BERLIN Sonnadend 29. August 1931 10 Pf. JIr. 404 B 202 48. Jahrgang erfcheiuttSglichaußerEonntag«. Fuzleich Abendausgabe des.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgaben Si» Pf. proWoche. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW6S, Lindenstr. s Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297 Sft&laiiL�ajße xle6 nV)fu)uY46 A n z e t g e n p r e t«: Die einspaltigeNonpareillezeile 8o Pf., Reklame»«!« 6 M. Crmäßigunaen nach Tarif. Postscheckkonto: VorwartS-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr. 37 636.— Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anleigen vorl Programm der Sozialreaktion Korderungen der Industrie: Radikaler Abbau der Sozialausgaben und der Bauwirtschast— Abdrosselung der Gemeinden Ungeheuerliches Zeitungsverbot Wegen Beleidigung des russischen Außenministers JA Vor uns liegt ein Rundschreiben des Reichsverbandes der Deutschen Industrie an seine Vorstandsmitglieder, Fach- gruppen und landwirtschaftlichen Verbände, datiert vom 20. August. In diesem Rundschreiben, dessen wesentlichen Inhalt wir untenstehend wiedergeben, wird zwar nicht der Wortlaut, aber doch der Tenor der Eingabe des Reichsver- bandes der Deutschen Industrie an die � Reichsregierung wiedergegeben. In dem Rundschreiben heißt es: In Versolg der Beratungen von Präsidium und Vorstand in der letzten Zeit und angesichts der außerordentlich bedrohlichen Lage in der Industrie wie in den anderen Wirtschaftszweigen haben wir nunmehr noch einmal unsere wichtigsten Forderungen und Vor- schlage zusammengestellt und sie in der Form einer„A u f z e i ch- nung über die Stellungnahme des RDI. zu der gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftslage' dem Reichskanzler gestern schriftlich übermittelt. Wir haben den Reichskanzler dabei ausdrücklich darauf auf- merksam gemacht, daß die sorgenschwere, zum Teil verzweifelt« Stimmung der deutschen Industrie so um sich gegriffen hat, daß nur noch allerschnellste Maßnahmen die Voraussetzungen für eine Beruhigung schaffen können und daß die von uns gewünschle positive Zusammenarbeit von Zn- dustrie und Regierung aur dann mit Erfolg fortgeführt werden kaun. wenn die notwendigen Maßnahmen auf den Gebieten der wlrtschasls.. Finanz, und Sozialpolitik so schnell und umfassend durchgeführt werden, daß eine weitere Verschärfung der gegen- wältigen Lage abgewandt wird und statt dessen die unbedingt erforderlichen Grundlagen für eine Wiederbelebung der deutschen Wirtschast geschaffen werden. ... Wir bedauern sehr, daß wir davon absehen müssen, den Wortlaut der Aufzeichnungen bekanntzugeben. Wir müssen aber im Augenblick, gerade mit Rücksicht auf den Erfolg, u n b e- dingt verhindern, daß unsere Forderungen im gegenwärti» gen Stadium Gegen st and öffentlicher Auseinander- setzungen werden, weil dann nur zu leicht die Kräfte inner- halb und außerhalb der Regierung, die sich der Richtigkeit unserer Forderungen bewußt sind und sich in der von uns gewünschten Richtung einzusetzen bereit sind, in ihrer Wirksamkeit gestört und be- hindert würden. ... Der Ausgangspunkt der ganzen Darstellung ist der zwin- gende Gedanke, daß Deutschland auf den Weg der S e l b st h i l f e angewiesen ist und daß dieser Weg gekennzeichnet ist durch eine energische, sofortige und umfassende Einsetzung aller in Deutschland selbst vorhandenen Kräfte. Mit eiserner Konsequenz müssen für Staat, Kapital und Arbeit alle notwendigen Schluß- folgerungen gezogen werden. Im Mittelpunkt des Selbsthilfepro- gramms muß die organische Umgestaltung der Selb st- k o st e n im Sinne einer möglichst weitgehenden Herab- drückung der Selbstkosten stehen.— In der Aufzeichnung ist im einzelnen dargestellt, wie dieser Grundsatz auf folgende vier Hauptgebiete angewandt werden muh: 1. Steuern und Abgaben an die öffentliche Hand, 2. Soziale Belastungen, 3. Löhne und Gehälter, 4. Verkehrstarife und Tarife der kommunalen Versorgungsbetriebe. Ein weiterer besonderer Abschnitt befaßt sich mit den Aufgaben einer richtigen und einwandfreien Kreditpolitik, ins- besondere in der öffentlichen Hand, um«ine Senkung der Kreditkosten zu erreichen und im Rahmen einer pfleglichen Verwal- tung des vorhandenen Kreditvolumens erweiterte Kreditmöglichkeiten für die private Wirtschaft zu schaffen. Im Zusammenhang damit wird sowohl die Kreditpolitik wie überhaupt die Finanzpolitik der Gemeinden einer scharfen Kritik unterzogen. und es werden positive Dorschläge dafür gemacht, wie eine Siche- rung dafür erreicht werden kann, daß sich die bisherigen Fehler nicht wiederholen. Ein anderer positiver Vorschlag erstreckt sich auf die Schaffung einer Möglichkeit für vermehrte Aufträge an die Wirt» s ch a f t. Selbstverständlich enthält die Eingabe auch die nachdrück- liche Forderung, olle Reste Zwangswirtschaft, insbesondere auch die Zwongswirt- fchast im Wohnungswesen, endgültig zu beseitigen. Aus re paratton» politischem Gebiet wird ausgeführt, daß Das Organ der christlichen Gewerkschaften,„Der Deutsche', hat den eben in Berlin anwesenden russischen Außenminister L i t w i- n o w in dummer und klobiger Weife beschiinpft. Es hat ihn wegen der ehrenvollen Strafen, die er als Kämpfer gegen den Zarismus zu verbüßen hatte, einen„Zuchthäusler" genannt. Die Reichs- regierung hat eine Erklärung erlassen, in der sie dies« plumpe Be- leidigung ihre» Gastes aufs schärfste mißbilligt. Darin wird ihr jedermann recht geben. Run hat man aber noch ein übriges getan, und den„Deutschen" bis zum 2. September verboten. Wir nehmen ohne weiteres an, daß der Berliner Polizeipräsident, der für diesen Akt verantwort- lich zeichnen muh, nur ausführendes Organ ist und daß der wirklich Verantwortlich« in der Reichsregierung zu suchen ist. Auf all« Fälle stehen wir vor der Tatsache, daß eine deutsche Zeitung wegen Beleidigung eines Mitgliedes einer fremden Regierung ver- boten worden ist. Wir glauben, daß die Sozialdemokratisch« Partei als berufene Hüterin der verfassungsmäßigen Rechte dieser Tatsache gegenüber nicht gleichgültig bleiben kann. Das Berbot ist ein Willkürakt, der mit der Notverordnung des Reichspräsidenten nicht gerechtfertigt werden kann. Diese Notver« ordnung schützt die öffentliche Ruhe und Ordnung und das Ansehen der deutschen Regierungen. Niemand kann behaupten, daß durch die Beschimpfung eines ausländischen Ministers die Ruhe und Ordnung gestört oder eine deutsche Regierung in schmähender Weise herab- gefetzt werde. Denn auf die rabulistifche Konstruktion, wer den Gast der Reichsregierung beleidige, der treffe damit diese selbst, könnte nur ein sehr schlechter Rechtsanwalt verfallen. Dem Verbot fehlt also jede rechtliche Begründung. Vom politischen Standpunkt gesehen stellt sich der verübte Mißgriff noch schlümner dar als von: juristischen. Bisher hat sich dos Auswärtig« Amt stets gegenüber den Beschwerden fremder Re- gierungen über Angriffe in der deutschen Presse darauf berufen können, daß in Deutschland Pressefreiheit bestehe und eine gesetzliche Handhabe zum Einschreiten fehle. Maßt sich aber die Reichsregie- ning das Recht zu, deutsche Zeitungen wegen Beleidigung ausländ!- scher Regierungen zu oerbieten, so übernimmt sie damit praktisch die Verantwortung für alles, was über ausländische Regieningen gc- schrieben wird. Daß nun ein Präzedenzfall geschaffen ist gerade zugunsten Ruß- lands, ist besonders grotesk. Denn es ist doch bekannt, daß gerade die russische Presse, obwohl sie unter der allerstrengsten Aufsicht ihrer Regierung steht, oor den ungeheuerlichsten Beschimpfungen aus- ländischer Staatsmänner nicht zurückschreckt. Unter solchen Um- ständen wirkt das übereifrig erlassene Verbot als ein Akt der Liebe- dienerei, der den Respekt vor der Reichsregierung in Moskau be- stimmt nicht erhöhen wird. die Durchführung des Selbsthilseprogramms zugleich die Vorbedin- gung für eine erfolgversprechende Reparationspolitik ist und daß die Inangriffnahme der zu erwartenden neuen Reparationsregelung parallel mit der Selbsthllfeaktion unverzüglich geschehen muß. Ab- schließend wird betont, daß es eine völlige Verdrehung der Tatsachen ist, wenn man von einem Versagen der Privatwirtschaft spricht. Vicht die Privatwirtschaft hat versagt, sondern gescheitert ist ein System, das mit politischem Zwang die Privatwirtschaft künstlich ihrer natürlichen Entwicklungsgrundlagen Es ist erreicht s,u dem neuen nationalistischen Kur» der Kpv). Thälmann huldigt dem alten preußeagott. beraubt hat. Dies« grundsäßlicheEinstelll-ne. verpflichtetuns andererseits, nicht nur bestimmte Auswüchse und Fehler zuzugeben, die sich be- dauerlicherweise in der Privatwirtschaft gezeigt haben, sondern auch dafür einzustehen, daß einer Wiederholung solcher Erscheinungen vorgebeugt wird. Parallel mit dieser nochmaligen energischen Eine Wirkung auf das Kabinett, die von mündlichen Vorstellung gen ergänzt wird, führen wir die Arbeiten auf allen unseren Tätig- teitsgebieten mit verstärktem Nachdruck fort.' Wie man aus dem Rundschreiben sofort ersehen kann, haben die Herrschaften vom Reichsoerband der Deutschen In- dustrie nichts gelernt und nichts vergessen. Die Wirtschasts- kataftrophe, die ungeheuerlichen Fehlleitungen in der Privat- industrie, die zu der Wirtschaftskatastrophe geführt haben, sind an den Herren vom Reichsverband der Deutschen In- dustrie spurlos vorübergegangen. Statt aus der Vergangen- heit zu lernen, fordert man von der Reichsregierung, daß die Fehler, die gemacht wurden, noch verzehnfacht werden und daß die falschen Maßnahmen noch v e r st ä r k t werden. Der Reichsoerband der Deuffchen Industrie verlangt nichts anderes als die Fortführung dieser Verhängnis- vollen Politik bis zu ihrer letzten Konsequenz. Nicht die Zwangswirtschaft der Kartelle, die diese ver- kehrte Wirtschaftspolitik erst ermöglicht hat, soll beseitigt wer- den, sondern die ohnehin schon abgebaute öffentliche Bewirk- schaftung des Baumarktes. Run wird auch klar, was die Ver- bände der Bauunternehmer veranlaßt hat, sich mit Bauunternehmer setzt, als sie das Programm des Reichsoerbandes lasen. Sie suchten daher die Wirkung möglichst abzubiegen, ohne in offenen Widerspruch zu ihrer Spitzenorganisation zu treten. Zeppelinstart nach Südamerika. Ohne Zwischenlandung hin und zurück. Friedrichshafen, 29. August. Das Luftschiff Gras Zeppelin begibt sich heule abend gegen 9 Ahr— also früher als vorgesehen— aus seine zehntägige Reise nach Pernambuco und zurück. Die Führung wird Dr. Ecken er haben. Die hin- und Rückfahrt wird ohne ZwlfcheulaudnKg durchgeführt werden. Besseres Wetter in Gicht. Aufheiterung und Erwärmung bevorstehend. In d«n kehlen Tagen herrschk nicht nur im Binnenland« UN- freundliches und zum Teil regnerische» weller, sondern auch in den Küstengebielen waren schwere Stürme zu verzeichnen. Der grohle Teil der Ostsceküslc stand seit Dienstag dieser Woche im Zeichen sehr starken Wellenganges. Es scheint, daß seht eine Veruhi- gung der Gesamtwetterlage bevorsteht. Das schlechte Wetter mar zum großen Teil auf eine starke Depression zurückzuführen, die über Mittelrußland lagerte und ihre Ausläufer weit westwärts ausstreckt«. Dieses Tiefdruckgebiet ist abgezogen und unser Gebiet ist auf seine Rückseite gelangt. Da im Westen des Reiches seit gestern bereits erheblicher Druck- anstieg zu verzeichnen ist und auch in Brandenburg das Baro- meter auaushaltsam steigt, ist mit ein«r wesentlichen Wetter- Verbesserung zu rechnen. Für den morgigen Sonntag lautet die Prognose des Amtlichen Berliner Wetierdienstes: Bei zunehmender Aufheiterung weitere(Erwärmung durch die Sonne» einftrahlung und mäßige nordöstliche Winde. Die Temperaturen betrugen in der vergangeneu Nacht in Berlin 15 Grad Wärme, heute Mittag wurden 18 Grad gen, essen. Deutsche Fliegerin in Tokio. Marga von Ehdorf hat TO OOO Kilometer zurückgelegt. Wir au» Tokio, der sapanischen Hauptstadt, gemeldet wird, ist die deutsche Aliegerln Zkarga von Etzdorf um 16.02 Uhr aus dem iwuen Flughafen Haueda bei Tokio glücklich gelandet. Dieser Langstrcckenflug der mutigen deutschen Fliegerin stellt eine Glanzleistung dar. Sie hat die bisher 10 000 Kilometer allein im Flugzeug zurückgelegt, sie ist damit dt« erste grau, die ohne Be- gleitcr auf japanischem Boden gelandet ist. Die Fliegerin ist am 18. Aug u st früh um 4. IS Uhr auf dem Zentralflug- Hofen in T c m p« l h o f gestartet. Di» Fahrt ging über die unendlichen Gebietsstrecken Rußlands und Chinas bis nach Japan. Marga von Etzdorf Hot durchschnittlich täglich 1000 Kilometer bewältigt. Sie ist täglich 8 Stunden geflogen. Wie wir erfahren, beabsichtigt die Fliegerin einige Zeit in Tokio zu oer- weilen und dann den Rückfkug, über dessen Route noch nicht» ge- naues bekannt ist, anzutreten. Keuerkampf im Laubenland. Einbrecher von Gchvpobeamien erschossen. In der Laubenkolonie„v i e s e n h o r st" in Karls- Horst wurde in der vergangenen Rachl eine Einbrecher- bände durch zwei polizeibeamle aus