Morgenausgabe Nr. 425 A 214 4S.Iahrgang Wöchentlich 85 Pf., monatlich 3,80 M. (davon 98 Pf. monatlich für guftel. lung ins Haus> im voraus zahlbar. Postbezug 4,35 M. einschließlich SO Pf. Postzeitungs- und 73 Pf.Postbestellge. bllhren. Auslandsabonnement s,— M. pro Monat: für Länder mit ermäßig- tem Drucksachenporto 5,— M. Der„Vorwärts" erscheint Wochentag- Tlrfl 3.T15 0 1 T37 ty T r. 4 � �«tv.X CTVd__ —•••'-v»4»14 utüi«itci„De? Abend", Illustrierte Sonntagsbeilage �Volk und Zeit". Berliner VolkSblatt Kreiiag 11. September 1931 Groß-Äerlin 10 Pt Auswärts 15 pf. Die e i n s p a l t. Nonpareille�eile 80 Pf. Reklamezeile 5,— RM.„Kleine Au- zeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pi. (zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Tauf. Stellengesuche das erste Wort IS Pf., jedes weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien- anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3, wachen- täglich von 8V| bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor l Jientvalorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redoktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Nernspr.: Dönhoff(A 7) 292—297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorw�ärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37 536.— Bankkonto: Bankder Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3, Dt.B.u.Disc.-Ges., Depositenk.,JerusalemcrStr. 65/66. Schulabbau /Kulturabbau Ausbildung der Arbeiterjugend in Gefahr. Von I£urt: Löwenstein. Richts liegt mehr im Interesse der Arbeiterklasse und ent- spricht durchaus sozialistischen Grundsätzen als rationelle uNv sparsame öffentliche Wirtschast. Wenn die wirtschaftliche Krise, die Haushalt- und Kassenschwierigkeiten dazu zwingen, überflüssigen Luxus zu beseitigen, so brauchen w i r deswegen ganz bestimmt nicht zu protestieren. Es gibt auch in der Entwicklung unseres Schulwesens eine Luxusentwicklung. Wir haben in den letzten Jahren im höheren Schulwesen eine Inflation erlebt, die durch nichts be- rechtigt ist. Mehr als 56 Proz. derjenigen, die teilweise oder gar von Anfang bis zu Ende durch die höhere Schule hin- durchgehen, haben sachlich einen derartig umständlichen Weg der Vor- und Ausbildung nicht nötig. Das Angebot an akademischen Kräften ist trotz der Ausdehnung der akademi- schen Vorbildung für eine Reihe von Berufen katastrophal übergedeckt. Es ist daher eine durchaus vernünftige Politik, den Zuleitungsstrom zu den höheren Schulen energisch einzu- dämmen. Doch trotz dieser Ueberfüllung der akademischen Berufe ist der Anteil der Arbeiterschaft an dem Aufstieg in den höheren Schulen außerordentlich gering. Wir Sozialdemokraten haben daher programmatisch stets, aber auch lin' letzten Jahrzehnt praktisch und tatsächlich uns vieler- orts mit Erfolg bemüht, dafür zu sorgen, daß der Prozentsatz der unbemittelten Kinder, die.durch die höheren Schulen hin- durchgehen können, sich stark erhöht. Wir haben mit Rexlst geltend gemacht, daß die Arbeiterkreise, deren politischer Ein- fluß so außerordentlich bedeutsam geworden ist, deren politi- sches Denken wesentlich die gemeindliche und staatliche Ent- Wicklung geformt hat, es sich nicht mehr länger gefallen lassen können, daß die höhere Schule und damit der akademische Nachwuchs fast ausschlleßlich ein Vorrecht des be- mittelten Bürgertums sei. Ein besonderes Mittel, das zu verhindern, waren die Schulgeld st affelung nach dem Einkommen und die Errichtung von Aufbauschulen. Diese beiden Dinge sind im wesentlichen das Verdienst der Sozialdemokratie, und wir waren alle auf den Erfolg dieser Maßnahmen stolz. Sie führten dazu, daß in Berlin und besonders in den Arbeiter- bezirken ein höherer Prozentsatz von Kindern aus den Arbeiterschichten in die höheren Schulen gekommen ist. Diese Kinder haben gute Abschluß- Prüfungen gemacht und zum Teil bereits heute ihre akademischen Prüfungen mit gutem Erfolge absolviert. Aller- dings kommen wir in Berlin gerade in den Arbeitervierteln auf Schulgeldermäßigungen von über 66 Proz. Da Berlin außerdem noch nicht geringem Maße Wirtschaftsbeihilfen gab, so konnten wir auch die schweren wirtschaftlichen Nöte, unter denen sich ein hoher Prozentsatz unserer Arbeiterkinder in den höheren Schulen durchringen muß, mildern. Di« Entscheidung, die der M a g i st r a t Berlin nach den Mitteilungen der Presse jetzt getroffen hat, macht unter diese Entwicklung«inen ganz brutalen Strich. Wenn die Stadt Berlin die Schulgeldstasfelung und die Erziehungsbeihilfen abschafft und an ihre Stelle etwa 26 Proz. der Bruttoeinnahmen aus dem Schulgeldsoll setzt, um aus dieser Summe Schulgeldermäßigung, Erziehungsbei- Hilfen und Lernmittelunterstützung zu bestreiten, dann hat das für das Berliner höhere Schulwesen mit Sicherheit folgenden Erfolg: in allen Arbeiterbezirken und auch zu einem hohen Grade in den Bezirken mit starker bürgerlicher Bevölkerung werden wenig st ens 56 Proz. aller Schulkinder d ie höhere Schul« verlassen müssen. Bei den A u f- b a u s ch u l e n, wenn für sie nicht eine Sonderregelung ge- troffen wird, sogar 86 Proz.! Die höheren Schulen werden zu 75 Proz. wiederum die'Domäne begüterter Eltern sein. Ein jeder wird das leicht ausrechnen können, denn das Schulgeld beträgt 246 Mark im Jahre, und diese Belastung kann eben nur ein kleiner Teil der Bevölkerung tragen. Will man die Erziehungsbeihilfen im geringen Maße nur erhalten für besonders hochbegabte Kinder und ebenso die Lernmittel- Finanzkapital unter Staatskontrolle Gegen die Dikiaiur der Banken und Kartelle.— Kampsprogramm gegen die bankrotte kapitalistische Führung. Gestern fand im Saalbou Friedrichshain die Funktionär- konferenz der Berliner Sozialdemokratie statt, die außerordentlich stark besucht war. Genosse H i l f e r d i n g sprach über dicwirtschaftspolitischeLage. Hilferding führte aus: Die gegenwärtige Krise ist nicht nur in ökonomischer, sondern auch psychologischer und ideologischer Beziehung die schwerste Krise, die der Kapitalismus je durchzumachen gehabt hat. Obwohl uns be- reits dreizehn Jahre vom Ende des Weltkrieges trennen, hängt die außerordentliche Härte dieser Krise doch ursächlich mit der Liquida- tion des Weltkrieges zusammen. In der gegenwärtigen Krise erleben wir es zum ersten Male, daß auch das Finanzkapital von ihr voll ersaßt wird, jene mo- nopolislische Organisation, die sich zum Herrscher der gesamten Wirtschaft ausgeworfen hat. Diese Bank- und Kreditorganisation ist das Feinste aber auch Emp- fmdlichste im Aufbau der kapitalistischen Wirtschaft. Die Apparatur des internationalen Kreditwesens ist deswegen so besonders emp- findlich geworden, weil als Folge des Krieges ein Kapitalstrom von riesigen Ausmaßen von Europa nach Amerika geflossen ist. Es hat eine völlige Umwälzung derart gegeben, daß frühere Schuldnerländer zu Gläubigern und umgekehrt geworden sind. Wir müssen bei der gegenwärtigen Weltkrise zwei b e s o n,- ders ausgeprägte Krisenherde unterscheiden. Der eine ist Z e n tr ä l e u ro p a � der andere Südamerika, wo Chile bereits Zahlungen eingestellt, also den Staatsbankrott erklärt hat, Brasilien seine Schuldzinsen nicht mehr zahlen kann, und Argen- tinien dicht vor der gleichen Tatsache steht. Die deutsche Krise hat ihre wirtschaftliche und politische Seite. Es ist bekannt, daß die ersten großen Sapilalabflüsse au» Deutschland nach den Septemberwahlen einschten. Die Veruhigungspause, die in den ersten fünf Monaten dieses Iah- res eingetreten war, hatte ihre Ursache ganz zweifellos darin, daß die starke Abwehrpolitik der Sozialdemokratischen Partei gegen den Faschismus und damit auch die Stützung der Brüning-Regierung das Bertauern im Auslande wiedererweckt hatte. Da setzten nach dem Riesenzusammenbruch im österreichischen Dankwesen eine An- zahl Zusammenbrüche in Deutschland ein, die allerschärfstes Miß- trauen gegen den deutschen Kapitalismus und gegen die Sicherheit der in Deutschland angelegten Kapitalien im Auslande hervorriefen. Das Wirtschaftsverbrechen tahusens brachte nach der Serie der vorangegangenen privatkapitalistischen Skandale das Faß zum Ueberlausen. Bichls kennzeichnet die Kreditpolitik unserer Großbanken krasser als die Tatsache, daß die Danatbank zwei Drittel ihres Aktienkapitals in dem Bordwolle-Konzern investiert hatte. Diese Dinge mußten das deutsche Unternehmertum im Ausland« ungemein kompromittieren. Wir haben dann jene dramatischen Wochen im Juli erlebt, in denen die Regierung zwei Großbanken unter die Arme greifen mußte, um das Aergste zu oerhüten. Was war der Sinn dieser staatlichen Banken- Unterstützung, so bleiben für Schulgeldermäßigung 16 bis 15 Proz. übrig. Mit einem Mehreinkommen von Schulgeld wird der Kämmerer von Berlin nur in ganz geringem Um- fange rechnen können. Rechnerisch bedeutet selbstverständlich diese Maßnahme ein Mehr von rund 2 Millionen Mark. Aber wir haben heute in unseren höheren Schulen Kinder von Erwerbslosen, ferner eine große Anzahl von Kindern, deren Eltern ein Einkommen von jährlich bis zu 3666 Mark haben. Sie alle können die Last eines solchen Schulgeldes ganz sicher nicht tragen. Sie werden daher ihre Kinder aus der Schule nehmen, aber Schulgeldmehreinnahmen werden dabei nicht herauskommen. Es ist aber sozial völlig unerträglich, daß die ungeheuren Lasten, die das höhere Schulwesen für die Oeffentlichkeit be- deuten, von allen nur zugunsten einer begüterten Minderheit getragen werden müssen. Auch unter Einrechnung des Schul- geldes erfordert jeder höhere Schüler einen Bedarf aus städti- schen Mitteln, der zwischen 666 und 656 Mark liegt. Die Duldung eines solchen Zustandes wäre nur verständlich, wenn der Herr Hartnacke, der Stadtschulrat von Dresden, recht darin hätte, daß die Intelligenz ein natürliches Erb- Vorrecht der begüterten Schichten wäre. Das ist sie ganz bestimmt nicht. Wir haben in Tausenden von Fällen die Erfahrung gemacht, wieviel wichtige Intelligenz durch die soziale Not verschüttet worden ist. Seit Jahren beobachten wir mit Stolz den Erfolg unserer jungen Arbeiter und Arbeiterin- nen bei den Abschlußprüfungen unserer höheren Schulen. Darum ist der Weg. den der Magistrat Berlin mit der Auf- Hebung der Staffelung des Schulgeldes gehen will, ungerecht und untragbar. Er wird ein solch hohes Maß von Empörung auslösen, daß er sicher nicht aufrechterhalten werden kann. Wir halten es nicht für unberechtigt, im Gegenteil, wir fordern es, daß das gesamte höhere Schulwesen Berlins seinem Umfange nach wesentlich eingeschränkt wird. Man soll zu Ostern des nächsten Jahres die Aufnahmeklassen auf ein Mindestmaß zwangsweise beschränken. Man soll die Leistungsanfofderungen in den höheren Schulen so hoch wie nur möglich schrauben und man soll alle, ob bemittelt oder unbemittelt, asts der höheren Schule entfernen, die den An- forderungen dieser Schule nicht gewachsen sind. Dadurch wer- den wir in den nächsten Jahren erhebliche Ersparnisse machen, und wir werden eine Ballastbelastung los, die selbst in besseren Zeiten nicht gerechtfertigt ist. Wir fordern, daß die 9jährige höhere Schule in eine 8jährige umgewandelt wird oder noch besser, daß das System der A u f b a u s ch u l e n, das sich durchaus bewährt hat, mit aller Energie gefördert wird. Es wäre durchaus erträglich, daß auf der Unterstufe der höheren Schule keine Schulgeldermäßigung gewährt wird. Wenn da- durch eine Reihe von Eltern gehindert werden, ihre Kinder in die höhere Schule zu schicken, so würde kein Nachteil ent- stehen, wenn ihnen der Weg durch die Aufbauschule mit dem 13. Jahr noch geöffnet wird. Im Gegenteil, in diesem Alter ist die Auslesemöglichkeit sehr viel sicherer, und es würde der Nebenerfolg erzielt, daß die oberen Klasse« der Volksschule nicht so entvölkert werden, wie wir es in den letzten Jahren mit Entsetzen erleben mußten. Einschränkung des Umfanges des höheren Schulwesens, das ist eine absolut berechtigte Forderung, aber unter Jnne- Haltung der sozialen Sicherungsmaßnahmen. Ueber die Ab- schaffung der Schulgeldstasfelung wird auch noch die Stadt- verordnetenversammlung zu entscheiden haben. Die Stadwer- ordnetenversammlung wird ganz sicher nicht den Zustand be- lassen können, wie er o o r dem Beschluß des Magistrats be- standen hat. Diese Ueberbelastung kann nicht getragen werden, Es wird aber Aufgabe der Stadtverordnetenversammlung sein, dafür zu sorgen, daß das höhere Schulwesen durch o r g a n i- schc Vereinheitlichung verbilligt wird. Gewiß Leistungsfähigkeit, aber auch soziale Gerechtigkeit! Die guten Anfänge, die Berlin gemacht hat, müssen er- halten bleiben. Grundstock unseres Bildungswesens muß die gemeinsame Grundschule bis zum 13. Jahr sein. Von diesem Grundstock aus führen die Aufbau k l a f f e n bis zur mittleren Reife und die Aufbau schule bis zur Universitätsreife. Schul- geldftaffelung und Erziehungsbeihilfen aber müssen erhalten bleiben. Können wir das höhere Schulwesen nicht in dem bisherigen Umfange erhalten, so mögen wir es getrost ein- schränken und mögen für eine Uebergangszeit auch die Schul- geldstaffelung straffer machen. Nur eins dürfen wir nicht tun: die höhere Schule wiederum zum Privileg für die begütertenSchichten machen. Wirtschaftskrise und der Kurs der Regierung Brüning drücken schon genügend auf den Rücken der unbemittelten Schichten. Die Stadt Berlin hat unter sozialdemokratischer Leitung viel getan, um den sozialen und Bildungsaufstieg begabter Arbeiter- k i n d e r zu fördern. Die Stadtverordnetenversammlung muß dafür sorgen, daß nicht mit einem Federstrich das beseitigt wird, woran wir alle mit besonderer Liebe gearbeitet haben. abredmungiiittderKPO. KMÄSffi st ü tz u n g? Sie bedeutet nicht mehr und nicht, weniger als die Erkenntnis, daß in dem heutigen Stadium des Kapitalismus bei d e r heutigen Herrschaft des Ft�ianztapitFls über die Aolkswirtschaft es unmöglich ist.- einen Teil cher Äreditorga- r.isation der Großbanken zjusammenbrechen zu lassen, ohne«in wirt- schaftliches Chaos heraufzubeschwören. Die Bankenstü�ung war nie- mols eine ssrage der Aktionäre und Einlagenbesitzer. Ap den fünf großen Berliner Banken hängt das gesazmte Kreditwesen der deutschen Wirtschast, hängen die Betriebs- mittel für Löhne und Gehälter, hängen die Möglichkeit für die Fort- fllhrung der Produktion. Das bedeutet: DieBankenskuidheuts gar nicht mehr Teile der privaten Wirtschaft! (Hört, hört!) Das Aktienkapital spielt bei den Banken eine ganz untergeordnete Rolle. Die Großbanken verdanken ihre ZNonopolherrschast über die Wirlschast nur der Talsache, daß sich das gesamte Kapital der Volkswirtschaft, das Sapila', aller derer, die etwas zurückgelegt hoben, bei ihnen anhäuft. Lies gilt ebenso gut für die Ersparnisse der Kleinen wie für die Betriebsmittelreserven der Riesenkonzerne. Es hat sich herausgestellt, daß die Macht einiger Geldfürsten über das Kapital der gesamten Nation zur Unmöglichkeit geworden ist. Die Vaaksürslen, die seil Hahr und Tqg nicht genug gegen die össenlliche Wirtschaft und den Staat Sturm lausen konnten. haben sich seht gezwungen gesehen, bei dem Staat um Hilfe zu betteln. Die staatliche Stützung der Banken war also unvermeidlich. Die Sozialdemokratie fordert aber nachdrücklich, daß der Staat die einmal übernommene Verfügungs- gewalt nicht wieder aus der Hand gibt, nnd daß er nicht mit öffentlichen Mitteln, also mit den Geldern des Volkes den Banken nur geholfen hat, um sie wieder in ihre privatlvirtschaftliche Selbstherrlichkeit zu entlassen. Bei der Danatbank und der Dresdener Bank muß die Führung dem Staate vorbehalten bleiben. Di« Bankpolitik ist jetzt zu einem so dringenden und wichtigen Problem geworden, daß sie die gleiche Bedeutung hat wie alle übrigen innenpolitischen Regierungs- Probleme. Die Großbanken, deren Kredite masienhaft einge- froren sind, haben das natürliche Bestreben, sich durch gewaltsame Zurückziehung ihrer Kredite wieder flüssig zu machen. Wer würde in diesem Fall der Hauptleidtragende sein? Bei vielen Großkon- z e r n e n wird das gewaltsame Einziehen der Kredite so gut wie un- möglich sein, da diese dort am stärksten eingefroren sind. Es besteht also die größte Gefahr, daß die Banken sich an die noch ren- tablen Unternehmen, die exportfähigen und zahlungsfähigen Betriebe galten. Diese werden aber heute von der Masse der mit t- leren und kleinen Unternehmen gebildet, die infolge einer derartigen rigorosen Bankpolitik ihre Tore schließen müßten, und die Arbeitslosigkeit ungeheuer vermehren würden. Dieser Gefahr muß vorgebeugt werden. Will die Regierung positive Bankpolitik machen, so muß sie hierzu ein Bankenamt schaffen. Dieses Bonkenamt dürfte aber nicht etwa nur die Aufgabe haben, aufzupassen, daß keine Betrügereien passieren, sondern müßte eine Zentrale darstellen, die das Recht zur rück- haltlasep Inf ormatian, zur schärfste» Betriebs�,. kont rolle und zu notwendigen Eingriffen bofltzt. Die Kontkolk des Bankenamtes muß hauptsächlich in der Richtung gehen, bei der Kreditverteilung Fehlleitungen, die zu Spekulationen und Ueberinvestitionen führen, zu untekbinden. Die wichtigste Boraus- setzung für eine volkswirtschaftlich« Wirksamkeit dieses Banken- amtes ist, daß das Amt unabhängig bleibt von den Privatbanken und von der Reichsbank. wir brauchen ein so starkes Vankenamt. daß es auch bei der Kcichsbank eine volkswirtschasllich notwendige Kreditpolitik durchzusehen vermag. Es ist klar, daß das richtige Funktionieren dieses Bankenamtes eine politilsche Machtsrage ist. Seine wirk- samkeit ist genau so politisch bedingt, wk der Arbeitslohn eine Frage der politischen Macht ist. Wir haben schon genügend gesellschaftliche lleberwachungsinstitute in Deutschland. Es ist aber kein Wunder, daß diese Institute, z. B. die Schlichtungskommcrn, nicht so arbeiten, wie es die Sozialdemokratie Dil, wenn die Arbeiterschaft gespalten ist und uns ein Parlament in der Zusammensetzung vom September 13Z0 beschert wird.(Stürmisches sehr richtig!) Ein« notwendige Ergänzung zu der Bcmkenaufsicht stellt die Forderung der Sozialdemokratie nach Kartellaufsicht und der Errichtung eines Kartellomtes dar. Auch dieses Kartellamt fordern wir mit Machtbefugnisien ausgestattet, die ihm rückhaltlose Information und Kontrolle sowie Eingriffe in die Preise sichern. Diesen beiden Forderungen gilt in erster Linie der Wirtschaft»- politische Kamps der Sozialdemokratie. Ihre Durchsetzung ist ein großer Schritt aus dem Wege zur sozialen DemokraNe und zum Sozialismus. Dies ist aber erst ein Anfang. Wir werden bei gewissen Groß- konzernen und vertrusteten Industrien noch weitergehen! Sodann streifte Hilferding die wichtigsten außenpolitischen Fra- gen. Er legte dar, wie die bewußte Abkehr von der Stresemann- Politik einen Unruheherd nach dem anderen geschaffen und besonders das deutsch-französische Verhältnis verschlechtert hat. Die Sozialdemokratie ist schon für eine Verständigung mit Frank- reich eingetreten, als dies in Deutschland noch für eine Ungeheuer- lichkeit galt. Sie vertritt jetzt nachdrücklicher denn je die Notwendig- keit einer derartigen Verständigung. Was soll nach Ablauf der uns gewährten sechsmonatlichen Stundung der Auslandskredste werden. wenn das deutsch-französische Verhältnis sich»och nicht gebessert hat und als letzte Ursache für weitere Milliarden Kredüabflüsse im Februar dient? Die Frage der wirtschaftlichen Stabllisierung Deutschlands ist so lebenswichtig und so eng mit langfristigen Auslandskrediten verbunden, daß alle anderen Fragen, die der Zoll- union und die der militärischen Bewaffnung völlig in den Hinter- grund treten.> Wir stehen vor einem außerordcallich harten winlcr. Die dringendste Aufgabe ist die Sicherung der Lebenshaltung de» deut- scheu Volkes und die Erhaltung der Arbeitslosen. Der Wert der deutschen Produktion ist von 65 auf 43, also um 22 Milliarden gesunken. Das ist die Zahl aller Einnahmen der öffentlichen Finanzen und sämtlicher Sozialoersicherungsinstitut«. Das kennzeichner die Schwere des Problems. Die Erhaltung der Arbeits- losen ist eine Frage der Erhaltung der Gemeindefinanzen. Di« So- zialdemokratie fordert die Zusammenlegung der Krisen- und Wohlfahrtsfürsorge in einer Reichsarbeit s- losenfürforge, setzt sich aber mit allen Mitteln für eine E r- Haltung der Arbeitslosenversicherung ein. Wenn das Reich bei der Zusammenlegung der Krisen- und Wohlfahrtsunter, Gnowdens Pferdekur. Drastische Spar- und Sieuermaßnahmen mit einer Büßpredigt eingebracht. London, 10. September.