BERLIN MenMg 25. August 1931 10 Pf. Jir. 396 B 195 43. Jahrgang ErschelnttSgltch außer Sonntag». Zugleich Abendausgabe de».Vorwärts". BezuzSpreis beide Ausgaben 8ü Pf. xrvWoche, s.soM. pro Monat. Redaktion und Expedition: BerlinSWKS.Lindenstr.s Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297 SjuUautyaße xki„y&fvtoUfa Anzeigenpreis: Die einspaltigeNonpareillezeil« 8o Pf.. Reklamezeile ü M. Crmäßigunoen nach Tarif. Postscheckkonto: VorwartS-Verlag G. m. d. H.. Berlin Nr. 37 636.— Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vorl Oer Wechsel in England Das neue Kabine«: Lord Mading Außenminister London. 25. August. I verschiedene INorgenbläiler veröfsenilichen vlulmahungen über die Verteilung der Aemter im neuen Kabinelt. Sie glauben, dah jede der drei Parteien durch ungefähr vier Minister vertreten sein werde. Die Liste„Daily herald" lautet: Arbeiterpartei: Premierminister Macdonald, Schahkanzler S n o w d e n. Staatssekretär für die Dominions Thomas, Lordkanzler Lord Sankey: Konservative: Lordgeheimsiegelbewahrer Bald- win. Präsident des Geheimen Staatsrats Lord hailsham, Kriegsminister Sir Samuel h o a r e. Arbeileminister Veville Chamberlain: Liberale: Staatssekretär des Aeuhern Lord Reading, Minister des Innern Sir Herberl Samuel. * Diese Kabinettsllste umfaßt nur zehn Mitglieder, während die bisherige Regierung zwanzig Minister zählte. Der als Außen- minister genannte Lord Reading hieß ursprünglich Brutus Daniel Ifaacs. 18tW als Sohn eines Kaufmanns geboren, ging er in London, Brüssel und Hannover zur Schule, wurde mit 14 Jahren S ch isf s j u n g e und kam als Seemann um die halbe Welt. Später lernte er bei einem Londoner Rechtsanwalt, ließ sich als Anwalt nieder und wurde nach erfolgreicher Praxis 1994 als liberaler Abgeordneter ins Parlament gewählt. 1919 wurde er in der Liberalen Regierung Generalstaatsanwalt und 1913 Lord Oberrichter und Mitglied des Oberhauses. Während des Krieges leitete er Finanzoerhandlungen mit Amerika, 1921 bis 1926 war er ein erfolgreicher Bizekönig von Indien: er brachte eine Berfassungsreform durch, die einen ersten Schritt zur Selbstverwaltung Indiens darstellt. Lord Reading ist Aufsichtsrats- Vorsitzender der Zeitungsgruppe, die den„New Chroniclc" im Besitz Hot: 1929 übernahm er den Vorsitz der englischen Gruppe der Deutsch-Englischen Gesellschaft. Regierung nur für den Augenblick. London. 25. August. Das neue Drei-Parleien-Kabinett hat. obwohl es noch nicht endgültig konstituierl ist. eine programmatische Erklärung über seine Politik veröffentlichen lassen. Nachdem eingangs ausgeführt wird. daß die Verhandlungen über die Aufstellung der Ministerliste be� reits gute Fortschritte gemacht hätten, heißt es weiter, der besondere Zweck, zu dem die neue Regierung gebildet werde, bestehe darin, die augenblickliche nationale Krise zu überwinden. Die neue Regierung wird keine Koalitionsregierung in gewöhn- lichem Sinne des Wortes sein, sondern eine Regierung der Kooperation zu dem einzigen Zweck, die nationale Krise zu überwinden. Wenn dieser Zweck erreicht worden ist, werden die politischen Par- teien ihre alte Stellung wieder einnehmen. Um ohne Verzug den Haushaltsausgleich in Angriff zu nehmen, wird erwartet, daß das Parlament am S. September einberufen wird, um dem Unterhaus Vorschläge für eine große Ausgabenbeschrän- kung und die Erschließung weiterer Mittel zum Budgetausgleich aus der Grundlage einer gleichen Lastenverteilung zu unterbreiten. Da der Handel und das Wohlergehen nicht nur der englischen Ration, sondern eines großen Teiles der zivilisierten Welt aus dem wohlbegründelen vertrauen in die Sterlingwährung aufgebaut sind und aus ihr beruhen, wird die englische Regierung olle von ihr als erforderlich erachteten Schritte unternehmen, um die Aufrechlerhal- lung eines unverminderten Vertrauens zu rechtfertigen. Der konservative Parteiführer B a l d w i n hat der Presse eine länger« Erklärung übergeben, in der er die Haltung der Konservativen in und zu der neuen Regierung eingehend darlegt. Die Re- gierung der drei Parteien ist nach seinen Ausführungen deshalfi gebildet worden, weil die Abhaltung von Neuwahlen im gegen- wärtigcn Augenblick verhängnisvoll gewesen wäre und die jetzige Krise nur durch die Zusammenarbeit aller Parteien über- wunden werden könne. Nach Durchführung ihrer Slusgabe des Haushaltsausgleichs werde die Regierung das Parlament, sobald dies die äußeren Umstände erlauben, auflösen und Neuwahlen anordnen. Macdonald wird wahrscheinlich im Laufe des heutigen Bor- mittags dem König die vollständige Ministerliste seines Kabinetts unterbreiten. Daran anschließend wird auch bereits heut« eine be- sondere Sitzung, des geheimen Rats im Buckingham-Palast statt- finden, in der die neuen Regierungsmitglieder den Eid ablegen werden. Man betrachtet es als sicher, daß die neue Regierung«ine zehnprozentige Kürzung der Arbeitslosenunterstützung vorschlagen xürd. Waffenschmuggel nach China Oie Folge: Konflikt mit einer China-Regierung London, 25. August. wie der„Daily Herald" meldet, hat die Ranking-Regierung am Montag den �deutschen Dampfer„R. C. R i ck m e r s" (5198 Tonnen) mit einer Waffenladung im Werte von mehr als 4 Millionen Reichsmark beschlagnahmt. Die Ladung habe aus zwei Flugzeugen, 609 Ma- schinengewehren und einer großen Menge Munition bestanden. Während die Ranking-Regierung erklärt, die Waffen- ladung sei für Kanton bestimmt gewesen, äußert die revolutionäre Kanton-Regierung den Verdacht, daß die Dampferladung der Ranking-Regierung in die Hände gespielt worden sei. Außerdem beschuldigt die Kanton-Regierung Deutschland nicht nur, daß es große Munitionsmengen an Ranking liefere, sondern auch, daß es ihr mehr als 100 militärische Ratgeber zur Bekämpfung Kantons zur Verfügung gestellt habe, die die Ranking Truppen im Gaskampfe unterrichteten. Aus diesem Grunde hat die Kanton- Regierung einen Boykott deutscher waren in Süd- china erklärt. Reuter meldet dazu aus Kanton: Auf einer M a s s e n v e r- s a m m l u n g, die hier von der örtlichen Kuomintang abgehalten wurde, wurde die Entschließung gefaßt, deutsche Waren zu boykottieren. Zur Durchführung dieses Beschlusses wurde ein besonderer Ausschuß eingesetzt. Als unmittelbare Ursache dieser unfreundlichen Haltung Kantons gegen Deutschland wird die angeb- liche Sendung von Waffen und Munition im Werte von 8 Millionen Dollar an Tschiangkaischek angegeben. Deutschland wird serner be- schuldigt, die Zentralregierung in Nanking durch Entsendung von über 199„militärischen Ratgebern" zu unterstützen, die, wie in der Versammlung erklärt wurde, beauftragt seien, die Armee der Nanking-Regierung im Gebrauch von Giftgas im Kampfe gegen die Regierung von Kanton zu unterweisen. Bon unterrichteter Seite wird dazu erklärt: Das Vorgehen der Rickmers-Linie ist an sich legal, da das Gesetz, das die Waffeneinfuhr nach China verbietet, aufgehoben worden ist. Auf Einspruch der Nanking-Regierung hat die Reichs- regierung versucht, bei der Rickmers-Linie zu intervenieren, um sie zu einer Umleitung des Dampfers zu bewegen. Auch der Hamburger und der Bremer Senat sind bei der Linie vorstellig Die Ideenlosen geworden. Die Rickmers-Linie hat jedoch jede Einmischung in die Angelegenheit auf das entschiedenste abgelehnt, ohne sich darum zu kümmern, welch großen Schaden sie mit ihrer Waffenlieferung dem deutschen Handel in China zufügt. Die Waffen, die in Schweden, anscheinend in nichtdeutschem Auftrage, verladen worden sind, stammen nicht aus Deutschland, sondern aus der Tschechoslowakei. Uns erscheint es höchste Zeit zu sein, daß gesetzlich gegen den Transport von Waffen auf deutschen Schiffen eingeschritten wird. Schon mehrfach haben derartige Transporte die Stellung Deutsch- lands zu China und den Absatz seiner Ware schwer geschädigt. Bei der jetzigen Rechtslage, die die Herstellung von Kriegswaffen in Deutschland für Handelszwccke unterbindet, fließen die Herftellungs- gewinne nicht an deutsche, sondern ausländische Rüstungs- f a b r i k e n. Während diese lachend die wohl riesigen Prosite ein- stecken, fällt das Odium auf das deutsche Volk: weil eine einzelne deutsche Schiffahrtslinie aus ihren Profit aus dem Blutgeschäst nicht verzichtet. Der Vorfall ist ein Beispiel dafür, wie Patriotismus oder auch nur die Rücksicht auf den Gesawthandel eines Landes in dem Augenblicke oerschwinden, wo ein einzelner einen Profit an dem Waffentransport machen kann. Darüber hinaus aber wäre es wohl kaum wegen dieser Waffenlieferung zu einer Boykottbewcgung in China gekommen, wenn nicht sich eine größere Zahl ehe« maliger deutscher Offiziere in China der einen Regie- rung gegen die andere zur Verfügung gestellt hätten. Vielleicht macht sich das deutsche Bürgertum einmal klar, wie der Export deutscher Landsknechte Deutschlands Stellung in der Welt diskreditiert und damit seine Ausfuhr und Arbeiterschaft schädigt. »neuen" Wege der Industrie zur Behebung der Wirtfchastskrise. Oer Verleumder gestellt... Cr gesteht: Nicht die Spur eines Beweises! Meiningen, 25. August.(Eigenbericht.) Heute hatte sich vor dem Schöffengericht der nationalsoz ia- listisch« StudienratHille aus Hildburghaufen wegen V e r» l eum d u n g der Genossen Crispien und Dittmann zu ver- antworten. Er hatte ihnen in einer Versammlung in Gleichamberg am 19. Juni 1939 vorgeworfen, sie hätten währenddes Welt- krieges in ener Beziehung zu französischen Ossi- ziersspionen gestanden. In dem Naziblatt„Kreisbcobachter für die Kreise Sonneberg und Hildburghausen" hatte Hille n o ch a m 1. August 1931 in starken Tönen geprahlt: „Endlich kommt der Haupttag, nachdem monatelang schon die roten Blätter meine Kapitulation vor den roten Führern ihren Schäflein vorgeschwatzt haben." Vor Gericht war Hille, der unter Beistand seines Parteigenossen Rechtsanwalt Frank II- München erschienen war, merkwürdig kleinlaut und erklärte sich auf die erste Frage des Vorsitzenden, ob ein Vergleich möglich sei, ohne weiteres zur Abgabe einer Ehrenerklärung bereit. Die Genossen Crispien und D i t t- mann entschieden sich, aus Mitleid mit Hille, der schwerkriegs- verletzt ist(verschüttet), aus Bestrafung Verzicht zu leisten. Herr Hille gab folgende Erkläning ab „Vs wird mir zur Last gelegt, in einer Versamm- lung in Glcichamberg am 10. Juni 1930 den Abgeordneten Crispien und Tittmann nackzgcsagt zu haben, daß sie mit französischen LffizierSspionen in naher Beziehung gestanden haben. Ich muß zugeben, daß ich für die Beleidigung keinerlei An- halt habe und nehme sie mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück." Hille verpflichtet sich weiter, diese Erklärung binnen zwei Wochen im„Hildburghauser Kreisblatt" und der„Dorfzeitung" zu veröffentlichen. Er versprach weiter auch die wörtliche Bekannt- gäbe seiner Erklärung in dem nationalsozialkstischen„Kreisbeobachter für Sonneberg und Hildburghcmsen", Außerdem übernahm er Berliner Arbeitselend