BERLIN Dienstag is. September 1931 10 Pf. Nr. 432 B 216 48. Jahrgang Erfch eist tSglich a»ier Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. BetllgSvreiS beide Ausgaben 8b Pf. pro Woche. 3,6» M.»ro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW68,iindenftr.Z Fernsprecher: Dönhoff 7) 292—297 v}JoYu>w�6 AnreizeopretS: Die einspaltige Noupareill-j-il- 8» Pf., ReklamejeUe SM. Crmüßigunoen nach Tarif. Poftscheckkonto: VorwärtS-Verlag G.m.b.H� Berlin Nr.»7»36.— Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anieizen vor! Die Niederlage der KpO. Die kommunistischen Kührer jammern über Pogromhetze Geflüchtet oder verhastet Künstler hat gekniffen! Wahrhastig, so steht es fett über der„Roten Fahne" von heute morgen zu lesen. Für wen wird das eigentlich zusammengelogen? Die zehntausend Sozialdemokraten, die gestern im Sportpalast waren, werden über diese Entdeckung der„Roten Fahne" in ein Hohn» gelächter ausbrechen. Die Kommunisten aber werden selbst wissen, wer gekniffen hat: das war Herr Heinz Neu- mann, der nach seinem Korreferat aus dem Saale lief, auf Diskussion und Schlußworte verzichtete und seinen Schlägerkolonnen es überließ, statt der Argumente die Fäuste zu gebrauchen! Für wen lügt also die„Rote Fahne"? Sie lügt für die Auftraggeber, denen sie den hundert- prozentigen Erfolg des kommunistischen Einheitsfrontschwin- dels vortäuschen muß. Sie erzählt deshalb von einem„h u n- dertprozentigen Erfol g", den die KPD. in der Sportpalastversammlung davongetragen habe, von der Wir- kung der„zündenden Cinheitsfrontparole der KPD.", von der„roten Einheit des Proletariats". Hundert- prozontiger Erfolg: die zehntausend Sozialdemokraten, die gestern im Sportpalast den Phrasen des Kommunisten Heinz Neumann einen einzigen Schrei des Zornes, der Empörung und der Verachtung über die kommunistischen Bundesgenossen des Stahlhelm und der Hitlerpartei entgegensetzten— die sind natürlich gestern alle zu Kommunisten bekehrt worden und haben sich, Franz Künstler an der Spitze, dem Kommando von Heinz Neumann und Konsorten in der„roten Einheits- front" unterstellt. Sie begeistern sich besonders deshalb für die rote Ein- heitsfront, weil die Kommunisten ihnen begreiflich machten. worin sie besteht: in Prügeln für sozialdemokratische Arbeiter, die nichts von dem Treiben und den arbeiterverräterischen Manövern der Kommunistischen Partei wissen wollen! Gestern haben Kommunisten im Sportpalast s o z i a l d e m o- kratischeArbeiter nach dem Korreferat von Neumann überfallen und zu Boden geschlagen— und heute erzählt die„Rote Fahne" von dem hundert pro» zentigen Sieg der E i n h e i t s f r o n t p a r o le! Kann man dreister lügen? Es ist die Lüge der Unterlegenen, der Versuch, den grandiosen Mißerfolg der kommunistischen Führer zu verdecken! Sie schreien Einheitsfront, weil sie die Einheitsfront in ihrer eigenen Partei kaum noch de- haupten können, weil sie sich nicht verteidigen können gegen- über der Anklage, daß sie die Arbeiterinteressen durch ihr Bündnis mit dem Faschismus verraten haben. Gibt es etwas Lächerlicheres als diese kommunistische Einheitsparole der kommunistischen Führer, die eben erst eine Einheits- front mitHitler undHugenberg gegen die Sache der Arbeiterschaft hergestellt haben? Was die Einheitsfrontparole der Kommunisten wert ist, dos lehrt das Scharfmacherorgan, die„DAZ.", die über die Sportpalastkundgebung schreibt: „Unter starkem Andrang fand gestern im Berliner Sportpolast eine Auseinandersetzung zwischen Sozialdemokraten und Äommu- nisten statt. Es ist an sich, vom Standpunkt der b ü r g« r- licheN Politik aus g e s e h e n, natürlich n u r erfreulich. wenn sich die beiden roten Brüder kräftig in die Haare geraten, und in der Tat hat dies« S e l b stz« r s l ei s chu n g j innerhalb des Sozialismus dem Bürgertmn seit 1918 bereits wesentlich« Dienste geleistet." Die Kommunistische Partei ist die Freude der Scharf- macher, die Hoffnung der bankrotten Wirtschaftsführer! Das verlogene kommunistische Geschrei gegen die Sozialdemokratie ist den bankrotten Kapitalisten willkommen« Ablenkung von der Schuld der bankrotten Wirtschaftsführer, Ablenkung vom wirklichen Kampf für den Sozialismus! Die Sozialdemokratie wird deshalb die Abrechnung mit den Kommunisten unerbittlich weiterführen. Die Sportpalast» kundgebung Hot g-zeigt, daß die kommunistischen Führer der Anklage nur Phrasen und Verlegenheüsausreden entgegen» zusetzen haben, die„Rote Fahne" von heute morgen lehrt, daß sie sich fürchten vor der Empörung der Arbeiterschaft. Das Ende des Heimwehrpuisches Wien, 15, September.(Eigenbericht.) Da ein Bruder des Putschverlierers Dr. P f r i e m e r als Wein- Händler in Marburg a. d. Drau lebt, dos jetzt zu Südslawien ge- hört, vermutet man, daß der abgetane Heimwehrführer im Auto dorchin geflüchtet ist und auch seine Familie dahingekommen ist. Das Fluchtauto erlitt eine Panne, Pfriemer fuhr mit einem Privatwagen weiter, sein„Stabschef" R a u t e r kehrte nach Graz zurück und wurde dort verhaftet. Da zwischen Deutschösterreich und Südslawien der Visumzwang aufgehoben ist und der Haftbefehl der österreichischen Grenzkontrolle vielleicht nicht bekannt war, dürfte Pfriemer unge- hindert die Grenze überschritten haben. Unter den auf einem Schloß des Starhemberg beschlagnahmten Papieren ist auch ein», aus dem hervorgeht, daß der Putsch 24 Stunden später geplant mar. Pfriemer jedoch vorzeitig lo». geschlagen hat. als er die Nachricht erhielt, daß der Putsch den sozialdemokratischen Führern verraten worden sei. Starhemberg hatte mit seinem neuen Stabschef, General a. D. Englisch-Poworstsch, und dem General a. D. Puchmayr(beide zur Zeit in Haft) seit mehreren Tagen den Putsch auch in Oberösterreich bis in die kleinsten Einzelheiten vorbereitet. Am Montagmorgen wurden die Ortsgruppen in Niederösterreich alarmiert und in Am- stellen versammell. Dort sollten sie auf den Zuzug der Klosterneu- burger Gruppe warten, die jedoch vorher von der Polizei verhaftet worden war. Als um 3 Uhr nachmittags Starhemberg vom Miß- lingen des Putschs erfuhr, f l o h er aus das Schloß des Eoreth nach Eferding, wo beide verhaftet wurden. Die Wiener sozialdemokratische Vertrauensmännerversammlung forderte scharfes Einschreiten gegen alle Schuldigen. Der ch r i st- l i ch- s o z i a l e Landeshauptniann von Niederösterreich, R e i t h e r, forderte in einer Parteisitzuug äußerst energisch die Auflösung sämtlicher Selbstschutzformationcn. Surgenland.Heimwehr rückt ab. Wien. 15. September. Die Landessührung des durgenländischen Heimatschutzes teilt mit, daß sie der Aktion Dr. Pstimers vollkommen fern- stehe und diese unverantwortlichen separatistischen Manipulationen auf das Entschiedenste verurteile. Verkleinerung des Reichstages. Ein Entwurf eines neuen Wahlgesetzes. Der Reichsregierung liegt zur Zeit der Entwurf eines neuen Wahlgesetzes vor, der«ine Erhöhung der Wählerquote von(50 000 auf 70 000 vorsieht. Es sind Bestrebungen im Gang«, diese Quote zu erhöhen. Spur der Eisenbahnaiien<äier? Noch keine Verhaftung. Budapest, 15. September. wie die Polizei mitteilt, ist im Lause der Untersuchungen über den Eifenbahuonschlag bei V i a- T o r b a g y. die Tag uod Rocht fortgesetzt werden, heule früh eine wichtige Wendung eingetreten. Die Polizei verdächtigt einen Mann, der sich zur Zeit im Auslande aufhäli. früher aber des öfteren mit der Polizei in verschiedenen Angelegenheiten zu tun gehabt hat. Der Verdacht sollt begründet sein, denn eine Reihe von Angaben weisen daraus hin. daß der Mann au dem Eisenbahnanschlog irgendeinen Anteil hat. Die Polizei hofft, über diese Spur die Urheber bzw. die Täter ausfindig machen zu können. Oer Schreiber des Zettels ermittelt. Bei dem von der Polizei als Schreiber des bei dem in die Lust gesprengten Eisenbahnviadukts aufgefundenen Zettel verdächtigten Kommunisten handelt es sich um den nach Deutschland zuständigen Elektrotechniker Ludwig(oder Stefan) L e i p o i k. der nach den Feststellungen der Polizei noch in der Nacht des Attentats nach der Tschechoslowakei geflüchtet ist. Nach einer polizeilichen Mitteilung soll er sich im Auftrage Moskaus in den letzten Zahren sehr oft als kommunistischer Agitator in Budapest aufgehalten haben. Seine Photographie ist im Laus« des Heuligen Vormittags allen europäischen Polizeidtrektionen zugestellt worden. Großer Sprengstoffdiebstahl. Einbrecher erbeuten 70 Kg Sprengstoff und 400 Spreng- kapseln. Geseke(Westfalen), 15. September. Aus dem von den. beiden Zemenlwerkea Fortuna und Westfalen gemeinsam benutzten Pulperhaus wurden gestern nacht durch Einbruch 70 Kilogramm Sprengstoff und mehr als 400 Sprengkapseln gestohlen. Von den Tälern fehlt bis zur Stunde jede Spur. Die„Rots Fahne" behauptet, daß Künstlers Referat darauf angelegt gewesen sei, eine Pogromstimmung gegen die Kom- munistische Partei und Heinz Neumann zu erzeugen. Pogrom st immung! Sie treiben Schindluder mit den Interessen der Arbeiterschaft, sie schließen Bündnisse mit den Faschisten, sie erstechen sozialdemokratische Flugblattver- breiter, sie prügeln sozialdemokratische Arbeiter, und wenn ihnen dann ihre Schande ins Gesicht geschrien wird, dann jammern und winseln sie: Pogromstimmung. Frech gegen- über dem Langmut der sozialdemokratischen Arbeiter, jäm- merlich gegenüber ihrer Empörung! Pogromstimmung: dies Wort verrät das böse Gewissen, es ist ein Schuldbekenntnis, aus bleicher Furcht vor Abrechnung geboren! Diese bleiche Furcht soll verdeckt werden durch die Lüge: Künstler hat gekniffen. So liest man es in der„Roten Fahne": .Künstler kniff zum zweiten Male. Trotzdem jeder Partei noch drei Diskussionsredner laut Verabredung zustanden, und auch dem Genossen Heinz Neumann ein Schlußwort von 20 Minuten, ebenso wie Künstler, schlössen die Veranstalter plötzlich die Versamnilung." Herr Heinz Neumann hatte soviel Interesse an einem Schlußwort, daß er nach seinem Referat fluchtartigden Saal verließ! Seine Anhänger aber provozierten eine Schlägerei, um der Diskussion zu entfliehen. Sie zeigten beide, der Führer wie die Anhänger, daß sie eine sachliche Abrechnung nicht aushalten können. Die Flucht ihres Führers und die Provokation der Anhänger waren das Eingeständ- nis derNiederlage. Die Sozialdemokratische Partei hat daraus die Konsequenzen gezogen, und der Vorsitzende der Sportpalastkund- gebung erklärte: „Mit einer Partei, die, wie sie soeben gezeigt hat, Versprechen zur Sachlichkeit und Friedlichkeit nur abgibt, um sie im gleichen Zeitpunkt zu brechen, kann ein« Diskussion nickst geführt werden." Erst die großspurige Ankündigung, daß sie diskutieren wolle, dann die Flucht vor der Diskussion in die Provo- kation— das ist die KPD.! Erst die Begeisterung für den Schlagring und das Messer, dann das Gewinsel über„Pogromhetze"— das sind die kommunistischen Führer! Und dos redet von Einheitsfront! Die sozialdemokratischen Arbeiter pfeifen auf das Einheitsfrontgerede dieser kommunistischen Führer. Die wahreEin heitsfront— dost st die deutsche Sozialdemokratie! Die Freude am Schwindeln. Kommunistisches Märchen über den österreichischen putsch. Wenn die kommunistische Presse heute morgen über die Per- sammlung im Sportpalast lügt, daß sich die Balken biegen, so muß man ihr zugute halten, daß sie sich in größter Verlegenheit befindet, ja die Wahrheit gar nicht eingestehen kann. Aber der kennt die kommunistische Presse schlecht, der meint, daß sie nur aus Not lügt. Sie tut es auch dort, wo es reiner Luxus ist, gewissermaßen aus Sportleidenschaft. Das Lügen ist ihr nicht„zur zweiten Natur" ge- worden, es ist ihre erste Natur. Da ist z. B. der ö st e r r e i ch i s ch e 5? e i m w e h r p u t s ch. Was würde es der kommunistischen Presse schon schaden, wenn sie ihren Lesern die Dinge so darstellen würde, wie sie sich wirklich abgespielt haben? Aber was tut sie? Sie benützt die Tatsache des Putsches dazu, um einen kommunistischen Tendenzroman um sie herumzuschreiben, der den folgenden Inhalt hat: In Oesterreich haben dje jyeimwehren geputscht. Schuld daran bat nur die SPD., denn sie hat den Faschismus hochkommen lassen. Die Führer der österreichischen Sozialdemokratie haben sich zu dem Putsch„wohlwollend" verhalten. Aber entgegen ihren