Morgenausgabe Kreiiag � � 4™„51 ®'Äat?b«:Äu*4"5■■ MV Miftm I■■ Ii MW�M Auswärts � Pf. einschließlich 60 Pf. Postzeiwngs- und BM h�Ba H H■ H H H■■ H // Hl 72 Pß P-ftdeft-llg�ühren. Zlu-Innd�. I t£-H W W H H H H W W H�iH H/ l». einspall. N-np°»M.z.iI. SS W. -b°nn.m.m k.- M. pr° Mona«! w- WWWt fr BM H H H H H H H H H H■ AL ReNnmezeiie 5,- RM...»leine An- Lind» m„.em°ß,g!.m Drucksachen.! I Wl WW W WWW WH H H, eigen" das seNgedruck.e Werl 2S PI. M. rBg 1 HM. �M MI f lzulässig s-llg-bru»>e Worte», * Hl: I H H H �Br/M weiter. War, lZ P,. Rabatt ll. Taiis. Der.LorrniN»' erscheint wochentig» W Hl //■ Slellengesuch. da. erst- W°� I» Ps. lich zweimal, Sonntags und Manraa« �MU BB\ // JHj'A m Tri �-�i m imr,J einmal, die Abendausgabe für Berlin //- H 15 Buchslab.n zahlen w. Warl�. und im Handel mit dem Titel.Der W/ ilrb.itsmar« Zeil, 60 Pf S-miliei». «bend- Illustrierte Beilage.Voll �.4 A*M mm' � anzeigen s-ile 40 P> ilnzetgenannahm, ZSM-Ss Vevttnev Vvwsblait»ZZZZR; Jentvalorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin SW 68. Lindenstr. Z �ernspr.: Dönhoff[k 7) 292—297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Eine Diktatur weniger. Verfassungsstaat Iugoslawien. Von Hermann Wendel. Ein weithin hörbarer Paukenschlag: In der Nacht vom 1. zum 3. September hat König Alexander sich der un- umschränkten Gewalt begeben, die er in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar 1929 an sich gerissen hatte, und hat die Ve r f a s su n g s m ä ß i g k e i t wiederherge- stellt. Seit gestern zählt Europa eine Diktatur weniger, einen Berfassungsstaat mehr. Ein Aufruf„An mein teures Volk", an allen Mauern Belgrads klebend, tut dar, die Diktatur werde abgebaut, weil ihre bisherigen Ergebnisse den Uebergang zu einer end- gültigen Organisation des staatlichen Lebens gestatteten; der Monarch greift also ganz aus freien Stücken„aus die un- mittelbare Mitarbeit des Volkes" zurück. Die Verfassung— der Herr hat sie genommen, der Herr hat sie gegeben, der Name des Herrn sei gelobt! Aber wer lächelt da nicht! Mögen dem König immerhin Bedenken über Bedenken aufgestiegen sein, ob er mit dem Regime des unkontrollierten und un- kontrollierbaren Absolutismus auch im dynastischen Interesse auf dem rechten Wege sei, so hat doch sicher mehr oder weniger sanfter Druck ihn zu dem Schritt bewogen, den Diktatoren selten oder nie freiwillig tun. Dieser Druck kam wohl kaum aus dem Innern des Landes, denn obwohl die Diktatur bei Serben, Kroaten und Slowenen außer der dünnen Schicht ihrer Ausüber und Nutznieher nicht einen Anhänger zählte, dursten sich die Machthaber bei der Willenslähmung der breiten Massen sicher fühlen, solange die Armee, das heißt, das Offizierkorps hinter ihnen stand. Auch war die Bombenlegertätigkeit der mit dem reaktionären Abhub von ganz Europa versippten kroatischen Emigration nicht danach angetan, aus die Dikta- toren im Sinne einer Aufhebung der Diktatur einzuwirken. Aber daß in der Tschechoslowakei, die innerhalb der Kleinen Entente Iugoslawien am nächsten stand, gerade die maßgebenden Staatsmänner wie Mafaryk und Benesch das absolute Regime in Belgrad mit steigendem Mißfallen be- trachteten, war kein Geheimnis, und es fehlte auch nicht an Bestrebungen, der französischen Regierung begreif- lich zu machen, daß die Diktatur nicht geeignet sei, den mili- tärischen Wert des jugoslawischen Bundesgenossen zu steigern. Vielleicht hat Paris deshalb in Belgrad den Wink gegeben, den es schon längst hätte geben sollen. Vor allem aber hat zweifellos das Anleihebe- dürfnis eines Staates, der unter einer Wirtschafts- krife in dreifacher Ausfertigung, der allgemeinen, der südosteuropäischen und der besonderen jugo- slawischen, schwer leidet, zur inneren Einkehr der Macht- Haber beigetragen, denn das Kapital schlägt um Länder, in denen nur die Bajonette den ruhigen Ablauf der Geschäfte zu verbürgen scheinen, einen ängstlichen Bogen. Die Geschichte wird einmal von den Ereignissen der Jahre 1929 und 1931 in Iugoslawien sagen, daß Verfassungen, die von einem Herrscher nach Belieben mit einem Federstrich gegeben und genommen werden können, nicht eben hoch im Kurs stehen; auch für den Südosten unseres Erdteils gilt Uhlands Wort: Noch ist kein Fürst so hoch gefürstet, So auserwählt kein ird'scher Mann. Daß, wenn die Welt nach Freiheit dürstet, Er sie mit Freiheit tränken kann, und in Belgrad saß schon einmal ein Alexander, der für sein Volt und Land das Licht der Verfasiungsmäßigkeit nach Be- lieben abdrehte und anknipste; er gehörte der Dynastie Obrenowitsch an, und wie er endete, ist bekannt. Auch ist unter dem neuen Stand der Dinge die Souveränität des Volkes wesentlich eingeschränkter als vor dem Staatsstreich: das Zweikammersystem und die Ernennung der Hälfte des Senats durch den König gibt der Krone ein Uebergewicht. das sie in der Verfassung von 1921 bei weitem nicht hatte. Gleichwohl kommt dem Dekret des 3. September nicht geringe Bedeutung zu: ein Spieler, der 32 Monate ganz aus- geschaltet war, das Volk, betritt wieder die politische Bühne. Freilich ist die Hinterlassenschaft der letzten 2� Jahre zu verhängnisvoll, als daß sofort normale Zustände zu er- warten wären. Wenn die Diktatur die Wahrung der natio- nalen und staatlichen Einheit auf ihre Fahne schrieb, so hat, im Gegensatz zu den Nichtswissern und Wirrköpfen im Kommunisten- und Caf�bauslsteratenlager, die Kroaten und Slowenen als nationale Mtiwartzeit bezeichneten und sich für die Rechte der montenegrinischen„Nation" begeisterten, die Sozialdemokratie stets betont, daß da» südslawische 1 Vorwarts-Verlaa G. m. b. H. Mainz. 3. September.(Eigenbericht.) Die Mainzer Stobthalle war am Donnerstagabend der Schau- platz einer gewaltigen Kundgebung der freien Gewerkschaften s ü r den Frieden und für die Verständigung der Völker. Die Kundgebung, die um 7 Uhr begann und unter ungeheuer starker Beteiligung der Arbeiterschaft vor sich ging, wurde eingeleitet durch einige kurze Ansprachen des Staatspräsidenten Dr. Adelung, des Vundesvorsitzenden des ADGB. Theodor Leipart, des Generalsekretärs der französischen Gewcrtschasten I o u h a u x, des Sekretärs des Internationalen Gewerkschaftsbundez Schevenels und des Bürgermeisters der Stadt Mainz Dr. K r a u ß. Im Mittel- Punkt der Kundgebung stand eine wuchtige Rede, in der Peter Graßmann, Vorsitzender des ADGB., der tiefen Sehnsucht der deutschen Arbeiter nach Frieden und Verständigung, nach einem Aus- weg aus der Not beredten Ausdruck verlieh wir wollen Verständigung mit allen Völkern, wir wollen Frieden ganz besonders mit unserem„Erbfeind". Im Gegensatz zu dem, was aus so nzanchen Rheinlandfeiern unter großem Wortschwoll erzählt wurde, betonen wir mit allem Nachdruck, daß es vor allem das Verdienst der Gewerk- sch asten war, wenn während der Besetzung die Einheit der deutschen Republik gerettet wurde. Wie war es denn? Darf ich einige Eriimerungen auffrischen? Notwendig ist et; denn das Gedächtnis mancher Leute ist furchtbar schwach, wenn es sich um Erinnerungen an Großtaten der Arbeiter handelt. Längs dem Rhein stand fremdes Militär. Das Rheingebiet war gegen das Reich abgeriegelt. Das Wirtschaftsleben stockte. Der Personen- und Wagenverkehr war unterbunden. Jeder Einwohner, der über 12 Jahre alt war, mußte im Besitze eines Paffes sein. Die Soldateska und besonders die Offiziere benahmen sich, als ob sie noch mitten im Kriege wären. Gewerkschaften und Sozialdemokratie unternahmen Schritte bei dem General Mangin zur Erleichterung der Lag« der Bevölkerung. Es folgten dann auch einige Erleichte- rungen. Trotzdem? es war eine schwere Zeit. Es gab kein« Ver- bandszeitung, es gab keine Beitragsmarken, Reisegenehmigungen wurden nur selten erteilt. Reisen ohne Genehmigung waren mit Lebensgesahr verbunden. Dazu kam das Versammlungsverbot. Das Bestreben, die Gewerkschaften intakt zu holten, wurde gefährdet durch die Separatisten, politisch« Abenteurer und Streber, von denen manche hellte in den Reihen der radikalen Flügelparteien sind. Es sind diefetben Leute, die die Ausrufung der rheinischen Republik unter Dr. Dorten mitgemacht haben. Die Gewerkschaften waren der Stütz- undSammelpunkt aller der deutschen Republik Treugebliebenen. Am 2. Juni 1921 wurde ein Generalstreik allgemein durchgeführt. Es war ein kühner Schlag. Die Betriebe standen still. Die Läden waren geschlossen. Die Straßenbahnen stellten den Verkehr ein. Zlm 3. Juni erklärten die Gewerkschaftsfunktionäre in einer von Ofsizieren überwachten Sitzung, niemals würden die freien Gewerkschaften sich dazu zwingen lassen, die Separatisten am Rhein zu dulden. Scharse Kritik wurde in dieser Versammlung an dem Verhalten der Be- satzungstruppen geübt wegen der Duldung und Unterstützung des Separatismus. Der überwachende Offizier drückte beim Verlassen Einheit nicht nur eine Wahrheit, sondern auch eine Tatsache von revolutionärer Bedeutung sei. Aber ebenso dick hat die Sozialdemokratie bei jeder Gelegenheit unterstrichen, daß die Diktatur hier eine revolutionäre Tatsache mit ur- reaktionären Mitteln aufrecht zu erhalten unternahm; wie der preußische Friedrich Wilhelm I. auf dem Rücken seiner Untertanen den Bambus tanzen ließ:„Lieben sollt ihr mich, Kanaillen!", so suchte das Regime des 6. Januar 1929 Serben, Kroaten und Slowenen die Liebe zum jugoslawischen Gedanken mit Stockprügeln einzubläuen. Mag deshalb eine Reihe von Gesetzen wie vor allem die Aenderung des Staats- namens und die Neueinteilung des Staatsgebietes durchaus auf dem Wege zur jugoslawischen Einheit liegen, so bewirkten alle Verordnungen doch nur ein Mechanisches, ein Aeußer- liches; das Organische, das Innerliche, das seelische Hinein- wachsen der Volksmassen in die Staatseinheit kann nur Er- gebnis eines langsamen Entwicklungsprozesses, nie und nimmer einer überstürzten Gewaltpraxis sein. Weil diese Praxis zum Teil mit wahrhaft asiatischen Methoden eine Un- summe von Erbitterung erzeugt hat, steht das neue Ver- Postscheckkonto: Berlin37 53K.— Bankkonto: Bankier Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3. Dt. B. u.Disc.-Ges., Dcpositenk., Jerusalemer Str. K5/KS. der Versammlung den Arbeitern ausdrücklich seine Achtung aus für ihr mutiges und tapferes Verhalten. Was war die Folge der Abwehr der Arbeiter? Die deutsche Verwaltung konnte zunächst wenigstens ihre Tätigkeit wieder auf- nehmen. Trotzdem bestand natürlich der Druck der Besatzungs- be Horden weiter. Noch schlimmer wurde die Lage beim Ein- marsch der Besatzungs truppen ins Ruhrgebiet. Die Gefängnisse füllten sich, aber die dadurch entstehenden Lücken in der Front des Widerstandes wurden sofort ausgefüllt. Die Lage war reif zur Explosion. Im Augenblick der Hochspannung entrissen hunderte von Arbeitern, nur unvollkommen be- wassnet, den schwerbewaffneten Separatisten die von ihnen besehten Gebäude. Sie zogen die grlln-weiße Separatistenfahne ein und installierten die deutschen Behörden wieder in ihren Funktionen. Die Arbeiter des ganzen besetzten Gebietes haben ihr Leben und ihre Existenz eingesetzt für die Unabhängigkeit des Reichsgebiets. Sie haben nicht nach Dank gefragt und keine klingende Entschädigung erwartet— im Gegensatz zu anderen Schichten. Ohne den zähen Kampf der Gewerkschaften, ohne die Ruhbar- machung ihrer nationalen und internationalen Beziehungen wäre nie ein Umschwung am Rhein eingetreten, wäre die vorzeitige Räumung der zweiten und dritten Zone nicht erreicht worden. Das muß einmal festgestellt werden gegenüber denjenigen, die mit ihrer Vaterlandsliebe prahlen, die aber in den schlimmen Jahren sich entweder im Hintergrund hielten oder gor mit dem Separatio- mus liebäugelten. Diese Erinnerungen haben nichts gemein mit Nationalismus, aber sie bekräftigen, was stets die Auffassung der Gewerkschaften war: Voraussetzung wirklicher internationaler Verbundenheil und internationaler Solidarität ist die Freiheil und politische Unab- hängigkeil jedes Volkes. Nur der denkt und handelt— so hat Jean I a u r e s ausgedrückt— wirklich international, der zu seinem Wort steht. Je mehr er dies tut, um so mehr wird er vermeiden, einem Volk anzutun, was für das eigene abzuwehren er für unabweisbare Pflicht halten muh. Die bitteren Erfahrungen der letzten Jahre, die Nöte der jüngsten Zeit— sie sind die stärkste Rechtfertigung für unsere Idee: Wir wollen Brücken schlagen zu allen Völkern, wir wollen vor ollem die Verständigung mit Frankreich. Wir fordern die Mrüstung auf der ganzen Linie und engste Wirtschaft- liche Beziehungen, die in eine Befriedigung Europas und damit in einen Frieden der Welt ausmünden. Die internationale Familie der Arbeit ist durch den Weltkrieg auseinandergerifscn worden. Bekenner derselben politischen und wirtschaftlichen Ideen standen sich mit der Waffe in der Hand gegenüber. Das soll niemals mehr sich wiederholen. Es lebe der Frieden, der Frieden am Rhein, der Frieden mit Frankreich, der Frieden der Welt! Ein Beifallsorkan trug Graßmanns Friedensgrüße aus dem großen Saal hinaus in das Land am Rhein. fassungsleben vor nicht geringeren Schwierigkeiten als das alte,. und nur die glückliche Eigenschaft südlicher Völker, rascher vergessen zu können, bietet eine gewisse Gewähr dafür, daß Iugoslawien nicht abermals in das vor der Diktatur herrschende heillose parlamentarische Durcheinander stürzt. Es bedarf aber der Demokratie, der wahren, unver- fälschten Demokratie, um die Wunden auszuheilen, die die Diktatur dem Lande geschlagen hat, der Sozialdemokratie fällt hier eine nicht kleine Rolle zu, und vor allem hängt es, Konstitution hin, Parlament her, von den V e r w a l t u n g s- und Polizeipraktiken ab, ob Jugoslawien über das Geographische hinaus wieder zu den europäischen Staaten zählen wird. Die Wirkungen der Umkehr auf einem bösen Wege müssen sich sehr bald zeigen, und es mag ein gutes Vorzeichen sein, wenn all jene, die von der Zerrüttung des jugoslawischen Staates ihr Heil erwarteten, also„Makedonisierende" in Bulgarien, Erwachende in Ungarn und Faschisten in Italien, die Abschaffung der Belnr�« Diktatur mit einem: O weh' quittieren werden. Für den Frieden am Mein. Verständigungskundgebung der Gewerkschaften. Reichsfinanzen und Interessenten Sesährliche Pläne mit der Hauszins- und tlmsahsteuer. Genugtuung bei den Siegern. ErNärungen FlandinS, Grandis und KrostaS. Genf. 3. September. Nach den bereits gemeldeten Erklärungzen Schobers und Curtius' erklärte der französische Finanzminister Flandin, im Namen seiner Regierung nehme er Kenntnis von der in so glücklicher Weise zum Ausdruck gebrachten Absicht der beiden Regierungen, den Plan einer Zollunion nicht weiter zu verfolgen. Er hoss«, daß das durch diesen Plan unbestreitbar entstandene U n- behagen nunmehr behoben sei und daß günstigere Be- dingungen für die Entwicklung der europäischen®e- meinschaft, die den Daseinszweck dieses Ausschusses bilde, ge- schaffen würden. Frankreich und seine Regierung seien nach wie vor von dem Wunsche bese-stt, nach praktischen Mitteln zu suchen. um den F r i e de n zur Schaffung einer immer engeren moralischen und materiellen Solidarität zu. sichern. Der italienische Außenminister G r a n d i erklärte, er nehme mit Befriedigung Kenntnis von den Erklärungen des deut- schen und des österreichischen Bertreters, daß sie den Plan einer Zollunion nicht weiter verfolgen wollten. Er würdige den Geist, der die Erklärungen der beiden Regierungen bestimmt habe und stelle gern fest, daß diese Frage nunmehr aus der Diskussion ausgeschieden sei. Die Erklärungen der beiden Regierungen könnten als Beseiti- gung eines Grundes zur Verstimmung in allen Ländern nur ein günstiges Echo finden und würden den Willen zur Zusammenarbeit wecken, dessen Deutschland und Oesterreich angesichts ihrer Schwierig- keiten bedürften. Der tschechoslowakisch« Delegierte, Gesandter Krafta, erklärte, daß er mit lebhaftester Befriedigung von der deutschen und der österreichischen Erklärung Kenntnis nehme und überzeugt sei, daß sie zur allgemeinen Befriedung Europos beitragen werden. Lord C e c i l beschränkte sich auf«ine Begrüßung der ver- söhnlichen Worte, die Schober und Curtius gesunden hätten, und fügt« dem«in« Aufforderung zur Zusammenarbeit hinzu. Litwinow, der wieder über kapitalistisches nnd sowjetisches Wirtschaftssystem sprach, begründete ausführlich seine Borbeljalt« zu dem Wirtschaftsbericht. Scharf polemisch gegen Deutsch- l a n d bezeichnet er die Vorzugszölle, die Curtius als Ausnahme kurzfristig zulässig nannte, als einen Angrifsspakt gegen Sowjet- ruhland. Die ständige cherumreichung seines Nichtangriffspakt- Vorschlages von Komitee z» Komitee ironisierte er und will die Prüfung in einem kleinen Ausschuß noch in dieser Woche vollzogen wissen. Damit war die Generaldebatte erschöpft. Der Bericht des Koordinationskomitees an die Völkerbundsoersammlung wurde an- genommen. , Als Präsident der 12. Vollversammlung des Völkerbundes wird, wie man als sicher hört, der Präsident der schwedischen 1. Kammer, A. S. Vennei-den, gewählt werden. Venneisden ist Konservativer und ehemaliger Minister. Die Kapitulation vor dem Finanzkapital. Zu der inzwischen erfolgten Verzichterklärung auf den Zoll- unionsplan schrieb die Wiener„Arbeiterzeitung" am Donnerstag. mötM: Es war lange schon klar, daß es so kommen wird. Nach dem Sturz der K r e d i t a n st a l t in Oesterreich und der Donatbank in Deutschland war es sicher, daß die beiden deutschen Staaten in ihrer schwersten finanziellen Bedrängnis den Konflikt mit dem goldmächtigen, die Kreditmärkte Europas beherrschenden Frankreich nicht werden durchhalten können, daß sie vor dem französischen Ein- spruch gegen die deutsche Zollgemeinschaft werden kapitulieren müssen. Ein großer Versuch in einer großen Sache endet so mit einer schimpflichen Niederlage... Die britische Arbeitcrregierung betrachtete die Frage in der Tat als Frage des Rechtes: cheitderson setzte durch, daß der Internationale Gerichtshof ersucht wurde, zu prüfen, ob Deutsch- land und Oesterreich das Recht haben, eine Zollgemeinschaft mit- einander zu schließen, ohne vertragsmäßige Bindungen zu verletzen. Aber für die k a p i t a l i st i f ch e Regierung Frankreichs, für die faschistische Regierung Italiens war es kerne Frage des Rechtes. Sie donnerten Deutschland und Oesterreich ihr Verbot entgegen. Brüning und Ender, Curtius und Schober haben das im voraus wissen müssen. Sie haben sich, ehe sie einen Entschluß faßten, die Frage vorlegen müssen, ob Deutschland und Oesterreich stark genug sein werden, ihren Plan gegen den Einspruch Frankreichs durchzusetzen. Haben die Herren der Regierung Ender-Schober nicht gewußt, wie es mit der Kreditanstalt, die Herren der Regierung Brüning- Curtius nicht gewußt, wie es mit der Danatbank und der Dresdner Bank stand? Haben sie nicht gewußt, daß Frankreich die Macht hatte, durch Kündigung von Milliarden kurzfristiger Kredite, die die französische Hochfinanz den deutschen und den österreichischen Banken gewährt hatte, dos ganze Kreditsystem in beiden Staaten in die schwerste Krise zu stürzen und durch Deutschland und Oesterreich aus die Knie zu zwingen? Jetzt sind die Folgen da: Bankenkrach, schwerste Verschlimme- rung der Wirtschaftskrise und als Resultat— die Kapitulation! Wir Sozialdemokraten waren von der Stunde des Zusammen- bruchs der Habsburger Monarchie an die Vorkämpfer des Anschlusses Deutschösterreichs an Deutschland. Als aber die beiden Regierungen im März ihren Vorstoß machten, hatten wir sofort die ernsteste Be- sorgnis, daß die beiden Regierungen ihren Vorstoß in einem Augen- blick unternahmen, in dem er nur zu einer Niederlage führen tonnte. In der Stunde, als der französische Imperialismus gegen die deutsch-österreichische Wirtschaftsgemeinschaft tobte, haben Leon Blum und Grumbach, die Sprecher des französischen Sozialismus, auf der Tribüne der französischen Kammer erklärt: So unzeitgemäß die Aktion der deutschen und der österreichischen Regierung auch ist— in einem wahrhaft befriedeten Europa wird dem österreichischen Volke sein Recht auf den Anschluß nicht verweigert werden können! Und vor wenigen Wochen, auf dem Wiener Kongreß der Sozialistischen Arbeiter-Iinternationale, haben die sozialistischen Parteien der Siegerländer, die französischen Sozialisten voran, feierlich die Verpflichtung übernommen, daß sie d«* in den Friedensverträgen diktierte Unrecht tilgen, das Selbstbestimmungsrecht der besiegten Nationen oerwirklichen werden, sobald sie die politische Macht in ihren Ländern erobern. Es ist eine Utopie, zu glauben, das Selbstbestimmungsrecht des deutschösterreichischen Bolls könne verwirklicht werden, solange der Säbel und das Gold des-französischen Imperialismus Europa be- herrschen. Unser Selbstbestimmungsrecht wird uns erst werden, wenn der Sozialismus die Macht haben wird, die Friedensverträg« za«vidieren. Der Kapitalismus ist«cht mehr imstrmde. die Prahl«»» kurogqß- m Mt vdämaim Prottane so wenig Pressemeldungen unterstreichen immer wieder, daß die Finanz- bürokratie des Reichs mit gefährlichen Plänen umgeht. Danach soll die Reichsregierung die feit einiger Zeit diskutierte Senkung der Hauszins st euer in Verbindung mit einer Mieten- s e n k u n g in ihren Plan aufgenommen und die Absicht haben, den dadurch entstandenen Steuerausfall durch eine Erhöhung der Umsatzsteuer auszugleichen. Wir müssen nochmals vor allen Plänen solcher Art ein- dringlich warnen. Es ist ernsthaft zu befürchten, daß man die Senkung der Hauszinssteuer in Wirklichkeit zu ganz andere« Zwecken vornimmt als dem der Erleichterung für die Wieter. daß man in Wirklichkeit an eine neue Liebesgabe an den Haus- besitz denkt. Man würde also die Hauszinssteuer so stark senken, daß nicht nur die Mietensenkung und die Erhöhung der Verzinsung der Auf- Wertungshypotheken und des Eigenkapitals der Hausbesitzer daraus bestritten werden kann, sondern für den Hausbesitzer auch noch eine Ertragssteigerung übrigbleibt, an die sie kein Recht haben. Gegen solche Absichten muß entschieden Verwahrung eingelegt werden. Die Hausbesitzer haben durch eine demagogische Propa- g a n d a oersucht, die Oeffentlichkeit mit dem drohenden Zusammen- bruch des Hypotheken- und Pfandbriefmarkts infolge der wachsenden Notlage des Hausbesitzes einzuschüchtern. Wir sind dieser Demagogie von Ansang an entgegengetreten. Wir haben darauf hingewiesen. daß die angebliche Krise des Hausbesitzes sich in Wirklichkeit auf einen ganz eng umgrenzten Kreis von Häusern in gewissen Stadtvierteln beschränkt, und wir haben vor allem Aufklärung dar- über geschaffen, daß, wenn sich nach der Eröffnung der Börse ein Druck auf die Pfandbrieskurse bemerkbar machen sollte, dieser Druck sich ausschließlich aus der Steigerung des Zinsniveaus erklärt. Es wäre kein Lob für die Finanzbürokratie des Reichs, wenn die verlogenen Argumente der Hausbesitzer auf die Reichsregierung Eindruck gemacht hätten, was jedoch zu befürchten ist. Der„Deutsche Volkswirt", also eine Zeitschrift, der man gewiß keinen Mangel an prioatwirtschoftlicher Gesinnung und keiner- lei„Marxismus" vorwerfen kann und der gerade bürgerliche Kreise die Sachverständigteit nicht absprechey können, hat die Demagogie ver Hausbesitzerargumente wie wir entlarven müssen. Sie stellt fest, daß der Gefahrenherd, der von der Krise der Groß- wie die wirtschaftlichen. Das nationale Recht kann dem deutschen Volke nur werden aus dem Siege des internationalen Sozialismus. Oer Verzicht ist angenommen. Paris, 3. September.