Morgenausgabe Nr. 411 A 202 4S.Iahrgang Wöchentlich SSPf� monatlich 3,60 M Im voraus zahlbar. Postbezug 4�2 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands« abonnement 6,— M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Druckfachen« vorto 6.— M. Der„vorwärts' erscheint wochentäg' lich zweimal. Sonntags und Montag» einmal, die Abendausgabe für Berlin ui?d im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Beilage.Bolt und Zeit'. Ferner„Frauenstimme'. �Technif,„Blick in die Büch erw elf. „Iugend'Lonvärts'u.„Stadtbeilage' M. Aerttner Volksbta« Oonnersiag 3. September 1931 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Die einspalt. Nonpareillezelle 6V Pf. Neklamezeile 5.— RM.„Kleine Anzeigen" da» fettgedruckte Wort LS Pf. (zulassig zwei fettgedruckte Worte), jede» weiter« Wort 12 Pf. Rabatt lt. Tarif. Stellengesuche das erste Wort 15 Ps, jede» weitere Wort 10 Pf. Worte Ober 15 Buchstaben zählen füi zwer Worte. Vrbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien- anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3. wochen. täglich von S1/» bis 17 Uhr. Set Verlag behält sich da» Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor« Zentvalorgan der SoziawemoSeattfchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin<3W 68, Lindenstr. 3 �ernspr.: Dönhoff(A 7) 292—297. Telcgramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37 S3K.—Bankkonto: Bankder Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3, Dt.B.u.DiSc.-Ges., Depositenk., Jerusalemer Str. 65/63. Oevaheim-Anfrage im Landtag. Zur den Schuh der geschädigten 20000 Bausparer. Die sozialdemokratische Fraktion hat im Preußischen Landtag die folgende Große Anfrage eingebracht: Der Zusammenbruch der wirtschaftlichen Einrichtungen der Inneren Mission und der evangelischen Kirche hat große Verluste mit sich gebracht. Es kann als feststehend gelten, daß große Beträge aus Mitteln des Reichs und des Staates in der unverantwortlichsten Meise verwirtschaftet und vergeudet worden sind. Darüber hinaus sind tausende Neiner Sparer, die ihre mühsam zurückgelegten Groschen auf den evangelischen Bausparkaflea au- lcgteu, nicht nur um ihre Hoffnung ans eine Wohnung betrogen, sondern höchstwahrscheinlich auch restlos um ihr Geld gebrocht. Dieser großen Gefahr sind über 20 000 Bausparer ausgesetzt. Der Zu- sammenbruch ist aus unzulässige Spekulationsgeschäfte, leichtfertige Verwendung der Mittel und persönliche Mißwirtschaft auch bei der hilfskaste zurückzuführen. Verantwortlich für den angerichteten Schaden ist nicht nur der Zentralausschuß der Inneren Mission der cvangelischea Kirche, sondern sind auch die evangelischeu kirchlichen Spitzenbehördea, das Kirchenbundesamt, die Synode und der Ober- kirchenrat. Eine Anzahl der für die Mißwirtschaft verantwortlichen Personen sind nicht nur in mehreren der erwähnten Sörperschaslen, sondern einige in allen als Mitarbeiter tätig gewesen. Es kann daher wohl als selbstverständlich angesehen werden, daß die evangelische Kirche mit ihrem Vermögen die gefährdeten Spargroschen der Lansparer sicherstellt nach dem Rechtsgrundsah: wer Schaden hat. muß Schaden bessern. Mir fragen: Ist das Siaatsministerium bereit, 1. die evangelischen Kirchenbehörden anzuhalten, durch Bereit- stellung von vermögensteilen der evangelischen Kirche jeden vertust von den Bansparern fernzuhalten? 2. Vorsorge zu treffen für eine ordnungsmäßige zweck- entsprechende Verwendung der den Organisationen für Wohlfahrts- zwecke zur Verfügung gestellten Mittel? Z. auf die Reichsregierung einzuwirken, daß die vom Reichstag beschlossene Staatsaufsicht über die Vausparkassen unverzüglich und gründlich durchgeführt wird? Volksurteil über Naziverleumdung GenosseOiiimann rechnet mit den Verleumdern ab/ Niederlage der Hakenkreuzler -- ß Nachdem vor dem Meimnqer Schöffengericht die von dem Nazistudienrot Hille in Hildburghausen dem ».Völkischen Beobachter" nachgeplapperte Verleumdung gegen die Genossen Crispien und Diktniann', daß sie im Kriege mit dem französischen Offiziersspion Dcsgranges konspiriert hätten, elend zusammengebrochen ist, gestaltete sich ein« Versammlungstour, die Genosse Dittmann in dem Gebiet von Eisenach über Meiningeu bis Hildburghausen abhielt, zu einem wahren Volksurteil über die Naziverleumdung. Ueberall, wo Genosse Ditt- wann unter stürmischer Zustimmung sprach, waren die Säle total überfüllt und auch zahlreich von Bürgerlichen besucht, so in Eisenach löCKZ Besucher, in Meiningen lSvy, in Schweina 600, in Wasungen HOV und in Hildburghaiisen 800. Die imposanteste der Versammlungen war die in Hildburg- Hansen, dem Wohnort des Nazistudienrats Hille, der zur ver- fammlung eingeladen und auch erschienen war. Außer den 800 Besuchern, die den polizeilich abgesperrten Saal füllten, standen noch 600 Personen vor dem Lokal, die keinen Einlaß fanden. In dem 6S00 Einwohner zählenden Ort mar die Ver- sammlung eine nie dagewesene Situation. Genosse Dittmann nahm die Kapitulation 5)illcs vor dem Mcininger Schöffengericht zum Anlaß, in einer zweistündigen Red« gründliche Abrechnung zu halten mit den Lügen über Dolchstoß, Kriegsschuld, Matrosenmeuterei, Munitionsarbeiterstreik und Revolution. Er schloß mit einer grundsätzlichen Auseinander- setzung> über Kapitalismus- und � Sozialismus und erntete den stürmischen Beifall der überfüllten Versammlung. Der N a z i m a n n Hille, dein'30 Minuten �Redezeit bewilligt wurde, die er um zehn Minuten überschritt, spielte eine geradezu klägliche Rolle. Er ging mit keiner Silbe auf seine Blamage vor dem Meimnger Schöffengericht ein und plapperte unter dem Kopfschütteln und Erstaunen der zahlreich anwesenden bürgerlichen Kreise lediglich die schon im Referat des Genossen Dittmann wider- legten Lügen wieder herunter. Vor dem Schlußwort des Genossen Dittman verließ'Herr Hille mit zirka fünfzig seiner Getreuen lärmend den Saal und ver- suchte, dt« Versammlung zu sprengen, was ihm aber dank der Disziplin unserer Genossen und der imponierenden Stärke des Reichsbanners kläglich mißlang, so daß Genosse Dittmann sein Schlußwort ungestört halten konnte. Vei dieser versammlangslour war c» wegen ihres besonderen Anlasses möglich, zahlreiche Leute aus bürgerlichen Kreisen in die Versammlung zu bringen. So wurde die Tour zu einer vorzüglichen Werbeaktion für die Partei und den Sozialismus. Die Vcrleumdungsaltion der Nazis erwies sich als ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und doch das Gute schafft. Millionen für Militza? Zmmer noch Fürstenabfindung— trotz tiefster Not. Beim Oberlandesgericht in Rostock schwebt in zweiter Instanz der Prozeß, den die ehemalige Großherzogin von Mecklenburg-Strelitz mit ihren Töchtern Militza von Monte- negro und Marie zur Lippe gegen das Land Mecklenburg- Streliß führt. Das Oberlandesgericht hat einen Vergleichs- Vorschlag unterbreitet, nach dem das Land eine Kapital- abfindung von einer Million Mark und außerdem eine jähr- liche Rente von 100(MX) M. zahlen soll. Das Land hat den Vergleichsvorschlag abgelehnt; das Urteil im Abfindungs- prozeß soll am 29. September verkündet werden. Dos Land Mecklenburg-Strelitz hat rund 100 000 Ein- wohner. An die klagenden Exfürstinnen sollten nach dem Aergleichsvorschlag pro Kopf eines jeden Einwohners 10 M. als Rente gezahlt werden— was eine fühlbare Zusatz- besteuerung bedeuten würde. Und das in der Zeit der tiefsten Rot, der Massenarbeitslosigkeit, der Lohnsenkung und Ge- Haltskürzung, der bittersten Finanznot der Länder und Ge- meinden, die nicht mehr wissen, woher sie die Mittel zur Er- Haltung der Wohlfahrtserwerbslosen nehmen sollen! Eine derartige Anforderung in dieser Zeit ist im tiefsten Grunde unsittlich._ Die Zollunions-Erklärung fertig. Wird heute im Suropakomitee abgegeben. Genf. 2. September. D'e Befpccchi-, ngen über die Behandlung der Zollunionssroge find heute nochmitlag abgeschlossen worden. Die Außen- minister Oesterreichs und Deutschlands werde» vermutlich schon in der ersten Sitzung des Europa-Ausschusses, der morgen zu feiner vierten Tagung zusammentritt, Erklärungen über das Zollunionsprojekt abgeben. Das Gutachten des Haager Gerichtshofes wird Sonnabend in öffentlicher Sitzung des haager Gerichtshose» be- kanntgegeben und am Freitagabend in mehreren hundert Exem- plaren mit Flugzeug nach Genf übersandi werden. Terminkalender des Nückzuges. Heute Verzichtserklärungen auf die Durchführung der Zollunion. Curtius und Schober werden die angekündigten Erktä- rungen zur Zollunion im Europa-Ausschuß am heutigen Donnerstag abgeben. Der Wortlaut ist den Großmächten gestern abend bereits mitgeteilt worden. Oesterreichs Gesuch um Fi- n a n z H i t s e wird daraufhin im Völkerbundsrat am Freitag behandelt werden. Zu dem Gutachten des Haager Gerichtshofes, dos am Sonnabend vormittag bekanntgegeben wird und übrigens nur noch platonische Bedeutung besitzt, nimmt der Rat erst am Montag Stellung. Oiktaturregierung im Gefängnis. Berenguer und die anderen Generale sitzen. vi a d r i d, 2. September.(Eigenbericht.) Heule nacht lieh der Staatsgerichishof alle TNltglieder des ZNililärdirektoriums de Riveras verhaften, unter anderem den bekannten General Friedrich Berenguer und Jor- dana, sowie Admiral Magaz und Eornejo. Der 2b. September ist endgültig als Datum des französischen Ministerbesuches in Berlin sestgejetzt worden. Die Freidenker-Internationale. Sin Einigungskongreß in Berlin. Vom 5. bis 7. September 1931 tagt im ehemaligen Herrenhaus zu Berlin ein Internationaler Frei- d e n k e r k o n g r e ß, der bereits am Freitagabend durch eine große festlich inszenierte Massenkundgebung in der„Neuen Welt" eingeleitet wird. Angemeldet sind Delegierte aus Oesterreich, der Tschecho- slowakei, Frankreich, Belgien, Holland, der Schweiz, England, Italien, Polen, Luxemburg u. a. Der Deutsche Freidenker- Verband wird seiner Stärke gemäß mit 65 Delegierten vertreten sein. � Hinter allen delegierenden Verbänden steht eine Gesamtmitgliederzahl von 800 000 Freidenkern. Diese Zahl legt Zeugnis davon ab, daß die Freidenker- bewegung auch im internationalen Maßstabe sich in ständiger Aufwärtsbewegung befindet, und die Tatsache des Zustande- kommens dieses Kongresses inmitten verheerender Wirtschasts- krise und politischer Stürme beweist, wie stark in den Reihen der Kulturorganisationen das Bedürfnis nach internationaler Zusammenarbeit und Verständigung vorhanden ist. Ja, hinter diesem Kongreß steht das Wort Verständigung als Motto für die gesamte Tagung noch in einem anderen konkreteren Sinn, als es in der offiziellen Tagesordnung zum Ausdruck kommt. Es sind zwei internationale Freidenker- Vereinigungen, die sich hier, einer Einladung des Deutschen Freidenker-Verbandes folgend, zu einer gemeinsamen Tagung zusammenfinden: die im Jahre 1925 gegründete Jnternatio- nale proletarischer Freidenker, mit deren Namen mißbräuch- licherweise die Kommunisten im letzten Jahre sehr viel Unfug getrieben haben, und die seit Jahrzehnten bestehende rntion Internationale des Societ�s de Libre-Pensöe, die