Parolen haben sich die sozialdemokratischen Arbeiter in roter Ein- heitsfront mit chren kommunistischen Klassengenossen zusammen- geschlossen und unter Führung der KPOe. den Putsch zusammen- gehauen. So liest man es ungefähr in der„Roten Fahne", und so liest man es fast wörtlich— draußen geht es noch besser— in der kommunistischen Provinzpresse. Der in Halle erscheinende„Klassenkampf" z. 58. schwingt sich sogar zu der folgenden Balkenüberschrift auf: lUifiglüchlei' Meimtrehr&ulfcfi. tTohlirollende Wallung der fosiatdemokraUfchen Führer. Der ganze kommunistische Tendenzroman über den Heimwehr- putsch ist auf zwei Motive aufgebaut. Das eine ist die zarte Liebe der sozialdemokratischen Führer zur Heimwehr und das andere ist die alles zerschmetternde Kampfkraft der KPOe. Wer durch dauernde Lektüre kommunistischer Zeitungen hin- reichend politisch„gebildet" ist, dem fällt es nicht schwer, an die stille Zuneigung Otto Bauers zu Dr. Pfriemer zu glauben. Was aber die ungeheure Kraft der KPOe. betrifft, so braucht der kommunistische Zeitungsleser ja nicht zu wissen, daß diese enorm tüchtige Partei noch nie ein Mandat erobert, ja es noch nie in ganz Oesterreich zu mehr als 20 000 Stimmen gebracht hat. Desto wichtiger ist für ihn die Schlußfolgerung: Die Lehren, die das deutsche Proletariat aus den österreichischen Vorgängen ziehen muß, sind ernst genug. Auch bei uns zeigen sich die gleichen Erscheinungen im faschistischen Lager, auch bei uns kann über Nacht die Verzweiflung bankrotter Führer zu ähnlichen Aktionen führen. INemand ober zweifelt daran, daß die hallung der deutschen sozialsaschistischen Führer ein solches verzweifellcs Unternehmen zum mindesten ebenso begünstigen würde, wie es die Haltung der ö st e r r e i ch i s ch e n sozialdemokratischen Führer am Sonnabend und Sonntag gegenüber der Heimwehraktion getan hat. Kann man sich über so etwas entrüsten? Kann man darüber auch nur lachen? Nein, man steht staunend vor einem natur- geschichtlichen Problem. Wie sieht es wohl in den Hirnen aus, die dergleichen produzieren oder es willig aufnehmen? Ruhiger Verlauf der Nacht._ Disziplinierter Rückmarsch der sozialdemokratischen Massen. Der Rückmarsch der sozialdemokratischen Massen und Reichsbannersormationen nach der gestrigen Sportpalastkond. gebung in ihre Wohnbezirke hat sich in vollster Ruhe vollzogen. Erfreulickzerweise ist es zu nennenswerten Zwischenfällen nir- gends gekommen. In der Umgebung der Potsdamer Straße wurden noch einige Kommunisten, die Störungsversuche unternahmen, fest- genommen und der Politischen Polizei übergeben. Insgesamt sind im Lause des gestrigen Abends bis nach Mitternacht 20 Personen festgenommen worden. Ein Teil der Festgenommenen wird sich wegen Aufruhrs, Auflehnung, Beleidigung und Nichtbefolgung zu verantworten haben. Da bei den Drohungen der organisierten kommunistischen Störungstrupps nach Beendigung der Kundgebung in den Außen- bezirken mit Zwischenfällen gerechnet wurde, hatte die Polizei in vorsorglicher Weise alle Mahnahmen ergriffen, um Zusammenstöße zu oerhüten. Starke Polizeistreifen und Autos mit Bereitfchafts- beamten durchfuhren die Straßen der bekannten Unruheherde. In keinem Falle brauchten die Beamten jedoch einzugreifen. Neue Llnterstützungsfähe. Verfügung an die Bezirksämter. Der Oberbürgermeister hat den Bezirksämtern eine Berfügung zugehen lassen, die Bestimmungen über die Neufestsetzung der Unterstützungssätze ab t. Oktober 1031 trifft. In dieser Bestimmung heißt es: „Infolge des erheblichen Sinkens der Reichsrichtzahl betragen die Unterstützungsrichtfätze vom 1. Oktober 1031 ab: in der all- gemeinen Fürsorge: für Alleinstehende 37 M., für Ehepaare usw. 55,50 M., für jedes Kind unter 6 Iahren 14 M., für jedes Kind im Alter von 0 bis zu 15 Jahren 16 M. In der gehobenen Für- sorge: für Alleinstehende 47 M., für Ehepaare usw. 70,50 M., für jedes Kind unter 6 Iahren 14 M., für jedes Kind im Alter von 6 bis zu 15 Jahren 16 M. In der Fürsorge für Erwerbslose, soweit auf sie Ziffer L i 2 der Verfügung vom 4. Juli 1031— Lawohl 1— zutrifft: für Alleinstehende 47 M., für den Haus- Haltungsvorstand 42 M., für Ehepaare usw. 60,50 M., für jedes Kind unter 6 Jahren 14 M., für jedes Kind im Alter von 6 bis zu 15 Iahren 16 M. Die Verfüguirg weist ausdrücklich darauf hin, daß die Unter- stützungsrichtsätze keine Mindest- oder Höchstsätze, sondern lediglich Richtsätze sind. Die Festsetzung des im Einzelfalle erforderlichen Unterstützungsbetrages soll daher wie bisher auf Grund einer genauen individuellen Nachprüfung der wirtschaftlichen Lage erfolgen. Stadtkämmerer über Berlins Finanzlage. In der heutigen Sitzung des Haushaltsausschusies der Stadt- verordnetenversammlung, der ersten Zusammenkunft des Ausschusses nach den Stadtverordnetenferien, erstattete Stadtkämmerer A s ch einen ausführlichen 58«richt über die augenblickliche Finimzlage der lstetchshauptstadt. Der Stadtkämmerer wies noch einmal auf den Ernst der finanziellen Lag« Berlins hin und wiederholte seinen Appell an das Reich, die Reichshauptstadt vor dem Zusam« menbruch zu bewahren. 3)ie Jlbrechnung mit der 0(3*3). Ein Lustmörder gesteht Verbrechen an einer Vierjährigen aufgeklärt Zn der Ortsschaft Alexanderdors im kreise Teltow wurde am 1. August dieses Jahres ein schweres verbrechen verübt. Das vierjährige Töchterchen des Landarbeiters Braun wurde in einer Sandkule unweit der Ortschaft ermordet aufgesunden. Augenscheinlich war die kleine einem L u st m o r d zum Opfer gefallen. Die polizellichen Ermittelungen führten sehr schnell zur Fest- nähme des mutmaßlichen Täters. In Alexanderdorf wohnte ein 53 Jahre alter Dreher Gustav Loose. L. ist verheiratet und!8ater zweier erwachsener Kinder. Mehrere Zeugen behaupteten, Loose am Mordtage in Begleitung des Kindes gesehen zu haben. Außerdem geriet der Mann ohnehin in den Kreis der Verdächtigen, da er wegen mehrerer Sittlichkeitsdelikte bereits vorbestraft war. Vom Amts- gericht in Zossen wurde Loose nach Berlin gebracht, wo er die Tat bisher energisch in Abrede stellte. Auch als man ihn auf Grund von Indizien überführen zu können glaubte, stritt L. und behauptete unschuldig zu sein. Gestern abend legte Loose endlich ein Teilgeständnis ab. Danach will er das Kind im Walde zufällig getroffen haben. Plötzlich habe er die Kleine gepackt und mit einem eisernen Topf auf sie einge- schlagen. Als er sah, was er angerichtet hatte, will er entsetzt davon- gelaufen sein. Diese Angaben stehen aber in Widerspruch zu dem Srzt- lichen Untersuchungsbefund. Weiter ist ermittelt worden, daß L. am Mordtage eine Tafel Schokolade gekauft hat. Im Magen des Ämdes wurden bei der Obduktion Schokolodenreste und ebenso am Anzug des Täters Schokoladenflecke entdeckt. Man schließt daraus, daß Loose die Kleine an sich gelockt und dann das Verbrechen begangen habe. Die Polizei glaubt, daß der Täter sein Geständnis noch erweitern wird. Hepp! Sepp! Förderung„völkischer Belange" durch Ludenhehe? lieber dem österreichischen Heimwehrputsch und dem Konnnu- nistenkrach vor und in dem Sportpalast sind die Hakenkreuz- kr a walle, die sich am letzten Sonnabend im Berliner iWesten abspielten, in der öffentlichen Beachtung etwas zu kurz geko-mmen. Desto mehr find sie— leider!— im Ausland beachtet worden, und darüber muß noch einiges gesagt werden. Die Nationalsozialisten spielen sich als die Vorkämpfer der deutschen Volksinteressen auf. Hätten sie aber nur«inen Funken politischen Verstand, so müßten sie begreifen, daß sie durch die Der- emstaltung von I u d'e n he tzTN befr ollers chNMmsten' Schaden" arF- richten Der eigentlich Geschädigte dabei ist— viel mehr als das Judentum— das deutsche Volk, dessen Ansehen durch derartige Vorkommnisse den schwersten Stoß erhält. Denn der Antisemitis- mus, wie er in Deutschland betrieben wird, jindet nirgends in der zivilisierten Welt Verständnis— und wenn aus Berlin die Nach- richt kommt, daß Juden, die an einem ihrer Feiertage aus ihrer Andacht kamen, auf der Straße geprügelt wurden, dann ersteht für die Welt draußen das Bild des alten zaristischen Rußland wieder mit seinen Schwarzen Hundert und seinen berüchtigten Iudenchetzen, den ipogromen. Es kommt noch etwas anderes dazu, nämlich die bekannte Eigen- schaft der Antisemiten, Juden und Nichtjuden absolut nicht von- einander unterscheiden zu können. Jeder irgendwie fremdländisch Aussehende, besonders jeder Ausländer von dunklem südlichen Typ wird als Jude betrachtet und behandelt. Mitglieder so mancher aus- ländischen Missionen können sich vor Anpöbelungen kaum noch retten. So hat im letzten Sommer ein angesehener ausländischer Diplomat aus den angegebenen Gründen seinen Urlaub entgegen seiner ur- sprünglichen Absicht nicht in Deutschland, sondern im Ausland»er- bracht, nachdem er zuvor im Auswärtigen Amt angefragt hatte, wohin man denn in Deutschland überhaupt noch reisen könne, ohne belästigt zu werden! In den meisten dieser Fälle, wie in dem eben berührten, sind die Angepöbelten überhaupt gar keine Juden. Aber im Ausland Die Heimwehr-- nach dem putsch gibt es sehr viele Juden, die sich in einflußreicher Stellung befinden, deren Muttersprache Deutsch ist und die für Deutschland starke Sym- pathien haben. Kein vernünftiger Mensch wird einsehen können, was dem deutschen Volke damit genützt wird, daß man diesen Leuten ihre Sympathie für Deutschland sozusagen aus dem Leibe prügelt. Freundschaft für die Juden wird niemand von den Hak«»- kreuzlern verlangen. Dafür würden sich die Juden selber wohrschcin- lich bestens bedanken. Aber hatten die nationalsozialistischen Draht- ziehcr auch nur ein wenig Verantwortungsgefühl, so müßten sie selber gegen die stumpfsinnigen Iudenhetzcn Front machen— nicht den Juden, sondern Deutschland zuliebe! Die höheren Beamten wollen klagen. Anfechtung der preußischen Sparmaßnahmen. Der Vorstand des Landesverbandes der höhe renBeamtcn Preußens teilt mit, daß er über die Rechtsgültigkeit der von der preußischen Staatsregierung getroffenen Sparmaßnahmen im or- dcntlichen Rechtswege eine Entscheidung herbeiführen werde. Die Notverordnung greife in das Bcamtenrecht willkürlich und mit dauernder Wirkung abändernd ein. Sie überschreite zugleich den Rahmen der Notverordnung des Reichspräsidenten vom 24. August. Neuwahl in England. Vielleicht schon in vier Wochen. London. 15. September. Am Schluß der Aussprache über das Sparsamkeitsgesetz äußerte der Konservative Minister Neville C h a m b e r l a i n u. o.. daß ein konstruktives Programm zur Förderung von Jndustne und Land- Wirtschaft schnellstens aufgestellt werden müsse: je eher dieses ge- schaffen sei, um so eher werden unsereNachfolger wieder aus. bauende Arbeit leisten können. Diese Worte legt der arbeiterparteiliche„Daily Herald" dahin aus, daß das Parlament bis Freitag seine Arbeiten ob- schließen soll, so daß seine Auflösung in öer nächsten Woche und Neuwahlen etwa am 15. Oktober erfolgen können.(Von diesem Tage an gelten die neuen Wählerlisten.) Die Konservativen und die Liberalen verhandeln über ein W a h l a b- kommen. Die Tories seien entschlossen, die Zolltariffrage zur Wahlparole zu machen. Der diplomatische Korrespondent der konservativen„Daily Mail" dagegen behauptet, die konservativen Unterhausmitglieder, die noch vor kurzem den dringenden Wunsch nach baldigen Neuwahlen hatten, seien jetzt überzeugt, daß dies für das Land verhängnisvoll wäre und daß die jetzige Regierung einen Zolltarif einführen könne. Oie Katastrophe des„Bindestrich". Der gerettete Flieger Ooret berichtet. Moskau(über ßowno), 15. September. Der französische Flieger v o r e t. der bei dem Absturzunglück des Flugzeugs„Bindestrich" mit dem Leben davonkam, berichtete am Moeitag in Ufa In einer Unterredung mit Vertretern der Sowjet- presse einige Einzelheiten über das Unglück. Danach ist die Ursache des Unglücks auf eine Explosion des Motors zurückzuführen. Als die Explosion ersolgte. so erzählte Doret, habe er gesehen, wie der Bordmonleur M e s m i n. der die Maschine steuerte, gleich ihm versuchte, mit dem Fallschirm aus dem Flugzeug zu springen. Da sich die Umhüllung des Fallschirms nicht öffnete, blieb Mesmin im Flugzeug. Le Brix halte keine Zeit mehr, die Riemen zu lösen. Doret, der sich wohl befindet, wird sich in der Röhe der llnglücks- stätte aushalten, bis ein Vertreter der französischen Botschaft ein- getroffen ist._ Zum Bericht über die Sportpalastversammmlung. Dem Reserat de» Genossen k ü u st l e r im Sportpalast ist noch uachzulragen, daß die Sozialdemokratie iu BerlinalleinSöooo Mitglieder zählt und nicht, wie es in unserem Bericht durch einen llebermitt- luogsfehler heißt, einschließlich Brandenburg und Grenzmark. Konkursskandal Geprellte Angestellte.