Morgenausgabe Nr. 409 A 206 4S.Iahrgang Wöchentlich SV Pf, monatlich Z.SO 9t hn voraus zahlbar, Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs» und 72 Pf. Postbeftellgebühren. Auslands« abonnement 6,— M. pro Monat; für Lüuder mit ermäßigtem Drucksache» oorto 6.— M. Der ,5Jorn)ärts* erschewt wochentög» lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Beilage„Boll und Zeit". Ferner„Frauenstimme� �Technit�,„Blick in die Dücherwelt", .Iugend-Vorwürts'n.»Etadtbeilage� iT'v G. BierUner volksblatt Mittwoch 2. September 1951 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Die etnfpalt. Nonpareillezeile 80 Pf. Neklamezeil« b.— RM.„Kleine An- zeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pf. lzulässig zwei fettgedruckte Worte), jede» weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Tarif. Stellengesuche das erste Wort IS Pf, jede» weitere Wort 10 Pf. Motte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Lrbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien- anzeigen Zeile 40 Pf. 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Es be- stätigt sich, daß auf österreichischer und deutscher Seite beabsichtigt ist, zu der Frage gewisse Erklärungen abzugeben. Man spricht von der Möglichkeit, daß diese Erklärungen in dem E u- ropa-Ausschuß abgegeben werden, an der Stelle also, wo die Frage der Zollunionen ihrer wirtschaftlichen Bedeutung entsprechend auch im Mai eingehend behandelt worden ist. Der Wortlaut der Erklärungen steht noch nicht fest. Da aber der Europa-Ausschuß sich eingehend mit der wirtschaftlichen Neuorganisierung Europas befassen will und in diesem Zusammenhang der Gedanke Her Zollunion auch zweifellos wieder eine Rolle spielen wird, ist der Boden ohne weiteres gegeben(!), aus dem die Er- klärungen des deutschen und des österreichischen Vertreters zu der vorliegenden Frage zwanglos heranwachsen(!!) können. Das Gutachten des Haager Gerichtshofes ist hier noch nicht bekannt. Soviel kann aber schon gesagt werden, daß ein endgültiger Verzicht aus die Zollunion nicht in Frage kommt. Eine zeitweise Zurückstellung der Durchführung des Planes ergibt sich auch aus der besonderen Lage Oesterreichs, die eine prak- tische Berwirklichnng der Zollunion im Augenblick nicht möglich erscheinen läßt. « Damit hat der Plan der deutsch-österreichischen Zollunion senes Ende gefunden, das jeder Anfänger in außenpolitischen Dingen vom ersten Tage an voraussehen konnte und voraus- sehen mußte. Der durch diesen diplomatischen„Husaren- streich" angerichtete Schaden steht in gar keinem Verhältnis zu dem wirtschaftlichen Gewinn, den man sich von der Verwirk- lichung dieser Idee versprochen hatte. Erstaunlich ist, daß diese ganze ungeschickte Aktion von den maßgebenden Stellen noch mit einer letzten vermeidbaren Ungeschicklichkeit abgeschlossen worden ist. Diese gewundene halbamtliche Erklärung, die durch das MTB. aus Genf ver- breitet wird, ist, vom deutschen Standpunkt betrachtet, ebenso überflüssig wie kläglich. Deutschland hätte ruhig das H a a g e r Urteil abwarten sollen, zumal es nach den bisherigen Nachrichten der deutschen Rechtsauffassung gerecht wird und nur wegen der besonderen Verpflichtungen Oesterreichs gegenüber dem Völkerbund die Zollunion praktisch verhindert. Statt dessen läßt man den Verzicht auf die Zollunion schon jetzt ankündigen, wobei man mit einer tapferen Gebärde, über die die ganze Welt lachen wird, versichert,„daß ein e n d- gültiger Verzicht aus die Zollunion nicht in Frage kommt." Entscheidend ist jedoch nur der Schlußsatz über die„zeit- weise Z u r ü ck st e l l u n g der Durchführung des Planes, die sich„auch(!) aus der besonderen Lage Oesterreichs ergibt". Damit ist dies« ganze Affäre mit derselben Geschicklichkeit abgeschlossen worden, mit der sie eingeleitet wurde. Besprechungen mit Brüning. Fortsetzung Ende der Woche. Am Dienstag fanden unter dem Vorsitz des Reichs- kanzlers Dr. Brüning, in Anwesenheit des Reichsfinanz- Ministers Dietrich und des Reichsarbeitsministers Stegerwald Besprechungen mit den Vertretern der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, den Abgeordneten Dr. H i l f e r d i n g und Dr. Hertz, statt. Zur Aussprache standen die von der Regierung im Juni zugesagten Ab- ändtrungen der damaligen Notverordnung, außerdem alle Fragen, die mit der Sicherung der U�n.ter.stü.tzun.g der Arbeitslosen in der Arbeits- lofeNversicherüng, bei den Gemeinden und den Möglichkeiten zur Ueberwindung der Wirtschaftskrise bzw. zur Verbilligung der Lebenshaltung im Zusammenhang stehen. Da die Pläne der Reichsregierung für die künftige Wirt- fchafts- und Finanzpolitik sich bisher noch im ersten Stadium der Prüfung befinden, soll zunächst deren weitere Klärung erfolgen. Die Abänderungen der alten Notverordnung sollen dann im Zusammenhang mit den neuen Absichten des Kabinetts behandelt werden. Die Besprechungen mit den Ver- tretern der sozialdemokratischen Fraktion werden deshalb Ende der Woche fortgesetzt und sollen vor der Sitzung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, die am kommenden Dienstag stattfindet, weitgehend geklärt jein. Franzen gegen Hitler. Er tritt Wegen der Hitler«Diktatur aus der NGOAp. aus. Braunschweig, 1. September. Minister Tr. F r a n z e n hat seinen Austritt aus der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei erklärt. (sr erklärte, sich den vom Abgeordneten Ruft bekannt» Aegebenrn Standpunkt der Parteileitung zur Ministersrage in Braunschtoeig nicht zu eigen machen und die(Enthebung des Abgeordneten Groh von seinem Amt als Führer der nationalsozialistischen Land- tagsfraktion nicht billige« zu können. * Herr Franzen hat als braunschweigischer Minister debütiert mit einer Begünstigung, die zwar strafrechtlich nicht zu fassen ist. aber dennoch eine Begünstigung bleibt. Seine Amts- tätigkeit hat dazu geführt, daß die SA. in Braunschweig hem- mungslos schalten" und walten konnte. Der Radau- und Rowdykurs der Hitler-Partei hat in Braunschweig Triumphe gefeiert. Herr Franzen, dessen Position moralisch unhaltbar ge- worden war, hat seinen Rücktritt begründet mit der Erklä- rung, daß er nicht den Fronvogt der Brüning-Diktatur spielen wolle. Mit dieser Erklärung hat er die Tür für eipe weitere Regierungsbeteiligung der Hitler-Partei in Braunschweig zu- geschlagen. Aber Hitler hat sie wieder aufgemacht, und dabei hat Herr Franzen einen sehr unsanften Stoß erhalteil. Je mehr man in München erkennt, daß man in eine Sackgasse geraten ist, um so fester klammert man sich an das, was man hat. Man will lieber den„Fronvogt der Brüning-Diktatur" spielen, als die Methode des Auszugs aus dem Reichstag und den Länderministcrien fortsetzen. Die Hitler-Diktatur hat Herrn Franzen desavouiert— mit ihm aber auch die aktiviftische Richtung in der Organi- sation und der Reichstagsfraktion der Hitler-Partei. Herr Franzen antwortet mit dem Austritt aus der Partei. Damit werden die Spannungen in der Hitler-Partei noch stärker sichtbar als zuvor. Dieser Austritt fügt im übrigen dem Charakterbild des Herrn Franzen den letzten Strich hinzu. Der preußische Amtsrichter, der sich mit der Hitler-Partei eingelassen hatte und einem Disziplinarverfahren entgegensah, wurde von Hitler zum braunschweigischen Minister bestimmt. Sofort fielen die Eierschalen richterlicher Objektivität von ihm ab. Die Hitler-Dittatur gefiel ihm, als sie ihn emportrua. Als sie ihn desavouierte, gefiel sie ihm weniger. Als er Minister wurde, war er Parteimann bis zur Begünstigung, als Hitler ihn desavouierte, trat er aus der Partei aus. Er hat damit die Motive aufgezeigt, die ihn und seinesgleichen in die Hitler-Partei geführt haben. Auch Groh tritt aus. Prauoschweig. l. September. ?m Anschluß an die Vorkommnisse im Zusammenhang mit der gestrigen nationalsozialistischen Massenversammlung hat auch der braunschweigische Landlagsabgeordnete Groh. der bisherige Führer der nationalsozialistischen Landlagssrattion, dem dieses Amt entzogen worden ist. in einer Erklärung seinen Au»- tritt au» der Nationalsozialistischen Arbeiter- Partei mitgeteilt. | Von Forellen und Tintenfischen. Versagt der Völkerbund? Wie immer zu Beginn der Jahresversammlung des Völkerbundes läuft die deutsche Rechtspresse Sturm gegen den Genfer Staatenverband. In diesem Jahr gibt sie sogar die Parole des Austritts Deutschlands aus dem Völker- bund aus und droht dem Reichskanzler und dem Reichsaußcn- minister mit schärfster Opposition, falls nichts in dieser Rich- tung geschähe. Man soll diesen Theaterdonner nicht tragisch nehmen. Wir wissen nur zu gut, daß, wenn Hugen- bergs Regierungssehnsüchte erfüllt würden, das künftige Rechtskabinett noch weniger als das gegenwärtige einen solchen Schritt wagen würde. Wir haben ja eine anderthalb- jährige Erfahrung(vom Januar 1927 bis zum Juni 1928) mit einer regierenden Rechtskoalition gemacht, in der die Partei Hugenbergs sogar den weitaus stärksten Faktor bildete: nie war die deutsche Außenpolitik leisetreterischer als in jener Zeit, nie ist es den Hugenberg-Ministern damals eingefallen, den Austritt aus dem Völkerbund im Kabinett zu beantragen. Sie ließen es sogar zu, daß in diesen achtzehn Monaten keinerlei Versuche unternommen wurden, die frühere Rheinland- räumung oder die Ermäßigung der Dawes-Lasten zu' be- treiben. Das blieb der folgenden Regierung des Sozial- demokraten Hermann Müller vorbehalten. Man wende nicht ein, daß die Deutschnationalen heute, unter Hugenbergs diktatorischer Führung, radikaler geworden seien als in jener Zeit, in der sich der mäßigende Einfluß von Westarp. Hergt, Keudell und Hoetzsch noch geltend machte. Wenn sich Hugenberg gegenwärtig an die Macht drängt, so geschieht das nicht zuletzt, um sich zu sanieren. Der Mann, der unter dem Alpdruck pon Dangt-Schulden seufzt und der nicht einmal die vollen Gehälter seiner Parteiangestellten zum Ultimo auszahlen kann, ist im Grunde heilfroh, daß die Reichsregierung nicht daran denkt, feine innen- und außen- politischen Katastrophenrezepte zu befolgen. Roch weniger würde e r daran denken, diese Parolen ernst zu nehmen, wenn er an die Macht käme. Man sage auch nicht, daß die nationalsozia- listische Konkurrenz Hugenberg zwingen würde, als Träger der staatlichen Verantwortung feine heutigen Parolen zu verwirklichen. Der außenpolitische Extremismus der Nazi- führer ist genau so unehrlich wie der Hugenbergschc. Hitlers Antwort an Gustave Heroä bald nach den Septemberwahlen von 1939 war nichts als ein würdeloses Anbiederungsangebot an Frankreich, in dem jeder Gedanken an Vertragszerreißung und dergleichen entschieden geleugnet wurde. Es scheint aber, daß auf manch« Kreise der Reichsregierung und besonders des Auswärtigen Amtes die n a t i o n a- listische Stimmungsmache gegen Genf nicht ohne Einfluß geblieben ist. Weniger aus Ueberzeugung, als aus ängstlicher Anpassungsfähigkeit sind manche Bürokraten der Wilhelmstraße und manche recht maßgebende Politiker der Mittelparteien zu der Auffassung gekommen, daß man „etwas tun" müsse, um den„nationalen" Parteien das Wasser abzugraben. Aus derartigen Gedankengängen ist seinerzeit derZolluni»*plan entstanden, der in der Ge- schichte der deutschen Außenpolitik in der Nachkriegszeit als der verhängnisvollste Fehler verzeichnet bleiben wird. In der gleichen Richtung liegt das offenkundige Bestreben mancher Politiker und Diplomaten, Deutschland vom Völkerbund stärker zu di st anzieren, von ihm mit Skepsis oder gar mit Spott zu sprechen und ihn überhaupt möglichst a u s z u- schalten. Wir hegen keinerlei Illusionen über die Wirkungsmög- lichkeiten des Völkerbundes, solange die altmodische Zunft- diplomatie die meisten europäischen Kanzleien beherrscht und infolgedessen auch den Völkerbund beeinflußt und hemmt. Roch weniger erwarten wir allzu große Erfolge von Genf, solange faschistische Regierungen wie die italienische und die jugoslawische Sitz im Völkerbundrat haben und solange ge- mäßigt reaktionäre und nationalistische Kabinette in Frank- reich und in Deutschland regieren. Aber es geht nicht an, den Völkerbund als solchen dafür verantwortlich zu machen, daß die Völker bisher nicht fähig waren, aus ihm etwas Segensreiches zu machen. Ebensowenig wie es etwas gegen das System der parlamentarischen Demokratie beweist, daß vor Jahresfrist in Deutschland 6'/- Millionen Nazis und fast 5 Millionen Kommunisten einen arbeitsunfähigen Reichstag zustande brachten. Wenn ein betrunkener Chauffeur mit seinem Wagen in einen Baum rast und nur ein Trümmer- Haufen übrig bleibt, dann ist noch lange nicht damit demon- ftriert, daß das Auto nichts taugte und daß überhaupt die Erfindung des Kraftwagens ein Unfug war. Zu den neuen Vorwürfen, die von nationalistischer Seite gegen den Völkerbund erhoben werden, gehört die Behaup- tung, daß er in diesem Sommer nicht eingegriffen hätte, als die deutsche Krise ein allgemeines politisches Chaos in Europa zu entfachen drohte. Wieder einmal habe also der Völkerbund„versag t". Ein Hugenbergsches Blatt leistet sich dabei die geschmackvolle Behauptung, daß der General- sekrctär Sir EricDrummond zu jener Zeit seelenruhig Forellen in Schottland fischte. Nun, es hat in jener Zeit auch in Deutschland Per- sönlichkeiten gegeben, die durch die ganze Krise hindurch ihren Sommerurlaub fern von Berlin verbrachten. Aber ab- gesehen davon ist doch die Gegenfrage am Platze: Wer war denn damals z u st ä n d i g für eine etwaige Einberufung des Völkerbundrates? Grundsätzlich jedes Völkerbundmitglied, vor allem jedes Mitglied des Rates und in allererster Linie der amtierende Ratspräsident. Wer war nun von Mai bis September der amtierende Ratspräsident, der so kaltherzig, so gleichgültig gegenüber den Nöten des deutschen Volkes war, daß er die Initiative zu einer Einberufung des Rates nicht ergriff? Es war ausgerechnet der d e u t s ch e Ver- treter, der Reichsaußenmini st er Dr. Curtius! Nun mag Dr. Curtius gute Gründe gehabt haben, ein Eingreifen des Völkerbundes für zwecklos zu halten. Zum Beispiel, daß man in Berlin Hilfe vor allem von Amerika erhoffte, das leider dem Völkerbund nicht angehört.(Wofür man den Völkerbund auch nicht verantwortlich machen kann.) Dann mag er sich gesagt haben: auch der Rat wird doch nichts ohne die Bankiers tun können, und die sitzen in Basel, oder vielmehr in New Port, London und Paris. In sträflicher Verkennrjng der tatsächlichen finanziellen Machtver- Hältnisse hat man in Berlin lange Zeit geglaubt, daß man sich um die Pariser Bankiers überhaupt nicht zu kümmern brauche. Außerdem hatte man Angst vor Hugenbergs und Hitlers Ge- schrei und wollte vom„Erbfeind" zunächst selbst ohne„Bin- düngen" überhaupt kein Geld annehmen. Man soll doch lieber offen gestchen: an einen Appell an den Völkerbund hat man in Deutschland schon deshalb nicht gedacht, weil man eine poli- tische Aussprache mit Frankreich scheute. Man scheute diese Aussprache, weil man außenpolitisch kein ganz gutes Gewissen und innenpolitisch keinen Mut hatte. Während die deutschnationale Presse den förmlichen Aus- tritt aus dem Völkerbund fordert, gibt das Auswärtige Amt dieser Stimmungsmache insofern nach, als es zumindest den Eindruck einer„zunehmenden Abkehr" Deutschlands vom Völkerbund erweckt. Schon die rein bürokratische Zusammen- setzung der diesjährigen deutschen Völkerbundsdelegation ist für diese Tendenz symptomatisch. Es werden zum TeU Männer ohne Genfer Erfahrungen, ohne persönliche Verbin- düngen und sogar solche mit ausgesprochen völkerbundfeind- lichen Vorurteilen Deutschland auf dieser internationalen Ta- gung vertreten. Wenn dann das Ergebnis besonders mager ist, wird es erst recht heißen: der Völkerbund hat wieder ein- mal„versagt". Die Sozialdemokratie lehnt jedenfalls vor aller Welt die Verantwortung für eine solche Außenpolitik ob, die, nebenbei bemerkt, der Stresemannschen Tradition ins Gesicht schlägt. Sie rückt ebenso unzweideutig von jener Aeußerung des Reichskanzlers Dr. Brüning gegenüber einem Vertreter der„Daily Mail" ab, wonach er von großen internationalen Zusammenkünften nicht viel halte, dafür um so mehr von Besprechungen zwischen Staatsmännern im engsten Kreise. Mag auch dieser Ausspruch nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt gewesen sein, so war er doch recht un- vorsichtig und auch sonst befremdend. Denn über so große außenpolitische Erfahrungen verfügt der gegenwärtige Reichs- kanzler kaum, daß er sich ein solches weittragendes Urteil ge- statten könnte. In Genf ist er unseres Wissens überhaupt noch nicht gewesen. So bleibt diese Aeußerung bezeichnend für eine allgemeine Tendenz, vor der man nicht eindringlich genug warnen kann. Nicht der Völkerbund versagt, sondern die Regierungen, einschließlich der deutschen, die es nicht wagt, einen deutlichen Trennungsstrich nach rechts zu ziehen, dafür immer wieder der nationalistischen Ideologie Konzessionen macht. Die deutschen Nationalisten haben durch ihren Auftrieb vor Jahres- frist den deutschen Kredit im Ausland ruiniert: die Versuche der Reichsregierung, ihnen durch eine sogenannte„Aktivität" außerhalb von Genf und durch eine kühle Passivität i n Genf das Wasser abzugraben, haben die Lage nur ver- schlimniert. Wenn jetzt die Urheber dieser neuen Isolierung Deutschlands ihre Tinte in die Welt verspritzen mit der Be- hauptung, daß der Völkerbund versage, mit der Forderung, daß Deutschland aus ihm austrete, und mit der Unterstellung, daß der Generalsekretär Forellen fange, anstatt sich um die deutsche Krise zu kümmern, so ist das nichts weiter als die übliche Taktik der völkerverhetzenden journalistischen Tintenfische. Preußische Sparmaßnahmen. Heute Fortsetzung der Kabinettssitzung. Die gestrige Sitzung des preußischen Staatsministeriums, die sich mit den Sparmaßnahmen auf Grund der Notverordnung des Reichspräsidenten vom 24. August zur Sicherung der Hausholte be- schäftigte, wurde nach viertelstündiger Dauer abgebrochen und aus Mittwoch, den 2. September, nachmittags, oertagt. Beschlüsse wur- den in der Dienstagsitzung nicht gefaßt. Zieichsbankbiskont 8 Prozent. Aushebung der Krediirestrikiionen. Die Rcichsbank hat mit Wirkung ab Mittwoch, dem 2. September, den Diskontsatz von 10 auf 8 Proz. und den Lombardsatz von 12 auf 10 Proz. herabgesetzt. In der gestrigen Sitzung des Zentralausschusscs der Reichs- bank begründete Reichsbankpräjident Dr. Luther die Senkung der Reichsbankzinsen wie folgt: Die reibungslose Durchführung des Anfang August wieder aufgenommenen vollen Zahlungs- und Bank- Verkehrs hatte es der Reichsbank ermöglicht, ihren Diskontsatz vom 12. August ab von IS aus 1l) Proz. und den Lombardsatz in zwei Etappen von 20 Proz. bis auf 12 Proz. zu ermäßigen. Eine weitere Senkung des Diskontsatzes war schon damals in Aussicht ge- nommen für den Fall einer befriedigenden Weiterentwicklung der allgemeinen Lage. Inzwischen ist eine gewisse Klärung eingetreten, wobei auf die in Basel gepflogenen Verhandlungen übdr die weitere Belassung der in Deutschland noch vorhandenen Auslandsgelder, deren förmlicher Abschluß freilich noch aussteht, hingewiesen sei. Der Status der Reichsbank hat sich im Lause des Monats August im Sinne fortschreitender Entlastung entwickelt. Die Anlagen der Reichsbank, die am 7. August noch 3849 Millionen betragen hatten, erfuhren bis zum 22. August eine Verringerung um 69S Millionen. Die rückläufige Bewegung setzte sich auch in der letzten Augustwoche zunächst noch fort, erst vom 28. August ab zeigte sich infolge des einsetzenden Ultimobedarfs wieder eine Zu- nähme. Eine etwa gleichartige Bewegung hatte der Noten- Umlauf aufzuweisen, der seinen niedrigsten Stand am 26. August mit etwa 39S6 Millionen Mark erreichte. Die täglich fälligen Ver- Kindlichkeiten erfuhren bis zum 25. August eine Zunahme auf rund 600 Millionen: erst vom 28. August ab überwogen die Abzüge. Schon heute ist erkennbar, daß die U l t i m o b e l a st u n g der Bank, deren genaue Ziffern im Augenblick noch nicht vorliegen, sich in durchaus