(Eigenbericht.) Die Berzichterklävungen Curtius und Schobers sind in einer solchen Zeit in Paris eingetroffen, daß nur wenige Abendzeitungen sie kommentieren konnte�. Der„Temps" schreibt:„Welches auch die von Schober angeführten Gründe fein mögen, es ist das wichtigste, daß der Verzicht e r r e i ch t ist und daß Curtius sich mit dem öfter- reichischen Dizekanzler einverstanden erklärt hat, die Durchführung der Zollunion, die im Prinzip durch das Protokoll vom IS. März beschlossen war, nicht weiter zu verfolgen." Im„Paris Soir" heißt es:„Die beiden Minister haben getrennt« Erklärungen abgegeben. Schober hat in formellen und vorbehaltlosen Aus- drücken auf die Zollunion verzichtet. Curtius hat versprochen, die Durchführung des Projektes nicht weiter zu betreiben. Diese Er- Närungen scheinen zu irgendwelchen Zweideutigkeiten keinen Anlaß zu geben." Der Genfer Korrespondent des„Journal des Debats" meldet, daß der Verlauf der denkwürdigen Sitzung einen guten Eindruck gemacht habe. Richtig gelandet. Ein llebertritt zur KPD.- Der Fall Torhorfi. Düsseldorf, 3. September.(Eigenbericht.) Die ehemalige sozialdemokratische Beigeordnete Dr. Adelheid T o r h o r st desertierte vor einigen Wochen von ihrem Bei» geordnetenposten, ohne sich mit Fraktion und Partei in Verbrndung gesetzt zu hoben. Die Düsseldorfer Ortsgruppe der SPD. hat dieses Verhalten fchärfstens mißbilligt und der Bezirksvorstand hat ein- stimmig beschlossen, ein Verfahren gegen Frau Torhorst zu beantragen. Jetzt ist sie ihrem Ausschluß aus der Partei durch llebertritt zur KPD. zuvorgekommen. Diesen llebertritt vollzog sie vorsichtigerweise erst am 2. September, nachdem sie sich ab 1. September eine Pension in Höhe von 10 000 Mark besorgt hatte. Die Düsseldorfer Parteileitung der SPD. hat den Parteigenossen unter anderem folgendes zum�Fall Torhorst am Donnerstag durch die„Düsseldorfer Volkszeitung" mitgeteilt: Der llebertritt der Beigeordneten a. D. Adelheti» Torhorst zur KPD. klärt die Situation, Er erfolgt für sehr viele nicht unerwartet und fällt zusammen mit der Entlarvung von einer An- zahl von Spitzeln der KPD., welche in ihrem Austrage in der SPD. arbeiteten. Für jeden überzeugten und erfahrenen Sozialdemokraten war es seit langem klar, daß Adelheid Torhorst, welche mit den Personen, die nun als kommunistische Spitzel entlarvt sind, enge Fühlung hotte, im kommunistischen Sinne innerhalb der SPD, wirkte. Jetzt ist auch der wahre Grund der Niederlegung ihres Beigeordnetenpostens bekannt. Wir stellen fest, daß sie ver- gebens versucht, diese Amtsniederlegung mit anderen unwahren, gegen besseres Wissen aufgestellten Behauptungen zu rechtfertigen, die zum Teil mit Bezug auf Parteigenossen verleumderischer Art waren." Das böse Gewissen der Mörder. Bei der Verbreitung sozialdemokratischer Flugblätter in Leipzig- Lindenau wurde ein sozialdemokratischer Arbeiter, der Maurer war- kus. von kommunistischen Strolchen heimtückisch überfallen und meuch- lings erstochen. Zeht, nach Wochen, berichtet die„Rote Fahne" über diesen Vorfall. Sie behauptet dreist, der Sozialdemokrat warkus sei bei einem Zusammenstoß zwischen Schuhpolizisten und Arbeltern ums Leben gekommen. Diese unverschämte Lüge zeigt das böse Ge- wissen der Mörder! Zm Finanzbericht der Rational Eity Sank os Rem Jork wird eine Klärung der internationalen Schulde v Problem« vor Ablauf des Hoover-Iahres gefordert. Die augenblicklich bestehende Unklarheit oertiefe die Wirtschoftsdepression und müsse die Weltlage im nächsten Jahr« ungleich ernsthafter gestalten. Die Regierungen dürften ein zielloses Treiben der Situation nicht zulassen. Wohnungen u�w. ausgeht, eng begrenzt ist und„von einer allge- meinen Gefahr für den städtischen Realkredit vorerst nicht im entferntesten die Rede sein kan n". Dementsprechend wendet sich der„Deutsche Volkswirt" auch mit aller Entschiedenheit gegen die Pläne auf Abbau der Hauszinssteuer, die auch„heute noch" eine der wichtigsten Stützen der öffentlichen Haushalte ist.. Die arbeitende Bevölkerung wird sich vom Söder der Mieten- senkung nicht einfangen lassen, der nur aus größere Lohnsenkung ausgehl. Die Rechnung ist sehr einfach. Die Mietensenkung würde nur bestimmten Gruppen von Mietern zukommen, sie würde keine Erleichterung bringen für alle jene Gruppen, die in Neu- bauwohnungen sitzen oder Erwerbslosenunter« st ü tz u n g in irgendeiner Form beziehen oder Eigenhäuschen bewohnen. Hingegen würde die ganze arbeitende Bevölkerung, welcher Gruppe sie auch angehört, von einer Erhöhung der Um» s a tz st e u e r getroffen werden, die als Ersatz für den Hauszins- steueraussall auf jeden Fall einen viel höheren Betrag ausmachen müßte als die Mietensenkung, da die Hauszinssteuersenkung den Hausbesitzern ja auch noch Kapitalgeschenke bringen soll. Geradezu ein Skandal wäre es, wenn sich die Erhöhung der Umsahsleuer, wie man ebenfalls hört, ans die letzten klein- Handelsumsätze beschränken soll. Das würde bedeuten, daß die geringen Rückwälzungsmöglichkeiten einer Umsatzsteuererhöhung auf die Produzenten vollständig weg- fallen würden. Der Druck auf die Produzentenpreise, insbesondere auf die R o h st o s s i n d u st r i e, den man sich allenfalls von einer allgemeinen Umsatzsteuererhöhung oersprechen könnte, würde aus- bleiben, Kleinhandel und Konsumenten allein wür- den die neue Belnstung zu tragen haben, die Roh- stofskartelle blieben nach wie vor von jedem Druck auf ihre Preise verschont. Eine neue Belastung der Konsumenten würde also mit Geschenken an die Hausbesitzer und an die Rohstoffkartelle verbunden werden. Der Reichsfinanzminister Dietrich hat sich einst mit seiner Philippika gegen die Interessentenhaufen einen Namen gemacht. Der Reichskanzler Brüning hat noch den Ruf, daß ihm wirt- schaftliche Vernunft höher steht als Einflüsterungen der Interessenten. Franzens Abschiedsgruß. Künftig nur ein Minister in Vravnfchweig.- Er scheidet ans dem Amt. Brounschweig. 3. September.(Eigenbericht.) Minister Franzen Hab sich an den Postenjägern seiner früheren Partei bitter gerächt. Er hat heute einer Notverordnung des braunschwsigischen Staatsminifteriums zugestimmt, nach der t» Zukunft der Freistaat Braunschweig nur durch einen Minister regiert werden kann. Der Landtag ist allerdings berechtigt, einen zweiten Minister zu wählen. Die Notionaisozia- listen haben durch diese Notverordimng nicht mehr die Möglichkeit. «inen Druck auf die Deutschnationalen auszuüben. Minister Franzen hat gleichzeitig sein Amt als geschäftsfiihreirder Minister niedergelegt. Seine letzte Tat bedeutet einen Schlag gegen feine eigens Partei. Der Studienrat Ruft aus Hannover, der fo sehr noch dem Ministersessel jammert, wird also kaum Gelegenheit haben, sich hineinzusctzen. Hakenkreuz-Meineid. Ein Rationalsozialist im Gerichtssaal verhastet. Hannover. 3. September.(Eigenbericht.) Am Donnerstag mittag wurde im hiesigen Schöffengerichtssoak ein Nationalsozialist verhaftet, weil er als Zeuge einen Meineid geschworen hatte, um einen anderen Nazi herauszureißen, der einen Radfahrer mit einer Eisenstange nieder- geschlagen hatte. Der Angeklagte wurde vom Gericht zu 3 Mo- naten Gefängnis verurteilt, während sein Parteigenosse gleich ins Gefängnis abgeführt wurde. Ein Genossenfchastsskandal. Die pleite des deutschnationalen Parteiverlags in Stettin. Di« sozialdemokratische Fraktion im Preußischen Landtag hat folgend« Große Anfrage eingebracht: Der Verlag„Pommersche Reichspost" in Stettin, ein deutschnational-notionalsozialistisches Unter- nehmen, ist zusammengebrochen. Einer Schuldenlast von 416 500 Mark stehen nur Werte in Höhe von 172 500 Mark gegenüber. Nach Abzug der bevorrechtigten Forderungen werden sich die Gläubiger mit einer Absindung von rund 4 Proz. begnügen müssen. Da eine Beteiligung der pommerschen landwirtschaftlichen Ge- n o s s e n s ch a f t e n mit reichlich der Hälfte des Gesellschaftskapitals nachgewiesen ist, haben auch die Genossenschaften durch den Zu- sammenbruch dieses rein parteipolitischen Unternehmens große Ver- luste erlitten. Um die Mittel für dies« rechtsradikale Nerlagsanstalt zusammenzubringen, haben nicht nur Genossenschaftsgelder widerrechtlich Verwendung gefunden, sondern man ist in der Pommerschen Hauptgenossenschaft nicht davor zurückgeschreckt, durch Steuerhinterziehungen und üblen Betrügereienund Schwindeleien mit Einfuhrscheinen die Mittel zu be- schassen, mit denen man glaubte den Parteioerlag erhallen zu können. Wir fragen das Staatsministerium: 1. wie hoch sind die durch den Zusammenbruch de» Verlag» „Pommersche Reichspost" in Stettin eingetretenen Verluste der pom- mersche« Genossenschaften? 2. Ist Vorsorge getroffen, daß jede Unterstützung oder Sanie- rung des verkrachten Unternehmens unter Verwendung öffentlicher Mittel auf Kosten der Steuerzahler, sei es über die Genossenschaften oder über die Osthilfe, ans alle Fälle unterbleibt? Z. werden dle an der vnrechlmäßigen Verwendung der Ge- nossenschastsgelder zu rein parteipolitischen Zwecken, an den Steuerhinterziehungen und an de« velrügerden ml« den Einsuhrscheincn beteiligten Personen zur Verantwortung und Wiedergutmachung de» insbesondere in der Geuoflenschastsbewegung angerichteten Schaden« herangezogen? Nr. 413» 43. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Freitag, 4. September 4931 Keine T odesopf er in T reptow Alle Verunglückten auger Lebensgefahr.— Wo liegt die Schuld? Tas schwere Explosionsunglück in der ApparatefabrL der AEG. in Treptow Hut glücklicherweise bisher keine Todesopfer gefordert. Mehrere schwerverletzte Arbeiter liegen zwar noch vernehrnungsunfähig danieder — sie haben schwere Brandwunden erlitten, trotzdem sind die Aerzte der bestimmten Hoffnung, daß für ihr Leben keine Gefahr mehr besteht. Ein großer Teil der Leichwerleßten dürfte schon in den nächsten Tagen aus dem Krankenhaus wieder zur Entlassung kommen. Nach den endgültigen polizeilichen Feststellungen sind folgende Personen durch Rettungswagen den Krankenhäusern zugeführt worden: Willi Maaß, 37 Jahre, Gottschedstr. 16, Max Kruschinski, 45 Jahre, Buttmannstr. 16, Paul Münzberg. 46 Jahre, Hosftnonnstr. 19, Georg Hartig, 33 Jahre, Dunckerstr. 68, Fritz K e m p e, 57 Jahre, Hussitenstr. 39. Otto Kretschmann.57 Jahre, Alexandrinenstr. 82, Kurt G a e r i ck e, 36 Jahre, Höchste Str. 21, Erwin Becker, 36 Jahre, Zepernick, Heinz Roloff, 26 Jahre. Lichters elde, Pots- damer Str. 64, Kurt Jost, 63 Jahre, Koloniestr. 127, F. G o w i n, 35 Jahre, Tegelort, K. Harnisch, 29 Jahre, Fritschestr. 22, und Ilona Weidkunat, 19 Jahre, Keibelstr. 12. Die Kriminalpolizei war gestern längere Zeit an der Unglücks- statte, um die notwendigen Nachforschungen anzustellen. Ein ob- schließendes Ergebnis über die U r f a ch e n des furchtbaren Unglücks wird jedoch erst dann möglich sein, wenn sämtliche Verunglückten ver- nommen werden können. Als besonderer Glücksumstand ist nock) die Tatsache anzusprechen, daß die Explosion im 5. Stockwerk erfolgt ist. Der gewallige Druck fand in dem Mauerwerk des Dachgeschosies wenig Widerstand: weit schlimmer wären die Folgen dagegen für die Belegschaft gewesen, wenn die Explosion in einem tieferyelogenen Stockwerk erfolgt wäre, wo der Luftdruck zweifellos gefährlichere Folgen gehabt hätte. Der materielle Schaden ist erheblich, jedoch durch Versicherung gedeckt. A« Unfallstelle war gestern nachmittag noch das Ziel zahlreicher Schaulustiger. Zum großen Teil waren es Angehörige der um- liegenden Betriebe, die bereits in den Mittagsstunden die weithin hörbare Detonation vernommen hatten. Spur im Frauenmord. prostituierte als Opfer?— Suche nach Ilse König. Bei Verfolgung der viele» Spuren vermißter Mädchen, die die Mordkommission zur Aufklärung des Leichenfundes bei Spandau vor- nimmt, ist man auf ein Mädchen namens Ilse König gestoßen, das mit dem scheußlichen verbrechen in Verbindung gebracht wird. Das Mädchen, das am 3. Oktober 1967 geboren ist, wohnte in der Grenadierstraße und suchte allabendlich in der Nähe des Alex- andcrplatzes Herrenbekanntschaften. In der Gegend war sie als ..Ilse" bekannt. Noch Art der Mädchen prahlte sie gern mit ihren Bekanntschaften und äußerte, daß sie auch außerhalb Berlins reiche Freund« habe. Am 12. August sagte sie abends, daß sie noch einen Freund besuchen wolle, erwähnte aber weder seinen Namen noch seine Wohnung. Seit diesem Tage ist Ilse König verschwunden. Ihre geringen Habseligkeiten hat sie zurückgelasien. Auf diese Spur hin sind andere Mädchen aus dem Viertel und Verwandte der Ver- schwundenen herbeigeholt worden. Einige wollen in dem Licht- bild des Kopfes Ilse König wiedererkennen, andere behaupten, daß sie keine Aehnlichkeit finden. Auch über das charakteristische Gebiß gehen die Meinungen auseinander. Von einer Seite wird erklärt, Ilse König habe Goldzähne gehabt, während andere wieder nichts davon gesehen haben wollen. Ob diese Spur zu einem end- gültigen Erfolge führt, steht noch dahin. Heute LBA.-ErSffnung. 250 Firmen aus aller Welt stellen aus. Heute wird auf dem Mcsiegelände am Funkturm die 7. Internationale Büroausstellung eröffnet werden. 250 ausstellende Firmen aus Deutschland. Amerika. England. Frank- reich, den skandinavischen Ländern, Oesterreich und der Schweiz be- teiligen sich an dieser Schau der Internationalen Bürotechnik. Mit der IBA. wird die Reihe der großen Ausstellungen dieses Jahres, die ununterbrochen vom Januar ab gezeigt worden sind, ab» geschloffen. Die Internationale Büroausstellung, die viel Neues und Verbessertes der bürotechnischen Industrie bringt, ist in dem größten Raum des Ausstellungsgeländes, der AutoHalle I, unter- gebracht. Die IBA., die heute um 16 Uhr eröffnet wird, läuft bis zum 13. September und ist von 16 bis 26 Uhr zu besichtigen. Sonnabend und Sonntags sind die Ausstellungen bereits um 9 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt 1 Mark. Erwerbs- lose kaufmännische Angestellte können bei ihren zuständigen Ver- mittlungsstellen Ausweise anfordern, die zum einmaligen, auf 36 Pf. ermäßigten Besuch der IBA berechtigen. Die Besichtigung der Ausstellung zu diesen Vorzugspreisen, die auf Antrag auch für die Ehefrau bzw. den Ehemann bewilligt werden, ist ohne Einschrän- kung während der ganzen Dauer der Ausstellung und auch Sonn- tags möglich. Da die Ausgabe dieser Ausweise ausschließlich an eingetragene erwerbslose kaufmännische Angestellte durch die zu- ständigen Angestelltenoermittlungsstellen erfolgt, kann die Anforde- rung derartiger Vorzugskarten unmittelbar bei den Kasten der IBA. nicht berücksichtigt werden. Lteberfall aus Verwalterin. Oer Täler nach aufregender Jagd festgenommen. Die Hausoerwalterin Erna T. hatte gestern im Norden Ber- lins in einem der von ihr betreuten Häuser insgesamt 966 Mark Mieten kassiert. Als sich die Frau aus dem Heimweg befand, wurde sie an der Ecke Jagow- und Agriculastraße von einem Manne angefallen, der ihr einen wuchtigen Faustschlag ins Gesicht versetzte und die Aktentasche entriß, in der sich die kassierten Gelder befanden. Mit der Beute suchte der Täter das Weite. Auf die Hilferufe der Ueberfallenen nahmen Passanten die Verfolgung des Flüchtigen auf. Nach aufregender Jagd durch die Straßen konnte der Täter im Vorbau der Synagoge in der Levetzowstrahe, wo er sich versteckt hatte, gestellt und festgenommen werden. Das Geld wurde ihm wieder abgenommen. Auf dem Polizeirevier wurde der Täter als ein 25jähriger Walter St. festgestellt. Für das zweitägige Sommerfest der Berliner Feuerwehr am' Sonnabend und Sonntag dieser Woche hat die Direktion des Luna- parks ein großes Sonderproaramm aufgestellt. Der Festbeginn ist auf 4 Uhr nachmittags angesetzt. Die Darbietungen im Park beginnen um 5 Uhr. Der Ertrag der Veranstaltung fließt in die Kaste des Erholungsheims der Berliner Feuerwehr. Hinaus mit den Nazis! Oer fkaodalöfe Mietsvertrag.— Was geschieht mit Herrn Bouffet? Die Vermietung des der städtischen Zlordsübahn A.-G. gehören- den Hauses Stralauer Straße Z 6 an die Nationalsozialisten, die das Haus zu einer Zentrale ihrer SA.-Vlordkolounen umgestalten wollen, stellt sich immer mehr als ein öffenllicher Skandal dar. Es zeigt sich fehl, daß es für die Stadt gar nicht so einfach ist, die lästigen Mieler wieder loszuwerden. Die Rechtslage ist nun einmal so, daß ein gültiger Miet- vertrag zwischen jenem Herrn Lorenz, dem Beauftragten der Nazis und der Nordsüdbahn A.-G. abgeschlossen worden ist. Der Vertrag soll überdies so abgeschlossen worden sein, daß eine Kündi- gung nur möglich ist, wenn das Haus abgerissen oder von einer städtischen Dienststelle bezogen würde. Man hat sich daher im Rathaus gezwungen gesehen, in„gütliche" Verhandlungen zur Lösung des Vertrages einzutreten. Damit scheint man aber bei den Nazis auf wenig Gegenliebe gestoßen zu sein. Die Stadt will nun eine An- f e ch t u n g des Vertrages wegen Täuschung über den Zweck der Ver- mietung vornehmlich und eine einstweilige Verfügung herbeiführen. Angesichts dieser Sachlage erscheint uny die Frage berechtigt, was mit Herrn B o u f f e t geschieht, der als verantwortlicher Di- rektor der Nord-Südbahn-A.