in Brüssel ihren Sitz hat. . Als die durch den Weltkrieg unterbrochene internationale Zusammenarbeit der Freidenker wieder aufgenommen werden sollte, als die veränderten Verhältnisse neue prinzipielle und taktische Probleme auszeigten, führte die Debatte über eine neue Methodik und eine neue Zielsetzung des Kampfes gegen die Kirche nicht zu einer Einigung, sondern zu einer Spaltung der Internationale und mit ihr zur Gründung der„Internationale proletarischer Freidenker". In den Ländern Westeuropas war die Freidenkerbewc- gung fast ausschließlich auf lose Vereinigungen intellektueller Schichten aufgebaut, in den Ländern Mitteleuropas war sie inzwischen zu machtvollen zentralistisch proletarischen Organi- sationen angewachsen. Dort galt noch die Losung von der politisch neutralen, die individuelle Freiheit prokla- mierende Freidenkerbewegung, hier prägte man die Losung Kulturkampf ist Klassenkampf und stellte das positive Bekenntnis zur sozialistischen Idee und den Willen zur sozialistischen Zielsetzung in den Vordergrund. Dieselben Auseinandersetzungen um die zukünftige Ge- staltung der modernen Freidenkerbewegung sind bereits vor- dem in Deutschland zwischen den verschiedenen Frei- denkerverbänden nicht minder lebhaft geführt worden. Sie brachten die Erkenntnis, daß die Entscheidung über derartige Fragen nicht in theoretischen Diskussionen fallen kann, sondern nur möglich ist im Rahmen praktischer Tagesarbeit. Als die vier größten Freidenkerverbände Deutschlands sich zu einer heute noch bestehenden Reichsarbeitsgemeinschast zusammen- schlössen, zeigte sich sehr bald, daß die so geschaffene Gemein- samkeit der Arbeit viel schneller die innere Annäherung brachte als alle theoretischen Diskussionen. So war es ganz natürlich, daß von Deutschland aus die Versuche ausgingen, diesen selben Weg mit dem Ziel einer späteren völligen Einheit auch im internationalen Maßstabe zu beschreiten. Von beiden Seiten, von Brüssel und von Berlin aus, wurde am Brückenbau gearbeitet, der fest fundiert werden konnte durch die Tatsache, daß auch in westeuropäi- schen Freidenkerorganisationen die sozialistischen Tendenzen immer stärker durchdrangen. Der sichtbare Erfolg aller dieser Bemühungen findet seine Verkörperung in dem vor uns stehenden gemeinsamen Kongreß. In ohnmächtiger Wut begeifern die Kommuni st en die bevorstehende Tagung. Es wird niemand von diesem Gekläffe sonderlich Notiz nehmen. Auch das Geschrei, daß bürgerliche Politik auf dem Kongreß betrieben werden soll, wird keinen Eindruck machen. Auf diesem Kongreß sitzt niemand, der in den Verdacht steht, mit Hitler und Hugenberg gemeinsame Sache zu machen, niemand, der Sympathien für reaktionäre Bombenleger und Fememörder bekundet. Aufbauende, vorwärts schauende positive Kulturpolitik zu treiben, ist der Zweck der Tagung. Es soll Stellung ge- nommen werden zu den Fragen, die heute in dem einen oder Die Sparschraube in den Ländern. Was werden die Ländernoiverordnmtgen bringen? Die Richtlinien, die der Reichsfinanzminister zur Durchführung der Natoerordnung des Reichspräsidenten zum Ausgleich der chaus- halt« oon Ländern und Gemeinden an die Landesregierungen in einem Rundschreiben versandt hat, enthalten, wie das Nachrichtenbüro des M>Z. erfährt, neben der Aufhebung von langfristigen Verträgen mit hochbezahlten Angestellten, über die bereits ausführlich berichtet worden ist, noch eine ganze Reche von Einzelempsehlungen für Er- sparnisse bei Ländern und Gemeinden. Ersparnisse an den personalausgaben. Für die Personalerfparnisse empfiehlt der Reichsfinanzminister: Kürzung der Besoldung, Herabsetzung des Hundertsatzes bei den Pen- sionen, Wartegeldern und Hinterbliebenenbezügen usw. In erster Linie wird Angleichung an die Reichsbesoldung erstrebt. Dazu ge- hört auch die Beseitigung günstigerer Cingruppierung oder zu günstiger Festsetzung des Besoldungsdienstalters, die Beseitigung oder Kürzung von Zulagen oder Nebenbezügen, die im Reich« nicht oder nicht in demselben Maß gewährt werden. Die Aenderung kann auch erfolgen durch Verlängerung der Ausrückungssristen für die Dienst- altersstufen und durch Vermehrung der Dienstaltersstufen trotz gleicher Gehaltssätze im Anfangs- und Endgehalt. Wo die BesoKmng gegenüber früher gleichgestellten Beamtengruppen zu hoch erscheint, wird stärkere Kürzung empfohlen. Weiter sehen di« Richtlinien vor Wegifallvermerke bei Beamtenstellen, Umwandlungsvermerke bei Be- förderungsstellen, Entlassungen von Arbeitern und Angestellten, Revision der Urlaubsbestimmungen insbesondere dort, wo durch Ber- trewngen erhöhte Aufwendungen entstehen, Herabsetzung oder Streichung von Notstandsbeihilfen, Unterstützungen usw., Unterlassung von Versetzungen, starke Drosselung der Dienstreisen und Zurück- Haltung bei der Ausgabe von Mitteln für Ausbildung und Fort- bildung der Beamten. Um Mieten zu ersparen, sollen die Ler- waltungsgebäude stärker ausgenutzt werden. Sonstige Ersparnisse. Ferner schlagen die Richtlinien vor, daß Bauten unter» lassen werden, wenn die Mittel für die Wohlfahrtserwerbslosen nicht voll vorhanden sind. Wenn nötig, soll überhaupt von dem Bau von Verwaltungsgebäuden und Schulen abgesehen werden. In diesem Sinne soll auch auf die der Landesaufsicht unterstehenden Körperschaften eingewirkt werden. Auch hält es der Reichsfinanz- minister für angezeigt, den Neubau von Hotels, Gaststätten, Pen- sionen, Theatern, Kinos und ähnlichen Dingen mit hohen Verwal- tungsgebllhren oder sonstigen Lizenzgebühren zu belasten. Für das U n t« rri ch t s w e s e n wird die Erhöhung der Klassensrequcnz und der Pflichtstundenzahl, die Einengung der Frei- stellen durch stärkere Begabtenauslese, die Einschränkung der Aus» gaben für Stipendien usw. empfohlen. Wegen einer Iustizreform will sich der Reichsfinanz. minister mit dem Reichsjustizminister in Verbindung setzen. Er rät aber jetzt schon den Ländern eine Herabsetzung der Notariatsgebührcn an, um dadurch Ersparnisse für die öffentliche Hand und für die Wirtschast zu erwirken. Kurzfristige Kredite und Kürsorgelasten. Wegen der Ersparnisse an den Fürsorgelasten verweist der Reichsfinanzministcr auf die Richtlinien des Städtetages. Im übrigen empfiehlt er den Ländern und Gemeinden Abschlags- Zahlungen auf ihre kurzfristigen Kredite. Nur in sehr vorsichtiger Form stellt er eine Umschuldungsaktion in Aussicht. Länder und Gemeinden müßten selbst Schuldentilgungspläne ausstellen, die die Abdeckung aus laufenden Mitteln in den nächsten Jahren gewähr- leisteten. Zur Wohlfahrtserwerbslosenfürsorge heißt es dann in dem Rundschreiben zum Schluß: Bei der Loge des Reichs werde ich außer stände sein, den Ländern und Gemeinden außer etwa in Fällen einer Umschuldungsaktion oder eines Sonder- Zuschusses zu den Kosten der Wohlfahrtserwerslosenfürsorge eine finanzielle Hilfe zu leisten. Ich muß aber schon jetzt darauf hinweisen, daß ich auch auf dem Gebiete der Wohlsohrts- lasten nur dort unterstützend eingreifen werde, wo sowohl im Lande als auch in der betreffenden Gemeinde alles zum Etatsausgleich Erforderliche getan worden ist. Preußens Sparmaßnahmen. Notverordnung in einigen Tagen. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat das preußische Staatsministerium die am 1. September begonnene Be- ratung am Nachmittag des 2. September fortgesetzt. Di« Sitzung dauerte bis in die Abendstunden. Nachdem in der Dienstagsitzung die Sparmöglichkeiten im Rahmen der staatlichen Besoldungsordnung erörtert worden waren. sind in der Mittwochsitzung die Sparmaßnahmen auf dem Gebiet der Fürsorgeerziehung, der Rechtspflege sowie bei den Gemeinden und Gemeindeverbänden durchgeführt worden. Die zu erlassende Notverordnung bedarf noch der ab- schkießenden redaktionellen Fassung, so daß erst in einigen Tagen mit der Veröffentlichung zu rechnen ist. dem anderen Lande die Freidenker am stärksten berühren. Die vier Hauptreferatc umfassen die folgenden Themen:„Das Problem der Jugenderziehung",„Die Kolonialpolitik der Kirche",„Klerikalismus und Faschismus" und„Wissenschaft, Technik und Metaphysik". Keine Einigungsfanfare ist in die Welt hinausposaunt worden. Kein Tagesordnungspunkt, keine Ankündigung be- nutzt das Wort Verschmelzung. Aber jeder Delegierte weiß, daß es um die Verständigung geht, daß diese Verständigung zwischen den heute getrennt herziehenden zwei internationalen Vereinigungen notwendig ist. Jeder Delegierte weiß, daß diese Verständigung freundschaftlich, ehrlich, ohne Ueberrumpe- lungsmanöoer und demagogische Kunstgriffe angestrebt wer- den muß. Man darf hoffen, daß die gehegten Erwartungen sich erfüllen werden, selbst wenn dieser Kongreß noch nicht den Schlußpakt besiegeln, sondern nur ein Etappenziel er- reichen sollte. So sei von dieser Spelle aus den nach Berlin kommenden Genossen ein herzliches Willkommen dargebracht. Kinderspeisung und Innere Mission. Sine Million Mark für Kinderfpeifvngen verspekuliert. Aus dem Korruptions sumpf der Hilfskasse ge- meinnütziger Wohlfohrtseinrichtungen, an der die Innere Mission ausschlaggebend beteiligt ist, wird«in neuer un- erhörter Skandal bekannt: Der Hilfskasse wurden im Januar 1928 eine runde Million Mark aus Mitteln des preußischen Ministeriums für Landwirtschaft überwiesen. Diese Gelder waren ausschließlich für Zwecke der Kinderspeisung bestimmt und sollten umgehend über die Deutsche Liga der freien Wohlfahrtspflege an die Provinzialbehörden weitergeleitet werden. Die Leitung der Hilfskasse unter Führung des Pastors Cremer von der Inneren Mkssion hatte jedoch den traurigen Mut, diese Million, die in dem harten Winter 1027/28 hungernden armen Kindern Hisse bringen sollte, ihrer Barsens irma Raumbaum u. Co. für Spekulationszwecke zur Verfügung zu stellen. In wenigen Wochen war auch diese Summ« wie andere der Hrssskasse übergebenen Millionenbeträge aus Steuermitteln v e r- spekuliert. Die Deutsche Liga der srei«n Wohssahrtspflege sah sich gezwungen, energisch gegen di« Hissskasse vorzugehen, die einen Ilcbsrbrückungskredit der Reichskreditgefellschast zur Flüssigmachung der Kinderfpeisungsmittel aufnahm, der später mit Betrügen der Amerikaonleihe des Karitas-Verbandes abgelöst wurde. Der Verlust mußt« später aus anderen staatlichen Wohlfahrtsgeldern gedeckt werden. Abrücken von den Verantwortlichen. Wir erhalten von Herrn Gustav Hülser, dem Herausgeber der„Täglichen Rundschau", folgende Berichtigung: „Die in der Notiz„Sparergroschen für national« Presse. Deva- heim und„Tägliche Rundschau" in Nr. 40Z(A 2031 vom 29. August dieses Jahres Ihrer Zeitung enthaltenen Mitteilungen über Be- „Die in der Notiz„Sparergroschen für nationale Presse." Deva» heim" entsprechen nicht den Tatsachen. 1. Es ist unwahr, daß neben dem Reichstagsabgeordneten D. Mumm auch der Pastor K l i e s ch aus Breslau dem Aussichtsrat der Dsvoheim angehörten. Wahr ist. daß D. Mumm Ende 1930 aus dem Aufsichtsrat der Devaheim a u s g e fch i o d« n ist und Pa st orKliesch nie dessen Mitglied war. Er Hot lediglich auf Einladung zeitweise an seinen Sitzungen teilgenommen. Beide Herren standen in ausge- fprochener Opposition z u der Politik de» Herr» Dr. C r c m e r. worin auch der Grund dafür lag, daß V. Mumm ausschied und Pastor Kliesch seit Monaten vor dem Zusammen» bruch an den Sitzungen nicht mehr teilnahm. 