BERLIN Voimerstag Z.September 1931 10 Pf. Nr. 412 B 206 48. Lahrgang Erscheinttäglich außer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Beiugspreis beide Ausgaben SS Pf. pro Woche. S.SvM. pro Monat. Redaktion und Expedition: BerlinSWss.Lindenstr.s Fernsprecher: Dönhoff CA 7) 292—297 Anzetgenprei«: Die einspaltige Nonpareillezeile So Pf.. Reklameteilt S M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: VvrwartS-Verlag G. m. b. H.. Berlin Nr. S? SZS.— Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Ameiaen«ort Explosion in Treptow Schweres Llnglück bei der AEG.- Oachsiuhl in die Lust gesprengt Siebzehn Arbeiter schwer verletzt Di« Apparatefabrrk der AEG. in der Hoffmann- strafte 13—23 in Treptow wurde heute mittag von einer schweren Explosionskatastrophe heimgesucht. Gegen'?L12 Uhr flog unter donnerndem Getöse ein Sauerstoff» oder Azetylenbehälter in der Schweifterei. die ihre Räume im 3. Stockwerk hat. in die Luft. Das Dach wurde in einer Länge von etwa 4v bis 30 Meter völlig abgedeckt. Durch die Explosion wurden 17 in dem Unglücksraum beschäftigte Arbeiter zum Teil lebensgefährlich verletzt. In der Hoffmannstraße in Treptow befinden sich auf freiem Gelände die langgestreckten fünfstöckigen Fabrikationsräume der AEG. Im linken Flügel, der mit seiner Front nach den umfang- reichen Werkstätten der BVG. liegt, ist in der fünften Etage die Schweißerei und Klempnerei untergebracht. Um%12 Uhr waren mehrere Arbeiter mit dem Anschließen einer Sauerstoff- oder Azetylenflasche beschäftigt. Plötzlich erfolgte unter heftiger Detonation eine gewaltige Explosion. Der Behälter barst auseinander und eine riesige Stich- flamme durchschoß den etwa 30 Meter langen Arbeitsraum, in dem 30 Personen beschäftigt waren. Durch den L u s t d r u ck wurde das Doch in feiner Gesamtlänge über dem Explosionsherd völlig abgedeckt. Die Explosion erschütterte das ganze Gebäude in seinen Grundsesten. Die Alarmglocke durchtönte bereits Sekunden nach dem Unglück die Fabrik und eine Maffenflucht der Belegschaft setzte«in. Alles stürzte entsetzt ins Freie. Schon wenige Minuten nach dem furchtbaren Explosionsunglück rückte die Feuerwehr auf den Alarm„Explosion— Menschenleben in Gefahr' mit einem großen Aufgebot von Fahrzeugen an. Sie tonnte jedoch bald wieder abrücken, da ein Brand nicht ent- standen war. Meterhohe Flammen, die aus den Dachsparren schlugen, kenn- zeichneten die Stätte der Verwüstung. Unter der Gefahr neuer Explosionen drang die R e t t u n g s m a n n s ch a f t, die sich aus der Belegschaft der Fabrik zusammensetzt, gegen den Unglücksherd vor. Bier Arbeiter lagen mit schweren Brandverletzungen und Knochen- brllchen bewußtlos am Boden. Sie wurden sofort ins Freie ge- fchasft und mit Rettungswagen des Werkes in das Urban- und in das Krankenhaus Am Friedrichshain gebracht. Dreizehn weitere Verletzte, die sich selbst hatten in Sicherheit bringen können, wurden nach der Unfallstelle Südost, Mariannenufer 2, transportiett, wo ihnen erste Hilfe zuteil wurde. Die Namen der Versetzten. Die Namen der verunglückten Arbeiter sind: Willi M a a ß, Max K r u s ch i n s k i. Paul Münzberg. E. Hart ig, Fritz K e m p e, Otto Kretschmar, Kurt Gaericke, Erwin Becker. Heinz Rolosf. Kurt Jost, F. G o w i n und R. Harnisch. Ein Dild größter Verwüstung. Die Unglücksstätte bietet ein Bild größter Verwüstung. Im fünften Stockwerk ist nicht eine Mauer heil geblieben. Rabitz- wände sind einfach weggeblasen, starke Steinmauern haben gleich- falls dem ungeheuren Druck der Explosion nicht standgehalten. Nach der Spreeseit« klafft ein viele Quadratmeter großes L o ch im Mauer- werk. Di« Spuren der Explosion erstrecken sich bis zum zweiten Stockwerk, wo zahlreiche Fenster zertrümmert und das Mauerwerk zerstört ist. Das Dach des Gebäudes stürzt« auf das etwa 50 Meter entfernt liegende Versandlager nieder und brachte einen Teil de« Schuppens zum Einsturz. Glücklicherweise befand sich niemand im Lager. Schwarzer Tag an der Börse Schwere Kursverluste auf allen Gebieten Nach siebenwöchentlicher Pause ist die Berliner Börse heute mitlag wieder erössnet worden. Aeußerlich zeigte sich das in der Burgstraße, der Neuen Zriedrichstraße und im Großen wolfsgang durch die zahllos parkenden Autos, die die Bankdirektoren und Bankier» zur Börse führten. Die Stimmung war außerordentlich nervös. Um die Nischen der Deutschen Bank, der Reichsbank und der D a n a t- dank bildete« sich Gruppen diskutierender Bankicci, um die Lage noch einmal zu besprechen. Zahlreiche prominente Zinanzgewaltigc, die nur selten die Börse besuchen, haben sich heule eingefunden. Denn trotz aller Vorsichtsmaßnahmen hat sich heule morgen vorbör»- lich erwiesen« daß die Verkaufsorders die Käufe fast auf allen Märkten überwiegen. Die schrillen Glocken rissen 12.15 die plaudernden Gruppen aus- einander. Die Makler traten in Aktion. Die Tafeln wurden mit --- Zeichen bedeckt, was bedeulel, daß die Tendenz scharf nach unten tendiett. Da» typische Gesicht von schwarzen Tagen an der Börse. ch Die Besürchtungen, daß es heute am Börsenerössnungstage zu ganz gewaltigem Angebot von Wertpapiermaterial kommen würde, hat sich in vollem Umfange bestätigt. Auf allen Gebieten waren die Kurse gegenüber dem letzten Börsentag vom 11. Zuli stark gedrückt, verschiedene sührende werke, u. a. Rheinisch- Westsälische Elektrizitätswerke und Gessürel wurden wegen zu großen Angebotes nicht notiert. Auch bei einer großen Anzahl anderer Papiere war das Angebot derart drängend, daß die Ab- nähme auf 10 Proz. beschränkt werden mußte. Im einzelnen wurden Deutsche Bank mit 75 gegen 100,5 Proz.(am 11. Juli), JG.-Farben mit 93 gegen 122 Proz., Siemens mit 103 gegen 110 Proz., Kaliwerke Salzdetfurth mit 135 gegen 177 Proz. und Polyphon mit 80 gegen 108HL Proz. gehandelt. Auffällig waren die verschiedenen Kursrückgänge bei den beiden in der Krise zusammengebrochenen Großbanken, der Dresdner Dank und der Danatbank. Während der Kurs der Dresdner Bank von 101 bis auf 47 Proz. fiel, hielt sich die Danatbank aus 70 Proz. gegen 10114 Proz. Der Grund für diese überraschende Festigkeit des Danatkurses liegt darin, daß in den Danataktien in der Zeit vor dem Zusammenbruch große Leerverkäufe erfolgt sind, die jetzt von den Baissespekulanten gedeckt werden müssen. Auch auf dem Rentenmarkt waren schwere Kurseinbrllche zu verzeichnen. Die achtprozentigen Pfandbriefe wurden im Durch- schnitt mit 82—84 Proz. gegen rund 100 Proz. am 11. Juli an- geboten. England-Anleihe in Frankreich. Am ersten Tage voll gezeichnet. P a r i s, Z. September.(Eigenbericht.) Der für das Publikum bestimmte Teil der kürzlich von den französischen Banken der englischen Regierung gewährte« Anleihe (2,5 Milliarden Franken) ist am Mittwoch fast voll gezeichnet worden. Die Nückzugserklärungen. Schober und Curtius verzichten auf Zollunion. Genf, 3. September. Der Europaausschuß(Studienausschuß für die Europaunion) ist heute vormittag unter dem Vorsitz des auf französischen Vorschlag gewählten schweizerischen Bundesrats Motta zu seiner vierten Tagung zusammengetreten. Außer England und Frankreich, die durch Lord Robert Cecil bzw. Franyois-Poncet vertreten sind, haben die meisten europäischen Staaten wie bisher ihre Außenminister entsandt. Von den europäischen NichtMitgliedern des Völkerbundes sind wie zu der letzten Tagung Sowjetrußland und die Türkei er- schienen. Außerdem sind Beobachter Japans und Chinas anwesend. In öffentlicher Sitzung gab der österreichische Außenminister Schober eine Erklärung über die Zollunion ab, in der er keine ver- traglichen Bestimmungen erwähnte, und zwar weder den Vertrag von St. Germain noch das Genfer Protokoll von 1922. Schober ertlätte unter Betonung der U eb e r e i nstimm u ng mit der deutschen Regierung, daß die beiden Regierungen beschlossen hätten, den Zollunionsplan nicht weiter zu verfolgen, insbesondere da dem Europäischen Ausschuß bereits Pläne allgemeiner europäischer Zollunionen und Markterweiterungen vorlägen. Dr. Schober machte dann den Vorschlag, einen Unteraus- schuh der Europa-Kommisiion einzusetzen, in dem die wesentlichen Elemente europäischer Zollunionen ausgearbeitet werden sollen. Ferner betonte Schober in seiner Rede, er habe mit Genugtuung feststellen können, daß die vorbereitenden Arbeiten des europäischen Studienkomitees die Ueberzeugung gebracht haben, daß der Ge- danke der Zollunion geeignet sei, der gegenwärtigen europäischen Wirtschaftskrise abzuhelfen und daß serner bei der Behandlung des deutsch-österreichischen Zollunionsplanes die beteiligten Regierun- gen stets vom Gesichtspunkt des allgemeinen europäischen Interesses ausgingen. Die deutsche und die österreichische Regierung könnten daher mit Vertrauen die Weiterverfolgung dieser Pläne in die Hand der Europa-Kommission zurücklegen. Oesterreich könne deshalb in voller Uebereinstiinmung mit der deutschen Regierung erklären, daß es unter den veränderten wirt- schaftlichen Umständen die Zollunion mit Deutschland nickst weiter verfolgen werde. Curtius' Erklärung. Nach Schober nahm der deutsche Außenminister Dr. CurtiuS im Rahmen einer größeren, die gegenwärtigen Aufgaben der Europatommission behandelnden Rede zur Frage der deutsch- österreichischen Zollunion Stellung. Die Stellen seiner Rede, die auf die Zollunion Bezug nahmen, und die ebenfalls einen Verzicht auf das Projekt aussprechen, lauteten wie folgt: Der Gedanke der absoluten Notwendigkeit eines engeren wirt- schaftlichen Zusammenschlusses der europäischen Länder hat in der letzten Zeit große Fortschritte gemacht. Die Sachverständigen haben sich von der Welle dieser Erkenntnisse tragen lassen. Ich hoff«, daß diese Welle stark genug sein wird, auch die Regierungen über alle Hemmungen und Bedenken hinweg dem vorgezeichneten Ziel ent- gegenzutragen. Die Empfehlung des Wirtschaftsausschusses berühren sich eng mit dem Gedanken, aus denen vor einigen Monaten der ihnen allen bekannte Plan der deutschen und der österreichischen Regierung hervorging.» Mir liegt deshalb daran, einige Bemerkungen dazu zu machen, Bemerkungen, die unabhängig von dem in den nächsten Tagen zu erwartenden Gutachten des Ständigen internationalen Gerichts- Hofes im Haag sind, das sich auf die rechtliche Seite der Angelegen- heit bezieht. Die Absicht der deutschen und der österreichischen Regie- rung bei dem Projekt einer Zollunion zwischen ihren Ländern ist von vornherein dahin gegangen, daß dieser Plan der Ausgangspunkt für weitergehende Mrtschoftsoerträge sein sollte, an denen eine möglichst große Anzahl europäischer Mächte teilzunehmen hätte. Seitdem haben sich die Ereignisse überstürzt, so daß sich die ursprüngliche Sachlage völlig verändert Hot. Wir stehen jetzt hier in der europäischen Studien-Kommisfion Nicht Kürsorge— mehr Recht! VoriragAörpels auf dem Gewerkfchastskongreß über denAusbau des Arbeitsrechis nor Plänen von allgemeinerem Charakter. Wir wollen an der Verwirklichung dieser Pläne aktiv mit allen Kräften mitarbeiten. In Erwartung eines fruchtbaren Ergebnisses der Arbeiten der europäischen Studien-Kommifsion hat die deutsche Regierung im Einvernehmen mit der österreichischen Regierung nicht die Absicht, das ursprünglich ins Aug« gefaßte Projekt weilerzuverfolgen." Dr. Curtius erklärte sodann zum Schluß, das erzielt« Ergebnis der Arbeiten der Europa-Kommission erfechine. gemessen an den Dimensionen der furchtbar drängenden Not unserer Zeit, gering. Oemeniis vom Tage. Von den verschiedenen„zuständigen Stellen" werden die Meldungen, daß die Rodis-König Matschappij«ine Garantie oder Zuschuß vom Reiche erhalten hätte oder erhalten werde, daß der Reichsarbeitsminister irgendeinen Zuschuß oder eine Garantie der Devaheim-Gesellschaft versprochen hätte und daß die Besprechung des Reichskanzlers mit den Reichswehrgene- rälen von Hammerstein und Schleicher in Wildbad nicht nur ein Höflichkeitsbesuch gewesen sei, sondern auch politische Dinge betroffen hätten, als vollkommen falsch erklärt. Oer Wirrwarr in Braunschweig. Streit um das Mnisterpöstchen. Draunschweig, 3. September.