Morgenausgabe Nr. 401 A 202 4S.Iahrgang WSch-ntNch SVPI, mxnaMch 3.«0 I» Im»oiau« ,-h1d»r, Poftdezagtt.Sonpürt»* erfche»« wochentiz. lich zweimal, Sonntag» und Montag» einmal, die Al>«ndau»gab« für Berlin und im Handel mit dem Titel ,l>er Abend' Illustriert. Beilage.Boll und Zeit'. Ferner.Frauenstimme', .Technik',.Blick in die Bücherwelt'. .Iugend-Vorwarts'u..Stadtdeilag»' MM Berliner t?ol«svlatt Kreilag 28. August 1951 Groß-Äerlin 1V pf. Auswärts 15 pf. Die etnfpalL Nonpareillezeile 60 Pf NeNamezeile 5,— RM.„Kleine An« zeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Worte), jede» weitere Wort 12 Pj. Rabatt lt. Tarif. Stellengesuche das erste Wort>5 Pf, jede» weitere Won 10 Ps. Wone über 15 Buchstaben zählen fvl zwei Worte. Lrbeitsmarkt Zeile 60 Pf Familien» anzeigen Zeile 40 Pf Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3. wachen» täglich von 8»/, bis 17 Uhr. 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Sie gehen davon aus, daß man sich trotz der Empfehlungen des Layton-Berichts nicht darüber hinwegtäuschen darf, daß Deutschland auf absehbare Zeit doch aus den Weg der Selbsthilfe angewiesen sei, und zwar in einem Sinn, der weit über das hinausgeht, was die Sachverständigen als„unerwünscht" abgelehnt haben. Diese Selbsthilfe müsie unter strikter Anwendung des wirtschaftlichen Grundsatzes erfolgen, da dieses erstrebte Ziel mit den sparsamsten Mitteln erreicht werden muh. Was versteht der Reichsverband unter diesen sparsamsten Mitteln? Nach dem Rezept, der„Sozialismus", nicht die Unfähigkeit der Unternehmer ist schuld, geht alle Sparsamkeil ans Soften der Massen und des Staates. Im Mittelpunkt des Selbsthilfeprogramms muß die„o r g a n i> sch« Umgestaltung der Selb st kosten" im Sinne einer möglichst weitgehenden cherabdrückung der Selbstkosten und einer Anpassung aller Leistungsverträge an das gegenwärtige Wirtschastsvolumen stehen.(Das Programm der Unternehmer gegen die Arbeitslosigkeit besteht also nur in Lohnsenkung, und Unterstützungsdrosielung.— D. Red.) Dieser Grundlatz ist auf samt- liche Faktoren anzuwenden, auf die öffentliche Hand, die Sozialbe la.stu n.g«n. diepersonellevPrpdut.tions- kosten(Löhne�untz Gehälter). Doneben spielen aber auch die Kredittosten«ine besonder« Rolle und schließlich sind vor allem auch noch die Derkehrstarife und die Tarife der kommunalen Der- sorgungsbetriebe zu nennen.(Senkung der K a r t e l l p r e i s e i st also überflüssig: begreiflich, daß s i e n i ch t zu einer Selbst- Hilfe der Unternehmer gehören kann.— D. Red.). Auf allen Gebieten sind schnelle Entscheidungen und durchgreifende Entschlüsse notwendig. Die Belastung der Wirtschaft durch die öffentliche Hand mit Steuern und Abgaben hat eine Höhe erreicht, die nach jeder Richtung hin unerträglich geworden ist. Die gegenwärtige Steuerlast ruht auf einem derartig zusammengeschrumpften Pro- duktions- und Wirtschastsvolumen(die Unternehmer haben nach dem Juliausweis größtenteils überhaupt die Steuern nicht bezahlt.— D. Red), daß die Steuerlast für den einzelnen Steuerträger trotz der eingetretenen Verringerung des Gesamtaufkommens' an Steuern übermäßig gestiegen ist. Es gibt, wenn ein völliger Zusammenbruch der Wirtschaft noch abgewendet werden soll, nur den einen Weg, diese Relation zwischen Steuerlast und Wirtschastsvolumen durch- greifend zu ändern und durch eine einschneidende Verringerung der Ausgaben und der Ausgaben aller Teile des Ver- waltungsapparates mit größter Beschleunigung den Skeuerdrack um mindestens zwei Milliarden zu mildern. Es wird ferner eine weitere Senkung der persönlichen Unkosten sowohl in der öffentlichen Hand wie in der Privatwirtschaft gesordert, denn die gegenwärtige Lohn- und Gehaltshöhe sei noch nicht geeignet, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirt- schaft gegenüber dem Ausland wieder herzustellen.(Da das Ausland bei der Fertigwarenkonkurrenz meist höhere Löhne zahlt, kann hier ein osfene» Dumping da» Ziel sein.— D. Red.) Ferner werden schnelle Maßnahmen gefordert, um die kurzfristigen Verbindlich- .leiten der G« ist e i n d e n zu regeln. Es wird nach Wegen gesucht, die es der Reichsbahn und der Reichspbst ermöglichen, der Wirtschast vermehrte Beiträge zu geben..-. Zum Schluß wird gefordert,„ohne parteipolitische oder sonstwie begründete. Voreingenommenheit" diese Borschläge zu prüfen und schnell zu handeln. Manifest der Labour-Party. Scharfe Sprache gegen die Regierung. C o n b o n, 27. August.(Eigenbericht.) Die Organisattonen der englischen Arbeiterbewegung haben am Donnerstag ihren Feldzug gegen die Sparpolilik der Souzenlraklonsregierung offiziell eröffnet. 3n einem Manifest an das englische Volk, das foforl der Oeffenl- llchkeil übergeben wurde, heißt es, die neue Regierung muffe mit größler Entschiedenheit bekämpft werden. Im einzelnen wird u. a. ausgeführt: Die Arbeiterbewegung lehne jede Verantwortung für die Koalitionsregierung ab. Die Regierung such« die ganze national« Politik vollkommen zu ändern, nicht weil die Hilfsquellen der Nation plötzlich abgenommen hätten oder weil die Nation nicht mehr imstande sei, für ihre Arbeitslosen zu sorgen, oder weil das Budget nicht ausgeglichen werden könne, sondern in der Hauptfache weil finanzielle Zoterefsenkreise der Meinung seien, England gebe anderen Ländern ein schlechte» Beispiel, indem es die Reichen besteuere, um für die Bedürfnisse der Armen zu sorgen. Dies fei eine völlige Umkehr der bisherigen nationalen Politik. Zur Rechtfertigung der geplanten Abstrich« in der sozialen Für» sorge werde auf eine finanzielle Krise hingedeutet, die in Wahrheit vorfählich durch sensationelle Meldungen in Teilen der Presse und durch einen ausgedehnten Feldzug verschlimmert worden sei und im Auslande den falschen Eindruck erweckt habe, Großbritannien stehe vor dem Bankrott. Diese Darstellung sei aber vollkommen unrichttg. Im Auslände seien vier Milliarden Pfund britisches Kapital angelegt. Großbritannien sei noch immer eines der größten Gläubigerländer und sein Kapital noch immer im Wachsen. Die Steuerfähigkeit des Landes sei noch nicht erschöpft. Wenn der gute Wille vorhanden wäre, so würde England imstande sein, die nächsten Schwierigkeiten durch Mobilisierung der ausländischen Guthaben des Landes zu über- winden, ferner durch eine zeitweilige Suspendierung des Schulden tilgungsfonds, durch Besteuerung von Wert- papieren mit festem Zinssatz und anderem Renteneinkommen und durch Konventierungsmaßnahmen zur Verminderung der Kriegs- schulden. Die Vorschläge, die Ersparnisse auf Kosten der Armen bezwecken, seien nicht nur ungerecht, sondern auch unwirtschaftlich und ungesund. Sie würden nur die Arbeitslosigkeit vergrößern und eine Hauptursache der Krise durch Verminderung der Kauf- traft der Massen verschlimmern. Eine Verminderung der Löhne und Gehälter der Staats- und Gemeindeangestellten würde zu Ver- suchen führen, ähnliche Abstriche in der ganzen Industrie vorzunehmen, was nur zu erbitterten Konflikten und in- dustricllem Chaos führen könnte. Großbritannien, dessen Sozial- standard und dessen soziale Fürsorge viel zur Erhöhung des Stan- dards in der ganzen Welt beigetragen hätte, solle jetzt die Führung bei einem Prozeß der Herabdrückung des Standard» in der ganzen Well übernehmen. Nur der tätige Widerstand der Arbeiterbe wc- gung könne ein solches Unglück oerhindern. Die jetzige Krise sei in der Hauptsache Teil einer größeren Krise. Das Eintreten der Arbeiterbewegung für nationalen Wiederaufbau und internationale Zusammenarbeit, einschließlich einer erneuten Erwägung de» Problems der Schulden und Reparationen sei die einzige Grundlag« zur Wiederherstellung des Kredits und der Wohlfahrt der Welt. Das Manifest schließt mit einem Appell an das englische Volk: „Alle Männer und Frauen, die guten Willens sind, müssen sich mit aller Kraft gegen die neue Regierung stellen und der Arbeiter- Partei zu Hilfe kommen in ihrem Kamps der wahrhaft nationalen Interessen und in ihrer Aufbauarbeit für eine bessere sozial« Ordnung." Zum Schluß appelliert das Manifest an das Volk, eine ge- schlossene Front gegen die neue Regierung zu bilden und sich um die Arbeiterbewegung zu scharen. Ferner wurd« heute von den obengenannten Körperschaften eine Entschließung angenommen, in der die leitenden Ausschüsse der Arbeiterbewegung aufgefordert werden, sofort Schritte zu tun, um Vorbereitungen für die Neuwahlen zu treffen. Von den liberalen Abgeordneten des Unterhauses dürfte übrigens ebenfalls nur ein Teil für die Konzen- trotionsregierung stimmen, von den Labour-Abgeordneten werden der Sonzenlrattonsregterung wahrscheinlich nicht mehr als 20 folgen. Programm der Industrie. Pläne gegen die Arbeiterfchast. Wenn das alte und so unendlich viel mißbrauchte Wort „Volksgemeinschaft" wiederum auftaucht, wenn von der„Zusammenfassung aller aufbauenden Kräfte, ganz gleich, in welchem Lager sie stehen mögen" geredet und der Verzicht auf„parteipolitische Voreingenommenheit" gefordert wird, so kann man sicher sein: es wird einneuerSchlag gegen die Lebenslage der breiten Volksschichten vorbereitet, es werden Waffen für den neuen Machtkampf geschiniedet, und man muß auf einen neuen Aufguß des Klassenhasses als Pro- gramm für die„Zusammenfassung aller aufbauenden Kräfte" gefaßt sein. Es wäre ein Wunder, wenn man in der Zeit, in der der„Burgfriede" gepredigt wird, kein solches Programm bekommen hätte. Aber siehe: das Programm des Klassenhasses ist schon da. Seine Grundzüge legt in der„Kölnischen Ztg." vom 27. August Herr Dr. Herle, Geschäftsführer des R e i ch s- Verbandes der Deutschen Industrie, für seine hohen Auftraggeber dar. Aus seinem Aufsatz erfahren wir auch, daß der Reichsverband selbst„positive Vorschläge" aus- gearbeitet hat,„die der Regier ungzurKenntnisge- geben sind." Herr Herle knüpft feine Ausführungen an den Bericht der Baseler Kommission(Layton-Bericht) an. Das ist für ihn das Mittel, den Kern des von ihm vertretenen Programms nicht in klarer Formulierung darzulegen, sondern durch eine Umschreibung anzudeuten. Man muß deshalb das Baseler Gutachten in die Hand nehmen, um diesen Kern- gedanken des Programms richtig erfassen zu können. Herle äußert sich folgendermaßen: „In bezug auf die theoretisch notwendige und praktisch denk- bare Steigerung der Ausfuhr sowie Beschränkung der Einfuhr bringen die Sachverständigen zum Ausdruck, daß sie es„im allge- meinen Interesse für höchst unerwünscht erachten, daß Deutschland gezwungen würde, eine derart schroffe Lösung zu wählen." Dazu bemerkt Herr Herle, ,,daß Deutschland auf absehbare Zeit doch auf den Weg der Selbsthilfe angewiesen ist und zwar in einem Sinn, der weit über das hinausgeht, was die Sachverständigen als„unerwünscht" abgelehnt haben. Wir erlauben uns, diese schamhafte Umschreibung zu ver- deutlichen. Was haben die Sachverständigen als„unerwünscht" ab- gelehnt? Eine„Herunterdrosselung und Forcierung der Aus- fuhr", die dazu führen sollen, daß die deutsche Ausfuhr bei» nahediedoppelteHöhe der deutschen Einfuhr erreicht. Die Sachverständigen betrachten eine solche Politik als eine theoretische Möglichkeit die kurzfristigen Schulden zu ersetzen, nicht aber als ein Mittel, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Deutschlands zu beheben. Sic sagen vielmehr:„Eine Aus- fuhr in beinahe der doppelten Höhe der Einfuhr— wenn sie tatsächlich durchführbar wäre— würde eine e r n st e Störung seines(d. h. Deutschlands) Wirtschaftslebens mit sich bringen." Und weiter:„Derartige Maßnahmen führten zu weiterer Verarmung und hoher Arbeits- l o f i g k e i t, bedingt durch Einschränkung des Kredits." Dadurch werde zweifellos auch die Weltdepression verschärft. Wenn diese, wie zu befürchten sei, dazu führe, daß die anderen Länder zu Gegenmaßnahmen schritten, um ihre Märkte zu schützen, so werde das Handelsvolumen noch weiter herabgedrückt. Das halten die Sachverständigen für„h ö ch st u n e r- wünscht", und Herr Herle meint, daß wir noch viel weiter gehen müssen, daß also unsere Ausfuhr noch um mehr als das Doppelte unserer Einfuhr übersteigen soll. Und dieses Pro- gramm, dessen Verwirklichung nach dem Baseler Bericht zu einer ernsten Störung des deutschen Wirtschaftslebens, zu weiterer Verarmung und hoher Arbeitslosigkeit in Deutschland und dadurch zur Verschärfung der Weltdepression und weite- rer Zusammenschrumpfung des Welthandels führen muß. soll ein Programm der Gesundung der deutschen Wirt- schaft sein? Mit keinem Wort bestreitet Herle die Richtigkeit der von uns zitierten Schlußfolgerungen des Baseler Berichts. Er ver- meidet nur, ausdrücklich zu sagen, was der Bericht unter „einer derart schroffen Lösung" versteht. Man vermißt bei ihm auch jede Spur eines Beweises dafür, daß eine solche Lösung wirklich notwendig ist, und daß dieser Weg der weiteren Verarmung und der Arbeitslosigkeit zur Besserung führen kann. Herr Herle meint aber, daß dieser Weg not« wendig sei,„nicht nur aus reparationspolitischen und kredit- politischen Gesichtspunkten, sondern vor allem auch aus dem Zwang heraus, dip Wirtschaft voreinemweiteren Zusammenbruch zu erretten." Und er bezeichnet Ginseiiige Belastungen München, 27. August.(Eigenbericht.) Di« geschäftsführende Regierung Held hat ihre angekündigte Notverordnung zum Ausgleich des Haushalts er» lassen, wobei sie in einer halbamtlichen Mitteilung besonderen Wert aus die Feststellung legt, daß diese Notoerordnung kraft eigenen Landesrechts(Z 64 der bayerischen Verfassung) geschaffen wurde. Zur Beseitigung des 28,6 Millionen-Defizits im ordentlichen Haushalt werden elf Millionen neue Steuern und 17,6 Millionen Einsparungen angeordnet. Die befohlenen neuen Einnahmen be» stehen in einer Verdoppelung der Schlacht st euer, die nur von dem Fleischergewerbe zu tragen ist und nicht auf die Ver» braucher abgewälzt werden darf, so wie in einer sogenannten Wohl- fahrtsabgabe, die in einem Prozent der Jahresfriedensmiet« von jedem Mieter zu zahlen ist. Die Einnahme aus der Wohlfahrtsabgabe ist auf rund 4 Millionen berechnet Sie soll aus- schließlich den mit Wohlfahrtserwerbslosen über» lasteten Gemeinden zufließen. Di« Einsparungen werden durch eine weitere fünfprozentige Kürzung der Gehälter jener Beamten und Angestellten gewonnen, die ledig oder kinderlos oerheiratet sind, wodurch für die Staatskasse ein Plus von sieben Millionen erreicht werden soll. Die Gemeinden werden angewiesen, im gleichen Sinne zu ver- fahren. Unter diese Kürzungen fallen auch die Gehälter der Geist- l i ch e n der kacholischen und protestantischen Kirche, die in Bayern als Ergänzungseinkommen vom Staat? bezahlt werden. Weitere Einsparungen werden erzielt durch eine halbjährliche Anstellungs-, Beförderungs- und Versetzungssperr? bei den Beamten und durch Personalabbau bei höheren Lehranstalten und Volksschulen. Dieser Abbau wird dadurch erreicht daß die P f l i ch t st u n d e n der Lehrkräfte in den Mittelschulen um drei Wochenstunden erhöht werden und die durchschnittliche Schülerzahl in den Volksschulen auf Sa festgesetzt wird. Dazu kommt schließlich noch eine SOproz. Kürzung der Sachbezüge der Beamten, der Zulagen der Ministerialbeamten, des Aufwands für Dienstreisen und der Wegfall der Entschädigung für getrennte Haushaltsfürsorge. In ihrer Auswirkung belastet die Notverordnung im wesentlichen die städtische Bevölkerung, während besonders die landwirtschaftliche Bevölkerung von den neuen Lasten so gut wie nichts verspüi�n wird. Sie wird kaum getroffen von den neuen Steuern und erst recht nicht von den Einsparungen. Diese Bevor- zugung des flachen Landes aus parteipolitischen Gründen gehört seit jeher zur Regierungsdeoise des Kabinetts Held, das es für sozial gerecht empfindet, wenn der Bauer grundsätzlich von jeder H o u s- z i n s st e u e r befreit ist, während der kleinste Mieter in der Stadt jetzt auch noch mit der Wohlfahrtsabgabe belastet wird. In ihrer Gesamtheit ist die bayerische Notoerordnung geeignet, in weiten Volksschichten neue Erbitterung hervorzurufen. Antwort nach Tuntenhausen. Die Schwaben machen den Held-Knrs nicht mit. Die neueste Leistung des— aus Hessen stammenden baye- rischen Ministerpräsidenten, der in dem historisch gewordenen Tuntenhausen wieder einmal die„Mainlinie" gegen Preußen >g in Bayem. der städtischen Massen. aufzeigte, hat im übrigen Süddeutschland ein Echo gefunden, das der Sprecher von Tuntenhausen kaum erwartet haben dürste. In dem nationalliberalen„Schwäbischen Merkur", der in Stuttgart das Sprachrohr politisch nicht unwichtiger Kreise ist» wird dem„bayrischen Löwen" eine glatte Absage erteilt: Wie furchtbar sich so etwas anhört! Norddeutsch«! Als ob in der Reichsregierung seit 1918 nicht ebensoviel, zeitweise mehr Süddeutsche, und nicht zu knapp Bayern, gesessen hätten! Zudem will ja der derzeitige Plan gerade nicht darüber bestimmien, was mit den: mimose nhaftenLeu von München geschieht, sondern bloß, wie der Norden neu organisiert wird. Aber, der bay- rische Staatspräsident droht: Wenn heute die Reichsreform im Sinn der Einheitsstaaller gemacht werde, werde sofort die M a i n l i n i e aufgerissen! Mit Verlaub, ihr bayrischen Herrn— man denkt in Württemberg und in Baden und Hessen über die Reichsreform doch bei allen Abtönungen im einzelnen erheblich anders als bei der bayrischen Dolkspartei in München, und es möchte fein, daß Dr. Held eine schwere Enttäuschung erlebte, wenn er in seinem Glauben an die Mainlinie zum heiligen Krieg für den bay rischen Partikularismus ausriefe! Damit istsvorbei! Und wenn er es als bellagenswerte Folge der Zentralisation der Finanzoerwal" tung, die er besonders bekämpft, hinstellt, daß unsere auß«npolitis6?en Kontrahenten nicht mehr mit einer ganzen Anzahl von Landern e: zeln oerhandeln müssen, so möchten wir ihm da schon gar nicht mehr folgen. Es macht auch keinen besonderen Eindruck, wenn gerade Bayern jetzt, da es finanziell nicht mehr aus und ein weiß, sich so sehr als Opser der Zentralisation bejammert. Bayerns Finanzen sind in schlechtem Stand gewesen schon in den Iahren, da andere Länder noch recht fest dastanden: die bayrisch« Regierung war nicht imstande, ihre eigenen Vorschläge auf Berwaltungsvereinfachung durchzusetzen oder sonst, sei es durch Ausschöpfung der ihr noch zur Verfügung stehenden Steuerquellen oder durch Sparsamkeit chren Haushalt instand zu halten. Unsere wirtschaftliche Lage wird ein« Reform des Reichs erzwingen; und sie wird auch in einer Weise möglich sein, daß gar keine Red« davon ist, daß die süddeutschen Staaten sich dem alten bayrischen Partikularismus anschließen wer- den. Daß die Bayern deswegen keine Preußen und die Preußen keine Bayern werden müssen, ach, dafür hat die Natur schou viel stärker gesorgt als das je Verwaltungsänderungen tun können. Finanzminister der Länder beraten. Die besondere Notlage Sachsens. Am Mittwoch hat zwischen den Finanzministern der größeren Länder eine Besprechung im preußischen Finanzministerium statt- gefunden, der sich in den späten Abendstunden eine Besprechung im Reichsfinanzmini st erium anschloß. Der sächsische Ministerpräsident S ch i e ck hat hierbei die be- sonder« NotlageSachsens.die durch die weit über den Reichs- durchschnitt gelegene Wohlsahrtserwerbsloflgkeit hervorgerufen ist, dargelegt und betont, daß Sachsen schnellste Hilfe gebracht werden müßte. die von ihm empfohlenen Maßnahmen als solche,„die bis zum letzten den Gesichtspunkten der wirtschaftlichen Vernunft Rechnung tragen." Brauchen wir noch zu sagen, daß in dem Programm, dessen Grundzüge Herr Herls mitteilt, unter der schönen Ve- Zeichnung.chie organische Umgestaftung der Selbsttosten" solche Sachen wie der Abbau der Löhne und Ge« h ä l t e r, die Milderung—„mit größter Beschleunigung"— des Steuerdruckes um mindestens zwei Milliarden gefordert