Morgenausgabe ffr. 421 A 212 4S.Iahrgang Wöchentlich 85 Pf. monatlich 3.60 SR, (davon 85 Pf. monatlich fite 3, lung ins Haus) im voraus i Postbezug 4,35 M.-wschließlii PoNzeiwngs- und 7S Pf. Pvstb_____ d Uhren. Auslandsabonnement 6,—_ pro Monat; für Länder mit ermäßig. tem Druckfachenporto 5.— M. Der„Vorwärts� erscheint mochentiia- lich zweimal. Sonntags und Montag» einmal, die Abendausgabe für Bern» und im Handel mit dem Titel.Der Abend", Zlluftrierte Eonntagsbeilaae »Boll und Feit". Mittwoch 9. September 1951 Groß-Äerlin tö Pf- Auswärts 15 pf. Die ein f palt. Nonpareillezeile 80 Pf. Retlamezeile 5,— RM.„Kleine An- pw Berliner Solksblatt zeiq« (zula ien" das fettgedruckte Wort 2b Pf. lzulaffig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Tarif. Stellengesuche das erste Wort l5 Pf., jedes weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Llrbeitsmartt Zeile 60 Pf. Familien- anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannahme im HauptgefchästLindenftraßeZ. wachen- täglich von 8V, bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Jentvalorgan der GoziawemoSsaMOen Oartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Fernspr.: Dönhoff(A 7) 292—297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Borwärts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlins? SN.—Ba�koMo: Bankder Arbeiter, Angestellten«nd Peamten.Lmdenstr.S. M. B.n.Di Sc.-Ges., Depositen!., Jerusalemer Str. KS/SS. Schuh vor Hunger und Kwst! Die Kordemng der sozialdemokratischen Reichstagssraktion. Die sozinlden'. akratische Reichst« gsfrak- t i o n defoßte sich am Dienstag in einer mehrstündigen Sitzung mit der politischen und wirtschaftlichen Lage. Einleitend be- richteten die Abgeordneten Dr. Hertz und Dr. H i l f e r- ding über die letzten Verhandlungen mit der Reichsregierung. Die Fraktion nahm- mit Befriedigung zur Kenntnis, daß die Reichsrsgierung zugesagt hat, einige Härten der Notverord- nung vom S. Juni, die von der Bevölkerung als besonders drückend empfunden worden find, zu mildern. Folgende Entschließung wurde angenommen: Die außerordentlich« Verliesung der Krise der Welt wirkschaft durch die Erschütterung der Kreditorganisationen und die dadurch heraufbeschworenen Gefahren machen die Aufrechterhaltuuga und Sicherung der Lebenshaltung de» deutschen Volte» zur wichkigsten Ausgabe der Politik. Da» erfordert eine Führung der Außen. Politik, die das durch den nationalistischen Lärm erzeugte TNiß- trauen beseitigt und eine vcrtranensvolle Zusammenarbeit aller Völker schafft. Zn> Zentrum dieser Politik muh die deutsch-französische Per- ständigung stehen, die aus wirischostlichem und politischem Gebiet angestrebt und zu einer dauernden Zusammenarbeit««»gestaltet werden muß. von besonderer Pedeulung wird die Führung der Handelspolitik sein. Do» deutsche wie dos inleruationole Interesse erfordern energische Schritte zur Herabsetzung des Zollnineans der europäischen Staaten als Mittel zur Milderung d«r Wirtschaftskrise und als Gegenwirkung gegen die neuen schntzzöllnerische» Gefahren, die von England drohen. Eine Außen- und MirtschastZpolitik. deren Ziel vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den anderen Mächte« ist. ist die Vorbedingung zur Wiederherstellung des deutschen Kredits. Die Krise hat die schweren Gefahren des kapitalistischen Systems enthüllt. Um noch sürchlerlichere Zusammenbrüche zu verhindern, mußte das Reich zwei G r o h b a n k c n st ü h e n. Der Einsah öfscnllicher Mittel erfordert die dauernde Kontrolle des Reiches über diese Danken und die Fortführung unter gemeinwirlschaftlichen Gesichtspunkten. Die aus- schlaggcbende Vcdeutung der Dankpolittk für die Aufrechterhaltung der gesamt:» deutsche« Wirtschaftsmocht, die Kontrollc der Banken und die Lcttuug der Kapitalströmungcn zu einem entscheidende« Teile jeder wirtschosispolitit. die die Ge- fahren einer volkswirtschaftlich unberechtigten Einschränkung des Sreditvolumens mik ihren Folge« vermehrte Vetriebseinstellungea und verschärfte Arbeitslosigkeit ebenso vermeiden muß wie die Ge- fahren der Inflation. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion fordert deshalb die Errichtung eines Amts für vankpolitlk, das mit allen nötigen Vollmachten zur Znforination über die Privatbanken und zum Eingreifen im volkswirtschaftlichen Jutereste ausgestottek ist. Der Schutz der gemeinwirtfchastiichen Interessen erfordert in gleicher Weise eine wirksame Bccinflussuntt der Kartell- und Tarifpolitik durch die Organe des demokratischen Staates, vi« sozialdemokra- tische Reichstogssraktion erhebt deshalb erneut die Forderung nach Errichtung eine» Kartellamtes. Die schwere Erschütterung des Vertrauens, die die kapitalistischen vankrotte in letzter Zeit hervorgerufen hoben, machen die Reform de, Aktienrecht» zur dringenden Rotwendigkeit. Die Reform muß den Mißbrauch mit den Mehrstimmenrechts, und Depotaktte« unterbinden, die Haft- barkeil der Aufsicht sräte sichern und weitgehende Publizi- tat und Offenlegung zur Pflicht machen. Rur so kann«« gettngen. die Herrschaft der tapilalistischen Sonderinterestea über den Staat und die Volksgesamtheit zu brechen und das Allgemeinintereste des Volke, durchzusehen. Ein Druck auf die Kartellpreise, eine Vermiude- rungrung der Handelsspanne und der schädlichen Preisbindungen der zweiten Hand muß zu einer schnelleren Anpassung de» deutschen Preisniveaus an die veränderte ökonomische Lage sühren. Im Eia- Nong mit dieser Politik des Abbaue» der überhöhlen Preise muß die Agrarpolitik stehen. Die Fraktion forder» deshalb Senkung der Produktionskosten für die bäuerliche verebelungswirtschost und verbiwgung der wichtigsten Rahnmgsmittel. wsbestmde« des Scot«. durch Zottsenkung und Verringerung der Handelsspanne, sowie die Ermäßigung des Zuckerpreises. Die Mittel der staatlichen Wirtschasts Politik müssen eingesetzt werden, um eine neue Verringerung der Kauskrast und damit eine neue Schrumpfung des Wirtfchaftsprozestes hintanzuhal- teu. Deshalb fordert die sozialdemokratische Reichstagsfraktion die Verhinderung jeden weiteren Lohnabbaues. Die dringendste Sorge des Winters geht um das Schicksal der Arbeitslosen. Die Fraktion erwartet von der Reichsregiernng, daß sie endlich die notwendigen Gesehcsmoßnahmen zur Durchführung der Vierzigstundenwoche trifft. Sie lehnt alle Bestrebungen zur Beseitigung der Arbeikslojenverficherung und der weiteren Verringerung ihrer Leistungen entschieden ab, und befürwortet die Vereinheitlichung der Srisenfürsorge und der gemeindlichen Wohlsahrts- sürsorge zu einer Reichsarbeitslosenfürsorge unter ausreichender finanzieller Beteiligung des Reichs. Rur so kann eine wirksame Entlastung der Gemeindesinanzcn herbeigeführt und zum Ausgleich ihrer Etats beigetragen werden. Gleichzeitig muh Vorsorge für die Umschuldung und Konsolidierung der kurzfristigen Kredite der Gemeinden getrosten werden. Angesichts der wachsenden Zahl langfristiges Erwerbsloser und des steigenden Elends breiter voiksmosten ist eint Winterhilfe unerläßlich. Es gehl nicht an. daß 4198» 000 Arbeitslos. 1 2S1 OÖO Llnierstützungsempfanger, 1 063 000 in der Wohlfahrt. Wie die Reichsanstalt mitteilt, waren am ZI. A u g u st bei den Arbeitsämtern rund 4195 090 Arbeitslose gemeldet. Die Zunahme gegenüber dem vorherigen Stichlag beläusl sich aus rund 91 000 und bleibt damit hinter der Zunahme in der ersten Hälfte des Monals. wo sie rund 114 000 betrug, zurück. Die Zunahme geht zwar im verlause des gesamten Monats August über dos Maaß des Vorjahres hinaus, aber trotzdem bestätigt diese Entwicklung nicht die Schwarzseherei, die in Richtung auf den Arbeitsmarkt im Zusammenhang mit der Krise im Monat Juli hier»nd dort laut geworden war. Denn in der Gejamtentwick- luog des Arbeitsmarktes seit dem Juli betrachtet, ist die Zahl der Arbeitslosen in diesem Jahre trotz der stärkeren Erhöhungen während des Monals August nicht rascher angewachsen als im Vorjahr. In beiden Jahren 1930 und 19Z1 hat sich vom 1. Juli? dem Wendepunkt des Arbeilsmarkles nach der sommerlich-stärksten Enklaslung. bis zum 1. September die Zahl der Arbeitslosen gleich- mäßig um etwa 240 000 bis 250 000 gesteigert. Die Zahl der Unter st ützungsempsänger in der Arbeitslosenversicherung und Srisenfürsorge ist zahlenmäßig stärker, nämlich zusammen um rund 96 000 gestiegen, während im vorhergehenden Berichlsabschnill beide Unlerstühungseinrichlungen zusammen einen Zugang um rund 49 000 Unterstützungsempfänger zu verzeichnen hallen. Diese stärkere Zunahme ist mit der Fest- slellung einer allgemeinen verlangsamung vereinbar, da ein Au- steigen der Arbeilslosenzahl infolge der warkezeik sich In der Ver- ficherung später auswirkt. Am 31. August wurden nach den vorläufigen Zählungen der Arbeitsämter in der Arbeitslosenversicherung rund 1 261 000 sam 15. August rund 1 225 000), in der Krisenfürsorge rund 1 095 000(am 15. August rund 1 055 000) haupl- unlerslützungsempsänger betreut. Insgesamt hat die Arbeitslosigkeit seit dem sommerlichen Tiefpunkt nickst stärker zugenommen als während der gleichen Entwicklungsperiode des Vorjahres: doch ist dabei zu beachten, daß der Ausgangspunkt in diefem Jahre erheblich höher liegt. Die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen belief sich Ende Zuli, am Stichtag der letzten Zählung, auf rund 1 063 000. Von der Gesamtzahl der im gleichen Zeitpunkt unterstützten Ar- beilslosen enlsielen 36,6 Proz. auf die Arbeitslosenversicherung, 31.1 Proz. auf die Srisenunterstühung. der Rest aus die Gruppe der Wohlfahrtserwerbslosen. Mehrheit für Macdonald. 303 gegen 250 Stimmen. Nach einer mehrstündigen Debatte, über die wir auf der 2. Leite berichten, sprach das Unterhaus mit 3 0 8 gegen 25 0 Stimmen sein Vertrauen für die neue Regierung ans. Das Ergebnis wurde mit großem Beifall von der Mehrheit aufgenommen. die Blaffen hungern und frieren, während Rahrungsmittet in Deutschland verfaulen und Kohlen aus den Halden sich türmen. Neben der bisherigen Geldunterftühung m«f» deshalb eine zusätzliche Naturalleistung von Kar- toffcln und Kohlen verlangt werden. Unerträglicher als je wirkt in diesem Winter steigender Rot der Gegensatz von Blassenarmul und überhohem Einkommen. Deshalb fordert die sozialdemokratische Fraktion die längst fällige her- obsehung der hohen Pensionen und Gehälter in äsfenl- lichen und privaten Verwaltungen und Betrieben. Die Wiederkehr der Vertrauens fordert neben einer klaren Außenpolitik der Verständigung unter den Völkern die Sicherung einer demokratischen und soziale« Politik im Innern, den rücksichtslosen Kampf gegen den Faschismus und all seine hetsershetfer. Rur wenn die Reichsregierung sich von reaktionären und nationalistischen Einflüssen befreit, wenn sie den berechtigten sozialen Forderungen der werktäligen gerecht wird, werden die innerpolitischen wirren überwunden, das Vertrauen in eine stabile demokratische und soziale Politik im Zn- und Zlus- lande wieder hergestellt und damit das Volt von materieller und seelischer Rot befreit werden." Der Weg ins Freie. Staatsherrschast über die Banken.— Schutz vor Hunger und Kälte im Winter. Die' sozialdemokratische Reichstagsfraktwn hat m einer programmatischen Entschließung die Richtlinien ihrer tünfti- gen Politik umrissen und bekanntgegeben. Aus dieser Ent- schließung heben sich zwei Punkte besonders hervor; die Forde- rung der B a n k e n k o n t r o l l e zur Beeinflussung der Volks- Wirtschaft unter gemeinwirtschaftlichem Gesichtspunkt und das Programm für den SchutzderErw erbslosen gegen Hunger und Kälte im kommenden Winter. Gegenüber dem Bankrott der kapitalistischen Wirtschasts- führer, die wirtschaftliche Zerrüttung und bittere Not über das Volk gebracht haben, bekennt sich die Sozialdemokratie zu w irt fchaf ts p o l it i sche r Führung mit sozio- l i st i s ch e r Z i e l s e tz u n g. Die kapitalistische Führung hat versagt: ein gewaltiger Produktionsapparat und ein Riesen- Heer arbeitswilliger, fähiger und geschulter Arbeiter können nicht zusammenkommen, riesenhafte Bestände von Lebens- Mitteln und Kohlen sind vorhanden— aber Millionen sind von Hunger und Kälte bedroht. Das Volksvermögen wird vergeudet und verschleudert statt vermehrt, alle fleißige Arbeit des Volkes, alle Steigerung der Arbeitsintensität hat unter kapitalistischer Führung geendet in Not und sinkender Lebens- Haltung. Der Desorganisation der Volkswirtschaft durch die kapitalistischen Wirtschaftsführer stellt die Sozial- demokratie den Willen zur Organisation der ProduktivkräftedesVolkes zum Wohle des Volkes entgegen. Wir wollen die wahre Volkswirtschaft, nicht ein zusammenhangloses Nebeneinander von privatkapitalistischen Betrieben und Konzernen, wir rufen das Volk auf, daß es mit uns den Weg aus der Not betritt, den wir zeigen, daß es uns unterstützt, um die privatkapitalistischen Führer in die Not zu entmachten! Wir wollen V o l k s h c r r s ch a f t über Volts- Wirtschaft! Diese sozialistische Forderung steht im Mittelpunkte der Entschließung der sozialdemokratischen Reichstagssraktion. Die Entschließung zeigt den Punkt, an dem der Wille zur gemein- wirtschaftlichen Organisation einzusetzen hat. Sie fordert«in Bank�namt, ausgestattet mit allen Vollmachten zur In- formation und zum Eingreifen. Die ungeheure Bedeutung der Großbanken für die Ge- samtwirtschast, ihre Macht- und Schlüsselstellung ist in der letzten großen Zuspitzung der Krise dem ganzen Volke sichtbar geworden— nicht in dem, was sie zum Nutzen der Gesamtwirtschaft getan haben, fondern in ihren ungeheuren Fehlern, die für Millionen Arbeitslosigkeit und Not bedeuten Di« privaten Großbanken tragen gleiche Schuld wie die kapi- talistischen Wirtschaftssührer aus der Industrie. Die Bant- surften haben die wildeste Konzern- und Kartellpolitit be» günstigt. Sie haben den Kapitalstrom, der aus den Erspar- nissen und der Arbeit des ganzen Voltes zusammengeflossen ist. an Punkte gelenkt, an denen er ohne Nutzen für die Volks- Wirtschaft vergeudet worden ist. Sie tragen Schuld an den Fehlinvestitionen, an der ungesunden Verschiebung der Ge- wichte zwischen Schwerindustrie und Massenbedarfsindustrie! Aus ihrer Schuld und chren Fehlern muß die Erkenntnis des Volkes wachsen, daß diese Macht nicht mehr unkontrolliert angewandt werden darf. Die sozialdemokratische Forderung eines Bankenamts ist deshalb nichts weniger als die Forde- mng einer staatlichen Nachtwächterkontrolle über die Banken. Sie eirthält den Willen zur positiven staatlichen Einwirkung auf die Banken und über die Banken aufdie Gefamtwirtschaft. Sie will«ine volkswirtschaftliche Schlüsselstellung dem staatlichen Einfluß unterwerfen, um von hier aus die Organisation und BeHerr- schung der Wirtschaft für das Gemeinwohl in Angriff zu nehmen. Hier ist eine zentrale Forderung, für die die ganze Kraft der gesamten Arbeiterschaft eingesetzt werden muß! Das Wort des Vorsitzenden des englischen Gewerkschaftskongresses gilt auch für uns: entweder w i r werden die Banken beherrschen. oder sie werden uns beherrschen! Wir wollen die Voltsherrschaft über die Volkswirtschaft, und um sie zu erreichen, wollen wir die Staatsherrschaft über die Bankokratie!, Die zweite zentrale Forderung der Entschließung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion heißt: Schutz gegen HungerundKälte indiesemWinter! Die Haiden liegen in Deutschland berstend voll von Kohle, durch eine zweite Riesenernte sind Kartoffeln in Ueberfülle vor- handen— aber kapitalistischer Widersinn hat bisher verhin- dert, daß der Ueberfluß für die notleidenden Volksschichten nutzbar gemacht werden konnte. Der Winter droht mit neuer Arbeitslosigkeit, mit Hunger und Kälte gegen die Notleiden- den— der Ueberfluß muß zu ihnen in Bewegung gesetzt werden! Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion unterbreitet ein Programm für eine großzügige Aktion des Reiches zu zu- sätzlicher Naturalhilfe für die notleidende Bevölkerung. Diese Naturalhilfe soll«in« besonder« Schutzmaßnähme gegen die Schwierigkeiten des kommenden Winters als zuzügliche Leistung zu den Geldunterstützungen sein. Die diesjährige Kartoffelernte wird auf 43 Millionen Tonnen geschätzt und geht weit über den normalen Bedarf an Speise-, Futter- und Industrietartoffeln hinaus. Die Halden- bestände des Steinkohlenbergbaues betragen etwa WA Millionen Tonnen Kohle und Koks, die Haldenbeständ« des Braunkohlenbergbau es etwa 3 Millionen Tonnen Broun- kohle und Briketts. Diese Borrät« müssen der Versorgung der notleidenden Bevölkerung dienen, die Kosten dafür können auf dem Wege, den die Sozialdemokrati« zeigt, ohne große finanzielle Mehrleistung der Reichskasse ausgebracht werden. Wenn im kommenden Winter 5 Millionen Familien pro Familie sechs Zentner Kartoffeln und zwanzig Zentner Steinkohle oder Brikett« erholten, so würden für die Beschaffung der Kartoffeln hoch- stens 40 bis 45 Millionen Mark, für die Kohlenbcschaffung 60 bis 70 Millionen Mark nötig fein. Die Kartoffelversorgung kann aus einer Sanie- rung des Branntweinmonopols und den damit ver- bundenen Ersparnissen für das Reich ohne Schwierigkeiten be- stritten werden. Beim Branntweinmonopol haben sich Riesen- Vorräte in Höhe von 2 Millionen Hektoliter angehäuft, die ausreichen, den Absatz von mehr als einem Jahre zu beftiedi- gen. Die Suspendierung des Brennrechts ist zur Sanierung des Branntweinmonopols unerläßlich. Das Branntwein- Monopol käme damit in die Lage, die großen, vom Reich in Anspruch genommenen Darlehen zurückzuzahlen. Das Reich könnte mit diesen Mitteln die sonst zu Kartosfelsprit ver- brannten Kartoffelmengen abnehmen, die Brennereibesitzer dadurch schadlos halten und zugleich die Sonderzuweisung an die notleidenden Familien vornehmen. Berücksichtigt man, daß im Reichsctat 7 5 M i l l i o n e n als Darlehen für die Brannt- weinmonopoloerwaltung vorgesehen sind, daß dieser Betrag zeitweise voll vom Branntweinmonopol in Anspruch genom- men wird, daß andererseits für den Ankauf von 1,5 Millionen Tonnen Kartoffeln höchstens 40 bis 50 Millionen Mark er- forderlich fein dürsten, so ergibt sich, daß die Kartoffelverfor- gung durch eine sinnvoll« finanzpolitisch« Maßnahme ohne Neuinanspruchnahme von Reichsmitteln möglich ist. Ueberschießende Beträge könnten zur Finanzierung der .Kohlebeschaffung verwandt werden, ferner können Steuer- rückstände von Bergbaukonzernen verrechnet werden, und schließlich könnten die fehlenden Mittel durch stärkere Auf- wandsbesteuerung beschafft werden. Für diese zentralen Forderungen wird die sozialdemokra- tische Reichstagsfraktion ihre ganze Kraft einsetzen. Sie wendet sich mit ihnen an die gesamte Arbeiterschaft, an da« ganze deutsche Volk. Ihre Entschließung, die nach viel- stündiger ernster Beratung gefaßt wurde, ist Forderung und Mahnung an die Regierung, vor allem aber auch ein Ruf an das Volk: Her zu uns! Mit uns für Schutz der Notleidenden gegen Hunger und KAte! Mit uns für Staatsherrschast über die Bankokratie. für Volksherrschaft über die Volkswirtschaft! Rededuell Macdonald-Henderson. Historische Tagung im Ltnierhaus. Hamburger Bürgerschafiswahl. In Hamburg find zur Bürger- IchaftKoahl 15 Wahlvorschläg« eingereicht worden. Di« Bolksronservattven Treviranus und Sambach beteili- gen sich nicht an der Wafcl. DI«„kommunistisch« Opposition" hat nur im Hamburger Landgeb, et tau Kandidatenliste eingereicht Laudan. 