gemäßigten Grenzen gehalten hat: insbesondere überschreitet der Notenumlauf mit etwa 4380 Millionen in keiner Weise das übliche Maß. Die Deckung der Noten durch Gold und deckungsfähige Devisen wird etwa 39,3 Proz. betragen gegen- über 36,1 Proz. Ende Juli. Angesichts dieser Gestaltung der Lage glaubt das Reichsbank- direktorium, die für die W i r t f ch a f t nach wie vor außerordentlich drückenden Zinslasten durch eine Senkung des Diskonts auf 8 Proz. und des Lombardsatzes auf 10 Proz. erleichtern zu sollen. Ob und wann weitergehende Erwartungen zu verwirklichen seien, bleibt von der künftigen Entwicklung des Kredit- und Devisen- Marktes abhängig. Der Reichsbankpräsident gab ferner der Persammlung davon Kenntnis, daß die unter dem Zwange der Verhältnisse im Juni angeordneten und im Juli weiter verstärkten restriktiven Maßnahmen dank der seit der Wiederaufnahme des vollen Zahlungsverkehrs eingetretenen Beruhigung auf. gehoben werden konnten. und daß die Reichsbant bestrebt ist, ihre wiederhergestellte Kredit- bereitschaft tunlichst weiten Wirtschaftskreisen zugute kommen zu lassen. Vor einigen Tagen ist zur Bestätigung dieser seit längerer Zeit verfolgten Tendenz ein besonderer Grunderlaß an alle Reichs- bankanstalten ergangen, in dem darauf hingewiesen wird, daß jetzt jeder gute Handelswechsel, der als reichsbankfähig an- zuerkennen ist, bei der Reichsbank soll Unterkunft finden können. Außerdem sind Besprechungen mit den Banken usw. aufgenommen, die die Schaffung erweiterter Vcrwertungsmöglichkeiten für gute Warenwechsel zum Ziele haben. Von größter Wichtigkeit hierfür ist, daß Handel und Gewerbe durch Bereitstellung eines geeigneten Materials von auf Güter- umschlügen basierenden Wechseln ihren Banken die Möglichkeit geben, einen tunlichst großen Teil der gegenwärtig von ihnen bei den Banken in Anspruch genommenen Kontokorrentkredite in Diskontkredite für Handelswechsel umzuwandeln. Damit würde nicht nur eine straffere und gesündere Gestaltung unserer Kreditverhältnisse geschaffen, sondern auch den Banken er- möglicht, ohne wesentliche Verringerung ihres Kreditbestandes, ihre Liquidität zu verbessern und zum Nutzen der deutschen Wirtschast die von der Reichsbank gebotenen Kreditmöglichkeiten für Warenwechsel besser auszunutzen. Ablieferungspflicht für Devisen. Für alle Beträge über 1000 Mark. Es wird darauf hingewiesen, daß die Ablieferung der Devisen aus Grund der Verordnung vom 29. August bis zum S. September 1931 zu erfolgen hat. Hierzu ist jeder verpflichtet, der Devisen im Werte von mehr als 1000 Mark besitzt, und zwar ausländische Zahlungsmittel(z. B. ausländische Banknoten. Goldmünzen, Schecks, Wechsel usw.), Forderungen in ausländischer Währung(z. B. sämtliche Bankguthaben in ausländischer Währung bei in- und aus- ländischen Banken oder sonstige Forderungen in ausländischer Wäh- rung, die in den nächsten drei Monaten fällig werden), ausländische Wertpapiere, sofern sie nach dem 12. Juli 1931 erworben sind, und schließlich Gold(außer den vorerwähnten ausländischen Goldmünzen alle außer Kurs gesetzten Goldmünzen, Feingold und legiertes Gold — sowohl Rohgold wie Halbfabrikate, nicht dagegen Schmuck- fachen). Die Anbietung und Ablieferung der Devisen hat bei der Reichsbank und ollen Devisenbanken zu erfolgen. Bordrucke brauchen nur in den Fällen ausgefüllt zu werden, wenn jemand beantragt, ihm seine Devisen zu belassen, da er sie zu volks- wirtschaftlich gerechtfertigten Zwecken gebraucht. Wer seinen Verpflichtungen zur Ablieferung nicht nach- kommt, wird streng bestraft. Auskunft erteilen die Reichsbankanstalten und die Devisenbanken. Landtag erst am 13. Oktober. Frühere Einberufung abgelehnt. Die preußischen Regierungsparteien haben am Dienstag im Aeltestenrat des Landtags dessen Einberufung abgelehnt. Hinsichtlich des deutschnationalen Antrags mrs sofortige Einberufung gab die Mehrheit des Aeltestenrats der Austassung Zlus- druck, daß die Bestimmungen des Artikels 17 der Preußischen Ver- fassung sich lediglich auf den Fall beziehen, daß der Landtag g e- schloffen worden ist, während im vorliegenden Falle nur eine Vertagung erfolgt ist, die der Landtag mit Mehrheit beschlossen hat. Hinsichtlich des kommunistischen Mißtrauens- antrages wurde von den Regierungsparteien der Standpunkt vertreten, daß es allerdings zutreffe, daß über einen solchen Antrag innerhalb 14 Tagen nach seiner Einbringung abgestimmt werden müsse. Als„eingebracht" könne ein Antrag jedoch erst gelten, wenn ihn der Präsident dem versammelten Landtag vor- gelegt habe. Daher laufe die vierzehntägige Frist erst vom Tage des Wiederzusammentritts, aliso vom 13. Oktober an. Bon den Re- gierungsparteien wurde erklärt, daß bei einer anderen Auslegung eine kleine Minderheit die Möglichkeit haben würde, den Landtag jede Woche zum Zusainrnentritt zu zwingen; das könne nicht Sinn der Verfassung sein. Die deutfchnationale Landtagsfraktion ruft den Staats« gerichtshof an. Die deutschnationale Landtagsfraktion wird, nachdem der Aeltestenrat des Preußischen Landtags eine Zwischentagung ob- gelehnt hat, nünmehr, wie bereits in Aussicht gestellt war, den Staats�erichtshos anrufen, damit dieser über die Verpflichtimg des Landtagspräsidenten auf Einberufung des Landtags ein Votum ab- gebe, wenn ein Mißtrauensantrag gegen das Staatsministerium oder einen Minister vorliegt oder wenn die Zusammenberufung des Landtags von einem Fünftel der Zahl der Mitglieder gefordert wird. Genosse hilserding soll nach Meldung eines kommunistischen Skandalblatts„in einem engen Kreis seiner Schüler und Mit- arbeiter" eine Rede gehalten haben, über die das Standalblatt aus- führlich berichtet. Hilferding hat von dieser Rede, die er gehalten haben soll, erst aus dem Standalblatt erfahren; er hat kein Wort von alledem gesagt!— Gibt es ein Mittel gegen eine solche Art von .„Journalismus"? Boncour soll Senator werden. Der sozialistische Abgeordnete Paul Voncour hat die chm angebotene Kandidatur für einen frei gewordenen Senatssitz im Departement Tarn, das er bisher in der Kammer vertrat, angenommen. Kreitag Aeliestenrat. Entscheidung über Zieichstagseinberufung. Präsident Lobe hat den Aeltestenrat des Reichstags für Frei- tagnachmittag 4 Uhr zu einer Sitzung einberufen, in der über den kommunistifchen Antrag mif Einberufung des Reichstags entschieden werden soll. Deutsches Theater. Uraufführung von„Kat". Em Schauspiel nach dem amerikanischen Roman von Ernest Hemingway von Karl Zuck mayer und Heinz Hilpert. Eine traurige Liebesgeschichte mit dem düsteren Hintergrund des Weltkrieges. Kein Theaterstück, ein Bilderbuch. Großer Beifall für Gustav Fröhlich, Paul Hörbigcr und K ä t e Dorsch. Dxr. Hildegard Wegscheider. Zu ihrem 60. Geburtstag. Genossin Hildegard Wegscheider, die heute da? 60. Lebensjahr vollendet, gehört zu den Frauen, die schon den Weg zur Sozialdemokratischen Partei gesunden haben, als noch der Glanz des Kaisertums die bürgerlich-liberolen Kreise an sich zog. Das ganze Misteu, in dem sie aufwuchs, wies sie schon in früher Jugend auf ein« selbständige Stellungnahme zu den Problemen des Lebens hin. War doch schon der Vater, Lehrer am Gralien Kloster in Berlin, vom Prooinzialschultoller.ium wegen seiner sreisinirigen Theologie gemaßregelt worden, so daß er diese Stelle verlassen und in Licgnitz in einer freier denkenden Gemeinde Pastor werden mußte. Für sie kam also von vornherein nicht die übliche bloße Töchterschulausbil- dung jener Zeit in Frage, sondern eine wirkliche Berufsaiis- b i ldu n g. Der einzige Beruf, der für Mädchen aus guter bürger- licher Familie möglich war, war der der Lehrerin. Zum Abiturium und Studium waren Möschen noch nicht zugelassen, wenigstens nicht in Deutschland. Aus dieser gesellschaftlichen Situation heraus wurde Genossin Wegscheider eine Vorkämpferin der Frauen- rechte. Sie ging nach dem Lehrerinnensxamen zum Studium noch Zürich, wo Richard Avenarius ihr Lehrer und väterlicher Freund wurde. Bebels„Frau und der Sozialismus" bewies ihr, daß der Kampf der Frau nur in den Reihen der Arbeiterklasse geführt wer- den könne. So trat sie der sozialistischen Studentengruppe bei und klebte nach ihrer Rückkehr in Deutschland Frauenkarten, da eine andere Form der Mitgliedschaft noch nicht möglich war. Zunächst galt ihr ganz persönlicher Kampf— in dem sie sich hier noch durch- aus mit der bürgerlichen Frauenbewegung in einer Linie befand— dem Recht auf die höchste Bildung, den Zugang zur Universität. Sie wurde die erste Frau, die das Abiturium in Deutsch- land ablegen durste, die erste Frau, die in Preußen den Doktor machte. Die Berliner Universität, auch damals keine Führerin im sozialen Fortschritt, versagte ihr unter dem Dekanat Treitschkes die Zulassung. Halle, wo Eduard Meyer und Benno Erd- mann ihre Lehrer waren, erteilte ihr 1898 den Doktorgrad. Von da an war die Linie ihres Lebens, waren die Ziele, für die sie nun ein Menschenalter gekämpft hat, eindeutig festgelegt. Sie arbeitete zuerst an den Kursen von Helene Lange, gründete dann eigene Kurse zur Vorbereitung von Mädchen auf die Universität, mußte aber hier die Erfahrung machen, daß die verheiratete und nun gar die schwangere Frau als Lehrerin von der Regierung in Potsdam als unsittlich empfunden wurde! Die Regierung löste 1903 deshalb sogar ihre Kurse auf. In der Zeit der erzwungenen Muße konnte sie sich unmittel- barer in der Arbeiterbewegung betätigen, und zwar wiederum auf einem Gebiet, das ihr als Frau besonders nahe lag, in der Be- tämpfung der besonders in den Arbeiterfamilien fühlbaren zerstören- den Wirkungen des Alkohols. Selbst als Studienrätin in Bonn hat sie bei aller Reserve, die ihr geboten war, in der sozialistischen und in der Gewerkschafts- jugend durch Vorträge, besonders über die Geschichte der Revolutio- nen, gewirkt. So war es selbswerständlich. daß die Partei sie nach der Revolution, zunächst für den Wahlkreis Köln, dann für ihren heimatlichen Kreis Liegnitz in den Landtag schickte. Dieser reiche äußere Lebenslauf sagt viel über den Menschen Aber«r säet sicher vielen, vielen Menschen zu wenig, die sich j» allen möglichen materiellen und seelischen Nöten an Hildegard Wegscheider gewandt und immer ihre Hilf« erhalten haben. Es wäre nicht in ihrem Sinn, wollte man darüber heute reden. Von ihr oiu wie von ganz wenigen, daß ihr nichts Menschliches fremd blecht. Nr. 409» 4S. Jahrgang*1* 2301��15� �06 Mittwoch, 2. September 493� Sie plünderte die Armen. Küns Lahre Zuchthaus für eine Betrügerin. Marie Ludwig, die sich am Dienstag vor der Strafkammer des Landgerichts III wegen Rücksallbetrng» in IIS Zöllen zu verantworten hatte, ist vielfach, unter anderem mit drei Jahren Zuchthaus, vorbestraft. Die Angeklagte, die erst vor einiger Zeit aus dem Zuchthaus entlassen worden war, hatte sich, kaum wieder in Freiheit, an alte Frauen herangemacht und ihnen mit großer Geschicklichkeit vor- gespiegelt, daß sie mit ihnen verwandt sei. Hatte sie auf diese rafft- nierte Weise das Vertrauen der Alten gewonnen, so ging sie daran, ihnen Geld aus der Tasche zu locken. Natürlich hotte sie ihre Hand- tasche im Hotel„liegen gelassen" und hatte nun„dringend« Einkäufe" zu erledigen. Die alten Frauen borgten der plötzlich aufgetauchten Verwandten, die so liebenswürdig und herzlich war, zumal das Geld ja in wenigen Stunden zurückgezahlt werden sollte. Selbstverständlich verschwand die Hochstaplerin spurlos. Auf diese Weise hat sie mehrer« tausend Mark erbeutet. Be- sonders schamlos aber war ein anderer Trick von ihr. Als Wohl- fohrtsbeamtin ging sie daran, angeblich irrtümlich gezahlte Unterstützungen wieder„einzukassieren". Das Schöffengericht Berlin-Mitte hatte die gemein- gefährliche Betrügerin in erster Instanz zu S'A Jahren Zuchthaus verurteilt. Da die Angeklagte Berufung eingelegt hatte, kam ihre Sache vor die Strafkammer. Das Berufungsgericht erhöhte dos Urteil erster Instanz auf 5 Jahre Zuchthaus, 10 Jahre �Ehrverlust und 1000 Mark Geldstrafe. In diesem Fvlle müsse mit aller Strenge durchgegriffen werden, meinte der Vorsitzende in seiner Begründung. Helft ihn suchen! Oer Kinderschänder noch immer nicht gefaßt. Roch immer wird der Kinderschänder gesucht, der nun schon seit Wochen in der Gegend desi Gesundbrunnens sein Unwesen treibt. Anfang August wurde in der Oeffentlichkeit vor einem gefähr- lichen Menschen gewarnt, der kleine Knaben in sadistischem Rausche grausam mißhandelte. Er hatte die Kinder, Jungen im Alter von zehn bis zwölf Jahren, in der Gegend des Gesund- brunnens angesprochen und sie aufgefordert, gegen ein Geld- geschont ein Neines Paket für ihn zu besorgen. Die ahnungslosen Jungen führte er nach Buch oder Pankow und schlug im Walde mit einem für diesen Zweck abgeschnittenen Stock unbarmherzig auf sie ein. Als die Zeitungsnotizen damals erschienen, wagte der Unhold sich drei Tage lang nicht hervor. Am vierten Tage aber begann sein schändliches Treiben von neuem und hat bis jetzt nicht aufgehört. Die KriminaGbcamtcn der Dienststelle 1 sind tagelang in der Gegend des Gesundbrunnens unterwegs gewesen, um' nach dem Ltinderschänder zu suchen. Sie fanden ihn nicht, da die Beschreibung der durch die Mißhandlung emgeschllchterten Kinder sehr u n z u- länglich ist. Bei den letzten Anzeigen, die eingegangen sind, hat sich gezeigt, daß der Kinderschänder noch brutaler als früher zu Werke gegangen ist. Er lockte einen 13 Jahre alten Knaben mit der bekannten Vorspiegelung an sich und schlug das Kind derartig mit den Fäusten, daß ein Auge vollständig zugeschwollen ist und der Junge aus Mund und Nase stark blutete. Es ist unverständlich, daß die sonst so„hellen" Berliner Jungen immer noch mit Fremden mitgehen. Den EUern der Kinder kann nur dringend empfohlen werden, die Jungen zu warnen. Der Unhold soll etwa 30 Jahre alt und 1,70 Meter groß sein. Er hat schlanke Gestakt, schmales Gesicht, langes, dunkles, nach hinten gekämmtes Haar und trug bisher immer einen grauen Anzug. Ge- eignete Mitteilungen, die auf seine Person hinweisen, erbittet Kriminalkomnüssar S t r e w e bei der Dienststelle E. 1 im Polizeipräsidium. Ooppelie Bigamie. Eine Gefängnisstrafe von acht Monaten. Bigamie in zwei Fällen wurde dem tSjährigen Arbeiter Gustav Z. gestern vor dem Schöffengericht w e d d i n g vorgeworfen. Der Angeklagte hatte im Jahre 1904 in Pelzig eine Frau geheiratet, die er einige Jahre später verließ, da die Ehe sehr un- glücklich war. Als er sie im Jahre 1911 wieder einmal besuchte, um sich mit ihr auszusprechen, wies sie ihn mit der Bemerkung ab, sie seien bereits geschiedene Leute. Daraufhin heiratete er im Kriege eine andere Frau, die nach siebenjähriger Ehe starb. Nach dem Trauerjahre heiratete er zum dritten Male. Mit dieser Frau lebt er auch heute noch in glücklicher Ehe. Vor einiger Zeit reichte nun seine erste Frau aus unerklärlichen Motiven die Scheidungs- klage gegen ihn beim Landgericht III ein, so daß die Behörden dadurch erfuhren, daß Z., ohne geschieden zu sein, zweimal geheiratet hatte. Bei seiner Vernehmung gab er nun an, er habe die Bemerkung seiner ersten Frau, sie seien geschiedene Leute, so aufgefaßt, als ob er tatsächlich gerichtlich geschieden sei. Gegen diese Gut- gläubigkeit sprach aber der Umstand, daß er sich auf dem Standes- amt bei seiner zweiten Ehe als ledig und bei seiner dritten Ehe als verwitwet bezeichnet hatte. Seine erste Frau verweigerte eigen- artigerweise ihre Zeugenaussagen. Ein Freund von ihr bestätigte dem Angeklagten, daß sie auch ihm gegenüber in früheren Jahren angegeben habe, daß sie geschieden seien. Das Gericht verurteilte Z. wegen Bigamie in zwei Fällen zu acht Monaten Gefängnis und bewilligte ihm mit Rücksicht auf seine sonstige gute Führung eine Bewährungsfrist Das große Los in Berlin E>. Bei der Preußisch-Süddeutschcn Klassen- lotterie wurde am Dienstagnachmittag das groß« Los gezogen. Der 500 000. Mark-Gewinn entfällt auf die Besitzer des Loses 281 050. In der ersten Abteilung wird das Los in Vierteln in Berlin S. gespielt, in der zweiten Abteilung, in Achteln in Freiburg. 8«Äa»5N§Me Artetfcrf a$eiifi tirofjF-Beriftr Heute. Mittwoch, den 2 Sept., lo'/.�Uhr, im groben Saal der KammersSlc.TeMowerStrabe, U-Bahnhof Belle-AIliance-Sirabe KundflelBSinä „Legen VülKerhalF und VöiHerveriielzun?, ttir verstandlgioig mitl FranKrefdi und der Well" Es sprechen: Härtel Bron-FranKreidi, Dr. K. UWenstein-Berlin Lionel ElVtn'England(Dozent a.d. Universität Cambridge) Mitwirkung: Streichorchester der Sozialisfischen Arbeiter- Jugend und„Rote Rebellen* Zeppelin vor pernambuco. Ankunst verspätet.— Leichte Beschädigung am Heck. Pernambuco, 1. September. Natt» den letzten Funkmeldungen ist das Heck des „G r a f Zeppelin" in den schweren Regenstürmen leicht beschädigt worden. Das Luftschiff nähert sich mit herabgeminderter Geschwindigkeit Pernambuco, Dr. E ck e n e r bat der Funkstation O l i n d a durch Funkspruch mitgeteilt, daß das Luftschiff im südatlantischen Ozean aus Gegen- winde gestoßen sei.„Graf Zeppelin" könne daher nicht vor dem frühen Nachmittag in Pernambuco eintreffen. Sturm und Regen zwangen das Luftschiff, verschiedene kleine Kursänderungen vorzunehmen und die Geschwindigkeit zu verlangsamen. Zn pernambuco gelandet. Pernambuco, 1. September. Um 31 Uhr 26 MGZ. ist„Graf Zeppelin" unter dem Jubel einer nach Tausenden zählenden Menschenmenge in Pernambuco gelandet. Raubüberfall auf Postbeamten. Räuber mit der Beute entkommen. Röbel(Mecklenburg-Schwerin), 1. September. Der poststelleninhaber J a n h e n wurde heute aus einer Dienst- fahrt im Walde bei Rctzoto von zwei Männern überfallen, vom Rade gerissen und unter Bedrohung mit Revolvern des Bargeldes beranbl. Den Räubern sielen rund 1500 Mark in die Hände, mit denen sie unerkannt entkamen. Die Gendarmerie hat die Er- mitllungen aufgenommen. Der Raubüberfall war planmäßig vor- bereitet. Es erwies sich, daß die Zernsprechleilung nach dem Zorst- gehöft durchschnitten worden ist. Ein paßvergehen mit selisamem Hintergrund. Vor dem Schnellgericht beim Amtsgericht Mitte stand gestern ein P a ß v e r g e h e n zur Aburteilung, dessen Begleitumstände stark an Mädchenhandel erinnerten. Angeklagt war eine 19jährige Polin, die ohne Paß nach Deutschland gekommen war und aus' diesem Grunde vom Polnischen Konsulat in Berlin, an das sie sich gewandt hatte, der Strafbehörde zugeführt worden war. Die Polin, ein auffallend hübsches Mädchen, das der deutschen Sprache nicht mächtig ist, hatte in der vergangenen Woche in ihrer Heimatstadt Posen eine Frau kennengelernt, die sich als deutsche Staatsbürgerin ausgab und dort angeblich ihren Urlaub verbrachte. Sie schilderte der jungen Polin die Verdienstmöglichkeiten in Deutschland in so leuchtenden Farben, daß diese sich sofort bereit erklärte, mit nach Deutschland zu kommen. Nachts überschritten beide die Grenze, um der Paßkontrol e zu entgehen. Für sämtliche Reisekosten und den Berliner Aufenthalt sorgte die neue Bekanntschast, die die Polin in-Berlin in einem Hotel einmietete und mit ihr schon am ersten Abend ein Restaurant aufsuchte. Das Mädchen wurde durch 'den Umstand stutzig, daß sich dort sofort sehr viele Herren um sie bemühten, und sie lief in einem günstigen Augenblick auf die Straße und begab sich zum Polnischen Konsulat, das es der Polizei zuführte. Das Schnellgericht, das auf diese merkwürdigen Begleit» umstände nicht weiter einging, verurteilte die Angeklagte zu drei Tagen Haft. lieber die englische Krise spricht DcnnerstiM, 3. September, 20.30 llfti*, ans Veranlassung der Liga der MenschenrcckteAm ehemaligen Herrenhaus Abgeordneter Fcnncr-Brockwah- London, Vorsitzender der englischen Ii»abhängigen Arbeiterpartei. Unkostcnbeitrag. WQINMR/fjJJg� „Ein junges Mädchen ist wie ein Seidenfädchen", doziert Frau Fanny Testes. Sie ist sich selbst nicht über diesen Ver- gleich klar. Die Weisheit stammt von ihrem seligen Mann, dem Regierungsrat Reginald Testes, und ist deshalb über jeden Zweifel erhaben.