Morgenausgabe Nr. 3S5 A 194 4S.Iahrgang Wöchentlich 65 Pf., monatlich Z, 6V im voraus zahlbar, Postbezug 4�32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands» obonnement 6,— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Druckfachen» vorto ö,— M. * Der„Cornjärts* erscheim Wochentag» lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Beilage„Volt und Zeit�. Ferner„Frauensttmme�. �Technit�,„Blick in die Bücherwelt�. .Iugend-Dorwärts�u.»StadtbeUage� Veriiner Volksblatt Mittwoch �1?. August 1931 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die einfpalt. Nonpareillezeil» 80 Pf. NeNamezeile b.— RM.„Kleine An» zeigen" da? fettgedruckte Wort 25 Pf. lzuläsfig zwei fettgedruckte Worte), jede, weitere Wort l2 Pf. Rabatt lt. Tarif. Stellengesuche das erste Wort iü Pf, jede» weitere Wort 10 Pf. Wort» über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien» anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannahm« im Hauptgeschäft Lindenstratze 3. wachen» täglich von 8�/2 bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich da» Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen oorl Jenteawegan der Sozialdemokratischen Oartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 s)ernspr.: Dönhoss(A 7) 292— 297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlln37ö3K.— Bankkonto: Bankder Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3, Dt.B.n.DiKc.-Ges., Depositenk., Jerusalemer Str. 62,66. Ein Mahn- und Warnruf. Der AsA-Bundesvorfiand an die Negierung. Die durch die Krcditkrise geschaffene neue Situation ist vom AfA- Bundesvorstand in eingehenden Beratungen erörtert worden. Das Ergebnis seiner Stellungnahme ist ein ernster Mahn- und Warnruf an die Regierung. Der Bund verlangt zu Vermeidung von Wiederholungen ähn- sicher Katastrophen auf dem Geld- und Kapitalmarkt, wie wir sie soeben schauerlich genug erlebt haben, beschleunigte Reform des Aktienrechtes, Schaffung einer durchgreifenden Monopolkontroll«, ständige Wirtschaftsprüfung und Errichtung eines zentralen Banken- nmtes. Das Eingreifen des Reiches dürfte sich nicht auf die Sicher- stellung privater kapitalistischer Interessen beschränken, es müste vielmehr zu einer positiven Lenkung des Kapital- stroms nach gemeinwirtschaftlichen Gesichtspunk- t e n führen. Die Risikoübcrnahme durch die öffentliche Hand bedinge Einfluß und Kontrolle des Reiches über die sanierten Bank- und Industriebetriebe. Der AfA-Bundesvorstand sieht mit der Wiederherstellung des technischen Bankvertehrs die wirtschaftlichen und sozialen Gefahren noch keineswegs als überwunden an. Die durch die Iuli-Krife noch vermehrte Masfenerwerbslofigkeit verlange ausreichende soziale Unterstützung und die Bereitstellung der dazu erforderlichen Reichs- mittel. Die Zusage der Reichsregierung, die in der I u n i- R o t- Verordnung enthaltenen Härten für die Sozial-, Kriegs- und Arbcitslofenrentner zu mildern, fei mm endlich einzulösen. Ebeulo liege für die weitere Aufrechterhaltung der Notverordnung vom 18. Juli, die den Angestellten in Handel und Industrie«ine Teilung ihrer bereits erarbeiteten monatlichen Gehaltsbezüge auf- gezwungen habe, keinerlei Grund mehr vor, nachdem der Geld- und Krediwerkehr für die Unternehmungen wieder hergestellt fei. Gänzlich unhaltbar fei die Drosselung der Gemeinde- f i n a n z e n. wie sie die Reichsregierung betreibe. Der hier be- fchrittene Weg müsse, wie die Ankündigungen des Städtetages zeigten, zur vollkommenen Verelendung der durch die kapitalistische Mißwirtschaft in Rot geratenen breiten Volksschichten führen. Völlig unmöglich sei der E i n g r i f f i n d a s T a r i f r e ch t der ösfentlichen Arbeitnehmer m den Kommunen. Der Kampf der Gemeindearbeiter werde alle freien Gewerkschaften in solidarischer Verbundenheit mit ihrer Gewerkschaft finden. Eine Entspannung der Wirtschaftskrise ist nach der Auffasiuug des AfA-Bundes nur durch einen sichtbaren Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik der Reichsregierung zu erzielen. Jeder weitere Lohnabbau— betont der Bund mit besonderem Nachdruck— ist untragbar, solange die wiederholt versprochene Preissenkung für Lebensmittel und für die Grundstosse der industriellen Produktion nicht wirklich durchgeführt ist: dabei wird die Regierung um einen entscheidenden Eingriff in die K a r t e l l g e w a l t e n nicht herumkommen. Ebenso hat sich die anhaltende einseitige Be- günstigung der Großlandwirtschast als ein schweres Verhängnis erwiesen und erfordert eine entschiedene Abkehr von der bisherigen Agrarpolitik mit ihren hohen Zöllen. Die Angestellten und Arbeiter sind nicht länger gewillt, immer neue Opfer zu bringen, wenn nun wiederum versucht werden sollte, durch weiteren Sozial- abbau, Lohndruck und weitere steuerliche Massenbclastung ihnen die Kosten einer Krise aufzuerlegen, die einzig und allein dem V e r- sagen der Wirtschaftsführung zur Last fällt. Der AfA-Bund lenkt die Aufmerksamkeit der Angestellten auf die Tatsache, daß die der deutschen Wirtschaft verlorengegangenen 3 bis 4 Milliarden Auslandskredite auf dem Wege der nationalen Selbsthilfe nicht ausgeglichen werden können, ohne daß Angestellte und Arbeiter einem weiteren Lohnabbau und damit einer unerträglichen Senkung ihrer ohnehin dürftigen Lebenshaltung aus- gesetzt werden. Internationale Finanzhilfe sei für Deutschland unerläßliche Voraussetzung für eine Belebung der Wirt- schaft und Entlastung des Arbeitsmarktes. Eine aktive Außen- Politik im Sinne der Völkerverständigung sei daher dringend nötig, in erster Linie eine Annäherung zwischen Deutsch- land und Frankreich. Die freien Gewerkschaften— so schließt der AfA-Bund seinen Warnruf— müssen es ablehnen, die Verantwortung für die Folgen weiterer Verelendung zu tragen, wenn ihre zur Entspanung der Wirtschaftskrise wiederholt gemachten Vorschläge von der Reichs- regierung nicht beachtet werden. Der AfA-Bundesvorstand wird die erforderlichen Maßnahmen treffen, um die Angestellten für die ihnen aufgezwungenen sozialen Kämpfe zu aktivieren. Der Bericht von Bajel. 3 oder 6 Monate?/ Schwierigkeiten mit den Martguthaben Basel, 18. August.(Eigenbericht.) Die Baseler Stillhalte-Verhandlungen haben am Dienstag neue Schwierigkeiten ergeben. Die strittigen Punkte bilden die Frag« der Markguthaben der ausländischen Banken:n Deutschland und die Frage der Dauer der Verlängerung der Kredite. Die Martguthaben der ausländischen Banken in Deutsch- land betrugen am 13. Juli einige hundert Millionen Mark. Die Dauer der Berlängerung der Kredite wurde aus 6 Mo- nate festgesetzt, gerechnet pom Zeitpunkt der Unterzeichnung des Ab- kommens, und zwar unter der Bedingung, daß der Kredit von 1lZl> Millionen Dollar, den die Internationale Bank, die Bank von Frankreich, die Bank von England und die Federal Reserve-Bant der Reichsbank gewährt haben, am Fälligkeitstermin um 3 Monate verlängert wird. Wenn die Zentralbanken den Kredit nicht erneuern, so gewinnen die Bankiers ihre Handlungsfreiheit zurück. Deshalb verlangte die Reichsbant eine formelle Zusicherung der Zentralbanken, daß der Kredit erneuert wird. Die Zentralbanten dürfen jedoch gemäß ihren Statuten keine Kredite für mehr als 3 Monate gewähren, so daß es für sie schwierig ist, eine formelle Verpflichtung einzugehen. Ihre Vertreter gaben jedoch zu ver- stehen, daß sie bereit seien, den Kredit zu erneuern. Dazu berichtet die„Reue Züricher Zeitung": Die Unterzeichnung des Berichtes der Experten, die für Dienstag Nach- mittag um 2.30 Uhr vorgesehen war, ist um einige Stunden o e r s ch o b e n worden, da man den Ausgang der Verhandlungen zwischen den Vertretern der Bankiers und den deutschen Delegierten über zwei noch schwebende Fragen abwarten will. Die Verhand- lungen wurden am Dienstag von 11 bis 13 Uhr fortgesetzt, blieben jedoch erfolglos. Sollte ein Abkommen nicht erzielt werden, so wird das Expertenkomitee seinem Bericht eine Empfehlung zur Lösung der beiden schwebenden Probleme beifügen. Die Abfassung dieses Teiles des Berichtes ist noch im Gange. In den Kreisen des Expertenkomitees wird erklärt, daß sich die Verhandlungen in einer überaus freundschaftlichen Atmosphäre abspielten. „Wir haben alle, so erklärte nach der„Neuen Züricher Zeitung". einer der Experten, volles Verständnis für die Schwierigkeiten Deutschlands," und wir haben auch Beweise eines weitgehenden Eni- gegenkonunens an den Tag gelegt. Di« Regelung der schwebenden Fragen setzt voraus, daß Vertrauen vorhanden ist. In dieser Hinsicht haben uns die Berhandlungsmethoden der überrascht. Wenn wir Pertrauen zu Deutschland haben sollen, so wird man andererseits auch von seinen Vertretern oerlangen müssen, daß sie Vertrauen gegen- überden Finanzleuten bekunden, die in eine Stundung von mehr als fünf Milliarden kurzfristiger Kredite einwilligten und vor der Tatsache stehen, daß ihnen Markguthaben von annähernd 700 Millionen seit dem 13. Juli gesperrt wurden. Wir glauben immer noch, daß wir dank einer Intervention Dr. Luthers ein Gentleman-Agrement in der Frage der Markguthaben und der Erneuerung des 100-Millionen-Dollar-Kredits der Zentralbanken und der BIZ. an die Deutsche Reichsbank erzielen werden." Sin Bermittlungsvorfchlag. Basel, 18. August, 22 Uhr.(Eigenbericht.) Di« Verhandlungen sind zur Stunde noch nicht abgeschlossen. Zwischen Basel und Berlin geht ein reger Telephonverkehr hin und her. Gegenwärtig wird«in Bermittlungsvorschlag be- raten. Danach sollen die ausländischen Markguthaben in Deutschland in einer noch zu bestimmenden Staffelung fortschreitend freigegeben werden. Man erwartet die Antwort der Bonkiers auf diesen Vorschlag, von der die endgültig« Fastung des Berichts der Sachverständigenkonferenz über die weitere Belastung der kurzfristigen Auslandskredite in Deutschland abhängt. wie TU. um 12.30 Uhr aus Bafel berichtet, erwartet man dort eine Kompromißlösung, für die Dr. Melchior, der mit Verlin in dauernder lelephonischer Verbindung stand, die Zustimmung der Reichsregierung erhallen hat. Die Unterzeichnung dürste um 2 Uhr morgens er- folgen._ Die Bankenaufsicht. Beratungen im NeichSkabinett. Der Wirtschaftsausschuß des Reichskabinetts und der von der Regierung berufene Sachverständigenausschuß für die Bankentontrolle befaßten sich am Dienstag in einer gemeinsamen mehrstündigen Sitzung mit der Frage der Bankaufsicht. Das Problem wurde zunächst einer all- gemeinen Erörterung unterzogen. Die Beratungen sollen am nächsten Sonnabend sortgesetzt werden. Während der Besprechungen fand ein Ministerrat statt, der sich mit dem Stand der Stillhalte-Berhand- lung« ll in Basel beschäftigte, Abbau am falschen Ort. Oer noiverordnete Lohnkonflikt in den Gemeinden. Heute nachmittag werden die telegraphisch zu- sammeaberufenen Vertreter der Gemeinde« arbeiter über den Vorschlag ded Reichsarbeits- miaisters die Entscheidung fällen. Der Konflikt in den Gemeinden, der nichts von seiner Schärfe und Gefährlichkeit verloren hat, ist nicht zurückzuführen auf Gegensätze zwischen den Gemeinden und den Gemeindearbeitern, sondern auf die Notverordnung vom 5. Juni, die die sogenannte Angleichung der Löhne der Gemeindearbeiter an die Löhne vergleichbarer Reichs- arbeiter vorschreibt. Die Gemeinden selbst stehen unter Zwang. Als vergleichbare Reichsarbeiter für die Arbeiter der Elektrizitätswerke nimmt man nicht etwa die Arbeiter der Elektrizitätswerke, die sich im Reichs- oder Staatsbesitz be- finden. Als Reichsarbeiter werden einzig angesehen die i m unmittelbaren Reichsdienst stehenden V e r w a l- tungsarbeiter, sowie die Arbeiter der Reichswehr und der Wasserstraßen. Da ja auch die Gemeinde- arbeiter zum großen Teil in städtischen Aktiengesellschaften beschäftigt werden, wollen wir einmal aufzeigen, in welchem Verhältnis die Löhne dieser Arbeiter zu den Löhnen der Ar- beiter stehen, die in staatlichen Kraftwerken beschäf- tigt werden. Im Großkraftwerk Zschornewitz beträgt der Stundenlohn des Handwerkers 89 Pf., des Zlngelernten 77 Pf., des Ungelernten 74 Pf. Zu diesen Sätzen werden Leistungszulagen nach der Höhe der Produktion ge- zahlt, so daß der tatsächliche Lohn etwa 10 Pf. die Stunde höher liegt. In Halle, das mit Zschornewitz bezüglich der Lebenshaltungskosten vergleichbar ist, beträgt der' Stunden- lohn des gelernten Gemeindearbeiters 78 Pf., des ungelernten 63 Pf. In den Reichselektrowerken von Zschornewitz er- halten also die vergleichbaren Arbeiter einen reinen Tariflohn, der um 11 Pf. höher liegt als der der Gemeindearbeiter in Halle, ungerechnet die Leistungszulagen. In den Nordwest deutschen Kraftwerken in Wiesmoor, Farge, Harburg und Lübeck hat der Handwerker einen Stundenlohn von 104 Pf., der Angelernte von 97 Pf., der Ungelernte von 90 Pf. In den vergleichbaren G e- meindebetrieben in Bremen beträgt der Stundenlohn des gelernten Gemeindearbeiters 90 Pf., des ungelernten 79 Pf. Auch hier ist die Differenz zuungunsten der Gemeinde- arbeiter klar erkennbar. In der Hannoverschen Stromversorgung s- A.- G. hat der Handwerker einen Stundenlohn von 94 Pf., der Ungelernte von 82 Pf. Bei der Stadt Hannover hat der gelernte Gemeindearbeiter einen Stundenlohn von 91 Pf., der ungelernte von 71 Pf. Aehnlich liegen die Ver- hältniste in den übrigen Reichs- und Staatselektrowerken. Warum zieht man nicht die Löhne dieser wirklich vergleichbaren Arbeiter als Grundlage einer eventuellen Lohn- regelung heran? Es ist grotesk, wenn man zum Beispiel die Arbeiter der M ü l l a b f u h r, die eine außerordentlich schwere und gesundheitsschädliche Arbeit verrichten müssen, als gleich- wertig hinstellt mit Arbeitern, die etwa die einzustampfenden Akten der Reichsbürokratie wegzuräumen haben. Wo gibt es einen Reichsarbeiter, der vergleichbar wäre mit den Ar- beitern der Stadtentwässerung, das heißt, den Ar- heitern, die die Kanäle in Ordnung halten müssen? Es wird auch der Versuch gemacht, die angeblich hohen Löhne der Gemeindearbeiter verantwortlich zu machen für das Defizit der Gemeinden, das gegenwärtig nach offiziellen Angaben 800 Millionen Mark beträgt. Die g e- samte Lohnsumme der 315 000 Gemeindearbeiter be- trägt aber jährlich nur 700 bis 750 Millionen Mark! Der Gesamtjahreslohn aller Gemeindearbeiter erreicht also noch nicht die Höhe des Defizits der Gemeinden. Das Defizit der Gemeinden ist entstanden durch die Abwälzung der Lasten der Arbeitslosigkeit vom Reich auf die Gemeinden. Der Wohlfahrtsetat der Gemeinden beträgt gegenwärtig rund eine Milliarde Mark. Man hat durch Notverordnung die Arbeiter aus der Arbeitslosenver- sicherung hinausbefördert, den Gemeinden zur Unterstützung überlassen und erklärt nun, es seien die hohen Löhne der Gemeindearbeiter, die das Defizit der Gemeinden verursachen! Es gibt bürgerliche Blätter, die behaupten, die städtischen Betriebe seien Zuschußbetriebe und trügen also zur Belastung der Gemeinden bei. Tatsächlich haben die Ge- meindebetriebe in den letzten Jahren und auch im laufenden Jahr Ueberschüsse an die Gemeindet assen abgeliefert, Für dos Jahr 1928/29 wurden für dos gesamte Reich folgende Ucberschüfse der Gemeindebetriebe nachgewiesen: Elektrizitätsversorgung 270 344 000 Gasversorgung �. 115339000 Wasserversorgung �, 65 530 000 Verkehrsunternchmungen........,., 50 486 000 Kreditunternehmungen............ 12 006 000 Schlacht- und Viehhöfe............ 7 495 000 Land- und forstwirtschaftliche Betriebe....» 14994000 sonstige Betriebe.............. 11079 000 Summa: 547 479 000 Dabei muß aber berücksichtigt werden, daß diese Zahlen nur einen Teil der tatsächlichen Ueberschüsse ausweisen, da in zahlreichen Orten Deutschlands, besonders in Rheinland Westfalen, im Versorgungsgebiet des RWE. die finanziellen Leistungen dieser Werke nicht in der vorstehenden Statistik enthalten sind, sondern direkt alle Leistungen dieser Gesell- schaft an die Städte abgeführt werden, und zwar in einem Ausmaß von 5 Pf. pro Kilowattstunde. Weiter ist zu be- rücksichtigen, daß in fast allen Gemeinden Strom, Gas und Wasser für städtische Betriebe zu wesentlich ermäßigten Preisen abgegeben werden, teilweise auch die Abgabe für Straßenbeleuchtung usw. ohne Berechnung bleibt. Man versucht nun, die Privatindustrie scharf zumachen, indem man erklärt, die Löhne der Gemeinde- arbeiter lägen ganz erheblich über den Löhnen in der Privatindustrie. Dies sei eine Gefahr, und außerdem müßten diese hohen Löhne durch Steuern hereingebracht werden. Nach der Tarifstatistik des Allgemeinen Deutschen Ge- Werkschaftsbundes, in der 29 Berufe aufgeführt werden, stehen die Handwerkerlöhne der Gemeindearbeiter i n B e r l i n an 14. Stelle, in Bremen an 18., in Breslau an 16., in Königsberg an 15., in Magdeburg an 18., in München an 11., in Stettin an 18., in Stuttgart an 11.» in Leipzig an 16. Stelle. Es ist also einfach nicht wahr, daß die Löhne der Gemeindearbeiter höher seien als die der vergleichbaren Arbeiter, sei es in der Privatindustrie, sei es in den Werken, die dem Reich oder dem preußischen Staate gehören. Die ungeheure Wirtschaftskrise, die auch das Gleichgewicht im Haushalt der Gemeinden erschüttert, ist verursacht worden durch die Fehlleitungen in der Privatindustrie. Wenn die Reichsregierung gegen die erhöhten Löhne und Gehälter etwas unternehmen will, warum macht sie vor den G e- h ä l t e r n und Ta n t i e m e n der verantwortlichen D i- rektoren und Generaldirektoren der Privat- industrie halt? Warum macht sie nicht den Versuch, die Gehälter dieser Direktoren anzugleichen an die Ge- hälter der Ministerialdirektoren, Staatssekretäre oder der Mi- nister? Hier wäre sehr viel herauszuholen, ohne daß die Betroffenen deshalb Not zu leiden hätten. Der Reichsarbeitsminister hat seinerzeit erklärt, er würde sich einer zweiten Lohnabbauwelle widersetzen. Die Löhne der Gemeindearbeiter sind bereits um 8 Proz. ab- g e b�a u t worden. Und nun leitet der Reichsarbeits- minister selbst die zweite Lohnabbauwelle«in, indem er die Löhne der Gemeindearbeiter nachmals um 17 bis 22 Proz. abbauen will. Die Verantwortung für die Folgen eines derartigen Versuchs trägt einzig und allein die Reichsregierung. Die Not der Kleinen. Länderkonferenz in Oldenburg. Oldenburg. 