' BERLIN Donnerstag 27. August 1931 IG Pf. Ar. 400 B 200 48. Jahrgang Erscheint tialtch außer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe des ,VvrwArrs". DezugSoreis beide Ausgaben 86 Pf. pro Woche,»,soM. pro Monat. Redakrion und Expedition: BerlinSW»8,Lindenstr.2 Fernsprecher: Dönbvst(.&■ 7) 292—297 SfiaJautyaße xle&„wYWtLffa Anjeigenpret«: Die einspaltizeNonpareiUezeile 8» Pf., Rcklamezeile SM. Crmäßiguneen nach Tarif. Postscheckkonto: Dorwärte-Verlag G.m.b.H.. Berlin Nr.»7 536.— Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vorl Dissidenten an der Volksschule Ein Llrieil gegen Preußen Es ist in der Oeffentlichkeit viel zu wenig bemerkt wor- den daß feit dem vorigen Jahre in Preußen d i s s i d e n- tische Lehrer nicht mehr an Voltsschulen etatsmäßig an- gestellt werden, weil angeblich das alte preußische Volksschul- recht das verbiete. Nun hat einer der durch dieses Verbot betroffenen Schulamtsbewerber gegen das Land Preußen einen Schadenersatzprozeß angestrengt und— vorläufig— mit Erfolg. Das Berliner Landgericht hat in erster Instanz den Anspruch für gerechtfertigt erklärt. Ueber die Vorgeschichte dieser prinzipiellen Auseinander- setzung um das verfassungsmäßige Recht der aus der Landeskirche Ausgeschiedenen wird uns geschrieben: Die deutschnationale Landtagsfraktion hatte zu Beginn des Jahres 1939 gegen das Land Preußen Klage vor dem Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich erhoben,<>mit dem Antrag«, zu erkennen, daß die A n st e l l u n g von Dissidenten sowie ihre Belassung als Lehrkräfte an den preußischen Bolks- schulen mit dem preußischen Vcrfassungsrecht nicht vereinbar fei. Zur Begründung ihres Antrages führte sie aus, das preußische Ge- setz betreffend die Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen vom 28. Juli 1906 statuiere den Grundsatz, daß an den öffentlichen preußischen Volksschulen lediglich christliche Lehrer zum Schulunterricht berufen seien: dissidentische Lehrer aber durften ausnahmsweise nur für die sogenannten technischen Fächer wie Turnen, Zeichnen, Handarbeit und ähnliche verwendet werden. Wenn die preußische Regierung trotzdem Dissidenten zur Erteilung von Schulunterricht zulasse, so verstoße ihr Verhalten gegen den Grundsatz der preußischen Verfassung, daß ein durch Gesetz ge- schaffener Rechtszustand nur durch Gesetz geändert werden könne. Das Land Preußen hielt dem u. a. mit Recht entgegen, daß nach den auch für die preußischen Lehrer maßgebenden Bestimmungen der Reichsverfassung ein planmäßig ange- stellt er Lehrer nicht deshalb aus seinem Amt entfernt werden könne, weil er aus einer Religionsgemeinschaft ausgetreten sei. Da ferner nach Artikel 136 Abs. 2 der Reichsverfassung die Zulassung zu öffenklichen Aemlern von dem religiösen Bekenntnis unabhängig sei, müsse auch die Anstellung von Schulamtsbewerbern, die einer christlichen oder jüdischen Religionsgemeinschaft nicht angehören, als Lehrer an den preußischen Bolksschulen ohne Beschränkung ihrer Lehrtätigkeit auf die technischen Fächer für zulässig erachtet werden. Im Gegensatz dazu empfahl der damalig« preußische Unter- richtsminister Becker der Schulaufsichtsbehörde in Berlin, daß b i s zur Entscheidung dieser Versassungsstreitsache vor dem Staats- gerichtshof vorläufig keinem Dissidenten die Bestätigung zur Anstellung als Volksschullehrer erteilt werden sollte. Der Stantsgerichtshof fällte nun keine sachliche Entschei- dung, fondern wies den Antrag der deutschnationalen Fraktion nur wegen mangelnder Sachbefugnis ab. Nach Erledigung dieser Verfassungsstreitsache sagte der inzwischen neu ernannte preußische Unterrichtsminister Grimme bei VerHand- langen mit den den dissidentischen Lehrern nahestehenden Organi- sationen diesen zu, die Aushebung der Zahlungssperre zu veranlassen. Kurze Zeit später faßte das preußische S t a a t s m i n i st e r i u m den B e s ch l u ß, im gesamten preußischen Staatsgebiet die Anstellung dissidcntischer Schulamtsbewerber zu sperren. Seit dieser Zeit sind in ganz Preußen Dissidenten nicht mehr als Volksschullehrer angestellt worden. In dieser Situation entschlossen sich der Deutsche Freidenkcr-Berband und die Allgemeine Freie Lehrergewerkschaft zu einem gerichtlichen Vorgehen gegen das Land Preußen, um durch eine gerichtliche Entscheidung die Auf- Hebung der Anstj-llungssperre zu erzwingen. Die genannten Organi- sationen unterstützten einen dissidentischen Schulamtsbewerber bei einer Klage gegen das Land Preußen. Diese Klage wurde als Schadenersatzklage auf Artikel 131 der Reichsverfassung in Berbin- dung mit 8 1 des preußischen Staatshaushaltsgesetzes von 1909 gestützt. wonach für A m t s p f l i ch t v e r le tz u n g e n. die sich ein Be- amter in Ausübung der ihm anvertrauten öffentlichen Gewalt zu- schulden kommen läßt, der Staat, in dessen Diensten der Beamte steht, verantwortlich gemacht werden kann. Der beklagte preußische Staat wendete gegen den Klageantrag in erster Linie die Unzulässigkeit des Rechtsweges ein, da das einen Staatshoheitsakt darstellende Vorgehen des preußischen Unterrichtzministers nicht der rechtlichen Nachprüfung durch die ordentlichen Gerichte unterlieg«. Weiterhin versuchte der preußische Staat— im Gegensatz zu seinem in der Versassungsstreitsache vor dem Staatsglerichtshof vertretenen Standpunkt— darzulegen, daß Folgen der Kreditentziehung „Donnerwetter, Herr Schacht, Zhre Methode hat aber ' fabelhaft angeschlagen--" Die Kapitalfluchi der prominenten. Ein Banttrach bringt sie an den Tag. In Amsterdam ist die A m st e l b a n k zusammen- gebrochen, die über die Rothschildgruppe der Oesterreichischen Ereditanstall nahesteht. Wie es sich jetzt nach dem Amsterdamer Bankkrach herausstellt, sind eine ganze Anzahl deutscherFilm- undBühnenstars in die Angelegenheit verwickelt, da unsere Prominenten es vor- gezogen haben, ihr« aus den Riesengagen angesammelten Vermögen aus Deutschland fortzubringen. Wie die„B. Z. am Mittag" hierzu meldet, befinden sich unter den Geschädigten auch das Schauspieler-Ehepaar Pallenberg- M a s s a r y, die beträchtliche Teile ihres Vermögens nach Holland gebracht haben.— Die deutschen Finanzämter aber werden bei allem Interesse für die Angelegenheit die betrübliche Tat- sache feststellen müssen, daß es erst zu einem Bankkrach kommen muß, ehe sie hinter die Schliche prominenter Kapitalflüchtlinge gelangen. Gehaliskürzung bei den Bezirksamtern. Sozialdemokratische Stadträte schließen sich dem Verzicht an. Im Anschluß an die gestern vom Berliner Magistrat beschlossenen ftotmaßnahmen. wonach u. a. die Mitglieder des Magistrots und die Vorsitzenden der Bezirksämter über die Bestimmungen der Notverordnung hinausgehend aus 2 0 P r o z. ihres Gehalts verzichten, erklären die sozialdemokratischen Mitglieder der Berliner Bezirksämter, daß sie gleichfalls während der Dauer der Wirtschaftskrise auf 20 Proz. ihres Gehalts freiwillig verzichten._ Das Sparprogramm in Hamburg. Vom Parlament angenommen. Hamburg, 27. August. Die voraussichtlich letzte Sitzung der Bürgerschaft am Mj t t- w o ch war zum großen Teil der Aussprache über das vom Senat vorgelegte Sparprogramm gewidmet. Bürgermeister Roß begründete die Anträge mit der durch den Abzug kurzfristiger Auelandskredite geschaffenen Finanzkrise und richtete an all« Parteien die dringende Aufforderung, über die parteipolitischen Gegensätze hinweg die Anträge des Senats anzunehmen, damit das bis jetzt errechnete Defizit von rund 38 Millionen Reichsmark beseitigt werden könne. In der Aussprache nahmen Deutschnationale, Kommunisten und Nationalsozialisten scharf gegen die Sparmaßnahmen des Senats Stellung, die jedoch schließlich mit den Stimmen der Großen Koalition beschlossen wurden. Kaiastrophale Maßnahmen in Sachsen. Drosselung des Wohnungsbaus. Dresden, 27. August.(Eigenbericht.) Das sächsische Arbeits- und Wohlfahrtsinini- st e r i u m erläßt eine Verordnung, die zu einer völligen Drosselung des Wohnungsbaues in Sachsen und damit zu einer weiteren Vergrößerung der Arbeitslosigkeit führen muß. Alle noch nicht begonnenen Bauvorhaben, die mit Mietzins- steuermitteln unterstützt werden sollten, dürfen nicht in Angriff g c- n o m in e n werden. Bereits.begonnene Bauten sind nur soweit durchzuführen, daß sie überwintert werden können. die Anstellungssperre gegenüber den Schulanitsbewerbern mit den Vorschriften der Reichsoerfassung vereinbar sei. Die betreffende Kammer des Landgerichts I in Berlin hat jedoch die Zulässigkeit des Rechtsweges bejaht und der Klage des Schulamtsbewerbers wegen Verletzung der versassungs- rechtlichen Vorschriften über die Gleichbehandlung der Dissidenten mit den konfessionellen Lehrern stattgegeben. Denn nach Artikel 128 und 136 Abs. 2 der Reichsversassung müsse jeder Deutsche unabhängig von seinem religiösen Bekenntnis nach Maßgabe der Gesetze und entsprechend seiner Befähigung zu den öffentlichen Aemtern zugelassen werden. Wenn auch niemandem ein Recht aus Verleihung einer Beamtenstelle zustehe, könne doch jeder Bewerber verlangen, daß bei der Frage der Anstellung nicht nach verfassungswidrigen Grundsätzen verfahren werde. Das preußische Volksschulunterhaltungsgesetz sieht im 41 allerdings vor. daß dissidentische Lehrer in der Regel nur für die so- genannten technischen Fächer verwendet werden dürfen. Seit Be- stehen der Reichsoerfassung werden aber die den religionslosen Bewerbern nachteiligen Bestimmungen des Volksschulunterhaltungs- gcsetzes kaum noch Geltung beanspruchen können. Wenn auch die Artikel 174, 146 Abs. 2 der Reichsocrfassung, auf die sich das be- klagte Land Preußen beruft, die programmäßig vorgesehene Er- richtung von Bekenntnis- und Weltanschauungsschulen der Regelung durch ein besonderes Reichsschulgesetz überlassen und es auf dem Ge- biete der Schulgesetzgebung bis zum Erlaß des geplanten Reichs- gcsetzes bei der bestehenden Rechtslage bewenden lassen, so beziehen sich diese Verfassungsvorschriften doch nur auf die zur Zeit anerkannten Schulsormen. nicht aber auf die Regelung der L e h r e r a n st e l l u n g. Hier müssen vielmehr die als Fun- damentalsatz der durch die Reichsverfassung garantierten Grundrechte der Deutschen zu bezeichnenden Bestimmungen der Artikel 128 und 136 Abs. 2 der Reichsversassung entscheidend sein, wonach allgemein jeder Staatsbürger ohne Unterschied nach Maßgabe der Gesetze und entsprechend seiner Befähigung, unabhängig von einem religiösen Bekenntnis, zu den öffentlichen Aeintsrn zu- gelassen werden muß. Aber selbst wenn man annimmt, daß das preußische Volksschulunterhaltungsgesetz heute noch in vollem Umfange durch die Reichsverfassung ausrcchterhalten ist, so kann doch daraus nicht die � Verfassungsmäßigkeit einer absoluten Anstellungsspcrre her- geleitet werden. Denn während es vor der Staatsumwälzung C-n religionslosen Lehrern gemäß§ 41 des Volksschulunteihaltungs- gesstzes immerhin noch möglich war, eine Lehrerstelle für die so- genannten technischen Fächer zu erlangen, nimmt ihnen jener Be- schluß der preußischen Staatsregierung, der ein« u n e i n g e- schränkte Anstellungssperre für Dissidenten ausspricht, auch die letzte Möglichkeit, als beamtete Lehrer angestellt zu werden. » zZr Es ist wahrscheinlich, daß dieses verständige Urteil durch Berufung angefochten, und möglich, daß es mit anderer juristischer Begründung ausgehoben wird. Was aber unabhängig von dem Schicksal dieses Prozesses bestehen bleibt, ist die ungeheuerliche Tatsache, daß zwölf Jahre nach Inkrafttreten der Reichsverfassung der r e l i- giöse Gewissenszwang wieder eingeführt worden ist, der jeden, auch den sachlich befähigsten Pädagogen mit S t o ck- prügeln auf den Magen bedroht, wenn er nicht einer der Kirchen angehört. Diese Praxis erzieht zur Heuchelei, was gerade bei Lehrern am allerschlimmsten wirkt, die ihren Einfluß auf Kinder geltend machen sollen. Es ist heute schon so, daß die„christlichen" Lehrer, wenn sie innerlich mit der Kirche gebrochen haben, doch warten, bis sie etatsmäßig angestellt sind, um dann erst Farbe zu bekennen. Ist das im Interesse der Schule und der ihr anvertrauten Kinder? Henderson gegen Macdsnald. Aber ohne persönliche Schärfen. London, 27. August. Hendeison, Lonsbury und Morrison haben an der gestrigen gemeinsamen Konferenz dreier Körperschaften der Arbeiterbeiregung teilgenommen und Ansprachen an die Versammlung gehalten. Es wird hervorgehoben, daß sie dabei jede Aeuhcrung persönlicher Erbitterung gegen Macdonald vermieden hätten, und daß ihre Gegnerschaft gegen die nationale Regierung und ihr Programm wenn auch in entschiedener, so doch in rein sachlicher Weise zum Auadruck rebracht worden sei. Andererseits wurden sie von verschiedenen Mitgliedern der Versammlung heftig