BERLIN Sienstag 1 September 1931 10 Pf. JIr. 408 B 204 48. Jahrgang ErscheiattZglich außerSonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. BcjugSvreiS beide Ausgaben 8i> Pf. xroWoche. Z.eoM. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SWes.LindenKr.S Fernsprecher: Dönhoff(A. 7) 292—297 ff 90 (i AniSiSeaprel«: Die einspaltigeNonpareillcicile SO Pf., Rcklamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Posts checkkonto: VorwartS-Verlag G.m. b.H.. Berlin Nr.S7SZS.— Der Verlag behält sich das Stecht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen«ori Die Lehrer danken Grimme Ein Telegramm des preußischen Lehrervereins Der preußische Unterrichtsministcr Grimme hat sich dem vom I fsinanzminister Höpker-Aschoff vorgelegten Plan, im Rahmen der Sparpolitik des preußischen Staotsministeriums die Lehrer besonders in der Besoldungsordnung herabzusetzen, entgegengestellt und erklärt, daß die Regierung einen solchen Plan ohne ihn durchführen müsse. Das hat in der Volksschullehrerschaft lebhaften Widerhall ge- funden. Die in Magdeburg versammelten Führ er der preu- ßischen Lehrerschaft aus allen Provinzen des Landes dankten dem Minister in folgendem Telegramm: „Die aus allen Provinzen Preußens in Magdeburg ver- sammelten Führer des Preußischen Lehrervercins anerkennen mit Hochachtung und Dankbarkeit Ihre entsästedene Haltung in der Abwehr jeglicher Sonderbehandlung der Volksschullehrer. Sie hoffen, daß es Ihnen auch weiterhin ge- lingt, die Jnteresien der Volksschule mit Erfolg zu wahren.' Im weiteren Verlaus der Tagung wurde mit starkem Räch- druck darauf hingewiesen, wie weit die Volksschule bereits durch die wiederholten Abbaumaßnahmen in ihrem Bestand und in ihrer Arbeit geschwächt ist. Trotzdem solle sie aufs neue zu weiteren Ein- fchränkungen und Abbauten gezwungen werden. Den heftigsten Widerspruch der Versammlung rief die Mitteilung hervor, daß der Versuch gemacht wird, die Richtlinien für die Maßnahmen vom Finanz- und Innenminister her zu diktieren. Di« Lehrer verlangen, daß über die bisherigen nur negativen Maßnahmen der Sparsam- keit hinaus ein positives Ausbau- und Arbeitsbe- schaffungsprogramm durchgeführt wird, das die Bedeutung einer leistungsfähigen Schule als Grundlage für den notwendigen geistigen und wirtschaftlichen Ausbau des Landes anerkennt und t»em Niedergan gder Volksschule Einhalt gebietet. Die Sparvorfchläge vor dem Kabinett. Das preußische Kabinett tritt heute um 15 Uhr zusammen, um sich mit den neuen Sparmaßnahmen zu beschästigen. Sämtliche Resiorts haben Vorschläge über Sparmöglichkeiten eingereicht. Bei dem umfangreichen Verhondlungsstoff rechnet man damit, daß end- gültige Befchlüsie heute noch nicht gefaßt werden können und die Beratungen noch den Mittwoch über fortdauern werden. Tragödie in Zehlendorf. Mutier nnd Tochter gemeinsam in den Tod. Heute vormittag wurden die 38 Jahre alte Frau(?r»ia Werf Du und ihre 11jährige Tochter Ruth in ihrer Wohnuttg in der Schützalice 42 in Zehlendorf durch Gas vergiftet leblos aufgefunden. Frau Sch. litt an einer unheilbaren Kopfkrankheit und bereits vor einem Jahre hatte sie einen Selb st mordoer- j u ch unternonnnen, der jedoch mißglückt«. Das furchtbare Leiden hatte sich inzwischen verschlimmert und abermals reiste in der Un- glücklichen der Plan, freiwillig aus dem Lebe» zu scheiden und ihr Kind mit in den Tod zu nehmen. Offenbar, als das Mädchen gestern abend schon schlief, erhob sich Frau Schütz noch einmal und legte von der Küche nach dem Schlafzimmer einen fünf Meter langen Schlauch an den Gashahn. Als heute vormittag Mieter auf den Gasgeruch aufmerksam wurden, war es bereits zu spät. Die Wiederbelebungs- versuch« der Feuerwehr waren ohne Erfolg. ■k Der 42jährige Dentist Manfred Kotz verübte heute Selbstmord durch Erhängen. K. sollte heute aus seiner Wohnung in der Don- ziger Straße 72 exmittiert werden. Als der Gerichtsvoll- z i e h e r erschien und keinen Einlaß fand, ließ er die Tür gewalt- sam öffnen. Als der Beamte das Schlafzimmer des Dentisten betrat, fand er den Mann erhängt auf. Seine furchtbare wirtschaftliche Notlag« hatte ihn zu der Verzweiflungstat getrieben.— Aus Angst vor einer Operation vergiftete sich heute in seiner Wohnung Graun- straße 29 der 61 Jahre alte Werkzeugmacher Hermann Hauke. Kindesmord bei Weimar. Am Sanntag. dem 36. August, in den Abendstunden ist das achtjährige Mädchen eines auf dem Rittergut Posen bei Bucha, Landtreis Stadtroda beschäftigten Gutsarbeiters von eineni "Unbekannten tn der Nähe der bei Bucha gelegenen Windmühle in den Wold geschleppt und dört getötet worden. Das Kind hatte 16 M. bei sich, die«s nach oer Windmühle schaffen sollte. Der Wind- xmihlenbeptzer war abwesend. Der Täter muß das Kind»n un- Erster Tag neuer Verkehrstarif Alles kaust Gammelkarien/ Auiobus noch voller/ Teilstrecken werden gelausen heule ist der neue verkehrstaris der Berliner Berkehrs-Gesellfchast in Kraft gelrelen. Das erste sichtbare Zeichen dieser neuen Tarisregelung ist der recht beträchtliche Verkauf der S a m m c l k o r t e n, die 1 Mark kosten und für fünf Fahrten ohne Uinstrigeberechligung Gültigkeit haben. Diese Sommelkarte hat sowohl auf der Straßenbahn wie auf der Untergrundbahn Gültigkeit. Es ist übrigens erstaunlich und wurde von den Schaffnern überall bestätigt, daß viele Fahrgäste von der neuen Tarifregelung heute morgen noch keine Kenntnis hatten. So gab man den Schaffnern immer wieder 2ö Pfennig, um dafür den bisher üblichen Umsteig-fahrschein zu erhalten. Dieser U mst e i g e f a h r s che i.n kostet aber ab heute 36 P k e n n i g. Als die Schaffner fragten, ob die Fahrgäste benn keine Zeitung lesen, erklärten vornehmlich die Frauen, sie könnten sich das Abonnement einer Zeitung nicht mehr leisten.. Andere Fahrgäste meinten, als sie heute 36 Pfennige für den Umsteigefahrschein bezahlen mußten, daß sie sich wieder ihr altes Fahrrad hervorholen wollen. Derartige Tendenzen einer Ab- Wanderung von Massenverkehrsmitteln lassen sich noch jeder Tarif- änderung feststellen. Darüber hinaus betonen die Schaffner, daß die starke An- fordenmg der Sammelkarten zeigt, daß ein Teil der Fahrgäste dazu übergeht. Teilstrecken zu Fuß zurückzulegen. Wer bisher von einem Außenbezirk zum Beispiel einen Punkt der Berliner Innen- stadt erreichen wollte, benutzte meistens erst eine Straßenbahnlinie, um dann zur Hauptlinie umzusteigen. Da man für eine derartige Fahrt aber heute 36 Pfennig bezahlen muh, hat das Publikum auf die zwei oder drei Haltestellen der Anschlußfahrt verzichtet und den Weg zur Hauptlinie zu Fuß zurückgelegt. Von hier aus kostet die einfache Fahrt, die Lösung einer Sammelkaric vorausgesetzt, dann 26 Pfennige, man spart also einen Groschen. Es kann übrigens nur immer wieder auf den Gebrauch der zweckmäßigen Sommelkarte, die eine unbeschränkte Zeitdauer hat, hingewiesen werden, denn ein Einzelfahrschein ohne Umsteigeberechtigung kostet bekanntlich 25 Pfennige. In die neue Umsteigeberechtigung ist nun ab heute auch der Autobus miteinbezogen. Für 36 Pfennig kann man sowohl von uud zur Straßenbahn. Untergrundbahn und zum Omnibus umsteigen. Dies« Erweiterung der Umsteigemöglichkeit hatte augenscheinlich eine stärkere Inanspruchnahme des Omnibus zur Folge. Oer teure llmsteiger zur 5-Aahn. Bedauerlich bleibt, daß die neue Tarisregelung keine Aende- rung des teuren Uinfteigens zur Reichsbahn gebracht hat. Der Umsteiger hierfür kostet nach wie vor noch 46 Pfg. Es muß immer wieder gefordert werden, daß in die großzügige Vereinheitlichung des Berliner Verkehrssystcms auch die Stadt- und Ringbahn zu einem erschwinglichen Fahrpreis mit einbezogen wird. Uns wurde sowohl von der BVG. wie von der Reichsbahn versichert, daß man über eine derartige Vereiicheitlichung bereits vertnindelt hat. Leider ist man bisher noch zu keinem bejriedigcndcn Ergebnis gekommen. Es wäre sehr zu wünschen, daß diese Verhandlungen baldmöglichst«ine Erleichterung für das umsteigende Publikum bringen würden. mittelbarer Nähe der Windmühle angetroffen und von dort aus mit in den Wald genommen haben, wo das unglücklich« Kind in den frühen Morgenstunden des 31. August von Schulkindern und Einwohnern, die das Gelände abstreiften, mit einem Bündel Reisig zugedeckt, tot aufgefunden wurde. Als Mörder wurde«in Arbeiter Paul D a h l e r in der Ortschaft Döbritsche ermittelt und verhaftet. Er hat bereit- ein Geständnis abgelegt und ist dem zuständigen Amtsgericht eingeliefert worden. Magistrat gegen Nazihaus. Nordsüdbahn wollte den Nazis ein Haus vermieten. In den sanierungsreifcn Vierteln der Berliner Altstadt besitzt die Stadt Verlin mehrere meist abbruchreif« Häuser, die zu den von der Berliner Rordsüdbahn-A.-G. und' ihren Umergesellschasten erworbc- nen Grundstücken gehören. Da die Stadtverordneten über die Ver- Wendung dieser Grundstücke»och nicht beschließen tonnten, liegt die Verwaltung dieser Häuser noch bei der Rordsüdbahn-A.-G. Zu diesen Grundstücken gehört auch dos Haus Stralaucr Straße 36. Vor einiger Zell erschien bei der Nordsüdbahn A.-G. ein Herr Lorenz, der das Haus Stralauer Str. 36 für ein Vierteljahr mieten wollte. Es wurde mit ihm«in Vertrag mit vierwöchiger Kündigung zum Ouartalsende abgeschlossen. Wie jetzt bekannt wird, stehen hinter diesem Herrn Lorenz die Berliner Nationalsozialisten, die in dem Alt-Berliner viertel ein„Braunes Hau»', eine Zentrale ihrer berüchtigten Sturmtrupps schassen wollten. Aus Grund des Mietoertrages hätten also die Nazis in städtischen Räumen hausen dürfen. Der Fall wirkt um so ungeheuerlicher, als es anscheinend dem Herrn Direktor Boussct. der im Austrage der Rordsüdbahn die Verhandlungen mit dem Herrn Lorenz führte, nicht ganz unbekannt war. wer eigentlich ein solch starkes Interesse an dem Haus Slralauer Str. 30 hatte. Als der Magistrat heute vormtttag Kenntnis von dem seltsamen Mietabkommen erhielt, wurde die Nordfüdbohn-A.-T. sofort angewiesen, den Mietvertrag mit sofortiger Wirkung zu lösen. Wie wir dazu ergänzend erfahren, ist Vorsorge getroffen worden, daß keiner der Hitlermannen da? Haus mehr betreten darf. In einem Teil der Presse versucht man den Eindruck zu er» wecken, als fei die Berliner V e r k e h r s g e f e ll f ch a f t für das Vorkommnis verantwortlich. Demgegenüber stellen wir noch einmal ausdrücklich fest, daß mit der Verwaltung dieser Grundstücke die BVG. weder sachlich noch persönlich irgend etwas zu tun hat. Wie wir erfahren, haben übrigens die Kommunisten in allernächster Nähe des Haufes Stralauer Str. 36, in der Juden- ftrahe 20, für den„Kampfbund gegen den Faschismus' auch ein Haus gemietet. Sicherlich hat es die Nazis aus diesem Grunde besonders in diese Gegend gezogen. Nach den Erfahrungen des Volksentscheids zu urteilen, hätten sich die Nachbarn auch sicher- lich in brüderlicher Eintracht gut vertragen. Warum also schreit die „Rote Fahne' wieder einmal so hysterisch? Oie Million für Arbeitsdienst. Es wird untersucht, wo sie bleibt. Für den sogenannten„Arbeitsdienst' ist eine Million aus aus der Reichstasse zur Verfügung gestellt werde», die ge- mäß den Richtlinien nach der Notverordnung verwendet werde» sollen. Ob dieses Geld etwa wirklich für die Landesleiter und ihre Büros oerwendet wird, wobei, wie behauptet wird, die Landes- l e i t e r je 26 666 M. Iahresgehalt bekommen sollen, wird untersucht werden. So versicherte man wenigstens an Amtsstelle. Inzwischen wird die Million wahrscheinlich schon verschwunden sein. Zollunion wird zurückgestellt. Oesterreichisch-deutsche Erklärung im Europa-Ausschuß. Genf, 1. September.(Eigenbericht.) Die Haager Entscheidung über die deutsch-österreichische Zoll- Union hat hier nicht überrascht. Oesterreich und Deutschland werden eine im Wortlaut noch zu vereinbarende gemeinsame E r t l ä- rung im Europa-Ausfchuß abgeben. Ihr Hauptinhalt wird sein, daß mit Rücksicht auf die im Mai eingeleiteten und aussichtsreich schwebenden europäischen Verhandlungen über weitgehende Wirtschaftsverständigungen zwischen den europäischen Staaten Deutschland und Oesterreich die Durchführung ihres Planes zurückstellen. Die dänisäie Freundschaft für Deutschland kam neuerdings wieder zum Auedruck, als eine ReifegeieUfchast von Berliner Per- tietern der Auslanospresse in: Kopcnhagener Rathaus empfangen wurde. Der sozialdemokratische Bürgermeister richtete u. a. den Appell an die Gäste, das ihrige dazu beizutragen, daß Deutschland die notwendige Hilfe des Auslandes erhalte. Diktatur über Rraunschweig. Hitler-Ziusi schwingt die Geißel. Braunschweig, September.