BERLIN Montag 14. September 1931 10 P?. Jlr. 430 B 215 48. Jahrgang erscheinttSglich außer Sonntag«. Fugleich Abendausgabe de«.Vorwärt«". Bezugspreis beide Ausgaben 8i> Pf. pro Woche, Z.KvM. pro Mvnat- Viedaktion und Troedition: BerlinSWKS.Lindenstr.s Fernsprecher: Dönhoff CA. 7) 292—297 „i/hwasfa Anie«genpret«:Die einspaltige Nonpareillezetl« «o Pf., Reklamezeile 5 M. Crmüßigunaen nach Tarif. Postscheckkonto: Dvrwärts-Verlag G. m. b. H- Berlin Nr. 37 536.— Der Verlag behält sich da« Stecht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Verkrachter Heimwehrputsch pfriemer geflüchiet— Gtarhemberg verhastet— Sozialdemokraten fordern Entwaffnung und Bestrafung der Hochverräter Attentat auf Budapester D-Zug Durch Sprengstoff in die Tiefe gestürzt/ 25 Tote, 14 Verletzte Die österreichische Heimwehr hat die Welt mit einem Sonntagsputsch überrascht. In der Nacht vom Sonn- abend zum Sonntag wurden in einigen Orten der Obersteier- mark Bahnhöfe und öffentliche Gebäude besetzt, Behörden verhaftet und aller übrige Unfug getrieben, der zu einem Putsch gehört. Am Sonntagnachmittag war aber schon wieder alles vorbei, leider nicht ohne daß es zu einigen b l u- tigen Opfern gekommen wäre. Anlage und Ausführung des Unternehmens verraten mehH Unfähigkeit, als man für möglich gehalten hätte. Den- noch wäre es verhängnisvoll falsch, die ganze Aktion nur als eine Lächerlichkeit zu behandeln. Den politischen Schaden, der durch sie angerichtet worden ist, wird das arme Oester- reich noch zu spüren bekommen. Und was es für D e u t s ch- l a n d bedeuten würde, wenn sich eines Tages hier etwas Aehnliches, wenn auch mit dem gleichen Erfolge, abspielen würde, das läßt sich gar nicht ausdenken. Die enge Zusammenarbeit der österreichischen Putsch- Organisationen mit den deutschen ist bekannt. Auch im Jnter- esse Deutschlands muß gefordert werden, daß das Nest in Oesterreich diesmal endlich gründlich ausgeräuchert wird. In Deutschland selbst muß rechtzeitig dafür gesorgt werden, daß die Frechheit des Hakenkreuzpöbels nicht in den Himmel wächst. Die Iudenhetzen auf offener Straße, wie sie der Berliner Westen am Sonnabend erlebte, sind eine n a t io n a l e S ch a n d e. Es ist notwendig, daß diesem Treiben mit aller Energie entgegengetreten wird. Nur so lassen sich üble Dinge verhindern, vielleicht noch üblere, als sie Oesterreich soeben erlebt hat. Die österreichischen Heimwehrfaschisten haben auf die Berzweiflungsstimmung spekuliert, in die die Bevölkerung durch das erpresserische Vorgehen des französischen Finanzkapitals versetzt wurde. Die Oesterreichische Nationalbank hat in der schweren Finanzkrise des Juli 1931 auf Veranlassung des damals noch regierenden britischen Ar- beiterkabinetts 159 Millionen Schilling Darlehen durch die Bank von England erhalten. Zur Zurückzahlung dieses Dar- lehns braucht das bettelarme, zur„unabhängigen" Lebens- Unfähigkeit verurteilte Land eine langfristige Anleihe, die ihm nur jene Mächte gewähren können, die es in dieser„Unab- hängigkcit" halten. Die Verhandlungen in Genf sind noch nicht zur Formulierung der Bedingungen gediehen, doch hat man erfahren, daß sie auf Abbau von Personal, Herab- drückungder schon soniedrigen Gehälter, Ver- kürzung der ohnehin schon unzureichenden Arbeitslosen- f ü r s o r g e hinauslaufen. Es hat sich gezeigt, daß das österreichische Volk trotz seiner grenzenlosen Not auf eine Rettung durch den Faschismus verzichtet, weil es an diesen Retter nicht glaubt. In Paris aber sollte man nachdenken...1 Der Verlauf des puisches. Wien, 14. September.(Eigenbericht.) 5« der Nacht zum Sonntag gegen Mitternacht unter» nahmen die östereichischcn Heim wehren einen Putschversuch. Mit Karabinern und Ma- schinengewehren bewaffnet gingen sie von Bruck und anderen Drten aus gegen verschiedene Jndustrieorte vor. In mehreren Städten wurden die Bezirkshauptmann- fchaften beseht. Der Hauptplah von Bruck war von den Heimwehren mit Maschinengewehren beseht. In samt- lichen Jndustrieorte» Dbcrsteiermarks hatten die H-imwehrleutc die Straßen beseht und Maschinengewehre aufgestellt. In allen Orten wurde eine Proklamation P f r i e m e r s angeschlagen, die„die Verfassung aufhebt" und sagt:, „Ich enthebe mit dem heutigen Tage sämtliche Militär-, Gendarmerie- und Polizeibeamte ihres Eides und über" nehme die Staatsgewalt." B u d a p e st, 14. September.(Eigenbericht.) In der Nacht zum Sonntag wurde der D.-Zug Budapest— Wien— Breslau— Köln gegen 23.30 Uhr eine halbe Stunde hinter dem Budapester Ostbahnhof» bei der Station Biatorbagh das Opfer eines schweren Verbrechens. 25 Personen wurden getötet, 14 schwer und zahlreiche leicht verletzt. Als der ziemlich stark besetzte Zug den Eisenbahn- Viadukt bei der genannten Stelle passierte, c n t- gleiste die Maschine des Zuges und st ü r z t c mit den Wagen 24 Meter in die Tiefe. Ein Teil des Zuges geriet in Brand. Der Lokomotiv- führcr, der Heizer, der Fahrkartenkontrollcur des Exprcßzugcs» ein Postbeamter, mehrere Eisenbahn- bcamte, ein Dorfnotar mit seiner Frau, einige Tage- löhner und fünf Frauen wurden auf der Stelle ge- Heute abend: Alles in den Sportpalast! In Miirzzuschlag verlangte die Heimwehr von der Gendarmerie die Uebergabe der Macht, was jedoch verweigert wurde. In Judcnburg machte die Heimwehr morgens den Versuch, die Bezirkshauptmannschaft zu be- sehen. Sie wurde aber vom Bezirkshauptmann abgc- wiesen. Um 1410 Uhr ist Gendarmerie von Bruck ein- marschiert und hat die von der Heimwehr verhafteten Po- lizisten befreit und die Stadt von der Heimwehr geräumt. Im Auftrage der Regierung ist in Judenburg Mi- litär einmarschiert und hat die öffentlichen Gebäude be- seht. In Kindberg hat die Heimwehr den Bahnhof be- seht. In Kirchdorf in Oberösterreich wurde der Bezirks- Hauptmann von Heimwehrleuten verhaftet. Er wurde nach kurzer Zeit von der Gendarmerie befreit und zwei Heimwehrführer verhastet. Tie Heimwehr hat auch den Phhrn-Paß zwischen Telztal und Linz beseht. Ebenso wurde der Ort Bad Aussee eingenommen. Gegen Mittag ist die Heimwehr aus Bruck in Lastautos und requirier- ten Postautos abgezogen. Tie führte vier Maschinen- gewehre mit und erklärte, wieder zurückkommen zu wollen. Auch aus dem Ennstal wurden große Ansamm- lungen von Heimwehrleuten gemeldet. Die Nachrichten über den Putsch kamen frühmorgens in die Zentrale der Sozialdemokratischen Partei und des immer aktions- bereiten Republikanischen Schutzbundes. Rasch wurde das nötige Redaktions-, Druck- und Expeditionspersonal am Sonntagmorgen aus den Wohnungen herbeigeholt und bald erschien eine Sonder- ausgäbe der„A r b e i t e r- Z e i t u n g". die Wien und seine weite Umgebung, dann auch die Provinzstädte alarmierte; im Laufe des Tages folgte noch ein« zweite. Der Schuhbund wurde mobilisiert und bezog die vorgeschriebenen Bereitschaften unter der Parole: kein Vorgehen, aber stärkste Abwehr jeden Angrisss! tötet. Eine amtliche Tarstellung führt die Katastrophe auf die Explosion einer Höllenmaschine zurück. An der Unglücksstcllc wurde ein Zettel gefunden mit Drohungen gegen die kapitali- st ische Gesellschaft. Es heißt dann weiter, daß den Arbeitslosen durch das Attentat neue Arbeits- gclcgcnhcit geschaffen werden sollte. Angeblich wurden der Zettel und Reste der Bombe von der Budapcstcr Polizei beschlagnahmt. Außerdem wird mitgeteilt, daß die Gendarmerie etwa zehn Minute« nach der Katastrophe einen Mann fcstgenom- mcn hat, der den Schienen entlang in der Richtung nach Budapest lief. Er soll sich für einen Ingenieur ausgegeben haben. Später wurde ein zweiter ver- dächtigcr Mann verhaftet, ohne daß die wirkliche Ursache der Katastrophe bisher aufgedeckt worden wäre. (Weitere Meldungen siehe auch zweite Seite.) Die sozialdemokratischen Forderungen. Der sozialdemokratische Parteivorstand und der Vorstand der freien Gewerkschaften haben am Sonntag durch die Abgg. Seitz, Bauer und Danneberg der Regierung folgende Forderungen über» reicht: Sofortige Niederwerfung des Putschversuch» mit den Mitteln der Staatsgewalt und Verhaftung der Hochverräter, sofortige Anwendung der Bestimmungen der Bundes- Verfassung, daß die Bundesregierung die Angelegenheilen de» Sicherheitsdienstes den Sandesbehörden abnehmen und eigenen Organen übertragen kann, sofortige Arei- m a ch u n g der von den heimwehren besetzten Eisenbahn- stationen. Für den Fall, daß diesen Forderungen nicht binnen kürzester Frist entsprochen wird, behalten sich Partei und Gewerkschaften die Ergreifung aller zweckdienlichen Mahnahmen vor. Bunde»- kanzler Dr. Luresch erklärte, daß die Regierung alle Macht- mittel anwenden werde, um den Putsch noch am Sonntag zu beenden. Von verschiedenen Orten waren Militärabteilungen nach Obersteiermark abgegangen, vor allem aus Glaz, Klagenfurt und auch aus Wien. Mittags erfolgte in hönigsberg bei Mürzzufchlag ein Z u s a m m e n st o ß. Als die Heimwehr versuchte, die Ortschaft zu besetzen, wurde sie von Arbeitern davongejagt. Während des Zu- rückgehens schössen die Heimwchren aus Maschinengewehren. In Kapsenberg versuchte die ljeimwehr das Arbeiterheim anzugreifen. Die Gendarmerie ging gegen die Heimwehr vor uird räumte den Platz. Zm Rückzug schössen die heimwehrler auf die Arbeiter. Es wur- den zwei Arbeiter gelötet, drei Arbeiter und ein heimwehr. mann verletzt. Ferner wird gemeldet, daß in Mariazell be-. waffnete heimwehr den Bahnhof beseht hat. Schuhbund hat die heimwehr aus pernegg verjagt. Am frühen Nachmittag ließ die Regieruirg mitteilen, daß Haft- befehle gegen die Heimwehrführer Pfriemer, Rauter und Graf Lamberg erlassen worden sind. Es hat den Anschein, als wenn der Putsch im Abflauen begriffen ist. In der Partei herrscht der Eindruck vor. daß die Regie- rung zuerst infolge der Sabotage des steierischen Landeshaupt- manns Rintelen nur zögernd gegen den Putsch vorgegangen ist. Dr. Rintelen ist ein christlichsozialer Erzreaktionär. Das ent- schieden? Austrete» der Arbeiterführer gab der Regierung ober bald größere Energie� Abends, als die Dunkelheil anbrach, halte der Spuk sein Ende gefunden, 12 Stunden nach Beginn des putschez war