werden? Selbstverständlich muß eine solche„orga- Nische Umgestaltung der Selbstkosten" im Mittelpunkt des „Sekbsthilfeprogramm" stehen! Herr Herle will dieses Programm dadurch schmackhafter machen, daß er er- klärt:„Selbstverständlich müssen auch die großen und mittleren Einkommen eine entsprechende Senkung erfahren". Und er tellt uns mit:„Hier ist übrigens, was in der Oessentlichkeit vielfach nicht gewürdigt wird, schon auf dem Weg freiwilliger Verzichte sehr viel geschchen, so daß die Prioatwirt- fchaft in diesem Punkt die Kritik der Oeffentlich- k e i t nicht zu scheuen braucht." Wie kann aber die Oeffenllichkeit die Taten, die sse nicht keimt, würdigen? Wahrscheinlich bewegen sich die Bezüge von Herrn Herle und seinen Freunden etwa auf der Höhe der durchschnittlichen Unterstützungssätze für die Er- werbslosen, wir haben aber davon bis jetzt nichts erfahren und konnten deshalb nicht unserer Bewunderung für solche großzügigen Verzichte Ausdruck geben. Hoffentlich wird uns diese Gelegenheit bald geboten. Es wäre aber schon sehr er- freulich, wenn in den„positiven Vorschlägen" des Reichsver- bandes die Höchstgrenze für die persönlichen Einkommen in der Privatwirtschaft auf sagen wir 3» ODO M. jährlich festgesetzt würde. Wenn man Auslassungen wie die von Herrn Herle wirk- lich ohne jede Voreingenommenheit liest so kann man nur «in Gefühl haben: es lohnt sich nicht, sich mit solchen lächer- lichen Dingen zu befassen. Nun muß man leider aber solche Auslassungen ernst nehmen, da sie zwar mit der„wirt- schaftlichen Vernunft" gar nichts zu tun haben, sehr viel aber mit dem Willen der mächtigen Wirtschaft- lichen Gruppen. Jetzt, da das Schlagwort von der„natio- nalen Selbsthilfe" auf viele Wirrköpfe einen starken Eindruck macht, beeilen sich diese Gruppen, unter der Führung der schwerindustriellen Scharfmacher, ihre Wünsche in die Form eines„Selbsthilfeprogramms" zu kleiden. Der Layton-Vericht ist natürlich nur ein Vorwand. Eni- hält doch dieser Bericht selbst die schärfste Kritik der Politik, die von Herrn Herle als unbedingt notwendig direkt emp» fohlen wird. Die logische Folgerung aus dem Layton-Vericht müßte— namentlich wenn man sich auf wirtschaftliche Vernunft beruft— die sein, daß man vor allem prüft, wie man den wirtschaftlichen Wahnsinn der angeb» lichen Selbsthilfe am wirtsamsten bekämpfen und die Lösung, die der Bericht als„höchst unerwünscht" betrachtet, vermeiden kann. Das scheint aber der Reichsverband der Deutschen In- dustrie, wenn Herr Herle seine Ansichten richtig wiedergibt, nicht M wollen. Man will sofort den Weg der drastischsten Drosselung der Einfuhr und der Ueberschüttung des Welt- Marktes mit Schleuderausfuhr gehen, trotzdem dieser Weg jede Möglichkeit einer vom deutschen wie vom internationalen Standpunkt vernünftigen Lösung versperren muß. Wenn dieser Weg gegangen und dadurch faktisch der Handelskrieg der ganzen Welt erklärt wird, dann werden nach sechs Monaten die kurzfristigen Gelder aus Deutschland sicherlich abgezogen, dann wird Deutschland keine Kredite für seinen Außenhandel bekommen, dann wird es zu einer unvorstellbaren Zusammenschrumpfung seiner Produktion gezwungen, und es werden in der allerschiessten Form olle die Folgen eintreten, auf die der Layton-Vericht hingewiesen hat. Glauben die Herren, daß sich die deutsche Arbeiterklasse eine solche Entwicklung rviderstandslos gefallen lassen wird? Begreifen sie nicht, welche politischen Stürme ihr« von blindem Klassenhaß diktierten Pläne auslösen müssen? Schiele schützt die Dividende. Nahrungsmittelverfälschung zugunsten der Stärkefabriten. Herr Schiele, der Minister für die Ernährung der'Land- Wirtschaft, hat die Kartoffel st ärkeindu st rie besonders in fein Herz geschlossen. Diese herzlichen Gefühle stammen wohl noch aus der Zeit, da er enge Beziehungen zur Stärkefabrik Schölten in Brandenburg pflegte. Seine Fürsorge ist jetzt wieder besonders aktiv, da es heißt, schon vor der kommenden Ernte der Kartoffelstärkeindustrie einen ausreichenden Absatz zu sichern, um sie in die Lage zu versetzen, hohe Kartoffel- preis« und gute Dividenden zu zahlen Da der natürliche Absatz fijr Kartoffelstärke immer geringer wird, mußte mit g e s e tz l i ch e n Mitteln das Absatzfeld ver- gröhert werden. Die Freigabe der Beimischung von Kartoffelstärke zu Weizenmehl im Brotgesetz hat aber bei den Bäckern keine große Gegenliebe gefunden: der Absatz an Kartoffelstärke für diese Zwecke blieb gering. Um nun einen größeren Absatz zu erzwingen, soll das Kartoffel st ärtemehl und zwar zuSProz. schon in den Mühlen dem Weizenmehl zugesetzt werden. Durch den Bermahlungszwang, der nur eine Beimischung von 3 Proz. hochwertigem Auslandsmehl zu deutschem Mehl zuläßt, wird das Weißbrot in Deutschland an sich schon ver- schlechtert, wovon sich leicht alle Leute überzeugen können, die auf Reisen im Ausland die Qualität des deutschen mit der des aus- ländischen Weißbrotes zu vergleichen in der Lage sind. Wird jetzt zu dem Weizenmehl, das zu 97 Proz. aus dem ftärteretchen und tleberarmen deutschen Weizen hergestellt werden muh. auch noch Kartoffelstärtemehl zugesetzt, dann wird die Qualität de« Weißbrotes noch mehr verschlechtert und der K o n s u m, der an ßch schon infolge der Verarmung der breiten Massen immer ge- ringer wird, wird noch weiter zurückgehen. Was kümmert das aber Herrn Schiele? Für ihn scheint die Hauptsache zu sein, daß die landwirtschaftlichen Kartoffelstärke- fabrtte» von chren angesammelten außerordentlich hohen Borräten, die sehr stark beliehen sind, herunterkommen und damit ihre Kredite zurückzahlen können. Ob die Verbraucher gezwungen werden, ein Brot zu essen, dessen Herstellung nach den Vorschriften de, Ztahrungsmittelgefetze» eine Nahrungsmittelverfälschung darstellt, ist angesichts de» hohen Zweckes, näm» Kch die Dwideaden der Stärkefabriken zu schützen, völlig gleichgültig. Hugenberg bei Brüning. Der vielbesprochene„Empfang". Hugenberg hat am Donnerstag dem Reichskanzler den lang- ougekündigten Besuch abgestattet. Die Behauptung seiner Presse- stelle, daß der Empfang„weder auf einen direkten noch auf einen indirekten Wunsch" Hugenbergs zurückzuführen sei, widerspricht den Tatsachen in jeder Beziehung. Hugenbergs Empfang bei Brüning ist auf eine Initiative des Reichspräsiden- ten zurückzuführen, und diese Initiative wiederum beruht« auf einem Wunsch Hugenbergs. Hugenberg erschien bei Brüning in Begleitung des Herrn Quaatz. Außer Hugenberg und Quaatz war der Vorsitzende der Zentrumspartei, Prälat Kaas, bei der Besprechung mit dem Reichskanzler zugegen. Eine offiziell« Verlautbarung sst über den Verlauf und den Ausgang der Besprechung nicht herausgegeben worden. Man be- gnügte sich mit der halbamtlichen Feststellung, daß die Besprechung mehr als zwei Stunden gedauert hat, die deutschnationalen Ver- treter ihre politischen Absichten dargelegt haben und der Reichs- kanzler sein« Politik in aller Offenheit umschrieben hat. Das ist eine sehr magere Darstellung, aber sie soll, wie es zuverlässig heißt, nicht magerer sein als der ganze Verlauf und der Aus- gang der Besprechung. Um die Einberufung des Landtags. Die Volksentscheidfront wieder geschlossen. Der Aeltestenrat des Preußischen Landtags ist zum kommenden Dienstag einberufen worden. Er soll über die Anträge der faschistisch-kommunistischen Front, zu dem sich inzwischen noch ein Antrag der Landvolk- Partei aus sofortige Einberufung des Landtages gesellt hat, entscheiden. Die Regierungsparteien werden die Anträge unter Bezugnahme auf§ 17 der preußischen Verfassung ablehnen, so daß mit einer sofortigen Einberufung des preußischen Parlaments nicht zu rechnen ist. Der betreffende Paragraph der Verfassung lautet wörtlich:„Der Landtag bestimmt den Schluß der Tagung und den Tag de» Wiederzusammentritts." Dem hat das preußische Parlament bei seiner Vertagung im Juli entsprochen, indem es den Termin seines Wiederzusommentritts auf den 13. Oktober fest. setzte. Dieser Mehrheit? beschluß kann nur von der Mehr- heit des Landtags bzw. der Mehrheit des Aeltestenrats und nicht von einem Fünftel der Wgeordneten geändert werden. Die Deutschnationalen beabsichtigen für den Fall, daß die An- träge der faschistisch-tommunistischen Front abgelehnt werden, einen Mißtrauensantrag gegen den preußischen Fi- nanzmini st er einzubringen. Ein derartiger Antrag muß nach der Verfassung innerhalb �14 Tagen erledigt werden. Kabinettsberaiung über Genf. Neferat des Außenministers. In der gestrigen Sitzung des Rsichskabinetts, die etwa eine Stunde dauerte, wurde ein Bericht des Reichsaußenministers über die bevor st ehende Genfer Tagung entgegengenommen und eingehend die verschiedenen Fragen, die von dem Europa-Aus- schuß, dem Völkerbundsrat und der Volloersammlung des Böller- bundes verhandelt werden, erörtert. Gonderbarer Vertreter in Genf. Oer Völkerbundsfeind als DölkerbuadSdelegierter. Wir lesen im„Sozialdemokratischen Pressedienst":' Die Wege des Auswärtigen Amtes sind sonder- bar. Nachdem es eben erst mit einiger Mühe gelungen ist, das Amt von der sonderbaren Idee abzubringen, zu der Dölkerbundsdelegation, von der in diesem Jahre die Parlamentarier ausgeschlossen sind, zwei frühere Abgeordnete der Rechtsparteien hinzuzielen, vernimmt man jetzt, daß der deutschen Delegation u. a.«ich Professor Mendelssohn-Bartholdy angehören soll. Professor Mendelssohn-Bartholdy ist Leiter des HcvNburgischen Instituts für auswärtige Politik und gleichzeitig Herausgeber der Monatsschrift„Europäische Gespräche". Das Feld, auf dem er sich betätigt, ist im wesentlichen die politische Geschichte der neuesten Zeit. Daß er auf diesem Gebiet« irgendwie Hervorragendes geleistet hätte, ist»licht bekannt geworden. Aber im Dezember 1939 schrieb Herr Mendelssohn in den„Europäischen Gesprächen" einen Artikel unter der Usberschrrft:„Soll Deutschland kündigen?" Den Schluß dieses Aufsatzes geben wir wörtlich wieder: „Indem ich das alles hinschreibe, Staatsräson über Staats- räson. werde ich immer deutlicher gewahr, daß ich nicht nur«in politisches Stückchen Staat, sondern ein Mensch in einem Bolke bin: daß ich nicht nur der Vernunft, sondern auch dem Gewissen zu folgen habe. Der Mensch im Volk aber sagt: Wir ertragen den Zwiespalt, die Unwahrhaftigkeit, den falschen Schein nicht mehr. Wir wollen in die Welt hinein, als ehrliche Arbeiter am gemeinsamen Wohl. Dazu müssen wir aber zuerst die volle Ehr- lichkeit uns selbst gegenüber haben. Wir müssen fort von Genf." Jetzt geht der Herr Professor auf Aufforderung des Auswärtigen Amtes hin nach Genf. Wie er die Zugehörigkeit zur deutschen Delegation mit seinem Aufruf zum Austritt aus dem Völkerbund vereinbaren kann, muß er mit sich selber abmachen. Aber welches mögen die Erwägungen sein, die das Auswärttg« Amt bestimmt haben, gerade ihn der deutschen Vertretung anzugliedern? Wollen der Minister C u r t i u s und der Staatssekretär von B ü l o w, die doch in erster Linie für die Berufung dieses Delegationsmitgliedcs verantwortlich sind, dem Ausland mit Professor Mendelssohn- Bartholdy drohen oder geben sie sich etwa der Hoffnung hin, daß er durch den Ausenthalt in Genf zu einer Revision seiner Ansichten be- stimmt werden könnte? Wir hätten gern eine Antwort aus dies« Frage. Aber auf jeden Fall ist das Auswärtige Amt«inhöchstfeltsamesInstitutl Erpressung unterm Hakenkreuz. Der �«tzerteufel hat vor einigen Tagen im„Borwärts" einer preußischen Polizeibehörde einen be- sonders üblen Streich gespiett. Wir brachten am Dienstag unter der Spitzmarke„Erpressung unterm Hakenkreuz" eine„parteiamt- lich« Mitteilung" des„Adjutanten" der Hitler-Partei aus der„Itze- hoer Tageszeitung", in der offen zum Boykott eines Drogisten auf- gefordert wurde, der einem bei Ihm beschäfttgten SA-Mann die Stellung gekündigt hatte. Darauf äußert ein Leser brieflich seine Entrüstung über die— P o l i z e i von Itzehoe, die so unverschämte Aufforderungen loslasse. Durch diesen Brief wurden wir erst nach- träglich darauf aufmerksam gemacht, daß der Setzerkobold fälschlich die„parte! amtliche" in eine„Polizei amtliche" Mitteilung um- gebogen hatte. Die Mehrzahl der Leser wird den deutlich erkenn- baren Druckfehler zwar schon als solchen erkannt haben, aber da man vor LegendenbUdungen nicht sicher ist, sei auf jeden Fall hier nachgetrogn, daß die Polizei in Itzehoe die Aufforderung„SA, herhör eul" wirklich nicht verösfentlicht hat. Nr. 401- 48. Jahrgang ± Beilage des Vorwärts Freitag, 28. August 1981 W ic lange noch Brot wuchcr? Nachprüfung der Bäckerpreise.— Wässeriges Brot. Der V rokpreis ist von den Berliner Bäckern mit Wirkung ab Wonlag dieser Woche um einen Pfennig auf 48 Pfennig er- höht worden. Eine Brotvreiscrhöhung zu einer Zeit, da alle Löhne, Gehälter und Unterstühungsfähe brutal abgebaut werden, ist schon an sich ein Skandal. Der Rcichsernährungsminister hat sich deshalb veranlagt gesehen, die Warktsorschungsstelle mit der Nachprüfung der Berliner Vrolpreisfrage zu beauftragen. Was aber diesen Skandal noch ärger erscheinen läßt, ist die Tatsache,.die erst jetzt bekannt wird, daß die Berliner Bäcker- i n n u n«) ihren Mitgliedern außer dem Beschluß der Brotpreis- erhöhurrg empfohlen hat, die Tcigeinlags für ein gewöhnliches 2�-P�und>Brci um 20 Gramm zu oermindern. Selbstver- ständvch muh jedes Brot, das zum Berkauf kommt, dos vor- geschriebene Gewicht von 1250 Gramm ausweisen, will der be- treffende Bäcker nicht mit den Behörden in Konflikt kommen. Was macht man also? Man bäckt das Brot einfach nicht so weit aus wie früher, so daß das zum Berkauf kommende Brot einen höheren Wassergehalt als vorher aufweist. Zu der Preiserhöhung soll also noch eine skandalöse Qualitäts- Minderung des Brotes kommen, damit die Konsumenten nicht merken, wie sie geschröpft werden. Die beschwichtigende Mit- teilung der Bäcker, daß das Brot früher in vielen Fällen ein Uebergewicht gehabt hätte, so daß die Minderung der Teig- einlage nur vorgenommen würde, um das„richtige" Gewicht zu erreichen, braucht man wohl nicht e r n st zu nehmen. Die Bevölke- rung Berlins darf aber erwarten, daß dem Skandal um den Brot- preis ein Ende gemacht wird. Mann mit zwei Gesichtern, Das Verfahren gegen Kriminalkommissar Dubral. Gestern wurde der verhaftete Kriminalkommissar Dubral von der Polizeiinspektion Kreuzberg zum ersten Wale von dem Kriminalrat Galzow eingehend vernommen. Wenn auch Dubral noch kein umfassendes Geständnis abgelegt hat, sa ist doch schon seht klar, daß ein großer Teil der gegen ihn erhobene» Vorwürfe zutrifft. Dubral, der von feiner Frau seit längerer Zeit getrennt lebt, hatte einen Kreis von Freunden und Freundinnen um sich, der ihm viel Geld kostete. Zum Teil sind die Verfehlungen des Kriminal- kommiffars auf diesen Verkehrskreis zurückzuführen, bei dem es sich fast nur um vorbestrafte Personen handelt. Erfreulicherweise hat sich die Vermutung, daß Dubral unter der Beamtenschaft irgendwelche Helfershelfer hat, bisher nicht bestätigt. Hier unbedingt Klarheit zu schaffen, ist mit eine der Hauptaufgaben, die sich die untersuchende Behörde gestellt hat. Nach den bisherigen Ermittlungen spricht alles dafür, daß Dubral ein Doppelleben geführt hat. Im Büro war er der korrekte Beamte, draußen in den Geschäften, in denen er auf Kredit Waren bezog, und in den Lokalen, in denen er mit seinen zahlreichen Freundinnen und Freunden hohe Zechen machte, kam der andere Dubral zum Durchbruch. Der Kommissar hat sich bei dem Prozeß gegen einen Spielklub im Westen eines Falscheides schuldig gemacht. Dubral, damals Krön- zeuge der Staatsanwaltschaft, hatte in der ersten Instanz die ange- klagten Klubmitgliedcr außerordentlich belastet. Vor der zweiten Verhandlung hatte er sich mit dem Vorstand des Klubs in Verbin- dung gesetzt und diesem gesagt, daß er gegen eine Bergüwng seine Aussage berichtigen würde. Hierauf hatte sich der Klub nicht ein- gelassen, sondern er brachte vielmehr den Vorfall zur Kenntnis der zuständigen Amtsstelle. Die Ermittlungen der Polizei werden mehrere Tage in Anspruch nehmen. Man schätzt die Gelder, die sich Dubral im Laufe der Zeit auf widerrechtlichem Wege verschafft hat, auf mehr als 50 000 Mk. Unter anderem hatte er ein Auto auf Kredit gekauft, ohne im Besitz der dazu nötigen Mittel zu fein. Erst jüngst wollte er zu- sammen mit zwei seiner Freunde einen sehr prächtigen Pelz erstehen, und der Pelzhändler verdankte es nur seiner Vorsicht, daß aus diesem üblen Geschäft nichts wurde. Bei seiner vorgesetzten Behörde wurde der Verdacht, daß bei Dubral nicht alles mit rechten Dmgen zugehe, dadurch geweckt, daß sein Gehalt mehrfach gepfändet wurde. Für eine kurze Zeit ge- lang es Dubral, diese unangenehme Tatsache zu verdecken. Als ihm dann klar wurde, daß sein Spiel verloren war, suchte er sein Heil in der Flucht, die ihm mißlang. Der verschwundene Holländer. Auf die Mitteilungen in den Tageszeitungen, die von dem Ueberfall auf einen Holländer berichteten, hat sich jetzt bei dem Raubdezernat ein Berliner Kaufmann gemeldet, der auf der Fahrt von Amsterdam nach Verlin im Zuge einen holländischen Kaufmann namens N a p aus Amsterdam kennenlernte. Nap ist Händler in Radio- und Elektroartikeln und wollte die Berliner Funkausstellung besuchen. Die Herren machten sich im Zuge be- kannt, und der Berliner Kaufmann empfahl dem 5zolländer, da dieser sich bei ihm nach einer Unterhaltungsstötte erkundigte, ein Lokal in der Blumenstraßc, außerdem eine Pension. In dieser ist der Holländer aber nicht eingetroffen. Der Berliner Kaufmann teilte weiter mit, daß die Beschreibung, die von dem angeblich Ueberfallenen bekannt ist, auf den holländischen Kaufmann, den er im Zuge kennenlernte, zutreffen könnte. Die Ermittlungen in dieser Angelegenheit werden fortgesetzt. Wie wir hören, hat sich der Kaufmann Nap, von dem es hieß. er fei der Ueberfallene, selbst gemeldet. Er gibt an, daß er weder überfallen noch beraubt worden sei. Die Untorsiichung wird sortgesetzt. „Do X" in New Uork gelandet. New Vor?, 27. August. Das Flugschiff Do X, das heute mittag kurz nach 1-t Uhr(MEZ.) in Norfolk mit 30 Passagieren an Bord gestartet war, ist hier kurz nach 17.30 Uhr(MEZ.) auf das Wasser niedergegangen. Sämtliche im Hafen liegende Schiffe begrüßten die„Do X" mit ohrenbetäubendem Sirenengeheul. Die begeisterte Menge grüßte das deutsche Flugschisf durch Tücherschwenken. Geheimnisvolle Brandstiftung. Villa eines Schriftstellers in Klein-Machnow heimgesucht. Ein geheimnisvoller Anschlag wurde in der ver- gangenen Nacht auf die Villa des Schriftstellers Karl Strecker in.Klein-Machnow bei Berlin verübt. Strecker Ist zur Zeit mit seiner Familie verreist. Im Hause be- findet sich nur die Portierfamilie. Der Portier Schulz wachte am Donnerstagfrllh durch einen intensiven Brandgeruch im Hause auf. Er ging in die Wohnung Streckers hinauf und stellte sest, daß die meisten Einrichtungsgegenstände im Schlafzimmer brannten. Er alarmierte sofort die Feuerwehr, die den Brand schnell ab- löschte. Es ist glücklicherweise nur ein Zimmer zum Teil ausge- brannt. Bei der Umerfuchung stellte sich heraus, daß es sich um einen raffinierten Brand st iftungsanschlag auf-die ganze Villa handelt. In den meisten Räumen der Villa waren auf die Teppiche und Tischdecken kleine Häufchen Schwarzpuloer gestreut. Vom Schlafzimmer ging eine Zündschnur durch sämtliche Zimmer, die diese Pulverhäufchen berührte. Im Schlafzimmer war dann der Brand angelegt worden. Die Zündschnur ist jedoch auf der Schlaf- zimmerschwelle erloschen, nachdem die Eimichtungsgegenftände im Schlafzimmer in Brand geraten waren. Es ist aber nicht aus- geschlossen, daß sich der Brand auf die Nebenräume ausgedehnt hätte, wenn der Portier ihn nicht rechtzeitig entdeckt hätte. Man steht vor einem Rätsel, da aus der Villa