BERLIN Zreitag 21. August 1931 10 Pf. Nr. 390 B 195 48. Jahrgang ErfcheinttSslichaußerSoautag«. Zugleich Abendautgabe de«.Vorwärts'. Bejugtpreis beide Ausgaben 6b Pf. pro Woche, 3,60 SR. pro Monat. Redaktion und Lxpedition: Berlin �WOS.Lindenfir.s Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297 „VyfWtUfa An!e!genpret«:Die einspaltigeNonpareiUezcile so Pf., Reklameieile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärtt-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr. S? S36.— Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nicht genebmer Anzeigen vor! Neuer Frauenmord Grauenhafter Kund eines Anglers am Abzugsgraben in Spandau Aus dem Spandauer Abzugsgraben wurde heute gegen mittag gegenüber den Deutschen Werken ein Paket aus dem Wasser gezogen, das in einer Um- hülluug von Zeitungspapier den Kopf einer Frau enthielt. Das Paket selbst war mit Bindfaden um- schnürt. Der Kopf wies eine schwere Schlagver- lehung auf. Tie Mordkommission ist alarmiert Wörde«. Der gräßliche Fund wurde von einem Angler, dem Bauarbeiter Paul P i e t s ch, der in der Fehrbellincr Straße in Spandau wohnt, gemacht. Er war heute nach einem Abzugsgraben gegangen, der von der ehemaligen Pulverfabrik seinen Ausgang nimmt. Bon dort führt das Gewässer unter der Berliner Chaussee hindurch, an der Kolonie Sophienwerder vorüber nach der Spree. Gegenüber den Walzwerten mündet der Graben in die Spree. In der Nähe der Mündung hat er bereits eine Breit« von 'S? btS"S0'Meter'und■ftnrf bewachsen. Ptelsch hatte semc Angel ausgeworsen, als er plötzlich merkte, daß sein Floß unterging. In der Hoffnung, einen großen Fisch gefangen zu hohen, zog er langsam ein und und sah zu seinem Erstaunen an der Angel eininZeitungspapiereingehülltesPakethängen. Borsichtig brachte er es an Land. Plötzlich entdeckte er mit Entsetzen, daß Haare und ein Ohr aus dem Paket hervorschauten. Cr ließ den Fund liegen und lief nach der nächsten Fabrik, von wo er den Fern- sprecher benutzte, um die Spandauer Kriminalpolizei zu alarmieren. Der Kopf hat etwa 3 bis 4 Wochen im Wasser ge- legen. Vom Schädeldach bis zum linken Ohr zieht sich ein« schwere Verletzung, die von einem Hieb oder Schlag her- rühren muß und den Knochen gespalten hat. Die unbekannte Ermordete hatte dunkelblondes Haar. Ani Halse sind deutlich zwei Einschnitte zu erkennen, es ist also zweimal angesetzt Wörden, um den Kopf vom Rumpfe zu trennen. Lassoübersall aus Schaffner. Autobusschaffner sollte vom Wagen gerissen werden. Große Ausregung gab e» in der vergangenen Höcht unter den Fahrgästen de» Antobu» Hr. 29, der, vom Zoo kommend. nach Steglitz fuhr. Um 314 Uhr, als der Wagen in voller Fahrt war, sah man an der Ecke der Wilhelmstraße einen Mann stehen, der einen langen Strick wie ein Lasso über dem Arm trug. Plötzlich erhob der Mann den Arm und warf die Lossoschlinge nach dem 29 Jahre alten Schossner Kurt Stobbe, der in der Südweststrahe in Spandau wohnt. Zum Glück streist« die Schlinge nur den Kopf und glitt nicht über ihn hinweg. So war es dem Werfer nicht möglich, die Schlinge zuzuziehen und den Schaffner vom Wagen herunter- zurcißen. Stobbe gab sofort das Haltezcichen und setzte dem Werfer noch, konnte ihn aber nicht mehr einholen. Zwei ander: Männer, die in der Nähe gestanden hatten, waren ebensalls plötzlich verschwunden. Es scheint, daß sie den Erfolg des Wurfes beobachten wollten. Den Strick haben die Täter zurückgelassen. Es ist ein 22 Meter langer, fingerdicker Strick. Wäre der Schaffner bei voller Fahrt vom Wagen herunter- gerissen worden, so wäre er bestimmt schwer verletzt, wenn nicht gar g e t ö t e t worden. Nach dem Lassowerfer und seinen Kumpanen ist die Fahndung eingeleitet. Aus 6200 Meter abgestürzt. Zwei Teilnehmer der Himalaya- Expedition tödlich ver« unglückt. München. 21. August. Hoch einem Eigenbericht des Leiters der deutschen himalaya- Expedition. Paul L a u e r. ist die Sangtschendsonga-Expedition von einem schwere« Unfall betroffen worden. Als eine größere Abteilung unterwegs war, um das Lager VIII aus dem Hordostsporn in einer höhe von 6200 Jtltfer aufzuschlagen, stürzte der 25 Jahre alte Münchener Student der Technischen Ijochschulc. Hermami Schaller. einer der bekanntesten Münchencr Alpinisten, mit einem Tröger tödlich ab. Die Leiche wurde von den Expeditious- tc-lnehmern auf einer Zelsinset. die sich aus eiuem Meer von Eis xrjfob, in einer höhe von 5400 Meter beigesetzt. Die tönenden Hallen Eröffnung der achten Funkausstellung und der phonoschau-193-1 Mit dem non schon traditionell gewordenen feierlichen Festakt wurde heute vormittag um 19 Ahr aus dem städtischen Aus- stellungsgelände in wihleben die 8. Große deutsche Funkaosstellung eröffnet. Rund 2000 Ehrengäste aus Kreisen der Wissenschaft, wirtsäioft. Politik und Diplomatie waren gekommen, um der Eröffnung beizuwohnen. Nach einem Musikoortrag hielt auch in diesem Jahre Staats- sekretär Dr. Bredow die Eröffnungsrede. Er wies darauf hin, daß die Entwicklung des Rundfunks alle früheren Erwartungen übertroffen habe. Er sei nicht mehr nur ein beliebter Musikant und Plauderer oder em gern gehörter Lehrer, sondern ein wichtiger Träger des Gemeinschaftslebens. Gerade in den K r i s c n w o ch e n des vergangenen Juli habe der Rundfunk seine höchste Bedeutung erreicht, als er das ganze Volk zu einer atemlos horchenden Ee- meinde zusammengefaßt habe. Er sei Mittler zwischen Regierung und Volk und Dolmetsch des Reichswillens gegenüber dem Ausland geworden, und als in schwersten Stunden unkontrollierbare Gerüchte umliefen, habe er Klarheit geschaffen und die Spannungen ausgelöst. Die Tristan-Uebertragung aus Bayreuth vom Dienstag, die sich über drei Erdteile erstreckte, habe auf das glänzendste bewiesen, daß der Rundfunk ein kulturelles und vielleicht auch politisches Bindeglied von ungeahnter Wirkung zwischen den Völkern werden würde. Der Redner hob hervor, daß gerade die letzten Ereignisse bewiesen hätten, daß die weitere Ausbreitung des Rundfunks und seine besondere Pflege eine Staalsnokwendigkeit geworden sei. Dann ergriff der O b e r b ü r g e r m e i st c r Dr. S a h m das Wort zu einer längeren Ansprache, in der er darauf hinwies, Berlin Hobe als einzige Stadt der Welt eine Akropolis des Funks, zu der im Jahre 1924 mit der Errichtung der ersten Funkhollc der Grundstein gelegt wurde. Das Berliner Messeamt könne sich mit Recht Gründer der Funkstadt nennen Als letzter Redner sprach das gcschästssührende Vorstandsmitglied des Verbandes der Funkindustrie Dr. Michel. Er betonte, daß die Ausstellung dem empfänglichen Beschauer zeigt, bis zu welchem Grade der Vollkommenheit es gelungen ist, durch wissen- Das sichere Dach Hilgenberg:»Hier läßt sich's ruhig hetze«» � schaftliche Forschung die Naturkräfte zu bändigen und sie in den Dienst des Menschen zu stellen. Den Abschluß des Festaktes, der auf alle deutscheu Sender übertragen wurde, bildete der Festmarsch von Richard Strauß. Hierauf begann der Rundgang durch die nunmehr eröffnete Funkausstellung. Was gibt es zu sehen? Diese tönenden Hallen rund um den Funkturm sind keine>'eine Freude für das Ohr. Was da an ungebändigten Tönen aus den Kästen in Mahagoni, Nußbaum und gebeizter Eiche quillt, wirkt in seiner massigen Fülle nicht gerode ermunternd. Aber vor jedem Zum Gemeindearbeiterkonflikt. Die heutigen Verhandlungen. Heule vormittag um 10 Uhr begannen im Reichsarbeitsministe- rium zwischen dem Gesamtverband, dem christlichen Gemeindc- arbcilerverband und dem Reichsarbeitgebcrverband in kommunalen und anderen össeilllichen Unternehmungen die Verhandlungen über die Beilegung des Lohnkonsllkts der Gemeindearbeiler. Als Ver- lreler des Reichsarbeitsministers leitete Ministerialdirigent Dr.Mives die Verhandlungen. In Anbetracht der gefpannlen Situation nahm an den Verhandlungen aus der Seite der Gewerkschastsverlreter auch der Vorsitzende des Gefamtverbandes. Genosse Oswald S ch u- mann, teil. Dr. Mives versuchte zunächst, in gemeinsamen Verhandlungen zwischen den Vertetcrn der Gemeinden und den Organisalionsver- tretern eine Einigung herbeizuführen. Hoch dem Fehlschlagen dieser Bemühungen ging er dazu über, getrennt mit den Parteien zu verhandeln. Aber auch aus dieser Basis scheint eine Einigung» ursehr schwer möglich zu sein. Von den Vorschlägen, die bereits ge- macht worden sind, ist nicht anzunehmen, daß sie von einer Partei akzeptiert werden. Bis 12.Z0 Uhr waren sich die Parteien noch nicht im geringsten nähergekommen. Aller Voraussicht nach werden sich die Verhandlungen bi, in die späten Hachmittags stunden hinziehen. Die Rcichstariskommissionen der Gemeindcarbeitcr und der Straßenbahner, die seit ihrer gemeinsamen Tagung am Mittwoch in Berlin anwesend sind, treten noch heute zusammen, um zu dem Ausgang der Verhandlungen Stellung zu nehmen. Die Ge- fahr eines offenen Konflikts in den deutschen Gemeinden ist jeden- soll» noch nicht gebannt. der Stände und vor jedem der polierten Kästen entwirren sich die Klänge und man vermag wohl das Gute vom weniger Guten zu unterscheiden 325 ausstellende Firmen füllen die 25 909 Quadratmeter Aus- stellungsslächc bis auf den letzten Platz. Radio-, T o n s i I m- und P h o n o i n d u st r i c, immerhin vereint, wen» auch nicht gerade brüderlich. Der Lzauptteil der Ansstcllung. die Schau von Rundfunkcmpsängcrn und-einrichtungen läßt erkennen, daß die Entwicklung im Empsängerbau im letzten Jahr keine sehr großen Fortschritte gemacht hat. Bei allen Firmen war vielmehr in Anlehnung an bewährte Empsängcrtypen Vcrvoll- kommnung in bezug ans Leistungen, Vereinfachung der Bc- d i e n u n g und Ersparnis an Größe und Gewicht die Losung. Bis zu welchem Grade den Firmen die Einhaltung dieser Grundsätze möglich war, lassen schon die kleinen Nctzanschlußgerätc erkennen, mit welchen sich in den meisten Fällen bereits Fernempfang rrmög- lichen läßt, nachdem die Verstärkung der Sender wirksam geworden ist. Die Ausstellung steht im Zeichen des Preisabbaues. Im Durchschnitt kann bei Empfängern mit einer Preissenkung von 19 bis 25 Proz. gerechnet werden, wobei noch die Bcrbilligung der Röhren von 19 Proz. berücksichtigt werden muß. Beim Studium der einzelnen Apparatctypcn tritt immer mehr in Erscheinung, daß heute die Röhre n zahl die Gcrätcklassc tatsächlich Leder tue seine Pflicht! Mahnung der sozialdemokratischen Mitgliederversammlungen: Weiter vorstoßen! Als am Donnerstag kurz nach 8 Uhr auf der Kreismitglicder- uerfammlung der WIlmorsdorfer Sozialdemokratie dem Genossen Ernst Heitmann das Wort erteilt wurde, war der große Saal des Viktoria-Gartens in der Wilhelmsaue bis auf den letzten Platz be- setzt. Dieser Versammlung kam eine besondere Bedeutung zu, da Zu ihr auch G ä st e Zutritt hatten, die von der Einladung der Wtlmersdorfcr Parteigenossen recht zahlreich Gebrauch gemacht hatten. In einem zweistündigen Referat zog Genosse H e i l m a n n die Lehren aus dem Volksentscheid. Kaum jemand hatte erwartet, daß jene merkwürdige Koalition von Hitler bis Thälmann noch keine 10 Millionen Stimmen ausbringen würde. Zumal die K o m m u- n i st e n ihre ganze Organisation für den Sieg des Volksentscheids, das heißt für den Sieg der Reaktion, eingesetzt hatten. Aber die kommunistischen Anhänger haben der KPD.-Zenlrole die Gesolgschost versagt. Denn es ist eine sehr unsichere Spekulation der Kommunisten, daß erst die Reaktion ans Ruder kommen müsse, um nachher den Kommunisten Platz zu machen. Im nächsten Jahre wird Herr Mussolini die I0-Jahres-Feier des Faschismus be- gehen, er hat auch nicht nach den berühmten sechs Monaten ab- acwirtschaftet. Niemand wird uns verargen können, wenn wir an dem Weh- geschrei der Geschlagenen unsere helle Freude haben. Wir sind allerdings viel zu nüchtern, als daß wir den Erfolg überschätzen. Die nächsten Preußenwahlen sind Entscheidungs- wählen. Bringen sie der Reaktion den Sieg, dann können wir das Schicksal der Republik als besiegelt ansehen. Wenn sich die Re- publik behauptet, dann wird sie das der festen Basis verdanken, die sie in Preußen hat und die sie auch sür alle Zukunft beholten soll, wenn jeder von uns seine Pflicht tut. Deutschland— eine menschenleere Wüste. Heilmann beschäftigte sich dann mit dem Revanchegeschrei des Rechtsradikalismus und seine Worte hinterließen den tiefsten Ein- druck, als er sagte: Der nächste Krieg wird in wenigen Wochen aus Deutschland eine menschenleere Wüste machen, der nächste Krieg wäre das absolute Ende der europäischen Arbeiterbewegung und der europäischen Kultur. Sogen Sie nicht, daß sich Deutsch- land noch immer nach jedem Krieg erholt hat, es gibt genug Bei- spiele in der Geschichte, wo infolge ständiger Kriege von aller Kultur kein Stein auf dem anderen geblieben war. Der nächste Krieg würde Europa in ein interessantes Ausgrabungsseld sür spätere Archäologen verwandeln: der europäische Mensch wäre aus- gelöscht. Und man kann nicht Ländern, die uns Geld borgen sollen, Tag sür Tag den Revanchekrieg androhen. Wenn 60 Millionen Menschen in Deutschland leben wollen, dann muß man eine Politik der Verständigung mit dem Ausland treiben. Wir haben gegenwärtig eine typische kapitalistische Welt- Wirtschaftskrise. Man kann nun eine Krisenperiode nehmen, welche man will, z. B. die von 1878, die Bismarck Gelegenheit gab, das Sozialistengesetz durchzudrücken, jede Krise bedeutet Lohndruck, Ansturm gegen die von der Arbeiterklasse errungenen Positionen. Jede Krise engt die politische Kraft der Arbeiterklasse ein. Deshalb schließen wir jetzt die Reihen, verteidigen jeden Fuß- breit Boden, den die Reaktion uns nehmen will. Die Sozial- d e m o t r a t i e fetzt sich gegen den vielgestaltigen Ansturm der Reaktion mit aller Energie zur Wehr. Wenn jemand diese Abwehr nicht genügt, dann möge er nicht der Partei die Schuld geben, sondern der Dummheit der Wähler vom 14. September. Wir können keine Politik machen, die mancher sich mitunter im Zorn wünscht. Wenn alles kaputt geht, können wir nicht noch dazwischen schlagen. wir wollen wohl die Wirtschaft unter die wacht der Arbeiter- Hände bringen, aber wir können nicht zulassen, daß vorher die Wirtschaft zusammenbricht. Denn wir leben mit dieser Wirtschast, der Zusammenbruch eines Mammutkonzerns würde die Existenz Hunderttausender Arbeiter mit einem Schlage vernichten. Zum Schluß wandte sich Heilmann den Zukunstsaussichten der Sozialdemokratie zu. Er sagte, wir haben moralisch gesiegt über den Kapitalismus, der kompromittiert und befleckt vor der Menschheit dasteht. Wir haben weiter einen riesigen politischen Triumph über die Kommunisten erzielt, deren Anhänger sich auf- gelehnt haben gegen die Zentrale. Trotzdem grollt täglich neuo Unzusriedenheit aus, die sich gegen die Sozialdemokratie wendet. Aber die Welle des Radikalismus wird verebben, wenn es mit der Wirtschaft wieder aufwärts geht. Bis dahin gilt es den Erkolg vom g. August zu nützen. Durch die Einigkeit, Vernunft und Aktivität der Partei.