das oet- brecherische Unternehmen beendet. Die Leitung der Bundespolizei hat der Bizekanzler Dr. Schober wieder übernommen. Der Putsch ist offenbar 24 Stunden zu früh begonnen worden und die Aktion infolgedessen auf Steiermark be> schränkt geblieben. Starheinberg soll am Sonnabend versucht hoben, den Linzer Brigadekommandeur zur Unterstützung des Putsches zu gewinnen. Der Brigadekommandeur soll jedoch von vornherein abgelehnt haben. Die„Arbeiter-Zeitung" berichtet, der steirische Landeshauptmann Dr. Rintelcn habe zunächst oersucht, die Verfälle als unbedeutend hinzustellen. Infolgedessen sei das Grazer Militär erst so spät in Aktion gesetzt worden, so daß die Putschisten sich oorübergei/end die Rechte der Verwaltungs- und Polizeibehörden angemaßt, sogar Staatsbeamte verhaftet und sie erst nachmittags, als die Aktion gescheitert war, wieder freigelassen haben. Starhemberg und Co. verhaftet. Wien, 14. September. sEigenbericht.) Starhembcrg, der Führer der österreichischen Heim- Mehr» ist heute morgen um 10 Uhr auf dem Schlos! des ehemaligen Grafen C o r e t h in Hochstarten bei Weißen- kirchen verhaftet worden, zugleich mit ihm auch Coreth. ebenso in Graz der Gehilfe Pfriemers, der Heimwehr- fiihrer Jng. Nauter. Fn Wien wurde auch ein Beamter der Bezirkshanptmannschaft Bruck, der an der Absetzung des Bezirkohauptmanns mitgewirkt hat. verhaftet. In Leobcn wurden sieben Heimwehrleute dem Kriegsgericht eingeliefert. Fetzt wollen die Heimwchrführer mit dem Putsch nichts zu tun lzaben. Pfricmer und Nauter lassen erklären, daß sie zurückgetreten sind, und Steidle wie auch Starhembcrg erklären, daß sie mit dem Putsch nichts zu tun haben. Bei den Ätill Heimwehrmänncrn, die den Buchberg nächst Klostcrncuburg in militärischer Formation am Sonntagnächnvittag beseht hatten und durch Wiener Sicherheitstaache noch abends verhaftet wurden, sind im- gefähr 30 Handfeuerwaffen beschlagnahmt, außerdem eine Anzahl Gewehre im Walde gefunden worden. Am Sonntag nahm die Wiener Polizei in den Sekretariaten und Bezirkslokalc» des Wiener Heimat- schuhverbandes und des Vaterländischen Verbandes Star- Hemberg Haussuchungen vor. Gs wurden Gewehre. aftrabiner, Pistolen. Bajonette. Totschläger und Stahl- Helme beschlagnahmt. •1* � Bundeskanzler Dr. Burefch und der Finanzministcr sind im Flugzeug nach Genf zu den Kreditoerhandlungen abgereist. Man wird nun doch wohl erkennen, was man mit Erpressungspolitik erreicht. Die putschpefi. Die pnffchisien auf der Suche nach dem Alibi. Nach dem Mißglücken des Putsches entsteht die Frage: was geschieht mit den Putschisten, mit den in flagranti ertappten Hochverrätern? Wir haben in Deutschland Erfahrung in der Beantwortung der Frage. Wir haben den Kapp-Putsch und den Hitler-Putsch gehabt, und was ist den Putschisten geschehen? Ni ch t s! Die Herren Putschisten besorgen sich zunächst einmal e i n Alibi, und die erfahrene Hugenberg-Presse in Deutschland beeilt sich, für das Alibi zu sorgen. Der„Montag" des Herrn Hugenberg teilt in fetten Lettern mit:„Fürst S t a r h c m- berg, Dr. Steidle und die Nationalsozia- listen gegen D r. Pfrieme r." St.arhembcrg hat zwar Offiziere des Bundesheeres in Linz zum Eidbruch zu be- wegen gesucht, er ist mit schwer bewaffneter Mannschaft in Amstetten erschienen— aber auch da ist die Ausrede schnell gefunden: er Hobe sich der Bundesregierung zur Aerfügung stellen wollen. L u d e n d o r f f ist ebenfalls nur ganz zufällig am Brandenburger Tor spazieren gegangen, als der Kapp- Putsch begann, und wahrhastig, er ist mit dieser Erzählung vor Gericht durchgekommen! Bald werden wir aus der deutschen rechtsradikalen Presse hören, daß der Heimwchrputsch eine ehrenvolle, verdienstliche, wahrhaft nationale Tat gewesen sei. und daß den Putschisten eigentlich der Dank der Nation gehöre. In Steiermark ist die Bombe geplatzt. Die zum Bürgerkrieg geschulten Horden sind losgegangen. Ihre Freunde in Deutschland rüsten inzwischen weiter. In Berlin gibt es nach unwidersprochenen Mitteilungen 100 Hakenkreuz- Unterkünfte, Wohnungen, die kasernenmäßig hergerichtet sind, in denen ständig SA.-,Bereitschaften liegen, die zu Krawallzn'eckcu alarmiert werden können. Der innere Zusam- menhang dieser Nazitasernen mit dem unaufhörlichen Klein- krieg auf den Straßen ist ganz offenkundig. Der Ueberfoll auf dem Kurfürstendainm und in der Fasancnstraße am Sonn- abendabend bei dem ein regelrechter Judenpogrom veran- staltet werden sollte, war«ine wohlorganisierte Angelegen- heit. Will man die Täter fassen? Dann fasse man die In- fassen der Hakenkreuzkasernen! Aber die haben natürlich ihr Alibi. Ihre Führer haben auch ihr Alibi. Genau wie Star Hemberg und Steidle. Wir sind nur gespannt auf das Alibi von P f r i e m e r! Llnruhige Börse. Starke Kurseinbrüche.— Auch Pfandbriefe rückgängig. Obwohl der heutige Zahltag für die hinausgeschaben« Glall- siellung der ans d-n Börsentermingeschästcn stammenden Ultimo- August-Differenzen verhältnismäßig glatt verlief, herrschte an der heutigen Börse eine allgemeine starke Unruhe. Politische Momente, besonders der versuchte Hcimwehrputsch in Oesterreich, trugen wesenllich hierzu bei. Auf dem Aktienmarkt traten in- folge gänzlichen Fehlens von Käufen und stärkeren Angebots, das von verfchiedentlichen Zwangsexekutionen herrühren dürste, größere Kurseinbußen ein. Auch die Aufwärtsbcwegung auf dem Pfandbrief markt und bei den übrigen Renten- papieren erlitt heute einen größeren Rückschlag. Im Durchschnitt sanken Pfandbriefe und Kommunalobligationcn um etwa 2 Proz. Von welcher Seite hier das stärkere Angebot stammte, war noch nicht ersichtlich. Jedenfalls zeigt sich jetzt deutlich, daß die stürmische Verkleinerung des Landtags Wahlrechtsänderung durch eine preußische Roiverordnung Die Notverordnung des preußischen Stents- Ministeriums, die die seit einiger Zeit angekündigten Sparmaßnahmen enthält, ist heute erlassen worden. Tie Veröffentlichung erfolgt noch im Laufe des Tages. Die Verordnung ist vom lZ. September datier l. Sie gliedert sich in fünf Teile und enthält außerdem Richtlinien für die Feslsehung der Bezüge von Gemeindebeamten. Rlit der Sparaotverordnung wird gleichzeitig eine verord- nung zur Aenderung des Landeswahlgefehes vom 24. August 1931 veröffentlicht, die ebenfalls vom 12. September datiert ist. § 1 dieser Verordnung bestimmt, daß künstig jedem kreismahl- vorschlage so viele Abgeordnetensitze zugewiesen werden sollen, daß je einer aus 60 000(an Stelle von 40 000) abgegebenen Stimmen kommt und daß entsprechend auch bei den Wahlkreisvorschlägen und bei den Landeswahlvorschlägen aus 60 000 Reslstimmen ein Sitz(an Stelle von 40 000 Reststimmen) entfällt. Räch dieser Verrechnung verbleibende Reststimmen werden nur noch berücksichtigt, wenn wenig- stens 30 000 Stimmen(bisher 20 000) abgegeben worden sind. Diese Verordnung tritt nach ß 2 mit dem Tage in Kraft, an dem die nach- sten Hauptwahlen zum Preußischen Landtag bestimmt werden. Der erste Teil der Sparnotverordnung enthält die Aeuderun- gen au den Besoldungsgesehen, der zweite Teil enchäll sonstige Maßnahmen zur Sicherung der haushalte. Der drille Teil beschäftigt sich mit der Ausgleichszulage, der vierte Teil eul- hält Kondcrbcstimmuugen für Gemeinden und Gemeindeverbände, der fünfte Teil regelt die Gebühreuabgaben der Rotare neu. Das Attentat von Biatorhagy Einzelheiten von der v- Zug-Katastrophe (Fortsetzung von der 1. Seite.) Die Unglücksstättc am Eisenbahnviadukt bei Biatorbagy bietet ein furchtbares Bild der Zerstörung. Die Lokomotive und einer der abgestürzten wagen habe« sich tief in die Erde eingebohrt. Es war ein besonders glücklicher Zufall, daß der Zug nur wenig beseht war. Bei dem Unglück stürzte einer der Passagiere, Gras P a l s s y. aus dem Zuge, ohne jedoch ernstlich verletzt zu werden. Er lies sofort In das nächste Dorf und holte die erste Hilfe herbei. Aus Budapest wurden sofort mehrere Hilfszüge entsandt. Außerdem erschienen neben der Budapester Relwngsgesellschast größere Polizei- und Gendamerieableilungen am Unglücksort. Der Zettel an der Unglücksstälte war wie folgt beschrieben: „Wenn den kapitalistische Staat uns kein Brot gibt, verschaffen wir es nns anders. Sprengstoffe und Benzin haben wir genug." Die beiden verhafteten konnten bei ihrer Vernehmung nicht sagen. wie sie au die llnglücksslelle gelangt sind. Außer der Maschioe stürzten zwei Schlafwagen, drei Pulman-Wagen und der Gepäckwagen in die Tiefe. Zm einzelnen handelt es sich um folgende Wagen: 1 Schlafwagen Budapest— wicn— Osteude, 1 Schlaswageu Bukarest— Budapest— Wien. 1 Personenwagen Bukarest— Ostende, 1 Personenwagen Budapest— Genf, 1 Personenwagen Budapest— Basel— Paris. Da die Strecke zweigleisig ist, konnte der Verkehr aufrechterhalten werden. Unter den Toten befinden sich der Lokomotivführer und drei iveitere Eisenbahnbeamle, serner ein Postbeamter und ein in Amerika wohnender Ungar. Ob sich auch Deutsche unter den Toten und verwundeten befinden, steht noch nicht fest. Unter den Schwerverletzten befinden sich zwei Engländer, Elemcns Harry und Leopold hart- l c y, ein Iranzose namens R o l h a u l l und ein wiener mit Ramen Karl Kornfeld. Roch einer ergänzenden Mitteilung war die Höllenmaschine mit einer Taschenlampenbalterie tschechischer Herkunft verbunden. Ein Passagier berichtet. Ein Augenzeuge des Attentates schildert das furchtbore Erlebnis folgendermaßen:„Ich bestieg in Budapest den ersten Wagen des Wiener Schnellzuges. Da aber kein Platz vorhanden war, begab ich mich in den vorletzten Wagen und legte mich dort zum Schlaf nieder. Nur diesem Umstand habe ich es zu verdanken, daß ich mit dem Leben davongekommen bin. Elwa 10 Minuten nach Abfahrt des Zuges ereignete sich das Unglück. Ich wurde durch eine furchtbare D e t o- nation und ein ohrenbetäubendes Getöse aus dem Schlaf geweckt, im gleichen Augenblick erloschen sämtliche Lichter. Die Pcssag.ere wurden von ihren Plätzen geworfen, niemand wußte im erste» Augenblick, was geschehen war. Erst alz Hilferufe ertönten, mu-ds man sich dessen bewußt, daß eine Katastrophe eingetreten sein mußte Da