Morgenausgabe Sonniag � 1«" ,?»ÄSf»5 I I MM WJC U I I W M WWM? �. au«rodr(« 20 Pf. lung ins Haus) in, voraus zafflbar.\ Wt) DW MM �M WM#/ H| Pofldezug 4.ZZ M.«inschfießlich so Pf.\ ILJ|H Wi W> MIv 1� Dir einfpait. Nonpareillezeil- so Pf. Pofl>i,tungs- und 72 Pf.Poftbeslrllae- W» MM MI �M �M �M I A' R-Namrzcif« S,— RM.„Kleine An- bühren. Ausiarrdsabonnement s,— än. i>W IM, eigen" da- fettg-druiki- Wart 2S Pf. pro Mona!: für Länder mit ermäßig»_r�B 1 �M �M �M �M �M/ fzufäfsig zwei fettgedruckte Worte), fedes tem Drucksachenpori» 0>— M. H weitere Wort 12 Pf. Rabatt it. Taiif. � J/ Eteli-Ngefuche das erste Wort IS Pf., * I �w/ �W/Y ��Yy ���Y // �M jedes weitere Wort il)Pf. Worte über Der„Vorwärts- erscheint woch-nSg. � /l■ üÄ'S«'"aLSS� MM-SZZ-W-UWZ- —-«aa«� VrllMri VPWAv«M ssSSIHffl&» Zentealovgan der Goziawemokratischen Vartei DeuNwlands R e d a k t i o n u n d V e rl a g: Berlin SW 68, Lindenstr. 3(9% ttt(t � Postscheckkonto: BerNn 37 536.— Banttonto: Banlder Arbeiter, Anzcsiclllen«nd Fcrnspr.: Dönhoff{k. 7) 292—297. Telegrannn-Ahr.: Sozialdemokrat Berlin. evv» U?U» iv-eVe»»Ug<.,» IN» V.»V» Beamte», Lindenstr. Z. Dt.B.u.Disc..Gcs.. Dcposttenk., Jerusalemer Str. K5/Ktt. Morgen Sportpalast! Abrechnung mit der KPD.! » In einer sozialdemokratischen Versammlung im Sport- palast wird morgen abend Genosse K ü n st l e r sprechen. Er wird Anklage erheben gegen die Kommunistische Partei wegen der Verbrechen, die sie an der Arbeiterklasse begeht. Der angegriffenen Partei soll Gelegenheit gegeben werden, sich zu verteidigen. Der Eintritt ist, soweit der Raum reicht, für jedermann frei. Sozialdemokratisch« Versammlungsdisziplin ist bewährt. Wir möchten aber an die kommuni st ischen Gäste appellieren, daß auch sie Disziplin halten mögen. Daß sie das tun, fordert das Interesse der gesamten Berliner Arbeiterschaft. Geistige Kämpfe sind unvermeidlich und müssen ausgefochten werden. Turbulente Auseinander- srtzungen zwischen Arbeitern verschiedener Gesinnung rufen den Spott der bürgerlichen Gegner hervor. Wie es scheint, wälzt die Berliner Bezirksleitung der KPD. verschieden« strategische Pläne, um aus der sozialdemo- lratischen Versammlung eine kommunistische zu machen. Diese Pläne werden scheitern, sie sind auch ganz kindisch. Jeder Berliner weiß, daß die Sozialdemokratie allein mit ihren eingeschriebenen Mitgliedern den Sportpalast vier- bis fünf- mal füllen kann. Mit den Theatervorstellungen, bei denen angebliche sozialdemokratische Arbeiter unter begeisterten Rot- Front-Rufen zur KPD. hinübermarschieren, betrügen die Kommunisten nur sich selbst. % Der Tag dieser Versammlung ist der Gedenktag eines der erfolgreichsten Selbstmordversuche, die jemals von einer Nation begangen worden find. Morgen ist es nämlich genau ein Jahr seit den letzten Reichstagswahlen. Jener 14. September 1930, an dem der Unverstand der Massen ebenso schlimme Orgien feierte wie bei den Inflations- wählen vom Frühjahr 1924, brachte neben dem großen Sieg Hitlers auch einen kleinen Sieg T h ä l m a n n s. 107 von den 577 Reichstagsplätzen konnte Hitler besetzen, 77 Plätze- auf der äußersten Linken beherrscht Thälmann. Gewiß, die Weltwirtschaftskrise ist nicht durch den Wahl- ausfall entstanden, vielmehr war dieser von der Krise be- dingt. Das ändert aber nichts an der Tatsache, daß die Wahl von rechtsradikalen oder linksradikalen Schreihälsen unter den gegebenen Umständen das Dümmste war, was überhaupt getan werden konnte. Die Wähler, die in ihrer Verzweiflung und Verirrung dem deutschen Volk zu allem anderen Unglück auch noch einen arbeitsunfähigen Reichstag bescherten, haben der Wirtschaft M i l- liardenverluste zugefügt, sie haben die Krise verschärft und dadurch den Angriff der Sozialreaktion auf alle Posi- tionen der Arbeiterklasse erleichtert. Der gemeinsame Aufmarsch der Kommunisten m i t Stahlhelmern und Hakenkreuzlern am 9. August hat keine neuen Zusammenhänge geschaffen, er hat nur alte, längst vorhandene in ein helles Licht gestellt. Ein Jahr arbeitsunfähiger Reichstag, ein Jahr krisen- verschärfender Maulradikalismus hat den Beweis erbracht, daß jede Stimme, die am 14. September vorigen Jahres für die KPD. abgegeben wurde, der politischen und der sozialen Reaktion zugute gekommen ist. Das Verbrechen des Kommunismus an der Arbeiterklasse vollzieht sich nicht nur in nationalem, sondern auch im internationalen Maßstab. Wenn man heute sieht, wie das französische Finanzkapital seine Ilcbermacht im Interesse der internationalen Sozialreaktion mißbraucht, wie das gegenwärtig sowohl gegen die englische wie gegen die österreichische Arbeiterklasse geschieht— wer denkt noch daran, daß auch hier die Schuld der Moskauer Jnter- nationale riesengroß und nachweisbar ist! Die pluto- kratisch-reaktionäre französische Regierung, die politisch und finanziell ihren Willen den anderen Völkern auszwingt, ist ein Kind der Komintern. Denn wenn seit dem Frühjahr 1928 nur eine Rechtsregierung in Frankreich möglich ist, so ver- dankt man das ausschließlich dem verbrecherische« Utas, de« Moskau im April 1928 den französischen Kommunisten- führern aufoktroyierte. Nur der von Moskau anbefohlenen Aufrechterhaltung sinnloser kommunistischer Splitterkandida- turen verdankt die französische Rechte ihren Wahlsieg. Wenn heute der Kriegsminister Maginot die Abrüstung zu ver- hindern versucht oder der Finanzminister Flandin die Kür- zung der Löhne und Unterstützungen zur Bedingung einer Finanzhilfe für Oesterreich macht, so haben das die Befehls- Haber der Kommunistischen Internationale auf dem Gewissen. Freilich sind seither den meisten kommunistischen Wählern in Frankreich die Augen aufgegangen. Die kommuni- st ische Bewegung hat in Frankreich ausge- spielt, sie erfüllt heute nur noch ihre traditionelle Rolle als Popanz für Spießbürger. Wir haben die feste Zuversicht, daß die Wählerschaft der deutschen Kommunisten sich nicht an Erkenntnissähigkeit von der französischen beschämen lassen wird. Sie wird aus dem Verbrechen vom 9. August 1931 die gleichen Konsequenzen ziehen, wie die französischen Arbeiter aus dem gleichen Verbrechen vom April 1928. » In Deutschland hat inzwischen die Sozialdemokratie ihre Massen zum Kampf gegen die Diktatur des Finanzkapitals aufgerufen. Sie fordert die Unterstellung des Bankwesens und der kartellierten Schlüsselindustrien unter die Staats- gewalt. Wen wundert es, daß die Sozialdemokratie auch in diesem Kampf, der doch um die Verwirklichungsozia- listischer Prinzipien geht, keine Unterstützung bei den Kommunisten findet, daß diese vielmehr krampfhaft bemüht sind, die sozialdemokratischen Kampfparolen zu entwerten und unwirksam zu machen? Und wen wundert es, wenn der„Angriff" des Herrn Goebbels mit Worten, die genau aus der„Roten Fahne" abgeschrieben sind, die Ankündigung erläßt, im Reichstag würden die Nationalsozialisten die Sozialdemokratie als In den gestrigen späten Abendstunden kam es im Westen der Stadt zu wiederholten Slusschreitongen der nationalsozialistischen Rüpelgarden. Kurz nach neun Uhr abends begannen sich größere Trupps von Nationalsozialisten am Kurfür st endamm zusammen- zurotten. In der folgenden Zeit wurde der Zuzug von Haken- kreuzlern immer stärker, so daß um 1-10 Uhr ungefähr tausend Nationalsozialisten versammelt waren. Es handelte sich hierbei offenbar um eine planmäßige Aktion der Hakenkreuzler, die den Zweck haben sollte, das jüdische Neujahrsfest zu stören. Ohne daß die rechtsradikalen Horden anfangs daran gehindert wurden, zogen sie randalierend den Kurfürstendamm entlang. Fortgesetzt ertönten die Rufe:„Deutschland erwache!" und„Juda verrecke!" Dabei wurden jüdisch aussehende Passanten von jugendlichen Rowdies an- gepöbelt und teilweise schwer verprügelt. Am bedrohlichsten wurde die Situation, als kurz vor 10 Uhr das jüdische Gotteshaus in der F a s a n e n st r a ß e geschlossen wurde. 5iier hatten sich inzwischen die Haupttrupps der Haken- kreuzler versammelt, die die aus der Synagoge kommenden Be- suchcr erwarteten. Als die Massen herausströmten, wurden sie von Krakeelern mit wüsten Sch'mährufen empfangen und auch tätlich angegriffen. Nebenher liefen noch die Skandalszenen auf d e m K u r f ü rlt e n d a m m, so daß schließlich die Passanten in die Nebenstraßen ssüchteten. Die Polizei, die sofort alarmiert wurde, rückte umgehend mit einem großen Ausgebot an. Unter Zuhilfenahme des Gummi- knüppels wurden der Kurfür st endamm und die an» grenzenden Nebenstraßen von den Hakcnkreuz-Rowdys systematisch gesäubert. Am schwersten hotte der Mob vor der Konditorei R e i m a n n am Kurfürstendamm gehaust. Die im Vorgarten stehenden Tische und Stühle wurden demo» Herl, ebenso wurde die große Schaufensterscheibe der Konditorei „Partei von Arbciteroerrätern entlarven"? Jeder ältere Genosse kennt die O u e l l e dieses gemeinsamen Sprach- gebrauchs. Sie fließt aus den Schriften des„Reichsverbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie", die vor dem Kriege vom Unternehmertum mit schwerem Gelde bezahlt wurden. DieKPD. i st heute objektiv genau so eine Schutztruppe des Finanzkapitals und des Scharfmachertums, wie es die SA. Adolf Hitlers i st. Wie lange wird es der KPD. noch gelingen, hinter dem Geschwätz über eine Weltrevolution, an die sie selber nicht glaubt, und hinter blutigen Abenteuern, die sie duldet oder anstiftet, ihren wahren Charakter zu verbergen? Ihr wahrer Charakter innerhalb der gewaltigen Umwälzung, die sich vollzieht, ist der eines konterrevolutionären Elements, und wo die Arbeiterschaft ihre wirklichen Klassenkämpfe führt, da steht die KPD. nicht zu ihr, sondern sie fällt ihr in den Rücken. Die Zerschlagung der Gewerkschaften— gibt es überhaupt ein niederträchtigeres Geschäft, das im Dienste des Unternehmertums ausgeführt werden könnte!? Und doch bemühen sich die Kommunisten mit ihrer RGO. es zustande zu bringen! Die sozialdemokratische Versammlung morgen im Sport- palast wird keine kommunistische Versammlung werden, son- der« eine sozialdemokratische Versammlung bleiben. Die Kommunisten, die ihr als Gäste beiwohnen werden, werden erfahren, wie die übergroße Mehrheit der deutschen Arbeiterklasse über die Verbrechen ihrer Führer denkt. Einheitsfront des Proletariats? Sie wird in dem Augenblick da sein, in dem die kommunistischen Arbeiter den Betrug erkennen werden, dem sie zum Opfer gefallen, und die Dinge sehen werden, wie sie sind! I zertrümmert. Gegen 11 Uhr abends war die Polizeioktion im wesentlichen beendet und die Ruhe am Kurfürstcndomm wieder hergestellt. Insgesamt hat die Polizei 50 der Ruhestörer ergriffen und der Abteilung 1�. im Polizeipräsidium eingeliefert. Der Wahlkampf in Hamburg. Eine Massenkundgebung der Sozialdemokratie. Hamburg, 12. September.(Eigenbericht.) Die Hamburger Sozialdemokratie eröffnete den Wahlkampf um Hamburg dieser- Tage mit einer außerordentlich eindrucks- vollen zentralen Kundgebung unter freiem Himmel. Aus allen Stadtteilen waren zehntausende Männer und Frauen in endlosen Zügen heranmarschiert. Zu den Massen sprachen Reichs- tagsabgeordneter S o l l m a n n und der Hamburger Fraktions- sührer P o d e y n. Sollmanns Rede war eine unerbittliche Kampf- ansage an den Kapitalismus, der das Elend unserer Tage verursacht habe, ein leidenschaftlicher Kampfruf gegen Nazis und Kommunisten, die nichts getan haben, um dem deutschen Arbeiter zu helfen, aber alles, um die Krise bis an den Rand der Katastrophe und die Not der Arbeiterschaft bis zur Verzweiflung zu treiben. Der sozialdemokratische Fraktionsführer P o d e y n rief zum Kampf gegen eine Politik der Revolver und der Re- nolvcrfchnauzen und für eine Politik des sozialistischen Auf- baucs auf. Der Beifall der Massen war ein gewaltiges Bekenntnis zur Sozialdemokratie, die an diesem Abend in Hamburg wieder ihre Lebendigkeit und ihre Bedeutung als die deutsche Arbeiterpartei unter stchtbareu Beweis stellt«. Nazi-Krawalle im Westen. Kurfürstendamm unier Hakenkreuz-Terror. Sozialistischer Gesellschastswille. Zu den Beschlüssen der Reichsiagsfrakiion./ Von G. Aufhäuser, M.d.R. In dem Augenblick, da sich alle Feinde des Marxismus auf dem Höhepunkt ihres politischen Anstiegs angelangt glaubten, fängt ihr kapitalistisches Wirtschaftssystem in allen Fugen an zu krachen. Alles ruft noch chilfe, aber die Gesetze der sreien Wirtschaft versagen. Die noch möglichen Auswege weifen auf Gemeinwirtschaft, Etaatsherr- schaft und Planmäßigkeit. Der so oft tot gesagte Marxis- mus scheint in dieser Finsternis kapitalistischer Bankrottwirtschaft wie ein Wetterleuchten. Es mag tragisch erscheinen, daß die Arbeiterschaft im Augenblick, da der Kapitalismus in seinen Grundfesten erschüttert ist, durch Massenelend und Produtttons- stockung in ihrer Bewegungsfreiheit gehemmt wird. Ihr Tat- willen darf indes durch die Not unserer Tage jetzt nicht er- lahmen! Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat daher zu rechter Zeit ihr Programm entwickelt. Sie hat zunächst für eine wesentliche Korrektur der ver- hängnisvollen Iuninotoerordnung gesorgt und der Reichs- regierung eine Reihe von Aenderungen abgerungen. Die vor- gesehenen, aber nicht ausgezahlten Subventionssummen werden zur Arbeitslosenhilfe Verwendung finden. Trotz der Verschlechterung des Arbeitsmarkts werden Härten der Notoerordnung beseitigt. Daher haben die stark belasteten Kurzarbeiter und Saisonarbeiter Be- lücksichtigung gefunden. Die Hilfe für die langfristigen Erwerbs- losen und für die in tiefer Finanznot steckenden Gemeinden wird nun endlich auf dem von der Sozialdemokratie seit Monaten ver- langten Wege erfolgen, nämlich durch die Vereinheitlichung � der Krisenfürsorge und kommunalen Wvhlfahrtsfürsorge zur Reichs- arbeitslofenfürsorge unter entsprechender finanzieller Anteilnahme des Reichs. Die Fraktion hat auch keinen Zweifel gelassen, daß Pläne zur Beseitigung der Arbeitslosenversicherung auf ihren ent- schiedenen Widerstand stoßen müßten. Statt der gelegentlich vorge- schlagenen Ersetzung der Erwerbslosenunterstlltzung dunst Natural- Unterstützung, verlangt die SPD. neben geldlicher Sozialhilfe die zusätzliche Bereitstellung von B r e n n st o f f und Nahrung s- Mitteln. Die Sorge um das Schicksal der Erwerbslosen steht nach wie vor im Mittelpunkt aller politischen Erwägungen der Fraktion. Die durchgreifende Hilfe für die nach Arbeit suchenden Massen kann nur die entschlossene Abkehr in der Außen- und Wirtschafts- Politik bringen. Die Fraktion macht darum Front gegen jene nationale S e l b st h i l f e, die ausschließlich auf Kosten der besitzlosen Schichten gehen müßte-, sie wäre gleichbedeutend mit dem Hunger der Massen. Der Kampf gegen eine Abschließung vom Welt- markt und für die beschleunigte B e r st ä n V i g u n g mit den Völkern insbesondere und vordringlich mit Frankreich hat eingesetzt. Die französischen und deutschen Sozialisten werden einen Schritt weiter tun müssen, indem sie das gemeinsame Wirtschaftsprogramm auf- stellen, das die Verausfetzung für die Mobilisierung ausreichender Kredite an Deutschland bildet. ver Fraktioosbeschluß gehl aber vor allem an die Fehlerquellen des herrschenden Systems heran, um künftig die schweren Gc- fahren zu bannen, wie sie die Zulikrise offen gelegt hat. Da? deutsche Volt hat in jenen schwarzen Julitagen erfahren müssen, daß die Banken mit einer planlosen Kapitalverteilung nicht nur die Besitzeitden. treffen. köynen, sondern daß sie die Schlüsselstellung det Wirtschaft überhaupt esitn-hmen,-so baß Fehler her Banken all« Polksschichten. schwer belasten. Sie sind kapltakistische'Machtpösiklcinen ersten Ranges und wer kapitalistische Machtverhältnisse zugunsten her Arbeitermassen verändern will, muß denAngriffaufdiese Banken wagen. Dia Kapitalkenkung soll nach dem Willen der Fraktion nicht mehr noch privaten Gewinnrücksichten und spekula» tioen Zielen, sondern nach gemeimvirtschaftlichen, der Arbeite beschaffung dienenden Gesichtspunkten erfolgen. Darum fordert die Fraktion die Staatsaufsicht über das Lank- wesen und das Eindringen des Staats in die Banken. Das ge- fordete Bankenamt soll nicht nur„eine neue Behörde" sein, wie sie so mancher Rurkriliker zu wissen glaubt. Es ist vielmehr der erste Ansah für die längst notwendige konkrolle der gesamten kapitalverleilung nach wirtschaftlichen Erfordernissen. Wenn die Reichsregierung allerdings glauben sollte, dieses Vcr- langen etwa mit einem Kommissar der Reichsbant erledigen zu dürfen, so wird der Kampf um eine umfassende Bankreform im Reichstag aufgenommen werden müssen. Die Nazis mögen dann ihre„antikapitalistische" Einstellung beweisen. Die Entspannung der Krise ist nur möglich, wenn dem Lohn- abbau endlich Einhalt geboten und ernste Maßnahmen zur Vcr- billigung der Preise getroffen werden. Die bisherige Preisbewegung hat gezeigt, daß die Kartellpreise das entscheidende Hindernis bilden. Der Druck auf die Kartellpreise und die Verminderung der Handelsspanne sind für den Preisabbau unerläßlich. Die Ber- billigung der Rahrungsmitel macht die Senkung der bäuerlichen Produktionskosten erforderlich. Die zu den erwähnten Maßnahmen aufgestellten Forderungen der Fraktion dürfen nicht nur als Einzelvorschläge gesehen werden. Bankenamt, Kartellamt, Aktienrechtsreform und internationale Handelsvertragspolitik zeigen im Zusammenhang das systematische Streben der Sozialdemokratie neben dem planmäßigen Zusammen- arbeiten der Völker, den Umbau der unhaltbar gewordenen wirlschastsversassung in Angriff zu nehmen. Der Wiederaufbau der Massenkauskraft ist nur denkbar, wenn die Macht des Staats eingesetzt wird, um im wachsenden Maße die Preisbildung, die Wirtschaftslenkung und Kapitalleitung zu bs- stimmen. So gibt die Entschließung der sozialdemokratischen Fraktion Ant- wort auf die Frage, was geschehen soll. Der Kapitalismus ist reif zur Ablösung, aber der Weg zum Sozialismus muß durchschritten werden. Der sozialistisch denkende Arbeiter darf nicht nach dem Wirtschaftswunder fragen, das morgen eine Lösung der Not von heute bringen kann. Das Mahn wort muß vielmehr fein: anfangen! Der staatskapitalistische Einbau in die privat- kapitalistische Welt und die wirtschaftliche Planung gegenüber der herrschenden Wirlschaftsanarchie sind wichtige Etappen in dem großen Umbauprozeß des bestehenden Wirtschafts-. s y st e m s. Es war die Aufgabe der sozialdemokratischen Reichslagsfraktion im gegenwärtigen Stadium des Kapitalismus die Stationen in einzelnen Forderungen, damit aber auch die neue Bahn im Zusammenhang aufzuzeigen, die von der privaten zur gesell- schaslllchen Beherrschung der Wirtschafk führen soll. Der Kampf um die ausgestellten Forderungen wird nicht leicht sein und die Widerstände im bürgerlichen Lager werden wachsen. Soziale Not und soziale Reaktion erschweren unser Ringen. Aber die geschichtlich« Erfahrung zeigt, daß gesellschaftspolitische-Um- bikdüngen immer kn Zeiten sozialer Schwierigleiten und Unruhtin vollzögen werden müßten. Entscheidend für' den Erfolg ist'höMe mehr denn je die klare Erkenntnis der Ursachen herrschender Not und die konstruktive Kraft für den Ein-undllmbauder Wirtschaft. Dazu zeigt der Beschluß der Reichstagssraktion die Linie unseres Wollen». mmm Gandhi für Versöhnung. persönliche Ansprache an seine Anhänger. London. 12. September.(Eigenbericht.) G a n d h i i st i n L o n d o n. Er kam als Vertreter der indischen Unobhängigkeitsbewegung in die Hauptstadt des englischen Welt- reiches, um über einen wirklichen Friedensschluß zwischen den unruhigen Millionen Indiens und den englischen Gesetzgebern am tunden Tisch zu verhandeln. Es goß in Strömen, als Gandhi am Sonnabendmittag in F o l k e st o n e den Dampfer verließ, um in das Auto zu steigen, in dem ihn der Sekretär der Indien-Konferenz nach London brachte. Der Mahatma saß während der Fahrt neben dem Führer. Trotz- dem, und obwohl er das l)eimatlichc Lendentuch, nur durch einige warme Decken ergänzt, der Witterung zum Trotz trug, blieb seine Ankunft in London fast unbemerkt. Das breite Londoner Publikum, das allerdings durch den Sportfamstag und den Regen von den Straßen ferngehalten wird, scheint wenig Gefühl für das historische Ereignis zu haben. Gandhis Anhänger, darunter viele seiner Landsleutc. hatten sich im O u a k e r h a u s zu einem Empfang für Gandhi eingefunden, wo der Mahatma noch einer kurzen Ruhe- pause und einem Imbiß aus Ziegenmilch eine Ansprache hielt. Seine ernsten und klugen Worte standen in oufsälligem Gegensatz zu der albernen Bewunderung der Frauen, die beim Publikum im Ouäterhaus weitaus in der Ueberzahl waren und die die äußere Form der Lebensweise des Mahatmas für das Wesentliche zu halten schienen. Gandhi sagte in seiner Rede, daß er durch ein Mandat des Kongresses genau gebunden sei. Indien wolle seine Freiheit erlangen mit der Waffe des Friedens, nicht mit der der Gewalst Auch in Indien gäbe es eine Schule der Gewalt, aber man solle nickst vergessen, daß auch diese Anhänger der Gewalt trotz ihres Irrtums seinem Herzen nahestünden. Er ge> dachte auch des letzten englischen Bizekömgs. Unter Anspielung auf die Balancierung des- englischen Budgets, die schwere Aufgab- der jetzigen englischen Regierung, schloß er mit der Hoffnung, daß es den Engländern gelingen werde, eine rechte Balance zwischen Eng- land und Indien herzustellen. Weberstedi nimmi Deckung. Neues Heldenstück eines Nazi-Majors. Dieser Tage haben wir berichtet, wie vorsichtig der national- sozialistische Schriftsteller Major a. D. Weberstedt Deckung zu nehmen sucht, wenn er das Bedürfnis hat, der deutschen Republik seinen Dank für die ihm gewährte Pension durch klobige Schmähungen abzustatten. Heute sind mir in der Lage, über ein n« u e s H e l d e n st ll ck de» Herrn Weberstedt zu berichten. In einer jener nationalsozia- listischen Sudelbroschüren, deren Versajser entweder pathologische. Lügner oder bedauernswerte Geistesgestörte sein müssen, waren unseren Genossen im Strafrechtsausschuß des deutschen Reichstags, namentlich dem Genossen Rosenfeld, die hanebüchensten und verlogen- sten Borwürfe gemacht worden aus Anlaß ihrer Anträge und Abstimmungen zu dem Abschnitt„Unsittliche Handlungen". Unser Hildesheimer Parteiblatt übersandle ein Exemplar dieser Broschüre an Rosenseld und fragte bei ihm an, ob er gewillt sei. eine solche Infamie zu.