Morgenausgabe Nr. 421 A 215 4S.I sener Grabens, durch den die Verbindung des Seddin» und Dämmeritzsee hergestellt wird und können uns hier einen Begriff machen von der gewalligen Ausdehnung, die die Spree in früheren Zeiten der Erdentwicklung gehabt haben muß. Das ganze Riesen- gebiet zwischen Gosen, Wernsdorf, Neu-Zittau, Alt-Hartmannsdorf und Erkner hat in noch nicht allzu lange vergangenen Zeiten ein einziges Seengebiet gebildet. Damals war die Spree ein breiter, mächtiger Strom, mit besten Ausmaßen verglichen ihr heutiger Wasserlauf als ein armseliges Rinnsal erscheinen muh. Zwei Brücken führen über die kleinen Wasserläufe des Gosener Schilfparadieses. Nach der Ueberschreitung der zweiten haben wir die Försterei Fahlenberg erreicht. Links hinter der Brücke eine schön gelegene Gastwirtschaft. An ihrem Landungssteg viele Sportboote und im Gosener Graben selbst ein ewiges Hin und Her von Kanus, Segel» und Motorbooten. Wir gehen nun durch den Wald oder auch über die Chaussee nach Müggelheim, das etwa 3 Kilometer von der Försterei Fahlenberg entfernt ist. Von hier hat man die Möglichkeit, mit dem Autobus A 43 nach Köpenick zu fahren. Schöner ist es In den Gosener Bergen Vom Winde freigelegte Baumwurzeln jedoch über die Müggelberge hinweg oder am Ufer des Langen Sees entlang bis W e n d e n s ch l o h zu wandern und hier die Heimfahrt mll der Straßenbahnlinie 83 anzutreten, die in Köpenick Anschluß an die in die Stadt führenden Linien bietet. Weglänge etwa 15 Kilometer. Wieder Schlägerei im Südwesten. Nazis gegen Kommunisten.- 2 Hakenkreuzler festgenommen Der Straßenkrieg zwischen Kommunisten und Haken- kreuz lern im Südwesten Berlins geht trotz des blutigen Zwischenfalles in der Gneisenaustraße und trotz der Polizei» lichen Sicherungsmaßnahmen in dieser Gegend weiter. Gestern abend entstand zwischen den links- und rechtsradikalen Gegnern an der Ecke Nostiz- und Mariendorfer Straße wieder eine schwere Schlägerei. Den Anlaß hierzu soll ein Kommunist gegeben haben, der einen Hakenkreuzler mll einem Mester bedrohte. Durch die Polizei wurden sieben Nationalsozialisten festgenommen und der Abtellung IA eingeliefert. Den Kommunisten war es gelungen, rechtzellig zu flüchten. Die Schießerei in der Gneisenaustraße, die ein Todes- opfer und drei Berletzte forderte, ist noch immer Gegenstand der polizellichen Untersuchung. Bisher war es noch nicht möglich, die Schützen zu ermitteln. Seit drei Tagen find in der Umgegend des Tatortes bei verdächtigen Personen Haussuchungen vor- genommen worden, die jedoch zu keinem positiven Ergebnis ge- führt haben. * In einem Haftprüfungstermin ist gestern die Freilastung der vier Kommunisten, die im Verdacht stehen, die tödlichen Schüsse auf die Polizeioffiziere Anlauf und Lenk am Bülowplatz ab- gefeuert zu haben, angeordnet worden. Die Verdächtigen wurden in Freiheit gesetzt. Von der Staatsanwaltschaft ist gegen die Haft- enllassung Beschwerde eingelegt worden. 209 Opfer eines Tropensturms. Gtadt Belize in Britisch-Honduras zerstört. Miami(Florida), 11. September. Die Fluggesellschaft Panamericain Airways erhielt die inoffizielle Nachricht aus Belize in Britisch- Honduras, daß gestern bei einem Tropensturm 200 Menschen getötet worden seien. Der Leiter der hiesigen Station der Panamericain Airways erklärte, die Radwverbindung mit der Station Belize, die seit gestern mittag unterbrochen war, sei seht wieder hergestellt und der Leiter des Flugfeldes Belize habe gefunkt, das« Belize durch den Tropen st urm zerstört sei und SSV Menschen umgekommen seien. Der genaue Zeitpunkt, wann der Tropensturm über Belize hereingebrochen Ist, sei noch unbekannt. Inzwischen wurde ein in San Salvador befindliches Flugzeug der Panamericain Airways beauftragt, alle verfügbaren Vorräte und Medikmente nach Belize zu schaffen. Braunes Haus und Nordsüdbahn. Auch Kommunisten wird gekündigt.— Wie lange noch Nordsüdbahn A.-G.? Gestern fand eine Aufsichtsrakssihung der Nordsüdbahn- Slkkiengesellschast stall, jener Gesellschaft, die längst abbaureis erscheint und bisher als städtisches Bauamt für die llntergrundbahn- bauten fungierte. Die Stadtverordnetenversammlung hat in ihrer letzten Sitzung eine Vorlage, die sich auch mit der Auslösung der Nordsüdbahn-Aktiengesellschaft beschäftigte, an einen Ausschuß über- wiesen. Esttst zu hassen, daß die Stadtverordneten möglichst bald zu einer Entscheidung kommen werden. In der gestrigen Auftichtsratssitzung stand die Skandal- affäre der Vermietung des städtischen Hauses Stralauer Str. 30 an die Nationalsozialisten, die hier ein„Braunes Haus" für ihre SA.-Kolonnen schaffen wollten, im Mittelpunkt der Beratungen. Direktor B o u s s e t hat sich als Mitverantwortlicher für den Abschluß des Mietvertrages bereits vor einigen Tagen bereit erklärt, sein Aull niederzulegen. Eine Entscheidung des Aufsichtsrats ist noch nicht getroffen worden. Dagegen hat der Aufsichtsrat beschlossen, auch den kommunistischen Organisattonen, die städtische Häuser ge- mietet haben, sofort zu kündigen. Der kommunistische„Kampfbund gegen den Faschismus" hat das Haus Iüdenstraße 20 gemietet und in der Nähe des Molkenmarktes ist der gleichfalls unter kommu- nistischer Leitung stehenden„IAH."«in« Etage vermietet worden. In dem letzteren Hause sind die Räume noch nicht bezogen worden und die Kommunisten dürften jetzt kaum noch in den Besitz der Wohnung gelangen. Schwere Bedenken wurden in der Sitzung gegen die Geschäftsführung des kaufmännischen Direktors R a a z erhoben, der seine Unterschrift gleichfalls unter den Mietvertrag mit den Nazis gesetzt hat. 281 Der alte, weißhaarige Prokurist Christians legt sein gut- mutiges Gesicht in Falten und sieht James mit den wasier- blauen Augen ernst an. Er oersteht schon. Abbau der Ge- hälter ist ein aktuelles Thema. Es liegt in der Lust. „Und da Hab ich mir ausgerechnet, daß eine zehnprozentige Gehaltskürzung bei meinem Personal unumgänglich not- wendig ist. Die einzelnen Angestellten merken es nicht, dazu ist der Betrag zu klein, und bei uns summiert es sich zu einem immerhin recht beachtenswerten Posten." „Herr Silvester, wenn ich etwas sagen darf, möchte ich erwähnen, daß die dadurch entstehenden Ersparnisie für die Firma unbedeutend sind, während der Angestellte selbst bei einer Kürzung des Salärs"— er braucht immer diese alter- tümliche Bezeichnung—„oon nur zwanzig Mark sich sehr viel mehr einschränken muß. Wir zahlen außerdem nur Tarifgehälter." Er redet langsam, wählt bedächtig die Worte und macht James durch seine sachliche Ruhe nervös. „Zu Ihrer Beruhigung will ich Ihnen sagen, daß Ihr Gehalt selbstverständlich nicht gekürzt wird. Ich weiß, was ich einem langjährigen, treuen und verdienstvollen Mitarbeiter der Firma schuldig bin." James spricht ein wenig von oben herab„Deswegen brauchen Sie sich nicht zu ängstigen." „Es geht mir nicht darum. Ich will keine Ausnahme bilden. Die Bedingung müßte wohl lauten: wenn abgebaut wird, dann bei allen." Christians bleibt ruhig und bedacht. James ist beschämt und ärgert sich darüber.„Wollen wir zur Sache kommen", sagt er kurz.„Bon den Buchhaltern Mende und Krüger ist einer überflüssig; sagen wir: der Mende. Der kann durch einen Volontär ersetzt werden. Was tut denn mein Bürochef Ziege den ganzen Tag? Warum hat er zwei Buchhalter unter sich?" Christians zieht einen Bleistiftstummel von seinem vhr und rechnet.„Die beiden Buchhalter sind nicht unbedingt notwendig. Wir könnten einen entlassen und uns einen jungen Mann nehmen. Dadurch würden etwa 220 Mark im Monat wegfallen." „Sehr schön!" sagt James so begeistert, daß über das Gesicht des alten Christians ein schwaches Lächeln huscht. „Das wäre aber wohl die einzige Entlassung, die in unserem Büro vorzunehmen ist." James wird durch Christians' langsam gesetzte Worte zum Rasen gebracht.„Hergott nochmal", schnaubt er.„mein Büro ist voll von Personal, und ich sehe nie, daß jemand etwas tut. Die Stenotypistin Hinzelmann sitzt ganze Tage unbeschäftigt da." „Die können wir nicht entlassen, wir brauchen eine per- fekte Kraft an der Schreibmaschine. Dann eher Frau Caspar!...?" „Die bleibt!" bestimmt James. „Was die zehnprozentige Gehaltsreduzierung betrifft, so werde ich das Nötige veranlassen. Ich schlage vor, ab 1. Juni. Man muß einen Monat Spielraum lassen. In Betracht kämen die Damen Rosolf, Hinzelmann und Caspa?i, und die Herren Ziege, Mende und Krüger, sowie meine Wenigkeit." „Lassen Sie das mit Ihrem Gehalt. Sie stehen außer- halb dieser Aktion.", Der Prokurist Christians nickt dankend. Ich werde Vilmo ein Konto einrichten und ihr die zehn Prozent daraus einzahlen, beschließt James, dem die ganze Angelegenheit plötzlich überflüssig und dumm vorkommt. Na, nun ist es geschehen, ich kann jetzt nicht wieder zurückpfeifen. .Lllso gut. die Sache ist damit erledigt." In Christians' Zimmer steht Bürochef Ziege vor dem Schreibtisch. Er hält einige Schritte Distanz, damit es um Gottes willen nicht so aussähe, als schnüffle er in anderer Leute Briesschaften. Ziege ist in den verschiedenen Räumen der Firma schon oft in dieser Stellung angetroffen worden. Immer wenn er eintritt, ist niemand anwesend. Pech! Er gibt sich mit biederer Miene das Ansehen eines geduldig Wartenden. „Ich hätte hier..." .Lassen Sie man." Christians wischt sich mit dem Taschentuch über das Gesicht.„Er will abbauen." „Nanu?! So aus hetterm Himmel?" „Ist eben kein heit'rer Himmel! Gott, er sieht's bei den anderen, bei den Erikson, Damme und Konsorten, da ver» sucht er's auch." Christians verspürt Lust auf einen stärken- den Schluck Rotwein. „Wieviel denn?" .Lehn Prozent!" Bürochef Ziege atmet auf. Der entstehende Verlust ist nicht so groß, wie er fürchtete. Nach und nach könnte man die zehn Prozent in Spesen verrechnen, ohne daß der Chef sie findet. „Der Mende soll entlassen werden." „Den Mende brauch ich", sagt Bürochef Ziege leise, aber sehr bestimmt.„Er ist meine rechte Hand. Der Krüger kann gehen, wenn für ihn ein Lehrling eintritt." Bürochef Ziege mag den eleganten Buchhalter Krüger nicht leiden. Der junge Mann läßt es ihm gegenüber an der nötigen Ehrerbietung fehlen v-« liefern Grunde fällt er jetzt. „Schönchen!" „Ja, ja", wiegt Ziege sein rotblondes Haupt.„Wir müssen wieder einmal bluten. Aber ich bleibe dabei: wir ziehen alle an einem Strang." Er streicht über sein Spitz- Kärtchen, ergreift zwei lange, mit vielen Korrekturen versehene Briefe, die Fräulein Hinzelmann getippt hat und geht ins Schreibmaschinenzimmer. Die Briefe müssen umgeschrieben werden Fräulein Hinzelmann sträubt sich dagegen. „Was wollen Sie denn? Ich verstehe Sie nicht." Büro- chef Ziege runzelt die Stirn.„Erlauben Sie mal, jetzt ist's halb zwei, Sie haben geschlagene zwei Stunden Zeit. Er läßt seine Uhr, die an einem Lederriemen befestigt ist, zurück in die Westentasche gleiten. „Ich Hab aber noch die ganzen Abrechnungen zu schreiben. Daß um den Letzten herum immer viel zu tun ist, dürfte wohl bekannt sein." Fräulein Hinzelmanns Ton klingt spitz. Sie sieht verbissen auf die Remington-Schreibmaschine. Sie hat sich pünktlich um halb vier nach Büroschluß verabredet und will unter keinen Umständen zu spät kommen. Der Kampf entbrennt weiter. „Wie gesagt, Sie müssen die beiden Briefe noch einmal abschreiben. So voller Korrekturen kann ich sie nicht weg- schicken." Dann hättest du alter Esel sie gleich richtig diktieren müssen, begehrt Fräulein Hinzelmann innerlich empört aus. Sie sagt nichts, aber ihr Grimm prägt sich auf dem runden Gesicht aus. Herr Ziege erwartet eine Antwort. „Ich will zusehen, daß ich es schaffe", macht Fräulein Hinzelmann eine schwache Konzession. Herrn Ziege gefällt das nicht.„Sie wollen zusehen, ist nicht gut. Sie werden eben ein bißchen Ueberstunden machen müssen. Das kann mal vorkommen. Ich muß es täglich tun!" belehrt er milde und väterlich.(Fortsetzung sotgt.) 50 Jahre Moabit Aus der Geschichte des Berliner Untersuchungsgefängnisses „Moabit" bedeutet im Vollsmund Kriminalgericht: e» bedeutet aber auch im gleichen Maße Untersuchungsgefäng- n i s. Kriminalgcricht und Untersuchungsgefängnis bilden einen einzigen Gebäudekomplex. Seit fünfzig Jahren werden durch die Verbindungsgänge vom Gefängnis zum Gericht Tag für Tag die Gefangenen zu den Verhandlungen, zu den Unterfuchungs- richtern und zu den Staatsanwälten geführt: und aus Anlaß dieses Jubiläums hat der Leiter des Untersuchungsgefängnisses, Ober- ftrafanstaltsdirektor Dr. Strubs, in der Druckerei des Strafgefängnifjes eine reich illustriert« Broschüre herstellen lassen, die eine große Anzahl lehrreicher Beiträge aus der Feder der im Untersuchungsgefängnis beschäftigten Aerzte, Pfarrer, Lehrer und Inspektoren usw. enthält. Das Bild, das hier entsteht, ist das eines modernen Untersuchungsgefängnisses. Jeder, der die Anstalt aus eigener Anschauung kennt, weiß, daß das nicht Schön- Malerei ist. Bei der großen Anzahl der Gefangenen— es sind dies etwa 1 200 pro Tag und viele Tausende im Laufe des I a h r e z, die kommen und gehen, bald in wenigen Stunden, bald nach vielen Monaten— erwächst dem Beamtenkörper eine äußerst schwierige Aufgabe, deren Bewältigung eine ebenso große Exaktheit wie Humanität erfordert. Der Unterfuchungs- gefangene ist«in Gefangener besonderer Art. Er ist noch nicht verurteilt, vielleicht sogar unschuldig verdächtigt. Außer den Unter- suchungsgefangenen beherbergt die Anstatt auch eine Anzahl kurz- fristiger Strafgefangenen, etwa 100 an der Zahl, die Hausarbelten verrichten: auch andere Strafgefangene, darunter Zucht- Häusler, die besonderer medizinischer Hilfe bedürfen und die zum Tode Verurteilten. Nicht gering ist die Zahl der Jugendlichen: etwa 80 unter 18 Jahre und 120 bis 1S0 von 18 bis 24 Jahren. Sie erheischen besondere Betreuung: sofern die Eigenheiten der Untersuchungshaft dies gestatten, werden sie zu gemeinsamem Unterricht angehalten. Es wird versucht, die jungen Leute bereits im Untersuchungsgefängnis erzieherisch zu beeinflussen, die sie nicht selten nach monatelangcr Untersuchungshaft nach der Verhandlung auf freien Fuß gesetzt werden. Im Frauengefängnis verbüßen auch die Frauen katholischer Konfession ihre Strafen, und im modern eingerichteten Krankenhaus« mit 114 Betten be- findet sich eine Geschlechtskrankenabteilung, eine Tuberkulosen- a b t e i l u n g, ein allen modernen Anforderungen entsprechendes Operationszimmer gestattet die Durchführung selbst der schwierigsten Operationen. Eine besondere Stellung nimmt die kriminalbiologische Forschungsstelle ei», deren Aufgabe es ist, die konstitutionelle Anlage der Gefangenen zu ergründen, um dem Strafvollzug die Möglichkeit zu geben, die Gefangenen nach ihrer Verurteilung den Sonderanstalten einzugliedern. Man erfährt auch noch manch Interessantes über die Beamten- besprechungen, die Beamten- und Betriebsausschüsie und die Ge- sängnisbeiräte, über die Wirtschaftsabteilung, über die Arbeits- und technischen Betriebe der Anstatt, über die Fürsorgetätigkett, die den plötzlich aus seiner Häuslichkeit gerissenen Gefangenen so manchen guten Dienst leistet, über Bücherei, Vorträge und Beranstallungen innerhalb des Untersuchungsgefängnisses, und bekommt zum Schluß auch manchen guten Gedanken mit aus den Weg über die Reform des Vollzugs der Untersuchungshaft. Die ersten 31 Seiten des kleinen Werkes sind der Geschichte des Untersuchungsgefängnisses gewidmet. Die ganze Schrift kostet eine Mark, der Ertrag kommt der Fürsorge im Untersuchungsgefängnis zugute. Polizei organisiert um Innerhalb der Berliner verwallllngspolizei wird zum 1. Oklober eine völlige Neuorganlsierung, die eine erhebliche Vereinfachung des bisherigen Verwallungsapparales bcdeuleu soll, vorbereitet. Die Hauptgeschäfts st elle, die bisher In der Abtei- lung III untergebracht war, heißt in Zukunft Präsidialgeschäftsstelle: sie wird nach Schöneberg oerlegt und trägt