angegriffen. Man warf ihnen vor, sie seien bereitgewesen, im vorigen Kabinett Vorschlägen zuzustimmen, die mit der Politik der Gewerkschaften nichl im Einklang ständen. Ein Beschluß, Macdonald aus der Arbeiterpartei a u s z u- schließen, ist auf Grund einer Intervention Hendersons, der zur Vorsicht und Mäßigung in dieser Frage mahnte, nicht gefaxt wordrn. Andererseits erscheint es als sicher, daß Macdonald als Führer der Unterhausfraktion der A beiterpartei auf der morgigen Vollkonfe- renz der Fraktion durch Henderson ersetzt werden wird. Dem„Daily Telegraph" zufolge, ist es fraglich, ob der neue englische Außemninister Lord Reading an den Tagungen des Völkerbundsrates und der Vollversammlung teil- nehmen wird. Angesicht- der schwierigen Aufgabe, den lzau-halt auszugleichen, wird das neue, nur aus zehn Mitgliedern bestehende Kabinett kaum die Mitarbeit eines seiner Mitglieder entbehren können. Die Vertretung Lord Readings in Genf wird wahrscheinlich ein nicht dem Kabinett angehörendes Mitglied der neuen Regierung, möglicherweise aber auch Lord Robert Cecil oder der frühere Vize- könig von Indien, Lord Irwin übernehmen. Der Korrespondent glaubt, daß im chinblick auf die Abwesenheit des englischen Minister- Präsidenten und des Außenministers lediglich formale Fragen in Genf zur Sprache kommen und die Erörterung umstrittener Pro- hleme, wie das der deutsch-österreichischen Zollunion, verschoben werden dürfte. KPD. geht zum Rationalismus. Otto Straßer ist mit ihr zufrieden. Otto S t r a ß c r, der Führer der von Hitler abgefallenen radi- folcn Nationalsozialisten, bespricht in seiner„Deutschen Revolution" die Beteiligung der Kommunisten am Volksentscheid des Stahl- Helms. In ihr erblickt er den vorläufigen Höhepunkt eines Ent- wicklungsprozesses, der die KPD. immer näher an den Nationalismus heranführt. Straßer erinnert an das kommunistische Wcchlprogramm vom vorigen Jahr zur nationalen und sozialen Befreiung des beut- fchen Volkes und stellt schon hier— von seinem Standpunkt aus mit Recht—„eine erfreuliche Entwicklung an der Internationale zum Nationalismus" fest. Dann aber fährt er fort: Die KPD. aber ließ es nicht allein bei dieser thcoreti- fmen Nationalisierung bewenden, sondern zog aus ihr auch wesentliche praktisch-politische Folgerungen. Zunächst das Ileberbordwerfen der ganzen, noch von der Sozialdemokratie übernommenen Phraseologie des Pazifismus, der dem kommunistischen Parteimitglied nunmehr als kleinbürger- liche, konterrevolutionäre Lehre verächtlich gemacht wurde— ein Erfolg, den wir von außen her nicht hätten erzielen können. Wie weit hier unsere Vorstellungs- und Willens- weit bereits bestimmend gewirkt hat, beweist am besten ein Ar- tikel Scheringers in feiner Zeitschrift„Aufbruch", der den natio- nalen Befreiungskrieg fordert und gerade als Voraussetzung für ihn die sozialistische Revolution verlangt— eine Reihenfolge der Zeit und der Wertung, wie sie bisher ausschließlich von uns revo- lufionären Nationalsozialisten vorgenommen wurde. Nicht minder folgenschwer in der Wirkung nach außen und innen ist die Ungleichung der kommunistischen Parole an unsere Forderung:„V o l k s r e v o l u t i o n". Ungern hören die Kom- munisten den Nachweis, daß es„Die Deutsche Revolution" war, die diese Forderung der„Voltsrevolution der 97 Proz. Antikapi- talisten gegen die 3 Proz. Kapitalisten der alten marxistischen Klassenkampfparole gegenüberstellte, mit dem Erfolg, daß die KPD. unsere Parole aufgriff und damit ihrer alten Klassenkampf- tgttik den schwersten Schlag versetzte.'— Warnend schrieb damals die kluge„Weltbühne", daß diese Parole der KPD.„mehr im Geiste Otto Strahers als in dem Lenins empfangen sei".— Die KPD. blieb trotz gelegentlicher Rückfälle dabei und. bahnte unserer nationalsozialistischen Parole so den weg in Kreise, die sonst so leicht nicht von ihr erfaßt worden wären. Den Höhepunkt politischer Auswirkung dieses Nationalisis- rungsprozeffcs erreichte die KPD. aber mit ihrer Beteiligung am Stahlhelmvoltsentscheid.— Man muß die Nummern der„Roten Fahne" aus der Zeit des Volksbegehrens lesen, das doch genau das gleiche Ziel, ja den gleichen Wortlaut hatte wie der Volksentscheid,' um die rapide Fortentwicklung auf der einmal eingeschlagenen Bahn zu er- kennen. Damals der Inbegriff alles Schlechten, Ausgeburt schwärzester Reaktion— diesmal ein Gipfelpunkt politischer Weis- helt und revolutionärer Taktik. Otto Straßer will wissen, daß im Zentralkomitee der Partei ein sehr heftiger Kamps um den sogenannten Scheringer-Kurs geführt worden ist, bei dem Heinz N e n m a n n und R e m m e l e als Befürworter dieses Kurses über T h ä l m a n n und Münzen- b e r g gesiegt haben sollen. Aufrührerische Landwirte. Milde Justiz in Oels. Oels, 27. August. Vor dem erweiterten Schöffengericht Oels hatten sich gestern der Führer der schlesischen Landvolkbewegung, Ritterguts- Pächter P a u l y, sowie zehn weitere Landwirt« und Kleingewerbe- treibeyde, die am 23. Februar d. I. in Oels eine Versteige- rung mit Gewalt oerhindert hatten, wegen Aufruhrs zu verantworten, Pauly außerdem wegen Aufforderung zum Steuer- streit. Neun Angeklagte wurden freigesprochen, da das Gericht annahm, daß sie sich des Begehens einer strafbaren Hand- lung nicht bewußt gewesen seien. Pauly wurde wegen Vergehens gegen die Verordnung des Reichspräsidenten vom 15. September 1923(Sicherung des Steueraufkommens) an Stelle einer an sich verwirkten Gefängnisstraf« von einem Monat zu 3 99 Mark Geldstrafe und zu weiteren 199 Mark, insgesamt alV) 499 Mark Geldstrafe, verurteilt. Ein weiterer Angeklagter wurde wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt zu ö9 Mark GSZ/'.r.-fe verurteilt. Aunkreporlage von der Landung de» Do. X. in New Jork. Von der New-Porker Landung des deutschen Ricfenflugzeugs Do. X. wind?,cute 17.39 Uhr mitteleuropäischer Zeit oersucht, eine Reportage zu übertragen. Notruf aus dem Westen Oer Existenzkampf der Landgemeinden— Rigorose Sparmaßnahmen Das Präsidium des Preußischen Land- gemeindelages West tagte am MIllwoch in Köln, um zur Finanzkrise der besonders hart bedrängten westdeutschen Landgemeinden Stellung zu nehmen. Ueber diese Sitzung wurde gestern abend auf einer Preise- besprechung in Verlin eingehend Bericht erstattet. Der geschäfts- führende Präsident des Preußischen Landgemeindetages West, i Dr. G ö b, betonte, daß die Anträge der Einwohner der westdeutschen Landgemeinden auf Steuerstundung gegenwärtig ins Uferlose wachsen. Trotzdem sind die Gemeinden gezwungen, pünktlich die Steuererträge abzuliefern, ohne daß sie jedoch ebenso pünktlich ihre Ueberweisungen von den staatlichen Stellen erhielten, insbesondere nicht von den Kreisen die Zuschüsse für die zu zahlende Wohlfahrts- Unterstützung. Hierzu muß berücksichtigt werden, daß die Zahl der Wohlfahrlserwerbslosen in den westdeutschen Landgemeinden seil dem vorigen Jahr um öS Proz. gestiegen ist. Dazu kommen die Kreditschwierigkeiten der Ge- meinden, die sich jetzt gezwungen sehen, kurzfristige Verschuldungen abzudecken. Es wird erwogen, das wenige Besitztum der Gemeinden zu veräußern, wogegen man sich allerdings mit allen Mitteln sträubt da es im allgemeinen nur zu Schleuderpreisen geschehen könnte. Schon die Zinslasten sind für die Gemeinden erdrückend. Infolgedessen sind die Gemeinden vielfach dazu übergegangen, die Wohlfahrtsunterstützungen in Naturalien auszuzahlen, da sie über Geldmittel nicht mehr verfügen. Da eine Hilfe vom Reich und von Preußen nicht zu erwarten ist, bleibt nur übrig, drakonische Sparmaßnahmen durchzuführen. Dabei darf das Gesamtergebnis der Selbhilfemaß- nahmen der Landgemeinden nicht überschätzt werden, da bis zu 89 Proz. ihrer Ausgaben und Ausgaben gesetzlich vorgeschrieben sind. Das Präsidium des Preußischen Landgemeindctages West verlangt deshalb, daß dcr staatliche Aufgabenkreis für die Gemeinden wesent- lfch eingeschränkt wird. Die bisherige Gesetzgebung hat die Ge- meindcn mit Arbeiten überlastet, die eine Personalvermehrung und Vergrößerung des Verwaltungsapparats zur Folge hatte.(Ar- beiten für Finanz-, Kataster-, Arbeitsämter, Statistiken, Hauszins- ftcucr.) Weiter verlangt man eine Verminderung der Wohl» f a h r t s l a st e n für die Gemeinden durch Schaffung einer Reichs- arbeitslosenfürsorge, mindestens aber Befreiung der Gemeinden von dem Anteil an der Krisenfür- sorge und Beteiligung der Gemeinden an der Reichs- und Staalshitfe. Besonders einschneidend wird der geforderte Abbau der Schullasten sein. Wenn heute eine Landgemeinde zum Beispiel S9 schulpflichtige Kinder hat. dann muh sie sich für diese S9 Kinder zwei Lehrkräfte halten. Zwei Lehrkräfte sind aber für die Gemeinden nicht mebr tragbar, man verlangt einen Abbau der Lehrstellen und eine vor- läufige Bcförderungssperre. Die in den Gemeinden frei werdenden Lehrkräfte sollen von staatlichen Instituten übernommen werden. Außerdem fordert man eine Reform des Dotations- s y st e m s und eine Vereinfachung des gesamten Steuerwesens und Abänderung des Finanzaus- gleichs. Darüber hinaus wird eine Verwaltungsvereinfachung und-verbilligung durch sofortige Zusammenlegung von Aemtern und Kreisen unter Einbeziehung kleiner Städte immer dringender. Verhandlungen dieser Art sind schon mit dem preußischen Innen- Ministerium geführt worden. Es ist bedauerlich, daß die Selbst- Verwaltung von obrigkeitlicher Seite aus reguliert werden muß, in den jetzigen Notzeiten aber liegen derartige Maßnahmen im Interesie der Selbstverwaltung. Die Landgemeinden warnen oller- dings vor einer Umgcmeindung, wie man sie bei den Ruhritädtsn vorgenommen hat, wo der Umbau des Beamtenapparats zu leinen Ersparnissen geführt hat, im Gegenteil, die Städte Esten, Düsteldorf und Bochum haben jetzt schwere Lasten zu tragen. Durch Selbsthilfemaßnahmen suchen die westdeutschen Landgemeinden fürs erste über den bevorstehenden schweren Winter hinwegzukommen. Dann will man eine großzügige Umschuldungs- aktion zur Beseitigung dcr kurzfristigen Kredite einleiten. Oer ungetreue Kommissar Dubral wird heute vernommen— Große Krediischwindeleien lieber die Verhaftung des Kriminalkommissars Dubral von der Pollzeiinspeklion Kreuzberg, über die wir im RIorgenblatt kurz berichteken, werden noch folgende Einzelhelten bekannt: Als Dubral die Gewißheit erhielt, daß seine Verfehlungen bei den vorgesetzten Dienststellen bekanntgeworden waren, verließ er sein Büro, packt« in seiner Wohnung das Notwendigst« zusammen» und vi r st e ck t« sich bei Bekannten, die in der Linienstraße wohnen. Sein Versteck wurde durch Dritte an die Polizei ver- raten, so daß Dubral in den gestrigen Abendstunden verhaftet wer- den konnte. Er setzte feiner Festnahme keinerlei Widerstand ent- gegen. Als er das Zimmer des Kommissars vom Dienst betrat, in dem er selbst noch vor kurzer Zeit amtiert hatte, bekam er einen Weinkrampf. Die Verfehlungen, die dem Kommissär zur Last gelegt werden, sind mannigfaltiger Art: vor allem wirft man Dubral große Krcditschwindelei«n vor. In ollen möglichen Geschäften hat er Einkäufe in Möbeln und Kleidungsstücken gemacht. Er hat sich dabei, um den nötigen Kredit zu erlangen, auf seine Eigenschaft als Kriminalkommissar berufen. So kam es dazu, daß sein Gehalt, als«r die«ingegangc- n«n Verpflichtmrgen nicht erfüllte, gepfändet wurde. Unter Ver- fchweigung dieser Tatsache verpfändete Dubral sein Ge- hast mehrfach weiter und berief sich auch dabei darauf, daß er als Kriminalkommissar wissen müßte, was er zu tun und zrr lassen hätte, und daß alles in Ordnung fei. Es laufen jetzt gegen Dubral durch diese Vcrquickung in seiner dienstlichen Eigenschaft mit den kriminellen Handlungen zwei Verfahren, ein D i s z i p l i- narvcrfahren und ein Strafverfahren. Zum Unter- suchungstommissav des Berliner Polizeipräsidiums wurde der Leit.r der großen Berliner Streife, Kriminalrat Galzow. berufen. Di« disziplinaren Bestimmungen verlangen nämlich, daß ein« Urner- suchung gegen einen Beamten nur durch einen Vorgesetzten durch- geführt weiden kann. Beschuldigungen, nach denen Dubral auch einen Falcheid begangen hat. bedürfen noch der Nachprüfung. Hierbei handelt es sich um einen Spielerprozeß, der gegen eine im Westen tagende Vereinigung wegen Veranstaltung und Duldung von Glücks. spielen durchgesühri wurde. Dubral war damals Hauptzeug« der Staatsanwaltschaft. Schon einmal war gegen Dubral ein Disziplinarverfahren ein- geleitet worden, weil die Behauptung aufgetaucht war. daß der Kommissar bei einer Versicherungsgesellschaft fingierte Ein- brüche angemeldet und Entschädig irngen ei»- k a f s i e r t hat. Ein Nachweis dieser Verfehlung ist damals nicht geglückt. Die Hugenberg-Presse will heute von den großen schwarzweiß- roten Skandalen, die augenblicklich die Oesfenllichkeit bewegen, da- durch ablenken, daß sie in auffallendem Druck von der Mitgliedschaft des verhafteten Kriminalkommissars zur Sozialdemokratie erzählt. Nur dieser Mitgliedschaft, so soll Dubral renommiert haben, oer- danke er seine rasche Karriere. Nach unseren Erkundigungen ist allen zuständigen Stellen von einer solchen Mitglied- schaft niemals auch nur das gering st e bekannt ge- wesen. Auch in der Sozialdemokratischen Partei ist Dubral vollkommen unbekannt, außerdem verdankt Dubral seine in der Tat verhältnismäßig rasche Karriere keines- wegs den der Sozialdemokratie nahestehenden Kreisen der Beamtenschaft, sondern jenen Leuten aus der alten Garde, die dem„Lokal- Anzeiger" sehr viel näher stehen als uns. Gemeinsam in den Gastod. Weil sie nicht heiraten konnten. 