Morgenausgabe Nr. 415 A 209 48.Jahrgang Böchentlich 85 Bf., monatlich 3,60 im voraus zahlbar, Boftbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. Auslands abonnement 6,-M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachen porto 5,- M * Der„ Borwärts", erscheint mochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„ Der Abend". Illustrierte Beilage Bolt und Zeit". Ferner Frauenstimme", Technit", Blid in die Bücherwelt". Jugend- Borwärts" u. Stadtbeilage Vorwärts Berliner Boltsblatt Sonnabend 5. September 1931 Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die einipalt. Nonpareillezeile 80 1. Reflamezeile 5,- RM. Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pf. zulässig zwei fettgedruckte Borte), jedes weitere Wort 12 Pf. Rabatt It. Tarif. Stellengesuche das erste Wort 15 Bf, jedes weitere Wort 10 Pf. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Arbeitsmarkt Seile 60 Bf. Familien anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigen annahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3, wochen täglich von 8 bis 17 Uhr. Der Berlag behält sich das Recht ber Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernspr.: Dönhoff( A 7) 292-297. Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts: Verlag G. m.b. H. Postscheckkonto: Berlin 37 536.- Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3, Dt. B.u. Disc.- Ges., Depositent., Jerusalemer Str. 65/66. Arbeitsrecht/ Menschenrecht Die Forderungen der Gewerkschaften. Die Entschließung des Frankfurter Gewerkschaftsfongresses zur Frage des follettiven Arbeitsrechts hat folgenden Wortlaut: ,, Das tollettive Arbeitsrecht ist die der Entwicklung der Arbeiterklasse allein entsprechende Rechtsform. Sicherung und Ausbau des kollektiven Arbeitsrechts ist eine der wichtigsten Aufgaben der Gewerkschaften, die, gestützt auf die geschlossene Macht der Arbeiterklasse, erfüllt werden muß. Die Schaffung des Arbeitsgerichtsgesezes bedeutet einen großen Fortschritt für die Vereinheitlichung und Durchführung des Arbeitsrechts. Die Rechtsprechung der Arbeitsgerichtsbehörden hat jedoch die berechtigten Erwartungen der Arbeiterschaft nur zum Teil erfüllt. Der weitgehende Schuh der wirtschaftlichen Vereinigungsfreiheit nach Artikel 159 der Reichsverfassung hat in der Rechtsprechung feine ausreichende Anerkennung gefunden. Die Anerkennung der Tariffähigkeit der Werksvereine und der Arbeitnehmergruppen des pommerschen Landbundes bedeutet eine Verkennung des Sinnes der Vereinigungsfreiheit und der Tariffähigkeit. Dagegen muß die Tariffähigkeit auch für wirtschaftliche Verbände gefordert werden, die nicht einzelne Arbeitgeber oder Arbeitnehmer, sondern Vereinigungen zu Mitgliedern haben, sofern die wirtschaftlichen Verbände auf Grund ihrer Sagungen Lohn- und Arbeitsbedingungén regeln fönnen. Ebenso stellt die durch die Rechtsprechung anerfannte zulässigkeit der Nichtzahlung des Tariflohns megen Berschweigens der Gewerkschaftszugehörigteif und die Ent laffung wegen des Anspruchs auf Tariflohn im Ergebnis eine Einengung der verfassungsmäßig gewährleisteten Bereinigungs. freiheit dar. 1 Der Weg zum Sozialismus. Nachwort zum Gewerkschaftstongreß. F. E. Frankfurt a. M., 4. September.( Eigenbericht.) Von den vierzehn Gewerkschaftskongressen, die seit dem Ende des Sozialistengesetzes in Deutschland abgehalten wurden, fielen manche in eine Zeit wirtschaftlichen Niederganges, erster Linie den Abschluß von Tarifverträgen durch freie Ber- aber noch feiner in eine so schwere, fast aussichtslose Krisis einbarungen zwischen den beiderseitigen Verbänden. Gegen den fyftematischen Lohnabbau mit Hilfe des Schlichtungswesens und gegen die Eingriffe in das Tarifrecht durch die Reichsregierung mit Hilfe des Artikels 48 der Reichsverfassung erhebt der Kongreß den schärfften Protest. Diese Eingriffe haben sich ausnahmslos gegen die Arbeiterklasse gerichtet. Sie sind außerdem nicht mit der Notlage des Reiches zu begründen. Die Tarifverträge hätten ihren Sinn verloren, wenn sie in der Krise auf Grund gesetzlicher Eingriffe nicht weiter gelten sollen. Mit Nachdrud fordert der Kongreß den Ausbau des Arbeiterrechts. Die Vereinheitlichung des Arbeitsvertragsgefeßes und die Erweiterung des Arbeiterschutzes muß endlich mit ernſtem Willen baldiger gefeßlicher Neuregelung in Angriff genommen werden. Im Berufungsausbildungsgesetz ist der Vorgang des Tarifvertrages eindeutig sicherzustellen und die gleichberechtigte Mitwirkung der Gewerkschaften bei der Regelung der Lehrlings ausbildung zu gewährleisten. Weiter fordert der Kongreß erneut den gesetzlichen Urlaubsanspruch von mindestens 12 Arbeitstagen für die erwachsenen Arbeiter und Arbeiterinnen und mindestens 18 Arbeitstage für jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen, unter Weiterzahlung des Lohnes. Dabei ist durch Einbeziehung der Mitwirkung der Gewerkschaften Borforge zu treffen, daß dieser Rechtsanspruch unabhängig von einem Wechsel des Arbeitsverhältnisses gegeben ist. Der Kongreß spricht den Betriebsräten erneut den Dant der Arbeitert lasse aus. Unter schwierigsten Verhältnissen haben sie im Interesse der Arbeiterklasse selbstlos und mit Erfolg ihre Pflicht getan. Die Gewerkschaften werden sich auch weiterhin mit aller Kraft für den Ausbau des Mitbestimmungsrechts und für weitergehende Sicherung der BetriebsverZur unbedingten Sicherung der Tarifverträge fordert der Kongreß eine sofortige Ergänzung der Tarifvertragsordnung, wonach jeder Verzicht auf tarifliche Rechte unter allen Umständen als rechtsunwirtsam gilt. Die Allgemein verbindlichkeitserklärung von Tarifverträgen ist so zu beschleunigen, daß alle Umgehungsversuche dadurch rechtlich ausgefchloffen werden. In der grundsäglichen Frage des Schlichtretungsmitglieder einsetzen." fungswesens bestätigt der Kongreß erneut die Auffassung der Gewerkschaften, daß die Schlichtung eine staatspoli tische Aufgabe ist, und daß der von der Arbeiterklasse erstrebte foziale demokratische Staat die Pflicht hat, bei der Schaffung von Tarifverträgen Hilfe zu leisten. Die Gewerkschaften erstreben in Damit waren die vier großen Beratungsgegenstände erledigt, und der Kongreß ging nun an die Wahl des deuen ADG B. Borstandes. ( Ueber die Schlußverhandlungen des Kongresses siehe vierte Seite des Hauptblattes.) Standrecht in Polen! Ein Zeichen der Diftatorenangst. Warschau, 4. September.( Eigenbericht.) Der polnische Ministerrat hat beschlossen, ab Sonn abend für eine Reihe Strafprozesse das standrechtliche Verfahren einzuführen, was eine bedeutende Beschleuni gung der Urteilsfällung und Verschärfung der Strafen bedeutet. Dieses Verfahren findet Anwendung auf Raub. überfälle, soch verrat und alle Verbrechen gegen die öffentliche Ordnung. Bei einigen Verbrechen, die bis. her mit Zuchthaus geahndet wurden, wird in Zukunft die Todesstrafe verhängt. heimnisse an Rußland schon ein verdächtiges Zeichen. Sicher ist, daß im Offiziersforps die Ueberhebung der Rumpane Pilsudskis und das schnelle Avancement ihrer Günſtlinge die Stimmung sehr verschlechtert hat. Die Soldaten aber kommen aus den Familien des notleidenden Voltes! Die Kriegsmaßnahme der Pilsudski- Regierung gegen das eigene Bolt ist ein nicht zu perkennendes Zeichen der Angst vor einem vernichtenden Ausbruch des. Volkszorns. wie der jetzt beendete Kongreß. Gerade die Not dieser Zeit muß die Arbeiterschaft mehr denn je zusammenführen. Sie hat dem denkenden Arbeiter die Sinne geschärft für die Erfenntnis der Ursachen der gegenwärtigen Zustände, des Fiaskos und der Ausweglosigkeit des privatkapitalistischen Wirtschaftssystems und gleichzeitig in ihnen neu belebt die Hoffnung auf seine Ueberwindung und damit auf die Herbeiführung einer besseren planvollen Wirtschaft, der sozialistischen Wirtschaftsordnung. Der Kapitalismus beansprucht für sich alle Vorteile der technischen und kulturellen Entwicklung, das Risiko wälzt er auf die Schultern der breiten Masse ab. Aber die Wirtschaftsführer" dürfen sich keiner Täuschung darüber hingeben, daß ihr Nimbus nicht nur in den Augen der Arbeiterschaft ein für allemal geschwunden ist. Ihre Ablenkungsmanöver durch das Geschrei über ,, marristische Mißwirtschaft", das sie in ihrer Presse anstimmen lassen, können die Tatsache nicht entfräften, daß es ihre Wirtschaft, die kapitalistische Mißwirtschaft ist, die so schmählich versagt hat. Die Regierung mag heute noch glauben, das kapitalistische Wirtschaftssystem, das auf dem Gewerkschaftstongreß auf der Anklagebant saß und einmütig verurteilt wurde, retten zu fönnen und es mit allen Mitteln stüßen zu müssen auf Kosten der Arbeiterschaft, sei es durch direkte oder indirekte Zu mendungen an das Unternehmertum in der Landwirtschaft und der Industrie, sei es durch Notverordnungen, durch. Entwertung der Sozialversicherungen oder der Lockerung der Tarifverträge, durch Verschlechterung der Arbeitsbedingungen auf dem Wege des Schlichtungsverfahrens und der Verbindlichkeitserklärung. Daß sie sich durch ihre Notverordnungsmaßnahmen gegen die Arbeitenden und die Arbeitslosen keine Freunde erwirbt, von einer verschwindenden Minderheit abgesehen, darüber ist sie sich wohl klar. Aber offenbar sieht sie nicht, daß sie auf diesem Wege nicht weiterfommt. Das Bekenntnis des Reichsarbeitsministers Stegerwald, er habe der Arbeiterschaft starte Zumutungen machen. müssen, in Verbindung mit seiner Andeutung, daß er ihr in den nächsten Monaten noch weitere Opfer cuferlegen müffe, stieß auf die Entgegnung, die Geduld auch der organisierten und disziplinierten Arbeiterschaft halte weitere Belastungsproben nicht mehr aus. Das hart umfämpfte Problem der Belieferung der Arbeitslosen mit Naturalien streifte der Minister nur kurz. Während in dem vorbereiteten Redemanuskript von der Errichtung von Volksküchen die Rede war, begnügte sich Herr Stegerwald in seiner wirklich gehaltenen Rede damit, auf die Möglichkeit einer Zuwendung von Naturalien an die Arbeitslosen hinzuweisen mit der Begründung, daß man durch Ausscheidung des Zwischenhandels den Arbeitslosen billigere Lebensmittel zur Verfügung stellen könne. Wie die Regierung diese Absicht verwirklichen will und ob sie das überhaupt fann, steht dahin. Besonders befremdete, wie Leipart ausdrücklich feststellte, daß die Regierung zur Einführung der 40stündigen Wochenarbeitszeit bis jetzt noch feine Entschlüsse gefaßt hat. Anklage folgt auf Anflage: gegen den Abbau der Sozialpolitik, gegen den Lohnabbau, gegen die Behandlung der arbeitslosen Jugendlichen, der Heimarbeiter und der BauStraßenfämpfe in Barcelona. arbeiter, gegen die unerträgliche Belastung der Gemeinden Anarchistenstreif zusammengebrochen. Madrid, 4. September. Innenminister Maura teilte mit, daß bei einer Belagerung von Anarchisten im Gewerkschaftshaus der Bauarbeiter in Barcelona, die sich schließlich ergeben mußten, zwei Personen getötet und acht verwundet worden seien, und zwar als eine Volksmenge die Polizei angriff, die eine größere Anzahl Verhafteter abführte. Bei diesem Zusammenstoß hätten fünf Gefangene wieder entkommen können. und gegen die Art, wie heute das Arbeiterrecht von den Arbeitsbehörden und dem Reichsarbeitsgericht mißachtet wird. Dabei fam immer wieder der Wille zum Ausdruck, nicht alles geduldig hinzunehmen, sondern die Abwehr der Gewerkschaften zu verstärken. Die amtliche Motivierung erklärt, daß dieser Schritt nicht nur durch die letzten Unruhen in Ostgalizien bewirkt worden sei, sondern auch durch die Zunahme des Banditenunwesens im ganzen Lande. Unzweifelhaft ist diese Ausnahmemaßnahme auf die jüngsten Vorfälle in Oftkleinpolen, auf die Ermordung Holuwkos und die mehrfachen Ueberfälle auf Bostämter und Postwagen zurückzuführen. Der Kongreß begnügte sich jedoch keineswegs damit, die Bolen leidet mindestens ebenso wie die meisten anderen Länder unter der Krise, aber gut ist es dort auch nicht geBeschwerden und Wünsche der Arbeiterschaft laut werden zu gangen, als das anderswo noch der Fall war. In Polen laffen, er zeigte auch den Ausweg, der aus der gegentommt noch die wachsende Empörung gegen die gewärtigen Situation herausführt. Nicht nur der Wissenwalttätige Willkürherrschaft der Oberstenclique Pilsudstis und schaftler Professor Lederer, nicht nur der Praktiker, der ihres Gefolges von brutalen Faschisten und elenden Strebern Altonaer Oberbürgermeister Brauer, auch die Gemertdazu. In den Massen der Arbeiter und Bauern regt sich die Um 19 Uhr abends wurde in fast allen Stadt: schaftsführer befundeten, daß der nächste Weg auf poli Auflehnung, von den auch national unterdrückten Minder vierteln von Barcelona geschossen. Die Polizei tischem Boden zu suchen und in der Verständigung mit heitsvölkern im Osten gar nicht zu reden. Ein Mos? auer hat in den Straßen Waffen aller Art aufgesammelt, die den übrigen Ländern zu finden sei. Diesem Gedanken wurde Funkspruch der Roten Armee spricht rühmend von Meute reien in den polnischen Truppen an der russischen Grenze, und von den Anarchisten weggeworfen waren. Im übrigen besonders bei den imposanten Rundgebungen, die dem Gewenn da auch Großsprecherei das Wort führen mag, so ist hat das Streifkomitee in Barcelona die Wiederaufwerkschaftsfongreß in Frankfurt a. M. vorausgingen und doch die in furzem Abstand erfolgte hinrichtungnahme der Arbeit ab morgen angeordnet. Auch in ihn in Mainz begleiteten, in feierlicher und erhebender Weise zweier Offiziere wegen Auslieferung militärischer Ge- Saragossa ist der Ausstand beendet. Ausdrud verliehen. Der Vorsitzende des Kongresses. Genosse Brandes, konnte in seinem Schlußwort mit Stolz darauf hinweisen, daß der Frankfurter Gewerkschaftskongreß seine Beschlüsse mit seltener Einmütigkeit gefaßt hat. Er stellte fest, daß die V e r- bundenheit zwischen Partei und Gewerkschaften inniger und stärker ist denn je. Den Gegnern der Gewerkschaften konnte er das Wort Trotzkis entgegen- halten„An den deutschen Gewerkschaften rennt ihr euch den Schädel ein!" Er brandmarkte den Klassenoerrat durch Moskau am 9. August und charakterisierte treffend das Treiben der deutschen Faschisten. Der Kongreß hat gezeigt, daß die Arbeiterschaft heute nicht nur bereit, sondern auch f ä h i g ist, die Leitung der Wirtschaft und des Staates zu übernehmen, die die sogenannten Wirt- schaftsführer in eine Katastrophe gebracht haben, aus der es mit den Mitteln des kapitalistischen Systems keine Rettung gibt. Hier liegt das große positive Ergebnis der Frankfurter Tagung, die für Deutscbsand und die Welt eine Hoffnung bedeutet. Immer wieder aber in allem kam der Wille zum Aus- druck, den Angriff auf den entscheidenden Punkt zu richten ubd an die Stelle einer gedankenarmen Notverordnungs- Politik, die nur an Symptomen herumkuriert, eine Politik zu setzen, die an die Wurzel des Uebels geht, eine Politik, die aus der Wüste des Kapitalismus herausführt. Reichsiagseinberufung abgelehnt. Entscheidung des Aeltestenrats. Der Aeltestenrat des Reichstags beschäftigte sich am Freitag mit dem kommunistischen Antrag auf sofortige Einberufung des Reichstags. Während der kommunistische Abgeordnete T o r g l e r im wesentlichen den Antrag innenpolitisch begründete, meinte der deutschnationale Abgeordnete Bernd t, ein Zusammentritt sei erforderlich wegen des schmachvollen Verhaltens der Reichsregierung in G e n f. Auch müsse man von der Reichs- regierung verlangen, daß sie Mittel und Wege finde, um den Besuch der französischen Staatsmänner, der für Ende September in Aussicht genommen sei, zu verhindern. Staatssekretär P ü n d e r bat namens der Reichsregie- rung, es bei dem seinerzeit in Aussicht genommenen Termin des Zusammentritts des Reichstags am 13. Oktober zu be- lassen. Da sich für die vorzeitige Einberufung des Reichstags nur die Vertreter von 225 Abgeordneten(Kommunisten, Deutschnationale und Nationalsozialiften) ausgesprochen hatten, so gilt der Antrag als abgelehnt. Die Landvolkpartei hatte brieflich erklärt, daß sie angesichts des lediglich parteipolitischen Motiven entspringen- den Antrags auf Einberufung des Reichstags keine Veran- lassung sehe, sich an der Sitzung zu beteiligen. Die Gtahlhelm-Tftederlage. Das endgültige Ergebnis des Dolksenffcheids. Am Vormittag des 4. September wurde das endgültige Er- gebnis des Volksentscheids„Landtagsauflösung" vom 9. August dieses Jahres festgestellt. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, haben sich danach, an der Abstimmung beteiligt: 10 425/035 gleich 39,2 Proz.; davon sind gültige Stimmen: 10 132 185 gleich 38,3 Proz., ungültige Stimmen 243 450— 0,9 Proz. Von den gültigen Stimmen waren I a- S t i m m e n: 9 793 030— 36,8 Proz., Nein-Stimmen 389 155= 1,5 Proz. Den größten Prozentsatz an Ja-Stimmen stellte der Stimmkreis Merseburg mit 54,1, dicht da» hinter folgt Pommern mit 53,3, Osthannover mit 49.0, dann folgen Frankfurt a. d. O. mit 47,7, Ostpreußen mit 47,1, Schleswig-Holstein mit 47,0, Liegnitz mit 43,7, Magdeburg mit 42,1 und Erfurt mit 4l,4 Proz. der ortsanwesenden Stimmberechtigten. Den kleinsten Prozentsatz an Ja-Stimmen erbrachten die Stimmkreise Köln- Aachen mit 16,1, Koblenz-Trisr mit 25,4, Westfalen-Nord mit 26,9 und Berlin mit 30,1 Proz. Beraiu�gen des Gtraftechisausschuffes Zusammeniritt am 22. September Als einziger der großen Reichstagsausschüsse wird der Straf- rechtsausschuß im Herbst eine größere Tagung abhalten. Der Ausschuß ist jetzt für den 22. September einberufen worden, um die Strofrechtsreform, die im Frühjahr bei der Reichstagsvertagung gleichfalls abgebrochen wurde, nunmehr fortzusetzen. Zur Beratung wird zunächst der 16. Abschnitt der S tr a f r e ch t s r e f o r m ge- stellt, der gemeingefährliche Handlungen, Störungen des öffentlichen Verkehrs und andere Delikte umfaßt. Von größerer Bedeutung sind die dann folgenden Beratungen über den 17. Abschnitt, der die Tötungen betrifft und bei dem infolgedessen die Entscheidung über die Todesstrafe gefällt werden muß. Weitere wichtige Bestimmun- gen find die über den Hoch- und Landesverrat, die im Frühjahr voin Ausschuß zurückgestellt waren und bei den kommenden Aus- fchußbcratungcn noch erledigt werden müssen. Für den weiteren Fortgang der Beratungen an der Strofrechtsreform wird es eine nicht unerhebliche Rolle spielen, wie sich die Deutschnationalen und Natioimlsozialisten künftig verhalten werden. Eine Entscheidung darüber, ob diese Parteien an den Ausschußberatungen in Zukunft wieder teilnehmen werden, ist noch nicht gefällt. Dies gilt jedoch nicht als ausgeschlossen, zumal bei den bevorstehenden Beratungen wichtige Entscheidungen zu treffen sind. Der Vorsitzende des Straf- rechtsau-schufses, Geheimrat Dr. K a h l, hofft, die Ausschußberatung der Strofrechtsreform in wenigen Wochen beende-- �u können, wenn nicht unvorhergesehene Schwierigkeiten auftreten. Die Kette der Verleumdung. Eine edle Gesellschast vor Gericht. Stultgarl, 4. September.(Eigenbericht.) Eine dcutfchnationale Klatsch- und Vcrleumdergesell- s ch a s t ist wehmütig zu Kreuze gekrochen. Da? ist der Schluß- csfckt einer Verhandlung, die am Freitag vor dem Stuttgarter Schöffengericht stattfand. Im Anschluß an den Zusammenbruch der Danat-Bank und die Schließung der Banken war in Böblingen das Gerücht verbreitet worden, der dem Zentrum angehörende Staatspräsident Bolz habe rechtzeitig für sich gesorgt, in- dem er 200 000 Mark in die Schweiz verschoben und dort ein Grund- stück erworben hätte. Das ließ Bolz bcgreislicherweifc nicht auf sich sitzen, sondern stellte Strasantrag wegen übler Nachrede. Der Verlauf der Gerichtsverhandlung war für die V e r- breiter der Verleumdung, in der Mehrzahl Be- a m t e oder Pensionäre der Republik, ein Rcinfpll schlimmster Art. Die Verleumdung ging aus von dem noch jugendlichen Ober- Die Zukunft der Mandatsländer. Debatte im Völkerbundsrat. Genf, 4. September.(Eigenbericht.) Im Völkerbundsrat kam es bei dem Bericht der Mandats- kommission über die Verwaltung von Palästina, Syrien, Südwestafrika, Neu-Guinea und Nauru zu einer grundsätzlichen Aussprache darüber, ob diese INandalsgebiele zu selbständigen Staaten gemacht werden sollten. Der Bericht erwähnt, daß für solche Staaten gewisse Garantien ihrer Lebensfähigkeit und Unverletzlichkeit aufgestellt werden müßten. Italien will in dieser Frage vor allem Meistbegün- st i g u n g bei voller Gegenseitigkeit und offene Tür für alle Mächte. Südafrika als Mandatsmacht für das ehemalige Deutsch-Südwest- afrika fürchtet, daß durch solche Garantien diese neuen Staaten nicht volle Mitglieder des Völkerbundes werden könnten, während Perfien Garantien für den Schutz der Unabhängigkeit fordert durch Verteidigungsfähigkeit des Landes. Für Deutsch- land erklärte Curtius die Zustimmung zu den allgemeinen Regeln für die Selbständigkeit der Mandate, ebenso zu Italiens Verlangen nach grundsätzlicher Gleichberechtigung, offene Tür und — Schutz der Minderheiten.