die Bezeichnung Abteilung„IV". Außerdem sind fünf weitere Abteilungen vor- gesehen. Die Politische Polizei einschließlich der Pressestelle heißt von jetzt an Abteilung l. Das Fremdenamt wird als selbständiges Dezernat als Abteilung II fungieren. Zum Fremden- amt gehören das Einwohnermeldeamt und die bisher im Schöne- berger Polizeiamt befindliche Einbürgerungs-Abteilung. In der Ab- teilung III ist die Wasser- und Feuerpolizei sowie das Kraftvsrkehrsamt vereinigt. Abteilung lV umfaßt die Gewerbe- und Theaterpolizei und schließlich sind in der Abteilung V die Gesundheit-, Wohlfahrt«-, Veterinär-Poli- z e i und das Fundamt untergebracht. Die Kriminalpolizei unter der Bezeichnung„K" und die Schutzpolizei unter dem Signum„S" bleiben wie bisher in sich unverändert bestehen. Beirüger unier Landesfchuh? Auslieferung eines berüchtigten Hochstaplers verweigert. Vor einigen Monaten erregte die Flucht des vielgenannten Häusermaklers Story aus der Kaiserallee in Berlin Aufsehen. Unter Hinterlassung hoher Steuerrück st ände und nach Be- gehung verschiedener Betrügereien, war Story nach Frank- reich geflüchtet. Er hate sich auf unrechtmäßigem Weg« Haus- zins st eu erHypotheken besorgt und sich auf diese Weis« unter Vorspiegelung falscher Taksachen mehrer» hunderttausend Mark erschwindelt. Als die Staatsanwaltschaft auf Grund verschiedener Anzeigen die Ermttllungen ausnahm, verschwand er plötzlich, und es wurde gegen ihn ein Haftbefehl erlassen. Erst nach einiger Zeit gelang es. den Betrüger in Paris ausfindig zu machen Story wurde auf Ersuchen der beut- schen Gerichtsbehörden festgenommen und in Untersuchungslzaft gesteckt. Zwar leitete man das Auslieferungsversahren sofort ein, doch oerzögerte sich dieses mehr und mehr, denn aus unbekannten Gründen zeigte Frankreich wenig Neigung, den Schwindler auszuliefern. Dieser Tage nun wurden die deutschen Behörden offiziell davon in Kenntnis gesetzt, daß„Frankreich kein Interesse habe". Story nach Deutschland abzuschieben. Wie die deutschen Behörden jetzt sogar feststellten, hat man Story in Paris auf freienFuß gesetzt. Die Gründe für dieses immerhin sonderbar« Verhalten wurden den deutschen Gerichtsbehörden trotz mehrfachen Ersuchens bisher nicht angegeben. Auf Grund dieses Bescheides der französischen Gerichtsbehörden mußte das Verfahren gegen Story vorläufig eingestellt werden. v. Lamm im Auto verbranni. Eine geheimnisvolle Angelegenheit aufgeklärt. Es wird nunmehr mit ziemlicher Sicherhett angenommen, daß der Tote im verbrannten Auto von Herrnalb nicht das Opfer eine Versicherungsoerbrechens, sondern tatsächlich der Besitzer des Wagens, der Binger Großkaufmann Heinz von La cum ist. Es scheint ein Unglücksfall.vorzuliegen. Wahrscheinlich hat v. Lacum während der nächtlichen Autofahrt durch den Wald von Dübel in seiner Limousine geraucht und das Vorhandensein der im Wagen liegenden vollgefüllten Benzinoorratskanne außer acht gelassen. Im übrigen ist wohl erwiesen, daß sich v. Lacum angesichts de» bevorstehenden Zusammenbruchs seiner hochstaplerischen Existenz vor seinen Gläubigern auf der Flucht befand. Die Verbindlich- leiten v. Lacums dürften eine Million Mark übersteigen, wovon nur etwa 7 bis 8 Proz. durch die hinterlassen« Masse ge- sichert sein dürsten. Beraubte Einschreibebriefe. Freifpruch eines Postbeamten mangels Beweises. Einen umfangreichen Indizienbeweis hatte die Postbehörde gegen einen Beamten zusammengetragen, der im verdacht der Untreue stand und sich nun vor dem Schössen- gericht Berlin-VMte wegen gewinnsüchtiger Urkundenbeschädi- gung zu verantworten hatte. Der Bahnpostbeamte S. war seinen Vorgesetzten in den letzten drei Jahren dadurch aufgefallen, daß seine Sendungen am meisten vom Publikum beanstandet wurden. Er fuhr auf der Strecke von Berlin nach Stralsund und hatte die gewöhnliche Post und die Ein- schreibebriefe zu sortieren. Ein Teil der Einschreibebriefe wurde immer während dieser Fahrt geöffnet und einiger Geldscheine be- raubt. Als der Beamte auf eine andere Strecke versetzt wurde, hörten auf dem Straksunder Kurs die Beraubungen auf, während sie von der Strecke, die der Beamte jetzt fuhr, gemeldet wurden. Als er nach dem Stralsunder Kurs zurückversetzt wurde, wurden wieder dieselben Vorkommnisse gemeldet. Um den Beamten, bei dem ver- schiedene Durchsuchungen ergebnislos durchgeführt worden waren, zu überführen, gab die Kriminalpoststelle mehrere extra präpa- rierte Einschreibebriefe auf, in denen gezeichnete Geld- scheine enthalten waren. Unter besonderen Vorsichtsmaßregeln wurden die Briefe in Berlin zur Bahn gebracht und von Stralsund wieder abgeholt. Drei Briefe waren Im Bahnpostwagen geöffnet und wieder zugeklebt worden, von den gezeichneten Noten fehlten zwei Zehnmarkscheine. Das Geld wurde aber bei dem Beamten nicht gefunden. Dagegen wurde festgestellt, daß die Kuverts mit Hilfe eines Tintenstifts geöffnet waren. Aus ver- lchicdcncn Untersuchungen der an den Briefen haftenden Teilchen ergab sich, daß der T i n t e n st i f t derselbe war, mit dem S. Formulare ausfüllte. Der Staatsanwalt hielt den Angeklagten nach diesen Beweisen für überführt, fortgesetzt Briefe geraubt zu haben und beantragte gegen ihn, der jede Schuld von Anfang an bestritten, aber als einziger während der ganzen Bahnfahrt jede« Mal eine Stunde allein im Bahnpostwagen blieb, zwei Jahre Zucht- haus und fünf Jahre Ehrverlust. Das Schöffengericht Berlin-Mitte unter Vorsitz von Amtsge- richtsrat Bergmann hielt den Indizienbeweis für nicht hundertprozentig erbracht. Die Möglichkeit, daß S. nicht der Täter gewesen war, sei verschwindend gering. Aber das i-Tipfelchen zu seiner Ueberführung fehle, da bei der Untersuchung des Tintenstifts nicht so vorgegangen worden war, daß eine Ver- tauschung der Stifte unmöglich war und da immerhin Raum für die Annahme, daß der zweite Beamte, der sich allerdings nie allein in jenem Wagen aufgehalten hatte, als Täter in Frage käme, vor- banden fei. Aus diesen Gründen wurde der Angeklagte mangels Beweises freigesprochen. Krakeeler im Wohlfahrisami. lleberfallkommando mußte in Neukölln eingreifen. In de» Bäumen des Wohlfahrtsamtes im Rathaus Neukölln spielten sich gestern turbulente Szenen ab. Mehrere Wohlfahrt». e m p f ä n g e r ließen sich dazu hinreißen, gegen zwei Be- amte tätlich zu werden. Erst durch das Erscheinen des alarmierlen Ucberfallkommandos konnte dem Zwischenfall ein Ende gemacht werden. Im Wohlfahrtsamt erschien gestern der jugendliche Arbetter Werner K. mit seinem Pfleger Johannes Sch. und verlangte den zuständigen Stadtrot zu sprechen, da ihm eine bewilligte und auch bereits ausgezahlte Unterstützung zu gering war. Als A. von einem Angestellten erklärt wurde, daß der betreffende Dezernent am Freitag keine Sprechstunde habe, verließ er zunächst ruhig das Zimmer, wurde dann aber auf dem Flur gegen einen Amts- aehilfen aus noch nicht geklärten Gründen tätlich. Zwei Frauen, die gleichfalls auf den: Flur weilten, hetzten den jungen Menschen weiter auf. Ilm sich vor den Angriffen des Tobenden zu retten. lief der Amtsgehilfe in das Zimmer des Obermagistrats- r a t e s K. Bei dem Versuch, den Streit zu schlichten und Aufklärung zu schaffen, wurde auch K. von dem jungen Burschen und seinem Pfleger, de? inzwischen hinzugekommen war, tätlich a n g e- griffen. Als bei dem Tumult noch mehrere Besucher des. Wohlfahrtsamtes gegen die beiden Beamten eine drohende Haltung einnahmen, mußte das Ueberfallkommando alarmiert werden. Die Beamten schafften sofort Ruhe und brachten die beiden Krakeeler zum zuständigen Polizeirevier, von wo sie nach Feststellung ihrer Personalien wieder entlassen wurden. Bei dem Handgemenge haben die Wohlfahrtsbeamten glücklicherweise nur unerhebliche Verletzungen erlitten. Wieder ein Schüler vermißt. Beim„Krebsen" verunglückt? Seit dem 7. September, dem Montag dieser Woche, wird der 11 Jahre alte Schüler Wilhelm Käß oermißt, der bei seiner Mutter in der Alexandrinenstraße 7 wohnte. Am letzten Sonntag waren nach dem starken Regen am Land- wehrkanal viele Krebse ausgetaucht. Der Junge hatte sich ein Fang- gerät zurechtgemacht und wollte„krebsen" gehen, zunächst am Urban- Hafen und dann auch bei der Abtei in Treptow. Von diesem Gange ist er nicht zurückgekommen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß der Junge ins Wasser gestürzt und verunglückt ist. Wilhelm ist 1,30 Meter groß und mager, er hat schwarzes Haar und trug eine Matrosenbluse, braune Manchesterhose und schwarze Strümpfe und Schlche. Wer über den Verbleib des Jungen etwas weiß, wird gebeten, sich an die Vermißtenzentrale im Polizeipräsidium zu wenden. Dieselbe Stelle forscht auch nach dem Aufenthalt einer Haus- a n g e st e l l t e n, die seit dem 9. September spurlos verschwunden ist. Die 19 Jahre alte Hausangestellte Ilse Vietze war bei einer Familie in der Königin-Luise-Straße in Dahlem angestellt. Als sie an schwerer Halsentzündung erkrankt«, wurde sie nach dem Stubenranch- Krankenhaus gebracht und dort behandelt. Am 9. September verließ sie, da sie genesen war, die Anstalt und hotte ihren Arbeitgebern mitgeteilt, sie werde sofort wieder nach Dahlem kommen. Dort ist sie aber nicht erschienen und hat auch nichts mehr von sich hären lassen. Ilse Vietze ist 1,68 bis 1,70 Meter groß, hat glattes langes hellblondes Haar und trug zuletzt eine beige Filztappe, dunkelblauen Mantel und weißes Leinenkleid. Wohin sie sich gewandt hat, ist noch nicht ermittelt. Dos Naturtheater Friedrichshagen gastiert mit seinem Märchen- spiel„Schneeweitzchen und Rosenrot" am Sonnabend, dem 12. September, nachmittags 5 Uhr, im Tanzring des Volts- theaters Rehberg e. Eintrittskarten sind im Jugendamt und an der Kasse zu haben. Der Chorleiter de« Zchwarzmeierschen Kinderchor«, Bernhard Ä I a u k, vollendet heute feinen 50. Geburtstag. Der ewige Llnsallschwindler. Ein Aetrügergenie, das seinesgleichen sucht. Herr Lau betreibt den Unfallschwintdel gewissermaßen gewerbs- mähig. Er ist bei jedem Straßenbahn- und Eisenbahnunfall mit von der Partie, erleidet meist Gehirnerschütterungen mit Vewußtlosigteit, stellt Schadenersatzansprüche, die durch solid« ärztliche Zeug- nisse fundiert sind und erhält Schadenersatzgelder. Mitunter ficht er den mit ihm geschlossenen Vergleich an, erklärt, er habe sich zur Zeit des Abschlusses in geistiger Verwirrung befunden, daß dem so gewesen, dafür hat er wieder ärztliche Attest«. In Wirklichkcst sind die ärztlichen Zeugnisse gefälscht, die Aerzte, die sie ausgestellt haben, existieren überhaupt nicht. Lau verantwortete sich vor de» Schöffengericht Berlin-Mitte gemeinsam mit seiner Frau. Der Fern-D-Zm Frantstlrt— Verlin war im Mai 1929 in der Nähe von Fulda entgleist. Wi« sollte aber Lau, der zu jener Zell das Berliner Wohlfahrtsamt um«ine Unterstützung anging, in den Luxuszug gekommen fein.„Passen Sie auf, Herr Direktor," sagt er,„zwei Berliner Iokeys hatten auf ein Frankfurter Pferd Erika«inen todsicheren Tip. Die Erika ge- wann, ich sollte bei einem Frankfurter das gewonnene Geld abholen, auf dem Rückwege von Frankfurt nach Berlin wachte ich nachts im Fern-O-Zug von einem schrecklichen Krach auf, die Koffer stürzten auf mich, mein Arm wurde verletzt, mein Gesicht blutete, ich konnte den Jammer nicht ansehen, ging zu Fuß davon und richtete«in Telegramm an die Reichsbahn." Und der Prozeß schwebt heute noch, sagt der Vorsitzende.„Ja, und ich werde ihn gewinnen." An der ganzen Sache ist natürlich kein Wort wahr. Mtt einer anderen Schwindelsache hat es folgend« Bewandtnis: Im Dezember 1928 erhielt Lau eine Anstellung als Arbeiter bei einem Berliner Arbettsamt. Es drohte ihm Wohnungsexmission, er bat seinen Abteilungsletter um einen Vorschuß. Um sein« Lag« recht jammervoll erscheinen zu lassen,«rzählle er u. a., seine Frau stände kurz vor der Entbindung.„Wie lange könne da, noch dauern?" In drei bis vier Tagen ist es geschehen, meint« Lau. Jetzt gab's für ihn kein Zurück mehr. Er ging zum Standesamt, registriert« dort eine neugeborene Tochter Ursula, echielt vom Abteilungsleiter 60 Mark geliehen, und da er nun einmal eine Tochter hatte, so eihielt er automatisch einen Lohnzuschuß von 2 Pf. pro Stunde. Die 60 Mark wurden ihm in Raten von seinem GeHall abgezogen, auf die Rückzahlung des Lohnzuschusses von 24 Mark hatte die Stadt Berlin verzichtet. Lau will den geringen Lohn- zuschuß überhaupt nicht gemerkt haben. Der Angeklagte wurde wegen Betruges tm Rückfall zusätzlich seiner früheren Strafe zu einem Jahr Gefängnis oerurteilt. Seine Frau wurde freigesprochen. 3m Wasserflugzeug nach China. Da» Junkers-Flugzeug„Freundschaft" O 21S1, das Freitag vom Templiner See bei Potsdam zu seinem Fluge nach China starten sollte, wird erst heute in aller Frühe seinen Flug antreten. Wie der Leiter des Unternehmens, der 2Sjährige Flug- zeugführer Hans Bertram, den zahlreich erschienenen Zu- schauern und Pressevertretern erklärte, wird das Flugzeug, da» mtt Junkers I..-S-Motoren und Iunkers-Metall-Luftschrauben sowie allem sonst irgendwie zur Seefahrt und für die Tropen Notwen- digen, allerdings ohne Funkgeräte, ausgerüstet ist, zunächst Havel- abwärts, dann elbeaufwärts bis zur Moldau, weiter zur Donau und diese abwärts zum Schwarzen Meer fliegen. Von Jstambul folgt es der Küste Kleinasiens bis Alexandretta, von wo aus die Maschine über Land zum Euphrat und seinem Lauf ab- wärt» folgend zum Persischen Meerbusen fliegt. Weiter folgt der Flug der Küste Asien« und wird nach einem Abstecher bis Soera- baja auf Java nach etwa sechs bis acht Wochen in Ranking seinen Abschluß finden. Der Flug soll einer besonder» scharfen Erprobung der Junkers F. 18 auf Schwimmern dienen, die dann nach geglückler Vollendung des Fluges zum eventuellen Einsatz bei der Vermittlung de» Verkehrs zwischen den aus den Inseln zwischen Asten und Australien zahlreich oerstreut lebenden Chinesen dienen soll. Nach einem kurzen Probeflug, der mit fast ganz beladener Maschine (2600 Kilogramm Fluggewicht) durchgesührt wurde, wurde die Maschine im Wasserflughasen für die Nacht oerankert. Sein Zbjährlges Jubiläum bei der Firma Osram G m b k Konu-Ges.. Fabrik D, O 17, Rotherstkaße, begeht am 12. September ein alter Vorwärtsleser Genosse Ernst Schütte. 0 17 Zap�ioi- » �r. 427- 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 12 September 1931 Katloflcin und Kohlen gegen die Nol des Winters. Die Aktion ist ohne wesentliche Belastung des Reiches durchzuführen.