wächst 415 000 Arbeitsuchende in der �eichshauptstadt die s ä m tl i ch c n Kosten des Verfahrens, einschließlich derjenigen der Nebenkläger und ihres Anwalts, nur verzichteten die Genossen Crispin und Dittmann aus dem gleichen Grunde, der sie zur Jurück- inchme des Strafantrages bestimmt hatte, auf die Erstattung ihrer Reisekosten. Wieder eine... Die Darmstädter Volksbanl stellt ihre Zahlungen ein. Darmstadt, 25. August. Von der Leitung der Volksbant E. G. m. b. ch. wird mitgeteilt: „Die Volksbant E. G. m. b. Sj. sieht sich genötigt, von heute, Dienstag, ab ihre Schalter zu schließen. Di« schon vor den Bonkfeierta-gen bestehende Illiqidität der Bant hat nach Wiederaufnahm« des normalen Zahlungsverkehrs eine Verschärfung erfahren, die die Stadt Darmstadt und das Land Hessen veranlaßten, ihre Hilfe zur Beschaffung flüssiger Mittel in der Form der Girierung von Kundenakzepten gegen entsprechende Unterlagen nicht zu versagen. Bevor diese Hilfe in größerem Ausmaße in An- spruch genommen wurde, ergab sich die Notwendigkeit einer weit- gehenden Stützung, um die stärker werdende Beunruhigung des Publikums hintanzuhalten. Stadt und Staat wurden bei der großen Bedeutung, die die Volksbant für das hessische Wirtschaftsleben und darüber hinaus hat, um Uebernahme einer Ausfallbürg- s ch a f t für dei Verbindlichkeiten der Volksbank gebeten. Da die zur Uebernahme der Garantie erforderlichen Voraussetzungen nicht er- füllt wurden— der Finanzausschuß des HesHschcn Landtages war einstimmig dazu bereit, während der Finanzausschuß des Stadtrats in seiner großen Mehrheit Stimmenthaltung übte— die Vokks- bank genötigt, ihre Zahlungen einzustellen." Wiener Merkurbank wieder in Betrieb. Die Beruhigung in Deutschland wirkt sich aus. Wien. 23. August. Die mit der Darmstädter und Nationalbank verbundene Merkur- dank Hot, nachdem die über sie oerhängt« Geschäftsaufsicht aufgehoben worden ist, heute ihre Schalter geöffnet und den Geschäftsverkehr voll aufgenommen. In den ersten Vormittags- stunden überwogen die Neueinlagen weitaus die Ab- Hebungen. Der Geschäftsverkehr hat sich heute so abgespielt, als ob überhaupt kein« Unterbrechung eingetreten wäre. Weitere Entlastung der Reichsbank. Notendeckung von 39,2 auf 41,5 Prozent erhöht. In der dritten Augustwoche hat sich nckch dem jetzt veröfsent- lichen Wochenausweis vom 22. August die Lage bei der Reichsbank weiter entspannt. Die Wechselbcstände verringerten sich um 152, S auf 2951,5 Millionen und die gesamte Kapitalanlage des Zentralnoteninstituts weist mit 3153,6 Millionen eine Entlastung um 153,3 Millionen auf. Der Rückfluß der Noten setzte sich mit 193 Millionen fort, so daß sich der Umlauf an Reichsbantnoten und Rentenbankscheinen insgesamt auf 4447,6 Millionen verringerte. Die fremden Gelder auf Girokonto hatten einen Zuwachs von 7 Millionen zu ver- zeichnen und erhöhten sich damit auf 532,5 Millionen. Die Deckung der Noten durch Gold und deckungs- fähige Devisen hat sich in der Berichtswoche von 39,7 auf 41,5 Proz. erhöht. Müller von Renstodi. Sin Nazi, ein Lehrer, ein Kläger und 1000 Mark! „Der Wahrheitsbeweis ist nicht erbracht, wenn auch die Behauptung gefallen ist." Dieser Satz aus der Begrün- dung eines Urteils lautet sehr sonderbar. Geprägt hat ihn der amtierende Richter am Amtsgericht Neustadt bei Koburg. Herr P h i l b e r t in einer Beleidigungsklage des nationalsozialisti- schen Lehrers Müller gegen unseren verantwortlichen Redakteur, Genosse» L e p ö r e. Gegenstand der Beleidigungsklage war eine humoristische Zeichnung, die sich mit„politischen Aeußerungen" des Müller befaßte. Am 20. August des vorigen Jahres ging es in der Wirtschaft zum Schwan in Neustadt sehr lebhaft zu, der ehemalige Pro- pagandaleitcr der Nazi in Neustadt, Lehrer Müller, war in vor- gerückter Stunde dort erschienen und hatte sich bald in einen leb- haften Disput mit den Gästen eingelassen. Mit einem der Gäste, Langbein, kam er in eine Auseinandersetzung über das, was geschehen»würde, wenn die Nazis an die Macht kommen würden. Darauf hat Müller nach der eidlichen Aussage des Long- dein geantwortet: „wenn wir zur wacht gelangen, werden wir jeden, der uns entgegentritt, niederschießen." Auf die weitere Frage, was mit den Kindern werden soll, ant- wartete Müller: „Da bleibt auch da» Sind in der wiege nicht verschont!" Diese Acuherung des Müller wurde dann vom„Volks- blatt" in Koburg aufgegriffen und in einem Artikel vom 3. September 1930 der Oeffentlichkeit unterbreitet. Müller blieb diesem Artikel gegenüber taub. Er gab weder eine Berichtigung an das Blatt, noch stellte er Strasantrag. Im März 1931 oerössentlichte dann der„Vorwärts" eine Karikatur, die die Worte des Müller bildlich darstellte. Durch dieses Bild mit dem Text seiner eigenen Worte fühlte sich Müller beleidigt und stellte Strafantrag. Die Verhandlung rollte jetzt vor dem Amtsgericht in Neustadt ab. Die Zeugen konnten sich nicht mehr erinnern, ob die Worte ge- fallen seien, wenn sie auch sonst sich auf Einzelheiten besinnen konnten. Aber auch keiner der Zeugen tonnte behaupten, daß die Worte nicht gefallen seien. Die Erinnerung war ausgeblieben. Positiv sagte der Zeuge Langbein aus, der mit Müller den Disput gehabt hatte. Langbein hatte damals die Auslastungen Müllers ein« Sauerei und Schweinerei bezeichnet. Heute meint er jedoch, daß die Wort« Müllers„wohl nur Scherz" gewesen wären. Wesentlich anders hat es aber die vorgesetzte Behörde des Müller aufgefaßt, denn Müller hat seinen Amtssitz wechseln müssen. Nach bestimmten Aussagen des Langbein stand also fest, daß der„Vorwärts" nur eine tatsächliche Aeuherung des Prioatklägers gebracht hatte. Rechtsanwalt Londsberg legte dar, daß«ine Bestrafung des Redakteurs gar nicht in Frage kommen könne, denn was der„Vor- wärts" behauptet Hab«, fei durch die Aussag« de« Zeugen Langbein eidlich bekundet worden. Das Urteil bot eine Ueberraschung: Es lautete auf 1000 Mark Geldstrafe oder 20 Tage Gefängnis! Der Richter führte zur Begründung des Urteil» u. a. aus:„Was der Lehrer Müller hier denkt, ist für die Partei- Die Lage des Berliner und Vrandenburger Arbeitsmarktes, die sich schon im 2uli scharf zugespitzt hatte, als im Reich noch geringe Entlastungen in Erscheinung traten, hat sich in der ersten August- Hälfte weiter erheblich verschlechtert. Zn der Berichtszeit stieg die Zahl der Arbeitsuchenden um 11 713 auf 619 077: davon entfielen ans Berlin 474 298. auf die Provinz Brandenburg 134 529 und aus die Grenzmark posten-west- preußen 10 250 Personen. Die Zahl der hauplnnterstützungsempsänger in der versicherungsmähigen Arbeitslosenunterstützung betrug 166 551, in der krisensürsorge 152 848, zusammen 319 399 Personen. Von den Hauptunlerstützungsempsängern in der Arbeitslosenversicherung entfielen aus Berlin 121 679, aus die Provinz Brandenburg 41 935, aus die Grenzmark Polen-Westpreußen 2937. In der kriseasürsorge betrugen die entsprechenden Zahlen für Berlin 115 000, Branden- bürg 34 613, Grenzmark Posen-Westpreußen 3235. Die Gesamtzahl der Arbeitslosen in der Reichshauptstadt nähert sich also jetzt bereits im Hochsommer bedenklich einer halben Million Erwerbsloser. Für die Dauer und die Härte der Wirtschaftskrise in den Berliner Betrieben ist kennzeichnend, daß von den rund 474 300 Berliner Arbeitslosen nur 121 679 von der Ver- sicherung als hauptunterstühungscmpsänger und 115 000 von der leitung belanglos."(Das soll doch wohl der Nazipartei heißen? Woher kennt der Richter die Meinung dieser Partei- leitung? Red.) Weil im„Vorwärts" die Aeußerung als ernst- lich, öffentlich ilnd vorsätzlich betrachtet und dement- sprechend behandelt ist, sei der Wahrheitsbeweis trotz der Tatsächlichkeit des Ausspruchs nicht geglückt, da der Privatkläger die Worte nur im Scherz gebraucht habe. Bei dem rauhen, aber herzlichen Ton, der in Neustadt üblich wäre, könne man den Worten nicht die Bedeutung bellegen, die der „Vorwärts" angenommen habe. Man ist versucht zu sagen, das Urteil fei tausend Taler wert. Aber man weiß nicht, wie der Richter in Neustadt einen so „rauhen und herzlichen Ton" auffassen würde. Deshalb sei es lieber nicht gesagt, sondern nur die Tatsache hinzugefügt, daß wahr- scheinlich das Berufungsgericht sich die Urteilsausfertigung etwas näher ansehen muß._ Erpressung unterm Hakenkreuz. Musterleistung einer Nazi-Leitung. In der Jtzehoer„Tageszeitung" findet man unter dem Zeichen des Hakenkreuzes Mitteilungen der Hiiler-Partei aus dem Gau Schleswig-Holstein. Darunter auch diese Polizeiamtliche Mitteilung. Itzehoe! SA., herhören! Es wird hiermit der SA.-Jtzehoe und Umgebung dienstlich bekanntgegeben, daß die Drogerie Thomson, Itzehoe, Sgnd- berg 24 und Itzehoe, Breite Straße 15, unter dem Namen Kaufert, dem SA.- Mann Dunklau wegen Zugehörigkeit zur SA. der Nem Mikrophon ausgenommen und dann in elektrische Schwingungen umgewandelt, die wieder durch eine Verstärkeranlag« in«inen Lautsprecher geleitet werden. Die Mikrophone bestehen aus einem permanenten Magneten. auf welchem Spulen mit hohem Widerstand angebracht sind. Mehrere Stahlsaiten des Flügels liegen jeweils quer unter den Polschuhen der Magneten, so daß ein Teil des magnetischen Kraft- sjusses über die Saite fließt. Werden ourch den Anschlag die Saiten zum Schwingen ge- bracht, so ändert sich in dem gleichen Rhythmus der Kraftfluß. wo- durch in den Spulen durch Induktion Spannungen entstehen. Di«se Spannungen werden durch Röhren mit einer Gesamtleistung von drei Watt verstärkt.. Das linke Pedal ist mit der Verstärkeranlage so verbunden, daß mit Hilfe eines Potentiometers die Lautstärke M't dem Fuß reguliert werden kann. Hat man also einen Ton oder eine» Akkord aus diesem Wunderklavier onzeschlogen, so kann man ihn beliebig an- und abschwellen lassen. genau wie bei einer Geige. Man kann also einen Akkord pianissimo beginnen und ihn dann bis zum Fortissimo eines Konzertflügels verstärken. Ein« neue Aera des Klavierspielz ist damit angebrochen. Eine kapriziöse Eigenart des Radioflügels ist übrigens, daß er sowohl den zarten Ton eines Spinells wie den langgezogenen Klang einer ijarmornums annehmen kann. Durch ein paar Hebelgriffe läßt sich die Musikerzeugung in Musikempfang umschalten, das Radio oder die Schallplatte treten an die Stelle eigener musikalischer Darbietung. Ja, es läßt sich sogar beides kombinieren und man kann sich im eigenen Heim zu einem Klavierkonzert von Furiwängler dirigieren lassen oder Richard Tauber aus dem Flügel begleiten, indem man Radio- empfang oder Cchallplattenmusik und Klavier gleichzeitig einschaltet. Der Lautsprecher befindet sich außerhalb des Flügels in einem eigenen Gehäuse, die elektrische Anlage im Flügel selbst ist er- schütterungsfrei eingebaut, so daß die Apparatur möglichst ohne Klirren arbeitet. Eine besondere Eigenschaft des Radioflügels ist ferner, daß er reine Saitcnschwingungcn ohne Obertöne erzeugt, die bekanntlich eine Beigabe aller Saiteninstrumente