2. Es ist unwahr, daß sich Pastor Kliesch einen Betrag von 20 000 Mark für die„Tägliche Rundschau" geben ließ, der aus den Spareinlagen der„Dcuzag" stammte. Wahr ist, daß Hern Pastor Kliesch und dem Verlag der„Tag- lichen Rundschau" vor Annahme eines durch Herrn Postor Dr. Cremer vermittelten Darlehens mündlich und schriftlich vom Dar- lehcnsgeber versichert worden ist, daß es nicht den Spareinlagen der„Devaheim" oder„Dsuzag" entnommen sei. Die Tilgung des Darlehens sollte auf dem normalen Wege des bekannten Kapital- bildungsoertrages der„Deuzag" erfolgen. Dein Aufsichtsrat der„Deuzag" haben v. Mumm und Pastor Kliesch niemals angehört und nie an seinen Sitzungen teilgenommen." Tteue Regierungspräsidenten. Ministerialdirektor Dr. Brand geht nach Sigmaringen. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, wurde durch Beschluß des preußischen Staatsministeriums der RegierungspräsüZent S ch e r e r in Sigmaringen in den einstweiligen Ruhestand versetzt und der Ministerialdirektor im Ministerium des Innern, Dr. Brand(der bisherige Perfonalreferent), zwecks Ein- sparung einer Ministerialdirektorstelle in diesem Ministerium kommissarisch zum Regierungspräsidenten in Sigmaringen ernannt. Ebenso wurde im Interesse der Einsparung einer Regierung?» Präsidentenstelle der Oberpräsident der Pravinz Pommern, Dr. von Halfsrn, gleichzeitig zum Regierungspräsidenten in Stettin ernannt. Krieg dem Kriege. Riesenkundgebung der Berliner Arbeiterjugend. Als gestern bei der überfüllten, von unzähligen jungen Menschen besuchten Kundgebung der Sozialistischen Arbeiterjugend Groß- Berlins in den Kammersälen der französijche Genosie Marcel Brun mitten aus seinem in seiner Heimatsprache gehaltenen Referat heraus in deutschen Lauten den Appell:„Nie wieder Krieg" in den Saal schleuderte, da brach bei unser» jungen Genossen«in Beisall aus, der Minuten währte. Als der englische Genosse Lionel E l v i n im Eingang seiner Rede sogt«, daß er überzeugt sei, hier in diesem Saale Deutschlands wahre Jugend und Deutsch- lands Zukunft zu sehen, beseelte die Aelteren unter den Bersamm- lungsteilnehmern die gewisse Zuversicht, daß unser englischer Freund recht hatte. Als dann der Vertreter der deutschen Sozialdemokratie, Genosse Kurt Löwen st«in. sagt«, daß es für deutsche, englisch« und französisch« Arbeiter nur eins als das Höchste und Größte gebe, Genossen, Genossen und nochmals Genossen zu sein, waren alt und jung, und als Beijallsspender vor allem unsere ausländischen Freunde, in einem einzigen Gefühle der Solidarität oereint. Die Jugend der Berliner Arbeiterschaft hat gestern wieder be- wiesen, daß sie fest gewillt ist, in den Rejhen der Sogialdemo- l ratischen Partei zu marschieren! Arbeiierwohlfahri und Winterhilfe. Sin Schreiben an die„Liga der freien Wohlfahrtepflege*. Das Wolfssche Telegraphcnbüro verbreitet in diesen Tagen die Mitteilung, nach welcher„auf Einladung de» Reichsarbeits- Ministeriums und des Reichsministeriums des Innern am Freitag, dem 28. August, in Gegenwart des Herrn Reichsministsrs de» Innern, Dr. Wirkh,«in« Besprechung über die diesjährig« Winterhilfe der in der Deutschen Liga der freien Wohlfahrtspflege zusammengefaßten Reichsspitzenoerbänd« stattgefunden hat". Der Hauptausschuß für Arbeiterwohlfahrt hat Veranlassung genommen, beiden Reichsministerien gegenüber sein Bestemden darüber zum Ausdruck zu bringen, daß der Haupt- ousschuß für Arbeiterwohlfohrt als ein« vom Herrn Reichsarbeits- minister anerkannte Reichsspitzcnorganisation der freien Wohlfahrtspflege zu dieser Besprechung nicht hinzugezogen wurde. Der Hauptausschuß für Arbciterwohlfahrt bedauert, daß gerade die Wohlfahrtsorgonisotion, di« die Bevölkerungsschicht vertritt, an die sich die Hilfsmaßnahmen wenden, in ihrer Auffassung zu dieser Frage nicht gehört worden ist. Der Hauptausschuß für Arbeiter- Wohlfahrt hat seit jeher die Forderung vertreten, daß, wenn Sammlungen und Hilfsaktionen durchgeführt werden, sie unter Führung und Beteiligung der öffentlichen Fürsorge zu erfolgen haben. Cr hat seiner Auffassung in einem Schreiben an die Deutsch« Liga der freien Wohlfahrtspflege Ausdruck gegeben, das nachstehend ver- öffentlicht wird: „An die Deussche Liga der steien Wohlfahrtspflege: Wir nehmen Bezug auf die tclephonische Anstage, die Herr Regierungs» rat Grüneisen im Auftrage der Deutschen Liga der steien Wohl- fahrtspflege an uns richtete, und erlauben uns, unser« Stellung zur Frage einer gemeinsamen Hilfsaktion der Spitzenverbänd« der steien Wohlfahrtspflege wie folgt darzulegen: Die zu erwartende Not dieses Winters macht ergänzende Hilfs- maßnahmen in breitestem Rahmen notwendig. Di« Kommunen sind fast am Ende ihrer Leistungsfähigkeit, nachdem sie in den letzten schweren Jahren den weitaus überwiegenden Anteil an der Hilfe für Millionen Opfer der Krise tragen mußten. Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, daß wir auch in diesem Jahre mit demselben Nochdruck fordern, daß olle Hilfsaktionen nur im Zu- fammengehen von öffentlicher und freier Wohlfahrtspflege durch- geführt werden. Diese Forderung ergänzen wir weiter dahin, daß die Erträgnisse aus diesen Hilfsaktionen im Rahmen der öffent- lichen Fürsorge zur Verteilung gelangen sollen. Das liegt nicht nur im Interesse einer rationellen Verwendung, es trägt auch dazu bei, daß die kommunale Wohlfahrtspflege«ine wenn auch nur be- scheiden« Unterstützung erfährt. Wir nehmen al« Spitzenverband der steien Wohlfahrtspflege Stellung gegen eine Winterhilfsaktion die allein von der steien Wohlfahrtspflege durchgeführt wird. Wir glauben außerdem, daß die Vorgänge bei der„Inneren Mission" in breiten Kreisen der B«- völkerung die Voraussetzungen für«ine erfolgreiche„Winterhilf»- attion der steien Wohlfahrtspflege" zerstört haben. Wir sind bereit, in einer Winterhilfsaktion mitzuarbei- ten, wenn der öffentlichen Fürsorge dabei die Stellung eingeräumt wird, die wir vorstehend dargelegt haben. Abschrift diese» Brieses werden wir an den Herrn Reichs- arbeitsminister und den Herrn Reichsminister de« Innern senden und ihn müh w der Tagesprefle veröffentlichen." Abbau der Miliiärdikiaiur in Belgrad? Belgrad. 2. September. Der König hat heut« nachmittag einen Erlaß unterzeichnet, nach dem Kost Tinotijewiifch, Iwan Palatschek, Andra Tanitsch, Iwan Putschest, Pavle Matitsche und Hasan Degowitsch zu Mi- nistern ohne Amtsbereich(bei uns sagt man„ohne Porte- fcuille". Red.) ernannt werden. Der südslawische Gesandte in Prag, Kramer, wurde zum Minister für die öffentlichen Arbeiten, Koste wurde zum Iustizminister ernannt. Alle neuen Minister haben den Eid abgelegt. Die Aenderungen im Ministerium sind die erste Etappe auf dem Weg« zu dem angekündigten neuen Regime. Papst-Mussolim-Kriede. Die katholische Aktion eingeschränkt. Rom. 2. September.(Eigenbericht.) Die Verhandlungen zwischen der italienischen Regierung und dem Vatikan wegen der katholischen Aktion und der aufgeiösken katholischen Zvgeadverbände haben zu einem neueuAbkommen geführt, da» am Mttwoch im„Osservalorc Romano" und in der italienischen presse veröfseatlicht wird. Danach hat sich die katho- tische Aktion jeder politischen Betätigung zu enthalten und sich unter direkter Leitung der Bischöfe auf religiöse und seelsorgc- rische Fragen zu beschränken. Leiter der kalholischea Aktionen dürfen künftig nicht mehr solche Personen sein, die antifaschistischen Parteien angehört haben. Die Verbände der katholischen Aktion haben in Zukuafi die nationale Fahne zu führen. Die katholischen Zngendverbände werden wieder erlaubt. Sie haben sich jeder sportlichen Letäligung zu enthalten und sich ausschließlich im erzieherischen Sinne zu betäligeu, immer im Hinblick aus die religiösen Ziele. Eine der wichtigsten Bestimmungen des neuen Ab- kommen, ist die. womit der katholischen Aktion jede gewerk- schaftliche Bekätlgung in Zukunft untersagt wird. Irgendwelche Bcrufssragcn unterstehen nicht mehr ihrer Kompetenz, vielmehr haben sie hier mit den faschistischen Organen zusammen- zuarbeiten, mit dem Ziel eines Ausgleichs der sozialen Gegensähe. ltnierhaus nächste Woche. Sanierung. X wurden heute vom deutschen Bot- schafter empfangen und durch ihn sodann dem Präsidenten ch o o v e r vorgestellt, der sie zum erfolgreichen Flug freundlich beglückwünschte. ?5jähriges Dienstfubiläum. Der Geschäftsführer und langjährige Eintäufer für Textilwaren und Konsektion, Herr Biktor Weiß- köpf, konnte gestern auf eine ununterbrochene 25jährigc Tätigkeit in dem Hause B. Feder zurückblicken. Fabrik in die Lust geflogen. Schwere Explosion bei Paris.— Zwei Fabrikgebäude zerstört Paris, 2. September.(Eigenbericht.) In einer chemischen Fabrik in einem poriser Vorort hat sich am wittwochvormiltag eine schwere Explosion ereignet. Dos ganze Fabrlkgebäude sing Feuer und stürzte in sich zusammen. Unter den brennenden Trümmern wurden von der Feuerwehr die vollkommen zerstückelten Leichen zweier Arbeiterinnen hervorgezogen. 20 Arbeiter wurden schwer verwundet. Durch die Explosion wurde auch eine benachbarte Fahrsluhlsabrik zum Teil zerstört. Auch in diesem Betrieb haben etwa 2o Arbeiter Verletzungen erlitten. Schließlich sind eine Anzahl Wohnhäuser in der Umgebung beschädigt worden und mehrere ihrer Bewohner verletzt worden. Die Gesamtzahl der Verlehlen wird am Nachmittag aus etwa 60 beziffert. Die Ursache der Katastrophe ist noch nicht sesl- gestellt. Die Staatsanwaltschaft von Versailles hat sich an die Un- gtücksslelle begeben und die Untersuchung eingeleitet. Anschlag auf Kafsenboten. Mißglückter Raubüberfall.- Täter flüchten auf Motorrad. Im Hause Leibnizstr. Z0 in Eharlottenburg. in dem sich eine Reichsbanknebenstelle befindet, wurde gestern aus den lSjährigen Expedienten Walter S e e s e l d ein Raubübersall verübt. S. hatte von seiner Finna, der Berliner Bleirohrfabrik, den Auftrag erhalten, 600 M. Wechselgeld abzuheben. Der junge Mann steckte das Geld, obgleich er eine Aktentasche bei sich hatte, vor- sichtshalber in die Brusttasche seines Jacketts. Wie wertvoll diese Vorsicht war, sollte wenige Minuten später der Ueberfall beweisen. Als der Expedient den Flur verlassen wollte, drang plötzlich ein etwa 22- bis 2Zjährioer Bursche auf ihn«in. Der Täter schlug auf Seeseld ein und entriß ihm die Aktentasche, in der er Geld vermutete. Der Uebersallene rief lernt um Hilfe und machte dadurch Passanten auf den Täter aufmerksam. Der Flüchtende lief noch ein Stück die Leibnizstraße hinunter und schwang sich auf den Soziussitz eines Motorrades, dessen Führer in hoher Geschwindig- keit davonrastc. Die Aktentasche hatte der Haupttäter bereits auf der Flucht aus dem Haufe fortgcworfen, als er merkte, daß sie leer war. Bon dem Täter und seinem Komplicen fehlt bisher jede Spur. Nach allem scheint es sich um ein vorbereitetes Verbrechen zu handeln. Stadiparlament am 7. September. Anfang September nehmen die Ferien des Berliner Stadt- Parlaments ihr Ende. Die erste Sitzung nach den Ferien wird dm 7. September stattfinden. Die Tagesordnung dürfte aller Voraussicht nach ziemlich umfangreich werden, da sich während der Ferienzeit eine große Anzahl von Vorlagen angesammelt hat. Außerdem werden die in der Zwischenzeit vom Magistrat unter dexn Zlyange der allgemeinen Not vorgenommenen Sparmaß- n a h m e n'Anlaß zu ausführlichen Debatten sein. ";.C. CS..."