(Eigenbericht.) Der einzige Iungdo-Mann des Braunschweigischen Land- tages, der„volksnationale" Abgeordnet« Schräder- Holzminden, hat der Oeffentlichkcit eine Erklärung übergeben, nach der er sich gegen einen nationalsozialistischen Mini st er wendet. Schräder war bisher das Zünglein an der Waage im Land- tag. Nur durch feine Stimm« konnte sich überhaupt die Regierung Küchenthol-Franzen halten. Wenn Schräder und der frühere Nazi- abgeordnete Groh jetzt einen Nationalsozialisten nicht wählen, so ' bringen die bisherigen Regierungsparteien nur 19 von 4 0 Stimmen auf. In den Regierungsparteien herrscht noch völliges Durcheinander, da die Nationalsozialisten auch keinen Voltsparteiler wählen oder stützen würden. Eine' Große Koalition(von der Sozialdemokratie bis zur Voltspartei), die zahlenmäßig die Mehrheit haben würde, ist gegenwärtig unmöglich, schon weil der Marxistenhaß in der Volkspartei des Landes Braun- schweig eine nüchtere Verständigung verhindert. Oie abgebaute Diktatur. Wieder Parlament in Südslavien/ Wahlen erst im Frühjahr Belgrad, 3. September. Durch«in heute nacht vom König unterzeichnetes Dekret wird der angekündigte Uebergang von dem System der Diktatur zu ver- fassungsmäßigen und demokratischen Einrichtungen in Süldslawien vollzogen. Die neue südslawische ZAerfassung wird aus demo- kratischer Grundlag« aufgebaut sein. Sie garantiert alle bürgerlichen Rechte und Freiheiten, die Pressefreiheit, die Achtung der Bürger vor dem Gesetz, die Gleichheit aller anerkannten Konsessionen, Un- abhängigkeit der Richter, Unantastbarteit des Eigentums, das Brief- geheimnis usw. Das neue Parlament wird aus zwei Häu- fern, dem Senat und der Kammer, bestehen. Dem Senat, dessen ein« Hälfte der Mitglieder auf sechs Jahre gewählt, während die andere Hälfte vom König ernannt wird, können nur südslawische Staatsbürger angehören, die das 49. Lebensjahr erreicht haben. Die Mitglieder des Abgeordnetenhauses müssen 39 Jahre alt sein. Das Abgeordnetenhaus wird auf 4 Jahre gewählt, und zwar noch dem ollgemeinen gleichen und direktem Wahlrecht. Das Parlament besitzt das Recht und die Initiative für neue Gesetze. Der Name des Königreiches bleibt auch weiterhin Königreich Südslawien. Die Staatssprache wird serbisch, kroatisch und slowenisch sein. Die Banate, deren Zahl auf 9 festgesetzt wird, und die Städte erhalten «ine weitgehende Selbstverwaltung. Die Bant(Präfidenten der Banate) werden vom König aus Vorschlag des Ministerpräsidenten ernannt werden. Die Uebergangsgesetze sollen im Laufe der nächsten Tage er- scheinen, ebenso das neue Wahlgesetz. Alle bestehenden Gesetz« bleiben weiter so lange in Kraft, bis sie auf legislativem Wege ab- geändert werden. Infolg« dieser Bestimmungen können die Kom- m u n i st e n bei den Wahlen nicht kandidieren, da sie das Gesetz zum Schutze des Staates von der Ausübung der politischen Rechte ausschließt. Die Neuwahlen dürften erst im nächsten Frühjahr statt- finden. Ein Ausruf des Königs„An das Volt" ist um zwei Uhr morgens in den Straßen der Hauptstadt angeschlagen worden. Es ist darin die„Verleihung einer Verfassung" angekündigt. Hotel vollkommen niedergebrannt. Schwerin. 3. September. In der Nacht zum Donnerstag gegen 4 Uhr kam im Hotel Herold in Boizenburg ein Großfeuer aus. Der Bran> griff mit großer Geschwindigkeit um sich. Das Hotel, ein zwei- stöckiger Fachwertbau, brannte bis auf die Grundmauern nieder. Die Gäste wurden in einem benachbarten Hotel unter- gebracht. Das gesamt« Mobiliar ist vernichtet. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Die Entstehungsursache ist noch unbe- kannt. Verzweiflungstat einer Betrogenen. Nichtswürdigkeit eines entlassenen Sträflings. Den Versuch, sich und ihr 1% Jahre altes Söhnchen Oskar mit Gas zu vergiften, machte die 22 Jahre alte Ehefrau Frieda T., die in d»r Nähe des Weddings wohnt. Hausbewohner nahmen aber den Gasgeruch beizeiten wahr und es gelang Ihnen, die Frau und das Kind zu retten. Frau Frieda'wurde nach dem Virchowtranken- hause gebracht. Der Selbstmordversuch hat eine merkwürdige Borge- schichte. Der Ehemann hätte eine Gefängnisstrafe von vierzehn Tagen zu verbüßen. In der Zwischenzeit erschien bei der ziemlich unerfahrenen Frau ein anderer Sträfling, der entlasse» worden war und erzählte, daß ihr Mann sie schmählich belogen habe. Er müsie nicht nur vierzehn Tage, sondern viel länger„sitzen", habe außerdem noch manches andere auf dem Kerbholz. Die Frau schenkt« den Angaben Glauben, nahm den Lügner zu sich und ließ sich mit ihm ein. Der Ehemann, der nach vierzehn Tagen jedoch pünktlich zurück- kehrte, fand den fremden Mann in der Wohnung. Das Verhalten feiner Frau paßte ihm so wenig, daß er seine Sachen nahm und wegging. Aus Verzweiflung darüber versuchte die Frau, sich mit Gas das Leben zu nehmen. F. E. Frankfurt a. AI., 3. September.(Eigenbericht.) Der Gewerkschaftskongreß neigt sich seinem Ende zu. Das letzte Referat über Entwicklung und Ausbau des Arbeitsrechts erstattet der Bundessekretär Clemens N ö r p e l. Der Rodner versteht es ausgezeichnet, diese spröde Materie lebendig zu gestalten und große Gesichtspunkte zu«nt- wickeln. Er erinnerte an das prägnante Wort Prof. Sinz- h e i m e r s: Einst war der Mensch eine Sache, durch die Rechtsfrei- heit wurde er Person, die neue kollektive Ordnung macht ihn zum Menschen. Die Angriffe gegen das kollektive Arbeits- recht richten sich gegen uns als Menschen. Versuche, die Gewerkschaften den Unternehmerkartellen gleichzustellen und gewissen Bindungen zu unterwerfen, sind entschieden abzulehnen. Die Gewerkschaften bejahen das Arbeitsrecht, die Unternehmer verneinen es. Die for- melle Parität im Arbeitsrecht ist eine Gleichstellung der wenigen Unternehmer mit 29 Millionen Arbeitnehmern. Di« Herbeiführung des reinen Paritätsystems ist ohne Beteiligung der Behörden un- möglich. Daraus ergibt sich die besondere Bedeutung des demokra- tischen Staates für die Arbeiterschaft, die heute noch von vielen Arbeitern verkannt wird. Gute Tarifverträge und gute Betriebsvertretun» gen setzen starke Gewerkschaften voraus, eine einheitliche Geschlossen- heit der Arbeitnehmer im weitesten Sinn«. Heute aber marschieren Millionen der Arbeiter, Angestellten und Beamten noch in drei Heer- Haufen. Der Entwicklung des Arbeitsrechts ist dieser Zustand ab- träglich. Sonderrechte können auch den Angestellten nicht helfen. Das Kündigungsschutzgesetz für ältere Angestellte zum Bei- spiel wird umgangen. Die Scheinrechte der Angestellten sind durchbrochen. Die Angestellten sind zur Kurzarbeit gezwungen worden. Das Ziel muß die Vereinheitlichung der Arbeiterbewegung im weitesten Sinne sein. Nörpel zeigt den grundsätzlichen Unterschied zwischen dem kol- lektiven Arbeitsrecht und der Fürsorg« auf. Wir woll«n.nicht Fürsorg«, wir wollen mehr Recht l In der kapitalisti- schen Wirtschaftsordnung werden alle Verträge eingehalten, nur bei den Arbeitsverträgen glaubt man eine Ausnahm« machen zu können. Im weiteren Verlauf seines Vortrages begründet Genosse Nörpel die Forderungen zum Ausbau des Arbeitsrechts im einzelnen und übt dabei scharfe Kritik an der Rechtsprechung des Reichs- arbeitsgerichts. Dörpels Referat. Die Darlegungen Nörpels bestanden in einer grundsätzlichen Untersuchung der Haltung der Gewerkschaften zu der Entwicklung des Arbeiterrechts. Hier in Frankfurt— so führte Nörpel aus— hat 1899 Carl L e g l e n um die Koalitionsfreiheit gekämpft und D ö b l i n um den T a r i f g e d a n k e n. Heute haben die freien Gewerkschaften die Koalitionsfreiheit. Damals noch im Streit, ob Tarifverträge abgeschlossen werden sollen, heute stehen wir im Kampf um die Erhaltung der Tarifverträge. Gerade heute m der Zeit des Generalangriffs auf unser Arbeitsrecht ist es nötig, daß wir uns gedanklich sammeln, um dem Gegner entschlossen entgegentreten zu können. Was ist denn das Wesen des Kollektivismus? Der Arbeiter ist außerstande, sich ol» einzelner gegenüber dem Arbeitgeber durchzu- setzen. Nur durch Zusammenschluß ist e» dem Arbeiter möglich, besser« Lohn- und Arbeitsbedingungen zu erkämpfen und eine neue Wirtschaftsordnung herbeizuführen. Professor Sinzheimer, der heute unser Gast ist, hat das Wesen des Kollektivismus durch eins klassisch klare Formel verdeutlicht: Einst war der Mensch, der nicht frei war. eine Sache: die Rechtsgleichheit macht ihn erst zur Person und die von den Arbeitern erstrebte neue Ordnung macht ihn zum Menschen. Die Angriffe gegen das kollektive Arbeitsrecht sind ein Angriff gegen unser Menschenrecht. Träger des kollektiven Arbeitsrechts sind die G e w e r k« s ch a f t e n. Neuerdings will man die Gewerkschaften und die Unternehmerkartelle gleichstellen und Bindungen, die für die Unter- nehmerkartelle durchaus notwendig find und von den Gewerkschaften gefordert werden, auch letzteren auferlegen. Eine Gleichstellung ist jedoch objektiv ausgeschlossen. Die Unternehmerkartelle wollen den Markt beherrschen, und zwar allein im Interesie des Profits der dem Kartell angehörenden einzelnen Unternehmer, die sich außerdem untereinander bekämpfen. Die Hauptaufgabe der Gewerkschaften dagegen ist die Gestaltung der Lebens- bedingungen von rund 29 Millionen Arbeitern. Von einem Profitstreben kann hier keine Rede sein, sondern nur von einem Ziel, dessen Verwirklichung gleicherweise dem Staat und dem Volksganzen dient. Man kann nicht Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände gleichstellen: denn erstere haben das geschilderte positive Ziel, die Arbeit- geberverbänd« aber, wie die geschichtliche Erfahrung beweist, den negativen Zweck, die Verwirklichung dieses Zieles auszu- halten. Die heute herrschende Parität im Arbeitsrecht bedeutet Gleich- stellung der Wirtschaftsmacht mit der Arbeitskraft und damit Gleich- stellung der wenigen Unternehmer mit den Millionen Arbeitern. Diese Parität erzwingt das Eingreifen der Behörden auf allen Ge- bieten. Daher hat der demokrakisch-parlamenkarische Staat eine so große Bedeutung für die Arbeiterklasse, und es ist geradezu tragisch, daß heute soviele Arbeiter das ver- kennen und dadurch die Arbeiterklasse schwer schädigen. Das Arbeitsrecht kann erst wirksam werden, wenn starke Ge- werkschaften da sind. Starke Gewerkschaften— das ist die große Aufgabe der Stunde. Wir haben in Deutschland 1% Millionen Beamte, Shi Millionen Angestellte. 6% Millionen gelernte Arbeitskräfte und 1% Millionen an- und ungelernte Arbeiter. Hier liegt das schwierigste aller Gewerkschaftsproblemc, denn diese 19 Millionen Arbeiter. Angestellte und Beamte zerfallen in drei Heerhausen. Es ergibt sich die Frage: Können wir das Ziel des kollektiven Arbeitsrechts durchsetzen, wenn wir weiter getrennt marschieren? Die Gegner der Arbeiterklasie haben kein größeres Interesse als die Auftechterhaltung dieser Trennung. Sie wollen daher vor allem die Angestellten durch Scheinrechte von der Arbeiterklasse abspalten, Gerode Zehk in der Krise könne« die Angestellken aber erkennen, daß ihre Scheinrechke sie nicht davor schützen, mlt den Arbeikern das gleiche Schicksal zu erleiden. Wenn die Dinge aber so liegen, dann ist es doch auch für die Angs- stelltenfchaft klar, daß das Ziel der Arbeiterbewegung nur in der Vereinheitlichung der Kräfte bestehen kann. Die Arbeiter müssen den übrigen Arbeitnehmern zurufen: Wer nicht mit uns ist, der ist gegen uns. Bahnhof Alex in neuem Glanz Ltmbauarbeiten vollendet— Direkte Verbindung zur V-Bahn Langsam beginnt sich das Durcheinander der vielen ober- und unterirdischen Bauten am Alexanderplatz zu lichten. Jetzt ist auch die Reichsbahndirektion Berlin mit ihren umfangreichen Um- und Neubauten auf dem Bahnhof Alexanderplatz beinahe voll- kommen fertig. Von vier Bauabschnitten sind drei endgültig fertig- gestellt. Morgen werden sie bereits dem Verkehr übergeben werden. Der Reichsbahnarchitekt hat in den Bahnhofsanlagen mit glücklicher Hand gearbeitet. Alles macht, in hellen Farben gehalten, einen sehr freundlichen Eindruck. Es ist erstaunlich, was aus den früheren düsteren Anlagen des Fernbetriebes geschaffen worden ist. Moderne Schalteranlagcn mit modernsten Fahrkartendruckmaschinen gewährleisten für die Zu- kunft eine reibungslose und schnelle Abfertigung der Reisenden. Fünf elektrisch betriebene Expreßgutauszüge vermitteln den Gepäck- und Exprehgutverkehr. Die Wartesäle sind ebenso wie die dazugehörigen Küchen und Wirtschaftsräume wesentlich ver- größert und vollkommen neu eingerichtet. Die Aborte sind mit allen Einrichtungen moderner Hygiene ausgestattet worden. Der Fahrgast, der verschiedene Verkehrsmittel benutzen will. findet jetzt am Bahnhof Alexanderplatz noch eine besonders ange- nehme Verbesserung, nämlich die unmittelbar« Verbin- dung mit der U-Bahn. Aus dem U-Bahnhof Alexanderplatz heraus führt jetzt«ine Treppe unmittelbar in die Stadtbahnschalter- halle. Von da gelangt man über eine Rolltreppe bequem zum Stadtbahnsteig. Leider ist der Umbau der Stadt- und Vorortbahn- schalter noch nicht beendet. Die Schalter sind noch immer in Holz- barocken untergebracht und es wird noch einige Zeit dauern, bis auch dieser Teil de» Bahnhof» wieder seiner Bestimmung über- geben werden kann. Die neuen Anlagen wurden heut« vormittag der Presse gezeigt. Der Pressedezernent der Reichsbahn, Dr. Schultz, wies in seiner Begrüßungsrede darauf hin, daß alle Arbeiten ohne Betriebsunter- brechung vorgenommen werden mußten. Nicht nur innenarchitek- tonisch ist auf dem Bahnhof Alexanderplatz gründlich Wandel ge- schaffen worden, sondern auch zahlreiche Fundamente, Pfeiler, Gewölbe usw. mußten errichtet werden,-da der alte Bau infolg« des sich ständig steigernden Verkehr» und der dadurch herbeigeführten überaus starken Belastung stellenweise Risse und Senkungen auf- wies. Das alles ist jetzt in zwei Jahre langer intensiver Arbeit er- neucrt bzw. umgebaut worden. Der Bahnhof zeigt sich in neuem Glänze und man kann sagen, daß die Reichsbahn gute Arbeit ge- leistet hat. Die Reichsbahnoberbauräte Hane, Bornheimer und 5) ü l f e n k a m p nahmen im Anschluß hieran das Wort zu aus- führlichen Darlegungen über die rein technischen und verkehrstech- nischen umfangreichen Vorbereitungen, die der gewaltige Umbau erforderte. Hierbei wurde auch der Umbau des Bahnhofes I a n n o» w i tz b r ü ck c gestreift, der ebenso wie am Alcxanderplatz im engsten Einvernehmen mit den zuständigen Stellen der Stadt Berlin er- folgt ist. Es ist selbstverständlich, daß die Räume der schweren Wirt- schaftslage entsprechend einfach ausgestattet worden sind. Man hat jeden überflüssigen Luxus vermieden und die imreren Abschluhwände der Hauptverkehrsräume zeigen einfache Klinker. Uebersichtlichkeit, Klarheit und Reinlichkeit sollen der Hauptschmuck des Bahnhofes sein. Zum Schluß sollen noch die modernen Lichtanlagen und elek- irischen Richtungsschilder erwähnt werden. Nach einer darauf- folgenden Besichtigung der fertigen drei Bauabschnitte und der Bau- stelle des noch in Arbeit befindlichen Abschnittes wurden noch einige Filme über den Unfallhilfsdienst und Alarm des Bahnschutzes und ein hübscher Werbefilm gezeigt. Die Million für Arbeiisdienst. Erklärung des Arbeitsministeriums. Zu der Notiz im„Vorwärts" Nr. 498 vom 1. September 1931 „Die Million für Arbeitsdienst", schreibt uns das Reichsarbeit! Ministerium: Der Reichsarbeitsminister hat aus Rcichsmitteln eine Millio Mark zur Verfügung gestellt, um es zu ermöglichen, daß jugeni lichen Arbeitslosen, die im freiwilligen Arbeitsdienst beschäftii werden, ein« Unterstützung auch dann gezahlt werden kann, wenn s nach den gesetzlichen Vorschriften keinen Anspruch auf Arbeitsloser oder Krisenunterstützung haben. Der Betrag kann nur zu dem ai gegebenen Zweck verwendet werden.