8. September.(Eigenbericht.) Das Unterhaus trat am Dienstagnachmittag zu einer, wie die englische Presse sagt, historischen Sitzung zusammen. In der Umgebung des Parlaments hatte sich eine groß« Menschenmenge angesmnmett. Auf der Regierungsbank saßen Macdonald, Baldwin und Herbert Samuel, hinter ihnen in« Regierungsparteien, die Konservativen und Liberalen. Der Platz reichte für die Regierungsmehrheit kaum aus. Churchill mußte auf einem Treppensitz Platz nehmen. Henderson, der Führer der Oppo- sition, saß aus der anderen Seit« des Hauses. Die Atnrosphäre war von Anfang an mit Nervosität geladen. Immer wieder er- tonten Ordnungsrufe des Sprechers. Die Sitzung begann mit einem Wortwechsel zwischen ZNacdonald und henderson. Der neue Führer der Arbeiterpartei bezeichnete es als unfair gegen die Opposition, die Budgetmaßnahmen unter dem Druck der Krise durch das Parlament Hetzen zu wollen. Macdonald erwiderte, er freue sich, daß heuderson weuigfiens das Vor- handenseiu einer Krise anerkenne. Am Mittwoch werde er darüber abstimmen lassen, ob sich da» Haus als vudgetausschuß konstituieren wolle. Die zu erwartend« Zustimmung werde die Be- gierung als Vertrauenskundgebung de, Parlaments aussassen. Das eigentliche Sanierungsprogramm werde dem Unterhaus am D o n- n e r» t a g durch Schohkanzler S n o w d e n unterbreitet werden. Nach Verlesung der königlichen Botschaft erhob sich Macdonnld und gab die Erklärung der Regierung ab, in der es u. a. heißt: Dinge ereignen sich zuweilen, zu deren Ueberwindung Mut erforderlich ist. Es ist dann mitunter auch unmöglich, den p o p u- lären Weg einzuschlagen. Am 8. August habe ich eine Erklärung erhalten, daß die Bant von England angesichts des b«- unruhigenden Abflusses von Depositen und der Gc- fahr für die Goldreserven es für unmöglich halte, der ernsten Lag« Herr zu werden. Die Krise wuchs ständig. Um den Goldabfluß einzudämmen, wurden kurzfristige Kredite ausgenommen. Bis zur dritten Augustwoche waren diese Kredite praktisch er- schöpft und die Bant von England wieder in Schwierigkeiten. Eine weitere Anleihe wurde benötigt, um den Sterlingturs zu hatten. Tatsächlich liefen Bericht« ein, einer immer düsterer a(» der ander«. Die Lage hatte sich soweit entwickelt, daß ein Sturm im Anzug war, und wenn wir ihn nicht abwendeten. so würde erweiteTrümmerfelder hinter sich gelassen hoben. Die Regierung hatte schnell und mit Tatkraft zu handeln, ohne Rücksicht auf die Parteimaschinerie(mit einem Blick mif die Opposition). Wenn dies getan ist, dann werden alle a n d e- reu Fragen soogsättig und gründlich untersucht werden müssen, u. a. solch« Problem« wie die Kriegsschulden. Wer aber will das jetzt? Di« Schwierigkeit der Lage bestand darin, daß wir durch die Umstände absolut gezwungen waren, eine Anleihe zu erhalten. Di« Konservativen und Liberalen hatten einem jeden Plan, der diese Anleihe sicherstellte, ihre Zustimmung versprochen. Der Premier- minister erklärte ausdrücklich, daß niemals während das ganzen Verlaus» der von Snowden und ihm mit Zustimmung und Kenntnis der Regierung geführten Verhandlungen sich die Banken in politisch« Vorschläge eingemischt hätten, sondern daß sie sich lediglich daraus beschränkt hätten, der Regierung fach- verständigen Rat(!) bezüglich der Wirkung der Vorschläge und des möglichen Ertrages der Anleihe zu geben. Es sei viel von einer Verschwörung der Bqnkiers gesprochen worden und von einem Versuch, die politischen Entscheidungen von der City aus zu kontrollieren. Demgegenüber stelle er fest, daß keine außen- stehend« Autorität die Politik des Staates kon- t r o l l i« r« n solle.(Beifall bei den Regierungsparteien und G« g« n r u f e bei der Opposition.) Weder irgendeiner finanziellen noch irgendeiner anderen Organisation(mit einem Blick auf die Arbeiteropposition) solle das Recht zugestanden werden, die nationale Politik zu diktieren. Angesichts der weitreichenden Ber- Handlungen, die ziemlich bald über die Roparationsabkommen usw. begonnen werden müßten und mit deren Erörterung nur angefangen werden könnte, wenn der allerbeste Wille zwischen Frankreich. Amerika und England geschassen sei, bemerkte Macdonald mit einem Blick aus Henderson: Es ist zu hoffen, daß diejenigen, die Ersahrungen in der Führung auswärtiger Angelegenheiten haben, dafür gesorgt haben, daß in diesem Kampfe gegen die Banken nichts von dem wiederholt wird, was neulich über den angeblichen Mangel des von New York und der ganzen amerikanischen Bank- wett an den Tag gelegten großartigen guten Willens gesagt worden ist. Als daraus der Premierminister sich für Sparmaßnahmen in allen Volksschichten einsetzte, wurde er mit der Frage unterbrochen, wie es m i t ihm selbst stehe. Seine Antwort daraus lautet«: Ich werde eine Reduzierung von 1000 Pfund zu tragen haben. Zu der Frage nach der möglichenAmtsdauer der Regierung betonte Macdonald, daß es Pflicht der Regierung fei, solange im Amte zu bleiben, bis die Krise überwunden, bis die Welt aufs Reue davon überzeugt sei, daß der Sterling unangreifbar sei und Löhne und Einkommen des Volkes von den zerstörenden Emsküssen befreit feien, die sie kürzlich bedroht hätten. Wenn das Unterhaus entscheiden würde, daß nicht mehr getan werden könne, dann würde die Regierung bereit sein, ihr Amt dem König zurückzugeben. Die Rede des Pvemiermimsters dauerte eine volle Stunde. Nachdem der Premierminister geendet hatte, erhob sich sofort der Führer der Oppvsittcm, Hettderfott, und führt« u. a. aus: In den 28 Jahren meiner parlamentarischen Laufbahn habe ich zu dem Haus niemals mit einem größeren Gefühl von Verlegenheit gesprochen als heute.(Ironische Beifallskundgebungen.) Diejenigen, die die Arbetterpartei verlasicn hätten, hätten, so bemerkte er weiter, der Partei einen großen Verlust zugefügt. Bei der gegenwärtige» Regierung Handel« es sich incht um eine nattonale Regierung. Solange dies« Rogrerung im Amte sei, würden er und sein« Kollegen die Opposition bilden, und nichts würde sie davon abbringen. Wenn das Budget, so fuhr der Redner fort, balanciert«erden muß. so sollten wir na» an diejenigen wenden, die am meisten haben, und nicht an diejenigen, die am wenigsten besitzen. Ich bin stolz auf die Tatsache, daß ich der Führer der Opposition bin, die sich gegen die Herabsetzung der Arbeitslosenbezüge wendet. Ich habe mich dringend für eine Zusammenkunft der Arbeiterpartei eingesetzt, als die Lage ernst wurde, aber niemals ist der Arbeitspremierminister mit denen zusammengetroffen. die e, ihm ermöglicht haben, seine Position einzn- nehmen. Diesistnochniemalsdagewesen. Die finanziellen Schmie- rigkeiten haben nicht in England ihren Ursprung. Es wurde be- hauptet, daß sie das Ergebnis einesverschwenderischen sozialistischen Kabinetts gewesen seien.(Ungeheurer Beifall der Sonseroativen!) Zwei Sparmaßnahmen kann die Opposition nicht billigen: Eine Einmischung in die Wirk- samkeit der sozialen Dienste und«ine Herabsetzung des Lebensstandards durch Beschneidung der Arbettslosenbezüge. Die ehemalige Arbeiterregierung hat Sparmaßnahmen im Umfange von 56 Millionen Pfund provisorisch angenommen. Einen Tag nach dieser Annahme wurde mitgeteilt, daß weitere 25 bis 30 Mil- lionen Pfund eingespart werden müßten, und daß in der Hauptsache die Ersparnisse zu Lasten der Arbeitslosen erfolgen müßten. An dieser Stelle unterbrach Macdonald und bat um nähere Informationen über diesen Punkt. Auch Sir Herbert S a- m u e l, der liberale Minister des Innern, erhob sich und stellte die von Henderson gemachte Behauptung in Abrede. Darauf fuhr Henderson in seiner Rede fort, während der letzten Monate hätten die Konservativen die Arbetterregierung dringend auf- gefordert, mehr Geld auszugeben unter der Voraussetzung, daß sie so angewandt würden, wie sie es diktierten. Des weiteren führte Henderson aus, sein Glaube an die guten internationalen Beziehungen Englands, die in großem Maß« ein Ergebnis des Washingtoner Besuches des Premierministers seien, sein Glaube an die guten Beziehungen zwischen Eng- land und Frankreich, an deren Herstellung er ein wenig beteiligt gewesen sei, und sein Glaube an die gegenseitige Abhängigkeit der internationalen Finon,;welt, all dies hätte ihn zu dem Schluß oeranlaßt, daß jene Elemente in ihrem eigenen Interesse niemals gewagt haben würden, den englischen Kredit zusammenstürzen zu lassen, wie drohend die Lage auch sein möge. Er schloß mit der Bemerkung: Die Opposition hat sich an jenen Teck des La«des gewandt, den sie vertrete. Nichts würde sie davon abhalten, zu ihren Idealen, ihren Grundsähen und ihrer Selbstachtung zu stehen.—- Di« 3tede Hendersans dauerte ebensail? eine Stunde. Zum allgemeinen Erstaunen sprachen nach Henderson nicl't etwa Baldwin oder Samuel, sondern es erhob sich C h u r ch i l l, der nachdrücklich für baldige Neuwahl eintrat. Er begründete diese Notwendigkeit damit, daß die Sozialisten durch jede weitere Verzögerung gewinnen würden. und betonte, es könne kein Wiederaufleben des Handels und des Vertrauens erfolgen, bis Klarheit in die politische Lage gebracht worden sei. Zur allgemeinen Ueberraschung erklärt« Churchill auch, das Land fei reif für Schutzzoll, und drang in die Regierung, die Zwischenzeit dazu zu benutzen, um eine nationale Polittt zu formulieren und die Männer guten Willens aller Parteien um sich zu scharen. Der Führer der Unabhängigen Arbeiterpartei, Maxton. hielt eine außerordentlich scharfe Rede. So erklärte er, die nationale Regierung sei ein„elender Mietling des Finanzkapi- t a l s und Macdonald ein Führer der Weltreaktion. Er schloß: Parlamentarische Opposition ist nicht das einzige Kampf- mittel der Arbeiterschaft. Ich hoffe, die Arbeiterbewegung versteht, daß sie sehr bald einer revolutionären Lage gegenüber- stehen wird. Es folgte Baldwin. Um die so dringend notwendige und we- sentliche Ausgleichung des Etats durchzuführen, hätten die Konservativen, was er betonen müsse, die lebenswichtige Frage eines Schutzzolles verschoben. Vom Parteistandpunkt aus gesehen, sei dies ein 0 p f e r, und die Tatsache, daß die Konservativ« Partei dieses Opfer auf sich genommen habe, zeige, daß sie den Ernst der Lage voll erkannt habe. Er zollte dem Mute Macdonolds Anerkennung, der von der ganzen Partei verlassen, wie er sagte, die ungewöhnliche Tapferkeit besessen habe, aufzustehen und zu sagen, er werde allein versuchen, da» Land über die Schwierigkeiten hinwegzubringen. Zwischenfälle vor dem Parlament. London. 8. September. Während der heuttgen Debatte im Unterhause sammelte sich eine große Menschenmenge in der Nähe des Parlamentes an. die Essetle der L i ch t w o ch e zu betrachten. Demonstrierende Arbeitslose, welche das Lied von der„Roten Fahne" sangen (desseit Melodie übrigens die des deutschen Tannenbaumliedes ist! Red.), mischten sich unter diese Menge. Die Polizei ging darauf gegen sie vor und zerstreute die Manifestanten. Gewerkschafiskongreß für Revision von Versailles. London. S. September.(Eigenbericht.) ver Gewerkschaftskongreß in Bristol nahm am Dienstag einstimmig eine Entschließung an. die sich mit der Not- meadlgkeit der Revision de» versatller verkrage» befaßte. Hale erklärte, daß die Auswirkungen de» versailler ver- trage, die Beziehungen zwischen den Ländern Europas nicht ver- bessert hätten. Die» töuale auch solange nicht eintreten, bis die anderen Länder voll anerkannt hätten, daß Deutschlaad nicht die alleinige Schuld am Kriege aufgebürdet werden dürste. Eine Abrüstung sei unmöglich, solange ventschlaud mit Gewalt niedergehalten und geknebelt«erde, ver Präsident de» Kongresse« bemerkte hierzu, daß die, die einstimmige Auffassung der Versammlung sei. Nr. 421* 48. Jahrgang ± Beilage des Vorwärts Mittwoch, 9. September 4931 VerMeningssdiwhidier im Meinen. Der fingierte Einbruch.— Die Kosten eines Autounfalls. Versicherungsbetrug ist graste Mode. Ein jeder macht's, wie er es weist. Die einen, wie Testner oder Safran, lasten statt ihrer andere sterben, um selbst in den Genust der Versicherungssumme zu gelangen: andere, wie neulich ein Soosmann in Warschau, dingen Arbeitslose, damit diese sie ermorden und den Angehörigen die Versicherung ausgezahlt wird. A.uch der Angeklagte W., der vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte Rede und Antwort zu stehen hatte, machte es, wie er es verstand. Nach seinen wenn auch geringen Strafen wegen Betrügereien zu urteilen, hätte er eigentlich in diesen Dingen Erfahrungen besitzen müssen. Erst im April dieses Jahres zog er sich einen Monat Gefängnis zu, weil er einen Unfall zu einem unbedeutenden versicherungsschwindel mistbraucht hatte: diesmal war es vorbeigelungen.„Schön, sagte er sich, jetzt weist ich, wie man's nicht machen soll und mache es nächstens um so besser." Bald hatte er einen zweiten Unfall: Er sticst mit einer Taxe zusammen. Der fremde Wagen erhielt aber nur ganz geringe Beschädigungen und cr einigte sich mit dem Chauffeur bei einem Glase Bier auf 4l> Mark.„Bin ich aber ein Dummkopf," sagte sich W. am Tage darauf,„das war doch eine Heroorragende Gz- legenheit, ein Bersichernngssiimmchen zu erben." Also machte er dem EKausfeur Z. den Borschlag, er möchte chm eine Rechnung auf 300 Mark Reparaturkostcn ausstellen. Z. wollte davon nichts Heren. W. fand einen anderen Weg. Er veranlaßte seinen Bc- kannten N., einen Stempel zu bestellen und aus den Namen des Z. eine Rechnung auf angeblich 107,75 M. ausgeführte Reparaturen auszustellen. Die Rechnung reichte er bei seiner Bersicherungs- geseilschaft ein. Als Z. von der Gesellschaft die Mitteilung erhielt, dast das Geld zur Auszahlung gelangen würde, ging cr doch auf W.'s Kombination ein: e r erhielt 2ö M., N. 10 M., den Rest W. Alles war glatt verlaufen. Der Appetit kommt init dem Esten, sagt das Sprichwort. Der Erfolg spornte W. zu neuen Taten an. Als er eines Tages mit Frau und Tochter von einer Reise zurückkehrte, fand er seine Woh- nung erbrochen und seine Sachen durchwühlt. Er brachte alles in schönste Ordnung und alarmierte die Polizei. Der Kriminalbeamte fand eigentlich keine Spur von Einbrechern. Es fehlten aber verschiedene Gegenstände, ein Silberbesteck für IS Personen, zwei Operngläser, ein paar Schuhe und noch viele andere Dinge. Kein Zweifel, die Diebe hatten sie mitgenommen, W. reichte bei der Versicherungsgesellschaft eine Schadenrechnung in Höhe von 827 M. ein, erhielt 527 M. ausgezahlt und rieb sich vor Genugtuung die Hände. Gibt es denn etwas Einfacheres auf der Welt, als zu Vcrsicherungssunimen zu gelangen? Dann passierte aber ein Mal- hcur. W. entzweite sich mit seiner Ehefrau und die Frau erstattete Anzeige. Man fand das Silberbe st eck in der Matratze, die Operngläser auf dem Ofen, allmählich wurden auch alle anderen von den Dieben fortgeschafften Dinge aus ihren Verstecken hervor- geholt. W. war fein eigener Dieb gewesen. Das Gericht ging über den Antrag des Staatsanwalts hinaus. W. erhielt neun Monate Gefängnis, man sah ihm sein Mist- vergnügen an, Z. wegen Beihilfe 40 M. Geldstrafe, N. war nicht erschienen. Nachspiel zu Erwerbslosenkrawallen. Acht Monate Gefängnis für den Rädelsführer. Die schweren Zusammcnstöste, die sich am 20. Mai nachmittags vor dem Rathaus Neukölln zwischen Erwerbslosen und Polizeibeamten zutrugen, fanden ihr gerichtliches Nach- spiel vor dem Schöffengericht Neukölln. An dem betreffenden Tage fand im Rathaus Neukölln eine -Sitzung der Bezirksverfammlung statt, und in ver- -schicdencn Arbeitsnachweisen waren die Erwerbslosen aufgefordert worden, sich um 6 Uhr nachmittags zu einer Protestkundgebung vor dem Rathaus einzufinden. Tatsächlich erschienen auch einige 100 Erwerbslose, denen anfänglich nur ein Polizcibeamter 'gegenüberstand. Der Erwerbslose Willi Müller schlug diesen Beamten nieder und herbeieilende Verstärkung konnte ihn nur mit der Pistole in der Hand aus der gefährlichen Situation retten. Fünf L i n k s r a d i k a l e, die bei diesen Zusammenstößen fest- _gcncmtimu waren, chatten sich vor dem-- Gericht zu verantworten. Zwei Personen mußten mangels Beweises freigesprochen werden, während Willi Müller, der sich als Rädelsführer betätigt hatte, wegen schweren Landfriedcnsbruchs zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Zwei andere Angeklagte wurden wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt zu 30 bzw. 50 Mark Geldstrafe verurteilt. fiettev bei Trumpf. Die Berliner Feuerwehr wurde gestern nachmittag gegen '■;ö Uhr nach der Gustav-Adolf-Straße 131 in Weistensee ge- rasen, wo sich die Schokoladenfabrik Trumps befindet. Da das Fabrikgrundstück unter dem Schutz der dritten Alarmstufe steht, rückten fünf Löschzüge aus den verschiedensten Stadtteilen an. Es stellte sich aber glücklicherweise heraus, daß keine große Gefahr bestand, sondern nur in einem Keller Brennholz in Brand geraten war. Deshalb konnten die anderen Züge wieder abrücken. Die Weißenscer Feuerwehr löschte das Feuer schnell. Ein beredter Mund. Wie ein Rechtsanwalt an zwei Einbrecher appellierte. Als einsichtsvolle Burschen entpuppten sich zwei Einbrecher, die in der vergangenen Nacht eine Wohnung in der Schlüterstrahe mit ihrem Besuch beehrten. Sie drangen unbemerkt in die Räume eines bei den Inhabern als Untermieter wohnenden Rechtsanwalts ein und begannen eifrig Kleider- und Wäscheschränke auszuräumen. Gerade als sie mit dem Einpacken der Sachen beschäftigt waren, kam der Rechtsanwalt nach Haufe und wurde sofort mit. vorgehaltenem Revolver gezwungen, auf einem'Stuhl Platz zu nehmen. Durch' diese'reichlich gcwältsamg Methode durchaus nicht aus der Fassung gebracht, verstand tr-es mit gutem' Zureden, den zwei Eindringlingen das Unrechtmäßige ihres Tuns klar zu machen. Sie packten schließlich die Sachen wieder aus, nahmen ihm dafür ober die Brieftasche ab, die 60 � M. enthielt. Der Rechtsanwalt lieh aufs neue seine Beredsamkeit sprühen. Unmöglich könnte man ihn seiner ganzen Barschaft be- rauben. Worauf ihm prompt 50 M. zurückgegeben wurden. Die restlichen 10 M. benötigte man, wie höflich erklärt wurde, un- bedingt als Fahrgeld für die Rückkehr nach Hause. Als sich die zwei nach herzlichem Abschied entfernen wollten, löste sich durch Unacht- somkeit aus der Pistole des einen ein Schuß, ohne aber jemand zu verletzen. Freundliche Entschuldigung auch hierfür. Dann nahmen die„liebenswürdigen" Einbrecher endgültig Abschied, nicht ohne zum guten Schluß doch noch zwei Perserbrücken im Werte von etwa 3000 M. mitgehen zu lassen. Es gelang ihnen, mit ihrer Beute unerkannt zu entkommen. „Nautilus" stark beschädigt. In Abventbay auf Spitzbergen angekommen. Kopenhagen, 8. September. Wie aus Adventsbay( Spitzbergens gemeldet wird, ist „Nautilus" am Dienslagmitlag um 13 Uhr dort angekommen. An Bord ist alles wohl bis auf den Maschinisten, der er k r a n k l ist. Do» U-Boirf selber macht einen kläglichen Eindruck. Es kam mit schwerer Schlagseite an und ist an verschiedenen Stellen