3n der Wohnung seiner Eltern in der Schöneberger Straße?S vergiftete sich am Alittwoch der 24 Jahre alte Konditor Günther Kopp zusammen mit seiner 17jährigen Braut Elly Gott- lieb mit Leuchtgas. Als die Muller des jungen Mannes von einem Ausgang heimkehrte, fand sie das Brautpaar, unter den Einwirkungen der Gase bewußtlos geworden, auf. Die Wiederbelebung,- versuche blieben erfolglos. Das jugendliche Paar hatte die Absicht gehabt, sobald als möglich zu heiraten, die Eltern des Mäd- chens hatten sich diesem Plane aber w> d e r s e h t. Au» Kummer darüber muß das Brautpaar beschlossen haben, gemeinsam in den Tod zu gehen. Noch ein Ooppelfelbstmord. In der Nähe von E i ch k a m p, im Jagen 53 des Grunewaldes, fanden Spaziergänger die Leichen eines jungen Paares, das geminsam in den Tod gegangen ist. Der Mann hat ohne Zweifel zunächst seiner Begleiterin eine K u g e l in die rechte Schläfe geschossen, sie den sofortigen Tod zur Folge hatte. Er nahm dann die Leiche in den linken Arm und jagte sich ebenfalls«in« Kugel in den Kopf. Beide Personen waren, als sie gefunden wurden, schon tot. Wer die jungen Leute sind, steht noch nicht fest, da sie weder Abschiedsbriefe, noch andere Papiere bei sich hatten. Der junge Mann scheint aus Düsseldorf, das Mädchen aus Dessau zu stammen. Die Leichen sind beschlagnahmt und nach dem Charlottenbureer Schauhaus gebracht worden. Die gestohlene Pistole. Neue Spur im Bankraub Innsbrucker Straße. Die Nachsorschungen nach den Tälern. des Bankraubes an der Ecke Znnsbrncker Straße haben eine neue Spur ergeben. Die Waffe, die einer der Räuber am Tatort zurückgelassen Hot, ist nämlich bei einem Waffenhändler in der Wilhelm- straße gestohlen worden. Der Diebstahl erfolgte an, 8. April. Außer dem Revolver sind noch drei weitere Waffen gestohlen. Der Dieb soll sich nun beim Raubdezernat melden, da be- gründete Annahme besteht, daß er mit den Räubern aus der Schöne- bcrgcr Neichsbantnebenstelle nichts zu tun hat. Er würde bestimmt nicht mehr als die Mindeststrafe, 1 Tag Gefängnis, erhalten. Dcr Diebstahl ist unbedeutend, und außerdem erweist er der Kriminal- polizei durch feine Selbststellung einen großen Dienst. Auf der anderen Seite muß er sich vor Augen führe», daß er wegen des Diebstahls eine sehr hohe bis zu fünf Iahren Gefängnis gehende Strafe erhalten tonn, wenn das Polizeipräsidium ihn erst nach Aus- tlärung des Raubübersalles in der Innsbrucker Straße habhaft wird. Weiter würde dem Waffendieb, wenn er sich jetzt meldet, ohne Zweifel zumindest ein beträchtlicher Teil der hohen Be- l o h n u n g von 8099 M. z u l o m in e n, die für die Entdeckung der Räuber ausgesetzt sind._ Geldbriefträgermörder in Berlin. Erstes Verhör im LkniersiichnngsgefängniS. Ernst R e i n s, der gestern wegen des Mordes an den Geld- briefträgsr Schwan in das Untersuchungsgefängnis Moabit eingeliefert wurde, ist heute früh von Landgerichts- rat Dr. Heine, der den zur Zeit auf Urlaub befindlichen Unter- fuchungsrichter Dr. Blank vertritt, einem kurzen Verhör unter- zogen worden. Rems hatte feine Verteidigung dem Strafverteidiger Rechtsanwalt Dr. Herbert Fuchs übertragen. Die Voruntersuchung gegen Reins wird demnächst abgeschlossen, die Anklageerhebung gegen ihn durch die Staatsanwaltschaft steht unmittelbar bevor. 7-Siunöen-Tag im spanischen Kohlenbergbau. Madrid, 27. August. Noch Abschluß der Vcrgwerkskonferenz erklärte der Minister für öffentliche Arbeiten, daß am 1. September in den spanischen Kohlenbergwerken der sieben stündige Arbeitstag eingeführt wird. 3n den übrigen Sergwerken bleibt es einstweilen beim acht- stündigen Arbeitstag. Ein Mann gegen Hundertmillionen Zu Theodore Dreisers SV. Geburtstag am 27, August 211« Sinclair Lewis in Stockholm seine Nobelpreisrede hielt, sagte er, diese Ehrung hätte ebensogut Theodore Dreiser er- halten können wie er. Man soll diesen Ausspruch nicht nur als eine Geste, alz einen Ausfluß persönlicher Bescheidenheit hinnehmen, er ist mehr: Ausdruck des Gefühls der Gemeinsamkeit eine: kleinen, aber kämpferischen amerikanischen Schriftstellergruppe, deren geistige Haltung man schon umrissen hat, wenn man ihre Namen nennt: neben Dreiser und Lewis vielleicht noch Upton Sinclair, John dos Passo«, O'N ei ll und Joseph Herges- h e i m e r. Ein anderes Amerika lebt in den ÄSrken dieser Männer, als wir«z aus Magazingeschichten und Kinowochenschauen kennen, ein Amerika der„Vabbits", Lewis' köstlich-eindringlicher Spießer- geftalt,«in Amerika der Korruption und unbeschränkter Klassen- Herrschaft, in dem ein lautloser, unterirdischer, zäher und brutaler Kampf auseefochten wird. Ein Amerika, das sie mit der Schonung«- losigkeit und Uneibitlichkeit von Männern zeichnen, die durch ihre Liebe zu diesem Lande dazu berechtigt sind. Theodore Dreiser, der„Altmeister" unter ihnen, ist der Sohn eines deutschen Daters und einer holländischen Mutter. Geboren wurde er in Terre Haute im Staate Indiana, einer Kleinstadt mit engen Horizonten und muffigem Lebensraum, wie er sie später geschildert hat. Sein Leben begann mit Kampf, Kampf blieb es bis zum heutigen Tage. Zwei Elemente beherrschten das Leben des Elternhauses: die strenge Religiosität des Daters und Armut.— Theodore war das neunte unter zehn Kindern. Hier begannen die ersten Kämpfe um seine geistige Selbstbehauptung. Mit sechzehn Jahren schon verließ er die Heimat und ging nach Chikago, wo er sich in allen möglichen Berufen seinen Lebensunterhalt verdiente. Schließlich gelang es ihm, der unermüdlich an seiner Fortbildung tätig, war, bei einer Zeitung als Reporter unterzukommen, er wechselte mit Glück nach Nöw Dork hinüber, wo er sich mit rast- losem Arbeit-eifer bis zum Zeitungsherausgeber emporarbeitete. Das sind mit wenigen Worten die äußerlichen Daten seines Weges, aber sie umschließen mehr als den glücklichen Aufstieg«ine- Selfmademans. Sie umschließen den Kampf eines Mannes, der es auf sich genommen hatte, dem Geist— oder Ungeist— seiner Zeit, seines Bolkes zu Leibe zu gehen, ihn mit unerbittlicher Schärfe zu sezieren, ihn mit der Entschlossenheit des zu neuer Gestaltung ent- schlossenen schöpferischen Mannes zu verdammen. Mit dreißig- Iahren begann er seine Romane zu schreibe». Hatte er bis dahin um die Fundamentierung seiner sozialen Stellung gekämpft, jetzt begann ein neuer Streit um geistige Werte, und er war erbitterter als jener erste: nicht viele seiner Mitkämpfer haben den Haß und die ohnmächtige Wut des aus feiner Ruhe aufgescheuchten„Babbsts" so zu spüren bekommen wie Dreiser. Seine innere Schwungkraft, seine Nerven hielten durch, er hat auf der ganzen Linie gesiegt. Der große Brnckhaus sagt von Dreiser:„Er schrieb packende, wirklichkeitsnahe Problemromane non streng objektiver Einstellung", und er tut recht daran, dabei da- Wort„objektiv" zu verwenden. Wenn auf einen Dichter das nunmehr glücklich verschwundene Wort von der„Neuen Sach- lichkeit" mit Recht angewendet wird, so auf Dreiser, nur mit der Einschränkung, daß er bereits zwanzig Jahre vor der Erfindung dieses Modewortes zu schreiben begann. Wenn beispi llsweise Upton Sinclair durch Darstellung der äußerlichen Beziehungen und Bindungen der Menschen untereinander sein revolutionäres Ethos predigt, so erreicht dies Dreiser«indringlicher und tiefer durch die Genauigkeit, mit der er— gleich einem Chuurgen der Seele— das Innere de- Menschen, und zwar des amerikanischen Menschen von heut«, seziert und bloßlegt. Die Moral des Dichters, der in der amerikanischen Literatur als Gegner der damals hsr.schenden Romantik und ihrer Bernebelung der soziologischen Gegebenheiten eintrat, ist hart und unerbittlich. Und doch weih er, daß jeder Moralkodex, wie er als unantastbar von der Gesellschaft sanktioniert wird, mit der Natur und ihrer unausschöpfbaren Ausdruckefähigkeit im Widerspruch steht. Die wunderbare Vieloestaltigkeit der Welt, die er wie in einem Brennspiegel in sich aufnimmt, erkennt keine Gesetze an, die von Menschen geschasfen sind, sie lebt aus einem oft für uns unenhätielbaren kosmischen Prinzip heraus, dem wir uns nicht widersetzen können, und wehe dem Menschen, der es nicht ver- steht, Einklang zu schaffen zwischen diesen ungeschriebenen Gesetzen und den Gesetzen der Gemeinschaft, in der er zu leben gezwungen ist! Unrettbar wird er von diesem Widerspruch vernichtet werden. Das ist die Melodie, die uns aus allen Werken Dreisers-nt- gegentönt. Dreisers Werk hat eine geschichtliche Aufgabe zu erfüllen: es hat das Seine dazu getan, den geistigen Nährboden des amerikanischen Bolkes, der schon begann filzig und trage zu werden, aufzulockern. Er hat den Haß der Träger dafür geerntet— wo wäre dies wohl anders!— und die Dankbarkeit der Mitstrebenden. In seinen Romanen entsteht vor uns ein grandioses und umfassendes Bild des geistigen Menschen de- 20. Jahrhunderts mit all ieinen Verstrickungen in Philosophie und Religion, Naturwissenschist und Technik. Leid und Kummer, Berirrungen und Verwirrungen, die die moderne„Kultur" über die. Gestalten seiner Romans bringt, sind für Dreiser Prüfstein«, um uns aufgeschlossener gegenüber den tausendfachen Erscheinungen des Lebens zu machen, um die ethi- sehen Pflichten aufzuzeigen, die der Mensch gegen sich und die Welt hat. So entsteht vor uns ein Lebensbild, das von gewaltigen ethi- schen Kräften gemeistert wird, denen sich niemand— bewußt oder unbewußt— entziehen kann, ohne unterzugehen. Theodor« Dreiser hat sich auch in Deutschland ein« große Ge- meinde schaffen können. Seine Romane sind uns zum größten Teil durch den rührigen Wiener Verlag Paul Zsolnay vermittelt worden, darunter auch sein berühmtestes Werk„Eine amerikanische Tragödie" und„Das Genie", ein Eheroman von groß- artiger Problemstellung. Sein Theaterstück„Ton in des Töpfers Hand", ist lange Zeit in Berlin gespielt worden, und «ine Dramatisierung der„amerikanischen Tragödie" soll Voraussicht- lich van Piscator herausgebracht werden. Kurt Müro. Latifundien enteignet. Die Bodenreform in Spanien. Madrid. 27. August.(Sigeuberichl.) Die Regierung hat der Rationaloersammlung einen Gesetz- entwarf zur Agrarreform vorgelegt, nach dem hauptsächlich in Andalusien alle Güter, die mehr als 300 Hektar Ackerland. 200 Hektar Hochland, 100 Hektar Weingärten und 400 Hektar Weiden umsassen, enteignet werden. Die Entschädigung soll aus der Basis der Wertgrundrenle erfolgen, für große Güter soll sedoch nur die Hälfte des Wertes entschädigt werden. Beträgt die Entschädigung mehr als eine halbe Million Mark, so soll deren Zahlung in vierprozentigen unübertragbaren und unbelastbaren staatlichen Schuldverschreibungen erfolgen, ver durch die Enteignung neu entstehende fcleinbesih wird durch umfangreiche gesetzliche Maßnahmen gesichert. Wieder Revolte in Portugal. Zehn Aufständische in Lissabon getötet. Paris, 27. August.(Eigenbericht.) Mi« aus Lissabon gemeldet wird, ist dort ein Ausstand aus- gebrochen. Zahlreiche Zivilisten drangen in die Kaserne des dritten Artillerieregiments ein, überrumpelten die Wachen und besetzten die Gebäude. Die Artilleristen sollen schließlich mit den Aufständischen gemeinsame Sache gemacht haben. Bei der Unterdrückung des Auf- ftandes sollen zehn Personen getötet und 43 verwundet worden sein. Zwischen den regierungstreuen Truppen und den Auf- ständischen, die einige strategische Punkte der Stadt besetzt hatten. habe eine regelrechte Schlacht stattgefunden, in deren Verlauf von den Regierungstruppen Geschütze. Tanks und Flugzeuge eingesetzt werden mußten. Die Aufständischen sollen im Einvernehmen mit zwei Artillerieregimentern vorgegangen sein. Die Regierung?- truppen hatten zahlreiche Gefangene gemacht, darunter auch die Flieger von Alverca, die sich der Bewegung angeschlossen hatten. Nach unbestätigten Gerüchten soll auch in Porto ein 2lusstands- versuch unternommen worden sein. Goldenes Kriedensbuch für Vrrand. Paris, 27. August.