V B 203 43. Jahrgang BERLIN Montag ZI. August 1931 Erscheinttäglich außer Sonntag«. Luglcich Abendausgabe de«.DvewärtS". Bezugspreis beide Ausgaben 8b Pf. pro Woche, S.M M. pro Monat. Redaktion und Expedition: BerlinSW68,Lindenstr.» Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297 SfuUaubgaßewd6 Anzeigenpreis: Die einspaltigeNonpareiUezetle öo Pf.. Reklamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: VorwärtS-Verlag G. m. b.H.. Berlin Nr. 37 bgs.— Der Verlag dehält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vorl Kongreß der Arbeit Gewerkschaftskongreß eröffnet: Ansprachen Leiparis und Giegerwalds ?. E. Frankfurt a. M., 31. August. sEigenber.) Der 14. Gewerkschaftskongreß steht im Zeichen des Kampfes um die Verteidigung der Rechte des Arbeiters, des Kampfes gegen ihre Feinde. Als Ehrengäste sind u. a. anwesend: Reichs- arbeitsminister Dr. Stegerwald, Ministeialdirektor Dr. H e i n tz e vom Reichswirtschaftsministerium, Wohl- fahrtsminister Dr. H i r t s i e f e r, ein Vertreter des Preußischen Handelsministeriums, der hessische Staats- minister Adelung, ein Vertreter des bayerischen Mi- nisteriums für Landwirtschaft und Arbeit, Präsident Schaeffer vom Reichsversicherungsamt, Direktor Donau» Berlin vom Internationalen Arbeitsamt, ferner die Vertreter der Gewerkschaften von Holland, Frankreich, Belgien, Polen, Schweden, der Schweiz, der Tschechoslowakei und Ungarn, sowie Vertreter der be- freundeten Verbände und nahestehenden Drganisationen. Bundesvorsitzender Leiparl begrüßte alle Teilnehmer, insbesondere auch den Reichs- arbeitsminister Stegerwald. Ein Vergleich zwischen dem Frankfurter Kongreß vor 32 Jahren und dem heutigen zeige, daß die Gewerkschaften nicht vergeblich ge- arbeitet haben. Sie haben für den Bestand des Staates mehr gewirkt als die Unternehmer. Während der„Vorwärts" damals von dem„weichen Kehrichthaufen der Gewerkschafts- duselei" geschrieben habe, herrsche heute Einmütigkeit in der Auffassung über die gewerkschaftliche Tätigkeit. Leipart erinnerte weiter an den ersten Vereinstag der deutschen Arbeitervereine im Juni 1863 in Frankfurt und an die Tätig- keit L a s s a l l e s. An das Wort Lassalles von der v e r- dämmten Bedürfnislosigkeit knüpfte Leipart an. Es scheine, als ob seht alle well darauf ausginge, die deutsche Arbeiterschaft wieder in den Zustand der absoluten Bedürfnislosigkeit zurückzuversetzen. Die Aufgabe des Kongresses wird es sein, den Abwehr- kämpf dagegen zu unternehmen. Es wird viel von der Not der Wirtschaft geredet, weniger aber von der N o t d e r A�b e i t e r sch a f t. Der Kongreß werde prüfen, ob die Regierung ihre Pflicht gegenüber dem Volke der Arbeiterschaft in vollem Maße getan habe. Die Wirtschafts- führer haben immer starke Zweifel an ihren Fähigkeiten aufkommen lassen, für den gegenwärtigen Zustand lehnen die Gewerkschaften jede Mitverantwortung ab. Die VerHand- lungen werden ergeben, so wie bisher könne es wirklich nicht mehr weitergehen. Der alte Glaube, daß man der Arbeiter- schaft noch Schlimmeres bieten könne, daß sie sich alles ge- fallen lassen müsse, könnte sich eines Tages schwer rächen. Die Gewerkschaften suchen nicht den Kampf, aber sie werden ihn führen, wenn er ihnen aufgezwungen wird. Die Eröffnungsansprache Leiparts machte auf den Kongreß einen tiefen Eindruck und wurde oft durch lebhaften Beifall unterstrichen. Nach Begrüßung des Kongresses durch den Vezirtsfekretär Genossen Miesbach und einer urwüchsigen Ansprache des Frank- furter Bürgermeisters Graf nahm das Wort Reichsarbeitsminister Stegerwald: Das B e r h ä l t n i- Ihrer Bewegung zum Reichsarbeit s. m i n i st e r i u m war seit seinem Bestehen nicht immer ein sehr freundliches. Die gleichen Schwierigkeiten, die in den letzten Tagen zum offenen Bruch führten, sind intern schon seit längerer Zeit auch in E n g l a n d zwischen der Arbeiterregicrung und den dortigen Trade Unions hervorgetreten. Wir stehen eben gegen- wärtig in der größten Krifis seil den napoleonischen Kriegen. Daß in einer solchen Periode die Gewerkschaften mehr wollen als die Regierenden durchführen können, liegt auf der Hand. Als der- zeitiger Arbeitsminister habe ich im letzten Jahre den deutschen Arbeitern allerlei zumuten müssen. Ich bin jedoch der festen Ueber- zeugung, daß, wenn einer der Ihrigen gegenwärtig an meiner Stelle stände, er«ine wesentlich andere Politik auch nicht hätte machen tonnen. „Daran bist du schuld!"„Nein, du!"„Nein, du!" Neben Staat und Wirtschaft steht gegenwärtig auch die deutsche Sozialpolitik vor der größten Krise seit ihrem Bestehen. Wir dürfen uns nicht der Illusion hingeben, als ob die Weltkrifis und mit ihr das deutsche Arbeitslosenproblem in kurzer Zeit bewältigt werden könnten. Die Gewerkschaften interessieren natürlich in erster Linie die Fragen der Lohnpolitik, des T a r i f w e s e n s, der Sozialversicherung, der Arbeitszeit usw. All diese Dinge hängen jedoch in der Luft, solange nicht Staat und Wirtschast und ihr Kredit auf festen Grundlagen beruhen. Unserem staatlichen Leben fehlt die Ausgeglichenheit im Innern; wir stehen in politischer, geistiger und organisatorischer Hinsicht noch vor einem unserligen Staat. Das ist gar nicht anders möglich. Den Arbeitern geht es nicht schnell genug vorwärts; die alten herrschenden Schichten möchten wieder zurück zu dem Zustand von 1914; die Jugend sieht keine Zukunft. Dazu kommen noch die gewaltigen Pro- blem« der Wirtschasts- und Finanzpolitik sowie des Zahlungsmittel- Verkehrs. Die erste Aufgabe der nächsten Monate besteht darin, wie bei knapper Gold- und Devisenbasts die Wirtschaft aufrechterhalten und ihr ein wenn auch nur langsamer Antrieb gegeben werden kann. Ich bin der festen Ueberzeugung, daß das, was in den letzten Iahren von der deutschen Wirtschaft gefordert worden ist, von ihr nicht geleistet werden konnte. Die Siegerstaaten haben versucht, die deutschen poli- tischen Reparationszahlungen zu kommerzialisieren, was sich als un- durchführbar herausgestellt hat. Durch den Krieg und seine Bcgleit- erscheinungen sind uns zwischen 109 bis 150 Milliarden entzogen worden. Gegenwärtig stecken in der deutschen Wirtschast 90 Millinr- den Mark Kredite. Die deutsche Wirtschaft hatte in den letzten Iahren neben 2 Mil- liarden Mark Reparationen noch an 3 Milliarden Mark überhöhte Zinsen aufzubringen. Dazu kommt ein ungeheuer aufgeblähter Per- waltungsapparot. Der Zuschuhbedarf zur allgemeinen Verwaltung und zur Finanzverwaltung in Reich, Ländern und Gemeinden betrug 1913/14 544 Millionen Mark, 1928/29 1473 Millionen Mark. In Zlolzeilen sind Gehälter von 300 000 IN. in der Privat- wirtschast ein großes Volksärgernis. Ich habe der Nominallohnfrage nie eine große Bedeutung beige- messen. Die Auffassung, die in den: Sturm auf d i e L ö h n e und Gehälter das Allheilmittel für die Gesundung der deutschen .Wirtschaft ansieht, lehne ich nachdrücklichst ab. Neben der Sozialversicherung ist noch immer das Schlich- tung.swesen stark umstritten. Wenn ich aber recht sehe, ist man heute in dieser Frage nicht mehr ganz soweit auseinander, wie noch im letzten Jahre. Ein Verzicht aus die staatliche Schlichtung scheint mir ausgeschlossen. Gerade in Krisenzciten scheint mir ein staatlicher Schutz der Lohn- und Gehaltsempfänger nach wie vor unentbehrlich. Eine gesetzliche Aenderung des Schlichtungswesens ist zur Zeit nicht beabsichtigt. Sehr ungünstig steht es gegenwärtig um die gesetzliche Sozialversicherung. Ich rechne damit, daß sie 1932 ohne die Arbeitslosenversicherung 1 bis 114 Milliarden Mark weniger Einnahmen haben wird als 1929. Ob mit den seitherigen Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung und mit der jetzt geltenden Krisensteuer die Arbeitslosen über den nächsten Winter hinübergebracht werden können, ist noch zweifelhaft. Die Arbeitszeitfrage greift tief in den deutschen Wirt- schafts- und Kreditaufbau ein. Deutschland wird im Hinblick auf seine Gold- und Deviscnbasis seine Ausfuhr stärker for- c i e r e n müssen. Die 40-Stundcn-Arbcitswoche bedeutet aber für viele Betrieb« eine ins Gewicht fallend« Erhöhung der Selbstkosten und damit eine Erschwerung der Ausfuhr. Anderer- feils gibt es sicher Fälle, in denen die Verkürzung der Arbeitszeit Sozialdemokratische Reichstagsfraktion Zusammentritt am S. September. Die sozialdemokratische Reichstagsfraklion wird am Dionslag. den t. September zur Beratung der politischen Lage zusammentreten. Ein früherer Zusammentritt ist in Anbetracht des Frankfurter Gewerkschaftskongresses, an dem zahlreiche Mitglieder der sozial- demokratischen Reichstagssraktion teilnehmen, nicht möglich. Zeppelin über dem Atlantik. Die Kanarischen Znseln passiert. An Bord des„Graf Zeppelin". 31. August. Das Lustschiss„Gras Zeppelin" hat um Mitternacht die Sa- narischen Inseln passiert. Ilm ö Uhr morgens befand sich das Luftschiff aus IL Grad 24 Minuten westlicher Länge querab von Rio de Oro. Das Luftschiff fährt bei frischer Morgenbrise mil 145-kilometer-Stundengeschwindigkeit. ohne wesentliche Beeinträchtigung der Wirtschastlichteit möglich ist. Hier muß sich endlich die notwendige Rücksichtnahme auf die Arbeits- Marktlage durchsetzen. Auch die Gewcrkfchosten müssen aber die Arbeiter über die Notwendigkeit einer gewissen Rationie- rung der Arbeit aufklären. Und damit komme ich zu der Frage: Wie bringen wir die Arbeitslosen über den nächsten Winter? Zuverlässig« Ziffern über den demnächstigen Umfang der Arbeits- losigkeit zu nennen, ist sehr schwer. Im letzten Jahre sind der deut- scheu Wirtschaft durch Zurückziehung kurzfristiger Auslandsdarlehen, durch Reparationen, an Zinsen für lang- und kurzfristige Auslands- schulden und durch Kapitalflucht 6 bis 7 Milliarden Mark entzogen worden. Trotzdem ist von März vis Mitte Juli die Ar- beitslosigteit in Deutschland ständig zurückgegangen. Die deutsche Wirtschaft hat also eine größere Widerstandskraft gezeigt, als angenommen worden mar. Ich rechne damit, daß wir bis 31. März 1932 durch Arbeitsloseiwersichcrung Reich und Gemeinden 31. März 1932 durch Arbeitslosenversicherung, Reich und Gemeinden müssen. Im Hinblick auf den geringen Zahlungsmittelverkehr im Innern werden in den nächsten Wochen alle Mittel angewandt werden müssen, um die Arbeitslosigkeit auf den denkbar niedrigsten Stand herabzudrückcn und um die Arbeitslosen ausreichend im nächsten Winter zu versorgen. Es wird bei solcher Sachlage vornehmlich zu prüfen sein: 1. Inwieweit Arbeitszeitvcrkllr'zungen ohne starke Gefährdung der Ausfuhr durchgeführt werden können. 2. Inwieweit periodische Auswechslungen einzelner Belegschasls- Mitglieder mit Arbeitslosen möglich sind, um die Last der Arbeits- losigkeit gleichmäßiger zu verteilen, ohne daß dadurch allerdings die Wirtschaftlichkeit der Betriebe gestört oder eine Vermehrung der Kosten der Arbeitslosenversicherung herbeigeführt werden dürfte. 3. Inwieweit eine noch stärkere Betreuung der jugendlichen Arbeitslosen möglich ist. .4. Ob in den größeren Städten Volksküchen einzuführen sind. 5. Inwieweit eine Raluralverpflegung zur Einführung gelangen kann. Bon den 2 Milliarden Mark für die Arbeitslosen, die bis 31. März 1932 verfügbar sein müssen, dürsten ungefähr 500 Mi- lionen Mark an Mieten verausgabt und die restlichen 1 500 Millionen Mark zu 80 Proz. für Lebensmittel und Kohlen benötigt werden. Gegenwärtig steht die Sache so, daß der Verbraucher häusig doppelt so viel für Lebensmittel bezahlt, als der Erzeuger erhält. Diese Praxis kann im nächsten Winter gegenüber den Arbeitslosen- mcht durchgehalten werden. Die Städte werden Vorkehrun» gen treffen müssen, wonach für die Arbeitslosen die Gegenstände des täglichen Bedarfs zu verbilligten Preisen erhältlich find. Das deutsche Volk mühte sich schämen, wenn es sich nicht die Krast zur Bewältigung des nächsten Winters zutraute. Wir haben schon schlimmere Zeiten überstanden. Es ist nicht wahr, daß in Deutschland alles düster ist. Wir besitzen einen guten Produk- tionsapparat. Das deutsche Volk zählt nach wie vor zu den f l e i ß i g st e n und arbeitsamsten Völkern der Welt. Deutsch- land besitzt eine hochdisziplinierte Arbeiterschaft, die gewillt ist. auch große Opfer zu bringen, i�enn sie sieht, daß alle Volksgenossen sich daran beteiligen. Es ist nicht wahr, dah die deutsche Arbeiterschaft nicht bloß Ketten zu verlieren hat. Der> mige, der die Gewerkschaftsarbeit im ganzen sieht, wird in ihr die Mobilisierung gewaltiger Kräfte für Staat und Gesellschaft finden. Ich möchte namens der Reichsregierung und der p r e u- hischen Staatsregierung den Wunsch aussprechen, daß der Verlauf Ihrer Tagung sich auch günstig für das Gesamtwohl von Volk und Vaterland auswirken möge. » Leipart dankt Stegerwald dafür, daß er nicht mir eine geschickte, sondern auch eine mutige Rede gehalten habe. Es kann aixr nicht gelten, daß die Regierung nicht zugestehen könne, was die Gewerkschaften fordern. Es dürfe kein Unterschied gemacht werden zwischen den Forderungen der Gewerkschaften und denen der anderen Kreise. Leipart hätte wenigstens ein Zugeständnis in der Frage der �O-Stunden-Woche erwartet. Stegerwald sei stark, aber auch der Starke weiche oft mutig zurück. Immer zurückweichen vor den anderen sei verfehlt. Die deutsche Arbeiterschaft fordere mit Recht, daß ihr Gerechtigkeit widerfahre. Sie will nicht allein Opfer bringen, während andere bevorzugt werden. Wir bitten Sie, stark zu bleiben, Herr Minister, und uns nicht im Stiche zu lassen. Die Begrüßungsrede von Schevenels für den Internationalen Gewerkschaftsbund und die Vertreter der ausländischen Gcwerk- schasten bilden eine flammende Anklage gegen den Kapitalismus. �Vorwärts" und Gewerkschasten 4899. Die Behauptung des Genossen Leipart, der„Vorwärts" habe im Jahre 1899 den damaligen Frankfurter Gewerkschafts- tongreß als einen„weichen Kehrichthausen" bezeichnet, be- ruht auf einem Irrtum. Denn der„Vorwärts" hat den damaligen �Frankfurter Gewerkschaftskongreß vor seinem Zusammentritt am <5. Mai 1899 in einem Leitartikel durchaus sympathisch und kamerad- schostlich begrüßt. Am 16. Mai lobte der„Vorwärts" die Gewerk- schaften wegen ihrer positiven Stellungnahme zur Tarifgemeinschost und zu den paritätischen Arbeitsnachweisen. Dergleichen hätte früher als„Harmonicdufelei" gegolten, aber die veränderten Verhältnisse hätten eben eine andere Beurteilung der Frage hervorgerufen. Zum Schluß wurde gesagt, oie Beratungen des Kongresses haben in der deutschen Arbeiterklasse einen freudigen Widerhall gefunden, m i t Freude könne man seststellen, daß die Gewerkschaften st a r t u n d i n» e r l i ch gefestigt dastünden. Dies war die offizielle Stellungnahme des„Vorwärts" zum Frankfurter Gewerkschaftskongreß von 1899. Ob später einmal viel- leicht in einem Diskussionsartikel das herabsetzende Urteil gefällt wurde, das Genosse Leipart zitierte, entzieht sich unserer Kenntnis. Oer neue„Kampfgenosse". Wendt wieder„aufFesiung".—politischer Ausflug mißglückt Die„deutsche Revolution" ist in schlechten Händen. Nachdem leben erst— wie wir in der Sonntag-Nummer mitteilten— die „Kampfgemeinschaft" der Hakenkreuzler, die sich bisher um Straßer und Buchrucker bewegte, feierlich ihre bisherigen Führer als„Verräter" gebrandmarkt und dafür den aus Gollnow durch„Selbsturlaub" geflüchteten nationolsozia- listischen ehemaligen Oberleutnant Mendt zum„Führer" eingesetzt hatte, erlebt sie heute schon eine bittere Enttäuschung. Der „Führer" läßt nämlich unmittelbar nach seinem Aufruf gegen „Literaten und Landsknechte" eine„Erklärung" für den L i t e- raten Straßer verbreiten, die folgenden Wortlaut hat: In eingehender Aussprache mit Kg. Otto S t r a ß e r am 30. August 1931 in Wernigerode habe ich mich davon über- zeugt, daß die mir zugetragenen Nachrichten, die zu meiner Stellungnahme gegen den derzeitigen Vollzugsausschuß der Nationalsozialistischen Kampfgemeinschaft sührten, der Grundlage entbehrten. Infolgedessen erkläre ich mein Vertrauen zur Führungder Kampfgemeinschaft unter ausdrück- licher Betonung, daß die von Oldenburg veröffentlichte Erklärung gegen meinenWillen und gegen meine Ueberzeugung ver- 1 öffentlicht wurde. Ein netter„Führer", der heute einen flammenden Aufruf gegen 'diejenigen veoröffenllicht, die„mit unserer Sache Schindluder ge- trieben" haben und morgen ihnen volles Vertrauen ausspricht. Zlber solche Blüten wachsen nun einmal an den politischen Bäumen, denen die sachliche Verwurzelung im Volke fehlt. Sie sind auf dem Sumpfboden der Wirtschaftskrise emporgewachsen und treiben wilde Schößlinge. Wie bei oen Kommunisten, so bei den Nazis. Auf festein Grund steht nur die sozialistische Arbeiterbewe- eung, die sich auch von den Stürmen der Krisenzeit nicht erschüttern. läßt. Herr Wendt ist übrigens in der Nacht zum Montag von einem Kriminalbeamten wieder in Gollnow eingeliefert worden. Er wurde heute zur weiteren Verbüßpng seiner Festungsstrafe nach Groß- S t r e h l i tz in Oberschlesicn abtransportiert. 2S0000 Tote in China. lleberschwemmungskatastrophe von riesigen Ausmaßen. Hankau. 31. August. lieber den Umfang der Ueberschwemmungakata- ftrophe in und um Hankau find da« den hiesigen Stellen tn« ersten offiziellen Angaben veröffentlicht worden. Die Zahl der Todesopfer wird auf 230 000 geschäht. 163000 Häuser sind vollständig eingestürzt oder unbewohnbar gemacht, 78'! 