— Das( Gegen das bekannte Seiden- und Stoff-Kaufhaus Gustan Cords ist vor kurzem Konkursantrag gestellt worden. Der Zusammen- bruch dieses Unternehmens wäre trotz der Bedeutung, die die Firma in der Berliner Wirtschaft besaß, in heutiger Zeit kein Anlaß, aus das Ereignis näher einzugehen, wenn nicht Sie Person des Allein- inhabers und gewisse Manipulationen einen„Fall Cords", oder besser gesagt, einen Fall„Schmidt-Lorenzen" hätten entstehen lassen, der nicht nur die Oefsentlichkeit, sondern auch die Gerichte lebhaft interessieren dürfte. Zunächst einmal erscheint es notwendig, sich etwas eingehender mit der Person des Herrn Günther Schmidt-Lorenzen, Allcininhaber der Firma Gustav Cords, zu befassen. Herr Schmidt- Lorenzen schied nach dem Kriege Äs Oberleutnant aus der A>mee aus und trat in die Firma Gustav Cords ein, die sein Vater, Kam- merzienrat Schmidt, zu einem angesehenen Unternehmen entwickelt hatte. Von dem feudalen Kasinoleben her schon an großen Aufwand gewohnt, entwickelte der junge Herr Schmidt-Loenzen, nach dem Tod« seines Vaters Alleininhaber, Lebemannallüren und ver- schwenderische Neigungen, die nicht zum wenigsten dazu beigetragen haben, den soliden Boden der Firma zu unterhöhlen. Herr Schmidt- Lorenzen nennt in der teuersten Gegend der Grunewald-Kolonie. unmittel. bar am See, eine Luxusvilla mit nicht weniger als?S Zimmern sein eigen. ein Besitztum, das vor dem Schloß der Brüder Lahusen wohl bestehen kann. Je noch der Laune des Herrn wurden die kost- spisligsten Umbauten und Innendekorationen ohne Rücksicht auf die Kosten vorgenommen. Außerdem wurde mit dem dazugehörigen Bereiter und Iockey ein Rennstall von sechs Pferden unterhalten. der gleichfalls Unsummen verschlang. Aber mit diesem Luxus allein waren die Neigungen des Herrn Schmidt-Lorenzen noch nicht erschöpft. Der Inhaber des Hauses Gustav Cords hotte auch politische Neigungen, die ihn eine schöne Stange Geld kosteten. Bei den Nazis glänzte er als große.Spruderkavane", und es find recht hübsche Summen, die für nationalsozialistische„Sport. feste" und andere„streng legale" Veranstaltungen der Faschisten absprangen. Natürlich durften auch die Freunde vom Stahlhelm nicht zu kurz kommen, und bis vor kurzem fanden die Klagebriese und Kollekten des Stahlhelms bei dem Herrn und Gebieter der Firma Cords stets ein williges Ohr. Die jährlichen Entnahmen des Herrn Schmidt- Lorenzen erreichten bei derart kostspieligem Lebenswandel bald eine schwindlige höhe und sollen bis zum letzten Zahr einige Hunderl. lausend Mark jährlich betrage« haben. Im August war Herr Schmidt-Lorenzen so weit, daß er sich und damit die Firma Gustav Cords für zahlungsunfähig erklären mußte. Dieser Erklärung folgte der Konkürsantrag deü Gläubiger, dem stattgegeben wurde. In die Tage der Erklärung der Zahlungsunfähigkeit fällt nun die sehr merkwürdige Gründung einer Textil- Finanzierung?- G. m. b. H. durch mehrere Geschäftsfreunde des 5?errn Schmidt-Lorenzen. Dies« Gesellschaft hat aber nur ein ganz kurzes Dasein gehabt und ist sehr bald in um Nazi-Cords frunewaldschloß mii Zknnstatt eine neu gegründete„Offene Handelsgesellschaft in Firma Gustav Cords" übergegangen, in die Herr Schmidt-Lorenzeri einen großen Posten Warenvorräte— man spricht von einem Werte von SO 000 bis 60 000 M.— sowie den alten Firmennamen einschoß. Da sich Herr Schmidt-Lorenzen uud die Firma Gustav Cords in Konkurs befinden, kann das Einbringen dieses beträchtlich'« Warenpostens in die neue Eords-Firma nur aus der Konkurs- mäste der alten zusammengebrochenen Firma ermöglicht sein. wodurch natürlich den Gläubigern ein ganz gewalliger Schaden erwächst. Will der Konkursverwalter diesem dunklen Spiel tatenlos zusehen? Auch eine weitere Frage bedarf dringend der Klärung. In der Betrnbsversammlung der Belegschaft der alten Firma Gustav Cords am 3l. August kam zur Sprache, daß Herr Schmidt-Lorenzen, der sich seitdem im Geschäft nicht mehr sehen ließ, in den letzten Augusttagen SO 000 M. angeblich für Abdeckung von Schulden flüssig gemacht habe. Da die Zahlungsunfähigkeit bereits erklärt war. bleibt auch dieser Zahlungsposten von.50 000 M. zunächst in mystisches Dunkel gehüllt. Ein Skandal sondergleichen stellt die Behandlung, die die Belegschaft der Firma Gustav Cords erfahren mußte, dar. Seit dem lS. August ist den Angestellten und Arbeitern kein Geholk mehr gezahlt worden und erst am lv. September hat der Konkursverwalter für vier Tage Lohn, also bis zum 14. September ausgezahlt. Die Geschästsverwaltung der alten Firma Gustav Cords hat sich zunächst einen glatten Verstoß gegen das Betriebs rätegesetz zuschulden kommen lassen, indem sie es nicht für nötig hielt, die Vertreter der Belegschaft über den Konkursantrag und die Grün- dung der neuen Firma Cords zu informieren. Als der Betriebsrat sich wegen der noch nicht gezahlten Gehälter an die Direktion wandte, wurde ihm zynisch erklärt, daß die neue Firma Cords überhaupt keine Angestellten unterhalte und sie sich inegen ihrer fälligen Gehaltsforderungen an den Gläubigerausschuß(!!) wenden sollten. Zu dem Schaden fügte die Direktion auch noch den Spott hinzu, indem den Angestelltenvertretern höhnisch erklärt wurde, sie könnten sich ja wegen ihres Gehalts an hindenburg wenden. Dies« Behandlung der Angestellten, deren Vertreter sofort Klage beim Arbeitsgericht eingereicht hoben, ist um so unglaublicher, als die gesamte Belegschaft, die aus 250 kaufmännischen Angestellten und etwa 80 Arbeitern besteht, nach wie vor in dem bekannten Keschäftshause der alten Firma Cords ihren Dienst tut, tatsächlich aber infolge der Winkelzüge der Geschäftsleitung nicht weiß, wer gegenwärtig ihr Arbeitgeber ist. Dieses frevelhafte Spiel mit dem Schicksal von Hunderten von Arbeitnehmern macht schnellstes Durchgreifen des Arbeitsgerichts er- forderlich, denn es ist selbstverständlich, daß sich der Angestellten, die seit rund einem Monat auf ihr Gehalt warten, von Tag zu Tag eine stärkere Unruhe bemächtigt. Außerdem hat die Oefsentlichkeit ein Recht, auf schnellstem Wege von dem Konkursverwalter über die dunklen Vorgänge im Zusammenhang mit der Gründung der neuen Cords-Firma unterrichtet zu werden. � � Elsktwboykoti in Damaskus. Auflehnung in ganz Vorderasien. Syrien und Mesopotamien erlebten seit einiger Zeit die eigen- artigsten Streiks und Boykottbewegunzen. So protestieren viele Bauern gegen die Steuerlasten, indem sie es aufgeben, mehr Land zu bebauen als die Fläche, die für ihre private Versorgung genügt. In diesen Ländern liegen die Getreidepreise weit unter dem Welt- marktstand und die Bauern bekommen, wenn sie das Getreide in die Stadt bringen, kaum die Transportkosten ersetzt. In den Städten des französischen Mandatsgebietes Syrien war vier bis fünf Tage alles stillgelegt zum Protest gegen die städtische Steuereintreibung. In den mesopotamischen Städten dauerte der Streik sogar zwanzig Tage, und er traf namentlich die Europäer sehr schwer, weil sie, im Gegensatz zu den Eingeborenen, nicht gewohnt sind, Vorräte im eigenen Hause anzusammeln. Der N a t i o n a l e i d verpflichtet viele Eingeborene, nur einheimische Waren zu kaufen und man versucht, obwohl man nur sehr geringe Geldmittel hat, eine ein- beimische Industrie ins Leben zu rufen. In Beirut wurde gar 81 Tage gegen das franzöfisch-belgische Elektromonopol ge- streikt, die Straßenbahn und das elektrische Licht boykottiert. 3n Damaskus dauert dieser Streik bereits Monate, und die verkehrsgesellschaft mußte, obwohl sie von der Regierung unterstützt wird, die Tarife bereits um 50 Proz. herabsehen. Die Arbeitslosen der Verkehrsgesellschaft werden von der Bs- völkerung unterstützt. Demonstrationen sind in Damaskus ver- boten, der Autoverkehr wird von der Regierung lahmgelegt. Die Straßenbahnen sind jetzt, nebst dem Fahrpersonal mit zwei Polizisten und einem Verwaltungsbeamten besetzt und bieten jedem Fahrgast einen Frank Lohn an, wenn er nur mitfährt. Aber die Wagen bleiben leer und Terrorakte gegen die Straßenbahn sind nicht selten. Die Eingeborenen haben jetzt in Massen dem sran.zösisch-belgischen Monopol schriftlich mitgeteilt, daß sie als Abnehmer von Elektrizität nicht mehr in Frage kommen! Dr. M. Epstein gestorben. In München, wo er fest nahezu einem Menschenalter eine. umfassende ärztliche Tätigkeit ausübte, starb kurz nach Vollendung seines 63. Lebensjahres Genosse M. Epstein an einem schleichenden Leiden. Von frühester Jugend an in die Rechen der sozialisti- schen Bewegung— engste Freundschaft verband ihn während seines Berliner Studiums mit den ihm im Tode vorausgegangenen Genossen Zadek und Blaschko— blieb er der einmal gefaßten Welt- onschauung bis zu feinem Lebensende treu, und wenn auch seine politische Tätigkeit im wesentlichen auf kommunales Wirken gerichtet war, so war seine öffentliche und publizistische Arbeit innerhach des Gesamtgcbietes der sozialen Hygiene um so fruchtbarer. In der frühen, jedes Tatsachenmaterials noch ermangelnden Entwicklung dieser Disziplin schuf Epstein eine Reihe von einschlägigen Beob- achtungen, aus Grund deren die Zusammenhänge zwischen Arbeit und Ermüdung, die Bedeutung der Gewerbehygiene für die Kranken- kassen, der Einfluß der Erwerbstätigkeit auf die Frau, die Krank- heiten der Bäcker und Schneider, die Unfälle der Holzarbeiter und vieles andere mehr dar« und klargelegt wurden. An dem Weylschen Handbuch der Arbciterkrankheiten wie an der von Zadel herausgegebenen Arbciter-Gesundheitsbiblio» t h e k war er einer der hervorragendsten Mitarbeiter, an seinem Wohnort München begründete er im Zusammenhang mit der Ein- führung der freien Arztwahl eine Kommission für soziale Hygiene, eine Ortsgruppe des Vereins sozialistische!.' A c r z t e sowie den zu reicher Entfaltung gelangten Arbeiter- Somariterbund. Die letzten Jahre beschäftigte er sich vor- nehmlich mit dem Problem der Sozialisierung der Heil- künde sowie mit der Abfassung eines Werkes über den Einfluß der Arbeiterbewegung auf die Entwicklung der sozialen Hygiene. Epsteins menschlich« Güte, opferbereites .Helfertum und Gesinnungstreue sichern ihm im Herzen seiner Freunde wie der Partei treueste Erinnerung. „Oer Hellseher." primus-palast. Kiloweise kaust beim Alchändler Max Malbert als Büro- Vorsteher die Prozeßakten, damit wenigstens rein äußerlich das Büro des Herrn Dr. Agerty nach dem Raum eines Rechtsanwalts aussieht. Aber was nützt die Maßnahme? Man bleibt allein auf weiter Flur, bis der pfiffige Bürovorsteher sich nebenamtlich als Hellseher betätigt. Nun treibt er dem Rechtsanwalt die Klienten zu und die glücklich Liebenden einander in die Arme. Eugen Thiele baute aus vielen schon so und so oft da- gewesenen Szenen einen neuen Film. Das macht er recht geschickt zur Freude der Menschen, die in heutiger Zeit nur leichte, völlig problemlose Entspannung wollen. Der unverwüstliche Max Adalbert spielt, fern jeder Ausdringlichkeit, seine Bombenroll«. Glänzend unterstützt wird er von Kurt Lilien als Portier. Es sind Kabinettstücke der Komik, wenn die beiden sich, einander ins Ohr flüsternd, ihren Ausbeutungsplan überlegen und wenn her- nach, Lilien im Talar, dem Herrn Wahrsage-Professor die Kunden zuführt. Die Liebhaberrollen sind bei der zarten Marianne Winkel st ern und der kessen Trude Berliner, dem über- legenen Johannes R i e m a n n und dem gerissenen Ernst V e r e b e s gut aufgehoben. Einen Sondererfolg holt sich die mehr als draus- gängerisch liebende Senta S ö n e l a n d. Leo L e u x ist für die Musik verantwortlich. Er übt mitunter die musikalische Illustration nach Muster der amerikanischen Zeichen- filme, verfällt dann aber auch in das allgemein übliche Schlager- gcwinsel. e- b' Abschluß des internationalen Aerztekongresses. Die Beratungen des Internationalen Aerzteverbandes, der seine 6. Tagung in B u d a p e st abhielt, wurden gestern beendet. Die Tagung trat für die Durchsetzung des Prinzips der freien Aerztewahl ein« Intendant Carl Cbert hat Janaceks Oper„I e n u f a" und OffcnbachS „M a d a m c L' A r ch i d u c" in der textlichen Neufasiung van Karl Kraus zur Erstausführung in der Städtischen Oper angenonnnen. ..Ein Mann hat sich erhängt." Alfred Herzogs Zeitstück gelangt m der Inszenierung von Dr Hans Altmann, Königsberg, durch das Z-ittheater am 16. September im W a l l n e r- Th e a t c r zur Uraufführung. Im Tiugel-Taugel findet die für heute angesagt- Premiere erst am Donnerstag statt. Das Museum der StaatScheater(Oberwallstrahe 22. Kronprinzen- palaiSi veranstaltet anläßlich des Goethe-Jahres im Winter-ine Sonder- avsstellnng:„Berliner Bühnen". Iarmila Aovotna übernimmt ab Mittwoch wieder die von ihr kreierte Rolle der„Schönen Helena" im Kurfürstendamm-Theater, Wetter für Berlin: Etwas milder, trocken bei wechselnder Be- wälkung. mäßige westlich« Winde.