Abendausgabe Nr. 392 B 196 48. Iahrgang Wöchentlich LVPs., monatlich 3,80 M. im voraus zahlbar, Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitun gs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands» abonnement 6.— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen» oorto 6,— M. Der„Vorwärts* erscheint wochentSg» lich zweimal. Sonntag» und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend* Illustrierte Beilage„Volk und Zeit*. Ferner„Frauenstimme*. �Technik*.„Blick in die Bücherwelt*. .2ugend»Dorwärts*u..Stadtbeilage* e vvwg. NerUner volkSblatt Sonnabend 22. August 1931 10 Pfennig Sit«Intpalt nonpaRlOtjtllt 80 VV R-Namez-il, 8,— RM.„RUlne An- Stellengesuche da, erste Won IS Pf. sedes wettere Wo N 10 PI Won» Ode» IS Buchstade» zählen sü> zwei WoNe. vrkeltsmorlt Zell« SO Bs. gainilien. anzeigen Zeile 80 PI Snzetgenonnahm» im Hauptgeschäft LindenstraßeZ. wocheo» täglich oon 8>/, bis l? Uhr. Der Verlag behält sich da» Recht der Ablehnung nicht genehm», Anzeigen»ort Jsniralorgan der Sozialdemossatischen Oartei DeutsrbtandS Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernspr.: Dönhoss(A T) 292—297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37 536.— Bankkonto-BankderArbeiter.Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3, Dt.B.u.Disc.-Gel., Depositenk., Jernsalemer Str. 65/66. UM die Gemeindelöhne Der Stand in der Mittagszeit- Ein neuer Vorschlag Die Verhandlungen im Konflikt um die e u r e g e- lung der Löhne der Gemeindearbeiler wurden in der vergangenen Nacht gegen �>2 Uhr unlerbrochen und heule mittag um �12 Uhr wieder aufgenommen, wie wir erfahren, drehen sich die Verhandlungen um einen neuen Vorschlag. Um i<>2 Uhr mittags dauerten die Verhandlungen noch an. Es tvar bei Redaktionsschluß noch nicht abzusehen, wann die Verhandlungen beendet fein werden und ob eine Verstän- digung doch noch herbeigeführt wird. 16 neue Verhaftungen. Die Untersuchung der politischen Mordtaten. Auf Grund der Ermittlungen der Abteilung L\ des Polizeipräsidiums wurden im Laufe des heutigen Bor- mittags weitere 15 K o m m u n i st e n z w a n g s- gestellt, die im Verdacht stehen, an den politischen Bluttaten der letzten Zeit beteiligt gewesen ,u sein. Die noch andauernden Vernehmungen sollen Klä- rung bringen, ob die Vermutungen der Polizei und die Angaben aus dem Publikum zu Recht bestehen. Kommunistenverhafiungen in Dresden. Dresden, 22. August. Wie das Polizeipräsidium Dresden mitteilt, ist gegen 13 Angehörige der KPD. richterlicher Haftbefehl erlassen worden. Bei den Straftaten handelt es sich um Fortführung des ver- botenen Roten Frontkämpferbundes und um hochverräterische Treibereien, über die aber, um den Fortgang der bereits in den Händen des Oberreichsanwalts liegenden Untersuchung nicht zu ge- fährden, Näheres vorläufig nicht mitgeteilt werden kann. Die Sichtung des insbesondere im kommunistischen Parteibüro beschlagnahmten umfangreichen Materials ist noch im Gange, doch steht bereits fest, daß im KPD.-Büro zahlreiche illegale Straßen-, Zellen- und Betriebszeitungen her- g e st e l l t worden sind, desgleichen auch der sogenannte Sonder- Pressedienst, der das Material für anderwärts hergestellte derartige Zeitungen enthält. Auch sonst ist bei der Durchsuchung des KPD.- Büros und bei anderen zahlreichen Hausdurchsuchungen sehr wichtiges Material für bereits schwebende oder noch einzuleitende Strafver- fahren gefunden worden. Das Kabinett berät. Vor der Entscheidung in der Bankenreform. Heute vormittag, kurz nach 10 Uhr, sind der W i r t s ch a f t s- ausschuß des Reichskabinetts, Reichsbantpräsident Luther und die bekannten neun Sachverständigen zu einer Beratung über die Neugestaltung des deutschen Bankwesens zusammengetreten. Es ist wahrscheinlich, daß heute eine endgültige Eni- s ch e i d u n g über diese Frage getroffen wird. ist In der heutigen Nachmittagssitzung wird sich die Reichs- regierung mit der Frage derAufhebungderBerordnung über die Ausreisegebühr von 100 Mark, sowie mit der Steueramnestie beschäftigen. Es wird eine neue Verordnung „über steuerliche Erfassung bisher nicht erfaßter steuerlichen Werte und über Steueramnestie" festgelegt werden. Infolge dieser Aenderung der schon früher erlassenen Verordnung werden auch die Termine, sowohl sür die Abgabe der Vermögenserklärung, als auch die A m n e st i e f r i st bis etwa Mitte September d. I. ver- l ä n g e r t werden. Der Wunschzettel der Industrie. Scheu vor der Veröffentlichung. Der Reichsverband der Deutschen Industrie hat der Reichsregierung ein Mcmoranouni überreicht, in dem Wünsche der Industrie zur gegewärtigen Wirtschaftslage zum Ausdruck ge- bracht werden. Eine Veröffentlichung der Wünsche ist vorläusig nicht beabsichtigt, weil man eine Diskussion der Pläne vermeiden will. In der Hauptsach« liegen die der Reichsregierung vorgefchlagc- ricn Wünsche auf dem Gebiet der Steuerpolitik, der allgemeinen Wirtschaft und der öjjentlichen Finanzen. Ein Schupo als Bandenführer Polizeiauto für Einbrüche benutzt Köln, 22. August.(Eigenbericht.) In Köln wurde ein Oberwachlmeister der Polizei unker dem verdacht verhaftek, der Führer einer Einbrecherbande zu fein. Tn der Sonnabendnacht war in Koblenz in einem Zigarren- gefchäft ein Einbruch verübt worden, wobei die Rummer des Autos, das die Einbrecher benutzt hatten, festgestellt wurde. Es stellte sich heraus, daß der Kraftwagen einem Kölner Auloverleiher gehörte, der angab, daß dieser wagen schon seit längerer Zeit von dem Ober- Wachtmeister angeblich zu wichtigen Berufssahrten gebraucht worden war. Natürlich gibt der Oberwachlmeister die Anschuldigungen nicht zu. Man glaubt jedoch, daß er als Bandenchef in Köln, Koblenz und Düsseldorf milgewirkt hat. Der Verhaftete stand bereits vor einem Jahr im Verbacht, an Einbrüchen teilgenommen zu haben und es wurde auch ein Verfahren gegen ihn eingeleitet, das aber wieder eingestellt werden muhte, da die Beweise zu schwach waren. Der Verlzaftete wurde sofort in das Untersuchungegefängnis eingeliefert. Auf das Konto der Räuber- bände kommen, wie bisher bekannt wurde, Einbrüche in Bonn, in der Nähe Bonns, in Wermelskirchen, Koblenz, Refrath bei Köln, in Dllsseldorft und sogar in Köln in derselben Straße, in der das Polizeipräsidium liegt. Zum Ozeanflug gestartet. Heute früh auf dem Tempelhofer Feld. Die Iunkersmaschlne, die Levine aus seinem Ozeanslug geflogen hak, die von elnem gewissen Willy Rody ausgekauft war und inzwischen eingehend überholt wurde, ist heute morgen aus dem Tempelhofer Feld um 7.0Z Uhr zum O st— W e st- Allanlik-Flug ausgestiegen. Sie hat Kurs aus Lissabon über Lyon— Marseille. Der Flugzeugführer ist Christian Iohannsen, außerdem fliegen der Flugzeughaller Willy Rody und ein Portugiese mit. Neuer Banküberfall Räuber mit schwarzer Maske.— 6099 Mark erbeutet. Altona. 22. August. Auf die Filiale der westholsteinischen Bank in Altona-Stellingen wurde heule vormittag ein Raubübersall verübt. In einem Auto fuhren drei Männer vor, die schwarze Masken trugen und sofort in das Bankgcbäude eindrangen. Den Lankvorstcher hielten sie mit vorgehaltener Waffe in Schach. Die Räuber erbeukeken. soweit bisher bekannt geworden ist, etwa 6009 Mark und flüchteten dann mit dem Auto in Richtung Eimsbüttel— Hamburg. Ein Klempnermeister versuchte, die Verbrecher auf seinem Motorrad zu verfolgen, muhte jedoch bald davon Abstand nehmen, da er von den Räubern mit der Waffe bedroht wurde. So sind die Täter zunächst entkommen. . Fährbootkatastrophe. Neun Znsassen eines überlasteten Bootes ertrunken. Bukarest, 22. August.(Eigenbericht.) In t»er Näh« von Corabia kenterte am Freitag ein Fährboot mit 22 Personen. Alle Insassen des überlasteten Bootes stürzten ins Wasser. S Personen ertranken. Die Regierung hat eine strenge Unter- suchung des Vorfalls angeordnet. Verbrecherjagd fordert sechs Tote. Feuergefecht in den Straßen New fforks. Rem Pork. 22. August. Gestern abend spielte sich in dem Rew-Porker Stadl- teil V r o n x eine wilde Verbrecherjagd ab. der fünf Menschen zum Opfer sielen. Drei Banditen erschossen bei einem Geldraub einen Polizisten und entkamen in einem aus sie wartenden Auto. Die Polizei nahm sofort die Verfolgung aus. und es entspann sich ein Feuergefechk zwischen den dahinrasenden Aulos, das stundenlang andauerte. Es wurden hunderte oon Schüssen gewechselt, die etwa fünfzehn Passanten verletzten, darunter ein Kind tödlich, während der Verfolgung gelang es schließlich, alle drei Verbrecher unschädlich zu machen. Durch die Schüsse der Banditen wurde einer der verfolgenden polizeibeamlen ebenfalls getötet. Eholeraepidemie in Ehina. 56 Todesopfer im Hankauer Bezirk. Moskau(über Kown»), 22. August. Nach einer Bieldung der Telegraphen-Agentur der Sowjetunion aus Schanghai, ist in Hank an die Cholera ausgebrochen. Die Cholaraepidemie hat innerhalb der letzten 24 Stunden stark zugenommen und soll bereits SK Lpfer gefordert haben. furchtbares familiendrama. Zwei Söhne vom Vater niedergeschossen. Hof, 22. August. Der 48jährige Fabrikweber Leber schoß heute früh aus seine zwei Söhne und brachte sich hieraus selbst Schuhverlehungen bei. Der Vater mar mit dem Lebenswandel seiner Söhne, einem t 7jährigen Kaufmannslehrling und einem 19jährigen arbeitslosen Schlosser, unzufrieden. Da die Mutter zu den beiden hielt, kam es wiederholt zu Auseinandersetzungen zwischen den Eheleuten. Am Sonnabend morgen entspann sich abermals ein reger Wortwechsel zwischen Mann und Frau, in dessen Verlauf Leber plötzlich einen Revolver Zog und auf seine Frau anlegte. Sie konnte sich jedoch in Sicherheit bringen und begab sich zur Polizei. Als sich die Frau aus dem Zimmer entfernt hatte, legte der Vater auf seinen älteren Sohn an und lras ihn in den Kops. Den auf den Lärm herbeieilenden jüngeren Sohn traf Leber in den Leib. Hierauf brachte er sich selbst Schuhwunden am Kopfe bei. Der Zustand der beiden Söhne ist hoffnungslos. Der Vater ist leichter verletzt. Naubüberfall auf Bestellung. Aus der Ehaussee bei Grohbeeren wurde kürzlich ein Landwirt G. überfallen, niedergeschlagen und seines Fohrrades und 800 M. baren Geldes beraubt. Die Rachsorfchungen, die das Raubdezernat wegen dieses Ueberfalles anstellte, haben ein überraschendes Ergebnis gehabt. Es hat sich gezeigt, dah der II e b e r- fall..bestellt' war. Ein Freund des G. hatte sich kleinere Unterschlagungen zuschulden kommen lassen, die er jetzt abzahlen mußte. Da G. von dem veruntreuten Gelde etwas abbekommen hatte, mußte auch er bei den Abzahlungen mittun. Die Freunde waren dadurch in einer Geldklemme geraten und beschlossen, dem Uebelstand durch einen „Raubübersall" abzuhelfen. Einer der Leute, die G. zu beaus- sichtigen hat, wurde ins Vertrauen gezogen, weil er am Schlesifchen Bahnhof gut bekannt ist. Der Vertrauensmann besorgte den „Räuber", einen Ringvereinsmann Franz M. Pünktlich nach Vereinbarung begab sich Franz nach der Chaussee und wartete auf sein „Opser". Als G. mit dem Rade daherkam und anhielt, oersetzte ihm Franz, damit die Sache auch echt sei, einen Hieb mit dem Schlagring, nahm das Rad und die Aktentasche an sich und verschwand damit nach Berlin. Wie nicht onders zu erwarten war. dachten Franz und der Vertrauensmann nicht daran, das Gesd an den„Beraubten" zurückzugeben. Sie teilten sich die Beute und ver» jubelten sie. Der Landwirt scheint übrigens dem Frieden ohnehin nicht recht getraut zu haben, denn, ehe der Ueberfall vonstatten ging, nahm er selbst aus der Tasche 299 M und steckte sie ein. Die betrogenen Verschwörer müssen jetzt nichr nur die alten Schulden bezahlen, sondern auch die 699 M. ersetzen. Sie sind also vom Regen in die Traufe gekommen. Steuern oder Sparen. Die englische Regierungskrise um die Lastenverteilung. London, 22. August. Zur innerpolitischen Krise, die sich aus den Meinungsverschieden- heiten über die zum Ausgleich des englischen Staatshaushalts zu er- greifenden Maßnahmen entwickelt hat, verkündet Daily Herald als Ergebnis der gestrigen Besprechungen in Fettdruck:„Ein Finanz- zoll wird nicht zu dem Etatsausglcichspian der Regierung ge- hören. Arbeitslose, deren statutenmäßiger Anspruch auf Unterstützung erloschen ist, werden nicht der Armenunterstützung anheimfallen." Dem Blatt zufolge fordern die Konservativen, daß 75 Proz. des Budgetdefizits durch Ersparnisse und 25 Proz. durch neue Steuern aufgebracht würden. Dagegen beabsichtige die Regie- rung, 50 Proz. einzusparen und 50 Proz. durch neue Steuerlasten zu decken. Auf einer besonderen Bankierversammlung soll gestern beschlossen worden sein, das Kabinett aufzufordern, in einer offiziellen Erklärung den Haushaltsplan in seinen Umrissen, so bald wie möglich bekanntzugeben. Die vorstehend wiedergegebene Schilderung der Lage, wie sie im Daily Herald zu finden ist, deckt sich im wesentlichen mit dem Llnsere Säuglinge „bie kenne ich alle. Die waren damals alle in Rotfront, wie ich noch Razi war." Bericht des Daily Telegraph, in dem es ebenfalls heißt, das Kabinett habe wegen der drohenden Spaltung in der Regierung und auch wegen der Opposition der Liberalen den in Aussicht genommenen Jinanzzoll fallen lassen. In seinem heutigen Leitartikel nimmt das konservative Blatt für die Regierung gegen die Ge- w c r k s ch a f t e n Stellung. 