„Mein Mann pflegt auch immer zu sagen:„ein junges Mädchen ist wie ein reines Handtuch, jeder wischt sich daran die Hände ab", fährt sie fort und grübelt nach, welche Haushaltungsgegenstünde sich außerdem mit einem jungen Mädchen in Beziehung bringen lassen. Frau Aurelie Damme versinkt in einem Sessel, der unter ihrer Last ächzt.„Ein hübscher Junge, der Gert!" Ihre Blicke streicheln den schlanken, jungen Mann, der Noras Handlinien untersucht, um daraus einen Charakter zu kon- struierten. Harry flüstert ihm grinsend etwas ins Ohr, und Gert lacht auf. Mas hat er gesagt?" will Nora wissen. Sie fragt in dem Ton eines Kindes, das sofort weinen wird. Daß Sie eine glückliche Hand haben, gnädiges Fräulein", beeilt sich Gert zu versichern. Nora sieht mißtrauisch von einem zum anderen.„Psui! sagt sie kokett. Fränze bittet zu Tiich...... 5iarry bietet Nora den Arm. und Gert schließt sich nach einigem Zögern an. Wenn die langweilige Fütterung schon vorbei wäre. Appetit habe ich auch nicht mal. denkt er. Wie Mama herlinst. weil ich neben Nora Marx sitze. Vielleicht beabsichtigt sie, eine Heirat einzufädeln. Gleich nach dem Essen drücke ich mich. Zur Not muß mir Harry helfen. Ich werde Harry überhaupt auf alle Fälle noch anpumpen. Lili kriegt zehn Mark von mir. Wenn Lili vor der Tür warten muß, wird sie bös. Aber ich werde schon zur Zeit kommen. „Bitte!" Er reicht Nora einen silbergeflochtenen Korb mit Brötchen zur Brühe. Warum mich die dicke Konsulssrau so anglotzt, möchte ich gern erfahren. Aurelie heißt sie auch noch. Sie kann ruhig Gift darauf nehmen, ich werde es nicht vot ihr treiben. Aert ist es befaunt, daß er hübsch ist Mtd die Frauen auf ihn fliegen, besonderes Damen, die sich dem kri- tischen Alter nähern. Wahr bleibt es nun einmal: ich gefalle.' Schließlich bin ich nicht für meine braunen, melancholischen Augen und für meinen schönen Mund verantwortlich zu machen. Mama sitzt so streng da wie ein Polizist. Was sie hier eigentlich will? Sie mit ihren 400 Mark Pension unter den reichen Weibern! Auch ein Vergnügen, ständig als Popel an anderer Leute Tisch zu sitzen. „So verträumt?" fragt Nora hold lächelnd. „Sie irren sich, ich gebe mich ganz dem Fisch hin", ant- wartet Gert ablehnend. Das hat mir zu meinem Glück gefehlt. Das Schaf möchte unterhalten werden. Hat sie an Harry nicht genug? Nora zupft Harry am Aermel.„Wollen Sie mir nichts zu trinken geben?" „Pardon!" Harry ergreift die Rheinweinflasche.„Daß mir das ausgerechnet passieren muß!" Er bemerkt die giftigen Blicke, die von Frau Negierungsrat Testes zu ihm und Nora herüberfchießen. Die Mutter seines Freundes Gert zu ärgern, bereitet ihm stets ein herzerfrischendes Vergnügen. „Trinken wir ex", fordert er auf und ist sicher, daß dieses Treiben von der korrekten Regierungsrätin als strälich be- zeichnet wird. Er legt seinen Arm auf Noras Stuhllehne und spricht mit unwiderstehlichem Lächeln auf sie ein. Nora ist begeistert.* „Sie sollten sich immer in die Farbe der Unschuld kleiden, sie steht Ihrem schwarzen Hoar so niedlich. Trinken wir darauf!" animiert Harry, der bereits am Nachmittag die üb- lichen Kognaks und Tafelbiere eingenommen hat. „Es ist ja auch ein Symbol!" In Noras Stimme klingt Bedauern.„Hören Sie mal, Herr Doktor, wollen Sie nicht in den nächsten Tagen bei mir den Tee einnehmen? Ich bin viel allein sind mit Ihnen plaudert es sich so scharmant." „Sie sind zu liebenswürdig", ahmt Harry Noras gespitztes Schnäuzchen nach.„Ich komme", verspricht er,„aber nur, wenn Ihr Papa nicht anwesend ist." „Ich bin nachmittags stets allein." Gott, welch ein ent- zückender Mensch freut sie sich und sieht Harry begehrend an. Das Essen nähert sich dem Ende. Sehr spät füllt es Dr. Aromus ein, daß eine Rede gut am Platze wäre, und er spricht schöne Worte über den Sieg der deutschen Gesangs- tunst, wobei er den detonierenden Tannhäuser völlig ver- gessen hat. Nach dem„Hoch" dankt Manfred, der virtuos tiefe Rührung zu mimen versteht. Es herrscht eitel Freude, wenig- Pens auf allen Gesichtern. Fränze geht in das Schlafzimmer. Sie will sich ein paar Minuten im dunkeln auf den Diwan legen. Die Ruhe tut ihren Nerven wohl. King begrüßt sie mit einem gut ge- meinten Lecken über ihre Hände und schmiegt seinen massigen Kopf an ihr Kleid. Es hat sich als ratsam erwiesen, King während einer Abendgesellchaft hier im abgelegenen Schlaf- zimmer unterzubringen, nachdem die Dogge einmal einem lieben Gast bedrohlich zu nahegetreten war. Gäste sind nicht Büroangestellte. Mail muß auf ihr Gemütsleben Rücksicht nehmen. Fränze legt ein mit Köllnisch Wasser getränktes Taschentuch auf die Stirn. So ist es gut. Ihre Taktik bewährt sich stets, und es fällt nicht auf, wenn die Hausfrau kurze Zeit abwesend ist. Nichts denken! Nur still daliegen. Aber es geht nicht. Die Gesichter der Anwesenden tauchen vor ihr aus und bilden sonderbare Verzerrungen. Warum ist Fanny Telles so gift- geschwollen? Man könnte Angst vor ihr bekommen. Einen netten Sohn hat sie. Der Gert ist schon dreiundzwanzig. Fränze rechnet nach. Ihr Kind müßte jetzt sieben Jahre sein, wenn alles gut verlaufen wäre. Sinnlos, das Alter eines Ungeborenen nachzurechnen. Auch andere Leute haben keine Kinder. Es klappte heute wie am Schnürchen. Warmes Essen macht sich besser als kaltes Büfett. Da sieht nachher alles un- appetitlich aus. Repräsentieren kann sie. Und dazu der be- rühmte Bruder! Die Leute werden von diesem Abend sprechen, und die nicht dabei waren, platzen vor Aerger. Sie steht aus und schaltet das Licht an der Frisiertoilette ein. Es ist alles in Ordnung. Die dicke Aurelia Damme glänzt schon wieder speckig über der Nase. Man müßte ihr sagen, sie solle sich pudern. Doch dann nimmt sie es am Ende übel. Also mag sie glänzen. Zögernd ergreift Fränze einen Bond Goethe, der auf dem Tisch vor dem Diwan liegt. Sie schlägt ihn auf. sucht eine bestimmte Stelle und findet sie, ohne lange zu blättern. „Wenn man sich jetzt darin vertiefen könnte", murmelt sie. „Es ist das einzige Glück, das ohne Reu'." Fränze hält oft kleine Selbstgespräche. Sie bleibt viel allein, und in Stunden, die mit Schmerzen angefüllt sind, verleiht die eigene Stimme manchmal Trost. Sie liest jetzt halblaut vor sich hin, trotzdem sie die Verse auswendig kennt: „Und an dem User sitz' ich lange Tage, Das Land der Griechen mit der Seele suchend.. .(Fortsetzung folgt.) Der Siegeszug der Tomate. 56 mal hat Deuisdifand seine Anbaufläche vergrößert! Die Eroberung des Gemüsemarktes durch die Tomate ist beispiellos. Aus dem unbeachteten„Liübesapsel" der Vorkriegszeit ist eins der begehrtesten Gemüse geworden. An der Tomate läßt sich am sinnsälligsten die Strukturwandlung unserer Volksernährung erkennen. Noch mehr als die Zitrone hat die Tomate von der Vitaminbewegung profitiert. Nur ein Gemüse. nämlich der Spinat, kann mit ihr an Vitaminreichtum konkurrieren. Dazu ist sie schmackliaft und bekömmlich.„Sie ist gefällig in Form und Färbung, roh genießbar, schnell zuzubereiten und ohne Absall vielseitig zu verwerten." So heißt es in dem vom Institut für Landwirtschaftliche Marktforschung herausgegebenen Büchlein „Saisonausgleich auf den, Tomatenmarkt durch Kühllagerun g", von K. Schneider und L. Friebe-Scupin. Im vergangenen Jahr 1930 betrug der deutsche Tomatenverbrauch rund i'A Millionen Doppelzentner oder fast S Psund pro Kopf der Bevölkerung. Das heißt, daß die oierköpfige Familie Müller oder Schulze im vorigen Jahr 20 Pfund Tomaten oerbraucht hat, eine Menge, an die vor zwanzig Jahren kein Mensch auch nur gedacht hat. Leider gibt es keine Produktionsstatistik für Tomaten. Wer hier- über Näheres erfahren will, muß sich des Umweges über die alle zehn Jahre stattfindenden Vodenbenutzungserhebungen bedienen. Danach bestellte 1913 der erwerbsmäßig« deutsche Tomatenbau ganze 24,7 Hektar mit dieser Frucht, 1927, dem letzten Erhebungsjahr aller- dings schon 1400 Hektar, mit anderen Worten, von 1913 bis 1927 hat sich der deutsche Tomatcnbau um das ökfache gesteigert! Oder: erzeugte Deutschland 1913 nur 7S00 Doppelzentner Tomaten, dann erzeugte es 1927 nahezu 500 000 Doppelzentner, fcldmäßigen Anbcm und Glashausanbau zusammengenommen. Nun reicht aber die deutsche Erzeugung nicht ent- fcrnt zur Deckung des deutschen Bedarfs aus. Ungeheure Mengen von Tomaten führt Deutschland aus dem Auslande ein. So wurden im Durchschnitt der Jahre 1912/13 rund 167 000 Doppelzentner nach Deutschland eingeführt, im Durch- schnitt der Jahre 1928/30 aber 832 000 Doppelzentner. Mengen- mäßig hat sich also die Tomateneinfuhr versechsfacht, wertmäßig ist sie sogar um das 14fache gestiegen! Und wenn die Tomate vor dem Krieg nur 4 Proz. im Rahmen der Gesamtgeniüseeinsuhr ausmachte, so ist dieser Anteil jetzt auf 22 Proz. gestiegen. In der Menge wird die Tomate mir noch von der Blumcnkohleinfuhr übcrtrofsen, wertmäßig steht sie seit 1928 von allen Gemüsearten an der Spitze. Die Tomotenlieferantcn Deutschlands sind Italien, Holland, Spanien und die Kanarischen Inseln. Deutschland ist der Hauptabnehmer der italienischen Frischtomaten- ausfuhr. Allerdings hat Italien große Anstrengringen machen müssen, um seine führende Stellung auf dem deutschen Tomaten- markt zu behaupten. Holland, eins der jüngsten Tomatenexport- Aschinger verurieili. Die Entlassungen vom„�heiagold�. Seit längerer Zeit macht die Firma Aschinger, dt« ihren Ausstieg nicht zum wenigsten dem großen Sonfum zu verdanken hat, den ihr die arbeitenden Schichten der Berliner Bevölkerung zugewendet hat, in höchst unliebsamer Welse von sich reden: Die Vertreter des Zentraloerbandes der Hotel-, Restaurati ans- und Caföangestellten haben alle Hände voll zu tun. um die Rechte der Angestellken gerade dieser Firma gegenüber zu wahren. Das Arbeitsgericht sowie das Landesarbeitsgericht haben be- kanntlich entschieden, daß es sich bei der Schließung des Wein- und Bierhauses„Rheingold" nicht, wie die Firma Aschinger behauptet, im, eine das Einspruchsrecht der Entlassenen aus- schließende Stillegung handelt, da das„Rheingold" nicht ein selbständiger Betrieb, sondern ein Teil des Unternehmens der Firma Aschinger ist. Diese Auffassung hat der Zentralverband der Hotel-, Restaurations- und Cafeangestellten schon damals vertreten, als die Schließung des„Rheingold" in Aussicht stand. Er hat des- halb schon lange vor der Schließung versucht, mit der Firma sich dahin zu verständigen, daß die seit Jahren im.Mheingold" Be- schäftigten an anderen Stellen des Aschinger-Betriebes untergebracht werden sollten, und zwar im Austausch gegen betriebsjüngere und sozial stärkere Angestellte. Hätte die Finna diesem Verlangen Rech- nung getragen, dann wären unbillige Härten vermieden worden, und es wäre nicht zur Klage gekommen. Der Zentralverband hat sich nochmals, aber wieder vergebens mit der Finna in Lerbindung gesetzt, um eine Verständigung in diesem Sinne herbeizuführen. So blieb den Etülassenen nichts anderes übrig, als in einer Reihe von Einzelklagen dein, Arbeitsgericht ihre Entlassung als unbillige Härte anzufechten. Der Vertreter des Zentralverbandes der Hotel-, Restaurations- und Cafsangestellten kam nach einer Dar- legung seiner oergeblichen Bemühungen um eine gütliche Regelung der Differenzen zu dem Schluß, daß es der Firma nur darum zu tun sei, ältere Angestellte, die viele Jahre im Betriebe tätig waren, bei dieser Gelegenheit los zu werden. Auch dem Richter gelang es nickst, eine Verständigung herbeizuführen. So wurde denn die Firn« Aschinger verurteilt, den ersten Kläger weit erzubesch ästigen oder ihn Mit 800 M. zu entschädigen. Nach diesem Urteil machte der Richter erneut Einigungsoersuch«. Auch diese scheiterten an dem offensichtlichen Bestreben der Firma, sich ihrer Verpflichtungen gegen die Entlassenen möglichst kostenlos zu entledigen.— Die Verhandlung der übrigen Klagen wurde vertagt und der Firn« aufgegeben, eine Liste derjenigen Entlassenen, die sie gegen andere noch bei ihr Beschäftigte aus- tauschen will, einzureichen. Wie der Vorsitzend« ausführte, haben jetzt nicht mehr die Kläger das Vorliegen einer unbilligen Härte zu beweisen, sondern die Firma muß in jedem Einzelfall beweisen, daß für den betreffenden Kläger keine unbillige Härte vorliegt. Diese Verschiebung der Beweislast ist damit begründet, daß die Firma sich vor den Entlassungen nicht mit der Betriebsvertretung über die Auswahl der zu entlassenden Personen verständigt hat. Raubüberfall auf eine» Kassettboten? Im Flur des Hauses Echererstraße 10. in der Nähe d« Wedding, fand am Dienstag in den Mittagsstunden ein Mieter einen jungen Mann, der an Händen und Füßen g e f« s s e l t in einer Ecke lag und stöhnte. Der Hausbewohner befreite ihn aus seiner unangenehmen Lage, und der junge Mann gab jetzt an, daß er überfallen worden sei. Er ist ein 18 Jahre alter Mensch, der bei einer Bank in der Königstraße angestellt ist. Er hatte den Auf- trag, 260 Mark an den Wirt des Hause» Schererstratze 10 abzu- länder, hat seine mustergültige Gartenbautcchnik und hochentwickelte Absatzorganisation voll in die Wagschale werfen können, um sich den deutschen Markt zu erobern. In diesem Kampf griffen schließlich noch erfolgreich die Kanarischen Inseln ein, die im Jahre 1927 21 300 Doppelzentner Tomaten nach Deutschland lieferten, 1930 aber schon 203 S00 Doppelzentner! Das Kreuz aller Tomatenerzeuger sind die Preis- f ch w a u k u n g e n. In der Hauptsaison, von Juli bis Oktober, wird zum Beispiel der Berliner Markt von der inländischen Er- zeuguug geradezu überschüttet. So kamen im Vorjahr rund 47 Proz. der Erzeugung im August auf den Markt, 45 Proz. im September und 5 Proz. im Oktober. Die Folge dieses Ueberangebots im August und September sind Preise, bei denen die deutschen Erzeuger nicht existieren können. Für einen Zentner Tomaten haben die Erzeuger im vorigen Jahr(August und September) 3,50 M. bis 3,60 M. erhalten. Ihre Gestehungskosten beliefen sich aber bei stadtnaher Erzeugung im seldmäßigen Anbau auf 8 bis 10 M. für den Zentner. Und selbst wenn in der letzten Septemberwoche die Erzeuger 6 M. für den Zentner erzielen konnten, dann lag immer noch auf der Hand, daß der inländische Freilandtomatenbau nn- rentabel ist. Das Ausland wird von dieser ungünstigen Preis- stellung in der Hauptsaison kaum betroffen, da Italien und Holland in der Hauptsache Frühtomaten liefern, für die ab Mai recht gute Preise zu erzielen sind und die Kanarischen Inseln suchen den deutschen Winterbedarf zu decken. Wir wohnen eben in so einer unglückseligen Gegend, wenn in Ncuruppin der Schneesturm bläst, dann reifen in Teneriffa die Tomaten. Das preußische Landwirtschaftsministerium hat deshalb weit- gehend Versuche ihr nahestehender wissenschaftlicher Institute unter- stützt, den deutschen Feldtomatenbau rentabler zu gestatten. Ms günstigster Weg hat sich die Kühllagcrung herausgestellt. Man will das Angebot in der Hauptsaison drosseln und so viel Tomaten wie vorderhand möglich kühl einlagern. So hat man im Vorjahr Tomaten in Kühlhäuser geschafft und dabei festgestellt, daß man sie 4 bis 3 Wochen lang ohne nennenswerten Schwund einlagern konnte, nach öwöchigcr Lagerung betrug der Schwund 10 Proz., selbst eine 7wöchigc Lagerung erwies sich noch als rentabel. So brauchte man die Tomaten erst Mitte Ottober auf den Markt bringen und erzielte Zentnerpreise von 15 Mark, oder gar erst im November, wo man 25 Mark für den Zentner erhiett. Allerdings ist in dieser Rechnung ein großes Loch, denn man weiß nicht, in welcher Weife sich die kanarischen Erzeuger zur Wehr setzen werden und dann ist zu bedenken, daß eine Drosselung des Angebots durch Kühllagerung in der Hauptsaison um wonige Prozent bereits eine Verdoppelung des Angebots in der Spätsaison bringen kann. Asso auch die Tomate bringt Sorgen. Am Freitag, dem 4. SeplemDer. 20 cur in den Kammersdlen, leilower Str. 1- 4 Große Odenfl. BeamlenKundecbintä aller Reiöis-, Staats- und Kommnnalbeamten Kart Hclnia. bk. d. R. ipricbt Ober: Die Beamten, die Staatseineahmen ond WirtsfflaRsRrlse Beamte, denkt«n eure Zukunft. Enchelni in Masten! Bezirkmrband Berlin der SPD. liefern. Wie er nun angibt, sind in dem etwas dunklen Haasflur drei Männer über ihn hergefallen. Der eine hat ihn zu Boden gerissen, der zweite hat ihn gefesselt, und der dritte hat ihm das Portemonnaie mit dem Geld aus der Tasche genommen. Durch Kinnhaken sei er hierauf bewußtlos gemacht worden. Verletzungen hat er nicht davongetragen. Explosion in bayerischem Brikeiiwerk. (Sieben Arbeiter schwer verletzt. Seeshaupt(Oberbaycrn), 1. September. Heute vormittag erfolgte zwischen Seeshaupt und Staltach an den Öftersten eine Explosion, die wahrscheinlich durch Kohlenstaub hervorgerufen worden war. Dadurch wurde ein Teil des G e- bäudes zerstört und sieben Arbeiter zum Teil schwer oerletzt. Die Schwerverletzten wurden ins Krankenhaus nach Weilheim gebracht. Sprung von der Anklagebank ins Fenster. Eine ausregende Szene spiette sich Dienstag vormittag in einem Sitzungssaal des Schöffengerichts Berlin-Mitte ab. Als hier unter dem Vorsitz von Landgerichtsdirektor Rück er wegen Einbruchs und Hehlerei gegen drei Angeklagte ein Prozeh begann, stürzte sich einer der Angeklagten, der S8jährige Kellner Schulz, von der Anklagebank aus mit einem Sprung über die Schranke in das o e r g i t t e r t e Fenster des Gerichtssaals. Da er beim Einschlagen der Scheibe, bevor er noch von den Justizwachtmeistern zurückgerissen wurde, sich die Hand erheblich verletzt hatte, zog man sofort Medizinalrat Dr. Schlegel hinzu. Die ärztliche Untersuchung ergab, daß die Pulsadern des Angeklagten durch die Scherben nicht verletzt worden waren. Falkenfest. Die Nest», Jung- und Roten Fallen Grvtz- Berlins waren am Sonntag nachmittag in vier schönen Parkanlagen von der Kinder- freunde-Arbeitsgemeinschast vereinigt. Manche trafen sich da wieder, die in den Sominerlagern beisammen gewesen waren. Ueberau folgten Eltern und Freunde liebenden Blickes den einheitlich blau- gekleideten Scharen mit den roten Fahnen und dem schwarzen Falten ldrin. In der Schönaberger Großsiedlung L indenhos, wo wir dem Fest beiwohnten, zeigten Transparente, Fahnen und Girlanden die Freundschaft oder wenlgsten» Syinprchie der Bewohner ftrr dst jüngste Jugend der sozialdemokratischen Bewegung, die von den Familien als liebe Kafstegäste herzlich bewirtet wunden. Der köstliche Zirkus der Kinderfreunde amüsierte alle höchsllich. Schargesang, Stafettenlaus und Fackelzug füllten den schönen Tag aus. Sprechchor kür Proletarische Feierstunden. Donnerstag, den 3. September, 1914 Uhr. im Gesaugssaat der Sophienschvla. Wein- vwifterstr. IS/17, Uebungsstunde. Allgemeine Wetterlage. 4.SepM934, abds. s � OweUeenloaO heikar. 3 halb bedeckt 9 wolkig,•bedeokt�BegaoaGraupaln =ltebe(�Gewjr8Ö©V6nd£taiB Mitteleuropa log am Dienstag im Bereiche sehr geringer Luft- druckunterschiede. Daher waren die Winde allgemein nur schwach. In Nord- und Ostdeutschland blieb es oielfach�heiter: dabei stiegen die Temperaturen stellenweise auf 25 Grad. Strichweise kam es in Mittel- und Süddeutschland wieder zu Gewittern. Bor einer neue» Depression, deren Kern noch westlich von den britischen Inseln liegt, befindet sich ein Hochdruckkeil, der»ach Osten wandern dürfte. Er wird am Mittwoch unser Wetter bestimmen. Am Donnerstag wird Deutschland voraussichtlich im Grenzgebiet zwischen feuchtwarmen maritimen und kühlen polaren Luftmassen liegen, die auf der Ruck- stite der Nordkapdeprcssion nach Süden fliehen und zur Zeit Süd- skandinavicn bereits erreicht haben. * Wetter für Berlin: Teils wolkig, teils heiter, geringe Gewitter- neigung, ziemlich warm.— Jüt Deutschland: Im Nordosten Le- wölkungszunahme mit Abkühlung, in West- und Süddeutschland vorübergehend heiter und wieder etwas wärmer, im mittleren Teil des Reiches keine wesentliche Aenderung. Sport. hohe Quoten in hoppegarten. Dienstag, t. September. «Sk-»io.Reu»cn: 1. Glückkstern lGrabsck): 2. Cobra: 3. Rosifera. Teto: Platz: IS, 13. 12:10. Ferner liefen: Gavdejäger, Arlecchino, Trri-an, Osfenbach, Chinchilla. Mi!