(Eigenbericht.) Bei den braunschwcigischen H a k e n k r e u z l e r n geht alles drunter und drüber. Der Gauleiter Ruft aus Hon- n o o e r hat am Montagabend die Führer der bürgerlichen Parteien in Brauiischwcig aufgesucht,»m ihnen, wie bereits kurz berichtet, zu erklären, daß die Nationalsozialisten wieder einen Minister stellen wollen. Die Begründung, die er in einer öfsentlichen Ver- sammlung gab, ist außerordentlich komisch. Er erklärte, der sozial- demokratische„Volksfreund" habe vor wenigen Tagen festgestellt, daß durch die letzte Nowerordnung den Länderregicrungen eine u n g e- h« U r e Bt a ch t f ü l l e gegeben werde. Infolgedessen sei ein natio- nalsozialistischer Minister nicht mehr, wie Herr Franzen sagte, nur „Vollzichungsbeamter der Hüning-Diktatur". Der Führer der nationalsozialistischen Landtagssraktion, G r o h, ist nnt der Ernennung eines neuen Naziministers nicht ein- verstanden und hatte dies den bürgerlichen Zeitungen mit- geteilt. Darauf wurde Groh von dem Gauleiter Ruft einfach ab- gesetzt und ein anderer Abgeordneter mit der Führung der Irak- tion beauftragt. Die bürgerlichen Abgeordneten werden also am 15. September mit den Nationalsozialisten wieder den Naziminister wählen, den Hitler erst in den nächsten Tagen bestimmen wird. Die Bürgerlichen werden auf Hitlers Kommando selbstver- ständlich die Hacken zusammenschlagen und unbesehen jeden Mann ».wählen", der ihnen von München benannt wird. Oer Klassenverrat der KPD. Die Opposition stößt vor. Die von B r o n d l e r und Thalheimer geführte Rechts- Opposition der Kommunisten erläßt ein Manifest, in dem sie sich zunächst durch Schimpfen auf die Sozialdemokratie und Aufstellung demagogischer Forderungen vor dem Verdacht zu schützen sucht, sie sei weniger„radikal" als die zur Zeit in der KPD. herrschende Rich- tung. Diese jedoch wird in den übrigen Teilen der Erklärung nicht geschont, ihr wird ihre völlige Unfähigkeit bescheinigt und ihr Abtreten wird gefordert. Vor allem wird ihr die „katastrophale Niederlage" beim Volksentscheid chorgeworfen und im einzelnen dazu folgendes ausgeführt: Diese katastrophale Niederlage wurde eingeleitet mit dem berüchtigten„n ationalen u»*Ö sozialen Befrei» ungsprogramm" zu den Reichstagswahlen im September vorigen Jahres. Die Exekutive hat die gefährliche nationalistische Phraseologie der KPD.-Führung nicht korrigiert. Es wurden nur die Worte national und sozial umgestellt. Mit diesen natio- nalen und sozialen Besrciungsphrasen wurde nationalistische Zer- setzung in die Reihen der KPD. getragen. Nationalbvlfche- w i st i s ch e Offiziere werden zu Mitgliedern der KPD. ge- macht, ehrlich- Kommunisten, die ein Menschenalter für den Kommunismus unter den größten Opfern gekämpft haben, werden aus der Partei ausgeschlossen. Nationalbolschewistische Offiziere dürfen Mitglieder und Funktionäre im Kampfbund gegen Faschismus sein, unseren Genossen wird statutarisch die Mitgliedschaft verweigert. Mit diesen nationalbolschcwistischen Offizieren und mit den offenen Hakcnkreuzlern Schulter an Schulter ist die KPD. am N. August gegen die sozialdemokratischen Arbeiter aufmarschiert. Ein seltsamer„Kampf gegen den Faschismus"! Die Geheimnisse dieses ».Kampfes" werden einem erst ganz klar, wenn man in dem Moni- fest der Opposition folgendes liest: Es bedarf wohl keiner besonderen Beweise für den Ernst der Lage in Deutschland. Die offene faschistische Diktatur droht der deutschen Arbeiterklasse. ?n Parkeikreisen muß man heute oft hören: Der Faschismus ist unvermeidlich. aber er wird nicht lange herrschen, und dann kommt die Diktatur des Proletariats. Das ist feige Kapitulanten st im mung und töricht obendrein. Die Stimmung entspringt dem Gefühl der Ohnmacht. Was die Herrschaft des Faschismus für die deutsche und internationale Arbeiterklasse bedeutet, braucht nicht hervor- gehoben zu werden. Sieg des Fafchisnms in Deutschland bedeutet Knechtung der Arbeiterklasse wie in Italien, noch größere Verelendung und Krieggegcn die Sowjet- union. Herrschaft des Faschismus in Deutschland bedeutet Zu- sammcnbruch der stärksten außerrussischen Sektion der Komintern. Das ist alles ganz richtig. Weil der Sieg des Faschismus ein Maß von Elend und Unfreiheit bedeutet, das wir uns gar nicht vor- stellen können, darum treibt die Sozialdemokratie eine Politik, deren nächstes Ziel es ist, den Sieg des Faschismus zu verhindern. Dieser Wille, den Sieg des Faschismus unter allen Umständen zu ver- hindern, ist aber in der Kommunistischen Partei nicht vorhanden. Im Gegenteil! In dem Bewußtsein der eigenen Schwäche und Aussichtslosigkeit spekuliert man auf einen Sieg des Faschismus, der dann durch irgendeinen mysteriösen Um- schlagsprozeß zum Sieg des Kommunismus führen soll. Aus dieser Geisteshaltung erklärt sich die Vorliebe für national- bolschewistische Offiziere und das Zusammengehen mit Hitler- Hugenberg beim Volksentscheid ganz zwanglos. Aus ihr ergibt sich auch, daß man bemüht ist, der Sozialdemokratie bei ihrem Kampf gegen den Faschismus in den Rücken zu fallen. Man spielt eben mit dem Faschismus gewissermaßen halbpart. Eine offene Frage ist nur, ob das„proletarische Klassenpolitik' ist oder nicht vielmehr nackter Verrat an den Lebens- interefsen der Arbeiterklasse. Kommunistische Crniestreikmache. Llebertriebene Meldungen von Brandstiftungen. Vom Deutschen Landarbeiteroerband wird uns geschrieben: Ver- schiedene tageszeitungen berichten von einem Streik der Erntearbeiter in den ländlichen Gebieten an der Westküste von S ch l e s w i g- H o l st e i n. Verschiedentlich soll es bereits zu Gewalttätigkeiten und Verhaftungen gekommen fein. Es wird sogar von schweren Brandstiftungen und anderen Sabotageakten gesprochen. Diese Behauptungen sind zum Teil stark übertrieben. Wohl ist es vereinzelt zu Arbeitseinstellungen und Zusammenstößen mit Arbeitswilligen gekommen: daß sich streikende Erntearbeiter ober als Brandstifter betätigt haben, ist bis jetzt in keinem einzigen Fall festgestellt worden. Die Ursache der Unruhen ist in dem Ver- halten der im Land- und Bauernbund vereinigten Landwirte in der Lohnfrage zu suchen. Im Borjahr gelang es dem Deutschen Landarbeiter-Verband, für Süderdithmarschen«ine Vereinbarung zu erzielen, nach der für Dreschen auf dem Felde öl) Pf. pro Stunde, für Dreschen auf dem Hofe 30 Pf. pro Stund« Lohn zu zahlen sind. Während Brüning und die Gewerkschasten Kampfstimmung in Krankfuri/ Verirauen zum Bundesvorstand F. E. Frankfurt a. Hl., 1. September.(Eigenbericht.) Die Notverordnung gegen die Arbeitslosen war heute. vormittag vorwiegend Gegenstand der Aussprache, in der zwei Genossinnen zu Wort kamen. Genossin Z a m m e r- Hannooer fordert vermehrten Arbeiterinnenschutz. Einen scharfen Ton schlug Z i e g l c r- Breslau an, dem die Entschließung des Bundesvorstandes nicht genügt. Der Berliner Bevollmächtigte des Metallarbeiterverbandes, Genosse Eckert, sieht dcn„Bcginn einer neuen Periode noch reckst dunkel vor uns liegen. Seine Kollegin G l a d o s ch betonte die Notwendigkeit einer verstärkteir Agitation unter den Unorganisierten. Wagner verwies auf die besonderen Verhältnisse der So- linger Industrie, deren Arbeiter durch die Notverordnung als Heimarbeiter abgestempelt und besonders schwer betroffen werden. Der Brandler-Mann K r a u ß- Stuttgart fand allgeineinen Widerspruch, als er die Partei und Gewerkschaften durch die Tolerie- rung der Regierung Brüning für die heutigen Zustände und damit sür den Faschismus und die RGO. verantwortlich zu machen sucht. Genosse S i ni o n wies darauf hin, daß die deutsche Arbeiter- schaft in ihrer schwersten Zeit gespalten ist. Eindringlich wendet er sich gegen die Tarifpolitik des Rsichsarbeitsministeriums, die zur Zer- schlagung der Tarifverträge führe. Die Geduld der Arbeito«Ichast sei erschöpft, man dürfe ihre Disziplin nicht auf eine allzu harte Probe stellen. Eggert wendet sich nachdrücklich gegen die Ueber- treibungen von Ziegler und Krauß. Es darf keine schlimmere Notoerordnung kommen. Das, was in England geschehen ist, sei in Deutschland mit dein Abgang der Regierung Müller schon vorher geschehen. Mit der Regierung Brüning sind wir nicht verbunden. K u r p a t- Dresden bezeichnet die Einbeziehung des Kranken- Pflegepersonals in die Unfallversicherung als einen Erfolg des Bundesvorstandes und der Reichstagsfraktion. Die Parole des Kon- greffes müsse sein: Einheit und Organisation! L e i p a r t konnte in seinem Schlußwort aus dem Verlauf der Debatte ein klares Vertrauensvotum für den Bundes- vorstand feststelle». Wir lehnen die Verantwortung nicht ab, be- trachten es vielmehr als ein Verdienst der Gewerkschaften und der Partei, daß die Absichten der Faschisten und der Kommunisten uncr- füllt geblieben sind und bleiben werden. Wir haben keine Furcht vor der sozialen Revolution, denn wir stehen seit Zahrzehnten mitten drin. Nicht im Sinne eines Bürgerkrieges. Wir führen den Klassenkampf zur Hebung der Lage der Arbeiterklasse und rufen alle zu Hilf«, auf daß dieser Kampf gut und erfolgreich geführt werden kann.(Leb- hoftcr Beifall.) Gegen eine Stimme wurde deni Bundesvorstand das B c r- trauen ausgesprochen. Hierauf begann Professor L e d e r e r- Heidelberg seinen Vor- trag über„Die Umwälzungen in der Wirtschast und die Vierzigstundenwoche", Die Aussprache. Frankfurt a. Hl.. 1. September.(Eigenbericht.) Die grenzenlose Erbitterung der deutschen Arbeiterschaft über die unerträglich gewordene Belastung der Mafien trat auf dem Gewerkschaftskongreß in der Aussprache über den Bericht des Bundesvorstandes wieder ausfällig scharf in Erscheinung. Frau Zammcrt-Hannover(Textilarbeiterin) nahm zur sage- nannten Open-door-Bewegung Stellung. Diese Bewegung wird nur von den bürgerlichen Frauen getragen, die die harte Arbeit der Frauen in der Fabrik kaum kennen. Wir sagen: es besteht kein Widerspruch, wenn wir die Gleichberechtigung der Frauen verlangen und dazu einen besseren Arbeiterinnen- schütz, denn dieser Schutz ist notwendig infolge der besonderest Funktionen, die die Frau neben ihrer Arbeit im Leben zu er- füllen hat. Brnmmer-Leipzig: Selten ist eine Tagung von so einmütigem Geist beseelt gewesen, wie ihn unser Kongreß aufweist. Die bereits am Montag an der Regierung geübte scharfe Kritik zeigt, wo wir stehen. Der Bundesvorstand hätte längst gegen die Mißachtung der Gewcrkschaftsfordcrungen schärfsten Protest erheben müssen. Die Gewerkschasten sind viel zu zurückhaltend, sie hätten früher und stärker an die Oeffentlichkeit treten müssen. Bei der ersten Notoerordnung erklärte der Bundesvorstand.� er werde an der Arbeitslosenversicherung nickst rütteln lasten, veit dem Erlaß dieser Verordnung ist wiederholt sehr bedenklich am Arbeitsloscnschutz gerüttelt worden. Die Rede des Reichsarbeits- Ministers zeigt, daß man noch weitere Opfer vorn Arbeiter verlangen wird. Sollen die Unterstützungssätze noch mehr abgebaut werden? Der Hinweis des Ministers auf den Kohlrüben-Winter von 1916/17 ist für uns wahrhaftig kein Trost. Alles hat feine Grenzen, und wir bitten deshalb unserem Antrag zuzustimmen, der die Beseitigung der Notverordnung vom Juni fordert. Ziegler-Breslau(Metallarbeiter): Wir werden der Entschließung des Bundesvorstandes zu feinem Bericht zustimmen. Wird aber deswegen die Regierung Brüning mit der Entrechtung der Arbeiter einhalten? Wir glauben nicht daran, und was soll geschehet!, wenn trotz unserer Entschließung die Regierung Brüning ihren Surs fortsetzt? Das ist die entscheidende Frage. Wir haben die Tolerierungsgrenze längst überschritten. Wir müssen uns ein Beispiel an den englischen Arbeitern nehmen.(Zuruf: Jawohl, tut das nur!) Die Burg- friedenspolitik führt zum Ruin der Arbeiter.