sind. Allerdings hat die Musik diese Obertöne sozusagen mit in ihre Formen und Gesetze aufgenommen, und es bleibt zunächst einmal die interessante Frage offen, wie sich die Musiker mit einer solchen schwin- gungsreinen Musik abfinden werden. Sie klingt doch ein wenig anders, als wir bisher gewohnt waren. vr. X. Helmstedt. das Leben weise und verstehend geworden ist, einen gütigen Ntbbich, der beinahe in die Sphäre des Tragischen wächst. Marga L i o n spielt hinreißend komisch eine Tänzerin mit hysterischen Nerven, und Marianne Winkelstern zeigt sich als kluge Gestalterin jenseits jeder Manier und Schablone. R Sdi. Hans Land— Lahre alt. Hans Land feiert heute seinen siebzigsten Geburtstag. Als Ver- fasser der von sozialem Mitgefühl erfüllten Erzählungen:„Die am Wege sterben",„M u t t e r r e ch t" usw. ist er schon in jungen Jahren für die Rechte der Enterbten und Bedrängten ein- getreten. Die von ihm herausgegebene Zeitschrift:„Das neue Jahr- hundert" hatte manche später bekannt gewordene Sozialisten zu Mit- arbeitern. Er war der erste Verkünder der kriegsfeindlichen Bücher Berta von Suttners. Auch in seinen späteren Werken, so vor allem in den auch für den Film fruchtbar gewordenen Justizromanen „Artur Im hos" und„Staatsanwalt Jordan" zeigte er sich als Versechter neuzeitlicher Ideen. Land ist geborener Berliner. Hans Land begnügte sich nicht mit der Arbeit am Schreibtisch. In verschiedener Weise war er bemüht, eine Brücke zwischen Volk und Kunst zu schlagen. So gehörte er in früheren Jahren zu den führenden Mitarbeitern der Neuen Freien Volksbühne, die heute in der Volksbühne fortwirkt. Er wurde 1908 in den künstlerischen Ausschuß der Organisation berufen und erhielt schon ein knappes Jahr später das Amt eines stellvertretenden Vorsitzenden. Als Joseph Ettlinger, damals erster Vorsitzender, von Berlin schied, trat er an seine Stelle. Nur verhältnismäßig kurze Zeit blieb Land auf diesem Posten, dann zog er sich von der aktiven Mitarbeit zurück. Die Neue Freie Volksbühne zog aus der verständnisvollen und kundigen Mitarbeit Lands immerhin manchen Vorteil. Ein norddeutsches Bürgerhaus als Museum. Eines der ältesten, aus dem 16. Jahrhundert stammenden Kolberger Bürgerhäuser wurde von der Stadt angekauft und ist jetzt zu Museumszwecken als„Norddeutsches Bürgerhaus" wiederhergestellt worden. Das jhous ist deshalb besonders interessant, weil es im Laufe der Jahr- hunderte verschiedentlich umgebaut und erweitert worden ist, so daß es die gesamte Entwicklung des Hausbaues vom Hallenhaus bis zum typischen norddeutschen Bürgerhaus zeigt. Treppen und Türen zeigen wertvolle Barockschnitzereien, während das älteste Zimmer des Hauses eine prachtvoll erhaltene gotische Decke aufweist. Ein Land, in dem es seit sieben Jahren nicht mehr regnet. In diesem regenreichen Sommer unseres Mißvergnügens muß das Ku- riosum vermerkt werden, daß in einem Teil Spaniens seit sieben Jahren kein Regentropfen gefallen ist. Es handelt sich um den Be- zirk Lorca in der Provinz Murcia im Südosten Spaniens. Die Bewässerungskanäle des Landes find längst ausgetrocknet, und die Flüsse, die das Land durchströmen, sind, wie der Gastril und Guar- dal, zu dünnen Rinnsalen geworden. Seit drei Jahren hat der Boden des Landes keinen Ernteertrag mehr geliefert, so daß bereits 30 000 Personen den Bezirk verlassen haben und 26 000 Familien der bittersten Not anheimgefallen sind. Vor dem Rathaus in Lorca versammelten sich kürzlich über 3000 Personen, die stürmisch eine Hilfsaktion der Regierung forderten. Der undankbare See. Infolge der letzten Regengüsse ist da- Ufer des Nemisecs bei Rom. aus dem bekanntlich durch Senkung des Wasserspiegels nunmehr das zweite der beiden versunkenen Kaiserschife gehoben wird, in einer Breite von über 500 Metern abgerutscht._ Di« IX. ReichsschulmusiNvoche findet in Berlin vom S. bis 10. Oktober statt. Tie Musikabt-ilung des Zentralinstituts für Erziehung und Unter- richt macht daraus aufmerksam, daß die Anmeldungen zur Teilnahme l'pätestens bis zum 15. Septeinver an das Zentralinstitut, Potsdamer Straße 120, einzureichen sind. Da« Bauhaus, Dessau. Hochschule für Gestaltung, beginnt sein Winter- semesler am 5. Oktober 193l Hierzu kann seder ausgenommen werden. dessen Begabung sür ausreichend erachtet wird, und der vas 1?. Lebensjahr überschritten hat. Ausnahmegesuche sind rechtzeitig einzureichen. In der Schauspielschule des Deutschen Theaters haben die Aufnahme- Prüfungen begonnen und finden täglich zwischen 11 und 14 llhr statt. Der Tchnlanfang ist auf Dienstag, den 1. September, festgesetzt. Ein Starfilm. „Die große Attraktion".- Capitol. Tauber singt. Er singt dreimal dieselben Lieder, die Lehar� Capcr und Brodsky in Gemeinschaftsarbeit hergestellt haben. Die Stimme behält ihren individuellen Klang, aber es fehlen die feineren Schattierungen, die Nuancen. Alles wird karte gebracht, fast ohne Punkt und Komma. Die Tonfilmapparatur reicht noch nicht aus. um die Feinheiten, um die Kultur des Gesanges zu reproduzieren. Tauber, der Tenor, ist auch ein kluger Darsteller. Er bleibt sachlich und ohne Süßlichkeit. Sogar kitschigen Sätzen oerlecht er Rückgrat. Doch dieses künstlerische Können wird in einem Film serviert, der in bezug auf Handlung und Ausbau völlig versagt. Drei Herren haben sich um das Manuskript bemüht, und das Manuskript reiht Gesangsnummern und Barietädarbietungen an einen dünnen HondlungKfaden schematisch aneinander. Tauber ist der singende Ehes einer berühmten Kapelle, und dieser Chef erlebt eine kleine Liebesepisode, die mit der Ehe endet. Damit ist alles gesagt. Es wird nicht einmal der Versuch unternommen, dramatische Höhepunkte herauszuarbeiten, oder Spannungen herzustellen, und man geht von dem Grundsatz aus,„Du mußt es dreimal sagen". Wiederholungen findet man bis in die kleinsten Episoden hinein. Eine Aygst vor dem Reuen lähmt Verfasser und Regisseur. Der Tonfilm wird hier gebraucht, nur um einen Star zu zeigen. Von einer filmischen Handlung ist dabei keine Rede. Tiefer geht es wohl nicht. Schauspielerische Kunst verpufft an einem blöden Stoff. Sieg. fried Arno alz mondäner Tänzer schafft einen Menschen, der durch Holländer wird gesucht. Ein seltsamer, bisher noch ungeklärter Dorfall. Ein geheimnisvoller Uebc'-fall. dem in der vergangenen wache ein Ausländer zum Opfer gefallen zu sein scheint. konnte bisher noch nicht aufgeklärt werden. Unter den als vermißt gemeldeten Personen befindet sich noch keine, auf die die Beschreibung des Verschwundenen passen würde. Auch Nachfragen in Hotels haben ergeben, daß ein Gast nicht ver» mißt wird. Ein Schupobeamter in Zivil sowie ein Zeitungshöndler bekunden aber übereinstimmend, daß pe einen gut gekleideten Mann aus einer Schankwirtschaft in der Blumen- straße hätten herauskommen sehen. Der Polizeibeamte hatte in dem Lokal vorher ein Glas Bier getrunken und war von dem Wirt, der ihn kannte, gebeten worden, den Ortsfremden nach dem Schle- fischen Bahnhof zu geleiten. Ehe der Beamte dieser Bitte ent- sprechen konnte, hatte sich der Fremde, der ein Holländer gewesen sein soll, bereits entfernt. Auf der Straße ist er dann allem An- schein nach angefallen und in«in Haus geschleppt worden. Ob er ermordet wurde, erscheint fraglich, da zwischen dem Ueberfall und dem Erscheinen des Ueberfallkommandos, das von dem Schupobeamten.alarmiert wurde, nur knapp zehn Mi- nuten vergangen waren. Das Grundstück Kleine Markus- straße 8, in das die Wegelagerer den Fremden gebracht haben, wurde gründlich abgesucht, man fand den Holländer aber nicht. Die Untersuchung dieses seltsamen Vorfalls wird sortgesetzt. Das Raub- dezernat nimmt Mitteilungen über vermißte Ausländer entgegen. die für den Verschwundenen in Betracht kommen könnten. Oer Hui des Bankräubers. Zum Ueberfall auf die R e i ch s b a n k f i l i a l e in der Inns- brück« Straße wird mitgeteilt, daß die Herkunft des von einem Räuber zurückgelassenen Hutes jetzt festgestellt ist. Der Hut stammt aus»er Hutgrohhandlung von Silbermann u. Co. in der Neuen Friedrichstraße 37. Dies« Firma beliefert mit ihren Waren zahlreiche kleinere Geschäfte. An eines von diesen ist der Hut. einen Massenfabrikat mit dem Kennzeichen„Six" zum Preise von 3,60 M. weiterverkauft worden. Das kleine Geschäft ist noch nicht ermittelt. Mit Hilfe der Großhandlung hofft man den Abnehmer jetzt feststellen zu können. Das im Schweiß- leder befestigte Schildchen mit der Auszeichnung 6,60 M. muß später eingeklebt worden sein, da die Grohhandltfng keine Preisbezeichnungen an ihren Waren anbringt. Die polnische Botschaft in Lonbon hat beim englischen Außen- ministenum gegen den Besuch der beiden Vertreter der englischen Arbeiterpartei in Ostgalizien Protest erhoben. Bedenkliche Gparplane Teilweise Aufhebung der Berussschulpflicht für Lugeudliche? Die Gemeinden müssen unter dem Druck der Geldnot zu un- erhörten Sparmaßnahmen schreiten, und sie können dabei— was besonders schmerzlich wirken wird— ihre kulturellen Aufgaben- gebiete nicht schonen. Man hört von Schulklassenzusammenlegung, von Klassenfrequenzerhöhung, von Herabsetzung der Wochenstunden- zahl, ja man hört sogar von der Aushebung der Berufsschulpflicht für bestimmte Gruppen jugend- licher Arbeiter und Arbeiterinnen. Merkwürdigerweise hört man aber wenig von Einsparungen auf dem Gebiet des höheren Schulwesens, wo pro Kopf des Schülers viel höhere öffentliche Aufwendungen nötig sind als bei den anderen Schulgattuugen. Seit Jahren fordern, alle Kenner der Verhältnisse eine Umkehr in der Schulpolitik. Sie betonen, daß das ungesund auf- geblähte höhere Schulwesen wieder seiner eigentlichen Aufgabe, der Vorbereitung für das Hochschulstudium, zugeführt werden müsse: denn der Besuch der höheren Schule sei heute ebenso wie das Hochschulstudium in den meisten Fällen nur eine Ver- legenheitssache. Wenn die Dinge so liegen, dann ist nicht einzu- sehen, warum gerade diese Schulgattungen schonender behandelt werden sollen als etwa die Berufsschule. Bei ihr will man an- scheinend radikal abbauen und die Wünsche reaktionärster Jnnungskrauter erfüllen. Man muß sich schon fast wundern, daß nicht auch der Gedanke, den Berufsschulunterricht wieder in den Abendstunden, also nach Feierabend, stattfinden zu lassen, in das Sparprogramm ausgenommen wurde: denn im übrigen soll ja an- scheinend entsprechend den Wünschen der Unternehmer möglichst alles aus der Berufsschule verschwinden, was nicht unmittelbar für die Tätigkeit des Lehrlings im Lehrbetrieb von Nutzen ist. Vor einem rein mechanischen Vorgehen bei den an sich wohl notwendigen Sparmaßnahmen muß aufs eindringlichste gewarnt werden. Die Berufsschule ist heute mehr denn je eine unbedingt notwendige Einrichtung. Man braucht nur daran zu er- innern, daß sie Zehntausenden von jugendlichen Erwerbslosen wenigstens in 6 oder 8 Wochenstunden noch eine bestimmte Tätigkeit gibt, sie in eine bestimmte Ordnung einfügt. Die durch