— Handelt bald! Es ist der W i d? r s i n n d e s k a p i t a l i st i s ch e n S y st e m s. daß die W e l t im Reichwm erstickt, daß Lebensmittel, Rohstoffe und Industriewaren in nicht zu bewältigender Ueberfulle vorhanden sind, Hid daß auf der anderen Seite der stärkste Mangel an diesen Gütern ljcrrscht, die Menschen sich nicht satt essen, nicht kleiden und nicht wärmen können. Wir haben in Deutschland beschränkte Möglichkeiten, markt- mßig unverwertbare oder zumindest sonst nur mit großen Verlusten verwertbare Vorräte dem dringendsten Bedarf der notleidenden Be- völkerung dienstbar zu machen und damit diese vor dem schlimmsten Elend zu bewahren. Wir haben den größten Ueberfluß an i a r t o f s e k n. die man sinnloserweise mit größten Kosten zu Rotorsprit verbrennt, und haben riesige Kohlenoorräte, die auf den Halden gestapelt oder zu Spottpreisen ins Ausland ver- schenkt werden. Kartoffeln für den Konsum oder Spritbrennerei? Zwei Millionen Hektoliter Sprit lagern bereits beim Branntweinmonopol, während der gesamte Jahrosabsatz nur 1.7 Millionen Hektoliter beträgt. Das Branntweinnwnopol bringt em Staat immer geringeren Ertrag, befindet sich selbst in der ärgsten finanziellen Klemme, weil ihm infolge der verfehlten Branntweinpolitik unabsetzbare Spritmcngen zur Abnahme aufgedrängt werden. Wir haben eine neue große Ernte an Kartoffeln— also soll, so wollen es jedenfalls die Großagrarier, der Unfug der Spritbrennerci trotz riesiger Bestände fortgesetzt werden. Diese Bestände sollen aufgebraucht werden, indem man dem Kraftverkehr den Motorsprit, der in der Herstellung zehnmal soviel kostet als Benzin auf dem Weltmarkt, zum Verbrauch aufzwingt, den Bei- lnischungszwang erhöht(von 3� auf 10 Proz. nach Herrn Schicles Vlänen) und damit der Krafwerkehrswirtschaft neuerlich eine Be- lastung von 50 Millionen Mark aufbürdet! Die Verlustwirtschaft des Branntweinmonopols, die hohe Ver- ichuldung beim Reich soll verewigt werden, die Wirtschaft immer stärker belastet werden. Die Mßwirkschask und diese sinnlose Verbrennung der Sarkosfeln darf nicht länger von der Reichsregierung geduldet werden, sie darf vielmehr, wie die Sozialdemokratie er fordert, dieses Jahr überhaupt keine Sarloffeln zu Spiritus brennen lassen und muß zunächst die vorhandenen Bestände des Monopols, die für den Bedarf bis Ende des Jahres 1932 ausreichen dürften, abstoßen lassen. Die sonst zu Motorsprit verbrannten Sartosselmengen müssen dem Verbrauch zugesiährl werden, zur kartosfelbeliese- ruug der notleidenden Schichten dienen. Für diese Uebcrnahme und Zuteilung der Kartoffeln an die Erwerbslosen bedarf es keiner neuen Reichs mittel. Das Brarnrtweinnwnopol kommt nämlich, wenn es von der Ncuüber- nähme von Sprit befreit wird, endlich in die Lage, aus der Ab- swßung der Läger seine hohen Schulden an die Reichskasse z u- rückzuzahlen und sich von den Zins- und Lagerungs- losten für die enormen Vorräte zu entlasten. Das Branntwein- inonopol nimmt vom Reich dauernd.Kredite in Anspruch, die zeit- weise 75 Millionen Mark erreichen-, diese kann es an das Reich bei Einstellung der Brennerei im kommenden Jahr bequem zurück- zahlen. Aus denRückflüssenkanndasReichdenAnkauf der Kartosseln für die notleidende Bevölkerung bestreiten. Nimmt man an, daß in diesem Winter 5 Millionen arbeitslose Familien der zusätzlichen Hilfe und Betreuung bedürfen, und unter- stellt man einen Winterbedarf von 6 Zentnern Kartosseln p ro Familie, so hätte das Reick) für den Ankauf von insgesamt 1,5 Millionen Tonnen Kartoffeln bei dem jetzigen Marktpreis von 1,20 Mark pro Zentner etwa 30 Millionen Mark aufzu- bringen, bei einer Versorgung mit 8 Zentnern pro Familie, also einem Gesamtquantum von 2 Millionen, 4 8 Millionen Mark. Das sind Beträge, die unschwer aus den Darlehnsrückzah- lungen des Branntweinmonopols an das Reich zu decken sind. Der Kartoffelüberschuß würde sinnvoll dem Nahrungsbedarf zugeführt werden, die Not würde ohne Neuinanspruchnahme von Reichsmitteln gemildert, zugleich das bedrängte Branntweinmonopol saniert werden. Wo ein Wille ist, ist ein Weg. lleberZadene Kohlenhalden oder warme Stuben? „Noch niemals lagen solche Berge an Kohlen und Koks auf den Halden", so schilderte der jüngst erschienene Jahresbericht des Reichskohlenberichts die Lage in der deutschen Kohlen- Wirtschaft. Derselbe Bericht weiß zu melden, daß der starke Rück- gang des Hausbrandabsatzes schon im vergangenen Winter infolge der Arbeitslosigkeit und der durch sie erzeugten Not stark zurückging.„Der Geldmangel infolge der Arbeitslosigkeit zwang die Bestellungen auf das kleinste Ausmaß zu beschränken." In dem bevor st ehenden Winter steht eine noch u n- gleich größere Notlage zu befürchten. Die Arbeitslosigkeit hat sich gesteigert, die Unterstützungssätze sind herabgedrückt worden, alle Reserven sind aufgezehrt, die Gesundheit und Widerstandskraft der notleidenden Arbeitsloscnfamilien geschwächt. Illb Millionen Tonnen Steinkohlen und Koks lagen Ende Juni aus den Halden'des Steinkohlenbergbaues, das entspricht der Produktion von 2 Monaten bei dem jetzigen Förderumfang, 3 bis 4 Millionen Tonnen dürften die Haldenbeftände an Braunkohlen und Briketts betragen. Auf mehr als 200 Millionen Mark läßt sich der Wert der Haldenbestände veranschlagen. Diese großen Vorratsmengen verursachen Lagerkosten, fressen Zinsen und erleiden unvermeidlich starke Oualitätsverminde- rung. Die Möglichkeiten der Exportsteigerung sind gering, die Kohlen- exportc erfolgen ohnehin schon zu Schleuderpreisen unter Verlusten, die durch die Hochhaltung der Inlandspreise im unbestrittenen Gebiet ausgeglichen werden. Soll man Sohle« weiter mik großen Verlusten stapeln und schließlich mik Verlust ans Ausland verkaufen, dessen Industrie nachher mik billigeren Sohlenkosten arbeitet als unsere heimische, oder soll man nicht lieber mit diesem Sohlenüberschuh Familien vor Frost und kälte bewahren und zusätzlichen Verbrauch im Inland schaffen? wie kann über die Wahl noch ein Zweifel bestehen? Der Kohlcnübersluß muß zu zusätzlichen Kohlcnliese- rungLy�sür die notleidende Bevölkerung benutzt werden. Unterstellen wir als Mindestbedarf für den Winter 20 Zent- ner Kohlen oder Briketts pro Familie und schließen in diese zusätzliche Naturalhilfe 6 Millionen Familien ein. so werden vom Reich aus den Haldenbeständen rund 5 Millionen Tonnen zu übernehmen und zur Verteilung zu bringen. Für den Ankauf dieser Mengen wären vom Reich die Erlöse im Export zugrunde zu legen, die heute bestenfalls als zusätzlicher Absatz in Frage kämen. Berücksichtigt man. daß der Durchschuittserlös(Inlands- preis und Auslandserlös durcheinander gerechnet) gegenwärtig bei etwa 14 Mark pro Tonne Ruhrkohle liegt, daß nach dem Ausland aber vielfach unter 10 Mark pro Tonne verkauft werden muß. so wird der Uebernahmebctrag für 5 Millionen Tonnen mit 00 bis 70 Millionen Mark angemesicn veranschlagt sein. Konsumvereine im 2. Vierteljahr. Oer Mord an der Kaufkraft schließt die Verbraucher zusammen. Der Zentralverband deutscher Konsumvereine veröffentlicht die fällige Uebersicht über den Verlaus des zweiten Vierteljahres 1S31, aus der hervorgeht, daß die Behauptung von cinem besonders starken Rückschlag in der llmsatzgestallung der Konsumgenossenschaften des Zentrawerbandes Gerede ist und die Konsumgenossenschaften trotz der auch sie bedrängenden Wirtschafts- trrs« und Derbrauchernot ihre Ueberlegenheit gegenüber der privatwirtschaftlichen Güterverteilung be- wahrt haben. Selbstverständlich, so wird vom Zentralverband bemerkt, Hobe die systematische Schmälerung des Einkommens großer Bevölkerungsfchichten Spuren Hinterlasten. Man zerschlage rücksichts- los die Kaufkraft der breiten Mästest. Unter dieser sinnlosen Ver- gcudung der deutschen Wirtschaftskraft und des deutschen Volks- Vermögens hätte die konsumgenosseistchaftliche Bewegung nicht weniger als andere Wirtschaftsgruppen zu leiden. In folgendem geben wir eine Uebersicht über die Entwicklung der-Konsumgenossenschaften im zweiten Vierteljahr 1931, der wir die entsprechenden Zahlen für das erste Vierteljahr 1931 und das zweite Vierteljahr 1930 gegenüberstellen: 2 Bier! ei. I.BieNel- 2 Vieri»!- j-hr ISZl iahr 1931 jaln 1930 Mitaliederwdl....... 2 930 193 2 989 135 2 905 580 Umsah w Mlllvmm wart... 262 257 291 Durchschnitll. Umsatz pro Rlitglied. 89.28 8.,, 94 100,20 Spareinlagen in Millionen Mark. 405,43 409,-55 400,99 Umsatz der Großeinkbussgesellschast (GES) in Millionen Mark... 101.80 104.87 113,42 Umsah derGEG-herstellungsbetriebc in ri.illionen Vlart..... 33,84 32,81 31,96 Die Senkung her Mitgliederzohl erklärt sich dadurch, daß die meisten Konsumgeiwssenschasten ihre sogenannten Papier- loldaten alljährlich am Schluß des zweiten Bierteljahrs aus- scheiden. Trotz dieser Säuberung der Mitgliederlisten ergibt sich sfcie Steigerung der Mitgliederzahl von rund 2 783 000 Ende de« I zweiten Vierteljahrs 1928 und 2930 000 am Schluß des zweiten j Vierteljahrs 1931. Die Zahlen beweisen ohne Zweifel, daß die NotderZeitdie vermögenslosen Verbraucher noch mehr zusammenschweißt. Im ersten Halbjahr 1931 ging gegenüber dem gleichen Zeit- räum des Vorjahrs der Umsatz um 59 Millionen Mark zurück. Das sind 10,2 Proz. Nach einer kürzlich veröffentlichten Uebersicht hat der Einzelhandelsumsatz im gleichen Zeit- räum 12,4 Proz. verloren. Der konsumgenossenschastliche Umsatz- verlust bewegt sich also in den Grenzen der gegenüber dem Vorjahr eingetretenen Preissenkung. Ein mengenmäßiger llmsahrückgang ist nicht eingetreten. Auch bei Betrachtung des Durchschnittsumsatzes je Mitglied wird man zu dem Schluß kommen müssen, daß der Umsatz der Konsum- genosscnschaften des Zentralocrbandes geringere Einbußen erlitten Hot als der Umsatz des Einzelhandels. Los Verhältnis des G E G.- U m s a tz c s zum konsumgeiwsten- schoftlichcn Umsatz wird für das zweite Vierteljahr 1931 mit 38,91 Proz. angegeben gegenüber 40,83 Proz. im erste» Vierteljahr 1931 und 38,90 Proz. im zweiten Vierteljahr 1930. Der Anteil des Umsatzes der GEG.- Herftellungsbctriebe am gesamten konsumgenossenschafllichen Umsatz steigerte sich jedoch von 10,98 Proz. im zweiten Vierteljahr 1930 auf 12,77 Proz. im ersten Vierteljahr 1931 und 12,94 Proz. im zweiten Vierteljahr 1931. Der E i n I a g e n b c st a n d bei den Sparkassen hat sich an- gesichts der fürchterlichen Finanzkrise, die ja zum Teil schon erfaßt wird, überraschend gut gehalten. Dos zeigt, wer das Ver- trauen der breiten Sparermassen besitzt. Die Lieferantenschulden haben sich von 54,48 Millionen Mark im ersten Vierteljahr 1931 aus 44,05 Millionen Mark verringert Das erklärt sich dadurch, daß in den umsatzschwachen Monaten des zweiten Vierteljahrs die Lagerhaltung zurückgeht. Immerhin liegen die Lieferantenschulden um 1 Million Mark höher als zur gleichen Zeit des Vorjahrs. Bei den A n t e> l g u t h a b e n der Mitglieder ist eine Steigerung um rund 300 000 M. eingetreten und zwar vermehrten sich die Geschäftsguthaben einschließlich Auf- wertung von 07 Millionen Mark im ersten Vierteljahr 1931 aus 07,29 Millionen Mark im zweiten Vierteljahr 1931. Die Rück- lagen aller Art verminderten sich dagegen von 05,40 Millionen Mark auf 04,73 Millionen Mark. Diese Summe wird, soweit sie nicht durch Aufrechnung rückständiger Steuerzahlungen abzugelten geht und so- weit nicht die R e st b e t r ä g e aus der Rückzahlung der Reichs- kredite an das Branntweinmonopol zur Verfügung stehen, durch stänkere Heranziehung der Aufwandsbesteucrung ohne Schwierigkeiten zu beschaffen sein. Es ist nicht zu viel verlangt, daß man gewisse Schichten, die so gut wie gar keine Einkommensteuer zahlen, die sich aber eine luxuriöse Lebensführung gestatten können, entsprechend ihrem Aus- wand steuerlich heranzieht und diese Einnahmen zur Milderung der Not der Aermsten benutzt. Wir halten es auch sür durchführbar, daß Staat und Kommunen als große Forstenbesitzer von sich aus in diesem Jahre kostenlos zur Brenn holz Versorgung der Bevölkerung beisteuern. Das Reich kann sich der Verpflichtung, zum Schutze der not- leidenden Bevölkerung gegen Hunger und Kälte im kommenden Winter nicht entziehen. Die von uns geforderte Aktion z u s ä tz- l i ch c r Naturalhilfe muß unverzüglich eingeleitet werden. Stillegungen und Eisenpreise. Hörder Verein, der schon 8000 Mann beschäftigt hat, soll auch stillgelegt werden. Die vereinigle Skahlwerke A.-G. hak Ankrag auf Skiklegung der Abteilung Härder Verein in Dortmund-Hörde gestellt. Der Härder Verein ist eine moderne Vlontankombiaation von der Eisen- Hütte bis zom Feinwalzwerk. Es sind jetzt noch 4000 Arbeiter und Angestellte beschäftigt. Bei guter Konjunktur betrug die Veschäsligten- Ziffer 8000 Personen und mehr. Dieser Stillegungsanlrag ist ein neuer Beweis für die Unmöglichkeit der Situation, die durch das S chlelfenlassen der S a r t e l l z ü g e l in der Eisenindustrie eingetreten ist. Diese Still- legung brauchte nicht zu erfolgen, wenn durch die längst überfällige Senkung der inländischen Eisenpreise der Käuserstreik überflüssig und der verbrauch angeregt worden wäre. Sie wäre nicht nötig, wenn die längst überfällige Herabsetzung des Aktienkapitals der vereinigten Stahlwerke durchgeführt wäre, die eine Senkung der Abschreibungssätze und durch Umwandlung kurzfristiger in langfristige Schulden eine Senkung auch des Zinsendienste» ermöglichen würde. Dir fragen die Rcichsregierung. wie lange sie dem wirtschaftlichen und finanziellen Saustall an der Ruhr noch untätig zusehen und erlauben will, daß unfähige Wirlschaftssührer mit dem Schicksal der Gesamtwictschafl Schindludcr treiben und die Lelegjchajten für ihre wirtschajtsjchädiichc Magnatenherrlichkeit mit Stockschlägcn aus den Vkaoen büßen lasten. Weitere Einschränkungen bei den Vereinigten Stahlwerken Die Bereinigte Stahlwerke A.-G., Abteilung Lippstadt, hat von der 520 Mann starken Belegschaft 270 entlassen. Für den ver- bleibenden Rest der Belegschaft wird an Stelle der Doppelschicht die einfache Schicht«ingeführt, die jedoch auch noch durch Einlegung von Feierschichten gekürzt wird. Um die Sanierung der Varmstädtcr Volksbank. Bei der zu- sammengebrochcnen Darmstädter Volksbank werden den Genossen, in erster Linie Handwerker und Kleingewerbetreibende, für die Sanierung schwere Opfer zugemutet. Es hat sich bei der Aufstellung des Status der Bank herausgestellt, daß für Ab- schreibungen und Rückstellungsfonds noch 2,7 Millionen erforderlich find. Die Notwendigkeit hierzu hat sich aus dem gegenüber Juni stark gesenkten 5iursniveau der Wertpapiere ergeben und ferner aus Zahlungseinstellungen mehrerer größerer Kreditnehmer. Da die Preuhenkassc neue Kredite nicht mehr zu geben gewillt ist. wird den Genossen die Sanierung aus eigener Kraft vorgeschlagen. Es sollen die Gcschästsguthaben der Genossen zur Ab- deckung der Verluste in Höhe von 2 Millionen verwendet, die Gläubiger in 3 bis 4 Jahren zu 75 Proz. befriedigt werden, wo- gegen die Mitglieder eine Erhöhung der Geschäftsanteile von 500 bis 1000 Mark beschließen müßten. Diese einschneidenden Sanie- rungsvorschläge haben die Empörung über die schuldige Bankleitung in den geschädigten Kreisen der Antcilcigner begreiflicherweise unge- mein gesteigert. Großer Auslandsauftrag für Büfsing-RAG. Der tschechische Großindustrielle Lata nimmt zur Zeit weitere grundlegende Um- stellungsn in seinem Betrieb vor. So wird jetzt der gesamte um- fangreiche Warentransport motorisiert. Zwischen den deutschen, holländischen und französischen Häfen und dem Standort der Schuhfabriken in Zlin wird für die Lieferung der Roh- Materialien und sür den Versand fertiger Schuhwaren nach Uebersec Kraftwagenvcrkehr eingerichtet. Nach längeren Probefahrten hat der Bata-Konzern der Büising-NAG. in Braunschweig nunmehr 20 dreiachsige Diesel motor- La st wagen in Auftrag gegeben. wieder rückgängige Eisenerzeugung. Nach„Stahl und Eisen' wurden im August arbeitstägiich nur 10 100 Tonnen Roheisen erzeugt gegen 18 301 Tonnen im Juli und 23 841 Tonnen im August vorigen Jahres., keine Treibstofsmonopolpläne. Bon zuständiger Stelle werden di« Behauptungen, die Reictr-regie ung beschäftige sich mit Plänen. ein Treibstosfmonopol«inzufülzrcn. als unzutressend bezeichnet. Bombengeschäft für Lingner-Aktionäre. Die zum Oberkoks- Konzern gehörige«chering-Kahlbaum A.