-. A. D. St.. ArboiS, Pelogon, Fauler Zauber, Himmelfahrt. Eintracht-Rennen: 1. Reichswehr tSvehla): S. Seclsorge; Z. Aswna. Toto: 15:10. Platz: 10. 10:1». Ferner lief: Pandur. Reichostera-Rennen: 1. Melodei(Rastenberger); 2. Wunderblume: 3. Eilb-rling. Toto: 46:10. Platz: 14,£u. 16:10. Ferner liefen: Chma- scucr, Dachw'eister, LconatuS, Tassilo, Luxus, Eorbiglia, Erveleb!vfi. Omnium-Rcnncu: 1. Grauwacke lNastenberger): 2. Pale: 3. Welan. Toto: 21:10. Platz: 11, 13:10. Ferner liefen: Mißgriff, Mannestreuc, "saltello-Rennen: 1. Goliach(Printen): 2. Tumult: 3. Wunderkind. Toto: 675:10. Platz: 55, 19, 31:10. Ferner liefen: Kameradschaft, Pi,zaro, Montclair, Schwadroneur, Blaublüter.' Machbuba, Rogau. Jnder-Rennen: 1. Morgenwind(Narr): 2. Tarnschild: 8. Altenberg. Toto: 66:10. Platz: 20, 15, 20:10. Ferner Uesen: Lcbenskünstler. Allcnh.st,# Virgil, QuoS ego, Caliqueen, Andromcdo, Heroine. Hutab-Rennen: 1. Ackmed lVifek): 2. Habicht«: 8. Stcmfeld: 4. Roxana. Toto: 808:10. Platz: 52. 23. 14. 14:10. Ferner liefen: Pill, Hauptmann, HolofcrneS, Kriegsspiel, Gebelaune, Rhapsodie, Ava, Loga, Wilpold, Hauptmanns Schwester, Tui�use, Optima. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbauner„Schwarz-Rot-Gold". SekSiSktsIiell«: Berlin<5. 14. Cebattianftr. 37—38. Hot 2. Tr. Gauovrstand. An der«MI 3. September stattfindenden idonserenz nehmen außer den Gaukuntlionären und itreisttthrern nur die Orlsverein�oorschenden und technischen Leiter teil.— Ritt»och, 3. Geptemdcr. Tiergarte». 2. Kameradschaft. 20 Ilhr MitgliederversaunnUma bei ASstel, Pntlitzstr. 10. Blockstthrer milssen einladen. Zriedrichohain. 20 Uhr Mi�lieter» octfoiraiUunaen: tjmneradscha« Mrmel bei Ncumann. Gubener Str. 45. Starr. f radschasr Front stirt bei Graupner, Voigtstr. 25. Erscheinen Pflicht. Reulölln» Britz lOrtsverein). Vortrupp. ISZj Uhr Jugendheim Lahirstr. 13— 15. Zung- banner. 20 Uhr Mitgliebi rversanunlunq im Zdeal-stasin», Weilt sclstr. 8.— Freitag,<. September. Ritt«, ä. Aamrradslchaft. 20 Uhr Mitgliedcroersamm» hing im Rofcnthaler Hof. strenzberg lOrtsverein). 13 Uhr alle oilivcn Uamc- roden in Bundostleiduna Saalschutz Ztaemncrsäle, Teltmver Straße lBeam-en- tundzebung). Tie Kugoersammluna de» gnge« l ist 8 Sorte später. Ehar- lottendurq lZunghonner). 20 Uhr Bersrnmnlnn« im Zugendheim Sprcestr. 20. Bortrag Schulrat Dr. Willi. Blanfeirbura: fugend und Nationalsozialismus". Ltchtenberq(Ortsverrin). isih Uhr Mitgltedervevfaimnlung des gesamten Ort»- verein, bei Bruno Tempel, Frledrichsfelde. Buchkontroll«. Erscheinen Pflicht. Alle»aineradschastc-orrsanunlungen fallen ans. Frei« Arbeiter-Straogrophea-Berelntgung. tzlnfänqerfurs« in Reich», rz- schritt beginnen vom 1. bis 12. September. Norden: Dienstag, 8. September, Gemeindeschule Schulstr. SS,— Nordosten: Freitag, 4. September, Gemeinde. schul« Eencseldcrstr. 0.— Osten: Donnerstag, 3. Scptrmber, Gemeindeschule Litauer Str. 78.— Südosten: Freitag, 4 September, Gemeindeschule Reichen. derger Str.«7— 7V.— NeukMn: Dienstag, 8. September, Karl-Morr-Schule. «aiser-Friedrich�tr. 200—210.— Ehariottrnburg: Freitag, 4. Septenwer. Ge- melndeschule Ovanienstr. 78— 78.— Lichtenberg: Ätnnerstog, B. September, Gemolndeschuie Sätarinveberstt. 73.— Slidrvestrn: Freitag, 4. September, Ge- nteindeschul« Gn-lsenaustr. 7.— Zentrum: Nur für Stolze-Schr«,, rAnfänger und Fortgeschritten-» in der Gemeindeschule Eipsstr. 28. Beginn am Frei. tag, dem 4, September. All« Zturse außer llharlottenburg heqinnen um Ig>4 Uhr. Charlottenburg erst um 20 Uhr. Das stursusgeld beträgt«mschließlich Lehrmaterial 10 M. Erwerbslos« 5 M. Sie Anmeldung erfolgt am ersten Abend in den genannton Bezirken. Auskunft«rtrilt: Frei« Arbetter-Sleno- graphen-Vereinigung. A. Thoisen, Berlin-Tegel, Brunowstt. 47, v. I. S«»ialistische» Sipcranto-Bnnd. Neue AirfängerktttZe beginnen für Reinitken. dorf, Wedding am Montag, dem 74. September, von 20 dt« 22 Uhr. im z». glndhcim Lindauer Strasje l Holz barocke). Für den Osten, Lichtenberg. Fried- richofelde am Donnerstag, dem 17. September, von 20 bis 22 Uhr, tm Jugend. heim Am Ostbabnvf 17. Für Norden und Zentrum im Retallardolier-Ver. bandshaus, Elfässer Str. 88, von isu. bis 21 Uhr, am Freitag, dem 18. Sep. tember. Der Kursus kostet für Erwachsene 4 M., für Zugendllch« 8 M, für Erwerbslose 70 Vf. pro Abend. Lehrbuch 80 Pf. Geschäftsstelle: A. Sprprck, Zt. fi8, Ehoriner Sir. 48. deutsche stslteoii. Gesellschaft E. 93., Ortsgruppe Berlin. Montag, 7. Kep. tember. 20 Uhr, Rrstouraiit„Rotts Haus", Novendortplatz 8. ___________......_________________..... teüsen: Schulau la«ismarckstr. 2. 1« Uhr.— Prenzlauer veno l-«Sli Glich«,«openhogorer Str. 74. 7« Uhr.— Neimickendorf-Ost: Lotol«IS&n 8)7 .„«äs,, nsw? SdroSe 40-41,«etsäntirtrunj. Es spricht Robert Breuer ither'Pi, nuna der deutschen Wirtschaft und b:- Auslandogeschadiqten�' _ b'enaerlfgtet strieger«.«. Bezirksgritm-e Berlin und der Provin, Brairdenbnrg. Freitag, 4. Septon.ber, 7»Vi Uhr Mona ton eÄhmmtü«? im Lolal von E. Brandenburg,«erlln C. 2. Stralau er ort? Reffet ms, d« etub Söntes fiter Snajjf nb atttocÄ Itr. 409* 49. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 2. Gepiember 1931 Schiele bei der Arbeit. Einzelheiten zu den neuen Agrarsubventionen.— Kürs Volk nur Lasten. Heber den Umfang der Maßnahmen zur Erntefinanzierung wird jetzt vom Deutschen Landwirtfchastsrat G e- naueres verbreitet. Leider werden die Karten immer noch nicht voll aufgedeckt, so daß namentlich über die Kosten der Zinssubventionen keine ausreichende Klarheit besteht. Immer- hin ist ein Ueberblick über die Organisation der Ernlefinanzierung möglich. Von der Reichsbank werden, um dem Getrcidehandel, den Mühlen und dem anderen Getreide verarbeitenden Gewerbe die Möglichkeit zu geben, trotz der bestehenden Kreditschwierigkciten der Landwirtschaft Getreide abzukaufen, Wechsel in Höhe von 150 Millionen Mark rediskontiert werden. Darüber hinaus ist noch der Getreideindustrie- und Kommissions- Ä.-G. für Getreideeinkäufe ein Rediskontkredit von 5 0 Mil- l i o n e n eröffnet. Die Garantie für die Einlösung dieser Wechsel soll, wie wir hören, das Reich übernehmen, wobei jedoch die Frage noch nicht ganz geklärt sein dürste, auf welcher g e s c tz- lichen Grundlage diese Garantieübernahme erfolgt. Gleich- ,dtig wird, um die Landwirte von Schwierigkeiten bei der Ein- läsung ihrer Wechselverbindlichkeiten ganz zu entlasten, die Reichs- bank alle landwirtschaftlichen Wechsel, die infolge des Standes der Ernte noch nicht eingelöst werden können, verlängern. Der ilmfang dieser Wechselschuld, die verlängert werden soll, wird auf 3 00 Millionen Mark geschätzt. Hierbei sind natürlich Schiebungen Tür und Tor geöffnet. Es ist gar nicht zu kontrollieren, ob ein Landwirt seine Wechsel deswegen nicht einlöst, weil er infolge schlechten Wetters sein Ge- treibe noch nicht einfahren und dreschen konnte, oder ob er whlungs u n w i ll i g ist. Weiterhin können, um den Landwirten einen allmählichen Verkauf ihrer Erntevorräte zu ermöglichen, Ver- träge, die über künftige Getreidelieferungen abgeschlossen sind, durch die Getreideindustric- und Kommissions-A.-G. bis zu 50 Millionen bevorschußt werden. Zur weiteren Getreidepreisstützung ist die Deutsche Getreidehandclsgesellschaft durch Notverordnung in den Stand gesetzt, Getreide gegen übertragbare Lagerscheine einzulagern. Die Durchführungsbc st immun gen sind jetzt erlassen worden. Die Landwirtschaft braucht ihr Getreide jetzt nicht mehr sofort, wenn sie Geld benötigt, zu verkaufen. Vielmehr kann sie das Getreide bei der Deutschen Getreidehandelsgesellschaft(DGH.), die sich für die Einlagerung aller vorhandenen Lagermöglichkeiten bei den Genossenschaften, Mühlen und gewerblichen Lagerhaltern bedienen wird, in Einzellagerung geben oder auf Sammel- lager legen. Im letzteren Fall kann natürlich nur Getreide de« gleichen Art und Güte zusammen gelagert werden. Es sind deshalb in defi Durchführungsbestimmungen für die verschiedenen Getreide- orten Handelsklassen gebildet worden. Mit Hilfe der Lagerscheine, die der einlagernde Land- >virt erhält, können min Kredite beschafft werden, und zwar beleiht die R e i ch s b a n k die Lagerscheine bis zu 50 Prozent ihres Wertes. Darüber hinaus können die Lagerscheine aber auch noch von Pri- oatbanken beliehen werden. Zwei Wege sind nun bei der Beleihung möglich. Lagert der Landwirt auf den Lagern der DGH. selber ein, so kann er den -Lagerschein bei seiner zuständigen Reichsbank st clle unmit- telbar belechen lassen. Sofern Handel. Mühlen oder Genossen- Ichaften einlagern, werden die Wechsel von einem zu diesem Zweck unter Führung der Rentenbankkreditanstalt gebildeten Banken- konsortium unter Rückhalt bei der Reichsbank diskon- tiert. Die Schaffung eines Lagerscheinsystems ist an und für sich eine begrüßenswerte Stützung, da nunmehr der Landwirt- schaft selbst der Zeitpunkt des Verkaufs ihrer Ernte überlassen bleibt. Schärfsten Widerspruch fordert aber die Zinssubvention des Reiches für die Lombardierungskredile heraus. Denn ebenso wie die anfangs erwähnten Erntcbewegungskredite werden für die Einlagerungskredite vom Reich die Zinsen auf 4 Prozent verbilligt. Dadurch wird nicht nur die Landwirtschaft gegenüber der gesamten anderen Wirtschaft bevorzugt, für die ein Diskontsatz von 8 Prozent und ein Lombard- satz von 10 Prozent Geltung hat, sondern sie kann auch mit Hilfe dieser Zinsverbilligung ihre Ernte künstlich zurückhalten und damit Preissteigerungen hervorrufen. Außer- dem wird hierdurch der Landwirtschaft ermöglicht, einen Teil ihrer sonstigen Schulden, für die sie hohe Zinsen bezahlen muß, abzu- stoßen und dafür auf Kosten der Reichskasse in großem Umfang zinsverbilligte Lombardierungskredite auszu- nehmen. Wieviel das Reich an Zinssuboentionen auszugeben hat, ist noch gar nicht abzusehen, da der Umfang der einzulagernden Ge- treidebestände noch unbekannt ist. Die Reichsregicrung hat hierüber Auskunft zu geben, besonders auch, woher die Mittel für diese Verbilligung genommen werden solllen. Die Getreide bauenden Landagrarier werden durch diese Aktion natürlich auch wieder einmal bevorzugt. Die Folge ist, daß von den anderen Zweigen der Landwirtschaft, Vichwirtschaft, Wein- und Obstbau jetzt die gleichen Subventionen ver- langt werden, und man kann es diesen Gruppen auch nicht verdenken, wenn sie nicht schlechter als die Großagrarier behandelt werden wollen Die Bevorzugung des Getreidebaues haben sie bis- her nicht bekämpft, weil sie hoffen, ebenfalls aus dem für die Landwirtschaft stets unergründlichen Reichs- s ä ck c l gespeist zu werden. Herr Schiele ist auch schon dabei, die Erntesinanzierung von anderen Agrarerzeugnisien vorzubereiten. Wie eine Schraube ohne Ende baut Herr Schiele also eine Subvention auf die andere. Aufklärung über die finanzielle Deckung dieser Subventionen ist deshalb um so dringender, als der Verbraucher als Käufer wi« als Steuerzahler von Herrn Schiele hier immer wieder zum Karnickel gemacht wird. Alle diese Maßnahmen scheinen aber noch nicht zu genügen, denn es wird geplant, daß die Deutsche Getreidehandelsgesellschaft 300 000 Tonnen Getreide aus dem Markt nehmen und magazinieren soll. Angeblich soll das anders geschehen als die Roggenstützung im vorigen Jahr, so daß Verluste für das Reich nicht entstehen sollen. Vorläufig können wir aber noch keinen großen Unterschied zwischen der vorjährigen und der geplanten diesjährigen StützungsaktlöN sehen, in beiden Fällen handelt es sich um'Ein- sperrung von sonst auf den Markt gelangenden Getreidemengen, die Kapital und Zinsen kostet, für die das Reich irgendwie in Vor- läge treten muß. Die Agrarier haben allen Anlaß, mit Heern Schiele zufrieden zu fein. Herr Schiele ist ein tüchtiger Minister für die Ernährung der Landwirtschaft, wenn er auch den Lauern bisher zugunsten der Großagrarier noch manche Rase drehen mußte. Das arbeitende Volk, dxm ein„Reichsernährungs" minister in erster Linie zu dienen verpflichtet wäre, beutet Herr Schiele nach Strich und Faden aus. Wenn das so weitergehl, wird man Herrn Brüning bald fragen müssen, ob er nicht doch endlich Volksinteressen über Agrarierinter- essen stellen will, die nationale Selbsthilfe des Herrn Schiele ist längst zu kostspielig für das Reich. Europäisches Zinkkariett. Zur produktionseinschränlung auf 45 Prozent! Noch langwierigen Verhandlungen haben im Juli oic Haupt- sächlichsten europäischen Zinkgesellschasten sich über die Grün- d u n g eines Kartells geeinigt. Am 18. August wurde auf einer Besprechung der Kartellmitglieder in Paris sestgestellt, daß die Kartellabmachung ob 1. Au g u st in Wirksamkeit getreten ist. Zweck des Kartells, dos an Stelle des im Jahre 1920 aus- gelösten Zinksyndikats tritt, ist hauptsächlich eine starte Ein- schränkung der Erzeugung auf 4'5 Proz., einer Normalproduktion, die entsprechend der Erzeugung der letzten Jahre cen Abmachungen zugrunde gelegt worden ist. Prcisabmachungen und Absatzvereinbarungen sind nicht getroffen worden, doch ge- nügt natürlich die Durchführung einer so umfangreichen Produk- iionsbeschränkung, um den Zinkpreis fn die Höhe zu treiben. An der Spitze des Kartells steht der belgische Konzern Bieille Montagne, der bereits vor Abschluß des Kartell- Vertrages den Beschluß gefaßt hatte, seine Zinkproduktion von 130 000 auf 92000 Tonnen zu drosseln. Andere wichtige Mit- gsieder des Kartells sind in Deutschland die M e t a l l g« s c l>- schaft und die Firma Georg von Gieschcs Erben, die gegenwärtig in Magdeburg ein« große Zinkelektrolyse errichtet, i» Polen die polnische Giesche-Gesellschaft und die jetzt mit französi- schem Kapital arbeitende Schlesische A.-G. für Bergbau und Hütten- betrieb. Ferner sind Kartellabmachungen getroffen worden mit einigen wichtigen außereuropäischen Gesellschaften, insbesondere mit der American Smolting and Refining Co., die in den Bor- einigten Staaten und in Mexiko arbeitet, in Kanada mit der Eocholidated Mining SmÄting Co. und einer großen austra- r> s ch e n Gesellschaft. Die Bedeutung des Zinkkartells und der beabsichtigten Pro- duktionscinschränkung für die industriellen Produkte ist außerordentlich groß. Zink gehört zu denjenigen Metallen, deren Be- deutung gegenüber der Vorkriegszeit außeroroentlich zugenommen hat. Im letzten Vorkriegsjahr wurden 1,14 Millionen Tonnen Rahzink gefördert, im Durchschnitt der letzten Jahre dagegen 1,5 bis 1,6 Millionen Tonnen. Der Zinkverbrauch der Welt stieg von 1913 bis 1929 um etwa 40 Proz. An der Spitze der Rohzink fördernden Länder stehen die Vereinigten Staaten mit einem Anteil von rund zwei Fünfteln. Sie verbrauchen jedoch den größten Teil des Zinks selbst und kommen daher für internationale Abmachungen nur wenig in Frage. Andere bedeutende Zinkgebiete sind Mexiko(10 Proz. der Weltproduktion), Polen(etwa 8 Proz.), Australien(11—12 Proz.) und Deutschland(7 Proz.). Die Hüttenproduktion ist anders verteilt als die Förde- rung von Zinkerzen. An der Verhüttung ist Belgien mit einem Anteil von etwa 15 Proz. nach den Vereinigten Staaten das wichtigste Land. Europa ist an der Zinkerzförderung der Welt mit etwa einem Biertel, an der Verhüttung der Zinkerze dagegen etwa zur Hälfte beteiligt. Sollten tatsächlich die Zinkförderung und die Verhüttung um mehr als die Hälfte eingeschränkt werden, so würde damit die Produktion erheblich unter den Norkriegsstand zurücksinken. Durch die beabsichtigte Drosselung der Produktion wird ein großer Teil der Z i n k a n l a g e n, die in fast allen wichtigen Ländern in den letzten Jahren stark ausgebaut worden sind, wert- los werben. Dieser Ausbau wurde vor allem durch die Ver- wendung von Elektrizität zur Zinkgcwinnung(Zink- elektrolyse) hervorgerufen. Diese technische Umwälzung hat dazu gefiÜhrt, daß die Zinkoerhüttung nicht mehr wie früher an Orten billiger Zinkerz« oder billiger Kohle stattfindet, sondern mehr und mehr zu Gebieten billiger Elektrizitätsversorgung abwandert. Elektriziiai als Konjuntturbarometer. In Deutschland ist, wie wir berichteten, auch im Juni die Elcktrizitätserzeugung der öffentlichen Werke weiterhin zurück- gegangen. Im ersten Halbjahr betrug die Erzeugung der statistisch erfaßten 122 Werke nur noch 7,16 Milliarden Kilowattstunde», während es im vergangenen Jahr, wo die Krise bereits einsetzte, »och 8,13 Milliarden waren. Der Produktionsrückgang betrug innerhalb Jahresfrist 1 1, 9 P r o z. In den Bereinigten Staaten ist der Rückgang der Elektnzitätserzcugung wesentlich geringer. In den ersten 7 Monaten wurden nach Angaben einer Reihe großer Gesellschasten, auf die etwa 70 Proz. der Elektrizitätsproduktion der Vereinigten Staaten entfallen, 49,66 Milliarden Kilowattstunden erzeugt, das sind 3,8 Proz. weniger als in den ersten 7 Monaten des Jahres 1930. Noch anders sind die englischen Ziffern. Hier wurden von den öffentlichen Elektrizitätswerken im ersten Halbjahr 1930 6,21 Milliarden Kilowattstunden erzeugt, im ersten Halbjahr 1931 dagegen 6,42 Milliarden oder 3,4 Proz. mehr. Die Zunahme der englischen Elektrizitätserzeugung erklärt sich daraus, daß bisher in England die Industrie in geringerem Umfang auf Verwendung elektrischer Energie umgestellt war als in Deutschland und Amerika, so daß jetzt mit der fortschreitenden Elektrifizierung der Industrie der Stromverbrauch trotz der Krise noch gestiegen ist. Lebenshaltung im August. Leichter Rückgang des Index. Die Resthsindexzifser für die Lebenshaltungskosten(Ernährung, Wohnung. Heizung. Beleuchtung. Bekleidung und„Sonstiger Bedarf") belauft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamtes für den Durchschnitt des wonals August aus 134,9 gegenüber 137,4 im Vormonat. An dem Rückgang ist hauptsächlich die Bedarfsgruppe Ernährung beteiligt. Es find zurückgegangen die Indexziffern für Ernährung um 3,3 Proz. auf 126,1, für Bekleidung uni 1,0 Proz. auf 137,5 und für „Sonstigen Bedarf" um 0,2 Proz. auf 184,0. Die Indexziffer für Heizung und Beleuchtung ist mit 146,1 nahezu untxerändert geblieben; die Indexziffer für Wohnung hat sich nicht geändert. In der Indexziffer für Ernährung wirkten siä, besonders die starke» Preisrückgänge für Kartosfeln und Gemüse aus, die durch leichte Preiserhöhungen hauptsächlich für Schweinefleisch, Speck, Milch, Butter und Eier nur zum Teil ausgeglichen wurden. Bankhaus Lehmann-Halle verschwindet Gerichtliches Vergleichsverfahren beantragt. Die Versuche, das in Schwierigkeiten geratene Bankhaus H. F. Lehmann, Halle, mit öffentlicher oder privater Hilfe wieder flott zu machen, sind gescheitert. Die Firma soll nun doch aufgelöst werden; das gerichtliche Vergleichsverfahren ist bc- antragt.. Die Gefchaftsleitung teilt in einem Rundschreiben an die Gläu- bigcr mit, daß seit anderthalb Jahren etwa 6 Millionen Mark Guthaben abgezogen worden sind, davon ein Viertel, also 1,5 Millionen Mark, seit dem 13. Juli. Die Bilanz vom 22. August ist mit einer Summe von 12,3 Millionen Mark auf einer Seite ausgeglichen. Unter den Aktiven sind Forderungen nach einer Abschreibung van 10 Proz. mit 5,8 Millionen Mark aufgeführt. Sehr groß ist der Besitz an Wertpapieren, der nach den Kursen vom 11. Juli mit 2,4 Millionen Mark ausgewiesen wird. Grundbesitz ist mit eben- falls 2,4 Millionen Mark eingesetzt worden. Unter den Passiven erscheinen Kreditoren mit 7,6 Millionen Mark; davon find nicht weniger als 4,5 Millionen Mark innerhalb sieben Tagen fällig, weitere 2,7 Millionen Mark innerhalb drei Monaten. Das eigene Kapital beträgt 2.3 Millionen Mark. Bei den Forderungen und bei den Wertpapieren find weitere Ausfälle zu erwarten. Die Sparkassen Ende Luli. Die Einlagen be! allen deutschen Sparkassen sind von 11074 Mil- lionen Mark Ende Juni auf 10 806 Millionen Mark Ende Juli zurückgegangen. D! e A b n a h m c i m I u l i machte 267,6 Mil- lionen Mark oder 2,4 Prozent des Bestandes zu An- fang des Monats aus; im Juni hatte die Abnahme 152 Mit- lionen Mark betrage». Die A u s z a h l u y g e n find van 682 Mit- lianen Mark auf 702 Millionen Mark im Juli gestiegen, die Ein- Zahlungen find von 530 auf 435 Millionen Mark gesunken. Trotz der Vertrauenskrise sind also erhebliche Einzahlungen vor- genommen worden. Man muß aber beachten, daß in der zweiten Hälfte des Bcrichtsmonats der Zahlungsverkehr durch die Bank- f e i e r t a g e stark eingeschränkt war. Hoher Ltmsah bei Leonhard Tietz. Wie die Leonhard Tietz A.