(!!) Diese Regeln dürften aber nicht zu unllbcrwindbaren Hindernissen für die Selbständigkeit werden. Das Ziel der baldigen Freigabe der Mandate müsse erhalten bleiben. Auch seien nicht für alle Fälle allgemeine Regeln möglich, sie müßten von Fall zu Fall entschieden werden. Schließlich gab Curtius seiner tiefen Befriedigung über die Entwicklung im Irak Ausdruck und der Hoffnung, daß der Wunsch des Jrakvolkes bald in Erfüllung gehen möge, ohne Ver- letzung der Gleichberechtigung. Lord C e c i l- England erklärte sich einverstanden mit den Regeln der Mandatskommission, der Sicherung von Privilegien und Unverletzlichkeit der Ausländer, sowie der Einhaltung wirt- schaftlicher Verträge. F l a n d i n- Frankreich erklärte es für nötig, daß die Verteidigung der Unabhängigkeit und die Erfüllung der Garantien durch Schutz der früheren vlandatsmacht aufrechterhalten werden müssen. Er unterstrich die italienischen Forderungen zur Handelspolitik und die Befriedigung Frankreichs über die Anerkennung seiner Mandatsarbcit. Marinkowitsch- Südslawien faßte als Berichterstatter alle Meinungen zusammen und erklärte sich zur Aenderung seines Berichts bereit in dem Sinne. daß die Bedingungen für die Selbständigkeit eines Mandats auf Grund der allgemeinen Richtlinien von Fall zu Fall bestimmt werden sollen. Die mit diesen Aenderungen angenommene Eni- schließung enthält die von Italien vorgeschlagenen Garantien und die Feststellung, daß dieses Garantiesystem nur Uebergangs, ch a r a k t e r bis zur völligen Eigenhoheit haben könne. Der Verzicht wird honoriert. Völkerbundsanleihe für Oesterreich. Genf. 4. September.(Eigenbericht.) Neben der Entgegennahme von Berichten über die Welt-Opium- konferenz, geistige Zusammenarbeit, Hebung der Gesundheitssürsorge auf dem Lande und Flüchtlingsfüvsorge war der wichtigste Punkt des ersten Teiles der Ratssitzung am Freitag die Finanzhilfe für Oesterreich. Oesterreichs Antrag wurde empfehlend an die Finanzkommission überwiesen, die in der kommenden Woche die Durchführung der als sicher geltenden V ö l k e rch u n d s a n l e i h e beraten wird. Das Diktat von St. Germain hat Deulfchösterreich zu einem Staat gemacht, der aus eigener Kraft nicht leben kann. Da man diesen Staat zwingt,„unabhängig" zu bleiben, in- dem man seinem deutschen Volk den Anschluß an das größere Deutschland verwehrt, muß man dauernd Geld hineinpumpen. Manchmal wird die fällige Anleihe an eine neue Unter- werfungserklärung dieses„unabhängigen" Staates geknüpft. So auch diesmal durch die Er— mutigung zu dem Verzicht auf die Zollunion. Schober hat, da man auch seinen Rück- tritt wegen seiner Anschlußtreue fordert, Journalisten er- klärt, sein Abschiedsgesuch liege in Wien vor; man brauche es nur zu erledigen, wenn man seinen Rücktritt wünsche. post kesturn. Einige hundert Exemplare des Haoger Gutachtens über die staatsrechtliche Zuläffigkeit einer österreichijch-reichsdeutfchen Zoll- union find unterwegs nach Genf. Teil I im Flugzeug, Teil II im Zug über Paris. s e k r c t ä r am Stuttgarter Wohnungsamt, Guckelberger, der von einem unbekannt gebliebenen Dritten, der wiederum mit einem Bankbeamten befreundet sein und es daher ganz gewiß de- haupten zu können glaubte, zuerst von der Sache erfahren hatte. Er sagte es dann weiter zu einem gewissen Otto Ebert in Stutt- gart. Dieser gab es an den Generalmajor a. D. Klein, der es brühwarm dem M a j o r a. D. Talmer in Böblingen, dem Leiter der dortigen Fliegerschule und desFlughafens weitererzählt und zwar mit dem ausdrücklichen Bemerken, ein Zeuge würde dafür einstehen und man dürfe davon Gebrauch machen. Das tat Talmer auch, und er erzählte es einem P r i v a t g e- lehrten Dr. Karl Wanner. dieser wiederum, dem/ Regie- rungsb aume.ister Karl Haas und. nun wußte man es binnen 24 Stunden an. allen Wirtstischen Böblingens. Stuttgarts usw. Die Beweisaufnahme ergab, daß an dem Gerücht kein wahres Wort war. Die genannten Angeklagten waren daher überaus kleinlaut, stammelten etwas davon, daß es nur„Unter- haltungsgefpräche" gewesen seien und daß sie selbst gar nicht an das geglaubt hätten, was sie aber doch so eilfertig weiterverbreitet haben. Das Ergebnis war, daß sie sich sämtlich zur Unter- Zeichnung eines vom Staatspräsidenten Bolz aufgesetzten glatten Widerrufs ihrer Behauptungen bcreiterklärten, der auf ihre Kosten in einer großen Anzahl von Blättern veröffentlicht werden soll, eine Buße von 1000 Mark für wohltätige Zwecke zahlen und daß sie die Kosten des Verfahrens übernehmen. Darauf- hin wurde der Strafantrag zurückgenommen und das Verfahren eingestellt._ Landraie gegen Regierung. Die Konsequenzen ihrer polittfchen Haltung. Liegnih. 4. September.(Eigenbericht.) Der langjährige Landrot des Kreises. Liegnitz, Ott, ist auf An- Weisung der preußischen Regierung soeben zur Disposition gestellt worden. Als Grund dieser Maßnahme verlautet seine Teilnahme am Volksentscheid. Für ihn wurde Re- gierungsrat Dr. Krause vom preußischen Innenminister zum kom- missarischcn Verwalter des Landratsamtes Liegnitz bestellt. Im Zusammenhang damit ist interessant, festzustellen, daß neben Landrat Ott auch der Oberbürgermeister von Liegnitz, der der Deutschen Volkepartei angehört, am Voltsentscheid teil- genommen hat. Ebenso wie O t t sind auch Landrat von Goßler in Nau- gard und der deutschnationale Landrat von S a l i s ch in Schweid- nitz vom Amt entfernt worden, weil sie den Hctzentschcid gegen die preußische Regierung mitmachten. Von und zu— auf und davon! Oer Äaron als kommunistischer Wanderredner. Halle, 4. September.(Eigenbericht.) Von Tag zu Tag wird unverkennbarer, daß die KPD. und die NSDAP, kaum mehr zu unterscheiden sind; wird immer offen- sichtlicher, daß beide Parteien dieselben Ziele vcrsölgcn, nämlich die Vernichtung der deutschen Republik. Je nach der augenblicklich herrschenden Ansicht, welche von diesen beiden„Arbeiterparteien" dabei schneller zum Ziele kommt, wechseln ihre Mitglieder hin- über und herüber. Und bei jedem dieser Uebertritte wird die Reklametrommel gar gewaltig geschlagen und mit großem Pathos verkündet, daß wieder einer den richtigen Weg gefunden habe zu der einzigen Partei. Augenblicklich troinmelt die KPD. gewaltig mit einem derartigen, man kann wohl sagen, berufsmäßigen Uebertreter. Reichswehroffiziere und einfache„Von's" genügten den Moskowitern jetzt nicht mehr. Die neueste Erwerbung war ein Baron von Frankenberg und Proschwitz. Dieser Sowjet-Baron war von den Nazis zu den Kommunisten übergetreten und war das Paradepferd der Versammlungen in Stadt und Land. Jedes kleine Dörfchen bekam die Ehre des Besuches des Genossen Baron von und zu, auf und davon. Denn inzwischen ist er auch wieder auf und davon Als er in Halle in einer Versammlung der KPD. über„M e i n Weg von der NSDAP, zur KP D." reden sollte, stellte sich auf einmal heraus, daß der Renommierbaron schon wieder Nazi geworden war. In einer Erklärung, die er in der Versammlung dann abgab, gab er als Grund seiner Rückkehr zur NSDAP, an, daß die kommunistischen Anhänger sich in einem Irrtum befanden, wenn sie glaubten, eine Besserung in der Lage des Proletariats könne die KPD. herbeiführen. Die Massen der kommunistischen Anhänger seien allein, auch in den Augen der Führer, nur die Werkzeuge, mit denen die Führer der KPD. auf Geheiß von Moskau das Ehaos herbeiführen. Mit dem schaffenden Arbeiter triebe die KPD.-Führung Schindluder, seine Arbells- grofchen benutze sie, um ehrgeizigen Wünschen Rechnung zu tragen. Woraus zu ersehen ist. wie wenig sich die beiden Parteien des „großen Maules" voneinander unterscheiden. In Sachen Alsberg... Eingreifm des Justizministeriums. Zu d«n im Zusammenhang mit einem Zivilprozeß erhobenen Borwürfen gegen die Verteidiger von Hugo Stinues jr, wird mitgeteilt, daß das Justizministerium sofort nach Be- kanntwerden der Angriffe die Akten dieses Falles, also des Pro- zesses der Frau des Rechtsanwalts Glade gegen die Rechtsanwälte Dr. Alsberg, Gollnick und öamwer(Altona), sowie gegen Stinnes jr. eingefordert hat, um den Dingen, die behauptet wurden, auf den Grund zu gehen. Die Akten befanden sich noch beim Landgericht II Berlin, dessen zuständige Kammer noch mit der Ausarbeitung der. schriftlichen Urteilsgründe für die Abweisung der Klage, soweit sie gegen Professor Dr. Alsberg sich richtete, beschäftigt war. Bezüglich der übrigen drei Beklagten war die Abgabe de? Sache an die für diese zuständigen Gerichte, das Landgericht III Berlin, sowie die Gerichte in Altona und Mülheim(Ruhr), bisher noch nicht erfolgt, so daß die Ankündigung, daß bereits am 9. September gegen Rechtsanwalt Gollnick Termin vor dem Land- gericht III anstehe, nicht zutreffen würde. Bei den Justizbehörden bemüht man sich, Landgerichtsdirektor Arndt in seinem Urlaub zu erreichen, um von ihm entweder schrift- lich oder mündlich eine Stellungnahme zu den in der Ziollklage be- haupteten Dingen zu erhalten. Dabei muß erireut darauf verwiesen werden, daß der Name des Vorsitzenden im Stinnes-Prozeß erster Instanz weder in der Klage vorkommt, noch in der Verhandlung vor dem Landgericht II erwähnt worden ist. Es dürste aber kein Zweifel daran bestehen, daß sich der angebliche Austrag zum„Aushorchen", den Frau Glade erhalten haben will, sich a u ch auf den Vorsitzenden der Verhandlung bezogen haben soll. Die von anderer Seite aufgestellte Behauptung, daß dieser Zivilprozeß bei Gericht verheimlicht worden sei, wird von zuständiger Stelle bestritten. Da es sich um eine Klage gegen Anwälte handelte, sei die Anwaltskannner, wie üblich, informiert worden. Straßenraub als politisches Mittel. Die neueste Praxis der KPO. Hamburg, 4. September.(Eigenbericht.) In einem dicht bevölkerten Stadtteil Homburgs wurde am Freitagnachmittag ein Transportauto des„Hamburger Anzeiger s", einer demokratischen Zeitung, von K o in in u- nisten angehalten. Die Kommunisten raubten das Auto in wenigen Minuten aus und warfen die Zeitungen in einen nahe gelegenen Kanal. Dieser Ucbersall gehört zur Wahlkainpspraxis der Hamburger KPD., von der bis zu den Hamburger Bürgerschafts- wählen am 27. September noch einiges zu erwarten sein wind. Tlachrichi vom„Nautilus" T r o m s ö. 4. September. wie der EZclicrdicnst für Vordnorwecen mitteilt, gelang es heule abend um 11 Uhr mit dem Unterseeboot„Nautilus" in Verbindung zu kommen. Da» U-Boot funkte, daß an Bord alles wohl fei. Nr. 415 48. Jahrgang 2 1. Beilage des Vorwärts Schulen in höchster Gefahr Man plant Verzweiflungsmaßnahmen.- Massenentlassungen von Lehrern? Die fatastrophale finanzielle Lage der Reichshauptstadt| höheren Schulwesens plant der Magistrat eine Aufhebung der von und der Wille, troh aller Schwierigkeiten die Zahlungsfähig- der sozialdemokratischen Fraktion eingeführten sozialen feit Berlins aufrechtzuerhalten, hat den Magiftrat gezwungen, Schulgeldordnung. Die Anwendung der preußischen Bestimmungen rigorose Sparmaßnahmen zu beschließen, deren Aus- bedeutet eine wesentliche Kürzung der Ermäßigungen und Bewirkungen noch nicht abzusehen sind. Besonders stark ist die freiungen vom Schulgeld. Bisher wurde von dem Schulgeldsoll nur Schule gefährdet. Hier scheinen einige Beschlüsse und Pläne ungefähr 50 Proz. aufgebracht, und bei einer Reduzierung des Zuüber das Maß des Erträglichen hinauszugehen. Immer schusses auf 20 Proz. wieder muß zu den getroffenen und noch zu treffenden Maßnahmen der Stadtverwaltung gejagt werden, daß Berlin wie alle anderen deutschen Städte unter dem drückenden 3 wang einer ins Ungeheuerliche angewachsenen Not handelt. Die Verantwortung für diese Entwicklung liegt bei der Reichsregierung, die den Gemeinden endlich rasche und ausreichende Hilfe gewähren muß. Die katastrophe erscheint sonst unvermeidlich. Die in einem Teil der Abendpresse verbreiteten Meldungen über einen weiteren fatastrophalen Abbau im Schulwesen auf Grund einer preußischen Notverordnung lassen sich auf ihren Inhalt erst einer preußischen Notverordnung lassen sich auf ihren Inhalt erst dann prüfen, wenn die Notverordnungen bekanntgegeben werden. Damit ist aber vor Anfang nächster Woche nicht zu rechnen. Inwieweit die Beschlüsse des preußischen Kabinetts die Städte, insonderheit die Stadt Berlin zwingen, über die von ihr beschlossenen Sparmaßnahmen hinauszugehen, wird erst nach der Veröffentlichung zu beurteilen sein. Auf Grund der Beschlüsse des Deutschen Städte tages hat der Magistrat bereits am vorigen Mittwoch sich zu ei. schneidenden Maßnahmen gezwungen gesehen. Bereits vor den Sommerferien waren Beschlüsse festgelegt, die in ihren Auswir fungen eine Entlassung von Hilfskräften bei den Volksschulen von 220 Lehrern und bei den höheren Schulen von 160 Lehrkräften vorsahen. Die Entlassungen stellen sich dar als eine Auswirkung der vom Staate angeordneten Erhöhung der Pflichtstundenordnung, die bis zum 1. Oktober eingeführt werden muß. Bei den Fach und Berufsschulen wird keine Aenderung der Pflichtſtunden eintreten, aber die Verminderung der Schülerzahl von 84 000 auf 71 000 bedeutet ein Ueberflüffigwerden von rund 170 Lehrkräften. Die neuen Sparmaßnahmen bedeuten zunächst eine Einschränkung der sächlichen Ausgaben für Heizung, Beleuchtung, Reinigung, Lehr- und Lernmittel in einem Ausmaße von ungefähr 10 Prozent. Wesentliche Ersparnisse lassen sich aber nur durch eine Kürzung des Personaletats erreichen, da der gesamte Schuletat zu 4 Personalkosten enthält. Die einfachste Lösung schien gegeben durch eine Erhöhung der Klassenfrequenz, die in Berlin nur 35,2 beträgt. Berlin stand mit dieser niederen Klaffenfrequenz unter allen Großstädten Preußens bei weitem am günstigsten da. Jede Erhöhung der Frequenz um eine Einheit bedeutet aber eine Entlaffung von rund 300 Lehrkräften. Es ist deshalb verständlich, daß man hier nur ganz allmählich vorgehen ta fann und zunächst nur denkt an das Einziehen schwacher Klassen und Zusammenlegen oder Auflösen kleinerer Schulen. In welchem Umfange hierdurch bei den Volksschulen und bei den höheren Schulen Lehrkräfte frei werden, wird in diesen Tagen geprüft. Eine wesentliche Ersparnis soll erreicht werden durch das Einziehen einer großen Zahl überflüssiger Volksschullehrerſtellen, wodurch die Beiträge für die Landesschulfassen gespart werden. Mit der Auflösung schwacher Schulen wird außerdem die Möglichkeit der Unterbringung von Berufsschulen bezweckt, welche zur Zeit in Mietshäusern untergebracht sind. Es wird erstrebt, zum 1. April alle Mietsgebäude abzustoßen und dadurch eine Ersparnis von rund 4 Million Mark zu erzielen. Auf dem Gebiete des WENN DERKURSFAL 22] ROMAN VON Foly Scherret würden zwangsläufig viele Arbeiterkinder, deren Eltern nicht in der Lage find, das Schulgeld aufzubringen, die höhere Schule verlassen müssen. Eine Erleichterung soll dadurch bewirkt werden, daß man in den oberen Klassen milde vorgehen will. Die Schüler sollen bis zum Abschluß für die mittlere Reife oder bis zur Reifeprüfung noch in der Schule belassen werden. Die Reduzierung des Zuschusses auf 20 Proz. wird nicht für alle Schulen und alle Bezirke schematisch geplant, sondern man wird sich nach dem Umfang der bisher gefür die Aufbauschulen, deren Existenz gefährdet wäre, eine währten Freistellen richten. Außerdem ist in Aussicht genommen, Sonderregelung zu treffen. Am schwersten betroffen werden natürlich die noch nicht festangestellten Lehrer. zugleich bedeuten aber diese Sparmaßnahmen eine Gefährdung digen Kräfte, die auf Grund jahrelanger Ausbildung mo= der Schularbeit insofern, als gerade die aktiven leben dernen Unterricht erteilen, der Schule entzogen werden. Das gilt für die Volksschulen wie für die höheren Schulen. Eine Entlassung einer großen Zahl von Hilfslehrkräften an den weltlichen Schulen würde deren Bestand gefährden. Schulen, die eine völlig andere weltanschauliche Auffassung haben, Es wäre für diese Schulen unerträglich, Lehrer von anderen übernehmen zu müssen. Es läßt sich noch nicht übersehen, ob im Rahmen der kommenden Notverordnung die Stadt eine Regelung wird treffen können, die darauf hinausläuft, einen großen Teil der jüngeren Lehrkräfte der Schule zu erhalten. Wir würden es für viel zweckmäßiger ansehen, wenn ültete oder nicht besonders leistungsfähige Lehrer in den vorzeitigen Ruhestand versezt würden. Ueberhaupt soll bei allen geplanten Maßnahmen nicht vergessen werden, daß Sparsamkeit auf Kosten der kommenden Generation die allergefährlichste Form der Sparsamkeit ist. Flugblätter darf man klauen! Das Schnellschöffengericht erlaubt es ausdrücklich.. Ein bedenkliches Urteil fällte soeben das Berliner Schnell2fchöffengericht. Die Frage, unter welchen Baragraph des Strafgesetzbuches oder anderer Gesezvorschriften das Wegreißen von Flugblättern fatle, be= schäftigte das Schnellschöffengericht. Am Tage vor dem Bolksent: scheid hatte ein Arbeitsloser in der Gozkowskystraße einem Zeitungshändler, der Flugblätter des Vorwärts" verteilte, das ganze Paket Zeitungen weggenommen. Er war daher von der Staatsanwaltschaft wegen Nötigung angeklagt. Das Schnellschöffen gericht sprach aber den Angeklagten nach kurzer Berhandlung frei, da das Wegreißen von Flugblättern weder den Tatbestand der Nötigung, noch den des Diebstahls oder eines sonstigen Paragraphen erfülle. Die Erlaubnis, die mit diesem Urteil das Gericht allen politischen Sommersprossen übersäte Gesicht faum mit dem Grün des Anzugs. Herr Endrukat verbeugt sich schwerfällig und flappernd eckig, wie es ehemalige Offiziere tun. King be= achtet er nicht, und im Köpfchen der Dogge erblüht die Ahnung, daß mit dieser Erscheinung schlecht Kirschen zu essen ist. Besser, man zieht sich in eine stille Ecke zurück und beobachtet messerscharf. Die Zeiten sind schlecht, sogar verzweifelt und hoffnungslos. James weiß dies auch ohne Herrn Endrukat, der langJames sitzt hinter dem großen Schreibtisch im Privatsam an den Worten faut. Nur soll sich dieser Herr aus büro und grübelt. Gestern abend meldete Berlin alarmierend, ländlicher Weltabgeschiedenheit nicht in der falschen Vorstellung die Notierungen schwankten, und heute ist noch kein Kurs auf bewegen, der Landwirtschaft allein ginge es traurig, und sie zutreiben. Mit dem schön geschärften Kopierstift fährt James bilde das beklagenswerte Opfer einer verfehlten Politi. auf der Schreibtischplatte herum. Die Stifte müssen gespitzt Schließlich bleiben die Schutzölle die sichere Mauer, hinter sein; Vilma besorgt persönlich diese Arbeit. Wenn sich der der allerlei Geschäfte abgeschlossen werden können. Kurs nicht bessert und die Börse noch immer unvernünftig Eine Pause dehnt sich unangemessen in die Länge. Herr bleibt, ist Geld verloren, sehr viel Geld verloren, Geld, mit Endrukat ist mit der Einleitung fertig. Die miese Lage steht dem Getreide aufgekauft werden sollte, schönes Geld, das un- fest umrissen da, an ihr ist nichts zu rütteln, aber damit kann angetastet auf dem Geschäftskonto stehen könnte. Aber jetzt feinem gedient sein. Von dem schwarzen Hintergrund soll sich heißt es: durchhalten. James streichelt Kings Kopf. Warum nun das persönliche Unglück abheben, das absolut unverdiese Aufregung? Man soll nicht Aktien kaufen, wenn das schuldete Unglück. Man ist tüchtig und sigt trotzdem ständig Talent zum Spekulieren schwach entwickelt ist. Noch vor zwei in Schwulitäten. Schauderhaft! Der Vater und der Großin Schwulitäten. Schauderhaft! Der Vater und der Groß Tagen wäre er aus der Affäre heil und gesund herausge- pater gaben das Beispiel. Aber darüber schweigt man. James fommen, fogar sehr gesund und mit einem Gewinn von hört faum hin. Jetzt müssen die ersten Kurse da sein, und 50 000 Mart nach Abzug aller Spesen und Provisionen. Der Berlin wird sich auch schon gerührt haben. Während Herr Gewinn schien jedoch zu niedrig. Und heute...? Endrutat in ländlicher Verbissenheit vor sich hinbrütet, läßt sich James mit dem Schreibmaschinenzimmer verbinden, wo Bilma Briefe diftiert. King fnurrt. Es klingt wie ein dumpfes, unterirdisches Grollen. Fräulein Hinzelmann ist eingetreten. Borsichtigerweise bleibt sie an der Tür stehen. Man kennt nie die Gedanken eines Hundes und soll dem Chef nicht unnötig Aergernis bereiten. Herr Endrukat aus Grobsand möchte Sie sprechen, Herr Silvester!" James blickt auf. Eben berechnete er die Profitmöglichfeiten, die allerdings nicht besonders aussichtsreich sind. „ Endrutat...?" .?" Er muß erst eine Weile überlegen. Dann fällt ihm ein, daß er von Endrutat im vorigen Jahre Roggen gekauft hat. Grobfand heißt die Besitzung, fie muß da oben bei Insterburg liegen. Was will der Mensch von ihm? Noch ist nicht die Zeit, Abschlüsse auf Ernten zu tätigen. Herr Endrufat ist ein breiter, riesenhafter Mann, fast einen Kopf größer als James, der sich ebenfalls nicht zu den Kleinsten zählt. Der modern gearbeitete Saffoanzug will zu der Figur nicht passen, die gebieterisch nach Joppe und Schaft Stiefeln verlangt. Außerdem harmoniert das rote, mit ,, Fräulein Rosolf, erkundigen Sie sich bitte nach den neuesten Notierungen", James mag nicht selbst anrufen. Er fürchtet sich vor katastrophalen Mitteilungen, die das seelische Gleichgewicht erschüttern, und Vilma versteht es, Hiobsbotschaften mit einem versöhnenden Lächeln zu servieren, sie gewiffermaßen der tödlichen Schärfe zu entkleiden. Sonnabend, 5. September 1931 Banditen erteilt, über einen Gegner herzufallen und ihm seine Flugblätter, die doch auch einen bestimmten Wert darstellen, ungestraft zu entreißen, wird sich jenes Gefichter nicht zweimal erteilen laffen. Stralauer Straße 30 frei. Aber die Stadt wirft den Nazis Geld hinterher. In der für die Stadtverwaltung so peinlichen Frage der Vermietung des städtischen Hauses in der Stralauer Straße 30 an die Nationalsozialisten, die hier eine Zentrale für ihre S2.