•'■ Tf%j> 20] VO/W Ein Gefühl der Erhebung durchdringt sie. Dort im Salon der Trubel gesättigte Gäste, die nach einigen Glas Wein in ausgelassene Stimmung kommen, während ich hier zu meinen Dichtern flüchte. Neu gestärkt kehrt sie zurück zu den gewöhnlichen Sterb- lichen. Sie sieht, wie die dicke Aurelie Damme, die endlich Gert Telles erwischt hat, ihren dekolletierten Busen in greif- bare Nähe des jungen Mannes rückt. „Sagen Sie doch Frau Reli zu mir", bittet Frau Aurelie und entblößt beim Lächeln ihre goldüberzogenen Schneide- zähne.„Meine lieben Freunde nennen mich alle so." „Gern, gnädige Frau", Gert verbeugt sich leicht. Gleich wird sie mich unter irgendeinem Vorwand einladen. „Haben Sie schon meine Kakteensammlung besichtigt? Nein?! Also die müssen Sie unbedingt kennenlernen. Ist es Ihnen in der nächsten Woäze recht? Vielleicht am Mittwoch?" Spaßeshalber müßte man mal hingehen. Gert sagt zu. Jetzt aber fort! Wo mag Harry sein? Muß er ausgerechnet mit den Biedermännern quatschen! „Mir scheint die Hausse nicht geeuer." Erikson beißt seine Zigarre ab. Er tut es immer, obgleich es gar nicht vornehm wirkt. In der Hand balanciert er ein Kognakglas.„Warum steigt plötzlich alles? Aktien und Engrospreise marschieren, als ob sie'besessen sind. Nur dein Getreide, James, macht eine Ausnahme. Die Kurse stehen zu den Werten in keinem Ver- hältnis. Ich bitte Sie, meine Herren, die kleine Betonfabrik da draußen am Bahnhof notiert über 200, und früher waren ihre Kurse höchstens mit der Lupe wahrzunehmen. Wo soll das hinführen?" „Wir sind eben ein aufblühendes Land", bemerkt Herr Direktor Marx philosophisch. „Ei weih! Trotz der Reparationen und der Arbeitslosig- keit." Konsul Dammer meckert dazwischen.„Sie haben recht, Erikson,«in sehr merkwürdiger Zustand. Alles abstoßen und bares Geld halten! Gut, Silvester, daß Sie so bockbeinig xvaren. Wer zuletzt lacht, lacht am besten!" „Hndt wie gewonnen, so zerronnen, da wir uns gerade mit Sprichwörtern aus Großvaters Hausrat beschäftigen." Harry lächelt malitiös. Konsul Damme will wütend aufsahren. Was hat sich diese Rotznase in ein Gespräch weiser Männer zu mischen! Aber er muß sich zu seinem größten Schmerz zügeln. Fränze bittet um Aufmerksamkeit. Manfred wird singen. Diese günstige Gelegenheit benutzt Gert, um Harry anzu- pumpen und zu verschwinden. Er läuft durch die Straßen. Atemlos kommt er an. Bor dem Hause steht Lili Rosolf. „Hast du gewartet? Ich bin doch pünktlich? Die alten Tanten beiderlei Geschlechts ließen mich nicht los. Der Teufel soll sie holen! Aber nun komm!" Beide steigen die Treppe zum zweiten Stock empor. Gert schließt auf. „Wir gehen in mein Zimmer. Oder wohin du willst. Die regierungsrätliche Mama ist nicht da, die ganze Wohnung steht heute zu deiner Verfügung!" „Wir gehen zu dir!" Gert knipst die Lampe auf dem Rauchtischckzen in seinem Zimmer an. Mehr Licht erscheint ihm Verschwendung. Er zieht das Smokingjakett und die Weste aus, denn die Zentral- Heizung verbreitot eine höllische Glut, und dieser Aprilabend ist außergewöhnlich warm. Lili setzt sich auf die Chaiselongue.„Immer wenn ich bei dir bin, kommt es mir wie ein Traum vor. Entschuldige, das klingt blöd, aber es ist doch so." „Gewiß!" bestätigt Gert und setzt sich zu ihr. Er reißt an ihrer weißen Seidenbluse.„Gib mir endlich deinen Mund." Sie küssen sich- Lili macht sich los.„Es ist mir heut so verdammt un- wirklich zumut. Und ich Hab Appetit auf etwas Wirkliches, vielleicht auf Likör...! Hast du welchen?" „Die Frau Mama pflegt ihren Besucherinnen Malaga zu servieren. Wenn dem gnädigen Fräulein damit ge- dient ist...?" „Gib schon her! Oder besser, ich komme gleich mit." Gert und Lili wandern ins Speisezimmer, wo im linken Büfettschränkchen eine angebrochene und eine ganze Flasche Malaga aufbewahrt sind. Lili füllt die Gläser. „Fein habt Ihrs hier!" Sie lächelt spöttisch und schaut sich in dem düstern Speisezimmer um. „Das ist meine Welt, das heißt eine Welt..." zitiert Gert grollend. „Komm, Gert, wir wollen..." „Was., J?" Gert umschlingt sie von hinten, „... uns die weiteren Räume dieses gastlichen Hauses ansehen." „Also du erblickst hier den Salon der Firma Telles und Sohn." Er öffnet eine Schiebetür.„Alles mit der Hand ge- schnitzt!" Er deutet auf die Möbel, deren überreiche Ver- zierung bei der Aufwartefrau immer einen Wutausbruch ver- ursacht. Auf dem Tisch in der Mitte des Zimmers prangt ein in Leder gebundenes Photographiealbum. „Die Familie!" erläutert Gert.„Pikante Aktaufnahmen!" Er zieht das junge Mädchen hinter sich her ins Zimmer nebenan.„Hier schläft die verwitwete Frau Regierungsrat." Der Raum, den sie betreten, ist einfach. Uebcr dem Bett hängen die Bilder eines Mannes und einer Frau in alt- modischer Kleidung. Gräßlich! Wie vermodert!" Lili schüttelt sich. „Und hier ist der Lokus, pardon, das Badezimmer." Er nimmt einen Schwamm aus dem Behälter, läßt kaltes Wasser hineinlaufen und drückt ihn über Lilis Kopf aus. Lili kreischt. Sie läuft zurück ins Speisezimmer. „Hier nimm dein Glas!" Gert trinkt den Malaga, der nach Sirup schmeckt und füllt die Gläser von neuem. Lili läßt sich in dem mit Kissen überladenen Schaukelstuhl nieder.„Mach das Licht aus. Die Laterne von drüben ist schon hell genug." Gert schleppt einen kleinen, mit Samt bespannten Hocker heran und stellt Flasche und Gläser neben sich auf die Erde. „So ist's fein! Erzähl was." „Als ob du dazu hergekommen bist..." protestiert Gert? „Wenn die Frau Mama das wüßt! Das Söhnchen mit der Konkubine in den guten Möbeln!" Lili wippt im Schaukel- stuhl hin und her. „Weißt du, wie sie das nennen würde?" „Na?" „Verrucht!" Lili schüttelt sich vor Lachen. Gert lehnt den Kopf an ihre Knie.„Dabei meint sie's gut, die brave Dame. Sie sitzt und wartet, daß ich den Doktor mache und mich reich verheirate. Darauf wird sie wohl ihr Leben lang warten müssen... Weißt du, diese ganze Schinderei ist mir so entsetzlich über... Das ständige Schnorren um Taschengeld, verflucht noch mal! Die Pension reicht nicht hin und her. Und wenn ich das Examen gemacht habe, ist auch nichts gewonnen. Genau dasselbe. Kein Geld und ein Doktor mehr! Am besten wär's, man würde Prole- tarier und ernährte sich durch manuelle Arbeit." Gert sieht auf seine weißen» schmalen Hände.(Fortsetzung folgt.) Krieg und Sexualität. Um Magnus Hirschfdds„Sittengeschichte des Weltkrieges". Im April dieses Jahres erschien im Wiener Verlag Schneider u Co. eine Ergänzung zu dem zweibärchigen Standardwerk„Die Sittengeschichte des Weltkrieges", das der Sexualforscher Dr. Mag- nus 5) i r s ch s e l d im Vorjahr veröffentlicht hat. Trotzdem die beiden Hauptbände seitens der Staatsanwaltschaft unbeanstandet geblieben waren, wurde nunmehr gegen den Nachtrag energisch vor- gegangen. Gegen den verantwortlichen Leiter des Verlages, Karl Josef Schlegel, wurde ein Verfahren wegen Vergehens gegen die öffentliche Sittlichkeit eingeleitet. Vor dem Untersuchungsrichter be- reits erklärte Schlägel, daß er zwar die von Dr. Hirschfsld oerfaßte Broschüre vor der Drucklegung nicht gelesen habe, daß er aber:rotz- .dem für deren Erscheinen die volle Verantwortung übernehme. Das Material dieser Broschüre, das die Staatsanwaltschaft unter Bezugnahme auf eine Reihe von Abbildungen und einzelne Gedichte als unzüchtig bezeichnet, stamme aus der vielbesprochenen Kriegssammlung des Sexualsorschers. Dr. Magnus Hirsch- seid habe alle in Frage kommenden Dokumente Juristen und her- vorragenden Aerzten vorgelegt, die keinerlei Bedenken gegen ihre Veröffentlichung hatte». Im übrigen handle es sich bei dieser Bro- schüre nur um eine wissenschaftlich bedeutsame graphische Dar- stellung der Zusammenhänge zwischen Krieg und Sexualität. Da dieses Ergänzungsheft außerdem nur an diejenigen Personen ver- kauft wird, die seinerzeit das Hauptwert bezogen haben, da weiter- hin diese Personen sich durch Unterschrist verpflichten mußten, das Ergänzungsheft nicht in die Hände minderjähriger Personen ge- langen zu lassen, war seiner Ansicht nach alles getan, um ein even- tuelles öffentliches Aergernis auszuschalten. Auf die Erklärungen Schlegels hin wurde die Untersuchung in dieser Richtung e i n g e st c l l t und die Akten an den Wiener Presse- richter weitergegeben. Vor diesem hatte sich Schlegel heute wegen Vernachlässigung der pflichtgemäßen Obsorge zu verantworten. Schlegel verantwortete sich mit den gleichen Erklärungen, die er vor dem Untersuchungsrichter abgegeben hatte, und wurde frei- gesprochen. Da aber die Staatsanwaltschaft Berufung ein- gclegt hat, ist die 5lampagne gegen Magnus Hirschfcld noch nicht beendet. Zubiläumszähler der Bewag. Nummer I dvoooo aufgestellt.-Kreudentag einer Witwe- Die„Bewag" hatte gestern einen Iubiläumstag, der für eine Berliner Witwe zu einem Freudentag wurde. Der Stromzähler mit der Nummer 1 llOO 000 wurde in einer Wohnung in Lichtenberg, Kronprinzenstraße 33, aufgestellt. Anläßlich dieses Jubiläums hat die„Bewag" der Besitzerin der Anlage, der Witwe Anna W a d e r, mehrere elektrische Geräte als Geschenk überreicht. Ein Staubsauger, Kochgeräte und ein Radio- appnrnt waren der alten Dame recht willkommene Dinge. Eine weitere angenehme Ileberraschung für Frau W. war ein Kchriststück der„Bewag", wonach ihr ein ganzes Jahr der Strom kostenlos geliefert wird. Auch des 1000 000. Zählers wurde gedacht und ein Kranz umschmückte sein blechernes Gehäuse, als die Montage von den„Bcwag"-Angeslcllten beendet war. Bon der Direktion der „Bewag" ist außerdem an Stelle der sonst bei derartigen Anläsjen übtichtnIVcranfwltungen in AMetracht der s ch w e te m ZMe>n" G ei d. bctzW-M Wohlfährtszwelle'Zük'D�NtzUng MM UOtftVn.""""" In diesem Zusammenhange dürfte es von Interesse sein, daß ein Zeitraum von fast 40 Jahren erforderlich war, bis im April des Jahres 1027 der ZOOOOOfte Zähler gesetzt werden konnte. Die zweite Hälfte der gestern beendeten Million Zähler hat dagegen nur 4Vi.> Jahre gebraucht. Landgemeinden am Ende. Vor dam Zusammenbruch./ Das Reich muß helfen!/ ReichsarbeitslosenfOrsorge. 