(Zuruf: Macht uns doch Vorschläge!) Die englischen Arbeiter stellen die Einheit und Geschlossenheit der Arbeiterbewegung über alles. Wir machen uns zum Opfer einer verhängnisvollen Entwicklung. Ich glaube nicht an den Mut Stegerwalds. Er und Brüning sind nur mutig, wenn es gegen die Arbeiter geht. Sleiuseld-Hamburg(Zimmerer) schildert die trostlose Lage der Bauarbeiter und ihre grausame, ungerechte Behandlung in der Saisonarbeiterftage. Bei den 77,8 Proz. Arbeitslosigkeit unter den Zimmerern noch von berufsüblicher Arbeitslosigkeit zu sprechen, sei vollendeter Irrsinn. Graßmann soll sein Wort, die Gewerkschasten würden die Saisonarbeiter nicht im Stich lassen, einlösen. Eckeri-Berlin(Metallarbeiter): Mit der bisher gegenüber Brüning angeschlagenen Methode kommen wir nicht vom Fleck. Wir können seine Regierung nicht unbedingt unterstützen. Wir müssen bestimmte Forderungen stellen, und wir bitten daher den Kongreß, dem Antrag der Berliner Metallarbeiter zuzustimmen. Eggert(Bundesvorstand): In Deutschland ist das Kabinett Hermann Müller gestürzt worden, weil es dem reaktionären Druck nicht nachgeben wollte. Wir haben in Deutschland unter viel schwiertgeren Umständen zu kämpfen als die Arbeiterpartei in Eng- land. Es ist gefährlich, der Regierung förmlich die Slichwortc für neue Notverordnungen zu geben. Die letzte Notverordnung muß die letzte sein und bleiben. Sie war ja nur als Pegel sür die Reparationsfrage gedacht. Viele Kollegen reden an den Problemen vorbei. Wir stehen im Komps gegen den Kapitalismus. Bei diesem Kampf handelt es sich um einen Umwandlungsprozeß, wie auf dem Hamburger Ge- wertschaftskongreß bereits dargelegt worden ist. in Süderdithmarschen die Arbeiter die genannten Sätze bis zur Be- endigung der Dreschperiode erhielten, wurden in Norderdithmarschen von Anfang November an nur 45 Pf gezahlt. In diesem Jahr will man in Norderdithmarschen für das Dreschen auf dem Felde nur 40 Pf., für das Dreschen auf dem Hofe nur 33 Pf. pro Stunde, und zwar bis zum 1. Oktober zahlen. Ab l. Oktober soll ein Lohn von 30 Pf. gelten. Diese Sätze hat auch der Land- und Bauernbund Süderdithmarschen seinen Mitgliedern als Richtlinie bekanntgegeben. Trotzdem konnte der Deutsche Land- arbeiter-Verband in dem größten Teil Süderdithmarschen die Löhne des Vorjahres einigermaßen halten mit dem Erfolg, daß dieser Teil der schleswig-holsteinischen Landwirtschaft von Unruhen bis- her oerschont geblieben ist. Die Unruhen in Norderdithmarschen sind ein Werk des neu- gegründeten kommunistischen Land- und Forstarbeiterverbondes, der sich schon seit Monaten krampfhaft bemüht, in Schleswig-Holstein Fuß zu fassen. Der kommunistische Landarbciterverband führt die Bewegung in der Hauptsache mit Hilfe der alljährlich in Dithmarichen in großer Zahl eintreffenden Wanderarbeiter. Der Deutsche Landarbeiter-Berband steht dem Beginnen, von dem ein Erfolg kaum zu erwarten ist, fern. Phantasien aus Oldenburg. Goldschmidt und die Vorwärt6«„Attien". Der„unpolitische" nationale Generalanzeiger für das gesamte oldenburgische Unterwescrmarsch- und Industriegebiet in Nordenham, die„Butjadinger Zeitung", veröffentlicht in ihrer Nummer vom 27. August 7931„auf Wunsch zahlreicher Leser" im Nachdruck einen Artikel des nationalsozialistischen„Oldenburgischcn Freiheitskämpfer" vom 13. August 1931 mit der epochemachenden Entdeckung,„daß Jakob Goldschmidt oder die Danat-Bank mit 800000 Mark am Aktienbesitz des sozialdemokra- tischen„Vorwärts" in Berlin beteiligt sei", was an- geblich schon seit Jahren ebenso bekannt sei, als„daß die Danot- Bank die sozialdemokratischen Konsumvereine finanziere". In ihrer Märchenstimmung übersahen die Herrschaften voll- ständig, daß der„Borwärts"-Verlag eine G. m. b. H. ist und infolge- dessen gar keine Aktien ausgibt. Aber da man so schon im Märchenerzählen ist, bleibt man dabei und enchullt folgende Moritat: „Jetzt erklärt man sich auch die leidenschaftlichen Rodauartikel des„Vorwärts" über die Danotbank, welch« im Änfang unglaub- lich Herrn Goldschmidt vergötterten als den großen Kenner der Finanzen, dann aber erklärten: der Zusammenbruch beweis«, daß man die Banken„verstaatlichen" müsse, denn die Schwerindustrie und die Banken bätten Deutschland ruiniert. Vermutlich hat Jakob Goldschmidt diese Artikel selb st veran- laßt, um das Terrain einmal zu sondieren. Er läßt sich selbst über den grünen Klee loben und dann verlangt er sozusagen die Verstaatlichung seiner Danatbank unter Bedingungen, wie sie vorstehend geschildert sind." Die Logik ist derartig zwingend, daß wir nunmehr auch ver- raten wollen, daß unsere Artikel gegen reaktionäre Scharfmarcher grundsätzlich von diesen selbst geschrieben werden, und daß Artikel gegen die nationalfoschistische Presse grundsätzlich nur von deren Redakteuren verfaßt worden sind. Zugutcrletzt können wir au»- plaudern, daß selbst diese Notiz von den verantwortlichen Redakteuren der„überparteilichen"„Butjadinger Zeitung" und des „Oldenburgischcn Freiheitskämpfer" geschrieben wurde... 50 Zeniner schwerer Kessel explodiert. 110 Meter weit geschleudert/ Ein Arbeiter getötet. Appenzell, 31. August. Im hiesigen Schlachthaus explodiert« heute nachmittag aus bisher noch ungeklärter Ursache die D a m p f k« s s e l a n l a g e. Der etwa 30 Zentner schwere Dampfkessel wurde mit solcher Wucht in die Höhe geschleudert, daß nicht nur die Decke und die Seiten- wände, sondern auch der Dachstuhl durchbrochen wurde. Der Kessel wurde durch den außerordentlich starken Druck etwa 170 Meter weit in einen Fluß geworfen. Ein Hilfsarbeiter erlitt so schwere Verletzungen, daß er bald darauf starb. Mehrer« im gleichen Raum« anwesende Personen wurden mehr oder weniger schwer verletzt. Der Sachschaden ist bedeutend. Die 64. Tagung des Völkerbundsrales wurde Dienstagvormittag eröffnet. Den Vorsitz führt der spanische Außenminister Lcrroux. England ist durch Lord Robert Cecil, Frankreich durch den Direktor der Bölkerbundsobteilung am Quai d'Orsay, M a s s t g l i, vertreten. Die Beteiligung des Publikums und der Presse war schwach. Die Sitzung, die etwa eine halbe Stunde dauerte, war mit der Verlesung einiger Berichte über die Arbeiten seit der letzten Ratstagung aus- gefüllt. Hansmanns Beleidiger verurteilt. Dos Düsseldorfer Schöffen- aericht verurteilte den Gerichtsreferendar Dr. G i s e v i u s, der den Landrot Hansmann in der übelsten Weise in mehreren Ber- sammlungen beschimpft hat, zu der milden Strafe von 300 Mark. In der Urteilsbegründung wird der Wahrheitsbeweis für erbracht angesehen, daß Landrot Hansmann die viel besprochenen Aeuße- rungen über die deutschen Frontsoldaten gebraucht habe, obwohl in dieser Frage Eid gegen Eid steht. Direktor Albert Patry feiert heute seine sünfund zwanzigjährige Zugehörigkeit zu den Staatstheatern, und er ist am gleichen Tage 50 Jahr« an der Bühne tätig.' Wetter für Verlin: Tecks heiter, teils wolkig, im ganzen etwas kühler, keine nennenswerten Niederschläge, mäßige nach West bis Nordwest drehend« Winde. Im Weste» und Süden meist Wetter- besscruna, nur in den bergigen Teilen noch Regcnfälle. In Mittel- dculjchlond leicht veränderlich, im Osten und später auch un Nord- ostcn stärker bewölkt, in Schlesien Rcgensälle, V Mehr Minderheitenschutz. Neues aus Seutsch-Südtirol. In Genf tagt jetzt der 7. europäische Minderheltenkongreß. Ein Standardwerk liegt ihm vor, dos den kulturellen und materiellen Zwang an diesen unglücklichen Bolksteilen urkundlich belegt. Ein« der wonigen Minderheitenvölter, die nicht einmal zu diesem Kongreß delegieren können, sind die deutschen Südtiroler. Wie das faschistische Italien diese Deutschen aus ihrem Volkstum bringt, zeigt folgend« Bericht. Die faschistische„Alpcnzeitung" in Bozen berichtet über ein« Romfahrt deutscher Kinder aus Slldtirol: Ein römischer Kollege sucht Iungfaschisten aus der Arbeiterklasse (beinahe alle stammen aus dieser Kategorie) und beginnt ein kleines Verhör:„Wie heißt du?"—„charrasser Giovanni."—„Woher bist du?"—„Aus dem Pustertal."—„Bist du zufrieden, in Roma zu sein?"—„Ja."— lind ein Leuchten in den Augen des Jungen be» stätigt die Aufrichtigkeit dieses Ja.—„Und warum bist du zu- frieden?"—„Weil ich den Ducc und Rom sehen werde, von dem olle sagen, daß es groß und schön sei." Nach sieben oder acht Verhören dieser Art gibt es der römische Kollege auf und meint:„Als ob sie olle ausgemacht hätten, dasselbe zu sagan." Dia folgenden Worte Mussolinis kennzeichnen das Eni- deutschungswerk am besten: „Ich bin sehr befriedigt von der militärischen Haltung der � Jungfaschisten, von ihren freudigen Gesichtern, aus denen Männlich. kcit und Güte spricht. Ich drücke ihnen mein Lob aus. Es kann nicht mehr von Italienern und Deutschen gesprochen werden. Im Alto Adi�e gibt es nur mehr Italiener. Das find die neuen Generationen, die vollständig in das Leben des Re- gimes eingereiht sind." Wie die Schulkinder ihre Muttersprache verlernen, ersieht man aus folgendem Brieflein an den heiligen Nikolaus, das«in südtiroler Schulbub schrieb: Haligher Niccolaus. Piccen Haine seist fir der mutier unt vasie farm fir mi Un ai sei gheoant. Piccen um totlln. Aus der italienischen Orthographie des südtiroler Dialekts über- setzt, lautet der Wunschbrief: Helliger Nikolaus! Bitt schön, eine Schüssel für die Mutter und Wasserfarben für mich und ein Skigewand(Skianzug). Bitt schön um Datteln. kommunistischer Bürgermeister in Boizenburg. Am Sonntag fand in Boizenburg die Stichwahl zwischen den beiden Bürger- Meisterkandidaten, dem Kommunisten Dr. Alexander und dem Hakenkreuzler Dr. Zeitler, statt. Aus der Stichwahl ging der Kam- munist Dr. Alexander mit 1772 Stimmen als gewählter Bürger- meister der Stadt Boizenburg hervor. Di« Wahldeteili- gung betrug SS Proz. Die Sozialdemokraten hatten die Parole ausgegeben, geschlossen für den Kommunisten Dr. Alexander zu stivimcn. Ein neues Kabarett. »Das Kabarett für Alle" in der Femina. / E« gehört Mut dazu, ein« neues Kabarett in Berlin zu gründen, denn die Erfahrungen der andern schrecken zumeist. Trotzdem ist in dem großen Etablissement der Femina in der Nürnberger Straß««in neues Kabarett gegründet morden. Es hat keinen literarischen Ehr- geiz, es will nicht Spott und Satire loslassen und Versuche mit neuen Leuten anstellen, sondern ganz einfach sein Publikum unter- halten und amüsieren. In dem von Hermann Krehan ausgeschmückten ehemaligen Eost, dessen Akustik noch nicht ganz einwandfrei ist. stieg gestern die Premiere. Die Honneurs macht Maria Ney in ihrer bekannten Motrosentracht, mit ihrer Hamburger Behäbigkeit, die es aber dick hinter den Ohren hat. Im bunten Wechsel— dos Programm hat noch keine richtige Komposition— werden Lieder gesungen und Schlager gespielt von Maria von Steiner und Willy Engel-Berger. Graziadei zeigt überraschend« Kartenkunststücke, die etwas Neues bieten und wirklich frappieren. Als Kanone präsentiert sich Walter Steiner, der mit nicht ganz neuen Methoden, ober auf wirksame Art das Publikum zum Lachen bringt. Die Parodistin Marta Hüb n e r kommt uns bald oft- preußisch, bald wienerisch und übertrumpft an Saftigkeit alle mann- lichen Konturrenten. Der wieder modern gewordene Cancan wird von Erika Renal schmissig getanzt, während der Sumatra sein« 7 Excentriktänze mit eigener Zwitschermusik begleitet. Zum Schluß heimst Willy Rosen mit seinen eigenen Schlagern, die er am Flügel aufs schlagendste begleitet, den Haupterfolg ein. Bei den Hakenkreuzindianern. Die Mindestgagen der(Schauspieler. Von der Bühnengenossenschaft wird uns geschrieben: Der Verband Berliner Bühnenleiter Hot unseren Antrag, da» bis zum 31. August befristete Abkommen über Mindestgagen für die Berliner Schauspieler auf«in weiteres Jahr zu verlängern, abgelehnt, ohne vorläusig nähere Gründe anzugeben. Diese Ab- lehnung ist um so erstaunlicher und rigoroser, al» der Verband bei den Verhandlungen über die Höchstgogen immer wieder erklärt hat. daß die Mindestgagen in keiner Weise tangiert würden. Wenn man bedenkt, daß die Mindestgage für einen vollwertigen Schau- spieler vom 3. Berufsjahr ab bisher 300 Mark Im Monat betrug, die meisten Schauspieler aber, wie bekannt, nur für die Dauer des Stücks, d. h. nur für einige Wochen engagiert werden, so ist es zu verstehen, welche katastrophalen Folgen der Beschluß des Verbandes gerade für die kleinsten und schlechtbezohltesten Schauspieler zeitigen inuß. Wenn auch die allgemeine Wirtschaftslage vieles entschuldigt, derartige soziale Härten müssen vermieden werden. Wie der Verband Berliner Bühnenleiter mitteilt, will er die Angelegenheit mit der Bühnengenossenschast gemeinschaftlich be- raten. Eine Kündigung ist danach noch nicht erfolgt. Sie wäre auch unverständlich.