(Eigenbericht.) Dos Unterhaus war am Donnerstagnachmittag wiederum van Tausenden von Menschen umlagert. In dem Hause selbst, das zur Entgegennahme einer Erklärung des Schatzkanzler» Saowdeu zusammengetreten war, waren alle Abgeordnetenbänke und die Ta- lerien bis auf den letzten Platz gefüllt. Snowdens Rede war eine lange Bußpredigt für das englische Volk. Er führte u. a. aus:„Wir haben über unser« Verhältnisse gelebt, die Wirtsihast hat ihre Löhne au» dem Kapital bezahlt. Das Nothudget soll eine allgemeine Politik der Beschränkung einleiten und will mit allen budgetpolitisch auch nur irgendwie angreifbaren Schwächen gründlich aufräumen. Die im Laufe des Jahres entstandene Verschuldung des Arbeitslosenfonds wurde unter die Jahresausgaben gs- rechnet, was zusammen mit dem Rückgang des Ertrags der Ein- kommeusteuer das außerordentlich hohe Defizit erklärt. Die Politik des Borgens für den Arbeitslosenfonds soll beendet werden, auch für den Straßenbaufonds soll nicht mehr geborgt werden, was einen Berzicht auf die Arbeit schaffenden Strahenbaupläne bedeutet. Die ganze Spar- und Steuerpolitik ist auf das Budget des nächsten Finanzjahres abgestellt. Während sich für das laufende Jahr ein Defizit von 74,7 Millionen Pfund ergibt, wird für das kommende Finanzjahr auf Grund der gegenwärtigen Steuern und Ausgaben ein Defizit von 170 Millionen Pfund erwartet. Za 1)� Jahren müsien 240 Alillioaen Pfund entweder erspart oder durch neue Steuern ausgebracht werden." Dem grundsätzlichen Plan der Regierung entsprechend will Snowden sein Ziel zur Hälfte durch Einsparungen, zur Hälfte durch neue Steuern erreichen. Die Sparmaßnahmen erfassen fast alle Ressorts, auch dasjenige des Heeres und der Marine. Fast alle Gehälter und Löhne werden gekürzt. vom Premierminister bis zum Polizeibeamten, und zwar um jeweils 10 bis 20 Proz. Die Arbeitslosenunterstützung wird um 10 Proz. gekürzt. Das hat zur Folge, daß künftig ein erwachsener Arbeiter eine Unterstützung von 15,3 Schilling statt bisher 17 Schilling wöchenllich erhält, eine Frau 13,6 statt 15 Schilling. Entsprechende Kürzungen treten auch bei den Zulagen für Familienangehörige usw. ein. Im ganzen wird dadurch eine Ersparnis von 25,8 M i l- lionenPfund pro Jahr erzielt. Gleichzeitig wird der Wochen- bellrag der Versicherungen gleichmäßig für Arbeiter, Arbeitgeber und die Staatskasse auf 10 Proz. erhöht. Diese beiden Maßnahmen werden den Arbeitslosenfonds von weiteren staatlichen Unter- stützungen unabhängig machen. Die gleichmäßige Tellung zwischen Einsparungen und neuen Steuern bedeutet indes nicht, daß nicht auch auf steuerlichem Gebiet die kleineren Einkommen herangezogen würden. Mehrere konsumfleuern werden erhöh l. so für Tabak, Bier und Benzin. Auch die V e r g n ü g u n z s- steuer wird heraufgesetzt, und zwar so, daß die billigeren Kate- gorien stärker herangezogen werden. Die Einkommensteuer ist gleichfalls in diesem Sinne abgeändert worden, h. h. die k l e i- nen Einkommen werden in Zukunft stärker ersaßt.. So ist für den verheirateten Mann das steuerfreie Einkom m e n von 225 auf 150 Pfund herabgesetzt worden. Immerhin hat sich Snowden auch an eine direkte Erhöhung des Satzes der Einkommensteuer herangewagt, der von 2254 auf 25 Proz. erhöht worden ist. In den höchsten Einkommensschichten tritt ein weitere- Anziehen der Steuerschraube ein. indem die Uebersteuer um 10 Pro- zent erhöht wird. Um die Industrie durch die neuen Steuererhöhung e» möglichst zu entlasten ist ihr zugesagt worden, daß es ihr künfti freistehen soll, mehr als 10 Proz. ihrer Anlagen aus dem Jahre ertrag abzuschreiben, ohne daß sie wie bisher für den über 10 Pro hinausgehenden Betrag Einkommensteuer zu entrichten hat. Snowden teilte weiter mit, daß eine Konvertierung der fünfprozentigen Kriegsanleihe, von der zwei Milliarden Pfund aus- stehen, geplant sei, bei der, wie bei der australischen Konvertierung. die Zustimmung aller Anleihebesitzer als gegeben angesehen werden soll, die nicht innerhalb einer bestimmten Frist sich gegen sie aus- gesprochen haben. Reich und Preußen sparen. Uebereinstimmung über die Sparmaßnahmen— Sie Kürzung der Bürgermeistergehälter. Am Donnerstag fanden zwischen Vertretern des Reichs und Preußens in der Reichskanzlei mehrstündige Besprechungen über die Ungleichung der von den beiden Regierungen beabsichtigten Sparmaßnahmen statt. Die Besprechungen führten zu einer völligen llebereinstimmung der Auffassungen, so daß sich das Reichs- kabinett am Freitag mit den Dingen befassen und die von ihm beabsichtigten Maßnahmen ebenfalls abschließend beraten kann. Mit dex.Veröffentlichung der Verordnungen ist spätestens zu Beginn der kommenden Woche zu rechnen..,>,r Im Verlauf der zwischen dem Reich und Preuße» geführten Besprechungen ergab sich vor allem, daß auch vom Reich au» irgendwelche verfassungsrechtliche Bedenken gegen die Kürzung der hohen Gehälter der kommu- nalen Wahlbeamten durch Notoerordnung nicht bestehen. Die Gehälter der preußischen Oberbürgermeister, Bürger- meister usw. werden deshalb von Preußen auf dem Wege der Notverordnung wie folgt festgesetzt werden: Berlin 30000 M., für Städte von 400 000 bis 1 000 000 Einwohner 18 OlZ0 bis 24 000 M., von 100 000 bis 400 000 Einwohner 15 000 bis 18000 M., von 50 000 bis 100 000 Einwohner 8 400 bis 12 600 M., von 30 000 bis 50 000 Einwohner 6 200 bis 10 600 M., von 10000 bis 30 000 Einwohner 4400 bis 8400 M., von 2500 bis 10 000 Einwohner 2800 bis 8400 M. Die Notverordnungen des Reichs und Preußens sollen am 1. Oktober in Kraft treten. Die Kürzung der Gehäller der kom- munalen Wahlbeamten, die bei einzelnen Oberbürgermeistern jährlich mchr als 50 000 M. ausmacht, soll jedoch nicht auf einmal, sondern in einem längeren, Jahre umfassenden, Zeitraum erfolgen. Kommunistische Rlutpropaganda. Schüsse auf eine Polizeiunterkunst. Köln, 10. September.(Eigenbericht.) In den letzten Tagen hoben zahlreiche Kölner Polizei- beamte durch die Post bzw. durch Boten ein Flugblatt der Kommuni st ischen Partei erholten, in dem dargelegt wird, daß die Morde an den Berliner Polizeioffizieren gar keine Morde, sondern nur Abwehrtaten des werktätigen Volkes gegen die Brüning-Braunsche Aushungerungspolitik seien. Die Polizeioftiziere seien Träger dieses Systems, und es schade nichts, wenn sie einmal die Auswirkungen ihres Borgehens am eigenen Leib« zu spüren bekämen. Schließlich wird von dem erschossener, Palizeihauptmann Anlauf behauptet, daß er bei seinen Beamten verhaßt gewesen wäre. Di« Beamten werden aufgefordert, am Vorabend entschei- dender Kämpfe zwischen dem Volk und seinen Unterdrückern auf sellen des Volkes zu stehen./ Auf die Polizeiunterkunft in Köln-Kakk wurden von drei Burschen mehrere Schüsse abgegeben. Die Täter sind unerkannt entkommen. Auf ihre Ermittlung ist eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt worden.... Mit dem Messer gegen Reichsbannerfameraden. Hamborg. 10. September.(Eigenbericht.) In einem Hamburger Stadtteil überfielen Kommunisten mehrere Reichsbannerleute. Ein R e i ch sb a n ne r ma nu wurde durch Messerstiche schwer verletzt. Der lleberfall war offenbar organisiert und ist allem Anschein nach auf ein« offizielle Anweisung der KPD. zurückzuführen._ Oer Musterbetrieb. Bahnsens Nordwolle zur Nachahmung empfohlen. In einem Leipziger Verlage erscheint ein« Sammlung von Monographien über deutsche Großbetriebe unter dem Sammeltitel: Musterbetriebe deutscher Wirtschaft. Band 25 der Sammlung heißt: Norddeutsche Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei Bremen.— Also: Nordwolle, der Musterbetrieb deutscher Wirtschaft! Großseuer in Neukölln. I« de» späten Abendstunde« brach gestern in Neu- köll«. Walterstraße»2/38. bei den Gaubschat-Fahr- zengwerken ein Großfener aus. I» der Auto- lackierwerk statt Ware« über 200 Quadratmeter Fabrik- räum in Brand geraten. Die Feuerwehr, die mit acht Kraftwagen anrückte, konnte das Feuer«ach einiger Zeit auf seineu Herd beschränken. stützung die 60proz«ntige Last der Gemeinden übernimmt und den Gemeinden nur 40 Proz. Belastung verbleiben, so bedeutet das ein« wesentliche Entlastung der Kommunen von 300 bis 400 Millionen. Der Wahnsinn der kapitalistische» Gesellschaftsordnung zeigt sich darin besonders kraß, daß dem Ueberfluß auf der einen, ärgster Hunger auf der anderen Seite gegenübersteht. E» gehl nicht au. daß Kartoffeln in det» Mieten verfaulen und Arbeitslose in den Städten hungern, daß auf den Kohlenhalden sich Berge von Brennmaterial türmen, und die erwerbslosen Massen frieren. Die Sozialdemokratie fordert daher zusätzlich für die Arbeitslosen eine Winterhilfe für die notwendigsten Nahrungsmittel und Srenustofse. An der gesetzlichen Einführung der 40-Stund«n-Woche wird die Sozialdemokratie nach wie vor mit äußerster Energie fest- hallen. Ungeachtet aller Vorstöße der Reaktion in der Krise muh man feststellen, daß die Arbeiterschaft in Deutschland noch eine Anzahl wichtiger Errungenschaften hat hallen können.(Zuruf: Na, na!) Wie sieht es denn in den Ländern aus. wo der Faschismus zur Macht ge- kommen ist?(Zuruf: Wir fürchten den Faschismus nicht.) Ich nehme den Zuruf auf. Was der deutsche Faschismus will, und was er bei seinem besonders brutalen Charakter der Arbeiterschaft be- scheren will, das hat kurz vor dem Volksentscheid ein Stahlhelm- führer in Aachen offen ausgesprochen. Da sollen unter einem faschistischen Regime die Arbeiter wieder zwölf Stunden arbeiten, die Arbeitslosen zwangsweise in die Fabriken geschleppt werden und das Volt wird wieder lernen, schwarzes Brot zu essen. So sieht das Wirtschaftsprogramm de» deutschen Faschismus aus.(Stürmisches hört, hört.) Die Sozialdemokratie wird an ihrer Abwehrlakllk gegen die faschistische Gefahr festhalten. (Stürmischer Beifall' und Händeklatschen.) Wir werden im Ottober vor schweren Entscheidungen st ehe n. Noch nie hat es eine sozialdemokratische Führergeneration gegeben, die durch ein« so harte polllische Schule gehen muhte wie die jetzige. Da ist man den Führern auch einigen Kredit schuldig! Wir werden in die kommenden Kämpfe mit Zuversicht gehen. Voraussetzung für jeden polllischen Erfolg aber ist die Einheit und Geschlossen- heit unserer Bewegung. Jedes Aufziehen von Sonder- organisationen muh als Verbrechen an der Arbeiterklasse gebrand- markt werden.(Lebhaste Zustimmung.) Bleiben wir einig und geschlossen, so werden wir unsere Politik, die der Stärkung der Arbellerklasse dient, endlich zum Siege verhelfen.(Lebhafter, an- hallender Beifall.) * In der Diskussion wurde von Günther- Neukölln eine Resolution vorgelegt, die Ausgabe der Tolerierung der Regierung Brüning, sofortig« Einberufung des Reichstags und Kampf mit außerparlamentarischen Mitteln forderte. Die Resolution Güncher-Neutölln wurde nur von etwa einem Fünftel der Versammlung unterstützt. Nach einem anfeuernden Schlußwort von Hilferding wurde«ine Resolution des Bezirks- Vorstandes angenommen, die die Zusttnnnung zu der Entschließung der Reichstagssrattton ausspricht. Nr. 425* 48. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Freitag, 44. Geptember 4 934 Arbeitsbeginn im Rathaus Wieder Stadtparlament' Sozialdemokratie und Beamtengehä�ter 0* Ruhige Sitzung Die Stadtverordneten traten gestern zu ihrer ersten Sitzung nach den Sommerferien zusammen. Man war auf einen aufgeregten Verlauf der Sitzung gefaßt. aber es ging gestern im Stadtparlament erfreulicherweise wesentlich ruhiger zu als sonst. Der Magistrat war unter Führung des Oberbürgermeisters fast vollzählig erschienen, die Presse- und Zuhörertribünen waren lange vor Beginn überfüllt. Ter in den Sommermonaten ge- wählte neue Stadtrat für das Grundstückswesen. Genosse Heuer, saß zum erstenmal auf der„Vegierungsbank" der Stadtverordnetenversammlung. Zu Beginn der Sitzung verlas der Vorsteher eine nichtendenwollende Reihe von TringlichkeitSanträgen und Anfragen, die sich während der sitzungsfreien Zeit angesammelt hatten. Die meisten Anträge wanderten in die Ausschüsse, die ihre Arbeit in den nächsten Tagen aufnehmen werden. Eine größere Aussprache gab eS nur über die Neuregelung der Beamtengehälter. Hierzu gaben die Sozial- demokraten eine längere Erklärung ab. Stadwcrordnetenvorftehcr Genosse haß erössnet« die Sitzung mit der Begrüßung des inzwischen in sein Amt eingetretenen be- soldeten Stadtrates Dr. Heuer(Soz.). Sine Hochflut von Dringlichkeitsanträgen ergoß sich dann über die Versammlung. Die Sozialdemokraten verlangten vom Magistrat eine Vorlage über seine getroffenen und beabsichtigten Sparmaßnahmen, um aus diese Weise das Mit- bestimmungsrecht der Stadtverordneten zu sichern. Die Mehrzahl der anderen Antrage stammten von den Kommunisten und den Deutschnationalen. Größte Einigkeit herrschte zwischen den Massen- Antragstellern in dem Vorgehen gegen den sozialdemokratischen Kämmerer Asch, an dessen Amtsführung ein deutschnationales Börsenblatt und— selbstverständlich— hugenbergs Zeitungsplantage allerlei auszusetzen hatten. Der Kämmerer fährt hin und wieder für einen Tag nach Frankfurt am Main, seiner früheren Wirkungsstätte,— das wird ihm zum Vorwurf gemacht. Sogar Auto ist der Kämmerer der größten Stadt Deutschlands gefahren— auch das muß dazu herhalten, eine kleine Hätz zu arrangieren. Es fehlt den antragstellenden Parteien an der Lust zu positiver Arbeit, deshalb soll es wieder losgehen mit Krach und Skandal gegen sozial- demokratische Stadtbeamte. Der Oberbürger m ei st er erklärte sich sofort zur Beantwortung bereit. Wie der„Vorwärts" bereits mitteilte, hat sich der Kämmerer bei seiner Wahl das Recht aus- bedungen, der Stadt Frankfurt gelegentlich noch mit Rot und Tat zur Seite stehen zu dürfen— eine Tatsache, die übrigens längst bekannt war. Rur unter dieser Zusicherung gab Frankfurt ihn seiner Zeit so schnell frei. Asch ist wenige Tage in Frankfurt gewesen, er hat diese Zeit auf seinen Urlaub anrechnen lassen und der Stadt Berlin sind auch keine Kosten entstanden. In Dienstautos ist der Kämmerer auch gefahren, weil ihm diese Fahrzeug« in dem gleichen Umfange zur Verfügung stehen, wie dem Oberbürgenneister und den beiden Bürgermeistern, hingegen kam es zu der Erklärung des Ober- bürgermeisters nicht. Das Haus beschloß die Ueberweisung der Anfrage an einen Ausschuß. Ja, dos Stadtparlament hat Sorgen!— Vier Dringlichkeitsontrögc beschäftigten sich mit der auf Anordnung des Oberprästdentcn vom Magistrat herbeigeführten ,. Kürzung der Beamlengehälker. Nach Begründung der Anträge durch die einzelnen Fraktionsredner gab der Vorsitzende der sozialdemokratischen Fraktion, Genosse F l a t a u eine Erklärung ab, die wir am Schluß des Berichtes veröffentlichen. Vorher hatte der Oberbürgermeister darauf hingewiesen, daß durch die Herabsetzung der Beamten- und Angestelltengehälter ollein die Gesundung der städtischen Finanzen nicht herbeigeführt werden könne. Zu protestieren sei aber dagegen, daß durch eine maßlose Pressehetze die Gemeindebeamten und Angestellten in den Mittelpunkt> c d e r finanzpolitischen Erörterung gestellt werden. Dem Diktat des Oberpräsidenten hätte sich die Stadt zunächst fügen müssen, zu hoffen sei aber, daß die Entscheidung des angerufenen Schiedsgerichts zugunsten der Beamten ausfalle. Jeden- falls habe er, der Oberbürgermeister, bei seiner Verfügung zwei Vor- behalte gemacht, dahingehend, daß die Uebergangsbestimmungen hinsichtlich der Gehaltskürzungen Geltung beHollen und das bei einem für die Beamten günstigen Urteil des Schiedsgerichts Nachzahlungen möglich werden. In der Abstimmung zeigte es sich, wer wirklich den Beamten und Angestellten helfen will. Für den staatsparteilichen Antrag, der gegen die Anordnung des Oberprösidenten protestiert, weil sie in ein schwebendes Verfahren eingreift und die Zurückstellung bis zur Beendigung des Schieds- gcrichtsverfahrens fordert, stimmten neben den Antragstellern die Sozialdemokraten, Volksparteiler und einige kleinere Fraktionen, während die Kommunisten und die Nationalsozialisten. die am lautesten schrien, dagegen stimmten. Alle anderen Anträge wurden abgelehnt. Die Schließung mehrerer. Krankenanstalten nahmen die Kommu- nisten zum Anlaß, in einem Antrag die Wiedereröffnung zu fordern. Der Oberbürgermeister bezeichnete die Schließung als eine Maß- »ahme, diktiert durch die notwendigen Sparmaßnahmen: es sei fest- zustellen, daß sehr viele Betten in den geschlossenen Anstalten frei- standen. Der kommunistische Antrag wurde abgelehnt, dagegen ein deutschnationaler angenommen, der sich insbesondere gegen die Schließung des hindenburg-Krankenhauses in Zehlen- darf wendet. Ohne wesentliche Debatte wurden verabschiedet ein neues Wasserflugzeug verunglückt. Ein Ehepaar ertrunken.— Pilot gerettet. Warnemünde, 10. September. Bei einer Notlandung infolge Motorstörung gleich nach dem Start geriet das Flugzeug D 2115 beim Ausrollen vom Ländeplatz ins Wasser und überschlug sich. Die beiden vorn sitzenden Passagiere, ein Ehepaar S oesler aus Wandsbek bei Hamburg, ertranken, bevor die zu Hilfe eilenden Augenzeugen des Unfalls sie unter dem Flugzeug hervorziehen konnten. Der Führer des Flugzeuges wurde bei dem Aufprall aufs Wasser aus dem Sitz geschleudert und konnte gerettet werken. Grausiger Gelbstmord. Durch einen Sprengkörper in Atome zerrissen. L a b i a u. 10. September. Ein 2Zjährigcr Besiherssohn aus S ch i l l g a l l e n ver- übte auf furchtbare Art Selbstmord. Er legte sich mit dem Oberkörper über einen Sprengkörper und steckte diesen mit einem Streichholz in Brand. Seine Eltern wurden durch die Explosion er- schreckt und eilten auf den Hof. Am Tatort war durch die Explosion ein etwa S0 Zentimeter großes Loch in den Boden geschlagen worden. Aus dem Scheunendach und in der weiteren Umgebung verstreut fand man die völlig zerfetzten Körperleile des jungen Mannes. Das Motiv der Tat ist noch nicht bekannt. Regulativ für die Schlachtvieh- und Fleischbeschau, ferner der Eni- wurf und die Kosten für die neuen Uferanlagen bei der neuen Iannowitzbrücke, dann noch der Neubau einer Volksdoppcl- schule in der Erlen- und Eschenstraße in Steglitz. Eine große Anzahl der Tagesordnungspunkte wurden den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Sozialdemokratische Erklärung Die sozialdemokratische Stadtverordnetensraktion bedauert, daß der Oberbürgermeister trotz des übereinstimmenden Beschlusses der beiden städtischen Körperschaften unter dem Druck der Aussichtsorganc gezwungen wurde, die Kürzung der Beamten- und An- gestelltengehälter entsprechend dem Beschluß des Oberpräsi- denken vom 3. Juni 1931 vom 1. Oktober ab vorzunehmen. Die sozialdemokratische Stadtverordnetensraktion bedauert diese! Maßnahme umso mehr, als sie nach wie vor der Auffassung ist. daß die seit dem 1. Oktober 1927 gellende und erst jetzt von der Aufsichtsbehörde beanstandete Besoldungsordnung nicht nur keinen Ver- stoß gegen§ 43 der Preußischen Besoldungsordnung enthält, sondern daß sie vielmehr unter Berücksichtigung der besonderen örtlichen Berliner Verhältnisse und des Amtsinhalts der Beamten und An- gestellten den Bedürfnissen der Berliner Verwaltung im vollsten Umfange gerech» wird. Die Fraktion hofft zuversichtlich, daß das vom Oberbürgermeister angerufene Schiedsgericht zur Nachprüfung der Berliner Be- soldungsordnung eine Aenderung des Beschlusses des OberpräsidenleN herbeiführen wird. Es wäre deshalb angebrachter gewesen, wenn der Oberpräsident diese Entscheidung abgewartet und nicht durch die Androhung. Wohlsahrtsmittel zu sperren, die Stadt gezwungen hätte. dieser Entscheidung vorzugreisen. Die sozialdemokratische Stadtverordnetensraktion verkennt nicht. daß sich der Oberbürgermeister in einer Zwangslage befindet. Die Anforderungen an die Stadt, um die o u s g e st e u c r I c n Arbeitslosen zu unterstützen, sind so groß und so vordringlich. daß es ohne finanzielle Hilfe des Reiches nicht möglich i st, künftighin diese Ausgabe zu erfüllen. Selbst die stärkste Drosselung der Mittel für notwendige kulturelle und soziale Zwecke und noch weitere Gehaltskürzungen werden ohne ausreichende Reichshilfe den finanziellen Zusammenbruch der Gemeinden nicht aufhalten können. Die Sozialdemokratische Partei hat deshalb durch ihre parla- mentarischen Vertretungen wiederholt die Forderung auf eine um- fassende Reichs Hilfe für die Gemeinden sowie auf eine Zu- sammenfassung der Krisensürsorge und der gemeind- lichen Wohlfahrtsfürsorge zu einer Reichsarbeitslosensür- sorge unter ausreichender finanzieller Beteiligung des Reiches er- hoben und verfolgt diese für die Gemeinden zur Zeit wichtigste Frage mit besonderem Nachdruck. Sie weiß sich damit in Uebereinstimmung mit den breiten Massen der Arbeiter, Angestellten und Beamten. Im Bewußtsein ihrer Verantwortlichkeit gegenüber der arbeitenden Bevölkerung wird die sozialdemokratische Stadtverordnetensraktion alles tun, um die Interessen der durch den Gehaltskürzungsbeschluß betroffenen Beamten und Angestellten zu vertreten. Sie wird sich insbesondere für eine beschleunigte Durch- führung des schiedsgerichtlichen Verfahrens einsehen und fordert den Herrn Oberbürgermeister auf, seinerseits im gleichen Sinne zu wirken. hierin erblickt sie die einzige Möglichkeit, den Beamten und Ange- stellten zu helfen. Die Fraktion lehnt es daher ab. Anträgen ihre Zustimmung zu geben, die unter Berücksichtigung der zur Zeil gel- tenden gesetzlichen Bestimmungen nicht durchgeführt werden können. Die sozialdemokratische Stadtverordnetenfraktion fordert den Herrn Oberbürgermeister aus. dafür zu sorgen, daß die durch die Verschlechterung ihrer Lebenshaltung in starkem Maße beunruhigten Beamten und Angestellten nicht noch durch Verwaltungsmaßnahmen wie Verlängerung der Dienstzeit, Verkürzung des Urlaubs und Abbau der Unterftühungseinrichtungen, geschädigt werden. Die Fraktion weiß, daß ihre Stellungnahme nicht nur bei de« objektiv urteilenden Gruppen des städtischen Personals, sondern auch bei dem Teil der Bevölkerung, der die Gesamtlage in Reich, Ländern und Gemeinden klar erkennt, volles Verständnis finden wird. TIomam vo/v „Zu gering?" Erikson versteht überhaupt nicht.