000 Personen, etwa die Hälfte der gesamten Einwohnerschaft von Hanta« ist obdachlos. Tie Zahl der Flüchtlinge aus dem Ueberfchwemmungsgebiet beträgt etwa 300 000. Sein Kind erdrosselt Grauenhastes Verbrechen eines Trunksüchtigen in Spandau Die Tragödie einer unglücklichen Ehe hal in der Nacht zum Sonntag mit dem Tode eines kleinen Mädchens ihr Ende gefunden. Bei dem Kriminalkommissar vom Dienst stellte sich in der Nacht der 39 Jahre alle Musiker Walter E ß m a n n, der in der Hamburger Slr. III in Spandau wohnt. Eßmann gab an. daß er ein Kind umgebracht habe. Die verworrenen Angaben des Mannes, der offenbar nicht nüchtern war, wurden der Mordinspektion A. übermittelt, die Kriminalkommissar Stiller mit der weiteren Untersuchung be- traute. Leider erwiesen stch die Behauptungen des Trunksüchtigen als w a h r. An der großen Brücke über die Heerstraße, die dicht hinter dem Bahnhof Heerstraße liegt, fanden die Kriminal- beamten in einer Mauernische die Leiche eines kleinen Mäd- chens. Das Kind hatte einen Knebel im Munde und war mit einer Gardinenschnur erdrosselt worden. Es konnte bald fest- gestellt werden, daß es sich um die knapp 2 Jahre alte Tochter Ruth des Musikers Eßmann handelte. Durch die Ermittlungen wurden alle Einzelheiten des grauenhaften Verbrechens ausgedeckt. Eßmann hatte sich vor etwa 3 Iahren verheiratet, doch brachte seine Trunksucht es mit sich, daß die Ehe nicht glücklich war. In angetrunkenem Zustand wurde Eßmann rabiat und miß- handelte seine Frau oft so sehr, daß sie, als das kleine Mädchen geboren war, mit dem Kinde aus der Wohnung flüchtete. Erst vor einigen Tagen kam es wieder zu einem lärmenden Austritt und die bedauernswerte Frau begab sich mit der Kleinen zu ihrer Mutter, die auch in Spandau wohnt. Am Sonnabcndvormittag mußte Frau Eßmann zu Besorgungen ausgehen. Der Musiker, der ihr ständig nachstellte, legte sich vor dem Hause auf die Lauer. Er sah die Frau ausgehen und daß sein Töchterchen niit einem Nachbarskind im Hausflur spielte. Unter allerlei Versprechungen lockte er die Kleine an sich und entführte sie. Als Frau Eßmann heimkehrte, erfuhr sie von den Nachbarsleuten, was sich zugetragen hatte und ahnte gleich nichts Guus. Sie eilte zu einem Vallziehungsbcamten, um mit seiner Hilfe ihr Kind von dem Mann zurückzuholen. In der Woh- nung des Mannes rührte sich nichts, es wurde auch nicht geöffnet. Als Eßmann endlich allein erschien, wurde er frech und beschimpste und schlug die Frau auf der Straße. Von dem Verbleib des Kindes wollte er zunächst nichts wissen, gab dann aber an, er habe es bei guten Freunden untergebracht. Mehr war aus ihm, der schon wieder stark betrunken war, nicht herauszubringen. Es gab für die Mutter keine Möglichkeit, ihr Kind in Sicherheit zu bringen, da Eßmann jede genaue Angabe verweigerte. Erst als er sich mit der Kunde von seinem Verbrechen selbst stellte, erfuhr man, wo das arme Opfer geblieben war. Es scheint, daß der Musiker das Töchtcrchen tags- über bei Bekannten in Obhut gegeben, es aber am Abend von dort abgeholt hat. Er brachte die kleine Ruth nach der heerstraßenbrücke. erwürgte das Kind mit der Schnur und versteckte die Leiche in der Mauernische. Als die Mutter von dem tragischen Ende des Töchterchcns erfuhr, brach sie vollständig zusammen. Die Erzählungen des Musikers. Der 39 Jahre alte Musiker WalterEßmannaus Spandau, der, wie berichtet, sein 2 Jahre altes Töchterchen Ruth grausam erwürgte, ist inzwischen soweit nüchtern geworden, daß er oer- nommen werden konnte. Er beschuldigt mit heftigen Worten seine Frau und behauptet, daß sie allein die Schuld an der Tragödie trage. Er habe es nicht mehr mit ansehen können, .wie sie das Kind verkommen ließ und deshalb beschlossen, es bei Bekannten unterzubringen. Nachdem er am Sonnabendmittag das kleine Mädchen an sich gelockt hatte, brachte er es zu einem Be- kannten am Viktoria-Ufer. Der Bekannte erklärte sich sofort bereit, das Kind in Pflege zu nehmen, riet Eßmann jedoch, das Pflegeamt sofort von diesem Entschluß zu verständigen. Der Musiker tat nichts dergleichen. Er begab sich erst nach seiner Wohnung und hatte dort den Zusammenstoß mit seiner Frau, die ihr Kind holen wollte. Es wurde Eßmann klar, daß seine Frau aller Wahrscheinlichkeit nach recht bekommen würde und daß er das Kind wieder herausgeben müsse. Er holte es daher von seinem Freunde wieder ab, ging mit dem Mädchen eine Weile spazieren und erwürgte es dann an der Heerstraßenbrücke. Die Beschuldigungen, die der Mann gegen die bedauernswerte Frau erhebt, sind in keiner Weise erwiesen. Er will ohne Zweifel jetzt, da das Verbrechen geschehen ist. die Schuld von sich abwälzen. Er will zwar die A b s i ch t gehabt haben, sich selb st zu töten, doch hat ihm dazu der Mut gefehlt. Schreckensszene im Verkehrsflugzeug Selbstmordversuch eines Passagiers In dem planmäßigen Verkehrsflugzeug der Deutschen Lufthansa München— Nürnberg— Berlin spielte sich am vergangenen Sonnabend eine Schreckensszcne ab. Ein Passagier, der Metall- schleifer Hütte ans Oberdorf bei Schweinfurth, hatte sich kurz vor der Landung in Nürnberg auf die Toilette begeben, um dort offen- bar Seslbstmord zu verüben. Der Mann wurde mit brennenden Kleidern von dem zufällig an Bord befindlichen Zlugtontrolleur angetroffen. Die Flammen halten bereits die Verschalung des Toileltenraumes ersaßt. Das Feuer konnte schnell erstickt und der Selbstmordkandidat, der seine Mitreisenden in schwerste Gefahr gebrocht hatte, gerettet werden. Ueber den seltsamen Vorfall erhalten wir von der Lufthansa noch folgende Mitteilungen. Der Metallschleifer Hütte hatte in München einen Flugschein von München nach Fürth gelöst. Während des Fluges hatte niemand von den übrigen Passagieren etwas Auffälliges an Hütte wahrgenommen. Wenige hundert Meter vor dem Flugplatz in Fürth begab sich Hütte in den Toilettcnraum, aus dem plötzlich Rauchwolken hervorquollen. Der Flugkon- trolleur drang in den Raum ein, wo er Hütte mit brennenden Kleidern vorfand. Die Verschalung der Toilette brannte lichterloh, jzutte warf beim Erscheinen des Kon- trolleurs eine Flasche, die eine weiße Flüssigkeit enthielt, in den Worttrichter. Die Flasche klemmte sich jedoch sest und konnte sicher- gestellt werden. Der unheimliche Fluggast wurde durch das Ein- greifen des Flugpcrsonals vor dem Sck)limmstcn bewahrt. Das Feuer im Toilettenraum konnte bereits nach einer Minute gelöscht werden. Um 11.S9 Uhr hatte der Bordfunker den Alarm„Das Flugzeug brennt" an den Flugplatz- Fürth weitergegeben. Eine Minute später konnte der Funker bereits melden, daß der Brand gelöscht war. Hütte benahm sich völlig teilnahmslos und gab auf die Fragen� nur w irr e Antworten. Man glaubte es mit einem Geistes-" kranken zu tun zu haben. Anfänglich wurde vermutet, daß es sich vielleicht um«in Attentat handeln könne, dafür haben sich bisher jedoch nicht die geringsten Anhaltspunkte ergeben. Im Gegenteil neigt man nach dem Verlauf der mit großer Sorgfalt geführten Untersuchung zu der Annahme, daß Hütte aus noch unbekannten Gründen Selbstmord verüben wollte. Seine Angaben, daß er auf der Toilette geraucht und dabei aus der Flasche Zwetschenwasser getrunken habe, wobei sich der Inhalt der Flasche entzündete, scheinen auf Erfindung zu beruhen. Dagegen snricht vor allen Dingen, daß es in der brennenden Toilettenkabine stark nach verbranntem Puloer gerochen hat. Der Mann wurde von her Flughafenpolizei und später im Nürnberger Präsidium noch ein- gehend verhört. Es war aber so gut wie nichts aus ihm heraus- zubekommen. Da seine Wohnung bekannt und der Metallschleifer außerdem in fester Stellung ist, wurde er bereits am Sonntag wieder auf freien Fuß gesetzt. Hütte begab sich sogleich zum Bahnhof, von wo er die Heimfahrt nach Schweinsurth antrat. Abermaliger Gelbstmordversuch. Hütte hatte in Schweinfurth kaum den Zug verlassen, al, er sich am Ende des Bahnsteiges mit einem großen Taschen- messer die Pulsadern öffnete. Bahnbeamte fanden Hütte blutüberströmt auf und sorgten für seine Ueberführung in das Schweinsurthcr Krankenhaus. Wie wir aus dem Krankenhaus erfahren, besteht für den hartnäckigen Sclbstmörd� jedoch keine Gefahr. Morgen neuer Derkehrstarif. Oie neuen Sammelkarten.— llmfleiger 30 Pf. Die in der Rillte des Rlonats vom Aussichtsrat der Berliner verkehrsgesellschaft beschlossene Neugestaltung des Rer- kehrstarifes lrill morgen in krast. Ron morgen, den 1. September an. tostet die Einzetsahrt bei der Straßen-, der ll.-Bahn und dem Omnibus 25 Psinnig: der Umsteiget allgemein aber 30 Vfennig. Es werden jedoch neue Sammelkarlen für die Straßenbahn und die Untergrundbahn ausgegeben, die 1 Mark kosten und fünf Fahrscheine, die zu Einzelsahrten berechtigen, enthalten. Praktisch wird damit also der Preis für die Einzetsahrt auf Straßenbahn und Untergrundbahn aus 20 von bis 25 Psg. her- abgedrückt. Der Omnibus erhält diese Sammelkartcn nicht. Die neuen Sammelkarlen bei der Straßenbahn und der Untergrundbahn werden bereit» seit einigen Tagen ausgegeben. Wie sich die Neugestaltung des Berliner Verkchrstarifes aus- wirken wird, müssen die nächsten Monate lehren. Der neue Tarif bringt zweifellos durch die Einführung der billigen Sammclkarten eine V e r b i l l i g u ng. Di« Leitung der BVG. hofft mit der Einführung der Sammelkarten für Kurzstreckenfahrer einen neuen An- reiz geschaffen zu haben. Auf der anderen Seile bedeutet die Heraus- segung des Preises für Umsteiger auf 30 Psg. für viele Arbeiter und Angestellte eine neu« starke Belastung. Nach Ansicht der leitenden Männer in der BVG. war die Verteuerung des Umsteigers zur Notwendigkeit geworden, nachdem der Mißbrauchdes Um- steigefahrscheins Formen angenommen hatte, die sich wirt- schaftlich außerordentlich stark gegen die Verkehrsaesellschast aus- wirkten. Durch die Neuregelung will»ran bewußt die in Berlin in der letzten Zeit zu hoher Blüte gelangte„Schmetterlings- sammele!" wieder aus der Welt schasten. Den Omnibus hat man ohne die Sammelkarten gelassen, well dieses beliebte Verkehrsmittel im Betrieb noch immer am unwirtschaftlichsten ist. Die Preise für die Monatskarten sind im großen und ganzen unverändert geblieben. Wünsche der Außenbezirke. In den Berliner Außenbezirken wird die Verteuerung des Um- steigefahrscheins als besonders belastend empfunden. Zahlreiche an uns gelangte Zufchristen weisen nach, daß es den Bewohnern der Außenbezirke meist gänzlich unmöglich ist, mit einem Verkehrsmittel allein an die Arbeitsstätte zu gelangen. So schreibt uns ein Leser. daß besonders der Ortsbezirk Tegel durch die bisherigen Verkehrs- Möglichkeiten stark benachteiligt werde. Sämtliche Linien, es kamen die Linien 8, 27, 28, 128, 29 uird 41 in Frage, fahren in fast der gleichen Richtung. Es sei notwendig, die Straßenbahnlinie 25 wie früher bis Tegel weiterzuführen. Vuderbooi von Dampfer gerammt. Bootsunglück bei Grünau. Auf dem Langen See bei Grünau wurde am Sonntognach- mittog ein mit sechs Personen besehles Ruderboot von einem Aus- slvgsdampfer der Sterngesellschost gerammt. Das Boot ging sofort unter. Unter großen Anstrengungen gelang es. die ins Wasser Gestürzten zu retten. Der Dampfer hielt seine vorgeschriebene Fahrtrichtung inne und gab mehrmals Signale, um die zahlreichen Sportboote, die dos Wasser bevölkerten, zu warnen. Ein mit sechs Personen besetzte» Ruderboot änderte trotz der Warnungssignale plötzlich seinen Kurs und geriet unmittelbar vor die Spitze des Dampcrs. Obgleich der Kapitän mit allen Mitteln abzustoppen versuchte, mar ein Un- glück nicht mehr zu verhindern. Das Ruderboot wurde mittschiffs gerammt. Das Boot ging sofort unter. Bei den Rettungs» arbeiten wurde das Dampferpersonal von hinzueilenden Wasser- sportlern unterstützt. Heerschau in Z Massenkundgebung zur ?. Aranksurt a. Al., 30. August.(Eigenbericht.) Der Nachhall des Treffens der Sozialistischen Arbeiter-Zugend vor einer Woche ist kaum verklungen, und schon gab et am Sonnlag eine neue sozialistische Massenkundgebung in(franksurl a. M. als Einleitung zum Gewerkschaftskongreh. Die Gewerkschaftsmitglieder in Groh-Zranksurt, Hessen und Hessen-Nassau, in Verbindung mit der Gewerkschaftsjugend, der Sozialistischen Ar- beilerjugend, dem Reichsbanner, den Sportlern und den Arbeitersängern, strömten schon am frühen Morgen den Sammelplätzen zu. um dann in fünf verschiedenen Zügen nach dem Z e st h a l l c n- gelände am Platz der Republik zu marschieren. Mit dem ersten Zuge kamen die Songretzdelegierten. Die sozialdemokratische Rochaussraktion kam geschlossen an. vold nach ll Uhr war der Riesenplah des Zesthallengeländes voll beseht. Nach kurzem stimmungsvollem Konzert des Orchesters der arbeitslosen Musiker traten ISlIO Sänger auf den Plan und brachten unter Leitung von Max B o r t s 6) das von P r i n g s h« i m vertonte Arbeiterlied zu mitreißendem Vortrag. Genosse Miebach vom Bezirkeausschuß des ADGB. begrüßte die Erschienenen, worauf Genosse Eggert vom Bundesvorstand des ADGB. eine Ansprache hielt. Der Kongreß danke der Frankfurter Arbeiter-, Angestellten- und Beamtenschaft für die gewaltige Kundgebung und erwidere die herzliche Begrüßung. Die Kundgebung bedeute jedoch weit mehr als nur eine Begrüßung. Sie richte sich zugleich gegen alle Feinde der Gewerkschaftsbewegung. sowohl gegen die rechts wie die links von uns stehenden, insbesondere aber gegen das ganze kapitalistische Wirtschafts- s y st e m. Fünf Millionen deutsche Arbeiter und Angestellten stehen draußen vor den Betrieben, vergeblich auf Arbeit wartend. Das privatkapitaliftis'che Wirtschoftsstistem steht als Angeklagter vor dem Gewerkschaftskongreß. Die ganze Tragik des Arbeitslosenelends liegt in dem Widerspruch dieses Systems zu einer geordneten Wirtschasts- führung. Der Kongreß wird die Ursachen feststellen, die zur Bcr- schärfung der Krise beigetragen haben. Gegen die Mängel- und Aus- wüchse dieses Systems werden wir den Kampf ausnehmen. Es mutz überwunden werden durch die sozialistische Gewcrkschafts- und Parteibewegung. Ein System, das mit so großen Gefahren für die Wirtschaft verbunden ist, ist reif zu verschwinden. Lauter denn je wird der Kongreß Protest gegen den wahnwitzigen Lohnabbau erheben und gegen den Abbau der sozialen Leistungen als Sparmaß- nähme. Es gibt keinen gefahrvolleren Weg für die Wirtschaft als den, die Kaufkraft der Massen immer tiefer zu senken. Der Ge- wertschaftskongretz wird weiter fordern, daß in Deutschland eine Wirtschasts- und Außenpolitik getrieben wird in der Richtung auf Verständigung mit den Übrigen Völkern, vor allem auf eine Verständigung mit Fr a n k r c i ch. Es mutz endlich Frieden werden!(Lebhafter Beifall.) Genosse Scheven els, der Generalsekretär des Intel- irankfurt a. M. i Gewerkschaftskongreß nationalen Gewerkschaftsbundes, zeigte, wie heute eine kleine Minderheit über Krieg oder Frieden entscheidet, über das Wohl und Wehs der Wirtschaft. Diese kleine Minderheit war überall, in Oesterreich, in Belgien, in Frankreich und Deutsch- land und jetzt wieder in England am Werke, um die„sozioldemo- kratische" Regierung zu stürzen, die zwar noch nicht sozialdemokratisch waren, aber doch die Arbeiterinteressen nicht ganz hintenan stellen konnten. Die kleine Minderheil von Finanzkönigen ist für die Mißvcrwaltung der Wirtschaft und für die Finanznot verantwortlich zu machen, unter der die Völker leiden. Diese kleine Minderheit ist in jedem Lande bereit, sobald es in ihrem Interesse liegt, die Völker gegeneinander zu Hetzen. Sie hat nicht den Willen, die deutsche und die europäische Wirtschast wieder aufs trocken« zu bringen. Ihr gegenüber steht geschlossen die deutsche, die französische und die englische A r b c it er s ch a s t, die Zlrbeitcrschast der ganzen Welt. Wir stehen in einem Kampf, an dessen Ausgang die gesamte Arbeitnehmcrschaft aufs stärkste interessiert ist. Die deutsch« Arbeiter- schaft bildet in diesem Kampfe die Vorhut. Im Namen des JGB. mit 14 Millionen organisierter Arbeiter in 26 Ländern begrüßt Schevenels den Kongreß und appelliert an die feste, geschlossene Solidarität der Arbeiterschaft. Die Niederlage der deutschen Arbeiterschaft wäre die Niederlage der Arbchtcr der ganzen Welt. Im Vertrauen aus den Sieg der deut- schen Arbeiterschaft und die internationale Solidarität überbringt er die Grüße und Wünsche des Internationalen Gewertschafts- bundes. Genosse Schorsch-Wie» betont die enge Verbundenheit der österreichischen mit der deutschen Arbeiterschaft. Wir sind an einem Wendepunkt des privatkapitalistischen Wirtschasts- systems angelangt. Dieses System hat die ganze Produktion auf den Massenkonsum eingerichtet, verhindert jedoch den Massen- konsum durch Lohnkürzungen, die den Mangel an Kaufkraft ver- größern. Die Beschlüsse dieses Gewerkschaftskongresses werden weit über die deutsche Grenze hinaus bewertet werden. Es muß ein Weg gesunden werden, der aus der kapitalistischen Wirrnis hinaus- fichrt. Alle Arbeiter haben nur das eine Interesse: die Befreiung von dem kapitalistischen System. Genosse Schorsch schloß nrit dem freudig erwiderten Gruß unserer österreichischen Genossen: Freundschast! Noch weiteren künstlerischen Darbietungen fand die Kund- gebung ihren Abschluß in einein.hoch auf den internatio- n a l c n Sozialismus. Msdann formierte sich unter Boroiüritt bes Reichsbanners, dem die Äongreßdelegierten und die Jugend folgten, ein einheitlicher Zug, der am hauptbohnhof