leck. Wie lange das U-Boot in Adventsbay liegen bleibe« wird, steht noch nicht sest. Es dürste aber in wenigen Tagen südwärts gehen. Man wartet erst einmal gutes Welter und eine Besserung im Be- finden der Mannschaft ab. Ob das U-Boot imstande fein wird, die Rückfahrt nach Amerika anzutreten, dürste bei dieser Zahreszeit, wie Sachverständige erklären. zweifelhaft sein. Durch Narkose zur Fremdenlegion. Zwei Werber ins Zuchthaus geschickt. Lüneburg, K. September. Vor dem L ii n c b u r g e r Gericht hatten sich Zwei Franzosen zu verantworten, die einen Tischlergesellen, nachdem sie ihn mit einer narkotischen Zigarette eingeschläfert hatten, in einem Auto entführten. Tas Gericht stellte einwandfrei fest, dast sie den Tischler- gesellen in die Fremdenlegion verschleppen wollten und verurteilte sie zu je vier Fahren Zuchthaus und 1500 Mark Geldstrafe. Familientragödie in München. Vier Personen durch Gas vergiftet. In der Stadt Pasing bei München wurden vier Personen, und zwar eine Frau Dr. Dehn mit ihren beiden Söhnen im Alter von 5 und 12 Jahren und die Hausangestellte in ihrer Wohnung durch Gas vergiftet tot aufgefunden. Drückende Notlage und zer- rüttete Familienverhältnisse dürften der Grund zu der schrecklichen Tat sein. Zweifaches Todesurteil aufgehoben. Dessau(Anhalt), 20. August. Das anhaltijche Schwurgericht verhandelte kürzlich gegen die Arbeiter Hermann und Paul Grosse aus Jerbst in Anholt, die im Januar dieses Jahres die 47 Jahre alte Witwe G e r n d t bei einem Raubüberfall in brutalster Weise u m- g.ebxächt hatten und dafür vom Schwurgericht in Dessau zum T o d e ö/fürteilt WabSb.' Das NtichsAericht hatte wegen untze- n legende r Bew'elsaüfnähüie das Urteil aliiqehoben und die SckchV'an däs Schwurgericht Dessau zurückverwiesen,' das nunmehr nicht -wieder auf Todesstrafe erkannte. Es wurden vielmehr verurteilt wegen qualifizierlen Totschlags und schweren Raubes Hermann Grosse zu 15 Iahren und Paul Grosse zu zehn Iahren Zuchthaus mit den üblichen Nebenstrasen. Amy Johnson in Berlin. Die englische Fliegerin Amy Johnson ist auf dem Rückslug von Ostasicn nach London gestern nachmittag um 15.15 Uhr, von Königsberg kommend, auf dem Tempclhofer Feld zwischengelandet. WM «r � Einer zieht den anderen und wird wiederum ge- zogen, und niemand erkennt, wo sich der Manager dieses Puppenspiels versteckt. Herr Ziege zittert vor Herrn Sil- vester und Herr Silvester vor Herrn Marx, während Herr Marx vor den Berliner Direktoren zittert, und diese zittern vor einer anderen noch höheren Instanz, und so geht es weiter. Ad ipfinitum hießen auf der Schule die mathema- tischen Reihen. Ist die Welt nur eine solche Reihe des Zitterns, der Angst, der Verzweiflung? Die ruhigen, kalten Augen des Herrn Marx, die heute jede Schüchternheit ver- loren haben, blicken James unbeweglich an. Vielleicht kommt es ihm auch nur so vor, und der kleine Marx ist genau so servil wie früher, nur die Angst, die Unsicherheit trüben den Blick, lassen ihn am Vormittag in den nüchternen Räumen einer deutschen Großbank Gespenster sehen, die phaidastischc Zahlentänze aufführen. Ich bin verstrickt, unrettbar verstrickt in diesen Cancan der Beziehungen und Abhängigkeiten, war es immer, aber heute kommt es mir klar zum Bewußtsein, so klar wie noch nie in meinem Leben. „Wozu raten Sie mir?" James bemüht sich, der Frage Rückgrat, einen fühlbaren Halt zu geben. Sie soll nur rhetorischen Charakter tragen, eine unverpflichtende Form der Unterhaltung bilden. James weiß schon, wie der Hase läuft. O, er ist klug und weise und ihn betrügt man nicht, wenigstens nicht so leicht. Herr Marx scheint dagegen anderer Meinung zu fem. Er ist der Lehrer, der einem schwach begabten und zurück- gebliebenen Schüler Ratschläge für den weiteren Lebensweg erteilt und der auf die Fußangeln hinweist, die die Welt dem Ahnungslosen stellt. „Deswegen habe ich Sie hergebeten." Herr Marx spricht ganz sanft.„Sie müssen mehr Geld beschaffen, oder wir sehen uns gezwungen, die Aktien zu verkaufen. Sie sind bei dem ständig rutschenden Kurs von Ihrer Seite höchstens noch mit zehn Prozent gedeckt. Rechnen Sie dazu die Provisionen und Spesen, und Sie werden als erfahrener Kaufmann ein- sehen, daß wir so handeln müssen. Ich setze hinzu, zu unserem größten Bedauern. Die Bank darf nicht verlieren." „Wieviel soll ich zahlen?" Herr Marx grübelt. Sein Kops mit den abstehenden, ge- röteten Ohren gleicht einer steinernen Maske, der ein eigen- williger Bildhauer groteskes Gepräge gab. Der Mund ist nur ein dünner Strich. „Trotzdem der Kurs fallende Tendenz zeigt, würden 120 000 Mark auf jeden Fall genügen. Sie sind dann ge- deckt und können alles weitere in Ruhe abwarten. Auch die Baisse wird vorübergehen, und der Kurs kann über Rächt in die Höhe schnellen." „Und wenn ich nicht zahle?" James fragt beiläufig, als ob diese Möglichkeit außerhalb der Welt läge. „Wie gesagt, dann wären wir zum Berkauf gezwungen." Herr Marx hat sich erhoben und die linke, geballte Faust auf den Schreibtisch gestemmt. Die Pose verleiht ihm das Aus- sehen eines verschüchterten Heroen. Sie übersteigt sein Format. Aber dieser komisch wirkende Herr Direktor hält die Trümpfe in der Hand und gewinnt das Spiel. Damit muß man rechnen. „Lassen Sie mich einmal überlegen. Wann muß ich die Summe Ihrer Bank zur Verfügung stellen?" James ist wieder der kühl erwägende Geschäftsmann, der Gefahren zu trotzen versteht. Herr Marx legt die Hände auf den Rücken, fein säuber- lich gefaltet, und tritt ans Fenster. Ein kurzer Blick auf die Straße, wo sich der mittägliche Autoverkehr zu entfalten be- ginnt, belehrt ihn, daß alles beim alten ist. „Es handelt sich um eine Maßnahme der Vorsicht. In Ihrem eigenen Interesse würde ich Ihnen raten, mit dem Geld so schnell wie möglich bei der Hand zu sein, wenn an- gängig, heute nachmittag schon!" „Gut! Bis drei Uhr ist das Geschäft erledigt." James reicht Herrn Direktor Marx die Hand. Er hält sie in der Luft und wartet, bis der Herr Direktor zu ihm kommt. Er macht keinen Schritt ihm entgegen. Ungefähr fünf Meter trennen die beiden Herren. Darüber ist Herr Marx tauin erfreut. Er liebt es nicht, leere, weite Räume zu durchschreiten. Er hat bei solchen Gelegenheiten immer ein kaltes, unangenehmes Gefühl im Rücken, er braucht die Deckung von Möbeln, die man in Augenblicken der Unsicher- heit betasten kann. Der Besucher muß im freien Raum stehen. James genießt einen heimlichen Triumph, eine kleine Privatrache, und trotz der finanziellen Schwierigkeiten lacht er, fast wider Willen. Auch Herr Direktor Marx zwingt sich zu einem verbindlichen Grinsen, doch in seinem Innern herrscht schwarze Gemütsstimmung. Als James die Straße betritt, ist die Freude verflogen. Er befiehlt seinem Chauffeur, nach Hause zu fahren. Oben hat er erklärt, bis heute nachmittag die Summe zu beschaffen. Das ist leicht gesagt, aber schwer getan. Vier Stunden hat er noch Zeit. Vier Stunden können lang sein, und sie ver- fliegen wie Minuten, wenn man vergebens nach Geld läuft. Vor einem Schaufenster bleibt er stehen, stiert hinein, ohne zu wissen» was er sieht, dann trottet er weiter. Soll er nicht das Geld schießen lassen? Es ist ein schwerer Verlust, und dieser Verlust kann bei der unsicheren Konjunktur nur lang- sam oder gar nicht ausgeholt werden. Doch man steht wenigstens vor der klaren Tatsache des Verlustes und macht sich keine Illusionen. Hat er den Mut zum Ausstreichen und Weitergehen, oder sucht er nicht immer wieder Kompromisse und Hoffnungen? Wenn er wenigstens Manfreds Vorschlag der Geschästsbeteiligung akzeptiert hätte. Das greuliche „Hätte... Hätte... Hätte!" Besser wird dadurch nichts, man verträumt allein die Zeit mit diesen gedanklichen Kom- binationen und Spielereien. Rein! Nicht mehr träume»! Den Dingen klar entgegensehen! Es wäre Feigheit, die Flinte ins Korn zu werfen und auf das Geschäft zu verzichten. Westkohle steht fabelhaft da. � Sie muß wieder steigen, sie wird auch steigen, und am Schluß winkt ein ganz großes Geschäft. Das Haus Silvester besitzt Kredit. Man lebt schließlich in einem anständigen, kapitalistischen Lande. Außer- dem treffen in ein paar Tagen die schlesischen Zahlungen ei». Aus einer Likörstube ruft James seinen Freund Eritson an. Der Prokurist erzählt etwas von einer dringenden, ge- schäftlichen Besprechung im Ratskeller. Es soll sich um einen großen Lieferungsaustrag handeln, und wichtige Verträge werden besser an neutralen Orten durchgesprochen. Da der Chef schon zwei Stunden fort ist, wird sich die Konferenz wohl ihrem Ende nähern. In einer Nische des Ratskellers unter einem geschwärz- ten, schweren gotischen Bogen sitzt Kurt Eritson mit einem vornehmen Herrn, den sogar ein Monokel ziert. James wird lärmend begrüßt und dem Vornehmen vorgestellt, der sich init gemessener Reserviertheit verbeugt und über die neue Bekanntschaft nicht entzückt zu sein scheint. Es ist ein Ober- regierungsrat von Klokow.(Fortsetzung folgt.) „Ein bedauerlicher Zufall". Wegen schweren Naub e«! zu einem Jahr Gefängnis verurteilt „Ein bedauerlicher Zufall, der mich hereinreißen kann", [igte gestern der 2Sjährige wegen schweren Raube» angeklagte Bauarbeiter S., von tatsächlich eigentümlichem Zusammentreffen äußerst verdächtiger Umstände. Frau L. kassiert am 3. d. M. wie üblich in der Coursseurstrah« Mietgelder«in. S. wohnt in derselben Gegend. Frau L. benutzt zur Nach-Hause-Fahrt den Omnibus 9, oben denselben Wagen besteigt auch S. An ihrer Haustür am Levetzowplatz erhält Frau L. von S. plötzlich einen F a u st s ch l a g; er entreißt ihr das Köfferchen mit 900 Mark, läuft davon, wird aber gefaßt. Der Staatsanwalt glaubt nicht an das eigentümliche Zusammentreffen so vieler verdächtiger Umstände und ist der Ansicht, daß S. Frau L. aufgelauert haben' müsse. Frau L. ist überzeugt, daß irgendeiner von ihren Mietern dem Täter den Tip gegeben habe. Sieht man aber von diesen ungeklärten Einzelheiten'b, so erscheint das Ganze als«in tief be- dauerlicher Zufall, wie so oft geboren aus der Not. Vor dem Gerichtssaal bittet eine nette junge Frau die Bericht- erstatter, nicht den Namen ihres Mannes zu nennen:„Er ist ja schon so beschmutzt, ich bin jetzt noch ahnungslos, wie das geschehen tonnte" und im Gerichtssaal bricht sie beim Anblick ihres Mannes in Tränen aus. Dieser erzählt mit knappen Worten seinen Lebenslauf. Er ist der zweitjüngste von 16 Kindern. Mit geringen Unterbrechungen hatte er stets Arbeit. Im Jahre 1929 heiratete er, taufte seiner Frau eine Nähmaschine, wurde arbeitslos und konnte nun weder Schulden an die Schwiegermutter, noch die Raten für die Nähmaschine be- zahlen, noch seinen Mieteverpflichtungen der Mutter gegenüber nachkommen. Die Arbeitslosenunterstützung für ihn und die Frau betrug 11 Mark und einige Pfennige, die Mutter, bei der er wohnt, erhielt zusammen mit dem 19jährigen Bruder nicht mehr als 33 Mk. Wohlfahrtsunterstlltzung. Er hatte beim Wohlfahrtsamt um Wirt- schafts- un-d Mietehilfe nachgesucht und sollte am 3. September 15 Mk. abholen.„Was sollte ich mit der geringen Summe anfangen", sagte er. Ich war vollständig irre. Auf dem Wege zu meiner Schwester, wo ich den Ofen streichen sollte, stellte ich mir plötzlich alles Uebel vor. Es fiel mir ein, nach dem Westen zu fahren, um dort zu Geld zu kommen. Ich war so weit, daß ich mich sogar hätte prostituieren können. Ich fuhr nach dem Tiergarten, l-ef durch die Straßen und sah plötzlich die Dame vor mir..." Der Ton macht die Musik, sagt das Sprichwort. Das„Wie" in der Schilderung des Angeklagten, seine innere Haltung der Tat gegenüber mußte ausschlaggebend sein für deren Bewertung. Deshalb beantragte wohl der Staatsanwalt unter Zubilligung mildernder Umstände„nur" 15 Monate Gefängnis, und deshalb verurteilte das Gericht den Angeklagten zur Mindeststrafe von einem Jahr..» Weiteres Geständnis Streckers. Helfershelfer streitet er entschieden ab. Die Untersuchung gegen den Schriftsteller Karl Strecker, der nach seinem eigenen Geständnis die von ihm gemietete Villa in „Zehlcndorf in Brand steckte, wird noch fortgesetzt. Besonders gehen die Ermittlungen in Weimar weiter. Für die restlose Auf- klärung wäre es von Wichtigkeit, wenn sich der Droschkenchauffeur melden würde, der Strecker auf seiner Fahrt noch Klein- Machnow im Wagen gehabt hat. Es handelt sich um die Nacht zum 26. August d. I. Der Fahrgast ist gegen 1 Uhr am Anhalter Bahnhof eingestiegen und hat sich bis in die Nähe des Erlenwcges in Zehlendorf-Klein-Machow bringen lasten. Um dem Chauffeur unnötige Wege zu ersparen, genügt es, wenn er feine Adresse bei der nächsten Polizeistelle oder der Bahnhofswache am Anhalter Bahnhof, wo er vielleicht seinen Standplatz hat, angibt. Di« Frage, ob Strecker bei der von ihm oerübten Brandstiftung, wie bisher immer angenommen wurde, Helfershelfer gehabt habe, wird von ihm selbst nach wie vor entschieden verneint. Er hat auch seinem Anwalt gegenüber immer wieder erklärt, daß er die Tat allein vorbereitet und auch ausgeführt habe. Insbesondere verweist er daraus, daß er ja, wenn er Helfer gehabt hätte, diesen ruhig die letzte Durchführung der Brandstiftung hätte überlassen und sich in der froglichen Zeit fern von Berlin hätte aufhallen können. Da er aber allein gehandelt habe, hätte er zu diesem Zweck auch selbst von Weimar nach Klein-Atachnow zurückkehren müssen. Zu der Behauptung, daß ein jüngerer Mann den Einkauf von einigen Benzinslaschen besorgt habe, widerlegt Strecker mit dem Hinweis, daß er selber viel jünger aussehe, als er tatsächlich sei. Im übrigen legt er großen Wert auf die Feststellung, daß er bei der Vorbereitting im flWhwom IUP Hausangestellte. AmensmögiichHeil- aber schwere Bedingungen. Man wird den schweren Stand der Arbeitsnachweise besonders in dieser Berufskategorie begreifen,-wenn man einmal eine Stunde lang den Unterhandlungen beigewohnt hat: der Arbeitnehmer spielt hier dem Arbeitgeber gegenüber eine ganz unzeitgemäße Rolle und unwillkürlich drängt sich einem das deprimierende Bild früherer Leib- eigens chaft auf, wenn man ficht, wie die„gnädige Frau" die ihr vor- geführte menschliche Ware aus ihre äußeren und inneren Vorzüge hin taxiert. Sie läßt sich von der Vennittlerin drei, vier, fünf und auch noch mehr Mädchen vorstellen, gefällt ihr eine rein äußerlich nicht, dann schreit sie ihr gleich ins Gesicht:„Nein, die mag ich nicht, die gefällt mir nicht!" Gesenkten Kopfes macht das arme Ding dann kehrt und oerschwindet, manchmal ertönt dann aus irgendeiner Zimmerecke der Ruf zu ihr:„kommen Sie doch mal zu mir hier", dann verhandelt sie mit einer anderen Hausfrau, oft auch noch mit mehreren. Ein ohrenbetäubender, nervenzerreißender Lärm herrscht in den beiden Berhandlungszimmern, wo Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Gruppen dicht bei dicht stehen und verhandeln. Die beiden Neben- Zimmer sind gepfropft voll Mädchen, die sitzend und stehend ihres Aufrufes harren: die Vermittlerin pendelt gleich einem Perpetuum mobile ständig zwischen den vier Räumen hin und her, ruft die Mädchen auf und führt sie vor, nimmt die Wünsche der Hausfrau in Empfang, schickt die Zurückgewiesenen wieder in die Warteräume, muß hier Auskunft geben, dort vertrösten, aufgeregte Hausfrauen- gemüter beschwichtigen, an allen Ecken und Enden zugleich sein, um Rede und Antwort zu stehen. (Sa fehlt an vorgebildeten Kräften. Aussallend ist, daß es sich bei dem größten Teil der Arbeit- suchenden um junge, eigentlich jüngste Mädchen handelt, die im Alter von 14 bis 18 Jahren stehen: und hier beginnt gleich das Dilemma der Vermittlungsarbeit— es fehlt an geschultem Per- s o n a i. Kaum eine Hausfrau will ein Mädchen von Grund auf an- lernen, im Gegenteil, man will eine selbständige Kraft mit vielseiti- gcm, erprobtem Können, das durch lange, lückenlose Zeugnisse doku- mentiert ist. Daß schließlich jedes Mädchen an einer Stelle ihre Berufstättgkeit beginnen muß, interessiert die„Gnädige" nicht und auf der anderen Seite macht sie der jugendlichen Hausangestellten auch noch den Besuch der von der Stadt Berlin eingerichteten För- dererkurse— hier kann sich das Mädchen in allen Hausarbeiten ver- vollkonnnnen— durch Verweigerung der notwendigen Freizeit un- möglich. All den jungen Dingern fehlt also alles, was die Hausfrau zur Bedingung stellt: Das Können, die Selbständigkeit� und die„guten Z e u g n i f s e": der Fimmel mit den langjährigen Zeugnissen macht sich hier wieder ganz besonders stark bemerkbar, kürzere Zeugnisse und keine aufeinanderfolgende Tätigkeit erregen das hausfrauliche Mißtrauen und schwerstwiegende Bedenken: daß an dem Stellungswechsel ja nicht unbedingt das Mädchen die Schuld tragen muß, wird erst gar nicht in Erwägung gezogen, ebenso nicht der Umstand, daß die Stellen nicht allzu dicht gesät sind und unfrei- williges Pausieren kaum zu vermeiden ist. In allem zeigt sich eh» ganz vorsintflutlicher Arbeitgeberstandpunkt. Die Hauptsache, woran die meisten Anstellungsverhandlungen scheitern, ist natürlich die Ge h a l t s s r a g e: dies gilt insbesondere für die kleinen Haushalte, wo das Mädchen für einen ganz geringen Lohn alles Mögliche, bester gesagt Unmögliche, leisten soll. Sie muh aufräumen, kochen, die ganze Wäsche waschen, das Telephon bedienen, die Kinder betreuen und wenn es ein Geschäftshaus ist, in ihrer„freien Zeit" auch noch imGefchäft helfen. Daß ein Mädchen für solch anstrengende Arbeit einen an- gemessenen Lohn verlangt, kann man ihr kaum verübeln. Die Haus- frau versucht zwar, ihre Jugend und die fehlende Routine als ent- wertendes Moment in die Wagschale zu werfen, meist ober mit wenig Erfolg. Gewiß, die wirtschaftliche Krise erfordert einen Zlbbau nach allen Richtungen, er darf aber nicht so weit gehen, daß man vom Arbeitnehmer eine völlige Ausbeutung seiner Arbeitskrast bei fchlech- ten Lohnverhältnisien verlangt. Entweder die Frau arbeitet mit und erleichtert dem Mädchen auf diese Weise die Tättgkeit, oder aber sie verzichtet auf fremde Hilfe. Unter allen Umständen läßt sich eben nicht„gnädige Frau" spielen! Was den Mädchen zugemutet wird, das spottet oft jeder Beschrei- bung: Da will eine„Madame" für einen 6- Z i m m e r- 5) a u s- halt mitdreiPersonen, wo das Mädchen auch noch kochen und waschen muß, nicht mehr als zwanzig Mark Lohn bezahlen. Sie ist eine jener ungern gesehenen Kundinnen, die ständig den illachweis belagert, sich eine Unmenge Mädchen vorführen läßt und nie einig wird. Wenn dann auch der Vennittlerin mit der Engels- geduld einmal der Papierkragen platzt, dann meint Madame indi- gniert:„Gott, Mädchen krieg ich, soviel ich haben will: da setze ich ganz einfach ein Inserat in die Zeitung, da bekomme ich, was ich ver- lange." Merkwürdigerweise stellt sie sich aber, trotz dieser gefähr- lichen Drohung, immer wieder im Nachweis«in, entweder hat ihr probates Mittel doch versagt, oder sie will das Inseratengeld nicht riskieren. Andere Frauen stellen wieder in bezug auf des Mädchens Privatteben ganz eigentümliche Bedingungen. Die eine untersagt die Existenz eines Bräutigams aufs strengste, die andere stellt die Heim- kehr vom Ausgang für Schlag 11 Uhr abends zur Bedingung und die dritte weigert sich überhaupt, den Hausschlüssel herauszurücken. Hier soll das Mädchen im Badezimmer schlafen— oermut- lich in der Wann«— dort! m Flur, hier wieder wird dne voll- ständige Servierausrüftung verlangt, langes abendliches Airfbleiben, weit häufig Gäste kommen usw. Daß die jungen Mädchen solche Stellen nicht gerne annehmen, versteht sich von selbst. In einem der größten Hausangestellten-Nachweifc gehen pro Tag schätzungsweise 200 Hausfrauen und noch viel mehr Mädchen aus und ein, es werden aber auch täglich etwa 50 Bernnttlungeu erledigt. Wäre nicht der ständige Stellenwechsel, dann wäre die Zahl der Arbeitsuchenden noch geringer. Um diesen nach Möglichkeit zu vev» hindern, bemühen sich die städtischen Nachwerse, den Wünschen beid« Parteien nach Möglichkeit gerecht zu werden. der Brandstiftung alles so eingerichtet habe, daß weder die im Erd- gsschoß wohnende Portierfamllic, noch die Nachbarsleute, denen er die Wohnungsschlüssel-gegeben chalie, bei einem etwaigen vorzeitigen Betreten der RäuMk.zu Schaden gekommen wären. Er habe obsicht- lich langsam brennende- Lerbindungsschnüre gelegt, damit für etwa bedrohte Personen Zeit zur R ettung bliebe, und gerade dadurch sei dann die Entdeckung der Brandstiftung ermöglicht worden. Strecker bestreitet serner, daß er Selb st mordabsichten habe; vielmehr fühle er sich jetzt, nachdem er sein Geständnis abgelegt habe, sehr erleichtert. „Spiel, Sport nnd Technik im Reichsbanner." Der preußische Innenminister Carl Sev ering hat das Pro- tektorat dieser großen Herbstveranstaltung des Berliner Reichsbanners übernonmien, die am Sonntag, dem 13. September, nachmittags 15 Uhr, im Stadion an der Avus stattfindet. Außer den sportlichen und technischen Borführungcn, zu denen die besten Mannschaften aus dem Gaugebiet antreten, findet im Rahmen der Veranstaltung ein Massenspielen von 1000 Musikern und Spiel- leuten statt. Fackelreigen, Feuerwerk und Zapfen- Kopierpnm und laufendes Band. Weg der Zeit.