BERLIN Menstag 18. August 1931 10 Pf. Nr. 384 B 192 43. Jahrgang Erfch eint tägli ch außer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe des„Vorwärts". Bezuzsxreis beide Ausgaben 8f> Pf. pro Woche, 3,60M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW 68, Lindenstr.Z Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297 fr\£iH0aS& Anzetgenprets: Die einspaltige Nonpareillejeil« so Pf., Reklamezeile SM. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwarts-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr. 37 536.— Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vort Lleberfall auf �eichsbankfiliale Bankbeamter schwer verletzt, Passanten angeschossen, Täter geflüchtet Auf die Reichsbankfiliale Vosiverg-, Ecke Innsbrucker Straße wurde heute mittag gegen 1 Uhr ein Raubüberfall versucht. Ein Beamter wurde verletzt, die Täter flüchteten in Richtung Martin-Luther-Ttraße. Bei der Verfolgung haben die Täter auch ein Kind angeschossen und eine weitere Person verletzt. 30 000 Mark erbeutst. Bei dem gemeldeten Raubübcrfall auf die Reichsbank- filiale in der Jnnsbrucker Straße sind den Räubern etwa 3000 0 Mark in die Hände gefallen. Auf der Flucht verloren die Diebe ein Paket mit 3000 Mark des ge- stohlenen Geldes, die der Bankfiliale wieder zugestellt werden konnten. Feuergefecht auf ber Straße. Wie wir weiter erfahren, drangen um die Wittagslunde zwei maskierte Räuber in die Filiale ein. Es kam zu einem Feuergefecht, bei dem der SZjöhrige Obergeldzähler Karl Kreie durch einen Bauchschuß schwer verletzt wurde. Bei ihrer Flucht durch die Rlartin- Luther. Straße sehten die Täter da» Schießen fort, wobei ein ver- folgender Chauffeur und ein Sind verletzt wurden. Die Polizei hat sofort alle Wahnahmen zur Verfolgung der Räuber aufgenommen. Im ganzen wurden auf der Straße etwa zwanzig Schüsse abgegeben. Die beiden Räuber flüchteten in den Schöneberger S l a d t p a r k und werden von der Polizei verfolgt. Die Verfolgung wurde etwas verspätet ausgenommen, da man sich in erster Linie um den verwundeten Obergeldzähler kümmerte. Die Räuber flüchteten aus einem Motorrad. Mehrere Autos haben die Verfolgung aufgenommen. Oer Bankenausschuß. Heute erste Sitzung. Der Bankenausschuß, der aus dem Wirtschaftsausschuß der Reichsregierung, dem Reichsbankpräsidenten, Vertretern des preußi- lchen Finanzministeriums und den bereits bekannten neun Sachver- ständigen besteht, tritt heute um IS Uhr zu seiner ersten Sitzung zusammen. Die Besprechungen werden voraussichtlich mehrere Tage in Anspruch nehmen. Tote über Tote. Ausdehnung der Lleberfchwemmungen in China. Schanghai, 18. August. Die Ueberschwemmungskatastrophe in H a n k a u nimmt infolge weiteren Steigens des Hangt sekiangs immer größere Ausmaße an. Am Montag gaben mehrere Dämme in der Nähe von Wutschau dem Druck der Wasser» massen nach, wodurch sich die Lage in Hankau wesentlich verschlechtert hat. Eine weitere Anzahl Häuser ist durch das neuerliche Steigen des Flusses eingestürzt und Hunderte von Personen, die sich vor den Fluten in die oberen Stockwerke flüchteten, wurden unter den Trümmern begraben. Liebesiragödie aus den Schienen. Brautpaar wirst sich unter die Räder. Beelitz, 18. August. 3n der Rächt zum Dienstag schieden der erst 21 Jahre alte Kutscher Karl Rolf und seine 2Zjährige Braut Emma Groß gemeinsam aus dem Leben. Die beiden zogen sich ihre Sonntags- kleider an und warfen sich, nachdem sie sich Blut angetrunken halten, vorden Eisenbahnzug zwischen Beelitz undTreuen- b r i e h e n. Das Mädchen war sofort tot. Dem Kutscher Rolf wurden beide Beine abgefahren. Er wurde noch lebend in das Beelitzer Krankenhaus gebracht, wo er hoffnungslos dar- viederliegl. Klage über Terror Oie„starken Männer" beginnen über Vergewaltigung zu flennen Der äußere Vorgang beim Volksentscheid ist der gleiche wie bei jeder anderen gesetzlichen Wahlhandlung: Am Wahltisch amtiert der Wahlvorstand, der die amtlichen Wählerlisten vor sich hat und die Wahlumschläge in Empfang nimmt. Jeder Wähler ist berechtigt der Abstimmungshandlung beizuwohnen, auch wenn er nicht selbst abstimmt. Er darf auch kontrollieren, wer an der Abstimmung teilnimmt und wer ihr fernbleibt. Bei den Wahlen pflegen die Parteien, wie allgemein bekannt, sogar Schlepperlisten zu führen, um säumige Wähler rechtzeitig an ihre Wahlpflicht zu erinnern. Das alles ist bekannt und landesüblich. Also haben auch diesmal beim Volksentscheid sowohl die veranstaltenden Parteien wie— wenigstens an einzelnen Orten— auch die Gegner eine Kontroll« Rationale Opposition total bankrott HvQBNßEM „Unsere Geschäfte gehen schlecht. Unsere Parteikassen sind leer. Unsere Politik geht in die Brüche--.* „Es wird eben höchste Zeit, daß wir zur Regierung kommen veranstaltet. Das geschah besonders von der politisch regsamen Sozialdemokratie. Es bestand an manchen Orten für sie zweifellos ein großes Interesse, kommunistische oder Nazi-Wähler kennenzu- lernen. Aber die Tatsache, daß die Abstimmungshandlung auch von anderen als Stahlhelmern. Hitlerleuten und Thälmännern über- wacht wurde, hat bei der sonst so„deutschbewußten" und groß- mäuligen Gesellschaft ein bemerkenswertes Bibbern hervorgerufen. Hauptsächlich die Möglichkeit, daß man sich die Beamten und Ge- schäftsleute einmal etwas näher ansehen könnte, die das„Dritte Reich" oder Sowjetdeutschland über diesen Volksentscheid herbei- führen wollten, hat es den Herrschaften angetan. Ausgeregt meldet man, daß in einzelnen Orten die Sozialdemokratie mit der so er- langten Kenntnis nicht hinter dem Berge halte und man fordert ausgerechnet von der so oft beschimpften Preuhenregierung Schutz gegen den erwarteten„Terror. Da wir nun einmal bei diesem Thema sind, wird es die Hilfe- flehenden gewiß interessieren, noch einige Daten mehr für ihre Be- schwerden zu erhalten. Aus K y r i tz wird uns z. B. das folgende geschrieben: Am Sonntagmorgen(16. August 1931) war an einem Tclegraphenmast auf dem Marktplatz in Kyritz, der Kreisstadt des Kreises Ostpriegnitz, ein Anschlag zu finden, der bezeichnend ist für den Terror der nationalistischen Gruppen in ostelbischen Landstädten. In diesem Pamphlet wurden, unter wüsten Schmähungen der preußischen Regie- rung, die Namen einer Reihe Kyritzer Bürger ge- nannt, die sich nicht an der Abstimmung zum Volksentscheid beteiligt hatten. Diese Bürger, die sich in ihrer Heimatstadt poli- tisch indifferent verhalten, wurden mit Ausdrücken wie„Ge- sinnungslumpen, Volksverbrecher, Zuhälter des jüdisch-marxistischen Systems" bedacht. Soweit es sich um Geschäftsleute han- delte, forderte man zum Boykott gegen sie aus. An der Spitze der Reihe wurde der Name des L a n d r a t s genannt. Wahrscheinlich wird man dieses. Flugblatt, daß in Ma« schinenschrift von einer Platte abgezogen war. auch auf dem Lande und in den Häusern der Stadt verteilen. Vor uns liegt um in der nächsten Umgebung Berlins zu bleiben— eine Ausgabe des„S o n n e n b u r g e r Anzeigers", der sich als„Zeitung für das Warthebruch" bezeichnet. Darin finden wir(Nr. 126 vom 15. August 1931) folgendes liebliche„Eingesandt". Es wird uns niemand übelnehmen, wenn wir noch nicht ganz abgestumpft sind und uns über manche Vorgänge doch noch wundern! In unserem Städtchen hat sich nämlich herum- «sprachen, daß neben anderen auch der Fischer- ' u l z e sich am Volksentscheid nicht beteiligt hat. Hier wird also unter 1972 Nichtabstimmenden ein einzelner Mann mit Namen der Oeffentlichkeit preisgegeben; was das in einer Stadt wie Sonnenburg bedeuten kann, darüber braucht man wohl nicht erst zu reden. Das sind nur einige Fälle unter Hunderten ähnlich liegender, die uns vom Lande und aus Kleinstädten gemeldet wurden. Die Junker haben es ja schon vor der Abstimmung angekündigt, daß sie sich die Nichterscheinenden„merken" würden. Sie und ihre Gefolgsmannen handeln nur konsequent, wenn sie das Terrorsystem aus der Dreiklassenzeit wieder einführen möchten. Aber sie sollen sich nicht lächerlich machen, indem sie durch ihre Presse und durch „Kleine Anfragen" im Landtage über Terror der anderen klagen und dagegen republikanischen Schutz fordern! Absage an Hitler. Das Zentrum prüft seine Papiere. Köln, 18. August. Zu dem Appell Hitlers an das Zentrum bemerkt die „Kölnische Volkszeitung": Hitler übersieht eins, nämlich, daß es sich jetzt nicht um parteipolitische Fragen einer Regierungsbildung handelt, sondern um sachliche Aufgaben. Zu diesen wird er Stellung nehmen können, wenn das Notprogramm der Reichs- regierung vorliegt. Darauf wird die Regierung in aller Ruhe warten können. Im übrigen ist sestzustellen, daß gerade der Volks- entscheid bewiesen hat, daß dem nationalsozialistischen Vor- marsch Grenzen gesetzt sind. Die U e b e r h e b l i ch k e i t, mit der Hitler für sich in Anspruch nimmt, daß hinter ihm„das ganze Volk" stehe, wirkt nach dem Scheitern des Volksentscheids einfach l ä ch e r l i ch. Was auch Hitler immer proklamieren mag, die Mehrheit des Volkes steht hinter Brüning. Wenn Hitler der Wahrheit die Ehre geben will, dann möge er zunächst einmal den„Völkischen Be- obachter" veranlassen, die Worte Mussolinis über Brüning. die das nationalsozialistische Blatt mit deutschem Mannesmut aus der Rede Mussolinis herausgestrichen hat. nachzu- holen._ „Zeppelin" nach England gestartet. Das Luftschiff„Graf Zeppelin" ist mit 22 Fahrgästen um 7.91 Uhr zur Englandfahrt aufgestiegen. Es wird noch heute abend im Flughafen London landen und dann sofort zu einem 24stllndigen Flug über England aussteigen. Für diesen Flug stellt die Royal Aeronautical die Fahrgäste. Mittwochabend fährt dann das Luftschiff die Nacht hindurch mit 24 Fahrgästen nach Friedrichshafen zurück. Am Donnerstagfrüh jchlieht sich unmittelbar nach der Landung, etwa gegen 7 Uhr, eine achtstündige Schweizer Fahrt an, für die auch sämtliche verfügbaren Plätze gebucht sind. Ein neuer Kall Tehner Verkohlte Leiche in einem ausgebrannten Auto Bingen, IS. Zlugust. Zn Dobel- herrenalb im Schwarzwald wurde ein verbranntes Auto mit einer vollständig verkohlten Leiche aus dem Kührersih aus der Landstrahe ausgcsunden. Die Bachsorschungcn ergaben, dah es sich um den Binger ver- t r e t e r der AIrma ZNercedes-Benz. von Lacum. handelte, der mit seinem Auto anscheinend gegen einen Baum gefahren und ver- brannt war. Sofort nach dem Auslauchen der Todesnachricht in Bingen wurden die wildesten Gerüchte um die Person von Lacums wach. Man forschte in seinem Vorleben nach und muhte bald die Aeslstellung machen, dah man e» in der Perjon von Lacums mit einem Hochstapler grohcn Aormats zu tun halte. Bor ZZ Zähren kam von Lacum mittellos nach Bingen. Bald übernahm er eine Eisfabrik, der er dann eine Maschinenfabrik und später die Vertretung der Auibsirma Mercedes-Benz angliederte. Zn seiner Reparaturwerkstätte beschäftigte er allein 70 Angestellte. Diese sowie seine gesamten Geschäftsfreunde hat er in den langen Zahren zu täuschen verstanden. Etwa 200 bis 300 Firmen und Privatpersonen schädigte er schwer durch Betrügereien und Wechselfälschungen. Durch seine Schiebungen nahm er bei den Banken Kredite in höhe von fast einer Million Mark aus, die bis auf einen geringeren Rest verloren sein dürften. Inzwischen wurde an der verkohlten Leiche festgestellt, dah auch hier ein- Täuschung des Hochstaplers, eine neuer Fall Tehner, vorliegen kann, von Lacum war 45 Zahre alt und halte sich lm Krieg eine Kopfverletzung zugezogen, wobei ihm operativ eine Silberplalle in die Schädeldecke eingesetzt worden war. Diese Silber- platte fehlt am Schädel der Leiche. Die Staatsanwaltschaft ist eifrig mit den weiteren Rachssrschungen beschäftigt. Oer Verbrannte doch Lacum? Bingen, 18. August. Das Rätsel um den Fall von Lacum nimmt immer geheimnis- voller« Formen an. Nach einer Meldung aus Stuttgart soll e� sich bei der in dem oerbrannten Auto gefundenen Leiche doch um den Hochstapler Heinz von Lac um han- dein. Lacum habe aus seiner Rückreise einen alten Wagen ge- fahren, der schon mehrmals verunglückt war. Da der Hochstapler ein starker Raucher war, besteht die Möglichkeit, daß sich ins Innere des Wagens eingedrungene Benzingas« an einer brennenden Zigarre entzündet und die Explosion hervorgerufen hätten. Man müsse an- nehmen, daß Lac um tatsächlich verunglückt sei, weil er sonst die Papiere und Wechsel, die ihn belasteten, vorher beiseite geschafft hätte. Zudem betrage auch die Versicherungssumme nur 60 000 M., was angesichts der hohen Verschuldung von Lacums nicht ins Gewicht gefallen wäre. Di« Reste der Leiche wurden von der Staatsanwaltschaft erneut beschlagnahmt, nach- dem sie bereits vorher zur Einäscherung im Mainzer Krematorium freigegeben waren. In den Trümmern de» Wagens