-G. in Berlin hat jetzt mit den Lingner-Werkcn in Dresden einen Vortrag abgeschlossen, wonach das deutsche Geschäft der Lingner-Wcrkc an Kahlbaum übergeht. Die Fabrikation von Lingner bezieht sich hauptsächsich auf Pharma- zeutische und kosmetische Produtte. Für di« Aktionäre von Lingner stellt das Abkommen ein Bombengeschäft dar, denn der Kaufpreis. den Schering-Kahlbaum zahlt, wirkt sich derart aus, daß die Aktie j der Lingner-Werke, die gegenwärtig 00 Proz. notieren, einen Wer' � von 100 Proz. erhalten. Die amerikanischen kopikalanlagen im Ausland. Nach einer neuen Zusammenstellung des 5)andsisdspartements werden die amerikanischen Kapitalanlagen im Ausland« für Ende 1930 auf rund 15 Milliarden Dollar gegen nu eine halbe Milliarde im Jahre 1912 beziffert. Mehr als je eine Milliarde sind in Kanada, Deutschland, Kuba und Argentinien angelegt. lUax-Dorf 11: Steife durch W 3>oH in Auilralien Seht ihr den schwarzsilbemen Schwan— auf goldenem Grunde? Das ist das Wappen vom Bundesstaat Südaustralien. Zweimal so groß als ganz Deutschland, dieses Südaustralien— aber es hat nur 600 000 Einwohner, die Hälfte davon wohnen in der Landeshauptstadt Adelaide. Ei, was is denn los mit diesem Lande? So groß und so wenig Einwohner? Hat das Land keine Bahnen? Ja, Bahnen sind da. Zwei große Lahnen durchschneiden Südaustralien. Einmal die von Port Augusta— nach Port Darwin in Nordaustralien vorstoßende Süd-Nord-Kontinentalbahn, die in fünf Jahren vollendet sein wird(der Telegraph ist schon längst gezogen)— und dann die West-Ost-Transkontinentalbahn, seit 1S17 vollendet— von Fremnitle-Perlh in Westaustralien nach Adelaide, Melbourne und Sydney in Ostaustralien. Diese Bahnstrecke ist die große Blutarterie Australiens. In Fremantle laufen die schnellen Postdampfer aus Europa und Bombay und Singapur ein, die Eildampfer von Marseille und Brindisi geben ihre Post in Fremantle ab— von da sausen die Transkontinentalexpreßzüge mit der Post von London»ach Melbourne und Sydney. Der Landweg kürzt ab. Die Post fliegt immer die kürzeste Linie: zwischen zwei Punttenl Our. Ja. Pes. Stimmt. Aber Südaustralien, warum fehlen die Menschen? Darum, weil das Land noch zu jung ist. Erst seit 1836 ward es von England aus besiedelt. Erst vor hundert Jahren ward es britische Kolonie. 1856 bekam Slldaustralien ein« eigene Per- fassung, und anno 1901 reihte es sich in den australischen Bund als autonomes Staatengebilde ein. Südaustralien ist jung, aber es hat Demokratie und Freiheit. Es ist ein glückliches Land. Nur eins fehlt— die Menschen, Mensche», Menschen. Doch sie werden kommen! Sooo, weiter.— Hier sind wir an der Bahnstrecke Perth— Adelaide. Hier sind wir an der Bahn- und Wasserstation Pidinga— mehr als hundert Kilometer von der Küste. Das Land ist wasserarm, nur artesische Brunnen geben Wasser, und artesisch« Brunnen wollen gegraben sein: das braucht Zeit und Technik und Geld und Arbeits- kraft. Aber die Zeit ist geduldig— Slldaustralien wird erschlossen, Grundwasser ist da, dos ist die Hauptsache, alles andere bringen die Menschen schon in Schwung— Kultur und Fruchtbarkeit. Der Mensch kann vieles— zwar nicht alles— Slldaustralien wird dereinst von vielen Millionen Menschen bevölkert sein, es mögen ruhig ein oder zwei Jahrhunderte drüber hingehen— das Zeitalter der sozialistischen Weltgemeinschaft wird SUdaustrolien für gelbe und braune und weiße Völker zu einem Gartenparadics uneschofsen. Grundwasser ist der goldene Schlüssel— Wasser ist der Feind der Steppen und Wüsten. Wir schließe» durch den Wasserschlüssel die Tore des sandigen und salzigen Südaustraliens auf. Nur Zeit, nur ZeitI Ja, hier sind wir auf der Post-, Bahn- und Wasserstation Pidinga, Zluftraiien-Süid. Durch die Blaudäum« braust der Monsun- wind, vom Großen Ozean herauf. Es Ist australischer Winter, der Wind ist feucht und fruchtbar. Schafe und Rinder gehen auf den Weiden— große Herden, viele viele taufend Stück. Pidinga-Post: South Australia. Stehst du dort das rote Auto? Ei, gewiß s«h«n wir das, ein alter klapperiger Kasten, das rote Auto dort. Des, unser Postauto, wohl alt— aber immer noch brav im Lauf. Dieses rot« Postauto bringt Briese und Pakete auf die weit verstreuten Farmen, an die artesischen Brunnensiedlungen, bis an die Küste hinab. Und einmal im Monat fährt unser rotes Postauto nord- wärts, hin ins No Man's Land. Was du nicht sagst? Nv Man's Land? Niemands Land? Gibt es denn sowas noch auf dem übervölkerten Stern Erde? Pes, Lire, in Südaustraiien gibt es ein No Man's Land, ein Niemands Land, viermal so groß als Sachsen ist es— und nur ein paar hundert Menschen bewohnen dieses Land, noch nicht lange, früher war überhaupt keiner da, noch vor fünfzehn Jahren war No Man's Land vollkommen menschenleer. Und nu; comc on, steig ein, ins rote Postauto: Wir fahren nach Ouldabinna, zweihundert Kilometer nordwärts, Fahrt mit Post und Zeitungen ins No Man's Land..All riglit, gib Gas. Wir saufen. Eukalyptenbäumc. Verstreute Gruppen. Weideland. Rinder. Steppe. Schafe. Und dann nichts mehr. Wir fahren keine Straße— wir sind schon im No Man's Land drin, wir fahren durch einen Ereek, der ist unsere Straß«, ein ausgetrockneter Flußlauf— wenn's alle halbe Jahr mal regnet, droben, im Bergland vor uns. dann ist dieser leere Fluß, und Steingrund ein reißender wilder Strom. Ab«r bald dörrt er aus— und er versackt in die Tiefe, ins große australische Reservoir, Grundwasser ist da, welch ein Glück! Das rote Postauto von Pidinga. Es geht durch Busch. Durch den Strub. Dichtes Akaziengesträuch und harter Dornbusch— da guck, die Beutelratten, wie sie hüpfen I Busch, Skrub,— mit der Axt ist so'ne Art Lichtung hindurchgeschlagen, über Baunsttumpen holpert unser alt«s rotes Auto: Post ins No Man's Land! Im Gebirge. Noch hundert Kilometer Fahrt. Brunnenstation. Und verlassene Minen. Kupferminen, die sich nicht mehr rentieren. Kupfer war zu billig. Und die Arbeitskraft ist teuer. Im Gebirge Ooldea-Ranfge, South Australia. Di« Luft ist klar und gläsern, grün ist die Luft, und heißer Wind steht nun von Norden her, herab von den Salz- und Sandwüften des ineren Australiens. Weiter, mit der roten Post, das Auto, Fahrt ins No Man's Land. Das Gebirge flacht ab. Salzsteppe, ohne Straße saufen wir über das verdorrte Stachelgras, über den Tcppich des Spinifexgrafes. Rings am Horizont sehen wir vereinzelte Baumgruppen, die Steppeneichen— wir passieren so eine Baumgruppe— in rasender Flucht hüpft eine Herde Känguruhs davon— burrz- up, wie sie springen, di« Langbeiner, die Kingoroos— Flucht vor der Post, das rote Auto. Jetzt find wir mitten im No Man's Land drin— natürlich— keine Menschen. Ab?r Salz— viel viel Salz, wir sind im Gebiet der ausgetrockneten Salzseen. Unten drunter ist süßes Grundwasser, filtriert. Das Gfück wartet auf die Menschen. Salz gibt als Mutter- lauge— Dünger! Die Salzgebiele, teils noch versumpft, aber fieberfrei, Schnabeltier und Straußenvogel Emu haben hier ihr ungestörtes Paradies— huuu, diese flinken Eidechsen. Und der wilde Fuchshund, der braune Dingo: der scharf« Jäger auf die Kaninchen! Im Schachtelholmbaum lärmen di« weißen Kakadus. Salzgebiete im No Man's Land. In hundert Jahren ist hier olles von Menschen kultiviert, vielleicht— schon früher. Kalt, Salzlauge, Schieferstaub und Granitsand— und süßes Grundwasser dazu, es gibt keinen besseren Mutterbcden, eine glückliche Mischung. Zeit und Menschen— sie werden aus No Man's Land, aus dem Kein Mann's Land— ein Viel Mann's Land schaffen. Jawohl— da» wird! Die erste Kultur ist unser Auto, die rote Post. Am Ziel, in der„Hauptstadt" von No Man's Land.— In Ouldabinna, eine Siedlung von etwa 100 Pionieren. Mit Familien. Ehemalige Kupferbergleute aus dem Ooldea-Gebirge. Hier haben sie sich angesiedelt— die einstig«» Bergleute— artesische Brunnen— Gärten mit Obst und Gemüse und Reben— Viehweide: vom Grundwasser: auf den Steppen die Schafherden. Export von Wolle und Fellen, per Auto an die Bahnstrecke— nach Pidinga. Ouldabinna, erste Siedlung im Kein Mann's Land. Wir sitzen bei der Postmeisterin zu Gaste, beim dustenden Tee und beim ge- räucherten Honmielschinken. Miß Lily, dreiundzwanzig Jahr« alt— Postmeisterin und Lehrerin In der Kolonie Ouldabinna. Dreißig Kinder. Dreißigtousend Schafe. 185 Mämur, 185 Frauen— 10 Brunnen und eine Poststation. Die erste Kultur in Kein Mann's Land, dreihundert Menschen— in einem Gebiet: groß wie viermal Sachsen. Soo, thank you. Miß Lily— Donk für di« gute Gastlichkeit— den Posbbeutel her, und Wolle und Felle nehmen wir mit— und auf Wiederschauen nächsten Monat, da bringen wir euch wieder einige Pack neu« Zeitungen, eure einzige Berbindung mit der groß«» weiten Welt. Ouldabinna im No Man's Land, die Siedler sind frei und sie werden reichlich satt— und dennoch: sie sind nicht ganz glücklich— sie haben im Herzen eine tief« Sehnsucht, Sehnsucht auf andere Menschen. Sehnsucht auf Mensch«» hat das ganze weite Salz- und Steppenland— das No Man's Land tritunt schon von seinem der» einstigen fruchtbaren Erwachen. Millionen von glücklichen Menschen werden hier leben— Bahnen, Straßen, Baumwolle, Weiden, Rinder, Butter, Mais, Weizen— die erste, Kulturoevbindung ist da, die rote Post— das Auto von Pidinga nach Ouldabinna— einmal im Monat kommen die Briese. No Man's Laird ist bereits ein Post- land— der erste Schritt zum Viel Mann's Land ist getan. Wir fahren im roten Auto, die Sterne gel)«,, auf— über uns leuchtet das Südliche Kreuz: das Wahrzeichen am Himmel der australischen Nacht— in den Sternen steht das Schicksal der Menschen: Gesetz, Fortschritt, Schönheit, Wandel! Alles stießt. In der Tiefe fließt das Grundwasser— am Hnmnel fließen die Stern«. Welch ein Glück, zwischen all dem als arbeitender Mensch mit zu fliehen. Wir sausen— die Post! 3>r. Wilhelm Stmso: Organifalionen des Sichfindens Wie alles in dieser Welt ist auch das„Sichfinden" für die Lebensgemeinschaft der Ehe organisiert. Es gibt eine ganze Reihe von Organisationen, die sich darum bemühen, ihren Mitglieder» geeignete Gatten oder Gattinnen zu verschaffen. Fast alle arbeiten sie mit„Listen", Herren- und Damenlisten, die in regelmäßigen Ab- ständen den Heiratslustigen zugehen.„Unsere regelmäßig erscheinen- den Listen bringen jedesmal eine neue reichhaltige Auswahl von Ehegesuchen mit Angaben über Person. Charakter und Vermögen. so daß«in jeder, der heiraten will, in unseren Listen den ihm zu- sagenden Ehekameraden finden muß," heißt es in dem Prospekt einer dieser Organisationen. Zweifeln Sie?„Zahlreiche Anerkennungs- schreiben" bezeugen es:„Ihre Art der Vermittlung gefällt mir über- aus und� habe ich die Hoffnung, durch Sie zum Ziele zu kommen, nachdem schon verschiedene Versuche fehlgeschlagen sind," schreibt ein Pfarrer, der offenbar hier den letzten Versuch macht.„Ich bin aus- richtig erfreut, in ganz kurzer Zeit eine große Anzahl Angebote erhalten zu haben, darunter mir eine Dame ganz besonders zusagte und es bestimmt zu einer baldigen Eheschließung kommen wird!" schreibt ein„selbständiger Kaufmann aus Berlin-Schöneberg", zwar in nicht ganz einwandfteiem Deutsch, aber es kommt offensichtlich von Herzen. Auch on ermunterndem Zuspruch lassen die Listen es nicht fehlen. Oben oder unten auf jeder Seite steht ein Verschen oder eine Mahnung, die dem Sichfinden dienlich sein können.„Das Glück ist die Liebe, die Lieb' ist das Glück. Ich Hab' es gesagt und nehm's nicht zurück."—„Porto zur Weiterleitung von Brieden immer nur lose beilegen!"—„Krone des Lebens, Glück ohne Ruh', Liebe bist du!"—„Zögern Sie keine Minute und senden Sie un» den An- «eldeschein noch heute zu!"—„Es gibt kein Glück durch die Liebe a�in der Ehe." Die Damen werden getrennt von den Herren registriert. Die Einheiraten werden gesondert aufgeführt. Man macht konkrete An- gaben, denn man ist unter sich und braucht nichts zu verheimlichen. Es fällt schon etwas aus dem Rahmen, wenn eine heiratslustige Dame die unkontrollierbare Bemerkung nicht unterdrücken kann, sie sei„der Sonnenschein" in ihrem Elternhause. Meist bleibt man sachlich auch bei der Charakterangabe— sowohl bei der eigenen wie bei der Ausmalung dessen, den man sucht. In der Regel ist man „gebildet" oder„mit Herzensbildung", manchmal auch— zumal die Damen—„wirtschaftlich und musikalisch", eventuell auch„mit Sinn für alles Schöne". Selbstverständlich ersehnt man eine„harmonische Ehe". Aber damit ist die Kennzeichnung des seelischen Tatbestandes meist auch schon erschöpft. Detaillierter Ist dann die Angabe der äußeren Merkmale. Die Damen, wenigstens soweit sie über 26 sind, sehen fast durchweg„bedeutend jünger" aus oder sind„von jugend- licher Erscheinung". Sonst die üblichen Angaben: die Größe in Zentimeter, die Farbe der Augen und des Haares, die Schlankheit oder die Vollschlankheit. Sehr häufig wird auch chie Maximalgröhe des Zukünftigen angegeben: eine ostfriesische Haustochter, 1,50 Meter groß, hat sich in stiller Stunde ausgerechnet, daß der Freier nicht größer als 1,70 Meter sein darf, und es steht zu besürchten daß sie Ihm mit gezücktem Zollstock entgegentreten wird. Eine vollschlanke Bremerin zu 1�65 Meter sucht einen Partner nicht unte- 1,65 Meter und 500 Mark im Monat: eine sechsundzwanzigjährige Haustochter, 1,72 Meter groß, wäre schon zufrieden, wenn der Mann wenigstens 1,60 Meter groß wäre. So kompliziert ist das Leben. Aber am kompliziertesten ist e» doch in Sachen des Geldes. Da heißt es aufpassen, wenn man nicht sehlgreifen will. Eine schuldlos geschiedene' Fünfundzwanzig««!» aus dem Allgäu besitzt 10 000 Mark, zwei reizende Knaben und Möbel-, daraufhin beansprucht sie, daß der Gesuchte ideal denkt und in guter Levensstellung ist. Eine edel- gewachsene Kunstgewerblerin, im Haushalte tüchtig, von ernst- heiterem Wesen(auch das gibt es...), bietet 300 Mark monatlich und später 50 000 Mark, wofür sie einen„gediegenen Mann" ver- langt. Eine mecklenburgische Generalswitwe, bedeutend jünger aus- sehend, mit Pension und Zinsgenuß, sucht einen distinguierten Herrn, der aber kein Mitgiftjäger sein darf, sondern im Gegenteil 8000 Mark im Jahr« verdienen soll. Und außerdem noch Neigungsehe. Die Herren schreiben häufig:„Damen ohne Bubikopf bevorzugt." So sind die Männer: die verschiedenen Freundinnen vor und neben der Ehe können den Bubikops gar nicht keß genug haben, aber der künftigen Gattin kann der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Dutt nicht hoch genug Mgen. So sind die Männer. Im übrigen: Vermögen erwünscht, jedoch nicht Bedingung. Häufig ist es aber bedingungslos erwünscht. Ein älterer Apotheker mit eigenen Erfindungen sucht zur Ausbeutung dieser Erfindungen einige tausend Mark in bar und eine Dame möglichst ohne Bubikopf. Ein Fabrikant im Anhaltischen sucht eine Dame mit etwa 10 000 M. und einem branchekundigen Schwiegervater Neben den alltäglichen Organisationen gibt es auch solche, die sozusagen überm Alltag stehen. Meist sind sie auf eine Reform ein- geschworen, auf irgendeine Heilslehre, und suchen nun die Verbin- düngen herzustellen zwischen den Anhängern. Fast immer spielt der Sternenglaube eine gewichtige Rolle, und deshalb ist auch tn den Gesuchen sehr häufig angegeben, unter welcher Konstellation man geboren ist.„Jungsraugeborene Merkur",„Sonne— Widder— Löwe",„Horoskop zum gegenseitigen Austausch vorhanden"— so oder ähnlich heißt es da. Im übrigen betont man das Seelische mehr und benennt es mit den ausgefallensten Vokabeln. Der Stil ist inniger als etwa der in den Heiratsannoncen der Zeitungen.„Mein Glaube an das Gute im Menschen ist unerschütterlich", beginnt da eine zweiunddreißigjährige Vegetarierin. Ein„Bewegungs- und Empfindungs-Typ" weiblichen Geschlechts schreibt ausdrücklich:„liebt seelisch".—„Wo lebst Du, liebes Mädchen, komm, gib mir Deine Hand—", leitet ein Erziehungsgehilfe, 1,60 Meter groß, sein Gesuch ein. Ein Direktor mit 26 000 Mark Jahreseinkommen möchte eine Ehe ausgerechnet im Geiste der Lehre Bo Pin Ra's führen. Ein siebenundzwanzigjähriger„Mystiker und Naturfreund" mit beträcht- lichem Vermögen sucht eine Lebensreformerin, die nur zwischen 19. Februar und 19. März. 20. April und 20. Mai, 23. Oktober und 21. November geboren sein darf. Ein„Vegetarier und Lichtmensch", im Elektrofach tätig, also in jeder Beziehung ein Lichtmensch, möchte mit einem blau-blo«den Mädel ein Stück Heide besiedeln. Ein junger Lebensreformer sucht„für sein vollständig fertiges Nestchen ein braves Frauchen", was voraussichtlich eine etwas kitschige Angelegen- heit werden dürfte. Ein schuldlos geschiedener Frischköstler sucht eine Ehetameradin: Siedlerin oder Reformverkäuferin bevorzugt, aber nicht Bedingung. Jemand wünscht eine vollschlanke und blauäugige Blondine kennenzulernen, die„dem Lichtgedanken huldigt". Blond, blauäugig und vollschlank sind überhaupt die drei gefragtesten Attribute. Die Seele allein tut es also auch in diesen Bezirken nicht. Und nicht zu vergessen: die älteren Damen sehen auch hier bedeutend jünger aus!