunde, als der Korrespondent die Forlsetzung des Telegramms brachte, ließ er den Anfang noch nege», während er annahm, daß dasselbe schon in London sei. Das hat natürlich diesen Herrn in Aufregung versetzt; trotz der Aufforderung zur Be- schleunigung setzte der Beamte das Zählen fort. Durch die Verzögerung kann ein solches Telegramm svollständig überflüssig werden. Das Telegramm kostete über 200 Mark. Kritiklos haben die Zeitungen behauptet, daß sogar der Stock in Beivegung gekommen wäre. Der Herr hatte gar keinen Stock und bestreitet auf das entschiedenste, dem Beamten Thätlichkeite» zugefügt zu haben. Es heißt in de» Zeitungen weiter, daß ich Herrn Bashford zuerst abgewiesen hätte. Das ist nicht wahr. Ich empfange jeden, der mich besuchen will, ohne Unter- schied der Person und der Nation.(Zustimmung links.) Ich habe ihn empfangen; er hat mich»m Entschuldigung gebeten. Ich habe ihm gesagt, daß ich nicht das gerichtliche Ver- fahren einleiten könne. Es ist ei» regelmäßiges uraltes Ver- fahren bei der Postverwaltnng, daß in solchem Falle, wo jeniand den Beamten um Entschuldigung bittet und eine Summe als Sühne zahlt, die A n z e i g e nicht e r st a t t e t wird. Eine solche Sühne liegt doch auch im christlichen Geiste; warum soll denn alles auf die Spitze getrieben werden? Es verkehren Tausende von Menschen auf deni Haupttelegraphenamt, der Dienst der Beamten ist ein nerven- ausregender und die Arbeit der Korrespondenten ebenfalls. Es wird ferner behauptet, ich habe den Herrn erst empfangen nach Einmischung höherer Persönlichkeiten. Das ist unrichtig. Es heißt dann, der Beamte sei alsdann versetzt worden. Das ist völlig falsch. In der Instruktion sür die Ober-Postdircktion heißt es, daß mit Freude»vahrgenommen sei, wie sich das Austrete» der Postbeamten sehr verbessert hat; man könne sagen, es seien lauter Gentlemen. Dieser Geist müsse weiter gehoben »verde». Abg. Werner(Reform-P.) beantragt die Besprechung der Interpellation, die aber nicht stattfinden kann, da nur die Anti- stluiien und einige Konservative den Autrag unterstützen. Ein Versuch des Abg. Förster-Neustettin, einige Worte des Widerspruchs in der Form einer Bemerkung zur Geschäftsordnung zu erividern, scheitert an dem Widerspruch des Präsidenten. Es folgt die Berathung des Antrages des Grafen von A r n i m:„Den Reichskanzler zu ersuchen, mit möglichster Beschleunigung zu veranlassen, daß die Pfandbriefe der land- schaftlichen Kreditinstitute von der Reichsbank zu den gleichen Bedingungen louchardirt»verden, wie die Reichsanleihen." Abg. Graf Arnim: Der Zustand, den»vir»vünschen, hat bis 1884 bestanden und wir wollen ihn»viederhergestellt sehen. Aus diese Weise könnten die Gelder der Reichsbank der Land- wirthschaft zugeführt werde»». Reichsbank-Präsident Koch: Die Reichsbank ist sehr ent- gegenkommend gcivesen;»vir haben jetzt 31 Millionen Pfand- bliese i» unserem Lombard. Wir haben bei de» Kouvertirungcn derselben immer gern mitgeholsen. Wir haben über Ivo Millionen hergegeben, um die Konvertirung der Pfandbriefe zu er- leicbtern. Der niedrige Kurs der Pfandbriefe ist durchaus erklärlich. Die sogenannte Generalgarantie bezieht sich nur auf 70pCt. der Pfandbriese; überhaupt ist das Publikum über die Pfandbriefe nicht so orieutirl, wie über Staatspapiere. Selbst wen» die beantragte Maßregel geeignet wäre, den Kurs der Pfandbriefe etwas zu st-igeru, so kommen doch dem gegenüber Vomiirts" Freitag, deu 19. Imü 1896. die Grundsätze der Reichsbank in bewacht; wir müssen doch für den Lombard»nöglichst flüssige Werths haben. Neben den Land- schaftcn des Ostens kommen die Rentenbriefe, die Provinz- und Stadtobligationen auch in bewacht und»vir können doch diesen gegenüber die Pfandbriefe nicht bevorzugen. Der Zeitpunkt wird allerdings nicht fern sein, wo der Lombard sich so vermehrt, daß »vir den Zinsfuß erhöhen müssen, auch sür die Staats- papiere, daß der Loinbardzinsfuß dann allgemein 1 pCl. über Wechseldiskont sich stellt. Ich bitte den Antrag abzulehnen. Abg. Graf Mirbach(k.): Die Antragsteller haben sich an den Reichskanzler gewendet und nicht an den Reichsbankpräsidenten, von dein sie ja nicht ein so großes Maß von Wohlivollen er- »varten. Nicht um Geldoperationen»vünschen die Antragsteller eine Gleichstellung des Lombardzinsfußes, sondern im Interesse des gesunde» Kredits der ersten deutschen Erwcrbsthätigkeil. Wenn die Reichsbank der Konvertirung der Pfandbriese gegen Entgelt beigesprungen ist, so hat sie ihre Pflicht erfüllt und die gegebenen Verhältnisse berücksichtigt, aber von einem Wohlivollen kann dabei keine Rede sein. Der Kredit der Landwirthschast würde gehoben»verde» durch die Durchführung des Antrages des Grafen Arnim und durch eine rationelle Konvertirung.(Zustimmung rechts.) Die Summe der Staalspapiere beträgt 12 Milliarden; es könnten also 9 Milliarden Lombard darauf genommen werden, während das Lombard- darlehcn im Verhältniß ein sehr»vinziges ist. Was bedeutet demgegenüber die Vermehrung der zum billigeren Lombardzinssuß ziizulassenden Papiere. Redner empfiehlt als Muster die fran- zösische Bank und den Minister Meline. Reichsbank-Präsident Koch: Der Reichskanzler hat mich zum Konimiffarius für diese Sache bestellt; mir sind seine Intentionen»vohl bekannt. Graf Mirbach beschuldigt mich des mangelnden Wohlivolleus gegenüber der Landwirthschast. Er v e r>v e ch s e l t>v o h l F e u d a l i s»» u s und L a n d»v i r t h- s ch a f t; der letztere» habe ich stets mein Wohlwollen zugewendet. Die Lombardanlage kann sehr bedenklich anschwellen; es giebt Bankpolitiker, die ganz gegen die Lombardirung von Werth- papieren sind,»vie z. B. Adolf Wagner. Der Bankvorrath beträgt meist 1000 Millionen Mark; während»vir nur 33M pCt. Deckung brauchen, haben»vir oft 99 pCt., ja manchmal sogar Ueberdeckung. Die Bank genießt im Jnlande und Auslande großes Ansehen. Abg. Barth(fr. Vg.): Die Gefahr, daß die Reichsregierung sich die Ansichten des Grafen Mirbach aneignen, ist»ach den letzten Ausführungen nicht groß. Die Durchführung des Antrages wird die Kurse der Pfandleihe nicht künstlich steigern; dazu würde vielmehr eine klare Rechnungslegung der Landschaften bei- tragen. Abg. Szniula(Z.) bestreitet, daß die Pfandbriefe gegenüber den Staatspapieren minderiverthig sind und empfiehlt die An- nähme des Antrages. Abg. Meycr-Danzig(Rp.) bestreitet, daß ein bankpolitischer Grundsatz dem Antrag entgegenstehe. Abg. v. Stumm(Rp.) hält die Forderungen, die Pfand- briefe de» Staatspapieren gleichzustellen, für vollständig be- rechtigt. Abg. v. Staudy(k.) findet es unerhört, daß der Reichsbank- Präsident meint, die wiederholte Erörterung dieser Frage sei »vohl nicht im Interesse der Pfandbriefe. Es handelt sich hier um einen Punkt,»vo die Interessen Preußens im Reiche nicht genügend geachtet sind. Präsident v. Buvl kündigt a», daß die Abstiinlnung über den Antrag eine namentliche sein lvürde. Nach iveiterer nichts Neues bietender Debatte findet die namentliche Abstimmung über den Antrag Arnim statt; an der- selben betheiligten sich nur 184 Mitglieder, von denen 72 für und 112 gegen den Antrag stimmten. Das Haus ist also nicht beschlußfähig. Schluß 5 Uhr. Nächste Sitzung Freitag 1l Uhr.(Zweite Lesung des Bürgerlichen Gesetzbuches und Gesammtabstiinmung über die Novelle zur Gewerbe-Ordnuug.) Achtung» Geuierltegerichfcsttmhl! Formulare zur Einzeichnung in die Wählerlisten für Arbeit- geber und Arbeitnehmer betreffs der Gewerbegerichtswahl sind an folgenden Stellen zu habe»: Südost: T o l k s d o r f, Restaurateur, Görlitzerstraße öS. Meyer, Restaurateur, Görlitzerstraße 63. T r i t t e l w i tz, Restaurateur, Falckeiisteinstr. 7. K ö p p e n, Restaurateur, Reicheubergerstraße 118. Erbe, Restaurateur, Cuvry- straße 25. Seidler, Restaurateur, Ratiborstraße 16. Goltz, Restaurateur, Grünauerstraße 3. C. Scholz, Glasermeister, Wrangelsw. 32. S ch a y e r, Restaurateur, Neichen- bergerstr. S4. Brödenfeld, Restaurateur, Manteuffelstr. 69. G.Schulz, Zigarrengeschäft, Admiralstr. 40». F. Thiel, Zeitungsspediteur, Skalitzerstr. 35. K r u s ch k e, Barbier. Skalitzer- straße 18. S ch i l l i n g, Restaurateur, Pücklerstr. öö. Köppen, Restaur., Köpnickerstr. 20 a. Beyer, Restaurateur, Wrangelstr. 136. Schuh»»acher, Restaurateur. Pücklerstr. 49. R a ch f a h l, Restaurateur, Waldeniarstr. 18. Osten: Otto Zabel, Restaurateur, Fraiikfurter Allee 90. Wilhelm Lock, Restaurateur, Grüner Weg 46. Otto Franke, Restaurateur, Friedrichsbergerstr.il. E.Kol ms, Restaurateur, Mühlenstr. 38. Friedrichs, Restaurateur, Breslauerstr. 27. F. W i l k e, Andreasstr. 26. Nord-Westen und Norden: I. Pfarr, Restaurateur, Puttlitzstr. 10. F r a» z G l e i n e r t, Restaurateur, Müllerstr. 7a. Tausche!, Restaurateur. Grenzstr. 4. R. A u g u st i n. Restatwateur, Kastanien- Allee 11. Max Faber, Stephan- straße 15. R e m f e r, Restaurateur, Beusselstr. 19. Räch- gänger, Restaurateur, Swinemüiiderstr. 124. Marten, Restaurateur. Ackerstr. 123. Witzel, Restanratcur, Acker- straße 145. S ch a y e r, Restaurateur, Brunnenstr. 44. Meß- mann, Restaurateur, Danzigerstr. 78. Nike, Zigarren- geschäst, Saarbrückerstr. 7. F. L i e tz k e, Restaurateur, Schwedter- straße 34. Haberland, Restaurateur, Bellermannstr. 87. G a ß in a n n, Zeitungsspediteur, Grünthalerstr. 64. Mörschel, Restaurateur, Schönhauser Allee 23. Zentrum: R. B a b i e l, Restaurateur, Roscnthalerstr. 57. Linke. Restaurateur, Jüdenstr. 36. R e u l, Zigarrengeschäst, Barnimstr. 42. Südwesten u»»d Westen: H. Werner. Restanrateur, Bülowstr. 59. Kitzing, Restaurateur, Bellealliancestr. 74 Saß, Restaurateur, Markgrafenstr. 102. Grube, Restaurateur, Mariendorferstr. 5. C. S ch o n h e i m, Restaurateur, Gräfestr. 8. Süden: W. Börner, Zigarrengeschäst, Ritterstr. 15. Paul Müller. Restaurateur, Gräsestr. 31. iner Volksblatt. 13. Jahrg. ToltSiles. Achtung, Ä.. Wahlkreis. Parteigenossen, welche sich an der heutigen Verbreitung von Flugblättern zur Geiverbegerichts- »vahl betheiligeu»volle»,»verde» ersucht, in folgenden Lokalen zu erscheinen: Kitzing, Bellealliancestr. 74; Werner, Büloiv- straße 59; Schonheim, Gräfestr. 8. Zahlreiche Betheiligung erwünscht Der Vertrauensmann. Zun» besten der ausgesperrten Hutarbeiter findet an» nächsten Sonnabend, den 20. d. M., im Lokal von Lips(Friedrichs« Hain) ein von den Gesangvereinen Gleichheit, Einigkeit und Kaiserscher Männerchor veranstalteies Sommerfest statt, dessen Besuch wir den Parteigenossen in anbetracht des guten Zwecks empfehlen. Achtung, Schöneberg! Die Leser des„Vorwärts" werde» hiermit ersucht, soweit sie noch nicht bei der Parteispedition abonnirt haben, dies bis 1. Juli zu thu»; jeder hat die Pflicht, auch auf diese Weise regen Anlheil an den» Ausbau der Parteisache zu nehmen. Bei folgenden Personen»verde» Abonnements auf den„Vorwärts" und die gesamnite Partei» literatur entgegen genommen: Parteispediteur W. B ä u in l e r, Belzigerstr. 59, S. p.; Rest. Obst, Grunewaldstr. 110; Rest. Pinzer, Nollendorsstr. 16; Rest. Klauke, Golzstr. 43; Rest. Klein, Merseburgerstr. 7; Rest. H o f f>n a n n, Sedanstr. 10; und Fröhlich, Maxstr. 