3m Rahmen einer Presscbesprechung erlöulerle der Präsi- dent de» Deutschen Landgemelndelages und de» Verbandes der Preußischen Landgemeinden, Dr. G e r e k e. die auf der Tagung des engeren Vorstandes der beiden verbände gefaßte Entschließung, die sich mit den finanziellen Maßnahmen der Reichs- und Länderregierungcn befaßt. Der Vortragende wies darauf hin, daß den zuständigen Stellen nicht eindringlich genug klar gemacht werden könne, daß ein großer Teil der Landkreise und Landgemeinden im Herbst zusammen- brechen müsse, wenn ihnen nicht schleunigst finanzielle Ent- lastung zuteil werde. In der Entschließung heißt es dann u. a., daß die finanzielle Not der ländlichen Gemeinden aufs höchste g e st i e g e n sei, denn durch Sparmaßnahmen allein ließen sich diese Nöte nicht beheben. Die in Aussicht gestellten zukünftigen Maß- nahmen der Reichsregierung und vieler Länderregierungen lioßcn bisher ein genügendes Verständnis für die Lage der deutschen Landgemeinden vermissen. Auch die Richtlinien des Reichsfinanz- Ministers für eine Sparaktion, die sich zum großen Teil auf das Sanierungsprogramm des Deutschen Städtetages stützten, kämen nur für großstädtische Verhältnisse in Frage, weil die geforderten Maßnahmen in ländlichen Kreisen und kleineren Gemeinden bereits feit langem durchgeführt feien. Die Sparkasfennotver- ordnung, die den Sparkassen verbietet, den Gemeinden irgend- welche Kredite zu gewähren, verschärfe diese Finanznot noch ganz besonders. Diese Kreditsperre habe vielfach zur Folge, daß die ländlichen Gemeinden nicht in der Lage seien, die vorgeschriebenen vor- auszahlungen auf den Anteil an der Krisenfürsorge zu leisten. Wenn das Reich nach den Ausführungen des Rcichsarbeits- Ministers in Frankfurt für die nächsten sieben Monats mit einer Ausgabe des Reichs und der Gemeinden von Zwei Milliarden für die Arbeitslosen rechne, so müßten sich die bereits in den letzten Monaten untragbar gewordenen Wohlfahrtslaftcn der Gemeinden Im kommenden Winter noch wesentlich erhöhen. Es sei daher dringend notwendig, daß die Organisation durch Schaffung einer Reichs- arbcitslosenfürsorge geändert werde. Je größer die finanzielle Not werde, um so dringender müsse außerdem die Forderung des Deutschen Landgemeindetages nach einem gerechten Finanzausgleich wiederholt werden. Dieser Finanzausgleich dürfe nicht mehr wie bisher auf dem bisher zuständigen Steuerauf- kommen, sondern in erster Linie auf der Einwohnerzahl der Ge- meinden fußen. Nachdem die Ausgaben der Gemeinden und Ge- meindeverbände für die Wegeerhaltung durch den gesteigerten Kraft- wagenverkehr besonders aufgewachsen seien, sei eine stärkere Beteili- gung der letzteren an den Kosten für die Straßenunterhaltung nicht mehr auszuschieben. Zu diesem Zweck müsse die Kraftfahrzeugsteuer in eine Betriebs st off st euer umgewandelt werden, deren er- höhte Einnahmen einzig und allein den Wegeuntcrhaltungspflich- tigen zufließen müßten._ Auflösung des Stadtamtes für Leibesübungen Der Magistrat ist dem Beschlüsse der Stadtoer- ordnetenversammlung, das Stadtamt für Leibesübungen aufzulösen, in seiner gestrigen Sitzung beigetreten. Die bisherigen Ausgaben des Stadtamts werden vom 1. Oktober d. I. ab auf die zuständigen Verwaltungen: Schulverwaltung, Gesundheitsverwal- tung und Landesjugendamt aufgeteilt. Die Deputation für Leibes- Übungen wird zum gleichen Zeitpunkt aufgelöst. VVG.-Sammetkarten begehrt. Ucbcr den Verkehr bei der BVG. nach Einführung de» neuen Tarifes liegen nunmehr über den ersten Tag die genauen Zahlen vor. Der Sammelblock zu fünf Fahrten für 1 Mark wurde besonders stark gefragt und von ihm wurden 207 000 Stück ausgegeben. Damit erreicht die Ausgabe der Sammelkarten einen Umsatz des bisherigen Monatsbedarfs an Sammelkartcn. Außer- dem wurden 773 000 Einzelfahrscheine zu 23 Pfennig ausgegeben und 413 000 Umsteigefahrscheine. Auiodroschke gegen Möbelwagen. Vier Verletzte bei einem Zusammenstoß. In der Lichtenberger Straße ereignete sich in den gestrigen späten Abendstunden ein folgenschwerer Zusammenstoß zwischen einer Autodroschke und einem Möbelwagen. Das Auto wurde bei dem Zusammenprall völlig demoliert. Der Führer, ein ZOjähriger Georg Böhm aus der Pfarrstrafte in Lichtenberg, wurde aus den Trümmern seines Wagens geborgen. Er fand im Weißenfeer Krankenhaus Aufnahme. Der Kutscher des Möbelfuhr- werks und zwei Mitfahrer wurden bei dem Anprall»01» Kutscherbock auf das Straßenpflaster geschleudert. Alle drei erlitten eichebliche Verletzungen und mußten die Hilfe der nächsten Rettungsstelle in Anspruch nehmen._ Oberbürgermeister gegen Razi Han»..: ■ Der Oberbürgermeister plant eine B c r f ü g u n g an die Dienst- stellen und städtischen Gesellschaften herauszugeben, in der zum Ausdruck gebracht wird, daß in Zukunft keine städtischen Mietver- träge mit politischen Organisationen, besonders mit solchen, die staatsfeindlichen Charakter tragsu, abgeschlossen werden dürfen. In Zweifelsfällen haben sich die Dienststellen, bzw. Gesellschaften an Zuchthaus für Falschmünzer. Wo die f atedten ZehnmarKsdselne herhommen.- Kleine fiesdiSHslenf c als Opler. Vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte hatten sich sieben An- geklagte im'Alter von 20 bis 35 Iahren wegen Herstellung und Ver- triebes falscher Zehnmarkscheine zu verantworten. Aus der in Berlin-Mahlsdorf gelegenen Fälschcrwerkstatt brachten sie in einer zunächst sehr schlechten, dann aber verbesserten Auflage über 000 Zehnmarkscheine heraus, die dann von Ende 1030 bis Ostern 1931 in Luckenwaide, Trebbin, Stendal und Hannover und anderen Prooinzstädten, abgesetzt wurden. Bei einem Ver- gleich mit echten Zehnmarkscheinen war die Fälschung auch in der zweiten Auslag« offensichtlich. Besonders waren die Kontrollziffern sehr ungenau. In der nicht öfscntlichen Verhandlung ergab sich, daß etwa 2000 Scheine in der Werkstatt angefertigt worden sind, von denen sich aber weil über 1000 wegen technischer Mängel nicht zum Vertrieb eigneten. Die Angeklagten entschuldigten sich durchweg mit ihrer Notlage. Gegen den wegen Falschmünzerei bereits einmal zu 2'A Jahren Zuchtlzaus vorbestraften Angeklagten Schulz bean- tiagte der Staatsanwalt vier Jahre. Zuchlhaus und zehn Jahre Ehr- vertust und gegen den wegen Diebstahls, Betrugs und Unterschlagung vorbestraften Angeklagten L i e r s ch und F a b i s ch Zuchthaus- strafen wyj 2 bzw. l'/i Jahren und je 3 Jahre Ehroerlust. Die Anträge gegen die restlichen 4 Angeklagten bewegten sich zwischen l'A Jahren und 9 Monaten Gefängnis. Has Urteil lautete gegen Schulz, Lierfch und Fabifch wegen fortgesetzten Münzoerbrechens auf 4, 2A und 2 Jahre Zuchthaus: die bürgerlichen Ehrenrechte wurden Schulz auf die Dauer von 10 Iahren . und den beiden anderen Verurteilten auf die Dauer von 3 Jahren aberkannt. Die übrigen Angeklagten kamen mit Gefängnisstrafen, die zum Teil als verbüßt gelten und mit Bewährungsfrist davon. In der Begründung wies der Borsitzende darauf hm, daß es notwendig gewesen sei, den drei Hauptangeklagten mildernde Um- stände zu versagen, und zwar unter Berücksichtigung der Rofsiniert- heit und Geineingefährlichkeit ihres Handelns, durch das zahlreiche kleine Geschäftsleute erheblich geschädigt worden seien. Die Toten der Angeklagten gingen nach Ansicht des Gerichts weit über da« zur Behebung einer augenblicklichen Notlage Notwendige hinaus. Bezahlte KPD.- Agenten. Sie wollten an die Schupo heran. Der vierte Strafsenat des Reichsgerichts verurteilte am Mittwoch noch einer umfangreichen Beweisaufnahme, zu der nicht weniger als 1.3 Zeugen zugezogen war«», wegen gemeinschaftlicher Vorberci- tung zum Hochverrat in Tateinheit mit Unterstützung einer staals- feindlichen Verbindung den früheren Polizeiwachtmeistcr Willi D r 0 s d a t I o aus Berlin-Lichtenberg zu zwei Jahren Feftungs- Haft und den Arbeiter Hermann G a r t m a n n aus Charlottendurg zu 2'e Jahren Festungshaft. Drosdatis wurden 3!4 und Gartmann 9'4 Monat« erlittene Untersuchungshaft voll angerechnet. Der jetzt 20 Jahre alte ledige Drosdatis war im August vorigen Jahres wegen leichtsinnigen Schuldenmachens nach zweieinhalb- jähriger Tätigkeit bei der Schutzpolizei in Potsdam entlassen worden. Als Arbeitsloser kam er dann erstmalig Ende September in die Zentrale der KPD. wegen Unterstützung. Dort lernte er den Angeklagten Gartmann kennen, der ihn bestimmte, verschiedeno Polizeibeamte zu einer gemeinsamen Unterredung zu veranlassen, was auch in mehreren Fällen geschehen ist, nachdem Drosdatis seine früheren Bekannten in den irrigen Glauben versetzt hatte, er gehöre noch der Schutzpolizei an. Bei diesen Unterredungen sollten die betreffenden Beamten bestimmt werden, späterhin nicht nur Zer- setzungsmaterlai unter ihre Kameraden zu verteilen, sondern auch von sich aus Material über Vorkommnisse in ihren Revieren herbei- zuschasfen. das geeignet wäre, in zersetzendem Sinne publizistischen Zwecken zu dienen. Dos bei beiden Angeklagten beschlagnahmte Material über- zeugte das Gericht, daß Gartmann dem Funktionärkörper der KPD. wahrscheinlich angehört, ihm aber mindestens sehr nahe steht, und Drosdatis, der bestreitet, der KPD. als Mitglied anzugehören, das Opfer der Verführungskünfte des Mitangeklagten geworden ist. Beiden Angeklagten wurde die Uebcrzeugungstäterfchaft zu- gebilligt. Bei Drosdatis fft das Gericht mit Rücksicht darauf, daß er früher Beamter war, noch über den Strafantrag des Reichsanwalts hinausgegangen, s Millionen Mark unterschlagen? London. 2. September.(Eigenbericht.) Di« Continental Illinois Bank and Trust Company of Chikago Hot. wie die„Daily Mail" berichtet, bei der Lloyds Bank einen Schadenersatzanspruch auf mehr als acht Millionen Mark ge- stellt. Der Schaden soll ihr durch Unterschlagungen eines Zlngestellten entstanden sein, die sich auf mehrere Jahre erstrecken. Der ungetreue Angestellte, der diese sensationellen Unterschlagungen verübte, ist ein 42 Jahre alter Walter Wolff, der bereits 20 Jahre bei der Bank beschäftigt war. Cr hat ein Geständnis abgelegt und hat das Geld angeblich zu Sp.'kulationszwkcken ver- wendet. den Magistrat zu wenden, der sich die Prüfung und letzte Eni- scheidung vorbehalten wird. Aar allem soll bei den zukünftigen Ber- mietungen darauf geachtet werden, daß die politischen Organisationen keine Mittelspersonen vorschieben, um auf diese Weise zum Abschluß eines Vertrages zu gelangen. Polizei im Kampf gegen Radau und Rauch. Die Berliner Polizei ist seit Jahren auch vm die Bekämpstme, der Rauch- und Geräuschbelästigung durch Kraftfahrzeuge bemüht. Ständig wird von allen Polizeibeamten hierauf besonderes Augen- merk gerichtet. Außerdem werden fortlaufend besondere Per- kehrsüberwachungskommandos eingesetzt, und zwar teils an den Ausfallstraßen, teils in den einzelnen Wohnbezirken. Im Monat Juli wurden wegen G e r ä u s ch b e l ä st i g u n 0, 74 Kraftwagen und 513 Krafträder und wegen Rauchbclästi- gung SS Kraftwagen und 109 Krafträder festgestellt. Im übrigen erstreckt sich die Tätigkeit hicjer BcskehrZÜberwach! stommandos selbstverständlich auch auf dl« Uebcrwachi.ng de? stbng-- Straßen� Verkehrs._-■ Eine Wochenendfahrt mit dem Motorkabincnjchisf„Paldur" nach Brandenburg a. d. H. unternimmt die Belegschaft des ,,Norwarts"-Betriebes am Sonnabend, dem Z. und Sonntag, den, 0. September. Abiahrt Sonnabend um 5% Uhr van Spandau (Lindenuser),.3 Minuten vom Hauptbahnhoj in Spandau eniferut. Karten sind für diese Fahrt auch noch für Nichtbetriebsangehörige beim Belriebsratsoorsitzenden Richard Kees«, Lindenstr. 