- Mordkolonnen schaffen wollten, ist es zu einer„ gütlichen" Einigung getommen. Die Nazis müssen nunmehr das Haus sofort verlassen. Aber sie haben sich diese großherzige Tat von der Stadt Berlin gut bezahlen lassen. Der von der Nordfüdbahn A.-G. mit dem Beauftragten der Nationalsozialisten abgeschloffene Mietvertrag, für dessen Abschluß in erster Linie Herr Direktor Bousset verantwortlich ist, fah vor, daß eine Kündigung nur möglich ist, wenn das Haus abgerissen oder von einer städtischen Dienststelle bezogen wird. Die Rechtslage war also für die Stadt Berlin äußerst schwierig und ungünstig. Da alle Verfuche, zu einer Vertragskündigung zu kommen, gefcheitert waren, hat man sich im Rathaus geAbstand zu zahlen, um fo die läftigen Mieter loszuwerden. Es zwungen gesehen, den Nationalsozialisten eine erhebliche Summe als war gestern abend nicht in Erfahrung zu bringen, wie hoch die Summe ist, über die die Nazis lachend quitfieren können. Wir verlangen, daß die Stadtverwaltung die Höhe des Betrages umgehend der Deffentlichkeit bekannt gibt, denn die Berliner Steuerzahler haben ein Recht darauf, wenigstens zu erfahren, was das Husarenstückchen des Herrn Bouffet der Stadtgemeinde gekostet hat. Ausbeuter der Allerärmsten. Gericht geht scharf gegen die Glücksspieler vor. Bor dem Schnellgericht hatte sich wieder einmal ein gewerbsmäßiger Glücksspieler, der Händler Glasemann, zu verantworten, der im Friedrichshain sein Unwesen getrieben hat. In Berfolg der Berhandlung kam das Gericht zu dem erfreulichen Entschluß, energisch und mit strengen Strafen vorzugehen. Razzia bei der Schlesischen Lotterie", die er als Bankhalter leitete, Der Angeklagte war am vergangenen Mittwoch gelegentlich einer " von der Polizei überrascht und festgenommen worden. Er bestritt zwar, selbst gespielt zu haben, konnte aber durch die betreffenden Polizeibeamten überführt werden. Mit dem Staatsanwalt stellte sich das Gericht auf den Standpunkt, daß die bisher gegen Glücksspieler im Friedrichshain verhängten Gefängnisstrafen von drei bis vier Wochen noch nicht abschreckend genug gewirkt hätten. Man müsse deshalb noch höhere Gefängnisstrafen ansehen, um dieser Landplage, die besonders die Aermsten der Armen um ihre letzten Pfennige brächte, energisch zu Leibe zu gehen. Der Staatsanwalt gab dem Gericht ein erschütterndes Bild von der Notlage, in die viele Familien dadurch gestürzt würden, daß die erwerbslosen Väter von den gewissenlosen Bankhaltern zu einem Glücksspiel verleitet und dann um ihr lehtes Geld betrogen würden. Im Polizeipräsidium träfen täglich Briefe mit der Bitte ein, energisch einzugreifen, und auch Frauen würden persönlich mit ihren Kindern vorstellig, endlich den Glücksspielen in der dortigen Gegend ein Ende zu bereiten. Der Staatsanwalt beantragte aus diesem Grunde eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten und 100 Mark Geldstrafe. Das Gericht erkannte auf fünf Monate Gefängnis und erließ gegen den Angeklagten sofort Haftbefehl. „ Graf Zeppelin" wieder über dem Ozean. Das Luftschiff ,, Graf Zeppelin" paffierte um 13.25 Uhr ME3. die brasilianische Insel Fernando de Noronha. schinen waren zu erneuern und im Vorwerk ließ ich bauen." Er unterbricht sich und sieht den Geldmann mit fragenden Kinderaugen groß an. Ich möchte Ihnen heute schon die Ernte verkaufen." Gott sei Dant, die Geburt ist geglückt. ,, Die Ernte auf den Halmen", murmelte James. Das machen sie alle, wenn sie kein Geld haben, und wenn sie Geld haben, muß man sie dazu bringen. Der hochselige Eduard Silvester fuhr noch im Lande herum, kneipte mit den Bauern und Besizern, bis er sie unter den Tisch gesoffen hatte, dann machte er seine Abschlüsse, und das waren Abschlüsse, die sich gewaschen hatten, die sich vor Gott und den Menschen sehen lassen fonnten. lassen konnten. ,, Leider bin ich im Moment knapp." Die verdammten Aktien, schließt James in Gedanken. Das Telephon schrillt. ,, Noch kein fester Kurs da? Schön! Danke." James legt mißgelaunt den Hörer ab. Ja, es wird kaum etwas zu machen sein. Nehmen Sie doch eine Hypothek auf." ,, Eine Hypothet?!" Herr Endrukat lacht heiser und schlägt mit der flachen Hand auf den Tisch, so daß King, aus leichtem Schlummer erwacht, energisch zu knurren beginnt. ,, Als ob ich nicht genug Hypotheken aufgepackt habe, Nee, nee, noch eine Hypothef und alles bricht zusammen!" Da bin ich besser dran, denkt James. Mein Haus ist unbelastet. Hätte ich mich nicht in diese Aktiengeschichte eingelassen, dann könnte ich ruhig schlafen und das Leben genießen. Weiß der Himmel, warum fein Kurs bisher aufzutreiben ist. Die Börse hat zu jeder Zeit zu notieren. Weshalb ist sie sonst überhaupt vorhanden! Die Preise sind schlecht, Herr Endrukat, sehr schlecht, und sie werden zum Herbst bei dem starken Angebot noch schlechter sein. Ich weiß wirklich nicht, was ich mit Ihnen anfangen soll. Entschuldigen Sie einen Moment." James rechnet auf einem großen Schreibblock. Es geht nicht an, untätig dazusißen, die Hände im Schoß zu falten Herr Endrukat sieht ein, daß etwas geschehen muß. Er und nur immer zu hoffen, Westfohle möge sich endlich zu fann nicht stundenlang schweigend wie eine ostpreußische einer anständigen bürgerlichen Haltung auf der Börse entSphing dasigen und darauf warten, bis sein Gegenüber end- schließen. Man muß sich dazwischen auch zu einem Entschluß lich den Mund zu einer neugierigen Frage öffnet. James aufraffen und die laufenden Geschäfte abwickeln oder neue Silvester scheint überhaupt nicht daran zu denken. Er beeinfädeln. Hätte er doch Manfreds Angebot akzeptiert. schäftigt sich augenblicklich mit anderen Dingen. Seine Augen Schließlich ist es gleichgültig, mo Manfreds Geld arbeitet träumen von irgendwelchen Transaktionen. und wessen Geld in seinem Geschäft stedt. Harry schießt in das Zimmer. ,, Verzeihung, ich will dir nur sagen, James, daß aus Riga die Zahlung eingegangen ist." ( Fortsetzung folgt.) ,, Herr Silvester" ein leichter Alkoholdunst verbreitet sich im 3immer. Benn man nach langer Zeit wieder einmal in die Provinzialhauptstadt kommt, muß diese Feier gebührend begossen werden. Ich brauche Geld. Ein paar Ma Hilfe für U- Boot Nautilus. Moskau und Oslo bereiten alles vor. Moskau über Kawno, 4. September. Rätsel im Falle Strecker. Wo hielt sich der Schriftsteller vor der Brandnacht auf? Die Brandstiftung in Klein- Machnow gibt der Kriminalpolizei| erste Behauptung, er habe sich in der fraglichen Zeit auf einer haltungen des Untersuchungsrichters Der Versuch der ruffischen Funkstationen, durch Kurzwellen mit Wilkins U- Boot„ Nautilus" in Berbindung zu kommen, ist ergebnislos verlaufen. Die Bermutung, daß sich der„ Nautilus" in der Nähe der Bäreninseln befindet, hat sich bis jetzt nicht bestätigt.| noch verschiedene Rätsel auf. Obgleich das gesamte bisherige Aften-| Wanderung befunden, hat Strecker widerrufen. Auf die Vora Sollte ein Antrag auf Reffung der„ Nautilus"-Expedition von inter- material der Staatsanwaltschaft in Potsdam übermittelt worden ist, effierter Seite erfolgen, dann will die Sowjetzegierung den Eis- geht die friminalpolizeiliche Untersuchung mit aller Energie weiter. brecher„ Krajsin" mit dem Flieger Tichuchnowifi entsenden, der sich vor allen Dingen will die Polizei auf die Spur des gebekanntlich seinerzeit erfolgreich an der Rettung der„ Italia"-Mann- heimnisvollen Helfershelfers fommen, denn schon jetzt fchaft beteiligt hat. greid, and scheint mit ziemlicher Sicherheit festzustehen, daß Dr. Karl Streder nur der geistige Urheber des Verbrechens ist, die Tat selbst aber von dem noch unbekannten komplicen ausgeführt worden ist. Norwegen will, wie aus Oslo gemeldet wird, alles unternehmen, um den„ Nautilus" zu finden. Die norwegische Regierung bereitet augenblicklich Maßnahmen vor, die getroffen werden müssen, um schnellstens eine Hilfsexpedition ausrüffen zu können. In Sachverständigenkreisen hegt man jetzt keinen Zweifel mehr, daß dem „ Nautilus" ein ernffes Unglück zugestoßen sein muß. Der Arttisforscher, Kapitän Riifer Larsen, erklärte gestern abend in Bergen nach einer Konferenz mit anderen Sachverständigen, daß man über die augenblickliche Lage beraten und auch die Borbereitungen für eine eventuelle Hilfsexpedition besprochen habe. Wegen der vorgerückten Jahreszeit müßten alle Vorbereitungen getroffen sein. Gleichwohl betonte Larsen, daß nach seiner Ansicht noch kein Grund zu ernster Besorgnis vorliege. Unmittelbar darauf wurde Larsen beauftragt, sich mit einem Wasserflugzeug in die Gegend nördlich von Bergen zu begeben, um mit dem Robbenfänger Frithjof Nansen" gemeinsam an den Nachforschungen nach dem Unterseeboot Nautilus" zu arbeiten. Larsen soll noch von einem zweiten Wasserflugzeug begleitet werden. Wie bereits berichtet, hat ein Mann mehrere Tage vor dem Brande in einem Feuerwerkskörpergeschäft in der Wallstraße in Berlin Grün pulver gekauft. Dieses Grünpulver wird gewöhnlich zu Feuerwerkszwecken verwendet. Es kann zwar teine Explosion verursachen, trägt aber wesentlich dazu bei, daß mitangehäufte Materialien schneller aufflammen. Die Tüten, in denen das Bulver gekauft war, wurden noch in der Villa in Klein- Machnow gefunden. Obgleich die Adresse des Geschäftes auf den Tüten aus gefragt war, gelang es der Polizei, die Firma zu ermitteln. In dem Geschäft sind mehrere Verkäuferinnen tätig, die sich jedoch auf den Käufer des Pulvers mit Bestimmtheit nicht erinnern können. Im Verlauf der gestrigen Vernehmung des Beschuldigten durch Amtsgerichtsrat Dr. E dartsberg, die nach dreistündigem Berhör mit der Herausgabe des Haftbefehls gegen Strecker endete, sind noch verschiedene Dinge ungeklärt geblieben. Für die Brandnacht selbst fonnte Strecker ein einwandfreies Alibi beibringen, anders Deutsches Motorschiff gestrandet erhält es sich aber für die Zeit in der vorangegangenen Nacht. Die Daffagiere geborgen. Mannschaft bleibt auf dem Schiff. Hamburg, 4. September. Das Motorschiff„ Burgenland" der Hamburg- Amerifa- Linie ist am Freitagmorgen auf seiner Ostasienfahrt in der Nähe von Pofuja( Korea- Archipel) auf einen Felfen aufgelaufen. Auf seine drahtlos ausgesandten Hilferufe find mehrere Schiffe an die Unfallstelle abgegangen. Die Fahrgäste des Schiffes find inzwischen von dem japanischen Dampfer„ Baifal Maru" übernommen worden und befinden sich auf dem Wege nach Moji( Japan). Die Mannschaft ist an Bord geblieben. Anscheinend besteht für das Schiff feine unmittelbare Gefahr. Nähere Einzelheiten liegen bei der Hapag noch nicht vor. Das Motorschiff Burgenland" ist 7000 Bruttoregistertonnen groß und im Ostasienverkehr beschäftigt. Es befindet sich auf der Fahrt von Tsingtau nach Nagoya. Die Strandungsstelle befindet fich auf 34,04 Grad nördlicher Breite und 126,1 Grad östlicher Länge. Ueberfall auf einen Geldbriefträger vereitelt. Mutmaßlicher Täter auf der Flucht erschossen. Hannover, 4. September. In letzter Zeit wurden beim Postamt Linden mehrfach Postanweisungen über ganz geringe Beträge aufgegeben, doch waren die angeblichen Empfänger niemals zu er mitteln. Da der Verdacht bestand, daß die Geldbriefträger in eine Falle gelockt und beraubt werden sollten, wurde ein Geldbriefträger von Kriminal- und Postbeamten unauffällig begleitet. In der Nähe des Hauses, in dem die Zustellung erfolgen sollte, wurde ein Mann beobachtet, der verdächtig erschien und deshalb zur nächsten Polizeimache gebracht werden sollte. Auf dem Wege dorthin flüchtete er. Da er trotz mehrmaligen Anrufes nicht stehen blieb, machte ein Kriminalbeamter schließlich von der Schußmaffe Gebrauch. Der zweite Schuß streckte den Flüchtenden tot zu Boden. Kurz vorher warf der Mann ein in Papier gewickeltes, etwa 40 Zentimeter langes Bleirohr, das an einem Ende mit einem Bleiring versehen war, von sich. Offenbar war die Waffe für den Raubüberfall auf den Geldbriefträger bestimmt. Nach den bisherigen Feststellungen ist der Getötete ein in Linden wohnender gemisser Kuchta, auch der Schreiber der fraglichen Bostanweisungen. Rhein- Mosel- Fahrt wird durchgeführt. Wie die Reichsbahndirektion Berlin mitteilt, findet die für die Zeit vom 6. bis 13. September angekündigte RheinMosel Fahrt bestimmt statt. Die Kosten für die äußerst preiswerte Reise, die von Köln nach Mainz und die Mosel hinauf bis Trier führt, betragen einschließlich Eisenbahn- und Dampferfoften nur 96 M art bzw. 111,10 Mart bei Eisenbahnfahrt zweiter Klaffe. Die Fahrkartenausgabe des Bahnhofes Friedrichstraße und die bekannten Reisebüros nehmen noch Anmeldungen zu dieser Fahrt entgegen. Am 12. bis 14. September veranstaltet die Reichsbahndirektion Berlin eine billige Wochenendfahrt nach Hamburg- helgo I and. Die Fahrt Berlin- Hamburg und zurück fostet ein= schließlich Abendessen und lebernachtung in Hamburg nur Achtung, Parteigenoffen! Die KPD. hat wiederholt auf Plakaten für öffentliche Bersammlungen die Berliner Partei, insbesondere den Genoffen Künstler eingeladen. Der Bezirksvorstand wird der Einladung der KPD. am Dienstag, dem 8. September, in der„ Neuen Welt", Hafenheide, Folge leiften. Die KPD. hat die von uns gemachten Vorschläge angenommen. Nach einem Referat und Korreferat von je 14 Stunde findet eine Diskussion statt. Das Korreferat hat der Genosse Künstler übernommen. Redezeit für Disfuffionsredner je 10 Minuten, und zwar dergeftalt, daß je ein Vertreter der KPD. und ein Genoffe von uns spricht. Unsere Disfuffionsredner werden vom Bezirksvorstand benannt. Die Redezeit für das Schlußwort beträgt für die Referenten je 20 Minuten. Wir fordern unsere Genoffen auf, die Bersammlung frühzeitig zu besuchen. Wir erwarten von unseren Genoffen ft rengste Ruhe und Disziplin. Die Parteigenoffen, die feinen Einlaß finden, biffen wir, fich nicht auf der Straße aufzuhalten. 1928 Den Anordnungen der Polizei ist willig Folge zu leiften. Der Bezirksvorstand. 22 Mart; die Fahrt Berlin- Helgoland und zurück( ebenfalls einschließlich Abendessen und Uebernachtung) 32 Mart. Für den Aufenthalt auf Helgoland stehen fast vier Stunden zur Verfügung. 6 Tote bei einem Flugzeugzusammenstoß Militärflugzeug stürzt in Zuschauermenge. Rio de Janeiro, 4. September. Ueber dem Marineflugplak in der Nähe von Rio de Janeiro stießen zwei kürzlich von Italien gekaufte Wasserflugzeuge zusammen und stürzten ab. Es gab sechs Tote und zwölf Verlekte. Ferrara( Italien), 4. September. Bei einer Luftparade stürzte ein Militärflugzeug infolge Geschwindigkeitsverlustes beim Start auf die 3uschauer menge. Hierbei wurden drei Personen getötet und mehrere schwer verletzt. Selbstmord eines Polizeibeamten. In der Nacht zum Freitag hat sich im Keller der Schutzpolizeikaserne in der Jägerallee zu Potsdam der Polizeiwachtmeister Johannes Knoppf mit seiner Dienstpistole erschossen. Die Gründe sind unbekannt. Mörder untereinander. behauptete Strecker, daß er in der fraglichen Nacht in Weimar die Bekanntschaft einer Frau gemacht und sich bei ihr aufgehalten habe. Die Adresse der Betreffenden will er nicht kennen. Dieser Ers zählung wird natürlich kein Glauben geschenkt. Sehr merkwürdig berühren außerdem die Feststellungen, die von einem Berliner Kriminalisten in dem Hotel in Weimar getroffen wurden, in dem Strecker gewohnt hat. Es geht daraus hervor, daß der Schriftsteller geradezu frampfhaft bemüht war, sich auf alle Fälle ein Alibi zu sichern. In der Nacht zu Donnerstag früh gegen 5 Uhr, brach gab Strecker dem in der Villa in Klein- Machnow das Feuer aus Oberfellner Anweisung, ihm noch einen Grog auf sein Zimmer zu bringen. Er betonte wiederholt, der Kellner möge sich dieser Bestellung recht genau erinnern. Ein Verhalten also, das zum mindesten mehr als ungewöhnlich zu bezeichnen ist. Ein weiterer Widerspruch ergab sich bei der Frage, wann Strecker von dem Brand erfahren habe. Er behauptete, daß er von dem Feuer in seinem Heim erst in der Zeitung am Freitag gelesen habe. Es ist aber ermittelt worden, daß Strecker schon am Donnerstag Briefe abgesandt hatte, in denen von dem Brande die Rede war. Die Kette des überaus belastenden Beweismaterials schließt sich immer enger um Strecker, vielleicht werden schon die nächsten Stunden volle Klarheit über die dunklen Vorgänge in der KleinMachnower Billa bringen. Wolfenbruch über Berlin. Große Ueberschwemmung in allen Stadtteilen. Das heftige Gewitter, das gestern abend über Berlin niederging, war von einem langanhaltenden wolkenbruchartigen Regen begleitet. Die Wassermassen fanden in den Gullis nicht genügend Abfluß und in den tiefer gelegenen Straßen fast jämtlicher Stadtteile kam es zu erheblichen Ueberschwemmungen. Zum Teil überfluteten die Wassermengen die Bürgersteige und drangen in Wohnund Lagerfeller ein. Bis gegen Mitternacht wurde die Feuerwehr etwa 50 mal alarmiert, um Hilfe zu leisten. Mehrere Brandbezirke Soweit bisher mußten unter Ausnahmezustand versetzt werden. befanntgeworden ist, find außer einigen falten Blikeinschlägen nirgends Schäden verursacht worden. Zug entgleift durch Wolkenbruch Ein Ort überschwemmt.