4. Der Vertrauensmann. Achtung, vierter Wahlkreis! Zu der heute Freitag Abend staltfindenden Flugblatt-Vertheilung, die Geiverbegerichts- Wahlen betreffend,»vollen die Parteigenossen sich möglichst zahl- reich an den bekanntensStellen einfinden. Die Vertrauenspersonen. Achtung, Buchbi»»dcr deö dritten Reichstags-Wahl- kreiscs! Kollegen,»velche geivillt sind, heute Freilag Flug- blütter zu den Geiverbegerichts-Wahlen zu vertheilei», »verden ersucht, heute Abend 8 Uhr pünktlich»in Restaurant Lenz, Alte Jakobstr. 69, zu erscheinen. Achtung, fünfter Wahlkreis k Parteigenossen, welche ge- »villi sind, sich an der an» Freitag den 19. d. M. stattfindenden Flugblattverbreitung zu den Ge>verbegerichls«Wahlen zu be- theiligen, werden ersucht, sich abends 8 Uhr in folgenden Lokalen einzufinden: Wichmann, Heinersdorferstr. 10, Bolze, Landsberger« straße 41, und Wittscho>v, Kl. Ha>nb»»rgerstr. 27, Zahlreiche Betheiligung ist Ehrenpflicht. Von der blinden Wuth,»nit der die„Gerinania" alles begeifert,»vas nach Sozialdemokratie aussieht, liefert dies Organ der Kapitalisten»»ltramontaner Gesinnung aberinals eine»» traurigen Beiveis. Zur Widerlegung der kürzlich von unseren» Genossen Singer im Reichstage gesprochenen Worte, daß unser« Partei in ihren Reihen keine Leute dulde, die von der öffentlichen Meinung mit recht verachtet»verde», führt das Berliner Zentrumsblatt die ehrenden Worte a», die wir kürzlich jener edlen Dulderin, der deinnächst»vieder aus dein Zuchthause zurückkehrendei, Frau Agnes R e i» h o l d geividmet habe». Die Sozialdemokratie kann stolz darauf sein, daß ihre Feinde bei allen» Bemühe», sie zu verunglimpfen, auf nichts anderes kommen konnten, als auf diesen Fall; und die edle Frau, die von den» frömmelnden Blatte beschin»pft»verde»» sollte, steht viel zu rein und hoch da, als daß sie durch den Geifer der „Gerinania" beschmutzt»verde» könntte! U»n aber zu zeigen, auf»vie tiefer sittlicher Stufe das von Christentbun» und Frömniigkeit»riesende Blatt hier selbst nach bürgerlicher Anschauung steht,»vollen»vir eine Stelle aus einen, Leitartikel»viedergeben,»velchen die ge»viß zurückhaltende „Vossische Zeitung" ain 11. Juli 1890 über den Reinhold'schei» Hochverralhsprozeß brachte. Es heißt da: „Im Mittelpunkt dieses Dramas steht eine junge Frau. »velche sichtlich von übcrschivänglicher Liebe zu ihren» Mann er« füllt ist und ebenso sichtlich für ihre Mitmenschen die»värmste Theiluahme empfindet. Sie ist nicht auf persönliche Vortheile bedacht, sie denkt nicht an ihr eigenes Geschick, sie ist bereit, sich sür ihre Mitinenschen zu opfern..." So urtheille selbst eine erklärte Gegnerin aller aus de» „Umsturz" der Gesellschaft gerichteten Bestrebungen über das Heldeniveib, den» die Arbeiterschaft demnächst aus vollen» Herze» ihre Sympathie» entgegen bringen»vird. Für die christliche„Genna,»ia" aber ist es schade, daß sich aus alter Römerzeit keine staatserhaltenden Aeußerungen über einen Justizmord mehr vorfinde», der im Jahre 33 nach unserer Zeitrechnung unter einem geivissen Landpfleger Pilatus passirt sein soll. Das fromine Blatt»vürde in de» unisturzfeindlichen Moralheucheleien aus dieser Zeit ganz geiviß eine frappant« Aehnlichkeit mit seinem eigenen erbärmlichen Geschimpfe ent« decken. Die Polizeistunde iu Rixdorf. Uns wird geschrieben: Amtsvorsteher B o d d i»» in Stixdorf erläßt bekanntlich jetzt»n den dortige»» Lokalblättern eine Erklärung, dahingehend, daß er niemals Aktionär der Vereinsbrauerei gewesen sei, auch in keinem Falle die Geivährung einer ausgedehnteren Polizeistunde davon abhängig geinacht»vorden sei, daß die nach- suchende»» Gastivirthe ihr Bier von der Vereinsbrauerei beziehe». Auch feie» Feststellungen irgendwelcher Art über die Bierbezugs» quelle der Gastivirthe vo» ihn» überhaupt nicht vorgenommen oder veranlaßt»vorden.— Hierzu sei folgendes bemerkt: Die Ver- sagnng oder Geivährung verlängerter Polizeistunde entscheidet dem Namen nach allerdings der Amtsvorsteher, die eigentliche Entscheidung liegt aber in den Händen des jeiveiligen Gendarmerie« Oberivachtineisters, dem die Recherchen über die»»achslicheilden Gastivirthe übertragen»verde». Was hierbei geschieht, darüber , verde» hoffentlich in Bälde gerichtliche Berhaudlungen genaue»» Aufschluß geben. Boi» der Lage der Angestellten in Badeanstalten giebt eine uns zugegangene Mittheilung einen Begriff,»vonach der Schiviminiiieisler an der Anstalt an» Wasserthorbecken dieser Tage Knall und Fall entlassen»rnirde,»veil er abends halb 11 Uhr»ach et>va 17stüiidiger Arbeitszeil Eiinvendungen gegen den Besehl erhoben hatte, eine ihm noch nnsgetragene Arbeit zu verrichten. Leider besteht noch keine Organisation der Augestellten in Bade- anstalten,»velche sich gegen eine derartige Ausnutzung der Arbeits« kraft zur Wehr setzen könnt«. Zu der Biickereivcrordliuiig des Bundesraths giebt der Volizeipräsident bekannt, daß einstweilen der 18., 19., 21., 22., 23. und 31. Dezember d. I. als diejenigen Tage festgesetzt sind, an denen in Bäckereien und Konditoreien Gehilfen»u»d Lehr- linge über die vorgeschriebene Dauer hinaus beschäftigt»verden dürfen. Die Sitzbänke in der vierte»« Wage»»klasso auf de» preußischen Eisenbahnen sollen,»vie ein hiesiges Blatt»Visse», »vill, demnächst»vieder beseitigt»verden. In den aus den Reparatur- »verkstätten zurückgckoinmenei» Wagen dieser Klassefeblen bereits dies« Bänke. Die Verkehrsstatistik soll ergeben haben, daß die 3. Wagen» Nasse infolge der bequemere», Einrichtung der 4. Wagenklasse be- deutend»veniger benutzt»vurde, und eine merkliche Mindereinnabme in der Eisenbahiiverivaltung verursacht, hat. Diese ungeheuerliche Meldung veranlaßt selbst die harmlose„Abendpost" zu einein lebhaste» Aussall: Wir können vorerst an die Nichtigkeit dieser Meldung noch nicht glauben und hoffen, daß die Eisenbahn Verwaltung schleunigst Veranlassung nehmen wird, sie sur unwahr zu erklären. Sollte die Nachricht sich bestätige», so würde ein Entrüstungssturm losbrechen, demgegenüber der Gleichmuth, mit dem sonst die Verwaltung in der Verfolgung fiskalischer Zwecke sich über alles Murren und Klagen des Publikums hinwegsetzt, doch nicht standhalten dürfte. Man vergesse doch nicht, daß die großen Einnahmen, welche der Eisenbahnverwaltung aus dem Personen- verkehr zufließen, nicht von den Passagieren der ersten und zweiten Klasse aufgebracht werden, für die man immer neuen Koimorl cr- flnnl, sondern von der großen Masse der minder wohlhabenden Bevölkerung, welche die unterste Klasse zu benutzen ge zwungen ist. Erregt schon das hartnäckige Festhalten an den hohen Eisenbahnfahrpreisen, die Einführung neuer Abgaben wie der Bahnsteigkarten arge Mißstimmung, so müßte die Entziehung einer einmal eingeführten Verbesserung, die all- seitig als eine Wohlthat empfunden und die dem Publikum zur unentbehrlichen Gewohnheil geworden ist, geradezu empören, um so mehr, wen» ganz offen zugestanden wird, daß ledig- lich Rücksichten des nacktesten Fiskalismus dabei bestimmend sind. Die Verwaltung hatte keine Spur von sozialpolitischer Ein- ficht, wenn sie in dieser Weise dem Volke einen Beweis staah licher Fürsorge geben wollte. Wahrscheinlich würde sie sich aber auch in ihrer Berechnung, daß eine Verschlechterung der Ein- richtungen in der vierten Klasse die Frequenz der dritten steigern würde, täuschen. Bestätigt sich wirklich die Meldung, so muß man der Regie- rung das Zeugniß geben, daß sie kein Mittel unversucht läßt, welches die Massen, die bisher noch wenig von uns wußte, der Sozialdemokratie zuführen könnte. Eine wichtige Verschönerung ist Unter den Linden dadurch herbeigeführt, daß die Verwaltung, der die Fürsorge für die be- rühmten graziösen Bänke der Mittelpromenade obliegt, von diesen Bänken die Lehnen hat absägen lassen. Dadurch haben die Bänke und vor allem die Linden für den Fremden einen wahrhaft bezaubernden neuen Reiz gewonnen. Nun scheint es nicht mehr zweifelhaft, daß für die nächste Aus- stellung in Berlin auch die Steinklötze, auf denen die Banklatten liege», beseitigt und vielleicht sogar neue Bänke in Aussicht ge- nommen werden. Uebrigens pflegt aus diesen Bänken nur das arbeilende, das niedere Volk auszuruhen--, daher ist die Erneuerung der Bänke nicht dringlich! Eine neue Kaserne ist am Mittwoch in Charlottenburg bezogen worden. Bei diesem Vorgange soll der Kaifer, wie die Blätter melden. das Gebäude eine wahre Zwingburg genannt haben. Der chinesische Vize-Kanzler Li-H«ng-Chang soll, wie wir hören, als Andenken an seineu Berliner Aufenthalt eine Kopie des bekannten Bildes von Professor Knackfuß mit in seine Heimath nehmen wollen. Ueber eine merkwürdige Praxis auf den„elektrischen" Wage» der Großen Berliner Pserdebabn-Gesellschaft wird einem hiesigen Blatte berichtet:„Die elektrischen Wagen der Strecke Zoologischer Garten— Treptow laufen bekanntlich seit einiger Zeit mit Anhängewagen. Besteigt nun jemand eine» Wagen und will nach Lösung eines Fahrscheins seinen Platz mit solche» des vorderen Wagens wechseln, so wird vom Schaffner kategorisch die nochmalige Lösung eines Fahrscheines für die bereits bezahlte Strecke gefordert, da das zuerst gelöste Billel für den Anhänge- wagen nicht giltig sei." Hoffentlich fällt es keinem Fahrgast ein, sich zum Opfer einer derartigen Ungehörigkeit herzugeben. Die elektrische Bahnlinie Treptow-Ritterstraße wird vom nächsten Sonnabend ab bis zum Tönhoff-platz durchgeführt werden. Wenn man de» Friedrichshai» besucht. Ein krankes Kassenmitglied ging am Mittwoch in Begleitung seines sechs- jährigen Töchtercheus i» den Friedrichshain und setzte sich zur Erholung auf eine der für das Publikum bereitstehenden Bänke nieder. In seiner Nachbarschaft befanden sich Arbeitslose und auch wohl einige jener Unglückliche», die durch eigene Schuld wie durch die Schuld unserer unvergleichlichen Gesellschafts- ordnung soweit heruntergekommen sind, daß sie von einem Tage zum andern nicht wissen, wo sie ihr Haupt bellen sollen. Da erschien ein Schutzmann auf der Bildfläche und forderte sämmtliche Personen auf, mit auf die Revierwache zu kommen. Als unser Kranke seine» Kassenschein vorzeigte, erhielt er die Aufforderung, sich ins Glied zu scheeren; das Kind lies weinend nach seiner glücklicherweise in der Nähe befindlichen Wohnung, um der Mutter zu berichten, daß Vater arrelirl sei. Auf der Revierwache entschuldigte sich der dienstlhuende Wacht- meister allerdings wegen des Mißgriffs seines Untergebenen; aber bezeichnend ist es doch, daß eine solche, die Ehre eines Menschen tief berührende Sistirung unter de» bezeichnete» Um- ständen überhaupt möglich war. Zur Verhütung von Waldbränden haben infolge der Hitze und Trockenheit die Forstverwaltungeu ihre Beamten an- gewiesen, mit unnachsichllicher Strenge gegen alle Personen vor- zugehen, welche in den Waldungen mit brennender Zigarre oder mit Pfeifen ohne Verschluß betroffen werde». Ferner jedoch wird auch erhöhte Aufmerksamkeit aus die Gefahr der Enr- zündung durch Funken von Lokomotiven gerichtet. Pferdewurst. Abscheu wird die Nachricht erregen, daß ein mit Dampfbetrieb arbeitender Roßschlächter, der sich„Wurst- sabrikanl" nennt, seit zwei Jahren zur Herstellung von Wurst Geschlechtstheile der Bullen verwendet hat. Es handelt sich um den Roßschlächter Weise, Manteuffelstr. 