3, zu haben. Allgemeine Wetterlage. 2.5spt. 4934, abds. wtlls> Ahe in der.Renen Welt'. Hasenheid«. 71. Abt. 20 Uhr bei Lau, Hikdcgardstr. Ii, Funkt ionitrsitzung. am Frettag. dem 4. September, 20 mir w den Hammersdlen. Teilower Str. I- 4 drohe Otfenll. Bcamtcnkundhcbung oller ReldU'. Staats- und»ommunoweomlen Kurt Heinig, M. d. R. tpridit Ober: Die Beamlen, die Staatseinnahmen und Wirtsdiaftskrise Beamte, denkt an eure Zukunft. Erscheint in Massen! BezirKsverband Berlin der SPD. 77. Abt. Funktionitrvcrsammlung. 80. Abt. 30 Uhr Funkt ionitrsitzung im bekannten Lokal. 8t. Abt. 20 Uhr bei«labe, Handerystr. SO— 01, Funktwniirfltzung. 120. Abt. 20 Uhr Funktioniirsitzunn bei Schwarz, Saprivi-Allee 101. 121. Abt. 20 Uhr Funktionärversommlung au bekannter Stell«. Sonnabend, 5. September: i.«reis. 17 Uh- Sitzona de« engeren»rei-vorftandc, mit sämtlichen»b. ieil-»g»le!tera an betannter Stelle. Pünktlich erscheinen. 04. Abt. 20 Uhr Funktionttrsitzung bei Tasper, Suerickestr. 1. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde Graß-Berlin. Lichtenberg. Gruppe Nord. Am Sonntag,� dem 0. September,� Fahrt nach WmWdWMav IM.» Hauptstr. 1.1, Klassenkampf im täglichen Lebe».— Eharlattenburg(Jüngere): Rosinenstr. 4. Funktionärsttzunz.— Westend: Sportplatz Westend. Geschichte, Ausgaben und Ziel« der SAI.— Schöncwelde Ii Berliner Str. si. Bericht vom Zeltlager und Iugendtag.— Lichtenderg-Rard: Gunterstr. 44. Funktionärsitzilna. Buchholz: Funktionärsitzung.— Britz: 1» Uhr Hannemann. Ecke Rungiusstratzr. SSG. Westen: Genihiner Str. 17. 17 Uhr. Schlllerrecht. Werbedezirl Rentöllni Spielgruppc. Kanner Straße., Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold-, Gefchäkt-stell«: Berlin S. 14. SedaNianstr. 37-38. So' 2. Tr. Freitag, 4. September. Tiergarten(Iungbanner Moabit). Pflicht. Heimabend bei Besses. Wichtige Besprechung. Treptow. Kamecad- schaft Baumschulenweg. Mitgliederversammlung bei Borgmann, Baumschule»� stratze Sä. Vertrag Kamerad Regierungsrat Dr. Muhle:„Die Wirtschastskrise und ihr« Auswirkung auf die Republik". Nemickendois. Kameradschaft Scrmsl dors. 20 Uhr Mtglioderversammlmig bei Konierad Lckrent, Bahnhos. Ecke Ber- liner Straße. Bortrag:„Nach dem Volksentscheid-'. Zcntralverband der Arbeit-invalide» und Witwen Deutschland«. Donners. tag, 3. September. Mitte II: Lokal Schulz, Elisabethstr. 30, 17 Uhr.— Buch. holz: Lokal Rossack, Hauptstr. 71, lg Uhr. Refereniin: Kollegin Haas.— Ellar- lottenburg: Lokal Wachs, Nehringstr. 23—24, 18 Uhr. Referent: Kollege Fisch» dach.— Friedrichshai»: Lokal Gaul, Dorhagcncr Str. 114, 10 Uhr.— Tier- garten II: Lokal NationaHof. Buwwstr. 37. 10 Uhr. Refereniin: Kollegin Haas. — Riederfchoneweide: Lotal Tomalla. Berliner Etr. 38, 18 Uhr. Relch-vereinigun« ehemaliger Kriegsgefangener, Ortsgruppe Eharloiteii. bürg. Freitag, 4. Sepien stier, 20 Uhr, Mvnatsversainmluug i» der Suarcz- Klaufe, Euarezstr. 11. Deutscher Frieden«bu»d. Donnerstag, 3. September, 20 Uhr, Im Zahn» ärztchau», Dstlonssic. 104, Kundgebung für deutfch-sranzSstsche Benstäudigung". Redner: Professor Demomhqncs. Auf Deutsch u. a. Gäste willkonrmen. Di« Firma Hofsmann.Piano«, Piamifortefabrir Georg Hoffmann, Berlin SW. 19, nur Leipziger Str. 37(am Spittelmarkt), konntc ihren Pianos nur dadurch die erreichte hohe Geltung verschoffen, Mail sie seit c!wa 40 Jahren ihr« Pianos in allen Kreisen zu Tausenden verbreitet und von jedem Musttfach- und-fachverstitndigen mit Vorliebe benutzt werden, und weil jedes verkaufte Hoffmaun-Piano für fich falbst wirkt und wirbt. Ein Hofsmann.Piano n«- hört in jedes deutsche Heim, in welchem Sinn für Hausnrustk oorI>andcn ist. Hoffmann-Pianos sind absolut wnschön, dauerhaft und preiswert. 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September 1931 3n ber heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 199 M. gezogen 2««win-e pl 10000 M. 39615 16 Gewinn, in 6000«. 29500 117650 216267 228459259750 273835 332815 366677 18 Gewinn, in 3000 HL 33697 72300 160216 210632 242093 270458 280038 3091 79 391 526 64 G«winn» ,n 2000 M. 2559 31396 33232 40165 5BS33 58805 60676 69516 103114 110722 110931 130733 ,37419 161375 162276 167593 174353 176431 182872 186453 190814 193131 221520 278478 288711 290850 320290 322840 353231 375308 388649 392721 104«.Winne ,n 1000 M. 8443 9099 10400 21731 24933 42884 46815 60337 60761 69549 77439 89005 89279 97323 98595 105075 109628 116073 126796 140169 167218 171966 182127 183316 136993220925 243067 251853 263201 264382 272274 284173 290897 299324 301039 305885 306885 317080 318529 330760 331434 332255 339275 343432 343673 351421 364904 364970 371787 389066 392248 393389 1 98»-Wim,. ,n 500 M. 3 5493 10412 15129 25273 28990 31093 35302 48580 51933 53722 60962 65377 68266 75627 76366 78940 89336 90451 101044 106055 110744 113563 122779 122927 125449 130032 131536 135176 141512 149452 156477 161173 161830164133 164465 164754 168668 170485 171073 176641 186672 187345200476 201659 207399 211825 216284 222366 224172 234078 248995 252383 253599 257605 257749 258905 265586 268907 270859 276181 276669 277482 288249 288408 293305 293939 315747 319139 321286 324367 327235 328304 329278 335356 337266 340331 342776 343159 345123 348471 355481 359417 367017 369915 371154 371759 371989 375699 376598 380209 380599 382796 382978 383043 385544 39581 2 396352 398666 3n der Heuligen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über dOO M. gezogen 6 Gewinn« ,n 10000 M. 16759 252545 391461 4 Gewinn« zu 5000 M. 6268 I 34301 13 Gewinne»u 3000 W. 107590 135055 153276 175621 222814 261692 322251 386127 390894 40 Gewinn. ,n 2000 M. 3757 15442 46507 89892 160737 161018 168959 172720 197193 212035 225094 230622 258782 232297 263643 287547 305340 312893 362343 394594 1 00 Gewinne ,n 1 000 M. 5100 10923 19750 35S33 43051 48466 89424 91644 91976 93263 112758 112822 113577 117081 124960 130702 133641 142807 143617 168742 165318 180186 181613189516 190453 193231 196369 196452 197088 199875 220137 233553238957 240366 240700 261393 263578 263673 270990 275629 288542 319693 326637 326032 346360 351860 362452 362040 365270 372501 140 Gewinn,«n 600 OT. 4173 17393 23182 28120 33179 35290 42396 42897 60871 60182 65579 69550 71673 76194 78095 7�696 81553 81913 93981 106953 113339 121502 121708 121906 141(572 143939 145145 151450 154327 163306 171201 171624 173818 179737183652 195769 203312 206385 214476 215485 216250 217849 228095 230570 237013 240420 242575 243330 252333 287362 282963 292330 298287' 307589 303223 318710 319193 323427 326485 326701 336711 336731 338583 343091 363883 382341 386415 390093 392775 393820 Im©eroimitabc verblieben: 2 Prämien zu je SODOOD. 2 Qiciuimi» 2 zu je 3Ü0000, 2 zu fe 20000'), 4 zu je 50000, 12 zu je 26000, 64 zu je 10000, 134 zu je 6000, 268 zu je 3000, 782 zu je 2000, 1560 zu je 1000, 2476 zu je 500. 7630 zu je 400 Marl. Schrittmacher der Sozialreaktion KPO.-Llnternehmen baui Leistungslöhne ab- Zeitungsdruck mit Llnorganisierten Der„Vorwärts" berichtete bereits kurz darüber, daß die Gc- schäftsleitung der Kölner kommunistischen Zeitung„Sozialistische Republik" vom Arbeitsgericht in Köln zur Wiedereinstellung der ausgesperrten Belegschaft oder zur Zahlung einer Kündigungs- entschädigung von insgesamt 23 900 Mark für 14 Kläger verurteilt wurde. Die Belegschaft war nach dem Ablauf eines Verbotes der Zeitung nicht wieder eingestellt worden, weil sie die Zumutung der Geschäftsleitung ablehnte, zu tarifwidrigen Be- dingungen die Arbeit wieder aufzunehmen. In der neuesten Rummer des„Korrespondent", dem Organ des Verbandes der deutschen Buchdrucker, werden über den Konflikt und sein« Vor- geschichte Einzelheiten mitgeteilt, die ein grelles Licht auf die üblen Scharfmachermethoden in diesem..Arbsiterunternehmen" werfen. Schon vor einiger Zeit war die Belegschaft aufgefordert worden, der RGO. beizutreten, was sie jedoch ablehnte. Dann stellte man an sie das Ansinnen, täglich unentgeltlich eine lleberslunde als Parteiarbeit zu leisten, worauf die Belegschaft ebenfalls nicht einging. Sie war nunmehr bei der Geschäftsleitung in Ungnade gefallen. In den letzten acht Monaten wurde das Kölner Kommunistenblatt infolge der ungeschickten Redigierung mehrmals wochenlang verboten. Dje Belegschaft trug der dadurch verursachten schlechten Geschäftslage immer Rechnung und bewies gegenüber der Geschäftsleitung das weitgehend sie Entgegenkommen. Am 13. Juni d. I. wurde die„Sozialistische Republik" wieder auf die Dauer von vier Wochen oerboten. Bei Stillegungsverhand- langen vor dem Demobilmachungskommissar stellte die Geschäfts- leitung den Antrag auf Abkürzung der gesetzlichen Sperrfrist; die Belegschaft stimmte diesem Antrag zu, nachdem ihr die Zusicherung gegeben war, daß sie nach dem Wiedererscheinen der Zeitung restlos wieder eingestellt wird. Zugleich war vereinbart worden, daß, wenn die Zeitung innerhalb vier Wochen wieder oerboten würde, die Ar- beiter aus die tarifliche Kündigungsfrist von einer Woche verzichten, weil auch für diesen Fall die Zusicherung gegeben wurde, daß das Personal nach Ablauf der Verbotsfrist wieder zu den alten Bedingungen eingestellt wird. Tatsächlich wurde die „Sozialistische Republik" nach einwöchigem Erscheinen am 20. Juli abermals verbaten. Während der Verbotszeft trat ein neuer Geschäftsführer namens Wolter Wolf aus Berlin auf den Plan, der seit Jahren Ange- stcllter der„Pcuvag" ist und vor etwa einem halben Jahr aus dem Buchdruckerverband wegen verbandsschädigenden Verhaltens aus- geschloffen wurde. In der Zeit, als er noch Mitglied des Buchdruckerverbandes war, wetterte er bei jeder Gelegenheit gegen die„Lohnräuber'' des Buchdruckerverbandes; unter anderem war er als der„beste" Mann der KPD.-Leute im Buchdruckerverband als Gegenkandidat bei der letzten Wahl der Berliner Gau- leitung aufgestellt worden. Dieser Wortrevolutionär benahm sich jetzt..... � reaktionärer als der rücksichtsloseste Scharsmacher. Als die Verbotszeit ablief, wollte er die Belegschaft nur zum nackten Tariflohn und entgegen den tarifvertraglichen Bestimmungen ohne Kündigungsfrist wieder einstellen. Da Verhandlungen mit diesem reaktionären RGO.-Mann zu keinem Ergebnis führten, mußte die nicht wieder eingestellte Beleg- schaft beim Arbeitsgericht ihr Recht suchen, das nach mehrmaligen Verhandlungen das oben wiedergegebene Urteil fällte. Das Kölner Kommunistenblatt wird jetzt von einigen Arbeitern, die der entlassenen Belegschaft in den Rücken gefallen sind, sowie von einigen aus Solingen abkonnnandierten Rausreißern und mit Hilfe von Matern hergestellt. Die entlassenen Belegschafts- Mitglieder sind natürlich unter den üblichen Beschimpfungen aus der Kommuni st ischen Partei ausgeschlossen worden. Interessant waren die Ausführungen der Vertreter der Ge- schäftsleitung vor dem Kölner Arbeitsgericht. Danach stehe es mit dem Kölner KPD.-Organ so schlecht, daß man schon ernstlich er- wogen habe, den Betrieb zu schließen und die Zeitung mit in dem Düsieldorfer KPD.