nach den bis- herigen Feststellungen nichts gestohlen ist. Auch an einen Racheakt glaubt man nicht, da Strecker nach seinen eigenen Feststellungen keine Feinde hatte. Strecker ist telegraphisch nach Berlin zurück- gerufen worden. Di« Kriminalpolizei hat eine umfassende ilnter- fuchung eingeleitet. Raubübersall in Wilmersdorf. Eine Frau niedergeschlagen. Gestern abend wurde in Wilmersdorf vor dem Hause Teplihcr Straße 14 eine Frau Erna Fleck, die im hause hohenzollern- dämm 32 wohnt, von zwei jungen Burschen überfallen. Die Angreifer warfen ihr Opfer zu Boden, streuten ihr Pfeffer in die Augen und entrissen ihr die Handtasche, die einen höheren Geldbetrag enl- hielt. Passanten, die den Vorfall beobachtet hallen, nahmen die Verfolgung der Räuber auf. Sie konnten in der Dunkelheit entkommen. Auf ihrer Flucht warfen sie die Tasche mit Inhalt fort, die der Be- siheria wieder zugestellt werden konnte. Ein ungetreuer Postbeamter. Nach Veruntreuungen im Amte ist der 46 Jahre alt« Post- schastner Otto G e h r k e geflüchtet, der in Berlin in der Oranien- straße 124 wohnte. Gehrke war auf dem Hilfspostamt 13 in der Alten Jakob st raße angestellt. Als dort eine Kassen- r e o i s i o n�oorgenommen werden sollte, steckte der Ungetreue noch schnell 400 M. zu sich und verschwand. Es besteht der dringende Verdacht, daß der Flüchtige eine noch größere Summe an sich bracht hat. jj Mtwv Die Frau Gehrkes betreibt im Zentrum Berlins ein Konfitüren- geschäft, das nicht besonders geht. Vielleicht hat der Ehemann die unterschlagenen Summen in das Geschäft gesteckt. Ehe Gehrke Berlin verlassen hat, kam er noch einmal in sein« Wohnung, packte zwei Koffer und ging wieder fort. Sparkasse am Hochbahnhof Danziger Straße. Die Sparkasse der Stadt Berlin eröffnet am 1. September 1931«ine in Berlin N 58, Kastonienallce 100, gelegene Geschäftsstelle unter der Be- Zeichnung„Sparkasse 38". Diese Kasse befindet sich in unmittelbarer Nähe des Hochlxrhnhofs Danziger Straße und bietet den Bewohnern dieser Gegend Gelegenheit, in bequemer Weise ihre Spargelder bei der Sparkasse der Stadt Berlin zinstragend anzulegen. Einzahlungen werden schon von 1 M. an entgegengenommen. Sie begeben sich auf die große Glasveranda mit der Aus- ficht auf den Kurgarten und die See. Manfred Grumacher bestellt Chateaubriand und eine Ge- müseplatte. Das Knäblein Stefan bekommt Himbeerwasser. Die anderen trinken roten Burgunder, gemischt mit Sekt. „Es ist mir beinahe unfaßbar, daß ich hier sitze." Marie blickt selig auf den verödeten Garten, in dessen Mitte die ab- gestellte Fontäne ihr zwecklos gewordenes Dasein führt. Nur ganz selten war man im Sommer hier. Familie Caspari ist gezwungen, billigere Ausflugsorte auszusuchen. Aber jetzt ist wieder Hoffnung da. Dankbar sieht Marie zu Manfred hin- über. Der konzentriert seine ganze Aufmerksamkeit auf eine riesiige, schwarzweiß gefleckte Dogge, die sich majestätisch und unbeirrbar dem Tische nähert. „Das ist doch..." Beide, Manfred und Maria, rufen es gleichzeitig. „Ein schöner Wau-wau!" Der Knabe Stefan reckt sein Hälschen, um den Hund besser sehen zu können. ,Ling! Dann ist mein Schwager hier!" King pflanzt sich vor Manfred auf und sieht ihn unver- wandt an. Er wedelt gelassen mit der Rute. „Eine lisbenswürdige Bestie", stellt Max Caspari fest. „Das ist also der Cerberus, vor dem alle Angestellten zittern?" wendet er pch an seine Frau. James taucht auf. Er kommt um die Ecke des Ganges im Gesprilch mit Bilma Rosolf. „Hallo, James...!" winkt Manfred, noch ehe Marie ihn heimlich am Aermel zupfen kann, wie sie es beabsichtigte. James blickt entgeistert von seinem Schwager Grumacher zu seiner Angestellten Caspari und sieht dann seine Begleiterin hilflos an. Er bleibt ein paar Schritte von dem Tisch entfernt stehen. „Komm' doch!" Bilma geht ruhig weiter. Sie lächelt Marie Caspari zu und greift"in Kings Halsband. Marie will gerade aufgeregt die Bekanntschaft vermitteln, als James sich � schlich entschließt: „Welche Ueberraschung!... Liebe Bilma, gestatte, daß ich dir meinen Schwager Manfred Grumacher vorstelle... Fräulein Rosolf!" Er deutet auf Bilma. Verdammt, jetzt habe ich sie öffentlich geduzt, fällt ihm ein, und noch dazu vor Fränzes Bruder. Er grüßt Frau Caspari, deren Anwesenheit ihm ein Rätsel ist und schüttelt verlegen und viel zu lange dem ihm gänzlich unbekannten Mar Caspari die Hand. Max Caspari murmelt dazu mehrere Male seinen Namen. Es ist eine Situation, in der selbst ein mit den gesellschaftlichen Formen vertrauter Großkausmann in Verwirrung geraten kann. Manfred als Mann von Welt, bittet Platz zu nehmen und erzählt: „Denk' dir, James, in deiner Angestellten habe ich die Frau meines Freundes Caspari wiedergefunden. Wir sangen einmal zusammen..." „Lang' ist es her...!" deklamiert Caspari würdevoll. „So hatte es doch ein Gutes, daß du mich versetzt hast", erinnert Manfred den Schwager an seine Gedankenlosigkeit. James wäre am liebsten überhaupt nicht da, und Mari« ist es peinlich, den Chef in dieser Bedrängnis zu sehen. Bilma beschäftigt sich mit dem Knaben Stefan. Sie weiß, daß Kinder ihr gut stehen und daß der brünette Junge einen wirksamen Kontrast zu ihrem blonden Haar bildet. Fein, daß sie die Kappe in der Hand hielt. „Ja, du darfst ihn auch streicheln." Mit mütterlicher Be- wegung führt sie die Hand des Kindes über Kings glattes, gewaltiges Haupt.„Schau, wie lieb", wendet sie sich an James und ist glücklich über dos offizielle„Du", das James unvor- sichtig angewandt hat. Dann blickt sie Manfred an. Sie sieht ihm zum erstenmal voll ins Gesicht und erschrickt. Ein Schwindel befällt sie, aber nur für einen Moment. Sie schließt verwirrt die Augen. Die anderen, die sich unterhalten, be- merken es nicht. Mechanisch fährt sie über Stefans schwarzes Köpfchen. Das hat mir gefehlt, denkt sie und möchte an- fangen zu weinen. Ihr ist entsetzlich elend zumute. Jetzt habe ich mich in den Opernsänger verliebt, in den Bruder jener Frau, der ich den Mann wegnehmen will. Gott, ist das alles verwickelt! Unsinn, es ist gar nicht wahr! Ich heirote James, den guten, braven James, und dann bin ich glücklich und zu- frieden. Wie der Grumacher aussieht! Es müßte verboten werden, daß solche Leute leben. Wenn man ihn sieht, liebt man ihn. Er beachtet mich überhaupt nicht. Manfred! „Wir feiern gleichzeitig Begrüßung und Abschied,. hört Bilma Max Caspari sagen. „Bleiben Sie nicht länger hier...?" fragt sie Manfred mit der befangenen Sicherheit der gut angezogenen Frau. Aber ihre Augen klammern sich an das Zigarettenetui auf dem Tisch. „Mein Flugzeug geht morgen vormittag." Manfred ist ihrem Blick gefolgt. Er bewertet ihn als eine Aufforderung. „Bitte!... Rauchen Sie?" „Danke!" Bilma nimmt eine Zigarette heraus, eine Sechspfennigzigarette ohne Mundstück, wie sie von vielen be- vorzugt wird. Ihre Finger zittern. James ist gar nicht damit einverstanden, das Zusammen- sein noch länger auszudehnen.„Wir wollen uns verabschieden", sagt er schnell und schüttelt auch schon die verschiedenen Hände. Bilma läßt die Zigarette in der Handtasche verschwinden. „Dann für nachher..." lächelt sie gefaßt und reicht Manfred die Hand. „Bist du mit deinem Wagen gekommen...?" brüllt Manfred hinterher, nachdem die beiden gegangen sind. James schüttelt den Kopf. Was er sagt, ist nicht zu ver- stehen. Es dämmert bereits, als Manfred nach 5iause kommt. Der Herr ist noch nicht da, sagt ihm das Hausmädchen, und die gnädige Frau kleidet sich um. Er geht in den Salon. Im Speisezimmer werden Vorbereitungen für die Abendgesell- schaft getroffen. Geschirr und Gläser kloppern. Er setzt sich an den Flügel. In zwei Wochen singt er den Tristan. Die Pariser zahlen gut und verstehen, sich zu be»' geistern. Er spielt ein paar Takte aus der Einleitung zum dritten Akt, jene weitgespannten, chromatischen Bogen, die die Sehnsucht der Sterbenden verkünden. Die Flöte verhallt in der unendlichen Einsamkeit des Raumes. Schade, daß das Klavier den Klangcharakter fälscht. Noch einmal die„traurige Weise". Bei dieser Stelle wurde ihm klar, daß er der Oper verfallen war, rettungslos und für immer. Das muß jetzt ungefähr fünfundzwanzig Jahr her fein. Damals stand er auf Galerie hier im Stadttheater, und Ernst Krause gastierte. Be- stimmt waren wieder keine Schularbeiten gemacht, irgendeine mathematische Hausarbeit harrte ihrer Erledigung, und man zitterte leise vor den ernsten Stunden am nächsten Tag, aber man erlebte mit einer Intensität, die heute fcblt, olles war farbiger, bunter, glühender. Manfred spielt jetzt den Liebestod fast automatisch und wie eine eingelernte Lektion. Er weiß kaum, was er spiell, er fühlt sich plötzlich müde, gelangweilt und vom ganzen Dasein angeödet. Bor dem großen Creszendo bricht er ab und tritt ans Fenster,(Fortsetzung folgt.) Der Mord in Revolte in Prenzlan vor Gericht.— Wi< Prenzlau, 27. August. Gestern begann vor dem Schwurgericht Preazlau der Prozeh gegen den Schlächter Heinrich p i l g r a m und den Schnitter Anton Sotocki. die sich wegen Mordes an dem Strafanstalts- oberwachimeister Neubauer zu verantworten haben. Schon lange vor Beginn der Verhandlungen ist das von einem starken Polizei- aufgebot abgesperrte Gerlchlsgebäude von Neugierigen umlagert. Die beiden Angeklagten werden, an beiden Händen gefesselt, unter starker Bewachung vorgeführt. Es sind rund 20 Zeugen und 3 ärztliche Sachverständige geladen. Zunächst schildern die An- geklagten ihren Lebenslauf. Pilgram ist vorbestraft. Er war als Koch im Gerichtsgebäuds beschäftigt Er gibt an, daß er mit Potocki in einer Zelle im Gefängnis gelegen habe. Mitte Februar 1331 erhielt er durch das Küchenfenster ein Paket mit Rauchwaren und einen Zettel:„Wir haben dich noch nicht vergessen. Mit GrußRot Frönt!" Dieser Vorgang wiederholte sich mehrere Male. Die Zettel wurden späterhin bei dem Angeklagten aufgefunden. Potocki ließ auch Fluchtabsichten durchblicken und beide besprachen sich einen ge- nauen Plan. Am Abend des 16. April, an dem ein dritter Zellen- genösse entlasten worden war, wollten sie ihren Plan zur Durch- führung bringen. Der Angeklagte Pilgram schildert den Ueberfall auf den Wachtmeister Neubauer, der in der Zelle gefesselt und nach kurzem Kampf in den Keller ge- schleppt wurde. Nachdem sich die Angeklagten dann in der Kleiderkammer Zivil- i Gefängnis. der Wachtmeister umgebracht wurde. kleider angezogen und einen kleinen Geldbetrag aus dem Jnspek- tionsraum entwendet hatten, flohen sie mit noch zwei Kommunisten, die sie aus der Zelle herausgelassen hatten, in Richtung nach Templin. Auf Vorhalt des Oberstaatsanwalts gibt Pilgram an. daß ihm in den Briefen der Kommunisten die Prenzlauer März- Unruhen geschlldert wurden. Der Inhalt der Briese Hai in Pilgram den Entschluß reifen lassen, die Befreiung der Kommunisten vor- zunehmen. Pilgram will eingeschriebenes Mitglied der Kommu- nistischcn Partei sein. Sodann wird Potocki vernommen. Obwohl er sich bisher mit Pilgram deutsch unterhielt, weigert er sich vor Gericht, deutsch zu sprechen. Seit 1323 ist er in Deutschland, nachdem er mit IM Jahren von Amerika nach Polen gekommen ist. Nur ein halbes Jahr hat er die Schule besucht. Er will von der ganzen Angelegenheit nichts wissen und in der fraglichen Nacht den Wachtmeister nicht gesehen haben, da er geschlafen habe. Erst im Keller habe er zum ersten Male den Beamten gesehen. Als Pilgram ihm Einzelheiten vorhält, versteht Potocki vollkommen deutsch, jedoch bestreitet er alles nach wie vor. Die Vernehmung der Angeklagten ist damit beendet. Die Beweisaufnahme erbringt zunächst die Aussagen des mit- ausgebrochenen Arbeiters Czabock aus Schmölln. Pilgram hat beim Aufschließen seiner Zelle gerufen:„Alle Kommunisten raus. da staunfte, ich bin der Koch und habe ein cherz." Potocki, so gibt der Zöuge an, war beireits angezogen und mit zwo» Revolvern bewafsnet. Auch der zweite ausgebrochene Gefangene, der Melker Block aus Fredersdorf, sagt aus, daß die beiden Au- geklagten bereite angezogen vor ihm gestanden hätten. Ein Kskaingroßhändler gefaßt. Ein hocherfreulicher Fang. Lüne erfreuliche Festnahme ist dem Sonderdezernat des Polizeipräsidiums, das sich mit der Bekämpfung des Rauschgifthandels beschäftigt, gelungen. Während im allgemeinen nur die sogenannten Detail» t ist en gefaßt werden, ist man seht einem Groß- Händler auf die Spur gekommen. Bei früheren Festnahmen kleinerer Händler verschwiegen dies« wohlweislich die Quelle, aus der sie das Gift bezogen hatten. Sie hatten auch stets nur kleinere Mengen bei sich, die sie am Kur- f ü r st e n d a m m und in der Friedrich st adt an ihre Abnehmer verkauften. Im vergangenen Jahre wurde dann ein Händler P. ergriffen, bei dem man aufschlußreiches Material fand. Danach mußte zwischen Litauen und Deutschland ein ziemlich ausgedehnter Schmuggel mit Rauschgiften, besonders Kokain, betrieben werden. Der Großhändler war zunächst nur unter dem Spitznamen ..Emmes" bekannt. Jetzt wurde er in einem Lokal in der Neuen Schönhauser Straße aussindig gemacht und verhastet,©ist hatte er natürlich nicht bei sich. Er nmh aber zugeben, daß er regelmäßig nach Tilsit gereist ist>jnd aus dem dortigen Depot größere Mengen an Kokain, die kurz vorher über die Grenze hereingekommen waren, nach Berlin gebracht hat, so einmal zwei Kilogramm, ein andermal wieder nur ein Kilogramm oder auch nur 300 Gramm. In Verlin trat er als Grossist mit den kleinen Händlern vorsichtshalber nicht direkt i» Verbindung, sondern hielt sich einen Vertrauensmann, der für seine Tätigkeit eine Vergütung von 20 Pf. für das Gramm Kokain erhielt. Der Verhaftete, ein 33 Jahre alter Berthoch Berg, bezeichnet sich als„Kaufmann". Fünf Reisen noch Tilsit sind ihm in der letzten Zeit nachgewiesen, uich er gibt sie auch zu. Die Unschädlichmachung der verbrecherischen Rauschgisthändler ist gerade in einer Notzeit wichtig, weil Menschen mit materiellen Sorgen der Versuchung, zu Betäubungsmitteln zu greisen, be- sonders leicht erliegen. Manchmal ist es nur Kochsalz. Köln, 27. August. Die Untersuchung des angeblichen Kokains, das in der Nacht zum Dienstag im Wartesaal des Kölner Hauptbahnhofes einer Schmugglerbande abgenommen wurde, hat ergeben, daß es sich um reines Kochsalz haichelle, das in sehr täuschend aufgemachten und versiegelten Ampullen verpackt war. Trotzdem werden sich die Ver- hafteten vor Gericht wegen verbotenen Handels mit Rausch- giften und außerdem noch wegen Betruges zu verantworten haben. Der Geisteszustand des Zahlmeisters. Die Mittionenunterschlagung bei der Kommandantur Berlin Die Verfehlungen des SSZährigen Zahlmeisters Marlin. der bei dem Rechnungsaml der Kommandantur Verlin tätig gewesen war und dort Unterschlagungen in höhe von 1 Million Mar? begangen halle, beschäftigten gestern die Z. Strafkammer des Landgerichts 1. Myrtin hatte auf Rechnung der B o r s ch u ß k o n t e n der Wachkompagnien hohe Betrag« für sich behalten und v«r wettet und zur Verschleierung Gelder für Kompagnien verrechnet, die niemals iflech Verl in kommandiert worden waren. Schon in erster Instanz. durch die Martin zu einemJahr sechs Monaten Gesang- n i s und der Oberinzemeur W o i tsch a ch wegen Beihilfe zur Unterschlagung zu zehn Monaten Gefängnis oerurteilt worden war, war der Kernpunkt des Prozesses gewesen, ob Martin für seine Straftat verantwortlich gemacht werden kann. Auch vor der Bc- rufungsinstanz entbrannte ein lebhafter Sachverständigenstreit. Während Professor Straub den Angeklagten für geistig gesund erklärte, äußerten die Aerzt« Dr. Pinnar und Dr. Krause Zweifel an Martins Zurcchnungsfähigkeit. Nach mehrstündiger Verhandlung vertagte da» Gericht d«n Prozeß und beschloß mit Rücksicht auf die widersprechenden Gut- achten, den gerichtsärztlichen Ausschuß der Stadt Berlin um ein Ober-Gutachten zu ersuchen, ob Martin gegenwärtig oder zurzeit der Berfehlungen als Geisteskranker anzusehen ist. Falsche Behauptungen über einen Schutrai. Das Bezirksamt Neukölln teilt mit:„In verschiedenen Tageszeitungen sind über das Bezirksamt Neukölln und insbesondere über den Schuldezernenten, Stadtrat Dr. Löwen st ein, und den Magistratsschulrat Dr. Hering unwahre Behauptungen verbreitet Es ist behauptet worden, daß Magistratsschulrat Dr. Hering im Jahre 1321 nur wegen seines Parteibuches gewählt worden fei, obwohl er für das Amt des Magistratsschulrats nicht die notwen- digen Voraussetzungen mitbrächte. Demgegenüber wird objektiv fest- gestellt, daß Magistratsschulrat Dr. Hering nicht nur durchgehend ausgezeichnete Zeugnisse auszuweisen hatte, sondern daß auch seine Vorbildung weit umfangreicher ist als die durchschnittliche Vor- bildung von Schulräten und Magistratsschulräten. Es ist ferner behauptet worden, daß das Bezirksamt, insbesondere Stadtrat Dr Lö- wenstein, das Ministerium dringend gebeten habe, ihm„Schulrat Dr. Hering abzunehmen". Diese Behauptung ist unwahr. Eine der- ortige Bitte oder ein derartiges Gesuch ist niemals ausgesprochen worden. Magistratsschulrat Dr. Hering hat seinerseits seit längerer Zeit den Wunsch, eine wissenschaftliche Lehrtätigkeit auszuüben." Die Liebestragödie im Grunewald. Im Jagen 33 des Grunewaldes wurden, wie berichtet, am Donnerstag ein junger Mann und ein junges Mädchen erschossen oufgefunden Die Toten sind jetzt festgestellt als«in 31 Jahre alter Fleischer Walter Gries und seine 23 Jahre alte Braut Dora Schulz, die beide aus Bitterfeld stammen. Weshalb sie in den Tod gegangen sind, weiß man nicht. Gries und seine Braut sind vermutlich am Dienstag oder Mittwoch nach Berlin gekommen und hotten in einem Hotel in der Nähe des Potsdamer Bahnhofes Zimmer bezogen. Von dort schrieben sie Abschiedsbriefe, unter anderem auch an den Bruder des jungen Mannes, der in Berlin ansässig ist. Der Brief ging am Donners- tagfrüh bei dem Empfänger«in, der sofort zur Kriminalpolizei«Ute. Inzwischen hatte das Brautpaar bereits den Tod im Grunewald gesucht und gesunden. Tempelhofer Kaufhaus zusammengebrochen. Das Kaufhaus Tempelhof Edmund Elend, Verlin-Tempelhof, B-:r!iner Straße 126, ist in Zahlungsschwierigkeiten gelten. Das Unternehmen wurde im J-chre 1308 gegründet und beschäftigte etwa 180 Angestellte. Die Gcsamtoerbindlichkeiten sollen sich aus 2,6 Mil- lionen Mark bclairfen. SoHsZzZRsGe KkstzZmw Mitlwodi, den 2 September, 19Va Uhr, im groben Saal der Kammersfile.Tellower Strabe, U-5ahnhol Belle-Alliance-Strabe i£«i£Mig|eissiasg „Gegen und VölEerverlieSzan*, kAr VersiinaiguBg rail FreaKrslö! unö fier Well" Es spreAen: Marcel Eran-rraEiürc"®, Er. E. LCweasieSa-Berlin Der Spitzbube als Opfer. Don großen und kleinen Sündern... Vor dem Schöffengericht in Berlin-Moabit steht ein Mann, der wie die Not selbst aussieht. Ein zerfranster, rissiger Rock, bleiches, abgezehrtes Gesicht, trübe, erloschen« Augen. Der Vor- sitzende bezeichnet den Angeklagten, nicht ohne eine Nuance des Mitleids, als„kleinen Sünder" und deutet dabei an, daß er im Grunde nur das Opfer großer Gyuner sei, die diesen Unglück- lichen, von Not und Berzweiflung getriebenen Menschen für ihre verbrecherischen Zwecke benutzt haben. Der bleiche Mann ist des Diebstahls angeklagt, er hat Menschen, die auf irreführende Inserate hin bei ihm Arbeit und Brot suchten, bestohken, Menschen, die genau so arm waren wie er. Es handelt sich stets um kleiner« Summen, mal um drei, mal um fünf Mark, ober die Menschen, die um diese wenigen Mark gebracht wurden, traf es als harter Schlag. Als der menschlich mitfühlende Vorsitzende das Urteil verkündet: die Mindsststrafe von drei Monaten und nach einem Monat Strofverbühung Bewährungsfrist, sogt der Angeklagte mit einer Stimme, durch die so etwas wie Dankbarkeit zittert: ich nehm« an und verzichte auf Einspruch. Den am erheblichsten Geschädigten soll er den Schaden innerhalb von drei Monaten ersetzen.