wurden noch mehr vom Feuer angebrannte Wechselformulare gefunden. von Lacum hat vor seiner Abreise seiner Betriebskasse«inen Betrag von 17 000 M. ohne Quittung entnommen. Die Verbindlichkeiten seines Betriebes betragen 1 140 000 M. Die weitere Untersuchung wird erst Aufklärung über diesen rätselhaften Fall bringen können. Aus Furcht vor Einsamkeit. Ein greises Künfilerehepaar sucht den Tod. Zn ihrem kleinen Häuschen in der Friedrich- wilhelm-Slrahe 4S in Zehlendorf wurden heute vormittag der 7S Zahre alte Kommissionsrat und frühere Theaterdirektor Oskar Lange und seine 7tjährige Frau leblos aufgefunden. Der alle wann hatte auf Bitten seiner Frau den Gashahn aufgedreht. Frau Lange war seit fast zehn Jahren an den Beinen gelähmt und an das Bett gefesselt. Ständig quölle sie die Furcht, daß der geliebte Mann vor ihr sterben würde, und daß dann sie allein und hilflos auf der Welt bliebe. Immer wieder hatte sie ihrem Mann gesagt, daß es doch besser wäre, gemeinsam aus dieser Welt zu gehen. Gestern abend hat nach den bisherigen Feststellungen Direktor Lange dem Drängen seiner Frau nachgegeben, heute morgen beim aufstehen spürte das Hausmädchen einen starten Gasgeruch. Bestürzt eilte sie in das Zimmer der alten Leute, beide lagen regungslos in ihren Betten Schleunigst herbeigerufene Samariter der Feuerwehr leisteten erste Hilfe, doch blieben bei der gelähmten alten Frau die Wiederbelebungsversuche ohne Erfolg. Direktor Lange, der nur noch schwach atmete, wurde mit Mühe ins Leben zurück- gerufen und ins Krankenhaus übergeführt. Bei seinem hohen Alter ist die Lebensgefahr noch nicht behoben. Oskar Lange, der Ehrenmitglied der Genossenschaft deutscher Bühnenangehörigen ist, hat früher in Bielefeld, Elberfeld und Halle a. d. Saale Theater geleitet. Im Jahre 1919 zog er sich vom aktiven Theaterleben zurück. Wiederausbau bezahlt. Deutsche Reparationsleistungen und zerstörte Gebiete. Der französische Finanzminister Flandin hat in einem Interview erklärt, Frankreich könne nicht in eine Verringerung der deutschen Reparationszahlungen willigen, bevor es nicht seine Aufwendungen für den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete erhalten habe. Dazu wird nun hier halbamtlich auf die Bewertung der bisher geschehenen deutschen Leistungen hingewiesen. Nach den Schätzungen des amerikanischen Instituts kor ocooomics, sowie des bekannten englischen Professors Keynes sind die Leistungen Deutschlands bis 1923 auf 25 bis 26 Milliarden zu beziffern. Die R e p a r a t i o n s k o m m i s s i o n hat die gutschriftfähigen deutschen Leistungen bis 1923 nur auf 12,8 Milliarden geschätzt. Die erwähnten Amerikaner und Keynes haben diese Schätzung als rechtswidrig erklärt, weil das enteignete deutsche Gut an sich viel z u niedrig und ohne Berücksichtigung der Ablieferungszeit geschätzt worden ist.(So betrugen z. B. die handelsschissspreise zur Zeit der Ablieferung der deutschen Handelsflotte 1920/21 das Vierfache der heutigen Preise.) Unbestritten ist, daß Deutschland unter dem Dawes- Plan 8 Milliarden, unter dem Voung-Plan bis zum Eintritt des Hoover-Planes 2,7 Milliarden geleistet hat. Nimmt man auch nur die geringere amerikanifch-englische Schätzung als Grundlage, so kommt man selbst dann zu einer beut- schen Gesamtleistring von 37 Milliarden. Davon hat Frankreich nach dem Verteilungsschlüssel 18,5 Milliarden erhalten. Die Kosten an Kapitalschulden für den Wiederausbau der zerstörten Gebiete hat Frankreich immer auf 100 Milliarden Franken angegeben, das wären 16,7 Milliarden Mark. Nach diesen offiziösen Berechnungen hätte Frankreich also bereits mehr erhalten, als nach seiner eigenen Angabe für den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete erforderlich ist. « Die Angabe von 100 Milliarden Franken innere französische Schuld für den Wiederaufbau bezieht sich nicht auf den tat- sächlichen Schaden, der in Frankreich durch die Kriegführung auf seinem Gebiet entstanden ist, sondern stellt die Schuldsumme dar, die der französische Staat für die besetzten Gebiete aufgewandt hat. Diese Schuldenlast Hot sich durch die französische Teilinslation so erheblich vermindert, dah in der Tat die deutschen Reparotions- leistungen nach den englischen und amerikanischen Schätzungen diese Schuldsumme bereits übersteigen, während sie nach den amt- lichen, zweifellos zu niedrigen Schätzungen der Reparations- kommission noch um einige Milliarden hinter ihr zurückbleiben würden. Neben der Entwicklung in Amerika, ist zweifellos die Ver- ständigung über die tatsächlichen deutschen Leistungen an Frankreich und über Frankreichs tatsächliche Schuldenlast aus der Zerstörung der besetzten Gebiete das wichtigste Problem der nächsten Monate. Große Kundgebung in Amsterdam. Stürmische Zustimmung für Vreitscheid. Amsterdam. 18. August(Eigenbericht). In Amsterdam fand am Sonntag eine glänzend verlaufene sozialdemokratische Kundgebung statt. In dem großen Raum des Zirkus Earre sprachen vor einer vieltausendköpfigen Zu- Hörerschaft der holländische Sozialist W i b a u t und Dr. Breit- scheid. Die Referate sollten eine Art von Rückblick auf die Ver- Handlungen des Wiener Kongresses geben. Aber sie boten mehr. W i b a u t hielt im Anschluß an die Wiener Besprechungen über die internationalen Wirtschaftsprobleme eine Rede, in der er ebenso packend wie volkstümlich den moralischen Bankrott des Kapitalismus behandelte. B r e i t s ch e i d sprach über die Lage in Deutschland und die Politik der Sozialdemokratie. Er schilderte die politischen und wirtschaftlichen Krisen, durch die das deutsche Volk gehen muß. und setzte den holländischen Freunden die Gründe für die Haltung der deutschen Partei auseinander. Er legte dar, wie sie, um d i e herrsch ast des Faschismus zu verhindern, taktische Zugeständnisse machen müsse, aber trotzdem unbeirrt ihre ganze Ärast anstrenge, um die Demokratie zu erhalten und dem Sozializ- mus den Weg zu bereiten. Seine Worte wurden immer wieder von stürmischer Zustimmung der Versammelten unterbrochen, die sich am Schluß der Rede zu einer großen Ovation steigerte. Als er den Volksentscheid streifte und das verbrecherische Ver- halten der Kommuni st en brandmarkte, wollten einige im Saale anwesende Kommunisten protestieren. Aber ihre Zwischen- rufe gingen in dem brausenden Beifall unter, mit dem die Menge da» vernichtende Urteil über den ungeheuerlichen Verrat der Sowjet- anhänger unterstrich. Breitscheids Appell an die Solidarität und die Sympathie der holländischen Freunde wäre überflüssig gewesen. Schon al» ihm das Wort erteilt wurde, erhob sich die Versammlung wie ein Mann, um die„Internationale" anzustimmen. Und zum Schluß gab der Vor- sitzende De Miranda in warmen und beredten Worten der Versiche- rung Ausdruck, daß die holländische Sozialdemokratie m i t v o l l e m Verständnis die schwere Arbeit der deutschen Bruderpartei verfolge und in aller Treue zu ihr stehe. So war die Versammlung eine wirtlich erhebende Manifestation für das enge Zusammenstehen der internationalen Arbeiterschaft. Aenderung der Kürsorgeverordnung. Die neuen Richtlinien. Die Reichsregierung veröffentlicht nunmehr die neuen Richt- linien über die Fürsorgeverordnung, die besonders gewisse Aende- rungen für die Kleinrentner vorsehen. In diesen Richtlinien heißt es u. a.: Die Fürsorge darf bei Kleinrentnern nicht abhängig gc- macht werdcn vom Verbrauch oder der Verwertung eines kleineren Vermögens, eines angemessenen Hausrats, wobei die bisherigen Lebensverhältnisse de» Hilfsbedürftigen zu berücksichtigen sind, von FamUien- und Erbstücken, deren Entäußerung den hilfsbedürftigen hart tresfen würde, oder deren Verkehrswert außer Verhältnis zu dem Werte steht, den sie für den Hilfsbedürftigen oder seine Familie haben, von Gegenständen, die zur Befriedigung geistiger, besonders wissenschaftlicher oder künstlerischer Bedürfnisse dienen und deren Besitz nicht Luxus ist, eine« kleinen Hausgrundstücks, das der hilfs- bedürftige allein oder zusammen mit bedürftigen Angehörigen, denen es nach seinem Tode weiter als Wohnung dienen soll, ganz oder zum größten Teil bewohnt. Der Verbrauch oder die Verwertung sonstigen Vermögens darf nur verlangt werden, wenn dies keine be- sondere Härte für den hilfsbedürftigen oder seine unterhastsberech- tigten Angehörigen bedeutet. Ein kleines Hausgrundstück, das der Unterstützte ganz oder zum größten Teil zusammen mit bedürftigen Angehörigen bewohnt, denen c« nach seinem Tode weiter als Wohnung dienen soll, darf zur Sicherung des Erscches der aufzuwendenden Kosten nur mit der Be- fchränkung belastet werden, daß Befriedigung nach dem Ableben des hilfsbedürftigen nicht verlangt werden kann, solange es einer dieser Angehörigen bewohnt. Von einer ausdrücklichen Verpflichtung, die auf- zuwendenden Kosten zu ersetzen, darf die Fürsorge nicht abhängig gemocht werden. Muß die Fürsorge eintreten, weil Vermögen des hilfesuchenden vorerst nicht verwertet werden kann oder soll, so kann sie ihre Hilfe davon abhängig machen, daß'der Ersatz der aufzuwendenden Kosten sichergestellt wird, insbesondere durch Abschluß von Renten- vertrügen, Bestellung von Hypotheken oder sonstige Verpfändung von Vermögenswerten. Die Fürsorge soll die Hilfe von einer Sicherstellung in der Regel nur abhängig machen, wenn die Rückzahlung voraussichtlich ohne besondere Härte möglich ist. Die Fürsorgeverbände sind nicht gehindert, eine über die Reichs- grundsätze hinausgehende Hilfe in Form des Darlehns zu gewähren. Bei Arbeitsscheu oder offenbar unwirtschaftlichem Verhalten sind die Voraussetzungen der hilfsbedürftigkeit aufs strengste zu prüfen sowie Art und Maß der Fürsorge aus das zur Fristung des Lebens Unerläßliche zu beschränken. Kirche nimmt Versassungskamps aus. Gegen Verstaatlichung der Kirchengüter und Laienschule. ZPadrid. 18. August. Der spanische Verfassungsentwurf Hot in den kirchlichen Kreisen Spaniens große Beunruhigung und Bestürzung hervorgerufen: wird doch darin die Trennung von Staat und Kirche, die weltliche Schulordnung, die Auflösung der religiösen Gesellschaften und die Nationalisierung des Kirchengute« beantragt. In kirchlichen Kreisen rüstet man sich bereits für den Kampf. Unter anderem hat ein Blatt in San Sebastian dieser Tage einen Ausruf veröffentlicht, worin gegen die jetzige Form des Versassungsentwurfs protestiert wird, der eine äußerst ernste religiöse Lage in Spanien schaffen werde. Die Aera, die die soziale und mehr noch die materielle Ordnung gefährde, indem sie die absolute Weltlichkeit des Staates nach dem Vorbild Frankreichs errichte, Hab« die Kirche ausdrücklich verdammt. Oas Aiieniat von Jüterbog. Ein neuer Hinweis auf den Bahnhöfen. Di« Untersuchung über das Eisenbahnattentat von Jüterbog wird von der Kriminalpolizei mit allem Eifer fortgesetzt. Um das Publikum in noch verstärkterem Maße zur Mitarbeit anzuregen, beabsichtigt die zuständige Kommission der Kriminalpolizei im Ein- vernehmen mit der Reichsbahndirektion, an ollen Bahnhöfen, auf denen die Attentäter eingestiegen oder umgestiegen sein können, eine Nachbildung des Paketes aufzustellen, mit dem sie den Laden in der Friedrichstraße verließen. Es kommen hierfür der Potsdamer und der Anhalter Bahnhof in Berlin, der Bahnhof Berlin-Lichterfelde und der Bahnhos Grüna hauptsächlich in Frage. vDos Panama der Aordwolle". Das erste Hunderttausend überschritten. Unter dem Titel:„Das Panama der Nordwolle" hat der Parteivorstand vor knapp vierzehn Tagen ein« aktuelle Broschüre herausgegeben, die am Beispiel des L a h u s e n- S k a n d a l s das kapitalistische Wirtschaftssystem geißelt. Diese Broschüre hat ein außerordentlich starkes Echo gefunden. Obwohl eine Massenauflage bereitgestellt war, mußte wenig« Tager später schon eine zweite und jetzt die dritte Auflage gedruckt werden, so daß di« ersten 100 000 Exemplare bereits verbreitet sind. Die englische Regierung beschäftigt sich zur Zeit mit den vor» liegenden Sparoorschlägen. Volksentscheids-Kreunde untereinander! Löpelmann stellt eine Ehrenliste auf. Das große gegenseitige Niederreihen und Abschlachten der Volksentscheids-Verbündeten nimmt seinen Fortgang. In einer NSDAP.