-Betrieb herstellen zu lassen. Aach Ansicht der kommunistischen Geschäftsleitung müsse der Leistungslohn ganz abgebaut werden. Das sagten die gleichen Leute, die in ihren Organen täglich die Gewerkschastsangestelltcn mit Schmutz bewerfen und die Arbeiter, die nicht in kommunistischen Unternehmungen beschäftigt werden, auffordern, sich keinen Pfennig Lohn abbauen zu lassen. Dieser Vorfall zeigt, daß das Zusammengehen der Kommu- nisten mit den schlimmsten Feinden der Arbeiterschaft am 9. August keine angeblich politisch taktische Frage war, sondern völlig der engen geistigen Verbundenheit mit dieser reaktionären Gesellschaft entsprach. Artur Fontaine gestorben. Paris, 2. September.(Eigenbericht.) Der Präsident des Vcrwaltungsratcs des Internationalen Ar- beitsamtcs, Artur Fontaine, ist aip Mittwochvormittag in seiner Pariser Wohnung im Alter von fast 71 Iahren g e st o r b e n. Fontaine war zuletzt Generalinspektor der französischen Grubenver- waltung im Ministerium für öffentliche Arbeiten und Vorsitzender des Verwaltungsrats der Saargruben. Er hatte seine Lausbahn als Unterdirektor des französischen Arbeitsamtes begonnen und als solcher an den Verhandlungen über die ersten internationalen Ar- beitgAhkoinmen, so zum Beispiel an dem Berner Abkommen von 1996 über die Nachtarbeit der Frauen, teilgenommen. Fontaine hat in Frankreich die Arbeiterstatistik geschaffen und sich mit dem Ausbau des Schlichtungswesens beschäftigt. Bei den Friedensver- Handlungen vertrat er Frankreich in der Kommission, die den Teil 13 des Friedensvertrages über die Internationale Organ i- fation der Arbeit vorzubereiten hatte. Bei der Gründung des Internationalen Arbeitsamtes wurde er zum Präsidenten des Ver- walwngsrats ernannt und ständig mit ollen Stimmen der Re- gknrngs-, Arbeitnehmer- und Untcrnchmeroertrcter wiedergewählt. * Mit Artur Fontaine verliert nicht nur Frankreich, son- dern die gaitze Menschheit einen bescheidenen, unermüdlichen, klugen, bei aller Anpassungssähigkcit unbedingt zuverlässigen, ganz großen Sozialpolitiker. Ein geflügeltes Wort, das in Frankreich viel gebraucht wird, sagt;„Ministerien kommen und gehen; die Büros bleiben." Dieses Wort traf im guten Sinne auf Artur Fontaine zu. Er war der gute Geist der französischen Sozialpolitik, der auch stock- reaktionäre Ministerien und Parlamentsmehrheiten, ja, selbst das in die französische Verfassung eingebaute Gesetz der Trägheit des Senats durch Zähigkeit und Treue überwand. Er war kein Streber und Konjunkturpolitiker, wie man sie sonst in der hohen Bürokratie— auch außerhalb Frankreichs — so zahlreich findet. Er war ein treuer Diener der sozialen Ethik. Das war seine Stärke und seine Größe, der sich auch der verbissenste Gegner respektvoll beugte. Er war freilich auch ein großer Könner. So wurde er zum Helfer und Mitarbeiter von Albert Thomas, der die un- geheuer schwere Aufgabe übernommen hat, die Sozialpolitik der ganzen Welt auf einen Nenner zu bringen, dessen sich auch die fortgeschrittenen Länder nicht zu schämen brauchen. Mit Artur Fontaine verliert Deutschland einen Freund, der, als Deutschland dem Völkerbund ngch nicht, aber der Internationalen Arbeitsorganisation angehörte, mit viel Takt und Geschick der Mitarbeit Deutschlands die Wege geebnet hat. Treue um Treue. Oer Tabakarbeiterverband und seine Mitglieder. Unter den Verbänden der Industriearbeiter ist der Deutsche Tabakarbeiterverband die Organisation, die hinsichtlich der Mitgliederbewegung im vorigen Jahr wohl am g ü n st i g st e n abgeschnitten hat. Obwohl auch im Organisations- bereich dieser Organisation die Arbeitslosigkeit und Kurz- arbeit im vorigen Jahr einen nie gekannten Umfang annahm, ging der Bestand an Mitgliedern nur um 1S98 oder 2,3 Prozent auf 72 944 Mitglieder zurück. Bei den weiblichen Mitgliedern — Ende 1930 insgesamt 56 645— betrug der Mitgliedcrrückgang sogar nur 1,9 Prozent(!). bei den männlichen dagegen 3,4 Prozent. Diese Entwicklung hat in der Hauptsache seinen Grund darin, daß in vielen Zweigen der Tabakindustrie, auch in der Zigarrenbranche, viele Handarbeitsprozesse mechanisiert und damit ver- einfacht worden sind und an die Stelle der männlichen Facharbeiter an- und ungelernte Arbeiterinnen getreten sind. Wenn man berücksichtigt, daß im vorigen Jahr allein in der Zigarettenindustrie die Zahl der vollbeschäftigten Arbeiter und Angestellten um 5336 oder mehr als 20 Prozent zurückgegangen ist, maß man die vorjährige Mitgliederbewegung im Tabakarbeiterverband als außerordentlich günstig bezeichnen. Zu dem gleichen Schluß kommt man auch, wenn man die nicht geringe Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit in Rechnung stellt. Im Jahresdurchschnitt waren von den Vcrbandsmitgliedern in der gesamten Tabakindustrie nur 5263 Vollarbeiter und 5,53 Prozent sogenannte Ueberarbeiter. 19,53 Prozent der Mitglieder waren im Jahresdurchschnitt arbeitslos und 21,99 Prozent Kurzarbeiter. Der Kassenbericht des Tabakarbeiterverbandes hebt sich von den Abschlüssen der übrigen Verbände ebenfalls ab. Während fast alle anderen- Mrbiiinde. zum Teil ganz beträchtliche Summen ih.fes VerbandKoermägeüs hergeben mußten, um ihren statutarischen Berpflichtungen gegenüber den Mitgliedern nachkommen zu können, konnte der Tabakarbeiterverband sein Verbandsvermögen im vorigen Jahr noch um fast eine halbe Million Mark auf 2,3 Mib< lionen Mark erhöhen, obwohl er über 430 000 Mark für soziale Unterstützungen ausgab, davon allein 194 853 Mark für Arbeits- losenunterstützung und 156 968 Mark für Krankenunterstützung. Auch in der Lohn- und T a r i f p o l i t i k ist der Jahres- abschluß erfreulich. Im Jahre 1929 waren bereits für das Jahr 1930 L o h n z u l a'g e n für einzelne Branchen vereinbart worden, um deren Zahlung sich die Unternehmer angesichts der Krise jedoch zu drücken suchten. Der Organisation gelang es nicht nur, die Unternehmer zur Einhaltung der im Jahr zuvor eingegangenen Verpflichtungen zu zwingen, sondern auch auf der ganzen Linie alle Verschlechterungen der Lohn- und Arbeitsbedingungen abzuwehren. Di« Treue der Mitglieder des Tabakarbeiterver- bandes hat also in jeder Beziehung gute Früchte getragen. Tiefer gehi es nicht! Die Löhne in der Schokoladenindustrie. Obwohl erst am 1. April die Löhne in der Schoko- ladenindustrie um 5 Prozent gesenkt worden sind, wollen die Unternehmer schon wieder die Löhne drücken. Der Reichsverband der Deutschen Schokoladenindustrie hat den Reichslohntarif, der für etwa 70 000 Arbeiter und Arbeiterinnen gilt,„mit Rücksicht aus die wirtschaftliche und finanzielle Lage" zum 30. September g e k ü n- d i g t. Die„wirtschaftliche und finanzielle Lage" der Arbeiterschaft in der Schokoladenindustrie ist den Fabrikanten offenbar gleichgültig. Die Löhne der Arbeiterinnen in der Schokoladenindustrie schwanken zwischen 41 Pfennig je Stunde im Reich und 58 Pfennig in Berlin, die der Arbeiter zwischen 63 Pfennig und 90 Pfennig. Durch„hohe" Löhne kann das„Selbstkostcnkonto" in der deutschen Schokoladenproduktion also weder stark belastet noch entlastet wer- den, zumal 82 Prozent der Beschäftigten Arbeiterinnen, also ganz miserabel bezahlte Arbeitskräfte sind. Die Rllcksichtslosigkett und wirtschaftliche Kurzsichtigkeit der Schokoladcnfabrikanten kommt aber darin züm Ausdruck, daß sie die Tarifkündigung aus- sprechen, nachdem erst vor fünf Monaten ein Lohnabbau durch- geführt wurde. Besonders skandalös ist die Tarifkündigung ange- sichts der Tatsache, daß zur Zeit nur etwa sieben Prozent der Arbeiter und Arbeiterinnen der Schokoladenindustrie voll b c- s ch ä f t i g t sind, der Rest verkürzt, teilweise nur noch drei Tage in der Woche arbeitet. Man muß an die„Wirtschaftsführer" der Schokoladenindustrie die Frage richten, ob denn die Kaufkraft der Konsumenten auf Null sinken muß, um den Absatz zu heben? Lim die 4V-S- Uftr, taflen die ffituppon; Xiptnid: Zugeiidheun®riln»uft Eiraßc ü(Slühc Bahn hos Spindler-seld). Heimdeforechuna und Lieder. abend.— Sesuaddruni-.r»: Znqcndheiin Bolr Erhulr, Golenburzer Etraßr 2. Hebnbr'lprechung.— Schönhauser T»«: Zuarndheim Tieckstr. 18 (Zeuarioehrhäus). Bon der Horde umr Äopitalismus.— TenHxlhof: Grupven- hewi, Lnzenm Serwoniastr. 4—«. Der Zugana zum Iagcnj>heim erfolg! durch den Eingang auf der hiniercn Seite dcr Schule, Döhstrage. Heimbesprechung uird Fahrtenklatsch.— Südosten: Reichenbcrger. Str. 66(Feuerroehrhouss. Heimabend. Wir singen itampfliedei.— Moabit: Jugendheim Lehrter Str. 18/19. Hcimbcsprechung. Lustiger Abend.— Staaken: Jugendheim der 17. Bolks- schule.(Gartenstadt, Nirchplasi(Endhaltestelle Autobus S1). H-imbesprechung. Anschließend Schallplalten.— Reu-Lichtcnberg: Jugendheim Sunterstr. 44. Wir lesen tlriegsbegebcnheiten.— Landsberger Plag: Gruppe nheim Diesteimcxr. straße Z. Heimbesprechung.— Lichtenberg: Jugendheim Haufsstraße, au der Lessingstraße. Einführung in die Bollswirifchaft. Iugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Hrulc sind folgende Beransialtungen: P-ntoro.Rieberschönhausen: Zu- gendheim Görschstr. 14(großes g immer). Leseabend. Ergänzung zu dem Nescrai:..Krieg dem Kriege-.— Osten: Zugentheim der Schul« Litauer Str. 18. Gruppenbesprechung.— Treptow: Jugendheim der Schul« Mildeiitriichslr. 33 /Zugang von der Graehstraße in Treptow). Sruppenbesprechung— Schönebel«: Wir besuchen die Vcrsammiung de» Wcrbebezirks Schöncbeig.— Die Freie »ngestellten.Banl e. G. m. b. K. tagt von 20 bis 22 Uhr im Berbond-chaus.— Spiela im Freie» ab 19 Ubr Sportplatz Irmqfernheide, Spartpia t, Sinnbvldl■ Hain und NN Schillerpart und ab 18 Uhr Sportplatz Tiergarten.— Meldet euch für die Volksbühnenaoicrwng silr im arbeitende tzirgeird im Juaendsekretariat. Gewerkschaften als Wirtschafisführer. Starkes Bekenntnis des Gewerkfchastskongresies für die öffentliche Wirtschaft. F. E. Frankfurt a. M., 2. September.