___ Tenor und Droschkenkutscher. In Hamburg ist Heinrich Bötet gestorben, der als Tenorsänger in ganz Deutschland bekannt wurde. Er saß noch auf dem Kutscherbock, al, man ihn entdeckte und cm&bilden ließ. Cr war dann lange in Hamburg das populärste Mitglied der dortigen Oper und trat auch in vielen Gastspielen im übrigen Deutschland auf. Er war wirklich volkstümlich, und wo immer er auftrat, gingen viel« Leute in« Konzert oder in die Oper, um den ehemaligen Droschkenkutscher, der ober ein durchaus aus- gebildeter Sänger geworden war, zu hören. So ist er auch in Berlin bekannt geworden. Vorzüglich in seiner Roll«, die ihm auf den Leib geschrieben zu sein schien, im„Postillon von Üonjumeou" Es war wohl das einzige Mal, daß diese Rolle von einem Fachmann dargestellt wurde. Der englische Romanschristsleller Tain« ist am Montag abend auf seinem Landsitz auf der Insel Man Im Alter von 73 Jahren gestorben. Die n reisten seiner Nomone, die man als Heimatsliteratur bezeichnen könnte, wurden ins Deutsche übersetzt. „Sagen Sie mal, mein lieber Goebbels, wieviel Nichiungen haben wir eigentlich bis jetzt?"„Weiß ich nicht! Ich habe noch keine einzige eingehalten." Strahlentherapie auf neuenWegen Bestrahlung innerer Organe Soeben veröffentlicht in der„Teutschen medizinischen Wochen- schrist" der Berliner Frauenarzt Dr. Dtepban W e st m a n n einen Bericht über seine Erfolge mit der Innenbesirablung von Körper- höhlen durch in ihnen selbst erzeugtes Licht. Da Dr. Westmann unserem Mitarbeiter interessantes Material über seine Arbeite» zur Beifügung gestellt bat, sind wir in der Lage, einen authentischen Ueherbltck über diese neue Großtat der medizinischen Forschung zu geben.. Daß die unabsehbaren Möglichkeiten, die in der medizinischeit Anwendung von Strahlen oller Art, von den Grenzstrahlen bis zu den ultravioletten Strahlen, bisher nur unvollkommen ausgenutzt werden konnten, lag iy der Schwierigkeit, die hellenden Strahlen wirklich an das zu heilende Organ heranzubringen. Man fetzte meist die künstliche Sonne an die Stelle der natürlichen und lieh sie auf die Haut des Körpers einwirke». Es ist selbstverständlich, daß es bei dieser Methode mochenlonger Bestrahlungen bedarf, wenn tiefer liegende Gcweb« ersaßt werden sollen.'Bei den inneren Organen vollends muh sie ganz versagen. Es war deshalb seit je der Traum aller Strahlentherapcutiker, mit der Quarzlampe direkt in die Körperhöhlen eindringen zu können. Man Hot das bisher auf höchst'moollkommene Weise mit Spiegelung versucht, wobei natürlich der größte Teil der Strahlenencrgie durch die Spiegel verschluckt wird. Nun ist es dem Berliner Gynäkologen Dr. West- mann in mehrjähriger Arbeit gelungen, dieses Problem zu lösen. Mit Unterstützung der Notgemeinschaft deutscher Wissenschaft hat Dr. Westmann eine Apparatur konstruiert, die es gestattet, Körper- höhlen durch eine in diese einsührbare Funkenstrecke zu bestrahlen. Zunächst mußte der Forscher in jahrelangen Tierversuchen mittels gewebanatomischer und baktcrialogycher Prüfungen die Un- schädlichteit solcher Jnncnbestrahluiigen feststellen. Dr. Westmann war dabei, wie er offen erklärte, aus die Möglichkeit schwerer Bcr- brennungen gefaßt. Er ging deshalb äußerst vorsichtig zu Werke und probiert« auch die verschiedenen Wirkungegrade des Quarzlichts und der anderen therapeutischen Strahlen aus. Es stellt« sich dabei heraus, daß man zur Bestrahlung nur den tausendsten Teil und weniger derjenigen Energie braucht, die bei einer normale» Außen- bestrahlung mittels einer Ouecksilberlamp« erforderlich ist. Erst nachdem mittels der Lorexperimente die Unschädlichkeit solcher Innenbestrohlung bewiesen und die Dosierung genau festgestellt war, ging danu Dr. Westmann zum weiteren Ausbau seiner Er- findung über. Di« gunkenstrecke selbst, elienso wie die Zusührungs- drähte, sind natürlich absolut sicher isoltert. Die Lichtquelle befindet sich in einer Quarzumhüllung. Durch Auswahl des Elektroden- Materials, durch die Gassüllung oder Zwischenschaltung von aicheren Elementen ist es möglich, Stralsten der verschiedensten Art aus- zusenden. Ferner sind selbstverständlich verschieden« Strahlungs- geräte entsprechend den Zugangsäfsnungen des Körpers konstruiert. So bedient sich Dr. Westmann z. B. zur Bestrahlung des Magen- inneren eines vollkommen biegsamen dünnen Mogenschlouchs. Während für die Innenbestrahlung der Harnblase eine Kombina- tion mit den gebräuchlichen Zystoskopen konstruiert ist. Um den Magen, der sich ja in zusammengefaltetem Zustand um die Quarzlampe herumlegcn würde, in allen Teilen dem Licht zugänglich zu mache,,. wird über die Lampe eine mit Luft, mit Wasser oder eine Borsäurelösung füllbare dünne Gummihaut ge- zogen, mit deren Hilfe sich der Magen ausdehnen läßt. Diese Summlsjaut wird nach einem besonderen Verfahren so hergestellt, daß sie strahlendurchlässig ist./ Schon bei den Tierversuchen stellte sich heraus) daß diese Innenbestrahlungen außerordentlich keimtötend wirken Die ver> schiedensten experimentell erzeugten Ertrankungen, besonders tuber- kulöser Art, konnten mit Hilf» der Imwnb-strohlung geheilt werdcn. Dr. Westmann konnte ferner in 46 Fällen chronische Blasenentzün- düngen und chronische Magenerlrankungen, besonders solche der Magenschleimhaut, mit außerordentlichem Erfolg behandeln. Es stellt« sich dabei auch herau«, daß der dl« Magenschleimhaut be- deckend« Schleim die Strahlenwirkung in keiner Weis« beein- trächtigt. Ausgedehnt« Anwendungsmoglichkeiten wird diese neue Heilmethode bei der Behandlung von Frauenkrankheiten haben. Dr. Westmann hofft, gerade bei der Heilung von Entzündungen der weiblichen Organ« besondere Erfolg« zu erzielen. Außerordentlich gering ist übrigens die Strahle»quo lüität, welch« die Apparatur etwa im Vergleich zu einer künstlichen Höhen- sonn« benötigt, weil die Strahlungsenergie ja im Quadrat der Eni- fernung des Bsstrahlungsobiekts zur Lichtquelle abnimmt, braucht man z. B. zur Innenbestrahlung der Blase, wobei man an den Krankheitsherd bis auf 1 Zentimeter etwa herangehen kann, nur den zchntausendsten Teil der Strahlenmenge, die notwendig ist, wenn man mittels einer Quecksilberlampe aus einem Meter Ab- stand bestrahlt. Dr. Westmann ist sich darüber klar, daß es noch umsangrcicher Forschungen und mancher Ersahrungen bedürfen wird, bis diese neue Behandlungsmethode sicherer Besitz der Medizinischen Wissen- schaft geworden ist. Unzweifechaft handelt es sich aber hier um eins revolutionäre Tat, deren segensreiche Folgen für die leidende Menschheit vorläufig noch unabsehbar siiii. Dr. L. Albert „Bomben auf Monte Carlo." Llfa-Palast am Zoo. Es gibt Leute, denen die zivilisierte Welt zu eng Ist. Sie gehen entweder mit kühner Abenteurormiene in die Tropen, oder stiften in Europa allerlei Unfug an. Dieser edle irrende Ritter wird nun für das Tonfilmlustspiel zurechtgeschminkt und erscheint trotz seiner bizarren Maske als Inbegriff männlicher Ideals. Aber Hans A l b e r s sprengt den Rahmen des heiteren Spiels. Es entsteht ein Bruch zwischen der großen, schauspielerischen Leistung und dem belanglosen Stoff. Dieser Craddok, der die Schifsskasse unterschlägt und das Kasino von Monte Carlo bombardieren will, wenn er nicht Ersatz für seinen Berlust erhält, weist aus einen tragischen Ausgang hin. Der Kommandant des Pontencronischen Linienschiffs ist der Mensch, der nur auf sich selber steht und aus Freude an der Oppo- sitian keine Autorität anerkennt. Gewaltmensch mit eleganten Allüren und treuem Herzen, Abenteurer, dem jedes Erlebnis Episode bleibt. Albers hätte in einem anderen Milieu spielen müssen, denn um ihn ist alles verniedlicht. Der Erfolg der„Liebesparade" und„Monte Carlos", Stoffe, denen Lubitsch künstlerische Prägung gab, wirkt sich hier abgeschwächt aus. Wieder eine balkanische Königin mit der Liebessehnsucht, dach Craddok zieht es vor. nach Hawai zu gehen, er verzichtet auf die Ehre des Prinzgemahls. Lubitsch erfüllte ein altes Schema mit neuem Leben, Hans Schwarz hat diesen Ehrgeiz nicht. Er liebt die breite Anlage. Jede Szene, bildhast empfunden und für das Auge komponiert, wird bis zur letzten Möglichkeit ausgespielt, aber sie dient bei ihm nicht nur der Handlung, sie soll auch bewundert werden. Nur in wenigen Szenen zeigt Schwarz dramatischen Impuls. Durchbricht Albers den Stil der Operette, findet er zwischen den in Chansonseligkeit schwelgenden Matrosen persönlichen Ausdruck, so kommt eine graziöse Begabung wie Anna S t e n zu keiner Ent- faltung. Das Schema erdrückt sie. Es ist endlich Zeit, daß der Film nach neuen Gestaden aufbricht. Man hat genug von Balkankönig- reichen, von herumreisenden Prinzessinnen, von Monte Carlo und ähnlichen schönen Dingen. Man hat genug von der Schablone der Figuren, von der Singfreudigkeit verkleideter Männerchöre. Seh. Der Spielplan der Volksbühne 1931/32. Die Bolksbühne am Bülowplatz beginnt ihre neue Spielzeit am 16. September mit Martins Jnszenierung von Kaisers VolksstüS„Nebeneinander". Es folgt dann„Das vierte Gebot" von Anzengruber unter der Regie von Rudolf Beer. Die erste Urousführung(für ine Sonder- abteilungen) wird Martins Inszenierung von R. A. S t e m m l« s Schulstück„K a m p f um Kits ch" sxin. Das Schullebcn, speziell das der modernen Aufbauschule, wird hier mit seinen Schwierig- leiten und Kämpfen aufgezeigt. Als Sondervorstellung wird dann eine Inszenierung der Kainödic„Die U n ü b e r w i n d'l i ch e n" von Karl Kraus folgen. Noch in der ersten Spielhälfte sollen Marlins Inszenierungen von Shakespeares„T i m o n von Athen" mit Fritz Kortner als Lima» und G. Hauptmanns„Fuhrmann H e n s ch e l" mit Emil Jannings in der Titelroll« herauskommen Für die nächste Spielhälfte sind Schillers„Moria Stuart" mit Käthe Dorsch als Maria und zur Goethe-Fcier ,.E g m o n t" an- gesetzt. Vorgesehen sind weiter für die Sonderabteilungen Werke von Erich Kästner, Friedrich Wolf, Tretjakow und Weisenborn und für den allgemeinen Spielplan Shaw»„Androklus und der l Löwe" Nestroys„Freiheit in Krähwinkel" und Offen- bachs.Herzogin von Gerolstein". Das Wicderauftreten von Hans A l b e r s ist für den Januar geplant. Ter Berliner Uihmann-Chor, Mitgl. d. DATN., veranstaltet Senn- nl-evt', abends 6 Uhr, im Tanziing Bollepart Zieh de r««, cu» Werbekonzert bei freiem Emtriit. KPO.-Zentrale gesteht Fiasko Versagen kommunistischer Funktionäre beim Stahlhelm-Volksentscheid/ Elgas und die Meckerfritzen i;S Drei Wochen nach der Niederlage hat das Sekretariat des Zentralkomitees der KPD. sich dazu aufgerafft,„einige Lehren des Volksentscheids" von sich zu geben. Das langstielige Elaborat, dem man den Katzenjammer deutlich anmerkt, bemüht sich zunächst um den statistischen Nachweis, daß die KPD. zum zahlenmäßigen „Erfolg" des Stahlhelm-Volksentschcids immer noch mehr bei- getragen habe als der nationalsozialistische Bundesbruder. Sodann wird wieder einmal„die Vernichtung des Masseneinflufses der SPD." als Ziel proklamiert. Seit dreizehn Jahren tut die KPD. überhaupt nichts anderes, als den Masseneinfluß der Sozialdemo- krätie vernichten— und siehe da— der Masseneinfluß der Sozial- demokratie besteht noch immer! Darum erhebt das Sekretariat des Zentralkomitees der.KPD. mahnend die chände und predigt: Die Vernichtung des Masseneinflufses der SPD. kann jedoch nur mit Erfolg durchgeführt werden, wenn gleichzeitig mit dem verschärften Angriff aus die Politik der sozialdemokratischen Führer die Anstrengungen zur Gewinnung der sozial- demokratischen Arbeiter und der Massen der in den freien Gewerkschaften organisierten Arbeiter und Funktionäre für die revolutionäre Politik der Kommunistischen Partei und der revolutionären Gewerkschaftsbewegung auf der Grundlage der Einheitsfront von unten von den kommunistischen Anhängern und Parteimitgliedern verdoppelt und verdreifacht werden. Die Aktion für den roten Volksentscheid zeigt in dieser Beziehung erhebliche Schwächen unserer kommunistischen Arbeit. Teilweise wichen kommunistische Funktionäre und Mitglieder vor der Welle der sozialdemokratischen Verleumdungen und Angriffe auf die Kommunistische Partei zurück, teilweise wurde nicht alles getan, um durch eine inten- sioe Arbeit auch in den reforinistischen Gewerkschaften und in den Betrieben die Arbeiter für die Durchführung der Politik der Kommunistischen Partei zu mobilisieren. Dos zeigt das Zurückbleiben der Stimmencrgebnisse zum Volksentscheid in einzelnen proletarischen Bezirken hinter dem Slimmergebnis der Reichstagswahl für die kommunistische Partei. Hier wird zum erstenmal parteioffiziös zugegeben, daß die „revolutionäre Politik" der KPD. selbst einem Teil ihrer eigenen Funktionäre und Anhänger zu hirnverbrannt erscheint und daß diese sich geweigert haben, der Reaktion als Stimmvieh zu dienen. Und für eine solche„revolutionäre Politik" will die KPD.