— Für Deutschland: Im Küsten- gebiet veränderlich, im gesamten Binnenland« beständiges und am Tage etwas milderes Herbstwetter, nur im Süden strichweise Nachtfrost. Schließung des Schiller-Theaters? Die Oefsentlichkeit wird durch die Mitteilung überrascht, daß das preußische Finanzministerium den Plan Hab«, das Schiller-Theater sosort stistzulegen. Der Bertrag, den der preußische Staat mit der Schiller-Theater-A.-G. geschlossen hat, läuft noch bis 1932. Es war nun wohl seit längerer Zeit bekannt, daß bei gewissen Stellen der preußischen Verwaltung die Absicht bestand, den Vertrag nicht wieder ,zu erneuern, also den Betrieb des Schiller-Theaters mit Mlaus dieser Spielzeit einzustellen. Die Mitteilung, daß man das Schiller-Theater sofort schließen wolle, kommt höchst überraschend. Offenbar verspricht sich das Finanzministerium von seiner Idee namhafte Ersparnisse. Diese werden aber kaum zu erzielen sein. Bekanntlich � wird das Schiller-Theater von dem gleichen Ensemble bespielt, das auch die Vorstellungen im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt bestreitet. Dies Ensemble und der gesamte Verwaltungsapporat sind auf die Bedürfnisse beider Häuser abgestellt. Es wird kaum möglich fein, noch Schließung des Schiller-Theaters innerhalb der Spielzeit, dos heißt vor Ablauf der Engagementsverträge, nennenswerte Mbau- maßnahmen durchzuführen. Auch die Miete für das Schiller-Theater würde natürlich bis zum Ablauf des Vertrages weiter ,zu.zahlen fein. Mit anderen Worten: Wesentliche Ersparungen wären nicht möglich, andererseits aber würden die gesamten heutigen Einnahmen des Schiller-Theaters fortfallen. Wie denkt sich außerdem dos Finanzministerium die Ausein- andersetzung mit den zahlreichen Abonnenten des Schiller-Theaters, die doch verbrieften Anspruch auf ihre Vorstellungen bis zum Schluß der Spielzeit haben? Wie will es sich mit den Besucherorganisa- tionen(Volksbühne und Bühnenoolksbund) auseinandersetzen, die für da? ganze Jahr Plätze im Schiller-Theater belegt und in ihre Orgoni- sationspläne eingeordnet haben? Gerade diese Besuchcrorgoniso- tionen würden bei einer Schließung des Schiller-Theaters eine emp- findliche Schädigung erfahren. Unter diesen Umständen ist es durch- aus verständlich, wenn, wie es heißt, dos Kultusministerium dem Plan des Finanzministeriums entschiedenen Widerspruch entgegensetzt. Das Kultusministerium wird dabei die gesamte Oefsentlichkeit hinter sich haben. Es handelt sich um eine Bühne, die unter dem Gesichtspunkt volkstümlicher Kunstpflege einstweilen nicht entbehrt werden kann. Es ist dringend notwendig, daß die Zuschüsse zum staatlichen Schauspielbetrieb auch jenen Schichten mit zugute kommen, die sich die teuren Plätze am Gcndarmenmarkt nicht leisten können. Nachdem der Staat schon die Kroll-Oper stillgelegt hat, wäre die Auf- gäbe des Schiller-Theaters ein völliger Abbau der sozialen Kunst- pflege in Preußen. Wenn die Staatsverwaltung noch die Absicht hätte, an Stelle des SchillerTheaters andere Maßnahmen zur Förde- rung der volkstümlichen Kunstpflege zu treffen, etwa durch eine engere Verbindung mit der Volksbühne und finanzielle Unterstützung ihrer Bestrebungen! Aber davon ist natürlich nicht die Rede. „Kunst in dieser Zeit." Daß in der allgemeinen Depression und Krisenstimmung die Kunst nicht nur unterhaltend und ablenkend, sondern im besten Sinn« vorwärtsweisend und ermutigend wirken kann, erwies sich Sonntag in einer Wcrbeveranstoltung der Sonderabtci» lungen der Bolksbühne in den Kammersälen. Da» war ein wahrhaft volkstümlicher Abend. Saal und Galerie gedrängt voll von jungen Arbeitern, jede„Nummer" des Programms ein Treffer. Di« Künstler durch den Beifall des Publikums zu den besten Leistungen angefeuert. Dos Ensemble der Volksbühne mit Karlheinz Martin an der Spitze stand mit kollektiver Gesinnung im Mittelpunkt des Abends Der Akt aus Döblins Bühnenwerk„D i e E h e", in dem das Schicksal einer Arbeiterfamilie dargestellt wird, hinterließ in diesem Bersommlungssaal auf einem Podium ohne Dekoration fast nock? einen tieferen Eindruck als im Theater. Dabei wurde durch die Mitwirkung des Sprechchors der Sozia- listischen Arbeiterjugend die Einheit von Zuschauern und Dichtung noch unterstrichen. Außerdem wurde E r n st Busch als moderner politischer Bänkelsänger immer wieder bejubelt. Rechtsanwalt Stemmte las Teile aus dem Arbeiterorotorium „Mann im Beton", das er gemeinsam mit G. W e i ß e n b o r n gedichtet. Es handelt sich nach den Proben, die man hörte, um ein Werk, das an dem Schicksal eines Opfers der Arbeit System und Profitgier demonstrieren und anklagen will. Ein Werk, das für die Kulturveranstaltungen der Arbeiterschaft auch durch seine Form bahnbrechend wirken kann. Schließlich wies Karlheinz Martin in einer eindrucksvollen Rede auf die Notwendigkeit der Kunst in dieser Zeit und auf die Bedeutung hin, die die Volksbühne und ihre Sonderabteilungen gerade jetzt für die Arbeiterschaft haben. Die Sonderabteilungen haben durch diesen Abend, der als erster seiner Art angekündigt war, bewiesen, daß in ihnen die Kraft lebendig ist, durch positive Leistungen die Verbindung von Kunst und junger Arbeiterschaft abseits vom Literatengeschwätz zu ver- tiefen. L. „Oer lächelnde Leuinani." Eapitol. Dos Thema Wien mit seinen feschen Madeln und den herzen- knickenden Leutnants(natürlich in der guten alten Borkriegszeit) ist vorderhand immer noch unsterblich. In stummer Form hatte Berger mit seinem„Walzertraum" nach der Straußschen Operette den Vogel obgeschossen, aber die Hollywooder wollten ihren eigenen Walzer- traum haben, und so hat Lubitsch denselben Stoff noch einmal geformt— als Tonfilm. Wieder erobert der Leutnant die süße Geigerin aus der Damenkapelle, wieder verliebt sich die Prinzessin (von Liechtenstein) in ihm, es erfolgt Zwangsheirat und Uebersiedlung in das stille Nest. Die Prinzessin muß erst von der Liebhaberin lernen, wie man Männer fesselt, che sie den Leutnant gewinnt. Lubitsch kennt sein Wien und kennt das militärische und höfische Milieu und weiß es mit der leisen Ironie, die es allein noch erträglich macht, zu gestalten. Er hat wie immer Regieeinfällc, er sieht in Bildern und läßt sich durch die Singerei nicht aus dem Takt bringen. Obwohl die Darsteller Amerikaner sind, kommt doch der Wiener Lotolton ganz gut heraus, freilich der König von Flausenthurm und seine Tochter sind durchaus amerikanische Typen. Vor allem hat Maurice E h e v a l i e r. der Held der„Liebesparade", die Beweg- lichkeit und den verführerischen Charme, die ihn für solche Rollen geeignet machen. Franzi von der Damenkapelle ist die entzückende Elaudette Colbert, und Miriam Hopkins ist ein spießbürger- liches Gänschen, das die Leute zum Lachen bringt. Ende gut, alles gut. Nun aber definitiv Schluß mit Wien, den Leutnants und den Prinzessinnen! Als Ueberraschung präsentierte dos Capitol eine leibhaftige Kapell«, die zur Einleitung Straussche Melodien aus dem .. Walzertraum" mst größter Delikatesse spielt« und lauten Beifäll errang. r- Abbau. Oer einzige Ausweg der Unternehmer. Aus Betzdorf(Sieg) wird gemeldet, daß im Siegerlande eine Anzahl Gruben- und Hüttenwerke stillgelegt werden muhten. Die Niederreisbacher Hütt«, die das Siegerlander Spezialeisen herstellt, wird in den nächsten Tagen den Betrieb wegen Absatzmangels ein- stellen. Aus Herdorf(Siegerland): Die Arbeitslosigkeit nimmt hier wieder einen größeren Umfang on. Die Firma Jakob Klein, Basaltbruch am Malscheiderkopf, sieht sich infolge Absatzschwierigkeiten gezwungen, ihren Betrieb still- zulegen. Grucne(Kreis Iserlohn): Im Lauf« der kommenden Woche wird im Kettenwerk H Schlieper u. Sohn, zum Konzern der Vereinigten Stahl- werk« gehörend, der größte Teil der Belegschaft entlassen werden. Es besteht sogar die Gefahr, daß dieser Betrieb in der nächsten Zeit ganz zum Erliegen kommt. Eologsen(Altena): Dos zum Hoesch-Konzern gehörige Fabrikunternehmen (oom Gebr. Knipping) hat weitere Entlassungen vorgenommen, und zwar ist insgesamt 100 Arbeitern die Kündigung ausgesprochen worden. Die Arbeiter wohnen zum Teil in Evingsen, zum Teil in Altena. Wie sehr die Arbeitsmorktlagc im Nettetal zurückgegangen ist, ergibt sich daraus, daß die westfälischen Kleinbahnen die besonderen Arbeiterwagen mit Anhängern nicht mehr verkehren lasien. wissen: Wie die Direktion des hiesigen Weißblechwerks der V e r- einigten Stahlwerke A.-G. mitteilt, werden ab 1. Oktober d. I. wegen Absatzmongel 300 Arbeiter entlassen. Bisher war das Werk mit Auslandsaufträgen reichlich versehen. Inlands- oufträge sind bereits seit einiger Zeit gänzlich ausgefallen. Das Werk beschäftigte bisher noch rund 2300 Arbeiter. Oberhausen: Di« Verwaltung der Gute-Hossnungs-Hüttc macht sich wiederum burch Arbeiterentl�ngen bemerkbar. Durch Absatzmanpal sei sie gezwungen, in ihren beiden Walzwerken bis zum 2l. September 440 Arbeiter zu entlassen. Wieviel A n g e st e l l t e da- bei mit entlassen werden, stehe im Augenblick noch nicht fest. Mülheim(Ruhr): Die Direktion der„D e m a g" hat der gesamten Beleg- s ch a f t wegen der bevorstehenden Stillegung des Betriebes zum 22. d. M.„o o r s o r g l i ch" gekündigt. Die nach diesem Termin weiter beschäftigten Arbeiter können nach eintägiger Kündigung frist- los entlassen werden. Essen: Die Vereinigten Stahlwerke haben einen vorsorglichen Antrag auf Stillegung der Niederrheinischen Hütte und des Werkes Vulkan in Duisburg für Oktober gestellt. Von der Stillegung werden 2S00 Arbeiter und Angestellte betroffen. Ueber die Stillegung des Hörder Vereins in Dortmund finden am Mittwoch Verhandlungen bei der Regierung statt. Am 22. September beginnen in Essen die Verhandlungen über die Regelung der Arbeitszeit in der Gruppe Nordwest VerbinölichkeiiserNärung abgelehnt. Im Torisstreit der sächsischen Hütten- und Walzwerke hat der Reichsarbeitsminister die Verbindlichkeitserklärung--des- Schieds- spruches vom 30. Juli 1031 abgelehnt. Die Frist laust ab! Oeffnet das ZZeutil der 40-Stunden-WocheI Diese Mahnung möchte man dem deutschen Unternehmertum zurufen, das sich bis Sonnabend, den 10. September, dem Reichsarbeitsministerium erklären soll, ob es freiwillig die Vierzigstundenwoche zur Entlastung des Arbeitsmarktes vornehmen will. Allein die Herren haben sich in der Hauptsach« bereits festgelegt und wie sie ihre Stellungnahme zu begründen versuchen: man hört aus allem nur das Nein! Die Bauindustrie und das Buchdruckgewsrb«— d. h. die darin tätigen Unternehmer— haben es glatt'abge- lehnt, die 40-Stunden-Woch« einzuführen, während die Kalk» steinindustri« und das Braugewerbe Zugeständnisse machten. Die Antwort der Unternehmer der übrigen Industrien steht zwar noch aus. Im Reichsorbeitsministerium erwartet man noch positive Erklärungen. Nach Ablauf dieser Frist wird dag Reichskabinett entscheiden, ob die Arbeitszeitoerkürzung in Verbindung mit einein Einstellungs- zwang durch Notverordnung oerfügt weroen soll. Das Argument, das der 40-Stunden-Woche entgegengehalten wird, die Arbeitszeit sei ja jetzt schon vielfach auf 36 Stunden wöchentlich verkürzt, ohne Neueinstellungen, hat keine allgemeine Beweiskraft. An sich ist es der beste Beweis für die