„Landesleiter" für den fre willigen Arbeitsdienst gibt es nicht. Die Durchführung des fre willigen Arbeitsdienstes obliegt Dienststellen der Reichsanstalt, i erster Linie den Präsidenten der Landesarbeitsämtcr. Sie erhalte für die mit dem freiwilligen Arbeitsdienst zusammenhängend« Arbeiten weder eine besondere Vergütung, noch unterhalten si dafür eigen« Büros. Die Behauptung, die zur Verfügung gestellte Million Mai würde für die Bezahlung von.Landesleitern" verwendet werdet ist also völlig unrichtig. Die Lugend will den Frieden Große Kundgebung der Berliner Sozialistischen Arbeiterjugend Die Kundgebung der Sozialistischen Arbeiterjugend Groh- Berlins in den kammersälen, über die wir heute morgen im„Vor- würts" einen kurzen Borbericht brachten, hat einen lmposanlen B erlauf genommen. Sie war ein Beweis dafür, dah die Sozia» listifche Arbeiterjugend fest und stark im Kampf gegen jede Reaktion steht, mag diese nun das Zeichen des Kremls von Moskau oder des Braunen Hauses von München tragen. Der große Saal war mit roten Fahnen und Transparenten reich geschmückt. Der gemeinsame Gesang des Liedes von der Jungen Garde leitete die Kundgebung ein. Dann folgte das treffliche Streich- orchefter der Arbeiterjugend mit der Festmufik von Caspar Ferdinand Fischer. Der Vorsitzende der Berliner Arbeiterjugend, Gcnosie Erich Schmidt, wies darauf hin, daß diese große Kundgebung gerade am 2. September stattfände, dem Tage, an dem die Reaktion zur Erinnerung an die Schlacht von Sedan einst rauschende Feste ver- anstaltete. Den Rcvanchepredigern stehe die proletarische Front mit dem Rufe gegenüber„Krieg dem Kriege, Freiheit und Wohlfahrt für alle Völker". Wenn die Kommunisten und die Bürgerlichen den Kundgebungen der Arbeiterjugend besondere Aufmerksamkeit zu- wenden, so sei dies der Beweis, daß wir auf dem richtigen Wege find. Wir werden in den Reihen der internationalen Sozialdemo- kratie auf diesem Wege fortschreiten. Herzlich begrüßt nahm dann Lionel Eloin-Eugland, Dozent an der Universität Cambridge, das Wort:„Och bin heute auf einer Kundgebung sozialistischer Jugend, wie ich sie in dieser Größe in England nie erlebt habe. Ich darf Ihnen von den englischen politischen Verhältnissen erzählen. Es bestehen Unter- schiede zwischen unseren beiden Ländern. Wir haben nicht den Faschismus und den Kommunismus in dem Maße bei uns wie Deutschland. Aber wir haben einen gemeinsamen großen Feind, den Kapitalismus. Das hat die gegenwärtige Krifis bewiesen. Die Arbeiterregierung hat für die Arbeiterklasse viel versucht und manches erreicht. Das letzte Kabinett ist zusammengebrochen durch den Kampf, den das internationale Finanzkapital gegen sie führte. Die jetzige„nationale Regie- rung" ist eine Regierung der bürgerlichen Parteien. Nur vier Minister, die sich ihr aus persönlichen Ueberzeugungen anschlosien, verliehen die Reihen der Arbeiterpartei. Wir wollen Wacdonald nicht persönlich angreifen, wir würdigen seine Ueberzeugungen, aber die Arbeiterpartei steht geschlossen und in voller Einigkeit hinter hendersoo gegen diese Regierung.(Stürmischer Beifall.) Bürgerliche Außenpolitik will in England nach dem alten Satze vom Gleich- gewicht der Mächte einen Gegensatz zwischen Frankreich und Deutsch- land. Wir Arbeiter wollen mitFrankreichundDeutsch- land zusammen den Frieden in Europa. Er wäre da, wenn, wie bis vor kurzem in England, auch in Frankreich und Deutschland sozialistische. Regierungen beständen. Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich dient auch der englischen Arbeiterklasse. Deshalb kämpfen wir für den Weltfrieden und den Sieg des Sozialismus."(Anhaltender Beifall.) Nach Elvin spracht mit besonderem Beifall empfangen, Marcel Vrun-Paris: „Der Anblick dieser Riesenversammlung hat mich tief bewegt. Ich weiß jetzt mit Bestimmtheit, daß die sozialistische deutsche Ar- beiterjugend eine Macht ist, mit der die Reaktion rechnen muß. Aber mit Traurigkeit erfüllte mich vieles, was ich über das Los der deutschen Arbeiterklasse in dieser Woche gesehen habe. Die wirt- schaftliche Lage bei Ihnen ist außerordentlich schwer. Aber gerade deshalb wäre es gut. wenn Franzosen und Deutsche sich kennen- lernen, um Not und Sorgen der anderen zu erfasien. Aus dem Kennenlernen kommt die Freundschaft, das habe ich jüngst in Nimes, im sonnigen Südfrankreich, erlebt, als mein deutscher Freund und Genosse Ostrowski uns mit 53 jungen Deutschen besuchte. Vervielfachen wir diese Besuche, verinnerltchen wir das Gefühl des Kontaktes und der Zusammengehörigkeit. Wir Fran- zosen haben Ihnen gegenüber einen Dorteil. wir kennen nicht die hohe Ziffer der Arbeitslosigkeit bei uns, wie Sie in Deutschland und auch England und Amerika sie haben. Wir Sozialisten sind keine Kapitalisten und Kaufleute. unsere Kzerzen sind bei den deutschen Brüdern, die im Elend leben. (Stürmischer Beifall.) Organisatorisch marschiert die deutsche Sozial- demokratie an der Spitze der Internationale. Deshalb will man gerade sie schlagen. Wir Franzosen sehen mit Bewunderung Ihren Kampf gegen die Reaktion. Sie wollen und Sie werden Ihre junge Republik retten und erhalten.(Stürmischer, anhaltender Beifall.) Bleiben Sie der großen Sozialdemokratischen Partei treu, damit einst über die ganze Erde die rote Sonne des Friedens leuchte und das Wort wahr werde:„Nie wieder Krieg I" Als Brun die Worte„Nie wieder Krieg" in deutscher Sprache ausrief, ertönte ein Beifall, der kein Ende nehmen wollte. Ein Teil der Versammlung hatte sich von den Plätzen erhoben, um immer wieder dem französischen Genossen„Freundschaft" und„Nie wieder Krieg" zuzurufen. Brun fuhr in tiefer Bewegung fort:„Ihr Beifell schließt die Verpflichtung für uns alle ein: Fort mit den Militärbudgets! Nie wieder wollen wir kämpfen gegen unsere Freunde, auch wenn die Regierungen sie als Feinde hinstellen. Brüderlichkeit und Frieden zwischen den Völkern!"(Wieder setzte der jubelnde Beifall ein.) Sodann sprach Genosse Surf Löwenstein: „Der Appell zur internationalen Solidarität hat stärksten Wider- hall bei uns gefunden. Marcel Brun sprach im Geist- von Jean Jauräs, dem ersten teuren Opfer des Völkermordens. Genosse Elvin zeigte jenen Geist, der schon im Kriege englische Sozialiften gegen den Krieg protestieren und ins Gefängnis gehen ließ. Erst jetzt wieder Hot unsere englisch- Bruderpartei den starten Kampfgeist bekundet, als sie sich mit solcher Energie und Geschlossenheit loslöste von der Regierungsgewalt. Englands. Frankreichs. Deutschlands Proletarier kennen als höchstes nur eins: Genossen, Genossen und nochmals Genossen zu sein.(Stürmischer Beifall.) Die vorgetäuscht« Vaterlandsliebe der Nationalisten ist eine Sumpf- und Giftpflanze. Wir Sozialdemokraken lieben unser Land von ganzem herzen. Wir rufen:„Unser die Sonne, unser die Erde". Alle Völker mühten in diesem Geiste zusammenstehen, und wenn im nächsten Jalire mitten m Frankreich eine große internationale sozial! st i- sch« Kinderrepublit errichtet wird, dann ist das ein inter- nationaler Baustein. Auch in Deutschland sind die Worte der Bürger- lichen über nationale Regierung und Volksgemeinschaft nichts als ein Versuch, der Arbeiterklasse das Fell über die Ohren zu ziehen.(Stür- mische Zustimmung.) Sorgen wir dafür, daß durch die Umtriebe der Reaktion, durch Stahlhelmdemonstrationen und Panzerkreuzer das politische Vertrauen des Auslandes nicht immer wieder auf harte Proben gestellt wird. Bei unserer tiefst innerlichen Verbundenheit zu unseren deutschösterreichischen Brüdern müssen wir doch sagen, daß die Art, wie die nur vorgemachte Zollunion eingeleitet wurde, grundfalsch war. Wir lehnen die Nationalisten von Curtius bis Hitler ab. Wir haben auch nicht das geringste Vertrauen zu der sogenannten nationalen Selbsthilfe. Nur internationale Zusammenarbeit kann Rettung bringen. Die Bürgerlichen haben für die Jugend Worte des Bedauerns, ober sie lehnen es ab, die Mittel zu bewilligen, damit der Jugend geholfen wird. Stegerwald hat in Frankfurt gesagt, daß der Jugend der Glaube an die Zukunft fehle. Unsere Jugend hat Glauben an die Zukunft, aber sie will nich>t dulden und«tragen, sie will sammeln, kämpfen und die rote Fahne des Sozialismus einst als Siegerin begrüßen. Das Wort unseres Borsitzenden Wels:„Gebt u n s d i e M a ch t", ist nur zu berechtigt, und es hat seine besondere Bedeutung für die Jugend. Wir sagen euch: Laßt euch nicht in Berzweiflung treiben, sondern reiht euch aneinander, gerade in den Zeiten der Rot, zur Front der Disziplin und der Solidarität im Dienste der Arbeiterklasse und des Sozialismus."(Stürmischer Beifall!) Wieder spielte das vortreffliche Streichorchester unserer Arbeiterjugend. Dann trugen die„Roten Rebellen" das Chorwerk „Die junge Generation" vor. In einer politischen Satire zeigten sie mit Hieben, die saßen, die gemeinsame Front der Kommunisten und Hitlerianer auf. der Lakaien von Schwerindustrie und Großgrund- besitz. Begeistert sangen Junge und Alte die Internationale. Komnmnistische Störenfried« vermochten den erhebenden Eindruck dieser Jugendkundgubung nicht zu stören. Einige Schreier wurden entfernt. Berlins Jimgarbeiter und Jungarbeiterinnen stehen zur Sozialdemokratie, das hat auch die gestrige Kundgebung wieder mit aller Deutlichkeit gezeigt. Bolksbühnenarbeii im Zeittheater Für die Berliner Volksbühne müssen jetzt alle Kräfte angespannt werden, um ihr über die nächsten schweren Monate hinwegzuhelfen und ihr die organisatorische Wasis in der Mitgliedererfassung zu geben, deren sie dringend bedarf. An Kulturerrungenschaften wird oft gar zu schnell gespart. Dabei soll nicht verkannt werden, die soziale Not dieser Zeit riß in den Arbeiteretat große Lücken und läßt wenig für besondere Bedürfnisse übrig. Andererseits aber muß unbedingt getrachtet werden, daß das, was sich die Arbeiterschaft in Jahrzehnten schweren Ringens schaffen konnte, ihr auch erhalten bleibt. Und dieses gilt in besonderem Maße auch von der Volks- bühnenbewegung und dem schönen Theater am Bülowplatz. Es ist in letzter Zeit viel diskutiert worden über Spielplan- fragen und Kulturaufgabcn der Volksbühne. Dabei ist nicht zu verkennen, in wie starker Weise in der Arbeiterschaft durch den ungeheuren Druck der Alltagsnot das Verlangen nach Auf- heiterung in der Freizeit gestärkt wird. Aber die Kulturinsti- tutionen der Arbeiterschaft— und mit ihnen die Volksbühne— haben letzten Endes ja nicht nur die Aufgabe, die Arbeiterschaft an den Kulturerrungenschastcn der Gesellschaft maßgebend zu beteiligen, sondern ihnen erwächst zugleich die Pflicht, vorwärtsweisend in sozialistischem Sinne wirksam zu sein. Soweit in dieser Hinsicht Kunstgenuß in Frage kommt, kann es sich bei dem sozialen Erlebnis der Gegenwart allerdings nicht allein um bloße Elendsmalerei aus dieser Zeit handeln. Diel wichtiger ist noch, Probleme derZeit in guter künstlerischer Gestaltung so mit lebendigen Impulsen zu erfüllen, daß das Erlebnis über den Tag hinausgeführt wird und die Kampfesstärke im alltäglichen Ringen um die primitivsten Menschenrechte in besonderem Maße vermehrt. Die Volksbühne war sich auch dieser Ausgabe immer bewußt. Sie hat nur, weil letzten Endes alle Dinge und alle Entwicklungs- wege zeitgebunden sind, sich nicht immer Einwirkungen zu entziehen vermocht, die— ausgehend vom Kreis um Piscator— hinzielten zum reinen parteipolitischen Tendenztheater in journa- listischer Aufmachung. Das ist überwunden, seitdem die kommu- nistischen Richtungen sich mit allerdings fragwürdigem Erfolge iso- lierten. Es bleiben aber bestehen die Sonderabteilungen, die besonders geschaffen wurden, um dem modernen, von einem sozialistischen Lebensgefühl beeinflußten Gesinnungstheater weiteren Spielraum zu geben. Das muß auch für die Zukunft so bleiben. Um aus dem Kunst- genuß und aus dem Kunsterlebnis Aktivität im gesellschaftlichen Lebenskampf zu formen, werden die Sonderabteilungen der Volks- bühne immer wichtige Aktivposten unseres Kulturkampfes sein. Darum ist ihre besondere Förderung auch weiterhin wichtig: sie liegt im Interesse des sozialistischen Kulturaufbaues. Die Kreise der sozio- listischen Jugendbewegng und der erwachsenen Arbeiterschaft, die solchen Gedankengängen besonders nahe stehen, sollten aber alle ihre Kräfte einsetzen zur intensivsten Förderung solcher lebendigen Volksbühnenarbeit.»l. Giillstand in Detroit. Die große Stille, die in den F o r d- W e r k st ä t t e n mit ihrem früher so brausenden Leben und ihrem fiebernden Arbeits- tempo heute eingezogen ist, hat ein von Grund auf verwandeltes BUd hier an der Stätte des Schaffens hervorgerufen. Der Held von Detroit, Henry Ford, ist nicht mehr der gefeierte Mann. Welch unheimlichen, ja fast gespensterhaften Eindruck diese Stadt der Arbeit, die, wie es beschönigend heißt, augenblicklich Ferien hält, auf den Besucher macht, das schildert A. I. Cummings in eiitem Londoner Blatt. Seine Hoffnung, Henry Ford selbst sprechen zu können, wurde freilich enttäuscht, denn auch er befand sich für kurze Zeit in den Bergen, um Ferien zu machen.