frischer Tal erlapp!. Einer der Einbrecher drang mit einem Beil auf den einen Schupobeomlen ein und versuchte ihn niederzuschlagen. Der Beamte gab daraufhin mehrere Schüsse auf seinen Gegner ab und verletzte ihn tödlich. Ein Siedler, der spät nachts von einer Sitzung heimkehrte, hatte die Einbrecher beobachtet und die Polizei alarmiert. Zwei Beamte, die sich gerade auf einem Patrouillcngang befanden, drangen in das Laubengelände ein. Plötzlich wurde die Tür einer Laube aufgerissen und ein Man» stürzte sich mit erhobenem Beil auf den einen Schupobeamten. Der Polizist erlitt schwereKops- Verletzungen, trotz seiner Wunden konnte er noch zwei Schüsse abgeben, die den Einbrecher in den Ober- und Unterarm trafen. Der Angeschossene flüchtete nun auf das Nach bargrund stück, von wo er dem verletzten Beamten zurief:„Bleibe stehen, sonst schieße auch ich!" Da der Beamte in der Dunkelheit nicht erkennen konnte, ob der Täter tatsächlich eine Waffe in der Hand hielt und seine Drohung wahr machen würde, feuerte er nochmals und traf den Einbrecher in den Oberschenkel. In der Aufregung gelang es den übrigen Mitgliedern der Bande, lm Dunkel der Laubengänge zu entkommen. Der schwerverletzte Einbrecher wurde in das St. Antonius- Krankenhaus in Karlshorst gebracht, wo er bald nach seiner Ein- licferung gestorben ist. Die Kugel hatte die Hauptschlagader zerrissen. Bisher konnte noch nicht ermittelt werden, wer der Ce- tötete ist. Schießerei im Stadtwald. Selbstmord eines sechzehnjährigen Schützen. s l r a l s u n d. 29. August. Gestern mittag überraschle der Sladlwaldwärler Bahn im S i a d t w a l d zwei junge Burschen bei Schießübungen mit Pistolen. Da am vergangenen Sonniag aus einem Stralsunder wasfengeschäst durch Einbruch zwei Pistolen und zahlreiche Munition gestohlen worden waren, nahm der Waldwörier an. die Ein- brecher vor sich zu haben. Er forderte die beiden Burschen auf, mit- zukommen. Beide ergriffen aber die Flucht. Sei der Verfolgung schoß einer der Burschen, der Ikjährige Schlosserlehr- l i u g Werner S o l o s s a. zweimal auf den Waldwärter. der sä) wer verletzt zusammenbrach. Ein dritter Schuß traf eine Obstfrau in den linken Oberschenkel. Der Waldwächter ichoh ebenfalls und traf kolossa, der jedoch slüchlete. Der zweite Bursche, der Laufbursche Artur Breese, ließ sich festnehmen. So- lossa erschoß sich späirr vor seiner Verhaftung in der elterlichen Wohnung. Leichensuche im Landwehrkanal. Zwei Zeugen wollen etwas gesehen haben. Bci der Mordkommission haben sich jetzt eine Reinemachefrau und ein Kaufmann gemeldet, deren Bekundungen für den Span- dauer Mädchenmord von Wichtigkeit seln können. Die Veobach- tungen dieser beiden Zeuge« beziehen sich aus d e n g l e i ch e u T a g. der vordem Kopsfundein Spandau liegt. Die Reinemachefrau kam rnolgen« gegen 5 Uhr am Land« wehrtanal entlang. Zwischen der König in-Augusta' Brück«, oi« im Zuge der Linlstraße liegt, und dem Hafenplatz sah sie aus einiger Entfernung ein Auto halten. Mehrere Leute stiegen aus und der Zeugin schien es, daß sie schwere Pakete in das Wasser des Kanals warfen. Die Frau hörte deutlich das laute Aufklatschen. Gleich darauf liefen die Leute zu ihrem Wagen zurück und fuhren in schnellem Tempo davon. Die Nummer konnte sie Frau nicht erkennen. Am gleichen Morgen, nur etwas später, hat ein jüngerer Kaufmann in derselben Gegend ein« ähnliche Wahrnehmung gemacht. Auch er sah c-.n Auto und beobachtete, daß Leute etwas ins Wasser warfen. Die Beschreibung, die die beiden Zeugen von dem Wagen geben, stimmt nicht überein, doch kann da» aus einem Irrtum des einen oder and«- Waffenrazzia in Berlin Zahlreiche(Schußwaffen beschlagnahmt— 60 Verhastungen Di« polizeilichen Maßnohmen der letzten Zeit im Zusammen- hang mit den Vorgängen am Bülowplah fanden ihren Höhepunkt mit einer großangelegten wassensuche, die heute in aller Frühe in mehreren Stadtteilen Berlin» vorgenommen wurde. Fast 1000 Schupobeamte und der ganze Stab der Politischen Polizei nahmen an der Aktton. die im großen und ganzen ohne besondere Zwischenfälle verlausen ist, teil, wen« das Ergebnis der wassensuche vielleicht auch nicht ganz den Erwartungen entspricht, so ist doch wieder einmal der Beweis erbracht, daß sich zahlreiche Schuß- und hiebwassen. Karabiner- und Pistolenmunition in Händen zweifelhafter politischer Elemente befinden. Die Durchsuchung erstreckte sich in der Hauptsache auf die bekannten tommu- nistischen Uaruhezentren Bülowplah. Sösliaer Straße, W e d d i n g, und Nostitzstraße im Südwesten Berlins. Abgesperrte Straßen. Obgleich die Polizei von vornherein wußte, daß bei der Waffen- suche eine Reihe von technischen Schwierigkeiten zu überwinden war, kann die Maßnahme als gelungen bezeichnet werden. Bereits um ö Uhr früh wurden die Häuserblocks abgesperrt. Schupo- beamte hielten die Straßenzüge besetzt, niemand durste ohne ge- nügende Ausweise und einer Leibesvisitation die Sperrketten passieren. Di« Polizeiaktion kam den meisten völlig überraschend Es war ein unangenehmer Morgengruß für die vielen, die jäh aus dem Schlaf geschreckt wurden und den Ruf ertönen hörten:„Hier Beamte der Politischen Polizei— öffnen Sie". Hier und da kam es zu erregten Austritten, dabei blieb es aber auch. Während die Durchsuchung der verdächtigen Häuser in der Linien st rahe, Markus st ratze, Kraut st ratze, Blu- m e n st r a ß e und Nostitzstraße schon gegen 10 Uhr vormittags beendet war, zog sich die Durchsuchung in der K ö s l! n e r S t r a ß e, der Hochburg der Weddinger Kommunisten, bis in die Mittags- stunden hin. Um 12 Uhr wurde vom Berliner Polizeipräsidium bekannt- gegeben, daß bisher folgende Waffen beschlagnahmt worden sind: 14 Gewehre und Karabiner, 15 Selbstladeplstolen, S Trommelrevolver, 7 Teschings, 39 Seitengewehre, 16 Dolche, ein fest- stehendes Messer, 7 Gummiknüppel, 10 Totschläger. 7 Schlagringe und mehrere hundert Schuß Karabiner- sowie Pistolen- munilion. Insgesamt wurden öS Personen wegen verschiedener Delikte, unter ihnen verschiedene Individuen, die sich unangemeldet in den Wohnungen aufhielten, festgenommen und ins Polizeipräsidium transportiert. So überraschend die Polizeiaktton für die meisten gekommen ist, so fanden dach noch zahlreich« Personen, die durch den Aufmarsch der Polizei gewarnt wurden, rechtzeitig Gelegenheit, sich der Waffen zu entledigen. So wurden auf den Treppen und in einem Falle auf dem Hof eines Grundstück» Schuß- waffen gefunden, deren Besitzer nattirlich nicht mehr ermittelt werden konnten. Sehr interessant war die Beobachtung, daß der größte Teil der Bevölkerung, der selbst unter dem Terror der Straße gelitten hat. dem polizeilichen Vorgehen grötzies Verständnis entgegenbrachte. Vier Burschen, die versuchten, die Polizeibeamten in ihrer Amts- Handlung zu stören und zu hindern, mußten festgenommen werden. Es ist.zu wünschen, daß sich die Walsendurchsuchung in Zukunft auch auf die nationasozialistischen Quartiere erstreckt, wo das Resultat kaum hinter dem heutigen zurückbleiben dürft«, Kleine Anfrage: Was tut der Staatsanwalt in Sachen Innere Mission? Bevor wir unsere eingehenden Bericht« über tue Korruption in der Inneren Mission und die Zusammenhäng« zwischen den Spekulationsgeschäften der Hilfskasse gemein- nütztg«r Wohlfahrtsctnrichtungen, den Missions- anstalten und dem Devaheim-Konzern veröffentlichten, hat man sich >n den höchsten kirchlichen Kreisen der Hoffnung hingegeben, den Skandal„lokalisier« n", das heißt auf das Verfahren gegen die Geschäftsführung der Devaheim beschränken zu können. Die Verteidigung des Generaldirektors der Devaheim Jeppel auf der anderen Seite ist bemüht, den Fall Jeppel zu einem Fall Pastor Crcmer zu machen. Ihr Antrag, den angeblich Herzkranken Generaldirektor aus der Haft zu entlassen, ist angesichts der fest- gestellten Verfehlungen mehr als unangebracht. Es ist das alle Spiel: Die großen Verbrecher halten«ine Schonimg für felbstvcr- ständlich, die der kleine Mann von der Justiz nie zu erwarten wagt. Auf die Feststellung der Verbindungen, die über den Zentralausschuß für die Innere Mission zur Hilfskasse gehen, an der auch der katholische Caritasverband beteiligt Ist, wird aus verstandlichcn Gründen keinerlei Wert gelegt. Wir fragen die Staatsamvaltfchast: Wird sie den Bemühungen mehrerer einfkußreicher höchster Stellen Rechnung tragen, das Verfahren nicht auf die verantwort- liehen Körperschaften der Inneren Misston, die osftziellen Vertreter der evangelischen Kirche und die Hilfskasse übergreifen zu lassen? Will sie weiterhin auf energische Maßnahmen gegen den früheren Schatzmeister der Inneren Misston Crcmer verzichten, der zugleich Geschäftsführer der.Hilfskasse, Delegierter des Aussichtsrates in der Gcschäftsleitung der Devaheim und die einflußreichst« Persönlichkeit bei den meisten anderen zusammengebrochenen Gesellschaften war? Cremer soll bis dato nicht einmal vernommen worden sein. Wird die Staatsanwaltsclzcist Maßnahmen gegen den sogenannten „Spitzenkrcis" der Inneren Mission unter Fühnmg des Pastors Gleiß ergreifen, das Gremium, in dem alle ausschlaggebenden Be- schlüsse über die Geschäftsführung der in Konkurs gegangenen Wirt- schaftsbetriebe gefaßt wurden? Wird d-e Staatsanwaltfchast darauf verzichten, gegen den Finanzausschuß und den Vcrwaltungsausschuß des Zentral- ausschussts für die Inner« Mission vorzugehen? Die Prüfungs- berichte des Finanzmisschusies in Sachen Hilfskasse, die am 8. Fe- bruar und am 14. März 1930 von den, Richter Carstens-Bremen und dem jetzigen Schatzmeister der Inneren Mission erstattet wurden. der noch Abschluß der Untersuchungen laut Revisionsbcricht der Treuhand-Bereinigung A.-G. einen satzungswidrigen D e u z a g- K! r e d i t für einen V i l l e n b a u m Höhe von 42 000 Mark empfangen hat: die Sitzungsprotokolle des Finanzausschüsse: von, 17. und 18. März 1930 begründen die volle Verantwortlichkeit dieser Instanzen für den Hiffskassenskandal. Die Bereinigung der chrisUich-nationalen Affäre Innere Mission-Hilsskasie-Devaheim darf nicht dort end«n. wo vorlüuiig der Kamps gegen die für«3 Millionen Verluste der deutschnaiionalcn Raiffeisenbank Hcmptverantwortlichen steckengebüeben ist. Mit dem stark durchlöcherten Mantel der christlichen Nächstenliebe kann dieser Sumps nicht mehr zugedeckt werdm. » Eine von mehreren Zeitungen ohne Eingehen aus unsere Argu- mente zum Abdruck gebrachte, aus dem Jnteresienkreis de? H i l f s- k a s s e lancierte KorrespondentmeSung bestreitet die Richtigkeit unserer Darstellungen nicht, stellt aber zu durchsichtigen Zwecken die Behauptung mis, unsere Mitteilungen seien einer Denkschrift des inhaftierten Jeppel entnommen, ist unsinnig. Von der Existenz dieser Denkschrift haben wir erst durch die Gegenerklärungen erfahren. ren beruhen. Da betannllich In früheren Jahren bei einem ähn- lichen Mordsall der Täter sich an verschiedenen Stellen der Leichen- teile entledigt«, so erscheinen diese Zeugenaussagen bedeutsam genug. Bei dem Torsofuno in Schildhorn, der 1927 so großes Auffehen erregt«, entdeckt« man später die Arm« der Ermordeten hinter einem Sandkasten der Straßenbahn in der Nähe der Königin-Augl/ia» Brücke. Di« Mordkommission hat sich mit dem Reichswalser» schütz in Velbindung, gesetzt, damit dieser den Kanal an den be- zeichneten Stellen absischt. Die Suche ist bereits im Gange. Ein Ergebnis der Such« liegt bis zur Stunde noch nicht vor. Scheringer in Moabit. Neues Verfahren gegen den Kommvnistenleutnant. Am Freitag wurde der ehemalige Reichswehrleutnant S ch e- r i n g e r aus der Festung Gollnow in das Untersuchungsgefängnis Moabit eingeliefert. Scheringer soll anläßlich des vom Ober- reichsanwalt eingeleiteten Hochverratsverfahrens ver- nommen werden. Raubüberfall auf ber Chaussee. Von zwei Motorradfahrern wurde, wie er später selbst meldet«, am Freitag abeich der 25 Jahre alte Kutscher Karl D a u e auf der Chaussee überfallm und zur Herausgabe seines Geldes gezwungen. Dan«, der in der Fnedlandstraße 56 in Friedrichshaoen wohnt, ist bei«in« Firma in der Kaffer-Wilhelm- Straße in Adlershof angestellt und fährt einen Planwagen, der mit Pferden bespannt ist. Am Freitag abend kam er von Schöneiche und war auf dem Wege zu seiner Firma. Auf der Chaussee nach Adlershof, etwa 300 Meter von dem Chauffechäuschen entfernt, in der Höhe des Jagens 82/83, kam dem Pferdefuhrwerk plötzlich»in Motorrad mit Sozius ent- gegen. Mit seinem Scheinwerfer blendete der Fahrer den Kutscher so stark, daß er genöttgt war. anzuhalten. Der Mann, der auf dem Soziussitz gesessen hatte, stieg ab, kam aus den Wagen zu und bedrohte ihn mit der Pistole. Der Wasse gegenüber blieb dem Kutscher nichts weiter übrig, als seine Geldtasche. die 376 M. einkassiertes Geld enthielt, herzugeben. Der Räuber nahm das Geld heraus, warf die Tasche dem Kutscher wieder zu und kehrte schnell KU dem Motorrad zurück. Das Rad fuhr mit den beiden Männem in der Richtung nach Schöneich« davon. Der beraubte Kutscher erstattete Anzeige. Beschreiben kann er die Täter nicht, weil der Scheinwerfer während des Ueberfalles auf ihn gerichtet blieb. Er glaubt nur, daß das Rad ein Opelrad ge- wesen ist.