-tragen. Rosenseld antwortete, daß er von der neuen nationalsozialistischen Verleumdung bereits unterrichtet sei und den Genossen Landsberg mit der Stellung eines Straf- a n t r a g e s betraut habe. Von dieser Mitteilung Rosenfeld» gab das 5)ildcsheimer Parteiblatt seinen Lesern Kenntms. Herr W eb e r st e dt las die Roliz, gab si« in seinem„Nationalsozialistischen Parlamentsdienst" wieder und fügte hinzu:„Wir sreuen uns schon auf den Prozeß, der ohne Zweifel einer der interessantesten Prozesse der letzten Jahre und zugleich eine entscheidende Niederlage der Rosenseld, Landsberg und Genossen werden wird. Nur halten wir es für wahrscheinlich, daß Herr Kurt Rosenseld sich vor seiner eigenen Courage fürchtet und daß das Hildesheimer Parteiblatt nur einen Schreckschuß abgeben wollte, indem es mit dem Prozeß drohte." Und dann druckte Weberstedt die gemeinsten Stellen aus der Nazibroschüre noch einmal ab- „zur Erbauung seiner Leser", wie er sagte, deren Kulturnioeau erstaunlich niedrig sein muß, wenn sie an solchen Dingen Freude finden. Genosse R o s e n f e l d stellte nunmehr durch seinen Vertreter, den Genossen Landsberg, auch gegen Weberstedt Straf« a n t r a g. Die Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht I Berlin überschätzte den Herrn Major, indem sie der Ansicht war, daß eine Geld st rase von 2l10 M. eine erzieherische Wirkung auf ihn ausüben werde. Si« erwirkte bei dem Amtsgericht einen Straf- b e f e h l in dieser Höhe. Herr Weberstedt legte Einspruch ein. Am 8. September sollte vor dem Amtsgericht die Hauptverhandlung stattfinden. Am 7. aber nahm W e b e r st e d t, der sich auf einen Prozeß gegen den Gc- nassen Rosenfeld so„gefreut" hatte, den von Ihm eingelegten Einspruch zurück, so daß der Strasbefehl rechtskräftig geworden ist. Nicht Genosse Rosenseld, sondern der Herr Masor hat sich vor der eigenen Eaurage gefürchtet und rechtzeitig Deckung .gesucht. Es scheint jetzt bei den Nationalsozialisten üblich zu werden, daß sie sich durch große Sprüche für bevorstehende Gerichtsvcrhand- langen Mut einzuflößen suchen, dann aber, wenn ihnen die» nicht geglückt ist, kneifen. Dem Fall Hille in Meiningen recht sich jetzt der Fall Weberstedt in Berlin würdig an. Die Wahrheit über die Kememorde. Der Stahlhelm»nd derMiW� Mckhöü«-. Wm lesen im„StahHjelm":„Vor einigen Wochen wiesen wir an dieser Stelle darauf hin, daß in der Neuausgabe de?„Großen B r o ck h a u s" unter„Fememord e" Erläuterungen gegeben wurden, die wohl eines roten Hetzblattes, nicht ober eines Wissenschaft, lichen Werke» würdig sind. Der Verlag Brackhaus hat uns dieser Tage sein Bedauern über die Art und Weise, wie die„Feme' in dem genannten Wert behandelt wurde, ausgesprochen. Zu unserer Genugtuung können wir dem Brief entnehmen, daß der sattsam bekannte Professor Gumbel nicht zu den Mitarbeitern des Berlages gehört. Wie uns der Verlag Brockhaus mitteilt, werden die Bezieher des Lexikons im nächsten Ergänzungsband eine B e r i ch t i- g ii n g erhalten." Eine Berichtigung gegen ein Lexikon? Was ist da passiert? Wir schlagen im Großen Brockhaus nach und lesen folgende»: Fememorde. Bezeichnung für die politischen Morde, die in der Nachkriegszeit, besonders im Jahre 1923. von rechtsradikalen Verbänden ausgingen. Es handelte sich namentlich um illegale Organisationen der Schwarzen Reichswehr in Küstrin, Spandau, Döbcritz, Mecklenburg, Ostpreußen und Oberschlesicn: sie nannten sich meist„Arbeitskommandos". Die Opfer der F. waren neben führenden Politikern der Mittel- und Linksparteien vor allem zahl- reickic Mitglieder dxr eigenen Berbände. die sich des Verrats ver- dächtig gemacht hatten. Der Femeausschuß des Reichstags, der Rechtsausschuß des Preußischen Landtag» über die F. und«ine Reihe von Fememordprozessen haben seit 1925 ein Bild der Zer- setzungserscheinungen in icnen rechtsradikalen Geheimbünden ent- rollt, aus denen die Atmosphäre der F. entstehen konnte.(Gumbel: Vier Jahre politische Morde(1922), Verräter verfallen der Feme (192!» >Wkr sind nun gespannt, was der Ergänzungsband des Großen Brockhaus darin berichtigen wird! Diese knappste Darstellung ist die Wahrheit, nichts als die Wahrhett, und noch dazu in schonendster Form für die Hintermänner der Mörder! Da lacht das Ilazi«Herz. „Nordische Köpfe, jeder mit einem dicken Prügel bewaffnet." Das Bremer nationaksozialistische Blatt bringt einen Bericht über die Besichtigung de» Braunen Hauses in München, aus dem solgenbe Schilderung des Arbeitszimmers Adolf Hitlers wieder- gegeben sei: „Wir kommen zum Zimmer des Führers: ein einfacher Raum mit dunklen Wänden, in der einen Ecke der dunkelpolierte Schreib- tisch Adolf Hitlers, dahinter«in Ledersessel. In der Mitte des Zimmers ein großer Beratungstisch. An der Wand ein Gemälde: . Friedrich der Große, an der anderen Wand das inzwischen be- rühmt gewordene Gemälde„Aufbruch der Ration". Nordische Köpfe mit Stahlhelm bekleidet und ein jeder mit dickem Prügel bewaffnet: ein herzerfrischender Anblick." Das ist der Nazi, wie er im Buch steht: wenn er einen dicken Prügel, sieht, locht ihm das Herz im Leibe! Dieses Geständnis verrät von den inneren Triebkräften des Nationalsozialismus mehr, als es die eingehendste Untersuchung des gelehrtesten Psychologen vermöchte. Mexiko ist beigeireien. Siebzehn fäumige Beitragszahler. Genf» 12. September.(Eigenbericht.) Am Schluß der Vormittagssitzung wurde bei«instimmig an» genommener Entschließung Mexiko als Mitglied des Völkerbundes aufgenommen und aufgefordert, so rasch als möglich noch zu dieser Vollversammlung seinen Vertreter zu entsenden. Die Entschließung spricht nochmals aus, daß die Ver- sammlung am 7. September die Nichieinladung Mexikos als un- gerechtes Versehen bezeichnet und zur Wiedergutmachung Mexiko einladen wolle, als ein Mitglied teilzunehmen, so, al, habe es die Unterzeichnung des Paktes mit vollzogen. J3te nimmt weiter Kenntnis von der Antwort Mexikos vom 10. September, wonach das Land unter diesen Bedingungen den Eintirtt In den Völkerbund ohne Vorbehalt angenommen hat. Nach zwei weiteren Reden wurde am Nachmtttag die Generaldebatte gi�chlossen. In den später aufgenommenen Kommissionsberatungen begann man mit der Aufstellung des Arbeitsprogramms. Der General- setretar teilte der Budgettommission mit. daß 17 Staaten mit ihren Beitragszahlungen im Rück st and sind. Am Montagvormittag wird der Rat u. a. die Anleihe für das Saar- gebiet behandeln. Am Nachmtttag findet in der Dollversammlung die Wahl von vier nichtständigen Ratsmitgliedern statt. Lavol und Briand zum 27. September nach Berlin eingeladen. Paris. 12. September. Di« oeutjche Bolschaft gibt solgende Mitteilung bekannt:. Der deutsch« Geschäftsträger Forster hat dem französischen Minister- Präsidenten Laval die offizielle Einladung der Rcichsregicrung für ihn und Außenminister Briand noch Berlin zum Wochenende zum 27. September überbracht. Der französische Ministerpräsident hat die Einlösung angenommen. Einzelheiten werden später ver- einbart werden. PiPoiB am Monian. M. septenmer Aiif in Hnn OnfllitlUllACtl Alle eenossinnsn und Qenossen: HUI III IICII OUUI UMIdol! Atr. 429* 45. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonntag, 4Z. September 4934 Im Hafen von Kopenhagen Da haben die Jungens nun Bäcker gelernt, aber wo sollen sie backen gehen? Höchstens auf dem Arbeit snadiroeis Sdiadi spielen, aber dazu braudien sie nidit Bäcker zu lernen. Andere haben Tisdüer gelernt, aber wenn der Baumarkt still liegt, rcer kauft dann Möbel? Schweigen mir von der Metallindustrie. Trostlos ist das, den ganzen Tag in der Küdie sitzen, gesunde Hände zu haben und trotzdem keine Aussicht auf Lohn und Brot. Und dazu nodr keine zwanzig Jahre alt sein, niemals', einen Grosdien Geld in der Tasche und alle vierzehn Tage sdireibt die Zeitung: Arbeitslosigkeit erneut um 100 000 Mann gestiegen! Da sind in diesem Sommer viele Jugendliche zum Vorsteher ihres Arbeitsamtes gegangen und haben gesagt:„Wissen Sie, wir halten das hier nicht mehr aus. Wir werden einmal sehen, ob mir draußen nidit etwas finden, ganz gleich, was für Arbeit. Wenn draußen auch nichts los ist, kommen wir in fünf, sedis Wodien wieder. Lassen Sie unsere Unterstützung solange ruhen." Dann haben die Vorsteher die Zahlbogen zu unierst gepackt, die Jungens ölten nodi einmal ihr Fahrrad, steckten sich ein Stüde Seife ein und in die Rocktasche das Ver- bandsbudi. Dann sagten sie:„Auf Wiedersehen!" und die große Fahrt begann; die einen ins Sädtsisdie hinein, die anderen ins Mecklenburgisdie. Einer von jeder Gruppe hatte nodi immer das Herber gsoerzeidinis vom Verband Deutscher Jugendherbergen bei sidi. Das ist auch miditig, wegen des Schlafens. Scheine für ein paar Stiefelsohlen. Wie eng der Schmachtriemen auf solchen Fahrten anzuziehen ist. hängt von dem Äassenbestand auf den einzelnen Gewerkschafts- büros ab.„Au, die Kollegen in Meißen waren knorke," bc- richten die jungen Mitglieder des Gesamtoerbandes,„die haben uns pro Tag und Mann einen Taler Reiseunterstützung gegeben." In Pirna hat es auch einen Taler gegeben, ch a l l e war ganz nobel und gab neben den drei Mark noch das Schlafen dazu, Dresden gibt eine Mark und fünfzig. Pfennige zuzüglich Schlafen und Früh- stück. In Leipzig konnte man zwei Mark erwischen, davon ging das Schlafgeld mit achtzig Pfennigen wieder ob, aber eine pikfeine cherberge im Dolkshaus ist das mit frischbezogenen, weißen Betten. Vor Mecklenburg jedoch wird gewarnt, da sind so viele unterwegs. daß die Büro» kein Geld mehr haben, höchstens gibt das Ortskartell einen Fünfziger oder eine Mark. Dann ist Schmalhans Küchcn- meister. Man kann in Sachsen noch bei der Wohlfohrtspolizei vorsprechen, die Hot ein Lebensmittelgeld: Gutscheine über zwanzig oder 20 Pfennige. Immer alles mitgenommen, für dreißig Pfennige gibt es schon wieder einen Liter Milch. Und in Stettin, da kann man auf dem Rathaus einmal„Guten Tag" sagen und um einen Schein für das Stiefelbesohlen bitten. Gewiß, sagt der Mann auf dem Rathaus und gibt den Wandcrsleuten den erbetenen Schein, ober der Schuster, zu dem dann die Wandersleut' gehen, der zuckt leider die Achset und meint:„Wenn ihr eine Woche in Stettin bleibt, könnt ihr die Stiesel besohlt kriegen, acht Tage dauert es schon, ehe ihr rankommt." Das ist die Kehrseite der Medaille. „Lfad wie steht es mit dem Schlafen?' „Dorum haben wir uns nie Sorgen gemacht," erzählten die jungen Männer,„wir haben doch all« unseren grünen Aus- weis, den Halen wir uns vom Berliner Büro des Verbandes Deutscher Jugendherbergen, an der Iannowitzbrücke ist das, und damit haben wir die Berechtigung in jeder Jugendherberge für 20 Pfennige zu übernachten. Am nächsten Morgen kommt noch ein Groschen hinzu, der ist für den Kaffee, davon gibt es einen ganzen Bottich voll. Und in den Feldbettstellen der Jugendherbergen schläft es sich so einigermaßen." Außerdem haben ja die Iungens ihre Fahrräder. In einem Ort, da wollten zwei in die Herberge zur Heimat gehen. Irgendwo in Sachsen war das. Da sagte der Herbergsvater:„Wenn Sie durchaus hier bleiben wollen, schön, aber ich kann Ihnen das nicht empfehlen, dort unter den alten Bettlern zu nächtigen." Das war ein Wort und so ging es eben weiter, noch schnell zur nächsten Jugendherberge. Kommt das Essen an die Reihe. Rur selten wird das Essen selbst zubereitet. Natürlich kommt es billiger, sagen die jungen Wanderer, aber was muß man denn da alles mitschleppen. Mit dem Kochtopf ollein ist es doch nicht getan. Da gehören Teller zu und Tassen und Gewürz und alles mögliche und schließlich wird das doch nur«in eintöniger Küchenzettel, immer abwechselnd: Speck mit Erbsen oder Erbsen mit Speck oder richtiger Erbswurst. Da ist es Keffer, in einer Stadt so lange herumziisuchen, bis man einen Mittagstisch für sechzig oder 80 Pfennig gefunden hat. Brot und eine Büchse Butter und Speck als Belag hält man sich für das Abendbrot oder falls ein zweites Frühstück eingeschoben wird: das erste Frühstück besteht aus einem halben Liter Milch und vier Schnecken. Das ist immerhin im ganzen gesehen eine etwas dürftige Speisekarte, aber das Eni- scheidende ist folgendes: diese jungen Menschen melden sich abends weder obdachlos und noch betteln sie irgendwo. Von den Lokal- geschenkcn ihrer Gewerkschaftskollegen können sie alles bezahlen. Von einem alten Speckjäger unterscheiden sie sich also wie der Tag von der Nacht. Das ist stimmungsmäßig von ungeheurer Wichtig- keit: Dresden sieht anders aus, wenn man erst fechten gehen muh. Zwischen Prag und Kopenhagen. Run lockt doch die Grenze. Also geht es hinüber. Dann schmeckt die Fremde erst richtig. Aber da drüben in Aussig, da gibt es keinen Deutschen Metallarbeitervcrband mehr, keinen Verband der Buch- druckcr Deutschlands und keinen Gesamtoerband, da gibt es nur noch dos Unlerslützuagsabkommen des Internationalen Gewcrkfchasts- bundes, und das soll so eine Sache sein, sagen die Iungens. Jeden- falls meinte der Sekretär aus dem Büro des Transportarbeiter- Verbandes in Aussig, er könne kein Geld verschenken und es dauerte«ine Weile, bis er sich erweichen ließ und zehn Kronen, das ist«in bißchen wenig, in deutschem Geld ungefähr 1,25 M. Aber auf der Arbeiterfürsorge in Deutschböhmen sitzen freundliche Männer, die geben Schlafen und Frühstück. Schlichlich fällt so viel ob, daß jeder deutsche Wandersmann in eine Filiale des Herrn Bata gehen kann, um sich für drci� Mark und sechzig Pfennig ein Paar Stiefel zu kaufen. An diesen Stieseln erkennt man die Deutschen schon ein» Meile im voraus. In Prag wird es etwas windiger. Da ist der tschechische Transportarbeiteroerband, der gibt nichts. Aber die An- gcstelltengewerkschost, die hatte ein Erbarmen und gab fünf Kronen und einen Tipp. Nämlich zur Kantine der Prager Konsumgenossen- schaft zu gehen, um sich Mittag zu holen. Diese Kantine hat im Sommer so einen Freitisch für fünf oder sechs durchreisend« Organi- siert«, an jenem Tage gab es Nudelsuppe, Kahler mit Knödel und Nachtisch, erinnern sich die Iungens. Und wer hernach im großen Bogen über Äladno nach Saaz in die Hopsengegcnd kommt, der kann wieder zum Deutschen Transportarbciterverband gehen, der Mann da gibt sogar fünfzehn Kronen. Die Mecklenburger waren in Kopenhagen gelandet. Das war nun crstmal ein Kunststück, das Gewerkschaftshaus in Kopen- Hagen zu finden. Denn im allgemeinen pflegen Deutsche nicht dänisch zu sprechen. Doch das Fräulein im Gewcrkschaftshaus sprach deutsch. die schrieb einen Zettel aus mit der Adresie des Dans? Arbedsman Formand. Ach du lieber Sjimmel, war das ein Drama bei diesem „Formand", keiner verstand den anderen, es blieb nichts anderes iibrig, als mit Händen und Füßen zu reden. Dann gab der Kollege fünf Kronen. Das ist ein schönes Stück Geld, wo die Krone 1,25 Mk. steht. Und fiir fünfzig Oere gibt es ein Paket Stulle«. Auf der Straße, am Wagen. Immer«ine Lage Brot, eine Lage Butter, die ist aber dicker als das Brot, eine Lage Belag. Pergamentpapier, dann von frischem: Brot. Butter, Belag usw. In Paketen zu fünf oder zehn oder zwanzig Paar Stullen.„Mann," erzählen die Däne- markfahrer,„die Leute sind auf der Straße stehen geblieben und haben zugesehen, wie wir die fünf Paar Stullen verschlungen haben. Dann stehen überall die Automaten auf der Straße, da kann man sich alles ziehen, was man den Tag über braucht, wir haben uns immer Obsttüten herausgezogen. Wir möchten schon in Kopen- Hagen sein." «-Wir hatten uns mal verlaufen.. Das ist in dürren Worten der Bericht über das Essen, Trinken und Schlafen eines arbestslosen Wandermannes von Anno 1S31. Manche kommen schon nach Wochen zurück, manche erst nach Monaten. und dann bleibt den Iungens nichts weiter übrig, als sich wieder in die Küche zu setzen und zuzusehen, wie die Mutter waschen geht oder reinemachen, um das Brot zu verdienen, denn die Maschinen haben die Hände der Männer überflüssig gemocht. Aber irgendwie ist das jetzt doch alles anders, da verschwindet in einer stillen Stunde die Küche, der Herd, das Spind und der Tisch und aus der Erinnerung taucht der Hradschin zu Prag auf, wird der Gang durch das alt« Präger Ghetto noch einmal lebendig und jener kühle Äbend auf dem Judcnfricdhof, wo Stein an Stein gestanden hat. Und Karlsbad ist wieder da, wo unsere Arbcsterjugend in ihren blauen Kitteln über die Kurpromenade stolziert sind und unter jede Rast in fremder Landschaft Quelle hielten sie ihren Trinkbecher und der 5)errgott gab's ihnen umsonst, nur manchmal, da war das Wasser zu heiß, da haben sie sich den Mund verbrannt. Schön war das in Karlsbad. Dann war wieder Deutschland da, das arme Vogtland und die dunklen Schluchten des Erzgebirges und Dresden, ach ja, Dresden. Der Zwinger, das Schloß, und abends saßen sie an der Brühlschcn Terrasse und vergaßen ein wenig das Leid des Tages. Am nächsten Morgen ging es nach Meißen zur Albrechtsdur�, und als sie oben in dem Turm hcrumkletterten, schien die Sonne' und segnete das Land, die Stadt und die Elbe. Leipzig, nein, da war nur ein Hauptbahnhof mit 26 Gleisen und jener Stcinbautasten bei Probst- heida, aber hernach kani Holle und dos Saoletol und der Giebichen- stein, wo sie diskutieren um das Wehe der Welt. Und schließlich mar Todesflug nach Tokio Französisches Flugzeug„Bindestrich" abgestürzt Zwei Tote Mosta». 12. Ztpiembtt. Laut Meldungen uns Ufa ist in der Rahe der Mün- dung des Flusses Tanhp, eines Rebenflusses der Bjelaja, das Flugzeug„Bindestrich" mit de« Fliegern L e b r i x und T o r e t und dem Mechaniker R e s m i n, das sich auf dem Wege vonParis«ach Tokio befand, vrrunglüekt. Zlvei Insassen des Flugzeugs sind tot. Die baschkirischen Behörbeu haben dringliche Hilfsmaßnahmen getroffen. Aus Moskau sind Weifuugeu zur sofortige» Jdentifi- zierung der Berunglückte» ergangen. Di« Gesellschaft Csioaviachim hat sofort nach Bekannt- werden der Ungliietsnachricht eine Abordnung nach dem Uuglücksort entsandt, wo festgestellt wurde, daß die Katastrophe auf de« BruchdesPropellers und das Versagen des Motors zurückzuführe« ist. Die Lsioaviachim hat durch Vermittlung des Außenkommiffars der Sowjet- union die französische Botschaft von dem Unglück unter- richtet. Der französische Geschäststräger teilt« mit, daß zwei Mitglieder der französischen Botschaft sich unverzüg- lich an die Unglücksstelle begeben würden. I Ufa liegt ungefähr aus halbem Wege zwischen Samara und Omsk. Der Ural, der in dieser Gegend Wald-Ural genannt wird, hat Berge von 1200 bis 2000 Meter Höhe und es scheint, daß es den Fliegern nicht möglich war, eine ausreichende Höhe zu ge- Winnen, um diese zu überfliegen. Damit hnt der französische Versuch, den jetzt von den Amerikanern gehaltenen Diswnzflugrikord zu brechen, ein schnelles Ende gefunden. Das andere fron- zösische Flugzeug, das gestern morgen zusammen mit dem „Bindestrich" aufgestiegen war, dos„Fragezeichen", Hot an der deutsch-holländifchen Grenze bei Geldern wegen eines Schadens am Benzintank am Freitag notlanden müssen. Die verunglückten französischen Flieger D o r c t und L c b r i r gehörten zu den erfolgreichsten Piloten Frankreichs. Lebrix flog mit Costcs nach?lmerika und war später sein Begleiter auf einem Weltflug. Der„Bindestrich" war am Freitag in Paris ge- startet und seine Führer beabsichtigten, möglichkst ohne Zwischenlandungen Tokio zu erreichen. Diese Ucberspoimnng der slug- technischen Möglichkeiten hat den kühnen Piloten jedenfalls das Leben gekostet. Die Leute vomMord 33 Alle Angeklagten der Täterschaft überführt Der vierte Prozeß gegco den Mordsturm ZZ gehl seinem Ende entgegen. Die hauptzeugcn sind bereits vernommen, der Sachverhalt ist hinreichend geklärt, die Verduntelungsversnche der Angeklagten prallen an den Tatsachen, wie sie sich wirklich abge- spielt haben, ab. Wenn irgendein nationalsozialistischer Totschlags- pwzeh die Gefahr der Naziverkehrslokale für die öffentliche Sicherheit und Ordnung offenbart hat, so dieser. Hier waren nicht Andersdenkende die Opfer des SA.-Usberfalles geworden. Die Mitglieder des SA.-Sturms 33 und die Mitglieder des Sparvereins, zu dem der angestochene Riemenschneider gehörte, Haiie Berbsflesl des Rcidisbanners NaAnridaäs am 15 Uhr, im Stadion an der flvus P r o 3 r a m tn: Aufmarsch der WassersporUer, leichtathletische Weitkämpfe. Um 15 Uhr marschiert je eine Kameradschaft Schufo und Jungba auf, die Radfahrerformalioncn schließen sich an. Uebungcn der Sanitäier und der Aufbau eines Zeltlagers vervollständigen das Programm. Außer dem 10-KiIometer-Gcpäckniarsch, Handballspiele.— Anffeujp von lOOO hiplellenten nnrt großer Fackelretgen mit Feuenvork und Zapfen t.t reich. hatten gegenseitig Besuche abgestattet— selbst noch in der Tatnacht vom 31. Januar zum 1. Februar. Die Sparvereinler gerieten aber in den Verdacht, kommunistisch zu sein; die SA.-Leute hatten in jener Nacht eine Menge Bierstiefel geleert, so angefeuert stürzten sich Foyer und Friede ohne jeden Grund aus den friedlich da- hinradclnden Riemenschneider, Foyer versetzte ihm drei Stiche. Als G r ü n e b e r g, der mit seinen Kollegen de? Weges kam, dem be- drängten Riemenschneider zu Hilfe eilte, erhielt er von dem flüchten- den Foyer den tödlichen Schuß. Natürlich mußte auch Konrad D o m n in g mit von der Partie sein: er schoß auf Riemenschneider°i Kollegen Liore. Dr Angeklagte Friede hat bei der Polizei und beim Untere suchungsrichter die Situation mit voller Bestimmtheit dargestellt. Er hat geschildert, wie Foyer aus Riemenschneider eingestochen, wie er auf ihn geschossen hat. In der Gerichtsverhandlung dichtet er ober das Messer dem großen Unbekannten zu und will nicht wissen, wer den Schuß abgefeuert hat. Foyer beruft sich auf einen patholo- gischen Rauschzustand: was an jenem Abend gewesen, könne er nicht sagen. Er ist von Aerzten wiederholt untersucht, sechs Wochen in der Irrenanstalt Wittenau beobachtet worden, das Alkoholerperiment ist negativ ausgefallen. Laut Gutachten der Sach. verständigen ist er für sein« Taten verantwortlich. Franz Domning will nur Schreckschüsse abgegeben haben. Einwandfreie Zeugen haben aber seinen direkt gegen Liere ausgestreckten Arm gesehen. Der angeklagte Führer des Sturms 33, Hahn, hat es, wie bereits berichtet, vorgezogen, der Verhandlung fernzubleiben. Er befand sich in Haft. Das Landgericht hatte seine Haftbeschwerde ablehnend be- schieden, das Kammergericht ihr stattgegeben. Jetzt wird man ihn lange suchen können. In der letzten Sitzung siel aus dem Munde des Landgerichtsdirek- tors Rambke über Griineberg«in Ausdruck, der nickst böse gemeint, jedoch zu Mißverständnissen Anlaß geben konnte und deshalb besser unterblieben wäre. Um das schneidige Eintreten des Verstorbenen für den bedrängten Riemenschneider zu charakterisieren, richtete er an einen der Zeugen die Frage, ob der Verstorbene nicht ein»schnei- diger HunV gewesen sei— ein Ausdruck, der etwa bedeuten sollte, »ein forscher Kerl". Der Vorsitzende wollte damit sagen, daß Grüne- berg wohl ohne viel nachzudenken schnell entschlossen gegen den Foyer und Friede losgegangen war, obgleich der eine ein Messe? in der Hand hatte. Dem Borsitzenden ist der Ausdruck von den Kommunisten sehr übel genommen worden. nach einmak die Elbe da, dort in Magdeburg, wo die Parteigenossen an» der Festung eine Wohnsratt genracht haben. Diese Eriimerungen find für ewig eingeschlossen in die Herzen der jungen Wanderer, und »ach zwanzig Jahren wird der Hradschin oder die Rudelsburg oder der Raumburger Dom noch vor ihnen stehen wie am gestrigen Tag. Da saßen in Berlin ein junger Tischler und ein junger Buch- drucker und das Gespräch kam auf Kopenhagen.