vorüber durch die Kaiserstraße zur Haupt- wache führte, von wo die einzelnen Züge nach ihren Auflösungs- Plätzen abmarschierten. Der Vorbeimarsch der Zehntausende währte nahezu eine Stunde. Di« Massenkundgebung war vom schönsten Wetter begünstigt und verlief ohne jede Störung. Frankfurt am Main erlebte nach dem Tag der Jugend eine zweite gewaltige Kundgebung für den Sozialismus, die eine würdige Einleitung des Gewerkschaftskongresses bildete. Attentat in Ostgalizten. Pilsudski-Mann ermordet. Thaddäus H o l u w k o war sozialistischer Abgeordneter. Als nach dem Maiputsch 1326 Pilsudski die mit Hilfe der sozialistischen Arbeiter gewonnene Macht immer gern gegen seine früheren Ge- nassen anwandte und die PPS. zum Kampf um die Demokratie und gegen das Pilsudski-Regim« sich genötigt sah, fielen einiee Führer, die Pilsudski über die Partei stellten, ab. holuwko schloß sich chnen an und wurde Leiter des Amts für die Minderheitsfragen in Ostpolen. Ob er nun persönlich für die Weitertreibung der Unterdrückung der Ukrainer und Weißrussen bis zu jener schändlichen „Be r u h i g u n g s a k t i o n" im vorigen herbst verantwortlich war oder nicht— jedenfalls stand er an verantwortlicher Stelle und gehörte zum Regime. Seither ist er freilich ausgeschieden und hat Versöhnungsversuch« mit den Ukrainern eingeleitet! sie sind ge- scheitert. Run ist holuwko, während er zur Erholung in dem oft- galizischcn Kurort Truskawjec war, von Unbekannten übersallcn und erschossen worden. Die neuen ukrainischen Attentate gegen Polen lenken auch diesmal den Verdacht in diese Richtung/ Der Boden wäre solchen Attentaten entzogen, wenn die ostgalizischen Ukrainer endlich die feierlich versprochene Autonomie und Sie Millionen Ukrainer in Polen genügend Schulen und Kulturjrci- heit erhielten. Polnische Chauvinistenblätter Hetzen bereits aufs neue. Am gestrigen Sonntag sind in Trustowjec und in der Umgebung Massenrevidierungen und Verhaftungen oorge- nommen worden. Das zahlreiche ukrainische Verbände umfassenbe Zentralukrainisch« Komitee nennt in einer Kundgebung dos an holuwko begangene Vcrbrechen«inen abscheulichen Mord und ein Werk der Feinde des polnischen und ukrainischen Volkes. Woldemaras freigesprochen. Oer Prozeß deo Sxdiktators. Kowno, 30. August. Im Wolde moras.Prozeß wubden nach wochcnlongcr Verstand- lung zehn Angeklagte, darunter Molden>araz und zwei feiner Adju- tonten, wurden freigesprochen. Zwölf Angeklagte wurden zu je einem Jahr Gefängnis verurteilt, davon zwei mit Bewährungs- frift. Vaitteoicius erhielt 15 Jahre Zuchthaus, fein Helfer Pu palaigis 12 Jahre Zuchthaus, beide Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebensdauer. ★ Eines jener Kriegsgerichte, die Woldemaras als Diktator Litauens über Sozialisten ungeheure Strafen verhängen ließ, hat ihn jetzt als AngeNagten vor sich gehobt. Es war die Hauptaufgabe dieses Gerichtes, festzustellen, ob die Organisation„Eiserner Wolf", oeren Führer Woldemaras war, nach ihrer Auflösung durch den Generalsekretär des Innenministeriums, Oberst Stenzel, auf Veranlassung der Regierung als illegale Organisation be- stehen blieb.und unter Führung von Woldemaras einen U m st u r z- plan vorbereitete. Während der hauptangetlagte und Haupt- attentäter gegen den Polizeioberst Rusteika, Waitkevicius, aussagte, daß er nur auf Zlnwcisungen von Woldemaras und in seiner Eigenschaft als Mitglied des„Eisernen Wolfes" gehandelt Hab«, behauptete Woldemaras, daß er nach feinem Rücktritt das Amt als Führer des„Eisernen Wolfes" niedergelegt habe. Die Führung habe dann die Regierung übernommen. Eine Reihe Zlngeklaeter und Zeugen haben Woldemaras in diesem Punkt e n t l a st« t. Woldemaras behauptete ferner, daß Litauen, nachdem es mehrere Putsche erlebt Hobe, in einer Angst vor neuen Putschen lebte, und deshalb sei auch dieser Prozeß entstanden. Waitkevicius erschien in diesem Prozeß in einem zweisel- haften Licht. Er war ständiger Begleiter und Vertrauensmann von Woldemaras, zugleich eifriger Agent der Kriminalpolizei. Der zweite Attentäter, Pupalaikis, erklärte, daß er nur auf Ber- anlassung von Waitkevicius das Attentat gegen Oberst Rusteika aus- geführt habe, und Waitkevicius sei auch bei der Zlusführung des Attentats mehr als Leiter, der Anweisungen erteilte, denn als aktiver Teilnehmer tötig gewesen. Im Laufe des Prozesse? konnte nachgewiesen werden, daß das Attentat gegen Oberst Rusteika nicht, wie Woldemaras behauptet, erdichtet worden ist. Es tonnte hingegen nicht festgestellt werden, daß das Attentat auf einen Beschluß des„Eisernen Wolfes" hin ausgeführt wurde, genau so, wie auch oie Frage noch nicht aus- geklärt werden konnte, ob Woldemaras nach feinem Rücktritt an der Spitz« des illegalen„Eisernen Wolfes" gestanden hat. Es konnte ferner festgestellt werden, daß eine Anzahl der Angeklagten Flug- und Schmähschriften verbreitet und Handlungen gegen die Regie- rung begongen hat. Die Aussogen des früheren Gerealstabschefs Plechavicius darüber, wie man ihn für die Umsturzpläne gewinnen wollte. spielten«ine nicht geringe Rolle. Es konnte aber nicht einwandfrei erwiesen werden, daß Woldemaros der Drahtzieher dieser Machen- schasten gewesen ist,»bensowenig, daß Woldemaras Zusammenkünfte mit den angeklagten Offizieren über die Vorbereitung eines Um- sturzplanes abgehalten hat. „Thron zu vergeben." Komische Oper. Seit Lehars„Lustiger Witwe" ver/egen Operettenlibrettisten die Handlung gern in«in sagenhaftes Balkanländchen, wo Pleite» und Banditen hoch im Kurse stehen. Allerdings kleben heute die fürstlichen Herrschosten nicht mehr so zäh an ihren wackelnden Thron che«. Die Prinzessin Lydia von Mi grellen entsagt gern und folgt dem bekannten Ruf des Herzens. Ein amerikanischer Oel- magnat, dessen Schloß in Pankow stand, kauft die ganze Herrlichkeit aus. Begier Beg, der brave Bandensührer, hat wieder einmal recht- zeitig stnnmungsoolle Revolution gemocht. August Rcidhart mixt diese Dinge, die das Publikum an- geblich noch immer erfreuen, mit routinierter Hand. Revuegirls find auch vorhanden, und zeitgemäße Glossen umspielen arabesken- l)a ft die Handlung. Zu den harmlose» Vorgängen schreibt Bert W i t m a n n eine Musik, die glatt dahinfließt und das Tänzerische bevorzugt, ohne aber irgendeinen Höhepunkt zu erreichen. Si.la L« w i t I ch verleiht ihr mit soinem Orchester gestrasst« Haltung. Es kommt nur darauf an, daß das Ganze reibungslos abrcllt. Jeder Versuch einer Bertiefung würde die Sichtbrüchigkeit de» Librettos betonen. Der Regisseur Hermann Feiner gibt Tempo und quirlendes Leben. Zwei schöne Stimmen stehen ihm zur Ver- fügung: das dunkle, kultivierte Organ der Lori Leux, und Else Elster, jugendfrischer. Heller Sopran. Kurt Lilien stattet den Millionär aus Pankow mit der sachlichen Schlagfertigkeit des Berliner» aus, und Hugo Werner-Kahles Banditenhäuptling xoürd« auch in jedem romantischen Film«ine prächtig« Figur machen. „Oie Blume von Hawaii." Metropol-Theater. Viele Köche verderben den Brei. Das Textdichter-Tviumvirat der neuen Paul Abraham-Opcrette, die Sonnabend im Metropol- Theater ihre Uraufführung erlebte, die 5)men Grllnwald, Löhner- Beba und Földcs, sie haben sich nicht gerade sehr ausgezeichnet. Schauplatz der Handlung ist Hawaii in der uns wohlbekannten, in der lange schon tonfflm- und schallplatienföhig gewordenen Südsee, die zu rührseligen Liedern, exotischen Rhythmen und nackten braunen Mädchen willkommenen Anlaß und farbenprächtigen Hintergrund bietet. Ein Prinz liebt eine Prinzessin, die Hot einen anderen er- wählt: der andere, ein amerikanischer Marmekapitän, soll sie ver- hasten, da sie sich zur Königin von Hawaii krönen läßt, das Amerika gehört. Er bringt es nicht über das liebende herz und fetzt so seine Karriere aufs Spiel, der Prinz will sich umbringen— oll dies ist weder sehr neu noch sehr spannend, wenn auch zweifellos traurig. Mit falschem Pathos und geradezu erschütternder Sentimentalität wird auch nicht gespart. Der letzte 2lkt, er spielt in einer Bar in Monte Carlo, bringt alles in Ordnung. Nicht weniger als vier Liebespaare halten sich selig umschlungen, der Prinz insbesondere ist doch noch zu seiner Prinzessin gekommen. Auch die virtuosesten Tanzeinlagen Helsen nicht darüber hinweg, daß jeder einzelne Alt zu lang ist: der letzte ober, der musikalisch so gut wie nichts Neues mehr bringt und nur von Rerniniszensen lebt, ich mehr als lang, er ist langweilig. Die Sünden der Textdichter rächen sich am Komponisten. Zur Verlegenheit um formale Gliederung des Ganzen stehen die Bemühungen um die große zu weit gesponnene Form der einzelnen Nummer in schrosfem Gegensatz. Weniger wäre hier mehr gewesen. Die Musik Paul Abrahams hat durchaus kein scharfes Profil, im Gegenteil: sie hat viele Gesichter. Zahlreich« Böller und Zonen liehen chr die Eigenart: Wien-Hawaii, Budapest-Südsee, das ist schwer zu unterscheiden. Alles aber gut gemacht, reizvoll instrumen- tiert, handwerklich vollendet. Am gelungensten die raschen, schmis. sigen Tänze im Viervierteltakt, die sich immer wpiedcr def donkbaren Slufgabe unterziehen müssen, den Zuhörer von allzu tränenseligen Melodien zu erlösen. Di« wunderschöne Anni A h l e r s entzückte in ihre Doppelrolle als Prinzessin Loya und Susanne Provence. Rosy Barssony, Harald Paulsen und Fritz Steiner feierten Triumphe tänzerischer Arobatik. Sie und alle anderen— wie Serge Abranovic. Zllsred Ierger, Claire Rommer— trugen zum Erfolg der Ausführung bei, die der Komponist dirigierte. Alfred Griinwald führte Regie, Alfred Rotter war sür die künstlerische Gesamtleitung verantwortlich. Beifallsstürme erzwangen zahlreiche Wiederholungen. .Araolck Walter. „Oie natürliche Tochter." Staatliches Schauspielhaus. Die Aufführung von Goethe» Trauerspiel„Die natürliche Tochter", mit der das Staatliche Schauspielhaus die Theatersaison einleitet, ist wohl al» Auftakt zum kommenden Goethe-Iahr zu be- trachten. Es ist durchaus anerkennenswert, daß das Staatstheatcr aus dem vielgestaltigen Werk des Dichters eins auswählt, das noch nicht zum allgemeinen Kulturgut geworden ist, und Interesse für eine Dichtung zu erwecken versucht, die bisher auf der Bühne noch nicht Fuß hat fassen können. Das Trauerspiel ist in den Jahren 1802 bis 1803 entstanden, in einer Zeit also, in der die große Französische Revolution vor kurzem ihren Abschluß gefunden hatte. Goethe hatte den Umsturz, der ganz Europa und auch fein Weltbild erschütterte, aus nächster Nähe erlebt. So fürchterlich und wesensfremd ihm der revolutionäre Gedanke war, so wenig verschloß er sich doch der Not des Voltes und den Fehlern auf feiten der französischen Monarchie. Und um sich selbst Klarheit über das neugeschaffene Weltbild zu bilden, wollte er sich in einer Trilogie Über die neuen umwälzenden Gedanken Rechenschaft ablegen. Die Exposition zu diesem großen Werk, das ihm vorschwebte, bildet „Die natürliche Tochter". Goethe selbst hat an dem Trauerspiel �nicht viel Freude gehabt. Es wurde nur wenige Male aufgeführt, erfuhr vielfach Ablehnung und schließlich verlor er an der Vollendung seiner Trilogie die Lust. Das Trauerspiel ist also ein Torso. Man kann sich nicht recht vorstellen, wie sich aus diesem weltabgcwandten und symbolhaften Stück die Auseinandersetzung mit der Idee der Revolution entwickeln sollte. Rur andeutungsweise finden sich im Trauerspiel Anspielungen auf das Anbrechen einer neuen Zeit. Die 5)andlung erschöpft sich in einem hösischen Intrigenspiel, zu dem uns jegliche Beziehung fehlt. Die„natürliche Tochter" hat kein romantisches Leben und nicht einmal einen Abschluß. Sie ist ein großangelegtes Gedicht, in dem allerdings die Musik der goetheschen Sprache überwältigt. Lothar M ü th e l s Regie ist weniger darauf bedacht, die Hand- lung vorwärts zu treiben, als die erhabene Schönheit der Vers« zur Geltung zu bringen. In ruhiger Abgeklörtheit folgen die Auftritt«, und es entsteht zuweilen der Eindruck erhabener Deklamation. Der Zuschauer gerät von der ersten Szene an in eine Art feierlicher Weihestimmung, zu der auch die bewußt-einfachen und stilisierten Bühnenbilder von Hermann Zwcigenthal beitrogen. In all der Feierlichkeit bewahrt Maria K o p p« n h ö f« r als hofmeisterin warm-lebendige Züge. Theodor L o o s, Paul B i l d t und Günther h a d a n k fügen sich als würdige Sprecher dem klassischen Rahmen der Aufführung ein. Nur die natürliche Tochter der Maria Schanda sprengt diesen Rahmen. Sie übersteigert sich anfanes in sorgloser Kindlichkeit und später in unglaubhaft zur Schau getrogenem Schmerz. Ob das Staatstheatcr uns diesen Goetl>e erschlossen hat, bleibt zweifelhaft. Der Beifall war achtungsvoll, ober in die Weihe- stimmung des Abends hatte sich doch ein bedenklicher Schuß Lange- weile gemischt. Dxr. Baabe-Ehrung in Berlin. An der Berliner Wohnstatt von Wilhelm Raobe, Sprcestraße 11, wird der Verband Deutscher Er- zähler am 8. September 1331 zum Zeichen seiner dauernden Der- bundenheit mit dem Dichter«inen Kranz mit folgender Widmung anbringen lassen:„Dem Chronisten der Sperlingsgasse— Der Verband Deutscher Erzähler." „Tie Wochenschau." DaS in der Kantstraßc 183 gelegene Lichtspiel- lheaier wird am 10. September als erstes Wochcnsckautbeatcr Deutschlands eröffnet werden. Es wird als einziges Programm eine Spezialausgabe der „Fox Tönenden Wochenschau" bringen. Tie Vorführungen dauern jeweils 1 Stunde und gehen von 12 Uhr bis mitternachts vor sich. Sigrid Ontgin tritt in der Städtischen Oper zum ersten Male in dieser Spielzett am Dienstag aus. Sie singt die Amneris in„Aida". Im Verein Berliner Künstler, Bellevnestrahe 3, wird Donnerstag eine Ausstellung„Fraucnbildnisse unserer Zeit" eröffnet werden. Im Planetarium, dessen Besucherzahl sich dauernd hebt, findet Diens- tag um b, 7 und 0 Uhr die Uraufführung des Filmes„M i v a, das Vermächtnis eines Missionars" statt. Bora»? geht ein astronomischer Vortrag: »Unter dem Krcu, des Südens. Aufstieg der Klasse! Minister Grimme beim Potsdamer Parteijubiläum vierzig Jahre Sozialdemokratie Potsdam, vierzig �ahre Sozialdemokratie o w a w e s, 25 Jahre Sozialdemokratie Caputh, 25 Jahre Sozialdemokratie Saarmund. 10 Jahre „Potsdamer Holksblall"— das waren die Zeichen, unter denen die wohlgelungenen und ausserordentlich gut besuchten Veranstaltungen der Sozialdemokratischen Partei gestern und vorgestern in Potsdam und Vowawes standen. Die große Jubiläumsfeier wurde am Sonnabend durch einen Fackelzug eingeleitet, wie ihn N o w a w e s seit langem nicht ge- sehen hat. Im Gesellschaftsh'�is Turnhalle fand ein Festakt statt. Die „Freie Mandolinen- und Gitarren-Vereinigung Nowawes" der „Freie Männerchor Nowawes", die Sozialistische Arbeiterjugend Nowawes und Potsdam, die Freie Turn- und Sportvereinigung 1894 und die Mitglieder des Deutschen Mufiker-Verbandes, alle wirkten sie freudig mit, um der Feier den besonderen Glanz zu verleihen, der ihr innewohnte. Reichstagsabgeordneter Genosse Kurt ch e i n i g hielt die Festrede, die ein Zlppell war zur Mitarbeit in allen Organisationen der Sozialdemokratischen Partei. Man darf den Inhalt seiner Rede dahin deuten, daß die Arbeiterschaft nur dann stark ist, wenn sie einig und geschlossen vorgeht, daß sie aber, wenn endlich die Erkenntnis siegt, daß nur die Sozialdemokratie wirklich ihre Interessen vertritt, Erfolge erringen und die politische Macht gewinnen kann. Heinigs Ausführungen wurden immer wieder von stürmischem Beifall unterbrochen. Im Mittelpunkt der Veran- staltung des Sonntag stand der Festakt im Potsdamer Schauspielhaus. Man sah die Vertreter der Behörden der preußischen Republik, der Schutzpolizei, der Feuerwehr, der Gewerkschaften, der Konsum- genossenschast, der Arbeitersportler, der sozialistischen Kulturorgani- sationen und der Jugend. Das Potsdamer Tonkünstlerorchester leitete unter der trefflichen Führung des Studienrats chans-Georg Rohrbach mit Karl Maria von Webers unvergänglicher Ouvertüre zu „Euryanthe" ein. Dann folgte, zusammen mit dem Potsdamer Volks- chor vorgetragen, Mozarts prächtiger Chorsatz aus der weltlichen Kantate:„Dir, Seele des Weltalls, o Sonne, sei heut' das erste der festlichen Lieder geweiht". Nach den Begrüßungsworten des Rcdak- teurs vom Potsdamer„Volksblatt", Genossen Georg Spiegel, nahm zu seinem Feswortrag„Die Sozialdemokratie als Kulturbewegung" der preußische Staatsminister für Wissenschaft, Kunst und Volks- bildung, Genosse Dr. Grimme, das Wort. Er sagte:„Schon die Wahl des Themas für die Rede bei diesem Jubiläum der Sozial- demokratischen Partei beweist, daß für uns kulturelle Fragen nicht am Rande der Bewegungen stehen, nicht ein gelegentliches Blick- selb darstellen, sondern die eigentlich treibenden Kräfte der Bewe- gung sind. Das legte Ziel ist für uns sozialistische Kultur� d. h. die Menschwerdung jedes Menschen. Gewiß ist das Materielle für uns auch von sehr wesentlicher Bedeutung. Aber das ist nicht um dieser Dinge selbst willen der Fall. Das Materielle scheint für uns nur deshalb oft im Vordergrund zu stehen, weil wir die Einsicht haben, daß vor der Erreichung des kulturellen Zieles die materielle Sicherheit des einzelnen gewährleistet sein muß. Im Obrigkeitsstaat konnte sich die Arbeiterschaft geistig nicht in dem Maße entwickeln wie heute. Unsere Gegner aber irren, wenn sie die Anhänger von Marx und Engels beschuldigen, die blinde Herr- schaft der Materie zu verkünden. Für uns steht nicht die Wirtschast, sondern der Mensch im Mittelpunkt der Betrachtung. Die sozialistische Weltanschauung liegt wahrhaftig nicht außerhalb der Geschichte deutscher Kultur, sie schließt sich an die große Epoche des deutschen Idealismus und der deutschen Klassik. Schon in Goethes„Wilhelm Meister" steht, daß die selbstherrliche, nur aus sich gestellte Einzelpersönlichkeit zugunsten der Gemeinschaft obzu- danken habe. Daß die Idee in der Sozialdemokratischen Partei das vorherrschende Element ist, beweist die ungeheure Mannigfaltigkeit ihrer Bildungsarbcit. Von der Kunst der Bühne und des Gesanges über den Sport und das Reisen und Wandern bis zur Kulturarbeit der Jugend und der Kinderfreunde alle Gebiete umfasse. Der alte Staat konnte dem feindlich gegenüberstehen. Für den neuen Staat, dem Bildung nicht nur Schmuck und Arabeske ist, muß diese sozio- listische Bildungsarbeit ein Wirken sein, das er als wertvolle Unter- stützung republikanisch-dsmokratischer Gesinnung freudig begrüßt. Es liegt hierin aber auch eine Verpflichtung zu gemeinsamer Arbeit vor. Wir wollen tiefgehende Aenderngen im gesellschaft- lichen Aufbau zur Bildung einer kulturellen Geweinschaft. Auf die Rede Grimmes folgte langanhaltender Beifall. Im gemischten Chor wurde Uthmann-Bothes„Der Freiheit mein Lied" vorgetragen. Der vierte Satz aus Beethovens fünfter Sinfonie schloß die erhebende Feier. Am Nachmittag traten um 13 Uhr die Potsdamer und Nowaweser Arbeiterturner und-sportler zum großen Volksfest im Volkshaus Mühlenberg-Grotte an. Um 14 Uhr sprach auf dem Bassin-Platz der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei, Reichs- tagsabgeordneter Genosse Vogel, dessen Rede ein Ansporn war, weiterzuarbeiten im Dienste der Sozialdemokratie und der Ar- oeiterklasse. Bei dem großen Volksfest wirkten die Freien Turner und Schwimmer von Potsdam, der Volkschor, der Gesangverein Gutenberg, die Sozialistische Arbeiterjugend, die Kinderfreunde und der Deutsche Musikerverband mit Begeisterung mit. Die Redaktion des Potsdamer„Volksblatt" hatte in einem Saal eine Sonder- ausstellung veranstaltet. Besondere Beachtung fand die etwa 70 Seiten starke Fcstausgabe unseres Bruderorgans. Einigung in Limoges. Groteske Ursachen einer Aussperrung. Parts, 31. August.