18. August. Am Dienstag fand im Oldenburgischen Staatsininisterium eine Besprechung der Ländcrmini st er der mittel- undnord- deutschen Länder statt, die sich in der Hauptsache mit der finanziellen Lage befaßte, und van dem oldenburgischcn Minister- Präsidenten Easscbohm geleitet wurde. Es wurde beschlossen,«ine Abordnung nach Berlin zu entsenden, die der Reichs- rcgierung den Ernst der Lage der kleinen Länder darlegen soll. Ucber die Sitzung, die von 15.30 bis 20.00 Uhr dauerte, wurde folgende amtliche Verlautbarung herausgegeben: „Die heute in Oldenburg tagende Lönderkonferenz, an der die Regierungen der Länder Thüringen, Metflenburg-Schwcrin, Oldenburg, Braunschweig, Lübeck, Mecklenburg-Strelitz, Lippe, Schaum- burg-Lippe teilnahmen, befaßte sich in eingehender Aussprache mit der steigenden finanziellen Notlage, besonders mit der immer be- drohlicher werdenden Entwicklung der Kassenlage der Länder und Gemeinden, die sofortiger Abhilfe bedarf. Da die Länder nach übermäßigen Einsparungen bei allen sachlichen Ausgaben nicht glauben, auf diesem Gebiet weitere Ersparnisse machen zu können, wurde ein« Abordnung beaustragt, der Reichsregierung den hohen Ernst der Lage darzustellen und auf sofortige Maßnahmen des Reiches zur Erleichterung der Lage der Ander zu dringen. Es soll hierbei ganz besonders die Aufmerksamkeit des Reiches daraus ge- lenkt werden, welchen Bedenken es unterliegt, wenn es den Ländern überlassen wird, von sich aus weitere Gehaltskürzungen vornehmen zu müssen. Als weiter ganz vordringlich wurde angesehen die Frage der kurzfristigen Kredite, der Wiederherstellung der Rentabilität der Holzwirtschast und besonders bestimmter Maßnahmen auf dem Gebiete der Fürsorge für die Erwerbslosen- und Wohlfahrtsunter. stützungsempfänger.' Die Landkreise in der Krise. Finanznot trotz Sparsamkeit. In einer gemeinschaftlichen Vorftandssitzung des Deutschen und de» Preußischen Landtreistages berichtet« der Präsident über die Lage der Landkreise infolge der gegenwärtigen Krise. Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes Dr. Kleiner er- gänzte diese Ausführungen nach der Seite des Kommunalkredits. Es bestätigte sich, daß die bisherige Hilfe des Reichs und der Länder gegenüber den Erwerbslosenlasten der ländlichen Bezirksfürsorgeverbände völlig ungenügend gewesen ist. Sie reicht trotz Senkung der kommunalen Unterstützungen nicht einmal zum Ausgleich der inzwischen eingetretenen Steuerrückgänge aus. Die» gilt vor allem von denjenigen Landkreisen, die besonders stark mit Wohlfahrtserwerbslosen belastet sind und in denen die Verhält- nisse genau so liegen wie in den Großstädte». Obwohl der Bevölkerung bisher schon taum oertret- bare Einschränkungen der freiwilligen treistommunalen Ausgaben sozialer, wirtschaftlicher und kultureller Art zugemutet Die verbotene Stickstoffeinfuhr. Das Giickstoffsyndikai meldet sich.- Teilweise Preissenkung bis 9 Prozent. Unsere Kritik des Mißbrauchs der staatlichen Hau» d e l s p o l i l i k für die privaikapilalistischen Zwecke der deutschen Slickstofsindustrie hat ihre Wirkung nicht versehll. Das Reichs- wirlschaflsministerinm hat osfiziös seine Politik unter Hinweis auf ein ähnliches Vorgehen anderer Länder zu rechtfertigen versucht und das Deutsche Slickstosssyndikal hat eine Er- klärung erlassen und die Slickslofspreise gesenkt. In der Erklärung des Syndikats wird gesagt, daß durch die Ausdehnung der Stickstoff-Erzeugungsanlagen und durch den Rückgang des Etickstofsverbrauches die Weltleistungsfähigkeit der Stickstoff-Fabriken kaum zur Hälfte ausgenutzt werden könne. Das Syndikat bestätigt damit die fehlerhafte Kapitalanlage in der Stickstoffindustrie, denn auch in besten Zeiten können die An- lagen nicht entfernt ausgenutzt werden. Daß auch militärische Gründe zur Ausdehnung der Stickstoffindustrie geführt haben, ist uns wohl bekannt. Das Scheitern der internationalen Kartellvsr- Handlungen ist aber deshalb noch kein Grund, daß die Staatsmacht wie hier für privatwirtschaftliche Sonderinteressen eingesetzt wird, besonders wenn Kapitalabschreibungen und Preissenkungen unter- lassen werden. In der offiziösen Mitteilung des Reichswirtschaftsministeriums wird gesagt, daß die ausländischen Stick st offangebote in Deutschland sich auf 40 Prozent unter den deutschen Preisen bewegen. Deutlicher kann der Zwang für die staat- liche Wirtschaftspolitik, ohne entsprechende Sicherungen und Gegen- leistungen staatliche Hilst zu verweigern, nicht gemacht werden. Es ist selbstverständlich, daß der Rückgang der Erzeugung bei dem hohen Anteil der fixen Kosten die Gestehungskosten erhöhen mußte. Des- halb zu glauben, daß die Preist hoch bleiben dürfen, entspricht ganz der Rentnerpsychologie, die in allen Kartcllindustrien herrscht. Das Stickstoffsyndikat muß übrigens bemertenswertcrweist erklären, daß der L o h n a u f w a n d im vergangenen Jahre ge- funken ist. Das Stickstoffsyndikat hat die peinliche Lage, in die es durch unsere Kritik gebracht wurde, durch eine Preissenkung a b zu- wenden gesucht. Die Preissenkung beträgt 2 bis 6 Pfennige je Kilo Stickstoff, was entsprechend weniger für die Düngemasse dar- stellt. Im Vergleich zu den vorigen Preisen handelt es sich um eine Senkung bis zu etwa 7 und 9 Prozent. Kein Mensch wird sagen, daß das angesichts einer 40prozei>tigen llnterbietung viel ist. Die Absicht der inländischen Marktbeherrschung kommt aber trotz dieser Preissenkung sehr deullich zum Ausdruck. Bei dem allein in Deutschland hergestellten Nitrophoska, wo keine Konkurrenz des Auslandes vorliegt, wird eine Preissenkung von sage und schreibe einem knappen Prozent durchgeführt. Die Oefsentlichkeit wird aus diesen Vorgängen lernen müssen. daß sie viel schärfer als bisher den Kartellgcwaltigcn und der ihr gerne dienenden Staatsbürokratie auf die Finger sehen muh. Klassenkampf durch Meuchelmord. Oer Tod eines jungen Arbeiters durch Arbeiterhand. Dem eingehenden Bericht der„Leipziger Volkszeitung" über die Ermordung unseres achtzehnjährigen Genossen Max Markus durch kommunistische Banditen entnehmen wir folgende Darstellung des Hergangs: Zwei Genossen verbreiteten an der sogenannten Epa-Ecke Flug- blätter. Nach und nach stellten sich Kommunisten ein, die die Flug- blattverbveitung zu hindern suchten. Nach etwa einer Halden Stunde waren an die 30 bis 40 Kommunisten versammelt. Zunächst gab es Diskussionen, bei der die Kommunisten erklärten, die Epa- Ecke sei ihr Revier, das sie sich nicht streitig machen ließen, und wenn bei einer gewaltsamen Räumung etliche auf der Sirecke bleiben würden. Es sammelte sich eine immer größere Masse an. Schließlich war die ganze Straße von den Ansammlungen gesperrt. Polizeibeamte waren nicht zur Stelle. Als die KPD.-Helden dos merkten, singen sie an zu schubsen und zu stoßen. Als unsere Ge- nossen sich das verbaten und die Püffe und Stöße erwiderten, wurde ihnen gesagt:„Hier werden keine sozialdemokratischen Flugblätter verbreitet!" Etliche der Rowdys versuchten, unseren Genossen die Flugblätter zu entreißen, hatten. aber damit kein Glück. Nun griffen sie zu Schlagring und Messer. Genosse Baumgärtel bekam einen heftigen Schlag ins Gesicht. Er mollte zur Signalpfeife greifen, um Hilfe herbeizurufen. Da stach einer der Mordbuben auch schon auf ihn ein. Baumgärtel glaubte zunächst noch, er sei mit einem Schlagring getroffen. Er lief hinter dem ausreißenden Messerstecher her, bekam ihn auch zu fassen. Doch in demselben Augenblick kamen auch schon Deckung?- k o l o n n e n der Kommunisten, die den Täter wieder befreiten, indem sie Baumgärtel verprügelten. In diesem Augenblick kam Genosse Max Markus auf Baum- gärtel zu und rief:„S ch o r s ch. sie haben mich g e st o ch e n." Kaum hatte er dies ausgesprochen, da brach er auch schon bewußt- los zusammen. Run machten sich mehrere Genossen an die Verfolgung des Mörders. Es gelang ihnen auch, ihn einzuholen und f e st z u- halten. Sofort setzten größere D.cckungstrupps der Kommunisten an, um den Messerstecher zu befreien. Die große zahlenmäßige Ueberlegenheit ließ das auch gelingen. Bei dieser Befreiung bekam Genosse Kleemann, der den Messerhelden festgepackt hotte und auch hielt, einen heftigen Schlag über den Kopf, der das Blut in Strömen rinnen machte. Klecmann ließ jedoch nicht locker. Daraufhin oersetzte man ihm noch einen Stich in den Rücken. Der Mörder konnte entfliehen. Aber der überaus eifrigen Arbeit der Polizei ist es gelungen, ihn zu packen: es ist der' 18 Jahre alte Arbeiter Martin Kroll aus der Gundorfer Straße 24, wo er in der Obhut seines Pflegevaters, des ehemaligen kommunistischen Landtagsabg. Georg Schwarz, jctzk Angestellter der Kommunistischen Partei in Leipzig, aufwuchs. Organisierter Terror. Markus war weder an der Flugblattverbreitung noch an den Auseinandersetzungen mit den Kommunisten beteiligt. Er kam rein zufällig, nicht einmal in der Kleidung der SAI. oder des SPD.- Jugendschutzes, auf seinem Rade vorbei. Dennoch wurde er von den kommunistischen Messerhelden blindlings nieder« g e st o ch e n. An der Epa-Ecke wurde der kommumstische Terror am Sonn« abend nach ganz bestimmter Taktik und nach wohlüberlegtem Or- ganisotionsplan geübt. Als die Flugblattoerbreitung begann, be« merkte man sofort, wie herzukommende Kommunisten dafür sorgten, daß die Hauptrüpel dorchin bestellt wurden. Die kommunistischen Terrorbanden arbeiten, wie ganz einwand- frei festgestellt werden konnte, etwa nach folgendem Plane: Wird einer der Terrorhelden gestellt oder verfolgt, um ihn festzunehmen� so setzt sofort eine kommunistische Deckungskolonne hinter die Verfolger her, sucht sie entweder daran zu hindern, den Verfolgten zu erwischen, oder, wenn das nicht möglich ist, durch izeue Prügel- und Messertaten den Verbrecher zu befreien. Man kümmert sich zunächst nicht um den Täter. Der mag sehen, wie er sich in Sicher- heit bringt. Die Deckungskolonnen begnügen sich damit, die V e r- f o l g e r an der Festnahme zu hindern, oder, falls das noch nicht vollends gelang, den Festgehaltenen vor Ankunft der Polizei zu de- freien Man darf sicher annehmen, daß auch der Unterschlupf und verschiedene Eventualunterschlüpfe schon vorher be« stimmt und die zur Hilfe bei der Verbergung Auserkorenen davon unterrichtet worden sind. Es wird auch nach vorher bestimmtem Plan dafür gesorgt, daß so etwas wie Siedestimmung vorhanden ist. Sei den zn diesem Zweck in Szene gesetzten Provokationen der Straßenpassanlen tun sich in der Regel besonders Zroucn hervor. Sie erfüllen die Straße mit hysterischem Geschrei über angeblichs Verrätereien der SPD., schimpfen vorübergehende Sozialdemokraten Strolche. Verbrecher usw. Dann ziehen, wie bei einem Stierkampf die Torreros, die Schlagring-, Koppelschloß- und Messerkolonnen auf. Ist so die Armee beisammen, dann kommen auch die Deckungskolonnen herbei. Und dann kann der Tanz beginnen. Die Aktion selbst erfolgt nach dem geschilderten arbeitsteiligen Terrorplan! werden mußten, ist nicht nur ein noch weiterer Abbau dieser Aufgaben, z. B. auf dem Gebiet der Straßenunterhaltung, unver- meidlich, sondern es werden auch bei den durch die Gesetzgebung den Landkreisen auserlegten Pflicht aufgaben starke Einschränkungen eintreten müssen. Trotz solcher Einschränkungen und trotz der Ein- stellung wichtiger freiwilliger kommunaler Aufgaben steigt die Finanznot der Landkreise weiter. Die Lasten für not- wendige Unterstützung der Wohlfahrtserwerbslosen gehen über die Kräfte zahlreicher ländlicher Bezirksfürsorgeverbäiide in einem Maße hinaus, daß schleunige Hilfe von Reich und Staat zur Vermeidung schlimmster Folgen einsetzen muß. Im Gefolge Thalmann-Hitlers. Die Abstimmenden vom 9. August. Aus E i s l e b e n, der Heimatstadt Luthers im Kreise Man-- feld, wird uns geschrieben: Es ist nunmehr festgestellt worden, daß sämtliche Krimi- nalbeamten der Stadt zum Volksentscheid gegangen sind. Da in Eisleben täglich politische Unruhen und Krawalle statt- finden, hat die Kriminalpolizei fast täglich in dieser Angelegenheit zu tun. Es ist nun glücklich so weit gekommen, daß die Republikaner das Vertrauen zur unparteiischen Haltung der Kriminalpolizei- beamten vollständig verloren haben, da diese durch Beteiligung am Volksentscheid sich offen auf die Seite der Republitfeinde stellten. Auch fast der gesamte Lehrkörper des Luther- Gymnasiums hat sich an der Abstimmung gegen Preußen be-! teiligt. Einem republikanisch gesinnten Studicnrat wurden Vor- Haltungen darüber gemacht, daß er die sozialdemokratische„Möns- selber Volkszeitung" lese. Man meinte, solche Lektüre wäre geeignet, ein unangenehmes Licht auf ihn sollen zu lassen. Wir reden selbstverständlich keinem„Terror" das Wort. Ab« die Volksentscheidler, die den Terror gegen Republikaner und vor allem gegen„Marxisten" als ihr selbstverständliches Recht für den Fall ihres Sieges proklamierten, hätten keinen Grund zur Klage, wenn die Behörden des Freistaates Preußen wirklich ihre Beamten etwas genauer ansehen würden. Bulgarischer parlamenisbeginn. Koolitionsknse um die Amnestie. Sofia. 18. August.(Eigenbericht.) Die am 20. Juni neu gewählte Sobranje wird am 21. August zitm erstenmal zusammentreten: eine Hauptfrage wird die einer A m n e st i e für die im Auslande lebenden Emigranten und Flüchtlinge aus der Vürgerkriegszeit von 1923/25 fein. Wie der sozialistische„Rar od" voraussetzt, wird e-s darin zu den erst.n großen Schwierigkeiten in der Koalitionsregierung Malinow kommen. Weitaus der größte Tell der Bauernparteiler verlange eine bedingungslose und volle Amnestie, der sich die bür- gerlichen Gruppen, die Demokraten und gemäßigten Liberalen wioersegen, die gegen die Rückkehr gewisser Emigrantenfiihrer wie Kosta Todorow, Redelko Atanassow und Obow nach Bulgarien sind. Zeidmgs verböte. Der Oberpräsident der Provivtz Riederschlesien hat das„Freystädter Tageblatt" wegen Verstoßes gegen die Ver- Ordnungen des Reichspräsidenten zur Bekämpfung politischer Aus- schreitungen auf die Dauer von zwei Wochen oerboten.— Der Reichsministcr des Innern, Dr. Wirft, hat auf die Beschwerde der Gaulciwng Anhalt der Naüonalsozicl'.stcn das von der anhaltischen Regierung ausgesprochene Verbot des„Harzer Trommlers" in Köchen von sechs Monaten aus drei Monate herabgesetzt und gleich- zeitig die Beschwerde an den vierten Strafsenat des Reichsgerichch weite rgegvben. 7lr. 355» 48. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 49. August 4934 Jagd auf die Reichsbankräuber. Der Raub In der Innsbrucker Strafe.— Ein toller Banditenstreich. Berlin hat gestern einen der tollsten Banditen- streiche seiner Geschichte erlebt. Ter Raubüberfall ans die Reichsbankfiliale in der Innsbru«kcr Ttraste stellt sich als ein wohlvorbcrcitetcs und rücksichtslos durchgeführtes Verbrechen dar. Am Heller- lichten Tage sind die Räuber in die Bankfiliale ringe- drungcn.«ie haben schonungslos von der Tchiest- Waffe Gebrauch gemacht, ein liZjähriger Mann ist schwer verlebt worden, im Getümmel wurde ein zwölfjähriges Mädchen verwundet. Stundenlang stand das Schöne- berger Stadtparkviertcl unter dem Gindruck des Greig- nisses. Tic Rcichsbank hat auf die Grgrcifung der Ver- brcchcr eine Belohnung von 3 000 Mark aus- gesetzt, die Polizei arbeitet mit größtem Eifer. Oer Tatort. Die Reichsbanknebenstclle in der I n n s b r u ck c r Str. 3 5 befindet sich in dem Eckhaus zur V o ß b e r g st r a ß e. Der Kassen- räum ist infolgedessen gewinkelt. Links liegt, durch Glaswände abgeteilt, die Kasse. Dahinter ist ein-weiter, gleichfalls durch Glas abgetrennter Raum für die Geldzähler. Es schließt sich ein dritter Raum an, in dem die Kleiderschränke für die Angestellten stehen. Rechts vom Eingang in die Filiale sind etwa 2 0 Schreib- tische aufgestellt. Von dem Raum für die Kunden trennt sie ein Pult. Hier arbeiten die Buchholtungsbeamten, und durch den Raum, in dem sie sitzen, kommt man zum Zimmer des Fi- l i a l o o r st e h e r s, des Bankbeamten Köpping. Wie der Lleberfall geschah. Kurz nach 12 Uhr betraten plötzlich zwei j u n g e B u r s ch c n, deren Gesichter durch Masken verdeckt waren, den Bankraum. Jeder von ihnen hatte zwei Revolver in den Händen. Der eine wandte sich sofort der Kasse zu, und beide eröffneten Schnellfeuer auf die Angestellten. Die Einschläge erweisen, daß der eine von ihnen, der nach der 5lasse hinschoh, nicht weniger als g Schuß abgab. In der furchtbaren Aufregung, die entstand, war einer der Buch- Halter so geistesgegenwärtig, die Alarmsirene in Tätigkeit zu setzen, deren Heulen die gesamte Straße alarmierte. Der Räuber an der Kasse schwang sich nun blitzschnell über die Barriere und raffte an Geldscheinen zusammen, was er fassen konnte. Er stopfte alles in eine Tasche, die zufällig am Schalter lag. Dann sprang er zurück und zog sich unter fortwährenden Schüssen zusammen mit seinem Komplicen zum Ausgang hin. Der Kassierer Kruse wollte die Räuber aushalten. Mit einem von ihnen geriet er in einen wüten- den Ringkampf, bei dem er unterlag: Der Räuber hieb mit dem Revolverkolben aus ihn ein und versetzte ihm einen Fußtritt gegen den Unterleib. Der Obergeldzähler K r e y e war seinem Kol- legen beigesprungen. Er erhielt einen schweren Schuß in den Bauch. Das größte Gurkenfaß inLübbenau VondemUmf ang und der Bedeutung der Gurkenindustrie in Lübbenau gibt das nebenstehende Photo ein ansdiaulidics Bild. Die größten Fässer, in denen die neuen Gurken gesäuert werden, fassen bis 25 II e k- toliter oder 25 00 Liter. Sie sind so groß, daß in einem solchen Faß ein moderner Diogenes bequem sich eine Wochenendwohnung einriditenkönnte. Auch die anderen Bankangestellten griffen zur Waffe, trafen die Räuber aber nicht. Auf der Straße schwangen sich die Räuber auf Fahrräder und rasten davon. Passanten und zwei Autos nahmen sofort die Verfolgung auf, sie konnten jedoch nichts ausrichten. Auch auf der Straße am Park hielten sich die Flüchtlinge die Verfolger durch mehrere Schüsse vom Leibe und konnten auf diese Weise entkoinmen. Hierbei wurde die zwölfjährige Schülerin Grete Wolfs aus der Martin-Luthcr-Straßc 51 in die Schulter getroffen. Genaue Beschreibung der Täter Der Raubübcrfall muß nach der Ausführung ein wohloorberci- tetes Unternehmen gewesen sein. Während in früheren Uebcrfällen die Täter entweder mit den Schuhwaffen nur gedroht oder Schreckschüsse abgegeben haben, wenn Widerstand geleistet wurde, haben in diesem Falle die Räuber sofort geschossen, als sie den Bankraum betraten. Vermutlich hatten sie sich vorher über die Verteilung der Rollen schon geeinigt, so daß jeder genau das tat, was ihm zugeteilt worden war. Nachdem sich die begreifliche Aufregung der Zeugen gelegt hatte, konnten sie dem Kriminal- kommissar M ü h l f r i e d e l und den Beamten des Raubdezernats eine Beschreibung der Räuber geben. Es handelt sich um zwei jüngere Leute. Der eine war etwa 1,75 bis 1,78 Meter groß und von breitschulteriger Figur. Er hatte ein längliches Gesicht, dunkles ,)aar und trug einen blauen Anzug und einen braunen Schlapphut. Sein Alter wird auf 25 bis 28Jahre geschätzt. Es ist dadurch möglich, daß er seinen Hut im Kampfe mit dem Kassierer Kruse verlor. Der Hut besteht aus aufgerauhtem Filz und trägt am Schweißleder die Bezeichnung„Die Mode", daneben ist ein kleines Schildchen mit dem Bleistiftvermcrk 5,50 Mark. Die Kopfgröße be- trägt 56 Zentimeter. Der zweite Räuber war bedeutend kleiner als sein 5iomplice, nur etwa 1,65 Meter groß und schmächtig, er schien auch wesentlich jünger zu sein. Er hat dunkles Haar und trug ebenfalls dunklen, vielleicht blauen Anzug und dunklen Schlapphut. An ihren Lzüten hatten beide Täter aus Strümpfen hcrgerichtete Masken befestigt, die am unteren Rande mit Fahrradschraubcn beschwert waren. Der große Täter hat auch Hosenklammern im Kampfe mit dem Kassierer ver- loren und seine Pistole. Eine der Klammern, die ziemlich neu sind, trögt die Ausschrift„Blitz" Die Pistole ist eine 7,65-Millimeter' Pistole Marke„Stenda-Werke" Suhl in Thüringen. 