-G. in Köln mitteilt, betrug der Umsatz der Warenhäuser im ersten Geschäftshalbjahr, vom 1. Februar bis 31. Juli 1931, rund 91 Millionen gegenüber rund 100 Millionen Mark im Vorjahre. Der Umsatz bei Tietz ist also wertmäßig nur um 9 Proz. zurückgegangen, was ausschließlich von den Preissenkungen bei den Warenhäusern beeinflußt ist. Da nach den Feststellungen des Konjunkturinstituts der Preisabbau im Einzelhandel und bei den Warenhäusern im ersten Quartal dieses Jahres 10 Proz. ausmachte, ein Satz, der auch der Entwicklung im zweiten Quartal mindestens entsprechen dürfte, so ist der Mengenumsatz bei Tietz in der Berichtszeit sogar noch ge- stiegen. Die Tochtergesellschaft, Ehape A.-G. für Cinheits» preise, hat in dem. am 31. Juli 1931 abgelaufenen Geschäfts» jähr einen Umsatz von rund 71 Millionen Mark erzielt gegen 60 Millionen Mark im Vorjahr. Umsohrückgang bei Mannesmann. Der Umsatz der Mannes- mannröhren- Werke, Düsseldorf, hat sich im 1. Halbjahr 1931 gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres in Kohle um 18 Prozent, in Blechen um 31 Prozent und in Röhren um 20 Pro- zent gesenkt. Wertmäßig ist der Gesamtumsatz um 27 Prozent zurückgegangen. Seit dem 1. Juli ist eine weitere Verschlechterung in der Beschäftigung eingetreten. Brandschäden bei den öffentlichen Feuerversichcrungsanstalten. Im ersten Halbjahr 1931 haben die öffentlichen Feuerversiche- ningsanstalten lBrandversichecungsanftalten, Sozietäten, Brand- kasfen» für 40 477 Brandschäden 48,2 Mill. Mark ausgezahlt. Die Zahl der Brandschäden war in den Monaten April bis Juni niedriger als in den ersten drei Monaten, aber die Schadenssumme war höher, so daß sich die Höhe des Schadens im Einzelfall in den letzten Monaten erhöht hat. Versorgungsbetrieb in privater Hand führt zu gewaltiger Korruption. Das kanadische Parlament wurde kürzlich mit einem großen Korruptionsfall beschäftigt. Es handelt sich um ein Unter- nehmen, das in Kanada große Wasserkräfte ausbeutet, um das sog. Beauharnois-Unternehmen. Die Untersuchung ergab, daß die Leiter dieser Gesellschaft das Unternehmen durch geschickte Finanzierungs- nuthoden, Gründung von Dachgesellschasteii und Verschachtelungen fast ohne Kapital geführt und dabei doch neben hohen Börsen- gewinnen gewaltige Geschäftsgewinne erzielten. In kurzer Zeit erreichten die von der Gesellschaft erzielten Profite 12 bis 19 Millionen Dollar. Im Laufe der Untersuchung wurden die ge- waltigen Einkünfte einzelner A u f s i ch t s r a t s m i t- glieder und die Bestechungsgelder an einflußreiche Politiker zwecks Erwirkung von Konzessionen bloßgestellt Die Leiter des Unternehmens zahlten außerdem große Summen in die Parteikassen der beiden politischen Parteien, der liberalen und der lonservativen. Alle diese Zuwendungen gingen auf Kosten der Per- braucher, deren Stramoerbrauch verteuert wurde. Die Ergebnisse der Untersuchung ergaben die volle Berechtigung des Vorschlags der Arbeiterpartei Kanadas zur Verstaatlichung des Unter- nehmens. Wieder einmal hat sich gezeigt, daß Verforgungsbetrie'"' der privaten Wirtschaft nicht ausgeliefert werden dürfen. Stichard Qerlach: 011/621 IHIlfl tBeobachiungen im Dogelfchutsgebiet Siiddenfee Hiddensee ist die oogelreichstc Insel der deutschen Ostsee. In vier ausgedehnten Schutzgebieten haben die Meeroögel eine Frei- statte gefunden. Die Zahl der brütenden Möwen und Seeschwalben geht in die Tausende. Besonders die Südspitze der Insel, der Gellen, ist so entlegen, daß die Vögel hier völlig ungestört leben. Alt-Bessin am Nordzipfel der Insel ist durch ein Gestrüpp von wilden Rosen, Brennesseln und Holunder und durch Schilfsümpfe undurchdringlich. Zwischen Bitte und Neuendorf liegt ein kleineres Schutzgebiet in der Heide. Die größte Bogelzahl in beschränktem Raum findet sich aber auf der Fährinsel im stillen Wasser des Boddens, wo es nach Rügen geht. Auf dieser nach allen Seiten übersehbaren Insel, die von Hiddcnses durch eine schmale, seichte Wasserstraße getrennt ist, stehen nur die beiden Häuser der Fährleute. Im Sommer kommt ein Bogelwärter vor. Stralsunder Ornithologischen Verein hinzu, außerdem noch hier und da ein Badegast oder Naturfreund. Die ?nsel soll nur in Begleitung des Logelwärters durchstreift werden. Es bedurfte einer besonderen Redeleistung, bis ich den dieses Jahr diensttuenden Herrn überzeugen konnte, daß ich weder Eier mit- nehmen noch aus Versehen zertreten würde; vor einigen Iahren hat ein allzu sammeleifriger Gelehrter für seine Eiersammlung am Gänsewerder einige Gelege der seltenen Säbelschnäbler ausgeräubert, und dieses Vorkommnis hat die Stralsunder Ornithologen mißtrauisch gemacht. Ich erhielt schließlich aber doch die Erlaubnis, allein los- zuziehen. Sobald man nur einige Schritte in die Wiese hinein tut, schallt es schon rings von Vogelrufen. Austernfischer und Kiebitze Erheben sich, Rotschenkel schießen flötend auf, von den Singvögeln sind die Feldlerchen, die Stare, die Rauchschwalben, die Wiesenpieper und Dorngrasmücke überall munter, im Röhricht klettert ein Rohrammer. Je näher ich dem eigentlichen Brutgebiet komme, um so mehr Vögel steigen schreiend in die Luft, Rufe schwirren und knirschen herab, Möwen und Seeschwalben gleiten aufgeregt über mir. Ich habe den Blick am Boden. Hier unten wimmelt es von Eiern und jungen Vögeln. In die Steine gedrückt sitzt das Zwerg- seeschwalbenküken, ein weiches schwarzgetüpfeltes Federbällchen mit rosigem Schnabel. Ich nehme es in die Hand, es ist ganz warm: es strampelt ein.wenig, aber nicht viel. Doch will ich es nicht ängstigen, ich lege es gleich in seine Vertiefung zwischen den Steinen zurück. Ein Stückchen weiter gehe ich, da stoßen plötzlich die Sturm- möwen besonders böse aus mich herab. Vor mir liegt eine halb erwachsene Sturmmöwe, fast wäre ich darüber gestolpert. Sie preßt den Kopf in die Steine und beobachtet mich mit ihren schwarzen, zuckenden Augen. Der Wind spielt mit den Daunen. Sie bleibt ruhig liegen und macht keinerlei Fluchtversuch. Einen Schritt weiter liegen zwei Eier der Flußseeschwalbe auf den bloßen Steinen, olioengrün mit schwarzen Klecksen. Dicht hinter mir ist eine alte zierliche Zwergseeschwalbe niedergegangen und trippelt zu ihrem Jungen, das ich übersehen hatte. Wie ich mich über die junge .Sturmmöwe herabbeuge, sind die beiden Alten ganz dicht über mir. Das Junge duldet nicht, daß ich mit der Hand nahe komme, sondern versucht, zuzuhacken, läßt sich dann aber doch die Stirn streicheln. Unoermittelt stiebt die ganze Möwenwolke in eine andere Rich- tung, über mir ist es ganz leer. Ihr Schreien ist voller Angst. Sin Raubvogel beunruhigt sie. Hin und her rauscht der Schwärm, Lachmöwen, Sturmmöwen und Seeschwalben durcheinander. Jetzt umkreisen sie eine Stell«. Dort hat der Raubvogel eine Möwe geschlagen. Als ich hinzurenne, läßt eine Rohrweihe ein fast flügges Möwenjunges aus den Fängen fallen und saust mit raschen Flügel- schlügen davon. Nun beruhigt sich die Wolke wieder, die Möwen kehren zu ihren Jungen zurück. Doch nach einer Weile tritt ein Augenblick völliger Stille ein, sekundenlang, und dann wird das Schreien um so greller, die Rohrweihe ist wieder aufgetaucht. Zwischen den tausend Fliegern kann ich den Raubvogel nicht er- kennen. Nur das Hin- und Hergerausch der Vogelwolke verrät, wo er ungefähr sein muß. Aber schließlich werden die Möwen mäßiger, der Feind ist wohl abgestrichen. Im Heidekraut haben die' Lachmöwen ihr Gebiet höher auf dem Lande, nicht so unmittelbar am Wasser wie die Sturmmöwen. Als ich in ihre Zone komme, flüchten Dutzende von Jungen durch die Sträuchsr, schnell vorwärts strebend, oft stolpernd, jeden Busch als Deckung benutzend. In der Luft kreischen die Alten, eine Art von Gegacker ringt sich aus ihren Kehlen, ganz nahe schießen sie auf mich herab, ihr schwarzer Kopf stößt einen halben Meter an meinem Gesicht vorbei. Ich erkenne auch die Alte, deren Jungem ich am nächsten bin. Sie schwebt bald rechts, bald links vor mir. Jetzt ziehe ich das Junge an einem Bein aus dem Wacholder. Es krächzt auf und erbricht sich vor Erregung, und da es gerade auf den Rücken zu liegen kommt, bleibt es so liegen. Aber ich will ihm Helsen, ich drehe es um: nun sucht es eilig rennend das Weite. Die Gebiete der Sturmmöwe und der Lachmöwe sind streng getrennt, zwanzig Meter von hier beginnt das Reich der Sturm- möwen, keine Art duldet die andere unter sich. Mit den Seeschwalben brüten die Möwen dagegen ohne weiteres im gleichen Revier. Während ich im Lachmöwengebiet bin, befinden sich die Sturm- möwen fast alle noch auf der Erde, hoch ragt ihr weißer Kopf mit dem honiggelben Schnabel. Der ganze Lachmövenschwarm ver- rauscht, als ich in das Sturmmöwengebiet übergehe, und nun er- heben sich diese. Hundertfach gellt jetzt ein hellerer Schrei um mich, kühner stoßen sie nach mir herab. Aus einem Wacholderstrauch fliegt das Weibchen des wittleren- Sägers ab. Als ich die stach- ligen Zweige auseinanderbiege, liegen da im Flaum zehn elfenbein- farbene Eier von Hühnereigröße Ich fasse eins an. es ist ganz warm: so gehe ich schnell, damit der Vogel weiterbrüten kann. Nun komme ich dem Ufer nahe, abgeschliffene Steine leuchten aus dem kümmerlichen Gras, lieber mir knirscht das Rufen der Flußseeschwalben. Zwischen den Steinen sind überall zu zweit oder dritt die Eier verstreut, ohne eine Spur von Nest, kaum vom Unter- grund zu unterscheiden. Ich finde ein schon ziemlich großes Küken, vielleicht vierzehn Tage alt. Ganz flach hat es sich hingedrückt, als ich es berühre, wehrt es sich ein bißchen. Ein zweites Küken steht auf und tippelt dem Ufer zu. Ich setze mich hin, um zu sehen, wie die Flucht weiter geht. Aber auch das Küken macht jetzt halt. Etwas weiter unten stehen zwei junge Sturmmöwen vor der Brandung. Ein Halsbandregenpfeiser zupft am Grase herum. Plötzlich erhebt sich vor meinen Füßen noch eine junge Seeschwalbe und schnärrt schon auf dieselbe Weise, wie die Alten oben. Mittlerweile ist das erste Junge fortgehuscht. Und ich starre benommen in das ollgemeine Krabbeln. Schwirren und Flattern... «rieh grijitr:'7) IC WohUUnQ Ich weiß noch genau wie es war, damals als der Peter geheiratet hat. Wir waren noch auf der Hochzeit und es hat viel Klamauk gegeben. Bis zum anderen Morgen hat der Spaß ge- dauert und es wurde viel gestichelt und gehetzt, weil alle gerne wollten, daß der Peter mit seiner Frau oerschwinden sollte.' Aber er tat uns den Gefallen nicht und als wir einsahen, daß er auf nichts einging, hörten bald alle Anzüglichkeiten auf. Wir hatten trotzdem unseren Spaß, obwohl jeder einsieht, daß es nicht richtig war, daß der Peter bis züm anderen Morgen in unserer Mitte blieb. Aber wohin hätte er auch gehen sollen. Er wohnte bei seinen Ellern und seine Frau bei den ihren. Und dos würde wohl noch eine Zeitlang so weiter gehen, denn eine Wohnung hatten sie nicht, als st« heirateten. Den Peter hat dos nicht weiter gekümmert, daß er keine Wohnung hatte. Cr hatte sich pslichtgetreu beim Wohnungsamt eintragen lassen und wartete nun mit ollem Optimismus, den nur die Jugend aufbringt, daß sich das Wohnungsamt eines Tages bei ihm melden würde. Kinder hatten sie ja vorläufig noch nicht und so ließ es sich auf der einen Stube, die die Eltern seiner Frau ihnen eingeräumt,' ganz gut leben. Vielleicht würde er demnächst in eine bessere Stellung aufrücken und dann würden sie sich sogar eine bcschlagnahmefreie Wohnung leisten können. Peter war Optimist und sah sich schon in einer geräumigen Wohnung den Hausvater spielen. Aber es kam anders. Eines Tages kam die Hebamme yrit ihrem Koffer zu Peters Frau und Peter ging zum Standesamt, einen Sohn anzumelden.»Jetzt wurde es ein wenig eng in der kleinen Stube, aber dafür hatte Peter jetzt größere Aussicht, zu einer Wohnung zu kommen. Schiiehlich war er jetzt ein richtiger Familienvater. Und der Staat, der ein so große» Interesse daran hat, daß die unter seiner Kontrolle ge- schlossenen Ehen nicht kinderlos bleiben, würde auch wohl dafür sorgen, daß er jetzt eine Wohnung bekäme. Schließlich bleibt ja kein Füllen, das von seinem Reichswehrpferde zur Welt gebracht wird, ohne Stall, wie soll da ein künftiger Soldat ohne Obdach bleiben. Und Soldat soll der Junge doch werden, was hätte der Staat sonst für ein Interesse an ihm? Aber Peter bekam keine Wohnung, sondern einen Dringlichkeits- schein. Mit dem in der Hand wartete er drei Jahre. Nun war er dreißig und daß wußte er, wer dreißig ist, hat sogar einen gesetz- lichen Anspruch auf eine Wohnung. Visher war er eben zu jung gewesen. Das war klar. Der Staat wollte nicht, daß die Leute so jung zusammenkaufen, Ehen gründen und nichts zu essen haben für ihre Kinder. Der Staat ist ein treuer Vater und wer trotzdem schon mit fünsundzwanzig eine Ehe gründet, muß seine Strenge fühlen. Und ohne Wohnung bleiben. So reimte Peter sich das zusammen. Aber der Staat verhalf ihm auch jetzt nicht zu einer Wohnung. Wohl wurden in der letzten Zeit mehr und mehr Wohnungen angezeigt. Aber es waren sogenannte beschlagnahme- 1 freie Wohnungen, die Peter nicht bezahlen konnte, denn er hatte Pech gehabt, er war in seinem Beruf doch nicht so vorwärts ge- kommen, wie er sich das erhofft hatte. Zu allem Unglück hatte ihm seine Frau auch noch mitgeteilt, daß sie ei« zweites Kind erwarte. Er mochte einen letzten Versuch und eilte zum WoHnungs- amt. Man versprach ihm, sobald das Kind da sei, würde er eine Wohnung bekommen. Er könne sich daraus verlassen. Und dann war er ein paar Monate glücklich. Leider wurde er, ehe das Kind geboren wurde, gekündigt. Betriebseinschränkungen, sagte die Firma. Er versuchte, neue Arbett zu bekommen. Er nannte sein Alter. Ueber dreißig? Da werden wir nicht lange Freude' miteinander haben. Zu alt. Das begriff er nicht. Kaum dreißig Jahre und schon zu alt. Aber es war so. Wenn nicht bessere Zeiten kämen, würde er also in seinem Beruf nicht wieder hineinkommen. Aber es würden wohl bald bessere Zeiten kommen. Peter ist immer noch Optimist. Und er hat recht behalten. Als das zweite Kind geboren wurde, hielt da» Wohnungsamt Wort, es wies ihm eine Wohnung an. Drei Zimmer, nicht teuer. Nur 42 Mark Miete im Monat. Peter war froh. Und nur dos eine bekümmerte ihn, daß er das Angebot nicht annehmen konnte, denn wovon sollte er von seinen paar Mark Stempelgeld jetzt die Miete bezahlen für eine Wohnung. Hatten sie solange auf der einen Stube gehockt, würden sie wohl Äuch jetzt noch einige eit darauf hocken können. Wenigstens bis er wieder Arbett hatte. Der Direktor des Wohnungsamtes jedoch hielt bei der nächsten Monatsversammlung des Vereins zur Bekämpfung der Wohnungs- not einen Vortrag, in dem er darlegte, daß es faktisch keine Wohnungsnot gebe, denn einmal ständen große Wohnungen seit Jahr und Tag leer und zum anderen stelle sich immer wieder heraus, daß sogenannte Wohnungsuchende, die seit Jahr und Tag die Wohnungsämter mit ihren Gesuchen um Ueberweisung einer Wohnung belästigen, wenn man ihnen wirklich eine Wohnung an- weise, das Angebot ablehnten, was ein schlüssiger Beweis dafür sei, daß die Behauptung, es gebe eine Wohnungsnot, ein demagogischer Kniff gewissenloser Hetzer sei. C.-5. Jf lesgen: 3>ie verhexle Slalche Die Kinder werfen wieder nach den korallenen Perlen in Kastanienbäumen. Die alten Gärtnersrauen ziehen schon ihre Harken über die Grasflächen der Anlagen und tragen das erste Laub in Körben hinter den Geräteschuppen. Hin und wieder bückt sich eine der Frauen unter einen StrMich oder Busch nach einem Taschen- spiegel oder sonstigen Liebesandenken, das in heißen Sommernächten hier verlorenging. Auf einer Bank neben mir lassen sich zwei alte Bekannte nieder. Ihre Philosophie beschäftigt sich nicht mit dem Problem der Arbeit. Ihnen sallsn die Groschen von selbst in den abgegriffenen Hut. Dem Aelteren, der trotz seiner Betilerkluft aus Sauberkeit hält, schaut eine alte Kleiderbürste aus der Manteltasche. Er knüpft sich elegant den Mantel zu, ehe er sich niedersetzte, und legt die Mantelzipsel über seine zerlöcherten Hosen. Dann zieht er mit großer Anstrengung eine Literflasche aus dem seidenen Innen- futter seines Mantels, entkorkt die Flasche behutsam, hebt den Fusel hoch gegen die gallig umrancel« Sonne und trinkt sein Viertel weg. Andächtig nimmt der andere die Flasche, verklärt sein Gesicht, trinkt ebensoviel und gibt die Flasche mit verkniffenen Lippen zurück.% Der Aeltere stellt die von der Körperwärme widerlich erwärmte Flasche zum Abkühlen zwischen seine Beine unter die Bank. Um- stündlich kramt er ein neues Paket aus dem anderen Mantelfutter und entblättert der Zeitung zwei galdfrische Räucherheringc. Die Fische glänzen wie in Oel getauchtes Gold. Die güldene Außen- haut hat ein« fette, silberne Innenseite. Sie belecken sich die würze!- I schwarzen Finger. Das weiße Rückenstück ist ein einziger, gräten- loser Streifen schmelzendweichen Fischfleisches. Die dünne Unterhälfte ist gespickt von Gräten. Was aber ein Feinschmecker ist, der hat Geduld und zieht sich eine Gräte nach der anderen durch die Lippen. Die Gärtner drüben am Geräteschuppen schärfen ihre Spaten und spitzen Baumpfähle für die jungen Bäume. Dabei fliegen Witze und Lachen von einer Gruppe zur anderen. Die beiden Helden haben bei ihren Heringen den Sommer und den Part vergessen Die nadelspitzen Gräten fordern Vorsicht, und die scharfäugigen Gärtner drüben haben schon lange die Schnaps- flasche unter der Bank erspäht. Sie ziehen mit ihrem Lachen alle Aufmerksamkeit im Park auf sich. Plötzlich kriecht jemand hinter mir im Gebüsch herum. Einer der Gärtn-r ist in weib-m Bogen um den Geräteschuppen bis nach den Bänken geschlichen. Ehe ich die Lage überschaue, hat er die halbe Flasche Schnaps unter den Füßen der sorglos Dasitzenden erwischt und verschwindet damit unbemerkt. Die alten Bekannten neben mir lassen noch einmal die Fisch- gräte kitzelnd über ihre Zungen gehen, und gemächlich greift der Aeltere unter die Bank zwischen seine Beme, greift nach links, nach rechts, nach vorn, nach hinten... Er faßt tiefer und greift weiter im Kreise herum. Verdutzt steht er auf und lehnt sich unwillig über die Bank... „Der Schnaps?..." Sein? Stimme überschlägt sich in der Höhe. Er betastet sich nachdenklich von oben bis unten, befühlt den anderen. Sie msten sich gegenseitig ab.„Verhext!— Rein wie verhext!— Hast du... Hab ich..." Mißmutig wenden sie sich um. Sie sehen, wie die Gärtner mit Spatenstielen drohend dastehen, die halbe Flasche Fusel johlend in den Wasserkasten des Schleifsteins gießen und damit ihre Spaten schärfen. Die beiden feuerdurstigen Gesellen schütteln ihre grauen Köpfe imd stehen da wie berufene„Statisten" des„Unverstandes dieser Welt"._ •Dr.'