Wegfall der Beschulung der ungelernten Jugendlichen gemachten Ersparnisse müssen auf anderen Tätigkeitsgebieten der öffentlichen Organe mehr- fach wieder aufgewendet werden. Oder will man etwa auch den so notwendigen staatsbürgerlichen Unterricht in Zu- kunft wegfallen lassen? In keiner Zeit war es notwendiger als heute, in der heranwachsenden Jugend Verständnis für Sinn, Wesen und Funktionieren der Staats- und Gesellschaftsorgane zu wecken. Daß man die in ungenügendem Umfange vorhandenen Berufsschulwertflälten jetzt nicht entbehren kann, müßte eigentlich auch dem Handwerk ein- leuchten, da es selbst am besten weiß, in wie hohem Maße vielfach Lehrmeister des Handwerks nicht in der Loge sind, die in Lehr- vertrügen eingegangenen Ausbildungspflichten zu erfüllen. Von welcher Seite aus man auch die Dinge betrachten mag, es ergibt sich, daß die Berufsschule gerade in der gegenwärtigen Notzeit eine äußer st wichtige Funktion zu erfüllen hat, auf die Staat, Wirtschaft und Arbeiterklasse nicht verzichten können. Hierauf muß auch bei noch so berechtigten Sparmaßnahmen Rück- sicht genommen werden. Dunkle Pläne der Sozialreakiion. Naphtali mahnt zur Einigkeit. Im Mittelpunkt der Generaloersammlung der Berliner M e- tallarbeiter am Montag in den„Sophiensälen" stand ein wirtschaftspolitisches Referat des Genossen N a p h t a l i. In seiner be- kannten leichtverständlichen und doch tiefgründigen Vortragsart legte er den Delegierten der Berliner Metallarbeiter zunächst die ökono- mischen und politischen Zusammenhänge dar, die in den letzten Wochen und Monaten zur Verschärfung der Wirtschaftskrise in Deutschland beigetragen haben. In dem letzten Teil seines Vor- träges wandte er sich besonders der Finanznot der Ge- m e i n d e n und dem in den jüngsten Tagen besonders propagierten Programm der sogenannten nationalen Selb st Hilfe zu. Pflicht der Reichsregierung fei es jetzt, während der sechs Stillhalte- nionate alle Kräfte aufzubieten, in dieser Zeit eine innen- und außenpolitische Beruhigung herbeizuführen, um zu verhindern, daß nach dem Ablauf dieser Frist der Run der ausländischen Geld- geber auf die deutschen Banken nicht wieder einsetzt, die Wirtschaft nicht wieder so stark erschüttert wird wie in den kritischen Julitagen. Die Hauptaufgabe muß jedoch die Erhaltung der Ge- m e i n d e n sein. Partei und Gewerkschaften werden noch schwere Kämpfe zu bestehen haben, um die Unterstützung der Wohlfahrt?- erwerbslosen und-empfänger vor allen anderen Ausgaben sicher- zustellen. Noch viel schwerere Kämpfe stehen jedoch den Gewerk- schaften in der L o h n f r a g e bevor. Einflußreiche Unternehmer laufen mit Plänen in Ministerzimmern herum, die darauf abzielen, eine große gesetzgeberische Lohnsenkungsaktion in die Wege zu leiten. Das sozialreaktionäre Unternehmertum verlangt keine Beseitigung der Tarifverträge, aber eine gesetzliche Maß- nähme, durch die ein Teil der Tariflöhne für abdingbar erklärt werden soll. Es soll also einzelbetrieblich von den Tariflöhnen ab- gewichen werden können. Gelänge es den deutschen Unternehmern, diese Pläne mit Hilfe der Regierung in die Tat umzusetzen, dann wäre einem schrankenlosen neuen Lohnabbau Tür und Tor geöffnet. Die Arbeiterschaft muß sich jedenfalls auf Kämpfe vorbereiten, die an Schwere alle bisherigen übertreffen werde». Um sie erfolg- reich bestehen zu können, muß sie ihre gewerkschaftliche Macht- Positionen nicht nur zu erhalten, sondern noch auszubauen suchen. Bei den bevorstehenden schweren Kämpfen kommt es nicht auf schöne Parolen, auch nicht auf die Logik einer Beweisführung an, sondern in erster Linie auf die realen Machtverhältnisse. Einig- keit, Geschlossenheit und Kampfentschlossenheit sind daher für die deutsche Arbeiterschaft in den nächsten Monaten das höchste Gebot._ weller für Berlin: Vorwiegend trübe und regnerisch, sinkende Temperaturen, nördliche Winde.— Zur Deutschland: Weitverbreitete Regensäll«, nur im Nordwesten zeitweise aufheiternd, allgemein kühl. Lonnlagswanderung in die Mark. Am 3l). August ocranstaltej das Bezirksamt Schöneberg unter der Leitung von Dr. Ernst K:ohn noch eine Herbstwanderung: Biese nthal— P r e n d e n—. L a n k e— H e l l s e e. Abfahrt 8.55 Uhr Stettiner Fernbahohof. (Sonntags-Rückfahrkarte nach Biesenthal.) Auskunst: Corne, lius 2780._ Groß-Bertiner parieinachrichien. UM. Abt. Die Funktionärsiquna findet nicht heute, sondern irvrzen, Mittwoch, 20 Uhr, bei Pomp, Ecke Hassclwcrder. und Fenustrnhe, statt. Am Freitag, dem 28. August, wird das„Filmeck", Berlin SO. 38, Skalihiw Strafe s», nach vollständiger Renovierung um 8.30 Uhr mit dem Film:„Rio wieder Liebe" eröffnet. Bcrantwortl. wr die RcdatMon: Lerbert Leotre. Berlin: Anileigcn: Tb. Stocke. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. 6.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SJB 68, Lindenstrake 3. Hierzu 1 Beilage. LZssls IwesM ZleslMiigr Unter den Linden. Anfang 20 Uhr Der fliegende Holländer. StBaU.Sdiaasiiielli. j Schiller- Theater Gendarmenmarkt.| Charlottenbnrg. Wiederbeginn der Verstellungen am Sonrabend, d, 29« Aufjust Dienstag, 28. Aug. Stadl. Oper Charlottenburg Bismarckstiaße 34. Turnus I Anfang 20 Uhr Don Pasquale Komische Oper Friedrichsir. 104 SVt Uhr Frauen haben das gern... dtusikal.nchvank von Arnold Musik t. Walt. Kollo Kurllirstenaaimn- Theater Bismarck 448/49 JT/TÜhTj Die schöne Helena «an lacauesOllenDadi finale: Max Bnlnhardi Theater im Admlralstialasi Täglich SV« Uhr Rotter-Gastspiel Die Dobarry mit Gitta Aipar Sommcrpr. 0�0-7.001 Preise: 0,50 bis 12,50 Barbarossa 0256 Hgl. 5 u. 81/2 U. Die Presse schreibt: ...Glutsonamrn lader , 5:3)1"(Von. Ztg.) Eines der besten Programme des I obres! l(Berliner Tagebl.) Theater desWestens Tägl. 5 u. 8'/. Volksvorstellungen Viktoria und ihr Husar Billigster PI. 0.50 M TeuersttrPI. 2.50 M. Taglich S und SIS Sonnt. 2, 5 u. 815 „ Um 9 Uhr mußidtfndie Kaserne!" mit Fritz Servos MONNA. TYMGA DRESSLER&ERA D.das groBa Prooranm metropol-Theaier Täglich 8 Uhr Die Toni aus Wien Uichael Bohnen sveUbrCASINO-IHEATERsVsühr Lothringer Strafe 37. iiiiiiiiiHiiitiiiiiiiiiiiiiiiMiHiiiiimiiiiniiiiiiiiiiiiiiiMiMiinlimim Der ErBffnungs-Schlager Das Parfüm meiner Frau dazu ein erstklassiger bunter Teil. Für die Leser; Gtsiscfaein 1— 4 Pen. Rang Mitte I M., Fauteuil u. Balk. 1,25 1VL, Sessel 1,50 M. Sonstige Preise: Parkett 75 Pf.. Rang 60 PI. BETRIEB KEMPiMSKlTr? PROGRAMM für die Zeit vom 25. bis 27. August K I N O-T A F E PROGRAMM für die Zeit vom 25. bis 27. August Potsdamer Strafe 35 W. 5, 7, 9. S. z. 5. 7, 9 Uhr Monte Carlo mit Jeanetie Mac Donald, Regie: Ernst Lnbltoch Rhcinstra�e 14 Kail-Fiche) W. 5. 7, 9, S. z 5, 7, 9 Uhr Verlängert! Der tdirecken der Garnison mit Felix Brcssart, Locle Englisch Für Jugendliche freigegeben Odeon, PoisdamerStr.75 W. 5, 7, 9, S. S. 5, 7, 9 Uhr Ich heirate meinen Mann mit Trade Berliner, Igo Sym, Szdke Szakall Turmstrage 12 Lfiu.Su Verlängert! Der Schrecken der Garnison mit Felix Bi essarf, Lacie Englisch Für Jugendliche freigegeben in Aicxanderstr. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag geöffnet Sonntags ab 3 Uhr Greta Garbo spricht deutsch Anna Chrisile g""untar«tan undan M Die Kamera üwden» Auf vielfachen Wunsch: Charlie Chaplins bester Film „Goldrausch" des großen Erfolges wegen bis auf weiteres verlängert! Nur die Kamera zeigt letztmalig die einzige noch in Deutschland vorhandene Kopie dieses Films! E Westan""" Primus-Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margaretenstr. Wochentags 5.15. 7.15, 9.15 Uhr Sonntags 3.15, 515. 7.15. 9 15 Uhr Uraufführung des Aafa-Tonfilms Die Fraa, von der man sprichi mit Mady Christians, Hans StQwe Regie: Victor Janson Franziskaner Ä'"™™ Qeorgenstraße(Ecke Friedrichstraße) Nadttlokal mit Evelyn Holl- Tonlustspiel; Seitensprünge— Tonbcipr. A— x1|Ct,_< Film n. W. 6 30 U, F\riUSnOI Bühne Sonntag 5 U. Perleberger Str. 29 Tonfilm Schicksal der Renale Langen mit Mady Christians— Lästiges Beiprogramm— Tonwache W: MS"•«os U VV Cll-mno Sonnt ab 4.45 U. Alt-Moabit 99 100 proz. Tonfilm Das Geheimnis der roten Katze mit Siegfried Arno— Tonbeiprogramm Kant-Liditspiele Kamslr 54(an dcrWilmersdorfer Str.) W. 5, 7, 9 Uhr S. 3, 5, 7, 9 Uhr Verlängert! Der Schrecken der Garnison mit Felix Bressarl, Lade Englisch FUr[ugendliche freigegeben Wilmersdorf Atrium Bcba-Palasi Kaiserallee, Ecke Berliner Straße W. 7 u. 9.15 Uhr S. 5. 7, 9.15 Uhr Uraufführung! Der Raab der Mona LUa mit Willi Forst» Trade von Molo— Tonfilmbeiprogramm ■«Chanebora j Titania Schdnebg. Hauptstraße 49 Sonntags 3, 5, 7, 9 Uhr 103 proz. Tonfilm: Zwischen Nacht und Morgen— Ton- beiprogramm— Ton Wochenschau Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 65 Wochentags 5. 7, 9 uhr Sonntags 3. 5. 7. 9 Uhr Tonlustspiel; Der Schrecken der Garnison mit Felix Bressari, Lacie Englisch— Gates Beiprogramm Für jugendliche freigegeben m stegm« j Titania-Palast slg.�Vou; Steglitz, Schloßstr.S. Ecke Qutsmuthsstr. Tonfilm-Uraufführung: Meine Cooslne ans Wanchan mit Liane Haid— Tonbeiprogramm— Tonwochenschau > Ichlgndo'rf-Mlttn M 7-Ii Wochentags 7, 9 Uht "*-11 Sonntags 5. 7. 9 Uhr Potsdamer Str. 40 Stg. 3 Uhr:(ugcndv Tonfilm: Die Firma heiratet mit Oscar Karlwcis, Ch. Ander— Bei' Programm Vf_ f i Mariendorter Wochentg. i la- L,1 Tonlichtspiele 6'/», 9 Uhr Chausseestr. 305 So ab S U Tonlustspiel: Der Schrecken der Garnison mit Felix Bressarl Tonbeiprogramm Jugendliche haben Zutritt Tivoli Berliner Str. 97 Tägl S, 7, 9 U. Stgs. 3 Uhr: Jug.-Vorst Tonfilm: Das gestohlene Gesicht (Kriminalkomödie) mit Max Adalbert Toubciprogramm M NRuköiln j Mercedes- Palast Hermannstraße 212, Ecke Jägerstraße Woch. 6Vi, 9 Uhr. Stg. ab 3 Uhr Der Schrecken der Garnison mit Felix Bressarl Bühne; Zigeunerkapelle Graclanescn Max Nenbert(Lachsalven) 2 Sylyers(Tanzkunst) Jugendliche haben Zutritt Primus-Palast Am Hermannplatz, Urbanstr. 72/76 Wochentgs. ab 6J0 U. Sonntgs ab 3 U. Der Schrecken der Garnison mit Felix Bressarl Bühne; Zigeunerkapelle Gracianercn Max Nenbert(Lachsalven) 2 Syivers(Tanzkunst) Jugendliche haben Zutritt Wochent. 6.45, 9 U. Sonntag 5(J.-V.3) Kukuk KottbusserDamm 92 Tonoperette; Monte Carlo mit Jeannette MacDonald(Regie; Lubitsch) Beiprogramm Wochent. 6.45, 9 U ErXCClSlOr Sonntag 5, 7. 9 Uhr Kaiser-Friedrich-Straße 191 Tonfilm: Nie wieder Liebe mit Lilian Harrey* Brcssart« Liedtke Tonbeiprogramm Stern, Hermannstraße 49 Wochent. 6.45. 9 U. Sonnv 5. 7, 9 Uhr 100 proz. Tonoperette: Nie wieder Liebe mit Lilian Harrey. Brcssart« Liedtke— Tonbcipr ogr, Lichtspiele Südwest Blücherstr. 12 W.>/,7. So. ab 5 Uhr Tonkomödie; Schneider Wibbel mit P. Henckels, W. Zllzer, Thea Grodyn— Tonw.