— Was uns die Iba lehrt. Wenn eine Veranstaltung dazu geeignet ist, den Büroangestellten ihre Zugehörigkeit zum Proletariat eindringlich zu machen, so ist es die Internationale Biiro-Ausstel- lang 1931. Man denkt zuerst nur an die Maschine. Der Mensch, der ihr das Leben erst einhaucht, ist eine etwas überflüssige Angelegenheit geworden. Der Stand der Rattonalisiernng in den Büros wird draußen in der AutoHalle auf dem Kaiserdamm mit einer Ein- dringlichkeit gezeigt, die selbst auf den Unbeteiligten wirken muß, be- drückend auf die aber, die noch in den Betriebe« stehen und um hre Posten bangeu, niederschmetternd auf die Menschen, die schon zur großen Armee der Arbeitslosen gehören. Märchen von einst. Es klingt schon fast wie ein Märchen, daß es jemals Büros gegeben hat, in denen man mühsam jeden einzelnen Brief, jede Rechnung und jede Adresse mit der Hand geschrieben hat, daß man sich einer handbetriebenen Presse bediente, um Kopien anzu- fertigen, daß man Kontobücher führte, von denen einzeln« nur durch die vereinte Kraft zweier Menschen von einem Platz aus den anderen gelegt werden konnten. Büros— das war einmal ein Begriff, empfunden als ein Raum, in dem die Buddenbrocks leben oder Freytogs„Soll und Haben" sich abspielt. Was man früher Buchhaltungen nannte, find jetzt Maschinenjol«, in denen Angestellte mit Kitteln bekleidet, Oelkanne in der Hand, Maschinen in Gang halten. Die patriarchalischen Ueberreste, die manche AngestMen mit dem„Stehkragen" und der gebügelten Hose ängstlich behüteten, sind mit einem Schlag beseitigt. Da» Erwachen ist fm-chterlich. denn gerade in der Angestellteirschaft fehlte lange Zeit das S o l i d a r i t ä t s g e s ü h l, das die Industriearbeiter- Ichost sich schon zu Beginn der Frühkopitalismus zu eigen gemacht hat!'.. Aber die Mechanik der Präzisionsapparate kann niemand täuschen. Da macht ein automatischer Adressenschreiber mit 13000 Adressen stündlich die letzte Hoffnung des Heimarbeiters zunichte. Dort in die D i k t i e r m a f ch i n e, der jetzt jede Unzuläng- lichkeit genommen ist, spricht der Ehef seinen Brieftext„auf Draht". Die Sekretärin legt den Kopshörer um oder schallet den Lautsprecher ein und läßt sich das Diktat vorsprechen. Sie reguliert das Redetempo ihres Chefs und läßt ihn das soeben gesprochene Wort wiederholen. Er kann inzwischen eine Konferenz besuchen. Di« Technik ist fehlerlos. Papierrollen auf der Schreib- wasch inen walze ersparen Ein- und Ausspannen. Die Steno- typistin sitzt am lausenden Band. Die phototechnischen Re- produktionsapparate, übrigens die einzigen Apparate auf der Ausstellung, die kaum geeignet sind, Arbeitskräste freizusetzen, sind außerordentlich vervollkommnet. Die neueste Erfinduug, die Banknotenzählmaschine, die erstmalig vorgeführt und demnächst probeweise bei der R« i ch s b a n k aufgestellt wird, macht die routinierten Geldzähler überflüssig. Jeder Angestellte kann den Apparat ohne Vorkenntnisse bedienen. Die Geldscheine werden in die Maschine gelegt, über ein Gummiband geführt, voneinander gelöst und automattsch gezählt. Geldstücke werden in einen Apparat geworfen und in Rollen oerpackt abgezählt ausgegeben. Das roffi- niertest ausgeklügelte Kontrollsystem bcaussichtigt den Arbeits- essekt der Angestellten. Jlur ein Gesichtspunkt gilt bei der Rationalisierung: Wie kann die Arbeitskraft gesteigert und ausgebeutet werden? Es ist kein Wunder, wenn bei den, Rundgang durch die Iba in manchem Angestellten jenes Gefühl aufkommt, das auch die Maschinenstürmer im Anfang des 19. Jahrhunderts beherrscht« und das den technischen Fortschritt als den Feind betrachtet. Der auf- geklärt« Arbeiter und Angestellte weiß, daß er dazu berufen ist, in einer sinnvollen Ordnung die Leistung der Technik zum Wahl und nicht zum Schaden der Menschheit anzuwenden. Dieses Wissen gibt ihm die Kraft, auch in einer der sinnlosen Perioden der kapitallstifchen Wirtschaft nicht den Kops zu verlieren. streich beschließen das Programm.— Karten sind«HWKch an bee Theaterkasse KdW., bei Tietz, Leipziger Straße, Alexanderplatz vnn Frankstirter Straße, bei sämttichen Konzertkassen von A. Werth««- be? allen'„V o r w ä r t s"- F i l l a l e n. Im GcmbSr» SefrafBatM strahe 37/38, und im Stadion an der Anns. Spanische Lugend in Berlin. Spanische Jugend, Mädchen und Knaben, wellt in die�m Tagen in Berlin. Ihr Besuch liegt im Rahmen des Schüler cmstaujches dop Vereinigung für kontinentale Erziehung: Junge Spanier sind'« Deutschland, junge Deutsche in Spanien. Gestern nachmittag hatte der Botschafter der jpanischeu RepabßT Castro seine jungen Landsleute, die Vertreter des Reiches, des Freistaates Preußen und der Stadt Berlin, sowie viele Freunde desi so bedeutsamen Austauschwertes in die Räume der Botschaft ge» laden. Die preußische Regierung repräsentierte der Minister sür Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, Genosse Grimm«. Auch das Auswärtige Amt hatte mehrere Vertreter entsandt. Staats» minister a. D. B o e l i tz hiell die Hauptansprache. Er betonte, daß. wenn schon vor dem Kriege die Jugend der verschiedenen Länder Gelegenheit gehabt hätte, sich untereinander kennenzulernen, viel- leicht vieles Schlimme oerhindert worden wäre. Die deutsche Republik freue sich, die jungen Gäste aus Spanien begrüßen zu dürfen, deren Besuch hoffentlich zum gegenseittgen Verstehen der beiden großen Kulturvölker beittagen werde. Bot» schaster Castro wies auf die Bemühungen hin, die das spanische Volk in ehrlicher, zäher Arbeit mache, um seine junge Republik aus» zubauen. Er hoffe auf einen Erfolg ebenso fest, wie er davon über» zeugt sei, daß auch die deutsche Republik die Schwierigkeiten dieser Zeit durch die bewunderungswerte Energie des deutschen Volkes überwinden werde. Im Namen der jungen Spanier danke er Deutschland und vor allein auch die Stadt Berlin für die herzliche Gastfreundschaft, die seine Landsleute genießen durften. Gemüse, Obst, Blumen. Eine sehenswerte Ausstellung von Gemüsen, Obst und Blumen veranstaltete mit Fleiß und allerbestem Gelingen in Schonerts Fest- sälen in der Kynaststtaße der Bezirksverband der Klein- gärtner Berlin-Lichtenberg. Bei der Eröffnungsfeier trug ein Sprechchor mit kräftigen Worten die Wünsche der Klein- gärtner vor und der Dezernent vom Bezirksamt Lichtenberg, der das Kleingartcnwesen zu betreuen hat, erinnerte daran, daß man für die Kteingörtner nicht nur Worte, sondern auch Taten übrig ge- habt habe. Freilich haben, um den Bau eines Großkraftwerks und den Bau von Häusern zu ermöglichen, Kolonien geräumt werden müssen, die 20 und 30 Jahre bestanden. Das war fiir die Klein- gartenbebauer eine ungeheure Härte und daraus muß immer wieder die vernünftige Forderung von Dauerkolonien ausgestellt werde». Die ganze Ausstellung ist die schönste Werbung für sich selbst durch die Leistung. Da sieht man eine Blumenpracht, die jeden Menschen erfreuen muß und man gewahrt, wie der„Königstiger" neben dem „Weißen Weltfrieden" und der„Ehrlichen Arbeit" gedeiht. Neben diesen schönen alleren Namen liest man aber auch ganz modern« und eine Blume heißt sogar.Antenne". Unter dem Obst ficht man Aepfel. Birnen und Muskateller Wein. Johannisbeeren. Pflaumen und Aprikosen, Haselnüsse, amerikanische Brombeeren, Tomaten und Schattenmorellen. Daß unter dem Gemüse alles vorhanden ist, was eine Haussrau erfreut, versteht sich von selbst. Schön ist serner die Sonderabteilung, die eindrucksvoll die Besucher über Schädlings» bekämpfung und Vogelschutz unterrichtet. Xr. 421• 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch, S. September 1931 Handelsminister auf falschem Pferd Herr Schreiber und die Hausbesitzer.— Oer Schwindel der Hypoihekenbanken. In den Kampf mn die Hauszinssteuer haben in füngster Zeit zwei Stellen von sehr verschiedenen Standpunkten aus eingegriffen. Der Deutsche Städtetag hat sich energisch gegen die Plane der Hausbesitzer ausgesprochen und erklärt, daß kein Anlaß vor- liege, dem Drängen des Hausbesitzes nachzugeben. Diese Erklärung ist um so wichtiger, als sie von einer Stelle stammt, die über die wirtschaftlichen Verhältnisse des Hausbesitzes sehr genau unterrichtet ist. Besonders interessant ist die Stellungnahme des Städtetages auch deshalb weil der Städtetag erst kürzlich in seinem Sanierungs- urogranm, großen Wert auf eine weitere Preissenkung gelegt hatte. Wenn sich nun der Städtetag gegen einen Abbau der Hauszinssteuer und damit gegen ein« Senkung der Mieten ausspricht, so bedeutet das, daß er gleich uns der Ansicht ist, daß auf diesem Wege nur eine Scheinsenkung der Lebenshaltungskosten er- reicht werden könnte, die durch die Erhöhung von Verbrauchssteuern wieder wettgemacht werden würde. In krassem Gegensatz zu dieser vernünftigen Stellungnahm« stehen Aeußerungen, die der preußische Handelsmini st er Schreiber auf einer Kundgebung der Staatspartei in Frankfurt gemacht hat. Der preußische Hcmdelsmimsier Schreiber machte sich unbesehen die Argumente der Znteressenlenhausen zu eigen. daß der Abbau der hauszinssteuer eine wirtschastsbelebende Wir- kung ausüben würde. Woher Schreiber diese Wirkung erwartet, wäre an sich rätselhaft, wenn er nicht an einer anderen Stelle die Satze aus dem Sack gelassen hätte. Er bekannte sich nämlich zu der Auffassung, daß eutsprecheud den gesenkten Lebenshaltungskosten ein weiterer Lohnabbau notwendig sei. Nun sst der Zusammenhang klar: die bisher eingetretene Sen- kung der Lebenshaltungskosten ermöglicht nach Schreibers Auf- tassung schon heute einen weiteren Lohnabbau. Werden durch den Abbau der Hauszinssteuer die Mieten gesenkt, so können die Löhne noch weiter abgebaut mid auf diesem Wege die Wirt- fchast„nngekurbelt* werden. Daß der preußische Minister Schreiber mit seinem Eintreten für weiteren Lohnabbau einen Standpuntt vertritt, der wesentlich r e a k t i o n ä r e r ist als der gegenwärtige Standpunkt der R e i ch s° regierung, wie er durch den Mund Stegerwalds auf dem Frankfurter Gewerkschaftskongreß verkündigt wurde, sei nur neben- bei als besondere politische Note angemerkt. Sachlich ist die Forde- rung Schreibers auf weiteren Lohnabbau schon bis zum Ueberdruß als wirtschafllicher Widersinn widerlegt worden, insbesondere da seine Annahme, daß der Lohnabbau bisher hinter der Senkung der Lebenshaltungskosten zurückgeblieben sei, den Tatsachen wider- spricht. Möge Herr Schreiber darüber das letzte Heft des Kon- junkturinstituts nachlesen: die Preissenkung war halb so groß wie die Lohnsenkung! Politisch scheint uns nur ein anderer Zusammenhang wichtig zu sein: nämlich die unfreiwillige Aufdeckung der wahren Triebkräfte durch Herrn Schreiber. die hinter der Forderung auf Abbau der Hauszinssteuer stehen. Die Hausbesitzer, die den Abbau i»er Hauszinssteuer betreiben, sind zwar eine mächtige, aber doch nur eme einzeln« Interessentengruppe. Hinter ihnen stehen jedoch die Scharfmacher im Unternehmerlager, die in einem mit Mietensenkung verbundenen Abbau der Hauszinssteuer die willkommene Gelegenheit entdecken, unter Berufung auf die Senkung der Lebenshaltungskosten einen weiteren tiefgehenden Lohnschnitt zu verlangen. Nun könnte man sich vielleicht auf den Standpunkt stellen, daß ein Llchnobbau erträglich wäre, soweit ihm«ine wirkliche Senkung der Lebenshaltungskosten durch Mietensenkung voranginge. Aber gerade hier liegt der Trugschluß. Der Abbau der Hauszinssteuer würde zweifellos über die Mietensenkung hinausgehen, weil ja auch die Hausbesitzer von ihr profitieren sollen. Für den Aussall an Hauszinsstcuern muß Ersatz geschaffen werden, und man wird ihn höchstwahrscheinlich in einer Erhöhung der Umsatzsteuer finden, vielleicht sogar bloß in der besonders konsumfeindlichen Er- höhung der Steuer auf den letzten Umsatz im Kleinhandel. Nachdem auf Grund der Wie teufen kung die Löhne abgebaut werden, würde also aus die Wassen eine neue Vcrbrauchs- belastung gewälzt werden, die ihren Reallohn schmälern würde. Und alle Gruppen der arbeitenden Bevölkerung, die heute von der hauszinssteuer gar nicht oder nur geringfügig belastet werden, deren Wohnungsausgaben also nicht sinken würden, würden durch den Lohnabbau und die neue Wasseubelastung doppelt und dreifach ge- troffen werden. Das also ist der Sinn der Mictenfenkung, mit der man die arbeitende Bevölkerung den Plänen der Hausbesitzer und ihrer Hintermänner gefügig machen will. Die letzten Tage haben übrigens die Entlarvung der Demagogie, mit der der Abbau der.Hauszinssteuer betrieben wird, auch noch von einer anderen Seit« gebrocht. Um die Oefscntlichkcit für den Abbau der Hauszinssteuer sturmreif zu machen, wurde sie von den Hausbesitzern und auch von den Hypo- thekenbanken dauernd mit Schreckensnachrichten über die Notlage des hausbesihes bearbeitet. Es wurde der Eindruck erweckt, als stünde der Hypo- theken- und Psandbriesmarkt unmittelbar vor dem Zusamincnbruch. Vor allem wurde der Oeffentlichkeit mit der„drohenden" Wieder- eröffnung der Börse bange gemacht und die Lage so dar- gestellt, als müßte sich die angebliche Notlage des Hausbesitzes in einem schweren Druck auf die Pfandbriefkurse aus- wirken. Die Börse wurde eröffnet, und was stellte sich heraus? Die Kurse der Pfandbriefe haben sich am allerbesten gehalten. In den letzten Tagen ist eine sprunghafte Erhöhung der Pfandbriefkurse eingetreten, und die jetzt noch übrig bleibende Differenz der Pfand- briefkurse gegemiber der Zeit vor der Börfenschließung erklärt sich zwanglos aus der Verschärfung der allgemeinen Kreditsituation, die natürlich aus die Kurse aller Wertpapier« einen starken Druck aus- üben muß. Do» Geschrei von der Notlage des hausbefihes und vom dro- henden Zusammenbruch des Hypotheken- und pfandbrlefmarktes ist also nichts als ein groß angelegter Schwindel. Selbst wen n sich ober der Hypothekendienst der Haüsbesitzer wirk- lich verschlechtert hätte, so wäre dies noch immer kein ausreichender Grund für ein Eingreifen des Staates zugunsten des Hausbejitzes und der Hypothekenbanken. Die Hypothekenbanken hoben in den letzten Iahren«ine so glänzende Sonderkonjunktur erlebt und so gut verdient, daß sie kein Necht darauf haben, das unrühmliche Beispiel der anderen kapitalistischen Unternehmungen nachzuahmen und das Risiko möglicher Verluste auf den Staat zu wälzen, nachdem sie das„Risiko" der Sowdergewinne entsagungsvoll allein getragen haben! Es bleibt also dabei: der Abbau der Hauszinssteuer ist nicht eine Notwendigkeit, um den angeblich gefährdeten hausbesttz zu retten, sondern ein überflüssiges und unberechtigtes Geschenk au die Hausbesitzer, ein« willkommene Gelegenheil zu weilcrem Lohnabbau und eine neue Belastung der arbeitenden Bevölkerung. Immer wieder Bausparschwindel. Häufung der Zusammenbrüche. Die Kette der Zusammenbrüche schwirrdelhaster Baufponintcr- nehmungen reißt nicht ab. Immer wieder werden kleine Sparer, die den unverantwortlichen Versprechungen privater Bausparkassen Glauben schenken und ihnen ihre sauer erworbenen Spargroschen in der Hoffnung auf billige Hypotheken für ein Eigenheim anvertrauen, in der gewissenlosesten Weise betrogen. In Frankfurt a. W. sst jetzt der Konkurs der„Bau- und Finanzierungsgemeinschaft G. in. b. H." Gegenstand eines von der Staatsanwaltschaft beantragten llntersuchungs- Verfahrens. Diese Schwindelgesellschaft, die sich als gemeinnütziges Institut ausgab, versprach denen, die nicht alle werden, jeden gc- wünschten Kredit zu beliebigem Zeitpunkt und zwar zinslos. Viele Sparer zahlten hohe Beträge bei der Kaste ein, deren Leiter kein einziges Baudarlehen zur Auszahlung brachten, sondern alle ein- gehenden Spargelder und Kredite, die sie auf in Zahlung genommene Hypochekenbriese erhielten, für ihren persönlichen Bedarf verpraßten. Als die Bausparer Ungeduldig wurden und den Staatsanwall mobil machten, waren die Herren Direktoren und Auf- sichtsräte aus Frankfurt verschwunden. In Düsseldorf gründeten zwei Schwindler, der Architekt Albert und sein Kompagnon Oevel, den Sparta-Haus-Ver- trieb, der Ansang dieses Jahres in eine Bausparkasse umgebildet wurde. Auch sie versprechen ihren lieben Mitmenschen Eigenheime — serienmäßig hergestellte„Sparta-Häuser"— gegen eine Anzahlung von 500 Mark. Kleinen Handwerkern wurden mit Auftrags- Versprechungen größere Kredite abgeluxt. Als die Staatsanwalsschaft eingriff, beging der Treuhänder für die Gelder der Eigenheim- bewerber, der Notar Glasmacher, der an der Mißwirtschaft beteiligt war, S e'l b st m o r d. Die Herren Direktoren wurden verhaftet. Unterschlagungen von 48 000 Mark haben sie bereits eingestanden. In Gerresheim bei Düsseldorf traten die„Bau- Unternehmer" Fobbe und Schüll(Schüll sst berells achtmal vor- bestraft) mit einem Plan auf. 180 billige Eigenheime zu bauen. Postafststenten. Essenbahnbeamte und andere gäben gutgläubig ihr Geld hin. Bauhandwerker zahllen willig Vermittlungsgebühren, nachdem man ihnen verlockende Aufträge in Aussicht gestellt hatte. Schlußakt der Tragikomödie: Fobbe erhielt 7, Schüll 8 Monate Gefängnis wegen versuchten und sortgesetzten Betrugs. In Karlsruhe ist die Schaffergilde in Konkurs ge- gangen, von der noch dahinsteht, ob hier Betrüger oder nur Schar» latane am Werk waren. Di« Schaffergilde warb Bausparer für ein Projekt von 800 Eigenhäuftrn an. 500 bis 1500 Mark sollten für den Erwerb eines Hauseck genügen; 38 bis 57 Mark sollten die monatlichen Losten betragen. Nach dem Zusammenbruch trauern einige hundert Bausparek ihren Ersparnissen nach. In der jetzigen Zeit, in der viele Sparer sich leicht versucht fühlen, mit ihren Spargroschen törichterweis« in Eigenheime und Grundstücke zu flüchten, ist die Warnung!