(Eigenbericht.) Auch am dritten Tage des Gewerkschaftskongresses saß das kapitalistische Wirtschaftssystem auf der Anklagebank. Dem Theo- retiker Lederer folgte der Praktiker Brauer als Ankläger, der den Gegensatz zwischen der öffentlichen Wirtschaft und dem Interessenten- Haufen aufzeigte. Die Gemeindewirtschast muß sich mit oller Macht dagegen wehren, daß sie durch Eingriffe in die Selbswerwaltung, durch fortgesetzte Abschiebung der Arbeitslosen in die Wohlfohrts- sürsorge bei gleichzeitiger Sperrung langfristiger Kredite zum Weiß- bluten gebracht wird. Kann auch heute noch nicht die Rede sein von sozialistischer Wirtschast in den Staats- und Gemeindebctrieben, so wird doch künftig mehr als bisher di« Rede davon sein müssen. Am Schlüsse seines glänzenden, mit außerordentlichem Beifall auf- genommenen Referates sagte Genosse Brauer: Die Umwandlung ist kein fernes Zukunstsziel mehr, sondern ein sich täglich vollziehender Prozeß. Aus der schweren Krise ergibt sich der Schluß, daß sie die qualvollen Wehen einer neuen Zeit darstellt. In der Aussprache begrüßte Polenske-Berlin vom Gesamtverband, daß Brauer in dieser fast trostlosen Zeit doch einige Lichtblick« geben konnte. Die Lust und Liebe der Gemeindearbeiter zu ihrer Arbeit werde durch Not- Verordnungen gegen sie allerdings nicht erhöht. Genosse Scheffel, der Vorsitzende des Einheitsverbandes der Eisenbahner, unterzog die Reichsbahngesellschaft einer gründlichen Betrachtung. Dieser größte öffentliche Betrieb ist heute unabhängig von Reich und Regierung und dem Einfluß des Parlamentes entzogen. Anstatt der Prioati- slcrung völlig ausgeliefert zu werden, müsse die Reichsbahn von den Einflüssen der großkapitalistischen Jnteressentenhaufen befreit werden. In der Nachmittagssitzung kam der Berliner Stadtverordneten- Vorsteher, Genosse Haß, zum Wort, der die gründlichen Aus- sührungen Brauers temperamentvoll unterstützt«. Der Gewerk- ichastskongreß sei durchaus legitimiert, sich mit der öffentlichen Wirt- schaft zu befassen, denn der Kampf gegen sie richtet sich zugleich gegen die organisierte Arbeiterschaft. Erst seit wenigen Iahren hat die Arbeiterschaft Gelegenheit zur Mitarbeit in entscheidenden Positionen. Ist auch nicht alles geglückt, haben auch Personen ver- sagt, die Sache ist vorwärtsgegangen. Bernhard, der Bor- � sitzende des Baugewerksbundes, erwartet nach dem Vortrag Brauers, daß der Mut der öffentlichen Wirtschaft zur Weiterführung ihrer Betriebe gestärkt wird. Sie könne wegbahnend und durch chrc Aufträge ausgleichend wirken. Die Gemeinden kranken heute an den Sünden der Privatunternehmer, denen sie seit Jahrzehnten, besonders im Wohnungsbau, ausgeliefert wurden. In seinem Schlußwort konnte Genosie Brauer di« Zustimmung mit seinen Ausführungen feststellen. Auf alle Anregungen in der Diskussion ging er näher ein und kam zu dem Schluß, daß die sozialen und kulturellen Errungenschaften erholten werden müssen, trotz mancher Rotmaßnahmen für die nächsten sechs Monate. - Für die 4O-(K>t> bis 400 000 Wohnungen notwendig. In diesem Jahre hätten 215 000 Wohnungen geschaffen werden müssen. Ohne öffentliche Mittel können für die Arbeiter keine Wohnungen mit trogboren Mieten geschaffen werden. Die Gemeinden müssen dazu übergehen, ihre Bauarbeiten in eigener Regie durchzuführen. Die Bodenvorratswirtschaft der Gemeinden muß ebenfalls unter allen Umständen weitergeführt werden, denn auch sie ist notwendig, wenn billige Wohnungen geschaffen werden sollen. Kwaßnik(Landarbeiterverband) schildert die Bedeutung der öffentlichen Betriebe in der Land- und Forstwirtschast. Heute seien die Forstarbeiter lange nicht mehr so der Willkür der Forstbeamten ausgeliefert wie früher. Das sei lediglich eine Folge des Einflusses der Arbeiterschaft auf die öffentlichen Betriebe. Auch in der Land- Wirtschaft ist durch die öffentliche Wirtschast mancher Fortschritt an- gebahnt worden. Oeffentlich-landwirtschafiliche Betriebe könnten Oasen sein in der Wüste reaktionärer Agrarbezirke. Priehel(Musikerverband) fordert, daß nicht jetzt unter dem Druck der Verhältnisse die Kulturarbeit der Gemeinden gedrosselt werde. Die Anzeichen mehrten sich, daß öffentliche Theater- betriebe wieder in Privatbetriebe umgewandelt werden. Komme es dazu, dann find sie dem Einfluß der Arbeiterschaft entzogen, auch soweit der Spielplan in Frage kommt. Das ist durchaus keine Nebensächlichkeit, denn wenn man sparen will, dann soll man nicht Geld für Riefengogen von Prominenten wegwerfen. Brauer ging in seinem Schlußwort auf die verschiedenen in der Aussprache gemachten Anregungen ein. Das Sanierungs- Programm des Deutschen Städtetages, an dem ich entscheidend mit- gewirkt habe, ist k e i n wi r k l i ch e s P r o g r a m m. Es ist eine reine Notmaßnahme. wir müssen unter allen Umständen den Arbeitslosenschuh aus- rechterholten und wir müssen die Werke der Gemeinden vor der Gefahr der Verschleuderung schützen. Wenn die Notmaßnahme des Städtetages unser Programm wä:e, dann müßten wir alle unsere politischen und wirtschaftlichen Gedanken einstampfen. Der Ruf der Spießer: Wir haben nicht gebaut, wir haben auch keine Schulden gemacht!, imponiert mir gar nicht. Was die Gemeinden in der Nachkriegszeit unter dem Einfluß der Arbeiterschaft geschaffen haben, war notwendig wie das liebe Brot. Es tut mir in der Seele weh, wenn ich sehe, wie heute so mancher Arbeiter entlassen wird, weil sein Meister keine Arbeitsaufträtze mehr von den Gemeinden erhält. Ilm die Meister und Handwerker aber, die jahrelang trotz der Arbeitsausträce auf uns herumgehackt haben, tut es mir nicht leid, wenn sie jetzt zu uns kommen und nach Arbeit Ausschau halten.(Sehr richtig!) Was wir jetzt unter dem Druck der Not tun, hat mit Sparsamkeit wahr- haftig nichts zu tun. Im Gegenteil: wenn wir die Straßen versallen lofsen, dann sparen wir nicht, wir vergeuden öffentliche Wittel. Der Vorschlag, die Arbeitslosenunterstützung für die Beschäfti- gung von Arbeitskräften zu verwenden, ist nicht neu uno nicht richtig. Mit den Unterstützungsgeldern kann man mehr Menschen über Wasser halten als Arbeiter beschäftigen. Die Theaterbetriebe der Gemeinden müssen selbstvei ständlich soweit wie möglich aufrecht- erhalten werden. Ein demokratischer und sozialer Volksstaat ist ohne Selbstverwaltung undenkbar. Einstimmig für öffeniliche Wirischafi: „Die gegenwärtige Wirtschaftskrise ist neben den Auswirkungen des Weltkrieges auf das Versagen des herrschenden kapitalistffchen Wirtschaftssystems zurückzuführen. Eine der Voraussetzungen zur Aeberwindung der Krise ist die verstärkte Einflußnahme der össentlichen Hand aus die Gesamt. Wirtschaft und ihre Funktionen. Die wirtschaftliche Betätigung der öffentlichen Körperschaften ent- spricht ihrem geschichtlichen Aufgabenkreis. Ein wesentliches Charok- teriftikum der Entwicklung der letzten Jahrzehnte ist die Verschiebung des wirtschaftlichen Schwergewichts von der privaten in die öffent- liche Sphäre. Die Forderung der Privatwirtschaft nach Beseitigung oder Ein- schränkung der öffentlichen Wirtschaft widerspricht allen Erfahrun- gen der letzten Jahre, die eindeutig das Dogma widerlegt haben, daß Privatbetriebe an sich gut, öffentliche Betriebe an sich schlecht seien. Immer häufiger haben gerade Privatbetriebe die Hilfe der öffentlichen Hand in Anspruch genom- m e n und damit das Risiko auf den Staat abgewälzt. Die»nge- heuren Fehlinvestitionen in der Privatwirtschaft haben die Behaup- tung von der Verschwendungswirtschaft der öffentlichen Hand als Legende klar erkennen lassen. Der Niedergang der deutschen Gesamtwirtschaft ist wesentlich dadurch mit bedingt, daß die öffentliche Wirtschaft durch systematische Sreditdrosselung zu einer starken Einschränkung der öffentlichen Arbeiten gezwungen wurde. Neue Erschütterungen der gesamten Wirtschaft wären unausbleiblich, wenn die öffentlichen Betriebe wieder der Privatwirtschaft überant- wartet würden. Angesichts der wachsenden Not der Bevölkerung er- fordert das Gemeinwohl die Erhaltung der öffenllichen Unter- nehmungen und ihren gemeinwirtschaftlichen Ausbau. Vornehmstes Wirtschastsziel der öffentlichen Unternehmungen kann nicht P r o f i t w i l l e sein, sondern Dien st wille an der Gesamt- h e i t. Diese soziale und wirtschaftliche Zielsetzung muß auch in der Stellung zum Ausdruck kommen, die die öffentlichen Betriebe ihren Arbeitnehmern gewähren. Abzulehnen sind alle direkten und indirekten Maßnohmen, die die wirtschaftliche Bewegungsfreiheit der öffentlichen Körper- schaften einengen. Aufgabe der staatlichen Wirtschaftspolitik muß es vielmehr sein, die öffentliche Hand und ihre Wirtschaftskräfte in stärkstem Maße für eine Milderung der Arbeitslosigkeit einzusetzen. Zu fordern ist eine Erweiterung der Beteiligung der öffentlichen Hand auf allen Gebieten, die sich für eine zentrale Planung eignen und dauernden volkswirtschaftlichen Wert besitzen. Zur Pro- duktionsanregung in diesem Sinne eignen sich vor allem die öffent- liche Energiewirtschaft, das Verkehrswesen und die Wohnungswirt- schaft. Voraussetzung dafür ist die planmäßige Zusammenfassung der össenllichen llntcr- nehmungen von Reich, Ländern und Gemeinden aus den einzelnen Wirtschaftsgebieten. Die öffentlichen Sparkassen und Bankunternehmungen müssen dabei stärker als bisher in den Dienst der Wirtschaftsausgaben der öffentlichen Körperschaften gestellt werden. Der Kongreß erblickt in der Verstärkung der Einflußnahme der öffentlichen Hand auf die einzelnen Wirtschaftszweige die Möglich- keit gemeinwirtschaftlichen Handelns schon in dem kapitalistischen Wirtschaftssystem und den geeigneten Weg für die Umwand- f u n g der kapitalistischen Prosilwirtschast in eine planmäßige Be- darfsdeckunoswirtschoft." Ebenso einstimmig wurde eine Entschließung oes Bau- gewerksbundes angenommen, in der die von Bernhard in der Aussprache vorgetragenen Gedanken und Anregungen zusammen- gefaßt und Staat und Kommunen mit schärfstem Nachdruck an ihr« Pflicht zur Belebung des Baumarktes erinnert werden. Die Referate Lederers und Brauers werden nach einem weite- ren Beschluß des Kongresses in einer Massenauflage den breitesten Volksmassen zugänglich gemacht. (Gewerkschaftliches siehe 1. Beilage.) Verantwortlich für Volitil: Viktor Schilt: Wirtschaft: S.«linaelboser: Eewerkschaltobeweflnnfl: b Steiner: Feuilleton: Dr. Zolin Schikowoki: Lokales und Sonftiaes: gri» itarftädt: Äniciaen: Zd. Sloilc: samtlich in Scrlin. Verla«: VorwärtS'Berlaa E. m. b. K., Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerei und Vcrlaasanstalt Paul Cinaer u. To.. Berlin CW SS. Lindenstroiie Z. Sier,» Z Beilage». Dentsto Metaliarbeiter-VeM j VerwallDB�Mlelle Berlin Todesanzeigen Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Bohrer KstI Voigt geb. 22. Dezember 1871, am 30. September gestorben ist Die Beerdigung findet am Donnerstag. dem 3. September. IS Uhr. aut dem Friedenskirchhof in Nordend statt. Am l. September starb unser Kollege, der Dreher Max Fritzsche geb. 26. März 1880 Die Einäscherung findet am Sonnabend, dem 5. September. 16 Uhr, im Krematorium Berlin, Serichtstr., statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Am 26. August starb unser Kollege, der Ardelter A.ugiist Zühlke Die Einäscherung hat bereits statt- gesunden. Ehre ihrem Andenken: Die Oriircrwalinng. Danksagung Für die un? beim k>inscheide» meines lieben Mannes, Vaters und Droßnaters Ulbert Flatsu erwiesene Teilnahme sprechen wir un!ereu herzlichsten Dank aus. Ins- besondere dan>en wir den Senossen der 128 Abteilung, den Kollegen des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes, de» Mielern des Hause», dem Bundes- vorstand des Ardeitcr-Nadiobundes sowie allen seuen, die durch eine falsche Zeilveröffrntlichung verhindert waren, den Bcl.eßuugsseicrlichteilcn beizuwohnen. Mathilde Flaian und Kinder. Nur das Beste ist gut genug für meine Kundschaft Trotz steigender Lasten sowie ZuckerpreiserbOhung keine Preiserhöhung, kein Lohnabbau bei meinen Angestellten u. Arbeitern. Man achte auf die Plakate in meinen Fenstern. U rschnittener echter Tarragona. Liter Malaga..... „ Qrlechenweln„ „ Insel Samos„ Ungarwein Prima echter Deuro-Portweln....... 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