„Einer der wenigen, nicht auf Ferien weilenden Beamten fuhr mich durch die vorzüglich gehaltenen Straßen zu den verschiedenen Fabriken und Wertstätten", berichtet Cummings.„Das Stillstehen dieses machtvoll schlagenden Herzens war ein befremdender und furchterregender Anblick. Hier sah man sichtbar die große Wirtschaftskrise vor Augen. Mit Ausnahme der Kraftzentrale, der Schmelzöfen und eines oder zwei anderer Schlüsselpunkte der Fabrikation war alles industrielle Leben erstorben. Verlassen war das große Dersammlungshaus. Auto- mobile in jedem Stadium der Anfertigung lagen bewegungslos auf dem berühmten laufenden Band, das mit Hilfe einiger weniger menschlicher Handgriffe Mengen roher Eisenrahmen in Mengen fer- tiger Automobile umwandeln kann—«in jedes in weniger als einer Stunde. Ford erzeugt bei voller Arbeitsleistung 8000 Wagen in einem Tag. Von seinen Hunderttausenden von Arbeitern arbeiten in diesem „Ferien"-August kaum 40 000 in ganz Amerika. Infolge einer seiner seltsamen Launen ist Ford imstande, etwa 1000 sonst Arbeitslose als Gärtner zu beschäftigen. Auf einem un> geheuer großen Terrain in der Nähe seiner Werke hat er zeitig in diesem Frühjahr hunderte von Acres mit Zwiebeln, Karotten, Melonen, Kartosseln, Sonnenblumen und anderen Nutzpflanzen be- pflanzen lassen. Durch diese Farm wurde ich auch geführt. Keiner von Fords Angestellten weiß aber, was er mit der Ernte tun will. Vielleicht, daß er eine Verteilung an die notleidenden Familien von Detroit im nächsten Winter im Sinne hat. Wozu aber die weiten Flächen voller Sonnenblumen? Die Stillegung der Ford-Werke hat die ganze Stadt Detroit in engste Mitleidenschaft gezogen, wie ihr phantastisch schnelles Auf- blühen mit dem Riesenwerke ursächlich verbunden war. Ist doch ihre Bevölkerung seit dem Jahre 1900 von 28S 00 auf 1 lA Millionen angewachsen, und in den Glanztagen der Fordschen Aera herrschte hier ein Wohlstand, an dessen Ewigkeitsdauer ihre Einwohner fest glaubten. Detroit war in den letzten Jahren eine Stadt wilder Landspekulanten geworden. Grundbesitzermillionäre wuchsen wie die Pilze im Regen. Heute stehen viele von ihnen ohne einen Pfennig da._ Die Berliner Theaierkrise. Aus Berliner Theaterkreisen wird uns geschrieben: Die für November angesetzte Zwangsversteigerung des Theaters am Nollendorfplatz stellt nur den Ansang einer Reihe von Vcr- steigerungen dar, die den hauptsächlichsten Zweck versolgen, die über- trieben hohen Presse für die Theatergrunds tücke auf ein normales und der heutigen Zeit erträgliches Maß herunterzusetzen. Aus diesen Grundstückspressen resultieren in erster Reihe die hohen Pachten, die weder die Pachtgesellschast noch der Direktor heute noch aus- bringen kann. Zugleich aber wird der Steuerwert und damit auch die Höhe der Lnstbarkeitsstcuer nach dem Grundstückswert angesetzt. Wenn man sich jetzt entschließt, den heute möglichen Pachten die Grundstückspreise anzugleichen, so werden sich auch zweifellos Be- werber finden für die zahlreichen leerstehenden Theater.— Eine Aufhebung der heute geltenden Pachwerträge ist ja zugleich auch eine Borbedingung für die einzelnen Notgemeinschasten von Schau- spielern, die aus Teilung spielen wollen. Friedenspredigt des Kriegsschreckens. Zu den Luftmanövern über Nasscy veröffentlicht die „Liga pazifistischer Frontkämpfer" folgende ironische Resolution: „Die Gruppe Nancy der„Liga pazifistischer Frontkämpfer" be- glückwünscht die Regierung aufs herzlichste zu ihren Erfolgen bei den Luftmanövern über der Stadt. Diese haben besser als jeder Vortrag gezeigt, welche furchtbare Gefahr ein neuer Krieg darstellt. Die Er- regung in der Bevölkerung beweist, dah das Ziel erreicht wurde. Alle, die sich Gedanken machen, wissen jetzt, daß es nur ein Mittel gibt, die Katastrophe zu vermeiden: den Krieg nicht zu wollen und infolgedessen den Grundsatz unserer Liga anzunehmen:„Friede mit allen Mitteln." Die pazifistischen früheren Kriegsteilnehmer danken daher der Regierung sehr für ihre pazifistische Propaganda." Eine Rubens-Erwerbung der Berliner Museen. Das Kupfer- st i ch k a b i n e t t der Berliner Museen hat ein Studienblatt des Peter Paul Rubens erworben, eine besonders großartige und wichtige Äktdarstellung des Meisters. Ein nacktes Weib ist von der Seite gezeichnet, in schreitender Bewegung, in etwas antikisierender Form- gevung, wie sie der ersten Zeit des Malers eigentümlich ist. Die schöne Zeichnung wurde im Vorraum der graphischen Sammlung neben drei anderen neuerworbenen Zeichnungen alter Meister aus- gestellt: der kostbaren Landschaftszeichnung Jacob van Ruisdaels, neben einer deutschen Renaissoncezeichnung des Dürer-Schülers Georg Pencz und einer exakten Vorstudie des französischen Meisters Claude Mellan für einen Bildnisstich. Die Museen in der Wirtschaftskrise. Auf der Tagung des Deutschen Museums-Bundes in Ulm konnte die erfreuliche Fest- ftellung gemacht werden, daß in den letzten Monaten der Museums- besuch im allgemeinen zugenommen hat. Direktor Dr. Hartlaub, der Leiter der Mannheimer Kunsthall«, setzte sich im Hauptreserat der Tagung dafür ein, daß die Existenzmöglichkeiten der deutschen Museen durch den Abbau des Kulturctats nicht betroffen werden. Die Museen seien wie keine anderen Kulturinstitute dazu berufen. in Zeiten allgemeiner wirtschaftlicher Notlage durch besondere Ver- anstaltungen der Kulturerziehung zu dienen, ohne daß dadurch neue Kosten im Etat der Städte und Länder entstehen. Europas höchster Schornstein. Auf dem Krastwerk Neuhof der Hamburger Elektrizitätswerke, das über den größten Dieselmotor der Welt verfügt und gegenwärtio mit IS 000 Pserdekräften arbeitet, ist jetzt ein Schornstein fertiggestellt worden, der mit 150 Meter der höchste Europas ist. Eine Gottfried-Keller-Gesellschafl. In Zürich wurde, wie die Monatsschrift„Die Literatur berichtet, eine Gottfried-Keller-Gesell- schaft gegründet, die es sich zur Aufgabe macht, eine kritische Ce- samtausgabe der Werke Kellers zu veranstalten, bei der jedem Mitglied jährlich ein Band als Geschenk überwiesen werden soll, ferner Kellers Arbeitszimmer im Haufe zu Thaleck in Hottingen wieder herzustellen und Besuchern zugänglich zu machen und das Keller-Archio und die Keller-Ausstellung zu fördern. Die Stadtverordnetenversammlung findet nicht, wie im heutigen Morgenblatt irrtümlicherweise gesagt worden ist. am 7. September, sondern am 10. September statt. Zraktionssihung ist am S. September. 17 Uhr. Welter für Berlin: Wechselnd bewölkt, ohne nennenswerte Niederschläge, wenig Wärmcändcrung, mäßige westliche Winde. Für Deutschland: Im Südosten keine Aenoerung, im Westen und an den Küsten einzelye Regensälle, sonst wechselnd' bewölkt, ohne wesentliche Niederschläge, im Nordwesten ziemlich kühl. Generäle zerstören Danime und die Flüsse vernichten Hunderttausende In China ist zu den Schrecke» der Generalstriege, des Bauern- aufstandes und der Räuberplage, die das arme Land seit Jahren heimsuchen, in den letzten Wochen noch eine Naturkatastrophe ge- kommen, der unzählige Menschenleben und unschätzbare Güter zum Opfer fielen. Zchntausende sind in den Fluten des Iangtsekiang ertrunken. Tausende liegen zerschmettert unter den Trümmern ein- gestürzter Häuser, Hunderttausende sind obdachlos geworden. Die Ernte ist auf einem ungeheuren Gebiet vernichtet, schon sind Seuchen ausgebrochen, das Jangtsetal ist ein r i e s i g e r Friedhof ge- worden. Hankau ist zerstört: was die Klüt verschonte, vernichtete das Feuer. Und jetzt kommen neue Unheilsnachrichten. Im Nord- westen bersten die Dämme des Hoangho. Wieder viele zehntausend Menschenopfer, wieder weite fruchtbare Gebiete verwüstet. Es ist die größte Katastrophe dieses Jahrhunderts im fernen Osten, größer noch als das Erdbeben in Japan. Das Gebiet der beiden großen Ströme Chinas, des Hoangho im Norden und des Iangtsekiang im Süden, umsaßt zweieinhalb Mil- lionen Quadratkilometer. Mit seinen mehr als SWK) Kilometern übertrifft der Iangtsekiang den Rhein an Länge um das vier- fache. Selbst seine schiffbare Strecke mißt noch 2700 Kilometer, ist also fast doppelt so lang wie die Donau von der Schwarzwald- quelle bis zur Mündung im Schwarzen Meer. An Größe steht ihm der Hoangho nicht viel nach, 4100 Kilometer lang ist sein Bett, vom Kunlun-Gebirge in Tibet bis zum Gelben Meer. Der Gelbe Fluß— das bedeutet Hoangho— und das Gelbe Meer sind gelb vom Löß. Aus dem dürren Hochland Jnnerasicns, wo weder Wasser, noch Pflanzendecke den Boden befestigen, haben Jahrtausende lang Ost- winde den feinen gelben Gesteinstaub nach Nordchina ge- tragen, haben die alten Berge zugedeckt und jenes einförmige Tafel- land geschaffen, das Chinas Reichtum und Chinas Elend ist, das Lößgebiet. Sein Reichtum, denn der Löhboden ist unvergleichlich fruchtbar. Sein Elend, denn die Verschlammung durch den gelösten Löß ist Hauptursache der jetzigen Katastrophe wie so vieler früheren. Im Flachland des Ostens schleichen die chinesischen Ströme un- endlich träge dahin. Ihr Gefälle ist ganz gering. Die Folge davon ist, daß von den mitgerissenen und gelösten Erbmassen nur ein kleiner Teil ins Meer getragen wird. Allerdings ist auch aas genug, um das Meer we'thin gelb zu färben. Wieviel Schlamm der Iangtsekiang mitschleppt, zeigt die Insel Tsungming vor der Mündung. Sie entstand im 12. Jahrhundert. Heute leben auf dieser Schlammaufhäufung fünfviertel Millionen Men- s ch e n I Alle chinesischen Flüsse, ganz besonders aber die durch Lößgebiete fließenden, erhöhen unausgesetzt ihre Sohle und ihre User. Links und rechts und am Boden werden Jahr für Jahr neue. Schlammschichten abgelagert. Die Userwände wachsen, sie wachsen— und die Sohle mit ihnen— solange, bis schließlich der Flußspiegel, ja oft die Fluhsohle höher liegt als das Land ringsum. Schmilzt nun in Tibet der Schnee, schwellen die Ströme an, dann drohen die Wassermassen die natürlichen Uferdämme zu sprengen. Seit uralten Zeiten haben daher die Chinesen die Uferdämme verstärkt, sie künstlich erhöht, das ganze Land mit einem dichten Netz von Dämmen überzogen. Dennoch ist es immer wieder vorgekommen, daß die Dämme geborsten sind. Vor 75 Jahren durchbrach der Hoangho seine Ufer und verlegte seinen Lauf. Damals mündete er südlich der Halbinsel Schantung, heute nördlich von ihr. Was das bedeutet, kann man sich durch einen Vergleich klarmachen. Es wäre so, wie wenn die Elbe bei ihrem Austritt aus Böhmen aus einmal sich nach Osten wenden wollte und statt bei Hamburg nunmehr bei Danzig münden würde. Es ist nicht schwer, sich auszumalen, wie das Land zwischen Elbe und Weichsel aussehen müßte. Auch die Flut des Jahres 1931 ist durch Hochwasier und darauf folgende Dammbrüche entstanden. Aber das Unheil hätte nicht so groß werden müssen, wenn nicht in den letzten beiden Jahrzehnten in China der Bürgerkrieg gewütet hätte. Die Wasierbewirtschaftung ist nur möglich, wenn sie von.hier zentralen Stelle aus geleitet wird. Sie setzt eine geordnet« Ver- waltung voraus, welche große Gebiete umfaßt. Sie muß planmäßig vorgenommen werden. Das Gedeihen der Felder an einem Ort verlangt, daß an einem anderen, vielleicht hunderte Kilometer ström- aufwärts, die Deiche in Stand gehalten werden. Eine Lücke im Netz bedroht nicht allein die nächste Umgebung, sie kann das Ver- derben der Nachbarprovinz bedeuten. Nun ist in den unaufhörlichen Generalskriegen der alte Verwaltungs- a p p a r a t zusammengebrochen. Aus dem chinesischen Reich sind die Staaten der einzelnen Generäle entstanden. Keiner dieser Staaten kümmert sich um den anderen, oder höchstens soweit, als es dort etwas zu rauben gibt. Das Land ist in voneinander unab- hängige Gebiete zerrissen. Damit ist aber auch das Dammsystem zerrissen worden. Dazu kommt, daß unzählige Bauern zu Soldatendiensten gepreßt worden sind und daß also vielfach auch die Arbeitshände fehlen. Statt zu Deichreparaturen werden die rücksichtslos eingetriebenen Steuern von einer diebischen und korrupten Beamtenschast vielerorts zur persönlichen Bereicherung oerwendet. Alles das wirkt zu- fammen, um schließlich zu dem zu führen, was jetzt über China hereingebrochen ist. Die ertrunkenen Kinder sind von den Generälen ersäuft worden. zBuch Qregor'.