_ fteichlümer am Vleeresgrunde Die Nachricht, daß es den Tauchern des italienischen Bergung-- schiffes„Artiglio II" gelungen fei. den Schiffstresor der „C g y p t" zu sprengen, die vor neun Jahren im Nebel der bre- tagnischen Küste, von einem Lastschiff gerammt, mit angeblich einer Million englischen Pfunden In Gold und Silber an Bord, gesunken ist, ruft die Erinnerung an die zahlreichen vergeblichen Versuche, den Meerestiesen versunkene Schätze zu entreißen, wach. Durch mehr als drei Jahrhunderte hielt das Kriegsschiff der spanischen Armada„A l m I r a n t e de F l o r e n c i a", das im Jahre 1588 in der Tobermory-Bay an der Küste Schottlands gc- scheitert war, das Interesse der Schatzsucher der Tiefe wach, da man annahm, daß es mit dem Kriegsschatz der stolzen Flotte Spaniens gesunken sei. Auch zwei Frauen beteiligten sich vor wenigen Jahren an der Schatzsuche, und ein Abgeordneter des englischen Unterhauses hat einmal erklärt, er wolle seine Osterferien damit verbringen, der Reichtümer des„Almirante de Florencia" habhaft zu werden. Unweit der Küste der Bretagne wurde im Jahr« 1917 die„E l i- z a b e t h v i l l e" von einem deutschen II-Boot torpediert. 10 000 ungeschliffene Diamanten, die gesamte.Jahresausbeute des belgischen Kongos— so sagte man—, befänden sich in einem Safe im Schiffs- körper. Die belgische Regierung finanzierte die Bergungsarbeiten. Ein Jahr wurde mit dem Absuchen des Meeresgrundes zugebracht. Jubel herrschte, als man das Wrack endlich auffand, und noch grö- herer, als es nach übermenschlichen Anstrengungen gelang, das Safe an die Oberfläche zu bringen. Es wurde an die Küste gebracht und in Gegenwart von Vertretern des belgischen Staatsschatzes feierlich geöffnet. Es enthielt— etwa 300 belgische Fronten in Banknoten und vier englische Sovereigns in Gold. Noch harrt das Wrack der„Lutina", die im Jahre 1799 mit Mann und Maus und angeblich Goldbarren im Werte von 30 Mil- lionen Mark vor der holländischen Küste unterging, des erfolgreichen Schätzesuchers. Immer wieder hat man versucht, ihre sagenhaften Reichtümer der Tiefe zu entreißen. Der einzige Erfolg war— vor mehr als 70 Jahren— einem niederländischen Kapitän beschieden, dem es gelang, die Schiffsglocke an die Oberfläche zu bringen. Er machte sie L l o y d in London zum Geschenk, und jedesmal, wenn dort die Nachricht von einer Schiffskatastrophe eintrifft, oder ein Schiff als lange überfällig aufgegeben wird, ertönt unheilverkündend das Läuten der Schiffsglocke der„Lutina". Den verlockendsten Schatz birgt zweifellos der White-Star- Dampfer„L a u r e n t i c", der 19l7 an der Nordküft« Irlands torpediert wurde— mit 300 Menschen, die den Ertrinkungstod fanden. Die„Laurentic" hotte etwa 7 Millionen englische Pfund an Bord, und mehr als fünf Jahre währender Bergungsversuche tonnte nur ein kleiner Teil dieses gewaltigen Vermögests geborgen werden. Kein Taucher dagegen ist noch bis zu den gewaltigen Wracks der„A r a b i c" und der„L u f r t a n i a", deren Torpedierung durch deutsche II-Boote den Eintritt der Vereinigten Staaten in den Welt- krieg entscheidend mitbestimmte, vorgedrungen. Beide Schiffe hatten sehr große Beträge in Gold und Silber an Bord, aber allzu tief sind die Wellengräber der beiden Dampfer, als daß Bergungsversuche heute Aussicht aus Erfolg hätten. Wohl sir�d die amerikanischen Forscher William B e e b e und Otis B a r t o li bei den Bermudas- Inseln in eine Meerestiefe von 442 Meter, tiefer als j« ein Mensch zuvor, hinabgestiegen. Aber ihr Unternehmen diente der Wissenschaft und nicht der Schätzesuche. Gewaltige Glasplatten gestatteten ihnen wohl einen ungehinderten Ausblick, aber nicht die Berührung irgendeines Gegenstandes der Meerestiefe. Hätten sich die beiden auch unvermutet einem Goldschatz wie dem der Bank von England gegenüber gesehen, sie wären doch nicht imstande gewesen, auch nur eines Pfennigs Wert an die Oberfläche zu bringen. Die Technik muß erst eine Taucharbeit schaffen, der die Erreichung großer Meeres- tiesen und Tiefenarbeit zugleich ermöglicht, damit sie dem Meeres- gründe seine Schätze entreißen kann. L.K. Zugang und Abgang. Ein Blick in die Statistik der Bevölkerungsbewegung. Alljährlich, wenn in Berlin eine Zählung der Ein- w o h n e r vorgenommen wird, ergibt sich, daß sich ein nicht unbe- trächtlicher Teil de�'�reuen Einwohner aus Ausländern zu- sammensetzt. Ausländer sind es, die zum Teil schon seit langen Jahren ihren Wohnsitz in Berlin haben und die eingebürgert wur- den, wenn den Bestimmungen des Reichs- und Staatsangehörigkeits- gesetzes Rechnung getragen wurde. Nach den neuesten Ermittelungen wurden im Laufe des vergangenen Jahres insgesamt 4<)8S Per- sonen eingebürgert und zwar 2289 Antragsteller mit 1796 Ange- hörigen. Gegenüber dem Jahre 1929, in dem im ganzen 3085 Einbürgerungsgesuche bewilligt wurden(1651 Antragsteller mit 1434 miteiNgebürgerten Personel? erfuhr damit die Zahl der Einbürge- rungen- im vorigen Jahr eine nicht geringe Erhöhung um 1099 Personen oder um 32,4 Prozent. Was die Staatsangehörigkeit der eingebürgerten Ausländer an- betrifft, so stammte der größte Teil aus den östlichen Staaten Eu- ropas: Die Polen sind mit 1973(617 Antragsteller und 456 mit- eingeborenen Angehörigen) am stärksten vertreten. An zweiter Stelle steht die Tschechoslowakei mit zusammen 832 Per- sonen. Erst in weitem Abstände folgen die O e st e r r e i ch e r mit 285, denen sich 292 Vertreter der B a l k a n st a a t e n anschließen. Aus der Sowjetunion stammten 177 Personen, während aus den östlichen Randstaaten weitere 168 anschließen. Dagegen sind die Einbürgerungsanträge von Angehörigen der westeuropäischen Staaten im Verhältnis zu den osteuropäischen ziemlich gering. Die französische Staatsangehörigkeit besaßen nur 154, die englische so- gar nur 14 Antragsteller. Sehr wenige— nur 54 Personen— entfallen auf die nördlichen Staaten: Dänemark, Schweden und Norwegen. Sehr groß ist dagegen die Zahl der eingebürgerten so- genannten„Staatenlosen" mit insgesamt 725 Personen. Betrachten wir den Familienstand der Antragsteller, so fällt der allergrößte Teil auf die Ledigen. 2289 ledigen Antragstellern stehen nur 856 verheiratete gegenüber, während der übrige Teil verwitwet oder geschieden war. Melzr als die Hälfte aller Antrag- steller, nämlich 1295 oder 52,6 Prozent waren im Ausland geboren: ein sehr großer Teil von ihnen wohnte zu der Zeit, als der Ein- bürgerungsantrag gestellt wurde, mehr als zehn Jahre in Berlin. Diesem Zugang steht allerdings ein großer Abgang gegenüber. So werden täglich etwa 15 Personen als vermißt ge- meldet, von denen sich aber ein großer Teil nach kurzer Zeit wieder einfindet. Zumeist handelt es sich um Jugendliche, die aus irgend- welchen Gründen das Elternhaus oerlassen, um sich bald wieder zu melden. Trotzdem bleibt ein großer Teil der als vermißt gemeldeten Personen verschollen. Ein Fall, der erst in den letzten Tagen vor- gekommen ist, beleuchtet die Schwierigkeiten der Vermißtenzentrale auf das deutlichste: In Spandau bereitet die Identifizierung des Opfers des Mädchenmordes erhebliche Schwierigkeiten. Die Zahl der Unauffindbaren ist keineswegs so gering, wie es im allgemeinen angenommen wird. Der Anteil der Jugendlichen beträgt 234 Kinder unter 14 Jahren und 2399 im Alter von 14 bis 21 Jahren. Ihr Ver- bleiben ist in Dunkel gehüllt. Erwachsene verschwanden im letzten Jahre 2489, darunter 1996 Frauen. Ueber jeden von ihnen liegen genaue Angaben und Ermittelungen bei den polizeilichen Akten, die wesentlich dazu beitragen, das Dunkel um die Verschwundenen zu lichten, sobald sich, auch nach Jahren, Anhaltspunkte zur Durch- führung der polizeilichen Nachforschung ergeben. Billige Zoo-Woche. Vom i4. bis zum 19. September.— Reue seltene Tiere. Auch der Berliner Zoo bekommt die Wirtschaftskrise zu spüren. Obwohl noch immer einer der stärksten Anziehungspunkte der Reichshauptstadt und allen Schwierigkeiten zum Trotz gerade fetzt in jeder Beziehung auf der höhe, ist die Besucherzahl als Auswirkung der allgemeinen Wirtschaftsnot zurückgegangen. Um möglichst vielen Berlinern noch in den schönen Herbsttagen die Möglichkeit eines Besuches zu geben, hat die Direktwn für dia Tage vom 14. bis zum 19. September eine„Billige Zoo- Woche" vorgesehen, in der das Eintrittsgeld durchweg nur 1 M., von 16 Uhr an nur 50 Pf.— Kinder die Hälfte. beträgt. Für das Aquarium gelten in der billigen Woche gleichfalls ermäßigle Eintrittspreise, und zwar bis 16 Uhr für Erwachsene 75 Ps„ für Kinder 50 Pf„ nach 16 Uhr für Erwachsene 59 Pf., für Kinder 25 Pf.— wenn der wettergolt keinen Strich durch die Rechnung macht, dürfte die Leitung des Zoo mit der Einrichtung der billige« Woche richttg getippt haben. Zahlreiche Tierfreunde werden die Gelegeuheit. billig den Zoo studiereu zu köuueu. mit Freuden wahr- nehmen. Ueberdies hat der Zoo sein anerkannt vorzügliches und sehr reichhaltige, Tierwaterial— der Berliner Zoo gilt als einer der besten Tiergärten der Well— durch zwei große Transporte aus Südamerika und aus dem Balkan wertvoll ergänzen können. Es sind meistens eigenartige und seltene Vogelarten, die neu zu uns gekommen sind. Einige dieser Vögel, so die Anden- g a n s mit ihrer merkwürdigen Gänseform und die Meer- pelikane, die zum ersten Male in Europa zu sehen sind, waren bisher in keinem Zoologischen Garten vertreten. Dem Balkan- transport verdanken wir Vertreter der größten Adlergruppe Europos, die Kaiser- und Seeadler. Herrliche Tiere mit riesigen Flügeln und noch im Jugendkleid, da sie erst in diesem Jahre geboren wurden. Als große europäische Seltenhell bewundern wir die Zwergkormorane(Zwergscharbe) und die Bienen- fresser, die sich nur von fliegenden Insekten ernähren. Aus Südamerika, aus dem Urwald Brasiliens, hat man eine neue interesiante Wildhundform, den Waldhund und die Hasenmaus nach Berlin gebracht. Sehr viel Freude wird den Besuchern auch die Babystube des Zoo bereiten. Es wimmelt da von entzückenden kleinen Löwen-, Tiger- und Leopardenkindern alle ängstlich und gewichtig von ihren starken Müttern bewacht. Und voll Stolz blickt auch eine tüchtige Zebramama auf ihr Kleines, das vorgestern das Licht der Welt erblickt«. Allerdings kennt es bisher nur die künsttiche Sonne der Menschen, ins Freie darf es unter Musters Führung erst in einigen Tagen. Der Republikanische Swdenienbund. Gruppe Beuth-Schule. hatte zu einer Kundgebung im Ulap eingeladen. Der National- sozialistische Siudentenbund war öffentlich zur Dis- kussion aufgeforoert worden, zog es aber vor, nachdem er schon einmal eine Diskussion veichindat hatte, nicht zu erscheinen. Für den Republikanischen Studentenbund sprach Kamerad Regierungsrat Dr. Muhle über den geistigen Zusammenbruch des Nationalsozialis- mus. Mit scharfen Worten geißelte Kamerad Muhle die verheeren- den Wirkungen der nationalsozialistischen Politik. Die packenden und mutigen Worte wurden von der gut besuchten Versammlung mit Begeisterung ausgenommen. Das Deutschlandlied beschloß diese für die Gruppe erfolgreiche Kundgebung. Die Ltrsache der ,,philiberi"-Kaiastrophe Verbrecherische profiisucht der Schiffahrtsgesellfchast. Paris, 11. September.(Eigenbericht.) Der„Soir" teilt einige Stellen aus einem Briefe mit, den ein Teilnehmer der Unglücksfahrt des„St. Philibsrt" an den General st aatsanwalt in Nantes gerichtet hat und der ein vollkommen neues Licht auf die Katastrophe wirft. Danach hat der Kapitän des Dampfers in Gegenwart von drei Stenotypistinnen vor der Abfahrt von der Insel Noirmoutier erklärt, er habe während yines Telephongesprächs mik seiner Reederei trotz seiner Warnung den Auftrag erhalten, die Rückfahrt anzutreten. Da er gewußt habe. daß er eine Todesfahrt uuternehme. habe er seinen an Bord befind- lichen Neffen auf der Insel zurückgelassen. Nach diesen Erklärungen würde die Schissahrtsgesellschast allein die Schuld an dem furcht- baren Unglück treffen. Der„Soir" verlangt, daß die drei Steno- typistinnen von dem Untersuchungsrichter vernommen werden. Aus dem Schlachtfeld ausgegraben.' Bei Bauarbeiten in der sogenannten„Roten Zone" bei S o u ch e z in der Nähe von A r r a s stießen die Bauarbeiter auf die Leichen von drei deutschen Soldaten, die nicht identifiziert wer- den konnten. Auch die Leiche eines französischen Soldaten wurde freigelegt._ Das Herbstsest des Reichsbanners. Für die herbstveranstaltuug des Berliner Reichsbanners, die am morgigen Sonntag, nachmittags 15 Uhr, im Stadion an der Avns stallfindet, haben folgende Behörden usw. Ehrenpreise gestiftet: Ministerium für Wissenschaft und Volksbildung, Ministerium für volkswohlsahrl, Deutscher Reichs-Auto-Elub, Stadt Berlin, Parteivorstand der SPD.— Das Stadion an der Avus ist nicht zu verwechseln mit dem Deutschen Stadion im Grunewald. Es ist mit folgenden Fahrlverbindungen zu erreichen: Stadt- und Ringbahn bis Bahnhof Ausstellung. U-Bahn bis Bahn- Hof Kaiserdamm. * In der Hochschule für Leibesübungen wird am heutigen Sonnabend ein Lehrkursus beendet, an dem 59 Jugendführer des Reichsbanners aus allen Tellen des Reiches teilnahmen. Das Programm des Kursus sah vornehm- lich eine sportlich-technische Ausbildung der Kursisten vor und wurde durch theoretischen Unterricht in Gesetzeskunde ufw ergänzt. Bei der Besichtigung durch den Bundesführer, Oberpräsident z. D. Hörsing, der unter anderem auch Ministerialdirektor Dr. Brecht beiwohnte, wurden sowohl in praktischer als auch in theoretischer Beziehung außerordentlich gute Leistungen gezeigt. Oberpräsident Hörsing sprach den Teilnehmern Dank und Anerkennung aus und machte davon MUtellung, daß der nächst» Bunde»jugendtag des Reichsbanners 1932 im Rahmen des Goethe-Jahres in Weimar abgehallen wird. Vier Millionen uach der Friedmann-Melhode behandelt. Wie uns zu unserer Notiz im„Abend" über den„Kampf um Heilmittel" noch ergänzend mitgeteilt wird, sind nicht nur hunderte oder tausende. sondern bisher vier Millionen Menschen mit dem FM.-Serum von Professor Dr. Friedmann gegen Tuberkulose erfolgreich be- handelt bzw. geheilt worden. Feierstunde der Büchergilde. Die Büchergilde Gutenberg ver- anstallet am Sonnabend, dem 12. September, 19�2 Uhr, im Restaurant„Schützenhaus", Reinickendorf-Oft, Residenzstratze 1, eine künstlerische Feierstunde. Mitwirkende sind Rio Kube, Lucy Heim und Norbert Loefer. Alle Freunde der Büchergilde sind eingeladen. Eintrittskarten sind zu dem ermäßigten Preise von 59 Pf., für Erwerbslose 29 Pf., an der Abendkasse zu haben. Ernlefesi In Klein-Sleckersdors. Am Sonntag, 13. September, um 15 Uhr, begeht die Laubenkolonie Klein-Kleckers- darf, Neukölln, Sonnenallee, ihr diesjähriges Erntefest. Ter Vorstand bittet um regen Besuch. Z5jährlges Dienstjubiläum. Heute kann Herr Georg Kuhn. Berlin, Eisenbahnftr. 36s.. auf eine 2öjähriae Tätigkeit als Chauffeur bei der Firma Peel u. Cloppenburg, Berlin, zurückblicken. Eine unentgeltliche Pilzczkursion veranstaltet am Sonntag, 18. Septem- berg, die Ortsgruppe Berlm der Deutschen Gescll'chaft für Pilzkunde zum Studium und Kennenlernen der Pilze. Treffpunkt: 13 Uhr am Bahnhos in Wannsee. Führung: Studienrat Hennig. Um 1ö Uhr PilzanzstelUmg im Restaurant„Zur Schleuse", au der Machnotver Schleuse. Gäste will- kommen. Allgemeine Wetterlage. Im nördlichen Deutschland war es heute im wesentlichen trocken. In Süddeuischland und in Schlesien siel jedoch Regen. Breslau meldete am Frestagabend bereits 16 Millimeter. Die Niederschläge sind durch warm« Luft verursacht worden, die sich über dem Mittel- meer und dem Balkan befindet, und langsam nach Norden und Osten zu an Raum gewinnt. An der Front'der warmen Luft haben sich Tiefdruckgebiete entwickelt. Sie werden sich vor allem nach Mitteldeutschland und Polen ausbresten, aber auch in unserem Gebiet nicht ohne Einfluß auf das Wetter bleiben. >» Wetlerausfichken für Berlin. Meist bewölkt, aufkommende Regenneigung, kühl.'