„Ach, Kopen- Hage«, da hatten wir uns mal verlausen," sagte der eine,„wir kamen vom Tivoli und fanden nicht mehr in unser Quartier. Dann fragten wir«inen Dänen nach dem Weg, der nahm uns bei der Hand, führte uns zur Straßenbahnhaltestelle, gab dem Schaffner das Fahrgeld und sagte ihm, wo er uns hinausschmeißen sollte. So sind die Dänen. Einer, der schleppte uns in seinen Keller, da hatte er einen kleinen Heizkessel für seine Zentralheizung. Alles zeigte er uns, von oben bis unten, sicher dachte er, die Deutschen heizen noch mit Torf. Und weißt du. das mit den Fahrrädern, das gibt es wohl nirgendwo mehr auf der Welt kein Mensch nimmt die abends mit ins Haus, draußen, an die Bäume gelehnt, lassen sie ihre Räder stehen. Fahrrad und Motorrad gleichermaßen. Am nächsten Morgen steht noch alles da. Ganz ehrlich« Leute find das." So erzählten sie vor der Tür ihrer Stempelstelle. Anno 1330 werden sie vierzigjährige Männer fein. Wenn sie sich dann wiedersehen und sie sprechen von Kopenhagen, meint einer: „Ach, Kopenhagen, da hatten wir uns mal verlaufen. Wir waren den Abend im Tivoli." Vierzigjährige wandern nicht mehr. Die fahren nur noch abends wie morgens zur Siemensstadt oder nach Hennigsdorf. Darum muß man die Zwanzigjährigen wandern laffen, alles dafür tun, daß sie es können. Eine dunkle Tat. Mord an einem zurückgekehrten Auswanderer. Da» rätselhafte Verschwinden eines vermögenden ZNannes hat bei seinen Angehörigen den Verdacht aufkommen lasten, daß er ermordet und beraubt worden sei. Mr erfahren dazu: Im Jahre 1902 wanderte aus Burkersdorf in Sachsen der gelernte Fleischer Max Türp«, ein Mann von damals l« Iahren nach Amerika aus, um dort sein Glück zu machen. Es muß ihm auch gelungen sein, denn im März 1930 schrieb er nach Deutschland, daß er sich rund 20000 Mark erspart habe und jetzt in die Heimat und zu seinen Leuten zurückkommen wolle. Vergeblich wartete die Familie auf seine Ankunft oder ein weiteres Lebenszeichen, sie hört« nie wieder etwas von dem Auswanderer. Nach langen Nachforschungen tonnte man end- lich feststellen, daß Türpe im April 1930 mit einem gewissen Walter L. Msammengetroffen war. L. verbüßt zur Zeit eine langjährige Zuchthausstrafe. Er hat die Bekanntschaft mit Türpe zwar zu- gegeben, leugnet aber, ihn beraubt und ermordet zu baden. Das soll vielmehr ein aus Pirmasens gebürtiger Wilhelm Glowinta getan haben, der mit Türpe und L. zusammen- gewesen ist. Gkowinkq konnte über die Beschuldigung nicht mehr beftagt werden, da er sich im Mai 1930 erschossen hat. Ob L. tatsächlich hber den Verbleib des Fleischers nichts weiß oder absicht- lich mit der Wahrheit zurückhält, hat sich nicht feststellen lasten. Es soff aber eine Freundin des erschossenen Glowinka, die sich in Polen «ustätt. genau Bescheid missen. Diese Frau war bisher nicht zu ermitteln. Nach den letzten brieflichen Angaben des Türpe müßte er im April oder Mai in einem deutschen Seehasen angekommen sein. Der Rame des Schisses, das er benutzt haben könnt« und der Landungshqfen sind den Angehörigen nicht bekannt. 415 Choleraopfer in Kleinasien. Basra. 12. September. Von den 7S7 Eholerasollen. die feit Anfang August hier vor-. gekommen sind, haben 415 einen tödlichen Verlauf nammen. vier Fünftel der Todesopfer hatten eine Behandlung im britischen krankenhau» abgelehnt. heule letzter Tag der„3ba". Die Internal tougle 7. Büroausstellung(Iba 1931) schließt am heutigen Sonntag endgültig ihre Pforten. Die Ausstellung ist von 10 bis 21 Uhr geöffnet. Ter Borftqad der«etrieb-krauleulnsse der Stadt Berlin erläßt im j.iistrofinuetl dieser Ausgabe eine Etisiaduiia zur außerordenllichcit Aus- sdmßsttzmtg am sreitag, dein 25. September, 11 Uhr, im Berliner Rathaus. Kommunistenkrach in Schöneberg. Auch in Schöneberg kam es am gestrigen Abend wteder zu Zusammenstößen. Hier versammelten sich gegen � Uhr vor dem nationalsozialistischen Berkehrelokal in der Stein nietz st raße 45 mehrere hundert Kommunisten. Anfangs begnügten sich die Demonstranten mit dem Absingen von Liedern, bald machten sie aber Miene, das Nozi-Lokql zu stürmen. Inzwischen waren so starke Polizeikräftc angerückt, daß ohne de- mertenswerte ZwischenMe die Stcinmctzstrahe von den Randa- lierenden gesäubert werden konnte. Einige Zeit später sammelten sich in der E i s e n a ch e r Straße erneut ungefähr 80 kpwmu- nistssche Demonstranten. Diese zogen nach dem Lokal„Danziger Boofke". das ist ein neues, vor kurzem eingeweihtes Verkehrslokal der Nationalsozialisten in der Hauptstraße 1)6 in Schöneberg. Auf dieses Lokal wurde» Zwanzig Minuten nach 7 Uhr zwei Schüsse abgegeben, die allerdings niemand verletzten. Ein Beamter von einer zufällig vorbeikommenden Polizetstreisc hafte aber den Revolverschützen erkannt und setzte ihm nach, während der andere Beamte angesichts der Uebermacht der Kommunisten stärkere Polizei. kräste herbeirief. Der verfolgende Beamte sprang über dos Ge- länder der Straßenbahn und gab auf den fliehenden Schützen drei Schüsse ab. Durch einen dieser Schüsse wurde der Mann an der Ferse verwundet, so daß der Polizeiwachtmeister ihn an de? Mühlenstraße ergreisen konnte. Es handelt sich nm einen Paul Misch aus der Potsdamer Straße Züh. Inzwischen war das fteber- sallkomm~rido gekommen und zerstreute die Demonstranten. Dabei wurde der Hauptschreier, der Kellner Albert Bull aus der UHlandstroße 82 in Charlottenburg festgenommen. Bull ist Funk- tionär der RGO. Eine Stunde vorher, um Vi! Uhr, war es auf dem Stettiner Vorortbahnhof zu einem Zwischenfall ge- kommen. Ein Trupp von vierzig Nationalsozialisten wollte nach auswärts fahren. Als sie aber auf dem Bahnhof«inen Reichsbannerkameraden erblickten, sielen die vierzig Helden über den«inen Mann her, um ihm seine Abzeichen zu rauben. Das alarmierte Ueborsallkommondo nahm einen Nationai- sozialisten fest. Gasometerexplosion bei Paris. Zvei Lehrlinge gelötet, fünf Arbeiter schwer verlecht. In einer Kcsselsabrik in dem Pariser Varprt Auborvilliers, dessen Bürgermeister Ministerpräsident L a v a l ist, explodierte am Donnerstag nachmittag«in Azetylon-Gasbehöfter. Zwei Lehrling« wurden auf der Stelle getötet, fünf Arbeiter wurden zum Teil schwer verletzt. Einer der Ber- letzten wurde durch den starken Lustdruck in die Höhe geschtendert und blieb an einem Wasserbehälter hängen. Das Dach und die Wände der Fabrik wurden stark beschädigt- Da der Gasbehälter w tausend Stück« gerissen worden Ist, wird sich die genaue Ursache der Kata- strophe kaum feststellen lasten. Ein bruialer Agrarier. Schießt einen Arbeiter wegen Lohnforderung nieder. Ein neuer Roheitsakt eines Agrariers wird aus Beilau bei Canth in Schlesien gemeldet. Dort schoß der Gut»- besitze? Sie lg er aus«inen Landarbeiter, als dieser seinem Zlrbeft- geber eine Lohnforderung überreichte. Der Arbefter trug erhebliche Verletzungen an Rücken und Beinen davon. Der Pe- sttzer, gegen den bereits ein Berfahven wegen Körperverletzung schwebt, weil er kürzlich den Gemeindevorsteher mit dem Messer bearbeitete, äußerte nach der Tat:„Schade, daß ich ihn nicht iu den Bauch getrosten habe." Zgi« frech die Tipose ist, mißbilligt Herr Ziege im Stillen. Der muß der Star gestochen werden.„Wir werden überhaupt alle von jetzt an Ueberstunden machen muffen", sagt er dikta- torisch, als ob diese Idee seinem Hirn entsprungen ist.„Die Zeiten such ernst. Ich muß mir mal ganz intensiv durch den Kopf gehen lassen, wer entlassen werden kann. Ich sage Jbpen das nur im Vertrauen, damit Sie einsahen, wie not emsige Arbeit tut- Sparen, liebes Fräulein, sparen! Auch in der Portokasse!" Herr Ziege blickt Fräulein Hinzelmann be- deutungsvyll an, die rot anläuft und ein wenig die Fassung verliert.„Es sind da kleine Mitteilungen als Briefe ins Ausland abgegangen, die auf einer Postkarte Platz gefunden hätten, wie ich nachträglich aus der Kopie ersehen habe." Er fixiert Fräulein Hinzelmanu scharf. In der Stenotypistin sammelt sich Wut- So ein Aas! Den kleinen Schmu mit dem Porto will er mir nicht gönnen. Sie spießt die Nase in die Lust und sagt:„Es handelte sich dabei immer um Mahnungen, und die darf mau bekanntlich nicht auf ostener Karte verschicken." Das stimmt nun keines- falls. Fräulein Hinzelmann hat die Disisreuz zwischen Karte und Brief für sich eingezogen. Zusammen mit dem Porto für diejenigen Brief«, die nie abgejchickt wurden, sind nach dem Rezept„Klempieh macht auch Mist", im Laufe des Monats immer ein paar Mark zusammengekommen, Es ärgert Herrn Ziege, daß er auf die EfnmendftNgeu nichts jju erwidern weiß. Er könnte eine ftratge Revision vornehmen, aber dadurch müßten dann die kleinen Betrsige- reien offiziell herauskommen, was auch nicht das richtige stf. Hexr Ziege hat als Stift selbst eine Portokaffe vernichtet. Er weiß, daß es eine liebe, alle Sltts ist, schfchs Eintragungen zu machen. Es sind Unterschlagungen im winzigsten Format. ein Bürochef hat sie nicht mehr nötig. Man geht still- schweigend darüber hinweg, und nur in Momenten, in denen man sich als Vorgesetzter behaupten will, wird zart ange- deutet,«i« man alles durchchaul. .Herr Ziege räufpart sich. Seme kleme Nase glänzt fettig. ,(Um auf die bevorstehenden Entlassungen zurückzukommen", er macht eine Pause und weidet sich an Fräulein Hinzel- manns Schreck,..so ist es leicht möglich, daß einer oder der andere der Speicherarbeiter überflüssig wird." Diese Idee kam ihm soeben. Vielleicht könnte man dem Chef damit im- ponieren-.„Halten Sie also die Invalidenkarten auf dem lausenden. Es muß alles bis zur letzten Woche geklebt sein. Heutzutage machen diese Leute schnell Skandal, wenn man sie auf ihre Papiere warten läßt.� Herr Ziege klopft Fräulein Hinzelmann jovial auf die Schuster um) geht schwingend hinaus. Die Tasten des amusischen Achtstundenklaviers klappern knallend, von nervösen Fingern angetrieben. „Sie saufen ja förmlich", bewundert Frau Caspari, die soeben das Limmer betritt. Sic war so lange in der Buch- Haltung beschäftigt. Frau Caspari st in der letzten Zeit immer munter und vergnügt. Die Hoffnung aus beffere Zeiten. prophezeit von dem Freund Manfred, läßt sie auch äußerlich aufblühen. ..Ich werde entlassen�, jammert Fräulein Hinzelmanu gellend auf und haut zwischen zwei Tasten, die aneinander- geraten und weder vorwärts, noch zurückgehen.„Verfluchter Dreck!" Sie beschmiert sich die Finger an den geschwärzten TWen- „Wqs reden Sie da?" „Sie werden auch entlassen! Wir werden alle entlassen!" Fräulein Hin�elmang hat ejne Angstpsychose. Das Gespenst der Arbeitslosigkeit geht um und läßt die verängstigte Steno- typistin nicht zur Ruhe kommen. Sie rast sich über der Ma- schine aus. Die Tasten hämmern umnelodisch und grell. Aber es klingt der Angestellten Lotte.Hinzelmann wie eine liebe, vertraute Musik. Immer so schreiben dürfen! Immer tippen! Roch schneller, noch sehlerlascr! Nur nicht entlassen werden! Sie möchte die blitzende Maschine streichesiz, wenn dazu im Momeift ZM wäre, '„Bitte, sagen Sie doch, was ist postiert?" Frau Caspari will ihre Hand auf die hin- und hersiie- gendc Walze legen. Unmöglich, das entfessele Fräulein Hinzalmann zum Anhalt«» zu bringen. Mädchen und Ma- schine sind verschmolzen zu einem einzigen jagenden Rhythmus...Laffen Sie mich Ihn«» diktieren", versucht Frau Cqspari, eine Pause zu erzwingen und nimmt den Brief in die Hand. Fräulein�Hinzelmann blickt verstört ans. Dann erhebt sie sich wie im Schlaf und macht ein paar Schritte.„Ich gehe nicht...! Ich will nicht stempeln...!" schreit sie hysterisch und weint fassungslos. „Lotte, so sei'n Sie doch vernünftig." Frau Caspari führt die Schluchzende zu einem Rohrsessel.„Beruhigen Sie sich, vielleicht wird die Kündigung zurückgenommen..." „Ich bin ja noch nicbl gekündigt", schüttest Fräulein Hinzelmann den Kops.„Aber der„Meckerer" hat gedroht. daß Entlaflungen stattfinden. Und mich kann er nicht leiden!... Und die Rofolf kann mich auch nicht leiden! Die werden das schon zusammen bekatern!" Jetzt erschrickt Frau Caspari. Entlassen! Bielleicht noch bevor Manfred hilft. Und was dann? Sie bekommt so leicht keine Stelle mit ihren 33 Iahren. Wovon leben? Die 290 Mark, die ihr Manfred heimlich gab, sind für Läpper- schulden draufgegangen. Sie lehnt sich an die runde Lotte Hinzelmann, die sich die Tränen aus den Augen wischt und hin und wieder zu- ammenzuckend aufschluchzt. Zwei kleine, kummervolle Ge- chöpfe hocken nebeneinander und haben entsetzliche Angst, aus- gestoßen zu werden aus dem Paradies der Arbeit. -i- Auf dem Münzplatz steht Lilis Kiosk. Er ist von außen lustig anzusehen, ein kleines, buntes Häuschen, das misten im Lärm der Großstadt unangefochten sein eigenes Leben fiihrt. Vor der angeschlossenen Televhonzelle wartet ein länd- licher Jüngling. Versunken betrachtet er das ausgehängte Heft von«Liebe und Ehe", auf dessen Titelbild ein unbekleidetes junges Paar der Sonne entgegenjauchzt. Quer über die fjir Liebe und Ehe notwendigen Körperteile geht unbarmherzig ein breiter, gelber Streifen mit der Aufschrift:„Letzte Nummer". Der ländliche Jüngling ärgert sich über dielen Streifen. Er weiß nicht, daß Bilder, die vielleicht Answß er- regen könnten, niemals in einem aus Sittlichkeit bgstendelt Kchskfevster zur Schau gestellt werden dürfen, worquf ein. Plchchi gn der Innenwand des Zcftungshäuschens cindring- sich hmweift. Leli steht auf die Uhr. Halb sieben. Gatt fei Dank, gleich ist der Rummel hier zu Ende. Sie hat schlechte Laime. Ein langwe ilmer Abend liegt vor ihr. Gert ist mit Mama eingeladen. Sie studiert die Kwomserate des„Generalanzeigers" Ob ich noch ins„Odeon" gehe? Conrad Veidt in der Hauvt- rolle als französischer Offizier. Aber allein macht es kein»! Spaß, man bekomm' nur Sehnsucht nach Gert. „Fryllam, habe Se noch'ne Morgenzeitung?" �Zwanzig Pfenwgl"(Fortsetzung folgt.) Nr. 429* 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonntag, 43. September 4934 Englands dreifache Krise. Erschütterungen im Hause der Wettbankiers. Man spricht vom„Run"(Rennen) auf eine Bank, wenn die Gläubiger dieser Bank— alle oder zum großen Teil— gleich» zeitig ihre Einlagen von der Bank zurückziehen. Solcher„Run" entsteht, wenn aus irgendwelchem Grunde Zweifel an der Zahlungs- fähigkeit der Bank aufgekommen sind. Am 13. Juli haben wir in Deutschland nach der Schließung der Danat-Bank den Run auf alle Banken. Sparkassen und sonstigen Kreditinstitute erlebt. Diesem inländischen Run ging aber ein ausländischer voran. Es kann auch einen Run auf ein Land geben, wenn die ausländischen Gläubiger dieses Landes in der Befürchtung, daß ihr Geld verloren» gehen kann, dieses Geld zurückziehen, soweit es kurzfristig angelegt und also widerrufen werden kann. In der Geschichte der Krisen ist z. B. der Run auf Amerika im Zahre 1833 berühmt, dessen Ursache die Befürchtung war, daß Amerika seine Schulden dem Auslande in entwertetem Silbergeld bezahlen würde. Die Geschichte des Runs auf Deutschland ist schon zur Genüge be- handelt worden. Dem Run auf Deutschland folgte aber der Run auf England. Massenweise wurden ausländische kurzfristige Kredite aus England zurückgezogen, das Gold floß von England ab, der erste 5lredit bei den amerikanischen und den französischen Zentralnoten- banken vermochte den Abfluß der Kredite nicht aufzuhalten, der Kurs des Pfundes schwankte bedenklich, und man fürchtete einen Kurszusammenbruch. Als Folge dieser Kreditkrtse ist eine politische Krise mit der Sprengung des Labour-Kabinetts ent- standen. Die Aehnlichkett zwischen dem Ablauf der Kreditkrisen in Deutschland und England ist sehr groß. Sie gibt aber zum Nach- denken, wenn man sich vergegenwärtigt, wie grundverschieden die Kreditlage der beiden Länder sonst ist. Deutschland ist ein Schuld- n e r l a n d, England dagegen immer noch das größte Gläubigerland der Welt. Es ist viel leichter zu verstehen, wenn Zweifel an der Zahlungsfähigkeit Deutschlands entstehen, desseit Auslandsschulden mit den Reparationen zusammen um das Mehr- fache die deutschen Guthaben im Auslande übersteigen, als wenn die Zahlungsfähigkeit Englands angezweifelt wirk», dessen kurzfristigen Schulden nicht nur kurzfristige Kredite im Ausland gegenüberstehen, sondern auch immense langfristige An- lagen des englischen Kapitals, die insgesamt weit über 60, nach einer sehr oerbreiteten Schätzung sogar bis 80 Milliarden Mark ausmachen. Die unmittelbaren Ursachen der letzten englischen Kredit- lrise, auch wenn wir die außerordentlich wichtigen politischen Hinter- gründe berücksichtigen, reichen nicht aus, um ihre Schärfe und die Stärke ihrer Wirkung zu erklären. Damit eine solche Krise entstehen konnte, die die Festigkeit des Pfundes ernsthaft bedroht hat, muhte die allgemeine Wirtschaftslage Englands und namentlich seine Lage in der Weltwirtschaft wesentlich geschwächt sein. Deshalb muß man die letzte englische Kreditkrise zusammen mit der allgemeinen Ent- Wicklung der weltwirtschaftlichen Lage Englands betrachten. Diesen Zusammenhang können wir am besten dadurch über- sichllich machen, daß wir uns die englische Krise als ein Zu- fammenfallen von drei krisenhaften Entwicklungen vorstellen. Diese drei Krisen sind zwar nicht scharf voneinander zu trennen, sede von diesen Entwicklungen greift in die anderen ein, alle drei stehen in vielseitigen Wechselwirkungen. Sie können trotzdem einigermaßen zeitlich und ursächlich abgegrenzt werden. Wie alle Länder der Welt ist auch England durch die Weltwirtschaftskrise getroffen, und e» leidet unter dieser Krise besonders stark, weil auch seine welt- wirtschaftliche Verflechtung außerordentlich stark ist. Es gab aber eine besondere englische Krise, noch bevor 1029 die Welt- Wirtschaftskrise ausbrach. Diese besondere Krise fand ihren äußer- sich am stärksten in die Augen fallenden Ausdruck in der gewolkigen Arbettslosigkeik, die im England der Tlach- kriegszeii zur ständigen Erscheinung wurde und die in England ohne den verstärkten Rationalisierungsprozeß entstanden ist. Diese Krise war die Folge der grundlegend veränderten Stellung Englands in der Weltwirtschaft: sie entwickelte sich schon in der Vorkriegszeit, wurde aber durch den Weltkrieg mit seinen weltwirt- schaftlichen Nachwirkungen außerordentlich verschärft. Zu der Aus- Wirkung dieser beiden Krisen kam noch im Laufe des letzten Jahres eine dritte Krise hinzu, die aus der Funktion Englands a l s Kreditgeber für andere Länder, insbesondere als der Haupt- sächliche Vermittler der Kredite für Mitteleuropa, entstand. In der zeitlichen Reihenfolge haben wir also: erstens die Krise in der weltwirtschaftlichen Stellung Englands, die sich im Laufe von Jahr- zehnten entwickelte, dann seit 1029 die allgemeine weltwirtschaftliche Krise, durch die England sehr stark getroffen wurde, und dann schließlich eine im engsten Zusammenhang mit der allgemeinen Welt- Wirtschaftskrise stehende Kredttkrise, die wir in ihrem Weltwirtschaft- lichen Zusammenhang als Krise der Zahlungsbilanzen einer besonderen Betrachtung unterziehen werden und die in ihrem besonderen, stark politisch beeinflußten europäischen Zusammen- hang eine katastrophale Erschütterung des Kredits in Mitteleuropa, namentlich in Deutschland und dann in England bewirkt hat. Die englische Wirtschaftsentwicklung ist von solcher Bedeutung, und insbesondere für Deutschland, dessen Außenhandel durch die Wirtschaftslage Englands maßgebend beeinflußt wird, daß wir uns über diese Entwicklung Klarheit schaffen müssen. Es wird sich dabei nicht vermeiden lassen, über den Inhalt und die Bedeutung einiger Begriffe, z. B. der Zahlungsbilanz zu sprechen. Unsere erste Aufgabe muß es sein, uns die grundlegenden Tatsachen über die weltwirt- schaftliche Lage Englands zu vergegenwärtigen. Bis zum letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts war England als I n d u st r i e l a n d allen Ländern der Welt weit überlegen, und feine besondere weltwirtschaftliche Stellung beruhte auf dieser unbedingten industriellen Ueberlegenheit>md auf der durch diese industrielle Ueberlegenheit Englands bedingte Art der weltwirtschaftlichen Arbeitsteilung. England war jahrzehntelang der Hauptlieferant der Industriewaren für den Weltmarkt: es hat sich in dieser Zeit zu einem einseitig industriellen Land entwickelt, dessen Versorgung mit Lebensmitteln und teilweise mit Rohstoffen(vor allem mit Baumwolle), überhaupt mit Agrar- Produkten, zum übergroßen Teil vom Auslande geschah. Zugleich verfügte England dank seiner überragenden Stellung als Industrie- land und dank seiner Schiffahrt über den Kapitalüberschuß, der für die Kapitalanlagen in anderen Ländern gebraucht wurde. Und drittens wurde England, wurde namentlich London, zum Finanzzentrum der Welt, so daß von London aus ein sehr großer Teil des Welthandels finan- ziert wurde. In London fanden die meisten Abrechnungen für die internationalen Geschäfte statt, und das englische Pfund wurde zu dem wichtigsten internationalen Zahlungsmittel, was es auch heute noch trotz der Konkurrenz des Dollars bleibt. Man darf ohne Uebertreibung sagen, daß die glatte Abwicklung des Welt- Handel« in einem sehr starken Maße vom Vertäuen zum englischen Pfund abhängt. Diese besondere weltwirtschaftliche Lage Englands hat eine starke Passivität seiner Handelsbilanz. d. h.