ßlenflock: SDenlfchlaud und die WeUwirtfchafl Die Ereignisse der letzten Monate— Hoooers Moratorium, Schließung der Danat und deren Konsequenzen auf dem deutschen Geldmarkt— haben auch dem unverbesserlichsten Optimisten den Umfang und die Tiefe der gegenwärtigen Weltkrise offenbar ge- macht. Das Gutachten der Basler Sachverständigenkonferenz hat den maßgebenden Regierungen der Welt dringend angeraten, Deutschland in seiner schweren Wirtschaftsnot zu helfen, denn mit der Hilfe für Deutschland helfe man der ganzen Welt. Angesichts dieser Situation darf das Buch, das Gregor Bien stock soeben im Dietz-Verlag unter dem Titel„Deutschland und die Weltwirtschaft" veröffentlicht, größtes Interesse beanspruchen. Bienstock untersucht mit seltener Umsicht und auf Grund einer souve- ränen Durchdringung des weltwirtschaftlich-statistischen Materials die verästelten Zusammenhänge, welche die deutsche Wirtschaft mit der Weltwirtschast verbinden und die jedes vage Gerede von wirt- schaftlicher„Autarkie" verstummen lassen werden. Handel, Land- Wirtschaft, Industrie und Finanzkapital Deutschlands werden in be- sonderen Kapiteln in ihrer Angewiesenheit auf die Weltwirtschaft in scharfen, vorsichtigen Analysen aufgezeigt. So stellt Bienstock z. B. für die deutsche Industrie folgendes fest:„Mengenmäßig sind die ausländischen Rohstoffe bei der Versorgung der deutschen In- dustrie nach unserer Schätzung mit etwa einem Drittel beteiligt, wirtschaftlich gesprochen ist jedoch das Bestehen der In- dustrie ohne diese fremden Rohstoffe undenkbar." In dem Kapitel„Internationale Kapitalverflechtung" wird auch ein knapper, aber eindrucksvoller Bericht über die Bedeutung des Repa- rationsproblems gegeben, der mit der Erklärung Herbert Hoooers vom 20. Juni 1931 abschließt. Die Stärke von Bienstocks Arbeit liegt im Analytischen. Das letzte Kapitel, das die Zusammenfassung und den Ausblick in die Zukunft der Weltwirtschaft zu geben versucht, wird gelegentlich zu allgemein und, wie Bienstock selbst schreibt, zu thesenhast. Mit aller Deutlichkeit w-ndet sich der Verfasser gegen die Behauptung, daß die gegenwärtige Krise des Kapitalismus als die„Endkrise" anzusehen sei.„Man muß also für die nächste geschichtliche Periode, die vielleicht Jahrzehnte dauern kann, mit einer im wesentlichen kapitalistischen Organisation der Weltwirtschaft rechnen. Das schließt jedoch keineswegs die Möglichkeit aus, daß innerhalb dieser kapitalistischen Weltwirtschaft sich wirtschaftliche Gebilde heraus- kristallisieren, die auf einer grundsätzlich verschiedenen Grundlage organisiert sind." Bienstock stellt mit Recht die Forderung nach Aufsicht und Kontrolle seitens der Allgemeinheit als akwellste Frage der modernen Wirtschaftspolitik auf. Andererseits halten wir es aber für abwegig, den Begriff der„Unternehmerpersönlichkeit" auch für eine sozialistische Wirtschaftsgestaltung in Anspruch zu nehmen. Der Sozialismus will gewiß die menschliche Persönlichkeit nicht aus- löschen, im Gegenteil, er will sie erst völlig freimachen: ober mit der Unternehmerpersönlichkeit als einer h i st o r i s ch e n Kategorie des Kapitalismus verbindet sich die Herrschaft über Menschen, während doch der Sozialismus an Stelle dieser Herrschaft den Dienst am„Ganzen" erstrebt.— Freiheit und Gleichheit sind im Marxis- mus keine Gegensätze, wie Bienstock anzunehmen scheint, sondern echte F r c i h e i t ist nur dort, wo echte Gleichheit ist, �.der wie es Marx schon im„Kommunistischen Manifest" formuliert hat:„An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegensätzten tritt die Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die Freiheit aller ist." J. P. Mayer. Giegerwald zum Gemeindekonfliki. Ein hartes Urteil über die Notverordnung. In einem Interview, ha? hex Reichsarbestsyünister Dr. Stegex- wald dem Vertreter einer schlesischen Zeitung gewährt, äußerte er über den Gemeinde arbeiterloh»streit unter anderem: Es ist unrichtig, daß das Reichsarbeitsministeriüm„in seiner Schlichtereigenschaft der Reichsgesetzgebung in den Arm gefallen" sei. Nach Erlaß der Notverordnung vom 5. Juni 1931 waren beide Parteien bemüht, die Angleichung der Gemeindearbeiterlöhne an die Löhne der Reichs- und Länderarbeiter, wobei die Vergleichbar- keit bei vielen Arbeitergruppen auf große sachliche Schwierigkeiten gestoßen ist, im Verhandlungwege durchzuführen. Dabei sollten Härten, die mit der b u ch st a b e n m ä ß i g e n Durchführung dieser Bestimmungen verbunden gewesen waren, möglichst abgestellt werden. Als die Parteiverhandlungen zu keinem Ergebnis führten, baten beide Parteien um die Vermittlung des Reichsarbeitsministe- riums. Im Einverständnis mit der Reichsregierung erklärte der Reichs- arbeitsminister sich bereit, den Parteien bei der Beilegung des Streites behilflich zu sein. Daraufhin fanden neue Besprechungen im Reichsarbeitsministeriüm statt. Mit dem tariflichen Schlich- tungswefen hatten diese Verhandlungen nicht das geringste zu tun. Ein schlichtungsfähiger Streit log gar nicht vor. Ueber seine Ver- Mittlerrolle ist das Reichsarbeitsministeriüm auch nicht hinaus- gegangen. Das letzte Wort in diesem Streit hatte der Reichs- minister der Finanzen, der auch für die Durchführung der ein- schlägigen Bestimmungen der Notoerordnung über die Herabsetzung der Gemeindearbeiterlöhne allein zuständig ist. Für die getroffene Vereinbarung tragen die Parteien allein die Verantwortung. Des- halb hatte auch der Reichsarbeitsminister keine Erklärung darüber abgegeben, daß die getroffene Regelung als Durchführung des§ 7 Abs. 4 der Notverordnung angesehen werden könne. Vielmehr hat der Reichsminister der Finanzen auf Grund eines Kabinettsbeschlus- scs den Partei- und Länderregierungen mitgeteilt, daß die Reichs- regierung mit Rücksicht aus die nicht unwesentliche sofortige Ent- lastung der Gemeinden nicht störend in die Durchjührung der Ver» embarung eingreisen werde. Es mag fein, daß die Parteioereinbarung dem Wortlaut der Notverordnung nicht hundertprozentig entspricht. Aber auch von Arbeitgeberseite ist anerkannt worden, daß eine buchstabenmäßige Durchführung der fraglichen Bestimmungen der Notverordnung zu unerträglichen Härten der einzelnen Arbeitergruppen führen müsse. Die Vereinbarung und ihre N i ch t b e a n st a n- d u n g durch die Reichsregierung gewährleisten eine Durchführung der mit der Notverordnung beabsichtigten finanziellen Entlastung der Gemeinden. Jf- Mit dieser Erklärung hat der Reichsarbeitsminister ein hartes Urteil über die Notverordnung vom 5. Juni gefällt, soweit sie in die Regelung der Löhne der Gemeindearbeiter eingreift. Niemand wird aber bestreiten, daß Stegerwald sich sehr vorsichtig und sehr mäßig ausgedrückt hat. Man sollte, statt Buchstabenpoli- tik zu treiben, anerkennen, daß alle Beteiligten durch die Verein» barung den Ausbruch von Kämpfen oermieden haben, die unser ganzes öffentliches und Wirtschaftsleben erschüttert hätten. Aeuer Damenhutiarif. Die zweitägigen Verhandlungen in Schandau über den Reichs- manteltarif für die D a m e n h u t i n d u st r i e, der von den 5)ut- fabrikanten zum 31. August gekündigt worden war, haben zum Neu- abschluß des Beitrages geführt. Den Vertretern des Hutarbeiter- Verbandes ist es leider nicht gelungen, die unveränderte Berlänge- rung des Vertrages durchzusetzen: sie schlössen mit den Unternehmern ein Kompromiß, bei dem beide Verhandlungspartner hinsichtlich ihrer Forderungen einen Pflock zurückstecken mußten. Einige Ver- schlechterungen sind eingetreten bei den Bestimmungen über den Garantielohn der Garniererinnen und Phantasiehutarbeite- rinnen, der Urlaubsgewährung und-bezahlung, der Zuschläge usw. Auf der anderen Seite ist die Anzahl der zulässigen Ueber- st un den beschränkt worden. Mit der Forderung auf Ein- führung der 40-Stunden-Woche konnten sich die Unter- Händler der Hutarbeiter nicht durchsetzen. Der neue Reichsmantel- tarifvertrag gilt vom 1. September bis zum 31. August 1932. Sireikabbruch in Barcelona. Der vierwöchige Metallarbeiterstreit in Barcelona ist beigelegt. Die vereinigte Metallindustrie hat die Legalität des Metallarbeiter- Syndikates nunmehr anerkannt. Der M i n d e st l o h n des nicht spezialisierten Arbeiters wurde auf 9, der des Vorarbeiter der ersten Kategorie auf 121� Peseten festgesetzt. Soweit die Löhne geringer sind als die festgesetzte Mindestnorm, müssen sie erhöht werden. Die übrigen Löhne bleiben bestehen, auch wenn sie die Mindestsätze überschreiten. voanerstax, 3. September. ,r< Berlin. 16.05 Kleidunsr und KBrperpfleee.(Frau Dr. Süßmann.) 16.30 I. Brahms: Lieder.(Berta Gunderloch, Sopran.)— 2. Beelhoven: Lieder.(Alfred Wilde. Tenor.)— 3. Schubert: Deutsche Tänze(Heinz Hirschland, Fläsel.)— 4. Wolf: Lieder.(Berta Gunderloch.)—5. Schubert; Lieder.(Alfred Wilde.)— 6. Schubert: Sonate op. 120.(Heinz Hirschland. Am Flfizel: Julius Biirzer.) 17.30 Dr. Walter Noelle: Pflanzen und Tiere als Wetterpropheten. 17.55 Mitteilunzen des Arbeitsamtes. 18.00 Chorzesinze. 18.30 Dr.-Inz. Paul Zucker: Grenzen der Rationallsierunz. 19.00 Huzo Hartunz liest eizene Erzählunzen. 19.30 Bunte Stunde. 20.30 Wovon man spricht. 21.00 Tazes- und Sportnachrichten. 21.10 Einführende Worte: Hans Stuckenschmidt. Anschließend:„Liebe zut— Alles zut." Spieloper. 22.30 Wetter-, Tazes- und Sportnachrichten. Anschließend bis 00.30 Tanzmusik. Könizswusterhansen. 16.00 Dr. Hans Lebede: Dramaturzie im Deutschunterricht. 17.30 Dr. F. Böhm: Deutsche Volksbräuche. 18.00 Dr. P. Qraßmann: Vom Deutschtum in Finnland. 18.30 Dr. Borries: Mitteleuropa als Problem. 18.55 Welter für die'LandwirtschafL 19.00 Enzlisch für Fortzeschrittene. 19.30 Dr. Fntzsche: Teichwirtschaft und Karpfenmarkt. 20.00 Mühlacker: Nichts als Kindereien. 21.15 Mühlacker: Kammermusik. Beionttnottl. für hie Rcdoklion: Seebeet Sepfte, Berlin:«n, einen: Tb.«locke. Berlin. Berfao: Borwöris Verlan/i Uhr. Fideiio. StaatLSdauspieihanj üendarmenmrrirt. Anfang 20 Uhr Die natürlldie Tochter Sdiiller-Theater □uriattabgrg. Anfang 20 Uhr Dil Mitsdnldign. 33 Mimitio io GiDnebirg metropoi-Theater Täglich SV» Uhr die neue Paul-Urahaoi- Operitti Die Blume von Hawal unter persönl. Ltg des Komponisten Pr.dnPL: 1.- im 14.50 KorlOrstenflarara- Theater Bismarck 448/49 SV« Uhr Die schöne Helena ron lacqnes onenhadi Btgl«: UuBtlntartt Theater desWestens Tägl. 5 u. 8V« Volksvorstellungen Viktoria und ihr Husar Billigster PI. 0.50 M Teuerster PI. 2.50 M. Thealer Im AdmiraiSDalast Täglich SV* Uhr Rotter-Gastspiel Die Dubarrv mit eina Aipar Preise: 0,50 bis 12�0 Donnerstag, 3. Sept. siadtoper Charlottenburg Bismarckstraße 34. Turnus II Anfang 20 Uhr Zar und Zimmermann Ende nach 23 Uhr. Deotsdiei THeaier 8 Uhr Kat Schauspiel nach Ernest Hemingway Dotulw Sühombtirbtilinj v. Carl Zuckmayer und Heinz Hilpert Bigie: Diisz Hilpirt PLAZA Tägl.nichmSUhr Sonntag 3 u.B Uhr lEli*- OPERETTE FRIEDERIKE Tägl.SUUhrahde. VARIETE 30 Pf. bi» 8TB Snsecate im A vorwärts Achern Erfolg! Relchshallen-Theater Wiederholung des Fest-Programms B p I f t o n SO Uahp* Stettiner Sänger Anfang| v| Uhr mmm Restawünt Berlins! BETRIEB a K KEMPINSKlVJ im in Freitag, 4. September nachmittags 6 Uhr Komische oper 8Vi Uhr Thron zu vergeben Operette v.Neidhart Musik v. Witmann Leux, Elster, Lilien, Hendrik, Fela Preise: 0,50—7,- M jeder Art liefert preiswert Paul Golletz vormilt Robert Mayar Mariannenetr. 3 F& Ober bäum 1303 Win fez * QcifTen* i1 u 1.15 Dbt Flora 3431 Haudien erlaubt Die Sedis von der Sieeisoper. Coriinis Dollersegen. Selerno. 12 Breteiios. Rhoenred-Seas ssv. aViiAr CASINO-THEATER»1/. v>>. Lothringer Strohe 37. uiiiiitiiiiimiiiieiiiiiaiiaiiiiuiiiiiiiauiiiiaiiiiiiiaiiiiiiiaiiinntiiini Das groBe Eiöffnnngs-Prograram: Genta svittorlo: 2Blessings Ernst Walter. Direktor HANS BERd konferiert Dazu: Nur kurze Zeit; Das Parfüm meiner Frau Gntsdieln 1—4 Per». Rang Mitte 1 M- Fauteuil 1,25 M.. Sessel 1,50 M. Parkett 75 Pt. Rang Seite 60 PL (• Restaurant„Groß-Berlin Alexenderpletz. Unsere Spezialitäten: Groß-Berliner Suppenteller 40 Pf. Löffelerbsen mit Spitzbein 40 Pf. Slammessen 60 und 90 Pf. Ersiklessige Zobereihmg.