-Versammlung in Schöneberg hat kürzlich der natio- nalsozialistische Abgeordnete Dr. Löpelmann u. a. folgende« gesagt: „Ich will nun alle die durchgehen, die angeblich sür den Volksentscheid gestimmt haben. Da komme ich zuerst zu der Partei, die immer am unehrlichsten gewesen ist, z u r Ä P D. Diese Bundes- genossen für den Volksentscheid haben unter ihren Funktionären die Parole der Stimmenthaltung abgegeben. Aber dies« Partei der Verbrecher und Mörder ist schon innerlich gespalten und wird nicht mehr lange bestehen... Nun zur V o l k s p a r t e i und zur Wirtehauepartci. Beide haben sich für den Volksentscheid eingesetzt. Aber bis zur Abhaltung einer Versammlung sind sie nicht einmal gekommen. Der Führer ist Herr Dinzeldey, dessen Name schon Musik ist. (Gelächter.) Bei seiner Schaukelpolitik ist er sogar bis zu Adolf Hitler gekommen, hat sich aber hier den wohlverdienten Korb geholt. Er hat eben die Schaukelpolitik des gesetzlich geschützten Herrn Gustav Stresemann fortgesetzt. Auch diese Burschen haben den Volksentscheid verloren... Nun ein Wart über unsere Bundesgenossen vom Stahlhelm, dem ich nie grün war. Wir hoben mit ehrlicher Verachtung aus ihn hinabgesehen. Wir haben ihm gesagt, daß es vermessen sei, einen Volksentscheid zu machen. Aber er Hot nicht gehört. Er ist es gewesen, der vor- geprellt ist. ohne vorher Hitler zu fragen. Wir haben ihn handeln lassen, wir haben ihm den Rücken gestärkt, weil wir allein dos tun konnten. Es gibt Stahlhelmer, die gar nicht zum Volksentscheid gegangen sind.(Lebhaste Pfuirufe.) heute sagen wir ihm, schmück dich nicht mit fremden Federn, für deine Führer danken wir bestens. Wirsind froh, daß wir euch ein fürallemal l o» sind. Wir werden euch nie mehr irgendwelche Unterstützung leihen. Nun die D e u t s ch n a t i o n a l e n: sie sind heuchlerische Bundesgenossen. Schon damals wären st« nie aus dem Reichstag gegangen, wenn wir nicht auch mitgegangen wären. Das sind goldene Worte, die sich die Verbündeten einrahmen können und die- ihnen wohl noch lange in den Ohren klingen werden. Lm Kautschukboot durchs Mttelmeer. Paris, 18. August. Aus Tunis wird das kühne Wagnis eines Oe st erreichers namens Theodor Helm gemeldet, der in einem fünf Meter langen Kautschukboot das Mittelmeer durchsegelt hat. Er fuhr am 12. August von Marsalla(Sizilien) ab und erreichte trotz widriger Winde die Küste von Tunis in gutem Zustand. Freie Fahrt zur Funk- und phonoschau. Um den breitesten Schichten Gelegenheit zum Besuch der räum- und inhaltsmähig abermals außerordentlich erweiterten Großen Deutschen Funkausstellung und Phonoschau Berlin 1931 zu geben, hat sich die Ausstellungsleitung entschlossen, eine Verbilligung de» Eintritts damit zu schaffen, daß allen denjenigen Aus- stsllungsbesuchern freie Fahrt zur Ausstellung gewährt wird, die Eintrittskarten an den Schaltern der Ber- liner U-Bahn, der Stadt- und Ringbahn(Nahzone), bei den Schaff- nern der Straßenbahnlinien 58. 72. 75 und 93 sowie des Autobus A 7 vom Tage der Eröffnung an erwerben. Am Eröffnungs- tag, Freitag, dem 2 l. A u g u st, ist die Ausstellung für den allgemeinen Besuch schon von 9,30 Uhr vormittags an offen: auch ist schon an diesem Tage die Möglichkeit gegeben, sich an der Ver- teilung der 100 ersten wertvollen Geschenke gegen Abgabe des der letzten Rundfunk-Quittung anhängenden Beteiligungsscheines, der auch, wo er versehentlich fehlte, gegen Vorweis der letzten Rund- funk-Ouittung auf der Ausstellung selbst erhältlich ist, zu beteiligen. Sieben Zahre Zuchthau« erhielt in Graudenz der polnische Linkssozialist Rose neck. Acht Angeklagte erhielten je öl* Jahre, sieben se 5 Jahr« und ein Angeklagter 2 Jahre Zuchchaus. Zwei Personen wurden freigesprochen. Reichsmietertag in Leipzig. Forderungen der Mieter: Ein soziales Miet« und Wohnrecht. Im Verlauf des Reichsmietertages berichtete Bundesvorsitzender Dzieyk-Berlin über die aktuellen Fragen der Mieterpolitit. Er bezeichnete die ungeheure Arbeitslosigkeit, das Wohnungselend und die Ueberteuerungen der Mieten als die schlimmsten Uebel, unter Vnen das deutsche Volk zu leiden habe. Es werde höchste Zeit, das Gewissen der verantwortlichen Personen wachzurütteln und von men eine grundlegende Wandlung ihrer Auffassungen über die ufgaben des Staates auf diesem wichtigen Lebensgebiet zu ver- jngert. Die deutschen Mieter hätten ollen Anlaß, die gesetzlichen und behördlichen Maßnahmen hinsichtlich des Miet- und Wohn- vesens unter dem Gesichtswinkel der politischen Entwicklung in Deutschland zu betrachten. Die politischen Machtverhältnisse seien auch in dieser Beziehung entscheidend. Das haben der Abbau des Mieterschutzes und die Notoerordnungen gezeigt. Die mieterseind- liche Haltung der Reichsregierung gehe besonders aus der Notver- ordnung vom 1. Dezember 1330 hervor. Ueber den Charakter dieser Notverordnung dürfe auch die Tatsache nicht hinwegtäuschen, daß Reichsmietengesetz und Mieterschutzgesetz im Jahre 1336 nur dann außer Kraft treten sollten, falls bis zu diesem Zeitpunkt ein Gesetz erlassen werde, das die Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches über die Miete nach sozialen Gesichtspunkten ausgestalte. Der Mietertag protestierte sodann mit aller Entschiedenheit gegen die vor einigen Tagen in Würzburg aufgestellten Forderun- gen der Haus- und Grundbesitzer, die dahin zielen, auf das Grund- und Hauseigentum im Wege der„Verrentung" der Hauszinssteuer eine Staatshypothek von IS Milliarden Mark einzutragen und dafür die Hauszinssteuer wegfallen zu lassen. Dies würde dazu führen, daß die ärmere Bevölkerung, besonders das große Heer der Arbeits- losen, den bisherigen Genuß der vorläufigen Stundung der Haus- zmssteuer verlieren würde, wodurch wiederum die Wohlfahrt s- etats der Gemeinden ins Unermeßliche steigen würden. Ab- gesehen davon, laufe eine derartige Maßnahme nur auf eine be- trächtliche Senkung der Leistungen der Hausbesitzer hinaus, ohne daß gleichzeitig die Mieten gesenkt würden. Der vom Reichsverband ausgearbeitete Gesetzentwurf für«in soziale» Miet- und W o h n r e ch t wurde eingehend beraten. An der Aussprache bc- teiligten sich u. a. neben namhaften Rechtsanwälten verschiedene Reichstagsabgeordnete und Mitglieder des Wohnungsausschusses des Reichstags, unter ihnen ganz besonders der Vorsitzende des Aus- schusses. Reichstagsabgeordneter Genosse L i p i n s k i, die starken Beifall fanden. Der Gesetzentwurs des Bundes soll nochmals durch eine Kommission überprüft und endgültig festgelegt werden. In einer Entschließung wurden als wichtigste Forderungen des Reichs- bundes deutscher Mieter zusammengefaßt: I. Schaffung eines sozialen Miet- und Wohn- rechts. 2. Sofortige Verabschiedung des Wohnheim- stättengesetzes. 3. Senkung der überhöhten Mieten mindestens aufden Friedensmietsatz unter entsprechender Herabsetzung der Hauszinssteuer. Der nächste Reichsmietertag wird voraussichtlich in Duisburg stattfinden. Das Bundespräsidium wurde einstimmig wiedergewählt, und zwar Dzieyk-Berlin tVorsitzender). Grothaus-Berlin(Schatz- nieister) und Arzel-Magdeburg(Schriftführer). Gtandrechi gegen Bohrtürme. Produktionsdrosselung mit Gewalt in Texas. Austin(Texas). 13. August. Das von dem Gouverneur des Staates Texas, Sterling, übe» das neu erschlossene Petroleumgebiet in Ost-Texas verhängte Standrecht wird rücksichtslos durchgeführt. Dies gilt vor allein für die Grafschaften Rusk, Gregg. Smith und Upshur. In einem Gebiete, das eine Fläche von 2815 Meilen Länge und 1600 Meilen Breite bedeckt, sind sämtliche Bohrtürme außer Betrieb gesetzt worden. * Die Anarchie der Petroleumerzeugung in den Bereinigten Staaten hat�u einem Preissturz geführt, der jede Produktion un- rentabel machte. Versuche, die Produktion durch Zureden anteils- mäßig einzuschränken, haben natürlich nichts gefruchtet, da jeder Produzent die Produktionseinschränkung nur bei dem anderen vorgenommen sehen möchte. Der so entstandene Preisdruck ist der- ort, daß der Gouverneur von Texas jetzt mit Gewoltmaßnahmen vorgegangen ist. Die Landesregierung von Texas fühlte �ich um so mehr zu einer Aktion gezwungen, als die Steuereinnahmen dieses Staates überwiegend von den Einnahmen aus dem Petroleum- vertauf stammen: Texas ist größer als Deutschland, hat nur 4'/» Millionen Einwohner. Hakenkreuzpriester dars schimpfen. Pfarrer Krieger ist hierin kein Llnbekannter. Wir haben berichtet, daß der Pfarrer Krieger soeben von dem Schöffengericht in Dresden freigesprochen worden ist trotz erwiesener schwerer Beschimpfungen der Republik und obwohl die Staatsanwaltschaft Bestrafung des Pfarrers unter Versagung mildernder Umstände verlangt hatte. In diesem Zusammenhange dürfte es interessant sein, daran zu erinnern, daß der gleiche Pfarrer Krieger aus»inen Antrag der Republikanischen Beschwerdestelle Berlin wegen Veröffentlichung eines die Republik unerhört beschimpfenden Brieses im„Reichswart" des Herrn Graf Reventlow von der 3. Strafkammer des Land- gerichts l in Berlin zu 600 M. Geldstrafe verurteilt worden ist. Der Schimpfbrief war ursprünglich an den Ober- lcutnant a. D. Schulz ins Gefängnis gerichtet, aber von der Gefängnisverwaltung nicht ausgeliefert worden. Trotz dieser Vorstrafe kann also anscheinend dieser Nazi-Pfarrer da» Schimpfen nicht lassen. Spionage in der Mongolenwüste. Deutscher Postflieger verurteilt. Nach einer aus Urga eingegangenen Mitteilung, soll angeblich der Führer de« in der äußeren Mongolei beschlagnahmten Post- flugzeuge, der deutsch-chinesischen Luftverkehrsgesellschast Eurasia wegen Spionageverdachts zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt worden sein. Von seilen aller beteiligten deutschen und chinesischen Stellen werden Schritte unternommen, um dieses Urteil rückgängig zu machen, da dem Flugzeugführer bei der Ueberfliegung mongolischen Gebietes selbstverständlich jede Spionagsabsicht ferngelegen hat. Sein Begleiter, Funkermaschinist Kälber, der einer Bein- Verletzung wegen ins Krankenhaus eingeliefert werden mußte, be- jiad� pH auj dem Wege der Bcherung. Wetthetze gegen den Sozialismus Er soll an der kapiialistischen Krise schuld sein Paris, 18. August.(Eigenbericht.) In einem Artikel des„Populaire" wendet sich Leon Blum gegen die Behauptung einiger bürgerlicher französischer Zeitungen, vor allem des„Temps", daß für die wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten Deutschlands und Englands die gefährlichen Experi- meirte des Sozialismus in beiden Ländern verantwortlich sind. Die Ergebnisse dieser sozialistischen Politik sind nach der Ansicht der betreffenden Zeitungen so vernichtend, daß Deutschland und England jetzt gezwungen seien, ihren Irrtum einzusehen und den Kapitalismus um Hilfe anzurufen. Dazu bemerkt Leon Bluni, niemand könne bestreiten, daß der Sozialismus an der Arbeitslosigkeit in England und Deutschland nicht schuld sei. Im übrigen habe der Sozialismus in beiden Ländern nicht allein die Macht ausgeübt, und er sei bisher noch nicht einer regel- mäßigen und loyalen Probe unterworfen worden. In England handele es sich um eine Minderheitsregierung, in Deutsch- land seien die Sozialdemokraten nur an Regierungen der Koalition und der republikanischen Verteidigung betelligt gewesen. Ein Beweis dafür, daß die Arbeitslosigkeit in beiden Ländern nichts mit dem Sozialismus zu tun habe, sei die Tatsache, daß in dem allmächtigen Land des Kapitalismus, in den Vereinigten Staaten, wo der Sozialismus nicht den geringsten Einsluß auf das öffentliche Leben ausübe, ebenso große Arbeitslosigkeit herrsch«. Der Sozialismus befindet sich also in Gegenwart in einer Lage, deren Ursachen auf das k a p i t a l i st i s ch e System selbst zurückzuführen sind. Deshalb müsse man die Frage auf- werfen, ob die Anstrengungen des Sozialismus, die Opfer des Kapi- talismus vor dem Hungertode zu bewahren, verurteilt werden sollen. Man behaupte, die Arbeitslosenunterstützung ermutige die Träg- h e i t und ruiniere die Staaten. Darauf sei zu erwidern, daß der Kapitalismus den Arbeitslosen doch Arbeit verschaffen möge. Dann werde man sehen, ob die Erwerbslosen die Arbeit verweigern. Wenn der Kapitalismus dazu unfähig sei, dann spreche er damit sein eigenes Todesurteil aus. Die Sozialisten hätten also recht, den Kapitalismus anzuklagen, weil die Arbeitslosigkeit aus den Uebertreibungen der Produktion und dem Fortschritt der Wissenschaft und Technik entstehe. Die Sozialisten hätten nichts anderes zu tun, als nach besten Kräften das Elend derjenigen zu erleichtern, die die Opfer der kapitali- ftifchen Wirtschaft sind. Wenn das Steuer zu stehen komme, dann sn das nicht die Schuld der Sozialisten. Man möge zunächst andere Ausgaben herabsehen, vor allem die für Kanonen, Flugzeuge und Kriegsschiffe. Schließlich fragt Leon Blum den„Temps" und die anderen Zei- tungen ähnlicher Richtung, welche Methoden sie zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit vorschlagen. Solle man die Arbeitslosen vielleicht Hungers st erben lassen, oder sie, wie vor 100 Jahren in Eng- land, in Strafwerk st ätten einsperen, oder sie zum bewaffneten Aufstand hetzen, um sich ihrer wie im Jahre 1848 in großer Zahl zu entledigen? Erinnerungen an Klabund Von Wolfgang Harlmann Dieser Tage jährt sich bereits