(Eigenbericht.) In der Schuhindustrie von Limoges ist am Sonnabend eine Einigung zwischen den Arbeitergewerkschaften zustande gekommen. Danach wird am Montag in allen Fabriken, einschließlich der Fabrik von Bidaud, deren Belegschaft wegen Entlassung eines Arbeiters in den Streik getreten war, die Arbeit wieder aufgenommen. Der Fall des entlassenen Arbeiters wird von einer aus 6 Arbeitern und 6 Unternehmern zusammengesetzten Kommission unter dein Vorsitz des Bürgermeisters von Limoges geprüft werden, die eine Woche nach Wiederaufnahme der Arbeit darüber befinden soll, ob die Entlassung zu Recht oder zu Unrecht erfolgt ist. Der Bürger- meister von Limoges ist unser Genosse B e t o u l l e. Die Ursache dieser vor drei Wochen verfügten Aussperrung steht in einem grotesken Mißverhältnis zu ihrem Umfang. Zu dem Kon- flikt kam es, weil in der kleinen Schuhfabrik Bidaud trotz schärfster Kurzarbeit Ende Juni ein Arbeiter, für den angeblich auch bei der verkürzten Arbeitszeit keine Beschäftigungsmöglichkeit mehr bs- stand, entlassen worden war. Seine Arbeitskollegen in der Lederschneidewerkstätte protestierten gegen die Entlassung und legten, da ihr Protest nichts fruchtete, schließlich die Arbeit nieder. Die ersten Vermittlungsoerhandlungen hatten kein Ergebnis, da der Fabrikant darauf bestand, daß der gekündigte Arbeiter nicht wieder eingestellt wird. Es folgten weitere Entlassungen, die schließlich die gesamte Belegschaft von etwa 100 Mann zum Streiken veran- laßten. Der Fabrikant unterbreitete den Fall dem Verband der Schuh- industriellen, und dieser erklärte sich mit seinem starrköpfigen Ver- bandsmitglied solidarisch. Den Arbeitern sämtlicher dem Verband angeschlossenen Schuhfabriken wurde mitgeteilt, daß eine allge- meine Aussperrung erfolge, wenn die Arbeiter der Firma Bidaud nicht am 7. August den Streik abbrächen. Da an dem ge- nannten Tag kein Arbeiter in der Fabrik von Bidaud erschien, wurden am Mittag sämtliche anderen Schuhfabriken stillgelegt. Durch einen Machtspruch der Unternehmer sind also kurzerhand 3000 Arbeiter auf die Straße gesetzt worden. Glück- licherweise hatte die Stadtverwaltung von Limoges ein Einsehen und erkannte die Arbeiter als unfreiwillige Arbeitslose an, denen die Arbeitslosenunterstützung ausgezahlt werden muß. Die Arbeiter hegten anfangs den Verdacht, daß die Aus- sperrung nur beschlossen worden sei, um eine Lohnkürzung durch- zusetzen. Die Vertreter des Arbeitgeberverbandes erklärten jedoch bei einem Einigungsversuch, der auf die Initiative des sozialistischen Bürgermeisters B e t o u l l e eingeleitet worden war, mit aller Bs- stimmtheit, daß irgendeine Aenderung des bestehenden Lohntarifs nicht beabsichtigt sei. Der ganze Konflikt dreht sich also nur um die von den Arbeitern als unberechtigt angesehene Entlassung ihres Kollegen von der Firma Bidaud. Wegen der Dickköpfigkeit eines Unterneh- d e r s läßt man es auf eine Aussperrung von 5000 Arbeitern an» kommen! Mit Volldampf rückwärts. Hamburger Hafenbetriebe fordern 20 Prozent Lohnabbau. Hamburg, 31. August.(Eigenbericht.) Die Hamburger Arbeilgeberorganisation für die hafenbetriebe, der hasenbetriebsvcreine, hat das Lohnabkommen für die Hafenarbeiter zum 20. September gekündigt. Der Hasenbetriebsverein verlangt einen Abbau der geltenden Schichtlöhne voa SM Mark aus 7 Mark, also um ruud 20 Proz. Oreitagewoche in der Wollkämmerei. Arbeiterfolidarität gegen Kapitalsmißwirtschast. ..... Blomenthal, 31. August. Ab heute wird laut Mehrheitsbeschluß der Betriebsversamm- lung der Bremer Wollkämmerei nur noch drei Tage in der Woche in Wechselschicht gearbeitet. Ursprünglich sollten 900 Personen zur Entlassung kommen; außerdem sollte fünf Tage gearbeitet werden. Wegen gänzlichen Fehlens der Wolleingänge hatte die Direktion verlautbaren lassen, daß sie etwa 1600 Personen entlassen müsse oder aber die Belegschaft könne nur noch drei Tage arbeiten. Dadurch, daß die Belegschaft das große Opfer der Arbeitszeitverkürzung auf drei Tage auf sich genommen hat, werden größere Entlassungen oermieden.— Die außerordentliche Einschränkung der Produktion ist eine direkte Folge derMißwirtschaftderGebrüderLahusen, die zu der Pleite des Nordwollekonzers geführt hat. Wie immer sind es in erster Linie die Arbeiter, die darunter leiden. Wie immer beweisen die Arbeiter durch ihre Solidarität ihre moralische Ueber- legenheit über die kapitalistische Korruption. 102. Abk. AfA-hof. Heute um 20 Uhr Frauenabend im Lokal Neu-Tiooli, Neue Krugallee. Thema:„Die politische Satire". Refe- rent: Hans Fuhrmann. Wetter für Berlin: Meist bewölkt, teilweise neblig, mild, einzeln« Regenfälle.— Für Deutschland: Im Nordosten noch ziemlich heiter und trocken, sonst im Reiche stark bewölkt mit Strichregen, vielfach auch neblig. Rückschau. Die Erzählung der Woche gab Gerhart Hermann M o st a r. Einen erschütternden Bericht von einem Menschen, der im anderen den Vertreter einer feindlichen Idee erschießt, und der plötz- lich gezwungen wird, in dem Toten den Menschen zu sehen: der Mensch war wie er selber, der litt, hoffte, sich freute wie er. Der Mörder muß an der Bahre des Erschlagenen die Totenwache halten, denn er hat sich als Spion in die feindlichen Reihen geschlichen. In seinem Arm brennt die Kugel, die ihn bei der Schießerei traf. Aber er konnte aus seinem Rade unerkannt fliehen und darf sich nun nichts merken lassen. Die Wunden der Toten bluten nur in Sagen beim Nahen des Mörders. Die Hand der Mutter, die ihres Kindes beraubt wurde, brennt in der seinen. Als auch die Hand der Schwester ihm für die Ehrenwache danken will, bricht er zusammen; auch er hat eine Schwester. Aber noch auf der Fahrt zum Arzt, während er neben der Schwester des Ermordeten sitzt, verteidigt ihn feine Idee. Erst die einfachen Worte des Mädchens entkleiden seinen Mord des heroischen Pathos und lassen ihn erkennen, daß der Mensch, der durch seine Schuld starb, im tiefsten Sinn sein Bruder war. Wenn der Mörder ihn gekannt hätte, sagt die Schwester, er würde hingehen, seine Strafe verbüßen und keinen Menschen mehr töten. Ohne daß sie es weiß, beugt der Mann sich ihrem Urteils- spruch. Ueber den Dichter Ludwig Thoma sprach im Programm der Deutschen Welle Dr. Wolfgang Hoffmann-Harnisch. Er stützte seinen Bericht auf die Erinnerungen des Dichters, auf einen abgeklärten Rückblick also. Die Vielheit der Eindrücke, der Lebens- etappen, die den Dichter Thoma so werden ließen, wie wir ihn kennen, wurde dem Hörer angedeutet. Selbst diese nicht allzu kräftige Skizze mußte jedem deutlich machen, daß mit Ludwig Thoma nicht nur ein großer Dichter, sondern ein ganzer Mensch lebte und leider viel zu früh starb. Am Sonntagnachmittag gab es eine halbe Stunde besonders schöne Hausmusik. Bruckners demütige Ehrfurcht vor der Kunst klingt nicht nur aus seinen großen Sinfonien und Kirchenkompo- sitionen, sondern aus jeder Note, die er schrieb. Die kleinen G e» sang- und Klavierwerke, die man hörte, waren von er- greifender Schönheit. Ueber die Arbeit des Stenographen sprach in dem Zyklus „Menschen im Beruf" der Deutschen Welle Wilhelm Lichten- t h ä l e r. Er zeigte, einen wie weiten Begriff das Wort Stenograph umschließt. Von dem Berufsanfänger, der vielleicht 80 Silben in der Minute aufnehmen kann, bis zu dem Meister des Fachs, der in der gleichen Zeit 3S0 und mehr Silben bewältigt, ist es ein weiter Weg. Und, wie der Vortragende ausführte, wenn auch für mittelmäßige Kräfte die Aussichten in diesem Beruf sehr gering sind, für besonders leistungsfähige bleiben sie jedoch noch immer recht günstig. Voraus- setzung für diesen Beruf, der außerordentlich hohe Anforderungen an die Nervenkraft stellt, ist allerdings eine sehr feste Gesundheit. Tes. Montag, 31. August. ■-'• i' Berlin, f;"." 16.00 Leopold van der Pals: I. Lieder.(Jennle v. Thillot. Sopran. Am Flflselr Dr. Ed. Steinberger). 2. Aus„Sechs Klavierstücke, op. SO"(Erstaufführung). 3. Aus„Zehn Klavierstücke, op. 70"(Erstaufführung). (Dr. Ed. Steinberger.) 4. Lieder(Jennie v. Thillot). 16.35 Alte Kammermusik. I. Stamitz: Sonate. 3. Benda: Sonate.(Ero Selin. Viola d'amore, und Walter Drwenski, Cembalo.) 17.00 Läufer der Welt(Wilhelm Ehlers.) 17.20 Alberl Ehrenstein liest eigene Dichtungen. 17.45 Aktuelle Abteilung. 18.20 Ob.-Ing. Nairg und Dr. Nesper: Was hat Ihnen auf der Punkausstelluns am besten gefallen? 18.35 Unterhaltungsmusik. 19.25 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 19.30 Bürgermeister Mielitz; Der Osten Berlins. 19.55 Staatsoper Unter den Linden:„Die Entführung aus dem Serail". Komisch� Oper von W. A. Mozart. 22.15 Frankfurt: Zeitbericht. 22.55 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. KSnigswusterhausen. 17.00 Prof. H. Werner: Unsere Großlautsprecher Im Dienst der Schule. 17.30 Käte Gräber: Musik im Märchen. 18.00 Prof. Lothar Schreyer: Deutsche Monuraentalmalerel. 18.30 Lore Stein: Wie ein Film entsteht. 18.55 Wetter für den Landwirt. 19.00 Englisch für Anfänger. 19.25 Prof. Dr. Lehmann; Gewinnbringende Geflügelmast. 20.00 München: Blasmusik. 20.45 München: Gustav Jacoby plaudert. 21.15 München; Abendkonzert. 22.15 Räuscher: Polltische Zeltungsschau. SerontTOortl. für die StbalHon: Srtbrrt Lepere. Brillit: An,riarn: T».»locke. Berlin. Verla«: Vorwärts Verla«®. nt. b,£>., Berlin. Druck: Vorwärts Buch. bruckerei unb Derlagsanftalt Paul Sin««& Co.. Berlin EW 68. Linbenllrabe». vier»» 1 Beilaae. Sfaafs Thealer »lalsoiwr Unter den Linden. Montag, den 31. August Gndilassm Vontellgoi), ktin Iirtmnrtiiff Die Ennohrnno aus dem Serail Anfang 20 Uhr. Ende geg. 22'« Uhr. StutLSdiaDSßielliiiis Qendanninmaiit. Cecil Rhodes Anfang 20 Uhr SAiller-Tlieater Cturiottesburg. Ii- Hitsdiuliiigen. 33 Miiutin iß liflßidefz Anfang 20 Uhr •v. uhr CASINO-THEATER»u w» Lothringer Sir«he 37, •IIIIIIIMIIIttllllllllllllllllllllll klllllllll III Ullllllllllllllllf Villi II IIIIII Täglich S1/« Uhr Das Parfüm meiner Frau dazu ein erstklassiger bunter Teil. Für die Leser: Golscbelii 1— 4 Per». Rang Mitte 1 M.. Fauteuil u. Balk. 1,25 M.. Sessel 1,50 M. Sonstige Preise: Parkett 75 Pf.. Rang 60 PI. Deotsdies Theater Morgen 8 Uhr Ut auffahrung Kat Schauspiel nach Emest Hemingway v. Carl Zuckmayer und Heinz Hilpert Rigi«; Heinz Hilpert RurlQrstendamm Theater Bismarck 448/49 8'/. Uhr Die schöne Helena von lacqaosonniiiadi Rode Uu Deiotmmj Theater desWestens Tägl. S u. HV. Volksvorstellungen Viktoria und ihr Husar Billigster PI. 0.50 M TeuersttrPI. 2.50M. VolKsbUhne Stutupir, Uotir d. Liadeii Heule 8 Uhr Die EQUOlirung ans dem Serail UiUllllllilllllMIIIUIIiniRIO Stadl. Oper Charlottenburg Bismarcksttaße 34 Volksvorslellung kein Kartenverkauf Anfang 19>- Uhr Die insUden WclDer Thealer im Admiralsuaiasi Täglich 8V. Uhr Rotter-Qastspiel Die Dubarry mit eitta Aipar Preise: 0,50 bis 12�0 metropol-Theater Täglich 8'/, Uhr die neue Paul-Main- Operette Die Blume von Hawai unter persönl. Ltg. des Komponisten Pr. der PL: 1.- bis 14.50 Komische oper 8Va Uhr Thron zu vergeben Operette v Neidhart Musik v. Witmann Leux, Elster, Lilien Hendrik, Fels Preise; 0,50—7,- M Jeder Art liefert preiswert Paul Golletz vormals Robert Meyer Marlannensir. 3 F8. Oberbaum 1303 Planetarium amZooKLE� Täglich(außer Montag) 3.30, 5.13. 7 u. 9 Uhr ein Erlebnis: ftMiVB"« Uraufführung! Ein Afrika-Expeditiopsfilm. ZurEinführung:„Unter dem Krens des Südens", Vortrag mit Lichtbildern und Zeiß-lnstiumcnten. Eintrittspreis SO Pf., Schüler und Studierende die Hälfte. Vorverkauf täglich ab 10 Uhr. 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Roch unlängst schrieb Otto F l a k e in seiner auch sonst anfechtbaren Biographie des Marquis de Lade:„In einer Gerberei in M e u d o n verarbeitete man nach zweifelhaften Nachrichten die Haut von guillotinierten Männern— die von Frauen taugte nichts— zu Hofen und Putzlappenleder." Auch an Stellen, wo man es am wenigsten erwarten sollte, schleicht sich auf leisen Sohlen jener Schwindel ein. So findet sich in einem Artikel des„A b e n d" vom 23. Juli d. I., betitelt„Kitschmuseum in Gefahr", der Satz:„Der französische Na- k tionalkonvent soll , die Gerberinduslrie der TUenschcnhaul besonders gefördert haben." Wie konnte ein so zählebiges Märchen entstehen? Natürlich fehlt es nicht an„Quellen", die die Revolution der Menschenhautgerberei bezichtigen. In seiner„Histoire du Direc- toire'(Geschichte des Direktoriums) sagt Adolphe Granier de T a s s a g n a c:„Der Wohlsahrtsausschuh, der bis zum 9. Ther- midor wirkte, wurde angeklagt, das Schloß von M e u d o n einem Industriellen übergeben zu haben, damit er dort die Menschenhaut- gerberei versuche." Immerhin, C a s s a g n a c kam 1806 zur Welt und sein Werk erschien in den Jahren 1851 bis 1885: aus eigenem konnte er über die angeblichen Greuel von Meudon nichts wissen. Deshalb fügt er in einer Fußnote hinzu:„Es geht nicht an, den geringsten Zweifel über die Existenz von Menschenhautgerbereien unter der Schreckensherrschaft aufkommen zu lassen. Sie wird durch unwiderlegbare Zeugnisse und Tatsachen bestätigt." Wie sehen diese Zeugen und Zeugnisse aus? C a s s a g n a c beruft sich auf P r u d- Hamme, der in seiner„Histoire impartiale des Rdvolutions" (Unparteiische Geschichte der Revolutionen) erzählt, beim Fest des Höchsten Wesens am 8. Juni 1794 hätten mehrere Abgeordnete Hosen aus Menschenhaut getragen, aber dieses Buch ist 1824, also während der wildesten Orgien der Restauration, herausgegeben, nichts weiter als eine Zusammenstoppelung gegenrevolutionärer Absurdheiten. Der zweite Gewährsmann C a s s a g n a c s ist D a n i c a n, der in seinen„Lrixants demssques"(Entlarvte Briganten) schreibt: Welches Boll hielte nicht die Errichtung einer Menschenhaut- gerberei in M e u d o n für«ine Fabel? Man erinnert sich in- dessen, daß ein Mann an der Barre des Konvents ein einfaches und neues Verfahren ankündigte, Leder im Ueberfluß zu be- schaffen, daß der Wohlfahrtsausschuh ihm das Gelände des Schlosses von Meudon zur Verfügung stellte, dessen Tore sorg- » fältig geschlossen wurden, und daß Barere und Vadier die ersten waren, die■ � �'-''oas Menschenleder verferttgtr Sklefel trugen. „Man" erinnert sich? Danican erinnert sich ganz allein, und sein Erinnerungsvermögen ist sicherlich etwas getrübt, denn der einstige Radikalinskis, der blutrünstige Anhänger Huberts, ging beizeiten zu den Royalisten über, befehligte am 13. Bendcmiaire, am 5. Oktober 1795, die reaktionären Haufen, die durch«inen bewaffneten Putsch den Konvent zu stürzen suchten, und fristete nachher sein Leben in England als erbärmlicher Spitzel und Sold- schreib«: gegen die Revolution. Auch Georges D u v a l in seinen 1841 veröffentlichten„Louve- nirs de la Terreur"(Erinnerungen an die Schreckensherrschaft) er- wähnt das Fest des Höchsten Wesens am 8. Juni 1794 und die Leder- hosen der anwesenden Abgeordneten: Man flüsterte sich ins Ohr, daß einige davon, darunter Drouet, Lebas, Choudieu, B i l l a u d- B o r e n n e, Javogue, solche von Menschenhaut trügen, die aus der in Meudon eingerichteten Menschenledergerberei stammten. Weder bekräftige noch bestreite