Notwendig. keit und Durchführbarkeit der 40.Slunden.1Vochc. Daß nicht in allen, auch in den allerkleinsten Betrieben bei kürzerer Arbeitszeit Neuein- stellungen vorgenommen werden können, ist durchaus kein Grund gegen die 40-Stunden-Woche. Das Unternehmertum hat sich noch niemals aus freien Stücken zu einer besseren Regulierung der Arbeitszeit bereit- erklärt. Schritt um Schritt mußte ihm jede Arbeitszeitverkürzung im gewerkschaftlichen Kampf« abgerungen werden, bis die Gesetzgebung etwas nachgeholfen hat. Auch jetzt wird der vom Reichsarbeits- minister ausgegangene Appell an die Einsicht des Unter- n e h m e r t u m s in der Hauptsache tauben Ohren begegnen. Es wird sich bald zeigen, ob die Regierung dem Unternehmer- tum gegenüber die Energie aufbringt, eine Maßnahme durchzusetzen, die im Allgemeininteresse— sozusagen im Interesse dar öffentlichen Gefahr— liegt. Der Arbeitnehmerschaft sind schon so viele Opfer auferlegt worden, daß dem Unternehmertum auch einmal das Opfer eines Prinzips zugemutet werden darf. Sein« grundsätzliche Gegnerschaft gegen die von chm in der Praxis langst durchgeführte Arbeitszeitverkürzung, sei es auch nur durch fortwährende Feierschichten, wiegt federleicht gegen die ungeheure schwere Rot der Arbeitslosigkeit. Die 40.Stunden.woche muh und wird kommen. Jede unnütze Verzögerung ihrer Durchführung muß vermieden werden. Neuer Druck auf Meiallarbeiierlöhne. Im Bezirk Hägen-Schwelm. h a g e n. 15. September. Durch besonderen Anschlag erfolgte am Montag in samt- lichen Betrieben der Metallindustrie Hagen- Schwelm die kündi- gung der bisher geltenden Akkordsätze zum 30. September 1031. Den Lohnarbeitern wurde zum gleichen Zeitpunkt das Arbeits- Verhältnis gekündigt. In den einzelnen Betrieben sollen demnächst die Akkordvor- schlage bekanntgegeben werden(!). damit eine Einigung darüber angestrebt werden kann(!). Mit den Lohnarbeitern will man neue Stundenlöhne abschließe», die noch rechtzeitig mitgeteilt werden sollen. eBuch 3)ie deuf fciien Parteiprogramme 1918/1930 Unter diesem Titel erscheint in dem Verlage B. G. T« ix b n e r. Leipzig, eine ganz vorzügliche Zusammenstellung der wichtigsten Parteiprogramme und parteiprogrammatischen Erklärungen, aus denen die Entwicklung des deutschen Parteiwesens von der No- vemberreoolution ISIS bis zur letzten Reichstagswahl überaus beut- lich wird. Bei der Fülle und Unübersichtlichkeit des deutschen Parteiwesens ist eine solche Veröffentlichung, für die als Heraus- geber Wilhelm Mommsen und Günther Franz zeichnen. eine Notwendigkeit der politischen Erziehung. Bor allem das Ka- pitel„Parteigründungen und Umbildungen�, das die Umgruppie- rung des deutschen Parteiwesens vor der Reichstagswahl vom 14. September 1930 behandelt, ist besonders verdienstlich. Wer kann heute, ohne auf ein politisches Archiv zurückzugreifen, die Pro- gramme der Bolksnationalen Vereinigung, des Christlichsozialen Bolksdienstes. der Konservativen Volkspartei, der Christlichnatio- nalen Bauernpartei auseinanderhalten? In der Tat: das vorliegende Dändchen ersetzt ein politisches Archiv. Die Herausgeber drucken auch die Kundgebungen der„allen" Parteien zur Reichs- tagswahl 1930 ab, unter denen auch die kommunistische„Programm- erklärung zur nationalen und sozialen Befreiung des deutschen Volkes" nicht fehll. Der Gründungsaufruf des Reichsbanners, die Berliner Stahlhelmbotschast vom 8. Mai 1927 sowie das Organi- sationsftatut der SPD. vervollständigen das Material. Eine sorg- fällig gearbeitete Uebersicht über die Mandatsstärke der Parteisn von 1919 bis 1930 stellt die ganzen Dokumente in den konkreten historischen Raum, in den die Parteien wirken. So wird dieses Büchlein von 139 Sellen(Preis tart. 4 Mark) zu einem wertvollen Orientierungsmaterial im politischen Tageskampf. J. P. Mayer. Rundfunk am Abend. Dienstag, den 15. September 1931. Berlin. 16.05 Die neue Sachlichkeit in der Musik iOskar Wapnenschmnii, 16.30 Unterhaltungsmusik(aus dem Motel Kaiserbof). 17.00 Jugendstunde(Dr. Ueberall enählt). 17.20 Bücherstunde. 17.50 England in den letzten vier Wochen(Schweriner). 18.10 Alfred Wolfenstein liest eigene Kurzgeschichten. 18.30 Waldemar von Bauznern(gestorben 20. Angust 193!). 19.20 Wege aus der wirtschaftlichen Not der Akademiker.(Studenten diskutieren.) 20.00 Reichasendung: Wir wollen helfen. Als Einlage um 21.00: Tages- und Sportnachrichten(1). 22.30 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten(II). KSntgswnsterfaaisca. 16.30 Leipzig: Konzert 17.30 Mit den Oummisuchern im Urwald(Mag VoIImberg). 15.00 Gegenwartsfragen der Kunst(II).(Panl Westheim.) 18.30 Bleibende Werte der deutschen Dichtung(III). 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 FranzSsisch für Anfänger. 19.55 Wetter für die Landwirtschaft Sezonhrottl. füc hie Redaktion: Sezbtxi Stpizt, Setlia: Aiutigtn: TA. Stade. Sictiin. Verlan:«otmärta Verlas®. m. b. S.. Setlm. Sende Borwärt, Buch. bzudetei und Berlnzsanstalt Vau! Singez& Sa., Berti» 69B 88, Sinienfttabe 8, Siexin 1 Veilaae. PttOGRAHM für die Zeit vom 15. bis 17. September K B M O-T A F f m Potsdamer Strafe 35 W 5. 7. 9. S. 3, 5, 7, 9 Uhr Um eine NaacnKnite mit Siegfried Arno, Lode ffDgiiacb,|. Falkecslelo Rhcmstrafjc 14 kÄS«) W. 5. 7, 9. S. 3 5, 7. 9 Uhr Um eine NasenlSage mit Siegfried Arno. Lade Engllaen,|. FalkcDsleln Odeon, Potsdam er Str. 75 W. 5. 7. 9. S. 3, 5, 7. 9 Uhr Die grohe Attraktion mit Richard Tanker, MarUaneWiakrUtcrn,Sleg- frted Arno— Jugendliche ZutrutI Turmstrage 12 �fj.�u Um ein« Nasenlänge mit Siegfried Arno« Lade Eng)U4>, j. Falkenstcin Alexanderstr. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag gedffnet. Sonntags ab 3 Uhr Zwlzdben Nacht and Morgen(nach dem Bühnenwerk:„Ottacabagedie-'j mit And fcgede Ntaiea. O. Homolka Die Kamera Än u Tüghch 3. 5. 7. 9 Uhr Rero(aiiaaabo Franziskaner Äinv0o?m GeOrgensiraße(Ecke Fried richstrafie) 2 Tonfilme: Opereredonte mit Liane Haid, Wallbarg— LobiUcfa Tonfilm: Monte Carlo— ddprogramm W waabit M Artushof KS.; ÄIS Perlet/erger Str. 29 Tonlostspiel Maria nad ihre fünf Freier— Beiprogramm—Woche— Bühnen Khau Kinr, W. 6.45 u. 9.00 U " Cil-mno Sonnt ab 4.45 U. Alt-Moabit 99 Toalortiplel Meine Kusine aus Warschau mit Liane Haid, Szftke Ssakall Tonwocfae gf_CMarlottonburs � p Kant-Lichtspiele Kamslr. 54(an der Wilmersdorfer Str.) W. 5. 7. 9 Uhr S ab 3 Uhr Die Oiia hellige Flamme mit G. Fröhlich, Parlo— Beiprogramm Germ ania-Palast Charlotten bura. Wilmersdorfer Str. 53/54 Woch. 5. 7. 9 Uhr, Sonnt. 3. 5, 7. 9 Uhr Um eine Nasenlänge mit Siegfried flUch, J. Falkensteio Arno. Lude Englb Schlüter-Theater Schlütcrstr. 17 Sonnt. 3 U. Jgd.-Vorst 2 Großtonfilme: Liebes expreß m.Dina Gralla, G. Alexander— Das gelbe Haas des King Fu m Charl. Sosa W wilnwdory Atrium Bcba-Palast Kaiserallee, Ecke Berliner Straße W 7 u. 9.15 Uhr S. S, 7, 9.15 Uhr Trara am Liebe mit Felix Bressari, G. Alexander. Regie: R. Bichberg Ab Donnerstag: Die schwebende Jungfrau mit Sxüke Saakall g SrBoirj'bcrg Titania Sdidncbg. Hauptstraße 49 Sonntags 3. 5. 7. 9 Uhr lOOproz. Tonfilm: Im Geheimdienst mit Brigitte Helm, Willy Fritscfa Tonbdprogramm > Friedenau""fc Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 65 Wochentags 7, 9 uhr Sonntags 5. 7. 9 Uhr Tonlusltpiei: Ihre Hoheit befiehlt mit KÜbe r. Nagy. WUly Frilsch Toabelprogramm— Fox tönende Woche— Jugendliehe haben Zutritt! ■««ciglU«■ Titania-Palast�tM Steglitz. Schloßstr. 5. Ecke Gutsmuthsstr Uraufführung, Tonlustspiel: Kyrlta- Pyrite, die fidde Söngerfabrt mit Max Adalbert, Ha, tl Arnslödt, ToafUmbdprogr. Henry Bender > gehlenaorf-Mttf" fc 7«Ii Beginn täglich •'cu 5. 7. 9 Uhr Potsdamer Str. 40 Stg. 3Uhr:(ugendv Pal nnd Patachon als Kunstachtltzen Gute« Beiprogramm Martendorf Mm T i Martendorf er Wochentg. na- L>1 Tonil chtsplde 6V», 9 Uhr Chausseestr. 305 So. ab 5 U Tonoperette: Die große Attraktion mit Richard Tanber— Tonbdprogr. Jugendliche haben Zutritt ■ TempelKof■ TlVOli Berliner Str. 97 TJgl. 5, 7, 9 U. Stgs. 3 Uhr: Jug.-Vorst Tonoperette; Meine Kusine aas Warschau mit Liane Haid, tzöke Saakall— Tonbeiprogramm V Neukölln Mercedes- Palast Hermannstr. 212. Woch. 61/», 9, Stg. ab 3 lOOproz. Tonfilm; Meine Kuilne ans Warschau mit Liane Haid Bühne; Harry Bienenstein Primus-Palast �t�ü; Am Hermannpiatz, Urbanstr. tiflt Meine Kusine aas Warschau mit Liane Haid, Ssökc Saakall Bühne: James Baach WochenL 6.45, 9U. Sonnt. 3, 5. 7, 9 U. Kukuk Kotthusser Damm 92 Oer Schrecken der Garnison mit Felix Bressari— Tonbdprogramm Jugendliche haben Zutritt 82 v r-s»! er rtv- Wochent. 6.45, 9 u. cxccisior Sonnt. 3, 5, 7, 9 U. Kaiser-Friedrich-Straße 191 Tonfilm: Der kleine Seitensprung mit Renate Möller, Otto Weuburg T onbcl pr ogram m Stem, H ermann» tr atze 49 Wochent. 6,45, 9 Uhr. Sonnt. 5 7. 9 Uhr lOOproz. Tonfilm; Im Gehet n> dt eust mit DrigMe Helm» WUly Frlixh Toabefprogramm 8 Süctwnatnn> Lichtspiele Südwest Blücherstr. 12 W.>/,?. So. ab 5 Uhr Oes gelbe Haus des King Fu mit Cbarlofte Suse, Guitsv Diehl Beiprogramm— Toanrocheasdhon FAm-Paiast Kammcrsale Teltower Str. I W. 530, Stg. ab 330 U. lOOproz TonfilmI E. A. Duponts Meisterwerk: Salto mortale— Tön. Beiprogramm SOden Th. am Moritzplatz Beg. Wo. 5. 7. 9, Stgs. ab 430 Uhr Harold balt dich fest mit Harald Lloyd— Gr. lästiges Beiprogramm Luisen-Theater �k-Wsu1 Reichenherger Str. 34 Die gro�e Attraktion mit Richard Tauber Der grobe Diamanien diebsiahl mit Tom Mtx Jugendliche haben Zutritt Stella-Palast KSpenicker Straße 12—14 Wochtgs. ab AVs U., Sonntags ab 3 U. Renate Möller. Hermann Tblmlg in dem T onfiim-Lustspiel: Der kleine Seitensprung Auf der Bühne: Drei Attraktionen Neue Philharmonie Köpenicker Str 96. lOOproz.Tonfilm: Der blane Engel m Marlene Dietrich, Jannlags- Bdprogr.— Böbaenschau Filmeck Wochent ab 6'/» U. Sonntags ab 3 Uhr. Am Cörlitzer Bahnhof Der Llebcsexpreb mit Georg Alexander, Dlaa Gralla Böbaenschau Jugendliche haben Zutritt U Baunn�hUenweB b Lichtspielhaus l u Baumschulenstr. 78 Sonnt 2U: J.-V. Tonfilm: Die Frau, von der man spricht— Beiprogramm Sternwarte- Treptow Mittwoch. Donnerstag je 8 Uhr: Die Zeppelia-PolarexpedUioB 103t Lichtbildvortrag von Dr Grotewahl q Wordogtan■ „Elysium" Ä«« Wo. 5.15, IM. 9.15. SO. 3.15, 5, 7.15. 9.15 U. Zwischen Nacht und Morgen(Dirnentragödie)— Bühne: Mario Guidos Ulnstr. jazzschau— Foxionwoche Landsberger Allee 40M! Flora-Lichtsp. W. 6'/-. 9 Stg. ab 4 U. Nie wieder Liebe mit Felix Breasartp Lilian Harvcy, Harry Licdike Tonwocbe— Deiprogramm Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Woch. 630, Sonn ah. 5, Sonnt, ab 3 Uhr Um eine NasenlSage mit Siegfried Arno, Lade Englisch Tönendes Beiprogramm Bühne: Fredy Rolfs Jaxzrevne Musik- Tanz-Verwandlnngsinmst PROGRAMM für die Zeit vom 14. bis 17. September Schloßpark Fflm- BOhne Berliner Allee 206-216 630. 9 Uhr Tonfilm: Ibr Junge mit Haas Fefaer Der Raub Im Weefexpret Gutes Beiprogramm Luna=Palast Große Frankfurter Str. 121 Tonfilm: Wegen Riesenerfolges verlängert: Im Gehelmdienst mit Brigitte Helm, Willy Fritscfa— BöhnenKhan Schwarzer Adler XiiecU Woch. 5, 7. ca. 9. Stg. 3,5,7,9 U. Tonlustspiel: Nie wieder Liebe mit llUan Harvey, Harry Lledtke, Felix Bressari Grobes Tonbct Programm_ V T Lichtspiele(Viktoria) Frankfurter Allee 48 W.s, So. 3 Uhr Tonfilm; Eine tolle Baltnacfat f... und das ist die Hauptsache) mit Nora Gregor, H. Lledtke- Bdprogr. Babylom am fiülowplatz Wochentags S, 7, 9.10, Sonntags 3 Uhr lOOproz. Tonfilm; Das Gebelmais der roten Katze mit Siegfried Arno, Verebcs Spols am Mitternacht(Dick und Dof) Grobe« Varieidprogramm > Heu-UchtnnbTB h Kosmos-Lichtspiele LOckstr. 70 Wochent. 5, 7, 9 Uhr Sonntags 3, 5. 7. 9 Uhr Der Schrecken der Garnison mit Felix Bressari— Belprogramn Bühne: Im weisen Röbl— Jug. Zutr. Weihensee Harmnnlf» wochent Tu 9U rsarmunic S()rint 5. 7 u. 9 u Langhansstr. 23 Orcheslerkonzert Ich heirate meinen Mann mit Szöke Szakall, Trade Berliner Beiprogramm— Böhnenschan Kinn Rncrh Woch.6.I3n.9U. fvmu uusen stA s, 7, 9 Uhr. Att-Friedrichsfelde 3 lOOproz. Tonfilm: Tlnxerinncn för Südamerika gesucht mit Oita Parle. Harry Hardt— Tonwocfae— Bcipr. Alhamhm Müllerstraße 136, /\Uiaill0ra Ecke Seestraßc Wochent 5. 7. 9 U„ Sonnt. 