— Jeden Abend Mosik. / L» {Beilage Donnerstag, 3. September 1931 SprMpnd WiiX yjcnHJlHLf& Wege zur Volksbildung Das Volksbildungswesen wird in der Zukunft eine weit größere Rolle spielen als in der Gegenwart. Je weiter die Mechanisierung des Erwerbslebens fortschreitet, um so weniger kann die Mehrheit der Berusstätigen in ihrer Arbeit volle Befriedigung finden. Die eintönige Arbeil am laufenden Band einer modernen Fabrik ist nur erträglich, wenn den im Beruf brachliegenden Interessen des Arbeiters eine außerberufliche Entwicklungsmög- l i ch k e i t gegeben wird. Die Mechanisierung der Arbeit macht das Gegengewicht ernster Bildungsarbeit notwendig. Die erforderliche Zeit zur Befriedigung seiner kulturellen Bedürfnisse wird der Ar- bcitcr und der Angestellte finden, sobald die starke Arbeitszeitver- kürzung eingetreten sein wird, die infolge der Rationalisierung mit Notwendigkeit kommen wird. Der Sechs st undentag ist heute nicht mehr eine bloße Utopie. Wird dieses Ziel einmal erreicht sein, dann ist Raum geschaffen für eine ern st hafte Er- wachsenenbildung. Es wird' die Aufgabe der Gesellschaft sein dafür zu sorgen, daß die durch die Arbeitszeitverkürzung frei- werdende, nicht mehr in der Berufsarbeit ausgebrauchte Arbeits- kraft sinnvoll in den Dienst der Kultur gestellt wird. Dazu sind Einrichtungen nötig, in denen das geistige Bildungsbedürfnis der Massen fruchtbar entwickelt werden kann. Sind dies Aufgaben der Zukunft, so ist es schon in der Gegenwart möglich, in Theorie und Praxis die richtigen Methoden der Erwachsenenbildung zu er- arbeiten. Die Volkshochschulen, besonders der Vorkriegszeit, sind vielfach in Mißkredit geraten, weil sie falsche Wege einschlugen. So glaubte man in den Anfängen der Bewegung, es genüge, populäre Vorträge über die verschiedensten Wissensgebiete halten zu lassen. Diese Methode war verfehlt: sie erzeugt leicht wenig wertvolle Halb- bildung. Auf das Wissen allein kommt es nicht an. Die moderne Erwachsenenpädagogik hat daher mit Recht den Gedanken der eigenen Arbeit des Volkshochschülers in den Mittelpunkt ge- stellt. An die Stelle der Vorträge tritt immer mehr die Arbeits- gemeinschaft, in der die Hörer nicht passiv einen dargebotenen Stoff aufnehmen, fondern gemeinsam um die Klärung wesentlicher Pro- bleme ringen. Die neue Volkshochschule will nicht allein der Wissensvermehrung dienen, ihr Ziel ist eine Vertiefung des ganzen Menschen durch aktive, verantwortliche Bildung?- arbeit. Die besten Methoden für die Volksbildungsarbeit sind noch nicht gefunden. Es wäre völlig falsch, wenn man das Versahren an den Iugendschulen einfach auf die Erwachsenen übertragen wollte. Der Erwachsene hat andere Interesien, andere Arbeitsweisen und vor ollem andere Lebensersahrungen als das Kind. Deshalb muß die Erwachsenenbildung eigene Wege gehen. Der Jugend- Unterricht verfügt über eine lange Tradition, während der Er- wachsenenunterricht in seiner modernen Form Neuland aufsuchen muß. Für den berufstätigen Erwachsenen ist vor allem Lebens- nähe auch in der Bildungsarbeit notwendig. Eine wesentliche Auf- gäbe ist die Erziehung zum Selbstdenken und zur Selbstkritik. Dieses Problem behandelt Reinhard Buchwald in seiner Schrift „Denkschulung in der Erwachsenenbildung"(Leo- * pold Motz Verlag, Gotha, 1931). » Die Volkshochschule darf weder nur bloßes Wissen vermitteln, noch auch ernste Verstandesarbeit vernachlässigen. Den ersten Fehler machte das Volksbildungswesen alten Stils, das sich im wesentlichen auf Veranstaltung von Vorträgen beschränkte. Die zweite Gefahr lag nahe, als man kurz nach dem Kriege Musik, Geselligkeit und Laienspiele zu sehr in den Vordergrund rückte. Die Pflege dieser Kulturfaktoren ist notwendig, aber die Erziehung zum Selbstdenken darf darüber nicht vernachlässigt werden. B u ch w a ld verlangt, daß auch die Denkschulung in der Erwachsenenbildung lebensnah sein soll. Er untersucht die Rolle, die das Denken Im Haushalte des Lebens spielt, er zeigt, wie sich das Denken zu Gefühl und Wille verhält. Werden diese Beziehungen richtig beachtet, dann verschwindet die Gefahr, daß die Denkerziehung zu einer bloßen Einseitigkeit wird.„Das eigentliche Problem der Denkerziehung liegt in ihrem Einbau in den Bildungsprozeß und das Leben des Menschen überhaupt." Verstandes- und Willensschulung dürfen nicht getrennt werden, sie sind auseinander angewiesen im Ganzen der Bildungsarbeit. Durch lebensnahe Denkschulung kann die Er- wachsenenbildung wahrhafte Lebenstunde vermitteln. Die an- regende Schrift von Buchwald sei jedem empfohlen, dein der Aus- ' bau der Volksbildung am Herzen liegt. «ellzt Wolffhei«: Ätt Es gibt viele Mütter, die sich nicht genug tun können, um ihre Kinder— besonders die kleinen Mädchen— herauszuputzen. Man beobachte daraufhin einmal die Sonntagsspaziergänger: Wie wenige Kinder sind zweckentsprechend angezogen, wie wenige dürfen sich so bewegen, wie sie mögen, ohne durch mütterliche Ermahnung: „Denk an das gute Kleid", behindert zu werden. Es gibt aber auch andere Mütter, die wollen ihr« Mädels vor Eitelkeit bewahren. Sie fallen nach der anderen Seite in lieber- trcibung, wollen jede Freude an hübschen Kleidern unterdrücken. ziehen die Kinder übertrieben„einfach", d. h. meist unschön an und beantworten jedes Eitelkeitsanzeichen mit Vorwurf. An sich muß die Kleiderfrage der Kinder so gelöst werden, daß immer das für die gegeben« Gelegenheit Zweckmäßige auch das Beste ist. Daß aber dieses Zweckmäßige durch die gewählte Farbe und durch entsprechendes Material hübsch aussehen kann, darf nie- mal- übersehen werden. Warum soll man die Freude cin hübscher Kleidung im Mädchen nicht wecken oder, wo sie von selbst in Er- fcheinung tritt, nicht pflegen? Gehört es nicht zu den Pflichten der Menschen— männlich wie weiblich—, sich äußerlich angenehm zu machen? Wo ist die Grenze zwischen Schönheit, Sauberkeit und Ordnung in der Kleidung zu ziehen? Lassen wir diesen Gesichtspunkt gelten, lehnen wir es also nicht ob, dem Aeußeren Beachtung zu schenken, werden wir es auch — ohne in Ucbertreibungen zu verfallen— als unsere Aufgabe ansehen, den Geschmack in bczug auf die Kleidung zu bilden. Nicht durch Reden und Erklärungen, wohl aber durch Betätigung und Meinungsäußerung des Kindes. Meist wird aber das Gegen- teil hiervon getan: Mütter wollen es für unpassend erklären, wenn sich em Kind beim Einkauf eines Kleides hineinmischt und seinen Wünschen Ausdruck verleiht. Mancher Zusammenstoß zwischen den Erwachsenen und den Kindern liehe sich vermeiden, wenn man hier einsichtiger wäre. Kinder, die bereits einen bestimmten Geschmeck bekunden, sollten ihn auch zur Anwendung bringen dürfen. Selbst ryenn uns des Kindes Geschmack nicht zusagt, sollte er beachtet wer- den. Auch dann, wenn wir unser Kind dadurch— unserer Meinung nach— unvorteilhaft gekleidet sehen. Der Versuch, umzuleiten, sei Aemacht. mehr aber«cht, und wenn gewiss« Verschrobenheiten,«i« Martin Vöttcher: Vmlsteme;nm Frieden In der Woche vom 16. bis 23. August fand in Marseille der zweite deutsch-französische Studentenkongreß statt. Auf deutscher Seite waren alle verständigungsbereiten Studentengruppcn von der sozialistischen Studentenschaft bis zu den Hochschulgruppen der Deutschen Bolkspartei beteiligt. Im vorigen Jahre waren zum erstenmal auf Einladung des Deutschen Studentenverbandes deutsche und französische Studenten in Mann- heim zusammengekommen. Die dort begonnen« Zusammenarbeit wurde nunmehr auf sranzösifchem Boden fortgefetzt. Es ist verständlich, daß die politischen Fragen im Vordergrund der Beratungen standen. Die deutsche Delgotion mußte zunächst die Feststellung machen, daß sich ihre Betrachtungsweise von der französischen merklich unterschied. Die Franzosen wollten in erster Linie die Fragen der Vereinigten Staaten von Europa behandelt wissen, während wir Deutsche naturgemäß auf die praktischen Fragen, wie Abrüstung, Revision der Der- träge, deutsch-österreichischen Anschluß den größten Wert legten und eine Regelung dieser Problem« als die Voraussetzung für einen europäischen Zusammenschluß bezeichneten. Es gelang der deutschen Delegation ohne weiteres, bei den Franzosen Verständnis für die Notlage Deutschlands zu finden. Einmütig wurde das moralische und juristische Recht Deutschlands anerkannt, von den übrigen Staaten Europas die Abrüstung zu fordern, und es wurde der Appell an die französische Regierung gerichtet, alles zu tun, um der Abrüstungskonferenz im nächsten Jahre zum Erfolg zu verhelfen. Marc Sangnier, der Führer der katholischen Linken in Frank- reich, wies in einem mit lebhaftem Jubel aufgenommenen Referat auf die Verpflichtung Frankreichs zur Abrüstung hin. Er erkannte auch das Recht Oesterreichs zum Anschluß an Deutschland an und erinnerte die französische Oesfentlichkeit daran, daß es ja gerade die friedensfreundliche Link« sei, die den Anschluß fordere.„Ein Zusammenschluß der Demokratien Deutschland und Oesterreich wird in Mitteleuropa einen unerschütterlichen Block des Friedens bilden." Der sozialistische Kammerdeputierte C h e b r u n zeigte die soziale Notwendigkeit der deutsch-französischen Verständigung auf. Nicht nur aus pazifistischen Gründen, sondern gerade aus sozialen Motiven müßten die Grenzschranken in Europa fallen. Es gelte, den arbeitslosen Massen Mitteleuropas zu helfen. Eine solche Hilfe sei aber heute nur noch auf übernationaler Grundlage möglich. Frankreich, heute noch von der Weltwirtschaftskrise ziemlich un- berührt, werde auch eines Tages hineingezogen werden in den allgemeinen Strudel der Wellarbeitslofigteit. Auch der Gotdvorrat werde Frankreich nicht davor schützen können. Daher müsse inan gerade im Interesse der arbeitenden Bevölkerung Frankreichs zu einer europaischen Verständigung gelangen. Bei dieser Ver- ständigungsarbeit habe Frankreich eine große Mission zu erfüllen. Voraussetzung aber zu jeder europäischen Annäherung sei die d e u t s ch- f r ä' n z ö l i s ch c V e r st a n di g u n g. Neben diefen politischen Fragen nahmen die Probleme der Studienplanangleichung>ind des öffentlichen! Unterrichts einen breiten Raum in den Beratungen ein. Die Forderungen der deutschen und französischen Studenten gehen dahin, durch Anerkennung der im anderen Land abgelegten Examina und Prüfungen einen stärkeren deutsch-französischen Studentenaustausch herbeizuführen. Bei der Behandlung der Unterrichtssragen ergab sich die be- dauerliche Tatsache, daß die deutsche Schule im Gegensatz zur französischen ihre Aufgab« im Dienst der Völkeroerständi- g u n g nur sehr unvollkommen erfüllt. Die frangösischen Lehrer sind in ihrer überwältigenden Mehrheit Friedensfreunde. Die Macht der Lehrergewerkschaft in Frankreich ist so groß, daß durch ihren Boykott chauvinistische Geschichtsbücher aus dem Unter- richt oerschwinden und die französischen Verleger es daher gar nicht mehr wagen, solche Bücher aus den Markt zu bringen. Der äußere Rahmen des Kongresses, Empfang durch den Ober- bürgermeifter von Marseille, durch den Präsidenten der Handels- kammer, Begrüßung durch den Präfckten, die Unterstützung durch den deutschen Generalkonsul Dr. Reuter, Uebertragung des mehrere Stunden dauernden Schlußbanketts durch Radio beweisen, welch große Bedeutung die französssche Oeffentlichkeit solchen deutsch- französischen Kongressen beimißt. Vor allen Dingen aber glauben wir deutsche Teilnehmer, daß das Marsciller Treffen in großem Maße mit dazu beigetragen hat. die psychologischen Voraussetzungen für den Erfolg einer Außenpolitik zu schaffen, die auf die Ver- ständigung beider Länder abzielt. Die in Frankreich leider sehr stark verbreitete Rechtspresse versucht systematisch, dem Durchschnitts- franzosen die A n g st vor Deutschland einzuimpfen und zu erhalten. Die blutrünstigen Tiraden eines Hitler oder Seldte werden in dieser Presse groß aufgemacht, um zu beweisen, daß die Mehrheit des deutschen Volkes revanchelüstern ist. Kundgebungen der republikanischen Organisationen schweigt dieselbe Presse nach Möglichkeit tot. Wie schädlich für die deutsche Außenpolitik Stahlhelmparaden und Naziaufmärsche sind, erkennt man erst, wenn man einmal in Frankreich war, und mit dem ein- fachen Franzosen gesprochen hat. Besonders erfreulich ist es dann zu sehen, einen wie großen Eindruck das Scheitern des preußischen Volksentscheids gemacht hat. Veranstaltungen wie das Studententreffen in Marseille sind außerordentlich gut geeignet, der französischen Oeffentlichkeit einnial zu zeigen, daß es auch gerade in der deutschen Jugend weite Kreise gibt, die dem Phrasentum unserer Reaktionäre nicht erliegen, und daß die französische Rechtspresse unrecht hat, wenn sie Aeußerungen eines Hitler als Meinung des gesamten deutschen Volkes hinzustellen versucht. Nur in dem Maße, in dem es gelingt, das Mißtrauen des einen Volkes vor dem anderen zu beseitigen, werden die offiziellen Stellen mit Erfolg die so notwendige Politik der Ver- ständigung führen können. Die republikanischen Studenten Deutschlands werden nicht ablassen, zu ihremLeif an der Verständigung der beiden Länder zu arbeiten, allen Verfeumdungen zum Trotz Diesem Gedanken Hot auch der Führer der deutschen Delegation in Marseille, Genosse Kurt B e r l o w i tz, Ausdruck gegeben. Hilöe Tarow: SoMkstische?