ich die Sache, ich war nicht in der Lage, ihre Richtigkeit festzustellen, ober be- stätigen kann ich mit gutem Gewissen, daß damals jedermann daran glaubte, daß man trotz des Terrors, der an der Tages- ordnung war, fast laut davon sprach, daß vor allem in Meudon niemand daran zweifelte und daß die Bewohner des Dorfes ein- ander mit geheimnisvollem Schauder die Saalfenster wiesen, hinter denen nach ihrer Meinung die schrecklichen Prozeduren vor sich gingen. Sie versicherten, man höre jede Nacht das fchaurihe Rollen der bedeckten Karren, die die vom Schafott des Revo- lutionsplatzes zur Versorgung der Gerberei gelieferten Leichen herbeischafften. Und warum nicht? Heißt es in der Tat die Führer der Revolutionsregierung zu verleumden, wenn man sie für allzu wenig zartfühlend hält, um sich eng anliegende Hosen aus der Haut ihrer Opfer machen zu lasten? Selbst wenn diese„Erinnerungen" so zuverlässig wären, wie sie als Sammelsurium von Legenden, Erfindungen und Gehässig- leiten unzuverlässig sind, ließe sich damit nicht viel anfangen, denn D u o a l selber gesteht, aus eigener Kenntnis nichts zu wissen und lediglich ein damals allgemein geglaubtes Gerücht wiederzugeben. Eine besondere Bewandtnis hat es freilich mit dem Schloß von Meudon, das stets in diesem Zusammenhang genannt wird. Da sich die junge Republik auf allen Seiten der Angriffe des feudalen Europa zu erwehren hatte, legte der Wohlfahrtsausschuß des Konvents, der für die innere wie äußere Sicherheit die Ver- antwortung trug, größten Wert auf Vermehrung und Verbesserung des Kriegsmaterials. Zu diesem Ende wurde durch Dekret vom 22. März 1794 unter Aufsicht eines dreigliedrigen Ausschusses und mit dem Sitz im Schloß und Park zu Meudon eine militärische Versuchsanstalt für Artillerie. Luftschiffahrt und lelegraphie errichtet: neben anderen Erfindungen bestanden hier sowohl die militärischen Fesselballons, die in der Schlacht bei Fleurus gute Dienste leisteten, als auch der optische Telegraph, der eine rasche Nachrichten- und Befehlsübermittlung zwischen Paris und den Armeen im Felde gestattete, ihre erste Probe. Wie bei allen ahn- lichen Betrieben umgab die Versuche in Laboratorium und Werk- statt von Meudon unbedingtes Geheimnis; Unbefugten war der Zutritt zum Gelände streng verboten: Posten und Pa- trouillen einer Jnoalidenabteilung sicherten die Anstalt gegen das Eindringen von Spionen: wer es unternahm, sich ohne Ermächti- gung einzuschleichen und ergriffen wurde, galt als.verdächtig"«, und von dieser Abstempelung war der Weg zur Guillotine verzweifelt kurz. Kein Wunder, daß diese Experimente hinter dreifach ver- schlossenen Türen tausend Vermutungen Spielraum ließen: daß urteilslose Menschen in Zeiten allgemeiner Erregung jeden, aber auch jeden Blödsinn glauben, hat der Weltkrieg zur Genüge gezeigt: ein gut Teil von der Anziehungskraft der Hitler-Partei beruht auf dieser Empfänglichkeit primitiver Gehirne für Wahngebilde aller Art. Daß die müßige Phantasie ausgeruhter Köpfe aber gerade von einer Menschenhautgerberei in Meudon zu raunen und zu reden begann, hatte zwei besondere Gründe. Einmal litt Frankreich Mangel an Leder: die Soldaten der Republik rückten mit Holzschuhen an die Front oder wickelten sich Heubündel um die Füße, weil die von raffgierigen Kriegslieferanten stammenden Stiefel mit Pappsohlen am ersten Marschtag in Stücke zerfielen: berühmteste Urkunde dieser Lcdernot wurde die Verordnung, die S a i n t- I u st als Kommissär des Konvents in Straßburg an- schlagen ließ:.Lehntausend Mann sind bei der Armee barfuß. Ihr müßt heute noch allen Aristokraten in Straßburg ihre Schuhe ab- nehmen, und bis morgen früh um zehn Uhr müssen die zehntausend Paar Schuhe auf der Reise nach dem Hauptquartier sein." Zum zweiten lebte im Volt noch hier und da die Erinnerung daran, daß sich gelangweilte Grandseigneurs des alten Regime wirklich ver- einzelt Gebrauchsgegenstände aus Menschenhaut hatten herstellen lassen: so wurde Ludwig XV. gegen Ende seiner Regierungszeit von einem bekannten Chirurgen ein Paar Pantoffel aus Menschenleder überreicht, und der Herzog von Orleans soll einmal in den Salons des Palais Royal in Hofen aus Menschen- haut aufgetreten sein. Aus diesen drei Elementen: ängstliche Geheimhaltung der Ver- suche in Meudon, Ledermangel und Erinnerung an frühere Fälle von Menschenhautgerberei entstand die Fabel, daß der Konvent, um die Armee mit dem nötigen Leder zu versorgen, im Schloß zu Meudon die Haut der Gouillotinierten gerben lasse, und nichts lag dann näher als das Gerede, daß, gewissermaßen zu Probezwecken, einzelne Abgeordnete schon in Beinkleidern aus Menschenleder herumliefen. Was so Blödheit, Schwatzsucht und Freude an abeck- teuerlichen Gerüchten verbreitete, nutzte die gegenrevolutionäre, die royalistische Propaganda mit teuflischem Geschick aus: Die Revolution gerbte Menschenhaut? Die Revolutionäre kleideten sich in Menschenleder? Da seht ihr's, daß die Revolution die Zerstörung jeder sittlichen Ordnung mit sich bringt und daß die Revolutionäre zynische Verbrecher und blut- triefende Barbaren sind! Dabei sprang jedem halbwegs Einsichtigen die Dummheit des Gerüchts in die Augen. Mit Recht betont Louis C o m b e s in seinen„Lpisödes et curiosites revolutionnaires"(Episoden und Merkwürdigkeiten der Revolution), daß das Geheimnis bei soviel Mitwissern: Wohlfahrtsausschuß, Gemeinderat, Scharfrichter mit Gehilfen, Fuhrleute der Leichenkarren, Empfänger der Trans- parte, Gerber, unmöglich Geheimnis bleiben tonnte, ganz zu schweigen von der Boraussetzung, daß sich Gelehrte von Weltruf, berühmte Chemiker wie B e r t h o l l e t und Fourcroy, in Meudon tätig, hätten zu Mitschuldigen machen müssen. Daß nie, auch dann nicht, als es jeder Gefahr entbehrte, ein Beteiligter den Mund aufgetan hat, um von der Menschenhautgerberei in Meudon Kunde zu geben, ist der bündigste Beweis für die vollkommene Haltlosigkeit des Geschwätzes. Aber es gebricht auch nicht an unmittelbaren Beweisen. Als sich mit dem Sturz Robespierres am 27. Juli 1794 die Thermidor-Reaktion in den Sattel schwang, rieb sie bei. jeder Ge- legenheit dem alten Wohlfahrtsausschuß wirtliche und erdichtete Untaten unter die Nase: nicht ein einziges Mal wurde der Menschen- Hautgerberei in Meudon gedacht. In dem Einundzwanziger-Aus- schuh zur Untersuchung der Verbrechen des Wohlfahrtsausschusses saß der Abgeordnete B a t t e l i e r, der die Versuchsanstalt in Meudon unter sich gehabt hatte und Bescheid wissen mußte: als am 2. März 1795 im Konvent der Girondist E a l a d i n im Namen der Einundzwanzig gegen Collot d'Herbois, Billaud- Varenne, Barere und Vadier donnerte und die Ber- Haftung dieser vier wesentlichen Werkzeuge Robespierres im alten Wohlfahrtsausschuß vom Fleck weg durchsetzte, fiel auch nicht eine Silbe über ihre etwaige Mitschuld an der angeblichen Menschen- Hautgerberei von Meudon. Ja mehr! Die Sitzung schloß mit einem Zwischenfall, über den der„M o n i t e u r" vom 15. Ventöse de- Jahres III berichtet: Die zur Ueberwachung der Versuche mit neuen Erfindungen nach Meudon entsandten Volksvertreter richten an den Konvent einen Brief, in dem sie gegen ein in verschiedenen Blättern wiedergegeben»? verleumderisches Gerücht Einspruch erheben, daß man unter der letzten Tyrannenherrschast (nämlich unter Robespierre. H. W.) in Meudon Menschenhaut gegerbt habe, um Leder daraus zu machen. Die Beschwerde kam von Abgeordneten, die den robespierreschen Wohlfahrtsausschuß verabscheuten, und der Konvent, der dem robespierreschen Wohlfahrtsausschuß todfeind war, drückte durch Uebergang zur Tagesordnung seine Verachtung für jenes doch allzu lächerliche Gerücht aus: den Antrag auf Uebergang zur Tages- ordnung hatte Merlin de Thionville, der gewiß den Mitgliedern des ivbespierrefchen Wohlfahrtsausschusses alles Böse wünschte, mit der Begründung gestellt, wir lebten nicht mehr in einem Jahrhundert, in dem man Menschenhaut gerbt. Tat nichts! Die gegenrevolutionäre Propaganda ging nicht zur Tagesordnung über oder vielmehr: ihre Tagesordnung bestand aus solchen Ber- leumdungen, mit dem Erfolg, daß noch im Jahre 1931 das Märchen auftaucht, der Konvent habe„die Gerberindustrie der Menschen- haut" gefördert. Es oerhält sich damit ähnlich wie mit der Lüge der Entente- Propaganda aus dem Weltkrieg, daß die Deutschen die Leichen Ge- fallener zur Fettgewinnüng verwendet hätten. Aber halt! Auch dieser Schwindel stammt aus der Französischen Revolution. Der Abbe Guillon de Montleon behauptet in seinen 1824 ge- druckten Lyoner Revolutionserinnerungen, der Girondist Roland, bekannter Gatte einer bekannteren Frau, habe der Akademie zu Lyon eine Denkschrift mit dem Vorschlag überreicht, aus Knochen und Fett menschlicher Leichen Oel zu gewinnen! Allerdings weiß außer einem so ausgekochten Gegenrevolutionär, wie es der Abbe war, niemand von dieser Denkschrift. Hermann Wendel. OHo S&ensin: Sommerausklang „Die Heide blüht", hört man in aller Munde. Jung und alt pilgert vor die Tore der Stadt und kommt bepackt mit Sträußen heim. Manchmal sah ich Leute, die ganze Arme voll Heideblumen trugen, wahllos aus dem Boden herausgerissen. Solche„Blumen- freunde" mag es viele geben: wenig schadet es der„Erika"— ihr Leben ist zäh und recht genügsam— doch spricht es nicht im ge- ringften von Aesthetik und wahrer Freude an Blumen. Mein Weg führt mich abseits der großen Straßen, dorthin, wo die Natur in der Einsamkeit träumt. Wolken huschen vorüber, ein Wind weht durch die verkrüppelten Kiefern auf der Blöße. Birken werfen ihren lockigen Kopf in den Nacken, wie wenn ein Mädel dem Sturme trotzt. Gelassen setze ich einen Schritt vor den anderen durch die rote Landschaft. Die Heide blüht wieder... „Hier mußt du verweilen", denke ich und lege mich in das knisternde Kraut. Honigsüßer Duft zieht durch die Nase, man atmet würzige Heideluft. Unzählige Bienen summen von Blüte zu Blüte und steuern, schwer beladen mit süßem Nektar, ihrem Flugloche zu. Blauschimmernd« und bräunliche kleine Schmetterlinge umgaukeln die winzigen roten Glöckchen. Auch weihe gibt es unter ihnen. Es liegt an dem Boden, aus dem die Erika wächst. Ich sehe Blüten von dem reinsten Weiß bis zu dem leuchtendsten Rosenrot, und zwischen diesen Farben wechselt auch das Grün der dickfleischigen Blätter. Auf den abgeplaggten Stellen eines Kahlschlages, wo junge Kiefern ihre ersten Jugendträume träumen, finde ich die schönsten Blüten: Saftiggrün sind die Blätter, gerade gewachsen die Pflanzen, an denen lange Reihen von leuchtenden Blüten stehen. Der Blüten auserlesenste stecke ich an den Hut und schlendere dem Berge zu. Eine Eidechse raschelt vom Wege fort und sucht im dichten Heidekraut Deckung. Zähe, als flösse dickes Oel in ihren Adern, gleitet sie über die sonnenbeschienene Fläche. Der wenige Sonnenschein macht ihre Glieder steif. Auch die Ringelnatter, die ich hier immer treffe, schlängelt sich nicht durch das hohe Schnittgras. Auf dem Hügel gibt's einen herrlichen Rundblick. Das ganze Freiland, weit und breit, ist in Rot gehüllt, über dem die Sonne flimmert. Das Summen der emsigen Bienen dringt zu mir, unter- mischt von dem Flüstern der sich schüttelnden Birten. Wie Schatten stehen die einzelnen Kiefern und Wacholderbüsche. Man könnte in ihnen mancherlei Gestalten erkennen. Der Wind hat dies Werk an ihnen getan;«r hat sie in der Jugend arg zerzaust und sie zu Krüppeln herabgedrückt. Und doch dürfen sie in vollen Zügen den Duft der blühenden Heide einatmen. Am Horizont gleiten weißgraue Wolkenfetzen vorüber und huschen als zerrissene Schattengebilde über das blühende rote Heide- land. Mit sich nehmen sie für Augenblicke das Sonnenlicht, das an sich schon in den letzte» Tagen spärlich genug war. Mein Weg führt mich durch dunkle Kiefcrnschonungen, in denen ich manchen Pilz finde, und durch die räumen Buchen, wo der Täuber gurrt und der Häher mit lautem Gekreisch von seinem Baum ab- streicht. Er, der Aufpasser, warnt das Wild und läßt keinen un- angemeldet vorbeiziehen. Dicht liegt das vorjährige Laub am Boden. In den Sonnenstrahlen, die sich durch den Blätterwirrwar hindurch- stehlen, leuchtet es rot. Modergeruch entströmt der goldenen Decke. Es wird still wie in einem hohen, weiten Dom. Fast lautlos zieht eine Ricke mit zwei Kitzen zu Felde, der Sonne entgegen. Dorthin wandere ich. Auf dem Felde stehen die letzten Hafer- hocken. Grau sind die Stoppel, die noch vor kurzem an starken Halmen reiche Ernte trugen. Heute durchschneidet ein kalter Stahl in langen Furchen die Haut des Ackers, um sie für neue Erträgnisse vorzubereiten. Auf dem Gutshose brummt der Dreschsatz, In wilder Wut heulend, frißt er die Garben in sich hinein, um sie unter hellem, höhnischem Lachen als Stroh auszufpeien. Schleppfüßig ziehen die Kühe heim, auf dem Klee- und Serradellaschlag fanden sie gute Nahrung. Neugierig beschnüffelt„Karo" mich und meinen Rucksack. Dann hetzt er hinter den Kälbern her, die in den Kartoffeln herum- kneten. In der hohen Birke am Feldrain herrscht lautes Leben. Die Jungstare haben Versammlung. Ein Schwärm, einer schwarzen Wolke gleichend, streicht über meinen Kops hinweg, ein kühler Luft- zug durchdringt mich. Die Stare sammeln sich schon! Dann muß wohl der Sommer ausgeklungen haben. Denn die Vögel haben mehr Sinn für das Wesen des Wetters. Sie, die sich in die freien, luftigen Höhen schwingen, fühlen die Zeit des Aufbruchs, obwohl die„Pro- pheten" sonniges Wetter verkünden. „Sommer bleibe bei uns!", will ich ausrufen, aber wieder über- läuft mich ein kalter Lufthauch. Die Sonne sinkt, ihr folgt ein kühler Abendwind. Ja, die Stare haben mich an des Sommers Abschied gemahnt. Bald wird keine Blume uns noch erfreuen. Streng duften die Immortellen, als wollten sie mich betäuben und solche Gedanken vergessen machen. Aber die rauhe Wirklichkeit ist da, und ein kalter Abend paßt nicht mehr in den Sommer hinein. Das erste gelbe Blatt fällt von dem Lindenbaum, als ich in die Chaussee einbiege. Heiser schreiend ziehen in großer Höhe Wild- gänse. Sie kehren der nordischen Welt den Rücken und streben nach ewiger Sonne und grünen Auen. Krähen suchen ihr Nachtquartier in den der Stadt nahen Waldungen. Auch Borboten des Herbstes. Traurig halte ich den Hut mit dem Sträuhchen in der Hand und betrachte die rosenroten Glöckchen der Erika. Ja— die Heide blüht — und mit ihrem Bienengesumm und tausendtönigen Glockengeläute hat auch der Sommer für dieses Jahr ausgeklungen. Sepfzzz sezzcZei; Beziehung zum Kunalwerk Die eigentliche Arbeit der deutschen Sendegesellschasten ließ sich mif der Funkausstellung kaum andeuten. Denn wie will man einem schau lustigen Publikum Werte vorführen, deren Eigenart es gerade ist, daß sie durch das Ohr Gestalt gewinnen? Die meisten Sende- gesellschaften begnügten sich denn auch damit, neben statistischen und symbolhaften Objekten P r o g r a m m a n d e u t u n g e n zu bringen, die von Lichtbildern illustriert wurden und die mehr von der Breite als von der Tief« der täglichen Sendungen verrieten. Eine auf- fallende Ausnahme machte die S ch l e f i s ch e F u n k st u n d e. Eine Wandaufschrift in ihrer Abteilung trug diese Inschrift: „Schriftsteller, Dichter, es geht um die Entwicklung der Hör- kirnst; hört selbst und studiert ihre Gesetze Das Schrifttum kann nur Material für den Rundfunk fein. Erst ein a k u st i s ch e r Einfall bringt es zu hörmäßiger Wirkung. Fassen wir zu- sammen: Hörfolge, Hörspiel für Musik, Lehrstück und reines Hör- spiel. Diele Formen, viel« Möglichkeiten. Allen gemeinsam die akustische Phantasie des Autors." Die Sätze stammen aus einer Hörfolge, die die Schlefische Funk- stunde dem Besucher bot und die gleichsam«in Hörspiel über Hörspiele war. Der schlestsch« Sender hatte von den Hörspielen, die er im Rahinen seiner Programme verbreitete, einige herausgesucht, die er als charakteristischste Typen und wohl als die künstle- risch besten ihrer Gattung ansah, und er brachte nun die verschiedenen Ausschnitte, von erläuternden Worten verbunden, den Ausstellungs- besuchern zu Gehör. Aber die Ausstellungsbesucher interessierten sich gar nicht so sehr dafür, obgleich sie die unsichtbare Stürme vor Be- ginn jeder Veranstaltung eindringlich zum Stehenbleib»«*— die Wendung„Platz nehmen" war, da es keine Stühle gab, nur allegorisch gemeint— einlud. Man hätte denken können, daß alle Berliner Ausstellungsbesucher die hier gebotene Möglichkeit, ihre Senderdar- bietungen an denen eines anderen Senders kritisch zu messen, be- geistert benützt hätten. Denn weim natürlich auch dies« Samnilung von Kostproben keineswegs zu einem Vergleich mit S-ndefpielen her- angezogen werden konnte, so waren doch die meisten in ihr angedeu- teten Werke bereits auf Berlin übertragen worden und es galt also nur, die Erinnerung ein wenig aufzufrischen. Doch die Menschen- Haufen ballten sich vor den Kojen, wo es Lichtbilder zu sehen gab — nicht etwa irgendwelche neuartigen, bewegten Bilder, sondern stehende Photos wie in irgendeiner Zeitschrift. Was sie darstellten, war einmal aktuell gewesen, ebenso wie die Worte, die der Laut- sprechet dazu in die Menge sprach. Aber kaum ein Mensch hörte auf diese Worte. Eine schaulustige Meng« starrt« auf die Bilder und wartete auf das Erscheinen des nächsten, das natürlich genau so Bekanntes, genau so Vergangenes zeigen mußte wie das voran- gegangen«. Vom