13, der jetzt, wie die „Allgemeine Fleischer-Ztg." niittheill, von der Polizei dabei be- troffen wurde, ivie er 200 Pfund dieser Waare in seinem Arbeitsraum mit Pferdefleisch vermengen wollte. Der Abfall wurde natürlich polizeilich mit Beschlag belegt. Auf dem Schlachthof werden die Geschlechtstheile als werthlos fort- geworfen; die Gesellen sammeln sie und verkaufen sie zur Ver- wendung als Hundefntter an den Händler Graßhof, der aber die unappetitliche Waare, den Zentner mit 7 Mark, an Weise verkaufte. Dieser Abfall ward durch einen dazu ge- mietdeten Wagen dem Weise, und zwar, wie der Kutscher auf dem Bureau des 43. Polizeireviers eingestand, seit zwei Jahren wöchentlich zweimal zugeführt. Es ist unbegreiflich, daß dieser unerhörte Unfug so lange hat unenldeckl bleiben können. Weise betreibt die Wurstfabrikntio» in großem Umfange und ver- sorgt mit seiner Roßfleischwurst unter falscher Flagge zahlreiche Bahnhoss-Restauranls und Delikateß-Handlungen. Verunglückt scheint der Kaufmann Karl Ramlo zu sein, der in der Rosenthalerftraße ei» Porzellan- und Lampengeschäft betrieb. Ramlo ging am Mittwoch in der Absicht von Hause weg, in der Gegend von Köpenick oder Grünau zu bade». Von diesen, Ausgange ist er nicht zurückgekehrt. Vorgestern hat man in einem Boote seinen Hut und andere Kleidungsstücke ge- funden. Zum Baumbach'scheu Familieudrama. In dem Be- finden des Baumbach und seiner Frau ist bis jetzt keine wesent- liche Aenderung eingetreten. Wie sehr die Verinögensverhältnisse des Mannes zurückgegangen waren, geht schon daraus hervor. daß eine in Berlin verheirathete Tochter aus erster Ehe für die beiden letzten Monate die Miethe für die Familie bezahlen mußte. Eine» frivolen Scherz leisteten sich am Mittwoch Abend drei junge Burschen, welche IN der Nähe der Gewerbe-Ausstellung in einem geliehen-n Boot aus der Spree umherfuhren; dieselbeu brachten das Fahrzeug in schaukelnde Bewegung und zwar der» artig, daß es umschlagen mußte. Die Absicht der drei, eine große Ausregung hervorzurusen, gelang ihnen vollkommen. Von allen Seiten eilten Ruderer zur Hilfe herbei, auf welche jedoch die drei Gekenterten verzichtete» und es vorzogen aus Ufer zu schwimmen und sich gegen das Aufnehinen in Boote gewaltsam sträublen. Vermißt wurde seit dem 14. d. M. der Pionier Ramin von der K. Kompagnie des Eisenbahn-Regiments Nr. II. Vorgestern hat man ihn als Leiche im Rummelsburger See wiedergefunden und gelandet. Eine ganze Reihe von Unglücksfällen, welche der Wagen- verkehr herbeigeführt hat, meldet der Polizeibericht. In der Hofjäger-Allee beim Großen Stern gerieth gestern Vormittag der obdachlose Arbeiter Ernst Hcmpel unter die Räder eines Steinivagens und erlitt dabei einen Bruch des rechte» Oberschenkels. Er wurde nach dem Krankenhaus Moabit gebracht.— Infolge Scheuens des Pferdes wurde nach- mittags an der Ecke des Lausitzer Platzes und der Eisenbahn- straße der Zöjährige Ardeiter Karl Johannes von dem von ihm geführte» Obnwagen geschleudert und am Kopfe sowie am linken Fuße so bedeutend verletzt, daß feine Uederführung i» das Kraukenhaus am Urban erforderlich wurde.— An der Ecke der König- und Spandauerstraße wurde nachmittags der 6ö Jahre alte Vorbeter Wittkoiver durch eine», im Trabe um die Ecke kommenden, durch den 24jährigen Kutscher Gustav Hacke geführten Bierwagen überfahren und auf der Stelle gerödtet. Der Kutscher wurde verhaftet.— Beim Abspringen von einem durch die Brandenburgslraße fahrenden Rollwagen gerieth der löjährige Arbeilsbursche Ernst Bassennobel unter die Räder und trug eine erhebliche Quetschung des rechten Fußes davon.— Abends lief an der Ecke der Jork- und Belle-Alliance- straße der I3jährige Sohn des Arbeiters Schoppendauer gegen einen Bierwagen, wurde überfahren und am linken Fuße be- deutend verletzt. Ein verdächtiger Fund ist dieser Tage ans dem Gelände der Gewerbe-Aiissiellung gemacht worden. I» einem Gebüsch unweit mehrerer Wirlhschaslen lag einen ganzen Tag über ein fast neuer Sack. Da niemand ihn abholte, so untersuchte man ihn schließlich auf seinen Inhalt und fand darin«ine Menge kleiner Würstchen nach Art der Frausiüdter oder Frankfurter und gehacktes Fleisch. Würste und Fleisch waren bereits in Fäiiliiib übergegangen und mit Made» stark durchsetzt. Der Eigentdümer, der nicht ermittelt worden ist, hat die Sachen jedenfalls freiwillig weggeworfen, um sie nicht beschlagnehmen zu lassen; auf Anordnung der Polizei wurde der anrüchige Fund in dem Gesträuch vergraben. Erhängt hat sich am Mittwoch Abend der 39 Jahre alte Fensterputzer Gustav Blümchen aus der Ruppinerstr. 1. Weshalb Blümchen Hand an sich gelegt hat, ist nicht bekannt. Zu dem verhänguißvolleu Gerllstabsturz in der Cboriner- straße, über den wir scvon berichtete», wird nunmehr polizeilich mitgetheilt, daß nach dem Eutachte» des sachverständigen Bau- beailiten die Ursache des Unfalls in der Ueberlastung des mittleren Bockes sowie i» der Mangel haften Befestigung desselben am Dache mitiels eines nicht mehr haltbaren Strickes zu suchen sei. Der verantwortliche Dachdecker Wilhelm Hempel wurde verhaftet. Vou de» fünf Garde-Kürassiere«, die am Sonnabend bei dem großen Divisionsexcrzieren der Garde-Kavallerie verunglückte», sind vier, die nur revierkrank waren, bereits vollständig wieder- hergestellt; der fünfte dagegen, ein Rekrut der 1. Eekadro», liegt noch im Lazareth, da er beim Sturz durch eine» Tritt seines eigenen Pferdes einen Schlüsselbeinbruch erlitten hat. Witteruugöübersicht vom 18. Juni 1896. Wcttcr-Proguose für Freitag, de» IS. Juui 18S6. Kühleres, veränderliches, vielfach wolkiges Welter mit Ge< witterregen und mäßige» ivestlichen Winden. Berliner W e t t e r b u r e a u. Geiverbe-Ausstelluttg 1896. Ans der Gewerbe- Ausstclluug wird von einem Bericht- erstatter geschrieben: Große Mißstinimnng verursacht bei den Gastwirthen in der Ausstellung eine Versügung, welche beftimml, daß Fuhrwerke nach 9�/. Uhr morgens, welch« für die Gastwirlhe Waaren bringen, nicht mehr bineingelassen werden. Eine Aus- nahmestellung nimmt nur die Firma Adlon»nd Dressel ein, bei welcher durch die gleiche Verfügung die Fuhrwerke bis 2 Uhr nachmittags vorfahren dürfen. Wiewohl nun dieses Restau- raul die besondere Bcgüusligung hat, wird durch die Besitzer desselben nichts gethan, um die durch die Wagen zer- fabrenen Wege auszubeffern. Diese Wege bei Adlon u. Dressel befinden sich in einem ganz entsetzliche» Zustande; tiefe Löcher machen das Gehen dorr unangenehni, hoher Sand bedeckt bei trockenem Weller den Fußboden, der bei Eintritt vo» Regen- wetrer geradezu unpasiirvar wird. Diese besondere Rückficht- »ahme des Arbeitsausschusses gegen Adlon u. Dressel verursacht bei de» Pächiern in der Auestellung noch um so mehr Erregniig, als ja der erwähnten Firma als Generalpächter das Terrain zu bemerkenswerth billigem Preise überlassen wurde. Ter BLgermcifter von Oppeln, Herr Dr. Lange, der sich zum Besuch der Gcwerbe-Aiisstellung hier aushielt, ist am Milt- woch in der Nähe des Pavillons der Stadl Berlin verunglückt. Herr Dr. Lange halte bei einer Besichtigung der dort ausgestelllen Kaiialisatioiiswerke das Unglück, über eines der Rohre zu stolpern und so unglücklich zu Boden zu stürzen, daß er sich einen Bruch des nchlen Uiilerarmes zuzog. Dem Verunglückten mußte aus der Sauitätswache ein Gipsverband angelegt werden. Geviriiks-Leitung. Ter Meineidsprozeß Wisser hat am Donnerstag vor dem Schwurgericht Erfurt dcgonnc». Einem Bericht der„Voss. Zeiinng" entnehmen wir solgendes: Nachdem sich der wegen Verleitung zum Meineid unter Anklage gestellte ehemalige„wild- liberale" Reichstags-Abgeordneie und Herausgeber der„Deutsch. Bauernztg.", Bauernputsbesitzer Friedrich Wiffer aus Windisch- Holzhausen, wenige Tage vor dem Verhaiidluilgslermiii durch Selbstmord dem Richter entzogen. hat sich das Schwurgericht nur noch mit der Aburtheilung des nach der An- klage von seinem Brotherrn zur Abgabe eines falsche» Zeugnisses verleiteten, im übrigen geständigen Arbeiters Emil Karow zu beschäftigen. Ei» zweiter Knecht Wiffers, der eben- falls von diesem zum Meineide verleitet sein soll, der Musketier Jllig, ist am letzten Sonnabend vom Militärgericht abgeurldeilt worden; dem Vernehmen nach hat das Gericht auf mehrjährige ' Zuchthaussirafe und Ausstoßung aus dem Soldatenstaude erkannt. Der vielbesprochenen Angelegenheit liegt folgender Sachverhalt zu gründe: Am 12. April 1895(Charfreitag) traf Wisser ans der Chaussee zwischen Windischholzhausen und Schellroda mit dem Landwirth Oehler, mit dem er schon lange auf gespanntem Fuße lebte, zusammen. Als Oehler an ihm vorbeiging, sagte Wisser zu ihm:„Na Du Spitzbube!" worauf Oehler ent- gegnete:„Du bist eher ein Spitzbube, wie ich!" und weiter schritt. Wisser lief ihm nun zornentbrannt nach und versetzte ihm mehrere Schläge mit seinem Stock über Kops und Rücken, so daß Oehler. der Wisser wiederum einige Fußtritte versetzte, blutunter- laufene Schwielen davontrug und infolge dessen die Straf- Verfolgung Wisser's wegen Körperverletzung und Bedrohung ver- anlaßie. In dem in dieser Sache abgehaltenen Termin vor dem Schöffengericht in Erfurt ain 26. November 1895, sowie auch in der Berufungshandlung am 2. März d. I. vor der Strafkammer des Landgerichts Erfurt machte Wisser geltend, daß Oehler ihn zuerst mit dem Fuße gestoßen habe, worauf er zur Abwehr von seinem Stock Gebrauch gemacht habe. Er berief sich hierbei auf das Zeugniß seiner beiden Knechte Karow und Jllig, die aus einer weiteren Entfernung den Vorgang beobachtet haben wollten und unter ihrem Eide die Angabe» Wisser's bestätigten Diesem Zeugniß, das von den belden Zeugen auch in der Revisions- Verhandlung wiederholt wurde, standen die Aussagen sämmt- licher anderen Zeugen, die den Vorgang gesehen hatten, entgegen. Nur der Sohn Wisser's, der unvereidigt blieb, machte mit den Knechten übereinstimmende Aussagen. Das Gericht vervrthcille Wisser zu 115 M. Geldstrafe oder 23 Tagen Gefängniß, welches Unheil auch von der Slraskammer bestätigt wurde. Die Staatsanwaltschaft leitete nunmehr gegen Karow und Jllig, die des Meineids verdächtig erschienen, Voruniersuchung ein. Es wurde alsbald festgestellt, daß Karow an jenem Nachiuittage in der Kntscherstube geschlafen habe. Um die Vesperzeit kam Wiffer auf den Hof, sah zum Fenster hinein und ließ, indem er ausrief:„Da liegt Ihr nun und schläft und da hinten können sie einen todtschlagen!", Karow wecken. Demnach tonnte Karoiv von dem ganzen Vorgange nichts gesehen haben. Er war auch geständig, will aber von Wisser z» dem falschen Zeugniß bestimmt sein. Nach den Ermittelungen der Staatsanwaltschaft, die in dem Termin durch Staatsanwalt Schuberl vertreten wird, hat Wiffer kurz vor dem Termin vor dem Schöffengericht zu Jllig und Karow gesagt, er habe gehört, daß sie beide den Vorfall vom Gartenhaule aus gesehen hätten, beide fchiviegeu, da sie nichts mit der Sache zu thun haben wollten. Kurz darauf heirathele Karow und Wisser versprach ihm sechs Scheffel Kar- toffeln. Dann theilte er rhm mit, daß er ihn und Jllig, der in- zwischen zum Militär eingezogen worden ivar, als Zeugen vor- geladen habe, weil sie doch vom Gartenhause aus geiehsn Hairen, daß Oedler zuerst mit dem Fuß gestoßen habe. Er(Karoiv) solle sich nur nichr vor dem Oedler fürchten und sich nicht verplappern. Weiter bekam Karow den Auftrag, dem Jllig einen Korb mit Kuchen und Braten zu überbringen und ihn zu ermahnen, seine Aussagen so zu machen, wie Wisser es mit ihm besprochen habe. Karoiv erhielt für diesen Gang 2 