__ Taifun fordert 100000 Tote. Neue Ueberfchwemnmngilkaiastrophe in Ehina. London, 2S. August. Einer Reutermeldung aus Schanghai zufolge hat am Freitag ein furchtbarer Taifun die Deiche des „Großen Kanal»" in der Provinz Kiangst z e r- st Srt, so daß Hunderte von Quadratmeilen mit dicht- bevölkertem Städten und Dörfern sintflutartig über- schwemmt worden find. Meldungen aus Yangtschu schätzen die Zahl der Ertrunkene« auf über IVO OVO, während die Zahl der Obdachlosen in die Mil- lionen geht. Die Ausläufer des Taifuns richteten auch in 2 ch a n g» Hai und Nanking beträchtlichen Schaden an, doch sind in diesen beiden Städten keine Mensrhenleben zu beklagen. (grdbebenkatast ophe im Iran. Zahlreiche Todesopfer.— Zerstörte Städte. London, TS. August. Ein starkes Erdbeben, das gestern abend gegen 9 Uhr ganz Belntschistan und Sind erschütterte, soll Tailh Expreß zufolge vor allem im Sharigh-Bezirk(Fwan- Gebiet an der Grenze Britisch-Jndiens) erheblichen Schaden angerichtet haben. Einige Städte sollen vollkommen der Bernichtung anheimgefallen und Eisenbahn- wie Telegraphenvrrbindnngen zerstört worden sein. Die Erdstöfsc waren in ihren Ausläufer» bis nach Karatschi fühlbar. Aus den vereinzelt einlaufenden Pc- richten geht hervor, daß das Erdbeben auch Todes« opfer gefordert hat. Amerikas Krisenabwehr. Innerer Marli durch Lohnsenkung zerstört. Washington, im Augl.st.(Eigenbericht.) Niemals ist ein amerikanischer Präsident gegen EnOe seiner Amtszeit so sehr Gegenstand hitziger Kontroversen und erbitterter Angriffe gewesen als Herbert H o o v e r. Kübel und Fässer voll kritischer Lauge sind über ihn ausgeleert worden, gerade über szoover, der auserkoren war, die Tradition der republikanischen Partei,„Prosperität", hochzuhalten. Es war 5)oover, c>«r in der Wahlkampagne das famose Wort sprach, es würde die höchste Auf- gäbe seiner Regierung sein, die Armut au» der Well zu schassen. Von dieser Phrase bis zum Versprechen eines Huhns im Kochtopf« eines jeden Amerikaners war nur noch ein winziger Schritt. Die Verhältnisse haben es anders gewollt. Natürlich wäre es naiv, Hoover für alles, was sich in den letzten Jahren abgespielt hat, verantwortlich zu machen. Die Ent- ladung des aufgehäuften wirtschaftlichen Explosivstoffes war unver- weidlich und mußte auch stärker« Männer wie Hoover, der bei allen Mängeln eine wertvolle Verwaltungspersönlichkeit ist, das Genick brechen. Aber das sind Erwägungen, denen die Wählermassen im Druck der Wirtschaftskrise nicht zugänglich sind. Für sie ist Hoover ein Symbol, das Symbol der Partei, di« ihnen Daucrprosperität versprochen und mit diesen leichtfertigen Zusagen seit einem Jahr- zehnt die demokratische Opposition geschlagen hat. Daß auch die herrschende Partei nur Ausdruck der b«stehend«n Macht lind Wirt- schastsverhältnisse ist, ist etwas, lvas der überwältigenden Mehrzahl der amerikanischen Bevölkerung trotz allem gesunden Menschenvcc- stand noch nicht klar geworden ist. Wofür dem Präsidenten und seiner Verwaltung die schwerste» Vorwürfe nicht erspart werden können, ist der völlige Mangel an Voraussicht, die Hilflosigkeit, sich mit den Auswirkungen der Krise wirksam auseinanderzusetzen. Seit zwei Jahren ist in der Bundesregierung wohl über Gegenmaßnahmen verhandelt, ober praktisch außer großartigen Statistiken nichts geleistet worden. Amt- liche Zusicherungen, da? L o h n n i v e a u im vollen Umfange zu erhalten, find von den amerikanischen Wirtschaftsspitzen nicht be» achtet worden. Die Senkung der Lebenshaltungskosten, die sich von End« ISA) bis Juli 1931 auf etwa 12 Proz. beläuft, ist nach ge- werkschaftlichcn Zusammenstellungen von einer durchschnittlichen Lohnsenkung von 32 proz. begleitet worden. Alles das ist geschehen, ohne daß die Bundesregierung praktisch auch nur einen Finger gerührt und dieser bewußten Zer- stöning der inneren Absatzmärkte energisch entgegenoetrelen wäre. Wenn es eines Hinweises bedarf, um das Märchen von der übrr« ragenden amerikanischen Leistungsfähigkeit auf fein richtiges Maß zurückzuführen, so ist dieser Beweis schlüssig durch das Berfa?«» der amerikanischen Regierung und Jndustrieleitcr in der gegenwärtigen Krise geführt worden. Unter dein Druck der beginnenden Arbeitslosigkeit wurde vor etwa zwei Jahren«in öffentliches Arbeitsprogramm entworfen, für das von, Bundeskongreh 4Z0 Millionen Dollar be- willigt wurden. Was ist aus diesem ehrgeizigen Programni ge- morden? Von den vorgesehenen 75S Einzelprojekten sind in fast zwei Jahren ganze 57 im Betrage von 25 Millionen Dollar ausgeführt worden. Für 192 Projekte im Betrage von 1ZS Millionen sind vor kurzem die Kontrakt« vergeben, aber noch kein Spatenstich ist ge- leistet worden. Die übrigen zwei Drittel des Programms sind— wie die Regierung es so schön nennt— in Vorbereitung, das heißt, es ist noch nichts geleistet worden, kein Kontrakt vergeben, ja nicht einmal oer Charakter dieser Notstandsarbeiten entschieden worden. Nicht mit Unrecht beschreibt die demokratische Opposition das ganze Arbeitsprogramm als ein Papierversprechen. dessen papiern« Entwürfe und Pläne sogar durch unentschuldbare Verzögerungen aufgehalten worden seien. So weit die eigentlichen KUsenmaßnahmen, mit denen die Hoover-Regierung sich selbst gerichtet hat. Heute ist Amerika weit über seine offiziellen Kreise hinaus der Meinung, daß Hoovers politische Zukunft in erster Linie von dem Erfolg oder Mißerfolg der Regierungsmaßnahmen gegen die kommende W i nt er t r is e abhängt. Es erscheint uns falsch, das Problem in dieser Schärfe zu formulieren. Für das politisch« Schicksal des Prä- sidenten sind noch zahlreich« ander« Faktoren maßgebend, unter ihnen vornehmlich die Entwicklung des Hooverfchen Mora» toriumsjahr und seine internationalen wirtschaftliche» Aus- Wirkungen. W«nn Hoovers Kritiker erklären, daß das amerikanische Hauptproblem die Linoerung der Massennot ist, so muß bei aller Notwendigkeit der sofortigen Durchführung sozialer Maßnahmen dennoch kühl festgestellt werden: Die Massennot ist durch die gegen- wärtige Mrtschaftsdepression heraufbeschworen worden, di« ihrer» seit» ein logischer Auswuchs des herrschenden Wirtschaftssystems und besonders der mangelnden amerikanischen Wirtschaftseinsicht ist. Woraus es im Interesse der notleidenden amerikanischen Massen an- kommt, ist die Behebung oder doch Linderung der Depression durch An. regung der wirtschoslskräske. durch Erhaltung der Alafjcnkaus- krafl. die von den Unternehmern durch Lohnsenkungen systematisch unter, graben wird, und durch Schaffung neuer Arbeitsmöglichkeitc». Tatsächlich beschäftigt sich die Bundesregierung seit Wochen mit einem Krisenplan, in dem angeblich auch eine Art bundesstaat» licher Arbeitslosenversicherung«nthalten sein soll. Zur Durchführung diese« Plans ist man bemüht, alle einzelstaatlichen und privaten Hilfsquellen zu mobilisieren und sie wie in den ver- gangenen Jahre» mit der Wahrnehmung der örtlichen Interessen zu betrauen. Wie man sieht, ein großzügiger Plan. Während die amerikanisch« Oefsentlichkeit noch Rätsel ratet, wie die einzelnen Maßnahmen aussehen werden, ist von der republikanischen Partei die Parole ausgegeben worden, daß ein« Arbeitslosenversicherung und andere„sozialistische" Maßnahmen! nicht in Frage kommen. Genau so wenig ist mit namhaften Bewilligungen von Bundes» gelber n für Unter st ützungszwecke zu rechnen. Hoover weiß, daß der dem öfsentlichcn Druck am stärksten ausgesetzte Bundeskongreß diesen Unterstlltzuiigsforderungen keinen dauerhasten Widerstand entgegenzusetzen oermag und einen, drohenden Konslikt daher nur durch Vertagung bis zum letzten gesetzlichen Termin vorgebeugt werden kann. Tritt der Kongreß ordnungsgemäß An- fang Dezember zusammen, so ist es angesichts des vorgesch/ittenen Winters für großzügige Hilfsmaßnahmen außer ärmlichen Bettelbrocken zu spät. Inzwischen sind die Gegensätze im amerikanischen Wirtschafts- leben langsam aus der Aera persönlicher Neigungen, Abneigungen und beiderseitiger Ausgseichzbereitschast in eine Periode»»über- brückbarer Jntereffenscheidung hineingewachsen. Geht alles gut, so findet man sich mit gegenseitigen Versprechungen ab, an die keiner glaubt und die an der künltigen Entwicklung nicht ein Jota zu ändern vermögen. Amerika sieht sich bei der überstürzten gigantischen Entwicklung seiner Industrien und der engmaschigen Derknüpftheit seines gesamten Wirtschaftslebens politischen und wirtschaftlichen Konflikten gegenüber, sür die es in den 155 Jahren amerikanischer nationaler Existenz keine Parallele gibt. Wickersdorf. 26 Jahre Erziehungsarbeit. Am 1. September begeht die Frei« Schulgemeind« Wickersdorf die Feier ihres sünfundzwanzigjährigen Bestehens. Vor fünfundzwanzig Iahren sah es in der öffentlichen Schule in Deutschland so aus: einer Jugend, die in die Konvention des bürgerlichen Elternhauses eingezwängt war, wurde in der Schule ein lebensfremder, jugendfremder Lehrstoff von häufig lebensfremden Lehrern nach den Grundsätzen der autoritären Erziehung beigebracht. Die Jugend, besonders in den Großstädten, protestiert«, indem sie ans Schule und Elternhaus in die Romantik des Wandervogels flüchtet«. Hier führte sie— neben dem Leben der Erwachsenen und neben der Schul«— ein Leben, das ihrem Gefühl, ihrem Anderssein gegenüber den Erwachsenen entsprach. Sie durchwanderte und ent- deckte die Heimat. Sie gestaltete ihr Leben selbst— aber neben dem Leben der anderen. So mußte eine Weltabgewandtheit und Weltfremdheit entstehen, die zwar anders war als die Weltfremdheit der Schule, die aber der Welt, die diese Jugend doch eines Tages Übernehmen und gestalten sollte, nichts geben konnte und nichts geben wollte. Da stellte durch eine kühne Tat Gustav Wyneken die Freie Schnlgemcinde Wickersdorf neben die Schule der bisherigen Gesellschaft, eine lebendige Kritik, einen Vorboten der Zukunft in der heutigen Wirklichkeit. Cr gab der Jugend in vor- oussetzungelosem Vertrauen in ihrem Idealismus die Möglichkeit, ein jugcndgemäßes Leben gleichberechtigt mit den erwachsenen Er- ziehern selbst zu gestalten und durch und in der Arbeit an einer gemeinsamen Sache ihr Leben und Tun ernst zu nehmen. Das soll ihm nicht vergessen werden. Es darf und soll aber auch gesagt werden, daß die Jugend dieses in sie gesetzte Vertrauen von Anfang an gerechtfertigt hat. Vom ersten Tage an war die Freie Schulgemeinde Wickersdorf i» fast vollendetem Maße die sich selbst erziehende Gesellschaft. Kräfte wurden in der Jugend frei: ein Verantwortungsbewußtsein, eine Geschlossenheit des Dienstes an der gemeinsamen Sache der Kultur entstand, das niemand sich hätte träumen lassen. Schon der äußere Vorgang der Entstehung Wickersdorfs war ein Symbol für die Erziehungsgesinnung der Freien Schulgemeindc: Zusammen mit Gustav Wyneken schieden etwa 25 Schüler und eine Anzahl Lehrer der Deutschen Landerziehungsheime von Hermann Lieg aus diesen Heimen aus. Diese Landerziehungsheimc waren in manchen äußeren Erscheinungen der Freien Schulgemeind« ähnlich, aber sie verbanden noch mit dem individualistischen Erziehungsideal der harmonischen Persönlichkeit manche Elemente autoritärer Er- zichung. Die von Ließ Scheidenden wollten in der Freien Schul- gemeinde ein neues Erziehungsideal verwirklichen, das sich in ihnen in Jahren gemeinsamer Arbeit und gemeinsamen Lebens heraus- gebildet hatte. So war in Wickersdorf von Anfang an die Gemein- ichaft, die bewußte Einordnung eine Selbstverständlichkeit. In vielen, leider nur allzu schnell in Vergessenheit geratenen Kämpfen hat die Freie Schulgemeindc sich mit ihren Gegnern und Freunden auseinandergesetzt. Individualistisches Persönlichkeitsideal oder Einordnung in die Gemeinschaft, gemeinsame Erziehung von Knaben und Mädchen, Familienerziehung oder Erziehung in der Schulgemeinschaft, Kunsterziehung waren Probleme, um die mit der pädagogisch interessierten Oefsentlichkeit gerungen wurde. Wer sich dafür interessiert, der lese die grundlegenden Bücher von Gustav Wyneken:„Schule und Iugendkultur" und„Der Kampf sür die Jugend"(Verlag Eugen Diederichs, Jena). Der Wanderer, der über die Thüringer Berge steigt, um der Freien Schulgemeind««inen Besuch abzustatten, erlebt dieses: nach stundenlangem Wege durch schöne, ernste Tannenwälder össnet sich der Blick auf ein am oberen End« eines Tales gelegenes kleines Dorf. In einem früheren, zur Schule ausgebauten Gutshos« trifft man an eine freie, fröhliche, anscheinend ungebundene Jugend: und wenn man näher hinschaut, so findet man hinter allem diesen als eine nicht wegzudenkende Kraft einen Ernst des Dienens, eine Hin- gäbe an di« gemeinsam« Sache, die unwillkürlich ergreift, und die ahnen läßt, daß eine neue Jugend in der kommenden Gesellschaft eine neue Welt schaffen