3, S, 7, 9 U Zwisten Nacht nnd Morgen, nach dem Bühnenwerk„Dimentragödie" Pharus-Lichtspielc Müllerstr. i42 W.S,7,9U, Stg.3.S,7.9U Tonfilm; Die Fron, von der man spricfal mit Mady Christians, Slöwo Dunkle Existenzen mit W, Fütter er Beiprogramm _ Pankow» Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 7 u. 9, Stg. S, 7, 9 U lOOproz. Tonfilm: Elisabeth von Oesterreich mit LU Oagover— Beiprogramm TsxrrvU Wochent 7, 9 Uhr, 11VOU Sonnt S, 7, 9 Uhn Berliner Straße 27 Kriminaltonfilm: Der Zfnker(nach Wallace) mit Llssl Arno, Hörbigcr Tonbclpr.— Woche— Böhnenschan Filmpalast Tegel W Wochent. 6, Sonnt. 4> lOOproz. Tonfilm: Der Zfnker(n E. Wallace) m. Llsei Arn«, HörbU Szakall- Beiprogramm Hannlgadorr SÄÄ s» Äst.'« Berliner Straße 59 ioo prot Tonfilm: lfntBanl wäret da bei den Hasaren mit M. Christians Tonbefprogre äleila�e Diemtag, 15. September 1931 ZkrNbpnd ShnJmilctfrPe 4im Die Ausgangsanstalt üebergang von Unfreiheit zur Freiheit 0- von Leo Rosenthai Jedem ist die Lorstellung geläufig: der Üebergang aus dem Dunkel ins Licht. Ein Taumeln, ein Sichmicht-orientieren- können, ein allmähliches Anpassen des Auges an die Umgebung. Un- gefähr so ergeht es dem Gefangenen, der nach jahrelanger Ein- kerkerung plötzlich der Freiheit zurückgegeben wird: ein Geblendet- sein, ein Taumeln, ein Sich-nicht-zurechtfinden nach 10, 12, IS und mehr Iahren des Ausgeschiedenseins in einer Zeit, da Technik, Wirt- fchaft, Politik sich in der Entwicklung überhasten und überschlagen. Die erlebt- Monotonie, das ewig Gleichförmige tagein, tagaus, läßt vor der Mannigfaltigkeit der Eindrück« erschauern: die ein für alle- i mal festgelegte Ordnung hat jede Selbständigkeit ertötet, zum Kampf ums Dasein unfähig gemacht. Weltfremdheit paart sich mit Minder- wertigkeitsgefühlen, mit einer kaum zu überwindenden Scheu vor freien Menschen: die Unsicherheit im sexuellen Empfinden und Können raubt den letzten Nest des Selbstbewußtseins, völlige Un- kcnntnis über die Veränderungen, die im Leben vorgegangen sind, erhöht die allgemeine Gefahr der Situation. Um ihr zu steuern, oder um diese Gefahr wenigstens ein wenig abzuschwächen, hat die Verordnung über den Strafvollzug vom 7. Juni 1929 die sogenannte Ausgangsanstalt geschaffen sowohl für Zuchthaus- wie für Gcfäng- nisinsassen. Diese Anstalt stellt gewissermaßen eine Uebergangs- station zur Freiheit dar und ist bestimmt für Gefangene, die sich in den Gefördertenanstalten, d. h. in der zweiten Situs« bewährt und ein Anrecht darauf haben, daß ihnen Vertrauen geschenkt werde. Vag Fehlen der veraakworklichen Persönlichkeit. Die erst« preußisch« Ausgangsanstalt befindet sich in Kottbus. Sie ist im früheren Frauengefängnis untergebracht und steht wirt- fchaftlich wie verwaltungstechnisch unter derselben Regie wie das Iugendgefängnis. Obgleich in den Strafvollzug Brandenburg ein- geordnet, reicht ihre Bedeutung doch weit über die Grenzen der Provinz hinaus. Di« Gefangenen aus den Zuchthäusern Wohlau, Neustrelitz, Striegau, Cell«, Flensburg und aus anderen mehr kommen hierher, um im kameradschaftlichen Zusammenleben Schritt für Schritt sich an die Freiheit zu gewöhnen, die voll Gefahren und Fallen ihrer harrt.> Die Anstalt besteht erst seit einem Jahr. Nur ganz langsani, vorsichtig vorwärtstastend, entwickett sich die Hausordnung und ent- steht der Geist einer Gemeinschaft, wie er bisher in preußischen Ge- fängnissen nicht vorhanden war. Die Not der Zeit wirkt sich auch hier aus, der Arbettsmangel draußen macht es für die Gefangenen fast unmöglich, Außenarbeit zu tun, obgleich die Verordnung solcher Beschäftigung nicht im Wege steht. Di« Geldknappheit hat ' auch zur Folge, daß die Ausgangsanstalt keinen besonderen Beamten für sich hat, der voll und ganz die Verantwortung für die Entwicklung der Anstalt und für das Wohl und Wehe der Gefangenen zu tragen hätte, bloß dem Direktor untergeordnet wäre und in dessen Maßnahmen die übrigen Beamten nicht hineinzureden hätten. Wenn die Anstalt bisher auch nur 30 Gefangene beherbergt, so hätte solch ein Beamter all« Hände voll zu tun. Die Gefangenen, die mtt einem Fuß in der Freihett stehen, sich allmählich ihrer Persönlichtett bewußt und von verschiedenen Sorgen gedrückt werden, müssen in der Lag« sein, sich jederzeit mtt einem Menschen ihres Vertrauens aussprechen zu können, und dieser hätte die Aufgab«, die Beziehungen der zur Entlastung Kommenden mtt der Außenwelt anzubahnen, sich um Arbett für sie zu bemühen und auch nach der Entlassung die Der- bindung mtt seinen Schützlingen aufrechtzuerhalten. Die Unselb- ständigkett der Ausgangsanstalt, die gewissermaßen ein Anhängsel zum Jugendgefängnis darstellt und das Hauptsorgenkind des Di- rektors, der Erziehungs- und der anderen Beamten ist, bedeutet«inen Mangel, der sich nach außen hin in einer gewissen Unsicherheit, Unstätigkeit und Bedrücktheit der Gefangenen der Aus- gongsanstall kundgibt. � Selbstoer wallung der Gefangenen. Und doch ist der Besucher der Anstatt von dem, was er hier sieht, überrascht. Sowohl die Grundstimmung der Gefangenen wie auch der Gesamtgeist, der unter ihnen herrscht, unterscheidet sich radikal von dem in Gefängnissen und besonders in Zuchthäusern sonst üb- lichen. Einen Aufsichtsbeamten gibt es in der Anstalt nicht. Die Zellen wie auch der Gemeinschaftssaal werden nicht verschlossen, auch die Türen zum Gefängnisgarten und zu den übrigen Gefängnis- Höfen stehen offen. Ein Teil der Fenster hat noch nicht die Normal- größe, auch die Giller sind noch vorhanden, ebenso die Umfassungs» mauer. Das alles nur, weil dos Geld zu der von der Beroidnung gestatteten Aenderung fehtt. Für die Hausordnung ist der von den Gefangenen gewählte Obmann verantwortlich. Die Hausarbetten werden bei wöchentlicher Ablösung von durch den Obmann bestimmte Kameraden erledigt. Der Obmann hat auch für Fleiß und Arbetts- disziplin der Gefangenen zu sorgen, die Aufsicht des Beamten be- schränkt sich auf die arbellstechnisch gebotene Fachanlettung. Jeden Montag findet ein« Besprechung der Gefangenen stall, die Beschlüsse und Wünsch« werden zu Protokoll genommen und vom Obmann an den Mittwochs stattfindenden Anstattskonferenzen— an denen er mtt beratender Stimme teilnimmt— vorgelegt. Die allmähliche psychische Wandlung der Gefangenen. Nur ganz langsam gewöhnen sich die Neuankömmlinge an diese auf Selb st Verantwortung aufgebaut« Gemein- schaft. Sie waren bisher bloß gewohnt, dem Beamten zu ge- horchen und sich dem Anstallsgeist. der nicht immer von den besten Elementen bestimmt wurde, zu fügen. Die Gefangenen bildeten gewissermaßen eine geschlossene Kaste, die als Ganzes der Beamten- schaft feindlich gegenüberstand. In der Ausgangsanstall findet der Gefangene eine Kameradschaft vor, die aktiv« Teilnahme am Gesamlleben im Interesse der Gesamtheit fordert. Der Beamte ist nicht mehr der„Feind* des Gefangenen, sondern nur Diener des Staates und der Gesamthett. Er übt seine Tätigkott im I n t e r e s s e der Gefangenen aus, um ihnen die Rückkehr ins bürgerliche Leben zu erleichtern. Der Gefangene beginnt langsam sich selbst als Bürger zu füllen, er hört auf. bloß Gefangener zu fein. Dies« allmähliche Veränderung in der Psyche des Gefangenen, die nicht zuletzt durch die relative Bewegungsfreiheit innerhalb der Anstatt und auch das Nichtbeaufsichtigtsein bedingt ist, erhätt einen starken Impuls durch die Berechtigung, in der Freizeit Zivilkleider zu trage». Wen» das Wort„Kleider machen Leute* richtig ist, so trifft das ganz besonders auf die Gefangeiren zu. In dem Augen- blick, wo sie nach vollbrachter Arbeit— die Gefangenen arbeiten in der Küche, in der Wäscherei, in der Schneiderei, in der Weberei— ihre Gefangenenkleider abgestreift haben, fühlen sie sich gewisser- maßen kaum noch als Gefangene, ganz so wie sie sich als Sports- lcute fühlen, wenn sie beim Speerwerfen, Kugelstoßen oder Fuß- ballspielen ihre Sporthosen tragen. Die Gewöhnung an die Mannig- fattigkett der Eindrücke des Lebens und an fremde Menschen, die sie in, Laufe von vielen Jahren nur ganz vereinzett zu Gesicht bekamen, geht während der sonntäglichen Spaziergänge in Begleitung des Fürsorgers, Lehrers oder Pfarrers vor sich. Die Gewöhnung an die Freiheit zum Urlaub. Bon noch größerer Bedeutung ist der lätägige Urlaub, auf den der Gefangene der drttten Stufe ein Anrecht hat. Der erste Besuch nach zehn- oder zwölfjähriger Abwesenheit von der Heimat ist nicht fetten mit äußerst peinlichen Gefühlen verbunden. Der Urlauber findet sich in der alten Häuslichkeit kaum noch zurecht, er kann seine Scheu vor seinem Nächsten, geschweige denn vor Nachbarn und alten Bekannten kaum überwinden. Häufig ist er froh, wenn der Urlaub zu Ende ist. Die Eindrücke der Urlaubszett wirken aber im Gefäng- nis nach, er überwindet die innerlichen Hemmungen und der nächste Urlaub verläuft schon ganz anders. Das Minderwertigkeitsgefühl ist beretts recht abgeschwächt, er findet den richtigen Umgangston mit seinen Nächsten und seinen Bekamllen. Natürlich ist dies ganz individuell. Kehrt der Gefangene nach nicht sehr langer Strafzeit zu seiner Frau zurück und wird mit offenen Armen aufgenommen, so reißt er sich von Frau und Kind nur schwer wieder los, die erste Zeit nach dem Urlaub wird sehr schmerzlich. Während des Urlaubs hat der Gefangen« die Möglichkeit, sich selbst nach Arbett umzusehen. Arbeit und Unterkunft nach der Entlassung gehören zu den wich- tigsten Problemen der Strasentlassenenfürsorge, und die Begnadi- gung wird nicht selten davon abhängig gemacht, ob beides vor- handen ist. Der Briefverkehr ist unbeschränkt und braucht nicht zensuriert zu werden. Die Fremdenbesuche werden mitunter in Gegenwart des Obmanns empfangen, wenn es die Frau oder die nächsten Angehörigen sind, in den Zellen. Das Mittagessen wird gemeinsam eingenommen, Frühstück und Abendbrot in den Zellen. Den Abend verbringt man je nach Wunsch in seiner Behausung oder im Gemein- schaftsraum bei Zeitunglesen und Radiohören. Auch«in Schreib- zimmer steht zur Verfügung. An warmen Sommerabenden sitzt man plaudernd im Garten, die Fußballer vertreiben sich die Zeit beim Spiel usw. Es ist den Gefangenen nicht immer leicht, sich in die Kamerad- schaft, die sie in der Ausgangsanstalt vorfinden, einzuordnen. Sie fallen in der ersten Zeit nicht selten aus der Reihe und stören durch allzu starke Jchbetonung das Gemeinschaftsleben. Kann sich irgend- ein Neuankömmling gar nicht in den Geist der Anstalt einfügen, so ist der Obmann auf Veranlassung der Kameraden berechtigt, bei der Anstattstonferenz um Zurückversetzung des Gefangenen in die frühere Anstalt nachzusuchen. Ein schwieriges Moment ist, daß die Gefangenen aus den verschiedensten Anstalten kommen, seder ge- wissermaßen den Geist seiner Anstatt mtt sich bringt. Nicht leicht fällt es auch, sich ohne weiteres auf die weitestgehende Selbst- perwattung umzustellen. So tonnte es z. B. auch geschehen, daß der Obmann, anstatt den Kameraden die Verfehlung eines Ge- fangenen mitzuteilen, sich unmittelbar an den Direktor wandte und erst durch den Beschluß der Kameraden eines bessern belehrt werden mußte. Ob daß ein Kamerad, als der Obmann ihm den Beschluß der Anstaltskanferenz mttteilte, sich diesem gegenüber häßlich benahm und der Obmann, anstatt die Kameraden davon in Kenntnis zu setzen, sich unmittelbar mit einer Beschwerde an den Direktor wandte. Auch das wurde gerügt. Wieder einmal weigerte sich ein Kamerad. an dem gemeinsamen Aussäten des Gartens teilzunehmen. Das war ein besonders schwerer Verstoß. So bildet sich nur ganz allmählich eine gewisse Tradition, die zu straffem Gemeinschaftsgebiet, zur Selbstverwaltung, aufgebaut auf Verantwortung, führt. Die Ausgangsanstalt befindet sich erst im Entstehen. Ver- waltungstechnisch hat sie noch manche Mängel aufzumessen. Sie bietet vorläufig nur Möglichketten in der Richtung zur Schaffung einer wirklichen Uebergangsanstalt. Die Gefangenen leben noch nicht in der Stimmung der freudenvollen Erwartung ihrer Befreiung. Es gibt nicht selten Mißklänge, Mißstimmungen, Sorgen, Unzulänglichkeiten� die vermieden werden könnten und müßten. Im großen und ganzen hat sich jedoch die Idee der Ausgangsanstalt bewährt. Allein schon die Loslösung von der altgewohnten Umgebung der Mutteranstalt, das Sich-anpafsen- müssen an die neuen Verhältnisse wirkt erzieherisch wohltuend. Das Strafvollzugsamt sollte sich aber sagen: selbst in dieser Zeit der großen Geldknapphett dürfen die Anstalten, die für den neuen Strafvollzug entscheidend sind und deren Mißlingen die neue Ver- ordnung über den Vollzug der Strafen in Stufen kompromttlieren, nicht allzu kurz kommen. Zu diesen Anstallen gehört außer dem Iugendgefängnis und den Gefördertenanstallen in erster Linie die Ausgangsanstalt. Hier sollte der Finanzminister für seinen Kollegen, den Justizminister, die erforderlichen Mittel ausfindig machen. in Was der Kolonialaasstellang fehlt Von Andreas Latzko i. Bald wird die vielgepriesene Kolonialausstellung in Paris wieder abgebrochen, und dann kehren auch die verschiedenen „wilden* Stämme, die ihre Arbeits- und Lebensart den Besuchern vorzuführen hatten, in ihre fernen Heimatländer zurück. Ob sie wohl viel Gutes hinzugelernt haben und die zurückgebliebenen Brüder von den Vorzügen der europäischen Zivilisation überzeugen werden?... Man stelle sich nur richtig vor, welch« primitive Vorstellungen auch heute noch einzelne„wilde" Stämme beherrschen! Gibt es nicht Völkerschaften, die sich eigenhändig ihre Götter schnitzen? Ein aufgelesenes Stück Holz wird wochenlang emsig mtt dem Messer bearbeitet, bis es die Form einer wüsten Fratzengestalt angenommen hat, dann stellt der Mann das Werk seiner eigenen Hände auf den Altar, betet es an und fleht es um Schutz gegen feindliche Noch- barn, Hungersnot und andere drohende Gefahren an. Muß nicht der fortgeschrittene Europäer mitleidig lächelnd sich abwenden, wenn er diesen andächtigen Glauben an die Allmacht der Gestalt sieht, die ihr Entstehen der Geschicklichkeit derselben Hände verdankt, die sich zum Gebet vor ihr falten?