� Aufhäuser über den Gemeindearbeiterkonfliki. In der überfüllten Aula des Hohenzollern-Realgymnasiums in der Belziger Straße sprach Genosse Siegfried A u f h ä u s« r über die Lage nach dem Volksentscheid. In eindrucksvoller Weise legte er die eigenartige Verhakung von Hakenkreuz und Sowjetstern dar, die von der Arbeiterschast die gebührende Antwort erhalten haben. Der Volksentscheid sei ein Rettungswerk der deutschen Ar- beiterschaft für den deutschen Kredit geworden und die Regierung Brüning, die dem Ausgang des Volksentscheides erst die Möglichkeit erfolgreicher Weiterarbeit danke, werde durch Beseitigung der schwersten Mängel der antisozialen Notoerordnung zu� beweisen haben, daß sie bereit ist, nunmehr auch daS ihre zum Schutz der schwerleidenden Arbeitnehmerschoft zu tun. Das werde sich auch jetzt beim Gcmeindearbeiterkonslikt zeigen müssen. Nicht nur die Gewerkschaften, sondern auch die Sozialdemokratische Partei steht geschlossen hinter den berechtigten Forderungen der Gemeinde- arbeiter. Aufhäuser forderte gegenüber dem katastrophalen Ver» sagen der kapitalistischen„Wirtschastsführer" eine ausgiebige Banken- und Kartellkontrolle, die heute berechtigter und notwendiger sei denn je. Notwendig sei vor allem volle Ver- ständigung mit Frankreich, nur so sei ein Ausweg aus dem gegen- wärtigen Wirtschaftselend zu finden. In der Diskussion sprach der Sowjetange stellte Müller, bezeichnenderweise vermied er eine ausgiebige Besprechung der Voltsentscheidstaktit und kritisierte In der üblichen Weife die Tolerierung des Kabinetts Brüning, ohne, worauf Auf- Häuser im Schlußwort hinwies, irgendeinen Ausweg au» der Krise oder eine andere wirksame Bekämpfung des Faschismus, dessen Machtergreifung durch die Politik der deutschen Soziokdemokratie verhindert worden ist, zeigen zu können. Da« gleiche galt für die Rednerin der kommunistischen Opposition Frau W o l f f st e i n, die eine recht nebelhafte ollgemeine Klassenaktion propagierte. Genosse Aufhäuser hatte es nicht schwer, den offensichtlich kleinlaut ge- wordenen Kommunisten die nötige Antwort zu erteilen. Nach an- feuernden Worten des Kreisleiters Genossen Wendt fand unter Hochrufen auf die Partei und mit dem Gesang der I n t e r n a t i o- n a l e die Versammlung ihr Ende. schon nicht mehr kennzeichnet. Vielmehr sind Schaltung und Röhrentyp maßgebend. Mehr denn je muß sich deshalb der Laie auf die Fachberatung verlassen, da es lehr viele Bauarten gibt, die bei gleicher Röhrenzahl ganz verschiedene Leistungen vollbringen. Fast restlos ist die E i n t n o p f- bedienung durchgeführt. Selbstverständlich ist, daß bei allen Apparaten größtmöglicher mechanischer Berührungsschutz berück- sichtigt ist. Zu der Frage des elektrischen Störschutzes kann gesagt werden, daß die Entwicklung zweckmäßiger Störschutzmittel weiter große Fortschritte gemacht hat. Eine Parallele zu der Empfänger- entwicklung bildet der Lautsprecherbau mit seiner großen Anzahl preiswerter Typen bester Klangqualität. Besonders dem dynamischen System ist es gelungen, sich durch konstruktive Vereinfachung und Verkleinerung der Maße in die Preisklasse der guten clektromagne- tischen Lautsprecher hineinzuschieben. Für die optische Ergänzung sorgen die ausgestellten Bildfunk- und Jernsehempsänger. Der Tonfilm ist durch die deutschen Firmen Klangfilm und Tobi» in deni Tonsilmkino der Ausstellung und einem großen Ton- filniatelier sehr repräsentativ vertreten. Das Modell de» künf- tigen Berliner Großsenders von 75 kW Leistung wird ebenfalls großes Interesse auslösen. Dazu wird als„kleiner Bruder" ein llltraturzwellensender der Firma C. Lorenz zu sehen sein. Im Rahmen einer„Deutschlandausstellung des Rundfunks" bringt die Rcichsrundfunkgcsellschaft aus Schallplatten die wesentlichsten Darbietungen des letzten Jahres zu Gehör. Die Phonofchau 1931, die zum zweitenmal der Funk- ausstellung angegliedert ist, gibt einen interessanten Ueberblick über den derzeitigen technischen Stand und das Produktionsprogramm der deutschen Phonoindustrie. Sonderschauen. � Reben der Schau der Sender ist auch noch eine große Kinder- B a st e l s ch a u vertreten, in der 200 verschiedene Einsendungen Zeugnis ablegen von den technischen, durch die Anregung de» Funk» geweckten Talenten. Interessant ist auch die Sondcraus- si e l l u n g der R e i ch s p o st, die mit den letzten Fortschritten der Technik des Fernsehen» bekannt macht. Einen weiteren besonderen Raum hat die Reichspost der Ausstellung de» U l t r a k u r z- wcllensenders, mit dem vom Reichspostzentralamt aus die Ultrakurzwellenoersuche ausgeführt werden, gewidmet. Den Ab- schlich bildet eine Störschutz sonderschau, in der die Stör- bcfreiuugsmittel und wichtige elektrische Haushaltgeräte mit einge- bautem Störschutz zu sehen sind. Den Abschluß der Ausstellung bildet die große Halle VI. Neben weiteren Ständen der ponographischen Industrien wird hier zunächst eine Sch allplatte nfabrikation von A bis Z im Be- trieb vorgeführt. Vor den Augen de« Publikums zeigt man hier, wie der Ton in Prägcmatrizen eingraviert wird. Man sieht hier, woraus das zur Herstellung der Platten verwendete Rohmaterial besteht, wie es gemischt und verarbeitet wird und wie endlich aus den Prägepressen alle 30 Sekunden fix und fertige Schallplatten herauskommen. Auch hier Wunder der Technik, von denen schon der funkische Teil der Ausstellung Hunderte von Beispielen geboten hat.— Ferner gibt es ein Theater der tönenden Marionetten unter Leitung Georg Deiningers, Stuttgart. Hier wird die Oper„Der Bajazzo" mit Originalmusik und G-saNg der Mailänder Scala ausgeführt. In einer weiteren Vorstellung ist dem Kgharett gebührender Platz eingeräumt, Im Vortragssyal des Funkhause» begrüßt die T o nfül sn i n d u st r i e den Besucher. Ufa und Emelka geben eine Revue der Wochenschauen des vergangenen Jahres. Daran schließt sich ein Gang durch tönende Kulturfilme. Dann kommen Ausschnitte von kommenden noch nicht aufgeführten Spiel- tilmen. Fünfzehn Filme haben ihr bestes zu diesem Potpourri her- oegeben. deutsche und ausländische Und zum Schluß ein Rück- blick aus alte, natürlich stumme, Filme aus der Kinderzeit des Films. „Sie SpN. hat schuld!» Verleumdermethoden von recht«! und links. i. lieber den Zusammenbruch der Nordwolle und die ihn umgeben- den Bremer Standolaffären hat die 5iugenbergpresse bisher nur sehr verschämt und unter strengster Vermeidung aller politischen Folge- rungen berichtet. Daß die in diese Affären Verwickelten nahezu sämt- lich den Rechts Parteien zugehören, brauchten die Leser des„Tag" und de»„Lokal-Anzeiger" nicht zu erfahren. Mittlerweile hat sich jedoch ereignet, daß e i n Sozialdemokrat, der Aufsichtsratsvorsitzender der Bremer Beamtenbonk war. bis zur Feststellung seine» Maßes an Mitverantwortung seine Ehrenämter zur Verfügung gestellt hat. Prompt erscheint der„Lokal-Anzeiger" von heute mit der Balken- Überschrift:„S P D.- S k a n d a l in Bremen." II. Die„Berliner Börsenzeitung", ein extrem rechtsstehendes Blatt, hat dieser Tage verlangt, daß die Staatsanwälte in allen Kommu- nistenprozessen auf H ö ch st st r a f e plädieren und, wenn diese nicht verhängt wird. Revision einlegen sollen. Die alldeutsche„Deutsche Zeitung" hat das Börsenblatt noch übertrumpft und Todes st ras« für jeden Aufrührer, in milderen Füllen Prügel st rase gefordert. Preisfrage für kommunistische Journalisten: Wie macht man aus diesen extrem rechten Zeitungsstimmen Material zu einem An- griff auf die Sozialdemokratie? Die Redaktion der kommunistischen„Tribüne" in Magdeburg hat dieses Problem in wahrhaft genialer Weise gelöst. Sie druckt die beiden Stimmen aus dem Lager der äußersten Reaktion ab und schreibt darüber:„Aus den Spuren des„Vorwärt s"." III. � Di« deutschnationalen„Hamburger Nachrichten" haben einen kleinen Bruderstreit mit dem Hamburger Hakenkreuzblatt, da» sich abwechslungshalber wieder einmal„sozialistisch" kostümiert hat. Da- für erhält das ungezogkne Brüderchen folgende wohlmeinende Be- lchrung: ... sozial im Gegensatz zu sozialistisch, d. h. der sozial Denkende ist bereit, Opser zu bringen für die Allgemeinheit, der sozialistisch Denkende fordert von den anderen Opfer sür sich. Dabei versteht sich sür die Mentalität der„5)amburger Nach- richten" von selbst, daß die Kapitalisten„sozial" sind und für die Allgemeinheit Opfer bringen, während die Arbeiter al» krasse Egoisten von anderen, d. h. von den Kapitalisten, Opfer sür sich ver- langen. Kürzung der Reisekosten in Preußen. Der preußische Finanz- minister hat einen Erlaß herausgegeben, wonach mit Wirkung vom 1. September 1931 bestimmt wird, daß die D i e n st r e i s e- T a g e- a e l d e r und Uebernachtiingsgsldcr um 10 v. H. zu kürzen sind. Ausgenommen von der Kürzung sind die den Beamten z» erstatten- den Aiislogen wie Fahrtkosten und Nebenkosten. �eichsresorm durch Aoiverordnung? Bedenkliche Borschläge Höpker-Aschoffs. In der Zeitschrift„Deutscher Volkswirt" veröffentlicht der preußische Finanzminister Höpker-Aschoff den Entwurf zur Reichsreform, der nach den Beschlüssen der Landeskonferenz ausge- arbeitet worden ist. Darüber hinaus macht Höpker-Aschoff angeb- lich« eigene Vorschlage über die Einführung von Verwaltung s- g e m e i n s ch a s t zwischen Reich und Preußen, die cf sogar als Beginn der Reichsreform auf dem Wege der Diktaturoerord- n» n g durchgeführt sehen möchte. Im einzelnen bespricht er folgende Maßnahmen: 1. Der preußische Innenminister wird gleichzeitig Reichs- innenmini st er. Dos Reich übernimmt die Polizeiverwaltung und die Gemeindeaufsicht in Preußen. Dies kann durch Not- Verordnung verfügt werden, weil der Artikel 48 in Not- Zeiten dem Reichspräsidenten dos Recht gibt, nicht nur die Befugnisse de» Reichsgesetzgebers und des Landesgesetzgebers auszuüben, sondern auch die Landesoerwaltung an sich nehmen. Da das verfassungs- ändernde Gesetz Monate erfordern würde, und ein sofortiges Hau- dein geboten ist, sind die Voraussetzungen des Artikels 48 für eine vorläufige Regelung bis zur Verabschiedung des Verfassung-- ändernden Reichsgesetzcs gegeben. 2. Der R e i ch s j u st'i z m i n i st e r übernimmt die Betreuung der preußischen Justizverwaltung. Auch dies kann durch Notverordnung oerfügt werden in der Form, daß die Reichs- rcgierung die Leitung der Justizverwaltung für das Land Preußen ausübt. 3. Die preußische Steuerverwaltung geht auf das Reich über. Dieser Uebergang kann auf Arund der Reichsabgaben- ordnung durch einen preußischen Antrag ohne weiteres herbeigeführt werden. Der Reichsinnen mini st er und der Reichsjustiz- m i ii i st e r würden al»dann gleichzeitig Mitglieder de» preußischen Kabinetts sein, und der preußische Minister- Präsident müßte als Vizekanzler in das Rcichekabinett eintreten. Diese wechselseitigen Bestellungen können ohne Gesetzes- änderung vor sich gehen. Das sind die entscheidenden Maßnahmen. Man kann die Dinge noch weiter treiben: Dos Reichsarbeiteminifteriuni könnte die Auf- gaben des preußischen Wohlsahrtsininisleriiims Jahre verflossen seit der Zusammenfassung der internationalen Gewerkschaftsbewegung. Am 2L August 1901 kam die erste Konferenz der Sekretäre der gewerkschaftlichen Landes- zentralen in Kopenhagen zustande. Auf Barschlag von Carl Legion wurde beschlossen, zur Verständigung über internationale Gewerkschaftsfrogen Konferenzen einzuberusen, die von den Sekre- tären der Londcszentrale» beschickt werden sollten: allgemeine Fragen sollten indessen auf den s o z i a l i st i s ch e n Kongressen erörtert werden. Die Gcneralkom Mission der Gewerkschaften die Dcutschlantis in dieser kritischen Zeit bestrebt ist, das b e st e des eigenen Landes anzustreben. Wir verdenken es unseren Ge- nassen in Frankreich nicht, daß sie dies tun, wie ich nach Ihrem Schreiben wohl annehmen kann, daß auch Ihrerseits wegen des gleichen Strebens uns keine Vorwürfe gemacht werden. Wir haben bis zum Ausbruch des Krieges alles getan, was in unserer Macht stand, um den Nationen Europas diese fürchterliche Katastrophe zu ersparen. Daß wir nicht stark genug waren, das Unglück zu verhin- dern, ist bedauerlich, aber sicherlich nicht unsere Schuld". 3)er VorSland der yewerkfctiafls-Jnlernatiouale Ion links nach rechts:£. Jouhmix(Frankreich), Joh. Sassenbach(S)eulschland), Italter Citrinc(Cnglandj Torsitxender, Waller Schcrenels, Qeneralsekrelär, Xeipari(Deutschland), (stehend) 3t. tayerle(Zschechosloirahei), C. Werfen*(.Belgien),.Hans Uahobsen(Dänemark) Deutschlands wurde als internationale Zentralstelle bestimmt. So war es eine Selbstverständlichkeit, daß Legien internationaler Sekretär wurde. Die zweite Konferenz fand 1902 in Stuttgart statt. Man kam uberein, daß eine Zentralstelle die ständige Verbindung zwischen den Gewerkschasten der einzelnen Länder vufrechterhalten sollte. Die Arbeiterschaft interessierende Gesetze, Vcr- mdnungen und Gerichtsentscheidungen sollten durch gute Usber- setzungcn zugänglich gemacht, eine Statistik geführt und die gegen- seitige Unterstützung bei Arbeitskämpfen geregelt werden. Bon einer einheitlichen Auffassung internationaler Zusammen- arbeit war man aber noch weit entfernt. Auch die wenig erfreuliche Konfrenz in Dublin(1903) trug nicht dazu bei, die Schwierigteite.r zu beheben. Es wurde aber schon erreicht, daß nur Deutsch, Englisch und Französisch offizielle Sprachen wurden. Zur Deckung der Un» kosten waren die Landeszentralcn verpflichtet, pro 1000 Mitglieder b englische Pence zu zahlen. Der vierten Konferenz in Amsterdam(1905) lag zum erstenmal ein gedruckter Bericht über die Gewerkschaftsbewegung im Jahre 1903 vor. Belgien, Dänemark, Deutschland, England, Frankreich, Holland, Italien. Oesterreich, Norwegen, Schweden, Schweiz, Spanien, Ungarn und Victoria(Australien) hatten ofsi- zicll ihren Anschluß an da- Internationale Sekretariat zur Kennt- nis gebracht. Legien forderte, daß„ausgeschlossen von der Bcra- tung sind alle theoretischen Fragen und solche, welche die Tendenzen und die Taktik der gewerkschaftlichen Bewegunng in den einzelnen Ländern betreffen". Diesen Antrag brachte Legien ein, weil die Franzosen die Behandlung der (fragen des Generalstreiks und des Antimilitarismus wünschten, wosür der internationale Sozialistcnkongreß, zuständig war. Auf der Konferenz in Oslo(1907) werden Bulgarien und Serbien als neue Mitglieder genannt. Die Gcldeingängc waren ober so minimal, daß die deutsche Eewerkschaftszentrale dem inter- nationalen Sekretär einen Extrabeitrag von 3000 M. zur Deckung seiner Verpjlichtung übergab. Die Hauptkosten verursachte der alljährliche Bericht. Der Konserenz ging ein Briefwechsel mit den Franzosen voraus, die wiederum die Fragen Generalstreik und Antimilitarismu- auf die Tagesordnung gesetzt wissen wollten. Dem konnte entsprechend den Beschlüssen des letzten Kongresses nicht stattgegeben wcroen. Die Franzosen blieben deshalb dem Kongreß fern, auch die Amerikaner waren trotz einer Einladung nicht erschic- nen. Mit den Franzosen wurden die Differenzen schließlich bei- gelegt, so daß die 0. Konferenz in Pari- 1909 tagen konnte. Dieses Mal war auch G o m p e r s, der Präsident der American Fede- ration of Labour anwesend. In seinem Bericht vom Jahre 1909, der der B u d a p e st« r Konferenz unterbreitet wurde, konnte Legien schon erfreulichere Fest- stellungen machen. In fast allen Ländern hatte die Arbeiterschaft beachtenswert« sozialpolitische Erfolge errungen. Die amerikanische Gewerkschaftszentrale hatte ihren Anschluß angemeldet, so daß jetzt 20 Länder dem Internationalen Sekretariat angehörten. Im Jahre 1911 wurde die erste größer« internationale Hilfsaktion durchgeführt. Für Norwegen wurden 36 887 M. gesammelt, sür die ausgesperrte» Dockarbeiter in London konnten sogar 100 072 M. ausgebracht werden. 