— Für Dealfchland. Besonders im Süden und Osten Niederschläge, an den Küsten meist veränderlich, nur im Nord- osten noch vorwiegend trocken und ziemlich heiter. Die 21. Wiwtersaiso» ttüffnet per Clou, M a u e r st r. W, das Lokal dar elgentlichan Beritner unter dem Motto: Etwa« Vergn Ilgen muh sein! An jedem NadMittao findet das beliebte Kaffee konzert statt, bei dem zur Unter. Haltung noch neuerdings kurz« ssilmc und die Wochenschau geboten werden. Die modernst« Filmopparotur(Mechau.Apparat) ist nach Angaben der Bau» und Theaterpolizei eingebaut worden. Abends werden sich wieder die Tanzlustigen zu srohen Stunden im Clou versammeln, denn Kapelle Meinhardt und das Iazz-Orchester spielen munter aus. Di« Düste weiden auf den neu ausge. statteten Terrassen durch rheinische Mädchen bedient, gur Kllrzung der Tanz- pausen iperden zwanglos Vorführungen und siilmausschnitke gezeigt. Der schon früher beliebte Schneegestöbertanz wirb einen besonderen Reiz bilden, denn es gibt Geschenke, die durch heravwirbelnde LoHe orrmittelt werden. Es wird also gesorgt, dah jeder, ob er tanzen, bcdbachten oder gmiehen will, zu feinem Recht konunt. Dabei werden die Preise»och volketiwrlicher gehalten sein, damit auch«in jeder flch einig« froh« Stunden bereiten kann. er vorbildliche WA C E N VON 2350 EM AN 1� Ur.Vierxyünder»b Werk RüeeeUhelin gelte- fert. Die gOostigeo Bedingungen der Allgemeinen Finen- xiemngs Ceeellscfaaft erleiditern Ihnen die Aniefaeffung. fun Ist der Wunsch vielerTausende,- hier und in der ganzen Welt,— erfüllt. Der 1,2 Liter Vierzylinder Opel ist dal Er bringt die ideale Verbindung der wirtschaftlichen Vorteile kleiner Wagen mit den betonten Vorzügen großer Automobile, er bringt nichts weniger als die Losung der Kleinwagenfrage. Moderne doch erprobte Konstruktionsprinzipien, vorbildliche Fabrikations- methoden und das Wissen um die Erfordernisse des Marktes haben es der größten Automobilfabrik Deutschlands ermöglicht, diesen vorbildlichen Wagen zu bauen. Hier wurde das Gesetz idealer Proportion,- der»Goldene Schnitt«,- zum Prinzip für den Automobilbau. Setzen Sie sich ans Steuer, der erste Augenblick wird zum Erlebnis, und nach wenigen Kilometern werden Sie anerkennen: hier ist derWagen, der kommen mußtet VON OPEL GEBAUT-VON OPEL Einsendungen für diese RubrU find Berlin SW«», LtndenstraHe Z, parteinachrichienfll�für Groß-Berlin stet» an da» Bezirkasetretariat 2. Hos, 2 Treppen recht», zu richten Beginn aller Veranstaltungen Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! Heute, Sonnabend, 12. September. 8. firei». Iuristlsche Sprechstunde findet von 17— 18 lldr Im Jugendheim Rosinenstr.-1, statt.— Gelegenheit»um Kirchcnauetritt. J. Abt. Borlick, Sebastianstr. 28, äußerst wichtige FunttionärsiKung. An- schließeitd Sitzung des Adtcilungsvorstondes mit den Revisoren. 8. Abt. Wichtige Funkt ivnärfitzung 20 Uhr bei Richert, Steinmctzstr. 36a. 12. Abt. 18 Uhr kur»c Besprechung der Bczirksfithrer bei Schmidt, Wiclefstr. 17. 28. Abt. 18 Uhr bei Pohst, Lnchencr Str. los, Funltionärsttzung. 31. Abt. lg Uhr lurze, äußerst wichtige Besprechung sämtliche: Funktionäre bei Goldschmidt, Etolpische Str. 36. 8t. Abt. Die Dezirlsfithrer holen sich nrllndlichc Information heute zwislchcn lg und 20 Uhr vom Genossen Gropentin, Dorfstr. 2. 129. Abt. 18 Uhr Vorstandssitzung im Türkischen Zelt, Breit« Straße. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß-Lertin. Itrei, Prenzlauer Berg: Achtung! Nächster Helserarbeitsabend erst am Dienstag, 22. September fireis Friedrichs Hain, Gruppe Martha Denrmning: Sonntag Fahrt nach SSannscc. Nestsalken 40 Pf., alle anderen So Pf. Essen und Trinken mit- bringe». Treffen 7 Uhr Falicneckc. Arci, Krcuzberg, Gruppe Vorwärts: Achtung, Iungfolken! Wir treffen uns morgen 7>4 Uhr Rote Ecks zur Fahrt nach Epandaui 46 Pf. Fahrgeld. Gruppe Köpenick: Jung- und Rote Falken treffen sich Sonntag, 13. Septem. der, 8 Uhr, Bahnhof Köpenick zur Wanderung nach den Fifcherhsitten. Decke, 33 Pf. und Wen fitr den ganzen Tag mitbringen. Gruppe Wcißcnse«: Sonntag Fahrt fitr all« noch Ahrensfelde. Treffen 7.1b Uhr Buschallee Ecke Berliner Allee. Kosten 30 Pf. Getränk mitbringen. Krei» Reulolln: Kreisfahrt am IS. HS. September. Rot« Falken nach Buckow fMärkifch« Schwei»). Treffpunkt 18% Uhr Bahnhof Neukälkn. 1» 9t Unkpfien. Iungkalken nach Reu-Behlefanz. Treffpunkt 1« Uhr Bahnhof Neukölln. 1 M. Unkosten. All- R.-F.- In Tracht erscheinen. und I.-F.-Helscr komntcn geschlossen mit ihren Gruppen. Wimpcl mitbringen. Die Nestsalkenfahrt fällt aus. ZI SozialMscheArbeiterjugendGroß-Verlin Einsendungen für diese Rubrik nur an das Iugendfekretariat Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Am Moutag, 14. September, beteiligen wir uns geschlossen an der Bersamm. lung der Partei im Sportpalast. Treffpunkt pünktlich 1914 Uhr. Alle anderen Sruppenocranstaltungen fallen aus. Leid pünktlich! Knast in dieser Zeit. Beranstoltung der Volksbühne morgen, Sonntag, 1814 Uhr, in den Kammersälen, EW., Teltower Straße Karlheinz Riortin sprecht! U. a. Darbietungen eine Szene ans„Die Che" von Dssblin. R. A. Stcmmle liest aus eigenen Werken. Unlostcirbeitrag 20 Pf. Erwerbslose frei. Heule, Sonnabend, 12. September: Wedding-Rord: Fahrt nach Zossen. 1714 Uhr Bhf. Wedding oder lg Uhr Potsdamer Vorortbhf,— Rordssten I: Fahrt nach Jossen. 18 Uhr Bhf. Weißen- scc. Kosten IM.— Sallesches Ts»: Porckstr. 11: Funktionärvcrßammlung.— Arnimplatz: 20 Uhr Funkt. onärverfammlnnq beim Genossen Gurke, Echivel- deiner Str. 31, Quergeb. 4 Tr. Intcreffierte Genossen sind eingeladen. Morgen 814 Uhr Treffpunkt Bhf. Nordring, Spaziergang.— Tempelhos: lg Uhr Bhf. Tempelhof, Fahrt nach Uctzdorf. Wcrbcbezirk Tiergarten: Wichtige Ehorprobc für PvlksbüHnenver- anftaltung 1914 Uhr Musiisaal der Kleist-Schule, Leoetzowstr, 3. Werbebezirl Wedding: W.-B.-Eprechstunde bei Rich. Meyer, GMn- thaler Str. 2g, vorn 2 Tr. links, von 18—1914 Uhr. Ave Gruppen müssen pünktlich vertreten fein. ' Werbebezirk Prenzlauer Berg: Der Wochenendkursus fällt aus. Werbebezirl Neukölln: 1S14 Uhr wichtige Funltianärversammlung, ins Kanner Straße. Morgen, Sonntag, Treffpnukke für Jährten: Renköllu I: 6 Uhr Reuterplatz.— Reukölln IT; 614 Uhr Bhf. Neukölln, Falkentracht.— Reulölln V: 6 Uhr Reuterplatz.— Renköllu VI: 614 Uhr Bhf. Kaifer-Frichrich-Straße.— Neukölln VIII: 614 Uhr Kaißer-Friedrich- Ecko Weichsclstraßc.— Wcrbebezirk Neukölln: Radfahrer 614 Uhr Bhf. NeukWn. Vortrage, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold'. GeschS'tsstell':»erlin s 1«, Sebastianstr 87-38 So« 2. Tr. Sonnabend, 12. September. Friedrich,hain tZungba): Aeußerfi wich» fig« Besprechung über Sonntag im Jugendheim Frankfurter Allee 307. Erscheinen aller Pflicht.— Sonntag, 13. September. Krei, 7: All- Radfahrer 1314 Uhr Fontanepromenade. Friedrichshain lZungbanner): 1214 Uhr S-päckmannfchaft Madai. Ecke Fruchtstraße. Alle anderen«ameraden>n Bundesileidung ohne Gepäck ebendort.— Steglitz(Ortsvereln für Steglitz, Lichterfelde und Lankwitz): Die Witgliedcrnersammlung am Montag, 14. Sep- tember, fällt aus und wird auf den 21. September verlegt. Klein-Kaliber-Schötzenoereiu Reukölln-Britz. Eportmaiurfchaft Sonntag, 714 Uhr, Treffen Sportplatz an der Avus. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, ll Uhr, Pappclallee 15, Vortrag des Herr» Dr, F. Schiff:„Der magische Ursprung der alten Vollsbrouche*. Flügel: Ballettmusik aus„Rosamunde" sSchudert). Gäste willkommen. Reichsbund der Arieg»besch-digt-n, Kriegsteilnehmer und«riegeihiuter. bliebenen, Gau Berlin, Ortsgruppe Norden 14. Donnerswg, 17. September, 20 Uhr, in den Casino-Festllälen, Pappelallee lS, Mitglutderverfammlung. Referent Herr Polizeihauptmann Karl Dobberahn. Thema:„Die moderns Volkspolizet", Arbeiter-Abstinenten-Bund. Bezirksgrnppe Prenzlauer Berg. Sonnabend, 12. September, 20 Uhr, alkoholfreie Gaststätte, Immanuelkirchstr, g. Referent Genosse Hoheisel:„Vom Sinn des Lebens". Gäste herzlich willkommen.— De- zirksqrnppc Norden: Sonnabend, 12. September, 20 Uhr, alkoholfreie Gaststätte, Malplaguetstr. 28, Mitgliederversanimlung.— Bezlrksgrnppe Neukölln: Man- tag, 14. September, 20 Uhr, Jugendheim Bergstr. 29, Zimmer 5, Gruppen. abend, Gäste herzlich willkommen. Slaafi Thealer Ittatjoper Doter den Linden. Sonnabend, den 12. September iQVa Uhr Ende gegen 221/2 Uhr. Der Pfeiferlag Staall.Sdiauspielhaus Gudinuiuuitt. Anfang 20 Uhr Nora Sdiiler-Kieater CharlettiDbütg. Anfang 20 Uhr Doktor Klaus Barbarossa 9256 TfiSl. 5 u. 81/2 U. THE 22 INCENUES HUDSON. WONDERS und du große Sept.-Programm Tflgl nachm q Sonntag 3 u. SM 1 LEKÄfl■ OPERETTE I friederikeI Ttgl. SüUhrtbde. VARIETE 30 Pf. bie3.-M LUNA Heute: Fest der Bert. Feuerwehr 91 i I i t ä r• M n s I k Zapffcnstrrlcti Feuerwerk Sonntag: Boxkampf »v.uhr CASlNO-THEATER�uh. Lothringer Strafe 37. Uiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuuiiiiiiniiiiti Nur noch bis 20. September Das Parfüm meiner Frau und das erstkl. bunte Programm Montag, den 21. Sept. zum 1. Male Bodo, das Offontiidie Aeroernls. Qutschein l-4 Personen. Parkett 50 Pf. Fauteuil 1.— Mk. Sessel 1.50 Mk 8.15 Uhr Flora 3434 Rauchen erlaubt Die Sechs von der Steafsoper. Cortlnis Dollarsc�en. Saleruo. 12 Dratanos« Rhocnrad-Sens osw. Sonilinil odH Sonntag p 2 Vorslnllnngco 4 und 8" Uhr. 4 Uhr kleine Pr. ha�Sd BETRIEB KEMPIHSKIVj� Relchshallen-Theater Uends B Ohr, Bönning ondimittag ZV, ühf B p 1 1 1 o n SO«lalipo Stettiner Sänger Nachmittags halbe Preise. slddLOper Charlottenburg Bitmarckstialle 34 Sonnabend, 12. Sept. Turnus III Anfang 20 Uhr Samson undDalila Ende gegen 23 Uhr. 'Rejgte&iÄk'C&dejßZ VolKsbUhne Schiller-Theater 8 Uhr Doktor Klaus metropof-Theaier Täglich 8>/. Uhr die neue Pinl-Uraham- Operette Die Blume von Hawai Pinisi nn t— M. an. OeotsHes neaier 8 Uhr Kat Schauspiel nach Emest Hemingway DiDhdn Bühnmbiarbeitong i Carl Zuckmayei und Heinz Hllpen. Regle: Heinz Hilpert Soeben O. B. Wendler [ GLlKK Roman 224 Seiten Ganzleinen (Für Mitglied. Sonderproi») erschienen Verlag Der Bücherkreis Q. m. b. N. Berlin SW 61 Belle-Alliance-Platz 7 iiiiiiiuiiiiüiiiiiiiüiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiuiiiiiiiiii Zudcn mancher- leiGemeinschaf- ten, in denen die Arbeiterschaft lebt, gehört auch in wachsendem AoamaOe d.Lan- benkolonisten- bewegung. So wie Land und Laube an den ..Grenzbezirken der Stidte" liegen, so leben auch die Kolonisten in den „Grenzbezirken desProlctariats". Hier sammelt sich dleM Unruhe der Großstadt-, die hinter roten Fahnen weniger gegen den Kapitalismus dar Fabriken, als gegen d. Kapitalismus des Grundbesitzes demonstriert Etwas Vergnügen muß sein! Ta.nz ERÖFFNÜNG Film ROSE-THEATER „Rose Bernd" Traole Rose in der Titelrolle Mlttwocb, Sonnabend n. Sonntag 6 und 9 Uhr An allen andern Tagen 8U Uhr Preise 0.S0-3.00 <*roße Vranktorter StraOe lag Vorverkauf Täellch II— l und 3—9 U. E 7, 34!2. Deotsdier Metallarbeiter-ferbanii Verwalinngsslelle Berlin Todesanzeige Den Mitgliedern Sur Nachricht, daß unier Kollege, der Schlosser Adolk Fischer geb. 30. April 1876 am 10. September gestorben ist. Ehr« feinem Andenken! Die EinSicherung findet am Sonn- abend, dem 12. September. 17 Uhr,. im Krematorium Baumichulenweg. Kiesholzitraße. statt. Ziege Beteiligung erwartet Die Orisvcrwaltang. Rurlürstenaamra Theater lilsmarck 448/49 8'/< Uhr Die schöne Helena «an lacqnes anenlmdi Deole; Max Delnhardi Theater im AdmlralsDalast Täglich 8',. Uhr Der Sensationserlolg! Die Dubarry mit Gitta Aipar Preise v. 0,50 M an Komisene oper SV« Uhr Thron zu vergeben Operette v.Neidhart Musik v. Witmann Leux, Elster, Lilien, Hendrik, Fels Preise: 0,50-7,- M I eHiDS-Tlieatei Dlr.Dr.Robert Klein Tel.: Hiidenilinm 0040. 8>/, Uhr Junge Liebe. Mosheim, Brausewettsr, Haaek, Homolka. Theater desWestens Tägl. 5 u. H'k Viktoria und ihr Husar Operette von P. übralm Preise der Plätze von M. 0.50 an jeder Art liefert preiswert Paul Golletz vormalt Robert Meyer fttarlannenstr. 3 F8. Oborbaum 1303 /St\ ! 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Freun- den und Bekannten, insbesondere dem Herrn Pfarrer Gelloncck. der Beleg- id>ait der Ambi-Budd-Werle und dem Ruderklub„Vorwärts' unseren liesempsundenen Dank. Jm Namen der Hinterbliebenen Max Mlttmann. Bln.-Niederschöneweide, 10. Sept. 1931 Betten-Fürst Beriln- Neukölln Hermannstraße 33 Berlin- Tempelhol Berliner Gegründet 1908 Straße 132 Telephon: F2 Nenkölln 1414 rs G rl£*»*c wirksam smadn DCSUHUCrä Kleinen Anieiges in der Gesamt. Anflaxe|.:||Joal des Vorwärts und trotrdem VersSumtn Sit nicht die weltberühmten Naturwunder des Hartes 'Rübeländer Tropfsteinhöhlen zu besichtigen Gute Unterkunft in Hotels u. Privat Jederzeit möglich, Gewinnauazug 5. Klasie 37. Praublsch-SLddtutsche Siaats-Lotterie. Ohne Gewähr_ Nochdruck verboten Aus lebe gezogene Rummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Stummer in den beiden Abteilungen I und U 29. Ziehungstag 11. September 1931 In der heutigen Ziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen Gewinnauszug 2 Gewinne zu 50000 M. 43325 2 Gewinne ju 25000 M. 79360 10 Gewinn« zu 10000 M. 6167 51331 71751 122693 249148 8 Gewinne zu 5000 M. 151151 164170 212350 363039 22 Gewinne ,» 3000 M. 4l0>2 77369 99119 160890 218268 240947 249960 289905 358082 358526 387328 44 Gewinne n 2000 M. 1 0071 42761 48444 62762 72024 89705 155298 163731 171645 190267 207153 237735 241620 273265 276229 277699 309746 329867 387683 388916 395530 395922 96«-Winne zu 1000 W. 3631 7034 22473 38098 43264 69256 75169 80170 81889 87529 117331 120376 122774 149403 153414 154290 157427 163677 164529 177459 189688 196165 206524 213432 213539 214838 219507 220099 235549 249219 250971 251476 257281 267159 276555 283470 293664 308096 313036 325918 330655 337288 353471 366098 374058 375343 389940 393816 126 Gewinne ,n 500 M. 5407 7251 18622 18973 27246 30943 34033 40436 43369 55352 59866 64937 63166 69691 70993 72197 65971 86435 66630 93135 117416 118316 130343 139284 154134 159229 159493 162601 181789 197085 199430 205207 207533 210820 215103 221074 227152 229799 233727 237917 238240 253731 262054 274386 276098 277109 290441 295612 296876 303587 305695 311528 315840 316394 31 7591 319251 321248 328212 331723 252638 357239 365307 373815 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu'e 500000 4 Gewinne zu je 10000, 2 zu je 5J00, 8 zu je 3000, 80 zu je 2000, 81 ja ja 1000, 70 ju Je 600, 188 ju je 400' Nach langem schweren Leiden verstarb am Donnerstag, dem 10. September, mittags 12 Uhr, unser lieber Vater, der Gastwirt Adolf Rkkert plötzlich an Herzschlagim Alter von 66 Fahren. Dies zeigt tiefhetrüht im Namen der Hinterbliebenen an llsbetth Rickert. Berlin W 57, den 11. September 1931, Steinmetzstr. 36a. Die Trauerfeier findet am Montag, dem 14. September, nachmittags 6 ühr, im Krematorium Wilmersdorf, Berliner Straße, statt. KLEINE ANZEIGEN tiiiiiiiiiiiuiiiiiiuiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiuiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiuiiiuiiiiiinniiHiii Prols«: übDrschrlftswort 25 Pf», Textwort 12 Pf. Wiederholungsrabatt: 10 mal 5 Proz., 20 mal oder 1000 Worte Abschluß 10 Proz., 2000 Worte 15 Proz., 4000 Worte 20 Proz. Stellengesuche: uberschrifts- wort 15 Pf., Textwort 10 Pf./ Anzeigen, welche für die nächste Nummer bestimmt sind, müssen bis 4'/, Uhr nachm. im Verlag, Llndenstr. 3, oderauch in sämtlichen Vorwärts-Fiüalen und-Ausgabestellen abgegeben sein I uerKame| Ocfen, eiserne, jeder Art, Teilzahlung, trän». portable Kachel» öfen, Badewannen. 