.R. dt. drance: Schnecpjlan&en im Sommer Jeder Bergsteiger hat schon von einer Schneeflora gehört: manche haben sie auch selbst gesehen, jene vielbcrühmten und oft beschriebe- neu Schneealgen, den roten Schnee der Firnfeldcr, der schon seit den Zeiten des A r i st o t e l e s bekannt ist, ohne daß den meisten seine wahre Natur klar wäre. Er ist eine Erscheinung des Sommers, denn vor Mitte Juni hat man ihn fetten beob- achtet; um diese Zeit jedoch sieht man, gewöhnlich nach lang an- dauerndem schönen Wetter, auf den höchsten Firnfeldern ansehnliche Strecken mit zartem Karminrot überzogen, das an den Rändern gelblich erscheint, hier und da sich auch zu lebhafterer Färbung ver- dichtet Schreitet man über solch ein rotes Firnfeld, dann quillt es unter den Füßen auf wie Blut, so daß sich nicht wenige unheimliche Sogen an diese Erscheinung geknüpft haben. Sie kommt in ollen Teilen der Alpen, wo ausgedehnte Firnfelder zu finden sind, vor: man hat sie in den Saooyer und Walliser Bergen ebenso beobachtet wie im Berner Oberland. Ein berühmtes rotes Schneefeld befand sich am R h o n e g l e t s ch e r: die Erscheinung kehrt wieder am G l ä r n i s ch und S ä n t i s, an der Sil- oretta, in den Stubaier und Oetz taler Bergen und im großen Firngebiete der Hohen Tauern. Nirgends jedoch liegt hier ein Widerschein von Alpenglühen oder von Bluttaten vor. wie die Sagen erzählen, wenn muh die Alpen viel unschuldig vergossenes Blut widerspiegeln könnten, sondern fast' stets ist es eine einzellige Pflanze, die der'Botaniker als, Spharealla nivalis bezeichnet, die den Schnee bis zu einer Tiefe von etwa ö Zentimeter in Millionen und aber Millionen Exemplaren durchsetzt. Es ist eine sehr eigentümliche Lebenswelse und ein, sehr merkwürdiges Geschöpf, das sich ihr hingibt. Eine kleine Kugel, die gewöhnlich in einer dünnen Hülle ruht, aber in den Stunden, da sich der Firnschnee erweicht und sich Pfützen stehenden Wassers auf ihm bilden, zwei Bewegungsfäden Hervorstreckt, mit deren Hilfe das zierliche Ding, von dem etwa 50 auf 1 Millimeter gehen, ein Weil- chen umherschwimmt. Seine rote Farbe scheint ein Schutzmittel gegen intensives Licht und die Kälte zu sein. Am Nachmittage, wenn die laut murmelnden Gletschergewässer verstummen und der Gletscher für fast 16 Stunden zu seinem eisigen, nur durch das Krachen der Gletscherspalten unterbrochenen Schweigen zurückkehrt, oirsinken auch die Blutalgen des Schnees wieder in ihren Schein- tod Wovon sie sich nähren, ist schwer festzustellen. Sie arbeiten zwar im Hochlicht, sind aber in bezug auf mineralische Nahrung wahrscheinlich auf den kosmischen Staub angewiesen, der sich aus den? Himmelsraum auch auf die höchsten und reinsten Firne herab- senkt, so daß diese im Sommer nur zu häufig oerstaubt und schmutzig auesehen._ sDas erfle Shahefpeare Thriller Die Shakespeareschen Dramen wurden zuerst von der unter Shakespeares eigener Leitung stehenden Schauspieltruppe in dem Globe-Theater in London gespielt, das im Jahre 1Z97 erössnet wurde Als Sinnbild seines Namens zeigte es über dem Eingang zur Bühne eine Erdkugel, von Herkules getragen, und am Giebel die lateinische Inschrift:„Die ganze Welt spielt Komödie"(Tolus raundus agit histrionernl. Im übrigen war es ein einfacher, ziegelrot angestrichener Holzbau. Dekorationen, die ausgewechselt werden konnten, kannte man damals noch nicht. Den Hintergrund bildet meist ein Teppich. Tag und Nacht wurden, wie man an- nimmt, dadurch kenntlich gemacht, daß, um zu zeigen, daß eine Szene am Tage spielte, oberhalb des Teppichs ein blauer, für die Nacht ein dunkler, wahrscheinlich brauner Leinwandstreisen angebracht wurde. Zeichnungen des Theaters aus alter Zeit werden heute im Britischen Museum in London ausbewahrt. Das Theater, eine Sommerbühne, lag in einer Vorstadt Londons, in der— wie etwa vor 50 Jahren in der Hasenheide in Berlin— allerlei damals zeitgemäße Voltslustbarketten stattfanden, wie Ringkämpfe. Weit- laufen, Bärenhatz, Hahnenkämpfe. Heute ist die Gegend zur Fabrik- gegend geworden. In den ersten Ausführungen des„Hamlet" im Globe-Theater hat Shakespeare selbst den Geist von Hamlets Vater gespielt.__ Rätsel um die Sahara. Wie aus den Forschungsergebnissen einer französischen Expedition zu ersehen ist, besteht die Möglichkeit, daß die Sahara während der europäischen Eiszeit fruchtbar war und über eine dichte Bevölkerung verfügte. Als Beweis für diese Be- hauptungen sieht die Expeditionsleitung eine ganze Reihe wertvoller Waffenfunde an, ferner mehrere Töpfereigegenstände, die einen hohen kulturhistorischen Wert aufweisen. Northcssff besitzt in England und Amerika siebzig Zeitungen. Zur Gewinnung des Papiers hat er in Neufundland 2l)!)0 Quadrat- meilen Land mit Woldbcstand gepachtet. Die meisten Gewitter kommen in Abesjinien vor, wo sie an manchen Stellen zweihundertvierzehnmal jährlich im Durchschnitt austreten. Slafecbtrages fär diese Rubrik find B« r l i» SS 68, LindeustraKe 3, pariemachrichten�A�sür Groß-Berlin stet»»» du» Bezirkesekretartut 2. Hos, 2 Treppen recht», zu richten Beginn aller Veranstaltungen 19� Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! Heule. Mittwoch, 2. September. IT. 9rM. 90 Uhr gufamwentunft junger Parteimitglieder bei ItNnge, Sellcr. 48.' D> sf utictabenb bei EchwMowfli, JBtangrlftt,«7. Rcfcrent: Genosse Tietgen». 74. Abt. West. Funktionärsihung im.Schwarzen Adler", Poiedamer Str. 25. Morgen, Donnerstag. Z. September. 3, Srei«. SUerabeirZte der weltliche» Schnlco zS, 16t. 184L Uhr im Lehrer. zimmer der 181. Schul«.— Politische» Schulnngoluis«» für Sr«erb»lose im Keim Titstter Str. 4-3. Thema: Die politische Situation in den euro. päische» Ländern. Reserent: Seoost« Dr. Ernst Bock. Sesamtdauer vier Abende, i» denen ein Gesamtbild der außenpolitische» Situation«c. geben wird. 1«. Arei». Im NSpenitker Rathau», Zimmer dl, wichtige Fraktion»sihn»a mit 33. 38. dem strei»»orsta»d. Abt. Funttionärsihung bei Sojael, Bcymestr. S. Vorher um 18Vi Uhr Vor. eandsstgung. 6t. Ichch Uhr chiinitronävstinina bei Dusch, Tilstter Str. 27. Erscheinen sämtlicher Funkteonäre unbedingt ersooderlich. 78. Abt. Achtung! Die Abteilung avvrstondssitzung findet diesmal nicht am Freitag, sondern am Donnerstag, dem 3. September, im Lokal Racho, 20 Uhr. statt. 88. Abt. 20 Uhr Funttionärsthung bei Görlist, Thausseeftr. 18. 88. Abt. Fimit'onärsttzlinq bei Delcm, Bahnhofstrastr. 82. Ab». Funktionärs, hung bei Wolss, Kaiser.Friedrich.Str. 178. 88. Abt. Zusammentunft der jungen Parteigenossen im Dersanrmlungsrrrmn Kannemannstr. 40. 10«. Abt. 20 Uhr bei Blochwist, Funktionärs, stung Part. Ecke Herrrnhausstroße. 117. Abt. 20 Uhr Funkrionärstbung bei Klose. 113. Abt. Di« Funktionärkonferen« muß umständehakder bereit» Donnerstag bei Tempel, Gubrunstr. 7, stattfinden. 128. Abt. 1« Uhr wichtige Funktionärsthung im Türkischen Zelt. AnschNehknd 20 Uhr Funkrionärsthung. Freitag, 4. September. Ordner treffe» sich am Freitag um 18 Uhr in der.Reuen '»lerlnndgebnng. 14. Krei». Sömtli, Welt"«bx. 1. Abt. Funitionärfitzung bei Schaar, Ziegel, und KaMcheuuenstrahe, 3. Abt. Saal 3 de» E>owerkschaft«bauses wichtig« Funttionärststung. 3. Abt. Funktionärs, hung bei Ptrsäste, rwtwendig. Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen Deutschlands. Bezirksgrnppe Berlin. Wir beteiligen NN, heute geschlossen an der öffentlichen Aundgebnng her Sozinliftischcn Arbeiterin««»» in den Knmmersnle», Tcltower Str. 1—4. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Grotz-Lerlin. Kr«i« Friedrich»»»,». Di« Plakettin vom Spiel- und Sporttag müssen sofort bem Genoffen Sonimerfeld abgerechnet werden. Heute, 18 Uhr, Spielen auf dem Sportplatz im Friedrichshain. Sonnabend 8. Krcisfahrt der Roten Falken nach Rudersdorf. Treffen 17 Uhr Schlessfchcr Bahnhof. Kosten 73 Pf. Kreis Eharlottevonrg. Keule. 17sh Uhr, Note-Falkrn.Bollvirsammlung im Jugendheim Rosinenstr. 4. Erscheinen oller Falten erforderlich. Krei» Brißensee. Keute, I7sh Uhr, Vollversammlung im Keim. 20 Uhr Helfersttzung an bekannter Stelle. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 11. Abt. Unser langvhriger Genosse Hm-ll Zill, Iaaowstr. V, ist plötzlich in Cupftpnhutfl i. H. verstorben. Ehre seinem Andenken. Einüsckieruna hat bereits im Krematorium Nordhausen stattgefunden. i SozialisiischeArbetterjugendGroß-Verlin Einsendungen fllr diese Rubrik nur an da» Iugendsekretartat Berlin SW 88, Lindenstraße 8 FreidenIee.Kunbgebun« Freitag, 4, September, ISiz Uhr.„Reue Welt", Hornheide. Es sprechen Vertreter der Frefdenler Oesterreichs, Frankreichs, Belgien», Englands, Italiens issw. iMnstlerische Umrahmung der Kundgebung. Gruppen, die sich an»er Kundgebung beteiligen, nehmen ihre Fahnen mir, da Fahncneinmarfch, Eintrittskarten im Borocrkauf 30 Pf., Abendkasse 30 Pf. Streichorchester Sroß.Acrli», Heul« Treffpunkt zur Kundgedung I«', tlhr vor dem Eingang der KammerfSIe, SW., Tcllower Str. 1— 4. Pitnkilich erscheinen, da noch geprobt wird. Ziotenpulle nicht vergessen. Heute, Dienstag. 19)4 Uhr Sondgebuag Im grohen Saal der Kammersäle, Teilower Str. 1— 4 tU-Vahostation VeueAlliance- Straße)..Gegen vSlkerhah und volkerperhei,ung. für Verständigung mit Frankreich und der Welt." Alle Veranstaltungen fallen aus. Fahnen mitbringen. Treffpunkte der Gruppen und werbebezirke:' Gesundbrunnen N: 18 Uhr die Lättfcr und Ib's, Uhr di« Fahrer bei Boer. Falkintracht.—«rnimplatz: 18s, Uhr Bahnhof R-rdring,—«lldweft: 188i Uhr vor dem Heim.— Reuteliu Hl: 18 ts. llhr Konstim-Ecke.-- Lichten berg-Mittc: 18?� llhr Stralau-Rmninelshurg,- Lichtenbera.Rord: 18ii Uhr �Schwar.vr Adler".— Panlow 13ä, Uhr Bohirhaf Vinetastraße.- Neukölln IX» ILli Uhr Bahnhof Hermannstraßc. Werbebezirk Weddin«: Bahnhof Waddinn 18 Uhr fiir Gcnossen di« laufen, Ig Uhr ftlr Genossen die fahren. Berbebezirk SchSnebc.g: i» Uhr»aisrr.Wilhelm.PIotz. Wtr laufen. Werbebezlrl Tempelbof: iSlh Uhr U«ahnhof Tempelhof. Achtung,»orten- vertrieb für den Elternabend sofort eiirstrllen. * SSO. CharloltrnNrfl: 17U llb.r Rostneirstr. 4. Arbeitsgemeinschaft. 8. T. «erbcbezir, Renkälln: 18 dis 1» Uhr Sprechstunde Ganghofcrstraßk. Die große Herbstausstellung, die die Landeshuter Leinen- und Gebildweberei F. V. G r ü n f e l d, Berlin, Leipziger Straße 20/22, veranstaltet, bringt eine Fülle von Anregungen. Im Vordergrund stehen naturgemäß Gardinen. 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Der ZdA. hat gegen den sogenannten Allgemeinen Kon> s umverein Halle wegen Abschluß eines neuen Tarisoertrages und Gehaltstarifes den Schlichtungsausschuß anrufen müssen. Durch Schiedsspruch wurde der Tarifvertrag zwischen dem AdA. und der Halleschen Einkaussvcreinigung wieder in Kraft gefetzt. Ein weiterer Schiedsspruch, und zwar vom 29. Juli, bestimmt, daß die Tarifgehälter, die bis 31. März in Geltung waren, um 8 Proz. gekürzt werden. Gehälter unter 119 M. bleiben von der Kürzung befreit. In der Begründung des Schiedsspruches führte der Vorsitzende aus, daß die 8 Proz. Gehaltskürzung nur infolge der be- sonderen wirtschaftlichen Verhältnisse des Allgemeinen Kon- fumoereins zugestanden würden. Den kommunistischen Konsumstrategen war das aber nicht genug. Nachdem sie vorher schon den Manteltarif abge- lehnt hatten, haben sie mit ihrer NGO. sich einen regelrechten Werkvereinstarif fabriziert. Der von den Kommunisten voll- kommen beherrschte Allgemeine Konsumverein legte dem Schlich- wngsausschuß einen mit derRGO. abgeschlossenen Ge- Haltstarif vor, der einen Gehaltsabbau von ungefähr 20 Proz. vorsah. Dieselben RGO.-Leute, die nicht laut genug die freien Gewerkschaften des„Vc�ats" zeihen und„keinen Pfennig Lohnabbau" schreien» schließen im Augenblick des Tarifstreits einen Gegentarif mit rund 29 Proz. Gehaltsabbau ab! Vernünftigerweise ging der Schlichtungsausschuß über den Gc- Haltstarif der RGO. zur Tagesordnung über. Das hat den All- gemeinen Konsumverein veranlaßt, in einem Schreiben an den Schlichtungsausschuß gegen seine Einstellung zu polemisieren. Dem Schlichtungsausschuß wird vorgeworsen, nur nach rein politischen Gründen gcurteilt zu haben. Es wird weiter ausgeführt, daß die RGO. eine wirtschaftliche Vereinigung von Arbeitnehmern ist mit dem Ziel, die wirtschastliche Lage der Arbeitnehmer(Lohn, Arbeits- zeit usw.) zu verbessern. Gehaltsabbau von 29 Proz.— das nennen die Kom- munisten, wenn s i e Tarife abschließen,„Verbesserung der Wirtschaft- lichen Lage der Arbeitnehmer". Kann man sich eine schmachvollere Handlungsweise vorstellen als diese Lohndrückerei, die selbst unter den gelben Werkvereinen ihresgleichen suchen dürfte! Und diese sogenannte Kommunistische Partei mit ihrer RGO., denen selbst die Schlichtungsinstanzen noch nicht scharf genug im Lohnagbau sind, haben die Stirn, sich als „revolutionäre" Arbeiterpartei zu maskieren. Immer wieder muß es den kommunistischen Arbeitern gesagt werden, daß sie von der KPD. belogen und betrogen werden und daß sie, wenn jemals die KPD. in Deutschland die Macht bekäme, brutal ausgebeutet und unterdrückt werden würden. Wieder Textilunternehmer! Generalkündigung der Lohntarife. Auf»höhere« Befehl" kündigen nunmehr die Texkilunler- uehmcr die L o h n k a r i f e. Zu Ende Oktober für die Bezirke W e si s a ch s e n mit 171 909 Beschäftigten. O st s a ch s e n mit 29 009 Beschäftigten. A a ch e n-mit 9000 Beschäftigten und Sarau mit 4000 Beschäftigten. Der württembergische Lohntarif ist schon zu Ende Juli abge- loufeu, der für die R h e i n p s o l z und die Bicderlausih Ende August. Reue Lohntarife für diese drei Bezirke konnten bisher noch nicht abgeschlossen werden. Ebenso wurde der Tarif für die R o r d- wolle zu Ende September vom Konkursverwalter gekündigt. Unter den gekündigten Tarifverträgen arbeilen rund Z09 000 Textilarbeiter und-arbeiterinnen. Ob die Textilunternehmer die Stirn haben werden, die Lohn- höhe der Textilarbeiter als Sündigungsgrund anzugeben, bleibt abzuwarten. Jedenfalls kann man annehmen, daß diese General- kündigung der Lohutarife nicht vorgenommen wurde, um den elend bezahlten Textilarbeitern eine Lohnerhöhung aufzuzwingen. Die Textilfabrikantdn scheinen offenbar kein Gefühl dafür zu haben. daß sie alle Ursache haben, sich für die nächsten Monate in Der- gessenheit zu bringen. Arbeiierpolitik der Aazis. Mädchen werden ausgebeutet und zum Betrug verleitet. Hannover, 1. September.(Eigenbericht.) Vor dem Spruchausschuß des Landesarbeitsamtes Hannover kam ein geradezu unglaublicher Fall skandalöser Ausnutzung der Not der Arbeitslosen durch die N a tiom al soz i a llst e n zur Verhandlung. Die hannoversche Razizeitung hat im hiesigen Arbeitsamt vor der Stempelstelle der weiblichen Büroangestellten Abfänger aufgestellt. Sie sprechen die arbeitslosen weiblichen Angestellten an und erklären diesen Opfern einer verkehrten Wirt- schastsordnung Arbeit und Verdienst verschaffen zu können. Die weiblichen Angestellten werden dann zum Büro der Nazizeitung geschleppt. Dort erzählt man ihnen, daß sie Arbeit erhalten könnten, wenn sie in die NSDAP, eintreten würden. Vom Tarifgehalt ist natürlich keine Rede. Man bietet für die Arbeit in der Nazizeitung monatlich 49. S9 und im höchsten Falle 69 Mark. Auf den Einwand der Mädchen, daß ssie mit dem Gelde nicht aus- kommen können, wurde gesagt, man würde ihnen Zeit und Gelegen- heit geben, weiter zum Stempeln zu gehen. Sic könnten ihre Arbeitslosenunter st ützung nach wie vor abheben. Die auf diese Bauernfängerei hereingefallenen jungen Mädchen haben nicht nur eine fühlbare Ordnungsstrafe des Arbeits- amtes zu gewärtigen, sondern auch ein Verfahren wegen Betruges an der Arbeitslosenversicherung, wofür meistens auf Gefängnis st rafe erkannt wird. Die Gewerkfthastsjugend marfchieri! Zur gleichen Stunde, als in Frankfurt die Arbeiterschaft in einer gewaltigen Demonstration den Gewerkschaftskongreß begrüßte, marschierten in Landsberg a. d. Warthe über 2999 Mitglieder der Gewerkschaftsjugend aus der Neumart Berlins zu einer ge- waltigen Jugendkundgebung auf. Schon am Vorabend brachte ein Sonderzug 799 Berliner Mitglieder der fteien Gewcrkschaftsjugend nach Landsberg. Die Landsberger Arbeiterschaft ließ es sich nicht nehmen, schon an diesem Abend eine Begrüßungsfeier im Stadion zu veranstalten, lieber 599 Teilnehmer wurden trotz Wirtschaftskrise, trotz Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit in Privatquartieren untergebracht und von den Quartierwirten mit herzlichster Gastfreund- schaft aufgenommen. In den frühen Morgenstunden, während jeder neu in Lands- berg eintreffende Eifcttbahnzug immer neue Jugendgrupoen aus der Provinz brachte, fand eine Rtorgenfeicr auf einer herrlich gelegenen "Wiese im Zänziner Wäldchen statt." Anschließend gab es besondere Zusammenkünfte für die einzelnen Jndustriegruppcn. Im Mittel- punkt dieser Veranstaltungen standen die Forderungen der Jugend um erweiterten Jugendschutz und die Stellung der Jugend in der Wirtschaftskrise. Am Nachmittag fammeSe» sich sowohl die auswärüge« Jugend» tagsteilnehmer als auch die Landsberger Arbeiterschaft auf dem Moltkeplatz. Ein Demonstrationszug der werktätigen Jugend, wie ihn Landsberg noch nicht gesehen hatte, mgrschierte durch die Straßen der Stadt zum Stadion. Es war ein herrliches Bild. Als Vertreter der Stadt Landsberg begrüßte Genosse Stadtrat Frees« die Jugend, für den Bezirksausschuß Brandenburg des ADGB. Genosse N c ß l e r und für den Ortsausschuß Landsberg Genosse R e b i g« r. Den Dank der auswärtigen Teilnehmer an die Landsberger Arbeiterschaft brachte P i ck e r t zum Ausdruck. Die Festrede hielt der Regicrungs- Präsident Genosse F i tz n e r. Die Kundgebung schloß mit der lieber- gäbe des Bezirks-Jugendwimpels der fteien Gewerkschaftsjugend Berlin an das Jugendkartell Landsbsrg. Sportliche Wettkämpfe hielten die Teilnehmer noch bis in die Abendstunden im Stadion fest. Die rheinischen Gasarbeiter in der Abwehr. Die Lohnverhandlungen zwischen den Gewerkschaften und dem Arbeitgeberverband der rheinischen Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke sind erfolglos verlaufen. Die Unter- nehmer verlangten eine Lohnkürzung um 6 Proz. Zur Zeit beträgt der Spitzenlohn 98 Pf. Die Vertreter der Gewerkschaften lehnten die Forderung der Unternehmer ab. Nunmehr muß sich der Schlichter von Westfalen mit dem Lohnstreit befassen. Arbeite, und Angestellte der Bewag, Be,>r? Steglitz. S«ut«, Witt. wo», löl'- Uhr, im Loun von Thiel, Steglitz,«iemenostr. SS. Ecke Biekbuschstratze, Veriam-lUung aller SPD.-Arbeiter und Angestellten. Tagesordnung: 1. Ra» dem Dolkseirtschcid. Referent: Genosse Reese. 2. Betriebsangelegcnhciten. Autritt nur gegen Bowag» und Partei» ausmris! Eyinpathistercnde haben Autritt. Die SPD.-Fraktio» der Bewag. Achtung! Bezirksamt Krenzbcrg! Morgen. Donnerstag. 20 Uhr, im Restaurant Gwald. Slalitzcr Str. 136, Araktionssstzung. Tages. Ordnung:„Der stainvf um die Berliner Besoltumgs-rdwnng." Referent: Genosse Wilhelm Soldes, Vorsitzender der Ortsgruppe Berlin d. R. d. tz. Aussprache. Mitteilungen. Verschied«»-. Grscheinen tst Pslicht. Mit- glicdsduch legitimiert. Der Fraktionsoorstand. Zsdi�reie Gewerkfchafts-Iugend Berlin .deute, 19' i Uhr, tagen die: Gruppen: Baumschulenweg: Iugcndheun Balnm'chulenwcg, Ernstste. 16. Heiindesprcchung.— Weihen see: Gruppen- Hein, Weigenfcc, Parkstr..W. Heirnbespeechmig. Bcrbandsbuch und Seim. a it-weis mitbringen.— Humboldt: Fugendheiin Grann- Ecke Lortzingstratzc. Sriindefprechimg. Verband sbuchtontrolle.— Vordring: Schule Sonncnburgrr Strasse 20..Heimbesprechung. Bcrbandsbuchkontrolle.— Tegel: Jugendheim Tegel, Cchöncberger Str. 4(erst mn 20 Uhr). Heimbesprechung.— Süd' wcsten: Artgendheinr Porckstr. 11(Adbritgebäude). Hcrinbesprechulig. Arbeiterdichtungen ans Echallplattc».— Flughafen: Gruppenhcim Flugchafenstr. 6« ist. Vabnhor Boddinstrossc). Heimbesprechung. Sinq-Sang.— Neukölln: Jugend. Imwi Neukölln, Bcrgstr. 2g. Heimbefprechun«. Gesellschast-spiele. Ver- bandckbuch mitbringen.— Spandan: Jugendheim Lindenufcr L Heimabend.— Schöneberg: Schöneberg, Hauptstr. IS lGarlcnhaus). Heimbesprechung. Zal- sthriftenschau., ©Zvgendgmppe des Zentralverbandes der Angestellten Heute ssitd folgeudc Veranstaltungen: Sesnudbrunnen: Jugendheim Schönstcdtstr. 1. Bortrag:„Für und wider die Todesstrafe". Referent: Lewinski.— Schönhauser Vorstabt: Jugendheim der Schul« gastanicnallec 81 Vortrag:„Generalstreil— sein Zweck und seine Geschichte". Referent: Lamm.— Nordost: Wir besuchen die Vcrsonunlnnq des Wcrbebczirks.— Reinickendars: Jugendheim Lindauer Str. 2 sVaracke). Vortrag:„Moderne Erziehungsfragcn". Referent: Wrigclt.— Stralau! Jugendheim der Schule Gosslerstr. 61. Vvrirag: „Auch"-Soxialtstcn von rechts". Referent: Huhn.— Obersprce: Riederschöne- meide, Berliner Str. lll i Schule), Eingang Hasselwerderstraße. Arbeitsgeinein- schaft:„Die Angcstelltenbewegung". Leiter: Solz.