- Kohlenzug umgestürzt. Saarbrüden, 4. September. Jm oberen Saargebiet hat in der Gegend von Saarburg ( Lothringen) ein Wolkenbruch großen Schaden angerichtet. Ein großer Teil des Ortes Bethelminger wurde unter Wasser gesetzt. In der Nähe von Bethelminger unterspülten die Wassermassen den Bahndamm, und als ein Koblenzug von Saargemünd an der Stelle vorüberfuhr, rutschten die Erdmassen ab, wobei achf Wagen des Juges den Bahndamm hinunterstürzten und sich überschlugen. Ein Bremser des Juges wurde unter den Trümmern begraben und konnte erst nach stundenlangem Suchen als Leiche geborgen werden. Nazis wollen Volksfest stören. Man schreibt uns: In Germendorf bei Oranienburg findet am 6. September das traditionelle Erntefest statt, das stets sehr stark besucht wird. Für denselben Tag haben die Nazis nach Oranienburg eine große Kundgebung einberufen, an der der Berliner Motorsturm teilnimmt, und auf der Goebbels, Hinkel und Heermann sprechen sollen. Die Oranienburger Nazis erflären nun, daß sie am Sonntag auch auf dem Volksfest in Germendorf erscheinen würden, um für ihre ,, Idee" zu werben. Wer die Werbemethoden der Nazis kennt, fann sich vorstellen, was sich am Sonntag in Germendorf ereignen wird. Wir machen die zuständigen Behörden, den Landrat des Kreises Niederbarnim und die Regierung in Potsdam auf die gefährliche Situation aufmerksam, damit Zwischenfälle von vornherein unterbunden werden. Bei dieser Gelegenheit fragen wir das Provinzialschulkollegium und das Kultusministerium, wie lange sie dem Treiben der Nazis am Realgymnasium in Oranienburg noch zusehen wollen. Wintergarten. Im Mittelpunkt des neuen Septemberprogramms des Winters gartens steht das Ballett der sechs ehemaligen So listen der Staatsoper Elisabeth Grube, Genia Nikolajewa, Daisy Spieß, Rolf Arco, Jens Keith und Rudolf Köl ling, über deren Debut die Kritik an anderer Stelle zu Worte kommen wird. Hier nur so viel, daß sich von der ersten TanzWie es in der Hebbelstraße 20 zuging Mit Sichbicrfischen und Messern... fchöpfung Beneziana" bis zum übermütig hingetollten Matrojen Im weiteren Verlauf des Prozesses gegen die Mörder vom| sich immerhin fragen, wer wohl diesen entarteten jungen Leuten gesamt ein rauschender großer Erfolg für diese prachtvollen jungen Sturm 33 famen u. a. höchst erbauliche Dinge über die beispiel- das Geld zu derlei unmenschlichen Saufereien gibt?! losen Zustände im Nazilotal Hebbelstraße 20 zur Sprache. Schlägereien der Nazis untereinander sind dort anscheinend an der Tagesordnung. Jedenfalls war es am Mordabend in der Nazidestille zu einer wüsten Prügelei gekommen, in deren Verlauf der Angeklagte Foyer, der jetzt das Unschuldslamm spielen will, seinen eigenen Parteifreund Friede auch einer der Angeklagten unter den Worten: ,, Laß los, sonst kriegst du eins mit dem Messer!" mit Erftechen bedroht hat. Foyer, der jetzt den zeitweilig Verrückten mimt, erinnert sich an gar nichts mehr und kann nur angeben, daß er in der Erregung wilder als ein Tier" sei. Bei dieser Massenschlägerei der im Blut- und Alkoholrausch befindlichen Hitlerkrieger fam es zu den turbulentesten Szenen; fortmährend flogen allzu ,, aufgeräumte" Nazioten zur Abkühlung auf die Straße. Foyer, Friede und vier andere ,, Recken" tranken an diesem Abend nach eigener Bekundung etwa 30 Liter Bier. Man muß Als der Vorsitzende meint, daß dieses Quantum doch ein wenig zu erheblich wäre, meint der Angeklagte Friede: ,, Ach, das ist doch wirklich nicht schlimm-". Die Folgen des Alkoholkonsums zeigten sich in den seltsamsten„ Späßen": So warf ein S.- Mann dem Foyer einen Stehbiertisch an den Kopf. Uebrigens belasten sich die Angeklagten gegenseitig. Als Konrad Uebrigens belasten sich die Angeflagten gegenseitig. Als Konrad Domnik ein Neunzehnjähriger so tun will, als ob er nichts gesehen und gehört hätte, ruft der Angeklagte Friede:„ Mensch, du schwindelst ja! Du warst mitten drin-!" Auch Foyers fläglicher Versuch, sich zu entlasten, bricht wie ein Kartenhaus zusammen. Es wird nämlich festgestellt, daß Foyer am Tage nach der Blutlat Bärenstiefel, Joppe, Dolch und Revolver beim Wirt versteckt hat. Erwähnt sei, daß das Berliner Goebbels- Blättchen Vorsitzenden und Staatsanwalt, die beide mit vorbildlicher Objektivität ihres Amtes walten, aufs wüsteste anpöbelt. Hier schimpft das schlechte Gewissen-! ballett Auf der Reeperbahn" der Beifall ständig steigerte. Ins Künstler. Die packende Tanzschöpfung Mensch und Maschine iſt etwas Besonderes für unsere künstlerisch strebende Arbeiterjugend. - Außerdem aber weist das Programm eine überraschende Fülle erstklassiger Nummern auf. Vor allen Dingen ist da eine ganze Kompagnie herrlich gewachsener Athleten, die 12 Bratanos man möchte wetten, trotz des fremdländischen Namens sind es alle gute Deutsche, die einen großartigen Luftatt glanzvoll durchführen. Die Seltano Equilibristen überwältigen die ungeheuren Schwierigkeiten ihrer Leistungen mit einer so unglaublich spielenden Grazie, daß dem Zuschauer beinahe mehr als den arbeitenden Artisten der Atem megbleibt. Die beiden Fokkers, ein großer Dicker und ein ganz kleiner Schmaler, schwemmen alle Trübsal unserer Zeit für Minuten in dem Lachorkan weg, den sie mit ihrer Ballettparodie entfesseln. Der Clown Pipifag, als Sturztünstler unübertrefflich, bringt gleichfalls alle Lachmuskeln zum Wackeln. Sechs ungewöhnlich schön gewachsene Mädchen, die Sportgruppe des Erfinders des Rhönrades Otto Feid- Würzburg, bringen in Rhönrädern die vollkommene bezaubernde Illusion des von aller Erdenschwere befreiten Schwebens und Gleitens durch den Raum zustande, während sich zwei männliche Partner in ver wegener Afrobatit hervortun. H Nr. 415 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 5. September 1931 Immer noch feine fürzere Arbeitszeit? Die Reichsregierung hat endlich zu handeln.- Es geht nicht mehr so weiter! G der Unternehmer, das mit seinen reparationspolitischen Zielen ge= duldet wurde und schließlich auch der Steuerscheu entsprang, volks- und privatwirtschaftlich aber völlig finn- und grundlos war, hat man sich selbst, die Deffentlichkeit und die Regierung über die durch die Rationalisierung notwendig gewordene Wirtschafts- und Betriebspolitik getäuscht und betrogen. Weil man die Preissenkung und die Arbeitszeitverkürzung unterließ, deshalb konnte man zu der fürchterlichen Ueberarbeitslosigkeit von heute und zu den Milliarden fehlleitungen kommen, die der wirkliche und entscheidende Aus= gangspunkt der ausländischen Vertrauenserschütterung geworden sind, worüber man seit dem 15. Mai nur die Londoner City und das Bankhaus Schröder in London zu befragen braucht. Ueber 4 Millionen sind in Deutschland arbeitslos. Der größte| 40 Proz., und zwar froh einer Lohnsteigerung von 28 Pro3., und| erhöhungen aufgelöst hätte. Aber mit dem Kapitalbildungsgeschrei Feil von ihnen hungert im wahrsten Sinne des Wortes. Viele bei den Unkosten sogar 42 Pro3. Im Borsigwerk Berlin erforderte Hunderttausende find arbeitslos feit zwei, drei und vier Jahren. das Abdrehen einer bestimmten Welle früher auf der Drehbank Der größte Teil der Jugend, der ausgelernt hat, ist überhaupt noch 28 Stunden; jetzt genügen auf der automatischen Schleifbank nicht in volle Arbeit gekommen. Die Staatsleute müssen blind sein, 2 Stunden. Die Kosten betrugen frühet 15,68 Mart, sie betragen die feine Bedrohung des Staatsgefüges aus einem solchen Zustand jetzt 1,71 Marf einschließlich Abschreibung. crwarten. Die Sozialistische Internationale. hat in Andere Industrien: Ein Emaillierwerk in Kassel erWien die 40- Stunden- Woche gefordert, der Franfurter Ge- höhte durch Rationalisierung feine Produktionsleistung pro Arbeiter werkschaftstongreß hat die 40- Stunden- Woche zum Pro- um 100 Proz., die Nähmaschinenfabrik von Haid u. Neu in Karlsgramm erhoben. ruhe erhöhte sie um 60 bis 70 Proz. Die Thüringische Zementund Pappenindustrie steigerte ihre Produktion um das Doppelte, ohne mehr Arbeiter einzestellen. Eine Chlortaliumfabrik produzierte nach Entlassung von zwei Fünfteln ihrer Arbeiter ein Drittel mehr. Eine Gummifabrik stellte 30 Proz. der Belegschaft neu ein, erhöhte die Produffion aber um 300 Pro3. Längst hätte die Berkürzung der Arbeitszeit Wirklichkeit sein können, ober der gewaltige Rationalisierungsprozeß hat in Deutschland dadurch sein volkswirtschaftliches 3iel verfehlt, daß die Unternehmer, geführt von den fonkurrenzgeschützten monopolistischen Kartellen, die Preissenfung und Arbeitszeitverkürzung entsprechend der Kostenminderung unterlassen haben. Hier liegt die wichtigste Ursache der besonderen deutschen Wirtschaftskrise und der übermäßigen deutschen Arbeitslosigkeit. Trotz des offenbaren Verschuldens der privatkapitalistischen deutschen Wirtschaftsführer sind die Gewertschaften bereit, um die Arbeitslosigkeit endlich zu verringern, großenteils ohne augenblicklichen Lohnausgleich, die 40- Stunden- Woche zum Programm zu erheben. Der Lohnausgleich kann erst in besseren Konjunktur- und Rentabilitätsverhältnissen wieder gesucht werden. Nur die beschränktesten Scharfmacher der Unternehmertlasse, repräsenliert durch den vom Reich subventionierten Herrn von Borsig und durch Herrn Dr. Bögler für die durch Fehlinvestitutionen festgefahrenen monopolistischen Industrien glauben heute noch an den Segen der Lohn- und Gehaltssenkung und der Drosselung der Staatsausgaben als Heilmittel für die deutsche Sonderkrise. Ein großer Teil der Unternehmer erblickt schon längst in der auf solche Weise erzeugten Kaufkraftdrosselung nur das Mittel zu neuer Krisenverschärfung und steht auch, weil es nicht anders geht, der unterstützungsparenden Arbeitszeitverkürzung sympathisch gegen über. Der chriftlichgewertschaftliche Reichsarbeitsminister Steger wald aber hatte auf die flare Forderung der freien Gewerkschaften in Frankfurt nur sein Wenn und Aber, sein Einerseits- Andererfeits, obwohl er durch eine Notverordnung des Reiches zum selb ständigen Handeln ermächtigt ist. Ohne die sofortige allgemeine Arbeitszeitverkürzung und entsprechende Neueinstellungen ist kein aufbauendes Wirtschaftsprogramm mehr möglich. Wie ungeheuer die technischen Fortschritte und die Arbeits- und Kostenersparnisse seit 1924 in Deutschland gewesen find, die bei weitem die Kosten der Lohnerhöhungen überstiegen und die die Zeit für die Arbeitsschichtsfürzung längst reif gemacht hätten, darüber müssen wir heute, so oft wir es auch) 679 16 and 2 schon getan haben, den Berantwortlichen in der Reichsregierung die Erinnerung auffrischen und das Gewissen stärken. Wir werden es an Hand einer zusammenfassenden Darstellung tun, die wir einem in diesen Tagen im S. Fischer Verlag erscheinenden Werk von Carl Steuermann( Pseudonym) ,, Weltkrise- Weltwende, Dem Staatskapitalismus entgegen" entnehmen. Braunkohle: An Stelle von Baggern mit 125 bis 150 kubikmeter Stundenleiffung arbeiten jetzt Bagger mit 500 bis 550 kubikmeter Stundenleistung, drei Mann bedienen ihn. Den Abiransport besorgen 16 gegen früher 46 Mann. Die Gleisrüdmaschine ersetzt die Arbeit von 75 Mann; sie wird von drei Mann bedient. Wollen uns der Reichskanzler Dr. Brüning, der Reichsarbeitsminister Stegerwald, der stellvertretende ReichswirtDie ungeheure Ausdehnung des Kraftfahr- fchaftsminister Trendelenburg etwa ernsthaft glauben machen, zeugverkehrs in Deutschland um mehr als das Elffache gegen- daß sie diese Dinge anders ansehen als mir? Gewiß, die gesamten über der Vorkriegszeit ist nicht nur etwa ein Zeichen größeren Ver- Wirtschaftsverhältnisse sind durch das Versagen der Wirtschaftsführer gnügungs- und Sportwillens, sondern in erster Linie eine Kosten- und durch das Schleifenlassen der Staatszügel gegenüber den Fi. ersparnis im Transportwesen. Die Sparleiffung der Büromaschinen nanz- und Industriekartellen heute so fürchterlich verfahren, daß besonders in den Banken soll nur nebenbei erwähnt werden. man jetzt wahrscheinlich die Verkürzung der Arbeitszeit mit vollem Lohnausgleich einfach nicht mehr durch Dieses ungeheuerliche Ausmaß der Rationalisierung auf führen kann. Aber können Herr Brüning, Herr Steger allen Gebieten mußte massenhaft Arbeiter und Angestellte wald, Herr Trendelenburg uns heute auch nur ein einfreisetzen. Und die Ersparnisse waren wirklich ungeheuer, ziges stichhaltiges Argument für ihre beunruhigende Zurüdwie überall die Selbstfinanzierung bewiesen hat. Es hätte aber haltung in der Frage der Arbeitszeitverfürzung angeben? feinerlei strukturelle, d. h. dauernde Arbeitslosigkeit daraus ent- Die Deffentlichkeit muß ja allmählich glauben, daß die Reichsregiestehen brauchen, wenn man den Mehrertrag der Arbeit recht- rung vor den Monopol, Finanz- und Kartellherzögen, von denen sie zeitig in Preissenkungen, Arbeitszeitverkürzung und Lohn- fich beraten läßt, einfach nur Rotau macht. Kursverluste an der Börse. Die ersten beiden Börsentage nach der siebenwöchigen Schließung deer Wertpapiermärkte haben gezeigt, wie tief in Deutschland die Erschütterungen des tapitalistischen Systems in folge der Kreditwirren und Bank zusammenbrüche gehen. Nachstehend geben wir einen Ueberblick über die Kursveränderungen bei den bedutendsten Aktienwerten und einigen Rentenwerten, die seit dem 1. Mai, dem 11. Juli- dem Tage vor der Schließung der Danatbank, bis zum gestriçen Börjentag stattgefunden haben. 1. Mai 11. Juli 3./4. Sept. 31 Proz. Proz. Siemens. Harpener Bergbau Ber. Stahlwerke Nordd. Lloyd.... Rh. Westf. Elektr. 3. G. Farben Proz. • . 168,75 142 102 67 54 40 54,6 37 26 . 60 44 27,5 129 102,75 78 .148 123,75 93 100 97,75 91,25 Deutsche Bant- Disconto.. 104 8 Proz. Pr. Centr.- Boden 28 101 74 83-85 7 Proz. Dtsch. Reichsanl. 29. 100,25 83,75 Bei diesm rapiden Vermögensschwund ist es nicht verwunderlich, daß jetzt auch ausgesprochene Unternehmerorgane die Totenglocken für das kapitalistische System läuten. Das gesamte Kapital verloren. Ecfert Lichtenberg nach der Zahlungseinstellung. Die Lichtenberger Landmaschinenfabrik 5. F. Eckert, die Ende Auguft ihre Zahlungen einstellte, veröffentlicht jetzt ihren Geschäfts abschluß für das letzte Betriebsjahr. Danach ist bei einem schon im Vorjahr entstandenen Verlust von rund 570 000 m. nunmehr das gesamte Kapital von 1,55 Millionen Mark verloren. Es wird ein gerichtliches Vergleichsverfahren zum Zweck der Liquidation des Unternehmens durchgeführt. Steinkohle: 3m Jahre 1927 war im Ruhrgebiet gegen über der Borkriegszeit die Zahl der Abbauhämmer von 17 auf 638, die Zahl der Säulenfchrämmaschinen von 294 auf 773, die Zahl der Bohrhämmer von 12 307 auf 39 779, die Zahl der Drehbohrmaschinen von 40 auf 2173, die Zahl der Schüttelrutschenmotore Nach dem Bericht des Vorstandes sind die Umfäße der Gesellvon 2200 auf 8612 geffiegen. 1927 waren 87 Proz. der Kohlen- schaft im Laufe der letzten Jahre katastrophal gesunken. förderung mechanisiert gegen 2 Proz. im Jahre 1913. Seit 1927 hat sich dieser Prozeß noch außerordentlich verstärkt. Die Verfofung erforderte bei einer Produktion von 700 bis 800 Tonnen 1914 noch 30 bis 40 Mann. 1930 wird die doppelte Produktion an den entsprechenden Ofengruppen mit 5 Mann geleiffet. Eisen, Stahl- und Walzwerke: In den neuen deutschen Hochöfen wurden gegenüber 1913 dieselben 9200 Tonnen Roheisen im Jahre 1930 in 2860 Wochen Betriebsdauer erzeugt gegenüber 7423 Wochen in der Vorkriegszeit. Die Leistung je Hochofen hat sich um 159 Proz., also auf das mehr als Zweieinhalbfache, erhöht. Bei einem Rüdgang der Belegschaft um 19 Proz. ist eine Produktionssteigerung um 16 Pro3. allgemein an den Hochöfen festgestellt worden. In der Stahlerzeugung sind durch Verdoppelung der Kapazitäten bei Thomasbirnen und durch Verfünffachung bei Marlinsöfen enorme Produktionsbeschleunigungen und-verbilligungen erzielt worden. Die Thyssenhütte in Hamborn erzeugte früher 75 000 Tonnen Stahl mit 10 000 Arbeitern und braucht jezt für 170 000 Tonnen, das ist das Zweieinhalbfache, nur 9900 Arbeiter. Der Hörder Berein brauchte früher für 40 000 Tonnen Stahl 9000 Arbeiter, heute sind für 85 000 bis 90 000 Tonnen nur 5700 Arbeiter nötig. Bei dem Hüttenwerk im Düsseldorfer Bezirk wurde bei etwa gleicher Arbeiterzahl die Roheisenerzeugung von 1926 bis 1929 von 91 300 auf 159 725 Tonnen, die Rohstahlerzeugung von 115 381 auf 186 924 Tonnen erhöht. Im Walzwert Riesa stieg von 1924 bis 1928 die Leiftung pro Kopf der Belegschaft um 100 Proz. Bereits 1927 gaben die Vereinigten Stahlwerke ihre Mehrproduktion bei gleicher Arbeiterzahl bei Hofs mit 39,9, bei Roheisen mit 75,9, bei Rohftahl mit 64,4, bei Walzeisen mit 55,0 Pro3. an. Die Verbreitung von Kraftmaschinen und Moforen: Die deutsche Betriebsstatistit zeigt von 1907 bis 1926 in Deutschland eine Zunahme der Wind-, Wasser- und Dampfmaschinen von 8,26 auf 22,35 millionen Pferdestärten, ferner eine Zunahme der Elektromotoren von 2,06 auf 18,58 2illionen Pferdestärken. Maschinenindustrie: In der deutschen Maschinenindustrie stieg die Arbeitsproduktivität von 1924 bis 1927 um 45 Pro3. Seitdem ist sie weiter, und zwar in noch stärkerem Berhältnis gestiegen. Ju der Motorenfabrik Deuh produzierte fchon 1927 ein Arbeiter 62 Proz. mehr als 1914. Die Ersparniffe bei einem Kleinmotor betrugen durch die Rationalisierung beim Cohn Sie betrugen in der Borkriegszeit etwa 7 Millionen Mark im Jahr, erreichten im Betriebsjahr 1928/1929 nur noch 4 Millionen, sanken 1929/1930 bis auf 2 Millionen, um 1930/1931 bis auf 1,2 Millionen zusammenzuschrumpfen. Der Jahresumsatz stellte sich also im letzten Betriebsjahr nur noch auf ein Sedy stel der Bortriegszeit. Expansion des Bata- Konzerns. Sollen Kabel, Autoreifen, Autos und Flugzeuge von Bata hergestellt werden? Der große tschechoslowakische Schuhkonzern Bata, der vor einigen Monaten aus einem Privatunternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden war, erhöhte dieser Tage das Aktienkapital, um mit zwei anderen tschechischen Unternehmungen zu fufionieren. Hier durch und durch einige weitere Interessenausdehnungen will der Konzern jetzt seine Interessen über die Schuhfabrikation und den Schuhverkauf hinaus auf andere industrielle Gebiete ausdehnen. Genannt werden die Herstellung und der Verkauf von Kabeln, Fahrrad- und Autoreifen, sogar an die Herstellung von Automobilen und Flugzeugen soll gedacht werden. Diese Expansionsabsichten lassen darauf schließen, daß die ursprünglich beabsichtigte Ausdehnung des Schuhgeschäfts infolge der Krise auf Widerst and gestoßen ist. Die Bemühungen Batas, seine Schuhinteressen in Deutschland zu erweitern, sind bekanntlich gescheitert. Desterreichs Wasserkräfte und Deutschland. Dieses Dieser Tage wurde im Vorarlberger Gebiet das Bermunt merkin Betrieb genommen. Es ist eine große Anlage mit einer Leistung von 90 000 Kilowatt und soll jährlich eine Stromerzeugung von mehr als 150 Millionen Kilowattstunden haben. Kraftwert wird vorläufig das größte Wassertraftmert Deutsch österreichs sein und wird nicht nur einige österreichische, jondern auch schweizerische Gebiete und große Teile Deutschlands mit Strom versorgen. Ein Teil des erzeugten Stroms wird über die große 220 000 Bolt- Leitung, die das Rheinisch- Westfälische Elektrizitätswert errichtet hat, bis an den Niederrhein geführt werden. Andere österreichische Wasserkraftpläne, die seit längerer Zeit er wogen wurden, sind infolge der Krise nicht weiter verfolgt worden. Die erforderlichen Kapitalien für diese Projekte in Westtirol und im Tauerngebiet find gegenwärtig um so schwieriger zu erlangen, als. die Frage des Stromabsages der geplanten Werte ungeklärt ist. Da die neuen Wasserkraftausbaupläne darauf beruhen, daß Deutschland Jahr für Jahr einen großen Mehrbedarf an Elektrizität entwickelt, der Verbrauch in Deutschland aber stark zurückging, so ist natürlich die gesamte Rentabilitätsrechnung erschüttert worden. Kreuger in der Weltfrise. Scharfe Kurssprünge nach unten. Kreugerberichtigt". In den letzten Tagen sind an verschiedenen europäischen Börsen die Börsenkurse v der Kreuger Werke so start ge funken, daß Joar Kreuger fich veranlaßt gesehen hat, eine offi zielle Mitteilung über die finanziellen Verhältnisse seines Konzerns, zu geben. Er sagt, daß seine Gesellschaften im Grunde gesund seien, und gab auch Ziffern über die bisherigen Gewinne der wichtigsten Dachgesellschaft Kreuger u. Toll. Diese Gesellschaft hat nach seinen Angaben in der ersten Hälfte des Jahres einen Reingeminn von 59 Millionen Mark erzielt gegenüber 63 in der ersten Hälfte des Jahres 1930. Für das ganze Jahr 1931 schätzt er den wahrscheinlichen Reingewinn dieser Gesellschaft auf 103 Millionen Mart, während er im Jahre 1930 105 Millionen betragen hatte. Bisher feien alle Zins- und Tilgungszahlungen auf die Staatsanleihen, die die Kreuger u. Toll- Gesellschaft im Laufe der letzten Jahre vergeben hat, pünktlich eingelaufen; auch die Einnahmen aus den Beteiligungen an anderen Gesellschaften zeigen wohl vorläufig noch keine Abnahme. seinem Konzern bisher die Krise noch keinen großen Schaden zus Man kann es Herrn Kreuger glauben, daß in der Tat gefügt hat, denn schließlich ist kein kapitalistisches Unternehmen so raffiniert aufgebaut wie der Kreuger- Trust. Die Errichtung von Monopolen für 3ündhölzer in den verschiedensten Ländern und als Gegenleistung hierfür die Lieferung von Anleihen garantieren eine sichere Dauereinnahme, die kaum von der Konjunktur, höchstens von Staatsbankrotten beeinflußt wird. Der der Hochkonjunktur. Gerade in der gegenwärtigen Zeit, wo jeder Zündholzverbrauch in der Krise ist faum viel geringer als zu Zeiten Staat auf seinen Kredit halten muß, wird er an einer pünktlichen Erledigung der Auslandsverpflichtungen Interesse haben. Auch die Erwerbung der Ericsson- Kapitalmehrheit liegt auf gleichem Gebiet, denn der Telephonausbau und der Fernsprechbetrieb find ebenfalls bisher von der Krise faum betroffen worden. Auf die Erklärung Jvar Kreugers hin sind denn auch die Aktienkurse wieder rasch gestiegen. In Genf hoben sich die Kurse der Kreuger u. Toll beispielsweise im Laufe eines einzigen Tages von 304 ouf 386 Proz. Wenn überhaupt die Kurse der Aktien der drei Kreugerschen Dachgesellschaften( Kreuger u. Toll, Schwedische Zündholzgesellschaft und International Match Corp.) einen starten Sturz erleben konnten, so zeigt das, wie groß das Mißtrauen internationaler Finanzkreise gegenüber der Zahlungsa fähigkeit der europäischen und überseeischen Staaten gegenwärtig ist. Es charakterisiert die Schwere der internationalen Krise, daß selbst so machtvolle und an sich von der Konjunktur menig beeinflußte Konzerne wie der von Ivar Kreuger in ihrem Kredit erschüttert werden. Neue Besen kehren gut. Großreinemachen bei der Schröder Bank. Nach einer Bremer Meldung ist sämtlichen Direktoren und Prokuristen, die bei der Schröder- Bank einen Debetsaldo haben, von der neuen Bankleitung die Kündigung ausge= prochen worden. Der Meldung nach zu urteilen, muß es sich um eine ganze Anzahl Direktoren und andere höhere Angestellte handeln, die mit den Geldern ihrer Bank gearbeitet" und ihr Konto start überzogen haben. Der rasche Entschluß der neuen Bankleitung zu derart scharfem Durchgreifen ist offenbar von der Erkenntnis diktiert, daß diese nebenberufliche Tätigkeit der betreffenden Direktoren und Profuristen von dem Zusammenbruch der Schröder- Bank nicht ohne weiteres zu trennen ist. C. A. JCiesgem ttilCl (Schluß) Drei Tk>g«ii in Reserve folgten zweiundsiebzig Todesstunden. und dann kaNien zweiundstebzig Stunden Ruhel Es ist ein Nebetmorgen, und wir sehen in der WegedieguNg auf zehn Schritt Adeleine und rufen in den Nebel:„Adeleine!"