1912 wurden vier Hilfsaktionen durchgesührt. Die Konferenz in Zürich(l913f tonnte endlich dazu über- gehen, auch nach außen hin die Macht der Internationale zu demon- strieren. Das geschah durch den Beschluß, den Namen„Inter- nationales Sekretariat" in„Internationaler Gcwerkschaftsbund" umzuändern. Legien wurde Präsident des Bundes. Durch die Herausgabe der in deutscher, englischer und französischer Sprache er- scheinenden„Internationale Korrespondenz" war bereits zu Beginn des Jahres ein neues ausgezeichnetes Instrument geschasten worden. die Landeszentralen zit unterrichten. Der Vormarsch setzte sich in stürmischem Tempo fort. Kurz vor Ausbruch des Weltkrieges hatte Legien«in Büro eingerichtet, in dem 12 Angestellte verschiedener Nationalität als Uebcrsetzer arbeiteten. Mit dem großen Völker- morden wurde das gerade aufgebaute Werk in seinen Grundmauern erschüttert. Lange Zeit konnte nur indirekt die Verbindung mit den Ententeländern aufrechterhalten werden. Vom Ende des Jahres 1914 dis 1919 unterhielt Jean Oudgcst in Amsterdam im Einverständnis mit Legien eine neutrale Korrespondenzadrcjse für den IGB. Aus einem Schreiben Legiens an LconJou- h a u x in Paris vom 30. November 1914 mögen folgende Sätze die Stellung der deutschen Arbeiterschast zum Kriege darlegen:„Wir perstehen es vollständig, datz die Arbeiterschaft Frankreichs genau wie die Mit dem Kongreß in Amsterdam begann nach dem Kriege neue Periode der Gewerkschasts-Znternalionale. Viel Schutt mußte zwischen den Vertretern der deutschen Arbeiter- schaft und denen der Cntcnteländer weggeräumt werden. Blut und Hunger stand zwischen ihnen. Aber schließlich siegte der Gedanke der internationalen Verbundeicheit des Proletariats und Man begann. die Fundamente wieder neu zu bauen. Der Gewerschastsbund wurde konstituiert. A p p l e t o n(England) wurde Vorsitzender, später von I. H. Thomas und dieser von Citrinc(England) abgelöst. Ganz äußerlich gesehen ist mit der Ucbersiedlung des IGB. dieser Tage die letzte Erinnerung an den fürchterlichen intetnotio- nolen Zusammenbruch ausgelöscht. Der IGB. konnte trotz des Aus- tritts oder vielmehr des nicht vollzogenen Beitrittes der amerikani- schen Gewerkschaften seine Mitgliederzahl von 6 843 909 im Jahre 1914 bis zum Jahre 1924 auf 13133004 oerdoppeln und seine Macht innerhalb der kapitalistischen Gesellschaftsordnung stabilisieren. Noch dem Kriege baten die ungarischen Gewerkschaften und Sozia- listen um Unterstützung gegen den weißen Terror. Am 28. Juni 1920 wurde der Boykott gegen Ungarn verhängt. Leider konnte die Aktion nicht mit der gewünschten Vollständigkeit durch- geführt werden. Im Kampf, den Polen gegen Rußland führte, er- klärte die Amsterdamer Internationale:„Nicht«in Zug mit Munition darf verkehren, nicht ein einziges mit Kriegsmaterial be- ladenes Schiff den Hafen verlassen, nicht ein einziger Soldat soll weiterbesördert werden. Dem Kriege wird keine Nahrung zu- geführt." Ungeheure Aufgaben wurden gestellt. Soweit das erwachte Proletariat sich in die Front einzugliedern verstand, waren die Kämpfe erfolgreich. Im November 1919 wurde ein« großzügige Hilfsattion für die Wiener Arbeiterschaft durch- geführt. Vom August 1921 bis Ende 1923 wurden für das hun. gernde Rußland 2 Millionen Gulden aufgebracht. Für die deutschen Gewerkschaften, die während der Inflation fast zusammenbrachen, wurden durch eine internationale Aktion 494 490 holländische Gulden gesammelt. Für den Grohkampf der Dänen im Jahre 1923 übergab der IGB. 4 423 201 dänische Kronen. Gegen Reaktion und Faschismus wurde ein fortlaufender Kampf geführt. Dem bereits in dänischer, deutscher, englischer Sprache erscheinenden Pressedienst wurde eine s p a n i- sche Ausgabe hinzugefügt. Trotz der Weltwirtschaftskrise ist der IGB. eine nicht zu unter- schätzende Großmacht, der die organisierte Arbeiterschaft in Süd- afrika, Deutschland, Argentinien, Oesterreich, Belgien, Bulgarien, Kanada, Dänemark, Spanien, Estland. Finnland, Frankreich, Groß- Britannien, Griechenland, Holland, Ungarn, Lettland, Luxemburg, Palästina, Polen, Rumänien, Südwestafrika, Schweden, Schweiz, Tschechoslowakei und Jugoslawien angeschlossen sind. Auch die taktischen Differenzen, die bei Gründung des IGB. zwischen einzelnen Ländern bestanden, sind überwunden. Die tak- tische und grundsätzliche Einheit, die innerhalb des IGB. erreicht wurde, hat auch zu einer verständnisvollen Zusammenarbeit mit der Sozialistischen Arbeiter-Internationale geführt. Mit Vertrauen und Sicherheit kann der IGB. in die Zukunft blicken. „Wandernde Universität" in China Sven Hedins neue Expediiionspläne Aus Sven Hedins gegenwärtigem Hauptquartier In Stockholm kommt„hje Nachricht, daß. der schwedische Forscher in wenigen Monaten wieder aus den Schauplatz seiner letzten große». Expedition nach Mittelasien abreisen will. Er beabsichtigt nur noch zwei Bücher fertigzustellen und zwar eins über die berühmte mongolische Tempel- sladt I e h o l in Nordwestchina und ein zweites über den Lop- n o r, jenen merkwürdigen See in Chinesisch-Turkeflan. dessen gegen- wältige Loge lange Zeit unbekannt war und dessen rätselhaste Wanderungen lange Zeit ein geographisches und geologisches Pro- blem waren, bis vor wenigen Wochen Mitarbeiter Sven Hedins endgültig das Dunkel über dem Asiatischen Mittelmeer lüfteten. Sven Hedins„Schwedifch-Chinesifche Zcntralasienexpcdition" ist zur Zeit die einzige Forschungsexpcdition mit europäischen Teil- nehmern, der die Chinesen die Arbeit gestattet haben. Alle anderen europäischen und amerikanischen Forschungsunternehmungcn wurden vor kurzem von der chinesischen Regierung stillgelegt. Selbst Chapman Andrews und Aurel Stein mußten ihre Pläne auf- geben. Sven Hedin hofft, daß er in zweijähriger Arbeit mit den Problemen fertig wird, die zu lösen er sich noch vorgenommen hat, dann aber wird sich der nunmehr Sechsundsechzigjährige zurück- ziehen, diese Reise wird seine letzte sein. Die europäischen Teil- nehmer der Expedition sind zum Teil noch, zum anderen Teil schon in China: sie setzen sich aus Schweden und aus Deutschen zusammen, zu denen eine größere Anzahl hervorragender chinesischer Gelehrter kommt, mit denen Sven Hedin seinen eigenen Worten zufolge in ausgezeichneter Weise zusammenarbeitet. Die Hauptarbeit der Expedition wird von Geographen und Geologen geleistet. Die kartographischen Aufnahmen van Dr. R o r i n, Dr. B o h l i n und Sven 5) c d i n selbst werden für eine Fläche von mehreren Millionen Quadratkilometern die ersten exakten Karten ermöglichen. Die geologischen Untersuchungen oer- sprechen Ausklärung über ein Gebiet, das zu den geologisch ältesten der Erdkruste gehört. Dr. Norin hat die permokarbouische Eiszeit in Chinesisch-Turkeftan entdeckt, eine der seltsamsten Perioden der Erdgeschichte. Seine weiteren Forschungen werden vielleicht zu ganz neuen Anschauungen über die Entstehung der großen asiatischen Gebirge sühren. Wichtig sind auch die meteorologischen Forschungen der Expedition. Der Heroorragende deutsche Meteorologe Dr. H a u d e hat, in großzügiger Weise unterstützt von der Notgemeinschaft Deutscher Wissenschaft, umfangreiche Untersuchungen der Klimagesetze Mittelasiens begonnen. Bereits ist die vierte, von Haube einge- richtete feste Wetterbeobachtungsstotion in Betrieb. Chinesische Studenten sind hier tätig, die von dem Deutschen eingearbeitet morden sind. Die Stationen unterstehen dem Hauptobservatorium in Nanking, sie sind besonders bedeutungsvoll für die langfristige Wettervorhersage und für den Lust- verkehr über Asien. Dr. Haude wird im Jahre 1932 eng mit den Unternehmungen des internationalen Polajahres zusammen- arbeiten. Große Ucberraschungcn können noch die historischen und prähistorischen Forschungen Dr. Folke Bergmans bringen, der be- konntlich schon sensationell« Funde an Handschriften gemocht hat, und zwar in sechs verschiedenen Sprachen 10 000 Holzstäbchen- Manuskripte werden zur Zeit entzisfert, aus denen Sven Hedin Aufschluß über die Geschichte China? vor 2000 Jahren besonders über die Kämpfe gegen die Hunnen erhofft. Nicht weniger wichtig sind auch die Forschungen von Prof. Büan, der den Spuren der Urmenschheit und der Urtiere folgt und bereits einen aufsehenerregenden Sourierfund gemacht Hot. Auch der junge Schwede Gerhard Bexcll, der Hunderte von wunder- bar erhaltenen versteinerten Insekten der Kreidezeit und andere Fossilien fand, arbeitet weiter an seinen pflanzenpaläontologischen Forschungen. Es besteht die Hoffnung, daß den Paläontologen der j Expedition, zu denen auch Dr. Bohlin geHort, weitere so aufschluß- reiche Funde gelingen, wie der vielbesprochen« Sinanthropo» Pekino-nfis/ dessen Auffindung zu den größten Ruhmestaten der SveN-Hedin-Expedition gerechnet werden muß. Nach seiner Rückkehr nach ClHna beabsichtigt Sven Hedin sich zu- nächst nach dem Lopnor zu begeben, dessen Lagcoeränderung er bereits vor dreißig Jahren vorausgesagt hat und mit dessen Rätseln er sich— wie er selbst gesteht— viele Jahre seines Forscherlebens beschäftigte. Es gibt wohl zur Zeit auf der ganzen Welt keine Expedition von ähnlichem Umfang und von gleicher Vielseitigkeit, sicher aber keine, von der die Wissenschaft gleichwichtige Resultate zu erwarten hätte vr. A. Gimsiaben. Valdemar von vauhnern ist im Alter von 65 Jahren in Berlin gestorben. Er wirkte hier, nachdem er zuvor in Weimar und Frankfurt o. M. als Musikdircktor tätig gewesen war, als Lehrer an der Akademie für Kirchen- und Schulmufik und war gleichzeitig Sekretär der preußischen Akademie der Künste. Als Komponist ist B. vielfach, wenn auch ohne nachhaltigen Erfolg mit Sinfonien, Kammermusiken, Opern und besonders Chorwerken hervorgetreten. Ein vorgeschichtliches Dorf bei Potsdam. Vorgeschichtliche Funde sind zum überwiegenden Teile einem glücklichen Zufall zu danken. Unweit Potsdams an der Pfaueninsel verengt sich die Havel in einem Maße, daß diese Verengung ein sehr unangenehmes Hindernis für die Schleppzuge bildet. Um einen reibungsloseren Schiffsverkehr zu ermöglichen, ging man daran, die Wasser- siraße an dieser Stelle zu verbreitern. Bei den Ausboggerung»- arbeiten ist mau nun auf ein vorgeschichtliches Dorf gestoßen. Das zutage geförderte Material, Steinäxte in wundernoller Aus- führung. Scherben von Gefäßen, ein Schwert usw., ist sehr reich- haltig. Au« den Funden geht hervor, daß jenes Dorf durch mehrere prähistorische Perioden reicht— einige Funde stimmen aus der Sieinzeit, während andere der Bronzezeit und der Eisenzeit ange- hören. Ein deuliches Schulmuseum. Als 5iauptabt«ilung eines auf der Zitadelle in Mainz im Entstehen begriffenen Internationalen In- stituts für Völkerpädagogik ist jetzt ein„Deutsche» Schulmuseum" geschaffen worden, wo in dreißig Sälen die Ergebnisse der Arbeiten sänitlicher Schultypen gezeigt werden. Von besonderer Wichtigkeit isi die Einrichtung eines Lehrmittelhauses Das Institut soll dem geistigen Kontakt der Nationen dienen und den Gedanken der Ver- bundenheit aller durch seine Einrichtung vermitteln. Da« Kraftwerk unlcr der Erde. In K r e in n i tz wunde, wie aus Prcßburg berichtet wird, ein Elektrizitätswerk 240 Meter tief unter der Erde«rrichtcl, das in seiner Art wohl als einzig dastehend be- zeichnet werden kann. Das Werk wurde in einer verlassenen Baugrube eingerichtet. Zwei Turbogeneratoren werden durch einen in einen Schacht eingeleiteten Bach gespeist. In dem Bergwerk findet das Wasser einen normalen Abfluß, so daß die Erzeugungskosten der elektrischen Energie auf ein Minimum beschränkt bleiben. Forschungen an der südrussischen Küste. Die russische wissenschast- liche Expedition, di« sich mit der Erforschung der Ueberreste der oer- sunkenen griechischen Stadl C h e r s o n e s o s zu beschäftigen hotte, hat ihre Arbeiten abgeschlossen. Es ist ihr gelungen festzustellen, wo sich die Stadt befunden bat. Kinooperoteure hoben Unterwasserouf- nohmen gemacht, welche die Ueberreste von Befestigungen, Türmen usw. deutlich zeigen. Süh-enchroaik. Gertrud C a l l a vi, die neu verpsliKtett trftt .Koloraturlepranisiin der Städtischen Oper, tritt zum ersten Mal« Sonnabend in der Titelrolle von Rossinis„Angelina" auf. Prüsuagsstell« der Biistu-ngenoflenschast. Die Prüfuno für Anfänger in der Oper und Operette findet Mittwoch, den S. September, und Tonnerstag, den 3. September, für Schguspielanfänger Freitag, den 4. September, jeweils nachmittags 4 llbr, nn„Äübnennachweit", Berlin SS. 9, Potsdamer Str. 4, statt. Meldungen sind schriftlich bi» Montag. den 24. August, an die Genossenschast Deutscher Bübiienangetzörigen, Berlin SS. 62, Keithsir. 11, einzureichen. Der Meldung ist ein sclbstvcrfahicr Lebenslauf und ein Lichtbild beizufügen. Vernunft wird Unsinn... Wie es auf der Stempelstelle aussteht. Ci* Arbeitsloser schreibt uns: Sie brachten am 15. i). M. einen Artikel:„Das unsinnige Stempeln". Es ist begrüßenswert, daß Sie dieses Iammerkapitel beleuchten. Leider oermißte ich unter den ausgesührten Stempel- stellen den Kaufmännischen Nachweis in der Käiscr-Wilhelm-Straße. Natürlich auch dort treibt der Radikalismus seine Scheinblüten; im Gegensatz zu anderen Arbeitsämtern, die sich in den Bezirken der Stempelpflichtigen befinden, ist dieser Nachweis zentralisiert, d. h. alle stellungslosen Kaufleute Groß-Berlins müssen dort stempeln gehen. 90 Prozent aller Stempelpflichtigen oerbrauchen für diesen Zwang monatlich 4 Mark Fahrgeld. Wie alle Behörden, die unproduktiv werden, umgeben sie sich mit organisatorischem Brimborium. Kartotheken, Klingelzeichen, grüne und rote aufflammende Lämpchen dienen zur Erheiterung, statistische Zettel, hunderterlei Kontrollmaßnahmen bilden die Beschäftigung Und damit Bewegung in die Massen kommt, werden die einfachsten Fragen und Auskünfte an andere Abteilungen weitergeleitet, wo man wiederum auf grüne und rote Lämpchen zu achten hat und in der Zwischenzeit zwischen all den Wartenden Vorträge der Radikalinskis anhören muß. Wozu all der Aufwand? Stellungen werden mangels Auf- träge nicht vermittelt, im Gegenteil mit zynischer Offenheit offenbarte man mir, ich sei zu alt, um von hier aus Stellung zu er- halten. Und so trottet man jahrein, jahraus hierher, läßt sich von hysterischen Beamten hierhin oder dorthin stoßen. Wir alle sind schließlich und endlich für Pleiteunternehmen Ver- treter im Sinne des Gesetzes gewesen, ohne Gehalt, ohne sozialen Schutz und leben von dem Erbarmen der Wohlfahrtsämter. Und dann kommt der Rechercheur des Wohlfahrtsamtes und rechnet vor: „An Unterstützung erhältst du monatlich 39 M., für Miete gibst du her 21 M., für Fahrgelder 4 M., für Bewerbungsschreiben, Porti, eventuell Fahrgeld 5 M., zusammen 39 M. Willst du mir einreden, daß du mit 9 M. monatlich leben kannst?"