3900 Mark Belohnung? Die Reichsbank hat für die Ergreifung der Räuber eine Belohnung von 3 0 00 Mark und außerdem lOJJroz. der wieder herbcigeschajslen Summe ausgesetzt. Alle zweckdienlichen Mitteilungen werden an das Raubdezernat im Zimmer SA des Polizeipräsidiums erbeten. Wie wir erfahren, ist das Befinden des Geldzählers kreye, der operiert werden mußte, sehr ernst. -i- Der Kassierer Kruse, der mit aller Energie die Verfolgung der Räuber aufnahm, erzählt über die Verletzung des Chauffeurs m der Martin-Luther-Straße, daß er in ein Privatauto sprang, das sofort die Verfolgung ausnahm. Bei der Kurve an der Marlin-Luther-Straße wurde er in die rechte Ecke des Wagens gc- warfen. Seine Waffe löste sich. Die Kugel ging durch die Scheibe und verletzte ausgerechnet den Ehauffcur am rechten Arm. Die Jagd nach den Verbrechern, die, freilich ohne zu treffen, auch jetzt noch wcitcrschossen, mußte daraufhin aufgegeben werden. 71 SA „Tag, Herr Doktor, wie gehts� Brauchen Sie etwas?" Der Verwachsene fummelt mit den manikürten Fingern in der Westentasche herum und zieht ein kleines, weißes Päckchen hervor. Harry ergreift es und gibt dem Kleinen ein Zweimark- stück.„Dank schön! Ist es auch rein?" „Prima Ware, kann ich Ihnen versichern!" Harry ist sehr vergnügt. Er fühlt sich jetzt ohne Beschwer- den, er strahlt geradezu, als er das Büro betritt. „Na, schöne Frau, ausgeschlafen nach den Anstrengungen der Nacht? Morgenstunde hat Blei im Hintern!" „Bei mir nicht. Gott sei Dank!" Das kleine, rundliche Fräulein Hinzelmann kokettiert einen Moment mit ihren kallipygischcn Reizen und verschwindet im Schreibmaschinen- zimmer. Gleich darauf wird die Tür wieder aufgerissen. „Hallo, Paul!" Fräulein Hinzelmann winkt dem Laufburschen, der in einer Ecke des ungemütlichen Martcraumes der Firma „Ed. Silvester u. Söhire" sitzt und sich mit den mitgebrachten Stullen beschäftigt. Der lang aufgeschossene Junge erhebt sich mürrisch. „Na.'n bißchen fixer!' Fräulein Hinzelmann blickt verstohlen den langen Kor- ridor hinunter, auf dem zu ihrer Beruhigung kein Lebewesen zu erspäben ist und wispert:„Holen Sie bitte ein Achtel ge- kochten Schinken für mich und für Frau Caspari einen Emmentaler Käse." Sie händigt dem tauenden Jüngling das abgezahlte Geld ein. „Eigentlich Hab ich jetzt Frühstückspause", murrt Paul und stopft sich den Rest der Stulle in den Mund. „Lassen Sie sich aber nachher nicht vom„Meckerer" er- wischen", warnt Fräulein Hinzelmnnn besorgt. Der„Wecke- rer" ist Herr Vürochef Ziege. Er residiert in der Buch- Haltung, dem größten Raum der Firma, der am Ende des langen Ganges liegt und dessen Fensterfront zur Straße führt. Bürochef Ziege wacht mit Argusaugen über der Haus- ordnung, die es verbietet, während der Dienstzeit den Lauf- burschen zu privaten Gängen zu benutzen. Fräulein Hinzelmann geht in das Schreibmaschinen- zimmer zurück. Sie hat im Augenblick nichts zu tun,, denn die Korrespondenz wird gewöhnlich erst nach der Frühstücks- pause diktiert, und vom gestrigen Tage ist kein Rest übrig- geblieben, was ihre gute Laune bestärkt und den Wunsch nach einer kleinen Privatunterhaltung aufkommen läßt. „Haben Sie noch viel?" Frau Marie Easpari, an die diese Frage gerichtet ist, hebt kaum den Kopf von ihrem Briefordner. Sie nickt. Die schmale Frau Anfang der Dreißig hat den Posten einer Kontoristin inne. Bon dem Gehalt, das sie dafür bezieht, lebt sie mit ihrem Mann, einem seit Jahren stellungslosen Opernsänger und ihrem fünfjährigen Jungen. Sie wird allgemein bewun- dert, weil sie es fertig bekommt, immer noch nett und ge- pflegt auszusehen. Was es sie an Nerven kostet, den Lebens- unterhalt für die Familie zu verdienen, den Mann vor drohender Verbitterung zu bewahren und ihr Kind zu er- ziehen, ahnt niemand in diesem Büro. „'n voller Haufen!" Fräulein Hinzelmann durchblättert flüchtig die aufgestapelten Vriefeingänge und die Durchschläge der Antworten.„Hier ist sogar noch ein Schreiben von Ende März. Das liegt über einen Monat herum! Darauf hat wieder mal der'Krüger gesessen. Ich sags ja immer: wenn man mal was sucht, dann nur beim Krüger!" Mit ehrlicher Entrüstung läßt sich Fräulein Hinzelmann über die Unarten des Buchhalters Krüger aus, der im geschäht- lichcn Uebereifer keine Korrespondenz eher herausgibt, bis der ihm aufgetragene Fall vollständig erledigt ist. Seufzend rennt Frau Caspari vom Tisch zum Registrier- schrank, türmt Mappen übereinander, heftet und ordnet und wirst ab und zu einen kritischen Blick über den noch vor- handenen Stoß. Die Tür öffnet sich. „Das hat aber lange gedauert", empfängt Fräulein Hinzelmann den Stift Paul. „Wo ich doch Hab warten müssen!" Er holt aus der Jackettasche Schinken und Käse hervor.„Beinahe wär' ich auf- geplatzt. Grade als ich wiederkomm', geht der„Meckerer" auf den Lokus." Paul sieht die Damen erwartungsvoll an. Fräulein Hinzelmann versteht den zarten Wink. Die aus- gestandene Gefahr muß belohnt werden. „Hier haben Sie'ne Overstolz!" „Scheen!" Paul läßt die Zigarette in die Brusttasche ver- schwinden und zieht ob. Sorgfältig belegt Fräulein Hinzelmann ihre beiden butterbestrichenen Brötchen mit Schinken. „Wer dich mit Glut..." singt sie dazu ohne Grund und nähert die Melodie einem bekannten Tango an.„Blendende Aufführung gestern! Der Tannhäuser also prima Klasse. Ich war ganz weg! Haben Sie Grumacher schon mal gesehen? Der Chef kann stolz auf seinen Schwager sein." Tänze und Jazz entsprechen sonst Fräulein Hinzelmanns Neigungen mehr als Wagnersche Musik. Frau Caspari nickt und wird rot.„Früher mal! Jetzt komme ich doch nie ins Theater... Er hat viel Glück gehabt, der Grumacher!" Sie lächelt schmerzlich. „Na, Sie haben es wenigstens gut. Ihr Mann kann Ihnen alles vorsingen. Der war doch Opernsänger. Bariton, nicht?" fragt Fräulein Hinzelmann mit wenig Zartgefühl. Müde läßt Frau Caspari die 5)ände in den Schoß sinken. „Ja", sagt sie und schließt für eine Sekunde die Augen. In Fräulein Hinzelmanns dauergewelltem Köpfchen blitzt die Erleuchtung auf, daß Erinnerungen an vergangene Zeiten in diesem Fall nicht angebracht sind. Sie beugt sich zu der Kollegin:„Na, na, kleine Frau, Kopf hoch! Wird schon wieder werden..." Krampfhast sucht sie nach einem anderen Gesprächsthema. „Wie finden Sie eigentlich Frau Silvester? Die richtige Frau Silvester natürlich, und nicht die hier..." Sie weift auf die Tür zum Nebenzimmer.„Ich fand, sie machte sich gestern abend'n bißchen unscheinbar, trotz des fabelhaften Pelzcapes. Aber eins muß man ihr lassen: Dame!" Sie schnalzt bewundernd mit der Zunge. „Waren Sie denn mit ihr zusammen?" fragt Frau Caspari erstaunt. „Ich habe sie im Theater gesehen, Silvesters waren doch selbstverständlich zum„Tannhäuser", ich bitte Sie!" Wie behext, immer wieder die verdammte Oper, denkt sie und schnattert weiter:„... und der Chef sah schlecht aus! Meine Herren! Er ist überhaupt in letzter Zeit so gelb. Das kommt vom vielen...!" Sie verschluckt das Wort. Der Rest des Schinkenbrötchens wandert den Weg alles Irdischen. In der Tür, die zum Korridor führt, erscheint Harry. (Fortsetzung folgt.) Wichtige Fragen. Neue große Fahndungsaktion hinter Eisenbahnnttentätern. Bereits im gestrigen„A b e n!»" berichteten wir über eine nenc grosie Zyahndungsaktion zur Auf» dcctung des Eisenbahnattentats bei fi l o st e r Zinna in der Nähe von Jüterbog. Heute werden an den Berliner Täulen und in allen Cvtcn, in denen Spuren der Täter vermutet werden können, g roste Plakate angebracht werden, die in Wort und Bild das Publikum zur Mithilfe bei der Ansfindung der Verbrecher auffordern. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht der Mann, der in In- stallationsgeschäften der Berliner Friedrich st adt Material- einkaufe machte, lieber diese Einkäufe berichtet das Plakat aus die Stunde genau. Die Fragen erheben sich: Was läßt sich aus diesen Einkäufen schließen? Hat der Käufer vielleicht in der Nachbarschaft für kurze Zeit eine Stube gemietet oder Kleidungsstücke abgelegt? Wo hat er die am Donnerstag gekauften Röhren untergestellt? Ge- schah dies in einer nahegelegenen Gastwirtschaft? Es sei daran er- innert, daß die Rohre eine Länge von se 1,5? Meter hatten. Da der Bekannte als 1,72 Meter groß beschrieben wird, so überragte er die Rohre, die er trug, nur um 13 Zentimeter. Wem ist ein solcher Mann an dem fraglichen Sonnabend zwischen der Friedrichstraße in der Nähe des Bellc-Zllliance-Platzes und dem Anhalter Bahnhof auf- gefallen? Der oder die Attentäter müssen über erhebliche Geldmittel ver- fügt haben. Das geht schon daraus hervor, daß die Einkäus« nicht gerade billig waren. Der Draht allein kostete annähernd 60 M. Weiterhin haben die Attentäter, wie bekannt ist, längere Zeit in ihrem Waldlagcr, als sie auf das Herannahen des Zuges warteten, auffallend teure Zigaretten geraucht, die 8 und 1l> Pf. das Stück kosteten. Das erweisen die leeren Schachteln. Zur weiteren Fahndung steht der Kriminalpolizei auch das Zcitungsblatt des „Angriff" zur Verfügung, das an einem Telegraphenmast angeheftet war. Die Schriftzüge der darauf angebrachten Zeitw»gsnotiz werden ebenfalls veröffentlicht werden. Rätsel um den Fall Lamm. Untersuchung dsr Leichenteile/ Explosion unwahrscheinlich Bingen, 18. August. In der reichlich sensationellen Angelegenheit des Hochstaplers von Lacum ist eine neue Wendung eingetreten. Die in dem verbrannten Automobil gefundenen Leichenteile sind inzwischen dem Frankfurter Institut für gerichtliche Ehemie über- geben worden. Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen. Es wurde festgestellt, daß von Lacum ungefähr ein« Stunde vor dem Unglück in Gaggenau zwei Glas Rotwein getrunken hat. Da von den Eingeweiden die Blase erhalten ist, wird nunmehr die Identität der Leiche durch die Untersuchung festgestellt werden können. Ein Binger Friseur will aussagen können, daß der Verunglückte tatsächlich am Hinterkopf eine Narbe in Form einer kleinen Ver- tiefung hatte, die vor dem Kriege noch nicht vorhanden war. Eine Operationsnarbe sei jedoch nicht zu sehen gewesen. Insbesondere konnte der Friseur nicht angeben, ob die Behauptung Lacums, er trage eine silberne H i r n p l a t t e, richtig ist. Bemerkenswert ist übrigens, daß das Silbergeld, das der Verunglückte bei sich hatte, Nicht ge�hmolzen ist. An seiner goldenen Uhr, die mit zwei Klapp- deckeln versehen ist, ist noch nicht einmal das Glas zersprungen, währcnN bei einer Verbrennung der Leiche infolge Explosion des Wagens eine gewaltige Hitze geherrscht haben müßte. „Graf Zeppelin" über England. Schwarzrotgold auf dem Londoner Flugplatz. London, IS. August.(Eigenbericht.) Das Luftschiff„Gras Zeppelin" traf am Dienstag gegen 7 Uhr in han w or t h. einem Flughafen in der Nähe von Lon- don, ein. vor der Landung besuchte das Schiff die englische Hauptstadl. Aus dem Flugplatz war die deutsche Flagge gehißt, bei der Landung ertönte das Deutschlandlied. Gegen 9 Uhr startete das Schiff zu einem 24stündigen Rundflug über England. Das Luftschiff traf, vom Kanal her kommend, gegen 16.3l> Uhr über englischem Gebiet in der Nähe von Hastings ei» und flog, überall mit größtem Interesse begrüßt, in westlicher Richtung weiter. Man nimmt an, daß Dr. Eckener diesen Umweg nicht nur wählte, um die Hunderttausende von Gästen in den Seebädern zu begrüßen, sondern auch weil das Luftschiff so gute Fahrt gemacht hatte, daß der Flugplatz Hanworth durch Funkspruch bat, die vor- gesehene Landezeit um 19 Uhr möglichst innezuhalten, um die vielen Tausende von Menschen, die nach Büroschluß in Hanworth erwartet werden, nicht durch eine zu frühzeitige Landung zu enttäuschen. Beleidiger„Z�ote Kahne". Aber sie kommt sehr billig davon. Der Redakteur Wilde von der„Roten Fahne" stand wegen Beleidigung vor dem Schöffengericht BerliwMitte, da in einem Artikel dieser Zeitung der Vorsitzende des Betriebsrats von Aschinger beleidigt worden war. Unter der Ueberschrist „Der Spitzenkandidat der SPD. bei Aschinger", war dieser Angestellte ein„Lump" genannt worden, der mit Bezug auf�den 8 218 Erpressungen gerenüber Arbeiterinnen aus- übe und andere Arbeiter als politisch verdächtig bei der Direktion denunziere. Das Schöfsengericht erkannt« gegen den angeklagten Redakteur auf 199 Mark Geldstrafe. Lob für besonders tüchtige Tchupos. Der Polizeipräsident hat den Polizeioberwachtmeistern K ü h n t o p f und B r u n t k e, beide vom 43. Polizeirevier, seine Anerkennung ausgesprochen, weil es ihnen unter tatkräftiger Unter- ftützung der Polizeioberwachtmeifter L c t t a u und(Biewers, ebenfalls vom 43. Polizeirevier, gelungen ist, am 23. April d. I. zwei an einem Einbruch in ein Jagdhaus in Waldow beteiligte Personen sowie den bereits vorbestraften und bewaffnete» Führer des Kraftwagens, in dem sich die Täter befanden, festzunehmen und den Kraftwagen mit Diebesgut und einer Schußwasie sicherzustellen. Der Polizeipräsident hat ferner den beiden Landposten von Verlin- Cladow, Polizeihauptwachtmeistern Brietzkc und M atz k«„seine besonder« Anerkennung ausgesprochen, weil es ihnen gelungen ist, durch aufmerksames und entschlossenes Verhalten in der Nacht zum 27. Juni 1931 drei Einbrecher, von denen zwei wegen ähnlicher Straftaten vorbestraft sind, auf frischer Tat festzunehmen. Titel und Mittel. Der Kampf um Berlins Besoldunösordnunö/ Enfscheidunö beim Sdiiedsöcridii Seit Monaten besteht zwischen der Stadt Berlin und dem Oberpräsidcnten von Berlin ein Konflikt über die Besoldungsordnung. Der Oberpräsident hat durch Erlaß vom 25. April eine Abänderung der Berliner Besoldungsordnung verlangt, wogegen der Oberbürgermeister im Namen der Stadtverwaltung Wider- f p r u ch erhoben hat. Der Konflikt geht, wie so oft in Deutschland, um die Amts- bezeichnung, wobei aber die Beamten der Stadt Berlin w i r t- schaftlich sehr geschädigt werden sollen. Der Oberpräsident verlangt, daß die Besoldung nach der Amtsbezeichnung er- folgen soll, während die Stadt Berlin die Besoldung nach der wirk- l i ch e n Tätigkeit der Beamten vornimmt. Es ist natürlich nicht schwer, neue Titel zu erfinden. Wenn es darauf ankäme, könnte man ja den Oberpräsidenten befriedigen. Nun hat der Oberpräsident auch die Notverordnung vom 5. Juni herangezogen, die bestimmt, daß die Gemeinden und Gc- meindeverbände nur dann etwas von den 69 Millionen, die das Reich den Gemeinden zur Erleichterung der Wohlfahrtslasten bereit- stellt(wozu noch 69 Millionen vom Freistaat Preußen kommen), wenn die Gemeinden entsprechend bei den Personalausgaben sparen. Es handelt sich auch hier um die famose„A n g l e i- ch u n g", die den Konflikt mit den Gemeindearbeitern hervor- gerufen hat. Es schwebt nun ein Schiedsgerichtsver- fahren darüber, ob die Stadt Berlin die Besoldungsordnung richtig handhabt. Bei der Ueberweisung der Beiträge Preußens an die Stadt Berlin für die Monate Juli und August hat der Oberpräsident den Vorbehalt gemacht, daß die Zahlung abhängig gemacht werde von dem Nachweis, daß die Stadt den Ministerialerlaß vom 26. Juni erfüllt. Am 15. August hat der Oberpräsident dem Oberbürgermeister einen neuen Erlaß zugehen lassen, in dem„die Stadt ausgefordcrl wird, die Gehaltszahlungen ab 1. Oktober nur nach Maßgabe des Beschlusses vom 3. Juni 1931" zu leisten. Auf Grund dieses Erlasses hat sich nun der Obcvbürgermeistci! genötigt gesehen, die Anordnung zu treffen, daß mit Wirkung vom 1. Oktober die Besoldung der Beamten und Angestellten nach Maß- gäbe des letzten Beschlusses der Befchlußbehördc vom 3. Juni gekürzt werde, und zwar für die Zeit vom 1. Oktober bis 31. Dezember um nicht nfblzr als 5 P r o z. und für die Zeit vom 1. Januar bis 31. März 1932 um nicht mehr ats 7 Proz., ohne Berückfichti. gung der reichsrcchtlich bereits angeordneten allgemeinen Kürzungen. Die über den Betrag von 7 Proz. hinausgehenden Herabsetzungen sollen erst am 1. April 1932 in Wirksamkeit treten. Es wird jedoch der Vorbehalt gemacht, daß. soweit das Schieds- gericht eine Entscheidung fällt, die die Beamten oder einzelne günstiger stellt, als es noch dem Beschluß des Oberpräsidcnten der Fall ist. die entsprechenden Beträge nachgezahlt werden. Es wird also von der Entscheidung des Schiedsgerichts abhängen, ob die angedrohten Kürzungen tatsächlich eintreten werden, Das Städtische Nachrichtenamt wendet sich gegen die Behauptungen, wonach die Stadt Berlin eine im Verhältnis zum Reich und zu Preußen zu hohe Zahl von Beamten im höheren und gehobenen mittleren Dienst beschäftige. Tatsächlich beschäftige Berlin im höheren Dienst 4,9 Proz. Beamte, der Freistaat Preußen 17,49 Proz. Im gehobenen, mittleren Dienst hat Berlin 24,95 Proz., der Freistaat Preußen 23,29 Proz. Im einfachen mittleren Dienst hat die Stadt Berlin 56,89 Proz., der Freistaat Preußen 35,33 Proz. Im unteren Dienst hat Berlin 14,25 Proz., der Freistaat Preußen 23,87 Proz. Ein ähnliches Resultat ergibt ein Vergleich mit dem Reich. Wir wollen hoffen, daß das Schiedsgericht nunmehr schnell seine Entscheidung trifft, damit die Unsicherheit von den Beamten der Stadt Berlin endlich genommen wird. Um den Einheiisfahrschein. Sollen die Bewohner der Außenbezirke den Wandersiab ergreifen? „Die neue Regelung bedeutet gleichzeitig einen wichtigen Schritt zur Verstärkung des Leistungsgedankcns innerhalb des Tarissystcms. Die vermehrte Anwendung des Leistungsgedankens erscheint als ein Ziel, dem unbedingt zu- gcstrebt werden muß, da der Einheitstarif durch die von Zahr zu Jahr zunehmende Verlängerung der von dem einzelnen Fahrgast zurückgelcglen Reiselänge eine im Vergleich zu den Unkosten sinkende Einnahmcentwicklung bedeutet." (Bürgermeister Dr. Elsas auf einer Pressekonferenz am 14. August 1931.) Auf dieser Konferenz wurden auch statistische Unterlagen für die Verlängerung der einzelnen Reisestrecken durch den Fahrgast gegeben. Während 1929 noch jede zurückgelegte Fahrt im Durch- schnitt 4,39 Kilontftcr läng ivar, stieg die Entfernung' 1939 auf 4,&t Kilometer rmd 1931" sogar bis auf' IM Kilometer. Das wäre an sich kein Argument- gegen den Einheitsfahrfchein, wenn nicht eben Berlin ein« halbe Million Erweibslose hätte, zu denen noch mindestens eine halbe Million Angehörige kommen, so daß glatt eine Million Berliner aus dem regelmäßigen Verkehr ausgeschaltet sind. Die BVG. hat also nicht die entsprechende Gegenleistung der Fahrgäste. Nun führen die Gegner des Einheitsfahrschcins aber an, saß diese Art des Tarifs eine anormale städtebauliche Entwicklung Berlins gefördert habe. In Wirklichkeit besteht der Einheitstarif erst seit 1927 und in dieser kurzen Zeit seines Bestehens hat er wahrhaftig nicht die tiefgehenden Wirkungen auf die städtebauliche Ertwicklung Berlins gehabt, wie sie ihm zugeschrieben werden. Vielmehr hat noch der alte Staffeltarif die Entwicklung der Vororte im Zusammenhang mit dem Stadtgebiet entscheidend beeinflußt. Die verschiedenen Berliner Straßenbahnen hatten vor 1991 fast durchweg einen Teilstreckentarif. Am 1. Januar 1991 wurde auf d.cr Groß-Verliner Straßenbahn der 19-Pf.