„Nun bewähren sie sich aber auch" sagt der Vorsitzende, als der Angeklagte an der Tür steht. Der nickt. Zuchthaus für emeu Greis. 65 jähriger Mann unter der Anklage des Meineides. Wegen Meineides hatte sich am Donnerstag vor dem Schwurgericht des Landgerichts III unter Vorsitz von Landgerichte- direktor Dr. Rambke der bisher unbescholtene 63jährige Landwirt H. zu verantworten. H. hätte 1928 in einem Zioilprozeß in Lieben- walde, Kreis Niederbarnim, beschworen, die Unterschrift unter einem Schuldschein über 1000 Mark nicht vollzogen zu haben. Di« in der jetzigen Hauptverhandlung vernommenen beiden Schriftsachoer- ständigen sind indessen aus Grund eingehender Untersuchungen der Unterschrift und sonstiger Schriftproben zu dem Ergebnis gekommen, daß die Unterschrift nur von dem Angeklagten selbst vollzogen sein konnte. Da auch die Zeugenvernehmungen dieses Ergebnis noch zu bestärken schienen, beantragte der Staatsanwalt gegen den An- geklagten 1� Jahre Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren. Der Angeklagte selbst blieb in seinem Schlußwort bei seiner früheren Auesoge. Das Gericht hielt den Angeklagten für voll überführt und verurteilte ihn zu der Mindeststrafe von einem Jahr Zuchthaus und zur Tragung der Kosten des Verfahrens. Pest in Barcelona. Madrid. 27. August. Im Stadtviertel Hospitalct bei Barcelona wurden fünf Fälle von Bubonenpest sestgestellt, drei davon mit tödlichem Ausgang. Der Innenminister teilt mit, daß dieses Viertel polizeilich und durch Sanitätemannschaften abgesperrt worden ist, um jedes Uebergreifen der Seuche zu verhindern. Trauermusi? aus dem Grammophon. Hierzu»ird uns vom Volks-Feuerbs stattung». Ver- ein folgendes erwidert: In der kürzlich an dieser Stelle unter der porstehenden Ueber- schrist veröffentlichten Notiz über die Trauerfeier im Kremato- rium Wilmersdorf für den verunglückten Rennfal>r«r W. K. wurde in diesem Zusammenhang auch der Name de« VolkS-Feuer- destattungs-Vereins genannt. Hierzu sei zunächst den, eckt, daß der Verstorbene zwar Mitglied des Lereiue war, daß aber die Aus- fülzrung seiner Bestattung wie auch die Veranstaltung der Trauerseier auf ausdrücklichen Wunsch der Angehörigen und seiner Berufskollegen vom Deutschen Rennfahrer-Verband übernommen und geregelt wurde. Da eine sehr zahlreiche Trauerversammlung zu erwarten war, sollte die Feier außerhalb der Halle, die nur für 600 Personen Plag bietet, erfolgen. Aus diesem Grunde muß auf die künstlerische Mit- Wirkung des Dolks-Feuerbestattungs�Zereins(Orgel, Cello und Vi»- line), woraus die Mitglieder des Vereins satzungsgemäß kostenlosen Anspruch haben, verzichtet werden, da die Musik draußen nicht zu hören gewesen wäre. Um dennoch die Feier durch Musik zu ver- schönen, wurden durch die im Krematorium vorhandenen Mikrophon- anläge Schallplotten übertragen, während das Männerguartett des Vereins, dessen Mitwirkung ebenfalls kostenlos erfolgt, die Trauer- gefänge vor der Helle zu Gehör bringen konnte. Es sei hier betont, daß die Mikrophonüdertragung dem besonderen Wunsche der Angehörigen entsprach. Was die Zweckbestimmung der Mikrophonanlage im Kremato- rium Wilmersdorf selbst betrifft, ist sie nur als Ersatz für die Orgel in dem Falle anzusehen, wenn deren Motorenantrieb vcr- sagen sollte, was schon wiederhost vorgekommen ist. In zweiter Linie soll damit der minderbemittelten Bevölkerung Gelegenheit gegeben werden, die Trauerfeiern für ihre Verstorbenen durch Musik und Gesangsdarbietungen schöner zu gestalten, ohne daß dafür erhebliche Geldmittel aufgeboten werden müssen. Zum Schluß sei noch darauf hingewiesen, daß der Volks-Feuer- bestattungs-Berein seine vornehmste Ausgab« darin sieht, die Feiern für seine verstorbenen Mitglieder würdig und pietätvoll zu gestalten, ohne daß hierfür eine besondere Berechrnrng erfolgt. Es könne daher nur bedauert werden, daß im vorliegenden Falle nicht dem Verein die Ausgestaltung der Feier überlassen wurde. Er stettie sich selbst. Liegt Mord oder Fahrlässigkeit vor? Köln, 27. August. Auf der Srlminalwacheam hauptbahahof stellte sich heute ein 22 jähriger Arbeiter mit der Bezichtigung, daß er am vergangenen Sonnlag gegen 17 Uhr in der Nähe von Barsiaghausen in Hannover eine 22 jährige Arbeiterin durch zwei Schüsse getötet habe. Nach seinen Angaben unterhielt er mit der Arbeiterin ein L i e- besverhältnis. Er behauptet, mit ihr in einen Wortwechsel ge- raten zu sein. Um sie einzuschüchtern, habe er seinen Revolver gezogen, wobei ihm unbeabsichtigt ein Schuß losgegangen sei, durch den die Arbeiterin am Unterleib verletzt worden sei. Gpamsche Schüler in Berlin. Am 29. August trifft eine Gruppe von 20 spanischen Schülern und Schülerinnen zu einem Aufenthalt von einer Woche in der Reichshauptstadt ein. Sie werden empfangen von der Gesell- schaft für conationale Erziehung in Verbindung mit der Deutschen Pädagogischen Auslandsstelle und der Deutsch- Spanischen Gesellschaft. Die spanischen Schüler haben bereits vcr- schiedene Einladungen bekommen, so vom Konsumverein Lichtenberg, der Städtischen Oper und dem Ibero-Amerikani- schen Institut. Bei einem Empfang in der spanischen Botschaft wird der frühere preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volks- bildung Dr. B o e l i tz das Wort ergreifen. Die Gäste aus der spanischen Republik sind uns hochwillkommen. Wir erinnern uns dabei an die Tatsache, daß in diesen Wochen auch deutsche Schüler im Königsschloß La Granja bei Madrid die Gast- sreundschaft der spanischen Regierung genießen. Jehl heißt es vorstoßen? In der Mitgliederversammlung des 6. Kreises, Kreuzberg, sprach Genosse Stelling über die politische Lage. Er führte etwa folgen- des aus: Der Hoooer-Plan hat uns nicht die Erleichterung ge- bracht, die man erhoffte Deutschland brauche langfristig« Kredite und Erleichterungen der Reparationen. Eine völlige Streichung der Kriegsschuld sei vorläufig leider ausgeschlossen. Die Verlängerung der Stundung bedingt aber vor allem die Verständigung mit Frankreich. Scharf wandte sich Stelling gegen die deutsche Wirt- schaftssührung. Der Einfluß des Staates müsse verstärkt werden. Mit den hohen Gehältern müsse unbedingt ausgeräumt werden, denn größte Sparsamkeit ist notwendig. Mit dem Abbau der niedrigen Löhne ober müsse«» endlich Schluß sein. Die Aufgabe der gesamten Partei ist es, nach dem Scheitern des nationalistisch-krimmumstischsir Volksentscheides weiter mit aller Kraft vorzustoßen. Nach einer kurzen Diskussion schloß Genosse Schwei kardt mit einem begeisterten Hoch auf die Sozialdemokratie die gut bc- suchte Versammlung. Flucht aus der Verzweiflung.— Feierstunden der Arbeitslosen. Wir berichteten im„Vorwärts" anerkennend über di» im Bezirk Friedrichshain veranstalteten Feierstunden der Arbeitslosen. Veranstalter der Feierstunden ist der sozialdemokratisch« BilHungsausscbuß des Kreises Friedrichshain, der in allen seinen Bestrebungen m bester Wesse von dem Bezirksamt Fried- richshain unterstützt wird. So werden dem Vildungsausschuß die Räume des Bezirksamtes für die Erwerbslofen-Feierstunden kosten- l o s zur Verfügung gestellt. Vom Dank des Vaterlandes. In einer Sprechstunde des Reichsöundes für Kriegsbeschädigte. Durch die Notverordnung wurden die unglücklichen Opser des Krieges, die Kriegsbeschädigten, die Kriegermütter und Krieger- witwen schwer getroffen. Der Bundesvorstand des Neichsbundes der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebonen hat in seiner Sitzung vom 9. Juni 1931 gegen der 2. Notverordnung des Reichspräsidenten vom 5. Juni 1931 entschieden Stellung genommen. Er erklärt, daß die durch Blut erworbenen Rechte der Kriegsopfer in einer untragbaren Weise angegriffen worden seien. Auch der„Reichsbund", dos Organ des eine halbe Million Mitglieder zählenden Reichsbundes hat in einem grundsätzlichen Artikel„Un- erträgliche Härten" sich eingehend mit der Notverordnung beschäftigt. Es genügt schon, an einer Sprech st undedesRoichsbundes teilzunehmen, um die Ungerechtigkeit der Abbaumaßnahmen in ihrer ganzen Härte zu erfassen. Nur einige Beispiele anstatt Hunderter geben einen Begriff von der Not, die durch die Notverordnung auf die Opfer des Krieges heraufbeschworen wird. Oer Granatsplitter in der Lunge. Am 21. Februar 1931 wird im Birchow-Krankenhaus der kriegsbeschädigte K. mit einem fingerlangen Granatsplitter in der Lunge eingeliesert Ringsherum ist alles vereitert, die Lage de? Patienten lebensgefährlich. Nach Ansicht des Chirurgen ist das jetzige Leiden Folge der Kriegsbeschädigung. Der Granatsplitter war von der Halspartie allmählich in die Lunge gewandert und hatte sich im oberen Lungenlappen festgesetzt. Am 29. März st i r b t K. an Lungenblutung. Die Frau des Verstorbenen beantragt durch den Reichsbund Sterbegelder und Gebührnisse, außerdem Witwen- und Waisenrente. Alles wird abgelehnt— auf Grund der Not- Verordnung. Die Frist von 19 Iahren ist nicht eingehalten worden. Selbst im Wege des Härteausgleichs, der nach der 1. Notverordnung noch möglich war, ist eine Rente für Frau und Kinder dieses Kriegs- opfers nicht möglich. Die gekürzte Rente. Sch. ist wegen eines Lnngenleidens zu 69 Proz. Rente berechtigt. Bis zum November 1939 hat er Arbeit. Cr zahlt Krankenkassen- beitrüge, Arbeitslosenversicherung wie jeder andere. Also erwirbt er sich das Recht im Falle der Krankheit auch Bersorgungsgelder, im Falle der Arbeitslosigkeit auch Arbeitslosenunterstützung? Weit gefehlt! Die neueste Notverordnung bringt ihn um diese durch Zahlung von Beiträgen erworbenen R e ch t e. Insofern die Militär- und Invalidenrente eine gewisse Höhe übersteigt, geht er des Rechts auf die Arbeitslosenunterstützung verlustig. Er erhält also jetzt bloß die schon an und für sich gekürzte Invalidenrente, auch die Zusatzrente: hat aber 119 Mark weniger, als er es vor der Notoerordnung gehabt hätte. Sollte er das etwa nicht als Ungerechtigkeit empfinden? Muß er sich nicht sagen, daß die 49 999 Offiziere, die ihre guten Pensionen beziehen, obgleich sie fast alle im Handel und Industrieleben stehen, nach wie vor ihren guten Tag leben, während ihn gerade die ganze Härte der Not- Verordnung trifft! KriegerViiwen und Knegermütter. Besonders kraß drängt sich dieser Vergleich mit den Offiziers- Pensionen in einem anderen Falle auf. Eine Witwe im Alter von 43 Iahren. Ihr Mann lebte vor dem Kriege in den besten Verhält- nissen. Er kehrte aus dem Felde nicht heim. Die Inflation verschlang die letzten Ersparnisse. Die Frau erhielt 49,29 Mark Rente und Zusatzrente in Höhe von 34 Mark. Die Rente ist durch die Not- Verordnung auf 38,39 Mark herabgesetzt, die Zusatzrente ist ihr genommen. Wovon soll sie leben? Sie ist gallenleidend, 49 Proz. erwerbsunfähig, sie fällt jetzt der Wohlfahrt zur Last. Das Reich hat also seine Unterstützungspflicht der Gemeinde aufgebürdet. Eine andere Kriegerwitwe aus Neukölln. Die Dinge liegen nicht anders wie im letzten Fall. Die Zusatzrente ist ge- nommen. Die ganze Unterstützung beträgt jetzt nicht mehr als 38 Mark. Sie lebt mit ihrer Mutter, einer Kriegermutter. Sie ist vollkommen gelähmt, erhält 38,89 Mark Hinterbliebenenrente und 17,89 Mark Invalidenrente. Bis jetzt verstanden es die beiden Frauen, sich mit ihren Renten noch mühselig durch Leben zu schlagen. Nun ist es nicht mehr möglich. Die Tochter kann nicht mehr die Mutter, wie früher, pflegen. Sie muß aufs Arbeitsamt stempeln und sich sonst in jeder Weise um Arbeit bemühen. Die gelähmte Frau bedarf aber einer steten Pflege. Das Gesundheitsamt ist ge- zwungen, eine Pflegerin zu stellen. Das kommt selbstverständlich teurer zu stehen, als die entzogene Zusatzrente von 34 Mark. Eine andere Kriegermuttsr: 76 Jahre alt, von vier Söhnen drei im Kriegs gefallen, ein Rektor, ein, Easmeister, ein Kapitulant in der Marine. Nur der vierte Sohn, ein Schmied, ist am Leben. Cr ist kaum imstande, seine drei Kinder und seine Frau zu er- nähren. Die Elternrente wird abgelehnt, der Sohn soll für die Mutter sorgen— auch eine Folge der durch die Notverordnung ver- fügten schärferen Nachprüfung. Ein anderer Fall schärferer Nochprüfung: Die Rente wird von 79 Proz. aus 39 Proz. herabgesetzt: der amtliche Befund hatte nämlich eine Besserung des Zustandes festgestellt. Kurz darauf stirbt der Kriegsbeschädigte eben an dem Leiden, das nach amtlicher Fest- stellung eigentlich nicht mehr vorhanden war. Aehnliche Herab- setzpngen selbst von 199 auf 39 Proz. bei lungen- und herzleidenden Kriegsbeschädigten gehören zu den Alltäglichkeiten. N. bezog bis zum 39. November 1939 wegen einer Schuß- Verletzung am linken Unterschenkel und Folgen einer Operation eine 199prozentige Rente. Am 1. Dezember 1939 wurde die Rente nach einer Nachprüfung auf Grund der 1. Notoerordnung auf 39 Proz. herabgesetzt. Die Zusatzrente oerminderte sich auf diese Weise von 52 Mark auf 21 Mark. Nun war er auf Wohlfahrtsunter- stützung angewiesen. Seine Klage beim Versorgungsgericht hatte Erfolg: er erhielt am 29. März dieses Jahres mit rückwirkender Kraft die 199prozentige Rente wieder zugesprochen. Die ihm von dem Wohlfahrtsamt ausgezahlte Unterstützung wurde ihm von seiner Rente abgezogen und an das Wohlfahrtsamt zurückerstattet. Die Differenz der ihm micht ausgezahlten Zusatzrente kann er aber bis zum heutigen Tage nicht erhalten. Die Nachzahlung bleibt aus. Einem völlig Erblindeten keine Rente. Eine harte Auswirkung der 1. Notverordnung stellt auch ein weiterer Fall dar. Der Kriegsbeschädigte F. L. hatte während des Krieges durch eine Augenentzündung das Augenlicht auf dem rechten Auge verloren. Da das linke Auge noch gut war, stellte er keine Versorgungsansprüche! Im Jahre 1929 erkrankte er aber auch am linken Auge. Nun war er völlig erblindet. Die Bersorgungsbehörde stellte fest, daß der Verlust des rechten Auges auch auf den Einfluß des Kriegsdienstes zurückzuführen sei. Wegen Fristversäumnis be- stand für ihn kein Rechtsanspruch mehr auf Rente. Eigentlich hätte er schon seit 1916 eine solche von 39 Proz. beanspruchen können. Das Versorgungsamt beantragte beim Hauptversorgungsamt die Genehmigung einer Rente im Härtewege, well Bedürftigkeit vor- Händen fei. Die neueste Notverordnung macht aber die Bewilligung einer Rente auch im Härtewege unmöglich. Oer Selbstmord des Kriegsbeschädigten. Daß unter den Kriegsopfern eine unglaubliche Verbitterung herrscht, ist weiter nicht verwunderlich. Es kommt zu Verzweif- lungsausbrüchen und zu Verzweiflungsakten. So erschoß z. B. im Januar dieses Jahres der schwerkriegsbeschädigte M. seine Frau, drei Kinder und sich selbst. In dem von ihm hinterlassenen Brief heißt es u. a.: „Liebe Genossen! Ich will Euch nur noch mittellen, wie es mir ergangen. Ich habe in meinem Leben schon viel durchgemacht, war in dem vom Geldsack provozierten Weltkrieg. Habe Hand- Verletzung, zwei Schullerschüsse und einen Kopfschuß erhalten. Auf Grube Adolf erlstt ich einen schweren Schädelbruch mit schwerer Gehirnerschütterung. Bin deshalb schwer nervenleidend. Tellte dem Hauptversorgungsamt gleichzeitig mit, wenn mir nicht geholfen werden kann, und zwar bis zum 29. Januar, würde ich mit meiner Familie aus dem Leben scheiden... Ich habe es nun satt und mache heut noch Schluß, hätte es schon am 29. getan, aber da hatte ich noch keinen Revolver, und ich will meinen Angehörigen«inen schnellen und schmerzlosen Tod machen. Wir haben es ja im Krieg gelernt. Daß ich immer ein guter Familienvater war und für meine Famtlie gesorgt habe, kann Euch in S. jeder sagen. Und well ich meine Familie liebhabe und nicht im Elend zurücklasien will, nehme ich dieselbe mit. Hoffentlich bringt meine Tat für die anderen Kriegsbeschädigten Erfolg. Nun seid vielmals gegrüßt..." Nicht nur die Kriegsbeschädigten, sondern all die Millionen, die kaum das Notwendigste zum Leben haben, werden es nie verstehen können, daß nun gerade sie so große Opfer für die Mißwirtschaft bringen sollen, die jene verschuldet haben, die chre eigenen Lkreise von den Härten der Notverordnung ausgenommen haben. So bleibt nur eins: Die Notverordnung so schnell wie möglich dahin zu ändern, daß die schlimmsten Ungerechtigkeiten ausgemerzt werden. Geschieht das nicht, so werden die Folgen nicht ausbleiben. E»glisch, Feanzöfis», richtiges Deutsch. Zur September beginn»» neu» An- länge rkurfe bei Eeimlün Heß, Evichernslr. 16, Gartenhaus 3 Er. recht« lUntergrunbbahnhof Nürnberger Platz!. Anmeldungen, auch schrrftlich. bis»um 3. September täglich 17—20 Ufer. Genossen und Genossinnen mit Bvrkennt. nisseu können den bestrhcnden Mittel. dzu>. Oberlursen iedergeit beitreten. Mit der Kamera durch Alt-Berli». Da» Polksdilbungeamt Wilmersdorf ver. anstaltct am Sonntag, dem 30. August, erstmalig«in« Pboto-Motiomonderung durch Ali.Dechln unter Leitung de» Berussphotographeu spelii Schräder. Treffpunkt 10 Khr am Ausgangeder U-Dahn Hau-voigteixlatz. Zti 60 Pf. in defchränktcr Anzahl nur im Bolkobildungsamt, Eingang Teilnehme riarten Echqperstratz« 2Z. I Die UöpiM Der UM der Bevölkerong ist derart, daß ein weiterer Preisabbau auf Kosten der Lohn- undGehaitsernpfcnger nicht mehr durchgeführt werden kann, sondern nur durch Ausschaltung aller unproduktiven Faktoren bei der Kalkulation. Der heute allgemein anerkannte volkswirtschaftliche Wert und Vorteil ist die direkte Belieferung vomHersteüer ohneZwischenhandet direkt zum Verbraucher. Diesen einzig richtigen Weg geht die He: renldeiderfabrik P. Wagner, Aiexanderstr. 22, Elagengeschäif. Ursprünglich ein Unternehmen, welches seine Erzeugnisse an Spezialgeschäfte für Herrenbekleidung abgesetzt hat, verkauft dieses jetzt direkt an den Verbraucher unter Ausschaltung des Zwischenhandels, dadurch bieten sich jedem Käufer außerordentliche Vorteile. Erspart wird: 1. die teure Ladenmiete, 2. die teure Rekiamebeieuchtung, 3. die doppeSte Umsatzsteuer, 4. die teuren Schaufensterdeko- rationen, die manchmal eine Revueschau darstellen und die Ware nur verteuern. Alle diese Ersparnisse kommen dem bei der Herrenkletderfabrik Wagner kaufenden Publikum zugute. Fachkundige Werkmeister und Zuschneider beaufsichtigen die Herstellung. Alle Anzüge und Mäntel werden aus langjährig ei probten reinwollenen Stoffen hergestellt, und besonderes Augenmerk wird auf die gute Innenverarbeitung gerichtet Hierin liegt der unbestrittene Erfolg der Herrenklalderfabcik Wagner. 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Nur im Nordosten des Reiches machte sich ein nach West- rußlond angezogenes Tief in windigem und unbeständigem Wetter mit einzelnen Schauern bemerkbar. Das Hoch wandert langsam in nordöstlicher Richtung weiter. Da sich sein Bereich sehr weit nach Südey erstreckt, dürfte der freundliche Witterungscharakter de- stehen bleiben. * Wetteraussichten für Berlin. Trocken und meist l>eiter, am Tage mäßig warm.— Für Deutschland. Im Osten noch veränderlich, im übrigen Reiche heiteres Wetter und im Westen weitere Erwärmung. Aus der Partei. Bildungsabbau und Bildungsaufgaben. In einem gehaltvollen, scharf formulierenden Artikel untersucht R. G. H a e b l e r im Augustheft der„S o z i a l i st i s ch e n Bildung" den Prozeß des Bildungs- und Kulturabbaues, der sich im Gefolge der Wirtschaftskrise in Deutschland vollzieht, und warnt vor der kulturellen Verödung, die als Folge dieses Prozesses ein- treten muß. In derselben Richtung, mehr aus die Bedürfnisse der Arbeiterbewegung zugeschnitten, äußert sich H. H o l tz h a u e r in einem Aufsatz„Bildungsarbeit nicht vergessen!" Seine grundlegende Forderung ist, daß man gerade jetzt, wo jeder Tag neue Probleme aufrollt, die Funktionürschulung als eine der wichtigsten Aufgaben der Partei betrachten müsse. Für die Praxis der Bildungsarbeit gibt H. B r i l l in seinem Aussatz„Neue Bahnen der Arbeiterbildung" wertvolle Hinweise. In einer Reihe weiterer Artikel von Helene Nathan, I. Setzer, I. F. Bingemer und E. R o e l l e n- bleck werden Probleme des Arbeiterbllchereiwesens und der Büchereiberatung erörtert. Die hier behandelten Fragen dürften weit über den Kreis der fachlichen Interessierten Beachtung finden, da sie in ein Gebiet hineinleuchten, das weiten Kreisen der Leserschaft nur wenig bekannt ist.