«inen starken Einfuhrüberschuß als ständige Erschei- nung zur Folge gehabt. Im letzten Dorkriegsjahr 1913 betrug dieser� Einfuhrüberschuß rund 134 Millionen Pfund, d. h. etwa 2,7 Mil- liarden Mark. Diesem Einfuhrüberschuß standen ober die reinen Einkünfte au« der Schiffahrt und aus den Kapitalanlagen im Aus- lande in solchem Umfange gegenüber, daß England aus diesen Ueberschüssen nicht nur den gesamten Einfuhrüberschuß be- zahlen, sondern immer neue Kapitalanlagen machen und dadurch seine Stellung als„W e l t b a n k i e r" erhalten konnte. Für heute wird es uns genügen, wenn wir in ganz allgemeiner Form darauf hinweisen, daß England feine frühere industrielle Ueberlegenheit schon längst verloren hat und daß ee schon in den letzten Jahrzehnten vor dem Kriege zwar zu den ersten Industrieländern der Welt(nebst Deutschland und Amerika) gehörte, nicht aber wie früher das erste, alle anderen weit überragende Industrieland war; daß es sich nach dem Kriege vor eine noch oerschärfte Konkurrenz aus dem Weltmarkt gestellt sah und in vielen Fällen wegen des verlangsamten Tempos des tech- nischen und organisatorischen Fortschritts seiner Industrie sowie aus anderen Gründen dieser Konkurrenz nicht mehr ge- wachsen war. An den Hemmungen allgemeiner Art für die Ent- Wicklung der englischen Ausfuhr war in starkem Maße die Hochschutz- zöllnerische Politik beteiligt, die fast in der ganzen Welt getrieben wird. Da aber die Erzeugung für die Ausfuhr einen sehr beträcht- lichen Teil der gesamten Produktion der englischen Industrie aus- macht, so ergab sich aus der Tatsache, daß die englische Ausfuhr in ihrer Entwicklung zurückblieb, zwangsläufig ein Mangel an Arbeit für die zunehmende arbeitsfähige Bevölkerung— also Arbeitslostg- kett als eine Dauererscheinung. Die Entwicklung einer solchen Arbeitslosigkeit wurde von manchen Kennern der englischen Wirt- schaft schon vor dem Kriege vorausgesagt, sie ist in der Nach- kriegszeit in erschreckendem Umfang zu einer Tatsache geworden: von 1921 bis 1929 betrug die Zahl der versicherten Arbeits- losen im Durchschnitt eines Jahres 1 180 000 bis 1 050 000, eine Zahl, die im Verhältnis zur Bevölkerung einer Durchfchnitls- arbeitslofigkeit in Deutschland von jährlich 1,7 bis 2,44 Millionen d Menschen entsprechen würde. In der gleichen Zeit war der Einfuhrüberschuß wesentlich höher als vor dem Kriege, auch wenn wir die Veränderung des Geld- werts berücksichtigen. In den Jahren noch der Wiederherstellung des vollen Goldwertes des Pfundes betrug der englische Eiissuhr» Überschuß: 1926,. 464 Mill. Pfd. Sterling oder 9,3 Milliarden Mark 1927.. 387.... 7.7S 1928.. 3S4... 7.1 1929.. 382..„„ 7,65 Trotz dieser enormen Einfuhrüberschüsse fuhr England sogar fort, Kapitalien auszuführen, erzielte also yach dem Ausgleich aller Zahlungen noch Ueberschüsse. Wie war dies möglich? Heute schließen wir mit dieser Fmge, die wir im Zusammenhang mit dem ganzen Problem der Krise der Zahlungsbilanzen be- handeln werden. G. Decker. Das Gtillhalte-Abkommen. Ein einzigartiger Finanzvertrag. Das Stillhalte-Abkommen, das jetzt von der Reichs- bank, der Golddiskontbank und dem privaten Bankkomitee unter- zeichnet ist, wird voraussichtlich bis zum Ende der Woche auch von dem letzten der beteiligten Gläubigerkomitees unterschrieben sein, so daß es damit in K r g s t tritt. Der Vertrag stellt seiner Bedeutung nach einen elnztgarti« gen Vorgang inder Geschichtedes internationalen Kreditwesens dar. Sieht er doch vor, daß fünf bis sieben Mil» liavden ausländischer Kredite bis Ende Februar 1932, also auf sechs Monate, aus dem Schuldnerland nicht abgerufen werden dürsen. Erst jetzt, wo das Abkommen abgeschlossen und unmittelbar vor seiner Inkraftsetzung steht, wird man sich der Schwierigkeiten be- wüßt, die in den Verhandlungen der letzten acht Wochen von deutscher Seite zu überwinden waren. Der Versuch, eine Still- Haltung der privaten Auslandsgläubiger zu erreichen, geht bereits bis in die Zeit vor dem Zusammenbruch der Danatbank am 13. Juli zurück. Die Schaffung des Garantiefonds bei der Golddiskonbank war der erste Versuch in dieser Richtung. In kurzer Folge kamen dann die Verhandlungen in Ba s e l mit der BIZ., d i e Londoner Konferenz Ende Juli, auf der die ausländischen Notenbankpräsidenten die Zusage machten, den Gläubigern im Aus- lande die Stillhaltung zu empfehlen, ferner die Verhandlungen in Berlin mit dem englischen und amerikanischen Finanzsachver- Auf echter Zwisch Orig. �©e-Jsrear gedoppelt Jeder Schuh hat also ausser der 4mm starken Kern-Lauffsohle eine ganxe Zwischensohle(nicht, wie vielfach, einen weichen Leder- rahmenl), die das Austreten des Schuhes verhindert und eine sehr lange Lebensdauer garantiert In dieser neuartigen Ausführung bringen. wir verschiedene Formen und Modelle, Stiefel. Alles in e«h ständigen bis einschließlich nn letzten Stadium dieser langwierigen und äußerst schwierigen Verhandlungen der Vertrag mit dem i n» t er nationalen Stillhaltekomitee in Basel abge- schlössen wurde. Die lenbenswichtige Bedeutung dieses Vertrages für die deutsche Wirtschaft läßt sich mit wenigen Strichen kennzeichnen. Bis zum 13. Juli 1931 ließen sich bei der im Ausland ausgebrochenen Panik- ftimmung die täglich einlaufenden Abrufe von Krediten aus Deutsch- land nicht mehr übersehen. Ein Wswppen der Runbewegung war damals nur über die zwangsweise Einführung der Bankfeiertagc möglich. Jetzt ist mit diesem Abkommen aus sechs Monate eine Atempause bewilligt, in der vorsichtig die Ab- Zahlung unserer kurzfristigen Auslandsschulden eingeleitet wird. Diese Einleitung der Rückzahlungen erfolgt von deutscher Seite zwar nicht freiwillig, denn um die Freigabe der aus- ländischen Markguthaben, mit der die Rückzahlung an das Ausland eingeleitet wird, ist in Basel sehr heftig gekämpft worden. Da die ausländischen Gläubiger von der Freigabe ihrer TNarkgulhabeu in Deutschland das Zustandekommen der Slillhaltuug abhängig machten, mußten die deutschen Vertreter ungeachtet aller schweren Bedenken diese Forderung annehmen. Allerdings konnte ein Kompromiß zustande gebracht werden, der damit einem allzu heftigen Anprall gegen das Devisenpolster der Reichsbank einen Riegel vorschob. Der Kompromiß sieht vor, daß am IS. September zunächst die Verpflichtungen, die aus den lau- senden Termin-Devisengeschäften entstehen, abzudecken sind. Diese Kontrakte schätzt man auf etwa 200 Millionen. Dazu kommt am IS. September die Freigabe der ersten Quote der ausländischen Markguthaben in Höhe von 2S Proz., auf die jedoch die abgedeckten Termindeoisen aufgerechnet werden. Es ist jedoch kaum damit zu rechnen, daß das Ausland in vollem Umfang die vertragsgemäß beigegebenen Markguthaben abruft, da es ja für die laufenden Ge- schäfte mit Deutfchftmd einen gewissen B e st a n d von Reichs- mark auch weiterhin benötigt. So unterhalten die Berliner Groß- danken etwa 9000 bis 12 000 Reichsmarkkonten von Ausländern, und es ist natürlich nicht anzunehmen, daß alle diese Konten nunmehr sofort nach dem IS. September um 2S Proz. gekürzt werden. In den darauffolgenden Monaten sollen dann vertragsgemäß bis Ende Februar je Monat weiter IS Proz. der ausländischen Markguthaben freigegeben werden, wobei der Reichsbank jedoch zugestanden ist, die Freigabe dieser ISprozentigen Monatsglwten bis Ende Februar 1932 hinauszuschieben, falls bei ihr irgendwelche Schwierigkei- ten in der Deoifenlage eintrete. Außer diesem Hauptzugeständnis der Freigabe der ausländischen Markguthaben mußten von Deutschland auch anderweitige, wenn auch in ihrer Auswirkung unbedeutendere Zugeständnisse an das aus- ländische Gläubigerkomitee gemocht werden. So wird künftig für die ausländischen Gläubiger bei den Akzept- und Rembourstrediten (Außenhandelswechsel) eine besondere Garantie durch die Mithaftung des letzten.Kreditnehmers geschaffen. Bisher haftete nur die an dem Geschäft beteiligte deutsche Bank. Ferner ist von deutscher Seite bewilligt worden, daß dem ausländischen Kreditgeber das Recht zu- steht, einen Teil seiner in Deutschland angelegten Kredite auf die Golddiskontbank anzulegen, so daß also hier die Mitwirkung an der Umschuldung von Krediten seitens der Golddiskontbank von den Ausländern erreicht ist. Die Golddiskontbank hat sich das Recht vorbehalten, die auf sie umgelegten Kredite aus drei Jahre stehen zu lassen. Ein weiteres Zugeständnis ist von den deutschen Banken insofern erreicht worden, als diese sich verpflichtet haben, inländische Kredite nur in den Fällen zurückzuzahlen, wenn zu gleicher Zeit ausländische Schulden abgedeckt werden. Die Beanspruchung der Reichsbank, die in den folgenden sechs TU analen durch die Freigabe der Markguthaben entstehen wird, läßt sich zur Zeit n o ch n i ch t a b s ch ä h e n. Die in Deutschland befindlichen Markguthaben belaufen sich aus etwa 750 Millionen, die jedoch bei den laufenden Bedarf des Auslandes an Markbeständen keinesfalls voll abgerufen werden dürften, natürlich wird die Reichsbank auch in den sechs Stillhaltemonaten lausend Devisen abgeben müssen, da es sich insgesamt bei den Markguthaben doch um erhebliche Beträge Handell. Das Entscheidende aber ist, daß von den rund sieben Milliarden kurzfristigen Auslandskrediten in Deutschland von dem Stillhalleabkommen 5 K bis 6 Milliarden erfaßt werden, womit Deutschland aus sechs Monate hinaus die notwendigste Atempause gewährt wird. Zechenausverkauf! Englische Kohle gefällig?- Fortgesetzter Massenabbau. Jeden Tag kommen aus dem Ruhrgebiet neue Hiobsbotschaften über neue Stillcgungsanträge und Massenentlassungcn im Sergbau. Räch dem Slahllrust und dem Konzern Gute-Hoffnungshütle beabsichtig! letzt auch die harpener Bergbau A.-G. ihre Schacht- nblage Recklinghausen stillzulegen. Der Antrag ist bei den Behörden rereits eingedreht worden, hierdurch werden rund 900 Bergarbeiter und Angestellte betroffen. Auch aus den Zechen In Gladbeck, Waltrop und Buer sind Stillegungen beantragt, wodurch etwa 1200 Bergarbeiter erwerbslos werden. Diese neue Welle der Massenstillegungen wird von den Zechen- Unternehmern damit begründet, daß rund 12 Millionen Tonnen Kohle auf Halde getürmt seien und die Absatz- schwierigkeiten eher noch zunehmen. In dieser Zeit, wo die Zechen unter ihren geförderten Kohlenbergen fast ersticken, ist folgender skandalöser Vorgang möglich: Am 9. September 1931 erhielt ein Großabnehmer von einer süddeutschen Kohlengroßhandlung einen Brief, in dem es u. a. heißt: .,... Dem von Ihnen am 1. September 1931 bestellten wagen Anthrazit-Rußkohlen II konnte ich bei der Zeche.. leider für den Monat September nicht mehr unterbringen. Die Zeche ist ausverkauft und habe ich über zwei Stellen versucht, den wagen zu bekommen, jedoch ohne Erfolg. Ich litte um gefällige Mitteilung, ob Sie an dessen Stelle einen wagen Wales-Anthrazit nehmen wollen." An der Ruhr gehen über 100000 Kumpel stempeln. Von Woche zu Woche wächst das Riesenheer der arbeitslosen Berg- arbeiter. Die Kohlenhalden wachsen in den Himmel, aber den Käufern schreibt man„die Zeche ist ausverkauft" und bietet den deutschen Kunden englische Kohle an. Aber dieses Vorgehen, das nicht anders als verbrecherisch be- zeichnet werden kann, hat seine sehr triftigen Gründe. Den Kohlen- Magnaten an der Ruhr ist es ja völlig gleichgültig, ob sie deutsche oder englische Kohle verkaufen, denn sie sind, so ungeheuerlich dies klingt, an den Kohlen-Im Portgesellschaften maßgeblich beteiligt. Die Sonderprofite, die sie hier auf Kosten der an die Stempelstellen geschickten Bergarbeiter einstecken, hindert sie aber nicht, schärf st en Loh»druck auf ihre restliche Belegschaft mit der heuchlerischen Begründung auszuüben, daß der deutsche Bergbau gegen die ausländische Konkurrenz in einem Kamps auf Leben und Tod stehe. Das ist die Moral von Wirtschaftsführern in der bittersten Notzeit des deutschen Volkes. Chaotischer Kupfermarkt. Der Kupferpreis, der von dem Kupferkartcll eine Zeitlang stabil gehalten werden konnte, ist jetzt aufs neue ins Rutschen ge- kommen. Auf dem Weltmarkt kostet Kupfer jetzt 7,65 Ecnt gleich 32,1 Pf. für das englische Pfund(153 Gramm). Dieser Preis stellt einen Rekordtief st and dar, der seit vier Jahrzehnten nicht mehr erreicht wurde. Die vom amerikanischen Kupferkartell vor- genommene Droflelung der Produktion im Umfang von annähernd 30 Proz. hat so gut wie gar keinen Erfolg gehabt, denn der Weltverbrauch an diesem Metall ist infolge der Krise noch stärker gesunken. Die Erfolglosigkeit der vom Kupferkartell getroffenen Maßnahmen zeigt sich am deutlichsten darin, daß die Vorräte auf 400 000 Tonnen wieder angewachsen sind, die bei dem gegenwärtigen Schrumpfungsprozeß dem Verbrauch von fast� einem Jähr enffprechen.— Auf der- Internationalen Kupferkonferenz in New Jork, an der außer den amerikanischen Minenbesttzern auch Vertreter der belgischen und kanadischen Konzerne teilnahmen, ist der Vorschlag gemacht worden, die gesamte Weltproduktion nochmals um etwa 20 Proz. herabzudrücken. Andererseits trägt man sich in amerikanischen Unternehmerkreisen mit dem Ge- danken, die Kupferminen überhaupt stillzulegen, um erst einmal die ungeheuren Vorratslager frei zu machen. Hiergegen macht sich aber in amerikanischen Regierungskreisen starker Widerspruch geltend, da diese Maßnohmen für den Arbeitsmarkt der amerikanischen Bergarbeiter die verhängnisvollsten Folgen haben müßte. Allgemeine Weiterlage. 42.Sept.493'Ubds. - � Wiü f~ c0 1 1 I u 0woJkenlos,G heirer.O halbbedeckr 9 wolkig,* bedeckt,*RegenAGraupeln Schnee.=Nebel,'l;Gewittec(Q)Wndstille Unser Sonntagswetter wird durch ein System flacher Tiefdruck- gebiete bestimmt werden. Die einzelnen Tiefdruckkerne sind auf der Wetterkarte vom Sonnabendabend über dem Kattegat, an der Elbe- inündung und über dem Kanal zu erkennen. Zu den beiden letzt- genannten Kernen gehört ein ausgedehntes Rcgengebiet, das am «onnabcndnachmittag berefts Nordwestdeutfchland erreichte: an der Nordfeeküfte wurden bis zum Sonnabendabend 10 Millimeter Niederschlag gemessen. Das Riederfchlagsgebiet wird in südlicher Richtung sortschreiten: in gleicher Richtung dürsten sich der südwest- liche Teil des Tiefdrucksystems bewegen. Unser Bezirk wird daher bald in den Bereich der über England und die Nordsee nordwärts strömenden kallen Luft gelangen. Wetteraussichten für Verlin: Nach Regenfällen Uebergang zu unbeständigem Wetter mit noch einzelnen Schauern: Temperaturen sinkend: westliche bis nördliche Winde.— Für Deutschland: Im ganzen Reiche meist stark bewölkt, vielfach Regen: ollgemein kühl, Lichte»b«q N spielt heute sSonntag) um t« Uhr in Oberschöneweide. Utt» klcibelokal: Restaurant„öchiltctglodc", Schillcrproinenadc, Oberschitnewcide. Treffpunkt 15 Uhr im Lokal. Briefkasten der�edakiion. V. 3. Der AngehSrla« eine» bcBtfdytn Sandes, der.dvr»«ufnahmr di» Siaatsangehörinkcit eines anderrn-brutschrn Landes erwarben hat, dehält neben der neu erworbenen die bisheriae Staatsanq-Hörigkeit bei, sofern er nicht die Entlassung aus dieser herbeigeführt hat. Nur wenn die Entlassung seinerzeit erfolgt ist, haben Sie und Ihre stinder die preußisch« Staatsangehörigkeit per. loren.— s. N. 100. Maßgebend lind die mit dem.Hauswirt getroffenen Vereinbarungen. Ast die Miete bisher im Haufe kasstert worden, so sind Sie nach unserer Ansicht nicht verpflichtet, die Portokosten für die Uebcrs.'ndung der Miete an den jetzigen Wohnort des Vermieters zu trage».— SB. 1. In Ihrem Fälle wird wahrscheinlich ein Arbeitsentgelt für-l» Stunden zugrunde. gelegt werden. 2. Es ist anzunehmen, daß Ihnen die Hauszinsftcuer ge» stundet wird. Jedenfalls raten wir, einen dahingehenden Antrag zu stellen, 3. Der Hauswirt kann die Zahlung verlangen und auch klag« erheben.— Zwei Streitende. 1. no Pro«. 2- bis 4.: Juni 1928: 121 Proz. 117 Proz. ohne verklagt werden. Die größte Anziehungskraft üben auf alle Damen bei uns die wundervollen Neuschöpfungen der Mode aus. Wir zeigen sie Ihnen in einzigartigen Modell-Kleidern und-Mänteln, wie sie sonst nur in ersten Maßsalons angetroffen werden. Sie sind in verschwenderischer Fülle vorhanden und zeichnen sich nicht nur durch die wertvollen Stoffe und schönen Formen, sondern auch durch unübertreffliche Billigkeit aus. 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Alte Winkel, kleine Gäßchen sprechen zu uns aus Tagen, wo die Stadt noch mit dem Einzelwesen und seinem Leben Kontakt hatte; heute ist die Millionenstadt hinaus über enge Bezirkswirt- schaft und kleinbürgerliche Kirchtum-politik, in emer kurzen Zeit- spanne löste sie all die verschiedenartigsten Bedürfnisse einer Welt- stadt. Eine neue, werdende Stadt, mit immer neuen Ausbreilungs- Möglichkeiten ist an die Stelle des romantischen Spree-Jdylls ge- treten. Es ist wenig, fast gar nichts mehr von der Historik ver- blieben, es verschwinden die alten Winkel, es sterben die alten Berliner. Wie verhalten sich nun die Straßen von gestern gegen die von heute? Die kleinsten öffentlichen Wege Berlins liegen im Jen- trum der Stadt; die kürzeste Straße— bei aller Rekordfindig- kcit unserer Zeit ist dies auch ein Ehrentitel— führt von der Kloster- straße zum Marienkirchhof, ist ganze 23 Meter lang und führt den stolzen Titel„Neue Gasse'. Die nächste Anwartschaft auf die Winzigkeit ihrer Länge haben die„Kleine G e r t r a u d t e n- st r a ß e", als Verbindung der Gertraudten- und Scharrenstraße, sie ist schon 41 Meter lang und ihr folgt gleich die„E i e r g a s s e', die vom Molkenmarkt zum Nicolaikirchplatz führt und um einen ganzen Meter länger— also 42 Meter— lang ist. Diese kleinsten unter den kleinen Gaffen Berlins folgt noch eine Reihe, die ein« Gesamtlänge von 100 Meter nicht erreichen. Nur SO Meter lang ist die Straße„An der I a n n o w i tz b r ü ck e'. Die„Schorn- steinfegergasse'— wo liegt sie?— zwischen der Fischer- und Roßstraße, dringt es auf K2 Meter, die„K a l a n d s g a s se' auf 75 und die„Spree straße(jetzt wieder Sperlingsgasse nach Wilhelm Raabe), die die Brüderstraße mit der Friedrichsgracht verbindet, hat 77 Meter Länge. Die„Massergaffe', hat 85 Meter und schließlich die„Kleine Stralauer Straße' 35 Meter Länge und damit nichteinmal die Meterzahl, die im neuen Berlin ein einziger Häuserblock umfaßt, erreicht. Der Stolz Berlins, die größte Straß« Deutschlands— wie unsere Väter stolz behaupteten—, nämlich die Friedrichstraß e mit ihren genau drei Kilometern Länge hat ihre Spitzenlage längst nicht mehr verteidigen können. Heute gibt es andere Eni- fernungen und den modernen Berliner mit Auto und Motorrad können nur solche Ausfallstraßen imponieren, die, wie die K ö p e- nicker Straße, vom Schulze-Delitzsch-Platz bis nach Schmöck- witz, rund 22 Kilometer lang ist. In diesem Straßenzugs, der keinen einhestlichen Namen führt, ist zwischen Niederschöneweide und Schmöckwitz die bekannte Straße„A d l e r g e st e l l', die allein eine Länge von 1l),2 Kilometer hat und damit den Längenrekord unter den Berliner Straßen hält. Im Westen liegt ihr Längen- konkurrent, die Heerstraße, die vom Schloß bis Pichelsberg 11,7 Kilometer und vom Brandenburger Tor genau 10,1 Kilometer mißt. Gegenüber den Riesenasphaltbändern um Berlin herum fallen die„Große Frankfurter Straße' mit der„Frankfurter Allee", die zusammen nur 4,2 Kilometer lang sind, ganz gewaltig ab und auch die„Müllerstraße" mit chren 3,9 Kilo- meiern kann sich nicht behaupten. Mit dem Vordringen Berlins in die weitere Mark dehnt sich der Verkehrsradius, die großen Zufuhrstraßen, die uns mit den Zentren der umliegenden und angrenzenden Landesteile verbinden, münden in das Weichbild Berlins ein. Dort entstehen dann von der City ausstrahlend zur Peripherie die Strahenriefen, die hin- überleiten in die großen Ueberlandvexkehrsstraßen. Die Landkarte von den künstigen Berkehrsverbindungen zu Wasser, zu Land« und in der Lust bekommt ein ganz anderes Bild, wie wir Menschen von heut« es aus unserer Schulweisheit her kennen und die künftigen Generationen mit dem phantastisch anwachsenden Verkehrstempo müssen sich mit anderen Maßstäben orientieren. Schädling an reisender Lugend. Geisteskrank oder Simulant— jedenfalls gemeinfährlich. Der Angeklagt« I. hat ein ganz besonders verwerfliches Metier gewählt: Er hat sich sozusagen auf die arm« wandernde und reisende Jugend spezialisiert. Für gewöhnlich kann man ihn am Bahnhof griedrichstraße antreffen, er spricht hier mit sympathischer Stimme und steundlich dreinschauenden Augen jungen Menschen mit Ruckjack oder Tornister auf dem Rücken an. stdllt sich als„Führer einer Gruppe der Jugendherbergen' vor und erklärt sich bereit, den Führer durch Berlin zu spielen. Der Freundschaftsdienst des FSH- rers durch Berlin bedeutet nicht mehr oder weniger als ein vor- zeitiger Abbruch der Ferienfahrt... Da kommt z. B. Miste Juli ein j u n g e r S t u d e n t in B«5in an. Unter der Uhr am Daluchof Friedrichstraße ficht unfchlüfsia ein iungor Studiosus: er ist in Berlin fremd und weiß nicht, wohin seine Schritte zu lenken.„Guten Tag. Du suchst wohl eine Uebernach- nmgsmöglichkeit? Ich bin vom Iugeudherberge-Berband und will dir gern behilflich sein. Ich bringe dich nach Grunewald m eine Jugendherberge. Deinen Rucksack läßt du am besten auf dem Bahn- Hof." Also gibt der junge Student seinen Rucksack in Verwahrung. fährt nach Grunewald in die Jugendherberge. Am nächsten Morgen holt ihn hier der neue Freund ob. man begibt sich ge- meinsam nach dem Teufelssee, um zu baden und während der junge Mensch lustig im Wasser plätschert, Holl der„Führer" aus dessen Hosentasche das Portemonnaie heraus, entnimmt ihm 79 Mk. und den Gepäckschein und legt statt dessen einen anderen Gepäck- schein hinein. Als der junge Student aus dem Wasser steigt, ist sein Führer fort. Erst als er seinen Rucksack abholen will, wird ihm dies plötzliche Verschwinden verständlich; An Stelle seiner für die Reise notwendige» Sache» erhall er einen Papiersack mit altem Papier. Acht Tage später begegnet an derselben Stell« unter der Uhr am Bahnhof Friedrichstraße der Holzbildhauer G. mit einem Tor- nister aus dem Rücken unter den gleichen Umständen zu seiner großen Freud« gleichfalls einem hilfsbereiten jungen Menschen, der ihm ein großes Berliner Warenhaus zeigen will. Der Holzbildhauer läßt auf Beranlasfung seines Führers beim Portier von Wertheim seinen Tornister; man sieht sich das Warenhaus, das Großstadt- wunder an und tauscht im Erfrischungsraum die Eindrücke aus. Der Führer muß auf«inen Augenblick zur Toilette und kommt nicht wieder. Na, denn eben nicht! Am Eingang erhält der Holzbildhauer aber statt seines Tornisters einen Papiersack mit alten Zei- t u n g« n. Die Ferienreise ist zu Ende... Der junge Mensch auf der Anklagebank machte durchaus keinen guten Eindruck. Entweder antwortete er überhaupt nicht auf die Fragen des Vorsitzenden, oder er sprach so leise, daß man ihn nicht verstehen konnte. Er wollt« sich an nichts erinnern, zuckte nur mit den Achseln und schien vollkommen verhandlungsun- fähig. Der aus dem Gefängnislazarett Herbeigeholls Hauptwacht- meister wußte nur zu erzählen, daß I. wegen Nahrungsverweige- rung eingeliefert worden sei, an Berfolgungsideen litt, nur wenlg esse und mitunter unzusammenhängendes Zeug rede. Der vom Gericht geladene Arzt war am Erscheinen verhindert. Aus den Akten erfuhr man, daß I. bereits mehrmals in Irrenhäuser» unter- gebracht war und elf Box strafen zählt; auch solche wegen Be- stügereien an reisender Jugend. Der Staatsanwall wollte durchaus ein Urteil herbeiführen; das Gericht glaubte jedoch, dies, ohne einen Arzt gehört zu haben, nicht tun zu können und beschloß deshalb dle Vertagung der Verhandlung. Ob gesund oder krank, jedenfalls ist der Mann gemeingefährlich und müßte für hie Dauer unschädlich gemacht werden. Wo bleiben die Bewohrungsanstalten? Bäckermeister beleidigi Schiele. Durch ein Plakat im Schaufenster. Ein Bäckermeister aus der Hermsd orfer Straße im Norden Berlins hatte in das Schaufenster seines Ladens folgendes Plakat gehängt:„Achtung, Hausfrauen! Dies« fünf großen Knüppel könnte man für 10 Pfennig kaufen, wenn es keinen Reichsunterernährungsminister gäbe und keine G e t re i d e wu ch erz ö lle.' Reichsminister Schiele, dem die Sache berichtet wurde, stellte wegen des Ausdrucks„Reichs- unterernährungsminister" Strafantrag wegen Beleidigung. Darauf bekam der Bäckermeister einen Strafbefehl über 300 Mark, legte aber Beschwerde ein. lieber diese Beschwerde wurde dieser Tage vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte verhandell. Der Bäckermeister meinte, er hätte sich bei der Anfertigung des Plakats nichts gedacht, außcrdey, hätte er den beanstandeten Ausdruck schon öfter in radikalen Zeitungen gelosen. Das nützte dem Bäckermeister aber nicht viel, nach kurzer Verhandlung wurde er wegen Formalbeleidigung des Ministers Schiele zu 75 Mark Geldstrafe verurteilt. Allerdings gestand man dem Bäckermesster zu, daß er die Beleidigung in der Vechand- lung bereut hat. Winterhilfe Gchöneberg-Friedenau beginnt; Wieder ergeht wie im vorigen Jahre die Bitte an die Bevölke- rang von Berlin�Schöneberg und-Friedenau: Gebt uns Klei- der, Wäsche und Schuhe! Vom 21. bis 24. Septem- der findet die Kleiderfanunlung statt. Die gesammelte Altkleidung wird in der„Äleiderkommer'(Ebersstrahe 92) von arbeitslosen Frauen nach Desinfektion und Reinigung vollständig instand gesetzt und in tadellosem Zustand an die Bedürftigen ausgegeben. Alles wird gebraucht, alles wird verwendet; am meisten fehlt es an Herrenanzügen und-stiefeln.