-- die sozialdemokratischen Arbeiter gewinnen?! Wie schwach die Position der kommunistischen Parteileitung ist, zeigt schon ihr Bemühen, jede Diskussion über ihre„revolutionäre" Stahlhelmpolitik in den eigenen Reihen mit allen Mitteln zu unter- drücken. Wie das gemacht wird, darüber weiß die oppositionelle „Fahne des Kommunismus" manches Interessante zu berichten. So soll es auf dem Wedding zu einer förmlichen Rebellion gegen die Stahlhelmparole gekommen fein, die zur Absetzung mehrerer Funktionäre führte. In den Zellen werden Mitglieder, die über den Volksentscheid zu diskutieren wünschen, als.Querulanten" an die frische Luft gesetzt. Am hübschesten aber ist, was die„Fahne des Kommunismus" aus Berlin-Lichtenberg zu erzählen weiß: In Berlin-Lichtenberg ist dein Unterbezirkssekkatär Elgas - folgendes Malheur passiert. An dem gleichen Abend, wo das ZK. der KPD. den Beschluß auf Beteiligung am Volksentscheid gefaßt hat, tagten die Funktionäre des Unterbezirks Oft. In der Dis- kuffion meinten zwei Genossen, die KPD. müsse stch zum Sturz der„sozialfaschistischen" Preußenregierung am Volksentscheid be- teiligen.>» Der Genosse llnlerbezirkssekrelär verwandle eine Stunde des Schlußworts auf den Nachweis, daß eine solche Beteiligung nur Hilfe für die Faschisten bedeute, daß man nicht jede Bewegung ausnutzen könne, so auch nicht die faschistische, sondern daß man gegen sie den äußersten Kampf zu führen hätte, und was der richtigen und guten Argumente mehr wären. Den Schreck, den dieser gute Unterbezirkssekretär bekam, als er am nächsten Morgen das„Ultimatum" an die Preußen- regierung las, kann man sich vorstellen. Das hat ihn aber nicht gehindert, wenige Tage später in einer öffentlichen SPD.-V ersammlung für den Volksentscheid zu sprechen. In einer Sitzung einer Zelle des Unterbezirks Ost fragte ein Genosse, ob nicht nach den merkwürdigen Vorfällen in der Funk- tionärfitzung und in den ZK.-Sitzungcn jetzt wenigstens eine Dis- kussion über den„roten" Volksentscheid stattfinden solle. Der Zellenleiter fährt den Genossen an. nun, eben wie einen Re- kruten. Dabei sind Ausdrücke wie„M e ck e r f r i tz c",„Q u e r u» l a n t",„verkalktes E l e m e n t".„kein Verständnis haben für die Aufgaben der Gegenwart" noch Kosenamen. Das Gc- schimpfe steigert sich zum �.Verbrecher",„L u m p" und Shn- lichen schönen Titeln, als der Genosse seine Frage wiederholt und begründet. Volksentscheid ist also jetzt ein äußerst unbeliebtes Thema. Wer es anschneidet, der macht sich verdächtig... Dienstaz, 1. September. Berlin. 16.05 Stud.-Rat B. Hennig: Auf Filziagd in Berliner Wildern. 16.30 Unterhaltungsmusik. 17.30 Eine Reise durch Lappland.(Dr. Jobannes Holtfrcter.) 18.00 Bucherstundc: Die Wirtschaftskrise und ihre Bekämpfung.(Am Mikrophon: Dr. Werner Falk.) 18.30 Prof. Dr. Seligmann: Tägliche Sünden wider die Hygiene. 19.00 Heitere romanische Musik. Dir.: Bruno Scidlcr-Winklcr. 20.00 Rückblick auf Schallplatten(August) 20.30„Vor Sonnenaufgang". Soziales Drama von Gerhart Hauptmann. Regie: Alfred Braun. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. K ö n i g s w u s t c r h a u s e n. 16.30 Leipzig: Konzert. 17.30 Bunzl, Würzburger: Porträts politischer Köpfe. 18.0Q. Postrat p Dr., Schubert: Dip Kraftpostlinie. 18.30 Dr. Rudoif' Pcchel: Bleibende Werte der deutschen Dichtung. 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Französisch für Anfänger. 19.30 Prof. Dr. v, Batocki: Kann sich Deutschland selbst ernähren.? eBucfi Walter ton Jtollander: 3)ie Jlugst SU lieben Drei kleinen Romanen, die Walter von Holl and er in einem Band zusammenfaßte, gab er den Sammeltitel:„D i e A n g st zu lieben"(Propyläen-Verlag, Berlin). Die Formel deutet nicht den Inhalt des Buches; wohl aber seinen Sinn. Die drei Romane erstrecken sich über 245 Seiten: der eine umsaßt nur 27 davon. Doch selbst bei diesem steht die Bezeichnung„Roman" nicht mit Unrecht: denn auch in ihm liegen Entwicklung und Erfüllung eines Schicksals beschlossen. Aber wenn auch in dieser kurzen Geschichte von dem„Tod bei Chäteau Thierry" ebenso wie in der letzten des Buches„Gefühl ist alles" scheinbar das Liebes- erlebnis zwischen den Geschlechtern im Mittelpunkt steht, so ist es doch nicht diese Liebe, von der hollander im Titel spricht. Was er meint, ist Liebe im weitesten Sinne, ist Bekenntnis, ist Bejahung. Die Angst zu lieben— das ist die Angst vor der Klarheit, die Schatten und Schemen verschwinden läßt und das Nichts als Nichts enthüllt. Weil die Menschen fürchten, daß Helles Licht ihnen nur dieses Nichts zeigt, deshalb verstecken sie sich hinter Unklarheiten vor dem Leben, vor den anderen Menschen, vor sich selber, oder sie stürzen sich im Taumel der Verzweiflung in die erleuchtende Flamme, um darin zu verbrennen. So finden der kleine französische Leutnant und die Deutsch-Französin bei Chäteou Thierry chren Tod, und dieser Tod ist lebensvoller, bejahender, als es ihr Leben war, dos für die Frau in einer ewigen Flucht aus der Gegenwart, für den Soldaten in einem gefühllosen Taumeln durch sie bestand. Der erste Roman des Buches heißt„Der Konsul": dieser. angesehener Bremer Kaufmann, hat, wie man so sagt, ein Leben hinter sich, ein erfolgreiches Leben, das mit Gelderwerb und gesell- schaftlich�n Verpflichtungen und standesgemäßer Lebensführung aus- gefüllt wurde. Und dann stoppt das Alter plötzlich diesen lückenlosen Kreislauf ab und schaltet breite Pausen ein. Dem Konsul dämmert die Erkenntnis, daß diese Pausen erbarmungslos leer bleiben, wenn er sie auch mit dem Sinn und dem Inhalt seines ganzen vergange- nen und gegenwärtigen Daseins erfüllt: denn dieses ganze Dasein war leer und sinnlos. Die Erkenntnis dieser Wahrheit stellt ihn noch einmal an einen Anfang. Aber der Konsul hat nicht den Mut, nun noch sein Leben zu suchen und die Jahrzehnte seines bisherigen Daseins als verloren zu streichen. Er flüchtet zurück in die Lüge. „Gefühl ist alles": dieser Titel ist nicht ironisch geweint. Im Gegenteil— er scheint mehr zu sein als nur Inhaltsangabe. Man könnte ihn als Verheißung deuten; man könnte glauben, daß die Revolutionärin Anna durch sich selbst und über sich selbst hinaus kraft des Gefühls den Weg zur Klarheit findet, der sich ihrem von Parteiformeln und-dogmen eingeengten Verstand nicht offenbarte. Aber hollander überläßt diese Schlußfolgerung dem Leser; die letzten Sätze des Romans scheinen sogar beinahe vor ihn zu warnen. Die Lektüre des Buches hinterläßt ein bedrückendes Gefühl. Die Angst zu lieben lastet nicht nur auf den Gestalten, die es am Leser oorllberführte: sie lastet auf dem Autor, der aus seiner Sehn- sucht heraus Geschöpfe formt, die er als schaffende Kräfte dem Leben verbinden möchte, und der dann doch nicht den Mut findet, sich zu ihnen zu bekennen. Dieses Buch, das so einfach und so klin- gend in der Sprache ist, daß man jeden Satz mit Genuß lautlesen kann, skizziert Menschen und Situationen meisterhast. Das Wich- tigste, die Deutung, bleibt«s schuldig. Track- E. Schulz. :' 8 Tafte luub S-mSxrq fflt»llr.T7 9L ocinitflialttt die Reederei A. Lübeck. Berlin-Rirmmelsburq. Scirptflr. S sLichieirbcrq 1200). beginnend am 5. Sepi ander d. I. Im Fahrpreis find Mittagstisch und Ucber» nachtung eingeschlossen. Wir verrveiscn auf die Anzeige in dieser Ausgabe. PROGRAMM für die Zeit vom 1. bis 3. September I N O-T A F E L PROGRAMM für die Zeit vom I. bit 3. September CDIOIQ Potsdamer Strafe 35 W. 5. 7. 9 Uhr ZwUdaeB Nacht und Morden mit Aud Etfede Nissen, Oskar Homolka Ed. ▼. Winterslcin Rheinstrage 14 KÄche) w. z. 7,» Uhr Der Sdarrckm der Garnfeon mit Felix Brcuart. Lude Engliech Für Jugendliche freigegeben Odcon, Potsdamer Str. 73 W. J, 7, 9 Uhr Die Frau, von der man«pridit mit Madr Chriatlan- Turms tra�e 12 w. 5,7,9 u Der Sdiredten der Garnlion mit Felix Breuarl Für Jugendliche freigegeben Alexanderstr. 39-40 (Pattage) Den ganzen Tag geöffnet. Der Schrecken der Garnison mit Felix Bressart Für Jugendliche freigegeben W Unter den Linden fe Die Kamera Unter den Linden 14 (A 1) 2943 Jäger Vorst. 3. 5, 7, 9 Uhr 2 weitere Chaplin-Filme: Zlrkui u. Pllgrlm(Nur in derKamera) Für Jugendliche freigegeben Primus-Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margaretenstr. Wochentags 5.13. 7.15, 9.15 Uhr Sonntags 3.15, 5.15. 7.15. 9.15 Uhr Uraufführung: Tonfilm-Lustspiel: Um dne Nasen- Sage mit Sieafried Arno, Lade hnglUcb. Clga Brink, Ernst Verebes, .'alias Falkcnsfcln(Regie Dr.J. Galer) W__ Frladrithstadt M Franziskaner T?guhrin?om. Georgenstraße(Ecke Friedrichstraße) Der Sdirecken der Garnison mit Felix Bressart— Der Kriminal- reporter von Cbikago- Bdprogr. Moabit A r Fi sc Vi nf Fi,m"• w- ab 6 30 11 AXIUSnOI Bühne Sonnt ab 5 U. Perleberger Str. 29 Toniilm Ihr Junge mit Magda Sonfa Tonbeiprogramm— Bühncnscbaa «/-.14. Vinn w- b.45 u. 9.05 U W eil-ivino Sonnt ab 4.45 U. Alt-Moabit 99 100 proz. Tonfilm Rene Clalrs Meisterwerk: Die Million Grones Beiprogramm g" Charlottenburg Kant-Lichtspiele Kantstr. 54(an der Wilmersdorfer Str.) W. 5. 7. 9 Uhr S. ab 3 Uhr Oer Sdirecken der Garnison mit Felix Bressart, Lade Englisdi Für Jugendliche freigegeben Atrium Bcba-Palast Kaiserallee, Ecke Berliner Straße W. 7 u. 9.15 Uhr S. 5, 7, 9.15 Uhr Uraufführung! Der Raab der Mona LUa mit Willf Forst, Trade von Molo, Gastav GrOndgens, Roda Roda— Tonfilm- beiprogr.— Kaitarfilm— Tonwoche � Sch6neberg"fc Titania Schönebg. �Ü. HauptstraBe 49 Sonntags 3, 5. 7, 9 Uhr 100 proz. Tonfilm: Nie wieder Liebe mit Lilian Harvcy, Felix Bressart, Harry Lledtke— Tonwodie W Friedenau Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 65 Wochentags 5, 7, 9 Uhr Sonntags 3, 5, 7, 9 Uhr Verlängert! Tonlustspiel; Der Sdirecken der Garnison mit Felix Bressart, Lade Englisdi— Gates Beiprogramm Für Jugendliche freigegeben > Stegllt« j Titania-Palast sktSawu Steglitz, SchloBstr. 5. Ecke Gutsmuthsstr. Uraufführung; Tonlustspiel: Um eine Nasenllnge mit Siegfried Arno, Lude Engliidi TontHmbeiprogramm 7s>]i Beginn täglich *'CI1 5, 7, 9 Uhr Potsdamer Str. 40 Stg. 3 Uhr: Jugendv. Tonlustspiel: Der Liebes expreß mit Dlaa Cralla, Alexander— Beipr. Marlendorf Vf_ f» Marlendorter Wochentg. i ia- lal Tonllcfalspide 6"-. 9 Uhr Chausseestr. 305 So. ab 5 U 100 proz. Tonfilm: Mary mit Olga Tscbediowa— Gräfin Donelli mit Henny Porten Tempelhor TlVOll Berliner Str. 97 Tägl. 5, 7, 9 U. Stgs. 3 Uhr: Jug.-Vorst. lOOproz. Tonoperette: Nie wieder Liebe m L, Hanrey. Bressart, Lledtke Tonbdprogramm Mercedes- Palast Hermannstr. 212. Woch. 6'.% 9, Stg. ab 3 Wegen Riesenerfolg verlängert: Kriminal-Tonfilm; Der Zinker(nach Edgar Wallace)— Beiprogramm Grobe Bfihnensdiaa Primus-Palast Am Hermannplatz, Urbanstr. 52/76 Gr. Tonfilmerfolg: Zwisdien Nacbt nnd Morgen(Uirnentragödie) mit And Egede Nissen. Oskar Homolka Beiprogramm— Bübnenscban ICuleiile Wochcnt. 6.45, 9 U. IlUKUK Sonntag 5. 7, 9 U. Kottbusser Damm 92 Tonoperette! Nie wieder Liebe mit Llllan Harrcy, Harry Lledtke, Felix Bressart Tonbeiprogramm C ci rtr* Wochcnt. 6.45, 9 U. L,AI.C191U1 Sonntags 5, 7, 9 U. Kaiser-Friedrich-Straße 191 Tonfilm: Llcbtcr der Großstadt mit Charlie Chaplin— Tonbdpr, Jugendliche haben Zutritt Stern, Hermamuh-a�e 49 WochenL 6,45, 9 Uhr. Sonnt 5, 7, 9 Uhr Tonfilm; Lidhter der Grabstadl mit Charlie Chaplin- Tonbdpr, Jugendliche haben Zutritt > SOdwatwn> Lichtspiele Südwest Blücherstr. 