--- Ich weiß nicht, wie groß die Zahl der Stempelnden in der Kaiser- Wilhelm-Strahe ist, immerhin dürften die Aermsten der Armen einige tausend Mark Fahrgeld monatlich aufbringen, und diese Geld- verplemperung ist allein schon ein volkswirtschaftlicher Skandal. Wie groß mag aber erst die Zahl der Nervenkranken sein, die durch diese unseligen Zeitumstände hervorgerufen wurden.— Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage. Sehr richtig. -i° Wir hoben dieser Auschrist nur wenig hinzuzufügen. Es liegt in der Natur der Sache, daß die Arbeitslosen für das„organisatorische Brimborium" die Angestellten der Arbeitsämter verantwortlich machen, die in Wirklichkeit die Opfer dieses„Brimboriums" sind. Und daß die Angestellten, zwischen Hammer und Amboß gestellt, manchmal„hysterisch" werden, ist leider nicht weiter verwunderlich. Aber der Hauptvorstand der Reichsanstalt sollte sich einmal ernstlich mit diesem Problem befassen, das nur zu Reibungen ohne jeden Nutzeffekt führt. Oreiländerireffen in Lüttich. 30 OOS Teilnehmer, darunter 6000 Deutsche. Die freigewerkschaftlich organisierten Arbeiter der deutschen, beigischen und holländischen Grenzlande haben auch in diesem Jahr« wieder in einem Massenmeeting von eindring- licher Wucht ihren Friedenswillen bekundet. Dieser Verbrüderung?- akt war diesmal von besonderer Bedeutung, weil er in L ü t t i ch stattfand, gerade um dieselbe Zeit, da hier vor 17 Jahren in einem furchtbaren Belagerung-kampf das Blut Tausender floh und die Welt zum erstenmal eist erfuhr, was der moderne Materiaikrieg bedeutet. Der Verlauf des Tages war imposant. Ganz Lüttich glich einem Heerlager begeisterter Kämpfer für den Frieden. Die Zahl der Teilnehmer kann auf rund 39 990 geschätzt werden, ollein 6999 Deutsche waren aus dem Aachener Grenzgebiet mit Extrazügen eingetroffen. Bei der großen Kundgebung auf dem weiten Place de la Constitution im Mittelpunkt der Stadt sprachen vor einer unabsehbaren Menschenmenge unter Tausenden im Winde flatternden roten Fahnen B o n d a s und Paulis vom belgischen Gewerkschaftsbund, P o l a ck von den holländischen Gewerkschaften und Reichstagsabgeordneter B ö ck l e r im Namen der deutschen srcigewerkschaftlichen Arbeiterschaft. Von allen Rednern wurde die Notwendigkeit europäischer Solidarität und Zusammenarbeit zur Ueberwindung der Krise und ernstlicher Abrüstung, die so oft ver- sprachen-, worden sei, betont. Ueberall sei der. Kamps gegen den nationalistischen Faschismus aufzunehmen. In Achterreihen bewegte sich dann in stundenlangem Vor- beizuge ein A u f m a r s ch für den Frieden durch die Stadt, wobei besonders hervorgehoben zu werden verdient, daß überall in den Straßen die deutschen Arbeiter, die mit eigenen Mustk- kapellen erschienen waren, durch spontanes Händeklatschen von der Bevölkerung begrüßt wurden. In dem wundervoll auf den Höhen von Cointe gelgenen Stadion der Stadt, von wo man einen wundervollen Blick auf die Stadt hat, senkten sich dann nock) einmal in ergreifendem Trauerakt die roten Fahnen der Proletarier dreier Länder vor den gefallenen Opfern des Krieges. Mit internationaler» Sportkämpfen fand der Tag sein Ende. Die Reihe der Grenzlandkundgebungen, die mehr als die besten diplomatischen Reden die Mauern des Hasses, die die Völker von- einander trennen, niederzureißen vennögen, soll im nächsten Jahre im holländischen M a a st r i ch t fortgesetzt werden. Ablenkungsmanöver. Llm die Spuren des„roten Volksentscheids" zu verwischen. Die Balken der KPD.-Presse biegen sich. Heute:„Die Lohn- raubgewerkschaften bei der Arbeit", ganz dick:„Skrupelloser Verrat an den Gemeinde orbeitern." Während die Rechtspresse sich darüber beklagt, daß die den Vertretern der Ge- meindearbeiter gestellte Erklärungsfrist, die am Mittwoch ablief, bis heute Freitag, verlängert wurde, lügt die KPD.-Prefse: Diese Ver- schleppung der Entscheidung im Konflikt um die Gemeindearbeiter- löhne stellt ein ausgeklügeltes Manöver der Gewerk- fchaftsbürotratie und der Vertreter der Sozialdemokratischen Partei dar. Daß die Gewerkschaften moralisch und rechtlich zu Ver- Handlungen gezwungen sind bevor sie General« offensive" übergehen und unter der„siegreichen Führung der RGO." die Wasser-, Gas- und Elektrizitätswerke samt Straßen- bahnen und anderen Verkehrsmitteln stillegen, dos ist eine starte Rücksichtslosigkeit gegen die KPD., die auf diese Weise nicht einmal bis zum Anfang der Weltrevolution kommt. „Reformistenpleite in Ziffern. Bankrott des sozialdemokratischen Holzarbeiterverbandes" ist die zweite Pille, die die Leser der KPD.» Presse schlucken sollen. An den 8,25 Millionen Mark Unterstützungen, die der deutsche Holzarbeiterverband im Vorjahre ausgezahlt hat, worunter 5,25 Millionen Mark für die erwerbslosen Verbands- Mitglieder sind, gehen die KPD.-Strategen stolz vorbei. Von der ungeheuren Arbeitslosigkeit im Holzgewerbe, von der Ende 1939 nicht weniger als 46 von je 199 Mitgliedern betroffen wurden, und obendrein je 14 Proz. von Kurzarbeit nimmt man zwar Notiz, stellt ihr jedoch die Folge, in Gestalt eines Mitgliederverlusts, voran. „Es ist ein fürchterlicher Bankrott in jeder Beziehung. Trotzdem beziehen die Bonzen weiterhin geradezu unsinnige Gehälter..." Hätte die KPD. mit ihrer RGO. auch nur eine derart „bankrotte" Organisation aufzuweisen, wie den Deutschen Holz- arbeitcrverband, sie würde jubeln. Sie ist jedoch im Irrtum, wenn sie glaubt, ihren eigenen moralischen und finanziellen Bankrott durch falsche Meldungen über „Bankrott" freier Gewerkschaften oerhüten zu können. Die„u n- sinnigen Gehälter" der Derbandsangestellten höher als die Diäten der KPD.-Abgeordneten, die kommen" haben und sich deshalb von der Bezahlung zinssteuer drücken. „SPD.-TNagistral führt den Gehaltsabbau durch." Trotzdem die„Revolutionäre" genau wisien, daß unter den 18 Mitgliedern des Berliner Magistrats nur acht Sozialdemokraten sind, operiert die KPD.-Presse fortgesetzt mit dem Schwindel vom„S P D.- M a g iP r a t." Es ist die A n g st vor der Abrechnung der Arbeiterschaft mit der kommunistischen Bolksentscheidungspartei, die zu derart krampfhasten Ablenkungsmanövern in der KPD.- Presse treibt. Das wird den Lügenpetern alles nichts helfen: die „roten Volksentscheidler" sind bei der gesamten vernünftig denkenden Arbeiterschaft unten durch. sind nicht „kein Ein- der Haus- Morgen lehie Verhandlungen. Im Konflikt der Speditionsarbeiter. Nachdem die Unternehmer die Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches beantragt haben, der einen Lohnabbau um 4 Proz. vorsieht, hat der Reichsarbeitsminister zu morgen vormittag 9.39 Uhr Verhandlungen zwischen den Parteien anberaumt. 637 000 Arbeitslose in Italien wurden nach amtlicher Meldung Ende Juli gezählt, darunter etwa 162 999 weibliche. 239 999 Arbeitslose erhielten Unterstützung, also 497 999 keine Unter- st ü tz u n g. Wetterbericht für Berlin: Etwas kühleres, wechselnd bewölktes Wetter, nur einzelne Regenschauer, frische westliche Winde.— Jür Deutschland: Im Süden Besserung, in Nord- und Mitteldeutschland noch Fortdauer des veränderlichen Wetters, aber etwas sinkende Temperaturen. Im Osten meist trübe, besonders in Oberschlesien und Ostpreußen Regenfälle. verauNBortt. für die«HcbaTtion: Settui Lepsre, Berlin: Anzeigen: kb. HUft. Berlin. Verlag: Varwärtn Verla« S. m. b. S>., Berlin. Druck: Vorwärts Vu-i». druckerei und Berlagsanslalt Paul Singer& So., Berlin SB 68, Lindenstraki 8. Kierzu 1 Beilage. PROGRAMM für die Zeit vom 21. bis 24. Augmt IC I N O-T A P E L PROGRAMM für die Zeit vom 21. bb 24. Aagasi Potsdamer Strafe 38 W. 5, 7, 9, S. 3, 5, 7, 9 Uhr Der Schrecken der Garnison mit Felix Dressart Für Jugendliche freigegeben Rhcinstrafje 14 Ki�-elche) W. 5, 7, 9, S. 3 5, 7, 9 Uhr Der Sdirecken der Garnison mit Felix Brcuart Für Jugendliche freigegeben Die Kamera Odeon, PobdainerStr.75 W. 5. 7. 9. S. 3. 5, 7. 9 Uhr Onernredooie m. Liane Haid, Georg Alexander Turm strafe 12 L.V�u Der Schrecken der Garnison mit Felix Biessart Für Jugendliche freigegeben Alexandcrstr. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag geöffnet. Sonntags ab 3 Uhr Kriminal-Tonfilm Panik in Chicago mit Olga Tschcchowa � Unter den linden � Unter den Linden 13 Auf vielfachen Wunsch: Charlie Chaplin» besler Film „Coldransdr" des großen Erfolges wegen bis auf weiteres verlängert! Nur die Kamera zeigt letztmalig die einzige noch in Deutschland vorhandene Kopie dieses Films! j westan fc Primus-Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margaretensir. Wochentags 5.15, 7.15, 9.15 Uhr Sonntags 3.15, 5.15, 7.15, 915 Uhi Uraufführung des Aafa-Tonfilms Die Frau, von der man spricht mit Madv Christian», Hans Stfiwe Regie: Victor Janson g Friedrichstadt M Franziskaner �shkrinv00� Georgenstraße(Ecke FnedrlchstraSe) 1 Stande banie» Tonkabarctl Der singende Draht— Es war mit Greta Garbo, John Gilbert Moabit Artushot Bühne W. 6 30 U, Bühne Sonntags 5 U Perlebcrger Str. 29 Tonfili Der große Fritz-Lang-Tonfüm: M Tfincndes Beiprogr.— Bühensdsan Welt-Kino W: 6'45 u- 905" Alt-Moabit 99 Sonnt ab 4.45 U' 100 proz. Tonfilm Panik in Chicago mit Olga T«he- chowa, Hans Rehmann— Tonbeipr, Kant-Lichtspiele Kantstr. 54(an der Wilmersdorfer Str.) W. 5. 7. 9 Uhr S. 3, 5. 7, 9 Uhr Der Sdirecken der Garnison mit Felix Brewart Für Jugendliche freigegeben E WHmersdorf""k Atrium Bcba-Palasi Kaiserallee, Ecke Berliner Straße W. 7 u. 9.15 Uhr S. 5, 7, 9.15 Uhr Uraufführung! E. A Duponts: Salle Mortale mit Anna Sien— Ton- filmbelprogramm A_"sctidn'cbarg H Titania Schönebg. MA Hauptstraße 49 Sonntags 3, 5, 7, 9 Uhr 100 proz. Tonfilm; Rango(ein filmische» Tierepo* ans d. D»«hangeln Sumatras) Tonbeipr. U Frlbdanau Kroncn-Liditspiele Rlieinslr. 65 Wochenlags 5, 7, 9 uhr Sonntags 3. 5. 7. 9 Uhr Tonlustspicl: Der Sdirecken der Garnuon mit Felix BreMarl, Lade Englisch— Gates Beiprogramm Für Jugendliche freigegeben ■ Stdgllt» j Titania-Palast Steglitz, Schloßstr.5. Ecke Gutsmuthssrr. Tonfilm-Uraufführung: Meine Cooalne aas Warschau mit Liane Haid— Tonbctprogramm— Ton wochcnsch aa Zeli JEehlanderr-Mitt« p Wochentags 7. 9 Uht Sonntags 5. 7, 9 Uhr Potsdamer Str. 40 Stg. 3 Uhr: Jugendv Fritz Längs Ktiminal-Tonfilmerfolg; M— Gates Beiprogramm HarienderF IV4~? i Mariendorfer Wochentg. 1 ia- lal Tonlichtspiele 5' j, 9 Uhr Chausseestr. 305 So. ab 5 U lOOproz.Tonfilm: Sthatten der Menage mit Liane Heid Lachendes Leben(Sportfilm) TiVOli Berliner Str. 97 Tägl. 5, 7, 9 U. Stgs. 3 Uhr; Jug.-Vorst Tonlustspiel: Der Schrecken der Garnison mit Felix Brcffart Tonbeiprogramm Jugendliche haben Zutritt W weuböiin 1 Primus-Palast Am Hermannplatz. Urbansir. 72/75 Wochentgs. ab 6.30 U. Sonntgs. ab 3 U. Des beispiellosen Erfolges wegen verlängert! Der Schrecken der Garnison mit Felix Bressari Jugendliche haben Zutritt Achtung! Achtung! Sonnabend, t)en 22. August, ausnahmsweise Beginn der ersten Vorstellung s Uhr. Nur bis Beginn der ersten Vorstellung ermäßigte Preise. Mercedes- Palast Hermannstraße 212, Ecke Jägerstraße Woch. 6'fj, 9 Uhr. Stg. 5. 7, 9 Uhr Des beispiellosen Erfolges wegen verlängert! Der Sdirecken der Garnison mit Felix Bressari Jugendliche haben Zutritt Achtung! Achtung! Sonnabend, den 22 August, ausnahmsweise Beginn der ersten Vorstellung 5 Uhr. Nor bis Beginn der ersten Vorstellung ermäßigte Preise. Kukuk WochcnU 5.45, 9U. Sonntag 5,(J.-V.3) KottbusserDamm 92 Tonfilm; Rango(Tierepos aus dem Dschungeln Sumatras) Belprotrainm— Jugendliche Zutritt SOdwcsten Lichtspiele Südwest Blüchcrstr. 12 W. V>7. So. ab 5 Uhr Tonoperette; Die Marqnise von Pompadonr mit Anny Ahlers, Verebes. Ida Wüst F*d*d*lü101- Wochent. 5-45, 9 U ErXCClSlUr Sonntag 5, 7, 9 Uht Kaiser-Friedrich-Straße 191 Tonfilm; Nie wieder Liebe mit Lilian Harrey, Bressari, Liedlke Tonbciprogi amm Stern, Hcrmannstrasie 49 Wochpnt. 6,45, 9 U. Sonnt. 5, 7, 9 Uhr 160 proz. Tonoperette; Nie wieder Liebe mit LUiaa Harrey. Bressari, Liedlke— Tonbeipr ogr, Film-Palast Kammersäle Teltower Str. 1 W. 6�0. Stg. ab 3 30 U. 100 proz Tonfilm; Opernredoale mit Liane Haid, Georg Alexander Der Ring de« Unheils w»o«*" a Th. am Moritzplatz Bcg. Wo. 6.30, 9. Stgs. ab 4.30 Uhr Frliz Längs Kriminal-Tonfilmerfolg; „M" Gnies Beiprogramm > Südosf w» Luisen-Theater Reichenberger Str. 34 Anf. W. ab 6 30 U. Stg. ab 5 U Das Ekel mit Max Adalbert l.TonfilmkabareH— Drei Grotesken Jugendliche haben Zutritt Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Wochtgs. ab 6'.'- v., Sonntags ab 3 U Tonfilmschwank: Der Schrecken der Garnison mit Felix Bressari Bühnensdiaa Jugendliche haben Zutritt 1 Paumachulanwaa"b Lichtspielhaus Baumschulenstr. 78 Wochen". 6 30. 9 U. Sonnt 4, 6 30, 9 U. Sonnt 2 Uhr: Jugend-Vorsieiiung Tonfilm: Walxerparadle» mit Charl. Sosa, Grell Thelmer Tonbeiprogransm Sternwarte— Treptow Sorinabend 8. Sonnt 4, 6, 8 Uhr; ... den schickt er in die weile Well(Welueiselilm) Nordoitan „Elysium" Wo. 5.15, 7.00, 9.15. So. ab 3. Uhr Jugd.-V Foxfonwoche Der Schrecken der Garnison mit Felix Dressarf, Lade Englisdi Bühne: Harry Bienenstein Jugendliche haben Zutritt Flora-Lichtsp. 1aiÄT W. 6Vj. 9 U.. Stg. ab 4 U. Der Schrecken der Garnison mit Felix Bressari Die Peitsche des Gesetzes Ten woche Freitag, Sonnabend ab 5 Uhr. Germania-Palast Frankfurter Alice 314 Wochentgs. 6.30 UN Sonntags ab 5 Uhr D-Zag IS bat Verspitnng mit Charlotte Sosa« Heinz KOnecke Der Stamme Ton Portici mit S. Arno,Sz6ke Szakall, Ida Wtttt Gates Beiprogramm Erstklassige Bahnenscbaa LunarPalastsl�Ä Große Frankfurter Str. 121 Tonfilm Nie wieder Liebe mit Lilian Harrey, Felix Dressartp Harry Uedtke Bühne: Gastspiel Basler da-Ballett Schwarzer Adler /»«R Woch. 5, 7. ca. 9, Stg. 3, 5. 7. 9 U. Der Schrecken der Garnison mit Felix Dressart Neueste Woche— Jugendliche Zutritt V. T. Lichtspiele Frankfurter Allee 48 W.5, Sa 3 Uhr Wegen Riesenerfolg verlängert; Der Sdirecken der Garnison mit Felix Bressari Gates Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt Babylon, am Bülowplalz Wpcheniags 5, 7, 9.10, Sonntags 3 Uhr 100 pro?. Tonfilm: Der Schrecken der Garnison m. F. Brcssart, L. Englisch Bühne; Ell! GlS�ner Jugendliche haben Zutritt G Neu-Uchtenbärg"b Kosmos-Lichtspiele Lücksfr. 70 Wochen». 7, 9 Uhr Bonntags 5. 7. 9 U. ... o. das Ist die Haaptsache m. N. Gregor, Liedlitt, LL Grablcy.Tonbp. Jugeiidncbe haben Zutritt V www— g Hflrmntile wochem 7 u 9u. narmume Sonnt 7 � 9 u. Langhansstr. 23 2 Groftfli m r I Panik in Chikago m O. Tsdiecbova Pal and Palaibon aal Frclcrsfflfen Schloßpark FOm- BOhne Berliner Allee 205—215 6.30, 9 Uhr Tonlustspiel; Der Sdirecken der Garnison mit Felix Bressari Gnies Beiprogramm V PrtadrtcDsfW» Kino Busch SrVWtf Alt-Friedrichslelde 3 100 proz. Tonf.; Harold hall dld> fest mit Harold Lloyd. Aosgezeldinrtes Beiprogr. Woche. Jugdl. hab. Zutritt Alh/tmhrj* Müllerstraße 135, A.inami>ra Ecke Seestraße Wochenf. 5, 7, 9 U„ Sonnt. 3, 5, 7, 9 UL Der Sdirecken der Garnison mit Felix Bressari, Lade Englisdi Für Jugendliche freigegeben. Pharus-Liditspiele MQIIerstr. 142 W. 5.7.9U.. Slg. 3.5.7, 9U. lOOproz.Tonfilm: Opernredonle mit L. Haid. Georg Alexander. KapiKn Halls große Liebe. Beiprogramm a PSIHROW a Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 7 u. 9, Stg. 5, 7, 9 UL Tonfilm: Vornntersn drang mit Basscrmann, FrOhlid>,Ch. Ander Tonbelprogramm t«9«l Filmpalast Tegel Wochent. 