M. Am Sonnlag vor dem Termin ließ Wifser den Jllig nochmals hinauskommen. Er und Karoiv mußten sich vor dem Garten- Hause aufstellen Und Wiffer überzeugte sich, daß von dort ans der Vorfall genau hätte gesehen werden können. Er sagte schließlich noch:„Na, Ihr müßt es gesehen haben!" Außer dieser Affäre schwebten gegen Wiffer»och mehrere andere Meineids- prozeffe, deren Verfolg zur Verhaftung weiterer Dienstboten Wisser's, sowie dessen Sohnes führte, die ihrer Aburtheilung noch entgegensehen. Leipzig. Der Hochverrathsprozeß gegen den 21 Jahre alten Buchbinder I a c o b i aus Freibnrg siudet am 1. Juli d. I. vor dem II. und III. Slrasseuat des ßleichsgerichts statt. Den Vorsitz wird Senatspräsident v. Wvlff führen. A» die Schneider und Siäheriune» aller Vraucheu! Am Montag, den 22. Juni, abends 8'/i Uhr, tagt in Keller's großem Saal eine öffeuiliche Versammlung, in welcher der Reichstags- Abgeordnete Genosse August Vebel über d i t Arbeirerkämpse in der Konfeklions-Jndnstrie und ihre Bedeutung für die Emanzipation der hausindustriellen Arbeiter referiren wird. Die F ü n f e r- K o m m i s s i o n. I. A.: I. T i m>n, Vertrauensmann. Ten Berliner Hntfabrikauteu scheint die Situation immer uiiaiigeuehluer zu werden. Durch allerlei unwahre Berichte suchte ma» im„Deutschen Blatt", in der„Morgeuzeitung" und anderen Blättern das Publikum zu täuschen und glaubt die Arbeiter verwirren zu können. Neben den allgemeinen Redens« ar'eu, daß der„Streik" vom Zaun gebrochen wäre, versteigen sich die Herren Fabrikanten zu der ganz unbegründeten Behaup- lung, daß der Streik beendet sei und die Fabrik«» vollständig besetzt seien. Natürlich ist diesen Angaben kein Glauben bei- zumesse», denn, wenn es znträse, daß die Hutarbeiler ersetzt sind. warum schicken denn die Arbeilgeber ihre Apostel in alle Provinzen, um Streikbrecher zu werbe». Die Unkosten könnte man doch spare». So traf z. B. der Kaufmann Grimm von der Firma Silbennan» am Mittwoch Vormittag mit 4 Mann unter starker Bedeckung in Berlin ein. Es wird aber ein leichtes sei», diese 4 Persone», wie schon viele andere, zur Rückkehr zu be« wegen, wenn sie von dem Sachverhalt in Kenntliiß gesetzt sind. Der vielfachen Behauptinig der bürgerlichen Presse gegenüber, daß der Streik unbegründet sei, wollen wir nur darauf hin- weisen, daß seinerzeit der Meister Menze, der gelegentlich schon etwas näher von uns geke»nzeichnel wurde, zu einem seiner Bekannten äußcrie. daß er aus bestimmter Quelle wisse, man plane vou seilen der Fabrikanten nach Pfingsten«inen größer«» Hut- ardeiler-Streik. Hieraus geht also klar und deutlich hervor, daß ma» es auf ein Atlenlat gegen die Organisation der Hutarbeiter abgesehen hatte. Wir können daher der salschen Bericht« in den bürgerlichen Blättern spotte», denn wenn irgend etwas gee>g»er er- fcheinen könnte, die Arbeiter in ihrem Siegesbeivußlseiil zu stärken, so ist es die verlogene Schrcibiveise der kapitalistischen Presse. Die Arbeiterschaft wird es dem Uulemchmerrhum zeige», daß sie nicht gewillt ist, sich das gesetzlich gewäbrleistete Koalitious- recht rauben zu lassen. Als erfreuliche Thaliache können wir den Arbeitern miitheilen, daß sich drei Meister der Rüdersdorfer Hntfabrik durch Namensunrerschrift verpflichtet haben, kein« Slreikbrecher auzulerne». Zum Schluß haben wir noch zu bemerken. daß die Frankfilrter Kollegen sich zur Abreise bereit erklärt haben, nachdem ihiieii die Handlungsweise der Unleruehmer klargelegt wurde. Hieraus resultirl. baß die Aufwendungen dieser Herren vergeblich waren. Tie Lohnkomniissio». Die Agitations- Kommission der Schuhmacher von Rixdors theilt mit, daß auf dem zur Vertdeilung gelangten Flugblatt die Geschäfte von Bor» schein. Bergstr. 43. und Planerk. Wißmnlinslr. 39. zu streichen sind, da in beide» Geschälte» die Arbeiter wegen Lohnabzüge die Arbeit eingestellt haben. Gleich. zeilig ivird gebeten, de» Zuzug feriizubalten, denn von mehreren Geschäften werden bereits Lohnreduklioneu geplant. Zum Wcberstreik in, Enlengcbirae wird uns von L a n g e ii b, e l a u unterm 15. d. M. gescurieben:„Heute fand hier wiederum eine V-rsammlimg der Streikende» stall. Di« Streikkominission gab das Resultat ihrer Nnterhandlung mit dem Fabrikbesitzer bekannt. Herr Neugebauer ist nur zu ganz geringen Zugeständnisse» bereit. Die Löhne sollen künftig- hin nach der gewobenen Anzahl der Meter bezahlt werden. Für Flanelle bewilligte er eine Lohnaufbcsseruug von >0 Pf. pro einfaches Stück. 20 Ps. pro Doppelstück. Von der Herabsetzung der Arbeitszeit aus 10 Stunden, wie dt« Streileudcu verlangen, ist in dein betreffenden Schriftstück, das die Firma an die Streikkommission hat gelangen lassen, garnicht die Rede. Die Versammlung lehnte denn auch diese geringfügigen Zngeständmffe ab und beschloß, auf den alten Forderungen zu beharren. Die Andreherinnen haben sich nun ebenfalls dem Streik an- geschlossen, sie fordern für das Andrehen von 10» Gang 70 Pf., anstatt wie bisher 00 Pf. In sämmtlichen hiesigen Fabriken wird 70 Pf. für diese Arbeit bezahlt, nur bei B. Neugedauer Söhne nicht. Außerdem fordern die Andreher für das Reigen der Drabt- geschirre ohne Schrank einen Zuschlag von 30 Pf. pro Kette. — Der Geist der Streckenden ist nach wie vor ein guter." Der Verein für kanfniännische Angestellte zu Frank- f u r l a. Ai., der bekanntlich von dem Kongreß des Verbandes kanfmännischer Vereine zu Berlin aus dem Deutschen Verbände ausgeschlossen worden war, hatte am 10. Juni eine öffentliche Versammlung einberufen. Diese war auch vom gegnerische» Verein lehr stark besucht. Die Referenten, Herr L o e b, der von dem ausgeschlossenen Verein nach Berlin delegirt war, sowie Dr. Q u a r ck und alle Diskussionsredner, auch die vom Frank- furrer kaufmännischen Verein, der vergeblich gegen den Aus- schluß seines dortigen Konkurrenzvereins prolestirl halte, rügten in scharier Weise die Handlungsweise des Verbandes. Schließlich fand folgende Resolmion gegen 7 Stimmen Annahme: Die heutige öffentliche Versammlung Frankfurter Handlungsgehilfen und Gehilfinnen erklärt sich mit den Aussüdrungen der Referenten völlig einverstanden. Sie erblickt in dein Älusschluß des Vereins für kaufmännische Angestellte ans dem Verbände kallfmännischer Vereine das Eingeständniß dafür, daß dieser Verband die Jnler- essen der Handlungsgehilfen nicht vertreten kann und will. Die Versammlung drückt daher dem Verein für kaufmännische An- gestellte und dessen Bestrebungen ihre volle Sympathie aus und ersucht denselben, auf dem von ihm beschrltleuen Weg im Interesse der Handlungsgehilfen fortzuschreiten. Der Tchnhmacherstreik in Elmshorn ist beendet. Tie ziviscyen den Fabritanten und der Lohukoiiniussioii getroffene Vereinbarung lautet: 1. Die Arbeit wird zu den allen Lohniätze» wieder aufgenommen. 2. Die in de» Streik gegangenen Arbeiter müssen bei den Arreitgebern, bei welchen sie beschäftigt ivaren, wieder in Arbeil treten. 3. Maßregelunge» finden nickt statt. 4. Der Verein ist bereit, falls die Konjunktur sich derartig gestaltet, daß für die Waare ein Ausschlag zu er- zielen rsi, welche eine Lohnaufbesserung zuläßt, den Arbeitnehmer» dementsprechend entgegenzukommen. Obwohl also die Arbeiter trotz mehrwöchentliche» Streckens eigentlich nichts erreicht haben, so ist doch anzunehmen, daß die Fabrikanten es in bezug auf das Innehalten des Punkt 4 ehrlich meine», daß den Arbeitern also bei steigender Konjunktur die Früchte des Streiks zufallen werden, denn die Fabrikanten werden ein zweites Mal es nickt so leicht aui eine» erneuten Bruch mit ihre» Arbeitern ankommen lassen. Zuzug von Schuhmachern ist noch fern zu halten. Gewerkschaftskiimpfe in Dresden. Es streiken noch 000 Maurer und 20 Erdarbeiter des Dresdener Tiefbau- Amtes, die die Erhöhung des Stundenlohnes um 3 Pf. fordern. Der Streik der M e l a I l s ch l ä g e r soivohl als auch der Hut- macher dauert unverändert fort. A u s g e l ö st wurde«ine stark besuchte S ch u h m a ch e r v e r s am in l u n g, die am Dienstag Abend in Dresden stattfand. Es ist dies seit kurzer Zeit schon die dritte Schuhmacherversaminluug, in der der Haupt- revner nicht ausreden konnte. Die Manrer von Mainz und Umgebung haben gestern, wie der„Frankfurter Zeitung" gemeldet wird, an die Bauunter- nehmer ein Memorandum zur Beantwortung bis 20. Juni ge- richtet, in dem sie einen Stundenlohn von 40 Pf. verlangen, also eine Erhöhung des gegenwärtigen Lohns um 2 Pf. pro Stunde. Den Maurern, die weniger als 30 Pf. verdienen, soll der Lohn als Minimallohn auf 30 Pf. erhöhl werden. Der Durchschnitts- lohn für die Handlanger soll auf 30 Pf., der Minimallohn auf 27 Pf. pro Stunde festgesetzt werden. Weiter verlangen sie genaue Beobachtung der zehnstündigen Arbeckszeit, in Ueber- stunden eine Lohnerhöhung von 36 pCt., bei Nachtarbeit von 86 pCt. und bei Sonutagsarbeit von 100 pCt. bei wöchentlicher Lohnzahlung. Ter Kattnlldrnckcr-Strcik in Li e sing bei Wien endete mit einem Siege der Arveiter. Der Kürschnerstrcik bei der Wiener Firma Tlusty u. Knöpflmacher dauert fort. VevsÄmmlungen. Oeffciitlichc Versammlung der Möbclpolircr für Nix- dorf am Sonntag, den 14. d. M., in Babenschneidcr's Renanrant, Hermannstr. IS7. Zunächst reserirte der Delegirte vom Rixdorfer Gewerksckaftskartell über die Thäligkeit desselben. Zum Dele- airten resp. Stellvertreter wurden gewählt Kollege O. Sckmoldt und Kollege Schmike. Unter Verschiedenem wurden die Kollege» ersucht, soweit es noch nicht geschehen, sich dem Verein„Vor- wärts" anzuschließen. Der Verband der Möbclpolirer hielt am 16. Juni eine Versammlung ab. Zur Verlesung gelangte ein Brief des Herrn Just, in dem der Einsender bestreitet, daß bei ihm ein Streik ausgebrochen wäre; dagegen konnte aus dem Schreibe» ent- nommen werden, daß Lohnadzüge stattgefunden haben. Hierauf sprach Genosse M i l l a r g in einem beifällig aufgenommenen Vortrag über:„Die sozialen Verhältnisse im Baugewerbe", dem eine längere Diskussion folgte. Sodann bewilligte der Verein für die Huimacher 100 M. und für die Privalpost- Angestellten 25 M. Am 9. Angust veranstaltet der Verein eine Dampferpartie »ach Nedlitzsee. Berichtigung. In unserm Bericht über die am Sonntag im Feenpalast stattgehabte Volksversammlung ist ein Jrrthum unterlausen. Der?lnlrag von Genossen des 4. Wahlkreises ver- langt nicht Abschaffung der Frauen- und Kinderarbeit, sondern, unserm Parteiprinzip entsprechend, nur Abschaffung der Kinderarbeit. Vermischtes. Malaria? Der„Hamburgische Korrespondent" meldet vom Donnerstag: Die schwediscke Bark„Thrine", von Kamerun kommend, wurde heute in Kiixbaven eingeschleppt nnd in Quarantäne gelegt, weil an Boro derselbe» eine Krankheit herrscht, au welcher der Kapitän, der Steuerman», der Sckiffs- zimmermann und ein Malrose verstorben sind. Die Art der Krankheit ist noch unbekannt, wahrscheinlich handelt es sich um Malaria. Alle erforderlichen Borsich tsmaßregeln sind getroffen. Heute Abend kommt das Schiff unter Bewachung zur Hafen- ärztlichen Untersuchung nach Hamblirg. Ein Kaiser-Williclm-Tcnkinal ist dieser Tage auf dem Kyffhäuser enthüllt worden. Nach den Abbildungen zu urthcil«», haben die Musen bei dem Eulwurfe nicht Gevatter gestanden. Derselbe repräsenlirt ein würdiges Seilenstück zur hüsigen Sleges- säule aus dem Königsplatz. Frömmigkeit mit Tauzmnsik. Das nltramoutane„Bayr. Vaterland" schreibt: Ter katholische Mäniiervcrein Straubing. alles Katholiken erster Klasse, staltete, Mäimlci». Weiblei» und Kinder, am 13. per Bahn Unserer Lieben Frau von Bogen einen Besuch ab—„Wallfahns- Ausflug" heißt es im betreffendeu Ausschreiben—, nach demselben „Unterhallnng nach Belieben". Was das für eine Unter- Haltung je. war, sagt ein weiteres Ausschreiben, nämlich „große Tanzmusik in der neuhergerichteten Kellerhalle in der Starz erbräuerei". Eine Tanzmusik mit Frömmigkeit und Wall- sahrtsvergnügen ist das Neueste auf dem Gebiet„echt katholischer" Erfindungen!