3m Streit mit ihren eigenen Anhängern, so schreibt Daily Telegraph, haben Macdonald und seine Kollegen mutig ihre wahren konstitutionellen Funktionen geltend gemacht und es abgelehnt, eine Diktatur eines Teiles der Partei anzunehmen. Aber obwohl sie sich durch diese Haltung die Achtung des Landes erwerben werden, werden sie in einer schwachen Stellung gelassen, es sei denn, daß sie sich die Mitarbeit der anderen Parteien sichern können. Die Regierung ist gestern zu einer schicksalsschweren Wahl zwischen Kapitulation vor den Gewerkschastcn und offenem Wider- stand getrieben worden. Sie hat den Widerstand gewählt, und sie hat richtig gewählt. Dies ist der einzige Weg, der einer englischen Regierung würdig ist. Nach Informationen des politischen Korrespondenten der Daily Mail sollen die Konservativen an die Liberalen mit der Anregung herangetreten sein, gemeinsam eine Regierung zu bilden. Auch sei der Borschlag gemacht worden, daß in diesem Falle Lloyd George in der vereinigten konservativ-liberalen Regierung das Amt des Schatzkanzlers übernähme. Aufmarsch zum Lugendiag. Massenbeteiligung am Tag der SAI. Frankfurt a. 22. August.(Eigenbericht.) 3n Frankfurt, wo heute der Reichsjugendtag der Sozialistischen Arbeiterjugend feierlich eröffnet wird, trafen am Freilag und in der Rächt zum Sonnabend aus allen Teilen des Reichs elf Sonderzüge mit rund 20 000 Jugendlichen e>n. Stark vertreten sind die Bezirke Berlin, Westfalen, Hamburg, Sachsen, die Pfalz, Baden. Bayern, Württemberg. Thüringen und Schlesien. Viele Teilnehmer an der Vervnslallung, darunter zahl- reiche Erwerbslose, sind zu Fuß und zu Rad nach Frank- f u r t geeilt. Manche sind wochenlang unterwegs gewesen. Der größte Teil der Jugendlichen ist in Privalquarlieren untergebracht. Die in den Massenquarlieren untergebrachten Zugendtichen werden ebenfalls von der Frankfurter Arbeiterschaft verpflegt. Das Personal der„Volksstimme" hat durch Sammlungen eine groß- zügige V er p f l e g u n g für elwa 500 zu Fuß eingetroffene jugendliche organisiert. Morgen besseres Wetter? Räch den Mitteilungen des Wetterdienstes ist für morgen eine vorübergehende Besserung des Wetters zu erwarten. Vor allem ist mit einer starken Abnahme der Schauerneigung zu rechnen. Auch die scharfen winde werden nachlassen. Man rechnet mit Sonnenschein. Die Zeit drängt? Notwendige Bemerkungen zum Baseler Gutachten Der Bericht der Baseler Sachverständigen hat einige Feststellungen getroffen, die an sich zwar nicht neu und über- raschend sind, die aber doch eben wegen des Gremiums, von dem sie ausgehen, ihr b c s o n d e r e s G e w i ch t besitzen. Die erste und für Deutschland natürlich am wenigsten erfreu- liche ist die, daß wir aus absehbarer Zeit nicht mit der Ge- Währung einer langfristigen Auslandsanleihe rechnen können. Auch das haben Eingeweihte und Einsichtige schon seit langem gewußt. Aber in weiten Kreisen bestanden doch immer noch Illusionen, die zum Teil durch amtliche Stellen, nicht zuletzt durch die Leitung der Reichsbank, erweckt und genährt worden waren. Es ist gut, daß sie jetzt zerstreut sind und daß alle Welt gezwungen ist, den Tatsachen ins Gesicht zu sehen. Dabei' ist es immerhin angenehm, von den Baseler Finanzleuten zu hören, daß die allgemeine Wirt- schaftslage unseres Landes, seine Handelsbilanz und sein Staatshaushalt an sich wohl die Voraussetzungen für eine Anleihe bieten würden, und daß es eigentlich nur p o l i- tische Faktoren seien, die uns daran hinderten, in den Ge- nuß des fremden Geldes zu gelangen. Aber leider ist auch die Beseitigung dieser politischen Barrikaden sehr schwer. Es heißt in dem Bericht, daß Aussichten für eine Anleihe nicht vorhanden seien, solange nicht die Beziehungen zwischen Deutschland und den anderen europäischen Mächten auf der Grundlage freundschaftlichen Zusammenarbeitens und gegenseitigen Vertrauens beruhten, und es liegt auf der Hand, daß bei diesen Bemerkungen in der Hauptsache an das deutsch-französische Verhältnis gedacht ist. Gerade von der Sozialdemokratie ist bei der Erörterung der finanziellen Not Deutschlands immer wieder mit Nachdruck auf diesen Punkt hingewiesen worden und die Sachverständigen bestätigen nur die so häufig wiederholte These, daß unsere Wirtschaft- liche und politische Zukunft von der Gestaltung der Beziehungen zwischen Berlin und Paris abhängig ist. Aber wir wissen sehr wohl: Es ist leichter, die Vcrständi- gung zu fordern, als die Mittel und Wege zu ihrer Er- reichung anzugeben. Gerade in der letzten Zeit ist von ver- schiedcnen Seiten hüben und drüben die Erfüllung söge- nannter politischer Bedingungen verlangt worden, und wir möchten die Gelegenheit benutzen, um nach einmal hervorzuheben, daß wir uns von solchen Zugeständnissen ge- rade im gegenwärtigen Moment nichts versprechen. Selbst wenn die französische Regierung durch sie befriedigt wer- den könnte, so wäre es mehr als fraglich, ob damit bei denen, die die Anleihe zeichnen sollen, das nötige Vertrauen ge- schaffen wäre. Der fanzösische Rentner leidet immer noch unter dem Schrecken, den ihm seine Verluste eingejagt lzaben. Er kennt außerdem den niedrigen Kursstand der Doung- Anleihe, und mit einem Wort: er würde auch nach einem Verzicht auf Panzerkreuzer und Zollunion kaum bereit sein, seine Ersparnisse in Deutschland anzulegen. Aber die Ablehnung politischer Bedingungen ist etwas Negatives. Man muß nach positiven Verständigungsmöglich- keiten suchen, und da hat vor einigen Tagen die„Kölnische Zeitung"—.man weiß nicht recht, ab aus eigenem aber auf Grund von irgendwelchen amtlichen Informationen— den Gedanken einer Art von Freund fchaftspakt in die Debatte geworfen, an dem sich außer Deutschland und Frank- reich auch England und Italien und vielleicht Sowjetrußland beteiligen könnten. Dieser Vertrag sollte sich seinem Inhalt nach im wesentlichen an das deutsch-russische Abkommen von 1926 anschließen, in dem festgestellt ist, daß die beiden be- teiligten Regierungen, in freundlicher Fühlung miteinander stehend, über alle sie gemeinsam berührenden Fragen politischer und wirtschaftlicher Art eine Verständigung herbeiführen sollen und in dem weiter die Beteiligung an einer von dritter Seite ausgehen- den, gegen eine von beiden gerichtete Aktion ausdrücklich ab- gelehnt wird. An und für sich wäre gegen einen Vertrag solcher oder ähnlicher Art nicht viel einzuwenden. Man könnte höchstens sagen, daß es nicht zweckmäßig sei, ihn auf die genannten Mächte zu beschränken, oder auch, daß es sich mehr empfehle, ihn nur zwischen Deutschland und Frankreich abschließen zu lassen. Aber schließlich: gibtesnichtschon genügend Verträge? Wir haben den Völkerbundspakt, wir haben das Locarno-Abkommen, wir haben Schiedsgerichtsverträge mancherlei Art. Wenn eine spezielle Abmachung mit Ruß- land getroffen worden ist, so doch insbesondere deshalb, weil Rußland eben nicht dem Völkerbund angehört und infolgedessen eine besondere Stellung einnimmt. Wir meinen, daß für die anderen Staaten die vorhandenen Pakte genügen sollten, wenn sie nur ihrem Geist entsprechend angewendet würden. Wobei wir nicht zuletzt an die Bestimmungen über die internationale Einschränkung der Rüstungen denken. Welche Möglichkeiten aber bleiben dann, um zur Schaffung der von den Baseler Sachverständigen als notwendig bezeichneten Voraussetzungen zu ge- langen? Sehen wir von der Notwendigkeit einer Besserung der politischen Atmosphäre durch ein immer wieder er- neuertes freundschaftliches Sichaussprechen und sehen wir von der energischen Abkehr von jeder nationalistischen Betätigung und Bekundung ab, so muß der Weg zu einer Beruhigung über eine allgemeine wirtschaftliche Verstän- d i g u n g führen. Soweit wir wissen, ist das auch die lieber- Zeugung"der Staatsmänner in Berlin und Paris, die sich be- mühen,' für den Besuch der französischen Minister in der deut- schen Hauptstadt eine Art von Katalog gemeinsam in Angriff zu nehmender wirtschaftlicher Fragen auszuarbeiten. Woran daran im einzelnen gedacht wird, wissen wir nicht, aber in der französischen Presse ist die Rede von einer Beteiligung französischen Kapitals an deutschen Unternehmungen, von einer Mitwirkung deutscher Unternehmungen bei der Bewirt- schaftung der französischen Kolonien, von gemeinsam auszu- führenden öffentlichen Arbeiten, von Kombinationen in der See- und Luftschiffahrt usw. Wir legen uns auf keinen dieser Programmpunkte fest und behalten uns jegliche Stellung- nähme für den Augenblick vor, wo die Ideen greifbarere Ge- stalt annehmen. Aber zweifellos würde es von Vorteil sein, wenn man mit einer Diskussion dieser Probleme den Anfang machte. Allerdings bleibt unter allen Umständen noch ein großes Hindernis übrig, und das ist die Reparationsfrage. Der Baseler Bericht führt sie gesondert neben den politischen Faktoren auf. Aber die politische Verständigung ist ohne ihre Lösung nicht denkbar. Und hier türmen sich einstweilen die Schwierigkeiten. Die Sachverständigen weisen mit Reckt auf die Folgen der Kapitalfehlleitungcn hin, die mit den Repa- rationen in Zusammenhang stehen. Aber in Paris hat man die Mahnung, auch auf diesem Gebiet keine Zeit zu ver- lieren, wenig freundlich aufgenommen, und in A m s- r i k a, von dessen Scyuldennachlaß so viel abhängt, scheint /zu schnelleck Handeln ebensowenig Bereitschaft vorhanden zu sein. Bei diesem Punkte aber liegt die Entscheidung. Frankreich und Amerika müssen sich klar darüber sein, daß Deutschland nach Ablauf des H o o v e r- I a h r e s die Zahlungen in dem alten Umfange nicht mehr aufnehmen kann. Das für die deutsche und für die Weltwirtschaft not- wendige Vertrauen ist aber nicht herzustellen, solange das System der internationalen Stromleitung durch politische Ein- griffe gestört ist. Diese Erkenntnis muß sich bald durchsetzen. Denn auch für sie gilt der warnende Ruf des Baseler Be- richtes:„EsiftkeineZeitzuverliere n". Rudolf Bredtsdicid. Der Hamburger Zustizffandal. Skandalöser Mißbrauch des Begnadigungsrechtes. Zu der