5, Sonnt 4>,i U. lOOprpz.-Tonfilm: Der Sdirecken der Garnison mit Felix Bressari, Lade Englisdi—~ weißen Rößl Bühne; Fred Sdiaal Im Mannigidor» Filmpalast s,g. Berliner Straße 59 100 proz. Tonfilm; Der tdu ecken der Garnison mit Felix Breasaii 1 X Lax mit C. r (Beilage Freitag, 21. August 1931 SprAbnrä ko+ufdrA SBwei SEeiMUer und eine Iffachi Sin nicht durchweg trübfeliges iloMurno/ ton Meinrich xemmer Herr Morand[teilt s i ch vor... Längst wollte ich einmal jenes eminent tote Zeitalter wieder- erweckt sehen, dem wir entsprossen sind, und von dem wir in unserem Ueberlegenheitsdusel nichts mehr wissen wollen. Ich hatte ja bereits die Schatten der vorigen Generation auf der Leinwand vor- uberhuschen sehen, eine verständnislos und unverstanden zusammen- geflickte Reihe lebender Bilder aus der begrabenen Zeit der Jahr- hundertwende: einem altväterlichen Spuk, der das Kinopublikum zu einem Lachen reizte, das mir peinlich klang. Auch tauchen in illustrierten Blättern gelegentlich Photos aus diesem hastig eingesargten Zeitalter der Verirrungen auf, das man ruhig das ge- schmacklose nennen kann. Letzte Nacht sah ich nun ein Jahr, das ich in Paris verlebt habe, einen ganzen runden Jahrgang vergessener Aktualität und Noch- nichtgeschichte, lebensvoll und geschickt konzentriert, vor mir aus- erstehen, mit allen zugehörigen dramatischen Figuren und Figur- chen, wie sie sprachen und taten, in Salons, Klubs, aus der Straße. Zu diesem Wunderwerk verHals mir ein Tischgenosse, ein Fran- »ose mit ziseliertem Graubart und einer wohltuend-iegeren Geistes- ort, indem er mir ein rosa Päckchen unter den Arm schob, das ich zu Hause auf dem Nachttisch öffnete und aus dem ein geschwätziger Kobold heraussprang(so war mir wenigstens). Jedenfalls wurde meisterlich, hexenmeisterlich die Chronik des Jahres 1900 skizziert... Das ist das Jahr der Jahre(erfuhr ich) in dem die Vergangen- heit mit der Zukunft goldene Hochzeit feierte... in dieser Stadt der Städte: denn Paris(weih ich) war zur Weltausstellungszeit tat- sächlich und unbestrittenermahen die Hauptstadt der Welt. Vor meinen erstaunten Augen, die seinerzeit nichts gesehen zu haben schienen, rollte eine feierlich-grotske Epopcc vorüber, durch die der „frivole Prinz"(dann König:) Eduard spazierte, die Hosenbügelfalte kreierend und so manches Bündnis... und die großen Halbwelt- damen sah ich, wie sie aufs letzte Detail die großen Weltdamen imitierten(heute ist es umgekehrt). Die„Affäre"(Dreyfus) riß Frankreich(Freunde, Familien, Liebespaare) mitten auseinander und die Weltausstellung leimte es wieder zusammen,... auf der zum erstenmal die ganze Welt sich Rendezvous gab, alle möglichen 1990 noch ein letztes von einander unabhängiges Eigenbrötler-Leben führende Völker, während folgend die Aera kommerzieller und in- tellektueller Liäsonen ist, die sich über Europa hinaus von Kontinent zu Kontinent, von Hemisphäre zu Hemisphäre hinüberspinnen. Keine zwei aufeinanderfolgenden Epochen der Weltgeschichte stehen einander so himmelweit ferne wie unsere und die vorange- gangene, das wurde.nur klar. Nicht von Napoleon, sondern viel- inehr von uns, die wir das.„traurige Pivilegium" hatten, im vorigen Jahrhundert geboren zu fein, kann'man mit Fug behaupten, daß wir zwei Welten auseinander folgen gesehen haben. 1999 und 1931 sind so weit auseinander wie Moabit und Maoriland, wie Savonarola und Charlie Chaplin. Wir verstehen 1999, aber 1999 hätte 1931 niemals verstehen können. 1999 trug das Herz offen in der Hand: so wie 1931 Intelligenz besitzt, Intelligenz bis in die Fingernägel. 1999 kultivierte das Klavierspiel, aber erst 1931 hat das richtige Gehör. 1999 lebt in Irrtümer verrannt dahin, die es hätschelt, bis sie samten glänzen... dieses goldene Zeitalter täuscht sich mit Wonne etwas vor: sein Monokel macht es blind. 1999 glaubt an nichts und verschluckt alles: 1999 versteht seine Amüse- mcnts mit einer Persektion zu organisieren, die man im 18. Jahr- hundert und auch im Empirczeitalicr nicht gekannt hat, denn es gab bereits den Komfort ohne'die Katastrophen, die er seither mit herbei- geführt Hot.... Das rosa Päckchen war natürlich ein Buch,— das 169 französische und noch keine deutsche Auflage erlebt hat... und Paul Morands neuestes Werk darstellt, betitelt: 1999. Koboldartig spukt die ganze„hohe" Politik und Literatur darin herum, das schon 69 Kilometer fahrende Töftöf, das neu geprägte Wort lüg!, litc in lieser„typisch niedrigen Epoche" und die verschnörkelte Makkaronistil- Kunst und dito-Moral. Und noch eine Begegnung. Was soll man mit einer durch Lektüre angebrochenen Nacht be- ginnen: ich las auch noch schamlos das zweite Buch durch, das sich in meiner sonst literaturreinen Kanimcnale vorfand uird sonderbarer- weise ebenfalls von einem Zeitalter ins andere spielt— ober dies- mal von hinten nach vorne blickend. Ich sage gleich, daß dies von A bis Z. kleingeschricbene Buch„T r o tz d e m" mein Freund Adolf L o o s verfaßt hat, von dem ich all die Jahre, die wir an einem gc- meinsamcn(Wiener) Stammtisch diskutierten, keine Zeile gelesen habe, in der gegenseitigen Annahme, in der man dahinlebte, daß, wo immer Genie zu erwarten ist, bei Freunden keinesfalls. Nun druckt der Aerieizer(Brenner, Innsbruck) ein Fachurteil mit ab, in dem(ich liatte auch davon keine Ahnung) der jetzt(ist's möglich) 69jährig« Architekt Loos als ein Mann dargestellt wird, der„sein ganzes Leben seiner Zeit voraus war und dem die Architektur der heutigen Welt seine Grundgedanken verdankt": ich muß mir ihn doch noch einmal genau anschauen. Seinerzeit sprach Loos sowie ich von Reiseplänen, so er von großen in die Tausende gehenden fabelhaften Interieur- entwürfen und Bauprojekten... und beide hatten wir keinen Pfennig in der Tasche. Loos' Losungswort in seinen(jetzt auch aus den Jahren 1999 bis 1931) gesammelten losen Aufsätzen und Vorträgen ist: los vom Ornament. Wie ein Widder rannt« er von allem Anfang an gegen diesen vorerwähnten Graus sezessionistisch verschnörkelten Bauten, Möbel. Kronleuchter, Tapeten, Kämme, Hüte, Kleider an, der sich in der Domäne seines Ursprungs, in Wien, einer ofsi- zielleg hofrätlichen Protektion erfreute..... Wehe dem Lande", ruft Loos aus,„dessen Revolutionen die Hosräte besorgen!" Der „Herr Architekt"(der es vorzieht, einfach bei seinem Nomen genannt zu werden, ist stolz aus einen Freibrief als Maurer, den er vorweisen kann:«r tobt und wettert über die Reißbrett-Architektur von dena- turierten, in Fachschulen und Kanzleien verbogenen Menschen... die sich wie die Kunstgewerbler(die„angewandten Künstler") darüber entsetzen, daß wir heute keinen Stil haben, und. nachdem sie oll« alten Stile kopiert, den Stil der Zeit erfinden wollten. Also sprgch Laos. Loos tritt voll und ivarm für das Werk- st a 1 1 be wu ßt f e i n des. erzeugenden Handwerkers ein und hat in seiner Zeitschrift„der Andere", die bald nach ihrem und meinem Erscheinen einging, viele dieser und alles ander« das„moderne" Leben betreffenden Rundfragen gestellt und beantwortet— nur mit dem Wort modern will er nicht gern was zu tun haben. Was mit Werkstattradition gut und richtig und zeitentsprechend gemacht wird, ist co ipso, was wir modern nennen, und alles andere ist geschraubt und„ordinär". Bescheidene Zwischenbemerkung. (Nun hatten wir hier die Bauaus st ellung: streng lineal, glatt und furchtbar eben... und zu gleicher Zeit hatten wir Bernard Shaw, der ebenfalls ein, sozial, genial denkender und schon fast patriarchischer Mensch ist und Shaw sagte, er könne nicht glauben, daß sich das Volk auf die Dauer mit einem solchen nüch- lernen Stil zufrieden gäbe... es braucht etwas Phantasieanregen- des. Suggestives. Gut, ausgezeichnet. Ich bin ga«; der Meinung von Shaw und hoffe nur, Loos hat nichts davon vernommen.) Die Vorführung geht weiter. Nach dein Kriege fand ich Loos als Chefarchitekt des „roten" Wiener Siedlungsamtes wieder, und das war ein herrliches Feld für ihn, in dem er den„Edenern" nicht unähnliche l Siedlungsideen und Tatkräfte entwickelte— aber zu meinem größten' Staunen hatte Loos auch ein mächtiges Haus gebaut: glatt gegen- über der Hofburg. Sein Schneider, der auch mein Schneider war, hatte Loos,„weil seine Rechnung nie kleiner wurde", diesen erst stürmisch angefeindeten und dann vielfach als Muster edler Einfach- heit und Anpassung hingestellten Großbau bestellt. Und Loos hatte überdies seine eigene Bauschule in den Unterrichtsräumen einer bekannten Wiener Philantropin eingerichtet. Was Adolf Loos in Paris alles aus- und eingerichtet hat, steht nicht im Buche, trotzdem glaube ich zu wissen, daß er Herrn P o i n c a r e ein originell-ein- saches Heim eingerichtet hat, in dem wahrscheinlich die Möbel schon tunlichst„abgeschafft" sind. Es gibt keine modernen Möbel: also spricht AdoCs Loos. Alle Möbel, die nicht mobil sind, haben in den Wänden zu verschwinden— Schränke usw.— Messingbett, Tisch, Stühle sind Dinge, die von unseren Handwerkern(niemals Architekten)„modern" erzeugt werden. Wir brauchen Tischlerkultur, nicht Kunstgewerbe. Loos spricht noch als arbitcr clegantiarurn gar manches und gibt unfehlbare Moderatschläge. Was wollen Sie noch wissen? Daß man in Amerika den Strohhut nicht vor dem 21. Mai tragen kann — sonst wird er einem in den Kopf geschlagen. Er sagt's. Daß Batik in die Tinte gestupten Maikäfern gleicht, die über ein Stück Seide laufen. Was Wohnen-Lernen, Kochen, kurze Haare anlangt, dazu reicht's hier nicht mehr____ Zum Schluß nur noch das: ich sage dir, spricht Adolf Loos, es wird eine Zeit kommen, in der die Einrichtung einer Gefängniszelle vom Hoftapezierer Soundso oder Professor Soundso als Straf- Verschärfung gelten wird. Also: Muß man den Loos nicht gern haben, auch wenn einem vor lauter Lesen die Augen brennen? — Gute Nacht! cZwijchen ffiingen und tßonn Studie/ Ton Heinrich Deining Vorfabel. In alten Zeiten stand eines Tages der Rhein vor einer be- deutsamen Entscheidung. Er war schon die Hälfte seines Weges rewandert, als er plötzlich sah, daß er nicht weiter konnte. Links waren Berge, in der Mitte waren Berge, rechts waren Berge. Ein ungeschlachtes Gewirr von schiefrigen Bergzügen und felsigen Wän- den hemmt« den Weg. Sollte er umkehren und auf die Vermählung mit dem nördlichen Meere verzichten oder sollte er sich durchbeißen und scin«� eigene strömende Kraft geren die beharrend« Kraft der Natur ausspielen? Er nahm den Kampf auf und besiegte den trotzigen Feind. Schritt für Schritt durchfraß 0er Strom das ge- birgige Land, hartnäckig und kurogiert erzwang er Station um Station, und schreckte nicht vor einem Kompromiß zurück, wenn sein Scharfblick ein« Möglichkeit witterte, eine schon zwischen den Höhen bereitete Niederung seiner Bahn dienstbar zu machen. Dieser kühne und zähe Brautzug des Rheinstromes gab dem Land die Form und das Gesicht.(Vielleicht gab er ihm seine Geschichte. Be- stimmt gab er ihm seine Geschichte.) Geographie. Wir werden sachlicher: bei Bingen stößt der Strom hinein in das Massiv: bei Bonn, wo schräg gegenüber zum Abschied sieben Berge grüßen, breitet sich wiederum sein Bett wohlig nach den Bestimmungen seiner Willkür. Zwischen Bingen uns Bonn: Berge schließen sich auf beiden Ufern zu einer lückenlosen Kette. Dörflein und klein« Städte lagern an den Hängen, deren Flächen graugrüne, scheinbar quadratische Felder bemustern. Das nennt man Weinbau.(Wir kommen darauf zurück.) Da, wo die Mosel sich gezwungenermaßen mit dem Rhein betreffs des Weges und seiner Richtung solidarisch erklärt, liegt Koblenz. Man muß, ivenn man sich geistig zwischen Bingen und Bann aufhält, dieser Stadt gedenken. Sie ist ehrwürdig, weil sie alt ist: sie ist sehenswürdig, weil sie schön ist: sie ist denkwürdig. weil ihre Bewohner den Nachkrieg hundertfach verspürten und sein Auswirken tapfer und besonnen ertrugen. Zur Geographie sei noch bemerkt, daß sich bei Bingen dem Rhein die Nahe naht und in der Nähe von Remagen die Ahr, die im übrigen ihr privates Weinschicksol hat. Bon Osten spaziert die freundliche Lahn herbei, um südlich von Ehrenbreitstein ihre eigene Existenz auszugeben und in den Strom zu purzeln. Wenn man noch bucht, daß die winzige Wied irgendwo, etwas nörd- licher, vor dem großen Bruder kapituliert, darf man sich einiger- maßen sicher fühlen, die geographischen Tatbestände zwischen Bingen und Bonn einigermaßen gewissenhaft verzeichnet zu haben. Jahrgang. Wenn im Sommer der Himmel Regentränen weint, weinen im Herbst aus der Erd« die Menschen zwischen Bingen und Bonn. Von wegen des schlechten Jahrganges weinen sie, oon wegen des geringen Zuckergehalts, der sehlenden Spritzigkeit und der kümmerlichen Blume. Jahrgang: in diesem Begriff kulminiert die wirtschaftliche Existenz der Bevölkerung dieser Rheindärfer. Der Jahrgang im wirtschaftlichen Sinn« resultiert aus folgen- dem Vorgang im botanischen Sinne: an hohen Stangen ranken kletternde Weinstöcke, die unabhängig vom rankende» Kletterprozeß, noch der Blüte Früchte ansetzen, als Weintrauben allseitig bekannt und beliebt. Größe und Zuckergehalt der Trauben bestim- men den Grad der Qualität, die ihrerseits von der Hitze abhängig ist. Der Hitzegrad ist wiederum, ganz konsequent, eine Funktion des Winkelgrades, in welchem die Sonnenstrahlen die Fläche des Weinberges treffen. Es gibt, zumal auf den Rüdesheimer Bergen, Weinboufelder, deren winkelmäßiges Verhältnis zur Sonne gerade- zu ideal ist. Also: falls nicht verdammt« Regentränen den glut- gierigen Schieferboden b.-netzen, ist der Jahrgong, gut. Somit ist alles gut: für den Winzer und für den Wirt.?lus diesen beiden Berufsgruppen rekrutiert sich die Bevölkerung dieser Gegend. Wenn im Sommer der Himmel lacht, lachen im Herbst auf der Erde die Menschen zwischen Bingen und Bonn. Burgen. Auf hohen Bergen borgen Burgen dem Landschaftsbild ihr« Reize. E« ist frellich vermessen, es den Dichtern gleichzutun und falls man sich nicht in poetischer Steigerung zu äußern oermag, diese Bauwracks Burgen zu nennen. Seien wir gewissenliaft und stel- len fest: diese Burgen sind lediglich ehemalige Burgen, also Ruinen. Jeder anständige Berg am Rhein hat seine Ruine. Das ist für ihn Ehrensache. Fehlt ihm diese ruinierte Krone, so ist er zweit- klassig: er muß sich damit abfinden.(Er tut es um so lieber, als er von dem Gekraxel amerikanischer und sächsischer Sendling« ver- schont bleibt.) 