— Unseres Erachtens hätte das„Vaterland" am wenigsten Ursache, darüber zu nörgeln, daß ein Theil der Katholiken bei allem Christenlhuin noch nicht verlernt haben, fidel zu sein. Neber den Untergang deS Dampfers„Drummond Castle"(siehe unter Depescken in gestriger Nummer) wird aus Brest gemeldet: Der Dampfer ist infolge Auslaufens auf einen Felsen ans der Höhe der Molenen- Insel» gesunken. Von den 250 Personen, welche sich an Bord befanden, sind nur drei gerettet. Ein Bergnngsdampfer ist Mittwoch Abend nach der Uuglücksstelle abgegangen.— Die Molenen- Insel» liegen etwas südöstlich von der der Nordwcstspitze Frankreicks vorgelagerten Insel Queffant; der Dampfer wollte, wie es scheint, die Passage de Fromveur zwischen Queffant und Mo- lene beniitze», um in den Kanal einzulaufen. Die drei Ueberlebenden aus dem Schiffbruch sind 3 Matrosen; dieselben sind in elendem Zustande an der Küste angekommen. Bis jetzt sind 16 Leichen geborgen worden, drei wurden von den Welle» an die Küste der Insel Molene geschleudert. Zwei Männer nnd eine Frau wurden mit Seilen zusammengebunden aufgefunden. Ein Passagier und seine Frau halten sich ans Schiffslrümmern gerettet, wurden jedoch nur wenige Meter vom festen Lande von den Wellen verschlungen. Bei einem Brande in der Brüsseler Vorstadt Jxelles, der durch eine Explosion verursacht wurde, kamen zwei Personen in de» Flammen um, siinf wurden schwer verletzt. Aus Gent wird gemeldet: Mittwoch Abend entstand in dem Augenblick, als der Dampfer„Anders" nach London abgehen sollte, ans demselben eine F e n e r s b r u n st. Die ganze Ladung mußte unter Wasser gesetzt werden, um das Schiff zu retten. Wie anö Paris gemeldet wird, wurden die beiden Mörder der Baronin Valley in La Guenie verhaslet und legte» ein um- fassendes Gesläuduiß ab. In Budapest vermigliickten kürzlich in der Nacht infolge eines Betnebsiinfalles auf der Ofcner Seilbahn sechs Persoiie», darunter fünf von der Soiree bei dem Ministerpräsidenten Baron Banffy heiuikehreiide Journalisten, nämlich der Schwede Schip- stedt, zwei französische Journalisten, der Italiener Valera und der Wiener Korreipoudeut eines Londoner Blattes. Sie erlitten säinnillich nur»nbedeureiide Verletzniigen. Bei dem Unfall ivurde ein Wagen gänzlich zerrrümiiiertj wunderbar ist es, daß anscheinend nicinand von den Betroffenen ernstlich verletzt wurde, Der Wiener Korrespondent Horoivitz blieb einige Zeil bewußt- los ans dem Platze liegen. Man hat die Angesteilten, welche während des Unfalles im Betrieb thätig ivaren, verhaftet. Welche Schuld sie trifft, wird nicht gemeldet. Wie in llinstland geschmuggelt wird. Auf einer der nach der Grenze führende» Eisenbahnen ivaren von einem Zoll- beamte» unter bei» Sitzplätzen der Personenwagen Geheimfächer entdeckt worden, die ersichtiich für de» Schmuggel ausländischer Waare» bestimmt waren. Die Prüfung ergab, daß die Einrich- tung dieser Geheimfächer viel Zeit beansprucht haben muhte. Wer die Eiurickiung angeordnet, wer sie ausgeführt und, mehr »och, wer sie vielleicht seit Jahren ausgenntzl hat, blieb, wie immer in solchen Fällen, unbekannt. Briefkasten der Redaktion. Tie juristische Tprechstnude findet am Montag, Dienstag, Freitag»nd Sonnabend, abends von 0—7 Uhr statt. Metallarbeiter. Berichten Sie die Angelegenheit in der nächsten Verianlnilnng. Die Sache ist doch zu unbedeutend. W. W. 2S. Wenden Sie sich an eine der städtischen Fortbildungsschulen für Mädchen und Frauen. Eine solche be- findet sich Friedenstr. 20. Für drnJnpalt der Inserate über- uimmt die Nedaktiv» deuiPublikum gegenüber keinerlei Verantwortung Cheater. Freitag, den 19. Inn i. vpernhan». Fra Francesco. Häusel und Bretel. Neues Gper»- Theater.(Kroll.) Carmen. Schanspielha»». Nathan der Weise. Deutsche« Theater. Der Meister von Palmyra. Lessing- Tlieatcr. Waldmeister. berliner Theater. Krieg im Frieden. ilenr» Theater. Taka-Toto. Neftdenz-Rheater. Der Stellvertreter. Vorher: Erlauben Sie Madame! Thtaker Nntrr den Linde». Das Sonnlagskind. K chill er Theater. Vergnügte Flitter- ivochen. Adolph Ernst-Theater. Cbarley's Tante. Vorher: Die Bajazzi. Kelle-Allianre-Theater. Der Fall Clemeuceau. Natioual-Theater. Des Meeres und der Liebe Welle». Fmdrich-Wilheliiiftädt. Kanzert- parü. Epezialitäten-VorsteUnng. ZlpaUo»Theater. Sprzialilälen-Bor- stelluiig. Kansmalttt'a Uartsts. Spezialitäten- Borstelluiig. Kchiller-Tlfeater. (Wallner-Theater.) Freitag, abends 8 Uhr: Uergnngte Flitterwochcn. Sonnabend, abends 3 Uhr: Der» gniigte Flitterwochen. KAIRO von 7 Uhr abends ohne Gewerbeausstellungs-Billet _ zugänglich._ W I IIJ ft von 10 Uhr vorm. geöffnet. R n i ml 1. Eingang: Ausst.-Bahnh, n Ein9. Köpnick.Uandstr. KAIRO Waffensamml. d. Chadiwe; Samml. d. egypt. Behörden, Schwert des Mehomet-Ali. 17 fi Iß(l Salon bedeutender MüSiü Orientmaler. KAIRO Riesen-Arena mit Monstre- Auffiihrungen v. 500 Pers. m. Pferd., Dromedaren etc. KAIRO Leibltapelle d. Chediwe 60 Mann in Uniform, 3 Hauskapellen, KAIRO Arena: Beduinenkampfe und Reiter- Fantasias um 5 und 8V, Uhr nachm. Theater Alt-Berlin. Abends Uhr: Gotskowsky. Unsere Viktoria Miirkisches KittgeiKeche». Sonuabeud zum ersten Male: JitdMckv unfr Sohn. Poffe in 3 Akten ppn Julius Keller und Louis Hermann. � H-B e i* I i n. Sei günstiger Witterung nachmittags 4 Uhr und 0 Uhr: tlufeiig zum Ringelstechen. Zwei M» s i k k 0 r p S. Süddeutsches Doppel- Quartett „Alemania" in schwarzwälder Volks- »rächt. Hofsäuger Sr. köuigl. Hoheit des Großherzogs von Baden. Eintritt: 25 Pfg. Donnerstag— bis 0 Uhr— 50 Pf.. später 25 Pf. Passepartouts ch 4 Mk. OlKil Cheops-Pyramide aAAEU mit Könlgsgräbem. KAIRO Elltree 50 pf- Elitetag(Dienstag) I Mk. Vf I|nr| Dauerkarten: Erwachsene K Ä 1 K 11 15 Mark, Kinder 8 Mark, im Bnreatx Kairo und bei C. Stangen, Mohrenstrasse 10. Ws Noack's Sommer-Theater. Brunnenstr. 16. Täglich: Konzert, Theaiei* und Spezialitäten-Vorstellung. Jede» Sonnlag, Montag. Diensiag und Donnerstag: & Gr. Ball. Das Köttigreich der Weiber. Operette in 3 Bilder» von Millöcker. ckallns Ernest, Liedersänger. Franziska Wünsch, Kostüm-Soubrette. Willi Renschel, Gesangs< Humorist. •lanks Bos'l, Operusängeriu. ßesohw. Eomany, Gesangs-Duettisten. Adolph Ernst-Theater. Anfang S Ubr. Charlet) s Tante. Schwank in 3 Akten von B r a n d 0 n Thomas. Repertoirestück des Globe- Thealers in London. Vorher(Anfang 71/2 Uhr): Die Bajazzi. Parodistische Poffe mit Gesang in 1 Akt von Ed. Jacobson und Benno Jacobson. Musik von F. Roth. Morgen: Dieselbe Vorstellung�_ UMM-TlMltt. uOH-oße Frantlsu» ter»»äste li1£. Direktion: Max Saust. Volksvorstellang zu bedeutend er- mässigten Preisen. Gastspiel des Herrn Robert llartberg vom Stadttheater zu Düsseldorf. DcsMtettsiliidiittLiebeWelleii oder: Hers und Leauder. Trauerspiel in 5 Akte» von F. G rillparzer. Regie: Lrip Kchäfrr. Morgen: Muttrrftgr« oder: Die neue Fanchon. Natioual-Theatergarteu. Hrntr: Groffr» Konzert. Kpezialitiite» ersten Range». Theaterftiickr. Sonnabend: tstrohrr Uingltampf. Viktoria-Brauerei L&lzovstrasse III 112 (nahe Pvlsdamer. Platz). Krnte sowie täglich(außer Sonnabends): S-tettliier Säilger (Meysel, Pietro, Britton, Steidl, Krone, Röhl und Schräder). Anfang präz. 8 Uhr. Entree 50 Pf. In, Vorverkauf sind Villets ä 40 Pf. und Familienvillets ä 1 M, (für 3 Personen giltig) zu haben. Sieh« Plakate! Bei schönem Wetter im herrlichen Konzertgarten, bei schlechtem Wetter im großen Konzerlsaal. Urania. Tanbenstr. 48 49. Taubenstr. 48/49. Naturkuudlklie Ausstellung täglich geöffnet v. 10 Uhr vormitl. ab. Eintritt 50 Pf. Wissenschaftl. Theater abends 8 Uhr. Invalldenstr. 57/62, Lehrt. Stadtbahnh. Sternwarte täglich geöffnet v. 7 Uhr abends ad. Gintritt 50 Df. Castan's Panopticum. 165 Friedrichstrasse 165. na» Bärenweib phänomenales Natursoial ans den Felseubergeu New-Mexico's I Illusionen— Kasperle-Thealar— Damen-Kapelle— Irrgarten. Passage-Panopticum. C? 42 Mi Weiber aus Dahomey. Apollo Theater und Koiizert-Garten Friedrichstraße 218. Dir. J. Glück. Die Spree-Amazone Poffe mit Gesang nnd Tanz in 1 Akt v. iU. Semiield. Musik v. Paul Limeke. Anton Etml Pummel Henry Bender. Wanda Kiesel... Carl Schweimicke.. Tilli...... Clemens Stempel Guido Sturm... Hellmuth Wirbillini. Zum Schluß; Kroße AusstelliiRgs-Mhesse. Ferner Auftreten von 20 KunKlli listen 1. Ranges. Kasseneröffiinng 6�« Ubr. Konzert 7 Uhr.— üiij. der Vorstellung 8 Uyr. Este Linda. Fedor Markow. Clara Antonie. Robert Steidl. Hedw. Döring. Josef Armin. Reiehshallen'S, Leipzigerstraße, am Dönhoffsplatz. Sftf Täglich: Horddeutsche Säuger Ganz neu! La PUvS(Der Floh). Alle Inns Darrisens Anfang 8 Uhr. 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Kllngenberg's Tolkg- Garten), B e r Unerstrasse No, 40, sein _ VI. Stiftungsfest, bestehend aus: Garten-Konze rt, ausgeführt von einer _ 21 Mann starken Kapelle(Musikdirigent _ 0. Grass. Gesang(�.Kreuzberger Harmonie", Dirigent: Dlllenberger). T a n z(frei), Lebendes Bild, Riegen- Turnen etc. etc. ab, Entree 25 Pfg., Kinder frei. Eillet» vorher und an der Kasse. Zahlreichen Besuch erwartet 15/14 Das Comite. Aöilimg! Zimmerer. Mim! Sonntag, den 21, Juni, vormittags lO1� Nhr, in den Armiuhallen, Kommandantenstraße Ur. 20: des VerblUldes detttslher Ziiiiillerleilie (Zahlstelle Berlin). Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Neuwahl des gesaunnten Vorstandes. 3. Bericht des Kameraden S t e h r betr. Vereinigung belder Organisationen. 4. Verschiedenes. Kaineraden! In Nndelracht der wichtigen Tagesordnung ist es noth- wendig, daß Ihr Mann für Mann in der Versammlung erscheint. Ferner werden die Mitglieder ersucht, sämmtliche aus der Bibliothek entnommenen Bücher mitzubringen._ 255/2_ Der Vorstand. Mpieiiie Kranken- nnd Sterdekaise der Metallarbeiter Filiale Berlin 3. Konnabend, SO. Innt, abends S'/s Uhr, bei Liewald,M>,nteuffelstr.46: NHtgliarlSi'» Vs�sammltnig. Tages-Ordnung: 2246b 1. Kassenbericht. 2. Bericht der Delegirten von der Generalversa»»»- lung. 3. Jahresbericht. 4. Wahl der Ortsverwaltung und des Vertrauens- arztes. 5. Verschiedenes. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet und ist es Psticht aller Mit- alieder, in derselben zu erscheinen. Die Zahlstellen in der Eisenbahnstr. 35 bei Semisch und Falckensteinstr. 5 bei Gonell bleiben an diesem Abend ge- schloffen und werden nur Beiträge im Versammlungslokal angenommen. Die Ortsverwaltung. VerfQMtttluzlg Achtung! der AWreteure, Iekateure, Urber und Berufsgenossen am Sonntag, den 21. Juni, vormittags 10'I, Uhr, bei Willne, Andreasstraße 26. Referent: Genosse Jahn. Zu dieser Versammlung werden besonders die Frauen eingeladen. 