-G. jenen famofen Mietvertrag ab- geschlossen hat. Ein Mann, der städtische Häuser den Nazis zur Verfügung stellt, obgleich er weiß oder wissen muß, welchen Zwecken die Häuser dienstbar gemacht werden sollen, und der damit der Stadt Berlin schweren moralischen Schaden zugefügt hat, muß zur Rechenschast gezogen werden! Es ist anzunehmen, daß die Stadtverordnetenversammlung, die zu ihrer nächsten Sitzung am Donnerstag, dem 16. September, zusammentritt, sich mit dem Vorkommnis beschäftigen wird. Wie wir hören, wird der Oberbürgermeister noch heute die geplante Verfügung unterzeichnen, wonach in Zukunft keine städtsschen Mietverträge mit politischen Organisationen staatsfeindlichen Charakters abgeschlossen werden dürfen. Berlin ehrtRaabe: Spreestraße wir dSperlingsgasse Wie der Polizeipräsident bekanntgibt, hat er die Um- benennung der Spree st raße in Sperlingsgasse ge- nehmigt. Berlin ehrt damit das Andenken WUHelm R a a b e s, des Dichters der„Chronik der Sperlingsgasse", dessen Geburtstag sich am 8. September zum hundertsten Male jährt. Schönes Wochenende? Aussicht auf Wetterbesferung.— Es soll aber kühler werden. In den gestrigen Vormittagsstunden erreichte die Thermometer- skala für die vorgeschrittene Jahreszeit eine ungewöhnliche Höhe. Bereits um 11 Uhr wurden 26 Grad Wärme gemessen. Damit war auch die Höchsttemperatur des Tages erreicht, denn kühle Luftmassey,, die aus Südwesten Heranflossen und Feuchtigkeit mit sich brachten. führten gegen 14 Uhr zu einem kurzen aber heftigen Gewitter, das von einem wolkenbruchartigen Regen begleitet war. Das Gewitter hatte jedoch mir einen schwachen Temperatur- rückgang zur Folge. Die Gewitterfront erstreckte sich über das ganze Gebiet östlich der Elbe, zum großen Teil waren die Niederschläge sehr stark. Heute wird unser Gebiet noch im Bereich des füdwest- lichen Luststromes verbleiben, allerdings wird es etwas kühler als am Vortage sein. Dies« Wetterlag« wird bedingt durch zwei Tief- druckgebiete, die mit ihrem Kern über Schweden und England liegen. Ein Regengebiet ist in der Nacht ziemlich rasch vorübergezogen und am heutigen Tage dürfte es nur noch zu vereinzelten Schauern kommen. Für die nächsten Tage sieht es weiter nach Abkühlimg aus, doch ist wieder mit Aufheiterung zu rechnen. Der Druck- anstieg, der sich bemerkbar macht, scheint diese Prognose zu bestätigen. 211 „So siehste aus!" Lili fährt empört hoch.„Ach Kinder. ihr wißt doch gar nicht, was es heißt, zu arbeiten. Sitz du mal den ganzen Tag im Kiosk und verkaufe Zeitungen. Oder ärgere dich im Büro herum wie meine Schwester Vilms. Oder gehe mit Wein hausieren wie mein Vater!" Sie denkt eine Weile nach.„Und am meisten arbeitet Muttel. Sie flitzt ständig von der Wohnung in den kleinen Loden, hin und her, und kommt überhaupt nie zur Ruh und ist dabei immer so nett! Ich habe Muttel sehr gern!" Lili setzt den Schaukelstuhl in energische Schwingungen. „... und was hat sie davon? Zwei ungeratene Töchter und einen versoffenen Mann! Aber helfen kann man ihr nicht, trotzdem es mir leid tut. ihr Kummer zu machen. Gib mir noch etwas Wein!" Gert reicht ihr das Glas. „Oder glaubst du nicht, daß sie sich über Vilma wer weiß wie kränkt? Eine Tochter, die nicht zu Hause wohnt und in derselben Stadt lebt! Das ist doch zu viel für die lieben Nachbarn und ollen Klatschtanten. Ich möchte nur wissen, woher die Leute alle so genau orientiert sind. Jedenfalls kennt jeder die Geschichte mit Silvester und mokiert sich darüber. Ein verheirateter Mann. Gott behüte! Vilma bringt sich halb um mit ihrem Iammes"— Lili spricht den Namen ab- sichtlich immer deutsch aus,—„aber ich glaube, sie liebt ihn aar nicht. Sie ist nur ehrgeizig, pfui Deibel! Die feine Madame, die legitime Frau Silvester, wird ja auch schon was haben läuten hören, aber solche Damen sitzen wohlbehütet und sicher vor allem Gerede in ihren Zwölfzimmerwohnungen. Die einzige, die es trifft, ist meine Mutter!" Lili schreit die letzten Worte und sieht Gert böse an. � „Ich kann doch nichts dafür", versichert er und vergrabt die Fingen in seinem braunen, glaltten Haar. „Ich mach dir ja auch keine Vorwürfe", begütigt Lili und lacht:„Was wir hier für weise Reden halten!" „Wo man doch etwas viel Netteres tun könnt«..■" Gert reicht Lift die Hand und zieht sie aus dem Schaukelstuhl zu sich heran.„Noch schnell, bevor man sich aufhängt z. stößt er zwifäzen den Zähnen hervor. „Wie, bitte?" „Na ja, oder sich sonst irgendwie umbringt", sagt Gert gleichmütig. „Ich hätte Angst!" Lili reißt die Augen weit auf und starrt den Freund an. „Wovor? Daß der ganze Blödsinn ein Ende hat?" „Manchmal kann der Mist doch auch ganz schön sein", schmeichelt Lili. Einträchtig begibt sich das Paar in Gerts Zimmer unter Mitnahme des restlichen Weines und der Gläser. Hier brennt noch immer die buntbeschirmte kleine Lampe. „Mir ist zu warm." Lili zieht ihre Bluse aus. Gert sieht zu der Freundin hinüber, während er die Vor- hänge am Fenster herunterläßt. Er betrachtet die schlanken Anne, die kräftigen Schultern, deren Breite das Sportsmädel erkennen läßt, die Hüsten, die in dem dunkelblauen, eng an- schließenden Rock schmaler ausseben als sie in Wirklichkeit sind. Sein Blick bleibt an Lilis gelbblonden, kurz geschnittenen Haaren hängen. Sie ist doch ein netter Kerl. Er setzt sich zu ihr.„Wie denken Sie darüber, gnädiges Fräulein, sich auch den Rock auszuziehen...?" Alls Lili vor dem Spiegel ihren verstruwelten Scheitel in Ordnung bringt, seufzt sie:„Du hast recht, kleiner Gert, man sollte sich umbringen! Gleich danach!" Vor ihr taucht der staubige, muffig riechende Kiosk auf. in dem sie von 8 bis 6 Uhr Zeitungen verkauft. Jeden Tag. Ein Stumpfsinn ohne Ende mit 120 Mark Monatsgehalt. Aber die Stellen in den Büros sind knapp, und in dem kleinen Häuschen am Markt lebt man freier als unter den wachsamen Argusaugen eines Ehefs. Vilma könnte sie bei Ed. Silvester n. Söhne unterbringen, aber Vilma will nicht. Sie wird ihre Gründe haben. Und mit irgendeinem dicken Mann ins Bett zu gehen, um sich von ihm beschenken zu lassen, das kann Lili nun einmal nicht. Trotzdem ihr Vilma in schwesterlicher Liebe geraten hat:„Mach die Augen zu und denk, es ist Butter!" Gert lümmelt sich faul auf dem Diwan herum, den die verwitwete Frau Regierungsrat Telles für ihren Sohn schon zur Nacht vorbereitet hat, ohne zu ahnen, daß sie einen Altar der Venus errichtete. Er schmiegt seinen Kopf in das küble Kissen. Es lohnt nicht, sich noch einmal anzukleiden. Mit- leidig verfolgt er Lilis Bewegungen vor dem Spiegel. Jetzt beschmiert sie sich das Maul mit dem Lippenstift. Wozu eigentlich? Armes Tierchen! Er freut sich, daß er zu Hause sitzt und nicht noch wie Lili eine langweilige Fahrt in der Elektrischen vor sich hat. So wie er ist, kann er einschlafen. Herrlich! „Weißt du, was schön wär'?" „Gute Nacht", antwortet Gert. Er ahnt Böses.„Der Hausschlüssel ist in meiner Jakettaschc. Ich komm, ihn mir morgen gegen Mittag vom Kiosk abholen." Lili schlägt den Kragen ihres braunen Kamelhaarmantels hoch.„Du hast die Wahl, Herr stud. jur., entweder begleitest du mich jetzt nach Hause oder ich gebe dir einen Tritt in den Bauch!" Gert dreht sich zur Wand.„Dann gib mir schon lieber einen Tritt in den Bauch!" Fluchend kleidet er sich an, während Lisi eine Zigarette raucht und dafür sorgt, daß von den Weinbeständen der Witwe Telles nicht das Geringste übrigbleibt. „Es riecht direkt nach Frühling", schnuppert sie, als sie an Laubenkolonien vorbeikommen. Die Rosolfs wohnen in einem kleinen Borort der Stadt. Der Weg führt an unbe- bauten Feldern und Wiesen entlang. Spärliche Laternen lassen schwach die Umrisse von Zäunen und ländlichen Häus- chen erkennen. Regen hat die Luft gereinigt. Die Erde ist noch feucht und bleibt in Klumpen an den Schuhen hängen. „So mächt' ich. sterben..." sagt Lili leise. ,Vn so einer Nacht, und es muß auch gerade geregnet haben..." Gert legt den Arm um Lilis Schultern.„Vielleicht tun wir es eher, als du heute ahnst!" Ein paar Verse kommen ihm in den Sinn: ..... Dunkel ist es, und es hat geregnet, Doch du spürst nicht mehr den Druck der Wolken, Die da hinten noch den Himmel hüllen In sanften Sammct..." Und der das schrieb, Alfred Lichtenstein, ist schon lange verfault und vermodert. Oder seine Asche ruht irgendwo in einer Urne. Jedenfalls hat er es überstanden. Im Gehen küßt Gert Lili auf den Mund. Ganz leicht � und wunschlos. Wie ein Bruder die Schwester küßt. Die Westkohle ist voll heschäftigt. Die letzte Bilanz zeigt ein sehr freundliches, vertrauenerweckendes Gesicht. Die Aktionäre können mit der Dividende zufrieden sein, Abschrei- bungen sind ebenfalls vorgenommen worden. Dazu hat man� Gehälter und Löhne reduziert, wie es eine ernste Zeit er- fordert. Der Laden klappt, und trotzdem fallen die Aktien. Unerforfchliche Wege des Schicksais!(Fortsetzung joigt.) Mord-Sturm 33. Neuer Toischlagsprozef? gegen die SA.-Banditcn. vor dem Schwurgericht des Landgerichts III unter dem Vorsitz von Landgerichlsdirektor Rambte begann ein neuer Mordprozeß gegen die Verbrecher vom berüchtigten Zdazi- stürm ZZ. der die Niedermehelung des Arbeiters Otto Grünberg in der Schloßstraße in Charloltenburg am l. Februar dieses Jahres zum Gegenstand hat. Auch bei diesem Totschlag sind die SA.-Strolche nach dem gleichen Schema vorgegangen wie bei ihren anderen blutigen Ueber- fällen: heimtückischer, plötzlicher Angriff in riesiger Uebermocht� Auf diese Weise, die der Vorsitzende im letzten Sturm-33-Prozeb (Fall Riemenschneider)'ine„hintertückische Gemeinheit" genannt hatte, kann man das hilflose Opfer ohne Risiko„umlegen". Die Anklage wegen Totschlages gegen die vier Angeklagten Friede. Foyer, Fritz und Konrad Domning— der fünfte, der Sturmführer Hahn, der auch an diesem Banditenstreich führend beteiligt war, ist bekanntlich geflohen— vertritt Stoatsanwaltschafts- rat Stehnig, als Verteidiger fungiert unter anderem der Hitler- Intimus K a m e k e. Für den Prozeß, zu dem mehrer« Dutzend Zeugen geladen sind, sind etwa drei Wochen Verhandlungsdauer vorgesehen. Sehr bezeichnend ist, daß die Angeklagten teilweise auch an den früheren Mordprozessen des Sturms 33 beteiligt waren. So ist der Schlächter Friede, eine ungewöhnlich brutale Erscheinung, bereits wegen des Messerüberfallcs auf die Gebrüder Riemenschneider zu einer längeren Gefängnisstrafe venirteilt worden. Der erste Ver- Handlungstag war den persönlichen Verhältnissen der Angeklagten gewidmet. Der Angeklagte Foyer, von dem die eigenen Käme- raden sagen, daß er bei sämtlichen Keilereien,„der Schlimmste von ollen gewesen sei" und daß er seine Waffen, Dolch und Revolver, die er stets mit sich zu führen pflegte, immer mit Eifer„anwandte". will stets zufällig in die jeweiligen Straßengefechte hinein- geraten sein. Erheiternd ist die Vernehmung des Angeklagten Fritz Dom- n i n g, der sich stolz seiner Tätigkeit als Soldat rühmt. Aller- dings ist er erst im Jahre 1918 als— Lazarettpfleger ins Feld gekommen. Auch„verschüttet" will er einmal gewesen sein— wie sich später herausstellte, ist weit hinter der Front eine Holz- Hütte über ihm zusammengebrochen. Als der lüjährige Schlosser- lehrling Konrad Dommng, der wegen Beteiligung an einem der üblichen Sturm-33-Totschlägc mit 1 Jahr Gefängnis vorbestraft ist, gefragt wird, weshalb er der SA. beigetreten sei, gibt er die klassische Antwort:„Mein Meister hatte pleite gemacht, es war gerade Winter und ich hatte kein« Lehrstelle!"(!) Der Prozeß wird am Freitag sortgesetzt werden. Gefängnis für Malkolonne. Kommunistische Volksverhetzer vor Gericht. Zwei Tage nach dem volksenlscheidslag, an dem zwei Polizei- offiziere am Lülowplatz von Mörderhand sielen, wurden in Weißen- sce aus dem Fahrdamm und an der wand einer Schule, sowie auf dem Bürgersteig Znschristen mit Heller Farbe entdeckt, in denen es unter anderem hieß:„Für einen Arbeiter zwei Schupoossiziere!"„ „Oberleutnant Bäcker stell Deine Uhr. der RFL. ist Dir aus der Spur!" und schließlich„Oberleutnant Bäcker wird erschossen!" Die Polizei nahm sechs Personen fest, die sich bei ihrem Verhören schließlich so verdächtig machten, daß Anklage gegen sie erhoben wurde. Gestern standen sie nun vor dem Erweiterten Schössen- gericht Lichtenberg. Es handelte sich um die ehemaligen Ar- beiter Hintze, Landsmann, Hoffmann, Krause, K o l b e r g und Emmerich. Sie wollten zunächst mit der ganzen Angelegenheit nur indirekt zu tun gehabt haben. Die Beweisaus- nähme ergab aber, daß am Abend des 19. August ein Stafselabend des„Kampsbundes gegen den Faschismus" stattgefunden hatte. An diesem Abend hatte Hintze dort gesprochen und auch auf die Er- mordung der beiden Polizeioffiziere hingewiesen. Er hatte dann Andeutungen gemacht, daß zum Winter, wenn die Not immer größer werde, eine neue„Revolution" kommen werde, und daß dann noch mehr Polizeioffizicre daran glauben müßten. Im An- jchluß daran hatte er sich junge Leute zusammengeholt, um sie zu einer M a l k o l o n n c zusammenzustellen. Der Erfolg waren dann die hetzerischen Inschriften. Der Staatsanwalt vertrat den Standpunkt, daß es sich hier um einen ziemlich schweren Fall han- dele, das Bedrohung mit einem Verbrechen vorliege, ferner öffent- liche Aufreizung zu Gewalttaten und schließlich die Unterstützung einer geheimen und staatsfeindlichen Organisation. Er beantragte Gefängnisstrafen von 1 Jahr bis zu 1 Jahr 9 Monaten. Das Gericht ging über diese Anträge noch hinaus. Es ver- urteilte Hintze zu 2 Jahren Gefängnis, Landsmann zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis, Hoffmann, Krause und Emmerich zu je 1 Jahr Gefängnis, während der sechste Angeklagte Kolberg frei- gesprochen wurde. Villenbrand— Versicheningsbelrug. Aufklarung des Brandes in Klein-Machnow. von der Kriminalpolizei wurde gestern der 70 Zahre alte vlajor a. D. von Strecker unter der Beschuldigung sestgenom- men, in der Villa Am Erlenweg in Klein-Machnow vorsätzlich Feuer gelegt zu haben, um sich in den Besitz der Versicherungssumme in höhe von 50 000 wart zu sehen. Bisher bestreitet von Strecker das ihm zur Last gelegte Ver- brechen; die polizeilichen Nachförschunge» haben jedoch so schwer- wiegendes Material gegen ihn ergeben, daß er gestern verhaftet und in das Potsdamer Amtsgerichtsgefängnis eingeliefert wurde. Strecker hatte die Villa vor einiger Zeit gemietet. Er be- tätigte sich schriftstellerisch und war bis vor Iahren noch Theater- kritiker eines Berliner Rechtsblattes. Es scheint, daß die Einkünfte des Mannes in letzter Zeit zu wünschen übrig ließen, denn es fiel Strecker schwer, allen seinen Verpflichtungen nachzukommen. In den frühen Morgenstunden des 27. August brach während der Ab- Wesenheit Streckers und feiner Frau in der Villa plötzlich Feuer aus. Die Feuerwehr konnte den Brand jedoch schnell löschen. Zu ihrem Erstaunen entdeckten die Beamten in der Villa zahlreiche Brandherde, die mit Hilfe von Spiritus, Benzin und Schwarz- pulver hergerichtet waren. Der ganze Plan war so raffiniert aus- geheckt, daß bei nicht rechtzeitiger Entdeckung des Brandes von der Villa kaum ein Stein auf dem andern geblieben wäre. Zunächst fiel auf Strecker nicht der geringste Verdacht, dann ergaben sich aber Anhaltspunkte, die den Schluß zulassen, daß Strecker in der Nacht zum 27. von Weimar, wo er sich aufhielt, nach Berlin ge- reist und zusammen mit einem noch Unbekannten die Tat verab- redet und das Feuer gelegt hat. Die neue Nuppiner Chaussee. Drei Kilometer lange Teerbetonstraße nach Schulzendorf. Das Notstandsprogramm der Stadt Berlin sah auch einen Neu- bau der Ruppiner Chaussee im Bezirk Reinickendorf vor. Die drei Kilometer lange Strecke zwischen Tegel und Schulzen- darf ist jetzt im Teerbetonverfahren fertiggestellt. Rad- fahrer, Fußgänger und Autofahrer freuen sich, daß endlich an Stelle der alten brüchigen Landstraße eine moderne, erstklassige Industrie- straße getreten ist. Bei dem neuen Straßenbelag auf der Ruppiner Chaussee handelt es sich um eine Tcerbetondecke, die von der T e r m a k G. m. b. H. in Berlin ausgeführt wurde. Die neue Decke wurde in sieben Zenii- meter Stärke auf den vorhandenen alten Pslasterunterbau aufgelegt. Der alte Sommerweg ist beseitigt und mit einem Betonunterbau versehen worden, über den ebenfalls die Teerbetondecke gelegt worden ist. Außer dem neuen Fahrdamm erhält die Ruppiner Chaussee einen Radfahrweg und einen B ü r g e rP e i g aus Teerbeton. Das Gesteinsmaterial wurde im heißen Verfahren eingebaut und sofort abgewalzt. Die Decke hat den Vorzug gegenüber dem Asphalt, auch bei Regenwetter„griffig" zu sein. Das gefährliche Rutschen und Schleudern der Autos ist also unmöglich. Das Teerbetonverfahren wird in Deutschland noch relativ wenig angewanot. Fachleute behaupten, daß es sich bereits glänzend be- währt habe und bezeichnen das Verfahren als die Strahenbauart der Zukunft. Da es sich bei dem Bauvorhaben, wie wir schon erwähn- ten, um ein Notstandsprogramm der Stadt Berlin lzandelte, wurden außer dem Meister nur Erwerbslose beschästigt. Di« neue T-erbetonstraße umfaßt einen Flächeninhalt von 22 909 Quadrat- meiern. Straßenkampf zweier Ringvereine. Am Leopoldplatz im Norden Berlins fuhren gestern abend drei Autodroschken vor, denen 19 Männer entstiegen, die mit Schlag- ringen und Gummiknüppeln über ein« Gruppe Burschen herfielen. Es entspann sich eine wilde Schlägerei, bei der einer der Be- teiligten lebensgefährliche Verletzungen erlitt. Als das alarmierte Ueberfallkommando anrückte, flüchteten die Kampfhähn« »ewle. 20 Mr. in den Kammersälen, Tellower Sir. I- 4 «rofte Wen«. Beamienlcnndgebuitg aller ReidiS', Staats- und Kommunallseaniten Kurt Heini�, M. d.R. spridii Ober: Die Beaniten. die Staatseinnahmen onüWirtsfliattskrise Beamte, denkt an eure Zukunft. Ericheint in Masten! BezirUsverliand Berlin der SPD. und entkamen unerkannt. Nach den bisherigen Ermittlungen soll es sich um einen Kampf zwischen zwei Ringvereinen gehandelt haben. Die eine Partei soll dem„Bruderverein Junge Kraft" an- gehören. Wieder grausige Familientragödie. Bürgervorstehsr erhängt Frau und Töchterchen. Winsen(Luhe). 3. September. Die Ehefrau und das Zf�jährige Kind des Kassierers und Bürger- Vorstehers L ü d d e ck e wurden heute früh ermordet aufgefunden. Auf dem Tische lag«in A b s ch i e d s b r i e f des Ehemannes, in welchem er mitteilt, er wolle seiner Familie in den Tod folgen. Heute nachmittag wurde der Doppelmörder in der Umgebung von Bahl- bürg auf einem Fahrrad gesehen. Man setzte sogleich Polizeimann- schaften zur Durchsuchung des sraglichen Gebietes an und hofft, Lüddecke noch im Laufe des heutigen Tages festzunehmen. Die Nachforschungen ergaben, daß die Frau von ihrem Mann erwürgt und dann am Bettpfosten aufgehängt wurde. Danach scheint Lüddecke das Kind erhängt zu haben. Warnung vor einem Schwindler! In letzter Zeit versucht ein raffinierter Schwindler einen alten Trick, um zu Geld zu kommen. Er meldet sich telephonisch unter dem Namen eines Landtags- oder Reichstagsabgeorvneten bei seiner Logiswirtin und erteilt ihr den Auftrag, Pakete ujw. gegen Bezahlung abzunehmen— er selbst komme in einigen Tagen zu einer wichtigen Sitzung nach Berlin— und werde dann die Rech- nung begleichen. Der Schwindler sucht nur alte, alleinstehende Damen, die an Abgeordnete vermietet haben, auf und hat leider schon einige Vermieterinnen um kleinere Geldbeträge gebracht. Weklerauesichlen für Berlin: Wechselnd bewölkt und im ganzen etwas kühler, Neigung zu einzelnen Regenschauern.— Für Deutsch- land: Im Osten zeitweise regnerisch, im übrigen Reiche etwas un» beständig, im Nordwesten ziemlich kühl. Einsendungen für diese Stubrtl find Berlin SW 68, Liudcnstrahe 3, Groß-Berlin stets an das Bezirkssekretarint 2. Hof, 2 Treppe» recht», ,u richte» Der Ablellungsskempel der 6. Abteilung ist gestohlen worden. Sollte jemand versuchen, mit dem Stempel Wißbrauch zu treiben, sind die Personalien des Betreffenden festzustellen. * Das Mitgliedsbuch und die Funklionärkarlc des Genossen Hans Z a c o b y. Berlin- Schöneberg. Rosenheimer Str. 9, sind verloren gegangen. Sollte versucht werden, das Buch als Ausweis zu benutzen, dann ist es anzuhalten und an das Sekretariat einzuschicken. Z. A. Alex Pagels. Beginn aller Veranstaltungen 1S�> Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! heule, Freitag, 4. September: tS. Arris. Viknng der partrigrnSsfischra ivohlsnHrtskowntissionsnorsteher»rd Stellvertreter im SiaiHau» Pankow, ftimmcr 216217. Wichtig« Tagesard» »»»g. Sie Wodlsahrtsdepntntionswitglieder find«bensall, vagelade». Sil. Abt. Achtung! Funtti-ncrsitzung findet erst Montag, 7. September, bei Hirsch, Zonasstr. 1, statt. S7. Abt. Bezirkssilhrcr Islrn heute Einladungen zur Abtcilungsversaimnlung von Rohr, Siegfriodstrabe, ab. Morgen, Sonnabend, S. September: 21. Abt. Funktiouärsltzung in der Gejichäftsstelle. Utrechter Str. 21. 