-Cinheits- tarif eingeführt. Die Einführung dieses Einheitstarifs bedeutete aber noch keinen einheitlichen Straßenbahnfahrpreis. In den Vor- orten bestand noch ein« ganze Reihe selbständiger Straßenbahn- Gesellschaften. Wollte man die Linien verschiedener Gcsellschastm benutzen, so mußten beim Uebcrgang besondere Fahrscheine gelöst werden, oftmals mit gestaffellen Preisen. Noch 1917 hotten nach dem Gutachten Prof. Gieses von 172 Straßenbahnlinien der ver- schiedenen Gesellschaften erst 94 einen reinen Einheits» tarif, die übrigen Linien besaßen Teilstreckcntarifc mit Fahr- preisen von 19 bis 49 Pf. Erst durch die Gründung der Einheit?» gemeinde Berlin wurden die verschiedenen Straßenbahnen zu einer einheitlichen Gesellschaft vereinigt und erhielten dann auch einen einheitlichen Fahrpreis. Nimmt man hinzu, daß bis 1927 die U-Bahn und die Omnibusse zum Staffeltarif fuhren— von dein noch weit stärker gestaffelten Tarif der Reichsbahn ganz abge- sehen—, dann ergibt sich daraus, daß Berlin sich städtebansich im wesentlichen unter den Einwirkuneen des Teilstreckentarifs cnt- wickelt hat. Andererseits ist der junge Einheitstarif nicht frej von Kinder- krankheiten. So fördert er die Entstehung von Siedlungen ohne Zusammenhang mit dem Stadtgebiet. Es stiegen auch die Grundstückspreise in den Außenbezirken viel schneller, als das nxchr- scheinlich bei einem Zonentarif der Fall gewesen wäre. Aber unter diesen Umständen hätte man den Kampf gegen die Grundstücks- fpekulation aufnehmen müssen, denn soviel steht wiederum auch fest: die überfüllte Altstadt ist kein erstrebenswertes Wohngebiet, zumal kaum noch geeigneter Platz für Neubauten größeren Umfanges vor- Händen ist. Bei der Anerkenntnis dieser Tatsache wird sich kaum jemand finden, um ohne weiteres über die Außensiedlungen den Stab zu brechen. Ein Teilstreckentarif mit billige» Anfangsstufen, van denen die Hauptmasse der Bevölkerung einen Vorteil hätte, bedingt letzten Endes eine starke Gliederung der Fahrpreise, etwa von 15 bis 59 Pf. Bei der augenblicklichen Not der Massen ist an die Einführung eines derartigen Staffeltarifs nicht zu denken, das sagen sowohl der Aufsichtsrat wie die Direktion der BVG. Man kann zum Beispiel nicht die 29 Autobuslinien, die nach den Außenbezirken für 25 Pf. fahren, aber«inen Verlust von jährlich 2,4 Millionen Mark bringen, einfach beseitigen. Deshalb beschränkt sich die Neuregelung der Verkehrstarife auch auf die Ausmerzung der größten Nachteile des Einheitssystems, wie dem Aufhören de? Schwarzfahrten. Gaststätten, nicht Hstzstätten! Das Polizeipräsidium will energisch durchgreifen. In der letzten Zeit ist wiederholt festgestellt worden, daß Schank- lokale, die den Angehörigen der radikalen Parteien und Organi- sationen von rechts oder links als Verkehrslokale dienen, S a m m e l- plätze für Ruhestörer darstellen und den Ausgangs- Punkt von Zusammenstößen und Gewalttätigkeiten bilden. Der Polizeipräsident wird in Zukunft für solche Lokale, von denen iln- zuträglichkeiten sür die öffentliche Ruhe, Sicherheit und Ordnung ausgehen, die Polizeistunde auf eine frühere Zeit festsetzen. Dies ist bereits für ein kommunistisches Verkehrslokal geschehen, das um 19 Uhr schließen muß. Es ist zu erwarten, daß für national- sozialistische Verkehrslokale die gleiche Energie in Anwendung gc- bracht wird. Die öffentlichen Gaststätten sollen der gesamten Bevölkerung dienen. Sie dürfen nicht Hetzstätten für bedenkliche Elemente werden, di« von hier aus zun, bewaffneten Kampf gegen politisch Andersdenkende auf die Straße ziehen. Polizeibeamte werden geschützt! Sechs kommunistische Mordpropagandisten in Hast. Dem Vernehmungsrichter im Polizeipräsidium. Amtsgerichtsrat Pieper, wurden gestern 6 Personen vorgeführt, die beschuldigt werden, in weißensec an zwei Stellen in der Nacht zum II. August die Inschrift angebracht zu hoben:„Oberleutnant Bäcker, stelle Deine Uhr. RFB. ist Dir auf der Spur. Für jeden Arbeiter zwei Schupo- osfiziere. RFB. üb, Rache!" Der vcrnchmungsrichler hat gegen alle sechs Vorgeführte hastbesehl erlassen wegen Verdachts der Bedrohung von Polizeioffizieren und der Aufreizung zu Gewalttösigteiten. Hauptmann Lenk in Gtargard beigeseht. Gestern erfolgte in Stargard die Beisetzung des ermordeten Berliner Polizeihauptmanns Lenk. Die Berliner Schutzpolizei war durch ihren Kommandeur H e i m a n ns b e rg, einig« Osfiziere und zahlreiche Beamte vertreten. Ferner nahmen an der Beisetzung?- seierlichkeit der Oberbürgermeister von Stargard, der Konmiandeur der Storaarder Reichswehr,«in Vertreter des pommerschen Ober- Präsidenten und �>er Stettiner Gausekretär des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold teil. Berliner Schutzpolizisten feuerten eine Ehrensalve ab. Riesenprozeß gegen Kavag- Direktoren. Frankfurt/W., 18. August.(Eigenbericht.) Am 2. Okiober beginnt hier der M o n st r e- P r o z e ß gegen die Direktoren der Frankfurter Allgemeinen Dersicherungs-A.-G. (Favag). Für die Verhandlungen ist ein besonders geräumiger Saal am alten Frankfurter Justizgebäude vorgesehen. Man rechnet mst einer große» Anzahl auswärtiger Pressevertreter. 23 Jahre Chef der Berliner Feuerwehr. Am 29. dieses Monats kann Oberbranddirektor Walter G e m p p auf eine 25jährigc Tätigkeit bei der Berliner Feuerwehr zurück- blicken. 1923 wählte ihn der Magistrat zum Chef der Berliner Feuerwehr. Unter seiner Leitung sind die vielgestalteten Feuerwehren der Gemeinde Groß-Berlin zu einem einheitlichen Ganzen zusammengesaßt, die AutoMobilisierung durchgeführt und di« übrigen technischen Einrichtungen, besonders das Feuermeldewefen, so ver- vollkommnet worden, daß die Berliner Wehr heute anerkannt zu den ersten der Welt zählt. kein„Fön". Die Elettrizitätsgesellschaft„Sanitas' ersucht uns, mitzuteilen, daß der Haartrockner, durch dessen Benutzung eine Frau getötet wurde, kein„Fön"-Apparat war, sondern das Falsifikat einer anderen Gesellschaft. ?!r. 385* 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch. 49. August 4934 Reichsbahn/ Kraftverkehr/ Spediteure. Man gebe der Reichsbahn, was ihr gebührt.— Das Reich und die Interessenten. Seit Iahren wird das Arbeitsgebiet der Reichsbahn immer stärker ausgehöhlt, so dah die wirtschaftliche Lebens- fahigkeit der Reichsbahn bedroht wird. Der sogenannte �chenker-Vcrtrag, über den jetzt die Etztscheidung fällt, hat die öffentlich- und privatwirtschaftlichen Gegensätze in der Reichsbahnsraqe in scharfe Beleuchtung gestellt. Die hier vorliegenden Probleme werden im folgenden behandelt. Die Personen- und Güterbesörderungstarise der Reichsbahn sind nicht gerade niedrig: aber man vergißt nur zu leicht, daß die Reichs- lohn mit ihrem Anlagewcrt von 25 Milliarden das größte Ber- mögensobjett des Reichs, neben den Vcrkehrsvcrpslichtungen große finanzielle Verpflichtungen besitzt. Von der äußeren Kriegslast des Reiches mit jährlich 1794 Millionen trägt die Reichs- l ahn 669 Mill. als sogenannte Rcparationssteuer und 290 als Verkehrssteuer, insgesamt also nicht weniger als 5? Proz. Neben diesen 950 Millionen hat sie ferner an Kriegssolgelastcn— Pen- sionen der ehemaligen Beamten aus den abgetretenen Gebieten, Neuanlage von Grenzbahnhöscn, Ausgaben durch den polnischen fiorridor, Vorzugsdividenden— weitere 450 Mill. zu tragen. Das inacht insgesamt eine größtenteils unproduktive Vorbelastung von jährlich 1400 Millionen. Ucberlegt man sich, daß die Lohnsteuer rund 1300, die veranlagte Einkommensteuer nebst allen Zuschlägen 1289, alle Zölle 1175, die Tabaksteuer 1187, die Umsatz- sicuer 1040 bedeutend weniger einbringen, dann erkennt man ohne weiteres die überragende Bedeutung der Einnahmen der Reichsbahn für die Entlastung des- Steuerzahlers. Infolgedessen muß es beunruhigend sein, daß die Reichsbahn- einnahmen und auch die Wirtschaftlichkeit der Reichsbahn gefährdet sind. Die Gesamteinnahme der Reichsbahn betrug noch 1929 5354 Millionen Mark. Nach Abzug aller Leistungen blieb noch ein Ileberschuß von 179 Millionen Mark, der aber bereits im folgenden Jahre dazu benutzt werden mußte, ein Defizit von 312 Millionen lzusammen mit 133 Millionen Reichskrediten, die niedergeschlagen wurden) zu decken. Die Gesamteinnahme für 1931 wird knapp 4 Milliarden betragen, und es wird sich, trotz erheblicher Entlastung auf dem Sach- und Personalkonto, ein beunruhigend großes Defizit ergeben. Der choover- Plan kann die Reichsbahn nicht fühlbar entlasten, denn die sinan- z>cll« Erleichterung der Reichsbahn durch den Hoooer-Plan muß das Reich für sich in Anspruch nehmen. Natürlich erklärt zu einem Teil, wie überall, die Gesamt- Wirtschaftslage auch den Rückgang des Rcichsbahnverkehrs und die Verschlechterung der Reichsvahnfinanzen. Zum anderen Teil aber hat man diesen Rückgang der Konkurrenz des eastkrastwagens zuzuschreibem Dem Lastkraftwagen gegenüber aber ist die Reichsbahn doppelt benachteiligt. Während dos Auto eine F a h r- straß e bemitzt, die auf össentliche Kosten unterhalten wird, zu der Länder, Provinzen, Kreise und Gemeinden die Hauptlasten tragen und der Anteil des einzelnen Kraftfahrzcugbesitzers sich auf den Bruchteil aus der Kraftfahrzeug st euer beschränkt, hat die Reichsbahn für die Unterhaltung ihres Schienenweges jähr- lich über eine Milliarde Mark auszugeben, einen Betrog, der sich aus Gründen der Betriebssicherheit kaum kürzen läßt. Dem Kraftfahrzeug gegenüber tritt zu den 1400 Millionen politischen De- lastungen noch diese Milliarde hinzu. Dazu konmien aber noch sach- lich« Benachtoligungen:Me Reichsbahn m u ß alle ihr zum Transport übergebenen Güter zu den festgesetzten Tarifen fahren, der Kraft- ivogen kann sich diejenigen Güter, aus denen sich hohe Fracht- gebühren herausholen lassen, aussuchen. Bei den in Deutschland üblichen Staffeltarifen, nach denen Massengut(Kohlen, Getreide, Düngemittel, Kartosseln, Lebens- mittel usw.) zu billigen Ausnahmetarifen gefahren werden und die bochwertigen Güter, die meist als Stückgut aufgegeben werden, dementsprechend teureren Tarifen unterworfen sind, konnten für Gesundungsmaßnahmen für die Reichsbahn in erster Linie nur diese Stückgüter in Betrocht konnnen. Deren Ausfall gast es wieder her- einzuholen. Und dazu waren zwei Maßnohmen notwendig. Ein- mal eine Derbilligung der Stückguttransportkosten auf der Eisenbahn, das andere Mal eine Eindämmung des hemmungslosen Unterbielens durch den Kraftwagen. Der so auf eine mittlere Linie erstrebte Erfolg mußte den Fracht- tunden veranlosten, wieder in höherem Maße als bisher der Reichs- bahn die Aufträge zuzuführen. An den S t ü ck g u t t a r i f e n konnte man nicht gut mehr kürzen. Wollte man eine Berbilligungs- ottion zugunsten des Frachtkunden durchführen, so mußte man die Frachthilssleistungen herabsetzen, die bisher überhöhten Nollgebühren lllührend die freien Spediteure bisher für das An- und Zlbrollen der Güter von und zur Bahn für je 100 Kilogramm in Berlin 2 M. für An-. 1.25 M. für Abrollen, und die bahnamtlichen Roller daselbst 1,30 und 1,10 IN. für dieselben Leistungen forderten, außerdem noch innerhalb der Stadt Zonenzuschläge erhoben, während in anderen Städten diese hilssleistungen bis 3.50 TN. kosteten, gelang der Reichsbahn durch einen General- verlrag mit der größten deutschen Speditionsfirma Schenker u. Co. eine Regelung, nockz der künftig in ganz Deutschland die Spediteure für jede Roll- lcistung nur noch für 50 Kilogramm 30. für 100 Kilogramm 50 ps. vom Z rächt künden erheben dürfen und jeglicher Zuschlag verboten ist. Jeder Spediteur mußt« als Vertragspartner aufgenommen werden, wenn er sich verpflichtete, diese Sätze innezuhalten und außerdem der Reichsbahn auf der Landstraße, auf wettere Strecken als 50 Kilo- meter vom Ausgangsort, keine Frachtkonkurrenz zu machen. Unmittelbar noch dem Bekanittwerden der Regelung begann der Sturm derSpcditeure auf die öffentliche Meinung. Sie sahen ein bequemes und rlslkosreics Geschäft ge- f ä h r d e t und verstanden es, dm unberechtigten E i n d r u ck zu er- wecken, als ob durch die Herabsetzung der Tarif« eine ungeheure Schädigung des Volksgauzen vor sich gehe. Der Verein deutscher Spedtteure mit 1500 Mttgliei�rn songlierte mit HaLbmillionenziffern von Beschäftigten, die„verelenden" müßten. Run, die Mitgliederzahl der Berussgenosjenfchaft.für gcwcrbs- mäßige Fahrzeughallungen, der alle Fuhrunternehmer vom Droschken- kutscher bis zum Spediteur, die Kohlen- und Boumaterialfahrer, also zum gering st cn Teil Gütcrspediteure, angehören, zählt ingsgesamt 43 373 Betriebe mit 154 892 Versicherten, von denen 4l 024„Betriebsnnternehmer und Ehegatten van diesen" sind, aus. Die Lautstärke aber, mit der die Spediteure und ihr Wortführer, der Abgeordnete Mollath von der Wirtschaftspartei, brachte es dahin, die Reichsregierung und insbesondere den Reichsverkehrs- minister von Gucrard so kopfscheu zu machen, daß sie- ä n g st l i ch zurückwich, die Reichsbahn im Stiche ließ und zusah, wie die Loge immer gefährlicher wurde. Die Spediteure behaupteten nichts mehr und nichts weniger, als daß die Berbilligungsaktion eine—„kalte Sozialisicrung" sei. und als bekannt wurde, daß man Schenker u. Co. in öffentlichen Be- sitz überführen wolle, sogar„eine Sozialisiening in des Wortes eigentlichster Bedeutung". Sie brachten es sogar fertig, die Reichs- regierung zu warnen,„weil sonst auf Grund der bestehenden Re- parationsverpslichtungen weitere große Bermögensobsekte des deut- scheu Volkes dem Zugriff unserer ehemaligen Feinde ausgeliefert werden."(!) Die Reichsregierung, die sich doch hätte sagen müssen, daß der Derwastuuasrat der Reichsbahn, in dem Leute wie Herr C. F. v. Sie- mens, Peter Klöckner, Otto Ieidels, Paul Siloerberg sitzen, also die Exponenten des Kapitalismus, zu allein anderen als zu irgendeiner Form der Sozialisierung bereit fem würden, fiel prompt auf diese Agitation herein, und während die Spediteure weiter ungestört ihr» hohen Rollgcbühren erhoben, wurde die Lage der Reichsbahn von Tag zu Tag schiechter. Am nnoerftnndlichstcn aber wird das Verhalten der Spcdtteure, wenn man sich überlegt, daß die Selbstabholer, deren Gütermenge sich zu der von den Spediteuren abgefahrenen wie 4: 3 verhüll, durch die vom Vertrag vorgesehene Verbilligung in Zukunft kaum mehr eigene Fuhrwerke unterhalten werden, so daß dies« Güter praktisch dann auch den Spediteuren zufallen müssen. Die Spediteure aber ziehen offenbar dos bisherige„leichte" Geschäft mit seinen hohen Gebühren bei weitem vor. Menschlich ist das ja verständlich: aber daß auch hier schließlich der Steuerzahler den Spedi- teuren das Geschäft sichern und das allmähliche Verkommen der Reichsbahn ruhig mit ansehen soll, ist doch zu viel verlangt. Die Rcichsregiernng hat seit langem Preisabbau versprochen. Hier, wo er zum erstenmal in großem Umfange vor sich gehen könnte, versagt sie. Selbst der R c i ch s v e r b a n d d e r A u t o m o b i l i n d u st r i c hat schließlich Zugeständnisse gemacht, weil er sich darüber klar ist, daß sonst schließlich, beim Aussall der von der Reichsbahn getragenen Lasten, der Steuerzahler auch noch diese tragen muß. Für die Spediteure, die nur an ihr Geschäft denken, scheinen diese Gründe keine Rolle zu spielen. Ilm so mehr muß endlich die Forderung erhoben werden, daß sich die Reichsregierung nicht weiter von einer Agitation bluffen läßt, die nur ihre Lautstärke auszeichnet, hinter der aber praktisch nichts steht als das bequemere private Geschäftsinteresse. Gleiwih und Malapane verkaust. Weil Gtaatsgelder für alle Weli da sind, nur nicht für den Staat. Wie wir gestern milleillen, sind mit Wirkung vom t. September die preußischen Eisenguß, und Skahlwerkein G l e i- wihundin Malapane an die Bereinigte Oberschlejischc Hüttenwerk? A.