„Was heißt, zu gering? Kleinvieh macht auch Mist. Ach, der vor- nehme Herr kommt zu mir. bettelt mich an, und aus der an- deren Seite schmeißt er das Geld mit vollen Händen zum Fenster hinaus. Auf meinem Rücken will er großzügig zu den Angestellten sein!" „Erlaube mal! Wie sprichst du zu mir?" James schnellt in die Höhe.„Du bist auch schon bei mir verschiedene Male gewesen. Das hast du wohl vergessen?" Erikson machen temperamentvolle Ausbrüche bei an- deren nervös. Warum schreit der Mann? Er steckt doch nicht am Spieß. Außerdem war es nicht böse gemeint. Müssen sich gute Freunde und Geschäftskollegen immer mißverstehen? „Bleib schon sitzen", lenkt er ein,„wir haben wirklich das Uebelnehmen nicht nötig. Na. nun lach schon! Herrgott noch mal!"•., James setzt sich wieder. Nur ein Schmollippchen kündet von der überständenen Erregung. Er umpanzert sich aber mit eisigem Schweigen. Seine Menschenwürde bat noch nicht den Schlag überwunden. Ein kleine Wunde blutet in der Nähe des Herzens. „Solidarität ist die Hauptsache", beginnt Erikson von neuem diesmal mit völlig sachlicher Stimme.„Es heißt immer: Proletarier aller Länder, vereinigt euch. Die denken nicht daran. Die machen sogar in einem einzigen Laden wie Deutschland drei verschiedene Firmen auf. die gegeneinander den tollsten Konkurrenzkamps führen. Wir sind aber eine geschlossene Macht!" Er schlägt sich auf die Brust.„Und keiner darf aus der Reihe tanzen. Verstehst du? Keiner! Augenblicklich bauen wir die Löhne ab. Wir haben es nicht nötig, wir machen es trotzdem, und du mußt mittun!" Er gießt Rotwein in den Sekt.„Zeig deinen Leuten endlich die Faust!" Der Mann spricht die Wahrheit. Was hatte James früher unter den ständigen Tariferhöhungen zu leiden. Jetzt liegt ein anderer Trumpf auf dem Tisch. Das Rad drehte sich. Damals war man gezwungen, die Leute zu hofieren, damit sie blieben. Heute fressen sie aus der Hand. Herr Ziege würde sich bestimmt den Hintern verhauen lassen, wenn er, James, Spaß daran hätte. Man ist viel zu gut zu den Herrschaften. Schließlich bleiben sie Arbeiter und Angestellte, also Menschen der Tiefe, Minderwertigkeiten. Natürlich tragen die hohen Löhne einen großen Teil der Schuld an der augenblicklichen Krise.„Ja, ja, ich muß dir recht geben". nickt er Erikson zu, der sich jetzt in seinem Notizbuch Auf- Zeichnungen macht.„Aber wie steht es mit der Anleihe?" „Kannst es haben." Erikson ist freundschaftliche Herab- lassung.„Ich bin zur Zeit gerade flüssig mit Geld. Doch du mußt gewisse Bedingungen erfüllen. Geschäft geht über Freundschaft!" Und dann kommen die Bedingungen! Vor etwa drei Jahren hat James einmal Kurt Erikson aus der Patsche ge- Holsen, sogar aus einer sehr tiefen Patsche. Ihm genügte ein Wechsel. Selbst der Bürge schien ihm überflüssig. Er wußte, wenn Erikson Geld hat, wird er zahlen, und Bürgen können auch vor der Zeit pleite gehen. Sie tun es meistens. Warum verlangt nun derselbe Erikson eine hypothekarische Sicherheit und eine Verpfändung des Lagers? Haben die irrsinnigen Zeiten seinen Verstand getrübt? Wer soll sich da noch aus- kennen? Dos Haus ist selbstverständlich nur mit der Anstands- Hypothek zum Schutz gegen steuerliche Uebergriffe belastet, sonst steht es makellos da in vorbildlich sauberem, finanziellem Zustand. Die Aktien dürfen nicht verlorengehen, und Marx wird um drei Uhr sein blaues Wunder erleben, also beißt man in den sauren Apfel. Leider ist der Apsel zu sauer ge- raten. Es handelt sich um einen offenbaren Mißgriff der Natur. James zweiselt immer stärker an der Weltordnung. Als er mittags ins Büro zurückkommt, erschöpft, müde und verärgert, ja geradezu traurig, ist Vilma in seinem Zimmer. Sie ordnet die Briefe für die Unterschriften, King wedelt herzhaft. „Er war sehr artig", bemerkt Vilma.„Ich weiß nicht, was er von Ziege wollte." Sie hat bisher in den Briefen geblättert. Jetzt sieht sie auf und weiß, daß etwas Außer- ordentliches vorgefallen fein muß. James ist nicht wieder- zuerkennen. Seine Schultern hängen. Das Gesicht erscheint angestaubt und von Falben zerrissen.„Was ist dir?" Sie streichelt feine Wangen.„Rede doch endlich!" „Laß mich, Kind, mir ist wirklich nichts." Sein Lächeln scheitert.„Geschäftlicher Aerger, eine Bagatelle!" „Ich will wissen, worüber du dich im Geschäft geärgert hast", begehrt Vilma auf.„Du sagst mir doch sonst alles." Ihre Augen blicken klar, gar nicht besorgt. Hat James die Absicht, ihr auszuweichen? Das wäre der erste Versuch, der sofort im Keim erstickt werden muß. Jede Palastrevolution kann einen Herrscher stürzen, und ein ungekrönter Herrscher steht noch unsicherer da als ein durch das Standesamt legiti- mierter.„Erzähl mir." „Ich komme heute abend zu dir. Hoffentlich hast du Zeit und wirst mich empfangen?" Vilma umfaßt den Kopf ihres Freundes. Manfred sitzt jetzt irgendwo in Schottland. Vielleicht singt er in einer vom Alter gelchwärzten Schloßhalle Tristans Abschied. Eine paar blöde(Mls hören zu und schwärmen ihn an. Lieber Freund. man greift nicht nach den Sternen...! Wo habe ich dieses Lied gehört? Vor Jahren im Stadttheater! Bei einer Lehar- Operette? Es kann auch ein.anderer Komponist gewesen sein. Der kleine Student war dabei. Man vergißt so leicht. Ja, wenn Manfred gesungen hätte! Dieses Gesicht! Ich werde mir nachmittags noch Platten kaufen. Hoffentlich gibt es auch von ihm Volkslieder oder Tosellis Serenade. „Also ich komme wie immer." James drängt sie sanft zur Tür hinaus. Er hat keine Geheimnisse vor ihr, Gott bewahre! Abends soll sie alles haargenau erfahren, und er ist sogar ge- spannt auf ihr Urteil. Aber jetzt muß die Sache zuerst mit Christians besprochen werden. Was heißt besprechen! Da gibt es nicht viel zu besprechen. Er wird seine Anordnungen über die verschiedenen Gehaltskürzungen erteilen, und Christions hat dafür zu sorgen, daß alles klappt. Christians ist nicht in seinem Zimmer. „Suchen Sie Herrn Christians", befiehlt James dem Lausburschen Paul.„Ich lasse ihn zu mir bitten." James ist nicht mehr unsicher. Natürlich müssen die Ge- hälter gekürzt werden. Er hätte schon lange daraus kommen können. „Was gibt's, Herr Silvester?" „Ja, lieber Christians, setzen wir uns mal. Ich habe da verschiedene Pläne vor und möchte mit Ihnen darüber reden." So ganz zu übergehen ist der Mann nicht, überlegt James. Er hatte schon bei Onkel Eduard Prokura. Schließlich kann man sich mit ihm von Mensch zu Mensch unterhalten. „Sie wissen ja, die Geschäfte gehen obermics. Wir sind gezwungen, zu sparen, auch im kleinen." (Fortsetzung folgt.) Aufruf der Frauen. Gemeinsame Aktion gegen die Not des Winters. Die führenden Araueuorganisalioneu Deutschlands erlassen einen Ausruf an alle Frauen, im kommenden Winter zur Hilfeleistung für hungernde und frierende Volksgenossen bereit zu stehen. Der Ausruf, der auch von dem Arbeilerinncnsekrelarial des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaslsbundes unterzeichnet ist, hat folgenden Wortlaut: „Schwerster wirtschaftlicher Druck, härteste menschliche Not lasten auf dem deutschen Volk. Die Arbeitslosigkeit wächst erschreckend. Unzählige einzelne, die früher zur Linderung der Not ihrer Mitmenschen beitrugen, sind heute selber hilfsbedürftig. Den Einrichtungen der Eefundheits- und Kinderfürsorge droht der Zu» sammenbruch. Wir alle sehen mit gröstter Sorge dem kommenden Winter entgegen. Wer wird die Millionen von hungernden und Frierenden, die Alten und Kranken versorgen? Wer hilft den Kindern? Wer Hilst den Verlassenen und hoffnungslosen? Wer wird die ratlos vor dem Leben stehenden Jugendlichen seelisch aufrechterhalten? Die Maßnahmen von Staat und Gemeinden sind allein nicht imstande, der Not wirksam zu begegnen. Auch die Kraft der freien Wohlfahrtspflege reicht nicht aus, wenn ihr nicht neue Hilfskräfte in großer Zahl zur Seite treten. Die unterzeichneten Verbände richten deshalb an alle deutschen Frauen den dringenden Ruf: „Versagt eure Mithilfe nichts Die Nothils« leistenden Organisationen warten daraus, daß ihr euch ihnen zur Verfügung stellt. Jeder gebe und helfe nach seiner Kraft, nach seinem Vermögen: buch die kleinste Gabe, auch der geringst« Hilfsdienst ist heute unentbehrlich. Laßt uns wieder lernen, von Mensch zu Mensch ein» ander beizustehen und einer des anderen Last mit zu tragen." Der Aufruf ist unterzeichnet von den folgenden Frauenorgani- fationen: Arbeiterinnensetretariat des A D G B., Bund Deutscher Frauenvereine, Deutscher Akademikeriimenbund. Deutsch- Evangelischer Frauenbund, Evangelische Frauenhilfe. Jüdischer Frauenbund, Katholische Frauen-Berufsverbände, Katholischer deut- scher Frauenbund, Di« deutschen Frauenoereine vom Roten Kreuz, Verband der Katholischen Jungfrauen» und Muttervereine, Ver- einigung evangelischer Frauenoerbände Deutschlands. Goebbels' Verschleppungsmanöver. Die Strafen sind ihm zu hoch. ' Pg. Goebbels, der große Redner von Hitlers Gnaden im Sportpalast und der große Schweiger im Gerichtssaal, stand wieder einmal vor der B e r u f u n g s k a m m e r. Das Schöffengericht Charlottenburg hatte ihn wegen öffentlicher Beleidigung in fünf Fällen— zur Verhandlung mußte Goebbels, wie erinnerlich, damals vorgeführt werden— zu einem Monat Gefängnis und 1500 Mark Geldstrafe verurteilt. Durch Artikel im„Angriff", für die Goebbels verant- wortlich zeichnete, hatte er den Kriminalkommisiar Bußdorf, den Polizeioizepräsidenten Weiß, den Polizeiobersten Heimannsberg, den Polizeipräsidenten Zörgkebel und den Schöneberger Magistrat beleidigt. Nach zweieinhalbstündiger Verhandlung sah sich da» Gericht ge- zwungen, die Sitzung zu vertagen und einen neuen Termin an- zuberaumen. Der Naziheld scheute sich nämlich nicht, in aller Oeffentlichkeit zu erklären, daß er verantwortungslos genug ge- wesen sei, sämtliche ihm zur Last gelegten Artikel verantwortlich zu zeichnen, ohne von ihnen die geringste Kenntnis gehabt zu haben. Sein Faktotum im„Angriff", Pg. Wilke, könne da» bezeugen. Pg. Wilke ist aber ausgerechnet gestern, unmittelbar vor dem Gerichts- termin, verreist. Ohne ihn. erklärte aber Goebbels Verteidiger. könne nicht verhandelt werden. Rechtsanwalt Dr. Kantorowicz widersetzte sich dem Antrag der Verteidigung: selbst wenn Goebbels Behauptung zutreffend wäre, trüge er die Verantwortung für die im „Angriff" veröfsentlichten Beleidigungen. Das Gericht gab jedoch dem Antrag der Verteidigung auf Vertagung statt und behielt sich neben der Ladung des Pg. Wilke auch die Ladung des Polizeivize- Präsidenten Dr. Weiß und des Obersten Heimannsberg als Zeugen vor. Der große Redner von hillers Gnaden und der Schweiger im Gerichtssaal, Pg. Goebbels, ist ja bekanntlich auch ein großer Kneifer vor Gericht. Auch darin bleibt« sich treu. Die über ihn verhängten Geldstrafen haben eben eine derartige höhe erreicht, daß der schon ohnehin Pleite-„Angriff" sie selbst in kleinen Raten nicht mehr bezahlen kann. Bleibt die einzige Hoffnung auf das Dritte Reich. Daher die Verschleppungsmanöver. Ohne Kopf zwischen den Schienen. Furchtbarer Fund in Böhmen. D r e» d- u. 10. September. Wie aus Warnsdorf in Böhmen gemeldet wird, wurde am Dounerslag früh beim sogenannten„Wüstenschloß" der»bps lose Körper eines Mannes aus der Bahnstrecke zwischen Hille- mühl und Böhmisch- Samuih gefunden. Etwa 15 Meter entfernt zwischen Ruinen lag der Kopf. 3n dem Toten wurde ein Maurer aus Falkenau erkannt, der vermutlich in der Rächt vom Zuge überfahren wurde. Ob es sich um einen Unglücksfall, ein verbrechen oder um einen Selbstmord handelt, konnte bisher nicht aufgeklärt werden. Mörder stellt sich. Zu dem Mord an der 16jährigen Tochter des Bäckermeisters Classen in Gruppendüren(Oldenburg) wird mitgeteilt, daß sich der Täter, der 25 Jahre alte Bäckergeselle Georg Co r d e s, der Polizei gestellt hat. C. hat ein volles Geständnis abgelegt. Cr war mit Hanna Classen nachts zusammengekommen, wobei ihm das Mädchen erklärt habe, daß sie das Verhältnis zu lösen beabsichtige. Cr sei darüber so in Erregung geraten, daß er seine jugendliche Geliebte erdrosselte. Nach der Tat irrte er stundenlang planlos umher und stellte sich dann der Polizei. Seinen siebzigsten Geburtstag kann am 12. September der In- valide Paul Seesko, Paul-Singer-Str. 97 IV, begehen. Der Jubilar ist seit 1888 Leser des„Vorwärts". veMMe BaugcnossensdiaG plcllc. Post- und Polizcibcamtc gesdiädigl.- Unzulässige Gesdiaitsmelboden Die 1926 gegründete Deutsche Baugenossenschaft zu Berlin e. G- m. b. h., die sich seit längerem in Zahlungsschwierig- leiten befindet, steht vor dem Konkurs. Die Ueberschuldung aus Verlustgeschäften beträgt nur 400 000 Mark. 187 000 Mark eingezahlte Geschäftsanteile der 500 Genossen, hauptsächlich Beamte der Post und Polizei, sind verloren. Außerdem müssen die Mit- glieder mit den Haftsummen— 500 Mark für jeden Genossen— in Anspruch genommen werden Die Deutsche Baugenossenschaft war seit langem als eines der- jenigen„gemeinnützigen" Unternehmen bekannt, die von b e> triebsamen Geschäftemachern in der Rechtssorm einer Genossenschaft gegründet wurden, um Hauszins st euer« mittel und Steuerbefreiungen zu erhalten, die jedoch mit dem Geist gegenseitiger sozialer Hilfe, der die Baugenosien- schasten durchweg beherrscht, nicht» zu tun haben. An ihrer Spitze stand der frühere Bankdirektor Schier, der zusammen mit dem ehemaligen Betriebsingenieur bei den Berliner Städtischen Gas- werken, Klar, die Geschäfte führte. Dem Aufsichtsrat, der jetzt zusammen mit dem Vorstand wegen seiner leichtfertigen Geschäfte abberufen worden ist, gehörten Baumeister und Magistratsbauräte an. Der Architett war«in bekannter Neuköllner Na- tionalsozialist. Für die Bauaufträge hatten zwei Berliner Großbauunternehmer das Monopol. Die Verluste des Unternehmens, das sich in wenigen Jahren einen hausbesitz im Werte von 7)4 Millionen schaffen tonnte, sind auf Geschäfte zurückzuführen, die jede verantwortungs- bewußt geleitete Baugenosienschaft ablehnen muh: Fehlbeträge, die bei der Erstellung der ersten Bauten entstanden waren, wurden mit Baugeldern gedeckt, die bei neu in Angriff genommenen Bau- vorhaben eingingen. Um die hier aufgerissenen Löcher wieder zu stopfen, wurden wieder Neubauten begonnen— bis die öffentlichen Mittel weniger reichlich flössen und der Zusammen- bruch unvermeidlich war. Diese Praktiken sind bei manchen nur dem Namen nach gemeinnützigen Baugesellschaften üblich und werden durch das Versiegen der Baugelder in der Wirtschaftskrise aufgedeckt. Acht Grundstücke, von denen ungewiß war, ob sie bebaut werden konnten, wurden von der Deutschen Baugenossenschaft a u f Vorrat gekaust. In einem Fall allein betrugen die Verluste au» Provisionszahlungen für einen Grundstückskauf 100 000 Mark. Eine der h a u p t u r s a ch e n des Zusammenbruchs bildet ein Bausparvertrag über 120 000 Mark, den die Baugenossen- schaft durch Vermittlung der Vaukredit A.-G. mit der im Zusammen- hang mit dem Devaheim-Skandal genannten Cen- tral-Bausparkasse A.-G. abschloß. Die Geschäftsbücher der Deutschen Baugenosienschaft wurden bereits vor dreiviertel Jahren von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt, ohne daß die Oeffenllichkeit gewarnt worden wäre. Gasattentai auf Oberschweizer sollte ein wichliger zeuge heirniochlsch beseitigt werden? Ein aufsehenerregendes und zunächst noch vollkommen unge- Nörie» Alkenlai auf die Familie eines Oberschweizers hat sich soeben In der schlesischen Ortschaft Groß-3änowlh zugetragen. Wie erinnerlich sein dürste, kam es vor einigen Wochen auf der Domäne Groh-Jänowitz zwischen dem Oberschweizer Hartwig und dem Sohn des Rittergutsbesitzers Günther zu einem Streit, in desien Folge Günther sich ein Gewehr holte und den Oberschweizer bedrohte. Bald darauf feuerte Günther tatsächlich, aber der Schuß traf nicht den Oberschweizer, sondern den vollkommen unbeteiligten Molkereilehrling Beier. Der junge, bedauernswerte Mensch wurde sofort getötet. Günther wurde zwar verhaftet, aber merkwürdigerweise freigelassen, da seiner Angabe, daß er in Notwehr gehandelt habe, geglaubt wurde. Später jedoch wurde er erneut in Haft genommen. In kurzer Zeit soll er sich nun wegen seiner Tat vor dem Liegnitzer Schwur- gericht oerantworten. In diesem Prozeß gegen Günther wird der Oberschweizer Hartwig der haupltbelastungs- z eu g e sein. _ Als sich am Dierstagabend der Oberschweizer mit seiner. Familie ins Bett begeben und bereits mehrere Stunden geschlafen hatte, wachte die Ehefrau gegen 10 Uhr plötzlich auf und fühlte eine starte Benommenheit im Kopf. Plötzlich J!am ihr der Gedanke, daß sich Gas im Zimmer befinden müsse. Sie weckte chren Mann, der oder berett» derart betäubt war. daß er sich nur mühsam zum Fenster begeben konnte, um es zu öffnen. Unmittelbar darauf sank er halb besinnungslos zu Boden. Durch die Unruhe waren Nachbarn auf- merksam geworden, die nun herbeikamen, den Verunglückten die erste Hilfe angedeihen ließen, den zuständigen Landjägerposten benachrichtigten und auch einen Arzt herbeiriefen, der ohne wetteres eine schwere Gasvergiftung festellen konnte. Wie das Gas in da» Zinnner gekommen ist, ist zunächst noch ganz unklar, da die Wohnung natürlich keine Gasleitung aufweist. Man nimmt aber bereits an. daß das Gas von außen her mittel» eine» Schlauches durch da» etwas undichte Fenster in das Zimmer geleitet worden ist. Die Lebensgefahr für die Familie Hartwig ist zunächst befestigt. Es muß noch diesem äußerst seltsamen Vorkommen erwartet werden. daß die Polizei und Gerichtsbehörden mtt aller Ve- schleunigung und aller Rücksichtslosigkeit die notwendigen Aus- llärungen vornehmen.