32. Abt. 19 Uhr wichtige ffunltionärsigung bei Valentin. Jirautstr. 36. 131. Abt. 20 Uhr bei Klindt, Arn sZriedcnspla�, wichtig- Funrtwnarfitzung. Sonntag. 6. September: 23. Abt. Gemeinsame fiohrt der jungen Partermitglieder zum Gewerkschaft». fest. Treffpunkt 11 Uhr See» Ecke Miillerstraße. Nach-llglcr„Abtei", Treptow. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde Groß-Verlin. ftrei» Kreuzbrrg. Gruppe Schlefisches Tor. Freitag, 4. September, 18 Uhr, Treffpunkt Schlefisches Tor. Falkentracht.. Kreis Friedrichshain. Sonnabcnd b. Rote-Falken-Fahrt nach Rüdersdors. Treffen 17% Uhr Schl-sifchcr Bahnhof. Kosten 73 Pf. Sonntag 6. Iungfalken. Fahrt nach Rahnsdorf. Treffen 7� Uhr Schlestfchcr Bahnhof. Kosten 30 Pf. Restfaltcu. Fahrt nach Köpenick.Friedrichshagen. Treffen 8 Uhr Schiesifcher Bahnhof. Kosten 13 Pf. Dienstag, 8. September, KB.- Sitzung im Herm Diestelmcyerstr. 5—6, 20 Uhr. Sterbetafet der Groß-Berliner Partei-Organisation 79.1. Abt. Unser Genosse Mar Fiering, Röblingstr. 7, ist am 1. September nach langem, schrverem Leiben verstorben. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Die Einäscherung erfolgt am Freitag, dem 4. September, 17�2 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf. SomiWweArbeiterjWendGwß-Serlm Einsendungen für diese Rubrik nur an das Iugendsekretariat Berlin EW 68, Lindenstraße 3 Freidenker-Kundgebung heute. Uhr, �Neue Welt". Gruppen, die sich an der Kundgebung beteiligen, nehmen ihre Fahnen mit. Gegen Vorzeigung des EÄI.-Mütglicdsbuches freien Eintritt. Ableilungsmitgliederverfammlungen heute, Freitag. 1S� Uhr: Moabit I: Daldenferstr. 20—21.— Moabrt H: Lehrter Str. 18-19.— Moabit III: Bremer Str. 69—70.— Selw'holftplah: Danzigcr Str. 62. B. 3.-- Avdreasplatz 1- Brommnstr. 1.— Baltenplatz! Tilfitcr Str. 4—3.— Fcoitl- fürtet Viertel: Frankfurter Allee 307.— Peiersburaer Biet tri: Ebertyftr. 12. — Stralaucr Viertel: Eofiierst. 61.— Warschauer Viertel: Litauer Str. 18.— Warschauer Viertel,h Uhr Karstadt. Ecke. Freidcnkerkundgebung.— Bohnedors: Wachtelstr. 1.„Alkohol und Nikotin."- Köpenick I: Grünauer .Straße 5. Bericht vom Iugendtag.— Karlshorft: Trcskowallee 44.„Wirtfchaffs. krise."— Lichtcaberg.Mittc: Scharnweberstr. 29.„Die Bedeutung der Republik für die Arbeitcrsiliast."— Lichtcnberg-Nordwcst: Dosfcstr. 22. Bericht vom Iugendtag.— Wittenau: Sauptstr. 13. Frankfurt-Erlebniffe.— Ricdcrschön. Hansen: Lindeirstr. 47.„Religion und Sozialismus."— Britz: 19 Uhr Jahn» Ecke Rudower Straße. Werbebezirk Wedding: Treffpunkt zur Freidenkerkundgebung 19 Uhr Bahn- Hof Wedding. Wetbebrzitk Prenzlauer Berg: 30 Uhr Danziger Str. 62, Altersheim, Funk. tionartonferenz...Die Fürsorgeerziehung." Werbekezirk Osten: Treffpunkt zur FretdenkerkuUdqebuüg 19 Ilh'r'vor dem Eingang..Reue Welt". Alle Fahnrn unbedingt mitbringen. Werbebezirk Neukölln: Wir beteiligen uns an der Freidcnkerkundgebung. Alle Eruppcnvcranstaltungcn fallen aus. Voriräge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rol-Gald". Getchättsstelle:»erlin S. 1«. Sebastianstr. 37—38. Lok 2. Tr. Freitag, 4. September. Reinick-ndors-vst»Kamerodschost).'20 Uhr im Lokal Kiehne, Refidenzstr. 9. Komrradhchaftsvcrsammlung. Tor. stand und Gruppenführer 19 Uhr.— Sonnabend, 5. September. Treptow < Kameradschaft).'20 Uhr bei Kamerad Monz, Kiofholzstraße. Kamcradschoftsver. fammlung.— Sonntag, 6. September. Kreis Süden. 7lh Uhr Antreten aller Radfahrer in Bundeskleidung Fontanepromenabe, Spitze Kaiser.Frrcdrich.PIatz. — Gaunorstaod. Am Sonntag, dem 6. September. Antreten zur Spielprobe im Stadion an der Avus wie folgt: 8 Uhr Iungba-Uebungsmannschast Kreis Westen, Technische Uebungsmannschosr Kreis Osten: 9 Uhr olle Radfahrer und Sanitäter der vier Kreife, Iuugba.Wanderkamcradfchoft, Kreis Silben und Tau. ziehmannfck-aft. 9 bis 11 Uhr Gepäckmannfchaftcn. II Uhr olle Mufikcr und Spielleute Berlins und der Pororte.— Wcißensee(Ortsverein). Die am Frei. tan fällige Versammlung findet nicht statt.— Reinickendorf(Kameradschaft Freie Scholle). Freitag, 4. September. 20 Uhr, Versammlung im Schollenkrug. Sturmvogel, Flngverband der Werktätigen e. V. Bezirksgruvve Friedrichs. Hain. Nächste Monaisversammlung Freitag. 4. September, 20 llhr, nn Peters» durgcr Hos, Petersburger Str. 37. Bauabende Dienstag und Freitag von 18M, bis 22 Uhr in der Schule Dirstelmeyerstr. 5. Reichs oere'.uigung ehemaliger Kriegsgefangener, Ortsgruppe Berlin, Norden n. Bersommlung jeden 1. Sonnabend im Monat bei H cm perich, Born. holmer Ecke Molmöer Straße. Nächste Sitzutrg Sonnabend, 5. September, 20 Uhr. Gäste sowie ehemalige Kriegsgefangene willkommen. Zcntralvcrbanb der Arbeitsinralibcn und Witwen Deutschlands. Freitag, 4. September. Alt.Glienicke: Lolal Haberechk, Friedrichftr. 2. 19 Uhr.— Chor- lottenburg: Lokal Ernst Kuhrli, Schönebcrg. Hohenstaufenstr. 38. l« Uhr.— Krcuzbcrg III: Lokal Rcichenberger Hof. Reichenbergcr Str. 147. 17 Uhr.— Bgumschulenwcg: Lokal Haß, Baumschulenstr. 72, 18 Uhr.— Kreuz berg II; Lolal Oronienfeftsäle. Oranienstr. 180, 17 Uhr. Referentin: Haas.— Brenz. lauer Berg: Lokal Bogcn.Festiftlc, Schwedter Str. 25— 24, 16 Uhr.— Tegel: Lokal Lehnhardt, Berliner Slr. 84. 18 llhr.— Reinickendorf.West: Lokal Bolkshaus. Scharnweberstr. 113, 19 Uhr.— Mitte I: Lokal Schaar, Ziegel. Ecke Kalkscheunenstraße. 181� Uhr. Referent: Pnrts.— Sonnabend. 5. September. Wedd-ng I!: Lokal Robert Kusch, N. 31, Swinemllndcr Ecke Demminer Straße 38, 18 Uhr.— Kreutberg IV: Schulaula Gneiscnaustraße. 16 Uhr. Referent: Pirrts. Typographisches Orchester. Dirigent Erich Glitzert. Uebungsstunden jeden Freitag von 20>,z bis'22!h Uhr im Ideal. Kasino, Neukölln, Deichfelstr. 8. MLnnerchvr Fricdrichshain. Am Sonnabend trifft sich der Ehor um irVi Uhr zur Sängerfahrt nach Odcrberg am Basten platz. Besucht die heutig« llcbungsstunde._ Sport. Grunewaldrennen Donnerstag. 3. Sexteniber. Preis von Burg Röttgen: 1. Fathia(Huguenin)! 2. Lichtblick! 3. Faro. Toto: 3K:10. Platz: 20, 26:10. Ferner lief: Attenberg. Preis von Erlcnhos: 1. Nrscbde(Prctzner): 2. Ostermädel: 3. Phthia: 4. Regierungsrat. Toto: 55:10. Platz: 16, 15, 16, 25:10. Ferner liefen: Doppclwaise, Kruzitürken, Clodia, Monitoba, Mondamin, Epona, Puma, Auna, Farsalla. Märkischer Ausgleich: 1. Francesco(Buschke); 2. Genio: 3. Makrele. Toto: 44:10. Platz: 19, 21, 21:10. Ferner liefen: Hanstein, Teddy, Alpen» slieger, Nomos. Wilamowitz-Rcnnen: s. Gregor(O. Schmidt): 2. Kavallerist; 3. Sonnen» glaube. Toto: 36:10. Platz: 19, 13:10. Ferner lies: Adricnne. Preis von Leutstetten: 1. Avcntin(Grabsch); 2. Palastpagci 3. Aristokrat. Toto: 14:10. Drei licsen. Preis von Zoppcnbroich: 1. Silbcrling(Grabsch): 2. Eilflug: 3. Wunder- blume. Toto: 62:10. Platz: 19, 23, 15:10. Ferner liefen: Aurelian, Agricola, .stavalkade, Melisie, Huri, Richlscst. Preis»an Ravensberg: 1. Polaschin(O. Schmidt): 2. Kamerad: 3. Margot. Toto: 47:10. Platz: 17, 30, 15:10. Ferner liefen: Malatcsta, Grenzmark, Jos, Croica, Golo. Reichshallen. Theater. Am Sonntag, dem 6. September, geben die Stettinee Sänger ihre erste diesjährige Rachmittazsoorstellunq zu halben Preisen, in der das volle ungekürzte Festprogramm van Brrttons 50jährigem Jubiläum zur Aufführimo gelangt. Auch an den anderen Tagen bleibt das Festprograaim mit dem' Iubrläurnsschlnßstück„Ein schöner Tvaum» auf dem Repertorr. Durch falsche Wirffchastspolitik zur Wirtschafiskrise. Die Doppelmoral der Kapitalisten: Sozialistisch für die Verlust«, kapitalistisch für die Gewinne. Sehr viele haben heute das Gefühl, daß die Wirtschafts- Politik des Reiches in der Vergangenheit unzulänglich und in der Gegenwart vielfach geradezu falsch ist. Wir haben gescheite Leute genug in verantwortlichen Stellen, die das sehr genau wissen, und die es auch aussprechen könnten. Aber wir haben sehr wenig Mutige unter diesen Eingeweihten. Einer von diesen Mutigen ist der Präsident Klepper der preußischen Zentralgenossenschafts- käste, der am Mittwochabend vor einem großen geladenen Kreise den Nebel und die Stickluft der jetzigen Wirtschaftspolitik in Deutschland zerteilte und sich freimütig über die besonderen Ur- sachen der jetzigen Wirtschaftskrise, über die Agrarpolitik und über die Stellung der Genossenschaften in dem fehlerhaften Zirkel der deutschen Wirtschaftspolitik ausgelassen hat. Das Genossenschaftswesen, das der Preußentasse natürlich am meisten am Herzen liege, so führte Klepper aus, lasse sich nur im Rahmen der Gesamtwirtschast und der gesamten Wirtschaftspolitik des Reiches beurteilen und führen. Bedauerlich sei, daß bei der Di-- kussion der besonderen Ursachen der deutschen Wirtschaftskrise die Parteien und Gruppen einander die Schuld zuschöben, wobei die Unzulänglichkeit vielfach so groß sei, daß man einfach das, was man nicht wünsche oder nicht begreife, als Marxismus oder als Ausfluß des Judentums kurzerhand abtue, weil man die„Kausalitäten" nicht sehe oder zugestehen wolle,„die man selbst gesetzt hat". Bei der Beurteilung der Gesamtentwicklung geht Klepper von der Tatsache aus, daß mit dem Jahre 1918 die deutsche Wirtschast den Anschluß an die Weltwirtschaft wieder gesucht und auch gefunden habe. Seitdem wäre es Aufgabe der Wirtschaftspolitik gewesen, die gesamte deutsche Produktions- und Konsumpolitik in die Dynamik des weltwirtschaftlichen Geschehens hineinzustellen und ihr anzupassen. Statt dessen habe man ober eine allgemeine Rekonstruktion des weltwirtschaftlichen Deutsch- land nach den Ausmaßen der Vorkriegszeit gesucht. Seit 1924/25 versuche man die Korrektur von Fehlschlägen der Wirt- schaftspolitik und der Wirtschaftsführung durch eine Ueberhöhung des Preisniveaus. Schäden, die Folgen der allgemeinen falschen Politik gewesen seien, habe man nicht nach ihren Ursachen zu heilen, sondern in falscher Richtung von Fall zu Fall zu korrt- gieren versucht. Den Warenverkehr habe die Wirtschaftspolitik be- schränkt, dem Geld- und Kapitalverkehr dagegen eine unbehinderte Entwicklung und Verbindung mit der Welt zu schassen versucht, wobei freilich dann in der Anleihepolitik auch noch ernsteste Wider- spräche in der kurz- und langfristigen Verschuldung herbeigesührt worden seien, die sich rächen mußten. Diese Widersprüche der Wirtschaftspolitik seit 1918 und besonders seit 1924 seien die ent- scheidenden Gründe für die Disproportionalitäten, die in der jetzigen Wirtschaftskrise als besondere Ursachen der besonderen deutschen Schwierigkeiten zutage getreten sind. Die Konsequenzen des Einbaus der deutschen Wirtschaft in die Weltwirtschast hätten auch für die deutsche L a n d w i r t s ch a s t ganz andere sein müssen, als-sie in der deutschen Agrarpolitik zum Ausdruck kamen. Di« besonderen klimatischen und Bodenverhältnisse Deutschlands, die Wandlungen in den Ernährungsgrundlagen der Masten, die noch weiter fortgeschrittene Verringerung der geo- graphischen Abstände in der Welt hätten für die deutsche Landwirt- schaft den Abbau der extensiven Bodenbewirtschaftung, die systema- tische Förderung der Veredelungswirtschast und dos weitere Ziel zur notwendigen Aufgabe gemacht, in der Größenordnung der landwirt- schaftlichen Betriebe die Entwicklung des Bauernbetriebes mit besonderem Nachdruck zu fördern. In allen drei Richtungen habe die deutsche Agrarpolitik das Gegenteil des Notwendigen getan. Die deutsche Schutzzollpolitik gehe davon aus, daß jeder Quadratmeter landwirtschaftlichen Bodens, der jetzt genutzt werde, im wesentlichen unverändert seiner Nutzung erhalten bleiben müsse. Man hat die Produktionskosten der bäuerlichen Betriebe erhöht, statt sie zu senken. Die Osthilfepolitik führte schließlich dazu, daß der Großbetrieb systematisch konsolidiert und der Größenwandel in den landwirtschaftlichen Betrieben verhindert werden sollte. Alle Ver- suche, nebenbei dann die Veredelungsproduktion durch agrarpolitische Maßnahmen zu valorisieren, seien schließlich mit der Folge ge- scheitert, daß auch die Lage vieler bäuerlicher Be- triebe in den letzten anderthalb Iahren kritisch geworden ist. Als Zentralinstitut des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens mußte die Preußenkasse bemüht sein, wenigstens die die landwirtschaftlichen Genossenschaften von den negativen Wir- kungen der falschen Agrarpolitik freizuhalten. Das fei in den letzten drei Iahren mit einigem Erfolg gelungen: durch Kreditkontrollen, Vereinfachung und Vereinheitlichung und durch die finanzielle Sanierung des Genossenschastswesens. Auch bei weiterer ungünstiger Entwicklung sei zu hoffen, daß das reorgani- sierte Genossenschaftswesen standhalten könne. Die i n Z u- kunst unvermeidliche Umstellung der deutschen Agrarpolitik werde das Genossenschaftswesen auch für die neuen Aufgaben vorbereitet finden. An die vorgesehene U m- s ch u l d u n g in dem gewollten Ausmaß sei in absehbarer Zeit freilich nicht mehr zu denken. Nach den neuesten Berichten der Kontrollstellen sei die Lage der in erster Linie umschuldungsbedürs- tigen Betriebe hoffnungsloser geworden als bisher. Nach wie vor sei die Schaffung einer Aufsangorganisation hier das einzige gebotene Mittel. Das gewerbliche Genossenschaftswesen sei ent- sprechend seiner geringeren Konjunkturempfindlichkeit von der Krise nicht allzu schwer betroffen worden. Es fei nicht notwendig, es sei nicht einmal erwünscht, in organisatorisch zwangsmäßi- ger Weise einzugreifen. Der sogenannte Dualismus zwischen der Dresdner Bank und der Preußenkasse sei eigentlich«in Dualis- mus zwischen der Dresdner Bank und den gewerblichen Zentral- kästen. Denn nur die Dresdner Bank arbeite direkt mit den ge- werblichen Genossenschaften, während die Preußenkasse das nur in- direkt über die Zentralkassen tue. Wo doppelseitige Kreditbeziehungen vorliegen, sei freilich eine Vereinheitlichung notwendig und zweckmäßig. Die Organisation der Konsumgenossenschaften werde durch den Rückgang der Massenkaufkraft natürlich besonders stark beeinflußt. Ihre innere Gesundheit sei aber gewährleistet durch den übersehbaren und kontrollierbaren Warkt der Konsummitglicder und durch die Sicherheit der Finanzierung der konsnmgenossenschasten. Besonders W Tatsache, daß die Sonsumgenosseujchaslen vom Staate niemals gefördert zu werden brauchten und niemals Subventionen enipfangen hätten, berechtige zu großer Zuversicht. Die deutsche Politik zur Krisenheilung sei in hohem Maße zwiespältig. Die fortdauernde Senkung der Löhne und Gehälter und der Staotsausgaben könne allein nicht helfen. Von hier aus sei sicher eine Verschärfung der Krise zu erwarten. Ein Einbruch des Systems könne nur verhütet werden, wenn ein all- gemeiner Wandel der Wirtschaftspolitik eintrete. Es sei nicht möglich, die Konsumkraft zu senken und die Lebens- Haltung zu verteuern. Man könne nicht den Geldverkehr sanieren und die wirtschaftspolitischen Voraussetzungen für die fruchtbare Wirkung dieser Sanierung zu schaffen unterlassen. Dos kapita- listische System sei nicht zu halten, wenn nicht nach kapitalistischen Gesetzen das Ausscheiden lebensunfähiger Betriebe gefördert würde. Der Weg aus dieser Krise könne für Deutschland nur gesunden werden, wenn man sich entschließe, endlich entschlossen die Kon- sequenzen des 1918 vollzogenen, seitdem aber immer stärker ver- schütteten Anschlusses an die Weltwirtschaft zu ziehen. Ohne Aktivie- rung in dieser Richtung sei kein Ausweg sichtbar. Alan kann nicht kapitalistische Wirtschast aus der Aktivseite und sozialistische Wirtschaft aus der Passivseite treiben. Alan kann nicht, wie es in Deutschland vielfach geschehe, aus den beiden Seiten derselben Bilanz verschiedene Wellanschauungen und Einstellungen vertreten. Neben der unzulänglichen Wirtschaftspolitik des Staates habe auch die private Wirtschaftsführung versagt, und wie die gegenwärtige Wirtschaftspolitik keinen vernünftigen Ausscheidungsprozeß gegen- über nicht zu haltenden Unternehmungen herbeizuführen suche, so gebe es auch keinen Ausscheidungsprozeß für Wirt- schaftsführer, deren Unfähigkeit klar zutage liege. I n Deutschlandmüss« eseiner schon sehr toll treiben, wenn er aus seiner W i r t s ch a f t s o p p o s i t i o n ver- drängt werden solle. Alles das seien aber nicht einmal Fragen des Wirtschaftssystems, sondern Fragen des vernünftigen, praktischen und kaufmännischen Handelns. Nur wenn in allen diesen Fragen ein grundlegender Wandel erfolge, sei die Garantie gegeben, daß die Lebenkraft des deutschen Volkes sich auch in der Zukunft bewähren könne. Die Reichsbahn im Juli. Scharfer Rückschlag durch die Kreditwirren. Der Güterverkehr der Deutschen Reichsbahn hielt sich nach dem jetzt veröffentlichten Monatsbericht Anfang Juli zunächst ungefähr in der Höhe des Vormonats, erlitt aber mit dem Einsetzen der Geld- krise am 13. Juli einen st arten Rückschlag. Dieser konnte auch nicht durch vermehrte Frachten an Frühobst und Gemüse aus- geglichen werden. Auch der Eingang von Gütern aus dem Aus- lande geriet infolge der erschwerten Devisenbeschaffung ins Stocken. Mit einer durchschnittlichen Wagengestellung von III 511 Wagen je Arbeitstag liegen die Verkehrsleistungen um 3,2 Prozent unter denen des Vormonats und um 12,7 Prozent unter dem Juli 1930. Die Betriebseinnahmen stellten sich im Berichtsmonat auf 359,4 Millionen, denen Ausgaben in Höhe von rund 374 Mil- lionen gegenüberstehen. Es ergibt sich also für Juli ein Fehlbetrag von 14,6 Millionen Mark, während in früheren Jahren der Juli ein besonders starker Ueberschußmonat war. Gegenüber dem vor- hergehenden Jahr, das schon für die Reichsbahn finanziell nicht günstig war, ist der E i n n a h m e a u s s a l l vom 1. Januar bis 31. Juli 1931 auf 402 Millionen Mark gestiegen. LtSA.-Banken in der Krise. Am 1. Juli gab es in den Bereinigten Staten.6805 National- danken mit einem Einlagenbestand von 21,13 Milliarden Dollar. Ein Jahr vorher hatte die Zahl der Nationalbanten 7252 betrogen und der Einlagenbestand 22,20 Milliarden Dollar. Die Zahl der Banken ist also um rund 250 und der Einlagenbestand um 1071 Mil- lionen Dollar oder rund 4,5 Milliarden Mark zurückgegangen. Am stärksten sind kleinere Institute des flachen Landes von der Krise betroffen worden, eine Auswirkung des Preistiefstandes für landwirtschaftliche Erzeugnisse, insbesondere Weizen, Mais, Baumwolle. Besonders in der letzten Zeit hat sich in Verbin- dung mit der verschärften Voumwollkrsse die Zahl der Bank- schkießungen im Süden der Vereinigten Staaten vermehrt. Im ersten Halbjahr 1931 haben in Amerika 778 Banken mit einem Einlogenbestand von 478 Millionen Dollar, d. h. rund 2 Milliarden Mark, ihre Schaller geschlossen. Im ersten Halbjahr des Jahres 1930, wo sich die Krise bereits stark bemerkbar machte, waren es 542 Banken mit einem Einlagebestand von nur 241 Mil- lionen Dollar. Börsenspiegel im Zieich. Allgemein starkes Angebot.