zum dritten Male der Todestag des allzufrüh verstorbenen Dichters Klabund. Viele Jahre herzlicher Freundschaft verbanden uns. Meine erste Begegnung mit dem Dichter datiert in die Zeit unmittelbar vor dem Kriege zurück, da Klabund in München im Kreise des„Krokodils" von sich reden machte, freche, satanisch-sröhliche Gedichte im„Simplicissimus" und in der„Jugend" verössentlichte und die Tafelrunde in der Torgger- stube mit Max Halbe und Wedekind an her Spitze, mit seinem Talent in Erstaunen setzte. Später, im Jahre 1016, trafen wir uns in Zürich wieder und zwar im Kabarett„Voltaire", das der auch bereits verstorbene Hugo Ball zusamnien mit einigen jungen Dadaisten eben gegründet hatte. Damals verfaßte Klabund seinen berühmten„Kaiserbries", den die„Neue Züricher Zeitung" an leitender Stelle veröffentlichte und damit begreifliches Aufsehen er- regte. Eines Morgens, an einem Sonntag, faß ich mit Frank Wedekind, der in Zürich gastierte, am Seekai. Er hatte gerade den „Kaiserbrief" gelesen und war begeistert. Dann studierte er ihn noch einmal in seiner gründlichen Art und wurde immer»rnster. Die Muskeln in seinem Gesicht spannten sich, seine Schläfensältchen zogen tiefere Furchen, und schließlich schüttelte er bedenklich den Kopf und meinte ganz ernsthaft:„Man hätte dem Kaiser doch nicht so wehtun sollen!" Der Patriot in Wedekind war getroffen worden durch Klabunds Brief. Wenige Minuten später tauchte auch schon Klabund selber am Seekai auf und kam geradewegs auf uns zu. Klabund blinzelte mich an, denn er hatte die„Neue Züricher Zeitung" in der Hand Wedekings bemerkt und wußte, was los war. lind mit seiner wunderbaren frechen Sorglosigkeit fragte er Wedekind, der peinlich schwieg, aus den Kopf zu:„Nun, wie gefüllt Ihnen mein Brief an den Kaiser?" Wedekind, sichtlich oerlegen, räusperte sich und sagte dann meinem maßlosen Erstaunen:„Ausgezeichnet!" Der junge Dichter machte große Augen, denn er traute der Sache nicht recht. Und nun ging Wedekind ganz ernsthast auf das heikle Thema ein und nach einer halben Stunde hatte er Klabund dennoch seine wahre Meinung über den Brief gesagt und seiner Enttäuschung Luft gemacht. Er liebte diesen jungen begnadeten Menschen und er hatte es nicht fertig gebracht, ihm weh zu tun. Selten habe ich Wedekind, der sonst brutal seine Ansichten äußerte, ohne Rücksicht auf Person und Wirkung, so sanft und väterlich ge- sehen. Diese Szene war rührend schön in ihrer gütigen Mensch- lichkeit. Ein Jahr später waren wir wieder zusammen im südlichen Locarno am Lago Maggiore. Klabund war wieder einmal sehr krank. Er hatte sich ein kleines Häuschen oben auf dem Monte Trinita, nahe bei Ascona, gemietet und schrieb, trotzdem er fieberte, eifrig an einem neuen Buch. Wieder genoß er nach Verhältnis- mäßig kurzer Zeit wie schon des öfteren, und wir konnten unsere nächtlichen Bummel durch die Tessiner Landschaft und ihre gemüt- lichen Kneipen wieder aufnehmen, zechen und diskutieren. In jene Zeit der hoffnungsfrohen Genesung siel seine Begegnung mit Irene, einem blonden deutschen Mädchen, hauchzart wie er selber. Sie wurde seine Frau. Dies war wohl das glücklichste Jahr im Leben Klabunds, fast gänzlich ohne Krankheit und inmitten der zauberhaft unwirklichen Pracht des Tessin. Unvergeßliche Tage und Nächte in einem ununterbrochenen Schwelgen in Schönheit und Glück. Der Knabe Klabund strahlte wie ein Kind und kam nicht aus der Ver- wunderung heraus, daß sein Leben jetzt so ichön und heiter ge- worden war. Und dann, wie ein Fluch der Götter, der Absturz in furchtbarste Tiefen. Das Grippejahr 1018 warf sie beide gleich- zeitig aufs Krankenlager, Irene hatte eben erst ein Kindchen ge- boren und schon nach wenigen Tagen erlag die Blühende dem holzen Fieber. Das Kindchen folgte nach und Klabund, vom Hauche des Glücks gestreift, war wieder mutterseelenallein, verlassener denn je. Selbst noch ein Todkranker, gebrochen und verelendet, schrieb er im größten Jammer den„Sang an Irene", jene erschütternde Toten- klage eines verzweifelten Herzens. Wer ihn damals sah, hielt es für menschenunmöglich, daß er die Krise überstehen werde. Nur roch ein Schatten war dieser einst so lebensfrohe Jüngling. Wie«in Betrunkener torkelte er durch die Stunden, geblendet und verstummt in unfaßbarem Schmerz. Und eines Tages war er fort, nieinand wußte wohin. Dann endlich kam Nachricht aus Pofilano, er badete im Meer und begeisterte sich wieder an der südlich fremden Land- schaft. Dann ein schönes Wiedersehen in München, von neuem ver- liebt und eben im Begriffe, die reizende Karola Neher zu heiraten, die er an den Kammerspielen kennengelernt hatte. Immer blieb er seinem Typ treu: das verträumte, lachend-frohe Mädchen, mit etwas Zigeunerblut in den Adern, war sein Ideal. Cr wurde noch einmal sehr glücklich, es war wie ein Märchen, er vermochte es selbst nicht zu fassen, daß das Leben so seltsam mit ihm spielte. Und noch immer können wir alle, die wir ihn kannten und liebten, es nicht fassen, daß er nicht mehr unter uns weilt und fingt und dichtet! ,/0\t Oubarry." Theater im Admiralspalast. „Gräsin Dubarry" hieß vor 50 Jahren eine Operette von tlarl Millöcker, dem Komponisten des„Bettelftudenten", der als sein bestes Wert seinen Namen lebendig gehalten hat. Operette von einst, verstaubt, verklugen, vergessen. Nun haben Rotters sie ausgraben lassen und eröfsnen damit die neue Saison im Admiralspalast. Nicht die alte Operette selbstverständlich, wie sie damals war: sondern neu bearbeitet, zurechtgemacht für die Bedürfnisse des heutigen Publikums, sie haben e» sich erzogen: sie wissen, was sie ihm bieten müssen und zumuten dürfen. Es ist ja immer wieder dasselbe: ein Schwelgen im Kitsch und billigem Glanz, eine Orgie von pro- vinzieller Vornehmheit und Protzerei. Paul K n e p l e r und I. M. W e l l e m i n s k y haben dieses lächerliche, läppische, lang- weilige Spiel in neun Bildern(dessen Inhalt heut« jeder aus dem „Dubarry". Film kennt) für die Bühne hergerichtet. Theo M a ck c b e n hat Millöckers bescheidener Musik den schmalzig auf- dringlichen Klang einer schlechten Lühar-Operette von heute gegeben. So wird es hier verlangt. Im Mittelpunkt der Aufführung und des Erfolgs, der nicht ausbleibt, steht der Star: Gitta A l p a r. Als Sängerin viel zu schade für dies Milieu, in das sie sich im übrigen geschickt einfügt. Mit Hilse ungezähller Wiederholungen, gegen deren Unfug nicht laut genug protestiert werden kann, dehnt sich der Abend bis in die erste Morgenstunde. Die Berliner Theater gehen einem schweren Winter entgegen. Um der vielen tausend Existenzen willen, die aus dem Spiel stehen, müssen wir wünschen, daß sie ihn bestehen. Wir können es nicht wünschen, um eines Theaters willen wie jenes, mit dem gestern die Spielzeit eröffnet wurde. IL P. Mosaiken in Herculanum. Die Ausgrabungen in Herculanum, der Schwesterstadt von Pompeji, bei denen vor allem jetzt die öffentlichen Bäder vollständig freigelegt werden sollen, haben zu der Entdeckung zweier unbe- jchädigter Mosaikfußböden geführt, die in der Schönheit des Eut- wurfs und der Vollendung der Ausführung allen bisher in Pompeji gefundenen überlegen sind. Sie wurden in zwei großen Räumen der öffentlichen Bäder freigelegt, die wahrscheinlich als Ankleide- räume gedient haben. Das schönste Mosaik ist ganz in Schwarz auf weißem Grunde gehalten. In der Mitte befindet sich eine große prächtige Gestalt des Herkules, der ein Ruder auf seiner Schulter hält. Die Figur endet in dem Schwanz eines Delphins oder einer Seejungfcr. Auch das zweite Mosaik ist ganz tn Schwarz aus weißem Grunde gehalten, aber einfacher in der Zeichnung. Es besteht aus einem Schmuckfries, der eine Anzahl geometrischer Zeichnungen enchält. Ferner wurden sieben runde Säulen in einem guten Er- haltungszustande gefunden, die jetzt an ihrer ursprünglichen Stelle wieder ausgerichtet sind. Auch die Eintrittshalle des Bades ist aus- gegraben, an die ein großer Raum angrenzt. Da Herculaneum anders als Pompeji von einem Schlammstrom begraben wurde, in dem sich hölzerne Gegenstände gut erhielten, so ist auch«ine Anzahl Möbel- stück« gefunden worden, die oft unseren modernen überraschend ähn, lich sind. Deutsch-amerikanischer Mediziner-Austausch. Anläßlich des Ber- liner Besuches des New-Porker Stadtinedizinalrates Dr. Schröder wurden Pläne bekannt, nach dem Muster der Austaujch-Professoren jetzt auch einen dauernden Austausch von Assistenten Berliner Kran- kenhöuser und gesundheitlicher Anstalten mit Assistenten der gleichen Anstalten in New Pork ins Leben zu rufen. Es sind Vorbereitungen im Gange, regelmäßig verschiedene Berliner Assistenten in New- Yorker Anstalten und Neiv-Yorker Assistenten an Berliner Anstalten zu beschäftigen. Der Philh-rmouisch, Chor(Tirigent: Otto Klemperer), der mit seinen Proben am 24. August beginnt, wird in diesem Winter«in neue« Oratorium von D i n d e in i t h, Messen von P a l e st r i n a und die ungekürzte Matlhäus-Passion von Bach zur Aussührung bringen. Anmeldung von Mitgliedern bei der Geschästsstelle, Lindauer Str. 6(Pallas 83L3). Da» Schauspielhaus am veudarmenmarkt eröffnet die neue Spielzeit Sonnabend, 29. August, als Auftakt des Äoethe-IohreS mit einer Äoetbc- Erstausführung:„Di- natürliche Tochter". Ter Vorverkauf beginnt Mitt- woch, 26. August. Die«rohe Berliner Kunstausstellung im Schloß Belledue wird während der Umänderung in die lt. Abteilung nicht geschlossen; sie bleibt vielmehr wie bisher von 10 bis 7 Uhr täglich geöffnet. Zn der Nachkriegszeit Die Täiigkeii der Gewerkschaftskongresse Die Mitglieiverzahlen der Gewerkschaften geben ein prägnantes Bild über die Kriegs- und Nachkriegswirkungen. Im Jahresdurch- schnitt 1914 wurden 2 075 759 Mitglieder gezählt. Im Jahre 1916 hatte die Mitgliederzahl mit 966 705 ihren tiefsten Stand erreicht und stieg bis 1918 wieder auf rund 1 665 000. Dann kam der Zu- ström: 1919: 5 479 000, 1920: 7 890 000, 1921 ein Rückgang auf 7 568 000— infolge des Ueberganges der Angestellten zum AfA- Bund— 1922: 7 895 000 Mitglieder. Im September 1922 hatte der ADGB. feinen Höchststand mit 8 063 938 Mitgliedern erreicht. Nun setzte die Ebbe ein. Im Laufe des Jahres 1923 verlor der ADGB. über 2 Millionen Mitglieder und etwa weitere 70 000 durch Uebertritte zum AfA-Bund und zum ADB. „Es ist eine alte Erscheinung, daß Zeiten niedergehender Kon- junktur ungünstig auf die Gewerkschaftsbewegung einwirken", ver- merkte das Jahrbuch für 1923 dazu. Außerdem: „Aber auch das widersinnige Treiben der Kommunisten mußte zum Verlust an Mitgliedern beitragen: sicherlich ist der Rückgang der Bewegung durch gewerkschaftsfeindliche Haltung erheblich verschärft worden." Die Währungskatastrophe brachte einen weiteren un- gemein starken Rückgang bis auf 3 975 002 Mitglieder Ende 1924. Ende 1925 wurden wieder 4182 501 Mitglieder gezählt. Im Rahmen dieser kurzen Betrachtung kann nicht aus all« Wirren der ersten Nachkriegsjahre wie Ruhrbesetzung und Inflation eingegangen werden, obwohl es nützlich ist, gelegentlich einen Rück- blick aus sie zu werfen. Schweres hatten die Gewerkschaften zu überwinden und auch die Zeiten sind vorbei, in denen die Betriebs- röte von der KPD. als„die Organe des Aufstandes" zu gebrauchen versucht wurden und von betriebsamen Geschäftemachern als Zwischenhändler. Die beiden ersten Gewerkschaftskongresse der Nachkriegszeit, der Nürnberger 1919 und der Leipziger 1922, litten noch stark unter der Unrast dieser Zeit. Dennoch entfalteten sie eine ersprießliche Tätigkeit. Die Rechtslage in Deutschland hatte die freien Gewerk- schasten veranlaßt, bei ihrem losen Zusammenschluß unter der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands zu bleiben. Als sie aber nach dem Kviege mehr Bewegungsfreiheit gewonnen hatten, wurde der Allgemeine Deutsche Gewerkschaflsbund geschaffen und so eine formfestere Verbindung unter den Zentral- verbänden hergestellt, mit Vorstand, Ausschuß, Bezirks- und Ortsausschüssen. Für den Streikfall wurden bestimmte Normen geschaffen und die Bundeshilse bei Streiks geregelt. Die Richt- linien der Bundessatzungen enthalten ein gewisses Aktionsprogramm der Gewerkschaften, worin u. a. gesagt wird, daß die Gewerkschaften im Sozialismus die höhere Form der volkswirtschaftlichen Organisation gegenüber der kapitalistischen Wirtschaft erblicken.