«gmömFra«kreich Die Erkenntnis der Notwendigkeit, gegenüber der faschistischen Gefahr alle Kräfte zu sammeln und insbesondere in Frankreich der numerisch bedeutenden„�eunesso patriote"(patriotische Jugend) eine starke Jugendorganisation der Sozialisten entgegen- zustellen, hat eigentlich erst in den letzten beiden Iahren zu Re- sultaten geführt. Der Wiener Kongreß des Sommers 1929 bot den französischen Delegierten Vergleichsmöglichkeiten. Sie ließen ihn sich zur Lehre dienen. Seitdem ist ein ständiges Wachstum der Be- wegung zu verzeichnen, die im Jahre 1929 bei der Spaltung der Partei auf dem Kongreß in Tours auf wenige hundert Mitglieder zusammengeschmolzen war. Sie zählte im Jahre 1928 5999 Mit- glieder und schnellte bis Oktober 1939 auf 8999 hinauf. Hierin nicht inbegriffen sind die etwa 699 sozialistischen Stu- d e n t e n, die in Paris allein 399 zählen. Wenn man berücksichtigt, daß der Franzose als ausgeprägter Individualist Vereinen und Organisationen wesentlich fremder gegen- übersteht als der Deutsche, so stellt die erreichte Zahl schon eine Leistung dar. Dennoch bleibt als Hauptaufgabe neben der politischen Schulung die Propaganda. Ihr dienen häufige öffentliche Ver- sammlungen, sportliche Veranstaltungen, die man mit der in Frank- reich viel später erwachten Sportbegeisterung erst neuerdings der Bewegung nutzbar machen konnte, Schulungswochen, zu denen die Sektionen auf ihre Kosten Delegierte entsenden. Die diesjährig zum zweitenmal veranstaltete Sommer schule in Lille, zu der auch deutsche Teilnehmer geladen waren, wies einen Besuch von 129 Teilnehmern aus gegenüber 69 im Vorjahr. Der Propaganda dienen ferner das Parteiorgan„Le Populaire", die monatlich erscheinende Zeitschrift der Jungen„Le cri des Jeunes* und die Zeitschrift der studentischen Sektionen Frankreichs, Belgiens und der französischen Schweiz„P'etndiant socialiste", sowie das Organ der kürzlich in Paris gegründeten Gruppe italieniscthir Iungsozialisten „II xiovane socialista". Es ist gut, sich die Voraussetzungen klarzumachen, aus denen die sozialistische Jugend in Frankreich erwuchs, um sie in ihrer ganzen Eigenart zu begreifen. Frankreich hat nie eine eigentliche Jugendbewegung besessen. In der alten Demokratie, die Regierende und Regierte auf gleiche Stufe stellte, in der eine liberale Atmosphäre größere Bcwegungs- freiheit auch der Jugend gestattete, erschien der Gegensatz zwischen den Generationen weniger ausgeprägt. Der Jugend, van keinem autokratischen System bedrückt, war zur Auflehnung wenig Ver- anlassung gegeben. Und für ihren Zusammenschluß zur Pflege geistiger und sporllicher Interessen bestanden seit langem Jugend- sie bei den Heranwachsenden aufzutreten pslegen— mag es über- trieben« Eitelkeit oder überbetonte Interesselosigkeit sein—, zum Durchbruch kommen, müssen sie mit in den Kauf genommen wer- den. Wer einmal, sei es als Kind oder als Erwachsener, erfahren hat, wie unfroh man sich in einer uns nicht gemäßen Kleidung fühlt, der wird es auch vermeiden, sein Kind in ausgezwungene Kleider zu steck«. oereine, die von den Schulen der örtlichen Behörden und den großen Zeitungen ins Leben gerufen worden waren. So entstand die sozial! st ische Jugend nicht als Be- wegung der Jugend, sondern hundertprozentig als politische Be- wegung, politisch nicht im Sinne aktiven Eingreifens in die Ge- schehniffe— eine Gruppe ist sogar aus diesem Grunde ausgeschlossen worden— sondern im Sinne der politischen Schulung. Möglich, daß diese politische Ausschließlichkeit eine Mitursache für die geringe Beteiligung der Frauen ist, die ja in Frankreich kein Stimmrecht haben. Sie beträgt nur etwa 19 bis IS Prozent. Ein weiteres Moment bestimmt ihre Eigenart. Das bürgerliche Frankreich, das Frankreich der starken Bauernschaft hat seinen Lebensstil auch der Arbeiterschaft aufgedrückt. Außer in den In- dustriebczirken des Nordens ist er dem des Kleinbürgers so verwandt, daß Organisation und Propaganda der jungsozialistischen Führer ihn respektieren müssen. Der deutsche Iungsozialist wird nach dem Vorgesagten nicht verwundert sein, statt„Fahrten", Ausflüge im Auto, statt des Abkochens im Grünen Essen im Hotel und Bankette und bei Festen Jazzmusik und Gesellschaftskomödicn statt Volkstänzen und reoolutionär-aktuellem Drama anzutreffen. Er wird einen eigenen Stil proletarischer Jugend bei diesen Ge- legenheiten vermissen. Indes beginnt sich, durch häusige Besuche in und aus Deutschland angeregt, deutscher Einfluß geltend zu machen. Man veranstaltete Ostern ein Zeltlager im De- parte m ent Eure mit gutem Erfolg und steht im Begriff, eine Gruppe der„Campeurs roujes"(Rote Falken etwa) zu gründen. Auch im Vorjahr wurden schon Versuche in dieser Rich- tung unternommen. Man beginnt sich für Jugendherbergen zu interessieren.(Die erste auf französischem Boden wurde ver- gangenen Sommer von der um Marc Sangnier gescharten „feiine Rcpubliqiie" eröffnet) und der kürzlich gegründete Verein für Jugendherbergen gewinnt in der sozialistischen Jugend Anhänger. Eine Umwandlung der rein politischen Bewegung in eine Bewegung der Jungen streng nach deutschem Vorbild— typisch dafür, daß selbst die Hymne der Iungsozialisten„Pa jeune Garde" eine Ueber- setzung aus dem Deutschen darstellt— scheint sich anzubahnen. Aus dem gleichen Grunde, wegen der tiefen Verwurzelung der alten Kultur des bürgerlichen Frankreich im Volke, stößt die Kulturarbeit im sozial! st ischcn Sinn auf Schwierig- leiten. Man klagt über das Fehlen geeigneter moderner dramati- scher Literatur. Das aktuelle politische Drama fehlt ganz. Durch Ucbersetzungen aus der deuffchen und russischen Literatur versucht man Abhilfe zu schaffen. Indessen bleibt, wie schon angedeutet, die eigentliche politische Arbeit im Vordergrund. In den wöchentlichen Zusammenkünften der Sektionen, in den gemischten Ausschüssen(Angehörige der Pac- tei und Jugend) in Propaganda- und sonstigen Komitees wird konzentrierter und systematischer gearbeitet als in Deutschland. Wich- tig ist das aus allen Veranstaltungen wiederholte Glaubensbekennt- nis zur internationalen Verständigung, zur Abrüstung, zur Be- friedung der Welt. Spielfesl der Volksschulen In Treptow war gestern Hochbetrieb Auf der großen Spielwiese im Treptower Part herrscht« gestern wieder fröhliches Sporttreiben: die Berliner Volksschulen hielten wie in jedem Jahr ihr S p i e l f e st ob. Neben den Ver- tretern vieler Schulbehördcn und dem Stadtschulrat N y d a h l hatte auch Oberbürgermeister Dr S a h m, letzterer zum erstenmal, Ge- legenheit, den Sportbetrieb in den Volksschulen kennenzulernen. Er hielt eine Ansprache an die Kinder und wurde dafür mit Beifall überschüttet— wiederum wohl das erste Mal in seiner Berliner Amtszeit! Die Wiese war festlich mit den Reichs» und Landesfarben ge- schmückt. Ueber 700 Spiele aller Art wurden ausgetragen, wobei sich der Schlagball wieder als das rechte Knabenspiel erwies. Den Zweikampf der Knaben(840-Meter-Louf und drei Schlag- ballspiele) gewann die 2 9. Schule in Charlottenburg, die damit den Bronzekranz der Stadt Berlin und den Preis des Lehrerver- bandes— für jeden der siegenden Mannschaft einen Rucksack— eroberte. Die Fahne des Oberbürgermeisters holte sich die 27 3. Sch ule im Völkerballspiel der Mädchen. Alle sonstigen Sieger erhielten ein Büchlein„Spieloolk", das die Turnvereinigung Berliner Lehrer gestiftet hatte. Der Lichtenberger Lehrergesang- verein gab einige Lieder zum besten, über die beifallsfreudig quittiert wurde. Der kommunistische Sportverein„Ficht e' hatte an den Schulen Flugblätter im Stile der„Roten Fahne" verteilen lassen, in denen zur Sabotage des Festes aufgefordert wurde. Ohne Schmutzfinken geht es scheinbar nirgends. Smeifcmpf der Knaben, Lauf»«0 Meter, drei Schlagballfoiele: I. 2S. Schule, Charlottenburg, 513 P.: I. 18. Schule, Friedenau, 5U P.: 3. 300. Schule. 500 P.— Faustboll Knaben: 1. 9. Schule, Reinickendorf, 71 P.: 2. 230. Schule, 1« R-: 3. 52. Aufbauschule, 44 P.— Völkerball der Knaben: 1. 48. Schule, 70 P.: 2. 13. Schul«, Pankow, KZ P.: 3. 52. Schule, 59 P.— Barlauf der Knaben: 1. 21. Schul«, Lichtenberg, 24 P.: 2.>5.-17. Schule. Lichtenberg, 7 P.— Völlerball der Mädchen: 1. 273. Schul«, 130 P.: 2. 283. Schule, 81 P.: 3. 150. Schule, fig P.—«renchall der Mädchen: 1. 312. Schule.- Ball über die Schnur: 1. 123.: 2. 283.: 3. 123. Schule. MusyjJooJlSü Die Stadt emannsdiaft gewinnt 12:4 Gestern absolvierte die Städtemannschaft ihr zweite» Spiel, wozu als Gegner eine kombinierte Mannschaft aufgestellt war. Die.A-Mannschaft befand sich in der ersten Zeit ständig im Angriff und konnte schon nach l0 Minuten das erste Tor buchen, dem sie 3 Minuten später nach gutem Zusammenspiel das zweite Tor folgen ließ. Auch die B-Mannschaft war nicht müßig und hatte im Mittel- ftürmer und Halbrechts gute Leute, die aber den Torwächter nicht überwinden konnten. Die A-Mannschaft konnte, teilweise ungedeckt, die Torzahl auf fünf erhöhen. Erst in der 20. Minute gelang es dem Mittelstürmer der L-Mannschast das erste Tor zu schießen. Gleich nachdem schoß derselbe Spieler wieder, traf aber den Pfosten, nahm den zurückkehrenden Ball sofort auf und setzte ihn in dieselbe Ecke. Doch der Torwart lenkte ab. Die Ecke brachte nichts ein. Kurz vor der Pause verwandelte dann noch Halbrechts einen Frei- wurf zum sechsten Tor für die A-Mannschaft. In der zweiten Halb- zeit wurden neben einigen Umstellungen auch die Torwächter aus- gewechselt. Jetzt war die L-Mannschast schnell am Schuß und konnte in kurzer Folge drei weitere Tore zählen. Aber nicht lange sollte diese Freude dauern: denn die A-Mannschaft gab ihrem bisherigen Torwart reichlich Gelegenheit, sein Können zu beweisen. Sechsmal mußte er doch den Ball zur Mitte geben, wovon auch hier einige Schaffe ungedeckt kamen. Mit 12: 4(6: 1) hatte die Städtemonn- schaft gewonnen. Arbeücr-Hockey Nun rüsten auch die Hockeyspieler de» 1. Kreises wieder zu den Spielen der Serie. Allenthalben wird schon fleißig mit dem Hockey- stock trainiert. Eine ernste Frage ist die Bildung von Iugendmann- schaften. Der Aufruf des Vorsitzenden der Hockeysparte, Compagnini, ist aus fruchtbaren Boden gefallen, so daß es möglich sein wird, zur kommenden Serie eine geschlossene Jugendgruppe heraus- zubringen. Das Stockballspiel zieht immer größere Kreise und erwirbt sich Anhänger auch im Arbeitersport, obschon sich viele, die sich durchaus zu den Arbeitersportlern rechnen dürfen, noch die Reihen bürger- licher Hockeyvereine füllen. Trotzalledem ist es in diesem Jahr gelungen, dem Arbeiter- Hockcysport neue Anhänger einzureihen. Am 19. September findet die Generalheerschau, der H a u p t v e r t r e t e r t a g, in der Kreis- geschäftsstelle statt. Gewaltige Vorarbeit gilt es zu leisten. Wollen doch über 40 Mannschaften untergebracht und für die Spiele ein- gereiht werden. Wer Interesse und Lust und Liebe zum Hockeyspiel in Arbeitervereinen hat, der kann sich jeden Tag in der Kreis» geschäftsstelle, Berlin N., Elsasser Straße 84— 86, melden. Berliner Polizei-Sdiwimmfest 3m Rahmen seiner Iubiläums-Sportwoche voran- staltet« der Berliner Polizeisportoerein im Wellenbad Lunapark ein gut besetztes Schwimmfest, zu dem sich zahlreich« Zu- schauer, darunter auch der Polizeivizepräsident Weiß und Komman- deur Heinmannsberg, eingefunden hatten. Die Ergebnisse der einzelnen Wettbewerbe waren: 10x50.Met-r.DruM<>ffkl: 1. Berl. SV. 78«:17V: 2. P-lu-i«-27.— 100 Meter Kraul ftlr Damen: 1. Meißnerau 04> 1:23,6.— 100 Meier Kraul: 1. Schmidt(Otter-Berlin) 1:05; 2. Schul,- lMagdedur»! 1:05,4.— 100 Meter Kraul(Kl. Id): 1. Schindler(SC. Berlin, 1:00,2: 2. Steiichauff (Frlesen, 1:06,9.— 400 Meter Kraul: 1. G-l, ISSS. so, 5:37V: 2. Berger lSlbcrfcld, 5:4«.— OxlOO-Meter-Lagenstaffrl: 1. Verlin 78 3:42,5: 2. Wasser- freunde 09 3:35,7.— 200 Meter Brust: 1. Wittenbera lV-s.-Berlin, 3:00.— 10x50.Meter.»raulstaff«l: i.©SC. 89 5:045; 2. Poseidon< Berlin, 5:02,6: 3. Magdeburg 96 5:02,7.— Wasserball: Magdeburg 96— Polizei-Berlin 8: 4 >'<: 1>.— 3xiO»,Met«r.KrauIswffel: 1.«osserfreunde 09 3:25: 2. Poli�i-Berlin 3:25,6.-«xlOO-Meter-Bruststoffel: 1.©SC. Reulölln 8:57; 2. Berlin 78 9:06,2. Regatta beim RV. �Vorwärts" Der Ruderverein„Vorwärts", Berlin-Oberschöneweide, bittet uns mitzuteilen, daß für den Ende Oktober beginnenden Ruderkursus schon jetzt Mitglieder aufgenommen werden. Der Ruderoerein„Vor- wärt»" zählt zur Zeit über SS0 Mitglieder. Mehr als 130 Boote zeigen Sonntag für Sonntag die Farben des Vereins auf den märkischen Gewässern. Neben dem Bootshaus in Berlin-Oberschöne- weide besitzt der Verein in Klein-Köri» bei Teupitz ein Vereins- eigenes Grundstück mit Bootshaus, das hauptsächlich den Privatboot- besitzern und dem Ferienaufenthalt der Mitglieder dient. Partei- genossen und Gewerkschaftskollegen, die Interesse haben, den sport- lichen Betrieb des Vereins kennenzulernen, haben hierzu am Sonn- tag, dem 6. September, Gelegenheit. An diesem Tage findet vor dem Bootshaus in Oberschöneweide um 13 Uhr die interne Regatta des Vereins statt. Neben den 8 Rennen, die nur von Vereinsmit- gliedern bestritten werden, wird noch ein bundesossenes Achterrennen ausgefahren. Hier werden außer„Vorwärts", Reichsbanner, Collcgia und die Freie Rudervereinigung 1913 an den Start gehen. Das Eintrittsgeld einschließlich Programm beträgt 20 Pf. An- schließend an die Regatta veranstaltet der Verein eine Auffahrt zum Gewerkschastsfest in Treptow. Schriftliche Anfragen über Aufnahme sind an Gustav Rücker, Weißensee, Rennbahnstr. 