Morgenausgabe Ar. 395 A 199 4S.Iahrgang Wöchentlich SV Pf, monatlich S£0 3* im voraus zahlbar. Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitung», und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands« abonuement 6,— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen« porto k.— M. Der �vorwärts� erscheint wochentäg» lich zweimal, Sonntags und Montag» einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend" Illustrierte Beilage„Volt und Zeit�. Ferner„Frauenstimme-. �Technik".„Blick in die Bücherwelt-, .Iugend-Borwärts-u..Stadtbeilage- Berliner Volksblatt Dienstag 25. August 1931 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die etnspalt. Non RellamezeUe ö.— RM.„Kleine An- zeigen" da» kettgedruckte Wort 25 Pf. pareillezeile 80 Pf. lzulässig zwei fettgedruckte Worte), jede» weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Tarif. Stellengesuche das erste Wort lö Pf, jede» weitere Wort 10 Pf. Motte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmartt Zeile 60 Pf. Familien« anzeigen Zeile 40 Pf. 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Thomas und Lord Sankey dem neuen Kabinett angehören werden, während für die Konser- vativen Baldwi«. Neville Chamberlain, Sir Samuel Hoarc und Lord Hailsham und von den Liberalen Sir Herbert Samuel, Lord Reading und Sir Donald Maelean in die neue Regierung eintreten werden.(Llohd George kommt persönlich wegen seiner schweren Erkrankung kaum in Frage.) Die ExekutivederArbeiterParteiund der Gewerkschaften treten am Mittwoch zusammen. Es besteht kein Zweifel, daß die überwiegende Mehrheit die- ser Körperschaften die Haltung der Ausgeschiedenen gutheißen und das Programm der Verbleibenden ab- lehnen wird. Der Generalrat der Gewerkschaften hat heute abend eine Erklärung veröffentlicht, wonach er keine Regierung unterstütze« werde, die weitere Ent> behrungen der Arbeiterklaffe auferlegen würde. In seiner Dienstag-Ausgab« nimmt der„Daily Herald' in einem Leitartikel„Keine national« Regi«rung!' klar gegen Macdonald Stellung. Es heißt in dem Artikel, daß es sich bei dem neuen Kabinett Macdonald nicht um eine na- tional« Regierung handeln werde, denn die Arbeiterminister, die an diesem Kabinett teilnehme n, handelten lediglich als Einzelpersonen und nicht als bevollmächtigte Vertreter der Arbeiterbewegung. Es bestehe kein Zweifel, daß die nationalen Organisationen der Ar» beiterbewegung den Sanierungsplan ablehnen würden. Das Blatt fügt jedoch hinzu:„So sehr die Haltung Macdonalds und seiner Freunde falsch ist, so wissen wir doch, daß die Arbeiter- bewegung als Ganzes groß und großmütig genug ist, um ihrer Aufrichtigkeit die Achtung zu zollen.' Sodann spricht der„Daily Herald' seinen Dank den neun M i n i st e r n aus, die durch ihren Rücktritt die Demission des Ka- binetts herbeigeführt haben. Sie waren überzeugt, daß sie die Grenze der möglichen Konzessionen erreicht hatten. Zum Schluß erklärt dos Arbeiterorgan, daß die F e d e r a l Reserve Lank von Rem park die britisch« pollkik durch die Forderungen d i k l i e r e. die sie der Bank von England für ihre sinanzlelle Hilfe uvterbreitet habe. Nur 30 Labour-Abgeorbnete hinter Macdonald? Loudon, 24. August.(Eigenbericht.) Die RegieruugMacdonald hat am Montagmittag ihren Rücktritt beschlossen. Nachmittags um S Uhr erstattete Macdonald dem König Bericht. Der König nahm den Rücktritt an und beauftragte Macdonald mit der Neubildung einer Regierung, an der Vertreter sämtlicher Fraktionen des Parla- in e n t s beteiligt sein sollen. Im Anschluß an die Unterredung zwischen dem König und Macdonald empfing der zurückgetretene Ministerpräsident die Führer der Konservativen und der Liberalen. Voraussichtlich wird das neue Kabinett nur aus einer beschränkten Zahl von Ministern bestehen. Von Maconalds Mitarbeitern In der Arbeiterregierung dürften dem neuen Kabinett u. a. angehören S n o w d e n und Thomas, von den Konservativen Valdwin und Nerille (nicht Sir Aestö) und Chamberlain und von den Liberalen HerbertSamuel. Die einzige, aber schwerwiegende Aufgabe der Regierung soll in der Balancierung des Budgets bestehen. Das Sparprogramm sieht u. a. die Kürzung der Arbeits- losenunterstützung um etwa ll> Proz. vor. Mit diesem Programm beabsichtigt Macdonald, sich Anfang September dem Parlament vorzustellen. Die Lebensdaner des neuev Kabinetts soll aus die Durchführung des Sparprogramms beschränkt bleiben. Im Parlament dürfte sich die Regierung restlos auf die Stimmen der Konservativen stützen können, während die Liberalen kaum einheitlich für sie stimmen werden. Von der Arbeiterpartei dürften der Koalitionsregierung Macdonald kaum mehr als 39 Ab. geordnete Gefolgschafk leisten. Sobald das Programm zur Balancie- rung des Budgets verabschiedet ist, sollen Neuwahlen statt- finden. So lautet wenigstens der bisherige Plan. Die Entwicklung der Dinge kann sich jedoch noch erheblich ändern bzw. noch völlig über den Haufen geworfen werden. Was Macdonald und die im Kabinett verbleibenden Labour- minister zur Mitarbeit in der Koalitionsregierung und zur Unter- stützung einer ihren persönlichen Wünschen sicherlich nicht entsprechen- den Sozialpolitik bestimmt hat, ist die Ueberzeugung, daß die für die Gesundung der englischen Wirtschaft unbedingt notwendige Erhallung der Stabisiläl des Pfundes nur aus dem eingeschlagenen Weg erfolgen kann. Es zeugt zweifel- los von großem Mut, daß Mncdonald diesen Kurs cingcschlogen hat. Aber der größte Teil der Labourabgeordneten im Unterhaus hält diesen Kurs für falsch. Die Lage des Landes ist nach der Ansicht der übergroßen Mehrheit der Labour-Fraktion nicht so, daß die Rettung zu einem wesentlichen Teil nur durch Sparmaßnahmen auf dem Gebiet der Sozialpolitik erfolgen kann. Es kann als sicher gelten, daß die Exekutive der Labour- Party, die am Mittwoch zusammentritt, die Politik des bisherigen Führers verwerfen wird. Alle Anzeichen sprechen aber dafür, daß die Einheil der Partei, von einigen unbedeutenden Absplittc- rungen abgesehen, erhalten werden wird. Immerhin wird sie durch den Verlust ihrer besten Führer auf eine hart« Probe gestellt. Henderson, der bisherige Außenminister, gehört zu den Ministern, die den Kurs Macdonald nicht mitmachen. Die Einheit über alles! Kritische Tage der englischen Arbeiterbewegung. Für den außerhalb Englands wirkenden Sozialisten ist der Zusammenbruch der Arbeiterregierung Macdonald ein schmerzhaftes Ereignis. Wir Sozialdemokraten auf dem Kon- tinent wußten zwar von Anfang an, daß die britische Labour- party allein wegen der Tatsache, daß sie nur eine Minder- heitsregierung bilden konnte, in ihrer Bewegungsfrci- heit auf allen Gebieten stark gehemmt sein würde. Sie mußte sich fast jede fortschrittliche Vorlage mit Zugeständnissen an die Liberalen erkaufen, auf deren Unterstützung oder zumindest Tolerierung sie angewiesen war. Eine rein sozialistische Poli- tik, soweit sie innerhalb der kapitalistischen Gesellschaftsord- nung möglich ist, war schon aus diesem Grunde von ihr nicht zu erwarten. Dennoch ging ihr sichtbares und oft erfolgreiches Bestreben dahin, die Hoffnungen der Arbeiter- klaffe zu erfüllen und ihre Interessen wahr- zunehmen. Es fei nur an die beiden Budgetvorlagen er- innert, die Philip S n o w d e n als ihr Schatzkanzler dem Par- lament unterbreitete und deren Annahme er durchsetzte: ihr Grundgedanke war, die sozialen Errungenschaften der Arbei- terklasse auch in Zeiten schwerster Wirtschaftskrise nicht anzu- tasten, dafür um so mehr den besitzenden Schichten weit- gehende Opfer aufzuerlegen. Welch ein wohltuender Gegensatz zu den Methoden, die in anderen Ländern, nicht zuletzt in Deutschland, in demselben Zeitabschnitt angewendet wurden! Was uns Sozialdemokraten auf dem europäischen Fest- lande mit besonderer Genugtuung, ja mit Stolz erfüllte, wenn wir auf das Wirken unserer englischen Freunde in der Regierung hinwiesen, lag jedoch vor allem auf dem Gebiet der auswärtigen Politik. In den fünf Jahren konser- vatioer Herrschaft, die dem Regierungsantritt Macdonalds vorangegangen waren, konnte man in allen Ländern Fort- schritte der nationalistischen, reaktionären und faschistischen Strömungen beobachten, die von London aus eher ermutigt als gehemmt wurden. Für die sozialistischen und demokrati- schen Kräfte der ganzen Welt war daher der Tag, an dem Macdonald und Henderson an die Stelle von Baldwin und Sir Austen Chamberlain traten, ein Signal. Sie schöpften neuen Mut und konnten neue Kräfte sammeln zum Kampfe gegen die Reaktion. In den Zeiten der konservativen Außen- Politik waren die Abrüstungsbestrebungen zum Stillstand gekommen. Das Wettrüsten zur See zwischen den Vereinigten Staaten und England war im vollen Gange, den Forderungen des französischen Militarismus wurde von Eng- land aus keinerlei ernsthafter Widerstand entgegengesetzt. Die nationalen Minderheiten waren der Willkür faschistischer Regierungen schutzlos ausgeliefert. Selbst die Rheinland- räumung, auf die das deutsche Volk seit Locarno niit be- rechtigter Ungeduld wartete, wurde von Frankreich mit eng- lischer Duldung immer weiter hinausgeschoben. Das alles wurde mitdemTage anders, an dem Macdonald und Henderson das Heft in die Hand nahmen. Konnte auch die Arbeiterregierung auf diesem Gebiete nicht alle bc- rechtigten Hoffnungen mit einem Schlage erfüllen, die sich mit ihren eigenen Wünschen und Forderungen deckten, so brachte sie dennoch einen ganz neuen Geist in die Weltpolitik hinein, der sich verhältnismäßig bald in weitgehenden Teil- erfolgen auswirken konnte. Immer wieder und zuletzt auf dem Internationalen Kongreß in Wien hat die Sozialistische Arbeiter-Jnternationale auf dieses segensreiche Wir- ken unserer englischen Freunde auf außenpolitischem Gebiet lsingewiesen. Nie wäre diese Tätigkeit notwendiger und wertvoller als gerade jetzt, wo die W i r t s ch a f t s t r i s e in die ganze Welt schwerste politische Unruhe gebracht hat. Aber gerade diese Wirtschaftskrise ist es, die die Arbeiterregierung zu Fall ge- bracht hat. Es ist die T ra g i k des englischen und des inter- nationalen Sozialismus, daß Macdonalds Regierungsantritt im Juni 1929 gerade mit den Anfängen dieser Krise zusam- menfiel. Sie war es, die auf innerpolitischem Gebiete, eben wegen der steigenden Arbeitslosigkeit und der dadurch ver- mehrten Sozialausgaben dem Wollen des sozialistischen Mi- nisters immer größere Hindernisse entgegenstellte. In den letzten Monaten hat nun diese Krise Formen angenommen, die sogar an die stärksten Pfeiler der kapitalistischen Wirtschaftsordnung rüttelte: die Bank von England wurde in ihren Grundfesten erschüttert, die englische Währung geriet ins Wanken. Damit war das gesamte Wirtschaftsgebäude des britischen Weltreichs gefährdet. Zu der innerpolitischen Unfreiheit, die die parlamentarischen Mehr- heitsverhältnisse dem Labour-Kabinett auferlegten, kam die vielleicht noch schlimmere Abhängigkeit von der in- ternationalenHochfinanz hinzu. Angesichts der un- ausgesetzten, außenpolitisch begründeten Angriffen der Bank von Frankreich gegen den Goldbestand der Bank von England mußte London in der New Porter Wallstreet um gut Wetter bitten. Das amerikanische Finanzkapital hat für seine Unter- stützung der englischen Währung Bedingungen gestellt. auf die sich Konservative und Liberale gegenüber der Ar- beiterregierung berufen konnten. Daß die Arbeiterregierung daran gescheitert ist, wäre an und für sich ein betrübliches Ereignis. Wie sie gescheitert ist, das ist, was alle Sozialdemokraten der Welt mit besonderem Schmerz und noch größerer Sorge erfüllt: sie ist a u s e i n- andergefallen in einem offenenKonflikt zwischen einem Teil der Labour-Minister und den Gewerkschaf- t e n, die den weitaus stärksten Pfeiler der englischen Arbeiter- bewegung bilden. Die weitere Entwicklung ist es aber, die weit mehr als die bloße Tatsache des Rücktritts das Urteil der Sozialdemokraten auf dem Kontinent erschwert und sogar verwirrt. Auch wenn man bedenkt, daß die traditionellen Anschauungen über Geschlossenheit und Disziplin innerhalb der britischen Arbeiterbewegung von den unserigen grundver- schieden sind, ist es nicht ganz leicht, sich mit dem Gedanken vertraut zu machen, daß ein Teil der bisherigen Arbeiter- minister unter Führung Macdonalds an einem Koalitions- kabinett mit den Oppositionsparteien von gestern, mit den Konservativen und den Liberalen, zusammenzuwirken ent- schloffen ist. während die übrigen Minister des bisherigen Ein geohrfeigter Nazi. Die Kameradene vom 9. August. Kabinetts und mit ihnen die übergroße Mehrheit der Unter» Hausfraktion der Arbeiterpartei in Opposition zur neuen Regierung stehen wird: Macdonald als Führer einer Koalitionsregierung. H e n d e r s o n als Führer der Oppo- sition gegen diese Regierung— fürwahr es ist nicht leicht, sich an diesen Gedanken zu gewöhnen und sich vorzustellen, was daraus werden soll! � Nur das Vertrauen in die Aufrichtigkeit und in die sozialistische Gesinnung Macdonalds und die von ihm selbst unterstrichene Tatsache, daß diese Lösung von begrenzter Dauer sein soll, lassen diesen Ausweg erträglich finden. Macdonald, Snowden und seine engeren Freunde müssen tat- sächlich die Ueberzeugung haben, daß das Schicksal und die Wohlfahrt der englischen Nation auf dem Spiele stehen und daß es zur Zeit keinen anderen Ausweg gibt. Denn gerade Macdonald ist es gewesen, der sich stets gegen jeden Gedanken an eine Koalition auch nur mit den Liberalen auf das heftigste gesträubt hatte. Niemand, der ihn kennt, wird auch nur eine Sekunde daran zweifeln, daß ihm der neue Entschluß besonders schwer gefallen sein muß, und daß er dabei als Staatsmann einem kategorischen Imperativ seines puritanischen Gewissens folgt. Wir deutschen Sozialdemokraten müssen natürlich ver- meiden, auch nur den Anschein zu erwecken, als wollten wir uns in die Angelegenheiten der innerbritischen Politik im all- gemeinen und der britischen Arbeiterpartei im besonderen ein- mengen. Unsere Aufgabe besteht nicht darin, über Handlungen von Personen und Organisationen der britischen Arbeiter- bewegung zu richten, sondern sie zu begreifen und zu erklären. Es ist gewiß leichter, die Haltung der Gewerkschaften sowie der ausscheidenden Arbeiterminister, die eine Sanierung der englischen Finanzen auf Kosten des arbeitenden und des er- werbslosen Proletariats verhindern wollten, zu begründen, als den Entschluß Macdonalds und seiner in der Regierung verbleibenden Kollegen. Wahrscheinlich werden die letzteren beweisen können, daß ihr Entschluß gerade vom Standpunkt der Arbeiterklasse das kleinere Uebel darstellt, daß das Spar- Programm der neuen nationalen Regierung weit geringere Opfer der Arbeiterschaft auferlegen wird, als wenn sie das Feld den Konservativen und Liberalen restlos überlassen haben würden. Aber zu e i n e r Feststellung fühlen wir uns in der gegen- wärtigen kritischen Situation dennoch verpflichtet, gerade wir deutschen Sozialdemokraten, die aus eigener Erfahrung wissen, was es bedeutet, wenn die Arbeiterklasse gespalten ist: Höher als alle taktischen Notwendigkeiten, höher sogar als alle vorübergehenden materiellen Opfer, die die werktätigen Massen zu tragen haben, steht dieEinigkeitderArbei- t e r k l a s s e. Sie ist nicht nur das wertvollste Gut der bri- tischen Arbeiterklasse, die bisher das Glück hatte, sich gegen den kommunistischen Spaltungsbazillus immun zu halten, sie ist— eben wegen der überragenden Rolle der Labour Party in der ganzen internationalen Politik— ein kostbarer Besitz für die Arbeiterklasse der ganzen Welt. Mögen unsere britischen Freundes gleichviel wie die einzelnen in der heutigen Situation auch stehen, sitli dieser Totsache in den kommenden schweren Togen und Wochen stets bewußt fein! Eine offizielle Erklärung. London. 24. August. Um 9.15 Uhr wurde der pcesie folgendes offizielle Kommunique im hause des Ministerpräsidenten übergeben: „Der Prcnnerminister hat, nachdem er von Seiner Majestät mit der Bildung der Regierung betraut und zum Handkuß zugelassen worden war(der durch die Tradition jedem neuen Ministerpräsi- dcnlen als Zeichen des Treueides vorgeschrieben ist. Red.), heute nachmittag mit Mr. Baldwin, Sir Herbert Samuel und Philip Enowdcn über die Personen beraten, die dem König als Mit- gliedcr der neuen Regierung vorgeschlagen werden sollen. Man ist in den Beratungen erheblich weiter gekommen. Das s p e. z i e l l e Ziel, sür dos die neue Regierung gebildet wird, ist, die Krise zu überwinden, in der sich die Ration im Augenblick befindet. Die Regierung wird keine Koalitionsregierung im landläufigen Sinne de» Wortes sein, sondern eine Regierung der Zusammenarbeit zur Erreichung dieses einen Zieles. Wenn dieses Ziel erreicht ist, werden die poli- tischen Parteien ihre jeweilige Stellung wieder beziehen. Um ohne weitere Verzögerung die Mehrausgaben des Staates über die Staatseinnahmen zu beseitigen, ist geplant, das Parlament am 8. September einzuberufen und dem Unterhaus Vorschläge für sehr bedeutende Kürzungen der Ausgaben und für die B«- fchaffung von Geldern zu unterbreiten, die auf allen gerecht wer. dcnder Grundlage erhoben, den Ausgleich des Staatshaushalts möglich machen werden. Da die Wirtschaft und das Wohlergehen nicht nur der britischen Ration, sondern eines großen Teiles der zivilisierten Welt auf das Vertrauen in den Pfund Sterling aufgebaut und gegründet ist, wird die neue Regierung alle Schritte ergreifen, die ihr notwendig erscheinen, dieses Vertrauen unbeschädigt zu erhalten." Oer billige Tarif. 300 Mark Geldstrafe für politischen Verleumder. Hannover. 24. August. Wegen Beleidigung des früheren Finanzministers Dr. Hil» f e rdi n g verurteilte das erweiterte Schöffengericht Hannooer heute den politischen Redakteur der Niedersächsischen Tageszeitung, Organ der hannoverschen NSDAP., Dr. Joachim Haupt, zu 3lK) Mark Geldstrafe oder 30 Tagen Hast. In einem Artikel am 24. März 1931 war behauptet worden, Reichssinanzminister Dr. Hilferding hätte als Aufsichtsratsmitglied des Reemtsma-Konzerns ein Jahresgehalt von 120000 Mark bezogen, weil er während seiner Amtszeit als Reichssinanzminister dem erwähnten Konzern 29,5 Millionen Mark Zigarcttensteuern erlassen hätte. Der Deutsche Volksbund in Ostoberschlesien hat dem Völkerbund eine ergänzende Denkschrift zugesandt, worin u. a. die Fortdauer der Beoorrechwng und erlaubten Bewaffnung des terroristlscheu Aufständischenoerbimdes festgestellt wird. Kassel, 24. August.(Eigenbericht.) 3n Rothenburg a. d. Fulda fand am Sonnabend eine Volksversammlung statt, in der Philipp Scheldemaun sprach. Von den etwa 500 Versammlungsbesuchern waren mindestens 200 Nationalsozialisten und Kommunisten. Dle Versammlung nahm infolgedessen den üblichen verlaus: es gab Störungsversuche und Krach von Anfang an. Als nach der Rede Scheidemanns der Vorsitzende, Bezirkssekre- tär Hermann, eine Ansprache hielt, aus der die Volksentscheids- komeraden schließen konnten, daß eine Debatte nicht stattfinden sollte, weil man einen ruhigen Abschluß der Versammlung wünschte, veranstalteten sie einen Höllenspektakel. Sie benahmen sich wie Irrsinnige und stürmten schimpfend, brüllend und drohend nach dem Podium, auf dem außer Scheidemann sich noch zwei Personen befanden. Geführt wurden die Sturmgesellen von einem Nazi. Die Schimpsworte, die er Scheidemann zurief, waren ebenso sinnlos wie ordinär. Als er unmittelbar vor unseren Genossen angelangt war und fortwährend schrie:„Wo ist die verdorrte Hand?" verabfolgte ihm Scheidemann eine so derbe Ohrseige, daß er zurück- taumelte und vor Bestürzung nun den Mund hielt. Zwei Polizeibeamte, deren Energie und Rnhe alle» Lob verdienen, räumten dann, ihre Gummiknüppel schwingend, den Saal, von den 200 lobenden Radikalinskis liefen die meisten, als sie den Gummi rochen, eilig davon. Im Anschluß an die Versammlung kam es auch auf der Straße zu Krawallen. Ein Nazi namens G l i e m. von dem behauptet wird, daß er ein Attentat auf Scheidemann beabsichtigt hatte, wurde in der Nacht zum Sonntag verhastet und nach Hersfeld transpor» ticrt. Der Bursche hatte einen Revolver mit vier Patrone» in der Tasche. Die Behörden gehen den Vor- kommnissen in Rothenburg bereits eiftig nach. „Genossen" vom 9. August. „Die Fahne des Kommunismus" erzählt vom Tage des Volks- entscheids: Vor dem Wahllokal Engelufer 24/25(Gewerkfchastshaus) stehen Mansseld wieder in Not. Erhöhung der Suhventionozahlungen gefordert. Im Rathaus zu Eisleben fand eine Kundgebung statt, an der Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden, der wirtschaftlichen Verbände, der Gewerkschaften und der politischen Parteien beteiligt waren. Es handelte sich um das Schicksal der Mansseld A.