„Die von ihnen erstrebte Betriebsdemokratie und die Umwandlung der Einzel- arbeitsverträge in Kollektivverträge sind wichtige Vorarbeiten für die Sozialisierung." Der Achtstundentag schien durch die Vereinbarung vom I 15. November 1918 zwischen den Arbeitgeberverbänden und den Gewerkschaften, sowie durch die Demobilmachungsverordnungen vom 23. November 1918 und 18. März 1919 gesichert. Diese Ver- ordnungen wurden jedoch im November 1923 außer Kraft gesetzt und bald darauf, im Januar 1924, ging auch die Zentral- gemeinschaft zu Ende. Das Washingtoner Abkommen über die Achtundvierzigstunden- woche ist von der deutschen Regierung bis heute noch nicht ratifi- ziert worden. Dennoch kann der Achtstundentag als gesetzliche Grundlage für die Arbeitszeit in Deutschland für gesichert gelten. Wenn Tornow auf dem letzten Hamburger Gewerkschaftskongreß erklärte:„Wir denken nicht daran, die alte Forderung des Acht- ftundentages als eine Ewigkeitsforderung gÄten zu lassen, so ist rascher, als man vor drei Jahren dachte, die Forderung der Vierzigstundenwoche erwachsen. Die nächste Ursache dieser Forderung, die große Ar- beitslosigkeit und die Kurzarbeit, ist freilich wenig erfreulich. Allein, es ist nicht nur die Not der Arbeitslosigkeit für diese Forderung maßgebend, sondern die oeränderte rationalisierte Produktionsweise. Auch diese Forderung wird nicht von heute auf morgen durch- geführt werden, sie muß wie jede andere Reforck errungen werden, selbst wenn sie als Notmaßnahme größere Beachtung und Der- ständnis gefunden hätte. Einen zweifellosen Fortschritt bedeutet das Betriebsrütegeseh. wenn es auch längst nicht in allen Teilen unseren Wünschen ent- spricht. Worauf es zunächst ankam, die Arbeiter mit ihren Rechten und Pflichten aus diesem Gesetz vertraut zu machen, galt von vorn- herein als Aufgab« der Gewerkschaften und wird es im Hinblick auf den gewerkschaftlicheil Nachwuchs auch weiterhin bleiben. Den äußerlich sichtbaren Ausdruck für die allgemeinen Vödungs- bestrebungen der Gewerkschaften ist die vundcsschule in Bernau, deren„Luxus und Komfort" dem Hugenbergfchen„Lokal-Anzeiger" vor kurzem so schwere Sorgen bereitete. Die Bemühungen zur Regelung des Lehrlingswesens, zur Schaffung eines Berufs- bildungsgefetzes haben zwar einige Gesetzentwürfe zutage gefördert, bis heute aber keinen endgültigen Erfolg gehabt. Auch das Arbeitsrecht ist noch weit von feinem vollständigen Ausbau entfernt. Die Vereinheitlichung der Gewerkschaften hat sowohl durch weitere freiwillige Zusammenlegungen von Organisationen, wie auch durch Angleichung der Satzungen, des Beitrags- und Unterstützungswesens Fortschritte gemacht. Die in Leipzig erhobene Forderung, den 1. Mai als gesetzlichen Feiertag einzuführen, harrt ebenfalls noch der Erfüllung, cbenso die Forderung der paritätischen Beteiligung der Arbeiterschaft an allen Organen der Wirlschast. Allein der Gedanke der Wirtschaftsdemokratie wird von den Gewerkschaften solange verfochten werden, bis er verwirklicht ist. In der U rla u b s f r a g e, die vor dem Krieg« höchstens akademisch erörtert wurde, sind einige Ansänge gemacht, die auf- rechterhqlten werden müssen, um sie bei günstigerer 5konsunktur z» vervollständigen. Die Technische Nothilse ist gegenwärtig zwar bedeutungslos, muß jedoch vollends gegenstandslos und des- halb verhütet werden, daß sie sich an dem freiwilligen Arbeitsdienst wieder aufzurichten sucht. Auch über die Regelung des S ch m ch*■ tungswesens ist das legt« Wort noch nicht gesprochen. Schon von vornherein wurde erkannt:„Je mehr wir uns den Zeiten des Lohnabbaues nähern, um so größer wird die Gefahr, daß der Arbeiterschaft nachteilige Schiedssprüche aufgezwungen werden." Sind die Gewerkschaften gegenwärtig auch in ihrer vollen Tätigkeit behindert, so lassen sie sich doch dadurch in ihrer Kultur- Mission nicht irre machen. Sie sglber haben verlangt, daß die Unternehmer sich die technischen Fortschritte zunutze machen, doch nicht zur Steigerung, sondern zur Herabsetzung der Warenpreise, zur Steigerung des Absatzes, zu Lohnerhöhungen und zur Hebung des allgemeinen Wohlstandes. Rückschau. Im Programm der Funkstunde:„Goethe und Frau von Stein": ein Querschnitt von Ernst Bulowa. Mit dem Worte„Querschnitt" wurde hier, wie so oft, Mißbrauch getrieben. Was Bulowa zeigte, war gar keine Linie, die vom Ansang dieser Liebe zu ihrem Ende führte. Das bedeutete für das Hörbild keinen Fehler. Im Gegenteil, der unerfreuliche Abklang, die Verstimmung der Frau, Goethes Erklärungen, seine Bitten um Freundschaft, um Verständnis, hätten, um nicht von vielen Hörern mißverstanden zu werden, Erläuterungen nötig gehabt, die im Rahmen dieser Der- anstaltung kaum möglich gewesen wären. Bulowa versuchte nur das Aufsteigen in den vollen harmonischen Akkorden dieser Liebe zu zeigen. Man hätte sich diese Entwicklung, die in Wahrheit zwischen Harmonie und Disharmonie emporstrebte, beunruhigender, er- schütternder auch im Hörbild denken können, als sie hier gestaltet wurde. Die Liebe zwischen Goethe und Charlotte von Stein war keine Liebe zwischen schwärmenden Schöngeistern, wie diese Zu- sammenstellung es glauben machen konnte, sondern eine Liebe zwischen leidenschaftlichen Menschen, deren Kraft in Goethes Leben richtungbcstimmend wurde. Das Hörbild versuchte das allerdings auch dem Hörer anzudeuten, indem es— ohne aber auf die Werke hinzuweisen— Stellen aus Egmont und Taffo zitierte. Das mutzte jedoch vielen Hörern unverständlich bleiben und konnte ihnen das Hörbild nur verwirren. Tos. Dienstag, 18. August. Berlin. IC.OO— 22.00 Bayreuth: Fcstspielübertragung:„Tristan und Isolde". 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Königswusterhausen. 16.00— 22.00 Bayreuth: Festspielübertragung:„Tristan und Isolde". Baumlchulenweg. Unsere Leser finden von heute ab das Programm vom Filmpalast Baumschulenstraße 78 am Dienstag und Freitag in unserer jUno- tafel. Veranttvortl. für die NedakNon: Serbett Lepm, Berlin: Anzeigen: Tb. Glocke Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Budj. öruderei und Berlagsanstalt Paul Singer Sc Co. Berlin EW 08. Lindenstrake 3 Hier»» 1 Beilage. PROGRAMM für die Zeit vom 18. bis 20. August I N O-T A F i S. PROGRAM M für die Zeit vom 18. bis 20. August ] © E&] Potsdamer Strafe 38 W. 5. 7. 9, S. 3, 5, 7. 9 Uhr Der Schrecken der Garnison mit Felix Dressart, Lncie Englisch Für Jugendliche freigegeben Rheinsir abe 14 KÄche) W. 5, 7. 9. S. 3 5, 7. 9 Uhr Der Schrecken der Garnison mit Felix Dreftsart, Lncie Englisch Für Jugendliche freigegeben Odeon, Potsdamer Str. 75 W. 5, 7, 9, S. 3. 5, 7, 9 Uhr Verlängert! Da« Ekel mit Max Adalbert Ufa-Tonkabareti Nr. I Für Jugendliche freigegeben! Turmstrabe 12 sVüou Der Schrecken der Garnison mit Felix Diessart« Lncie Englisch Für Jugendliche freigegeben Alexanderstr. 39-40 (Patsage) Den ganzen Tag geöffnet, Verlängert! Das Ekel mit Max Adalbert Ufa-Tonkabaretl Nr. 1 Für Jugendliche freigegeben! ■ Westen» Primus-Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margarelenstr. Wochentags 5.13. 7.15, 9.15 Uhr Sonntags 3.15, 515. 7.15, 9.15 Uhr Uraufführung des Aafa-Tonfilms Die Frau, von der man spricht mit Mady Christians, Hans Stfiwc Regie: Victor Jansen g Friedrichstadt M Franziskaner Geor.*jensiraße(Ecke Friedrichstraße) Ein KÄdcl mit Tempo— Der singende Draht— Die doei um Edith mit Camilla Horn Moabit A.rtU$hof Bühne W. 6 30 U. DOhnc Sonntage 5 U. Perleberger Str. 29 Tonoperette Der Bettelstadent mit Fritz Scholz, Jarmilla Novotna— Beiprogramm Bühne W: 645 u- 9 05 U W sonnt ab 4.45 U. Mt-Moabit 99 100 proz. Tonfilm: Panik in Chicago mit Olga Tsdhe- chowa, Hans Rehmann— Tonbcipr. * Charlotten burq M Kant-Lichtspiele Kantsir. 54(an der Wilmersdorfer Str.) W. 5. 7. 9 Uhr S. 3, 5. 7. 9 Uhr Der Schrecken der Garnison mit Felix Bressart, Lncie Englisch Für Jugendliche freigegeben ..... Wilmersdorf Atrium Bcba-Palast Kaiserallee, Ecke Berliner Straße W. 7 u. 9.15 Uhr S 5, 7, 9.15 Uhr Uraufführung! E. A Dupoms: Salto Mortale mit AnnaStcn— Ton* filmbelprogramm W Sthöneberg" fc Titania Schönebg. Hauptstraße 49 Sonntags 3. 5. 7, 9 Uhr 100 proz. Tonfilm: Der Zinkcr(n. Wallace) mit Lissl Arna, C. L. Dich!, F. Rasp— Ton- beipiogramm Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 65 Wochemags 5, 7, 9 Uhr Sonntags 3. 5, 7, 9 Uhr Tonlustspiel: Der Sdirecken der Garnison mit Felix Bressart, Lncie Englisch— Gates Tonbelprogramm Für Jugendliche freigegeben Titania-Palast Steglitz, Schloßstr. 5. Ecke Gutsmuthsstr Meine Cousine aus Warschan mit Liane Haid— Tonbeiprogramm— Tonwocfaenscfaan > Eehlenaorf-Mitte> Wochentags 7. 9 Uhr � Sonntags 5, 7. 9 Uhr Potsdamer Str. 40 Stg. 3 Uhr:(ugendv Tonoperette: Die Fasdiingsfee mit Anny Ahlers, Vcrcbe« Gates Beiprogramm MarienderF Ad~ Ii Marlendorter Wochentg. i ld- L,1 Tonlichtspiele 6'/», 9 Uhr Chausseestr. 305 So. ab 5 U 1 00 pror. Tonfilm; Der Zinker mit Lissl Arna, Fritz Rasp. HSrbiger- Tonbeiprogramm TlVOll Berliner Str. 97 Tägl 5. 7. 9 U. Stgs. 3 Uhr: Jug.-Vorsf Tonlustspiel: Der Schrecken der Garnison mit Felix Bressart Tonbeiprogramm W Neukölln> Primus-Palast Am Hermannplatz, Urbanstr. 72/76 Wochentgs. ab 6.30 U. Sonntgs. ab 3 U. Beginn der Wintersaison! Der Schrecken der Garnison mit Felix Bressart Auf der Bühne: Gastspiel Hogo Fiicher.KSppeder bekannte Komiker u. Feldwebeldarsteller Außerdem die berühmte Zigeancr- kapellc Gracfanescu vom Orphenm Bukarest Jugendliche haben Zutritt Mercedes- Palast Hermannstraße 212. Ecke Jägerstraße Woch. bl/2. 9 Uhr Stg. 5. 7. 9 Uhr Beginn der Wintersaison: Der Schrecken der Garnison mit Felix Bressart Auf der Bühne: Gastspiel Hugo Fischer-Köppe der bekannte Komiker u. Feldwebeldarsteller Außerdem die berühmte Zigeunerkapelle Gracianescu vom Orpheum Bukarest Jugendliche haben Zutritt fCisl�ivL» Wochent. 6.45, 9U. Il.un.us. Sonntag 5,7, 9 Uhr Kottbusser Damm 92 Tonlustspiel; Das Ekel mit Max Adalbert Gutes Tonbeiprogr. Jugendl.h. Zutritt I* v f« a|«1 Wochent. 6.45, 9 u Sonntag 5, 7. 9 Uhr Kaiser-Friedrich-Straße 191 Der große Fritz-Lang-Tonfilm: Gutes Tonbeiprogr amm -M" Südwesten Lichtspiele Südwest Blücherstr. 12 W.>/,7. So. ab 5 Uhr Afrika spricht, das Paradies d. Hölle, d. sensaiionellste Tonfilm- Achloog Aostraliea— Achtung Asien Jugendliche haben Zutritt FOm.Paiast Kammersäle Teltower Str. 1 W. 630, 9, Stg. ab 5 U. 100 pror Tonfilm: Das Ekel m. Max Adalbert Achtung I D-Zag in Gefahr Süden Th. am Moritzplatz Beg. Wo. 6 30, 9, Stgs. ab 430 Uhr Wegen Riesenerfolg verlängert! Tonlustspiel; Das Ekel mit M Adalbert Kabarettonfüm mit S. Arna Luisen-Theater Reichen berger Str. 34 Anf. W. ab 6 30 U. Stg. ab 5 U Zirkus-Kriminaltonfilm: Schattender Manege mit Liane Haid— Expeditions-Tonfilm: HSmatschal Stella-Palast Köpenicker StraBe 11—14 Wochtgs. ab 6>Ä l)., Sonntags ab 3 U. Tonfilmschwank: Der Schrecken der Garnison mit Felix Bressart BQbnenichan Jugendliche haben Zutritt orFilmpalast" Baumschulenstr. 78 WochcnT. 6 30, 9U. Sonnt 4, 6 30, 9 U. Jhr Junge mit Magda Soufa, H. Fchcr Der Herr Tom Finanzamt Stern, Hermannstrakje 49 Wochent. 6,45, 9 U. Sonnt. 5 7. 9 Uhr 100 pror. Tonoperelte: Eine Freundin so goldig wie dn mit Annj Ondra, Felix Bressart Sternwarte- Treptow Mittwoch 8. Donners'ag 8 Uhr: ... den schickt er In die weite Well(WeltreisefilmJ Nordosten „Elysium" Äuer Wochentg. 5.15, 7.00, 9.15. So. ab 3.15 Uhr Der Schrecken der Garnison mit Felix Bressart, Lucie Englisch Bühne: Harry Bienenstein Jugendliche haben Zutritt Flora-Lichtsp. Xe5«??' W. 6V2. 9 U., Stg. ab 4 U. Der Schrecken der Garnison mit Felix Bressart Die Peitsche des Gesetzes Ton woche * oston a Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochentgs. 6.30 U.. Sonntags ab 5 Uhr D-Zug 13 hat Versp&tung mit Charlotte Snsa. Heinz Kdncckc Der Siummc von Portlei mit S. Arno,Szökc Szakall, Ida WQst Gutes Beiprogramm Erstklassige Bühnen schau Luna-Palast��um Große Frankfurter Str. 121 Tonfilm: Monte Carlo mit Jean. Macdonald(Regie Lubitsch) Bühne: 2 Varict6- Attraktionen Schwarzer Adler Aileew Woch. 5. 7. ca. 9. Stg. 3. 5, 7. 9 U. Tonlustspiel: Der Schrecken der Garnbon mit Felix Bressart Ton beiprog ramm V. T. Lichtspiele v'/So"« Frankfurier Allee 48 W.5. So. 3 Uhr Der Riesenschlager, auf den der ganze Osten wartet Der Schrecken der Garnison mit Felix Bressart Gates Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt Babylon, am Bülowpiatz Beginn täglich 5, 7, 9.10 Uhr lOOproz. Tonfilm Der Schrecken der Garnison mit Felix Bressart Bühne: HUI GlZhner Jugendliche haben Zutritt W Meu-üchtenbers"k Kosmos-Lichtspiele Lückstr. 70 Wochent. 7. 9 Uhr Sonntags 5. 7. 9 U. Das Ekel mit Max Adalbert Der erste Kabarclifilm mit Otto Wallbnrg, Siegfried Arno Jugendliche haben Zutritt Weidensee Wochent 7 u 9U KacII mCPlllw Sonnt 5. 7 u. 9 U. Langhanssri. 23 Neue Direktion Tel. E 6 3225 Tonfilm: Nächte am Bosporus (Der Mann der den Mord beging) mit Conrad Veidt« Heinrich George Tonbeiprogramm Schloßpark rilm. Bühne Berliner Allee 206— 216 6,30, 9 Uhr Tonlustspiel: Der Schrecken der Garnison mit Felix Bressart Gutes Beiprogramm > friedrichsfclde � Kino Busch N'�u" Alt-Friedrichsfelde 3 100 proz. Tonfilm; Der unsterbliche Lump mit Liane Haid, G. Fröhlich Lustiges Beiprogramm— Woche Jugendliche haben Zutritt Norden Alhambra Wochent. 