wird. Vieles, was in der ersten Zeit des Bestehens der Freien Schul- gemeinde noch umkämpft war, ist heute auch für die öffentliche Schule fast selbstverständlich geworden: ein neuer, freierer Unterricht, ein freieres, ungezwungenes Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern. Trotzdem bleibt die Freie Schulgemeinde auch heute noch— und vielleicht muß das so sein— ein einsamer Vorposten, einer der einsamen Vorposten der Zukunft— in dem Unsinn, in der Häßlich- keit und Unwphrhaftigkeit des Lebens in unserer Gesellschaft, eine Sckiau der Hoffnung in der Gegenwart, dadurch aber auch eine Fackel für unseren Weg._ Friedrich Salomen. Ein Maler und ein Architekt. Waste und Brüning. Bei Twordys(die noch Känigin-Augusta-Str. 23 übergesiedelt sind) stellt Erich Waske Bilder o>,s Masuren aus. Man er- wartet ja keine Heimattunst: aber die Kühnheit, vor diesen Dekara- tionen den Namen einer Landschaftsspeziolität zu nennen, ist groß. Es sind, wie alle Malereien(uns Glasbilder) Waste«, geschmackvoll zusammengestellte Farbenstöchen, nicht unähnlich Vorbildern für kräftig« Bauernteppiche, die Wiese, Bäume, See and Himmel traft unserer oft geübten Einsühlung-fähigkeit gut erkennen, das Erlebnis der Natur aber in recht verdünnter und abgeklärter Form zu uns gelangen lassen: von Masuren im besonderen schon gar nicht zu reden(dessen Lanoschast und Stiinmungsgeholt ich recht gut kenne). Ein Mondausgang über einem von Fichten begleiteten Hohlweg nimmt den Anlauf zu intimerer Bedeutung Des Düsseldorfer Architekten Rudolf Brüning Werk zeigt die Bauweit-Müsterschau(Charlottenstr.v) in Tersolg ihrer rühmene- werten Einzelausstellungen lebender deutscher Bamneister. Im wesentlichen sind es zwei Hauptbauteu seiner'etzten Jahre, oercn Aeußeres und Inneneinrichtung in trefflichen Ausnahmen vorgeführt werden: das Berwaltungsgebäude der Rhenama-Osioz in Ludwigs- Hafen a. Rhein und vor allem das umsangreiche Schellhaue on der Alster in Hamburg. Beide, sehr ähnliche, Aufgaben sind in moderner und sachlicher Weise gelöst: nicht übermäßig originell, aber an» ständig und in der Art. wie heut« bei uns solche Bürohäuier von klugen Architekten gebaut werden. Von unserem Standpunkt wäre dazu etwa zu sagen, daß solche Zwingburgen de« Kapitalismus sich einer baulichen Fonnsnjprache bedienen, ai« nicht ganz für sie ge- schaffen worden ist. Ihre Form stammt von der sozialen Architek» tur der L« Embusier. Sropiu», Taut. Hilberseimer her. die sür das Volk wirken will: sie ist in kapitalistischem Sinne umgeweriet. I>. f. seh. Da« Deutsche Theater erössnct die Wivierspielzeit am Dienstag mit der llrauffübrung von a t" nach Ernest Hemingway von Carl Zuckmaver und Heinz Hilpert. Da« Lesfinz-Iheater wird unter der Direktion von Dr. Robert Klein Donnerstag mit der Komödie„Junge Liebe" von Ralph Samson, tztutjch von Hans Reisiger, eröffnet. Aus der„I�abenecke" in Braunschweig. Zum 100. Geburtstag Wilhelm Baabes am 6. September. Die„Rabenecke" hieß der Stammtisch in der Herbstschen Wein- siube zu Braunschweig, in der sich Wilhelm Raabe, der geschätzte Ehrenbürger der Stadt, mit Freunden und Bekannten regelmäßig zu treffen pflegte. Trotz aller Ehrungen und Anerkennungen lebte der Dichter, dessen Bücher, von ein paar Ausnahmen abgesehen, es zu seinen Lebzeiten nicht einmal zu einer zweiten Auflage bringen konnten, in bescheidenen materiellen Verhältnissen, was sich auch in seiner äußeren Erscheinung unzweideutig zum Ausdruck brachte. Der Dichter trug stets und ständig einen schwarzen Gehrock, aus den, wie ein Angehöriger der Tafelrunde einmal aus der Schule plauderte, der Ausdruck„schäbige Eleganz" kaum noch paßte: denn das Blech der umsponnenen Knöpfe lag Nar zutage, und di« Tabakasch« hatte den Weinslecken auf dem Rock«ine unbestimmbare Färbung gegeben. Auch die Beinkleider gehörten eigentlich in ein Museum. Raab« liebte auch das zu zeigen, d. h. er wies nicht gerade daraus hin, aber es schien doch, als wollte er sagen:„Ja, seht, so mußte einst ein deutscher Dichter leben. Jetzt hätte ich es zwar nicht mehr nötig, aber die Erinnerung an meine mageren Jahre will ich mir bewahren." Raabes 70. Geburtstag brachte dem Dichter, der sich an jenem Tage rühmen durste, ein„Vermögen" von ganzen SOvo Mark erspart zu haben, aus allen Teilen Deutschlands Zeichen der Liebe und Verehrung in Hülle und Füll«. Auch die preußische Regierung fehlt« nicht unter den Gratulanten. Sie hatte sich sür ihre Ehrung aller- dings reichlich Zeit gelassen, dafür fiel diese Ehrung aber auch um so kläglicher aus. In Verlin hatte man es nämlich fertiggebracht, dem großen Dichter, der bereit» drei Groß« Medaillen für Kunst und Wissenschaft sowie den bayerischen Maximiliansorden besah, den Kronenorden dritter Klasse zu verleihen, ein« Auszeichnung, die in diesem Fall wie ein Hohn anmuten mußte. Raabe berichtete in seinem bissigen Humor einem Freund über diese„Ehrung":„Gestern über- brachte mir ein Bote des hiesigen Ministeriums den Königlichen Preußischen Kronenorden dritter Klasse. Ich habe dem Ueberbringer Quittung und einen Taler gegeben. Mehr ist wohl nicht nötig." Die amerikanische Heuschreckenplage. , Tausend- von Ouadratmeilen sind in fünf der Nordweststaaten Amerikas von Heuschrecken vollständig verwüstet worden. Die Be- richte, die aus den von der Plage heimgesuchten Staaten eingehen, übertreffen all«,, was man von der Zerstörungswut dieser Schäd- linge bisher gehört hat. Die Kampffront der Heuschrecken legt in ihrem Vormarsch täglich im Durchschnitt 80 Kilometer zurück.„Eine schwarz« Wolke am Horizont des tiefblauen Himmele", schreibt ein Blatt au» De» Maines im Staate Iowa,„ein schwaches, summendes Geräusch. Die schwarze Wolke gewinnt an Größe und nähert sich mit dem Ungestüm eines Präriefeuers. Das summende Geräusch wird lauter und verstärkt sich, je breiter und niedriger die Wolke wird, schließlich zum ohrenbetäubenden Lärm. Gleichzeitig ver- wandelt sich das Wolkenbild in ein Ungeheuer von schwarzen Flecken, dessen Gestalt sich immer deutlicher abzeichnet." Ueber das Ergebnis eines solchen Heuschreckeneinfall» schreibt ein anderes Blatt: „Auf den sonnenverbrannten braunen Feldern ist die Vegetation so vollständig vernichtet, als wäre ein« riesige Sense über sie dahin- gefahren. In einem Feld Süd-Dakotas von 400 Hektar war von den Heuschrecken nicht so viel Gras übrig gelassen, um auch nur ein einziges Tier zu füttern. Zahlreiche Farmer sind so gut wie ganz vom Verkauf der Eier und des Geflügels abhängig. Die Felder, die ihnen Futter lieferten, sind wie abrasiert. Einer Vernichtungs- armee gleich ziehen die in Schlachtlinie vorrückenden Heuschrecken vom Missourifluß ostwärts. Di« Jnsektensorscher sind außerstande zu sagen, woher die Insekten kamen und wohin sie ziehen. Sie scheinen sich geradezu aus der Luft zu materialisieren. Angesichts dieser ungeheuren Plage haben die Staaten Montana. Dakota, Iowa, Nebraska und Minnesota einen Fonds von 15 Millionen Dollar aufgebracht, der der Bekämpfung dieser Plage dienen soll. Dr. Howard, der Chefentomologe des Ackerbauamts in Washington, schätzt den durch die Insektenplage in diesem Jahr entstandenen Ver- lust auf einen Geldwert, der zwei Milliarden Dollar übersteigt." Der Goekhe-Preis an Ricarda huch. In Goethes Geburtshaus in Frankfurt fand Freitag— am Tage der Wiederkehr von Goethes Geburtstag— die feierliche Uebergabs des von der Stadt Frankfurt gestifteten Goethe-Preises an die deutsche Dichterin Ricarda Huch statt. Ricarda Huch dankte sür den„schönsten Preis, der einem Deutschen zufallen könne" und der zugleich eine stets sich erneuernde Huldigung Goethes sei. Erössnung eine» Lenau-lNuseum». In der heute zum rumäni- scken Vanat gehörenden Gemeinde Lenauheim, dein Geburtsort des Dichters Nikolaus Lmau, wurde in dem Geburtshaus« des Dichters das Lenau-Mufeum eröffnet. Das Museum umsaßt eine Bibliothek von Lenaus Werken und eine in Erstausgaben enthaltene Lenau- Literatur sowie eine Manuskriptsammlung, Bildnisse und zahlreiche Erinnerungsgegenstünde. Zur Ausgestaltuirg des Museums liat ins- besonder« die Stadt Wien wertvolle Erinnerungsstücke beigesteuert. Oberammergaucr Festspiel 1934. Di« 390, ährige Wiederkehr des Festjahres von 1634 soll in Oberammergau im Rahinen eines großen Jubiläumssesstpieles äefeiert werden. Allerdings steht noch nicht fest, ob da» traditionelle Passionsspiei oder ein besonderes historisches Fest- spiel zur Darstellung gelangt. Felix Brcsiart spielt ab 1. September im K o m ö d i e n b a u s zu volkstümlichen Preisen die Rolle des Bürovorstehers Reißnaal in dem Lustspiel„Das Konto T". Intendant Ernst Legal wird im Laufe dieser Spielzeit Werke junger Auwren an sechs Sonnabendnachmittagen im Staatlichen Schauspielbaus zur Diskussion stellen. Ws erstes geht das Lustspiel„D« e P r ü s u n g e n H i o b s" von Klaus Hcrrmann in Szene. Di« Schülervorstellungen der Stadt Berlin werden unter der künstle- rischen Leitung der Bühnengenossenschast ouäz lni kommenden Winter fort- geführt. Für den September ist Hauptmanns„Biberpelz" in Borbereitung. Auf dem Spielplan sind ferner Lessing:„Junge Gelehrte",„Riinna von Barnhelm", Georg Kaiser:„Kolportage" sowie andere dem Lehrplon an- gcpaßte Werke, Unberechtigte Steuerabzüge. Die unständig beschäftigten Hafenarbeiter. Das Arbeitsverhältnis der beim Löschen und Laden von Schiffen und im sonstigen Güterumschlag in den Häfen beschäftigten Arbeiter unterscheidet sich grundsätzlich von dem anderer Lohn- arbeiter. Der Hafenarbeiter ist sozusagen ständig unständig beschäftigt. Selten dauert die Beschäftigung bei ein und dem- selben Unternehmer eine ganze Woche. Beschäftigungen bis zu drei Tagen sind die Regel. Dieses immer nur kurze Zeit währende und ständige wechselnde Arbeitsverhältnis und die Auszahlung.kleiner Lohnsummen für unregelmäßige Zeitabschnitte macht Schwierig- leiten bei der Verrechnung der L o h n- und K r i s e n st e u e r. Die unständig beschäftigten Hasenarbeiter sollen nun mit Ge- nehmigung des Reichsfinanzministeriums wie folgt zur Lohnsteuer herangezogen werden: Die in einer Kalenderwoche verdienten Tage- löhne oder Akkordsätze werden solange vom Steuerabzug frei- gelassen, bis ihr Gesamtbetrag den behördlich ver- merkten gesamten steuerfreien Wochenbetrag ü b e r st e i g t. Sobald diese Grenze überschritten wird, ist von dem überschießenden Betrag die für den betreffenden Arbeiter in Anrechnung zu bringende Steuer zu berechnen. Der Arbeitgeber, der nach Ueberschreitung der steuerfreien Grenze Lohn zahlt, hat Verrechnung und Abzug der Steuer vorzunehmen und den fälligen Betrag entweder durch Kleben von Steucrmarken oder durch Ueberweisung an das Finanz- amt abzuführen. Dieser Modus bedingt besondere Steuernachweise, aus denen der jeweilige Arbeitgeber einwandfrei entnehmen kann, wieviel Lohn in den einzelnen Tagen einer Kalenderwoche verdient war und ob und wann das steuerfreie Einkommen überschritten wurde. Einige Finanzämter haben mit Genehmigung des Reichs- finanzministeriums solche besondere Steuernachweise für unständig beschäftigte Hafenarbeiter eingeführt, die sich ausgezeichnet bewährt haben. Die übrigen Finanzämter lehnen die Verwendung eines zweckmäßigeren besonderen Steuernachweises ab. An den von diesen Aemtern betreuten Orten wird den Hafenarbeitern größtenteils die Lohn- und Krisensteuer von ihrem täglichen Verdienst abge- zogen, soweit er das tägliche steuerfreie Einkommen über- schreitet— gleichgültig, ob das Gesamteinkommen in der Kalenderwoche unter dem wöchentlichen steuerfreien Einkommen bleibt. Das ist aber jetzt während der Wirtschaftskrise meistens der Fall. Zur Zeit sind die Hafenarbeiter nur zwei bis drei Arbeits- schichten in der Kalenderwoche beschäftigt. Wenn der Steuerabzug vom täglichen Lohn ohne Rücksicht auf das wöchentliche Gesamteinkommen bisher als unbillige Härte emp- funden wurde, so war doch durch die Rückerstattung zuviel gezahlter Lohnsteuern am Schluß des Steuerjahres ein einigermaßen tragbarer Ausgleich geschaffen. Mit der Aufhebung dieser Bestimmung durch die letzte Notoerordnung tritt aber für viele Hafenarbeiter eine Mehrbelastung ein, die ungerechtfertigt und un- tragbar ist. Dieser Steuerunsinn schafft größte Beunruhigung bei den be- troffenen Arbeitern. Das Reichsfinanzministerium muß hier ein- greifen. Die Finanzämter müssen Anweisung bekommen, daß den unständig beschäftigten Hafenarbeitern Lohn- und Krisensteuer unter Beachtung des wöchentlichen steuerfreien. Ein- kommen? und einheitlich in Abzug gebracht werden. Früchie kommunistischer Erziehung. Ein Kroftdrofchkerrfahrer schreibt uns: Am Tage des Volks- entscheid? wurde ich mehrmals von Berufskollegen der „Kraftag", die Mitglieder der NGO. sind, aufgefordert, mich an dem schwarzweißroten Volksbetrug zu beteiligen. Als ich mich weigerte, einem S t a h l h e l m m a n n ein Flugblatt abzunehmen, wurden mir sogar von einem RGO.