—— Es stand ein Stein am Wege---- das war nicht Adeleine! Die Tür zum Quartier stand auf. Bei armen Leuten stehen immer alle Türen auf. Nebenan in der Stube hören wir ein Schnauzen und ein Kam- Mandiiren, und zur Antwort schlürfen Holzschuhe auf den rauhen Dielen hin und her. Ehe wir unsere Lippen zum„Bonjour!" bewegen können, füllt ein Feldgendarm den Rahmen der Stubentür. Wir reihen zögernd die Hacken zusammen, und ein Kreuzverhör kommt über uns. „Sind wahrend eure/ letzten Ruhetage fremde Personen hier in das Haus gekommen?" „Außer uns find keine Fremden hier ein- und ausgegangen, Herr Wachtmeister!" antworte ich Und verneine dabei mit dem Köpfe, um die angstlich dastehenden Bauersleute über meine Ant- wort nicht im Unklaren zu lassen. „Sie sprechen doch französisch! Haben Sie nicht etwas Per- dSchtigez in der Unterhaltung der Bauern untereinander gehört?" „>lon!— Rien du tont!— Berzeihung, Herr Wachtmeister, Verdächtiges habe ich nie gehört!" Er Ichrieb meinen Namen, vielleicht, weil ihm meine Sprach- kenntnisie verfänglich schienen. Die Bauersleute mußten' mit zur Kommandantur. Wie Granaten schlugen die Worte des Feldgendarmen gegen unser Trommelfell, und alles Denken quoll in unsern Adern zu den Fäusten... Wir starrten einander an, die Gewehre flogen— mit beiden Fäusten gepackt— gegen die Wand, die Tornister knallten hin, daß die Riemen von den Kochgeschirren sprangen. Ich rannte hinaus, irgendwo bei einem„Paysan" zu erfahren, was di« plötzliche Verhaftung der Familie zu bedeuten habe. Mein dargebotene,» Tabaksbeutel dreht sich in einer gichtigen Vauernhand, und ich erfahre: „Sie haben ihn gefangen!— Im Steinbruch, oben hinter der Höhe, hat ihn der Feldgendarm gefangen!"— „Was...?— Wen gefangen?" „Sie wissen nicht?— Den Sohn von Madame Ribot!— Das wissen Sie nicht?"— Der Alte steckte gemächlich seine Pfeif« an. „Die Deutschen haben vor einem Jahr alle militärpflichtigen Leute einfach fortgeholt. Den Lueien auch, trotzdem er noch nicht achtzehn war.— Zum Rhein, in Kohlengruben— das ist „Deportation"!— Das ist schlimmer!— Das ist Cayenne! Und Lucien ist ausgerückt!— Sieben Wochen waren die Deutschen hinter ihm her.— Sieben Wochen, denken Sie!— Das ist eine lange Zeit!— Unter Waggons, zwischen den Ladungen, unter Zeltplanen versteckt, sieben Wochen!— Seit acht Togen trieb er sich hi�r in den Wäldern herum, sein Vater brachte ihm heimlich Essen hinauf in den Steinbruch.— Sie haben ihn nicht eher gekriegt, bis er gestern nacht in das Darf kam, um sein« Mutter zu sehen!" „Und nun?"• „Heute in der Frühe wollte er zurück, da faßte ihn der Feld- gendarm am Steinbruch! Und nun--- fte werden ihn erschießen!" Dabei biß der Alte auf das Mundstück feiner Pfeife, als wollt« er es mit feinen Zähnen zerbeißen. Ich sah die Nachtszene auf der Treppe, das Schluchzen der Frau in der Nacht, der Korb und die Froschschenkel!... Ruhig erwiderte ich dem Alten:„Man wird den Jungen nicht erschießen!— Der Feldgendarm erschießt ihn nicht und wenn man hier am Ort Befehl geben würde, dafür stehe ich, daß keiner Meiner Kameraden schießen wird!" „k�ui rirra...(Wer leben wird.. knirschte der Alte. „Vorrs!(Wird sehen!)" lachte ich zurück. * Nachbarn brachten die Bäuenn ohnmächtig aus der Komman- dantur zurück ins Haus. Ädeleine lief zwischen den Menschen hin und her. Das Kind mied uns wie ein geschlagener Hund. Ein Sanitäter mußte kommen, und als die Frau erwacht«, flatterte sie wie ein Vogel mit zerbrochenen Flügeln hin und her und schrie:„Mein Sohn!— Mein Kind!— Lucien!... Man erschießt ihn! Man erschießt ihn!" Mit blanken Zähnen torkelte sie hin und her und ritz sich in das Haar. Beim Dunkelwerden kam der Bauer auch zurück. „Mawan!— Man erschießt ihn Nicht!— Lucien kömmt UNS morgen früh für den ganzen Tag besuchen. Es ist nicht so schlimm! Man hat ein Protokoll aufgenommen und Lucien hat morgen Urlaub." Wie eine Erlösung gingen die Worte durch das Haus. Der Qual der Mutter entsank alle Kraft, und der Freude ent- strömten alle Tränen bis zum letzten Tropfen. * Die Nacht löste das festgescheitelte Haar der Bäuerin in Jubel- girlanden. Nach einer Stunde waren Mutter Ribots Haiiis bis zu den Ellenbogen mehlbestaubt und teigbeklebt. Eine Teigkugel nach der anderen rollte und klatschte über den Tisch. Hin und her rannte die Bäuerin, vom Tisch zum Kamin, und legte vorsichtig, daß nicht ein Tropfen Fett verspritzte, einen Würfel Schmalz nach dem an- deren in die„Kasserolle". Wie sich zum Trommelfeuer die Granaten um Geschütze häufen, s» stiegen in der Nacht die Kuchenberge in den Schüsseln hoch und höher. In Kuchen duftete die Freude durch das ganze Haue, und bei der Laterne saß Vater Ribot unter der Trepp« und rupfte die letzten Hühner für das Wiedersehen. * Kein Soldat, aus Nacht und Wahnsinn in den Frieden seiner Heimat gewirbelt, zog glücklicher als Lucien ins Elternhaus. Vielleicht entfesseln die seltenen Freudentage arme Bauern glühender! Das Hallo und Geschrei hallte zu uns hinauf auf den Berg Mm Exerzieren. „Sprung auf!— Marschmarfch!— Sprung auf!— Marsch- marsch l" Auf den Steinen in den Feldmarken schlug der Wind di« schwarzroten Hollunderbeeren blutig, daß die Kerne wie Därme herausflogen und herumspritzten... „Sprung auf! Marschmarfch!—" Dem Felddienst folgten Nachmittags Appells. Stieselappelll Rockappell I Gewehrappell! In mir appellierte es, Lucien zu sprechen. Beim Gewehrreinigen kam Adeleine an der Hand des großen Bruders lachend mit einer Schüssel Kuchen zu uns herem. Ich war erstaunt über Sie festen Augen in dem jungen Gesicht. Die Kameraden fetteten die Läufe und Beschläge der Gewehre ein und setzten ouseiNändergeNoMmene Schlohteile Stück für Stück wieder zusammen. Lucien sah dem Hantieren der Soldaten schweigend zu. Neben Mir säuberten Leute die breiten Messer der Seitengewehre. Mir würgt« däs Geklirr der Waffen jedes Wort im Haise ab. „Adeleine und die Mutter hoben mir von Ihnen erzählt. Ich habe eins Bitte an Sie: Soge» Sie meinen Eltern, daß es nicht sö schlimm ill in Deutschland Sagen Sie. daß«s mir gut gehen wird!— Sie glauben Ihnen mehr als mir!" Dabei standen ihm die Tränen in den Augen. Ich gab ihm zur Erukiderung meine Hand. „An den GrenzpsähleN schlägt man Unsere Schädel ein und sagt CS geht um Gott und Heimat!— Es geht Um Kohle, Erz und Dividenden, die IN den Dunkelkammern der Parlamenie und Ka- lernen söviel giftiges Schlagwetter ausgespsichert haben, daß der offene Mörd zUM"Gotteswunder wird!— Die Erde wird solange zittern, solange diese Sümpfe Fiebergifte kochen!" Der«bendzug nach Charlevill« ging planmäßig wie jeder. andere Zug..__ fjinfer den roten Schlußlichtern sah ich die Schrank« oo, schwörend wie zwei Finger in die Höhe gehen! * Vier Wochen später kam das Regtment zersprengt und auf- gerieben aus der Front. Adelsine lief uns am Wegekreuz mit ossenm Armen entgegen. Ein Brief von Lucien war angekommen. Die Buchstaben standen nicht krumm und schief wie die vergasten Reste unserer Kompagnie. Wie Pflänzlings in unkrautsauberen Reihen standen die Buchstaben in dem Brief.— Aus Magdeburg schrieb Lünen. In einer Zuckerfabrik lernte ihm ein einarmiger Ingenieur:m Laboratorium die Chemie. Die letzten Deutschen mußten an die Front. Es ging ihm gut!— Ein großes, dickes Ausrufungszeichsn stand bekräftigend dahinter., � Und eine deutsche Mutter, deren Söhne irgendwo in Frankreich lagen, gab ibm das Bett von ihrem Jüngsten. Zum letzten Mals schleppte SldeleiNe den Wasserkruz hinter das Haus. Zum letzten Male zählte ich dem Kinde die weißen Stücke Zucker hin.......„ Der Herbstwind jamMerte über den Weg, und hmter uns fegte Vater Ribot das Laub des wilden Weirts wie rote Spuren Blut von feiner Türe weg... A. Weraiow: Sin diftinguierter Der junge Schauspieler Fedja hatte eine Taute, die sich im Ausland aufhielt. Volle sechs Jahre erhielt er von ihr keinen Brief. kein Schreiben, keine Nachricht. Eines schönen Tages kam uner- wartet wie ein Blitz aus heiterem Himmel ein mächtiges Paket für Fedja an. Der Inhalt bestand aus einem Ueberrock und einem weichen Hut Der Ueberrock war nach der neuesten Mode: eng in der Taille, mit wattierten Schultern und mit einem Riegel im Rücken. Der Hut war breitkrempig und von mausgrauer Farbe. Als Fedja Rock und Hut anlegte und vor den verstaubten Spiegel des Speisezimmers trat-- prallte er zurück. Er erblickte einen lächelnden jungen Mann, der seiner ganzen Erscheinung nach unzweifelhaft ein distinguierter Ausländer war Solche Leute sieht man sonst nur in ausländischen Filmen, oder wenn man ihrer innerhalb Rußlands ansichtig wird, so handelt es sich ausschließlich um Industrielle, die sich um eine große Konzession bewerben. Nachdem sich Fedja von seinem Erstaunen einigermaßen erholt hatte, beschloß er auszugehen. Elastischen Schrittes begab er sich auf den Korso. Mit einem Wonnegefühl sing er bewundernde Be- merkungcn der Vorübergehenden aus. Vergessen waren die Miseren des täglichen Lebens, die unbezahlten Rechnungen und die lästigen Proben. Aus einem in der Nähe gelegenen Restaurant drangen die Klänge eines schmissigen Foxtrott. In bester Laune betrat Fedja ein Lierrenmodegejchäft. Der Chef und zwei Kommis eilten dem distinguierten Ausländer ent- gegen. Ein beleidigter Käufer, dem man keine Beachtung mehr schenkte, verließ brummend den Laden. Fortan stand Fedja im Mittelpunkte des Interesses de« Chefs, der Kommls und der drei Verkäuferinnen. „Ktägen, Krägen," radebrecht«„der distinguierte Ausländer" und machte dabei«Me kMend« um den Hals. Alsbald türmten sich Berge von Kragen auf dem Verkaufstische. Sogar die Frau des Chefs kam aus einem rückwärts gelegenen Zimmer und brachte noch eine Schachtel Mit Kragen. Fedja betrachtete lange und eingehend die Wäre. Sieben Augenpaäke vsrfölgten aufmerksam und gespannt jede seiner Be- wegungen. „Nee!" sagte der Käufer endlich.„Nix gut Krägenl In Europa nicht tragen sä was! Dort Krügen labradoniert!" Den letzten Satz verstand Fedja selbst nicht. Der Chef jedoch sagte entschuldigend:„Aber, mein Herr, sehen Sie doch! Welch eine Ware! Geradezu herrlich!" Die dicke Verkäuferin, die vor lauter Anstrengung schwitzte, bemühte sich, gebrächen zu sprechen, weil sie glaubte, daß sie aus diese Weise eher oerstanden werde:„dto money! Pas d'argent! Kein Geld! Wie—— armes Land!" Lang« ging Fedja in den Straßen Moskaus spazieren. Er betrat zahlreiche Läden, photographische Ateliers und ließ sich in Grammophongeschäften die neuesten Platten vorspielen. Schließlich kaufte et mit großartigen Gebärden in einer Apotheke ein Aspirin- pulver. Gegen Abend war er müde und hungrig und stieg in die Tram- bahn, um Nach Haus« zu fahren. Kaum hatte er den Waggon betreten, als er geradezu Furore machte. Mit größtem Interesse beobachteten sämtliche Passagiere. wie Fedja einen Fahrschein löste.„Acht Pfennig! schrie ein Student, der zeigen wollte, daß er deutsch verstehe. Andere, weniger gebildete, hoben der Reihe nach die Finger ihrer Hände und zählten dabei laut bis acht. Im Waggon herrschte grenzenlose Aufregung. Einer erzählte dem neben ihm Sitzenden, sein Schwager wäre seiner- zeit in Deutschland in Kriegsgesangenschast gewesen und hätte dort gelernt, wie man Frankfurter Würstchen macht. Da plötzlich schallte mitten durch die Atmosphäre der guten internationalen Beziehungen eine mächtige vereinzelte Stimme. Fedja'" rief fröhlich der Schauspieler Butilktn und klopfte ihm auf die Schulter.„Du bist ja angezogen wie Lord Brummell" Ein bleiernes Schweigen trat ein. Sogar die Schaffnerin blieb wie versteinert stehen und vergaß, einem Passagier den Rest heraus- zugeben. „Ich nix russisch verstehen," murmelte Fedja erbleichend. Der Schreck war ihm in die Glieder gefahren,.und er klapperte mit den Zähnen.„Ich wirklich nicht verstehen!" Butilkin schüttelte sich vor Lachen.„Na, Fedja, dich hat wohl das Schaf gebissen! Wie kann bloß-in vernünstiger Mensch dorthin gehen, wo einem Schafe beißen?" Mit diesen Worten riß Butilkin seinem Freund« d« Hut vom Kopfe. Alle Passagiere waren statt vor Erstaunen. „Was soll das?" rief endlich«inet.»Sie find wohl toll ge- worden! Einem distinguierten Ausländer reißt er den Hut vom Kopf! Wo bleibt denn dt« Intelligenz?" „Eine wahre Affenschande!" schrien and««.„Was«erd« die Deutschen von uns denken? Da kommt fo'n fein« Mann zu uns. und Sie benehmen sich wie ein Rüpel!" Butilkin war wie vom Dann« gerührt. Es konnte tew Zweifel darüber bestehen, daß der vornehme Fremde kein ander« als Fedja war, zumal da er eine Hofe Butilkins trug, die« ihm eine Woche früher geliehen hatte. „So'n Lump!" dachte Butilkin. Dann kam ihm Mötzlich, wie es immer zu fein pflegt, ein genialer Einfall. Nicht umsonst kannte er Fedja innen und außen. „Der Rock sieht gut aus," sagte Butilkin und befühlte mit den Fingern den Stoff.„Nur wird et nicht lange halten! Denn der Stoff besteht zu SO Proz. aus Papier." „Gelogen," sprudelte Fedja mit reinstem Moskauer Akzent hervor.„Mindestens 45 Schafe haben die Wolle dazu geliefert." Zu spät erkannt« Fedja, daß er aus der Rolle gefallen war... „HUliganI" schrie ein dicker Bürger.„Gemeinheit!" von allen Seiten prasselte ein« FlUt von Schimpfworten auf Fedja nieder. .�zochstaplerl Sie Niemandl..." Gesenkten Hauptes suchte sich der Entlarvte der Volksmut durch die Flucht zu entziehen. Er stieg aus. Erregte Stimmen drangen an fei» Ohr. Selbst der Lausejunge, der auf dem Trittbrett kauerte, sprang ab, um ihm noch einen FußtrUt zu versetzen... -Dr. Christian atodegg: Scribes gelehrigster Schüler Sunt 100. Qeburlstag ron Sardou Victorien Sardou war der letzte aus der stattlichen Reihe der Autoren, die dem französischen Theoier des zweite» Kaiserreiches und der ersten Jahrzehnte der dritten Republik Glanz verliehen und sich die Wcltbühnc erobert hoben. Wie Labiche, Augier und der jüngere Dumäs war er der Erbe der taufend Künste des Hexen- Meisters Seribe, die er noch zu überstetgern und im Sinne einer raffinierten Bühnenarithmetik zu einer sinnverwirrenden Theatralik zu oerwerten wußte, die zwar nicht das Leben widerspiegelt, ober doch etwas gibt, was dem Leben täuschend ähnlich sieht. Keiner hat wohl auf dem Theater so überlegen Theater gespielt wie dieser größte Techniker, den die französische Bühne je gesehen hat. Ueberoll spürte er Wirkungen Und Bild« auf: beim Lesen einer Zeitungs- Notiz, beim Anhören ein« Anekdote stand vor seinem geistigen Auge sofort die Situation, die sich um dos Grundthcma herum auf die schlagkräftigste Wirkung zuspitzte. Diese Findigkeit im Aus- spüren eines Stoffes und die erstaunliche Leichtigkeit der Gestaltung lassen es begreilich erscheinen, daß es Sardou in einer fünfzig- jährigen Schaffenstatigkeit auf 90 Bühnenstücke bringen konnte, ohne daß dies« B>elschk«iberei d« Erfolg auch nur einmal versagt geblieben wäre. Man hat SardouS PuppentheStek, seinen künstlerischen Mecha- Nismus, seine Spekulation auf das Sensationsbcdürsnis und die SpaNnungSbegierde des großen Publikums mit Recht'vcrspottet und ihn bestenfalls nur als ein Genie der Mache gelten lassen wollen. Aber diese Vorwürfe beschränken sich im Grunde nur ans die eigent- lichcn Requisitendramen und die szenischen Reißer aus der letzten Schafsenspttiäde, die Mit ihren Tricks, Mit ihrem schwindelnd kecken und sicheren Aufbau nur die unfehlbaren Künste des Theaterröutiniers bewundern lassen. Aber wenn man Sardou gerecht beurteilen will, wird man von den krassen, in blutigen Marterszenen schwelgenden Schauer- drämen absehen müssen, die, wie„F e d o r g",„T o s c a" und „Theodora" ein Spectaculum entrollen, dos nur von der Dar- stellungstunst der Vertreterinnen der Titelrollen lebt, und dafür an die Zeit zurückdenken müssen, in der Sordäu die feinsten Sittenkomödien schrieb, die ihn zumindest als den glänzendsten Artisten der französischen Bühne kennzeichnen.„N o s Intimes",„R a b a- gas",„C y p r i e n n e",„M a r q u i i e" und der„Letzte Brief", um nur einige der erfolgreichsten Komödien zu nennen, hoben mit ihrem treffsicheren Witz, der Grazie und der geistreichen Ironie auch bei uns ihre Wirkung nicht verfehlt, und von der fron- zösifchen Bühne werden die besten dieser Komödien nicht so bald verschwinden. Dazu steckt in ihnen viel zu gutes Theater, das trotz dem veränderten Geschmack der Zeit seiner Wirkung sicher ist. Sardou hotte sich als dröiundzwanzigjähriger Student der Medizin vom Seziertisch zur Kulisse betehrt. Der Heiterkeitscrsolg, den seine erste Tragödie fand, hatte ihn-nicht entmutigt, sondern mir darüber belehrt, daß auf der französischen Bühne bei aller dramatischen Begabung ohne Technik kein Erfolg zu erringen sei. Diese Technik hat der junge Dramatiker dann in ständigem Ver- kehr mit dem Bühnonbetricb und den großen Schauspielern seiner Zeit zu einer Virtuosität ausgebildet, die ihn zum Beherrscher des Theaters werden ließ. Im Bewußtsein seiner bühnentechnischen Unfehlbarkeit wurde er im Verlauf seiner lauten Erfolge, die ja diese Unfehlbarkeit nur bestätigten, lässiger in der Sorg« um die künstlerische Gestaltung. Er wollte schließlich mir mehr Schauspielerstücke mit Bombenrollen schreiben, und wie gut ihm diese Absicht gelang, dafür ist seine unterhaltende„M adame sans Gene" der beste Beweis. Sardou, der 77 Jahre alt wurde, starb am 8. November 1908: feine theatralische Sendung war damals freilich schon vorbei— er hätte sich selbst überlebt. „vckschenktes Erbe". Zu unserem Artikel in Nr. 411 fügen wir eraänzenb hinzu, daß die BestiMMUngeli nur däNN rechtsgültig. olfv unanfechtbar stnd, wenn erst Datum und Ortsangabe uixb dann der volle Name stehen. Stettin als Wochenendziel. Berlins Geehafen.