0 Was ist das Geheimnis dieser Ruinen, was macht sie zu einer so gewaltigen Attraktion? Ist es ihre Geschichte? Nein. Ihre Geschichte ist immer die gleiche: in grauen Zeiten nisteten Ritter in ihnen und raubten dem lieben Gott die Zeit, falls sie nicht gerade einen armen Kaufmann seiner Habe beraubten. Gründet sich nun die Attraktion etwa auf die architektonische Sonderheil? Nein. Nackte Mouerstümpfe und ein schmählich verkommencr Turm sind keine architektonischen Wunder. Das Geheimnis ihrer unerhörten Wirkung ist Überhaupt nicht bei den Ruinen selbst zu suchen, sondern in der Verbindung zum Berge, zum Strom und, was das Wichtigste ist, zum Wein. Somit kämen wir zu den Wechselbeziehungen. Von oben nach unten: Ruine— Berg— Strom sind das zu photographicrende Objekt. Wird die Linse, also das Auge, durch den Genuß einiger guter Flaschen einiger cuter Marken einiger guter Jahrgänge geschärft, gewinnt das Bild weit über das Maß einer billigen Photographie hinaus romantischen Zauber. Die Ruinen werden Burgen und stolz und hehr, die Berge beginnen zu singen und zu sagen, der Strom wird deutscher als deutsch und stolzer als stolz. So ist es. Kein Mensch kann sich, falls er gesunden Sinn Hai, der Kraft des schönen Landschaftsbildes entziehen. Es ist der stille Zauber der Romantik, dessen Wirken Brentano, Novalis und Heine fesselte. Aber: aus dem stillen Zauber mochten die letzten Jahrzehnte einen lauten, oft auch einen faulen Zauber und in- dustrialisierien die Ruinenschau. Wer einmal in den letzten Jahren den Drachenfcls hinaufkletterte, weiß ein Lied davon zu singen: die laute Offerte an billigem Rotwein, den das Gewerbe Drachenblut nennt, an arme» Eseln, ans denen man, falls man ein Unmensch ist, hinaufreiten kann, an Speiseeis, Ansichtskarten und warmen Würstchen erstickt die stille Offerte der Natur.(Hinzu- kommt noch die Singesucht entfesselter Kegclvercine.) Publikum. Das ist es ja gerade, daß die Leute es so wollen. Daß die Leute es so wollen, das ist es ja gerade.(Offen gestanden: die rheinischen Gastgeber wären schön dumm, wenn sie es so machen würden, wie die Leute es nicht wollen.) Das Publikum ist der Ton, der die Musik macht. Finale. Wer zwischen Bingen und Bonn die Landschaft erwandern will, suche sich versteckt« Pfade. Nur im Schatten der Einsamkeit offenbart sich der bezwingende Reiz dieses Landes. Es ist symp- tomatisch und seltsam zugleich, daß gerade hier, wo der Mensch, um zu genießen, privat bleiben muh, der kollektive Ausslugstrieb einm Betrieb zeitigt, der im sonntäglichen Wannsee nicht überboten wird. Wer, allein, van einem Hang in das abendliche Land schaut, empfindet in der Stille den musikalstchen Rhythmus der unaufhörlichen Bewegung. Man gewinnt herzliche Eindrücke von dem hymnlsch-heroijchen Vorstoß des Stromes regen die Bergwände: man fühlt im Anblick gespenstischer Umrisse nackter Ruinen ihre verlorene Vergessenheit. Dieser Gegensatz zwischen dem ewig rollenden Lauf des Wassers und der trostlosen Verkommenheit bau- licher Zeugen einer versunkenen Zeit spricht aus dieser Landschaft als offenbarendes Symbol: der strömende Will« marschiert rastlos durch olle Zeit: an seinem Wege trauern, im Todeskamps noch wie zum Hohn»msubelt, als traurige Denkmäler einer traurigen Zeit, traurige Ruinen. Qevbavi Hermann ffleslar: Die Qeschicble der Wecbe: Verwilderf/ Bei Friesohlhe in Westfalen überfielen zwei wildernde Hunde eine Schafherde. Ter Schäfer war machtlos, obgleich er eine Schutzwasse besaß; er rettete mit Mühe sich selbst. Treff hat heute schon weit laufen müssen, immer neben dem Fähkrad seines Herrn her, bis in dies kleine Dorf, das er noch nie gesehen hat. Nun lieft er seit einer Stunde vor dem Wirtshaus auf dein Pflaster und japst; manchmal spitzt er die Ohren, dann hört er von drinnen das dröhnende Lachen des Försters. Aber bald döst er weiter. Jetzt kommt aus dem Hostor der Hund des Wirtes, ein ganz junges, verspieltes, tapsiges Wollknäuel. Das rollt sich und truoeit sich ungeschickt um Treff herum. Tresf ist zwar müde, hat keine Lust zum Spiel, ist auch«in ziemlich alter Knabe: ober eben darum lockt es ihn immer mehr, wieder einmal bedenkenlos jung zu sein, zwecklos zu tollen, ohne vorstehen und apportieren zu müssen. Auch ist die Sonn« weg, Wolken sind da und nrachen das Pflaster kühl: so läuft er schließlich, in spielerischer Verfolgung, hinter dem Woll» knäl/cl her. Am flachen Ufer eines kleinen Flüßchens erreicht er es. Beide wälzen sich schnappend und bellend im Gras. Sic find weit ge- rannt, dos Dorf ist schon hinter Kiefern versunken, dazu beginnt es zu regnen. Gerade wie Treff unruhig, wird, das Spielen ab- bricht, zurück will—, gerade in oiesem Augenblick hört er ein Knacken im Gebüsch jenseits des Baches, sieht er nicht sehr weit ein Neh durch die Lichtung lausen. Sein Blut ist erregt vom Spiel, sein Denken ist fern von Herr und Pflicht, die eigenmächtig« Jagd ist nichts als Fortsetzung dieses Rücktauchens in die freie Kindheit; Treff springt mit mächtigem Satz ins Wasser, schwimmt hinüber, setzt mit Jisf und Jaff dem Reh nach, indes der Junge mit mut- losem Winseln am User bleibt und sich schließlich trollt. Es dauert lange, bis Treff die Jagd aufgibt, aber der Regen ist sehr stark geworden, die Spur wird unsicher. Langsam trottet er in der eigenen Fährte zurück. Aber die ist auch unsicher, schon nach wenigen Minuten hat sie der Regen verwaschen. Trefs verläßt sich auf seinen Ortssinn, findet auch schließlich das Flüßchen, schwimmt hinüber, läuft drüben auf und ab, um den Spielplatz von vorhin zu suchen. Aber er findet ihn nicht. Der Regen wird Wolkenbruch, Hagelkörner schlagen schmerzhast auf die empfindliche Nase; Tresf verkriecht sich im Gebüsch. Als das Unwetter nicht aufhört, beginnt er zu heulen, in langen, wimmernden Sirenen- tönen zwischen kurzen, stoßenden Bellern. Niemand hört, niemand kommt. Viele Stunden lang heult er, längst ist es Nacht geworden; mürbe vom Räuschen des Regens und vom Klirren des Hagels schläft Treff endlich ein. Am anderen Morgen ist Trcff ohne Herrn und ohne Heimat. Nach Tagen erst siegt der Hunger über Gewohnheit und Pflicht: Treff erwischt einen Junghasen in der Sasse. Cr schnappt zu; er hat kein« große Wunde verursacht, aber er hat das zarte Rückgrat des Jungtieres zerbrochen. Ein- lang« Weile behält er es im Maul, ohne es weiter zu verletzten, wartet er auf den Herrn, dem er es ja abzuliefern hat. Wie er so steht, rinnt aus den Einschlägen seiner Zähne langsam das warme Blut aus dem Fell auf sein« Zunge. Da schleudert er den lappenweichen Körper ein paarmal wild um seine Ohren, wirft ihn auf den Boden, hält ihn mit den Vorder- pfotcn fest und beginnt ihn zu zerreißen, wild, gierig.... Tresf ist zum Wilderer geworden. Er lernt bald das neue Leben. Er verbirgt sich am Tage und jagt des Nachts. Cr hellt nicht mehr, wenn er die Beute verfolgt; lautlos, nur leise keuchend, stürmt er die Fährten entlang. Es st ein mühsames Leben; Rehe sind vorsichtig und schnell, er sängt sie nie, eines aus dem Rudel bemerkt ihn immer und warnt; an Bachen und Keiler wagt er sich nicht heran; ihm bleiben nur Junghasen, und manchmal findet er ein verludertes Stück Aas, stinkend schon; er schlingt es gierig. In seinen Träumen ist er oft in seiner warmen Hütte, zupft und tritt er sich das frische Stroh zurecht, wedelt er dem vollen, warmen Freßnapf entgegen—; wenn er am Abend erwacht, ist nur Reisig unter ihm, Hunger und Wildnis um ihn. Eines Nachts wittert er wieder Aas. Er findet es auf einer Lichtung. Aber über dem fauligen Fleisch steht ein lebendiger Körper: ein anderer 5)un0, so groß wie Treff, aber langhaarig, ein Spitz, verfilzt sind die Haare von langer Verwahrlosung, indes Treffs kurzborstigem Schäferhundfell die Wildnis nichts anzuhaben vermag. Der andere hat Tresf bemerkt, er knurrt bös«. Treff antwortet leise— und dann stürzt der eine los auf den anderen, hart voreinander stutzen sie noch einmal, die vier Lichter glimmen phosphorn, vier Fackeln des Hasses—; nun sind sie schon verbissen ineinander. Haare fliegen, Wunden bluten, Beller hallen weithin in den nächtlichen Wald. Sie kämpfen lange, ohne Ermattung, ohne Erbarmen. Es scheint, alz müßten beide verbluten, unlöslich ineinander verbissen. Do, jäh hineinpcitschend in das Heulen und Murren ihres Kampses, ein Schuß—, ausjaulend jagen sie auseinander, jagen sie neben- «inander ins Kieferndunkel, ein Schuß und viel« Flüche folgen ihnen. Nach halbstündiger Flucht erst machen sie halt, nebeneinander. Die Haare an Treffs Kruppe, die der Haß steil gestellt hatte, glätten sich. Sie sind unvorsichtig, beide unvorsichtig gewesen, sie haben gebellt, sie haben den gemeinsamen Feind, den Jäger, gerufen. Tresf begreift erst jetzt, daß der Mann mit der Flinte, dem er früher diente, nun sein Feind geworden ist, daß dieser Wilderer, mit dem er sich eben bis zur Vernichtung biß, sein Gesährte ist, ein Verfolger und ein Verfolgter wie er. Sie nehmen beide Witte- rung voneinander, sie belecken ihre Wunden, sie legen sich am nächsten Tag in ein gemeinsames Dickicht. Sie haben sich gefunden, zwei Feinde des Wildes, zwei Feinde des Waldes—; zwei furchtbare Feinde. Gemeinsam gehen sie auf Jagd. Gemeinsam suchen sie die Wechsel des Wildes auf. Monate gehen hin. Sie fangen put. Sie werden mutiger, sie fallen sogar Bachen an, si« achten der Wunden nicht, die manchmal die Hauer eines Keilers ihnen beibringen. Sie lassen die klein« Beute, die ihre Nahrung war, solang« sie Einzel- ganger waren, sie lassen auch das achtlos liegen. Es ist mehr in ihnen als der Hunger, es ist die Jagdwut in ihnen, es breitet sich in ihren niederen Hundeschädeln die Seele des Wolfes aus, welche die Menschen abgetötet wähnten seit Jahrtausenden: zwei Monate Wildnis haben sie wieder erweckt, haben zerstört, was zwei Jahr- tausende Mensch erschufen; der Mensch kann ja nichts erschaffen; nur oerbiegen kann er die Schöpfung. Viele Morgen groß ist die Schafhürde von Friesoythe; viel« hundert Schafe weiden darauf. Wald umgibt sie von allen Seiten. guter, schattender Wald, in dessen Schutz sich der Schäfer begibt, wenn die Sonne es zu gut meint. Abends, wenn er sich nach der letzten Pfeife Tabak in seinen Schäferkarren zurückgezogen hat, ver- mählt sich das dunkle, satte Rauschen der Wipfel mit dem erregten Knistern des Strohlagers. Unter dem Karren liegt der Hund, kaum schlafend, jederzeit die Ohren spitzend beim leisesten Laut. Die Schafe liegen eng gedrängt. Tier an Tier, wie ein graues, sich wellendes Meer; das Wiederkäuen der vielhundert Mäuler ergibt ein verhalten zischendes Mummeln, manchmal ruft ein Bock im Traum. Weithin unter die Bäume dringt der beizende, scharfe Geruch der Tierleiber. Dieser Geruch: er hat Treff gelockt, Tresf und seinen Gefährten. Nase nicht am Boden, wie sonst, sondern schnüffelnd in der Lust, Rute gesenkt, sind sie ihm entgegeneezogen. Sie verweilen eine kurze Zeit vor der Hürde: der Hütehund hat sie nicht gehört, oh, sie haben gelernt, sie verursachen kein Brechen im Unterholz wie das Wild, das sie jagen. Nur aus de» offenen Mäulern hechelt es heiser. Si« saugen noch einmal diesen fülligen, mächtigen Dunst der riesigen Herde in die vibrierenden Nüstern, dann setzen sie lautlos über die Hürde, sind jählings mitten im Meer aus Wolle und Fleisch. Ein Lamm wimmert leise—; da ist es schon vorbei, Treffs prachtvolles Gebiß sitzt tief in der zarten Kehle. Ein Leittier er- wacht, schreit warnend auf, ein gewaltiges Rauschen ist über dem Platz, alle Schafe erheben sich schlaftrunken, drängen sich stehend eng aneinander, der Hlltehund unterm Karren blafft los, da schweigen die beiden Wilderer nicht mehr, da blassen sie kampfbereit zurück; der Hlltehund jagt aus sie los, unklar im Lauf, er kann nicht gut sehen bei Nacht, aber die Heiden haben auch das gelernt, sie haben Wolfsaugen, nicht Hundeaugen: si« lassen ab von den Schafen, sie stürzen sich beide auf den artverwandten Feind, den packt das Grauen, nach den ersten Bissen jagt er, der Tapfere, angst- gepeitscht davon—; das Morden unter den Schafen echt weiter, mit der alten, wilden Lautlosigkeit... Aber der Schäser ist erwacht. Er ist aus dem Karren getreten, die Flinte schußbereit in der Hand. Aber es ist dunkel. Mörder und Opfer sind ein unentwirrbarer Knäuel, er kann nicht schießen. Er treibt die Schafe mit Fußtritten auseinander, bahnt sich mühsam einen Weg bis dahin, woher die jürchtersichen Laute des ungleichen Kompefs kommen. Die beiden Hunde sehen ihn hoch aufragen aus dem wehrlosen Meer; alle Vorsicht ist vergessen im Durst nach Blut, alle Feigheit vor Knüppeln und Gewehren, sie stürzen auf den Menschen los, sie zersetzen sein 5)emd, sie suchen nach seiner Kehle...... Der Hütehund ist wieder da, steht seinem Herrn bei, sein Ein- greifen gibt dem Haustier Mut—; umsonst, der Schäfer slieht, muß fliehen, um sich schlagend, blutend, er erreicht die niedere Treppe zum Karren, wendet sich, schießt in das Gebalge vor ihm, nein, keiner jault auf, er hat also nicht getroffen...... Nun fangen alle Schafe laut wimmernd an zu blöken, eine grelle, langgezogen« Sinfonie der Angst, des Grauens, des Schmerzes gellt weit über die Wälder, minutenlang..... Das Rauschen der Bäume, das Geblaff des neben dem Herrn zitternden Hütehundes geht unter in diesem Schrei der wehrlosen Kreatur, in deren Zahmheit die Wildnis brach, die seit tausend Jahren schlief und furchtbar erwachte. Aber auch das Fallen, das unaufhörliche Fallen und Sichwälzen und Vergehen blutender, zerfetzter Opfer geht unter darin, und die wirren Worte der Wut unh des Kummers. die der Schäfer, sinnlos vor Machtlosigkeit gegenüber diesem Wüten, in die Nacht schreit. Da nimmt er doch wieder seine Flinte, der Schäser, schießt Schuß um Schuß hinauf in die Luft, gegen den Himmel, der das geschehen läßt. Plötzlich, er lauscht, irrt er nicht? Nein, Rufen, Schreien von Menschen, vielen Menschen: das Blöken, das Schießen hat sie wohl aus dem nahen Dorf« gerufen, sie stürmen an, begreifen, schwingen Knüppel, Beile, Gewehre..... Da wird Ruhe in der Herde. Da sind die Wilderer geflohen. Sie kennen auch die abgeseimte Vorsicht des Räubers. Keiner hat sie gesehen, obwohl sie doch durch die Reihen der Menschen ge- brachen sein müssen... Nun jagen sie durch den Wald, die hängen- den Zungen triefen von Blut, die Gebisse und die Lichter schimmern -- zwei Wölfe.