____ parteinachnchten�W�für Groß-Berlin Einsendungen für diese Rubrik sind l&rKr J£ stets an das Bezirksfckrctariat Berlin SW SS- Lindenstraße z, 2. Hos, 2 Treppen recht», zu richten AbteilungS- Vorständekonferenz am Moniag, ZI. August, 19M> Uhr. Im Deutschen hos. Luckauer Straße IS(Apollo-Saals. Tellnahmebercchtigt sind: Der 1. und 2. Abteilungsleiter, der Abteilungskassierer, der 1. und 2. Kreisleiter. der Kreiskassierer und die Vertreterin der Frauen im Kreis- vorstand. Zutritt nur unter Vorzeigung des Parteimilgliedsbuches mit gleichlautender Funktionärkarle. Der Bezirksvorstand. * Beginn aller Veranstaltungen 19Vo Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! heule, Freitag, 28. August: 11. Abt. Niederstrah, Emdcner Ecke Waldenserstrohe, sZachlabend. Eoioffm Habermonn:.Reisecrirbnissc aus Wico. und der Etciermark". Genossinnen sind besonders eingeladen. 17. Kreis. 21 Uhr michtig« Sißung aller Lchrrrgenvsscn bei Eievert, Schiller. straße 15. Parteibuch mitbringen. Bernau. Heute, 20 Uhr, Mitgliedcroersammlunq im Dotkshauz„Bellevuc". Aufführung des Films»Der Parteitag in Leipzig".— Donnerstag. Z. Scp, tembcr, 20 Uhr, im Lolal von Herniann Modisch, Bernau, Kaiscrstrahe, Gruppenkonsercnz der Ortsoercine Bernau, Röntgcntal.Zepernick, Echiinom, Ladcburq, Schwanebeck-Neu-Buch,„Wirtschaf!?» und Finandpolitil der letzten Zeit." Morgen, Sonnabend. 29. August: 27. Abt. 20 Uhr Zusaimncnfcluft fccc jüngeren Barteigcnossen bei Ufert, Gleimstr. 56. AAsspracheQbend. Airschlietzond FCimitBiches Beisammenscin. Gäste Villkommcn.. 4«. Abt. Von 18% Uhr an Abrechnung saurttichcr Be�irtsftlhrvr bei Keller, Fürstenftr.?. 131. Abt. Die Funktionärverfainmlung findet 8 Tage sipäter. also am Sonn- abend, 5. September, 20 Uhr, bei Äftn-dt, Am Fried?nsplatz, statt. Sonntag, 30. August: 3. Krei« Weddiug. Besichtigung der GrohfuiMation Nauen. Treffpunkt «.20 Uhr am Bahnhof Putlitzstraße. Radfahrer um 7 Uhr au der Müller- Ecke Seestrahc. llntostenbeitrag 50 Pfennig. 117. Abt. Abfahrt für Motorboote» Uhr vom Hasen, Hauptstr. 3. Karten werden nicht mehr verkauft. Nachzügler mit der Bahn bis König«. Wusterhausen, dann Reftanrant Tiergarten. Rene Mühle. Dort Zu- fammon treffen mit dem Reichsbanner der Ortsgruppe Storkow. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde Groß-Berlin. Kreis Friedrichahain: Alle Talken sind Sonntag, 30. August,!> Uhr, auf dem Sportplatz jrriedrichshaiN. Alle Falten, die im Zeltlager nxiren, mlissen UN. bedingt erscheinen. Um 13 Uhr trifft sich der Kreis, um Kitftriner Platz zum Ummarfch. Kreis Kreuzberg, Gruppe Bergmonnstrahe: Alle Talken treffen sich Sonntag, 30. August, 12% Uhr, Delle-Alliance. Ecke Bergmonnstrahe, zur Beteiligung am Schönebcrger Falkentag. 30 Pf. Fahrgeld mitbringen. Pflichtoeranslalkung. Kreis Reuköllu, Gruppe Lichttämpfcr: Heut«, Freitag, sind alle drei Gruppen im Heim Dergstr. 20. Um 18 Uhr Ucberfllhrungsfcier. Alle erscheinen in Falkcntracht.— Gruppe Aufbau: Heute, Freilag, um 17 Uhr, Schmie Kaiser» friedrich-Etrahe, Fortsetzung der Gruppenvolloersanrmlung.— Rote Falken und uagfallen: Sonnabend Fahrt nach Bernau— Uetzdovf. Treffen um 10 Uhr Bhs. Ilaifer-Friedrich-Strohe. Schlafsäcke mitbringen. Wir fahren alle mit. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 40. Abt. Am 25. August ist unser langjähriges Mitglied, die Genossin Martha Ludwig, Hagechbcrger Str. 33, nach schwerer Krankheit per- florben. Ehre ihrem Andenken! Wir verlieren in ihr eine treue Mit. kämpferin. Einäscherung findet am Sonnabend, 20. August, HVj Uhr, im krenmtorium Serichtstrahe statt. Zahlreiche Beteiligung wird erwartet. IlgSozialistifcheArbetterjugendGroß-Berlm Einsendungen für diese Rubrik nur an das Iugendsekretariat Berlin SW 08, Lindenstrahe 3 Internationales Freundschaft stressen anläßlich der Anwesenheit von Aus- tauschschillern aller Rationen morgen. Sonnabend, 29. August, 16'h Uhr, im Kaiscrgorten am Stöhensee. Eintrittsplokctte 25 Pf. Veranstalter: Deutsche Liga für Menschenrechte. Streichorchester Srvh.Berlin: Heut« 1911 Uhr Pflichtprobe, See. Ecke Turiner Straße. Teilnahm« unhedingt erforderlich wegen Mitwirkung an der Kund- --------------------------------------- gebung am 3. September!n den Kammerfälen. Morgen Treffpunkt zum Wochenendkursus 17 Uhr Haupteiugang Schlesifcher Bahnhof. Teilnehmer- gebühr 85 Pf. Schloffack mitbringen. Intcrcsstcrte Genosicn sind herzlich ein- geladen. Kundgebung„Gegen VölZerhah und Völkerverhetzung, für Perständi- gung mit Frankreich und der Welt" Mittwoch, 2. September, iglH Uhr, im großen Saal der Kammersäle, Teltawer Strohe sll.Bhf. Delle. Alliancc.Strahc). Fahnen mitbringen. Alle anderen Veranstaltungen fallen an diesem Abend aus. heule. Freilag. 19.30 Ahr: Arkonaplatz: Elisabethkirchstr. 19:„Unser Kampf gegen den politischen Gegner". Gewerkschaftshaus: Köpcnicker Str. 92: Mitgliederversammlung.— Oranienburger Tor: Tiecksrr. 18: Heimabend.— Rosenthaler Vorstadt: Elisabeth. kirchstr. 19: Bericht vom Zugendtog.— Zentrum: Landsberger Str. 50:„Pro. gramm und Ziele der SPD."— Hansa: Bochumer Str. 80:„Proletarische Kunst".— Moabit II: Lehrter Str. 18— 19:„Dos Programm der NSDAP."— Humbaldthain: Putbusicr Str. 3: Funktionärversammlung.— Arniuiplatz: Sonnenburgcr Str. 20:„Die politische Loge".— Arnswalder Platz I: Rosten. burger Str. 16:..Klafsenkamps und Pazifisnrus".— Balkan: Mondelstr. 2: Bericht von Frankfurt.— Falkplatz I: Funktionärsitzung beim©enosien W. Schulze.— Falkplatz n: Sonncnburger Str. 20:„Das neue Spanien".— Hohenschönhausen: Frcienwalder Str. 6: lO-Minuten-Reserate.— Nordosten I: Danziger Str. 62:„Erwcrbsnröglichkeiten der arbeitenden Jugend".— Weihen» sc«: Parkstr. 38:„Die politische Situation".— Wörtbcr Platz: Kastanienallee 82:„Bursche und Mädel in der GcmeiN'ilchakt".— Bndrcasplatz!: Brommn» straße 1: Mitgiiederversammlung._ Baltenplatz: Tilsitcr Str. 4—5: Bericht von Frankfurt.— Frankfurter Viertel: Frankfurter Allee 307:„Ist Sowjet- ruhland noch ein sozialistischer Staat?"— Fricdrichshcin: Diestelmeyerstr. 8— 6: „Die Politik der Parioi".— Petersburger Viertel: Ebertpstr. 12:„Entstehung irr SAI."— Stralauer Viertel: Eosilerstr. 61: Bericht von Frankfurt.— Warschauer Viertel: Litauer Str. 18:..Materialistische Geschichtsauffassung und ihre Gegner".— Schönebcrg I: Hauptstr. 15:„Der Reichsjugendtag".— Schöne» berg 15': Hauptstr. 15:„Die Prostitution als naturiwtwendige Begleiterschei. nuna der bürgerlichen lljesellschaft".— Köpenickcr Viertel: Wrongelstr. 128: Funktionärsitzung.— Eharlottcnburg: Rvsinenstr. 4:„Trufte, Kartelle, Konzerne, Svndikatc".— Siemensstabt: Schirl e Schulstraße:„Bub und Mädel", II.— Lichtersclde: Albrechtftr. 14a; Mitgliederversammlung.— Steglitz IT; Flemming» straße 14b:„Tagespolitik".— Mariendorf I: Dorfstr. 7;„Unsere heutigen Parteiführer".— Mariendors IT: Marienfelde. Berliner Str. 1—2:„Das Kom- munistische Rianifeft".— Neukölln VII; SMS.:„Tagespolitik.— Ivhannis- Ihal: Rathaus:„Politische Tagcsfragen".— Karlshorst: Treskowallce 4-1: „Moderne Pädagogik".— Nen-Lichtenberg: Hauffftraße: Bericht vom tjugrud. tag.— Lichtenberg-Nord: Guntcrstr. 44: Bericht vom Iugendtag.— Rcinicken- darf-Ost: Lindauer Straße:„Unser Konhum".— Niederschönhausen: Linden- straße 47:„Dos Sozialistengesetz".— Westend: Rosinenstr. 4: Funktionär- sitzung.— gehlendorf: Waldschule, Schlicsfeustraßc:„Ein Tag im Gefängnis". — Moabit III: Lehrter Str. 18—19:„Berliner Humor".— Neukölln 5': Kaiser. Friedrick�Straße 4:„Tagespolitik". Vorirägs, Vereine und Versammlungen Reichsbanner..Schwarz-Rot-Gold'. Gefchüktsüelle: Berlin S. 14. Sebostianür. 37—38, Hof 2. Tr. ll\\y Freitag, 28. August. Lichtenberg: Um 20 Uhr hoben Mitglieder. : 4� Versammlung in den bekannten Lokalen die Kameradschaften Gustav Tempel, Doxhagen und Rummelsburg. Mohlsdorf bei Anders. Ncukölln»Britz und Kreuz berg: Alls öchufokamcraden, die am Gepäckmarsch am 13. September teilnehmen, Antretcr in Buirdeskleidung mit vollem Gepäck heute um 20 Uhr Rathaus Neukölln. Schönftedtftraße, zum Uebungsmarfch.— Sonnabend, 29. August. Neulöllu-Britz, Zungbanner: 20 Uhr Antreten Ringbahnhof Reu- kolln. Pfälzer Ecke Saalestraße. Schöneweide-Zohannisthal: 20 Uhr Mitglieder- Versammlung in der Jrllckcnklaufc, Drücken. Ecke Spreestraße. Vortrag:„Nach dem Volksentscheid".— Sonntag, 30. August. Kreis Osten, Technische Kamevad- schaft: 9 Uhr Antreten Bahnhof Ausstellung in Bundeskleidung. Treptow (OrtOTercin): Schuko und Iungba 7?« Uhr Antreten Bhf. Schöneweide. Anzug: Dundeskleidung. Tornister mit Decke. Spiclmannszug zur Stelle. Pankow tOrtsvcrein): Die zur Fahrt nach Liebenwalde aingetragencn Kameraden treten 5% Uhr Marktplatz Parchow zur Abfahrt mit Auto an. Reinickendorf(Orts- verein): Alle freien Kameraden treten 13?1 Uhr in Bundeskleidung auf dem Kaiserplatz in Hermsdorf zum Schutz der SPD. an. Autofahrer pünktlich 6 Uhr auf den Sourmeiplätzen der Komcradsichaften, Kameradschaft Reinicken. dorf-West bereits 551 Uhr Antreten,«reis VM: Kreistreffen in der Gegend Groß-Schönebeck— Licbenwalde. Di« Ortsvereinc fahren in Bundeskloidung mit Fahnen uird Musik nach den in den Rundschreiben festgelegton Richtlinien. Die notwendige Anmeldung dieser Pflichtvcranstaltung ist geschehen. Beruau: 7Ü, Uhr Antreten in Bundcskleidung mit Fahnen und Musik am Bereuis» lokal Modisch zum Kreistreffen. Pflichtvcranftaltimg. KKS. Zlenkölla. Britz: Freitag, 28. August, kein Schießen. Ring,«ad Schutzverbaud geschädigter Auslanbsdentscher.«oloai-lbeutschar »nd Verdrängter, e. B. 1. September, 20 Uhr, im wchubert-Eaal, Derkn W..' Bülowstr. 104, Monatsversammlung. Esperanw-Sesellschaft Eharlvttcnburg. Montag, 31. August, 20 Uhr, Sondi. torei Wolter, Eharlottenburg, Besmarckstr. 114(Knie), Klubzimmrr, Uebungs» Nied Konpersativnsabend. Arbeitsgemeinschaft für Forstschutz und Raturkunde, t.?. 1.77. Arso- Wanderung: Sonntag. 30. August, Wanderung durch die Köpenicker Damm- sorst. Führung: Studienrat R. Genschct. Treffpunkt: Bahnhof ttopenick 10 Uhr. Gäste willkommen. Arbeiter- Laicnspieleroerband. Geschäftsstelle: Heinz Kirfchke, Rummels» bürg, Türrschmidtstr. 33. Freie Spieltruppc Berlin: Montags Zugendheim netz.(?> r/tz,tiisf'i"n �»Metzch» Ohtnct. Berlin. Erwin Becker, Neukölln, Marcschstr. 1«. �Zbcrsipree": Zkiederschöneweide, Brückcnstr. 25.„Rotes Kollektiv": Pierow, Eharlottenburg, Riebuhrstr. 23. „Friedrichshain": Alfred Zabczpnski, Berlin, Riemcler Str. 13.„Osdbohn": Heinz Wagner, Berlin.MahIsdarf, Markgrafen ftr. 16. Deutscher Arbeitcr-Abstiu-uteu-Bund, Bezirksgruppe Tchtllerpark. Freitag, 28. August, 20 Uhr, in der Alkoholfreien Gasfftatte, Berlin R. 65, Malpsaquet. straße 28, Bortrag der Gen. Dr. llllarg. Adam über„Alkohol und Nachkommen- schoft". Euglisli Conrersatlonal Club lounded 1878. Meetings everv Friday 8 p. m. Cafd König. Leipziger Straße 117/118. Leclurer: Mr. Hahn-Zumpt on: „Happineß", Guests, Ladies& Gentlemen, are welcome. Verantwortlich für Politik: Virtor Schiff; Wirtschaft: G. Klingelböser; Ecwcrlschaftsdcwegung: I. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikow-ki; Lokales und Eonstiaes: Fritz Karstadt: Anzeigen: Th. Elock«: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlaa G.m.b.H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei und Verlggsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW 68, Lindenstrahe 3. Hierzu 2 Beilagen. S: fMMOud&MiU. WienerWürstchen nn Piund................. Pf. SV CervelaY o.Salami goe piund.................. m. r3 Schlackwurst<.o in rettdarm...... Pfund M. I Brathähnchen. Tslafontschs Beitellungen untpr F6 Baorwald 0012, Ober 5 Mark, wardan prompt arladlgt. 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I Creme-Sehokol. r-n 6 Gerdim.-Art., 3 Tfl....Pf. OU Bruch-Schokolade g Vollmild,, t>IuQ, Piund..M. I Himb od.Kirschsaftgic große Sektflasche, Lfr...M.| iohannisb.» Wein n.- 5 Liter 3.50........ Liter Pf./ 9 Fettbücklinge nn an Pfund.............. Pt.£0 ffleMoit Hammel- Kotelett*»» Pfund........... von an M.| 00 Harn.- Kochfleisch q* Pfund........... von an Pf. Schweineschinken nn mit Bein, Pfund., von an Pf. OU K a ß I e rnn Pfund........... von an Pf. wli 1 WURSTWAREN Sülze....................... Pid. 0.48 Speckwurst................ Pfd. 0.78 Landleberw. Hcusmadiar..Pfd. 0.84 Fleischwurst................ Pfd. 0,86 Dampfwurst...............Pfd. 0.88 ;i Jagdwurst................. Pfd. 0.98 Feine Leberwurst......... Pfd. 1.08 Bauernleberwurst........ Pfd. 1.18 Bauernmeftwurst......... Pfd. 1.18 Bierwurst.................. Pfd. 1.08 Braunschweiger.......... Pfd. 1.98 KiKSEeEiER Schweizerkäse voiifatt Pfd. on 1.34 Edamer u. Holl. 40»i» Pfd. on 0.86 Tilsiter u. Holland. 20"so Pfd. an 0,60 Gcrgonzola.............. Pfd. 1.50 Emmenthaler ohne Rinde.. Pfd. 1.20 Stangenkäse 40 ff» 0.7». 20"U 0.48 Holländer o. R. 225 gr....Sditl. 0.35 Brie vollieft................. Pfd. 0.88 -„ Frühstückkäse......... 5 Stü* 0.48 Magdeb. Korbkäse 190 gr Sl 0.20 Frische Eier 10 Stüde........ an 0 68 Harzer Käse ca. i Pfund-Paket 0.35 Halbmond-Keks m.Sdiokol.Ffd. 1.03 Anis-Zwieback............ ffd. 1.00 Sandgebäck............. Pfd. 0.90 Nuß-Pralinenmischung..Pfd. 1.00 Vollm. u. Sdimelz Relief-lchok. Pfd. 1.21 Haushalt-Kakao....Pfd. 0.78, 0.53 MARMELADEN, KONSERVEN Kirschkonfitüre— ca. 2 Pfd. E. 1.10 Aprikosenkonfitüreca.2Pfd.E. 1.10 Vierfrucht-Marmel, ca. 2 ffd. E. 0.83 Junge Erbsen mittelfein'jiOosoO.OO ßreehspargel->. K.....>/> Doie 1.22 Prinzeßbonnen mittelf.'/i Dose O.SO Steinpilze............. lh Dose 1.20 Reineclauden........."st Dose 0.95 WEIN£, SPIRITUOSEN Frkf. Apfelwein Hr. C30, 5 Ltr. 2.75 Laubenheimer..Ltr. f.cs, 5 ltr. 4.00 Niersteiner...... Ur. 1.25, 5 Ltr. 6.00 Tarragona...... Ltr. i.oo, 5 Ltr. 4.75 Sornas........... Ltr. 1,10, 5 Ltr. 5.25 Wermut......... Ltr. 1.10, 5 Ltr. 5.25 & U AJ1 N, H O. Jf H. E..R.M-A-N N P.L�A T Z• DER K�A R S J A D. X w_B_A_H N H O E Vauuniernehmer fordern Arbeit. Außerdem befchlevoigte Aufhebung der Zwangswirtschafi. Di« gösamien Verbände der deutschen Bauwirtschaft, die Fachgruppen Bauindustrie, Baustoffindustrie, holzverarbeitende Industrie, Sägeindustrie und Holzhandel des Reichsverbandes der Deutschen Industrie, das Bauhandwerk, vertreten durch den Reichs- verband des Deutschen Handwerks, Baustoffhandel und Baustoff- erzeuger, die Daumaschinenindustrie. Architekten und Ingenieure haben an die Reichsregeerung eine Eingabe gerichtet, in der auf die Gefahren der gegenwärtigen amtlichen Bau- Politik und auf die Schäden hingewiesen wird, die hi«rous der deutschen Wirtschast erwachsen müßten. In der Eingab« wird unter anderem festgestellt, daß der Produktionsrückgang bei der Bauwirtschast seit Zahre 1323 etwa 55 bis vo proz. betrage. dem Papas Liebling. 5ch/el6 während bei den anderen Produktionsgütermdustrien der Rückgang etwa 26,3 Proz. und bei den Derbrauchsgüterindustrien etwa 13,8 Proz. ausmache. Hier liege der eigentlich« Herd der Wirtschaftskrise zumal, wenn man bedenke, daß rund 76 bis 86 Proz. des Wertes der errichteten Bauwerke auf Löhne und Gehälter entfielen. Jede Milliarde Produklionsausfall bei der Bauwirkschaft mach« rund 350 000 Arbeiter arbeitslos. Gleichwohl fetze sich der Prozeß tödllcher Erstarrung in be- fchleunigtem Tempo fort. Man wolle den Zufluß auch der letzten öffentlichen Mittel abschneiden. Heber eine Million Arbeitslose in 5er Bauwirtschast bedeuteten beinahe eine Milliarde jährlicher Umerstützungsbeträge. Sie bedingten einen gewattigen Steuer- aussall und bedrohten den Bestand der Sozialversicherung. In der Bauwirtschast selbst, die unter ihren insgesamt etwa 360 000 Betrieben besonders zahlreich« selbständig«, mittler« und kleinere Betriebe aufweise, bedeute es das Erliegen von Tausenden von Existenzen des selbständigen Mittelstandes, unüber- fehbares Elend in den Kreisen der Arbeitnehmer und wiederum umfangreiche Steuerausfälle. Eine grundsätzliche Wendung der amtlichen Baupolttik sei daher unbedingt erforderlich. Bei der Abfassung ihrer besonderen Forderungen sind die Der- bände in einige Bedrängnis geraten. Natürlich müssen sie als Unternehmeroertreter„Freiheit" in jeder Hinsicht verlangen. Es wundert niemand, wenn sie gegen Bauausführungen, die öffsnt» Stellen in eigener Regie vornehmen, sich aussprechen, obwohl doch solche Bauten den Baumarkt ebenso beleben, wie die von Unter» nehmern ausgeführten. Polemisiert wird gegen die Systemänderung in der Dauwirt- schast des Jahres 1930— aber warum hat man damals nicht gegen die Realsteuerfentung protestiert, um derentwillen die Hauszinssteuermittel für die Bauwirtschaft gekürzt werden-. mußten? Dann fordert man die Aufhebung der Wohnungszwangs- Wirtschaft; eine Ausgestaltung der Mietoorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches hall man für schädlich(nämlich für die höchstpersönlichen Interessen der Bauunternehmer!). Und die Hauszinssteuer? Der Abbau ist erforderlich, aber unter Festlegung der einzelnen Stadien! Doch die Mittel für den Wohnungsbau für 1331 und 1332(und 1332!) dürfen auf keinen Fall gekürzt werden. Das heißt also, daß für 1332 wenigstens die Hauszins st euer erhalten bleiben muß! Damit spricht sich die Bauwirtschast gegen die vom H a u s b e s i tz erhoben« Forderung, die Hauszinssteue? ab 1. Januar 1332 in Fortfall kommen zu lassen, aus. Frsilicki, der Unverschämtheit der Hausbesitzer wird nur das Eigen- interesi« der Bauunternehmer entgegengesetzt. Wertvoll bleibt das Zugeständnis, daß ohne öffentliche Mittel der Wohnungsbau völlig lahmgelegt wäre._ Razis feuern aus dem Quartier. Ein Arbeiter verletzt. Wuppertal. 27. August. Das Ueberfallkommando der Schutzpolizei wurde am Mittwoch- abend zur Luisenstrah« gerufen, wo aus einem Haufe, in dem sich � ein Quartier der Sturmabteittmg der NSDAP, befindet, etwa zehn, Schüsse abgegeben worden waren. Ein Arbeiter erhielt einen Schutz in die rechte Hand und wurde von Zivilpersonen ins Krankenhaus gebracht. Ein National- sozialist, der nach Angabe von Zeugen der Täter fein soll, wurde vorläufig festgenommen.' Der Festgenommene war im Besitz eines Gummiknüppels. In dem Lokal wurde ein Totschläger, und vor dem Hause wurden drei Patronenhülsen gefunden. Das Aiieniai gegen �afsen-Günther. Täter zu 2« Jahren Gefängnis verurteilt. Weimar. 27. August.