„Achtung vor Bau- sparschwindlcrn!" mehr denn je angebracht. HamburgerElektrizitätswerke krisenfest. Bei erhöhter«Stromerzeugung wieder 10 proz. Dividende. Ueberraschcnd gut hat sich die in ge m i s ch t w i r ts ch a f t- lichem Betrieb stehende Hamburgische Elektrizitäts- werke A.-G. im abgelaufenen Geschäftsjahr 1930/31 gehalten. Nach der Fertigstellung der Anlagen des Kraftwerks Neuhof konnte die Stromerzeugung gegenüber dem Vorjahr sogar noch von 468 auf 485 Millionen Kilowatsstunden g e st e i g e r t wer- den. Sie erreichte damit mehr als das Achtsache der im letzten Friedensjahr erreichten Jahresleistung. Die zunehmende Ver- schärfung der Wirtschaftslage im ersten Halbjahr 1931 ging auch an der Gesellschaft nicht spurlos vorüber, so daß die S t r o m a b g a b e des Vorjahres nicht ganz erreicht werden konnte. Der nur ein- prozentige Rückgang muß aber im Hinblick auf die Allgemeinlage als sehr günstig bezeichnet werden. Einen gewissen Ausgleich für den verminderten industriellen Strombedars brachte die Zunahme der Lichtstromabnehmer in Neubauvierteln.— Der Aufsichtsrot beschloß auf seiner gestrigen Sitzung für 1930/31 die gleiche Dioi» dende von 10 Proz. wie im vorhergehenden Jahr vor- zuschlagen. Gtöhr gegen Nordwolle. Polemik gegen öffentliche Hilfeleistung. Die Halbjahresbilanz, die der Vorstand des Kammgarn- spinnereikonzerns Stöhr in Leipzig dem Aufsichtsrat jetzt vorgelegt hat, zeigt, daß das Unternehmen die Krise bisher verhält- nismäßig gut überstanden hat. Außer den notwendigen Ab- schreibungen konnte in dem abgelaufenen Halbjahr noch ein kleiner Ueberschuß erzielt werden. Die Beschäftigung der zur Zeit arbeitenden Belegschaft ist bei dem vorhandenen Auftragsbestand für mehrcreMonategesichert. Im weiteren Verlauf gestattete sich die Aufsichtsratssitzung zu einer scharfen Demonstration gegen die Vorgänge beim Nordwolle-Konzern. Der Aufstchtsrat erklärte, daß die einst so blühende deutsche Kammgarnindustrie durch das Ge- fchäflsgebaren und insbesondere durch die unverantworlliche Schleuderpoliiik des Nordwolle-Konzerus im In- und Auslands- geschäsi seit Iahren schwer geschädigt worden sei. Es wäre deshalb unverständlich, wenn Betriebe der Nordwolle mit Reichs-, Staats- oder kommunaler Hilfe weiter- geführt würden, während andere wirtschaftlich geleitete Kammgarn- betriebe einschränken oder gar stillegen müßten. Die scharfe Kritik, die der Aufstchtsrat von Stöhr an der Schleuderpolitik des Nordwolle-Konzerus übt, ist nicht ganz un- berechtigt. Bon ihrem Konkurrenzstandpunkt aus übersieht die Stöhr- Verwaltung aber, daß es auch im Nordwolle-Konzern hervorragende und wirtschaftlich arbeitende Betriebe gegeben hat, die nur durch die Luderwirtschaft der Lahusenleute mft in den Strudel hineingerissen wurden. Eine Erhaltung und Reorganisation dieser an sich lebensfähigen Betriebe liegt durchaus im allgemein-wirtschaftlichen Interesse, auch wenn es der Konkurrenz nicht paßt. Die Llmstellung bei Borsig. Keine Aenderungen im Tegeler Werk. Daß es dem Borsig-Konzern nicht gut geht, sst schon seit langem kein Geheimnis mehr. Wenn nicht der Druck der Berhällnisse so stark gewesn wäre, hätten sich die Konzernbeherrscher, die beiden Brüder Konrad und Ernst von Borsig, nicht schon zu Anfang dieses Jahres dazu berit gefunden, den ältesten und wichtigsten Stamm- betrieb des Familicnunternehmens, den Lokomotivbau, an die AEG. abzustoßen.. Inzwischen hat sich die Situation bei Borsig noch verschärft, und die Familie Borsig wird um einen Umbau des Konzernunter- nchmens nicht herumkommen. Dieser Umstand wird, wie eine jetzt vorliegende Vcrwattungserklärung besagt, sich jedoch nur auf die oberschlesischen Eisen- und Stahlbetriebe erstrecken. Nach der vor- liegenden Erklärung befinden sich die Anteile der A. Borsig G. m. b. H. Berlin-Tegel und die Aktien der Borsigwerk A.-G. in Ober- schlesien zu 100 Proz. im Familienbesitz. Das T e g e» l e r Werk ist im Maschinenbau in Anbetracht der gegenwärtigen Krise gut beschäftigt, und auch der Kesselbau hat noch besrie- digende Aufträge vorliegen. Die Belegschaft betrug zur Zeit 700 Angestellte und 3000 Arbeiter. Zu der Konzentration in der oberschlesischen Stahl- und Eisen- Industrie, die kürzlich schon zu dem Verkauf der dem preußischen Staat gehörigen Werke G l e i w i tz und M a l a p a n e an die Ober- schjjessschen Hüttenwerke geführt hat, bemerkt die Borsig-Verwaltung nur, daß zur Zeit Verhandlungen über eine Angliederung ihrer Stahlbetriebe an Oberhütten schweben. Wie wir hören, hat Borsig für den Verkmss dieser Werke reichlich hohe Forderungen gestellt und kann es sich auch leisten, diese Verhandlungen in die Länge zu ziehen, da er erst kürzlich eineMillionensubven- tion vom Reich erhatten hat. Französisches Kapital in Rumänien. Neue Absichten des Rüstungskonzerns Schneider-Creufot. Der französische Rüftungskonzern Schneider-Creusot, der in der Tschechoslowakei den Skoda-Konzern kontrolliert und im übrigen in Osteuropa direkt und indirekt machtvolle industrielle Einflußgebiete besitzt, hat nach französischen Meldungen, in den letzten Tagen die Ab- ficht gezeigt, den rumänischen Konzern Reschitzaer� Eisenwerke und Domänen A.-G. unter seine Kontrolle zu bringen. Der Reschitza-Konzern verzeichnet gegenwärtig 878 Mit- lionen Lei. d. h. rund 2 Millionen Mark ausstehende Gelder: hiervon kommen 670 Millionen Lei oder fast 17 Millionen Mark auf den Staat, offenbar für Rüstungslieferungen, die augenblicklich nicht be» zahlt werden können. Infolgedessen hat man in der Regierung, um dennoch dem Reschitza-Konzern die erforderlichen Mittel zu be- schassen, daran gedacht, einer kapitalkräftigen ausländischen Gruppe die Uebernahme eines umfangreichen Aktienpakets der Refchitza zu ermöglichen.. Nach gut informierten Kreisen kommt für eine solche Transaktion nur die französische Gesellschaft Schneider-Creusot m Frage. Der Reschitza-Konzern ist die größte Aktien- ges ellschaft Rumäniens. Bei einem Aktienkapttal von 750 Millionen Lei, d. h. weniger als 20 Millionen Mark, repräsentiert er insgesamt einen Wert von schätzungsweise 90 Millionen Mark. Er verfügt über umfangreichen Damänenbesitz, ferner über Stein- kohlenwerke, Hüttenbetriebe, Maschinenbauwertstätten, elektrotechnische Anlagen, Elektrizitätswerke und Rüstungswerkstätten. Am Aktien- kapital ist seit langen Jahren derenglischeVickers-Konzern beteiligt, der auch im Verwaltungsrat der Gesellschaft vertreten sst. Seit 1929 steht die Gesellschaft in engeren Geschäftsbeziehungen zu der österreichischen Kreditanstalt, deren Finanzkrise offenbar die Geldlage auch des Reschitza-Konzerns beeinträchtigt hat. Schlechter Saliabsatz im August. Die Abladungen der zum Deutschen Kalisyndikat gehörenden Kaliwerke im August 1931 be- trugen nur 642 056 gegen 987 000 Doppelzentner Reinkali im gleichen Monat des Vorjahres. Die Wladungen in den ersten vier Monaten ... Mai bis August— des laufenden Düngejahres betrugen 2,3 gegen 3,65 Millionen Doppelzentner im Voriahr. o.s.meinridi: Jim ftovc des Ortenis Fahrt durch die Pußta. Endlose Strecken und immer nur wieder, wohin man schaut, rechts oder links, Maisfelder: die dicken Stauden, von der Sonne ausgesogen, leuchten wie Fackeln, deren Feuer erstarrt ist. chin und wieder«in Streifen Tomaten oder Wein. Dann traft- los« Steppe und wieder Mais... Mais. So geht es von Lötöschaza tiefer hinein, den Karpathen zu. Gelten ein Dorf, nur oerstreute Gehöfte mit ihren charakteristischen Alehbrunnen, tu der Ferne Viehherden zu dichtem Knäuel zusammen- geballt. Heiße Sonne kocht die Lust über den weiten Flächen. Rauch steigt auf... Flammen—«in Maisfeld brennt. Hastig bauen braun« Burschen ein« Basse hinter das Feld. Der Zug rast vorüber. Dann wird es Abend. Jäh flicht der Tag, und ein Gürtel weMger Hügel schließt uns ein: während sie zu Bergen anwachsen, ist es völlig Nacht gen orden. In langsamer Fahrt geht es durch dos ehemalige Siebenbürgen. * Der erst« Schaum des emportauchenden Tages umkränzt die Höhen bei B r a s ch o w(K r o n st a d t). Schwer keuchend rollt der Bukarester Zug durch den Predeal-Paß. Grünes Land in tiefen Tälern und schroffe Höhen über dunklen, duftenden Wäldern er- wachen im kühlen Lichte des jungen Spätsommermorgens. Auch in diesen friedlichen Tälern knatterten einst die Gewehre, und über die alten Fichten zischte glühendes Eisen. * Rast in P l o e st i. Der Schnellzug nach Osten ist längst weg. Rumänische Fahrpläne sind Märchen: man kann sie immer anders hören. Der Fahrplan des Zugführers differierte mit dem meines rumänischen Abteilgenossen um etwa eine Biertelstunde. So kam ich auf diese Weise zu dem Genuß, sechs Stunden im Bummelzug« zu- zubringen: unsere deutschen Personenzüge sind Raketenvehikel da- gegen. Und gemütlich geht es zu: die Türen stehen offen: die Bauern sitzen während der Fahrt auf dem Trittbrett und kauen Weintrauben oder vertilgen riesige Melonenscheiben, deren Saft von den Mund- winkeln nach dem Kinn herunter eine Staubschmelze verursacht. Man springt auf und ab, ohne daß ein Beamter auch nur ein Wort verliert. Der Fahrdienstleiter erscheint(schwarze Jacke, Kragen. Schlips, weiße Hofen, braune Halbschuhe und rote Mütze) und winkt ab. Der Zug fährt aber nicht. Irgendein Bauer holt sich von der Lokomotive warmes Wasser, deshalb... Nun kriecht der Zug wieder ein Stück, wartet aber dann demütig auf einem Nebengleis auf den Rußlandexpreß. der hochmütig vorbei- saust und dem kleinen Pinscher eine Fahne von Dreck und Staub in die Flanke wirft. Wieder ist es Abend geworden. Nur noch einige Kilometer bis zum Ziel. Am Horizont verschwimmt weiches Rot, überschwemmt eine fast gräserlose Steppe, die den Abendtrunk gierig aussaugt. Schafherden, in Staubballen gehüllt, tauchen unweit der Bahnlinie auf. Bauern winken einem Soldaten zu, der auf dem Trittbrett hockt. Ihre weißen Zähne blitzen aus schwarzen Stoppelbärten.... und wieder leuchtet das Meer der Steppe. Ich stehe am Fenster und lausche: irgendwo müßte jetzt eine Schalmei ertönen, von dort drüben, wo Erde und Wolken die Nacht grüßen, so ganz leise, aus der Ferne müßt« es herüberwehen... G a l a tz, terrassenförmig aus einer Bodenwelle erbaut, trägt fast orientalisches Gepräge. Die Häuser, außer den öffentlichen Gebäuden, flach, niedrig, niemals höher als«in Stockwerk; die Straßen eng, steil; ein Basar stößt an den anderen. Händler mit Trauben, Melonen, Nüssen, die sie in schalenartigcn Körben an einer Stange über die Schultern gelegt tragen, rufen ihre Waren aus, ziehen von Straße zu Straße. Auf dem Markte liegen Hunderte von Melonen an der Erde, und besonders die Jugend beißt mit Wollust in die srischen Scheiben.(Man zahlt etwa 40 bis 50 Pfennig für eine Riesenmelone. Auch die Trauben sind billig; das Pfund kostet 15 bis 20 Pfennig.) Hier auf dem Markte treffen sie sich: die dunkeläugigen Orien- talen, russische Arbeiterinnen mit ihren Stubsnasen und kindlich- blauen Augen, Matrosen von den Donaudampfern, Bauern in ihren weihen, rotgestickten Hemdkitteln. Türkisch, Rumänisch, Ungarisch. Armenisch, Französisch, Russisch— alles wirbelt in buntem Sprach- gewirr durcheinander. Im Hafenviertel dicke Staubwolken: der Kai ist nicht gepflastert. Dort, wo die Schiffe in der Sonne dösen, stehen junge Burschen und Kinder in langer Kette: sie schauen auf die Wasserfläch« hinaus, als ob sie etwas erwarteten. Borgestern standen sie so da, gestern, heute wieder. Jenseits der Hafenstraße auf staubiger Terrasse liegen die Hütten der Hafenarbeiter.„Hütten"... ist schon zuviel gesagt; baufällige Holzschuppen: man kann sie— so sieht es von unten aus— wohl umpusten. Der Wind mag es bisweilen auch tun. Zerlumpte Kinder sitzen vor den klapprigen Holzwänden, und ihre schwarzen Augen schauen fragend in die ander« Welt, die zwei Schritte weit von ihrem armseligen Leben entfernt liegt, die immer an ihnen vorüberhastet, in die sie aber nie kommen werden. * Bor der Klosterpforte Notre Dame de Sions, am Rinnstein, hockt«in Kind, in der einen Hand ein Stück Brot, in der anderen einen großen Holzlöffel, aus den Knien eine Schüssel mit dünner Suppe. Ein paar Schritte weiter«in alter Mann. Dasselbe. Bor der Gartentüre langen magere Frauenhände nach den Schüsseln. So kommen sie täglich und beugen sich schützend über das Essen, wenn ein Hund nach ihren Schätzen schnappt. Der Alte: sein Bart ist grau, verworren, die Augen noch nicht trübe genug, um blind zu sein für das Leben der Reichen— es gibt nur Reiche und ganz Arme hier im Osten—, aber er hat noch einen l Schimmer in seinem Blick, den ich in den Augen des Kindes neben ihm wiederfinde; was es ist, weiß ich nicht. Bielleicht: es war ein- mal ein alter Mann und sein Enkelkind. Sie fanden eines Tages einen Zauberstab und konnten sich wünschen, was sie wollten... Sonne umspielte das krause Haar des Greises, der im Rinnstein der Strada Domneasca saß. Wann wird er einmal nicht mehr kommen? Wer wird nach ihm fragen? Vielleicht ist er dann im Zauberland aus Tausendundeiner Nacht, denn in unserer Welt gibt es wohl keine Märchen mehr. plötzlich wieder ohne den Bater bleiben sollte, nun er ihn ein» mal hat. Unmöglich diesen Kamps zu führen gegen die Zuversicht eines kleinen Kindes. Es vielleicht gewaltsam zurückdrängen, ihm Tränen und seelische Erschütterungen zufügen. Unerwartet wie er gekom- men, oerschwindet der Vater von der Bildfläche. Das Kind sucht ihn und findet ihn nicht. Auf einmal ist der Vati weg, auf einmal hat es keinen Vati mehr. Es kann es nicht fassen, nicht begreifen. „Weshalb ist der Vati auf einmal fort? Wo ist er hin? Wann kommt er wieder? Der Kleine ist ruhelos tagsüber, schläft unruhig in der Nacht, will kaum essen. Und immer wo, warum und weshalb? Die Mutter ist trostlos. Was beginnen? Das Kind wird noch krank vor Aufregung. Da hilft keine Ablenkung, sie berichtet dem Vater: er bangt nach dir Tag und Nacht. Der Mann ist außer sich. Wie soll er seinem Kinde den Vater wiedergeben. Nun hat er die Un- ruhe. Tag und Nacht. Endlich findet er den Ausweg. Er schreibt schlichte, leicht verständliche, liebevolle Worte an seinen kleinen Sohn. Gebraucht Kosenamen, mit denen er ihn benannt hat. Und er solle ganz ruhig sein, eines Tages würde der Vati wieder da fein. Wie damals. „Da ist ein Brief für dich! Den schickt dir der Vati!" Und sie liest dem Kleinen vor. Das Kind strahlt. „Vom Vati! Noch mal lesen und noch mal. Vom Vati!" Fest preßt er die Karte an sich— ein Stück vom Vati. Wenn Mutti es liest, spricht es auch wie der Vati, und man muß dann lachen. Wie wenn Vater einen hochschwang. Er trägt tagsüber die Karte mit sich, nimmt sie abends ins Bett. Und ist ruhig. Und dann kommt ein kleiner Teddybär vom Vater. Und nun hat Vatis Anwesenheit fast menschliche Form und Gestalt angenommen. Er preßt den Teddy in seine Arme, umfaßt in ihm den Vater. Mit dem Kuß, den er aus Teddys wolliges Gesicht drückt, küßt er lieb- kosend den Bater. Er identifiziert das Spielzeugwesen mit ihm, und so ist der Vater gegenwärtig, ist neben ihm. Teilt mit ihm seinen Tag, sein Spiel, seinen Schlaf. In längeren und kürzeren Abständen kommen nun Karten vom Vater, und dazwischen mal wieder«in Spielzeug. Und jedes Stück birgt den Vater in sich. Umgeben von lauter Vaterdingen kann das Kind nun ruhig spielen, essen und schlafen. Bis es eines Tages feine Liebesfälle zurückfließen lassen kann von den Dingen zum leibhaft gegenwärtigen, wirklichen Mensch-Vater. Strieg und Cholera vor 100 Sahren Krieg und Krankheit sind unzertrennliche Bettgenossen, Krank- heit im Sinne von Massensterblichkeit durch Entbehrungen und Epidemien. Vor hundert Iahren war es der r u f s i f ch- p o l n i s ch e Kriegsschauplatz, der sich zu einem Cpidemiezentrum gestaltete, von dem aus jene mörderisch«„eholera asiatica" zum erstenmal ihren Weg durch Mittel- und Westeuropa nahm. Sie löste damit die Pest und andere früher gekannte Epidemieformen ab, die übrigens in den vergangenen Jahrhunderten auch meist im Gefolge von Kriegszügen erschienen waren. Auf europäischem Boden war die Cholera zuerst in Astrachan festgestellt worden. Von hier aus ergriff sie weitere Wolgaorte und Städte Rußlands, wütete jedoch in Innenruhland in geringerem Maße als auf dem polnischen Kriegsboden, wo auch die russischen Oberkommandierenden, die Feldmarschälle Diebitsch-Sabalkanski und Groß- für st Kon st antin von ihr weggerafft wurden. So kam es, daß das Volk die Krankheit als„Feldmarfchallseuche" bezeichnete,- besonders nachdem auch Feldmarschall Gnei- se n au und sein Generalstabschef von C l a u s e w i tz, der berühmte Militärschriftsteller, ihr erlegen waren. Gneisenau hatte im Jahre 1831 die an der Ostgrenze mobilisierten vier preußischen Korps zu kommandieren. Er fand zwar keinen Anlaß zum kriegerischen Ein- greifen, aber die über den dichten Militärkondon' kühn hinweg- gesprungene Cholera besiegte ihn in wenigen Stunden(24. August 1831.) Sprungweise, wie ein Riesentiger, näherte sich nun das Un- geheuer der preußischen Hauptstadt. E» ist bekannt, daß die Cholera. die aus den fieberheißen Sümpfen des Ganges stammt, die Fluß- und Wasserläufe als Bazillenträger und Fortleiter benutzt. Nachdem Ende Juli und Anfang August Danzig und Königsberg von ihr ergriffen waren, wird sie am 19. August im Landsberger und Friedeberger Kreise, am 22. August in Garz bei Stettin, am 24. August in Zerpenschleuse am Finowkanal festgestellt. Am 3. September 1831 meldete die„Preußische Staatszeitung" mit einer Vertuschungsverspätung von vier Tagen, daß am 31. August „in hiesiger Residenz drei Personen unter choleraverdächtigen Um- ständen erkrankt und eingeliefert sind". Von jenem Tage ab er- scheint in den Zeitungen die tägliche Cholerarubrik mit Angabe der Erkrankungen und Todesfälle. Ueber heroische Leistungen von Aerzten und Sanitätsmannschaften ist aus jenen Tagen berichtet worden, aber auch über viel Fälle von Angst und Feigheit. Mehrere Damen der hoffähigen Gesellschaft wurden wahnsinnig. Einer der ersten, die damals in Berlin Reißaus nahmen, war Arthur Schopenhauer, während sein Lehrer und Antipode Hegel zu den letzten Todesopfern der Seuche zählten. Am 7. Dezember 1831 konnte die„Berliner Cholerazeitung", ein die Aufklärung mit dem Geschäft verbindendes Presseunternehmen, von ihren Lesern mit dem Wunsche Abschied nehmen,„daß für ewige Zeiten die Ver- anlassung zur Herausgabe einer ähnlichen Zeitung von unserem theueren Vaterlande fern gehalten werde". Insgesamt erkrankten damals in Berlin an der Seuche 2230 Personen, davon starben 1407. Besonders heimgesucht wurden außer den genannten Städten Danzig und Königsberg noch Breslau(682 