- Unbekannte Gehenswürdigkeiten. Einst sangen die allzeit bereiten Spötter von der Stadt an der Odermündung:„ Das schönste an Stettin ist der D- Jug nach Berlin!" Das war einmal. Man hat eben bei uns in Berlin von der Geographiestunde her meist eine vollkommen falsche Borstellung von dem Gebiet am Haff, das von vielen zum Gebiet des„ uninteressanten" norddeutschen Flachlandes gezählt wird. In Wirklichkeit bietet Stettin und seine nähere Umgebung selbst dem durch die mannigfaltige Schönheit der märkischen Landschaft etwas verwöhnten Berliner Eindrücke, die so leicht nicht zu vergessen sind, wovon man sich anläßlich einer von dem Berliner Wochenendausschuß veranstalteten Fahrt überzeugen fonnte. inhaber zwingen, die von ihnen abhängig sind. In einer einstimmig angenommenen Entschließung werden die Markthändler auf gefordert, zur Abwehr der bedrohlichen Zustände sich enger an ihren Verband anzuschließen. würdige und sehr eindrucksvolle Verfassungsfeier stattfand. Es geht| Wochenmärkten" gegründet haben, zu deffen Beitritt sie jene Stand also doch, wenn man nur mill. Um so fläglicher mutete die bayerisch- kissingensche Nachtwächterei an. Und gerade die Bayern hätten in Kissingen alle Ursachen, den deutschen Einheitsgedanken zu feiern, denn heute noch stößt man überall auf die Einzel- und Massengräber der in dem bayerisch- preußischen Brudermorden vom 10. Juli 1866 gefallenen 2000 Bayern und Preußen. Die republikanischen Verbände aber mögen hieraus ersehen, wie viel es noch zu tun gibt, um den 11. August zu einem großen Weihetag für Aldeutschland zu gestalten. Markthändler flagen. Die Wirtschaftsnot macht sich in starkem Maße auch bei den kleinhändlern bemerkbar, die schwer um ihre Eriffenz zu kämpfen haben. Das faufende Publikum verlangt auf den Wochenmärkten billigere Einkaufsgelegenheiten, dem stehen aber wieder die hohen Standgeldausgaben der Markthändler entgegen, die je nach der Beanspruchung des Marktes verschieden sind und von den Marktbesitzern oft willfürlich festgesetzt werden. Wie die Markthändler in einer Versammlung im HandwerkerVereinshaus in der Sophienstraße zugeben, wird die Standgelderhebung von der Stadt auf den städtischen Märkten immer noch am gerechtesten geübt. Ein Borstoß in dieser Richtung, die Standgelder zu ermäßigen, ist von den Stadtverordneten in Anbetracht der Notlage der Stadt abgelehnt worden. Neben den städtischen Märkten gibt es aber noch 90 private Marktpläge. Viele der sehr selbstherrlich vorgehenden Marktbesizer, besonders jene mit gutgehenden Wochenmärkten, erheben sehr hohe Standgelder, die sich von den Händlern nur schwer herauswirtschaften lassen, die sie aber bezahlen müssen, wenn sie nicht den guten Stand verlieren wollen, Die Preise schwanken von 60 Pfg. bis 2,- Mark pro Quadratmeter monatlich oder 1,20 Mark bis 8 Mart pro laufendes Meter. Zunächst Stettin selbst: Gleich beim Verlassen des Bahnhofes steht man mitten im Trubel echten Hafenbetriebes! Es riecht nach Tang und Teer! Dampfer an Dampfer liegt am Oderkai. Eine Motorbootrundfahrt durch den Hafen bringt weitere interessante Eindrücke: wir sind im größten preußischen Seehafen, in Berlins Seehafen, Berlins Vorzimmer zur Ostsee. Der modernste mehrſtöckige Betonspeicher Europas steht hier mit mehreren hundert Morgen Lagerfläche! Ringsum öffnet sich vor dem Blick die weite Niederung mit den vielen Armen der Oder, vor allem: mit dem Dammschen See, einem herrlichen Segelrevier. Bei näherem Zusehen merkt man weiter, daß die Stadt auch sonst auf der Höhe ist. Moderne zweckmäßig eingerichtete Hotels, davon rund zehn in städtischem Besitz, was sich in Berlin alle jene bürgerlichen Kommunalpolitiker merken können, die außer Gas, Wasser, Elektrizität und Verkehr keine anderen stadteigenen Betriebe dulden wollen. Unvergleichlich, die atenterrasse! In dem pompösen Muſeumsgebäude eine schöne Sammlung von Modellen aller Bauten des alten Stettiner Bulkan", die zweitgrößte Insektensammlung Europas( kommt gleich nach dem British Museum, London!) und eine In ihren Referaten tennzeichnen die Verbandsvorsitzenden Gemäldegalerie mit bedeutenden Werken von Liebermann ,. Corinth, ille und Irrgang vom Verband der Markthändler die C. D. Friedrich, Runge. In der alten Jakobikirche ein Kuriosum: Machenschaften der Marktbesitzer, die jetzt auf den Trick verfallen Das Herz des Balladen- Komponisten Löwe ist in einem Pfeiler links sind, die Einigkeit der Markthändler in der Forderung der Herabder Orgel beigesetzt. Weltberühmt ist der Parkfriedhof, wo die Kunstsetzung der hohen Standgelder dadurch zu sprengen, daß sie einen neuen Verein ,, Schutzverband der Händler und Besizer von Privat des Gärtners das sprichwörtliche Kirchhofsgrauen endgültig ausgelöscht hat. Die waldreiche Umgebung Stettins rundet das Bild: Da ist das idyllische Mesenthin inmitten weiter Waldungen, da ist vor allem die Buchheide mit prächtigem wildreichen Laubwald und bis etwa 150 Meter hohen Bergen, die lebhaft ans Thüringerland erinnern. Die Sonntagsrückfahrkarte nicht Stettin foftet 3. Klaffe 7,20 m. Fahrverbindungen ab Stettiner Bahnhof 8.35( D- 3ug), 9.20, 9.50 ( E- 3ug, nur noch bis 12. September), 10.40, 12.25( E), 14.00( E), 15.30( D), 15.55, 16.14, 18.00( E), 20.55( beschl. P- 3ug). Reichsverfassung in Bayern unbekannt? Merkwürdige Erfahrungen eines Ferienreisenden. Ein foeben aus seinem Urlaub heimgekehrter Leser schreibt uns: Wenn auch ein wenig spät, möchte ich Ihnen dennoch nicht meine Beobachtungen vorenthalten, die ich in diesem Jahr draußen im Reich aus Anlaß der diesjährigen Verfassungsfeier machen fonnte. Ich war in Bayern, in dem Raum zwischen Bamberg, Würzburg und der Rhön, also richtiger in Unterfranken. Den Berfassungstag verlebte ich in Kissingen, dem befannten Kur- und Badeort. Es war niederdrückend und beschämend zugleich, daß die vielen ausländischen Kurbesucher durch nichts darauf aufmertjam gemacht wurden, daß der Geburtstag der deutschen Republik war. Weder die staatlichen banerischen Kurgebäude noch die kommunalen Gebäude hatten die Reichsflagge gesetzt. Die Reichs post hatte die schwarzrotgoldene Fahne gezogen. Der Bahnhof in Kissingen weist eine schöne hohe Glasfuppel mit weithin sichtbarer Fahnenstange auf. Die Stange war leer. Ich ging zum Bahnhofsvorsteher. Ironisch lächelnd mies er mich hin auf zwei auf dem Bahnsteig stehende Fahnenstangen, an denen trübselig die Reichsfahnen hingen. Als ich bemerkte, daß die Reichsfahne hoch oben auf den höchsten Punkt des Hauses gehöre, erwiderte der Beamte doppeldeutig: Nein, da wo sie jetzt sind, gehören sie hin. Der bayerische Staat, dem die Bäder und Kurgebäude gehören, auf denen Tag für Tag die bayerische Fahne weht, hielt es nicht für nötig, am Verfassungstag die Reichsfahne zu zeigen. Lediglich ein Kurversorgungsheim für Kriegsbeschädigte hatte zwei mächtige großartig wirkende schwarzrotgoldene Flaggen aufgezogen und außerdem das Kurheim des Verbandes bayerischer Krankenkassen in Nürnberg. Keins der vielen Hotels hielt sich für verpflichtet, die Reichsfahne zu setzen. Wohl aber zog das Hotel Wohl aber zog das Hotel Fürstenhof, als die Frau Wilhelms von Doorn bei ihm abstieg, plötzlich die sonst in Bayern verpönte schwarzweiße Preußenfahne auf. Ein Hofphotograph zeigte in seiner Auslage ein Bild dieser Frau mit der Unterschrift: Ihre Majestät Kaiserin Hermine. Wenn nicht die Sozialdemokratische Partei und das Reichs= banner eine gut besuchte und gut gelungene Saalfeier veranstaltet hätten, dann hätte wohl niemand in Kissingen in Bayern des Verfassungstages gedacht. Im vorigen Jahr war ich um dieselbe Zeit zufällig in dem preußischen Weltkurort Wiesbaden, wo eine Der Allgemeine Wetterlage. 4.Sept. 1931, abds. 1100 9888 755 8 750 750 M 17138 20 Madrid 90 13 155 ON Owolkenlos, heiter, halb bedeck wolkig, bedeckt RegensGraupelo Schnee, Nebel, GewitterWindstille abla Der am Donnerstag abend über England befindliche Tiefdrucktern hat sich unter Vertiefung nach Ostfüdost bewegt. Gleichzeitig hat sich eine Teildepression über Böhmen gebildet. Auf der Südfeite des westlichen Tiefs sind fühle polare Luftmassen bis zur Elbe corgerückt. Sie brachten bei ihrem Eintreffen verbreitete Gewitterregen. In den deutschen Mittelgebirgen fiel stellenweise über 50 Millimeter Niederschlag. Das Depressionsgebiet wandert weiter nach Osten, so daß wir immer mehr auf seine Rückseite kommen werden. Damit ist mit weiter sinkenden Temperaturen zu rechnen. * Wetteraussichten für Berlin: Bei nach West bis Nordwest drehenden Winden veränderlich und fühler. Für Deutschland: Auch im Osten Abkühlung unter Gewitterregen, im übrigen Reiche ziemlich unbeständig mit Regenschauern. sbne | Gefährliches Pflaster auf dem Bahnhof Grünau. Ein Borwärts"-Leser macht uns darauf aufmerksam, daß das Pflaster des nördlichen Durchganges zum Bahnhof Grünau hinter der Sperre so schadhaft sei, daß leicht Schaden für die Fahrgäste eintreten könne. Der Asphalt weise so große Löcher auf, daß man dauernd stolpere. Wir bringen diese Aeuße rung hiermit zur Kenntnis der Berliner Reichsbahndirektion. Betriebseinstellung einer Kleinbahn. Der Aufsichtsrat der Kleinbahn A.-G. Grünberg Sprot ta u in Niederschlesien hat in seiner vor wenigen Tagen abgehaltenen Sitzung die Einstellung des Betriebes der Bahn mit Ablauf des Monats September beschließen müssen, da die Betriebseinnahmen dauernd hinter den Betriebsausgaben zurückbleiben und die betriebsführende Firma Lenz u. Co. weitere Vorschüsse nicht mehr leisten will und kann. Der Versuch, durch staatliche Mittel oder durch Garantieübernahme seitens der beteiligten Kreise und Städte eine Weiterführung zu ermöglichen, war bei der heutigen Finanzlage leider zum Scheitern verurteilt. Anträge für Turnhallen- Benutzung ernenern! Die den Vereinen erteilte Erlaubnis zur Benutzung der städtis schen Turnhallen in den Bezirken Mitte, Tiergarten, Wedding, Prenzlauer Berg, Friedrichshain und Kreuzberg erlischt Ende September 1931. Für das Winterhalbjahr 1931/32 kann die Benutzungserlaubnis für Turnhallen, unter Verwendung der üblichen Bordruce die an interessierte Vereine von den Bezirksjugendämtern der angegebenen Bezirke, vom Stadtamt für Leibesübungen, Berlin D 27, Holzmarktstr. 1, sowie von der zentralen Schulverwaltung im Stadthaus, unentgeltlich abgegeben werden beantragt werden. Die Anträge sind mit dem Vermerk ,, Winter 1931/32" zu versehen. ermert inter 1931/32" zu verschen. Eine große Trachtenschau im 300 veranstaltet der Elsässer und Lothringer Club Berlin am 5. September d. J. um 20 Uhr, bei der etwa 1000 Bolfstrachten aus allen deutschen Gauen mitwirken. Außer einent Boltstänze gezeigt werden. Die Eintrittspreise sind entsprechend den Verhältnissen sehr niedrig gehalten. großen Trachtenzug werden von den einzelnen Trachtengruppen ihre alten Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin G 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin stets an das Bezirkssekretariat 2. Hof, 2 Treppen rechts, zu richten Achtung! Donnerstag, 10. September, pünktlich 19% Uhr, allgemeine Funktionärfonferenz im großen Saal des Saalbau Friedrichshain, Am Friedrichshain 16-23. Referent und Thema werden noch befanntgegeben. Der Bezirksvorstand. Beginn aller Veranstaltungen 19% Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! 14. Areis. Botanzeige! Freitag, 11. September, findet cine Areismitglieder. versammlung in Aliems Festfälen statt. Heute, Sonnabend, 5. September: 6. Abt. Funktionärsizung bei Dobrohlam, Eminemünder Str. 11, 7. Abt. Heute abend wichtige Bezirksführersitzung bei Bärwalde, Schlegelftr. 8. 44. Abt. Achtung, Bezirksführer! 18 Uhr bei Ewald, Gtaliger Str. 126, furze wichtige Information. Jeder Bezirk muß unbedingt vertreten sein. 45. Abt. Heute, 20 Uhr, Funktionärversammlung im Reglerheim, Glogauer Ede Reichenberger Straße. Bezirksführer, die nicht erscheinen, müssen Ver. treter entfenden. 47. Abt. Funktionärigung bei W. Großer, Köpenicker Straße. 20a. 48. Abt. 20 Uhr bei Laudan, Luifenufer 52, Funktionärsigung. 64. Abt. Cladow. 20 Uhr Mitgliedernersammlung im Lokal Cladopce Sof in Cladow. Margarete Schenkalowsky: Zur politischen Lage. 79. Abt. 20 Uhr Funktionärsigung bei Grumow, Geßlerstr. 13. 95. Abt. Pünktlich 18% Uhr sehr wichtige Besprechung von Vorstand, Bea zirksführer und Bezirkskassierer bei Haase, Steinmegstr. 78. Morgen, Sonntag, 6. September: 57. Abt. 10 Uhr Funktionärsigung im Jugendheim Rosinenstr. 4. 94. Abt. 10 Uhr kurze, wichtige Besprechung des Abteilungsvorstandes und der Bezirksführer bei Schröder, Steinmetstr. 52. Erscheinen unbedingt Pflicht. Eichwalde. Auf unserem Zahlabend am Mittwoch, dem 9. September, 20 Uhr, spricht Genosse Martwig über: Wirtschaftsprobleme und russischer FünfJahres- Plan". Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß- Berlin. Kreis Tiergarten. Reftfalfen. Sonntag Fahrt. Abmarsch 7½ Uhr Kleiner Tiergarten. Essen, Trinken und 30 Pf. mitbringen. Wir sind 19 Uhr wieder zurüd. Kreis Kreuzberg. Gruppe Vorwärts. Achtung, Jungfalten! Heute Treffen zur Fahrt nach Neu- Fehlefanz 14% Uhr Rote Ede. Trinkbecher nicht vergessen. Gruppe Bergmannstraße. Sonntag Fahrt nach Machnower Schleuse. Treffen 8½ Uhr Rote Ece. Proviant und 70 Pf. Fahrgeld mitbringen. Lichtenberg- Nord. Sonntag, 6. September, Fahrt nach Lehniz. Treffpunkt 7 Uhr Bahnhof Frankfurter Allee. Gruppe Mariendorf. Treffen zur 1½- Tagesfahrt nach Jühnsdorf am 5. Septentber um 18 Uhr Bahnhof Mariendorf. Schlafsäcke nicht vergessen. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 27. Abt. Unsere Genossin Gertrud Höhne, Kopenhagener Str. 11, ist verstorben. Die Beerdigung findet Sonnabend, 5. September, 15 Uhr, auf dem Gethsemane- Friedhof in Nordend statt. 19W MODE. MOY elb Der neue OPEL der Wagen, der kommen musste! VON 2350 RM AN werden 1,2 Ltr. Vierzylinder( 22 PS) ab Werk Rüsselsheim geliefert. Einige der vielen Vorzüge: Nelson- Bohnalite Kolben- durchbohrte Pleuelstangen- dreimal gelagerte Kurbelwelle Gemischvorwärmung lange Federung, ca. 80% des Radstandes hydraulische Stoßdämpfer vorn Holz- Stahl- Karosserie. Der neue 1,2 Liter Vierzylinder Opel ist da! Eine Gipfelleistung der Konstrukteure des erfolgreichsten deutschen Automobils! Sie brauchen sich nur ans Steuer zu setzen und Sie werden sofort begreifen, warum dieser Wagen einen neuen Maßstab für Automobilwerte darstellt. Mit seiner modernen, auf traditionellen Erfahrungsgrund. sätzen fußenden Konstruktion, die noch nicht bewährte Neuerungen vermeidet, mit seiner eleganten, zweckmäßigen und widerstandsfähigen HolzStahl- Karosserie, mit seinem Preis, der weit unter VON OPEL GEBAUT seinem wirklichen Wert liegt, verkörpert er einen völlig neuen Begriff vom Bau kleiner Wagen. Er bietet hohe Leistung bei geringen Kosten. Er hat bleibenden Wert und ist schön. Das uralte Gesetz idealer Proportion, der> Goldene Schnitt, ist hier zum Prinzip für den Automobilbau geworden. Sie sind es sich selbst schuldig, eine Probefahrt mit dem neuesten Produkt Deutschlands größter Automobilfabrik zu machen, zumal Sie diese zu nichts verpflichtet, und für Sie unverbindlich ist. VON OPELER PROB T. D F G HN M OMO SAJ Sonnabend, 5. Geptember, Wochenendfahrt mit Schnitzeljagb. Fahrkarte nach Meichendorf. Züge ab Schlesischer Bahnhof 16.58 Uhr, Wannsee umsteigen ab Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin 17.43 Uhr, vorieten Wagen einsteigen. Radzügler 19.58 Uhr ab Schleicher Einsendungen für diese Rubrik nur an das Jugendsekretariat Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Heute, Sonnabend, 5. September: Arnimplag: 20 Uhr Funktionärversammlung beim Genossen Marunde, Gethsemanestr. 3, Quergebäude IV. Morgen Fahrt nach Brieselang. Treffpunkt 6% Uhr Bahnhof Nordring.. Brig: Fahrt nach Ertner. 1712 Uhr JahnEde Rudower Straße. Arnswalder Plaz II: Fahrt. 20 Uhr Bahnhof Weißenfee. Neukölln I und V: Fahrt. 19% Uhr Reuterplag. Reukölln VII: Fahrt. 18 Uhr Bahnhof Neukölln. Fahrgeld 1 M. Werbebezirk Wedding: Werbebezirkssprechstunde bei Fischer, Hochstr. 43, D. I, Don 18% bis 20 Uhr. Alle Gruppen müssen pünktlich vertreten sein. Werbebezirt Tempelhof: Wochenendkursus in Lehnig. 17% und 19% Uhr Ringbahnhof Tempelhof. Unkosten 1 M. * Renkölln X: Morgen Fahrt. 7 Uhr Bahnhof Neukölln. Schöneberg I: Morgen Fahrt nach Michendorf. 7 Uhr Bahnhof Schöneberg. Unkosten 80 Pi. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reid, sbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G. 14, Gebastianstr. 37-38. Sof 2. Tr. Gauvorstand. Sonntag, 6. September, Antreten zur Generalprobe im Stadion an der Avus wie folgt: 8 Uhr Jungba- Uebungsmannschaft Kreis Westen, Technische Uebungsmannschaft Kreis Osten; 9 Uhr alle Radfahrer und Sanitäter der vier Kreise, Jungba- Wanderkameradschaft Kreis Süden, Tauziehmannschaften; 9 bis 11 Uhr Gepäckmannschaften; 11 Uhr alle Musiker und Spielleute Berlins und der Vororte. Sonntag, 6. September. Mitte( Jungba). 7 Uhr Bahnhof Börse mit Marschgepäck. Friedrichshain( Ortsverein). 8 Uhr Antreten Schufo und Jungba in Bundeskleidung im Stadion an der Avus; Rameradschaften treffen sich um 7 Uhr in ihren Lokalen. Fahrt bis Bahnhof Ausstellung. Weißensee( Sportabteilung). 7½ Uhr Treffpunkt Spize, zur Uebung auf dem Sportplay Pankow. Wintersportabteilung. Bahnhof nach Seddin. Radfahrer 17 Uhr von unserem Stadion. Char. lottenburg( Ortsverein). Montag, 7. September, 20 Uhr, Mitgliederversammlung im Edenpalast, Charlottenburg, Kaiser- Friedrich- Str. 24. Referent: Ramerad Gauvorsitzender Stelling. Thema: Nach dem Fiasko des Voltsentscheids WinterParole nachstoßen. Von Mitgliedern eingeführte Gäste willkommen. sportabteilung. Die Züge Ruderriege und Oberspree beteiligen sich an der Auffahrt zum Gewerkschaftsfest in Treptow. Abfahrt 13% Uhr vom Bootshaus. per Bun AB Arbeiter- Samariter- Bund e. V., Kolonne Berlin. 1 Geschäftsstelle: R. 24, Gr. Samburger Str. 20. Tel.: D 1 Norben 3340. Montag, 7. September. Tempelhof: Lokal Lindisch, Mariendorf, Königstr. 44. Neukölln: Lokal Gauer, Pannierstr. 54. Köpenick: Lokal Hinge, Schönerlinder Str. 5. Bohnsdorf: Lokal Heimann, Waltersdorfer Str. 100. Dienstag, 8. September. Mitte: Schule Gipsstr. 23a. Friedrichshain: Lokal Busch, Tilsiter Str. 27. Spandau: Jugendheim NeuenSchönedorfer Straße.- Wilmersdorf: Lokal Kroiß, Holsteinische Str. 60. berg: Lokal Gehrke, Ebersstr. 66. Treptow: Lokal Graez. Ede Wildenbruchstraße. Hermsdorf: Schule Freiherr- v.- Stein- Straße. Donnerstag, 10. September. Charlottenburg: Jugendheim Rosinenstr. 4. Pankow: Jugendheim Kissingenstraße. Wedding: Lokal Duwe, Schulstr. 109. Freitag, 11. September. Tiergarten: Lokal Malonek, Litbeder Str. 3. Kreuzberg: Lokal Krepp, Am Urban 20. Steglig: Lokal Rohde, Lichterfelde, Roonstr. 39. Adlershof: Unfallstation Hackenbergstraße. Lichtenberg: Lokal Ceipke. Dienstag, Montag, 14. September. Weißensee: Lokal Bohacet, Mirbachplak. Montag, 15. September. Prenzlauer Berg: Schule Kastanienallee 81-83. 21. September. Jugendabteilung: Geschäftsstelle des ASB. Montag, 28. Geptember. Kleingärtner: Geschäftsstelle Tegeler Weg 44. Freireligiöse Gemeinde. Eonntag, 11 Uhr, Bappelallee 15, Bortrag des Herrn C. Witthauer:„ Die Lösung der sozialen Frage durch den Kapitalismus?" Harmonium: 2 Wiegenlieder( Brahms). Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Ortsgruppe Moabit. Dienstag, 8. September, 20 Uhr, Bandelstr. 35, Monatsversammlung. Referent: Gauleiter Kame. rad Marg. Blattbentscher Berband Berlin. Heute, Sonnabend, im Rafferfant des 300 Ball der Plattdeutschen. Anfang 20 Uhr. Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinter. bliebenen, Bezirk Zentrum. Montag, 7. Geptember, 20 Uhr, Festsäle Hackescher Hof, Rosenthaler Str. 40-41, Monatsversammlung. Bezirk Wedding. Mitgliederversammlung am Dienstag, dem 8. September, 20 Uhr, im Lokal Pazenhofer, Chausseestr. 64. Referat des Gausekretärs Kamerad Schwarz. Arbeiter- Abstinenten- Bund, Bezirksgruppe Prenzlauer Berg. Connabend, 5. September, 20 Uhr, alkoholfreie Gaststätte, Immanuelkirchstr. 9, Gruppenabend. Arbeiter- Radio- Bund Deutschlands e. V., Bezirksgruppe Berlin. Zentrale Sprechstunden Montags und Freitags ab 18 Uhr Reichenberger Straße 30, Hof II r. Freitag, 11. September. Friedrichsfelde: Lobal Tempel, Gudrunstraße 7. Mitgliederversammlung und Werbeabend um 20 Uhr. Friedrichs hain: Lokal Wertalla, Hohenlohestr. 3. Mitgliederversammlung und Kulturportrag. Referent: Genosse Blauner. 20 Uhr. Gesundbrunnen: Lokal Münzberg, Stettiner Str. 52. Technischer Frageabend und Programmfestsegung. Leitung: Genosse Ringel. 20 Uhr. Kreuzberg- Tempelhof: Lotal Thiele, Fürbringerstr. 9. ,, Elektrische Gesetze und Maßeinheiten." Referent: Genosse Mewes. 20 Uhr. Lichtenberg: Lotal Hämmerlein, Rigaer Str. 50-51. MitgliederverNeukölln- Treptow: Lokal sammlung und Programmfestsetzung. 20 Uhr. Eggers, Kaiser- Friedrich- Str. 8. Wirkungsweise eines Mikrophons." Referent: Genosse Kirsch. 20 Uhr. Dienstag, 8. September. Prenzlauer Berg: Lokal Klug, Danziger Str. 71. Bauabend für unsere Vereinsgeräte. Leitung: Genosse Schmidt. 20 Uhr. Achtung! Mittwoch, 9. September, Vorstandsfizung in der Zentrale. 19½ Uhr. Die Freie Arbeiter- Stenographen- Vereinigung GroßBerlin hat es sich zur Aufgabe gemacht, jedem die Erlernung und Pflege der Kurzschrift in leichtester Weise durch Anfänger- und Fortbildungskurse zu ermöglichen. Die Anfängerturse in Reichsturzschrift haben soeben begonnen. Kursusdauer 15 Abende. Der Unkostenbeitrag beträgt einschließlich Lehrmaterial 10 M. Erwerbslose 5 M. Auskunft erteilt A. Theisen, Berlin- Tegel, Brunowstr. 47. etwa Die Tuchhandlung Franz Fischer, Berlin C. 2, Moltenmarkt 11, konnte am 1. September dieses Jahres auf ein 90jähriges Bestehen zurückblicken. Die Firma beging dieses seltene Jubiläum in ihren neuen vergrößerten Näumen am Moltenmarkt 11, wo im Jahre 1841 auch die Gründung erfolgte. Theater, Lichtspiele usw. Staats M Theater Staatsoper Unter den Linden. Sonnabend, den 5. September Ende 222 Uhr. 20 Uhr. Der fliegende Holländer. Staatl. Schauspielhaus Gendarmenmarkt. Anfang 20 Uhr Prinz Friedrich von Homburg SCALA Barbarossa 9256 Tägl. 5 u. 81/2 U. THE 22 INCENUES HUDSONWONDERS und das große Sept.