-G., einen privaten Monlankonzern, verkaust worden, lieber den verkansspreis sind Zahlen nicht bekanntgegeben worden. Jedenfalls wird die Borauszahlung, die sich auf mehrere Jahre erstrecken soll und erst später voll verzinslich ist. unter 2 Millionen Mark liegen. Die B e l e g s ch a f t e n von zuletzt etwa S70 Arbeitern müssen von dem Oberhüiken-Konzern weiter beschäftigt werden. Aber auch für die Durchsehung dieser Bestimmung hat die preußische Bergwerk»- und Hüsten- A.-G.(preußag) das Opfer bringen müssen, daß sie in den ersten drei Jahren für eventuell dadurch eintretende V e r l n st e h a f l e t. Die hierbei notwendige Kontrolle wird von einer Treuhandgesellschaft durchgeführt. Außerdem entsendet Preußen ein weiteres Mitglied in den Aufflchtsrat der percinigten Oberfchlesischen Hüttenwerke A.-G. Es ist gor kein Zweifel, daß dieser Verkauf für die Preußag ein schlechtes Geschäft ist. Volkswirtschaftlich läßt sich der Verkauf überhaupt nur rechtfertigen unter dem Gesichtspunkt, daß die drei Montangruppen in Oberschlesicn, Preußag, Oberhütten und Vorsig, betrieblich und sinanziell zu einheitlicher Produktion und Vertaufstätigkeit zu- sammengefaßt werden. Das ist notwendig, weil in erster Linie die schlechte Frachten lag« in Oberschlesien trotz der günstigeren Lohn- Verhältnisse ein günstiges Arbeiten der drei Gruppen, die sich bisher in scharfer Konkurrenz gegenüberstanden, trotz großer finanzieller Aufwendungen zur Rationalisierung bisher verhindert Hot. Die Familie Vorsig hat freilich bisher übertriebene Forderungen gestellt— dazu wurde sie offenbar durch die letzten S u b v c n- t i o n c n noch ermuntert— und damit den Zusammenschluß ver- hindert. Die Vorsigs haben in Oberschlesien Eisen- und Stahlwerke sowie Kohlengruben. Der volkswirtschastliche Zweck des Verkaufs der Preußag ist also nock) nicht erreicht. Man muß aber auch annehmen, daß die Gründe für den Verkauf nicht in erster Linie Volkswirt- schaftlichcr, sondern s i n a n z p o l i t i s ch c r Natur waren. Di- össentliche Wirtschost ist seit Jahren unter den s ch w c r st e n politischen Druck durch das Prwatkopital gesetzt, und der preußische F i n a n z m i n i st e r zieht offenbar daraus die Konsequenz, daß neue Aufwendungen für die preußischen Werke in Oberschlesien nicht mehr gemacht werden dürfen. Das geschieht in einem Zettpunkt, in dem es selbstverständlich ist, daß Staat und Beich für die privalwirtschasl Gelder in hülle und Fülle haben. obwohl noch kein Mensch daran denkt, die in der Privatwirtschaft notwendige Bereinigung, wo Banken und Unternehmer dazu unfähig oder nicht bereit sind, durch wirtschafts- upd finanzpolitische Eingriffe zu erzwingen. Man bedenke außerdem, daß der übernehmende Oberhllttenkonzern 36 Millionen staatliche Dar- l e h e n hat, die er sehr niedrig verzinst.> Unter diesem Gesichtspunkt ist der Vertauf der oberfchlesischen Preußenwerke in hohem Maße bedauerlich. Selbst die Weiterbeschäftigung der Belegsäzoft, die sozial erfreulich ist, bessert die Totlage nicht sehr. Man muß aus dem Verkauf die Lehre ziehen, daß es in unerträglicher Weife der privatkapitalistischen Agi- tation gelungen ist, die Finanzbürokratie zur Schädigung von staat- lichen Wirtschaftsinteressen selbst da zu veranlassen, wo im Vergleich zur Privatwirtschaft eine Ueberlegenheit der össentlichen Wirtschaft besteht. Es ist ganz selbstverständlich, daß die die Gleiwitz- Malapane-Werke übernehmende Oberhüttengesellschast selbst nicht besser, sondern wahrscheinlich schlechter dasteht als die Werke der Preußag. Die Werte in Gleiwitz und Malapane sind technisch h on seinem mdustriellen und ökonomi- schen Leben so barbarisch ist, um einen Mitbiürger zu zwingen, sich eine Kugel in den Kaps zu jagen, wenn er nicht lieber stehlen öder auf der Gasse'betteln will? Kann es möglich sein, daß?00ö Jahre nach der Ethik de» Na- .zarencr» die Zivilisation noch nicht so weit ist, daß Unternehmer ein« Verantwortung geaen ihr« Arbotter und Angestellten zu tragen hoben? Kann es möglich sein, daß in einer Nation, die auf den Prinzipien der Demokratie und Brüderlichkeit begründet wurde, Industrieherren Menschen Jahr um Jahr ausbeuten können, damit st« ihre Gewinne«inheimsen und daß sie dann, wenn einen Augen- blick lang dieser Profit nicht eingesteckt wird, die arbeitende Kraft in demütigend« und todbringend« Armut stürzen dürfen? Kann es überhaupt möglich sein, daß Arbeitgeber, die Menschen in großer Anzahl für sich arbeiten lassen, keinerlei Verpflichtungen, keinerlei Beziekningen zu ibren Arbeitern fühlen können� Denn e, besteht eine Verpflichtung nach solchen Beziehungen, wenigstens«ine solche doch, di« zwischen einem menschlichen Wesen und einem alten Hunde oder einem Arbeitstier besteht. Unweit von meiner Wohnung treibt sich ein alter grauer Gaul out einem ihm zugewiesene« Platz« herum. Biet« Jahr« war diese« Tier ein Rennpferd, das seinem Herrn Tausende von Dollars verdiente. Uni» heute hat der alte Gaul nichts anderes zu tun, als in der warmen Sonne zu stehen oder über den Zaun zu lugen, um ein Stück Zucker aus der liebenden Hand seines Herrn zu bekommen. Wenn der Herr diese» alle Rennpferd aus die Straße jagen würde, ich glaube. die ganze Nochdarschaft würde sich zusammenrotten und den Herrn lynchen. Und ist es möglich, dah mein Brüser liebloser behandell»per- den konnte als solch ein Stück Vieh? Auch er hat. genau wie jenes alle Rennpferd, seinen Unternehmeru Tausende von Dollar» einge- bracht. Auch er mußt« sein« Rennbahn perttauensooll. hingebungs- voll, ernst und erfolgreich ablausen, solange es einen Gewinn iür seinen Ehef gab. Ist das menslchich, einen Arbetter dann einfach auf« Pftaster zu wersen, oder gar„christlich", wenn das Wettrennen auf der kommerziellen und industriellen Bahn für eine Zeit- lang unterbrochen wird? Besteht nicht ein moralischer Kontrakt zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer, der ihm in den Tagen der Prosperität so treu gedient Hot. daß eine solche große Korporation, wie es«in amerikanisches Unternehmen ist, ihm auch in bösen Togen Brot und«in Dach geben müht«? Dies sind di« schweren Gedanken, die mich, einen ruhigen Pro- festor an einem College, quälen und nicht zur Ruhe kommen lassen, seit mein Bruder freiwillig aus dem Leben schied. Bald wird wie- der mein Unterricht beginnen. Und wieder werde ich ins Klassen- zimmer treten, um den Studenten die hohen Ideale der Brüder- lichkeit in Tennysons„Königidyllen" zu erklären. Und wieder werde ich versuchen, aus diese jungen Seelen den Sinn der brüder- lichen Pflichten zu erläutern, die in Georg« Eiiois„Adam Bede" ausgedrückt sind. Und wiederum werde ich mich bemühen, über die Aussichten einer besseren und edleren Zivilisation zu sprechen, wie sie in unseren Lyrikern, Romanschreibern ausgedrückt find. Aber alle di« Zeit hindurch, fürchte ich, werde ich den kahlen Sora meines Bruders vor mir sehen, wie er von vier fremden Männern in einer fernen Stadt im Texas ins Grob herabgelassen wird. Die ganze Zeit über, fürchte ich, werde ich den bitteren, erdrückenden Gedanken nicht von mir bannen können, daß mein Bruder dos Opfer eines grausamen, wahnsinnigen industriellen System» unserer Zeit»vurdc. Mein Bruder ruft aus seinem verlassenen Grab« in Texas. Er ruft mich und uns olle, um aus der geistigen Schlaffheit zu er- ivachen, in die un» unser Industrialismus gebracht hat. Wir müssen uns die bittere Tatsache eingestehen, daß trotz aller Gesten von Philantropi« und unserem leeren Geschwätz von christlicher Brüder- schaft, in unserer industriellen und kommerziellen Welt noch immer das Gesetz des Iungles vorherrscht. Mein Bruder ruft es allen denkenden Amerikanern zu, daß st«, die die Macht über das Leben und den Tod der amerikanischen Arbeiterschaft in ihren Händen hoben, noch nicht soviel Liebe für ihren Nebenmenschen aufbringen konnten, um einen Dollar finanziellen Verlustes sür ihn zu ris- kieren. Vielleicht ist mein Bruder und sind andere ihm ähnlich« Opfer nicht vergekztich gestorben. Denn vielleicht mag es doch so sein. daß wir erst in Gegenwart des tropischen Todes begreifen müssen. daß ein Menschenleben, daß Menschenglück und eine Menschenseele mehr wert ist als Profit, ausgedrückt in Dollars. Und vielleicht wird durch das Martyrium meines Bruders und durch da« jener viele» Tausend anderen, die unter der erbarmungslosen Wol-e unseres Wiltschastssyftems zu Tode gedrückt iverden, diese Welt dos Han- dels und der Industrie doch zu der Erkenntnis gelangen, daß das Geschäft wohl sein muß, aber nicht blaß, um Güter zu erzeugen, sondern für alle Menschen di« Gelegenheit zu schaffen, zu leben, und nicht bloß dies, zu leben in Frcud« und etwas Glückseligkeit— durch die Güter dieser Welt. Megyptifche OiunH in Schweden Mit einer auffehenerr egenden Mitteilung van großer geschichtlicher Bedeutung tritt der hervorragend« schwedische Archäologe Dr. Frederick Martin hervor. Auf Grund neuester Funde behauptet er nämlich, daß Glas und Wollgewebe vor 15 000 Iahren von Aegypten nach Schweden eingeführt wurden und daß die noch heute in dem schwedischen Dolekarlien gebräuchlichen Gewebemuster die- selben Formen aufweisen, wie die modernen Stoffe von Mittel- ägypten. Damit wäre also erwiesen, daß die Wikinger-Kultur von Aegypten her beeinflußt wurde, und es ist möglich, daß diese kühnen Seefahrer sogar bis nach dem Nilland gekommen sind. Als vor kurzem ein Grab der frühen Wikinger-Zeit ausgegraben wurde, fand man hier Stücke farbigen Glases, und Dr. Martin, der ein großer Kenner auf diesem Gebiete ist, erklärte, daß das Glas aus dem Dorf Zlschmuiiein in Ober-Aegypten stammen muß. Dieser Ort scheint während der Römerzeit ein internationaler Mittelpunkt der Glasherstellung gewesen zu sein, denn von hier stammende Glos- waren sind auch in Ehina gestinden worden. Ebenso ist der Ge- lehrte durch ondcre Fund« imstande gewesen, den Ursprung der bis auf den heutigen Tag fortwirkenden schwedischen Textiltunst bis zu einer ägyptischen Stadt zurückzuversolgen, die früher wegen ihrer Ausfuhr von Wollstoffen berühmt war. Martin glaubt auch, daß ägyptische oder jüdische Goldschmied« ums Jahr 500 n. Ehr. in Schweden gearbeitet haben. Man Hot auch die Vermutung aus- gesprochen, daß die so be.zeichnende Form des Wikinaer-Schiffes aus Aegypten herstammt. Ein anderer Beweis für die Verbindung Schwedens mit fernen Ländern in dieser frühen Zeit sind die in Skandinavien austretenden Elefantenaufzeichnungen, die aus dem Orient herstammen. In manchen Fällen ist die Wiedergabe der Tiere so naturgetreu, daß man einen direkten Einfluß annehme» möchte. TCie der Spals nach Amerika kam Der Spatz war noch im Jahre 1850 in Amerika unbekannt. Mehrmals machte sich zu jener Zeit eine verderblich« Raupenplage bemerkbar, und man entsann sich des europäischen Bielfraßes, der gut der Plage hätte Herr werden können, hätte man ihn nur in Amerika gehabt. Im Jahre' 1850 führte daher die Leitung des Brooklyn-Jnstituts acht Spatzenpaore ein. die jedoch wahrscheinlich infolg« unrichtiger Behandlung zugrunde gingen. Im Jahre 1852 brachte man dann eine größere. Anzahl aus England herüber, die während des Winters sorglich g-pslegt wurden. Man setzte sie dann im Frühjahr 1853 aus einem Friedhof, dem Greenwood Ccmetery, aus. Dort oermehrten sie sich sehr rasch. Im Jahre 1875 wurden die ersten Spatzen in den Straßen der Stadt Hamilton gesehen, und ein damaliger Bericht des Londwirtschoitsamtes spricht sogar bereits von den Spatzen als einer„Pest". Philadelphia fuhrt« unabhängig van Brooklyn Spatzen ein. Die Raupenplag« war dort 1869 so groß, dah die Wälder in der Umgebung der Stadt und die damals noch vorhandenen Ahornbäum« völlig entlaubt wurden. Die Stadtvoter beschlossen daher, einen Mann nach England zu schicken. der den Transport von Spatzen sachverständig leiten könnte. Die Wahl fiel aus John W. Bradley in dem Vorort Germantown. Aus einer hcutc noch vorhandenen Zahlungeonweitung geht hervor, daß Bradley 1000 Spatzenpaare mitbrachte. Die Raupen oerschwanden, der Spatz blieb: ein ebenso großer Nimmersatt wie in den Ländern der Alten Welt. Geblieben ist auch Bradleys Haus, in dem er seinen Spatzentronsport unterbrachte.„Tparrow Jack'« House" sEpatzen-Iakobs�hau») heißt es, und ein« Taftl berichtet von seiner Spatzengeschichte. Benins wohnungshau gedrosseil in WHmersoorl wurde noch am meisien gebaut Die wirtschaflliche Depression macht sich neuerdings auf dem Gebiete des Wohnungsbaues in einem starken Nachlassen der Neubautätigkeit bemerkbar, während im Laufe des ersten halb- jahres WZo in Verlin insgesamt 4447 Gebäude gebrauchsfertig abgenommen wurden, sank die Zahl der überhaupt erstellten Neubauten im Lause der sechs ersten Monate dieses Jahres auf 2544, unter denen sich 222S Wohngebäude befanden, während die übrigen Z18 Neubauten für össentliche, gewerbliche und sonstige Wirtschaft- Wie Zwecke errichtet wurden. Demgegenüber belies sich die Zahl der neu errichteten Wohngebäude im ersten Halbjahr 1350 aus ZSS7. Wo wurde nun in Berlin in diesem Jahre am m eisten gebaut? Wiederum stehen die Außenbezirke, die noch genügend Bauland auf- zuweisen haben, an der Spitze der Bautätigkeit. Während im Be- reich der dicht besiedelten sechs Innenbezirke insgesamt nur 676 Wohnungen errichtet wurden, darunter die meisten in den Ber- waltungsbezirken Prenzlauer Berg(4ZS) und W e d d i n g <2Zg), entstanden gleichsam über Nacht vollkommen neue Stadtteile in sudlichen und westlichen Vororten, die sich als Wohngegenden einer steigenden Beliebtheit erfreuen. Mit einem Zuwachs von 1437 Wohnungen steht Wilmersdorf an erster Stelle: in nur geringem Abstände folgt T e m p e l h o f mit 1437 im Laufe der >> ersten Monate dieses Jahres erstellten Wohnungen. Steglitz er- hielt im gleichen Zeitabschnitt einen Zuwachs von 1278, Zehlen- dorf von 1646 Neubauwohnungen. Im nördlichen Berlin über- trifft nur Pankow, das von Jahr zu Jahr an Bebauung zu- nimmt, mit 1355 neuen Wohnungen die rege Bautätigkeit des Südens. Mehr als 1666 Wohnungen wurden ferner in Neu- k ö l l n(1649) und in Treptow(1641) geschaffen: in allen übrigen Außenbezirken war die Neubautätigkeit geringer. Das Minimum erreicht Köpenick mit nur 179 Wohnungen. Dem jetzt mehr denn je in Erscheinung tretenden Bedürfnis noch Kleinwohnungen entsprechend, bestand der weitaus größte Teil der im Laufe der sechs ersten Monate dieses Jahres er- richteten Wohnungen in Wohngebäuden aus Wohnungen mit 1 bis 4 Wohnräumen(11 331 oder 88,1 Proz.), während sich die Zahl der mittelgroßen Wohnungen mit 3— 6 Wohnräumen auf 1289 und die der großen Wohnungen mit 7 und mehr Wohnräumen auf nur 179 stellte. Wie sehr sich die Drosselung des Wohnungsbaues infolge der Verschlechterung der Wirtschaftsloge auswirkte, geht daraus her- vor, daß dem Wohnungsmarkt im ersten Halbjahr 1931 nur 12 857 Neubauwohnungen zur Versügung gestellt werden konnten, während sich die entsprechende Zahl in der gleichen Zeit des Vor- jahres auf 22 265 belief. Die Räuber aus Eilen. Abgefeimte Verbrecher überfielen den Droschkenchauffeur. In der Nacht zu Sonntag wurde, wie wir berichteten. aus den Droschkenchausseur S p i e g e l ein räuberischer Ueber- sall verübt. Di« jungen Burschen, die ihn zu einer Fahrt nach Hohen» schönhausen angenommen hatten, ließen in einer einsamen Gegend halten, bedrohten den Fahrer mit ihren Pistolen und er- zwangen oie Herausgabe seines Geldes. Sie nötigten den Chauffeur auch, sie nach der Stadt zurückzufahren. Unterwegs löschte Spiegel die Wagenlichter und erreichte dadurch, daß eine Schupostreife ihn anhielt und die Räuber festnehmen konnte. Beide Räuber wurden im Raubdezernat des Polizeipräsidiums eingehend verhört. Es er- gab sich, daß sie in der Tot erst 22 und 23 Jahre zählen und aus Esten stammen. Auch die angegebenen Namen Fritz Dehn und Johann P r o b s sind richtig. Die beiden Burschen haben, wie in- zwischen festgestellt ist, in ihrer Heimat ebenfalls einen Raubüberfall ausgeführt. Am 4. August, also vor 14 Tagen, drangen sie abends, kurz vor Geschäftsschluß, in die Konsumfilial« eines Bergwerks Vereins in der Heßlerftr. 163 in Altenessen ein, bedrohten die allein anwesende FWalleiterin mit Pistolen und raubten aus der Kasse 96 M. Die Pastanten, die auf die Hilferufe der Verkäuferin die Verfolgung aufnahmen, wurden durch die Räuber mit Schüssen abgeschreckt. Sie entkamen dann über die Gleisanlagen des Bahnhofs Katern- berg-Nord. Mit den erbeuteten 96 M. fuhren sie nach Berlin und überfielen hier den Chauffeur, als das Geld oerjubelt war. Es besteht der dringende Verdacht, daß Dehn, und Probs.. Berlin und im Rheinland noch mehr Straftaten auf dem Kerbholz haben. Die Nachprüfung in dieser Hinficht ist noch im Gange. Oewaheim-Zeppel meldet sich krank. Spargelder für rechtsradikalen Anwalt. Die Berliner Rechtsanwälte Dr. H a u ck e und P i n d a r haben als Verteidiger des verhafteten Dewaheim-Generaldirektors I e p- p e l für ihren Mandanten Haftentlafsungsantrag gestellt. In der Begründung zu diesem Antrag heißt es, baß Jeppel nicht mehr hostfähig sei. Bereits vor feiner Verhaftung habe er an einer schweren Krankheit gelitten. Außerdem liege Verdunkelungs- gefahr nicht mehr vor, da Jeppel den von der Staatsanwaltschaft ermittelten Tatbestand zugebe. Zu diesen Ermittlungen gehört auch, daß Jeppel vor kurzem erst an den stellvertretenden Aufsichtsratsoorsigenden der Deuzag, Rechtsanwalt Dr. Brandes in Mülheim/Ruhr, einen sehr«r- heblichen, aus Spareinlagen stammenden Geldbetrag ohne eine zwingende Verpflichtung überwies. Rechtsanwalt Brandes, der auf diese Summe keinerlei Anspruch hatte, soll den Betrag zur Wiederbeschasfung fehlender Anwaltsgelder benötigt haben. Bran- des spielte in der rechtsradikalen Bewegung eine wichtige Rolle. Cr war der Verteidiger der schleswig-holsteinischen Bomben- leger. Ossktl.Vsrsommlungsn k�ilbvoch, ctsn)?. �uguzt, 20 Ulir, im großen Saal des Lindenpark, Zehlendorf, Berliner Ecke Gartenstraße Hermann Heller, Universitätsprofessor, spricht über: Die Lehren des Volksentscheids Freie Aussprache. 