5. 7, 9 U.. Sonnt 3. 5. 7, 9 UL Der Schrecken der Garnison mit Felix bressart, Lncie EnglifJi Jugendliche haben Zutritt Pharus-Licfatspiele Müllerstr. 142 W.5.7.9U., Stg. 3.5,7. 9U. ISO proz Tonfilm: Kinder vor Gericht(Sache August Schulze) Der schwarze Saphir Panko w Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 7 u. 9, Stg. 5, 7. 9 U. Tonfilm:„M*. ein Fritz-Lang-Film mit Peter Lorrc, Gustav GründgenSj Rosa Valcttl— Tonbelprogramm Tegel fc fiimpalast Tegel striez*" Wochent. 6, Sonnt. 4»/« U. lOOproz. Tonfilm: Der Schrecken der Garnison mit Felix Bressart Bühne: Fred Schani: Im weißen Rößl M MennlgsdorT" H Fiimpalast s,a tffÄVa Berliner Straße 59 lOOproz. Tonfilm; Der Schrecken der Garnison mit Felix Bressart 2 X Lux mit C Auen (Beilage Dienstag, IS. August 1931 SprÄbmiS ShäLxuUyiße Ja{awäsC I�aiKlgerielitsillrektor Di*. Rambke: Was Ist Wahrheit? Wie Pilatusfrage im Strafprozeß Die Poytius-Pilatus-FraHe aus deni Johanneseriangelium „Was ist Wahrheit?" kehrt in gleicher Eindringlichkeit dem Straf- richter immer wieder. In allen Fällen, wo kein glaubwürdiges Ge- ständnis des Täters vorliegt oder wo dessen Leugnen nicht durch einwandfrei« Zeugenaussagen widerlegt werden und mit dieser Hilfe die Wahrheit ermittelt werden kann, ist der Richter für s«in Urteil auf den vielgeschmähten Indizienbeweis angewiesen. Eigene Menschenkenntnis und Welterfahrung, peinlich genaues Zusammen- tragen aller Steinchen aus den Akten und der Beweisaufnahme sind zwar wertvolle Hilfsmittel für den Urteilsbau, reichen ober häufig nicht aus. Mit besonderer Vorliebe und großer Berechtigung werden in solchen Zweiselsfällen in weitestem Ausmaße Sachverstän- d i g e herangezogen, die ihre Sonderkenntnisse und Berufserfoh- rungen in den Dienst der Sache stellen. Meist glaubt der Laie, daß als Sachverständige lediglich A e r z t e, insbesondere Psychiater tätig werden, deren Gutachten sich auch dann nur aus die Prüfung der Tat und des Täters unter dem Gesichtspunkt des§ 51 StGB. erstrecke. Wie irrig diese Anschauung ist, mag gezeigt werden. An einem Wintermorgen wurde im Grunewald bei Berlin die Leiche eines jungen Menschen gesunden. Eine oberflächliche Be- schreibung des Tatortes und der Tatumstände durch einen Polizei- beamten ergab, daß die auf dem Rücken liegende Leiche die rechte Hand in der rechten Tasche des offenen Mantels hatte: zu Füßen des Toten lag eine Mehrladepistole billiger Fabrikware: Lauf und Magazin waren leer: eine leere Hülse(S,35 mm) wurde als zur Pistole gehörig gefunden. Aus die etwaige Ein- und Ausschuß- öffnung des Schläfenschusses wurde nicht geachtet. Die Leiche wurde zur gerichtlichen Obduktion gebracht mit einem kurzen Tatbericht, wonach zweifelsfrei Selbstmord vorliege. Inzwischen wurden die polizeilichen Ermittlungen der Borge- schichte der Tot ausgenormnen und führten an Hand eines bei dem Toten gefundenen Abschiedsbriefes zu dessen Personalien und weiter zu einem jungen Mädchen, zu dem er in der letzten Zeit in Beziehungen gestanden hatte. Diese wurde verhört und gab an, sie habe zusammen mit dem Toten aus dem Leben scheiden wollen: von ihrer Hand stamme der bei jenem gefundene Brief, wie sie auch einen gedanklich gleichen von ihm in ihrem Besitz habe. In, Laufe des weiteren Bcrhörs erzählte sie, daß sie beide verabredet hätten, er solle zuerst sie und dann sich selbst erschießen; sie Hobe sich zu diesem Zwecke am Totort auf den Boden gelegt, während er die Pistole fertig gemacht habe: er habe dann auch die Pistole auf ihrer Schläfe angesetzt, doch sei der Schuß nicht losgegangen; darauf sei er zu einer Straßenlaterne gegangen, um die Hemmung zu be- seitigen, und habe sich dann wider die Abrede doch zuerst selber erschossen. Sie habe nunmehr den Mut zur gleichen Tat nicht mehr besessen, vielmehr sich zuerst klagend übet den Toten geworsen, dann aber dessen Taschen nach Geld für die Heimfahrt durchsucht und sei schließlich mik eigenem' Geld e nach Hause gefahren. Do diese Angaben sich mit den Ermittlungen deckten, schien der Fall erledigt. Inzwischen hatte aber die gerichtlich« Obduktion er- geben, daß es sich mn einen Steckschuß in der rechten Schläfe handele, daß die Einschußöffnung kein« Verbrennungserscheinungen oder Gas- einwirkungen aufwies. Daraus sei dringend der Schluß zu ziehen, daß es sich um keinen Nahschuß handele. Da der Tote außerdem nach dem Tatbericht die rechte Hand in der rechten Manteltasche ge- habt habe, so könne kein Selbstmord vorliegen; vielmehr müsse der Schuß aus größerer Entfernung von einer dritten Person ab- gegeben sein. Auf Grund dieses ärztlichen Obduktionsprotokolls unterzog die Polizei etwa zwei Monate später die einzige Tatzeugin, nämlich jenes junge Mädchen, einem erneuten, eingehenden Verhör durch zwei besonders erfahrene und tüchtige Beamte. Auf deren ein- gehendes Befragen gestand diese nunmehr, sie habe nach Rücktch. ihres Freundes von der Straßenlaterne Angst vor einem zweiten Versagen gehabt, auch nicht mehr an die Zielsicherheit des Angc- trunkenen geglaubt, sondern auf dessen Zureden selber etwa einen Meter neben ihm stehend den tödlichen Schuß aus etwa 20 Zentimeter Entfernung auf ihn abgegeben. Im übrigen blieb sie bei ihrer bisherigen Darstellung. Die Polizei- beamten fuhren nunmehr mit dem Mädchen an den Tatort, ließen diese nochmals den Tatverlauf genau wiedererzählen und rckon- struierten in ihrem Beisein und ohne ihren Widerspruch photo- graphisch die Stellung der Beiden im Augenblick des Schusses und die Lage des Getöteten nach dem Schuß. Ebenso zweifelsfrei, wie man bisher Selbstmord angenommen hotte, erschien nunmehr nach dem Geständnis, das sich mit dem Obduktionsbefund deckte, die Tat als eine Tötung aus ausdrückliches Verlangen im Sinne des Z 216 StGB. Anklage wurde erhoben und die Voruntersuchung eröffnet. Vor dem Untersuchung--- richter widerrief die Angeschuldigte ihr Geständnis und erklärte ihre erste Darstellung als die allein wahrheitsgemäße, b e st r i t t ihre Täterschaft und behauptete Selbstmord des Toten. Das Haupt- verfahren wurde eröffnet. Zur Vorbereitung der Hauptoerhandlung wurde zunächst ein Schiebsachverständiger um ein Gutachten ersucht. Dieser kam nach Prüfung der Waffe-und ihrer Schuhleistungen zu dem Ergebnis, daß aus dem Fehlen der Verbrennungs- und Gasein- Wirkung an der Einschußöffnung und aus der Tatsache des Steck- schusses sich nicht zwingend folgern lasse, es könne sich nur um einen Fernschuß handeln, da gerade die sllr diese Massenware benutzte Munition selbst bei einer Schußnähe von drei Zentimeter derartige Wirkung nicht ausweise, auch bei ihrer geringen Durchschlagskraft zu Steckschüssen neige. Endlich wies auch bereits dieser Sachverständige darauf hin, daß der Tote, dessen rechte Hand bei Auffinden der Leiche sich zwar in der rechten Manteltasche befunden habe, trotzdem sich selber den tödlichen Schuß in die recht« Schläfe mit der rechten Hand habe beibringen können, da nach den Kriegserfahrungen auch bei unbedingt tödlichen Kopfschüssen häufig auch nach dem Tode noch Reflexbewegungen in Gestalt lebhafter Zuckungen der Extremitäten auftreten könnten und daher auch in vorliegendem Falle durch eine solche die Hand in die Tasche geraten sein könnte. So erschien das Gutachten auf Grund des Obduktionsprotokolls in seinen Unterlagen erschüttert, so daß das Urteil wiederum auf die wechselnden Angaben der einzigen Tatzeugin angewiesen blieb, die auch in der Hauptoerhandlung beim Bestreiten ihrer Täterschaft blieb, ohne allerdings sür ihr früheres Geständnis klare Erklärungen abzugeben. In der psychologischen Ausklärung dieser widerstrebenden Er- ksärungen der Angeklagten erblickte mit Recht der noch hinzu- gezogene psychiatrische Sachverständige den Angelpunkt seines Gutachtens. Es lautete dahin, daß der Angeklagten eine ihrem Lebensalter entsprechende seelische und oerstandesgemäße Reife fehle und daß sie kritik- und willenlos fremden Eiifilüssen unterliege. Diesem Schlußgutochten schloß sich das Gericht auch auf Grund eigener Wahrnehmung an und fand eine Erklärung für das Ge- ständnis der Angeklagten darin, daß die vernehmenden Polizei- beamten ihrerseits der Autosuggestion unterlegen seien, es könne sich nach dem Obduktionsbefund nur um eine Tötung durch einen Dritten handeln, und daß die Angeklagte dem auf dieser Auto- suggestion beruhenden und nach dem Ziel der Ermitllung eines dritten Täters abzielenden Willens der Polizeibeamten unterlegen sei. Das Urteil lautete auf Freispruch mangels Beweises. Ob die Angeklagte in der Tat unschuldig war? Was ist Wahrheit? Sta«! Bork: Kennzeichen des Krebses Machen wir uns einmal kurz klar, um was es sich beim Krebs (Karzinom) eigentlich handelt. Man bezeichnet damit eine bös- artige Geschwulst, die sowohl durch örtliches Wachstum, als auch dadurch, daß sie an jeder beliebigen Körperstelle Tochterkolonien setzen kann, ihren allgemein schädigenden Einfluß auf den Organis- mus ausübt. Das örtliche Wachstum, d. h. die Entwicklung der Geschwulst an einem Organ, z. B. Brust, Magen oder Gebärmutter, ist noch besonders dadurch gekennzeichnet, daß die Krebsgeschwulst jeden Widerstand überwindet. Sie kann in die Breite oder Tiefe wachsen, unbehindert durch jedes andere Gewebe hindurch. Die Tochterkolonien(Metastasen) entstehen, wenn Teile der Ge- schwulst in Lymph- oder Blutgefäße gelangen und von dort zum Beispiel in die Lymphknoten oder Leber, Milz usw. fortgeschleppt (fortgeschwemmt) werden und in diesen Organen wieder eine neue Geschwulst bilden. Der eben geschilderte Verlauf tritt immer nur dann ein, wenn die primäre Geschwul st nicht frühzeitig ge- nug erkannt und behandelt wird. Damit kommen wir zu dem allerwichtigsten Punkt der Fragen, die uns hier beschäftigen sollen. Um diese Komplikationen zu ver- hindern, ist es also nötig, daß das Bestehen einer Geschwulst s o zeitig als irgend möglich erkannt wird. Das wird im allgemeinen keine Schwierigkeiten machen, wenn es sich um eine Geschwulst handelt, die z. B. in der Brust oder auch in der Haut fitzt. Sie ist ohne Mühe dem tastenden Finger zugängig. Es bleibt nur zu entscheiden:„Ist die Geschwulst bösartig oder nicht?"(Hier möchte ich noch einfügen, daß es außer dem Krebs noch eine andere Gruppe von bösartigen Geschwülsten gibt, die sogenannten Fleisch- gcschwlllste oder Sarkome. Der Unterschied zwischen beiden besteht nur in dem verschiedenen geweblichen Ursprungsort. Demgegenüber gibt es noch gutartige Geschwülste, die für den Organismus keinen besonderen Schaden bedeuten, wenn sie nicht durch starkes Wachs- tum sehr groß werden und auf andere Organe drücken. Gelegentlich können aber auch gutartige Geschwülste bösartig entarten.) Für die Entscheidung, ob eine Geschwulst bösartig ist oder nicht, gibt es verschiedene Möglichkeiten. In manchen Fällen kann man bereits durch eine Röntgenuntersuchung feststellen, ob die Geschwulst sich ausbreitend wächst oder örtlich beschränkt bleibt, ebenso, ob bereits an anderen Organen Tochtergeschwülste entstanden find oder nicht. Auch kann man durch die Röntgenmethode den genauen Sitz der Geschwulst feststellen, was für den operativen Ein- griff, der vielleicht nötig ist, oder auch für die Radiumbestrahlung von größter Bedeutung sein kann. Eine weitere Möglichkeit, die Bösartigkeit festzustellen, bietet das Herausschneiden von kleinen Probe st ückchen(soweit die Geschwulst von außen leicht zugängig ist) oder aber, wenn es sich um Verdacht auf Gebärmutterkrebs handelt, eine Probeaus- schabung usw.) Als wichtigstes Hilfsmittel dienen für ein rechtzeitiges Erkennen jedoch immer in allererster Linie die subjektiven Beschwerden des Patienten. Gerade weil alles darauf ankommt, das Bestehen einer Geschwulst so frühzeitig wie möglich zu erkennen, wird die Bedeutung ersichtlich, die darin liegt, daß der Patient dem Arzt sofort nach den ersten Anzeichen einer Störung des Allgemein- befindens seine Beschwerden schildert. Leider sieht der Laie meist noch ganz indolent und uninteressiert dieser Entwicklung von Störungen des körperlichen Wohlbefindens zu und legt auch einer tastbaren kleinen Geschwulst, wenn sie nicht schmerzt, keine Bedeutung bei. Da aus gutartigen Geschwülsten, wie ich der Wichtigkeit halber nochmal erwähnen möchte, bösartige sich entwickeln können, muß unverzüglich der Arzt aufgesucht werden, wenn man eine Verhärtung durch oder in der Haut oder auch eine weiche, örtlich begrenzte kleine Geschwulst fühlen kann. Obgleich in den seltensten Fällen Grund zum Aengstigen