22453 Der Verein der Berliner Buehdrueker und Sehriftgiesser. Das vom Zentralvorstande an die Mitglieder des Verbandes gerichtete zweite Flugblatt wird heute, Freitag, ausgegeben. Die Vertrauensleute werden ersucht, die für die Mitglieder des Berliner Vereins bestimmten Flugblätter auf der Verwaltung, Neue Grünstrasse 14, von vormittags 10 Uhr an, abzuholen. Der Verstand. Grabe öäciltliche Versaiiiinliiilg der Schneider nnd Näherinnen aller Brauchen der Schneiderei und Konfektions-Jndustrie NM WlonkAg» den 22. Juni, ubeuds 8� Mhv. in U. Kellers Llvstfiilen» MoppenNrntze 20. Tagesordnung: Die Arbeiterkämpfe in der Gegenwart und ihre Bedeutung für die Emanzipation der hausindustriellen Arbeiter. Referent: Reichstags-Abgeordneter Augusl: Bebel. Wir fordern alle Betheiligten auf, in dieser wichtigen Versammlung zu erscheinen. 16515 Die Fjinfer-Kommissio». I. A.: I. Timm, Vertrauensmann. Achtung! ZlwiBnereB'. Achtung! Verein der Zimmerer Berlins und Umgegend. Sonntag, den 21. Inni, vorm. 10 Uhr, in Cohn's Festsälen, Kenthstr. 21,22: Anbembentliche Gemal-Mchmliiiig. Tagesordnung: 1. Ist es möglich, in Berlin für die Zimmerer eine einheit- liche Organisation zu gründen? 2. Vereinsangelegenheiten. 27S/1 Kameraden, vorstehende Tagesordnung ist für jedes Mitglied so wichtig, daß keiner in dieser Versammlung fehlen darf. Um weitere Agitation und pünktliches Erscheinen bittet Drr porkand. I. A.: E. Obst. Orts-Krankenkasse der SfellmacheB«. Sonntag, den 28. Juni, vorm. 10 Uhr, im Lokale des Herrn G r ü n d e l, Brunnenstr. 188: Mtssem'd. Generalrersammlnng. Tagesordnung: 1. Beschlnßsassung über den Antrag der Gewerbedeputation: Erniedri- gung des Gehalts des Nendanten. 2. Abänderung des Statuts. Um zahlreiches Erscheinen wird dringend ersucht. 2244b Ter Borstaud. A. R e n n e r t. Vorsitzender. Berliner Spar- nnd Banverein, eingetragene(Genossenschaft mit bc- schränkter Haftpflicht, Bilanz am 5t. Tezember t�S5. Aktiva. 1. Grund-u.Bodenkontol 2. Baukonto 1.... 3. Grund-u.Bodenkonto2 4. Bankonto 2, 5. Grund-mBodenkonto 3 6. Bankonto 3..., Jnvencarkonto... 8. Bank-Gulhaben... 9. Kaffabeftaiid.... Passiva. . Geschäflsguttiabsnkoiito Zugang im Jahre 1835 Rückzahlungen i. 1. 1335 2. Spareinlagen-Konto. 3. Reservefonds-Konto. 4. Hypolheken-Konto 1. 5. Hypotheken-Konio 2. 6. Restkanfgeld Gruudst.3 7. Reingewinn.... M. Pf. 57 787,50 166 422 80 56 292 50 164 738 13 32 835— 1 255178 641120 6 518 1 851 488 342 36 M. Pf. 47 663 15 9 936 45 57 659; 60 4 470175 53 188 17 695 996 200 000 190 000 25 000 1 462 488 342 Gewinnvertheilung. 3 pEt.Tiv.a. Geschästsgutyaben M. Pf. am 31. Dezember 1834. 1295 77 Dem Res.-Fonds gntzuschreib. 166 46 1462 23 Mitgliederzahl. Am 1. Januar 1835.... 1037 Eingetreten im Laufe d. 1. 1895 113 1210 Am 31, Dezbr. 1895 schieden aus infolge Ausschluß, Tod, Verzug und Aufkündigung..... 310 Best, an Mitgliedern a. 1. Jan. 1896 900 Die Haftsumme sämnitl. Mitglieder betrug am Schluß des Geschäftsjahres 1834....... M. 337 200 Dieselbe hat sich vermind. um„ 53 200 Gesaniinthaftsumme am Schlüsse des Geschäftsjahres 1895 M. 279 000 Ter Borstand. L.Schmidt. Ernst Roscher. Heinr.Freese. Verband aller in der Metall- industrie beschäftigt. Arbeiter Hcrlins und pmgegrnd. TM-Anzeige. Am 16. Juni verstarb au der Niereu- Wassersucht unser Mitglied, der Dreher VsH Heise. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 19. Juni, nachni 5'/, Uhr, von der Leichenhalle des Neuen Nazareth-Kirch- Hofes, Dalldorfer Chaussee, aus statt. Um rege Betheilignng ersucht 293/10 Drr porltaud. Tentscher Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berliu.) Montag, de» SS. Inni 1806, abend« 8 Uhr, im Lokal« de» Herr« Rautenhaus, Granienftrake 180: Versammlung für den Bezirk Südosten. Tages-Ordnung: 1. Fortsetzung des Vortrages über das Vereinsgesetz. Referent: Genosse Siwald. 2. Diskussion. 3. Ergänzung der Werkstatt- Kontrollkommission. 4. Verbandsangelegenheiten._ Montag, de» SS. Inni 1806, abend» 8 Uhr, im Englischen Garten, Alcrandrrltraße ST'c: AeckilileiiMliiiiler-KttsllMinlilng her Drechsler. M Tagesordnung: Welche Forderungen gedenken wir zu stellen? � Zur Beachtung! Es ist uiibediugr nolhivendig, daß jede Werkstatt vertreten ist. Mitgliedsbuch und Bertrauensmänuerkarte legitimirt, eveutuell kann beides in der Versammlung ausgestellt werden. 291/13 pir Grtsoermaltnng. Heute Abend: Sitzung der Ortsverwaltung bei Schöning, Kiipnicherstr. 08. Die Kouimissicnsmitglieder der Drechsler, sowie die Kollegen der Werkstatt Scharwies, Schöneberg, Hauptstraße 25, werden ersudzt, in dieser Sitzung anivesend zn sein. Deutscher Metallarbeiter-Verband. permaltungsstellr Kerlin. Sonntag, den 21. Juni, vormittags 10 Uhr, bei Schmidtke, Ktromstr. 38: Bezirks-Versammlnng für Moabit. Tages-i�rdiinug: 1. Vonrag des Kollegen kriedr. Schlcgsl über: Lohnarbeit nnd Kapital. 2. Tisknsstom 3. Verbandsangelegenheilen. Gäste willkoininen. Ausgabe der Urania-Billets zum 19. Juli. 293/3 Zahlreiches Erscheinen erwünscht. Die Grtsverwaltnng. Deutscher Metallarbeiter- Verband (Berwaltung Tchöneberg.) Tonnabend, den 20. Inni, abdS. 8 Uhr, bei Obst, Grunewaldstr. 110: l�iiglieeleR'.VeR'SSNHNHlungm Tages-Ordnung: Die gegenwärtige Lage der Metallarbeiter. 2. Diskussion. 3. Verbands- angelegenheiten. 4. Verschiedenes. 233 2 Große öffeiitliche Uersammlmlg der Leder-Galanterie-Arbeiter u. Arbeiterinnen am Dienstag, den 23- Juni 1896, abends B'/e Uhp, bei Heprn Henke, Naunynstp. 27. Tages-Ordnnng: 1. Vortrag des Herrn Timm über: Die Schäden der Hausindustrie und wie beseitigen wir dieselben? 2. Bericht der Lohnkommtssion über den allgemeinen Stand der Lohn» bewegung. 3. Verschiedenes. 2242b Achtung! StsBaker! Achtung! Oeffentliche Uersammlung jiev Siknnüev Verlins und Vingenend am Sonntag, den 2i. Juni 1896, vormittag s 10 U h p, bei Heprn Schneider, Belforterstraasa 15. T.-O.: I. Vortrag des Genossen Otto Sillirr. 2. Wahl eines Dele- girten. 3. Diskusston. 2250b Der Einberufer: I. Borchardt, Rheinsbergerstr. 29. Zur Deckung der Unkosten sinbet T-llersammluug statt. 6*4 Mariendorf. Sonntag, 21. Inni, nachm. Zl/eUhr, b.Teutschbein-Marienfelbe: Versammlung des Arbeiter-Bildnngsvereins. T.-O.: Vortrag des Stadtv. Gen. Brnhns. Diskusston. Fragekasten.— Gäste stets willkoininen. sl2/6j Ter Borstaud. Verantwortlicher Redakteur: August Jarobey, Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. 2. Beilage zum„Vomarts" Berliner Volksblatt. Ur. 141. Freitag, den 19. Juni 1896. Nbgeovdnvkenhaus. 83. Sitzung vom 18. Juni. 11 U h r. Am Ministertische: Schönstedt. Frhr. v. Hammer- stein und zahlreiche Kommissarien. Die Vorlage, betreffend die Aufhebung der r h e i- Nischen Hypothekeu-Aemter, wird in 3. Lesung an- genommen, nachdem eine gestern beschlossene Aendernng. die Mindestpmfion der Hypothekenbewahrer auf 4000 Mark fest- zusetzen, gestrichen worden war. Die Vorlage wird sofort in der Schlußabstimmung angenommen. Es folgt die Berathung der Mittheilung des Landwirthschafts- Ministers über die Verpachtung des Bernsteinmonopols und den Strafprozeß wider den Bernsteinfabrikanten Westphal in Stolp i.V. Abg. Jrmer(k.): Der Thatbestand des Prozesses steht fest, wenn auch noch die Revistonsinstanz beschritten ist. Der Re- gierung kann illoyales Verhalten nicht vorgehallen werden; aber Aussehen erregt haben die Aeußernngen des Kommerzien- raths Becker über das preußische Beamtenlhum; es steht fest, daß er gesagt hat, es bestehen in unserem Beamtenthum russische Zustände. Nll» sind ja die Russen unsere Verbündelen(Heiter- keit), namentlich seit den Handelsverträgen. Aber wir haben ein Recht, zu verlangen, daß man uns mittheile, ob es>vahr ist, daß königliche Titel durch Geldopfer erlangt werden können. (Sehr richtig!) Hoffentlich wird mit dem thalsächlich bestehenden Monopol der Firma Stantien u. Becker nunmehr ein Ende ge- macht.(Beifall.) Abg. Dr. Krause-Königsberg(natl.): Schon vor Jahren habe ich von den schädliche» Wirkungen des Monopols ge- sprachen; namentlich war das Verbot der Bernstein-Jmitationen schädlich, während die Firma Stantien u. Becker selbst eine große Jmitationsanstall anlegte und also auch diese» Gewerbebetrieb nionopolisirte. Damals wurde stets auf den„Gentleme»" Becker hingewiesen und namentlich erklärte der damalige Regiernngs- kommissar, er stelle anheim, ob man dem amtlichen Thalsachen- Material der Regierung oder den Angaben aus interessirlen Kreisen glauben wolle. Jetzt steht fest, daß dieser Regierungskommissar objektiv unwahr« Mittheilungen gemacht hat. Durch das ergangene Urtheil steht fest, daß die Firma Stantien u. Becker durch das Monopol sich rücksichtslos bereichert hat und das Kleingewerbe ruinirte.(Sehr richtig!) Alle Versuche anderer Unternehmer, einen Theil der Regalverpachtung zu erlangen, waren erfolglos; «S ist keineswegs Herr Westphal allein als Konkurrent der Firma Stantien u. Becker aufgetreten; aber alle Konkurrenz-Angebote wurden durch Herrn Becker beseitigt, kein Konkurrent erhielt den Zuschlag von der Behörde. Das Verhalten der Behörde ist in keinem Falle zu rechtfertigen; sie hat sich über den Inhaber Stantien u. Becker in einem unglanblichen Jrrthnm be- sunden(Sehr richtig) und diesen Mau» in auffälligster Weise bevorzugt, während es richtiger gewesen wäre, diesen Zweig der vaterländischen Industrie in anderer Weise zu fördern. Der gegenwärtige Minister ist durch Maßnahmen seiner Amtsvorgänger nicht gebunden, möge er Anordnungen treffe», uin den vorhandenen Uebelstände» zu steuern.(Beifall.) Minister Frh. V. Hamnierstein: Die vorliegende» Mil- tbeiluiigcu der Regierung lassen doch erkennen, daß ivir voll« Oeffenllichkeit wünsche». Die Firma Stantien u. Becker hat den bis 1901 geschlossenen Vertrag zum Ablauf d. I. gekündigt. was doch wohl darauf schließen lägt, daß die Vortheile der Firma aus dem Monopol doch nicht so sehr bedeulenh sein tönuen. Auch die finanziell« Seite der Frage kam in belracht, dje Pacht betrug 700 000 M. Ohne»ine rqlionelle Bernstein- gewinnung würde das Kleingewerbe noch nwhr leiden, denn die Bernsteinschätzo bliebe» dann im Boden liege», da der Fiskus ein Exproprialionsrechl an den Grundstücken, auf denen noch Bernstein gegrabe» werden kann, nicht vertreten kann. Daß die Firma St. u. B. mit dem Herrn Westphal nicht in Verbindung treten wollte, tan» man ihr nicht übel nehnien, denn er hatte sie aufs schwerste beleidigt und wollte den kleinen Bernstein zur Förderung der Imitation auskaufen. Der Prozeß schwebt noch und zugleich finden noch amtliche Er- Mittelungen stall; daß Herr Becker von rusfisaier Beanit»»- wirthschasr gesprochen, ist richljg; ob es begründet ist. das soll geprüft werden; daß ein Mann, der es schnell zum Reichthum gebracht hat, ein bischen Protzeulhum zur Schau trägt, ist ja erklärlich. Es wird ja jedenfalls alles aufgeboten ivertzen, um festzustellen, ob diese Behanpluugcn begründet sind und»ach de!» Ergebnisse dieser Untersuchungen soll, nach der»inen oder anderen Seile hsn, i» der rigproseften Weise vorgegangen werden. Abg. v. Ricpcuhausen-Crangen(k.)'ill von den Erklärungen des Ministers erfreut, er hofft, daß das Ansehe,, der preußischen Beamten intakt ans dieser Affäre hervorgehen werde. Das Ver- halten des Herr» Becker ist in keinem Falle zn eulschuldigen, namentlich nichc durch Hiniveis aus sein Protzknlhum. Hoffen:- lich bepill sich dje Regierung mit der Klärftellung der Au- gelegciiheit. Regierungskoninnfsar