- Oer Llnbekannie im grauen Maniel. Untersuchung Karl Streckers auf feinen Geisteszustand. Die Strafkammer in Potsdam sollte sich gestern mit dem Antrpg der Verteidigung aus Haftentlassung des Schrift- stellers Karl Sirecker wegen haftunfähigkett beschäftigen. Im Ein- vernehmen mtt den zuständigen Stellen ist dieser Antrag jedoch wieder zurückgezogen worden, weil neuerdings Zweifelandirvollen Zurechnungsfähigkeit des Schriftstellers entstanden sind. Strecker soll jetzt von Potsdam nach dem Untersuchungsgefängnis Moabit übergeführt werden, wo durch den Gefängnisarzt und wahrscheinlich noch durch mehrere Psychiater ein« Untersuchung über den Geisteszustand des beinah« Siebzigjährigen stattfinden soll. Die Zweifel an Streckers Zurechnungsfähigkeit gründen sich sowohl aus Angaben seines Hausarztes, wonach bei Strecker der Verdacht einer beginnenden Paralyse besteh«, als auch auf merk- würdigen Erklärungen, die der Schriftsteller vor dem Potsdamer Untersuchungsrichter zu Protokoll gegeben hat. Danach sei er schon die ganzen letzten Monate hindurch von einer„inneren Stimme" oerfolgt worden, die ihm gesagt haben, er müsse dieses Verbrechen begehen. Eines Abends, als er an seinem Schreibtisch saß, hätte diese Stimme plötzlich menschliche Gestalt angenommen. Ein Unbekannter, der mtt einem grauen Mantel bekleidet gewesen sei. habe ihn nochmals aufgefordert, die Tat auszuführen, und dann fei die Erscheinung spurlos verschwunden. Diesem Zwang« habe er sich schließlich nicht mehr widersetzen können und er sei so zum Verbrecher geworden. Ohne der Untersuchung der Psychiater vorgreifen zu wollen, kann man doch sagen, daß der„Unbekannte im grauen Mantel" und die „innere Stimme" recht romanhast klingen. Haussuchungen in Verlin GW. Von Beamten der Politischen Polizei sind im Lause des gestrigen Tages in zahlreichen Wohnungen von Personen, die im Verdacht stehen, an der Schießerei in der Gneisenau- straße beteiligt zu sein, Haussuchungen vorgenommen worden. Die polizeiliche Aktion erstreckte sich auch auf Personen, die mit den der Tat dringend Verdächtigen in Beziehungen stehen. Die haue- suchungen waren erst in den späten Abendstunden beendet. Ueber das Ergebnis ist bisher nur soviel bekannt geworden, daß Schriften- Material gefunden und beschlagnahmt wurde. Alle weiteren Angaben werden von der Politischen Polizei im Interesie der Untersuchung geheimgehalten. Wie es heißt, sollen noch einige Festnahmen erfolgt sein. Von den am Mittwochabend und im Laufe der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag Verhafteten ist«in Teil bereits wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Di« Schließung der Sommerbadeanstaltea de» Bezirk» Köpenick findet statt am Sonntam, dem 13. September. Briand und Curtius im Rundfunk. Die Rede des französischen Außenministers B r i a n d in der Völkerbundoersammlung wird heute, Freitag, den 11. September, vormittags 10 Uhr, erwartet, die Rede des deutschen Außenministers Dr. Curtius am Sonnabend, dem 12. September, wahrscheinlich gleichfalls um 10 Uhr vormittags. Beide Reden gelangen im Pro- gramm der Aktuellen Abteilung der Funkstund« zur Uebertragung. Auck eine Wohnungsbaupoliiik. Der Zusammenbruch des Norddeutschen Wollkämmereikonzerns hat«in interessantes Schlaglicht auch auf die„Wohnpolttil" der Großkapitalisten geworfen. Die vom Vorstand der Sozialdemokra- tischen Partei herausgegebene kleine Schiist:„Das Panamadcr N o r d w o l l e"(16 Seiten, illustriert, Preis 10 Pf.) berichtet darüber recht eingehend. Die Broschüre oerdient es, auch gerade in Mieterkreisen besonders beachtet und gelesen zu werden. Die billige Schrift ist in allen Parteibuchhandlungen zu haben. Sport. Revven zu hoppegarten am Donnerstag. 10. September. LeatuluS-Sienne». 1. Narciß(C,arnitzli); 2. Margot: 3. Majordomu?. Toto: 30; 10, Plah: 16, 17. 15: 10. Ferner liefen: Melusine(4.), Frei- Williger, TatiuS, Blauer Bogel, Astoria, Tlematis. Farnesina-Renuen. 1. Rosifera(O. Schmidt); Z. Aroma: 3. Perlmuschel. Toto: 33: 10. Plah: 14, 23, 17: 10. Ferner liefen: Miß Augias (4.), Adolfa, Aellow and Black, Friedenseiche. Mila, Jmmermein, Intermezzo, Nogill, Island, Posse. Amorino-Rennen. 1. Groll(O. Schmidt); 2. Willkomm: 8. Ghazi. Toto: 65: 10. Platz: 21, 21, 31: 10, Ferner liefen: Impressionist(4.), Nomos, Lanfranchi, Feldjäger, St. Robert. Waldsricd-Rennen. 1. Schwadroneur(Grabsch): 2. Wilderich: 8. Wunderkind. Toto: 39: 10. Platz: 13, 11, 18: 10. Ferner liefen: Grpllos(4.), Marion, Machbuba, Prunella. Nugias-Reunen. 1. Wokeus(Rastenberger): L. Napoleon: 3. Rochus. Toto: 87: 10. Platz: 19, 21: 10. Ferner liefen: Mellitus(4.), Walzer- ttoum. Orkade-Rennen. 1. Lstermädcl lO. Schmidt): 2. llrschde: 3. Farfalla. Toto: 81: 10. Platz: 18, 14, 56: 10. Ferner liefen: Arbeit(4.). Dalsin, Pizzarro, Sesam, Gunttam. Schneefall, llhrysantheme, Neutra, Piano, Marianka, Martinssee, Luna. Laland-Rennen. 1, Wunderblume(Hiller); 2. Steinfeld: 3. Jrrigopen: 4. Jsola. Toto: 58: 10. Platz: 14. 13, 16, 22: 10. Ferner liefen: llspar- sette(5.), Castor, Eisläufer. Attache, Hatto, Quos ego, Martcnius, Bellina, Majesto, Tunguse, Lamelle. Kors�ltschau bei Werlheim. In unserer Notiz vom y. d. M.: „Das Korsett ist wieder da", blieb versehentlich die Ver- anstalterin der Vorführung, die Firma A. W e r t h» i m, ungenannt, was wir hiermft ergänzend nachtvagen. Am 1?. SeprtrnSet 1831 Ist Aerr Georg fluhn, Berlin, Manteuffslstr. S& Wjvfundzmonii» Lahre als Chauffeur bei der Firma Peei u. Cloooenburg, Jede Bohne Qualität- Jeder Ironien ein Oenufi... aber der echte KAFFEE HAG muß es selnl RJc" ms Stadttheater hilf t sich selbst Tüchtige Leute in Friedrichshagen** Werk schöner Solidarität Die BUanz des Friedrichshagener Naturtheaters ist unzweifelhaft die erfreulichste Theaterbilanz Berlin»: ste wartet zwar weder mit einer imponierenden Zahl von Serienaufführungen, noch mit gigantisch anmutenden Kasseneinnahmen auf, dafür aber mit einem erfreulichen Werden und Wachsen aus eigener Kraft, einem sieg. reichen Kampf bei wertvollem künstlerischen Schaffen Am kommen- den Sonntag ist die Schluhvorstellung in dieser Saison. Als das Bezirksamt Köpenick im Frühjahr diese sommerliche Freilichtbühne vor den Toren der Stadt ihrer Be- stimmung übergab, da war erst einmal durch den Bau selbst einer Reihe Notleidender für eine kurze Spanne Zeit geholfen worden, dann wollte man ihren Leidensgefährten von der ach so ernst ge< wordenen heiteren Mus« über die trostlose Sommerszeit hinweg- helfen— im übrigen nach Möglichkeit beispringen, um das Unter- nehmen überhaupt lebensfähig zu erhalten. Die chilfs- bereitfchaft der Stadtväter tonnte jedoch nicht in die Tat umgesetzt werden, denn bei der steigenden Not war nicht daran zu denken, den Theaterleuten von Friedrichshagen zu helfen; und stehe da— es ging auch ohne die geringste Hilfe, man spielte den Sommer durch, die Künstler erhielten ihr« Gagen und die stets wachsende Besucher- zahl war das beste Zeugnis, daß die Sache Anklang gefunden hatte. AufopfernderGemeinfchafissinn war dasIundament Ganz so einfach war es natürlich nicht, das künstlerische Werk durchzuführen und dabei auch allen wirtschaftlichen Faktoren gerecht zu werden; denn es galt da, zwei Widersacher von unerbittlicher Gewalt zu bekämpfen: auf der einen Seit« den W e t t e r g o t t, der gerade in diesem Sommer sich von seiner übelgelauntesten Seite zeigte, auf der anderen Seit« die sich von Tag zu Tag verschlechternde Wirtschaftslage. Es war also von Mal zu Mal ein Hangen und Bangen in schwebender Pein: wird es regnen, wird es leidlich besucht sein? Aber da setzte schon gleich die gegenseitige Hilfsbereit- schaft. das volle Verständnis für die schwierige Situation und das Zusammenhalten für die gute und wertvolle Sache ein: wurde die Lorstellung infolge schlechten Wetters abgeblasen, dann v e r- zichtet« jeder Künstler freiwillig auf seine Gage, ergaben sich schwache und schwächste Kassenrapporte, dann wurde die Gagen- Zahlung von unten an— also bei den Kleinsten begonnen und nach oben hin so gut wie möglich ausgeglichen. Immer hieß die Devise: erst müssen diejenigen ihr Geld bekommen, die es am dringendsten gebrauchen. Und alles schloß sich mit einmütiger Selbstverständlich. keit diesem Prinzip an. Ob Solist oder Chargenspieler, Musiker, Tänzerin oder Handwerker. Und nicht nur einmal kam es vor. daß der oder jener auf«inen Teil seiner Gage zugunsten der anderen verzichtet«: es gab auch mal beratende Zusammenkünfte, weil einfach da» Fahrgeld nach Berlin nicht da war und wieder fanden sich welche, die«insprangen. �.Sommernachistraum� der Schlager der Saison. An 47 Spieltagen, von denen leider 11 infolge schlechten Wetters abgesagt werden mußten, spielt« man„Sommernachts- träum", der als das erklärt« Zugstück des Sommer? fast stets ein ausverkaufte» Haus brachte,„Räuber",„Was Ihr wollt", „Glaube und Heimat",„Wieland der Schmied",„Versunkene Glocke", ,.Leone« und Lena",„Turandot". dann in den Kindervorstellungen. die jeden Sonntagnachmittag und auch wochentags stattfinden, „Rotkäppchen",„Dornröschen",„Schneewittchen" und andere Märchenspiel«. Jede Klassikervorstellung wurde mit einem viertelstündigen Fanfarengebläse eingeleitet, das sich im Laufe der Zeit als Weckuhr für dos Theaterpublikum herausgebildet hatte: setzte die Musik ein, dann rüsteten die theaterfreudigen Friedrichshagener zum Aufbruch und deckenbewaffnet erschienen sie auch pünktlich zur Vorstellung. Die Deckenbesitzer bildeten das Stammpubli- k u m, dessen Kreis sich immer mehr vergrößerte, die auch bald chre besonderen Lieblinge hatten und sich jedesmal erkundigten, ob sie den oder die Betreffende denn heute auch zu sehen kriegten: die Deckenlosen waren die E i n z e l g ä st e, die sich aber, wenn sie Gefallen an.dem Theaterchen gefunden hatten, immer wieder ein- fanden, dann aber ebenfalls mit Decke, die man in der abendlichen Kühle sehr gut gebrauchen konnte. Lleber 200 Künstler fanden Beschäftigung. An darstellerischem, tänzerischem, musikausübenden und tech- nischem Personal war es möglich, über 200 Menschen zu beschästigen: davon 23 Solisten. 16 Tänzerinnen, 70 Choristen und Statisten, dann noch gelegentliches Personal bei Massenausführungen, Hand- werker und Arbeiter. Alle Dekorationen wurden in eigener Werk- statt, ohne jeglichen Kostenaufwand angefertigt und jeder, der Be- gabung dafür zeigte, ob Theseus oder Spiegelberg, griff mit zu. 66 Proz. der beschäftigten Künstler fanden Anschluß für«in Winterengagement, manch junges Talent wurde entdeckt und machte seinen Weg, andere wieder, die ins Meer der Vergessenheit ge- sunken waren, konnten wieder eingereiht werden unter die künst- lerisch Schafsenden: Verschüttete, die wieder das Sonnenlicht erblickten. Unter den Darstellern waren alle Altersklassen ver- treten, der älteste Schauspieler zählte 67 Jahre, der jüngste 19 und gerade diese beiden äußersten Flügelmänner traten stark in den Vordergrund des Interesses. Und wie bei dem Schauspielpersonal alle Jahrgänge vertreten waren, so tonnt« man bei den sich meldenden Statisten vom Landstraßenreisenden bis zum Studenten der Theologie allerlei verschiedenartige Menschenkinder kennen- lernen. Viel Not und Elend offenbarte sich da und als sich einer meldete, der unter Mantel und Hose weder Rock noch Hemd am Leibe hatte, da hieß es schleunigst einspringen und alle machten wieder mit. Allgemein wurde der Wunsch laut, die Vorstellungen im nächsten Jahre zu wiederholen, außerdem ist ein« Fortsetzung des Theaterunternehmens für den Winter in entsprechenden Räumlich- leiten geplant. Zubiläums-VeranstaliungimFlughafen Der Berliner VereinfürLuftschiffahrt gedenkt in diesen Tagen seiner Gründung, die vor 50 Iahren als Deutscher Berein zur Förderung der Luftschiffahrt erfolgte. Die Organisa- tion widmete sich der Pflege des Ballon- und Motorslugzeugspmts und die großen Verdienste um die Förderung der gesamten Lust- schiffahrt, einschließlich er Weiterentwicklung des Lenkluftschiffes, sind der Erfolg dieser Vereinsarbeit. Seit etwa einem Jahrzehnt, als die einzelnen Gebiete der Luftschiffahrt organisatorisch aufgeteilt wurden, beschäftigt sich der Verein nur noch ausschließlich mit dem Ballonsport. Für den Sport und als ausgezeichnete» Hilfs- mittel der Atmosphäre wird auch weiterhin der Freiballon in der Luftfahrt seine Bedeutung haben. Am Sonntag, dem 13. Sep- tember, 13 Uhr, wird der Verein eine Iubiläumsoeranstal- t u n g im Zentralflughafen Tempelhof durchführen. Es steigt zu- nächst der Freiballon des Reichsmilchausschusses, geführt von Ger- hard Richter, zu einer Verfolgungsjagd durch Auto und Motorräder auf. Gegen 16 Uhr erfolgt dann der Start zum Ballonwettbewerb um den Wanderpreis des Deutschen Luftfahrtverbandes. Gleichzeitig werden 1000 Brieftauben auf die Reise geschickt. Die Segelflugzeugoorführungen werden mit ihrem Gummiseil- auto und Flugzeugschleppstart besonderes Interesse finden. Schließ- lich wird der deutsche Kunstflugmeister Gerd Achgelis ein Pro- gramm von Schau- und Kunstflugfiguren zeigen. Berlin- eine arme Stadt Selbst für die Bettler nichts mehr zu holen �Ziffern aus dem Obdach Das Städtische Obdach, da» seine Belegschaslszahlen allmonatlich in den Blättern des Statistischen Amtes der Stadt Berlin veröffent- licht, wartet in diesem Jahre mit überraschenden Ziffern aus. So ist die Zahl der Uebernachtungen ganz erheblich geringer als in der entsprechenden Zeit des Vorjahres. Die Uebernachtungen. die im Zanuar 1930 noch III Z00 betrugen, sind im Juni 1931 auf 21 200 heruntergegangen. Nach diesen Ziffern müßte also alles in Ordnung sein, die Krise mildert sich fortgesetzt und die Zahl der Obdachlosen geht ständig zurück. Aber diese Zahlen trügen. Denn nach wie vor ist die Not groß, wie jeder Mensch weih. Die verhältnismäßig niedrigen Belegschaftsziffern des Städtischen Obdachs haben vielmehr verschie- dene Ursachen. Einmal ist die Lage in der Reichshauptstadt so schlecht, daß es selbst für den„Berufs"-Dsttler nicht mehr viel zu holen gibt. Als die Arbeitslosigkeit im Winter 1829/30 noch nicht so erschreckend hoch war, hatte das Städtische Obdach noch III 200 Uebernachtungen allein in einem Monat. Der Zustrom von Bettlern nach der schützen- den Großstadt war enorm, da man noch immer nicht an verschlossene Tore pochte. Nachdem die Lebenshaltung breitester Bevölkerungs- schichten aber so stark gesunken ist, daß sie selbst gerade noch das Leben fristen können, für Bettelmänner also der berühmte Sechser nicht mehr übrig ist, da meiden zusehends die Bettelmänner die Reichshauptstadt. Denn die alten und erfahrenen„S p e ck j ä g e r" sind viel zu gewitzigt, als daß st« sich lange in einer Stadt aufhalten. in der nichts zu holen ist. So hatte der Juni 1931 noch ganze 21 200 Uebernachtungen im Städtischen Obdach zu verzeichnen, das sind auf den Tag umgerechnet gerade 700 Uebernachtungen. Wilde„pennen" bevorzugt. Andere Momente kommen hinzu: nichts verabscheut der berufs- mäßige„Speckjäger" mehr als den Z w a n g. den irgendeine Obrig- keit auf ihn ausüben könnte. Schon das Entlausen seiner Kleidung ist ihm zuwider, das tägliche Bad im Obdach empfinden viele als eine dual und dann gar erst die polizeiliche Kontrolle. Deshalb meidet er nach Möglichkeit das Städtische Obdach mit seinem geregelten Betrieb und sucht die sogenannten„wilden Penne n" auf, wo ihn niemand kontrolliert, kein Mensch nach woher und wohin fragt. Dafür zahlt insbesondere der jugendliche Obdachlose lieber ein höheres Schlafgeld, zumal man in einer„wilden Penne" kommen und gehen kann, wann man will. Und derartige Unterschlupfe gibt es gegenwärtig genug in Berlin. An sich ist die Bettelei in dieser schweren Zeit der Not größer denn je. Aber im Sommer ziehen die Bettler lieber hinaus aufs Land, wo sie noch eher ein Stück Brot erhalten als in der Stadt. Man darf also nicht annchmen, daß die Belegschaftsziffern des Städtischen Obdachs etwa einen Rückgang des Elends anzeigen. Hausfrauen, Kinder l IN BAR und 40.000 Sachpreise GRATIS! Holen Sie die Glückstülen bei Jhrem Kaufmann Reichsbanner-Herbstfefi. Am Sonntag im Stadion an der Avus. Unter dem Zeichen„Spiel. Sport. Technik im Reichsbanner" steht das grohe Herb st fest des Reichsbanners Schwarz- Rol-Gold, das am Sonntag nachmittag von 15 Uhr ab im Stadion an der Avus unter dem Protektorat des Staatsministers Genossen Karl Severing stattfindet. Ilm 13 Uhr werden die Wassersportler zum Bundesgruß auf- marschieren. Dann folgen die Wettkampfmannschaften zu den Freiübungen. 100-Meter-,-lOO-Meter-, 13 lXXI-Meter- und 4 mal KXI-Meter-Läufe werden sich anschließen. Im Hochsprung und Weitsprung, im Kugelstoßen und Keulenwerfen, im Jiu-Jitsu und Boxen werden unsere jungen Reichsbannerkameraden ihr Können zeigen. Die Rhönradvorsührungen und das Reigenfahren der Radfahrer werden'icher besondere Beachtung finden. Um 1b Uhr findet der Aufmarsch von je einer Kameradschaft Schufo und Jungba statt. Die Ausfahrt der Radsahrerformationen(Radfo) ist daran angeschlossen. Die Sanitäter des Reichsbanners werden dann eine Uebung vorführen, und gleichzeitig wird der Besucher sehen, wie unsere Kameraden ein Zeltlager errichten. Ein lü-Kilometer- Gepäckmarsch, der im Stadion endet, beschließt diesen Teil der Ver- anstoltung. Um 17 Uhr findet das Handballspiel um die Gau- Meisterschaft Berlin-Brandenburg statt. Eine Stunde später werden 1000 Musiker und Spielleute zu Massenspielen ausmarschieren. Um 10 Uhr beginnt der Fackelreigen des Reichs- bonners Schwarz-Rot-Gold mit großem Feuerwerk und Zapfen- streich. Die Mannschaftsausscheidungkämpfe für Leicht- a t h l e t i k um den Wanderpreis des Gauvorstandes beginnen am gleichen Tage.um 8 Uhr. Llnwürdig. Kommunisten diskreditieren Arbeiteruntemehmungen. Unter der Uebcrschrift„Fünf Opfer s o z i a l d c m o k r a- ti scher Bauunternehmer" in dicker Schlagzeile beschäftigt sich die„Rote Fahne" vom 8. September 1031 mit dem auch vom „Vorwärts" gemeldeten Unfall auf dem Neubau des Verwaltungs- gebäudes der Allgemeinen Ortskrankenkasse in der Rungestraße. Es ist für das Bolschewifteublatt ganz selbstverständlich, daß«s die unsauberen Methoden der reaktionären Zeitungen bei dieser Bericht- crstottung auch anwenden muß, indem es die.Gesamtkosten des Baues mit 3 Millionen Mark angibt. Den Leuten der Roten Fahne wäre es wahrscheinlich angenehmer, der Bau würde nicht aus- geführt, damit noch einige hundert Arbeiter der verschiedensten Berufe mehr arbeitslos und dem Elend preisgegeben wären. Nun die Berichterstattung selber. Im dritten Satz heißt es: „In der zweiten Etage ist eine Betondecke gezogen. Auf dieser Decke, die in den letzten zwei Tagen von allen Seiten dem Unwetter, Sturm und Regen ausgesetzt war, arbeiteten gestern vormittag mehrere Maurer und Vorarbeiter. Schon nach wenigen Stunden zeigte sich, daß das Unwetter nicht ohne Wirkung auf die Betondecke geblieben war." Die Schuld wird also dem Unwetter zugemessen, das vom 3. bis 6. September in Berlin herrschte. Trotzdem wird im letzten Absatz gesagt:„Ja. und hier ist der Unternehmer, den, wie die Ermittlungen beweisen, die. volle Schuld an. dem Bau- uDllck trifft, das foziäl�mökratische Äauunternehnien„Bauhütte". Liegt eine solche Berichterstattung im Interesse der Arbeiter- schost? Hier kann nur das Wort des verstorbenen Genossen Stadt- Hägen angewendet werden, als er solche Zeitungen als„Brunnen- Vergiftungsorgane der Bolksmeinung" bezeichnete. Dos Ganze ist ein neuer unwürdiger Versuch kommunistischer Drahtzieher, die Unternehmungen der Arbeiterbewegung in der Oeffentlichkeit zu diskreditieren. Die von der„Roten Fahne" als schwerverletzt gemeldeten Bauarbeiter haben am Tage nach dem Unfall erfreulicherweise wieder die Arbeit aufnehmen können. Zum Glück sind ernstere Beschädigungen überhaupt nicht vorgekommen. Leihgebühren in der Stadtbibliothek. Die Deputation für Kunst- und Bildungswesen beschloß in ihrer ersten Sitzung nach den Ferien, die Leihgebühren für di« Stadtbibliothek wieder einzuführen. Ab 1. Oktober d. I. soll die Gebühr in Höhe vou 1 Mark vierteljährlich erhoben werden. Die Deputation empfiehlt weiter, in den Haushalt der Bezirke die Summe für eine Leihgebühr von 30 Pfennig für die Bolksbüche- reien einzusetzen. Angenommen wurde ferner ein Beschluß, als Gegenstück zu der Büste des ersten Reichspräsidenten E b e r t auch eine Büste des jetzigen Reichspräsidenten von Hindenburg zu beschaffen. Das im Besitz der Stadt Berlin befindliche Krön- prinzensilber(Hochzeitsgeschenk von 413 preußischen Städten) soll in den historischen Räumen des Berliner Stadtschlosses ausge- stellt werden. Allgemeine Weiterlage. «).SepM934 _»17 T OfC? 0 wolkenlos, C5 heirer. 3 halb bedeck! 9 wolkig,•bedeckteRegen�Graupeln :Schnee,sNebel,"llGewi"ttec©Windstille Im größten Teil des Reiches herrschte am Donnerstag ruhiges Wetter. Schauer traten noch in den Küstengebieten der Nord- und Ostsee aus. Im Laufe des Tages machte sich im äußersten Süd- westen eine Wetterverschlechterung bemerkbar. Die Bewölkung nahm zu und stellenweise siel Regen. Diese Verschlechterung ist auf ein Tief zurückzuführen, das jetzt über Südwcfteuropa liegt. Die Teni- pcraturen sind am Donnerstag stellenweise etwas höher als am Vor- tag gestiegen. Meist wurden 16 bis 17, am Oberrhein.10 Grad gemessen. Das südwestliche Tief wird zunächst woh) nur im Süd- westen Deutschlands das Wetter beeinflussen. In unserem Bezirk ist mit einer Wetteränderung noch nicht zu rechnen. -i- wetteraussichten für Berlin. Ruhiges, teils heiteres, teils wolkiges Wetter mit etwas höheren Tagestemperaturen.— Für Deutschland: Im Süden Eintrübung, besonders im Südwesten und im Alpenvorland Regenfälle. Im übrigen Deutschland teils heiter, teils wolkig und ruhig, nachts sehr kühl, nur im äußersten Nordosten noch Neigung zu Schauern. parieinachrichten�M�sür Groß-Verlin Einsendungen für diese Rubrik sind stet« an da» Bejirkasetretariat Berlin SW 68, Lwdenstr-ße 3, 2. Hof, 2 Treppen recht«, zu richten Beginn aller Veranstaltungen 1 9% Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! heule. Zreilag, 11. September. 