vollkommene Finsternis herrschte, konnte vorerst über- Haupt nicht an Rettungzarbciten gedacht werden. Eine Stunde spä-r trafen die Feuerwehren«in, die jedoch vergessen hatten, Fackeln mit- zubringen. In aller Eile wurden dann Scheiterhaufen errichtet, bei deren: Schein an die Rettungsarbeiten geschritten wurde. Die wagen des Zuges hingen grähtenteils über dem 24 Meter liefen Abgrund zwischen Himmel und Erde, so daß man die Trümmer nicht erreichen konnte. Erst als später Polizei und Militär hinzukam, konnten die Rettungs- und Bergungsarbeiten mit oereinten Kräften aufgenommen werden. Wie sich herausstellte, waren die Taschenuhren des Zug- personal? in dem Augenblick stehen geblieben, als sich die Katastrophe kurz nach Mitternacht ereignete. Auf der Tätersuche. Die Budapest er Polizei steht mit der Berliner Kriminalpolizei, namentlich mit Kriminalrat G e n n a t, in ständiger Verbindung, um auf Grund gegenseitiger Mitteilungen zu klären, ob nicht ein Zusainmeuhang zwischen dem Eisenbahnanschlag bei Jüterbog und dem bei Biatorbagy, einem überwiegend schwäbischen Dorf, eine Verbindung besteht. So viel ist gewiß, daß die Höllenmaschine deutschen Ursprungs ist. Es sollen sich beim gegenseitigen telephonischen Austausch der Beobochlunzen viele Anhaltspunkte für die Annahme ergeben haben, daß die Anschläge aus die gleiche Art begangen worden seien, vielleicht nach Verabredung. Als Täter kommen im Umgang mit Sprengstojsen vertraute Personen in Frage. Die beiden Batterien, die den Kurzschluß in dem mit etwa 2 Kilogramm Ekrasit gefüllten Koffer auslösten, sind Erzeugnisse der Orion-Glühlampen-Gescllschaft. Bei Verhör der Vertreter der Orion-Gesellschaft wurde festgestellt, daß die Batterien in der Zeit zwischen dem 30. August und dem 5. September in den Handel gekommen sind. Es wird nun besonders nach dem Verkäufer der beiden Batterien geforscht. Man ist der Ueberzeugung. daß die Attentäter das Land nicht verlassen konnten, da die Grenzstationen sofort von dem Anschlag verständigt wurden. Die Budapest er Polizei will festgestellt haben, daß das Eisenbahnattentat boljchcwistijchen Ursprungs ist. Es ist wahrjchcin- lich von mehreren Tätern verübt worden, die vermutlich mehrers Kilogramm Asche rn i t A k r a s i t an Ort und Stelle brachten. Die Zahl der Todesopfer hat sich im Lause der Nacht auf 23 erhöht. Um i?l Uhr nachts ist der englische Kaufmann Harry Clemens aus London feinen Verletzungen erlegen. Der Zustand van vier Schwerverletzten ist lebensgesährlich, so daß sich die Zahl der Todesopser noch erhöhen dürste. Für die Ergreifung der Attentäter wurde eine hohe Belohnung ausgesetzt, honvedminister Gämbös, der die Nach- sorschungen leitet, erklärte, daß die Fäden des Attentats bis nach Kopenhagen und London reichen. Bereits 40 Minuten nach dein Attentat sei der Ostbahnhof in Budapest von Kopenhagen und 20 Minuten später von London telephonisch angc- rufen worden. Der Ostbahnhas wußte zu diesem Zeitpunkt mir die bloße Tatsache der Katastrophe. Die unbekannten telephonischen Anrufer erkundigten sich jedoch bereits nach einem„Eisenbahn- anschlag in der Nähe von Budapest". Deutsche Ozeansiieger gestartet. London. 14. September. wie aus Lissabon gemeldet wird, sind die deutschen Flieger Rady und Zohannsen in Begleitung eines Spaniers am Sonntag um 9.30 Uhr zum Atlantikslug gestartet. Das Flugzeug war vor einiger Zeit von Berlin nach Lissabon geflogen. Aufwärtsbewegung bei den festverzinslichen Werten und das ganz- liche Versagen einer Kursregulierung höchst ungesund waren. Die Kursverluste auf dem Aktienmarkt waren durchweg be- trächtlich. JG.- Farben verloren 9 Punkte und sanken bis auf SS gegen 104 Proz., Siemens büßte ll Punkte«in und der Kurs stellte sich auf 102 gegen 113% Proz.. und auch die Kaliwerk- Salzdetfurth hatten einen starken Einbruch— von 148 bis 140 Proz. zu verzeichnen, harpener Bergbau konnte sich nach den größeren Kursverlusten der letzten Tage mit 33 Proz. behaupten. Auf dem Elektromarkte verloren G e s f ü r e l 4 Punkte und stellten sich auf 39 Proz., während RWE.(Rheinisch-West- fälische Elektrizitätswerke) von 78 auf 73 Proz. sanken. Stadt des Schreckens. T200 Tote in Belize.- Seuchengefohr.— Standrecht verhängt. New Po rk, 1-1. Teptember. tEigcnbericht.) Tic Unwetterkatastrophe bei Belize hat nach aintlichcn Feststellungen ILOO Personen das Leben gekostet. Bisher konnten 700 Tote geborgen werde». Da in Anbetracht der großen Hitze Seuchengcfahr befürchtet wurde, hat man das am meisten verheerte Stadtviertel in Brand gesteckt. Inzwischen hat der Gouverneur das Standrccht verhängt, da der NZijngel an Nahrungsmitteln bereits zu Hungerrevolten geführt hat. Riesenbrand in Misdroy. Hotel völlig niedergebrannt.- Selbstmord des Besitzers. Wiedroy. 14. September. Die an der Strandpromenade gelegene Bäderpension„B c l- v e d e r e" brannte in der Nacht zum Sonntag aus bisher noch ungeklärter Ursache bis auf die Umfassungsmauern nieder. Von dem Mobiliar des aus 100 Zimmern bestehenden Gebäudes konnten trotz der tatkräftigen Rettungsorbeilen der herbeigeeilte!, Feuerwehr nur wenig Möbelstücke aus dem Erdgeschoß gerettet werden. Den noch in der Pension weilenden Kurgästen gelaug es. sich rechtzeitig aus der brennenden Pension in Sicherheit zu bringen. An, Sonntag morgen wurde der Besitzer des abgebrannten Hauses, der Hotelier Bruns, im Keller seines Hauses erhängt aujgcfundcn. Gerüchte um Wiitsmann. OaS große Begräbnis abgesagt. Karlsruhe, 14. September. Die vorgesehene seicrliche Uebersührung der Leiche des Staatspräsidenten Witlemonn nach dem Landtag und der feierliche Trauerzug vom Landtagsgebäude nach dem Friedhof, der für Montag nachmittag vorgesehen war, wird überraschender- weise nicht stattsiilllen. da der Staatspräsident an einer über- tragboren Krankheit gestorben ist. Die Aerzte haben fest- gestellt, daß der Staatspräsident einer Typhuserkronkung erlag. Die Leiche des Staatspräsidenten wurde am Sonntag i n aller Stille zum Friedhof übergeführt. Der zuständiac Vc- zirksarzt wird eine nähere Untersuchung über den Ä r a n k- heitsverlauf vornehmen und dem Staatsministerium darüber Bericht erstatten. Di- Oeffcntlichkeit wird davon unterrichtet werden. Reichsbannerfest am Kunkimm Das große Gporifest im Avus-Gtadion/ Trotz Mgen Massenbesuch Gleich im Anfang erzielte Kottbug dos erste Tor durch glänzendes Zufammsiispiel des Sturms. Wedding zeigte sich in der Kombi- nation entschieden säzwächer. Nur der glänzende Tormann wehrte mehrere haarscharf sitzende Torschüsse der Kottbusser al>. Noch in der ersten Halbzeit erzielt Kottbus den 2. Torschuß. Da Wedding infolge vieler vom Schiedsrichter erteilter Strafstöße wegen Ru>k- wärtsballgebcn und unzulässiger Behinderung des Gegners nicht zur Entfaltung seines Angriffs kommt, muß sich die Mannschaft oor■or Pause mit einem einzigen Tor begnügen. In der zweiten Halbzeit wogte das Spiel lange Zeit unentschieden hin und her. Der vom unaufhörlichen Regen glatte Rasen ließ ein energisches Spiel kaum aufkommen. Erst kurz vor Schluß erzielte Wcdding das Ausgleichsund bei verlängerter Spielzeit das Entscheidungstor, Damit hatte Aufbruch sunt gepäckmarfeh Berlin-Wedding mit 3: 2 und den von einem Flugzeug der Ziga- rettenfirma Bergmann abgeworfenen Siegeskranz gewonnen. Während des Handballspiels hatten auf dem hinter den Tri- bünen liegenden Gelände die Sanitäter die Hilfeleistung bei einem Explosionsunglück und die Jungbannerwondergrupps den Bau von Zelten vorgeführt. Die Preisverteilung, bei der Berlin-Wedding die meisten Preise einheimsen konnte, wurde durch eine Rede des Kameraden Stelling vom Bundesvorstand eingeleitet, der im Namen des anwesenden Bundesführers Otto H ö r s i n g den Dank und die Zu? friedenheit für die Leistungen aussprach und dazu ermahnte, die Arbeit zielbewußt weiter fortzuführen. Gelbstmord eines Maklers. Mit der Frau gemeinsam in den Tod/ Durch Gas vergistct Der 7Zjährige Börsenmakler Hermann Schotkländcr und seine gleichaltrige Frau Alma wurden heule früh in ihrer Woh- nung in der Menzelstraße IS in Schöneberg durch Gas vergistet tot aufgefunden. Scboitländer ging es in letzter Zeit finanziell außerordentlich schlecht. Da er, wie aus dem Abschiedsbricf hervorgeht, auch sehr trübe in die Zukunft sah, faßte er mit seiner Frau den Entschluß. freiwillig in den Tod zu gehen. Die alten Leute drehten im Bode- zimmer den Hahn des Gasbadeofens auf, wo sie bald der Ein- Wirkung der ausströmenden Gase erlegen sein müssen. Die Tragödie wurde heute früh durch Hausbewohner entdeckt, als sich auf dem Treppenflur starker Gasgeruch bemerkbar machte. Die alarmierte Polizei und Feuerwehr fanden dann das greife Ehepaar im Bade- zimmer tot auf. Auio rammi Brandenburger Tor Die schwierige Einfahrt.— Autobus fährt gegen Pfeiler. Am Brandenburger Tor ereignete sich heute vormittag ein schwerer Autobusunfall, bei dein mer Fahrgäste erhebliche Verletzungen erlillen. Der Führer eines Autobus der Linie 13 wollte um Vi\0 lihr durch das Brandenburger Tor in die Straß? Unter den Linden-in- biegen. Offenbar imhm er die Kurve zu kurz und das schwere Fahrzeug prallte mit großer Wucht gegen den zweiten südlichen Torpfeiler. Der Autobus wurde schwer beschädigt. Durch die Wucht des Zusammcnpralles wurden die Fahrgäste zum größten Teil von ihren Sitzen geschleudert. Außerdem wurden vier Per- sonen durch Glassplitter erheblich verletzt. Die Verunglückten wurden in die Eharite gebracht. Wieder tödliche Motorradunfälle am Sonntag. Trotz des schlechten Wetters am gestrigen Sonntag herrschte auf den Ausfallstraßen ein reger Motorrad- und Autoverkehr. Leider sind wieder mehrere Unfälle mit tödlichen Folgen zu verzeichnen. Auf der Müggelheimer Chaussee raste der 32 Jahre alte Polizeihauptwachtmeister Otto Krüger mit seinem Motorrad gegen den Pfeiler einer Autobushaltestelle. Krüger und seine Be- gleiter, die auf dem Sozius und im Beiwagen saßen, der 34jährige Paul Krüger, die 2<)jöhnge Margarete S ch m e i ß e r und deren 16 Jahre alte Schwester Elfriede, wurden schwer verletzt ins Köpe- nicker Krankenhaus gebracht. Der Schupo ist seinen Verletzungen erlegen. Der zweite tödliche Unfall trug sich am Sonnlagsrüh an der Dunkelforter Brücke bei Gcnthin zu. Dort fuhr der Kranken- pfleger Paul Kohl aus Berlin-Weißensse gegen einen Baum. Das Motorrad ging völlig in Trümmer, K. wurde auf der Stelle getötet, sein Begleiter mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Genthiner Krankenhaus gebrocht.