-- Und ein grauer Morgen geht auf über sechzig gemordeten Schasen. FÜR DEN KLEINGÄRTNER ■uuiuiiiiiiiiiMiuiiiuiiiiuiiuuimniiiiniuiiiuiiuiiiiiiiuiiiuiunujiuiiüii Winiergemüse Der außerordenttiche Wert des Gemüses für die Erhaltung der Gesundheit liegt vor allen: in dem grünen Blattwerk, das besonders reich an Nährsalzen und Vitaminen ist, wobei das frische Gemüse gegenüber dem konservierten unbedingt— und nicht nur geschmacklich — vorzuziehen ist. Es ist freilich schwer, in allen Jahreszeiten frisches Gemüse auf den Tisch zu bringen, und siir die mit irdischen Gütern wenig Gesegneten ist es beim besten Willen nicht möglich. Im Winter und im zeitigen Frühjahr ist die Auswahl an einhcimi- schen und nicht zu teuren Blattgemüsen recht gering, eigentlich kommen nur Spinat und Grünkohl in Betracht. Obgleich gerade die Gemüsearten durch ihren hohen Gehalt an Kalk, Eisen und andere Bestandteile besonders wertvoll für die Blut- und Knochenbildung des menschlichen Organismus sind, besteht in weiten Kreisen ein« Abneigung gegen den Genuß dieser Gemüse. Sie ist in manchen Fällen nicht ganz unberechtigt, da die oftmals einseitig angewandte allzu starke Stick st ofsdüngung, namentlich mit Jauche einen scharfen, unangenehmen Geschmack hervorruft, der auch anderen unter gleichen Voraussetzungen kultivierten Kohlarten eigen ist. Derartige Düngungen setzen nicht nur die Bekonrmlichkeit stark herab, sondern können auch Krankheitserscheinungen und anormale Blähungen zur Folge haben. Man sollte deshalb be- strebt sein, den Nährstoffgehalt der Gemüse durch starke Gaben von Kalk, Thomasmehl und anderen mineralischen Düngern zu erhöhen. Grünkohl, als Folgefrucht anderer früher abgeernteter Ge- müse wie Erbsen, Bohnen. Karotten und Salat, sät man oin zweckmäßigsten von April bis Juni recht dünn aus; man hat dann jeder- zeit kräftige Pflanzen mit Wurzelballen zur Verfügung, mit denen man zur geeigneten Zeit die leer gewordenen Stellen und sonstige unausgenützte Plätze im Garten bepflanzen kann. Bei guter Pflege, zu der in besonderem Maße regelmäßiges BeHarken und das An- häufeln gehört, entwickeln sich bald mächtige Pflanzenstöcke, die un- gedeckt den Winter überdauern. Die kurzstrunkigen Sorten werden durch den Schnee gedeckt, so daß sie kaum unter strenger Kälte zu leiden haben und eigentlich nur durch Hasen- und Kaninchenfraß be- schädigt werden können. Di« Pflanzweite richtet sich nach der Pflanz- zeit, End« Juni sind 40 Zentimeter das richtige Maß, während man später auf 3l> Zentimeter herabgehen kann. Im Gegensatz zu an- deren Gemüsearten gedeiht der Grünkohl auch im B a u in j ch a t l e n, benötigt allerdings kräftigen Boden, um sich kräftig und vollkommen entwickeln zu können. Mißerfolge sind in den meisten Fällen aus zu spätes Pflanzen oder zu schwächliches Pflanzenmaterial zurück- zuführen. Man hat den ganzen Winter über ein bei richtiger Zu- bereitung äußerst schmackhaftes billiges Gemüse, das durch die Ein- Wirkung des Frostes zart und bekömmlich wird. Spinat darf man nicht vor Mitte August säen; die Aussaat lviederhole man von dieser Zeit ab in Abständen bis Ende Sep- tember. Verrotteter Dünger oder Kompost bildet den geeigneten Boden, um bei weiterer Aussaat kräftige, kernige Pflanzen heran- ziehen zu können, die auch bekömmlicher sind als solche, die infolge allzu starker, frischer Düngung hoch aufgeschossen sind. „ Wassertriebe" Die Wasserschosse, Häubertriebc oder Geilschosse an unseren Obst- bäumen werden vielfach falsch behandelt und als überflüssige Ge- bilde in der Baumkrone angesehen. Das trifft jedoch nur bei de» jungen Obstbäumen zu, da sie hier tatsächlich nur den Saft an sich ziehen und die Bildung einer regelmäßigen Krone verhindern oder doch erschweren. Bei älteren Bäumen dagegen ist die bedingungslose Entfernung aller Wassertriebe unrichtig und unter Ilmständen für einen Baum sogar von Nachteil. Ost regen diese aus schlafenden Knospen unter irgendeinem Einfluß plötzlich entstehenden Schosse mit ihrer reichen Betäubung die an den kahlen Astenden vorhandenen kläglichen Verzweigungen zu neuem Wachstum an; sie können auch bei genügender Entwicklung später zu Erjatzästen herangezogen werden. Man nimmt an diesen Stellen den Ast zurück, darf ober natürlich nicht alle derartigen Triebe sich frei entwickeln lassen, schon um eine Verdichtung der Krone zu verhindern, sondern entsernt die überflüssigen und kürzt die brauchbaren auf etwa 30 bis 35 Zentimeter. Hauptsächlich finden wir die Wasserschossc an den waagerecht wachsenden Aesten; die steileren lassen seltener derartige Ausgleichs- triebe aufkommen, da durch den stärkeren Saststrom kein Bedürfnis zu besserer Ernährung vorliegt. Im letzteren Fall kann man sie darum schon eher entsernen, während bei den mehr waagerechten Aesten durch ihr« Beibehaltung ein Ausgleich in dem vermehrten Saftandrang geschaffen wird und das Leben in den kahlen Astteilen erhalten bleibt. H. Fr. Pohlenz. Baumschwämme Der Schwefelporling ist ein häusiger, ungern gesehener Gast auf unseren Obstbäumen, besonders oft treffen wir ihn an Birnen, und Kirschbäumen an. Er bildet zumeist zahlreiche, weiche Fruchtträger, die dicht übereinander eeschichtet sind, ein« rötlichgelbe Färbung zeigen, während die Unterseite schweselgelb ist. Der steifhaarige Porling wächst knollenartig aus der Rinde heraus und bildet mit der Zeit einen konsolartiyen Hut, der bis 5 Aentimeter breit und etwa 10 Zentimeter dick wird. Wir finden diesen Pilz besonders oft auf Apfel- und Nußbaunien. Am verbreitefften und gefährlichsten von allen Bamnschwämmcn ist jedoch der sogenannte falsche F e u« r s ch w a m m. An der Oberseite rostbraun bis ins Schwärzliche spielend, an der Unterseite heller gefärbt, wächst er hutartig aus dem Stamm heraus und ist von einer holzigen Konsistenz, verbreitet sich obendrein sehr schnell. Die Entfernung der Schwämme erfolgt am zweckmäßigsten durch Ausstemmen mit Hammer und Meißel. Dabei ist die Rinde bis auf das gesunde Höh bloßzulegen, hierauf glatt zu schneiden und dann die ganze Wunde mit gutem Baumteer zu bestreichen. Ausstellungen Die De u t s ch e Gartenbau-Gesellschaft veranstaltet vom 23. August bis 1. September 1931 eine Dahlien- und Herbst- blumenschau in den neuen Räumen der„Neuen Welt", Berlin- Hasenheide. Anmeldungen für Aussteller bis zum 10. August an die Geschäftsstelle, Berlin N. 4, Jnoalidcnstr. 42.— Der Eintrittspreis wird sehr niedrig gehalten sein, wie auch die gesamte Ausstellung volkstümlichen Charakter tragen wird. Außerdem veranstaltet die oben genannte Gesellschaft während des ganzen Sommers eine Dahlicn-Auspslanzschau im Bolkspart Bcrlin-Neukölln an der Oderstraßc nahe Flughafen Tempelhof. (Ringbahn: Hermannstraße, Straßenbahnlinien 21, 27, 29 und 63.) P. eBuch yuuut sdiaxeiMergelellichailung in derllalur*) Der bekannte Biologe an der Universität Jena, Genosse S ch a x e l, schildert hier nach einer kurzen Einleitung über die Art des Naturerkennens die gegenseitigen Beziehungen der Lebewesen, die zu den verschiedensten Formen der Vergesellschaftung geführt haben, zu Betätigungsgemeinschasten. zu Ernährungsgemeinschaften. zu Fortpslanzungsgemeinschaften, um schließlich einen Blick auf die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft zu werfen, als deren Ziel er bereits eine„W c l t a r b e i t s g e n o s s e n s ch a s t" erkennt, in der es nicht mehr ,chie Ausbeutung einer Klasse durch eine andere gibt und der Reichtum einzelner nicht mehr die schmutzigsten Triebe und Leidenschaften der Menschen entfesselt." Der Zweck des Büchleins ist, wie Schaxel im Vorwort betont, nicht etwa,„noch einmal zu erzählen, daß der Mensch«in Herden- tier ist, daß es auch noch staatenbildcnde Insekten gibt u. dergl., sondern es gilt, Gesetzmäßigkeiten aus Tatsachen abzuleiten". Schaxel will zeigen, daß„in der Geschichte des Lebens auf der Erde von den arbeitenden, vergesellschafteten Menschen die Entwicklungs- stufe erreicht wird, in der Sein und Gewordensein mit der Aussicht auf die künftige Gestaltung des Daseins und Werdens ins Bewußt- sein tritt." Die Erfüllung dieser Absicht fft dem Verfasser durchaus gelungen, und das Büchlein kann jedem, der über die Entwicklung in der Natur und die Stellung des Menschen in dieser Entwicklung nachdenkt, warm empfohlen werden. Dr. Bruno Bordiardt. *) Jena, Urania-Berlogsgelellschaft. 1981. 77 Seiten mit 36 Ab< dilbungen. Preis broschiert 1,59 M., gebunden 2 M. Arbcilcrfcrien in der Mark Besuch der Heime der Natui freunde Die gegenwärtige Krisenzeit zwingt vor allem die arbeitenden Schichten, alle Ausgaben für kulturelle Bedürfnisse und Erholung außerordentlich einzuschränken. Oft können nicht einmal die be- dürfnislosesten Ferienfahrten unternommen werden. Nur das Wochenende verbleibt zumeist zu karger Erholung. Da gilt es, sich zu erinnern, daß auch die Mark Brandenburg vielfach land- schaftliche Schönheiten aufzuweisen vermag. Gewiß, obwohl Fahrt- ausgaben hier stark vermindert sind, kostet es noch allerhand, denn die märkischen Gaststättenbesitzer wissen sehr wohl, wo Geld zu holen ist. Da wird es wieder einmal notwendig, auf Heime hinzuweisen, die sich die Arbeiterschaft selbst mit Hilfe ihrer Wanderbewegung, dem Touristenverein„Die Naturfreunde", geschaffen hat. Jeder organisierte Arbeiter, jede organisierte Arbeiterin ist dort willkommen. Ruhe und Erholung ist ihnen ja das Wesentliche, nicht luxuriöses Auftreten und Leben. Da genügen vielen schon .zum Aufenthalt die einfachen Naturfreundeheime, und deren gibt es immerhin in der märkischen„Sandstreubllchse" eine ganze Reihe. Seen und weitgedehnte Waldungen, meist auch gute Spielplätze auf dem vereinseigenen Gelände bieten alle Möglich- keiten für Körperkultur, Wanderungen und Erholung. Sogar die Anhänger der Freikörperkultur finden hier ungestörte Plätze. Bon den kleineren Heimen seien hier vorerst im engeren Um- kreis von Berlin die G r o t t e w i tz h ü t t e n an der Großen Krampe und das Landheim Meißnershof bei Hennigsdorf genannt. Dazu kommt die„Luchhütte" mit dem Wohnschiff „Kremmen" im Naturschutzgebiet Kremmener See(trotz des starken Ferienverkehrs im Ausbau befindlich). Wunderbare Natur- studien machen hier den Aufenthalt zum Genuß und bringen erheb- liche Bereicherung des Wissens und der Erlebnisse. Ein Gleiches darf vor allem anderen auch von den beiden netten Kottbusser Naturfreundeheimen in Naundorf im Spreewald und auf der Schwanseeinsel bei Lieberose gesagt werden. Neben diesen bietet dem Wasiersport in erster Linie Rückhalt das Brandenburger Heim auf Buhncnwerder im Plaucr See zwischen Branden- bürg und Kirchmöser. Die Luckenwalder schließlich eröffnen jetzt ihr Heim„H a m m e r fl l e h" nördlich vom Hohen Golm und weiter unten in der Lausitz bietet sich am Landheim K r a h e s- dorfsr Grund(zu erreichen von der Bahnstation Alt-Neu- Döbern, Strecke Senftenberg— Lübbenau) eine reizvolle Landschaft. Für den besonderen Ferienaufenthalt seien dann noch zwei größere Heime benannt. Die Magdeburger schufen sich unweit der Bahnstationen Biederitz und Gerwisch eine schöne Heimstätte. Und sehr regen Zuspruch fand bereits das große, modern ein- gerichtete Ferienheim am U e d e r s e e bei Finowfurth(Kleinbahn- linie von Eberswalde), das selbst Bildungskursen und Erwerbslosen- Freizeiten der verschiedensten Arbeiterorganisationen einen guten Rückhalt bot. Der Vollständigkeit halber seien dann noch die Frei- gelände am H e i d e s e e bei Gräbendorf(unweit Königswuster- hausen und bei Deep nördlich von Köslin in Pommern erwähnt. Für alle Heime erteilt das Reisebüro der Naturfreunde in der Johanniestraße 14/1S sichere Auskunft. Man nutze sie! „�ta�itrupps in Jugendherbergen" Unter dieser Ueberschrift erschien im„A b e n d" vom 6. August ein Hinweis auf die Benutzung der Jugendherbergen durch national- sozialistische Wandergruppen. Wie uns der Reichsoerband für Deutsche Jugendherbergen dazu mitteilt, stehen die Jugendherbergen grundsätzlich der gesamten wandernden Jugend offen und daher natürlich auch den Nationalsozialisten. Die Hitler- Jugend ist schon seit Jahren körperschaftliches Mitglied des Jugend- Herbergsverbandes. Wenn jetzt die Leitung dieses Bundes ihre Untergrupepn angewiesen hat, die Mitgliedschaft bei den Ortsgruppen des Jugendherbergsverbandcs zu erwerben, dann handelt sie dabei nicht anders wie eine Reihe anderer Verbände, so z. B. auch die Sozialistisch« Arbeiterjugend, der Jungdeutsche Orden usw., die schon vor Jahren ähnliche Empfehlungen an ihre Untergruppen ergehen ließen. Vom Standpunkt des Jugendherbergswerkes aus kann eine so weitgehende Unterstützung dieser Bestrebungen ebenso begrüßt werden, wie früher schon ähnliche Schritte anderer Verbände weit- gehende Zustimmung fanden. In den Jugendherbergen selbst haben sich nationalsozialistische Jugendgruppen ebenso der Hausordnung und den Bestimmungen zu fügen wie andere Iugendherbergsgäste. Sollten Störungen irgendwelcher Art oder andere zu beanstandende Handlungen eintreten, dann werden die Herbergsväter in der Lage sein, für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Bisher' ist aber kein Fall gemeldet worden, wo derartige Unzuträglichleiten eintraten. Die Leitung der Hitler-Jugend hat sich zudem a u s d r ü ck- lich verpflichtet, die Ueberpartcilichkeit des Jugend- Herbergswerkes zu achten und zur Geltung zu bringen. "ARBEIIER. TUSSBALL Hansa 31 oder Teltow? In der Abteilung B der K r e i s k l a s f e fehlt noch eine Mannschaft. Welcher Verein hat nun den größten Anspruch auf den Ausstieg? Diese Frage zu lösen war für die Spartenleitung nicht einfach. In die engere Auswahl fiel Teltow und Hansa 31. Der kommende Sonntag wird nun beide Mannschaften in den Rehbergen zusammenbringen. Die siegende Elf tritt dan in die Kreisklasse ein. Wenn diese Lösung auch nicht als die günstigste angesehen werden kann, so ist nach Lage der Dinge eine andere aber nicht mehr möglich. Das Spiel beginnt um 16.30 Uhr. Vorher stehen sich die zweiten Mannschaften von Normannia und Ha n s a 3 l gegenüber. Einen weiteren interessanten Kamps wird es in Pankow, Sport- platz in der Kisiingenstraße, geben, wo Adler 0 8 und Eiche- Köpenick mit drei Männermannschaften spielen. Den Köpenicker» wird es schwer fallen, ihre führende Stellung in der Gruppe zu halten.— Lichtenberg I wartet am Bahnhof Stralau-Rum- melsburg mit einem großen Programm auf. Aus Anlaß ihres drei- jährigen Bestehens haben sich die Lichtenberger für ihre Jugend- Mannschaft eine auswärtige Elf verpflichtet: Dresden-Kög- schenbroda. Dieses Spiel dürfte auch der Hauptanziehungspunkt des Tages sein. Die Lichtenbergcr verbinden diesen Tag aber auch gleichzeitig mit einer Werbeoeranstaltung für den Handballsport. Von g Uhr an wird auf dem Platz ein reges Leben herrschen. Frauen- und Männerhandball wechselt mit Männer-Jugendfußball ab. Um 14.43 Uhr beginnt dann das Hauptprogramm mit dem Handballspiel zwischen Potsdam und Lichtenberg. Um 13.45 Uhr treten dann Lichtenbergs und Dresdens Jugendmannschaften auf den Plan, während die Männer- Mannschaften von Schöneberg und Lichtenberg I mit einem Fußballspiel den Tag beschließen werden. Am Sonnabend findet in Kerns Festsälen in der Türrschmidt- Ecke Goethestraßc in Lichten- berg zur Feier des dreijährigen Bestehens ein Bcgrühungsabend statt, zu dem die Anhänger Lichtenbergs eingeladen sind. Weitere Spiele: Brieselang gegen Freiheit-Ratheuow. Ketzin gegen Rachenow-Süd. Potsdam gegen Nowawes. Werder gegen Elstal. Butab gegen Spandau 25.— In Saarmund jindet ein Wcrbetag statt, an dem folgende Spiele stattfinden: Eintracht- Spandau gegen Cladow. Charlottenburg gegen Staaken. Drewitz gegen Caputh.— In der Elbegruppe spielen: 5)avelberg gegen Wittenberg«. Neuruppin gegen Pritzwalk. Kyritz gegen Wittstock. Havelberg 2 gegen Wittenberge 2. Neuruppin 2 gegen Pritzwalk?>. Kyritz 2 gegen Wittstock 2. Beginn der Spiele(wenn nicht anders angegeben): Erste Männermannschaften 17 Uhr. Zweite Männermannschaften 13.13 Uhr. &CUYICUOCUV Das wichtigst« Spiel am kommenden Sonnabend ist das Treffen der Berliner Städte mannschajt gegen F T G B.- N o r d r i n g um 18 Uhr im Humboldthain Weiterhin spielt am Sonnabend noch FTGB.-Roscnthal gegen FTGB.-Nonden 3 um IS Uhr in Rosenthal, Hauptstraße. Am Sonntag findet in Nauen ein W e r b e t a g mit Blitz- t u r n i e r statt. Nauen 2. Männermannschaft spielt gegen FTGB.- Spandau 2 um 10 Uhr. Am Blitzturnier sind folgende Mannschaften beteiligt: Nauen, Siemensstadt. FTGB.-Spandau, FTGB.