14. B«i». Brei»mitg>iedernersammlunq bei Jtlicm, Hasenheide, chenosse Ernst Heiimann, 3». d.£.,»ab®enoflc Ziegler. Brc-Iau, M. d. R.:»Zur oder gegen die Tolerierung der Regierung Brüning". Zutritt nur gegen Vor- Aeigung de» Parteimitliedobnch«. 11. Rbt. giniklionörsigung bei Niederstraß, Smdener Ecke Walbenserstraße. 37. Abt. Di« interessierten Genossen der Abteilung gehen zum Traven-Abend der Sozialistischen Arbeiterjugend, Jugendheim Ebertystr. 12. Beginn 20 Uhr. Morgen. Sonnabend, 12. September. 7. Brei». zeitu»g»ka»rn»issionssigu»g im D»n»hau», Rofinenstr. 4. Bortrag de» Genossen Egkor». Die Spediteure sind hierzu eingeladen. 13. Abt. 20 Uhr bei Hostel, Putlißstr. 10, ssunktionärsißung. Partei- und Ge- werkschaftsbiich mitbringen. 75. Abt. 20 Uhr Mitgliederoerilrmmlung, Lokal.Deutsche Eiche", Bönig sir. 4g. Gottlieb Reese:.Breditkrise". Sonntag, 13. September. 12. Brei». Alle Genossen tresfen sich zu einer geselligen Wanderung durch den Spandauer Stadtwald, verbunden mit botanischer Führung, um 8>o Uhr Potsdamer Ecke Bülowstraße, zur Weiterfahrt mit Straßenibahnlinie 54. Wundvorrat mitbringen. 95. Abt. Pünktlich 10 Uhr erweiterte Vorstaitddsißung bei Friedersdorf, Zager- straße 3(Besichtigungj. Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen Deutschlands. Bezirksgruppe Berlin. Bonferenz der Breiskassierer am Montag. 14. September, 19 Uhr, im Boll- nischcn Gymnasium, Inselstraße. Erscheinen ist Pflicht. Arbeitsgemeinschafk der Kinderfreunde Groß-Berlin. Berichtigung! Die Groß.Perliner Helfersitzung findet nicht am IS., sondern erst am 23. September statt. Brei, Frkedrich»hai»: Freitag, v. September, lg Uhr, Rate-Favewcktrri» versoomnlung, Jugendheim Litauer Str. 18.— Die Sportadenb« finden» t cht ineihr statt.— Gruppe Landsberger Platz: Sannabend, 12. September, Fahrt der Rot. und Iungfalken noch Brieselang. Treffen Igrh Uhr Falkenecke. Decke mitbringen. Kosten 75 Ps. Sonntag, 13. September, Nrstfalkenfohrt nach Brieselang. Tressen 8 Uhr Folkenecke. Kosten 30 Pf. Brei» Neukölln! Kreissiahrt am 12./l3. September. Rot« Falken nach Buckow sWärtisch« Schweiz!. Treffpunkt iö-\ Uhr Bahnhos Neukölln. 1,20 W. Unkosten. Iungfalken nach Neu.PehIefanz. Treffpunkt 10 Uhr Bahnhof Neukölln. 1 M. Unkosten. Alle R.-F.. und Z.-F.-Helfer kommen geschlossen mit ihren Gruppen. In Tracht erscheinen. Wimpel mitbringen. Die Nestfalkenfahrt fällt aus. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 2«. Abt. Unsere Genossin M a r i a s u d r i ch ist im 73. Lebensjahre ver- st-rben. Ehre ihrem Andenken! Die Einäscherung hat bereits stattgefunden. 89. Abt. Am Dienstag, 8. September, verstarb noch langem schwerem Leiben unser lieber Genosse und treuer Mitarbeiter Max Binder, Nansen. straße 34, im Alter von 48 Iahren. Ehre seinem And-nken! Einäscherung Sannabend, 12. September. Iis» Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Wir bitten um rege Beseiligung. >30, Abt. Am Wontag. 7. September, ist unser langjähriger Genosse, her Schlosser Willi Schmalz verstorben. Ehre seinem Andenken! Die Ein. äscherung findet am Sonnabend, 12. September, 10 Uhr. im Krematorium Gerichtstraße, statt. Um recht reg« Beteiligung wird gebeten. V iSozialistischeArbetterjugendGroß-Verlm Einsendungen für diese Rubrik nur an das Iugendsekretariat _ Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Streichorchester Groß»Berliu: Heute, 19� Uhr, Ueben im Heim Seestr. 84. Der Falken-Appell findet umständetxTlber erst am Eonntay, 20. September, in Kaulsdorf-Süd statt.— Besucht diesen Sonntag, lO'j Uhr. den Kunstaden� der Volksbühne in den Kammersälen, Telwroer Straße. Eintritt 26 Pf., Er« werbslose frei. heule. Zreilag. 19!£ Uhr. Arkonaplatz: Elisabekhkirchstr. 19:„Iugenderlehnisse".— Gewerkschaftehaus: Köpenicker Str. 92i Iv-Mi nuten-Referate.— Oranienburger Tor: Tieckstr. 18: Bericht von Frankfurt.— Rosenthaler Vorstadt: Elisalnstihkirchstr. 19: „Anarchismus".— Zentrum: Landsberger Str. 50:..Tagespolitik".— Hansa: Bochumer Str. 8b:„Frankfurt".— Moabit 1: Waldenserstr� 20:„Hochkapitall- ssißhe Wirtschaftsformen".— Moabit II: Lehrter Str. 18—19: lO-Minuten- Referate.— Moabit III: Bremer Str. 09— 70:„Religiöser Sozialismus".— Westend: Genthiner Sir. 17; Seimabend.— Humboldthain: Pulbusser Str. 3: Frankfurterlednisse.— Arninsplatz: Sonnenburger Str. 20:„Das Familien- leben".— Arnswolder Platz I: Nostenburger Str. 1«: Vortragsabend.- Ballon: Mandelstr. 2;„Modernes Theater".— Falkplatz II: Sonnenburger Straße 20;„Geschichte der Arbeiterbewegung", 1. Teil.— Helmholtzplatz: Danziger Str. 02. B. III:„Der Hoover-Plan".— Humannplatz: Gleim- straße 33—35:„Kindersreundebewegung".— Rorbosten I: Danziger Str. 02, Baracke III rechts: Presseabend.— Weißensee: Parkstr. 36: Lichtbilder: „Iugendtogserlebnisse".— Wörther Platz: Kastonienallee 82:„Sexuelle Fragen". — Ändreasplatz I: Brommystr. 1:„Tagespolitik.— Baltenplatz: Tllsiter Straße 4-5: Kurzreferate.— Feanksnrter Viertel: Frankfurter Allee 307: „Bölkerbund und Abrüstung".— Petersburger Viertel: Ebertystr. 12: Trane». Abend.- Stralauer Viertel: Besuch der Gruppe Petersburger Viertel, 19 Uhr Rudoll'platz.— Warschauer Viertel: Litauer Str. 18:„Ein komische« Wort."— Warschauer Viertel, R. F.: Litauer Str. 18: Bericht von Frankfurt.— Luisen- sladt: Wassertarstr. 9:„Entstehung des Lebens".- Süden: Porckstr. 11: Ueden. — Friedenau: Beteiligung an der Kundgebung der SEE.— Schönederg l: Beteiligung an der Kundgebung der SSG.— Schöneberg TV: Hauptstr. 15: „Soziales Wandern".— Schönederg V: Hauptstr. 15:„Wie soll unsere Gruppen. arbeit aussehen?"— Eharlottenburg: Rostnenstr. 4:„Der moderne Strafvoll- zug".— Eharlottenburg. Süd: Goethe str. 11;„Italien unter dem Faschismus".— Slemensftadt: 11. Volksschule. Schulstraße:„Sozialistische Literatur".— Lanl- ___ 1.. i, j....ov. � t....„ tt. au.——.:... „Tagespolitik"._____ mumstische Manifest.— Baumschulenweg: Erilststr. 16: Bericht von Frankfurt und von der sserienfahrt.— Neukölln l: 18 Uhr Reuterplatz. Kreismitglieder- versammlniig der Partei.— Neukölln IV, R. F.: Könner Straß«, Raum 2: „Rußland". 1. Abend.— Neukölln VII: 19 Uhr KMS- KreismitÄiederversainm. lung der Partei.— Renköll» vni: 18tzi Uhr Kaiser-Friedrich. Ecke Weichselstraße. Kreismitglirderversammlung der Partei. 1814 Uhr olle Flrnktionäre Schule Rütiistraße.— Neukölln.X: 19 Uhr Karstadt-Ecke. Besuch der Kreismitglieder- Versammlung.— Johannisthal: Rathaus:„Der Ausbau der Iugendinternotio- nale.— Treptow: Elsenstr. 3:„Französische Revolution".— Köpenick I: Grünauer Str. 5:„Jugend und Eowerkschofirn".— Karl-Horst: Treskowallee 44: „Geschichte der Arbeiterbewegung".— Kaul»dorf: Schule Adolsftr. 25:„Rußland.— Lichtenberg. Mitte: Scharuweberstr. 29: Mitgliederverilammlung.— Nei-Lichtenbeeg! Hauffstraße: Heimabend.— Lichtenberg-Rard: Guiiterftr. 44: „Die spanische Revolniioti".— Lichten der«. Rorkrwest: Dossestr. W! lO.Mtnuten. Referate.— Hermedors: Roonstraße:„Togespolitik".— Reinickendors-Vst: L!n. dauer Straße:„Amerikanische Justiz".— Riederschanhanse»: Linbenstr. 47: „Demokratie. Werbebezirk Prenzlauer Berg: Bildungsausschußsitzung 20 Uhr Rasienburgek Straße 10. Jede Gruppe muß vertreten sein. Werbebezirt Neukölln: Wir beteiligen uns an der Kreismitgliederversamme lung der Partei. Bliems Festsäle. Alle Sruppenveranstaltuitgen(außer Neu. kölln IV R. F.) falleil aus. Mitgliedsbuch der Partei oder SAI. mitbringen. SSG. Schöneberg: Gefangssoal der Hohenzollern�berrealschule, Pelziger Str. 48—«L, 19H Uhr. OeffenNiche Kundgebung:„Rational- sozialismus oder miternotionaler Klassenkampf", Referent Erich Schmidt. Freie A-mchprache. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner..Schwarz-Rok-Gold". Geschäftsstelle: Berlin E. 14. Eebaftianstr. 87—38. Hof 2. Tc. Gauporstand. Zu der Gauveranftaltung am 13. September im Stadion an der Avus erscheinen alle Kameraden, die nicht aktiv mit. wirken, in Zivil mit Bnndesnadel.— Freitag. 11. September. Tiergarten fIung- banner Moabit): Pflichtheimabend bei Bessel. Abrechnung der Karlen für dos Sportfest. Prenzlauer Berg(Iungbanner): Die Iugendleiwnq erwartet restlose Beteiligung on der Pflichtveransbaltung um 20 Ubr Schule Putbusser Straße. Zivil. Gepöckmannfchaft Sgndsack mitbringe». Wedding: 20 Uhr Jungba und Schufo zur Einteilung für den 13. September, Turnhalle Putbusser Str. 3.— Sonntag, 13. September. Krenzberg(Ortsverein): Die für den Ordnerdienft abgeteilten Kameraden sind pünktlich um 13 Uhr im Stadion zur Stelle. Esperanto-Gesellschaft Eharlottenburg. Monlag, 14. Eepiember, 20 Uhr, Konditorei Wolter, Eharlottenburg, Bismarckstr. 114(Knie), Klubzimmer. Bar. trag des Herrn Kurt Milknschutz:„Die Olyrnpischcn Spiele", 0 0 12, 0 I/Mm- Sit l&LÄdkiitfalortkJi. s&ijcm.? Ii » -0 1 0] S [Hamb. Beefst..m. 1. 1 Rinder»plckbrat. an Pfd. 1. |l Rinder- Suppenfl.an Pfd. 0. Rinderzg. m.Sdil. onPfd. 0. | Kalbsschnitz. anPkd. 1. | Kalbsrollbraten an Pfd. 1. IKalbskeule...anPfd. 1. [Kalbsbrust.... anPfd. 0. Tarragonaur.i3)o,sLtr. 4. Samos...... Ltr.1.10,5 Ltr. 5. Wermut...i»r.i.io,5Ur. 5. Johannisb.ur.o.Ts.sitr. 3.! |l Weinbr. so«z. i itr.m.pi. 4. Alter Korn...iur.in.Fi. 3. |Hlmb.,Kirschsyrupm.Fi. 1. 68« Schweine». e.s. anPfd. 0.78 28 IE SchweinescHk.. an Pfd. 0.86 68 n Schw.kamm.SchuftanPfd. 0.94 98 Bl Kaßler mild. kr!»ch an Pkd. 0.88 70;UHammelketalattanPfd. 1.28 1 >28|W Hammelkaui*.. an Pkd. 1.1 8 .28|||l Hammelriicken an Pfd. 1.08 >98,�11 Hammelvordarfl.. an Pkd 0,88 j 75 RlSpinat...........«/« Do» 0.45 25 Ii Steinpilze....-/> v«. 1.20 25'�z pfetserllnge..'/.va,» 0.73 Srbsen m!ii»ik«in... 0.80 Viertr.tzAprm.ea.ZPkd.k. 0.88 Kirsch-, Aprik.-Konf. 2 Pfd. E. 1.10 Bienenhonig 400gr Oio« 1.00] _Ä_ ffVollsaft. Schweizer. an Pfd. 1.34 llEdameru. Hollander«Offean Pfd. 0.84 tTilsiler, vollfett..... an Pfd. 0.78 TGorgonzola............ Pfd. 1.50 | Gouda Käs» dO-fo o. Rinde Pfd. 1,1 0 f Tilsiter 20-,............... Pfd. 0.58 CVollf. Steinbuscher.... Pfd. 0.72 |Allg. Stangenkäse 20°, o Pfd. 0.48 1 Vollf. Camenbert. Sdioditel 0.20 | Harzer............ Paket P.d. 0.35 [| VolH.Süßmllch-Käsa.. SdiH. 0.4J| [OBST UND GEMUSE 'Pflaumen blaue....... 5 Pfd. 0.48 Koch-u.Eßäpfel..... 3 Pfd. 0.28 Pfirsiche............ Pfd. 0.32, 0.22 Tomaten............Pfd. 0.12, 0.07 Blumenkohl.......... Kopf an 0.10 Kartoffeln weiße..... 10 Pid. 0.28 Fr. Blut- u. Leberw..... Sülzwurst.............. Speckwurst............. Landleberwurst Housm Jagdwurst.............. fl. Leberwurst.......... Pfd, Bauernleberwurst..... Pfd. Bauernmettwurst...... Pfd. Bierwurst................ Pfd, Cervelat und Salami..Pfd. Filetwurst............... Pfd Schlackwurst........... Pfd Speck moger Pfd. 1.10, fett Pfd 1 Schinkenspeck.... Pfd. 0.72 0.78 0.92 0.98 1.08 1.18 1.28 1.28 1.28 1.35 1.48 1.48 0.95 KOLONIALWAREN W URSTWAREN BUTTER, EIER, FETTE Kartoffelmehl.......... Pfd. 0.20 Vanille Pudding....... Pfd. 0.39 Bruchreis................ Pfd. 0.13 Moulmain Reis........ Pfd. 0.26 Weizenmehl 000....... Pfd. 0.22 Auszug mehl............ Pfd. 0.26 Eierbandnudeln....... Pfd. 0.46 Eierfadennudeln...... Pfd. 0.50 Viktoria Erbsen.... an Pfd. 0.18 Weiße Bohnen.... an Pfd. 0.1 8 Aprikosen........... an Pfd. 0,75 Mischobst............ an Pfd. 0.40 Kaffee................ Pfd. an 1.90 Molkereibutter......... Pfd. 1 Tafelbutter II........... Pfd. 1 Tafelbutter I........... Pfd. 1 Deutsch. Markenbutter Pfd. 1 Dänische Butter....... Pick. 1 Cocosfett............. 2 Pfd. 0 Erdnußschmalzca.'/jPfd.-Pok. 0 Braten- od. Rohschmalz Pfd. 0. Griebenschmalz....... Pfd. 0 Frische Eier.......>0 Stück an 0 ,20 .40 ,50 .56 .68 ,75 .30 ,56 ,64 i .75 |Morgorine....... 2 Pfd. 0.75 1.52 | HartwelzengrieB.Pfd. 0.26 1 DELIKATESSEN FRISCHE FISCHE Goldbars............ an Pfa. 0.18 Grüne Heringe...... 3 Pid. 0.44 Lebende Karpfen..an Pfd. 0.95 GEFLÜGEL U. WILD Gelsardinen........... 2 Ds. 0.55 Import-Sardellen....... Pfd. 0.88 Senfgurken....... 10Pfd.-D». 1.90 Wolga-Hühner...... an Pfd. 0.92 Fr. Suppenhühner.. an Pfd. 0.95 Junge Mastenten... an Pfd. 0.88 Gänsestückenfleisch.. Pfd. 0.98 Rehblätter.......... an Pfd. 1.05 Hirschblätter........ an Pfd. 0.85 Weintraub. Pid 0.24, 0.22, 0.181 I Rind-,Schw>in»fl 1 Pf.-D.on 0.83 1| Lebende Schleie an Pfd. 1.1 TT][Jung. Bratgänse an Pfd. 0.8¥ ums- KAR STADT Im äe« D««hlMlUe»2 Kapgilea Intrator«ad BaskJaL• U.B A HNUOB H I KM A MM Bt ATZ• Di« K A« S TAD I.AAHM ÜOF• Im irfrUciinnsKt«»* 3. Steck: Kapell« Eabec2D 192� Chat. Citran Propr. Heritlers 1.80 Sfaals Thealer ttiatsoper Omer den Linden. Freitag, den 11. September 20 Uhr. Ende gegen 22V3 Uhr. Rigoletlo SlaatLSdiauspielhaus GandanneDmarltl. Anfang 20 Uhr Agamemnon Sdiiller-Theater Qurlattnbgrg. Anfang 20 Uhr Die Hciral Berliner Illh-Trio N• B k 8 1 1■. wLehn»tr.74/76J Winter *Qarien* 8 Uhr 15. Flora 3434. Rauchen en. Die 6 von der Staatsoper. Cortlnl.» 2 Fokker's. Rhoenrad-Gruppe usw. » Hervorragend:DieSechs von der Staatsoper, das Ballett der Solisten... Und die übrigen Darbietungen? Alles Treffer. D. W. 4. 9. Sonnabend und Sonntag je 2 Vorstellungen 4 und 8" Uhr. 4 Uhr kleine Pr. •iD/, Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Kielholzstraße, statt. Rege Beteiligung erwartet Die OrUvci wnltong. Habe meine Praxis von Schönhanter Alle 43 nach Kastanien- Allee 10 verlegt. Dr. med, L. Frost. Fernruf wie bisher Humboldt 7188. «MWMM-Mltl Sonnabend, den 22. September, abend» 2V- Ahr, im Lokal oon Sachse, Lladower Stratze 26(weddiag) VersammlunB der Hesselsduniede and der daiadeliOrenden Bernte Tag(«orbnung; 1. Barttag Über.Die Wirtschaifslagr". 2. Btanchenangeiegenheiien und Ber> ichiebenes. Ohne Mitgliedsbuch fein Znlritl. E» ist Pflicht aller, pünftiich und zahl- reich zu erscheinen. Die Ortsverwaltnng. BIETRIEB /TB KEM P11WSK1 Iii' 7lr. 425* 45, Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Kreiiag, 11. September 1931 Zwecklegende der Ruhrdemagogen Wie man Feststellungen des Konjunktunnstiiuts nach Redars mißbraucht. Die Schwerindustrie entfaltet zur Zeit durch ihr Organ. die„Deutsche Bergwerkszeitung'. eine rege Propaganda für die Schuldenobwertung. Den Auftakt hierfür bildete ein Artikel „Schuldenabwertung Erhaltung des Produktionsoermogens!", in dem ein Schuldennochlaß durch die Banken gefordert wurde. Obwohl alle verantwortungsvollen Unternehmer diesen all- gemeinen Zwangsvergleich mit Entschiedenheit zurückweisen, setzt die „Bergwerkszeitung" unentwegt die Stimmungsmache für den Schuldennachlaß fort. Wenn auch die Schwerindustrie dieser Forderung eine„volks- wirtschaftliche" Begründung zu geben versucht und den Schulden- Nachlaß als einzigen Ausweg aus der Krise empfiehlt, so sind die wirklichen Motive doch allzu durchsichtig. Die Schwerindustrie hat sich in den vergangenen Jahren übermäßig ver- schuldet, hat ihre Anlagen weit über die Absatzmöglichkeiten hinaus ausgedehnt, mit fremden Mitteln große Fehlinvestitionen vor- genommen, kaufmännisch sehldisponiert(Erzverträge), ist heute weit überkapitalisiert und kann trotz der Hochhaltung und Ueberteue- rung der inländischen Preise angemessene Erträgnisse nicht mehr herauswirtschaften. Ende 1930 betrug die lang- und kurzfristige Berschuldung der Schwerindustrie(der kombinierten Eisen- und Bergbaukonzerne) mehr als 1,4 Milliarden Mark. Daneben verlangt ein Eigenkapital in fast gleicher Höhe Dividende. Bei der Schwer- induftrie lagern gegenwärtig Borräte in Höhe von mindestens einer halben Milliarden Mark. Wir— und auch andere— haben immer wieder betont, daß eine Gesundung der Eisenwirtschaft nur durch eine starke Herab- setzung der Inlandpreise, die heute noch immer rund 70 Proz. über den Weltmarktpreisen liegen, und durch eine starke Kapitalzusammenlegung(d. h. selbstverständlich eine Zusammenlegung des Cigenkapitals) erfolgen kann, die nach den gewalligen Fehlinvestitionen unerläßlich und unaufschiebbar ist. Den Herren Flick, Thyssen, Vogler, Silverberg, Klöckner, Reusch, Krupp usw. paßt das natürlich nicht, und sie möchten nach dem Prinzip, uns die Gewinne, dem Bolk die Pleite, statt dessen durch eine Schuldcnabwertung die Verluste von den Banken und den sonstigen Geldgebern tragen lassen. Die„Bergwerkszeitung" besitzt nun die Kühn- heit, das Institut für Konjunkturforschung für diese samose Schuldenabwertungsidee zu reklamieren und behauptet, daß das Institut die Grundgedanken ihrer Schuldenabwertungssorde- rungen bestätigt habe! Es wäre natürlich auf das schärfste zu miß- billigen, wenn diese Stelle sich zum Schrittmacher derartiger ver- antwortungsloser Projekt« machen würde, die von einem maßlos ver- wirtschafteten Industriezweig lanciert werden. Das Konjunktur- institut denkt aber selbstverständlich gar nicht daran, sich für Schulden- abwertung einzusetzen. In dem letzten Konjunkturbericht heißt die betreffende Stelle, auf die sich die„Bergwerkszeitung" beruft: „Durch den fortschreitenden Wertschwund der Güter bei stei- genden Zinssätzen wächst das Mißverhältnis von Gläubiger- ansprächen und Leistungsmöglichkeit der Schuldner. Den U e b e r- i n v e st i t i o n e n in der Welt, die zur Krise führten, muß eine radikale Kapitalabschreibung folgen. Je rascher und zeitlich komprimierter sie erfolgt, um so eher und gründlicher wird der Weg für eine neue wirtschaftlich« Aufschwungsperiode frei- gelegt werden." Das Institut für Konjunkturforschung verlangt also Kapital- abischreibungen, d. h. Zusammenlegung des Eigenkapitals, das in der bisherigen Höhe keine Verzinsung mehr-ubwersen kann, in allen durch Fehlinvestitionen überkapitalisierten Wirtschaftszweigen, und zwar rasch und gründlich, wie wir es unentwegt vertreten haben. Diese absolut eindeutige Forderung auf radikale Abschrei- bung des Eigenkapitals nimmt die„Deutsche Bergwerkszeitung" als Unterstützung ihrer skandalösen Schuldenobwertungspläne in An- spruch. Ein Meisterstück der Verdrehung, das wir hiermit tieferhängen! Die Kontrotte der Bansparkaffen. Die Voraussetzungen einer wirksamen Siaaisaufsichi. Am 1. Oktober beginnt die Beaufsichtigung der privaten Bausparkasien durch das Reichsaufsichtsamt für Privatversicherung. Bausparkassen, die am 31. Dezember 1929 zum geschäftsmäßigen Betrieb von Depot- und Depositengeschäften berechtigt gewesen sind, bedürfen keiner besonderen Erlaubnis. Die übrigen privaten Bausparinstitute müssen eine ausdrückliche staatliche Kon- Zession einholen. Seit einem halben Jahr ist die gesetzliche Regelung beschlossen. Gerade in dieser Zeit sind die Bausparkassen wie Pilze aus dem Boden geschossen. Kurz vor Toresschluß ent- stehen jetzt noch täglich neu« Bausparkassen. Schähungsweise 350 neue Bauspargründungen mit rund 250 000 Vausparern werden der Staatsaufsicht zu unterstellen sein. Leider sind die Bestimmungen des neuen Versicherungs- oufsichtsgesetzes über die Spartasien im Hinblick auf einen wirk- samen Sparerschutz mehr als ungenügend. Sie reichen um so weniger aus, als hier ein wahrer Augiasstall zu säubern ist. Der Borsitzende des Wohnungsausschusses des preußi- scheu Landtages, Geheimrat Ponfick, der das Bausparkassenwesen durch den praktischen Anschauungsunterricht seiner engen Be- Ziehungen zu dem zusammengebrochenen Devaheim-Konzern kennt, stellte vor wenigen Monaten fest, daß er 180 Institute von den ihm bekannten 210 Bauspartassen als betrügerisch oder dilettantisch bezeichnen müsse, höchstens zehn, wahrscheinlich noch nicht sechs Kassen seien so ausgebaut, daß man sie als seriös und empfehlenswert bezeichnen könne, von 21 Bausparkassen steht nach Feststellungen in Zachkreisen einwandfrei fest, daß ihre Leiter Gesängnisslrasen wegen betrügerischen Bankrotts hinter sich haben, oder bereits den Offenbarungseid leisten muhten. In der jetzigen Situation, in der die letzten Spargroschen der Bausparer auf dem Spiel stehen, kann die st a a t l i ch e Aussicht sich nicht darauf beschränken, Kartotheken und Archive anzulegen, und die Entscheidungen über die Zulassung des Geschäfts- betriebes der Bausparinstitute dem gemächlichen Trott des Ber- waltungsweges überlassen. Das Reichsaufsichtsamt für Privatver- sicherungsn muß endlich in Ergänzung der ungenügenden Bauspar- Paragraphen des neuen Versicherungsaufsichtsgesetzes weitgehende Bollmachten erhalten, die ihm schnelle Maßnahmen ohne Jnanspruch- nähme eines langwierigen Instanzenzuges ermöglichen. Zu den ersten Boraussetzungen einer Bereinigung der ollmählich unerträg- lichen Zustände in der Bausparkassenbewegung gehören: 1. Sofortiges verbot des Geschäftsbetriebes bei Vau- fparkasien, deren Leiter auf Grund ihrer Vergangenheit keine Gewähr dafür bieten, daß die vauspargelder unangetastet bleiben. 