-G. für Bergbau und Hüttenbctrieb. Dieses Unternehmen mit seinen etwa 13 000 Arbeitern ist durch den neuerlichen Preis- stürz von Kupfer und Silber in starke Bedvmgms geraten. Bei den heutigen Metallpreisen ergibt sich ein m o n a t 1 i ch c r V e r I u st von 0, b M i l l. Mark, den das Unternehmen auf die Dauer aus eigenen Mitteln nicht decken kann. Vertreter der Gewert- s ch a f t e n wiesen daraus hin, daß sich bei der heutigen Lage des Metollmorktes die Einführung eines staatlichen Kupfermono- pols empfehle. Eine Stillegung des Werkes würde ein« Katastrophe für das ganz« Mansfelder Land mit seiner Bevölkerung von 70 000 bis 80 000 Menschen bedeuten und die öffentlichen Finanzen mit hohen Unterstützungs- und Fürsorgekosten belasten. In einer Entschließung, die an die Reichsregierung und an die preußische Staatsregierung gerichtet ist, wird darauf hinge- wiesen, daß es zu einer Stillegung der Mansseld A.-G. aus Schwierigkeiten vorübergehender Art, die durch die Welt- Wirtschaftskrise hervorgerufen seien, nicht kommen dürfe. Die Be- triebe seien technisch auf der Höhe. Aus allgemeinwirt- s ch a f t l i ch e n und aus sozialen Gründen sei«in« Erhöhung der Suboentionszahlungen(sie betragen zur Zeit höchstens 0,47 Mill. Mark monatlich) zur Erhaltung der Mansseld A.-G. erforderlich und gerechtfertigt. Oie Gieueramnestie. Fristverlängerung für Vermögenserttärvng. Die Reich-vegierung hat durch Verordnung vom 23. August die Frist für die Abgabe d«r B e r m ö g- n s er kl ä r u n g 19 31 sowie die Frist für die Steueromnesti« bis zum 16. S«p» tember 1931 verlängert. Die Stcueramnestie ist zugleich auf die Umsatzsteuer und Erbschaftssteuer(einschließlich Schenkungsstcu-r) ausgedehnt worden. Steueramnestie erlangt nach der neuen Verordnung, wer sein Vermögen nach dem Stande vom 1. Januar 1931 sowie sein Ein- kommen 1930 richtig angegeben hat oder in einer Nachtrags- erklärung sein« früheren Angaben berichtigt. War die Ver- mögenserklärung 1931 schon abgegeben, so kann sie nachträglich er- gänzt werden. Auch kann die Vermögenserklärung 1931, sofern sie bereits abgegeben ist, wieder zurückgefordert und innerhalb der Amnestiefrist neu eingereicht werden. Wer das Einkommen, den Umsatz und den Gcwerbeertrag von 1930 zu niedrig ongegeben Hot und diese Erklärungen berichtigt, muß hierfür Nachzahlungen leisten. Im übrigen braucht er Nachzahlungen für frühere Jahre nicht zu leisten, wenn er die für 1928 und 1929 verschwiegenen steuerpflichtigen Werte(Einkommen, Umsatz, Gewerbcertrag usw.) der Steuerbehörde nachträglich anzeigt. Wenn der Steuerpflichtig« hierüber nicht mehr genaue Angaben machen kann, so genügt eine schätzungsweise Angab«. Die Anzeige über die bisher verschwiege- nen Werte braucht nicht beim zuständigen Finanzamt gemacht zu werden, sondern kann auch bei einer anderen Behörde der Reichs- finanzverwaliung, z. B. Landcsfinanzamt. eingereicht werden. Die ausländischen Familien st iftungen können bis zum 31. Dezember 1931 aufgelöst werden, ohne daß die an sich bei der Auflösung erwachsende Schenkungssteuer erhoben wird. Außer- dem tritt Steueramnestie ein für die bei der Errichtung der Famllienstifwng erwachsende Schentungssteuer. Werden solche aus. ländischen Familienstiftungen nicht ausgelöst, so soll das Einkommen und Vermögen der Stiftung als Einkommen und Vermögen des Errichters bzw. ües Bezugsberechtigten angesehen werden. Diese Regelung ist notwendig geworden, weil ein volkswirfschaftliches Interesse daran besteht, das Vermögen der ausländischen Familienstiftungen der deutschen Wirtschaft wieder zu- zuführen. ein Kommunist und ein Nationalsozialist in trauter Gemeinschaft mit Plakaten, die zum Volksentscheid auffordern. Vorbei kommt ein Genosse des Leninbundes, der die beiden Platatträger nach dem Wohin und Woher fragt. Das Mitglied der KPD. ont- wartet darauf: „Das ist der Genosse von den Nazis, und ich bin Genosse der KPD." Oie Girategen vom Chaos. Kommunisten mit der Natienfänger-pfeife. An den Plakatsäulen Berlins prangt eine große Ankündigung mit der schreienden Ueberschrift„W ollen die Kommunisten das Chaos?" Di« Frage wird nicht etwa mit einem glatten Ja beantwortet, sondern mit einer— Versammlungseinladung, in der es etwa heißt:„Herr Künstler und alle sozialdemokratischen Arbeiter sind eingeladen." Man möchte also für eine k o m m u n i st i s ch e Versammlung sozialdemokratischen Besuch haben. Darin wird man sich aber täuschen. Denn der auf dem Plakat namentlich aufgeforderte Genosse Künstler hat der Berliner Bezirksleitung der KPD. durch Einschreibebries folgenden Bescheid zugehen lassen: „An den Berliner Anschlagsäulen haben Sie eine öffentliche Aufforderung zum Besuch einer von Ihnen einberufenen ö f f e n t- l i ch e n Versammlung an mich ergehen lassen. Sehr gern würde ich Ihrer Einladung Folge leisten, wenn Sie mich rechtzeitig von dieser Versammlung in Kenntnis gesetzt hätten. Da ich am Tage der Ver- sammlung eine seit längerer Zeit festliegende dringende Ver- pflichtung habe, so bin ich zu meinem Bedauern leider außerstande, zu erscheinen. Ich erwarte für die nächste Zeit eine rechtzeitige schrift- lich« Benachrichtigung. Franz Künstler." Daß die sonst noch eingeladenen„alle sozialdemokratischen Arbeiter" gar keine Lust verspüren, sich von den Bundesgenossen des Stahlhelms und der Nazis über das„Chaos" unterrichten zu lassen, werden die Veranstalter des Reklametricks bald merken. Sie müssen also schon einige Kapedisten als Sozialdemokraten verkleiden, wenn ste die berühmte Opposition gegen, die„Sozialfaschisten" der Oeffentlichkeit vorgaukeln möchten. Totenschändung. Devtschnationale zum 10 jährigen Todestag Erzbergers. Die Deutschnationale Partei gedenkt des Tages der Ermor- dung Erzbergers durch neue Schmähungen sowohl des Toten als auch des Zentrums. Ihr« Pressestelle höhnt, daß in Biberach „einige Prominente, darunter Herr Ivos, das Andenken ihres einstigen Führers feiern" und sagt dann weiter:„Was sie da feiern, bleibt vorläufig ihr Geheimnis. Etwa die Per- fklavung Deutschlands? usw." Dazu bemerkt der Pressedienst der Zentrums� partei:„Diese Gehässigkeit und Boshaftigkeit ist ältestes Rüstzeug im Kampfe gegen Erzberger. das man heut« noch für gut genug hält, um einen Toten im Grabe zu schmähen. Es versteht sich für den Sprachgebrauch, ober auch für die Einstellung der Deutschnationalen ganz von selbst, daß in der gleichen Notiz Erzberger als Schädling bezeichnet wird. ein Wort, das man in die Köpfe unreifer Menschen hineinhämmerte. bis sie fanatisiert zu dem Revolver griffen... Es ist tief traurig. daß in solchen bitterernsten Stunden derartige Gehässigkeiten noch parteiamtlich als„Mitteilungen der Deutschnationalen Volkspartei" plakatiert werden können. Diejenigen, die so etwas schreiben und etwas Derartiges dulden, sprechen über ihre Hand- lungsweise und über ihre Gesinnung selber dos Urteil." *Oem Märtyrer der Republik". Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei wird am 26. August, dem Tage der zehnjährigen Wiederkehr der Er- mordung Erzbergers, an seinem Grab in Biberach«inen Kranz mit' schwarzrotgoldener Schleife und der Inschrift„D e m Märtyrer der Republik" niederlegen lassen. Oer Bremer Beamienbankskandal. Oos Verfahren gegen die Vorstandsmitglieder. Bremen, 24. August.(Eigenbericht.) Die Iustizpressestelle Bremen teilt mit: Gegen die verantwortlichen Vorstandsmitglieder und Aufsichts- ratsmitglieder der Beamtenbank Bremen sind bei der Staatsanwaltschaft verschiedene Anzeigen eingelaufen. Nach sofor- tiger Sicherung der für etwaige Straftaten in Frage kommenden Bücher und Urkunden hoben polizeiliche Ermittlungen stattgefunden. Es sind auch die früheren Vorstandsmitglieder Kruse, Dr. H. Rumohr und Ehlers durch den Darunter- suchungsrichter vernommen worden. Auf Grund der bisherigen Er- mittlungen ist nunmehr gegen die früheren Aufsichtsratsmitglieder Kruse, Dr. Rumohr und Ehlers sowie das frühere Auf- sichtsratsmitglied Gustav S n o e k die gerichtliche Voruntersuchung beantragt worden, weil der Verdacht gegeben ist, daß sie a b s i ch t- lich zum Nachteil der Genossenschaft gehandelt und sich gegen die Konkursverordnung vergangen haben, indem sie durch Differenzhandel mit Börsenpapieren übermäßige Summen verbraucht haben oder schuldig geworden sind und die Handels- bücher so unordentlich geführt haben, daß sie keine U e b e r- ficht des Vermögens st andes der Beamtenbank gewährleisten. Ob und inwieweit eine Ausdehnung der Voruntersuchung aus andere Sttaftaten und gegen weitere verantwortliche Mitglieder der Leiwng der Beamtenbank beantragt wird, kann erst noch weiteren Ermittlungen in der Voruntersuchung gesagt werden. Gelbstabbau der Bürgermeistergehälier Köln. 24. August.(Eigenbericht.) Die Bürgermeister des Sieg-Kreisez haben be. schlössen, auf 20 Proz. ihres Gehaltes zu verzichten. solang« die augenblicklichen Verhältnisse andauern und eine durch. gretfende Hilfe von Reich und Staat mcht erwartet werden kann Dieser Schritt der Bürgermeister dürfte ein« Ersparnis von 45- bft »000 TOt bringen. Nr. 395* 48. Jahrgang *1 Beilage des Vorwärts Dienstag, 25. August 4931 Schulneubau in schwerer Zell. Ein wem des Äufhaues und Fonschrins in Lichtenberg. 3m Bezirk Lichtenberg, in unmittelbarer Nähe des Stadl- bahnhoses Reu-Lichtenberg. wird demnächst ein Schulneubau osfiziell eingeweiht, dessen Durchführung in schwerer Zeit zu einem weithin leuchtenden Beweis schöpferischen Ausbauwillens geworden ist. Unter Führung des sozialdemokralischen Bürgermeisters hat das Bezirksamt Lichtenberg ein Werk geschafsen, das vielen Gene- rationcn, die diese Schule besuchen werden, zum Segen gereichen wird. Gewiß mögen Nörgler die Ausgaben für den Schulneubau kriti- sieren, gewiß mögen sie über„Luxus" zetern, fest steht aber, daß der Bezirk Lichtenberg nochzurrechtenZeit den Bau geplant, begonnen und durchgeführt hat, denn jetzt wäre überhaupt nicht daran zu denken, einen derartigen Bau zu errichten. So mag das Bezirksamt trotz aller unberechtigten Anfeindungen die Gewißheit haben, daß es nicht nur in Lichtenberg, sondern auch in Groß-Berlin unzählige Einwohner gibt, die an dem in der Notzeit errichteten Schulneubau ihre Freude haben. Ein Teil des Schulneubaues ist jetzt nach den großen Schul- ferien bereits belegt worden. Mit besonderer Freude verzeichnen wir, daß auch eine weltliche Schule hier ihr cheim gefunden Hat. Da sei gleich vorweggenmnmen, daß diese 3g. weltliche Schule bisher in unwürdigen Räumen untergebracht war, und es bleibt nur zu bedauern, daß diese alten Räume weiter für Schul- zwecke benutzt werden inüssen. Daß die alten Schulräume noch weiter benutzt werden müssen, ist die Schuld eines Systems, das vor dem Kriege herrschte und für alles Geld hatte— nur nicht für anständige Volksschulgebäude. Bei der ersten Gelegenheit Haben Sozialdemokraten wie so oft auch hier für die Jugend des Volles das Mögliche geschaffen, und wir sind überzeugt, daß es erhalten und ausgebaut wird. Die Fehler und Sünden der alten Zeit lassen sich natürlich nicht in wenigen Jahren ausmerzen, dazu bedarf es vieler Zeit, dazu bedarf es eines harten Willens, all die Widrigkeiten zu über- winden. Und in der jetzigen Wirtfchajtskrife wird es gar zu einem vorübergehenden Stillstand kommen, aber es muß mit Mut und Entschlossenheit daran festgehalten werden, in Zeiten des Ausstiegs wieder Neues und Gutes zu schaffen. Gang durch den Schulneubau. Bei einem Gang durch den Schulneubau ist fcstzusteüm, daß er zweckmäßig und modern, aber ohne jeden Luxus, ohne jeden unnötigen Aufwand durchgeführt wurde. Selbstverständlich ist alles da, was zu einer modernen Schule gehört. Die unzähligen Klassen- zinnner sind hell und luftig, sie sind mit Tischen und Stühlen ausgestattet, wie sie nach den Erfahrungen der Erzieher gefordert werden. Die Wände sind mit freundlichen Farben gestrichen und die Beleuchtung ist zweckmäßig angebracht.' Das Problem der Schülcrgarderobc, dos in vielen Schulen Kopfschmerzen de- reitet, ist gut gelöst: Für jeden Klassenraum gibt es einen v e r- schließbaren Gardero b c» s chr a n k.auf dem Korridor, Der Schrank, der ein Symbol. dafür sejy kamt, mit welcher Fürspr.g� man bei dem Schulneubau an die Kinder gedacht hat, hat jzujammen- klappbare Türen, und es ist durch sinnreiche Konstruktion dafür gc- sorgt, daß sich die Kinder nicht ihre Finger einklemmen können. Bor- gesorgt ist besser wie nachbedocht— haben sich die Erbauer der Schule gesagt, und so lzaben sie im Kleinen wie im Großen das Zweckmäßigste und Beste geschaffen. Wie vieles wäre uns erspart geblieben, wenn das frühere System auf dem Gebiete des Schul- wesens und auf all den anderen Gebieten ebenso gehandelt hätte! Selbstverständlich fehlt es in dem Schulneubau auch nicht an den crsorderlichcn Nebenräumen, die in den alten Schulen meist nicht vorhandm sind. W e l t l ich e S ch u l«, M i t t e l- und B e- r u f s s ch u l e, die in dem Schulneubau untergebracht siird, be- nutzen gemeinsam die Physik- und Chemiezimmer. Hier hat nion in ausgezeichneter Weise gezeigt, wie gespart werden kann, ohne den Zweck zu beeinträchtigen. Das Pult des Chemielehrers zeigt so recht deutlich, wie sich auch der Unterricht gewandelt hat: Am Platz des Lehrers findet man so viele Schalter und Anschlüsse für Gas und Elektrizität, so daß der Laie viel fragen muß, wenn er hinter die Geheimnisse dieses Pultes kommen will. Ja, wir leben in der Zeit der Technik, und die Technik ist in die Schule unserer Zeit eingedrungen. Auch in den Werkräumen der weltlichen Schule ist zu sehen, wie sich der Unterricht entwickelt hat. Maschinen und Werkzeuge aller Art stehen den Schülern und Schülcrinen zur Verfügung, und es kommt oft vor, daß die Handwerksmeister gern einen Junge», der durch den Handfertigkeitsunterricht dieser Schule gegangen ist, für die Lehre vorziehen. Wie das Physikzimmer mit Modellen und Lautfprecher-Anschluß, so findet man auch eine Dunkelkammer und Projektionsapparate vor» Bülfyereien, Lehrmittel- und Handarbeitszimmer sind für jede Schule in de.r erforderlichen Zahl vorhanden; auch Elternzimmer, Lehrer- und Rektorzimmer in ein- facher aber zweckmäßiger Einrichtung. Ausdruck einer neuen Zeit. � Einen Kernpunkt der Schule stellt die Aula dar, die etwa 20M Menschen faßt. Für eine Schule dieses Umfanges ist sie nicht zu groß. Hier wird die Schule ihre Feste und Feiern abhalten, und die Aula wird auch sonst der Oeffentlichkcit zur Verfügung stehen. Eine modern eingerichtete Bühne und die freitragende Decke sind Beweise dafür, daß man mit den neuesten Errungenschaften der Technik das Beste geschaffen hat. Ein Blick in die Abteilungen der Berufsschule lehrt, daß man gut erngerichlete Schmied e-, Schlosser- und Tischler werk st ätten hat, in denen die Ausbildung der Qualitätsarbeiter bestens vervollkommnet werden wird. Mit Transmissionen und Automaten, mit Drehbänken und Werkzeugen sind diese Werkstätten ausgestattet, so daß die Berufsschüler alles kennen lernen werden, was nötig ist. Beim Abschied aus der Schule wirft man noch einen Blick in den großen geräumigen Hof, der den Schülerinen und Schülern Gelegenheit gibt, sich in den Pausen zu ergehen und zu erholen. Die in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts crrich' tcte alte Schule, von der wir oben berichteten, steht eingepfercht in einer engen und lärmvollen Straße, mitten unter anderen Häusern, die Schulräume sind dumpf und niedrig und auch die sorg- samste Pflege vermag da nicht viel zu Helsen. Diese alte Schute ist eben der Ausdruck einer alten Zeit, die nie mehr wieder kommen wird. Wie frei und offen dagegen steht die neue Schule— der Ausdruck einer neuen Zeit. Und daß der Geist immer neu und jung sein wird, dirfür bürgt nicht zuletzt die Tatsache, daß in dem Schulneubau auch eine weltliche Schule mit einem modern denkenden und handelnden Rektor und Kollegium ihr Heim hat. Möge der freie und menschliche Geist dieser Schule in dem ganzen Schulgebäude wohnen. Das herrliche Gebäude hat es voll und ganz verdient! 50 000 besuchen die Funkstadt. Die Große Deutsche Funkausstellung und Phonoschau Berlin 1931 scheint die Besuchsrekorde aller Veranstaltungen der früheren Jahre schlagen zu wollen. Nach dem glänzenden Auftakt des Er- öffnungstages wies auch der Sonnabend gegenüber dem Vor- jähre eine 2gprozentige Besuchs st eigerung auf, und der Sonntag brachte der Funkstadt mit über Sl> 090 Besuchern den bisher größten Tag aller Funkaus st ellun- gen seit 1924. WeUUadl oder 3)orf? Der eingesdirumpfie Siadl- sückel zwingt zu Einschränkungen auf allen Gebieten, auch auf dem des Straßenbaus. Immerhin mutet es sonderbar an, wenn man auf unserem Bilde die Neuanlage einer Straße sieht. die nur halb und stückweise fertiggestellt wird. Es handelt sich um das Ende der Kreuz- nacher Straße in einer Länge von etwa 200 m zum Breilen- bach platz. Diese kurze Strecke wird nur in der Hälfte des Eahr- dammes asphaltiert. Immerhin werden die Anwohner dem J/a- gistrat dankbar sein, daß sie nunmehr trockenen Fußes zum Uniergrundbahnhof gelangen können. *4* T�oma/v 12] VÖ/V „Dürfte ich, verehrter Herr Kammersänger, mir erlauben, Ihnen einen Geburtstagskognak anzubieten?" Herr Ziege gewinnt sichtbar an Menschenwürde. „Gern!" Manfred strahlt Liebenswürdigkeit aus. Marie Caspar! macht sich so klein wie möglich. Wenn er mich nur nicht sieht! Dieser Wunsch zermartert ihr Hirn. Er darf nicht wissen, wie wir leben. Max würde mich um- bringen. Die Zoppoter Kurterrasse taucht in der Erinnerung auf. Wie lange ist das schon her? Marie hat in den letzten Iahren des Leidens jedes Zeitbewußtsein verloren. Damals sangen Max und Manfred in Danzig zusammen. Jeder trug den Marschallstab im Tornister, nur hat ihn Max verloren. Für immer verloren? „Hier ist eine saubere Tasse", schmeichelt Fräulein Hinzel- mann. Allerdings fehlt dem Prachtstück keramischer Kunst der Henkel.. Herr Ziege gießt die Tasse und sein Glas gestrichen voll. „Ihr Wohl, Herr Ziege! Weitere hundert Jahre!" Manfred trinkt die Tasse ohne abzusetzen leer. Herr Ziege folgt heroisch diesem Beispiel, wenn ihm auch die Augen trauern? jmmcr Floren? Die Stimme ist doch da. Sie wird sogar noch schöner, voller, runder. Mein Gott, vielleicht kann Manfred helfen. Waren sie damals nicht befreundet? Warum soll Manfred nicht helfen? Das Wort des großen Tenors oer- mag verschlossene Türen spielend leicht zu öffnen, vermag Agenten und Intendanten plötzlich zu interessieren. Hier liegt eine Chance, vielleicht die Chance des Lebens. „Besten Dank. Herr Ziege. Viel Vergnügen, meine HerrsclMften. Grüß Gott!" Manfred ist verschwunden., Marie springt auf. Sie drängt sich zwischen die sich zuprostenden Herren Ziege und Christians hindurch, wirft beinahe Fräulein Hinzelmann um, die ihr im Wege steht. „Lassen Sie mich!" tobt sie. Fräulein Hinzclmann schüttelt fassungslos den Kopf. Ist die verrückt geworden? Oder steigt ihr der Curacao in den Hals? Sie weiß nicht, was sie von der sanften Marie Caspari halten soll. Manfred ist nicht mehr auf dem Korridor. Marie reißt die Tür zum Treppenhaus auf und schreit verzweifelt:„Man- frcd! Manfred!" Der Ruf gellt durch das Haus. Mit ein paar Sätzen ist Manfred die Treppe heraufgestürmt. Er fühlt sich um- schlungen und geküßt. Er hält eine halb Ohnmächtige in den Armen, die immer wieder stammelt:„Gott, ich danke dir, Gott, ich danke dir!" Manfred versteht nichts. „Was ist Ihnen?" Dramatische Szenen schätzt er daneben. Er schiebt das kleine Persönchen von sich. Das Gesicht sollte er kennen. Aber dieser herbe, schmerzlich gekrümmte Mund...? Zwei graue Augen, in denen Tränen stehen, saugen sich an ihm fest. Die Lippen brabbeln Unverständ- liches. „Manfred", würgt es sich schließlich heraus. Und nach einer Pause:„Marie Caspari." Manfred schlägt sich heftig vor die Stirn, daß ihm der Hut ins Genick nitscht. „Marie... du?! Was machst du hier? Wo ist Mar?" In seinem Kopf summt ein Bienenschwarm. Mansred sieht in diesem Augenblick wenig geistreich aus. Marie lehnt sich an Manfred und streichelt sein Gesicht mit einer scheuen, liebevollen Gebärde. „Ich arbeite bei deinem Schwager als Kontoristin." Und dann schüttelt es sie in unterdrücktem Weinen.„Mit uns ist es aus!" Sie läßt die Hände sinken, die unkontrolliert hin und her baumeln.„Es ist aus." Ein hilfloses Lächeln sitzt um ihren Mund. Manfred drängt sie in den Korridor zurück. Schritte näbern sich auf der Treppe. „Was ist aus? Rede doch schon!" „Max findet kein Engagement." In Herrn Zieges Zimmer wird ein dreifaches Hoch aus- gebracht. „Hat er die Stimme verloren?" „Rein, aber er findet keinen Anschluß mehr." Und jetzt bricht es ungehemmt aus ihr. Es stört sie nicht, daß Paul neugierig in den Korridor schnüffelt.