— Beiprogramm Film-Palast Kammersäle Teltower Str. I W. 6JO. Stg. ab 3 30 U. lOOproz Tonfilm: Kinder vor Gericht (Sache August Schulze) HInde hoch mit Ken Maynard Süden Th. am Moritzplatz Beg. Wo. 6.30, 9, Stgs. ab 4.30 Uhr Tonoperette: Faschingstee mit Anny Ahlers, Janssen, Verebes Narkose mit Altred Abel Südoathn M Luisen-Theater Reichenbergcr Str. 34 Anf. W. ab 6 30 U. Stg. ab 3 U Tonoperette; Walrerparadtes mit Grell Tbeimer, Charlotte Sosa Achtung, Autodiebe mit Harry Fiel Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Wochtgs. ab b'h v., Sonntags ab 3 U. Tonfilmschwank: Der Schrecken der Garnison mit Felix Bressarl Bflbncnschan Jugendliche haben Zutritt Lichtspielhaus Baumschulenstr. 78 Wochent. 6 30, 9 U. Sonnt 4, 6 30,9 U Sonnt 2 Uhr: Jugend-Vorstellung Tonfilm: Seitensprünge mit O. Slma, G. Maurus, Sandrode— Tonbeipr. Sternwarte- Treptow Dienstag 8, Donners ag 8 Uhr; Aegyptlsabe Reise, Expeditionsfilm Donnerstag dazu: Dr. Doütle «Elysium" Prenzlauer Allee 56 Wo. 5.15, 7.00, 9.15. So. ab 3 Uhr Jugd.-V Der Schrecken der Garnison mit Felix Brcssart, Lacie Englisch Bühne: Harry Dienenstein Foxfonwocfae Jugendliche haben Zutritt Fiora-Lichtsp. AukeA" W. 6V2. 9 U., Stg. ab 4 U. Das Ekel mit Max Adalbert Kabav ettonfilm— Beiprogramm Tonwoche ■ 0aten• Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochentgs. 6.30 U- Sonntags ab 5 Uhr Das große Tonlustspiel: Die Million Regie: Rend Clair Bü: Zwei gr. Varielt- Attraktionen Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt Luna�Palasts�Ä Große Frankfurter Str. 121 Tonfilm Nie wieder Liebe mit Lilian Hnrvcy, Felix Brcssart, Harry Liedtke Bühne: Gastspiel Bastcrda-Balleit Schwarzer Adler Woch. 5, 7. ca. 9, Stg. 3, 5.7.90 Der Schrecken der Garniion mit Felix Brcssart— Beiprogramm Neneste Woche— Jugendliche Zutritt V. T. Lichtspiele viktoria Frankfurter Allee 48 W. 5. So. 3 Uhr Wegen Riesenerfolg verlängert Der Schrecken der Garnison mit Felix Brcssart Gutes Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt fl Zentrum M Babylon, am Bülowplatz Wochentags 5, 7, 9.10, Sonntags 3 Uhr lOOproz. Tonfilm; Der Schrecken der Garnison m. F. Dressart, L. Englisch Bühne: Eili Gläljner Jugendliche haben Zutritt M NRU'llchtenberq M Kosmos-Lichtspiele Lückstr. 70 Wochent. 7, 9 Uhr Sonntags 5. 7. 9 U. lOOproz Tonfilm: Die Maske fällt mit Lissi Arna, Anton Pointner Tonbeiprogramm— Ton wochc Ff a Wochent 7 u 9U tiarmunie Sonnt 5. 7 u. 9 u Langhansstr. 23 Tonfilm Voran! ersaefa an g m Gast. Fröhlich, Ch. Ander. Basscrmann Tonbeiprogramm Schloßpark FUm. Bühne Berliner Allee 206—216 6,30. 9 Uhr Tonlustspiel: Der Schrecken der Garnison mit Felix Bressarl Gates Beiprogramm Friedrichsfelde Kino Busch wo�msu.ou. Ali-Friedrichsfelde j lOOproz. Tonf.: Sonntag des Lebens mit Cam. Horn, O. Marion Beiprogramm— Woche a Noraen j Alhambra EckÄ»««36, Wochent. 5. 7. 9 U., Sonnt. 3, 5, 7, 9 U Verlängert: Der Schrecken der Garnison mit Felix dressart, Lacie Englisch Für Jugendliche freigegeben. Pharus-Lichtspicle Müllerstr. 142 W.5,7,9U., Stg. 3,5,7, 9U. 100 proz. Tonfilm: Opemredoule mit Liane Haid, Georg Alexander Kapitän Halls groHe Liebe. Deiprogr.— Für Jugendl. freigegeben fl Pankow Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 7 u. 9, Stg. 5. 7. 9 U. Tonfi'm: Das Ekel m Max Adalbert, A. Abel. E. Holt- Tonbeipr og ramm Jugendliche haben Zutritt « 1fcgel fc Filmpalast Tegel suSfe"'* Wochent. 6. Sonnt. 41;s U. lOOproz. Tonfilm; Der Schrecken der Garnison mit Felix Brcssart, Lacie bnglisch— Buhne: FrcdScfaaal: Im weißen Rößl. � Mcmiigtqorf W Fümpalast Sta. Berliner Straße 5v lOOproz. Tonfilm: Dämon des Meeres m. W. Dieterlc, Lissi Araa Bühne: 4 Trojanys, Akkordeon-Virtuosen— Tonbcipr. SlialauWa&B jfo kerhOnMi (Beilage Dienstag, 25. August 1931 \ erlbr eehertiekämpf iiiig' Wie der preußische Polizeiapparat aufgebaut ist Die Verbrecher haben Schritt gehalten mit der Zeit. Sie arbeiten mit Gasen, sie fliehen im Flugzeug. Sie haben sich„spezia- liflcrt". Aber genau so hat sich in den letzten Jahrzehnten die Krimina- listik weiterentwickelt. Vom Handwerk zur Wissenschast. Große Organisationen sind entstanden, Zentralstellen, Sammlungen. Fast olle haben ihren Sitz in Berlin. Nicht minder verändert haben sich die Ausbildung und der Aufgabenkreis der Kriminalbeamten. Der folgende Artikel soll nicht zuletzt der Oesfentlichkeit zeigen, wofür die preußische Kriminalpolizei ihre Beamten und Gelder verwendet. Ein Gesetz liegt bei den Akten. In dem Dörfchen Barver, Kreis Sulingen, Provinz Hannover, wird ein Mann erschossen aufgefunden. Für die Klärung der Tat und die Ermittlung des Täters ist der Landjäger von Barver zuständig. Aber die Untersuchungen er- scheinen recht kompliziert. Wer wird den Landjäger unterstützen? Jeder Polizei- und Kriminalbeamte war früher nur in seinem Ortsbezirk zuständig. So stand in unserem Fall der Landjäger aus Barver ganz allein seiner Aufgabe gegenüber. Beim Anwachsen der Kriminalität in der Nachkriegs- und In- flationszeit führte dieser Zustand oft zu Schwierigkeiten. Besonders deutlich wurden sie bei der Verfolgung der Rathenaumördcr. Unter der seelischen Wirkung dieser Bluttat verabschiedete der Reichstag ein Reichs-Kriminal-Polizeigesetz. Alle Kriminalbeamten wurden dem Befehl einer Reichsstelle unterstellt, nach deren Direktiven sie im ganzen Reich handeln konnten. Aber dies Gesetz unterschied sich in einem wesentlichen Punkt von den sonst in Deutschland geltenden: ihm fehlte der Paragraph, der den Zeitpunkt des Inkrafttretens festlegte. Man sah wohl finanzielle und organisatorische Schwierigkeiten. Zudem wurden die Stimmen mancher Länder laut, die besorgt waren, auf einen Teil ihrer Rechte verzichten zu müssen. Bis heute ist das Reichs-Kriminal-Polizeigesetz nicht in Kraft gesetzt worden. Lkp. Es wäre wohl noch immer alles beim alten, hätten nicht einzelne Länder für ihr Gebiet, darunter Preußen im Jahre 1325, die Initiative ergriffen. Man schuf eine preußische Landes- triminalpolizei(Lkp.). Durch eine Reihe von Verordnungen wurden in ganz Preußen neunundzwanzig Landeskriminalpolizeistellen errichtet. Jedoch wurde für diese kein besonderer Beamtenstab«ingesetzt, sondern die Ber- liner Kriminalbeamten sind beispielsweise gleichzeitig die Beamten der Landeskriminalpolizeistelle Berlin, Diese ist für Berlin und die ganze Mark Brandenburg zuständig. Die Väter dieser Verordnung waren der Staatssekretär Dr. Ab egg, der Ministerialdirigent Dr. Gräser und der Polizei- Vizepräsident Dr. W e i h. Die Landeskriminalpolizei st ellen müssen ein- greisen: bei Anforderung durch die Ortspolizei: auf Ersuchen einer Justizbehörde: aus Grund einer Anweisung des Regierungspräsidenten. Aus eigener Initiative handeln sie bei allen Ereignissen, die einen größeren Teil der Bevölkerung beunruhigen könnten, so bei politischen Verbrechen, Brandstiftungen, Einbruchsserien. Diese Stellen haben eine einheitliche Leitung im preußischen Landeskriminalpolizeiamt in Berlin. Dies sorgt für gleichmäßige Tätigkeit und Zusammenarbeit. Es überwacht die Ausbildung, Ausrüstung und Fortbildung der Beamten. Es hat zwar kein Aufstchts-, wohl aber das Jnspektionsrecht und unter- breitet dem Minister seine Feststellungen und Vorschläge. Der Landjäger in Barver setzt sich heute also— nachdem er den Toten, den Tatort und die vom Verbrecher hinterlassenen Spuren vor einer Veränderung durch Dritte geschützt hat— an das Telephon und ruft seine Lkp.-Stelle an. Diese entsendet daraufhin die notwendigen Beamten an den Tatort. Mutmaßlich auch wird sie die Nachricht über die Funkstelle Hannover an die deutschen Polizeibehörden weitergeben. Denn die deutsche Polizei verfügt über ein ausgedehntes ff u n k n« tz, das dem internationalen Netz angegliedert und in Sendebezirke aufgeteilt ist. Zentralstelle ist wieder Berlin. Die einzelnen Sendestationen können gegebenenfalls nur ihren Bezirk, ober auch durch Funkspruch„An Alle" sämtliche deutschen Polizei, behörden erreichen. Die Gebezeiten der einzelnen Sender sind genau festgelegt und— wie die Wellenlängen— geheim. Sollte der Täter den Bezirk seiner Lkp.-Stelle bereits verlassen haben, so wird diese sämtliche deutschen Polizeibehörden veranlassen, on der Fahndung mitzuarbeiten. Der Erkennungsdienst arbeitet. Eines Nachts erwischt man in Erfurt aus der Fassade einer Villa einen Herrn. Er lärmt, behauptet mondsüchtig zu sein. Jedoch die bei ihm gefundenen Werkzeuge lassen sein Abenteuer nicht ganz so harmlos erscheinen. Man behält ihn in Haft. Aber mit dieser nächtlichen Kletterei allein kann die Kriminal- Polizei nicht viel anfangen. Wird man ihm etwas anderes nach- weisen können? Er legitimiert sich mit einem Paß als Amerikaner Edgar Albrecht. Die Erfurter Beamten sehen das Steckbriefregister auf diesen Namen hin durch. Dieses Register bekommt in Hestchenform jeder Polizeibeamte aus Berlin geschickt. Außerdem versendet das „internationale Steckbriefregister, Berlin" laufend Kartotheken zu den Steckbriefkarteien, die sich auf jeder Pclizei- behörde befinden. Aber Herr Edgar Albrecht ist nicht darin. Trotzdem glaubt man ihm seine harmlose Rolle noch nicht ganz. Auch auf einen Paß ist nicht immer Verlaß! So gehen seine Photographie, sein Z e h n f i n g e r a b d r u ck und eine ausführliche Personalbeschreibung an die Er- kennungsdien st zentrale, Berlin. Die deutschen Länder haben gemeinsam diese Stelle errichtet. Ihr sind die Fahndungs-und Nachrichtenzentrale an- gegliedert. Dort wird der Personalbogen unseres Amerikaners zunächst noch einmal mit zwei Steckbriefkarteien verglichen. Die eine ent- hält— wie der Erfurter— die Namen aller Gesuchten. Die anoere stellt eine systematische Zusammenstellung aller ähnlich ausgeführten Straftaten dar. Denn 0cs öfteren ist es schon gelungen, aus der Art, wie beispielsweise ein Einbruch ausgeführt wurde, Mut- mahungen über den Täter zu äußern. Aber auch hier kann unser Amerikaner nicht näher identifiziert werden. Man wird also seinen Personalbogen auf Einzelheiten hin ansehen. Zunächst und vor allem: die Fingerabdrücke. Die dem Erkennungsdienst angegliederte Zehnfingerabdruck- fammlung oerfügt über die Abdrücke von zwei Millionen Menschen. Der Abdruck fast jedes in Deutschland Verhafteten geht zur Identifizierung und Ausbewahrung hierher. Außerdem wird man das Lichtbild unseres Amerikaners mit den Photos des Verbrecheralbums vergleichen. Eventuell auch geht seine Handschrift noch zur Handschristenzentral- st e l l e, die die Schristzüge aller„schreibenden Verbrecher" auf- �bewahrt, so die der Urkundenfälscher und zahlreicher Betrüger. Jedoch weder ein Photo, noch ein Fingerabdruck oder eine Handschrift werden gefunden, die von unserem Amerikaner stammen könnten. So gibt man seine Abdrücke noch einmal zur E i n z e l f i n g e r- abdrucksammlung. Diese enthält alle Fingerspuren, die an Tatorten entdeckt wurden, bei denen der Täter aber noch nicht de- kannt ist. Unsere Zeit hat erkannt, daß für die Erhaltung der Volks- gefundheit(neben unserem Krankenkassensystem, das jedem die Mög- lichkeit gibt, rechtzeitig sich in Krankheistfällen behandeln zu lassen) es von ungeheuerer Wichtigkeit tst, breite Volkskreise über Gesund- heitspfleg« aufzuklären. Das