2. Strengste Trennung des Sparervermögens von dem „sonstigen" Vermögen der vausparunternehmungen. hierher gehört ein Verbot der hereinnähme fremder Mittel durch verpsändung der Hypothekenbriese und Bestimmungen darüber, daß die slüssigen Mittel nur bei sicheren Banken und keineswegs in Krediten an be- freundete Unternehmungen angelegt werden dürfen. 2. Untersuchung bausparkassenfremder Geschäfte(hypo- thekenkredite an wohlfahrtanstalten. Kirchen, vouunternehmungen und vaugesellschaften: Verträge zur Entschuldung landwirtschaftlicher Güter usw.). 4. Verbot festbefristeler Darlehnszusagen. die kein Bauspac- kasieoleiter mit gutem Gewisien machen kann, da sie eine Benochteili- gung der übrigen Bausparer bedeuten und bei dem unsicheren Ein- gang an Geldern zu Zahlungsschwierigkeiten führen. S. Ermächtigung des Aussichtsrates, die weitere verbrei- tung von Druckschriften und Werbematerialien mit unwahren Angaben über die Wartezeiten bi» zur Vorlehnsauszahlung, die Sicher- hell der Spareinlagen und weitere Zragen zu uuterfageu. S. Anordnung umgehender vetr�ebsprüsuugea bei gefährdeten Kasse« durch Revisionsgesellschaften, die. unter maß- geblichem Einfluß staatlicher Stellen stehen. Die privaten Bausparinstitute bemühen sich seit Monaten, den beim Reichsaussichtsamt für Privatverficherungen zu bildenden Beirat für Bausparkassen in erster Linie mit ihren eigenen Vertretern zu besehen. Zhr Wunsch ist. sich möglichst selbst zu kontrollieren, hier muß nachdrücklichst gefordert werden. daß der Lausparkassenbeirat in seiner Mehrheit aus Sachverständigen der Gewerkschaften, die berufenen Vertreter der Sparerschichten. und Personen aus der öffentlichen Wirtschaft zu- sammengesetzt wird. Rur durch schnelles handeln können die gröbsten Mißstände beseitigt werden. Bach den vielen Versäumnissen der letzten Jahre hat der Staat allen Anlaß, sich gegen Vorwürfe zu sichern, daß er in der jetzigen ossenen Krise des Vausparkasienwesens. die den ge- sunden Gedanken des Sparens für Eigenheime zu zerstören droh»/ irgendetwas, was dem Schuhe der Bausparer dienen könnte, unter- lassen habe. Er. Berliner Konsum im August. Krise verfiärtt den Willen zur Selbsthilfe. Trotz der die Massen bedrückenden Wirtschaftskrise blieb bei der Wirtschaftsorganisation der Berliner Berbraucherschast, der Kon- sum-Genossenschast Berlin und Umgegend, der Mitglieder- Zugang auch im August beträchtlich. Es haben wieder 1499 Haus- Haltungen ihren Eintritt in die Berliner Verbrauchergemeinschaft erklärt. Eine neu eröffnete Lebensmittelabgabestelle erbrachte innerhalb von reichlich zwei Wochen 219 Neuaufnahmen. Der Gesamtumsatz betrug im August 5 741 587 Mk.: für die beiden ersten Monate, des 33.. Geschäftsjahres(Juli/August 1931) ergibt sich ein Umsatz von 12 088 548 Mk. Di« Warenhaus- a b t e i l u n g der Genossenschaft verzeichnete im August gegen- über dem gleichen Monat des Vorjahres eine Steigerung des Umsatzes um 26,2 Proz. Die der Sparkasse der Genossenschaft anvertrauten Spar- e i n l a g e n der Mitglieder wiesen am Monatsende einen Bestand von 44178 350 Mk. auf; Einzahlungen auf Sparkonto waren in Höhe von 602 739 Mk. zu verzeichnen. Durch Eröffnung zweier Abgabe stellen in Spandau-Haselhorst, Haselhorster Damm 3/5, erhöhte sich die Zahl der konsulgenossenschastlichen Lebensmittelabgabestellcn auf 288; die Zahl der Spezial-Fleisch- abgabestellen stieg auf 87. Landbund für Znfiaiionsmeihoden. Broffcheine statt Barlohn. Das Andenken an die selige Helsferichsch« Roggen- Währung treibt noch immer seine Blüten in den Landbund- köpfen. In Schleswig-Holstein und in einigen Teilen der Pro- vinz Brandenburg macht der Landbund dafür Stimmung, daß die Landarbeiter sich damit einverstanden erklären sollen, daß ihnen anstatt des Barlohnes sogenannte Brotscheine gegeben werden. Die Gewerbetreibenden sollen sich verpflichten, die Brotscheine für Waren in Zahlung zu nehmen. Als Garantie soll von den Landwirten Roggen im Werte der ausgegebenen Brotscheine bereitgestellt werden. Die augenblickliche Lage der Landwirtschaft mache es unmöglich, die für die Lohnzahlungen notwendigen Gelder herbei- zuschasfen. Solche„Pläne" müssen mit Entschiedenhest bekämpft werden. Die Landarbeiter würden bei ihrem Wareneinkauf an bestimmte Geschäfte gebunden und mußten damit rechnen, auf längere Zeit ohne Bargeld zu sein. Die Gewerbetreibenden müßten längere Zeit aus die Bezahlung der verkausten Waren warten. Beide Gruppen wären die Betrogenen. Endlich besteht die Gefahr, daß diese Methoden von anderen Berufszweigen nachgeahmt werden. Im ganzen handelt es sich um bornierte Jnflationsmethoden, denn die Bereitstellung von Roggen ändert an der Zusätzlichkeit des„Brot"- geldes nichts. Ob Landarbeiter oder Kaufmann: wer solches„Geld" anerkennt, der betrügt sich selbst. Uebrigens Hot der Staats- anwalt sofort einzugreifen, wenn die Durchführung des Planes versucht wird. Der Wirtschastsreferendar. Ein plan, der Förderung verdient. Im Preußischen Kultusmini st erium wird bald eine Besprechung stattfinden, die sich mit dem Plan eines Wirt- schaftsreferendariats beschäftigen soll. Die Erwägungen, die diesem Plan zugrunde liegen, sind etwa folgende: Unsere ganze Berwal- tung ist aus traditionellen Gründen stark auf das j u r i st i s ch e Beamtentum eingestellt, und umgekehrt hat der Staat dafür gesorgt, daß auch das juristische Studium auf die Bedürfnisse des Staatsdienstes eingestellt wird. Dies geschieht nicht bloß bei der theoretischen Ausbildung der Juristen, sondern vor allem dadurch, daß der cheoretischen Ausbildung eine praktische Volontär- tätigkeit im öffentlichen Dien st folgt, das Referendariat, das seinen Abschluß im Assessorexamen findet. Mit der Entwicklung des modernen Staates wurde die ein- seitige Begünstigung der Juristen bedenklich. Die heutige Beamten- ausbildung stammt noch aus der Zeit des bloßen Rechts- und Ver- waltungsstaatss. Der Staat wird seine Funktionen, die ihm durch die moderne soziale und wirtschaftliche Entwicklung in immer höherem Maße auferlegt, besser ausfüllen, wenn er sich wesentlich mehr al» bisher auf volkswirtschaftlich gut ausgebildete Be- a m t e zu stützen vermag. Deshalb muß dafür gesorgt werden, daß das volkswirtschaftliche Studium in gleicher Weise vervollständigt wird wie das juristisch«, daß also der theoretischen Ausbildung auf der Hochschule eine praktische Volontärtätigkeit, also ein Wirtschasts- referendariat, folgt. Man wird diesem Plan um so mehr Sympathie entgegenbringen können, je mehr man davon überzeugt ist, daß der Weg der Ent- wicklung über eine immer stärkere Durchstaatlichung der Wirtschaft geht. Besonders die letzten Monate haben dieser Auffassung die stärksten Stützen gegeben. Niemals ist die Notwendigkeit der stär- keren Ueberwachung und Regulierung der Wirt- schaft durch d�n Staat deutlicher sichtbar geworden als in den letzten Monaten der schärfsten Wirtschasts- und Kreditkrise. In diese Ausgabe muh der Staat aber nicht nur gesetzgeberisch, sondern auch verwaltungsmäßig und personell hineinwachsen. Dem kommt der Plan wirksam entgegen. Eine andere Frage ist, wie weit man die praktische Ausbildung der volkswirtschaftlichen Studenten erstreckt. Stark« Bestrebungen wollen einen großen Teil der praktischen Aus- bildung in die privaten Großbetriebe, die kapitalistischen Monopol- organisationen und die Handelskammern verlegen. Es wäre be- denklich, wenn alle volkswirtschaftlichen Studenten, vor allem die- jenigen, die später im öffentlichen Dienst wirken sollen, einer syste- matischen Beeinflussung durch die Organe der kapitalistischen Privat- Wirtschaft ausgesetzt würden. Es gibt neben den öffentlichen Ver- waltungszweigen in Reich, Ländern und Kommunen, soweit sie für die praktische Ausbildung von Volkswirten geeignet sind, so. viele öffentliche Wirtschaftsbctriebe in Industrie und Bergbau, Verkehr und Bankwesen, daß für den Aufbau eines Wirtschasts- r es e re n d a r i a t s auf rein öffentlicher Gruntzlage genügend Spielraum vorhanden wäre. � t Schließlich sei bemerkt, daß wir es für eine seltsame Auffassung von Demokratie halten würden, wenn bei den Beratungen über diese wichtige Frage die Vertreter der organisierten Arbei- terschaft wieder ebenso übergangen würden wie seinerzeit bei den Beratungen über die Ausbildung der Wirtschaftsprüfer. Das Magazin der Wirischast. Einstellung des Erscheinens nach Lleberschuldung des Herausgebers. Eine Berliner Korrespondenz meldet: Das„Magazin der Wirtschaft", dessen Herausgeber R a f a e l B e r n f e l d ist, hat jetzt sein Erscheinen endgültig eingestellt. Grund der Einstellung ist die starke lleberschuldung des Herausgebers, der die Zeitschrift erst im Oktober 1929 übernommen hat und seit dieser Zeit bei den ver- schiedensten Großbanken und sonstigen Banlinstituten Kredite aus- genommen hat. So soll an. dem Unternehmen die Domänen- betrieb? G. m. b. H., eine Tochtergesellschaft der Deutschen Pächter- kreditbank, mit 165 000 M. engagiert sein. Die Effekten- und Wechselbank, Frankfurt a. M., schuldet der Verlag bzw. der Heraus- geber über 100 000 M. Von der Danatbank übernahm er von dem Vorbesitzer und Gründer des Magazins, Leopold Schwarzschild, einen Kredit von 58 000 M., der sich inzwischen auf 150 000 M. erhöht hat. Von der Deutschen Bank und Disconto-Gesellschaft erhielt er einen Kredit von 50 000 M., von der Dresdner Bank einen solchen von 20 000 M. und von der Commerz- und Privatbank einen solchen in Höhe von 15 000 M. Außerdem sind mehrere Privat- Personen beteiligt, darunter ein Redakteur der Zeitschrift, der in das Unternehmen den größten Teil seines eigenen Vermögens und das seiner Familie hineingesteckt hat. Die verschiedenen Gläubiger sollen von den anderweitigen Schulden des Unternehmens keine Kenntnis gehabt haben. Der Herausgeber und Chefredakteur des Unter- nehmens, Bernseld, wurde vor kurzem wegen seines Verhaltens sowohl aus dem Reichsverband der deutschen Presse als auch aus der Vereinigung Berliner Handelsredakteure ausge- schlössen. Rückgang des englischen Außenhandels. Augustexport gegen Vorjahr 40 Prozent geringer. Der englische Außenhandel im Monat August läßt erkennen, daß die Besserung im Juli nur vorübergehender Natur war. Die Ausfuhr ging um nahezu 15 Proz. auf 29,1 Millionen Pfund oder 582 Millionen Mark zurück und liegt damit um rund 40 Proz. unter den Exportzahlen vom August vorigen Jahres. Nicht ganz so steil, aber doch beträchtlich, sank auch die Ein- fuhr nach Großbritannien. Gegenüber dem Juli ist im Berichts- monat ein Rückgang von 7 Proz. aus 65,2 Millionen Pfund, gleich 1,3 Milliarden Mark, eingetreten und gegenüber dem entsprechenden Monat des Borjahres-ein Aussall von säst 19 Proz. neidischen Finsterwalder erzählen sich, daß der Senftenb erger Mchi» Wächter die braven Bürger mitten in der Nacht wecken muhte, damit sie sich umdrehten, wenn sie nicht wollten, daß der lieblich« Wein ihnen die Magenwand zerfresse. � Schon rauchen und sauchen wieder die schwarzen Fabriken. Auf der Straße begegnen uns die Marktfrauen. Eine barfüßige Bäuerin zieht einen Handwagen. Ein Ochsenfuhrwerk trottelt heim.� Drei wendische Bäuerinnen— sie haben mindestens zehn Unterröcke an � besteigen die Fahrräder und flitzen nach den fruchtbaren Rand» dörfern, die noch genug Grundwasier haben Und nun sind wir in der Stadt. Fast jeder kennt und beobachtet sich. Die Klasiengrenze ist hier viel schärfer gezogen als in einer Großstadt. Manchmal zieht ein Arbeiter noch die Mütze vor einem Herrn, aber die meisten Ar- beiter zichen keine Mütze mehr. Viele von ihnen tragen die Ab» zeichen ihrer Gesinnung sichtbar am Rock: den Reichsadler, den Sowjetstern, das Hakenkreuz. Die Industrie raucht und stampft über allen Abzeichen und preßt den Kohlenstaub zu harten, glänzenden Briketts. Wie lange wird die Industrie noch rauchen und jaulen und stampfen? Vielleicht noch S0 Jahre, vielleicht auch noch S0 Jahre. Und was wird dann? Wenn die Gruden ausgebeutet sind, steigt wieder das Grundwasser. Werden dann die Bauern ihre alten Felder wieder bekommen? Oder wird der geplant« Elbe-Spree» Oder-Kanal neue Industrien angelockt haben? Deutschland will leben. Sein Lebenstampf spiest sich in der Provinz viel dramatischer und heroischer ab als in den großen Städten. Rudolf Sims: Wettenfchlag Autos und Straßenbahnen ratterten durch die brest« Frank- furter Geschäftsstraße. Auf den Bürgersteigen hasteten Menschen durch den schwülen Mittag. Plötzlich übertönten gellende Schreie den Lärm oes Verkehrs.„Einbrecher!... Hilfe!" schrie ein beftig gestikulierendes Mädchen aus dem Fenster im ersten. Stock eines Bürohauses. Der Schupo an der Ecke begann zu laufen. Vor der Torfahrt. in der er verschwand, sammelt« sich bald«ine neugierig« Menge. „Ein Raubüberfall bei Ebermeyer, Lederwaren-Bertrieb.... Der Täter ist entkommen.... Jawohl, Herr Kommissar", rief der Schupo in das Tslephon, legte den Hörer hin und trat zu der jungen Kontoristin, oie vor dem ohnmächtig am Boden liegenden Bürolehrting kniet« und ihm ein nasses Taschentuch auf die Stirn legte. Wachtmeister Kallweit öffnet« dem Jungen Kragen und Hemd, trug ihn in das Zimmer des Chefs und bettete ihn auf das Ädersofa. Das Büro bot das Bild eines wüsten Durcheinanders. Auf» gerissene und durchwühlte Schubkästen, Akten und Papier« am Boden verstreut. Umgestürzte Stühle. Aus dem Schreibtisch lag ein« stählern« Geldkassette. Die Gardin« des großen Fensters war heruntergerissen, der geöffnet« Flügel und das darunterliegende rerad« Dach einer Autogarage ließen den Fluchtweg des bei der Arbeit gestörten Einbrechers ahnen. Eine Biertelstunde später erschien der Kommissar Mörder, ein mittelgroßer, schlichtgekleideter Mann von etwa vierzig Iahren. Man sah ihm den Kriminalisten nicht im geringsten an.«r machte viel eher den Eindruck eines keinen, subalternen Beamten. Prüfend überschaute er die Situotton und begab sich in das Zimmer des Ehefs, der am Vormittag«ine Geschäftsreise angetreten hotte. „Ich fand den Lehrling Siebenhaar langgestreckt am Boden liegen", wandt« sich sofort die Kontoristin an den Kommissar.„In einer tiefen Ohnmacht", betonte sie und deutete auf den Lehrling, der, wieder bei Bewußtsein, blaß und oerstört in der Sofaecke lehnte. Kommissar Märker stemmt« die Hände in die Hüften und fragt« Siebenhaar:„Na, wie war die Sache?" „Als ich vom Mittagessen zurückkam, fand ich die Tür schon aufgeschlossen und ich sah einen fremden Mann mit der Geldkassette in der Hand im Büro stehen. Ich wollte...", stottert« Sicben- haar und verschluckte sich.„Wollte schreien.... Da lies er auf mich zu, sti«ß mich gegen den Schreibtisch. Halts Maul, rief er, schlug mir auf den Kopf und... weiter weiß ich nichts." „Wie sah der Mann aus?" forscht« Märk«r wester. „Wie er aussah?" wiederHoll« der kleine, schmächtige Bursche gedehnt, besann sich sekundenlang und erklärte dann bestimmt:„Er war groß und kräftig, hatte schwarzes, nach hinten gekämmtes Haar, trug einen hellgestreiften Sommeranzug und hatte ein« breite Narbe, wie einen Studentenschmih, auf der Back«...." Der Kommissar stutzte. Die Narbe? Das war Friseur Wend- landt, der Hochstapler und Einbrecher, den er schon fest Wochen suchte. Sonderbar. Er hatte Wendlandt in der Hauptstadt v«r> mutet und nun? Märker ging nachdenAich im Zimmer auf und ab.„Herr Wachtmeister", sagt« er nach längerem Besinnen.„Nehmen Sie den Lehrling zur Vernehmung mit zum Präsidium. Auch Fräulein...." „Schmieder", neigt« die Kontoristin geziert den blonden Bubi» köpf und folgte dem Beamten. „Noch«ine Frage, Fräulein Schmieder", rief Märker hinter ihr her.„Wie hoch. ist Ihr Gehalt?" „Hundertfiebzig Mark brutto", antwortet« sie und blickte etwas oerwirrt nach dem Kommissar. im t&intenglas „Ist Ihr Verlobter arbeitslos?" fragte er weiter, als er an ihrer Hand den Verlobungsring sah. „Ja, aber warum?" entgegnete sie entrüstet und ihr hübsches Gesicht verfärbte sich.„Er ist vor einigen Monaten abgebaut worden." „Danke schön, ist schon gut." Kommissar Märker schaut« noch eine ganze Weile nach der Tür, die sich hinter der etwas auffällig gekleideten, schön gewachsenen Kontoristin geschlossen hatte, und ging dann hinüber in das Büro. Bedächtig untersuchte er das verwüstete Zimmer und beugte sich lange über die Geldkassette. Plötzlich steckte er lächelnd seine Lupe wieder in die Tasche. Dies« Spuren—, kein Zweifel, hier hatten ungeschickte Hände mit un- geeignetem Werkzeug gearbeitet. Märker setzte sich in den Schreibtischsessel und schaute sich noch einmal im Zimmer um. Das wüste Durcheinander erschien ihm jetzt als planvolle Unordnung. Sein Blick fiel auf das Tintenglas und er ließ erregt die geballte Faust auf den Schreibtisch fallen. Im Polizeipräsidium spielte sich ein« Viertelstunde später eine kurz«, interessant« Szene ab. Di« Kontoristin hatte aufgeregt, mit hochrotem Kopf, ihre Aussagen zu Protokoll gegeben. Jetzt setzte sich der Lehrling dem Kommissar Märker gegenüber. Verlegen und erwartungsvoll rückt« der blasse, unscheinbar« Junge auf dem Sitz. «Wir kennen den Täter bereits, mein Lieber", begann Märk«r freundlich.„Deine Beschreibung paßt genau auf den von uns ge- suchten Einbrecher Wendlandt ob«r.. er ist«s nicht gewesen, sondern— du hast die Sache ausgesressen." Siebenhaar saß mit weitgeöffneten Augen und stammelte: „Nein, ich habe es nicht...." „Kein« Ausflüchte! Der Einbruch ist fingiert. Wendlandts Signalement hast du in der Zeitung gelesen, nicht wahr?" drang Märker weiter in den Lehrling. „Nein! Nein! Ich bin es nicht gewesen...." „Lüge nicht.... Du bist überführt, denn du hast an eines nicht gedacht: an das Tintenglas." „Das Tintenglae?" fragte interessiert der Kriminalassistent Hinrichs, der der Vernehmung beiwohnte, und schaute mit einem kurzen Blick auf den sichtlich bestürzten Jungen. „Ja! Siebenhaar log, als er behauptete, er sei von dem Täter gegen den Schreibtisch gestoßen worden. Ein leichter Schlag auf den Tisch genügt, um den Spiegel d«r Tinte zu bewegen, aber in dem wahrscheinlich erst am Morgen gesäuberten Tintenglae zeigte sich nicht die geringste Spur eines Wellenschlags." „Der Wellenschlag im Tintenglas— nicht übel", entgegnet.' Hinrichs anerkennend. Siebenhaar gab nach einigen weiteren Fragen das Leugnen auf und begann zögernd zu beichten. Er konnte einem jetzt leid tun, wie«r so da saß, in d«m billigen, verwachsenen Konfettions- anzug, und weinend erklärte:„Meine Freunde spielen Fußball in der ersten Iugendmannschaft. Sie haben alle ein Mädchen und erzählen soviel. Ich wollte sie übertreffen. Mein Name sollte in allen Zeitungen gedruckt stehen. Stehlen wollte ich nichts....." Niedergedrückt und verschämt legte er das Taschenmesser auf den Tisch, mit dem er die Kratzspuren an der Geldkassette angebracht hatte. Kommissar Märker«ntli«ß den Jungen nach scharfen, ernsten Ermahnungen und schrieb in seinem Bericht:„Die Handlungen des Lehrlings finden ihre Erklärung in dem ihm eigenen Minder- wertigkeit-komplex, den er durch seine Tat zu kompensieren suchte." Am nächsten Tage hatte Märker Sin langes, telephonisches Gespräch mit dem Chef der Firma Eberm�yer, der ihm dann erklärte, daß er kein Interesse an einer strafrechtlichen Verfolgung des Lehrlings habe. Noch in der gleichen Stund« wanderte der Akt Siebenhaar als erledigt in das Archiv des Polizeipräsidiums. Ä" Da« Wonogramm Herr Christian Christiansen, in einem schönen Lande Skan» dinaoiens, war mit sich und der Welt zufrieden. Warum sollte er es auch nicht sein? Sein« Wäschefabrik ging glänzend und den einzigen Konkurrenten hatte er einfach mit seiner Tochter ver- heiratet. Rosig war also das Konto und damit auch die Welt- anschauung des Herrn Christiansen, Hemdenfabrik und V«rkauf seinerer Unterwäsche. Schmunzelnd, wie immer, saß der wohlbeleibte Herr Christian- sen eines Morgens am Frühstückstisch und las schmatzend die Post. Herr Christiansen war gewohnt, aus jedem Brief einen Scheck her- auszunehmen, deshalb waren die Briefe meistens so dick und wohl» beleibt wie ihr Empfänger. An diesem Morgen lag aber zwischen der Post ein dünner, kühler Brief. Mit einem unangenehmen Ge- fühl nahm Herr Christiansen den Brief und betrachtete ihn. Nanu! Das Stückchen Beefsteak blieb den Herrn Christiansen im Halse stecken. Amtsgericht! Zwei amlliche Siegel. Der Herr Fabrikant haßte Siegel, sie erinnerten ihn an das Finanzamt. Und nun noch Ge- richt? Was hatte da« Gericht mit ihm zu tun? Der Brief