(Eigenbericht.) Außenminister Briand ist von einer Anzahl von Arbeitern und ehemaligen Kriegsteilnehmern aus Bordeaux ein Goldenes Friedens- buch überreicht worden, in dem über drei Millionen Franzosen durch ihre Unterschrift die Zustimmung zu seiner Friedenspolitik bekunden. Die neue Regierung Ltngarns. Anderer Chef- gleiche Reaktion. An dem Rücktritt des Herrn B e t h l e n, der zehn Jahre ungarischer Ministerpräsident gewesen ist, soll auch eine Privatsache schuld sein, auf die wir selbstverständlich nicht eingehen. Die Ge- Währung und vorschußweise Auszahlung einer Anleihe in der Höhe von 100 Millionen Mark— für das kleine Ungarn ein sehr hoher Betrag— durch französische, holländische und Schweizer Banken ist jedenfalls verknüpft worden mit politischen Bedingungen. Man hat bis jetzt darüber gehört, daß Ungarn auferlegt worden ist, bessere Beziehungen zur Tschechoslowakei zu unterhalten und zu einer Wiederaufrichtung der Habsburger Monarchie die Erlaubnis Frankreichs einzuholen. Die erste dieser Bedingungen schließt logisch in sich, daß die besonders gegen die Tschechoslowakei gerichtete madjarische Jrredenta wenigstens nicht mehr offiziell ge- fördert werde— sicher«in schweres Opfer für das nationalistische Ungarn, das auf die Karpachengrenze nie und nimmer verzichten will, wenn auch diese verlorenen Gebiete überwiegend nichtmodjarisih besiedelt sind. Die enge Zlllianz mit dem faschistischen Italien hat Ungarn nicht vor der schwersten Finanzkrise bewahren können, hat ihm auch nicht die unentbehrliche Hilfe ohne solch schwere Bedingungen ge- bracht. Diese Wertlosigkeit der Gönnerschaft Musso- l i n i s sollte übrigens der„Nationalsozialistische Pressedienst" um der Wahrheit willen auch verbreiten, da er einen 2lrtikel Mussolinis verschickt hat, worin sich der Duce unter starker Anhimme- lung Hoovers als Retter Europas vor dem Bolschewismus anpreist. Wenn aber Ungarn nun außenpolitisch etwas bremsen muß, so scheint man dafür innenpolitisch die Reaktion noch verstärken zu wollen. Zu den ererbten Bethlenministern G ö m b ö s(Heer) und Z s i t o a y(Justiz), waschechten Horthyanern. tritt im Kabinett Joses K a r o l y i der gleichgesinnte Innenminister Keresztes-Fischer, während der Bauernsührer Mayer nur Minister ohne Portefeuille (Dienstbereich) und Ackerbauminister ein den Großgrundbesitzern nahe- stehender Bürokrat ist: das Unterrichts- und das Sozialministerium find unter dem Prälaten Ernszt vereinigt und die Auf- lösung des Sozialmini st eriu ms soll folgen, was aller- dings den Stand der ungarischen Sozialpolitik und Erwerbslosen- Hilfe kennzeichnen würde— außerdem die Einführung des numerus clausus an den höheren Schulen. Der soll natürlich „keinen politischen Charakter" habe», ebensowenig wie an den Hoch- schulen, wo er längst besteht und zur Fernhrltung von Juden, Arbeiter- und Bauernsöhnen dient. Sozialistische Ministeranklage. Die Parlamentsfraktion und der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei erklären nach gemeinsamer Beratung, daß die kata- strophale Lage des Landes einzig und allein durch die Tätigkeit der Regierung B e t h l e n verursacht worden sei, weshalb die Sozialistische Partei im Parlament beantragen werde, die Bethlen-Regierung unter Anklage zu stellen und einen parlamentarischen Untersuchungsausschuß zur Ueberprüfung der Finanzwirtschaft der Bethlen-Regierung einzu- setzen. Die Parte! fordert schließlich einen umfassenden R e g i m e- mechsel in demokratischem Sinne und stellt fest, daß die Re- gierung Karolyi nur eine unveränderte Fortsetzung des Bethlen- turses sei, gegen den die sozialistische Partei den Kampf energisch weiterführen müsse._ Mandalsniederlegung Osterlohs. Der Präsident der Bremischen Bürgerschaft, Osterloh, hat im Zusammenhang mit den Vor- oängen bei der Bremer Beamtenbank jetzt auch sein Bürger- schaftsmandat niedergelegt. Borslandssihung der Oandgemeinden. Der engere Vorstand des Verbandes der Preußischen Landgemeind«n ist zum 1. September nach Berlin zu einer Sitzung einberufen, der am 2. September eine Sitzung des Gesamtvorstandes des Deutschen Landgemeindetages folgen wird. Im Mittelpunkt der Erörterungen werden die Notmaß- nahnien der Reichsregierung und ihre Auswirkungen auf d,e Ge- meinden stehen. weller für Verlin: Trocken und heiler, am Tage mäßig warrn Für Deutschland: Im Osten noch veränderlich, im übrigen Reich- heiteres Wetter und im Westen weitere Erwärmung. Heinrich Grünseld gestorben. Der Cellist Heinrich Grünfeld ist gestern abend in Berlin ge- starben. Sein Name ist mit dem öffentlichen und privaten Berliner Konzertleben in der Zeit, da Berlin das Zentrum der europäischen Musik war, aufs engst« verknüpft. Heinrich Grünfeld, der jüngere Bruder des Pianisten Alfred Grünfcld. stammte ans Prag, wo er am 21. April 18SS geboren war und sich am Konservatorium ausbildete. 1875 kam er mich Berlin und konzertierte zunächst in der Sinfonie- Kapelle. Bereits nn nächsten Jahre wurde er Cellolehrer in Kullans Akademie und nahm dann einen raschen 2lusstieg. Mit Taver Schar- wenka«. a. führte er Abonnementskonzertean der Singakademie ein und wurde 1886 Mitglied des königlichen Orchesters. 2lls Meister seines Instruments spielte Grünfeld mit den nym- haftksten Musikern seiner Zeit zusammen. Neben und zusammen mit seiner künstlerisckien spielte er eine ebenso große gesellschaftliche Rolle. Er war Stammgast in den Salons der reich gewordenen Bourgeoisie. Mindestens so gesucht wie sein Spiel war sein amüsanter Witz. Biel« Anekdoten gingen von ihm um. Er hat manches davon in seiner Autobiographie„In Dur und Moll" gesammelt und damit die Erinnerung an eine Zeit wachgehalten, die endgültig vorbei ist: die bürgerliche Salomnusikkultur. „Das Glücksmädel." Gartenbühne des Rose«Theaters. Das Stück führt in ein besseres Land, wo sich auch in der unglücklichsten Lage immer ein befriedigender Ausgleich findet. Es ist nicht gut, wenn das Töchterchen des reichen Schlossermeisters den adligen Windhund heiratet. Feudale Lebensformen vertragen sich nicht mit biederer Handwerksgesinnung. Am Schluß des zweiten 2lktes sieht es trübe aus, als der Papa mit seinem schluchzenden Töchterchen heimzieht, ober das Volksstück mit Gesang erlaubt keine Regemvolken am Himmel. Dagegen wehrte sich schon der selige L'Arronge, und deshalb kehrt der Luftikus zurück, um ein nützliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft zu werden. Die Anständigkeit hat gesiegt. Di« Aufführung des„Glllcksmädcls", das Max R e i m a n n und Otto S ch w q r tz erdachten, wirkt wie ein« Reife in die Ver- gangenheit, in ruhigere Zeiten, da sich die Dinge noch nicht so hart im Raum stießen. Der strebsame Bürger setzte sich selbst ein Denk- mal und lieh seine Nase von Weihrauch kitzeln. Mit dosierter Rührung, mit Witz und Behagen und viel Routine wird die Handlung garniert und schmackhaft zubereitet. Schon damals war das Volksstllck trotz aller Realität im Detail eine Flucht vor der Wirklichkeit, ein« Flucht in die gute Stube der kleinbürgerlichen Ideale, und heute klingt darin alles wie in einem Märchen für erwachsen« Leute. Es war einmal, so sangen alle Märchen an. Hans Rose inszeniert mit unsehlbarem Theaterinstinkt diese Dinge, die kein« Tüftele! und Problematik vertragen. Die Pointe muß laut knallen, das ist schon im Aufbau des Volksstückes begründet. Dazu Tanz mit leise grotesker Färbung zu hübschen Onestepmelodien. Das Ensemble mit Lotte Luckwald, Margarethe Fischhach, Mikulski, Willi Rose mch Güllich zeigt sein bewährtes Können. k1. Seh. Krank Harris. Frank Harris, ein sehr bekannter anglo-sächsischer Journalist, Chefredakteur und Zeitschriftenherausgeber, ist im Alter von 75 Iahren in Nizza gestorben. Er hat ein sehr wechselvolles Leben geführt. In Irland geboren, kam er mit 16 Jahren noch den Staatey, wo er sich in vielerlei Berufen versuchte. Die Liebe zu den Künsten und Wissenschaften führte den Selfmademan dann aus deutsche Universitäten, wo er ausgedehnte Studien trieb. Später führte ihn sein Weg nach London, wo er seine großen Fähigkeiten in der Gründung und Leitung von Zeitungen und Zeitschriften er- wies. Er spielte eine große Rolle in der englischen Gesellschaft und verstand auch Geld zu machen. Cr war mit Oscar Wild« befreundet und schrieb auch seine Biographie. .Harris Hat in den letzten Jahren mehrere Bande einer Auto- biographie veröffentlicht, von denen zwei auch ins Deutsch« übersetzt sind. Er hat mit sehr vielen interessanten Leuten Beziehungen gehabt und ist ein guter Schilderer politischer Borgänge vor und hinter den Kulissen. Mit beabsichtigter Rücksichtslosigkeit gibt er darin auch Ausschlüsse über sein sexuelles Leben, die in England vielfach Anstoß erregt haben. Zum Schluß hat Harris sich immer mehr aus den„freien Geist" hinausgelebt. Deutsche Filme in Maris. Nachdem schon seit längerer Zeit in verschiedenen Pariser Kino- theatern englische und amerikanische Filme in der Originalfassung vorgeführt sind, hat es auch ein erst von kurzem erbautes Kino ge- wagt, ständig deutsche Tonfilme in der Originalfassung zu zeigen. Es handelt sich um das auf dem Montmartre gelegene Roxy-Cinema, das einer zum Teil aus Elsässern und Lothringern bestehenden Gesell- schalt gehört. Der gute Besuch der Vorstellungen beweist, daß das Unternehmen lebensfähig ist, und daß ein Bedürfnis für deutsche Filmvorführungen in Paris besteht. Das Kinojiiegaiui vor einigen Monaten mit der Ausführung des bekannten Sprechfllms„Zwei Herzen im Dreivierteltakt", der sich eines so großen Zu- spruchcs erfreute, daß er mehrere Wochen auf dem Programm bleiben mußte. Daran schloß sich der Film„D i e D r e i v o n d e r T a n k- stelle" an, der hier bereits in der französische» Fassung bekannt war. Seit kurzem läuft jetzt der Film„I ch g e h' a u s u n d Du bleibst da", der bei der Erstausführung lebhaften Beifall fand. Als nächster Film ist der Jannigs-Jilm„Liebling der Götter" vorgesehen. Um auch dem französischen Publikum den Besuch der Vorstellungen zu ermöglichen, wird auf einem laufenden Band unter der Leinwand eine französische Uebersetzung der ge- sprochenen Worte vorbeigezogen. Bisweilen sind schon früher in anderen Theatern deutsche Sprechsilme gezeigt worden. Den Rekord mit einem deutschei�Film IM das auf dem Montparmasse gelegene„Studio des Ursulines" aufgestellt, das fast seit einem Jahre ohne Unterbrechung den Film „Der blaue Engel" täglich einmal in deutscher und in französischer Fassung zeigt. In diesen Tagen findet die 000. Zlus- sührung statt._ Polen ab 1. September ohne Theater. Zwischen dem Verband der polnischen Bühnenkünstler und den Theaterdirektoren ist ein Streit ausgebrochen, weil sich die Künstler den vorgeschlagenen Ver- tragsbedingungen nicht unterwerfen wollten, die aus eine Kürzung der Gagen hinausliesen. Die seit mehreren Wochen schwebenden Verhandlung««, sind nunmehr abgebrochen worden. Am 1. September schließen all« polnischen Bühnen, soweit ihre Mitglieder nicht außer- halb des Künstlerverbandes stehen. ®d»on beginne» die M-rchenborftellungen.„Rotkäpp6icii und der Wolf" wird als erste Märchcnvorstcllung So»nabc»d, nachmiltags 4 Uhr, und Sonntag, nachmittags 3 Uhr, im W a l l n e r- T b c a t e r ausaesiibrt.