— Am Adlergestsll stießen am Sonntag- vormittag zwei Motorräder in voller Fahrt zusammen. Bier Per- sonen wurden verletzt, zwei davon mußten ins Köpenickcr Kranken- Haus überführt werden. Außerdem ereignete sich eine weitere Zahl von Unfällen, bei denen die Verunglückten in die Krankenhäuser transportiert werden mußten. Vier Tote bei einem Verkehrsunfall. Nürnberg. 14. September. In Buch bei Nürnberg stieß ein mit Aepfeln beladener Last- kroftwagen, auf dem sich neun Personen befanden, mit einem Möbel- transportwagen zusammen. Der Lastkraftwagen wurde völlig z-r- trümmert. wobei drei Personen sofort den Tod fanden. Ein ISjäh- riges Mädchen starb auf dem Wege zum Krankenhaus. Ein Mann liegt lebensgefährlich verletzt darnieder. Kommunisten schießen auf Reichsbanner Die„Einheitsfront" in der Praxis. Hamburg, 14. September.(Eigenbericht.) Zu der Nacht zum Sonntag es in Hamburg zu sehr schweren Zusammen st ößcn zwischen Kommunisten und Reichsbannerleuten gekommen. Als Rcichsbannerleule ein kommunistisches Lokal passierten, wurden sie von Kommunisten überfallen und beschossen. Darauf entwickelte sich eine Schlägerei, bei der l4 Perjoucn hieb- und Slichverlehungen erlitten. die ihre Rebersührung in ein Krankenhaus erforderlich machten. JJollzeibeamle griffen schließlich ein. Einer von ihnen mußte in der Notwehr einen Schuß abgeben, durch den eine unbeteiligte Hausangestellte eine Vcinverlehung erlitt. Durch die Schüsse der Kam- munistcn wurden zwei Reichsbannerkamcroden erheblich verletzt. Einer erhielt einen Veckenfchuß. der zweite Armschüsse. Auch am Sonnlag kam es verschiedentlich zu Zusammenstößen. bei denen wiederum von den Kommunisten geschossen wurde. Zwei Personen wurden dabei durch Schüsse verletzt. Die Krawalle am Kurfürstendamm. Erklärung des Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Der Landesoerlxznd Groß-Berlin des Zentralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens übermittelt der Presse eine Er- klärung zu den Ausschreitungen am Zkurfürstendamm, in der es Die Ausschreitungen sind planmäßig vorberestet und absichtlich an einem der höchsten jüdischen Feiertag« unternommen worden. Die Trupps standen unter Kommando, erstatteten sich gegenseitig Meldung und führten sogar Samariter mit. Die Aktion war auch in dem Sinne vorbereitet, daß seit langem gerade die Berliner Führer der NSDAP, die Massen gegen Juden und Judentum in einem keine Scham und keim Grenzen kennenden Maße ausreizten. Blutrünstige, antisemitische Kampfiiedcr(„Wenn Judenblut vom Messer spritzt, dann geht? noch mal so gut"), täglicher Hinweis auf den Tag der Abrechnung(„Nacht der langen Messer"). Ausreizung zu ofsener Gewalttat ließen die Stimmung entstehen, die zu der gestrigen..Borübung zum Pogrom" geführt hat. Der Zentralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hofft, daß die Polizei mit rücksichtsloser Energie die Wieder- holung derartiger bejchämender Vorgänge zu verhindern m der Lage sein und daß es ihr vor allen Dingen gelingen wird, die„Draht- zieher" der Aktion zu ermitteln. Wetter für Verlin: Weiterhin kühl und trocken, aber zu- nehmende Bewölkung,-chwache nordwestliche Wind«.— Für Deutschland: lieberall' kühles und trockenes Wetter, auch im Nord- osten Besserung des Wetters, im Nordwesten aber wieder Bewöl- kungszunahmc.' strichweise leichte Neachlsröste. Das große Berliner Arbeitsloseu-Orchester, unicr Leitung von Ewald Gebert, veranstaltet am 1«. September, 20 Uhr, im Saalbou Friedrichsdain unter Mitwirkung von Pioletta de Strozzi lStaatsoper) einen Beet» Hov«»-Wagncr-Abcnd zu volkstümlichen Preisen. Spiel, Sport und Technik des Reichsbanners Schwarz-Rvt-Gold als Zeichen wertvoller Körperschulung der republikanischen Schutztruppen zeigte das große Reichsbanuer-SPortfest im Avus-Stadion. Trotz des wenig schöne» Wetters nahm das Fest einen glänzenden Verlauf. Tie Tribünen des großen Platzes waren dicht besetzt und Tausende harrten trotz Regen und Wind bis zum Schluß stehend ans. Der Sportplatz war umsäumt von zahllosen prächtigen Sturmfahnen und die Stirnseiten der Tribünen waren mit schwarzrotgoldenem Fahnentuch geschmückt. Vertreter der Staats- und Kommunalbehör- den, der Polizei und der Berliner Feuerwehr waren unter den Zuschauern. Auch der Komumudeur der Berliner Schutzpolizei, Oberst Heimannsberg, war gekommen, er wurde herzlich begrüßt. Das Sportfest wurde Punkt 3 Uhr durch einen Fanforen- stoß eröffnet, und unter brausendem Beifall marschierten die Fahnenträger und hinter ihnen die Reichsbanner- Wassersportler in weißer Kleidung mit roten Kappenein. Sie nahmen während einer kurzen Begrüßungsansprache des Käme- raden Artur Leipart vom Gauvorftond auf der Rasenfläche Auf- stellung, um beim Frei-Heil-Ruf, der die Ansprache schloß, den Gruß des Reichsbanners durch ihre wettergebrttunten, liegenden Körper in lebenden Riesenbuchstaben auf dem Rasen darzustellen. Der Reichsbannermarsch, von der ausgezeichneten Kapelle gs- spielt, leitete über zu der Vorführung von Massensreiübun- ge n der Wettkampsmannschaften in 18 Kolonnen. Ein Reigen- fahren und der Austrag der leichtathletischen Wettkämpfe im Dreikamps und im Laufen schlössen sich an. Obwohl bewußt nicht auf Spitzenleistungen, sondern aus gleichmäßige Körperdurchbildung trainiert worden war, wurden doch recht gute Leistungen dabei er- zielt. Jeder Einzelsieger wurde mit großem Bestall belohnt, und mit Spannung verfolgten die Zuschauer den Wettbewerb. Es gab auch viel zum Lachen. Defondeven und heiteren Bestall fand der Hindernis- lauf, bei dem die Bewerber in Sportkleidung antraten und sich vor Beginn des Laufs noch die volle Marjchausrüstung anziehen mußten. Boxkämpfe, Jiu-Jitsu-Borführungen folgten und beson- deres Aufsehen erregte die Darstellung der S« l b st v e r t e i d i- gung bei politischen Ueberfallen. Jirzwischen waren die I u n g b a n n e r m a n n s cha f t e n zum Zehnkilometer- Gepäckmarsch angetreten, der durch die Straßen, züge rund um den Sportplatz geführt wurde. Kolonnenweise rück- ten die einzelnen Ortsoereine an und machten sich unter großem Bei. fall auf den Weg. Jungbanner- und Schufoabteilungen traten an und führten Marschübungen vor, die Radfahrerformationen sausten ums Rund, zahlreiche Einzelvorführungen folgten einander und form- ten das gewaltige Gesamtbild der zielklaren, von einheitlickzem Ge- staltungswillen der großen Schulungs- und Ausbildungsarbeit der gewaltigen Organisation. Das.Handballspiel. Dos Handballspiel Berlin.W e d d i n g gegen Kottbus um die Gaumeisterschaft schloß vis sportlichen Vorführungen ob. „Oer pfeifertag." Die Reufassung in der Staaisoper. Es werden wohl mehr persönliche als sachliche Gründe gewesen sein, die die Staatsopcr bewogen haben mögen, als erste Neuheit dieser Spielzeit den„Pfeiscrtag", ein Jugendwert chres einstigen Generalintendanten Max Schillings in neuer Fassung zur Aufführung zu bringen. Zurzeit seines Entstehens hatte das Werk seine subjektive und objektive Berechtigung! es war im Schaffen Schillings notwendig, dem seither Größeres gelang. Es ist ganz ein Kind jener Zeit, in der die unjgsn Komponisten von Wagners Par- tituren samt und fonders hypnotisiert waren. Heute, nach über dreißig Jahren, da uns der große Meister selbst in vielem proble- matisch geworden ist, sind wir wohl nicht mehr imstande, uns für jene Epigoncnwerke zu begeistern, mögen wir noch so sehr begreifen, daß sie geschrieben werden mußten, sei es auch nur, um Wagner zu überwinden. Die Neufassung beschränkt sich darauf, einige entbehrlich« Szenen des ersten und letzten Aktes fortzulassen, die Draftik des dritten Aktes um einige Grade zu mildern und den sprachlichen Ausdruck an zahlreichen Stellen mit Glück zu verbessern. Die Partitur ist bis auf die notwendige Anpassung unverändert geblieben, eine Par- titur, die. den jungen Schillings als erstaunlich souveränen, wenn auch nicht sehr originellen Beherrscher musikdramatischer Kompo- sitionstechnik und Wagncrfchen Orchesterstils zeigt. H ö r t h und P a n k a k hätten das Werk getrost mehr im Sinne Wagners inszenieren können, in dem es ja gedichtet ist! sie hätten mehr lebendige Form geben, romantischer sein müssen, da es sich hier um meistersingerlichc Wiedererweckung romantisch gesehenen Mittelalters handelt. Schon der leiseste Versuck) zu abstrakten Lö- sungen widerspricht dieser Ideologie. Die von Kleiber geleitete Aufführung war sehr sorgfältig vorbereitet. Käte Heidersbach. Mar- cell Wittrisch, dessen schöner metallisch glänzender Tenor besonders auffiel, Margherita Perras. Domgraf-Faßbändcr und Walter Groß- mann sangen die Sjauptrollen. Die auch in den Chören ausgezeichnete Wiedergabe hatte viel Erfolg, Komponist und Darsteller wurden gefeiert. A. IV. „Enthusiasmus." Oer erste russische Tonfilm. Das Werk, das die deutsche Liga für unabhängigen Film in der Roten Mühl«, Hellensee, zeigte, ist Anfang vorigen Jahres entstanden. Es wurde in der Originalfassung vor- geführt. Allerdings strich die deutsche Filmzensur eine Reihe von Szenen im ersten Teil, wie der anwesende Regisseur Dsiga Wert- h a s f erklärte. Die geopferten Szenen behandeln religiöse und militärische Dinge der Zarcnzeit. Dem Film fehlt die Spiethandlung. Werthoff will hier, wie schon in seinem„Der Mann mit der Kamera", durch den Tatsachen- bericht wirken. Das Thema heißt Rußland. Wofür begeisterte man sich früher und wofür heute? In der Gegenüberstellung der alten und der neue» Zeit liegt bereits die Kritik. Trotz Mossenaufzüge und lachender Proletoriergesichler kommt die Idee des Enthusiasmus nicht klar zum Ausdruck. Die Ausnahmen aus Stahlgießereien. Bergwerken. Maschinenfabriken und die Ernte- 1 bildcr sind Dokumente. Aus dieser