aufsehenerregenden Begnadigung des Hamburger Sittlichkeitsverbrechers Bicenz wird uns aus Hamburg gemeldet: Im Juli 1929 wurde der reiche Hamburger Architekt Viccnz wegen scheußlicher Sittlichkeitsverbrechcn zu 4 Jahren Zuchthaus verurteilt, seine Frau erhielt 3 Jahre Zuchthaus. Bicenz hat jahrelang an seiner damals lljährigen Stiestachter Sittlichkeitsverbrechen begangen, die von seiner Frau gefördert und geduldet worden sind. Bor einigen Wochen wurden nun überraschenderweise die beiden vermögenden Zuchthausler von der hamburgischen Justizverwaltung unter Umwandlung der Reststrafe in eine Geldstrafe von 29 999 M. begnadigt. Sie befinden sich bereits im Ausland. Das Begnadigungsrecht steht an sich in Hamburg der Landes- regi�rung zu. Es hat sich aber allmählich der Brauch herausgebildet. daß ein besonderes Dezernat der Justizverwaltung die Gnadengesuche bearbeitet, die dann van der Justizverwaltung ent- schieden werden. Auf diesem Wege ist auch in diesem Falle die Begnadigung erfolgt. Der Senat ist erst nach der Entlassung des Ehepaares Bicenz von der Begnadigung in Kenntnis gesetzt worden. Die Mehrheit des Senats, insbesondere seine soztaldemokra- tischen Mitglieder, haben keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie diese Begnadigung für einen skandalösen Mißbrauch des Begnadigungsrechtes halten. Auch die Hamburger Parteizeitung, das„Hamburger Echo", hat schon am 9. August sehr nachdrücklich gegen die ausgesprochene Begnadigung protestiert. Der Senat hat inzwischen Vorsorge getroffen, daß ein solcher Mißbrauch des Begnadigungsrechtes nicht wieder eintreten kann. Selbstverständlich schlachten die Kommunisten diesen Fall gegen die Sozialdemokratie aus, obgleich die Sozialdemokratie so- fort nach Kenntnisnahme von der Begnadigung s ch ä r f st e n Protest eingelegt hat. Am kommenden Mittwoch wird dieser Fall wahrscheinlich in der Hamburger Bürgerschaft zur Sprache kommen. Es ist zu erwarten, daß der Senat in Beantwortung einer kommunistischen Anfrage von der Begnadigung abrücken wird. In diesen Tagen ist nun auch mitgeteilt worden, daß neben zwei sozialdemokratischen und einem volksparteilichen Senator auch der der Staatspartei angehörende Justizsenator Dr. R ö l d e ck e mit dem 15. September aus dem Senat ausscheiden wird. Der Rück- tritt Dr. Röldeckes hat nur mittelbar mit dem Fall Bicenz zu tun. Er war an sich schon vereinbart als der Fall Bicenz noch nicht be- kannt war, da Dr. Nöldecke durch einen Schlaganfall, den er im vorigen Jahr erlitten hat, gesundheitlich so geschwächt ist, daß sein Rücktritt im Zusammenhang mit der beschlossenen V e r m i n d e- rung der Zahl der Senatoren selbstverständlich war. Arbeiier werben„ausgeräncheri". Lüben, 22. August. Wie auf manchen Rittergüten mit Landarbeitern umgegangen wird, beleuchtete in geradezu erschütternder Weise wieder einmal eine Klage vor dem Liegnitzcr Arbeitsgericht gegen den Rittergutsbesitzer und Hauptmann a. D. P r o s k e und seine Ehefrau vom Dominium Krummlinde, Kreis Lüben. Als Kläger trat der Schweizer Przybilla auf, der wegen eines offenbar fingierten Diebstahls entlassen worden war. Er forderte nun rück- ständigen Lohn und Deputat in größeren Mengen. Da der Kläger audz nach seiner Entlassung mit seiner Familie selbstverständlich noch auf dem Gute wohnen blieb, gerichtliche Schritte gegen sein Wohnenblciben auch keinen Erfolg hatten, wurde versucht, ihn auf jede Weise hinauszuekeln. So wurde ein r e g e l- rechter Anschlag auf die ganze Arbeiterfamilie inszeniert, indem am 19. Juni d. I. von noch unbekannter Seite die S ch o r n st e i n e der Arbeiterwohnung verstopft wurden, teils mit Lumpen, teils mit einem Ziegelstein. Die Folge war, daß die giftigen Kohlcnoxydgafc nicht abziehen kannten und die ganze Familie: wann, Frau und drei Kinder, in Erstickungsgcsahr gerieten. Zum Glück wachte der Mann in dcr Nacht auf. So ge- lang es, die Frau und die drei Kinderdzen, die bereits besinnungslos waren, zu retten. Die Voruntersuchung über dieses Verbredzen schwebt gegenwärtig nod) bei der Liegnitzcr Staatsanwaltsd)ajt, bei der sofort Slnzeigc erstattet wurde, nachdem der zuständige Land- jnger, der Gemeindevorsteher und der Schornsteinfcgermeistcr den Sachverhalt festgestellt hatten. Zlußerdem drückte Frau Proskc ihrem Jäger Karl Jähn. wie dieser schriftlich bekundete, eine Pistole in die Hand mit dem Bemerken:„Sowie Sie den Schweizer nachts in verdäditiger Weise aus dem Hof sehen, knallen Sie den Vcrbred)er nieder, denn das ist der Totengräber meines Mannes!" Lluch schon vorher wurde der Jäger auf den Sdzweizer gehetzt mit dem Bemerken: „Der muß unschädlich gemadst werden!" Selbstverständlich suchen die Beklagten nun diesen sie schwer belastenden Zeugen, einen Schwerkriegsverletzten, der ohne jeden Barlohn bei ihnen arbeiten mußte, als unzurechnungsfähig hinzustellen! Frau Proske, die ihren Mann vor dem Arbeitsgericht vertrat, hatte auf alle diese Besd)uldigungen nur ein— Lachen! Die Beklagten, die auf einen Bergleich nicht eingingen, wurden vom Arbeitsgericht sdzließlich verurteilt, an den Kläger noch 12,56 M. zu zahlen und ihm 248 Pfund Roggen, 1l9 Pfund Weizen. 18 Zentner Kartoffeln und Iii Zentner Futtergetreide zu liefern. Oer Lockspitzel Nie Komintern als Helf Der Beschluß des Zeutralkmnitecs der Kommunistischen Partei Deutschlands, sich an dem vom Stahlhelm eingeleiteten Volksentscheid für Auslösung des Preußischen Landtags zu beteiligen, war für 5)undcrttausende von Arbeitern ein erschütterndes Erlebnis; das ZK. hat eine Selbstdemaskierung ganz großen Stils vorgenommen, die nicht nur die tatsächliche Funktion der KP. in der geschichtlichen Auseinandersetzung der Klassen, sondern zugleich ihr mangelndes politisches Augenmaß, die Nervosität der Führung und ihre beifpiel- lose Unsicherheit in der Beherrschung der politischen Lage enthüllte. Da die Zentrale der Kommunistischen Partei sicher alles andere be- obsichtigte, als eine derartige Sclbstenthüllung vorzunehmen, war ihr Entschluß vom Standpunkt ihrer eigenen Politik aus ein schwerer taktischer Fehler. Er hat der breiten Arbciteröfsentlichkeit einen Anschauung?- Unterricht von solcher Drastik erteilt, wie ihn die mühsamste Gegen- Propaganda nicht hätte leisten können. Dieser Anschauungsunter- richt war gut, aber seine Ergebnisse bedürfen einer Vertiefung und Erläuterung, denn was sich für so sehr viele Arbeiter als über- raschend und erschütternd darstellte, war im Grunde weder neu noch überraschend. Jeder wirkliche Kenner der KP. wird wissen, daß die KP. alles andere ist als eine besondere Richtung innerhalb der allgemeinen Arbeiterbewegung. Viele Arbeiter glauben zwar, daß die KP. nur eine radikalere Partei, eine Arbeiterpartei ohne Koali- tionspolitik und sogenannte Kompromisse, eine Partei mit den gleichen Zielen wie die Sozialdemokratie, aber mit anderen, radikaleren Methoden. Die Ueberraschung vom 21. Juli, die die KP. offen an die Seite der Gegenrevolution führte, ist aber im Grunde nur eine Ueberraschung für schlecht Unterrichtete und politisch Ungeschultc. Die KP. hat am 21. Juli nichts anderes ge- tan, als eine alte zwangsläufige Politik mit besonderem Ungeschick und unnachahmlichem Pech fortzusetzen. In Wirklichkeit ist die KP. nicht erst am 21. Juli ins Lager der Gegenrevolution übergegangen; sie hat seit ihrem Bestehen in keinem anderen Lager gestanden. Man muß, um das erkcunen zu können, nicht vereinzelte Hand- lungen oder gar die offizielle Ideologie einer Partei betrachten. Einzelne Handlungen mögen irrtümlich sein und vor Irrtümern ist keine Partei gefeit. Die offizielle Ideologie entscheidet aber gor nichts über den wirklichen Charakter einer politischen Bewegung. Entscheidend für die Beurteilung einer Partei ist allein ihre g e- s ch i ch t l i ch e Rolle, ihre tatsächliche politische Wirkung, die bei der KP. von den Tagen der Spartakuskämpse bis zu den poli- tischen Morden der Gegenwart 12 Jahre hindurch immer eine ein- hcitlichc gewesen ist. Daß die KP. und ihr Vorläufer, der Spartakusbund, durch Spaltung der Arbeiterbewegung den ersten wichtigeren Hilss- dienst für die Gegenrevolution geleistet hat. ist bekannt. Diese Spaltung darf nicht etwa verglichen werden mit der Spaltung zwischen SPD. und IISPD. Der Anlaß zu diesem Auseinander- gehen der ursprünglich einheitlichen Bewegung waren tiefgehende taktische Meinungsverschiedenheiten in Sachen der Kricgspolitik, aber immerhin nur taktische Meinungsverschiedenheiten. Die Spaltung war nicht Selbstzweck, sondern sollte dem linken Flügel der Partei in einem höchst kritischen Augenblick taktische und mo- ralischc Bewegungsfreiheit gewährleisten. Damit ist diese Spaltung gewiß nicht verteidigt, aber doch gesagt, daß sie nicht zu dem Zweck erfolgte, den zurückbleibenden rechten Flügel zu ver- Nichten. Anders die KP., die von vornherein darauf ausging, alle Organisationen der Arbeiterbewegung, die eine andere Auf- fassung von Methode und Ziel des Kampfes hatten, zu zerschlagen. Die Abspaltung der KP. erfolgte also nicht, weil sie eine andere Auffassung über Koalitionspolitik und Gcwcrkschaftspolitik hatte, sondern deshalb, um die Zertrümmerung der Organisationen mit anderer Auf- fassung herbeizuführen. Die Folge dieser Zertrümmerungsstratcgie war, daß die KP. in fast allen Ländern, in denen sie eine gewisse Bedeutung erlangte, die Arbeiterbewegung als Ganzes a k t i o n s u n f ä h i g machte und lähmte. Kein noch so heftiger Streit kann die Tatsache aus der Welt schaffen, daß überall da, wo die KP. eine gewisse Stärke erreichte, der Faschismus und der weihe Terror das fürchterliche Erbe der kommunistischen Vcrzweiflungsstrategie antrat. lieber die verhängnisvolle Rolle, die die KP. im Verlauf der italienischen Gegenrevolution spielte, ist oft genug geredet und ge- schrieben worden, so daß hier nur noch wenige Tatsachen anzu- führen sind. Die KP. Italiens war es, die die verhängnisvolle Radikalisierung der italienischen Arbeiterklassen auf dem Gewissen hatte, die mit einer Hochflut sinnloser Streiks die bolschewistische Panik in all den Schichten hervorrief, die noch nicht für die Ar- beitcrbewegung gewonnen waren und die mit der berüchtigten Fabrikbesetzung von Mailand und Turin, die nach 14 Tagen er- gcbnislos abgebrochen werden muhte, dem italienischen Proletariat in Stunden der höchsten Gefahr die schlimmste Niederlage zufügte. Sie hat darüber hinaus eine einheitliche Aktion der italienischen Arbeiterschaft gegen den Faschismus verhindert, hat in Stunden äußerster Gefahr den Bruderkrieg innerhalb des italienischen Proletariats nicht liquidiert, sondern verschärf». In anderen Ländern war es nicht anders. Das ungarische Sowjetregime wurde durch ein Regiment des weißen Schreckens ob- gelöst, die.Herrschaft des mit der Komintern verbündeten bulgarischen Bauernführers Stombuliski rief die bluttriefende 5ierrschast Z a n> t o w s hervor und in Bayern ist dem Sowjetismus die Geburt des deutschen Faschismus unmittelbar aus dem Fuße gefolgt. Auch andere Landcsteilc Deutschlands sprechen eine beredte Sprache über die Wirkungen kommunistischer Tätigkeit. So hat im Augenblick kaum ein anderes Land in Deutschland eine so starke Hitlerbewegung wie das einstmals rote Sachsen, wobei besonders zu bemerken wäre, daß gerade das obere Vogtland, der Schauplatz der blutigen Tätigkeit des Herrn 5)ölz, heute in besonders starkem Maße von den faschistischen Verbänden terrorisiert wird. Ein Gleiches wäre zu sagen von den kommunistischen Lzochburgen Ha l l e und Merseburg, während überall da, wo die KPD. schwach blieb, die sozialistische Arbeiter- bewegung aber