vorliegt, da es sich meist um harmlose Fettknötchen usw. handelt, muß man den Arzt auf- suchen, der in jedem Fall die diagnostische Entscheidung zu treffen hatl Man muß auch wissen, daß gewisse Alters st ufen be- sonders zu Geschwulstbildungen neigen. Im allgemeinen bietet das 45. Lebensjahr eine Grenze. Wenn z. B. eine ältere Frau jenseits der Wechseljahre dauernd blutet, soll man nicht sagen:„Das wird schon vergehen", sondern durch den Arzt eine Ausschabung vornehmen lassen(wenn er es für nötig hält), um das gewonnene Material untersuchen zu lassen. Hier spielt vor allen Dingen die intensive Zusammenarbeit zwischen praktischen Aerzten und wissen- schaftlichen Instituten eine bedeutsame Rolle. Gerade in letzter Zeit sind auch wieder in dieser Richtung wichtige Anregungen gegeben worden. Stellt sich nach der Untersuchung das Bestehen einer Geschwulst heraus, wird je nach dem ärztlichen Befund mit Radium bestrahlt oder operiert Die Statistik hat gelehrt, daß gerade der Gebär- mutterkrebs die allerbesten Heilerfolge zeigt. Man könnte diese Bei- spiele aber auch für alle anderen Arten von Krebs erweitern. Sie zeigen immer wieder, wie wichtig es hier mehr als bei jeder anderen Krankheit für die Heilung ist, früh vor der weiteren Ausbreitung der Krankheit zu behandeln. Sobald das erst allgemein erkannt wird, verliert auch die Krebs- krankheit mit der Zeit das Unheimliche. Gespenstische, das ihr heute noch anhaftet im Bewußtsein vieler Menschen. Voraussetzung für jede Behandlung ist natürlich auch hier wie bei jedem Leiden das große Vertrauen des Patienten zur ärztlichen Leistung. Wir können vor allen Dingen hier noch auf die fort- geschrittene operative Technik hinweisen. Magenkrebs wird ganz hervorragend operiert und heilt wie andere leichte Operationen. Der Patient muß sich nur immer wieder klar machen, daß ein durch Eingriff verkleinerter Magen sehr gut arbeiten kann. Das wird in vielen Fällen dem Patienten den Entschluß zur Operation erleichtern. Er entgeht dem Siechtum desto sicherer, je schneller er sich entschließt, dem Rat des behandelnden Arztes zu folgen. Wird bei einem Brustkrebs zum Abnehmen einer Brust ge- raten, so ist im Hinblick aus die Erhaltung eines Menschenlebens auch die Folge dieser Operation nur als belangloser Schönheitsfehler zu werten! Meist bringt das frühzeitige Erkennen einer Geschwulst aber auch noch den wesentlichen Vorteil, daß ein operativer Eingriff überflüssig wird, weil die Radiumbehandlung allein schon die Heilung bewirkt. Hedlcng: Arzt und Presse Gesundheitliche Aufklärung des Publikums durch die Tage-- presse ist eine der wichtigsten kulturellen Ausgaben der Gegenwart. Sie ist viel wirksamer als alle anderen kostspieligen und oft nur zu erfolglosen Methoden der gesundheitlichen Voltsbelehrung. Wer die Macht kennt, die heut« die Tagespresse in bezug auf die politische Beeinflussung des Voltes entfaltet, kann nur wünschen, daß diese Macht auch in den Dienst der Volksgesundheit gestellt wird. Es muß sich aber nur um rein gesundheitliche Belehrung handeln. Absolut abzulehnen sind jene Bestrebungen, denen es weniger auf gesundheitliche Belehrung ankommt, als darauf, die Presse in den Kampf zwischen den gesundheitlichen Methoden und Gruppen einzuspannen und die erbitterten Schlachten, die in den Zeitschristen der verschiedenen Heilrichtungen ausgetragen werden. in die Tagespresie hinüberzupflanzen. Di« Presse muß in dieser Beziehung vollkommen srei und unabhängig sein; sie muß die ge- sundheitliche Wahrheit verkünden, gleichgültig, ob diese Wahrheit im einzelnen bei der Schulmedizin. der Raturheilkund«, der Biologie, Biochemie, Homöopathie oder wo anders zu finden ist. In jeder dieser Lehren steckt«in Teil Wahrheit. Deshalb muß die Tagespress- dieser Wahrheit immer offenstehen, sie darf sich nicht dazu miß- brauchen lassen, daß durch sie eine Gruppe die ander« niederzuringen oder sich gar in ihr eine monopolisierte Angrisfsstellung zu schaffen versucht. Es ist noch nicht lang« her, daß weit« Kreis« der Aerzteschaft der gesundheitlichen Ausklärung durch die Presse feindlich gegen- überstanden, daß jene Aerzte auf das schärfste kritisiert wurden, die in Zeitungen über medizinische Fragen schriebe». Man warf ihnen vor, daß sie für sich eine unzulässige Reklame machten, daß sie den ärztlichen Stand degradierten, indem sie über die wissenschaftlichen „Geheimnisse" der Laienöfientlichkeit berichteten uistv. Da« hat sich heute gründlich geändert. Innerhalb der Aerzte- schoft mehren sich di« Stimmen, die ein Zusammengehen zwischen Wissenschast und Tageepresse befürworten. Diese Bestrebungen sind gut und zweckmäßig, denn die gesundheitliche Volks- aufklärung durch die Presse bedarf der Mitarbeit der Aerzteschaft im weite st en Maße. Die Beteiligung der Aerzte als Gesundheitslehrer an der Presi« ist deshalb in weitestem Ausmaß« wünschenswert und erforderlich. Etwas anderes ist es aber, wenn die journalistische Arbeit, die früher von den Aerzten selbst abgelehnt wurde, jetzt in den Dienst einer M a ch t p o l i t i k gespannt werden soll. Weniger das groß« Ziel der tendenziösen Volksaufklürung, als der egoistische Zweck der Be- kämpsung einer wirtschaftlichen Konkurrenz der anderen Heilmctho- den ist bei manchen Aerzten— nicht bei allen, wir wollen nicht verallgemeinern— der Grund ihrer plötzlich erwachten Liebe zur Presse. Man kann es immer wieder deutlich lesen: die Presse müsse „bearbeitet" weiden, sie müsse unter die Kontrolle der Aerzte ge- stellt werden, damit sie von kurpfuscherischen Ansichten freibleibe. Di« Radikalsten unter den Aerzten verlangen sogar eine Art von Präventivzensur: jeder medizinische Artikel müsse einer ärztlichen Instanz zur Prüfung vorgelegt und erst nach deren Plazet dürfe er veröffentlicht werden. Man sieht hier sofort den Pferdefuß: nicht die gesundheitliche Volksbelehrung ist für diese Zensurapostel das eigentliche Motiv für die Zusammenarbeit von Aerzten und Journalisten, sondern die Presse soll zur alleinigen Domäne einer bestimmten Richtung ge- macht werden. Solche Forderungen widersprechen nicht nur dem Grundsatz der Pressefreiheit, sie sind auch deshalb undurch- sührbar, weil keine Zeitung von Selbstachtung sich einem solchen Diktat fügen kann. Es kommt da auf Verschiedenes an: Auch ein Laie kann einen glänzenden, gesundheitlich belehrenden Artikel schreiben, auch der Biologe oder Homöopath kann eine gesundheit- liche Wahrheit verkünden, die nicht durch eine Kontrollinstanz einer feindlichen Richtung unterdrückt werden darf. Aus der anderen Seit« können Aerzte langweilige Aufsätze niederschreiben, die den Zweck der gesundheitlichen Aufklärung völlig verfehlen. Ob in einem einzelnen Punkt diese oder jene Richtung recht hat, kann nicht durch ein Zwangsmonopol der einen oder anderen Richtung in der Presic entschieden werden. Abzulehnen ist auch«in« Mitarbeit der Aerzte an der Presse lediglich mit dein Ziel, eine Kritik an Medizin und Aerzten auszu- schalten. Das Recht der Presse auf Kritik darf nie gehemmt werden, auch wenn sie den Betroffenen unan- genehm ist. Ebensowenig wie ein Minister, ein Diplomat oder eine Behörde eine besondere Ausnahmestellung verlangen können, kan» sich die Aerzteschaft in der Presse ein Zwangs-Schonrevier schaffen Soweit aber die Tendenzen dahingehen, das Recht der Mitglieder anderer Heilrichtungen einzuschränken, in oer Presse gehört zu wer- den, so widersprechen sie derart den Grundsätzen der st a a t s. bürgerlichen Freiheit, daß eine weitere Diskussion über- flüssig'st. Arbcitersporifeste überall Bezirksfeste in Velten, Wildau und Treuenbrietzen/ Jubiläumsschwimmfest in Weihensee Das festlich geschmückte Velten empfing am Sonnabend schon einen großen Teil der Wettkämpfer und Teilnehmer am Bezirks- fest. Tier Sonntag brachte, durch die günstige Witterung ermöglicht, die Abwicklung eines außergewöhnlich reichhaltigen und guten Pro- grcmms. Es muß den Technikern für ihr wohlvorbereitetc und gut durchgeführte Arbeit die vollste Anerkennung ausgesprochen werden. Die Schwimmwettkämpfe eröffneten am Sonnabend in der Gemeindebaideanstalt den sportlichen Teil, und zeigten gute Arbeit im Mannschofts- und Massensport. Der Fackelzug unter Vorantritt des Veltener Tambourkorps durch die Stadt zum Bahnhof wurde für das Fest ein guter Auftakt. Der Sonntag vormittag brachte neben Gerätewetttämpfen mehrere Handballspiele und leichtathletlsche Aus- fcheidungen. Der F e st z u g am frühen Nachmittag oereinte über 500 Teilnehmer, die unter den wehenden roten Sturmfahnen in ihrer farbenfrohen Kleidung ein prächtiges Bild boten. Der Gemeindevor- fteher Zieger und der Vorsitzende der Freien Turnerschast Velten hießen alle Anwesenden herzlich willkommen. Kasel überbrachte namens des Kreisvorstandes die besten Wünsche zum 4Sjährigen Bestehen. Ein umfangreiches sportliches Programm wurde dan unter lebhafter Anteilnahme der Bevölkerung abgewickelt. Resultate der Schwimmveranstaltung: ErSflnunzsstatette, 4X50 Mcter: 1. Kellas 2:11,04 Min.: 2. Freiheit 2:12.— Nnaben.Brustschwimmen, 50 Meter: 1. Wcndland 0:55,2 Min.; 2. Sauft 1:6.— Mädchen-Brustschwiuunen, 50 Meter: 1. Lehmann 1:13,4 Min.: 2. Diftmann 1:52. — Männer- Brustschwimmen, 50 Meter: 1. Mlbis 0:47,5 Min.: 2. stahlow 0:42,— Jugend weiblich, 50 Meter, 1. Lauf: 1. Pcrlift 0:575 Min.: 2. Wendland 1:8,4. 2. Lauf: 1. Ludwin 0;4«5 Min.: 2. Liefe 1:27.— Wasserballspiele: Freiheit— Hellas 6: 0 für Freiheit: Selten— Segel 4: 1 für Tegel. Ergebnisse in der Leichtathletik: Ächlkampf der Frauen: 1. Nordring. 427, Punkte.— Zehnkampf der Frauen: 1. Sollssport Wedding l, 205 Punkte.— Fitnflampf der Männer: 1. itlup» (01©S. Weddinnt 346,27 Punkte.— Siebenkampf der Männer: 1. Frist stöhne tSberswalde) 250 Punkte,— 100 Meter Frguenentscheidung: 1. Reift sRordring. Sport) 14,2 Sei.— Vierkamps Frauen: 1. Lotte Schneider< FT SB,.Nordring) 224,48 Punkte.— Vierkampf Jugend 15716: 1. stnobloch iFTGB,.Nordring) 310,6« Punkte.— Pierkampf Jugend 12/14: 1. Iolkowski(Velten) 346,23 Punkie, — Zugend SOO-Meter-Lauf 15/1«: 1. Iuling(Bernau) 2:28,9 Min.— sXlOO-Mete: Iugendentscheidung, Lauf A: 1. Volkssport Wedding I 505 Sek. Lauf 0: 1. Bernau 53,1 Sek.— Jugend 1500 Meter: 1. Moabit(Zahn) 4:48,5 Min.— 3000.Metgx.Lauf Männer: 1. Bähme(Nordring) 10:14 Min,— 10X100. /Dieter. Lauf Frauen: l. Volkssport Wedding 2:32,4 Min,— Männer-Speerwerfen, Eni- fcheidung: 1. Krause(Schönow) 44,25 Meter.— Männer-Stskuewerfen, Entscheidung: 1. Präuer(Tegel) 3150 Meter.— Stabhochstprung, Männer: 1. Schwor,(Schönow) 2,82 Meter,— Zugend.Weitsprung, Entscheidung: d>mg: scheid: W>. W Wedding) 12,1 Sek.— Zugend, 1�. Fischer(Volkssport Wedding) 12,5 Sei,— Jugend, Jahrgang 15/16: 1. ung: 1. Rdseler(ASV, Zohrgong 13/14: ,.. M________________ ig 15/16: 1. Türk (Volkssport Wedding) 13 Sek.— 4X100.Meter.Lauf Männer, Entscheidung: 1. Mvabit 48:3 Sek,— 4xlOO.Meter.Lauf, Frauen, Entscheidung: 1. Volkssport Wedding 57 Sei.— 1000 Meter Männer, Entscheidung: 1, Strossnski(Volkssport Wedding) 2:585 Min.— Schwedenstaffel Männer, Entscheidung: 1. Moabit 2:16.0 Min.— lOX'.A Runde Männer, Entscheidung: 1, Nordring.Sport 4:26,8 Min. Die Spiele in Velten Auf dem Bezirksfeft in Velten standen sich zuerst die Hand- ball Mannschaften Velten und F T G B,- N o r d o st gegenüber. Die Nordoster waren in ihren Handlungen überraschend und konnten in der ersten Viertelstunde schon vier Tore buchen. Erst dann war es den Vcltenern möglich, das erstemal einzusenden, während Nordost noch das Halbzeitresultat von 5: 1 herstellen konnte. Kurz nach der Pause sandte Pesten zum zweitenmal ein. Allmählich drückte Velten den Nordostern das Tempo auf, wodurch die Arbeit der Nordoster Hintermannschaft sehr zerrissen wurde. In gleichen Abständen tonnte dadurch Velten sogar bis zum Führungstor aufrücken. Leider ließen sich die Nordost-Stürmer dadurch entmutigen und zeigten ein fystem- loses Spiel. Kurz vor Schluß waren sie nur mit dem Ausgleichstor erfolgreich, so daß das Resultat 6:6 lautete. Das zweite Spiel absolvierten Volkssport Wedding und F T G B.- Nordring. Erst in der 7. Minute war Wedding zum erstenmal erfolgreich, dem Nordring einige Minuten später den Aus- gleich entgegensetzte. Das bessere Stellungsspiel machte sich jedoch bemerkbar und so konnte Wedding den Vorsprung aus vier Tore er- höhen, während Nordring vor der Pause noch ein zweites Tor buchte. Gleich nach Wiederbeginn zählte Wedding den fünften Erfolg, während Nordrings Angrisfe an dein Weddinger Mittelläufer zerschellten. Bei den Weddingern reichte es noch zum neunten Tor, während Nordring bis Schluß zum fünften Tor aufrückte. In Wildau Das Bezirksfeft in Wildau nahm einen glänzenden Verlauf. Vom besten Wetter begünstigt, wickelten sich alle Veranstaltungen reibungslos ab. Am Sonnabend formierte sich in Königswusterhausen der Fackelzug zum Jugendtreffen, der mit 800 Teilnehmern einen glänzenden Eindruck machte. Im Wildauer Naturschutzgebiet er- wartet« eine tausendköpfige Menschenmenge die Vorführungen, die all- gemeinen Anklang fanden. 