— Köpenick: Augendheim Dahlwitzcr Etr. lö(Gasanstalt, am Dahnhof ssöpeniek). Bunter Abend.— Rcu- kölln: Wir besuchen die Versammlung des Werbebczirks.— Südost: Jugend- heim Wrangelstr. 128. Gruppenbcsvrechnng.— Schöneberg: Wir besuchen die Versammlung des Wcrdcbezirts.— Eharlottenburg: Wir besuchen die Vcr- sominlung des Wcrbebczirks.— Spandau: Wir besuchen die Versammlung des Wcrbebczirks.— Potsdam, Nowawe«: Jugendherberge in Nowawes, Priester. strahe. Spiel, und Eportabend.— Pankow-Rieberschönhausen: Wir besuchen die Bcrlounnlnng des Wcrbebezirks.— Spartabteilnng: Ilcbiingsabcnd ab 20 Uhr in der stiidtiichcn Turnhalle Prinzorstrasse.— Spiele im Freie« ab 18 Uhr auf dem Sportplatz Isriedrichshain,— Meldet euch für die VolksbUhncnabteilunq füe die arbcilcndc Jugend im Jugendsckrclariol.'"«ifl Verantwortlich für Politik: Victor Schill: Wirtschaft:®. Klingelhöser: Ecwcrksckiaflsbeivcgung: 3. Steinet; Feuilleton: Dr. Job« Schikawski: Lokales und Sonstiacs: Fritz Karftädt; Anzeiaen: Tb. Glocke; samtlich in Berlin. Verlaa: Porwärts-Verlaa S. m. b. H,. Berlin. Druck: Vorwarts-Buchdruckerri und Vcrlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW 68. Lindenstrotze 8. Hierzu 2 Beilagen. Theater, Lichtspiele usw. � Sujiiu/ Sm im/ im/ XmuM/ y Nu. i�. � V..]'X.m 1.��.111, Vi. Staats Theater S'aatsoper Unter den Linden. Mittwoch, den 2. September 20 Uhr. Ende nach 22V2 Uhr. Der Troubadour StaatLSduasaieliiaDs Oendtnnenmarirt. Anfang 20 Uhr Die natürliche T achter Sdriller-Theater Charlottenburg. Anfang 20 Uhr Die Mitsdialdigen. 33 Minaten in Grüneberg Barbarossa 9256 Tfigl. 5 0. 81/2 U. THE 22 INCENUES HUDSON- WONDERS und das große Sapt.-Programm metropoi-itieaier Täglich 8V» Uhr die neue Paal- Abraham- Operette Die Blume von Hawai unter persönl. Ltg des Komponisten Pr. der PL: 1.- bis 14.50 Dautsdies Idealer 8 Uhr Kat Schauspiel nach Ernest Hemingway Dsutsthe Bühnenlxarbciliuig ». Carl Zuckmayei und Heinz Hilpert. Regie: Heinz Hilpert Mittwoch, 2. Sept. mat. Oper Charlottenburg BismarcksttaBe 34 Turnus II Anfang 20 Uhr Angelina. Ende nach 22 Uhr. Rurlfirstenaamni Theater Bismarck 448/40 8>/. Uhr Die schöne Helena eon lacques onenbadi Segle: mar Betnhami 6.15 Uhr Flara 3434 Rauto erlaubt Die Sechs von deck Siaotsoper. Cortinis Dollarsegen. Salerno. 12 Bratanos. Rhocnrad-Sens osw. s'uvhr CASINO-THEAlERs1/. Uh, Lothringer Straße 37. iiiiiimiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiNiiifiiiiiitiiiiiimiiiiiiiiiHuii Genia&Vittorio: 2Blessings Ernst Walter. Direktor HANS BERG konferiert. Dazu: Nur kurze Zeit: Das Parfüm meiner Frau Gutschein 1— 4 Pers. Rang Mitte IM. Fauteuil 1,25 M.. Sessel 1,50 M. Parkett 75 Pt, Rang Seile 60 Pf. Komiscne oper SV: Uhr Thron zu vergeben Operette v.Neidhart Musik v. Witmann Leux, Elster, Lilien, Hendrik, Fels Preise; 0,50-7,- M Theater desWesteas Tägl. 5 u. S'U Volksvorstellungen Viktoria und ihr Husar Billigster PI. 0.50 M Teuersur PI. 2.50 M. Wodmiags 8U Sonntags Sx o. 9 Uhr manchen zum Heiraten Lustsp. mit Annemarie Enderle, Traute Rose. Carl de Vogt u. a. 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WM» ferpugung* Redairant Berlins BETRIEB � K KEMPIHSKliL? nEINI SOMFIBMH direkt ab Fabrik EngrosPrEise BERLIN O 34 'o» gute Kapflän- BaulahaKÄÄS: C. Köck er. lleriin LtdHenheroar Stralle 22. KOatgsi. 3801 r%PfS«Ä04An -------- 'fconßjLsnzifiPZieNik Zinsfreie Darlehen auf dar örundlage echter Gegenseitigkeit HAUSBAU Kpcrtvi e« nahlösuho- EKTSCHULBUNöSkReDITl q.,— TOOcSFAULVEstSICHEBUNS Bisnrrruna eis zu 20000.- bm 13 Millionen RM Oariehen vergeben fordern Sie Auftdärunflsschrißaol Zurück Dr. MusHal Orthopä Jie, Röntgen Qehstörungen. W 62, Kurffirtten- «Irahe 134. Uidüü, Qoittongs-.Ba'üatl- u.Rekl&iuemarkei) gegen Nachahmung geseul. gesch. fertigt seit 45 Jahr als Spcziaiiltlt Conrad Mflller Leipzig- Schkeuditz Gewinnausziig 5. Klasse 37. Preußijch-Süddeulsche Staak-Lotierle./ Ohne Gewähr_ Nachdruck verboten Aus jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer aus die Lose gleicher Nummer in den beiden Abiellungen I und II 29. Ziehungstag 1. September 1931 Dn der heutigen Vormittagsziebung wurden Gewinne über 499 M. gezogen 2 Selvinn» zu B000 92. 267266 . 20©etoinn« iu 3000 M. 19269 42346 105028 147584 175147 179647 198880 279640 309203 355678 72®co;nn.«u 2000 SN. 28210 37649 40055 45171 46323 53304 57238 69617 98978 11)957 159569 168370 171959 179166 179461 185051 1900S6 195677 282904 291591 294718 297365 297747 313022 324641 326536 327209 334938 340496 343139 350592 351735 358188 371591 373605 391957 1 26 S-winne zu 1 000 M. 689 1162 9353 16441 17129 20763 23555 25005 67953 82030 83174 97827 103869 105227 105252 I 14096 114695 139134 143069 143628 I464I9 146621 150349 151536154629 155244 165255 163697 170997 176340 177304 196443 201702207074 210456 230943 233291 239019 241907 250508 251923 252716 252759 253107 254409 260047 258534 278414 287214 297775 306580310860 333984 3421 19 354023 354239 362940 369107 375922 382316 384664 38 o o 1 5 3o68B3 166 Gewinne zu 500 M. 4893 10422 11764 12051 14592 16987 18665 22594 23279 35220 35736 44292 48451 54276 54456 57387 58215 64173 66434 63343 71784 S4S0S 87024 83713 98693 100284 114431 JJf5Zä 1 AI 756 142693 144715 146618 148612 149221 ' g26C8 161 187 Z 68498 169283 172353 172840 173015 173051 177665 1833o7 185076 192066 192358 200635 204858 206139 211026 214325 2'7232 221001 230065 234630 246861 248502 255947 256035 280430 262628 262720 269634 279432 284596 287575 307241 311643319055 319336 323912 329749 339286 352331 357146 359701 372746 376745 o/oOob oy4foU 3n der heutigen Nachnültagszichung' wurden Gewinne über 100 M. gezogen 2 Gewinne zu 500000 M. 281050 2 Gewinn» zu 25000 M. 37720 2 Gewinne zu 10000 M. 352718 8 Gewinn« IU 5000 M. 170402 274443 321135 336179 oicSi�,�1ü»er,i"1n3,0-0Ä5n- 11818 111214 1 50591 150199 1 58941 178941 219.8o»24.4594 244700 269788 273705 286553 330751 337101 373607 88»* 2000 iJR. ,9204 28415 30883 32324 64837 69814 ?o?Sln9nnZLl0S7f4 1 1 5788 123046 136002 143789 167411 184158 197912 205447 21 51 00 219740 258509 264355 295410 326865 343683 349474 373480 373766 382973 396093 „..92 Sewinne ,u l 000 M. 12178 12369 25814 32206 38334 4739« 75636 89368 96871 132822 138381 141244 197240 206429 207329 208751 209052 216310 217057 219234 220130 224717 227945 230708 260054 260414 265367 272840 233872 286347 295942 374393 333393 399943 3224,9 324920 330002 362223 3699'2 3'. 4330 .«" SOO M. 5043 23346 28342 39642 40031 41179 4260« 44845 45833 48943 53744 58763 69360 66982 71921 7606« noa»« WZZs'WZZ'01 873 106133 106492 107L03 131623 36662 137632 1�8233 150304 157350 153047 159349 167056 176791 182909 198062 204294 208860 222666 227479 230335 231220 237294 2501 94 253391 2o6097 203410 259012 262595 264838 272567 275500 279718 28997« 292239 292623 293299 293541 294304 300336 308895 314235 31 8? 13 321069 328084 330193 332984 346370 353818 357137 364"97 3674 O 369044 39085) 394760 395753 39991 1 904-97 967410 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000, 2 Gewinne 2 zu je 300000. 2 zu je 200000. 4 zu je 50000, 12 zu ie 25000 72 i" t« 10000, 15.4 zu je 5000, 304 zu je 300). 886 zu je'Ä 1764 zu ze 1000, 2814 zu je 500, 8558 zu je 400«Jet Kapitalistische Welt als Irrenhaus. Kennzeichnung des kapitalistischen Systems auf dem Gewerkschafiskongreß. ?. Frankfurt a. ZN., 1. September.(Eigenbericht.) . Professor Lederer kam nach seiner grundlichen Durchleuchtung des Kapitalismus und seines Kreditsystems zu dem Schluß, daß es zwar nicht aussichtslos sei, aus der Krise herauszukommen, doch könne es noch lange dauern. Da noch lange mit einer strukturellen Arbeitslosigkeit zu rechnen sei, handele es sich bei der 40-Shindcn- Woche um eine Dauermaßnahme. Die 4l1-Stunden-Woche be- deute ein glänzendes Zeitbild für die Solidarität der Arbeiterschaft. Eine vermehrte Freizeit führe bei richtiger Anwendung zur Hebung des geistigen Niveaus der Arbeiter. Der gesunde Tätigkeitsdrang wirke sich aus. Die Freisetzung von Arbeitskräften durch die Maschine müsse zur Freisetzung persönlicher Kräfte führen, zur Be- herrschung der Wirtschaft durch die Menschen. In der Nachnüttagssitzung wurde zunächst Zouhaux begrüßt, der in seiner temperamentvollen Weise aus die Verbundenheit der Arbeiterschaft hinwies und auf die Notwendigkeit einer besseren Ver- ftändigung und praktischen Zusammenarbeit, wozu die französische Arbeiterschaft bereit sei. Der Vorsitzende, Genosse Schumann, dankte Jouhaux besonders herzlich und wünschte, daß unsere vereinten Be- mllhungen den Erfolg haben, daß auch die Regierungen beider Länder zu einer Verständigung kommen. Nach den Theoretikern kamen die Praktiker in der Frage der 4l1-Stunden-Woche zu Wort. Eggerl vom Bundesvorstand be- tonte, daß nicht die Gewerkschaftsbewegung, sondern die technische Entwicklung uns vor die Frage gestellt hat, was aus den sünf Mit- lionen Arbeitslosen werden soll. Für die Bauarbeiter führte der Vorsitzende des Bauarbeiteroerbandes, Genosse Bernhard, für die Metallarbeiter der Verbandsvorsitzende Reichel und für die Textil- arbeiter der Genosse Schöller die besonderen Verhältnisse ihrer Be- rufe ins Feld, die eine Verkürzung der Arbeitszeit erheischen. Auch kraus betonte die Einmütigkeit darin, daß die Durchführung der 4Y-Stunden-Woche die wichtigste Frage sei, doch hält er sie erst für lösbar, wenn die Produktionsmittel in den Besitz der Gesellschaft gekommen sind. < Sptiedl macht Kraus den Vorwurf, daß gerade er und seine revolutionären Freunde die 40-Stuirden-Woche in den Betrieben bekämpfen. Die Arbeitszeitverkürzung sei die logische Konsequenz der stürmischen Entwicklung der Wirtschaft. Er erinnert an die Tragik der modernen Jugend, die aus der Lehre oder schon aus der Schule arbeitslos herauskommt und arbestslos bleibt. Die Reichsregierung scheint an den Dingen ganz vorbeizugehen. Die Versprechungen der Regierung seien nichts wester als weiße Salbe. Der letzte Redner des Tages, Genosse Tornow, lenkte die Dis- kussion noch einmal von der Spezialfrage der 40-Stunden-Woche auf das allgemeine Gebiet der Wirtschaftslage. Die Wirtschaft gleiche y einem Irrenhaus. Den Völkern aller Länder muß begreiflich werden, ' �daß der Sozialismus der einzige Weg ist, der aus der Sackgasse herausführt. Schluß der Aussprache. Frau G l o d o s ch- Berlin: Wir sind der Ansicht, daß die Ar- beiterinnen. soweit es sich um Kriegerfrauen handelt, nicht schlechter behandelt werden dürfen als die penswnierten Offiziere. wagner-Solingen spricht über die Lage der Hcemarbeiter in Solingen. Ströme von Tränen. Berge von Leid kennzeichnen den Weg, den unsere Arbeiter gehen mußten. Ein Schleifer wird nicht mehr als 3S Jahre im Durchschnitt. Die häuslichen Wohn- Verhältnisse machen das Elend größer. Wenn man sie jetzt auch noch von der Arbeitslosenversicherung ausschließen will, was soll da aus unseren Arbeitern werden? Simon Kraus-Stuttgart kritisiert in heftiger Form den Bundesvorstand: Der Kopitalismus befindet sich in einer Nieder- gangsperiode, aus der er sich niemals erholen wird. Er wird sich nur auf Kosten der Arbeiterschaft noch einige Zeit halten können. Unsere Entschließungen, Eingaben, Bittgänge bis zum Reichspräsidenten blieben unbeachtet. Z. Simon-Nürnberg findet es unerhört, daß Kraus die Ge- werkschaften für die Notverordnung verantwortlich machen wolle: Der Versuch der Konstruktion eines Gegensatzes zwischen den deutschen und englischen Gewerkschaften und der Arbeiterpartei ist deplaciert. Muhte nicht gerade auf Wunsch der Gewerkschaften die Regierung Müller zurücktreten, da sie sich nicht dafür hergeben wollte, die Arbeitslosenunterstützung zu kürzen? Was der Arbeitsminister über die 4l>-Stunden-Woche gesagt hat, ist g a'n z ungenügend. In der Schuhindustrie haben wir heute bei dem Stand der Rationalisierung 2 5— 30 000 Arbeiter zu viel, die vielleicht nie mehr in den Produktionsprozeh eingeschaltet werden können. Die Politik des Reichsarbeitsministeriums t muß zur Sprengung und Vernichtung der Torifpolitik führen. Man soll die so oft vertretene Disziplin der Arbeiter auf keine allzu harte Probe stellen. Unsere Geduld ist erschöpft. Wir müssen warnen, auf diesem Wege weiter zu gehen!(Beifall.) Wilhelm Eggert. Bundesvorstand: Die scharfen Worte, die auf dem Kongreß gegen die Notverordnungen gefallen sind, werden weit überboten von der Schärfe der Anstrengungen, wie die Gewerk- schaftsorgane den Kampf gegen diese Notverordnungen führten. Es ist selbstverständlich, daß die arbeitende Klasse als die ärmste im or- ganischen Staatswesen nicht derart belastet werden darf. Aber es ist auch taktisch verfehlt, wenn ausgesprochen wurde, daß noch schlim- merc Lasten folgen würden. Die Regierung muß sich ja dann geradezu bemüßigt fühlen, diese Prophezeiungen wahr zu machen. Wir stimmen vollkommen mit der Opposition in der Meinung über- ein, daß keine größere Belastung folgen darf. Aber bei der Prüfung der Frage, mit welchen Mitteln eine Korrektur der bisherigen Notverordnungen zu erreichen sei, erweist sich immer wieder der Zwiespalt der Arbeiterktafse als das größte Unglück in dieser Stund«. Brüning hat selbst gesagt, daß die bisherigen Notverordnungen die schärfste Belastung darstellen, die dem deutschen Volke zugemutet werden könne. Wie kann man dann von der Tribüne des Gewerkschaftskongresses mit beabsichtigten weiteren Verschlimmerungen operieren! Auch der Vergleich, der zwischen der Lage Deutschlands und derjenigen Englands gezogen wurde, ist ob- wegig. Wenn man aber schon die jetzigen Dorgänge in England heraazich« will. Ja muß man jpflgfffnw daß das Kabinett Her- mann Müller schon viel früher dasselbe getan hat, was England heute tut. Was in England geschieht, ist das Strafgericht gegen einen angeblichen Disziplinbrecher, und es wäre angebracht ge- wesen, wenn Ziegler daraus die Lehre gezogen hätte. Wir sind mit der Regierung Brüning nicht verbunden, wir brauchen sie in keinem einzigen Falle in Schutz zu nehmen. Das Problem lautet aber: Was kommt nach der Regierung Brüning? Alle Kämpfe unserer Bewegung gemeinsam mit der Sozialdemokra- tischen Parten sind nichts anderes als der Kampf um den Sturz des kapitalistischen Systems. Hier haben wir Klarheit darüber ge- schaffen, daß dieser Sturz ein Entwicklungsprozeß ist, beeinflußt von der geschichtlichen Taktik der Gewerkschaften. Daß ausgesprochen wird, wir wären verantwortlich an der Not der Erwerbslosen, ist ungeheuerlich, ist entweder Verblendung oder Böswilligkeit. Die Agrarpolitik der Regierung Brüning ist des- wegen ein so unerhörtes Verhängnis für die arbeitende Klasse, weil der Raum für die Lebenshaltung so beengt wurde, daß dem Ar- beiter ein Verbrauch anderer Gegenstände als Lebensmittel nicht mehr möglich ist. Oskar Kurpark- Dresden(Gesamtverband) tritt für die Unterstellung der Hausangestellten unter die Unfallversicherung ein. Ebenfalls forderte er die Einbeziehung der Angestellten der Heil- und Pflegeanstalten in die Unfallversicherung. Kurpart kritisiert die Arbeitszeit in den Krankenhäusern und Kliniken, ferner den Eintritt in die Lauffristen der Verträge bei den Angestellten und Arbeitern der Behörden. Der fundamentale Angriff auf das Lohn- Niveau der Gemeindearbeiter ist mit Hilfe der Partei und Gewerk- fchaften zum großen Teil abgeschlagen worden und man habe ein kleineres Uebel in Kauf genommen, um das weitaus größere zu ver- meiden. Jeder habe die Pflicht, diese Erfolge anzuerkennen. Damit ist die Liste der Diskussionsredner erschöpft. Leipart erhält das Schlußwort: Der Verlauf der Debatte ist ein klares und eindeutiges Der- trauensvotum für den Bundesvorstand gewesen und der Bundes- vorstand spricht seinen Dank aus. Aber, Kolleginnen und Kollegen, ihr dürft nicht draußen die Stimmung aufkommen lassen, daß alle Hoffnungen ausschließlich und allein auf den Bund zu setzen sind. Der Bund hat allerdings die Führung der gesamten Gewerkschafts- bewegung an sich genommen und nicht aus der Hand gelassen. Aber die Aufgaben der einzelnen Verbände als der unmittelbaren Organe find damit bestehen geblieben. Und nun ein Wort von der Rlikverantworklichkeik der Gewerkschafken für die Politik der Sozialdemokraiie. Wir lehnen diese Mitverantwortlichkeit nicht ab. Es ist ein Der- dienst der Gewerkschaften mit der Sozialdemokratischen Partei z u- s a m m e n, daß der Faschismus und der Kommunismus keines chrer verbrecherischen Ziele erreicht haben, und wir werden weiter unsere ganze Kraft einsetzen, immer in treuer Zusammenarbeit mit der Sozialdemokratischen Partei, daß diese Ziele immer unerfüllt bleiben.(Beifall.) Warum wir nicht die„letzten Konsequenzen" aus unseren guten und richtigen Entschließungen ziehen: weil wir Furcht vor der „sozialen Revolution" hätten! Ich bin der Meinung: Wir st e h« n in dieser sozialen Revolution seit Jahrzehnten mitten drin.(Beifall.) Wenn man allerdings den Bürger» krieg darunter verstanden wissen will, so sage ich, sicher im Ein- Verständnis mit dem ganzen Kongreß: Wir haben keine Freude an diesem Kampf, am Bürgerkrieg, aber wir wollen den Klassen- kämpf derArbeiterschaft führen, nicht des Kampfes wegen, sondern weil unsere große Aufgabe ist, auf dem Wege der Führung des Klassenkampfes, des geordneten Klassenkampfes die Lage der Arbeiterschaft zu heben. Und zu diesem Klassenkampf rufe ich die ganze deutsche Arbeiterschaft auf, rufe ich auf zur Hilfe, damit dieser Klassenkampf nicht nur gut geführt, sondern auch erfolgreich zu Ende geführt wird.