stark und ungefchwächt. die faschistische Bewegung nicht annähernd den Grad erreichen konnte, wie anderswo. Fest steht, daß die geschichtliche Rolle der KP. die der„oscnt prbvo. cateur" für den Faschismus ist. Diese Tatsache kann durch keinen Einwand aus der Welt geschafft werden. Die Ergebnisse in Bul- xanen, Italien und Ungarn und zuletzt auch Jugoslawien, wo die des Faschismus krin der Gegenrevolution kroatische Bewegung sich leider allzu stark mit den Sowjets ver- bündete, sprechen eine klare Sprache. Alle diese Hinweise aber bedürfen noch einer Vervollständigung auf politischem Gebiet. Wenn es die Aufgabe der politischen Arbeiterbewegung nach dem Kriege war, die furchtbaren Gegensätze zwischen den Völkern, die das Kriegsende nicht nur nicht geschlossen, sondern so gar vertieft hatte, auszugleichen, so hat die Komintern mit allen Mitteln einem derartigen Ausgleich entgegengewirkt. Ganz ollgemein wurde jeder versuch, die europäischen Völker, die im Kriege einander gegenüber gestanden halten, wieder zu vereinigen, mit der Parole:„Interventionskrieg gegen Sowjetruhland droht", bekämpft. Als im April 1922 die Konferenz von Genua zusammentrat, um den ersten Versuch einer wirtschaftlichen und politischen Verständigung zwischen den ehmaligcn Kriegsgegnern durchzuführen, hat Sowjet- rußland in einem Manöver, das nicht anders als Erpressung be- zeichnet werden kann, störend in die Verhandlungen eingegriffen. Es hat unter Berufung auf den Artikel 116 des Versailler Vertrages, der auch den Russen deutsche Reparationen verheißt, die deutsche Außenpolitik zum Vertrag von Rapallo gezwungen und damit eme schwere Störung der Konferenz hervorgerufen. Als im Jahre 1923 der Ruhrkrieg entbrannte, hat sich die Komintern durch den Mund ihrer offiziellen Führer mehr und mehr den nationa- listischcn Aktivisten— man denke an Rädels Totenrede auf Schlageter— zugewandt. Die Parole:„Militärbündnis Moskau-Berlin bringt Rettung!" war eine kommunistische Parole und ist in zahllosen Versammlungen, Flugblättern und Plakaten in die Arbeiterschaft getragen worden. Als dann die freien Gcwerk- schaften in klarer Erkenntnis der Lage den Abbruch des Ruhrwider- stondes erzwangen, antworteten die Kommunisten in einem 24stündigcn P r o t e st st r c i k. Die darausfolgenden Verhandlungen, die zur Formulierung des Dawcs-Plans führten, wurden von den Kommunisten unter Ausbietung aller propagandistischen Mittel gestört. Hier, wie immer auch sonst, wurde viel van der Be- kämpfung des W c l t k a p i t a l i s m u s gesprochen, während in Wirklichkeit die sowjctrussischc Nationalpolitik nichts anderes im Augs hotte, als die Abspaltung Deutschlands von seinen ehemaligen Kriegs- gegncrn zu verewigen. Als Deutschland unter führender Mitwirkung „Oer kleine Seitensprung". Gloria-Palast. Wenn das Publikum vom Kurfürstendamm lernbegierig in diesen Film gehen sollte, dann kommt es ganz bestimmt nicht auf seine Kosten. Passiert doch nichts, rein gar nichts bei diesem kleinen Seitensprung. Dennoch unterhalten sich die Zuschauer brillant und Reinhold S ch ü n z c l als Regisseur und Tei'tbuchmitnersasser gelang ein Werk aus einem Kuß. Außerordentlich geschickt verwirrt er das Knäuel/ um es nachher im Anwaltsbüro wieder zu entwirren. Und das Ulkige dabei ist, dnß ausgerechnet dieser Rechtsanwalt, der ein anerkannter Spezialist in Ehescheidungen ist, nun selbst in die un- möglichsten Situationen gerät. Schänzel, selbst ein guter Schauspieler, holt aus seinen Dar- stellern das Letzte heraus. Renate Müller z. B. übertrifft sich selbst, so anmutig, so ansteckend lustig hat man sie noch nie gesehen. Sehr gut ist auch Hilde Hildebrandt. Sie ist glänzend als raffinierte Halbweltdame, die einen eben so dummen wie reichen Mann fand, der sie heiratete. Und dann die Männer: Hermann T h i m i g, gerissener, treu liebender Rechtsanwalt vom Scheitel bis zur Sohle; Otto Wallburg, der poltende, gutmütig dämliche Reiche; Hans Brausewetter ein Stückchen Malheur in Groß- formnt und Hermann Blaß das gleiche, nur in Taschenausgabe. Sehr nett sind auch die Szenen in der Bar, wo alles van der Liebe lebt, und sich doch alle sehr aufpulvern müssen, um nur ein klein wenig in Liebesstimmung zu kommen. Für ein gutes Tonsilmlustspiel könnte dieser Film ein Muster sein. Im Vorprogramm lies ein sehr guter Kulturfilm, der, durch die Zeitlupe herrlich erschlossen, noch nie gesehene Flug- und Familien- bildcr von Kranichen und Ibissen zeigte. c. b. Oer mordende Eisriese. Zu dem Unglück der„Deuffchen Himalajaexpedition". Zwei Mitglieder der„Deutschen Himalaja-Expcdition" haben ih� Grab im Glctschermeer des 5)imalaja gefunden, der Münchcner Hermann S ch a l l e r und ein Träger namens P a s a n k. Hermann Schaller gilt mit Recht als einer der hervorragendsten Bergsteiger. Berühmt wurden seine Unternehmungen im Wetkerstein bei der Bezwingung der Schonongcr Nordwand, in den Dolomiten, wo er die Zivetter Nordwestwand bestieg und andere Berge, die zum Teil vor ihm noch kein Mensch bezwungen hotte. Hermann Schaller, der im Alter von 26 Jahren stand, war überzeugt, daß er durch seine bergsteigerischen Fähigkeiten imstande sein werde, auch den Kangschendzönga zu bezwingen, der bisher ollen mensch- lichen Angriffen Trotz geboten hat. Wenn auch das Unglück nur durch einen grausigen Zufall ver- schuldet wurde, so sind doch die Schwierigkeiten, die sich der Besteigung dieses Bergriesen entgegenstellen, ungeheuer groß. Der Kangschendzönga ist durch seine ungeheuren steilen Flanken und Abgründe, durch seine steilen Eiscouloirs vielleicht der schwierigste Berg der Welt. Die Expedition Bauer, die sich bereits zum zweiten Male die Bezwingung dieses Berges zum Ziele gesetzt hat, war schon im Jahre 1929 bis ungefähr 7999 Meter Höhe ge- kommen, und hat auf den verschiedensten Umwegen, über die gesähr- lichsten Gratkanten und steilsten Firnabhönge, über ungeheure Gletschermeere und über hängende Eistürme den Weg bis zu genau 7459 Meter Höhe gesunden. Die Expedition war also in der lieber- Windung der Schwierigkeiten schon Meister, denn die Mitglieder hatten es verstanden, Höhen zu erklimmen, die vollkommen unweg- sam waren. Von der früheren Expedition von 1929 sind 6 Mit- glieder jetzt wieder beteiligt. Tatsächlich hatte auch nur ein tragischer Zufall dos Unglück verschuldet, denn aus einem Bericht der Expe- dition wissen wir, daß die Ersteigung des steilen Eiscouloirs für einen erfahrenen Bergsteiger nicht besonders schwierig war, und daß trotzdem hier durch den Absturz des Trägers Pasank Hermann Schaller mit in die Tiefe gerissen wurde. Seit dem Jahre 1899 setzten die Bemühungen ein, diesen Berg zu bezwingen. Manche Erfolge wurden erzielt. So erreichten z. B. der Sozialdemokratie den Vertrag von L o c a r n o abschloß und den Eintritt in den Völkerbund vollzog, war es die Kommunistische Partei, die wiederum mit äußerster Kraft diese wie jede anders Pazifizierungsmaßnahme zu verhindern suchte. Am drastischsten aber hat sich die gegenrevolutionäre Außen- Politik der Sowjets und der Komintern immer dann gezeigt, wenn die sozialistischen Arbeitcrmassen auf eine Befriedung des gsfähr- lichsten Brandherdes der Nachkriegszeit drängten, auf die Befriedung der d e u t s ch- p o l n i s ch e n Beziehungen. Ob es der im Locarno-Vcrtrag ausgesprochene Kriegsverzicht Deutschlands und Polens, ob es sich um die Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen und um die Schasfung eines 5)andelsvertrages handelte, jeder, aber auch jeder Versuch einer deutsch-polnischen Annäherung wurde von dem Höllenkonzert der bolschewistischen Gegenpropaganda bedrängt, unter dem Vorgeben, daß jede deutsch-polmschc Annäherung zur Intervention gegen Sowjetrußland führen müsse. Noch in oller Erinnerung ist überdies der nationalistisch drohende Wahlaufruf der KPD. zur Wahl vom 14. September vorigen Jahres, der späterhin durch den Ucbcrtritt Scheringers und anderer Offiziers aus dem nationalistisch-altivistischen Lager seine besondere Unter- malung erhielt. Nimmt man das alles zusammen, so kann von Irrtümern oder Fehlgriffen keine Rede mehr sein. Die Komintern hat, wo auch immer sie auftrat, die Gegenrevolution gefördert, den weißen Schrecken provoziert und die Aufrechterhollung der kriegsgegensähe zwischen den Völkern mit allen Mitteln betrieben. Sie ist dabei durchweg methodisch vorgegangen, und der fürchterliche Entschluß, den faschistischen Gegner der Arbeiterklasse beim Volks- entscheid offen zu unterstützen, liegt genau in der Linie der inneren und äußeren Politik, die die Komintern seit 13 Jahren betreibt. Diese Politik hat mit der Politik der Arbeiterklasse nichts mehr zu tun, sie ist eine Politik des konsequenten russischen ?t a t i o n a l i s m u s, der in Fortsetzung alter russischer Traditionen an der Uneinigkeil Europas intcreffierl ist und die vorhandenen Gegensätze künstlich verschärst. Wer weiß, wie Sowjetrußland, um seine antipolnischc Politik zu unterstützen, sich sogar mit dem faschistischen Litauen verbündet hat, weiß über den wahren Charakter der Komintern genug. Es erübrigt sich, noch an die Rolle der KP. während des Kapp- Putsche? zu erinnern, wo sie die Teilnahme an der siegreichen Eeneralstreikaktion der freien Gewerkschaften ausdrücklich a b- lehnte. Das Bild der politischen Verworfenheit der KPD. ist vollständig. 14. einige Engländer bereits im Jahre 1929 eine Höhe von 6499 Meter. Aber auch viele Opfer forderte dieser mordende Eisriese. Teils stürzten die Opfer dieses Bcrgriescn ab, teils erfroren sie, wenn der Winter plötzlich mit ungeheurer Wucht hereinbrach. Immer wieder aber zogen kühne Bergsteiger aus, um den zweithöchsten Berg der Welt zu bezwingen. Die deutsche Expedition hatte die größten Vorsichtsmaßnahmen getroffen, um ein Gelingen diesmal zu sichern. Die Erfahrungen, die man bisher gesammelt hatte, und die auch von der sogenannten Internationalen Himalaja-Expcdition 1930 gemacht worden waren, reichten aus, um einen Erfolg in Aussicht zu stellen. Die Erpedition Bauer ging diesmal auch mit größten Hoffnungen ans Werk. Alle Männer waren davon überzeugt, daß dazu nicht nur Glück, sondern auch große körperliche lirid' geistige Zucht gehöre. Eigenschaften, durch die sich die Mitglieder der dcut- schen Expedition in hervorragender Weise auszeichnen. Eine Se- künde der Unachtsamkeit, ein kleiner Fehltritt, sind in solchen unzu- gänglichen und steilen Eishöhlen allerdings oft die Ursachen größter Katastrophen Prof. Lydia Z�abinowitsch-Kempner 60 Jahre alt. Heute feiert die Tuberkuloscsorschcrin Frau Professor Dr. Lydia Rabinowitsch-Kempner, die als erste Frau in Preußen mit dem Profcssortitel für ihre wissenschaftlichen Leistungen ausgezeichnet wurde, ihren 69. Geburtstag in Rüstigkeit und Frische. Seit vielen Jahren ist Frau Rabinowitsch-Kcmpner Direktorin des Bakteriola- gifchen Instituts am städtischen Krankenhaus Berlin-Moabit, gleich- zeitig gibt sie die„Zeitschrift für Tuberkulose", das führende Fach- blatt, heraus, dessen Leitung sie 1913 als erste weibliche Redakteurin einer wissenschaftlichen Zeitschrift übernahin. Nach dem Besuch des Mädchengymnasiums studierte die Jubilarin in der Schweiz Naturwissenschaften. Dann trat sie in das Institut für Infektionskrankheiten in Berlin als einzige weibliche Mitarbeiterin Robert Kochs ein. 1896 folgte sie einem Ruf an die älteste amerikanische Frauenuniversität in Philadelphia, wo sie als Professorin für Bakteriologie wirkte und ein bakteriologisches In- stitut begründete. Nach ihrer Rückkehr apbeilete sie in Kochs Auf- trag über das Vorkommen von Tuberkelbozillcn in der Butler und Milch, über die Infektiosität der Milch tuberkulöser Kühe und über die Serumreaktion bei der Tuberkulose der Menschen und Kinder. Später trat sie in das von Orth geleitete Pathologische Institut der Eharitö über. Hier hat sie sich besonders mit Forschungen über Tuberkulose befaßt und wichtige Feststellungen über die Beziehungen zwischen Menschen- und Kindertuberkulose gemacht. 