„Du sitzt oben, du hast es geschässt, du weißt Nicht, wie die Dinge liegen. Max ist menschenscheu geworden. Er will niemand sehen. Als er von deinem Gastspiel hörte, machte er einen Selbstmordver- I such. Mit Gas. Ich war mit dem Kind ausgegangen, Gott sei Dank kamen wir rechtzeitig nach Haus. Jetzt ist die Gas- rechnung noch viel höher als sonst. Warum hast du dich nie um uns gekümmert? Warum nicht? Wir waren doch Freunde, weißt du noch damals in Danzig?" 2lber sofort fühlt sie die Unsinnigkeit ihres Vorwurfs, sie ergreift Man- srieds Hand und will sie küssen.„Verzeih mir", schluchzt sie auf. „Marie, sei doch vernünftig. Ich bitte dich! Pardon, mein Fräulein, wir haben noch etwas zu besprechen." Damit dreht er Fräulein Hinzelmann, die sich angelegentlich auf dem Korridor beschästigen möchte, den Rücken zu.„Aber wie seid ihr in diese Stadt gekommen? War Max hier engagiert?" „Nein. Als wir nicht mehr aus und ein wußten, wandten wir uns an meine Tante, und die nahm uns auf. Wenigstens haben wir jetzt nach ihrem Tod die Wohnung." Beide schweigen eine Weile. Marie sieht zu ihm auf, als ob von ihm die Erlösung kommt. Sie flüstert kaum hörbar:„Hilf uns, Manfred!" Nach kurzer Ueberlegung fragt er:„Wo wohnt ihr?" Marie nennt eine alte Straße in der City, nicht weit vom Büro. Manfred kennt die Straße noch von seiner Schulzeit her. Dort war ein Freund in einer trübsinnigen Pension untergebracht, in der es immer aufdringlich nach Katzen stank, und Manfred liebte diese Tiere nie. „Gut, mach dich sofort frei. Ich gehe voraus." In einem Delikatessengeschäft kauft er zwei Flaschen Sekt. Gegen Melancholie hilft vorerst nur Alkohol. Er ist unsicher, wie er Max begrüßen soll. Aus den ersten Auftritt kommt es an. Max hat also den Anschluß verpaßt. Kein Wunder, schon in Danzig gesiel er sich als Eigenbrötler, der sehr schwer und mit vielen Vorbehalten Freundschaften schloß. Und aus die Freundschaften allein kommt es an, auf Diplomatie, über- Haupt auf Schmiegsamkeit des Charakters. Begabung muß man haben, das ist die Voraussetzung, aber ohne Beziehungen nützt auch die größte Begabung nichts. Die Straße hat sich nicht verändert. Die Zeit scheint spurlos vorübergegangen zu sein. Allerdings sind zwei einstöckige Häuschen verschwunden und haben Mietskasernen im modernen Sachlichkeitsstil Platz gemacht. Sonst träumt alles so weltentrückt wie früher. Dort, in jenem Haus mit den ab- gestoßenen Karyatiden wohnte Endrükat. So hieß doch der brave Knabe mit dem roten Schopf und der Sammlung von Sommersprossen über der Nase? Sein Vater hatte bei Inster- bürg ein Gut, das ständig unter einer Last von Hypotheken ächzte.(Fortsetzung folgt.) Das ist noch ein Kavalier! Verächter des Geldes.— Zerrissene Hundertmarkscheine. Im Mai lernte di« 21jährigc Kontoristin Elisabeth O. im Lunapark einen junxen Mann kennen, der sich sehr sreigiebig zeigte. Er führte sie vom Lunapark aus in elegante Lergnügungslokale de» Westens und spendierte ein Abendbrot mit Hummer» und Sekt. Dabei prahlte er die ganze Zeit, dass er so wohlhabend sei wie kaum ein anderer und behauptete, daß er mindestens lOOOOO M. in barem Gelde bei sich habe. Um seiner neuen Freundin seine Verachtung des Geldes zu be. weisen, zerriß er vor ihren erstaunten Augen«inen Hundert- m a r k s ch e i n in kleine Fetzen. Nach ein paar vergnügt verlebten Stunde» brachte der Kavalier das junge Mädchen nach Hause uno verabschiedete sich im Hausflur von ihr. Erst in seiner eigenen Wohnung merkte er. daß ihm der Abend doch viel mehr gekostet hatte, als er gerechnet hatte, da ihm IE 000 M. fehlten. Er erstattete jofort Anzeige uno ließ in der Wohnung seiner neuen Bekannten eine Haussuchung abhalten, bei der auch 8000 M. in einem Bett- .Pfosten versteckt gesunden wurden. Die junge Konstoristin, die nun wegen Taschendieb st ahls vor dem Schöffengericht Berlin-Milte stand, gab ihre Tat un- umwunden zu. Durch die Prahlereien dieses Mannes sei sie verleitet worden, ihm beim Abschied im Hausflur Geld aus der Tasche zu nehmen, da sie dachte, er bewahrte dort nur Kleingeld aus. das ermicht vermissen würde. Zu ihrer eigenen großen Ueber- naschung entdeckte sie in ihrer Stube, daß sie 10 000 M. in einzelnen Schemen zerknüllt in der Hand hielt. Sie habe daraufhin ihren Bater geweckt, der aber nieinte, die Scheine seien sicher schsch. Aber • am nächsten Tage wurden Bater und Tochter die 1000-Mark-Scheine anstandslos umgewechselt, so daß der Vater, nachdem er seiner Tochter genügend Kleider gekaust hatte, den Rest des Geldes in den Bcttpfosten versteckt«, um sie vor leichtsinnigen Ausgaben zu be- wahren. Elisabeth O. wurde nun wegen Taschendiebstahls zu zwei Monaten Gefängnis und ihr Vater, der schon vorbestraft war, wegen Begünstigung zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Beiden Angeklagten wurde aber Bewährungsfrist zugebilligt, da sie durch den Leichtsinn jenes Mannes zu ihrer Tat verführt worden wa-WN. Leider war der Hauptzeuge zu der Gerichtsverhandlung nicht erschienen, so daß das Gericht keine Auskunft über den Ur- sprung seines Barvermögens erhielt.— Ein seltsam anmutendes Gerichtsverfahren! Die Attentatsseuche. Tieuer Anschlag bei Ziegensburg.- �000 Mark Belohnung. Regensburg, 24. August. Tie Neichsbahndirektion Regensburg teilt mit:„In »er Rnrht zum 24. August, vermutlich zwischen t.lo und 1.40 Uhr wurde auf der Hnuptbahnstrccke Regens» b u r g— H o f zwischen den Bahnhöfen Rothenstadt und Weiden eine Schwelle nuf das Gleis Rcgensburg— Hof gelegt. Tie Schwelle wurde von einem Zug. vermutlich T 227, erfaßt und nach etwa zwei Kilometern, ohne irgendeinen Schaden angerichtet zu haben, abgeworfen. Die Täter sind unbekannt. Staatsanwaltschft und Gen» darmerie wurden sofort verständigt. Streifendienst ist sofort eingesetzt worden. Für die(Ermittlung der Täter setzt die Neichsbahndirektion Regensburg unter Ausschluß des Rechtsweges eine Be loh uung von 4 000 Mk. au«. Unbedingte Geheimhaltung der Namen der Per- sonen, die über die Tat Angaben machen, wird zugesichert. Dreifacher Kindesmord! Von dem eigenenVater erschossen.- Selbstmord desTälerS. Karlsruhe, 24. August. In Kleinsteinbach spielte sich eine furchtbare Familien- t r a g ö d i e ab. In der Familie des Schlächtermeisters Christian S ch ö l l h a m m c r kam es zu Streitigkeiten. Die Frau und die 1 8jährige Tochter verließen daraufhin die Wohnung. Während deren Abwesenheit erschoß Schöllhammcr seine drei Kinder im Alter von zwei bis neun Jahren. Darauf richtete er die Waffe gegen sich selbst und brachte sich einen tödlichen Kopfschuß bei. Schreckenstat einer Frau. Mutter erwürgt im Wutanfall ihre zwei Kinder. Meißen, 24. August. Am Sonnabend hat die 2Zjährige Arbeilerchefrau k o b a n in Scharfenberg bei Meißen ihre zwei Kinder im Zlller von zwei und drei Jahren mit derhand erwürgt. Die Ursache der grauenvollen Tal ist nicht in Rahrungssorgen zu suchen, sondern in einem M u t a n f a l l der Frau, die bereits mehreremal ihren Mann und ihre Muller mit dem Tod bedroht hat. Nie Folgen einer Vergeßlichkeit. Ein empfindlicher Verlust traf in der Nacht zu Montag den Oekonom des Alten S ch ü tz e n h a u s e s in der Neuendorfer Straße in Spandau. Kurz vor 12 Uhr war er in seine Privat- wohnung hinüber gegangen, um aus dem Geldschrank Kleingeld zu holen. E'r schloß den Schrank zwar ab, ließ aber, da er abgerufen wurde, versehentlich di, Schlüssel ans dem Tisch liegen. Um 3 Uhr, als der Betrieb geschlossen wurde, fand der Oekonom die Tür seiner Wohnung von innen verriegelt. Er verschaffte sich auf andere Weise Eingang und mußte nun seststellen, daß unbekannte Diebe den Geldschrank aufgeschlossen und daraus bares Geld und für 4000 Mark Silber- und Schmucksachen gestohlen hatten. Wahrscheinlich haben die Diebe durch das Fenster beobachten können, daß der Schlüssel vergessen wurde. Ner Löffelschlucker im Gefängnis. Das wiederhalte Verschlucken von Löffelstielen des Ehouffeurmörders K o b e l i tz hat die Potsdamer Gefängnis- Verwaltung zu der Anordnung veranlaßt, daß der Gefangene sein« Mahlzeiten»ur in Gegenwart des Aussehers einnehmen darf. Kabclitz darf weder Eßgeschirr, noch Eßbesteck in seiner Zelle be- halten. Er benutzt alle Mittel, um seinen Gesundheitszustand so zu schwächen, daß er dauernd verhandlungsunfähig ist. Zirandsi um private wohitehn Verl iizung mit Devaheim/ 480 000 m. unterschlagen/ Schmiergelder! Die«ina Slladcniie hat unter Leliun« ihres Direktors Professor Dr. Georg Schümann mit chreu Uebungeu tvieher begonnen und dereitet für dos erste Ädanuem-nlslonzeet(Ii). ONoder Mitharmoirl-) Handels„Judas Maecobaus" vor. Pufnastni« findender Mitglieder Ditastaas und Freitags von IS dis 17 ildr in her Lnns-Aadcnru!. 2m Zusammenhang mit den Enthüllungen über die Zustände im Devaheim-Konzern ist jetzt eine schon weiter zurückliegende Angelegenheit zur Sprache gekommen, die mit der hilsskasje gemeinnütziger wohlsahrtsanstallen, durch die sämtliche össentlichen Wohlfahrtsgelder verteilt werden, in Zusammenhang steht. Es handelt sich um eine vor zwei Jahren bei dieser Hilfskasie begangene Unterschlagung, der sich der Hauptbuchhalter K l a r h o l z schuldig gemacht hatte. K. hatte, wie bei einer Revision sich ergab, im Laufe seiner Tätigkeit bei der Hilfskasse rund 480 000 M. unterschlagen. Diese Veruntreuung, die sich, wie gesagt, vor zwei Jahren ereignete, war nicht zum Gegenstand einer Strafanzeige gegen K. gemacht worden, und zwar, wie seitens der Hilfskasse erklärt wird, sowohl aus dem Grunde, weil nicht die geringste Möglichkeit bestand, auch nur einen Pfennig des veruntreuten Geldes zu retten, und einen öffentlichen Skandal wollte man vermeiden. K. wurde f r i st l o s entlassen, ging dann ins Ausland und wurde später nach seiner Rückkehr nach Deutschland wegen einer anderen Straftat zu neun Monaten Gefängnis verurteilt, während die von ihm unter- schlagene Summe von fast einer halben Million nach Darstellung der Hilfskasie von anderer Seite gedeckt wurde. Der Zusammenhang zwischen dieser Affäre und dem Devaheim- Skandal liegt nun darin, daß merkwürdigerweise Generaldirektor Zeppel behauptet, er habe dem betrügerischen Hauptbuchhalter später Schweigegelder in höhe von 26 000 W. zahlen müssen, damit er seine Drohung, Enthüllungen über die Zu- stände bei der hilsskasse zu bringen, nicht wahr mache. Ferner hat Icppel über die Art, wie diese 26 000 M. verwandt worden seien, eine recht verworrene Darstellung gegeben, und es besteht überhaupt der Verdacht, daß es mit dieser angeblichen frei, willigen Zahlung von selten Ieppels seine besonder« Bewandtnis hat. Bekanntlich hat Icppel wiederholt behauptet, er befinde sich in den Händen von Erpressern, für die er erhebliche Summen aufwenden müsse, ohne daß die tatsächlich in diesem Sinne erfolgte Verwendung aller dieser Gelder restlos nachgewiesen ist. Die Staatsanwaltschaft, der diese Angelegenheit bei der Hilss- kasse erst jetzt zu Ohren gekommen ist, prüft augenblicklich diese Dinge nach und hat zu diesem Zwecke die Sicherstellung von Büchern der Hilsskasse veranlaßt. Vom Schnellrichter verurteilt. Am 9. August wurde der Streckenarbeiter Heinrich Kochanski aus der Schildhornstraße in Steglitz gelegentlich einer Räumung des Bülowplatzes mit einer Pistole betroffen. Vom Schnellrichter wurde er wegen unbefugten Waffenbesitzes zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Während der Fahndung nach Klebekolonnen wurden am 19. August am Helmholtzplatz der Radfahrer Hans Feder und der Mechaniker Max T i s ch m a n n, beide aus der Schliemannstrahe, im Besitze einer Stahlrute angetroffen. Am 20. August wurden sie vom Schnellrichter mit je 3 Monaten und 3 Wochen Ge» f ä n g n i s bestraft. Am 12. August wurde der Klempner Johann F l a n z. Knip- rodestraße, am B ii l o w p l a tz festgenommen, weil er sich einer Beamtcnbeleidigung schuldig machte. Wegen dieser Strafsache ver- hängte der Schnellrichtcr eine Strafe von einer Woche Ge- fängnis. Noch kann Berlin bauen. Aber schon 50000 Bauarbeiter brotlos!— Geld her für den Baumarkt! 3n zwei Feriensihungen hat sich der Arbeilsausschuh der wohnungssürsorgegesellschast Berlin soeben mit der Auswahl der Projekte besaht, die mit Hilfe der der' Siadt Verlin in diesem Zahce erstmalig aus dem staatlichen Ausgleichsfonds in wesentlicherem Umfange zur Verfügung gestellten Mittel durchgeführt werden sollen. Es handelt sich zunächst um die Verfügung über den für«die Errichtung von Mietwohnungen im Etagcnbau bereitgestellten 10-Millionen-Fonds. Bei äußerster Kürzung der Hypothekenbeträge für die einzelne Wohnung lassen sich aus diesem Betrage 4000 bis 4500 Wohnungen errichten. Beleihnngsanträge lagen aber für Projekte mit insgesamt 30 000 Wohnungen vor. Die in den beiden Sitzungen ausgewählten Projekte werden mit aller Beschleunigung weiter vorbereitet und noch im Lauf« dieser Woche dem Oberpräsidenten zur Entscheidung vorgelegt werden. Auch die Boxbercitung' der Bclechungen. die aus dem 4- M i l l i o n en- Fo nd s. fzi r Hl a ch b a u an den Berliner Randgebieten(ebenfalls staatliche Mittel) durchgeführt werden sollen, ist inzwischen erheblich gefördert worden. Auch hier sollen die Mittel, um der ebenfalls starten Nachfrage einigermaßen ge- recht zu werden, weitgehend gestreckt werden. Es liegen Anträge für Objekte mit insgesamt 13 800 Wohnungen vor. Hiervon werden aus dem 4>Millionen-Fonds unter günstigsten Boraussetzungen etwa 1400 Wohnungen erstellt werden können. Nach alledem kann erfreulicherweise damit gerechnet werden, daß der Berliner Baumarkt auch für die zweite Hälfte des Bau- iahrcs wenigstens noch in bescheidenem Maße versorgt sein wird. Die Bauten, die aus den diesjährigen gemeindlichen Mitteln finanziert sind, befinden sich bereits in voller Abwicklung. Aus diesen Mitteln sind Bauvorhaben mit insgesamt 12 6S0 Wohnungen belegt. Hiervon sind rund 2800 Wohnungen nach dem Stande vom 1. August d. I. bereits bezugsfertig hergestellt, 9500 Wohnungen befinden sich noch im Bau. Dazu kommen weitere 670 Wohnungen, die auf Veranlassung der staatlichen Instanzen im erstmaligen und einzigen Vorgriffe auf die für 1932 zu erwartenden Mittel ebensalls bereits in Angriff genommen sind. Es handelt sich um Bauten der G a g f a h und G e h a g in Zehlendorf, die auf frühere Bewilligungen in Zu- sammenhang mit dem Untergrundbahnbau zurückgehen. Weitere etwa 2200 Wohnungen aus den Resten des Jahres 1930 stehen un- mittelbar vor der Fertigstellung. Die Slddition ergibt, daß nack? dem Stande vom 1. August d. I. rund 1 2 400 Wohnungen zur Zeit dem Berliner Baumarkt noch Beschäftigung geben. In Hinblick auf die allgemeine Drosselung der Wohnungsbautätigkcit durch die erste Notverordnung vom Dezember 1930 mußten diese Ziffern ver- hältnismäßig noch als günstig angesprochen werden. Es erwies sich als erheblicher vorteil, daß die Stadt verNn in den Vorjahren jeden vorgriss vermieden hatte und ihr die die». jährigen stark reduzierten Wittel wenigstens noch in vollem Um- fange zur Verfügung standen. Trotz dieser relativ günstigen Verhältnisse sind in Berlin bereits annähernd SO 000 Bauarbeiter arbeitslos. Dieser Stand gibt zu um so erheblicheren Besorgnissen Anlaß, als die noch in der Durchführung begriffenen Bauvorhaben überwiegend sehr weit fortgeschritten sind und kurz vor der vollständigen Abwicklung stehen. Es muß also mit allen Kräften darauf hingewirkt werden, dis staatlichen Mittel s ch l e u n i g st dem Boumarkt zuzuführen. Außer- dem läßt sich schon jetzt voraussehen, daß die für die zweite Hälfte des Baujahres aus dem Ausgleichsfonds bereitgestellten Mittel bei weitem nicht ausreichen werden, um den Baumarkt auch nur eine den geringsten Ansprüchen genügende Beschäftigung zu gewähr- leisten. Es wird alles daran gesetzt werden müssen, in allernächster Zeit für Berlin noch weitere Mittel freizubekommen. Berliner Eilzug verunglückt. Schweres Eisenbahnunglück in Duisburg. T u i« b» r g, 24. August. Am Niontagabcnd ereignete sich im Duisburger Hauptbahnhof ein Eisenbahnunglück. Der um 24.43 Uhr in Duisburg ankommende Berliner Eil- z u g fuhr auf einen im Hauptbahnhof stehenden Postzug auf. lvobei die hinteren Wagen des Postzuges sowie die Lokomotive des Eilzuges beschädigt wurden. Bisher konn- ten zwei Beamte, die sich in den letzten Wagen befanden. in schwerverletztem Zustande geborgen werden. Weitere Einzelheiten fehlen noch. Schwere Moiorradunglücke. Zwei Todesopfer. An der G l! e n i ck e r Brücke in Potsdam ereignete sich, wie berichtet, am Sonntag ein schweres Motorradunglück. Der Fahrer des Rades, der Techniker Peter Ott, und seine Ehe- frau aus der Waldcnserstraße in Moabit wurden schwer ver» letzt. Uebersahren und getötet wurde ein älterer Mann, dessen Per- sönlichkeit noch nicht festgestellt werden konnte. Der Unbekannte ist nach dem Schauhaus« in der Sophie-Charlottc-Straße in Charlotten- bürg gebracht worden. Er ist etwa SO Jahre alt, von mittelgroßer Gestalt, hat graues Haar mit Glatze und trug ein dunkles Iakclt und eine graue Hofe. Vormittags gegen 10 Uhr fuhr auf der Charlottenburger C h a uf f c in der Nähe des Großen Stern der 4-5 Jahr« alte Stein-| nietz Johann M a i e r aus Siemensstadt, Straße 85, Nr. 87, mit seinem Rade gegen einen Straßenbahnwagen der Linie 78, als er versuchte, dem Straßenbahnmagen auszuweichen. Er wurde so schwer verletzt, daß er bereits auf dem Transport zum Krankenhaus Moabit verstarb. Der„Ehang-Ailm" im Planetarinm. Bis zum 30. August iäuit im Planetarium am Zoo der„Ehang-Jilra" um 5 und um 9 Uhr (außer Montags). Im Beiprogramm wird mit dem Zciß-Instrument der Sternenhimmel über Indien gezeigt. Oer Spandauer Frauenmord. Das getötete Mädchen hatte sehr schlechte Zähne. Die Obduktion des Frauenkopfes, der im Spandauer Graben gegenüber den Deutschen Werten aufgefischt wurde, hat nach dem letzten Gutachten der Aerzte ergeben, daß der Kopf nicht, wie man annahm, schon mehrere Monate, sondern höchstens drei Wochen im Wasser gelegen hat. Von besonderer Bedeutung für die polizelluhen Ermittlungen ist der Befund der Zähne, über den wir schon kurz be- richteten. Nach den weiteren Feststellungen hat sich die Getötete niemals in Behandlung eines Zahnarztes befunden. Ein großer Teil ihrer Zähne ist durch Fäulnis ausgefallen. Dieser Sachoerhalt läßt Rückschlüsse auf die sozialen Verhältnisse der Toten zu. 13 Nazis verhastet. Gegen 11 Uhr wurden am Saatwinkler Damm an der Mäckeritzbrücke fünf Angehörige eines kommunistischen Bereins von etwa 30 Nationalsozialisten überfallen. 13 Nazis wurden fe st genommen. Weiterhin ist es an verschiedenen Stellen zu Derhaftun- g e n von Angehörigen der radikalen Parteien gekommen. Gefährliche Brücke in Fangschleuse. Ein Leser des..Vorworts" teilt uns mit: Ich machte anz Montag eine Motorbootparti« noch Alt-Buchhorst. Auf der Rück- fahrt passierte das Boot um i418 Uhr die Brücke m Fang- schleuse. JBei der Durchfahrt löste sich vom Mauerwerk der Brücke ein graßer«stein und fiel auf meinen Hinterkopf. Der Stein, der etwa 800 Gramm wog. hätte ein Kind leicht erschlagen können. Es scheint, daß man die lebensgefährliche Brücke dringend einer Renovierung unterziehen muß, ehe größeres Unglück geschieht. Der Reichsverband für deutsche Jugendherbergen legt Wert auf die Mitteilung, daß es sich bei der Jugendherberge Finsterbera«. in der kürzt, ch Ko-nnnu nisten bei einem Führerlehrgang verhastet und wegen Vorbereitung zum Hochverrat unter?lirklage gestellt wurden, nicht um eine Jugendherberge hnndcll, die dein Reichs, verband angeschlossen oder in, Reichsherbergenoerzeichnis euch allen ist. Vielmehr handele es sich um eine den Kommmilten gehörende Unterkunstsstätte. 