Tote), Hamburg(893). Magdeburg(449). In Preußen insgesamt sind damals bei rund 80 000 Erkrankungen an Cholera 40 000 Per- sonen der Seuche erlegen. Ueber die Elbe hinaus ist die Cholera des Jahres 1831 nicht wesentlich vorgedrungen. Auch Süddeutschland, abgesehen von Oesterreich und Wien, blieb verschont. Dagegen gelangte die Krank- heit auf dem Seewege von Hamburg nach England(Hafenort Sun- derland). Im Februar 1832 brach sie in London aus. Dann über- schritt sie den Kanal und wütete namentlich furchtbar an der Seine (13 000 Tote in Paris). Auch für Deutschland ging der fromme Wunsch der„Berliner Cholerazeitung" nicht in Erfüllung. Wiederholt wurde es späterhin von Choleraepidemien heimgesucht, namentlich in den Jahren 1846 und 1848, sowie während des Krieges von 1866. Erst als nach Ent- deckung des Choleraerregers durch Robert Koch(1883) die Her- stellung immunisierender Impfstoffe gelang, wurde der Cholera end- gültig der Weg verlegt. H. D. Exotische Leckerbissen. Heuschrecken, in Honig gekocht, werden noch heute in Algier und anderen Gegenden Norhafrikas gegessen. Manche Araberstämme sammeln die Heuschrecken, trocknen sie an der Sonne und zerstoßen sie dann in Mörsern, um sie mit Kamel- milch und süßen Datteln zu mischen. Sonst werden sie auch in Salz- wasser gekocht wie bei uns die Krabben. In Brasilien und Mexiko ißt man die roten Ameisen geröstet, bisweilen aber auch getrocknet und zerrieben als Gewürz. Spinale �Kinderlähmung Die spinale Kinderlähmung, eine der gefährlichsten und unheim- lichsten Krankheiten des Kindesalters, ist eigentlich erst eine Geißel d«s 20. Jahrhunderts. Borher waren auch wohl vereinzelte Fälle aufgetreten, aber in so langen Abständen, daß höchstens der Ortho- päd« etwas von diesen Erscheinungen wußte. Mit einem Male aber änderte sich der Charakter der Krankheit. Sie trat in großen, schreckenerregenden Epidemien und Endemien aus und zeigte sich als wahre Volksseuche in den Ländern der weißen Rasse,— in Schweden, Norwegen. Deutschland, Oesterreich, den Ver- einigten Staaten und Kalifornien, wo eine epidemische Welle auf die andere folgte. Die Wandlung der früher nur vereinzelt aufgetretenen Krank- heit zur ansteckenden Seuche gab den Anlaß zu ihrer näheren Er- forschung und führte zu dem Ergebnis, daß es sich bei den Kinder- lähmungen um eine auch durch gesunde Zwischenträger übertragene Infektionskrankheit handelt, die an den Verkehrswegen entlang sich ausbreitet und in den betreffenden Orten in Gestalt von Herden auf- tritt. Oft beschränkt sie sich auf ein einzelnes Haus oder einen Kom- plex benachbarter Häuser, wobei das platte Land im allgemeinen stärker betroffen wird als die Städte. Di« Natur des Erregers ist bis heute noch nicht völlig geklärt. Sicher ist nur, daß er im Gehirn und Rückenmark derErkrankten enthalten ist. Der unheimliche Charakter der Erkrankung tut sich nicht nur darin kund, daß sie mit Vorliebe junge Kinder, ja, oftmals Säuglinge befällt, sondern vor- nehmlich darin, daß die Krankheit sich ganz plötzlich, mitte» im völligen Wohlbefinden, meldet und die Kinder aus fröhlich st em Spiel herausreißt. Wie ein belie- biges akutes Leiden beginnt sie mit Fieber, Unruhe und Erbrechen, an das sich bald allgemeine Benommenheit und Schlafsucht schließen. Das Kind liegt immer mit geschlossenen Augen, gerötetem Gesicht, teilnahmslos da. Blickt es auf, so stiert es gerade vor sich hin; Zuckungen überlaufen das Gesicht; allgemeine Krämpfe stellen sich ein und mitunter heftige Schmerzen in Armen und Beinen. Das Fieber ist nicht ganz hoch, etwa 39,3 Grad, und hält oft nur eisten oder zwei Tage an. Erst nachdem es abgeklungen ist, merken die Eltern zu ihrem Schrecken, daß das Kind gelähmt ist. Und wenn auch die total« Lähmung allmählich zurückgeht, so bleiben in fast allen Fällen auf einzelnen Muskelgruppen beschränkte Lähmungeerscheinungen zu- rück. Viele Fälle verlaufen auch tödlich. Eine ganze Reihe verschiedener Behandlungswege find seit einigen Jahren angesichts der letzten großen Epidemien beschritten worden,— mit wechselndem, niemals aber gesichertem Erfolge. Wäh- rend der Leipziger Epidemie>927 wurde vielfach Rekonvaleszenten- serum angewandt, wobei nach Möglichkeit Blut vdn drei verschiedenen Genesenden oerwandt wurde. Die Resultate gestalteten sich ziemlich günstig, sobald die Krankheit rechtzeitig erkannt wurde und die Be- Handlung gleich in den ersten Tagen einsetzte. Petit am Pariser Pasteurinstitut ging andere Wege: Stücke vom Rückenmark infizierter und getöteter Affe» wurden in Glyzerin aufbewahrt, dann gewaschen, in einen Brei überführt und einem Pferd eingespritzt. Diesem Pferde wurden dann alle drei bis vier Monate einige Liter Blut entnommen. Das Serum wird von den Bshring-Werken!n Marburg vorrätig gehalten, kann also schon bei den zuerst Betroffenen einer Epidemie Anwendung finden, wenn noch kein Rekonvaleszentenserum vorhanden ist. Die Serumeinspritzungen haben natürlich nur Zweck im ersten fieberhaften Stadium der Erkrankung. Daran schließt sich im allgemeinen eine mit Diathermie kombinierte Röntgenbehandlung: das wichtig st e aber bleibt die Nachbehandlung des späteren chronischen Lähmungszustandes: vorsichtig« Massage und eine vorsichtig« elektrische und orthopädische Uebungs- behandlung, eine ärztlich geleitete aktive und passiv« Bewegung?- behandlung. Gegen das Austreten der Seuche können wir uns nicht schützen,— einer Sturzwell« gleich überflutet eine epidemische Welle spinaler Kinderlähnrung einen Häuserblock, einen Landstrich, ein ganzes Volk. Wir können nur einiges dazu tun, das Umsichgreifen der Seuche ein- zudämmen. Im Säuglingszimmer eines Kinderheims erkrankten einmal während einer Epidemie sämtlich« dort untergebrachten Säug- ljnge,— wie man später feststellte, infolge Verabreichung der Milch einer kranken Kuh. Der Gesundhaltung des Darms ist also in Ge- genden und zu Zeiten, in denen Kinderlähmung auftritt, besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Ebenso müssen aus Kinderheimen und Internaten beim Auftreten der Krankheit sofort alle noch nicht an- gesteckten Kinder entfernt, die infizierten dagegen in strenger Quarantäne gehalten werden. Erst ein noch sicherer wirkendes Serum aber wird uns der launenhaften Krankheit gegenüber wirk- kamen Schutz verleihen! Safcha Xofenlhal: tröiüicher „Wo ist mein Vati?" fragt der Dreijährige die Mutter. Die anderen Kinder haben einen Vater. Also muß er doch wohl auch einen haben. Und er will ihn haben. „Der Vater ist verreist", sagt die Mutter.„Eines Tages wird er kommen." Aber der Kleine soll nicht wissen, daß der Vater im Gefängnis ist. Wann ist„eines Tages"? Ist es morgen? Ist es über- morgen? Das Kind schläft ein und wacht auf. Den nächsten Tag, den übernächsten— und es muß erfahren:„eines Tages" ist nicht morgen und nicht übermorgen. Es ist noch lange, lange nicht. Es ist, als ob es nie sein würde. Viele, viele Tage sind nun schon um, und noch immer will der Vati nicht kommen. Ja!„Eines Tage" liegt weit, weit weg und verliert sich in unabsehbare Fernen. Als das Kind zur Welt kam, war der Vater bereits im Ge- fängnis. Nun ist der Kleine dreiundeinhalb Jahre alt, und endlich erhält der Vater Urlaub heinzukehren zu Weib und Kind für kurze Zeit. O der Jubel, der Jubel! Endlich ist er da, der so sehnsüchtig erwartete Vati! Sein Vati! Eine Familie verlebt glücklichste Tage. Die Frau hat dem Mann verziehen, und sie hat ihn wieder, und er hat sie wieder und hat ein glückliches Kind, und sie haben einander alle drei.- Dieser große Vati, was der nicht alles kann. Er kann mit einem lachen und spielen unfeinen hochschwingen und alle Fragen beantworten und das kaputte Spielzeug wieder ganz machen. Und er hat gemacht, daß die Mutti froh ist. An ihm emporklettcrn kann man und auf seiner Schulter sitzend fast die Decke mit den Armen er- reichen. Und dann ist die Mutti s o klein und die Stube und alle Dinge so interessant und so komisch von oben gesehen. Auch auf Vaters Knien zu sitzen und sich schaukeln zu lassen Zum„Hopp hopp Pferdchen" ist eine gar feine Sache. Das Kind kann sich kaum finden vor Glück. Und immer wieder muß es aussprechen:„Ach, und„eines Tages" ist endlich gekommen und der Vati auch." Vater und Mutter hören das Kind ihr Glück unterstreichen und lächeln. Aber es ist ein Lächeln der Wehmut. Nur sie wissen, daß diese Begegnung den Abschied in sich birgt. Und eines Tages wieder spricht der Bater vom Fortfahren. Der Kleine ist nicht traurig. So fährt er eben mit dem Vati. Was anderes kann er sich gar nicht denken. Wie könnte es auch möglich sein, daß er Recht und Armut. Vor dem Gesetz ist jeder Deutsche gleich. Dieser rechtliche Fundamcntalsatz setzt voraus, daß auch dem ärmsten Deutschen in einem Rechtsstreit die Wahrung seiner Recht« gewährleistet sein muß. In rund 60 066 Fällen mußte in den Versahren vor den Berliner Gerichten im verflossenen Jahre den Rechtsuchenden ein Anwcht gestellt werden, dosten Kosten die Allgemeinheit tragen mußte. In den meisten Fällen handelte es sich bei dieser Bewilli- gung des Armenrechts an die Prozeßparteien um Verfahren bei den Amts- und Landgerichten in erster Instanz. Rur annähernd 4000 Fälle wurden bis zur Berufungsinstanz und 6S00 bis zum Kammergericht weitergeführt. Bei den rund 2,3 Millionen Zivilprozessen bei den Berliner Amtsgerichten und den in die Hunderttausende laufenden Strafsachen vor den einzelnen Strafgerichten ist der Prozentsatz der Verfahren, die im Armenrecht geführt wurden, verhältnismäßig gering. Ihre Zahl ist ober im sprunghaften Steigen begriffen als ein Zeichen der Wirtschaftsnot, die eine starke Vermehrung der Rechtsstreitigkeiten zur Folge ljot. Abgesehen von den Klagen im M i e t r e ch t, den Kündigung?- und Räumungs- klagen und den vielen Mahn- und Wechselprozessen, mehren stch auch die Fälle von rein familienrechtlichen Ausein- anderfetzungen. Di« steigende Zahl der Ehescheid ungz- kjagen ist in vielen Fällen ein Maßstab für die Wirkungen von Arbeitslosigkeit und Wirtschaftsnot auf den festen Bestand der Familien. Es ist bezeichnend, daß«in großer Teil gerode dieser Klagen im Armonrecht geführt werden und oft beide Parteien die Anerkennung ihrer Bedürftigkeit beantragen. s Die unterschlagenen Einschreibebriese. 000 Mark des gestohlenen Geldes herbeigeschafft. Die Unterschlagungen des Postbeamten Richard Hennig vom Postamt W. 48 in der Französischen Straße reichen nach den neuesten Feststelluneen bis in das Jahr 19 2 9 zurück. Die Zahl der Einschreibebriefe, die Hennig nachweislich beraubt hat, belauft stch bisher auf vier, aus d«nen er 29 999 Mark erbeutete. Da aber in seiner Abteilung noch mehr Briefe verschwunden sind. ist mit einer Erhöhung dieser Summe mit WpsF, kxXäfM '.* y/i tti' SWli MMW [& A •«»<51 ÄfU- Jn diesen Tagen greift der Berliner zu der„(ChromilR der Sp erlin gs gra. sse"cfe/72 liebenswerten Buch von Wilhelm Baabe, dem Dichter, der zwar hier nicht geboren, aber so eng dieser Stadt verbunden ist, wie die Cigareite, die Heimairecht im alten und neuen Berlin fands JtosoMti Jtwxno Berlins meislgemuchte Cigareite 0/m. 6 Slück 20$ lojähriger Ausreiher gesucht. Seit dem 2. September wird der Schüler Helmuth Frickcl vermiht, der am 4. März 1921 geboren ist, also 10� Jahre zählt. Der Junge wohnte bei seinen Angehörigen in der B a r t e l st r a h e 14 und besuchte die Gemeindeschule in der Georgenkirchstraße. Man vermutet, dah er seine Großmutter, die in Köln wohnt, aufsuchen wird. Der Junge ist 1,29 Meter groß, hat hellblondes Haar und trug zuletzt braunen Pullover, modesarbenes Sporthemd, blaue Hose und schwarze Schuhe. Mitteilungen, wo er etwa auftaucht, werden an die Vermißtenzentrale im Polizei- Präsidium erbeten. Siachtwandcrung durch Alt-Berliit. Die nächste Wanderung vcran- staltet das Bezirksamt Schoncberg heute. Mittwach. V. September, unter Leitung des Schriststellers Gcarg Baiubcrqcr. Treffpunkt: 29 Nbr im Ephraim-Haus, Paststr. 16, Eike Miiblendamm. llnkoslcnbcitray 1 M. Wegen des großen Andranges ist es ratfam, die Teilnehmerkarten im Vor- verkauf zu entnehmen, und zwar bei den Geschäften Walter, Poststr. 12; Holdorf, Stralaucr Str. 23; Hcmpcl, Molkcnmarkt 1 und im Gasthaus »Zum Nußbaum", Fischcrstraße. parteinachrichten fürGroß-Berlin Einsendungen für diese Ru' rik find « e r li n SW««. Lindenstraße 3, stete an da» Bezlrkesetretariat 2. Hof, 2 Treppe» recht», zu richten Beginn aller Vcranstaltungeu IBVj Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! Mitgliederversammlungen und Zahlabende heute, Mittwoch,?. September, in nachstehenden Lokalen. 2t. Abt. ZoHIabcnd« in folgenden Lokalen: 2. Gruppe bei Heibußki, früher Bieberstein, Daiizizer Str. 46. Vortrog:„Der bevorstehende Sebulabbau und dio Arbeiterschaft-'. Afferent Genosse Laosch.— 4. Gruppe: Restaurant Hermemnjähenu, Lairbenkolonie, Vortrag:„Der Gewcrkschaftokongreh in Trankfurt o, Main". Rcfercnt Geuossc Stzkorn. 3«. Abt. gahlobcudc in den bekannten Lokalen, gahlabcnb Bus6>: Tages- ordnung:„Die Wirtschaftskrise". Rcfercnt Bruno Sroppler. 33. Abt. gohtabende in fümtUd>£it 19 Bczirkl» an bekannter Stelle. 41. Abt. 20 Uh-r tzahiobcnd« in den bekannten Lokale». 4t. Abt. gohiabenbc in den belanntcn Lokalen. 79. Stabibezirk jetzt bei Miller, Admiroistr. 19a. . Abt. Zahlabenbe in den bekannten Lokalen. Gruppe Hohlstein: Friedens» 71. Abt. 20 Uhr bei Lau, sildegardftr, 1t,„Aktuelle Politik,» 81.«bt. 1. bis 3. Bezirk: Älabe, Haudjcrystr. 60—61. Referent Genosse Such. holz. 4., 5. Bezirk: Baginlkl, Stubenrauch, Elke Taunusstraße, Referent Genosse, Paulus. 6, Bezirk: Lokal«atz, Bahnstr. 5. Referent Genosse Sommer. 85. Abt. 3. Bezirk: Lokal Henning, Wanteuffelstraßc. Otto Burgcmeister: „Finanzclcnd der Stadt Berlin". 91. Abt. Bergschloßhöhc, Karlsgartcnstr. 6—11, großer Saal. Mar Sicvcrs: „tzur politischen Lage". 95. Abt. Bicrtclpcrsammlungcn in nachstehenden Lokalen: 1. Viertel<64,, 74,, 77, Bezirk» bei«eustch, Iiigerstr. 19, Rcfercnt Genosse»laußncr. 2. Viertel <65., 73., 90. Bezirk» bei«lein, Prinz Handjcri». Str. 34. Rofcrent Genosse Schradt, 3. Viertel<72., 91., 92. Bezirk» bei Haasc, Stcinmetzstr. 78. Rcfc- rent Genosse Renner. 4. Viertel<75., 76.,' 78., 89. Bczir!» bei Gricaer, Lcsftngstr. 9. Rcfercnt Stadtrat Karl Wermutl». Thema:„Unsere Wirtschaftskrise. Mitgliedsbuch ist mitzubringen. 9». Abt. Zahlabcnde für alle Bezirke in den bekannten Lokalen. 128. Abt. tzahlabcnde in den bekannten Lokalen. >4». Abt. Lokal Woitschach, Ernststr. 1, Milglirdernersammliing. 1. Werbe anfprochc für die Volksbühne. 2. Kapitalistische Wirtschaftsanarchic lind Arbeiterklasse. Referent Genosse Ernst Rrnmann. 3. Partciangclcgen- Helten. Gäste ISnncn eingeführt werden. Morgen, Donnerstag. 10. September. 137. Abt. Die Sitzung der Arbeiicrwohlfahrt findet nicht am Ii». September, sondern rrst Donnerstag. 17. September, im Volkshans Rcinickendorf statt. 139. Abt. Schul, endorf, Heiligeulcc, Reu-Heiligensec, Siedluno am Bahahos Seiligrusec. 2» Uhr Milgliederoerfammlung im Lokal Beck, Flugplatz in Keiligcnser. Vortrag:„Die wirtfchaftspolinschc Lage". Resercnt Dr. Ger- Harb Lucka«. Kolonie Alpenberg« unb Rcu-Buch. Fahlobcnd bri Pieran. Schwancbccker Chaussee. Vortrag des Genossen Tijes über„Die politische Lage". Freitag, 11. September. 13. Krei». Zusammenkunft aller Wiensahrer bei Pommmning, Tempelhof, Berliner Str.>00. 14. Kreis, lg Uhr Krci»mitglieder»ersammlung in Klicm» Fest. i• sälen. Holen Heide. Thema:„Für ober geacn bie Tolrrieruna der Regie. i I rung Brüning". Referenten: Genoffe Ernst»öeilmann, M. d. L., und : i Genosse Ziegler-Breslau, R. d. R. Zutritt nur unter Vorzcigllna de» iR Parteimitglicdsbuche». hittte, Wiener Straße. 46. Abt.' ... Zahlabciidc bei Klauk, Görlitzcr Etr. 65, für den Stadtbezirk 108,300; bei Brodella, Oppelner Str. 44, für den Bezirk 106; bei Schwilkonisü, Wrangelftr. 67, für den Stadtbezirk 107. 48. Abt. Zahlabc»de in den bekannten Lokalen. 81. Abt. Mtgliederversammlnng im Lokal„Zuin Heidekrng", Inh. A. Mar» sarrd. Tagesordnung: 1.„Die Bedeutnng der Polksbirhiic für die Arbcitcr, klasse». 2.„Erlebnisse iie Sowictrußland." 3. Partciougclegcnheilc». In -1.' 1.1»=fal.l i J} Sterbetafel der Groß«Berliner Partei-Organisation 40. Abt. Am L. September ist unsere Genossin Marie A p p e l t, Eylauer Str. 10. im 67. Lebensjahre nach schwerem Leiden verstorben. Mehr als 2 Jahrzehnte war uns die Verstorbene eine treue Mitkämpferin. Wir werden ihr stDts ein ehrendes Gedenken bewahren. Die Einäschcrun« findet am Mittwach, 9. September, 19 Uhr, im Kreniatorium Gerichtstr. 37—38, statt. Zahlreiche Bcteilignna der Genossinnen und Genossen wird erwartet. WM Erfe SozialisiischeArbeiterjugendGroß-Verlm Einsendungen für diese Rubrik nur an das Iugendsckrctarial Berlin EW 68, Lindenstraße 3 Achtung, SSG.. Leiter! Holt rurc Flugblätter in der Schülersprechstnnde heute zwischen 17 und 19 Uhr ab. Die Anmeldungen für den SchnUiiigstursns. zu den Ottobcrfericn sind schnellstens abzugeben. Kunst in bicfcr Zeit. Veranstaltung der Volksbühne Sonntag, 13. September, Igl: Uhr, in den Kannncrfillcn, SB.. Tcltowcr Straße. Karlheinz Viartin spricht! U. a. Darbietungen eine Szene aus„Die Ehe" von Däblin. R. A. Stcmmlc liest aus eigenen Werten. Unkostenbeitrag 20 Pf., Arbeite- lose frei. Heule, Mittwoch, 19K- Uhr. Gesundbrunnen II: Christianiastr. 38:„Was lehrt uns der Polksentsäicid?" — Gesundbrunnen, R. Gotenburger Str. 2:„Sowjotrusiland".— Wcisiensee: ZusanunLnkunft des Festausschusses bei Benens, Buschallee 23.— Kasenheidc: W.-P.-Miiglicbcrversannnlnng, Britzer Str. 30:„Unsere Arbeit".— Lichten- .....-m- v:.. i..i:;-A scheinen.— Falkenbcrg: Gntshos: Mitflliedcrpcrsammlunq und Frankfurt- Bericht.— Friedrichshagen: Fvicdrichsir. 87: Bericht van Frankfurt.— Kauls- dorf: Adolfstr. 25: Heimabend.— Lichtenberg Nord: Zahlabend der Partei.- Lichtenberg Nordwest: Zah labend der Partei fällt aus. Heimabend Do-ssestr. 22. — Mahlsdorf: Melanchthonstr. 63: Laienspiele.— Karow: Zahlabend der Partei. — Pankow, R. F.: Kissingen str. 48: Mitgliederversanmilung:„Bisherige und zukiinftige Arbeit". SSG. Prenzlauer Berg: Danziger Str. 62, Baracke 3. 18 Uhr:„Schulpolitik". SSG. Eharlottcnbnrg: Rosincnstr. 4. 18 Uhr:„Praktischer Sozialismus an den weltlichen Schulen". SSG. Neukölln, Aeltere: Bergstr. 29:„Tagespolitik. Werbebezirk Reukölln: 18 Uhr engere W.-B.-V.-Sitzimg im Parteibüro. Werbe bezirk Reinickendorf: Wittenau, Nene Schule, 19'.� Uhr pllnktlich D.-B.-Sitzung mit den Iugcndbeiräten. Sämtliche Abteilungen müssen ver- treten sein. SSG. Sck)öncberg: Freitag, 11. September. 19� Uhr, öffentliche Kundgebung:„Nationalsozialismus oder internationaler Klassenkampf?", Gesangs- saal der HohcnzoUcrn-Oberrcalschule, Schönebcrg, Belziger Str. 48-52. Voriräge, Vereine und Versammlungen Der Sozialistische Esperanto-Bund beginnt neue Esperanto-Schnellkurse. R«! nickendorf: Montag, 14. September, Ä Uhr. im Jugendheim Lindaurr Straße.— Osten: Donnerstag, 17. September, 20 Uhr, im Jugendheim Am Ost- bahnbof 17, Ziunner 1.— Zentrum: Freitag, 18. September. 19'.. Uhr, im Metallarbeiter-Berbandshaus. Glfasscr Str. 88.— Neukölln: Meldet euch beim Genossen Thimm. Saalcstr. 