1912 erfolgte unter dem preußischen Kultusminister von Trott zu Solf ihre Er- Nennung zum Professor, eine damals für eine Frau ganz außer- gewöhnliche Ehrung. Auch in der Frauenbewegung hat Frau Rabinowitsch-Kempner ihre Rolle gespielt, aber sie war niemals die„emanzipierte" Frau, sondern stets die Wisienschaftlerin, die gleichzeitig eine gute Mutter ihrer drei Kinder sein wallte. Reue krollprajckte. Das zur Zeit herrenlose ld. h. unbesetzte) Krolltheater ist em Gegenstand aller möglichen Projekte. Bald heißt cs. stellungslose Schauspieler übernehmen es. bald tritt es in anderen Kombinationen auf. Die neueste Version lautet: Krolloper wird Volksbühne. Der Name soll schon feststehen:„Deutsches Volks- thcater", und als künstlerischer Leiter wird Hans Brockmann genannt. Dahinter sollen Beamten- und Arbeiterorganisationen stehen. Wahrscheinlich ist der Wunsch der Vater des Gedankens. Jedenfalls kann gar keine Rede davon fein, daß die Gründer die Krolloper schon in der Hand haben. Die Berliner G-rgensrage hat in der außerordentlichen Mit- gliedernersammlung des Verbandes der Berliner Bühnenleiter»ine Regelung erfahren. Es wurde ein Beschluß gesaßt, wonach der Schauspieler am Reingewinn beteiligt werden kann. Auf keinen Fall darf dabei die Garantiesumme die Höhe von 3999 Mark monatlich überschreiten. Man hat mit der Beteiligung der Schau- spieler am Reingewinn bereits an der Volksbühne gute Erfahrungen gemacht, wo bekanntlich 5)ans Albers und Max Pallenberg, ohne alle Garantie, nur auf Beteiligung engagiert waren. Unser ZNusikreferent Klaus Pringsheim folgt einem ehrenden Ruf an die Musikakademie in T o k i o. Er wird dort als Dirigent und Lehrer der Komposition wirken. Die MünzenSerg-Kabrik Heldenverehrung— aber dreckige Küchen keinem anderen Land der Welt treibt die H e l d e n v e r- e h r u n g so wunderliche Blüten wie in dem Arbeiter- und Bauern- staat Sowjetrußlanfr Jeden Monat werden ein, zwei Städte nach einem der Führer umbenannt. Nach Stalin heißen schon so viele Städte, Dörfer, Bezirke, Straßen und Betriebe, daß es in Rußland bald mehr Stalinstraßen geben wird als in Deutschland Wilhelm- straßen. Stalingrad, Stalino, Stalinbad, Stalinskis Rayon, hunderte Fabriken„imeni Stalina", es sehlt mir noch, daß die ganze Sowjet- union genannt wird. Die kleineren Götter verlangen natürlich auch ihre Heiligtümer. Nicht etwa aus Bestellung, sondern„ganz srei- willig" äußern z. B. die Arbeiter von Lugansk den stürmischen Wunsch, ihre Stadt in Woroschilowsk umzubenennen. Die Einwohne: von Motowilicho schwärmen dagegen wieder mehr für Molotow. Und da bekanntlich der Wille der Massen der Sowjetregierung Be- fehl ist, überwand Ttolotow seine Scheu und Schüchternheit, und es gibt jetzt statt Motowilicho den Ort Molotowo. In der gleichen Prawdanummer, in der diese Umtaufe mitgeteilt wird, kann man lesen, daß Stalin zum Ehrenmasdjinisten des Baltischen Depots gewählt wurde und daß ihm, anläßlich der Eröffnung einer Teilstrecke bei Alma Ata, nach Moskau ein Stück Kohle als Ehrengabe zugeschickt wurde. Wie die Großen, so die Kleinen, so die Kleinsten. Den aus- ländischen Kommunisten werden zwar noch keine ganzen Städte vcr- liehen, aber Orden und Fabriken. Dem Helden, der so glücklich Karl Marx durch Karl Moor ersetzt hat, Max H ö l z zu Ehren, sind eine ganze Menge Fabriken benannt worden. Und auch der kühne Willy Münzenberg erhielt seinen Lohn für erprobte Tätigkeit vor dem Feind: der Einheit der deutschen Arbeiterklasse. In Leningrad steht die Fabrik„Namens Mjunzenberg." Obwohl der kleine Franzose Marty seinen Betrieb hat, muß sich der größere Heinz N e u m a n n vorläufig noch ohne Fabrik behelfen. Thälmann hat ausgesorgt, der ist Reitergeneral. Freilich, es ist schon ein gewisses Risiko, Lebende so zu ehren. In Alma Ata, das jetzt Stalin Kohle schickt, saß Trotzky in Berbannung.... Dieser Tage brachte die„Leningradskaja Prawda"(in den Nummern vom 5. bis 8. August) einige Berichte über die Küchen und Speisehäuser in den Fabriken Münzenberg und Marty, die doch etwas anders klingen als jene Schilderungen Rußlands, die Münzenberg in seinen Boulevardblättern den geistig Armen vorsetzt. Die Münzenberg-Küche ist„höchst sanitätswidrig" und die Speise- räume in der Marty-Fabrik sind„vollständig verdreckt". „Die schmutzigen Teller werden in kaltem Wasser gewaschen, aber nicht abgetrocknet. Heraus aus dem dreckigen Wasser und gleich wieder auf den Tisch." Ueber das Essen wird bitter geklagt.„Es ist er- bärmlich." Als Gemüse bekommen die Arbeiter— immer wörtlich zitiert—„halbverfaulte Gurken und ähnlichen Schund vorgesetzt." Für 1600 Arbeiter sind nur zwei Kassen da, die Folge davon ist, daß „die Arbeiter stundenlang um das Mittagessen anstehen müssen. Hat einer endlich seinen Teller Suppe, geht die Suche nach einem Löffel los. Ist der Löffel gefunden, muh er von dem Arbeiter selber ge- waschen werden.„Jetzt muß er wieder warten, bis ein Stuhl frei wird, denn„aus Mangel an Stühlen entstehen lange Schlangen" Jeden Tag gibt es Skandale,„weil kein Salz aufzutreiben ist". In der Küche der Marty-Fabrik wird gestohlen, Margarinekisten ver- schwinden, die Köche sausen bei der Arbeit. Der Schluhbericht betont, daß die Zustände in der Münzenberg- und Mary-Fabrik nicht etwa Ausnahmen sind, in allen Leningrader Fabriken sieht es ganz genau so aus. Es wäre nicht schlecht, wenn Münzenberg, der rührige Leiter der IAH., den Bereich seiner Tätigkeit ausdehnen wollte. Etwa auf die Arbeiter der Münzenberg-Fabrik in Leningrad. Aber dann würde ihm allerdings die Zeit fehlen, den deutschen Arbeitern zu erzählen, wie schön es in der Münzenberg-Fabrik in Rußland ist.____ Nazis lassen ltrkunden stehlen. Llm angebliche Mißstände aufzudecken. Anker der Anklage, als Aushilssangestellter bei der General- direktion derPreußisch-SüddeutschenStaatslokkerie Urkunden cniwendet und durch die Miangeklagke Frau Oehlke an die RSDAp. weitergegeben zu haben, stand der Z7jährige Bankbeamte Max Seelmann-Eckebert vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte. Der Angeklagte war feit dem Jahre 1924 arbeitslos und yatte im Sommer 1930 eine Aushilfsstellung bei der Lotterie-General- direktion erhalten. Hier war' er in der Registratur mit der Neu- ordnung verschiedener Kartocheken beschäftigt. Dabei will ihm auf- gefallen sein, daß bei der Vergebung der Lotterieannahmestellen Mißstände herrschten und, daß anstatt Kriegsbeschädigte und Arbeits- lose zu bevorzugen, nur die Gesuche junger Leute bestimmter Partei- kreise berücksichtigt wurden. In seiner Erbitterung über seine eigene lange Arbeitslosigkeit sprach er darüber mit Frau Oehlke, die er schon seit längerer Zeit kannte und die Mitglied der NSDAP. war. Diese Frau forderte ihn nun auf, sich doch Material zu verschaffen, aus dem diese Mißwirtschaft hervorginge, damit sie entweder durch die Presse oder durch eine nationalsozialistische Landtagsanfrage der Oesfentlichkeit bekanntgegeben werden. In den nächsten Wochen entnahm der Angeklagte den Akten verschiedene Urkunden, so u. a. Schreiben des Staats- fekretärs Meißner und des Ministerialdirektors Schnitzler, sowie verschiedene Eingaben des Kriegsbeschädigten-Bundes und der Re- publikanischen Beschwerdestelle. Zwei Originalbnefe erhielt Frau Oehlke, die sie einem angeblich unbekannten Parteigenossen zur Beförderung an einen Landtagsabgeordneten übergab, während Seelmann die übrigen Urkunden bei sich behielt, um davon Ab- schriften anzufertigen. Im Januar erfuhr die Generaldirektion den Diebstahl und Seelmann wurde fristlos entlassen. Beide Angeklagten gaben ihre Tat zu und beteuerten, daß sie aus„reinstem Idealismus" gehandelt hätten ohne irgendwelche Vorteile dafür zu erhalten. Der Staatsanwalt beantragte gegen Seelmann-Eckebert wegen Urkundenbeseitigung und Diebstahl sechs Wochen Gefängnis und gegen Frau Oehlke wegen Anstiftung dazu vier Wochen Gefängnis. Das Schöffengericht verurteilte den Angeklagten zu 299 Mark G e I d st r a f e und Frau Oohlke wegen Anstiftung dazu zu 399 Mark Geldstrafe. Von der Diebstahlsanklage wurde der Angeklagte freigesprochen, da das Gericht die Absicht der Aneignung der Urkunden verneinte. Wekteraussichken für Berlin. Vorübergehende Beruhigung und Wetterbesserung mit etwas Temperaturerhöhung.— Für Deutschland. Im Nordosten noch Schauer und kühl, in' Nord- und Mittel- deutschland Beruhigung, im Süden wieder neue Eintrübung M't Regenfällen. Rückschau. Abendprogramm des Deutschlandsenders: eine Auf- führung aus Köln, betitelt„Klavier"; im Programm angezeigt als Komödie. Verfasser Frank Warschauer und Gertrud V e r in e e r. Komödie war ein etwas hochklingender Titel für die Darbietung, die ein etwas flotteres Tempo und den Titel Sketch ver- dient hatte. Damit aber sind alle Einwendungen gemacht, die gegen das Werkchen und seine Aufführung erhoben werden können. Er- gänzend muß die Feststellung hinzugefügt werden, daß dem Hörer damit eine heitere Stunde bereitet wurde. Aus künstlerischen Ge- sichtspunkten ist das ganze Werk nicht zu betrachten, das ein Dutzend Unwahrscheinlich- und Unmöglichkeiten sehr unbekümmert aneinander- reihte und Dialoge in allen Stilfärbungen der Bühnenlitcratur brachte. Einheitlich war nur die Sprache der Hauptperson der Handlung, des Klaviers, oder vielmehr des Flügels. Scherz, Ironie und tiefere Bedeutung, die der Ausführung innewohnten, strahlten von ihm aus. Und da ein Flügel eine sehr spärliche Mimik hat und auf Gesten ganz verzichtet, ist er eine vortreffliche Hauptperson für ein Hörspiel. Seine ausdrucksvolle Sprache erzählte eine romantische Geschichte: von der Sehnsucht eines armen Pianisten nach einem Instrument, dessen Seele er erwecken kann; von dem Leidensweg des Flügels, der aus der Klavierhandlung in eine wohlhabende Familie wandert, wo Kinderhände ihn malträtieren und Jung- mädchenhände Schlager auf ihm herumtrommeln, in die Kaschemme, und von seiner endlichen Heimkehr zu dem, der ihn liebt und versteht, zu dem Pianisten. Die ergänzende Handlung blieb ein- heitlich auf akustische Wirkung eingestellt, und durch eine sehr ge- schickte musikalische Sprache wurde dafür gesorgt, daß die Phantasie des Hörers immer mühelos mitging. Dr. Hilde Geppert sprach im Programm der Funkstunde über„Schule der Weiblichkeit", mit dem Ziel, ihre Höre- rinnen zu der seelischen Ergänzung der wieder weiblicher gewordenen Frauenmode anzuregen Daß trotz Berufsarbeit und Lebenskampf die Frau ihren eigenen Charakter nicht aufgeben soll, ja, daß sie ihn nicht ausgeben darf, wenn sie sich nicht selber verlieren, sich nicht aller Freude am Leben berauben will, ist selbstverständlich. Trotzdem der gutgemeinte Vortrag sich um diese Feststellungen mühte, mutete er reichlich zeitfremd an. Denn zu dem. was Dr. Geppert unter„Weib- lichkeit" versteht, zurückhaltende Anmut und hausfrauliches Gebaren, kann man doch nur d i e Frau mit Nutzen für sie selber erziehen, die gerade dafür die Anlagen besitzt. Es gibt nur einen Rat, der immer und bei allen Menschen richtig ist: der zu werden, der man ist; sich selber zu suchen. Jeder Mensch, ob Mann oder Frau, kann und soll an sich selber vieles korrigieren: aber er soll sich nicht eine Rolle ein- lernen wollen, um sich dahinter zu verstecken. Und wenn auch die Vortragende mit manchen klugen Worten argumentierte, die Weib- lichkeit, die sie lehren wollte, war im Grunde nichts anderes als die passende Rolle zu den Kostümen der gegenwärtigen Mode. Sonnabend, 22. August. Berlin. 