— Jeder möchte angesichts der schweren Notlage helfen— hier ist ein Weg, auf dem jeder helfen kann! Der Schnurrbart a la Menjou. „potisfevr" ober Handtafchendieb im Rheingold. Im Weinrestaurant Rheingold verschwinden fortge- setzt Handtaschen. Die Kellner befinden sich in hellster Aufregung: der Verdacht fällt auf sie. Am 12. Januar d. I. ist im K a i s e r s a a l des Weinrestaurants geschlossene Gesellschaft. Der Geschäftsfiihrei! des Rheingolds sieht den tanzenden Damen zu. Plötzlich bemerkt er, wie sich ein elegant gekleideter junger Mensch in einer der Loge» mit einer Handtasche zu schaffen macht, während ein anderer sich auf die Brüstung stützt. Dann setzten sich beide, als wäre nichts geschehen, an einen Tisch und rauchten sich eine Zigarette an. Der Geschäftsführer sagt den eleganten jungen Leute» aus den Kopf zu, sie hätten gestohlen: als sie sich von den Stühlen erheben, liegt auf einem der Stühle das Portemonnaie. Während der G-:- schäftsführer sich entfernt, um Polizei zu holen, gelingt es dem«inen, zu fliehen. Der andere nennt sich im Polizeirevier Fritz Baum- gardt, unterschreibt mit diesem Namen, wird entlassen und verschwindet. Ein Mann unter dem Namen Fritz Baumgardt, geboren im Jahre 1906, wohnhaft in Breslau, wird ausfindig gemacht, weist fein Alibi nach und erklärt, ein gewisser Witofchswitz, der fein« Verhällnisse gut kenne, sei bereits mehrfach unter seinem Name» gereist. Beim Gericht finden sich tatsächlich Akten des Witofchswitz, der sich schon einmal wegen Führung des Namen» Baumgardt zu verantworten hatte. Es wird gegen ihn Steckbrief erlassen. Im Juli 1931 wird er in Berlin verhaftet. Bor dem Schöffengericht Berlin-Mitte bestreitet W., am 12. Januar 1930 im Rheingold gewesen zu sein: seit Sep- tember 1929 bis Mai 1930 fei er als Patisscur— ein Beruf, noch delikater und wohlschmeckender als der eines Konditors— in Frankreich tätig gewesen; seinen Paß mll dem Visum habe er verloren. Der Angeklagte bestreitet, den Namen Baumgardt jemals geführt zu haben und bestreitet auch eine ihm vorgelegte klnterfchrift Baum- gardt geleistet zu haben. Er bestreuet schließlich auch, mit einem Witoschemitz identisch zu sein, der im Jahre 1928 wegen eines Hand- tafchendiebstahls in den Rheinischen Winzerstnben verurteilt worden war. Es werden die Zeugen vermnmnen, zuerst der Geschäfts« führer.„Erkennen Sie den Mann wieder?"—„Ja. Nur hatte er damals keinen Schnurrbart."„Den haben Sie sich, Angeklagter, wohl in Paris a la Menjou zugelegt?"—„Nein, erst vor«ÜIKN halben Jahre." Der Oberkellner.„Erkennen Sie den Map» wieder?"„Ja. Ich ging zum Portier, um den Dieb zu sehen und erkannte in ihm unseren ständigen Gast." Angeklagter:„Der Zeuge macht sich meineidig, ich kann da» durch Zeugen beweisen." Aar- sitzender:„Weshalb haben Sie Ihre Zeugen nicht bestellt?'—„Sie befinden sich alle auf Reisen.' Di« bestohlene Dame erkennt in ihm gleichfalls den Dieb. Der Staatsanwalt beantragt 6 Monate Gefängnis. Der Angeklagte beteuert sei»? Unschuld. Dys Urteil in Höhe von 5 Monaten nimmt der Angeklagte mit sichtlicher Entrüstung entgegen. Der Haftbefehl gegen ihn wird ausgehoben.„Ich lege Berufung ein." Es wird ihm nichts helfen. Die Unterschriften Fritz Baumgardt sehen einander allzu ählttich; eine Nachfrag« im französischen Generallonsulat würde unzweifelhaft ergeben, daß dem Angeklagten im September 1929 ein Visum nicht ausgestellt worden ist... Selbstmord einer Potsdamer Lehrerin. Seit Mütwoch, 9. September, war die HandelsschulobeAehrerm. Elsa G. dem Unterricht ihrer Berufsschule ferngeblieben. Da siZ'1 nichts von sich hören ließ, schickte der Direktor in ihre Wohnung. Di« Lehrerin wurde in einem Liegestuhl in der Küche tot aus- gefunden. Sie hatte sich durch Oessnen der Gyshähne vergiftet. In hinterlassen«« Briefen gibt sie keinen Grund für ihren Frei- tod an. Oeftliche Ausfallstraße fertiggestellt. Das A d l e r g e st e l l, das Berlin mit dem wundervollen Seen- gebiet des Ostens verbindet und zu gleicher Zeit die Ausfall- straße uach Görlitz und Frankfurt an der Oder ist, wurde jetzt nach völligem Umbau dem Verkehr übergeben. Die Fahrbahn ist in sechs Meter Breite mit Teerbetonbelag versehen; sie ist die längste, i» einheitlichem Zusammenhang liegende Teer- betonstrahe Groß-Berlins. Im Rahmen des Berliner Notstande- Programms wurde die Arbeit unter Leitung des bekannten Ober- bmirats Kroecker-Köpenick mit 75 Proz. Wohlfahrtserwerbslosen ausgeführt, wobei 10 000 Tagewerk« für Erwerbslose gelesstet wurden. Der Teerbeton ist bekanntlich diejenige Straßendecke, die bei Regen nicht schlüpfrig wird und damit elastisch und verkehrssicher bleibt. Das Adlergestell ist der erste in Berlin fertiggestellte größere Straßenzug, in dem die Stadt Berlin diese Ausstchrungsart— mit rein deutschem Material— zur Anwendung gebracht hat. Stuhlverstopfung. Nach den an den Kliniken für innere Krank- hellen gesanunclten Erfahrungen ist das natürliche„Franz-Josef"- Bitterwasser ein äußerst wohltuendes Abführmittel. In Apoch. erh. PerSistangesg reine Wolle m. 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Die Umgestaltung im Polizeipräsidium Vereinfachung des Verwaltungsapparates Die Orguniifafioiisändctung Im Betlin« Polizeipräsidium, über deren Grundzüoc wir bereil» kurz berichtet haben, ist die Aus- Wirkung einer Reform, die seinerzeit Polizeipräsident Grzesineti als preußischer Minister des Innern eingeleitet hatte, von dieser Rcsorm «erden alle staatlichen Polizeiverwaltuugcn Preu- ßen» be(rossen. Durch die Neugliederung des inneren Auf. fMU soll eine Beschleunigung und Verbilligung des Geschäfts- Wriebes erreicht werden. Im Bereich des Polizeipräsidiums Berlin erfolgen die Umzüge in der Zeit vom 22. bis 30. September. In inner amtlichen Mitteilung bittet der Polizeipräsident die Bevölke- kerung, während dieser Zeit wegen etwaiger Derzögerunocn bei der Erledigung von Anträgen Rülksicht zu nehmen. Es ist wichtig, für den zukünftigen Verkehr mit dem Polizei- Präsidium, also ab 1. Oktober, den Sitz der einzelnen Dienststellen cht kennen. Die Präsidialgeschäftsstell«(?) verbleibt im Hauptdicnsl- gebäude am Alexandcrplatz. Die Wirtschofteabtcilung(W), die alle wirtschaftlichen Angelegenheiten der Behörde zu regeln hat, wird in das Polizeidienstgebäude Schäneberg, Gothaer Straß« 19, oerlegt. Dagegen bleibt die Politische Abteilung, die in Zukunft nicht mehr 1A heißt, sondern lediglich Abteilung I, am Alexanderplatz. Hier, im Houptdienstaebäude, wird auch die neue Abteilung ll unter- gebracht, die all« Meldeangelegenheiten, Staatsangehörigkeit, Ein- bürge rrmgss Paß- und Ausländerjachcn zu bearbeiten hat. Di« gesamt« Verkehrs-, Feuer- und Wasserpolizei, jetzt Ab- tettoig III, ist in der Vtagazinstroß« 3 bis 5 zu finden. Das Kraft- nerke-hrsamt, das der neuen Abteilung III untersteht, bleibt in der Blücherstraßc 26. Die jetzige Abteilung IV vereinigt das gesanüe Theater-, Schankstättcn- und Lustbarkeitsioescn. Sie befindet sich «oensalls in der Magazinstraß« 3 bis ö. Hierhin wird von Schmu-- berg noch die neu« 2lbt«ilung V verlegt, der das Strasoerfüguugs- wesen, die Rechtshitfssachen und die gesamte(Sesundheits- und Veterinär polizei zugetcllt worden ist. Das zu dieser Abteilung ge- hovende Fundament verbleibt jedoch am Alcxanderplatz. An der Organisation der Schutzpolizei wird zur Zeit nichts geändert. Sie erizält die Abkürzung„S" und die Kriminalpolizei die Abkürzung„K". ReuköllnsKreismiigliederversammlung Ein« Kreismitgliederversammluirg des 11. Kreises(Neukölln- Britz) war von etwa 1200 Genossen besucht. Di« Genossen E r n st Heilmann uird Z i e g l e r- Breslau referierten über die N« i ch s p o I it i k. An der Aussprache beteiligten sich mehrere Gc- nassen. Folgende Entschließung Günther wurde gegen eine starke Minderhsit angenommen: „Die Tolerierung der Brüning-Regierung wird je länger je mehr zu einem Verhältnis für Partei und Arbeiterklasse. Die Brüning-Regierung unterstützt die diktatorischen Bcstrc- bungen des Unternehmertums auf ZIbbau der Sozialpolitit, der Löhne und Gehälter, ui?d begünstigt die Steuer-, Zoll- und Preispolitik sowie olle Bestrebungen des Monopolkapitals. Der Brüning-Kurs steigert die wirtsäzaftspolitische Anarchie mit den Legloiterscheimmgen des Wochsens der Arbeitslosigkeit und der Verzweiflungsstimmung der werktätigen Massen ins Un- gemessene. Der Brüning-Kurs führt also zum Zusammenbruch der Wirtichast und des Staates. Die Neuköllner Kreislnitgliederoersannnüing fordert daher von Parteileitung und Rcichstagsfraktion, den Bruch mit der Brüning-Pokitik und-Regierung herbeizuführen, unter Aufftellung eines sozial- und wirtselzaitspolUisch-n Mindestprogrmnms. Der parlamentarische und außerparlamentarische Kamps gegen die gemeinsam« Front von Brüning, Dmgeldey, Hugenderg und Hitler muß ausgenommen werden. Nur so werden die Interessen der werktätigen Massen ge- wahrt, nur so schonen wir die Voraussetzungen für kommende Siege über das macht- und diktoturlüstenie Finanz- nnd Monopol- kapital und die von ihm geschaffene und gehaltene faschistische Bewegung." Genosse Harnisch ermahnte in seinem Schlußwort die Genassen, über taktische Differenzen die Einheit der Partei zu stellen. Mit einein begeistert aufgenommenen Hoch auf die Partei wurde die Versammlung geschlossen. Rachtwanderung durch Alt-Berlin. Di- nächste Wanderung veranstaltet das Bezirksamt Schöiieb-rg am Mittwvckt. dem 16. September, unter Leitung Georg Bambergers. Trcfipiinkt: 26 Ahr im Ephraimhaus, Post- sirahe 16, Ecke Mnblendamm. Uilkostenbeitrog 1 M. Wegen des großen Andranges ist es ratsam, die Teilnehmerkarten im Borvcriaus zu ent- nehmen, und zwar bei den Geschalten Walter, Poststr. 12: Holdors, Stra- lauer Straße 23: Hempcl, Molkemnarkt 1, nnd im Gasthaus„Zum Nuß- bäum", Fischerstraße. IllSozialiMcheArbelterjugendGroß-Verlin cwfcnduugen si'.r diese Rubrik nur an das Zugendsekretariat Berlin<233 63. Lindcnslraßc 3 Ter Fa6k»-Ai>?eN findet am Sonntag, 20. Crptemver, in Noulsdorf» Eüd stati. Pflichtncranstaltung: Kunst in dieser geit. Heute, ISs- Uhr, Sieronstotkinz der Voiesbllhuc in den gommerfälcil.<2Ä., Tettower Straße. Eintritt!» Uhr. Ermcroslase frei. heul?. Sonntag. 13. September. Arnimplau! 3T> Uhr Nhs. Ziardring.-Spojierfa 34 Uhr Fuitkiianäruer. .nlung. 13 Uhr Bh?. Schönhauser qllee."tv Pf. mitbringen.— Humaan- v!»k! I4'l> Uhr Helmboltzplaß. Schinhanser Borstabt! Uhr„Sotialister- Elfe". 13 Uhr ebendort.-- Salesche« Tor: 10 Ubr„Rate Ecke"... Hasrnheidc: M-norbaotfahrt nach Sritnheide. Fahrpreis l,.Xl M. 7'.. lUir Hoilcsäus Tor.— Kottbnsser Tor: 1b Uhr Koitbusscr Zar. bei Rczcnwetter ihöi Uhr cbendart.— Friedrichsfclde: 9 Uhr Kirche.— Pankow. 3t. F.: 13M| Uhr Rordbohn.— Ldlerohok: Bivmarckftr. 1: Berbekaie« und Einsuhrnngeabcnd. Warhebezirf Trltnwianal: Fahrt mit dem BiI!mnzen.ueZchuii der Partei. 8' 7 Uhr Hochbhf. Biilomstraßc. Morgen, Montag. Teilnahme an der Pcrsommlnng der Partei im Sportpalast. Trcffpantte der Abteilungen: Srniwplad: 1394 Uhr Bin. Schönhauser Mee. A Uhr Fahrzeid.— Sott» bnsse« Zor: I7<.1 Ubr«ottbnsser Tor.-- Dteglig I und II: 13 Uhr..Rot« Sturm. ecte".— RruiSlln IV: 18 Uhr Bhf. Henna nnstratze,— Rrntöd» VII: 18 Uhr KMS.— Pankow, Z>. F.: 18 Uhr U-BItf. Binetastraße. Zeder ist im Besitze seine» Mitzlirdsbnche«. » SSS. Ehaäottenburg: Mittwoch. 16. Sepiembcr. IST. Uhr, öffentlich« Per. samnitung im.övlrktschen Feit"(kleiner Saal), Berllnrr Straße:„Schitlcr, ent. scheide dich!" Freie Ansprach«. Vorträge, Vereine und Versammlungen # Reichsbanner..Schwarz« Rot-Gold". Geschäftsktel!»: Berlin E. 14. Scbasiianitr. 87—38. Hol 2. Tr. Sonntag. 13. September. Kreis Besten(Radio): 13.29 Uhr Treffe u sämtlicher Radfahrer Knie Ecke Aismorckstraßc. Tiergarte», 1. und 2. Kameradschaft: 13 Uhr Antreten der Radio mit Rädern bei Rergor. Levetzowitraße. 3. Kamerad'chäft: 13 Uhr bei Richert, Steinmehstraße. Bohns- dari Seunsu(Iungba): l'Zit, Uhr Abfahrt Bhf.«Sriinau. Pantow(Orts- nercin): Tie zum Armeegepächmarfch eingeteilte» Kameraden Antreten IZ1-7 Uhc «h?.- i..........■■ m-"MT-------------- Peeozlance Berg(Ortsverein): S» Uhr- Kamerodschafisoersanimlitngen in den bekannten Lokalen. Friebeichühai», Kameradschaft Stralau: 29 Ubr Mit» glicderversonmclUng bei Wertolla. Zohenlohcstr. 3. Vwchfithrer laden ein. Wichtige Togervrdnuug. Bassersportabteilnn«, Zug?ber-pr«c: 29 Uhr Mit. glrcderverioulmiung im Root-Haus Obcrspree.— Poraxzeige! Tchoreberg. Friebeoan(Iungba): Sonnabend. 19. September, 291-) Uhr. in den PiccainN». Festkiilen, crchöncberg. Ebersstr. 89, Bunter Abend und AuffUchrung der Reiche- wehrtomödie von Alfred Herzog:„Krach mn Leutnant Blumenthal". Karlen an der Abendkasse erhältlich.__ Deutscher Arbeiter- Sängerbund, Gau Verlin u. Umg. Einsendungen kitr diese Rubrik sind an die Eesä>SttsN«lle Paul Schneider, Berlin Z!O. öS. Hufclandstr. gl, zu richten. Reuköllver Sangrrchor: Bei dem ani Sonntag, ig. September. 17 Uhr, im Saaiban Friedrichshain statifindenden Konzert des Renköllner Sängerchors findet eine Programm nnisteäung stoit. An Stelle des Friedrich. Hcgar.-Ebors tritt die Arbeitsgemeiniäiaft der Komikchten Ehör« Brrlin-Tegel „Polyhymnia" und„Freie Scholle", unter Leitung pon Hans Schreiber. .Sturmvogel", Flugoerba-d der Werktätigen,«. B.. Bezirks, rupp« Ost. Sitzung am Dienstag. Ib. September. 29 Uhr. im Renaler Bercinshaus, Renaler Est- Simon-Dach-Straße. Baaabeude jeden Montag bis Freitag im Jugend heim Hauffstraße, Lichtcntrrrg. Die Scgrlsliezer crmarten wir jeden Sonntag in Strauctzerg auf dem Echlächtcrbcrz. Arbeiter. Abstinenter. Bund. Groß-Berliner Funktioniirfltzung ani Mou. tag, 14. September, 29 Uhr, in der aikoholsrcicn Gaftftälte, Skalitzer Str. 6. Sin» S'e musikalisch, und haben Sie Interesse an moderner Tanzmusik? Dann lagen Sie sich vom Marylan.-Bcrtrscb. Berlin 132, Friedrichstr. 23, den reizenden, neuen Marnwn-Tango fllr Lilavicr und lbesang kommen. Sie er» ballen ihn kostenlos und poriokrel. Edenüo auf Wunsch ein interessantes Bitmlcin über kluge Schöicheitspflege, sowie eine Probe der berühmten, best» b«wälirten Marnlan-Ereme, oon der es in dem Marvmn. Tango mit Recht heißt:„Der schon sein will Hot es bequem, ninimt Schönheitsipenbcr Marvlan. Creme". Mehr als 33 090 Anerkennungen(die Zahl ist notariell beglaubigt) sind ein Beweis ron der Eüte und Wirksamkeit der Marplan-Treme. Da, große Speziashan» Teppick Bursch, Berlin C. 3, eröffnet mit dem morgigen Tag ihre HerbstzHardinenausstellung. die wioderr'm ein fgvbenpräch- tiges Bild bietet. In unübcrichborcr Fülle reiht sich Modell au Modell. Stolf« von wunberc'oller Wirkung vereinen sich zu einer Sinfonie von Farben, die jeden Beichaner bezaubern. Man kann in dieser(öardinenauesiellung der Firma Teppich-Burich etwas beobachten, das allen Interessenten ganz besonders an- genehm AN hören fein wird. Der Preis kür schöne Dekaratione» aus schönen Eioefen in kilnitlerischcr Form ist»m ein we'mtliches billiger, als man zu hoffen gewagt hat. Also niä! allein die Schönheit, sondern c:ch die Preis» Würdigkeit der ivardlncnausstcllung der Firnis Teppich-Bur'ch lädt zum Besuch und zum Kauf«in. Sie sollte» mehr spaziere» gehe»— und wenn die Frühlingssogute lacht, dann ganz besonders. Darauf haben Sie als Frau ein Recht. Ja. werden Sie denke», wenn da, Seschirrawnvoichen nicht inun»r einen Strich durch die Rech. uung machte. Das müßte tili w:ss«nl Es würbe auf der Stelle seilte Künste als Shnellreiniger zeigen und Ihnen schwarz auf weiß beweesen, daß das UN- beliebte Spülen mit ihm nochmal so schnell gehl. We»» der S-nraM z»e Reige geht und der Herbst bereit» vor der Tür steht, beschäftigt die Frau-N die Frage:„Was bringt die Modi?" Um Sie darliber eingehend zu ilchormiere», hat das bekannte Warenhaus H. Joseph u. So., Neukölln, seine diesjährige Herbstmabenausstellung eröfrnet. Fu den Schaufenstern und in drn Abteilungen sieht man gleich einem Modensvieael alle Schönheiten der neuen Hervsimode. und zwar zu ganz außerordentlich dilligeu Meisen, wobei besonders auf den feinen soliden Eesäimaek der süngiden Made- schöpft: ngen in den bedeutenden Abteilungen: Damenkonfektion. Putz. Schuh- vmren, Kleider und Seidenstoffe hingewiesen sei.— Eine Serbstmodruschau größten Stils mit an'chlicßendcm Tanz veranstaltet am Mittwoch, 16. Eeptam- der, das Waren luus H. Joseph u. Ed. im grojzen Piachtsoal de» Orpidmus. Hasenhcidc. Entzückende Mannequins werden bei den Klängen eines Orchesters alles das zeigen, was die Mode für den Herbst und für. den Winter bringt. Außerdem stehen schöne künstlerische Ueberraschur'geir bevor. WERTHEIM&»**•«- Leipziger Str.(Versand-Abt.) Königstr. Rosenthaler Str. Moritzplatz •Monta# (OSevtsta# •MtHwceh BoucIc-Haar gara-T eppidie moderns Mvister Größe ca. 160x230 cm_ 195x'295 cm 245 V 345 cm 26m SS.75 5Sm Boucl6-Haargam»T eppiche solides Fabrikat, moderne Muster Größe ca. 165 x 240 cm 200 x 300 cm 250x350 cm 28m 45m 65m / Wollperser-T eppidie mit Fransen, schwere Quaüfäf, persisch gemusieri Größe ea. 200 x 300 cm_ 250x350 cm___ 300 X 400 cm 26m 115m 152 m Wollplfisch-Teppidie schwere Qualität, Perssrmusier Größe ca. 60x120 cm 200 x 300 cm 230 x 350 cm Gardsnenstoffe Landhausgardinc ri 2.2, Efamin, kar.pCa. 4Scm br.f Mtr. Landhausgardinc q 29 Etamin, gosfr., ca. 50 cm br., Mtr. Mullgar dinc O 7& mif farbigen Tupfen, Melar � Giltertüll F.»�orM, 0.63 ecru, ca. 30Ccm brail, G Tüllgardinc Q qä Muster, ca. 100 cm breit, Mtr. � Gardincn-Voilc-i vrelfy, ca. 112 cm breit, Mefer Hatbstores se%b.'8t Gilterstoff SluS'Ä 2 60 bsin... 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Tischdecken 11.50 95m 145m T ournay*T eppidie bewährtes Fabrikat, ortenialische Muster Größe ca. 200 x 300 cm_ 250 x 350 cm____ 300 x 400 cm 1S2m 180m 244m Fernen Vorleger u. Brücken, Linoleum, Läuferstoffe Steppdecken Ä- seld-Effaklen, Rücks.il. �bn 11,50 Steppdecke Ooerseile Kunstseide, Rück- Ift. Ä4 seile Satin, Gr. 150 x 200 cm Daunendecke Oberseite Kunstseide, RGck- seite Satin, prima Gänse- daunen, mi. Nah.'dichtung � Diwandecke Gobaiin, moderne Muster Diwandeckc 10 7< Gobelin, moderne Muster Tischdecke p»..nd Diwandecke Gobelin, moderne Muster dazu passend 8.30 6.50 11.50 Tischdecke p.Ä 8.50 Diwandeckc l�tTC Gobelin, modern. Must.f Tischdecke p.d*™a 7.85 Diwandecke � 1o or mit Kunstsdlden�Edekten Tischdecke 12.00 Tuten und Taten des großen Alexander von Boizenburg Qn dem kleinen mecklenburgischen LandstSdtchen Bolzen« bürg ist bekanntlich das Sowjetparadies ausgebrochen.) Alexander entwaffnet die alte Polizei. Alexander erhebt keine Biersteuer. Alexander besteuert nur die Boizenburger Großbetriebe. ,7lot und Krise werden von mir erschossen.4' Abschluß des Iuristentages. Oer Fall Wildhagen erledigt.— Modernisierung des ständigen Ausschusses. Lübeck, 12. September.(Eigenbericht.) Am Dsmurstag und. Freitag tagten die n f Abte i,° l u n g c'lyiUüä I u r i st e n t a dieM die�lMtMitMg der einzelnen«e�bingsgegenstände gÄitdet HvÄeiNMlWMn wurdO eifrige Verhandlungen über die An.gelegcnheit W i l d h a g e n gepflogen.. Der Versuch, aus dem Deutschen Juristentag eine Stahlhelmversammlung zu machen, ist gescheitert. Die Plenarversammlung am Sonnobendvormittag stellte sich auf den Standpunkt unbedingter politischer Neutralität. Die Entgleisung des Vorsitzenden wurde allgemein gemihbilligt. Geheimrat Wildhagen war wohl das erste- und letztcmal Präsident des Deutschen Inristentages. Bei der W a h l d o r ständigen Deputierten ist eine wen» auch geringe Modernisierung eingetreten. Der Versuch, den Reichsbankpräsidenten Dr. Luther hineinzuwählen, was als politische Demonstration aufgefaßt werden muhte, ist gescheitert. An seiner Stelle ist der frühere Reichsminister Dr. Koch-Weser in den Vorstand eingetreten, ferner der Präsident des hanseatischen Ober- landesgerichts Dr. K i c ss e l b a ch und Professor Dr. Sinz- h c i m c r- Frankfurt. In der Abteilung für bürgerliches Recht wurde eine gesetzliche Regelung des neuen Eherechls verlangt. Der Senatspräsident Dr. Schultz aus München und Frau Dr. Marianne Weber aus Heidelberg behandelten die Aenderung der Familienrechtsvorschriften des Bürgerlichen Gesetz- buches mit Rücksicht auf die in der Verfassung ausgesprochene Gleichberechtigung der Geschlechter. Während sich die Referate' im alten Gleise bewegten, wurden die modernen Auffassungen über die Che von Toni P s ü l s vorgetragen. In dem Sozialpersicherungs- recht und im Wohlfahrtsrecht ist längst neben der bürgerlichen Ehe der Begriff des Häusstandes rechtlich anerkannt.' Auch das eheliche Güterrecht müsse den Bedürfnissen der Arbeiterschaft angepaßt werden. Was Mann und Frau verdienen, müsse ihnen auch gleich- mäßig gehören. Im Ehescheidungsverfahren müßten Laien mit- wirken. In der strafrechtlichen Abteilung wurden wesentliche Ver- besserungen der gesetzlichen Bestimmungen über das Wieder- aufnahmeoerfahren eines Strafprozesses und die Entschädigung für unschuldig Verurteilte beschlossen. Die Beratungen, an denen ins- besondere Dr. Marum aus Karlsruhe teilnahm, dürften eine� wertvolle Förderung der Arbeiten des Strafrechtsausschusses des Reiche- tags, bilden,, der demnächst wieder zusammentritt. Don Vroidlor Dr.' W i t t M a n e r aus Wien winde-zuttf-HN»- W.