Sinfonie der Arbeit soll die Be- Massenkonzert und Feuerwerk. In der nunmehr«ingebrochenen Dunkelheil spielten 1000 Musiker und Spielleute Märsche. Ein Fackelzug, ein vielbewundertes Feuerwerk und der Zapfenstreich schiossen die Feier ab. Unermüdlich hatten die Tausende der begeisterten Zuschauer und die Mitwirkenden trotz des unaufhörlich strömenden Regens aus- geharrt und wahrlich, das Ertragen der Ungunst des Wetters hatte sich gelohnt. geisterung als Dominantenakkord klingen. Die Schattenseiten werden nicht enthüllt. Es gilt nur das Motiv„Brüder, zur Sonne, zur Freiheit!" Der russische Film ist auch in der tönenden Fassung Propagandamittel. Wcrthosf gefällt sich in breitem Ausspinnen und in Wiederholungen. Das Ganze bleibt ungeformt. Die Photographie ist vorbildlich. Die Technik der Russen kann als bekannt gelten und verliert nie an künstlerischen Reiz. Industrie- anlagen wachsen ins Monumentale und werden als Elements starker künstlerischer Bildwirkung gewortet. Aus Ueberschneidungen und Ueberblendungen entsteht ein« Montage, die den Gesamteindruck der Arbeit hinterläßt. Man jongliert fast mit der Wirklichkeit, und in der gleichen Weise verfährt man bei der Tonwiedergabe. Es kommt auf das charakteristische Geräusch an. Die Wiedels gäbe gelingt ausgezeichnet, aber diese Geräusche werden auch in- einander montiert und rhythmisch behandelt. Sie gleichen Stimmen in einem großen Orchester. Der Film wirkt wie ein tönendes Ex- periment mit dem Motto, wie weit kann man die Zlusdrucksfähigkeit steigern. k'. Sdn Massenschau im Großen Schauspielhaus Max Reinhardt hat sein Großes Schauspielhaus wieder über- nommen. aber auf dem Spielplan bleibt vorläujig das„W e i ß e Röhl", das in der vorigen Saison unter der Regie Erik E h a r e l l s so gut Kasse gemacht hat, den Erfolg noch weiter aus- schlachten zu können. Und so wird denn auch die nächsten Monate Blumenthals und Kadelburgs Lustspiel, selber einmal eins der größten Kassenstücke, in dieser neuen Aufmachung als Singspiel weiter den Masscngeschmack„bilden". Reinhardt ist ja in seiner ganzen Entwicklung von dem Schaugepränge der englischen Bühne mit ihren Masscnwirkungen nicht unbeeinflußt geblieben. Wenn dos„Weiße Röhl" jetzt in England in der Eharcllschen Form gleich- falls Erfolg gehabt hat, so ist das weniger der deutschen Originalität als der Anpassung an den englischen Geschmack zu danke». Man darf erwarten, daß Reinhardt, jetzt wo er wieder selbst vcrantwort- lich ist für seine Buhne, von dieser Vergröberimg den Weg zur Kunst zurückfindet. Aerschiedcne Umbesetzungen haben stattgefunden. Statt Max Hansen spielt und singt jetzt Max Schipper den Oberkellner Leopold(als sein getreues, wenn auch nicht vollendetes Echo). Camilla S p i r a ist noch die„Roßl"-Wirtin, schmuck genug r.nzu- schauen: den echten Berliner berlinert Oskar Sabo, daß es nur eine Art hat. Als seine Tochter führt sich Evelyns Holt ein. Ge- blieben ist Walter I a n k u h n als Dr. Siedler. Der neue Siegis- mund reicht an den früheren nicht heran. Aber darauf kommt es ja nicht an. Was das Publikum anlocken soll, ist das Farben- gcpränge des nackte Beine schwingenden Balletts, seine Schlangen- und Tausendfüßerbewegungen, die Massenschau der Kostüme und der Wirbel der Aufzüge, der wirkliche Regen sowie der Koffersturz der massigen Hausknechte, die ulkigen Kühe, die die Köpfe bewegen, und nicht zuletzt die Schuhplatter und die Jodelkünste. Man fragt nicht viel, wieso denn bei den unmöglichsten Anlässen Bolette und Massenszenen in diese harmlose Geschichte eingeschoben werden und oller Stimmungszouber, der dem Stück ursprünglich eigen sein mochte, durch das mechanisierte Theater ersetzt wird. Sollte Pölzigs Haus der Tausend«, das aus dem Zirkus erstand, nicht wieder anderen Zwecken dienen können. d. Verregnetes Gewerkschastsfest. Trohdem gute(Stimmung. Ms um 2 Uhr mittags, der Stunde des Beginns des Treptower Gewerkschaftsfestes, ein Wolkenbruch sich über Berlin ergoß, war alle Hoffnung auf die Mitwirkung der Sonne buchstäblich„zu Wasser geworden". Am Sonntagmorgen glichen der Treptower Park und di« angrenzenden Straßen einem Moorbad. Und wie zum Narren- spiel lugte dann immer ein paarmal die Sonne hervor, um immer wieder ebenso rasch zu verschwinden. Hinzu kam eine empfindlich: Kühle, kurzum, es war kein Wetter zum Fest« feiern, sondern eins zum Schnuplen holen. Schade, daß die Treptower Gartenrestaurants so wenig oder nur so llein« Säle haben. Da sich alles vor dem Regen flüchtete, herrschte in d«n Sälen bald eine drangvolle Gnge. Wer keinen Platz mehr fand, machte einen Dauerspaziergang durch dlle Lokale, denn auf den nassen Stühlen konnte ja kein Mensch sitzen Da an dem Fest nichts mehr zu retten war, schickten etwa um Z Uhr die Wirte die Musikanten nach Hause. Nur in der„Sonnenwend«", wo die Holz-, Textil-, Stein-, Lederarbeiter, Schuhmacher und Maler saßen, ließ man sich die Musik nicht nehmen. Um 4 Uhr begann auf der Spree vom Köpemcker Wendenschloß aus die Auffahrt der Motorboote. Borweg das Pro- pagandaboot der Sozialdemokratischen Partei, dahinter die Boote des ADGB., des AsA-Bundes und des ADB., der Konsumgenossenschaft, der Eisenbahner, der Arbeiterbank, der Volksfürsorge und als letztes, nicht das schlechteste, das der Bolksbühne. Gleich danach wurd« ein sog«nanntes japanisches Tagesfeuer werk abgebrannt, das sichtlich Freude machte. Dann kam es zu eincr Schlacht auf der Abteibrücke, die stellenweise bedrohlichen Charakter annahm. Von der Treptower Seite kamen unter wilden Rot-Front-Rufen Kam- munisten angestürmt und von der Stralauer Seite mit Heil-Gebrüll Hakenkreuzler. In den Ruf:„Wer hat uns verraten, die Sozial- demokraten!" stimmten beide Trupps einträchtig ein, um sich dann unter sich in die Haare zu geraten Schließlich griff der aus der Brücke stellende Arbeitsmann kräftig zu, beutelte die Hauptschreier und warf sie dann unter dem jubelucen Beifall der Massen in die Spree. Einige Kollegen wollten schon vorher auf die Brücke gehen und dem Spuk ein Ende machen, es wurde ihnen aber bedeutet, daß die Sache auf der Brücke nur eine Theareraufführung fei, gelungen gemacht von der Gewerkschaftsjugend. . Die Jugend trug überhaupt viel zur Hebung der Stimmung bei. mit einer Musikkapelle und ihren vielen roten Fahnen zog sie durch alle Lokale. Man machte jedesmal Musik, Theo Marek rezitiert« ein wirkungsvolles Gedicht, und schließlich sprach der Sprechchor Herweghs„B e t und A r b e i t". nun bald hundert Lahre alt und noch so jung. Die Sänger waren auch nicht müßig. Bei der Tombola wollte jeder die Fahrräder der Lindcar-Wcrk« ge- Winnen, aber das war nicht gut möglich, utrd zrwschendurch mußte jeder einmal den Regenschirm aufspannen, weil es schon wieder goß. Der Himmel hatte diesmal kein Erbarmen mit dem Berliner Orts- ausschuß des ADGB. Dennoch hielten viele Gewerkschaftsgenosfen mit ihren Familien- ungehörigen bis zum Dunkelwerden aus, um das große Feuer- werk zu sehen. Es war übrigens auch, und zwar mitunter allzu deutlich zu hören. Von der Abteibrücke leuchteten verschiedene Inschriften auf:„Einigkeil ist das Gebok der Stunde!"„Gebt der SPD. die Macht!"„Lest den„vorwärts"!", eine Werbung für die Konsumgenossenschaft, die übigens auch in den Lokalen betrieben wurde, in denen auch die„V o l k s b Ü h n e" unverdrossen warb. Das phönix-Werk wird stillgelegi. 400 Arbeiter kommen um ihre Existenz. Nachrodt(Westfalen), 14. September. Nach den am Freitag gepflogenen Verhandlungen wird dos ge- famte Werk des Phönix spätestens am 1. Oktober völlig still- gelegt. Dadurch werden etwa 400 Arbeiter und Angestellte brotlos. Die Vereinigten Stahlwerke. Der Stillegungeikonzern an der Arbeit. Duisburg, 14. September. Die Leitung der Vereinigten Stahlwerke hat beim Denwbil- machungskommiffar in Düsseldorf einen vorläufigen Stillegungs- cntrag für die Niederrheinische Hütte(Eisenwerk Kraft) und die Hütte Vulkan(Gelsenkirchener Bergwerksgesellschaft A.-G.) in'Duisburg gestellt. Die Werksleitung teilt dazu mit, daß es sich nur um eine vorläufige Maßnahme handelt. Kommen keine neuen Aufträge, wird endgültig stillgelegt. Frage: Wieviele Betriebsstätten mit wieviele» Arbeitern und Angestellten haben die Vereinigten Stahlwerke seit ihrem Bestehe» schon stillgelegt?_ Groß-Berliner parieinachrichten. 1, Steig. Bezitksverotdneteiltrvktion mit sämtlichen Bitrgetdeputierten heute abenii Sitzungszimmer 1, Neri haus Tharlattenburg. 13. Stei«. beult abend F r a k t i o n s s i tz u n g, Dorfstt-tze G(nicht Fmittwnätsitzung). Rundfunk der Woche Ein Rückblick Funkstunde und Deutsche Welle lasten es sich in letzter Zeit besonders angelegen sein, durch Vorträge über Rund- f u n k st ö r u n g e n auf die dafür mögliche Abhilfe hinzuweisen. Man hat für diese Darbietungen die zweckmäßig« Form gefunden: sie erscheinen als regelmäßige Kurzoorträge von zehn bis fünfzehn Minuten Dauer. Der Hörer wird nicht ermüdet; er kann vor allem auch die vorgeführten Störgeräusche ohne Schwierigkeit seinem Ge dächtnis einordnen. Das ist wichtig, da es in der Praxis das Aus findigmachen der Störer oft sehr erleichtert. Die Sender sollten diese wöchentliche FunkhilfeveranstaUung nun aber auch wirklich laufend beibehalten. Nur immer wiederkehrende Hinweise, die nicht nur inhaltlich Wiederholungen sein können, sondern sogar Wiederholungen sein müssen, um wirksam zu werden, und regelmäßige Mitteilung grundlegender Ge- richtsurteile gegen Rundfunkstörer können wirklich zur Ab- Hilfe beitragen. Daß diese Hilfe dringend notwendig ist, wird nicht nur der einzelne von Rundfunkstörungen heimgesuchte Hörer wissen, sondern es wird jeder Rechtlichdenkcnde zugeben, wenn er erfährt, daß Zur Zeit etwa 80 Proz. aller Rundfunkteil- n e h m e r unter Empfangsstörungen zu leiden haben. Di« naive Auffassung, daß jeder in seiner Wohnung tun und lasten könne, was ilM beliebt, muß durch systematische Ausklärungsarbeit von Rundfunk und Presse immer mehr dahin berichtigt werden, daß kein Mensch berechtigt ist, von seiner Wohnung aus andere durch direkte oder indirekte Geräusche empfindlich zu