(Eigenbericht.) Nach nichtöffentlicher Verhandlung wurde am Donnerstag» nachmittag vom großen Jugendgericht Weimar Karl Dann- b a ü e r, der am 10, Mai d. I. den Rassenforscher Pro» fefsor Günther in Jena durch Schüsse verletzte, wegen ver- suchten Totschlages zu einer Gefängnisstrafe von 2 Iahren 6 Monaten, wegen unerlaubten Waffenbesitze» zu einer Geld- strafe von 10 Mark verurteilt. In der Urteilsbegründung wurde ausgeführt, daß�annbauer als Buchdruckerlehrling sich mit wissenschaftlichen Studien beschäf- tigte, die weit über das Maß des für fein Alter und seine Ner- Hältnisse Ueblichen hinausgingen. Sozialdemokrat ist er nie ge- wesen. Allmählich setzte sich bei ihm die Ueberzeugung fest, daß der Nationalsozialismus der schlimmst« Feind der Arbeiterschaft sei. Er wollte diesen Feind vernichten, dabei aber nicht einen politischen, sondern einen wissenschaftlichen Be- gründer des Nationalismus treffen. Politisch kann seine Tat auf keinen Fall gewertet werden. Das Gericht hat einen Totschlag angenommen, außerdem berücksichtigt e» al» strafmildernd, daß Dannbauer kein gemeiner Verbrecher, sondern ein U e b e r- zeugungstäter ist Die Verhandlung sowie das Urteil ergeben, daß die von natio» nalsozialistischer Seite aufgestellten Behauptungen, daß der Täter Marxist, das Attentat die Folg« der„Mordhetze des Marxismus" sei, absolut falsch und als gemeine Verleumdungen zu brandmarken sind._ Frankreich/ Rußland/ polen. Polemik statt Nichtangriffspakt. Die französtsch-rusiischen Verhandlungen in Paris, die nach einer offiziellen Mostauer Erklärung auf Anregung Frankreichs begonnen wurden, sind bis zum Ottober unterbrochen. Man schien sich bereits ziemlich nah« gekommen zu fein. Aber nun heißt es von „Die andern können von mir aus ruhig hungern. Die Hauptsache ist, ' daß es meinem Lungen gut geht.. Das Geficht der neuen Jugend. Eine Rückschau auf den Frankfurter Arbeiter-Lugendtag. Streng, beinahe hart ist das Gesicht, das uns heute auf ihren i großen, repräsentativen Kundgebungen die proletarische Iu-, gend zeigt. Die Not der Zeit hat es umgeformt. Alles Weiche, Träumerisch«, Romantische hat ihr Meißel brutal entfernt. Was bleibt ist ein Ausdruck, der fast unjugendlich herb und entschlossen der Welt den Kamps der jungen Generation ansagt. Nicht mehr mit Geigen und Klampfen wie«inst in Weimar grüßt diese Jugend das Volt. Fanfaren klirren durch die Villen- viertel, Fanfaren mit rotem Behang. Trommeln und Pauken dröhnen in den Strahanschluchten. Man schrellet nicht mehr Hand in Hand in lockeren Reihen. Man singt nicht mehr Wanderlieder und Reigen. Straff, im Gleichschritt, in geschlossenen Achterreihen paradieren die Formattonen. Jedes Lied ist Rebellwn, ist Anklage. Was in Frankfurt in stundenlangem Heerbann über das Pflaster marschierte, war bewußt und gewollt eine Demonfiratioa wahrhafter Arbeiterjugend, Wir schreiben eben heute 1331, nicht mehr das Weimarjahr 1320. Die neue Jugend will nichts mehr wissen von Sentimen- talltät. Als die Berliner TAI. die Frankfurter Kaiserstraß« passiert, kommt es zu schweren Tätlichkeiten mit unsisor- m irrten Jungkommunisten, die aus Hausfluren heraus von älteren Leuten vorgeschickt werden. Die Frantsurter Schupo, soweit wir selbst beobachten und von anderen hören konnten, vor» bildlich höflich und fast gemütlich, packt mit fester Faust zu und: transportiert die Krakeeler im Polizeiauto ab. Dabei muß sie einen großen Teil de» Zuges entlang fahren. Die Jugend läßt sich nicht, einen Augenblick beirren. Stürmisch brandet ihr Pfui immer wieder zu den Moskowitern empor. Nicht umsonst trägt die Leipziger SAJ. ihre Trauerflore. Eben sind daheim zwei ihrer besten von verhetzten Jungkommunisten erstochen worden. Auch das Publikum, die Frankfurter Arbeiterschaft, bejaht stürmisch den neuen Charakter der Iugendkundgebung. Je straffer. je militärischer die Bezirk« in da» riesig« Oval de» Stadion» ein- marschieren, um so lauter braust der Beifall der Zehntausende auf, die die steinernen Ränge bi» oben hinauf Kopf an Kopf füllen. Als über dem wundervollen Farbenakkord der roten Banner, der blauen Blusen und des grünen Rasengrunde»— alle drei durch ihre Masse in» Riesenhafte gesteigert-- Paul Löbe die wahrhaft„Rote Front" grüßt, tobt die Zustimmung der Fünfzigtausend die Ränge wie eine Brandung enttang.(£ic Romantik ist tot. Es lebe der Kampf! Ehern ist die Zeit, in der diese Jugend zum Bewußtsein ihres Sein» kommt. Zwanzigtausend junge Arbeiter demonstrieren in Frankfurt. Das ist fast jeder dritte Mann aus, der Arme« der SAJ. Mehr al» die HSlste davon ist ohne Arbeit, ohne Einkommen. Fast all« haben Groschen um Groschen am Munde sich absparen müssen. Tausend« find zu Fuß oder per Rad aus allen Ecken Deutschlands nach Frankfurt gewandert, und das Wandern, das Tippeln ist heute weniger als je ein freundliches Abenteuer, sondern ein verflucht bitteres Stück Brot. Vor allem für jene, die.aus» gesteuert" sind und vor dem Nichts stehen. Als auf der Straßenbahn ein« ganze Anzahl junger Friesen, die aus allen Städten ihrer Heimat zum Iugendtag gettppell waren, vom Stadion ins Quartier zurückfährt, ist der Krösus unter ihnen ein langer Norderneyer, der wöchentlich acht Mark an Unterstützung zu oerzehren hat. Dreißig Pfennig für Uebernachten in der Jugend- Herberge, selber abkochen, da kommt man mtt acht Mark schon«in Stück weiter, meint er, von den anderen beneidet. Wind und Detter haben die Haut der jungen Menschen gegerbt. Ihre Gesichter sind hager und von gespannter Wachsamkeit. Die menschlich« Gesellschaft will ihre Kraft, ihr« Intelligenz nicht gebrauchen. Ist eS ttn Wunder, wenn sie dieser Gesellschaft Krieg ansagen? Auch sie habe» nur«ine einzig« Jugend zu leben. Sie sehen sich darum bestohlen. Ihr Gefühl treibt sie heute nicht zu Scherz und Roigen. Ihr Gr- lebnis heißt tagtäglich: Kampf um» Dasein! Deshalb mußt« der Frankfurter Iugendtag so aussehen, so und nicht ander». Viel Volk stand an den Straßen. Diel armes, arbeitsloses Volk. das ebenso ohne Hoffnung in den kommenden Winter hineingeht wie jene Jugend, die vorüberzog. Echt und wahrhast brüderlich hallen die Grüß« hinüber und herüber. Bewußtsein der Derbundenhett in gleichem Schicksal und gleichem Wollen. Bor dem Trommlerkorps einer Bielefelder Gruppe schwingt—- ein herzerstischender Anblick— Karl Schreck, Bezirkssekretär und Reichstagsabgeordneter seines Wahlkreises, wie ein Junger den Tambourstab. Ein lebendiges Symbol. Die Alten und die Junge« wissen, was die Stunde geschlagen hat. Bataillone des Widerstandes sind mobllistext. Sie werden sich nicht unterkriegen lassen. Trotzig singt ihr rotes Blut:„Wir sind die junge Garde des Proletariats! Hermann T«np«!. Eine vergebliche Zwecklüge. Frankfurt a. HL, 27. August(Eigenbericht.) Ein Frankfurter deutschnationales Blatt hatte gemeldet, daß sich Anhänger der sozialistischen Arbeiterjugend anläßlich de» Reichsjugendtages insbesondere im Dom ungebührlich be- tragen hätten. Ein Geistlicher habe sich beim Gottesdienst gegen da» Verhalten der roten Jugend ausgesprochen. Diese Lüg« r» Meldung ist von der deutschnationalen Presse im Reich sofort aufgegriffen und, groß aufgemacht, oerbreitet worden. Der sozialdemokratischen„V o l t s st t m m e" ist jetzt zu her deutschnationalen Lüge folgende Erklärung der Frankfurter Domverwaltung zugegangen:„Das Benehmen der Dom- befucher der sozialistischen Arbeiterjugend während de» Arbeiter- jugendtages bot uns zu keiner �ei Beanstandungen Anlaß. Es kann ihnen das allerbe st e Zeugnis ausgestellt weichen. Die Jugendlichen verhielten sich in einer der Würde de« Hanse» entsprechenden Weis«. Die Behauptungen der„Frankfurter Post" sind unwahr." Pari« her, man wolle aar keinen ausdrücklichen Nichtangriffsoer- trag, sondern einen.Lersöhnungspakt" schließen. Hinzu- gesetzt wird, daß die Handelsvertrags Verhandlungen zwischen Frankreich und Rußland nicht zum Erfolg führen könnten, solange die politischen Verhandlungen ruhen. Da Deutschland über diese Ver- Handlungen in jedem Stadium genau unterrichtet worden ist, wird man deutscheu Mitteilungen glauben können, daß von der Notwen-� digkeit eine» polnisch- russischen Nichtangrisssverttages in Paris nicht gesprochen wurde, und daß«in derartiger Vertrags- obschluß noch weniger zu einer Bedingung gemacht worden ist Ob sich da» etwa durch den Besuch de» polnischen Außenministers Z a l« f k I in Paris ändern wird, der, wie gewöhnlich, diesen Umweg auf der Reise Warschau— Gens macht, bleibt abzuwarten. Die Aussichten auf einen solchen polnisch-russischen Nichtangriffs- verttag find äußerst gering. Frühere Verhandlungen darüber sind vor allem daran gescheitert, daß Polen einen solchen Pakt nicht nur für sich allein beantragte, sondern für einen unter Führung Polens stehenden Bund aller westlichen Nachbarstaaten der Sowjet- union. Moskau lehnt einen solchen Plan ab und will nur«tt de» einzelnen Staaten solche Gegenseitigkeitsverträge schließen. Ein« neue Moskauer Erklärung dementiert mtsdrücklich die Havas-Meldung, daß Rußland im Oktober 1830 Polen einen Nicht- angriffspakt vorgeschlagen habe: seit 1326/27 seien derarttg« Be» Handlungen nicht mehr geführt worden. Aus Polen wiederum kann man hören, daß nur die Bindung durch Frankreich Polen verhindert hätte, Rußland einen Nicht» angriffspakt vorzuschlagen, der sich lediglich auf dies« beiden Sünder bezogen hätte, also den Moskatnr Hauptablehnungsgrund nicht mehr enthalten hätte. Jedenfalls scheint dies« ganze Angelegenheit dahin zu treiben, daß das polnisch-russische, vielleicht aber auch da« fran» zösisch-russlsch« Verhältnis keineswegs verbessert wird. Die deutsche Außenpolitik läßt keinen Zweifel darüber b»> stehen, daß ihr ein französisch-russischer Nichtangriffspakt will» kommen sein und sie auch gegen einen solchen polnisch-russischen Vertrag nichts haben würde, weil sse darin eine weitere Sicherung de» Friedens und ungestörten Wirtschaftslebens erbkickt. WERTHEIM Zusendung von 5 M an. Obst, Gemüse u. leicht verderbliche Artikel werden nicht zugesandt SeuroSt(Dorratn «.».Fe Hehensmitlel FrlscB». Fleisch Kalbskamm. Pfund 0.74 Kalbsbrust u.-Rddcan 0.64 Kalbskeule bi.»Pfd. ganz u. geteilt Pfd. Kalbsschnitzel Pfund 1.70 Rinderkamm u-Bnot 0.82 Querrippe.. Pfund 0.71 Gehacktes.. Pfund 0.76 Gulasch 0.94 Liese:i0.75 Sdimorfl..._ ohne. Pfund■■■ ö Knoch.■«�0 Roastbeef m.Kn., Pfd. 1.12 Schweinebaudi Pfd. 0.60 Sdiweineschink.u.Bt. 0.68 Hammelvorderfl.Pfd.0.94 Fr. Bratwurst(S»uUMtHj 1.10 Kaller mild gasalz., Pfd. 0.90 Fr.Rinderzungen Pfd.0.95 Obst u. Gemase Koch tipfei Pfd. 0.06 0.12 Kochbirnen Z Pfund 0.28 Ramburäpfel 2 Pfund 0.35 Tpfelbirnen Pfd.«.u0.12 Pflaumen. Pfund o.n 0.1 5 Weintrauben.Pfund 0.20 Preiselbeeren Pfund 0.1 6 Wurstwaren Hausmach.-SUIzePid.0.52 Landleberw. Pfd. i.oa 0.84 Dampf- u. Fleischw. 0.88 Jagdwurst Pfund 1.20 0.98 Mettwurst(Br. Art) Pfd. 1.06 Leberwurst fainai.«« 1.20 Zervelat u. Salami 1.35 Filet- u. falnalaawursf 1.40 Weih- U.Wirsingkohl 0.06 Rotkohl.... Pfund 0.07 Senfgurken Pfd. 0.07 0.05 Möhren gewasch. 3 Pfd. 010 Zwiebeln..3 Pfund 0.20 Pfifferlinge. Pfund 0.26 Kartoffeln.10 Pfund 0.28 Konserven v, 0°.° Apfelmus...... 0.65 Aprikosen spanische 0.95 Pfirsiche kaiif., v.Pruchtl.25 Birnen........ 1.30 Stangenspargel so/äs 1.65 Sfangenspargel stark 2.25 Gem. Gemüse 0.65 0.78 Bredl-». Sdmlffbohn. 0.52 Käse u. Fett Ramadou halbfett, St. 0.18 Feinkosffcäse 6 Sorten KalbfeU, Schachtel v.45 Emmenthaler(Art) 6 Port., Schachtel".58 Camembert voiifett 6 Port., Schachtal O.Ov Blockkäse(Tllslter Art)... halbtot), Ptd. 0.60 Steinbusch er voll). Ptd.0. 76 Tilsiter vollfett. Ptd. 0.78 Holländer u.Edamer... vollfall, Pfd. O.BÖ Schweizer bayr.. voll). Pfd. von an"»34 Margarine u. Kokosfett...... 2 ff«,. 0.75 Molkereibutter. 1.24 Tafelbutter..... 1.50 Markenbutter...1.58 Geflügel, Wild Suppenhühner P fd.v. 0.95 Rebhühner auit, v. an 0.95 Enten junge, Pfd. v. an 0.98 Brathühner P d v. an 1.10 Hirsch-6latt BB«ken Keule Ptd.v. an0.85 1.05 1.15 PKs,. Ragout Blatt Keule Pfd. V. an 0.35 0.98 1.60 Kolonialwaren Olympia-flehl. S-Pfo.-Beutel f.5I, f.4S 1.35 Auszug-Mehl Pfd.«.2? 0.28 Karioffelmehl Pfund 0.20 Ta.eireis Pfd.« 26, 0.22 0.1 6 Hartgrieh. Pfund 0.2t 0. 26 Haferflocken. Pfund 0.24 SdmiHnudeln.» 56 0.46 Makkaroni Bruch c.m 0.44 Fische Schellfisch Pfd. von an 0.14 Kabeljau �"vo�n' 0.16 Rotbars o. Kopf, Pfd. v. 0.1 8 Kabel jaufi I ei Pfd. v. an 0. 26 Heringe u. SdioiU Pfd. 0.35 Leb, Aale Pfund v. an 0.90 Karpfen u. Schleie... lebend, Pfund von an 1»05 Räucherwaren FettbücklingePfd. v.anO. 30 Schellfische Pfd. v, an 0.36 Seelachs u. Retbars. Pfd. v. an 0.42 Aale �2.50�0.34 FeHherlnge IZSt.v.an 0.50 Maljesheringe( St. v. 0. 50 Wein Preise für'/, Flasche ohne Glas Rackles Frankf, Apfelw, 0.60 Kirschwein süf,....0.75 1930 Oberhaardter.073 1930 Mesenicher Königsberg 0.90 1 930 Burweil.Schiohb.l.OO 1929 Frei laubersheimer Platte 1.20 1930 Bernkastel. Riesl. 1.20 1928 Oberemmel., 1.30 1925 Chät. la Tour-Bardis (Bordeaux) 1.50 1926 Graves weif). Bord. 1.80 Himbeer- u. Kirschsaft (einschl. Glas) 1,20 Wein vom Fetz« Apfelwein... Liter 0-55 Bowlenwein.. Liter 0.70 Muskai eiler sQfc, Liier 170 u. weitere 5 Sorten billigst ,.1� V-.l tltl/ Staats Theater Stutsoper Hilter den Llndea. Cisdilauiii ftrshtat. bin hrtnmtufl Der Troubadour Anfang 20 Uhr SlutUdianspieUi.! 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August 1931 In der heutigen Vonnittagsziehung wurden Gewinne über 699 M. gezogen 202437 311 S0B 332412 110) 01 290193 339049 360949 361961 6 GDrtotnn« zu 1 9999 M. 12 ätBnnne zu 5099 M. 363480 12 ettobme zu 3000 M. 11184 116983 169190 294434 246999 267412 42»eioln-« zu 2999 M. 56893 58932 59985 61363 81276 91973 129965 154548 172973 177343 229951 229394 241 162 241329 241973 265469 284989 339385 345199 34S628 379461 194 eeiomti, zu 1000 M. 5570 15476 25284 37253 37471 43111 50362 63045.64673 69453 70465 77676 87427 88600 96934 108228 124267 126459 130693 140290 147836 150291 154097 159165 159897 162234 163326 194153 2I6I48 246848 248536 259575 272519 281794 292305 294749 304175 310215 311394 314451 316780 322077 325818 326881 338915 339478 346624 350706 362637 363355 367295 376163 192»eminvv zu 500 M. 4990 22091 23863 24721 28938 31523 32075 33097 34335 35470 41484 45153 52062 54524 56059 59978 69370 69746 70253 74032 75313 73862 80852 91390�92752 93448 97751 101061 101)17 104065 105020 111167 112113W 4094 120116 123263 125062 126765 127925 130174 135315 137381 141776 143929 150473 153719 164873 167202 169321 173622 181266 183769 203341 210468 211487 214082 214406 214501 215138 229240 231779 232105 237557 240448 245986 261634 266535 271546 272488 272492 272958 277014 288022 288668 292311 301640 302077 305325 307290 309267 316945 318419 319900 326850 332938 335352 344625 355913 365025 378709 381 005 382345 387960 392600 398039 398747 In der heutigen Nachmiltagsziehung wurden Gewinnt über 400 M. grzvgen, 4«ewlim, in 75000 M. 127352 180502 4»«Brtnn« zu 10000 M. 309340 327510 6»eBinn« zu 5000 M. 82859 315294 341298 16«.Winne zu 3000 M. 12638 26348 127150 163479 229055 253636 282043 316987 42«ewinn, ,u 2000 M. 4218 28272 77318 81630 99755 170923 175309 186136 238280 261169 272028 314408 323351 333841 33S145 340088 356928 380754 383609 383969 399816 90«-Winne>u 1 000 W. 12418 16000 1 791 1 18918 28209 30117 34812 38844 46251 48257 52441 63882 63992 70034 79469 90969 92660 93394 111652 122831 128991 131348 156594 161566 163141 186121 186365 214133"220990 222858 228450 242581 245152 247264 277093 293366 304318 320699 322847 342244 367285 371601 373000 384603 397484 1 54«»winn« ,n 500 M. 849 3137 11279 23210 23428 26392 37474 37856 49975 53621 58388 60192 64037 6S424 71332 63118 89471 93512 93973 102057 103987 104833 114766 116457 123614 125438 128407 135964 146064 I46S2S 154045 162131 171462 172000180964 137527 198347 207259 213087 214330 223520 226296 230323 232342 238578 248260 246373 257479 257973 271348 272728 273602 275379 279066 261 721 290830 292954 302599 304841 307345 331854 333S72 333953 337164 350618 351583 356474 357542 364255 365044 367313 386520 377490 373011 380782 397034 399610 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000. 2 Gewinne zu je 500000, 2 zu je 300000. 2 zu je 200000, 4 zu je 50000, 16 zu je 25000, 96 zu je 10000, 224 zu je 5000, 444 zu je 3000, 1308 zu je 2000, 2594 zu je 1000, 4146 zu je 500, 12628 zu � 400 Marl. WM Metailartieiter-lferbaDii VerwaliuBgMiellc Berlin Todesanzeigen Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unter Kollege, der Maschinenschlosser Heinrieh Wenskns am 20. August gestorben ist. Die SinSscherung findet am Freitag, dem 28. August, nachmittags 6 Uhr. im Krematorium Wilmersbors statt Am 2S. August starb unser stollege, der Schmied Ernst Längert Die Ewiischerung findet am Sonn- abend, dem 29. August, nachmluags 3 Uhr. im Krematorium Baumschulen- weg sto«. Ehre ihrem Andenken! Die OrlsvcrwaltuDg. KLEINE ANZEIGEN iiiiiiiiiuiiiimiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiu UebcrschrlfUwort 25 Pf., TMfwort 12 Pf. 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August 1931 Konsequenzen aus der deutschen Krediikrise Bafeler Empfehlungen/ Bankenkontrolle/ Danat und Dresdner/ Von Rudolf Hilferding x Stits einer Veröffentlichung des Genossen Lfflferding über die „Problem« der Kreditkrise" entnehmen wir dem neuesten Hest der„Gesellschaft" die folgenden grundsätzlichen Dar- legungen: Di« Ereignisse haben die Fehler der deutschen Bank- l e i tu n g grell beleuchtet. Die Erschütterung des Vertrauens im Aus- land hätte geringere Dimensionen angenommen, wenn nicht die Vor- fälle in der deutschen Wirtschast dem Mißtrauen immer neue Nah- rung zugesührt hätten. Gewiß, bei der deutschen Kreditlrise handelt es sich nicht nur um Schuld, sondern auch um Schicksal. Aber das Schicksal erfüllt sich eben. Es hat sich gezeigt, daß eine moderne Großbank zu schließen eine wirtschaftliche Unmöglichkeit ist. Das heißt aber nichts anderes, als daß das Risiko für einen Zusammen- bruch eben nicht die Leiter der Bank, sondern der Staat, die Gesamt- heit trägt. Es ist der Oeffentlichkcit endlich klar zum Bewußtsein gekommen, daß in dem modernen Bonkensystem das eigene Kapital eine verschwindend geringe Rolle spielt gegenüber dem fremden, anvertrauten Kapital, daß dieses in Wahrheit den größten Teil des verfügbaren Kapitals der Nation repräsentiert und es unmöglich ist, das nationale Vermögen unkontrolliert der Verfügung Privater zu überlasstn. Der Staat hat zwei Großbanken mit Aufwen- dung außerordentlich großer Mittel übernehmen müssen. Der Staat, der im gesährlichsten Moment diese Banken übernehmen mußte, soll er sie den Privaten zurückgeben, nachdem er sie saniert und die Gefahr vorüber ist? Mag Schuld und Schicksal an dem Zusammenbruch der deutschen Banken wie immer verteilt sein, das System hak eben nicht standgehalten: wie das alte politische System am 9. November 1918 zusammengebrochen war und es seitdem keine Restauration geben kann, so hat das deutsche Rankensystem seinen 9. November erlebt und auch da kann es keine Wiederherstellung des früheren Verhältnisses zwischen Staat und Banksystem geben. Es ist schon eine schneidende geschichtliche Ironie, daß gerade zur Zeit, in der der„Kampf gegen d e n M a r x i s m u s" so groteske Formen angenommen hatte, wo die kapitalistischen Schichten für alle Folgen ihres Krieges und ihrer Kricgsliquidation die Sozialisten verantwortlich machen, die feinst« Blüte ihrer Wirt- schaftsorganisation, das Kreditsystem, eine Katastrophe erfährt, die wenigstens den Anfang einer gesellschaftlichen Kon- trolle mit Notwendigkeit herbeiführt. Die Geschichte ist eben die beste Marxistin. Die Sfreditkriise hat so große und folgenschwere Probleme aufgerollt, daß diese ohn« bewußte Gestaltung durch den Staat nicht bezwungen werden können. Ihre Lösung bildet augenblicklich den wichtigsten Inhalt der Wirtschaftspolitik und sie können nicht mehr dem Automatismus der kapitalistischen Wirtschasts- gesetze überlassen werden. Denn von der einzuschlagenden Kredit- posttik hängt jetzt unmittelbar das Schicksal der Wirtschast und damit dos politische Schicksal Deutschlands ab... Unter diesem Zwang(daß die ausländischen Kreditkündigungen zum Stillstand gebracht werden mußten. D. R.) haben die Verhandlungen in Basel zu einem Abkommen geführt, das die nach der Rückzahlung von ungefähr drei Milliarden Mark noch vorhandenen kurzfristigen Kredite in Höhe von rund 7>4 Milliarden Mark in Deutschland für die nächsten sechs Monate b«läbt. Zugleich hat das von der Londoner Konferenz eingesetzte Komitee in seinem von Layton v«r- faßten Bericht die dringende Mahnung an die Regie- r u n g e n gerichtet,„in der Ergreifung der notwendigen Maßnahmen keine Zeit zu verlieren uyd unverzüglich eine Lage zu schaffen, die es ermöglicht, Finanztransaktionen durchzuführen, um Deutschland und damit der Welt die so dringend benötigte Hilfe zu bringen". Als Vorbedingung