12 W.> ,7. So. ab 5 Uhr lOOproz. Tonfilm: Drei Tage Liebe mir Haas Albers, Klthe Dorsch Beiprogramm— Tonwoche FOm-Paiasi Kammersäle Teltower Str. 1 W. 5_J0, Stg. ab 3 30 U. lOOproz. Tonfilm: Der Zinker(nach E Wallace) m. Llssl Arno, Diehl Rose des Südens ""—«■ Th. am Moritzplatz Beg. Wo. 5. 7, 9, Stgs. ab 4J0 Uhr Der Schrecken der Garnison mit Felix Bressart Gnies Beiprogramm Luisen-Theater s�'absf. Reichenberger Str. 34 Bis einschließlich Donnerstag: Tonschwank; Der Schrecken der Garnison mit Felix Bressart Hände hoch mit Ken Mayaard Jugendliche haben Zutritt Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Wochtgs. ab 6'lt V., Sonntags ab 3 U. 100 proz. Tonoperette: Opernredonle mit Georg Alexander Beiprogramm— BQhnenscfaan Filmeck Wochent ab 6>� U. Sonntags ab 3 Uhr, Am Görlitzer Bahnhof Bis Donnerstag; Schwankoperette: Nie wieder Liebe mit Lilian Harrey. Bressart, Lledtke Groge BQhnenscban G Bnumschiilonwog~k Lichtspielhaus Baumschulenstr. 78 Sonnt 2 U: J.-V. Wegen Riesenerfolg bis einschl. Donnerstag verlängert: Tonerfolg: Der Schrecken der Garnison mit Felix Bressart Tonbdprogramm— Jugendl. Zutritt Sternwarte- Treptow Dienstag, Mittwoch, Donnerstag 8 Uhr: Inschallah. Mit Auto und Kamera im Reiche des Kalifen(Film) G HorcSo»t<ä>r|'�� „Elysium" Äuer Wo. 5.15, 7.00, 9.15. So. 3.15, 5, 7.15 9.15 Ü. Lichter der Grogstadt(City Liehts) mit Charlie Chaplin Bühnenschaa— Foxlonwochc Flora-Licfatsp. Ä«/!" W. 6*/». 9 U., Stg. ab 4 U. Kopffiber ins Glfick mit Frllx Scholz Gaukler mit K, ▼. Nagy, M. Hansen Tonwoche ■ o»«*"■ Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Woch. 630, Sonnab. S, Sonnt ab 3 Uhr Kassenöffnung Vi Stunde vorher Kriminal-Tonfilm; Der Zinker mit Llssl Arna, Fritz Rasp Gates Beiprogramm Bü.; Zwei gr. VarldF-Attraktionen Luna�PalastsÄÄ Große Frankfurter Str. 121 Tonfilm Gassenhaaer mit den Comedian Harmonfsts Gate fifihnenschaa Schwarzer Adler aiÜJw Woch. 5, 7, ca. 9, Stg. 3,5,7,9 U. Tonlustspiel: Das Ekel mit Max Adalbert, Rosa Valdti Erstes Tonkabarett Jugendliche haben Zutritt V. T. Lichtspiele vUo?. Frankfurter Allee 48 W. s. So. 3 Uhr Wegen Riesenerfolgs nochmals dritte Woche verlängert: Der Schrecken der Garnison mit Felix Bressart Gates Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt M Zentrum p Babylon, am B&lowplatz Wochentags 5, 7, 9.10, Sonntags 3 Uhr lOOproz. Tonfilm: Der Zinker (nach E. Wallace) Bühne: 50 Minuten Lachen! Ab Mittwoch: Meine Kusine aas Warschau mit Haid Bühne: Vc Std. Varleft W Wnu-Uchtenberg Kosmos-Lichtspiele Lückstr. 70 WochenL 5, 7, 9 Uhr Sonntags 5. 7. 9 U. 100 proz. Tonfilm: Opernredonle mit Liane Haid, Georg Alexander Tonbdprogramm— Tonwoche WaiOcsnsee HnrmnnSi» Wochent 7 u 9U. narmome sonm 5.? u. 9 u. Uanghansstr. 23 100 proz. Tonfilme: Das Lied Ist ans(mit dem Happyend) mit Liane Haid, Willi Forst Das gdbe Hans mit Chart. Snsa Schloßpark Fflm- Bühne Berliner Allee 206— 216 6�0, 9 Uhr Der Droehenlöter mit Harold Lloyd Seine Freundin Annelte m. Llssl Arna .9 ü. Uhr. ��FrtodrtehaFcsld« Kino Busch Alt-Friedrichsfclde 3 lOOproz. Tonfilm; Die Sache Angost Schulze(Kinder vor Gericht) mit Speelmann, Otto Woche. Im Beipr. s Loa Cheney ■ Nord an« A lUarnKw* Müllerstraße 136, /AinamDra Ecke Seestraße WochenL 5, 7. 9 U., Sonnt, 3, 5, 7, 9 U. Der Schrecken der Garnison mit Felix Bressart Jugendliche haben Zutritt Pharus-Lichtspielc Müllers tr. 142 W.5.7,9U, Stg. 3.5,7. 9U. Drei Tonfilme: Nie wieder Liebe mit L. Harvcy, Bressart, Lledtke Die Gctitcrscfaänke Schneeschahsport Im Sommer Pank« B Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 7 u. 9, Stg. 5, 7,<■ U. Tonoperette: Walzcrparadies mit Grell Thdmcr, Chart. Soso, Szöke Szakall Tonbeipi ogramm * TC9" � Filmpalast Tegel WochenL 6, Sonnt. U. lOOproz. Tonfilm: Das Schicksal der Renate Langen mit Mady Christians Ab Mittwoch: Bühne: 10 Akkordeons Filmpalast s,g«Ä&a Berliner Straße 59 1 00 proz. Tonfilm: Schneider WIhbel mit F. Henkels, H. Fischer-Köppe Bühne: Harry Bi. Gates Bdprogra £ (Beilage Dienstag, 1. September 1931 SprAbrnD S!tAIaal4aA j4» Abtreibung> Kommissionen? Gin Vorschlags zur Abtreibnngssfragse/ Von Medfcus 5m gerbst b. 5. wird im Strafrechtsausschuß des Reichstags dos Problem der Schwangerschaftsunterbrechung erneut zur De- kattc kommen. Es ist bemerkenswert, daß die Zahl der Veröffent- lichungen über die Motive von ärztlicher Seite ständig im Steigen begriffen ist. ein Zeichen, daß sich in der Aerzteschoft die Einsicht durchsetzt, daß der jetzige gesetzliche Zustand unhaltbar ist. Gleichzeitig ist es auch erfreulich, daß selbst in dem Teil der medizinischen Presse, der, wie z. B. die„Deutsche Medizinische Wochenschrift", in früherer Zeit sehr reaktionär eingestellt war, jene Aerzte zu � Worte kommen, die grundlegende Reformen der Gesetzgebung befür- warten. Aufmerksamkeit verlangt vor allem eine Publikation von Prof. A. G r o t j a h n in der„Medizinischen Welt" vom 22. August. Grotjahn teilt mit, er habe die Kartothek eines verstorbenen Arztes, der SS6 Schwangerschaftsunterbrechungen vorgenommen Hai, durch- gearbeitet und stellt fest:„Es findet sich kein einziger unglücklicher Ausgang auch nur andeutungsweise oerzeichnet. Bei der Ehrlichkeit, mit der offenbar die Auf- zeichnungen gemacht worden sind, ist anzunehmen, daß auch keiner vorgekommen ist. Ungünstig ließ sich nur ein Fall an, bei dessen Ausschabung die Krankengeschichte selbst eine Perforation annimmt, die jedoch nicht zu einem unglücklichen Vor- fall führte." Dieser Arzt hat die Ausräumungen in seiner Wohnung und mit wenigen Ausnahmen ohne Narkose vorgenommen. Das Ergebnis ist eine Bestätigung unserer Ansicht, daß eine Schwangerschaftsunterbrechung, von einem Arzt unter Beachtung aller wissenschaftlichen Regeln vorgenommen, so gut wie gefahrlos ist. Dös geringe Gesahrenmoment muß sich noch verringern, wenn der Eingriff in einer Klinik durchgeführt wird. Gewiß, harmlos ist ein operativer Eingriff niemolsi aber die Kartochek zeigt doch— was man ja bereits weiß—, daß die ungünstigen Ausgänge bei Abtreibungen zu verhüten sind, wenn man die ärztliche Unterbrechung er- leichtert und diese selbst nur von fachkundiger ärztlicher Seite— also nicht von jedem Arzt— vorgenommen wird. Voll und ganz stimmen wir mit Grotjahn überein, soweit er die Gcburtenverhütung propagiert. Er hat durchaus recht, wenn er schreibt:„Hier liegt offenbar«in Versäumnis der Aerzte vor, welche die Beratung über die ge- burtenverhütenden Mittel bisher gar zu sehr den Hebammen, Heilgehilfen, Drogisten. Kellnern, , Barbieren u s w. überlassen haben und die Anwen- dungsmethoden der Präventivmittel zumelst �.febbst nicht hinreichend b ehe rrsch..en." � Grotjahn hält konsequent seine Bedenken gegen die Freigabe der Abtreibung ausrecht. Er saßt sie folgendermaßen zusammen: „Auch wenn der Arzt sie vornimmt, handelt es sich um«ine blutige und eingreifende Operation. Die Abtreibung wird von unzähligen Paaren als ein die Kinderzahl beschränkendes Mittel benutzt, obgleich hinreichend zuverläsiige und ungefährliche Präventiomittel zur Per- fügung stehen. Die Zahl der Unterbrechungen der Schwangerschaft würde ins Uferlose steigen. Di« Freigabe würde Ehefrauen, die ihre Frucht auszutragen wünschen, ein Mittel rauben, dem Drängen ihrer Umgebung auf Entfernung der Frucht Widerstand zu leisten. Die Freigabe würde aus den sexuellen Verlobtenverkchr(!) eine verhäng- nisvolle Wirkung ausüben. Die völlige Freigabe würde den Ge- burtenrückgang ruckartig steigern." Es ist hier nicht unsere Aufgabe, diese Einwände zu widerlegen, um so weniger, als dies nur oft Gesagtes wiederholen hieße. Grotjahns Programm heißt: Legali- ficrung der Schwangerschaftsunterbrechung durch ein S p e z i a l- g e s e tz, das eine Meldepflicht für jede nicht ausgetragene Schwangerschaft vorsieht und das die Indikationen festsetzt, � bei deren Vorliegen die Unterbrechung als gesetzlich zulässig an- zusehen wäre. Als berechtigt erklärt Grotjahn die im einzelnen umschriebene medizinische Indikation und die« u g e- nische Indikation. Die prinzipiell« soziale Indikation findet in Grotjahn einen entschiedenen Gegner.„Denn der überaus dehnbare, letzten Endes auf fast jeden Fall hin passende Begriff der Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse kann nur schlecht zur Ab- grenzung einer Indikation dienen, vermag aber jeden Mißbrauch zu decken." Grotjahn empfiehlt zur Bekämpfung der Abtreibung vor ollem die Schaffung einer ausgleichenden Fürsorg« für kinderreich« Eltern in Gestalt eines Deihilfesystems oder einer Elternschaft, Versicherung. Wir haben wiederholt schon die Gründe dargelegt, weshalb wir mit Grotjahn nicht übereinstimmen. Bestärkt wird unser Wider- stand durch«inen Vorschlag, den der Autor am Schlüsse seines Artikels macht, und der beweist, in welche gefährliche und unfrucht- bare Gedankengänge er sich verstrickt. Die Frage, die bei der Lektüre seiner Darlegungen immer wieder auftaucht, ist die: Wann also ist die soziale Indikation berechtigt? Wer soll darüber entscheiden, wenn nicht der um Rat befragte Arzt? Grotjahn nun will die Ent- scheidung einer dritten Stelle überlassen,„am bester, einem a m t- lich bestelltenAusschuß, der unter dem Vorsitz des zuständi- gen Medizinalbeamten den Fall prüft und entscheidet". Ja, nicht nur die soziale, sondern auch die anerkannte medizinische und euge- nische Indikation müsse der Entscheidung jener Kommission unter- liegen. Dos Verfahren in dieser Kommission müsse durch-in Sondergesetz über die Unterbrechung der Schwangerschaft fest- gelegt werden. Der Weg, den Grotjahn hier vorschlägt, zeigt, daß das Ergeb- nis seiner Einstellung zum Abtreibungsproblem trotz seiner scheinbar � positiven Formulierung durchaus negativ ist. Zwischen Arzt und Patientin soll ein« beamtete Kommission eingeschaltet werden, die die endgültige Entscheidung zu treffen hätte! Wir haben in Deutschland auf fast allen Gebieten, die schnelle und durchgreifende Entscheidungen verlangen, mit der Schaffung von bürokratischen Institutionen die denkbarschlechte st enErfahrungen gemacht. Soll dieser typisch deutsche Unfug nun auch auf«in Gebiet übertragen werden, wo er die größten Verheerungen, die sich überhaupt denken lassen, cmrichten muß? Eine Entcheldung über Schwangerfchoitsünter- brechung ist nicht dasselbe wie über eine Deoisenausfuhr! Grotjahn stelle sich nur die praktischen Wirkungen seines Vorschlages vor: Wi« soll die Kommission im Einzelfall anders entscheiden als durch direkte Untersuchung der Frau? Es ist undenkbar, daß der Ausschuß nur auf die Angaben des Arztes hin entscheiden könnte, ob eine Schwangerschaftsunterbrechung durchgeführt werden kann, denn dann wäre er überflüssig, weil die Entscheidung in Wirk- lichkeit doch wieder beim Arzte läge, oder sein Beschluß wäre wert- los, ja gefährlich, weil er nur auf Grund der Aktenlage getroffen wäre u»d dem wissenschasllichen Tatbestand nicht gerecht werden kann. Eine derartige beamtete Kommission müßte also jede einzelne Frau genau untersuchen. Glaubt Prof. Grotjahn tatsächlich, daß Frauen, die sich wegen Schwangerschaftsunterbrechung an den Arzt wenden, das Dazwischentreten einer solchen Kommission ruhig und ohne weiteres hinnehmen würden? Eine solche Institution wäre nicht nur ein psychologischer, sondern auch ein absoluter volksgesundheitlicher Mißgriff! Das Endergebnis wäre, daß die Frauen, statt einen Arzt aufzusuchen, dorthin gehen würden, wo ihnen keine solche amtliche Untersuchung bevor- steht, nämlich zur weisen Frau oder zum gewerbs- mäßigen Pfuscher! Eine Institution, die die Frauen zwingt, den Pfuscher aufzusuchen, weil neben die Strafandrohung der% 218 noch die psychologisch unerträgliche Untersuchung durch eine behörd- liche Kommission träte, würde uns um Jahre zurückwerfen. Dazu kommt noch, daß keine Gewähr dafür vorhanden ist, daß sich die Frauen einer abweisenden Entscheidung der Kommission fügen würden. Die Frau, die sich ihre Frucht nehmen lassen will, tut dies unter allen Umständen. Wenn die Kommission gegen sie ent- scheidet, so wird der nächst« Weg der Frau eben zum Pfuscher sein. Weiter: Das Abtreibungsproblem