7lr. 395* 45. Iahrgang 2. Beilage des Vorwärts Dienstag 25 August 1931 Reichsbahn und Arbeitsbeschaffung. Wie weit kann die Reichsbahn heute Austräge an die Wirtschast erteilen? Aus den Kreisen der freien Eisenbahnergewerkschaften gehen uns folgende Darlegungen zu. Beseitigung der Sub- ventionsmethoden bei der Auftragsvergebung und im Tarif- fristem würde viel neue Auftragserteilung ermöglichen. Das ist hier zu wenig berücksichtigt. Dennoch halten wir den Ab- druck für notwendig. Die Krise der deutschen Wirtschaft hat auch die Verkehrs- lcistungen im Personen- und Güterverkehr stark gesenkt. Da von den Verkehrsbetrieben eine ganze Anzahl anderer In- dustrien abhängig sind, wirkt sich der Verkehrsrückgang wieder ver- schärfend auf die Krise aus. Diese Wechselwirkungen sind am stärksten bei der Deutschen Reichsbahngesellschaft, und es ist ver- ständlich, daß jetzt die Frage der Reichsbahnaufträge eine besonders große Rolle spielt. Es ist deshalb notwendig, M ö g- liches und Unmögliches zu erörtern. Gerade für die Arbeilerschafk ist volle Klarheit notwendig. damit nicht auch hier unfruchtbare Gegensähe entstehen. Die Reichsbahn ist der größte Kunde der deutschen W i r t s ch a s t. Ihre Aufträge beziffern sich in normalen Zeiten jährlich auf rund Milliarden Mark. Für ganze In- dustriezweige wie für den Lokomotiven- und Waggonbau sind diese Aufträge die Grundlage der Betriebe schlechthin! für andere, wie Schienenwalzwerke, Fabriken für Signalwesen u. a., sind die Reichsbahnaufträge für den Umfang der Produktion von größter Bedeutung. Es ist deshalb durchaus verständlich, daß sowohl die betreffenden Industrien wie insbesondere auch die dort beschäftigten Arbeitnehmer an der ungestörten Aufrechterhaltung der Reichsbahn- auftrüge interessiert sind. Das trifft besonders auf die Krisenzeit zu, wo ganze Werke infolge rückgängiger oder gestrichener Auf- träge der Reichsbahn von der Gefahr der Stillegung bedroht sind. So ist bekannt, daß die DRG. ihre Aufträge an die Waggon- bauindustrie eingestellt hat und dadurch viele tausende An- gestellte und Arbeiter in schwerster Sorge um ihre Existenz leben. Die Reichsbahn könnte es nicht verantworten, wenn sie nicht fo viel Aufträge als eben möglich an die Wirtschaft heraus- gäbe. Das ist ihre Pflicht als öffentliches Unternehmen und ein Gebot der Selbsterhaltung zugleich Es entspricht auch den Forde- rungen, die gerade im.„Vorwärts" immer wieder und mit Recht vertreten wurden. Die Streitfrage»in die Beschaffungspolitik der DRG. kann daher keine grundsätzliche sein. Bei dem starken Einfluß, den die Industrie im Berwaltungsrat der DRG. besitzt, darf man schon damit rechnen, daß das Mögliche an Aufträgen herausgeholt wird. Es geht vielmehr um eine Frage des Ausmaßes. chisr ist es nun überaus schwierig, sich ein richtiges Bild zu inachen, zumal in der Krise, wo olle Berechnungen sich fast täglich ändern und das Finanzbild sich ständig verschiebt und weil die Reichsbahn bedauerlicherweise die Oeffenltichkeit auch nur so informiert, wie es ihr paßt. Das sachliche Bedürfnis ist natürlich maßgebend. Schon bier gehen die Auffassungen in den interessierten Kreisen stark auseinander. Weniger bestritten ist, daß z. B. die Bestellungen für Kohlen, Oele und andere Werkstoffe von der Reichs- bahn eingeschränkt werden mußten, weil sich der Verbrauch mit dem Verkehrsrückgang verminderte und Vorräte vorhanden sind. Sehr umstritten sind dagegen besonders jetzt die Lotomotio- und Wagende st ellungen, da in diesen Industriezweigen große Betriebsstillegungen angekündigt sind. Mit einem gewissen Recht wird das Bedürfnis der Reichsbahn nach neuen Wagen bejaht. Soweit dabei Per- sonenwagsn in Frage kommen, genügt eine Reise mit einem Ferien-Sonderzug oder eine Fahrt 3. Klasie in ländlichen Gegenden, um zu wissen, daß bei der Reichsbahn noch Wagen im Gebrauch find, deren Ersatz einfach notwendig erscheint. Andererseits kann man bei Reisen ebenso leicht feststellen, daß Lokomotiven und vor ollem Güterwagen in großen Massen unbenutzt auf Abstellgleisen stehen. Nach Angaben der Reichsbahn sind gegenwärtig rund 100 000 Güterwagen dem Verkehr entzogen und abgestellt. Ebenso sind rund 3000 Lokomotiven dem Verkehr ent- zogen. Ein wirtschaftlich notwendiges Bedürfnis nach Fahrzeugen liegt also, abgesehen von etwaigen Spezialtypen, nicht vor. Es kann der Reichsbahn nicht gut zugemutet werden, über ihre Finanzkraft hinaus oder auf Kosten dringenderer Bedürfnisse Neuanschaffungen vorzunehmen. Solche dringenderen Bedürfnisse sind aber vorhanden. So sind nach Mitteilungen der Reichsbahn noch 7000 bis 9000 Kilometer Schienenwege zu erneuern wenn auch nicht mehr auf dep Hauptstrecken. Ebenso ist der weitere Ausbau des Sicherungswesens geradezu notwendig. Der Zustand der Gebäude, insbesondere der Brücken und Tunnel, er- fordert ebenfalls noch manche wirtschaftlich notwendige Arbeit. Es ist also richtig, daß bei der Reichsbahn noch die Tllöglichkeit zur Beschäftigung von eigenen oder fremden Arbeitern besteht. und die Reichsbahn könnte zur Erleichterung des Arbeltsmarktes durch Zlufträgc beilragen, ohne wirtschaftlich unproduktive Arbeiten ausführen zu lassen. Vor allem dos Reichsbahnpersonal selbst würde eine durch- greisende Erneuerung und Verbesserung des Fahrzeugparks be- grüßen und davon Vorteile haben. Aber neben die Frage nach dem sachlichen und wirtschaftlichen Bedürfnis tritt wohl oder übel auch die entscheidende Frage nach dem Geld, d. h. der Finanzierung. Es hat keinen Zweck, um diesen Kern der Dinge herumzugehen. Ohne ailf Einzelheiten einzugehen, müssen folgende Tatsachen beachtet werden i Die Einnahmen der Reichsbahn sind vom Jahre 1929 von S.4 Milliarden auf 4,6 Milliarden im Jahre 1930 gesunken. Der Einnahmeausfall hat sich 1931 weiter verstärkt. Der Ausgaben- rückgang wiegt den Einnabmeausfall nicht auf. Eine Erhöhung der Einnahmen durch Tariferhöhungen scheidet aus volkswirtschaftlichen Erwägungen und angesichts der Konkurrenz des Kraftwagens aus. Eine zusätzliche Finanzierung durch Anleihen oder durch Heraus- gab« von weiteren Borzugsaktien ist setzt nicht möglich. Es ist auch ernsthaft zu prüfen, wie weit die Reichsbahn noch weitere Zins- belaswngen durch Anleihsn jetzt auf sich nehmen kann. Im Jahre!9ZS mußte die Reichsbahn für Zinsen und Steuern usw. bereits einen Betrag von 739 Millionen, d. h 13P Proz. dsr Betriebseinnahmen. ausgeben. Da dies» Bslastungen als fix» Kosten onzusprschcn sind, steigt ihr Gewicht in dam glsichen Verhältnis, m dem die Einnahmen sinken. Im Jahre 1930 betrugen diese Lasten bereits 16,4 Proz. der Betriebseinnahmen. Solange die Belastung so hoch bleibt, kann die Reichsbahn nur durch Drosselung der Be- triebsausgabcn den Etat im Gleichgewicht halten Die Betriebsausgaben aber bestehen zubSProz. ausPer- fonalausgaben und zu 35 Proz. aus sächlichen Ausgaben. Jede Steigerung der letzteren geht also praktisch zu Lasten des Personaletats und führt entweder zu Arbeiterentlassungen oder zu einer weiteren Verschlechterung der ohnedies schon sehr niedrigen Eisenbahnerlöhne. Der Kreislauf der Dinge, wie er sich im kapitalistischen Wirtschaftssystem vollzieht, führt auch hier wieder dahin, daß jeder Druck sich zuletzt beim Arbeitnehmer auswirkt. Gerade bei der Reichsbahn brauchte es gewiß nicht so zu sein: es könnten bei sozialer Einstellung und bei weniger Prinzipienpolitik noch manche Millionen für Wirtschaft- liche Zwecke freigemacht werden. In der großen Linie ändert sich aber dadurch nicht allzuviel. Was der Reichsbahn am meisten helfen würde, wäre eine En iastung von den zu hohen politischen Verpflichtungen, um da durch einen größeren Teil ihrer Betriebseinnahmen für Aus tragserteilungen srei zu bekommen. Eine solche Entlastung hätte mit Subventionspolitik nichts zu tun Während in der Vorkriegszeit die deutschen Staatsbahnen, um- gerechnet auf die neuen Grenzen, für Steuern, Zinsen und sonstige politische Lasten 459,8 Millionen aufbringen mußten, beträgt die von der Reichsbahn heute hierfür auszubringende Summe 1302,8 Millionen, also fast das Dreifache. Die Einnahmen aber betrugen 1913:= 3057,7 Millionen gegen 4570,3 Millionen 1930, also nur das 1� fache. Für 1931 aber ist eine weitere Senkung der Einnahmen auf schätzungsweise 4000 Millionen zu erwarten. Sicher stehen einer politisch-finanziellen Entlastung durch die Finanz- läge des Reiches auch große Bedenken entgegen. Es ist aber zu überlegen, ob es auch, vom Standpunkt des Reiches aus gesehen, nicht zweckmäßiger wäre, die Reichsbahn zu entlasten und dadurch der deutschen Wirtschaft notwendige und produktive A u s t r ä g e zuzuführen, als öffentliche Mittel in Form von Subventionen in die Privatwirtschaft hineinzustecken. Brotpreis wieder erhöht! Oer Verkaufsstreit der Landwirtschast. Der Zweckoerband der Bäckermeister Groß-Berlins hat mit Wirkung ab Montag, den 24. August, infolge der gestiegenen Mehl- preise den vrolpreis um einen Pfennig von 47 aus 48 Ps. erhöht. Am 10. August war der Preis von 50 auf 47 Pf. herabgesetzt worden. Es muß auffallen, daß die Preiserhöhung jetzt erst bekannt wird, obwohl der Beschluß bereits am Freitag gefaßt wurde: bei der Herabsetzung hatte man größere Eile, den Beschluß der Oeffcntlichkeit mitzuteilen! Daß diese Brotpreiserhöhung kommen mußte, war nach der Preisentwicklung für Brotgetreide in den letzten Wochen vorauszusehen. Die Reichsregierung bemüht sich, auf allen Gebieten eine Unkostensenkung herbeizuführen: sie hat die Ver- o n t w o r t u n g für den rigorosen Lohn- und Gehaltsabbau über- nommen,— das Versprechen zu durchgreifender Preissenkung hat sie bisher nicht eingelöst. Insbesondere sind es die Maßnahmsn des Herrn Schiele, die eine Senkung der Lebenshaltungskosten der breiten Masse verhindern. Die Getreidepreise in Deutschland machen das zweieinhalb- bis dreifache der Weltmarktpreise aus, aber der Landwirt- schaft sind diese Preise immer noch nicht hoch genug. Die jüngsten Maßnahmen der Regierung zur Kreditgewährung und Kredit- oerbilligung haben sie in die Lage versetzt, mit dem Angebot von Brotgetreide in bisher nicht erlebter Weise zurückzuhalten. so daß die Mühlen teilweise phantastische Preise bezahlen müssen, um nur den Betrieb aufrechtzuerhalten. Die Verteuerung des Brotes ist in einer Zeit, in der Löhne, Gehälter und Unterflühungs- sähe rückflchtslos abgebaut werden, nicht zu verantworten. Ende des Aluminiumsyndikais? Schwierige Verhandlungen. Wie aus Washington gemeldet wird, rechnet man dort damit, daß das europäische Aluminiumsyndikat am 31. Dezember dieses Jahres endgültig ablaufen wird, ohne erneuert zu werden. Erst vor wenigen Wochen hotten in Paris Verhandlungen zwischen den Partnern des Aluminiumsyndikats stattgc- futtden, und auch Besprechungen mit den Vertretern der zweitgrößten Weltgruppe fanden statt, nämlich der von der Familie Mellon beherrschten Aluminium Co. of America. Ein positives Ergebnis scheinen diese Besprechungen nicht gehabt zu haben. Das Aluminmmkartell kam im September 1926 zustande. Mit- glieder des Kartells sind die Gesellschaft L'Alumnium Fran?ais für Frankreich, die Vereinigten Aluminiumwerke(Viag-Konzern) und djc Erftwerke A.-G. für Deutschland, die British Aluminium Co. in London für England und schließlich die Aluminiumindustrie A.-G. Neuhausen für die Schweiz. Bei Abschluß des Vertrags war die Syndikatsdauer zunächst auf zwei Jahre bemessen, später wurde sie bis Ende 1931 verlängert. Die Vertreter der großen europäischen Aluminiumgesellschaften haben sich seit Inkrafttreten des Syndikatsoertrages alle Vierteljahre getroffen, um sich über die Höhe der Aluminiumpreise, Absatzent- Wicklung und auch über technilche Neuerungen zu besprechen. Drosselung der Gummigewinnung? Gleich zahlreichen anderen Rohstoffen hat Gummi in den letzten Jahren einen katastrophalen Preis st urz zu verzeichnen gehabt. Im Jahre 1913 wurde für ein englisches Pfund(453 Gramm) Rohgummi etwa 3,20 M. bezahlt: jetzt kostet es knapp 0.20 M. Die zahlreichen Bestrebungen, die Gummigewinnung e i n z u- schränken und den, Verbrauch einigermaßen anzupassen, sind bisher an der Uneinigkeit der Interessenten gescheitert. Jetzt kommt aus Amsterdam wieder eine Meldung, nach der geplant ist, die Produktion von Malakka, Ceylon und Niederländisch-Indien um 2 5 Proz. gegenüber der von 1929 einzuschränken. So viel ist sicher— ohne Mitwirkung der Regierungen von Britisch- und Niederländisch-Indien geht es nicht. Fraglich aber ist, wie man auf die nicht unbedeutend« Produktton der Eingeborenen ein- wirken will. Es bleibt abzuwarten, ob man alle Interessenten für diesen Plan gewinnen wird._ 14,5 Milliarden Lebensversicherungen. Der Aufschwung im Lebensversicherungsgeschäft hat sich nach der Statistik de« Verbände» Deutscher Lebensversicherungs- gesellschaften auch im ersten Halbjahr dieses Jahres fortgesetzt. Bei 50(im Vorjahr 52) Gesellschaften waren Ende Juni diese» Jahres In der großen Lebensversicherung 2,6 Mill. Versickerungen mit einer Sumine von 11,9 Milliarden Mark, in der kleinen Lebensversicherung 6,0 Mill. Versicherungen mit einer Summ» von 2,6 Milliarden Mark in Kraft. Das find zusammen 8,67 Mill. Versicherungen mit einer Desamtsumm» von 14.47 Mtlkiarden Mark gegen 7,72 Mill. Versicherungen mit einer Summe von 13,55 Milliarden Mark Ende Juni vorigen Jahres. Die Gesamtprämienanleihe ist von 320,9 Mill. Mark im ersten Halbjahr 1930 auf 339,8 Mill. Mark im ersten iialbjahr 1931 gestiegen. Ausgezahlt wurden in der Berichtszeit 154,4 Mill. Mark(zur gleichen Zeit des Vorjahres 93,7 Wlill. Mark). Davon entfielen auf fällige Versicherungen 70,3(53,0) Mill. Mark, auf Gewinnanteile 33,6(25,0) Mill. Mark und aus s o n st i g e Leistungen 50,5(15,7) Mill. Mark. Die Kapital- anlagen(Wertpapiere, Hypotheken) haben sich von 2,24 aus 2,58 Milliarden Mark erhöht. Am die Dresdner Bank. Die Aktionäre werden unverschämt! Wie jetzt bekannt wird, steht dieReichskreditgesellschaft mit der Verwaltung der Dresdner Bank in Unterhandlung über den Ankauf von 22,8 Mill. Mark Dresdner Bank-Aktien(Gssamtkapital 100 Mill. Mark). Es wird ein U e b e r n a h m e t u r s von 75 Proz. genannt. Bekanntlich findet am Sonnabend, dem 29. August, in Dresden die Generalversammlung der Dresdner Bank statt, in der die Erhöhung des Kapitals um 300 Mill. Mark durch Ausgaben 7prozentiger Vorzug saktion, die das Reich Ubcrmrrtmt, beschlossen wenden soll. Der Antauf des Staimnaktienpakets durch die Reichs- kreditgesellschaft würde dem Reich bereits in der kommenden General- Versammlung mittelbar(d. h. über die reichseigene Reichs- kreditgesellschaft) ein bedeutendes Stimmrecht gewähren. Nun hat sich eine Opposition von Aktionären gebildet, der anscheinend die Einflußnahme des Reiches auf die Bank unangenehm ist. Sie will das Kaufgeschäft DresdnerBank-Reichskreditgesellschast als ein Scheingeschäft anfechten: sie will vor allen Dingen dagegen angehen, daß die Vorzugsaktien unter gewissen Bedingungen am Gewinn beteiligt sind. Dabei versteigt sie sich zu der Be- hauptung, das Recht auf Mehrdividende sei ein Geschäft ohne Gegenleistung. Das heißt doch die Unverschämtheit auf die Spitze treiben! Hätte das Reich nicht so schnell ein- gegrissen, dann wäre der K a p i t a l a n s p r u ch der Dresdner Bank- Aktionäre wo!)! kaum erhalten geblieben. Vom rein geschäft- l i ch e n Standpunkte aus wäre es richtiger gewesen, die Dresdner Bank hätte eine Bilanz ausgemacht, in der die Verluste offen zutage getreten wären, die dann in erster Linie die Aktionäre zu tragen gehabt hätten. Wenn das Reich sich ohne Vorlegung einer solchen Liquidationsbilanz zu einer Beteiligung entschloß, bei der der Kapitalanspruch der Aktionäre erhalten blieb, so ist das nur mit Rücksicht auf die Größe der Bank und ihre Bedeutung im Wirtschaftsleben geschehen. In den A u f s i cht s r a t der Dresdner Bank werden voraus- sichtlich iin Auftrage des Reiches Staatssekretär a. D. Dernburg, Direktor R i t s ch e r(Reichskreditgesellschaft) und Direktor Pferd- menges eintreten. Uns will scheinen, als Vertreter der öffentlichen Hand wählte man besser jemanden, der sich nicht wie der letztgenannte Herr so ausdrücklich gegen die Be» t ä t i g u n g der öffentlichen Hand ausgesprochen hat. Die Saniemng der Orieni-Bank. Wie wir bereits mitteilten, übernimmt die Dresdner Bank die ägyptischen Filialen der Deutschen Orient-Bank A.-G. Berlin. Wie jetzt bekannt wird, mußte auch in diesem Fall das Reich mit sehr erheblichen Mitteln eingreifen. Das Reich hat der Dredner Bank als Kredit Schatzanweisungen in Höhe von 15 Mill. Mark zur Verfügung gestellt, damit diese die ägyptischen Filialen wieder flüssig machen kann. Die alten Großaktionäre der Orient-Bank(in erster Linie Dresdner Bank und Danatbank) haben von sich aus wettere 5 Mill. Mark aufgebracht. Aber auch hier hat man eine Konstruktion gewählt, die das Reich in erster Linie mit dem Risiko belastet. Das Reich nämlich erhält die Hälfte des zur Verfügung gestellten Betrages erst dann, wenn die 5 Mill. voll zurückgezahlt sind, so daß bei neuen Verlusten vor allem das Reich betroffen wäre. Einschränkung des Wcizenbaues in Argentinien. Die Anbau- fläche in Argentinien soll für die kommende Ernte für sämtliche Getreidearten um 1 030 000 Hektar verkleinert werden. Argentiniens Weizenerntc dürste daher im nächsten Jahr um 35 bis 40 Pro- zent geringer als in diesem Jahr sein. Mcistbcgünsligungsabkommen zwischen Oesterreich und Ru- mänien. Zwischen Oesterreich und Rumänien ist ein Ilebcreinkominen abgeschlossen worden, in dein sich beide Länder gegenseitige Meist- begünstigung zusichern Der Vertrag wird in Oesterreich durch Verordnung des handelsvolitischen Ermächtigungsgesetzes, in Ru- mänien durch königliches Dekret vorläufig in Kraft gesetzt. Rkassencntlassungen im Waldenburger Gebiet. Die Melchior- Grube in Dittersbach kündigt 1100 Arbeitern und 50 Be- amten. so daß ab 8. September nur noch 1000 Arbeiter und eine entsprechende Anzahl Beamter beschäftigt sind. China möchte amerikanisches Getreide aus Kredit kaufen. Die chinesische Regierung hat bei der Regierung der Vereinigten Staaten angefragt, welche Menge Getreide sie out Kredit erhalten könnte, um den Opfern der kürzlichen Ueberschwemmung»- katastrophe im Dangtsetal und in anderen Gebieten China» zu Helsen. wa* sonn: QranH In Spmlen Wir brechen Granit, im Gebirge Guadarrama. Ueber im? ragt steil der Pico Penalara, der spige Bergkegel, 2400 Meter hoch: umzirkelt vom Steinadler. Im Süden breitet sich die Ebene, ein großer bunter Flecken drin— ist Madrid, mit seinen 8!)0 0cX> Ncu- Republikanern. Wir brechen Granit, Steinarbeiter vom sreien Ver- band und von sozialer Partei: roten Granit, grauen Granit, silbern getönten Granit. Unser Stein ist Freudestein, unser Stein ist Sieges- stein: wir brechen die Gebirgsnppen für das neu« Volkshaus in Madrid. Das Volkshaus ist schon aus den Fundamenten heraus- gewachsen, es schaut schon mutig und stark in die Welt, über seinem breiten, graugranitenen Tore stehen schon die vier Karyatiden, die Träger der neuen Welt— die Helden des sozialen Zeitalters. Aus rotem Granit, von unseren Genossen herausgsmeißelt, von den Bildhauern, über dem Tore des Bolkshauses in Madrid, die großen Viere: Carmen, die Jakobinerin: Francisco Ferrer, der Revolteur von Barcelona, erschossen 1909: Karl Marx, der Denker, Jean Jauräs, der große Redner des europäischen Proletariats. Auf ihrem Rücken tragen diese Niesen, diese vier rotgranitenen Karyatiden— den Oberbau des Volkshauses, Balkon und Terrasse. Das neue Spanien: frei, frei, endlich! Wir brechen Granit, im Sensengebirge, in der Sierra Guadarrama. Sensengebirge, Scheidekamin zwischen Alt- und Neu-Kastilien. Die Nordbahn zwängt sich durch hundert Tunnels hindurch— von Madrid nach Valladolid, Burgos, Santander und Bilbao in den Baskifchen Provinzen, am Golf Biskaya. Bilbao, wir grüßen dich, Stadt und Bezirk des roten Eisensteins— Granit und Eisenstein, die Basis der Republik Spanien. Granit und Stahl, Wille und Höhenflug! Sierra Guadarrama, der Himmel drüber gläsern grün, die Sonne ein schwingendes Rad— und der Wind spielt Harfe in den Korkeichen, Pinien und Edelkastanien. Durchs Gebirge brausen die Wildbäche, über ihre Treppen von Granit und Gneis. Der Sensen- dach: der Gnadarrama, wild wie die einstigen Hirten und Aelpler des Gebirges, die im Mittelalter ihre Freiheit gegen die Ritter und Klöster mit der gestielten Sense verteidigten. Da unten am Flüßchen liegt die Stadt Guadarrama, alt: klein, grau, winkelig— kaum 1900 Einwohner. Der Fluß Guadarrama geht oberhalb Toledos in den gelben Steppenstrom Tajo, der bei Lissabon dem freiem Onkel Atlantik schäumend ans Herz springt. Der Sturm der Gebirge grüßt den Sturm der See. Steinadler: fliege, steige, kreise! Der Granitbruch im Sensengebirge. Wir Steinarbeiter wohnen in Baracken— aus Wellblech und Holz. Alles neu— alles sauber. Wir haben viel Zuwachs bekommen, Hilfskräfte aus Madrid, die erste Forderung war: Seid ihr organisiert? Ja. Nein. Die Nicht- organisierten sofort in die Steinunion«intreten, in den freien Ver- band. Si, Senor. Gut. Und nun seid treue Kameraden. Wir brechen Granit, fürs Voltshaus: roten, grauen und silbern getönten Granit— Freude, die Schönheit des Steins. Unser Bruch ist uralt, hier brachen schon die Kriegssklaven des herrischen Rom— zur Zeit Cäsars und früher. Und die Goten brachen hier Granit, und die Araber haben hier Stein gebrochen Eine Kullur löste immer die andere ab— nur eines blieb beständig, der revolutionäre Funke im Stein— schlagt den Stein, und der Funke springt— er weckt den Funken in euren Hirnen. Kulturen stiegen und fielen— endhin stand' immer die Freiheit, der Trieb zu neuem Beginnen. Freiheit ist Granit. Hier in unserem Bruch haben die kastilianischen Fürsten und die Könige Spaniens Stein gespalten. Karl der Fünfte, Herr von halb Europa, brach hier aus dem Gebirge seinen graugranitenen Palacio Real in Madrid, Karl der Fünfte, Kaiser von Deutschland, König von Spanien, Herr von Oesterreich, von Italien, Grand- seigneur der Niederlande und Fürst von Burgund und Beherrscher der reichen Kolomen in Amerika. Karl der Fünfte— wohin ging seine Macht? Nur seine Kirchen und Klöster sagen noch davon, von der Machtzeit Spaniens, im Jahrhundert zwischen 1500 und 1500. Kirchen und Klöster sind Monumente, Monumente der Zeit- und Weltgeschichte des mächtigen pfäffischen Spaniens. Heute ist die alte Herrlichkeit dahin— die Fürsten vertrieben, die Kirche vom Volks- staat getrennt, das Volk selber führt sein Geschick. Republik Spanien! Jaaa— Kirchen und Klöster aus Granit, Baudenkmäler ver- sunkener Kulturepochen. Von unserem Gebirgsbruch aus sehen wir dahinten— die Geschichtsstadt Escorial. Ganz aus grauem Granit erbaut. Escorial, der Palast des Don Carlos, des Enkels Karls des Fünften. Don Carlos war ein Rebell, Schiller hat ihn gestaltet, Don Carlos rebellierte gegen seinen tyrannischen Vater Philipp II. Don Carlos starb im Kerker. Aber längst liegen sie alle vereint, Spaniens einstige Größen— in den Grüften des riesigen Klosters San Lorenzo Escorial— im Leben Feind, im Tode Frieden. Bater und Sohn versöhnt, Philipp und Don Carlos. San Lorenzo Escorial, das größte und glänzendste Kloster Spaniens— hier aus unserem Granitbruch ward es heraus- oemeißelt—, wo sind die Kollegen? Die Steinbrecher und Stein» bauer und Steinbildner des 16. Jahrhunderts? Frage doch nicht— du siehst doch, wo sie sind, die alten Kollegen, die Steinbrecher für Fürsten und Pfaffen— sie leben in den Quadern des Klosters Escorial, ihr Werk lebt— geschaffenes Werk stirbt nicht, selbst als Ruine spricht es noch lebende Sprache— hörst du den Sang der Pyramiden? Aegyptem 6000 Jahre.