- Mann Ohrfeigen angeboten. Nachdem es dem gemeinsamen Bemühen der geistesverwandten Unternehmer- knappen nicht gelungen war, mich für ihre„Einheitsfront' zu be- geistern, erklärte man mir:„Na, warte man, es kommt die Zeit, da werden wir dir mal eins auswischen!' Am 25. August war offenbar„die Zeit gekommen'. Ein gewisser Ernst Krohne, Krastagfahrer und bei den Droschkenchauffeuren als Raufbold bekannt, erschien angetrunken am Halteplatz. Mit den Worten:„Dich und Kurt Schmiegel(Mitglied der SPD.) schlage ich noch krankenhausfähig,' fiel er über mich her und mißhandelte mich mit Händen und Füßen. So sehen die„revolutionären' Bundes- genossen Hitlers aus, auf die die KPD. so stolz ist. Arbeiiszeii und Lohn in Amerika. Die Politik der Regierung. Der amerikanische Arbeitsmini st er Doak setzte sich mit folgender Erklärung eindeutig für den Sechs st undcntag und die ö-Tagewoche«in: „Schon bevor ich das Amt des Arbeitsministers übernahm, sprach ich mich zugunsten des Sechsstundeniages und der S-Tagewoche in der Industrie aus. Auch heute noch stehe ich auf diesem Standpunkt. Seit wir in Regierungsbetrieben die S�-Tagewoche eingeführt haben, wird die Arbeit im Arbeitsministerium so gut, so schnell und zweckmäßig verrichtet wie früher und die Regierung hatte nicht die geringsten Mehrausgaben.' Herr Stegerwald könnt« von seinem amerikanischen Kollegen etwas lernen. _ Im Zusammenhang mit Presseäußerungen, denen zufolge der Präsident H o o v e r in der Lohnfrage eine Schwenkung gemacht haben soll, gibt das Weiß« Haus(Sitz des Präsidenten) bekannt: .Kein Mitglied der Regierung der Vereinigten Staaten hat die Meinung ausgesprochen, daß die Politik der Hochhaltung der Löhne ausgegeben werden soll.'— Auch hier kann man nur sagen: Zur Nachahmung empfohlen. Die vor einiger Zeit vmn amerikanischen Gewerkschaftsbund Herausgeebene Parole der unbedingten Opposition gegen Lohnherabsetzungen hat berests zu zahlreichen Streiks ge- führt. Im ganzen Jahr 1930 fanden 653 Streiks statt, während für die ersten sechs Monate dieses Jahres bereits nahezu 500 Streiks gemeldet worden find. Die Kämpfe würden zweifellos noch viel zahlreicher fein, wenn Regierung und Unternehmer ebenso der zerstörenden Lohnabbaupsychose verfallen wären wie in Deutschland. Heinrich Kaufmann gestorben. München, 29. August.(Eigenbericht.) In der Nacht zum Sonnabend verschied in München Heinrich Kaufmann, Bezirksleiter des AfA-Bundes und Guleiter des Butab. Kaufmann war ein zäher, unermüdlicher Verfechter der Rechte aller arbeitenden Menschen, deren Leiden er als Arbeiter gründlich kennengelernt hatte. Er gehört von 1898 bis zu seinem Tode un- unterbrochen der Sozialdemokratischen Partei an. Im Jahre 1923 war er Mitglied der Sozialisierungskommission des Reichstags. Sein Tod bedeutet sowohl für die Sozialdemokratie als auch für die Gewerkschaften einen großen Verlust. Ltm die 40-Gen aus der Fürsorge.— Rose-Theater: Mädchen zum Heiraten.— Rose.Thcater «):.Das Glücksmädel.— Theater in der k lästerst rohe: Büchse der Pandora. 7. Katharina knie.— Wintergarten, Plaza, Skalas Internationale» Variete.— Zteichshalleu-Theater: Stettin«! Sänger.— Lcssiug.Theater: 31. bis 2. geschlosscn. Ab 3. Iung«.lLiebe.— Kounsch« Oper: Thron»u vergeben. Zlachmiltagsveranstaltungen: Theater dt» Westeu,: 30. Viktoria und ihr Hulor.— Wallner-Theater: 30., 6. 1ö Uhr und S. IS Uhr. Rotkäppchen. 30., S. 17 Uhr. Dos Mädchen aus der Flirshrge.— Rose-Theater: 6. IS Uhr. Das tapfere Schueiterlein. 11% Uhr. Mädchen»um Heiraten.— Role�Theater lGartenbilhne): Konzert und Variete.— Theater in der Kloftrrftraße: zo., 6. 15% Uhr. Erdgeist. 1714 Uhr. Büchse der Pandora.— Wintergarten: 30.. 5., 6. Internationales Variete.— Plaza, Skala: Internationale» Variete.— Komisch« Oper: S. IS Uhr. Thron zu vergeben. Erstaufführungen der Woche: Dienstag. Deutsche, Theater: Kot.— Douurratag. L e s s t n g. Theater: Junge Liebe.— Souoabend. Deutsche» Künstler. t h e a t e r: Die Rosenbraut. Rückschau. Es ist ein« Erscheinung, die wir sehr oft bei uns beobachten können: wir feiern sehr laut oder gar nicht. Das kommt wohl daher, weil wir mehr mit dem Verstände als mit dem Herzen feiern. Im nächsten Jahre wird es hundert Jahre her sein, daß Goethe starb. Obgleich es nicht recht einzusehen ist, wieso gerade der Tod eines Großen besonderen Anlaß zum Feiern gibt, so ist es doch so üblich, und es wird im nächsten Jahre daher sehr viel und mit vielen klangvollen Reden getan werden. Den letzten Geburtstag, den Goethe jetzt vor 100 Jahren beging, übersah man ziemlich ganz. Irgendein« Veranstaltung, die des Dichters würdig gewesen wäre, gab es anscheinend nirgends. Berlin übertrug am Vormittag die Goethe-Feier aus Ilmenau. was im Interesse der Schüler zwar sehr zu begrüßen war, den erwachsenen Hörern aber kaum zugute kam. Im Programm der Deutschen Welle sprach dann in den späten Nachmittagsstunden Dr. August L e f f s 0 n fünfundzwanzig Minuten lang über „Goethes letzten Geburtstag': er beschränkte sich auf eine Schilderung der äußeren Vorgänge an diesen Tagen. Der Hörer sah einen berühmten Mann, der sich den ihm geweihten Hoifestlich» keiten entzieht und mit seinen zwei munteren Enkeln die ländliche Stille von Ilmenau und die heiteren Feste freundlicher Land- bewohner aufsucht. Von dem Großen, der auf zweiundachtzig Jahre eines Lebens zurückschaut, das in fast übermenschlicher Breit« unt» Tiefe vor ihm liegt, der immer noch die Geheimnisse der Natur durchforscht wie ein ganz junger und der doch sein Werk aus eine seltsam eindringliche Weise voll Selbsterkenntnis abgeschlossen hat, von diesem Großen sprach niemand und nichts zu den Hörern. Ein Bortrag„Die neue literarische Saison' brachte Gottfried Venn vor das Mikrophon der Funkstunde. Er verzichtet« diesmal auf alle privaten Fremdwörter und sprach durchaus allgemeinverständlich. Die neue literarisch« Saison— das ist ihm nicht die Saison von morgen— sondern irgendein« Zeit in der Zukunft, in der die Kunst das Geheimnis des Menschen wieder entdeckt, des unendlichen, wie Venn es ausdrückte, tragisch seienden Menschen. Die nächst« literarische Saison aber wird genau so wie die übernächste genormte, sckfablonisierte Kunst für genormte Wesen an die literarische Oberfläche bringen; darüber kann sich jeder mit Venn einig sein. Aus Breslau wurde am Abend auf beide Berliner Sender die Hörfolge„Rummelplatz' übertragen; eine Reihe von effekt- vollen Chansons, durch ein paar verbindende Sätze lose aneinander- gekettet. Die Musik von Karl Szuka, znm Teil mit starken Anlehnungen an Kurt Weil, koloriert das Milieu recht wirksam. so daß auch die nicht immer verständlichen Texte zusammengehalten wurden. Bester wäre es freilich gewesen, wenn ein« stets klare Aussprach« dafür gesorgt hätte. Sonnabend, 29. August. Berlin. 16.25 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 16.30 Die Erzählung der Woche: Gerhart Hermann Moslar. 17.00 Konzert. 13.15 Zehn Minuten für den Laubenkolonisten. 18.45 1. Dohnänyi: Sonate cis-moll. op. 21.— 2. Schubert; Sonate g-moll, op. 137, Nr. 3.(Eraerich Waldbauer. Violine, und Ludwig Kentner. Flfliel.) 19.30 Prof. Dr. S. Saenger, Herbert Blank: Kullurliberalismus. 20.00 Funk-Ausstellung: Bunter Abend. Leitung Alfred Braun. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Königswusterhause». 16.00 Hamburg: Konzerl. 17.00 Stud.-Dir. Walter Merck: Technik und Pädagogik, eine Bücherschau. 17.30 San.-Rat Dr. Brock: Entfettungskuren. 18.00 Französisch für Fortgeschrittene. 18.30 Holzel: Die Westmark. 18.55 Wetter für die Landwirtschalt. 19.00 Louis v. Kohl: Das Leben der Naturvölker. 19.30 Stille Stunde. Gesichter der Landschaft. 20.00 Langenberg: Lustiger Abend. Sonntag, 30. Augus' Berlin. 06.30 Funkgymnastik. 08.00 Für den Landwirt. 10.45 Wettervorhersage. 12.00 Hermann Bahr.(Sprecher: Dr. Ernst Kamnitzer.) 14.00 Märchen.(Marga Röhn.) 14.30 Unterhaltungsmusik. 15.30 Dr. Manfred Hausmann: Reise durch Florida. 16.00 Hausmusik von Anton Bruckner: 1. Drei kleine Stücke(Klavier, vierhändig). 2. Ave Maria(Sopran und Klavier). 3. a) Fantasie; b) Der Steiermärker(Klavier). 4. a) Im April: b) Frühlingslied(Sopran und • Klavier).(Maria Toll, Sopran:£rwin Hansche und Heinrich Burkard, Flügel.)...... 16.30 H. E. Busse liest eigene Dichtungen. 19.00 Clowns. Mit Schallplattenbeispleleh.(H. J: laretzkl.) 19.45 Sportnachrichten. 20.00 Unterhaltende Musik ans Amerika. Dir.: Werner Janssen, New York. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Orchestersuiten. Dir.: Bruno Seidler-Winkler. 1. Delibcs: Ballettsuite. 2. Orieg: Peer-Gynt-Suite Nr. 2. op. 55. 3. Bizet: L'Arlesienne Suit« Nr. 2.(Berliner Funkorchester.) 22.05 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Könizswnsierhansen. 07.00 Hamburg: Halenkonzert 09.00 München: Hörbericht vom Feslgottesdienst de» Katholikentages. 11.00 Mag.-Schulrat Dr. F. Pagel: Kinderfreundschalten. 11.30 Bach-Kantaten. 12.00 Dr. Woltgang Hoffmann-Hamlsch: Ludwig Thoma. 12.30 Leipzig: Konzert. 15.30 Dr. Brockt: Was ist Programm-Musik? 16.30 Liz. O. Tbulin: Alltag und Feste in Italien. 17.00 SchluBversammlung des Katholikentages. 19.00 Langenberg: Lcichtathletik-Ländcrkampf Dentschland-EngLn J 19.30 Wilhelm Lichtenlhäler: Der Stenograph. 20.00 Hamburg: Die leichte Knust. Wetter für Berlin: Zunehmende Aufheiterung Am Tage etwas wärmer, mähig« nordöstliche Winde.— Für Deutschland: Im Westen Fortdauer Oes beständigen Wetters, im Osten allgemein etwas Besserung und am Tage etwas wärmer. „Volk und Aeit". unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Beranlwortl für die Redaktion: Heebirk Lepeee, Berlin: Anzelaen: Td.»lock«. Verlin. Verla«: Vorwäel» Vrelaa S. m. b. S.. Berlin. Druck: Lorwärl» Buch- druckerei und Verlaasanstalt Vau! Sinaer& Co.. Berlin CA 68. Lindenstrake 3 Hierzu 1 Beilaae. Da» Bad.Oftend", O. 34, Borbastener Str. 17, hat nach vollständigen Renovierung fein« Pforten wieder eröfsuet. Die Defchästsleituna war bemüht. gerade der arbeitenden Bevölkerun» die Wahltat eine»«efelsehende» Bade» zu ermöglichen. Reden Reiirigungsbädern werden fämUiche medizinischen Bäder in höchster Vollendung abgegeben. In den Paterreräumen befindet sich ein« Spezialabteiluiist für kohlenssäurebäder in Einzelkabinen mit Ruhegelegenheit. Getrennte Kabinen sind auch in der Damenschwihabteilung vorhanden, in der neroenstärkende Kräuter, und Cauerstosfbäder verabfolgt werden. Auch stehen den Damen da» berühmte Russtsch-Rönrisch-Bad sowie Licht» und Loh» tanninbädee täglich zur Verfügung. In der 1. Etage sind die Baderäume und der Nichesaal für Männer untergebracht. Es ist auch hier für Hngieii« und Komfort in bester Weife gesorgt. Reinigungsbäder erhält man im 2. Stock. Asats ty��Thealcr Staatsoper Unter den Uodeo. Manon Lescaut Anfang 20 Uhr StaatLSdiaiispielluiB tieodanneerairlt. Beginn d. neuen Spielzelt 6» lieitudlirl Die natfirlidic Tochter Anfang 20 Uhr Slüdi.Oper Charlottenburg Bismarckstiaüe 34 Turnus I Anfang 20 Uhr Zar und Sdiiller-Theater Chailotlenburg Beginn d neuen Spielzeit Die Milsdnildinen. 33 Misoten in Grünibtig Anfang 20 Uhr KuriQrsiendamni- Theater Bismarck 448/49 S'u Uhr Die schöne Helena eoa lacqaesOlleRDadi zimiaermann nagte: uuiuiBkudi Winter * QcirrGn* «v.uhr CASINO-THEAIER 9-/. in» Lothringer Strohe 37. iiiiiiiimmiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiuiiiiiiiiiiimiiiiMiiiiiiiii Täglich 8l/4 Uhr Das Parfüm meiner Frau dazu ein erstklassiger bunter Teil. Für die Leser: Cnisdieln 1-4 Per». Rang Mitte 1 M, Fauieuil u. Balk. 1,23 M. Sessel 1,50 M. Sonstige Preise: Parkett TS PI, Rang 60 Pt, Deotsdies Tbeater Dienstag, I. Sept. 8 Uhr Urautführung Kat Schauspiel nach Ernest Hemingway v Carl Zuckmayet und Heinz Hilpert. Regit; Heim Hilgert nietropoi-Theater Heute Sonnab. 7"i Premier« der neuen Päul-Übratiain- Operette Die Blume von Hawai unter persönl. Ltg des Komponisten Pr.derPL; l.-kb 14.50 MUUW __ Äu.'asittK' X»/ Vnressdiiiii SdiOiih.-Beiiigkendl Barbarossa 0258 Hol.« u.at/2U. Ol« Presse sciirtlbl; ...CisseBaiaasnilsdsr „Seals" fVoit.ZtrJ Elses der bsstea Predramiiiedeslsdrts! (Berliner Tasebl.) Täglich 5 und Bis iannt. 2, 5 u. Bis „Um 9 Uhr muß Ich In die Kaserne!" mit Fritz Servot HONNA. TVKGA DRESSLERiERA ».das(rode Pregram Theater Im AdmiralsnalBsl Täglich 80. Uhr Rotter-Gastspiel Die Dubarry mit Gitta Aipar Preise: 0,50 bis I2J0 Theater desWestens Tägl. S u. 8'/. Volksvorstellungen Viktoria und ihr Husar Billigster PI. 0.50 M TeuersttrPI.2.50M. Komische opor Frledrichstr. 104 Heute T'.t U h: Urauffllhrung Thron zu vergeben Operette v.Neidhart Musik v, Witmana. Reichshallen-Theater 8„Alles verrückt!4' Am 1 Sept.: Britton- JubilSum SO Jahre Stettlner Sange p. Berliner IJlhTriO N a S k• 1 1 B. Lahnatr. 