Geh. Rath Tetzlaffi Es ist nicht richtig, daß die Firma Stantien u. Becker selbst eine Jmilatious- austalt betrieb, ivährend dies anderen verholen war. Erst nachdem dies Verbot aufgehoben war, hat Stantie» u. Becker ebenfalls eine solche Anstalt begründet. Herr Krause hat kein Stecht, dem Negierungskommiffar«ine objektive Unwahrheit vorzuwerfen. Abg. Rickcrt(frs. Bg.): Der Minister verlangt von uns Znrjiqbplluugj leider hat er solche nicht gsübt. Redner vertieft einen Brief eines Fabrikanten, her Imitationen fertigt und an den Stantien u. Becker keine» Bernstein ljeser». sie verpflichten sogar ihre Abnehmer bei hoher Konvcnlwiuckstrafe, an die be- treffende Firma keinen Bernslein zu liefern. Es wäre nöthsg. die Kündlgung der Firma Stantien u. Becker anzuuehmen. Minister Frhr. 0, Hniumrrstein: Die gleiche Mitlheilung wie den, Vorredner ist auch nur zugegangen; ich habe nähere Erhebungen angeordust. Abg. Gras Limburg Stirui»(k): Wege» der meiteren Ver« folgung der Bsaml«Ubel«idigung bin ich mit tzem Minister einverstanden. Di« wizthschastlich« Secke kau» nur von der Budget- toinnüssion geprüft werden; die Ausfuhrnngen des Erkenntnisses sind dafür nicht maßgebeiid. Abg. Dr. Krause(natl.) verwahrt sich gegen den Regierungs- koiumiffar. Es scheine fast, als ob heule noch bei der Regierung ein ungercchiserligtes Wohswollen für Staunen u. Becker bestehe. Die Jmckalionen hat dje Firma in Wien herstellen lasse», zu einer Zeit, als sie bei uns»och verboten waren Regierungskommissar Testlaff giebt letzteres nss richtig zu. Am beste» wstrde»s sein, ßio Angelegenheit m einer Kommisnon zu erörlern, wo die einzelnen Punkte leicht ausgeklärt werden könnten. Damit schließt die Besprechung. Das Haus crledjgt sodann Pelitiq»«». Die Petition von Hefen e Lange und Marie M e l l i e n ,» Berlin>„» Zulassung der Frauen zum Apothekerberus wird der Regierung zur Erwägung über- wiesen, nachdem Adg. Rickevt(frs. Vg.) erklärt hch. daß er diese Forderung sür berechiigl Halle,«r aber von einem Antrage auf Heber- weisung der Pesilio» zur Berücksichtigung absehen wolle, weil er annehmen könne, baß der Kultusininister dieser Frage günstig gegenüberstehe. Eine Petition der Kanzleigehilfen um Gehaltsaufbesserung wird der Regierung zur Berncksichtigung. soweit sie etatsmäßige Anstellung verlangt, ans Antrag Krause- Waldenburg zur Er- wägung überwiesen. Morgen II Uhr: Petitionen. Schluß 4 Uhr. Gevichks"BeWuttfl. Eine Erittuernua an die Zeit des BicrboykottS wird durch ein Erkennt,, iß des Reichsgerichts wachgerufen, welche? die »Jur. Wochcnschr." veröffentlicht. In der Vorversammlung vom S. Juni 1834 hatten die Saalbesitzer Berlins»nd Umgegend eine» Beschluß gefaßt, in welchem sie sich solidarisch mit de» Maßnahme» des Vereins der Brauereien Berlins und Umgegend erklärten und sich»bei einer Konventionalstrase von 500 M. in jedem einzelnen Falle verpflichleten, ihre Säle zu keiner sozia- listischen und anarchistischen Versammlung berzugebe», falls der Boykott gegen die Branereie» und Gastwirthe bis zun, Ib. Juni 1894 nicht aufgehoben ist, oder sich wiederholt. Zur Durch- sührung dieser Maßregel wurde eine Kommission, be- flehend ans neun Herren, ernannt, welche behufs Organisirung der Saalbesitzcr weitere Schrille ergreife» sollten. Diesem Beschlüsse war auch der Gastwirth Zameitnt beigetreten, indcn, er folgende Erklärung unterschrieb:„Wir Uiuerzeichnete verpflichten uns, der Resolution beizlltreteu, gc- nchmigen ferner, daß Herr Dr. Merker berechtigt ist. das Inkasso sür jeden Kontraventionsfall zur Einklagung vorzunehme»." Dr. Merkcr sah sich veranlaßt, auf grnnd dieser Abmachungen gegen Zameitat i» Höhe von 2000 M. klagbar vorzugehen, hat aber keinen Erfolg erzielt. Landgericht und Reichsgericht haben übereinstimmend folgendes ansgefnbrl:„Die„Resolution" vom S.Juni 1894 begründet Rechte und Pflichten nur zwischen denjenigen Personen, welche dieselbe gefaßt haben; eine erlaubte Privat- gcsellschaft ist durch die Resolution nicht geschaffen, ein Vorstand nicht gebildet worden. Ein Anspruch ans der Verletzung des Abkommens gegen den Koniraveniente» kann daher nur von der G e s a m m t h e i t der übrigen Personen verfolgt werde». Dr. M. hat dann i„ zweiter Instanz behauptet, daß er im'Auftrage jener namhaft gemachte» Personen die Klage erhoben habe; Land- gericht und Reichsgericht hielten aber dieses erst in zweiter Instanz erfolgte Hervortreten der eigentlichen Prozeßpartei sür eine un- zulässige Klageänderung. Ein Beleidigungsprozeß» der auf die Behandlung des „Gesindes" ,n Ostelbien einige grelle Schlaglichter wirst, wurde am 18. Juni vor dem Reichsgericht verhandelt. Die Revisionstustanz beschäftigte sich zum zweite» Male mit der An- klage gegen den Ackerbürger Maximilian S z y o l l o w s k i aus Storchnest. Nachdem ein freisprechendes Urlheil aufgehoben worden war, hat das Langericht Lissa i. P. den Angeklagten am 24. April wegen Beihilfe zur Beleidigung zu d Tagen Gefängniß verurtheilt. Es handelte sich dabei um folgende» Sachverhalt: Die Dienstmagd K. hatte sich, wie sie glanble, mir vollem Reckte, aus ihrem Dienste entfernt. Der Distriklskommiffar P. bezweifelte jedoch die Rechimäßigteil ihrer Handlungsweise und»ahn, sie dafür in eine Polizeistrase. Außerdem machte er ihr wegen ihres „Vergehens" sehr eindringliche Vorhaliunge». Die K., welche sich hierdurch schwer gekränkt fühlte, lieh sich, da sie des Deutsche» nur unpollkomme,,, des Schreibens aber garnicht kundig ist, durch de» Angell. Szydlowsii, der in dergleichen Dinge» Uebung besitzt. ejne Eingab» a» den Landrath in Lissa anserligc» und sandte sie auch ab. Sie bat darin um Schutz gegen de» Herr» Distrikts- kommiffar, der sie zu einer ungerechte» Polizeistrafe verurtheilt, Schwindlerin genannt und a„, Arme geschüttelt habe. Weiter hieß es in dem Schreibe», der Beamte behandele die Leute nicht pfleglich und habe sie als Arme zu gunsten eines Reichen gequält, was dem Gesetze keine Ehre bringe.— Das Reichsgericht hob sodann das Urtheil a u s und verwies die Sache a» das Landgericht Pose ,,. Die Feststellung der Be- leidigung aus Form und Umständen wurde für bedenklich erachtet. Wenn die Si. sich sür gequält hielt, so muhte sie das auch sagen dürfen. Ter berüchtigte Zeitungscntenzllchter, Krankenwärter E r n st Hoppe aus Berlin, Ltuoersdorsersiraß« 49, halle sich in der letzle,, Sitzung des Rixdyrssr Schöffengerichts abermals wegen Betrugs, begangen durch Meldung falscher Zeitnngs- »achrichle» Über gräßliche Unglücksfälle:c,, zu veraiilworlen. Da der Angeklagte harlnäckig leugnet, das vorhandene Beweis- malerial aber nicht zur Verurlheilung ausreicht, wurde die Sache verlagt, damit dje Siaatsanwallschasl weitere EkliuUeluiigen an- stelle» ran». Tor frühere Stcuererhebex Wilhelm Möllendorf ans Nnhlodorf(Aintsbezirk Zehlendorf Kreis Telloiv) stand an, Diennaa vor der ersten Strafkammer des Landgerichts II unter der Anklage, amtliche Gelder, welche er vo» den Sienerzensiten eiugczoaei, hatte, unterschlagen zu habe».— Dem Eemeinde-Volsteher vgl, Rnhlsdorf, Parnernauu, erschien die KaffeMhrulig des vom Herr» Landrcuh amtlich verpflichtete» Stenererhebers nickt ganz einwUNdssrei. Im Dorfe wurde anläßlich eines bei Möllendorf vo» seinem Dieilstmädchen allsgesübrien Diebstahls allerlei ge- sprochen. Am 29. Slugust v. I. erschien Parnemann daher bei», Angeklagte» n»d ersuchte ihn, einen Hundertmarkschein zn wechseln, M. soll darob sehr persegen gsiporde» sein. Er er- klärte, paß er dem Wunsche nicht willfahren könne. Einige Tage spqler theiUe er dem Gemeindevorsteher mit, daß das Dienst- mädche» Fritsche den»asteiibeftand der Stenergelder beftohle» habe. Thatsächlich ist jenes Dienstmädchen deswegen vom Land- gericht II z» 1 Jahr 8 Monate Gefängniß verurlkejll worden. Anfangs September v. J. als das Ssrasverfahreu gegen die Frilsche im Gange war. stellte Möllendorf den Antrag ans Vornqhlne einer Kaffenrevifioii. Tie Revision unterblieb ahsp, weil Möllendorf sich nicht einstellt», Alis ein Schreiben des Gc- »igindevprstehers Parnemann veranlaßte der zuständige Apits- vörsteher von Milinowski zu Zehlendors eine vom Kreisausschuß bezw. vom Landraibsamt angeordnete Kasse, irevision hei Mölleil- darf. Es fehlten 4öS,43 M. von den amtliche» Geidevss. Die Rechnungsbücher waren nicht in Ordnung. Der AnUsvorsteher Milinowski fand z. B., daß Ansgadepostsn zn hoch notipl wape», und dementsprechend ward auch das Defizit fcstgesteUl. Vor Gericht bestritt Möllendorf, dieFehlbeträg» für sich verwcUdel zu hqheis. Er behauptete vielmehr, daß di? Diebi» Frilsche mich diese Summe gestohlen habe. Dje Fritsche war qns dem Ge- sängniß vorgeführt morde» als Zeugin. Sje bekundese zwar unter ihrem Eide, daß sie weder Papiergeld noch Gvldgeld hei Ufillen- dorf gestphle» babe, sondern nur etmq siO M.. keinesfalls aber mehr als 100 M. Staatsanwalt Rhpdß hielt diese Aussage für völlig glaub, vürdig und beantragte 8 Monate Gesqnqniß gegen Möllendorf. Per Gerichtshof erachtete aber de,, SächyAfigZ nicht danach angethap. um Möllendorf, her bisher das Vertrauen der Orlseingeseffene» ,» seiner Heiumth Rubsdors uneingeschränkt vesesieu, zn verurtheilei,. Demgemäß lautete das Unheil aus Freisprechung. ttraffc Arbesferwohnungs- Zuftändx q,,f dem Ritter- gute Britz kamen gelegentlich einer Vertiaumii'P vor dem Rix- boner Schöffengericht zur Sprache. Eine Arbeiierin, welch« früher ans dem genannte» Riliergnl beschäftigt wqr, hqire sich unter der Anklage zu verantivorten, einer Kollegin die gesammte» Ersparniffe in. Betrage von 120 M. entwendet zn haben, wurde aber wegen nicht genügender Beweise freigesprochen. Im Lause der Verhandlung wurde festgestellt, daß in einen, einzige» Zimmer des Rittergutes v i e r n n d z w a n z i g Arbeiterinnen schliefen. Wird denn jetzt die zuständige Behörde eingreifen und Abhilfe schaffen. Ter Triumph des Groben Unfng-Paragrapheil. Ans Geringswalde wird berichtet: Der Drechelergehilfe Paul Becker hierselbst hatte nach Verbüß,», g einer Gesängnißstrafe von drei Monaten in Nr. 44 deS„Geringswalder Wochenblattes" ei» Inserat erlassen, in welchem er sämmtlichen Kollegen und Freunden bekannt giebt, daß er wieder zurückgekehrt sei von seiner„Bade- reise". Infolge dieses Inserates befand er sich am Freitag in der öffentlichen Schösse, igerichtssitzung in Rochlitz ans der An- klagebank und wurde zu d r e i W o ch e n Haft verurtheilt.