— Das R»Ie-Thcat-r beginnt mit den Marchciivorstcllungen am 6. September, nachmittags 3 Uhr. Als erstes gklangt zur Auffnhrung „Das tapfere Schncidcrlctn". Ter nengegründete Berein„Das Zcittheater" bringt an, 16. Scp- tcmbcr Altred Herzogs ReichSniarinedrama„Ein Mann hat i i ch erhäng t" im Walltter'Thcatcr zur Uraufführung. Der neue Verein „will der deutschen Bühne, die durch die künstlerischen und politischen Kompromisse der Theaterleiter seden lebendigen Spielplans beraubt wlrd, zeit- und gesellschaftskritische Werke vermitteln". Mittelatter im Gchwesternheim Wie lange soll der Skandal noch dauern? Seit dem 1. Juli ist die gewerbsmäßige Stellen� Vermittlung verboten. Man sollte annehmen, daß die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung als oberste Aufsichtsbehörde nunmehr streng darüber wacht, daß dieses Verbot nicht verletzt wird. Niemand wird jedenfalls an- nehmen, daß die Reichsanstalt entgegen den gesetzlichen Bestimmun- gen das Weiterbestehen der gewerbsmäßigen Stellenvermittlung duldet oder sie sogar noch fördert. Einen so skandalösen Zustand gibt es aber in Berlin, und die von der Reichsanstalt geduldeten gewerbsmäßigen Stellenoermittler sind die Inhaberinnen der g c- werbsmähigen Schwesternheime. Die Reichssektior Gesundheitswesen im Gesamt- verband hatte zu Mittwochabend nach dem Plenarsaal des Reichs- wirtschaftsrats eine öffentliche Schwcsternkundgebung einberufen, in der von der.chauptreferentin, Genossin Karola W e d l, über diese Schwesternheime Dinge berichtet wurden, die man einfach nicht ge- glaubt hätte, wenn sie nicht von der Referentin durch Akten und vor allem in der Diskussion durch die Schwestern selbst bewiesen worden wären. Diese Schwesternheime suchen durch Inserate in den be- kannten Zeitschriften„Daheim" usw. Krankenschwestern, den sie „gute Privatpflegestellen" versprechen. Aus den entferntesten Winkeln Deutschlands kommen dann stellungslose oder gerade erst geprüfte Krankenschwestern nach Berlin, in der Hoffnung, hier bald eine Stellung zu erhalten. Den Inhaberinnen der Schwesternheime kommt es aber zuerst darauf an, ihre Zimmer zu vermieten. Pflegestellen können sie nur selten vermitteln. Den Schwestern werden für eine Schlafstatt monatlich 46 bis 60 Mark abgenommen. wobei sie selten ihr Zimmer für sich allein haben, sondern es mit vier bis zehn anderen Schwestern teilen müssen! Die Beköstigung ist selbstverständlich in diesen Preis nicht einbegriffen. In den meisten Fällen müssen sie sogar ihre Bettwäsche und teilweise sogar die Federbetten mitbringen. Die Miete für den„Heimplatz" muß im voraus bezahlt werden. Damit schon fängt das Sklaventum der Privatkrankenschwester an. Arbeit findet sie nur selten; bekommt sie wirklich Beschäftigung, muß sie für die Schulden arbei- t e n, die inzwischen bei der Hciminhaberin schon wer weiß wie hoch angelaufen sind. Die Krankenschwestern werden genau so an diese Ausbeuterinnen gekettet wie früher die Bodcllmädchen an die Bordellwirtin. Wollen sie sich von der Umklammerung der Schwesternheime mit Gewalt freimachen, behalten die Inhaberinnen ihre Sachen und Papiere zurück. Der Reichsanstalt sind diese gemeinen Ausbeutungsmethoden seit langem bekannt. Das Arbeitsamt Berlin- Mitte hat den Schwesternheimen bescheinigt, daß sie gewerbs- mäßige Stellenvermittlungen sind, die nach dem 1. Juli nicht mehr existieren dürfen. Die Reichsanstalt laßt sich jedoch mit den In- haberinnen der Schwesternheime in Verhandlungen ein, um nach einer Möglichkeit zu suchen, die„seriösesten" von ihnen, bestehen lassen zu können. In der gestrigen Protestkundgebung wurde mit Recht verlangt, daß auch gegen diese gewerbsmäßigen Schwesternheime genau so vorgegangen werden muß wie gegeck jede andere gewerbsmäßige Stellenvermittlung. Ganz besonders wurde an den R e ich s- a r b e i t s in i n i st e r, der bekanntlich über die Reichsonstalt liie Aufsicht führt, der Appell gerichtet, der skandalösen Haltung der Reichsanstalt gegenüber diesen Schwesternheimen schnellstens ein Ende zu bereiten. Einigung im Speditionsgewerbe. Der Vorschlag des Schlichters angenommen. Eine außerordentliche Mikgliedervcrsammlung der im Gesamt- verband organisierten Spedilionsarbeiler nahm gestern Stellung zu dem Vorschlag des Schlichiers, den dieser bei den Rachverhandlungen über den Antrag aus Verbindlichkcitscrltärung des Schiedsspruchs den Parteien gemacht hat. Wie erinnerlich, sah der Schiedsspruch einen Lohnabbau von 4 proz. vor und die Verlängerung des Lohn- und Mankeltarifs bis zum 30. September tS34. Der Schlichter schlug dagegen den Parteien vor. den Lohnabbau aus 3 proz. zu begrenzen und die Laufzeit des Lohn- und Manteltarifs bis zum 3l. März 1332 auszu- dehnen. Nach eingehender Diskussion beschlossen die Spedilionsarbeiter mit großer Mehrheit, den Vorschlag des Schlichters anzunehmen. Da die Unternehmer schon im Laufe des Nachmittags dem Vorschlag des Schlichters zugestimmt hatten, ist somit der Friede im Spe- ditionsgewerbe wieder hergestellt. Hoffnung auf Stegerwald? Gchlesische Metallindustrielle wollen freie Hand. Breslau, 27. August. Der Verband schlesischer Metallindustrieller mit seinen Untergruppen Breslau, Neiße und Ratibor hat die L o h n t a r i f e vom 27. Februar 1931 zuni 30. September dieses Jahres gekündigt. Forderungen sind noch nicht geltend gemacht. Die Kündigung er- folgte, um sich freie Hand zu schassen für die wirtschaftliche Entwicklung, die im Laufe des Herbstes erwartet wird. Rückschau. „Praktische Fürsorge für Jugendliche" behandelte Kurt Großmann in einem Vortrag der Funkstunde. Der Scheuen-Prozeß" hat die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit in stärkerem Maße auf die Fürsorgeerziehung gelenkt. Der Vor- tragende, der die Fortschritte der heutigen Fürsorge gegenüber den gleichen Crziehungsformen der Vergangenheit hervorhob, betonte, daß es durchaus vorbildlich geleitete Anstalten gäbe; aber gerade der in Fürsorgeerziehung befindliche Jugendliche muß vor allen Mißgriffen und Uebergriffen der Erzieher besonders geschützt werden, weil er, wie die Praxis immer wieder lehrt, ihnen oft wehrlos aus- geliefert ist. Stärkere Aufsicht über die Fürsorgcheime, die auch der Staat zugestanden hat, ist deshalb dringend erforderlich. Aber die Kasernicrung, die bei der Fürsorgeerziehung ja nicht zu vermeiden ist, birgt trotz ihrer technischen Vorteile manche Gefahren. Der Zögling, der vielleicht nur wegen ungünstiger sozialer Verhältnisse in ein Erziehungsheim gekommen ist, lebt in ständiger Gemeinschaft mit anderen, die in ihrem Kampf mit der Welt es schon zu einer erfolgreichen Verbrecherlaufbahn gebracht haben. Nur durch vor- sichtige Gruppierung kleiner Erziehungsgemein- sch a f t e n kann verhindert werden, daß solche Zöglinge ihren Ein- fluß auf andere geltend machen. Die Prügelstrafe, die, wenn auch in begrenztem Maße, in Knabenerzichungsanstalten immer noch zu- lässig ist, muß unbedingt abgeschafft werden; nur durch ein ver- trauensvolles Verhältnis zwischen Schüler und Erzieher kann wirk- liche Erziehung zustande kommen. Der Vortragende redete außerdem sehr der Schutzaufsicht das Wort: von sechs gefährdeten Knaben, die er betreute, brauchte nur einer in Fürsorgeerziehung übergeführt zu werden; die übrigen verblieben in ihrer häusl-cheic�ßsemeinschast. Der Deutschlandsender übernahm eine Gedenk stunde für Ludwig Thoma aus München. Es war ztr erwarten, daß Bayern dem vor zehn Jahren Verstorbenen eine besonders pietätvolle Feier ausrichten würde. Der Hörer erfuhr viel von dem Dichter Thoma, denn er sah seine wesentlichsten Züge: sein ernstes Wisien um das menschliche Herz und sein Lächeln über menschliche Schwächen. Aber von dem Menschen Thoma erfuhr er gar nichts. Das war sehr schade: denn bei Thoma gab es keine Trennung zwischen dem Dichter und dem Menschen, sondern aus seiner mensch- lichen Stärke wuchs sein Werk. Aus der Erkenntnis alles Mangel- haften und Unzulänglichen dieser menschlichen Gemeinschaft-rang er sich durch zum Lächeln. Aber mit beißender Satire verspottete er üble Zeiterscheinungen, die er nur darum nicht haßte, weil er sie verachtete. Man hätte diesem Zeitkritiker Thoma in der Gedenk- stunde auch ein Plätzchen einräumen sollen. Im Programm der Deutschen Welle sprach Dr. Arno Sch i- r o k a u e r über„L e i p z i g". Die Klippen einer Bädekerschilde- rung oder einer historischen Betrachtung vermied er glücklich. Aus einem etwas verschnörkelten feuilletonistischen Stil, der gegenüber dieser sachlichen Stadt nicht ganz angebracht war, formte sich ein Bild vom Wachsen und Sein dieser Stadt, die vor dem Hörer als Staais Slaalsopcr linier den Linden. Die Bodizeli des Figaro Anfang ISki Uhr Ende gegen 23 Uhr. SiaalLSchansplGlii. I ScdilleplUeater Oendarmramarkt| Cftarlottenburg Wiederbeginn der Verstellungen am Sonrabend, n. zg. August StftK.Oper Charloltenburg Bismarckstraße 34 Turnus 1 Anfang 20 Uhr Das Spitzentuch der Königin Theater im Admiralsoaiasl Täglich«>/. Uhr RoHer-Gasfsprel Die Dubarry mit Gitta ftipar Preise: 0,50 bis 12,50 Komiscüa oner Friedricbslr. 104 SVi Uhr Frauen baben das gern... Musikat. Sciiwank von Arnold Musik v. Walt. Kollo Sommerpr. 0.50-7.00 Täglich 5 und 815 Sonnt. 2. S u. 815 „ Um 9 Uhr mußidtindic Kaserne!" mit Fritz Servoi MONNA, TYMGA DRESSLErltE.IA 8. das gro3c Frocramm Barbarossa 91 Tägl. 5 U.CI/2U. Dia Presse schreibt:' ..■ GlanznuAttiern In der 1 „Scala"(Voss. Ztg.) s Eines dar besten 1 Win fei- «Gairen* . ■ 1.15 Uhr Flora 3434 Barbotte! Hofsängor Bourlakoff- Trupp* LasTuria3,Concha Reichshallen-Theater „AIBes tö? ö verrückt S64 -m| Am 1 Sept.: � B p i 1 1 o n SO«Iah po Stettiner* Sänger. kurtUrsienüamn)- Theater Bismarck 448/49 Kejte zun 35. Mals Die schöne Heiena /onlacqnesOUcnbafl! aeelc; Max Rcinborm Theater desWestens Tagl. 5 u. 8';» Volksvorstellungen Viktoria und ihr Husar «miestcrPI. 0.50 M Tiuerst rPI. 2.50M. irietropoMiieaier Morgen Freitag 73/d Premier« dsr neuen Paul-Jhraham- Oparetle Die Blume von Hawai unter persönl. Ltg des Komponisten Pr. derPI.: 1.- bis 14.50 »v.uhr CASlNO-THEAlERsv. ut« Lolhrla�er Strafte 37. iiiiiniiniiiiiniiiiiiiiiiiitiiitieiniiii Der Eröffnungs-Schlager Das Parfüm meiner Frau dazu ein erstklassiger bunter Teil. Für die Leser: Gutschein 1-4 Pers. Rang Mitte 1 M.. Fauteuil u. Balk. 1,25 M. Sessel 1,50 M. 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Ihrer Größe nach müßte die 700 OOO-Einwohner-Stadt Leipzig die 5. Stelle der deutsch>n Spitzeneinkommen einnehmen: sie steht jedoch an zweiter. 33 Einkommen von über eine Viertelmillion werden hier versteuert. Dabei ist der in Leipzig zusammengeschlossene Besitzreichtum durch- aus nicht besonders groß, gemessen an dem der übrigen Städte; seine Einkommen sind Handelseinkommen. Tes. Donnerstag, 27. August. Berlin. 16.00 Aus Sinfonien von Haydn. Dir.: Dr. Wolfgang Herbert. 17.00 Werkzeuge des Urmenschen: Dr. Otto Hauser. 17.20 Albert Reinicke: Eigene Arbeiten. 17.45 H. K. Rose: Kundenwerbung. 18.10 Hawalin-Duos.— 18.30 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 18.35 Herbert Ihering: Die Salzburger Festspiele. 19.00 Unterhaltungsmusik. 20.00 Aktuelle Abteilung. 20.30 ,.La Traviata-. Oper von Verdi. Regie: Cornelis Bronsgeest. Dir.: Hermann Scherchen. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten; Tanzmusik. Königswusterhausen. 17.00$chulr. 0. Wölfl: Lehrerinneninternationale.(Kongreß in Stockholm 1931.1 17.30 Dr. Joh. Günther: Landschaftsdichtung. 18.00 Frhr. v Bülow: Die Luftpolitik der großen Staaten. 18.30 Dr Artur DU: Spanisch-Airika. 18.55 Welter für die Landwirtschaft 19.00 Englisch für Eortgeschrittene. 19 25 v. Colmar: Kartoffelernte, Verwendung der Kartoffel in der eigenen Wirt. schaft. 19.45 Würzburger: Vorschau auf das Septemberprogramm. 20.00 Reinhold v. Walter: Das Eheproblera in der Sowietliteratur. Bcrantroottl für bic Ncbak'wn: Sezbctt S'p.re. Berlin: Anzeigen: Tb. Siecke. Berlin. Verlag: Verwaris Verlag G. m. b. S.. Berlin. Zrnck: Barwarfs Bn». bruckerri unb Verlaasanfialt Vanl Singer& Ca.. Berlin SW SS. Ümbenftra&e S. Hier,» t Beilage. Billige ersiMüssiger Hü Ein Grundsatzder genossenschaftlichen Selbstversorgung Beachten Sie bitte unsere Preise! Kartoffeln, weiße.... 10 Pfd. 30 Pf. Kartoffeln, blaue.... 10 Pfd. ä2 Pf. Kartoffeln, gejbe...... 10 Pfd. 35 Pf. Deutsche Pettheringe. Stck. 6 Pf. Sauerkohl......... Pfd. 15 Pf. Neue Frischgurken, nach Hausfrauenart eingelegt. Margarine..... Pfd. Kokosfett in Tafeln... Kuns honig in Paketen. Pflaumenmus..... Himbeersaft, Kirschsaft Malzkaffee in Paketen. Weizenmehl...... Deutscher WcizengrieS HarlwelzengrleB Haferflocken.. Makkaroni... Schnittnudeln. Fadennudeln...... Viktoria-Erbsen, handverl Linsen.......... Wurstwaren Landleberwurst.......... Pfd. 92 und 60 Pf Thüringer................. Pfd 80 Pf. PreSwurst................ Pfd. 80 Pf. Sächsische Blutwurst.......... Pfd. 60 Pf. Sülze................... Ptd. 60 Pf Hannoversche Kochmettwurst..... Pfd 100 Pf. Berliner Mettwurst........ Pfd. 132 u. 100 Pf Jagdwurst................ Pfd. 132 Pf. Speck, fett(deutscher)........... Pfd 80 Pf Speck, mager................ Pfd. 100 Pf Frisches Schweinefleisch Kotelett........ ab Pfd 115 Pi Kamm und Schuft.... Pfd 105 Pi. KaSler......... ab Pfd, 95 Pf. Schulterblatt....... Pfd 85 Pf Bauch........... Pfd. 85 Pf. RUckenfeit........ Pfd 85 Pf Eisbein, ganz....... Pfd 60 Pf. lopf, ohne Backe..... Ptd. 40 P Frisches RindfBeisch Rouladen....... ab Pid. 135 Pi Schmortielseh, o.Knoch. ab Pfd. 115 Pf. Roastbeef....... ab Pfd 100 Pr. Querrippe...... ab Pfd. 70 Pf. Gehacktes...... � 70 pt KONSUM fiEDOSSEKSCHAFT BERUH U. UHISEGERD ejui Die Mitgliedschaft kann in jeder Abgabestelle erworben werden! (Beilage Donnerstag, 27. August 1931 ShZJauiaaäe 4a vyMnstk leibt öu Jim Kampf der Arbeiterschaft um kulturellen Fortschritt wird immer wieder die� Erfahrung gemacht, wie außerordentlich hemmend sich die soziale Lage des einzelnen und des gesamte» Proletariats für jede Bildungsarbelt auswirkt. So erscheint es uns außer jedem Zweifel, daß Arbeitslosigkeit oder geringer Lohn, dürftige Wohnverhältnisse und engste gesellschaftliche Be- wegungsfreiheit nicht die geeigneten Verhältnisse sind, über ein <,eringes Maß vom Wissen und Fähigkeiten der stiefmütterlichen Volksschule hinauszuwachsen. Deshalb zielt ja auch all unser kul- turelles Bemühen ebenso auf Umgestaltung der wirtschaftlichen Lage und des gesellschaftlichen Milieus wie das gewerkschaftliche Bestreben, in der richtigen Erkenntnis, daß der Mensch auch in seinem Wissen und Können, auch in seiner geistigen Bildung von seiner Umgebung, von den Verhältnissen, in denen er f.. zu leben gezwungen ist, geprägt wird. Bürgerliche Denker freilich sehen es vielfach anders. Zwar müssen sie den Einfluß der Umgebung anerkennen, aber sie nennen ihn geringfügig. Für sie ist jede geistige Leistung, jede Bildungs- fähigkeit eine Frage der erblichen Anlage, die wohl durch Er- Ziehung und Uebung gesteigert werden kann, aber als geistiges Erbgut vorhanden sein muß und sich dann selbst bei ungünstigsten Verhältnissen durchsetzt. Infolgedessen ist für sie die geistige Reg- samkeit und Schafsenskraft eines Menschen ein Naturgeschenk, und ebenso ist das Fehlen geistiger Kräfte nach ihrer Ansicht durch natürliche Anlagen bedingt.„Naturgrenzen geistiger Bildung" nennt ein bürgerlicher Schulpolititer, der Dresdener Stadtschulrat Dr. Wilhelm ch a r t n a ck e, sein Buch, in dem er die geistige Bildungsfähigkeit der Arbeiterschaft zu untersuchen sich vorgenommen hat. Schon die Stichworte des Untertitels„Inflation der Bildung— Schwindendes Führertum— Herrschaft der Urteilslosen" deuten an, in welche Richtung Hartnacke vorstößt. Mit zahlreichen Sta- tistiken versucht er den Nachweis zu erbringen, daß die Leistungs- fähigkeit der Schulkinder durch die Erbanlage und die Bildungshöhe ihrer Vorfahren bedingt sei, d. h. also praktisch, daß die Kinder von Eltern der höheren Berufe ohne weiteres für die höhere Schule besähigt seien und ihr zugeführt werden mühten, während die Kinder der breiten Volksmasse auf Grund von„Natur- grenzen" dumm seien und zum großen Teil nicht ein- mal den Anforderungen der Volksschule genügen könnten. Nach den Statistiken Hartnackes ist jeder dritte Volksschüler min- , bestens einmal sitzengeblieben und jeder fünfundzwanzigste Knabe der deutschen Städte ist„ausgesprochen schwachsinnig bis ganz fchqiach begabt", also hilfsschulbedürftig. Gleichzeitig heißt es aber. auch,.chah Hilssschulkmder bei Eltern in gehobener Berufslage außerordentlich selten find41;; so- daß die Schwachsinnigen nahezu ganz der breiten unteren Schichj, der- Schicht der„minderqualifi- zierten, Berufe" angehören. Aus der Tatsache der schwachen Leistungen von Kindern der unteren Volksschichten— die in ihrer angegebenen Zahlenstärke hier nicht nachgeprüft werden soll— folgert Hartnacke nun nicht etwa, daß hieran die schlechte Wirtschaft- liche Lage der Eltern einen großen Anteil hat und daß aus diesem Grunde besondere pädagogische Maßnahmen und Beseitigung dieser Verhältnisse notwendig seien, sondern er formt den Begriff der„gesellschaftlichen Unterschicht, der Schicht der Minderwertigen", der eine be. st befähigte Oberschicht, eine„Wiege der großen Männer" gegenübergestellt wird. Di« Anhäufung dieses statistischen Materials ist durchaus nicht Selbstzweck, sondern es werden aus den Zahlenbeispielen weit- tragende kulturpolitische Schlüsse gezogen. Für Hartnacke ist durch die angeführten Zahlen bewiesen, daß die Arbeiterschaft im großen ganzen geistig beschränkt ist, daß ihr infolge der Erbanlage Natur- grenzen geistiger Bildsamkeit als Schicksal auferlegt ist.„Dumm bleibt dumm" ist die bei ihm immer wiederkehrende Erkennt- nis. Daraus aber folgt, daß die seit der staatlichen Umwälzung erstrebte Schulreform ein Unsinn sei. Alle Versuche, das Niveau der Volksschule zu heben oder Arbeiterkinder über die Aus- bauschulen in geistige gesellschaftliche Funktionen zu leiten, seien zum Scheitern verurteilt und verschlängen nur unnötig gewaltige Summen, die an anderer Stelle besser angewandt wären. Unser altes Schulsystem habe jeden Befähigten auch aus den untersten Schichten ersaßt und über die verschiedensten Schultypen bis hinauf zur Hochschule kommen lassen, wenn er für ein Studium geeignet sei. Aber ,cher Glaube, daß ungezählte Scharen Hochbegabter nicht zu höherer Bildung gelangten, ist eine salsche und überständige Ver- allgemeinerung... Man kann aus einem Teiche eben nicht mehr Karpfen fischen als darin sind." Hartnacke geht aber in seinen Behauptungen noch weiter. Er fragt, wer denn eigentlich von der Einsührung der Grundschule. der Ausbauschule und der akademischen Lehrerbildung als den wichtigsten Schulneuerungen den Vorteil zieht und gibt die für ihn bezeichnende Antwort: „Tas ist eben ber Teil ber Volksschullehrerschaft, der auf eine rücksichtslose Standespolitik eingeschworen ist. Man macht sich die sozialen Spannungen, die alt sind wie die Weltgeschichte, alt wie die menschliche Ichsucht auf der einen und der Neid auf der anderen Seite, zunutze, um mobil zu machen gegen angebliche Standesvorrechte eines Teils der Elternschaft und der Lehrerschaft der höheren Schule. Es ist ja so leicht, die nicht tiefer schauenden Massen einzusangen für die verhängnisvolle Formel: Bildung gleich Geldbeutel. Man bringt also die höhere Schule um das Vertrauen und fordert Schul- reformen im Rahmen eines Einheitsschulsystems" lediglich aus Neid und egoistischer Berechnung, weil am Ende der akademischen Ausbildung auch dem Volksschullehrer eine Standesgleichheit m't dem Studienrat und damit eine höher- Gehaltsstufe winkt! Stärker ist wohl noch nie das heiße Bemühen der Schulresormer und der Volksschullehrer um kulturellen Fortschritt beschimpft worden, in ähnlich verächtlicher Art wohl noch nie der Kul- turwille der Arbeiterschaft gehöhnt worden wie in diesen Ausführungen Hartnackes. Also spricht Wilhelm Hartnacke In diesem Sinne gehen die„wissenschaftlichen" Untersuchungen weiter.„Das Hilfsschulpublikum zeugt, zum Teil ermuntert durch die öffentliche Fürsorge, viel mehr Kinder als irgendeine andere Bevölkerungsgruppe, während kluge und oordenkliche Leute sich sagen, daß jedes in die Welt gesetzte Kind, soweit man es in der eigenen Berufssphäre erhalten will, die Pflicht bedeutet, es bis tief ins dritte Lebensjahrzehnt zu unterhalten." Hieraus geht„als Zukunftsschicksal unseres Volkes das hervor, was Max von Gruber drastisch aber tresjend die Gefahr der Verpöbelung ge- nannt hat." Nachdem ein solches Kraftwort als Zitat eingeführt ist, geht es in gleich starken Tönen weiter.„Es ist ein Mord an der geistigen Zukunft, wenn auch der Untüchtigste durch Fürsorgemittel instand gesetzt wird, reihenweise Kinder in die Welt zu setzen, die die Allgemeinheit belasten, ohne ihr zu nützen. Verflucht und ausgetilgt wird sein jedes Volk, daß seinen Pöbel zum wesentlichen Träger seiner Nach- zucht und damit seiner Zukunft wenden läßt." So mündet die ganze Untersuchung in einer politischen For- derung aus, obgleich es heißt,„ich will kein politisches Buch schreiben, aber einiges Nachdenken ist die Frage schon wert, ob man einen von Einsicht getragenen Staatswillen ermittelt, wenn man die Urteilsunfähigen in demselben Maße an der Findung des Staatswillens teilnehmen läßt wie die besten und verantwortungs- willigsten Köpfe... Es ist kein Zweifel, daß die unreifen und unzulänglichen Urteile alle Zeit und für alle Male in der Mehrheit sind, wenn in einer nicht ausgelassenen, dem Durchschnitt ent- sprechenden Menschengruppe Meinungen und Urteile abgegeben werden... Die meisten Menschen gehören zum mähigen oder zum bescheideneren geistigen Mittelgute und der Rest ist völlig un- zulänglich, an geistigen Maßstäben gemessen... Eine Willenssindung durch das allgemeine gleiche Wahlrecht nun überhaupt zu beseitigen, würde voraussichtlich auf legalem Wege sobald nicht möglich sein, auf illegalem Wege nicht ohne schwerste Erschütterungen, mit denen man wohl den Bestand des Ganzen aufs Spiel setzte. Verfassungswidrige Mittel und Wege in den Kreis der Betrachtung zu ziehen, kann ich im Rahmen dieser Studie nicht für ein fruchtbares Beginnen halten. Wenn aber nun das allgemeine gleiche Wahlrecht nicht zu beseitigen ist. dann müßte und sollte ein Weg gefunden werden, dem grob- schlächtigen Massengeschäft des allgemeinen gleichen Wahlrechtes einen verfeinernden Ausgleich an die Seite zu stellsn, zu der nicht alle wählen, sondern nur diejenigen, die bewiesen haben, daß sie das Maß von Erkennt- niskräften und Erkenntnisklarheit haben, das Voraussetzung für die unterscheidende Wertung von politischen Forderungen i st." Dieses„Parlament der Köpfe", wie es so schön heißt, würde dann dem Reichstag, den man dann wohl als Parlament der Dummköpfe bezeichnen müßte, gegenübergestellt. An der demokratischen Form des Parlamentarismus brauchte damit nichts mehr geändert zu werden, weil ja doch dieses Oberhaus die letzten Entscheidungen zu treffen hätte. Das wäre eine neue Aui- läge der alten Staatsweisheit des herrschenden Großgrundbesitzes und Großkapitals: Unser König absolut, wenn er unfern Willen tut. Warum soll man der urteilslosen Masse nicht eine kleine parlamentarische Spielerei gönnen, wenn die politischen Entschei- düngen im„Parlament der Köpfe" gefällt werden? Es ist unmöglich, sich mit den Ausführungen Hartnackes ernst auseinanderzusetzen. Entweder sind sie von höchster poli- tischer Demagogie diktiert oder Hartnacke hat von den kul- turellen Voraussetzungen und dem geistigen Streben innerhalb der Arbeiterschaft nicht die gering st e Ahnung. Wie dem auch sei, es spricht aus jedem Abschnitt und insbesondere aus den letzten Ausführungen ein unglaublicher geistiger Hochmut dessen, der angeblich durch seine Bildung weit über dem Durchschnitt stehen will. Außerdem ist die als objektive Studie sich darbietende Schrift ausgerichtet auf eine politische Forderung, daß wir schon aus diesem Grunde Abstand nehmen müssen, das vorgebrachte Material kritisch zu würdigen. Um so mehr muß aber hervor- gehoben werden, mit welcher Maßlosigkeit ein bürgerlicher Schul- Politiker, der seltsamerweise immer noch in Dresden als Stadt- schulrat amtiert und sogar pädagogischer Fachmann beim Deutschen S t ä d t e t a g ist, das kulturelle Streben der Ar- beiterschaft beschimpft und zurückweist. Der maßlose Angriff ist für uns ein Zeichen, daß wir auf dem richtigen Wege sind, das Bildungsprivileg des Besitzes zu brechen, denn immer wird der Gegner, wenn sachliche Argumente fehlen, zu schimpfen anheben. (Das Buch ist bei Quelle und Meyer, Leipzig, erschienen. Man muß sich wundern, daß der sonst verdiente Vcrlag sich zum Druck dieses mehr als zweifelhaften Buches entschließen konnte.) 'iVilhelm Hetgeas. leiötk ein häßliches Kinö? Aeltx Wolffheim: Selbsterziehung? Wir haben unlängst an dieser Stelle nachzuweisen versucht, welche seelischen Schwierigkeiten einem Kinde entstehen können, das häßlich ist oder sich nur häßlich glaubt. Wir haben den Erziehern in diesem Artikel einige Winke gegeben, wie sie Fehl- enkwicklungen, die aus dieser Quelle stammen, entgegenwirken sollen. Nun meldet sich aus dem Leserkreis eine Stimme, die, wohl berührt durch eigene Kindheitserinnerungen, unserer Einstellung zu diesen Fragen zustimmt, sie ober nach einer besonderen Richtung hin zu erweitern sucht. Das„körperlich mit Fehlern behastete Kind"— also vor allem auch das verkrüppelte, körperbehinderte Kind— und mehr noch die Jugendlichen, die ins Erwerbsleben gehen, müssen dazu geführt werden, so meint der Einsender, in sich s e l b st Rückhalt zu finden.