6, vorn 1 Tr. links. Kursus kostet 4 M., Jugend- lichc M., Ernrcrbslose 10 Pf. pro Abend. Geschäftsstelle: A. Sprocck, N. 58, Chorincr Str. 45. 5taatz �D�riiealcr nutsoper linier den linden. Mittwoch, den 9. September 20 Uhr. Ende nach 22'h Uhr. Salome. StuiLSdiaiispietas Stirfuaunirkt. Anfang 20 Uhr Die aatürlidäe Tochier SAiller-Theater ChirMtnbu�. Anfang 20 Uhr Zum 1. Male Die Uelraf. iisaü §K«.«ver Charlollenhurg Bismarckstraße 34 Mittwoch, 9. Septb. Turnus III A«fang IS'/a Uhr GStter- dämmerung Ende nach 23'/- Uhr TolKsbtlhne Schiller-Theater 8 Uhr Die Heirat. Barbaroua 9256 Hol. Su. 81/2 U. THE 22 INCENUES HUDSON- WONDERS und du gros» Sept.-Prooramm Oeotsdies TUßatei 8 Uhr Kat Schauspiel nach Erncst Hemingway Deetsd» Bühnenbeitbülinj v. Carl Zuckmayei und Heinz Hilpert Regie: Heinz Hilpert metropoi-ineaier Täglich 8Vi Uhr die neue Piul-Illirabaifl- Operelte Die Blume von Hawai unter persönl. Ltg des Komponisten Preise von f.— H. an. Theater im Admiralsoalast Täglich 8>„ Uhr Der Sensationserfolg I Die Dubarry mit Gitta Aipar Preise v. 0,50 M an Die Sechs tob der Siaalsoper. Cortisis DollarsegcB. Salerao. : Brataaos. RhocBrod-SeBi usw. [upng* Rgsfawant Berlins Berliner lilk TriO N• U k 0 1 1■. w Lahnau-. 74J7&.1 ROSE-THEATER 9Rose Bernd" Traute Rose in der Titelrolle Mitlwocb, Sonnabend u. Sonntag 6 und 9 Uhr An allen andern Tagen 818 Uhr. Preise: O.SO— JJ.OO Komische Oper SV: Uhr Thron zu vergeben Opqrelle v.Neldhart Musik v.'Witmann -Ltux, Elster, Lilien, Hendrik, Fels Preise; O.SO— 7.- M Virolle Vranktarter HtrsBe) asi Vorverkauf Täglich 11— t und 3—9 U- E 7, 3412. 1 Inserate tm CJ Vorworts ichern Erfolg! uem Berlin- Gesundbrunnen >b Bitnsta;. H. Stpt. bii Wonlaj, 14. Sept. Das grandiose Programm! BÜHNE: 30 Minuten wahre Lachsalven: So haben Sic noch nie gelacht! Der bekannte Berliner Komiker ERICH SCHHIHT mitselner Partnerin K1TTV MARION und Ensemble in det urkomischen Szene„LOS Nr. 33' Zum ersten Male in Deutschland d. berühmt. Accordeon-Vlrtuosen THE THO CATELEI'S FILMTEIL Oer neueste Toslilni-ErtDig! Die Frau, von der man spricht m. Mady Christians. HansStüwc u.a. REGIE: VIKTOR JANSON. Begina der VorstelloBgen: Wochentags 4. 51/» u. 8Vc Uhr, Sonntag 3, 5'/?, SVa Uhr. Preise der Plätze; Im Parkett und Rang 0.80 bis 1,50 M. Balkon und Logen 2,00 M., 2.50 M. Sonntag 3 Uhr Einheitspreis, Parket! u. Rang 80 Pf, Balkon u Loge 1,20 M. Telefon: Humboldt 1636-37. Reichshallen-Theater Abends 8 Uhr, Sonntag nadimittag 3 Vi Uhr Das Fese>Progpamm: B p i« t o n SO Jahre Stettiner Sänger Nachmittags halbe Preise. »v.uhr CASINO-THEATERs5/. m» Lothringer Stratze 37. Nur noch wenige Aufführungen Das Parfüm meiner Frau Dazu das Eröffnungsprogramtn von HANS BERG konferiert. Gutschein 1-4 Personen. Parkelt nur 50 Pf. Fauteuil u. Balkon 1.—, Sessel t.50 Mk Kurf iirsteo oamm Thealer Bismarck 448/49 8V« Uhr Die schöne Helena ton lacqnes onenbadi Rigle; MaxBstnhardi Theater desWestens Tägi. 5 u. SV, Viktoria und ihr Husar Opertttt vog P. Ibra Im Billigster PI. 0,50 M. Teuerster PI. 2.90 M. Im Grossen Schauspielhaas beginnt die Spielzeit Sonnabend, 12. September, 8 Uhr, mit dem Weif erfolg ytnußei&eri&öbf# in EfikCharells grandioser Inszenierung mit Camilla Spiro, Evelyn Holl, Käte Lenz, Marianne Winketaiern, Tamara Desni, Tibor v. Hatmay, Waller Jankuhn, Oskar Sabo, Max Schipper u. A. Vorverkauf 10 bis 6 ununterbrochen Gesamtausstattung Prof. Storn Musikal. Leitung Krnst Hawko Zeitentsprechend sind die Eintrittspreise durchschnittlich um die Hälfte reduziert. Etwinnaaszug 5. Rlofft 37. Prtuhifch-Siidbtutschc 6faafs°S»Uetit. Ohne Gewähr Nachdruck vtrboten Auf jede gezogene Rummer sind zwei gleich Hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Rümmer i» den beiden Abteilungen I und II LS. Ziehungstag 8. September 1931 In der heutigen Bormittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2»cöinne jn 1 0000 M. 230862 8»«Win« ,u 5000 M. 18127 51098 135478 138341 24»«Winne nu 3000 AI. 11907 19402 88835 105109 130129 176054 192508 220210 265496 299674 341401 373100 66».ttinn« nu 2000 M. 64232 70023 100305 1 12231 1 18980 193483 204721 208154 211514 214946 215183 233768 249434 251568 263267 269490 300608 303480 306004 311435 313163 330486 338070 339279 376212 380262 386337 390641 122»«Winne)u 1000 M. 5778 7249 12112 12177 16770 25711 54427 58831 62797 63879 70208 96035 103085 106177 110397 123947 135681 136184 142885 149602 153390 155003 164049 167361 172499 175619 184994 195376 203458 207508 21335Ü 214250 215305 219317 221327 223619 224596 225162 235784 236332 238671 243437 247146 261294 272738 276656 286637 297382 301188 309908 310161 315376 315735 355568 359150 376337 380561 383176 386606 390120 399520 188»«Winne in 500 M. 12225 12816 12935 23562 38820 44312 46673 62065 58276 60203 62905 70999 71734 72395 73439 73683 75794 86149 89019 94842 99989 105511 114618 123392 125318 129129 133749 134724 135909 139811 14329V 151188 153198 156787 158401 162250 172418 176647 179005 180640 183135 191815 192006 192819 194010 200353 200589 206649 213220 213933 219873 225545 227325 230538 235002 236636 240914 244614 247028 249430 252179 252544 253041 253959 267527 260780 268095 268485 282495 297107 298720 304237 306484 318554 318626 326285 328469 330067 331690 339035 339233 340120 341302 355775 365142 369834 371349 374365 386677 388074 392309 304827 395049 395353 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über diX) M. gezogen 4«ewinn,»u 25000 M. 316632 374724 2»«Winne zu 10000 W. 264913 4»»Winne ,« 5000 M. 1 90279 234995 16».Winne w 3000 M. 21590 66964 189582 222777 254313 299057 339826 368663 50»«Winne w 2000 Ar. 2587 37222 53223 66804 72240 102962 111567 125422 150543 213665 219694 232579 239867 264117 233257 287071 292551 202872 207235 222427 323863 327059 370076 372791 362066 86»«Winne 1000 M. 23247 25803 26933 36486 47093 49692 66201 104064 104583 110017 118246 118660 121232 148284 154571 157520 191510 195611 201820 223374 239693 242366 231261 233047253725 272413 274683 282567 287188 295419 296977 300275 301893 302333 309025 316452 317364 3245-15 339226 339806 365386 369542 391840 1 36»-Winne PI 500 M. 2353 6267 6719 13061 39972 54037 55420 59139 60657 69906 73277 74772 75463 83537 85821 85905 86976 86979 91540 93238 93659 99232 99605 112426 120700 135976 140339 149645 163653 178007 179918 133660 193263 212690 218353 219620 220405 222667 224580 235221 239400 245575 251146 267648 274381 277667 262070 234336 237464 290324 304079 308267 307331 331621 333456 345664 352921 354783 357188 353246 361269 363300 378671 333982 335392 337413 390669 397353 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000, 2 Gewinne zu je 200000, 2 zu je 50000. 5 zu je 25000, 24 zu je 10000, 54 zu je 5000, 108 zu je 3000, 270 zu jtz.2000, 556 zu je 1000, 876 zu je SOOtz 2518 zu j« 400 Mark. »»»»«»«»«»«»«««««»S» Bekanntmachung. Die in der Zeit vom 1. Juli bis 30. September 1030 verletzte» Pfänder find versteigert worden, lieber- schüsse sind bis zum 3. Juni 1932 abzuheben. Staatliches Leihamt. O»»»»«»»»« Deutsdier Metallarlieiter-llM Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeige Den Mitgliedern?ur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter Paul Zeuge geb. 27. Juni 1865 am 7. September gestorben ist. Die Einäscherung findet am Freitag, dem II. September, nachm. v,l Uhr, im Krematorium Gcrichtstraße statt. Nachruf. Am 28. August starb unser Kollege, der Irä>er Melm Flohr geb. IG. Juni 1869, Die Einäscherung hat bereits statt- gefunden. Ehre ihrem Andenken! Die Orfsvcrwaliong. KLEINE ANZEIGEN iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Preise: überschrirtswert 25 Pfennig, Textwort 12 Pfennig Wiederholungsrabatt: 10 mal 5 Proz,, 20 mal oder 1000 Worte Abschluß 10 Proz., 2000 Worte 15 Proz., 4000 Worte 20 Proz. ✓ Stel lengesuche: Überschriftswort 15 Pf., Textwort 10 Pf./ Anzeigen, welche für die nächste Nummer bestimmt sind, müssen bis 4Va Uhr nachm. im Verlag, Lindenstr. 3, oder auch in sämtl. Vorwärts-Filialcn und-Ausgabestellen abgegeben sein | uerkauie| Tapeten Szillat, Kolouie. straßc 0. Tcppickidau, Emil Lcfcnrc, Berii», feit 4l> Job» reu nur Oranic». straßc 158. Zab- luuaocrlciditcrunq ohuc Aufschlag. Spc» zialkataloa kostcn. irci. �_' Zii>I«asch»obc7, Zintwaunc», schr billig. Eemmler u. Blcnberg, Drc�dc- ircrstraße 08. F 7 Iannowitz 6651.* niÖDBl ][ Vatentmatratzcn „Primissima". Mc. tollbcttc» Auklca»» matratzcn. Ebaiie- longues Walter. 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Wir sind sehr gespannt, ob die gegenwärtige Reichs- regierung noch die nötige Autorität besitzt, um unter Festhaltung an der bisherigen Linie ihrer Außenpolitik die Gäste würdig empfangen zu können, die sie sich selber eingeladen hat, und die„nationalen" Apostel der natio- nalen Disziplinlosigkeit in ihre Schranken zu weisen._ Tür zu... » Eintritt nur für„ArntttionSre*. Die Kommunistische Partei hatte gestern abend zu einer öffentlichen Versammlung nach der„Neuen Welt" eingeladen. In der„Roten Fahne" wurden besonders sozialdemokratische Arbeiter zum Erscheinen aufgefordert. Als abends um S Uhr ein sozial- demokratischer Arbeiter wirklich den Saal betreten wollte, mußte er oon Kontrolleuren erfahren, daß schon seit 4% Uhr eine k o m m u n i st i s che Funktionärkonferenz tage. Der Ein- tritt wurde ihm verweigert, da nur eine Legitimation der Kam- munistischen Partei zum Besuch des Saales berechtigte. Da scheint der kommunistischen Parteileitung trotz der Ab- sage Künstlers doch nicht ganz geheuer gewesen zu sein. Sonst wäre kaum verständlich, daß sie ihr« Funktionäre vor Beginn der eigentlichen Versammlung drei Stunden lang in den Räumen festhalten mußte! Im übrigen verlief die Versammlung, in der ein kommunistischer Redner monologisierte, ohne Aufregung und ohne Zwischenfall. Daß die Kommunisten kein Chaos wollen, hat der Redner versichert. Wie viele der Hörer dieser Versicherung Glauben schenkten, war nicht festzustellen. Aus kleinen Parteien. Die Wirtschaftspartei teilt der Welt mit. daß sie sich wieder geeinigt habe. Nachdem Bäcker Drewitz den Vorfitz nieder- gelegt Vst fanden sich onch die bisher opponierenden Vertreter Sachsens wieder zur Tagung des Reichsausschusfes ein. Dabei wurde eine„Kundgebung" an die Wähler beschlossen, die die Reste der Wirtschaftspartei als Retter von Volk und Baterland anpreist. Vor- läufig wählte der Reichsausschuß an Stelle de« zurücktretenden Dre- witz eine Parteileitung. Sie besteht aus dem früheren Reichs- justizminister Dr. Bredt, dem früheren sächsischen Staatsminister Dr. Weber-Dresden, dem Rcichstagsobgeordneten Mollath-Berlin und Stadtrat Kockel-Magdeburg, Mitglied des Reichsrat». Die Reichstagsfrattion des Deutschen Landvolk trat gemein- lam mit den Landoolkabgeordneten de« Preußischen Landtage» am Dienstagnachmittag im Reichstagsgebäude unter dem Vorsitz de« Parteiführers von Hauenschild zusammen, um die politische und wirtschaftlich« Lage zu erörtern. Auch die Reichstagsftaktion der Deutschen Boltspartei ist am Dienstag in Potsdam zu einer zweitägigen Sitzung zusammen- getreten. Am ersten Sitzungstag nahm die Fraktion Referat« poli- tischer und wirtschaftlicher Art entgegen, am Mittwoch wird sie sich mit der Außenpolitik des Herrn Curtius befassen. Doppelte NSDAP.-Vuchfühnmg. Hakenkreuz-Korrespondenz und„Deutscht Wochenschau". Ein Prozeß gegen den Leiter des„Nationalsozialistischen Par- lamentsdienstes", den Major a. D. Weberstedt, vor dem Schössen- gericht Berlin-Mitte verdient registriert zu werden. Herr Weberstedt hatte in seinem„Nationalsozialistischen Par- lamentsdicnst" Teile aus einem Artikel des Ehicagoer Naziblattes„2)er Vorposten" zum Abdruck gebracht. U. a. hieß es da:.Zwar hat das schmutzigste aller Gesetze, das Gesetz zum Schutze der Juden- und Gaunerrepublik auf uns keine Anwendung, ober... Weberstedt wußte genau, was einem Blatte blühen würde, falls es dies« unflätigen Beschimpfungen der deutschen Republik bringen würde. So unterdrückte er wohlweislich diesen Satz bei der Wiedergabe des Artikel» in der„Deutschen Wochenschau", die er als Zeitung herausgibt. Wohl aber ließ er es daraus ankam- men, daß andere nattonalsozialisttsche Blätter sich in die Nesseln setzten. Der„Nationalsozialistische Parlamentsdienst" wurde wegen dieser Beschimpfung der Republik verboten, gegen Weberstedt als seinen Leiter ein Verfahren wegen Verstoßes gegen§ 5 Ziffer 1 des Republikschutzgssetzes eingeleitet. In der Verhandlung verteidigte sich Weberstedt mtt der Er- klärung, er sei der Ansicht gewesen, die einfache Wiedergabe eines in einem anderen Blatte abgedruckten Satzes sei einer Korrespondenz gestattet. Das Gericht belehrte ihn eines besseren-, das Urteil gegen ihn lautete auf 400 Mark Geldstrafe an Stelle einer an sich ver» wirkten Gefängnissttaf« in Höhe von 20 Tagen. In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende aus, daß eine Korrespondenz nicht anders zu behandeln fei als irgendein Zeitungsblatt. Dem Angeklagten habe das Bewußtsein des beschimpfenden Charakters der Aeußerung durchaus nicht gefehlt. deshalb habe er es auch unterlassen, diese Aeußerung in seinem Blatte zum Abdruck zu bringen. Das letztere falle für ihn straf- mildernd in« Gewicht. Deutsches Künstlertheater. Franz Michael pelzer:„Die RosenSravt". Ein rheinisches Lustspiel mit Anklängen an den„Fröhlichen Weinberg". Unkomplizierte lustige Handlung, handfester Humor. handfest« Typen. Die frische Natürlichkeit der Margarete M«l zer erspielt sich einen großen Sieg. Unzählige Hervorrufe. vxr. Goebbels, total verkehrt. „Q* ist auch unwahr, zu behaupten, Deutschland bekomme keinen Kredit, weil die Nationalsozialisten an die Macht wollen. Nein, es bekommt keinen Kredit, weil wir noch nicht an der Macht sind!" (Goebbels im Sportpalast.) „Ha? Seid ihr die Milliarden, die Deutschland bekommt, wenn ich zur Macht gelangt bin?'' „Nein! Wir sind die Milliarden, die aus Deutschland abgewandert sind, seit du zur Macht strebst?� Aolverordnung gegen Söchstpensionen. Gin noch unzulänglicher Plan. Die Roichsregierung hat sich eodlich zum Erlaß einer Not- Verordnung entschlossen, durch die in die peusionover- hältoissc eingegriffen wird. Die Veröffentlichung dieser Ver- Ordnung steht unmittelbar bevor. Die Verordnung verfügt eine mäßige Kürzung der Pens.ioueu, die den Betrag von 12 000 Mark im Jahre über- steigen. Der 12 000 Mark übersteigende Betrag soll nur dann voll zur Auszahlung kommen, wenn der Pensionär hie Stelle, ans dar sich seine Pension errechnet, länger als fünf llahre bckletdel hat. Hak er die Stelle nicht länger als ein Zahr bekleidet, so erfolgt eine Kürzung dieses 12 000 Mark übersteigenden Betrage« um 50 Pro,.. bei zwei Zähren um 40 Proz.. bei drei Zahren um Z0 Proz.. bei vier Zahren um 20 Vroz„ bei fünf Zahren um 10 Proz. Art und der Umfang der Kürzung entsprechen in keiner Weise der Stimmung, die gogen die hohen Pensionen im Volle besteht. Vor allem vermißt man iinmer noch eine Kürzung der Pension in den Fällen, in denen der Pensionär außerdem über ein großes anderweitiges Einkommen verfügt. Bisher beträgt die Höchsipension bei 40 Dienstjahren 80 Proz. des zuletzt bezogenen pensionsfähigen Diensteinkornrnerts. Dieser Prozentsatz soll durch die neue Notver- Ordnung aus 75 Proz. herabgesetzt werden. Ein« entsprechende Ver- änderung der Durchstasfelung vom 20. Dicnstjohre auswärts bis zu dem Höchstsatz von 75 Proz. ist vorgesehen. Das bedeutet praktisch eine durchschnittliche Kürzung der Pensionen um 6 Proz., wobei allerdings zu berücksichtigen ist, daß die Pensionen durch die vorausgegangenen Notoerordnungen schon in demselben Ausmaß gekürzt worden sind, wie die Gehätter der aktiven Beamten. Im Zusammenhang mit dieser beamtenpolttischen Maßnahme will die Regierung auch den§ 62 des Reichsoevsorgungsgefetzes ändern, der die Anrechnung von Renten bei Kriegs- beschädigten regelt, deren Besoldung aus ösientlichen Mitteln erfolgt. Die Einkommensgrenz«, bei deren Ueberschreitung eine ge- stosseltc Kürzung der Rente von 10 zu 10 Proz. für je 60 Mark weiteres Einkommen einsetzt, betrug vor der vierten Notverordnung 350 Mark monatlich. Mindestens drei Zehntel der Rente blieben jedoch zahlbar. Durch die vierte Notverordnung wurde der Betrag auf 210 Mark herabgefetzt und außerdem verfügt, daß die Rente um die Hälfte des Betrages zu kürzen ist, der diese Grenze über- schreitet. Auch bei dieser Regelung mußten drei Zehntel der Ge- bührnisse verbleiben. Durch das Zusaimnentreffen von Gehalt»- kürzimgen. Aüxzungen des Kinderzuschlages und dieser Renten- kür�ung traten bei Beamten, Hzgestellten und Arbeitern der öffentlichen Verwaltungen Einkommgrisminberungen bis zu 30 Proz. ein. Di« Sozialdemokratie hat daher innner wisdkr angeregt. die schematrsche Form der Kürzung durch ein« Regelung zu ersetzen, bei der Familienstand und Schwere der Beschädigrniig durch entsprechende Freigrenzen berücksichttgt werden. Diesem Gedanken will die neu« Notverordnung Rechnung tragen. Die Sozialdemokratie hat darüber hinaus gefordert, daß auch die Anrechnung der Rente von Kriegsbeschädigten auf die Arbeit»- losenunterstützung unterbleibt, die durch die Notverordnung bis auf einen Betrag von 15 Mark herbeigeführt worden war. Die Reich«. regierung hat sich bereit erklärt, diesen Betrag mindestens bei Schwerbeschädigten auf 25 Mark zu erhöhen. Erwägungen darüber, diesen Satz auch bei den Leichtbeschädigten zu belassen, sind noch in der Schwebe. Aus technischen Gründen soll die letztere Regelung jedoch in die Notverordnung aufgenommen werden, in der die Neuregelung der Arbeitslosenversicherung erfolgt. Weiter« Zu- geständnisse hat die Reichsregierung auf dem Gebiete der Kriegs- Versorgung auf dem Verwaltungsweg in Aussicht gestellt. Sie be» ziehen sich auf die Zahlungen von Z u s a tz r e n t e n in be- sonderen Fällen an Leichtbeschädigtc und Witwen, denen die vierte Notverordnung die Möglichkeit einer Erlangung von Zusatzrente überhaupt genommen hatte. Die durch Verwaltungsanordnung völlig außer Kraft gesetzte Kannversorgung ist in Auswirkung der Vor- stellungen der Sozialdemokratie bereik gelockert worden. Ein weiteres Entgegenkommen auf diesem Gebiet ist in Aussicht gestellt. Deutschlands Nüstungsstärke Antwort auf den Fragebogen des Volkerbundes. Die Reichsregierung hat dem Generalsekretär des Völker- bundes unter dem 28. August chre Antwort auf den Frage- bogen des Völkerbundes zur Vorbereitung der Ab- rüstungskonferenz mit einem Begleitschreiben zugehen lassen. Das Material ist am Dienstag der Oeffeittlichkeii übergeben worden: Der Genfer Abrüstungskonferenz wird u. o. jener Konventionscntwurf vorliegen, der nur gegen den schärf- sten Widerspruch Deutschlands und bei Stimmenthaltung der deutschen Abordnung, die den satzungsgemäß einstimmigen Be- schluß nicht unmögllch machen wollte, festgelegt worden ist. Bejon- ders auf Betreiben. Frankreichs geht dieser Konvcntionsentwurf da- hin, daß Deutschland hinsichllich seiner Waffengattungen usw. an das V e r s a i l l e r Maß gebunden bleibt, während die anderen Groß- und Mittelmächte keine