- Widerstandsfähige Pfand- briefmärkte. Der erste Börsentag im Reich wickelte sich ähnlich, wie in Berlin äußerlich verhältnismäßig ruhig ab. Das starke Angebot auf dem Aktienmarkt hatte an der Frankfurter Börse Kurs- einbräche von 10 bis 25 Prozent zur Folge. Festverzinsliche Werte verloren im Durchschnitt 10 bis 15 Prozent, nur bei Pfandbriefen waren die Abschläge geringer. Auch an den Börsen in Leipzig, Dresden und Bremen herrschte starkes Angebot vor. Die Kurse wurden den Berliner Notierungen angepaßt. In Hamburg war zunächst an der Börse von einem größeren Verkaufsandrang nichts zu spüren. Bemcrkenswerterweise über- wogen auf einigen Gebieten sogar die Kaufaufträge, be- sonders am Pfandbriefmartt, was von der Börse als ein Zeichen wiederkehrenden Vertrauens bewertet wurde. Voruntersuchung gegen die ehemaligen Direktoren des VEW. Gegen die beiden früheren Generaldirektoren der Vereinigten Elek- trizitätswerke Westfalen, Krone und Fischer, ist aus Antrag der Staatsanwaltschaft die gerichtliche Voruntersuchung wegen U n- treue eröffnet worden im Zusammenhang mit den Vorgängen bei der VEW. Oesterreich, passive Handelsbilanz. Oesterreichs Handelsbilanz bleibt unverändert passiv. In den e r st e n sieben Monaten ist die Einfuhr gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres um 305,6 Mil- lionen Schilling(1 Schilling gleich 59 Pfennig), die Ausfuhr aber ebensalls um fast den gleichen Betrag, um 305,5 Millionen Schilling gesunken, so daß der Einsuhrüberschuß unverändert 527 Mil- lionen Schilling beträgt. In den letzten Monaten scheint sich sogar eine Tendenz zur Verschärfung der Passivität durchzusetzen:"im Juli ist jedenfalls die Auesuhr nicht unbedeutend stärker als die Ein- fuhr gesunken, so daß der Einfuhrüberschuß im Juli sich erhöhte. Der amerikanische Außenhandel. Die Aussuhr der Vereinigten Staaten im Monat Juli wird auf 180 000 000 Dollar geschätzt gegenüber 270 000 000 Dollar im Juli 1930. Die entsprechenden Zahlen für die Einsuhr sind 175 000 000 und 220 000 000 Dollar. Gewinnauszug 5. Klasse 37. Preußisch-Süddeuischc Staats-Lotterie. Ohne Gewähr Nachdruck verboten Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer aus die Los« gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und ll 22. Ziehungstag Z.September 1931 In der heutigen Vormiltagsziehur.g wurden Gewinne über 400 M. gezogen 4 Gewinne ,» 10000 W. 155739 230041 10 Gewinne«u 5000 M. 80208 91 625 112473 135000 392751 18 Gewinne in 3000 M. 33896 58536 81083 181712 201221 219113 318572 320350 344337 62 Gewinn-»n 2000 M. 11429 37244 41035 45929 63330 75369 75604815118852893126 116420 136719 146664 163065 159366 161041 168923 222263 239713 253917 221027 282740 284439 294269 302109 320014 322054 339736 352942 355282 381769 114 Gewinne jn 1000 M. 4886 5528 22512 32552 42702 57827 73595 75933 99127 104035 114141 120071 121203 121640 133405 134355 139840 140396 141943 167442 167626 171956 173609 182713191141 198062 203171 203301 213324 224333 233321 238709 240773 243419 248120 261612 263336 253530 257487 260473 260601 262094272358 300064 306065 311442 318383 318685 323028 336765 360493 369031 371057 378804 382024 392343 393620 164 Gewinne ,n 600 VI. 1073 13568 23006 24024 27347 30860 40947 43601 45877 50406 56353 53041 64337 64950 71637 77275 84417 87771 97098 97201 102692 103261 106346 119093 123086 126047 136692 139691 144101 157170 178202 187801 196914 199291 201542 202582 210579 211428 212952 212984 215180 221974 222707 226015 230595 232050 232429 244112 253436 254027 255170 266424 272677 274043 276956 283594 235074 286318 292149 292566 303756 308664 315669 321998 334404 335011 340522 341223 348614 349322 349649 356531 357092 362032 363479 377537 382144 387423 387617 392710 393081 395973 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 100 M. gezogen 2 Gewinne zu 25000 M. 30806 2 Gewinne|u 10000 M. 227501 6 Gewinne ju 5000 M. 34942 111283 167607 2 G-winn- ,n 3000 M. 231229 50 Gewinne»n 2000 M. 5558 26111 32179 43973 86497 91323 158820 160875 182589 183151 216782 236495 278556 281873 284977 239522 291573 300975 330583 335146 336536 346234 353616 364317 371 148 90 Gewinn->u 1 000 M. 5279 31 118 24185 43903 46606 50502 57600 59766 70517 72242 76094 95075 95511 113017 119823 144564 145944 153689 159061 159912 187115 189330 193970 197102 197229 205652 207523 217011 219898 226091 239706 239879 242399 244497 248626 263949 265639 270946 280124 291322 308034 331787 348489 348876 383565 140 Gewinne zu 500 VI. 11746 18119 29110 30144 32164 37348 41871 41910 45577 50337 55820 57619 74663 76640 63080 83351 96371 33320 107887 111303 115317 116723 113635 123413 134263 136301 144233 143013 143039 150343 158103 158132 162533 167106167362 172111 174749 176414 178953 185351 189228 194518 202106 214834 236558 238476 241490 243109 246063 260115 276892 279394 230052 288738 290036 200629 291352 294948 301269 321020 328610323185 340114 346504 355403 363978 376975 377287 390240 396463 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000. 2 Gewinne 2 zu je 300000, 2 zu je 200000, 4 zu je 50000, 10 zu je 25000, 58 zu je 10000, 118 zu je 5000. 248 zu je 3000, 070 zu je 2000. 1356 zu je 1000,�172 znj« 500. 6StS zu-ie«cKMaÄ. 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Es gab eine Zeit, wo die Unternehmer den Moskauer Utas zur Gründung von sogenannten roten Gewerkschaften freu- big begrüßtem Man hofjte im Unternehmerlager, daß die sagen- hafte NGO. ihr Ziel, die Zertrümmerung der Gewerk- s ch a f t e n erreichen würde. Die Katastrophe des Arbeitsmarktes, der offizielle Lohndruck, verbunden init dem Lohndruck der Unternehmer schienen auch dem Norgehen der NGO. durchaus günstig zu sein. Ueber den weiteren Verlauf nach einem Siege der NGO. über die Gewerkschaften machten sich die Unternehmer— mit Recht— keine Sorgen. Die Unternehmer haben noch niemals die Konjunkturpolitiker der KPD. gefürchtet. Es Hot Jahrzehnte bedurft, um die Gewerkschafts- organisationen aufzubauen. Die Unternehmer wissen sehr gut, daß die Radaupolitik der KPD. nur sehr schlecht eine völlige organi- satorische Unfähigkeit und Ohnmacht maskieren soll. Die Hoffnungen der Unternehmer haben sich ober nicht er- füllt. Die Gewerkschaften widerstanden siegreich dem gemeinsamen Angriff d:s Unternehmertums auf der einen und der Kommunisti- schen Partei auf der anderen Seite. Es ist deshalb interessant, wenn jetzt in einer längeren Abhandlung die in der heute erschei- nenden Nummer„Ruhr und Rhein", dem Organ der Vereinigten Handelskammern von Rheinland-Westfolen, das Fazit gezogen wird über„ein Jahr kommunistischer Gewerkschaftspolitit". Nachdem auf Grund der Angaben der NGO., deren Mitglieder- stärke untersucht wird, die in Wirklichkeit das Gegenteil von Stärke ist, heißt es da: „Größere Arbeitermasscn hat die NGO. jedenfalls im Wirt- fchaftskampfe nicht hinter sich zu bringen vermocht, obwohl die Stimmung in weitesten Arbeiterkreisen zeitweilig recht ge- reizt war und es keineswegs immer am Streikwillen gefehlt hätte, wenn nur die gewerkschaftlichen Orgaiiisa- t i o n e n sich an die Spitze des Streiks gestellt hätten. Mit ihrer-neuen Gewerkschaftspolitik ist die RGO. bisher eben daran gescheitert, daß sie den Wirlschastskamps der Ar- beiterschaft nicht als gewerkschaftlichen und mit gewerkschafl- lichen Mitteln führen will, sondern als politisch-revolutionären. Für einen solchen Kampf war aber die deutsche Arbeiterschaft mit kleinen Ausnahmen bisher nicht zu haben, vielleicht nicht so sehr deshalb, weil sie die revolutionären Ideen mißbilligte, als weil sie sich bei nüchterner Betrachtung der Lage Vorteile materieller Arbeit von der kommunistischen Politik nicht versprach." Es wird dann der Katzenjammer festgestellt, der ob dieses Mißerfolges innerhalb der Kommunistischen Partei herrscht, und untersucht, worauf dieser Mißerfolg zurückzuführen ist. Wörtlich wird da gesagt: „Schon dadurch, daß man die alte Parole des„Hinein in die Gewerkschaften" im Jahre 1930 ausdrücklich strich, leitete man diese Entwicklung ein und verlor die Möglichkeit, für die vielen ausgeschlossenen Anhänger Nachwuchs zu schaffen. All das hatten aber die führenden Instanzen vor der entscheidenden Wendung wohl vorausgesehen und reiflich überlegt. Wenn man trotzdem den Entschluß zum Aufbau einer eigenen Gewerkschaftsorgani- fation faßte, so geschah das vor allem deshalb, weil man der festen Ueberzeugung war, die Gewerkschaften seien in ihrem Masseneinfluß bereits so stark erschüttert, daß es nur noch des kleinen Anstoßes der Gründung einer kommunistischen Gewerk- schaftsbewegung bedürfe, um sie in kürzester Frist auf die Rolle von Führern ohne Soldaten herabzudrücken. Diese Hoffnung war aber trügerisch, nud so fitzt man heute in der RGO. zwischen zwei Stühlen und weiß nicht recht, wie man weiter verfahren soll." Wir haben diesen Feststellungen kaum etwas hinzuzufügen. Wenn es zum Schluß dort heißt, daß die bisherige Entwicklung der RGO-, wie überhaupt die Geschichte des Kommunismus in Deutsch- land der beste Beweis dafür ist, daß die große Masse der deutschen Arbeiter nicht daran denkt, sich in die von Moskau gewünschten Abenteuer zu stürzen, so ist das wesentlich dem Einfluß der freien Gewerkschaften und der Sozialdemokratischen Partei zu danken. Die Politik des Unternehmertums in Deutschland war und ist nichts anderes als eine Begünstigung der kommunistischen Abenteurerpolitik. Der systematischen Schulung der Arbeiterschaft durch Partei und Gewerkschaften ist es zuzuschreiben, wenn olle Versuche von ganz rechts und ganz links erfolglos geblieben find. Sand in die Augen! Naturalverpflegung für Erwerbslose? Die Telegraphenunion meldet:„Am Donnerstagnachmittag haben im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft die ersten vorbereitenden Besprechungen über die Natu- raloersorgung für Erwerbslose stattgefunden. An der Besprechung waren außer den anderen Ressorts des Reiches und Preußens auch die kommunalen Spitzenverbände beteiligt. Es han- delte sich um die erste grundlegende Klärung der ernährungspoliti- schen Seite der Erwerbslosenhilse. Am Freitagoormittag werden die Besprechungen in dem hierfür federführenden Reichsarbeits- Ministerium fortgesetzt." 'Entweder- es handelt sich um eine Erwerbslosenhilfe, wie sie bereits von den Städten während der Wintermonate durch Liefe- rung von Kohlen und Kartoffeln durchgeführt wurde,«ine Winterhilfe, die mit einer„Naturalverpflegung" fo gut wie nichts zu tun hat. Oder im fälschlich genannten Reichsernährungs- Ministerium bereitet man unter Vorschiebung der Arbeitslosen eine neue Suboentionierung der Landwirte vor. Denn daß zur Schaffung einer wirklichen Naturalverpflegung ein Organisationsapparat aufgebaut werden müßte, der nur auf der Konjunktur einer Massenarbeitslosigkeit beruhen und also unrationell sein würde, liegt auf der Hand. Oder will Herr Schiele sein jämmerliches Unternehmen der Preissenkung von Brot und Milch, die in eine Preiserhöhung auslief, wiederholen? Auf jeden Fall ist die ganze Aktion nichts anderes als Sand in die Augen der Arbeitslosen. Wo aber bleibt die Aktion der Reichsregierung zur allge- meinen Preissenkung? Roiverordnung und Bühnenangehörige Sine Eingabe der Bühnengenofsenschast. Das Präsidium der Genossenschaft deutscher Bühnenangehörigen hat an die Reichsregierung, an die Länderregierungen und an die Verwaltungen der deutschen Städte eine Eingabe gerichtet, die auf die unerträglich schweren Maß- nahmen hinweist, die infolge der durch die Notverordnungen vorge- nommenen Sparmaßnahmen gerade die Bühncnangehörigen trifft. Bei der Erneuerung der Dienstverträge für die Spielzeit sind die Gehälter um 10 bis 60 Proz. gekürzt worden. Es wird in der Eingabe darauf hingewiesen, daß die sogenannten Stargagen nur Ausnahmen seien. Nur 7 Proz. aller dar- stellenden Bühnenangehörigen beziehen ein Einkommen von mehr als 1000 Mark monatlich. Das Präsidium der Bühnengenossenschaft oerlangt deshalb die Eingriffe in die Rechts- und Wirtschaftssphäre für Bühnenangehörige auf ein erträgliches Maß zu beschränken und in Zukunft vor Erlaß etwaiger neuer Bestimmungen der Bühnengenossenschaft Gelegenheit zu gutachtlicher Aeuherung zu geben. Die Llnierstühung der Kurzarbeiter. Die neuen Bestimmungen. Der Verwaltungsrat der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung hat dieser Tage eine neue V e r o r d- nung über die Kurzarbeiterunter st ützungen be- schlössen, die nunmehr in ihrem amtlichen Wortlaut vorliegt. Das Entscheidende ist, daß die Unterstützungssätze für die Kurzarbeiter eine Anpassung an die für sämtliche Arbeitslosen gesenkten Unterstützungssätze erfahren. Im übrigen ist der Gesamt- inhalt des Kurzarbeiterunterstützungsrechts neu gefaßt worden und dadurch auch für den einzelnen Arbeitslosen und für den Kurz- arbeiter leichter verständlich geworden. Das ist insofern bedeutsam, als jedem einzelnen, der nach der neuen Verordnung einen Unter- stützungsanfpruch hat, die Möglichkeit gegeben ist, sich von der ord- nungsmäßigen Anwendung der Bestimmungen in seinem Einzelfall zu überzeugen. Die neue Verordnung regelt zunächst die Voraussetzun- gen des Unterstützungsanspruchs, noch der jeder Arbeitnehmer eines gewerblichen Betriebs, in dem mindestens 10 Arbeit- nehmer beschäftigt werden, aus den Mitteln der Arbeitslosen- Versicherung Kurzarbeiterunter st ützung erhält, wenn in einer Kalenderwoche infolge Arbeitsmangels in seinem Betriebe Z, 4 oder 5 Arbeitstage ausfallen. Di« Höhe der Unterstützung, die alsdann gezahlt wird, richtet sich einmal nach dem Arbeitsver- d i e n st, den der Arbeitnehmer bei voller Arbeit haben würden, ferner nach der sozialen Seite nach der Zahl der Angehöri- gen, die zu ihm gehören, und schließlich auch nach der Zahl der ausfallenden Arbeitstage. So erhält z. B. ein Arbeit- nehmer. der allein steht und drek Ausfalltäge ln der Woche hat. eine Unterstützung zwischen 1 Mark und 2,90 Mark wöchentlich, je nachdem wieviel er bei Vollarbeit verdient hat. Im Höchstfalle dagegen kann«in Kurzarbeiter, der fünf Aus- f a l l t a g e in der Woche hat und der beispielsweise vier oder mehr zuschlagsberechtigte Angehörige zu versorgen hat. eine Unterstützung zwischen 4,60 Mark und 21,30 Mark wöchentlich erhalten, ebenfalls� nach der Höhe seines Vollverdienstes. Im Gegensatz zu den versiche- rungsmäßig voll unterstützten Arbeitslosen gibt es eine Wartezeit. d. h. eine Karenzzeit, in der keine Unterstützung gezahlt wird, für den einzelnen Kurzarbeiter nicht. Die Unterstützung beginnt in der nächsten Kalenderwoche, nachdem die Anzeige übei� die Kurzarbeit an das Arbeitsamt erfolgt ist. Die neue Verordnvg über die Kurzarbeiterunterstützungen tritt mit dem 31. August in Kraft. Gleichzeitig sind alle bisherigen Bor- schriften über die Kurzarbeiterunterstützung außer Kraft getreten. Senkung der Schifferlöhne. In dem Gehalts- und Lohnstreit der westdeutschen Kanalschisfahrt wurde Montag unter dem Vorsitz des stell- vertretenden Schlichters für Westfalen folgender Schiedsspruch ge- fällt: Der durch Schiedsspruch vom 24. November 1930 festgestellte Lohn ermäßigt sich mit Wirkung ab 29. August 1931 für Matrosen, Heizer und Schiffsjungen um 6 Proz. Die festen Bezüge der G e- Haltsempfänger ermäßigen sich ab 1. September 1931 um 7 Proz. Diese Regelung kann mit einmonatiger Frist erstmalig zum 29. Februar 1932 gekündigt werden. Erklärungsfrist für die Por- teien läuft bis zum 7. September 1931. Tariflohnanspruch der Iungausgelernten. Hat der Lehrling nach beendeter Lehrzeit Anspruch auf Tarn- lohn? Mit dieser Streitfrage von grundsätzlicher Bedeutung beschäf- tigte sich in der vorigen Woche der Feriensenat des Reichs- arbeitsgerichts und entschied zugunsten des Klägers. Mehrer« Unternehmer in Berlin, Dresden, Bielefeld und Dort- mund hatten sich geweigert, den Lehrlingen nach beendeter Lehrzeit den Tariflohn zu zahlen, den sie als Gesellen zu beanspruchen hatten. Die Unternehmer erklärten, daß sie infolge der schlechten Wirtschaft- lichen Lage den Tariflohn nicht zahlen könnten. Der Kläger, ein jugendlicher Schlosser, hatte seine Lehrzeit in einem Betriebe nicht ganz beendet, sondern bei einem anderen Unternehmer zu Ende ge- lernt. Als er ausgelernt hatte, beanspruchte er den Tariflohn als gelernter Schlosser. Der beklagte Unternehmer weigerte sich, den Tariflohn zu zahlen. Das Landesarbeitsgericht entschied gegen den Kläger und wieß ihn mit seiner Berufungs-Klage ab. Um einmal in dieser Streitfrage eine grundsätzliche Entscheidung herbeizuführen, legten der Kläger und seine Organisation Revision ein. Das Reichsgericht hob das vorinstanzliche Urteil auf. Es stellte grundsätzlich fest, daß der Lehrling nach beendeterLehrzeit den Tariflohn der im Betriebe tätigen Berufskollegen be- anspruchen kann. Auch habe er auf den Tariflohn Anspruch, wenn er seinen ersten Lehrherrn oerlassen und die Lehrzeit bei einem anderen Unternehmer beendet hat. SPD.-Buchdrucker! Huf die ftcaftieturiiftunarit wlg»>°!>-- Be�irke rniti hierdurch besonders hingewiesen: 1. Bezirt: Montog, 7. September, IS Uhr, im Pejirrspersammilungslnkal: 3. Sesttl; Sonntag. 6. September, SVj Uhr. hei Klug, Danjjger Str. 71: b. Bewirf: Sonnabend, ö. September, Uhr. bei Schönamann. Ovanienstr. 180: 8. Bezirl: Snnnobenh, 5. September. 20 Uhr, bei ftirhfi, Hermannstr. 75; 10. Be. f'nl: Montag, 7. September, 18b» Uhr. im Bezirtspersammlungslotal. Der wichtigen Tagesorbnimg mögen mirb ooshahsiaes Erscheinen et. wartet, Der ffraktionsporstauh. AEE. Rs. ju>J> Kqbra�Serl. Drontheimer Straße. Fraktionssißung Montag, 7. September, ISZL Uhr, bei Machcklett, Dronth-irner Str. 4. Keiner darf fehlen. Der Frattioaeporftaub. »Freie Gewerkfchafts«Lugend Verlin A.MVNSSSWS -fflr Hof, Birmarckftr. 1. Vortrag:„Die freien«bewertschoften unft die � anderen(beroerrfchaftsrichtungen".— Rordrioa: Jugendheim, Schule Sonnenburger Str. 20.„Religion und ihr Wesen.*— ReinickendorfckZst: In> oendheim Lindauer Straße«Barackenl. Heimbesprechung. Spielabend.— Süden: .Zugendheim Waffertorstr. fl. Hennbesprechung. Schachlehrabend._ Sharlotten- bürg: Jugendheim Spreestr. 80. Heimbesiprechung.— geppelinplah: Jugend. heim Turiner Ecke Seestraße. Heitnbesprechung. Spanb-u-Wilhelurstal»!: '- Arn«. Jugend. Jugendheim Sportplatz Seeburger Straße. Das Betriebsrategesetz.— Arn». roofbee Platz: Pafteurslr. 44—4«(vberrealschirle).— Herum» nplätz: M heim Sanderstr. 11, Eck« Hobrechtstraße. Henulbofiprechung. Ivsiendgnippe des Zeniralverbandes der Angestellten Heute folgende Veranstaltungen: Slordeu: Wir besuchen die Versamm- lung des Werbebezirks.— Südweste»: Jugendheim Yorckstr. 11(2. Hof, Ouergedöude, 1 Treppe, Zimmer 5). Mrisik. und Liederabend,— Heute tagt die Berliner Druckerei, und Berlag-gesrllschast m. b. H. von 20 tn« 22 Uhr im Jugendheim Eberiqsir. 12.— Spiel« im Freien ab 18 Uhr Sportplatz„Einsame Pappel*(Norden), Sportplatz Pankow,«isstng-nstraße, und Bolls pars Neu- killln slleine Spielwiese, an der Rodelbahn).— Meldet euch für die Voits- biihneirabteitung für die arbeitende Jugend im Iugendsedretariai. e>mp KOLON! AL WA 3? UN WEINifc, SPIRITUOSEN KONSERVEN, MARMELAP. WURSTWARENj | Teewurst grob, ui» pm. 1.48 iff. Leberwurst Pfund 1.08 | Wien.-Würstch.p(d. 0.94 : Harzer Käse pfd..Pak. 0.35 S Emmenthal. o.Rd. Pfd. 1.20 jGorgonzola...... Pfd. 1.50 ig. Rebhühn. an stsdt 0.95 I ital.- ed.HoringisolalPfd. 0.70 EBvKochäpfel anPfd.0.08 i Pfirsiche......... onPfd.0.22 tBrechsparg.e.K.>/iDs. 1.22 IStg.-Sparg.>/, d«. 0.75 iHaUSh.- Kakao Pfd. 0.7», 0.58 I Burg m.Prol.-Mschg. 500 g 1.00 [leegebäck-Msdig.pfd. 1.00 [Alter Korn i uter m. fi. 3.75 IWeinbr.-spaziai m. fi. 3.80 (Seelachs o.K....anPfd. 0.16 |Gr. Heringe an z pm. 0.44 I Lbd. Karpfen an Pfd. 0.98 ; Rinderspickbrat. an Pfd. 1,28| |! Rinder- Suppenfl-an Pfd. 0.72| | HammelkeuleanPfd.1.28 j HommelkodiflaUdiaa Pfd. 0.90 j | Kalbsschnitz, an Pfd. 1.76 1 Kalbsrollbratanan Pfd. 1.28 j [SchweineflaiKhanPfd. 0.88{ ! Kavier........... an P». 0.88 t Kartoftvlmekl........... Pfd. 0.20 jfVaniile-Pudding........ Pfd. 0.39 i; Bruchreis...........„....Pfd. 0,13 [jMoulmain-Reis.......... Pfd. 0.26 �Weizenmehl 000....... Pfd. 0.22 'Eierfadennudeln....... Pfd. 0.50 j Kaltschalepulver........ Pfd. 0,60 [Aprikosen............ Pfd. an 0.75 Mischobst............. Pfd. an 0.40 | Kaffee................Pfd. an 1,90 [ HartwslzengrleB.Pfd. 0.26] LOBST UND GEMUSE ;5ß- u. Kochbirnen...an Pfd. 0.10 Goldparmänen...... an Pfd. 0.20 Weiß-u.Wirsingkohl■•■Pfd. 0.05 Schmorgurken...... Pfd.ox», 0.04 Zwiebeln................ Pfd 0.05 Kartoffeln blaun...... 10 Pfd. 0.28 Blumenkohl.....»apf an 0.10 Frkf. Apfelwein 1». D.M, 5 U. 2.75 Laubenheimer..lt. o.«, 5 lt. 4.00 Moselwein....... lt. ij», 5 it. 5.00 Tarragona....... lt. ijio, 5 lt. 4.75 Samos............ L>. 1.1», 5 lt. 5.59 Malaga.......... lt. 1.2a. 5 lt. 5.75 Wermut.......... lr. i.ie, 5 lt. 5.25 Johannisbeerw. 1». 0.75, 5 lt. 3.50 Erdbeerwein....Lt. 1.30, 5 lt. 6.23 30er Nitteler......... mit Fl. 1,10 30er Liebfraumilch..mit Fl. 1.15 26 er HautSoutemes mit Fl. 2.75 Obstschaumwein m. St. 1.2», 1.00 Spinat..................'It D»- 0.45 Junge Erbsen......... Vi D«. 0.65 Junge Erben, whrfain VtOs. 1.25 Erbsen mit Karotten.'/i Ds. 0.60 Gemischtes Gemüse. Vi D». 0.68 Steinpilze.............. Vi D«. 1.20 Sellerie in Scheiben.Vi D». 0.65 Prinzeßbohn. mittelfein Vi Dj. 0.80 Pfefferlinge...........'/• D«. 0.73 Erdbseren............. V'D«. 1.00 Vierfr.Marmel.eo.2Pfd.-Eira. 0.68 Kindt- u.Aprik.-Kenf., ca. 2 Pfd.-f. 1.10 Erdb. u.Himb.'Kanf.. ca. 2Ptd.-E.1.30 Kons. Rot- u.Leberw...Pfd. 0, Speckwurst............. Pfd. 0, Sülzwurst............... Pfd. 0. Landleberwurst........ Pfd. 0. Dampfwurst............ Pfd. 0. Fleischwurst............. Pfd. 0. Jagdwurst.............. Pfd. 1. Cervelat und Salami.. Pfd. 1 Fettdarmwurst.......... Ptd. 1 Speck moger 1.10, fett Pfd. 0, | Gem. Aufschn.V.Pfd an 0.35 [Weinmost zur Kur itr. 2.40 1| Bienenhonig 400grGio»l.oo| BUTTER UND KÄSE l Oelsardinen........... 2 Dt. 0.55 Import-Sardellen....... Pfd. 0.68 Senfgurken....... 