- Programm Schiller- Theater Charlottenburg. Anfang 20 Uhr Der Richter von Zalamea PLAZA Tägl. nachm 5 Uhr Sonntag 2 u. 5 Uhr LEHAR OPERETTE FRIEDERIKE Winter Garten 8.15 Uhr Flora 3434 Rauchen erlaubt Die Sechs von der Staatsoper. Cortinis Dollarsegen. Salerno. 12 Bratanos. Rhoenrad- Sens usw. Sonnabend und Sonntag je 2 Vorstellungen 4 und 815 Uhr. 4 Uhr kleine Pr. Städt. Oper Charlottenburg Bismarckstraße 34. Sonnabend, 5. Sept. Turnus II Anfang 20 Uhr Das Spitzentuch der Königin Ende gegen 23 Uhr Tagl. 815 Uhr abds. Metropol- Theater VARIETE 30 Pf. bis 2.- M 8% Uhr CASINO- THEATER 8% Uhi Lothringer Straße 37. Täglich 8% Uhr dle neue Paul- AbrahamOperette Die Blume le fru von Hawai Nur noch wenige Aufführungen unter persönl. Ltg Das Parfüm meiner Frau des Komponisten Dazu das Eröffnungsprogramm von HANS BERG konferiert. Gutschein 1-4 Personen. Parkett nur 50 Pf. Fauteui u. Balkon 1.-, Sessel 1.50 Mk. LUNAR Sonnabend u. Sonntag: Zweitägiges Sommerfest der Berl. Feuerwehr Gr. Festprogramm ab 3 Uhr Nachmittags für die Kleinen: Konzert Preisspiele Festzug * Humorist. Varieté Abends für die Grossen: Artistische Sensationen u. A. Der boxende Bär Fest- Feuerwerk Alle Attraktionen in voll. Betrieb HAUS VATERLAND KURFÜRST 7460 Das ergnügungs Restaurant Berlin's KEMPINSKI BETRIEB Theater desWestens Tägl. 5 u. 8% Viktoria Komische Oper 812 Uhr Reichshallen- Theater Allabendlich Fest- Programms Britton 50 Jahre Stettiner Sänger Sonntag, den 6. September Erste Nachmittagsvorstellg. Halbe Pr.! Das volle Fest- Progr. 32 U. Rennen zu Karlshorst Sonnabend, den 5. September, nachmittags 3 Uhr Deutsches Hürdenrennen. INTERNATIONALE HYGIENE AUSSTELLUNG DRESDEN 1931 and dru Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeige Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Mechaniker Wilhelm Baumgärtner geb. 26. November 1877, am 2. September gestorben ist. Die Einäscherung findet am Sonnabend, dem 5. September, 17 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Nachruf. Am 30. Auguft starb unser Kollege, der Schleifer Otto Sasse Die Einäfcherung hat bereits stattgefunden. Ehre ihrem Andenken! Die Ortsverwaltung. 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Zu haben zum Preise von M. 2,50 in der Buchhandlung J. H. W. Dietz Nachf. G. m. b. H. Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Gewinnauszug 5. Klasse 37. Preußisch- Süddeutsche Staats- Lotterie. Ohne Gewähr Nachdrud verboten Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 23. Ziehungstag 4. September 1931 In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 m. gezogen 4 Gewinne zu 10000 m. 19989 135800 4 Gewinne zu 5000 m. 284065 325948 14 Gewinne zu 3000 m. 9854 46764 96633 111321 275467 324886 365122 62 Gewinne au 2000 m. 2527 7731 15690 37207 41357 48194 56429 106493 110050 124783 145408 173140 176582 182961 194037 198583 233735 251594 273656 279854 281776 292560 303142 312983 321924 324972 328119 329422 360305 396356 397752 66 Gewinne zu 1000 m. 13092 25203 42253 57162 61522 64901 73597 97621 103816 107845 111200 142622 152136 172946 177362 183988 195069 197153 206024 210890 220832 223405 258888 266019 268918 273200 274637 278219 283864 285383 297964 322047 384861 176 Gewinne au 500. 452 5130 6953 9998 13709 23281 28910 33025 39145 44394 47200 50305 53345 54275 56210 61634 63331 65607 70852 77007 85275 87718 87792 88649 91472 100979 107300 111316 112365 114240 125465 126227 132645 142610 159524 160085 160306 164026 164534 169672 171723 175007 185362 186467 189662 206716 206879 223933 225179 228306 235939 237885 244189 247073 247764 256612 258369 260513 264856 267562 271702 275319 276375 278521 278952 284650 290043 301079 304895 317548 319374 321496 328362 331703 334966 337889 343041 343478 353814 367080 369933 371923 378028 379240 383613 383777 386586 392440 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 m. gezogen 4 Gewinne zu 10000 m. 226300 325961 12 Gewinne au 5000. 44714 108880-200871 248403 282265 381134 16 Gewinne zu 3000 m. 34103 36584 69660 141130 271603 311193 318696 351247 38 Gewinne au 2000 m. 987 16519 33480 62329 90362 111863 154263. 178030 191970 204007 204390 211347 221648 243882 257160 266783. 279064 348878 355032 1 1 201 92 Gewinne zu 1000. 7569 7616 39251 54134 54790 58504 65279 70767 86381 105651 106678 107452 108755 112730 116842 125713 131837 166592 186434 201751 214242 216505 229725 231204 248350 248951 250451 256819 275794 282303 289821 291839 297241 309020 324335 327064 330455 340756 348494 363295 366859 368972 379065 388086 396037 397524 154 Gewinne an 500 m. 2266 23922 34271 52170 60482 66492 67631 71976 76008 80605 84093 85118 88292 96005 102268 102640 106787 108392 122648 123421 132145 135294 138763 142064 147424 154778 156814 160131 164111 164430 164996 168178 169827 171530 176483 182921 188099 204628 215338 233196 233721 244813 246000 247929 256276 257536 262326 265952 272616 272674 274342 275703 282953. 285225 288102 292929 298074 304265 306844 315668 322122 337750 341173 344681 345888 349526 369378 371159 376979 380516 381135 381702 382326 385947 389375 395202 399841 Jm Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000, 2 Geminne zu je 300000, 2 zu je 200000, 4 zu je 50000, 10 zu je 25000, 50 zu je 10000, 102 zu je 5000, 218 zit je 3000, 570 zu je 2000, 1198 zu je 1000, 1842 zu je 500, 5558 zu je 400 Mart. KLEINE ANZEIGEN Preise: überschriftswort 25 Pfennig, Textwort 12 Pfennig Wiederholungsrabatt: 10 mal 5 Proz., 20 mal oder 1000 Worte Abschluß 10 Proz., 2000 Worte 15 Proz., 4000 Worte 20 Proz. Stellengesuche: Überschriftswort 15 Pf., Textwort 10 Pf. Anzeigen, welche für die nächste Nummer bestimmt sind, müssen bis 412 Uhr nachm. im Verlag, Lindenstr. 3, oder auch in sämtl. Vorwärts- Filialen und-Ausgabestellen abgegeben sein Verkäufe Ballonrenner, Ballon- Touren-, Wenig getragene Gewerkschaftler Gabardine- Mäntel, faufen Möbel billig Marengo Sommer in der Möbelfabrit Ballon. Damenma paletots, Sportan- Elsässerstr. 86-88, fchinen 50.-, 58. Defen, züge, Fradanzüge, vorn 1 Treppe, im 65.-, 75.-, Origi eiserne, jeder Art, Smokinganzüge, Gewerkschaftshaus nal- Brennabor- Bal. Teilzahlung, trans- Gehrodanzüge, der Metallarbeiter. Ionräder 85.-. portable Rachel Jackettanzilge, für Teilzahlung bis zu Machnow, Weinöfen, Badewannen, jede Figur paffend. 12 Monaten ohne meisterftr. 14. 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Reichstogsabgeordneter Kurt H ei n i g sprach in dem überfüllten Saal über das Thema„Die Beamten, die Staats- einnahmen und die Wirtfchaftskrife". Er führte aus: Die Schwierigkeiten der deutschen Wirtschaft und des deutschen Staates werden von vielen immer wieder auf dieselbe Ursache zurückgeführt: die Sozialdemokratie sei schuld. Berschlimmern sich die Zustände, so kommen meistens die Beamten noch als Schuldige hinzu. Durch Beamtenabbau, Beamten- gehaltskllrzung wollen die politischen Propheten der Neuzeit viele, wenn nicht alle Probleme lösen. Solchen Propheten laufen sogar große Beamtenschichten nach. Es ist allerdings schwer, bei dem komplizierten Aufbau der heutigen Wirtschaft und des Staatslebens und bei der schnellen Veränderung der Lage immer den Ueberblick über die Ge- samtzusammenhänge zu behalten. Aber nur aus den Ge- samtzusammenhängen können die heutigen Erscheinungen erklärt werden. Die allgemeine Ursache für die heutige Wirtschastsnot, für alle Etatschwierigkeiten ist heute immer noch der Weltkrieg mit seinen Folgen. Durch den Weltkrieg hat Europa seine Stellung als industrielle Werkstatt für die ganze Welt verloren, und eine Welt- industrie, doppelt so groß wie die Industrie der Vorkriegszeit, ringt auf dem Weltmarkt um die Absatzmöglichkesten. Das ist die Ursache der ungeheuren Verschärfung der Wirtschaftskrisen in der Nach- kriegszeit. Aber auch die Staatshaushalte aller kriegführenden Länder, nicht bloß der besiegten, sind durch die Kriegsfolgen un- geheuer stark belastet. Nicht nur Deutschland zahlt Milliarden für die Kriegsopfcrversorgung, sondern England. Amerika, Frankreich und Italien zahlen dafür ähnliche und größere Summen. Deutschland trägt auch nicht allein Kriegsschulden. 51 Proz. der englischen Staatsausgaben werden nur für den K r i e g s s ch u l d e n d i e n st ver- wandt, und die Vereinigten Staaten müssen Tilgungsraten für die Kriegsschulden bis 1945 zahlen. Dazu kommen bei den auherdeutschen Staaten noch die ständig wachsenden Rüstungsausgaben. Das Kriegsschuldenfeierjahr, das von choover vorgeschlagen wurde, war eine Notwendigkeit nicht nur für Deutschland, sondern für die ganze Welt. Die Sozialisten aller Länder haben schon vor zehn Iahren nicht nur den Ausschub der Zahlungen, sondern die Streichung aller Kriegsschulden gefordert. Kapitalistisch« Maßnahmen zur Wirtschaftsrettung bleiben eben immer halbe Maß- nahmen und kommen noch dazu fünf Minuten nach Zwölf. Die Frage, warum die Sozialisten, zumindest in Deutschland, nicht ihre Vorschläge verwirklicht haben, taucht immer wieder aufs neue auf. Aber es wird dabei immer wieder vergessen, daß weder in Deutschland noch in irgendeinem anderen Lande die Sozialisten die Mehrheit und damst die Macht jemals in chänden gehabt haben. Die Beamten selbst waren es ja zum Teil selbst, die der Sozialdemokratie in der Ausübung der Verwaltungs- macht die Hände gefesselt haben. Die Volksfremdheit brester Be- amtenschichten hat den Haß gegen sie erzeugt, und aus derselben Duelle bezieht die jetzt wiederauflebende Beamtenhetze ihre Argumente. Trotz der in Deutschland verschärften Krisennot ist im deutschen Etat das Gebiet der Sozialpolitik und der Be- amtenrechte gegenüber ollen anderen Ländern am weitesten ausgebaut. Gegen diesen Sozialetat, gegen die Beamtenrechte rennt die Reaktion an, und sie wird dabei von einem Teil der Beamten unterstützt. Keine der reaktionären Richtungen weiß ober, wie sie die Konjunkturgebundenheit des deutschen Reichsetats. die nicht nur auf der Ausoobenseite besteht, anders meistern soll, als es durch die Sozialdemokratie vorgeschlagen wird. Die Sozialdemokratie will in diesem Kampfe klar« Fronten schaffen, und sie appelliert dabei an die Hilfe der Beamten, die politisch und gesellschaftlich in die gemeinsame Front aller Werk- tätigen gehören. Diese gemeinsame Front aller Arbeiter, Angestellten und Beamten unter Führung der Sozialdemokratie zu schaffen, ist die Aufgabe jedes denkenden Beamten! Besondere Zustimmung fand der Redner bei seiner witzigen Abfertigung einiger gegnerischer Zwischenrufer. Die Kundgebung wurde mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen. Die„harmlosen" Naziheime. Oer Kall Kenner Brockway. Eine berechtigte Maßnahme. In der Frcitagmorgenausgabe des„Vorwärts" haben wir über die Herrcnhausversammlung der Deutschen Liga für Menschenrechte, in der der engliche Abgeordnete Fenncr- Brockway über die englische Regierungskrise sprach, berichtet und dabei erwähnt, daß der Versammlungsleiter Ernst Toller sich eine unglaubliche Beschimpfung gegen den Bezirksvorstand der Berliner Sozial- demokratie geleistet hat. Er verlas nämlich einen Brief, den der 2. Vorsitzende der Berliner SAI.. Krcßmann, an Fenner-Brock- way gerichtet hatte, um ihm mitzuteilen, daß der Berliner Bezirks- vorstand der SPD. gegen die Absicht der SAI., Fenner-Brockwey als Redner auf einer Berliner Jugcndkundgebung auftreten zu lassen, Einspruch erhoben habe. Da nun Fenncr-Brockway kürz- lich in Polen gesprochen hatte, bezeichnete Toller den Berliner Be- zirksoorstand als„p i l s u d s k i s ch e r denn P i l s u d s k i". Es fällt uns nicht ein, mit dem Dichter Ernst Toller über politische Dinge zu diskutieren. Seine politischen Werturteile intcr- essieren uns nicht. Notwendig erscheint uns lediglich, die Gründe klarzustellen, die den Berliner Bezirksvorstand zu seiner Stellung- nähme veranlaßt haben. Fenner-Brockwoy ist einer der Führer jener Unabhängigen Arbeiterpartei Englands, die in schärfster Opposition zur Labour-Party steht und vor wieder- holten Disziplin brächen gegen sie nicht zurückgeschrc-tt ist. Die Unabhängige Arbeiterpartei hat übrigens, seitdem sie diesen links- radikalen Kurs eingeschlagen hat und«ine Art Ersatz für die in England fast fehlende kommunistische Bewegung bildet, an politischer Bedeutung stark verloren. Gerade Fenner-Brockway hat in den letzten Jahren trotz eindringlicher Warnungen des Sekretariats und der Exekutive der Sozialistischen Arbeitcrinter- nationale an verschiedenen Kongressen teilgenommen, die unter Münzenbergs Regie von Deckorganisarionen der K o in- m u n i st i s ch e n Internationale veranstaltet wurden. Die 'Redner seiner Partei haben sich erst vor wenigen Wochen auf dem Wiener Kongreß der Sozialistischen Arbeiterinternationalc über die deutsche Sozialdemokratie in einer Weise geäußert, die bei der erdrückenden Mehrheit des Kongresses helle Empörung aus- gelöst und ihnen eine vernichtende Abfuhr durch Otto Bauer in feinem Schlußwort eingebracht hat Nach alledem hatte die Berliner Sozialdemokratie alle Ver- anlassung, gegen dos Auftreten Fenner-Brockways in einer Der- jamlung der Berliner Arbeiterjugend Einspruch zu erheben. Vor allem aber gebieten es die Regeln der internatio» Sal«» 3 as a mrne a a ob e l t, daß die Partei sich nicht aus- Oer eir�achü „-- und wenn die Polizei kommt, singen wir ein frommes Oed." Kundgebung der Freidenker. Kür die Kreiheii des Geistes. Der Internationale Freidenker- Kongreß, der von Sonnabend bis Dienstag in Berlin tagt, fand«ine großartige Ein- leitung durch die öffentliche Kundgebung, die unter dem Zeichen internationalen Kampfes gegen Kulturfaschismus gestern in der„Neuen Welt" stattfand. Da der große Saal die Massen nicht faßte, mußte eine Porallelversammlung veranstaltet werden, die gleichfalls überfüllt war. Der Grundton aller Reden ging dahin, ein« Vereinigung der sogenannten Brüsseler International« und der Internationale proletarischer Freidenker nach besten Krästen herbeiführen zu wollen. Ein wuchtiger, von Leidenschaft getragener und in volkstüm- lichem Tone gehaltener Sprechchor von Bruno Schönlank, „Die Jugend grüßt den Weltkongreß", bei dem Arbeitersportler, Arbeiterjugend, Kinderfreunde, Sprech- und Bewegungschor, Ar- beitersanger, die Jugerchgruppe im Deutschen Freidenteroerbond. der freie Körperkukturkreiz Kreuzberg und das Doppelquattett der Frei- denker in prächtiger Zusämmenarbeit mitwirkten, bildeten den wohl- gelungenen Auftakt. Dann rezitierte, beseelt durch sein mitreißendes Temperament, Alfred Beierle Verse der Frecheit. Ein Wald von roten Fahnen umrahmte die Bühne, rotes Tuch schmückte den Saal. Als erster Redner sprach Fritz Schmidt-Berlin: Zwei Internationalen tagen, beide streben nach einer Einigung. Aber wenn wir hier alle die Sportler, die Jugend, die Sänger die Künstler zusammenwirken sehen, dann wissen wir, daß der freie Gedanke im Vormarsch ist und jeden Kampf siegreich bestehen wird. Beten gibt kein Brot, und der Himmel hilft nicht. Wir müssen uns selber helfen, damit wir siegreich sind. Vereinigen wir uns zum Kampfe gegen die Reaktion jeder Art, schaffen wir die Einheit aller vom Gedanken der Freiheit getragenen Elemente. Der Präsident der Freidenker-Jnternationale, Teroagnc-Velgicn. betonte, welche Stärkung im Kampfe für die ausländischen Genossen das wundervolle Schauspiel gewesen sei, das sie eben mit künstleri- schem und proletarischem Empfinden genossen hätten. Er fuhr fort: „Unsere beiden Völker haben sich zerfleischt, sie müssen sich vereinigen. Der freie Geist bereitet diese Zukunft vor im Kampf gegen Kapital und Kirche. Unser Kampf muß positiv sein, unsere beiden Jnter- nationalen müssen sich verbrüdern." Prof. Hartw'g-Tschechoslowatei sprach von dem Ausnahmegesetz, das in Deutschland gegen die Freidenker bestände. Er wolle den Reichsinnenminister Wirth beruhigen, kein Freidenker denke daran. die Gläubigen aus der Kirche herauszuholen, nein, man wolle nur die gewinnen, die nicht mehr glauben, aber doch noch in der Kirchs sind. Könne die Kirche nicht froh sein, wenn man ihr diese un- gläubigen Glieder entzöge?(Heitere Zustimmung.) Ich grüße euch mit dem Worte: Freiheit! Ronzaal-Oesterreich beleuchtete den schweren Kampf, den gerade sein Heimatland gegen die kulturell« Reaktion durchzukämpfen habe. Bei der Frage der Abänderung des völlig veralteten Ehegesetzes habe sich die Regierung an den päpstlichen Stuhl gewandt, ob es ja auch erlaubt sei, das Gesetz zu ändern. Alle, in deren Hirne die Sonne hineingeleuchtet hat und deren Hirnkasten einmal ausgekehrt wurde, müssen sich vereinigen. Brot ist Freiheit, Freiheit Brot, und Freiheit ist auch geistiges Brot! Roel-Frankreich betonte die Notwendigkeit der Durchsetzung des Laienunterrichtes in allen Ländern. Es muß dem freien Gedanken zum Siege verHolsen werden, damit die Menschen aller MÄien und aller Nationen die neuen großen Ziele der Zukunft ver- wirklichen können. Chapman- England legte dar, es sei falsch, den Kampf der Engländer sür Freidenkertum als leicht anzusehen. Die Klerikalen sind hier nicht die offenen Feinde wie in anderen Ländern, aber sie kontrollieren unter der Hand die Press« und beeinflussen die ökonomische Lage der einzelnen. Kampf der Freidenker muh auch Kampf für Sozialreform und Besserung der Lebenshaltung fein. (Anhaltender Beifall.) Die Vergangenheit des Freidenkertums weift auf Ström« vergossenen Blutes. Sorgen wir in zäher Kleinarbeit dafür, daß Haus und Familie und damit die Zukunft uns gehört. hoving- Holland verglich die christliche Liebe der Kirche, die nichts kostet, mit sozialistischer Solidarität. Der freie Gedanke allein, der auf wahrer Sittlichkeit gegründet ist, weist in die Zu- kunft. Das Wort des großen holländischen Freidenkers Spi- n o z a, daß wir nichts für uns wünschen dürfen, was wir nicht auch den anderen wünschen, muß uns Leitstern sein. Wir Hol- länder, die wir gleichzeitig Weltbürger sind, erstreben den Einheits» gcdanken der Freidenkerbewegung. Fräulein Parodon-Belgien, die Sekretärin der Freidenker-Inter- nationale, überbrachte besondere Grüße der freidenkenden Frauen undappellierte in wirkungsvollen Worten an den Geist des Friedens und der Freiheit. Mit dem gemeinsamen Gesang der Internationale schloß die imposante Kundgebung. ländische Referenten einlädt, von denen zu befürchten ist. daß sie eine Bruderpartei, nämlich die englische Arbeiterpartei, herunterreihen werden. Nach seinen eigenen Bekundungen hatte der Verfasser des Briese» an Fenner-Brockway sein Schreiben ausdrücklich als persön- lich und vertraulich bezeichnet. Das hat Fenner-Brockway nicht daran gehindert, den Brief einerseits dem Versammlungsleiter Ernst Toller, andererseits der bürgerlichen englischen Reuter- Agentur zwecks Weiteroerbreitung zu übergeben. Allein dieses Vorgehen beweist, wie recht die Berliner Bezirksleitung mit ihrem Einspruch hatte. Im übrigen hat am Freitagabend eine Sitzung der Berliner Kreisleiier stattgefunden, die das Verhalten des Bezirksvor- standcs und besonders des Genossen Franz Künstler in dieser Angelegenheit rückhaltlos gebilligt, dagegen das eigen- mächtige Vorgehen des Briefschreibcrs Krcßmann entschieden oer> urteilt hat._ Mairosenfleg in Chile. Regierung muß nachgeben. Uew Bort. 4. September. Es scheint, daß es der Regierung gelungen ist,«ine grundsätz- liche Einigung mit den aufständischen Matrosen zu erzielen. Der die Verhandlungen führende Admiral hat die Beditigungen der Rebellen der Regierung unterbreitet. Die Regierung soll erklärt hoben, daß sie den bisherigen Sold weiterzahlen und von Bestrafungen wegen der Meuterei absehen wird. Das Ende der Meuterei ist in greis- bare Nähe gerückt, falls nicht die Regierung in letzter Stunde sich daraus versteift� von den Rebelle» bedingungslose Unterwerfung zu fordern. Die Lage der Regierung ist jedoch nicht gerade günstig. Das Fliegerkorps hatte sich geweigert, die Schiffe der Rebellen mit Bomben zu belegen. Gestern ist über das ganz« Land der Be- lagerunzszustand verhängt. LlSA.