--- Hoffentlich hat der lange Aufenthall in Paris die„Wilden* überzeugt, wie einfältig solche Verehrung selbstgeschajfener Götzen ist. Das Zusammentreffen der verschiedenen europäischen Kanzler und Außenminister in der Haupsstadt Frankreichs und ihr« gemein- same Ueberfahrt nach England bot den Farbigen die beste Gelegen- heit, sich eines Besseren belehren zu lassen. Sahen sie nicht mit eigenen Augen das Spalierstehen der Menschen in den Straßen und ihr« ehrfurchtsvoll entblößten Köpfe? Jeder Fetzen illustrierten Zeitungspapiers, in das ihre kleinen Einkäufe gewickelt wurden, zeigte ihnen dasselbe Bild respektvoll staunender Massen, salutierender Polizisten und strammstehender Schlafwagenschaffner vor Reihen aneinandergekoppeller Salonwagen. Die Männer, die so geehrt, gefürchtet und in Watte gewickell behütet werden, halten ja auch das Schicksal der vielen Millionen Menschen in Händen, die sie zu Ministern gemacht haben. Was wäre natürlicher als die Ehrfurcht, die ihnen eittgegengebracht wird? Auch der Holzgötze des Fidschinsulaners kniet nicht vor dem Mann, der ihn geschnitzt hat, sondern umgekehrt. II. Wie jedermann weiß, ist die Kolonialausstellung zur Feier der hundertjährigen Zugehörigkeit Algiers zu Frankreich veranstaltet worden. Bei allem Reichtum an Sehenswürdigkeiten muß doch eine bedauerliche Lücke konstatiert werden: man hat vergessen, die glorreiche Geschichte der hundertjährigen Kolonie mtt der gebühren- den Aueführlichkett in Festkataloge und Prospekte aufzunehmen! Leider fehtt es hier an Raum, die Memoiren bei bedeutendsten .Kolonisatoren*, will sagen der ersten Eroberer der Kolonie, aus- sührlich zu zttieren. Der General St. Arnaud, der als Marschall von Frankreich gestorben ist, hat genau Buch geführt über die anderthalb Jahrzehnte, die er in Algier Dienst tat. und sein Tage- buch ist sogar gedruckt worden! Wäre es nicht effetwoll gewesen, mtt dem offiziellen Führer auch dieses Tagebuch den Besuchern iy die Hand zu drücken? Da steht z. B-: „Milana, Juni 1842. Man verwüstet, man äschert ein, man plündert, man reißt alle Häuser der Araber ein,-- zu Gefechten kommt es nicht oder nur sehr selten." Auch die gesammelten Briefe des Generals an seine Gattin sind in das Buch aufgenommen, und es ist besonders wirksam, wenn zwischen zärtlichen Sätzen Berichte eingeklemmt stehen wie z. B.: „Quarsenis, Oktober 42. Du bist mir bis zu den Brosen gefolgt, ich habe sie verbrannt und verwüstet. Jetzt bin ich bei den Sindgands und wiederhole dasselbe im großen. Hier ist das reine Kanaan. Einige Stämme haben versucht, mir das Pferd der Unterwerfung entgegenzuführen, ich habe jede Gnade abgelehnt.--- Hausen von Leichen liegen durcheinander» geworfen und erfroren über Nacht.* Zwei Jahre später, 1844, schreibt derselbe:„Ich habe gestern mehr als zehn prächtige Dörfer eingeäschert." Es wäre aber ein Unrecht gegen die Nachfolger General Saint Arnauds, wollte man ihre Aufzeichnungen nicht auch anführen. So schreibt Oberst Pein an seine Frau: Du fragst mich, was wir mit den Frauen anfangen? Einig« werden als Geiseln behalten, die anderen gegen Pferde einge- tauscht, die meisten aber verkaufen wir als Arbeitstiere."(Da» tiert: Maecara, 31. März 1842.) Ein ganz junger Graf von Htrisson, frisch aus der Akademie von St. Cyr nach Algier gelangt, fühlt ssch anfangs noch unan, genehm berührt von den abgeschnittenen Ohren, die seine Soldaten als Trophäen sammeln, er spricht von.unglaublichen Grausam- leiten*, im Gegensatz zu seinem General, der als guter Kamerad einem Stamm die erflehte Gnade verweigert, damit ein benoch» barter Regimentskommaudant ihn„wegputzen* kann und auch zu einem Ehrenkreuz kommt. Derselbe kollegiale Herr ist es, der seine» Soldaten für jeden Araber, den sie am Leben lassen, einen Hieb mit dem flachen Säbel verspricht und in seinen Aufzeichnungen zur Be- lehrung besonders vermerkt, der Anblick von Christen, die eigen- händig die Köpfe der Gefangenen abschlagen, wirke außerordentlich aus die Araber.--- Es muß wiederholt werden: all dies ist aus gedruckten Büchern wortwörtlich angeführt, die Bücher sind entweder von ihren Ver- fassern oder deren Familien herausgegeben! Darf«in« Ausstellung, die über die„Belange" der Kolonisation Ausschluß geben soll, voll- kommen genannt werden, ohne eine bibliophil« Abtettung, die He- sammell auch dies« lehrreichen Werte dem Interesse des Publikum» empfiehlt? vi« fogeaannlea Wanderdünen haben«ine so starke Bewegung, daß sie zum Beispiel in Ostpreußen in einem Jahre bis zu S0 Meter zurücklegen. Im Schmolfiner Forst sind im Laufe von fünfzig Iahren 2000 Hektar Kiefernwald von den Dünen begraben worden. Die FSV.-Hcrbsfwcttfahrten Wieder Sturm und Regen Erster Tag der Gruppen Ost und West. Nachdem die am ersten �eptembersonntag in der Gruppe O sl stattgefundene Sturmwettsahrt auf dem Müggelsee nachträglich für ungültig erklärt worden war, wurde am Sonntag die Wettfahrt wiederholt. Jedoch ließ das Wetter aus diesmal viel zu wünschen übrig. Ein kühles Wetter, ein strammer Wind von 5 bis 6 Sekundenmetern, mit stärker einsetzenden Böen und dazu ein Regen in ollen Variationen! Das war wieder Kampf für die Mannschaften und kein trockener Faden war an ihnen, als sie aus den Booten stiegen. In einer aufkommenden Regenbö kenterten auf der ersten Runde fünf Boote. Von 2.J8 gemeldeten Booten stellten sich 140 Boote dem Starter. Durch das Ziel gingen 1l)1 Boote. „Argo" in der ersten Klasse holte sich kampflos den Preis, da die Konkurrenz nich* startete. In der 35-Quadratmeter-Kreuzer- klasse führte„Iris" bis zum Ziel. Flott gesegelt wurde„Wind- spiel" in der Zll-Ouadratmeter-Rennjachtenklasse, den folgenden „Windhund" um 3 Minuten und 47 Sekunden aussegelnd; er wurde auch schnellstes Boot der großen Bahn. Mit dem Wetter fand sich „Bum-Bum" in der 2l)-Qu-Quadratmeter-Wanderjollenklasse. Richtiges Wetter fand an- scheinend„Lieselchen" in der lö-Quadratmeter-Rennjollen-L-Klasse, indem sie das Feld der A-Klasse aussegelte und mit 3 Minuten und 48 Sekunden Borsprung vor der„Wienerin" aus der A-Klasse durch das Ziel ging. Auf die Plätze kamen in der A-Klass«:„Lucifer II", „Schnulli",„Irrwisch" und„Caira". In der I5-Quadratnieter- Wanderjollenklasse log„Amoy" auf der ersten Runde an der Rahns- dorser Boje noch an der achten Stelle, auf dem nun folgenden Kreuzgang schüttelte sich„Amoy" alle Gegner ab und führte bei Beendigung der ersten Runde bereits das Feld, die Führung bis zum Schluß behaltend. Dahinter kam der Neubau„Seeteufel": dann„Libelle",„Aare",„Juwel",„Meckernich", und„Frohsinn". „Goldio" passierte zweimal die Ziellinie, wurde distanziert und mußte den Preis an„10 Minuten" abtrete«;. Eine gute Zeit segelte auch„Wanderbursch" in der B-Klasse, dabei„Fiasko" auf den zweiten Platz verweifend.„Silberlob" in der 10-Quadratmeter- Rennjollenklasse Holle sich, dicht bedrängt von„Edith II", den Preis der Klasse. Die gute Zeit von 59 Minuten und 45 Sekunden gebrauchte„Annekin" in der Iv-Quadratmeter-Wanderjollenklasse, als schnellstes Boot der kleinen Bahn einkommend und dabei den Neubau„Annekin II" mit 18 Sekunden auf den zweiten Platz vcr- weifend. Bei den 2l>-Quadratmet«r-Kiekbooten wurde„Hete" Erster. „Krasfin" wurde mit gebrochenem Mast abgeschleppt. In der Aus- gleichskreuzerklasse sührte auf der ersten Rund«„Windhund II" mit gutem Vorsprung, versackte dann aber auf den vierten Platz und mutzte den Sieg und die Plätze„Minerva",.Leichtsinn" und „Kiek an" überlassen. Bei den Ausgleichsjollen war der Startausfall besonders fühlbar. Vollzählig startete nur die 15. Klasse, hier holte sich „fje-He" mit gutem Vorsprung vor„Piefke" den Preis.„Ursus", „Grete!" und„Phönix" waren die Sieger in der 16. bis 18. Klasse; in der 19. bis 21. Klasse holten sich„Möwe",„Jugend" und „Sirius" die Preise, da die Konkurrenz entweder nicht startete, oder aber das Rennen aufgab, Havarie hatte, oder schließlich kenterte.„Seeadler" machte das Rennen in der letzten Klasse. Auf dem Tegeler See Für die Gruppe W e st war der Tegeler See das Well- fohrrevier. Schon am Sonnabend gingen die Schleppzüge von den an der Unterhavel beheimateten Vereinen ab, um noch vor Tages- ende die Festhäsen beim WSV.-Nordstern und bei der Touren- feglervereinigung Tegel zu erreichen. Mit dem akademischen Viertel nach 5 Uhr nahmen vom SV. Stößenfee fünf Motorboote 13 Segler der verschiedensten Klassen ins Schlepp, von den Spandauer Jollenseglern starteten fünf Boote hinter einem Motor- boot. Der junge Verein am Wonnfee sandte ein Kraftboot und vier Segler und SV. Weinmeisterhorn delegierte 3 Boote zur Regatta. Alle 37 Boote gingen auf einmal durch die Spandaucr Schleuse: bei den gastgebenden Vereinen wurden sie freundlichst aufgenommen. Ein gemütliches Beisammensein schloß den Sonn- abend. Der Start am Sonntag um 11 Uhr fand alle gemeldeten Boote klar zur Wettfahrt. Mit dem Startschuß setzte sich auch vom Hafen der„Tegeler" aus eine 39 Fahrzeuge umfassende Flottille von Motorbooten des Freien Seglerverbandes in Fahrt, die auf einer Rundfahrt um den Tegeler See für den Verband Propaganda machen sollte. Heftige Regenschauer schwächten jedoch die Wirkung dieser zum erstenmal' in solchem Umfange veranstaltete Auffahrt stark ab; auch die Segler muhten ihre Wettsohrt mit völlig durch- näßten Zeug durchhalten. Das schmucke Bootshaus der Tourenfahrer trug festlichen Floggenschmuck. Vom ersten Stock herab war quer über die Front eine riesige Verbandsflagge gespannt, am Flaggenmast hatte man über die Toppen geflaggt und eine Verbandsflagge ließ man sogar an einem Drachen hoch in die Lüste steigen. Doch eine schwarz» rotgoldene Reichsslagge vermißte man gänzlich bei dieser großen Veranstaltung des Freien Segleroerbandes. Merkwürdig, wie selten die sonst so slaggenfreudigen Segler Gelegenheit nehmen, den schwarzweißroten Seglern mit der Reichsflagge gegenüberzutreten. Von 117 gemeldeten Booten stellten sich 192 Boote dem Starter. Gesegell wurde der Dreieckskurs mit Start und Ziel vor der Tourenfeglervereinigung Tegel. In der 1. Klasse startete„Angela" allein und gewann kampflos. Bei den 39-Quadratmeter-Rennjachten mußte„Mohrchen" seinen sicheren Sieg an„Libelle" abgeben, da „Mohrchen" die Ziellinie falsch passierte und distanziert werden mußte. Die 29-Quodrallneter-Jollenkreuzer sahen in„Paß up" den Sieger.