heißt keineswegs� daß ein so auf- geklärter Laie selbständig entscheiden sollte über eine Krankheit. Der Laie soll»ur allmählich sich so schulen, daß er in der Lage ist, eine im Entstehen begriffene Krankheit zu erkennen und zu verhüten, daß sie weiter verbreitet wird, wenn sie ansteckend ist, wie unter den vielen Hautkrankheiten z. B. die K r ä tz e. Sie wixh' bekanntlich durch tierische Parasiten,, die Krätzemilben, erzeugt, di«�' auf oder auch in der Haut von Warmblütlern leben und beim Tier die Räude verursachen. Mit dem bloßen Auge kann man die Tiere nicht sehen, aber mikroskopisch kann man feststellen, daß sie etwa 0,23 Millimeter breit und 0,3 Millimeter lang sind. Nur die befruchteten Weibchen lösen die Krankheitserscheinungen aus, indem sie sich in die Hmit bohren und Eier lagern. Rein äußerlich sieht man nur punktförmige schwarz« Schmutzeinlagerungcn in der Haut. Der dauernde Reiz der lebenden Fremdkörper ver- ursacht Rötungen und Entzündunzen, die bei zarter Haut besonders von Kindern, in den Hautfalten der Achsel usw., Neine knötchen- förmige auch wurstförmige lebhaft rötliche Infiltrationen hervor- rufen. Da die Krätze stark juckt und meist ebenso stark gekratzt wird, so ist der Anblick eines zerkratzten Körpers, wo man deutlich frische, ältere, infizierte und nicht infizierte Kratzeffekte siecht, immer der Krätze verdächtig. Durch oas Kratzen entstehen häufig auch Eiter- bläschen oder sogar Furunkel und Blutkrusten. Ein weiteres Zeichen für Krätze ist, daß das Jucken bei Nacht besonders heftig austritt. Di« Milbe führt nämlich ihre hautbohrendcu Kriechbewogungen nur in der Nacht aus, untertags verhält sie sich ruhig. Di« Uebertragung erfolgt von Individuum zu Individuum durch Schlafen in einem Bett usw., aber auch durch Kleidungsstücke, gemeinsam benutzte Handtücher und Wäsche. Aus diesem Grund sollte man in Bedürfnisanstalten endlich, die Handtücher abschassen, an denen sich im Laus des Tages Hunderte abtrocknen. Man sollte dafür, ebenso in den Schulen, Papiertücher zum Fortwerfen nach Gebrauch oder Heißlusttrockner anschaffen. Die Inkubationszeit, d. h. die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch der Krankheit, erstreckt sich auf etwa 2 bis 3 Wochen. Innerhalb 3 bis 4 Tagen kann man eine Heilung erzielen, wenn man den Anordnungen des Arztes strikt folgt. Der Patient wird in ein warmes Bad gefetzt für 15 Minuten. Dann wird er am ganzen Körper, Finger und Zehen eingeschlossen, ebenso jeder Körperwinkel, mit Schmierseife gründlich eingeseift. Mit Seife und Seifenschaum bedeckt geht der Patient dann wieder weitere drei- viertel Stunde in die Badewanne zurück. Dattdch wird er abgetrocknet und mit einer K r ä tz e s a l b e, wie sie der Arzt verschreibt, voll- kommen eingerieben. Mit Hemd und Beinkleid oersehen bleibt der Kranke die zwei folgenden Tage im Bett, nachdem er morgens und abends immer wieder mit Krätzesalbe«ingerieben ist, ohne daß er sich waschen darf. Am dritten und vierten Tag bekommt der Patient ein R e i n i g u n g s b a d in der gleichen Weife wie bei Beginn der Kur, doch darf respektive braucht dies nicht länger zu dauern als eine halbe Stunde. Nach dieser Prozedur sind Milben, Eier und Larven getötet und der Patient ist wieder geheilt. Der Kops wird von Krätze nicht befallen. Zu beachten ist, daß die von dem Kranken getragene Wäsche gründlich gekocht werden muß. Wollene Sachen, die nicht gekocht werden können, desinfiziert man in allen Fällen durch heißes Bügeln. Das Nesselfieber ist leine infektiöse Hautkrankheit. Es gehört vielipehr in das so sehr interessante Gebiet der allergischen Krankheiten. Jeder weiß aus Erfahrung an sich oder anderen, daß viele z. B. nach dem Genuß von Erdbeeren Nesseln bekommen. Ein anderer kann den Genuß von Wein nicht vertragen, er verursacht\ bei ihm die Nesseln, beim anderen ist es wieder eine Hautsalbe oder sogar der Pelztragen des Mantels, die Füllung der Feder- kissen oder Matratzen usw. Daraus wird ersichtlich, daß Allergen« die manigsochsten Stoffe sein können, die bei den verschiedenen Menschen jedoch nicht nur Nesselfieber, besonders auch alle Arten anderer Erkrankungen, wie Herzbeschwerden, Erbrechen, Darm- katarrh, Gallenbeschwerden usw., auslösen können. Wergisch Ein sehr einfaches Verfahren ermöglicht es, jeden Fingerabdruck haarscharf und in einer Minute aus einer Folie abzuziehen, ohne daß dadurch die Originalspur beeinträchtigt wird. Jeder deutsche Pali,zeibeamte ist mit einem„Spurensicherung-sbesteck" ausgerüstet, in dem er alle Werkzeuge findet, um Fineerabdrücke festzustellen, gegen Verwischung zu sichern und auf eben diesen Foliokärtchen abzuziehen. In dieser Sammlung finden die Beamten nun endlich einen Abdruck unseres Amerikaners! Auf der Karte einen Hinweis, wo in der P e r so n a l a k t e n s a m m l u n g die betreffenden Akten liegen. Es sind Akten:„Täter unbekannt. Mord in Barver, Kreis Sulingen". Jetzt weiß man: die Erfurter Beamten haben einen„guten Griff" getan. Aber man weih immer noch nicht, wer dieser Amen- kaner nun eigentlich ist. So geht sein Signalement an alle Erkennungs- dien st zentralen der Welt. Die Berliner Zentralstelle schickt zu solchen Feststellungen jähr- lich über hunderttausend Briefe ins Ausland. In diesem Fall meldet sich nach wenigen Tagen ein amerika- nischer Staat. Er sucht den Mann, in Sachen Bankeinbruch und Alkoholschmuggel. Er nannte sich drüben zwar Jimmy Schuchardt. Aber er hatte den gleichen Fingerabdruck. Der gestohlene Paß hat ihm nichts genützt. Ein paar Tage später trifft ein Brief aus Australien ein. Der Mann ist in Sidney geboren, heißt Thomas Crawley und ist nach Begehung mehrerer Straftaten flüchtig. Beide Staaten bitten um Auslieferung. Die Untersuchungen der Berliner Erkennungsdienstzentrale find abgeschlossen. Jetzt kann in Erfurt das Verfahren eröffnet werden. (Ein zweiter Artikel folgt.) R I7Jniann- reagieren heißt anders reagieren als der gesunde Durchschnitt der Menschen, der von diesen Erkrankungen unbehelligt bleibt. Gerade hier wäre zu wünschen, daß die Eltern ihre Kinder von Geburt an auch unter dem Gesichtspunkt beobachten, ob sie so eine allergische Krankheitsbereitschaft haben, es würden dadurch viele Krankheiten vermieden, deren Ursache man erst mühselig suchen muß, die oft jahrelang den Organismus schwächen, und die vielleicht durch Aus- wechseln des Kissens mit einem Schlag beseitigt werden könnten. In einem mir bekannten Kinderheim erkrankten gelegentlich ein Teil der Kinder an Nesselfieber. Man fahndete lange vergeblich nach der. �Veranlassung, bis ein. Zufall ergab, daß als Allergen ein 'tieu eingeführtes Bohnerwachs auf dem Fußbodön an- zusprechen war. Man scheuerte den Fußboden und das Nesselfieber oerschwand. Bei der Urticaria(Nesselfieber) ist das unangenehmste der Juckreiz. Sprunghaft werden die verschiedensten Körper- teile von roten Flecken, die sich zu großen Quaddeln entwickeln können, überfallen. Der Beginn erfolgt so plötzlich und in der Regel so stürmisch, daß ein Mensch, der eben noch gesund war, plätzlich vor rasendem Jucken sich kaum zu retten weiß. Sellen wird vorher über Unbehagen oder sonstige Störungen geklagt. Häusig leiden Rheumatiker stark unter Nesselfieber, das bei ihnen durch Salizylpräparate, die sie gegen Rheuma nehmen, hervorgerufen wird. Am zweckmäßigsten behandelt man das Nesselfieber bei den allergisch reagierenden Menschen, indem man das Allergen aus- schließt aus der Berührungswelt des Betreffenden. Bei gelegentlichem Vorkommen bei anderen Menschen sorgt man für leichten Stuhl, weil ausgiebige Entleerung des Darmes oft prompte Heilwirkung zeitigt. Scharf gewürzt« Speisen sind während des Nesselfiebers zu meiden. Am besten legt man den Patienten zu Bett, auf jeden Fall sind körperliche Anstrengungen zu verbieten. Unnötige Erhitzung des Körpers durch Federbetten verstärken den Juckreiz. Der Patient soll nach Möglichkeit nicht kratzen, keine kalten Bäder oder gar Einreibungen mit Seife vornehmen, in hartnäckigen Fällen soll man nach Rücksprache mit dem Arzt viel- leicht leichte warme Bäder nehmen. Ausgesprochen juckreizstillend wirkt das Betupfen des Körpers mit A l ko h o l oder auch das Ein- streuen eines reizlosen, milden Streupuders. Zu empsehlen ist die innerliche Darreichung von Kalzium Präparaten, die in Schokoladenform auch von Kindern gern genommen werden. Neuerdings ist man auch bereits so weit, daß man die allergisch« Krankheitsbereitschaft als solche bekämpft, indem man Einspritzungen von Aufschwemmungen des schädigenden Allergens macht, das man vorher durch Hautreizung einwandfrei festzustellen in der Lage war. 8usi Bork. Berafnngsgtelle für Sprachge�törte In Nürnberg wurde eine Beratungsstelle für Sprachgestörte ins Leben gerufen, die erste derartige Be- ratungsftelle in ganz Deutschland. Der Besuch der ersten Sprech- stunden bewies, daß diese Beratungsstelle eine notwendige Ein- richtung ist. In der ersten Sprechstunde mußten zwei Drittel aller Besucher abgewiesen und auf die nächste vertröstet werden, in der zweiten Woche sah man sich genötigt, Sondersprechstunden einzu- führen. Obwohl die Eröffnung der Beratungstelle lediglich in den Schulen bekanntgegeben und durch eine kurze Notiz in den Tageszeitungen mitgeteilt wurde, fanden sich bereits zur zweiten Sprechstunde viele Besucher von auswärts ein, und zwar nicht nur aus der nächsten Umgebung Nürnbergs. Wie alle Nürnberger Be- ratungsstellen arbeitet auch die Beratungsstelle für Sprachgestörte vollkommen kostenlos und wie alle Beratungsstellen Nürn- bergs hat sie ihrem Namen gemäß nur die Ausgabe der Beratung und nicht die Ausgabe der Behandlung zu erfüllen. Das Hauptkontingent der Ratsuchenden stellen Eltern sprachgestörter Kinder. Als sprachgestört gelten vor allem Stotterer, Stammler und Menschen mit Gaumenspalten. Stottern und Stammeln kann so verschiedenartige Ursachen haben und sich so verschieden aus- wirken, daß in der Beratung festgestellt werden muß, ob der Haus-, ein Nerven- oder ein Zahnarzt behandeln soll. Handelt es sich um Sprachstörung infolge des Milieus, so bemüht sich die Beratung?- stelle um Erziehung der Eltern und Erzieher.—et»— Krätze, Nesselfieber Zwei Hautkrankheiten, die man kennen sollte Drei Arbeitersportfeste in Friedenau, Brandenburg und Saarmund Der Bezirk Friedenau der FTGB. hielt ein Sportfest ab, das vom besten Wetter begünstigt war. Leider war auf dem Sport- platz das Hissen der Turnerfahnen untersagt: die bekannte Flaggen- angelegenheit des Kriegervereins, in der seinerzeit Oberbürger- mcister Büß nach Friedenau kam, war der Anlaß zum Verbot. Da- für prangten die Reichssarbcn Scharz-Rot-Gold und drückten der Beranstaltung den Stempel aus. Spannende und interessante Kämpfe gab es, immer wieder schoben sich Friedenau, Teltow und Schöneberg nach vorn zur Entscheidung. Zweimal waren auch die Sozialistischen Studenten und SC. 30 Sieger. Männer, 100 Mrtcr, Endlauf: 1. Schubert Il�i: 2. Tief» 11,7(sämtlich Friedenau).