stören. Gerade deshalb aber wären die Funkhilfeveranstoltungen nur eine halbe Sache, wenn sie nicht auch gleichzeitig der Funk- Hörererziehung dienstbar gemacht werden. An keiner Stelle im Programm dürfte diese Bemühung leichter Erfolg erzielen als an dieser. Wer die Mittellungen über Funkhilfe abhört, weil er selber Schutz gegen störende Nochbarn sucht, dürfte den E r m a h- nungen zu eigener Rücksichtnahme doch wohl nicht allzu unzugänglich sein. Und auch gegen diese Störer ist dringend Hilfe nötig. Wer das Glück hat, eine Neubauwohnung zu besitzen, wird dieser Feststellung wahrscheinlich besonders überzeugt zu- stimmen. Aber auch sonst sollen Häuserwände häufig nur sehr mäßig schalldicht sein, und mit den heute üblichen Empfangsanlagen lassen sich recht respektable Tonstärken erzielen. Daß durch den Rundfunk die Zahl derer, die ihre Unmusikalität mit ungehemmter Begeiste- rung in Gesang und Klavierspiel auslobten, merklich abgenommen hat, bleibt ein sehr bescheidener Trost, solange diese gleichen Wen- schen ihr mehr lärm- als klangempsindliches Ohr ihren Ansprüchen gemäß mit Rundfunkmusik befriedigen dürfen. Gegen störende Lautsprecher auf Balkons und an offenen Fen- stern kann eingeschritten werden; verhältnismäßig schwer dagegen gegen solche, die sich durch schalleitende Wände hin- durch unangenehm bemerkbar mache», häufig nicht nur durch an- dauernde, allzu laute Musik, sondern auch noch durch schauderhaste Tonverzerrung. Hier kann nur der Rundfunk selber durch Erziehung seiner Hörer zum rücksichtsvollen Hören durchgreifende Hilfe bringen. Gelegentliche Ermahnungen und entsprechende Aufdrucke auf den Monatsquittungen für die Funkteilnehiner dürften nur von geringem Erfolg gekrönt sein. Nur immer wiederkehrende, aber nicht in starre Formeln gebracht« Hinweise können allmählich Erfolg bringen. Weshalb fragt nicht z. B. der Ansager zwischen den Mitteilungen der Programmnummern eines Konzertes:„Haben Sie den Apparat auch nicht sö laut gestellt, daß er die Nachbarn stört?" Solche kleinen Erinnerungen, für die sich mühelos immer neue Wendungen finden lasten, würden wahrscheinlich manchen brüllenden Lautsprecher ohne jede Verärgerung besänftigen. Für jene Hörer, die unter Störungen ihres Rundfunkempfanges zu leiden haben, ist auch eine Mitteilung wichtig, die der W e st- deutsche Rundfunk in seinen Eilnachrichten gibt. Es wird darin ein Artikel diskutiert, der, wie der Westdeutsche Rundfunk schreibt, durch verschiedene Tageszeitungen ging und der„die Ten- denz hat, die Besitzer störender Gerät« aufzufordern, nicht ohne Schwierigkeiten bereitet zu haben, ihre Geräte entstören zu lassen oder wenigstens zu bestimmten Zeiten nicht zu gebrauchen. Es ist gefährlich", betont der Westdeutsche Rundfunk,„diesem Rot. der versteckt in dem Artikel liegt, zu folgen." Es handelt sich um eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Dresden, der zufolge ein Rundfunkstörer, der auf Grund einer Polizeiverordnung«inen Strafbsfehl erhalten l>atte, freigesprochen wurde, weil eine Polizeiverordnung keine Rechtsgültigkeit hat.„Es darf aus diesem Urteil des Oberlandesgerichts Dresden", sagt der Artikel des Westdeutschen Rundfunks,„aber nicht der falsche Schluß gezogen werden, daß gegen Rundfunk- störungen nicht vorgegangen werden kann. Von feiten der Rundfunkhörer liegt kein Interesse daran vor, daß ein Störer bestraft wird, wohl aber liegt ein Interesse vor daran, daß er verurteilt wird, die Störungen zu unterlassen oder zu beseitigen. Diese Urteile sind auf dem Wege des Zivilprozesses zu erwirken, und es gibt eine große Anzahl derartiger Urteile. welche den Störer zur Unterlassung und Beseitigung der Störungen anhalten. Das Urteil des Obcrlandesgerichts Dresden ist also nur juristisch von Bedeutung, weil es feststellt, daß Polizeiverord- nungen, welche den Rundfunkempfang wenigstens an bestimmten Stunden störungsfrei zu gestalten versuchen, keine Rechtsgültigkeit haben. Für den Rundfunkhörer war es gewiß eine Beruhigung zu wissen, daß eine Polizeiverordnung ihm zu gewissen Stunden ein- wandfreien Empfang gewährleisten wollte. Wenn dies aber nicht mehr möglich ist, so wird sich der gestörte Rundfunkhörer eben a u f d e m W e g e d e r Z i v i l k l a g e sein Recht zu verschaffen wissen." Das von der Funk stunde bereits vor einiger Zeit angekün- digte Auftreten der Funkgemein fchaft engagements- loser Artisten der Internationalen Artistenloge vor dem Ber- liner Mikrophon fand in der vergangenen Woche statt. Man erlebte ein durchaus hörwirksames Programm, obwohl mancher Künstler mitwirkt«, der bisher gewohnt war, Schaunummern zu produzieren. Es wurde mit diesem Programm der gute Durchschnitt der volks- tümlichen Unterhaltungsabend« der Sender erreicht. Wahrscheinlich aber wird es nicht schwer sein, ays der künstlerischen Vielheit, die diese Funkgemeinschaft umschließt, auch Programme von stärkerer Eigenart zu gestalten, die sich nicht nur, wie dieses, ohne Schwierig- keit den Programmen der einzelnen Sender einfügen lassen, sondern die auch eine wesentliche Bereicherung dieser Senderprogramm« weichen. Tes. Rundfunk am Abend. Montag, den 14. September 1931. Berlin.# 16.05 Die zukünftisen Aufsabcq der Säuglinssförsorzc. 16,30 Konzert. 17.30 Jusendstunde(Sport und Jugendbücherei). 17.50 Von der bildenden Kunst(Hans Baluschck). 18.05 Sollen die Lohn- und Gehaltszahlungstcrmine aufgelockert werden? 18.30 Wie ich Berlin sehe(Hermann Kesser. Wiesbaden). 14.00 Anekdoten und Späße. Sprecher Ludwig Hardt 21.00 Tages- und Sportnachrichten(I). 21.10„Ocdipus". II. Teil. 22.20 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten(II). Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. Königswusterhanscn. 16.00 Pädagogischer Funk(Karl Vaupel). 17.30 Modernes Liedschaffen(Friedrich WeltcrV 15.00 Wie ein Film entsteht, 18.30 Die Kriegsführung der Zukunft(Generalleutnant a. D. Brand). 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Englisch für Anfänger. 39.25 Stunde des Landwirts. 19.45 Wetter(Wiederholung). Anschließend Viertelstunde Funktechnik. 20.00 Hejtcrc Stunde mit Josef Plaut. 22.00 Politische Zeitungsschau. 22.20 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Buch Studotf Schlichters„SBwifchenivelt" Der Verlag hat das Büchlein in einer reizenden Form heraus» gebracht, in zierlichem biegsamen Ganzleinenband mit einer zwei- farbigen Aufdruckszeichnung und mit zehn Zeichnungen Schlichters.*) Hierdurch wirkt es erträglicher. Dem Stil der Schlichterfchen Selbst- bekenntnifse entspricht das aber nicht: die sind von einer überlauten Aufdringlichkeit, sie drehen sich ganz ausschließlich um die physische Verschiebung des erotischen Zentrums und um die Konflikte, in di« er dadurch mit seinem(christlichen) Gewisien und seiner geliebten Frau gerät, und alles ist mit einer so indezenten, wühlenden Selbst- entblößung geschrieben, daß man oft nicht recht weiß: ist das nun Selbftbszichtigung oder glatte Ironie. Auch wer Schlichter, seine recht ausrichtige und immer interessante Malerei und seine aus dem schwäbischen Schwarzwald stammende Redeweise kennt, kommt über den Zweifel an Ursprung und Sinn dieser, übrigens sehr gut ge- schriebenen Selbstbekenntnisse oder Selbstzerfleischungen nicht ins Reine. Ist's eine psychoanalytische Befreiungstat vor sich, seiner Frau und der ganzen Oeffentlichkeit? Ist's ein Stück robuster Ruhmredigkeit: sehet, welch ein Mensch? Schade, daß er nicht lieber seine Grotesken aus der Calwer bigotten Spießersphäre mit ihrer unnachahmlichen Mischung von Lebensechtheit und burlesker Toll- heit niedergeschrieben hat. Dieses Büchlein ist jedenfalls mehr ein Beitrag zur Sexüalpathologie als ein Künstlerbekenntnis; es führt in eine Sackgasse.?aul r. Seftmidt. ♦) Rudolf Schlichter: Zwischcnwelt. Berlin. Ernst Pollak Ver- lag. 1931. Vnantwortl. kilr di» Redaktion: Seibert Severe, Berlin: An, eigen: Tb. Slocke. Berlin. Verlag:'Vorwärtg Verlag®. m. d. S.. Berlin. Drink: Vorwärts Buch- drulkerei und Berlagsanktalt Paul Singer& Eo.. Berlin SB ez. Lindenltratze t. Sier,»> Beilage. VolKsbtttuie Stotaftr. Ilster d. Ugdu 7 Uhr TanDliäuser Komiscne oper «-/- Uhr Thron zu vergeben Operette v.Neidhart Musik v. Witmann Leux, Elster, Lilien, Hendrik, Fels Preise; 0.50—7.- M Theater desWestens Tägl. S u. 8';. Viktoria und ihr Husar Operette eoa P. Ihreham. Preise der Plätze von M. 0.50 an metropoi-Theater Täglich»>/. Uhr die neoe Paal-Urabeni- Qperetle Die Biume von Hawai PieiseTDDl.— ILiiL Deotsdies mealer 8 Uhr Kat Schauspiel nach Ernest Hemingway Dnhdw BiPiHiAatMhuig ». Carl Zuckmayet und Heinz Hilpert. iegie: Sein fiilpert Kurfflrslenflamm Theater Bismarck 448/49 8'lt Uhr Die schöne Helena eonlacmmOtleniraA Segle: Max lelnUrdi. Thealer im AdmiralsDaiasi Täglich 8'/. Uhr Der Seasetionerfolg! Die Dobarir mit Gitta Aipar Preise v. 0,50 M an Dir. Dr. Robert Klein Tel.; Wiidndama DKL 8V» Uhr Liebe. Mosheim, Braasowsttsr, Haaek, Homolka. Junge Reichshalien-Theater Ibcnls 0 Uhr, Sonntag uduniltag JVj Ohr B p 1 1« o n SO UaBhPs Stettiner Sänger Nachmittags halbe Preise. original- Beierns Patentmatralzen/ Ruhebetten mite et ema- Federung Palent-Drehbett(D.R.P.) ein Griff- ein Beif, sowie das neue Holzbett mir Befema-Fedsrnng sind vollkommen geräoadiloal— Kein Einticgen. Für Hbwcrsie Bciaglung. Ueberali erhältl. 20 Jahre Garantie. 