dazu sieht der Bericht die Neuregelung der Kriegs- schuld«» und Reparationen, die Herstellung freundschaftlicher Zu- sammenarbeit zwischen Deutschland und den anderen europäischen Mächten, was ja in Wirklichkeit die deutsch-französische Verständigung bedeutet, und schließlich den Abbau der Handelsheinmniss«. Man sieht, der Abschluß der Baseler Verhairdlungen bedeutet ein in Anbetracht der zu bewältigenden Aufgabe nur allzu kurzes Provisorium, währenddessen die ganz großen poli- tischen Fragen zur Lösung drängen. Die deutsche Wirtschast hat eine Atempause von sechs Monaten, während derer sie mit den auswärtigen Krediten arbeiten kann. Aber bis zum Ablauf dieser Periode mutz die deutsche Kreditoerforgung, die Verfügung über kurzfristige Gelder zur Finanzierung vor allem des Auhenhandels, die Verwandlung eines Teils der auswärtigen Kredite in langfristiges Kapital, gesichert sein— und dos kann nur die Politik leisten. Die Politik hat nicht nur keine Atempause, sie erfordert die höchste Aktivität und ihr Grundproblem bleibt die direkte Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich, die sehr schwierige ober unerlätzliche Vorbedin- gung zu de*„freundschaftlichen Zusammenarbeit mit den europäischen Staaten". Damit erledigt sich zugleich auch das inhaltlose Gerede von nationaler Autarkie. Solange die Pesürworter der natio- nalen Autarkie nicht angeben, wie innerhalb des nächsten halben tzahres sieben Milliarden Devisen zur Begleichung der auswärtigen Schulden zu schaffen sind, wie die deutsche Wirtschaft dann ohne auswärtige Kredite weilergesührl werden soll, ist ernsthafte Beschästi- gung mit Empfehlungen, die die ganze Welt wirtschaftlich und politisch gegen Deutschland vereinigen würden, denn doch nicht nötig. Unkerdessen aber fordern die Fragen der inneren Kredit- polikik schnelle Lösung, hier sind schwere Fehler begangen worden. Man hatte die richtige Erkenntnis, daß der Fall einer Groß- b a n k ein wirtschaftliches Verhängnis wäre und zudem kaum isoliert bleiben würde. Das Reich entschloß sich deslzalb, für die Verpflich- tungen der Darmstädter und Nationalbank di« Garantie zu über- nehmen. Tat man aber das, dann war es ein unbegreiflicher F e h l e r. di« garantierte, also gesichert« Bank zu schließen, und damit erst jenen Run im Inneren herbeizuführen, den man durch die Garantie vermeiden wollte. Der Fehler fällt der Reich sbonk z u r L a st, die das einzig wirksam« Mittel, eine Panik zu bekämpfen, die restlose Befriedigung der Ansprüche durch Barzahlung, aus einer völlig falschen, doktrinären Auffassung ihrer Funktion verweigerte. So kam man von der Schließung der Danatbank zur Schließung aller Bm� Wd �ackasie�.s» völygM Sah"» legung der Kreditzirkulation, mit dem einzigen Resultat, zur Wieder- eröfsnung der Banken und Sparkassen Mittel einsetzen zu müssen, von denen ein Teil genügt hätte, die Stockung zu vermeiden. So unausweichlich Sperrmaßnahmen gegen die Zurückziehung der aus- wärtigen Guthaben waren, nachdem eine internationale Hilfsaktion nicht rechtzeitig eingesetzt hatte, so überflüssig war die Still- legung des inneren. Zahlung?- und Kreditmechanisinus. Wieder zeigte sich eine Diskrepanz(Widerspruch) zwischen der Wirlschaslspolilik der verantwortlichen Regierung und der autonomen Reichsbank, die eine spezifisch deutsche Erscheinung ist. Und die schwere Sorge besteht, daß dieser. Mangel an einheitlicher und klarer Führung sich fortsetzt in einer Zeit, wo die Dankpolitik die größte Bedeutung ge- mannen hat. Denn es wäre eine große Gefahr, wenn jetzt banktechnische oder gar Statutensorgen der Notenbank das Uebergewicht über die wirtschaftlichen Notwendigkeiten erhieltem Es ist an sich das nicht unbegreifliche L«streben der Notenbank, ihre Notenausgabe zu vcr- ringern und damit wieder die berühmte 40prozentigeNoten- de ck u n g zu erreichen, obwohl heute jedermann weiß oder doch wissen mühte, daß dieses Verhältnis ohne entscheidende Bedeutung für die Summe der auszugebenden Noten ist, daß der Umfang der Noten Zirkulation(— Umlauf) unter sonst gleichen Umständen von dem Umfang der in Zirkulation befindlichen Waren und der fäl- ligen Zahlungsverpflichtungen bestimmt wird, die Größe des G o l d- s ch a tz e s nicht zu dem Umfang der Notenzirkulation in Beziehung zu setzen ist, sondern zu den Anforderungen, die der Ausgleich der Zahlungsbilanz an die Zentralbank stellt. Will di« Reichs- dank trotzdem eine solche Politik der Wiederherstellung ihrer Gold- deckung in den Vordergrund stellen, so kann sie das nur, indem sie die Banken.ihrerseits zu einer verstärkten Abtragung ihrer Verpflich- tungen an di« Notenbank zwingt. Das bedeutet wieder Druck auf die Banken, ihre Ausleihungen an di« Wirtschaft einzuschränken, Wirtschaftskredite zurückzuziehen. Da aber die schlecht«» Schuldner nicht zahlen können, so werden die Banken gerade die guten Schuldner, die Unternehmungen, die noch rentabel arbeiten, noch Aufträge haben und exportieren können, zur Abtragung ihrer Wirt- schaftskredite zu bewegen suchen. Die Herstellung der Liquidität (Zahlungsbereitschast) wird nicht aus kosten der schlechten, sondern geradezu aus kosten der guten Betriebe gehen, und eine solche Bank- politit wäre eine große Gefahr für die Fortführung der wirtschast, für die weiterbeschästigung der Arbeiter. Aus der deutschen Wirtschaft sind e t wa drei Milliarden Mark zurückgezogen worden. Sie sind mit Gold und Devisen zurückgezahlt worden. Muß nun das deutsche Kreditvolumen umfang) durch Reichsbankpolitik um diese Summe restringiert (eingeschränkt) werden? Dies wäre offensichtlich nur der Fall, wenn ein starres Verhältnis zwischen dem Goldbestand innerhalb einer Volkswirtschaft und ihrem Krcditvolumen bestünde. Ein solches existiert aber nicht. Es ist deshalb durchaus nicht notwendig, eine solche Restriktion(Kreditcinschränkung) dort eintreten zu lassen, wo die Lage des Unternehmens dazu keine Veranlassung bietet. Di« Wiederherstellung der Golddeckung in den» willkürlichen Ausmaß der 4l1proz«ntigen Grenze darf das volkswirtschaftliche Kreditbedürfnis nicht dominieren(beherrschen)... Die Bankpolilik steht jetzt im Zentrum der Wirtschaftspolitik und deshalb kann sich die Reichsregierung der Verantwortung nicht entziehen, diese Politik zu bestimmen. Dazu bedarf sie eines entsprechenden Organs, dos über di« notwendigen Informationen voll verfügt und mit ausreichenden Kompetenzen ausgestattet ist, die volkswirtschaftlich not- wendigen Grundsätze der Kreditpolitik durchzusetzen. So ergibt sich di« Forderung nach einem der Reichsregierung un- mittelbar verantwortlichen Amt für Kreditpolitik, das zwar im engen Zusammenarbeiten mit der Reichsbank, ober unter Ver- antwortung der Regierung die Kontrolle über die Banken aus- übt und in den großen Fragen der Kreditvcrteilung und Kapital- lenkung das Allgemein interesse gegenüber den Priogtinter- essen zur Geltung bringt. Ein solches Amt ist aber auch unentbehrlich, um die anderen Ausgaben erfüllen zu können, die jetzt unmittelbar gestellt sind. W i r brauchen eine durchgreifende Bereinigung der deutschen Wirtschaftsbilanzen. So falsch und gefähr- lich es wäre, Kreditrestriktionen dort vorzunehmen, wo sie gesunde Teile der Wirtschaft zum Verdorren brächten, so notwendig ist die Beseitigung der spekulativen Positionen, der volks- wirtschaftlich schädlichen Finanzierung von Aktienpaketen, die'A b- schreibung von Verlusten und die Sanierung über- kapitalisierter Unternehmungen— alles Aufgaben, die nicht den Privalinleressenten überlassen bleiben können, sondern der Kontrolle einer übergeordneten, volkswirtschaftlichen Erwägungen allein folgenden Instanz unterworfen sein müssen. Dazu kommt ein Drittes. Das Reich ist im Besitz zweier Großbanken; es wäre unerträglich, wenn es, wie es bei der Darmstädter Bank geplant ist, zwar die Mittel der All- gemeinheit in diese Banken investiert, die Verfügung aber pri- vaten Kreisen auslieferte. Das Reich muß die Führung dieser Banken in der Hand behalten, um im Besitz dieses mächtigen Jnstru» ments di« Frage nach der künftigen Gestaltung des deutschen Banken- systems der Lösung zuführen zu können. Es besteht aber die Gefahr, daß bei unveränderter Fortdauer des privaten Konkurrenzkampfes eine rasche Aushöhlung dieser unt«r Führung des Reichs stehenden Banken erfolgte, daß die privaten Banken gerade die guten Kunden an sich zu ziehen trachteten, dem Reich aber die illiquiden (.zahlungsunfähigen) Debitoren blieben. Es bedarf eines Banken- amtes und seiner regelnden Kontrolle, um eine solche„kalte Privatisierung" zu verhindern. Bankenaufsichtsämter sind keine spezifisch sozialistische Forderung. Die Regelung des Geldwesens und gewisse allgemeine Normen für das Kreditsystem waren überhaupt die ersten Anfänge gesell- schaftlicher Kontrolle über die kapitalistischen ökonomischen Kräfte. Behördliche Aufsicht über die Banken wird in den Vereinigten Staaten, in Schweden und Dänemark ausgeübt. Dazu kommt, daß überall die Regierungen größeren Einfluß auf die Zen- tralbanken besitzen als in Deutschland. Bei der Neugestaltung der Beziehungen zwischen dem Staat und der Kreditorganisation hmchqlt es sich jetzt nicht nur um ein« Institution, die offenkundige bräuche verhüten, sondern vielmehr positiv eine e i n h e a- liche, volkswirtschaftlich bestimmte Kreditpolitik durchführen soll. Sie bleibt ohnedies an die S ch ra n k e n gebunden, die die Unorganisiertheit der kapitalistischen Wirtschaft jeder gesell- schastlichen Kontrolle setzt. Sie kann aber auch einen großen Fort- schritt im Interesse der Durchsetzung der allgemeinen Interessen gegen die privaten bedeuten, wenn auf ihre Führung die sozialen Kräfte immer stärkeren Einfluß ausüben können, die gegenüber den kapitalistischen Sonderinteressen die Träger einer gemein- wirtschaftlichen Politik sind. Arbeitseinkommen in der Krise. Im ersten Halbjahr 1931 um 3 Milliarden gesunken. Das Institut für Konjunkturforschung gibt in seinem neuesten Wochenbericht eine Uebersicht über die Entwicklung des Einkommens und ihren Einfluß auf die Einzelhandelsumsätze. Infolge der wachsenden Arbeitslosigkeit und der Lohn- und Gehalts- kürzungen dürfte das Bruttoeinkommen der Arbeiter und Angestellten im zweiten Vierteljahr 1931 um 1,26 Milliarden Mark oder um etwa 12 Proz. niedriger gewesen sein als im zweiten Vierteljahr 1939. Der Einkommensausfall im ersten Halbjahr 1931 gegenüber 1930 wird auf etwa 3 Milliarden Mark beziffert. Tatsächlich ist das Einkommen der Arbeiter und Angestellten noch stärker gesunken, weil inzwischen die Steuern und die Bei- träge zur Arbeitslosenversicherung erhöht worden sind. Da ein großer Teil dieser Beträge zur Unter st ützungder Arbeits- losen verwandt wird, gehen sie der Wirtschaft nicht verloren. Sie werden von den Arbeitslosen zum Einkauf von Konsumgütern ver- wandt. Dabei findet allerdings eine Verschiebung der Nach- frage von den entbehrlichen(elastischer Bedarf) zu den unentoehr- lichen Gütern(starrer Bedarf) statt. Das beweist die Umsatzentwicklunq im Einzelhandel, namentlich bei Lebensmitteln und Textilien. Im ersten Halbjahr 1931 sind die Lebensmittelumsätze um 8.4 Proz. gegenüber dem Vorjahr gesunken. Bei Textilien betrug der Rückgang etwa das Doppelte, nämlich 16.3 Proz. Diese Ziffern sind ermittelt nach dem Werte der Umsätze; der mengenmäßige Umsatz ist keines- wegs so stark zurückgegangen. Im ersten Halbjahr 1931 sind nämlich die Nahrungsmittelpreise um fast 19 Proz., die Be- kleidungspreise um mehr als 15 Proz. gesunken. Es zeigt sich also, daß die Umsatzbewegung nahezu gleichmäßig mit der Preisbewegung verlaufen ist. Da, wo die Nachfrage am wenig st en eingeschränkt werden kann(also bei.den Lebensmitteln), sinddie Preise auch amwenigstcn gesunken._ Immer neue Bürgschasten für Ranken. Es zeigt sich, daß die öffentliche Hand überall Bürg- schaften für zusammengebrochene Banken übernehmen muh. um schwere Schäden des Wirtschaftslebens zu verhüten. Nachdem der hessische Staat sich zur Uebernahme einer Bürgschaft für di« zu- sammengebrochene Darmstädter Bollsbant bereit erklärt hat, hat jetzt auch die Stadt D a r m st a d t die Rückbürgschaft für dieses Unternehmen übernommen. Das Fortbestehen der Darm- städter Volksbank ist damit gesichert. Der bayerische Ministerrat prüft zur Zeit die Möglichkeit, in die Abwicklung der Verpflichtungen des Münchener Bankhauses Ruederer und Lang einzugreifen. Auch die vor mehreren Monaten zahlungsunfähig gewordene Hansabank Ober- s ch l e s i e n A.- G, soll sich ans Reich gewandt haben, um eine Subvention in Höhe von 2 Millionen Mark zu erhalten, da- mit die Bank bestehen bleiben kann. Oiesel-Moiorenbau gui beschäftigt. Verlust-Abschluß der Motoren-Werke Mannheim. Die Motoren-Werke Mannheim A.-G. vorm. Benz Abt. Stationärer Motorenbau weist für dos Geschäftsjahr 1939 einen'von 9,6 auf 9,9 Mill. Mark erhöhten Verlust aus(Aktienkapital 6,4 Mill. Mark). Der Umsatz ist im Jahre 1939 nur um etwa 15 Proz. kleiner gewesen als im Jahre 1929, mutz also etwa 9,8 Mill. Mark betragen haben. Der Ausfall im Jnlandsgeschäft konnte zum größten Teil durch vermehrten Export ausgeglichen werden. Der eigent- liche Geschäftsbetrieb hat einen Ueberfchuß ergeben, der aber durch Wertminderung des Warenlagers und Sonderverluste übertroffen wurde. Das Warenlager wird mit 3,6(im Vorjahr 4,9) Mill. Mark ausgewiesen: es find 9,38 Mill. Mark darauf abgeschrieben worden. Außerdem hat das Unternehmen aus dem Konkurs der Gießerei I. Ruppel G. m. b. H., Ludwigshafen, einen weiteren Verlust(im Vorjahr bereits 9,97 Mill.) von 9,1 Mill. Mark, aus dem Konkurs eines großen Exporthauses einen Verlust von 9,12 Mill. Mark erlitten. Die Versorgung der Motoren-Werke mit flüssigen Mitteln ist besser geworden. Der Kassenbestand und die Bankguthaben sind von 9,4 aus 9,6 Mill. Mark gestiegen, die Forderunzen von 2,6 auf 2,1 Mill. Mark zurückgegangen. Andererseits sind die Bankschulden von 1,6 auf 1,3> Mill. Mark, die sonstigen Schulden von 2,9 auf 1,4 Mill. Mark zurückgegangen. Aber di« Anzahlungender K'unden sind von 9,14 auf 9,29 Mill. Mark gestiegen, ein Zeichen, daß die Beschäftigung auch im laufenden Jahre verhältnismäßig gut ist. Die Arbeitslosigkeit in Oesterreich. Mitte August wurden in Oesterreich insgesamt 196 923 unterstützte Arbeitslose gezählt. Im Vergleich zur letzten Zählung ergibt sich eine Zunahme um rund 1699 Personen. 3£, III. SlaUenburg: desTaiers Er hatte immer Dienst an der gleichen Stelle, im Gegensatz zu feinen Ltameraden, die in regelmäßigem Wechsel an andere Ver- kehrsbrennpunkte gestellt wurden. Für ihn gab es sedoch eine Ausnahm«. Jung energisch wie er war, hatte man ihn an den be- lebtesten Punkt der' engen Innenstadt gestellt. Nach Ablauf eines besan)>eren Verkehrskursus hatte er sich einem speziellen Studium des Verkehrs auf dem ziemlich engen Platz gewidmet, wo sechs Straßen einmündeten, die getrost als Hauptverkehrsadern bezeichnet werden tonnten. Von morgens früh bis in den späten Aden» hinein war es ein Fahren und Lärmen aller möglichen Fahrzeuge mit und ohne Motor. Auch der Platz selbst, der von Geschäften und Kaffeehäusern begrenzt wurde, war der von Fußgängern am meisten aufgesuchte Punkt der Stadt. Ueber den Verkehr auf diesem Platze hatte er an Hand selbst- gefertigter Zeichnungen eine Untersuchung, angestellt, di« so ein- gehend und gewissenhaft war, daß der Polizeipräsident persönlich ihn als den einzigen anwies, der diesen Posten auszufüllen habe. Er oersah seinen Dienst in genauester Weise, als ob das Wohl und Wehe aller d«rer, die über den Platz fuhren oder gingen, von ihm obhing. Dabei blieb er vollkommen beherrscht. Eine einfache Hand- bewegung, ein Blick seiner ruhigen, stahlblauen Augen hieß den Verkehr kommen und gehen, wie er es wollte. Noch nie war. so- lange er hier Dienst' hatte, eine nennenswerte Störung eingetreten. Jeder kannte ihn: Chauffeure, Kutscher, Radler und Fußgänger Junge Polizeianwärter erhielten hier Anschauungsunterricht. Er gab theoretischen und praktischen Unterricht, und Publikum wie Derkehrsspezialisten waren sich darüber einig, daß er der rechte Mann am rechten Fleck war. In der Mitte des Platzes befand sich ein« kleine Erhöhung., ein« Insel, die für die Regelung des Verkehrs bestimmt war. Es war sein Stolz, jedem, der es hören wollte, erzählen zu können, daß er diese Insel selten oder nie hatte verlassen müssen. Wenn gelegentlich, was nicht zu häufig vorkam, eine Uebertretung dienst- lich gemeldet werden mußt«, so winkte er den Schuldigen heran. Das Zeichen wurde angesichts des zwingenden Blickes seiner Augen und des entschiedenen Winkes seiner Hand sofort befolgt. So war er im Dienst. Aeußerste Pflichterfüllung, genaueste Ausübung seines Dienstes, streng gegen sich selbst und darum auch gegen andere. Zu Hause konnten sie mit ihm inachen, was sie wollten. Zu Hause half er seiner jungen Frau, tollte mit seinem kleinen fünf- jährigen Mädel, dem Ebenbild ihres Voters: die gleichen Augen, der gleich«, sei ez noch kindliche Ernst. Zu Hause war er zu allem bereit. Wenn er frei war, widmete er sich völlig seiner Frau und dem Kinde. Vor allem an Sonntagen, die ihm wegen des nerven- anspannenden Dienstes als freie Tage bewilligt wurden, waren Vater und Tochter unzertrennlich. Dann ging er mit ihr m der Stadt spazieren, besonders über den belebten Platz, seinen P'atz der dann im Sonntagsverkehr einen so ruhigen Eindruck machte Und er erklärte, wie er den Verkehr regelte, und legte seiner Frau an jedem Sonntag von neuem ans Herz, niemals an Wochentagen mit dem Kinde den Platz zu überschreiten. Dies Verbot war zu Haufe das einzig«„Strenge" an ihm. Noch nie hatte sein Kind ihn im Dienst gesehen. Vater wollte es nicht haben, und dann durfte es eben nicht. Die Kleine hätte so gern einmal seiner machtvollen Regierung zugeschaut. Wenn er ihr von seiner Arbeit erzählt«, dann ichmoll ihr das kleine Herz vor Stolz, und mit ihren Kinderaugen sah sie den Vater als den Be- Herrscher eines Volkes. Schwer bedrückte sie das Verbot. Doch schwerer noch wog ihr Verlangen, doch zu sehen, den Vater zu sehen, wie er gehen und stehen ließ, wann und was er wollte. So schwer. so schwer, daß eines bösen Tages, ohne daß Mutter es bemerkte, sie aus dem Hause schlüpfte und so rasch sie trippeln konnte, nach dem Platz, Vaters Platz, lief, um König Vater regieren zu sehen. Wie sie nach dem Platz gehen mußte, wußte sie ganz genau. Wieviel Sonn. tage war sie nicht an Vaters Hand dort gewesen: Da stand sie, und da sah sie den Vater, der für sie wirklich da- stand wie«in König, der über alle die vielen Menschen zu gebieten hatte, die den Platz überqueren wollten. Stolz war sie, so stolz auf den Vater, daß sie seine Hand ergreifen und festhalten möchte, nicht mehr denkend an sein strenges Gebot. Lachend wollte sie neben ihm stehen und all diesen Menschen zujubeln:„Seht, das ist mein Vater, und wenn er es nicht will, dann müßt ihr stehenbleiben. ihr alle!" Und so gewaltig wuide das Verlangen, daß sie in Plötz- licher Aufwallung gerade über die Straß« lies, die vom Vater für den Verkehr freigegeben worden war. Ein Knirschen von zu stark angezogenen Bremsen. Ein schwacher Schrei, gellende Menschen. Kurze Stille. Ein kleiner zarter Kinderkörper wurde an dem Verkehrsschutz- mann vorübergetragen. Gerade noch eben brachte er die Kraft aus, den Strom der Fahr, zeuge anzuhalten.