— 800 Meter: 1. Reimonn(Soz. Studenten) 2:13,2: 2, Ba�cr (Echöncberg) 2:13,8.— Diskus: 1. Fringel(TelwV) 32,2.1 Meter: 2. Bayer (Schöncberg) 28,30 Meter.— Runclftofefit(beidarmig): 1. Fringel(Teltow) 18,01 Meter: 2. Bayer(Schonebcrg) 17,13 Meter.— 4 mal 100 Meter: 1. Friedenau I 49,1: 2. Schöneberg 30.— Jugend, 4 mal 100 Meter: 1; Friedenau 52,6; 2. Teltow 53,6.— 100 Meter: 1. JUteitoim(Friedenau) 12,2; 2. Sera«SC. SO) 12,8.— Weitsprung: 1. Kliernann(Friedenau) 5,51 Meter; 2. Lerz(SC. SO) 5,45 Meter.— Diskus: 1. Laubig(Echöneberg) 25,48 Meter; 2. Rrakigch(Teltow) 24,47 Meter.— Rugelstvycn(beidarmig): 1. Krakisch (Teltow) 17,69 Meter; 2. Lerz(SC. 30) 17,57 Meter.— 1000 Meter: 1. Lerz (SC. 30) 3:18; 2. Gicse(Schöncberg) 3:28,3.— Frauen(sämtlich Schöneberg), 100 Meter: 4. Zeutsch 14,7; 2. Rzcpta 13,2.— Weitsprung: 1. Zentsch 3,70 Meter; 2. Bzepia 3,40 Meter.— Kugelstoge»: 1. Zeutsch 5,65 Meter; 2. Aszmoneit 5,63 Meter.— Faustball: Friedenau I gegen Schönebcrg kombiniert 23:23(11:13); Teltow I gegen Friedenau l 18:11(8:8).— Fußball: Friedenau II gegen Friedenau III 6:2(1:1); Friedenau I konnte Saxonia I im 3. Spiel in diesem Jahre schlagen. Ergebnis 4:2(1:1). -I- Zum sechsten Male wiederholte sich am Sonntag der B e r- eins-Freundschasts-Zwölfkampf zwischen den Ver- einen ASC.-Berlin, Brandenburg, Rathenow, Burg und Eiche- Köpenick, der in jedem Jahr an einem anderen Ort stattfindet. Die beteiligten Bereine waren fast durchweg mit ihren besten Kräften vertreten, so daß ausgezeichnete Leistungen zustande kamen. Im Hinblick aus die am kommenden Sonntag auf dem Tiergarten- Sportplatz stattfindenden Vereins-Mehrkämpfe der Männer und die am darauffolgenden Sonntag der Frauen in Köpenick ist das Er- gebnis des Freundschaftskampfes aus Brandenburg von allge- meinem Interesse. Männer: 1. ASC. 882,27; 2. Brandenburg 847,56.— Zugend: 1. Rathenow 458,44: 2. ASC. 449,83.— Frauen: 1. ASC. 485,21; 2. Köpenick 478,33.— 100 Meter: 1. bei dt(ASC.) 11,4; 2. L übe mann(Brandenburg) 11,3.— 400 Meter: 1. Wienicke(ASC.) 54,7; 2. Wilberg(Brandenburg) 57,7.— Gesamtergebnis: 1. ASC. 1817,31; 2. Brandenburg 1699,32; 3. Köpenick 1653,66; 4. Rathenow 1565,90: 5. Burg 1123,53.— Beste Einzelleistungen: Männer: 800 Meter: 1. Braun I(ASC.) 2:10,8; 2. W-Hel(Rathenow) 2:16,4.— 3000Meter: 1. Sennert(ASC.) 9:50,2; 2. Faulstick(Burg) 9:56,4.— 4 mal 100 Meter: 1. ASC. 46,1; 2. Rathenow 46,8.— 10 mal eine halbe Runde: 1. ASC. 3:10,4: 2. Brandenburg 3:12,7.— Hochsprung: 1. Koch(Magdeburg) 1,65 Meter; 2. Görsch(ASC.), Frommenhagen(Rathenow), alle 1,60 Meter.— Weit» sprung; 1. Lehmann(Köpenick) 6,20 Meter; 2. Koch(Magdeburg) 6,19 Meter.— Stabhochsprung: 1. Wilde(Magdeburg) 3,20 Meter; 2. Gort»(Brandenburg) 3 Meter.— Kugelstoßen: 1. Schulz(Rathenow) 10,98 Meter; 2. Lemgou(ASC.) 10,90 Meter.— Disiu-w-rfen: 1. LemgaU(ASC.) 32,22 Meter; 2. Friß-(Rath«. now) 30,96 Meter.— Speerwersen: 1. Corts(Brandenburg) 49,90 Meter; 2 Görsch(ASC.) 4932 Meter.— Jugend: 100 Meter: 1. Buqq«(Rathenow) 11,9; 2. Eeiseler(ASC.) 12.— 1000 Meter: 1. Herzog(Rathenow) 2:57,1; 2. Zsense«(Brandenburg) 3:18.— Kugelstoßen: 1. Bugge(Rathenow) 12,89 Meter; 2. Dahn(ASC.) 12,03 Meter.— Diskuswerfen: 1. Lücke(Brandenburg) 31,71 Meter; 2. Drake(ASC.) 31,33 Meter.— Lochsprung: 1. Pope(Rathenow) 1,39 Meter; 2.(Köpenick) 1,54 Meter.— Weitsprung: 1. Schulz(Rathenow) 5,91 Meter; 2. Schlag(Köpenick) 5,85 Meter.— Schwebenstaffel: 1. Rathenow 2:19; 2. ASC. 2:19,6.— Frauen: 100 Meter: 1. Schul,(ASC.) 13,3; 2. Kalk. reutet(Brandenburg) 13,6.— Speerwerfen: 1. Schul,(ASC.) 32,57 Meter; 2. Bernhardt(Köpenick) 27,72 Meter.— Hochsprung: 1. Weidlich(ASC.) 131 Meter; 2. Herrmann(ASC.) 1,21 Meter.— Weitsprung: 1. Heidt(ASC.) 4,48 Meter; 2. Pietack(Köpenick) 4,20 Meter.— Kugelstoß«»: 1. Kölling (Köpenick) 8,10; 2. Foein(ASC.) 7,36 Meter.— 4 mal 100 Meter: 1. Köpenick 55,1; 2. ASC. 56,4; 3. Brandenburg 57,8. * Arbeitersportler der ersten und zweiten Gruppe im 3. Bezirk beherrschten am Sonntag mit ihren roten Fahnen und ihrem bunten Sportdreh Saarmund bei Potsdam. Ueber alles Erwarten stark war die Beteiligung der Gruppenoereine, so daß das erste Gruppen- sportfest ein voller Erfolg wurde. Ergebnisse: Männer, Dretkampi: 1. Hinze.Drewiß 2(77 P.; 2. Bobert-Rowawes 204 P. — Bestleistungen. 100 Meter: Schumann und Hinze 12,2.— Weitsprung: Schu» mann-Rowawes 5,65 Meter.— Kugelstoßen: 9,46 Meter.— Männer, Einzel» kämpfe, Hochsprung: Bobert 4,62 Meter: 2. Bing 1,52 Meter, beide Rvwvwes.— Tistuswerfen: 1. Bing-Rowaes 29,35 Meter: 2. Singer. Rowowes 28/25 Meter. — Jugend, Dreikampf: 1. Nenniger.Charlottenburg 211 P.; 2. Scheerer.Born.» stedt 290,13 P.— Bestleistungen. 100 Meter: 12,5 Echeerer. Bornstedt. Uhlich, Drewitz.— Weitsprung: Nenniger.Charlottenburg 5,50 Meter.— Kugelstoßen: Franz-Spandau 11.45 Meter.— Frauen, Dreikampf: 1. Klucker-Spandau 223 P.; 2. Herrig. Rowawes 212 P,— Bestleistungen. 100 Meter: 14,5 Klucker- Spandau, Kotze. Rowawes.— Kugelswßen: G, Haseloff-Drewitz 6,80 Meter.— Weitsprung: 4X6 Meter Kotze-Rowawes.— Jugend, Einzelkämpfe. Diskus: 1. Buchholz-Rowawes 31,33 Meter; 2. Wildgrube.Bornstelt 31,05 Meter.— Hochsprung; Buchhol,»Rowawes 1X7 Meter; 2. Wildgrube-Bornstedt 1,42 Meter. — Frauen. Einzelkämpfe. Ballweitwerfen: E. Haileloff.Drewitz 45,43 Meter; 2. Kotze-Rowawes 43.80 Meter.— Landball: Fugend Rowawes I gegen Spandau 3:4(3:3); Manner Rowawes II gegen Falkenlee Schwimmer 2:1(1:0); Männer Potsdam gegen Saormund 4:3(1:3): MLnnrr.Bornstrdt gegen Spandtu 5:2(3:1). — Fußball: Jugend Rowawes II gegen Drewitz 2:0(1:0: Zugenid Rowawes I gegen Staaken 2:1: Männer Potsdam II gegen Eharlottenburg I 2:2 ab» gebrochen; Männer Capuch gegen Drewitz 1:2(1:0). MundUocUUb Stadtemannschaft gegen Nordring 13:2 Das Spiel auf dem Reichsarbeitersporttag im Juni scheint das Gute gehabt zu haben, daß man einsah, daß Uebungsspiele nötig find. Ein solches Spiel fand am Sonnabend gegen FTGB.- Nordring statt. Bis auf den linken Läufer waren die Spieler vom Rast zur Stelle; der Ersatzmann von Wedding erfüllte seinen Posten. Die S t ä d t e m a n n s ch a f t zeigte im Sturm gute Zu- sammenarbeit und konnte durch schnelle und gewaltige Schüsse bis zur Pause sechs Tore schießen. Auch die Nordringer standen in der ersten Halbzeit gut durch, aber alle Angriffe wurden von der Verteidigung zerstört oder die Ueberkombination ließ nichts Ver- wertbares aufkommen. In der zweiten Halbzeit wurden in der Städtemannschaft Umstellungen vorgenommen, die beiden Mittel- spieler wechselten ihre Posten. Der linke Läufer ging nach rechts, während links und rechte Verteidigung neu besetzt wurden. Im Sturm machte sich die neue Besetzung bald bemerkbar: Kurz nach der Pause hieß es schon: Tor sieben. Allmählich wurde Nordring in die Berteidigungsarbeit gedrängt, spielte dabei aber etwas hart. Die Städtemannschaft konnte trotz eifrigster Abwehr noch zwei weitere Tore buchen, während es erst dann den Nordringern mög- lich war, einen Angriff überraschend vorzutragen und das erste Tor zu buchen. Schnell lautete das Resultat 12 Tore für die Städte- Mannschaft. Nach und nach gelang es den Nordringern, sich aus der Umklammerung freizumachen und auch noch ein zweites Tor zu buchen. Nachdem die Städtemannschaft noch ein dreizehntes Tor errungen hatte, ließ sie allmählich mit dem Tempo etwas nach, und es bildete sich bei beiden Mannschaften eine enge Spielweise. Mit 13: 2(6:0) hatte die Städtemannschast das Spiel gewonnen. Der feuchte Rasenboden war für die Torwächter schwer, jedoch hatte der Städtetorwart ein besseres Standvermögen. Beim Nord- ringsturm fehlte das Anpassungsvermögen. Niemand traute sich zu schießen, jeder wartete auf den anderen. Die letzten Resultate Am Sonnabend standen sich im Ausscheidungsspiel um die Bezirksmeisterschast des 2. Bezirks die Freie Sportoereini- gung Tegel und F T G B.- N o r d o st gegenüber. Mit 8: 2 (3: 1) konnte Nordost das Spiel für sich entscheiden. Der nasse Boden hinderte die volle Entfaltung der Spieler, trotzdem war das Spiel lebhaft. Die Tegeler waren flink und eifrig am Ball und machten den Nordostleuten den Sieg nicht leicht. FTGB,-Nordost Frauen hatte am Sonntag auf dem Platz an der Schönhauser Allee FTGB.-Stralau als Gegner. Hier hatten die Stralauer Mädels die bessere Spielerfahrung und konnten mit 4: 0(2: 0) als Sieger nach Hause gehen. Die Stralauer Torsteherin zeigte sich von der besten Seite, während ihr Gegenüber etwas zag- Haft war. Die Nordoster verstanden sich zu halten. Das Gesamt- bild stach von den sonst üblichen Frouenspielen bemerkenswert ab. — Volkssport-Wedding-Jugend hatte im Volkspark Rehberge die Freie Turnerschast Sperenberg als Gast. In der ersten Halbzeit waren die Weddinger ständig überlegen und konnten in regelmäßigen Abständen sieben Tore buchen. Trotzdem ließen die Sperenberger nicht den Mut sinken und konnten in der zweiten Halbzeit erfolg- reicher abwehren. Die Weddinger holten dann aber noch drei Tore und wurden mit 10: 0 Sieger.— Fichtenau und FTGB.-Lankwitz trennten sich unentschieden 2: 2. «Solidarität" in Wannsee Bei gutem Besuch brachten die Groß-Berliner Rennfahrer von Solidarität am Sonntag in Wannsee ihre Bahnrennen zum Austrag. Das Hautpintereise fand das O m n i u m, das aus drei Fliegerläusen, einem Punktefahren über sechs Runden und einem Rundenzeitfahren bestand. Dieses Rennen war hart umstritten, was auch aus der eng zusammenliegenden erreichten Punktzahl er- sichtlich ist. Sieger war Schwarz vor Nitschke, Sachtleben und Jentsch-Luckenwalde. Hofsmann gewann dagegen das Ausscheidungs- fahren sowie das 20-Runden-Punktefahren überlegen. Auch die Jugend brachte den Beweis, daß dos bisherige Training nicht ver- gebens war. Besonders Gliesche und Holzhüter konnten ihre Rennen in großer Manser gewinnen. Ein 50-Kilometer-Mannschasts- Rennen, spitzte sich zu einem Duell zwischen Nitschke-Sachtleben tWilmersdorj-Eharlottenburg) und Echwarz-Hofsmann(Berlin) zu. I Durch ständige Vorstöße konnten sie nicht dem übrigen Feld eine Runde abnehmen, wobei sie interessante Kampfmomente zeigten. Das Rennen gewann denn auch mit Punktgleichheit Schwarz-Hoff- mann vor Ritschke-Sachtleben. Die Luckenwalder erlitten Stürze und mußten ausgeben, was um so mehr zu bedauern ist, da sie sonst ein gutes Können an den Tag legten. Omnimir: Siefler Schwarz-Berlin 18 P.; 2. Ritsäste. Wilmersdorf 17 P.; 3. Sachtleben-Eharlottendurfl 16 P.- Iugendstchrrn übet 5 RnnBen: Sicflet Hol�ilter vor Gliesche, Rernhalz, 4:28: Uber 2 Runden: Sieger Gliesch« vor Holzhilirr, Beyer-Luckenmalde, 1:29.— LO-Runde». Punktefahren; Sieger Hoffmann 20 P.; 2. Raflflatz.Wilmeredorf 11 P.; 3. Rindfleisch 8 P, 12:16.— Ausscheidungsfahren: Sieger Hoffmann vor Naggatz und Praufe, 5:54.