� Philipp II. begann den Bau des Klosters Escorial im Jahre 1563. Philipp lebte von 1527 bis 1598. Ein großes blühendes Reich hatte er von seinem Dater geerbt— vom fünften Karl-- und was hinterließ Philipp? Den Zusammenbruch. Er hinterließ 100 Millionen Golddukaten Schulden— jeder Golddukaten nach heutigem Gelde 10 Mark, im Wertausgleich war damals aber ein Dukaten gleich heutigen 200 Mark. Nun berechnet Philipps Mlliarden an Schulden? Er hatte fein Land und seine Länder durch Mißwirtschaft und Verschwendung völlig ruiniert. Pfaffen und Militär waren seine Mitschuldigen. Sein Großinquisitor ver- brannte die Rebellenopposition zu Zehntausenden, in den Keßer- feuern schmorten Juden, Araber und Christen. Alles was mit freier Sprache König und Kirche angriff— das ward verflammt! Und Herzog Alba, der Großgeneral Philipps, der zog mordend und brennend durch halb Europa— noch heute rauchen seine Blutspuren in Burgund, Italien und den Niederlanden. Schaurige Geschichte von Philipp— Gewalt und dennoch Untergang. Nachts stöhnt es im grauen Granitgemäuer von Escorial. Die Seufzer einer ver- gewaltigten Menschheit. Schrecklich. Aber dies ist glücklich dahin, vorbei! Das Volk rang sich durch, Republik, Sozialismus— wir brechen Granit fürs Voltshaus Madrid. Im hohen Gebirge Guadarrama, Grenzscheide zwischen beiden Kastilien. Frühstück. Laßt die Schlägel, Meißel, Stahlklauen und Trans- portketten liegen. Frühstück. Erholung. Wir speisen. Ziegenkäse und Hartbrot und gesalzene Oliven. Wir trinken. Rotes Blut der Reben. Wir sprechen. Wir beraten. Und wie wollen wir es machen? Hier aus unserem Bruch ist der Companero Manuel der Fähigste, im Denken, im Reden, im Wissen und in der Kühnheit des Handelns, den Manuel schicken wir als unseren Kandidaten in die National- Versammlung, mit anderen Genossen soll er der geistige Granit im Kampfe um Spaniens neue Verfassung sein. Manuel, willst du? Ja, euch zuliebe. Frühstück ist um. Companeri, ans Werk. Frei fliegt droben der Adler, um den Pico Penalara, so frei sei unser Geist. max SSernardi: AlZK QeWÜVS(JCI* feligetl Der Witwer Düppel hatte sich schon seit langem wieder verlobt. I In aller Stille, wie man so zu sagen pflegt, denn wenn man erst einmal eine Ehe hinter sich hat, macht man von der zweiten kein großes Aufsehen mehr.' � Ueberhaupt bedeutet für einen Witwer ein neuer Ehestand kein großes Wagnis. Einerseits kennt man die Schikanen der Frauen und andererseits wird ihm die zweite Frau immer noch bester jeden Wunsch von den Augen ablesen wollen, als es der ersten Frau— Gott Hab' sie selig— jemals gelungen war. Böse Stiefmütter mag es schon geben, es sind aber fast immer sehr liebe Stiefgatten. Deshalb war es von Herrn Düppel ein wenig überflüssig, immer wieder von der Verstorbenen zu erzählen. Tote soll man ehren, aber mit einem Toten soll man keinen Leben- digen erschlagen. Es war für Fräulein Agathe bestimmt eine Krän- kung, wenn Herr Düppel jede Gelegenheit zu einem diesbezüglichen Rückblick in die Vergangenheit wahrnahm. Insbesondere beim Essen, um das sich Fräulein Agathe als Köchin bemühte, gefiel sich der Witwer in sonderbaren Lobsprüchen auf seine verblichene Frau. In Lobsprüchen, die allemal in einen anzüglichen Vergleich auf Agathens Kochkunst hinausliefen. „Hat sie denn wirklich so gut kochen können?" „Vesser als ich?" war die zaghafte Frage. „Besser alsich?" war die zaghafte Frage. Herr Düppel hatte es gelernt, diplomatisch zu antworten. Da« ist bei einer Köchin— wenn es auch gleich die eigene Verlobte ist— stets angebracht.„Besser?" fragte er, um Zeit zu gewinnen,„besser ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck, liebe Agathe. Man kann gut oder schlecht, fade oder schmackhaft kochen, aber nicht besser." Die liebe Agathe merkte schon seit ihrer Verlobung— und das war lange her—, daß Herrn Düppel auch das liebevollst zubereitet« Gericht nie so von ganzem Herzen schmeckte. Das war ihr begreif- licherweise ein großer Kummer. Sie war einst eine sehr gesuchte Köchmamsell gewesen. Immer nur bei feinsten Herrschaften, versteht sich. Daß sie für diesen Witwer nicht zu kochen verstehen sollte, war eine Beschimpfung. Herrn Düppels Zunge war eine ganz gewöhn» liche Berliner Zunge, die von Eisbein und Sauerkohl lebte. Aber viel schlimmer als diese Kränkungen waren die nagenden Zweifel, die Fräulein Agathe nunmehr in die ernsthaften Absichten diefes Herrn Düppel setzen mußte. Wer würde denn auch im Ernst eine Frau nehmen, die nicht zu kochen verstand? Ein Witwer nicht. Fräulein Agathens Zukunft stand mit ihrer Küchenkunst auf dem Spiel. In ihrer Heimat, in Böhmen, hätte man sie als Schön- heitskönigin ausgerufen. Wohlverstanden, ollein wegen chrer uner» reichten Powidl-Buchteln. In Wien wäre sie Ehrenbürgerin ge> worden. Wegen ihrer wunderbaren Zwetschken-Knödl. In Ungarn hätte man sie verhastet, weil sie das Geheimnis des Szegediner Gulasch ergründet hatte. I» Italien wäre sie von Mussolini empfangen worden. Nicht wegen der Makkarosti, sondern wegen der Deutschen Beefsteaks, die der Ministerpräsident bekanntlich sehr hoch schätzt. In Frankreich wäre sie wahrscheinlich mit dem roten Bande der Ehrenlegion ausgezeichnet worden. Wegen ihrer Mafonaife. Und so weiter. Nur bei dem Witwer Düppel sollte sie ewig die Köchin bleiben, die sie war. Und ewig verlobt... Begreiflich, daß Fräulein Agathe nichts unterließ, um Herrn Düppels Zunge zu ergründen. Aber der vergrämte Witwer konnte ihr auch nicht helfen, so sehr er sich auch mit der Köchin in die Ge- Heimnisse der Küchenkunst vertiefte. „Ich weiß nicht", sagte er jedesmal achselzuckend,„irgendein Gewürz wird es wohl sein. Wahrscheinlich hat es meine Selige für immer mit ins Grab genommen." -i- Na ja, so rückte die Zeit heran, und Fräulein Agathe und der Witwer bildeten noch immer kein Paar, wie es das Bürgerliche Gesetzbuch vorschreibt. Das war ja auch vorauszusehen gewesen. Die gute Agathe rührte betrübt den Kochtopf. Reis war darin, italienischer Reis mit kleinen Apfelstücken. In Mailand hätte man Fräulein Agathe für diese Barbarei ausgewiesen. Aber weiter nördlicher aß man nun einmal Apfelreis sehr gerne. Herr Düppel mit Wonne. „Ich will es heut einmal mit Muskatnuß versuchen", überlegte Agathe,„vielleicht ist dieses Gewürz---", sie wagte nicht den Satz zu Ende zu denken. Von Ferne läuteten Glocken. Möglicherweise wurde jemand zu Grabe getragen. Vielleicht war es aber auch eine Trauung. Fräulein Agathe seufzte zum Fenster hinaus. Tief unten im Hof spielte eine Drehorgel den neuesten Tangowalzer. Schnuppernd schlich der Witwer die Treppe empor. Der Duft, den seine Nase gierig einsog, verstärkte sich mit jedem Treppenabsatz. In wilder Hast legte er die letzten Stufen zurück. Riß die Tür auf. Eine dicke Wolke schlug ihm entgegen. In der Stube standen alle Fenster offen. Auf dem Tisch dampfte Apfelreis. „Agathe!" brüllte Herr Düppel. In der Küchentür. in eine Dunstwolke gehüllt, erschien Agathe. Sie hielt beide Hände vor das schamrote.Gesicht. Schluchzte in die Schürze. Der Reis war verbrannt, schrecklich angebrannt. Lehar hatte schuld. „Agathe!" rief der Witwer und eilte auf sie zu.„Agathe, teure Agathe— du kochst wie meine-- Frau...!" Am letzten Sonntag feierten sie Hochzeit. Der Braten war scheußlich verbrannt.— Der bedeutendste japanische Romanschriststeller ist Kiokutai Ba- kin, der mit 81 Jahren im Jahre 1848 starb, nachdem er zehn Jahre lang blind gewesen war. Cr soll nicht weniger als 290 Werke ge- schrieben haben, das wären also bei höchstens 60 Arbsitsjahrsn etwa fünf Romane jährlich. Dabei umfaßt sein berühmtestes Werk„Der neue Mond" 800 Druckseiten, während eine„Geschichte der acht Hunde" sich über 3000 Seiten ausdehnt. Einzelne Romane hat Bakin, der lange Echuhbändler und Schulmeister war, auch selber illustriert. I 3)r. JCfly Xersberg: QefkhrUclie Jluloabgafe Im Wochenbett, bei Krampfadern oder nach Operationen kann sich in einem Blutgefäß ein Gerinfel bilden, ein Pfropf oder Throm- bus, der das Gefäß oerstopft und zur Thrombose führt. Wird ein solcher Pfropf durch den Blutstrom an eine and«« Körperstelle ge- führt und verstopft dort wieder ein Blutgesäß, so spricht man von E m b o l i e. Betrifft die Emboli« das Herz, die Lungen oder das Gehirn, so kann plötzlicher Tod eintreten. Es ist darum nur zu be- greiflich, wenn bei Operationen von den Aerzten nichts mehr ge- fürchtet wird als das Auftreten dieser gefährlichen, durch keine Vor- ficht zu vermeidenden Embolien, und man versteht, daß die Chirurgen nur mit Entsetzen die Tatsache verfolgen, daß in den letzten Jahren in allen Kulturländern die Zahl der Embolien nach Operationen in raschem Steigen begriffen war. Eine Erklärung hierfür erschien zunächst unmöglich, die Aerzte- schaft stand direkt vor einem Rätsel. Indes wurde fieberhaft daran gearbeitet, die U r s a ch e dieser Erscheinung aufzufinden. Eine ganze Reche von Einzeltatsachen wurden nun auch bekannt, die die Pfropfenstechung begünstigen, und die besonderen Dispositionen nach Alter, Geschlecht, Entstehungsart und allgemeiner Kürperbeschaffenheit wurden aufgedeckt. Damit war aber die Ursache für die zahlen- mäßige Zunahme der Verstopfungen in den letzten Jahren noch nicht geklärt, denn jene Faktoren waren auch in früheren Zeiten immer die gleichen. Es mußte also noch irgendeine gemeinschaftliche Schädi- gung zugrunde liegen, die während der letzten Jahre neu hinzu- gekommen war. Allerlei Annahmen, von denen manche bestechend waren, wurden aufgestellt, ohne daß eme sichere Entscheidung ge- troffen werden konnte, bis schließlich Professor E. Payr die Vermutung aussprach, daß besonders an Benzin- und Benzoldämpfe, die Staub- und Rauchplage und die Entwicklung schädlicher Dämpfe zu denken sei. Auf Payrs Veranlassung wurden nun an der Chirurgi» schen Universitätsklinik in Leipzig die Thrombose- fälle bearbeitet und es wurde festgestellt, daß die ganz überwiegende Mehrzahl der Fälle der Stadtbevölkerung angehört. Eine ganz wesentliche Veränderung in den äußeren Lebensbedingungen besonders der Großstadtbevölkerung während des letzten Jahrzehnts ist nun sicherlich die zunehmende Vermischung der Atemluft mit Autoctbgasen. Dr. Kuntz en folgte daher der Anregung Payrs und stellte sich die Aufgabe, experimentell nachzuprüfen, ob durch chronische Vergiftung mit Autoabgasen eine erhöhte Thrombosebereitschaft zustande kommt. Als Versuchstiere wurden Ratten und Kaninchen benutzt. Die Tiere wurden täglich in gas- dicht schließende Käfige von 110 Liter Rauminhall gesetzt. Dann wurden in die Käfige Auspuffgase geleitet. Die Gasmenge betrug zwei bis drei Wer urtd d!« tägliche Gaseimoirtung 20 Minuten bis eine halbe Stunde. Diese Vorbehandlung der Tiere dauerte 2� Monate, dann wurden sie auf Thrombosebereitschaft untersucht. Durch eine Ein- spritzung in eine groß« Blutader wurde eine geringe Gefäßwand- schädigung hervorgerufen, die indes hinreicht«, von 15 oorbehandelten Gasratten vier innerhalb von 24 bis 48 Stunden an Aderverstopfung zugrunde gehen zu lassen. Von zehn vorher nicht mit Gas bc- handelten, aber genau in der gleichen Weise operierten Kontroll- tieren starb kein einziges. Es ist danach wahrscheinlich, daß wir in der zunehmenden Ver- Mischung unserer Atemluft mit Autoabgasen, der der größte Teil der Großstadtbevölkerung zwangsweise ausgefetzt ist, den wichtigsten Faktor vor uns haben, der zu der Häufung der Thrombose, und Emboliefälle der letzten Jahre beigetragen hat. Das Rätsel, das den Aerzten soviel Kopfzerbrechen gemacht hat, nähert sich der Lösung Schwieriger zu lösen sein wird die Frage, wie wirksam Abhilfe zu schaffen sei, zumal nach Untersuchungen der jüngsten Zeit vermutlich auch die Zunahme des Lungenkrebses mit der Per- schlechterung unserer Atemluft durch Auspuff- gase zusammenhängt._ 3>olarhunde und Papageien bei um Im vorigen Jahr wurde ein Stück arktischer Welt in die baye- rischen Alpen verpflanzt. Lappen zogen mit Renntieren und P o l a r h u n d e n auf die Zugspitz«, um dort die Tiere des hohen Nordens anzusiedeln. Einige Monate vorher was das Muffelwild, das einzige Wildschaf Europas, in den Sudeten ausgesetzt worden, wo es seitdem prächtig gedeiht. Die Einbürgerung von Tieren fremder Zonen in Deutschland Ist nichts neues. Die Dam- Hirsche, heute über ganz Deutschland verbreitet, sind vor Iahrhunder- ten aus dem Mittelmeergebiet eingeführt worden. Das Kaninchen, das in Wald und Heide, selbst mitten in den Städten, auf Friedhöfen. in Parkanlagen und an Bahndämmen in großer Zahl auftritt, stammt ebenfalls aus der Fremde. Als Haustier kam es aus West- europa zu uns, wo es bald verwilderte. In neuerer Zeit wanderte ein weit gefährlicheres Nagetier bei uns ein: die Bisamratte. Im Jahr 1905 waren mehrere Paare aus Kanada herübergeholl und im Schloßteich von Dobrifch in Böhmen ausgesetzt worden. Ein paar Tiere suchten das Weite: von ihnen stammen die Tausende von Bisamratten ab, die an Dämmen und Deichen in Sachsen, Branden- bürg und Schlesien schon großen Schaden angerichtet haben. Un- aufhaltsam breitet sich dieser höchst unerwünschte Ausländer wetter aus. Man hat versucht, auch fremde Vögel in Deutschland heimisch zu machen. Ende der neunziger Jahre ließ man aus dem Dresdener Zoologischen Garten mehrere Paare des farbenprächtigen roten Kardinals entweichen. Sie sollten die deutsche Vogelwelt be- reichern. Obwohl sie sich im Gehege an das deutsche Klima gewöhnt hatten, bestanden sie das Experiment in der Freihett nicht: man hat jedenfalls nie mehr etwas von ihnen gehört. In der Lausitz versuchte einmal ein Landwirt, in seinem Park Kanarienvögel anzusiedeln. Sie bauten wirtlich in Baum und Strauch chre Nester, sangen chre Lieder und waren vorsichtig genug, dos schützende Revier des Parts nicht zu verlassen. Ein anderer Landwirt in der Lausitz lieh in der Umgebung seines Hauses Mönchssittiche und chinesisch« Nach- t i g a l l e n frei umherfliegen. Di«„sächsischen Papageien" richteten aber in den Obstgärten solchen Schaden an, daß der Landwirt seine Experimente bald aufgab. Bessere Erfahrungen hat man mit dem Vogelwild gemacht. Der farbenreiche schmackhafte Fasan ist im Laufe der Jahrhunderte in Deutschland heimisch geworden. Ihn, der ursprünglich in den söge- nannten Fasanerien der Fürstenhöfe zu Kurzweil und Sport gehalten wurde, findet man heute s«4bst im Weichbild einer Weltstadt wie Berlin. Unter Fasanerien versteht man heute Fasanenzüchtereien, wie sie in Böhmen und Ungarn in großem Ausmaße vorhanden sind. Im Gebiet der Donaumonarchie hat man auch mit dem Wild- puter, dem amerikanischen Vorfahren des Truthahns gut« Erfolge erzielt. Vor 50 Jahren eingeführt, gedieh er besonders in Ungarn recht gut. Auch in Pommern, Ostpreußen und Thüringen wurden, nicht ohne Erfolg, Wildputer ausgesetzt. Die deutschen Naturfreunde vertreten, sehr mit Recht, die Ansicht. daß fremde Tiere nicht in die deutsch« Landschaft gehören, deren Bild sie geradezu verfälschen. Es kommt im Gegenteil darauf an, die einheimisch« Tierwelt in ihrer Buncheit zu erhalten und Tiere, J die ausgestorben sind, in Deutschland wieder heimisch zu machen. Stadt der Stiefelabsätze. Von Ketzin an der Havel wandern 1000 verschiedene Formen in die Welt. Besieg man sich im Schaufenster eines Schuhwarengeschästes das weibliche Schuhwerk, dann fallen einem unwillkürlich die Extreme der Absatzbildung auf.- neben dem stark männlich wirkenden Latscher, dem stachen, unverhältnismäßig breiten Hacken, präsentiert sich der Schuhmode letzter Schrei, ein spindeldünnes, hohes, ganz schmales Gestell, dessen Bodenfläche kaum die Größe eines Pfennigs aufweist. Man wird hierbei lebhaft an die histori- schen Marterwerkzeuge Chinas erinnert, dessen mcdebeflissene Schönen die Zehenpartie in ein winziges Vorderblatt zwängten, dann kam die sandalenartig gearbeitete M i t t e l p a r t i e, in der der Fuß frei und ohne jeden Halt hin- und herschlidderte, um schließ- lich die Ferse auf die höchsten Höhen des winzig dünnen und schmalen Absatzstückes zu pressen. Alles wiederholt sich im Leben und so auch dies! Aber Modetorheiten hat es eben schon zu ollen Zeiten gegeben und wer schön sein will, muß leiden! Zwischen diesen beiden Absatz- extremen liegt nun eine reichhaltige Skala verschiedener Formen, und es sind etwa taufend an der Zahl. Wir würden ja aller Wahr- scheinlichkeit nicht so viele zählen, aber der Abfatzfabrikant kennt und zählt all die kleinen und kleinsten Unterschiede in Höhe, Breite und Form. Englische und französische Absähe. Alles was niedrig, breit gearbeitet ist und nur der praktischen Bequemlichkeit dient, zählt unter die Bezeichnung„englisch", alles was zierlich und kokett, fei es zehnmal auf Kosten der Gehwerkzeuge und des allgemeinen Wohlbefindens der Trägerin, ist„französisch". Die Taufpaten des zierlichen, aber oft martervollen französischen Absatzes sind Frankreichs Könige Louis XIV., XV. und XVI., die wohl dem kleinen, hochftelzigen Frauenfuß erhöhte Aufmerksamkeit schenkten. Englands Absatzpatron ist namentlich nicht bekannt, hier hat sich wohl der allgemeine englische Modebegriff des Herben, Be- quemcn und Praktischen auch auf das Schuhwerk übertragen. Zur Herstellung der Holzabsätze muß die Rotbuche ihr Leben lassen. Im Sägewerk wird das zugerichtete Holz«rstmal zu Kauteln geschnitten, dos sind Streifen von langgestreckter, würselähnliche? Form. Diese Kanteln koimuen dann für ein« Woche in Trocken- kanimern, da sonst die Gefahr besteht, daß sich das Holz bei der späteren Bcrarbeitung verzieht. Ist der Trocknungsprozcß vorüber, dann geht es ans Schneiden, Aushöhlen, Abhöhen, Schleifen und Polieren des Wsatzes. In zehn bis zwölf Arbeitsgängen verrichten elektrisch betriebene Spezialmasch inen, von flinken und ge- schickten Händen bedient, ihr Werk. Zuerst teilt die Schneidemaschine die Kauteln in kleine Klötzchen, die der Größe eines Absatzpaarcs entsprechen. Rechts hält die Arbeiterin die Kanteln ans Messer, links fallen die Stücke in aufgestellte Körbe. Bei großen Fabrika- tionsunternehmen— die hier geschilderte Fabrik, in der weiteren Umgebung Berlins, in dem lieblichen Havelstädtchen Ketzin, einer Perle der Mark, gelegen, fertigt 60 000 bis 70 000 Stück pro Tag an — hat jeder Arbeitsgong feinen Saal. Im ersten Raum ist die Holz- schneiderei, meist von Frauen ausgeführt, da die Arbeit leicht ist und die Bedienung der Maschinen keine besondere Kraft erfordert. Bon der Schneider! wandern die gefüllten Körbe in den nächsten Raum, wo das viereckige Holzklötzchen die erste R o h f o r m des künstigen Absatzes erhält; nun gehts weiter zum Aushöhlen der Ferse, jenes Absatzieiles, der an der Schuhsohle befestigt wird. Im nächsten Arbeitsgang, an den großen Fräsemaschincn, deren Be- dienung ebensoviel Kraft wie Geschicklichkeit erfordert, erhält jetzt der Absatz den richtigen Schwung; je flacher er ist, desto einfacher ist die Arbeit, je geschwungener desto komplizierter. Wie eine feine Spindel wird solch zierlicher Louis-XV.