-Kapiialinteresse. New Bort. 4. September. Ungeachtet der Erklärungen der chilenischen Regierung, daß die baldige Beendigung der Flottenmeuterei und der sonstigen Un» ruhen bevorstehe, beschäftigen sich die Morgenblätter weiter sehr eingehend mit der Möglichkeit der Ausbreitung der revolu- tionären Bewegung. Die Zeitungen weisen dabei auf die großen Investierungen amerikanischen Kapitals in Chile hin. Nach einem Bericht der„New Park Times" hat die Armee bisher jede Aufforderung, sich dem Ausstande der Flotte anzu- schließen, abgelehnt. Die Ausländer haben Selbstschutzmaß- nahmen getroffen. llnruhen auch in Ecuador. New Bork. 4. September. „Associated Preß" meldet aus Guayaquil, dem Hafen von Ecuador, daß dort fortgesetzt kommunistische Unruhen vor sich gehen. Die Unruhen begannen unmittelbar nach Demonstra- tionen gegen das ausländische Zündholz-Monopol. IVafsenfunde bei Kommunisten. Aus Grund verschiedener Verdachtsmomente unternahmen am Freitag in dem Bergarbeiter- städtchen Sandersleben Schutzpolizisten aus Bernburg eine Durch- suchung zahlreicher von Konnministen bewohnter Häuser. Es wurden rund Ä Militär- und Jagdgewehre, zahlreiche Revolver und Pistolen sowie mchrer« 100 Schuß Munition und verschiedene Hieb» und Stich- wass«n gefunden und beschlagnahmt, Ausflang in Frankfurt. Ein Kampfruf an die Arbeiter. Frankfurt a. M., 4. September.( Eigenbericht.) Theodor Leipart dankte für die Wiedergewählten und für seine Person für das ausgesprochene Vertrauen. Von den besoldeten Vorstandsmitgliedern sind unser Senior Alexander Knoll und unser Finanzminister Hermann Rube ausgeschieden. Sie treten zurück, weil beide schon das 65. Lebensjahr erreicht haben und jüngeren Kräften Platz machen wollen. Auch Hermann Müller, der bis zum nächsten Kongreß die Altersgrenze überschritten haben würde, ist ausgeschieden. Auch ich wäre bereit auszuscheiden, jedes mal aber, wenn ich darauf zu sprechen tomme, hat man mich stets in der Rede unterbrochen und gesagt, daran sei nicht zu denken. Die Arbeiten des Bundes wachsen. Eine Erweiterung des Büros ist dringend notwendig. Wir fönnen auch nicht mehr leisten als der Tag Arbeitsstunden hat. Von den ausscheidenden Borstandsmitgliedern nehmen wir noch nicht Abschied. Wir hoffen, daß sie uns noch recht lange mit ihrem Rat zur Seite stehen. Die ganze Gewerkschaftsbewegung weiß den Scheidenden Dank für ihre raftlose Arbeit und Hingebung an die Sache der Arbeiter. Der Kongreß erhebt sich und zollt den Scheidenden minutenlangen Applaus. leber Anträge zu den Bundessazungen sowie Sonstige Anträge berichtete Reichel für die Antragskommission. Die meisten Anträge gelten als erledigt oder zurückgezogen oder sic werden dem Bundesvorstand als Material zur Berücksichtigung überwiesen. Darunter befindet sich auch ein Antrag des Hauptvorstandes der Metallarbeiter, auf die Tagesordnung des nächsten Kongresses die Frage Frauenarbeit und Gemertschaften" zu setzen. Ein Antrag der Berliner Metallarbeiter, allen Zeitungen des ADGB. zu verbieten, Inserate privatkapitalistischer Versicherungsgesellschaften aufzu= nehmen, wurde als erledigt erklärt, weil sich das von selbst verstehe. Ebenso ging es einem Antrag des Metallarbeiterverban= des Stuttgart, wonach der Kongreß die Arbeiterschaft auffordern soll, sich den Konjumgenossenschaften anzuschließen und nur dort ihren Bedarf zu decken. In einer besonderen Entschließung lehnt der Kongreß alle Bestrebungen ab, die auf die Herausnahme der Heimarbeiterschaft aus der Arbeitslofenversiche rung gerichtet sind. Er fordert die Einbeziehung der Heimarbeiter in die Arbeitslosenversicherung und verlangt die Wiederherstellung des uneingeschränkten Rechtsanspruches auf Unterstützung der erwerbslosen Jugendlichen und verheirateten weiblichen Arbeitnehmer. Damit war die Arbeit des Kongresses abgeschlossen. Alwin Brandes schloß den Kongreß mit einem erfrischenden, anfeuernden Aufruf an die Arbeiter unter der Führung der Gemertschaften, mit fühler Ueberlegenheit und heißem Herzen den Kampf gegen den Kapitalismus mit neuer Kraft aufzunehmen. Der Kongreß so erklärte Brandes hat mit seltener Einmütigkeit seine Beschlüsse gefaßt. Wir dürfen stolz sein auf die Arbeit. Herzlichen Dank allen denen, die diese Arbeit ermöglichten. Nachdem er der Presse, soweit sie objektiv über die Verhandlungen des Kon gresses berichtete, gedankt hat, nimmt Brandes mit einem Wort auch Stellung zu den hämischen Bemerkungen, die sich die„ DA3." zu Beginn der Verhandlungen am vorigen Sonntag geleistet hat. Das Blatt der Schwerindustrie fragte, marum die Solidarität der Arbeiter nicht den Versailler Vertrag verhindert habe? Die organisierte Arbeiterschaft, so betonte Brandes gegenüber diefer mischerei, hat an diesem Vertrag wahrhaftig feine Schuld. So Gewerkschaften zu erobern, ist fehlgeschlagen, und ebenso ihr Versuch, die Gewerkschaft von außer her zu zerstören. Die Aussichtslosigkeit, an die Gewerkschaften und an die Partei heranzukommen, hat sie bereits zum offenen Klassenverrat gebracht. beim Volksentscheid in Preußen, wo sie mit den notorischen Feinden Auch der Versuch der der Arbeiter gemeinsame Sache machten. Nazis, in unsere Reihen einzubrechen, ist mißlungen. Der Kongreß war ein Hammer, mit dem neue Waffen ge= schmiedet wurden, damit unser Kampf gegen Lohnabbau für den Ausbau des Arbeitsrechts und Arbeiterschutzes, für Verkürzung der Arbeitszeit und für die Eindämmung der Arbeitslosigkeit, für die Erhaltung der Sozialversicherung und für die Befreiung der Gemeinden von den unerträglichen Belastungen mit Nachdruck fortgesezt werden kann. Wie notwendig der Arbeiterschuh ist, zeigt das soeben gemeldete Unglück bei der AEG. in Berlin, wo mehr als 20 Arbeiter schwer verlegt wurden. Das Arbeitsvolumen muß auf alle Arbeiter verteilt werden, denn jeder hat ein Recht zum Leben. Gegenüber Versuchen, dem Arbeiter das Dach über dem Kopf wegzunehmen, wird es nur heißen: Hände weg vom Mieterschutz! Der Kongreß ist ein Hammer gewesen. Sein Donnern soll die Arbeiter aufrütteln. Mit uns das Volt, mit uns der Sieg! Einigung bei der Brauerei Groterjan. VorDie 40- Stunden- Woche wird eingehalten. Bezugnehmend auf den in der Morgenausgabe des erschienenen Artikel teilen wir mit, daß die Differenzen betreffend wärts" vom 29. August 1931 über die Brauerei Groterjan Einhaltung der 40- Stunden- Woche durch Verhandlung im Beisein eines Bertreters der Arbeitgeberorganisation wie der Arbeitnehmerorganisation mit Erfolg beigelegt worden ist. Verband der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter, Ortsgruppe Berlin. Gesamtverband der Arbeitnehmer der öffentlichen Betriebe und des Personen- und Warenverkehrs. Anmerkung der Redaktion: Wir begrüßen die Beilegung des Konflikts. Sein Ausgang zeigt, daß auch in Zeiten der Krise gewisse Grenzen nicht überschritten werden dürfen. Bei der Firma Groterjan wird also fünftig die 40- Stunden- Woche eingehalten. Wir hoffen, daß dies auch bei den Brauereien der Fall sein wird, wo man es bisher mit der Einhaltung der Bereinbarung nicht sehr genau genommen hat. Kein Streif im belgischen Bergbau. Vorläufige Vereinbarung. Brüffel, 4. September.( Eigenbericht.) Die Gefahr eines Generalstreits im belgischen Kohlenbergbau ist zunächst abgewendet. In der am Freitag nachmittag von der Regierung anberaumten Sigung der paritätischen Kohlenfommission erklärten sich die Zechenbefizer schließ lich bereit, die von ihnen ausgesprochene Kündigung der Tarifverträge bis zum 1. Oktober zurückzunehmen. Während dieser Galgenfrist wollen die Arbeitgeber feststellen, welche prattischen Ergebnisse die mit dem deutschen Kohlensyndikat geführten BerhandGift- lungen und die Einführung von Einfuhrlizenzen für ausländische Kohle vom Gesichtspunkt der belgischen Kohlenindustriellen bringen wird. Infolge dieses Beschlusses hat auch die Leitung des Bergarbeiterverbandes die für den nächsten Sonntag anberaumte Ur= abstimmung der Bergarbeiter über die Proflamierung des Generalftreits bis auf weiteres vertagt. Die Schuldigen sind die Leute, die zum Kriege hekten und während des Krieges Friedensverträge wie den von BrestLifowit fabrizierten und bejubellen und so die Formeln für den Versailler Vertrag lieferten. Diese Herrschaften haben kein Recht zur Beschwerde. Wir haben ein Recht, gegen den Versailler Vertrag zu protestieren und zu fämpfen. Im übrigen war der Wiener Kongreß der Arbeiterinternationale eine einzige Solidaritätsbezeugung für die deutschen Arbeiter. In Wien haben die Vertreter der politischen und cemertschaftlichen Internationale betont, daß die Kriegsschuldenverpflichtungen und die Reparationen beseitgt werden müssen. Bei der Erhebung dieser Forderung kam ihnen die Tatsache zu Hilfe, daß die Krise, die heute in allen Ländern wütet, kaum einen Unterschied Wir haben hier auf dem Kongreß Anklage erhoben geçen die kapitalistische Wirtschaftsführung. Die Schuldigen wollen die Boltsmaffen verwirren. Daher das Geschrei der kapitalistischen Bresse über„ marristische Mißwirtschaft". Der Kongreß hat dieses betrügerische Spiel zerrissen und die Schuld der kapitalistischen Wirtschaftsführer schonungslos aufgededt, desgleichen die Schuld der Regierung, die es nicht wagt, ernsthaft gegen die kapitalistische Mißwirtschaft vorzugehen. Wir stehen vor einem Winter, der noch schlimmer zu werden droht, als die Winter der letzten Jahre. Rücksichtslos wirft der Kapitalis mus Menschen auf die Straße. Die Zeiten sind schwer und die Gewerkschaften können in diesen Zeiten feine Riesenerfolge buchen. Sie mußten sogar einige Pofitionen aufgeben, einige Schüßençräben räumen. Sie haben aber trotzdem Leistungen aufzuweisen, die erst eine spätere 3eit gebührend würdigen wird. Den Arbeitern zu helfen, ist unsere Aufgabe. Daß wir bei dieser Hilfsleistung unermüdlich an der Arbeit sind, hat der Geschäftsbericht Leiparts in die Erinnerung gerufen. Die Attentate gegen die Existenz der Arbeiterschaft abzuwehren, werden wir nicht müde werden. Schon deshalb nicht, weil die Welt allmählich reif geworden ist für eine Umwandlung der Gesellschaft und der Wirtschaft. Desterreichs Gewerkschaften 1930. Die Wirkungen der Krise. Für die österreichischen freien Gewerkschaften war das Krisenjahr 1930 ebenso ein Hemmschuh wie für die deutschen Bruderorganisationen. Die Entwicklung des Arbeitsmarktes war in den letzten drei Jahren in Desterreich fast die gleiche wie bei uns. 186 723 Arbeitsuchende Ende 1928, ausgangs 1929 schon 195 570 und Ende 1930 bereits 244 386, davon allein in Wien 102 227, fo verlief feit 1928 die Kurve der Arbeitslosigkeit in Defterreich, einem Land mit rund 6½ Millionen Einwohnern. Diese fatastrophale Steigerung der Arbeitslosigkeit mußte zwangsläufig die Mitgliederbewegung der österreichischen Gewerkschaften ungünstig beeinflussen. 82 073 oder 11,13 Proz. der Mitglieder bewahrten im vorigen Jahr den österreichischen Gewert schaften nicht die Treue; mit 513 087 Mitgliedern, darunter 142 117 Frauen, schließt die Jahresbilanz 1930 des österreichischen Gemertschaftsbundes ab. Gleichfalls ungünstig beeinflußt wurde infolge der fchweren Krise auch die finanzielle Entwicklung. Rund 1,9 millionen Schilling wurden im Berichtsjahr weniger ein genommen als 1929, während auf der anderen Seite die Aus gaben ganz erheblich gestiegen sind. Von den Ausgaben in Höhe von rund 22,47 Millionen Schilling entfielen allein auf Unterstügungen 7,64 Millionen Schilling oder rund 34 Proz. der Gesamt ausgaben. Trotz der gesteigerten Ausgaben hat sich aber der Raffenbestand der freien Gewerkschaften Desterreichs im vorigen Jahr noch um fast eine Million Schilling auf 29,75 Millionen Schilling erhöht. # Der Lohn und Tarifpolitik der österreichischen Gewerkschaften stand die Krise auch hemmend im Wege. Die Zahl der Bewegungen sowie der Streifs ist im vorigen Jahr gegenüber den früheren Jahren start zurückgegangen. Die Erfolge waren Um in diesen Umwandlungsprozeß erfolgreich eingreifen zu können, gleichfalls nicht so zahlreich und groß wie in den Jahren zuvor. Wenn die Desterreicher sich in ihren Gewerkschaften erfreulicher dringen die Gewerkschaften immer tiefer in alle Gebiete des gesell- weise nicht mit RGOten herumzuschlagen brauchen, so haben sie schaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Lebens im Kampf der doch aber genug auf die Heimwehrler und andere rechtsextreme Geister ein. Der Verlauf dieser Konferenz ist ein deutlicher Beweis Elemente achtzugeben, die den freien Gewerkschaften gern den Garaus machen möchten. Die österreichischen freien Gewerkschaften haben sich im vorigen Jahr trotz schwerster Bedrängnis mader ge halten und werden auch das ebenso schwarze Krisenjahr 1931 unerschüttert überstehen. dafür. Wir müssen unsern Kampf mit Kaltblütigkeit und Ueberlegung führen. Mit der Forderung, die Tolerierung der Brüning- Regie: rung einzustellen, ist es noch nicht getan. Ein Sturz der Regie rung wäre für uns sehr leicht, aber wir wollen nicht die Arbeiter in noch tieferes Elend hinunterstürzen. Wir erwarten jedoch von der Regierung, daß sie aus unserem Verantwortungsbewußtfein feine falschen Schlüsse zieht. Sie soll nicht denken, daß sie der Arbeiterschaft nun noch mehr Lasten aufbürden kann. Wir warnen dringend, wir warnen, die offenkundigen Ungerechtigfeiten der Notmaßnahmen bestehen zu lassen. In ihren schweren Kämpfen sind die Gewerkschaften noch fester mit der Partei, mit der Sozialdemokratie verbunden worden. Wenn die Kommunisten glaubten, daß sie uns deswegen am Zeug fliden fönnen, so haben sie sich schmer geirrt. Ihr Bersuch, die I Sorgen um die Arbeitslosen. Auch Schweden vor einem schweren Winter. Stocholm, 4. September. Die Zahl der unterstützungsuchenden Arbeitslosen ist hier gegenüber dem Borjahr um das Sechsfache gestiegen. linter diesen Umständen sieht man auch in Schweden einem schweren Winter entgegen. Am schlimmsten betroffen sind die Arbeiter der Stein- Industrie, aber auch die Holz- Industrie und die Glasfabriken leiden unter dem Mangel an Aufträgen beträchtlich. Saukonferenz des ZDA. Drei Jahre Gau Brandenburg- Mecklenburg- Grenzmarf. Heute und morgen tagt in Berlin die Gaukonferenz des Gaues Brandenburg- Mecklenburg- Grenzmart des 3entralverbandes der Angestellten. Die gegenwärtigen wirtschaftlichen und das Gepräge geben. politischen Verhältnisse werden der Konferenz und den Verhandlungen Troz Wirtschaftskrise und gewaltiger Arbeitslosigkeit. von der auch die Angestellten in erheblichen Teilen betroffen sind, ist die Entwicklung in dem Gau aufwärts gegangen. Das beweisen die Mitgliederzahlen sehr deutlich. Zur Zeit der Konstituierung des Gaues, Mitte 1928, wurden 32 360 Mitglieder gezählt. In drei Jahren ist die Mitgliederzahl gestiegen auf 45 341 Mitglie der. Das ist ein Zugang von 12 981 Mitgliedern oder eine Steigerung um 40,1 Prozent. In 85 Ortsgruppen und 19 3ahlstellen wird nicht nur wichtige und aufbauende Verbandsarbeit ge= leistet; durch die Vermehrung dieser Gliederungen gelang es vielmehr. auch in solchen Orten Bresche zu schlagen, in denen sich bisher die gegnerischen Verbände dominierend fühlten. Auch die Jugendarbeit hat sich während der drei Jahre außerordentlich entwickelt. Es gelang, in dieser Zeit die Zahl der Jugendgruppen zu verdoppeln und die der Jugendmitglieder um über 100 Proz. zu steigern. Wir wünschen den Verhandlungen, die in besonders schwerer Zeit stattfinden, vollen Erfolg. Bildungsarbeit der Angestellten. Wie in den früheren Winterhalbjahren veranstaltet die Orts gruppe des Zentralverbandes der Angestellten auch im Winterhalbjahr 1930/31 eine Reihe von berufskundlichen Arbeitsgemeinschaften, die sowohl der Erwerbung elementarer Berufskenntnisse antwortlicher Berufsarbeit dienen. Der Arbeitsplan für das komals auch der Festigung und Weiterbildung in qualifizierter und ver= mende Winterhalbjahr umfaßt insgesamt sechs wieder in Einzelgebiete unterteilte Arbeitsgemeinschaften, eine in Deutsch und Fremdsprachen, für Anfänger und Fortgeschrittene, eine in Kurzschrift, eine in Schrift( Rundschrift, Lackschrift usw.) und Zeichnen, eine in Werbe-, Verkaufs- und Warenkunde, eine in faufmännischer Betriebskunde, und die letzte in bestimmten Berufsfragen für einzelne Angestelltenkategorien( Versicherungs-, Arbeitsamts, Notariatsangestellte usw.). Fast alle Arbeitsgemeinschaften sind so in Einzelkurse unterteilt, daß in jedem Kursus an das in dem vorherigen Behandelte angeknüpft wird, aber auch der Eintritt in jeden Kursus möglich ist. Mit Ausnahme einiger Arbeitsgemeinschaften beträgt die Teilnehmergebühr für jeweils 8 Doppelstunden 7 Mark für erwachsene 3dA.- Mitglieder und 4 Mark für Lehrlinge und Jugendliche unter 18 Jahren. Arbeitslose Mitglieder fönnen unentgeltlich daran teilnehmen. Die Arbeitsgemeinschaften werden abgehalten im ,, Sophien- Lyzeum" in der Weinmeisterstr. 16/17 und im Verbandshaus der Ortsgruppe des 3d2. in der Hedemannstraße 12. Nähere Auskünfte werden in der Sprechstunde Montags und Freitags von 17 bis 19 Uhr und in den Vormittagsstunden von 10 bis 15 Uhr( Sonnabends bis 13 Uhr) im Ortsgruppenbüro erteilt. Splitter und Balfen. Die KPD. und die Arbeiterbant. Nachdem der Kommunistischen Partei in Duzenden von Fällen nachgewiesen worden ist, daß sie in den eigenen Partei- und Wirtschaftsbetrieben dazu übergeht, selbst die in privatkapitalistischen Betrieben üblichen Lohn- und Arbeitsbedingungen zu unter bieten, glaubt die ,, Rote Fahne" jetzt, die Verhältnisse bei der Arbeiterbant gegen Gewerkschaften und Partei ausspielen zu können. Hierzu geht uns vom Betriebsrat und vom Allgemeinen Verband der Bantangestellten die Erflärung zu, daß eine Hilfsstellung der ,, Roten Fahne" von den ge= werkschaftlich organisierten Bantangestellten weder gewünscht, ge= schweige denn von ihnen gefordert worden ist. Wenn die ,, Rote Fahne" aber Bantangestellten zu Hilfe kommen will, soll sie ihre Hilfe in erster Linie den in der RGO. organisierten Angestellten der Garantie und Kreditbant für den Osten zuteil werden lassen, die sich widerspruchslos von ihrer Moskaue: Zentrale, der Russischen Staatsbant, seit Jahr und Tag einen ständigen Gehaltsabbau haben gefallen lassen. Im übrigen dürfte Genosse Leipart einen guten Tausch machen, wenn er seine Billa"( ein Einfamilienhaus) gegen und Kreditbank für den Osten ihren hierher entsandten russischen die pruntvollen Räume austauschen könnte, die die Garantiesamt dem dazugehörigen Bankdirektoren zur Verfügung stellt Einkommen. " Lohnabban gemildert. Einigung in der Porzellanmanufaftur. Wie im Borwärts" bereits mitgeteilt, mollte die Betriebs. leitung der Staatlichen Porzellanmanufaktur die Löhne ihrer 300 Arbeiter ab 3. September um 10 Pro 3. herablezen. Sie hatte zu diesem Zwed sämtlichen Arbeitern die Einzelarbeitsverträge gefündigt, ihnen aber die Weiterbeschäftigung zugesagt, wenn sie sich mit dem 10prozentigen Lohnabbau einverstanden erklären. Zugleich mit dem Lohnabbau sollten die Kündigungsfristen der Arbeiter von vier Wochen auf eine Woche herabgesezt und die Sonn- und Feiertagsbezahlung abgeschafft werden. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat haben nun zu einer Vereinbarung geführt, der die Belegschaft auf Grund der Eigenart des Betriebes zugestimmt hat. Danach wird der Lohn nicht um 10 Pro3. abgebaut, sondern gestaffelt nach den Verdiensten der Arbeiter um 5 bis 8 Proz. Bei einem Monatsverdienst bis zu 200 m. beträgt der Lohnabbau 5 Proz., bei einem Verdienst bis zu 300 m. 7 Proz. und bei einem Verdienst von mehr als 300 m. monatlich 8 Proz. Die Sonn- und Feiertagsbezahlung wird nicht geändert. Hinsichtlich der Kündigungsfristen wurde ver einbart, daß sie bis zum 1. April 1932 vorübergehend auf 14 Tage herabgefeht werden und nach dem 1. April wieder vier Wochen betragen. Zentralverband der Angestellten, Ortsgruppe Groß- Berlin. Zur Begrüßung der Delegierten der Gautonferenz heute abend im Lehrervereinshaus, Alexanderstr. 40-41, Serbstfest. Reichhaltige Darbietungen. Mitglieder können Eintrittskarten zum Preise von 1,20 M. an der Abendtaffe ab 20 Uhr erhalten.. Jugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Spiele im Freien ab 19 Uhr Eporiplas Humboldthain und im Echiller. pai?. Medet euch für die Bolfsbühnenabteilung für die arbeitende Jugend im Jugendfekretariat. Politik: Bictor Schiff; Wirtschaft: G. Alingelhäfer; Berantwortlich für Gewerkschaftsbewegung: S. Steiner; Feuilleton: Dr. John Shilowski; Lokales und Sonstiges: Fris Karstädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlaa G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlagsanftalt Baul Ginger u. Co., Berlin GW 68, Lindenstrake 3. Hierzu 2 Beilagen.