74176.1 Neu eröffnet! Kurbad Ostend Eoxhagester Strafe 17 Ecke Warsdsaner Strafe Das moderne Bad, 3 Stockwerke 40 Wannen mit Ruhegelegenhelt- R ns» i s c k.r 0 m i*c h e Blder für Damen and Herren Lieferant aller Krankenkassen s. (Beilage Sonnabend, 29. August 1931 frrflfamd ShAiaui4aäe-da'uynoärC Marx und Engels: Ueber die Ausbeutungstheorie Veröffentlichung aus dem Nachlaß Der folgende Text ist bisher unveröffentlichten Teilen der >, Deutschen Ideologie" entnommen, die wir im„Vorwärts" schon früher gewürdigt haben. Marx und Engels haben die„Deutsche Ideologie" unter Mitwirkung von Moses Heß 1845 bis 1846 verfaßt; sie war eine scharfe und endgültige Abrechnung mit ihren philo- sophierenden Zeitgenossen, unter den M a x S t i r n e r, der Autor des Buches„Der Einzige und fein Eigentum" als der radikalste galt. Seiner„Erledigung" ist der umfangreichste Teil der„Deutschen Ideologie" gewidmet. Die Berfasier haben diesen Teil ihres Werkes „Sankt Max" betitelt, aus dem der hier mitgeteilte Abschnitt entnommen ist. i Marx und Engels analysieren die Ausbeutungstheorie(Ex- ploitationstheorie) von ihren wirtschaftlichen Grundlagen her. Stirner, Sancho, wie sie ihn nach Cervantes nennen, erweist sich hier als der typische Vertreter des vormärzlichen Kleinbürgertums. Die Darlegungen, die Marx und Engels hier geben, find jedoch keineswegs leicht und wollen gründlich durchdacht sein. Es wird gezeigt, wie die Wissenschaft der Nationalökonomie als besondere Fachwissenschaft historisch entstanden ist, wie sie mit dem Fort- schreiten der kapitalistischen Entwicklung erst allmählich alle mensch- lichen Beziehungen aus die ökonomischen Verhältnisse zurückführt. Das Prinzip des historischen Materialismus findet sich hier also auf die Nationalökonomie in ihrer geschichtlichen Entstehung angewandt. Damit wird aber zugleich deutlich, wie die marxistische Oeko- nomie ihrerseits den Menschen und seine gesellschaftlichen Zusam- menhänge nicht aus dem bloßen Ausbeutungs- oder Nützlichkeits- Verhältnis versteht. Die marxistische Wissenschaft will den ganzen Menschen, alle seine„Wefenskräfte" durchsichtig machen. Gerade dies machen die Frllhschriften von Marx überaus deutlich: und hierin liegt auch ihre Gegenwärtigkeit beschlossen. Denn auch die Wissenschaft der Gegenwart— wo sie sich richtig begreift— ringt danach, den Menschen nicht in„Sphären"(Kunst, Wissenschaft, Wirt- schaft usw.) zu isolieren, sondern den Menschen i n seiner Allseitig- keit und von seiner Totalität her zu deuten. Mit diesen Bemerkungen ist der Gehalt des Textes allerdings nicht erschöpft. Sie sollten dem Leser nur den allgemeinen Zu- sammenhang klarmachen und zeigen, daß es sich hierbei nicht um archivarische„Stoffhuberei" handelt, sondern um Gegen- w ä r t i g e s. J. Mayer. * „Du bist für Mich nichts als eine Speise gleichwie auch Ich br>n Dir verspeiset und verbraucht werde. Wir haben zueinander nur eine Beziehung: die der Brauchbarkeit, der Nutzbarkeit, des Nutzens." Max Llirner. - Wie-fcHr diese Theorie der wechselseitigen Exploitation; die B e n t h a m bis zum Ueberdruß ausführte, schon im Anfang dieses Jahrhunderts als eine Phase des vorigen aufgefaßt werden konnte, beweist Hegel in der Phänomenologie. Siehe daselbst das Il�pitel: Der Kampf der AusNärung mit dem Aberglauben, wo die Brauch- barkcitstheorie als das letzte Resultat der Aufklärung dargestellt wird.— Die scheinbare Albernheit, welche alle die mannigfaltigen Verhältnisse der Menschen zueinander in das eine Verhältnis her Brauchbarkeit auflöst, diese scheinbar metaphysische Abstraktion geht daraus hervor, daß innerhalb der modernen bürgerlichen Gesellschaft alle Verhältnisse unter das eine abstrakte Geld- und Schacherverhält- nis praktisch subsumiert sind. Diese Theorie kam auf, mit H o b b e s und Locke, gleichzeitig mit der ersten und zweiten englischen Re- volution. den ersten Schlägen, wodurch die Bourgeoisie sich politische Macht eroberte. Bei ökonomischen Schriftstellern ist sie natürlich schon früher stillschweigende Voraussetzung. Die eigentliche Wissen- schaft dieser Nützlichkeitstheorie ist die Oekonomic; in den Physio- k r a t e n erhält sie ihren wahren Inhalt, da diese zuerst die Oeko- nomie systematisch zusammenfassen. Schon bei H e l v e t i u s und H o l b a ch findet sich eine Idealisierung dieser Lehre, die ganz der oppositionellen Stellung der französischen Bourgeoisie der Revolution � entspricht. Bei H o l b a ch wird alle Betätigung der Individuen durch ihren gegenseitigen Verkehr als Nützlichkeits- und Benutzungs- Verhältnis dargestellt, z. B. Sprechen, Lieben usw. Diese Ver- Hältnisse sollen nun nicht die ihnen eigentümliche Bedeutung haben, sondern der Ausdruck und die Darstellung eines dritten ihnen unter- fchobenen Verhältnisses sein: des Nützlichkeits- oder Lenuhungsverhältnisses. Diese Umschreibung hört erst dann auf sinnlos und willkürlich zu fein, sobald seine Verhältnisse den Individuen nicht ihrer selbst wegen gelten, nicht als Selbstbetätigung, sondern vielmehr als Ver- kleidungen keineswegs der Kategorie Benutzung, sondern eines wirklichen dritten Zwecks und Verhältnisses, welches Nützlichkeits- Verhältnis heißt. Die Masterade in der Sprache hat nur dann einen Sinn, wenn sie der unbewußte oder bewußte Ausdruck einer wirk- / lichen Masterade ist. In diesem Falle hat das Nützlichkeits- Verhältnis einen ganz bestimmten Sinn, nämlich den, daß ich mir dadurch nütze, daß ich einem andern Abbruch tue(exploitation cte iPomme pur I'hoimne); in diesem Falle ist ferner der Nutzen, den ich aus einem Verhältnis ziehe, diesem Verhältnisse überhaupt fremd.... Dies alles ist wirklich bei dem Bourgeois der Fall. Ihm gilt nur ein Verhältnis um seiner selbst willen, das Exploitationsverhältnis; alle anderen Verhältnisse gelten ihm nur isoweit, als er sie unter dies eine Verhältnis subsumieren kann, und selbst wo ihr» Verhältnisse vorkommen, die sich dem ExploitationsverhAtnis nicht direkt unterordnen lassen, subordiniert er sie ihm wenigstens in der Illusion. Der materielle Aus- druck dieses Nutzens ist das Geld, der Repräsentant der Werte oller Dinge, Menschen und gesellschaftlichen Verhältnisse. Im übrigen sieht man auf den ersten Blick, daß aus den wirtlichen Verkehrs- beziehungen, in denen ich zu anderen Menschen stehe, keineswegs aber aus Reflexion und bloßem Willen, erst die Kategorie:„Be- nutzen" abstrahiert wird und dann umgekehrt jene Verhältnisse für die Wirklichkeit dieser aus ihnen selbst abstrahierten Kategorie aus- gegeben werden, eine ganz spekulative Methode zu verfahren. Ganz in derselben Weis« und mit demselben Recht hat Hegel alle Ver- Hältnisse als Verhältnisse des objektiven Geistes dargestellt. Holbachs Theorie ist also die historisch berechtigte. philosophisch« Jlluston über die eben in Frankreich anfkontmende Bourgeoisie, deren Exploitationslust noch ausgelegt werden konnte alS Lust an der vollen Entwicklung der Individuen in einem von den alten feudalen Baad«» befreite« Verkehr. Die Befreiung auf dem Standpunkt der Bourgeoisie, die Kon- k u r r e n z war allerdings für das achtzehnte Jahrhundert die einzig mögliche Weise, den Individuen eine neue Laufbahn freierer Ent- wicklung zu eröffnen. Die theoretische Proklamation des dieser Bourgeoispraxis entsprechenden Bewußtseins, des Bewußtseins der wechselseitigen Exploitation als des allgemeinen Verhältnisses aller Individuen zueinander, war ebenfalls ein kühner und offener Fort- schritt, eine profaiArende Aufklärung über die politische, pa- triarchalische, religiöse und gemütliche Verbrämung der Exploitation unter der Feudalität; eine Verbrämung, die der damaligen Form der Exploitation entsprach und namentlich von den Schriftstellern der absoluten Monarchie systematisiert worden war. Selbst wenn Sancho in seinem„Buche" dasselbe getan hätte, was H e l v e t i u s und H o l b a ch im vorigen Jahrhundert taten, so wäre der Anachronismus immer noch lächerlich. Aber wir sehen, wie er an Stelle de- tätigen Bourgeoisegoismus einen rodomontie- renden, mit sich einigen Egoismus setzte. Sein einziges Ver- dienst— hat er wider seinen Willen und ohne es zu wissen; das Verdienst, der Ausdruck der deutschen Kleinbürger von heute zu fein, die danach trachten Bourgeois zu werden. Es war ganz in der Ordnung, daß so kleinlich, zaghast und befangen diese Bürger praktisch auftreten, eben so marktschreierisch bramarba- sierend und vorwitzig der„Einzige" unter chren philosophischen Repräsentanten in die Welt hinaus renommierte: es paßt ganz zu den Verhältnissen dieser Bürger, daß sie von ihren theoretischen Maulhelden nichts wissen wollen und er nichts von ihnen weiß, daß sie miteinander uneinig find und er den mit sich einigen Egois- mus predigen muh. Sancho sieht jetzt vielleicht, durch welche Nabel- schnür sein„Verein" mit dem Zollverein zusammenhängt. Die Fortschritte der Nützlichkeits- und Exploitationstheorie, ihre verschiedenen Phasen hängen genau zusammen mit den verschiedenen Entwicklungsepochen der Bourgeoisie. Bei H e l v e t i u s und Hol- b a ch war sie dem wirklichen Inhalt nach nie weit darüber hinaus- gekommen, die Ausdrucksweise der Schriftsteller aus der Zeit der absoluten Monarchie zu umschreiben. Es war eine andre Ausdrucks- weise, mehr der Wunsch, alle Verhältnisse auf das Exploitations- Kommune, Marx, Kommunisten n Von Hermann Wendel Als sich die„blutige Woche" der Pariser in diesem Mai zum sechzigsten Male jährte, wies die sozialdemokratische Presse mehrfach darauf hin, daß Moskau die Kommune in seinem Kalender mit Rot und Gold anstreicht; sie ist den Bolschewisten nicht eine heroische Episode des großen Befreiungskrieges der arbeitenden Massen, wie etwa die Iunischlacht von 1848, sondern— billiger tun sie's nun ein- mal nicht—„die erste weltgeschichtliche Generalprobe der sozia- listischen Revolution" und„der erste weichin leuchtende Sieg der proletarischen Diktatur und des kommunistischen Gedankens". Wenn sich die Kommunisten als Erben der Kommunards geberden, können sie sich auf Lenin berufen, der oft genug die Kommune als„die Keimform der Sowjetmacht" und den Sowjetstaat als„Staat vom Typus der Pariser Kommune" bezeichnet hat, und Lenin wiederum durfte mit einem Schein von Recht Karl Marx mit seinem „Bürgerkrieg in Frankreich" anführen, dessen Gedanken- gänge hier und da in der Tat mehr leninistisch als marxistisch an- muten. War bisher nicht bekannt, daß Marx die Auffassungen jener ausgesprochenen Kampfschrist, die er noch während der atem- raubenden Ereignisse auf Grund sehr unzureichenden Materials hastig aufs Papier warf, je revidiert hätte, so veröffentlicht jetzt die „Gesellschaft" in Heft 7 einen Brief des Altmeisters an Domela-Nieuwenhuis vom 27. Februar 1881, in der es über die Kommune heißt: Abgesehen davon, daß dies bloß Erhebung einer Stadt unter ausnahmsweifen Bedingungen war, war die Majorität der Kommune keineswegs sozialistisch, konnte es auch nicht sein. Mit geringem Quantum Commcm sense(gesundem Menschenverstand) hätte sie jedoch einen der ganzen Volksmasse nützlichen Kompromiß mit Versailles— das allein damals Erreichbare— erreichen können. Die Apropriation(Aneignung) der Banque de France allein hätte der Versailler Großtuerei ein Ende mit Schrecken gemacht usw. usw. Jawohl, gezeichnet: Karl Marx! Und das ist denn doch reichlich verdrießlich für unsere kommunistischen Lohgerber, denen mit cinemmal die Felle davonschwimmen. Weltgeschichtliche Gene- ralprobe sozialistischer Revolution briillt, die Kommune feiern», der Lautsprecher Moskaus in alle Welt, leuchtender Sieg der proleta- rifchen Diktatur und des kommunistischen Gedankens. Ach nein, sagt Marx, nur die Erhebung einer Stadt und dazu„unter aus- nahmsweifen Bedingungen" und in ihrer Mehrheit keineswegs sozia- listisch! Fehler der Kommune war, schreien die Kommunisten,„der übermäßige Großmut des Proletariats", das seine Klassenfeinde nicht vernichtete und, um vollends zu siegen, seinen Pariser Sieg nicht durch einen entschlossenen Angriff auf Versailles krönte. Keineswegs, sagt Marx, Fehler der Kommune war ihr absoluter Mangel an gesundem Menschenverstand, der sie verhinderte, mit den Versaillern zu einer Verständigung zu gelangen, denn mehr ließ sich beim besten Willen nicht erreichen! Anderer Hauptfehler der Kommune, beharren die Jünger Moskaus, war es, daß sie nicht herz- Haft an die„Expropriation der Expropriateurs" heranging: z. B. wurde versäumt, die Bank von Frankreich in Besitz zu nehmen. Unsinn, sagt Marx, die Kommune hätte die Bank von Frankreich nicht expropriieren, sondern apropriieren, nicht e n t eignen, sondern sich aneignen sollen, um ein Druckmittel bei den Verhandlungen mit Versailles zu haben! „Gesunder Menschenverstand" statt strammen Klassenbewußt- seins,„der ganzen Lolksmasse nützlich" statt ausschließliche Klassen- interessen des Proletariats,„Kompromiß" mit dem Klassenfeind statt Immer-seste-druff-Taktik— ach, welch«in lauer Opportunist, welch ein jawohl!