606 Quartiergäste wurden dank der Gast- sreundschaft der Wildauer Arbesterschaft untergebracht. Am Sonntagmorgen nahmen auf drei Plätzen Hand- und Fuß- ballspiele ihren Anfang, Um 9 Uhr begannen die Leichtathleten mit ihren Mehrkämpfen und Vorkämpfen. Die Schwimmer wickelten ihre Wettkämpse um 10 Uhr in der Wildauer Badeanstalt ab; auch hier gute Beteiligung und Leistungen. Nachmittags brachte der Fest- zug mst über 1000 Teilnehmern noch einmal ganz Wildau in Be- wegung. Der Wildauer Sportplatz hatte die größte Besucherzahl seit seinem Bestehen auszuweisen. Großen Anklang fanden die Frei- Übungen und Volkstän.ze und begeisterten Beifall die knappen Ent- fcheidungen in den leichtathletischen Wettkämpfen. Resultate der Fußballspiele: Stoekow-Zugend— ASV. Neukölln 0: 4; Herz. selbe 3— Storkow 2 1:3; Sormonnia 2-Bogei 2 0:4; Deutschwusterhguscn— Brist S: 3: AM, Neukölln-Frieder-dorf 2: 2! ASV. Neukölln 1— Kerzfelde 1 4:1: Eiche-stövenick 1— ASV, Sildsst l 3:0; Strausderg— Selchow 5:5: Wildou 2— Süboft 2 3:1; Eiche.stöpeniik 1— Normaunia 1 4:0: Wildäu 1— Siiboft 10:0.. Resultate bei Leichtathleten: 200 Meter Männer: Pestnick(Ostring) 24,g,— 800 Meter Männer: Kittler(Ostring) 2:8,3.— ,3000 Meter Männer: Kinl(ä>«c stoßen Äänncr: 1. Lc hinge n(ASE.) 11,05 Meter.— Speerwerfen Männer: Hagn(stell berge) 45,36 Meter, Fraueu.ReluUate- 100 Meter: Pitteck(stöpenick) 14.2.— 4x100 Meter: Eiche(stöpenick): 56,4,— Speerwerfen: Iliirnh(Oherilpree) 29,1». Iugenb 15/16. 100 Meter: Schill dach(vstring) 12,2.— Zügen ö 13/14, 100 Meter: Geiseler(91 SC.) 12,8.— 1000 Meter: Bolze(Neukölln) 3:1.2.— 3X200 Meter für Lantwerein«: steikberge 1:27,6.— 4x100 Meter: ASil, 50.6.— Speerwerfen: Schlucket lstöpenick) 44,20 Meter,— 10x100 Meter Männer: Ostring 2:049.— 10X100 Meter Freuen: Köpenick 2:565. Das„Olympia" des 4. Bezirks in Treuenbricfzen Lastkraftwagen um Lastkraftwagen rattern die Landstraße. ent- lantz: Richtung Treuenbrietzen, Turner, Sportler, Schwimmer, Frauen und Männer, Mädel und Burschen sind die fröhliche, singende Last: Teilnehmer und Gäste zum Bezirksfest des 4. Bezirks, Bor der Stadt staut sich alles, zwanzig Doppellastzüge wollen abgefertigt und vertellt werden. Die einheimischen Funktio- näre schaffen? kaum noch, dieser Zustrom war nicht zu erwarten! Allmählich ebbt der Hochbetrieb vor dem Bolkshaus ab. Der Fackelzug der Jugend formiert sich und durch die Stadt erschallen Trommelschlag, Kampf- und Wanderlieder. Neue Lastzüge bullern am Sonntag durch die erwachende Fest- ftadt, die nach Eintreffen der letzten Nachzügler über 1000 Fest- gaste beherbergt! Draußen auf den Plätzen sind die Ausscheidung?- kämpfe im vollen Gange: Turner und Leichtathleten beiderlei Ge- schlecht? und in ollen Lebensaltern, vom Jugendlichen und Jung- mädchen bis zum Weiß- und Vollbärtigen, tragen Wettkämpfe auf der Aschenbahn und an volkstümlichen Geräten aus, während sechzig Hand-, Faust-, Fußball- und einige Hockeymannschaften die Spiel- selber beleben. Dann formieren sich zwei Festzüge mit über 1S00 Teilnehmern, Am Marktplatz sprechen Bürgermeister Ienner-Treuen- brietzen und Bezirksvertreter Konrad-Luckenwalde zu einer Mensch m- menge von fast 3000. Auf dem Festplatz angekommen, entwickelt sich das übliche farbenfreudige Bild: der bunte Sportdreß inmitten unzähliger Bundes- und Vereinsfahnen und Wimpel, umgeben von einer wogenden, begeisterten und fröhlichen Menschenmenge. Massen- Übungen wechseln mit Spielen und Sondervorführungen aller Art, Die Wassersportler wickelten ihr Programm im Schwimmbad unter großer Anteilnahme des Publikums ab. Musikalische Darbietungen der Spielmannszüge und Musikkapellen umrahmen die Vorführun- gen, so daß leider die knappen Nachmittagsstunden viel zu schnell vergehen. Neptuns" Jubiläum Das Sdiwimmfest in Weihensee ßß Der älteste Arbefter-Schwimmvcrein Deutschlands, der Arbeiter- Schwimm-Elub„Neptun"- Weißensee, feierte am Sonnabend und Sonntag sein 40jähriges Jubiläum. Adolf Buck vom Bundesvorstand eröffnete die Sonnabendoeranstaltung mit einer Fest- rede, in der er die Bereinsgeschichte schilderte. Mit starkem Beifall wurde von den über 1000 Personen zählenden Zuschauern dos Fest- spiel„Die alte und die neu« Zeit" aufgenommen. Den Abschluß des Sonnabends bildete ein Lampionreigen mit 48 Teilnehmern. Bor Beginn des Festspiels fanden noch einige Wasserball- spiele statt. Neptuns Jugend spielte gegen Hellas, bei Halbzeit 1: 1. bei Schluß 4: 3 Tore, die Männer des Veranstalters gegen Möwe 7: 0, bei Halbzeit 2: 0 Tore. Mit einer Ueberraschung endete das Spiel des Bundesmeisters gegen Dresiden-Neustadt. Mit 5: 3 Toren endet« das abwechslungsreiche Spiel für die Dresdener. Am Sonntagnachmittag stieg dann das S ch w i m m f e st im Seebad Weißensee. Neben Dresden und Magdeburg nahmen 11 Ber- liner Verein« den Kampf auf der Schwimmbahn auf. Eine 6X50- Meter-Kraulstafette sah Hellas als überlegene erste anschlagen. Her- vorragend war das Schauspringen besetzt. Greusing(Lichtenberg), der Olympiasieger, und Kühn(Lichtenberg), hauptsächlich aber Friedrich (Dresden) traten besonders hervor. Ein spannender Kampf war die Männer-Bruststafette über 4X100 Meter. Magdeburg hatte einen guten Schluhschwimmer, der mit 8 Meter vor Hellas ans Ziel kam. Auch im Frauen-Brustschwimmen 100 Meter siegte Magdeburg über- legen mit 5 Meter Borsprung. Den Wasserballmehrkampf der Männer sah den Veranstalter vor Charlottenburg siegreich. Den Abschluß bildeten Wasserballspiele. Gemischte Bruststafett«: t. Helle, 4:415: 2. Friebrichsheiu 4:45,2.— Manner�Seiteschwimmen: 1. Mafting(Mggöeburg) 1:235.— Männliche Jugend. kraulstäffel: 1. Helle, 3:24,4. Männer-Bruststäfette, 4X100 Meter: 1. Mggde. bürg 6:06,6.— Männer. Krg u( 200 Meter: 1. Miller(Neptun) 2:41,4.— Frauen. Brustschwimmen(intern), 50 Meter: 1. Miersen 1:05,2. Klasse C: 1. Kunz (Neptun) 36,8. Klasse B, 100 Meter: 1. Blank(Magdeburg) 1:45,7. Klasse A: 1. Rahehau(Magdeburg) 1:375.— Kugben-Sraulktasette, 4x50 Meter: 1. Hella» 2:45,3.— Zugend-Kraul 100 Meter, 14 16; I. Hinkelmann(Hellas) 1:18,9: 16/18: 1. Palte(Hellas) 1:14.— Wasserballmehrkampf: 1. Neptun. 59(4 Punkte,— Kinder-Brust, 50 Meter: 1. Schmiel(Tegel), Poltet(Neptun) 49: Knaben: 1. Koch(Spandau) 37,7.— Männer-Kraul 100 Meter: 1. Linde(Magdeburg) 1:13,9.— Zugenblggenstafette, 4X100 Meter: 1. Hellas 6:09,— Wasserball: Hella�Magdeburg 12: 1(6: 1); Neptun— Dresden 9: 5(2: 4); DreÄttn— Eher. lattendurg 5:3(3:2); Neptun— Möwe 7:0(2:0). yW8£/m niS&ALL Die letzten Fufjbalircsultate Aus Anlaß des B e z i r k s f e st e s in Wildau fanden auch mehrere Fußballtämpfe statt. So lieferten sich N o r m a n n i a und Eiche- Köpenick ein Spiel, das sich voll und ganz dem Rahmen des Festes anpaßte. Beide Mannschaften waren sich der Bedeutung des Tages bewußt und ließen deshalb jede Unfairnis beiseite. Die Köpenicker, die hinterher noch ein zweites Spiel austragen sollten, mußten mit ihren Kräften sehr sparsam umgehen. Trotzdem waren sie stets die tonangebende Mannschaft. Bis zur Pause lagen sie bereits mit 2:0 in Führung, Auch nach dem Wechsel hatten sie stets mehr vom Spiel, Bercinzelte Durchbrüche der Normannen konnte die Eichehintermannschaft nur knapp abwehren. Während Eiche noch zweimal erfolgreich sein konnte, ging Normannia leer aus. Mit 4: 0 blieben die Köpenicker Sieger. In dem anschließen- den Spiel gegen Südost hatte Eiche schwer zu kämpfen. Wenn es trotzdem wieder zu einem Siege reichte, so lag es in der Hauptsache an dem sehr angriffsfreudigen Sturm der Köpenicker. Mit 3:0 konnte der Vertreter der Kreisklaffe auch hier siegreich bleiben. De utschwu st erhausen konnte gegen eine kombinierte Elf von Britz 88 mit 8:3 gewinnen, Hansa 31 weilte mit zwei Männermannschaften bei Freie Scholle. Die Hanseaten hatten bei einem Stand von 4:1 die Tegeler unterschätzt. Schnelle Durchbräche der Tegeler und schlechte Abwehr der Hansavertcidigung brachte einen Halbzeitstand von 4: 3 für Hansa. In der zweiten Halbzeit spielte Hansa wieder voll- kommen überlegen. Noch 30 Minuten stand das Spiel bereits wieder auf 7: 3. Erst dann kam Freie Scholle wieder etwas auf. doch reichte es nur noch zu einem Erfolg, Mit 7: 4 blieb Hansa sicherer Sieger. Die zweiten Mannschaften trennten sich mit 2: 0 für Freie Scholle.— Minerva glaubte gegen Blankenburg im Handgalopp gewinnen zu können. Doch manchmal kommt es ander«. Die junge Mannschaft der Blankenburger setzte den Neu- köllnern sehr zu. Als sich das Spiel beim Stand 2: 2 seinem Ende näherte, glaubte alles schon an ein Unentschieden. Da gelang es den eifrigen Blantenburgern noch kurz vor dem Abpfiff den Sieges- treffer anzubringen.— Minervas zweite Mannschaft konnte gegen Blankenburgs zweite mit 6: 2 gewinnen.— W e i ß e n se e mußte sich mit 0: 3 von Pankow geschlagen bekennen, nachdem die Seiten noch 0: 0 gewechselt wurden. Zur Verfassungsfeier der Stadt Teltow weilte Adler 08 mit zwei Mannschaften in der Stadt der Rübchcn. Die Teltower lieferten den Pankowern bis zur Pause einen vollkommen gleich- wertigen Kampf(1: 1). In der zweiten Spielhälste machte sich jedoch die größere Spielerfahrung Adlers bemerkbar. Mit 8:2 konnte Adler den Kampf beenden. Die zweiten Mannschaften trennten sich mit einem 4: 1-Sieg der Pankowcr. -!« Heute, Dienstag, stehen sich auf dem Sportplatz in der Kissingenstraße in Pankow im Freundschaftsspiel Pankow und Normannia gegenüber. Bei der Gleichwertigkeit der Mann- schaften ist ein flotter Kamps zu erwarten. Spielbeginn 18 Uhr. DaimZer-Benz— v. Stüde Ein Sieg, drei Reifenpannen und ein Rückzug Nach dem großen Automobilrennen aus der Avus am Sonntag vor 14 Tagen, bei dem der Mercedesfahrer Carracciola überlegen ohne Reifenwechsel gewann, während seine „Stallgefährten", insbesondere der Fahrer von Stuck, durch Reifenpanne stark ins Hintertreffen gerieten, hatt Stuck die Beschul- digung gegen die Firma Daimler-Benz erhoben, sie habe ihm schlechtere Reifen gegeben als dem Sieger, so daß er um seine Chancen gekommen sei. Daraus hatte sich eine heftige Pressepolemik entwickelt, bei der aber Stuck doch ins Hintertreffen geraten sein muß, wie aus folgen- der, durch eine Sportkorrespondenz verbreiteten Mitteilung des Fahrers hervorgeht: „Nach eingehender Prüfung der wiederholt aufgeworfenen Reifendebatten beim Aousrennen und der damit verbundenen schweren Vorwürfe gegen die Firma Daimler-Benz bin ich zu der Einsicht gekommen, daß ein Irrtum meinerseits vorliegen muß, da die Reifcnfirma nach wie vor auf dem Standpunkt steht, daß sie uns drei Fahrern(Caracciola, Stuck, Brauchitsch) dieselben Reifen wie am letzten Trainingstage ge- liefert hat und daß es lediglich ein unglücklicher Zufall war, daß ich zwei, v. Brauchitsch eine Reifenpanne erlitten haben. Man kann daher weder der Firma Daimler-Benz noch der Reifenfirma irgendwelche Vorwürfe machen." Ueberzeugend klingt diese Verlautbarung Stucks gerade nicht. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, als habe ein, sagen wir, gelinder Druck der Firma mitgeholfen. Schwarzweihroter Seglerstreich Frauen-Vierer des Arbeiterrudervcreins „Collegia" gerammt Bei der Pfaueninsel auf der Havel überfuhr am Spät- nachmittag des vergangenen Sc�ntag ein Segelboot des rechtsgerich- teten Deutschen Segle7 Uhr, Quartalsoer. sommlung aller Frauen- und Männerabteiiungen, Sonncnploh, bei jeder Witterung. «rbeiter.PHoto. Gilbe Berlin. Donnersigg, 20. August, 20 Uhr, Dunkel- knmmer, Wassertorstt. 9:„Eniwickeln über. bzw. unterbelichteter Platten".— Aebe.tcr. Photo. Gilbe Lindcnhof: Donnerstag, 20. August, 20 Uhr, in. Lokal Thiele:„Platten und Papiere bei der Entwicklung".— Freie Photo. Vereinigung: Donnerstag, 20. August, 20 Uhr, Phissikzimmer der weltlichen Schule Pank. Ecke Wiesenstrgfte:„Das Negativ, wie es ist und wie es sein soll". Ilieales im AdmirelsoalBSi Täglich 8'/« Uhr Rotter-Gaslspiel Die Dubarw mit eiiia Aipar Preise: 050 bis 1250| metropoi-ftieater Täglich 8'/. Uhr Die Toni aus Wien Mady Christians. Michael Bohnen ROSE-THEATER Wodicniegs 815 Sonntags 5" u. 9 Uhr Uraufführung für Deutschland: Mädchen zum Heiraten Lustspiel v. Zagon. Regie: PAUL ROSE ItOWK- ftAKTEX Großes Varietö u.a. Paqultav. Olympia- Thealer, Paris Willy Rosen, Moria Moor 8.1 S Operette: „Panne um mitternach!" Soootogs 5. Wodieotags 530 ü. Oroße Franklnrtep StraOe 13a Vorverkauf; Täglich 11—1 und 3—9 U.