-- Dann verließ er seine Insel. Weiter brandete der Verkehr, während er selbst, seinen Posten im Stiche lassend, sein totes Kind nach Hause trug,...... Am nächsten Tage bat er darum, des Dienstes auf seinem Platz enthoben zu werden. (Uidertraglung auz dem Niedcrländiftheit von Harro Tssln�.) Sma föü/ing: �jiere/m im Munde zusammen, doch er hat keinen Pfennig Geld. Er darf nicht stehen bleiben. Er hat die beiden seinen Herren, die im Restaurant sitzen, vier Stunden lang in der Stadt herumzutragen. Ein Windstoß spring: gegen das Plakat und treibt den Alten um die Ecke. Taumelnd geht er weiter. Jetzt kommt ein« Gastwirt- schaft, drinnen sitzen gut gelaunte Menschen lächelnd am Tisch, essen und trinken und schwatzen. Es zieht den Alten immer näher an die Fensterscheiben. Er kann sich kaum noch auf den Beinen halten. Und plötzlich kommt mit einer Wolke Staub ein neuer, heftiger Windstoß, der reißt das Plakat mit dem Träger um. Er liegt auf der Straße und kann sich nicht aufrichten. Neben ihm liegen die beiden feinen Herren, lächeln und prosten. Endlich springt jemand hinzu und will helfen. Ein anderer muß auch noch zugreifen, und sie tragen ihn in einen Hausgang. Ob er sich weh getan habe, fragt ihn einer. „Hunger", sagte der Alte ganz leise.„Hunger..." Und die beiden seinen Herren auf dem Plakat essen und trinken seelenruhig weiter. Geburt und �od einer Jnfel Nach der Sage soll ganz Sizllien im Verlauf eines gewaltigen vulkanischen Ausbruchs aus dem Me«re aufgestiegen fein. Historisch beglaubigt aber ist die Tatsache, daß gerade vor hundert Iahren im Süden Siziliens, zwischen Sciacca und der Insel Pantelleria, plötzlich in einer„Sandbank der Korallen" genannten Zone unter gewaltigem Krachen und lodernden Flammen«in Eiland au- dem Meere auftauchte. Das geschah im Juli 1831.„Der Erscheinung", so schreibt der bekannte italienische Geologe A. Pasetti,„waren ver- schieden? besorgniserregende Erderschütterungen vorausgegangen, die die Bevölkerung in panischen Schrecken oersetzt hatten. Eines Nachmittags, während die Fischer von Sciacca versammelt waren, da sie sich in ihren Häusern nicht mehr sicher fühllen, begann das Meer zu erzittern, zu brüllen und wild aufzuschäumen, als ob ein riesiges Ungeheuer sich anschick«, au« dem Schlund der Tiefe heraus- zuspringen. Plötzlich spritzte ein« gewaltige Wassersäule aus, die an die 50 Meter hoch und ebenso breit war und von Wolken weißen Rauches eingehüllt wurde. Während die furchterregende Wasser- masie zurückfiel, wurde unter Heulen, Krachen und Feuergarben vulkanische Asche bis zu 4000 Meter in die Luft geschleudert. Das ebenso schreckliche wie großartige Naturschauspiel hielt die Zuschauer. die entsetzt neben ihren Booten standen, minutenlang im Bann. Als das Feuer sich abschwächte und der dicht«, beißende Rauch vom Wind vertrieben war, zeigte sich auf d«r weiten Wasserfläch« der Riesenkrater eines Vulkans in der charakteristischen Kegelform. Langsam, aber in beständigem Fortschreiten, das auch mit dem bloßen Auge wahrnehmbar war, stieg der Vulkan au« dem Wasser und hatte am Abend schon einen Umfang von fast 5 Kilometer er- reicht. An den folgenden Tagen erhoben sich, wie von einer Zauber- Hand geschaffen, neben dem Mittelkegel zwei Hügel, von denen der östlich gelegen« eine Höhe von etwa 200 Metern erreichte. Nachdem die Fischer sich von ihrem Schreck«» erholt hatten. priesen sich diese schlichten Bewohner der Küste glücklich, einem Wunder beigewohnt zu hoben. Die neugeborene Insel wurde, ver» mutlich zu Ehren des Königs Ferdinand I.,„Ferdinandea" getauft. Mehr als einer der Fischer sprang ins Boot und giiff zu den Rudern, um den Strand der geheimnisvollen Insel zu besichtigen. Den ersten Neugierigen folgten ander«, und ihre Zahs wurde so groß, daß man schließlich daran giftg, mit Hilfe der Ruder, und Segelboote eine Art Touristenverkehr einzurichten. Die Fahrten fanden aber rasch ihr Ende, als im Oktober 1831, drei Monate nach ihrem Erscheinen, oie Insel Ferdinandea aufs neue von Zuckungen und Erschütterungen befallen wurde. Gleichzeitig schrumpft« ihre Mole langsam ein. Ein paar Tage später senkte sich di« Insel Ferdinandea tiefer und tiefer, bis sie in den ersten Novembertagen unter dem Aufschäumen der kochenden Waffer vollständig unter dem Wafferspiegel verschwand, wie ein Schiff, das kopfüber in di« Tiefe stürzt. Ein paar Stunden noch sah man auf dem Meere eine etwa 30 Meter hohe Säule kochenden Wasser«, dem ein scharfer Schwefel. geruch entströmte. Dann war alles vorbei, und dort, wo die Insel gewesen war, kräuselte sich nur noch die See." Internationaler Arbeitsplan. Albert Thomas legt sein Programm vor. Genf, 27. August(EtgenSericht.) Dia Einzelheiten des Programms internationaler öffentlicher Arbeiten, bie der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes, Albert Thomas, in Ilebereinftimmwig mit den europäischen Regierungen zur Milderung der Arbeits- l o f i g k e i t ausgearbeitet hat, sind am Donnerstag der Oeffentlich- keit übergeben worden. Sie enthalten genaue Aufstellungen für jedes Land. In bezug auf Deutslchland wird vorgeschlagen: Bau von Straßen, Entwicklung der Erzeugung und Verteilung elektrischer Kraft und Bodcn-Amelioration sowie Hochwasierschuh. Diese Ar- beiten erfordern einen Kredit von etwa 100 Millionen Mark und würden 4 bis 5 Millionen Arbeitstage schaffen. In bezug auf De st erreich wird vor allem die Frage der internationalen Finan- zierung und der Hilfe der Europo-Kammiisson aufgeworfen. Es soll für etwa 100 Millionen Schilling ein internationales Durch- gangsftraßennetz erhalten. Daneben ist die Kanalisation der Donau für Großkraftschiffahrt vorgesehen mit einem Aufwand von 620 Mil- lionen Schilling, deren Ausbringung aus zehn Jahre verteilt werden könnte. Während dieser Zeit würden 10 000 Arbeiter dauernde Bc- fchäftigung finden. Endlich ist die Errichtung eines europäischen Hochspannungsnetzes für etwa 3Z0 Millionen Schilling ins Auge gefaßt, das 10 000 Arbeiter auf sechs Jahre beschäftigen könnte. Arbeitspläne sind weiter aufgestellt für Belgien, Bulgarien, Spanien, Estland. Ungarn, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Tschechoslowakei und die Türkei. Während der Europa-Tagung im September sollen sich die Regierungen darüber aussprechen. Lohnabbau oben? Die Pflicht der Neichsregierung zur Enischlossenheii. Die Reichsregierung hat vor einigen Tagen bekanntgeben lassen. daß sie sich mit der Absicht trage, die überhöhten Gehälter zu beschneiden, soweit sie selbst einen direkten Einfluß auf die Ge- staltung dieser Gehälter habe. Auch bei den Banken, die mit Reichs- gcldern gestützt würden, werde eins einschneidende Herabsetzung der Direktorengehältcr durchgeführt werden. Was jedoch die Ge- Halter in der Prioatinduftrie anbetreffe, so sei eine Beschneidung wenig zweckmäßig, da die Privatindustrie auch einer Wegsteuerung der hohen Bezüge durch Umgehung ausweichen könne. Wir verstehen nicht die, wie un» scheinen will, allzu große Acngstlichkeit der Reichsregierung, sobald es sich um Jahres- cinkommen Handell, die in die H u n d e r i t? u f c rfVe pro Kopf gehen und die ihresgleichen selbst in Amerika suchen. Man wende nicht ein, daß es sich bei diesen Einkommen um ein« geringe Anzahl von Personen handelt, und das Total- ergebnis einer Reduzierung dieser Mommutgehälter Volkswirtschaft- lich nicht entscheidend sei. Es ist natürlich nicht möglich, auch nur annähernd den Betrog zu schätzen, der volkswirtschaftlich verschwendet wird durch die Festsetzung von Bezügen, die in keiner Weise zu rechtfertigen sind. Wie sehr aber solche Bezüge wirtschaftlich die schwersten Schädigungen nach sich ziehen, dafür nur einige Beispiele. Vor etwa einem Jahre brach eine bekannte Berliner Großhandelsfirma der Textilbranche zusammen. Der eine der beiden Firmeninhaber betätigte sich als Kunstsammler, d. h. er kaufte bei Auktionen und sonstigen Gelegen- hellen zu Liebhaberpreisen alle Gemälde und sonstige Kunstgegen- stände auf. Um das Geschäft selbst kümmerte er sich überhaupt nicht. Der andere Geschäftsinhaber hatte andere Liebhabereien. Seine„Freundinnen" wurden in gutbezahlten Stellungen im Ge- schüft untergebracht. Die Firma sell'st wurde geleitet von einem Direktor, der ein festes Zahrcsgehall von 250 000 TCiavt bezog und außerdem Tantiemen vom Umsatz, so daß sich seine Einnahmen auch dann steigerten, wenn die Firma mit Verlust arbeitete. Nach dem Zusammenbruch der Firma wurde dieser Direktor mit 27SOOO Mark abgefunden. Die Firma wurde dann durch eine Großbank saniert. Es wurde eins neue Gesell- schaft mit einem Kapital von S Millionen Mark gegründet. Die Bezüge des leitenden Personals wurden von vornherein mit 500000 Mark festgelegt. 10 Proz. des Kapitals müssen also zunächst verwendet werden, nur um die Bezüge der Dirck- toren und Prokuristen zu decken. Selbswerständlich hat man, um zu„sparen", die Bezüge des übrigen Personals herabgesetzt, und z. B. die Löhne der Hausdiener um 2 Mark die Woche gekürzt. Wir wollen hier gar nicht von sozialer Gerechtigkeit reden, son- dern nur aufzeigen, daß eine derartige Verschwendung auf der einen und Verknappung auf der anderen Seit«, rein wirtschaftlich gesehen, ins Verderben führen muß. Wir erinnern an die wohnsinnige Verschwendung der Gebrüder L a h u s e n, die mit den Millionen nur so um sich warfen, wenn es sich um die Befriedigung ihrer Launen handelte, aber gleichzeitig die Politik der Hungerlöhne betrieben. Um die an sich sehr targ bemessenen Tariflöhne nicht zahlen zu müssen, wurde die Beltgschaft in den Streit getrieben. Der Nordwolle-Kanzern führte kostspielige Prozesse gegen die Ge- werkschaft, die er schließlich in letzter Instanz verlor. Man zog Streikbrecher heran, gründete einen gelben Verein und schloß mit diesem einen sogenannten Tarifvertrag. Diese Lohnpolitik hat den Nordwolle-Konzern vielleicht mehr Geld gekostet, als sie in Jahren an Lohnkürzungen einbrachte. Wirtschaftlich ist eine derartige Lohnpolitik direkter Selbstmord. Wir erinnern schließlich an die Vorgänge bei der F u s i o n der Deulschen Bank und der Disconto-Gesellschaft. Das Ziel dieser Fusion war angeblich die Rationalisierung, die ja von den Unternehmern in Deutschland in ihr Gegenteil verkehrt worden ist. Diese„Rationalisierung" bestand darin, daß man einige tausend s chl e ch t b e z a h l t e Bankange- stellte entließ, dagegen an dem an sich schon übersetzten und überalterten Direktorium der beiden Bonken nicht rührte. Als die Vertreter des Allgemeinen Verbandes der Bankangestellten in der Generaloersammlung, die die Fusion beschloß, anführten, daß Eni- lassungen nicht notwendig wären, wenn man die Bezüge der Direk- toren auf 120 000 Mark pro Kopf und Jahr beschränken würde, weil die Summen, die da eingespart werden könnten, völlig aus- reichten, um den zu entlastenden Angestellten ihre bisherigen Ge- Hölter weiterzuzahlen, wurden sie mit einem höhnischen Achselzucken abgefertigt. 120 000 Mark im 3ahr erschien den Direktoren der Dedi-Bank ein lächerliches Taschengeld. Die Herren Direktoren behielten ihre Pfründen und das Reich und die Wohlfahrtsämter der Gemeinden wurden mit der Unterstützung von mehreren tausend Angestellten belastet. Diese Beispiele, die wir hier anführen, sind keineswegs, wie mancher annehmen könnte, besonders krasse Ausnahmefälle. In der Großindustrie, itn Großhandel und in den Banken sind sie die Regel. Wenn das Reich bei den Einkommen von über 100 000 Mark die Steigerung der Einkommensteuer fortführen würde, dann würden es sich die Aufsichtsräte der Gesellschaften wohl zwei- mal überlegen, ob sie Gehälter und Tantiemen zahlen sollen, die nominell mehrere hunderttausend Mark ausmachen, wovon aber dem Reich der Löwenanteil zufallen würde. Das Reich hat bisher die Löhne und Gehälter rücksichtslos abgebaut, sowohl in der Privatindustrie, wie im Reichs den Staaten und in den Gemeinden. Es sieht nicht danach aus, tls ob man mit dieser wirtschaftsfeindlichen Politik Schluß machen will. Die Einschrump fung des Wirtschaftsprazssies und die katastrophale Steigerung der Arbeitslosigkeit und damit der öffentlichen Ausgaben sind die Folgen dieser Politik. Wenn man gleichzeitig aber sich nicht an die Mammutgehältcr an die skandalösen Bezüge der Direktoren heranwagt, so fördert man damit nicht nur die Unwirtschoftlichkeit, sondern wahrschein lich auch die Kapitalflucht. Wenn man den Mut ausbringt, durch Notoerordnungen das Tarifrecht zu beseitigen und die Rechte der Beamten mit einem Federstrich aufzuheben, dann Hot man nicht das Recht, vor einem Zugriff auf die Mammutgehälter Angst zu haben. Verschwendung oöen. Lohra�bau unten. Das Rheinisch. westfälische Eleklrizilälswerk hol noch im letzten Geschäsksjahr neben Abschreibungen von S9,z Will. 2Hf. 10 Pro;. Dividende und für jedes Rlilglied des Aufsichlsrats, der aus 1 0 g ZNllglie. dern besieht, 14S00 211 f. gezahlt. Dazu komm! noch für ein Aufsichlsralsmilglied ein Sihungsgeld von 500 R1 k. bei freier Beköstigung. Der Reingewinn betrug 182,15 Will. Rlk. Bei den Werken find die Abschlüsse der letzten Zahre ebenfalls sehr günstig gewesen. Trotzdem hat der Slrbeilgeberverband der Gas., Waffe?, und Eleklriziläkswerke das Lohnabkommen mil den Gewerkschaften zwecks Lohnsenkung zum ZI. August gekündigt. Bereits im Februar d. 3. ist der Lohn der Arbeiter in diesen Werken um 0.5 Alk. gesenkt worden. An die Senkung der Dividenden und Tanl-iemen denken die Herren vom Arbeilgeberverband nicht. Da» nennt sich wirlschaflsführung. „Gewerkschastsbonzen". Man findet sie jedoch in Sowjetrußland. Die schimpfliche Anpöbelung der Gewerkschaftsführer und der gewählten Vertrauensleute der' Arbeiter durch die kommunistische Presse erklärt sich vielleicht aus der„russischen" Geistesoerfassung der kommunistischen Redakteure. Im Leitartikel vom 16. August des „Trud", des Zentralorgans der russischen Gewerkschaften, heißt es „Vis jetzt hat eine Reihe von Gewerkschastsorganisationen die politische Bedeutung noch nicht erfaßt, die dem Kampf um die folge richtige Hebung der materiellen und Lebensverhältnisie der Arbeiterklasse unter dem Gesichtswinkel der Erfolgs des sozialistischen Aufbaues im gegenwärtigen Stadium zukommt. Gerade diese Ver- ständnislosigkeit liegt jener für viele Gewerkschaftsorganisationen charakteristischen Erscheinung zugrunde, daß sie an zahlreichen skandalösen Vorfällen auf dem Gebiete der Versorgung der Arbeiter, der Tätigkeit der Genossenschaften, der Kantinen und Wirtschaften vorbeigehen, das heißt an Borfällen vorbeigehen, die auf den heroischen Kamps der Arbeitermasien um die Durchführung des Jndustriefinanzierungsplanes eine verhängnisvolle Wirkung aus- üben." Bezeichnend ist dabei allerdings, daß auch das Gewerkschafts- silott die„skandalösen Vorfülle" der Mißachtung der Lebensintsr- essen der Arbeiter nur deswegen verurteilt, weil sie die Durchführung des Jndustriolisierungsplanes negativ beeinflussen könnten. Bei einer solchen Einstellung ist es nicht verwunderlich, daß die Gewerk- schaftsfunktionäre nur noch dem Namen nach Gewerkschafter sind, in Wirklichkeit ober ganz andere Funktionen im wirtschaftlichen Kamps ausüben. Man lese z. 23., was der„Trud"-Berichterstatter in der Ausgabe vom 15. August aus den Stalingrader Traktoren- werken berichtet: „Die Gewerkschaftsfunktionäre der Stalingrader Traktoren- werke haben jeden Sinn für die Nöte der Arbeiter- massen verloren, und solch ein Verlust des Einführungsver- mögens ist der Anfang der Entartung. Für die Gewcrkschafts- funktionäre galt es als schlechter Ton oder vielleicht alz Opportunismus, für die sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Arbeiter zu sargen. Die Gewerkschaftsargane im Traktoren- werk sind zum schlimmsten Anhängsel der Wirtschaftsorgane ge- worden, haben als Gewerkschaften ihr Gesicht ver- loren." Eben erst hat der Zcntralrat der Gewerkschaften die ganze Führergarnitur der Gewerkschaftsorganisationen von N i s ch n i- Nowgorod gemaßregelt, weil unter ihrer Obhut die Versorgung der Arbeiter mit Lebensmitteln und Bedarfsgegenständen zu einem Herd der Korruption und Mißwirtschaft geworden sei. Bei dieser Gelegenheit stellt die Gewerkschaftszentrale fest, daß Mißstände, wie sie in Nischni-?lowgorod zutage gefördert worden sind, für das ganze Land„m ehr oder minder charaktc- ristisch seien(„Trud" vom 15. August). Bescheidenheit ist eine Zier. Die Agrarier verzichten auf sie.» Die Landbült dler haben schon manche tolle Forderung gestellt. Das Tollste hat sich jedoch die B e z i r k s g r u p p e n v e r- f a m m l u n g des Landbundes Borna in Sachsen geleistet. Sie nahm eine an die Adresse des Sächsischen Landbundss gerichtete Entschließung an, in der es wörtlich heißt: „Wir verlangen, daß die Erntesina n zierung nicht durch Kredite, fondern durch Stellung von billigen Erntearbeitcrn erreicht wird., Wir verlangen die Einführung einer Erntedien st Pflicht für Arbeitslos e." Für den Fall, daß die Leitung des Sächsischen Landbundes nicht für die Forderung eintritt, droht die Bezirksversammlung mit einem Miß- trauensvotum. Es fehlt nur noch, daß die gesetzliche Abschaffung aller Lohnzahlungen in der Landwirtschaft gefordert wird. Be- scheidenheit ist eine Zier» auf die die Agrarier schon immer ver- zichtet haben. �, Das böse Beispiel. Darf eck vom?ieich gegeben werden? Dos Reichsoerkehrsministerium hat den Mantel- t a r i f und den L o h n t a r i f v e r t r a g für die Wasserbau- a r b e i t e r unier Hinweis auf die Notoerordnung gekündigt. Auch die Kündigung des Manteltarifs erfolgt ausdrücklich unter Berufung auf die finanzielle Lage des Reiches. Für die Wasser- bouarbeiter Preußens haben die zuständigen Ressorts, soweit wir unterrichtet sind, die Tarifverträge noch nicht gekünsij�. Sind die Kündigungen wirklich notwendig? Können die angeblich infolge der Notverordnung unvermeidlichen Aenderungen nicht auch ohne Kündigung durch Verhandlungen mit den Organi- sationen in erträglicher Form vorgenommen werden? Muß die Ocffentlichkeit immer von neuem in Unruhe gestürzt werden? Die Zunahme der Slrbeitslosigkeit fördert wohl bereits zur Genüge die Beunruhigung. Das müßte auch den maßgebenden Stellen bekannt sein. Es wird wsitergelogen. Arbeiterkorrespondent requiriert die„Massen". Aus dem Siemen stonzern wird uns geschrieben: Kaum wieder zu neuem Leben erwacht, geht der Schwindel in der„Roten Fahne" von neuem los. Am 25. August berichtet sie, daß die Kollegen des Siemens-Wernerwerks M. das Wiedcrerscheinen der „Roten Fahne" freudig begrüßen. Soviel Worte, soviel Schwindel. Im ganzen Wernerwerk M. ficht man in den Pausen keinen einzigen Kollegen, der die Lügen- sahne liest, noch viel weniger für sie Propaganda macht. Nicht ein- mal der kommunistische Zellenhäuptling,„Herr Thomas Czech", liest im Wert die„Rote Fahne". Im Gegenteil, die Beleg. schaft rückt weit von den Kommunisten ab. Das he- weisen die Versammlungen, die von den Kommunisten einberussn werden. Außer dem Referenten erscheinen höchstens ein paar Spandauer Arbeitslose zur Deckung. Von der Belegschaft selbst! ist in diesen Versammlungen nichts zu sehen. Die Verbrüderung der KPD. mit den schlimmsten Feinden der Arbeiterschaft am 9. August hat auf viele Werkradikale so ernüchternd gewirkt, daß es bei ihnen mit der Begeisterung für Moskau endgültig vorbei ist. Hoch Mngt das Q'ed vom braven Ltnternehmer Der RGO.-Mann vor Gericht. Das Landesarbeitsgericht Berlin hat die von der deutschen L u f t- H o n s a gegen den Arbeiterratsvorsitzenden H a s e r i ch ausgesprochene f r i st l o s e Entlassung als zu Recht bestehend anerkannt. Der kommunistische Arbeiterratsvor- Haserich ist von der Deutschen Lust-Hansa entlassen morden, weil er unter anderem einen Kollegen zu einer Unter st ützung von 7 5 Mark aus der Wohlfahrtskasse der Firma verholfen und dieses Gold dann zum Ankauf einer Schreibmaschine für die Betriebszelle der KPD. verwendet haben soll. Die Verhandlung hat wieder einmal mit großer Deutlichkeit kosief die neue En ver Bey � jCT�O'/MUNDST. die trotz Billlgkeij- jeden anspruchsvollen Raucher befriedigen wird« ha» verbrecherische Treiben der Mitglieder der R