16.05 Herbert Rosen: Von Briefmarkenfälschern. 16.30 Die Erzählung der Woche(Werner Scheff). 17.00 Blasorchesterkonzert. 18.30 Andreas Hemberger liest eigene Erzählungen. 18.50 I. Stamitz: Suite für Viola d'amore und Klavier. 2. Bach-Busoni: Chasonne D-MoII für Klavier. 3. Rust: Präludium und Fuge für Vioia allein. 4. Vieuxtemps? Capriccio für Viola allein. 5. Smareglia: Danza delle Ondine für Klavier. 6. Liszt: Ungarische Rhapsodie Nr. 6 für Klavier(Reinhard Wolf, Viola d'amore und Viola, und Winfried Woll» Flügel).' 19.30 Rudolf Loewe: Der Zeitungshändler. 20.00..Rundfunk gestern und heute." Ein heiterer Abend. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königswusterhausen. 16.00 Hamburg: Konzert. 17.00 Prof. Dr. Erich Benjamin: Seelische Entwicklungsstörungen in def frühen Kindheit. 17.30 Dr. Kientopf: Die Schulzahnpflege im Rahmen der kommunalen Ge« sundheitsfürsorge. 18.00 Französisch für Anfänger. 18.30 Ob.-Ing. Nairz: Viertelstunde Funktechnik. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Louis von Kohl: Das Leben der Naturvölker. 19.30„Der Stimmenmacher". Hörspiel von Karl Würzburger. Regie: Konrad Dürre. Sonntag, 23. August. Berlin. 06.30 Funkommnastik. 08.00 für den Landwirt. 08.55 Morgenieier. 10.05 Wettervorhersase. 10.30 Funk-Ausstellung: Tagung Deutscher Funkhändler e. V. 14.30 Friedrich Welter: Suite in Form von Variationen für Klavier, op. 10. (Flügel: Der Komponist.) 14.50 Funkgemeinschaft engagementsloser Schauspieler der Bühnengenossenschaft:„Kater Lampe". Komödie von Emil Rosenow. Regie Fritz Staudte. 16.10 Konzert. 18.00 v. Metzsch:„Qneisenau". 18.30 1. Ditters V.Dittersdorf: Quartett Es-dur, Nr. 5. 2. Joh. Brahms: Quartett a-moll, op. 51, Nr. 2(Dresdener Streichquartett). 19.20 Tagesglossen.(Alfred Kerr.) 19.50 Sportnachrichten. 20.00 Funk-Ausstellung:„Hallo, Funk-Ausstellung." Funk-Potpourri für Soli, Chor und Orch. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königswusterhausen. 07.00 Hamburg: Hafenkonzert. 11.00 Rumänische Volksdichtung. 11.30 Bachkantaten. 12.15 Oberstudiendirektor Dr. Behrendt Die höheren Knabenanstalten. 12.45 Leipzig: Mittagskonzert. 14.30 Leipzig: Konzert. Jorgo Chartofilax, Mandoline; Erhard Siebert, Gitarre. Anschl. bis 17.00 Uebertrag von Leipzig. 18.00 Hans Kyser: Qneisenau. 18.25 Georg Oriesemann: Fußreise Berlin— Rom. 19.20 Dr. A. Funke: Westfälischer Humor. Theater der Woche. Vom 28. bis Zt. August. Staakslhealer. StonUnpee Unter den Linden: 28.■Jonberfföte. 24. Schwanda, der Dudel- fcckpfeiser. 25. Der flteqetrbc HoMnder. 26. Ein Maske nball. 27. Die iöndwit des ffigaro. 28. Der Troubadour. 29. Manon Sescout. 30. Eine Nacht in Venedig. 81. Die Entstihruna aus dem Serail. Schauspielhaus am Sendarmenmarkt: 39. Die naiiirliche To älter. 30. und 31. Gccil dRstzob-cs. Schtller-Zcheaier: 29., 30., 31. Die MltMiMM; 33 Mtmrten in Orttnefceri,. Thealer mit festem Spielplan: Deutsches Theater, Kammerspiele, Die Knmädie! Geschlossen.— Theater des Westens: Viktoria und ihr Husar.— Lustspielhaus: Der Werwnlf.— Theater am Kursürstendamm: Die schöne Helena.— Theater in der Behrenstrahe: Hut ab nnr Onkel Eddie!— Metrnpnl-Theater: Die Toni aus Wien.— Wallner-Theater: Das Miidche» aus der giirsorse.—«lasino-Theater: Das Parfüm meiner Frau.— Rnse-Theater: Mädchen zum Seirnien.— Theater in der KInsle-strahe: Büchse der Pandnra.— Theater im Admiralpalast: Tie Dnbarrn.— Winter- garten, Plaza, Scolo: Internationales Bariets.— Reichshallen-Theater; Cteitiner Sänger. Thcaker mit wechselndem Spielplan: Stadt. Oper, Eharlattenhurg: 23., 26., 29. Zar und gimmerntann. 24. Der Freischütz. 25. Don Pascsuale. 20. Das Epitzeniuch der Königiir. 28. Lohen- grin. 30. Die Afrikanerin. 31. Die luftigen Wender van Windsor.— Komische Oper: Bis 2«. Frauen haben das gern. 27. Geschlossen. Ab 28. Thron ,u ver. geben.— Rose-Theater, Gartenbühne: Bis 25. Panne um Mitternacht. Ab 26. Das SlllcksinKdel.— Naturtheater Friedrichshagen: 23. Turandot, Prinzessin von China. 30. Ein Soinmernachistranm. Nachmittagsveranstaltungen: Wallner-Theater: 23., 1« Uhr, und 30., 17 Uhr: Das Mädchen aus der Fiirsorge. 29., 16 Uhr, und 30., 15 Uhr: Rotkäppchen.— Rose-Theater: 30. Mädchen zum Heiraten. Rose-Theater, Eartenbnhne: Konzert und Variete. — Theater in der Klosterstrahe: 23., 30., 15 Uhr: Erdgeist: 17 Uhr: Bilchke der Pandora.— Naturtheater Friedrichshagen: 23. Turandot, Prinzessin von China. 30. Echneeweißchen und RoÜenrot.— Wintergarten: 23., 29., 30. Internationales Variete.— Plaza, Srala: Internationales Variete: Erstaufsührungen der Woche: Mittwoch. Rose-Theater, Earienbaihne: Das Glücksinädel.-» Donnerstag: Metropol. Theater: Die Blume von Aamai.— Freitag. Komische Oper: Thron zu vergehen.— Sonnabend. Schauspiel- Haus: Die natiirliche Tochter. Verantwortl. für die Redaktion: Herbert Lepsre, Berlin: Anzeigen: Th. Glocke. Berlin. Berlag: Vorwärts Berlag®. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Verlagsanstalt Paul Einger& Co.. Berlin SW 63. Lindenstrahe 3 Hierzu 1 Beilage. Für 25 Qildehof-Werfmarken ■ vj. Sparen Sie CJeld durch Sammeln der Wertrnarken die allen 1025ü. 50 Sfück Qildehof- Packungen beillegen .xAPV H AX •jr'i\oV*,/ VA VW' -Ä ff..wh:r "'"(ViritW'-r, 3**$* io. k JO sieh)- eine qildehof Wertmarke aus (Beilage Sonnabend, 22. Augusf 1931 SnaJjuA&iJ&e-dß* iuy*vyns& S�CHfCKS&g, MiWCft 4ZHiPI$SWi3yr Blick von der fiakenterrasse Stettin bedeutet für uns schlechtweg eine moderne Stadt; wenige werden wissen, daß ihre Entstehung ins frühe Mittelalter reicht und daß sie um llüd schon die größte und ölte st e Stadt Pom- m e r n s gewesen sein soll. Als im 12. Jahrhundert die Reichsgrenzen bis zur Oder vor- geschoben und in rascher Folge die Städte Wismar, Rostork, Stral- sund und Greisswald gegründet wurden, diente Stettin als Feste gegen die wendischen Völkerschaften jenseits der Oder, die dann all- Mählich unterworfen wurden. Zwar gehörte die Stadt dann der Hansa an, wurde aber überstrahlt von den anderen Städten, be- sonders dem mächtigen Stralsund, dessen Kirchen und bürgerliche Banken heute noch von seiner Machtstellung im Mittelalter Zeugnis ablegen. In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges fiel Stettin «n die Schweden, die es wieder als Festung ausbauten, und als es um 1720 definitiv an Preußen zurückgegeben wurde, erneuerte und modernisierte der damalige König wiederum zunächst die Forti- sikationen, anstatt die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern. Erst nach dem Siebenjährigen Kriege begann für Stettin eine Epoche der Blüte. Die Trockenlegung des Netze- und Warthebruchs, die besseren Wasserstraßen nach dem Binnen- lande, wie der Bau des Finow- und Bromberger Kanals, die die neu erworbenen Provinzen aufschlössen und einen direkten Wasserweg nach Berlin eröffnete, alles dieses zusammen mit der politischen Beruhigung brachte der Stadt bedeutenden Aufschwung. Die noch erhaltenen Bauten aus dieser Zeit zeigen, wie gerade das Bürgertum damals erstarkte und die Anfänge einer Tradition schuf, die bis dahin gefehlt hatte. Wie Berlin.seit der Zeit des Großen Kurfürsten, so hat sich Stettin seit Friedrich II. erst entwickelt, und wenn auch die Stadt um 1800 er st 2l)0l1l1 Einwohner zählte und durch die Besatzung der französischen Armee von 1806 bis 1813 schwer zu leiden hatte, so waren doch dann keine Hindernisse Mehr vorhanden, um die wirtschaftlichen Möglichkeiten auszubauen. Der Aufstieg blieb dann auch nicht aus, als im 19. Jahrhundert mit der Maschine die Umstellung der Wirtschaft begann, als das Dampfschiff den langsamen Segel- und Treidelbetrieb ablöste und die Eisenbahn— im Jahre 1843 wurde die Strecke Berlin— Stettin eröffnet— schnellsten Güter- und Personenverkehr ermöglichte. Fast über Nacht setzte die Entwicklung ein. Wie in Berlin hatte man in überstürzter Eile nachzuholen versucht, was in den früheren Jahr- Hunderten versäumt worden war, und in dem Rausch des Fortschritts wurde manches wertvolle Alte achtlos zerstört. Ein gewaltiges Industriezentrum und der größte deutsche Ostsee- Fischbollwerk Hafen ist das heutige Stettin an Einwohnerzahl und Gebiet fast zehnmal so groß wie um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Es ist daher kein Reiseziel für den Romantik suchenden Vergnü- gungsreisenden Er besucht lieber Stralsund, das mit der geschlossenen mittelalterlichen Form seines Stadt- bildes jenen Drang mehr befriedigt. In bescheidenerem Maße kann das auch Stettin. Die alte I a k o b i- k i r ch c mit ihrem wuchtigen Dach und gut gegliedertem Turm be- herrscht noch immer die Altstadt. Schön ist der Blick von der Großen Lastadie, der öst- lichen Zufahrtstrahe, wie die hoch- gelegene Kirche die barocke Straßen- zeile überragt. Wie malerisch sind die Gäßchen, die vom Bollwerk, dem langen Uferkai der Oder, hin- aufführen zu dem Schloß, einem umfangreichen Renaissancebau mit reizvoll ausgestalteten Höfen. Man betrachte die alten Tore, das Ber- liner und Königstor, das alte Rat- haus am Heumarkt, die noch erhal- tenen Palais in der Luisenstraße und am Königsplatz, die Johannes- und Peter-und-Paul-Kirche, spät- gotische Backsteinbauten! Prachtvoll sind die alten Speicher an der Oder, die in ihrer pittoresken Form denen in Lübeck und Hamburg kaum nachstehen. Aber muß es immer die Romantik sein, kann nur das Alte malerische Reize haben? Ebenso interessant ist doch das brausende Leben der Straße von heute, der Verkehr in all seinen Abstufungen und Arten. Gerade die 5) a f e n st a d t bietet an buntem Wechsel von Wasser- und Landverkehr, Ein-, Aus- und Umladen eine Steige- Jakohikirche rung des pulsierenden Erwerbslebens in farbigem Durcheinander, noch verstärkt durch die Jnternationalität der Fahrzeuge und Menschen! Das eigentliche Oderbett, von früher her schon die An- legestelle der Stettiner Schiffahrt, bildet auch heute noch mit ihren Kais das Zentrum des Verkehrs. Am oberen Teil legen die Dampfer und Kähne an, die die Waren für den täglichen Bedarf bringen; vor allem die Fischdampfer. Zlmüsant ist der F i s ch m a r k t am Bollwerk. Da stehen in kleinen Holzbuden die Händler und bringen die frischgefangei.e Ware direkt aus dem Schiff zum Verkauf. In Körben und Bottichen sieht man die glitzernden Flundern, Schollen und andere Ostsecsische aufgehäuft, die für billiges Geld zu haben sind und ein Hauptnahrungsmittcl der Bevölkerung sind. Was für ein Gewimmel zwischen Kahn, Schiff, Kai und Bude; ebenso auf dem Gemüsemarkt am Schwcdter User! Man schlendert hier vorbei, ergötzt sich an dem Bild wie auch an dem gemütlichen Platt der Leute, geht vorüber an den großen Brücken mit aufklappbarem Mittelteil zum Ankerplatz der Personendampfer und steht plötzlich am Fuß der H a f c n t e r r a s s e. Diese hochragende Anlage in frischem Grün mit wuchtigen Gebäuden wird auch dem flüchtigsten Besucher der Stadt in Erinnerung bleiben. Ein Hochgenuß, hier oben zu verweilen und den Blick schweifen zu lassen über Stadt und Hafen, Fluß und Ufer bis zu den bewaldeten Höhen der Buch- Heide und dem blanken Spiegel des Damms chenSees! Unten sieht man die Dampfer lustig ankommen und abfahren, die kleinen Lokaldampfer für Vorortverkehr und Rundfahrten auf Hafen und See, dann die Luxusdampfer nach Swinemünde, Rügen, anderen Ostseehäfen und dem Auslände.