10. Kreis— Zehlendorf. Donnerstag, den 20. August, 20 Uhr, Aula der Hohen- zollernschuie, Schöneberg, BelzigerStr.E. EisenacherStr. Siegfried Aufhäuser, M. d. R., spricht über: Nach dem Volksentscheid— Was nun? 11. Kreis— Schöneberg. Platzkonzerte der Schuhpolizeilopelle. Die Kapelle der Schutz- Polizei veranstaltet in der nächsten Zeit eine Anzahl von Kon- z e r t c n aus Plätzen und in den Krankenhäusern. In letzteren spielt sie in der Zeit von 1h bis 1? Uhr, die Platzkonzerte finden an den Wochentagen von 18 bis 19 Uhr statt. Sie spielt heute im St.-Iosephs-Krankenhaus und im Frankepark in Tempelhof: am 26. August im Hufeland-Hospltal in der Prenzlauer Allee und auf der Spielwiese Schönhauser Allee sowie im Pclizeikrankenhaus. Oberbürgermeister Dr. Sahm, der Vorsitzende des Deutschen und Preußischen Städtctages, spricht am Freitag, 21. August, 18.35 Uhr, im Programm der Aktuellen 2lbteilung im Radio über die wirk- schaftlichc Lage' in den deutschen Städten. Die Kolgen der Hitler-Agitaiion. Synagogenschänder in Hamburg. Die Synagoge der portugiesisch- jüdischen Ge- m c i n d e in der warcusslrahe In Hamburg ist in der gestrigen Nacht von unbekannten Tätern heimgesucht worden. Nach Zer- lrümmerung einer Scheibe im Obergeschoß der Synagoge sind die Täter in das Innere eingedrungen und haben dort sämtliche Be- hälter, Wandschränke usw. aufgebrochen. Das in den Schränken aufbewahrte Aliargerät wurde herausgerissen und schwer beschädigt. Da nichts gestohlen wurde, muß angenommen werden, daß man lediglich mit der Absicht der.Schändung in die Synagoge eingedrungen ist. Volksfest in Kriedrichshagen. Am letzten Sonntag veranstalteten die Friedsrichshagener Parteigenosten chr diesjähriges Volksfest. Wenn es trotz der ungünstigen wirtschaftlichen Derhällniss« und der ständig wachsenden Not der werktätigen Bevölkerung geschah, dann, so führte der Abteilungsleiter, Genast« Engel, in feiner Begrüßungsansprache aus, in der Haupt- fache aus der Erkenntnis heraus, daß der Mensch gerade in schlimmen Zeiten auch einmal der Erheiterung bedarf. Der Kurpark war mit roten und schwarzrotgoldenen Fahnen wirksam geschmückt. Haupt- anziehungspunkt war die auf einem Rasenrondell durchgeführte Ausstellung von Arbeiten der Ortsgruppe Friedrichshaben des„Sturm- uogel". Unter anderem wurde ein vollständiger Segelslugapparat gezeigt. Eingeleitet wurde das gelungene Fest mit einem imponieren- den Fcstumzug durch die Straßen des Ortes. Am Marktplatz führte er an einer Jubiläumsfeier des örtlichen Kriegervcrcins vorbei. Die mit Brateirrock und Zylinder bekleideten Teilnehmer der Veran- staltung waren ob des unerwarteten Besuches und der vielen roten Fahnen merklich verdutzt. Auf dem Festplatz gelangte ein ab- wechstungsreiches Programm zur Durchführung. Um die Unter- Haltung der zahlreich erschienenen Kinder waren die Arbeiterjugend und die Kindersreunde in ausopserungsvoller Weise benniht. Die Ansprache hielt Genosse S e l i n g- Spandau. Der Aussall des Volksentscheids sei, so führte der Redner u. a. aus, eine Etappe auf dem Wege der Befreiung des arbeitenden Volkes. Das Ziel, das es zu erstreben gelt«, ist und bleibt die soziale, vom Geist des Sozialis- mus erfüllte Republik. Allgemeine Wetterlage. 48.Aug.tö3�abds. O wolkenlos.(5 heitw.CI halbbedsckt awoIkig.ebedecla'RegEn�Graupeln |Schnee.5Nebi!l,1''GewiTlec@WindsHl!i Deutschland lag am Dienstag weiterhin im Bereich eines kühlen westlichen Luststromes. Die Temperaturen blieben daher allgemein ziemlich niedrig, meist unter 21 Grad Celsius. Am kühlsten war es im Süden des Reiches, wo starke Bewölkung herrschte und vielfach leichter Regen siel. Auch an der Novdseeküste war es meist recht im- freundlich und sehr windig. Jetzt geht starker Drucksall über West- frankreich, Spanien und dem Mittelmeer vor sich. Dadurch wird sich allmählich eine Druckverteilung herausbilden, die uns wieder Luft aus südlicheren Breiten zuführt. Der Uebergang zu wärmerem Wetter dürfte sich in Begleitung von vorübergehender Bewölkungs- zunähme und Niederfchlagsneigung volLzichcn. Wetteraussichten für Berlin. Zeitweise heiter, jedoch vorübergehend starke Bewölkung mit Niedcrschlagsncigung, Temperaturen im ganzen wieder ansteigend.— Für Deulschland. Im tztordosten kühl und veränderlich mit einzelnen Schauern: im übrigen Mich« Uebergang zu wärmerem Wetter, stellenweise Niederschläge, � Sport. Rennen zu Grunewald. Havel-Renncn: 1. TbeseuS(Hehler): 2. Immerfort: 3. Melodei. Toto: 31:10. Pia?: 17, 17, 25:10. Jcrncr liefen: Lac, Margot, Garde, Erpcler Lcy. Preis votl Tegel: 1. Felicitcr iW. TarraS): 2. Codrai 3. Onlcl Karl; 4. Pommcrnländern. Toto: 49:10. Platz: 21, 21, 15, 37:10. Ferner liefen: Cpona, A. T. R., Lützow, Fidclia, Crcolin, FricdcnSciche, Mintcrfrcude, Puma, Lucina, Mariinsscc. Preis von Konrodshöhe: 1. Teutsche(Printen): 2. Lc MauvaiS: 3. Edelknabe. Tot: 49:10. Platz: 15, 17, 14:10. Ferner liefen: St. Rodert, Garibaldi, Sterneck, Heroine, Sitvius, Markgräsin. Preis vom JulluSturm: 1. Palastpagc lPrctzncr): 2. Schwadroneur: 8. Madame Lassitc. Toto: 84:10. Platz: 19, 11, 14:10. Ferner licscn: Orkadier, Verräter, Palastwachc, Nodrigo, Pello and Black. Preis von Charloitcnburg: 1. Silberstreif(Grabsch); 2. Sounenglaude; 3. Csampas. Toto: 40:10. Platz: 15, 12:10. Ferner liefen: Golden Bch, Aver Ticur, Faro(bl. st.). Preis der Jungsernheidc: 1. Freiwilliger(Hillcr): 2. Teddy;- 3. Mau- tegna. Toto: 08:10. Platz: 20, 17, 17:10. Ferner liefen: HcNschcrin, Gasten- junge, Tassilo, Jwo, Quos cgo, Ute. Preis von Finkenkrug: l. Abt.: 1. Rcichcnbach(Zehmisch): 2. Mystik; 3. Varro. Toto: 38:10. Platz: 55, 25, 31:10. Ferner liefen; Heuchler, Habicht 2, Keiner, Rhapsodie, Landjuiikcr, Cbinafeiicr, Esparsette, Fahrt. — 2. Abt.: 1. Wintcrmarchcn(Narr), Hoheit lA. Murphy); 3. Amöncn- warte. Toto: 68:10(Wintermörchcn), 35:10(Hoheit). Platz: 40, 25, 19:10. Ferner liefen: Tramonto, Göttersage, Ritterlturz, Parzcnländcr, Sanda, Marketenderin, Dogmatiker, Lamelle(toteZ Rennen). T fürGroß-Nerlin stets sn da« Bezirkssekrewriat 2. Hof, 2 Treppen rechts, zu richte», parieinachn'chien Einsendungen für dies« Rubrik sind »»» r I i n SW KZ, Lindenstrab« 3, B«ginn alter Veranstaltungen 19% Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! Heute. Mittwoch. 19. August: 14.«reis. 19 Uhr engerer Kreisoorstanb und Abteilungsleiter im Parieibür». s. Abt. Die Funktionäre werden ersucht, die KMetts gum Ztr-issonrmrrfeft rnäglichst noch in dieser Woä>e abMsetzen, da die an der Sasse verkauften Sorten für den Kreis verlustig gehen. 12. Abt. 29 Uhr bei Schmidt, Wiclefstr. T7, Funktionärversaurmliung. 18. Abt. Arbeitsgeineinfchaft jmlgcr Genossen. An bekannter Stelle. Thea«: Bärs« und Borsengeschäfte. 74b. Abt. Di« Abteilungsoersammlung stillt aus, dafür Betetligirng an der Kreismitgliederversanmrlung um 29 Uhr im Linicnpark. Referent: Professor Heller. 93. Abt. gohlabende: 198 und 199. Bezirk Siedlung Bärwinbrl, 112. und US. Bezirk bei Just, Niemeh. Ecke Kannor Strasse. »91. Abt. Die gufamwenkunft der jüngeren Genossen muss mrrstZindehalber ausfallen. Nächste Veranstaltung am 2. September. 139. Abt. fTegelort.) Die Mitgliederversammlung fällt aus. Sie wild auf Mittwoch, 29. August, vertagt. Morgen. Donnerstag. 20. Angufi: 5. Kreis. Erwerbslosenzufamweulnnsi im Heim, Tilfiter Str. 4. Zwongloscr Unterhaltung»,«nb Leseabcnd. 9. Kreis. 20 Uhr Kecismitglicdervcrfammlung im Biktoriagarton, Wilhelms- ane 114, zu der eingeführt««äste gnlritt haben. Reserent: Genosse Ernst Heilwann, M. d. R.:.Da» Ergebnis de« V-Usentfcheibr, und seine poli» tische und wirtschaftliche Answirknng. 19. Kreis. Sämtliche Wohlsahrts-Kommisstonsvorsleher de, 19. Kreis«, treffen sich im Rath»»», stimmer 117, ,u einer wichtigen Vesprechnng. 29. Abt. Ausspracheabend bot Stenzel, Schwcdenstr. 13. Thema:„Die Kvmmu. nistische Partei". 37. Abt. 39 Uhr bei Thune ck, Wielandstr. 4, Funktionärssssuna. »9. Abt. Arbeitskreis junger Parteigenssen bei Loffler, Weichsel. Ecke Ossa- sttasse. 30 Uhr Zufaminenkuirst. Referat des Gciwssen Hoekenholz über: „Sozialistislche Schulpolitik". 98. Abt. Funkt lonärsrssunq boi Teich, Kilesebeikstr. 133. 7. Kreil. Freitag, 21. August, veranstaltet die welkliche Schul« eiue Dampfer. fahrt von der Eaprivi-Brückc, Spresstrasse, Uhr. Erwachsene 89 Pf., Erwerbslose die Hälfte. Die Schulfreunde werben um zahlreickie Beteiligung gebeten. Frauenveranstattung. 39. Abt. Freitaz, 21. Augwst, Badefahrt nach Pichelswerdcr. Nur Wald- lagcruiig ohne Kaffcelochen. 1. Treffen 12?� bis 13 Uhr Oranien. Ecke Alexandrinenftrasse. 2. Treffen Ib-fL bis 14 Uhr Reichskanzlerplass, Ausgang U-Bahn lodm). Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde Groß-Berlin. Kreis Neukölln. Singckrci«. Heute, Mittwoch, Ucbu»gsstm>dc ab 17 Uhr in der Schule Donaustr. 128. Gruppe Quelle. Heute ist Eltcruversammluug mn lgsö Uhr in der Sämle Marieudorfer Weg. Bericht vom Frltlager. Gruppe Wilmersdorf. Mittwoch. Alle Falken, die im Lager waren, treffen sich in Friedenau, Rheirrftr. 9, um ILlh Uhr. Wir treffen uns läsh Uhr Wilhelmsaue Ecke Auguftaftrasse. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation � 8. Abt. Unsere langjährig« treu« Geuosstn Elisabeth Meissner ist Plösslich verstorben. Wir werden ihr Andenken in Ehren halten. Die Einäscherung findet am 29. August, IZfh Uhr, im Krrmaiorium Gcrichtstrasse statt. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin «nsenbunaev für dies« Rnbril nur o» ba< IllaendleireiorlM. 75«rlta dB 68. lsoderstraS« j Abtrilungslefter! Rechnet die Sympathie Plaketten ab. Heute l esst er Termin. Da, Zugendfekretarjat wird am Freitag um 17 Uhr grschlossen. Achtung, Franksurtfahrer! Ausgabe der Fahrkarten und des sonstigen Materials an die Abteilungsleiter erfolgt morgen, Donnerstag, 19 Uhr, im Bortragsfaal des Porteivorftandes, SW. 68, Lindenstr. 3, 2. Hof, 2 Treppen links. Di« Abteilungsleiter geben olles umgehend an die einzelnen Teilnehmer. Unser Soitderzug fährt am Freitag 20.08 Uhr ab Anhalter Bahnl>of, an Frankfurt 0. M. Sübbohnlsof Sonnabend, ö.18 Uhr. Rückfahrt ab Frank» furt a. M. Südbahnhof Sonntag, 29.49 Uhr, au Berlin Montag K.lg Uhr. Treffpunkt aller Berliner, die den Conderzug nicht benussen(zwecks Material- ausgab«) in Frankfurt a. M. bei Ankunft des Berliner Sanderzngcz am Bahu- Hof. Wo!e rialausgab e erfolgt direkt nach Aickunfl des Fuges im Restaurant „Schwanialer Hoff, Schwantaler Str. S6(dirckt am Bahnhof Süd). Boranzeige! Wir verauftalteu am Mittwoch, dem 2. September, eine Kund- gebung:„Gegen Volkcrhoss und Böllcrverhctzung, für Verständigung mit Frank. reich und der Welt". Alles Nähere folgt. Berücksichtigt diesen Tag bei der Aus- stellung des Programms. heute. Mittwoch, 19. August. 19%, Uhr: Gesundbrunnen II: Ehriftianiastr. 38.„Sozialdemokratie und Arbeiter- schaff."— Weissense«! Parkstr. 3«. FrankfurtsahrcräScsprechung.—«auusce: Lindenhof, Wilhelmplatz.„Unsere Verfassung."— Tewpclhos: GStzstrassk.„Dortmund, Wien Frankfurt a. M."— Neukölln IX: Letzte Zufammenkunst aller Frankfurlfahrcr beim Genossen Kloke, Emfcr Str. 31. H.— Friedrichsfclde: Lichtenberg, ffinntersir. 44.„Ursachen und Beginn des Weltkrieges."— Lichten. bcrg- Milte: Ccharnweberstc. 29.„EAI. und die gegnerischen Iugcndorgani- sationcn."— Lichtenberg-Rord: Euntcrstr. 44.„Gemeinschaftsgeist in der Gruppe."— Lichtcnberg-Rordwcst: Dossestr. 22. Ausserordentliche Mitglieder. versammlmig.— Rahlodors: Zstelanchthoirstr. 63. �Zugcndiage" im Lichtbild. — Panlow(R..F.): Kifsingcnstr. 48. Tagespolitischc Kurzreferate. TSE. Eharlottenburg: 18 Uhr Mitgliedrvvcrsonrnrlung. Werbebczir« Prenzlauer Berg: Da die FTGB. auf dem Exerzierplatz ein Sportfest veranstaltet, fällt unser Spiclabend aus. Werbe bezirk Rculölln: Saliner Strasse. 19 Vh Uhr Spieltruppe. Voriräge, Vereine undVersammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". KefchäftsNell«: Berlin S. 14. Eebastianstr. 37—38. Hol 2. Tr. Steglitz(Qrtsvcrein). Mittwoch, 19. August, 29 Uhr, Antreten in Sieglitz(Rathans).— Schöneberg-Friedenau(Qrtsvcrein). Don- nerstag, 29. August, 19 Uhr, Antret-n zum Saalschutz Belzigcr Strasse.— « Reichskurzschriftverern Berlin-Moabit. Donnerstag, 29 bis 22 Uhr, An- fänger-, Fortgcfchrilteneu-, Ridefchriftlehrgönge. 172. Gemeinöcfchule,«rcmcr Strasse 13—17. Auskunft bei H. Gagcrn, Berlin NW. 21, Wclefstr. 21. Deutscher Arbeiter. Abstinenten- Bund, Bczirksgruppc Berlin, Schillerpark. Sonnabend,>9 Uhr, Schrader-Saal, Malvlaquetftr. 14, alkoholfreies Sommerfef: unter Mitwirkung des Meincckfchen Männerchvrs, des Sportvereins Ali- Wedding i-nd des Avbciterrczitators, Genossen Hoffmann. Tombola. Tanz (Ohne Nachzahlung). Eintrittspreis 59 Pf. Freitag, 28. August, 20 Uhr, Saft. statte Malplagnetstr. 28, Vortrag der Genossin Dr. Adam:„Alkohol und Nachkommenslchast". liiscrter, Lichtspiele usw. Sfaals Theater Sfflatsopcr Ontsr den Linden. WiedTbeginn am Sonntag; 23. Ang. 7)4 TThr: Ab.-Torst. 821 Dl« Z€»ul>c;r(ittge. KartenTorTerkaut ab Mittwoch. StutlSdnuBplelli. I Sciiiller-Tbeater Gendaraenmarkt| Charlottenbnrg. Wiederbeginn der Vorstelhngen am Sonnabend, a, gg. Auigiist i Winter > uarren� 18.15 Bai Bot • Hill Flora 3431 Randten kllaiidl rbette! H ofs Inger- Saartat t, lourlakofff- Truppe, Syd-Fox, aTurf as�onche-Franakyusv. dl 1 I J Barbarotsa 925« TSgl. S u.«t/s ü. Barlo&Mann Tina Heller Welatraubs Dack Shing Walter Milssoo l waitera Heubeilen Stadt. Oper Charloticnburg BismarckstraBe 34 Turnus lil Anfang 20 Uhr in neuer Insuniernng Zar und Zimmermann MMMyL Resfaurani Oerlirvs •y.uhrCASINO-THEATER«'/4üh. Lothringer Strafe 37, |irttt9fllltV99tlf 111419191 lllllUllltll9V99tMt9IMI MIHI llNIH9IM99lflllinill Der neue Eröffnungs-Sdiiager Das ParfQm meiner Frau dazu ein erstklassiger bunter Teil. FOr die Leser: Gnlsdiein 1—4 Pen. Fauteuil I�S Sessel 1,50 M. Sonstige Pr.: Rang Mitte I M, Parkett 73 Pf., Rang 60 Pf. Reichshallen-Theater Lachen: „Alles verrückt!" Stettiner Sänger Anfang jjj] Uhr RtulfirsteDdamm- Thealer Bismarck 448/49 ISViUhrJ Die schöne Helena TooiacijuasoncDiiaa Regle: Max Belnhardi Theater desWestens Tägl. 5 u. 8V. Volksvorstellungen Viktoria und ihr Husar Billigster PI. 0.50 M. Teuerster PI. 2.— M Berllnergih TrlO N e U Ii S 1 1 n. Lohnatr. 74J7&J metropoi-Theater Täglich 8 Uhr Die Toni aus Wien Michael Bahnen Komisetie oper Friedrlchstr. 104 SVs Uhr Frauen haben das gern... Musikal. Schwank too Arnold Musik t. Walt. Kollo Sommerpr. 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Die Beerdigung findet am Donners- tag. dem 29. August, vormittags 19>/z Uhr, von der Leichenhalle des Ge- meinde- Kirchhofes in Marzahn aus statt,_ Am 16. August starb unser Kollege, der Arbeiter Karl Vitze geb. 9. September 1864. Die Einäscherung findet am Freitag, dem 21. August, nachmittags 39, Uhr, im Krematorium Baumfchulenwcg, Kiefholzstrasse, statt Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung wird crwarlet. Dir Gri, Verwaltung. ' Vi gute KapUfin- NsulsbsH'""' � garrengesch. erhalt! C. Köcker, Berlin Limtenhtrgcr Stratte 22. Kftnigst. 3861 LUSTIGE B UCH Eine Sammlung von Humoresken und Gro-— testen-f Ausgewählt von Arthur Goldstein S 236 Seiten* Ganzleinen S In dieser Zeit ein lustiges Buch? 1 Ja— denn wirklicher Humor kann durchaus ein getreue» Abbild des Lebens bieten. Auf den �Cngri�allein kommt es™ an, und mit der Pfaffe des Humors kann man tödliche Schläge versetzen.— Und jjr: hier— in diesem Buch— wird der~ Feind— die heutige Gesellschaft und~ ihre verlogenen Ideale— an seiner Achillesferse getroffen.~ Und darum: laDt uns lachen-ohneGnade ü und Barmherzigkeit! Preis 4.80 Mark| (Für Mitglieder Sonderpreis) iE: ■BESEBB Inferieren bringt BRPOLOI ROSE-THEATER Wodieniags 813 Sonntags 5« n. 9 Uhr Uraufführung für Deutschland: fflädchen zum Heiraten Lustspiel v. Zagon. Regie: PAUL ROSE. KWSK-«ZARTKAI Großes Varielö u.a. Paquita v.OIympia- Thealer, Paris Will; Rostn. Mirta Mim 8.15 OpercHe: „Panne um mmernacht" Sonntags 5. Wodientags 530 0. <4roße FranUturtor«traBe 13a Vorverkauf: Täglich 11— l und 3—9 U. ¥ollcsfi&rsor||e Gcwerkschaftlich-Genocsenschatilidic Ver- sidierangs-AkiiengcsclUdiaff, Hambarg 5 Größte UoiKsversicherungs- geselischaft Deutschlands Begenwärtig rund 2,2 Millionen Versicherte mit 900 Millionen RM. Versicherungssumme, 150 Millionen RMark Vermögen, davon Eigentum der Versicherten: Prämienreserve: über 100 Millionen RMark Gewinnanteile: 32 Millionen RMark zusammen über 132 Millionen RMark. Versicherungsleistungen: rund 12 Mill. RMark seit NovemberT923(Ende der Inflation) Nähere AnsKanft erteilen die Reöinnnösslcuen: Benin s 42, RitterstraBe 126 Berlm-Mariendori, KathausstraBe 93, vi.; Berlin-Köpenick, BahnhofsiraSe 34; Berlin-Lichtenberg, Frankfurter Allee 123; Berlin-Rcinickendorf-Ost. Schönholzer Weg 39; Berlin-Pankow, Gaillardstraßc 26; Berlin-Spandau, Qötelstraße 3, pt, oder der Vorstaiid der Vo'.kslürsoree in Hamburg 5, An der Alster 57—61. Eewinnauszug 5. Klajse 37. Prouhisch-Südbeutsche Staats-Lotterle. Ohne Ecwähr Nachdruck verbofen Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gesallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abseilungen I und II 8. Ziehungslag 18. August 1331 In der heutigen Bormillagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 6©ctotnnc zu 10000 931. 