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Fritz Senfj Schriftführer ilEINI SCKUHIHMER direkt ab Fabrik EngrovPrpise BERLIN©34 (Beilage Montag, 14. September 1931 S»rM>nö StüHaulqdk Ja iimdsA Die Ermordung Udmowskvs und AucrswaMs W!e der blutig-schmutzige Fingerabdruck eines Verbrechers haftet auf der Seite der deutschen Reoolutionsgeschichte, die den 18. September 1848 in Frankfurt beschreibt, die Ermordung Lich- n o w f k y s und Aucrswalds. Bon allem, was dieser Tag an Unheilvollem brachte, hat sich nichts so tief in das Gedächtnis nicht nur der Zeitgenossen, sondern auch der Nachlebenden eingeätzt, wie die Abschlachtung der beiden Abgeordneten� kein Name der drciund- dreißig Toten, die das Volk im Barrikadenkampf verlor, keiner der auf Seite des Militärs Gefallenen ist bis auf diesen Tag so lebendig geblieben, wie der des schlesifchen Magnaten und des preußischen � Generals. Zu nicht geringem Teil kam es daher, daß Land auf, Land ab die Reaktion aus dem grausigen Geschehnis wacker Kapital schlug. Was der Reichsminifterpräsident Fürst Leiningen am Tage nach der Tat der Königin Viktoria von England schrieb:„Mein Freund Lichnowsky und der gute, ausgezeichnete General Auerswald find von diesen Turnern, einer blutigen Art von Demokraten, grausam ermordet worden", gab das Stichwort für eine wilde Hetze gcgeu die Turner, die Demokratie, die Republik, gegen alles Schwarzrotgoldene. Daß wenige Tage danach, am 25. September, in Staufen nicht etwa während eines Kampfes sechs Voltsmänner von badischer Soldateska im Blutrausch nieder- gemetzelt wurden, erregte viel geringere oder gar keine Entrüstung. Wie selten Aar erwies der Fall Lichnowsky-Auerswald, was es auf sich hat, wenn die Geschichte der Besiegten, wie meist, von den Siegern geschrieben wird. Allerdings fehlte es auch da- mals nicht an redlichen Versuchen, die Hintergründe der Begeben- heit durch objektive Betrachtung aufzuhellen, und in unseren Tagen ist es der unparteiischen Geschichtsforschung auch gelungen, die Vor- gänge in ihrem Zusammenhang und in ihrer Bedeutung wieder- herzustellen. Von den beiden Opfern war Hans v. A u e r s w a l d, als könialich-preußischer Generalmajor der einzige Offizier in der Nationaloersammlung, mehr eine leidende Nebenfigur des Dramas: fein Vater, Hans Jakob, Landhoftneister und durch Jahr und Tag Oberpräsident von Ostpreußen, wo er an der Auseinander-, setzung zwischen Bauern und Junkern vor und während der Stein- Hardenbergschen Reform tätigen Anteil nahm, stellt den Sohn bei weitem in Schatten. Ganz im Vordergrund, mitten im hellsten Lichtkegel, steht dagegen der Fürst Felix Lichnowsky, eine der genanntesten Persönlichkeiten der Paulskirche. Schon ehe der ' Fünfunddreihigjährige von dem Kreis Ratibor in das Revolutionsparlament entsandt wurde, hatte er durch Streiche von oft peinlichem Beigeschmack viel von sich reden gemacht. In der preußischen Armee vermöchte sich der Leutnant der braunen Husaren in Ohlau wegen Schulden und Weibergeschichten nicht zu holten. Da ihn sein Gönner, Prinz Wilhelm, vergeblich in der Diplomatie unter- Zubringen suchte, machte Lichnowsky die verbohrtest« Sache dynastischer Legitimität zu der seinen, indem er sich, nicht als ein- ziger deutscher Aristokrat, im spanischen Bürgerkrieg dem Don Carlos anschloß und bei ihm den General und Generaladjutanten spielte. Später fi«l er in München unangenehm auf, da er wegen eines persönlichen Streites den Herzog von Nassau zum Zweikampf herausforderte und mit der Reitpeitsche bedrohte: seine Ausweisung aus Bayern war die Folge. Auch sein Verhältnis zu der schwerreichen Herzogin von Sagan-Kurland, die gut zwei Jahrzehnte ölt«r war als ihr Galan, lieferte allerhand Ge- sprächsstoff, ehe er sich 1847 als Mitglied der Herrenkurie des Ver- einigten Landtags in die Politik stürzte und zunächst zu aller Er- staunen mit der Opposition liebäugelte. Auf den Bänken der Paulskirche aber gefiel sich der Fürst \ Lichnowsky längst wieder in der Rolle des reaktionären Ultra, zu der ihn Geburt und Erziehung beriefen. Wenn auf der Rechte der Nationalversammlung niemand lautloser und zurückhaltender war als A u e r s w a l d, so niemand lauter und ausfallender als Lichnowsky. Auch der Neid mußte ihm zugestehen, daß er — ein stolzer Kopf mit schwarzem Knebel- und Schnurrbart— ein „wunderschöner Mann" war,„ein Mann wie gedrechselt, mit funkelnden Augen, höhnischen Lippen und aristokratisch weißen Händen". Aber das anziehende Aeußere des Fürsten unterstrich noch das Herausfordernde seiner Haltung und seiner Worte. Mit keinem anderen Verfechter der Prinzipien von vorgestern befaßte sich denn die demokratische Literatur so häufig. Den in Spanien herumabenteuernden Ritter hatte Heinrich Heine verewigt: in»Atta Troll" als Schnapphohnski Und im Antlitz unsres Helden Lag, wie immer, der Finanznot Blasse Wehmut, düst're Sorge, und Georg Weerth beschrieb 1848 in einem gar lustigen Büchlein „Lebenund Taten des berühmten RittersSchnapp- h a h n s k i". Auch das Organ der äußersten Linken, die von Karl Marx geleitete„Neue Rheinische Zeitung", nahm den „verpreußten Slawen", der kein Deutsch, sondern Preußisch rede, aufs Korn und schilderte, wie er aus der Tribüne„mit dem reinsten Akzent des preußischen Leutnants" spreche und sich„mit verächtlicher Nonchalance" gebärde. An keinen Namen in der Paulskirche heftet« sich gerechterer Volkshaß als an den seinen. Wenn einer der 548 Abgeordneten am 18. September um keinen Preis in«ine erregte Volksmenge geraten durste, war es Lichnowsky. In der Tat trug er sich nüt der Absicht, an dem Verhängnis- vollen Tag« nach Potsdam zu fahren, um Friedrich Wil- Helm IV. für seine gegenrevolutionären Planungen zu gewinnen: es hieß, er streb« in einem mit Unterstützung Preußens zu bildenden Reichsministerium nach dem Restart des Auswärtigen. Was lag, da die Folgen des Waffenstillstandes zu Malmö sich in Straßen- unnrhen entluden, näher, als daß er blieb, um sich irgendwie aus- zuzeichnen und die allgemeine Aufmerksamkeit auf sein stets mehr als eitel betontes Ich zu lenken? Die harmlose Version wenigstens, daß er samt seinem Begleiter nur einen unschuldigen Spazierritt unternommen oder sich auch, wie Pete? Reichenspexger schrieb, iPÜt leichtjertigem Trutz und herausfordernder Wiens in der Nähe Von tZerinann Wendel der Krawalle" nur umhergetrieben habe, ist durch die heute be- kannten Urkunden widerlegt. Sein Ritt war nicht ein planloses, frevles Spiel mit der Gefahr, sondern hatte Zweck und Ziel. Sei es, daß ihn der Ehrgeiz zu Taten stachelte, sei es, daß nur das Husarenblut in ihm prickelte, auf jeden Fall fühlte sich der Fürst L i ch no ws k y, als Barrikaden die Frankfurter Gasten ver- rammelten, und das Salvenfeuer durch die Straßen rollte, in der Haut des bloß zuschauenden Zivilisten nicht wohl. Von Spanien her hatte er Erfahrungen im Freischärlerkrieg und Straßenkampf und tauschte schon mittags mit dem General Auerswald als einem Fachmann die Ansicht aus, daß das Oberkommando die Niederzwingung des Aufstandes nicht richtig anlege. Nachdem«r im Englischen Hof gegessen hatte, erschien er bald nach drei Uhr sehr ausgeregt auf der Hauptwache, wo sich außer dem Befehls- Haber, dem k. und k. General Nobile, der Reichskriegsminister, der preußische General P e u ck e r aufhielt. Diesem setzte er aus- einander, das Gescheiteste sei, die Hülste der verfügbaren Truppen aus der Stadt herauszuziehen und dann durch das Friedberger und Allerheiligentor den Aufrührern in den Rücken zu schicken: offen- sichtlich rechnete er damit, die Kompagnien selbst an Ort und Stelle zu führen. P e u ck e r lehnte eine Zersplitterung der schwachen miiitärischen Kräfte ab, doch als ihn Lichnowsky nach einer kleinen Stunde abermals aufsuchte, erzählte, er habe sich ein Pferd von der Adjutantur des Reichsverwesers beschafft und für seinen Begleiter Auerswald auch eins erbat, weil sie draußen sehen wollten, wie es dort ausschaue, gab der Kriegsminister schließlich nach, nicht ohne mit seinen eindringlichen Warnungen auf den älteren der beiden starken Eindruck zu machen. Gleichwohl ritten die beiden Abgeordneten gemeinsam zum Eschenheimer Tor hinaus und wandten sich nach rechts zum Friedberger Tor, bis wohin die in der Bleich- und Seilerstraße operierende preußische Abteilung vor- gedrungen sein mußte; auch hatte der Fürst erfahren, daß von Friedberg her württembergische Artillerie heranrücke, und brannte darauf, sich an ihre Spitze zu fetzen und seine Nichtachtung des Volkes den Frankfurtern aus Kanonenschlünden zu verkünden. Statt auf preußische Infanterie oder württembergische Artillerie stießen beide auf diesem slralegischen„Spazierritt" am Hessendenkmal auf einen bewaffneten Volkshaufen, der sofort Flinten und Sensen drohend schwenkte: ein richttger Instinkt sagte der Menge, daß die zwei Reiter mit den militärischen Operationen gegen die Barrikaden zu tun hatten. Beschimpft, angegriffen und verfolgt sprengten sie zurück, aber Lichnowsky lenkte, von Auers lpal-d gejolgt, von seinen. Plänen nicht ablassend, auf Um- wegen wieder zur Friedberger Landstraße. An. der Einmündung der Eisernen Hand in die Eckenheimer Lanöftraße prallte er auf eine Schar, die in der Frühe aus den kurhessischen Dörfern Ginn- heim und Bockenheim aufgebrochen war, um den Barrikaden- kämpfern zu Hilfe zu eilen. Leute, deren Nerven außer Rand und Band waren, erkannten den bestgehaßten Mann des Parlaments, Verwünschungen stiegen, Steine flogen, Schüsse fielen: jetzt half nur mehr eilige Flucht. Die ganze Gegend, damals noch außerhalb der Stadt, war wenig bebautes Gelände mit Gärten, Wiesen und Heide. In die schmalen Pfade, die durch die Gärten leiteten, bog erst Auers- w a l d, dann Lichnowsky ein. Vor dem Grundstück des Gärt- ners Schmidt trafen sie sich, ließen in ihrer steigenden Bestürzung die Pferde im Garten und suchten im Haufe Zuflucht. Tätige Hilfs- bereitschaft steckte den General in einen Schlafrock, aber statt sich wie ein Hausbewohner sorglos und friedlich in«in Zimmer zu setzen, verbarg er sich auf einer Bodenkammer, während Lich- n o w s k y im einem Verschlag des Kellers eingeschlossen wurde. Die Hustritte und oie Pferde führten die Verfolger auf die rechte Spur. Eine Schar, mit phantastischen Waffen ausgerüstet, durch die falsche Kunde von Greueltaten der Soldateska bis zur Tollwut gereizt, in den nicht ganz irrigen Gedanken verbissen, daß Lichnowsky einer der Schuldigen an dem Blutvergießen sei, füllte suchend lärmend nud drohend im Nu alle Räume. Als Auerswald auf- gestöbert war, führte man ihn trotz seiner Bitten vors Haus, stieß ihn, schlug ihn: er stürzte, und Schüst« machten seinem Leben ein Ende. Wäre Lichnowsky, als die Menge den General an seinem Versteck vorbeizerrte, hervorgetreten:„Ich bin's!", hätte er Auerswal 0, den niemand kannte und dem niemand übelwollte, gerettet. Aber soviel Ritterlichkeit brachte der Ritter nicht auf, sondern hockte in seinem Verschlag, bis man auch ihn ausspürte. Auf Zureden einiger Ernüchterter, die auf sein« Rettung bedacht waren, führte man ihn die Poppelallee nach Bornheim entlang. Aber vergebens hatte er bei seiner Entdeckung in nicht heroischer, doch begreiflicher Todesangst die verhaßt« Republik hochleben lassen, um die„Ka- naille" milde zu stimmen, schon nach einigen hundert Schritt kam es, ob mit, ob ohne feine Schuld, zu einem Gedränge, Schüsie krachten, er blieb mit tödlicher Wunde liegen. Da sehr bald hessische Chevauxlegers das Feld behaupteten, wurde er in oie Villa Bethmann, dann ins Heiligegeistspital gebracht, aber abends gegen elf Uhr erlag er seinen Verletzungen. Folgenden Tages wurden die Leichen auf dem Friedhof be- stattet. Wilhelm Jordan hielt den Gemordeten die Grabrede und Laube las auf den Gesichtern der Menge, die die Trauer- Versammlung umstand, mehr Groll als Mitleid. Di« Untersuchung gegen die zum Teil geslüchteten Täter verlief äußerst schleppend, da sich— kleinstaatlicher Jammer Deutschlands!