— Daneben zweigt der Hafen- arm„D a n z i g" ab mit seinen Kais und Kranen. Ueber Speicher und Dächer ragt fern das riesige Lagerhaus des Freihafens. Interessant ist auch ein Besuch dieser Hafenbecken, die im Jahre 1998 vollendet wurden und bei. einer Breite von je 199 Meter über 4 Kilometer Ladekais verfügen. Der Güterbahnhof dicht daneben ermöglicht raschesten Umschlag: dicht aneinandergereiht in phantastischen Formen stehen die Krane. darüber ragen die weitausladenden fahrbaren Brücken. Ein neuer Hafen ist ferner der etwas abseits liegende Reiherwerder- Hafen, dessen imposante Ladevorrichtungen schon charakteristisch für das Stadtbild geworden find. An die Häfen schließt sich ein Netz von natürlichen und künstlichen Wasserwegen. Auf den Inseln zwischen ihnen liegen Lauben- kolonien, haben Ruder- und Segelklubs sich niedergelassen, sind Badeanstalten und Vergnügungsstätten errichtet worden. Sie bieten ein Bild beschaulicher Ruhe inmitten des eilenden Verkehrs. Stettins Bedeutung wird stark unterschätzt, die Nähe Berlins ist ihm da zum Schicksal geworden, als dessen Hafenstadt man in Uebertreibung wohl Stettin bezeichnet hat, seitdem der Groß- schiffahrtsweg Berlin— Stettin eröffnet worden ist. Erfreulicherweise kommt mehr und mehr Verständnis für die Be- deutung der Stadt auf und für die schwere Lage, in die sie durch Krieg und Friedensschluß geraten ist. Durch die Abtrennung der Provinzen Posen und We st preußen ist dieses wich- tige Hinterland wieder fortgefallen. Der unregelmäßige Wasserstand der Oder hemmt den regelmäßigen Schiffstransport der ober- schlesischen Kohle, die ihren Weg über den polnischen Schienenstrang zur Ostsee nimmt; dazu die Umstellung des Ueberseehandels, der sich mehr und mehr auf die Nordseehäfen, besonders Hamburg konzen- triert— der Umsatz des Hamburger Hafens ist doppelt so groß wie der sämtlicher deutscher Ostseehäfen zusammen—: Alles dieses hat Stettin schwer geschädigt und neben anderen Industrien be- sonders den Schiffbau getroffen. Aber ob darum die Lage für die Stettiner Werften so kritisch wurde, daß ein Werk wie der Vulkan einfach seinen Betrieb einstellen mußte?— Nach der Meinung der Arbeiter hätte es mit etwas Arbeitseinschränkung und bei geringerem Verdienste wohl weiter existieren können. Aber wie rigoros ist die Verwaltung vorgegangen! Das große Werk, das früher 9999 Ar- beitern und Angestellten Arbeit und Brot gab, wurde fast von heute auf morgen stillgelegt, ein schwerer Schlag für die werktätige Beoölke- rung und die Stadt. Wer heute von Stettin über Grabow nach dem Vorort Züllchow fährt, ist entsetzt über den Anblick, den das ehemalige Vulkangelände bietet. Eine Wüste liegt vor ihm, bedeckt mit Resten von Mauerwerk und Eiscnteilen, ein paar Gebäude stehen als halbe Ruinen da. Wo sind sie hin, die Montage- hallen, die riesigen Docks, die Kranbahnen und alle die Maschinen, die hier arbeiteten und mit ihrem Getöse, Stampfen und Hämmern eine Sinfonie der Arbeit ertönen ließen? Verkauft, verschleudert, nach allen Richtungen abtransportiert oder verschrottet; die Ufer zer- fallen, Unkraut wächst zwischen den Steinen: Es ist ein Bild von trostloser Oede. Bedrückt wendet sich der Passant ob, er geht weiter oder abwärts und sieht die anderen Werke, die eins neben dem anderen das Oderufer flankieren: Weitere Schiffswersten, Zement- und ch'emijche Fabriken, Maschinen- und Eisenwerke, und zuletzt weit vor der Stadt die größte Papierfabrik Deutschlands. Diese Werke arbeiten noch, wenn auch die Krise die Produktion eingeschränkt und die Reihen der Arbeiter stark gelichtet hat. Bs- sonders schwer lastet auch die Arbeitslosigkeit auf dem Schiffer- gewerbe. An Häsen, Kais und Anlegestellen sieht man die zur Un- tätigkeit Verdammten umherstehen, verbittert, aber ohne jegliche Neigung zu Unruhen und Gewalttätigkeiten. Die Stadt ist ernsthaft bemüht, neue Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen. DieVerbreiterungderunterenOder.der Bau eines großen Getreidespeichers sind geplant. Aber die Zu- kunft ist noch trübe; hier wie anderswo zeigt sich deutlich, daß die bisherige Wirtschaftsform versagt hat. Sozialer Wille allein kann Führer zur Besserung sein. Text und Zeidrnungen von Hugo G. Müller. Freihafen Sport am Sonntag Arbeitersportliches und anderes Arbeiler-Hockey. Die Hcrbstspiclzeit der Arbeiter-Hockeyspieler wird vom„V o l k s s p o r t- N e u k ö l l n- B r i tz" mit einem Werbespiel gegen„E i ch e"- L e i p z i g eröffnet.„Eichc"-Leipzig ist der Berliner Arbeitersportbcwegung ein altbekannter Gast aus den Hallenfportfeften. Wenn nun am kommenden Sonntag die spielstarke Hockeymannschaft als eine der besten des 4. Kreises ihr Können be- weisen wird, so ist mit einem interessanten Spiel zu rechnen, denn auch„Volkssport Neukölln-Britz" gehört zu den spielstarksten Mann- schaften. Das Spiel beginnt um 16 Uhr im Sportpark Neukölln, Platz g. Vorher findet ein Spiel der 2. Mannschaft gegen„Freie Sportvereinigung Niederschönhausen" statt. Das Sportfest der Areien Turnerschast Groh-Berlin, Bezirk Friedenau, findet morgen, Sonntag, auf dem Sportplatz in der Offen- bacher Straße statt. Zu den leichtathletischen Weltkämpfen haben neben dem sestaebenden Verein genreldet die sozialistischen Studenten, die Vereine aus Teltow, Ruhlsdorf, Wilmersdorf, Schöneberg und der S. C. 30. Das Fest beginnt um 14 Uhr. Die Ortsgruppe West des„Sturmvogel" tauft ihr neugebautes Segelflugzeug heute Sonnabend um 20 Uhr in der Schloßbrauerei Schöneberg, Hauptstraße 122. Berliner Aschenbahn-Radrennen. Die um 1Z.30 Uhr beginnende Sonmagsneranstaltung auf der Aschenradrennbahn im Berliner Polizeistadion bringt neben Haupt-, Vorgabe- und Ausscheidungs- fahren als Hauptnummer ein S0-Kilometer-Mannschafts- rennen, für das folgende 13 Paare verpflichtet sind: Petri— Manthcy: B. Wolke— Mandelkow: 0. Nickel— Piano: Balke— Schimming: Lehmann— Wissel; Engclmann— W. Nickel; Dorn— Kießlich; Koch— Eicse; Kantorowicz— Schwemmler; Maidorn— Schenk; R. Huschte— Evert; Lohoff— Adam eck; Feder— Ncurnann. Haupt-Iagdrennen zu Karlehorst. Morgen, Sonntag, kommt in dem Haupt-Jagdrcnnen eines der bedeutendsten Ereignisse des deut- schen Hindernissports zum Ausdruck Die Rennen beginnen um 13 Uhr. Morgen: Sammeltag der Arbeiter-Samariter An jedem Sonnabend und Sonntag, wenn die Einwohnerschaft den Mauern Berlins entflieht, steht der Arbeiter-Samariter auf der Wacht, um bei Unglücksfällen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Ln Freibädern, auf Bahnhöfen, bei Spiel und Sport ist der Arbeiter-Samariter zur Hand, um stets hilfsbereit seinen Mitmenschen zu helfen. Durch die Arbeiter-Samariter ist schon viel Not und Elend gelindert worden, darum kargt nicht mit der Spende und unter- stützt die Arbeiter-Samariter bei ihren Sammlungen, die morgen überall veranstaltet werden. Auch der kleinste Betrag ist erwünscht. Beachtet, daß die Arbeiter-Samariter die Spenden wieder im Jnter- esse der Allgemeinheit verwenden, darum nochmals: Denkt am Sonntag an die Arbeiter-Samariter. nepudlilsQniscKe Wintersporiler tagten in Berlin Dieser Tage fand in Berlin eine Vertretcrtagung des Deut- schen Winter jportverbandcs(der Spitzenorganisation der republikanischen Wintcrsportvereine) statt, auf der Geschäfts- sichrer James B r e s l a u e r den Bericht über das abgelaufene Ge- schäftsjahr erstattete. Das Sportprogramm des Berbandes konnte unter einer zahlen- mähig überraschenden Beteiligung bis auf eine Reise nach Norwegen, die wegen der Wirtschaftskrise abgesetzt werden mußte, durchgeführt werden. Neben den großen Berbandsreiscn im Dezember und Januar, wo für 130 M. einschließlich Fahrgeld und volle Verpflegung eine Skitour für 14 Tage geboten wurde, war besonders das Fest in Frauemvald außerordentlich gut beschickt. Kassenwart Schnei- der berichtete, daß zwar 70, in einigen Verbandsvercinen im Harz sogar 83 Proz. der Mitglieder erwerbslos wären, daß aber trotzdem, dank einer guten Sparsamkeit, die Kassenlage als sehr günstig zu be- zeichnen ist. Pressewart Arno S ch o l z- Hannover berichtete, daß die Zeitschrift für einen guten Zusammenhalt der Mitglieder gesorgt hat, daß darüber hinaus aber auch die gesamte deutsche Presse— insbesondere die sozialdemokratische und republikanische— recht ausführlich über die Berbandsarbcit berichtet hätten. Auch der Rundfunk hat die Ergebnisse der Wettkömpfe am gleichen Tage noch durchgegeben. Breslaucr berichtete dann über die kommenden Arbeiten. Im Dezember/Januar würde eine Skitour in die Alpen unternom- men. Das Verbandssportfest wird nach einem einstimmigen Beschluß im Februar nächsten Jahres in B r a u n l a g e i. H a r z durchge- führt. Außerdem findet eine Skitour in die Schweiz statt und noch eine Anzahl Gausportfeste, so in Thüringen, im Harz und Süd- deutschland. Im Herbst werden die Verbandsvcranstaltungen wie alljährlich mit einer Anzahl Skitrockenkurse und Seilkurse eingeleitet. Außerdem wurde mitgeteilt, daß der mitteldeutsche Gau im Harz eine Skihütte mit dem Namen Severing-5ylltte, errichten wird. Ein Antrag des Harzvereins Tanne, dort eine kleine Schanze zu errichten, erhielt grundsätzlich Zustimmung, ob aber finanzielle Beihilfen des Berbandes noch in diesem Jahre gegeben werden können, muß noch geprüft werden. Die Wahl ergab einstimmige Wiederwahl des Präsidiums. Neu hinzugewählt wurden als Jugendwart Dr. Kühn und als Beisitzer Wiebusch-Braunlage und Nagler-Niirnberg. In den neugewählten Sportausschuß wurden Breslauer, Dr. Kühn, Dr. Wolf und Beyer hineingewählt. Ueber die Berbandsreisen erteilt die Geschäftsstelle des Verbandes, Berlin SW 08, Markgrafenstr. 22, Auskunst. IHterbsttest der höheren Schulen Nach einer Pause von zwei Jahren ruft der Berliner Turnlehrer- verein die Jugend der höheren Schulen Groß-Berlins am 2 0. A u g u st zum fröhlichen Wettkampf ins Grunewald- Stadion. Da der veranstaltende Verein mit dem Feste die Feier seines 75jährigen Bestehens verbindet, versprechen die Wettkämpse einen besonders glänzenden Verlaus. Die Teilnchmcrzahl erreicht die Zahl 10 000 und man kann ohne Uebcrtreibung die Veranstaltung als das größte schulsportliche Fest Deutschlands bezeichnen. Ober- bürgermeister Dr. Sahm hat das Ehrenprotektorat übernommen. Die Kämpfe und Vorführungen sind reichlich und abwechslungsvoll zu- sammengeftellt. Ein Schulmehrkampf faßt Kämpfe im Dreikampf (Weitsprung, Kugelstoßen, 100-Meter-Lauf), einen 0X100-Meter- Staffellauf und eine 0X50-Meter-Bruststasfel im Schwimmen zu- sammen. Die große Schulstaffel(0X100 Meter und 3X200 Meter), ein 1800-Metcr-Mannschaftslauf, eine 0X100-Meter-Staffel für die Jüngeren der Vollanstalten und der Realschulen und eine 8X75- Meter-Staffel für Schülerinnen reihen sich in den Hauptkampf ein. Einzelwettkämpfe(Speerwerfen, 00-Meter-Hürdenlauf, Wasser- sprünge) und Sondervorführungen mannigfacher Art unterbrechen die Darbietungen. Ganz besonders sei auf die Massenkörperschule der 4000 Quartaner und Tertianer hingewiesen �tatoiradpreis von Berlin Am 17. September auf der Avus Nicht minder interessant als das Avusrennen der Automobils dürfte das Motorradrennen um den Großen Preis der Stadt Berlin sein, das der Deutsche Motorradfahrer- Verband am 2 7. September auf der Avus veranstaltet. Die Ausschreibung sieht drei verschiedene Wettbewerbe vor. Das Rennen I ist den Ausweisfahrern offen, die in den Klassen 250, 350, 500 und über 500 Kubikzentimeter über vier Runden— 79,123 Kilometer konkurrieren. Im Rennen II, das offen für Lizenzfahrer des In- und Auslandes ist, starten die Seiten- wagenmaschinen, und zwar die bis 350 Kubikzentimeter über 79,123 Kilometer, die bis 000 und über 000� Kubikzentimeter über 5 Runden — 98,090 Kilometer. Den