-Hacken unentwegt an der Maschine gedreht, deren feine Messer solang« schaben und schleifen, bis der Arbeiter schließlich solch kühn geschwungenes, schmales, übermäßig hohes Holzstückchen mit einer winzig kleinen Bodenfläche in Händen hält. Nun wird die letzte Hand angelegt, feine Schleif- und Poliermaschinen beseitigen jede noch so kleine Un- ebenheit, dann wird nochmals jedes Stück sorgfältig nachgesehen, ge- stempelt und nach dem Bersandraum gebracht. Ein Gaisongeschäst. Auch die Absatzfabrikation ist ein Saisongeschäft, im Sommer geht die breite, sportliche Form stärker, im Winter die zierlich ge- schwungene. Ein Teil der fertigen Absätze geht nun in die wegen Feuersgefahr separat gelegene Emaillier- und Lackier- a n st a l t, wo das Holz im Sireich-, Spritz- mid Klebeverfahren mit schwarzem, weißem oder farbigem Lack bedeckt, oder mit Zelluloid bezogen wird; die meisten Absätze werden aber roh geliefert und von den Schuhfabriken lackiert, oder bezogen. Die zahlreich umher- fliegenden Holzspäne sammelt ein Abscheider in den Exhauster; sie werden an Schlächtereien zum Räuchern und an die Industrie zum Polieren von Elektro- und anderem Material ver- kauft. Sehr viele Lieferungen gehen auch nach dem Ausland, wo das notwendige Holzmaterial vielfach nicht vorhanden ist. Blumen und Fische! Die Deutsche Gartenbau-Ausfiellung in der„Neuen Welt". Am Sonnlag eröffnete die Deutsche Gartenbaugesell s ch a s t gemeinsam mit dem Verein für Aquarien- und Terrarien künde und der Berliner Tischlerschule in der ..Neuen Welt", Hasenhelde, ihre Ausstellung„Blumen und Fische". Das ist«in Duften und Blühen, eine sinnbetörend« Farbenpracht, eine Welt des Friedens und der Schönheit; schon der Garten hat sich in«inen Blumenhain verwandelt, auf den Rasenflächen stehen Töpfe mit den verschiedenartigsten Blüten, in den Bosketts prangen Pracht- palmen, überall bunte Färbcnklecksc hochsommerlicher Blütenpracht. In den Sälen bei den Schnittblumen feiert die Königin des hoch- sommerlichen Gartens, die prächtige Dahlie im Berein mit Chrysan- theme und Gladiole Triumpheder Schönheit; daneben gibt es glutvolle und pastellzarte Rosen, Gloxinien, Astern, Stiefmütter- chen und alle Topfgewächse haben ihre schönsten Vertreter entsandt. Zwischen den Blumentischen tummeln sich flinke Fischlein in ihren Becken; sind die Blumen durchwegs heimischer Nattir, so finden sich unter den Fischen ganz eigenartige exotische Schönheilen. Ganz, ganz ferne liegt ihre Heimat, am Amazonas st rom und in Mexiko, in Japan, auf Ceylon und in China. Da sieht man den Vielstachler und die Schleierfische, den Axolotl und die silbrigschimmernde Prachtborbe und viel« andere cigevarlig-schöne Zierf'ische; südamerikanische Vogelspinnen, junge Abgoitschlaugen, das wandelnde Blatt und die Boa conftrictor. Ein Riesen-Kakteen- Hain, in dem sich phlegmatische Schildkröten mmrerklich fortbewegen, zeigt die bizarre Schönheit dieser Pflanze, zwerghaste Gewächse neben gigantischen Riesenbäumen, Negerfingcr und ledende Steine, blühende Aloen und neuartige Pflanzungsoersuche hasenohrblättriger und olcanderblättiger Pflanzen; der eigenartig« Echinocacws, oer einem stachligen Riesenkürbis gleicht, das flachsige Greisenhaar und noch viele andere Pflanzen voll Eigenart. Die Ausstellung will innner aufs neue Lust und Liebe zu den Blumen dem Großstädter vermitteln und die Deutsche Gartenbau- gesellschast, die seit mehr als 100 Jahren der Förderung des deut- scheu Gartenbaues dient, hat auf diesem Gebiete in wissenschaftlicher, kiinstlerischer und praktischer Beziehung ganz Außerordentliches ge- schaffen. Die Ausstellung ist vom 23. A u g u st bis 1. Se p t e m- der geöffnet. Die Skatspieler vom Kreuzberg. Ehe man sichs versieht, steht man im Brennpunkt des öffentlichen Interesses. Da hat ein'Zeitungsschreiber auf der Reportagen- jagd zufällig auch mal den Hohen staufenplag passiert und dort eine Gruppe Arbeitsloser angetroffen, die sich in ihrer unfrei- willig langen und neroentötend öden Freizeit zu einer Karten- partie zusammengetan haben. Solch Spiel im Freien ist nichts Neues, neu war für ihn bloß die Szenerie, die statt in Gartenbänken in Holztischen und Bänken besteht. Sein Ruhm ließ aber auch die Kollegen von der photographischen Fakultät nicht ruhen, und schwups prangten am anderen Tage Gruppenaufnahmen der Freilicht-Skat- klopper in den Blättern. Die hierzu gelieferten mehr oder minder witzlosen Kommentare bedürfen entschieden einer vernünftigen, sach- lichcn Auslegung. In Wirklichkeit verhält sich die Sache so, daß die llnterstügungsempsänger des nal)egelegencn Wohlfahrtsamtes Kreuz- berg in den Anlogen auf Gartenbänken und Spielplätzen Karten spielten und die Mütter der dort spielenden Kinder sich darüber beschwerten, daß ihnen und ihren Kindern der Platz weggenommen würde; als der Parkwächter die Spieler von den Plätzen wies, meinten sie ganz richtig, daß ihnen dasselbe Benutzungsrecht der Sitzgelegenheiten zustünde, wie jedem anderen. Da die Reibereien kein Ende nehmen wollten, ließ das Bezirksamt ganz einfach durch das Gartenamt«in paar rohe Holzbretter auf Baumstümpfe rammen, stellte diese den Spielern zur Verfügung und oerbot ihnen durch Anschlag die Benutzung der übrigen Sitzgelegenheiten; auf diese Weise wurde man beiden Teilen gerecht, und der Friede ist wieder hergestellt. Es ist immer besser, daß man den Menschen ein harmloses und kostenloses Vergnügen verschafft, dos sie über ihre trostlose Freizeit hinwegbringt, als daß sie ziel- und planlos auf der Straße herum- lungern oder dos Wirtshaus besuchen. Daß die Spiele durchaus harmlos und keinerlei Glücksspiele sind— es wird in der Hauptjache Skat und Schafskopf gespielt— dafür sorgt die ständige Schupopatrouille, sowie andere Aussichtspersonen; es ist aber noch nie vorgekommen, daß man die Spieler bei verbotenem Spiel betraf. Sein 4»jähr>se» Di«»stjubilium bei der Anna Wallerstein n. ibrnst, Teppichreimauneisonswlt,«chöneberg, Eisenacher Str. 50, begeht heute Herr Mar Müller, Berln-SchSneberg, Wartburgstr. SO. parieinachrichien für Groß-Berlin Slnsenbangen sür diese Rubrik sind Berlin SW SS, Uindenstratz« Z, stet» an da« Bezirbseerrtarlat ?. Hof, 2 Treppen recht», zu richten AbteilungS-Borftändekonferenz vlonlag, 31. August. 19!; Uhr. im Deutschen Hos. Luckauer Str. lS sApollo-Saalj. Teilnohmeberechtigt sind: Der l. und 2. Abteilungsleiter. der Abtcllungskafsicrer, der l. und 2. kreisvorfitzende, der kreiskoffierer und die Vertreterin der Frauen im kreisvorstand. Zu- Iritt nur gegen Vorzeigung des Parteimitglicdsbuches mit Aunk- tionärkarte. Der Bezirksvorstand. Peginn aller Veranstaltungen 19% Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! heule, Dienstag, 25. August: 2. itrri». Heute, 21 Uhr, Ztreisvorstoiibsflhuii« mit den ersten Abteilung». leitern und Keisibern bei Zandom, Aensburger Str. Z. Abt. Heute Milgtieberversainmlnng in den Blücher. Sälen, BMcherstr. S1. Kitritt nur mit Mitgliedsbuch. Abt. Fiinktioiiärsitzung im Restaurant Otto Pamp, Ecke Hasselwerder. und Fennstraße, 20 Uhr. Abt. Die Motorbootkarten müssen Dienstag zmischen 13 und 19 Uhr bei Selchow, Karlshorster Str. 3, abgerechnet werben. Morgen. Mittwoch, 26. August: Abt. Be! Brandis, Stralauer Str. 10, Abteilungsoersammlung. Referent Genosse Dr. Friedländer i«Die politischen Parteien". Abt. Mitgliederversainnilung, Rosenthaler Hof, Rosenthaler Str. 11—12. Thema;„Wirtschastslrüe und Äonsningenossenschaft". Relerent wird in der Bersoinmlun« belanntgegeben. Abt. Borstandssißung bei Hufenbach, Perleberger Cir. 64. Abi. Mitgliederverlammlung im Attersheim Danziger Str. 62. Bortrag: „Werden, Wirken und Wesen der Bertiner Boltsdtthne". Referent Genosse Dr. Restriepie. Abt. Schwedler Festsäle, Mitgliederversammlung. Vortrag Genosse Friß Schulz;„Wirtschaslssrise und Theateruot". Abt/ Gruppe 1 bei Bogen, Schwedter Straße; Gruppe 2 bei Meyer, Oder» berger Straße(Ansang hier bereits um 19 Uhr); Gruppe 3 bei Rechenberg, Ghariner Str. 49; Gruppe 4 bei Ianecke, Sagenauer Str. S: Gruppe s bei Bartheidt, Wörther Etr. 19: Gruppe 6 bei Maaß, Prenzlauer Allee 232. Abt. Casino- Festsäle, Pappelallee 1ö, Mitgliederversammlung. Emil Barth: Jhir politischen Lage". Abt. Dir Witgliederprrsammlung sollt im August aus. Abt. Vorfchußabrechnmig der llolportagehelser am Mitluioch in der Mit- gllederoersaminlung. Abt. 20 Uhr Adteiluugsversammlung im Frießenschlößchen, Friesenstr. 14. Referent Genasse Beierling:„Sewerkschasten und Krise". Funltionäre bereit, I8lä Uhr daselbst, wichtig« Angelegercheil. 42. 104. 117. 4. 5. 30. .13. 53. 41. 43.«tt. SO Uhr Mitgliederversammlung bei Staadt. Flchtestr. 20. Zieftrent Genosse Stadtrat Gonrad:„Ztommuiialpolitlk im Begirl Kreuzberg". 45. Abt. Abteiliingsvevsanimlung in der Schuloula Forster Ecke Reicheaberger Straße, 17 Uhr. Referent Genosse Lille. 43. Abt. Schulaula Görlißer Str. Zl, Abteilungsversammlung. Felix Fllgg: .Pur politischen Lage". 58. Abt. Disiussionsadend im Ranlehaus, Ranlestr. 4, noin 4 Tr. Referent Genosse Kurt Siechert:„Der Jnteriiotionole Kongreß in Wen". 01. Abt. Vorstandssißung mit den Bezirlsführern bei Rausch, Flughasenstr. 20. 99,. Abt. 20 Uhr Abtrilungsmitgllederverlammlung im Buschikrug. Rudawrr Straße 51. Referent Genosse Mar Heideniann:„Was wird werden?" 143. Abt. Retchsdruckerei. 16 Uhr im Odd-Fellow-Logenhaus, Alte Iatobftr. 123, Berstmmlung. Vortrag des Genossen R. Breuer;„Die politische Lage nach dem Volksentscheid". Aussprache. Alle Mitglieder und EiMpathisterrnde sind eingeladen. Zahlreicher Besuch wird erwartet. * 140-. Abt. Wittenau. Poranzeige! Montag. 31. August, beginnt In Wittenau, neue Schule, der Kursus für ssnnktionäre, an dein auch Mitglieder teil- nehmen können. Thema:„Möglichleiten sozialistischer Lebrnsgestaltung" (Dr. Karl Schröder). Nähere AuÄunft durch Genossen Waldmann und Pannwiß. Frauenveranstallungen: 53. Abt. Freitag, 23. August, 10 Uhr, Dampferfahrt nach Lehniß. Fahrpreis hin und zurück 50 Pf. Treffen ghh Uhr Ptößensce, am Iungsernstieg. Gaste willkommen. 32. Abt. Siemeasstabt und 52, Siedlung Zungseruheibe. Mittwoch, 26. August, bei Mailand, Heideirug. Thema;„Volksentscheid— was nun?" Referent in Herta Gotthelsi 102. Abt. Die Genossinnen beteiligen sich am Mittwoch, 26. August, am Kreis. fraueiikasseetochen im Gemeinschafishaus, Falkenberg. Treffen um 14 Uhr am Bahnhof Vaunischulenweg. 108. Abt. Donnerstag. 27. August, Stadttheater Köpenick. Thema:„Alt-Berlieier Humor". Vortragende Friede! Hall. Arbeiksgemeinschasl der Sinderfreunde Grost-Berlin. Krei» Reukölln: Vollversammlung heute, Dienstag, um 1« Uhr, im Heim Böhmische Ecke Kanner Straße. Bortrag des Genossen Anton Tharek.Wen über dl« österroichisiche Falkeiibewegung. Wimpel mitbringen. Falken tracht. Der Instriiiiientalkreis spielt.— Gruppe Sturm satte; Steffen zur Bollnersammlung im 17 Uhr an der Karl-Marx. Schul?. Krei» Prenzlauer Berg. Gruppe Viktor Adler: Donnerstag, 20 Uhr, wichtig« Elternversammlung, Baracke Danziger Str. 62.. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation} 20. Ätfi« und 136. Abt. Allen Mitgliedern zur Kenntnis, daß die Gattin unseres Kreisvorsißenden, Genossin Anna Schwarz, Schillerpromenad? 138, nach langem schweren Leiden am Sonnabend, 22. August, verstorben ist. Ehr« ihrem Andenken! Einäscherung am Donnerstag, 27. August, 1tag. dem 18. September. 194; Uhr, Im Metallorbeiter-Verbandshaus, Gl» täster wtraße S«. Ein abgeschlossener Kursus kostet 4 MI. Illr Jugendlich? 3 Mk. Arbeitslose zahlen pro Atend 0,10 Mk. Lehrbuch 0,50 Mk. AilS.unfk erteilt auch: A Eproeck, NS8, Ehortner Straße 45. Lvogkellov English Debatlng Club. Mittwoch. 20 Uhr, Zahnärztehiu; ßülowstr!04, Quttmannsaal: Mr. Gösta Richter;„Aboutthc Enjlish Playhousc. Allgemeine Weiterlage. 24;Aug.4934,abds. � Owolleenlos.O heiter, O halb bedeckt » wolkig,•baleckr.Regen�Graupelo ie;=Nebcl,siGewlfteq@Win(lstille Bei geringen Luftdruckunterschieden herrschte am Montag in Deutschland ruhiges Wetter. Namentlich in der nordöstlichen Reichs- Hälfte war es dabei auch vielfach heiter. Die Temperaturen stiegen aber nur vereinzelt auf 20 Grad; im Westen wurden stellenweise nur 15 Grad erreicht. Die westliche Depression hat sich noch weiter vertieft und ruft besonders über dem westlichen Kanal heftige Ost- stürme hervor. Mildere maritime Luftmasjen haben sie aus ihrer Südseite umflosien und begannen am Montagabend in Südwest- deutschland einzudringen. Vor ihrer Front befindet sich ein zu- sammenhängendes Regenband, das weiter nach Nordosten vordringen dürfte. Damit ist auch in unserem Bezirk wieder mit schlechterem Wetter zu rechnen. Die ozeanische Lust stammt zwar aus höheren Breiten, ist aber durch den weiten Weg über wärmeres Wasser so vorgewärmt, daß sie uns eine Temperaturerhöhung bringen wird. * Welleraussichten für Berlin: Meist stark bemölkt mit Regen- fällen und steigenden Temperaturen.— Für Deutschland: Im Nord- asten noch vorwiegend trocken, im übrigen Reiche vorwiegend stärkere Bewölkung, strichweise Regen; namentlich in der südlichen 5iSlste des Reiches Erwärmung. copppw FREIER KAFFEE rwpm-Knkefif ünuämiMiN �Je edler die 9ohne-defto beffer das Gefränk mJeJe KAFFEE HAG-Mne Qualität.... da.c GPO.STE PAKFT mu? noch m 7. 62. MS KLEINE 8 7 PEG. „"2--■»TS___ Aus der Partei. Dr. 5ranz Soukup ist 6V Jahre alt geworden. Die tschechische Soziaideowkratic hat ihrem Führer aus diesem Anlag große Ehrun- gen bereitet. Präsident Masargk hat sehr herzlich geschrieben, denn Soukup gehört zu den Vorkämpfern der Wiedererrichtung des tschechischen Staates. Schon als junger Student war er in der revo- lutionären Organisation„Omladina"— als führender Politiker hat er im Kriege dem Nationalausschuß angehört und wurde deshalb verhaftet. Rechtsanwalt von Beruf, war er stets ein unermüdlicher Agitator und Schriftsteller der Sozialdemokratischen Partei. Seit der Einführung des gleichen Wahlrechts l9l)7 war er Abgeordneter in Wien, jetzt ist Soükup Präsident des Senats der tschechoslowati- schen Republik. Seine großen literarischen Interessen haben ihn u. a. auch veranlaßt, das klassische Werk des größten polnischen Dich- ters Adain Mitschkjewitsch„Pan Tadeusz" ins Tschechische zu über- setzen. Als Mitglied der Exekutive der Sozialistischen Arbeiter- Internationale steht Soukup auch zu allen Brudcrpartcien in freund- schastlicher Beziehung: für unseren Parteivorstand hat Otto Wels ein herzliches Glückwunschtelegramm gesandt, das in der Fest- immmer des Zentrcklorgans„Pravo Eftm* flZolksrechk) ndben einem Schreiben von Karl Kautsky und den Artikeln tschechischer Genossen abgedruckt ist. �l«SozialistischeArbejteri'ugendGroß-Verljn Hj Einsendungen für diese Rubrik nur an das Iugendsekretariat Berlin SW SS, Lindenstraßc 3 heule, Dienstag. 19.30 Uhr: Hewcrkschaftshaus: Aöpcnicker Sir. 92: ig-Minuten-Referate.— Oranienburger Tor: Ticckstr. IS: Heimabend.— Rofcnthaler Vorstadt: Elisabcibkirch- strahe 1»: Tagespolitik".— Zentrum: Landsberger Str. AI: Vrridst aus lrrank, furt.— Brunncnplag: Pankstr. Ä>— 22: Kur�refcrale.— Ecsunbbrunncn I: Eotcnburgcr Str. 2:„Die Börse, gtantrcich, Hoooer.Plan".— Humboldthain: Putbusscr Str. 3:„Sexuelle Fragen".— Lcopoldplag: Secstr. 8ö: Bericht vom Jugcndtag.— Schilicrpark: Schöuingstr. 17:„Tagespolitik".— Wedding: Will- dcnowstr. Z: Mitgliederurrfaminlung.— Wedding, R. F.: Willdenowstr. ö: \.Sozialistische Bildungsarbeit in der Arbcilerjugendgruppc".— Wedding-Rord: See. Ecke Turiner Straße:„Erziehung zur Gemeinschaft".— Arnimplag: Sor.ncnburgcr Str. 20:„Was wir in Frankfurt erlebten".— Balkan: Mandel- ftraßc 2:„Etwas über den Weltkrieg".— Hnmannplaß: Gleim str. 35:„Ee- keHiMe vom kkugenbiaz".— Rordosten 1: Sangsg« Str. kB. Bepichl vom Aranck. furt.— Wörthcr Plag: Nastauienallee 82: Bericht van Frankfurt.— Zischen. berger Viertel: Rcichcnberger Etr.««:„Einheitsfront".— Süd«»: Parckstr. 11: Bericht ran Frankfurt.— Südwesten: Lindcnstr. 4: Heinurbend.— jköpenicker Viertel: Wrangclstr. 12«:„Tagespolitik".— Lindenhaf: Heim der Siedlung: Kurzreferate.— Friedenau: Offenbachrr Str. öa: Radio-Abcnd.— Schänebera I: Hauptstr. 1.1:„Freikörperkultur".— Dchöncbcrg IV: Hauptftr. lö:„Die Koufmn- genoffenfchaft".— Schöncbera V: Haupt str. II:„Erlebnisse vom Iugcndlag".— Eharlottcnburg-Rord: Uaiscrin-Augusta. Allee!>7a:„Scnvjctdeutschland".— Ehar- lottcnburg-SLd: Mallsrr. 75:„Die Frau iu der Politik".— Sicmcn-ftadl: Volksschule Schulstraßc:„Comietrußland".— Westend: Sportploß: Bericht vom Fugendtag.— Lanlwih: Gemrindesichule Schul str. 10 21:„Erziehung zum Sozia- lismus".— Lichterfelde: Albrcchtstr. 14a; Die Frankfurtfahrer erzählen.— Steg- lin l: Albrcchtstr. 47: Die Frankfurtfabrcr erzähle».— Brih: Chanfsecstr. 43: „Wirtsäiafiedcmvkratic".— Neukölln I: Sonder. Ecke Hobrechtstraße:„Verfassung und Arbeiterschaft".— Neukölln II: Steinmeßstr. S4:„Sächsischer Humor".— Neukölln V: Kaiser-Friedrich-Str. 4:„Der Reichsjugendtag".— Neukölln VI: Treptower Str. 9.1: lv-Minuten-Referatc.— Neukölln VII: zstlkS.:„Geschichte der Arbeiterjugendbewegung".— Neukölln IX: Schicrleftr. 44:„Berfafsungsfrage»". — Neukölln XI: Flughafcnstr. 68:„Kameradschaftsehe".— Köpenick I: Grünauer Straße 5:„Die Lübecker Blicht".— Karlshorst: Treskowallee 44: Bericht von Frankfurt.— Rcinickendorf-Ost: Lindauer Straße: ,/Bacco und Banzetti".— Tegel: Bahnhoiftr. 1.1:„Was ist Nationalsozialismus?"— Wittenau: Hauptstraße 13: Uedcn.— Niedcrschönhausen: Lindenstr. 47:„Unser Jugcndtag".— Pankow I und U: Eörschstr. 14:„Warum Freikörperkultur?"— SSG. Schöneberg: Hauptstr. lö, 1714 Uhr:„Sozialpolitik".- SSG. Wilmersdorf: Wilhelms- aue 123, 17 Uhr:„Unsere Arbeit in der Schulgemcinde". T�satsi', Lichtspiele usw. Staats Theater Steslsopsr Dnter den Lindes. Anfang 20 Uhr Der fliegende Holländer. Staatl-Sdiaaspielb. 1 Schiller-Theater Gendarmenmarkt.| Chariottenbarg. Wiederbeginn der Vorslellangen am Sonrabentf, d. 29. Auoust »/.uhr CASINO-THEATERs'/.uh. Lothringer Strafe 37, siNttmiMiitiiiiimiiiniiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiiiiiinmiMniinii Der Eröffnungs-Schlager Das Parfüm meiner Frau dazu ein erstklassiger bunter Teil. Für die Leser: Golsdietn 1-4 Per». Rang Mitte 1 M.. Faulen il u. Salle. 1,ZZ M.. Sessel l,Z0 M. Sonstige Preise: Parlee« 75 PL. Rang 60 Pt. «WM MMMyl Resfaumnt Berlins �aM/ruck �p»H0IZ X Strünenbalni bis;, 86,119 Xjy VortnUoh« SdiOnh.-teiriitkenilf Dienstag, 28. Ang. Staat, oper Charlotten bürg Bismarckstraße 34. Turnus I Anfang 20 Uhr Don Pasquale SCÄR Barbarossa 9256 Tftgl. 5 U.81/2U. vis Presse schreibt: ...Glanznunmem in der .Scila"(Voss. Ztg.) ... Eines der besten Programme des Jahres! (Berliner T agehl.) PLAZA Täglich 5 und 815 Sonnt. 2, 5 u. 815 „ Um 9 Uhr mufilditndie Kaserne!" mit Fritz Servo. MONNA. TYMGA DRESSLER&ERA •.dugrolePnitr». Komische oper Frledrichstr. 104 8>,'j Uhr Frauen haben das gern... Musikal. Schwank von Arnold Musik r. Walt. Kollo Sommenir.0„10-7.00 metropoi-Ttieater Täglich 8 Uhr Die Toni aus Wien Michael Bohnen� Thealer im Admiralsoalasl Täglich 8'/. Uhr Rotter-Gastspiel Die Dubarry mit Gitta Aipar Preise: 0,50 bis 12,50 Biumenspeniien jeder Art liefert preiswert Paul Golletz rormals Robert Meyer Marlannenstr. 3 F8, Oborbaum 1303 Wocfaenia�s 81B Sonntags 530 n. 9 Uhr mädchen zum Heiraten Lustsp. mit Annemarie Enderle, Traute Rose, Carl de Vogt u. a. Preise: O.SO-a.OO KOKK- IJAKTKX Wochentags 5.30 Uhr Konzert, Riesen-Van'ete- Programm und Operette 8.1$„Panne um minernacht" Ab 26 August: Neues Programm und «.Das Glficksmfidel" Preise- 0.60-2.00 ROSE-THEATER Grolle Fraiikturter Htraltc 1 Vorverkauf Täglich 11—1 und 3—9 U. E 7, 3422. BABYLON am BillowplatK 3. Woche! | Der größte Lustspielerfolpl iFfiBressarl „Schrecken der) Garnison" lAuf der Bühne; Ell! Glässneri mit neuem Repertoir. TUsrllch 5,?. Ol» [Zeitgemäße hllll e Eintriitspr| Theater desWestens Tägl. 5 u. 8»/. 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Hofe8nger-8extettf I ■ Bourlakoff- Truppe, Syd-Fox, B B LasTurias,Conche-Franskyusw. 8 Der boxende Bär im LUNAi die neueste Sensation! 9'° FEU ERWE R K Reichshallen-Theater „Alles verrückt!" Am 1. Sept.: B p i 1 1 o n SO Jahna Stettin er Sänger. fl Dienstag, 25. August nachmittags 6 Uhr Sewinnauszug 5, Klasse 37. Preußisch-Süddeuljchc Staats-Lotterie. Ohne Gewähr Nachbruck verboten Aus jede gezogen« Nummer sind zwei gleich hohe Gewinn« gesallen, und zwar je einer aus die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 13. Ziehungslag 21. August 1931 «In der heutigen Bormiltagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2»«Wim,- ZU 25000 M. 163628 2»-Winne zu 1 0000 M. 333836 14»«Winne ,u 5000 M. 9580 74359 134616 179675 301171 386167 399961 1 4»-Winne n, 3000 M. 151306 194812 235925 268690 321204 326262 363320 53»«Winne«u 2000 M. 5772 15634 74041 74799 90779 93195 100812 121670 146378 155030 I80I29 197397 201431 213087214883 219601 228482 243514 247746 252418 258278 325594 339079 350392 357663 369660 370042 374883 396533 1 1 6«-Winne.n 1 000 M. 10371 15330 20695 22005 22240 23902 29807 39214 39463 41 135 49490 55033 67749 78433 79331. 