<■.'.'i' � D.:�.r. vp.. daß die Zlllgemeinhril das Recht habe, in das Vrivokeigimkum gemäß ihren Bedürfnissen einzugreifen. Die Entschädigungspflicht Wusse in erträglichen Grenzen bleiben. Einmütig wurde gegen die Auffassung des Reichsgerichts ange- kämpft, welches bekanntlich in dem großen Prozeß gegen die Stadt- gemeinde Berlin Entscheidungen gefällt hat, die geeignet waren, die moderne Stadtplanung unmöglich zu machen. In derselben Abteilung sprach Reichsminister Dr. Koch- Weser über die dringend erforderliche Aenderung des Reichs- und Staatsangehörlg- kcitsgesetzes von 191Z. Angenommen wurde die. Einführung einer Reichs st aat?- angehörigkeit Auch soll jede Ehefrau bei der Eheschließung mit dem Angehörigen eines anderen Staates ihre Staatsangehörig- keit selbst bestimmen.>.'.. . Bedauerlich war dagegen, daß in der w i r t s ch a l t s r o ch t- l i ch e n Abteilung ein verstärkter Schutz des Betriebsgehcim- nisscs beschlossen wurde. Trotz aller Versuche des Referenten Pro- fessor Dr..Sinzheimer wurden Beschlüsse angenommen, die dahin gehen, den Angestellten auch nach Beendigung»des Dienst- Verhältnisses wegen Benutzung von Betriebsgeheimnissen bestrafen zu rönnen. Das ganze Recht der Konkurrenzklausel ist damit über Bord geworfen. Bon einer Entschädigung des Angestellten ist nicht mehr die Rede. Der österreichische Vertreter Dr. Haindcl wies auf die Ungeheuerlichkeit hin, daß in dieser Ableitung des Zuriskentages reine Znlecessenpolitik der Unternehmer getrieben wurde. Die starke Verminderung der Eidesleistungen in Prozessen ist von der Abteilung für Zivilprozesse beschlossen worden, und zwar im wesentlichen nach dem Vorbild des österreichischen Prozeßrechts und des Arbeitsgerichtsgesetzes. Rüben- Berlin und Arbeitsgerichts- direktor Kaufmann aus Hamburg betonten, wie sich diese Recht;- gestaltung bereits bewährt hat. In der letzten Vollsitzung wurde Dr. Kahl zum lcbensläng- lichen Ehrenmitglied des Juristentages ernannt. Ungarischer Regierungswechsel Vom Emanuel Buchinger, Budapest Umsonst war die Mühe des Grafen Bethlen vor zwei Monaten, sich bei der Wahl eine große Parlamentsmehrheit zu erschwindeln. Umsonst die Absicht, eine Stabilität des Regimes vorzutäuschen. Kaum war die Wahl vorüber, da erreichte ihn gerade der große Krach, der Zusammenbruch. Dieser kam in der„modernen" Form des Bankkrachs, des Zusammenbruchs der Staatsfinanzen: er kam so gründ- lich, daß alle politischen Roßtäuschcrkünste des„ältesten Ministerpräsidenten Europas" versagten. Der Zusammen- bruch erfolgte mit solchem Getöse, daß er zur tiefsten Krise und Erschütterung des zehnjährigen diktatorischen Regimes in Ungarn führte. Vor einem Jahrzehnt wurde das arbeitende Volk Ungarns politisch entrechtet, damit es feine sozialen Forde- rungen und Wünsche nicht sobald wieder geltend machen könne. Diese Knechtung war so vollständig, daß das Regime Bethlen auch in der wirtschaftlichen Beherrschung, in der Auspowerung des Landes durch niemand beeinträchtigt werden konnte. Es war eine kontrollose diktatorische Politik und Wirtschaft, die ein Jahrzehnt lang getrieben wurde. Geführt natürlich lediglich im Interesse der Klassengenossen des Grafen Bethlen und ihrer Söldlinge. Ohne diese Politik wäre es wohl unverständlich, daß ein Land, dessen finanzielle Tragfähigkeit von Finanzsachverstän- digen zur Zeit der Aufnahme der Völkerbundsanleihe so um- schrieben wurde, daß das Staatsbudget sich im Rahmen von etwa 450 Millionen Pengö(360 Millionen Mark) halten müßte, heute mit der dreifachen Summe, mit Ausgaben von 1300 Millionen Pengö, sein Auskommen nicht findet und vor aller Welt zusammenbricht. Ohne diese Wirtschaft wäre wohl nicht die breite Schicht der steuerzahlenden Bauern, Arbeiter und Angestellten so bis zum Weißbluten ausgepumpt worden, daß heute d i e Steuern nicht mehr einlaufen, daß die Steuer- ausstände zum Zusammenbruch des Staatshaushaltes führten/ Ohne diese Diktaturwirtschaft wäre es auch nicht möglich gewesen, daß die wahnsinnige und sträfliche Finanz- Politik hätte betrieben werden können, die Grafen, die Groß- grundbesitzer— und nur diese— für den Ausfall, den sie infolge des Sinkens der Getreidepreise in ihren Profiten er- litten, immer nur auf Kosten der Steuerzahler aus der Staatskasse mit ungezählten Millionen zu entschä- digen, den Staat nur als Melkkuh der Besitzenden zu betrachten. So kam der Zusammenbruch sicher und unaufhaltsam. Was nun? Der Nachfolger und gewesene Außenminister des Bethlen, der Graf Julius K a r o l y, hat schon dadurch Verwirrung und Unheil angerichtet, daß er sich in seinem Programm zur Politik Bethlens bekannte. Aber seine Lage und besonders die Lage des Landes wird ihm bald mehr Logik einpauken. Wie soll das Land aus dem wirtschaftlichen Zusammen- bruch � herausgeführt werden? Die neue Regierung sagt— natürlich durch Einsparungen(an unrichtigen Stellen) und durch Anspannung der Steuerschraube. Da nun aber die er- höhten Steuern bei Beibehaltung des gegenwärtigen poli- tischen Systems nur von jenen Schichten bezahlt werden sollen, die auch lusher schon bis äuss-Blut ausgepumpt wurden, führt dieser'Weg natürlich mir dazu, daß in sehr kurzer Zeit der Bankrott noch offensichtlicher werden wird. Ein Ausweg ist nur durch einen Systemwechsel denkbar, denn nur ein demokratisches System könnte die nötigen und wirklich wirksamen Reformen durchführen. Die neue Regierung rechnet auch aufs Schulden- machen im Auslande, sie rechnet— viele Anzeichen sprechen dafür— auf F r a n k r e i ch. Aber so viel Geld, wie ein diktatorisches Regime zu seiner Rettung braucht, ist bei einem normalen Verlauf der außenpolitischen Verhältnisse Ungarns nicht zu haben. Sollte aber etwa dieses Regime ein außenpolitisches Vabanquespiel betreiben und das ganze Land in fremden Sold stellen wollen, um nur inomentan die Diktatur zu retten, dann würde dies erst recht zum vollständigen Zusammenbruch, zur unabsehbaren Kata- strophe führen. Inzwischen ergreist ungeheure Unruhe das ganze Land. Die Sozialdemokratische Partei führt gegenwärtig eine große Versamtnlungs- und Agitationskampagne im Lande. Es kann ohne Uebertreibung gesagt werden, daß besonders unter den Bauern.ein gewaltiger Zustrom z urSozialdemokratie vor sich geht. Diesen Zustrom, das Vertrauen, das in ihm zum Ausdruck gelangt, zu stärken. und diesem gerecht zu werden, das ist die Aufgabe, die zu erfüllen unsere Partei bestrebt ist: das ist gleichbedeutend mit der Aufgabe, eine Restauration der bisherigen Diktatur zu verhindern und als einzigen Weg den der Systcmänderung offen zu lassen._ Oas unruhige Spanien. Zwischenfälle in Bilbao und Sevilla. Madrid, 12. September.(Eigenbericht.) In der Nacht zum Sonnabend erfolgte ein Zusammmen- stoß zwischen Nationalisten und Republikanern in Bilbao, wobei ein Republikaner getötet und einer schwer ver- wundet wurde/ Die Nationalisten schössen au» ihrem Klubgebäude auf Republikaner und die Guardia Civil, die schließlich das Ge- bäudc einnahm und 9 Nationalisten verhastetc. Der Klub wurde ge- schlössen, katholische Zeitungen bleiben weiter oerboten. Nachts explodierte im Telephongebäude in Sevilla eine Bomb«. Großer Sachschaden wurde angerichtet. Die Tele- phonistinnen blieben unverletzt. In Sevilla verweigerten Soldaten in der Artilleriekaserne das Essen wegen schlechter Zubereitung. Sie versuchten, die Kaserne in aufrührerischer Haltung zu verlassen. Der Kommandeur verhinderte das Vorhaben durch Wache unter Gewehr. Der Generalkommandeur wurde benachrichtigt: er ordnete an, daß die gesamte Garnison im Quartier zu bleiben habe. Das nationalsozialistische„Hamburger Tageblatt" verbaten. Nach einer Mitteilung der Staatlichen Pressestelle hat der ham- burgische Polizeiherr das Erscheinen des„Hamburger Tageblatts" bis zum 18. September 1931 verboten. Den Anlaß zu diesem Verbot bildet ein am 6. September erschienener Artikel„Haltet das Tor offen", in dem dem Staat und den Behörden eine systematische Unterdrückung jedes Notionalgefühls vorgeworfen wird. Professor Schmidlin aus Münster, der in Kolinar verhostet worden war. ist. entsprechend unserer Ankündigung, inzwischen wieder freigelassen worden»........ „Aaprzod" wird unterdrückt. Korfaniy kommt ihm zur Hilfe. Krakau. 12. September.(Eigenbericht.) Die Druckerei des sozialdemokratischen Tage- b l a t t e s„II a p r z o d" wurde von den Pilsudski-Bchörden geschlossen und versiegelt. Ais vorwand dienten einige Papierabfälle, die eine polizeiliche Kommission im Keller gesunden und für staategesährlich befunden hat. Der Kommissiousrat habe diese Verfügung schon vorher von den PIIsudski-Behörden anbefohlen bekommen. Aus diese weise will Pilsudski das einzige oppo- sitionclle Vlottwestgaliziens.deu schon seit 40 Zahren bestehenden„Roprzod", unterdrücken. Der„Raprzod" wird aber trotzdem weitererscheinen. Er wird in Kalt owitz hergestellt wer- den, wo ihn Korfanty in seiner Druckerei gastlich aus- genommen haL Horthy nicht besser als pilsudski. Budapest, 12. September.(Eigenbericht.) Das s o z i o l d e m o k r a 1 i s ch e Tageblatt„N e p sza v a" wurde ani Freitag und Sonnabend wegen jcharser AnHilsfe auf die Regierung beschlagnahmt. Außerdem hat dos Jnnenmimste- rium dem Blqtt auf Grund des außerordentlichen Kriegsrechts vor- läufig auf die Dauer von 30 Tagen das Kolportagerecht entzagen. Am Freitagabend denwnstrierten Hunderte von Arbeitern vor der Redaktion gegen die Verfügung. Die Stadl Alt-Strelih wird auf Grund der Notoerordnung zwangsweise noch Ncustrclitz eingemeindet. Aushebung der Lübecker Gesandtschast. Nach Mitteilung des Lübecker Senats wird die Lübeckische Gesandtschaft in Berlin in ihrer bisherigen Form nur noch bis zum 30. September bestehen. Dr. Mcyer-Lücrssen tritt mit diesem Tage als Gesandter in den Ruhestand, ist aber vertragsmäßig ob l. Oktober mit der weiteren Vertretung Lübecks beim Reich beauftragt worden. t. Mlitärspiclcreien deutschböhmischer Hakenkreuzler. Die Gen- darmerie in Plan bei Marienbad machte seit einiger Zeit die Wahr- nehmung. daß die dortigen Hakenkreuzler nach dem Muster reichsdeutscher Sturmtruppe» militärisck) ausgebildet werden. In der Nacht auf Freitag überraschten Gendarmen die Hakenkreuzler bei einer militärischen Marschübung, verhafteten drei Truppenkommandanten und lieferten sie dem Gefängnis ein. swsendullgcn für diese Rubrik sind v e r l i» SW M, Lindeustraße Z. pariemachrichten���für Groß-Berlin stet» an da» Bezirkssetretariat 2. H»f, Z Treppen recht», zu richten Beginn aller Veranstaltungen 13 14 Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! Morgen, Monkag, 14. September. t?. Kreis. Zunktionärsitzung T'orfstrahe. 42. Abt. Rllc Genossen beteiligen sich an der iSsscntlidxn Versanunlung im Sportpalast. IZ. Abt.(lüngeren-Gruppe: Diskusssonsabcnd! lt. Ecptcnilier iZZlibis lt. Cep. lember lWi um 20 Uhr Lokal Rosenau, Laubachcr Ecke Larzincr Straße. tteri«. bis l« Lieber zur Dienstag, 15. September. Erwcrb»losr«zusommcntunst Uhr. Thema i»amps um M zur Laute. im Heim, Tilsitcr Str. 4'Z,»an lö cnschenrechte. Im unterhaltende» Teil: 9. lZ. 19. 9. S«. 34. M. 116. Nrei». Erweiterte Kreisoarsiandasißung im Zimmer l. Rathau«. Nreis. 20 Uhr bei Ihlenseld. Uhland. Ecke Güntzelstraßc, Sitzung de» 1trei»»orst»»de« mit den Abteilungsleitern. Nrei«. Grup.c junger Parteigenosse». Erijsfnungsabend. Georg Decker spricht über: Tie Wlrtschast»krisc und ihre politischen Hiatergriinde. Nrci«. 15 Uhr Zast jimeniunft der erwerbslosen Parteigenossen im Z»> aendhcim Pankow, Görschstr. lt. Abt. Die Mitglieder des FcswussSiusscs und alle mitwirkenden Ge. nosssnncn und Geuossen treffen ssch bei Dobrohlaw. Ewinemilnder Str. 11. Abt. Bei Peinlich, Wcißcnburger Str. 1, erweiterte Vorstandssitzung. Abt. Jüngere Genossen. 20 lUir Litauer Str. 10. Thema: Was bringen die politischen Zeitungen? Abt. Gruppe jüngerer Parteigenossen Arbeitsgemeinschaft über Diktatur und Demokratie. Leitung Genosse Herz. 20 Uhr bei Licrsch, itantstr. 62. . Abt. Porstandssitzung Dienstag, lö. September. Abt. ssunktionürsitzung bei Lohann, Wipperftr. 10/19. Abt. Mitglied« rocrfammlung in der Aula der linabeannttelschnle, Rarkt- straßc 12,>5. Referent Polizeipräsident Albert Sr,esi»,ki. Mittwoch, lö. September. 2G. Abt. Zusammenkunft der jüngeren Genossen bei Reche, Metzee Str. 26. Referent Richard Schröter. 27. Abt. Zusauunen.tun.ft der jüngeren Genossen in der Bolksspeisestelle, Glcimstr. 35. Thema: Betriebswifsenschaft. 30. Abt. Arbeitskreis jüngerer Parteigenossen bei Niebergall, Carmen-Sylva- Straße 22. Hans Cohn: Das Heidelberger Programm. 47. Abt. Schwerhörige. Mitgliederversammlung im Jugendheim, Linde«. straße 4, vorn 1 Tr. Vortrag: Existenzminimum und Höchftoinkommcn. 82. Abt. Mitgliederversammlung 19 Uhr bei Sctiellhase, Ahornstr. 15a. Dr. Otto Friedländer: Der internationale Sozialistenkongreß in Wien. »4. Abt. Großer Saal des Lokal Bergschloßhöhe, Karlsgartenstr. K— 11, Mitgliederversammlung. Hans Plettner: Zur politischen Lage. L0S. Abt. Mitgliederversammlung in der Autoklause, Friedrichstr. 6. Dr. Kurt Löwenstein, M. d. R.; Kulturpolitische Reaktion. LS7. Abt. Heese, Berliner Etr. 73, Mitgliederversammlung. Klara Böhm- Schuch, M. d. R.: Zur politischen Lage. Donnerstag, 17. September. S. Rrel». Politischer Schulung»tursn» für Erwerbslose im Krim. Tilfitrr Strotze 4 5, hon 19': bis 21 V, Uhr. Thema: Probleme der Außenpolitik <2. Abends: Di« deutsch. französische Annäherung. Rrsercnt Dr. Ernst Bock. 14. ltrci«. Persammlung der Elternbeiräte und sozialistischen Lehrer brr Lift« Schulaufdau bei schule, Rcutcrstr. 47. Dr. fturt Löwenstrin: Die Spar. maßnahmen. 17. strct». Fraktion der sozialbcmokratischcn Elternbeiräte und Lehrer. Sitzung bei Siedert, Lichtenberg. Kant, Ecke Schillerstraßc.— Jede Schuir mng »rrtrcten sei».— Mitgliedsbuch gilt als Ausweis. 100. Abt. Stadttheatcr, Am Markt, Mitgliederversammlung. Paul Iudrian: Zur politischen Lage. Sonnabend, 19. September. !. strei». Beginn unserer Führungen sür erwerbslose Porteigenoffcn. Treff. pnnkt um 14 Uhr»or dem Seim, Tilsitcr Str. 4/5. Führung durch Alt. Berlin. Leitung Senosse Sachse. Kraueuveranstaltungen. »mckickgegeben« Karten»«g«h««v an bat da bereits Gestellungen auf weiter« starten von absnltekevn. iteilungsn vorlisgen. Da, Fraueusekretariat. Montag. 14. September. 7., 25. Abt. Die Frauenabende sind auf Montag, 21. September verlegt worden. >56. Abt. Die Helscrinneusitzung fällt aus. Dienstag, 15. September. 13. streis. Ig'/. Uhr Funktionärinnensitzung bei Görlitz, Mariendorf, Ehausscestr. Ig. 52. Abt. 20 Uhr bei Bade.«aiserin-Augusta.Allce 52. Thema: Die poliiischen Auswirkungen der Wirtschaftskrise. Rcfercntin Herta Golthels. 122,. Abt. 20 Uhr im Cafo-Reslaurant Biesdorf-Süd, Köpeuicker Str. 165/167. Thema: Soziaiistische oder bürgerliche Lebensformen. Referent Gottlieb Reese. 128. Abt. Bei Willner, Pankow, Berliner Str. 82. Thema: Politische Zeit- sragen. Refercniin Paula Uurgaß. Mittwoch, lö. September. l. Abt. 2» Uhr Hackescher Hof. Roscnthaler Straße. Thema: Politische Zeit. frage». Rescrentiu: Paula Kurgaß. 9. Abt. lg>/- Uhr bei Sübener, Wilsuacker Eir. 35. Thema: Cireifiichtcr aus Achtung, Abtcilu-g»lc!terin»en! Di- Karten für den Frauennachmittog i» der Boiksbühnc am lg. September sind unbedingt am Montag, dem 14., bei den streisleitcrinncn abzurechnen. Die Krcizleiterinnen werden gebeten, etwa dem Orient. Refercniin Erna Büsina. 2». Abt.!»>/- Uhr im Lokal Wende, stolonicstr.>47. Referent und Thema werden in der Dicnsiagausgoba des„Vorwärts" bekanntgegeben. 58. Abt. 20 Uhr Rankchaüs, Ranleftr. 4. 4 Tr. Thema: Froucilkrankhciten. und Beruf. Referent Dr. Franz Mener-Brodnitz. 77. Abt. lg'/- Uhr bei Jürgens, Borbarossastr. 5a. Thema: Kommunale Fragen. Refcrcnlin Ella stau. 79. Abt. lg'/- Ilbr Lokal Groß, Sedanftr. 17. Thema: Krisenursackien der Gegenwart. Refcrcntin Elvira«rüger. 81. Abt. 20 Ubr bei Klabc. Handjcrvstr. 60,61. Thema: Die volitischen Aus» Wirkungen der Wirtschafistrisc. R-fcrcniin Hennn Iadiiczvnsti. 83. Abt. 2() Uhr bei Roscnthal. Händclplatz 2. Thema: Wirtschafiliche und politische Frozen der Gegcnwari. Rcfereniin Käthe Kern. 193. Abt. Kasseekochen im Bootshaus Vorwärts am Wilhelmstrand. Treffen um 14 Uhr an der Schule Wattstraßc. 106. Abt. lg>/> Uhr bei Schmidtbaucr, Bisinarckstr. 74. Thema: Die Lage der Frauen und Kinder in Rußland. Refercntin Dr. Elsbeth Weichmann. lll. Abt. 20 Uhr bei Hcimann, Bohnsdorf, Waltersdorfer Str. 100. Thema: Aufrüstung— nein, Bälkerocrständigung. Rcfereniin Margarete Schenka. lowfki. >24,. Abt. Mahlsdorf-Süd 20 Uhr bei Draber. Uhlandstr. 17. Thema: Frauen- fragen auf dem Wiener Kongreß. Rcfcrenti» Herta Gotihelf. Donnerstag. 17. September. 74. Abt. 20 Uhr Restaurant Waldbaus. Spandauer Straße Thema: Die Ursachen der Wirtschaftskrise. Referentin Käthe Kern. 85. Abt. 19'/» Uhr bei Pinger, Dorfstr. 50. Thema: Fragen des intcrnatio- holen Frauenrechts. Referentin Gertrud Hanna, M. d. L. 110. Abt. 20 Uhr bei Julius Werner, Grünau. Köpenicker Str. 125. Thema: Streiflichter aus dem Orient. Rcferentin Erna Büsing. 125. Abt. 30 Uhr bei Peters, Weißensee, Lichtenberger Straße. Thema: Ein Tag im Gefängnis. Referent Elsbeth Rosenfelb. 136. Abt. 20 Uhr Baracke, Lindauer Straße. Thema: Krisenursachen der Gegenwart. Refercntin Herta Gotthelf. Anschließend Helferinnen- bcsprechung. Areilag, 18. September. 138. Abt. IS'/- Uhr Jugendheim, Roonstraße. Thema: Wirtschaftskrise und deutsch-franzöftsche Berständigung. Referent Dr. Hans Cohn. -5* Voranzeige! 24. Abt. und 3. und 4. Gruppe. Freitag, 25. September, 19'/- Uhr Heiterer Frauenabend im Altersheim, Danziger Str. 62. Ansprackie Genossin Bohm-Schuch, M. d. R. Rezitationen Hans Fuhrmann und Lieder zur Laute. Reichhaltiges Küchembüfctt: Kaffee gratis. Eintrittskarten zu 50 Pf. sind bei den Funktionärinnen zu haben. Bezirksausschuh für Arbeilerwohlfahrt. 5. Krei» Friedrichoha:». Dienstag, 15. September, 1»'/« Uhr, in Schmidts Gesellschaftshaus, Fruchtstr. 36, Sitzung der Arbriterwodlfahrt. Vortrag der Genossin Ella Kap über Kommunale Wohlfahrtspflege. Alle in der Arbeiter» woblfahrt tätigen Genossinnen und Genossen müssen erscknnnen. st. Krei, Wilmersdorf. Donnerstag. 17. September. 20 Uhr. Im Viktoria. garten, Vcreinszimmcr, Vortrag des Genossen Stadtrat Reinemann: Aendcrung des Fürsoracrcchis durch die Notverordnung. 20. Kreis. Montag. 14. September. Sitzung der Funktionäre im Jugend- heim Hermsdorf, Roonstr. 10, 19Vr Uhr. Bund der freien Schulgefellfchafken. Bezirksverband Berlin. Wichtige Besprechung der Vorsitzenden und Kassierer Freitag. 18. September, im bekannt«» Lokal, Zimmer 25. Soziatistische Skudenienschast. Dienstag, 15. September, Kursus des Arbeilcrlamariterbundes über Erst» Hilfe. IN'/, Uhr Große Hamburger Etr. 20; dann fortlaufend zweimal wöchent- lich Dienstags und Freitags abends.—�Donnerstag, 17. September, Aus- spracheabend über Gegenwert und Sozialisicrung. Referent Genosse Dr. Mit, nitzky. 20 Uhr im Bund, Aibrechtftr. 11.— Freitag. 18. September, Die Roie Epieischar übt vormittags 10 Uhr im Bund. Genossen, die an der Tätigkeit der Spiclfckmr aktives Inieress« haben, können sich beteiligen.— Sonnlag. 20. September, Fahrt nach Finkenkrug. Wir leefien uns um 8'/, Ubr am Siadlbabuhof Friedrichstraße fEingaug gegenüber Afchinger) und Bahnhof Spandau-Wefi auf dem Bahnsteig nach Finkenkrug. Arbeiksgemeinfchaft der Kindersreunde Groh-Berlin. Die für Dienstag in Aussicht genommene Versammlung der Nestfalken- Helfer von Blankenese kann besonderer Schwierigkeiten wegen an diesem Tag« nicht stattfinden. Der spätere Termin wird noch bekanntgegeben. Freitag, 18. September, 19' Ilhr Kreisleitersitzung in der GefchäftssteNe. Kreis"Mitte. Achtung, Gruppenleiter! Donnerstag, 17. September. Be- sprechung der Ausstellung beim Genossen Funke. Außerdem bis Montag 14.. Angabe sämtlicher Gruppenabende. Jeden Mittwoch Baden. Treff' n 17'/» Uhr. Jeden Freitag Turnen und Spielen.— Gruppe Fritz Wilcke: Jung. scilken A. Adun dharmo n ika- und Singeabeud. Jeder Spieler muß Instrument mitbringen. Gruppe Matteotti: Iungfalkcn A. und B. Montag. 14. September, Ferienerlebnisse. Alle berichten. Dienstag, 15. September, Rotfalken. Kurzreferate und Bericht vom Frankfurter Iugendtag. Nestfalken: Erzählen. Kreis Prenzlauer Berg. Gruppe Viktor Adler: Dienstag, 15. September, CVIM. Freitag, 18. Septemder. Aussprache. Kreis Friedrichshain. Sportplatzabende finden nickst mehr statt. Donners- tag. 17. September, Sitzung aller' Iungfalkenhelfer im Heim. Frankfurter Allee 307. Thema: Unsere Winterarbeit. Freitag. 18. September, 20 Uhr, für. Rote Falkenhelfer Heim Litauer Str. 18: gleiches Thema.— Gruppe Lands- bergcr Platz: Montag Iungfalken, Dientsag Nestfalken. Mittwoch gemeinsamer Bunter Abend mit den Eltern bis 21'/- Uhr. mit Lichtbildern. Donnerstag, Nestfalken, Freitag Rote Fallen.— Gruppe Paul Einger: Donuerstaä. 17.20 Uhr. Elternvcrsammlung mit Lichtbildervortrag bei Kranpardt, Paul- Einger-Str. 49. Krei» Steglitz, Gruppe Lichterfelde: Alle Gruppen Mittwoch, 17 Uhr, Ober- realschule, Aussprache: Warum Kinderfreunde. Freitag Lesen. Kreis Prenzlauer Berg, Bezirk Schönhauser Vorstadt: Boranzeige! Sonn. abend, 26. September, 16 und 18 Uhr, in der Kulturabteilung des DMB.. Linienftr. 197, Filmabend. Vorführung der Filme:„Die Republik der Kinder" und„Brüder". Unkosten: Kinder 20 Pf., Jugend 30 Pf.. Erwachsene 40 Pf. Alle Gruppen werden um rege Teilnahme gebeten.— Mittwoch, 19'/« Uhr, bei Goldschmidt, Stolpische Str. 36, Teilnahme der Helfer an der Veranstaltung des Arbeitskreises junger Parteigenossen. Thema: Materialistische Geschichts- auffassnng. Donnerstag, 19'/- Uhr. Schule Sonnenburger Str. 20, wichtige Elternvcrsammlung der Gruppen„Freiheit" und„Hermann Müller". Sonn- abend Nachtfahrt der Jung- und Nestfalken. Näheres in den Gruppen. Gruppe Feinheit: Montag, Rote Falken: Wie arbeite ich einen Vortrog aus" Dienstag Turnen der Gesamtgruppe. Mittwoch Rote Falken: Brettspielabend. Donnerstag Iungfalken: Lese- und Ausspracheabend. Gruppe Hermann Müller: Dienstag Neue Gesellschaftsspiele; Freitag Kampflieder- und Bolkstanzabend im Jugendheim Gleimstr. 33/35. Kreis Kreuzberq. Gruppen, oder Wanderleiter! Dienstag. 15. September. 20 Uhr wichtige Fahrtbesprcchung im Heim Porckstr. 11. Jede Gruppe muß vertreten sein. Treffpunkt zur Helferfahrt Sonnabend, 19. September, 18'/« Uhr, vor dem Wriezener Bahnhof. Karl-Marz. Schule Neukölln. Elternversammlung Dienstag, 15. September, 19"- Uhr, in der Aula, Stellung zu den Sparmaßnahmen an der Schule. Referent Frau Dr. Wegscheidel. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 8. Abt. Am 10. Sepicmbcr verstarb unser langjähriger ircurr Partei. genösse, der Gastwirt Adolf Rickert, plötzlich an Herzschlag. Eckum vor dem Sozialistengesetz stand Genosse Rickert als Funktionär in unseren Reihen. Sein ganzes Leben und Wirken galt der Partei» und Gewerkschafisbewegunq, in welcher er bis zur letzten Stunde als Funktionär treu sein« Pflicht«rmlltc. lins allen war er ein Vorbild und hilfsbrrsiier Kampfgenosse. Wir werden fein Andenken in Ehren halten. Die Einäscherung findet am Montag, dem 14. September, nachmittags 6 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf, Berliner Straße, stait. Um rege Beteiligung bittet die Abteilungsleitung. Gewerkschaftliches siehe 3. Beilage. Verantwortlich für Politik: Vietor Schiff; Wirtschaft: S.»Nngelhiier: Eewcrkfchastsbcweaung: ä. Steiner: Feuilleton: Dr. Job» Schilowsli: Lokole» und Sonstiges: Fritz Karftödt: Anzeigen: Tb. Glocke; sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwäris-Verloa G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts. Buchdruckerc! und Verlagsanstalt Paul Einacr u. Co.. Berlin EW 60. Lindenftvat« 0. Hierzu 4 Beilagen. An/äss/ich der Sc�diSSm IN 3 0 K O i e" Ausstellung von rtreisv/e*"*®0 rx�hr- MSbe,tShte0nund IXan�g eln- gerichtetenZimmern feudwe*,'hMU-Süffi ... und 4 Preisschlager aus den modischen Abteilungen Reinwollener Tweed enen, zz I, Mtr. I mamm Modernes Wollkleid mit kunstseid Moulinö-Effekten, Bedr. Flaminga Wolle mit Kunstseide, m neue Muster u. mod. Farben�a.lOOcmbreit Damen-Mantel auf Gitterstoff mit 2 kunstseidenen Einsätzen und kunstsejd. Franse, Meter Faltenstore auf Gittertüll mit Apptikationsarbeit und Pransenabsehluss, Meter Faltenstore schwere Gittertüll- Qualität, mit kunstseid. Franse Zu 580 persischen Mustern, mit Franse �23522 h o c hwo I H g e Qualität, in 111522 117522 W O II p! ÜSCh mit unbedeutenden Fehlern, vorzügliche, festgewebte Qualität, mit Franse, In persischen und modernen Mustern 1*5622 240 310 buntfarbig, reiche � 50 MÜH. 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Richtlinien für eine Planwirtschaft zur Ausweitung des inneren Marktes, für die öffentliche Wohnbau tätigkcit, für Investitionen und innere Kolonisation. Abschließend wird bemerkt, daß es tcin Zufall sei, wenn die Durchführung der vorgeschlagenen Maß- nahmen das ganze Wirtschaftssystem wesentlich um- gc st alten wird. Die Besetzung der Sommaudohöhen der Wirtschaft durch den Staat würde einen breiten staatskapitaliftifchen Sektor in die privatkapita- listische Wirtschast, einen breiten Sektor staatliche Planwirt- schaft in die kapitalistische Anarchie einbauen. Die Tatsache, daß jede ernsthafte Suche nach wirtsamen Mitteln zur Eindämmuirg der Arbeitslosigkeit zu Vorschlägen führt, die über die privatkapitalistische Wirtschaftsordnung hinausgehen, beweist, daß die Wirtfchafts- krife und Arbeitslosigkeit unserer Tage mit privatkapitalisti- s ch« n Mitteln nicht mehr überwunden werden kann. Hinsichtlich der Arbeitszeit und des Arbeitsmarktes wird die Vierzigstundenwoche verlangt. Zunächst müsse die Arbeits- zeit wenigstens in denjenigen Industriezweigen herabgefetzt werden, in denen eine Vergrößerung des Arbeiterbestandes unmittelbar be- wirkt werden kann. Empfohlen wird zu diesem Zweck ein gemein- sames Vorgehen des Sozialminifteriums mit den Gewerkschaften und den Unternehmerverbönden. Im Anschluß daran wird die B e- schränkung des Doppelverdienertums, planmäßiger Abbau der ausländischen Wanderarbeiter und ein Still- legungsgesetz verlangt, das die Unternehmer verpflichtet, die Stillegung größerer Betriebe vorher der Regierung anzuzeigen, und das der Regierung ein Einspruchsrecht gegen Stillegung gibt. Für die Senkung der Gestehungskosten wird ein« Reihe von Vorschlägen gemacht. Dahin gehört der Vorschlag, den Zinsfuß so niedrig zu halten, als das mit der Verteidigung der Währung zu vereinbaren ist. Betont wird in diesem Zusammenhang. daß man den Zinsfuß übertrieben hochhalte, um. ausländisches Geld hereinzuziehen, eine Hoffnung, die sich angesichts der ganzen Situation nicht erfüllen kann. Weiter wird Abbau der industriellen Leitungskosten verlangt, insbesondere eine Reduzierung der Direktorcnbezüge, evtl. müßte die Anpassung der Bezüge der leitenden Personen an die gegenwärtige wirtschaftliche Lage der Unternehmungen durch Ein- griffe der Gesetzgebung ermöglicht werden. Das Mißverhältnis Zwilchen dem notwendigen Auswand für Arbeitslosigkeit usw. und der Leiftungsunfähigkett der zusammengeschrumpften Industrie müsse da- durch überwunden werden, daß ein größerer Teil des sozio- Jen Aufwandes als bisher von der Allgemeinheit übernommen wird. Als das wichtigste Mittel zur Senkung der Gestehungskosten wird iaber die Verstärkung des Absahes bezeichnet. Daran schließen recht interesiante Forderungen für eine Planwirtschaft auf dem inneren Markt. Die Por- schlüge gehen davon aus, daß Oesterreich auf Grund seiner schwierigen Wirtschaftslage nur von solchen Staaten Waren, vor allem Agrar- artikel, lausen kann, die ihm seine Industriewaren abnehmen. Das geschehe nicht genügend. Die Erhöhung der Agrarzölle, die die bürgerlichen Regierungen vorgenommen haben, könnten daran nichts ändern. Man müsse zu Vorzugszöllen und zu einer Kontrolle des Außenhandels kommen. Aus diesem Gedanken heraus wird ein Handelsmonopol für Getreide- und Mahlprodukte und ein Großhandelsmonopol für Zucker, BenzinundKohle empfohlen. Hand in Hand damit müsse die Rationalisierung der Landwirtschaft, die mehr produzieren muß, vollziehen. Dahin gehört die Forderung nach einem Fünfjahresplan für diesen Aufbau der österreichischen Vieh- Wirtschaft und nach einer Flurbereinigung in den bäuerlichen Bezirken mit dem Ziel, die Arbeitsflächen zu massieren, um so die Getreide- Produktion zu steigern. Wichtig sei vor ollem, eine Verteuerung der Kosten der Lebenshaltung zu verhüten. Als erforderlich wird eine Sonlrolle der Preisfestsetzung aller derjenigen Unternehmungen durch den Staat angesehen, die ein tassö.chlichcs Monopol auf dem österreichischen Markt haben. Die Staatsaufsicht müsse sich auch auf die internationalen Kartellvcrein- barungen erstrecken. Für die im Frühjahr 1931 zusammengebrochene und dann sanierte C r c d i t a n st a l t, die größte Kreditbank Oesterreichs, die ja auch einen großen Jndustriekonzcrn darstellt, der einen wesentlichen Teil der österreichischen Industrie ersaßt, wird oerlangt, daß keine Betriebe stillgelegt werden, deren Lebensfähigkeit durch gänzliche oder teilweise Abschreibungen ihrer Bankschulden wieder hergestellt werden kann. Das kann nur letzten Endes auf Kosten des österreichischen Staates erfolgen. Diese Opfer. dürfen nicht zugunsten der Kapitalisten gebrocht werden, unter deren Führung die Betriebe zahlungsunfähig geworden sind. Es müßten daher in jedem Fall, in dem Forderungen der Credit- aisstalt an die kapitalistischen Betriebe abgeschrieben werden, Aktien dieser Betriebe im gleichen Wert abgestempelt oder vernichtet und statt ihrer der Creditanstalt neue, mit einem Dividendenvorzugsrecht aus- zustattende Aktien übergeben werden. Sobald die Stoatshaftung wirksam wird und der Staat für die Schulden der Creditanstalt auf- kommen muß, habe die CreditanstaU diese Aktien als Gegenleistung dem Staat zu übergeben. Auf diese Weife werde ein Teil der österreichischen Industrie in Staatseigentum übergehen. Der Staat habe zur Verwaltung seines Jnduftriebesitzes einen von der Hoheitsverwaltung getrennten gemeinwirtschaftlichen Körper zu bilden. Die finanziellen Schäden, die dem Staat aus der Sanierung der Creditanftatt erwachsen, seien dadurch zu ver- kleinern, daß alle Personen, die, sei es als Vcrwaltungsrat, sei es als Direktoren, für die Geschäftsführung der Creditaisstatt und der in der Creditanstalt aufgefangenen Banken verantwortlich waren, mit ihrem ganzen Vermögen zur Wiedergut in achung der unter ihrer Verantwortung angewachsenen Verluste herangezogen werden. Christliche Pressepolemik. Orumherum-Geschimpf. iliiscre Bemerkungen zu der Kundgebung des Vorstandes des christ/ichen Deutschen Gcwerkschaftsbundcs haben den „Deutschen" in Harnisch gebracht. In grobschlächtiger Monier wirst er Kraut und Rüben durcheinanoer, wiederholt tausendmal widerlegte Verleumdungen, behauptet, wir hätten uns mit Ausführungen Sollmanns iin„Vorwärts"(wann? wo?) in Widerspruch gesetzt, wir schützten die Beamten vor ungerechten Angriffen auf ihre Existenzgrundlage, weil„hier viele sozialdemokratische Be- amte interessiert sind", macht uns für die preußische Notverordnung, die von der Rcichsregierung erzwungen wurde, verantwortlich usw. Sonderlmrc Kniffe und Methoden, um sich gegen den nicht zu wider- legenden Vorwurf zu verteidigen,«ine beamten feindliche Po l i t i k zu treiben. Im„Deutschen" weiß man, daß wir noch sehr höflich waren. Richtiger wäre es wohl gewesen, die Demagogie anzuprangern, mit der der manchmal noch schlechter bezahlte Arbeiter und Angestellte gegen den schlecht bezahlten Beamten aufgehetzt wird, während man über die skandalöse Verschleuderung von Millionen und Milliarden in der Privatindustric leicht hinweggeht. Wenn dos christliche Blatt triumphierend die„Börsen-Zeitting" zitiert, die da behauptet, der christliche Gcwcrkschaftsbund segle im marxistischen Fahrwasser, so kann man dazu nur mitleidig lächeln. Zumal dos Organ des Herrn v. Borsig sich außerdem noch blamiert, indem es die Christlichen für Hirsch-Dunckerschc hält. Oder weiß der„Deutsche" nicht, daß für die Leute vom Schlage der„Börsen-Zeitung" der „Marxismus" schon bei Herrn Trcviranus beginnt? Was hat dos alles mit der B c a m t e n f ei n d f ch a f t des„Deutschen" zu tun? Nochmals Lohnabbau im Gastwirisgewerbe? Oer �ohntarif gekündigt. Nachdem den Gastwirtsangestelltcn in Berlin erst im April dieses Jahres unter der irreführenden Parole„L oh nabbau— Preisabbau" eine 8- bis l2prozentige Lohnreduzierung durch den Schlichtungsausschuß aufgebürdet worden ist, halten es die Unter- nehmer nunmehr für richtig, zum 2. Oktober den L o h n t a r i f wieder zu kündigen. Was mit dieser Kündigung erreicht Aufruf an die Beamten. Nur politische und gewerkschaftliche Organisation hilft. Der Beamtenbeirot des Gcsamtverbandes erläßt einen Aufruf, der zunächst die inneren Widersprüche des kopitalistischen Systems aufzeigt und dann forssährt: Wenn die Wirtschosts-„Führer" ratlos vor der Krise stehen, wenn in unerhörtem, nicht übersehbarem Ausmaß Bankrott- und persönliche Berricherungswirtfchast getrieben wird, wenn Bilanzen gefälscht, Kapitalien verschoben und Zusammenbrüche hervor- gerufen werden, die in der ganzen Welt Aussehen erregen, wenn aus dieser Wirtschaft eine ungeheure Verschärfung der Krise folgt, die Großbanken ruiniert, zu neuen Kapitalkündigungen des Aus- landes führt und das ganze Reich erschüttert, wenn immer wieder nur nach neuen Subventionen, neuen Erleichterungen für die Wirt- schaft und neuen Sanierungen durch die Allgemeinheit gerufen wird, dann muß jeder erkennen, daß die Zeit, in der wir eine solche TNißwirlschasl ertragen haben, vorüber ist, dann ist es nötig, daß alle denkbaren Mittel angewendet werden, um dieses System mit diesen Konsequenzen und Auswüchsen zu beseitigen. Und gerade weil es nicht möglich ist, dieses Wirtschaftssystem von heute auf morgen durch ein System der Planwirtschaft- lichen Befriedigung des Bedarfs, durch den Sozialismus zu ersetzen, gerade deshalb muß um so zielbewußter alles getan werden, was auf dem Weg zu diesem Ziel heute schon möglich und nötig ist. Kartelle, Trusts und Banken müssen unter staatliche Kontrolle gestellt, volkswirtschaftlich schädliche Prcisbin- düngen müssen beseitigt, die öffentliche Wirsschoft muß geschützt und gefördert werden. Selbst die Reichsrcgierung, die ausschließlich aus Ministern bürgerlicher Parteien besteht, hat sich in mehrfachen Erklärungen gegen die kapitalistische ZNihwirtsthast wenden müssen. Sie hat uns versprochen, daß sie die Preise senken und dabei auch vor den mächtigen Kartellen nicht Halt machen werde: geschehen ist nichts. Sie hat uns erklärt, daß das Aktienrecht, das heute dem Mißbrauch Tür und Tor öffnet, reformiert werde: feit Monaten erfahren wir nur, daß„die Beratungen noch schweben". Reichsarboits- und Reichsfinanzminister haben versichert, daß neue Lohn- und Gehaltssenkungen nicht möglich seien: und doch werdv' weitere Tarife gekündigt, Besoldungen, Pensionen und Hinter- bliebencnbezüge, Unterstützungen und sonstige Pcrsonalausgabe» gekürzt. Dos ist nicht der Weg, der uns aus dieser Krise heraus- und unserem Ziele näherführt. Kollegen, die Fehler dieser Wirtschast tressen auch euch! Eure Angehörigen sind arbeitslos. Eure Kinder finden keinen Beruf. Ihr könnt die überhöhten Preise nicht mehr bezahlen. Aber Per- ordnung auf Verordnung ergeht, um die durch die Krise ruinierten Etats durch immer neue Ersparnisse, durch Kürzung um Kürzung an Gehältern und Löhnen, durch Abbau und Entlassungen zu so- nieren. Gesetz und Vertrag werden durchbrochen und bieten keinen ausreichenden Schutz! Zlber in der gleichen Verordnung, die die schwersten, unsozialsten Angriffe auf die Beamten, Angestellten und Arbeiter brachte, erhielt die Wirtschast neue Subventionen, neue Schutzzölle, neue Steuererleichterungen, So kämpft'die Wirtschaft für ihre Interessen! Wollt ihr euch selbst ausgeben? wollt ihr beiseile stehen! Kollegen, es gilt, der organisierten Macht der„Wirtschast" den organisierten politischen und gewerkschaftlichen Willen der Massen entgegenzustellen. Der Erfolg des Gesamt- Verbandes gegen die Notverordnung beweist, was not tut: Wo die geschlossene, gewerkschaftliche Macht, unterstützt durch die politische Partei steht, dort ist euren Gegnern ein« Grenze gezogen. Auch die Beamten und Angestellten gehören in diese Front, in den Gesamtoerband der Arbeitnehmer der ösfent- lichen Betriebe und des Personen» und Waren- Verkehrs. Hess-Weiß-Kreuz- Schuhe für empfindliche Füße 4 5 Außen modern, innen gesund! 1 Kork-ZwUchenloge- Kein Brennen n. Schmeraen d. 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Da- mit erkennen sie ohne weiteres an, daß eine Besserung der wirt- schaftlichen Verhältnisse durch Lohnabbau nichti erreicht werden kann! Aber wo alle hassen, wie könnten da die Berliner Gastwirte lieben? Protest gegen Schulabbau. Die Freie Lehrergewerkschast zu den Sparmaßnahmen. Der Provinzialvechand Berlin-Brandenburg der Allgemei- nen freien Lehrergewerkschaft hatte am Donnerstag alle vom Abbau bedrohten Lehrenden an Bolks-, Berufs- und höheren Schulen und die sich mit ihnen solidarisch erklärenden Kol- legen zu einer öffentlichen Versammlung in die Aula des Frisdrich-Wilhelm-Gynmasiums eingeladen. Vor den mehr als 3WZ Erschienenen referierte je ein Vertreter der drei genannten Berufsgruppen üben die geplanten bzw. schon beschlossenen Abbaumaßnahmen, wie sie von den Ländern oder den Gemeinden auf dem Gebiete des Schulwesens für tragbar erachtet werden. Unter oft in der Forin bitterer Ironie geäußerten. Zufttm- inung der Versammlung wurde immer wieder als unausbleibliche Folge des geplanten Abbaues hervorgehoben, daß die schon vor- handene Ueberalterung des Lehrkörpers■' dadurch in eitKm solchen Maße gesteigert wird, daß auch die letzten jugendlichen Lehrkräfte aus den Schulen oerschwindeit. Unterricht und Erziehung werden auf Abrichten und Drill zurückgeschraubt. Die eigentlichen Leid- tragenden sind infolgedessen die Kinder, der wehrloseste Teil des Volksganzen. Die Verwirklichung der vorliegenden Pläne gefährdet nicht nur die moderne Form der Erziehung und des Urrterrichts, sie bedeutet den vollständigen Zusammenbruch uns«'- res Schulwesens. Eine Entschließung forderte in scharfer Form die Zurücknahme der geplanten Maßnahmen und den Zusammenschluß aller Lehrenden und Eltern. Willi Schmalz" lehte Fahrt. Am Nachmittag des gestrigen Sonbabend trugen die Berliner Metallarbeiier ihren Kollegen Willi Schmalz zu Grabe. Nur 43 Jahre alt geworden, fand er den Töd in den Sielen. Aber, sagte Genosse S ch l i est e d t vom Häusttvorstand des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes, als er dem Verstorbenen den letzten Ab- schiedsgruß nachsandte, es bedeutet die Erfüllung eines Lebens, es dem Kampf der Arbeiterschaft geopfert' zu haben. Die Trauerrede hielt Genosse E ck e x t für die Ortsverwaltung Berlin des DMV. Seit 1906 gehörte Willi Schmalz seiner Organi- sation an, die ihm das ehrenvolle- Amt eines Bezirtsleiters übertrug, Die Kollegen seines Betriebes, der Turbinenfabrik der AEG., stellten ihn auf ihren höchsten Posten, den des.Betriebsratsvorsitzenden. Nach Eckert sprach Franz R o o ch für die AEG.-Arbeiter. Er sagte, wie Schmalz gestorben ist an der Niedertracht seiner Gegner, die ihn noch nach dem Tode begeiferten. Für die Reinickendorser Partei- genossen der 136. Abteilung wünschte Otto Ko.ch II dem Toten den ddigW FlHederl. Dann spielte noch einmal die Milli? und lautlos versank der Sarg in die Tiefe. Tarifkündi�ung der Berliner Wurstfabriken. Deriangt wird 20 bis 43 proj. Lohnabbau. ' Der.Verband der Berliner Fleischwaren-, Wurst- und Kon- servenfabriken hat den Lohn- und Manteltarif zum 30. September gekündigt. Diese kapitalstarken Fabrikanten, an denen die Wirt- schaftskrise fast spurlos vorübergeht, die es immer noch verstanden haben, bei sinkenden oder steigenden Lcbendoichpreisen ihre Ver- dienstspanne zu halten, die noch heute in der Lage sind,- kostspielige Neubauten und Umbauten ihrer Fäbrikationsstätten vorzunehmen, die in ihren Fachzeitschriften Klagelieder anstimmen, daß sie trotz der geringen Kaufkraft der Bevölkerung doch noch einen steigenden Mengenumsatz haben, aber ünmer noch nicht genügend Geld für ihre Wurst- und Fleischwaren bekommen, diese Herren besitzen den Mut, einen Lohnabbau von 20 bis 4 3 Proz. z u v e r- langen und darüber hinaus eine erhebliche Verschlechterung der sozialen Bestimmungen durchzuführen. Nun, die freigewcrkschaftlich organisierten Fleischergesellen werden, gestützt auf ihren Verband, dafür Sorge tragen, daß die Bäume der Wurstfabrikanten nicht in den Himmel wachsen. Das bewies die Diskussion und der Versanmilungsvcrlauf der Boll- versanunlung aller sreigewerkschaftlich organisierten Beschäftigten. Um einen Teil der arbeitslosen Fteifchergesellen in den Produktions- prozeß einzureihen, wurde als Gegenforderung die Einführung der Fünftagewoche mit einem SOprozentigen Lohnausgleich aufgestellt und weiter abgelehnt, auf irgendwelche Verschlechterungen der sozialen Bestimmungen einzugehen. SPD.-Betrict.sraktion beim Bc,irl»amt Weihensee. Moivtez, 19«-Ahr, Rcftaur-nit- Gallas,- Weih-nsee..Lohderstr. 122, Elternversainm- M lung. Vortrag bcs 6c n offen 6olir. Reese:„Wirtfchostslrife und Rot. M Verordnung". oi SPD. Bctriebssraltion des Stiidt. Vieh, und Srhlochthvses und der W zleischbcschou. Die Fraktionsncrfaiirznlung findet nucht am Montag, W dem lt., sondern am Montag, dem tt. September, Uhr, statt. t.j SPD.-Betriebsfrnttion beim Arbeitsamt Süd. Mittwoch, N.U'. uchr, ff) Lokal C-bult, Mariendorfer Str. z, ssraktionsverfautmlung. Portrag W des Genoffen Hans Bauer Uber„Die politische Lage". lA Eja i E �uqendqruppe des Zentralverbandes der Angestellten fcv Morgen, Montag, finden folgende Peranslaltnngen statt: Wedding: � Jugendheim Turiner Sit Seestraße. Ausspracheabend.— Weißenscc: Jugendheim Pistoriusstr. 2t. Aussprache:„Gemeindchastsleben im ZbA."— Britz: Städtisches Jugendheim(Rathaus). Aussprache:„Das geht!n der Politik vor?" Leiter: Huhn.— Urban: Jugendheim Hobrecht. Ecke Sander- straße.„Sage mir, was du liest".— Nordost II: Jugendheim Rastenburger Straße 1«, Zimmer S. Die Ausgestaltung des Abends wird in der Gruppe be- sprachen.— Meldet ruck» Nr die Voltsbühnenabteilung für die arbeitende Jugend im Iugendsekrelariot. Wochenpfogramni des Berliner Rundfunks. Sonntag, den 13. September 1931: 6.30: Funkeymnastik. AnschlieOend: Frühkonzert. 8: Für den Landwirt. 8.55: Morgenfeier. Anschließend: Glockengeläut des Berliner Doms. 10.05; Vorn Holicnsyburg-Rundstrecken-Renncn des Allgemeinen Deutschen Automobilklubs. 10.30: Wettervorhersage. U: Elternstunde. 11.30: Aus Leipzig: Bach-Konzert. 12.15: Fred von Zollikofer liest eigene Gedichte.. 13.30: Aus Königsberg: Mittagskonzert. 14: Jugendstunde. 14.30: Aus Stettin: Volkslieder. 15.10: Theodor Dänbler liest eigene Dichtungen. 15.40: Nachmittagskonzert. 16.50: Programm der Aktuellen Abteilung. Anschließend: Nachmittagskonzert, 18.20: Aus der Arbeit des märkischen Wandertheaters. 18.50: Indische Gesänge. 19.20: Tagesglossen. 19.50: Sportnachrichten. 20: London-Berlin(Funk-Potpourri). 22.10: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach: Tanzmusik. Montag, den 14. September 1931: 6.30: Funkgymnastik. Anschließend: Frühkonzert. 12.30; Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Das Gas und seine Verwendung. 15.40: Deutsche Dichtung im Egerland. 16.05; Die zukünftigen Aufgaben der Säuglingfürsorge. 16.30: Konzert. 17.30: Jugendstunde. 17.50: Von der bildenden Kunst. 18.05: Sollen die Lohn- und Gehaltszahlungstermine aufgelockert werden? 18.30: Wie ich Berlin sehe. 19: Anekdoten und Späße. 21: Tages- und Sportnachrichten. 21.10;„Oedipus" IL Teil:..Oedipus auf Kolonos" nach Sophokles. Danach: Tanzmusik. Dienstag, den 15. September 1931: 6.30: Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert. 12.30: Die Viertelstunde für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Menschlichkeit im Alltag. 15.40: Haltungsfehler und ihre Vorbeugung. 16.05; Die neue Sachlichkeit in der Musik. 16.30: Unterhaltungsmusik. 17: Jugendstunde. 17.20: Bücherstunde. 17.50; England in den letzten vier Wochen. 18.10: Alfred Wolfenstein liest eigene Kurzgeschichten. 18.30: Waldemar von Baussnern(gest. 20. August 1931). 19.2«: Wege aus der wirtschaftlichen Not der Akademiker. 20: Reichssendung. Wir wollen helfen(Winterhilfe). 22.30: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Mittwoch, den 16. September 1931: 6.30: Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert. 9: Von der Deutschen Welle: Schulfunk. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt. 14; Schallplattenkonzert. 15.20: Ferien in Moor und Schlamm. 15.40; Eine Viertelstunde Technik. 16.05: Programm der Aktuellen Abteilung. 16.30: Opernkomponisten schreiben Kammermusik. 17.25: Jugendstunde. 17.45: Hans Henning Frhr. Grote liest eigene Arbeiten. 18.10: Wissen Sie, was ,.B. I. Z.' bedeutet? 18.35: Interview der Woche. 18.55: Mitteilungen des Arbeitsamtes. 19: Aus der Frühzeit des Brettls. 