wirksame Beschränkung ihrer Rüstungen auf sich zu nehmen brauchen. Auf Grund dieses Konventtonsentwurfes ist vor Monaten an die Regierungen ein Fragebogen über den Rüstungsstand der einzelnen Länder versandt worden. Der Fragebogen ist lückenhaft, da er z. B. Angaben über das Kriegsmaterial(Geschütze, Maschinengewehre, Ge- wehre usw.) und über die ausgebildeten Reserven nicht fordert. Vor der Versendung dieses Fragebogens hat die Sowjet- union dem Völkerbund bereits Angaben über chre Rüstung ge- macht, sich jedoch Vertraulichkeit ausbedungen. Daraufhin hat Polen erklärt, daß es seine Rüstungsangaben ebenfalls erst öffentlich machen könne, wenn Rußland das gleiche getan hätte. Der Fragebogen selbst ist von den USA, England, Belgien, Holland aus- führlich beantwortet worden, während Frankreich mit einem Memorandum erwidert hat, das die verlangten Angaben nicht enthüll, sondern den französischen Standpunkt bekräftigt:„Erst Sicherheit, dann Abrüstung". Inzwischen hat auch Italien ge- antwortet. Die Antwort ist aber noch nicht veröffentlicht worden. In dem Begleitschreiben des Auswärttgen Amtes zu dem ausgefüllten Fragebogen wird die grundsätzlich« Ab- l c h n u n g des Konventionscntwurfes wiederholt und hervor- gehoben, daß auch der Fragebogen ungenügend ist. Unterstrichen wird ferner, daß Deutschland mtt seineu Rüstun- gen, die durch die Versailler Bestimmungen so stark eingeschränkt und außerdem in allen Einzelheiten bekannt sind, hinter dem Rüstung? st and entsprechend großer Staaten zurückbleibt. Nur in einem Punkt beantwortet Deuischland den Fragebogen noch nicht, und zwar in bezug auf die deutschen Wehraus- gaben, hierzu wird gesagt, daß die bezüglichen Arbeiten nach nicht abgeschlossen seien und Deutschland sich vorbehalte, diese A->. gaben zu einem späteren Zeitpunkt uachzulitfern. Arbeilseinkommen und Lebenshallung. Der Index ist leider nicht eßbar! Um wesenllich mehr als 12 Proz. ist allerdings das Ein- kommen der noch in Beschäftigung befindlichen Arbeitnehmer gesunken! bei diesen Einkommen hat die Senkung der Preise den Rückgang des Nominaleinkommens sicher noch nicht zur Holste ausgeglichen. Institut für Konjunkturforschung am 6. September 1931. Einkommensqucrschnitte und Lebenshaltungsziffern, überhaupt oll« Theorien der Arbeitsverdienste und der Lebenshaltung mögen rechnerisch richtig sein, sie sagen aber nicht die Wahrheit der realen Tatsachen. Da stehen nunmehr seit einer ganzen Reihe von Nahren aus dem„Indextisch" bestimmte Mengen bestimmter Waren beisammen, ihr Handelspreis wird fortlaufend registriert. Was nützen dem Arbeitslosen billigere Butter- und Eierpreise, welchen Borteil hat er von dem Absinken der Preise qualifizierter Nahrungsmittel, wenn er sie nicht kaufen kann. Der Index registriert die Bewegung der Preise an einem Durchschnitt, er sagt nicht» über die tatsächlichen Einkäufe der Bevölkerung. Sicher ist es erfreulich, daß die Reichsindexzifser für die Lebenshaltungskosten, die Juli 1939 noch bei 119,3 stand, für Juli 1931 auf 137,1 gesunken ist. Der oberflächlich« Beurteiler dieser Zahlen ist leicht geneigt, aus ihnen recht optimistische Schlüsse zu ziehen. Bei der näheren Untersuchung der einzelnen Gruppen der Lebenshaltungsziffer muß sich diese Meinung aber erheblich korrigieren. Tatsächlich sind nämlich diejenigen Teile der Lebenshaltungskosten am stärksten ge- funken, die heute bei vielen Millionen Menschen zwangsweise au» deu Haushaltungsausgaben so gut wie völlig oder ganz gestrichen werden muhten! Die Kosten der Bekleidung sanken seit 192S um rund 25 Punkte oder ein Siebentel. Bei denjenigen Teilen der Lebenshaltungskosten, die nur sehr wenig oder gar nicht und'wenn überhaupt, dann nur mit der Ausgabe einmaliger'Sonderkosten (z. B durch Umzugskostcn) herobgedrückt werden könne.»— B e- leuchtung, Heizung und im besonderen die Miete—, ist die Entwicklung den Bekleidungskosten entgegengesetzt vor sich ge> gangen. Die Wohnungskostenziffer stand 1925 bei 81,5, sie ist jetzt bereits bei 132 angelangt! Heizung und Beleuchtung standen 1925 bei 139,7, sie st i e g e n bis auf 151,8(1939) und stehen jetzt bei IIS. Was nützt es dem Bezieher eines kleinen Einkommens, dem Arbeiter, dem Angestellten und dem Beamten, wenn die Ernährung sich verbilligt. Bon theoretischer Freude wird niemand satt. Das Einkömmen selbst hat sich fortgesetzt verkleinert, seine Kaufmöglichkeiten sind weiter gesunken. Dieser Einkommens- abbau setzt sich aus sechs Posten zusammen: 1. Steigerung der Arbeitslosigkeit, durch die sich die Zahl der Einkommensbezieher vermindert. 2. Einschränkung der Arbeitszeit, die den Ver- dienst der davon Betroffenen erheblich schmälert 3. Senkung der Tariflöhne und Gehäller. 1. Abbau der übertariflichen Bezahlung. 5. Heraufsetzung der Beitragslei st ung zur Ar- beislosenversicherung auf 6,5 Proz. 6. Einführung der Bürger st euer, der Ledigen- st e u e r und der K r i s e n l o h n st c u e r. Zu beachten ist weiter, daß im allgemeinen bei den breiten Masten nicht das Einzeleinkommen entscheidet, sondern das Familieneinkommen. Die Familie mit Bater, Mutter und Kindern ist eine soziale Einheit. Jeder steuert zu den gemeinsamen Ausgaben. Die Arbeitslosigkeit des einzelnen Familienmitgliedes wirkt sich auf das Lebenshaltungsniveau der gesamten Familie aus. So bleibt zuletzt nur noch das sogenannte Einkommensfundament, das, was zum Leben überhaupt nicht entbehrt werden kann. Die „Einkommensspitzen", die konjunkturbildende Kaufkraft, also der kleine Ueberschuß des Einkommens, der nach der Deckung des lebensnotwendigen übrig bleibt, wird durch die Krise zerstört. Richtig ist, daß jetzt neben Löhnen und Gehältern auch die Preis« weiter zurückgehen. Aber damit ist noch nichts gebestert. Erst dann, wenn der reale Wert des Masseneinkommens gegenüber den Preisen zunimmt, tritt verstärkte Kaufkraft und konjunkturelle Veränderung ein. Wir wissen, daß dabei das Schick- sal der breiten Masten in Deutschland unlösbar mit den Sorgen der breiten Masten in anderen Staaten verknüpft ist. Wir benötigen aber auch sozialen Derstand bei der derzeitigen Reichsregierung. Xurt Heinig. KpO. diktiert 20 Prozent Lohnabbau. (Mpnrvng der Buchdrucker über die Belegschaft der (sity-Oruckerei. Am Montag wurde in den Bczirk-sversommlungen der Berliner Buchdrucker unter anderem auch über den Lohnabbau in d«n kommunistischen Druckereien berichtet. In der seit Anfang März d. I. für Berbandsmitglicder gesperrten kommunisti- schcn Citydruckerei(„Rote Fahne") in Berlin arbeitet die Belegschast schon lange Zeit trotz der großen Arbeitslosigkeit im Buchdruckgewerbe w ö ch c n t l i ch 51 Stunden.„Im Interesse der Kommunistischen Partei" muß von jedem einzelnen Betriebs- ongchärigcn täglich eine Ucberstunde„freiwillig", d. h. ohne Bezahlung geleistet werden. Die Belegschaft der City- druckcrci arbeilet asto seit langem zu untariflichcn Be- d i n g u n g c n. . Bekanntlich war die.Zlot« Fahne" vor einigen Wochen ver- boten. Räch ihrem Wtedererscheinen wurde ein Teil des bisherigen Personals' der Cilydruckerci nicht wieder eingestellt, außerdem ord- nete die Gcschäftsleitung der Citydruckerei bzw. die Direktion der „Psuvag" einen 29prozentigen Lohnabbau an. Dieser Abbau erstreckt sich nicht nur auf den übertariflichen Lohn, sondern auf den Gcsamtlohn. Nach wie vor wird natürlich in der kommu- nistischcn Druckerei, unbekümmert um dos Los der Arbeitslosen, wöchentlich 51 Stunden gearbeitet, davon 6 Stunden ohne Be- zahlung. Dieses Diktat ist am 29. August von der Betriebsversamm- fung der Ciiydruckcrei angenommen worden. Die Mitteilung dieser Borkommnisse in dem Berliner KPD.- Betrieb durch die Bezirksleiter und das Verhalten der kommunisti- schen Belegschaft zum Lohnabbau rief in allen Bezirksversammlun- gen helle Empörung hervor. Nur verschämt versuchten einige Kommunisten mit außerordentlich fadenscheinigen Gründen die Hat- tung der Belegschaft der Citydruckerei zu rechtfertigen. Ebenso wurde die Bekanntgabe der auch im„Vorwärts" veröffentlichten Borgänge in dem Kölner KPD.-Betrieb aufgenommen, wo der frühere..rsvolutianä' e" Berliner Buchdrucker Walter Wolf als der rücksichtsloseste Scharfmacher gegen die Belegschast auftritt. Bezeichnend ist, daß sich auch im 4. Bezirk, in dem Wosf «einige Zeit Bezirksleiter war, kein Kommunist fand, der das Wort ergriffen hätte, um für den angegriffenen Parteifreund eine Lanze zu brechen. An oen Eingängen zu den Versammlungslokalen verteilten die Kommunisten Flugblätter, in denen neben vielem anderen llnsirm behauptet wird, daß der Buchdruckerverband eine Lohnab- haugcwcrkjchaft geworden fei. Am Schluß des langatmigen Flug- blattcs wird gesagt, die alten graphischen Verbände seien bankrott. Deshalb ruft die RGO. für die graphische Industrie zur„Sammlung oller Kämpfer für eine starke zentrale Gewerkschaftsbewegung" auf. Heber die Wirkung dieses Flugblattes waren sogar die Kommu- nstten enttäuscht. Denn die Buchdrucker sind nicht so dumm, daß sie diesen Rattenfängern ins Garn laufen. Organisierie Arbeiter gegen XGO. Betriebsversammlung bei Groterjan. Wie überall, versackst die KPD. auch in den Brauereien unter angeblicher Fühvung der RGO. gegen die Gewerkschaften anzurennen. Borige Woche Donnerstag war eine Beleglschaftsversammlung der Arbeiter der Malzbierbrauerei Groterjan. In dieser Versamm- lang sollte Bericht gegeben werden über das Ergebnis der Verstand- lung mit der Brauerei wegen derInnehaltungderVierzig- stundenwoche bei dem Fachrpersonal. Der Vorsitzende des Arbeiterratcs sah sich aber genötigt, die Versammlung zu schließen, nachdem er mehrmals vergeblich die Betriebs- fremden aufgefordert hatte, den Saal zu oerlassen. Neun Zehntel der Versammelten verließen danach das Lokal. Die Zurückgebliebenen nahmen«in« lächerliche Entschließung an, mit der die„Rote Fahne" prunkt. Die als Tarifparteien in Frage kommenden freigewerkschaftlichen Arbeiterorganisationen haben aber zum Sonntag eine neue Ver- sammlung mir für ihre Mitglieder in Schmidts Festsälen, Prinzen- alle«, einberufen. Genosse Schmitz vom Verband der Nohrungs- mittel- und Getränk earbeitcr gab den Bericht über die Verhandlung. Eingangs seiner Ausführungen mochte er auf den am selben Tage in der„Roten Fahne" erschienenen Artikel aufmerksam. Nachdem er den Artikel unter allgemeinen Zurufen und Empörung vorgelesen hatte, wurde dem Genossen Schmitz zugestimmt, als er sagte, daß auch hier nsteder ejn. lügenhafter Bericht verbreitet wurde, lediglich zu dem Zweck, nach außen den Anschein zu erwecken, die RGO. habe bei den Arbcitern der Brauerei Groterjan Erfolg. Es ist alles aber gelogen. Dos trifft auch für die in diesem Artikel erwähnt« Firma Meyer zu, wo angeblich Hodapp und Schmitz„fluchtartig" die Versammlung verlassen hätten. Hodapp wie Schmitz sind im letzten Jahre weder zu einer Versammlung noch zu einer Verhandlung dieser Firma gewesen. Nachdem Genosse N ö l l i n g« r vom Gesamtverband die Zer- störungsarbeit der NGO. gegeißelt hott«, wurde von der gutbesuchten Versammlung folgende Resolution angenommen: „Die am 6. September 1931 in Schmidts Festsälen stattfindende Versammlung der Brauereiarbeiter Groterjan oerurteilt die Zersetzungspolitik der RGO. Sie erkennt die geleistete Arbeit der freien Gewerkschaften an. Die Anwesenden verpflichten sich, mit allen Mitteln für die Stärkung der freien Gewerkschaften zu wirken." Anmerkung der Redaktion: Wal hat die RGO. gegen die Miß- bräuche bei Groterjan getan?— Nichts— soweit ihre wenigen Nach- läufer nicht selbst U eberstunden geschoben haben. Wer hat die Abstellung dieser Mißbräuche durchgesetzt? Di« Tarisgewerkschasten unter der verantwortlichen Führung von Schmitz und Hodapp. Mit diesen Feststellungen können wir über die Lügenbcuteleien der„Roten Fahne" hinweggehen. Buchbindereibesitzer gegen 40-StundenwDche Nor noch ein Künste! der Arbeiter voll beschäftigt. Der Verband der Buchbinder und Papierarbeiter verhan- delte in' K o b p r g mit dem Verband Deutscher Buchbindereibesitzer über eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 19 Stunden. Di« Unternehmer erklärten sich jedoch nur bereit, in einem sechswöchigen Turnus die Belegschaften der einzelnen Betriebe wechselweise«ine Woche aus- setzen zu lassen. Danach hätte jeder Buchbinder und jede Buch- binderin nach fünfwöchiger Beschäftigung eine Woche feiern müssen. Zu Neueinstellungen, um den Arbeitsmarkt zu entlasten, konnten sich daher die Buchbindereibesitzer nicht entschließen. Infolgedesien verliefen die Verhandlungen ergebnislos. Wie der Verband der Buchbinder und Papierarbeiter betont, sind die Aufträge in den Betrieben so knapp, daß nur noch der fünfte Teil der Berufs- angehörigen voll arbeitet. Er will sich deshalb jetzt an die Reichs- regierung wenden, die Abhilfe schaffen soll. Die Differenz zwischen dem Unternehmervorschlag und dem der Arbeiter ist gleich Null. Ob in sechs Wochen je 19 oder in fünf Wochen je 18 Stunden gearbeitet wird, es bleiben 219 Arbeitsstunden,� Ein sachlicher Grund, die 19-Stundcn-Woche zu verweigern« besteht also nicht._ Kort mit den Feierschichten! 40-stündige Arbeitswoche! Die Verwaltung des Weißblechwertes der Vereinigten Stahlwerke A.- G. in Wissen hat sich infolge Absatzmangels gezwungen gesehen, ob sofort für jede Betriebsabteilung an drei Tagen Feierschichten einzulegen. Bei Besserung des Absatzes soll diese Maßnahme sofort wieder aufgehoben werden. Betroffen werden hiervon etwa 2399 Arbeiter. Trotz der all- gemeinen Krise war das Werk bisher voll beschäftigt. Es war sogar in der Lage, den größten Teil der durch Stillegung der Wfredhütte arbeitslos gewordenen Arbeiter wieder einzustellen. Bei geregelter 49stündiger Arbeitszeit fällt der Unsicherheits- faktor aus, bei dem kein Arbeiter weiß, wenn er in der einen Woche voll beschäftigt war, womöglich noch eine oder mehrere Ueberstunden geleistet hat, ob er nicht in der folgenden Woche nur an drei oder vier Tagen Arbeit hat und im Hintergrund nicht die Stillegung droht 40-6>iunden-Woche für England! Vom britischen Gewerkschaftskongreß gefordert. London. S. September(Eigenbericht). Der Gewerkschaftskongreß in Bristol beschloß am Dienstag, von der Regierung die Einführung der 40-Slundea-Woche und die allgemeine Gewährung von Ferien unker Fortdauer der Lohnbezügc zu fordern. Gegen die Kürzung der Arbeitslosenunter- slühung wurde Protest eingelegt. Vom Tag der Arbeit in Amerika. Im Vordergrunde das Arbeitslosenproblem. New Aork. 8. September. Die Morgenblätter berichten sehr ausführlich über eine Anzahl Reden, die am.Labor Day" am 7. September gehalten wurden und die sich fast ohne Ausnahme mit dem Problem der Arbeitslosen- Unterstützung befaßten. Der Vorsitzende der amerikanischen Arbeitervereimgung Green erklärte, eine dauernde Arbeitslosenunterstützung sei unvermeidlich, wenn die Industrie keine ausreichende Beschäftigung geben könne. Ein anderer Sprecher. Senator B o r a h, warnte die Besitzer großer Vermögen, daß sie, wenn sie nicht freiwillig für den Unterhalt der Arbeits- losen auskämen, gesetzlich dazu gezwungen werden würden. Senator Wagner verlangte die Auflegung einer Anleihe von zwei Millionen Dollar, um für mindestens eine Million Arbeitslose Arbeit zu beschaffen. Bergarbeiierstreik in Spanien. Leon. 8. September. Nachdem die Unternehmer die Forderungen der Arbeiterschaft aus eine Lohnerhöhung und die Durchführung des Siebenstunden- tages abgelehnt haben, beschlossen 6999 Bergarbeiter heute, Mittwoch, in den Streit zu treten._ Aushebung der Prohibition. Sine Forderung der amerikanischen Gewerkschaften. Der amerikanische Gewerkschaftsbund erläßt einen Aufruf, in dem er die Aufhebung der Prohibition innerhalb Jahresfrist fordert. Er erhofft von der Aushebung der Prohibition einen Rückgang der Arbeitslosigkeit, vor allem auch einen Rückgang des Verbrecherunwesens. Eine in Philadelphia tagende Jahreskonferenz der Strumpf- wirker empfahl ihren 29 999 Mitgliedern die Annahme einer Lohn- Herabsetzung. DPD.-Frattion der Deutsche» I-dnstrle-Werkr, giwmfta». Mvrgeil, Donners, tag, 1S>4 Uhr, Lokal Saal, Sttcsomplafc, Stoltionsofritanmlintg. Wichtige An, gelegenheiten erfordern bestimmtes Erscheinen aller Genossen. __ Der Zrattirasvarstand. # Freie Gewertschafts-Iugend Berlin Heute, um 1S!4 Uhr, tagen die Gruppen: Baxuschnleinoeg: Jugendheim Banmfchulenwcg, Ernflstr. IS. Abendspaziergang.— Weiheascc: Gruppcnheim Weihcnsee, Parkstr. ZK.„Astronomische Streisziige in die Eternewwelt."— Humboldt: Jugendheim Graun. Eck« Lorhingstvahe.„Gcmerk. sstaften und ihr Stellung zum ss 218."— Rordring: Schule Sonnrnburacr Straße 20.„Ein Tag im Arbeitsgericht."— Tegel: Jugendhcim Tegel, Schör.e. bergcr Str. 4 ferst um 2ß Uhr)...Zehn Jahre Echuhpolizci."— Sülnrestcn: Ji-gendheim Vorckstr. II lFabrikgebiiirdc). Arbeiterführer:„Karl Marz".— Jlughasca: Sruppenheim Flughascustr. 68.„Glaube und Aberglaube."— Neu» kölln: Jugendheim Neukölln, Brrgstr. 29.„Die Frau im politischen Leben."— Spandau: Jugeudheim Lindenufer 1.„Gemerkichast und Wehrmacht."— Dchö»el>erg: Jugendheim Hauptstr. 15.„Warum entstanden Gemcrtschastcn?"— Schillerpark: Schul« Schöningstr. 17.„Politische Lage rntd Semerkschaftrn." 0Iugendgrvppe des Zentralverbandes der Angestellten Heute, Mittwoch: Sesundbrunucn: Jugendheim Schönstcdtstr. 1. Por. trag:„Politische Satire". Nefcrent: L'owi.- SchZ-hanser Porstodt: Jugendheim der Schule Kastanienallec 81. Aurzrefcrate.— Nordost l: Danssner Sirahe 62, Jugendheim iBarack« 3). Heimbesprechung.— Neinickeudorf: Jugendheim Lindauer Str. 2 sBaracke). Bortrag:„Die Frau im Berufsleben". Referent: Ellert.— Stralau: Jugendheim der Schul« Gvhlcrstr. 61. Gruppen. mitgliedeivcrsammlung.— Obcrspree: Niederschoncweide. Berliner Str. 61 I Schul«), Eingang Hosseleocrderstraße. Arbeitsgemeinschaft:„Die Angestellten. bewrgung". Leiter: Holz.— Köpenick: Jugendhcim Dahlwitzer Str. lö(Gas. anstalt. am Bahnhof Köpenick). Was wir auf unseren Jährten erlebten.— Neulölln: Jugendheim Böhmisch« Str. 1—4, Ecke Kanner Straße. Bortrog: „Was wollen die Wcrksgemeinschoften?" Referent: Derkow.— Südost: Jugend. heim Wrangelstr. 138. Fahrtcnabcnd.— Schijncbcrg: Jugendheim Hauptstr. IS lHosgebaude, Sachscnzimmcr). Echallplattcnoortrag:„Vom Walzer zum Jazz". Refercntin: Herta Polemann.— Eharlottenburg. Jugendheim Epielliagrn. srraße 4. Vortrag:„Als Arbeiter in USA.". Referent: Grubert.— Svondau: Jugendheim Lindeitufer I. Heimabend.— Potsdano-Nowawe«: Jugendherberge in Nowawes, Priestcrsteaße. Kurzreferate.— Sporwbteilung: Uchungsabend ab 20 Uhr in der stiidtischen Turnhalle Prinzenftraße. Verantwortlich kür Politik: Vietor Schiff: Wirtschaft:®. Klingelhöscr: Gewerkschaftsbewegung: J. Stelner: Feuilleton: Dr. John Schikowski: Lokales und Sonstiges: lsritz Karstadt: Anzeigen: Th. Glocke: samtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts, Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwörts-Buchdruckerei und Verlaasanstalt Paul Singer u. Eo.. Berlin 63B 68, Lindenstratze 3. Hier,» 2 Beilagen. & kostet die neue Enver Bey »/däudiosr cUssrcrfT Billlgfeeif jeden anspruchsvollen Raucher befriedigen wird«