— außer dem Peinlichen Nerhöramt der Freien Stadt Frankfurt das kurfürstlich- hessische Iustizamt Bockenheim, das großherzolich-hessifche Land- gericht Rödelheim, das großherzoglich-hessische Landgericht Offenbach und das herzoglich-nassauische Kriminalgericht Wiesbaden, jede dieser Behörden aus eigene Faust, mit dem Fall befaßten. Aber wenn auch am Ende Frankfurt und Hanau gegen einige Beteiligte sehr harte Zuchthausstrafen auswarfen, ergab sich doch, daß, von einem Mordkomplott gar nicht zu reden, die Totschläger nicht etwa ver- tierte Verbrecher oder, auch nur politische Fanatiker waren, sondern Durchschnitt, was Durchschnitt heißt, biedere Kleinbürger, gut- gezogene Ehemänner, harmlose Schoppenstecher, die, zur Masse zu- jammmgellumpt, besonderen psychischen Gesetzen unterlegen und von verhängnisvollem Wind nicht viel anders in ihr eigenes Ver- derben hineingeweht worden waren wie in das ihrer Opfer. Selbst die Henriette Zobel, die. in zeitgenössischen Berichten als„ein durch Politik entmenschtes Weib" austauchend und nachher zu jech- zehn Jahren Zuchthaus verurteilt, die Menge angestachelt und eigen. händig mit Schirm und Steinen beim Tode Auerswalds nach- geholfen hatte, erwies sich nicht als Megäre, sondern als eine durch Rahrungssorgen aus dem seelischen Gleichgewicht geratene ehrbare Bürgerssrau. Alle Akten aber und alle Schlüsse, die sich daraus ziehen lassen, bestätigen die Auffassung, die Richard Schwemer in seiner„Ge» schichte der Freien Staat Frankfurt am Main" vertritt, daß„die gräßliche Untat" vom 18. September„mit dem in der Stadt aus- gebrochenen Kampfe nichts zu tun hatte, auch innerlich nicht, denn von wüsten Ausschreitungen und Exzessen, auch nur gegen das Eigen- tum, findet sich, wenn von der Waffenplünderung abgesehen wird, nicht ein einziger Fall". Die Berge kreiden... Von Jonathan Ehe ich davon berichte, muß ich eine unangenehme Erinnerung abschütteln. Die kreißenden Berge bilden die Ursache einer meiner frühesten Blamagen.„Lsrturiuut montos, nascitur rickiculus mus." Dieser Satz stand in dem lateinischen Lehrbuch für Quinta und war zu übersetzen:„Die Berge kreißen, geboren wird ein lächerliches Mäuschen." Ich aber ließ in meiner zehnjährigen Harm- losigkeit die Berge„kreisen", und bei der Erörterung dieses Fehlers stellte sich heraus, daß ich weder über das Wort kreißen noch über die damit zusammenhängenden Dinge Bescheid wußte. Was mir den wochenlangen Spott der älteren und wissenden Klassenkameraden eintrug. Die Berge aber waren schon lange vor jenem Vorfall der Gegen- stand meiner regsten Phantasie. Noch niemals hatte ich Berliner Junge einen Berg gesehen. Einmal hatte ich von einem Berg ge- träumt, das war eine vornübergeneigte schwindelnde Felsenklippe gewesen, die sich in Wolken verlor. Nach dem Kreuzberg, der da- mals noch unverdeckt durch Häuser das Tempelhofer Feld überragte, nahm mich meine Mutter öfter mit. An seinen durch Sandgruben und Buddelarbeiten aufgerissenen Hängen suchte ich mir das Bild eines„richtigen" Berges zu konstruieren, denn der muhte natür- lich aus soliden Steinen aufgetürmt sein, nicht aus rutschendem Sand. Erst eine Reise in die Sächsische Schweiz sollte meine sehn- süchtigen Erwartungen befriedigen. Hier fand ich die Steingebilde meiner Träum« durch die Wirklichkeit übertroffen. Die Mitreisenden im Kupee aber haben sich nicht schlecht gewundert, als ich von Dresden an fortwährend aus dem Fenster hinaussah und auf die erhöhten Elbufer weisend meinen Vater fragte:„Sind das schon ganz richtige Berge?" Wobei niemand verstand, warum ich auf das„richtige" so starken Wert legte. Die Bergsehnsucht bin ich Flachländer niemals losgeworden. Ihretwegen kann ich es noch als gereifter Mann nicht lassen, wachen- lang mit Rucksack und Kniehofen herumzustromern. Auch die Harm- losen Mittelgebirge Deutschlands tun es nicht mehr. Nur in den Hörnern, Schroffen und Zinnen des Hochgebirges blickt mich das an, was als„Berg" so mächtig auf die Vorstellungswelt msiner Jugend eingewirkt hat. Da lasse ich mich achthundert Bahnkilometer nicht verdrießen... Auch heuer nicht. Aber die Berge sind in dieser Regenzeit offenbar beim Kreißen, und weil sie das nicht gut öffentlich tun können, haben sie sich bis zu den Füßen in weiße Federkissen ge- steckt. Ich sehe sie nicht. Und so bleiben mir mit meiner treuen Kameradin nur Talspaziergänge durch den feuchten Wald. Es duftet nach Moos und Pilzen. Ob wir Steinpilze finden? — Halt, was bewegte sich da?— Ein Busch knallgelber Butter» blumen ist irrsinnigerweise lebendig geworden, die Blüten singern ganz erregt hin und her. Da erscheint zwischen den Stengeln die Ursache des Wunders:«in braunes Feldmäuschen. Es muß davonlaufen. Denn kaum zwei Schritt entfernt regen sich auch Berge, wahrhafte Fleischgebirge für den kleinen Nager. Aber der fürchtet sich nicht. In aller Seelenruhe holt er sich mit den Vorderpfötchen einen Stengel heran, wie ein Schiffsmann ein Seil einholt. Dabei erfahre ich, daß diese Butterblumen auch Frücht« tragen, winzige Hörnchen, die in Stachelkugeln beieinander stehen, wie die Morgensterne mittelalterlicher Bauern anzusehen. Das Mäuschen zieht sich einen solchen Klumpen zurecht, beknappert ihn, zehrt ihn auf. Ein zweiter Stengel wird eingeholt, ein dritter. Dann ist der Busch abgeweidet und nach fünf Minuten zieht sich das Mäuschen so ruhig, wie es hervorgekrochen, unter das Blatt» werk zurück. Dieses Mäuslein ist das beglückende Ereignis des Tages.„Hast du gesehen, wie glatt das braune Fell war?— Und wie munter die kleinen Stecknadelaugen blickten!— Und so geschickt griff es sich mit den Vorderpfoten die Früchte, fast wie ein Mensch mit den Händen." Abends noch beim Gutenacht:„Weißt du noch, das Nied- liche Mäuschen?" Achthundert Kilometer bin ich gereist, um die Berge zu sehen. Sie haben gekreißt. Ein Mäuslein wurde geboren... Die kakhedrale als Goldgrube. Die Niederlegung der gewaltigen Erlöser-Kachedrale in Moskau, deren Bau 44 Jahre gedauert und Zg Millionen Mark Kosten erfordert hatte, und durch die Rußlands Sieg über Napoleon gefeiert wurde, macht schnelle Fortschritte. Von den fünf goldenen Domen wird das Blattgold entfernt, und es wird berichtet, daß zwei Zentner reines Gold so gewonnen werden sollen, während die Moskauer sogar glauben, daß sich dreiviertel Tonnen des kostbaren Metalls ergeben würden Die Mittelkuppel, die in ihrem Riesenmaß das Stadtbild beherrschte, ist nur noch ein häß- liches Eisenskelett. Ein englisches Blatt berechnet, daß der Wert des Goldes bei dem gegenwärtigen Preise für dieses Metall nahezu zwei Millionen Mark betrage. An der Stelle des Domes soll bekanntlich das riesige Sowjet-Haus entstehen» dessen Hauptsaal allei» 17 OOO Plätze enthalten wird. Arbeitersportler Im Regen Kartellfest in den Rehber�en Zum gestrigen Sonntag hatten Berliner Arbeikersportler noch einmal auf den veischiedensten Sporlplähen leichtathletische Welt- kämpfe angeseht. die aber samt und sonders unter dem schlechten Wetter zu leiden hakten. Selbst da, wo noch Konkurrenzen abgewickelt werden konnten, sielen die Leistungen unicr der Einwirkung der Kälte stark ab. Die Vereine des Kartellbzirks Wedding trafen sich gestern im Volkspark Rehberge zu ihrem ch e r b st s p o r t f e st. Regenschauer und die kühle Witterung verhinderten bedauerlicher- weise einen größeren Werbeersolg. Etwa 300 Sportler zogen gegen 2 Uhr mit ihren Sturmfahnen und Musik ins Stadion ein. Nach kurzer, eindrucksvoller kZnsprache des Vorsitzenden Müller gab es zunächst gemeinsame Gymnastik aller Teilnehmer. Im Anschluß daran wurden die lsichtathletischen Mehrkämpfe und die Stafetten abgewickelt. Trotz der ungünstigen Wetter- sowie Bahnbedingungen wurden recht gute Leistungen erzielt. Vornehmlich waren es die bekannten Sportler von Volkssport Wedding, ASV. Wedding und Reinickendorf, die sich die Erfolge in den einzelnen Disziplinen teilten. Den größten Ersolg buchten die Frauen und Mädchen von Volks- spart Wedding mit ihrer Vorführung„Tanz und Gymnastik" nach Musik. Etwa 100 Sportlerinnen waren an dieser wirkungsvollen Schaunummer beteiligt. Daneben warben die Turner mit Gerät- Übungen für ihren Sportzweig. Sportklub„Alt-Wedding" hatte einen Boxring errichtet, einige Schaukämpfe ließen einen Einblick in den Betrieb der Schwerathleten zu. Auf den Nebenplätzen scharten zu gleicher Zeit die Ballspieler ihre Anhänger um sich, während im Jnnenraum die Freie Lehrersportoercinigung und V. Wedding ein Faustballspiel austrugen. Sehr lustig wirkte wiederum ein Spiel mit dem 1,80 Meter großen Pushball. Dieses Spiel ist zwar sehr an- strengend, hat aber stets einen Heiterkeitsersolg für sich. Einen würdigen Ausklang gaben die Naturfreunde dem Fest mit ihrem Sprechchor. MSmicr: 500 Mctcr: 1. R»scl«r(ÄSV. Wedding) 24,6 GÄc 2. Dlosch- )B. Wedding) 2ä,1 Eck.— Weitsprung: l. Alcxandrowitsch tiiieinickendorf) 6.S0 Meter: 2. N. Connemonn iV. Wedding) 6,0? Meter.— Kugelstoßen: 1. Neumnnn