ist eine Weltanfchau- ungsfrage. Auch der Arzt, mag er auch einer be- cideten Kommission angehören, läßt sich bewußt oder unbewußt von weltanschaulichen oder religiösen Momenten be- stimmen. Daß in der Entscheidung einer Kommission wohl oder übel auch solche nicht rein gesundheitliche Ausfassungen mitspielen werden, besonders wenn es um den Fragenkomplex der sozialen Ind>- k a t i o n geht, ist kein Zweifel. Soll überhaupt die Kommtssion mit Mehrheit Beschlüsse fassen? Ein Mehrheitsbeschluß, wo es auf wisienschaftliche Anschauungen und Ueberzeugungen ankommt, ist unsinnig! Soll die Minderheit, die vielleicht wisienschaftlich recht hat, sich einer Mehrheit, die irrt, fügen? Und soll die Patientin sich einem solchen Mehrheitsbeschluß fügen? Was geschieht weiter, wenn es sich um einen dringenden Fall handelt, wo der Eingriff von einer momentanen Entscheidung abhängig ist? Soll dann erst eine behördliche Institution entscheiden, so daß das alte Wort variiert werden kann: Der Beschluß glücklich gefaßt, die Patientin gestorben!? Das ist nur ein Teil der Erwägungen, die zeigen, wie unmöglich der Vorschlag Grotjahns ist. Sein Effekt wäre unbedingt: eine Zunahme der psuscherischen Abtreibungen, neue Schwierigkeiten für den Arzt, eine Erhöhung der Gefahren durch Abtreibung. Man kann solche Vorschläge nicht vom grünen Tisch aus machen! Polizei im Kampf gegen Verbrecher/ Ton p.rimann In den letzten Jahrzehnten Hot die Kriminalpsychologie den Typ des Berufsverbrechers erkannt und sich eingehend mit rl>m befaßt. Ein gefährlicher Feind der Gesellschaft, dieser Mann, der das Verbrechen zu seinem Beruf erwählt, der die Techniken einer Ver- brechensbegehung, Verbrechensvcrschlcierung und Flucht ebenso studiert wie die Methoden der Verteidigung vor Gericht und zur Erleichterung der Strofhaft. Das gefährlichste aber an diesen Ver- brechen, ist, daß sie Schritt halten mit den technischen, chemischen und psychologischen Fortschritten und sich diese Entwicklung so schnell wi« möglich zunutze machen. Und so-wie die Wirtschaft sich.heut« rationalisiert— also auch spezialisiert hat, so haben auch die Berufsverbrecher die disferenzierte- sten Spezialisierungen mitgemacht. Der eine öffnet Handtaschen,«in anderer Banktrcfore, ein dritter stiehlt im Warenhaus. So mußte auch die Verbrecherbekämpfung spezialisiert werden. Ueber das ganz« Deutsche Reich sind die Kriminalbeamten in Dezernate eingeteilt: Mord, Brandstiftung, Einbruch usw. Darüber hinaus sorgt das preußische Jnnemniniftcrium dafür, daß die Kriminalbeamten auch innerhalb ihrer Dezernate sich mit Sondergebieten von Verbrechen befassen. So ist zum Beispiel der Kriminalrat B u ß d o r s Spezialist für Förstermorde und wird in Preußen möglichst in allen solchen Fällen zugezogen werden. So wertvoll diese Spezialisierung der einzelnen Beamten ist, sie reichte nicht immer aus. So entschlossen sich die deutschen Länder, eine Reihe von Z e n t r a l st e l l e n vor allem in Berlin zu errichten. Diese Stellen sollten sich ausschließlich der Ueberwachung und Be- kämpfung ganz bestimmter Verbrechenszweige widmen. So entstand die Zentralstell« zur Bekämpfung des Taschen- d i e b st a h l s. Sie verfügt über eins Sammlung van Lichtbildern und Personalbogen aller bekannten Taschendiebe und besitzt eine sehr difserenzierte Kenntnis ihrer Lebensweise und Arbeitsmethode. So wird sie auch in noch ungeklärten Tafchendiebstahlsfällen mit heran- gezogen und kann auf Grund ihrer Moterialsammlung oft wertvoll« Fingerzeige über den Täter und seinen Aufenchalt geben. Sie steht, wie fcht alle Zentralstellen, in enger Beziehung zu ähnlichen Institutionen des Auslandes. Auch die Zentralstell« zur Bekämpfung der Falschmünzerei ist Nachrichtensammel- und Auskunftsstelle. Alles Geld, van dem man befürchtet, daß es gefälscht sei, wird chr zugeleitet. Gemeinsam mit Beamten der Reichsbank oder der Münze wird es hier auf seine Echtheit uMersucht. Auch werden Erhebungen über das VerbreiMngs- gebiet und die Mengen der austretenden Fälschungen angestellt. Durch systematische Auswertung aller Nachrichten kann häufig auch hier ein Verdacht in ganz bestimmter Richtung geäußert werden. Ebenfalls in Berlin ist der Sitz zweier Zentralstellen, die sich mit Angelegenhelten der S i t l i ch k«i t besaßen. Zunächst die Zentralstelle zur Bekämpfung unzüchtiger Bilder, Schriften und In- seratc, die durch Verordnung auch mit der Bekämpft, ng unzüchtiger Filme betraut worden ist. Ihrem Arbeiten allein ist es zu verdanken, daß bischer sämtliche in Deutschland hergestellten unzüchtigen Filme noch vor der ersten Ausführung beschlagnahmt werden tonnten. Di« Würdigung dieser Arbeit steht jenseits aller Zenfurdebatten, handelt es sich doch hier um gröbste und gemeinste Pornographie. Dazu hat sich diese Stell« noch mit den wandernden Theatern ü'ternehmern und Schaustellern zu befassen und ihnen die anstößigen Stellen aus den, Programm zu streichen. Wir alle, auch wenn wir von Kriminalistik gar keine Ahnung haben, kennen die Zentralstelle zur Bekämpfung des internatio- nalen Mädchenhandels. Dos ist eine segensreiche Einrich- tung. Denn sie erfreut die Herzen der Filmindustriellen und tut keinem was zuleid«: in den letzten zwanzig Jahren ist nicht ein einziger Fall von echtem Mädchenhandel zu ihrer Kenntnis gelangt. Ebenfalls in Berlin befindet sich die Zentral« der Staats» polizei(E. St.), der vor allem die Spionageabwehr obliegt. Schließlich hat noch das preußische Innenministerium ein« Zigeunerzentral stell« für Preußen in Berlin errichtet. Die gemeinsame Zigeunerpolizeizentralstelle der deutschen Länder befindet sich in München. Zigeuner sehen einander sehr ähnlich. Man wußte oft, daß Zigeuner gestohlen hatten. Aber nur selten, welcher es war. Um diesem Zustand ein End« zu machen, hat die preußisch« Polizei in der Zeit vom 23. zum 26. November 1927 im ganzen Land eine groß« Zigeunerrazzia veranstaltet. Von allen Verhafteten— es waren über zehntausend!— wurden Fingerabdrücke genommen. Jeder Zigeuner erhielt eine paß- ähnliche Legitimation, die ebenfalls mit einem Fingerabdruck versehe» war. Seit jenem Tag sind sie planmäßig bei der Zigeuner- stelle registriert. Noch ein« weitere Zentralstelle nur für Preußen und einige kleinere Länder hat ihren Sitz in Berlin, das ist die«Zentralstelle zur Ermittlung Vermißter und unbekannter Toter". Gerade in letzter Zeit ist das Interesse der Oeffentlichkcit für di« Arbeit der„R e i ch» b a h n p o l i z e i" sehr stark gewesen. Ihre Organisation stammt noch aus einer alten preußischen Verordnung. Diese wurde später für alle Bahnen des Deutschen Reiches besonders in der„Reichsbau- und Verkehrsordnung" übernommen. Jeder höher« Bahnbeamte— Kontrolleure, Statioimvorfteher. aber auch Streckengeher— hat Polizeirecht: er kann Verhaftungen vornehmen, Anweisungen erteil««, Polizeistrasen verhängen. Jedoch ist seine Machtbefugnis an dem Punkt zu Ende, an dem das Gebiet nicht mehr der Bahn gehört. Andererseits soll in diesem Bahngebiet — das sind also vor allem Züge, Bahnhöfe und Gleisanlagen— ein Polizeibeamter nur in besonders notwendigen Fällen hinzugezogen werden. Man ging bei der Einrichtung dieser Vahnpolizeigewolt zunächst im wesentlichen von den Grundsätzen des„Hausrechtes" aus. Aber diese rein ordnungerhaltende Funktion hat in den letzten Jahrzehnten einen wesentlichen Ausbau erhalten müssen. Früher wurden die Gleisanlagen im wesentlichen nur durch Streckengeher kontrolliert. Heute aber sind besondere W achtdien st« ein- gerichtet worden, die darauf achten, daß niemand sich an den Gleis- anlagen unbefugt herumtreibt oder zu schaffen macht. Außerdem be- kämpft dieser Wachtdienst die Schwarzfahrer. Denn die Ge- wohnheit mancher Landstreicher und mich Krimineller, auf Zügen, besonders auf Güterzügen, an Stellen, wo man sie kaum vermutet, blind und gratis mitzufahren, ist auch durch den modernen Verkehr noch nicht ganz ausgerottet. Besonders bevorzugt sind die Güterzüge und Spezialisten reifen unter den Wagen, indem sie mit Brettern sich zwischen den Achsen«inen verhältnismäßig sicheren Holt verschossen. Alle Beamten der Reichsbahnpolizei unterstehen ihren Reichs- bahnbezirksdirektionen. Aber auch diese haben ihre einheitliche Leitung im Eisenbahnzentralamt in Berlin. Es gibt eine alte russische Geschichte von einem Erfinder, der erfand ein« wundervolle Kanon«— besser als olle, die der Gegner besaß— und verkaufte sie seiner Regierung. Dann aber erfand er ein Gas, dos diese Kanonen zerstört«, ging damit zum Gegner und sagte:„Wißt- ihr schon, daß die da drüben ein« schreckliche Kanone lmben? Ihr seid verloren. Aber ich habe hier ein Gas, das wird diese Kanonen zerstören." Und der Gegner kaufte sein Gas. Wenig« Monate später erfand er wieder«ine Kanone. Die war so großartig konstruiert, daß man mit ihr alle feindlichen Gasfabriken in wenigen Stunden in die Luft sprengen konnte. Er xsing zu seiner Regierung. Sie kaufte. Und so weiter. Krieg und Verbrechen hoben allerlei Berührungspunkte. Sie gleichen sich auch darin, daß jede Erfindung, jeder Fort- schritt nur dazu dient, den des Gegners zu annullieren. Unser« Kriminalisten und unsere Verbrecher übertrumpfen einander immer wieder. Aber in den letzten Jahrzehnten ist es den deutschen Ländern ge- lungen, eine Waffe im Kamps gegen die Verbrecher auszubauen, mit der dies« nie werden konkurrieren können. Das ist die Organ>> s a t i o n. Sie können dem Polizeiapparat der über ganz Preußen — über die ganz« Welt!— ausgebreitet, reibunglos und mit der Geschwindigkeft der Aetherwelle arbeitet, nichts Gleichartiges ent gegenstellen. Sie können keine Fluchtorganisation ersinnen, die lo systematisch. so exakt arbeitet, wie die Erkennungsdienstzentrale in Berlin. Sie müsien eines Tages jener Macht erliegen, die von den Karter einer systematisch geordneten Kartochek ausgeht. 'ARBEJIEH rumALL Eintracht schlägt Spandau 4: 2 Die ersten Punktspiele brachten so gut wie keine Heber- raschungen. Einzig das Abschneiden der Spandauer gegen E i n t r a ch t- Reinickendorf dürfte überraschend sein. Die Reinicken- dorfer, die in ihrer Wteilung nächst Luckenwalde I als spielstärkste Mannschaft gelten, konnten gegen die Spandauer nur knapp mit 4: 2 gewinnen. Trotz technischer Ueberlegenheit Eintrachts konnten die Spandauer in der tS. Minute mit 1: 0 in Führung gehen. Erst kurz vor der Pause gelang den Reinickendorfern durch den chalb- rechten der Ausgleich. Dann machte sich die größere Spielerfahrung Eintrachts bemerkbar. Bereits 12 Minuten nach dem Wieder- anpfiff lautete das Resultat 3:1 für Eintracht. Die Spandauer, die sich noch nicht geschlagen gaben, setzten dann alle Kräfte ein, um wenigstens ein Unentschieden herauszuholen. Die Bemühungen waren auch nicht umsonst, ihren stürmischen Angriffen mußte sich der Eintracht-Torwart beuge». Zehn Minuten vor Schluß hieß es 3: 2. Wieder hatten die Spandauer eins günstige Gelegenheit, auf- zukommen, doch der Sturm spielte zu zerfahren. Eintracht dagegen gelang ö Minuten vor dem Abpfiff noch der vierte Treffer und damit auch der Sieg. Mit 4:2 konnten die Reinickendorfer die ersten Punkte der neuen Runde einstecken. Schöneberg hatte es ln der ersten Halbzeit nicht so leicht, wie es das Resultat besagt, gegen T e m p e l h o f zu gewinnen. Die Tempelhofer wehrten sich perzweifelt, gegen die schnellen Angriffe Schönebergs war die Hintermannschaft aber machtlos Mit 3:0 sur Schöneberg wurden die Seiten gewechselt. Dann sielen die Tempelhofer dem schnellen Tempo zum Opfer. Mit 7: 0 blieben die Schöneberger siegreich. Der neugegründete Fußballverein Lichtenberg II hatte sich etwas viel vorgenommen: Eiche-Köpenick war für das erste Spiel wohl doch eine etwas zu große Anstrengung. Mit 11: 3(6: 1) mußten die Lichtenbergcr die Waffen strecken. In der Mannschaft steckt bestimmt Material, das für ein besseres Abschneiden in den kommenden Spielen Sorg« trogen wird.