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Wegen Rücktritt unseres bisherigen Geschäfts- füh-ers in den Ruhestand suchen wir zum baldigen Eintr.tt einen tüchtigen Geschäftsführer Dieser muß im Buchdruck- und Zeitungswesen durchaus erfahren sein, doppelte Buchführung beherrschen und bilanzsicher sein Die Anstellung erfolgt nach den Bedingungen des Vereins Arbeiterpresse Bewerbungen mit Angabe der Dauer der Parteizugehörigkeit und der bisheriren Tärigkeit, Lebens'auf und Zeugnisabschriften bis 20 Sep'einber lv31 an den Vorsitzenden der Zei- tungskommisSion, Paul Berge, Meißen, Muldenweg 2. R. Schmidt 21 Co, Verlag der Volkszeiiang für Mellen» Riesa. Großenhain, Lommatzsch» Nossen nnd deren Umgebung. Der Bürger in der Politik. Humsti-bumsti in Vraunfchweig. Zehn Lahre Burgenland. Ein Gedenktag für Deutsch-Oesterreich. Emil Lederer. Zur Berufung an die Berliner Llniversitöt. Der preußische Kultusminister, Genosse Grimme, hat gegen den Widerstand der nationalökonomischen Gruppe der Berliner philoso- phischen Fakultät Emil Lederer nach Berlin berufen. Mit diesem Ruf bekommt die etwas vergreiste Berliner Universität zum ersten Riale seit vielen Jahren einen Sozialwissenschaftler, der eine ausgezeichnete Kenntnis der modernen ökonomischen Theorie mit lebendigster Anteilnahme am sozialen und politischen Geschehen verbindet. Emil Lederer, der bald Fünfzigjährige, ist seit 1912 Privat- dozent, seit 1920 Professor in Heidelberg. Feines theoretisches Denken und eine glänzend« Beredsamkeit haben ihn kiach dem Kriege an die Spitze der Heidelberger Nationalötonomen gestellt. Dort war er der Lehrer einer ganzen Generation junger sozialistischer Volks- Wirtschaftler, die heute für die Gewerkschaften, die Partei und unsere Reichstagsfraktion arbeiten. Ein besonderer Vorzug seiner wissen- schaftlichen Arbeit war es, daß er stets die brennenden praktischen Probleme der Volkswirtschaft in das Licht theoretischer Unter- suchung stellte. So hat er— um nur über die jüngste Zeit zu berichten— 1928 eindringlich die Gefahren der Monopolisierung dargetan und vor einigen Monaten die erste ausführliche Analyse des Zusammenhanges zwischen technischem Fortschritt und Arbeits- losigkeit herausgegeben. In der sozialistischen Bewegung ist Lederer als Mitglied der Sozialisierungskommission, und vor einigen Tagen erst als Referent auf dem Frankfurter Gewerkschaftskongreß hervorgetreten. Be- sondere Aufmerksamkeit hat er stets der freigcwerkfchaftlichen Ange- stclltcnbewegung entgegengebracht, über die er schon vor dem Kriege ein Buch verfaßte, und der er durch sein Referat auf dem AsA- Kongreß 1928 in Hamburg für den praktischen Kampf das theore- tische Rüstzeug gab. Sein verbreitetstes Werk ist der ausgezeichnete „Aufriß der ökonomischen Theorie"', der vor kurzem die dritte Auflage erzielte. Landbunddemagogen. Und eine Antwort aus eigenen Kreisen. Liegnih, 11. September.(Eigenbericht.) Am Freitagmitlag fand in Liegnih eine große Landwirte- Versammlung statt, in der der Präsident des Reichsland- bundes, Graf Satckrenth- Berlin, eine große Pro- grammrede hielt. Cr stellte als Forderungen des Reichslandbundes auf: 1. Drosselung der Auslandseinsuhr agrarischer Produkte; 2. Erhöhung der Preise für agrarische Znlandsprodukte; 3. Senkung aller Zinslasten für die Landwirtschaft und 4. Steuern- und Ge- bührensenknng. * Die sture Demagogie des Reichslandbundes stößt mittlerweile ober auch in eigenen Kreisen auf scharfen Widerspruch. So fordert der Wgeordnete Schlange-Schöningen, Gutsbesitzer in Pommern, in der„Berliner Börsenzeiwng" vom 5. September völlige Abkehr von einer Agrarpolitik, die alles Hell von Zollmaucrn und hohen Inlandspreisen erwarte. Der Artikel stellt vom ersten bis zum letzten Satz eine einzige Kampfansage gegen die vom Reichslandbund und der„Grünen Front" betriebene Agrar- Politik dar. Er schließt mit folgenden Feststellungen: „Die Agrarpolitik Deutschlands steht an einem e n t s ch e i- denden Wendepunkt. Der Durchbruch zur Rettung in Richtung der Preiserhöhung unserer Produkte über Friedens- preis kann nur noch höchst zweifelhafte Augenblicks- erfolge bringen; im ganzen ist er an der geschwächten Kaufkraft der Konsumenten gescheitert. Diese Tatsache erfordert ein entschlossenes Herumwerfen des Steuers in Richtung der beschleunigten Entlastung großen Stils. Das ist die Aufgabe einer phrasenlosen agrarischen Führung, die auf den Beifall der Massen um der Sache willen zunächst zu verzichten wagt* Schlange-Schöningen, der die Agrarpolitik auf eine Senkung der Gestehungskosten abgestellt haben will, sagt zu diesem Punkt seinen Berufsgenosien noch andere bittere Wahrheiten. Mit deutlichem Wink an den Landbundpräsidenten, Graf Kalckreuth, fordert er für die Organisationen wieder wirkliche Ehren- ü m t e r— nicht solche, die mit 17 000 Mark bezahlt werden—, um die verarmten Mitglieder von Beiträgen zu entlasten. Auf das schärfste geißelt er die Tatsache, daß sich die Landwirtschaft„einen Beamten st aat im Staate" zugelegt habe, obwohl sie ständig gegen den Beamtenapparat des Staates Sturm lause. Die Direktoren- Wirtschaft und ihr Aufwand stehe im krasien Gegensatz zu den Ver- Insten der Landwirtschaft, die gegen den Steuerdruck des Staates protestiere,„sich selbst aber zu Tode steuert". Die Kritik von Schlange-Schöningen trifft ins Schwarze. Die Landwirtschaft ruft nach Zinssenkung, aber der Reichskanzler Brüning selbst muhte auf seiner Ostmarkreise die Vertreter der agrarischen Genossenschaften dringend ersuchen, eine gesündere Zins- Politik ihren Mitgliedern gegenüber zu treiben. Warum find die Zinsfpanncn bei den Genossenschaften so enorm? Weil ein aufge- blähter Beamtenapparat und die Pfründenwirtschaft die P e r s o- nalkosten ins Uferlose getrieben haben. Die Landwirtschaft steuert sich selbst zu Tode zugunsten einer Führerclique, die auf Kosten der arbeitenden Landwirte es sich in den Palästen der Organisationen wohl sein läßt. Bricht aber bei den Mitgliedern der Unmut über die untragbaren Zuschüsse durch, so wird die Empörung auf die„agrarfeindliche" Regierungspolitik» und die„marxistische Mißwirtschaft" abgebogen. Die Parasiten aber schmarotzen weiter.__ Länderkonferenz über Agrarpolitik. Auch Schiele für zusätzliche Naturalleistungen im Winter. Am Freitag fand in Anwesenheit des Reichskanzlers eine Kon- ferenz der Landwirtschaftsminister der Länder statt, in der Schiele über die agrarpolitische Entwicklung der letzten Jahre und über die Grundsätze einer künstigen Agrarpolitik sprach. Mit der Zollpolitik allein, so führte Schiele aus. fei der Agrarkrise nicht beizukommen. Zinsbelastungen wie heute von 9 bis 15 Proz. und darüber müßten in erster Linie durch Verringerung der Zinsspannen bei den Personal- krediten herabgesetzt werden. Reben der Ordnung der Absatzverhält- nisse im eigenen Lande, wie sie durch das Notprogramm von 1923 eingeleitet und den Ersatz ausländischer Futtermittel durch inländische fortgeführt wurde, seien staatliche Maßnahmen nur be- grenzt möglich. Eine besondere Aufgabe der Länder sei die energische Durchführung des§ 38 des MUchgesetzes. der zur straffen Zusammenfassung der Milchwirtschaft und für die rationelle Orga- nisation der Absatz- und V-rsorgungsverhältnlsie die Handhabe biete. Schiele erklärte, daß die Ziosvcrbilligung bei der Abfahfinanzicrung auch auf deu Berkaus von Weidevieh, Kartoffeln, Wein, Obst, Tabak, Hopsen und Hülsenfrüchte ausgedehnt werden solle, so daß also eine Am 12. September 1921 konnte, nach blutiger Abwehr ungarischer Banden, die Republik Deutschösterreich dos Burgenland in Verwaltung nehmen, jenen deutschen Landstrerfen mit madjarischer und kroatischer Minderheit, den der Trianon-Irieden von Ungarn abgetrennt und Deutschösterreich zugesprochen hat. Der Einzug der deutschösterreichischen Truppen wurde jubelnd begrüßt;«r be- deutete das Ende einer T« r r or ist e n h« r r f chaft, die schwer auf dem Lande gelastet hatte. Vor allem aber jubelten die Burgenländer, weil sie sich nun mit ihrem Volk, mit dem großen, wenn auch schwer leidenden Deutschland vereinigt sahen. Die ungarische Herrschast war in den letzten Jahrzehnten radikal zur Madjardisterung.der Dcifti'chM, Slawen und Rumänen über- gegangen. Untrennbar ist diese Zeit gewaltsamer Entnationali- fierung verbunden mit dem Namen des damalZgcn Unterrichts- Ministers Graf Albert Apponyi— desselben Apponyi, der als Wortführer des so sehr verkleinerten Ungarns nicht müde wird, die Nachfolgestaaten olxzuklagen, daß sie sich unrechtmäßig an ungarischem Gut bereichert hätten und die madsarischen Minder- heiten auf das schwerste bedrückten. In diesen zehn Jahren hatte Deutschösterreich, selbst ein Staat. der dauernd ohne fremde Hilf« nicht leben kann, schwer zu tun, um die systematische Vernachlässigung dieses Grenz- gebietes durch die Budapest er Herrschaft ouszu- gleichen. Dabei hat das rote Wien durch eine größere Anleihe seiner städtischen Sparkasse wirksame Hilfe geleistet. Für die Minderheitsoölker ist auf kulturellem Gebiet einwandfrei gesorgt; selbst die Zigeunerdörfer im Süden des Landes erfreuen sich der staatlichen Fürsorge. erhebliche und sehr bedenkliche Ausdehnung der Zins- fubventionen zu erwarten ist. Schiele warnte vor einer erneuten Ausdehnung der Roggenanbaufläche. Die 5)aferproduktlon müsie weiter eingeschränkt werden, nachdem sie noch immer um fast 10 Proz. über dem deutschen Bedarf liege. Da die Landwirtschast kein Interesse an absolut hohen Preisen habe, sondern nur an einer vernünf»' tigen Relation der Preise, müsse die Politik des Staates auf ein Schließen der Preisschere gerichtet sein. Schiele trat zum Schluß für besondere Maßnahmen zur Sicherstellung der Ernährung der Arbeitslosen im kommenden Win- ter ein. Mit der Bemerkung, es komme darauf an, trotz der Her- abfetzung der Richtsätze für die Unterstützung durch Gewährung billigerer Naturalleistungen, hat sich Schiele auch für die zusätz- liche Naturallieferung ausgesprochen. Gandhi in Marseille. Für Autonomie, nicht für Losreißvng. Paris. 11. September.(Eigenbericht.) Der Führer der indifchen Freiheitsbewegung Gandhi ist am Freitagmorgen auf dem Wege zur Londoner Jndienkonferenz an Bord eines Dampfers in Marseille eingetroffen und hat nachmittags feine Reife mit der Bahn fortgesetzt. Am Sonnabcndsrüh wird er in Paris erwartet, wo Gandhi sich nur kurze Zeit auf- halten wird. Die Ankunft Gandhis in Marseille hatte ein ganzes Heer von Journalisten und Photographen an den Hafen gelockt. die nach dem Anlegen des Dampfers an Bord stiegen und Gandhi umringten. Gandhi ließ sich bereitwillig photographieren und er- klärte auf einige Fragen, daß sein Programm das des Kongresses von Delhi im Jahre 1922 fei und daß er d e m K ö u i g v o n E n g- land einen Besuch abstatten werde, wenn dieser ihn darum bitte. Auch den Präsidenten D o u m e r werde er während seines Aufenthalts besuchen. Die Privotsekretärin Gandhis gab dann eine ausführliche Er- klärung über die Absichten Gandhis in England ab:„Wenn die Aus Grund einer s ch wi ndel ha ft e n Bolksabstim» mung, deren Ergebnis durch Drohungen übelster Art stark beeinflußt wurde, ist die alte Hauptstadt des Burgenlandcs, Oedenburg, mit ihrer Umgebung bei Ungarn geblieben. Das Burgenland ist dadurch in zwei Teile zerschnitten— Oedenburg aber zum unaufhaltsamen Verfall gebracht worden. In dem großenteils bäuerlichen, an Industrie noch recht armen Burgenland ist trotzdem die Sozialdemokratie die zweitstärkste Partei und stellt in Ludwig Leser, dem stellvertretenden Landeshauptmann, den bewährten Leiter der Landesverwaltung. Die Universität Heidelberg hat letzthin Leser die Ehrendoktorwürde verliehen. Gleich- falls ein Sozialdemokrat, der Bauarbeitersekretär und Landtags- abgeordnete Hans Sllcha?d, hat die Geschichte und den Kamps des Burgenlaudes dichterisch gestaltet in seinem neuen Buch „Unruhig Blut". Nur eine Stimme herrscht im ganzen Burgenland über die Frage semer staatlichen Zukunft: man fühlt sich als ein« Grenz- provinz Deutschlands. Die ständig« Bedrohung des Landes durch die ungarische Rückforderungspropaganda hat dieses Gefühl noch gestärkt. Sollte in Ungarn wirklich die Habsburger Monarchie ihre Auferstehung feiern, so würde dies gerade im Burgenland als eine äußerst schwere Gefahr für den Zusammenhang mit Deutschösterreich und Deutschland empfunden werden. Am Tage, da das Burgenland die ersten zehn Jahre dieser Gemeinsamkeit feiert, soll auch im Deutschen Reich dieses schönen Grenzlandes gedacht werden. Londoner Konferenz scheitert, wird Gandhi nicht länger in England bleiben. Er will jedoch zum englischen Volk, vor allem zu den Arbeitslosen sprechen, die am meisten unter der Entwicklung der Industrie in Indien zu leiden hätten. Er will ihnen die Lage von Millionen von Indern auseinandersetzen und in Zusammenarbeit mit den englischen Arbeitern«in Atitionspre- gram in festlegen, das den Interessen der beiden Länder ent- spricht. Auf der Konferenz wird Gaiidhi die Autonomie Indiens, aber nicht die Trennung von England verteidigen. Er wird den Engländern sagen, daß die lokale Industrie ermutigt werden müsse, denn sie sei die Grundlage des Reichtums und des Wohlergehens für die indische Bevölkerung. Gandhi wird ferner das Verschwinden der Kastenunterschiede ver- langen, die manchmal grausam und immer ungerecht sind." Vormittags gegen 11 Uhr verließ Gandhi mit seinem Gefolge den Dampfer und begab sich zur Marseiller Studentenvereinigung. die ihm einen warmen Empfang bereitete und in einem indischen Restaurant ein Bankett zu seinen Ehren gab. Königsputsch wird untersucht. Die spanische Republik rechnet ob. Madrid, 11. September.(Eigenbericht) Die Politische Uiüersuchungskommission über den Staat»- streich von 1923 hat chre Tätigkeit crössnet. Sie wird zunächst den Prozeß gegen die Generäle Damaso, Berenglier und Navarro und Munoz Cobos durchführen. Sie beschloß außerdem, dos gesamte letzte Kabinett Alhucemas zu vernehmen. Unterkommissionen sind in Barcelona und Jaca an Ort und Stelle tätig. Der freigewordene Staalsratsposten im bayerischen Finanzministerium, desien Inhaber zugleich stellvertretender Finanzminister ist wird trotz der allgemeinen Bestrebungen und Verhandlungen zur Regierungsmnbildnng neu besetzt werden. Zum neuen Staats- rat ist der Landtagsabgeordnete Schäffer bestimmt, der erste Vorsitzende der Bayerischen Volkspartei. Er wird ab 16. S«p- ternber die Leitung des Finanzministeriums übernehmen. fiMMttt morgen Id Treploui ZWMNZZM Oer fehlerhaste Zirkel. Lohnabbau— Absahrückgang— Absahrückgang— Lohnabbau. Zu fast allen Tarisbezirken der Holzindustrie haben die Unternehmer die lausenden Lohnabkommen gekündigt. Zm »Heingebiet verlangen die Unternehmer eine Herabsetzung der Löhne um 14 P f. pro Stunde. Verhandlungen mit dem Deutschen holzarbeiterverband sind ergebnislos verlaufen. Zm Bezirk Bremen verlangen die Unternehmer einen Abbau der Stundenlöhne um 10 Pf. Auch hier sind die Verhandlungen gescheitert. Im Ruhrbezirk wurde für die Holzindustrie ein Schiedsspruch gefällt, der ab 1. September die hvlzarbeiterlöhne um S Pf. und ab 1. Oktober um weitere 2 Pf. kürzen soll. Das ist natürlich kein„allgemeiner Lohnabbau", von dem der Aeichsarbeitsmin ister nichts wissen will, heut« dieser, morgen jener Bezirk. Einmal trägt man der besonderen Finanzlage der Gemein- den Rechnung und kürzt zum zweiten Male die Löhne der Ge- meindearbeiter. Dann kommen nochmals die Beamten dran. Es mich auch der besonderen Lage irgendeiner Industrie Rechnung ge- tragen werden und der Lohnabbau vollzogen werden. Eine Gruppe von Arbeitern hat noch einigermaßen ausreichenve Löhne— ausreichend, wenn die Arbeiter voll beschäftigt wären. Diese Lohnhöhe �loßt sich in diesen Notzeiten nicht rechtfertigen", hat doch selbst Herr Bögler nur noch ZW VW M. Jahreseinkominen. Also Lohn- abbaul So geht es von Bezirk zu Bezirk, von den Arbeitern über die Angestellten zu den Beamten und wieder zurück. Aber von einem allgemeinen Lohnabbau will der Reichsarbcitsminister nichts wissen. Das Institut für Konjunkturforschung stellt von Vierteljahr zu Vierteljahr das Absinken der Kaufkraft fest, das diese Lohnkürzungen im Gefolge haben. Ergebnis: ein ungeheurer Leerlauf in der Privatwirtschaft, der gleichbedeutend ist mit dem„Ein- stieren" nicht allein der Kredite, sondern der gesamten Anlagen. Das ist der Erfolg der„Rationalisserung", der in Deutschland darin be- stand, die„eingesparten" Arbeiter auf die Straße zu werfen und die Leistungssteigerung den Arbeitern und Angestellten vorzucnt- halten. Die weitere Folge dieser„Wirtschaftsführung" ist das riesenhafte Anschwellen der Arbeitslosigkeit, die wieder, im Verein mit den verminderten Steuereinnahmen, das Defizit der öffentlichen Finanzen erzeugte. Das Reich hilft sich— und zwingt Länder und Gemeinden, dasselbe zu tun— mit den„bewährten" Metho- den unserer„Wirtschaftsführer": Lohnabbau und E n t l a s s u n- gen. Was wieder ein Wfinken der Kaufkraft und somit eine Ver- schärsung der Wirtschaftskrise im Gefolge haben muß. So kann es natürlich nicht sä inkinitnw weitergehen. Die Ernte kann nicht abgesetzt werden, die Kohlenhalden sind übervoll, die Baumwolle„muß" verbrannt werden. Wie wird es im näch- sten Jahre— wenn in Dieser Politik, sich selbst die Luft abzuschnüren, fortgefahren wird? Als Herr Stegerwald im Mai 1930 sich vor den Trustmagnaten an der Ruhr beugte und' die Löhne um 7�- Prvz. senkte, begann jener fehlerhafte Zirkel, der uns in die gegenwärtige Katastrophe gebracht hat. Die Schwerindüstricllen haben sich übcrkapitalisiert und zudem verspekuliert. Man gestattet ihnen aber heute noch Arbeitszeiten bis zu 69 StunDen, verbunden mit Hungerlöhnen. Aus diesem fehlerhaften Zirkel müssen wir endlich heraus! Die Christen mahnen Stegerwald. Löhne vnd preise.