80330 866449685399583 104575 108151 123950 124100 134997 149741 167819 159575 163100 170632 188076 189060 194105 197917 202S08 233783 234556 245132 245223 255315 257048 264914 273923 274379 278832 295955 315943 321116 321553 334075 345649 352892 353661 359678 361504 363270 370989 376966 377869 158»-Winne zu 500 M. 8992 14578 15667 18039 23203 29187 31211 38156 29002 40747 41301 42188 46247 49212 50536 55329 77533 111444 113172 114270 127726 126335 120591 136409 126313155902 157543 158323 161125 165358 166061 171244 173521 173931 179383 131521 188023 189257 191338 2005 1 1 201372 209051 212093 215030 220473 222115 2239Z4 224117 227294 239979 244980 257529 263004 294845 301422 307513 303329 312111 315023 315663 326144 332061 335513 337104 338443 342963 345495 355676 360317 362487 363126 364082 387803 369502 373415 279170 293791 294076 397235 In der heutigen Nachmiliagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2»-Winne zu 75000 M. 168299 2 Gewinne zu 1 0000 M. 358382 10»-Winne zu 5000 M. 227254 302235 309825 353327 372796 14»-Winne zu 3000-M. 47033 122262 156131 272673 280870 363496 372207 34»«Winne zu 2000 M. 80327 105167 108166 120171 133799 171426 183920 207502 238212 255204 256272 265055 270313 330646 337903 348075 390754 88»-Winne zu 1000 M. 782 16042 19021 21720 23413 32640 48906 62364 57436 66899 72865 80848 81472 90432 91553 115143 124615 133083 133115 139530 147166 152284 155086 164214 165352 167649 185688 200345 230344 252185 259759 268316 277659 278505 237291 297584 336234 357647 359926 360383 363513 369850 379157 394745 166»«Winne ,n 500 M. 954 2245 6023 9028 10875 12759 17264 18611 18649 29802 34237 36436 36442 41660 46093 46477 47744 50714 54580 55852 56193 62030 63047 64533 69862 74404 74639 79535 33241 83606 83955 90943 92181 102415 105406 103364 114524 114310 117396 113553 123070 127500 131 495 134992 14U702 142442 156884 171584 171824 175393 183738 189118 193188 200063201148 205068 220092 228782 242324 243422 256067 256117 272206 273623 275424 275759 275938 277083 280406 289179 290243 292868 330012 333228 333491 336680 341592 347037 371371 378425 381 739 383697 393848 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000, 2 Gemimte zu je öOOOOO, 2 zu je 300000, 2 zu je 200000, 4 zu je 75000, 6 zu je 50000, 18 zu je 25000, 100 zu je 10000, 260 zu je 5000, 544 zu je 3000, 1592 zu je 2000. 3184 zu je 1000, 5188 zu je 50Q, 15352 zu p 400 Marl. DeiitsdierllletalliMül-VeU Donnerstag, den 2Z. August, abend» o Uhr. im parlerresaal des verbondshaufes, Linlenstr. 63 8» Eingang B, Cinienstr. 86 88 Brandien-VersainnilDnä der Bau- n. CeldsdiranHsciilosser Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum Ablauf des Lohn tarifs. 2. Branchcnangclcgcnheitcn. 8. Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Fuirilt. Kollegen! Iu Anbetracht dessen, daß die zur Verhandlung stehenden Fragen eine große Bedeutung für»»im Kollegen haben, ist es notwendig und Pflicht jedes Kollegen, zu erscheinen Donnerskag, de» 27. August. abend» 7 Uhr, im Gewerksehasks Haus. Engelufer 2«/2S.«Sroster Saal Brandien-Versammlong der«ohrleger und Belker Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Berdands- und Branchrnangclcgen- Helten. Z. Berichiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreicher Besuch wird erwariet. Donnerstag, den 27. August, abends 7 Uhr, im Sitzungssaal des verbaadshanses. cinienstr. 83 S» II «onterenr der«eiBUdien Vertrauens- Personen nnd Betriebsräte Tagesordnung: 1. Bortrag des Genossen Dr. Rolf Käß über„Finanz- und Wirtschaftsfrage» der Gegenwart". 2. Perbandsangeleg-nheit-n und Ber- schieden es. Die Kolleginnen und Kollegen werden ersucht, für die Konferenz ledhafle Propa- ganda zu entfallen. Kolleginnc» können als Gäste an der Konferenz teilnehme». Vonnerstag, den 27. August, abd». 7 Uhr, im Uofenthaler Hof, Uofenthaler Skratze 1112 Allgemeine Hiempner-Versamnilung Tagesordnung; 1. Bortrag des Kollegen Zippel über „Sozialversicherung' und Unfall- Versicherung". 2. Verbands- und Branchenangelegen- Heitel» Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Xurr vor Voilenäung zelnes 51. Lebensjahres verstarb plötzlich mein treusorgender Mann und liebevoller Vater Albert Flatau mitten aus seinem Schaffen herausgerissen, an einem Herzschlag. Berlin-Pankow, Lindenpromenade 54. Die tiefbetroffenen Hinterbliebenen Mathilde Flatau geh»eckt. Altred Flatau und Frau. L-]uergens ÄlMonderplatz Neue Königslr, s in der Gesemtauflage de».Vorwirts* sind besonders wirksam und trotzdem sehr billig) Nach langem, schwerem Leiden ber- starb am 22 August meine liebe Frau, meine gute, treue Kameradin, unsere herzensgute Mutter, Frau Anns Schwarz g-b. Düster. Berlin-Reinickendorf, Aroser-Alle- 138. In tiefer Trauer Karl Schwarz Fritz Schwarz Herta Schwarz Die Einäscherung findet am Don- nerstag, dem 27. August, nachmittags 4>i Uhr im Krematorium Gericht- straße statt. Wei Metallarlieiter-yeM Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeige Den Mitgliedern zur Rad)rid)t, daß unfer Kollege Auxust Buer am 21. August gestorben ist. Die Beerdigung sindet am Donner«. tag, dem 27. August, mittags>2 llhr, von der Leichenhalle des Zentral- Kirchhofes in Lichtenberg, Gudrun- ftraßc aus statt. Ehre seinem Andcnlen! Rege Beteiligung wird erwartet. Die Ortsrervoltnuz. KLEINE ANZEIGEN iiiiiiiiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiitiiiiiiiniiiiiiitiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiii Preise: Überschriftswort 25 Pf., Textwort 12 Pf. Wiederholungsrabait: 10 mal 5 Proz., 20 mal oder 1000 Worte Abschluß 10 Fror., 2000 Wort© 15 Proz., 4000 Worte 20 Proz. y Stellengesuch©; Gberschrifts- wort 15 Pf., Textwort 10 Pf./ Anzeigen, welche für die nächste Nummer bestimmt sind, müssen bis 4V2 Uhr nachm. im Verlag, Lindenstr. 3, oder auch inaämtHchen Vorwärts-Filialen und-Ausgabestellen abgegeben sein | veritöuie| Linoleum zillat, Kolonie ftraßc S. «isiliiiniiuliieia. uisseiis usw. Wenig getragene Kavalicrgarderobe von Millionären. Aerzten. Anwälten. Fabelhaft billige Preise. Empfehle Taillcnmäntel.Palc. lots, Fracks. Smw kings, Gehrockair züae. Losen. Sport- Gehpelze. Gelegen- bcitskaufe in neuer Garderobe. Weite fter Weg lohnend. Lothrinaerstraße ö6, l Treppe, Zipfen tbaler Platz.< Vonnerstag. den 27. August, abend» 7 Ahr, im Vokal von woltsehlllger, Adalbertsiratze 21 Brandien- Versammlnng der Drabiarneiler Tagesordnung: Stellungnahme zu dem vom Arbeitgeber- Verband gekündigten Abkommen. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Die OrtsearvaUung. möDBi i Der gute KapHdn- 1 KanfahAk ist Inden meisten Zi- ■ UauluUaUgarrengesch. erhältl. C. Köcker. Berlin �laienüerBe�lraneWJsB� Paten tmalratzen „Primisstma". Sic. tallbetten. Ausleae- mairatzen. Ehaise- lonaucs Walter Stargardcrstraße achtzehn. KeinLaden Anklcibcschräntc, >80, mit Innen. spicgel 110,—. Ric. senauswahl. Linden. berg, Ppjnzeustr. öz Wo? kaufen Sie polierte Schlaszimmcr, Birke, Slahagoni, Ahorn, Birnbaum, Nußbaum, schon von «so.— Mark an? Nur im größten Möbelhaus desSüd» ostens, Moritz Hir- fchowitz. 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Beobachtung gen. Ermittelungen. ««»MZosSf r.TUrriri4l Kulturabbau in Preußen. bedenkliche Pläne im ZinanMiuifierium. Die Sparpsychose, die augenblicklich alle Welt beherrscht, wirkt sich in manchen Amtsstuben zu grotesken Vorschlägen aus. Es ist bekannt, daß unter den Opfern, die sür die Einsparungspläne am meisten bluten müssen» sich das gesamte Schulwesen befindet. Mit drakonischer Strenge werden in den Gemeinden notwendige Schulbauten gedrosselt, die Unterrrichtsmittel verknappt, die Klassenfrequenz erhöht und dadurch die Unterrichtsqualität verschlechtert. Aber damit ist es noch nicht genug. Im preußischen Finanzministerium geht man jetzt ernsthaft mit dem Plane um, die gesamte Volksschul- Lehrerschaft in die Gc- Haltsordnung niedriger einzustufen als es bisher der Fall war. Man will an den Lehrergehältern nicht nur diejenigen Kürzungen vornehmen, die auch andere Be- amtenschichten treffen, sondern man will sie von der bisherigen Stelle der„mittleren gehobenen Beamten", in der sie sich seit Konrad chaenischs Zeiten befanden, herunterstufen. Das würde nicht nur eine geldliche Verschlechterung bedeuten, sondern auch eine des Ansehens und der Geltung. Es ist klar, daß ein solcher Plan den schärfsten Wider- spruch bei allen Lehrern, bis ins letzte ostpreußische Dorf, her- vorrufen muß. Aber nicht nur bei den Lehrern, sondern auch bei allen, die in einer gut geleiteten Volksschule mit freudig arbeitenden Lehrkräften eine wesentliche Grundlage unseres gesamten Bildungswesens sahen, werden von diesen Plänen im Bereiche Höpker-Aschosfs mit Befremden lesen, chöpker- Aschoff empfiehlt ja die Anwendung des Ausnahmerechts bei noch viel größeren Dingen. Aber man darf wohl annehmen, daß er bei diesen gegen die Volksschule— nicht nur gegen ihre Lehrer— gerichteten Plänen doch soviel Wider- stand findet, daß er sie von seinem Wunschzettel streichen muß. Man kann aus Spardoktrinarismus schließlich nicht die letzten Verbesserungen preisgeben, die seit der Revolution eingeführt wurden. Kein Konflikt- aber...? Gegenuber der Meldung des„Berliner Tageblatts", das im Zufaimnenhang»üt den Plänen des preußischen Finanzministeriums von einem„schweren Konflikt" im preußischen Kabinett sprach, wird folgende ossiziöse Mitteilung des— Kultusmini st eriu ms verbreitet: An dieser Meldung ist lediglich richtig, daß im Rahmen der bekannten allgemeinen Sparmaßnahmen in den beteiligten Ressorts Erwägungen über Umfang und Art weiterer Ein- schränkungen auch aus kulturellem Gebiet stattfinden. Dos heißt also, es besteht kein„Konflikt", wenigstens kein „schwerer". Aber b e st e h e n di e P l ä n e o d e r n i cht? Darüber etwas zu hören, wäre sicher interessanter, als das Ausmaß der Schwere von Meinungsverschiedenheiten, die kein„Konflikt" sein dürfen. Oer Geist von Tuntenhausen. Held polemisiert gegen Z�eichöreform. München, 23. August. Am Sonntag fand in Tüntenhausen die olljährliche Tunten- bapsener Bauerntagung statt, bei der Ministerpräsident Dr. ch e l d eine zweistündig« Rede zur politischen Läge hielt. Dr. Held betonte unter Hinweis auf die schwierige Finanzlage, daß Bayern immer noch keine Entsälädigung für die Abtretung der Post und Eisenbahn erholten habe. Wenn Bayern nicht sein« eigene Notenbank gehabt hätte, so hätte man Anfang August die Gehälter nicht mehr auszahlen können. Während da? Reich die Banken sanierte, habe Bayern Ii Tage überhaupt nicht? überwiesen bekommen. Eni- schieden wandte sich der Ministerpräsident gegen die preußischen Pläne für die Reichsrcform. Bayern wehrte sich mit Händen und Füßen gegen die beab- sichtigte Reichsreforn,. Die Herren in Berlin sollten bedenken, daß durch die Verwirklichung dieser Borschläge di« Main-Lini« in voller Breite aufgerissen werde. Die Leute haben keinen Dunst davon, was sie mit solchen Plänen anrichten. Der Kampf werde von Bayern geführt bis zum Aeußersten. Für das deutsche Volk wäre es auch in seiner außenpolitischen Machtstellung ein Verhängnis, den zentralisierten Staat zu schassen. Der Ministerpräsident schloß: Ich habe eine Amtsaufgabe, ich bin an die Spitze des bayerischen Staates gestellt mit dem Auftrage, den bayerischen Staat im Deutschen Reich zu erholten als selbst- ständiges Gebilde. Wenn ich diese Aufgabe nicht mehr erfüllen könnte, wäre es meine Pflicht, zurückzutreten. Solange ich ober an dieser Stelle stehe, werde ich sie erfüllen. Die Unitaristen in Preußen mögen bedenken, daß sie gegen die Reichsversassung eine Reform anstreben und damit die Grundlage des Reiches zerstören. Eine Volksbefragung in Deutschland lehnen wir ab. Wir in Boyern lassen nicht von den Mecklenburgern oder sonst jemand über das Schicksal Bayerns abstimmen. Was würden Braun und Severing sagen, wenn wir in Bayern darüber abstimmen wollten, was aus Preußen werden soll! Der Minister- Präsident schloß mit der Hoffnung, daß wenigstens die süddeutschen Staaten eine Einheitsfront gegen die unitarischen Pläne bilden werden. Denn es komme alles darauf an, einen entsprechenden Gegendruck gegen die Unitaristen aufzubringen. Bayerisches Ltmsormverbvi rechtsgültig. Nationalsozialistische Beschwerde abgewiesen. München, 24. August.(Eigenbericht.) Der vierte Strafsenat des Reichsgerichts hat dos von der bays- rischen Regierung erlassene U n i f o r m v e r b o t als rechtsgültig anerkannt und eine Beschwerde der Nazipartei gegen das Verbot abgewiesen. Die Nazipartei wurde in ihrem Vorgehen durch den deutsch- nationalen Iustizminister Gürtner unterstützt, der seine vom Gesamtkabinett abweichende Stellung in seiner Partei- presse öffentlich bekanntgab._ Pakt Polen— Sowjet-Rußland. In Warschau wird amtlich erklärt: In Verfolg des seit dem Jahre ISA zwischen der polnischen Regierung und der Regierung der Sowjetunion über den Nicht- angriffspakt gepflogenen Meinungsaustausch hat der polnische Ge- sandte in Moskau Patet im Voltskommissariat für Auswärtige Angelegenheiten den Entwurf der polnischen Regierung über den Nichtangrisfspakt überreicht. Dieser Entwurf ist den durch das Inkrafttreten des Kellogg-Paktes im Jahre lS29 geschaffenen Be- dingungen angepaßt. freigelassen wurde der Wiener»otonrker Binder und seine Frau, die von Finnland her irrtümlich die russische Grenze über- Christen hatten uad verhaftet worden Kare»... Rubrik: Mörder. Aazisturm 33 trägt sich in das Buch der Geschichte ein. Oer Blutweg der Radikalen Oie Opfer des Reichsbanners Die maßlose hetze der nationalsozialistischen und kommunistischen Presse hat eine Atmosphäre geschaffen, die sich in einer Unzahl von Ueberfällen, politischen Bluttaten und Morden entlädt. Seit Monaten vergeht kaum ein Tag. an dem der geheime Strahentompf nicht Opfer gefordert hätte, wie stet, fett den Tagen seiner Grün- dnng steh» auch jetzt wieder da» Reichsbanner im Krcnz- feucr der Radikalen von rechts und link». Die folgende Aufstellung zeigt den erschreckenden Umfang, den allein in den letzten Wochen die heimtückischen llebersälle auf Reichsbonnerkamenwen genommen hoben: 3n Lübben wurden am 27. Juli, abends, mehrere Jungbannerkameraden in der Hauptstraße von 25 bis Zfl mit Knüppeln und Dolchen bewoff- neten Nazis überfallen. Drei Jungbonnerkameraden wurden schwer verletzt, ein irichtorganisterker Jugendlicher erhielt einen Messerstich. Da in Lübbe» auswärtige SA.-Leute festgestellt wurden, dürfte der Ueberfoll organisiert worden sein. Am 8. August wurden in Berlin am warkburMlah 4 Reichsbannerkamcroden von 50 Nationalsozialisten angerempelt. Als die Kameraden die Rowdys aufforderten, sie nicht zu belästigen, schlugen einige der Burschen einen der Kameraden mit einem Knüppel �derartig, daß er das Bewußtsein verlor. Der ver- letzte Kamerad wurde in die Charit« gebracht, wo sestoestellt wurde, daß Glassplitter von seiner Brill« in die Augen gedrungen waren und die Hornhaut verletzt hatten. Es ist Zweifel- hast, ob das Augenlicht dem verletzten Kameraden erholten.werden kann. Am 8. August überfielen in Berlin- Reinickendorf in der Residenzftratze 40 Kommunisten acht Kameraden des Reichsbanners. Der Kamerad Bleß erlitt Kopfverletzungen und eine schwere Gehirnerschütterung, so daß er ins Reinickendorfer Krankenhaus gebracht werden muhte. Am 9, August uberfielen in Berlin Nationalsozialisten im Alter von 16 bis 18 Jahren mehrere Reichs- bannerleute, die Flugblätter verteilten. Ein Kamerad erlitt einen schweren Schadeibruch, er wurde in bedenklichem Zustande ins Urban-Krankenhaus gebracht. Am 9. August wurde in Verlin in der Petersburger Straß« ein Kamerad von Kommunisten übersollen und am Hals« durch Messerstiche schwer verletzt. Das Alter der Verbrecher liegt zwischen 16 und 18 Jahren. Auf dem Heimweg von der Berfassungsseier wurden in Finow(Mark) zwei Kameraden von Kommunisten, die bereits im Lokal zu stören versucht, hatten, überfallen. Einem der beiden Kameraden wurde das Nasenbein zertrümmert. Am Sonntag, dem 9. August, vormittags gegen'AU Uhr, kam ein Trupp von acht Nazis in voller Bundeskleidung mit Koppel und Schulterriemen in die Siedlung von Lagow und riß Reichsbonnerplakate von den Lichtmasten ob. Nach Aussage von Augenzeugen verbaten sich dos di« Retchsbannerleute. Bei dem sich entwickelnden Wortwechsel wurde der Kaufmann Feodor Seydel sun. aus Lagow mit einem Gobclbesteck tätlich und verlebe die Reichsbanerleutc Müller und Leutz an den Armen. Der Reichs« bannermann Müller wurde dann im Verlauf« der weiteren Ausein- andersetzunaen hinterrücks von dein Knecht des Landwirts Adolf Pode aus Petersdorf mit einem feststehenden Messer in den Rücken ge- stochen. Das Messer ließ der Mordbube stecken, es saß sieben Zenti- ineter tief zwischen Wirbelsäule und Schulterblatt. Müller, der im Meseritzer Krankenhaus liegt, hat durch den Stich eine Lähmung der Blase, der Därme sowie der Beine davongetragen. Die Lähmungen sind dadurch eingetreten, daß das Rückgrat ver- letzt und ein Nervenstrang durchschnitten wurden. Nachdem bereits am 9. August in Guben Neichsbannerleute und Mitglieder der Arbeiterjugend von Nazis und Jungstahlhelmern überfallen worden waren— u. a. wunden junge Mädchen von ihnen geschlagen— kam es nach der Berfassungsseier zu neuen Zwiscl-ensällen. Heimkehrende Festtcilnehmer wurden vor der„Goldenen Krone" von etwa 30 Personen angepöbelt. An der Neißebrücke wurde die Frau eines Reichsbamrcrkameraden ange- rempelt. Als der Rohling zur Red« gestellt wurde, fiel cm» einer Gruppe von Jungstahlhelmleuten ein Schuß, ohne jemanden zu treffen. Bei dem Versuch, den Schützen festzuhalten, wurde ein Reichsbannerkomerad mit einem harten Gegenstand über die linke Hand geschlagen. In küstrin nimmt der Terror der Nazis bodenktiche Formen an. Am � Derfassungstag wurde der von drei Polizeibeamten begleitete Festzug am Stern von 30 bis 40 mit Knüppeln bewaffneten Nazis angegriffen. Es kam zu einer wüsten Prügelei. Am Mitt- wach darauf wurde ein Jungbannerkamerad an der Oderbrücke an- gefallen, und am Donnerstag trieben sich die Nazis wieder trupp- weife in der Stadt herum. Am Moltkeplatz standen 80 Mann plötzlich zwei Polizeibeamten gegenüber. Die Beamten wurden als „Bluthunde",„Mordbanditen und Rote Hunde" beschimpft und konnten sich die Bedränger nur mit der Pistole in der Hand vom � Leibe halten. In Senstenberg gerieten am Nachmittag des 9. August mehrere SA.-L«uts mit einem Unbekannten in Wortwechsel. Ein Trupp Reichsbannerleut« beob- achtete diesen Vorgang von weitem. Plötzlich erschienen etwa 25 offenbar durch Radfahrer benachrichtigte SA.