— Wie dies Unheil begründet wurde, ist nnö nicht bekannt, aber darf»mii sich in d,esem Punkte„och über irgend eine Justizthnt wundern? Stettin, 17. Juni. Vor der hiesigen Strafkammer begannen beute die Verhandlungen gegen 3 Beamte„nd 2 Knpserschmied'r des„Vulkan" wegen der a», l 8. Februar 1894 erfolgten Explosion auf dem vom„Vulkan" erbaute» Panzerschiff„Brandenburg", wodurch der Tod von 44 Personen herbeigeführt wurde. Für die Verhandlunge» sind 3 Tage angesetzt. VevsÄmmlungen. Behufs Stellungnahme zum internationalen Kongreß halte die Veriranensperson Frau Ottilie Ger„dt a», Mill- woch eine Volksversammlung»ach Joöl's Saal einberufe», die von etwa 50 Frauen und Ib Männern besucht war. Nachdem Frau Rohrlack und Frau Ihrer auf die Bedeutung des Kongresses für die Frauen und die Nothwendigkeit einer weib- lichen Vertretung auf demselben hingewiesen hatten, wobei erster? die Wahl gemäß dem bekannten Vorschlage von Lina Vogel empfahl, sprach Frau Fahrenwald gegen eine solche Wahl, da Ottilie Baader am Sonntag bereits als Delegirte für Berlin gewählt sei. und«ine weitere Wahl in Berlin daher überflüssig wäre. Si» könne Fran Gerndt nicht als VertrauenS- persmr für Berlin anerkenne», da sie seinerzeit nur mit 82 Slim- nien gewählt worden sei und also kein Recht habe, eine Versammlung einzuberufen. Sollte hier«ine Wahl vor- genommen werden, so fordere sie die Genossinnen, die die Wahl vom Sonntag anerkennen, ans, den Saal zu verlassen. Fran Ihrer werde es hoffentlich verschmähen, ein Mandat an- zunehmen, das ihr von etwa 20 Stimmen in Berlin ertheilt werde. Gewiß fei die Anwesenheit der Frau Zetkin auf dem Kongreß nothwendig; diese werde aber ohnehin in Württemberg gewählt und brauche die Berliner Stimmen nicht. Der weitere Verlans der Debatte, in die mehrfach persönliche Zwistigkeiten hincinspielten, war ein sehr unruhiger, so daß eS der Vorsitzenden Frau Wengels nur mit Müh« gelang. die parlamentarische Ordnung ausrecht zu erhallen und der drohenden Auflösung der Versammlung zu entgehen. Frau G» b e l a bestreitet de» Berliner weiblichen Vertrauensperionen das Recht, eine Wahl zu veranlassen und stellt die Wahl von Frl. Baader, deren Fähigkeiten sie bezweifelt, alS«ine gemachte Sache hin. Frau Gerndt fei Bertrauensperson sür Deutschland und deshalb allein berechtigt, die Wahl zu veranlaffen. Frau Wengelß betont ihr« Uiwarteilichkeit, und daß sie bemüht sei, beiden sich hier gegenüberstehenden Richtungen gerecht zu werden. Die Wahl am Sonntag sei sür Berlin erfolgt. Das hindere aber nicht, daß man den Stimme», die Frau Ihrer und Zetkin in ganz Denlschland erhalten, auch die Stimmen der Berliner Genoisinnen binzusüge- Fräulein B a a d e r beruft sich auf den Aersammlungsbeschluß vom 3. Juni, welcher besagt, daß erst da»»«ine weibliche Delegirte in einer Franenversammlung ge- wählt werden solle, wenn die Volksversammlung vom 14. Juni keine Frau wähle. Da dies nunmehr geschehen, sei eine weitere Wahl lür Berlin nicht mehr angängig. Äs stehe dem nichts ent- gegen, daß Fran Zelkin, die zweifellos eine tüchtige Venreterin des weiblichen Proletariats sei, für Deutschland gewählt werde, aber eine Herabsetzung für die Berliner Delegirlin ivürde es sein, wdllle man hser nochmals eine Wahl vornehmen. Räch langem Hin- und Herreden wurde»jn Antrag Frl. Haase's angeiiomiusn, der sich zwar mit bei» von Lina Vogel in der „Gleichheit" geniachle» Vorschlags einverstanden erklärt, aber «mpfiehit, iq Berlin von der Betheillgnng a» der Delegirtinnen- wähl für Deutschland abzusehen. Als zweiter Pnnkl stand aus der Tagesgrdnung; Bericht der Repispri» jn Sachen des polizeilich geschlpsseuen Frauen- und Mädcheii-Pildnugsvereins. Auch hiefe Angelegenheit gab z» manche» persönlichen Erörlernnge» lllulaß. Man hielt die tzgrgenpmmene Revision für noch nicht gensigeno und beschloß, die Revisionskommission noch inesliv besiehe» zu lassen und ihren Bericht in der nächsten Versammlung entgegenzunehmen Ei» Antrag der Frau Glibela- Durch e,ne Kommission pon sieden Mitgliedern die Streiligkeisen unter de» Frauen nnrersuchen zn lqffen, wurde gleichfalls für die nächste Versammlung, die guf Anregung der Fran Rohrlack von Oltilie Gerndt einznbernsen ist, zurück- gestellt. Siebe» Versa,»mlnugp» des Verbandes deutscher Schneider und Schneiderinnen tagten am Montag Abend in alle» Smdtlheile» Berlins zwecks Wahl von 8 Delegirte« zu den» diesjährigen Verbandslag in Eisenach. Gewählt»vnrden Fran Zelkin-Sluttgqxt. Frql» Roack, Frau Döring. Fräulein Baader. I. Timm, C. Haase, E. Danzig und PH. Witt». Der Wahl ging ei» Vortrag über die Bedeutnug der Berbandstage vorauf. In allen Versammlungen»Wrde ansgefordert. »ur de» von der Organisation herausgegebenen„Ar? beilsnlarkt" bei Stellenwechsel zu benutzen. Vekannh gegebe»»v|lrde, dag am Montag, den 22. Inns, i» Kelser's Fesisülen, Koppen siraße 29, eine öffentliche Schneider- »nd Näherinnen-Verfaininlung stattfindet, i»»velcher der Reichs? lags-Abgeordnele Genosse August Bebel über die Arbeiter- kämpfe in der Konseknpnsilidnftrie und deren Bodentpng für die Emanzipatipn vep hansindustnellen Arbeiterschichte» referirt. 1« Uhr: S it d- - Me Marr- Aobk>t»r-Kili>>>>>svschul». KikUaa Abend« Uhr biß > st- s ch II l e, � Waldemar, Ir. �>4 1 Naliönalalonomte Mie l-lsirei tinkclt qchen Lehren. Nein.— Nord" wichttgsten Sesege riacs Vorlraaes.) Hc mchuiig der Blhllother S Uhr ftn geöstjixt. Arbeiter Kl>naer|»u>d Berlins und tzmaegeii». mann, Pasewaltersir. 3. Alle Aenderungen im Bereinslalenlier find ju richten an Friedrich iioriii»!, Manienffelnr. 43, g. 2 Tr. Arbslicr-- Ilauitiri dnud tZrilino lind Iluiaeaend. Aendeiungen im DercinSkaicnder sind«n richien gn Otto Tchnt,. Köttbiiserdamm 72. der jtftUitltn Ardritsr»>ere>ne dlCVtllti nnp}iuipteitii» ADe flmjljlllen den Bund beiresseiid sind zu richten ani Hermann Hadn. Schönhauser Alle« err Heinrsch Schulz. Die Schulräum« sind zur Be- und des reichhaliigen Leiss�rlfieimlalerials schon 0011 Vorsitzender Ad. Neu- veck ni sun der OrlSoeriualiung. q. Aeeicht vgn'der General- m Krqpluu.„nd Stcrkedalr» d»r vl»taUarl>elt«r. i«. H. Jck- ed) Filiale Ehq>i|W«nburri. Sonnabend, den ,0. Juni, abends erNh.. INI.liestauran» Lfder, Bismaraftr. 74 1 Miiälieder- Aersaminluui. Tages- ordiiung i l. Berich! oqn der Gene, alversamuilung. 2. Neuwahl der Vi» fnmmten CvtäoeireuliiiHg. r t. 1» � Fachverein der Musikinstrumenten-Arheiter. Sonnabend, den 20, Juni, abends S1� Uhr, bei J. Henke, Uaunytt-Ktraße 37; Mitglieder-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag der Genossin Frau M. Rolirlack über: Verstand oder Instinkt der Thiere. 2. Diskussion. 3. Die nächsten Aufgaben unserer Organisation. RoNogiu I In Anbetracht der wichtigen Tagegordnnng Ist das Erscheinen aller Kollegen nothwendig, Indem Ihr den Unternehmern zeigt, dass sie Euch trotz der Hnngerpeitsche nicht muth- und kampflos machen können. Der Vorstand. - 286/16 Montag, den 22. Juni 1896: Großes Sommer Fest in der Henen Welt, Hasenhaide 114—118. Großes Konzert, Spezialitäten-Uorstellung, Gesnngs- Kortrage und Srillant-Feuerwerk. Im großen Saale: LsII» Herren, die daran theilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. ÜV Kinderheiustigunge» und Stocklaterne gratis. Die Kaffeeküche ist von 2 Uhr an geöffnet. Anfang des Konzerts 4 Ulzr.— Killet 30 Pf.— Programm gratis. Um recht zahlreiche» Besuch bittet Dsn Vorstand. IV. Wahlkreis— Nieder-Barnim! Zum Volksfest im Schloß Weißensee errichten dort am Sonntag den 21. Juni 1896 Wf. Arndt& Th. Dochow einen Wurst-, Brot-, Butter- und Fleischwaaren- Verkauf zu Berliner Pkarktizallen-Preife». 22S2b Der Bedeutung des Festes Rechnung tragend, ist für eine reiche Auswahl aller Vaaren in bekannter ßüte gesorgt; das unbequeme Mitnehmen von Belag und Butterbroten bleibt somit den Festtheilnehmern erspart. Wir bitten die Genosstnnen und Genossen, unser Unternehmen wie bisher gütigst zu unterstützen. Eine Wohlthai nach harter Arbeit iüts „Ubrigin", Pflanzenfaser-Seife ohne jeden schädlichen Zusatz. Darüber schreiben: Herr Dr. Rosenthal, Privatklinik für Hautkrankheiten, sagt unter anderem in der Dermatologischen Zeitschrift: „Die Seife eignet sich vor allen Dingen als Waschseife für uns selbst, die wir mit Salben, Fetten und sonstigen, wenig sauberen Dingen viel zu thun haben. Bisher hat mich noch keine Seife so befriedigt. Femer ist dieselbe aber besonders geeignet, bei allen Parakeratosen, wo Schuppen und Auflagerungen von der Haut zu entfernen sind. Patienten, die seit Jahren an Psoriasis leiden und alle möglichen Seifen zur Entfernung der Schuppen angewendet hatten, ziehen ausnahmslos die Pflanzenfaserseife vor. Dieselbe hat den grossen Vorzug, dass sie die Haut nicht besonders reizt wie das bei anderen Seifen der Fall ist, welche Zusätze zur mechanischen Einwirkung auf die Haut, wie Birastein, Marmor etc. besitzen." ihrer ausserordentlichen Wirkung allen anderen Reinigungsmitteln vorgezogen wird." . Die Firma Koch& Bein, Berlin, schreibt uhter dem 16. 12. 95:„Mit Vergnügen theilen wir Ihnen mit, dass die von Ihnen bezogene Pflanzenfaser- Seife„Ubrigin" ganz den an dieselbe gestellten Erwartungen entspricht, und werden für unsere Lackirereien und Maschinenräume für die Zukunft nur Ihre„Ubrigin" als Waschmittel für die Arbeiter benutzen." HIF* Achtung! Zu der am Sonnabend, den 20. Juni, stattfindenden Qsmpk«!'- Mondsoheinfahrt, verbunden mit darauffolgendem Sommernachtsfest in den Gesammträumen der Borussia-Brauerei, Nieder-Schönweide, ver- anstallet vom Verband der Sattier und Tapezirer' sind noch Billets in beschränkter Zahl zn haben bei C. S ch u l tz e, Wrangelstr. 81, 1 Tr.; C. Peter, Gitschinerstr. 17, Hof l., 2 Tr. r. und im Zigarre n geschäft direkt unter der Stadtbahn Jannowitzbrücke Preis: Hin- und Rückfahrt inkl. Tanz 73 Pf. Auf allen Dampfern: Mufikalische Unterhaltung. Gäste willkommen. Achtung! Abfahrt: Abends 9 Uhr„Steru-Gesellschaft", Jaunolvitzbrücke, Restaurant Belvedere. Tie Schiffe sind mit Zelten versehen. 187/11 kruvdtvem- und Fruchtsaft-Niederlage von Eup. Neumann& Co., Berlin SW. „,. Charlottenburg, Kaiser Friedrich-Straße Ur. 48. Echt Stonsdorfer Likör, ausgezeichnet im Geschmack, ä Sit, 1,20 M. Echten alten Uordhäufer, Literflasche 1.— M.. 5 Liter ä 0,90 M. Seriiuer Getreide Kümmel, Literflasche 1,— M.. 5 Liter ä 0,90 M. Medizin. 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Anfrage theilen Ihnen ergebenst mit, dass die von Ihnen bezogene Pflanzenfaser• Seife„Ubrigin" von unserem Fabrikpersonal sehr gern benutzt und wegen Herr Georg Liebig, Werkmeister, Schweidnitz, schreibt unterm 29. 4. 96:„Senden Sie mir 8 Schachteln Nr. 1 Ihrer Pflanzenfaser-Seife. Das gesandte Probestück ist ausgezeichnet, sogar angetrockneter Eisenlaok ging bequem los." Herr Robert Richter, Lokomotivführer, Oels i. Schi., schreibt unterm 27. 4. 94;„Ich bitte um Zusendung von 200 Stück wie schon einmal am 4. 3. 96 gehabt. Dieselbe findet allgemeine Anerkennung." Herr Hans Baath, Werkstätten-Vorsteher, Berlin, 3. 3. 96: Die von Ihnen bezogene Seife„Ubrigin" wird von den Arbeitern der Maschinen und Eisengiesserei gern benutzt und besonders zum Reinigen sehr schmutziger Hände benutzt. Von den kürzlich gelieferten 400 Stück sind nur noch wenige vorhanden und wird Ihnen ein Auftrag auf Neulieferung baldigst zugehen, in Schachteln von 6 Stück 60 Pf- Das StUck 10 Pf. zu haben in allen mit Plakaten versehenen Handlungen. Gegen vorherige Einsendung des Betrages ab Versandstelle nllbrigiti", Westend-Berlin, UlttlSll'Ailee 2 8 Schacliteln— 48 Stück für 4 M. franco Post. Achtung! Achtung 1 Künstl. Zähne v. 3 M. an, Theilz. ivöchenll. 1 M., wird abgeholt. Zahn- ziehen. Zahnreinigen, Nervtödten bei Bestelliing innsonst. Gnckel, Lansitzerplatz 2, Elsasserstr. 12 fFruditwein- ßowlen gar. rein, ausgezeichnet in Geschmack. EpdSeeFbowle 1 PtlPBichbowIe r/8fJ0*f- Ananasbowie J Eugen Neumann& Co. __ Detail-Aerkausslädeu: Belle-Allianceul. e». iK.jJrictmchftr. 81, Oranirnslr. 8, Gcnthinerstr. es. Potsdam: Bäckerftr. 7. q W ZU Bezügen ausreichend Sa M inPhantastr.Rip«, Damast, Crsp«. Gobelin, Moquett» und Plüsch sowie Kattel» taschen spottbillig. A. 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