10 Pfd..Dt. 1.90 Würstchen 3 Paar Dt. M. 0.50 1 Wolga-Hühner...... an Pfd. 0.92 Fr. Suppenhühner.. an Pfd. 0.95 Junge Mostenten... an Pfd. 0.98 1 Fr.Gänsestückenfl.Pfd.0.98 1 Molkereibutter...... an Pfd. 1.20 Bratenschmalz.......... Pfd. 0.58 Margar.od.Coco»fett2Pfd. 0.75 Vollf. Schweizer.... an Pfd. 1,34 Vollf. Tilsiter........ an Pfd. 0.78 Vollf. Steinbuscher. an Pfd. 0.72 [Frische Eier...10 Stüde an 0.68 1 In»e« fterttzlielt— tiZnpeWeie- ledSiBler■■»Irßet-e Bwi» AMW'HO* ieOJJl KAZfH AtX-l A HMHO>* len*1 ft Kottee 1 9eo< Terror der Schwerindustrie. Der Langnam'Verein gegen den preußischen Staat. Die Zentrumsfraktion des Preußischen Land» ioges hat folgende Große Anfrage eingebracht: „Aus Anlaß der Agitation für den Volksentscheid ist von Zechenverwaltungen des Ruhrgebiets ein u n- moralischer Druck auf die Arbeiter und Ange» stellten ausgeübt worden. Die Angestellten wurden beauf- tragt, die Arbeiter nach chrer Einstellung zum Volksentscheid aus- zuhorchen und auf dieselben einzuwirken, ihre Stimme für den Volksentscheid abzugeben. Die Grubenbeamten erhielten den Auf- trag, die Namen der Bergarbeiter zu notieren, die sich abfällig zum Volksentscheid äußerten. In einer Auflage von über V* Million Exemplaren wurde von den Grubenbeamten eine illustrierte Schrift an die Bergarbeiter verteilt. Die Beamten mußten Liste über die Empfänger der Schrift führen. Diese Schrift wurde im Auf- trag des„Langnamvereins" hergestellt und stellt eine demagogische Hetze gegen den Staat, die Sozialpolitik und die Ge- werkschaften dar, um die Bergarbeiter für den Volksentscheid zu beeinflussen. In den„Zechenzeitungen", die den Bergarbeitern ausgezwungen werden, wurden die Gegner des Volksentscheids als unnationale Elemente hingestellt, die keine Besserung der heutigen Wirtschaftslage wollten. Auch auf die untergeordneten Be- a m t e n wurde ein starker Terror ausgeübt. Es wurde ihnen er- klärt:„Wer nicht für den Voltsentscheid ist, den können wir im Betrieb nicht mehr gebrauchen." In Datteln saßen am Wahltage Grubenleute in den Wahl- lokalen und führten Liste über die an der Abstimmung teilnehmen- den Belegschaftsmitglieder. Wir fragen deshalb das Staatsministe- rium: 1. Sind ihm diese Dinge bekannt? 2. Was gedenkt da» Staatsministerium zu tun, um zu verhindern, daß die Großindu- strie bei politischen Wahlen wieder einen solchen Terror ausübt, wie er vor 30 Jahren im Ruhrgebiet allgemein üblich war? Abstimmungen inThüringerGemeinden Tldzi-Pleite in Schwarza, Nazi-Rückgang in Breitungen Weimar, 3. September.(Eigenbericht.) In Schwarza in Thüringen fand ein Gemeindeentscheid über die Auflösung des Gemeinderats statt. Er wurde von Haken- kreuzlern und Kommunisten gemeinsam betrieben, die eine völlige Pleste erlebten. Von 1530 Wählern hatten sich am Gemeinde- begehren 634 beteiligt. Am Gemeindeentscheid nahmen nur 5 88 Wähler teil und davon stimmten noch 84 mit Rein. In Breitungen(Werra) wurde der Gemeinderat neu gewählt. Die Wahl hatte folgendes Ergebnis: Nationalsozialisten 367 Stimmen(4 Sitze), Nationale Arbeiter- und Angestelltenliste 305 Stimmen(3), Landbund 151 Stimmen(1) und Sozial- demokraten 304 Stimmen(3). Ein Vergleich mit der letzten Reichstagswahl'am 14. September vorigen Jahres ergibt, daß die Nationalsozialisten einen wesentlichen Stimmenrückgang zu oerzeichnen haben. Bei der Reichstagswahl erhiesten sie 548 Stimmen, und unter Hinzu- rcchnung der Großdeutschen Liste Schmalix 600 Stimmen. Die Sozialdemokraten hatten am 14. September 256 Stimmen. Ihr Stimmenzuwachs dürfte darauf zurückzuführen sein, daß ein Teil der Kommunisten, die keine eigene Liste ausgestellt hatten, für die Liste der SPD. stimmten. Listenverbindung war nur die Nationale Arbester- und Angestelltenlistr und der Landbund eingegangen. Oer Prozeß Motilin. Warum de Broucköre geschwiegen hat. Brüssel, 3. September. lEigenberirht.) Ter sozialdemokratisch« Senator de Brouckere hat dem Prozeß gegen Monlin vor dem faschistischen Sonder- gericht in Rom als Vertreter des Brüsseler„Peuple" beigewohnt. Te Brouckere hat seinem Blatt keine Berichte über die beiden Verhandlungstage aus Rom geschickt. Erst heute, nachdem er Italien wieder verlassen hat, tele- praphiert er aus Lugano den Grund seines bisherigen Stillschweigens sowie seine ersten Eindrücke vom Prozeß. Erst jetzt wqfde er frei sprechen können und auch die Gründe für das nach faschistischen Begriffen milde Urteil von zwei Jahren Zuchthaus aufdecken. In Rom, so führt de Brouckere aus, wollte man den belgischen Pressevertretern zu verstehen geben, daß sie durch ihre Zulassung Gäste der italienischen Regierung geworden seien und damit die Verpflichtung zur maßvollen Beurteilung des Gerichtsver- fahrens auf sich genommen hätten. Selbstverständlich Hot de Brouckere dieses Ansinnen energisch zurückgewiesen »nd sich vorbehalten, nichts zu oerschweigen. Die Zensur wurde in diskreter Weise. ausgeübt. Telephonische Verbindung mit dem Aus- lande wurde ohne weiteres erteilt, obschon die gleichzeitig im Tele- phon vorgenommene Uebersetzung des Textes durch den üb« r- wachenden Polizisten störend wirkte: ober die Pressever- ireter waren vorher darauf aufmerksam gemacht worden, daß die Erlaubnis zum Telephonieren nur denen erteilt werden würde, die einen diskreten Gebrauch davon machen würden. De Brouckere konnte sich nicht dazu verstehen, derart eine verstümmelte Wahrheit zu oerbreiten und den Eindruck zu erwecken, als handelt« es sich um ein normales Gerichtsverfahren und Urteil, denn in Wirklichkeit lauerte hinter der äußeren Form die finstere Will- kür. De Brouckere war in diesem Prozeß fast der einzige, der nicht Faschist, noch in der Gewalt der Faschisten ist. Das angebliche Publikum bestand aus Polizeikreaturen. Selbst der Vater Moulins, der nach Rom gekommen war. durfte der Verhandlung nicht beiwohnen. De Brouckere verspricht, alles zu erzählen, was er gesehen, sowohl was man ihm zeigen wollte, als auch das, was man ihm zu verheimlichen versuchte. Generalstreit in Barcelona. Vorspiel Gefängnismeuterei. Madrid, 3. September.(Eigenbericht.) In Barcelona ist ein syndikalistischer Generalstreik ausgebrochen. Verlangt wird sofortige Absetzung des Zivilgouverneurs und Frei- lassung der polstischen Gefangenen. Die Lage ist sehr e r n st. Präsident Maria hat sofort seinen Urlaub abgebrochen und kehrt nach Barcelona zurück. Ein wüster Skandal im Gefäng- n i» war der Austakt. Wahrend eines Besuche; des Zivil- gouverneurs zündeten politische Gefangene Matratzen an, verwüsteten die Bibliothek und die Kapelle und waren 20 Minuten lang Herr de; Gefängnisses. Durch Polizei, Guardia Clvil, Militär und Feuer- wehr wurde die Ordnung wiederhergestellt. Der Direktor des Ge- jänzpuHes wurde sofort«b g-e s e sft. Auch ein Nachfolger Christi. Christus nahm 5 Brote, segnete sie und gab Tausenden von hungrigen Menschen zu essen. Pastor Cremer bekam 1 Million Mark für hungrige Sinder. Pastor Cremer kümmerte sich nicht um sie, sondern nahm das Geld und spekulierte damit. Ein Blick ins Dritte Reich. Wie die Hakenkreuzler Parteibuchbeamte suchen. Zwickau, 3. September.(Eigenbericht.) Der Unterbezirksleiter der Nazipartei in Zwickau hat an die Ortsgruppenleiter des Unterbezirks das folgende Rundschreiben ver- schickt: NSDAP., Unterbezirk Zwickau. Zwickau, den 7. August 1931. Sehr wichtig. Hauptmarkt 5, Ruf 6302. An alle Ortsgruppenleiter des Unterbezirks Zwickau. Werter Parteigenosse! Sowohl die politische als auch die wirtschaftliche Lag« in Deutsch- land hat sich hauptsächlich in den letzten Wochen dermaßen zuge- spitzt, daß binnen kurzem mit demSturz desheutigen Systems gerechnet werden muß. Es muß nun unsere Hauptausgabe sein, im Falle der Ueber- nähme der Regierungsgewalt durch unsere Bewegung all« Be- Hörden sofort mit vertrauenswürdigen Beamten zu besetzen und alle Gegner sowie unfähig« Leute an die frische Luft zu befördern. Aus diesem Grunde ist schon jetzt festzustellen, wie die Beamten in den einzelnen Behörden(Ge- meindeoerwaltungen, Gendarmerie, Schulen, Amtsgerichte usw.) po- litisch eingestellt sind bzw. wie sie sich zum Nationalsozialismus ver- halten. Bei der Aufstellung ist gleichzeitig zu berücksichtigen, daß Beamte, die wohl nicht unserer Bewegung angehören, sonst aber auch keine Gegner und vor allen Dingen tüchtig in ihrem Beruf sind, besonders zu kennzeichnen sind. Da es uns nicht möglich ist, die Ausstellung von hier aus zu machen, wenden wir uns an Sie mit der Bitte, uns hierin tatkräftig zu unterstützen und uns möglich st umgehend eine g«- naue Liste der zuständigen Behörden ihres ge- samten Arbeitsgebietes zuzustellen. Die Listen müssen folgendes enthalten: 1. Vor- und Zuname der Beamten und An- gestellten: 2. Dienstgrad: 3. Eignung als Beamter: 4. Spezial- fach: 6. politische Zugehörigkeit: 6. falls unpolitisch, wie ist die Stellung zur NSDAP: 7. waren irgendwelche Vergehen gegen die NSDAP, zu verzeichnen. In der angenehmen Hoffnung, bald im Besitze der Listen zu sein (Ortsgruppen haben sie bestimmt innerhalb acht Tagen einzureichen) zeichnet mit Hitler-Heil Schönherr, Unterbezirksleiter. N. B. Borstehendes Schreiben ist mit den Listen wieder zurück- zugeben. Wer schreit am lautesten über die„Parteibuchbeamteu"? Di« Nationalsozialisten! Wer will selber Parteibuchbeamt«? Die Ztatios nalsozialisten! Wer kann lange warten, bis der Tag zur Durch- führung dieser sauberen Pläne kommt? Ebenfalls die National- sozialisten! Oie englische Krisis. Ein Vortragsabend. In einer Kundgebung der Deutschen Liga für Menschenrecht« sprach gestern im ehemaligen Herrenhaus der Vorsitzende der eng- lischen Unabhängigen Arbeiterpartei Fenner Brockway- London. Er verurteilte nicht nur jede Koalition mit bürgerlichen Parteien, sondern äußerte sich auch dahin, daß jede Zusammenarbeit mit ihnen zu verurteilen sei, wie sie das Arbeiterkabinett Macdonald getrieben hat. Heut sei nicht Macdonald, sondern der Präsident der Bank von England, Montagu Norman, der wirtliche Minister- Präsident. Der revolutionäre Kamps gegen die Bank- und Finanz- kreise sei die Ausgabe der sozialistischen Arbeiterbewegung. Für ihn werben, sei seine Aufgabe, und die Erkenntnis von dieser Notwendig- keit möge die Lehre sein, die aus der englischen Krisis gezogen werde. Brockway schloß seine Rede mit einem Appell für den Völkerftieden. In seiner Einsührungsrede leistete sich der Vorsitzende Ernst Toller eine unglaubliche Beschimpfung gegen den Bezirksvorstand der Berliner Sozialdemokratie. Darüber wird noch einiges zu sagen sein. Oer chilenische Flottenaufstand. Die ganze Marine aufständisch. Tie ganz« Ehileflotte ist aufständisch. Nach einer Meldung der Associated Preß aus Valparaiso hat sich die gesamte chilenisch« Marin« der revolutionären Be- wegung angeschlossen. Eine Anzahl der Kriegsschiffe von Valparaiso sowie von der Marinestation Taloahuano ist in See gegangen, um sich mit der vor Coquimbo ankernden Flott« der Aufständischen zu vereinigen. Im Ministerium find verschiedene Aenderunge« vor- genommen worden. Zum Außenminister wurde Luiz Ezgnirdo ernannt. Die Regierung hat wegen eines Transportarbeiterstreiks den Belagerungszustand ver- hängt. Volkerbund und Minderheiten. Worte des Präsidenten Lerroux. Geus. 3. September. Auf«ine Ansprach« des Präsidenten des Minderheitenkongreffes, Dr. Wilson, der die Entschließung oiefts Kongresses überbracht«, antwortete der spanische Außenminister Lerr�ux als Präsident des, Völkerbundsrates:„Ich Hobe bald fünf Jahrzehnte sür die Freiheit gekämpft und meine Ansichten haben sich während d�r kurzen Zeit meiner Regierungsarbeit wohl nicht ändern tonnen. Mit aller Sympathie ftche ich dem Schicksal der Minder- heit«n gegenüber, das nur auf dem Wege der Achtung ihrer Rechte verbessert werden kann. Die Katalonier haben ein« har- manische Lösung des katalanischen Problems mit vorbereitet. Di« Vereinbarungen von San-Sebaftion werden eingeholten werden. Nach der Lösung des katalanischen Problems wird man auch an die Lösung der anderen Fragen gehen. Als Journalist Hab« ich all die Jahre die Entwicklung der Minderheitenkongresse verfolgt und feststellen können, wie das anfängliche Mißtrauen ihnen gegenüber wachsend gewichen ist." Oer Oeutschtumsbund-prozeß unter Anklage. Genf. 3. September. Der Prozeß gegen die Führer des Deutschtums in Posen und Pommerellen, der zu einer Berurieilung der Angeklagten geführt hat, ist Gegenstand einer Petition beim Völkerbund, die der Sejmobg. Graebe dem Völkerbiindssekretoriat überreicht hat. Darin wird hervorgehoben, baß derartige Prozesse, bei denen legale Arbeit für das eigene Volkstum als ftrajwürdig befunden wird, den Minder- heitenschutz illusorisch macht. Es werben Gutachten hervor- ragender Rechtsgclehrter angefordert und der Nachweis erbracht, daß die in der Urteilsbegründung des polnischen Gerichts angeführten Delikte keine strafbare Handlung darstellen. Di« polnischen Maßnahmen im Deutschtumprozeß stellen somit eine Verletzung der in dem Artikel 93 des Berfailler Vertrages und in den Artikeln 7 bis 9 des Minderheitenschutzvertrages von Polen übernommenen Verpflichtung dar. Ergänzung des britischen Kabinetts. Fast keine Labovr-Slbgeordnete. Londov. 3. September. Der König hat folgenden Minifterernennungen feine Ge- nehmigung erteilt: Generalpostmeister: Ornsby-Gore(kons.), Ruhegehälter: Tryon(kons.). Transport: Pybus(Hb.), Soticitor general: Infkip(kons.), Attorney general: Jowitt(Arb.), Lordadvokot für Schottland: Aitchistm(Arb.). Unter den neuernannten Unterstaatssekreiäre» bs, finden sich größtenteils Konservative, weil Macdonald offenbar überhaupt keine weiteren La b o u r- Ab g« ordnete» gefunden hat, die bereit waren, in sein Kabinett einzutreten. Vi« einzige Ausnahme ist sein eigener Sohn Malcolm, der Unter- staatssekretär sür die Dominien geworden ist. Lloyd George» Sohn Hot ebenfalls ein Unterstaatssekretariat angenommen. Der Iustizminister Jowitt war erst nach den Wahlen zur ollgemeinen Ueberraschung von den Liberalen zur Arbeiterpartei hinübergesottelt, die Trennung von ihr dürft« ihm nicht allzu schwer fallen. A i t ch i s o n hat in der Labour Party nie«in» besondere Rolle gespielt. Das Recht c Sozialer Schutz ut Tlorpei schloß seinen Dortrag, dessen erster Teil bereits in unserer gestrigen Abendausgabe veröfsentlicht ist, mit folgenden Darlegungen: Das kollektive Arbeitsrecht ist nicht Fürsorge. Die Gewerkschaften haben in erster Linie ihren Kampf für die Sicherung des kollektiven Arbeitsrechts einzustellen. Bei der Ausarbeitung des neuen Strafgesetzentwurfs ist viel über die Frage eines strafrecht- lichen Schutzes der Arbeitskräste gestritten worden. Ein solcher Schutz ist stark problematisch. Kollektives Arbeitsrecht und starke Gewerkschaften— sie sind die einzige Gewähr für gute Lohn- und Arbeitsbedingungen. Die gleichen Auffassungen haben die Gewerkschaften auch in Genf in der Frage de: M i n d e st l ö h n e vertreten. Arbeiter in Ländern, in denen die Gewerkschaftsbewegung schwach ist, setzen ihre Hoffnungen auf staatliche Mindestlöhn«. Für uns kann nur der Gedanke bestimmend sein: was die Arbeiter nicht erkämpfen können, wird ihnen auch nicht gegeben. Der Gesetzgeber, der ihnen staatliche Mindestlöhne geben soll, ist ja ihr Klassengegner. Staatliche Mindestlöhne haben wir in Deutschland nur für die Heimarbeiter anerkannt. Die Frage, was besser ist: Schutzgesetze oder starke Gewerkschaften, ist nur möglich in einer Zeit der Krise. Jetzt, wo die Abwehr der Arbeiter schwer ist, taucht begreiflicherweise oft der Gedanke auf, ob nicht gegen die Verstöße der Unternehmer gegen die guten Sitten Rechtsansprüche geltend gemacht werden können. Den Ar- beitern kann aber auf die Dauer nichts anderes helfen als Der- mehrung ihrer Kraft durch Zusammenschluß. Wir kämpfen einen schweren Kampf in dem großen Ringen der Arbeiterklasse auf dem Wege von der Knechtschaft zur Freiheit. Wir haben die feste Ueberzcugung, daß dieser Weg auch zum Ziel führt. Die Zukunft gehört dem Kollektivismus. Hier in Frankfurt rief L e g i e n vor einem Menschenalter den Ar- beitern im Kampfe um die Koalitionsfreiheit zu, daß die Gewerk- fchaften sich nicht niederwerfen lasten, wenn man mit Ausnahme- gesetzcn gegen sie vorgehe. Heute rufen wir der Regierung von Frankfurt aus zu: Die Regierung mag tun, was sie will: Wir bleiben die Alten, wir werden den Kampf fortführen, und wir sind sicher, daß der Sieg unser sein wird!(Starker Beifall.) Nörpels Vortrag wurde mit gespanntester Aufmerksamkeit und starker Zustimmung entgegengenommen. Der Kongreß nahm dann den Bericht der Kommission über die zur Arbeitsrechtssrage ge- stellten Anträge entgegen. Im Anschluß daran begann die Aussprache über Nörpels Referat. Riedel-Berlin(Gesamtverband): Wir stimmen Rörpel darin zu, daß zur Fortentwicklung des kollektiven Arbeitsrechts die Ar- beiterklaste alle ihre Kräfte einsetzen muß. Die Erweiterung der Amtsdauer der Betriebsräte auf zwei Jahre ist zweckmäßig, weil die Erledigung so mancher Beschwerde oft länger als ein halbes Jahr hingeschleppt wird. Die Verlängerung der Amtsdauer ist auch aus Sparsamkeitsgründen zu empfehlen. Die Agitation braucht deshalb nicht zu leiden. Die im Reichstag gestellten Anträge zur Verbesserung des Schutzes der Betriebsräte müßten endlich einmal verwirklicht werden. Die Bundesleitung muß sich hierfür energisch einsetzen. Die Ausnahmebestimmungen für gewisse Berufsgruppen in der Durchführung von Arbeitsbewilligungen(Gas, Wasser und dergleichen) müssen abgebaut werden. Die Kurzarbeiterunterstützung muß allen Arbeitnehmern, die verkürzt arbeiten, gegeben werden. Sie darf nicht auf gewerbliche Betriebe mit einer gewissen Beleg- schaftsstärke beschränkt bleiben. Jeder Arbeiter, der oerkürzt arbeitet, hungert. An die Unsinnigkeit, daß ein Teil der Arbeitnehmer unter die Gewerbeordnung fällt, ein anderer Teil wieder nicht, wie über- Haupt in die ganze Unklarheit der für die einzelnen Arbeitnehmer- gruppen bestehenden Bestimmungen muß Einheitlichkeit und Ueber- ficht kommen. Eilenburg-Köln(Metallarbeiter) fordert Ausdehnung der Schutzvorschriften gegen Bleivergiftung auf alle Arbeitskräfte, die dieser Gefahr ausgesetzt sind. Rosenzweig-Berlin(Baugewerksbund) weist auf die starken Verluste der Arbeiter hin infolge der Zahlungsunfähigkeit der Unternehmer. Gesetzliche Sicherungen dagegen sind notwendig. In der Frage der berufsüblichen Arbeitslosigkeit verlangen die Bau- arbeiter, daß mindestens mit gleichem Maß gemessen wird. Dr. Broecker(sozialpolitischer Sekretär des ADGB.): Rörpel hat den Zusammenhang zwischen Sozialversicherung und Arbeitsrecht nur knapp berührt. Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen beiden. Die Sozialversicherung ist eine Voraussetzung für die orbeitsrechtliche Sicherung des Arbeiters. Die stärksten Angriffe der es Arbeiters. td kollektives Otocht. Sozialreaktionäre richten sich gegen die Sozialversicherung. Den An- greifern kommt es heute nicht mehr nur auf das Ausmaß der Sozialversicherung an— das Prinzip der Sozialversicherung ist bedroht. Die Frage lautet bereits: Versicherung oder Fürsorgesystem oder gar das System der falschen Propheten Horneffer, Hartz und Konsorten, d. h. individuelles Sparsystem. Um diese Dinge geht bereits der Kampf, und leider kann man nicht sagen, daß die Sozialversicherung bis jetzt dabei ohne Schaden weg- gekommen ist. Deshalb wollen wir noch einmal betonen: Wir wollen Sozialversicherung und nicht Fürsorge und auch keine Versicherung mit einer Grundlage und einem Zweck, nach dem Muster der Privatversicherung. Die Sozialversicherung ist eine Aufgabe des Staates. Er erfüllt mit der Durchführung dieser Aufgabe eine soziale Pflicht. Ich will nicht Einzelheiten der Notverordnung beleuchten, sondern nur die Gefährlichkeiten ihrer Tendenz hervorheben. In der Arbeitslosenversicherung werden bestimmte Gruppen offen- sichtlich benachteiligt. Die Benachteiligung liegt in der Linie zum Privatversicherungssystem. Die Gefahr der Gefahrenklassen besteht nach wie vor. Ganz offenkundig besteht die Absicht, die Sozialversicherung wieder in Fürsorge zurückzuverwandeln. Auf dem Gebiet der Arbeitsloftnversicherung ist das bereits völlig klar. Die Mahnung, wir müssen sparen, ist nur ein Vor- wand: denn die Versicherung arbeitet ja gar nicht teurer als die Fürsorge. Man will nur das S y st e m treffen. Wohlfahrtspflege und Krisenfürsorge gehen einem ungewissen Schicksal entgegen. Kommt die von den Gewerkschaften geforderte Reichsarbeits- losenfürsorge nicht, dann werden die Gemeinden einer un- geheuren Auspowerung ausgeliefert. Echte Selbstverwaltung gibt es heute an keiner Stelle der Sozialversicherung mehr. Es ist lächerlich, von Selbswerwaltung überhaupt noch zu sprechen, wenn alle entsprechenden Beschlüsse von der Zustimmung der Unternehmer abhängig gemacht werden. Die Regierung hat für den Herbst ein allgemeines Reformprogramm für die Sozialversicherung angekündigt. Wir erwarten das Programm mit großer Skepsis. Der Reichsarbcitsminister sprach hier auf dem Kongreß davon, er könne die Sozialversicherung nicht hundert- p r o z e n t i g über die Krise hinwegbringen. Und Ministerial- direktor G r i e s e r erklärte vor 14 Tagen in Mainz noch deutlicher, man müsse sich in der Sozialoersicherung auf„M aßnahmen von eiserner Härte" gesaßt machen. Die Reformbedürftig- kcit der Sozialversicherung wird auch auf unserer Seite bejaht. Wir verlangen eine organisatorische Reform. Im Reichsarbeits- Ministerium aber heißt es, alle die bisher vorgeschlagenen Reform- rezepte hätten sich nicht bewährt. Run, wenn irgendwo, dann wäre doch wenigstens für den Weg Raum, die Zwerggebilde der Krankenkassen zu beseitigen. Gewerkschaftsfest 1931 Auch in diesem Jahre veranstalten die Berliner Arbeiter-, Angestellten- und Beamtengewerkschaften IhrGewcrkschaftsfest, und zwar am kommenden Sonntag, dem 6. September, in Treptow. Der Eintrittspreis für Erwachsene beträgt 50 Pfennig, für Kinder 25 Pfennig. Jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen sowie Lehrlinge zahlen 25 Pfennig. Erwerbslose nebst Familienangehörige haben bei Vorzeigung ihres Mitgliedsbuches und der Stempelkarte treten Eintritt. Beginn 14(2) Uhr. In allen l okalen konzertieren Kapellen des Deutschen Musiketverbandes und singen Chöre des Arbeiter-Sängerbundes. Sprecbchordarbietungen und Satyrspiel der Freien Gewerkschafts- Jugend, Auffahrt der Wassersportler und Fahnenaufmarsch. Riesige Feuerwerke, große Tombolen, Parole für Sonntag: Auf nach Treptow mit Kind und Kegel! Die Angehörigen der verschiedenen Verbände treffen sich in folgenden Lokalen: Schloß Treptow: Fabrikarbeiter, Sattler, Tapezierer und Portefeuiller. Abtei: AfA-Bund, Buchdrucker, Buchbinder, Graphische Hilfsarbeiter, Lithographen und Steindrucker, Bekleidungsarbeiter. Paradlcsgartcn: Kahrungsmittel- und Ge tränke arbeiter, Hotel-, Restaurant- und Cafeangestellte, Baugewerksbund, Zimmerer, Schornsteinfeger, Musiker. Sonnenwende: Holzarbeiter, Textilarbeiter, Maler, Lederarbeiter, Schuhmacher, Steinarbeiter. Spreegarten: Gesamtverband, Friseure, Hutarbeiter, Landarbeiter, Melker. Knape, früher Kenner: Metallarbeiter, Maschinisten und Heizer, Kupferschmiede, Eisenbahner, Tabakarbeiter, Beamte, Die Eintrittskarten berechtigen zum Bcsncb aller Eokale Wenn man schon sparen will: e*3lF organisatorische Krantenkaff«v- reform wäre die schönste Gelegenheit dazu. Was wir brauchen, sind große einheitliche Versicherungsträger, die direkt dem Reichsarbeitsministerium unterstellt werden müssen. Zu dem Antrag der Fabrikarbeiter, beim Reichstag darauf zu drängen, die Versicherungsordnung, das Angestelltenversicherungs- gesetz und das Arbeitslosenversicherungsgesetz als Schutzgesetze im Sinne des§ 823 des Bürgerlichen Gesetzbuches zu erklären, be- merkte Broecker, daß hier ein großes Prinzip übersehen werde. Wichtiger als die Möglichkeit von Schadensersatzklagen gegen Arbeit- geber, die in der Beitragszahlung ihrer Pjlicht nicht nachkommen, ist die Festhaltung an dem Grundsatz, daß das B e s ch ä f t i g u n g s- Verhältnis nicht Grundlage der Unterstützung ist. (Starker Beifall.) Schleicher-Bcrlin(Holzarbeiterverband) behandelt die Frage der Tarifunfähigkeit der Spitzengewerkschaften und das Problem der Unabdingbarkeit der Tarifverträge. Ministerialdirektor Sitzler habe vor Jahresfrist angekündigt, daß man es bei der Tarifunfähigkeit der Spitzenverbände beläßt. Es gibt kein Gericht, das Reverse mit Verzicht auf tarifliche Bedingungen verbietet. Aber auch der Arbeiter muh gegen die unsittlichen Angebote des Unternehmers. auf die Tariflöhne zu verzichten, Widerstand leisten. Apihsch- Berlin(Eisenbahner) unterstreicht die Ausführungen von Rörpel. Unser Schlichtungswesen krankt insbesondere in der Frage der Allgemeinverbindlichkeitserklärung. Die Schlichtungsordnung wirkt heute vielfach wie ein Riegel für Verhinderung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen. Zwischen künftigen Gewerkschaftskongressen und anderen wichtigen Tagungen soll man nicht nur die Vorsitzenden entbürden, sondern vor allem die Fachsekretäre. Bei den Vorwürfen gegen die Arbeitsrichter darf man nicht vergessen, daß sie auf einer völlig veralteten Rechtsgrund- läge, auf einem veralteten Individualrecht fußen und Recht sprechen sollen. Wir brauchen ein Arbeitsoertragsgesetz und eine Ablösung des Durcheinanders der Gewerbeordnung, der einschlägigen Straf- gesetze usw. Es liegen hier grundsätzliche Schwierigkeiten vor. Vor zehn Jahren wurde ein Tarisoertragsentwurf aufgestellt. Er ist in der Versenkung verschwunden. Riesenarbeit ist noch zu leisten, ehe die Arbeiterschaft in der Frage' des Arbeitsrechts wirklich festen Boden unter die Füße bekommt.(Beifall.) Die Sitzung wurde um 2 Uhr geschlossen. Gegen Abend begab sich der Kongreß nach Mainz zur Verständigungskund- g e b u n g der Gewerkschaften. Protest des OÄS. Gegen Willkür für Recht und Gerechtigkeit. Der Geschäftsführende Vorstand des Deutschen Beamten- b u n d e s nahm am Donnerstag einstimmig eine Entschließung an, in der es heißt: Der Beamtenschaft sind durch die Verordnung vom 5. Juni 1931 s ch w e r st e Belastungen auferlegt worden, deren in Aussicht gestellte Milderung, immer noch auf sich warten läßt, obwohl sie dringend geboten ist. Statt zu mildern, hat man weitere Maß- nahmen zuungunsten der Beamten getroffen, andere in Aussicht ge- nommen. Neuerdings wollen Länder und andere Anstellung?- körperschaften von sich aus weittragende Anordnungen treffen. Einige Länder haben bereits über die Reichsregelung hinaus- gehende Kürzungen vorgenommen. Die Verordnung vom 24. August 1931, weitgehend ausgelegt durch ein besonderes Rundschreiben, gibt den Ländern in dieser Beziehung völlig freie Hand. Selbst eine Notzeit, wie wir sie durchleben, berechtigt nicht dazu,- die Beamten und Lehrer in Ländern und Gemeinden durch Ausschaltung sämtlicher Vertretungskörperschaften der Willkür aus- zuliefern und die Einheit des Beamtentums preiszugeben. Der Glaube an Recht und Gerechtigkeit, die ein Staat in einer Zeit wirl- schaftlicher Not besonders achten sollte, geht bei der angebahnten Weise völlig verloren. Der Geschästsführende Vorstand des Deutschen Beamtenbundes verurteilt die bürokratische und fiskalische Art vermeintlicher Spar- maßnahmen: sie beeinträchtigen die Dienst- und Staatsfreudigkeit der Beamten und führen zu Erbitterung und Verbitterung. Die Beamten oerlangen, daß weitere wirtschaftliche und rechtliche Schä- digungen unterbleiben, daß keine Maßnahmen getroffen werden, die den letzten Rest von Vertrauen und gerechte Behandlung zer- stören müssen. Vor dem Gireik im belgischen Bergbau. Brüssel, 3. September.(Eigenbericht.) Der Arbeitsminister hat die paritätische kohlenkomwission für morgen. Freitag. 6 Uhr. einberufen, um noch einen versuch zu machen. den drohenden Kohlenstreik im Kohlenrevier zu verhindern. (Gewerkschaftliches siehe auch 1. Beilage.) Beraatwortüch für Politik: Victor Schiff: Wirtschaft: S. Nliaaclhöfcr: Gcwcrlschaftsbewcaung: 3. Strincr; Feuilleton: Dr. John Schitow.ki: Lokales und Sonstiaes: Kein jlarftädt: Anzeiaen: Td.»locke: sämtlich in Berlin. Berlaii: Dorwärts-Verlaa K. m. b. S., Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdiuckerei und Berlaasanltalt Paul ßinaet u. To., Berlin SB W. Lindenlrroke S. Hierzu 2 Beilagen. WERTHEIM Zusendung von 5 M an. Obst, Gemüse u leicht verderbliche Artikel werden nicht zugesandt Soweit(Voeratt tßWige £ehensmittel Frisch. Fleisch Querrippe.. Pfund 0.74 Gehackfes.. Pfund 0.76 Gulasch.... Pfund 0.94 Rinderkamm u.-Brust 0.82 Schmorfl..... ohn®. Pfund 1.10Knoch.l-20 Roastbeef m. Kn., Pfd. 1.12 Kalbskamm. Pfund 0.74 Kalbsbrust u..Bücken 0.84 Kalbskeule bi», Pfd. ganz u. geteilt, Pfd. 0.90 Kalbsschnitzel Pfund 1.75 Sdhweinebauch Pfd. 0.78 fdiwalnnsdilnk.,-Kamm 0.88 Hammetvordertl.Pfd.0.90 Fr. Bratwurst(Sperwmt, 1.00 Kodier mild gaialz.,Pfd. 0.86 Fr. Rinderzungeii Pfd.0.95 Obst EI�-u.Kechlipfel o.isO.09 Butterbirnen 3 Pfd. 0.28 Williamsbirnen 2 Pfd. 0. 35 Goldparmänen Pfd. 0.20 Gravensteiner kaiif.0.38 Pflaumen blaue 3 Pfd. 0.44 Pfirsiche. Pfund o.n 0.22 Wurstwaren Hausmach.-SaizePfd.0.52 Landleberw. Pfd. t.is 0.84 Dampf- u. Flefschw. 0.88 Jagdwurst Pfund«.m 0.98 Mettwurst(Br. Art) Pfd. 1.06 Leberwurst feine i.m 1.20 Zervelaf u. Salami 1.35 Filet- u. leine Teewnrsf 1.40 Gemflse Weiß- u. Wirsingkohl 0.05 Rotkohl.... Pfund 0.06 Senfgurken Pfd. o.m0.04 Möhren gewaseh. 3 Pfd. 0.10 Blumenkohl Kopf v.an 0.1 0 Sellerieknollen Pfd. 0.13 Kartoffeln.10 Pfund 0.28 Konserven v. Do.« Junge Erbsen... 0.65 Kaiserschoten... 1.45 Gemischtes Gemüse 0.65 Gem. Gemüse mitteif. 1.00 8 rech- U. Sdinlttbohn. 0.52 Stangenspargel so/so 1.65 Sfangenspargel»fark 2.45 Senfgurk. li,D. 0.320.58 Käse u. Fett Ramadou halbfett, st. 0.18 Hanerköse ca. t Pfd. 0.35 Emmenthaler Art___ 6 Port., Schachtel 9* Tilsiter Art halbf., Pfd. 0.60 Camembert voiifett_. 6 Port., Schachtel w.OÖ Steinbuschervolif.Pfd.0.72 Schweizer dün.,•/, fett 0.72 Tilsiter vollfett.. Pfd. 0.78 Hollönder u.Edamer_.. vollfelt, Pfd. 0.84 Schweizer 1.34 Margarine u. Kokosfett...... i Pfd. 0,75 Molkereibutter... 1 20 Tafelbutter..... 1 64 Markenbutter....1.52 Fische Rotbars o. Kopf, ptd. v. 0.16 Kabeljau ftrÄ 0.16 Schellfisch Pfd. von an 0.18 Fischfilet Pfund von an 0.24 Grüne Heringe 3 Pfd. 0.44 Bratschollen 3 Pfund 0.48 Leb. Aale Pfund v. an 0.90 Koloniaiwaren Linsen neue, Pfund 0.31 0,22 Viktoria-Erbsen«is 0.24 Tafelreis Pfd. o.u,»«0.16 Haferflocken.Pfund 0.24 Hartgrieß. Pfund«.so 0.26 Schnittnudeln.« 5« 0.46 Makkaroni(Eier-Bnu» 0.54 Spaghetti Pfund«.7i0.65 Geflttgel, Wild Jg. Tauben Stück V. an 0.65 Enten u. Gänse Pfd.v. 0.68 Suppenhühner Pld.v. 0.95 Brathühner jg., Pfd. v 1.15 Rebhühner Jg.. st. v.an 0.95 Hirsch-B'of»üeken Keule Pfd.v. an 0.85 1.00 1.15 Reh- Ragout Blaff Keule Pfd.v. an 0.35 1.05 1.60 Räucherwaren FettbückHngePfci.v.an0.28 Makrelen Pfund v. an 0*36 Seelachs Pfund V. an 0a40 Aa'« v."an 2.50 v.Uan 0.28 Fettheringe 1 2 St. v. an 0. 50 M at jesher ingeSSi. v.0.50 Wein Prelta für V, Flasche ohne Glas Edelapfelwein....0.55 1930 Hainfeld. Letten 0.80 1929 Siefersheimer Martinsberg Natur 1,05 1 928 LiebfraumildiJ�I.00 1929 Oberemmeler. 1.30 1928 Altenbambergor Laurentiusberg 1.30 1928 Eifelsbadier Sonnenberq(Ruwer) 1.60 1930 DOrkh. Rotw. Ltr. 0.80 1930 St. Joh. Sleinbg. 0.85 Malaga Dunkel Liter 1.30 u. weitere» Sorten billigst S billige Bordeauxwein«: 1924 Ch». Reignac Propr. Carlsberg 1.20 1921 Chät.La Lagune Propr. Ciouny t.40 1926 Chat. Beiair 1.60 Nr. 413* 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Freitag, 4. September 1931 C. A. Miesgen: IfMÜMeT SÖhtlC Süßs, kleine Adeleine, denkst du noch an die Stückchen Zucker, die wir uns am todumwehten Chemin des Dames vom Munde sparten, um sie bei unserer Rückkehr aus den Gräben auf dein« wsißgescheuerte Fußbank hinzuzählen? Woher wußtest du die frühe Morgenstunde des siebenten Tages so genau, wenn wir mit immer wenigeren Gruppen zurück ins Dorf zur Ruhe kamen? Woher kam deine Ungeduld, die von dem einen deiner Beinchen auf das andere hüpfte und die sich uns engeeenwarf, wenn du unsere Stahlhelme und lehmoerdreckten Uniformen in der Weg-- biegung vor dem Dorfe erspähtest? War es die Liebe deiner Eltern, die sich in deinem fünfjährigen ch erzen um uns Deutsche sorgte? Oder war es das Heimverlangen millionenfacher Wünsche und Begierden, das in uns Soldaten nach so viel Mord und Wahnsinn in deinem friedensseligen Kindsein Vermählung suchte? „L-e5 nos!— Les nos!(Die Unfern!— Die Unfern!)" jauchztest du uns entgegen und ins Dorf hinein und bautest mit deinen zwei Worten Brücken zwischen Nationen, die nachzumachen nicht die � Herrschenden der Welt fähig sind. Verklangen über dem Dorfplatz die Kommandos:„Gewehr ab! — Weggetreten!" flog das Gewehr am Riemen hinter mir auf den Rücken, und ich hob dich zu mir empor und trug dich, meine Schutz- heilige, durchs Dorf nach Haus. Du schlepptest mir den Wasserkrug hinter das Haus und breitetest mir das weiße Handtuch aus, daß ich mit reinen Händen mein Sühnegeld in weißen Zuckerstückchen hin auf deine Fußbank zählen möge. Das ganze Dorf bestand aus fünfzig Häusern. Die niedrigen Dächer sahen sich mißtrauisch und armselig an. Ein trostlos regnerischer Frühherbst durchschauerte das Land. In grauen Wasserfäden rieselte das Tageslicht. Saßen wir abends am Kamin, starrten wir den Aengsten der Tage und Jahre und schauderten den toten Kameraden nach, die uns in jedem Windstoß kalt über den Rücken fuhren und über unsere Rücken weg sunkenwirbelnd die Asche von verglühenden Gluten bliesen. Das Röcheln und die zerfetzten Schreie anderer wurden im tiefen Atemzuge Rettungsrufe unseres eigenen Lebens.— Im Kriege faulen alle Brücken, die sich vom Hirn zum Darm, vom Abend hin zum Morgen spannen. Wohl darum, weil in Dunkelheit und Schweigen von vier Wänden die Not des Atems und des Denkens wachsen, stellte die Bäuerin alle Abende ein Talglicht auf den Tisch. Das Takglicht hat erstarrte Tränen. Sie schmelzen im Feuer- kränz der Flamme auf zu mildem Licht, darin unser Atem auf- und niedergeht. Das Licht zerschmilzt die feindlichen Gedanken. Es gießt die warme Flüssigkeit des Geistes mit tiefen Atemzügen in irden« Wortgefäß«, deren Inhalt eine Labung im Weltschmerz sind. Vor unserem schuldigen Schweigen flüchten sich die Bauers- leute in ein Gewirr von tausend Fragen. , Ob es in Deutschland nur Steckrüben gäbe?— Ob man die Gefangenen verhungern ließe und ob man sie zu Tod« quäle?— Die Bäuerin fragt mich nach einer Stadt Friedrichsfeld am Rhein (im Kriege Gefangenenlager bei der Festung Wesel)?— Sie fragt, bis sie schluchzt. Die Tränen schwemmen ihre Qual für einen Augenblick von ihnen Augen weg. und ich erzähle, daß die Deutschen nicht schlechtere noch bessere Menschen seien als die eigenen Nochbarn hier im Dorfe, di« einander mit Haß und Zank befehden, weil dieser immer nur die Offiziere, jener immer nur di« Unteroffiziere und andere mehr oder weniger„gemeine Soldaten" ins Quartier bekämen. Sicher sei, daß Menschen, je ferner sie dem Schützengraben und dem Kampf um Sein oder Nichtsein ständen, um so gewissenloser und brutaler ihre Niedertracht und Gemeinheit am Schwächeren— auch am Gefangenen— befriedigen. Der Rohling sucht sich Frieden durch Roheit, gleich, ob er arm oder reich ist!— Der Mensch, der Ehrfurcht vor sich selber hat. fürchtet die Ehre seines Mitmenschen, denn ihn beherrscht die Ehr- furcht vor jedem Leben! Dann sahen sich die Bauersleute sinnend an und schoben mir zur Antwort eine Handvoll Aepfel oder Birnen hin. ★ In unserem Schlafraum ging die Treppe hinauf zu den Schlaf- räumen der Familie. Wer Jahr und Tag im Graben liegt, hat Ohren wie ein Ketten- Hund.— In einer jener sturmgepeitschten Regennächte schrak ich von Schritten auf der Treppe auf. Im halben Dunkel sah ich den Bauern mit einem schweren Gegenstand vorsichtig die Stieg« her- unterkommen. Seine Frau folgte mit angstgebannten Augen und ließ eine abgeblendete Laterne auf der obersten Stufe stehen. Ich riß die Beine an zum Sprung nach dem Gewehr... da setzte— deutlich sichtbar— der Bauer einen schweren Korb zur Erde nieder. strich seiner Frau über das Haar, küßte sie und ging vorsichtig spähend hinaus. Mit verhaltenem Schluchzen verriegelte die Frau die Tür, sah lauschend über uns schlafende Soldaten hin und ging wieder hinauf. Ich horcht« angestrengt hinter den Schritten her... Der Regen peitschte draußen in das Laub, der Sturm jammerte an- und abschwellend über dos Strohdach hin, und zwischendurch hörte ich dos schmerzverhalten« Schluchzen der Frau, di« ruhelos in ihrem Zimmer auf- und niederging. Das Röcheln Sterbender im Vorfeld martert« mich nie, weil Nacht und Kameradschaft forderten, den Todeejammernden herein- zuholen. Und weil wir uns über jeden noch so leisen Schrei zur Nacht im Graben mit Leuchtraketen oder unbeirrtem Sprung Ge- wißheit oerschafsten, denn jeder Schrei vorm Feinde ging um Too oder Leben aller, waren uns die Nächte vor dem Feind« friede- voller als jene so unbändig ersehnte Nacht unter dem wärmsten Dach. Hier, fern vom Graben, traf mich jeder Laut, ob Windhauch oder Regenschauer, ob Schritte oder schmerzverhaltenes Schluchzen einer Frau, als schrie mir meine Mutter ihre Wehestunden nach, die keiner ungeschehen macht. Das Blut wellte heiß durch mich hin. Das Bewußtsein wirbette gegen angstvolle Phantasien, daß die Zähne knirschten, weil eine Mutter weint, der ich nicht helfen darf, weil kein« Schützengräben hier durch diese Mauern gehen. Am frühen Morgen marschierten wir in Reservestellung näher an die Front. B«im Abschied fragte ich Adeleine nach ihrem Vater. Die Frau erschrak und zeigte mir verlegen eine Schüssel auf dem Tisch, darin das rosa Fleisch von abgehäuteten Froschschenkeln zuckte. „Er schläft. Er hat die Frösche heute nacht aus dem Teich ge- holt. Die Froschschenkel sind seine Leckerbissen!" antwortet« die Fräu mit rotgeweinten Augen. Drei Tage in Reserve... drei Tag« im ersten Graben... und drei Tage Ruhe...