258471 293736 314120 2 Eewinas zu 5000 M. 92780 14 Gewinne ju 3000 M. 41774 55097 89647 140061 261435 311689 342819 72 Sewinn- in 2000 M. 5221 20765 23421 28462 36374 46924 52131 57127 64854 75375 85999 112414 130641 139032 141665 148404 158940 169374 169831 174802 194098 199480 215532 223973 233389 235365 255577 267888 270830 271039 271086 289671 321882 327287 349773 392215____ 130 v-winn- in 1000 M. 2789 8031 8248 11761 20212 26113 28160 32754 43027 46516 54606 55100 60302 78166 82762 86240 89852 96720 104600 109045 119279 136481 138624 152724 160670 163601 187734 167943 193371 195616 198582 207779 238433 245608 251850 251893 253337 260723 263225 266716 268661 277631 284021 284245 286814 287093 290941 294305 305983 306977 319572 325162 328214 334254 334973 338802 347619 347394 350041 350417 361622 363307 383980 385776 398542 182»-Winne zn 500 Al. 1922 3944 5722 16550 16602 18393 19747 23671 33062 35313 37912 39712 45155 45328 47250 43809 50373 52078 53372 54813 67117 76930 82410 84406 91190 93456 96064 101340 106014 103134 120243 127241 128105 137073 153822 154666 154336 156293 162739 169311 175329 182727 182305 1B4304 184451 184990 185633 188120 201815 212019 214819 220855 239471 248224 256712 26 11 26 265502 266562 280168 287487 290800 296383 297021 299546 308174 313687 314729 318255 319705 325737 326715 323310 329079 346527 348535 348780 358563 359054 364764 366775 368133 378189 384486 386513 388673 389997 390476 393707 398003 398254 399237 In der heutigen Nachmillagsziehung wurden Gewinne über dl» M. gezogen 2 Gewinn- au 1 00000 M. 277601 2 Gewinne zu 1 0000 M. 50603 4 Gewinne|U 5000 M. 42841 105293 4 Gewinn, in 3000 M. 24357 33153 58 Gewinne in 2000 M. 4044 6551 13418 58446 83599 85781 125721 155788 167097 173389 202205 220918 255305 276876 277199 286543 292819 293567 293944 311483 316048 325535 333883 357818 360128 362907 363666 375640 378945 103 Sewinn-|u 1000 M. 27168 23707 36329 42927 43631 51772 53125 65129 39272 108369 117801 125513 141433 142924 149021 150364 161367 176746 178182 183116 184184 193687 210006 221232 227405 228410 231442 241924 250549 257510 263737 266150 267040 271111 273175 274148 278401 284647 295395 306846 311176 334181 334385 336807 346558 352918 353030 355905 360914 373789 374125 379536 382942 387157 180 Gewinne in 500 M. 15635 21509 22924 25293 31866 34189 38061 39453 40268 49794 61409 77376 77849 79023 82893 83592 89562 90345 94369 95023 108430 111309 113455 113907 119285 119592 124133 125033 126754 129550 136292 148383 148999 149646 161736 169083 180626 186369 188641 188852 189412 192936 195523 206904 208876 209979 210523 212567 217104 225263 225863 240814 242919 255279 257822 263557 266170 274508 275590 277644 279250 286835 290174 292073 301898 306980 310347 310819 312766 312838 314601 315346 323053 323700 326070 337390 343707 346168 343663 352752 354431 361706 369750 375418 381141 387396 391241 392239 394661 397109 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000, 2 Gewinne zu je 500000, 2 zu je 300000, 2 zu je 200000, 2 zu je 100000, S zu je 75000, 6 zu je 50000, 26 zu je 25000, 140 zu je 10000, 356 zu je 5000, 718 zu je 3000, 2118 zu je 2000, 4250 zu je 1000, 6918 zu je 500, 21073 zu je 400 Marl. 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Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, daß die von, ehe- maligen Rcichsbankpräsidenten Dr. Schacht betriebene Drosselung der langfristigen ausländischen Anleihen eine der 5)aupwrsachen der fehlerhasten kurzfristigen Verschuldung und des Zusammenbruches des deutschen Kreditsystems im Juli gewesen sei. In der Zeitschrift „Maschinenbau", die von, Verein Deutscher Maschinenbauanstalten herausgegeben wird, wird diese Schuld Dr. Schachts nachdrücklich unterstrichen. Es heißt dort in Heft IS vom 6. August: „Eine wesentliche Ursache dieser widerspruchsvollen Entwicklung lag in der Drosielungspolitit gegenüber langfristigen Ausländsanleihen, die seit Ende 1926 von dem damaligen Reichs- bankpräsidenten Schacht und der auf seine Veranlassung einge- richteten und unter seinem Einfluß arbeitenden„Beratungs- stelle für Auslandskredite" betrieben wurde. Auch so- weit sich diese Drosselungspolitik gegen kommunale Ausländsanleihen richtet— tatsächlich wirkte sie sich aber mittelbar auch aus die private Anleiheausnahme aus— war sie sinnlos, solange man keine Mittel hatte, das Ausweichen in die kurzfristige Auslands- Verschuldung zu verhindern. In der Tat hat sich die unter der Kapitalnot leidende Wirtschaft dadurch geholfen, daß sie jene Mittel, die ihr in der ungefährlichen langfristigen Form vorent- halten wurden, in der ungleich gefährlicheren Form des kurzfristigen Kredits doch aus dem Ausland holte... Bei diesem Sachverhalt, daß nämlich i>er langsristige Kapitalbedarf zu seiner � Befriedigung weitgehend aus den Geld kapitalmartt abgedrängt war, lag es natürlich besonders nahe, daß die hereingenommenen Kurzkreditc entgegen ihrer natürlichen Bestimmung zimi Teil für Zwecke verwendet werden würden, aus denen sie bei Abruf nicht mit der notwendigen Kurzfristigkeit wieder her- auszuziehen sind." Eine so scharfe Verdammung von Schachts Anleihepolitik, die nur unsere seit Jahren vertretene Auffassung bestätigt, ist von deutschen Unternehmern bisher noch nicht ausgesprochen worden. Und dieser Mann soll in Deutschland jemals wieder eine Rolle spielen? Lnsiruktionssiunde unterm Sowjetstern. Oer Stand der �eichsbank. Oer Lombardsah von llS auf 12 Prozent herabgefeht. Die Reichsbank hat aus Grund des Ausweises vorn 15. August beschlossen, dcu Lombardfaß mit Wirkung von heute vou 15 aus 12 Proz. zu ermäßigen. Diese Mitteilung der Reichsbank paßt zu dem von ihr gestern veröffentlichten Ausweis vom 15. August, der in den wichtigsten Positionen eine deutliche Normalisierung erkennen läßt, nachdem seit einigen Tagen über die fast reibungslose Wiederher- stellung des Zahlungsverkehrs bei Banken und Spartassen Klarheit besteht. Wenn man bedenkt, daß in der Woche zum 15. August Bereitschastsansorderungen der Sparkassen in nicht unbeträchtlichem Umfange von der Reichsbank befriedigt wurden, dann ist die ein- getretene Entlastung bei den Wechsel- und Lombardkreditcn um 543 Millionen Mark recht beträchtlich. Frellch wird man in der erheblichen Entlastung der Reichsbank die Auswirkung des Kredit drosselnden Notdiskonts von 15 Proz. in erster Linie er- blicken müssen. Die Wechselbestände gingen gegen die Vorwoche um 358,7 auf 3194, die Lombarddarlehen um 67,7 auf 99 Millionen zurück. Die Reich-schatzwechselbestände der Reichsbank mit 116,5 Millionen vom Ende der Vorwoche wurden ausverkauft, wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Absenkung der zinsfreien Geloer auf Girokonto um 255 auf 525,6 Millionen Mark. Ein Teil der Banken hat die rentable Anlag« in Schatzwechseln der unverzinslichen Anlage auf dem Girokonto selbstverständlich vorgezogen, nachdem allmählich auch auf dem Geldmarkt die Der- hchtnisse etwas übersichtlich geworven sind. Der No t e n u m l a u f hat sich um 138,3 auf 4237,3, der an Rentenbankscheinen um 5,8 auf 493,3 Millionen Mark o e r- r i n g e r t. Der Rückgang des Notenumlaufes hat sich also fort- gesetzt. Bei seiner Höhe ist zu berücksichtigen, daß immer noch«in« nicht unerhebliche Notenmenge von U eberängstlichen zu Hause aufbewahrt wird. Das Deckungsverhältnis der umlaufend«» Noten hat sich v e r b e s s e r t. Die Goldbestände wuchsen um Millionen auf 1365,8 und die Bestände an deckungsfähigen Devisen um 9,8 auf 317 Millionen Mark. Die Notendeckung durch Gold und Dt- visen betrug am 15. August 39,7 gegen 38,2 Proz. in der Borwoche, hat sich also dem gesetzlichen Deckungsvcrhöltnis von 49 Proz. wieder sehr genähert. Dabei ist freilich zu berück- sichtigen, daß die ausländischen Notenbankkredite in dem Deckung-;- Verhältnis eingerechnet sind. Die geringe Zunahm« der Bestände an deckimgsföhigen Devisen kann nicht als erfreulich bezeichnet werden. Es wäre schlimm, wenn in den knapp 19 Millionen, die in der zweiten Augustwoche hinzugekommen sind, die Gesanitauswirkung der Maß- nahmen gegen die Kapitalflucht und des Notdiskonts von 15 Proz. zu erblicken wären, nachdem der Außenhandel in unerhörter Weise sich aktiviert hat und Reparationszahlungen überhaupt nicht mehr durchzuführen sin». Unter diestm Gesichtspunkt ist die Entwicklung der Reichsbank nicht als günstig zu betrachten. Oer Siaai von Brest-Liiowsk. politische Gefangene als Sträflinge. Warschau» 18. August. Wie der sozialistische„ftobotitik" mitteilt, solle« vom 1. Oktober d. I. au iu de« polnischen Gefängnissen die politischen Gefangenen wie Strafgefangene behandelt. also der Erleichterungen beraubt werden, die selbst der Zarismus den„Politischen" nicht verweigert hat. wenn sie nicht zur Zwangsarbeit und zum„Verlust aller Rechte" verurteilt waren. Dieser Tage erst ist bekannt geworden, daß über 299 politische Gefangene in Grodno, der Hauptstadt des Polen zugeschlagenen Teiles von Weißrußland, in den Hungerstreik getreten sind, weil man ihnen alle diese Erleichterungen entzogen hat. Es scheint fast, als ob die Antwort der Pilsudski-Clique. die Polen regiert, in der„gesetz- lichen" Verallgemeinerung dieses Zuftandes besteht. Wenigstens ruhige Außenpolitik. Warschau, 18. August. Unterstaatsfekretär im Außenmimsteirnm. Oberst Beck, ver- teidigt in einem Interview die zurückhaltende Politik Aalestis und wendet sich gegen die Befürworter einer weitgehenden polnischen Initiative in der Außenpolitik. Zaleski habe es verstanden, aus Polen ein Element der Stabilisierung in der Welt zu machen, wodurch das polnische Ansehen gestiegen sei. Das Element der polnischen Sicherheit und des politischen Bertvauens besitze einen nicht geringereo Wert als Gold m der Notenbanl. »Wir haben jetzt sämtliche Methoden des Straßenkampfes durchgesprochen.— Wie verhält sich nun der echte Ztatfrontmann nach gelungener Tat?�»Er vadrückt sich."»Gut. Llnd wenn er von der Polizei gekappt wird."»Dann sind's eben imma die andern jewesen."»Sehr gut. llnd wenn er von der verruchten Schandjustiz verurteilt wird?"»Dann schreien wa alle Amnestie!" Gleiches Recht für Sparkassen! programmatische Korderungen des Oeutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Die Schwierigkeiten bei den Sparkassen während der Wochen der Finanzkrise haben zu Ueberlegungen geführt, wie man in kritischen Augenblicken Zahlungsstockungen vermeiden, also die Liquidität(die Bersorgung mit flüssigen Mitteln) der Sparkassen bessern kann. Natürlich versuchen Interessentengruppen der Privatwirtschaft die gegenwärtige Situation zu benutzen, um alte Forderungen durchzusetzen und die öffentliche Geldwirt- schast zurückzudrängen. Es handelt sich hier um Forderungen, die nicht im Interesse unserer Wirtschast liegen. Demgegenüber betont der Vorstand des Deutschen Sparkassen« und Giro- verbände?, die Spitzenorganisation der deutschen Sporkasten, in einer Entschließung, daß aus Grund der Erfahrungen der letzten Wochen die sich als notwendig ergebenden Maßnahmen zur Förderung der Liquidität der angeschlossenen Geldinstitute beschleunigt durchzuführen sind. Man ist jedoch auch der Auffassung, daß eine ausreichende Sicherung der Liquidität der Sparkassen in Krisen- zeiten nur dann gegeben ist, wenn auch die Sparkassen auf einen stärkeren Rückhalt bei der Reichsbank rechnen können. Es kommt hier vor ollem der Ausbau de» Wechsel- maßigen Geschäfts in Frage- Ganz historisch hat sich bei der Reichsbank die durch die Wirt- schaftsentwicklung seit langem überholte Auffassung herausgeb lldet, daß die Reichsbank mit ihrer Kredithilfe nur für die Privat- Wirtschaft da sei. Das nicht nur für die öffentliche Wirtschaft, sondern auch für das Gewerbe und die kleinen und mittleren Be- triebe wichtige, ja ausschlaggebende Gebiet des öffentlichen Geldwesens, das zum großen Teil bei den Sparkassen konzentriert ist, läßt man unberücksichtigt- Es handelt sich zweifellos bei der Reichsbank um einen Anachronismus, um eine unverantworkliche Veralterung, die möglichst schnell beseitigt werden muß- Noch dieser Richtung muß sich eine Reform der Sparkassen be- wegen. Von den 12 Milliarden Mark Einlagen bei den deutschen Spar- kassen, die von 18 Millionen Sparern aufgebracht werden, sind rund 19 Milliarden Mark Spargelder, Einlagen auf Spar- bücher. Der Rest ist sogenanntes Girat gelb(Einlagen auf Kontokorrcntkonto). Im Kontokorrentverkehr entwickelte sich hier ein kurzfristiges Kreditgeschäft vorzugsweise mit kleinen Gewerbetreibenden, aber auch mit kleinen und mittleren Industrie- betrieben. Wir sind überzeugt, daß dieses Personalkreditgeschäft für die Sparkassen nicht allzu rentabel ist. Das Geschäft hat aber wichtige volkswirtschaftliche Bedeutung, und man kann es schon begreifen, daß sich der Deutsche Sparkassen- und Giro» verband entschlossen hat, sich gegen eine unnatürliche Einschränkung dieses Geschäftes mst allen Kräften zu wehren. Gerade das kurzfristige Geschäft ist eine Garantie dafür, daß die Spargelder bei den Sparkassen liquide, also so angelegt werden, daß man sie immer schnell flüssig machen kann. Wenn das private Bankgewerbe die Sparkassentrise benutzen will, um die Spar» kassen von diesen„bankmäßigen" Geschäften abzudrängen, dann wird in der Endwirkung gerade das Gegenteil erreicht; die Liquidstät muß bei den Sparkassen dann zurückgehen. Anders liegt es bei dem langfristigen Geschäft, bei dem Hypothekargeschäft der Sparkassen. Man hat den Sparkassen nach der Inflation immer wieder gepredigt, daß dieses langfristige Geschäft ihr eigentliches Ge- biet sei. Der Spartassen- und Girooerband hat auch den Sparkassen empfohlen, die ihnen anvertrauten Einlagen bi« zu 49Proz. langfristig anzulegen. Hier ist eine Flüssigmachung naturgemäß sehr schwer. In vielen Fällen sind die Sparkassen auch über die Grenze von 49 Proz. hinausgegangen. Der Sparkassen- und Giro- verband hält es ll r g e b o t e n, die langfristigen Hypotheken bei den Sparkossen allmählich wieder auf die Grenze von 49 Proz. zurückzuführen. In der Oosfentlichkeit wird für die in den vergangenen Wochen «ingetretene Illiquidität der Sparkassen immer wieder der Kam- wunalkredit verantwortlich gemacht, Ein« solche Aufsasjlmg steht im Gegensatz zu der tatsächlichen Entwicklung. Die deutschen Sparkassen haben von den Gesamteinlagen nur 17 proz. für Kommunalkredite verwendet. Wenn man nur die Spareinlogen berücksichtigt, errechnet sich ein Satz von 24 Proz. gegenüber der in den Satzungen vor- gesehenen Grenze von 25 Proz. Es soll zugegeben werden, daß diese Grenze in einzelnen Gemeinden überschritten wurde. Einzelne Mißgriffe, dürfen aber nicht zu verfehlten Maßnahmen führen, und es wäre unsinnig, die Sparkassen vom Konwnu« nalkreditgeschäft zu trennen. Beide sind fast 199 Kohrs eng verbunden. Di« Spitzenorganisation wird daräuf zu achten haben, daß die entsprechenden Satzungen für den Kommunal- kredft überoll innegehalten werden, und man ist bereit, mit schwe- ren Strafen gegen jede lleberschreitung der Grenze vorzu- gehen. Wenn sich aus dem Kommunalkredit Schwierigkeiten ergeben haben, dann beruht das auf der Stellungnahme der Reichsbank gegenüber der Liquiditötsreserve, die di« Spar- kassen satzungsgemäß in Höhe von 25 Proz. in m ü n d« l f i ch e r c n Papieren— Anleihen von Gemeinden, Ländern, Provinzen und Reich— uifterhalten müssen. Noch dem Gesetz sind diese Papier« von der Reichsbank zu beleihen. Die Reichsbank Hot ober an der Praxis festgehalten, mit dem Lombardgeschäft zurückzuhalten. Es sind von der Reichsbank nur einzelne dieser Werte in der Liste der- jenigen Papiere registriert, die sie beleiht. In den kritischen Tagen der jetzigen Krise hat die Reichsbank sich auch geweigert, hier überhaupt Lombardkredite zu geben. Zweifellos hat das die Lage der Sparkassen unnötigerweise verschlechtert und die Unruhe gesteigert. Die Sparkassenreform muh hier eine Aendenmg bringen und geben. den Sparkassen ihr Recht Außer der erwähnten Liquidationsreserve sind die Sparkassen gehaften, eine weitere Reserve in Höhe von 19 Proz. bei den Girozentralen, die die Sparkassen einer Provinz zu- sammenfassen, zu unterhalten. Die Praxis hat ergeben, daß diese Vorschrift für Krisenzeiten, wie wir sie in den letzten Wochen erlebt haben, bei weitem nicht genügt. Vielfach verlangten die Spar- kassen einen hohen Zins, was die Girozentrale wieder zwang, das Geld mit Fälligkeiten bis zu drei Monaten anzulegen. Wenn auch viele Girozentralen in der schlimmen Zeit der letzten Wochen die an sie gestellten Ansprüche durchaus befriedigen tonnten, be- weist das nichts gegen das Bedenkliche dieser Regelung. Der Spar» kassen- und Girooerband hat die Frage erörtert, ob diese Liquidotitätsreserve von 19 Proz. überhaupt genügt. Man ist der Auffassung, daß hier die Beziehungen zwischen Girozentralen und Deutscher Girozentrale, die wieder die einzelnen Girozentralen zusammenfaßt, geändert werden muß. Der aufnehmende Teil muß ohne Zweifel die Deutsche Girozentrale sein. Diese kann die bei ihr zusammenfließenden Gelder der Reichsbank anvertrauen und den Sparkassen den Weg zu der Kredithilfe der Reichs- dank in Krisenzeiten öffnen. Voraussetzung ist jedoch dabei, daß sich die Reichsbank bereit erklärt, diese Gelder, entgegen ihrer s o n st i g e n Gewohnheit— Giralgelder werden bei der Reichsbank nicht verzinst, eine Ausnahme macht sie nur bei Beträgen der Arbeitslosenversicherung—, zu verzinsen. Das vom Deutschen Sparkassen- und Girooerband entwickelte Programm hat Hand und Fuß. Wenn die Reichsbank Verständnis für das Wesen der öffentlichen Geldwirtschaft zeigt, leistet sie der Gesamtwirtschaft einen großen Dienst und trägt dazu bei, das Vertrauen in den Sparerschichten wieder herzustellen. Rudolf Rrandsch. siebenbürgischcr Deutschcnsührcr und rumänischer Staalssekrelär für Minderheitswesen, hat in einer Rede zu Reu-Arad u. a. den Zusammenbruch Deutschlands auf schlecht« Fredensverträg« zurückgeführt. Die chauvinistische Press« greift ihn deshalb heftig an und verlangt feinen Rückiritt, da ja auch Ru» mänie« de« Vertrag von Vcrjaille» mverzeichnet hat. Heraus mit Arbeitsaufträgen? Ein weiterer Appell an die Reichsbahn. Breslau. lS. August. heule vormillag fanden zwischen den Linke Hofmann- Busch-lverken A.-G., Abteilung Waggonbau, und den beteiligten Gewerkschaften Verhandlungen stall zwecks Aofrechlerhollung der Abteilung Waggonbau. Seilens der Firma wurde auf Aufrechterhallung des Antrags auf Slill- legung dieser Abteilung bestanden, da vorläufig nicht abzusehen ist, ob bis ZNille September neue Aufträge seitens der Reichsbahn eingehen werden. Bei Stillegung dieser Abtei- lung würden tOSZ Arbeiter und 146 Angestellte zur Entlassung kommen. Millionen van Menschen sind seit Jahr und Tag dem schweren Druck der Arbeitslosigkeit misgeseizt. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, so dürfte die Arbeitslosenziffcr in den nächsten Monaten eine bedeutende Steigerung erfahren. Reich, Staat und Länder haben darum das größte Interesse daran, alle Mittel zu ergreifen, um diesem Uebel zu begegneil und durch geeignete Maßnahmen auf eine Besserung der Zustände hinzuwirken. Das Problem t>cr Arbeitsbeschaffung wird deshalb im Aordcrgrund der Beratungen aller Körperschaften stehen müssen, dee sich mit dieser Materie zu beschästigen haben. Das gilt besonders für die deutsche Reichs bahnvcrwaltung. Aus dem ganzen Lande lausen beim Vorstand des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes Nachrichten ein, die Beweis dafür sind, daß in nächster Zeit durch Stillegungen und Entlassungen in den Produktionsstätten der Lokomotio- und Waggonindustrie viele Tausende von Arbeitern und Angestellten brotlos werden. wenn nicht endlich die Rcichsbah.nverwaltung dazu übergeht, neue Aufträge herauszugeben. Bereits vor einigen Wochen wurde in einer Denkschrift dem cherrn Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn im einzelnen die ungeheure Notlage in diesen Industriezweigen bekanntgegeben, und ihm gleichzeitig praktische Vorschläge zur Steuerung der drohenden Arbeitslosigkeit übermitelt. Durch die Hooner-Attion ist zweifellos auch die deutsche Reichs- bahn stark entlastet worden. Die finanzielle Erleichte- rling beläuft sich inonatlich aus rund 43 Millionen Mark. Bis zum Schluß des Jahres hat die Deutsche Reichs-Eisenbahn Verwaltung etwa 270 Millionen Mark zur Verfügung. Diesen Betrag müßte sie ohne die Aktion des Präsidenten der Vereinigten Staaten nach Bafel abführen. Wir verlangen deshalb, als Vertreter von 60 000 bis 80 000 Arbeitern, die in regulären Zeiten in der deutschen Waggon- und Lokomotivinduftrie ihre Beschäftigung finden, daß ein Teil dieser verfügbaren Gelder in produktiver Arbeil angelegt wird. Wir fordern weiter, daß der V e r w a l t u n g s r a t der deut- schert Reichsbahn sich in allernächster Zeit mit diesen Dingen befaßt, die unseres Erachtens wichtig genug sind, denn es dreht sich dabei um die Existenz von vielen Taufenden von fleißigen Menschen. Auch die Reichsregierung und insbesondere der Arbeits- und Finanz mini st er haben die Pflicht, diesen Vorgängen die größte Beachtung zu schenken. Wir haben ein- fach kein Verständnis dafür, daß die R c i ch s e i s e n- bahn-Verwaltung s i ch hunderte von Millionen Mark mit 7 bis 8 Proz. verzinsen läßt, während auf der anderen Seite durch Mangel an Arbeits- auftragen Ta« sende beschäftigungslos werden und dadurch der öffentlichen Unterstützung zur Last fallen. Wir sind überzeugt, daß es hier möglich sein müßte, durch zweckmäßige Zusammenarbeit die wirtschaftliche Katastrophe von vielen Menschen abzuwehren. Selbstverständlich ist rasches handeln am Platz, weil nur Entschlossenheit und resolute Maßnahme» geeignet sind, das allgemeine Vertrauen, das so sehr der Stärkung bedarf, wieder zu heben. b'ranet Metz, M. d. R. Holzarbeiterverband 1950. Llnerschüiiert und unerschütterlich. Das soeben veröffentlichte Jahrbuch 1930 des Deutschen holz- orbeiter-Verbandes zeigt auf. daß von den Jndustriearbeiter-Ver- bänden innerhalb des ADGB. wohl keiner so hart von der Wirt- schaftskrise mitgenommen wurde wie gerade der tholzarbeiter-Ver- band. Die Arbeitslosenstatistik registrierte zu Anfang des Berichts- johres 133000 arbeitslose Holzarbeiter in Deutsch- land, zu Ende des Berichtsjahres dagegen 2 4 8 0 0 0. Die Zahl der im Holzarbeiter-Verband organisierten erwerbslosen Holzarbeiter stieg von 76133 Ende 1929 auf 138894 bis zum Jahres- schluß 1930. Zu Ansang des Berichtsjahres waren 28 Proz. der Mitglieder des Holzarbeiter-Berbandes arbeitslos und 12 Proz. Kurzarbeiter, am Jahresende jedoch 46 Proz. arbeitslos undül4 Proz. Kurzarbeiter. Von den Mitgliedern aller freien Gewerkschaften waren im Monatsdurchschnitt 1930 fast 23 Proz. arbeitslos, im Holzarbeiter-Verband aber 33 Proz. Die katastrophale Beschäftigungslage in der gesamten deutschen Holzindustrie geht am deutlichsten aus den Berichten über die einzelnen Branchen hervor. In der K l a v i« r i n d u st r i e z. B. betrug der Beschäftigungsgrad in den Großbetrieben nur noch ein Drittel der Beschäftigung des Jahres ISZS. Wurden im Jahre 1925 in der Musikinstrumentenindustrie noch 39 Großbetriebe mit 11 565 Beschäftigten gezählt, so waren es zu Ende des Berichtsjahres nur noch 51 Großbetriebe mit 3700 Be- fchästigten. Allein im letzten Jahre ging in den Großbetrieben dieser Industrie die Zahl der Beschäftigten um 3611 zurück! Im Jahre 1929 wurden noch 26 500 Klaviere und 4300 Flügel ausgeführt, im vorigen Jahre dagegen nur noch 16 700 Klaviere und 2900 Flügel. In der K i st e n b r a n ch e ist die Beschäftigtenzahl im letzten Jahre von 4665 auf 3115, also um ein Drittel, zurück- gegangen, während infolge der gewaltigen organisatorischen und technischen Verbesserungen gerade in den Betrieben der Kisten- induftrie mit geringerer Belegschaftsstärke das gleiche, teilweise so- gar noch mehr als früher produziert wird. Wenn trotz dieser noch nie dagewesenen Beschäftigungsslaute der Mitgliederbe st and des Holzarbeiter-Verbandes im vorigen Jahr nur von 315155 auf 299 924 Mitglieder oder um 4.7 Proz. zurückgegangen ist, darf ohne jede Schönfärberei gesagt werden, daß sich der Holzarbeiter-Verband trotz der Krise gut behauptet Hot. Der Gesamtmitgliederbestand am Schluß des Berichtsjahres setzt sich zusammen aus 258 126 Männern, 18 515 Frauen und Mädchen, 6330 Jugendlichen und 16 923 Lehrlingen. Der Mitgliederrückgang betrug bei den Männern 3.7 Proz., bei den Frauen und Mädchen 10,2 Proz, bei den Jugendlichen 7.5 Proz. und bei den Lehrlingen 12,9 Proz. Für die Stärke der Organisation legt die Tatsache Zeug- nis ob, daß es ihr auch noch im vorigen Jahre gelang, für 6814 Bc- rufsongehörige eine wöchentliche Lohnerhöhung von durch- schnittlich 1,48 M. zu erzielen sowie für 23 263 Personen Lohn- kürzungen von durchschnittlich 4,33 M. pro Wsche abzuwehren. Wenn auch ein Teil der Angriff- und Abwehrbewegungen erfolglos blieb, so sind doch im wesentlichen die 915 491 M. für Streiks und Lohnbewegungen nicht nutzlos ausgegeben worden. Die Tarif- feindfchaft der holzindustriellen kommt kraß in der Torifstatistik des Holzarbeiter-Verbandes zum Ausdruck. Danach bestanden in seinem Organisationsbereich zu Anfang des Berichtsjahres rund 370 Lohntarise für etwa 312 000 Personen. Für 266 000 Personen kündigten die Unternehmer die Lohntarife im Laufe des Berichtsjahres, und nur für 52 866 Personen gelang es, bis zum Jahresschluß neue Tarife abzuschließen. Von den Unternehmern wurden auch die Mantelverträgc für 225 350 Personen gekündigt: nur in wenigen Fällen gelang es, bis zum Jahresschluß diese Verträge zu erneuern. Der Kassenabschluß des Holzarbeiter-Verbandes ist natür- lich ebenfalls ein Spiegel der schweren Wirtschaftskrise. Die Ein- nahmen des Verbandes aus Beiträgen gingen um über 2 Mil- lionen Mark gegenüber 1929 auf rund 7,25 Millionen Mark zurück. die Gesamteinnahmen um 2,16 Millionen Mark auf 9,26 Millionen Mark. Die G«jamtau»gabeu überschritten jedoch die des Johres 1929 um rund 1?� Millionen Mark. Sic betrugen 10,21 Millionen Mark, wovon allein 8,25 Millionen Mark für Unterstützungen an Mitglieder ausgegeben wurden. Der Löwenanteil der Ausgaben für Unterstützungen entfällt natürlich mit rund 5 Millionen Mark auf die Unterstützung der erwerbslosen Verbands- Mitglieder, das sind etwa 1% Millionen Mark mehr als im Jahre zuvor. Wenn der Holzarbeiter-Verband im vorigen Jahre in der Lage war, dem auf ihm lastenden schweren Druck der Wirtschaftskrise standzuhalten, ist das ein Beweis dafür, wie unerschütterlich festgefügt seine Fundamente sind. Streik der Speditionsarbeiter? Die Funktionäre lehnen den Schiedsspruch ab. Die Funktionäre der im Gcsamlverband organisierten Berliner Speditionsarbeiler nahmen gestern abend im Gewerkschaftshau» zu dem Schiedsspruch des Schlichlungs- ausschusses Stellung, der. wie im„vorwärts" bereits mitgeteilt, von der laufenden Lohnwoche an einen neuen Abbau sämtlicher Speditionsarbeiterlöhne um 4 Proz. vorsieht. Räch kurzer Aussprache beschtossen die Funktionäre einstimmig die Ablehnung dieses Schiedsspruches, und zwar vor allem aus dem Grunde, weil bereits im Frühjahr ein Lohnabbau von 5 proz. erfolgt ist. weiter wurde beschlossen, heute. Mittwoch, in allen Speditionsbetrieben eine Streikabstimmung durchzuführen. Schließlich faßte die Funktionärkonferenz noch den Beschluß, daß in den Betrieben am Sonnabend die Arbeit einge- st e I l t wird, die etwa am Freitag dazu übergehen sollten. diktatorisch die Löhne entsprechen» dem Schiedsspruch des Schlichlungsausschusses auszuzahlen. An dem Lohnkonslikt sind etwa 5000 Speditionsarbeiter beteiligt. Die Löhne der Textilarbeiter. Tom Shaw will lieber Sekretär als Minister sein. Thomas Shaw, der internationale Sekretär der Textilarbeiterinternationale, hat sich bereits am Dienstag vom Internationalen Textilarbciterkongreß verabschiedet, da ihn dringliche Arbeiten der Labour-Regierung nach England zurückrufen. Der Abschied war überaus herzlich. Die internationale Zusammenarbeit— darin waren sich die Führer der Textilarbeiterintcrnationole, Tom Shaw, Ben Turner, der Veteran der Internationale, und Schräder, der Vorsitzende des deutschen Verbandes, durchaus einig— ist nicht zuletzt durch persönliche Fühlungnahme mit den noch abseits stehenden Textilarbeitern zu schaffen. Neben dem persönlichen Kontakt, betonte Tom Shaw, oerlange die inter- nationale Gewerkschaftsarbeit gründliche wissenschaftliche und organisatorische Kenntnisse. Er hoffe, daß. sobald die Verhältnisse sich etwas bessern, in dieser Richtung die Gewerk- fchastsarbeit ausgebaut werden könne. Beachtsam sei, daß die Krise nunmehr bereits auch den fernen O st e n erfaßt habe. Man müsse deshalb die dortige Entwicklung mit Aufmerksamkeit verfolgen. Bedauerlicherweise habe sich die hofsnung. daß Indien sich an- schließe, infolge der politischen Lage noch nicht erfüllt. Mit Italien bestehe so gut wie keine Fühlung, und in Amerika herrschten in der Textilindustrie eigenartige Verhältnisse. Die Unternehmer des Nordens verlegten die Betriebe nach dem unorganisierten Süden. Die Versuche, die dortigen Textilarbeiter gewerkschaftlich zu erfassen, seien zunächst gescheitert. Shaws Mitteilung, er werde, wenn die britische Labour- Regierung die Neuwahlen überdauere, sein Regierungsamt niederlegen, um seine ganze Kraft der Internationale widmen zu können, wurde vom Kongreß mit großem Beifall auf- genommen.— Heber den Ausbau der Lohnstatistik sprach Roscher» Tschechoslowakei. Eine gute Lohnstatistik sei cirt wichtiges In- I strument für eine erfolgreiche Durchführung von Lohnkämpfen: denn! der Arbeitslohn sei nun einmal das Fundament der Arbeiterexiftenz. Da die Arbeitgeber vielfach mit falschen Angaben über die Lohnverhältnisse des Auslandes operierten, sei ein Austausch der internationalen Lohnstatistiken erforderlich. Der Aufbau der Lohn- tarife der reichsdeutschen Organisationen sei eine gute Arbeit: sie zeuge von großer Sachkenntnis. F e i n h a l s- Deutschland, der Leiter der lohnpolitischen Ab- teilung des Textilarbeiteroerbandes, stimmte Roscher darin zu, daß die Länder eingehendere Lohnstatistiken aufstellen müssen. Vor allein seien Aufstellungen über die Akkordlöhne notwendig. Freilich sei die Organisation solcher Erhebungen keineswegs einfach. Die Lohnerhebung fei heute bereits eine Wissenschaft. Alles mögliche müsse bei ihr berücksichtigt werden. Bei der Ausstellung über die effektiven Verdienste seien z. B. auch die Leistungen des Arbeiters in Betracht zu ziehen. Von England sei bedauer- licherwcise lohnstatistisches Material nur sehr schwer zu erhalten. Roscher verlange auch eine Prüfung der Lebcnsmittelindexzahlen in den einzelnen Ländern. Das sei einstweilen zu schwierig, denn das gelinge kaum den Behörden. Die Verhältnisse seien eben überall sehr verschieden, und deshalb seien Vergleiche nicht leicht. Schon die Be- Zeichnungen der einzelnen Artikel, die in den verschiedenen Branchen hergestellt werden, gingen auseinander. Man brauche in den kommenden Kämpfen einen festen Boden, von dem aus man fechten könne. Ne asn i th-England betont, die Angabe allgemeiner Ziffern sei ungeheuer schwer, da z. B. in Lancashire in den einzelnen Distrikten, ja in den einzelnen Fabriken die Bewertungen diffe- riercn. In England seien die Verhältnisse außerordentlich uniiber- sichtlich. Neasnith schlägt daher vor. die von Roscher vorgelegte Eni- schließung zur Lohnsragc in der Form zu ändern, daß statt„genaue" „zuverlässige" Lohnstatistiken verlangt werden. Vereinbarung über 4l)-<5iunöen-Woche Entsprechende Neueinstellungen. In der K a l k s a n d st e i n i n d u st r i e ist eine Verein- b a r u n g zustande gekommen, nach der die regelmäßige Arbeits- zeit 40 Stunden wöchentlich beträgt und die zur Ausrecht- crhaltung des geregelten Betriebes notwendigen Ueberstundcn in der gleichen, spätestens in der folgenden Woche abgefeiert werden müssen. Jeder Betrieb ist verpflichtet, entsprechend der Verkürzung der Arbeitszeit auf 40 Stunden in gleichem Ausmaße neue Arbeitskräfte einzustellen. Diese Vereinbarung ist allen Bezirks- und Ortsoerbänden sowie den Einzelwcrken zur Zu- stimmung dringend empfohlen worden. In der Z c m e n t i n d u st r i e konnte ebenfalls in einer Reihe von Betrieben die 40stündige Arbeitswoche unter Neueinstcllung von Arbeitern eingeführt werden. Vom Hakenkreuz zum Sowjetstern. Bochum. 18. August.(Eigenbericht.) Das Oberbcrgamt hat als Aufsichtsbehörde den Einspruch der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei gegen das Er- gebnis der letzten Arbcitskammerwahlen für den Ruhrbergbau zurückgewiesen. Die von den Nationalsozialisten aufgestellte Liste wurde seinerzeit für ungültig erklärt. An zipeitcr Stelle der nationalsozialistischen Liste stand seiner- zeit ein gewisser.Hilmar Bach, SA.-Mann und NS.-Organisator. Unmittelbar nach den Wahlen trat Bach zu r K P D. ü b e r, für die er jetzt kommunistische Betriebszellen organisiert. Firma Adolf Schustermann tarifbrüchig Die Firma Adolf Schustermann, Rungestr. 20, ist eine der größten Adressen-Verlagsanstalten Berlins. Gemäß eines mü dem ZdA. abgeschlossenen und für allgemeinverbindlich erklärten Tarifvertrages beträgt der Mindest lohn für 1000 Adressen zur Zeit 3,83 M. Vor einigen Togen nahm die Firma einen Millionenaustrag herein, der ihr sowieso einige zehntausend Mark Profit abwirft. Trotzdem stellte sie an die Belegschaft die� ungeheuerliche Zumutung, diesen Austrag unter Tarif für 3,50 M. auszuführen. Als die Belegjchast in selbstverständlicher Solidarität ein Arbeiten unter Tarif ablehnte, stellte die Firma 50 neue heim- a r b e i t e r ein in der Hoffnung, diese Heimarbeiter würden aus Unkenntnis ihrer rechtlichen Ansprüche unter Tarif arbeiten. Die Adressenschreiber werden ausgefordert, Solidarität zu üben. Außer- dem ist beim Fachausschuß für Hausarbeit bereits Antrag gestellt worden, der Firma Adolf Schustermann eine empfindliche Buße aufzuerlegen. Achtung, Buchdrucker! Wir bitten, alle Lehrlinge auf den morgen, Donnerstag, 17 Uhr, im großen Saale des Gewerkschaftshaufes stattfindenden Begrüßungsabend der ham- burger Jungbuchdruckcr hinzuweisen. fftfeie Gewerkschafts Lugend Berlin •önitr, lOZi Uhr, lagen die Gruppen: Baumschulen,» ep: Jugendheim Bniimsdnileninen. Eruststr. 16. UnrerhaNungsabend._ ffieijenfee: Gruppenheim Weißensee, Parlstr. z6. Friede! Sali bringt Heiteres.— Humboldt: Jugendheim Ergun.- Elte Uorhingstraße.„Lioinmunismus."— Nord» ring: Schule Sannenbnrg■: Str. 20. Aktuelles oom Monat.— Tegel: Jugend. heim Tegel. Schoneberger Str. 4 irrst um 20 Uhr). Die Crnmgeni chatten der ffiwbcrlfchaflen seit 1918 und die leiue Notoerordnung.— Sfibroeftrn: Jugend- heim chorckstr. 11 iFadritgebäude). Ferdinand Saffalic und der Gerne rkscha:!»- gedante.— Flughafen: Gruppenheim Flughafen str. 68 lU-Bdhnbof Boddin. strafte). Ausspracheabend:„Ich als Lehrling".— Reutötlu: Jugendheim Neu. tblln, Bergstr. 29(Sdof). GemcrtichaFtlichc Tagespolitik.— schillerpark: Echllle SchSningstr. 17. Alfred koinnrt ju uns.— Spandau: Jugendheim Linden. Ufer 1. Wir liehen und staunen.— Schäneberg: Hauptsir. 15 i Gartenhaus). Was ist Soüolirmus?— Iugendgrnppe de, Eesamtoer bände,: Baden in der Volks- badeanstalt Klingenberg. Treffpunkt 18 Uhr vor der Badeanstalt. ©Iuqenvqruppe des'Zentralverbandes der Angestellten Heule, Mittwoch, finden folgende Veranstaltungen statt: Gesund- brunncn: Jugendheim Lchönstedtstr. 1. Bstckblick auf Miseren Reich,. jngendtog in Litbeck.— Schönhauser Dorstadt: Jugendheim der Schul: Kastanienallee 81. Das gute Buch sLeseaiend).— Nordost I: Iugendhcnn Tmrziger Str. 62(Baracte 3). Jeder redet 10 Minuten lang.— Beinietendors: Jugendheim Lindauer Str. 2(Baracke). Aussprache über:„Arbeitersport und bstrgerlichec Sport".— Stralau: Jugendheim der Schul« Eoftlerstr. 61. Vortrag mit Lichtbildern:„So war drr Krieg". Referent: Krug.— vbersprre: Riede rschöneweide, Berliner Str. 31(Schule), Eingang Lasselwerderslrafte. Ar. beitegrmeinschafl:„Die Angestelllenbewegung". Leiter: Holz.— Köpenick: In diesem Monat fallen alle Gruppenabende aus.— Neukölln: Jugendheim Böhmische Str. 1— 4, Ecke Kanner Strafte. Heitere Geschichten.— Südost: Jugendheim Wrangelstr. 12«. Vortrag:„Reue Zeit— neue Menschen". Nese- rent: Rachow.— Schöneberg: Jugendheim Hauptstr. 15(Hafgebäude, Sachsen- Zimmer). Tagespolitische Rundschau. Leitung: Lamm.— Eharlottenburg: Jugendheim Spielhogenstr. 4. Bericht von Lübeck.— Spandau: Jugendheim Liradeiurfer 1. Fahrtenabend.— Pot-dam-Rowawes: Jugendherberge in Nawawe», Priest erstrafte. Vortrag:„Meine Reise durch Belgien und nach Pari,-'. Referent: Lewiufti.— Sportabtellung: Uebungsabend 30 Uhr in drr städtischen Turnhalle Prinzenstrafte.— Spiele im Freien ab 18 Uhr auf dem Sportplasl Friedrichishain.— Meldet euä, für die Volksbühnenabteilung für die arbeitende Jugend im Ingendsetretarial. Verantwortlich für Politik: St. ffurt Geyer; Wirtschaft:®.»tingelhöser, Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowsli: Lokale» und Sonstioe«: Frill Karstadt: Anzeiaen: Th. Glocke; sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlaa G.m.b.H., Berlin. Druck: Vorwärt». Buchdruckerei und Verlagsanstnlt Paul Singer u. Ho.. Berlin SS SS, Lindem streifte 3. Kierzv 2 Beilogen,