Höhepunkt der Veranstaltung bildet dann das Rennen III für Solomaschinen um den„Großen Preis der Stadt Berlin", das offen für alle Lizenzfahrer des In- und Aus- landes ist. Die Klasse bis 250 Kubikzentimeter hat 10 Runden— 190,561 Kilometer zurückzulegen, alle anderen Klassen(350, 500 und über 500 Kubikzentimeter) gehen über 12 Runden— 235,707 Kilometer. Erster Meldeschluß ist am 7. September, Nachnennungen werden bis zum 21. September angenommen. Internationale Sechstagetshrt Die Internationale Sechstagefahrt für Motorräder findet in diesem Jahre vom 30. A u g u st bis 0. September statt. Das durchführende Land ist Italien, der Sieger vom ver- gangenen Jahr; die Fahrt sindet in Oberitalien statt. Zu dieser traditionsreichen und bedeutendsten Zuverlässigkcits- fahrt sür Motorräder in Europa hat die OMB. ein nationales Team zum Wettbewerb um die„International Trophy" gemeldet. Be- dingung für dieses Team ist, daß die Maschinen in Deutschland gebaut wurden und die Fahrer deutscher Nationalität sind. In diesem Team starten Josef Mauermayer, München, auf BMW. mit Seitenwagen 750 Kubikzentimeter, Julius v. Krohn, Berlin, auf Zündapp, solo, 350 Kubikzentimeter, Ernst Henne, München, auf BMW., solo, 750 Kubikzentimeter. Die Konkurrenz um die „International Silver Vase" bestreitet Deutschland mit der Mann- schast Johannes Mittenzwci, Leipzig, auf Zündapp mit Seiten- wagen, 500 Kubikzentimeter, Hans Hieronymus, Nürnberg. auf Zündapp, solo, 350 Kubikzentimeter, Josef Stelz er, München, auf BMW., solo, 750 Kubikzentimeter. Die Mannschaft Deutschlands ist unter Berücksichtigung der schwierigen allgemeinen Lage in Deutschland klein, aber von Qualität, so daß begründete Aussicht auf ein erfolgreiches Ab- schneiden der deutschen Fahrer gegen die außerordentlich starke ausländische Konkurenz besteht. Ein Ersolg in diesem von der gesamten Fachwelt Europas mit Interesse verfolgten Wettbewerb würde sich für Deutschland und für die beteiligten Fabriken in denk- bar günstiger Weise auswirken. Freie Turnerschalt Grost-Bcrlin. Alle freien Genossen und Genossinnen be- iciligen sich morgen, Eonntag, om(Sportfest des Bezirks Friedenau: ISVi Uhr Plast Offenbachcr Str. ö. FTGD.-Fricdenau. Zum Sportfest treffen sich alle Wettkämpfer bis VPA liste auf dem Sportplast Qffcnbacher Straße. Wer noch starten tvill. komme pitnkt- lich. Per Etraßcnlauf muß umständehalber ausfallen. Freie Photo-Pcrcinianng Berlin. Sanntag, 23. August, Fahrt nach Oranien- bürg— Nassenheide. Treffpunkt 7 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen. Freie Kanu-Union Erosi-Berlin. Abt. Obersprec: 23. August Kleiner Mllggelseest— Abt. Havel! 23. August Fuche-berge. Arbeitsgemeinschaft Berlin des ALB. Sitzung Mon-tag, 24. August, 20 Uhr, Alexandrinenstr. 87. KartenmcUningen für„Traumland" nicht vergessen. Radfahrer,„Solidarität". Touren für Sonntag, 23. August, l. Abt.: 22. August Werbellinfee. Start 13 Uhr: 2Z. August Saatwinkel, Start 6 und 13 Uhr, alle Blllomstr. 55.— 2. Abt.: 23. August tzh-Tage-Tostr nach Mecklen- bürg, Fcldbcrg, Start wie bekannt.: 23. August Licpnitzsee, Start(i Uhr. Kraftfahrer: Glindower Alpen, Start Uhr, beide Rohde, Meffenbachftr. 2L.— S. Abt.: Krohsinsee bei Schmöcbmitz, Start« und 13 Uhr Marianncnplast.— 6. Abt.: Hennigsdorf, Start« Uhr Feit, Kopenhagener Str. 17.— 9. Abt.: Kremmener See. Start« Uhr Schreiber, Triftstr.«3.— Abt. Frirdrich-ha-n (gemischte), Rad, obrer: 22. und 23. August Störitzsee, Start 17 und 5 Uhr; Kraftfahrer: 28. August Lehnitzsce, Start 7 Uhr; Jugend: 23. August Zossen, Start Ni Uhr, olle Pctcrsburaer Platz.— Lichtenbero: Kloster Chorin, Start 5 Uhr Henkel. Odcrstr. 18.— Neukölln: 23. und 23. August Dämmeritzfce. Slart 18 und g Uhr Hohcnzollernplatz.— Weitzcnscc: Beteiligung au dem Sommer- sest der SPD.. Schlosi Weistcnsce, Start 1 Uhr Schloß Wrißensee.— oder- schoneweide: Flakenfec, Start« Uhr Emiinerich, Wilhelminenhofstr. 64.— Neinickendorf: 22. August Rheinsberg, Start 17 Uhr: 33. August Lehnitzsce, Start 6 Uhr, beide Provinzstr. 16«.— Treptaw-Baumschulentveg: Möllensee, ftroße 18.— Eteglist-Lichtcrfclde:«ienewitzsce. Start Schulz. Steglitz, Birkbuscst straße R!.-- Rennfahrer Berlin. Mitte: Bahnrennen in Wannsee, Start 12 Uhr Rathaus Steglitz.— Alle Genofstnnen und Genossen, welche die Abt. Wcißenfee bei ihrer Korfpfahrt am Sonntag zum Sommerfest der SPD. nnterftiltzen, treffen sich 13 Uhr im Schloß Weißensee oder 14 Uhr Prenzlauer Promenade Ecke Gustav. Adolf-Straße. Fabr. oder Motorrod und Korsplleidung erwünscht.— Jugendgenossen! Ab 31. August finden die Heimabende im Jugendheim Wrangelstraße 128 um 2N Uhr statt. Arbeiter. Sportverein Schöneberg-Friedenau 97. Heute, Sonnabend, 18 Uhr, Hockepspicl auf dem neuen Plast. Interessenten können sich noch melden zur Pcrvollständigung der Mannschaften. Sonntag, zum Sportfest in Friedenau. Treffen um 12% Uhr Innsbrucker Platz. Montag Sitzung aller Techniker, Vorturner, Spielführer. Riegenfsthrer und solcher Genossen, die gewillt sind, eine Funktion zu übernehmen um ISsh Uhr bei Hochgeschurz. Mühlenstr. 9. Fritze angelt mit Zigarren Ein urgemütlicher Mensch war Fritz, etwas schwer zwar, aber er hatte Charakter, ein Umstand, der etwaige untergeordnete Fehler Fritzens mehr als ausglich. Er sprach immer überzeugend und so war es auch immer nie schwer, etwaige, ihn persönlich treffende, allmonatliche Wirtschaftskrisen durch kurzfristige Kredite aufzubessern. Er war immer hilfsbereit und immer durstig und ein passionierter Angler, nur mochte er keine Angelkarten. Er lebte unter der Ein- bildung, daß Angelkarte und Fischcreischein die gefangenen Fische unschmackhaft machen. So oft auch Fritz beim wilden Angeln betroffen wurde, seine Initiative, sein KoMbinatlonstalent und vor ollem fein vertrauen- erweckendes Auftreten schlug das größte Mißtrauen irgendeines Fischereiaufsehers. Wieder einmal kriegte man ihn beim Angeln ohne Karte. Dem Beamten sagte Fritz treuherzig:„Ja halten Sie mich denn für so leichtgläubig? Ihnen hat der Besitzer vorgeredet, die Fische beißen nur bei den Karteninhabern. Setzen Sie sich bitte her und passen sie aus, wie auch ohne Karte die Fische beißen. Wie, Sie trauen sich nicht? Sie haben bloß Angst vor den Mücken; na, denn roochen Sie sich man eene gute Zigarre an, det kennen die Mücken nich vertragen! Fall 2. Ja, lieber Freund, ne Angelkarte, sehen Sie, das ist mein Pech, ich gehe heute von zu Hause weg und vergesse, mir genügend Geld einzustecken, wie ich nu hier bin, da denke ich erst dran, aber der Mann, dem das Wasser hier gehört, der kennt mich schon; wenn der gekommen wär, hätte ich ihn gebeten, die lumpigen 15 Mark bis zum Ersten auszulegen. Ich bin doch sicher, schließlich kann er doch zu mir nicht weniger Vertrauen haben, als ich zu seinem Wasser! Nun ist der Mann aber noch nicht gekommen— oder wollen Sie vielleicht die 15 Emm auslegen?— Na, hier roochen Sie sich mal erst eine Zigarre an, dann läßt sich über den Fall ohne Leidenschaft sprechen! Je nachdem der Beamte aussah, ließ Fritz seine Künste spielen. Einen Beamten, der sehr grimmig drcinblickte, ulkte er so an: Der Beamte: Haben Sie eine Angelkarte? Fritz(mit verzerrtem Gesichts- ousdruck): Rukukukukrikikik— zzzzztttt—(cht—(cht—(cht? Der Beamte: Sie sollen Ihre Angelkarte zeigen! Fritz(noch überzeugender): Ru- kukukurikikikiki—Zzzzttt— Schi— Schi— Schi! Ach so, dachte der Be- amte, der Mann ist taubstumm, ach, was soll ich mir denn mit dem rumquälen. Er macht dem Taubstummen Zeichen, daß er fortgehen soll; Fritz erhebt sich mit demselben Satz unartikulierter Laute und stolziert, die Angelrute über dem Rücken, nach der von dem Beamten bezeichneten Richtung. Ein anderes Mal nahm Fritz sich vor, am Hölzernen See zu angeln. Fritz yatte fich für besondere schwierige pfölle eine Art Teleskoprute konstruiert, die einen sinnreichen Mechanismus aufwies. Am Griffende befand sich ein Mctallknopf, wenn man auf den drückte, schob sich die Rute automatisch zusammen; ein kurzer Ruck an der Schnur— diese riß ab und in den Händen des Anglers befand sich nichts weiter als ein unmöglicher kurzer Knüppel, mit dem doch unmöglich geangelt werden konnte. In der andern Hand hatte er einen kurzen Knüppel, der mit einer mit einem Stein beschwerten Schnur versehen war. Wenn nun wirklich die Kontrolle mit dem Motorboot aus dem Schilf hervorgeschossen kam, so drückte er auf den Knopf der mechanischen Rute, riß die Schnur ab und angelte seelenruhig mit dem Stein weiter. Wenn dann die erstaunten Fischereiaufseher ihn fragten, was er dort treibe, sagte er bieder und fromm: Ach, ich will bloß sehen, wie tief es hier ist, ich kann nämlich nicht schwimmen! Wenn dann wirklich noch die Fischereiaufseher zweifelten, dann hebt Fritz lächelnd den Stein aus dem Wasser und sagt, kann man denn hiermit angeln? Und überhaupt bin ich ein grundsätzlicher Gegner des Angelsportes, besonders da, wo Angelkarten verkaust werden! Er wird dann die Zigarrentasche ziehen, sich eine anstecken und höflich die Fischereiaufseher fragen: Na, meine Herren, rauchen Sie auch eine? Svedveoii» 9256 I Tägl. B u.»t/z U.| Barlo&Mann| Tina Meiler Weinlraubs Dack Shlng Walter Nilsson >t. weitere Kouiieiten Täglich 5 und 815 Sonnt. 2, 5 u. 815 „Um 9 Uhr mufi ich in die Kaserne!" mit Fritz Servos MONNA. TYMGA DRESSLER&ERA b. das große Programm StMf.Oper Charloftenburg Bismarckstiaße 34 Turnus>ä Anfang 20 Uhr Angelina. meltopol-Tneaier Täglich 8 Uhr Die Toni aus Wien Michael Bohnen ROSE-THEATER Wochentags S15 Sonntags S45 u. 9 Uhr Uraufführung für Deutschland: madciten zum Heiraten Lustspiel v. Zagon. Regie: PAU L ROSE. KOeüE.«ARTEX Großes Variete u. a. Paquitav Olympia- Theater, Paiis Willy Rosen, Herta Hübner 3.15 Operette; „Panne um ßlltternscht" Sonntags 5. Wochentags 580 II. Ciroßc Frankfurter Straße 132 Vorverkauf: Täglich 11—1 und 3—9 U. Komiscne oper Friedrichstr. 104 8V2 Uhr Frauen haben das gern... Musikal. Schwank von Arnold Musik v. Walt. Kollo Sommerpr. 0.50-7.00 Theater im Admiralsnaiast Täglich 81/* Uhr Rotter-Gastspiel Die Dubarry mit Gitta Aipar Preise: 0,50 bis 12,50 Theater desWestens Tägl. 5 u. 8'/» Volksvorstellungen Viktoria und ihr Husar Billigster PI. P.SO M Teuerster PI. 2.— M. Rurlürslendamm- Theater Bismarck 448/49 | 8V. Uhr Die schöne Helena oon facuaesonenaadi Reflle; Max Reinhardt LUNA Heute: Kinder-Fest bei freiem Eintritt für alle Kinder. Preis-Seilspringen. Preis-Tanz. Von 3—4 Uhr: Alle Attraktion, frei.! Hum. Vari�tö. Fackelzug z. Moni FEUERWERK Sonntag 6 und 9 Uhr Variötö der 10000. Alfred fVildeHcBiis BSeBsdiE'aBISBclB isus|«ell. DBoHaSaBiramscBB«!»- Mauplslelle: Berlin-NeuttOlln, Hermanseslr. 10 Am Südausgang des U-Bahnhofes Hermannstraße Fernsprecher: Neukölln(F 2) 7771 und 7772 Telegrammadresse: Ansaferox-Berlin Nebenstellen: Meßpalast: Ritterstr. 69. Leiter: Willy Zschieschc.— BeIle«AlIlance: Yorck- siraße 69. Leiter; Erwin Vanehr.— Chaussecstr.: Chausseestr. 116. Leiter; Otto Radke.— Wnhelmplatz: Charlottenburg, Berliner Str. 79. Leiter: Max Cornelius.— Kaiserdamm: Charlottenburg, Kaiserdamm 21. Leiter:(i.Lindemana Wettscheine werden in allen Annahmestellen eingelöst 1 Reichshallen-Theater „AlSes verrückt!" /m| Ami. Sept.: B r i 1 1 o n SO Jahre Stettiner Sänger. »v.uhrCASINO-THEATERsv.uhr Lothringer Strafe 37. ii iptiiiiiiimiiiiiiimii Iiiiiiiiiiii iiiiiMiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiii m in Der Eräffnungs-Schlager Das Parfüm meiner Frau dazu ein erstklassiger bunter Teil. Für die Leser: Gntscbeiii 1-4 Per». Rang Mitte 1 M., Fauteuil u. Balk. 1,25 M-, Sessel 1,50 M. Sonstige Preise; Parkett 75 Pf.. Rang 60 PI.