2S, zu richten. Arbeiter-Begier treten sn Zn einem großen Treffen am Sonntag Der Bezirk Berlin des Gaus Berlin-Brandenburg vom Deutschen Arbeiter-Kegler»Bund veranstallet am Sonntag, 6. September, ein Keglertreffen aller seiner Bezirks- vereine, an dem auch der Bezirk Brandenburg a. d. Havel fast voll- zählig teilnimmt. Der Kampf findet in der Berliner Kegelsporthalle, Alexandrinenstr. 107, statt und geht über 100 Kugeln für jeden Kegler(5 Bahnen zu je 20 Kugeln). Beginn des Kegelns mit folgender Startfolge: 10.30 Uhr: Vorwärts: 11.30 Uhr: Frei weg- Brandenburg: 12.30 Uhr: Knorke: 13.30 Uhr: Freie Schwimmer- Spandau: 14.15 Uhr: Kampfhähne: 14,45 Uhr: Frei weg 1925: 15.30: Rühr. Mannsch.: 17 Uhr: Zu spitz: 17.15 Uhr: Frei Holze Spandau: 18.45 Uhr: Hohe Kante-Eichwalde. Für den Schreibdienst haben die Vereine 45 Minuten vor dem Start anzutreten. Für kegelfreudige Gäste steht ab 15 Uhr eine weitsre Bahn zur Ver- fügung, so daß Arbeiterkeglern und solchen, die es es werden wollen, Gelegenheit zu sportlicher Betätigung gegeben ist. Ab 17 Uhr findet für die Angehörigen der Kegler Unterhaltungsmusik statt. Arbeiter- sportler und Freunde des Kegelsports sind gern gesehene Gäste und herzlich willkommen. An einem der letzten Sonntage fand im Keglerheim Loebel, Spandau-Hokenfelde, ein Freundschaftsklubkampf zwischen dem AKK. Kegelriege Freie Schwimmer-Spandau 1928 und dem AKK. Frei Holz-Spandou 1928 statt. Geschoben wurden über vier Bahnen je 25 Kugeln. Gewertet wurden von jedem Verein die fünf besten Kegler. Als Sieger ging aus dem Kampf Frei Holz-Spandau mit 3628 Holz hervor. Die Freien Schwimmer,«in im Kegelsport ganz junger Verein, mußte sich mit 3553 Holz als geschlagen bekennen. Beste Einzelkegler waren Ritzmann(Frei Holz) mit 735 Holz und Willi Madel(Freie Schwimmer) mit 732 Holz. bfotorrsd-Sechsta�eLalirt Zusammenstoß am Stilfser Joch Am Mittwoch hatten die Sechstagefahrer die vierte Tagesschleife zu erledigen, die, 334,9 Kilometer lang, bei herrlichstem Sommer- weiter über Bozen, Mcndelpaß, Fucine, Tonalepaß, Apricapaß, Tresenda, über die gewaltige Höhe des Stilfser Joch zurück nach Meran führte. An den Straßen war kaum etwas auszusetzen, auch mit den Steigungen ging es an. lediglich die Abfahrt vom Stilffer Joch verursachte einige Schwierigkeiten. Sie wäre dem Mllnchencr Ernst Henne auch beinahe zum Verhängnis geworden. Er stieß mit einem entgegenkommenden Privatfahrer, der auf der falschen Seite fuhr, zusammen. Glück- licherweise ging alles noch glimpflich ab, an Hennes Maschine war nur das Nummernschild verbogen, so daß er seine Fahrt, auch heute wieder an der Spitze vor allen anderen, ungehindert fortsetzen und mit gutem Zeitvorsprung am Tagesziel eintreffen konnte. Julius v. K r o h n, der am Vortage 25 Kilometer vor dem Ziel mit dem Straßengraben Bekanntschast gemacht hatte und wegen Zeitverlustes drei Strafpunkte hinnehmen mußte, kam auch am Mittwoch nicht ganz glatt durch. Ein Reifenschaden kostete ihn soviel. Z�it, daß man ihm weitere drei Strafpunkte aufbrummte, so daß die deutsche Trophäenmannschast jetzt sechs Strafpunkte hat, während die italienische mit den drei Gilerafahrern Maffeis, Grana und Gilera noch allein strafpunktfrei ist. Der Franzose N. Coulon(Terrot) gab auf, neben v. Krohn verspäteten sich noch weitere vier Konkurrenten, von denen der Engländer W. Clarke(Vincent HRD.) einen, sein Landsmann L. M. Deville(PM.) 21, Miß Chris. Herbert(Calthorpc) 15 und der Engländer Shephard(Norton) sogar 40 Strafpunkte hin- nehmen mußten._ Wien'West gewinnt den Reumann-Prcis Bei den diesjährigen Wettkämpfen der österreichischen Kraft- sportler im Heben um den Reumann-Preis startete die Favoriten- Mannschaft des Bundesbahner-Athletikklubs Wien-West in ausge- zeichnete? Form. Die Wiener gewannen nun zum dritten Male den schönen Wanderpreis mit einer Gesamtleistung von 1897,10 Kilo- gramm. Bei diesem Sportfest wurden gleich vier neue öfter- reichische Höchstleistungen von den Wiener Gewichchebern ausgestellt. Der Bantamgewichtler E s ch e r bezwang im rechts Stoßen 85 Kilo- gramm, der Schwerste Stiel stieß rechts 110,50 Kilogramm, R ö d l a g l drückte beidarmig 105 Kilogramm und Hellenberg konnte im links Stoßen 82,30 Kilogramm einwandfrei in die Höhe bringen. -ARBEJTEH fUSSBALL Jugend- und Sdiülerspiele am 6. September Zum kommenden Sonntag sind vom Jugendausschuß folgende Spiele angesetzt: Iugendmannschaften: Staaken gegen Brandenburg 1(Schiedsrichter Butab), Beginn 13.30 Uhr: Wilmers- darf gegen Eintracht-Reinickendorf(Minerva), 12 Uhr: Nowawes 2 gegen Drewitz(auslosen), 11 Uhr: Nowawes 1 gegen Lichtenberg I, 10 Uhr: Normannia 1 gegen Saxonia(Lichtenberg I), 10 Uhr: Minerva 2 gegen Lichtenberg I 2(Wilmersdorf), 11.40 Uhr: Minerva 1 gegen Vorwärts-Wedding(ASV.-Neukölln), 10.30 Uhr: Brandenburg 2 gegen ASV.-Neukölln(Ieserich), II Uhr. Schülermannschaften: Drewitz gegen Capuch(Nowawes). 10 Uhr: Freie Scholle gegen Nowawes(auslosen), 10.30 Uhr: Minerva gegen Elstal(auslosen), 13 Uhr. Spielabsagen sind bis spätestens Freitag, 19 Uhr, beim Gegner und beim Iugendobmann H o l t f o t h zu melden. Die Spielformulare und Resultate müssen bis zum Montag eingesandt werden. Im Pattboot übers Plittelmeer Ein tollkühner Wiener Paddler Wir lesen im Wiener„Abend": Ein Wagnis besonderer Ari hat der Wiener Theodor Helm vor kurzem unternommen. Er hat die Ueberfahrt von Sizilien nach Tunis in einem ganz gewöhn- lichen Faltboot unternommen. Am 12. August vormittags braä) er von M a r f a l a auf und gelangte nach 40stündigcr ununter- brochener Fahrt an das Kap Bon Tunisien. In einem Schreiben, das er an die Schriftleitung des„Abend" richtet, schildert der kühne Ozeanüberquerer in kurzem seine Erlebnisse. Das Meer ging ziemlich hoch und es wehte ein ziemlich starker Nordwcstwind. Ohne auch nur eine Minute schlafen oder aus- ruhen zu können, mußte Helm den schweren Kampf mit den Wogen und dem Wind bestehen. Das kleine Boot, eine gebrechliche Nuß- schale gegenüber den Wellenbergen, die sich dagegen heranwälztcn, tanzte in der Finsternis hin und her, und mehr als einmal glaubte Helm, daß sein Ende gekommen sei. Der Nordwestwind schlug später in einen stürmischen Schirokko um, der das Meer wild auf- peitschte. Jeden Augenblick war das Boot in Gefahr umgeworfen zu werden. In der ersten Nacht, vollkommen durchnäßt und von der Kälte geschüttelt, verlor Helm fast die Orientierung, da er seinen Kompaß nicht sehen konnte. Er fuhr aufs Geratewohl in der aufgewühlten Wafferwüste, in tiefster Dunkelheit umher. Lediglich fein Orientie- rungssinn führte ihn in die Richtung der Küste. Als es Morgen wurde, sah er nach seinem Kompaß, daß er ein wenig zu weit nach Süden abgetrieben worden war. Mit allen Kräften ruderte er west- wärts und nach vierzigstündiger Fahrt, vollkommen erschöpft, landete er an der tunesischen Küste._ Abcndrennen zu Maricndorf. Die auf Freitag. 4. September, 18 Uhr, verlegten Abendrennen zu Moriendors bringen in dem Matadoren-Ausgleich wieder eine interessante Konkurrenz, die über die Strecke von 2000 Meter ein größeres Feld schneller Pferde vereinigt. Eine Sawall-Ehrung. Für Walter Sawall, der in Kopenhagen zum zweiten Male die Weltmeisterschaft der Dauerfahrer gewann. sind für Ende der Woche große Ehrungen vorgesehen. Sawall trifft Sonnabend, 5. September, 17.30 Uhr, auf dem Potsdamer Bahnhof ein. Die zuständigen Verbände bereiten einelz Empfang vor mit Bannerdeputation, Musik usw. Nach dem offiziellen Empfang gehts in den Sportpalast zum Biertrinken. «erbeseie» der FT SB. i»»u». Wegen baulicher Vehinberungen muft die fllr den 5. September angesetzte Veranstaltung auf ein späteres Datum verlegt werden. Touri sie- verein ,Di« Ratursreunde". Freitag, 4.»«ptember, 20 Uhr. Abt. Charlottenburg: Sprerstr. 30: Seschöstlichev, Singsang.— Faltboot. abtrilung: Iohannisslr. 15: Naturfunde.— Abt. Britz: Chausserstr. 48: Ge» schäftliche z.— lugcndgruppe Humboldthain: Schönsledtstr. 1: �Entwicklung de; Weltall,".—«dt. Treptow: Elsenstr. 3:.Vollsbilhn«".— Abt. Lichtenrade: 19� Uhr bei Deblam, Bahnhof. Ecke Ooltzstratze:„Der 9. Thermidor".— Abt. Vinetaplatz: Lortzing. Ecke Graunfiratze.— Abt. Stedost: Britzer Str. 27: Litera. tischet Abend.— Abt. Schönhauser Vorstadt: Rastenburger Str. 1«, Mitglieder. Versammlung.— Photo Osten: Frantfurter Allee 307.— Photo Neukölln: Bergstr. 29.— Montag, 7. September, 20 Ihr. Photogemeinsihaft: Johannis. strahe 15; Geschäftliche-, Bilde riritik.— Malgemeiirschast: Wrangelstr. 128. Arbriter-Sportverriu Schöucberg Friedenau 07. Heute Beginn de» Hallen. traimno fllr Jugend und Männer, Turnballe Besziger Straße. Sitzung der Handballspieler Kweelo Aufstellung der Mannschaften. ASC. Monatsvcrsammlung Freitag, 4. September, 20 Uhr, Lvhnigk, Mllhlenstraße, Brornmvbrllcke. Arbeiter. Tporttegelllud Vorwärt». Training-abrnd Freitag, 20 Uhr, in der Sporthalle Aletzandrinenstr. 107. Bczirtskartell Zreptvw. Montag, 7. September, 20 Uhr,«artellsttzung bei Pomp, Nirderschbneweide, Hosselwerderstr. 12. Freier Fuhlalloerein Lichtenberg II. Haute, 20 Uhr, wichtige Besprechung, Sportrestourant„Osten-, Normannen. Ecke Ruscheftvahe. Zur Bervollständi- gung der»weiten Mannslchaft können sich noch Futzballspieler melden. Auf Rädern ausPalästina durch Europa Wie die palästinensischen Arbeitersportler zur Wiener Olympiade fuhren Palästina hat eine große Arbeitersportbewegung. Die jüdische sozialdemokratische Arbeiterpartei und die anderen Organisationen haben schon seit ihrem Bestehen die Notwendigkeit einer eigenen Sportbewegung erkannt, und so entstand der große Arbeiter- sportklub„Hapoel"(„Der Arbeiter"). Die palästinensischen Arbeitersportler treiben all« auch in Europa üblichen Sportarten. Große sehr schöne Sportplätze im ganzen Lande nennt der„Hapoel" sein eigen. Die Sporterfolge des„Hapoel" sind sehr bedeutend. So gelang es den Arbeiterfußballern zum erstenmal die englische Militärmannschaft(Meister des nahen Orients) zu schlagen. Di« Wiener Arbeiterolympiade war dieses Jahr das Ziel der morgenländischen Arbeitersportler. Die Delegation war denn auch 300 Mitglieder stark. Acht Mitglieder des„Hapoel" entschlossen sich, einen Rad- fahrertrupp zu bilden und aus Palästina auf den Rödern nach Wien zu fahren. Die Arbeiterbewegung ganz Palästinas begleitete mit guten Wünschen die Genoffen. Am schönsten war das gute Derhältnis der arabischen Arbeiterfportler zu ihren jüdischen Ge- noffen. Die arabischen Arbeiter veranstalteten eine große Abschieds- feier und bedauerten, keine Bertretung nach Wien entsenden zu können, sie hofften aber bei der nächsten Arbeiterolympiade auch schon vertreten zu sein. Di« arabischen Arbeiter trugen durch die jüdischen Genossen ihre herzlichen Grüße für Wien auf. So feierten Juden und Araber unter der Fahne der internationalen Arbeiter- fportbewegung Freundschaft, und die„Erbfeindschaft" war ver- schwunden. Die zionistischen Behörden erleichterten den Radfahrern die Fahrt und so ging es im April zunächst aufs Schiff nach Italien und dann mit den Rädern durch Europa. Man hatte bis zur Olympiade noch reichlich Zeit und machte deshalb zunächst eine Tour durch Europa. Durch Italien fuhr man nach der Schweiz. Die Berge hinauf, dann aber auch als Belohnung herunter. Dann ging es durch Frankreich, Belgien nach Holland, dem klaffifchcn Radfahrerland mit den besten Wegen. Ueberall, wo die roten Fähnchen der palästinensffchen Radfahrer auftauchten, wurden sie herzlich empfangen. Unterkunst, Verpflegung, alles wurde im Nu geschaffen und man ließ die Gäste nirgends bezahlen. Josef ben Hanoch, der Führer der Radsahrertruppe, der auch Arbeiterschauspieler des bekannten sozialistischen hebräischen Theaters „Ohel" ist, erzählt mit besonderer Begeisterung von dem Empfang, den die deutschen sozialdemokratischen Gruppen in den kleinsten Städtchen in Süddeutfchland und am Rhein veranstalteten. Man sühlle sich überall, wo nur das Banner der deutschen Sozioldemc- lratie auftauchte, gleich als Bruder und zu Haufe. Kreuz und quer durch Deuffchland fahrend, in den kleinsten Orten hallend, haben die Radfahrer aus Palästina die große deutsche Bruderpartei und ihre Freundschaft kennengelernt. Nachdem sie in der Schweiz den zionistischen Kongreß besucht hatten, ging es nach Oesterreich, noch Wien, zur Olympiade. 7600 Kilometer hat man ohne Unfall durchfahren. Gute und schlechte Wege, Sonne und Sturm, schlafend im Heu und in Betten. Und m Wien marschierten sie mit den Hunderttausend in Reih und Glied.„Schalom!" ertönte ihr Gruß und„Schalom" heißt Fried«!