Auge zum Che. Das ganze Problem, mit dem die geistig« Entwickluirg des Rund- sunks heute noch zu kämpfen hat, trat hier zutage. Der Mensch arbeitet aus jahrhundertealter Kulturgewohnheit mit den Augen rascher, leichter, müheloser als mit den Ohren. Es ist heute bei d«n meisten Menschen heinahe so, daß, wenn sie die Augen benutzten, die Ohren nur unbewußte Tätigkeit verrichten können. Zeitungen und Zeitschriften sprechen durch Bilder und bildhafte Schlagzeilen zu ihnen. Selbst das gedruckte Wort, das sie inwendig hören sollten, verhallt oft spurlos. Die geistige Zentral«, die Worte und akustische Eindrücke verarbeitet, scheint gestört. Man kann daraus dem Menschen keinen Vorwurf machen. Die gesamte moderne Entwicklung hat zu diesem Ergebnis geführt. Wir leben in einem sich von Tag zu Tag steigernden Geräuschchaos, wir werden von den verschiedensten Instanzen zerstreut, unterHollen, sogar belehrt unter Zuhilsenohme von Lärm und Mißtönen, die nur sehr abgehärtete Tronmielfelle zu ertragen imstande sind. Das Ohr Hai sich gegen sie durch einen unablässig gesteigerten Grad von Empfindungslosigkeit gewappnet. Ehe die Menschen nicht wieder zu einem verfeinerten, leicht aufnahmefähigen Gehör erzogen sind, fehlt die wichtigste Grundlage für die Eirtwicklung jeder Rundsunkkunst. Die Geräuschkulisse. Das heißt aber nun nicht, daß mir Lehr stunden zur H ö r c r e r z i e h u n g notwendig erscheinen, obgleich man sich sogar vorstellen kann, daß ein sehr guter Menschenkenner sie recht erfolg- reich abhalten könnte. Aber am einfachsten erzieht man den Men- schen durch Kunst zur Kunst. Die Möglichkeit, Lärmübertagc- rungen zu produzieren, hat jahrelang«ine Art von Geräuschkulissen lieroorgebracht, die beständig über den Werken zusammenstürzten. Allerdings scheint mir der B r e s l a u e r I n t e n d a 11 t in seiner in der Funkausstellung bekanntgegebenen Auffassung, daß es überhaupt keine Geräuschkulisse geben solle, doch nicht ganz recht zu haben. Dr. Bischofs meint, daß jedes dem W«rk eingefügte Geräusch nur dann Berechtigung habe, wenn es Teil der Handlung sei. In vielen Fällen ist seine Auffassung sicher richtig. Schritte z. B. werden für den Hörer ein sinnloses Geräusch, wenn sie zur Dar- stellung der bühnentechnischen Wendung„er geht ab" gebraucht wer- den; sie können aber im Heran- oder Fortklingen zum ausdrucks- vollsten Entwicklungsmoment der.Handlung werden, können unmiß- verständlicher, starker Ausdruck eines ergreifenden, sensationellen, freudigen Geschehens sein. Aber wie ist es mit Windgeräuschen, wie mit Straßenlärm, um nur von einigen der beliebtesten„Ge- räuschkulissen" zu reden? Daß möglichst hundertprozentig notur- getreue Uebertragungen«ine Scheußlichkeit darstellen, darüber dürf- ten sich heute all« einig sein. Auch Wirklichkeitsähnlich- keit ist Unsinn, wenn es sich um einen Sturm höchster Wind- stärke oder um die Hochflut des Grohstadtstraßenverkehrs handelt. Es gibt immer noch sehr viele Rundsunlhören, die beides nie in Wirklichkeit erlebt haben und für die schon aus diesem Grunde solche akustischen Explosionen nichts anderes darstellen als obsch«ulichen Krach. Ob also Geräuschkulisse oder Teil der Handlung, solche Klang- „nüancen" sind aus jeden Fall unangebracht. Die Notwendigkeit, Geräusche zu stilisieren, ergibt sich eigentlich von vornherein, wenn sie als Teil der Handlung gedacht sind. Denn sie müssen dann auch dem, der die zugrunde liegenden Laute gar nicht kennt, ihre Vision schassen. Aber wenn nun der Wind nicht zwischen die Sätze eines Hörspiels seinen Sang von Ein- samkeit oder Gefahr peitscht, wenn der Straßenlänn nicht gegen einen Menschen kämpft, um ihn in sein Chaos hineinzusaugen, son- dern wenn ihre Töne nur dann und wann in die Dialoge herein- klingen, um eine Stimmung zu untermalen, einen Hintergrund an- zudeuten— dann sollen sie überflüssig sein? Ich glaube, Geräusche im Hörspiel können sehr wohl das werden, was die künstlerische Kulisse im Theater ist: nicht unbedingt notwendige Bestand- teile der Handlung, die aber dadurch, daß sie in sie hineinschnielzen, die Aufnahmefähigkeit des Publikums für das Werk steigern. Erziehung zur Musik. Aber noch ein Wort zur Hörererziehung, deren Rot- wendigkell sich an diesem Ausstellungsbeispiel so deutlich dokumen- tierte. Nicht nur das Hörspiel, die Klarheit seiner Dialoge, die Durch- sichtigkeit seiner Inszenierung, müssen dazu beitragen, sondern min- bestens ebenso sehr die musikalischen Darbietungen. Man setzt den Hörern vielfach in Menge moderne musikalische Experimente vor und wundert sich, daß ein großer Teil dafür nicht dos geringste Beb- ständnis ausbringt. Der Vergleich aus der bildenden Kunst liegt nahe: was wird zu einem Menschen, der kaum Gelegenheit zur Be- trachtung von Kunstwerken hatte, eh«r sprechen, eine Plastik von Rodin oder eine von Archipenko? Wird er sich eher mit einem Bild von Tizian oder Rubens oder mit einer expressionistischen Koni- Position befreunden? Der durch sein Leben disharmonisch gewor- den« Mensch findet in allen Fällen am leichtesten ein Verhältnis zu einen, Kunstwerk, das gerade emporstrebt zu einer klaren Harmonie. Will man, was durchaus notwendig erscheint, wie man zu der dargebotenen modernen Kunst im Einzelfalle auch stehen mag, den Rundfunkhörer auch zum Verständnis der modernen Musik führen, so kann das nur auf dem Wege über eine Musikerziehung geschehen, die ihm zuerst die klassischen Werke erschließt. T e s. fast wünschen, daß Latzko, nachdem man sich mit seinen Konstruk« tionen einmal abgefunden hat, nun ganz im Romanhaften geblieben wäre und etwa den in des Arbeiters zerschlissenen Kleidern steckenden Baron auf der Basis dieses Tausches zu einem zweiten, noch viel besonntcrem Leben, als sein erstes eines war, verholfen hätte: das Wort, daß dem Reichen gegeben und dem Armen genommen wird, dahin variierend, daß dem Glückhasten letzten Endes auch die schliinme Situation zum Guten ausschlägt und dem armen Hund in die ausnahmsweise einmal schmackhafte Suppe schließlich doch noch ein Sabznäpfchen gekippt wird. Aber der zweit« Teil des Buches ist leider viel weniger spannungsgeladen als der erste Teil. Aus dem Baron wird ein Menschenfreund, ein besorgter Vater seiner Arbeiter. Er legt sich also eine, wie man weiß, erfreuliche Eigenschaft zu, die nur leider den Nachteil hat, das soziale Probien, nicht gerade zu lösen. Hans Bauer, SEwei!ßülow-3$ücher' e Buch Andreas Xalsko:„Sieben?aye Bei Andreas Latzkos neuestem, im Krystall-Verlag erschienenen Roman„Sieben Tage" fühlt man sich, im guten und bösen, etwas an Suderinaim erinnert. Dieser Autor dringt nicht sonderlich in die Tiefe, und die Situationen, die er erfindet, sind nicht immer sehr lebenswahr, aber ihn zeichnet, was man heute nicht übertrieben oft antrifft, Phantasie und Gefühl für starken Stoff aus. Ein schwerreicher Hamburger Industrieller, Baron von Mangien, fährt am Weihnachtsabend nach Berlin, um mit seiner Geliebten, einer verheirateten Adelsdame, in der Abwesenheit ihres Mannes ein paar frohe Tage und Nächte zu verbringen. Indes, es kommt alles sehr viel anders, als er denkt. Ein verbitterter Arbeiter, der von früher her mit dem Baron ein Hühnchen zu rupfen hat, erfährt von dem Geheimnis und sinnt eine eigenartige Rache an dem gehaßten Repräsentanten des Reichtums aus. Unter der Dro- hung, das Liebesabenteuer andernfalls dem betrogenen Ehemann preiszugeben, zwingt er den Baron, einen Tag lang ols� Arbeiter zu leben, während er, der Arbeiter, einen Tag lang als Baron lebt. Aber dem armen Teufel bekommt der Tausch schlecht: wie sein Leben, so ist auch sein Tod ein Dokument von der Unzulänglichkeit der Weltordnung. Er büßt den Triumph seiner Rache mit den nicht ihm, sondern dem Mann, desien Kleider er trägt, geltenden Revolverkugeln des plötzlich heimgekchrten Ehemannes. Man möchte Ein wohlwollender Freund und ein erbitterter Feind Bülows treten hier vor die Oefentlichkeit. Münz ist«in alter liberaler Journalist und langjähriger Mitarbeiter der„Neuen Freien Presse" in Wien. Seine Berusstätigkeit brachte ihn in Fühlung mit vielen Berühmtheiten Europas, und er gewann das besondere Wohlwollen des Fürsten Vülow. Der alte Herr plaudert in der behaglichen und feingeschliffenen Art eines Journalismus, der uns heute etwas alt- modisch vorkommt. Aber sein Buch ist ganz amüsant zu lesen und bringt manche bemerkenswerten Details über die Vorkriegspolitik. Bei aller Sympathie für Bülow verschweigt Münz auch die Schwächen dieses nur zu geschickten Faktikers nicht. S p e c t a t o r ist jener anonyme Autor, der nun glücklich die dritte literarische Bombe gegen die Memoiren Bülows lcksläßt. Das Arsenal, aus dem der Sprengstoff stammt, ist wieder dasselbe. nämlich das große Aktemverk des deutschen Auswärtigen Amtes. Der Verfasser will auch diesmal zeigen, wie Bülow als Minister und Kanzler Wilhelms II. ganz anders geschrieben hat, als dann spätr in seinen Memoiren. Wiederum führt Spectator den Fürsten Bülow als den dämonischen Verderber des deutschen Reiches vor, und er setzt damit die— gewollte oder ungewollte— Entlastungsoffensive für Wilhelm II. fort. Auch dieses dritte Buch wird das objektive Urteil über Bülow nicht ändern können. Er war ein sehr problematischer Charakter und alles andere als ein Staatsmann. Aber man kann ihn nicht als den Sündenbock an sich mit aller Schuld des kaiserlichen Deutschland belasten. Das Bild, das Bülow in seinen Memoiren von Wilhelm II. zeichnete, bleibt authentisch, auch wenn derselbe Bülow früher demselben Kaiser noch so viel« Schmeicheleien gesagt hat. �rtdur RosenKerg. *) Sigmund Münz: Fürst Bülow, der Staatsmann und Mensch Aufzeichnungen, Erinnerungen und Erwägungen.(Berlin, Verlag für Kulturpolitik.)— Spectator: Fürst Bülow und der Kaiser. Mit einer Wiedergabc aus ihrem geheimen Brieswechscl.(Carl Reißncr, Verlag, Dresden.) WAS DER TAG BRINGT Hiwtimuiumninmniminniiiii«numimmitiimiiiimnumniimiwimiHiHuiimiiiiiminiiniiinHimiiiiHmimMwiimimMumiimiKiiiimiitiimiiiuiuiiniiiiimiiiMimiB Bescheidenheit Hänschen feiert seinen siebenten Geburtstag und hat feine Schulfreunde eingeladen. Natürlich nur„seine liebsten". Aber da man im Alter von sieben Jahren meist noch sehr viel„liebste Freunde" hat, so hatten Hänschens Eltern eine nicht unbeträchtliche Zahl von Schulfreunden abzufüttern. Berge von Kuchen türmen sich aus und verschwinden. Nur Kurtchen-Kurtchen ist sagenhaft bescheiden. Das erste Stück Kuchen akzeptiert er widerspruchslos. Das zweite nach langem Nötigen. Beim dritten streikt er. Hänschens Mama erkundigt sich teilnahmsvoll:„Bist du trank, Kurtchen?" „Nöö." „Bist du wirklich schon ganz satt?" „N— n— öö." „Warum willst du denn dann keinen Kuchen mehr?" „Ich darf nicht." „Aber Kurtchen, wer hat es dir denn verboten?" „Meine Mama. Mehr als zwei Stück darf ich nicht �nehmen, hat sie gesagt." „Aber weshalb denn?" „Mama sagt, sie hams auch nicht so dick«." 70 OOO Patentschriften jährlich Wenn man hört, daß in Deutschland jährlich 70 000 Erfindungen gemacht werden, dann kann man verstehen, daß im Reichspatentamt in Berlin«in Stab van Beamten damit beschäftigt ist, dies un- geheure Material zu kontrollieren und zu verwalten. Die 1300 Beamten haben damit reichlich Arbeit. Die Menschen sind doch erfindungsreicher, als man im allgc- meinen denkt. 70 000 Erfindungen, große und kleine, wichtige und unwichtige, brauchbare und unbrauchbare, werden durchschnittlich alljährlich in Deutschland gemacht. Die genialsten Einfälle, die«in Menschenhirn haben kann, wandern, wenn sie wohldurchdacht und bis ins kleinste berechnet und schriftlich niedergelegt sind, den Weg ins Reichspatentamt, damit dem Erfinder seine Rechte gewahrt bleiben. Ebenso für die winzigen Dinge des täglichen Lebens, ffir Reißverschluß und Manschettenknöpfe neuester Konstruktion, werden Patente nachgesucht und auch erteilt. Von den 70 000 Patentschriften, die dem Reichspatentamt zur Beurteilung im Jahre zugehen, werden allerdings mehr als zwei Drittel im allgemeinen abgelehnt. Durchschnittlich finden nur 20 000 vor den Augen der kontrollierenden Beamten Gnade. Jede«inzelne Sache wird von mehr als 300 Prüfstellen auf ihre Originalität hin geprüft. Zeitschristen und Patentschriften werden durchgesehen, ob im Laufe der letzten hundert Jahre nicht eine Erfindung gemacht worden ist, die der in der neueingegangenen Patentschrift beschrie- benen gleicht. Ist irgendwo oder irgendwann einmal dieselbe Idee schon patentiert worden, dann ist das Schicksal der zur Prüfung eingereichten Patentschrist besiegelt. Ost ist viel mühevolle Arbeit umsonst gewesen, und große Hoffnungen werden enttäuscht. Ein anderer hat vorher schon denselben Gedanken gehabt und hat sich seine Idee patentieren lassen. Wenn die erste Instanz, die außer den deutschen, die franzö- sischen, englischen, amerikanischen und schweizerischen Patentschriften kontrolliert, eine Erfindung ablehnt, so bleibt dem Ersinder, der sich damit nicht zufriedengeben will, noch die Anrusung der zweiten Instanz übrig, die dann eine nochmalig« Kontrolle vornimmt. Die Eingänge, die als patentfähig anerkannt werden, sind damit noch nicht endgültig patentiert. Um jeder Gefahr, daß man doch eine gleichartige Erfindung bei der Fülle des vorliegenden Materials übersehen haben könnte, vorzubeugen, werden all« Patentanmel- düngen noch eine bestimmt« Zeit öffentlich aufgeboten. Auch hier dürfen sich genau wie vor einer Eheschließung während dieser Sperr- frist noch diejenigen melden, die irgend etwas gegen die Patent- anmeldung wie im anderen Fall gegen die Eheonwärter vor- zubringen haben. Da erlebt dos Patentamt trotz sorgfältigster Vorarbeiten immer noch wieder Ueberraschungen. Da werden dann aus d«n eiülegendsten Winkeln der Erde noch in letzter Minute Patentschriften gebracht, aus denen hervorgeht, daß ein anderer vielleicht in Japan oder China schon dieselbe Erfindung gemacht hat und sich patentieren ließ. Dann ist die Erfindung eben nicht neu und somit ist es auch keine Erfindung mehr! Welche Fülle von Patentschristen sich im Laufe der Jahre im Patentamt angesammelt haben, davon kann man sich kaum eine Vorstellung machen. Di« S00 000. Patentschrift hat man kürzlich gedruckt. Von jeder einzelnen werden 25 Exemplare im Patentamt aufbewahrt. Das bedeutet, daß bisher 12,5 Millionen Patentschriften in den Registrawren aufgestapelt worden sind. Der Umfang der einzelnen Patentschriften ist außerordentlich verschieden. Hier erklärt der eine in wenigen Zeilen seine Idee, ein anderer braucht für die seine«in ganzes Buch. Riefige Räume mit meterhohen Regalen sind mit all diesem Druckmoterial angefüllt. Die großen Firmen tauchen unter den Patentanmeldungen am häufigsten auf. Unter ihnen füllen allein die von der AEG. angemeldeten Patente im vergangenen Jahr schon sechs Seiten der � Anmeldebücher, die im Lesesaal des Patentamts öffentlich ausliegen. 3X flanschen 1. Häuschen ist ein Großstadtkind. Trotz seiner zweieinhalb Jahre hat er noch nie Gelegenheit gehabt, die volle runde Sonne am Himmel zu sehen. Nur schwach dringen ihre Strahlen in den Hinterhof und durch das Küchenfenster oder zwischen den hohen Miethäufern hindurch in die Straße, wo er manchmal mit der drei Jahre älteren Schwester spielen darf. Heut« nun hat er sie entdeckt. Leuchtend rot stand sie am Horizont, als er abends mit der Mutti von der Großmutter heim kam, die hinter dem großen Feld eine kleine Laude bewohnt. „Mutti", hat er da freudestrahlend gerufen,„Mutti, schau die Sonne ist angeknipst!" 