brannte in der Hand. Langsam öffnete Herr Christiansen, mit der ganzen Angst ein«s ehrlichen Bürgers, die Gerichtssiegel. Seine entsetzten Augen lasen: „Herrn Christian Christiansen, hier. Die unverehelichte Paula Pausten hat gegen Sie im Namen ihres minderjährigen Kindes die Alimentenklage eingereicht. Sie werden ersucht, sich am.... in.... Zimmer.. zum Dorvtchör und Gegenüberstellung ein» zufinden. Amtsrichter." Die rosig» Welt des Herrn Christiansen wurde dunkel. Er sprang auf. Da mußte ein Irrtum vorliegen. Er? Ausgeschlossen! Der treu« Ehemann und gut« Bürger, Mitglied der Handelskammer, Borsitzeno« de» Industrieverband«», Herr Christiansen fühlt« sich unschuldig. Aus einmal aber begannen ihm die Knie zu zittern. Herrgott," wie alt war da» Kind? Oh. mein Gott, vielleicht vier Jahre?! Es könnte dann die Kleine von damals sein! Vielleicht hat sie mit der Klage nur so lang« warten müssen, bis sie seinen Namen erfahren hatte... Wie hieß sie doch noch? Paula, Paula, da« könnte schon sein! Der Appetit war dem Herrn Fabrikant«» vergangen. Er hört« oie Schritt« seiner zwar wenig besseren, aber um so dickeren Hälfte, und stürzte, den Brief hastig in die Tasche steckend, ins Büro. Herr Christiansen hatte die Morienbadreise erspart. Die 1« Tag« vor dem Gerichtstermin brachten ihn um 15 Pfund von seinem Lebendgewicht. Seine Frau wunderte sich wieso er ihr so schnell die Italienreise bewilligte. Am Tage des Termins trugen schon die Wellen von Lido die Masse der Frau Fabrikanttn und Herr Christiansen stand bibbernd mit seinem Anwalt auf dem Kor» ridor de» Gerichts. Lieber Herr Christiansen, wie hieß denn die Dame?" sprach dieser. ..Da» weiß ich leider nicht, aber erkenn«« werde ich sie be- stimmt!" „Christiansen-Paulsen", rief der Gerichtsbeamte, und dem Herrn Fabritanten sank das Herz zum Portemonnaie. Er betrat den Saal und blickte unruhig um sich. Wo war sie? Er sah aber nur«in Bauernmädchen, vollkommen unbekannt, neben ihr einen An wall und an diesen wandte sich der Richter:„Ihre Mandantin hat da» Wort!" „Also Fräulein Paulsen, erzählen Sic....", sagt« der Anwall zu dem Mädchen in Bauernttacht. Da sprang Christiansen auf und schrie: „Ich kenne dies« Dame gar nicht, das ist sie nicht!" Voll Würde griff der Richter ein: „So, so... Na, Fräulein Pausten, erkennen sie in diesem Herrn Herrn Christiansen?" „O ja, das könnte«r sein." „Was heißt: könnte! Sie müssen ihn erkennen, Fräulein Paulsen!" „Herr Richter, ich habe ihn doch nur so kurz gesehen..." Der anwesende Schriftführer kicherte. Scharf blickte ihn der Richter an und sprach zu dem Mädchen:„Bitte, erzählen Sie, wie sie Herrn Christiansen kennenlernten." „Na ja. er sprach mich im Kino an und dann gingen wir ins Cafä und dann nahm er mich in«in Hotel...." Richter:„Und wie erfuhren sie seinen Namen? Stellte er sich selbst vor?" „O nein, Herr Richter, aber ich bin klug. Ich habe seinen Namen auf seinem Hemd gelesen und da hob' ich e« hercua- geschnitten, hier Herr Richter!" Mit diesen Worten legt« Fräulein Pausten ganz stolz ein Stückchen Stoff vor den Richter. Ganz verwundert las der Richter da» s«llsam« Monogramm: „Ehristtan Christiansen, Tstraß« 76." Herr Christiansen sch'.ie aus: „Ich bin doch Wäfchefabrikant... Der Herr hat«in Hemd von meinem Fabrikat angehabt!" Es dauert« lange, bi» der Richter Fräulein Pausten klargemacht hatte, daß ein« Fabrikmarke kein Monogramm ist, und daß Herr Christiansen unmöglich für all« Taten, die in seinen Hemden be» gangen werden, verantwortlich ist. Herr Christiansen gewann seine Fassung wieder, und als kluger Geichästsmann sorgt« er für Verbreitung dieser Serichtsocrhand. lung. Jetzt lauten sein« Annoncen: „Der galante Herr trägt Christiansen-Hemüenl" Die Gelehrten sind sich noch nicht darüber einig, ob die Stadt ihren Namen aus Sumpenburg herleitet oder von einem Ritter Senftenberg, der einmal Herr über das alte Schloß und die wendische Siedlung war. Darüber aber ist sich jedermann einig, daß diese Stadt nicht zu den Glanzpunkten deutscher Städtebaukunst gehört und daß diese niederlausitzer Landschaft eine tragische ist. Da« Schicksal in diesem Revier wird von der Braunkohle bestimmt. Auf dem rechteckigen Markt ist viel Betrieb. Händler und Bäuerinnen sind gekommen und vertreiben Früchte, Fleisch, Gurten, Geflügel, Butter und Eier. Lastautos warten, Wagen warten und Hundegespanne. Der Markt ist wieder für einige Stunden das alte Zentrum. Die Hauptstraßen der Stadt sind asphatkiert, im nahen Park lockt ein neuer Tiergarten die Besucher an. Die neuen Sied» lungshäuser auf freiem Fell» und vor allem der Neubau einer großen Schule zeigen den Wagemut der Verwaltung. Aber bald wird für den Besucher die kleine Stadt unwichtig. Ihr größtes Haus ist noch immer das Krankenhaus. Die Stadtkrone bilden das Krankenhaus, das Warenhaus, das Rachaus. Hinter dem Bahnhof, an dem sich die Schienenstränge der Bahn verzehnfachen, vergißt der Besucher die kleine Stadt. Hinter dem Bahnhof beginnt die Verwilderung der Landschaft, beginnen die keuchenden Atemzüge der schweren Arbeit, erheben sich die fauchen- den Brikettfabriken unweit der tiefen kraterhaften Gruben. Die Felder sind trotz des nassen Sommers grau und schwarz. Sie sind dürr und unfruchtbar. Das Grundwasser liegt zu tief, die Berg- werte haben das Wasser in die Tiefe gedrückt. An der Straße nach Spremberg liegt eine kleine Siedlung. Sie hat ein tränendes Gesicht, das zu lächeln versucht. Ander» gesagt: die Siedlungshäuser sind schon freundlich und wohnlich, aber sie liegen in den gelben und schwarzen Rauchwolken und Gasangriffen der Industrie. Hinter den freundlichen Reihen, im Schatten der großen Werke, stehen rote Bocksteinbauten, einstöckig, selten zwei- stöckig. schwarzverräuchert und lieblos. Es sind deutsche Slum» an ungepflasterten Straßen. Sie sehen nicht anders aus als die nahen Fabriken. Sie sind ja selbst Fabriten. Kinderfabriken, kulturlose Steinbaracken, errichtet in der Frühzett des Bergbaues. Die neuen Siedlungen an den neuen Gruben sehen schon freundlicher au». Viele Bäume an den Straßenrändern gehen ein. E» fehlt ihnen das Wasser. Auf den Feldern gedeiht arme Frucht. In heißen Sommern muß sie verdorren und ersticken. Auf den Wegen, Feldern, Bäumen und Straßen liegt schwarz« Flugasche. Wir wandern wetter und haben das alte Dorf Reppist bald erreicht. Von den Bauern ist nicht mehr viel übrig geblieben. Alles Land gehört den Berg- Herren. Viele Bauern gehen in die Gruben oder in die Fabriken als Arbeiter. Reppist, vielleicht kommt der Name von Riba her, Riba. der Fisch. Aber es gibt keine Fische mehr in den Bewässern der schwarzen Elster. Alte Urkunden erzählen, diese versumpfte Niederung sei einmal ein Fisch- und Vogelparadies gewesen. Jetzt xei: Senftenberg gibt es nur noch Kohle. Sie wird im Tagbau gewonnen und in den fauchenden Brikettfabriken verarbeitet. Senftenberg liegt in einer Talsentung und wird von drei Seiten von kleinen Hügeln und sandigen Riegeln eingekesselt. Von allen Seiten qualmen die hohen Essen. Oberhalb von Reppist beginnen die Bruch felder und die kahlen Kippen, die Sandhalden. Kies liegt da, bestanden mit kleinen Birken und dunklen Kiefern. � Brombeec- gebüsche wuchern, in den Brachfeldern gibt es ab und zu wilde Rosen, stolze Königskerzen, silberne Disteln und blühendes Heide- kraut. Auch einige Glockenblumen sind ab und zu zu finden. Di« hohen Halden hinter den Bruchfeldern sollen aufgeforstet werden. Heute zeigen sie noch zerfallene Wände, steil abstürzend, vom Regen ausgewaschen, von Rauch und Ruß schwarz geschminkt. Die Stadt ist unsichtbar, aber sie ist zu hören. Die Arbeit ist zu hören. Die Glockensignals der Förderung, das Pfeifen und Rangieren der kleinen Transportzüge, das Winseln und Jaulen der großen Förderbrücken geht ununterbrochen. Man hört das heisere Fauchen aus den Britettfabriten und atmet Rauch und Ruh. Von allen Seiten greift die Industrie die kleine Stadt an. Es ist wie ein Krieg. Und wie ein Schlachtfeld sieht auch das verwilderte Land ringsum aus. Die Industrie wandert durch die Wälder und durch die Wiesen. Sie gräbt sich mit ihren Maschinen in die Erde, holt die schwarz« Kohl« herauf, schüttet die Kippen und baut die Bruch- felder. Sie rationalisiert und wandert immer weiter. Sie frißt neues Land, neue Wälder, neue Wiesen. Sie zerstört ganz« Dörfer und Straßen und raucht, rasselt und stinkt. Zurück bleiben die nun entwurzelten Dörfer, die arbeitslose Bevölkerung, die nun toten Wiesen und Aecker. Die Menschen in diesem Revier sehen trotz der vielen Betriebe bäuerisch aus. Alle deutschen Landschaften haben ihre willigen Zwechänder in dieses Gebiet geschickt. Es ist für die Zweihänder ein Hexenkessel der Armut geworden. Alles gehört ja den Gruben: das Land, viele Siedlungen und Wohnbaracken und auch die Kaufläden. Wir wandern weiter. Die Straße versandet plötzlich, wird breit und erinnert an russische Landstraßen. In der Stadt sahen wir drei junge Chinesen, Ingenieure, die den Berxbau studieren wollten. Sie studierten ihn sicherlich nur al» technisches, aber nicht al» soziologi- sche» Phänomen. Hier in diesem Revier zeigt sich da» wirkliche Deutschland, da» arme, arbeitsame und unpathetische Land. In den letzten Jahren wurden(5000 Bergleute durch die Rationatisierung arbeitslos. Sie werden in kein» Grub«, In keine Fabrik mehr kommen können. Die Gruben und Fabriken arbeiten schon mit Feierschichten. Was wird aus den 60Ü, aus ihren Frauen und Kindern? Wir wenden uns wieder der Stadt zu. Vor un» liegt die Höhe 804. Dt« Höhe 304 war ein berühmter Brennpunkt in der Schlacht bei Verdun. Um was geht die Arbeitsschlacht bei Senften- berg? Um die Versorgung der großen Städte, um die Elektrizität, um den Absatz, um den Prosit, um den Menschen? An den Hängen de? Höhen wuchs unter der sächsischen Herrjchaft auch Wein. Die „Mustergültige Gewerkschasten" Lm Lande der„Oikiatur des proleianats". Nach der Veröffentlichung der bekannten Rede Stalins vom Juni, in der namentlich auf die ungünstigen Wirtschaft- lichen Auswirkungen der gröblichen Vernachlässigung der Lebensinteressen der Arbeiterschaft in der heutigen Praxis der russischen Industriebetriebe hingewiesen wurde, hat der Zentral- rat der Gewerkschaften der Sowjetunion die Ueber- prüfung der tarifvertraglichen Bestimmungen, die die Sicherung der Interessen der Arbeiterschaft zum Gegenstand haben, den gewerkschaftlichen Organisationen zur Pflicht gemacht. Die Ueberprüfung der Verträge und die Nachprüfung ihrer tat- sächlichen Durchführung sollte, wie in der Sowjetunion üblich, in die Form einer„Kampagne" gekleidet werden. Die vorläufigen Ergebnisse dieser Kampagne scheinen nach dem„Trud" vom 1. September wenig erfreulich zu sein: „Welches sind nun die Crgebnisie des abgelaufenen ersten Monats? Mit aller Entschiedenheit muß gesagt werden, daß die meisten Gewerkschaftsorganisationen eine außerordentliche Trägheit und llnbeweglichkeit in der Durchführung einer überaus wichtigen wirtschastlich-politischen Maßnahme an den Tag gelegt haben, wie sie die umfassende Ueberprüfung der Gsgenfeitigkeitsoerpflichtungen des dritten Jahres darstellt... Be- zeichnend ist, daß kein einziger Verband weiß, wie die Ueberprüfung der Tarifverträge an Ort und Stelle vorgenommen wird, wobei es sich nicht etwa um entlegene Randgebiete, sondern auch um Moskau handelt.... Die Entschließung des Zentralrates der Gewerkschaften bestimmt eindeutig den Umkreis der Fragen, die von der Ueberprüfung erfaßt werden sollen, und rückt in den Mittelpunkt die Probleme der Ver- sorgung der Arbeiter unter sozialen und Lebensstandardgesichts- punkten. Indes läßt sich schon aus den ersten fragmentarischen Meldungen über den Verlauf der Kontrolle entnehmen, daß die Fragen der Lebensverhältnisse und der sozialen Stellung der Arbeiter in den meisten Betrieben in den Hintergrund gedrängt werden(so in den Automobilwerken Nishnij-Nowgorod)... Nicht genügende Aufmerksamkeit wird auch der Frage der recht- zeitigen Lohnauszahlung gewidmet. Lohnzahlung zu festgesetzten Terminen ist«ine Verpflichtung, die in jedem Tarif- vertrag enthalten ist... Indessen halten die Verzögerungen in der Lohnzahlung i» einer Reihe von Botrieben noch an." Ueber die Nichtauszahlung der Löhne berichten die Korrespondenten des Blattes in der gleichen Ausgabe: „Die Astrachaner Betriebe oerzögern systematisch die Lohn- Zahlungen. Böswillige Richtzahler sind die Werst für Fischereidampfer, die Stalin-Werke, die Lenin- Werke, die Staatliche Dampfschiffahrt, die Distriktseisenbahndirektion, der Staatliche Fischtruft, die Kommunalbank." Das Gewerkschaftsblatt weiß jedoch auch über„mustergültige Durchführung" der Tarifverträge zu berichten und weist insbeson- der« auf die Roten Putilov-Werke in Leningrad hin. Was ver- anlaßt aber das Gewerkschaftsorgan zu der Behauptung, die Pu» tilov-Werke böten ein Musterbeispiel der Einhaltung der Gegen- seitigkeitsverträg«? Nun, aus dem Bericht erfährt man, daß in den Putiloo-Werken die Revision der Leistungssätze bei Senkung von Akkordsätzen mit Eifer und Erfolg durchgeführt worden ist, daß die Akkord» arbeit in ihrem Anwendungsgebiet stark ausgedehnt wor» den ist, daß schließlich mit Hilfe dieser Maßnahme das Spar- Programm im ersten Halbjahr 1931 nicht nur durchgeführt, son» dern sogar überschritten worden ist(man sparte— auf Kosten der Löhne!— statt der vorgesehenen 1 734 000 Rubel in Wirklichkeit 1 939 000 Rubel-in). Wie sieht es aber auf der anderen Seite aus? Da» Kantinen- netz ist etwas ausgebaut worden,„die Qualität des Essens hat sich etwas gebessert". Die Kinderhorte der Werke(Krippe und Kinder- garten) betreuen 90 Kinder, ferner werden 85 Kinder von den kom- munalen Kinderhorten betreut. Das Blatt sieht allerdings selbst ein, daß die Betreuung von 175 Sindern auf eine Gesamtzahl von 32 000 Kindern „zu wenig" ist, es vertröstet aber feine Leser mit Zukunftsbildern darüber, wie alles einmal werden soll. Als„Errungenschaften" sollen auch die Errichtung von 4 Baracken für 240 Personen so- wie der im Bau befindliche Versuch einer Barackensiedlung für 1000 Personen gelten. Das alles in einem Betrieb, der als sozialpolitisch„mustergültig" zur Nachahmung empfohlen wird! Ist nicht umgekehrt die Anspruchslosigkeit des offiziellen Or- gans der Sowjetgewerkschaften mustergültig? Immer wiederfreiwilligerArbeiisdienst. Mit„nebenhergehenden AildvngSmaßnahmen". Nachdem auf Grund der Notverordnung vom 5. Juni die Verordnung über die Förderung des freiwilligen Arbeits- d i e n st e s in Kraft getreten ist, hat der Präsident der Reichsanstalt Richtlinien veröffentlicht(Reichs-Arbeitsmarkt-Anzeiger Nr. 15 vom 10. August), die das Aufgabengebiet des freiwilligen Arbeitsdienstes abgrenzen. Hiernach soll„der freiwillige Arbeitsdienst des Arbeitslosen, ins- besondere solchen jugendlichen Alter», ermöglichen, chre brachliegende Arbeitskraft— ohne Eingehung eine» Ar- beitsverhältniffes— in selb ft gewählter ernster Ge- meinschaftsarbeit unter sachkundiger Leitung in nützlichen Arbeiten, die sonst nicht in Angriff genommen würden, zu be- tätigen, und aus der Arbeit selbst sowie durch nebenher- gehende Bildungsmaßnahmen körperliche und geistige Schulung zu empfangen. Damit ist ausgesprochen, daß sich der frei» willige Arbeitsdienst wesentlich an jünger« Kräfte— nicht nur an Jugendliche— wendet." Im Rahmen der Arbeiten, die als gemeinnützig und zusätzlich anerkannt sind, werden auch solche, die der 5)ebung der Volks- g e s u n d h e i t dienen, erwähnt. Es können somit auch Orts-, Kreis- und Bezirksausschüsse für Jugendpflege und Leibe»- Übungen, sowie Turn- und Sportverbände und Ver- «ine, die Gruppen von Arbeitsdienstwilligen zusammenfassen, Mit- träger de» freiwilligen Arbeitsdienstes sein. Um«ine sachgemäße technische Durchführung von in Angriff zu nehmenden Arbeiten zu sichern, bestimmen die erwähnten Richtlinien alles Nähere über das Verfahren zur Anerkennung einer Arbeit als freiwilliger Arbeits- dienst. Die Anträge sind mit einer Erklärung der Gemeinde- Verwaltung an das örtliche Arbeitsamt zu richten: die Entscheidung trifft der Vorsitzende des Landeearbeits- amts im Benehmen mit dem Verwaltungsausschuß. Mit der Be- willigung von Mitteln zur Materialbeschaffung kann jedoch aus diesem Wege nicht gerechnet werben. Ein Herausreißen aus der Verzweiflung der Arbeitslosigkeit ist gut und zu begrüßen. Wir sind aber gegenüber dem„freiwilligen Arbeitsdienst" nach wie vor skeptisch. Mit besonderem Miß- trauen erfüllen uns die Richtlinien, die den nationalistischen Stu- dentenvereinen und den kirchlichen Traktätchenvereinen aus den Leib geschrieben sind. Wie kommt der Präsident der Reichsanstalt dazu, „nebenhergehende Bildungsmahnahmen" vorzuschreiben? Entweder die jungen Leute werden zur Heuchelei erzogen, oder sie riskieren aus„Gründen der Disziplin" fortgeschickt zu werden, sobald sie mit den „nebenhergehenden Bildungsmaßnahmen" nicht ganz einverstanden sind. Der ganze„freiwillige Arbeitsdienst" ist weiter nichts als der krampfhafte Versuch, den Verfechtern der Arbeitsdienstpflicht die Pille ihrer Niederlage zu versüßen. Allerdings mit öffentlichen Mitteln. Die Krise in der Holzindustrie. Herr paeth redet dummes Zeug. Anläßlich der Internationalen Büroausstellung hielt dieser Tage der Verband für Büromöbel und Ladenbau eine Kundgebung ab, auf der auch der erste Vorsitzende der Vereinigten Verbände der Berliner Holzindüftrie, der Deutschnationale Paeth, sprach. Paeth sagte, die Berliner Holzindustrie stehe vor dem Zu- sammenbruch. Von 35 000 Berliner Holzarbeitern sind 28 000 arbeitslos, auch die übrigen ständen vor der Entlassung. Schuld an diesem Zusammenbruch sei in erster Linie das hautige Tarif- s y st e m: die Löhne in der Berliner Holzindustrie seien doppelt so hoch als die der Vorkriegszeit. Darüber hinaus ruinierten die Soziallasten und die Steuern neben der Betätigung der öffentlichen Hand die Betriebe. Herr Paeth hat also wieder ein altes Steckenpferd geritten, wie er ja auch auf dem Standpunkt steht, ein Arbeiter dürfe nur den Lohn erhalten, den der Unternehmer für angemessen hält. Auch sonst nahm es Herr Paeth nicht so genau. Schon bei den Zahlenangaben. In normalen Zeiten beschäftigte die Berliner Holz- industrie nicht 35000, sondern 45 000 Arbeiter, und davon sind gegenwärtig nicht 28 000, sondern 26 000 ohne Arbeit. Wenn im übrigen Paeth über das ominöse Tarifwesen zetert, so war er ja immerhin Kontrahent dieser Verträge, hat sie mit abgeschlossen und wäre somit mitschuldig am Zusammenbruch vieler Berliner Holzver- arbeitungsbetriebe. Aber abgesehen davon, liegt doch die Ursache der Krise in her Berliner Holzindustrie nicht im heutigen Tarifwcsen, wobei zu allem übrigen zu bemerken ist, daß die Berliner Holz- arbeiter schon seit geraumer Zeit t a r i f l o s arbeite». Die Holzindustrie leidet mit unter der Krise des gesamten B a»- Markts. Floriert die Bauwirtschaft, hat auch die Holzindustrie Beschäftigung. Bei der geringen Erstellung von Neubauten werden eben auch nur wenige Wohnungseinrichtungen benötigt, gibt es auch keine Arbeit für Bautischler. In der Bllromöbelbranche liegen die Verhältnisse besonders im argen, da jeder Betrieb in der Krisen- zeit sich natürlich mit seinen alten Möbeln behilft. Doch was will der Herr Paeth noch: in der Sägewerk- industrie werden doch Facharbeitern Stundenlöhne von 70 bis 80 Pf. gezahlt— und trotzdem raucht kein Schornstein. Ebensowenig in den holzverarbeitenden Betrieben, wo 90 Pf. pro Stunde gezahlt werden: auch da keine Konjunktur. Ansonsten stände es den Holzindustriellen besser an, endlich wieder zu kalkulieren und den Inflationsgebräuchen endlich ade zu sagen. Was soll das heißen, wenn bei der Submission eines fest umrissenen Objekts von den Unternehmern Offerten abgegeben werden, die bis zu 300 Proz. untereinander differieren. Entweder kann da einer von den Unternehmern nicht rechnen oder der andere hat sein Material gestohlen. Die Holzindustriellen mögen sich also an die eigene Nase fassen. Tanfkündigung im Karosseriegewerbe. Die Unternehmer drücken sich. Im Berliner Karosseriegewerbe haben die Unternehmer das laufende Lohnabkommen zum 31. August gekündigt. Anstatt sich nun mit den am Lohntarif beteiligten Gewerkschaften an den Ver- Handlungstisch zu setzen, lassen die Unternehmer seit ihrer Kündig gung des Tarifs nichts mehr von sich hören. Zu dieser Verschleppungstaktik nahm am Mittwoch im Ver- bondshaus des Holzarbeiter-Verbandes eine Funktionäroersammlung der Berliner Karossericarbeiter Stellung. Die Versammlung war sich darüber im klaren, daß die Unternehmer den Tarif nicht zum Zeitvertreib gekündigt haben, sondern offenbar eine Lohnkürzung durchsetzen wollen. Unklar blieb den Funktionären nur das stän- dige Ausweichen der Unternehmer vor irgendwelchen Verhand- lungen. Die Versammlung beschloß nach einem Referat des Genossen H« n s ch e l vom Metallarbeiter-Verband, den Unternehmern mitzu- teilen, daß die Karosseriearbeiter nicht gewillt sind, diesem Spiel noch länger zuzusehen. Entweder die Herren kommen endlich an den Verhandlungstisch und sagen klipp und klar was sie wollen oder aber die Karosseriearbeiter verzichten auf eine Erneuerung des abgelau- fenen Lohnabkommens und werden ihre Lohnbedingungen von Be» trieb zu Betrieb regeln. Dabei dürfen die Unternehmer ja nicht etwa glauben, daß die Arbeiter irgendwelche Lohnkürzungen hin. nehmen werden. Oer Konstiki im Möbeliransportgewerbe llm die Verbindlichkeitserkiärung des Schiedsspruches. In der Tarifbewegung der Berliner Möbeltransportarbeiter ist eine Wendung eingetreten. Die Unternehmer hatten das Lohnab- kommen gekündigt und neben anderen Verschlechterungen einen Lohnabbau um 16 Prozent gefordert. Nach langen Verhandlungen wurde ein Schiedsspruch gefällt, der jür die ständigen Arbeiter eine Lohnkürzung um 6,5 Prozent vorsieht. Bei den nichtständigen Ar. beitern soll der Abzug 8,3 Prozent betragen und in zwei Etappen, am 11. September und am 1. Januar, vorgenommen werden. Als .Lohnausgleich" war die Einführung eines sogenannten Meter- gelbes vorgeschlagen, das 1 Mark pro Meter und Umzugskolonne betragen soll. Die Erklärungsfrist zu diesem Schiedsspruch lies am 5. September ab. Eine Vollversammlung der Berliner Möbeltransportarbeiter beschloß am 3. September nach stürmischer Debatte, den Schieds- spruch abzulehnen. Die Unternehmer beantragten die Verbindlich- kcitserklärung. Am Mittwoch, dem 9. September, wurde vor dem Schlichter darüber oerhandelt. Nach einer mehrstündigen ergebnis- losen Aussprache gab der Schlichter bekannt, daß er seine Entschei. dung im Laufe de» Donnerstags treffen werde. Oas gute Herz... Die Praxis in einem demokratischen Zeiwngsverlag. Man schreibt uns:„Wohltun fängt im eigenen Hause an!