(Schluß folgt.) Wusse SEeUerffröm: 3)CV Mlll Vorgestern war es sehr windig. Vorgestern flog mir der Hut vom Kopf, zu dem er laut Vereinbarung mit meinem Hutlieseranten zu gehören hatte. Ich wartete zwischen zwölf und sieben aus die Elektrische, als die Geschichte passierte. Der Hut flog mir weg und sauste davon. Ich stand still, lächelte in meiner Seele und dachte: Wie nett! Jetzt wird es kommen, wie es zu kommen pflegt. Alle Leute auf der Straße werden dem Hut nachlaufen und miteinander wetteifern, um ihn zu fangen, und schließ. lich wird er mir von einem vor Anstrengung rot gewordenen jungen Mann überreicht, der ihn sorgfältig abbürstet, ehe er ihn mir mit einer Verbeugung übergibt. So sind die Großstädter. Nur warten. Man braucht nur stillzustehen, dann kommt der Hut von ganz allein. Sich nur nicht in die Geschichte einmischen. Aber niemand kümmerte sich um den Hut. Alle sahen ihn, aber oll« ließen ihn weiterfliegen. Woher dieser Hochmut? War es etwa nicht ein feiner Hut? Ein Borfalino? Ist es jetzt nicht mehr vor- nehm, weggeflogenen Hüten nachzulaufen? Hat jemand gesagt, daß es nicht mehr vornehm ist? Da fing ich selber an, dem Hut nachzulausen. Zwar habe ich noch mehr Hüte, ober es ist doch Verschwendung, einen Hut weg- fliegen zu lassen. Und ich kann nicht ohne Kopsbedeckung gehen. Ich lief dem Hut nach. Ich sah ihn aus der Ferne, und ich fing en, ihn einzuholen. Während ich lief, dachte ich: Es ist doch lächerlich von einem ernsten, älteren Herrn, einem Hut nachzulausen. Ich möchte wissen, wie ich aussehe. Lause ich wie Nurmi? Für diese Herren ist es natürlich ein reines Vergnügen, einem Hut nachzu- laufen. Sie benutzen die Gelegenheit zum Training. Der Hut rollte weiter, und ich lief auch weiter. Ich dachte, es war dumm von mir, diesen Hut zu kaufen. Es war auch ganz iiberflüfsig. Ich hatte ja noch einen Stetson und einen Lincoln Bennett. Di« benehmen sich nie so. Das hier ist ja kein Hut. Es ist ein Rad. Ich knöpfte mir den Paletot auf und fluchte über meinen steifen Kragen. Und über die Strumpfhalter, die mir heruntersielen, und über die Hosenknöpse. die absprangen. Ich lief über eine Anlage. Da war es weich. Ein Schutzmann sah mich, und er blieb stehen, denn er macht- sich klar, daß ich kein kleiner Hund war: Der Hut rollte weiter und nahm einen kleinen Anlauf. Ich dachü wenn ich ihn überhol«, dann kann ich mich mitten aus die Straße stellen und ihm empfangen, wenn er kommt. Das ist eme gute Idee! Ich erhöht« meine Geschwindigkeit. Ich schallet- die große Auswechslung ein. Da kam eine Elektrische. Der Hut rollte auf die Elektrische zu. Glücklicher Gedanke: Der Hut wird überfahren. Ich verklage die Straßenbahngesellschaft. Die Gesellschaft muß Schadenersatz leisten. Ich bekomme einen neuen Hut. Präjudikat. Plötzlich änderte der Hut seinen Kurs. Die Elektrische war ge- rettet, und ich lief weiter. Glücklicher Gedanke: Irgendeinen kleinen Jungen zu bitten, dem Hut nachzulaufen. Jungen» laufen so leicht. Noch glücklicherer Gedanke: Versprich ihm fünfundzwanzig Oer« für seine Mühe. Da kam ein Junge aus der Schule. „Wenn du"— Atemholen— ,chen Hut greifen kannst"— noch mehr Atemholen—,„dann bekommst du fünfundzwanzig Oere!" „Ich will fünfzig haben!!" So ist die Jugend. Die Jugend unserer Zeit. Materialistisch, roh, egoistisch! Ich bin von solchen Vengels nicht abhängig. Ich fange meinen Hut selber. Nur Mut! Der Hut bog in eine Nebenstraße ein. Hahaha! Da ist es windstill. Da muß er liegen bleiben. Ich werde mit dem Fuß auf ihn treten, ja mit beiden Füßen, und ihn fünf Minuten still halten, bis er ruhig wird, ganz ruhig. Der Hut drehte sich um einen Laternenpfahl. Unerklärlich. Hatte er einen Motor in sich? Ich stellte ihn, als er die zweite Runde machen wollte. Er rollte mir zwischen die Beine und legte sich dann ganz still auf die Bordschwelle. Müde lehnte ich mich gegen den Laternenpfahl, sah mir den Hut an und dachte: Du warst hellgrau, als du diese Geschichte anfingst. Diese Straßen waren schlecht gefegt. Ich werde die Sache der Straßen- reinigung unterbreiten und dem Gestindheitsamt und dem Ober- bürgermeister. Ich hob den Hut auf. Es war nicht mein Hut. Es war ein unbekannter Hut. Ein wildfremder Hut, den ich noch nie gesehen hatte. Ein schwarzer Hut. Ich war eine Viertel- stunde einem fremden Hut nachgelaufen. Gott weiß, wie lange sich dieser Hut in den Straßen herumgetrieben hatte, jetzt, wo die Groß- städter aufgehört haben, Hute aufzuheben. Vielleicht ist er den ganzen Winter kopflos herumgeirrt. Armer, aller Hut, ohne Kopf und ohne Riegelhaken im Entree! Ich ließ ihn wieder auf die Erde fallen und sah ihn in die nächste Querstraße einbiegen, wie aus alter Gewohnheit, und dann ver- schwand er. Ich nahm ein Auto und fuhr nach Hause. Wenn irgendein hochmütiger Großstädter, der Hüte nicht mehr aufhebt, meinen eigenen Hut finden sollte, wo er auch herumrollt, so bitte ich, ihn von mir zu grüßen und ihn, zu sagen, daß ich zu meinem alten Stetson zurückkehre, der zwar auch abstiegt wie alle anderen, der sich aber still und glatt auf die Straße legt und wartet, bis ich komme. Auch wenn es ein Weilchen dauern sollte. Di« Borsalinohüte kommen aus Italien. Sie sind mir zu lebhaft. Aepfel steckten: dann küßte sie mich auf beide Wangen und schob mich aus der Türe. Zwar kannte ich den Weg zur Schule schon, obgleich ich das graue Haus in der Türkengaffe erst einmal und mit großer Scheu betreten hatte, von meiner Mutter geführt, als man mich in die erste Klasse einschrieb. Ich kannte dos Haus, aber es war im elterlichen Rat beschlossen worden, daß ich den ersten Weg in Begleitung des Nachbarsohnes antreten sollte, der schon «in Jahr Wissenschaft hinter sich gebracht hatte, und dem der Weg mit oll seinen Windungen und Gefahren vertraut war. Als das grüne Holztor hinter mir zufiel, war es wie der Start zu einer langen Reise. Meine Mutter stand am Fenster des eben- erdigen Hauses und winkte mit der Hand. Ich weiß, daß ich mich ein paarmal nach ihr umwandte, ihr begütigend zunickend, denn sie schien sehr aufgeregt zu sein. Dann stampften wir los. Im Ränzel führte ich außer einem funkelnagelneuen Buch, in dem schöne Bilder zu sehen waren, verschiedene aufregende und fremd- artige Gegenstände mit mir, als da sind: Eine Schiefertafel, ein Griffel, ein Schwämmchen und ein Lappen. Wenn wir liefen, klapperten diese Dinge im Ranzen und wir legten den Weg als Pferdchen zurück, wobei den Ranzen die Rolle der Reiter zufiel. Die Gärten standen diesen Herbst in seltener Pracht. Wir liefen an Zäunen vorbei, über die schwer die Aeste der Apfelbäume fielen, hinabgezogen von der Ueberfülle rotbackiger Früchte. Die Ernte war gut in diesem Herbst. Der Fluß schäumte schon kalt in seinem Bett, ober über den Wiesen und dem milden, schon leicht gebleichten Grün der Laubwälder lag an den Tagen noch sommer- liche Luft. Der Weg zur Schule führte am Ufer der Temes ent- lang, an der alten, hölzernen Brücke vorbei, und jenseits des Flusses, so fern, daß man die Augen beschatten mußte, um es zu sehen, leuchteten unwirklich blau die Berge. An diesem Morgen und auch später immer, wenn ich zur Schule lief, starrte ich sehnsüchtig zu diesen Bergen hinüber, die voll Geheimnis waren, und mein Herz schlug im Takt einer unbekannten Sehnsucht. ... Ich weiß nicht mehr genau wie es war, der Nachbarsohn verließ mich im großen, dunklen Korridor und ich saß mit vielen gleichaltrigen Knaben in der Schulbank. Wir mußten aufstehen und sprachen ein Gebet, das vielen von uns noch unbekannt war. Ein großer beleibter Mann mit haarigen Händen(er hatte schwarze Borsten auf dem Kopfe) redete auf uns ein und wir hielten den Atem an, so furchtgebietend stach sein hochgewirbelter, schwarzer Schnurrbart in die Luft. Aber plötzlich— es war gegen Ende der ersten Schulstunde— begann einer der kleinen Knaben, der wohl Einsamkeit empfand inmitten der vielen fremden Gesichter, zu weinen. Und das war wie ein Signal: mehrere stimmten in das Konzert ein. Da ober sprang der Mann, der sich zu Beginn der Stunde als unser Lehrer ausgegeben hatte, auf und hieb mit einem dünnen Rohrstöckchen auf sein Pult. Es knallte wie ein Schuß. Vor Schrecken verstummte der Chor der Heulenden. Mir fiel der Apfel, den ich die ganze Zeit über krampfhaft in der Hand ge- halten hatte, zu Boden und kollerte weit unter die Bänke. Ich habe ihn nie wiedergefunden: dieser nie gegessene Apfel verfolgt« mich später noch oft in meinen Träumen. Mit Angst begann meine Schule und der Borstenhaarige begründete seine Herrschaft durch Schrecken. Dennoch hat er nie jemand geschlagen und ich erfuhr später, daß er ein guter Mensch war. Aber zum Lehrer taugte er nicht viel. ...Und so denke ich mir: wie wird es mit meinem Kinde fein? Die Zeiten sind anders geworden, den Lehrern wird ein neuer Geist der Liebe mitgegeben und des spielerischen Lehrens. Aber sind sie. au di« Lehrer, anders geworden? Kann man Liebe lernen? Und ist nicht das Spiel dem Kinde nur lebendig? Und sind wirklich jene, die man zu den Kindern schickt, die Berufenen des Herzens? Auf den Menschen vielleicht kommt es an. Und ein Wort, ein Lächeln, eine Gebärde des Einverständnisses mit dem Kinde werden zündend nur sein, wenn sie vom Herzen kommen. Wie wird meines Kindes erster Schultag werden? Denn lange trug ich die Bangigkeit meines ersten Schultages im Herzen. Alexander ton Sacher lltafodh: ''Zum erftenmal Schule... An jenem Septembermorgen wogten die Tannen vor unserem Hause im Wind. Die Sonne taucht« gerade hinter der nachbar- lichen Scheune aus, aber sie glänzte nur matt und glashart stand die Luft zwifchen ihr und der Stadt. Meine Mutter wusch mich. zog mir die Strümpfe an, kämmte meinen borstigen Schädel, half mir ins Mäntelchen, in dessen Taschen ein Mohnkringel und zwei QefundheHUche Stalfchläge für September Jeder Tag dieser Jahreszeit bringt neues Obst auf unseren Tisch, uno da ist's schließlich nicht verwunderlich: daß mancher des Guten.etwas zuviel tut und es hinterher an seinem Magen spüren muß. Vor allen Dingen gilt es, sich beim Obstgenuß jeweilig auf diese oder jene Fruchtart zu beschränken und nicht alle Obstarten zu gleicher Zeit wahllos durcheinander zu essen. Auch ist es eine alte Regel, daß man zugleich mit dem Obstgenuß keine Flüssigkeit, zumal kein Wasser, zu sich nehmen soll. Man ist lange Zeit darüber im Zweifel gewesen, worum d«r Magen- und Darmkanal gerase dies übelnimmt: erst die neuere Forschung hat uns hierüber besriedigen- den Ausschluß gegeben. Es hat sich nämlich gezeigt, daß di« Gewebe des von den Magensäften angebauten Obstes die Eigenschaft haben, das Vielfache ihres Volumens an Wasser aufzusaugen, wobei sie natürlich außerordentlich stark ausquellen und dann das Vielfache ihres Raumes einnehmen. Hierdurch wird, wie man sich leicht vor- stellen känn, der Magen ungebührlich aufgetrieben, und wenn die Mogenwände an der Grenze ihrer Dehnungsfähipkeit angelangt sind, so kann«» unter günstigen Umständen sogar ,zu Rissen in der I Magenwand kommen, die meist den sicheren und überdies schmerz- lichen und qualvollen Tod bedeuten. In weniger schweren Fällen führt dies« Ueberdehnung des Magens zu schmerzhaften Verdauungs- stön-ngen, die sich bis zu gefährlichen Darnllähmungen steigern können. Wer auf feine Gesundheit hält, wird daher mit dem Wassertrinken solange zuwarten, bis der Magen oder Darm die ge- nossenen Früchte schon hinreichend zersetzt hat, was bei dem Genuß von zwei bis drei Aepfeln oder Apfelsinen nach etwa 1K bis 2 Stunden der Fall ist. Daß auch der Genuß von unreifem Obst unangenehme Ver- douungsstörungen hervorrufen kann, ist allbekannt. Weniger be- könnt aber ist es, daß man, wenn«in solcher akuter Magen- und Darmkatarrh an einem ausgebrochen ist, chn nicht gewaltsam durch all« möglichen„Stopfmittel" zum Aufhören bringen soll, sondern daß man vorteilhast die Selbstreinigung des Körper« unterstützt. wodurch der normale Zustand viel rascher wieder herbeigeführt wird- Wer also etwa nach dem Genuß von unreifen Pflaumen u. dgl. an heftigen Durchfällen ertrankt, sollte nicht durch die.zur Pflaumenzeit so beliebte Opimnttnktur, die nebenbei ein durchaus nicht harmloses Arzneimittel ist, den Reinigungsvorgang des Magen- und Darmkanals künstlich unterbrechen, sondern lieber durch kurz» dauernde völlig« Diät und eventuell sogar durch ein harmloses Ab- führmittel die Selbsthilf« des Körpers unterstützen. Die Briefmarke wurde von I. Chalmer? aus Dundee(gestor- ben 1863) erfunden und I84ll in England, 1849 in Preußen, Sachsen, Hannover und Oesterreich eingeführt. Um das dreißigste Lebensjahr ist der Mensch im Besitz seiner größten Körperkraft. Pfirsiche �0,22 •Matjesheringe| grosse Island....2 Stück Rebhühnern©S Stück voD�p vir<*& Obst und Gemüse Pflaumen blana........ PJd. 0,15 Weintrauben.......... Pii 0,30 Kochäpfel....... Pfd. 0,13 0,09 Gravensteiner Aepfel pm. 0,20 Kochbirnen.... Pfd. 0,13 0,09 Tafelbirnen.......... Pfd. 0,20 Bananen............. 3 Pfd. 0,88 Weiss- oder Winlngkohl.. Pfd. 0,05 Rotkohl................. Pfd. 0,06 Schmorgurken..... 2 Pfd. 0,18 Senfgurken......... 3 Pfd. 0,18 Pfefferlinge........... Pfd. 0,32 Möhren gewaschen... 3 Pfd. 0,1 0 Blumenkohl gr. Mpie, Kopf MI 0,1 0 Rosenkohl............. Pfd. 0,30 Neue Kartoffeln...io Pfd. 0,28 Käse und Fette Camembertvoiif.,Schachtei 0,25 Allg.Stangenkäse20%.Pfd. 0,48 Tilsiter vollfett......... Pfd. 0,78 Steinbuscher voUfett, Pfd. 0,72 Edamer«°i»........... Pfd. 0,84 Holländer 40»/o......... Pfd. 0,84 Schweizer vollfett, Pfd. von 1,34 Markenbutter aiiert, Pfd. 1,52 Margarine...... 2 Pfd. von 0,75 Kokosfett..2 Tafeln i 1 Pfd. 0,75 Wurstwaren Sülzwurst............. Pfd. 0,78 Dampfwurst........... Pfd. 0,88 Speckwurst........... Pfd. 0,95 Mettwurst Brachw. Art, Pfd. 0,98 Knoblauchwurst..... Pfd. 0,90 Schinkenpolnische.. Pfd. 1 ,05 Jagdwurst............. Pfd. 1,15 ZerveiatoderSalamiPfd. 1,35 Zervelatim Fettdann...Pld. 1,55 Bierwurst.............. Pfd. 1 ,40 Magerer Speck....... Pfd. 1 ,1 0 Fetter Speck........ Pfd. 0,90 Gekocht.Schinken,/«Pfd. v. 0,38 Kolonialwaren Bruchreis.............. Pfd. 0,1 3 Bruch-Makkaroni....Pfd. 0,44 Eier-Fadennudeln..Pfd. 0,50 Eier-Sternchen....... Pfd. 0,55 Weizengriess........ Pfd. 0,26 Linsen.................. Pfd. 0,18 Weisse Bohnen...... Pfd. 0,18 Viktoria-Erbsen...... Pfd. 0,20 Polierte Erbsen...... Pfd. 0,28 Kartoffelmehl......... Pfd. 0,20 Gebr. Gerste......... Pfd. 0,20 Frisches Fleisch Kalbskamm o. Beüg., Pfd.v. 0,74 Kalbsbrüste. nock., o. B., Pfd.». 0,84 Kalbskeule bis S Pfund Bchwer, ganz od. geteilt, Pfd. V. 0,90 Kalbskotelett.... Pfd. von 1,13 Kalbsroulade gerollt. Pfd. v. 1,28 Kalbsschnitzel.. Pfd. von 1,75 Suppenfleisch... Pfd. von 0,72 Schmorfleisch Keule, ohne Knochen...... Pfd. 1,20 Rouladen.............. Pfd. 1,28 Roastbeef o. Kn,...Pfd, von 1,38 Rinderleber........... Pfd. 0,98 Rinderbacken........ Pfd. 0,48 Rinderlungen......... Pfd. 0,34 Rinderherzen......... Pfd. 0,43 Euter.................... Pfd. 0,28 Hammel-Vorderfielscli, Pfd. V. 0,90 Wild und Wildragout...... Pfd. von 0,35 Rehkeulen....... Pfd. von 1,60 Hirschblätter...Pfd. von 0,85 Hirschbraten..... Pfd. von 1,20 WildschweinbratenPfd.v. 1 ,20 Schweinebaucho.Blg.Pfd. 0,78 Schweineblatt........ Pfd. 0,84 Schweineschinken mit Bein.................. Pfd. 0,c8 Schweinekamm oder Schuft, ohne Beilage.. Pfd. 0,94 Schweinekotelett Pfd. von 0,98 Schweineköpfem. Backe, Pfd. 0,44 Eisbein m.Spitzbein.gep., Pfd. 0,64 RUckenfett bratfertig, Pfd. 0,34 Schweinenieren...... Pfd. 0,84 Gefrierfleisch Suppenfleisch....Ptd.von 0,64 Schmorfleische. Kn,Pfd.v.0,98 Hammel-Vcrderfleijeb, Pfd. v.0,70 HammelrUcken....... Pfd. 0,80 Hammelkeulen....... Pfd. 0,88 Geflügel Tauben frisch____ Stück von 0,65 Junge Gänse frisch, Pid.v. 0,88 Hühner gefroren— Pfd. von 0,92 Suppenhühnerfrisch, Pfd.v. 0,95 Enten frisch........ Pfd. von 0,98 Konserven liDoso Kaiserschoten.......... 1,45 Junge Erbsen............ 0,65 Junge Karotten......... 0,65 Leipziger Allerlei........ 0,85 Berliner Allerlei......... 0,65 Erdbeeren................. 1,20 Sauerkirschen mit Stein.. 0,98 Stachelbeeren........... 0,76 Konfitüre Eimer Fische, Räucherwaren •Seelachs;,r.. o. Kopf, i. g.. PW. 0,16 •Kabeljau l8l.,gr., aKopf. i.g., Pfd. 0,1 6 •Rotbars............... Pfd. 0,16 •Schellfisch........... Pfd. 0,18 •Kabeljaufilet....... Pfd. 0,28 'Grüne Heringe.... 3 Pfd. 0,44 •Lebende Karpfen Pfd. v. 0,98 Bücklinge.......... Pfd. von 0,28 Schellfisch geräuchert, Pfd. 0,32 Seelachs geräuchert.. Pfd. 0,40 Rotbars geräuchert..... Pfd. 0,42 Oelsardinen 5 Port.-Dosen 0,95 Senfgurken... 5-Liter-Dose 1,90 Mayonnaise............ Pfd. 0,70 ErdnuSSÖl... Flasche 200 g 0,38 Erdnussöl... Flasche 300 g 0,58 'In allen Häusern ausier Andreasetrasse Tischweine und Fruchtsäfte kreise ohne piascho 1929er Obermoseler od. Alslerw. Letten>/, Fl. 0,85 10 FL 8,00 1929er Siefersheimer Horn Natnrwein......."JiFL 1,25 io Fi. 12,00 1928er Erlauer Naturrotwein..............>/, Fl. 1,45 10 Fl. 14,00 Rheinpf. Weisswein od. Johannisbeerw. Liter 0,75 s Lir. 3,50 Gold-Malaga od. Original Insel Samos Liter 1,60 5 Ltr. 7,50 Deutscher Weinbrand abgelagerte Qualität.............. Liter 4,60 Eimer cfi.2Pfd, jh itua c ca.2Pfd. Pflaumen.................. 1 ,00 Aprikosen od. Johannisb. 1,10 Kirsch...................... 1,25 Himbeerod. Erdbeer....1,30 Ananas..................... 1,40 Gemischte Marmelade 0,90 Zur Bowle: 1933er Edenkobencr fi£Q 10£ Welsswein.......... Fl. FLÖfOo „cerie VIen-ke", Fruchtscbaum- 1 jff wein... mit Steuer und Flasche Himbser- und Kirschsaft mit Eaffinade eingekocht fl0,48 fi 0,60 1 ,19 n.lfl.SO Hellselbe Kernseife garantiert rein, Doppelriegel 200 g Frischgervicht 0,10, Blockstück 400 g Frisch- gewicht 0,20, Biege! 1000 g Frischgewicht........ 0,48 Feinste Ssifenfloclcen 85°/,. anagewogen.... Pfd. 0.S0 Srüne Lelnöl-Schmierselfe garantiert rein, Pfd. 0,27, lO-Pfd-.Eimer(exkl Eimer)........... Füll DIN HAUSPUTZ 3,20 Elain-Schmlerselfe garantiert rein, Pfd. 0,32, lO-Pfd-Blmer(ezkl. Eimer). 2,25 2,80 Alabaster-Schmlarsslfe garantiert rein, Pfd. 0,36, tO-Pfd.-Eiiner(ezkl. Eimer)............ „Hertle-Biatsnwelss" hervorragendes selbsttätiges Waschmitiel, b- Pid.-Paiiet 0,33, 3 Pakete 0,95 „Hsrtle-Selfenpulver" Salmiak- Terpentin, 10%.................................... I-Pfd.-Paket 0,18 m.Seifenschnitz.,150/0,l-Pfd.-Pak. 0,22 30°;„,I-Pfd.-Pak. 0,32 Hoffntanns Rslsstärke.........'/»-pw-Karton 0,28 Bonami-Ualversal-Putzstelii far Glas, Kachein und lackiertes Holz.......................... 0,95, 0,50 Putzerene flüssig, für alle Metalle, Flasche 0,50, 0,25 Blitzblank............................... 3 Pakete 0,25 Fsinsoda............................ 2- Pfd.- Paket 0,12 Scheuertücher gute starke Qualität....... Stück 0,20 Sämlsch-Fensterleder...... stück 2,35, 1,45, 0.95 Bohaerspäne fein, mittel, grob, 1 Pak. 0,30, 3 Pak. 0,85 Bohnertücher grüner Fries, Stück 1,20, 0,93, 0.75 Bohnerwachs weiss n.gelb, 1-Ptd.-Dose 0,30, 2 Pfd. 0,95 FlgarO-MOP rmprägn., in Dose m. stiel, Stück 3, 00, 3,75 Mop-Polltur...................... Flasche 0,95, 0,50 Paket-Versand nach U.d.S.S.R. Auf Grund unserer Abmachungen mit der»Derutra« haben wir das ausschliessliche u. alleinige Rech, für Deutschland, Bestellungen von Privatpersonen auf Lebensmittel sowie auf sämtl. Artikel des täglichen Bedarfs zur Versendung an Privatpersonen nach Sowjet-Russland anzunehmen u. in Paketen dahin abzusenden. Die Versendung der Pakete erfolgt durch uns direkt und wir übernehmen für die /�nkunst�er�aket�di�Eewahr. Die Aushändigung der Pakete an die Empfänger erfolgt ohne weitere Nachzahlung. II IHM...................... j.v-v Staals StaBtsoper Dnter den Linden. Freitag, den 4. September 20 Uhr, Ende 22,/4 Uhr. Sdiwanda der Dudeisadtpleifer StaatLSdiauspielhaus üendannenmarkb Anfang 20 Uhr Das NQrnbergisch Ei Sdiiller-Tlieater Chariottenburj. Anfang 20 Uhr Der Richter von Zalamea 18.15 Ubf Flora 3434 Raiidien erlaubt Die Sechs von der Staatsoper. Cortinis Dollarsegen. 12Bratanos. 2Fokkers n«. Sonnabenii und 4 und 8" Uh Sounlag je 2 Vcrstellurgea ir. 4 Uhr kleine Pr. PlanelariuiaiaZoo Täglich(außer Montag) 3.30, 5.13, 7 u. 9 Uhr ein Erlebnis: „MlVa", Uraufführung! Ein Afrika-Expedilionsfilm. Zur Einführung:„Unter dem Krenz de» Stldens", Vortrag mit Lichtbildern und Zeiß-Instrumcmen. Eintrittspreis SO Pf,, Schüler und Studierende die Hälfte. Vorverkauf täglich ab 10 Uhr. Reichshallen'Theater Allabendlich Fest.Programms B p 1 1 1 o n SO Jahr« Stettiner Sänger Sonntag, den 6. September Erste Xaehmlttagavorstellg. Halbe Pr.! Das volle Fest-Progr. 3"jU. siä(U.oper Charlottenburg Bismarckstraße 34 Freitag, 4. Septsmb Turnus II Anfang lOVa Uhr Carmen Ende gegen 23 Uhr Theater Im Admiralsoalast Täglich 8'U Uhr Rotter-Gastsplel Die Dnbarry mit Gitta Aipar Preise: 0,50 bis 12,50 Komische Oper 8Vj Uhr Thron zu vergeben Operette v.Neidhart Musik v. Witmann Leux, Elster, Lilien, Hendrik, Fels Preise; 0,50-7,- M. mstropol-Ttieater Täglich 8'U Uhr die neue Paul- Abraham- Operette Die Blume von Hawai unter persbnl. Ltg des Komponisten Pr. derPL: 1.- bis 14.50 »Vi in»» CASINO-THEAlERsVi ut. Lolhringer Sirene 37. iiiiiiiitniiiHiiiiiiiiiiietiiniin Genta svittorlo: 2B!essings Ernst Walter. Direktor HANS BERG konferiert. Dazu: Nur kurze Zeit: Das Parfüm meiner Frau Gntscfaein 1-4 Per«. Rang Mitte IM. Fauteuil 1,25 M.. Sessel 1,50 M. Parkett 75 Pf., Rang Seite 60 Pf. Oeotsdies Tleatei 8 Uhr Kat Schauspiel nach Ernest Hemingway Dratsdn Bühnenbearbsitaag v. Carl Zuckmayei und Heinz Hilpert. Repie: Heinz Hilpert RurlUrstendamm- Theater Bismarck 448/49 8'U Uhr Die schöne Helena von lacques OtlenhaOi Regle; MaxRetntardi Theater desWestens Tägl. 5 u. 8'/« Viktoria und ihr Husar Operette vou P. Abraham. Billigster PI. 0.50 M. Teuersur PL 2.90 M. Wocheniags S15 Sonntags 5 30 u. 9 Uhr madchen zum Heiraten Lustsp. mit Annemarie Enderle, Traute Rase, Carl de Vogt u. a. Preise: 0.50-3.00 ROSE-GARTEN Wochentags 5.30 Uhr Konzert und Variete 8.15 Uhr „Das GIQcksmSdei11 Preise:«.«0-2.04» m Oroße Frankfurter Straße 1 Vorverkauf Täglich 11— 1 und 3—9 U. E 7, 3422. 1 CAROW 'S Lachbühne Weinbergaweg 20 TägUdi der GipfeS der Komik das Programm der Sensation PelerPieiiferkoDferiert! Beginn derVorstellung 7'/, Uhr Erich Caroto Theater am Bulowplatz Staats-Oper U.d.Linden _ Staat!. Schüler-Theater Nach Wahl 8, 11, 13, 15 Vorstellungen, auch an bestimmten Tagen der Woche Oper 250 Mk Schauspiel, 1,70 MK Nachmittags 1.30 Mk./ Zettel und Zeitschrift stets unentgeltlich Platzverlosung vor jeder Vorstellung/ Näheres durch die Prospekte GeschäftssteHe: Berlin C25/Linienstr.227/ DI Norden 2944 haMÄnd mpugungf Resfairant Berlins Berliner Illh Trio N B U k fl I i B. Lalmatt. 74f76J Mein Kautabak schmeckt mir doch am besten! Max Frankenbach Berlin S 114, WaiSstraföe 7G-79 Spezial-Niederlage der Gruschwitz Textil A.-G,, Bindfäden::;; Cordel Am 1. September 1931 verschied nach langem schweren Leiden unser Genosse Max Fiaring Das Vertrauen unserer Genossen entsandte ihn in den Aufsichtsrat, wo er in gesunden wie in kranken Tagen unermüdlich zum Wohle unseres Gemeinwesens tätig war. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. Vorstand und Aufsichtsrat der Siedlang Lindenhof, E. G. m. b. H., Berlin-SchBneberg.