-Nordost, Aleingärtner-Charlottenburg und Bötzow. Der Be- ginn ist um 13 Uhr. Strausberg trifft sich mit Fürstenwolde in Fürstenwolde. Es spiclen die 2. Männermannschaften um 16 Uhr und die 1. Männermannschaften um 17.10 Uhr. In Hennigsdorf spielen die 2. Männermannschaft gegen Rathenow 2 um 14 Uhr und gegen Koulsdorf 2 um 18 Uhr, sowie die I. Männermannschaft gegen Rathenow 1 um 16 Uhr. Rehselde spielt in Rehselde mit der 2. Männermannschaft um 15 Uhr gegen Müncheberg 1 und um 16 Uhr gegen FTGB.-Stralau 2. FTGB. hat aus dem Sportplatz Kynaststraß? folgende Spiele: die Jugend gegen Dolkssport-Neukölln pm 10 Uhr; die gleichen Frauen um 11-10 und die 1. Männermamr- schaft gegen Potsdam 1 um 14?� Uhr. Weitere Spiele sind bei den Männern Werlsee gegen Volkssport-Neukölln 3 um 14 Uhr in Werl- see; Fichtenau 1 gegen FTGB.-Lankwitz 1 um 11 Uhr in Fichtenau; Wilhelmshagen gegen Lankwitz 2 um 10 Uhr in Wilhelmshagen; Friedrichsthal gegen Sportklub Griiit-Weiß um 16 Uhr in Friedrichs- thal; Schwante 1 gegen Berlin 12 II. um 13 Uhr in Schwante; Friedenau gegen Bornstedt um 17.10 Uhr in Friedenau, Offenbacher Straße und FTGB.-Nordost-Fraucn gegen Stralau um 11 Uhr auf dem Platz an der Schönhauser Allee. /ach Dempsey k. o. Bei einem Sdiaukampf in Ueno „Ex-Schwergewichtsmeister Jack Dempsey k. o", das ist die neueste Sensationsmeldung aus Amerika, die mit Windeseile alle fünf Erdteile durcheilt. In der Zeitungsstadt R e n o, im Staate Nevada, in der vor mehr als 20 Jahren von Tex Richard jener denkwürdige Boxkampf um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht zwischen Jack Johnson und Jim Jeffries veranstaltet wurde, lernte der„man-killer" die Bitternisse eines Knock-outs kennen. Vor wenigen Jahren noch Abgott der Massen und mehrfacher Millionär, ist Jack Dempsey heute gezwungen,«ineSchaukampftournee zu machen, um Geld zu verdienen. Man sprach von seiner Rückkehr zum Ring, sprach sogar von einem Weltmeisterschaftskampf mit Schmeling, bis jetzt ein Unbekannter, der Kalifornier B e a s l e y, kam und den früheren Meister in Reno in einem Schaukampfe trotz dick gepolsterter Handschuhe in der 2. Runde k. o. schlug. Boxer- schicksal! FTV. Magdeburg—«Tennis-Rot" Eine der interessantesten Begegnungen im Arbeiter-Tennissport bildet für diese Spielzeit den Llbschluß in der Reihe der Vereins- spiele. Am Sonntag weilt eine spielstarke Mannschaft der Freien Tennis-VereinigunL Magdeburg bei Tennis-Rot Groß-Berlin zu Gast. Der gute Ruf, der den Magdeburger Tennisspielern vorausgeht, läßt in allen Treffen spannende Kämpfe erwarten, denn auch Tennis-Rot wird in einer Auswahl seiner Besten antreten. Als Konkurrenzen sind vorgesehen: je 6 Männer- Einzel und-Doppel, 3 Frauen-Einzel. 2 Frauen-Doppel, 3 Gemischte Doppel. Die Spiele beginnen um 8 Uhr auf drei Plätzen im Lichten- berger Stadion, Herzbergstraße(Straßenbahnlinien 8, 68 und 176). Mitglieder der Partei und der freien Gewerkschaften sind gern gesehen.— Unsere Magdeburger Freunde treffen Sonnabeird, 16.21 Uhr auf dem Potsdamer Bahnhof ein. Mecklenburg rettet die Sittlichkeit In Borendorf an der Oftsee hat der F r e i l i ch t b u n d Hamburg e. V. seit Jahren ein Zeltlager unterhalten. Tausende von Zlrbeitern und Angestellten konnten hier an der Lübecker Bucht Erholung sinden. Kein Wunder, daß die„rote" Kolonie den reok- Uonären Gutsbesitzern ein Dorn im Auge war. Mit allen möglichen Schikanen versuchten sie, den Aufenthalt unmöglich zu machen. Jetzt endlich ist es ihnen gelungen. Dieser Tage erschien der Amtshaupt- mann Lüben aus Greves wühlen in aller Frühe und forderte die Insassen auf, innerhalb drei Stunden das Lager zu verlassen. Der Bitte, die Räumungsaktion auszusetzen, bis die Regierung in Schwerin benachrichtigt sei und ihre Entscheidung getroffen habe, wurde nicht stattgegeben. Im Gegenteil, die in Bereitschaft liegenden Gendarmen macht«» sich fertig, die Zeltstadt, in der 200 Kinder mit Frauen untergebracht waren, gewaltsam abzubrechen. Das konnte der Leiter des Freilichtbundes nicht verantworten, und so wurde das in vielen Wochen mühsam aufgebaute und durchorganisierte Lager abgerissen. Das Gepäck wurde auf Leiterwagen geworjen und Frauen und Kinder darauf gesetzt. Ilnter polizeilicher Eskorte mußte die mecklenburgische Grenz« überschritten werden. Zweihundert Ar- beitern mit ihren Familien ist der Urlaub zerstört, aber in Mecklen- bürg ist die„Sittlichkeit" gerettet. Arbeiter. Schützenbund<£. V. Montag, 24. August, Jugendfern- schießen mit Lustbüchse in Pankow, Mühlenstr. 38, bei Lehmann, 20 Uhr. Achtung! Karicllvcrcinc! Alle dienstfreien Sportlerinnen und Sportler, sowie alle anderen Mitglieder der Kartellvereine über 18 Jahre, beteiligen sich in ihren Stadtbezirken als Sammler bei den Arbeiter- Samaritern am Sonntag, den 23. August. Vorher ist jedoch Auskunft einzuholen in der Geschäftsstelle des ASB. Berlin N. 21, Große Hamburgerstr. 20, 2. Hos. Telephon: Norden, D 1 3340. Wir erwarten rege Beteiligung aller unserer Vereine bei der Sammlertätigkeit für den ASB. ifr Die Turnhallen-Benutzungserlaubnis für alle Vereine in den Bezirken Mitte, Tiergarten, Wedding, Prenzlauer Berg. Friedrichshain und Kreuzberg erlischt mit dem Ablauf des September. Für das Winterhalbjahr werden die Turnhallen in die- sen Bezirken in der bisherigen Weife vergeben. Die hierfür nötigen Antragsformulare können von den Vereinen von der Geschäftsstelle des Kartells für Arbeitersport und Körperpflege Berlin e. V. in der Geschäftsstelle. Berlin N. 63, Nazarethkirchstraße 46, Telephon: Wed- ding D 6, 2977. abgefordert werden. Die Zusendung erfolgt kostenlos. Der Geschäftsführende Ausschuß. Souriftcnn crcin.Die SSfliutfrcunlic", Zentrale Wien. Ort»aruppc 9kc. lin C. B. Freitag, 21.«»qust, 20 Uhr. Abt. Llzarlottenburg. Lprccstr ilO. Singsang Instrumente mitbringen.— ffaltbootabteiiung: Treptower Vst"- Ttcffpunft 7Vi Uhr Bahnhof Treptow.— Iugendgrnppe Humboidthain: Schon- stedtstr. 1. Lachendes Jungvolk.— Abt. Treptow: Elsenstr. 3. Grogmacht Presse. - Abt. Lichtenrade: Badeabenb in Mahlow.- Abt.«inetaplas,: Lorhing.(trfe Graunstraße.- Abt. Südost:«ritzer Str. 27. Bericht von der Olhinpiade in Wien.- Abt. Schönhauser Vorstadt: NastenSlirger Str. Ib. Liederabend-- Photo, Osten: Franlfurter Allee 307. Sonnabeird, 22.-23. August, Italienische Nacht an der alten Spree. Zresfpunkt 17 Uhr Stralaii-Rummelsbirr«, bis Erkner. Photo, Neukölln:«ergstr. 29.- Montag, 24. Augnst, 20 Uhr Photo- gemchnschaft: Iohannisstr. 1Z, Neuerscheinunge».— Malgemeinschaft: Wrangel- stoaße m„, � Freie Sportpereinigung Niederschönhause», Abt. Panlaw. Hente, Frei- tag, Zusainmentnrnen der Männer- uiid Frauenabteilung. Die Turnabenoe für die Abteilungen stnd dieselbe» geblieben. Tennis-Rot, Abt. Neulölln. Sonntag, 23. August, Spielverbot auf allen Plätzen, ab 3 Uhr Vereinshiriuer gegen Magdeburg, Stadion Lichlenberg. Restloses Erscheine» wird erwartet.„ � Tennis-Rot, Abt. Weißensee, beteiligt sich am Utnzuq des Kartells Weißen- loe anläßlich des Sommersestes vallzählig. Umkleideiiibgllichkeit Schloß Weißensee spätestens 14 Uhr. Antotransport»um Abmarschplaß. Pereinsklcchun« nnt Schläger. Volkssport Nenlclln-Brih. 22.133. August Fahrt aum Kinbertreffen nt Luckenwalbe. Treff: Soniiabend, 23. August, WA Uhr, Britz. Hannemanu- Ecke Nnngiusstraße. Nachzügler bis 14 Uhr Bahnhof Reutöttn. Mmpel, Föhnen, Springseile müssci, zur Stelle sei». Kinder Prioatquartier, Vorturner, Leiter usw. iil Iugeudherberge und Selbswerpslegung. Freie Sport, und Mufiloereinigung Berlin, Abt. JSpielleute. � Sänit liche kliibiing, bei kühlem Wetter mit Jacke, ohne Kopibcbccknna. Ver uinzug gebl nach Schloßpark Weißensee. Freitag Usblingsstunbe, Lokal Martin Scholz, Sporlhans, Mrckscnstr. 1, An der Iannowitzbvücke, 2g Uhr. Spiel- und Sportvereinigung Obersprcc 23. Freilag, 21. August, 20 Uhr, Generaivorsammlung bei Sachs, Ob-rschanrwoi.be, Schillerpro»>e»adc. Aufstellung der Mannfchaficn zur Serie. Wir suchen zum Sonntag Gegner für Zwei Mannscksoften ans eigenem aber Gegners Platz, telephonisch Freitag, 20 Uhr, Obersprec F 3 0469. FTGB., Bezirk Ten-p-lhos: Freitag, 21. Augnst, I» Uhr, V-rstanbssttznng, 23 Uhr Milgliederversanimtung bei Pommcrening, Tempelhof, Berliner Straße 100.— Bezirk Charlottenburg. Unsere Turiiabrndc finden wieder regel- mäßig in der Turnhalle Spreestraße statt. Männer und Iuacnb Montag und Donnerstag, Frauen und Iungmildchen Dienstag und Freitag, Knaben und Mädchen Dienstag und Donnerstag. Sonntaq beteilige» sich all« Mitglieder am Gruppensest in Saarinund. Treffpunkt Bahnhof Charlottcnburg 8 Uhr. Fahrt bis Rehbrücke, Wannsee umsteigen. Die Kamera Hot ihr Programm Goldrausch des großen Erfolges wegen bis aus weiteres verlängert. Unseren Lesern zur Nachricht, baß von heute ad regelniäßia Dienstag unb Freitag das Programm der Kamera, Unter den Linden, in unserer Kwotafel veröffentlicht wird. )ncJj-dcn Rückschau. „® i c berufstätige Frau als Gattin und M u t t e r" ist ein Thema, das heute leider infolge der wirtschaftlichen Verhältnisse allzu aktuell ist. Jede Aussprache darüber zeigt, welchen harten doppellen Kampf diese Frauen führen müssen: Kamps um den Aus- gleich zwischen Berussarbeit und chauhaltsgslichten und Kampf um das Recht aup Erwerbsarbeit. Martha Drcws, die im Pro- gramm der Funkstunde zu diesen Fragen Stellung nahm, hob aus ihren Erfahrungen als Fiirsorgebeamtin hervor, wie schwer die körperliche und seelische Gesundheit der Frauen durch diese Verhält- nisse bedroht ist. Die erwerbstätige Frau wagt vielfach nicht, bei Erkrankung ihre Berufsarbeit zu unterbrechen, aus Furcht, ihre Stellung zu verlieren. Die durch eine Ehe berufslos gewordene Frau findet oft auch dann, wenn wirtschaftliche Selbständigkeit aus irgendeinem Grunde wieder dringend notwendig wird, nicht mehr in diese zurück. Das Recht auf Arbeit muß gerade unter den gegen- wärtigen Wirtfchastsoerhältnissen uneingeschränkt Mann und Frau zugestanden werden. Ein Verbot der Beschäftigung verheirateter Frauen wäre vollkommen sinnlos. Schon heute tritt vielfach an die Stelle der Ehe ein freies Verhältnis, weil beide Verlobte wegen ihres geringen Einkommens zur Berufsarbeit gezwungen sind und nicht Gefahr laufen wollen, daß die Frau als Ehefrau ihre Beschästi- gung verliert. Infolgedessen verzichten diese Paare auch auf Kinder, obwohl sie sonst auch bei Berufsarbeit der Frau vielleicht sehr gerne welche hätten. Wie schwer es allerdings die berusstätige Mutter heute hat, die Kinder während ihrer Arbeit unterzubringen, Zeigte eine nüchterne Zahlenangabe der Vortragenden: in Groß-Ber- linerKrippenmitknapp3l)Plätzenliegenostüber 120 Voranmeldungen vor. Martha Drews stellte zum Schluß eine Forderung auf, zu der sie die praktischen Ersahrungen in der Eheberatung geführt haben: daß jeder Frau, die einen Beruf gelernt hat, mindestens von Zeit zu Zeit die Möglichkeit gelassen wird, ihre Kenntnisse in praktischer Tätigkeit aufzufrischen, damit sie nicht, wenn plötzlich die Notwendigkeit, für die Familie zu sorgen, an sie herantritt, durch zu großen Abstand von ihrer Berufstätigkeit dieser in Wahrheit oder doch nach Ansicht der Arbeitgeber ent- fremdet ist. Den dem Weltbild dieses Vortrages durchaus entgegengesetzten Pol berührte eine Diskussion:„Für und wider die Hand- l c s c k u n st." Dem nüchtern-sachlichcn Ringen um wirtschaftliche und gesellschaftliche Probleme steht in unserer Gegenwart die Sehn- sucht gegenüber, komplizierte Wirklichkeit durch wissenschaftlich- mystisches Einfühlen in kosmische Vorgänge zu meistern. Ein— wie auch diese Diskussion zwischen Margret Naval und Axel Cggebrecht dem unvoreingenommenen chörer bewies— recht gefährliches Unterfangen. Denn wenn auch die Fürsprecherin der chandlcsekunst, Margret Naval, den skeptischen Fragesteller Eggebkecht mit manchen wissenschaftlich klingenden Erklärungen zu überzeugen versuchte, so sind das doch bestenfalls Vermutungen, die einer wissen- schoftlichen Nachprüfung erst standhalten sollen, und die in keinem Fall zu einer praktischen Anwendung der chandlesekunst berechtigen. Als eine geradezu gefährlich- Anmaßung aber mußte Frau Navals — auch von Eggebrccht entsetzt abgelehnter— Vorschlag erscheinen. daß die Unternehmer vor der Anstellung eines Bewerbers dessen Eignung durch Graphologen und Handdeuter prüfen lassen. Mit der Graphologie allein ist auf diesem Gebiet schon genug Unheil gestiftet worden! In der Jugendstunde brachte Berlin zwei Kinder-Singspiele von Paul Dessau, Text von Robert Seitz:„Eisenbahnspiel" und „Tadel der Unzuverlässigkeit". Der Typ dieser sogenannten Kinder- opern hat bei der musikfreudigen Jugend sehr rasch Anklang gc- sunden: in Schulen und Gesangsvereinigungen werden sie mit heller Begeisterung aufgeführt. Den Funkhörern wurden die beiden Werke vom Kindcrchor des Berliner Volkschors unter Leitung von Walter H ä n e l geboten. Die unkomplizierte jjandlung, die eigentlich von Spielbewegungen ergänzt wird, blieb auch im Hörbild deutlich, das aus Wortsinn und Musik- und Wortklang geformt wurde. Die primitive Kunst dieser Werke wird den jugendlichen Zuhörern nicht nur eine vergnügte halbe Stunde bereitet, sondern auch manche mustkalische Anregung geboten haben— und das ist ja der eigentliche Sinn solcher Kindermusik, die den jugendlichen Menschen zu seinem eigenen, ihm von den Erwachsenen so oft verbildeten Musikerleben zurückführen wollen. Aus Leipzig übernahm der Deutschlandsender eine Veranstaltung „Das D o r f". Eine Zusammenstellung von Musik und Dichtung, die ländliche Stimmungen vermitteln wollte. Im ersten Teil stand Goldmarks stimmungsvolle„Ländliche Hochzeit", im zweiten, von musikalischer Untcrmalung ergänzt, eine Dichtung von Hans Freyberg„Vorbei an Gehöften, Mauer und Zaun". Das Werk war, wie sein Titel, ein wenig romantisch verschnörkelt: aber es fand den StimmungsNang einer harmonischen ländlichen Landschaft, die, noch fern vom großen Getriebe, ihr eigenes naturverbundenes Leben lebt. T«. Freitag, 21. August. Berlin. 16.05 Mein Handwerkskasten(Herbert niting). 16.30 Prof. F. Schulte: Die Amerikaner beim Ob.npia-Training! 17.00 Unterhaltungsmusik. 17.55 Max Zodykow liest eigene Dichtungen. 18.15 Das neue Buch.(Am Mikrophon: Ernst Wicchcrt.) 18,25 Praktische Winke über Störschutz. 18.35 Aktuelle Abteilung. 19.00 Chorgesänge. 19.25 Mitteilungen des Arbeitsamts. 19.30 Pohl: Sozialpolitische Umschau. 19.55 Praktische Wochenendratschläge. 20.00 Orchesterkonzert. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königswusterhausen. 16.00 Leipzig: Konzert. 17.00 Ilse Pflughöft-Lockemann: Aufbau und Arbeitsweise der Biblipthek des Zcntralinstituts für Erziehung und Unterricht. 17.30 Dr. Pappenheim: Merkwürdige Fische. 18.00 Ob.-Reg.-Rat Dr. Lautenbach: Soziale Krisenfolgen und Spamotwendig« keiten. 18.30 Dr. Karl Würzburger, Josef Bunzl: Porträts politischer Köpfe. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Wissenschaftlicher Vortrag für Aerzte. 19.30 Rekordsucht-Körperkultur(Gespräch zwischen Sportlehrer, Arzt und zwei Arbeitern). 20.00 Salzburg über Wien: Mozart-Konzert. 21.00 Langenberg: Uraufführung„Klavier". 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