� Bequemer ist es allerdings, zunächst einmal ein Programm aufs i zustellen, worin vorgeschlagen wird, wie die anderen wohltunt'. sollen. Die„B e r l i n e r B o l k s< Z e i t u n g" hat so ein„B.V.Z.«s Programm" mit Schlagzeilen„Jedem täglich ein warmes Miltag-e- essen" usw. hinausposaunt. Sie tritt weiter ein„für g c r e ch t e u n d vornehme'" Behandlung der Angestellten gerade in der jetzigen!. schweren Krisenzeit und ganz besonders für unbedingte Taristreue, Sie tut das, indem sie einen Aufruf einer Wiesbadener Ar. Allgäuer Stangenkäse 0. Pfd. nur Tilsiter vollfell Pfd. nur 0.78 Unser Hau«»rt Soonahend. den 1?. September, getttwet t Verhent soweit Vorrat Mengensbgnbe vorbei alten Gemüse . Pfund 0.03 3 Pfand 0.10 . Pfund 0.C4 . Pfund 0.03 3 Pfund 0.33 Kopf ab 0.10 Obst, wlrslngHohl.. mflnren««»... Hüriiis im g«"» Rotkohl..-- Pitneriinoo.- Blumenkohl...... SoiiorieknoilOD.«und ab 0.12 FOldWOlO.... �und 0.20 Kocnipioi....«•»o o-o® HasenKöplo..« 0.25 Qoidreneuen..- fund 0.10 Broßo Tomaten. s Pfund 0.35 Piirsicne.. Pfand 0.26 o.is HochhlrnoD... pfundO.os Räucherwaren Btone Neringo. 3 Pfund 0.4« Roihars..... pi»"« Pfund 0.20 sooiacns Scneiiiisch makreien Fiscntiiet. Fanouckilnge Pfund 0.22 Piund 0.24 Pfund 0.32 Pfund 0.28 Beriuchorter Scnoilllech 0.32 aorBucherte makreien fid o.38 Neue Her.hflB.10 wann 0.45 matiesherlngo 510-1.0. ,2 0.10 TatelOCI-.'/«•Uier-PlaiOba 0.35 Hai. Seiet..... Pinnd 0.7a mayonnaite.... Pfund 0.70 Käse Reraadour 20%.. st-k. 0.20 Harzer... 1 ptd. p«kai 0.32 fliieriBiFeiiikostka8e%>ch.o.42 Kümmelkäse... piun« o-ZZ Siemcuscner vom. piund 0.72 Hoiianderu.Edaraer vom-po.M BiockkBse suhw Mtio-'opid. 0.88 Bagp.Schuieliervoun.sd 1.24 Ronscnmaiz... Pfund 0.34 la Bratenscnmalz Pinna o.as laBrkbenschmaiz»und o.os moikereiDutiir.. Pinna' TateiDutter... Pinna i.48 markenöütter... pi-"« i-so aoteiuieinticrb... Apleiiueln»ob... jonannisDiertueln ErdDoirwiin.. Rhelnpt.ueiBiuela. uter o.so Taragone.... Uinr 1.00 mer 0.75 uiermutnuein. Ufa. 1.00 Liier 0.73 80010!...... War 1.00 Ll.ar1.38 maiase..... Ufr 1.15 uter o.oo jamalka Fum-Tmdm.»8% 4.20 UJHdschiualnragout pim-d o.so Hlrschhiitier. pmnd ab o.ss Hirschkeula.. piund 1.20 Rihhiauer.. piund ab 1.03 uiiiaschiueinDraten piuna 1.20 Kolonialwaren Bandnudetn... piund 0.39 EierBruchmiccaranl m 0.44 Eier-schnittnudein. piund o.as Eler Fadennudeln. piund 0.4a ROtS unpoliert. 0.24 0.20 itai. Tatelreis... ptund 0.28 Haio-SchSlerhsen rm pid. 0.28 Linsen.. pumd ojzs 0.1 8 w:iaa Bohnen Pmnd o.24 0.18 Haiertiocken... pmnd 0.24 Kanotiaimenl...pmnd 0.1 8 tuefzenmoni....piundO.ao huszugmeni....ptund 0.34 Katlee truch gebrannt Pfund 1»90 Frisch gescm. rauhen m*. o.«3 Jg. Bratgdnse. pmnd ab 0.88 Bratenten... pmnd ab 0.88 Frsupponnuhner 0.0# 0.88 JB.POUlBtS... Pfund ab 0.93 Wurstwaren Leber- od. Blutiuurstpid. o.es specHuiursi..... 0.74 Streichniettuiursi.. 0.88 oamptuiurst..... 0.88 FlBlscbuiursi..... 0.88 HausniachBr..... 0.9a wiener........ o.so Jagdwurst...... i.os «.Leberwurst.... 1.20 Harte Krobiauchw...1.15 SchtnKenwuret.... 1.1 s Teewurst lain oder Kiob. 1.40 poiD. corveiato. Salami. 1.35 Holst. Schlachw.LFatfd.. 1.55 SchinkenspecK.... 1.52 nuBschintien..... i.so SpßCH fatttr.,,,,, 0.95 SpeCk mager..... lalO Fletscb Kalbshamm.....» o.«8 Kaibsougu. Brust...» 0.34 Kaibsheuie.....-m 0.88 Kalösheueo.Knoch... i-Z« Kafller mud.....«b o.ss Benacmes...... 0.70 Bratwurst...... 0.88 Hammeluordertieisch-o.ss schmortieisch k»..1.10 Suppanlieisci)..b 0.68 Schuielneschlnk. Blatt m b 0.86 Scltwelnehainn) u.Schutt 0.94 Schweinehoteieti... 0.98 Schweinebauch.... 0.78 Rinderlungen.... 0.24 cisöeln mit Spitz..,. 0.64 Schweinenieren... o.78 Kinderleber..... 0.94 beitgeber-Vereinigung bege!st«rt abdruckt, die ihren Mit- gliedern empfiehlt: „Schafft keine Erbitterung, laßt euer herz sprechen und seid so, wie es jeder ordentliche Kaufmann fein muß, nicht nur der Arbeit- geber, sondern auch ein sorgender, mitfühlender Kollege und Freund." Wir hoffen, daß diese Forderung in Wiesbaden nicht spurlos verhallt. Was geschieht aber bei Rudolf Mosse, dem Verlag der„Berliner Volks-Zeitung"?, die sich täglich für Meinungs- und Handlungseinheit einsetzt? Die Tariftreue bei Mosse kommt dadurch zum Ausdruck, daß man sich sträubt, ganz große Abteilungen tarif- mäßig zu bezahlen. Die„gerechte und vornehme" Behandlung der Angestellten be- steht in monatlich 20 bis 2S Kündigungen. Die Ar- beitsplätze der langjährig tätig gewesenen Gekündigten werden zum Teil mit jüngeren, billigeren Kräften besetzt. Frei- willig wird keine Abfindung aus Grund des Betriebsräte- gesetzes gezahlt. Die Firma Rudolf Mosse, der„sorgende, mit- fühlende Kollege und Freund", balgt sich um jeden Pfennig mit ihren Angestellten vor dem Arbeitsgericht. Die„vornehme" Art einzelner Abteilungsleiter bringt es z. B. mit sich, daß einer dieser Herren seine Vorgesetztengewalt dazu miß- braucht, Angestellte mit der Vervielfältigung obszöner Gedichte usw. während der Dienstzeit zu beschäftigen. Die Folge war lediglich eine„milde Zigarre", während andere, die anständig und arbeit- sam ihren Obliegenheiten nachkommen, solange bedrängt werden, bis sie abbaureis sind, weil sie es gewagt haben, sich für Angestellten- interessen einzusetzen. Wer einen Kommentar braucht, sei auf das oben zitierte Sprich- tzvort verwiesen. Cine Maßregelung. Sollings?iache an dem Vorsitzenden des Betriebsrats. Der Vorsitzende des Betriebsrotes beim Landgericht I, E r n c ck e, isnicht Fro e ck e, wie es infolge eines Druckfehlers in unserer gestrigen Morgenausgabe heißt), ist fristlos entlassen worden, weil er auf Dienstpapier während des Dienstes einen Artikel diktierte. Ob diese Handlung eine fristlose Entlassung recht- fertigt, darüber wird das Arbeitsgericht entscheiden. Die Kollegen Erneckes, die Betriebsräte der Justizverwaltung Berlins und der Vororte haben zu dieser Entlassung Stellung genommen und ihrer Meinung in einer Entschließung Ausdruck gegeben, in der zunächst gegen die fristlose Entlassung protestiert wird. Dann heißt es weiter: „Sie erblicken in dieser Maßregelung einen erneuten Vor- stoß der Justizverwaltung gegen Betriebsräte, die die Interessen der Kollegenschaft energisch wahrnehmen und den Widerstand gegen die dauernden Angriffe auf die Arbeitsverhältnisse und die Lebens- Haltung der Justizangestellten organisieren. Die Betriebsrätekonfe- renz wendet sich an die gesamte Kollegenschaft mit der dringenden Mahnung, sich für den Schutz der Betriebsräte, die sich für sie Umgesetzt haben, mit allen Mitteln einzusetzen." Kein Zweifel, die fristlose Entlassung ist eine Maßregelung. 'Herr Solling hat seine Privatrache nehmen wollen. Das wird fein tamponiertes Ansehen sicher nicht heben. 26 jähriges Jubiläum. Internationale Föderation der Keramarbeiter. Die Internationale Föderation der Keram- Arbeiter kann in diesem Jahr auf ihr 25jähriges Bestehen zurückblicken. Aus diesem Anlaß wird im September ein Kongreß in L i m o g e s, der Porzellanstadt Frankreichs, abgehalten, weil an diesem Ort vor 25 Jahren die Internationale gegründet worden ist. Der Internationale gehören an die Keramarbeiter aus England, Dänemark, Holland, Frankreich, Oesterreich, der Tschechoslowakei und die Arbeiter der grob- und seinkeramischen Industrie Deutschlands. Die Keramarbeiter Deutschlands sind im Verband der Fabrikarbeiter, Keramischer Bund, organisiert. Die gesamte Föderation zählt etwa 150 000 Mitglieder, wobei für die Truppe der F e i n k e r a m i k die Hälfte den F r a u e n zugerechnet we�ien muß. Der Kongreß, der als Jubiläumskongreß gedacht ist, hat u. a. auf seiner Tagesordnung die Behandlung der gesetzlichen und tarifvertraglichen Bestimmungen über den G e- su n d h e i t s s ch u tz der Keramarbeiter unter besonderer Berück- sichtigung der Staublungenerkrankung(Silkose), der Osenhitze beim Ausnehmen der Brennöfen und der Erkrankungen durch Einwirkung von Terpentin und Oelen. Außerdem wird sich der Kongreß mit der Verkürzung der Arbeitszeit be- schäftigen, wozu das internationale Exekutivkomitee eine Resolution vorlegt, die alle Länder verpslichtet, dieser Frage ganz besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Eröffnung des Kongresses. Paris, 10. September.(Eigenbericht.) In Limoges begann am Donnerstag der internationale Gewerkschaftskongreß der keramischen Industrie, der zugleich mit der Feier des 25jährigen Bestehens des französischen Gewerkschaftsbundes der keramischen Industrie zusammenfällt. Die Eröfsnungssitzung war Begrüßungsreden gewidmet. Die eigentlichen Arbeiten des Kongresses nehmen am Freitag ihren Anfang. vi« Zahl der vnlerfiühken Arbettslosea in Oesterreich betrug am ZI. August 105 321. Gegenüber der letzten Zählung ist eine Zunahme um rund 290 Personen zu verzeichnen. »Freie Gewerkschafts-Iugend Berlin ti__ Heute, um 19� Uhr, tagen die Gruppen:«dlerrhof: Gruppenhein, Ädlersihof, Bismorckstr. 1. Gruppenspaziergang.— Rordring: Jugend» heim Schule Sonnenburger Str. 20.„Die Frau in Ruhland."— Reinickendorf-Vst: Jugendheim Einbauet Straße i Baracken).„Betriebsformen der Wirtschaft."— Süden: Jugendheim Wasscrtorstr. 9.„Bub und Mädel."-- ckharlottenburg: Jugendheim Spreestr. Z0.„Die Unfallverhütung."— Zeppelm- plag: Zuaend�im Turiner Ecke Ecestraße.„Politische Lage uird Gewerkschaften." — SpandaU'Wilhelmstadt: Jugendheim Sportplaß Seeburger Straße. Heim- befprechung.— Hermaanplatz: Jugendheim Sandcrftr. II, Ecke Habrechtstraßc. Fahrtenberichte werden vorgelesen.— Zugendgruppe des Gefamtuerbaudes, Fach» grnppe Haudelsgewerbe: Zm Zugendheim Gcwertschastshaus, Engelufer 21—35, Filmvartrag:„Bon der Schulbank zum Verkehrsflieger". Iugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Heute, Freitag, finden kolgende V-ranftaltunge» statt: Sorben: Zugend. heim Lartzingstr. lg. Vortrag:„Alkohol und Nikotin— zwei Gifte". Referenten stellt der Arbeiter-Abstinentenbund.— Südwest: Jugendheim Yorck» straße 11<2. Hof, Oucrgcbäude 1 Treppe, Zimmer 5).„Ick lach nnrn Ast."— Heute tagt die„Berliner Druckerei- und Verlagsgesellschaft m. b. H." von 30 bis 22 Uhr im Jugendheim Ebertpstr. 12.— Meldet euch für die Volksbühnen- abtailung für die arbeitende Zugend im Iugendliekretariat. Gewinnauszug 5. Klasse 37. Preußisch-Süddeutsche Staats- Lotterie. Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus jede gezogene Rummer find zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer aus die Los« gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 28. Ziehungstag- Ig. September 1931 3n der heutigen Vormiltägsziehung würden Gewinne über 400 M. gezogen 2 Seteinne zu 200000 m. 341884 2«ewiiine ,u 25000 M. 56368 2».Winne III 10000 M. 213065 8».Winne m 5000 M. 48612 70794 80238 108656 18«.Winne IN 3000 M. 5156S 99777 101541 130577 183556 201798 217161 242544 292842 40».Winne ,» 2000 M. 11142 19849 23624 33670 35045 60588 67153 75814 92943 136039 223320 225945 262006 271299 282579 212632 339721 255096 359407 293232 110«-Winne ,u 1000 M. 6243 8539 11623 11809 14681 40233 43448 52603 53660 60692 79633 79974 80386 88111 90701 91018 92175 93574 114303 113554 120199 125686 146980 173196 192942 206870 208055 212917 2I307I 215326 215620 215858 219715 226853 250983 253321 253567 261895 265334 266956 267085 277113 303126 303490 304116 324677 327763 337500 362359 365038 368642 371916 373822 379318 379934 1 94 Gewinne ,u 500 M. 2544 7716 9668 11949 14463 16107 18182 20031 250022816623322 29242 36737 37371 42152 46826 60433 62301 73832 74636 34233 85326 86696 34765 33236 38962 93207 104532 105046 105064 123534 127525 123645 130001 134335137916 138002 141363 141462 146423 150662 154436 165312 167280173681 181173 132318 183233 185365 136370 186430 187470 133817217483 217565 213112 221671 224854 225147 225807 226807 237358 240051 244334 246151 247263 251867 273364 274723 275366 275732283100 233105 235817 300073 300215 304234 305033 313443 317078 326344 332533 341313 342560 346907 343313 351033 360610 363940 367556 370713 274582 375553 377262 333406 334720 391543 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 100 M. gezogen 12 Sewinn« ,» 5000 M. 23761 29421 233388 274266 326611 368780 24»«vinn« m 3000 W. 58178 75995 85052 129998 164634 169016 217312 263692 317386 347126 347438 397599 36»ettinn.»u 2000 M. 22865 47981 48218 104999 141080 153091 211579 243035 252635 258374 267385 312384 312441 348645 351444 361045 371988 376671 78»-Winne>u 1 000 HL 637 6568 6955 20292 35635 49649 82252 59748 68632 72401 74326 7S523 81474 81855 90761 106934 126908 160357 1 941 52 203408 208375 212113 228893 244830 289889282766 273858 7.81815 295839 321813 347940 380044 382800 304808 304783 369808 373858 391094 397811 156 B-Winne ,u 600 M. 18960 31883 34818 36063 38893 45342 83770 60367 62395 663S6 67713 77060 78746 93424 95521 99201 100220 101089 101224 101238 103550 103784 106824 116135 116804 129443 135383 146827 150790 153253 166375 167337 172375 I7S341 161407 133279 136028 189335 196230 200596 202182 203092 216842 213833 219396 220417 232776 241213 242161 243235 24SS1S 257562 25S3S4 267904 273206 277671 235635 293743 295726 296126 30SI03 310777 315063 319904 325799 343831 345002 351538 355088 357242 363294 363452 373301 374368 276524 379200 384933 392490 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000, 2 Gewinn« zu je 50000, 2 zu je 25000, 14 zu je 10000, 10 zu je 5000, 30 zu je 3000, 74 zu je 2000, 130 zu je 1000, 196 zu je 500, 592 zu je 400 Mark. 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Pkt you 0,32 'Grüne Heringe.... spfd. 0,44 •Lebende Karpfen Pfd. v. 0,95 •Lebende Aale...Pfd. von 1,45 Bücklinge.......... Pid.Ton 0,28 Schellfisch gerinchert, Pfd. 0,32 Makrelen geräuchert.. Pfd. 0,38 Stückenflundern ger.,Pkd. 0,45 Goldbars gerinchert... Pfd. 0,42 StUckenlachsgerlach.,Pfd. 1 ,55 Oelsardinen'/tCiobdose.JDoteii 0,88 Senfgurken... 5-Lifer-Dose 1,90 "In allen Hlusirn tutter Andreuitrtiu Wild und Geflügel Rehkeulen........ Pfd. von 1,60 Hirschblätter...Pfd. von 0,85 Hirschbraten..... Pfd. von 1,10 WildschweinbratenPfd-v. 1,40 Junge Gänse frisch, Pfd.*. 0,88 Hühner gefroren....Pfd. von 0,92 SuppenhUhnertriBch.Pfd.T. 0,95 Enten frisch........ Pfd. von 0,88 Brathühner........ Pfd. von 1 ,10 Obst und Gemüse Pflaumen blaue...... 5 Pfd. 0,48 Weintrauben.......... P'd. 0,22 Kochäpfel grosse....2Pfd. 0,25 Tafeläpfel............. Pfd. 0,20 Kochbirnen grosse...3 Pfd. 0,28 Kaiserkronen........ Pfd. 0,25 Graubirnen......... 3 Pfd. 0,25 Bananen............. 3 Pfd. 0,88 Weiss-, Wirsingkohl Pfd. 0,05 Rotkohl................. Pfd. 0,05 Pfefferlinge........... Pfd. 0, 1 8 Senfgurken........... Pfd. 0,06 Blumenkohl..... Kopf von 0,10 Rosenkohl............. Pfd. 0,26 Neue Kartoffeln...io Pfd. 0,28 Kolonialwaren Bruchreis.............. Pfd. 0,13 Tafel reis............... Pfd. 0,1 6 Eier-Makkaroni...... Pfd. 0,56 Eier-Bandnudeln..... Pfd. 0,46 Weizengriess........ Pfd. 0,26 Linsen.................. Pfd. 0,18 Weisse Bohnen...... Pfd. 0,18 Viktoria-Erbsen...... Pfd. 0, 1 8 Kakao Stark emdlt..... Pfd. 0,60 Krümel-Schokoladen- pulver................... Pfd. 0,85 Gebrannte Gerste.. Pfd. 0,20 Wurstwaren Sülzwurst............. Pfd. 0,63 Fleischwurst.........'pid. 0,88 Dam pfwu rst...........Pfd. 0,86 Knoblauchwurst...!. Pfd. 0,96 Mettwurst Brsehw. Art, Pfd. 0,95 Landleberwurst...... Pfd. 0,95 Feine Leberwurst...Pfd. 1,20 Schinkenpolnische.. Pfd. 1 ,20 Jagdwurst............. Pfd. 1,06 Zervelat............... Pfd. 1,35 Salami.................. Pfd. 1,35 Bierwurst...........-..Pfd. 1 ,28 Magerer Speck....... Pfd. 1.1 0 Fetter Speck........ Pfd. 0,95 Schinkenspeck.......Pfd. 1,52 Käse und Fette Camembert voiif,Soh«ehtei 0,25 Allg-StangenkäsezckBA 0,48 Tilsiter voiu«u......... Pfd. 0,78 Steinbuscher voiifett, pid. 0,72 Edamer 40»|............ Pfd. 0,84 Holländer 40«/0......... Pfd. 0,84 Schweizer voUfatt, Pfd. von 1,34 Markenbutter«Uert, Pfd. 1,56 Margarine...... 2 Pfd. von 0,75 Kokosfett..-2 Tafeln 4 1 Pfd. 0,75 Frisches Fleisch Kalbskamm o. B«Ug.TPfd.v! 0,68 Kalbsrücken o. Big., Pfd. v. 0,78 Kalbskeule bi« 9 Pfand schwer, gan* od. geteilt, Pfd. V. 0,88 Kalbskotelett.... Pfd. von 1,18 Kalbsroulade geroUt,Pfd.T. 1,28 Kalbsschnitzel.. Pfd. von 1,70 Suppenfleisch... Pfd. von 0,68 Schmorfleisch Keule, ohne Knochen,,..,. Pfd. i ,1 0 Rouladen.............. Pfd. 1,24 Roastbeef o. Kn....Pfd. von 1,38 Rinderbacken........ Pfd. 0,48 Rinderlungen......... Pfd. 0,34 Rinderherzen.........Pfd. 0,48 Euter.................... Pfd. 0,28 Hammel-torterflsiioh, Pfd. v. 0,88 Konserven h dos» Kaiserschoten.......... 1,45 Junge Erbsen sehr fein... 1,25 Junge Erbsen fein........ 1,10 Gemischt.Gemüse fein.. 1,40 Gemischt. Gemüse inituii. 1 ,00 Leipziger Allerlei........ 0,85 Jg.Wachsbrechbohn. I 0,80 Stangenbrechbohnen.. 0,58 Erdbeeren................. 1,15 Schattenmorellen o.stein 0,95 Span. Aprikosen'1, Frucht 0,95 Kalif.Plirsiche Frucht. 1 ,25 Schweinebaucho.Big:pid. 0,78 Schweineblatt........ Pfd. 0,86 Schweineschinken mit Bein.................. Pfch 0,86 Schweinekamm o.Big�PM. 0,94 Schweine8chufto.Big.,pid. o,94 Schweineköpfe m.BaciM.Pid. 0,40 RUckenfett bratfertig, Pfd. 0,78 Schweinenieren...... Pfd. 0,78 Gefrierfietsch Suppenfleisch....Pfchvon 0,60 Schmorfleischo.Kn„Pfd. v.o. 93 Hammel-Vordtmeisch, Pfd. v.0,68 Hammelrücken....... Pfd. 0,78 Hammelkeulen....... Pfd. 0,88 Rinderleber....... f..."Pfd. 0,98 Gemischte Früchte..... 1,35 Preiselbeeren............ 1,25 Konfitüre Eimer ca. 2 Pfd. Pflaumen.................. 1,00 Aprikosen................. 1,10 Johannisbeer............ 1,10 Kirsch...................... 1,25 Himbeer.................... 1,30 Erdbeer.................... 1,30 Ananas..................... 1 ,40 Gemischte Marmelade 0,90 Angebote unserer Weinabteiiung Preise ohne Fiaschc 1930er Kreuznacher Nahewein...... u, fi 0,78 iofi 7,50 1930er Siefersheimer Lauberfeld.»y.Fi.'1,00 iofi. 9,50 1929er Liehfragmilch lieblicher Dunenwein Fl, 1,25 lu FL 12, CO 1928er Waldracher Ehrenberg............ i/, fi. 1 ,85 iofi. 17,50 1925 er SauterneSweissersüsser Bordeauxwein, f'. Kl- 2,10 10 Fi. 20,00 Spezial-Apfelwein zar Kur, herb.............. mer 0,55 5 Ltr. 2,50 Rheinhessischer Weisswein mr sowie....Liter 0,78 s Ltr. 3,75 Deutscher Wermutwein..................... j.i)er 1,00 s Ltr. 4,75 Deutsch.Weinbrand od. Jamaika-Rumverschn. io»/«, Liter 4,60 A G D I R Al