19.25: Eine halbe Stunde bei Dr. Kaper. Musikvorträge. 20: Aus Breslau: Aus den Memoiren eines Grammophons. 21: Tages- und Sportnachrichten. 21.10; Sinfoniekonzert. 22.45: Aus Budapest: Zigeunermusik. Donnerstag, den 17. September 1931: 6.30: Funkgymuastik. Anschlieüeod Frühkonzerl. 12.30: Die Viertelstunde fiir den Landwirt. I4V- Schallplattentotizert,- 15.20: Der Ursprung des Kinder- hedes. 15.40: Das Leben der VVsistcnbewphner. 16.05: Die Brille. 16.30: Fiötenmusjk. 17.3«: Jugendstunde. 17.50: LuftbunimeL durch Enropa, 18.10: Zwischen Wilmersdorf und Hollywood. 18.30: Volkstümliches Orcheslcrkonzert. 20: Wirtsdlaftsrundschäu. 20.30: Aus Genf:..FidelioP. Oper von Beethoven. 23. 1«; Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach Tanzmusik. 0.30: Nachtkonzert. Freitag, den 18. September 1931: 6.30: Funkgymnastik. Anschließend Frühkonzert. 9: Von der Deutschen Welle: Schulfunk. 10.10: Wochenmarkt-Allerlei. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt; 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Bildungspflege in der Familie. 15.40: Die wissenschaftliche Forschung im Dienst des Gartenbaues. 16.05: Letzte Entwicklungen im Welttennis. 16.30: Unterhaltungsmusik. 17.30: Das neue Buch. 17.40: Jugendstunde. 18: Berliner Bänkelsang. 18.25: Mitteilungen des Arbeitsamtes. 18.30: Die Tribüne. 19: Onerschnitt durch die Stadt Schneide- niühl. 19.45: Bunter Abend mit Tanz. 20.45: Wovon man spricht. 21.10: Tanzmusik. 22.15: Politische Zeitungsschau. 22.30: Welter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach Ouartettstunde. Sonnabend, den 19. September 1931: 6.30: Funkgymnastik.■ Anschließend Frühkonzert. 12-30: Wctlcrmcldungiin für den' Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Jugendbühne. 16,05: ..Menschen unterwegs." Seltsame Reiseerlebnisse. 16.30: Unterhaltungsmusik. 18.30: Die Erzählung der Woche. 19: Konzert. 19.30: Kabarett In Bagdad. 20: Abendkonzert. 21; Tages- und Sportnachrichten. 21.1«: Im Funk und auf der Bohne. Danach Tanzmusik. Königswusterhausen Sonntag, 13. September: Ab 6.30: Uebertragung aus Berlin. 12.15: Gespräch über die öffentliche Meinung. 18: Was ist Programrausik? 19.10: Im Sattel durch Mexiko.. 19.35: Jagdmusik. 20: Deutscblandsender: Aus München: Abendkonzcrf. 21: Uebertragung aus Berlin. Montag, 14. September: 16: Pädagogischer Funk. 16.30: Aus Berlin: Nachmittagskonzert. 17.30: Modernes Liedschallen. 18: Wie ein Film entsteht. 18.30: Die Kfiegslührung der Zukunft. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Englisch für Anfänger. 19.25: Stunde des Landwirts. Anschließend Viertelstunde Funktechnik. 20: Deutschlandsender: Aus Köln: Heitere Stunde mit Josef Plaut. 21: Uebertragung aus Berlin. 22; Politische Zeitungsschau. Anschließend Uebertragung aus Berlin. Dienstag, 13. September; 16.30: Aus Leipzig: Nachmittagskonzert. 17.30: Mit den Gummisuchern im Urwald. 18: Gegenwartsfragen der Kunst. 18.30: Bleibende Werte der deutschen Dichtung. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Französisch tür Anfänger. 19.30: Volkswirtschaftsfunk. Anschließend Uebertragung aus Berlin.;. Mittwoch, 16. September: . 16: Pädagogischer Funk. 16.30: Aus Hamburg: Nachmittagskonzert. 17.30; Berühmte Orgelmeisler. 18: Auf den Spuren van Goghs in der Provence. 18.30: Mitteleuropa als Problem. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Der Beamte in Frankreich. 20.3«: Schöne Lieder, am Abend zu singen. 19.30; Deutscblandsender: Aus Leipzig: Unterhaltungskonzert. Anscbiießend Uebertragung aus Berlin. Donnerstag, 17. September; 16: Pädagogischer Funk. 16.30: Aus Berlin: Nachmittagskonzert. 17.30: Deutsche' Volksbräuche. 18; Bevölkerungsprobleme des Grenz- und Auslands- üeutschtums. 18.30: Aus der Praxis des Arbeitsrechts. 18-55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Englisch für Fortgeschrittene. 19.30; Stunde des Landwirts. 20: Deutscblandsender: Aus Hannover: Blaskonzert. 22: Wetter-, Tages- und Sppftnachr.ichtep,.' AnschUcßcbd. Uebertragung aus Berlin. Freitag, 18. September: 16. Pädagogischer Funk. 16.30: Aus Leipzig: NachraittagskoDrert. 17.30: Im Cuphrat-Wüstensturm mit Sven Hedin. 18: Volkswirtschaftsfunk. 18�0: Crtwicklune des geometrischen Denkens. 18.55; Wetterbericht für die La-nd- Wirtschaft. 19: Wissenschaftlicher Vortrag für Aerzte. 19.30; Die Welt des Arbeiters. 20: Deutscblandsender: Aus New York: Worüber man in Amerika spricht. 20.15: Aus Breslau:„Sag deine Meinung mit Musik." Eine Chansonfolge. 21.15: Aus Breslau: Abendberichte. 21.25: Aus Breslau: Konzert. An« schließend Uebertragung aus Berlin. Sonnabend, 19. September: 16: Pädagogischer Funk. 16.30: Aus Hamborg: Nachmittagskonzert. 17.30; Viertelstunde für die Gesundheit. 18: Französisch für Anfänger. 18.30: Die Beduinen. 18.56: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Stätten der Tragik. 19.30: Stille Stunde. Anschließend Uebertragung aus Berlin. Kurbadi- Ostend Täglich geöffnet 0 34, Boxhagener Slrahell 1 Von der Reise zurück ISSÄ Dr. Bakofen Klopslockstralse 44 Tdanksaeangf. Für die vielen Beweise innigster Zeil- nähme bei der Einüscherung meiner lieben Frau, unserer guten Mutter i Marie Appelt sagen wir allen Teilnehmern, ins- dsstutdere der Genossin- Meyer der 40. Abietiung der SPD., für ihre liebenollen Warte unseren herzlichsten Donk. Gustav.Appelt and Kinder. L-Juergens Alexanderplatz Neue Königslr. SPczF�ellen und. ....— Revolution im ParzellenuerKaul Zepernick Schnellbahnstrecke Bernau, 20 Pf.-Sicdlerkarte, 10 Minuten vom Bahnhof. 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Aus Sparsamkeitsgründen und well sie beide keine Angehörigen hier hatten, waren sie dann zusammengezogen. Aber trotzdem reichten die paar Mark Unter- siiitzung nicht hin. An Ausgehen konnte man überhaupt nicht denken, und so latschten sie denn nachmittags raus nach Treptow oder zu den„Zelten" und halfen dort mit vielen anderen Schicksals- genossen die Bürgersteige bevölkern, um aus den verschiedenen Gartenlokalen Musik zu schlauchen. Oder aber sie saßen abends in ihrer spärlich möblierten Bude bei dünnem Tee. Dann Hollen sie vielleicht mal die Klampfe und die Fiedel hervor und vertrieben sich mit Spiel und Gesang die Langeweile. Und eines abends plötzlich war wie aus der Erde gewachsen ein Gedanke aufgetaucht und hatte sich festgesetzt in ihre Schädel und sie nicht mehr losgelassen. Keiner wußte recht, wer ihn zuerst ausgegriffen hatte, jedenfalls war er da und wich nicht mehr von ihrer Seite.— Auf die Höf« gehen und spielen!— Ja, das wäre eine Sache!— Da hätte man doch wenigstens etwas. Und was wäre schon dabei, das machten doch heutzutage so viele, das wäre doch weiter keine Schande und im übrigen ja auch bloß vorübergehend, bis man wieder etwas Neues hätte. So schnell wie sie den Gedanken ausgegriffen hatten, so schnell war er ihnen oertraut geworden und ebenso schnell setzten sie ihn in die Tat um Schon am nächsten Morgen machten sie sich aus den Weg. Banrn im Hinterhof. Er ragt bis gtt schrrrntzlgen Fenstern —»Ott �Windeln nnd Taten verhängt— er ist von Hivterhansinauern, von CZnalrn nnd Flüren beengt. Er ist ohne Sonne gewachsen, trng manch» rnai ein grünes Blatt— das bald verwelkt nnd vertrocknet ihn wieder verlassen hat. Er fachst zwischen Schlensen nnd Grube» vergiftete 57tahrnng nnd— lebt! Sein Teib ist mit Brettern vernagelt nnd alten Plakaten betlebt. Trotz allem ist er doch glücklich nnd tansendmal besser daran als die verkümmerten l�Renschen um seinen verkrüppelten Stamm! H-«« Smsuk Sie hatten sich eine Gegend ausgesucht, die in einem ziemlich entlegenen Viertel der Stadt lag und wo sie nicht fürchten mußten, von Bekannten gesehen zu werden. Endlich war es so weit. Eine ein- same Straße war ausgesucht und nun konnte es losgehen. Sie durchschritten den Hausflur und gelangten auf einen düsteren, grauen Hof. Schwarz«, unfreundliche Fensterhöhlen, die scheinbar noch nie von einem hellen Sonnenstrahl begrüßt worden waren, starrten sie wie aus erloschenen, leblosen Augen an. Sie strebten aus die Müllkästen, die von Absallhaufen umgeben in der Mitte des Hofes standen, zu und legten ihre Jnstrumeutentästen darauf. Ein fauliger, muffiger Geruch drang ihnen aus den Kästen in die Nasen und ließ chr« sowieso vor Ausregung klopfenden Herzen bis zum Haste schlagen. Komisch, dieser erste Hof: wenn das auf allen so sein würde, konnte es ja noch gut werden. Inzwischen waren die Instrumente ausgepackt und gestimmt. Drei,»ier zählte der Geiger und das erste Stück begann. Dünn zitterten die Ecigentöne durch den engen Hof, und heiser schnarrten die Zupstöne der Klampfe hinterher, als wenn sie Angst hatten, in die grauen Wohnungen der Miets- kaferne eindringen zu müssen. Ekelhast, gar kein Schwung und keine Stimmung lagen dahinter. Sie hatten doch sonst immer so nett gespielt. Ueberhaupt hatten ssc sich das viel einfacher vor- gestellt. Neugierige Gesichter tauchten in den Fenstern auf, um sofort wieder zu verschwinden. Da plötzlich... päng... der Geiger drehte sich um. War da vielleicht schon eine Klampsensaite gerissen?! Da würden eventuell die Unkosten höher werden als die Einnahmen. Aber alle Saiten waren ganz. Er begegnete bat Augen seines Freundes und folgte dessen Blick, der auf die Erde gerichtet war. Und da sah er etwas in Zeitungspapier Ein- gewickettes liegen. Jetzt erst wurde ihm klar, daß es das erste Geldstück war, das man heruntergeworfen hatte. Eine Glutwell« färbte fein Gesicht bis an die Haarwurzeln rot. Er getraute sich nicht nach oben zu blicken, ihm war, als müßte ihm jeder ansehen, wie peinlich ihm das war. Da hatte man nun immer gedacht, wunder wie abgebrüht zu sein, und nun stand man wie ein dummer Schuljung« und traute sich vor Verlegenheit nicht die Augen auszuschlagen. Aber allmählich wich die Befangenheit. Das zweite und das dritte Stück kamen an die Reihe, öfter fielen jetzt eingewickelt« Münzen auf den Hoj und immer freier und ungezwungener spielten die beiden. Es war gerade, als ob die Geldstücke, die man ihnen zuwarf und die sie aushoben, etwas wie eine inner« Berbmrdenheit zu den Bewohnern des Hauses herstellten. Nach dem vierten Stück packten sie ihre Instrumente ein, stammelten etwas von„Herzlichen Dank" und „Wir danken auch" und oerließen den Hof. Zu blöd', da war schon wieder dieses dumme, beklemmende Gefühl: noch nicht mal richtig bedanken tonnte man sich. Da war man nun beinahe 2S Jahr« all und brachte es noch nicht mal fertig, laut und vernehmlich seinen Dank auszusprechen. Nun aber gleich weiter, ehe man aus der Gewohnheit kam. Die nächsten Höfe gingen schon besser, imd als sie eine Straßenseite abgeklappert hatten, stellten sie fest, daß inzwischen schon zwei Stunden vergangen waren. Wieviel man wohl schon hatte, ob es sich schon lohme? Sie machten eine kleine Ruhepause, setzten sich auf eine abseits stehende Bank und zählten ihr Geld. Na, es ging, man tonnte zufrieden sein. Die Fingerspitzen taten ja schon weh, aber was half es. Wellerl Die ander« Straßen- feite Hof für Hof! Es kam ihnen jetzt schon so vor, als wenn sie in ihrem Leben weiter nichts getan hatten, als mff Häfen zu spielen. Noch sechs Stunden härten sie auf. Sie konnten einfach nicht mehr. Der Rücken schmerzte, die Finger waren geschwollen und brannten wie Feuer, und der Magen knurrte und dreht« sich beinahe um, denn sie hatten in der ganzen Zell keinen Happen gegessen. Sie fuhren nach Haus«. Unterwegs wühlte» sie mit einer wahren Wollust in den Taschen. War das ein schöne» Gefühl. In jeder Tasche Geldstücke. Ueberall Geld, Geld. Zu Hanse angelangt, aßen sie Abendbrot und dann zähllen sie ihre Einnahme. 5hm, ein paar Mark waren sa doch zusammengekommen. Lange noch saßen sie und stellten sich an den Geldstücken, die sie auf den Tisch geschüttet hatten. Ehe sie dann schlafen gingen, rieben sie sich die Finger- spitzen mit Hirschtalg ein und zogen alte Handschuhe darüber, denn am nächsten Tag mußte man doch wieder spielen. Und es gang auch noch, mich am übernächsten. Aber am vierten Tage war es aus. Die Fingerspitzen waren mit Blasen besät. Nichts konnte man mehr ansoffen oder festhalten. Und so mußten sie sich wohl oder übel hinsetzen und feiern. Immerhin hatten sie ja in den drei Tagen jeder soviel verdient, daß sie sich bei richtigem Wirt- schaften ein paar Tage mit dem nötigsten oersorgen konnten. Und als der eine dann einmal allein zu Hause war, weil der andere stempeln gehen mußte, setzte er sich hin und schrieb diese Skizze. tTaller Jtnaiole 9erfich: -Das Liegen eigentlich alle Standesämter in jenen kleinen Quer. stroßen, die in ihrer Enge und Krummlinigkeit noch etwas von früher, von jenem sanften und letzten Hauch des Biedermeier in ge- drechselten Türen, Messingbeschlägen und Sonnenkringeln, quer durch Kaftanienlaub geworfen, bewahren? Es scheint fast so. In einer Hauptstraße unserer Großstädte findet man ste nicht. Dort rasen Autos, Straßenbahnen, eilige Menschen vorüber: es ist kein Raum für Besinnlichkett. jür jene» .ernsten Schritt", der der Ehe und Familiengründung vorangeht. Vielleicht sind auch die Mieten dort zu hoch. Standesämter sind dürftig möblierte, längst unmodern ge- wordene Räume. Zuweilen werden auf ihren Fensterbrettern von den— seltsamerweise meistens bärtigen— Beamten Geranien nebenberuflich gezüchtet. Ein Kachelofen verbreitet im Winter jene kohlen- oxydgashaltige Hitze, die unseren Eltern als behaglich galt. Die Tische sind gescheuert, die Stühle unbequem uno die Garderoben- stände aus vielfach gewundenem Eisenguß. � Dort ist in Schränken und Regalen das.Personenstandsregister" zu Hause. Im Durchschnitt umfaßt es etwa 200 000 Ramen, bei manchsn etwas weniger, bei manchen, ganz großstädtisch gelagerten Aemtern auch noch sehr viel mehr. 200000 Namen--- 200 000 Schicksale! Bon der Wiege bis zum Grab« beglellen des Manschen Leben sachlich«, dürr« und doch so viel verratende Auszeichnungen. Sie beginnen so: „Vor dem unterzeichneten Standesbeamten erschienen heute zum Zwecke der Eheschließung der... und W»,. Oder: .... erschien heute, der Persönlichkell nach durch Hestots- Urkunde anerkannt, der... und zeigte an... daß... ein Knabe geboren sei."' Und zum Schluß: .Auf schriftliche Anzeige des hiesigen Ltaatstrantenhauses' wird eingetragen, daß der... am... oorstorben ist." Dazwischen hat ein Mensch gelebt und um ihn lebten andere. nahe Menschen. Drei, vier Akteneintragungen in die großen, reih- auf, reihak» anemandergestsllten Bücher, ebenso viele Urkunde», zu unserer Zell schon mit der Schreibmaschine in vorgedruckte» wichtig aussehende Bogen getippt— vorbei. Gewesen. Die Anfangs- und Endpunkte eines jeden Lebens, das dieses Stadtviertel barg oder birgt, sind wieder nachzuschlagen. Seine Verzweigungen durch Eheschließungen, Scheidungen, Geburten stehen zur Verfügung— und das hat für manche Fälle«inen guten und brauchbaren Sinn. Wenn irgendwo der ordnende Bürokratismus' nützlich wird, so fft das hier der Fall. Man benötigt Papier«, für eine Trauung, für eine Erbschaft. Im Haus« sind nur einige, un- wesentliche. Bitte, das Standesamt hat alles für die weniger ord- nungsliebenden Bürger gesammelt und stellt alle gewünschten Dupli- kate gegen geringe Gebühr aus! Auch die Polizei bedient sich in zahlreichen Fallen des Standesamts. Kürzlich sich ich einen Fall. Ein Beamter kain mit umfangreicher Akte, um die Jventttät einer Zigeunerin, die immer ihren Namen.vergißt"(teils wirklich, teils— wenn sie„etwas ausgesressen hat"— mit Absicht), festzustellen. Aus mancherlei Anhaltspunkten gelingt die Aufklärung— nach umständlicher Mühe zwar, aber sie gelingt doch endlich. Die Behörde weiß nun wenigstens, mll wem sie sie Ehr« hat! Das Standesamt ist auch nicht unwichttg, um gefälschte Papier« aus ihre Gültigkeit hin zu prüfen, und neben allen diesen Funktionen erfüllt es noch die nützlichste und wichtigst«: die der selbständigen Ehe- schließung..Kraft feines Amtes" verbindet der Beamte ein Paar, dessen Wunsch es fft, das weitere Leben als Mann und Frau ge- meinsam zu führen. Ein wenig mll Herzklopfen, mit einer Frage an das Schicksal— wie wird es werde»?— betritt ein jeder in diesem Falle Sie knarrenden Stufen. Die Nüchternheit der Uni- gebung scheint eine gewisse Feierlichkeit auszustrahlen.. Cs fft«in Etwas geblieben von all den Tausenden, die gleiche Absichten an dieser Stelle mll bindenden Worten und Handlungen ausdrückten, und man spricht leise, während hinter einer Tür die notwendigen Papiere gesichtet, abermals eingetragen, neue ausgestellt werden, und hall die fünfzig Pfennige schon eine halbe Stund« zu früh bereit. Das Standesamt in der Querstraße steht in allem Wandel der Zellen. In ihm wachsen die Register um wellere Reihen; die Beam. ten haben immer die gleichen, der Allgemeinhell dienenden Bmich» hingen zu erfüllen: sie begießen mit geruhsamer Freude die Ge- ranien, schütten Koks auf den Ofen und lassen im Sommer ein wenig schräge Sonn« ins Zimmer, die langsam, aber sicher den Registerrücken der großen Cintiagungsbücher beim Verbleichen hilft. Das Leben ist hier sehr leise— es lebt im Hintergrund, aber kein Teilchen geht davon veiloren. Es kann alles nachgeschlagen und beglaubigt werden.__ Die pflanze als Erfinderin der Gleitbahnen. Professor D. F. Knall von der Deutschen Universität in Prag hat bei vielen Pflanzen auf der Blütenoberfläche Gleitbahnen entdeckt, die seiner Ansicht nach dem Zwecke der Bestäubung dienen. Insekten, die die Blüten solcher Pflanzen besuchen, gleiten nämlich auf diesen Flächen au» und stürz« so in das Inner« der Blüte, un» solcherart ihre Bestäubungsoufgabe zu erfüllen. Du Glatthaltung der Sleltdahnen wird auf eine geradezu raffinierte Weise bewirkt, Indem ein feiner Wachs- oder Oelüberzug die. geneigte Fläche schlüpfrig erhält. ..Schmus" und„Schmuser". Der aus dem Hebräischen stammende Ausdruck„Schmus" wurde früher im Frankenlande sogar in der amtlichen Schriftsprache angewandt. So Nagt noch dem Mergentheimer Stadtgerichlsarchi» im Jahre 17S7 ein Handels- mann gegen den Hirschwirt auf Zahlung von„Schmusgeld". d. h. von Provision. Einen Vermittler nennt man heute noch im Kränkt- schen den„Schmuser". Wohin �ejien, �scsaM 2 sarmtlonell« Debüt» In DeuUchl. THE 39 INQENUES SM Blrt-Stow vh Dil err. VIelilitlilalt HUDSON- WONOERS Stan». Follei-Bwjtra, ParU und d. weiteren Attraktionen I smuieOper Charlottenburg Bismarckstraße 34. Sonntag, d. 13. Sept. Turnus III Anfang 20 Uhr Zar und Zimmermann Ende gegen 23 Uhr. plAza Tägl. nachm. 5 Uhr Sonntag 2 und 5 Uhr Letzte 3 Tage 1 LEHAR-OPERETTE FRIEDERIKE Tägl. V- Uhr ebda. VARIETE 30 Pf. bis 2.. 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September 1931 2m der heutigen Schluß-Ziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2 Gewinn« sx lOOO M.»nb 2 Prämie- p SOOOOO M. ans«r. 272SOS Ferner fielen: 4 Gewinn«»u 10000 W. 159546 820126 2 Gewinne ,» 5000 M. 397646 6 E«Winne zn 3000 W. 77260 62297 276695 360«« 30 Sewinn« ,» 2000 M. 7911 26902 56316 74632 115622 124339 134452 172366 162337 200401 230576 269442 221972 22 Gewinne zu 1000 M. 33314 30244 31302 114979 162044 194653 216461 217363 276323 232234 293231 323734 262410 392425 70 Bewi-n-»u 600 M. 6854 11963 23608 44079 43185 62141 76141 104326 105487 107141 112613 134657 169592 184520 216163 223056 232667 243757 275330 280581 295005 300490 326227 332789 3391 29 346205 350884 353989 366795 374335 398414 116825 395137 180122 369981 75705 191003 307339 376192 Gegen Husten Heiserkeit Bronchialkatarrh, Keuchhusten, asthmatische und Stick- hustenanfälle, Verschleimung der Luft- und Rachenwege, Beschwerden der Atmungsorgane, u. 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Der Vorfitzeube des Vorstandes der Betriebskrankenkasse der Stadt Berlin. A h r e n s. VolHsfiarsorge Gewerkscbafllidi-Gienosscnsdiafllidic Ver- tlcfaerangs-Akliengesellsdiafi, Hamburg 5 Grfifite voiksuersicherungs- geselischaft Deutschlands Gegenwärtig rund 2,2 Millionen Vertioherte mit 900 Millionen RM. Versicherungssumme, 150 Millionen RMark Vermögen, davon Eigentum der Versicherten: Prämianreserva: über 100 Millionen RMark Gewinnanteile; 32 Millionen RMark zusammen Uber 132 Millionen RMark. Versicherungsleistungen: rund 12 MI». RMark seit NovemberT923(Ende der Inflation) Nähere Antkunft erteilen die Redinungsa teilen: Berlin s 4?. Ritterstraße 126: Berlin-Mariendorf, Rafhausstraße 93, pt; Berlin-KoDf-mck, Bahnhofstraße 34; Berlin-Lichtenberg, Frankfurter Allee 122; Berlin-Reinickendorf-Ost, Schfinhoizer Weg 39; Berlin-Pankow, Gaillardstraße 26: Berlin-Spandau. Götelstraße 5, pt, oder der Vorstand der Voiksfürsorgc in Hamburg 5, An der Alster 57—61. ülMssHMkliW-WM Allgemeine OrkSkrankenkasfc für ben Berwaliungsbezirk XI ber Stadt SchSnoborg-Arlebena» Bekavotmoctrang Der 26. Nachtrag zur Satzung durch den im ß 18 Ziff. 2 hinter„beichäftigten-«in- gefügt wird„sowie krankenversicherungs- pssichtige Arbeitslose" tritt mit dem 14. Ecp- tember 1831 in Kraft. Druckexemplare des Nachtrages find bei der Hauptstelle, Grunewatdstr. 38, und bei der Geschäftsstelle sllc Friedenau, Rhein- sttaße S, erhältlich. Berlin-Schöneberg, 12. September 1831. Oer Vorstand A. Schuldt Fritz Senß Echriststihrer. Vorsitzender. veglaublgl« Abschrift. 147 B. 358/31. Oeffentiiche Sitzung des Amtsgerichts Berlin-Mitte, Abt 147 Berlin NW 40, den 3. September 1831. Att-Moabit 11. Gegenwärtig: Amtsgerichtsrat Dr. Bue» als Amtsrichter, Justtzsetretär Seffner als Urtundsbcamtcr der Geschäftsstelle. Prioattlagefache des Rundschleifers Wladislaus Gebe! in Berlin-M-riendorf, Prllßftr. 50, Privatllägcrs, gegen den Dreher Walter Dtttmar in Bertin, Echinger Str. 26, AngcNagtcr, wegen Beleidigung. Bei Aufruf der Sache erschienen: 1. der Privattläger und Rechtsanwalt Weinberg, 2. der Angeklagte und für den Rechls- anwait Benjamin Fell Refr. Sprengel, als amtliche Berireterin. Der Angenagte teilte telephonisch mit, daß er etwas verspätet erscheinen werde, er befinde sich Hochbahn Schönhauser Allee. pp. Die Parteien schließen folgenden Per» gleich: Der AngeUagte Dittmar erklärte: Ich halte meinen Verdacht nach der heutigen Hauptoerhandlung nicht mehr aufrecht, daß der BrivatNäger Gebet de» Arbeiter Otto bei der Fa. Stock& Eo. in Marienfeibe denunzierte. Ich bedmire, bieten Verdacht in der Erregung der Aus- etnandersetzuna in der Betriebsversamm- lung der Fa. Kemper in Marienfelde vom g. 4. 1831 ausgesprochen zu haben.— Ich übernehme die Kosten des Verfahrens im gesetzlichen Umfang und bin damit ein- oerftanbeit baß mescr Vergleich einmal im„Vorwärts" und in der„Roten Fahne" aus meine Kosten perBffenHcht wird. Der Privatkläger nimmt die Privatklagc zurück. Beglaubigt Dr. Siegfried Weiitzberg. Rechts«iwaU. �»l'tauf towett Vonof. Ter&