—»Sozialverräter" war doch dieser Karl Marx! Verhältnis zurückzuführen, den Verkehr aus den materiellen Bedürfnissen und den Weisen ihrer Befriedigung zu erklären, als die Tat selbst. Die Ausgabe war gestellt. H o b b e s und Locke hatten sowohl die frühere Entwicklung der holländischen Bourgeoisie(sie lebten beide eine Zeitlang in Holland) wie die«rst«n politischen Aktionen, durch welche die Bourgeoisie in England aus der lokalen und provinziellen Beschränkung austrat, und eine schon relativ ent- wickelte Stufe der Manufaktur, des Seehandels und der Kolonisation vor Augen; besonders Locke, der gleichzeitig mit der ersten Periode der englischen Oekonomie, mit dem Entstehen der Aktiengesellschaften, der englischen Bank der Seeherrschaft Englands schrieb. Bei ihnen und namentlich bei Locke ist die Exploitationstheorie noch un- mittelbar mit ökonomischem Inhalt verbunden.— Helvetius und Holbach hatten außer der englischen Theorie und der bisherigen Entwicklung der holländischen und englischen Bourgeoisie, die um ihre freie Entfaltung noch kämpfende französische Bourgeoisie vor sich. Der allgemeine kommerzielle Geist des achtzehnten Jahrhunderts hatte namentlich in Frankreich in der Form der Spekulation alle Klassen ergriffen. Die Finanzvcrlegenheiten der Re- g i e r u n g und die daraus entspringenden Debatten über die B e- steuerung beschäftigten schon damals ganz Frankreich. Dazu kam, daß Paris im achtzehnten Jahrhundert die einzige Weltstadt war, die einzige Stadt, in welcher ein persönlicher Verkehr von Individuen aller Nationen stattfand. Diese Prämissen, zusammen mit dem universellen Charakter der Franzosen überhaupt gaben der Theorie von Helvetius und Holbach di« eigentümliche allgemeine Färbung, nahmen ihr aber zugleich den noch bei den Engländern vorfindlichen, positiven ökonomischen Inhalt der Theorie, die bei den Engländern noch einfache Konstatierung einer Tatsache war, wird bei den Franzosen zu einem philosophischen System. Diese, des positiven Inhalts beraubte Allgemeinheit. wie sie in Helvetius und H o l b a ch hervortritt. ist wesentlich verschieden von der inhaltsvollen Totalität, die erst bei Bentham und Mill sich findet. Die erstere entspricht der kämpfenden, noch nicht entwickelten Bour- geoisie, die zweite der herrschenden, entwickelten.— Der von Helvetius und H o l b a ch vernachlässigte Inhalt der Exploitations- theorie wurde gleichzeitig mit letzterem von den Physiokraten entwickelt und systematisiert; da ihnen aber die unentwickelten öko- nomischen Verhältnisse Frankreichs zugrunde lagen, wo der den Grundbesitz zur Hauptsache machende Feudalismus noch ungebrochen war, so blieben sie insofern in der feudalistischen Anschauungsweise befangen, daß sie den Grundbesitz und die Agrikulturarbeit für die- jenige erklärten, welche die ganze Gestaltung der Gesellschaft bedingt. Die weitere Entwicklung der Exploitationstheorie ging in England durch Godwin, besonders' aber durch v c n th am vor sich,'der den von den Franzosen vernachlässigten ökonomischen Inhalt nach und nach wieder hereinnahm, je weiter sich die Bourgeoisie, sowohl in England wie in Frankreich durchsetzte. G o d w i n s I'olitical justice wurde während der Schreckensperiode, die Hauptwerke Bentham während und feit der französischen Revolution und der Entwicklung der großen Industrie in England geschrieben. Die voll- ständige Vereinigung der Nützlichkeitsthcorie mit der Oekonomie finden wir endlich bei Mill. Die Oekonomic, die früher entweder von Finanzmännern, Bau- kiers und Kaufleuten, also überhaupt von Leuten, die unmittelbar mit ökonomischen Verhältnissen zu tun hotten— oder von allgemein gebildeten Männern wie Hobbes, Locke, 5iume behandelt wurde, für die sie als ein Zweig des enzyklopädischen Wissens Be- deutung hatte— die Oekonomie wurde erst durch die Physio- traten zu einer besonderen Wissenschast erhoben und seit ihnen als eine solche behandelt. Als besondre Fachwissenschaft nahm sie die übrigen, politischen, juristischen usw. Verhältnisse soweit in sich auf, daß sie diese Verhältnisse auf ökonomische reduzierte. Sie hielt aber diese Subsumtion aller Verhältnisse unter sich nur für eine Seite dieser Verhältnisse und ließ ihnen damit im übrigen auch eine selbständige Bedeutung außer der Oekonomie. Die vollständige Subsumtion aller existierenden Verhältnisse unter das Nützlichkeits- Verhältnis, die unbedingte Erhebung dieser Nützlichkeitsverhältnisse zum einzigen Inhalt aller übrigen finden wir erst bei Bentham. wo nach der fran- zösischen Revolution und der Entwicklung der großen Industrie die Bourgeoisie nicht mehr als eine besondere Klasse, sondern als die Klasse auftritt, deren Bedin- gungen die Bedingungen der ganzen EeseNschaft sind. Nachdem die sentimentalen und moralischen Paraphrasen, die bei den Franzosen den ganzen Inhalt der Nützlichkeitstheorie bil- beten, erschöpft waren, blieb für eine fernere Ausbildung dieser Theorie nur noch die Frage übrig: Wie die Individuen und Ver- Hältnisse zu benutzen, zu exploitieren seien. Die Antwort aus diese Frage war inzwischen in der Oekonomie schon gegeben worden; der einzig mögliche Fortschritt lag in dem Hereinnehmen des öko- nomischen Inhalts. Bentham vollzog diesen Fortschritt. In der Oekonomie aber war es schon ausgesprochen, daß die hauptsächlichen Verhältnisse der Exploitation unabhängig von dem Willen der ein- zelnen durch die Produktion im ganzen und großen bestimmt und von den einzelnen Individuen fertig vorgefunden werden. Es blieb also für die Nützlichkeitstheorie kein anderes Feld der Spekulation als die Stellung der einzelnen zu diesen großen Verhältnissen, P r i v a t- E x p l o i t a t i o n einer vorgefundenen Welt durch die einzelnen Individuen. Hierüber hat Ben- tham und seine Schule lange moralische Reflexionen angestellt. Di- ganze Kritik der bestehenden Welt durch die Nützlichkeitstheorie er- hielt hierdurch ebenfalls einen beschränkten Gesichtskreis. In den Bedingungen der Bourgeoisie befangen, blieben ihr zur Kritik nur diejenigen Verhältnisse, die aus einer früheren Epoche überkommen waren und der Entwicklung der Bourgeoisie im Wege standen. Die Nützlichkeitstheorie entwickelt daher allerdings den Zusammenhang sämtlicher bestehender Verhältnisse mit ökonomischen, aber nur aus eine beschränkte Weise.— D»« Nützlichkeitstheorie hatte von vornherein den Eharakter der Gemeinnützlichkeitstheorie; dieser Eha- rakter wurde jedoch erst inhaltsvoll mit dem Herein- nehmen der ökonomischen Verhältnisse, speziell der Teilung der Arbeit und des Austausches. Sport am Sonntag Norgkn. Sonntag, finden auf dem Tiergarken-Sporiplah die �ereins-lNrhrtümpfe des t. Kreise» im Arbeiter-Turn- und Sport- bund statt. Da nichk nur alle Vereine der �-Klasse ihre Meldung abgegeben haben, sondern überhaupt jeder Leichtathletik betreibende Verein aus Berlin und der Provinz Brandenburg an den Mann- schaftswetlkämpsen teilnimmt, darf man erwarten, dost dieser Veranstaltung ein allererster Erfolg beschieden ist. Die hcmplkämpfe beginnen um lZ Uhr. Kindcrfreunde und ATGL.-Kinder im Ariedrichvhain. Am Sonntag veranstaltet die Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde gemeinsam mit den Kindergruppen der Freien Turnerschaft Groß- Berlin auf dem Sportplatz Friedrichshain einen Spiel- und Sport- tag. Als Auftakt hierzu findet von der Weberwiefe aus eine Werbedemonstration statt. Atnnarsch 13 Uhr. Auf dem Sportplag weiden dann in bunter Reihenfolge spartliche Wettkämpfe, Tanz- vorfuhrungen und Szenen aus dem Zeltlager die Besucher erfreuen. An sportlichen Wettknmpfen sind vorgesehen eine 8 X SU-Meter- Stafette, Handballweitiversen, Weitsprung, Völkerball, Roller- rennen und ein Handballspiel gegen die Groß-Berlincr Helfer. Eintritt für Erwachsene 10 Pf., Kinder sind frei. Reukölln-Britzer volkssporl-kindersesti Das diesjährige Vereinskinderfest findet morgen, Sonntag, ab 14 Uhr, wieder auf dem schönen Sonnenplatz in der Sonnenallee statt. Für die Kinder werden sportliche Wettkämpf« abgehalten, und Spiele und lustiges Tumnieln soll allen einige fröhliche Stunden bringen. All« Eltern und Angehörige sind gern gesehene Gaste. Die bedeutend erweiterte Koffeeküche gibt preiswerte Gelegenheit zum Kaffeckochen und ent- sprechend der schweren Zeit wird kein Eintrittsgeld erhoben. Alle Teilnehmer der zweiten Abteilungen treffen sich bis 13i4 Uhr am Buschkrug, um gemeinsam zum Sonnenplatz zu marschieren. herbstregatla des Reichsbanners. Morgen, Sonntag, findet die Herbftregalta der Reichsbannerwassersportabteilung vor den Boots» Häusern in Wendcnschlost statt. Bei dieser internen Regatta starten 230 Aktive. In dem Ruderrenncn sieht man gespannt auf das Rennen des ersten Vierers, wo es einen harten Kampf zwischen Vorwärts, Kollegia und Reichsbonner geben wird. Im Kawi- Vierer starten FTGB., Reichsbanner und Kanu-Union. Die Rennen beginnen bereits um lOW Uhr. Der Radsport am Wochenende. Das Radsportprogramm am letzten August so nntag ist nicht allzu umfangreich. Im Vordergrund des Interesses stehl die Weltmeisterschaft de r Berufs» f l i e g e r, mit der die Rodsportwoche in Kopenhagen ihren Abschluß findet. Ein grostarliges vlaladoren-Rennen bringt Mariendorf am Sonntag, wo sich die schnellsten Traber der Welt treffen. Die Veranstaltung beginnt um IS Uhr. Der Polizei-Sport-Verein begeht heute, Sonnabend, und morgen, Sonntag, das Fest seines zehnjährigen Bestehens durch eine groß« sportliche Veranstaltung im Polizeistadion, Chausseestraste. Jetzt wird ausgepackt! Die Praktiken im„Deutschen Fuizballbund" Vor einigen Tagen konnten wir an dieser Stelle mitteilen, daß in Essen ein Termin im Berufungsvcrsahren des ehemaligen zweiten Vorsitzenden des bürgerlichen Fußballklubs„Sport- freunde 07" gegen den VereinsvoHtand ansteht. Wir gaben am Schluß unserer Betrachtung der Hoffnung Ausdruck, daß der Bemfungskläger bzw. fein Verteidiger auch mit dem ganzen Material in dieser Angelegenheit herausrückt. Wie wir jetzt er- fahren, machen beide Ernst. In einem längeren Schriftsatz hat der Verteidiger Dr. La enge dem Gericht die Gründe der Berufung klargelegt. Die Borgeschichte ist kurz folgend«: Wichmann, jahrelanger zweiter Vorsitzender der„Sport- freunde 07", hatte bereits im Jahre 1927 dem Borstand des West- deutschen Spielvcrbandcs gegenüber behauptet, daß innerhalb feines Vereins in der Kaffenführung große Mißstände herrschten. Der Verein klagte gegen Wichmann, der zu 59(fünfzig) Mark Geldstrafe verurteilt wurde. Er legte gegen dieses Urteil Berufung«in, über die in den nächsten Tagen oerhottdelt werden soll. Ii» dem Berufungsschrcibcn heißt es, daß Wichinann„be- rcchtigte Interessen" vertreten habe; in der VerkMNdlung gelte es, folgende Behauptungen des Berufungsklägers aufzuklären: 1. Im Jahre 192S bekam der Berein von der Stadt Essen eine Entschädigimg für die Beschlagnahme des Platzes. Bei der Ver- buchung des Betrages ist es zu Unregelmäßigkeiten gekommen. 2. Im Geschäftsjahr 1 925/25 ergab sich eine Kassendifferenz von 15 009 M., die ebenfalls durch Unregelmäßigkeiten beseitigt wurde. Z. An die Spieler des Vereins wurden bei Meisterschaftsspielen für„Tore treten" 5 M. bezahlt. Das Geld wurde aus der Vereinskasse entnommen, jedoch falsch verbucht. 