„Jduna", die das Feld führte, wurde kurz vor dem Ziel durch eine Rennjolle behindert und blieb deshalb Zweiter. In der 29-Quadratmeter-Rennjollenklasse machte wieder der Neubau „Flitzer" das Rennen und verwies„Kühleborn",„Lykos" und „Rowdy II" auf die Plätze. Ausgezeichnet war wieder der Start der 15-Quadratmeter-Wanderjollen. In der ersten Runde führten abwechselnd„Ronchi" und„Freiheit IV".„Ronchi" verlor an der Reiswerder Boje die Fockschotten und wurde hinter„Frecheit IV" und„Fridolin II" Dritter.„Prolet" kenterte.„Havelschwalbe" in der 15-Lluodratmeter-Rennjollenklasse hatte auf der ersten Runde mit„Satan" zu kämpfen; könnt« sich dann aber«inen Vorsprung sichern und als Erster die Ziellinie passieren.„Tümmler" siegte bei den 15-2uadratmeter-Iollenkreuzern. Bei den 19-Llltadratmetsr- Rennjollen war„Froh-Fahrt" unschlagbar.„Pilot" aus der t9-Quadratmeter-Wanderjollenklass« nahm sogleich die Führung und holte sich den Preis der Klasse; dahinter„Rumtreiber". Auch in den Klassen der Ausgleichsjollen wurden gute Zeiten gesegelt. .Tuttl" wurde Erster aus der 14. Klasse vor„Cerberus II" und gleichzeitig schnellstes Boot der großen Bahn mst einer berechneten Zeit von 1:33:28 Stunden. Schnellstes Boot der großen Bahn bei gesegelter Zeit war die 15-Quadrotmeter-Rennjolle„Havelschwalbe" mit 1:36:26 Stunden. Am Sonntag finden auf beiden Revieren, Müggel- und Tegeler See, die Schlußwettfahrten statt. Start für beide Gruppen um 11 Uhr. Gruppe Ost:?lusgleich»lie»atr:„Apgo" 1:44:43.— W.2uaöratmet«r.Rat.. fttciycr:„Iris" 1:56:30.— zO.Oucöratmcter-RennjachKn.:„Windspiel" 1:40:40. — 20.QuQuadratnretcr.Iollenkrcuzer:„Tllnunler" 1:58:22.— 15-Quadratmeter,Wanherjollen:„Freiheit 15'" 1:41:24.— lö-Quadrot- meter-Rennjvllen:„Havelschmalbc" 1:36:26.— 10»2uodraNn eter-Rcn njollen: „Froh.Fahrt" 1:12:39.— lO-Quadratmeier-Wanherjollen:„Pilot" 1:22:19.— Auszleichsjollenkreuzcr:„Aeolus N" 1:54:56.— Ausglcichsjollenkreuzer: „Alraune II" 1:52:53.— Ausgleichsjollen 14. Klosse: Lutti" 1:33:28.— 15. Klasse:„Murmelet" 1:35:58.— 16. Klasse: Lngo" 1:49:52.— 17. Klasse: „Lesadler" 1:33:46.— 18. Klasse:„llolumbus IV" 1:21:43. Arbeiter Wasserbau Spandau-Charloltenburg II 2:0/ Freiheit- Union II 3:2 Beide Spiele fanden im Lunabad statt. Entscheidend für den Ausgang des Treffens war allerdings die Routine der Spandauer, die bereits eine Serie lang in der A-Klaffe gespielt haben. Es wurde auf beiden Seiten entsprechend der Bedeuwng des Spiels sehr eifrig und teilweise hart gespielt. Spandau war besonders in der Abwehr glücklicher als der Gegner, der sich durch Mangel an übersichtlichem Spielaufbau mit seinen Angriffen fast immer festlief. Beide Tore fielen in der ersten Spielhälfte durch gute Kombinationen der Spandaustürmer. Gleichwertige Gegner waren sich Freiheit und Union II im darauffolgenden Spiel. Union lag zunächst stark im Angriff und erzielte auch im Anschluß an einen Durchbruch seines Verbinders das erst« Tor. Das Zuspiel von Frecheit wurde dann genauer und durch einen Fehler eines Unionverteidigers konnte der Anschluß her. gestellt werden. Mit 1: 1 ging es in die 2. Spielhälfte, in der das Spiel an Härte zunahm. Ausgeglichene Leistungen brachten jeder Mann- schaft noch einen Erfolg, so daß eine Verlängerung notwendig wurde. Kurz noch Beginn derselben riskierte der Verbinder von Freiheit einen überraschenden Weitschuß, den der Uniontormann passieren ließ. Freiheit und Spandau steigen nunmehr als Gewinner der Aus- scheidungsspiele in die A-Klasse auf. Sdduß in Zehlendorf Absporieln der Südwestgruppe Die Freie Turn- und Sportvereinigung Zehlendorf hatte zu ihrem Absporteln die Freie Turnerschaft und den Sportverein Teltow und die FT.-Wannsee eingeladen, und so entwickelte sich aus dem städtischen Sportplatz in den Vormittagsstunden«in reges fport- liches Treiben. In den Laufkonkurrenzen wurde hart um die Plätze gekämpft: die erzielten Zeiten find in Anbetracht der schweren, nassen Bahn als gut zu bezeichnen. lOO-Meter-Lauf. Lportleriunen: 1. Jäntick,(Schöneherg) 14,8 Sek.; 2. Frimiel lTrltow!; Böhm. Hcnsel, Frenz«! iKrhIrn-dorf) je 13,4 S«k.— Iugenhlich« 13/14; 1. Hohlich lZehIendorfj 12B Sek.: 2. Hirsekorn(Telbow), Brusthreite zurück.— Zugendliche 15/16: 1. Schachner(Teltawl 12.9 Sek.: 2. Wolter kWaMlslee) 13,6 Sek.— 200 Meter Männer: 1. Braatz i geHiendorf) 26,3 Set.; 2. Frintzcl(Tellom) 263.— Weitfprnng. Sportlerinnen: 1. Frinqel 4,88 Meter.— Mssnner: 1. Fringel(Telkom) 558 Meter: 2. Krakefch(Seliorol 5.46 Meter,— Kngelftotzen. Sportlerinnen: 1. Fringel lTeltow) 6,30 Meter: 2. Hersel lgchlendorf) 6,79 Meter.— Jugendlich« 13/14: 1. Hohlich sgehlendorf) 10,80 Meter: 2. Hirsekorn lTeltom) 10,31 Meter._ Jugendliche 15/16: 1. Wolter (Wonnfcc) 11,18 Meter: 2. Sch-chner(Teltow) 9 Meter.— Männer: L Fringel (Teltow) 956 Meter; 2. Krakefch(Teltow) 9,22 Meter.- Speerwerfe». Sport- lerinnen: 1. Ja cor(Zehlendorf) 35,14 Meter: 2. Frenze!(Zehlendorf) 21 HO Meter.— Jugendliche 13/14: 1. Hirsekorn(Teltow) M60 Meter: 2. Äennig I Wannsee) 34,65 Meter.— Jugendliche 15/16: 1. Wolter lWannsee) 374)7 Meter: 2. Schach» er(Teltow) 31,10 Meter.— Männer: 1. Nittke(Zehlendorf) 40,43 Meter; 2. Fringel(Teltow) 35,15 Meter.— Diaknnwerfeo. Männer: 1. Fringel(Teltow) 30,43 Meter; 2. Bunzel(Teltow) 24,81 Meter. tP Hoffnung", ein neuer Sturmvogel Run hat auch der Bezirk W e d d i n g des„Sturmvogels" fein selbstgebautes Segelflugzeug. Bei dem denkbar ungünstigsten Wetter wurde am Sonntag auf dem Festplatz des Pflanzeroereins „Virchow" die Taufe durch den sozialdemokratischen Bürgermeister vom Wedding, Karl Leid, vorgenommen. So wie sich nicht jeder ein Auto kaufen kann, wird es auch nicht möglich fein, daß sich jeder einzelne ein Segelflugzeug zulegt. Um aber allen Be- völkerungsschichten die Möglichkeit zu geben, den Flugsport mitzu- üben, baut der Sturmvogel in Gemeinschaftsarbeit die Flugzeuge. Leid' taufte den neuen Apparat auf den Namen„H o f f n u n g". Möge die„Hoffnung" helfen, den Frieden in die Welt zu tragen. Von der Gauleitung war Georg erschienen, der die Grüße und Wünsche des Sturmvogels zum glücklichen Gelingen überbracht«. Das jüngste Mitglied der Gruppe Wedding, ein lljähriger Junge, brachte dann mit viel Schwung den Sturmvogel-Prolog„Fliegers Weckruf" zum Vortrag. Die tanzlustige Jugend kam im Anschluß an die Tauffeierlichkeiten, aus dem sogenannten„Pariser" zu ihrem Recht. Der Apparat wird seinen Jungfernslug am 27. September auf dem oereinseigenen Gelände in Mittcnwalde vornehmen. Arbeiter-Handball Die Städtemannschaft hatte am Sonnabend noch emmal vor dem Treffen mit Leipzig ein Uebungsspiel. Als Gegner war die zweite Männermannschaft von Volkssport-Wedding vorgesehen. Nachdem zu Anfang die Städtemannschaft mit 2:1 führte, gelang es den Weddingern auszugleichen. Die Städtcmannschaft stellte dann aber dach noch ein Halbzeitresultat von 3: 2 her. In der zweiten Halbzeit erhöhte die Städtemannschaft den Torstand auf 8 Tore, während der Gegner noch dreimal erfolgreich war. FTGB.-Nordost(Jugend) mußte sich der Mahlsdorfer Jugend mit 7:9(3:9) beugen. FTGB.-Rosenthal weilte mit der ersten Männermannschast in Bernau beim dortigen Männerturnoerein. In der ersten Halbzeit errangen beide Mannschaften nur je zwei Tore; das Schlußresultot lautete 3:2 für Rosenthal. Arbeitsgemeinschaft proletarischer volkstanzkreise(Mitglied des Arbeiter-Turn- und Sportbundes). Die Kreise der Arbeitsgemein- schaft eröffnen im September wieder ihre Hallentanzabende. Der Kreis Neukölln tanzt jeden Montag von 29 bis 22 Uhr in der Turn- halle der Karl-Marx-Schule, Neukölln, Kaiser-Friedrich-Str. 298/219, der Kreis Lichtenberg in der Turnhalle der Schule Lückstraße jeden Montag zur gleichen Zeit. Der Tanzkreis Prenzlauer Berg übt jeden Dienstag, 29 Uhr, in der Turnhalle Esmarchstr. 18. Der Tonzkreis Tegel eröffnet ebenfalls Mittwoch, 2. September, in Reinickendorf, Schule Holländer Straße, seine Volkstanzabende. Ge- nosstnnen und Genossen, die Interesse am Volks- und Iugendtanz haben, sind freundlichst eingeladen. Der neue Freiballon„Deutschland", der neue netzlose Ballon des. Deutschen Luftfahrtverbandes, stieg in Gelfenkirchen zu seiner ersten, der sogenannten Werkstättenfahrt auf. Der Ballon, besten feierliche Taufe am 29. September in Gelsenkirchen stattfindet, ist hauptsächlich für internationale Wettbewerbe wie Gordon-Bennet- Rennen und für wissenschaftliche Zwecke bestimmt. FTGB. Die Racktbaheabende veginnen zmiunuch, Ä. SeptemPer, 3012 Uhr. Gcrjchlstratz«. Teilnchniende Gäste wollen sich möglichst vorher in der Geschäft»- stelle de» Vereins, Berlin RO. 18, Licht-nh-rger Str. 3. melden. Telephon E 3 Köniqftadt 3656._ Berwaltnngsauslchußfitzung Mittwoch, 16. September. 19H Uhr. Kreisgesichäftsstellc, Elsasscr Str. 86. Arbeiter. Schwimmver ein Kella», c. V.. Berlin. Heute, Dienstag, Beginn männliche Jugend und Männer; Ausbildung von Nichtschwimmern und Weiter- bildung in allen Zweigen des Schwimmsports. Aufnahme neuer Mitglieder auf den Uebungsabendcn. Kartell Tenqielhof. Mittwoch. 16. September, IVA Uhr, Lux Linde", Friedrich. Karl. Ecke Werderstratze. Kartellsttzung. Aebcitcr.Turn, und Spartverein Friedrichsjelde. Mittwoch, 15. September, Mitaliederoersommlung. Tanristenverei«»Die Ratnrfreunde", Zentral« Wien. Ortsgruppe Berlin: Mittwoch. 16. September. 20 Uhr, in der Aula Weimneisterftr. 16—17, Bortrag Dr. Karl Schröder:„Elemente des sozialistischen Kultuvaufbaus". Unlostenbei» trag 20 Pf. Gäste willkommen.— Dienstag.>5. September, 20 Uhr. Abt. Friedrichshain: Frankfurter Allee.307: Mustkabend. Liederbücher und Jnstrn- menie mitbringen.— Abt. Friedenau: Offenbacher Str. 5»:„Druckverfahren".— Abt. Humboldthain: Willdenowstr. 5. Literarischer Bortrag:„Maxim Gorki".— Abt. Norden: Sonneirburger Str. 20:„Proletarische Literatur"(G. Zemke).— Abt. Wedding: Willd.'nomstr. 5: Geschäftliches.— Abt. Sberschöueweide: Laufener Str. 2: Lichtbildervortrag.— Abt. Osten: Ebertystr. 12, Lichtbilder- Vortrag:„Naku".- Donnerstag. 17. September. 20 Uhr. Abt. Lichtenberg: Gunterftr. 44.— Abt. Neukölln: Bergstr. 29. Vortrag:„Sozialistische Literatur". — Abt. Prenzlauer Berg: Danziger Str. 62. Baracke II: Fabrtenerlebniss« in Wort und Bild.— Streichorchester: 19 Uhr bei Weitzenberger. Freiligrathstr. 9. — Abt. Südwest: Porckstr. 11: Heiterer Abend.— Abt. Tiergarten: Lehrter Stratze 18—19:„Darwin"(Dr. Schütte).— Abt. Weitzense«: Pistorinsstr. 24.— Raturkundliche Abt.: Johonnisstr. 15:„Schnecken in Mirscheln".— Abt. Rosen- thaler Vorstadt: Weinmersterstr. 16—17:„Geologie der Mark".— Photo Mitte: Johonnisstr. 15(Dunkelkammer): Fortgrschrittenenkurflus. »sllsta-zkeeis Prenzlauer Berg. Heute, Dienstag. 1914 Uhr, beginnt in der Turnhalle Esmarchstr. 18 ein neuer Anfängerkursus für Bslks. und Jugend- tänze. Gäste herzlich willkommen. Sfaah llaalsopcr Doter den Linden. Dienstag, den 15. September 20 Uhr. Ende 22'/- Uhr. Der Pfeiferlag StialLSduespielhaus v Gendarmsnmarkt. Anfang 20 Uhr Die n«iürlldie Toditer Sdiiller-Theater Ctarlotttnbur). Anfang 20 Uhr Die Helraf Barbarossa 9256. Tflgl. 6 u. ßl/s U., THE 22! INCENUES HUOSOM- WON DEBS und d» grolle> Sept.-Programm I VoiHsblihne Theater am Bütowplatz Mittwoch, d. 15. 9 8 Uhr Zum 1. Male NebenetaBüder Vftlkntödr in S Ulan von Geoig Rarst Ragis: K. B. Martin. sv-uhr CASINO-THEATER«1/, vi» Lothringer Strafte 37. Nur noch bis 20. September Das Parfüm meiner Frau und das ersikl. honte Programm. Montag, den 21. Sept. zum I. Male Dodo, das Offentlidie Aeraernis. Gutschein 1—4 Personen. Parkett 50 Pf. Fauteuil l.— Mk. Sessel 1.50 Mk. 8.15 Dhr Flora 3434 Raudüi erlaubt Die Scebs tob der Staatsoper. CortiBlt Dollarsegen. Saleruo. 12 Dratanos. Rhoearad-Sen« csw. u&mm MINIMA Resfai-mut Berlins; BETRIEB /Oh KEMPIHSKlO metropoi-Tiieaier Täglich SV. Uhr die neue Paul-Abraham• Operette Die Blume von Hawai Preise von I.— M. an. lening-Theatei Dir. Dr. Robert Klein Tal.: Weidendamm 0846. «>/. Uhr Junge Liebe. Mosheim, drause/retter, Haack, Homolka. Kurlörslencamnr Theatcr Bismarck 448/49 SV« Uhr Die schöne Helena von lacasesonenhaa Regle; Hu Reinnartt. Komische oper 8"- Uhr Thron zu vergeben Operette v.Neidhart Musik v. Witmann. Leux, Elster, Lilien, Hendrik, Fels Preise; 0,50-7,- M. Reichshallen-Theater Sbends 8 Uhr, Sonntaj nadimittag S'/.Uhf B r 1 1 1 o n SO Jahrs Stettiner Sänger Nachmiitags halbe Preise. Berliner inkTrlO N« II H 0 i I■. v Lalmstr. 74nu