2. Hansi läßt die Erscheinungen des Lebens nicht an sich vorüber- gehen, ohne tief über sie nachzudenken. Worte sind für ihn Wesen und hinter den Namen der Dinge sucht er nach ihrem tieferen Sinn. Neulich ist er mit Mutti zu Besuch und die Tante gibt ihm einen Teller mit Obst, darunter auch Weintrauben. Nachdenklich hebt er die Trauben hoch:„Mutti, wie heißt dos?" „Das sind doch Weintrauben, Hansi." Sein Gesicht wird tiefernst. Immer noch hält er die Trauben hoch in seiner Hand. „Na Hansi", fragt die Tant« frendlich,„ißt du Weiiürauben nicht gern?" Hansis kleiner Mund zuckt. Dann beugt er sich ganz nah zur Mutter und flüstert ihr ins Ohr: „Mutti, weinen die?" 3. Hansi hilft der Mutter immer mit Begeisterung beim Abwaschen. Leider sieht sie sich öfters genötigt, seiner Abwaschbegeisterung«inen Dämpfer aufzusetzen, da es nicht immer ohne Scherber» abgeht. Und Scherben bringen zwar Glück, ober auch'Ausgaben mit sich. Heute min„hilft" Hansi wieder einmal in der Küche. Plötzlich sieht er, wi« die Mutti ein paar grüne Stachelbeeren in den Mund steckt. Es ist aber noch gar nicht lange h«r, da hat sie ihm erklärt: wenn er grüne Stachelbeeren«ssen würde, so würde er sterben. „Mutti, sagt er nachdenklich, nachdem er sie eine Weil« verstohlen beobachtet hat, wenn du sterbst, darf ich dann immer abwaschen?" Die knieenden Stühle Manfred steht modern« Stahlmöbel. Begeistert ruft«r ousj „2lch, sieh mal, Mutti, die Stühle knien!" Nr. 406 48. Jahrgang Montag 31. August 1931 vom Kell und Meioei zur siahHeder 75 Janre labrittmaoige Herstellung der Feder Am 4. September wird in den Ausstellungshallen am Kaiser- dämm die Internationale Büroausstellung eröffnet. Sie wird die neuesten Maschinen und Erfindungen aus dem Gebiete »er Schreibtechnik und der Bachrichtenübermittlung bringen— »eshalb verlohnt es sich, der guten alten Stahlfeder einen Er- mnerungsarlikel Zu widmen. Ueber ein Jahrhundert ist vergongen, seitdem dieses kleine, arbeitsame Ding, die S t a h l s e d e r, dem zivilisierten Menschen oom Schulbeginn bis ins hohe Alter eine unentbehrliche Freundin und Helferin zu werden begann. Schreibfcdern aus Metall wurden nachweislich schon in römischer Zeit angewendet. Ausgrabungen in Neapel und Rom, Funde in Mainz, Trier und Köln förderten Schreibfedern in der Form von schnabelig zugespitzten eisernen Röhren an den Tag� Die Vorgeschichte der heutigen Schreibfeder reicht viele Jahr- hunderte zurülk. Die ältesten Schreibgeräte waren Keil und Meißel, mit deren man Buchstaben in Stein oder Metall schlug. Die Römer und Griechen schrieben mit der Rohrfeder, dem söge- nannten„K a l a m u s", dem nahen Verwandten des späteren Gänsekiels. Auf den mit Wachs überzogenen Täfelchen, die eben- falls als Schreibpapier verwendet wurden, konnte mit dieser Feder natürlich nicht geschrieben werden, so daß an ihre Stelle der Stahl- griffel,„S t y l o s", treten muhte. Patrizier besaßen oftmals einen solchen aus Gold, Silber oder Elfenbein. Die Rohrfeder wird noch heute im Orient der Stahlfeder vorgezogen. Zu den Schreibuten- filien der Griechen und Römer gehörten neben dem Griffel und der Rohrfeder ein Eisen zum Linienziehen, ein Zirkel zur Abmessung der Zeilen, die Pergamentschere und ein Bimsstein zum Scharf- machen der Rohrfeder, der gleichzeitig zum Glätten des rauhen Pergaments diente. Dann löste die Federpose, der Gänsekiel, Griffel und Feder- rohr ab. Der Gänsekiel ward das Schreibinstrument des ganzen Mittelalters und der Neuzeit bis zur Mitte des vorigen Jahr- Hunderts. Die Kunst des gederschneidens mit dem„Federmesser�, dem eigens hierzu gefertigten Werkzeug, wollte verstanden sein! gelang doch mitunter dem Geschicktesten das Geradcschneiden da- neben. Unsere Großväter haben noch mit der Federpose schreiben gelernt— und vor 25 Jahren gab es in kleinen Städten, Dörfern noch Leute, die sich von ihrem Gänsekiel nicht trennen wollten. Die Mutter der Stahlfeder wurde unmodern, alle möglichen Erfindungen, die inzwischen gemacht wurden, bewährten sich nicht sonderlich: erst einem Deutschen, Alois Senefelder, dem Er- finder des Steindrucks und der Lithographie, gelang es, eine Schreibfeder aus Stahl zu konstruieren. Er schnitt zu diesem Zwecke aus Taschcnuhrfedern kleine zugespitzte, gespaltene Federchen und setzte sie auf ein kleines Rundholz. Die Engländer ober kauften die Erfindung dem Deutschen schleunigst ab, so daß zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts die englische Schreibfeder ihren Siegeszug über die Welt antreten konnte. Da erschien in Deutschland Siegmund B l a n ck e r tz auf der Bildfläche. Er schuf die formvollendete Schreibfeder und gründete anno 1856, also vor 75 Jahren, die erste Stahlfeder- f o b r i k. Sehen wir uns den Werdegang einer solchen Stahlfeder in ihren Hauptphasen einmal an. Stahlbleche, kaum einen halben Millimeter stark, werden in Federsorm ausgestanzt, dann erfolgt das Hineinpressen des Firmen- und Artenstcmpels, darauf beginnt die Prozedur des Ausglühen?. Als letzte Arbeit wird das Spalten oder Schlitzen vorgenommen, das der Feder die erforderliche Nach- gicbigkeit zum gleichmäßigen Ausfliehen der Tinte verschafft. Von besonderer Wichtigkeit ist das Schleifen, das je nach dem Ansetzen der Feder auf die sich drehende Steinscheibe dieser alle gewünschten Formen gibt; breit, spitz, schräg usw., für jede Hand passend. Wie groß heute noch der Verbrauch an Stahlfedern in unserer schreib- hungrigen Zeit ist, zeigt der Stahlbedarf der Federsabriken, der ungefähr 3506 Tonnen im Jahr beträgt. Nicht allgemein bekannt dürfte es sein, daß Federn berühmter Männer auch Liebhaber fanden, die hohe Preise für eine solche Reliquie zahlten. So brachte die Feder des englischen Admirals Nelson, die er noch am Morgen vor der Schlacht bei Trafolgar, am 21. Oktober 18l>5, benutzte, IM) Mark: und die„letzte" Feder des schottischen Dichters Walter Scott erzielte einen Preis von 156 Mark. Ein bewegtes, arbeitsreiches Leben, wie wir sehen, hat unsere Schreibfeder durchkostet, und noch immer ist sie nicht pensions- berechtigt. Kinder und Kindeskinder werden sich noch der Stahl- fcder bedienen und ob sie durch die Schreibmaschine, den Füllfeder- Halter oder einen anderen Ersatz einmal gänzlich zum alten Eisen gelegt werden wird, das ist noch eine große Frage. br. Pr. ■♦fHfr Größere Sicherheit im Haushalt Neue Elektrizitäts~, Wasser« und Gaszapfstellen In letzter Zeit sind wieder eine Anzahl Neuerungen auf Haus- wirtschaftlichem Gebiet geschaffen, die geeignet sind, Bequemlichkeit und Sicherheit im Haushalt zu erhöhen. Da ist ein W a s s e r l e i t u n g s h a h n, der weder ein Ventil noch einen Ventilsitz oder eine Stoffbuchsenpackung hat. Es kommen daher keine Undichtigkeiten vor. In dem Ventilkörper ist ein Mund- stück mit Durchtrittsöfsnungcn für das Wasser vorgesehen, das mit einem Gummirohr umgeben ist. Gegen das Ende dieses Ventil- körpers legt sich das Ausflußrohr an, das mittels einer Ueberwurf- mutter etwas angezogen werden kann. Geschieht dies, so findet ein Druck auf das Gummirohr statt, das infolge seiner Biegsamkeit 4ich staucht und die Durchschnittsöfsnungen des Mundstücks verschließt. Oefsnen u'Sc�Iießen durch Umlegen des Hebels. Wird die Ueberwurfmuttcr zurückgeschraubt, so gibt das Gummirohr sein Stauchung auf und kehrt in sein« natürliche Lage zurück, wobei es von dem Druck des Wassers unterstützt wird. Das Wasser kann nun ausströmen, der Hahn ist geöffnet. Bei diesem Absperrhahn ist die Sicherheit der Abdichtung auch bei starkem Wasserdruck außer- ordentlich groß: ein weiterer Vorzug ist gegenüber den bisher um- stündlichen Reparaturen die leichte Auswechslung der einzigen Dich- tung, nämlich des Gummirohrs. Diese Dichtung hält besonder» lange, da das Gummirohr vom Luftzutritt abgeschlossen und stets vom Wasser umspült ist. Auch die Formgebung des ganzen Hahns ist zu loben, da sie dem modernen sachlichen Stil angepaßt ist. Für die Installation elektrischer Leitungen in feuchten Räumen gibt es besondere Vorschriften. Um die Berührung mit Metallteilen gefahrlos zu gestalten, verwendet man jetzt zwei Mittel, nämlich die Erdung und die Nullung Der Schutz erfolgt durch besondere Leiter, die mit der Stromleitung nichts zu tun haben. Sie stehen in Ver- bmdung mit besonderen straff federnden Gleitkontakten, die den Schutz bieten und auf der Abbildung vorn sichtbar sind. Will man den Stecker einführen, so erfolgt zwangsmäßig zuerst die Verbindung der Schutzkontakte mit dem der Dose, bevor die Steckerstiste Kontakt finden Die Abbildung zeigt eine dreipolige Steckoorrichtung mit ab- genommener Koppe in dem Augenblick, wo sich die Schutzkontakte berühren: man sieht, wie die Steckerstifte noch keinen Kontakt haben. Von den neueren Gasinstallationsgegenständen sind diejenigen. pie dem Gasschutz dienen, besonders bemerkenswert. Eines der ge- fährlichsten Dinge ist, wie man aus der täglichen Unfallchronik weiß, der G a s s ch l a u ch als Verbindung zwischen Gasleitung und Gas- verbrauchsapparat. Das Bestreben der Gaswerke geht daher dahin, sie nach Möglichkeit auszuschalten und, wo irgend angängig, einen festen Anschluß herzustellen. Zwei Konstruktionen sind es, die hier besonders zu nennen sind: Bei beiden ist das Rohr des An- schlußapparats, z. B. des Gaskochers, durch eine Kupplung, die sehr leicht zu betätigen ist, mit der Leitung verbunden ist. Der eine von ihnen, unter dem Namen Altonaer Kupplung bekannt, hat einen Doppelhebel, der aus der einen Seite das Ende der Rohrarmatur Ä iAAi» so umsaßt, daß das mit diesem verbundene Gasgerät fest in eine Kugelgelenkkupplung gepreßt wird. Auf diese Weise ist gleichzeitig eine absolut zuverlässige Rohrverbindung zwischen Leitung und Ge- rät geschaffen und gleichzeitig eine Sicherung dagegen gegeben, daß das Gerät abgenommen wird, ohne daß der Wandhahn geschlossen ist. Andererseits läßt die Gelenkoerbindung die Möglichkeit offen, das angeschlossene Gerät anzuheben, etwa wenn man es von unten her zu reinigen wünscht und sich dabei das Lösen der Kupplung ersparen will. Die zweite Konstruktion ist eine richtige Rohrkupp- lung mit Ueberfangmutter. In dem Teil, der sich am Wandauslaß befindet, ist innen ein Rohrverschlußstück mit einer Feder, das das Rohr völlig gasdicht absperrt, bis der Anschlußapparat mit ihm durch die Ueberfangmutter verbunden wird: erst dann wird der Gasdurch- fluß frei. Wird das Gasgerät durch Lösen der Kupplung ab- genommen, so wird auch die Gaszufuhr automatisch abgesperrt. Sonne stört den Rundfunk Aber wie beseitigt man die Störung? Das schlimmste Rundfunkärgernis, nämlich das als„Fading" bekannte Leiserwerden und Verstummen einer eben mit Mühe er- reichten Sendestation, ist in letzter Zeit von den Astronomen einem eingehenden Studium unterworfen worden, und wir haben jetzt wenigstens den Trost, die Ursachen dieses peinlichen Phänomens zu erfahren. Dr. S t e t f o n, der Leiter des Perkins Observatorium in Delawara, Ohio, faßt die Resultate seiner Forschungen dahin zu- sammen, daß die Sonne als Schuldige zu betrachten ist. Wenn eine Rundfunkwelle über die Erdoberfläche eilt— so führt Stetson aus—, wird sie von der bekannten Heavisideschicht, einem ionisierten Teil der Atmosphäre, der in etwa hundert Kilometer Höhe liegt, reflektiert und paßt sich so der Krümmung der Erdoberfläche an. Jede Aende- rung der Ionisierung dieser Schicht hat zur Folge, daß auch der Reflektierungswinkel sich verändert und die Welle an einer anderen Stelle der Erdoberfläche auftrifft, was sich natürlich sofort in den Empfängern bemerkbar macht. Nun geht die neueste Theorie dahin, daß die Sonne diese plötzlichen Aenderungen in der Elektrifizierung der Heavisideschicht hervorruft. Di« Sonne bombardiert nämlich die Erdatmosphäre unausgesetzt mit Elektronen, die die Atmosphären- Moleküle in positiv und negativ geladene Teile auseinanderreißen, in anderen Worten also die Atmosphäre ionisieren und so die Heavisideschicht entstehen lassen. Wird nun dieses Sonnen- bombardemcnt heftiger, beispielsweise infolge des Erscheinens großer Sonnenflecken, so verstärkt sich die Ionisierung der Atmosphäre, die Heavisideschicht wird tiefer, und die Radiowellen werden schon in geringerer Höhe reflektiert, treffen also entsprechend näher ihrem Ausgangspunkte auf der Erde auf. Die Folge ist, daß der Empfang an den Orten, wo die Welle vorher auftraf, langsam schlechter wird und schließlich ganz aufhört, um wieder zu beginnen, sobald die Ionisierung der Atmosphäre aus das normale Maß zu- rückkehrt. Nun wissen-wir's. Aber leider verrät Stetson uns nicht, was dagegen zu tun ist, und so werden wir uns weiter über das „Fading" ärgern müssen. Schiehversuche gegen Panzerglas In der Deutschen Versuchsanstalt für Handfeuerwaffen in Berlin fanden kürzlich Versuche nrit sogenanntem Panzerglas statt. Dieses Glos ist hauptsächlich zu dem Zweck hergestellt worden, den Raubüberfällen auf Kassen mit einem wirksamen Schutz für die ge- fährdeten Schalterbeamten entgegenzutreten. Die Panzerglasplatten bestehen au» drei aufeinander gelegten Spiegelglasjcheiben, die durch je eine durchsichtige, klare Zwischenschicht, die sogenannte„Fang- schicht", fest-miteinander verbunden sind. Die 26 Millimeter starken Glasscheiben gestatten eine vollständig klare Durchsicht. Alle Schüsse wurden aus einem Abstand von 3 Metern abgegeben. Die erste Platte erhielt einen Schuß aus einer 6,35-Millimeter-Sci>meißer- Taschenpistole, mit dem Ergebnis, daß an der Auftreffstelle des Ge- schosscs eine geringe Zerstörung der vordersten Glasoberfläche eintrat. Auf die zweite Platte wurde ein Schuß aus einer 7,K5-Millim«ter- Wolther-Selbstladepistole, Polizeimodell, und ein Schuß aus einer 9-MillImeter-Armeepistole abgefeuert. Die Zerstörungen der vorder- sten Glasoberfläche waren hierbei erheblich größer und von der hintersten Scheibe sielen einige Splitter kraftlos herab. Die Mittel- fchicht blieb auch bei diesem Versuch vollständig unbeschädigt. Die dritte Platte wurde einem kurzen Schnellfeuer von mehreren Schüssen aus einer 7,35-Millimeter-Pistole ausgesetzt. Hierbei wurde die erste Scheibe zerstört, die mittlere Scheibe blieb vollständig unbe- schädigt und beim 3. und 4. Schuß fielen von der hintersten Scherbe einige Splitter ab. Die Versuche lieferten den Beweis, daß das Panzerglas vollkommen kugelsicher ist und den bedrohten Beamten einen absoluten Schutz gewährt. Damit dieser Schutz nun nicht wieder durch Oefsnen eines Schalterfensters illusorisch gemacht wird, läßt sich in die Panzerglasscheibe ein jalousieartigcs Stahlgittcr einsetzen, das eine sprachliche Verständigung zwischen Beamten und Ktmden er- möglicht._ Das leuchtende Telephon. Die Telephonapparate mit Wähl- scheide sind eine großartige Sache und ersparen uns zweifellos rielen Aerger und Zeitverlust: man verbindet sich selbst und braucht nicht zu warten, bis sich das Amt meldet, was besonders nacht» manchmal eine Geduldprobe bedeutet. Feuerwehr, Ueberfoll- kommando und Rettungswache sind stets im Nu zu erreichen— wen» wir Licht zur Bedienung der Wählscheibe haben. Aber wa» ge- schieht, wenn Einbrecher die Lichtleitung vorsorglich durchschnitten haben? Was geschieht, wenn die Rettungswache von einem dunklen, unbekannten Raum aus alarmiert werden soll? Wenn wir uner- wünschte Eindringlinge nicht durch Anschalten des elektrischen Lichts aufmerksam machen wollen? Ja, dann wünschen wir eben, wir hätten noch die guten alten Apparate, in die man einfach„Ueber- fall" oder„Feuerwehr" hineinzubrüllen brauchte. Eine selbst- leuchtende Zusatzscheibe, die jetzt auf dem Markte erschienen ist. schützt den Telephonbesitzer vor peinlichen Situationen, wie sie oben erwähnt wurden. Die Scheibe wird auf die gebräuchliche Wähl- scheide aufgesetzt und besitzt leuchtende Nummern au» Radiummasse, die den Nmmern der Wählscheibe entsprechen. Eine Leuchtdauer von acht Jahren wird garantiert. Domgörgen/ Hein Müller Die neuen Europaboxmeister/ 30 000 Zuschauer im Poststadion Schon rein äußerlich wurde der gestrige Box-Kampftag im P o st st a d i o n als ein Großkampftag herausgestellt: drei Europamei st'e r s ch a f t e n hatten sich die Unternehmer ge- sichert. Dieser Umstand und das prachtvolle Sommerwetter brachten ihnen ein volles Haus, das trotz der irreführenden Angabe, die Plätze seien für eine bis drei Mark zu haben, für die besseren Plätze auch den verlangten Preis von 6, 12, ja IS Mark bezahlte. Die Unternehmer konnten also gut rechnen: nur bei der Zeit- einteilung versagte ihr Adam Riese. Sie konnten die für drei Meister- schaftskämpfe IS Runden benötigte Zeit nicht errechnen und so kam es, daß der Schwergewichtskampf sich in völligem Dunkel ab- spielte. So weit geht der Einfluß der geschäftstüchtigen Herren oenn doch nicht, daß sie die Sonne länger scheinen lassen können. So kam denn das Publikum gerade um die dramatischsten Momente im Kampf Müllers gegen den Titelverteidiger Charles. Es pfiff dann auch die Unternehmer aus und brachte Müller die ver- dienten Ovationen. Der Belgier Roth konnte seinen Titel gegen E d e r sehr gut halten. Die ersten Runden waren für den Deutschen, bis Roth aus sich herausging und Eder schließlich einen hohen Punktsieg abnahm. Der alle Domgörgen lief gestern noch einmal zu seiner alten Meisterschaft auf. Der Mann, den das sprichwörtliche Pech schon zweimal um die Meisterschafts- würde im Mittelgewicht gebracht hatte, nahm gestern, fast am Ende seiner Boxerlaufbahn stehend, noch einmal die Gelegenheit wahr, diesmal von Poldi S t e i n b a ch, dem österreichischen starken Mann, den Europagürtel zu holen. Es gelang ihm kraft seiner unerhörten boxerischen Raffinements, gegen das Steinbach fast wie ein An- fänger wirkte. Bon der dritten Runde ab war das Treffen für den Titelhalter verloren, die Folge fand einen lustlosen Mann im Ring, den Domgörgen raffiniert und nach Wunsch gegen die Sonne stellte. Der Kölner ging immer wieder mit seiner stechenden Linken gegen Steinbach vor, ihn systematisch zermürbend und Punkte sammelnd. Frenetischer Beifall dankte Domgörgen für seine Leistung: nur einen Monat lang ist Steinbach im Besitz des Titels gewesen. Der Kampf um die Europameisterschaft im Schwergewicht war eine einzige Katastrophe für den Verteidiger Charles-Belgisn und ein Riesenlriumph für Hein Müller. Bon Beginn ab teilte Hein Müller mit seiner schnellen Linken Back- pfeifen an Charles' rechte Seite aus: stellte sich der Belgier etwas theatralisch in Positur, kam auch schon Müllers Linke stoppend in sein Gesicht gesaust. Irritiert, nervös gemacht, suchte Charles seine 20 Pfund Uebergewicht gegen Müller zu legen: der aber fegte tän- zelnd wie ein Leichtgewicht im Ring herum und— zuckte wieder und immer wieder seine Linke und gelegentlich auch seine Rechte in des Gegners Gesicht. Charles Schläge treffen fast nur Müllers Deckung. Als es einmal durchgeht, wankt Müller einen kleinen Augenblick, aber auch nur so lang. Dann ist er wieder mit aller Bravour am Mann. Und so kam das Ende, wie es kommen mußte: Müller hat seinen verdienten, erkämpften Europameistertitel und Deutschlands Berufsboxsport zwei neue Titelhalter mehr. dl. J. * Girones bleibt Europameister. Reben den drei Europameisterschaften in Berlin kam noch eine vierte am Sonntag zum Austrag, und zwar in Monte Carlo, wo sich die Federgewichtler Girones-Spanien und B o n a u- g u r e-Frankreich gegenüberstanden. Der spanische Titelhalter zwang seinen Gegner in der 8. Runde zur Aufgabe, nachdem er ihn vorher schwer zu Boden geschlagen hatte. Arbeiter-Leichtathleten im Tiergarten Hervorragende Leistungen bei den Vereinsmehr kämpfen Immer wenn der Sommer und damit die Freilustsaison der Sportler dem Ende zugeht, sammelt der 1. Kreis des Arbeiter- Turn- und Sportbundes seine Leichtathleten noch einmal zu einem großen Treffen, bei dem gewissermaßen das Fazit der sommerlichen Tätigkeit gezogen werden soll. Auch gestern hatte wieder der Sport-Verein Moabit die Vorarbeit und die Durchsüh- rung übernommen und man muß ihm einmal mehr attestieren, daß die Organisation auf dem schönen Tiergartensportplatz vor- zllglich Nappte. Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Ergebnisse brachten einige Ueberraschungen. So siegte Moabit vor Ostring und ASE. in der loXioo-Meter-Stafelte. In der /.-Klasse siegte A S E. bei den ersten, Ostring bei den zweiten und dritten Mannschaften. Schönow gewann den Kampf der U-Klosse. Bei den L-Bereinen lag Friedenau bei den ersten, Kaulsdorf bei den zweiten Mannschaften in Front, Brandenborg an der Spiße der älteren Sportler. 68' Männermannschaften der Vereine trafen zu den Vereins- mehrkänrpfen zusammen. Prächtiges Sportwetter trug sehr zum guten Gelingen der Veranstaltung bei und blieb nicht ohne Ein- sluß auf die erzielten, recht achtbaren Leistungen. In den einzelnen Leistungsklassen gab es schöne, ausgeglichene Kämpfe. Dies kommt besonders bei den ersten Mannschaften der Klassen zum Ausdruck. Kaum 106 Punkte Abstand trennen die Sieger der Klassen von dem Tabellenletzten, was auf ziemliche Gleichwertigkeit schließen läßt. Die Vereine traten fast durchweg mit stärkster Besetzung an. Den Berliner Vereinen gegenüber erwiesen sich die Kreisvereine aus der Provinz, wie Brandenburg, Rathenow, Schönow, Fürftenwaldc, Luckenwalde, Wildau usw. fast als ebenbürtige Gegner. Freilich sind Vereinsmohrkämpfe stets eine Sache des tiefer Eingeweihten, weil die sportlichen Höhepunkte der Einzelkämpf« nicht so augenfällig zur Geltung kommen. Einen vorzüglichen Ein- druck hinterließ K a l w e i t- Moabit mit einem Diskuswurf von 38,08 Meter, eine in Berlin selten gesehene Leistung. Außerdem konnte Moabits 1l>Xll)l)-Meter-Stafette die beiden Anwärter Ost- ring und ASE. der �-Klasse als Außenseiter auf die Plätze ver- weisen. B e r g e n s- Schönow vollbrachte mit 3,27 Meter die weitaus beste Leistung im Stabhochsprung. Den besten Hürdler stellte Ostrings zweit« Mannschaft vor Rathenows erst« Mannschaft mit 9,4 Sek. für 60 Meter. Einen Doppelerfolg buchte T r a x e l- Ostring, indem er über 100 Meter vor Heldt-ASC. und über 400 Meter vor dem Moabiter Vertreter sowie Braun-ASC. einlief. Für den ASC. brachte es H u w e ebenfalls in den 800 Metern vor Kittler und in den 3000 Metern vor Kintscher, beide Ostring, zu einem Doppelsieg. Im Speerwerfen erreichte C o r t s- Branden- bürg mit 48,10 Meter die höchste Punktzahl. Luckenwalde konnte bei den V-Vereinen die Olympische Stafette gewinnen, während sich V-Reukölln die 4X100 Meter holte. Kaulsdorf und Friedenau waren in der 4X100- bzw. Schwedenftafeete der L-Klasse die Sieger. Als recht erfreulich darf registriert werden, daß neun Mannschaften der älteren Sportler zum Fünfkamps antraten. In der Klasse der Aelteren ist der oben bereits erwähnte Diskuswurf von Kalweit registriert, mit dem sogar der Nachwuchs aus dem Felde ge- schlagen wurde. Ein übersichtliches Bild geben die folgenden Resultate. Die Vereinsmehrkämpfe nehmen am kommenden Sonntag auf dem„Ciche"-Platz mit der Austragung der Frauen- und Jugendklassen in Köpenick ihren Fortgang. Dcreiusmthr!ä>i-ps-. blasse A, Männer I. Monnschaft, IZ-Kamvi. 1. ALL. !>U,25 PunIIe; 2. Ostring 889, SS Punkte: 3. Moabit 871,73 Punkte: 4. Rathenow 845,88 Punkte: 3. Brandenburg 845,80 Punkt«: 6. Wedding 833,69 Punkte: 7. Nordring 822,70 Punkte: 8. Köpenick 806,09 Punkte.— Klasse A, Männer 2. Mannschaft, 12. Stampf. 1. Ostring 843,41 Punkt«: 2. Wedding 812,99 Punkt«: 3. ASC. 796,43 Punkte; 4. Brandenburg 795,27 Punkte: 5. Nordring 778,28 Punkte: 6. Mvabit 707,29 Punkt«: 7. Köpenick 700,97 Punkte; 8. Rathenow 682,48 Punkte.— Klasse A, Männer 3. und 4. Mannschaft, 12-Kanrpi. 1. Ost- rin III 748,84 Punkt«: 2. ASC. HI 680,04 Punkte: 3. Moabit III«63,52 Punkte: 4. Moabit IV 614,69 Punkte; 5. Wedding III 609,96 Punkte: 6. ASC. IV 430,88 Punkte. Klasse B, Männer 1. Mannschaft, lO-Kampf, i. Schönow 670,94 Punkte; 2. Luckenwalde I 663,17 Punkt«; 3. Volkssport Neukölln 658,21 Punkte: 4. Schöne. berg 628,23 Punkte; 5. Wildau 627,13 Punkte: 6. Luckenwalde Sport 623,72 Punkt«: 5. Mahlsdorf 509,75 Punkte; 6. Reinickcndorf.West 505,46 Punkte; 9. ASB. Neukölln 302,87 Punkt«.— Klasse B, Männer 2. und 3. Manntichaft, lO-Kamps. 1. Schönow 572,98 Punkte; 2. Wildau 566,34 Punkt«: 3. Volkssport Neukölln 568,33 Punkte; 4. Schöneberg 540,42 Punkt«: 5. Filrstenwaldc 488,64 Punkte; 6. ASB. Wedding 416,30 Punkte; 7. fftirstenwalde III 373,75 Punkte; 8. Schöneberg III 343,58 Punkte: 9. ASB. Wedding III 304,99 Punk,«. Klasse C, Männer 1. Mannschaft, 8-Kampf. 1. Friedenau 536,85 Punkt«: 2. Tegel 585,79 Punkt«: 3. Neu« Schleuse 522,27 Punkt«: 4. Kaulsdorf 517,71 Punkte; 5. Mahlsdorf 500,75 Punkte; 6. Reinijcndorf-West 505,46 Punkte; 7. Wilmersdorf 469,97 Punkte; 8. Spandau 457,96 Punkte: 9. Bohnsdorf 433,26 Punkte; 10. Hohenschönhausen 411,23 Punkte; 11. Ficht« 410/10 Punkte; 12. Pankow 361,12 Punkte.— Klasse C, 2. Mannschaften Männer, 8. Kampf. 1. Kaulsdorf 445,87 Punkte; 2. Z!«u« Schleuse 442,99 Punkt«: 3. Mohlsdorf 419,29 Punkte; 4. Ficht« 393,74 Punkt«: 5. Bohnsdorf 333,39 Punkt«: 6. Wilmcrz. borf 301,13 Punkte: 7. Spandau 59,25 Punkte. Aeltere Sportler, ö-Kampf. 1. Brandenlhurg 286 83 Punkt«; 2. ASC. 28151 Punkte: 3. Wildau 232,78 Punkte: 4. Wedding 276,98 Punkte; 5. Moabit I 273,22 Punkte: 6. Luckenwalde I 241,73 Punkte: 7. Moabit n 213,36 Punkte; 8. Volkssport Neukölln II 21336 Punkte; 9. Volkssport Reukölln I 203,45 Punkte. * Leichlalhlelische Slädlewcllkämpfe Hannover, Hamburg, Leipzig. Die besten Arbeiterleichtathleten der drei Städte hatten sich in Hau- nvver zum Wettstreit zusammengesunden. Sieger wurde im Gesamt- ergebnis Leipzig mit 111� Punkten. Hamburg erreichte 9454 Punkte und Hannover 83 Punkte. Kmderfreunde und Sporlkinder Sic halien ein gemeinsames Fest ab Ein wohlgelungenes Spiel- und Sportfest veranstalteten die Kinderfreunde Berlins in Gemeinschaft mit den Kindergruppen der FTGB. aus dem Sportplatz im Friedrichshain. Schon die Werbedemonstration durch den Bezirk, an der sich rund 300 Kinder beteiligten, zeigte, daß die beiden Organisationen mit dieser Veranstaltung das Richtige getroffen hatten. Auf dem Sport- platz begrüßte der Leiter der Kinderfreunde, Weinberger, die Er- wachsenen und auch die Kinder. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß im nächsten Jahr bei der gleichen Veranstaltung sich auch die anderen Kindergruppen der Arbeitersportvereine an einem solchen Feste beteiligen mögen. Auf dem Rasen wickelten sich dann die sportlichen Wettkämpfe ab. Nach den Wien-Freiübungen der FTGB.-Kinder zeigten die Kinderfreunde Bolks- und Reigentänze. Auf der einen Seite hatte Kasperle sein Zelt ausgeschlagen und unterhielt die Kleinsten. Auf der Aschenbahn wurde eine 80xS0-Meter-Stafette ausgetragen, während die Sprungbahn von den Wettspringern besetzt wurde. Großen Jubel löste bei Klein und Groß der Zirkus„Zur lachenden Bauchfalte" aus. Den Abschluß bildete der große Kindersprechchor. Anschließend wurde das Kampflied der Arbeiterschaft:„Brüder, zur Sonne, zur Freiheit" gesungen. Mit ein�m herzlichen„Freund- schaft" schieden die Teilnehmer von ihren Gästen. Das„WLinder" Zamora Tennis-Borussia— Madrid 1: 4 Vor mehr als 30 000 Zuschauern stellte sich am Sonnabend Tennis-Borussia der Madrider Fußball st ädte- Mannschaft. Man war in der Hauptsache gekommen, um das Torwartwunder Zamora zu sehen. Zu sehen gab es allerdings wenig. Nicht vom Torwart, sondern vom Tennissturm, der Zamora wenig Gelegenheit gab, sein Können zu zeigen. Eine Katastrophe für sich war der Mittelstürmer der Berliner, der die sehr viel gute Bälle verschoß. Spaniens Nationalheros brauchte sich deshalb nur wenig anstrengen, die seichten Schüsse zu halten. In der ersten Halbzeit waren die Tennisleute etwas überlegen, ohne diesen Vorteil auszunutzen. Erst kurz vor der Pause konnte ausgerechnet der Mittelstürmer den ersten Treffer auf eine gute Vorlage vom Linksaußen einsenden. Nach dem Wechsel trat dann die Ueberlegenheit der Spanier immer mehr zu Tage. Als dann auch noch Berlins Mittelläufer einer alten Ver- letzung wegen den Platz verlassen mußte, war der Sturm vollkommen kaltgestellt. Der Ersatzläufer vergaß nämlich, daß es auch eine linke Seite gab. Der spanische Stufm konnte dank seiner guten Kombination und der schlechten Abwehrarbeit der Tennisläuferreihe nach und nach bis zu 4: 1 in Führung gehen. An einen Sieg oder an ein Auf- kommen der Tennismannschaft war dann nicht mehr zu denken. Erst in den letzten Minuten, als sich Tennis' Linksaußen den Ball von der Mitte holte und scharf einsandte, rissen sich die Berliner noch einmal zusammen. Alle Anstrengungen blieben aber erfolglos. Der linke Verteidiger der Spanier, der eine internationale Klasse darstellt, ver- hinderte jeden Angriff. Mit 4:2 blieben die Gäste ver- diente Sieger. Die Spanier spielten gestern in Leipzig gegen eine Kombi- nation der Vereine Wacker und Verein für Bewegungsspiele. Hier mußten die Spanier eine 3: 2-Niederlage einstecken, an der der bc- rühmte Torwart nicht ganz schuldlos war. 6-Tage-Eahrt der Motorräder Fünf Mannschaften auf der ersten Schleife gesprengt Die internationale Motorrad-Sechstagefahrt begann am Sonntag unter starker internationaler Beteiligung mit der ersten über 319,8 Kilometer führenden Schleife mit Start und Ziel in Meran. Bon den 93 gemeldeten Fahrern wurden 88 vom Starter entlassen, darunter auch die beiden deutschen Mannschaften, die sich um die„Trophy" und die„Silberoase" bewerben. Der bergige und sehr kurvenreiche Weg stellte an die Bewerber reichlich hohe Anforde- rungen. Der in den Kurven liegende Schotter zwang zu äußerster Vorsicht, weiterhin behinderten zahlreiche Sonntagsausflügler die Bewerber, so daß es nicht ohne Sturz abging, aber die Unfälle ver- liefen noch glimpflich, jedoch waren verschiedene Aufgaben die Folge. Im Wettbewerb um die„Trophy" mußte die englische Mann- schaft ausscheiden, weiter auch die französische durch Zeitüberschreitung eines Teilnehmers. Drei Teams der Konkurrenz um die Silbervase wurden ebenfalls zur Aufgabe gezwungen und zwar die italienische �-Mannschaft, das tcheschische und das belgische Team. Eine ganz ausgezeichnete Fahrweise legten die D e u t s ch e n an den Tag. Henne(BMW.-Solo), Mauermeyer(BMW.-Seitenwagen) und v. K r o h n(Zündapp-Solo), die ihr Pensum mit am besten erledigten, sind neben Italien und der Tschechoslowakei noch die ein- zigen Konkurrenten um die internationale Trophäe, während der Wettbewerb um die Silbervase noch die aus Mittenzwei(Zündapp- Beiwagen), Hieronimus(Zündapp-Solo) und Stelzer(BMW.-Solo) bestehende deutsche Mannschaft sowie die zweite italienische und je zwei Teams aus England und Holland in Wettbewerb sieht. Palck-Hansen— Fliegerweltmeister Einen recht unerfreulichen Abschluß fand die R a d w e l t- meister'schaftswoche in Kopenhagen, als deren letzte Kon- kurrenz am Sonntag die Weltmeisterschaft der Berufsslieger ausgetragen wurde. Durch das Versehen eines Zielrichters kam der Titelverteidiger Lucien M i ch a r d um den verdienten Steg, den er dem Dänen Willy Falck-Hansen überlassen mußte. Unter den 13 000 Zuschauern, die bei schönstem Wetter die Ordrupbahn bis fast auf den letzten Platz besetzt hielt, entstand ob dieses Zwischenfalls ein großer Tumult, der sich erst allmählich wieder legte, als den sportbegeisterten Dänen zum Bewußtsein gekommen war, daß ihrem Lande nach den Siegen von Helge Härder und Henry Hansen durch Falck-Hansen ein dritter Weltmeistertitel zu- gefallen war. Michard verpaßte den Antritt Hansens, ging aber in großem Stile hinterher, griff den Dänen in der Zielseite auf der Innenseite an und kam mit mindestens doppelter Handbreite als Erster über das Zielband. Der belgische Zielrichter Colignon hatte aber Falck-Hansen als Sieger gesehen, und so wurde der Däne als Sieger und Weltmeister auf die Ehrenrunde geschickt. Alles Protestieren half nichts, denn auch im Radsport kann ein Richter- spruch nicht umgestoßen werden. hihiläumsspoftfest des Polizei S. V. Im Mittelpunkt des Iubiläumssportfestes, das der Berliner Polizei-Sportverein vor 2000 Zuschauern in der Chausseestraße abwickelte, stand das Handballturnier, an dem auch zwei westdeutsche Mannschaften teilnahmen. In den Borrunden schlug der Jubilar mit 10: 4(4:2) die Elf von Ale- mannia-Aachen, während Tura-Barmen mit 13: 6(8:3) über Brandenburg-Berlin die Oberhand behielt. Damit hatetn sich Polizei- Berlin und Tura-Barmen für die Entscheidung qualifiziert. Wieder siegten die Polizisten, und zwar mit 12: 3(3:2) Toren. In der Trostrunde unterlag Brandenburg-Berlin gegen Aachen mit 4: 10 (2: 4) Toren. Das Handballspiel der Damen zwischen Siemens und der Polizei endete unentschieden 1: 1. Auch in dem übrigen Teil des Programms, der sich aus Hockey-, Faustball-, Rugbyspielen, Rad- rennen, Vorführungen von Polizeihunden usw. zusammensetzte, gab es interessanten Sport. Ergebnisse: Hockey: Wilmersdorfer HC. gegen Berliner SC. 2: 1, Potsdamer Sportfreunde gegen Polizei 1: 0, Wilmersdorf gegen Potsdam 4: 1. Faustball: Polizeischu'e Spandau gegen V. d. Turnfreunde Berlin 31: 19. Rugby: Siemens gegen Polizei 20: 11.__ Spielfest der Volksschulen Die Turnvereinigung Berliner Lehrer veranstaltet das 13�Spiclfest der Berliner Volksschulen in Treptow amMittwoch, 2. September. Es liegen Meldungen von 137 Schulen mit 200 Spielmannschaften und 3000 Schülern und Schülerinnen vor. Zum Austrag kommen Eilbotcnlauf von 64 Mannschaften, Schlagball, Faustball, Völkerball, Grenzball, Barlausspiele und Ball über die Schnur. Weit über 600 Spiele werden durchgeführt. Die Knaben spielen um den Wanderpreis der Stadt Berlin, die Mädchen um die Fahne des Oberbürgermeisters. Der Lichtenbcrger Lehrer- gesangverein wirkt bei der Siegerehrung mit. Es finden statt: die Eilbotenläuse von 12.13 Uhr bis 13.30 Uhr, die Spiele von 13.30 Uhr bis 17.00 Uhr, die Sondervorfllhrungen und Siegerehrung von 17 bis 18 Uhr._ Sawall auf der Olympiabahn. Der neue Steherweltmeistcr Walter Sawall absolviert seinen ersten Berliner Start nach dem großen Siege in Kopenhagen am 6. S e p t e m b e r auf der Olympia- bahn, wo er zusammen mit Krewer und Dederichs den Länder- kämpf Deutschland— Belgien gegen Linart, Thollembeek und Ver- keyn bestreitet. Für Sawall, der auch der Matador der Olympia- bahn ist, sind große Ehrungen durch die Sportverbände geplant. Touristenverein.Di« R-turfrenndc", Zentrale Wien, Ortoqrnppe Berlin, e V. Dienotag, 1. S-Ptemb-r, 20 Uhr. Abt. FrieOrichshain: Frankfurter Alle« 307: .Der Wanderer", Dietuffionsabend.— Abt. Fricd.'nau: Offenbacher Str. 5o: „Ueber das Wetter".— Abt. Humboldthain: Willdenmoftr. 5: Kurzreferate.— Abt. Norden: Conneuburger Str. 20:„Eindrücke von der Olnruviad« in Wien". — Abt. Wedding: Wiltdenoivftr. 5.' Heiterer Abend.— Abt. Oberfchöneweide: Laufener Str. 2: Liederabend.— Abt. Osten: Ebertyftr. 12:„Die Französsfche Revolirtion".— Abt. Treptow: Spielen Treptow, Wiese 9, ad 18 UI>r.— Mitt. wach, 2. September, 29 Uhr. Iugendgruppe Osten: Frairtfurter Allee 307: Ge» schästlich«s, Singsang.— Photo Mitte: Iohannisftr. 15.— Donnerstag, 3. Sep. tember, 29 Uhr. Abt. Lichtenberg: Dunterftr. 44. Dienstags ab 18 Uhr Stabion Lichtende�.— Abt. Neukölln: Bcrgstr. 29:„Heinrich Zille" fLichtbilder).— Abt. Prenzlauer Berg: Danzigcr Str. 62, Barocke II: Gesthäftliches�— Streich. orchester: 19 Uhr bei Weißenberger, Frolligrathstr. 9.— Abt. Südwest: Porck- steass« 11: Gruppenfragen.— Abt. Tiergarten: Lehrter Str. 18— 19; Lustiger Vortragsabend.— Abt. Wcißenfec: Pistoriusstr. 24.— Abt. Nofcnthaler Vor- stadt: Wrinmef stcrstr. 16—17.— Naturkundliche Abteilung: Johairnisflr. 15: Arbcitsabenb.— Photo Milte: Fortgefchrittenciikurfus, Iohanmsstr. 15, Dunkelkammer. FTGB., Bezirk Stralau. Monatsocrfammlung Dienstag, 1. September, 20 Uhr, bei Ballenbach, Alt8Ztralan 8. Vom Mittwoch, 2. September, turnen regelmäßig in der Turnhalle Alt-Stralau 36 bie Männer Mittwochs und Frei- tags, die Frauen Dienstags und Freitags von 20—22 Uhr, Kinder Dienstags und Freitags von 18—20 Uhr. Frei««anu.Union Gross. Berlin, e. B. Dienstag, 1. September, Kreis- gefchäftsftcllc, Clsässer Strasse, 18 Uhr G.-A.»Sitzung, 29 Uhr Vereinssunktionär. Versammlung.— Abt. Havel: Donnerstag Trainingsabend, Bootshaus Fleischer. — Abt. Oberfpree: Donnerstag Trainingsabcnd, Bootshaus Wuhlheidc, 18 Uhr Meldungen zum Handballspiel bis Donnerstaq abgeben. Pässe oder Mitglieds-' bücher und Bild mitbringen. Freitag, 4. September, 20 Uhr, Sitzung. Reltou. rant„Zur Eiche", Neukölln, Kaifcr-Friedrich. Ecke Soalestraße,