-Mitglieder und Jung- stahlhelmer im Laufschritt. Sie rissen unterwegs Zaunlatten ab und stürzten sich aus die Reichsbannerleut«, die sich bis dahin vollkommen ruhig verhallen hotten. Die Neichsbannerleute setzten sich natürlich zur Wehr und es gab auf beiden Seiten Verletzte. Am 14. August fand in Pritzwalk im Lokal Salzwedel eine Mitgliederversammlung des Reichsbanners statt. Nach Schluß der Versammlung blieben 18 Kameraden beim Kartenspiel im Lokal zurück. Als vier Jungbannerkameraden vor die Tür traten, bemerkten sie 12— 15 Radfahrer, die ohne Licht fuhren. Als einer der Jungbannerleute ausrief„Seht, die fahren alle ohne Licht", sprang plötzlich einer der Radfahrer vom Rad und packte den Jungbannermann Bloche. Dieser setzte sich zur Wehr, der An- greiser wollte flüchten, wurde aber festgehalten. Die sofort benach- nchtigte Polizei nahm den jungen Mann, der mit gelbem Hemd und Schulterriemen bekleidet war und das Naziabzeichen trug, mit zur Wache. Kurze Zeit darauf sammelten sich vor dem Lokal eine Anzahl Nazis an, die di« im Lokal Anwesenden aus das Gemeinste. beschimpften. Mehrere Male wurden Steine sowie ein Stück eines Hufeisens durch die Fenster in das Lokal geworfen. Gegen 3 Uhr nachts nahm das Treiben der Nazis derartig bedrohliche Formen an, daß Polizei und Landjäger mit dem Gummiknüppel die Straßen räumen mußten. Erst gegen 4 Uhr morgens konnten die in dem Lokal versammelten Reichsbannerleute den Heimweg an- treten. f Gelegentlich eines Stahlhelmtresfens in Lehnia sprangen am 16. August einige Stahlhelmer aus dem Zug heraus und stürzten sich auf zwei vor dem Hotel»Zur Post auf dem Dürgersteio stehende Reichsbannerleute, auf die sie ein» schlugen und denen sie die Abzeichen entrissen. Einer der Schläger wurde vom Landjäger als der Lehrer Adolf Lepach aus Berlin- Dahlem festgestellt. Am Spätnachmittag wurde einem weiteren Reichsbannerkameraden das Abzeichen entrissen. Am 17. August, 23.15 Uhr, überfielen i in Luckenwalde in der Nähe des Parkrestaurants 15 bis 20 Nazis eine Gruppe von Arbeitern. Die Reichsbannerleute Rothbarth und Graf wurden verletzt. Der letztere erhielt einen Stich in die rechte Brust und liegt im Krankenhaus schwer danieder. Diese Verluslliste kennzeichnet die Verwilderung und Vertierung, die im politischen Kampf in Deutschland Platz gegriffen hat. In Berlin selbst kann naturgemäß bei politischen Exzessen durch die. außerordentlich bewegliche Polizei rasch eingeschritten wer-. den. Bös steht es aber in der Provinz, aus dem Lande, in der Kleinstadt aus. Die zahlenmäßig schwache kommunale Polizei und die Land- jägerei ist meist gar nicht in der Lage, wirksam einzuschreiten, viel- fach auch bei der Verflechtung der persönlichen Interessen nicht g«- w i l l t, es zu tun. Man drückt in solchen Fällen beide Augen zu, um Schreibereien, Gerichtsverhandlungen und persönlichem Aerger zu entgehen. Der Einfluß der Ortsgewalligen ist stark und das zu- ständige Ministerium ist weit! Nicht selten aber sympathi- s i e r e n auf dem Lande und in der Kleinstadt die Exekutiv- organe mit den Radikalen, und es ist nur zu oft vor- gekommen, daß sie die Angreifer schonen und gegen die Angegriffenen mit Anzeigen vorgehen. Unter srlchen Umständen muß natürlich in republikanischen Kreisen der Eindruck entstehen, daß sie schutzlos jeder Willtür preis, gegeben find, Verbrecher am Werk! KPO. will die Gewerkschaften zertrümmern. Eine Sitzung des Acntralkomitees der KPD. hat in Konsequenz des faschistisch-putschistischen Kurses des gegenwärtigen Führers Heinz N e u m a n n den Beschluß gefaßt, das beim Volksentscheid eingegangene Bündnis mit den Gelben und den Nazis auch auf den gemeinsamen Kampf gegen die freien Gewerkschaften auszudehnen und die Agitation fiir„M assenaustritt und Beitragssperre" zu betreiben. Die im Interesse des Scharfmachertums handelnden Herrschaften im heutigen ZK. der KPD. lassen nach der Niederlage vom 9. August die letzte Hülle ihrer Arbeiterseindschaft fallen, jjaben sie doch ihren etwa noch in der Partei verbliebenen Mitgliedern unter Zurückpfeifen von der erst künzlich ausgegebenen Parole Losowskis:„Hinein in die Gewerk- schaften!"— die Durchführung folgenden Beschlusses zur Pflicht gemacht: „Der Einfluß der Lohnabbaugewerkschasten, des ADGB. muh zerbrochen werden, um den Hauptschlag gegen die Sozialdemokratie zu führen Wir geben die Parole aus: Im Volksentscheid ging es gegen das Preußenbollwerk der kapita- listischen Ausbeuter— jetzt geht es gegen das Gewerk- s ch a f t s b o l l w e r k der kapitalistischen Ausbeuter. Wir ver- stärken unsere Arbeit innerhalb und außerhalb der Gewerk- schaften, um die gemeingefährlichen Verbrecher an der Spitze des ADGB., die als bezahlte Unternehmeragenten immer neuen Lohn- raub und Mafsenverelendung organisieren, einflußlos zu machen. Die Lohnabbau-Gewerkschaften stchen vor einer schweren Krise lMitgliederflucht, 509 099 Anhänger haben den ADGB. im letzten Jahr verlassen, die Beiträge gehen nicht mehr ein, die Unter- stützunoszahlungen an Verbandsmitglieder werden um 39 Proz. und mehr abgebaut, Arbeiterbant und gewerkschaftliche Wirtschafts- betriebe stehen vor dem völligen Bankrott). Die Bestrebungen breiter Mitgliedermassen und ganzer Belegschaften zur massenhaften Beitraqssperre müssen tatkräftig unterstützt und zum Ueber» tritt in die ÄGO. gesteigert werden. Dieser neueste Dolch st oß gegen die organisierte Arbeiterschaft kommt einem Verzweislungsstreich größen-- wahnsinniger Aberteurer gleich. Den Neumann, Remmele und Kon- sorten steht das Wasser bis zur Kehle. In ihrer geistigen Ver- wirnmg versuchen sie, die Reste ihrer Organisation aufzuputschen und dem Faschismus in die Anne zu treiben. Ohnmächtige Wut und satanischer Haß gegen die Arbeiterbewegung spricht aus diesem Beschluß, de» ein Dokument kaum zu über- bietenden Klassenverrats darstellt. Die Gewerkschaften, die Genossenschaften und die Arbeiterbank haben es nicht nötig, auf die lächerlichen Lügen der KPD. zu antworten. So dumm wie sie, wagen nicht einmal die Naziblätter zu lügen. Was den Arbeiterunternehmungen und den sozialistischen Organisationen von diesen traurigen Burschen angedichtet wird, das besteht in der Tat bei der KPD. Ihre Unternehmungen sind im Bankrott. Selbstverständlich werden die Parolen auf Bei- tragssperre und zum Austritt aus den Gewerkschaften ebenso kläglich scheitern, wie der bisherige Versuch der KPD., ihre NGO. auszurichten. Die oppositionellen Kommunisten sind über' den wahnwitzigen Beschluß der kommunistischen Zentralleitung ganz entsetzt. So schreibt die Tageszeitung der Brandlergruppe u. a.:„Was hier die KPD.-Führung ihren Mitgliedern anweist, ist ein Verbrechen an der ganzen Arbeiterklasse. Ueberhaupt, aber ganz besonders in der jetzigen Situation— in der das Großkapital und der Faschismus die letzten Kräfte ansetzt, mn die Tarife und damit die Gewerkschaften zu zerschlagen—, zur„Beitragssperre" und„Zer- brechung der Gewerkschaften" aufzufordern, das heißt die G e- schäfte der schlimm st en Scharfmacher und Klassen- feinde zu besorgen, heißt dem Proletariat den D o l ch st o ß zu versetzen." Wie lange noch? Was die KpO. den Arbeitern immer noch zu bieten wagt. Der Ausgang des Konflikts der Gemeindearbeiter hat bei Freund und Feind berechtigtes Aufsehen erregt. So sehr die Arbeiterschaft es bitter empfindet, daß man bei den notwendigen Einsparungen immer wieder zuerst an sie herantritt, so herrscht doch im allgemeinen Befriedigung darüber, daß es gelungen ist, den Angriff auf die Existenzgrundlage der Gemeindearbeiter zum wesentlichen Teil zurückzuweisen. Die reaktionäre Presse gibt der Enttäuschung des Unternehmertums unumwunden Ausdruck. So schreibt das Leib- blatt des Vorsitzenden der Vereinigung der deutschen Arbeitgeber- verbände, die„Berliner Börsenzeitung", in ihrer Sonntagsausgabe: „Das Kompromiß bedeutet zweifellos einen beträchtlichen Erfolg der Gewerkschaften, dem ein ebenso erhebliches Zurückweichen Ser Regierung gegenüber- steht. Mag man in Rczicrungskreisen auch formaljuristische Argu- niente konstruieren, wonach den Bestimmungen der Notverordnung vom ö. Juni in dem obigen Kompromiß Genüge geschehe: prai- tisch handelt es sich doch um eine Durchbrechung der Notver- ordnung." Aehnlich äußert sich das Schwesterblatt der„Börsenzeitung", die „Deutsche Allgemeine Zeitung". Wir registrieren die Aeußerungen, weil sie ziemlich unverhllllt die Enttäuschung und den Unmut der Scharfmacher im Untcrnchmerlager widerspiegeln. Noch viel unzufriedener als die Scharfmacher sind ihre Helfers- Helfer in der sogenannten Kommunistischen Partei. Es ist bezeich- nend für die Haltung dieses von verbrecherischen Abenteurern ge- leithammelten Konglomerat- von Unzufriedenen und Unreifen, daß die kommunistische Presse während der Verhandlungen, die für die deutsche Arbeiterklasse von größter Tragweite waren, nichts anderes zu sagen wußte, als die Gemeindcarbeiter gegen ihre Vertrauens- leute in der gemeinsten und niederträchtigsten Weise zu verhetzen. Wie immer wurde eine verbrecherische Hetze gegen einzelne Personen geführt. Wir erinnern nur daran, daß das kommunistische Berliner Arbeiterblatt u. a. die Behauptung aufstellte, Genosse O r t m a n n sei gleichzeitig Mitglied der Verhandlungskommission des Reichs- aibcitgebervcrbandes und des Gesamtverbandcs. Tatsächlich gehörte Genosse Ortmann weder der einen noch der anderen Kommission an. Es ist schon zuviel Arbeiterblut geflossen, zu oft haben die Mördcrbondcn der KPD. von den Waffen, die ihnen in die Hand gedrückt werden, Gebrauch gemocht, als daß man diese bewußt verlogene Hetze noch leicht nehmen darf. Wir gestehen hier ein, daß wir während der ganzen Verhandlungen es ver- mieden haben, die Namen der verdienstvollen und energischen Vertreter der Gemeindearbeiter zu nennen, weil wir sie nicht der Gefahr aussetzen wollten, von einem fanatisierlen Rotsrontler ge- meuchelt zu werden. Wir gehen gewißt nicht so weit, zu verlangen. den Personenkult innerhalb der Arbeiterbewegung so weit zu treiben, wie es in Sowjctrußland üblich ist. wer dort wagen würde, ähnlich gegen Stalin oder sonst einem „Bonzen" der Sowjetdiktatur zu reden oder zu schreiben, wie es die Kommunisten gegen die gewählten Vertrauensmänner der Gewerkschaften und der Sozialdemokratischen Partei in Deutschland tun, der könnte sich daraus gefaßt machen, kurzerhand erschossen zu werden. Der Majcstätsbeleidigungsparagraph der Vorkriegszeit war das reine Kinderspiel gegen die in Sowjetrußland heute geübte Praxis. Ist es aber nicht beschämend, daß man es heute in Deutschland wagen darf, die Vertrauensleute der Partei und der Gewerkschaften, die seit Jahrzehnten im ncrvenzerreibendcn Kampfe für die Rechte der Arbeiterschaft stchen, als Verräter, Verbrecher usw. zu be- schimpfen! Die organisierte Arbeiterschaft muß sich darüber klar sein, daß sie mit diesen Gemeinheiten selb st getroffen wird. Was wissen die Führer und die Genasfllhrten der KPD. den Gemeindearbeitern nun zu raten? In der Sonntagsausgabe des Blattes, das als Ersatz der„Roten Fahne" deren Lesern zugestellt wird, steht als Ueberschrist:„Wer verhandelt— verrät!" Vielleicht hat der Artikelschreiber an die RGO. der Berliner kommunistische» Blätter gedacht, als er dieses schrieb. Bekanntlich hat die RGO. mit der Geschäftsleitung verhandelt mit dem„Erfolg", daß der Dohu der kommunistischen Zeitungsausträger um ZZ Proz. herabgesetzt worden ist. Zum Dank ist jetzt der Vorsitzende der RGO. f r i st l o s entlassen worden. Vielleicht hat er auch an die kommunistischen Betriebsräte der Buchdrucker in den kommunistischen Zeitungsdruckereien gedacht, die als„Hilfe für die Erwerbslosen" eine Gratisarbeit von sechs Stunden wöchentlich vereinbart haben. Auf derselben Seite des kommunistischen Blattes wird ein „Kampfappcll der revolutionären Gewerkschastsopposition" ver- öfsentlicht, der mit folgenden Worten schließt:„Heraus aus den Betrieben! Es lebe der Streik der Gemeindcarbeiter!" Auch die „Welt am Abend" in ihrer Montagausgabe weist auf der ersten Seite auf diesen Aufruf hin und verweist dann die Leser auf die dritte Seite, wo zu der Angelegenheit eingehend Stellung ge- nommen werde. Zum Schluß heißt es in diesem Artikel(auf der dritten Seite):„Die Gemeindearbeiter werden zum 31. Oktober rüsten müssen, sonst wiederholt sich das Spiel vom 22. August noch einmal." Der Gemeindearbeiter, der bisher auf das Geschrei der Komm»- nisten noch gehört hat, mag nun sehen, wie er sich aus der Affäre zieht. Soll er nun streiten oder soll er mit dem Streik bis zum Zt. Oktober warten? Wir übergehen die sonstigen Schwindelnachrichten, die von der kommunistischen Presse in die Welt gesetzt wurden. Zum Beispiel wurde da von einer Versammlung der Arbeiter der Städtischen Gas- werke erzählt, die während der Arbeitszeit stattgefunden hätte und entsprechende„Kampfbeschlüsse" gesaßt habe. Tatsächlich hat eine derartige Versammlung nie stattgefunden. Es ist höchste Zeit, daß die Arbeiterschaft gegen diese auf Lüge, Verleumdung und persönliche Verhetzung aufgebaute Ver- brecherpolitik Front macht. Der Kampf, den wir zu führen haben, ist zu schwer und zu ernst, als daß wir es noch weiter dulden dürfen, die Arbeiterschaft durch ein Freibeutertum niedrigster Art verhetzen und irreleiten zu lassen. Ein Gaboiage-Äerfuch. Druch der Vereinbarung im Gemeindekonflikt. Die Vereinbarung über die Lohnregelung für die Gemeinde- arbciter cnthätt eine Bestimimmg, nach der bei Arbeitszeit- Verkürzungen entstehende Härten auszugleichen seien, d. h., daß in derartigen Fällen die Lohnminderung nicht in vollem Umfange eintreten soll. Bei den Verhandlungen über die Neuregelung der Gemeinde- arbeiterlöhne für den Bezirk Thüringen, die gestern statt- fanden, wurde den Unterhändlern des Gesamtverbandes erklärt, der Bezirksarbeitgeberverband habe von seiner Zewtrale in Berlin die Anweisung erhalten, die Anwendung dieser Bestimmung zurückzuweisen. Vielmehr solle gefordert werden, in den Orten, in denen die Arbeitszeit verkürzt worden ist, zur 48 stündigen Arbeitszeit zurückzukehren. Es hat somit den Anschein, daß eine derartige Anweisung an alle Bezirksarbeitgeberverbände ergangen ist. Es braucht nicht erst betont zu werden, daß ein Versuch, die Vereinbarung zu sabotieren, ein Spiel mit dem Feuer ist. Weder die Gemeindcarbeiter noch der Gesainiverband sind gewillt, über die von ihnen zu- gestandenen Opfer hinauszugehen. Ein Bruch der Vereinbarung durch den Reichsarbeitgeberverband oder einen seiner Bezirks- verbände würde die ernste st en Konsequenzen haben. Zunächst wird es Sache des Reichsarbeitsmini- steri.ums sein, den Reichsarbeitgeberverband zur Ordnung zu rufen. Auch das Reichsarbeitsministerium kann einen derartigen Affront nicht hinnehmen. Gehaltsiarif im �uhrbergbau verlängert. Nachdem bereits im Juli unter dem Vorsitz des Schlichter- für Westfalen, Professor Dr. B r a h n, zwischen dem Zechenve�iand und den Angestelltenorganisationen eine Vereinbarung ce- troffen wurde, in Anbetracht der ungeklärten wirtschaftlichen Der- Hältnisse die Gehalts- und. Rahmentarif vertrüge für die kauf» m? Müschen und technischen Angestellten des Ruhrbergbaue« stir einen Monat zu verlängern, teill der Aechenoerband nun den Gewerkschaften mit, daß er bereit sei, die bestehenden GeHalls, und Rohmentarifoerträge um«inen weiteren Monat, bis zum 31. August, unverändert bestehen zu lassen. In dem Schreiben wird weiter bemerkt, daß diese» unter Beibehaltung des grundsätzlichen Standpunkte- geschehe, daß für die Zechen unbe- dingt ein« erhebliche Erleichterung in den Selbstkosten dringend er- forderlich sei. Mchtbackverbot und DReichswirtschastsrai. Was die Gewerkschaft dazu sagt. Zu dem in der Sonnabendau-gabe erschienenen offiziellen Be- richt über ein Gutachten des Reichswirtschaftsrates zum Nachtback- verbot wird uns vom Verband der Nahrungsmittel- und Getränke- arbeite? geschrieben: Es entspricht nicht den Tatsachen, daß der Ausschuß ein- stimmig der Anschauung war, daß«ine Aushebung des Nachtback- verbot- nur dann in Frage kommen könne, wenn dadurch eine wesentliche Verbilligung des Brotpreises herbeigeführt wird. Der Ausschutz des RWR. hat im Gegenteil den Antrag des Zentral- Verbandes Deutscher Konsumvereine, der ihm vom Reichsarbeits- Ministerium zur Begutachtung überwiesen wurde, mit 6 gegen 6 Stimmen abgelehnt und hat somit dem Ansuchen der Konsumverein«, auf Zulassung der Nachtarbeit in den Groß- bäckereien nicht stattgegeben. Der Grund, der ihn dazu veranlatzte. war, daß durch die Zulassung der Nachtarbeit in den Großbäckereien eine wesentliche Senkung des Brotpreise- nicht in Frage komme. Von den Genossenschaften wurde eine Senkung des Brotpreises u m S Proz. zugestanden bei Zulassung der Nachtarbeit und bei Her- stellung sämtlicher Waren in den Nachtstunden, desgleichen, wenn kein Aufschlag für die Nachtarbeit in Frage käme. Die Brotfabrikanten machten sogar sehr wesentliche Ein- schränkungen dahingehend, daß beispielsweise in Berlin die sünfprozentige Preissenkung nicht auf den niedrigsten Preisstand für Brot erfolgen würde, sondern auf die Kälkulatton der einzelnen Betriebe. Aber auch ein« Preisermäßigung von 5 Proz. würde für die Ausgaben für Brot eines Arbeiterhaushalts so minimal sein, daß damit kein« Entlastung eintritt. Der Ausschuß des RWR. wird bestimmt mit seinem Gutachten auf Zulassung der Vorarbeit von 2 Stunden in allen Bäckereibetrieben keine Freude beim Zentralver- band Deutscher Konsumvereine ausgelöst haben. Sehr richtig wurde bereits vom„Vorwärts" bemerkt, daß dadurch praktisch die Nacht- arbeit für die Kleinbetriebe freigegeben ist. Nach einer vom Bäckermeisterinnungsverband aufgenommenen Erhebung über die Beschäftigtenzahl in 93 378 Innungsbäckereien arbeiteten 17 561 Be- triebe ohne Gesellen und Lehrlinge, 15 444 Betriebe mit einem Lehrling, 4218 Betriebe mit 2 Lehrlingen, 72 587 mit 1 bis 5 Gesellen, 6 bis 19 Beschäftigte weisen nur 1734 Betriebe, 11 bis 29 nur 254 Betriebe auf und 21 und mehr Bäckergesellen sind nur in 42 Betrieben vorhanden. Daraus ist die Auswirkung des Gutachtens vom RWR. zu er- sehen. Der RWR. hat in vollständiger Verkennung dieser Tatjack'en einen„Sieg" für die schwachen Handwerksbetriebe herbeigeführt. Daß sich einem solchen Gutachten die Arbeitervertretcr nicht en- schließen konnten, ist selbstverständlich. Die Konsumgenossenschaftcu können den unrühmlichen Erfolg für sich buchen, mit ihrer starren Einstellung gegen da- Nachtbackverbot der Sozialreaktion einen un- schätzbaren und sicherlich uncrhossten Dienst geleistet zu haben. Oer Gehalisabbau in pslen. Warschau, 24. August.(Ost-Expreß.) Die Unzufriedenheit und die Erregung, die sich infolge des Beamten- und Gehaltsabbaues unter den Kommunalbeamten Polens geltend machen, kam gestern bei einer Unterredung zwischen dem Vizeminister des Innern, Korsak, und einer Deputation des Ver- bandes der städtischen Angestellten zum Ausdruck. Die Delegierten beklagte» sich besonders über die eingetretene Unsicherheit der Ver- hältnisse, da die Beamten in der Befürchtung weiteren Abbaus leben müßten. Der Vizeminister sprach sich zwar gegen einen mechanischen Personalabbau aus, betonte aber, daß seiner Ansicht nach die 15prozentige Gehaltsherabsetzung nicht nur auf die staat- lichen, sondern auf die Kommunalbeamten anzuwenden sei »Im Westen nichts Neuest Der Film„3m Westen nichts Neues" läuft nur noch ob 23. August 1931: Tempo-Lichtspiele, Berlin O., Simon-Dach-Str. 12: Regino-Lichtspiele, Charlottenburg, Wilmersdorfer Str. 95. Ab 4. September 1931: Rudower-Ton-Lichtspiele, Berlw-Rudow, Bandastr. 32. Erwerbslose erhalten gegen Vorzeigung des Mitgliedsausweises und der Stempelkarte Karten zum Vorzugspreis« von 59 Pf. Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund. Ortsausschuß Berlin. vftientlich« flnnbflffmxfl Sei Schwest«r»ichattei6>swirtschastsrats, Brllevuestr. 7. Thema: „gart mit den grwrrhamötzigrn Echtvestrrhrinxn. Es sprechen«arola Wedl, Kurt Sartrnstrin. lZreic'Aussprache. Eintritt frei. Einen Massenbesuch er. erivarter die Schwesternschaft der Raichsssekrion Gesuirdheitswcsrn im lbesamt. ver band, Filiale Berlin. Achtung, OB.. Buchdrucker! Heut«. Dienstag, UVi Uhr, wichtige Be. f-! sprcchung aller arbeitslosen Parteigenossen bei Schleuder, Annensir.*4.@ Gewerkfchafis-Iugend Berlin Heute, Uhr, tagen die Gruppen: Adlershof: Gruppenheim Adlers. I>of, Bismarckftr. l. Berliner Humor:„Uns kann lcener".— Schöne. weide: Jugendheim Niederfchäneweide, Berliner Str. 31 fMödchenfchule im Keller). Bunter Abend.— Pankow: Jugendheim Kisstngenstr. 48, Zimmer 5. „(>>ew«rkschaften in der Krise."— Sewerkfchaftshan«: Engelufcr 24— 2o. Saal 11. „Die franzissische Sewerkfchaftsdrwegung."— Webding! Jugendheim Willdenow. strohc l», 2 Treppen, Zimmer 11. Diskufssonsabenb:„Worum bin ich organi- stert?"— Reu.Lichtenberg: Jugendheim Dunterstr, 44.„Der Schuh der Jugend". — Frankfurter Alle«! Städt. Jugendheim Litauer Str. 08.„Geschichte der beut. fiten freien Gewerkschaften."— Lichtenberg: Jugendheim Dossestr. W. Allerlei Heiteres,— vstende: Jugendheim Korlsharst. TreÄowallee 44 sKantfchul«). Ab u> Uhr:„Moderne Jugendertichung und Scheuen".— Treptow: Schule Wilde». bruchstr. ö8—.74 lHortjimmer), Zugang Kraetzsstraße.„Unsere Mädchen gestalten den Abend aus,— Tieglifc: Jugendheim Flemmingstr. 14b. Reichstogssstzung.— Iugendgri'ppc des gentralperboade» der Schuhmacher: Jugendheim Große Frank- furtcr Str. 18, Zimmer 8:„Zehn Jahr« Schußpolijei".— Zugendabteilung der Bollsbiihue! Ucbcrniittelt umgehend die Anmeldungen! ©Iugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Heute sind folgende Bcranstaltungen: Lichtenberg: Jugendheim Gunter. straß« 44, Lesieabcnd.— Rorbwtfi: Jugendheim Lehrter Str. 18—1», Kurzreferate,— Der Sprech, und Bewegungschar iibt ab 20 Uhr in der Turnholle Baruther Str. 20 zu der Bcrbandsveranstvltung im Lehrervercinshaus.— Spiele im Freien ab l8 Uhr Sportplah Tiergarten, im Schillervark, auf der Wiese 7 im Trcptowcr Park und ab l» Ubr Trmpelhafer Feld, Flughasencingaug. — Meldet ruckt fiir die BolksbUhnenabteilung fiir die arbeitende Jugend im Iugendsetretariat. Berantwortlich fllr Politik: Bielor Schiff; Wirtschaft: G. Klingelhiser; Gewerkschaftsbewegung: Z, Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowsli: Lokales und Sonstiaes: Fri«, Karktädt; Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts-Verlaa E. m. b. H.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerei und Verla gsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SD 88. Lindenstraüe S. Hierzu 2 Beil«««».