4. Bei dem Meisterschaftsspiel gegen den„Verein für Leibesüibungen Essen" wurde der Ausgang des Spieles durch Zahlung von 200 At. im voraus bestimm t. 5. Im Jahre 1924 wurden zwei Spieler, die bei den„Sportfreunden" spielten, dem„Spiel- verein Meidrich" abgetreten. Dafür erhielten die„Sportfreunde" eine Entschädigung von 1500 M a r k, in die sich ver- schieden« Herren der„Sportfreunde" und ein Mitglied des Ruhr- vczirksvorstandes teilten. Auf Grund dieser Mitteilungen ließ der Westdeutsche Spiel» uerband die Kassenbücher beschlagnahmen, ohne jedoch Wichinann Einsicht nehmen zu lassen. Darauf schrieb Wichinann, daß die Unterschlagungen sich aus ungefähr 10 000 M. belaufen müßten. Schon allein der Umstand, daß die Stadt Essen dem Berein nicht nur 3200 sondern 6190 M. ausgezahlt habe, zeige, daß hier mindestens 3000 M. fehlen. Zu all diesen Vorwürfen sind nicht nur die Spieler der ersten Mannschaft der„Sportfreunde", sondern auch der Vorstand des Westdeutschen Spielverbandes und die beiden Spieler, für die die Ablöfesuinnie gezahlt wurde, als Zeugen geladen. Des weiteren soll in der Verhandlung klargelegt werden, ob die Vereine die vom Deutschen Fußballbund genehmigten„Amateur» ipesen" gezahit haben oder darüber hinaus noch Extraspesen. Aber auch umgekehrt liegend« Fäll« bedürfen sehr der Klärung. Ist es doch vorgekommen, daß einzelne Spieler statt der bewilligten 7,50 M. nur eine Mark erhalten haben. Ein anderer Spieler war nur acht Monat« Mitglied der„Sportfreunde", hat aber für diese kurze Zeit den Betrag von 700 Mark als Spesen erhalten. Ein zweiter Spieler siedelte nach kurzer Zeit »ach Worms über, da er dort Beschäftigung erhalten hotte. Um nun diesem Spieler die Spielgenehmigung zu verweigern, schrieben die„Sportfreunde" einfach auf die Abmeldung, daß er in Arbeit gestanden habe, während er in Wirklichkeit arbeitslos war. Tluch hier wurden zwischen Worms und Essen Verhandlungen wegen Zahlung einer Abiösesumme geslogen, die aber zu keinem Resultat führten. Diese Fälle beleuchten so richtig die im„Deutschen Fußball- bund" üblichen Methoden._ Persönlichkeit im Sport Alle Welt ist sich darüber einig, daß im bürgerlichen Sport und seiner Presse ein übertriebener Personenkult getrieben wird. Weil sich dort alles um die Leistung des einzelnen dreht, selbst inj3cn Disziplinen, in denen der einzelne zurücktreten sollte, wie im Fuß- ballspiel, wird der einzelne stets herausgestellt. Das ist nicht anders wie im Theater oder im Film, wo der Prominente, der Star alles andere in den Schatten stellt, alles zur Komparserie macht, das nur dazu dient, ihn ins Licht zu stellen. Das liebe Publikum, dieses große launische Kind, will es nicht anders. Kein Wort darüber, daß dieser Startult die Wurzel so vieler Uebel ist, daß er unser ganzes Zeitalter in einer gefährlichen Weise beherrscht. Und dennoch kann der Sport ohne HeraushDbung der Person- lichkeit nicht leben. Im Sport tritt die Leistung des einzelnen so stark in den Bordergrund, ist sie so sehr Kriterium der Sache, daß man sie, ohne der Sache zu schaden, nicht ignorieren kann. Das gilt auch für den Arbeitersport. Abgestoßen von den: widerlichen Kult der Rekordleute im bürgerlichen Sport, ist der Arbeitersport in das entgegengesetzte Extrem verfallen, hat er die Persönlichkeit ausgelöscht und an ihre Stelle sachliche Bezeichnungen gesetzt. Man war der irrtümlichen Meinung, daß jede Heraushebung der Person der Anfang de« Personenkults sei, daß daher das Leben hinter einer sachlichen Maske verschwinden müsse und gar nicht in die Erschci- nung treten dürfe. Am strengsten wurde und wird das im Spiel durchgeführt, wo es dann oft. so in der Berichterstattung der Presse, zum Unsinn wird. Was in aller Welt nützt es mir. wenn ich da lese, daß der rechte Läufer der �.-Partei fehl am Platze war und der„Rechtsaußen" der K-Partei jede Chance verdarb? Da will ich wissen, wie der Müller aus Adorf und der Schulze aus Bedarf ge- spielt hat. Sonst muß ich erst in der Mannschaftstabcllc nachsehen. wer die beiden Genannten eigentlich sind. Aber abgesehen von solchen Uebertreibungen nach der negativen Seite hin kann im Sport die Person von der Sache nicht völlig ge- trennt werden, wenn überhaupt individuell gewertet oder auch nur kritisiert werden soll. Die Idee des Massensports bekommt erst Leben, wenn sie von Persönlichkeiten getragen wird und wenn sie sich am persönlichen Vorbild orientieren kann. Es gibt keine Massen- aktton ohne Massenführung, es gibt keine Leistung ohne Leistungs- vorbild. Jede Leistung aber geht von der Persönlichkeit aus, denn immer ist es der Mensch, der hinter dem Geschehen steht. Der Mensch ist die Tat. Auch die Masse Mensch besteht aus Individuen, von denen jedes eine mehr oder weniger ausgeprägte Persönlichkeit ist. Aber diese Masse bekommt nur Leben und bekommt erst einen Mossenwillcn, wenn der Führer ihr diesen aufzwingt. Fehlt dieser Führcrwille, dann, dann wird die Masse sehr leicht zum Spielball von Zufälligteiten. Man fürchtet, die Rennung von Namen, die Anerkennung der Leistung verführe zur Selbstüberschätzung und Selbstüberhebung. Sie schüre den Ehrgeiz der Jugend und ziehe egoistische, antisoziale Triebe groß. Vergißt man dabei nicht ganz den Geist, von dem eine Bewegung beseelt ist. Im Arbeitersport wie in der Arbeiter- bewegung überhaupt ist der seichte Personenkult eine Unmöglichkeit. Dazu ist sie an sich viel zu demokratisch und zu kritisch. Die Be- kränzung eines Sportsiegers würde hier einer Veräppelung gleich- kommen, denn jeder würde über den dekorierten Pfingstochsen lochen. Allenfalls konnte er auf dem Dorfe noch ehrliche Bewunde- rung erwecken, weil dort die Leute eben noch viel naiver und darum noch viel glücklicher sind. Uebertricbene Siegerehrung ist entschieden abzulehnen, aber die Nennung der sportlichen Persönlichkeit dient der Bewegung, weil sie der Jugend als Vorbild erscheint. Schließlich durchbricht auch im Arbeitersport das große Ereig- n>« olle schönen Vor- und Grundsätze. Das hat die Olympiade in Wien wieder einmal klar bewiesen. Daß die Deutschen hier zum erstenmal etwas zurückgedrängt worden sind, dürfte an ihrer allzu bescheidenen Verleugnung der Persönlichkeiten liegen und in ihrer übermäßig strengen Betonung nicht immer richtig verstandener Demokratie. Ein wenig mehr Führerglaube könnt« uns wohl nicht schaden. Daß der Führer bei uns immer mehr als„Bonze" angesprochen wird, liegt nicht zuletzt an der Unterdrückung der Persönlichkeit in der deutschen Arbeiterbewegung. Klemer Sport von Überali Für Klarheit! Die Siegerin im 100- und 200-Metcr-Laus beim 2. Arbeiter. Olympia in Wien, die Engländerin I. Walker, ist an: 23. August in Hannover beim bürgerlichen Leichtachlcttk-Fvauen- Löndermettkampf Deutschland— England gestartet und hat bannt gegen die Satzungen der Sozialtstischen Arbeitcrsportinternativnale verstoßen. Der Pressedienst der Sozialisttschei: Zlrbeitersporttnter- nationale(SASJ.) meldet, daß I. Walker von: technischen Haupt- ausschuß der SASJ. bis auf weiteres von Wettkämpfen von Per- emen oder Verbänden der Internationale disgualisizert worden ist. Di« Deutschen Kunstslugmeisterschasten 1931. Der Aero-Club von Deutschland tritt mit Genehmigung des Deutschen Lustrates als Mitveranstalter von der„Deutschen Kunstflugmeisterschaft 1931" zurück, da er infolge der Notlage der Zeit nicht in der Lage ist, sich finanziell oder organisatorisch an der Durchsührung des genannten Wettbewerbes zu beteiligen, besonders im Hinblick darauf, daß er bereits den„Deutschlandflug 1931" in der augcichlicklich schwierigen Wirtschaftslage durchführen mutzte. Die Berliner Flughasen- Gesellschaft beabsichtigt als alleimge Veranstalterin die aus- geschriebenen„Deutschen Kunstslugmeisterschasten 1931" durchzu- führen. Deutsch« Segelmeisterschasl. Der Deutsche Segler-Vund ver- anstaltct vom 26. big 28. S«ptember auf dem Müggelsee bei Berlin die Deutsche Segelmeisterschaft in der Klasse der 15-Quadratm«ter- Rennjollen. Es werden am 26. und 27. September drei Aus- fcheidungswettfahrten gesegelt, das best« Drittel der Teilnehmer startet Montag, 28. September, 11 Uhr, zum Entscheidungsrennen. Teilnahmeberechtigt ist jeder Deutsche, die Meldefrist käust am 7. September ab. Der neugebackene Weltmeister Sawall tritt am 1. September in Elberfeld gegen den bisherigen Titelinhaber Möller, ferner gegen Linart, Gilgen und Breau an. Die„Deutsche Turnerschasl" hat kein Geld für eine Beteiligung an der bürgerlichen Olympiade in Los Angeles(Amerika). Wenn aber das Reich tüchtig den Säckel öffnet, so fährt natürlich auch d:e Deutsche Turnerschaft mit— so beschlotz man am Freitag aus der Hauptausschuhsitzung. Freie Phoko-vereinigung Berlin. Sonntag, 30. August, Fahrt nach Hönow— Blumbcrg. Treffpunkt 7 Uhr, Bahnhof Stralau- Rummelsburg. Fahrkarte mit Umsteiger zum Autobus. Die Freie Schützen-Bereinigung. Gruppe Friedrichshain, tagt Montag im Lokal Metzer Straße 26. Gäste herzlich willkommen. Schießabend. Freie Sport- und Schützen-Bereinigung. Heute, Sonnabend, Gösteschietzen bei Reche, Metzer Straße 26. Volkssport Reukölln-Britz. Treffpunkt aller Teilnehmer zu den Vereins-m ehrkämpfen, Sonntag, 30. August, 10 Uhr, U-Jahnhof Hernrannplatz, unterer Bahnsteig. Für alle freien Mitglieder und Angehörigen allegemeiner Treffpunkt: Sammelplatz. Loxkurse bei„Alt- Wedding ISSJ" Das Hallentraining beginnt wieder bei den Berliner Schwer- achteten, die Boxer beginnen zuerst zu werben. Am Donnerstag, 3. September, steigt der Kursus der Nordost-Abteilung des Sport- klub Alt-Wedding in der Turnhalle Danziger Str. 23. Der Verein wendet sich in erster Linie an die parteigenösiischen Kreise und fordert sie auf, sich daran zu beteiligen. Die Ausbildung geschieht im Sinne der Arbeitersportbcwegung. Nicht die Jugend allein ist für den Sport geeignet, auch die im Mannesaltcr stehenden Ge- nassen haben Gelegenheit, sich im Boxen auszubilden: bei genügen- der Anmeldung werden besonders Stunden eingelegt. Näheres in der Uebungsstundc jeden Montag und Donnerstag 19� Uhr. * Ziu-Zitfu bei LF. 04. Di« Sportliche Vereinigung Lichtenberg- Friedrichsfelde(Mitglied des AAVD.) wird als Dienstag, 1. Sep- tsmber, in der Turnhall« Pfarrstraße einen auf zehn Wochen be- rechneten Kursus in: Jiu-Jitsu beginnen. Die Ausübung des Jüi- Jitfu-Sportes ist an keine Altersgrenze gebunden und gewährt neben der sportlichen Ausbildung des Körpers als Waffe bei Ueberfällen einen wirkfmnen Schutz. Der bestbekannte Techniker Paul Binder, Berlin O. 112, Giirtelftr. 16. wird den Kursus leiten und ist auch zu jeder weiteren Auskunft ab Freitag, den 26. August, in der Zeit von 20 bis 22 Uhr auf obengenannter Turnhalle bereit. Gewerkschafts- und Partei gemsien feien hiermit auf den Kursus aufmerksam gemacht. Motorrennboot mit 6500 PS. Im nächsten Monat findet in Detroit das groß« Motor-- b o o t r e n n e n um den Harmsworth-Pokal statt, an dem diesmal auch der Engländer Kay« Doi: mit seinem Rennboot„Miß Eng- land II" teilnehmen wird. Wenn man den amerikanischen Meldungen Glauben schenken darf, so ist der von Kaye Don mit 110 Stundenmeilen(zirka 176 Stundenkilometern) gehaltene Welt- rekord ernstlich in Gefahr, denn der bekannte amerikanische Motor- bootrennfahrer Gar Wood wird mit einer Neukonstruktion erscheinen, die eine Geschwindigkeit von 150 Stundcnmeilen— 240 Stundenkilometern zu leisten Imstanv« sein soll. Da« neu«„SN- ungetüm" Gar Woods ist angeblich mit einem Motor von nicht weniger als 6500 BS. ausgerüstet. Lichtbildervorträge der Berliner Kommission für Naturdenkmal- pflege. Die Berliner Kommission für Naturdcntmalpsleae veranstaltet in diesem Winterhalbjahr wiederum eine 6 Abende umfassende Licht- bilderoortragsreihe über Naturschutz. Sämtliche Vorträge finden im Bürgersaal des Berliner Rachaufes, Eingang Köniastraßc, in folgen- der Reihenfolge statt: Freitag, den 2. Oktober 1931: Dr. Glase- w a l d:„Das Logelleben in: Winter." Freitag, den 6. November 1981: Prof. Dr. Bischofs:„Aus dem Leben der Wespen und Ameisen." Freitag, den 4. Dezember 1931: Rcgierungsrat Dr. Zacher:„Schädliche und nützliche Insekten in unseren Gärten und Parkanlagen." Freitag, den 8. Januar 1932: Dr. H e i n r o t h: „Die Vögel unserer Parkanlagen." Freitag, den 5. Februar 1922: Dr. H e d i ck c:„Pflanzen und Insekten." Freitag, den 4. März 1932: Ernst Krause:„Verwandlung der Insekten." Sämtliche Vorträge beginnen 20(8) Uhr und dauern ungefähr 2 Stunden. Der Eintrittspreis beträgt für jeden Vortrag 25 Pf. und für die ganze Vortragsreihe 1 Mk. Die Eintrittskarten sind im Vorverkauf in dir Städtischen Stelle für Naturdenkmalpslege in Berlin S14, Wallstr. 52/54(im Märkischen Museum) werttäglich von 10 bis 15 Uhr und an der Abendkasse im Bürgersaal des Ver- liner Rathauses erhältlich. Erwerbslose und sonstige Unterstützungs- empfänaer erhalten gegen Vorlegung eines amtlichen Ausweises freien Eintritt. ZIa»tahrer Tolidaritit�. T°ur«n für Eonnt«g, zo. A»«ust. 1. Mr.! Stoffi». fee, Swrt« UI» l.'i Uhr BAoa»str. 5ö.— 2. Abt., Rod. UNS«raftfabre>! SchniS«liagb nrit gÄminenausfluq nach Hirschaarten lWilchtlmsbof), Stakt Ii uni» 13 Uhr Rahbr. Dicfsenbachstr. 86.— S. Abt.: Hirschgart-N.(suchs-jagS. Start 6 Uhr Martannrniilab.— 6. Abt.: Sumiui, Start 6 Uhr g»It, flopen. Hoflcitcc Str. 17.— 0. Abt.: Stirmmc Laut«, Start 6 Uhr öchtclbct. Trist» strahc 63.— Friebrichbhain(aemtfchtt), Rabfahrrr: 2ß. und 30. Augast Hcibe- scr, Start 1? und 5 Uhr; SraflfcHrot: Brirsclang, Start 7 Uhr; Inqrnb: 20. Anoust Srah.Schöncbcc?. Start 17 Uhr, all» Pctersburocr Platz.— Lichte». I>erg: Lchnitzscr, Stakt 6 Uhr Hcnirl, Odrrslr. 18.— Weiße irsrr: Neuner See, Start 7 Uhr Antonplatz.— Shufbllii: N. Aus» st Schartheide, Start 24 Uhr Lvhen�ollernplatz.— Obcvsichiineweibc: Sportiesl Wlchlheibc, Start 6 Uhr Sinmsrich, Wilhelmincnhofstr. 64.— Reinickendorf: 29. August Nachtfahrt nan) Lchnin, Start W Uhr Provinzstr. 108; 30. August Mlhlenoecker See, Start « Uhr obenba.— Treptaw-Baumschuleirweg: Maxsec, Start 7 Uhr Thf. Baum- schnlcnwcg.— Charlottenburg, Nadfahrer: Sroß- rich, Willi- imiuenhofstr. 04.— Äaulsborf: z. September qfchrich, Alt.KauIsdorf, Eck« Torsstraße.— Tempelhof.Maricndorf: 4. September Lindisch, Marlendorf, Königstr. 44.— Reirnfahrcr Perlin-Rtitte: 4. September Zanetzle, Seydelstr. 21. — Wannfee: S. September Reichsadler, Kchrigftr. 27. ---------------- L) i s Sinzigs Ersatzkasse für sämtliche Berufszweige ist dir Kranken- und SMerbekasse für das Deatfsdtae Retda ÜB*» SasSaireE UWSZ-S£34esSarSlncl«Bil BwaM«««Hchm,,», ibmu�umu, Sl,t«a»Sert«Bl«l«r CrscatfzScexssctS iiimiii iiiiii"i»*i""»u»« Cmra Jleatara 3084 die Versicherungspflichtigen und Nichtversicherungspflichtigen ausreichenden Krankenversicherungsschutz bietet Klauiräveirwalftunii: Berlin N24. Oranflenburger Sir. BT und soo Verwaltungsstellen im Reich