(Stürmischer Beifall.) Es folgen die Abstimmungen. Folgende Entschließung des Bundesvorstandes wurde e i n st i m m i g angenommen: „Die Politik der Reichsregierung verrät in steigendem Maß« die Tendenz, durch Abbau der Sozialgesetzgebung und verschlechkerung der Arbeitsbedingungen eine Entlastung der öffentlichen Haushalte und oerstärkte Kapital- bildung in der Privatwirtschaft zu erzielen. Gegen diese einseitige Heranziehung der Arbeiter zu schwersten und vielfach die nackte Existenz gefährdenden Opfern muß der Kongreß um so mehr Ein- s p r u ch erheben, als er der festen Ueberzeugung ist, daß auf diesem Wege die gegenwärtige Krise niemals überwunden werden kann. Abbau der Sozialleistungen und Abbau der Löhne führen unweigerlich zur Verelendung der breiten Volks- schichten, die als Arbeitskräfte wie als Konsumenten für die Wirt- schaft unentbehrlich und als Volksgenossen entscheidende Stützen staatlicher Ordnung, friedlichen Zusammenlebens und kultureller Entwicklnug sind. Nicht minder scharf muß verurteilt werden das sich allenthalben deutlich zeigende Bestreben der Regierung, den Einfluß der Arbeiter und ihrer Gewerkschaften auf dem Gebiete der sozialen und wirtschaftlichen Verwaltung und der kollektiven Regelung der Arbeitsverhältnisse zurückzudrängen. Der Kongreß weist«nt- schieden den Versuch zurück, die Krise zur Entrechtung der Arbeiter auszunutzen. Die Gewerkschaften treten heute wie stets für Aufrecht- crhaltung und Ausbau der Sozialgesetzgebung, insbesondere der Sozialoersicherung ein. In der Versicherung für Arbeitslosigkeit, Krankheit, Unfall, Alter und Invalidität bilden sie auch heute noch einen entscheidenden Bestandteil des Arbeitsver- hältnijses. Die Art und ausreichende Sicherung dieser Einrichtungen ist nicht minder wichtig als die Sanierung der öffentlichen Haus- halte. Wir verlangen dos weiteren in einer Zeit, in der die Arbeiter unter den Fehlern unverantwortlicher Führer der privaten Wirt- schaft am stärksten zu leiden haben, die Gewährleistung verstärkkeu Einflusses der Gewerkschaften in allen sozialen und wirtschaftlichen Körperschaften. Wir fordern im Interesse sozialer Gerechtigkeit die Beseitigung der unerträglichen Härten und Rechtsbeschrävkungen, deren sich insbesondere die Not- Verordnung vom S. Juni 1931 schuldig gemacht hat." Dem Bundesvorstand wird Entlastung und Vertrauen gegen«ine Stimme ausgesprochen. Das Vertrauensvotum wird mit Beifall aufgenommen. Damit ist der Bericht des Bundes- vorstände? erledigt. Die 4O-Gtunden-Woche. Die Einleitung zum 3. Punkt der Tagesordnung gibt Professor Lederer- Heidelberg durch einen groß angelegten Vortrag über die Umwälzungen in der Wirkschaft und die 40.Stunden.woche. Er führte im wesentlichen aus: Die Völker haben infolge der Wirtschaftskrise heute fast nicht nur ein unüberwindliches Mißtrauen gegen die Wirtschaftsführer, sondern auch gegen die National- ökonomen. Die Nationalökonomen haben es allerdings schwieriger als die Mediziner. Der Arzt verschreibt eine Medizin, und in den meisten Fällen hat er mindestens die Gewißheit, daß die Medizin auch genommen wird. Regierung und Publikum kümmern sich aber den Teufel darum, was die Nationalökonomen für Medizin verschreiben. Man kann der Wirtschaft nicht helfen, wenn nicht vor- her eine genaue Diagnose gestellt worden ist. Die jetzige Krise läßt sich mit den früheren kaum oergleichen. Es besteht ein ungeheurer Unterschied in der Größe und in der Art, weil eben die Krise weit über die Größenverhältnissc aller früheren Krisen hinausgewachsen ist. Es ist etwas anderes, ob man 5 Proz. oder 25 Proz. Arbeitslosigkeit zählt, und es ist etwas anderes, ob in der Produktion eine Verlangsamung des Wachstums fest- zustellen ist oder eine Rückbildung des Produktionsvolumens. Es kommt auch darauf an, welche Völker von der Krise betroffen werden. Früher wurde die Krise gewissermaßen als Schicksal hin- genommen, heute nicht! denn wir wissen, daß die Krise durch ungeheure Fehler und Irrtümer hervorgerufen wurde, weil der Kapitalismus die technische und wirtschaftliche Ent- wicklung nicht meistern konnte. Wir stehen heute einer neuen technischen Welt gegenüber. Auch in der Rohstoffbasis sind Veränderungen spürbar. Technische Fort- schritt«, beschleunigte Rationalisierung haben in der Wirtschaft empfindliche Störungen hervorgerufen. In einer kapstalistischen Wirtschaft fehlt eben ein planvolles Vorgehen. Die erste Wirkung des neuen technischen Fortschritts war eine ungeheure In- vestitutionskonjunktur, eine riesige Ausweitung der Pro- duktion. Diese Konjunktur war begleitet von einer Steigerung der Preise und einer Aufwärtsbewegung der Kurse au der Börse. Das alles trieb zu einer Inflation der Werte. Die Wirtschaftszweige, deren Papiere an der Börse günstige Kurse erzielten, erhielten leicht Kredite. Die Konstellation des Bankwesens hat die Kreditbeschaffung für bestimmte Industrien erleichtert. Einige Industrien erhielten große Anlagekredite, andere nicht. Es gibt heute in Deutschland eine ganze Reihe von Betrieben, die arbeiten möchten und auch arbeiten könnten, soweit der Markt in Frage kommt. Aber sie haben keine Mittel. Die Mittel sind in die Riesenkonzerne hineingesteckt worden, und zwar auch dort, wo die Kredite nicht sachgemäß verwendet werden konnten. Das Kapital strömte vielfach nicht in die Konäte, aus denen es stammte. Erschwert wurden die Derhällnisse ferner durch den Altersaufbau tef Bevölkerung. Die zwei bis drei Mssirmw» erwerbslosen Menschen, die wir heute in der Wirtschast mehr hoben, spielen in der Frage der Krise eine keineswegs unwesentliche Rolle. In der Oeffentlichkeit begegnet man vielfach dem Glauben, daß die Krise in erster Linie odet fast nur auf politischem Wege zu heilen sei. Richtig ist, daß heute eine sehr scharfe Verquickung zwischen Politik und Wirtschaft besteht. Vor dem Kriege war die Wirtschaft politisch noch vielsach blind. Heute ist die Wirtschaft sehr hellhörig gegenüber politischen Stimmungen, und gerade die Er- eignisse in der jüngsten Zeit haben das deutlich genug gezeigt. Man braucht ja nur an die Hitler- Wahlen zu erinnern. Eine Bereinigung der politischen Probleme tut selbstverständlich not. Das Ausland weiß es schon lange, daß Deutsch- land die Reparationen nicht leisten kann. Daher das Mißtrauen gegen den deutschen Wirtschaftskörper, daher die kurzfristigen Kre- dite, daher die Schwierigkeiten auch in Oesterreich und in England. Jeder Kapitalist möchte am liebsten in der Nähe der Türe sitzen, damit er sofort abrücken kann, wenn die Situation brenzlig wird. Da alle so schnell wie möglich durch die Türe kommen wollen, gibt es Panik. Eine Zurücksorderung aller Kredit« ist wirtschaftlich un- möglich, ein Abbau des internationalen Kreditsystems würde uns natürlich eine Art Autarkie aufzwingen, aber diese Aukarkie wäre ein Leben in Armut und Rot. Wir können nicht leben wie in den Liedern die Hirten in den Bergen. Für eine große industrielle Nation bedeutet Autarkie nichts anderes als Vergrößerung derArmut und damit der politi- schen Spannung. Eine Zerreißung der internationalen Wirtschafts- Verflechtung bedeutet unbedingt eine K a t a st r o p h e. Umgekehrt geht der Weg. Der Schritt vom Handwerker zur Maschine war der Schritt von der Stadtwirtschaft zum Wirtschaftsgebiet eines Landes und schließlich zum Zollgebiet des Reiches. Diese Entwicklung bleibt nicht still stehen. Wenn bald eine einzige Traktorenfabrik fast die ganze Bauernschaft Deutschlands mit Traktoren ausrüsten kann, dann bedeutet das zwangsläufig eine Erweiterung des Staatswirt- schaftsgebietes. Statt über den nationalstaatlichen Rahmen hinaus- zuwachsen, stoßen wir aber auf politisch immer stärkere Hemmnisse. Ausgabe der Politiker ist es, alle diese Zusammenhänge aufzuzeigen, die zwischen Politik und Wirtschaft bestehen. Aber trotzdem ist ein wirtschaftlicher Prozeß notwendig, wenn wir aus der Krise herauskommen wollen. Es gibt Leute, die sagen, es gebe so viele Arbeitslose als der Gouverneur der Bank für England für gut halte. Die Arbeitslosigkeit steige und falle, je nachdem der Diskont in die Höh« gehe oder auf 0 Proz. heruntersinke. Ganz so einfach ist die Sache aber nicht. Gewiß können die Zentralbanken durch Herabsetzung des Diskonts etwas zur Ankurbelung der Produktisn tun. Aber die Frage bleibt, ob diese Ankurbelung in die richtige Richtung gehl. oder ob es sich nur um eine vorübergehende Belebung handelt. Die Frage ist: Wie soll der Kredit angewendet werden? Welches sind die richtigen Felder der Investitionen? Diese Frage i� mit der BeseitjMng des xolttiicheu Mißtraue« poch picht gelöst. Arbeitsbeschafftmg zur Stärkung der Reichsbahn gegenülber de? Konkurrenz des Autobusses ist kein Mittel zur Lösung der Krise. Oder was soll die Finanzierung von Agrarstaaten, wo heute die Welt mit Agrarprodukten überschwemmt ist? Die Idee der Not- standsardeiten, auch die in internationalem Maßstab, ist keine Antwort auf die Frage: Wo investieren? Erweiterung der Betriebs- kredite in aussichtsreichen Unternehmungen, dos heißt in solchen, die ihren Markt erweitern können, wäre am Platz. Das wäre eine erste Station. Wir kommen also um eine Kontrolle der Verteilung der Kredite nicht herum. Wir brauchen eine planmäßige Lenkung des Kapitalstroms. In diesem Zusammenhang nun ein Wort zur 4<1-Stunden- Woche. Der Ablauf der Krise ist bestimmt nur«in langsamer Prozeß. Manche Leute meinen, den Wagen mit irgend einem Gewaltakt in Bewegung zu bringen. Das kann man. Die Frage ist nur, soll er bergab oder bergan gehen? Bergab laust er destimmt sehr schnell. Wir stehen vor der Frag«, ob nach einer Ueberwindung der Krise, dos heißt nach Ausfüllung der Produktionskapazität eine völlige Aufsaugung der Arbeitslosen eintreten wird. Prophe- zeien ist schwer. Ich halte es für unwahrscheinlich, daß selbst bei einer kräftigen Besserung der Lage sämtliche Arbeitslose von der Wirtschaft aufgesaugt werden. Der Grund dafür liegt im Tempo des technischen Fortschrittes. Wenn arbeitsparende Methoden eingeführt werden, so ist bestimmt noch keine Garantie gegeben, daß die Kapitalbildung rasch gcmrg vor sich geht. Kapitalbildung durch Lohnsenkung ist aber bestimmt kein weg zur Lösung der Krise. Der technische Fortschritt geht rascher vor sich als die Kapital- bildung und deshalb ist damit zu rechnen, daß ein großer Teil der Arbeitslosen noch lange freigesetzt bleibt, weil für sie kein Produk- tionsrahmen gegeben ist. Man kann Rohstoffe aus den Markt werfen, nicht aber neue Fertigwaren. Das Wachstum der Fertig- Industrie kann nur in einem bestimmten Tempo vor sich gehen. Also willst du den technischen Fortschritt drosseln? Auf diese Frage ist zu antworten? Jawohl! Im Interesse der GesaiMbevölkerung ist sehr zu überlegen, ob man nicht bremsen soll. B r e m s en ist nicht vernichten. Dieses Bremsen wird in verschiedenen Industriezweigen sa bereits geübt. So hat man die Flaschenmaschine nur allmählich eingeführt. Neue Produktions- Möglichkeiten müssen sich erst bilden. Iedcnsalls haben wir mit einer strukturellen Arbeitslosigkeit aus längere Zeit hinaus zu rechnen, und wir brauchen eine Organisation der technischen Entwicklung, natürlich im wellwirtschastlichen Rahmen. Das Arbeitsooluinen muß über die ganze Be- völkcrung verteilt werden. Dos soll keine bloß vorüber- gehende Notmaßnahme sein, sondern eine Daucrmaßnahme. Als solche ist die Arbcitsverkllrzung zu empfehlen. Sie verringert nicht die Höhe des Sozialproduktes, verbessert aber die öffentlichen Finanzen und ebenso die Lage der Sozialversicherung. Dazu kommt noch, daß heute eine starke Intensivierung der Arbeit in zahlreichen Produktionszweigen vorhanden ist. Die Zahl der strukturellen Arbeitslosen beträgt sicherlich eine Million. Die Zahl der Arbeits- losen, die durch die Arbeitszeitverkürzung wieder in Arbeit kommen können, wird stark unterschätzt. 8l)0 000 könnten in Arbeit kommen. Die Frage des Lohnausgleichs ist augenblicklich kein p r a k- tisches Problc m. Sie wird ein solches erst bei der Besserung der Wirtschaftslage; denn solange die Arbeitslosigkeit so enorm groß ist, können auch, starke Gewerkschaften keine Steigerung des Reallohnes durchsetzen. Mit der Verkürzung der Arbeitszeit wird die Verwendung der Freizeit von neuem ein sehr wichtiges Problem. Aufgabe der Gewerkschaften ist es, die neu entstehende Freizeit zu einer neuen Möglichkeit für den Aufstieg der Arbeiterklasse zu machen. Ein langes Wochenende und sieben Stunden Arbeit müssen die Voraussetzung dafür schaffen. Das Ziel der Entwicklung muß sein eine Freisetzung starker persönlicher Kräfte vom Druck der Erwerbsarbeit. Lederers Vortrag wurde vom Kongreß mit großem Interesse und starkem Bcisall entgegengenoiiunen. Zouhaux vor dem Kongreß. Am Dienstagnachmittag begrüßte Zouhaux, der General- sekretär des französischen Gewerkschastsbundes, den Kongreß. Wir in Frankreich— erklärte Jouhaux— sehen das Elend der deutschen Arbeiter, wir fühlen nicht nur mit den deutschen Ar- beitern, sondern unser stärkster Wunsch ist, zusammen mit den deutschen Arbeitern, durch internationale Aktionen den Kamps gegen den Peiniger der Volksmassen, die kapitalistische Reak- tion, aufzunehmen und durchzuführen. Der Kampf gegen den ge- meinsamen Feind muh gemeinsam organisiert werden. Wir brauchen einen Plan internationaler Zusammenarbeit aller Völker und zu- gunsten dieses Planes muß die Arbeiterklasse ohne Furcht und rück- sichtslos ihr ganzes Gewicht in die Wagschale werfen. Die fran- zösischen Arbeiter sind zum äußersten entschlossen. Sie sind bereit, ihre ganze Kraft für diesen Kampf zur Befreiung der Arbeiter, der Arbeiter der ganzen Welt einzusetzen.(Beifall.) Der Vorsitzende Schumann dankt Jouhaux für den Gruß der französischen Arbeiter. Die Aussprache über die-iO-Slunden-Woche. Eggert. Wirtschastssekretär des ADGB.- Berlin: Die Krise ist eine Folge des schreienden Mißverhältnisses zwischen der Kraft der Erzeugung und der Schwäche des Umsatzes auf den Märkten. Roch den Feststellungen des Völkerbundes haben wir eine Steige- rung der Produktion seit Zgl3 bis lS28 von durchschnittlich 26 Pro- zent, dagegen nur eine Steigerung der Weltbevölkerung um 10 Pro- zent. Deutschland mit seinem riesigen Produktionsapparat kann ohne «ine Verkürzung der Arbeitszeit nicht über die Krise hinwegkommen. Auf die Frage, was mit den S Millionen Arbeitslosen geschehen soll, muß endlich einmal eine Antwort gegeben werden. Die bis- herige Behandlung dieser Frage durch die Regierung ist einfach unerträglich. Wir brauchen eine Arbeitszeitverkürzung für die Dauer. Ein bloßer Notbehelf für den Augenblick genügt nicht: denn schon in der Zeit der Hochkonjunktur von 1329 mar der Produktions- apparat nur zu 75 bis 80 Prozent ausgenutzt. Bernhardt(Vaugewerksbund): Auf der Bauwirtschaft herrscht völliger Stillstand. Die Bauarbeiter werden in diesem Jahre nicht einmal auf 12 Prozent Wochenarbeit kommen. Ein Oberbürgermeister einer großen Stadt meldet uns, daß ans Jahre hinaus kein Bauauftrag mehr herausgegeben werden könne, wenn die Regierung nicht eine andere Haltung einnehme. Aber selbst wenn das der Fall wäre, dann bleibe immer Noch die Rationalisierung, die auch im Baugewerbe ungeahnte Dimensionen angenommen hat. Gegen 1310 ist eine Steigerung der motorischen Kräfte im Baugewerbe um 200 Prozent erfolgt. Eine Menge von Arbeitskräften wird eingespart, und die übriggebliebenen müssen sich dem motorischen Tempo anpassen. Auch wir Bauarbeiter oerlangen eine Arbeitszeitverkürzung auf Dauer Von den Arbeitgebern ist keine Verständigung zu erwarten. Daß die Arbeitszeitverkürzung möglich ist, haben unsere sozialen Bau betriebe erwiesen, wo von 42 bis 47 Stunden gearbeitet wird, und zwar ohne Verteuerung des Produktes. Reichel(Metallarbeiter) betonte gegenüber den Ausführungen Stegerwalds, Lückenkenntnisse genügten nicht. Not Verordnungen habe es bis jetzt genug gegeben, aber noch keine, die die Unternehmer einmal scharf angepackt hätte. Außer der Vierzig ftundenwoche sei auch eine Umwandlung der eisenschassenden In dustrie notwendig: diese Umwandlung sei für Europa brennend Daß in der Frage der Arbeitszeitverkürzung etwas Positives unter nommen werden könne, beweise die Tatsache, daß ein ergiebiges größeres Werk der Metallindustrie die Produktion um 102 Proz. steigerte und die Arbeiterbeleg- fchaft um rund 50 Proz. senkte.. Schöller(Textilarbeiter): Die Herren des Reichsarbeitsministe riums sagen bei Besichtigungen der Rationalisierungsfortschritte in der Textilindustrie, sie seien erstaunt und überrascht, aber Kon sequenzen zögen sie aus ihren Feststellungen nicht. Kcaus-Stuttgart(Metallarbeiter) singt ein Loblied auf Sowjet ruhland, dos keine Auslandskredite erhalte und trotzdem die Plan Wirtschaft durchführe. Alle Hoffnungen auf parlamentarische Aktiv nen oder auf die Wirtschaftsdemokratie seien zwecklos. Die Lösung der Krise wie auch die Einführung der 40-Stunden-Woche seien nur im Wege des revolutionären Klassenkampfes möglich. Spliedt ging zunächst auf Kraus' Tiraden ein: Wer ist's, der uns in der Frage der Arbeitszeitverkürzung ständig Knüppel zwischen die Beine wirst? Die Herren Kommunisten! Sie haben au' den Howaldt-Werften, wo die 40-Stunden-Wochc unter dem Druck der Gewerkschaften bereits beschlossene Sache war, infolge einer knappen Mehrheit bei der Abstimmung im Betrieb die Vierzig ftundenwoche zu Fall gebracht. Und wie bei den Ho waldt-Werken, so machen sie es überall. Was ist der Zweck der so genannten russischen Planwirtschaft? Nichts anderes als ein Dum- ping zur Zerstörung der Volkswirtschaften Europas. wer find die Leidtragenden dieser Zerstörung? Die Arbeiter? Die Frage der Arbeitszeitverkürzung ist die brennendste aller Fragen. Wir stehen vor einer Bereinigung der Wirtschaft. Wir müssen damit rechnen, daß»och Tauscnde au die Straße geworfen werden. Grausig« Perspektiven tun sich vor uns auf. Soll das furchtbare Schicksal der Millionen von Ar beitslosen keine Wendung erfahren? Sollen die jugendlichen Arbeits kräfte nie in ihrem Leben das Glück genießen, endlich auch einmal an irgendeiner Arbeitsstätte eine nutz- und fruchtbringende Tätigkeit ausüben zu dürfen? Ein ruchloser Skandal ist es, den Gewerk- schaffen, die gegen die Hölle der Arbeitslosigkeit ankämpfen, immer nur mit Wenn und Aber und tausend Bedenken zu kommen. Die Rcichsregierung ist anscheinend gar nicht geneigt, den schauerlichen Tatsachen Rechnung zu tragen. Ihre Notverordnung ist und bleibt eine Herausforderung. Die Generalregel der Arbeitszeitverkürzung wird durch tausende Drahtoerhaue eingepfercht. Die Mehrzahl der Betriebe wird von vornherein praktisch ausgenommen. Anderen Tausenden von Bc trieben wird eine Abgeltung der Arbeitszeit durch kleine Zugeständ- nisse möglich gemacht. Und dann verschanzt sich die Regierung noch Himer dem Reichsrat und verlangt noch obendrein sorg fältige Prüfung der technischen und wirtschaftlichen Verhällnisse, und auch das ist ihr noch nickst genug. Sie ist unerschöpslich in der Erfindung und Aufftöberung von Ausnahmen. Sagen wir es doch recht deutlich: Was hier die Regierung verspricht, ist nichts anderes als weiße Salbe. Uns täuscht man nicht. In den öffentlichen Betrieben und Verwaltungen wird die Ar- beitszeit nicht gekürzt, sie wird erhöht. Die Gemeinden gehen jetzt vielfach wieder von der 44- zur 48- Stunden-Woche über. Die Regierung verwies die Gewerkschaften auf Verhandlungen mit den Arbeitgebern. Die Arbeitgeber sind grundsätzlich gegen die Arbeitszeitverkürzung, nicht, weil sie nicht möglich wäre, sondern aus lohnpolitischen Gründen. Im Reichsarbeitsministerium hat man eine geradezu unheim- liche Scheu, in der Frage der Arbeitszeitverkürzung etwas zu uMer- nehmen. Man verschleppt die Entscheidung, man drückt sich um jede klar« Stellungnahme, weil man Angst vor den Arbeitgebern hat. So geht das nicht weiter. Wir verlangen Taten! Daß der Arbeitsjosenschutz abgebaut wurde, oh, dafür hatte man sehr schnell ganz klare und bestimmte Formeln zur Hand, warum nicht auch bei der Arbeitszeitverkürzung? Wir oerlangen, daß endlich in der Frage der 40-Stun0en-Wochc ein entscheidender Schritt vorwärts getan wird. her mit der 40- Stunden-Woche! Das ist der Ruf des Kongresses, der Ruf der Not verzweifelter Massen.(Starker Beifall.) Tornow: Di« Welt gleicht einem Irrenhaus. Volle Scheunen und die Massen hungern. Im Winter werden Hunderttausende frieren, in den Bcrgrcviercn wachsen die Kohlenhalden bis in den Hinnne). Millionen hoben kein ganzes Hemd auf dem Leibe und in den Baumwolländern vernichtet man die Ernte. In der ganzen Welt gibt es keine Meinungsverschiedenheit darüber, daß die Auf» gab« der Wirtschost ist, die Produktion zu erweitern und die Mensch- heit zu versorgen. Heute scheint es sie wesentliche Kunst der Wirt- schast zu sein, möglichst planmäßig die Produktion und die Ver» sorgung der Menschen einzuschränken, trotzdem Millionen Ent« behrungen tragen müssen. Man weiß sich in der kapitalistischen Welt nicht inekr zu helfen, als aufgehäufte Vorräte, die ursprüng- lich für die Befriedigung von Bedürfnissen bestimmt waren, zu ver- nichtech Wir Sozialisten sind heute fester denn je davon überzeugt, daß allein der Sozialismus die Befreiung bringen kann. Gäbe es heute in der Welt ein nach sozialistischen Prinzipien organisiertes Gemeinwesen, so wäre die Schlacht gewonnen. Was wir in Rußland sehen, kann alles andere, nur nicht über- zeugen, daß es mit solchen Methoden besser würde. Wenn nach angestrengtester Organisationsarbeit in 13 oder 14 Iahren die Lage noch so ist, daß in einem Agrarlands die Bevölkerung mit Brot- und Lebensmittelkarten ausgerüstet werden muß, so ist das ein äußerst negatives Resultat. Wir wissen, daß nur der Weg zum Sozialismus ins Freie, aus der Not heraus führen kann. Aber wir können diesen Weg nicht von heute auf morgen gehen, denn wir wollen die Arbeiterklasse lebend in den Sozialismus hinein- führen. Zu den Arbeitsbeschaffungsplänen des Internationalen Arbeits- amts nahm der Kongreß folgende Entschließung an: „Der internationale Charakter der heutigen Krise erschwert ihre Bekämpfung im Rahmen einer einzelnen Volkswirtschaft. Deshalb muß eine großzügige internationale Arbeits- b e s ch a f f u n g auf der Grundlage einer internationalen Kredit- Vereinbarung angestrebt werden. Der Kongreß beaustragt daher den Bundesvorstand, die in dieser Richtung unternommenen Be- mühungen des Internationalen Arbeitsamtes tatkräftig zu unter- stützen." V)'0V .L-v \\e0' , q e'� C*