— Notverordnung. Der Vorstand des christlichen Deutschen G ewerkschoftsbimdes verösfentlicht eine längere Entschließung, in der er zunächst die Staatskontrolle über das Bankwesen und«ine Neu- vrdmmg des Aktienrechts fordert. Dann heißt es: „Wir bedauern, daß auch in der Zeit des Lohn- ab bau es die Regierung von den Möglichkeiten, die ihr das durch Notoerordnung noch ergänzte Kartellrecht gibt, so gut wie keinen Gebrauch gemacht hat. Eingriff« in die ab- baureifen Preise, zu denen auch die Preise und Gebühren mancher öfsenllichen und halböffentlichen Körperschaften sowie die Preisbindungen von vielen Innungen gehören, dürfen nicht länger hinausgeschoben werden. Der Deutsche Gewerkschastsbund verlangt mit größtem Nach- druck, daß der seit Monaten betriebenen systematischen Forderung Vach Beseitigung der Ilnabdingbarkeit tarifvertraglicher Bereinhorun- gen nicht nachgegeben wird. Die Erhaltung des Reallo hnes ist in der Zeit des Lohnabbaues auch von der Reichsregierung stets als Ziel anerkannt worden, aber infolge der Starrheit vieler Preise und der zunehinenden Kurz- arbeit ist er nicht erreicht worden. Bei einer Fortdauer des Lohn- abbaues wird den deutschen Arbeitnehmern, sowohl denen, die in Neubauwohnungen untergekommen sind, wie den Be wohin rn der Altwohnungen, die Fortzahlung der bisherigen Mieten völlig un- möglich. Die Senkung der Mieten darf aber nicht durch den völligen Abbau der Hauszinssteuer versucht werden, wie vielfach vorgeschlagen wird. Wir halten es für unsere Pflicht, die Reichsregierung erneut an ihreZusage zu erinnern, im Herbst 1931 die schlimm- sten Härten der Notverordnung vom 5. Juni 1931 zu behebe n. Wenn wir auch die Notwendigkeit eines Ausgleichs der öffentlichen Haushalte unbedingt bejahen, so dürfen trotzdem«ine Reihe von B e l a st u n g e n, die die Notverordnung den Arbeitnehmern und den Arbeitslosen auferlegt hat, nicht länger aufrecht- erhalten werden. Di« Kosten der öffentlichen Verwaltung sind nicht nur durch die Anpassung der Besoldungen in den Ländern und Ge- meinden an die für gleichartige Tätigkeit im Reich geltende Beamten- gehaltsregelung zu senken, sondern darüber hinaus durch Der- einfachung der Verwaltung im Sinn« eines verstärkten Einflusses des Reiches auf die innere Verwaltung." Es ist außerordentlich bedauerlich, daß sich die christlichen Ge- lnerkschasten noch immer nicht von ihrer kurzsichtigen und verhäng- visvollen Beamtenfeindlichkeit freimachen können. Denn mas bei der„Anpassung" der Beamtengehälter herauskommt, haben wir eben bei den Gemeindearbeitern erlebt und erleben wir bei den erzwungenen Sparmaßnahmen der Länder und Ge- meinden.. Der christliche Deutsche Gewerkschastsbund täte besser, seine Aufmerksamkeit den skandalösen Rieseneinkommen in der Privatwirtschaft zuzuwenden und die große Masse der mittleren und Unterbcamten ungeschoren zu lassen. Mit solchen Forderungen fördert er den Lohnabbau, statt ihn zu hemmen. Ausländer in der Landwirischast. Verlogene Angriffe des„Deutschen". Bom Deutschen Landarbeiterverband wird uns geschrieben: Der„Deutsche" greift den Deutschen Landarbeiter-Verband in Nr. 204 wegen seiner Haltung in der Frage der Beschäftigung ausländischer Landarbeiter an. Er behauptet, daß es mit der Bekämpfung der Ausländerbeschäftigung durch die roten Gewerkschaften, besonders durch den Deutschen Landarbeiter- Verband, eine oberfaule Sache sei, über die am besten geschwiegen werde. Sowohl im Vorstand der Deutschen Arbeiter-Zentrale, alz auch in den provinzialcn und lokalen Ausschüssen seien die freien Gewerkschaften immer sehr matt und zu Kompromissen mit den Großagrariern geneigt. Nur der rücksichtslosen Bekämpfung und Ablehnung der polnischen Wanderarbeiterbejchäftigung durch den christlich-nationalen Reichsverband ländlicher Arbeitnehmer sei es zu verdanken, daß diese Angelegenheit im vorigen Herbst ins Rollen kam und die Sozis vor erneutem Umfallen bewahrt blieben. Soviel Behauptungen, so viele Lügen. Der Deutsche Land- arbeiter-Berband hat sich gegen die Beschäftigung auslandischer Landarbeiter in der deutschen Landwirtschaft bereits zu einer Zeit' gewandt» üt der von einem Kampf des christlicheu Landarbeiter- Verbandes noch nicht das geringste zu merken war, ja, in der er noch mehr oder weniger den Standpunkt der landwirtschaftlichen Unternehmer teilte. Ueber die Beschäftigung ausländischer Landarbeiter in Deutsch- land bestehen mit einer Reihe von Staaten Verträge, die das Reich nicht ohne Kündigung ändern kann, so besonders mit Polen. Der„Deutsche" und der christliche Landarbeiter-Verband wissen das natürlich. Ferner dürfen die ausländischen Landarbeiter nicht außer acht gelassen werden, deren restlose Beseitigung schon aus menschlichen, man kann auch sagen aus nationalen Gründen nicht zweckmäßig ist. Wir denken dabei an die Arbeiter, die deutsche Frauen ge- heiratet und Kinder haben. Vergessen wir ferner nicht, daß ein Verbot jeglicher Aus- länderbeschäftigung in Deutschland natürlich für andere Staaten nicht ohne Folgen bleibt. Es arbeiten mehr Deutsche in Dänemark, Holland und der Schweiz, als umgekehrt Angehörige dieser Staaten.in Deutschland. Mit großer Mühe wird versucht, den deutschen Arbeitern auch Arbeitsplätze durch Staatsverträge in Frankreich, England usw. zu sichern. Wer will es verantworten, diese Entwicklung zu stören? Aber auch die Verträge mit Polen, Jugoslawien, der Tschechoslowakei enthalten Bestimmungen, die. auf Deutschland angewandt, den deutschen Landarbeitern gewisse Siche- rungen ihres Lohnstandards geben. Es gibt noch andere Gründe, die der Beseitigung des letzten Ausländers in Deutschland im Wege stehen. Namentlich aus außenpolitischen Gründen wollen wir darauf nicht eingehen. Wir hoffen, daß uns der„Deutsche" und der nationale christliche Reichs- verband durch eine weitere dumme Polemik nicht dazu zwingen. Wenn neben allem noch etwas geeignet ist, den christlichen Landarbeiter-Verband ins Unrecht zu setzen, dann ist es das Ver- halten, das der Vertreter dieses Verbandes, R o ch l i tz e r, bei den Verhandlungen des Fachausschusses der Fachabteilung für die Landwirtschaft beim Arbeitsamt Leipzig über die Anträge auf ausländische Wanderarbeiter für das Jahr 1931 an den Tag legte. Herr Rochlitzer äußerte sich unter anderem, daß sich wahr- scheinlich erst dann deutsche Arbeiter zur Arbeits- annahm« in der Landwirtschaft bereit finden werde, wenn es keine Fürsorgeunterstützungen mehr geben wird! Mit dieser infamen Beschimpfung der deutschen Arbeiter wollte sich R. um ein klares Bekenntnis in der Frage der Ausländer- beschäftigung drücken. Bei der A b st i m m u n g über die vor- liegenden Bewilligungsanträge enthielt er sich der Stimme. Der„Deutsche" und der christliche Landarbeiter-Verband täten gut, zunächst einmal vor der eigenen Türe zu kehren. Wieder Mordanschlag aus Landarbeiter „Schade, daß ich ihn nicht in den Aauch getroffen habe." Breslau, 11. September.(Eigenbericht.) Ein neuer unglaublicher Roheitsakt eines Agrariers wird aus B e i l a u bei Eanth gemeldet. Dort schoß der Gutsbesitzer S t e l z e r auf einen Landarbeiter, als dieser seine,» Unternehmer eine Lohnforderung überreichte. Der Arbeiter trug erhebliche Verletzungen an Rücken und Beinen davon. Der Besitzer, gegen den bereits ein Verfahren wegen Körperverletzung schwebt, weil er kürzlich den Gemeindevorsteher mit dem Rlesser bearbeitete, äußerte nach der Tat:„Schade, daß ich ihn nicht in den Bauch getroffen habe." Die Meldung sagt nicht, daß der gemeingefährliche Gutsbesitzer hinter Schloß und Riegel gesetzt wurde. Wir verlange», daß die JustizbehärDen endlich cirnival durchgreifen. Die Fäll«, wo Guts- besitzer mit dem Gewehr gegen Landarbeiter vorgehen, mehren sich in erschreckender Weise. Es ist Zeit, den Gutsbesitzern zu zeigen, daß sie nicht über den Gesetzen stehen. Werbeaktion im Gesamwerband. Der Vorstand des Gesamtverbandes hat eine große Werbeaktion beschlossen, die sich über das ganze Reich erstrecken und in der Zeit vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember durchgeführt werden soll. Zur Unterstützung dieser Werbeaktion wird die ganze Verbandsmitgliedschaft aufgerufen. In dem Aufruf des Vorstandes heißt es:„Wir können nicht longer dulden, daß uns ein großes Heer unorganisierter Berufskollegen bei der Durchsührung des ge- werkschaftlichen Tagestampfes hemmend im Wege steht. 709 999 BerbanismitgljLder preisen an, vorwärts für den Gejamtverbandt" Die resolutionäre KPO. Wie die Erwerbslosen belogen werden. Das Organ jener Partei, die gegen die Arbeitslosen v e r s i ch e- run g gestimmt und die Arbeitslosen f ü r s o r g e gefordert hat, berichtete jüngst über eine kommunistische Erwerbslosenversamm- lung, in welcher eine von den Veranstaltern zurechtgemachte Reso- lution beschlossen wurde, in der es heißt: „Durch die Unterstützung der Brüningschen Rotvcrordnungs- Politik hat der ADGB. an der Zerschlagung der Arbeits- lofenversicherung mitgearbeitet. Der Verlauf des Frank- furter Kongresses beweist von neuem, daß die reformistischen Gewerkschaften diesen neuen Hungerfeldzug nicht nur decken, sondern aktiv unterstützen werden. Mit der demagogischen Parole der„Ar- beitslosenfürsorge" gibt Leipart das Stichwort für die„völlige Preis- gäbe der Arbeitslosenversicherung". Auf dem Gewerkschaftskongreß war die kommunistische Presse vertreten. Auch der Berliner Vertreter der Moskauer„Prawda" war anwesend. Die kommunistische Presse ist mithin über die Be- schlösse des Gewerkschaftskongresses genau unterrichtet. Die Eni- schließung zu Punkt 2 der Tagesordnung lag— gleich allen übrigen— gedruckt vor. Der dritte Absatz lautet: „Die Gewerkschaften treten heute wie stets für Aufrecht- erhaltung und Ausbau der sozialen Gesetzgebung, insbesondere der Sozialversicherung ein. In der Versicherung der Arbeits- l o s i g k e i t, Kranklzeit, Unfall. Alter und Invalidität sehen sie auch heute»och einen entscheidenden Bestandtell des Arbeitsverhältnisses. Die Erhaltung und ausreichende Sicherung dieser Einrichtungen ist nicht minder wichtig wie die Sanierung der öffentlichen Haushalte." Da kommen denn die„Revolutionäre" daher, die heute noch „grundsätzlich" den Standpunkt der„Fürsorge" vertreten und b e- lügen die Erwerbslosen so unverschämt, der Genosse Leipart— der die Entschließung des Gewerkschaftskongresses ein- gehend begründete— habe sich gegen die Versicherung für Arbeitslosigkeit gewandt und sich für die Arbeitslosen f ü r s o r g e eingesetzt! Sie selber sind es, die Fürsorge wollen und gegen das Gesetz über die Arbeitslosenversicherung gestimmt haben, während die Gewerkschaften ihre alte Forderung auf Arbeitslosen- Versicherung durchgesetzt haben. In einem vornehmen Hotel. Arbeitszeit von i-i. bis 18 Stunden. Der Direktor Petry des Hotels Astoria in Leipzig bekam einen Strafbefehl über 1979 Mk. bzw. einen Monat vierzehn Tage Ge- fängnis, wegen Uebertrewng der Arbeitszeitoorschriften durch 2599 Ueberswnden in knapp einem Monat. Der Herr Direktor erhob Widerspruch beim Leipziger Amtsgericht, wo er allerlei Ausreden vorbrachte. Die Regelung der Arbeitszeit sei Sache der Ressort- chefs. Die über die Arbeitszeit geführte Kartochek hatten die recherchierenden Beamten beschlagnahmt, nachdem ihnen der Herr Direktor verboten hatte, mit dem Personal in Verbindung zu treten. Petry suchte den Beamten das Paket zu entreißen. Vor Gericht behauptete er, die Kartothek zeige nur das Detreten und Verlassen des Hotels an, nicht aber die reine Arbeitszeit. Wenn das Personal nach Arbeitsschluß noch herumgebummelt habe, sei das nicht seine Schuld. Da der Herr schön öfter wegen Arbeitszeitüberschreitung nnt dem Gesetz in Konflikt geraten war. wurde erzu21S9Mk. Geld-« strafe bzw. einem Monat 26 Tagen Gefängnis verurteilt. Einen Betriebsrat duldet der Herr Direktor im Hotel Slstoria mit etwa 399 Beschäftigten nicht und erst recht kein sreigewerk- schaftlich organisiertes Personal, da er„feine Gäste" hat. Sogar die Frau des Erkaisers war hier abgestiegen. Daß im Gastwirtsgewerbe täglich 19 Stunden gearbeitet werden kann, genügt dem Herrn Direktor offenbar noch nicht. Nach fünf Monaien Kamps. Beendigung des Konflikts im norwegischen Baugewerbe. Oslo. 11. September. Nach Verhandlungen, die bis in die heutigen frühen Morgen- stunden dauerten, ist im Baugewerbe eine Einigung in der Lohnfrage erzielt worden. Trotzdem noch eine Abstimmung stattfinden soll und eine endgültige Entscheidung vor dem IL. September nicht zu erwarten ist, nimmt man an. daß die heutige prinzipielle Einigung das Ende der großen Aussperrung bedcuter, die fünf Monate gedauert hat und von der 65 999 Arbeiter betroffen waren. Ltnfallschuh und Berufskrankheiien. Internationale Gesundheitskonferenz. Bern. 11. September. Auf der internationalen Konferenz des Personals im Gesund- heitswesen sprach neben anderen Rednern auch Paul L e v i- Berlin. Leiter der. Reichssektion des Gesundheitswesens im Gesamtoer- band des Personals in öffentlichen Diensten und Betrieben, über: „Unfallschutz und Berufskrankheiten im Gesund- h e i t s d i e n st", Die russische Metallindustrie. Der schwächste Punkt des Fünfjahresplans. Die„Prawda" veröffentlicht einen Bericht des Obersten Volks- wirtfchaftsrates der Sowjetunion über die Lage der russischen Metall- industrie. Darin heißt es, die russische Metallindustrie sei der schwächste Punkt im russischen Fünsjahresplan. Alle Bemühungen der Regierung und der Partei, die Erzeugung zu heben, seien ergeb- nislos oerlaufen. Der Bericht verlangt, daß endlich der russischen Industrie mehr Beachtung geschenkt werde, da sie den Anforderungen zur Zeit nicht gewachsen sei. Verantwortlich kitr Volitik: Victor Schiff: Wirtschaft:<5. Nlina-Ihöfcr; Sewerksäwft-.bewcann-i: g. Et-iner: Feuilleton: Dr. Zohp S»ikou>»ii: L-Ialeö und Sonstiges: fZriz Anzeig-n: Tl>. Glocke: sämtlich in Vcrlin. Verlag: Borwärts-V-rl-a s. m.b.s., Berlin. Druck: TomvSrts.Buchdruckorci und Verlogsanfialt Paul Singer u. Co.. Berlin SWK. S, Steigs Z Weilitnfs.