„Erste Pflicht muh es sein", so führt er aus, sich selbst zu erziehen„zum Uebersehen körperlicher Miß- gestaltungen". Nach dieser Richtung seien die Jugendlichen zu beeinflussen. Besonders in einfachen Familien, in denen, wie er meint, gar kein Bemühen ist, das Seelenleben des Kindes zu erforschen und zu beeinflussen,„ist dieses wohl der beste und aus die Dauer erfolgreichste Weg, den wir beschreiten können und müssen." Wir wissen, daß in der Krüppelerziehung dieser Weg beschritten wird und denken dabei an die Ideen, die z. B. im Oskar- Helene-Heim in Zehlendorf mit großem Erfolge praktisch verfolgt werden. Die dort behandelten und erzogenen Kinder werden durch Uebung und seelische Beeinflussung so weit gebracht, daß sie von ihrer Umgebung unabhängig sind, daß sie im Erwerbs- leben stehen können und dadurch— so hofft man— auch seelisch weniger zu erdulden haben als Ihre Leidensgenossen früherer Zeiten. Erziehung zum Mut, zur Selbsterziehung und durch ent- sprechende orchopädische Hilfsmittel dem Normalen sich angleichende Leistungsfähigkeit kann eine Sicherheit geben, die das Anderssein nicht so schwer empfinden läßt. Aber, kann das, was in einer Gemeinschaft Gleichgestellter bis zu einem gewissen Grade möglich ist, auch dort wirksam werden, wo der Einzelne sich eben als Ein- zelner, als Andersartiger fühlt? Die Selbsterziehung. die der Einsender obiger Hinweise empfiehlt, wird nur zu leicht über den Haufen gerannt werden, wenn ein Schulkind von seinen Mitschülern gehänselt oder schief angesehen, wenn der Lehrling von seinen Kollegen nicht für voll genommen wird. Wohl müssen wir bemüht sein, den Minderwertigkeitsgesühlen der unschönen oder körperbehinderten Kinder entgegenzuwirken, wohl sollen wir ver- suchen, sie zum„Darüberstehen" zu bringen, aber— auf die Gefahr einer allzu starken Selbsterziehung muß hingewiesen werden. Es ist unleugbar nicht zu empfehlen, durch überspannte Willensgymnastik Kränkungsgefühle so stark zu verdrängen, daß sie nach außen hin nicht in Erscheinung treten. Die Erhabenheits- geste— nennen wir sie im Voltston„Dickfelligkeir"— wird nur zu oft durch bedrückende seelische Nachwirkungen erkauft sein. Wie ober einen Ausweg finden, wie denen das Leben er- leichtern, die unter ihrem Aeußeren leiden? Selbsterziehung nicht nur der Leidenden selbst, sondern sast noch mehr der anderen, der Normalen! Sie sollten sich dazu erziehen, duldsamer zu sein. Nicht als das Wesentlichste ist Aeußerliches zu nehmen, darüber hinwegzusehen, sei unser Bemühen. Vor allem aber gelte unsere Selbsterziehung dem Streben, uns in der Gewalt zu haben, damit nichts von Abscheu oder— von Mitleid auf unserem Gesichte steht und verletzend wirken kann. Srma veesöner: Erziehung;itm„Trotzdem" Noch einmal: Das häßliche und das körperbehinderte Kind. Und zwar von der Seite des Mitleids aus gesehen, das— allzu» deullich gezeigt— Gefahren in sich birgt. Es ist ja so begreiflich, daß die Mutter dazu neigt, ihr durch Schönheitsmängel oder körper- liche Gebrechen vom Schicksal benachteiligtes Kind ausgleichend zu verwöhnen. Nachstehende und gutmütige Menschen überhaupt pflegen ihre Teilnahme auszudrücken, indem sie alles kritittos loben und auf jede Forderung dem behinderten Kind gegenüber verzichten. Das glaubt dann, Vorrechte beanspruchen zu dürfen, weil es Mängel hat. Aber der harte Lebenskampf fordert später ja auch von ihm die reale Leistung. Dann werden bittere Enttäuschungen zum seelischen Zusammenbruch und zur neurotischen Erkrankung führen. Nein, wer dem Kinde wirklich wohl will, erziehe es bewußt— schon während der Geborgenheit im Elternhaus— zur Lebensein- stellung des„T r o tz d e m". Anstatt ihm die Anstrengung zu er- sparen, lasse man es mit den Aufgaben ringen und helfe ihm, einen Ausweg zu ihrer Bewältigung zu finden. Die Natur selbst zeigt uns den Weg. Für gelähmte Muskeln läßt sie andere zum Ersatz eintreten.. Fällt ein Sinn aus, gewinnt ein anderer eine für den Vollsinnigen unbegreifliche Verfeinerung. Das Höchste an solchen Ersatzleistungen verkörperte wohl in sich der armlos ge- borene Unthan, der fast alles mit den wohlentwickelten Füßen aus- zuführen verstand: Maschine schreiben, Violine spielen, ja der sogar als Kunstschütze auftrat. Er war ein heiterer und mit seinem Dasein versöhnter Mann, der durch sein Vorbild und praktische Unterweisung in den Lazaretten zahlreichen Kriegsverletzten Lebensmut gab, ihnen den Gebrauch von Prothesen und körperliche Selbsthilfe zeigte. Aus seelischem Gebiet muß die Erziehung Gebrechlicher an- streben, ihnen geistigeInteressen zu geben, sie zur Vertiefung und zu verfeinerter Genußfähigkeit zu führen. Es ist auch hier lein Zufall, daß ausgesprochen häßliche Menschen so häufig das sind, was man„kluge Köpfe" nennt. Ihr Sinn war eben früh auf die Wert- fchätzung und Erarbeitung geistiger Gaben gerichtet. Und wenn der Volksmund die Verkrüppelten so oft als boshaft bezeichnet, so ist dies doch nur der Niederschlag der einen psychischen Entwick- lungsmöglichkeit. Von jenen Vielen wird seltener gesprochen, die als Schwerbehinderte gütig und wissend geworden, wohl vielleichi äußerlich eine Last, aber durch ihr stilles Wirken trotzdem ein Segen für ihre Umgebung sind. Schwerlich zwar wird Härte der Lieblosigkeit das körperlich gehemmte Kind diesen Weg zur Ueberwindung seiner Leiden führen. Die Entfaltung aller seiner Anlagen könnte in der Dürre und Ver- bitterung verkümmern.— Aber wenn man schon von Selbst- erziehung der Erziehenden spricht, so lasse man sie auch in den Spiegel schauen, der hinter dem„Mitleid" die Selbstgefälligkeit zeigt, um derentwillen allzuoft betonte Hilfsbereitschaft sich breit macht. Es ist viel bequemer, einem Kind den W°g und die Hand- reichung abzunehmen, auf die es mehr Zeit und Mühe verwenden müßte als andere. Es ist bequemer und dankbarer als soviel G e- d u l d aufzubringen, das Kind langsam zur eigenen Leistung kommen zu lassen. Fort mit den mitleidigen Blicken und gedanken- losem Handeln! Ansporn und Anerkennung seien die guten Gaben. die ihr als fortwirkende Hilfe dem häßlichen oder körperschwachen Kinde darbieten sollt! Unter einem Stahlhelm! KPD.-Sporlverband, Hakenkreuzler und„teutsche Turner" vereinigen sich Die Lolksentscheidsverbundeten von Eitler bis zur Kommunistischen Partei und ihrem Sportvcrband bleiben sich trotz der Pleite vom 9. August weiter treu. Am ZZ. August hielt der Ber- liner Teil des KPD.-Sportverbandes im Neuköllner Stadion einen sogenannten„Roten V o l k s t a g" ab, bei dem, wie erst jetzt näher bekannt wird, die Spitze eines einmarschierenden Zuges von zwei Hakenkreuzlern in voller Uniform angeführt wurde. Die„Rote Fahne" und die kommunistische„Welt am Abend". Berlin, wagen es nicht, der Ooffcntlichkcit von dieser Verbrüderung Kenntnis zu geben. Die Gemeinschaft des KPD.-Sportoerbandes(abgekürzt„KG.") mit der reaktionären Deutschen Turnerschaft macht sich. Ein ausgezeichnetes Beispiel dafür gab es am 26. Juli in Münchin- gen in Württemberg beim Sommerfest des Musikvereins zu sehen. Die„Arbeiter-Tribiine". dos württembergische Organ der KPD.- Opposition, meldet darüber niedergedrückt: „An der Spitze eine Musikkapelle, dann die Genossen der KG. auf Fahrrädern, wieder eine Kapelle und zum Schluh die „Deutschen Turner" in ihrer Turncrkleidung. Ja, ja, ein schöner Schluß ziert alles. Arm in Arm, rote Arbeitersportler und deutsche Turner mit bürgerlichen Musikkapellen, so sieht die viel- gepriesene Einheitsfront aus." Im Sinne der KPD. und ihres Sportverbandes liegt es auch, wie der vom Ardeiter-Turn- und Sportbund inzwischen aus- geschlossene und dem KPD.-Sportoerband beigetretene oppositionelle Verein in Krumbach im Odenwald an die Bezirksleitung des Arbeiter-Turn- und Sportbundes am 1. August schrieb, datz er zu seinem Sportfest alle Vereine aus der Umgebung einladet:„ob wild, ob deutsch, ob Opposition ist uns schnuppe". Der Nachbaroerein von Krumbach, Fürth i. O., nahm geschlossen an einer kommunistischen Bezirksspartakiade teil. Zur selben Zeit stellte dieser verein der Sirchengemeinde seine Turnholle zu einem Sirchenfcst zur Verfügung. Als der Arbeiter-Turn- und Sportbund Aufschluß über die Zusammenhänge wünschte, war die sonst so reoo- lutionäre Vereinsleitung zu feig zu antworten. Der KPD.-Sport- oerband dagegen sieht in Fürth i. O. eine seiner besten revolutionären Stützen im Odenwald. » Die„Deutsche T u r n z e i t u n g", das Organ der reaktionär geführten„Deutschen Turnerschaft", buhlt gegenwärtig um die Teilnahme der Arbeitersportler an der Rekordler- Olympiade 1936 in Berlin. Sic schreibt: „Diese Forderung(nach Zuschüssen vom Reich! Red.) setzt aber voraus, daß das gesamte deutsche Volk, ohne Rücksicht aus politische Einstellung, ohne Rücksicht auf Religion und ohne Rück- ficht auf Rasseneinstellung sich beteiligt. Jeder muß einen Pflock zurückstecken. Der„freie", parteiisch eingestellte Sportler muß dem„bürgerlichen" die Hand reichen, der religiös Eingefleischte muß schon den göttlich freien Menschenkörper in Gottes freier Natur sportbewegend tummeln sehen können, ohne Rücksicht aus Geschlecht, und der Rassenkämpe muh auf der Olympiade das Internationale aller Rassen anerkennen, auch im eigenen Vater- lande... Was ist des Deutschen Vaterland?... So weit die deutsche Zunge klingt und Gott im Himmel Lieder singt, das soll es sein, das, wackrer Deutscher, nenne dein!.. Das ganze Deutschland soll es fein! In dieser Erkenntnis wollen wir an die neue Aufgabe, an das große Rätsel„Olympiade" 1936" herangehen." Dazu schreibt der Pressedienst des Arbeiter-Turn- und Sportbundes: Diese Rechnung ist ohne Zutun der sozialisti- schen Arbeiterturner und-sportler gemacht worden, die gar nicht daran denken, den Olympischen Spielen Inhalt zu geben. Wer sich mit der Geschichte des deutschen Arbeitersports nur einigermaßen unvoreingenommen befaßt hat, erkennt, daß nicht kleinliche, persön- liche Einstellungen Grund zur Trennung zwischen Arbeitersport und bürgerlichen Sport sind, sondern grundsätzliche Fragen, zu deren Zu- standekommcn gerade die Deutsche Turnerschaft durch ihre reaktiv- näre Einstellung in den Vorkriegsjahren am meisten beigetragen hat. Die Verhältnisse haben sich seitdem im Grunde nicht verändert, wenn sich auch die Deutschs Turnerschaft nach dem Zusammenbruch Deutschlands auf den Boden der gegebenen Tatsache stellte. Die Teilnahme der sozialistischen Arbeitersporller an den bürgerlichen Olympischen Spielen scheidet grundsätzlich aus! Diese Antwort der deutschen Arbeitersportler ist klar und ein- deutig. Die„Deutsche Turnerschaft" und ihre Zeitung hätte sie dem Arbeiter-Turn- und Sportbund sparen können, wenn sie ein klein wenig Fingerspitzengefühl gehabt hätten. Vielleicht finden die Herrschaften aber mehr Anklang und Zustimmung bei den kommu- nistischen„Klasien"sportlern. die, wie wir eingangs bewiesen, feste dabei sind, urteutsches Germanentum, hakenkreuzlerisches Mörder- pack und kommunistische„Klassenkämpfer" unter einen Hut zu bringen. Sowjetstern am Stahlhelm. Hakenkreuz am Band, Einheitsfrontkumpane Werden sie genannt! «k�ot-Zport" Zrimdet Wcrksportvcrcinc Seit Jahren wettert die kommunistrsche Kampfgemeinschaft für die„Einheit" im Arbeitersport gegen die Wertsportvereine im bürgcr- lichen Lager. Als dann einige Gewerkschaften, wie der Bund der technischen Angestellten und Beamten und die Sozialistischen Stu- deuten, ihre Sportabteilungen im Arbeiter-Turn- und Sportbund an- meldeten, nahm das Geschrei kein Ende. Die gestern erschienen« „Rote Fahne" bringt einen interessanten Aufruf:„... die roten Sportler sind mit Macht daran, überall ihr« Betriebssport- gruppen aufzubauen, um die Einflüsse der faschistisch-mili- tärischen Sportorganisationen zu schwächen... lieber den Weg der Betriebssportgruppen heißt es vorzustoßen in die Reihen des bürger- lichen Mick» reformistischen Sports." Die ersten Vereine sollen nach unseren Informationen folgende Namen tragen: Rauchklub„Rote Fahne", Nachtspielklub„West am Abend", Anglerverein„Berlin am Morgen", Schützenverein der über- getretenen Nazis". Vor einigen Tagen brachte die„Welt am Abend" in großer Aufmachung die Meldung, der Pankowsr Sportklub Adler 98 sei wieder zu Rotsport zurückgekehrt. Vergeblich sucht man nun in der kommunistischen Sportzeitung unter der Rubrik„Die Fußball- kolonnen formieren sich" den Namen Adler 98. Bei der Meldung war wohl der Wunsch der Vater des Gedankens. Adler 98 denkt nämlich gar nicht daran, die Mitgliedschaft im Arbeiter-Turn- und Sportbund mitzugeben. Die Pinnen machen sich im Arbeiter va55ersport Die guten Leistungen der finnischen Arbeiter- Wassersportler beim Olympia in Wien waren eine Ueber- raschung. Daß sie keine Augenblickserfolge gewesen sind, Haben die nach dem Olympia stattgesundenen wasscrsportlichcn M c i st e r- s ch a f t e n des finnischen Arbeitcr-Sportbundes in Kotka und Viipuri bewiesen. Dort gelang es dem 18jäHrigcn Paananen die von ihm in Wien erreichte internationale Höchstleistung im 499- Meter-Vrustschwimmen von 6 Min. 21,2 Sek. auf 6 Min. 98 Sek. zu verbessern. Im 299-Meter-Brustschwimmen verbesserte derselbe Schwimmer seine in Wien erreichte Höchstleistung von 2 Min. 57,6 auf 2 Min. 51,9 Sek. und bei dem daraus folgenden Schwimmfcst in Turku sogar auf 2 Min. 49,5 Sek. In Turku schaffte Paananen auch im 199- Meter-Bru st schwimmen in 1 Min. 18,6 Sek. eine neue h ö ch st l e i st u n g der Sozialistischen Arbeitersport- internationale. Die letzte Höchstleistung betrug 1 Min. 29,4 Sek. Bei den Meisterschaften in Kotka und Viipuri brachten es andere Schwimmer des TUL. zu neuen Bundeshöchstleistungen, so z. B. im 199-Meter-Rllckenschwimmen Kaivola-Helsingfors in 1 Min. 24,2 Sek.; 1999- Meter> Freistilschwimmen L. Lamminpää- helsingfors 15 Min. 12,4 Sek.: 199- Meter- Rettungsschwimmen: Vaino-Kotka 1 Min. 22,2 Sek. Auch in den übrigen Sportarten wurden be achtenswerte Ergebnisse erzielt. 