— bO-Kilemirter-Mannschaftssahren: Sieger Schwarz-Hofsmann 24 P.; 2. Nitschke» Eachtleben 24 P.; 3. Gliesche�alzhllter 12 P-, 1 Runde zurück, 1:22,21. Arbcitcr-T ennis Tennis-Rot schlagt FTV. Magdeburg 34:11 Das Bereinstrefsen. zwischen der Freien>T ennis- Vereinigung Magdeburg und Tennis-Rot Groß- Berlin tonnte Tennis-Rot mit.34:11 Punkten für sich ent- scheiden. Mit Ausnahme des Männer-Doppels sielen alle Spitzen- treffen den Berliner Tennisspielern zu. Für fünf von den 20 Treffen waren Dreisatzkämpfe notwendig. Der junge Magde- burger Bornkampf zeigte außerordentliche Leistungen, trotzdem er noch nicht über die Spielreife der Berliner Spitzenspieler verfügt. Festgestellt muß werden, daß Magdeburg seit dem letzten Vereins- treffen außerordentlich viel gelernt hat und über eine gute Durch- schnittsspielstärke oerfügt. Die nunmehr eigenen Vereinsplätze von Magdeburg werden zu einer weiteren Steigerung ihr Teil beitragen. Ueber der gesamten Veranstaltung wehte ein bundesgenössischer Geist, denn Tennis-Rot hatte es verstanden, den Gästen einige frohe Stunden in der Reichshauptstadt zu bereiten.. Frauen-Einzel: M ei sterse Id. Brinkmann 5:6. 4:6: Doelle-Miarka 6:5, 3:6, 6:4; Ritfchkr. Ufermann 5:6, 2:6.— Männerxcinzel: Falte.Hank« 0:6, 2:6: Born» tamps.Fiecher 2:6, 3:6; Seysert-Echramni 3:6, 5:6: Giedel-Hetlmia 3:6, 5:6; Ritschke�Standschnß 4:6, 6:3, 6:2: Schleese-Hamacher 2:6, 2:6,— Frauen.Doppel: Meisterfe Hz. Nitschke gegen Brinkmann-Krüger 6:5, 2:6, 4:6; Doelle. Kappstein gegen Kahler-Radtke 0:6, 5:6.— Männer.Doppel: Falie-Bornkampf gegen Sanke-Lellivig 2:6, 6:3, 6:6; Seysert-Giedel gegen Fischer. Kohler 3:6, 4:6: Ritschke-Milius gegen Schramm-Sronwald 5:6, 1:6: Schleefe.Kagelmann gegen Deulschiron-Lchutr 3:6, 2:6: Seichter-Große gegen Compagnini-Rodrigue« 0:6, 2:6: Sixtus-Sildobrandt gegen Schneider-Werner 6:4, 6:4,— Gemischte Doppel: Meistrrfeld.Falke gegen Kohler, Kohler 3:6. 5:6; Nilschke-Barnkampf gegrn Miarka-Rodrigues 3:6, 4:6; Doelle-Äagelmann gegrn Roack-Schul, 3:6, 6:4, 6:3. Dm die Bundesmeisterschaften der Arbeiter-Boxer und-Ringer Zum zweiten Male ist es den Ostdeutschen Ringern ge- lungen, sich für die Endrunde um die Bundesmeisterschast des Arbeiter-Athleten-Bundes zu gualisizieren. Am Sonntag stand die auch in Berlin bekannte Mannschaft des oft- deutschen Gruppenmeisters„Stolzenhagen 192 S" dem mitteldeutschen Gruppenmeister„F e l s e n f e st'-Halle in der fälligen Zwischenrunde in Stolzenhagen gegenüber. Die erste Runde endete mit einem Punktgleichstand(7: 7), die Wiederholungsrunde sah die Ostdeutschen mit 714:6/4 Punkten knapp im Vorteil. Das erzielte Gesamtresultat von 14'A: 1314 für Stolzenhagen beweist artl besten die Gleichwertigkeit der beiden Mannschaften. Hoffentlich gelingt es der siegreichen Mannschaft, die sich schon einmal bis zur Schlußrunde durchschlug und ehrenvoll unterlag, in der diesjährigen Endrunde den Titel eines Bundes- meisters einmal nach Ostdeutschland zu entführen. Bereits am 5. Dezenzber trifft„Stolzenhagen" in Wilhelmshaven auf den nord- deutschen Meister und dürfte auch von hier mit einem Siege heim- kehren. Die Schiedsrichter Frohne-Berlin und Ronneberg-Leipzig sowie der Unparteiische Höhne-Berlin walteten einwandfrei ihres Amtes, die Entscheidungen wurden stets einstimmig gefällt. Am Sonnabend stand der ostdeutsche Bormeister„Eiche"- L i e g n i tz dem süddeutschen Gruppenmeister im Boxen, dem Kraft-Sport-Verein Fürth im Kamps um die Teilnahme an den weiteren Endkämpfen um die Meisterschaft im Reich gegenüber. Beide hoch favorisierten Mannschaften traten in bester Verfassung an. Die süddeutschen Boxer hatten das Kampfglück auf ihrer Seite und entschieden den Mannschaftskampf mit 9: 7 Punkten. Bootstaufe bei den Berufscbulen Wozu Solidarität und Kameradschaft führen können, das zeigte sich bei der Boats taufe, die die 6. Berufsschule am Sonn- tag vormittag vornahm. Pox dem Bootshaus der Berufsschulen in Treptow standen 8 selb st gebaute Paddelboote, während ein ebenfalls selbstgebautes Motorboot im Wasser lag. Unter der Leitung ihres Turn- und Sportlehrers Erber haben sich die Schüler der Schule, die sich aus Kürschnern, Schneidern und Fri- seuren zusammensetzt, diese kleine Flotte erbaut. Den jungen Leuten standen keinerlei Mittel zur Verfügung. Von ihrem kleinen Taschen- geld sparten sie die Mittel zusammen, kauften das Material und bauten nach ihrer Arbeitszeit bis in die späten Abendstunden hinein mit großem Eiser ihre Boote. Natürlich hatten sie mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Leute, denen es ein Rätsel ist, daß junge Menschen in solidarischer Gemeinschaft arbeiten können, ver- folgten sie mit ihrem Haß, der sogar zu Tätlichkeiten führte. Trotz- dem ließ es sich der Lehrer mit seiner jungen Schar nicht verdrießen; der Erfolg gab ihnen dann auch recht. Stadtschulrat Hofsmann nahm die Taufe vor. In seiner Ansprache ermunterte er die Schüler. weiter in diesem Sinne zu arbeiten und zu zeigen, daß nur durch das Zusammengehörigkeitsgefühl und durch gegenseitige Unter- stlltzung große Leistungen möglich sind. Dann wurden die Boote ihrem Element übergeben. Roch einmal kreist« die kleine Flotte am Bootshaus vorbei, um dann von der freudig bewegten Schülerschar in die Weite gesteuert zu werden. An die Vereins vorstände! wir haben Veranlassung, die Vereinsvorslände. Schristsührer und Presseberichterstatter zu bitten. Berichte von Sonntagsoeranslal. lungen unbedingt bis wontag früh 10 Uhr auf der Sporl- redaktion abzuliefern. Für die Verössentlichung später einlausender Berichte kann keine Gewähr übernommen werden. Die Sporkredaktion. Ruderer uwd«auusahrer, 1. Krel». Spartenousschnßsttzung Mittwoch, 26. August, in der»eschäflsstellc, Elsästrr Straß«. FTGB., Beziel Buch. Umständehalber findet die ElNwechungsfeler nickst Sonnabend, 29. August, sondern voraussichtlich am 5. Eeptembcr statt. Bitic Zeitungsnachricht beachten,— Bezirk R-rdrtug. Mrtwoch. 26. August, 19>4 Uhr, Funkionärversanunlung der Turnabteilung im Verkehrsloial. Freitag, 28. Au- gust, Sitzung des Bezirksvorstandes. 20 Uhr.— zraueuausschuß-Sitzuag M:tl. uioch, 26. August, Eliasser Str. 2, 19)4 Uhr. BsL., Oftriug. Mittn-och, 26, August, Hockey, und Handball.Hauvtveriamm. lung bei Wegner, Frankfurter Allee 236, 20 Uhr. Abgabe der Meldungen zu den Serienspielen,.. Arbeiter. Sportocrcin Schöueberg.Frledenau 07. Alsterlung Siedlung Linden. Hof. Mittwoch. 26. August, Sitzung der Männer, Frauen und Jugend um 20 Uhr im Ledigenheim. Freie Sport, und Dchlltzen.Verciuiguug,»dt. Pre», lauer»erg. Drenstag, 25. August, l9'g Uhr, Turnen in der Halle Lvchener Str. 97—98. Arbeiter-Photo-Silde. Donnerstag. 27. August. 20 Uhr, Wassrrtvrstr. 9. Dreischalenentmickluna unter BerUckstckstigung Uber. bzw. unterbelichteter Platten, — Freie Photv.Bereiuiguug. Donnerstag, 27. August, 20 Uhr. Phystkzimmrr. Pank. Ecke Wiescnstraßc.— Arbeiter. Lichtbild.«und, Arbeitsgemeinschaft Ber. Im. Sonnabend. 29. August. Wir photographieren im �Traumland", Schön- Hölzer Heide. Treffpunkt 15 und 16!4 Uhr am Haupte iugang. Rückschau. Eine Abendveranstaltung der Funkstunde„Ein paar Jahr- zehnte Frauenliebe und- leben" war lebendiger als ihr Titel, der etwas beängstigend nach Literaturstunde klang. M. M. G e h r k e, der den Querschnitt zusammenstellte, benutzte allerdings dazu ausschließlich Ausschnitte aus der Literatur. Aber er gab weniger einen chronologischen Rückblick als einen nachdenl» lichen Einblick in das menschliche Herz; seine Jahrzehnte waren nicht so sehr allgemeine Zeitrechnung als Lebensrechnung des eiii- zelnen. Mit leiser, unboshafter Ironie waren an die Spitze der einzelnen Abschnitte Ehamissos schwärmende Berse aus„Frauen- liebe und-leben" gestellt. Dahinter dann stand der Dersuch, sie in wirkliches Erleben zu übersetzen, mit Hilfe modernerer Literatur. Glühenden Versen von Richard Dehme! stellte er Prosa von Fran- ziska von Reoentlow zur Seite; allerdings zeigte er die tolle Gräfin, die lebenshungrig und lebensbejahend ihr Dasein in dem künstlerisch fruchtbaren Strudel der Münchener Bohäme nach der Jahrhundertwende vertaumelte, nur in dem Funkeln sanfter Leiden- schaft und wurde ihr damit wenig gerecht.- Doch es war Gehrke in seinem Querschnitt eben kaum um die Spiegelung des Menschen in einem einzelnen Liebeserlebnis zu tun, sondern er wollte die Kurve vom Vorher zum Nachher zeigen, von der Ekstase leidenschaftlicher Verliebtheit zu der Gewohnheit der Ehe, die die einst so glühenden Herzen bescheiden und still und doch, wenn es gut ging, zufrieden machte. Aus französischen und deutschen Romanen flackerte die kranke Liebe inhaltsloser Leben dazwischen: in Erich Kästners und Theobald Tigers Gedichten glomm die leise Wärme letzter resignie- render Weisheit. Die einzelnen Bausteine dieses Querschnitts waren so voneinander getrennt, daß jedem Hörer die Struktur des Ganzen deutlich wurde. Rur das Tempo der einzelnen Uebergänge dürfte für manchen zu rasch gewesen sein. Viel nachdenklicher, als ihr Inhalt es vermuten ließ, war die halbe Stunde„Schlager der Nationen". Leo Monosson sang. am Flügel von Hans Sommer begleitet, je einen Schlager aus Amerika, Deutschland, Frankreich. Spanien und Oesterreich. Von den Liedern, deren fremdsprachlicher Text ins Deutsche übersetzt war, waren nur die Worte des französischen einigermaßen genieß- bar geblieben, weil hier an Stelle des Gefühlsschmalzes, das auch in dem deutschen Schlager ebenso wie in dem Wiener Walzer troff, eine Spur temperamentvollen, auch die Musik beflügelnden Witzes schwang. Gewiß, wenn man sehr genau hinhört«, konnte man in allen diesen Liedern noch einen für ihr Herkunftsland charakteristischen Einschlag entdecken; aber im ganzen sind sie, wie die großen Städte aller Nationen, für den Weltgebrauch typisiert. In einem Vortrag, den Chefredakteur Dr. Paul Schie- mann, der Führer der deutschen Minderheiten im Baltikum, hielt. nahm er auch zu dem heute gefährlich viel gebrauchten Schlagwort von der Autarkie Stellung. Er betonte, daß die baltischen Deutschen nur in der Ausschließung der Länder gegeneinander, nicht in einer Verschanzung hinter Zollmauern Gesundungsmöglichkeiten für Deutschland und für das Deutschtum im Auslande sehen. Tcz. Dienstag, 25. August. Berlin. 16.05 Kappstein: Der lebendige NicUscfae. 16.30 Ehefragen im neuen Roman: Kurl Bercndt. 1S.OO..Billige Bücher zur Kulturkunde".(Am Mikrophon Prof. Dr. Fritz.) 18.30 Das Klavichord(Charlotte Kauffmann). 19.00 Oramse, Dr. W. Lessen Die angemessene Miete. 19.30 Wovon man spricht. 30.00 Tanzabend. K9nigswu»terhause*. 16.00 Leipzig: Konzert. 17.00 Würzburger, Bunzl: Porträts politischer Köpfe. 17.30 Felix Stössinger: Die moderne Französin. 18.00 Karl Meißner: Goethe in heiteren Stunden. 18.30 Schwerins: Die politischen Parteien in der Karikatur. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Französisch für Anfänger. 10.30 Möller-Jabusch: Weltpolitische Stunde. 22.00 Räuscher: Zcitungsscjiau. Anschließcndi WcUer-� Tages*, pnd Sportcadiricirtca Zissuernn�k,