— Rormannia und Lichtenberg I teilten sich im Freundschaftstreffen mit 1:1 in die Ehren des Tages. Eiche-Köpenick weilte mit der ersten und zweiten Mann- schaft bei Minerva 23. Die Neuköllner mußten mit 7:1 eine un- verdient hohe Niederlage einstecken. Pankow hatte sich Freienwalde zum zweiten Stiftungsfest verpflichtet. Auf dem herrlichen Sport- platz gelang den Pankowern ein leichter 9: 2-Sieg. Weitere Resultate: Lichtenberg I gegen Normannia 2 8: 2. Minerva 2 gegen Eiche 2 1:2. Schäncbcrg 2 gegen Char- lottenburg 2 3: S. Freienwalde 2 gegen Pankow 2 1:4. Gintracht 2 gegen Weißenses 2 2:2. Eintracht-Jugend gegen Minerva- Jugend 9: 0. Handball'Resuliaie. Zum Wochenende spielte die 1. Männermannschaft des Fuß- ballklu- Obcrfpree gegen Eiche-Köpenick, Bezirk Bohnsdorf 1 und gewann mit 7:2(3:1). Die 1. Frauenmannschaft von Volkssport- Neukölln gewann regen Eiche-Köpenick 1 mit 4: 1. Das Spiel der 1. Männermannschaft gegen Fußballklub Oberspree wurde beim Stand von 2: 0 abgebrochen. Der Bezirk Lichtenberg der FTGB. hatte mit seinem Blitz- tvrnter einen vollen Erfolg zu verzeichnen. Als erste standen sich FTGB.-Friedenau und FTGB.-Stralau gegenüber, wobei Stralau mit 2:1 die ersten Gewinnpunkt« einheimsen konnte. Im t>ichsten Spiel holte sich dann FTGB.-Obcrfprce die beiden Punkte über Schwante mit 3: 0. Die Stralauer hatten jetzt das zweite Spiel zu absolvieren und mußten dabei den Lichtenbergern den Sieg mit 1: 0 überlassen. Die nächsten Gegner Oberspree und Friedenau teilten sich die Punkte durch ein Unentschieden von 2: 2, während Lichtenberg Schwante mit 4: 1 abfertigte. Wieder mußte sich Obersproe nur mit einem Punkt begnügen, denn gegen Stralau kam nur ein Resultat von 0:0 heraus. Lichtenberg gelangte durch den 2: 0-SIeg. über Friedenau an die erst« Stelle und Stralau ge- mann gegen Schwante mit 3:0. Für die Lichtenberger hieß es jetzt, sich anzustrengen, um den Sieg zu behalten. Die Obcrspner batten in kurzer Zeit zwei Tor« geschossen, erst dann gelang es den Lichtenbergern auszugleichen. Kurz vor Schluß konnte Oberspree den Sieg, durch Verwandlung«ine? Dreizehnmeters sicherstellen. Trotzdem kamen aber die Lichtenberger an die erste Stell«, weil sie «in Gewinntor mehr hatten. Im letzten Spiel stritten sich Schwante und Friedenau um de» Schlußmann des Turniers, den Friedenau durch den 1:0-Sieg Schmantes einnehmen mußte. Der Stand de« Turniers ist folgender: Lichtenberg mit 6 Punkten(3 Spiek« gewonnen, 1 verloren) und 9: 4 Toren; Oberspree 6 Punkte(2 Spiele gewonnen, zwei unentschieden) und 8: 4 Toren; Stralau 5 Punkte(2 Spiele gewonnen, 1 unentschieden), eins verloren) und S: 5 Toren; Schwante 2 Punkte(1 gewonnen, 3 ver- loren) und 2: 10 Toren; Friedenau 1 Punkt(1 Spiel unentschieden, 3 verloren) und 4: 7 Toren. �rdeiter-1'enn»s-5erie Tennis'Rot Neukölln(xruppenmeister Die am Sonntag durchgeführten Treffen der K r e i s s e r i e der Arbeiter-Tennissportler brachten eine Ueberraschung, j Tennis-Rot-Reukälln schlug Tennis-Rot-Gesundbrunnen im entschei- denden Treffen ganz unerwartet hoch mst 1ö: 3. Neukölln sicherte sich durch dieses Treffen die Gruppenmeifterfchast der E- G r u p p e für Männer, die in der ganzen Saison führende Mannschaft von T«nni»-Rot-G»sundbrumien rückt an die dritte Stelle, da FT.- Spandau die Gesundbrunner ebenfalls klar überwunden hat. Auch in den anderen Gruppen fanden gute Treffen statt. In der Frauen-ö-Gruppe schlug Tennis-Rot-Friedrichshoin die Charlottenburger Mannschaft des gleichen Vereins mit 13: S. Tennis-Rot-Gefundbrunnen zeigte sich Tennis-Rot-Prenzlauer Berg gegenüber mit 12: 6 überlegen. Das Schlußspiel in der /V-Grupp« für Männer sichert« sich Tennis-Rot-Lichtenberg gegen FT.- Spandau mit 10: 8(Lichtenberg hatte Berluftpunkte wegen eine« fehlenden Paffes). Außer dem angeführten Treffen fertigt« in der E-Gruppe für Männer dt« Mannschaft der FTGB. ganz über- legen Tennis-Rot-Friedrichshain mit 16: 2 ob. Friedrichshain hat als Tabellenletzter noch ein Rangtreffen mit Tennis-Rot-Weißen, f-e I. dem Tabellenersten der O-Grupp« zu bestreiten. Weißensee scheint über die besseren Kräfte zu verfügen und sich zur L-Gruppe durchzuspielen. Von der /�-Gruppe für Frauen muß die Mann- schaft van FT. Spandau gegen Tennis-Rot-Lichtenberg. dem Gruppenmeister von der L-Srupp« für Frauen, noch ein Rangfpiel durckiführen. Die junge, ober spielstarke Spielerinnengrupp« von Lichtenberg dürfte sich dabei einen Platz in der.�-Gruppe er- kämpfen._ Schwere Stürze bei der Moiorrad~Scd»iagefahrt Am Montag, dem Zweiten Tage der Internationalen Motorrad-Sechstagesahrt, gab es zahlreiche Ausfälle, die zum Teil deutlich beweisen, daß die geforderten Durchschnitts- geschwindigkeiten zu hoch find. In den Steigungen werden 40 bis 43. auf der Flachen 4L Stundenkilometer verlangt und das sind Schnelligkeiten, d'« man nur ohne Zwischenfälle sicher einhalten kann. Acht Bewerber blieben am Dienstag auf der Strecke� so daß, nachdem am ersten Fahrtage fünf Teilnehmer ausschieden, sich von 88 anfangs Gestarteten noch 7S in Konkurrenz befinden. Bei strömendem Regen ging es am Montag auf die 372,2 Kilometer lange beschwerliche Reise mit ihren vielen Steigungen und Gefällen. Dabei ging es wieder nicht ahn« Stürze ab, von denen zwei leider schwerer Natur waren. Der französische Beiwagen- sahrer Poupanneou zog sich einen Beinbruch zu. Noch mehr wurde aber Engländer L. L. Welch mitgenommen, der eine schwer« Schädelverletzung erlitt. Der Leipziger Mittenzwei leistet, ihm die erst« Hilf«, erreichte ober dennoch rechtzeitig da» Ziel. ebenso wie oll« anderen deutschen Fahrer, die wieder ein, recht bravouröse Fahrweise an den Tag legten und ohne Strafpunkte über die zweite Tagestour kamen. Neben den bereite erwähnten Ver- unglücktcn schieden noch die Italiener A. Marin(Triumph), E. Eavara(MM.), P. Gualtiero und der Engländer G. ffi. Ram- stcdt(Cotton) wegen Zeitüberschreitung, die Belgier A. Colette und I. Michel(FN.) infolge von Defekten aus. In der Gesamtwertung um die Internationale Trophäe find lediglich noch Italien und Deutschland straspunkt- frei. Das französische Team hat 10S, das englische 200 Strafpunkte. Im Wettbewerb um die Sllbervase fuhren bisher Italien-L und Frankreich fehlerfrei, das deutsche Team hat ebenso wie da» zweite englische einen Strafpunkt. Dann folgen Tschechoflowakei, Holland und Italien-.�._ „Ftaucn-Iotn- und Gymnaslikobleilung" der JKBB. in Reinickendorf-Ost. Freitag. 4. September. 19% Uhr, Turnhalle Hoppestraß«, beginnt der erst« Uebungsabend der in diesem Bezirk neu gegründeten Abteilung. Für gute technisch« Lehrkräfte hat die FTGB. gesorgt. ■Arbeiier» Leichtathleten im Tiergarten Ein unmögliches Urteil FufjbaUer für Verletzungen regreßpflichtig Bei einem süddeutschen Fußballspiel wurde ein Spieler verletzt und kam in ärztliche Behandlung. Die betreffende Krankenkasse machte den Gegenspieler, mit dem der Verletzte zusammengeprallt war. für diese Verletzung hastpflichtig und verklagte ihn. War schon das Verhalten der in Frage kommenden Krankenkasse mehr als er- staunlich, so ist das Urteil, das ein badisches Gericht in erster Instanz fällte, noch bemerkenswerter. Das Gericht gab der Klage statt und machte den Fußballspieler, der an diesem Sportunfall zufällig beteiligt war, regreßpflichtig. Auf Grund dieses unmöglichen Urteils hat sich natürlich der Süddeutsche Fußball- und Leichtathletik-Verband der Angelegenheit angenommen, Berufung eingelegt und wird den Fall, wenn not- wendig, bis zur höchsten Instanz verfolgen. �Itersturner in Fürsienwalde Im 1. Kreis des Arbeiter-Turn- und Sportbundes galt der erstö Sonntag im September von jeher als ein besonderer Tag: da fanden sich all« älteren Mitglieder zusammen, um eine gesellige Turnfohrt zu machen, um alte Erinnerungen auszutauschen. Di« gemein- samen Wanderungen fanden stets großen Beifall und wurden nicht nur zu einer gesellschaftlichen Notwendigkeit, sondern sie wurden auch von der technischen Leitung immer mehr und mehr zu einer sportlichen Veranstaltung ausgestaltet, wobei gespielt, geturnt, ge- schwömmen wurde. Die Altersriegenbewegung in allen Sparten gewann dadurch immer mehr an Bedeutung. Das hat auch der Arbeiter-Turn, und Sportbund erkannt. Zum ersten Male werden deshalb in diesem Jahre am 6. September in allen Kreisen Alters- treffen veranstaltet, um nicht nur die Verbundenheit mit dem Bunde zu bezeugen, sondern auch, um recht viele neue Mitglieder zu werben. Zum ersten Mole soll ollen älteren Mitgliedern ein Werbe- und Ehrentag gewidmet werden. Der 6. September ist der Feiertag der Altersturner und-turnerinnen und deshalb muß«» für olle an diesem Tage heißen: Auf zum Bundesalterstreffen nach Fürstenwalde. Der Arbeiler-Sporl-Verein Wedding bittet alle Interesienten für Hockey(Anfängern sowohl als auch ehemaligen Spielern) au» den Kreisen der Partei, der Gewerkschaften und darüber hinaus ihrs Anschrift zu richten an: Heinrich Schirmer. N 31, Graunstr.?: Fritz Koepke, N.-6S, Utrcchter Str. 23: Erich Böhme, Sparrstroße: Otto Page, Togostr. 27. Mündliche Auskunft erteilt jeden Dienstag und Donnerstag im Bolkspark Rehberge die Sportleitung. Freie Schwimmer»roh-Breli». Hauptausschutziitzirng Donn«r»wS, Z.(SejM tcmber, 3(1 Uhr,®eW;atls(tcIIf. im Freiing aus. Dafür msrgeir, Mitwoch, 20 Uhr, Ucbuitjsftunöt, Sicdftn« ftcojc L— Freitag, 4. ötpiemiet, bete kl igen sich die ihpielleiite beim Fahmn» einmarsch der Arbeiters pari! er an der itunbgebuirg der Freidcuier in her Ncu.-n W-ll. Mes muß vüntMch um l« Uhr anwesend sein. Bnndeskleidung- varnisirn die O- und 0, Bogen imtbringcn.— Eonntaru t. Sepiemdcr, S Uhr, Antreten der Svietleute und•Bläser jot Teilnadmc an der SUersriegensshrt »ach glirslenwalde. Franlfurter Allee Scke Bederwies« tUntrrgruntbahnha' --- sehlc! heule, Dienstag, 2» llhr,.Zur Linde", Ufcrfttagc..gartclldelrgicrtcnversatnm- lung Montag. 7. Septriirdkr, ebenda. Frei« Photooercinigunq. Dannerstag. S. Teotrmber, 20 Uhr, Bhnsil,inw>. Septem- der, 1S!� Uhr. bei Heems, Müller. Eck« Schuistraßc. Bcrantwortl. für die Redaktion:' gerbert Lepsre, Berlin: Anzeigen: Tb.«blocke, Berlin. Berlag: LorwSrts Bcrlag G. m. b. H» Berlin. Druck: Vorwärts Buch» druckcrei und Bcrlaasanstalt Paul Singer& Co. Berlin EW 68, Lindenstraße 3. Sietju 1«elliae. Bild oben: 100«n• Laufen der Älteren Sportler- linkt darunter: Schirrwagen«■ Ottring ipringt 1.60 m hoch, daneben: Bergcnt« Schönow bewältigt irn Stabhoch' sprung 3.30 m. Der 60-m-Hürdcn- lauf vereinigte ein gleicfattarket Feld, ganz unten aoi dem bilde wird ein Läufer mattiert Asatt Theafer ÜJtläorer Unter den Linden. Dienstag, den 1. September 20 Uhr. Ende 22V« Uhr. M anon Lescau t StaitUdBospuIluiis Maroamtrkl. Anfang 20 Uhr Das Nörnbergisth Ei SAüler-Theater Ourtohnkiis. Anfang 20 Uhr Der Richter von Zalamea siam. Oper Charlotienburg BismarcksuaBe 34 Turnus 11 Anfang lOVi Uhr Aida Ende gegen 23 Uhr Dentsdies TDeater Heute Uraofführung 8 Uhr Kat Schauspiel nach Ernes« Hamingway v Carl Zuckmayei und Heinz Hilpert. tigit: Seiu Hilwt lühntsbilchr: Emt SdiQht. Theater deeWeatens TJg1. 5 u. 8V« Volinvorstellungtn Viktoria und ihr Husar Billigster PI. o�o m Teucrst r PL 2.50 M. Tfieaier Im idmiraiSDOias! Ttglich 8V« Uhr Rotter.Qastspiel Die Dubarry mit eitta Aipar Preise; 0,50 bis üiO RurfOrslendaram- TDeater Bismarck 448/49 8V- Uhr Die schone Helena von lacquos Oileabatti Beult: Max Bclabardi sv.uhr CASINO-THEATERev- vt» Lothringer Strohe 97. iimniiMmmiMiiiiiiiMiimiiiiKwttuiMJtniuiiiuuMimaiaitmjii Genia&Vittorto: 2Blessings Ernst Walter. Direktor HANS BERd konferiert. Daeu: Nur kurze Zeit: Das Parfüm meiner Frau GuischelB 1-4 Per». Rang Mitte I M, t-auteuil 1,25 M.. Sessel 1.50 M. Parkett 75 PI, Rang Seite 60 PL Rietropoi-Iiieaier Täglich 8V. Uhr die neue Paol-Uralian- Olierttle Die Blume von Hawal unter persönl. Ltg des Komponisten Pr. der FL: I.- bU 14.50 Komische oper 8>,i Uhr Thron zu vergeben Operette v. Neidhart Musik v Witmann Um. Eitler, Lilien, Hendrik. Fela Preise; 0,50—7,- M (cfonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN in der Gesa m I- aullaf e des „Vorwirts" und trotzden nbuutfn Am 5. sepiemDer 8-Tage-Fahrt mit Motorschiil BeriinHamDurgBariin für 37,— Mfc. einschl Mittags- tisch und Uebernachtung. ' Fahrt über Brandenburg- Burg— Magdeburg— Tangermünde—Wittenberge— Lauenburg u. zurück über Havelberg —Rathenow— Plaue. Auskunft: Reederei A. LObeck. Berlin-UammeU- barg, Haaplstrahe 9. 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