199-Metor-Freistil: L. Lamminpää- helsingfors 1 Min. 97,7 Sek.: 29v-Meter-Freistil: L. Lamminpää, 2 Min. 43,4 Sek.; 499-Meter-Freistil: L. Lamminpää, 5 Min. 51,3 Sek.: 4X199- Meter- Stafette: helsingfors 4 Min. 54,5 Sek. Frauen: 199-Meter-Brust: Rauha Pulkinen-Kotka, 1 Min. 38,2 Sek. 199-Meter-Rllcken: hjördis Ojala- Kotka, 1 Min. 59,7 Sek. 199-Meter-Freistil: helvi Rahikainen-Kotka, 1 Min. 33,4 Sek.: 299- Meter-Freistil: Jrja Lamminpää, 3 Min. 29,9 Sek.: 4X59-Mcter- Stafette: Kotka, 2 Min. 46,5 Sek.: 4 X 299- Meter- Stafette für Männer: helsingfors, 11 Min. 59,3 Sek. Pest der höheren Schulen Der Berliner Turnlehrerverein veranstaltete am Mittwoch das herb st fest der Berliner höheren Schulen im Grüne- wald-Stadion. 1259 Dreikümpfer stellten sich den Schiedsrichtern: 799 Schwimmer und Schwimnicrinnsn gingen an den Start. 4090 Schüler turnten die allgemeinen Freiübungen unter der Begleitung einer eigens dafür geschriebenen Musik. Wettläuse und Vorführungen wechselten in reicher Fülle ab. Reichen Beifall fanden die Uebungcn der Mädchen aus den Schulen Schönebergs. Dasselbe gilt auch von der Modizinballgymnaftik und den Volkstänzen der Berliner Lehr- austasten. Die Knaben erwiesen Mut und Gewandtheit beim Wasser- springen und am Doppelbock mit Federbrett. Die Veranstaltung, der al» Ehrengäste der Ehrenprotektor des Festes, Oberbürgermeister Dr. Salstn und Vertreter des Provinzialschulkollegiums, des Reichs- wehrministerurms und der städtischen Behörden beiwohnten, war zu- gleich die Feier des 75jährigcn Bestehens des Berliner Turnlehrer- Vereins. Don Achulmrhrkanlpf do? miinnlichon Poliangnllcn«owann die Hon». Richeot-Echulo mi-t nur Punkten vor dm Sioalonmiialinm Weigensce mit 103ö und der Oborroalschulo Spandau mit S.B Punkten. Den glcichon Wcttbewcrb der Realschulcn brachte die R�bert-gillc-Schmle mit 97i Punkten vor der Arndt- Reol-schulc. Erstmolia wurden auch Wehrkämpfe fitr Mädchenschulen durch. zckllhrt. Sei den Lderlpccen ecxctm die äBcstctch-SchuIc, bei den Lizcccn und Mittelschulen die Mrstiu.Siomarck.LchuIe den Siea. In der(5 mal IM-Meter. Staffel sieate bei den Vollanstalten die Herbert-Schul« in t:lZch. Bei den Real- fchulen die Iontane-ZicaMul-(Charlotienburql tn 1:17,5. Tie große Schul- staffel über 1200 Meter gewann die Siemena-Oberrealschule sCharlattenburg), den Wannschafislanf Uber 1800 Meter brachte di- Pankotpcr Realschule in 5t8S,4 nach Kamps gegen die Hons-Richert-Schule an sich. Arge Verstöße gegen die sportliche INoral haben sich zwei Ber- eine des Niederrhein-Bezirks iin bürgerlichen Westdeutschen Spiel- verband, VfB. Bottrop und VfB. Lohberg, zuschulden kommen lasten, indem sie Abmachungen über den Ausgang eines Spieles trafen. Beide Vereine wurden nach Selbstanzeige der Beteiligten bis zum 1. Juli 1932 disqualifiziert. Guerra und Hansen Stra�cnwclhncister Bei schönem, leider aber sehr windigem Wetter gelangte am Mittwoch auf der 172 Kilometer langen Strecke bei Kopenhagen die Straße n-Weltmei st erschaft der Berufsfahrer und Amateure zur Entscheidung. Der stärkste Fahrer im Rennen war der Italiener Learco Guerra. Er beendete das ungemein schwere Rennen mit dem großartigen Stundendurchschnitt von 35,136 Kilometer. Der Titelverteidiger Alfredo Bind«, der nach seinem Sturz im vorigen Monat noch nicht wieder auf aller höhe war, hatte auf dem letzten Teil des Weges einige schwache Momente und schaffte es nur auf den sechsten Platz. Von den drei Deutschen erreichte nur der Schwemfurtcr Geyer das Ziel, mit einem Zeit- rückstand von rund einer Viertelstunde placierte er sich als Zehnter. Eine Stunde, nachdem der letzte Berufsfahrer gestartet war, ging als erster Amateur der Franzose Rigaux aus die Reise. Die drei deutschen Bewerber Brandes(Hannover), Risch und Schöpflin (Bertin) spielten hier ebensowenig eine Rolle, wie ihre Kollegen von der anderen Fakultät. Am weitesten kam noch der diesjährige deutsche Meister August Brandes-Hannover, der die ungünstige Startnummer 3 hatte und trotz eines Reifenschadens den elften Platz besetzte. Der Held des Rennens und des Tages überhaupt war der Däne h e n r y h a n s e n, der am Dienstag noch krank war und gar nicht starten wollte. Hansen erreichte in 4:59:53 das Ziel, wo ihm ein begeisterter Empfang bereitet wurde, hatte er doch noch eine um drei Minuten bessere Zeit als Guerra herausgeholt und mit einem Stundenmittel von 35,478 Kilometer einen neuen Streckenrekord aus- gestellt. Zweiter wurde sein Landsmann Leo Nielsen. Arbeitersport-Kartcllbezirk Wedding. Durch ein Versehen ist die Veröffentlichung der Ausschreibung zum Kartellsportfest am 13. Sep- tember im Amtsblatt der Arbeitersportler nicht erfolgt. Wir ver- weisen auf die Bekanntmachung im„Abend" vom Mittwoch, 19. Au- gust, und die Zuschriften der Kart-llgeschäftsstelle. Sofortige Ab- gäbe der Meldungen an h. holze, N. 65, Dubliner Str. 14, ist not- wendig. Alle Vereine des Vezirkskartells haben sich am Sportfest zu beteiligen. Dienstag, 1. September, Zusammenkunft aller Ver- einstechniker lu-d Borstandsmitglieder des Kartells Zur Linde, Ueier- straße, 20 Uhr. Nächste Kartell-Delegiertenversammlung: Montag: 7. September, 29 Uhr, ebenda._ Arbcikerschach. Morgen, Freitag, findet ein Wettkampf zwischen den spielstarken Abteilungen Lichtenberg und Treptow statt. Spiel- lokal: Sauter, Lichtenberg, Gärtnerstr. 33, 29 Uhr. Gäste sind herz- lich willkommen. Blbeitee-T-rn. und Sportbund. 1. Kreis, t. Bezirk, Schwimmer. Sonnwa. ZO. August, 9 Uhr, findet im Untvn.Bad Oberspree di« Schwimmwaetepritsung statt. 1. Srortsänv>m.men all« Lagen. 2. Neuzeitlicher Uebungsbetrieb. Z. Springen. 4. Wasserspiele. Anschließend Besprechung. Di« am Winter- kurfus beteiligten Genossen müssen erscheinen. Fahrverbinchung: Stadtbahn Bio Obersprec. StraßenBahU! Linie gl Bis Endstation. 10 Minuten gust weg. Tenu-i-Rot Groß-Berlin,«ockcgaBteilnng. Sonnabend, 2S. August, 1« Uhr, Training aus dem Cpoeiplah Ost. Laslerstraße sMännerspiel gegen Osten). Arbciter-Se! jiüenbuud«. V. Sonntag, 80. August, 9 Uhr. Sauprstfuuge- schießen in Kleinkaiiber. und Bogenschießen in Friebrichzfelde aus dem Reicho- banneesportplatz. Am Uppstallmeg. Freie Svortoereiuigung Riederschöuhauseu, Abt. Pankow. Senke, Donners- tag. Hockey- und Hondtalltraininq. Letzter Trainingstag für die Verein-meht kämpf«. Anschließend Mannschaftssitzung Bei Lehmann. Ab 1. SeptetnBer Don- nnstags Hockey- und Handballsitzungen im Vereinslokal.— Fußballabteilung: Sitzung jeden Freitag Bei Bade, Slrffingeitstraße. Ab Freitag turnen Männer und IugendaBteilung zusammen in der Halle Neue Schönholzer Straße. Touristcnoercin.Dir RatursrennBe", Zentrale Wien. Freitag, 28. August, 28 Uhr. Abt. El>arlottenBurg: Sprcestr. ich. DiskusstonsaBcnb.— Faltdoot- adend.— Abk. Linelaplatz: Lortzing. Eck« Erauustraße.— Abt. Südost: Vritzcr Straße 27. Spielabend.— Photo, Osten: Frantfurter Allee 307.— Pho'o. Neukälln: Bergstr. 20.— Abt. Schönhauser Vorstadt: Rastenburger Str. 10. Diskussion über Resonnkost.— Montag, 81. August, 2» Uhr. Phokogemeinschast: Iohannisstr. 15. Die Optik.— Malgnneinschast: Wrangelstr. 128. ,Eiche"-Sohnedors. Freitag, 28. August, 20 Uhr, bei Madry, Bahnhof. ze 12, Mitoliederversammlung. Freier Fußballverein Lichtenberg II. Heute, Donnerstag, 20 Uhr, Sitzung im Sporthaus Ost, Normannenstraße sEportplatz). Unser« Aufnahme in den Arbeiter-Durn. und Sxortbund. .Solidarität-, strastsahrer. Touren für Sonntag, 30. August. Abt. Fried. rich-lunn: Schauener-Sec. Start 8 Uhr Landsberger Platz.— Abt. Norden: Botzse« iSohenflirtj bei Strausberg). Start 8 und 8 Uhr Seestr. 82.— Abt. Charlottendurg: Nathenoto. Start 7 Uhr Wilmersdorfer Str. 21.— Abt. Lichtenberg: Colpinsee bei Lehtn». Start€ Uhr Oder. Ecke ffinowstraße.— Abt. Pankow: Bachsee bei EBerswalde. Start 7~-'M — Abt. Tempelhof-Mariendors•-- Ecke Schützenstraße._ Abt.___________ Storkow. Start 7 Uhr Bahnhof Baumschulemveg.— ABteilungsIeiter! Zu. sammenkunft Montag, 31. August, 20 Uhr, Holzarbriterverbandshaus, Runge. straße. OrvilieWright 60 Jahre Dem Pionier der Luftfahrt Oroille Wright, der weltbekannte amerikanische Flugtechniker und Pionier des Flugwesens, wurde dieser Tage 69 Jahr« alt. Was sagt der Name Wright den Menschen heute noch im Zettalter des unbeschränkten Tempos? Und doch war er einst vor nunmehr 26 Jahren eine glückhafte Verheißung, ein Symbol der vorwärts- stürmenden Entwicklung und des Fortschritts! Der Name Wright war der Beginn einer neuen Epoche, einer Epoche, die der Deutsche Lilienthal vor ihm eingeleitet hatte. Lilien- thal besiegelte sein in den Augen der damaligen Welt vermessenes Unterfangen mit dem Tod. Auch Wilbur Wright, der vier Jahre ältere der Wrightschen Brüder, damals der Aktivere von beiden, wurde ein Opfer seiner Ideen. Die Wrights waren, keine Pro- festoren, Doktoren oder studierte Leute, sondern im wahrsten Sinne des Wortes Autodidakten, als sie sich der Eroberung der Lust wid- meten, und das geschah merkwürdig genug, wenn man hört, daß die allererste Veranlassung dazu ein sogenannter Schraubenslieger war, wie man ihn Kindern vom Jahrmarkt mitbrachte! Sie hatten einen guten Schuß deutschen Blutes in ihren Adern, denn der Vater ihrer Mutter stammte aus einem kleinen Dorf bei Schleiz in Thüringen. Er war damals infolge der schlechten Wirtschaftslage mit dem Strom von Auswanderern, der im vorigen Jahrhundert die alte Welt ver- lasten hatte, nach Amerika gekommen und trug den Namen John G. Körner. Der Vater von Orville und Wilbur Wright war ein Methodistenbischof, er brachte einmal, es war 1878, ein Kinder- schraubenspielzeug mit, das die erste Veranlassung für die Brüder war, Versuche mit größeren selbstgefertigten Schraubenflugzeug- modelten anzustellen. Sie waren aber erfolglc», daher wandten sich die Wrights dem damals seit Benjamin Franklins Zeiten in hoher Blüte stehenden Drachensport zu. Lilienthals tragischer Tod war Veranlassung für beide, sich erneut ernsthaft mit dein Problem der Eroberung der Luft zu befassen. Sie verschafften sich alle vorhandenen Nachrichten, Schriften und Bücher über Lilienthals Arbeit und beschlosten auf der gleichen Erkenntnis wie dieser ihre Versuche fortzusetzen. Nach dem Studium auch anderer berühmter Pioniere wie Chanute, Mouillord und Langley bauten sie ihren ersten Glcitflieger. einen Doppeldecker, den sie liegend steuerten und der vorn das Höhen- und hinten ohne jede andere Fläche nur das senkrechte Scitensteuer besaß. Sie bezeichneten sich mit Stolz als Schüler Lilienthals, besten Werke sie dainit ehrten. In die Zeit während des Baues dieses ersten Gleiters fiel auch die Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage. Sie hatten sich inzwischen emporgearbeitet und besaßen eine kleine Fahrradfabrit in Dayton(Ohio), die sie in den Stand setzte, 1992 zum Bau eines Drachenflugzeugs, heute sagt man einfach Flugzeug, mit Motor zu schreiten. Den Motor, einen 4-Zylinder-Viertakt- Automobilmotor mit Wasserkühlung, stellten sie in eigener Werkstatt her. er leistete 28/49 I'L. Am 17. Dezember 1993 fanden die ersten ei folgreichen, naturgemäß sehr kurzen vier Flüge mit diesem ersten Motorflugzeug statt. Der erste Flug ging über 259 Meter in zwölf Sekunden, der vierte über 259,89 Meter(Komma 89!) in 59 Se- künden. Während diese Versuche in Kitty Hawk(North Carolina) statt- fanden, wurde als Basis für die späteren Flüge die Huffmann- Prairie bei Simms Station östlich Dayton benutzt. Dort fand der erste größere Flug am 15. September 1994 statt, er dauerte 1,32 Mi- nuten und ging über 899 Meter Entfernung, wobei auch die erste Kurve geflogen wurde. 1995 waren die Flugergebniste schon ganz bedeutend bester, denn die Leistungen stiegen von 4,5 Kilometer bis 38,965 Kilometer. Hierauf schienen die Versuche wieder einzu- schlafen, denn drei Jahre lang ruhten sie völlig, erst der Brasilianer Santos Dumont, überhaupt einer der rührigsten Pioniere der Luftfahrt, der in Paris seine Flugversuche anstellte, veranlaßtc durch seine Erfolge die Wrights zllr Weiterführung ihrer Arbeiten. Die Aeiteren unter uns werden sich noch des ersten fliegenden Flugzeugs erinnern, das der nunmehr 69jährige Oroille Wright am 4. September 1999 auf dem Tcmpelhofer Feld den Berlinern vorführte. Der Höhenrekord, den Oroille Wright damals ausstellte, betrug 172,3 Meter, später verbesserte er ihn in Bornstedt bei Potsdam auf 399 Meter. Diese Vorführungsflüge der Wrigths auf der ganzen Welt bewirkten einen überaus über- raschendcn Aufschwung des Fliegen« mit Luftfahrzeugen„schwerer als die Luft". Alle Welt koimte sich durch Augenschein überzeugen, daß die ersten Meldungen aus Amerika über die sensationellen Flüge der beiden Brüder keine Enten waren, als die man sie seinerzeit angesehen hatte. Heute sind die Wright-Curtiso»Werkc das größte Luftfahrtuntxrnehmen der Welt.