BERLIN ZllttNvoK IS. September 1931 10 Pf. Ar. 434 B 212 48. Lahrgang ErscheinttSglich außer Eonntags.» m g* Anjetgenprei«: Die elnspalttgeNonparetllezeile Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts". Bezugspreis R§0 t# B W t«oPf., Reklamezeile SM. Ermäßigungen nach Tari�. beideAuSgaben8üPf.rroWoche.3.K0M. pro Monat. f* 90.f«.R nl.0�1 PoKscheckkonto: VorwartS-Verlag G. m. b.H.. Redaktion und Erpedition: BerlinSW63.Lindenstr.S» MM taJiM t mJ\ /Tf�TT �TIOjK mm JrllA Berlin Vt. 37 636.— Der Verlag behält sich da« Fernsprecher: Dönhoff 7) 2S2-2S7 www JJ g wv mtmrw Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Heute Debatte im Llnterhaus London, 16. September. lieber die Bewegung unter den Mannschaften der Atlantischen Flotte berichtet„Daily Telegraph" aus dem schottischen Hasen Jnvergordon, wo die Hauptmacht der Flotte liegt: Daß große Erbitterung über die Herabsetzung der Löhnung herrschte, war schon bekannt, aber sie fand erst am Sonntag in der Seemannskantine dieser Stadt alarmierenden Ausdruck. An diesem Tage waren ungefähr 70l> Urlauber an Land. Bon verschiedenen Schissen wurden darauf Wachtabteilungen gelandet, was die erwünschte Wirkung hatte. Als aber die Urlauber sich am Pier versammelt hatten, um auf ihr« Schiffe zurückzukehren, gab es eine weitere lärmende Kundgebung. Am Montag dauerten die Proteste an. Eine Versammlung in der Kantine wurde aufgelöst, und 600 Seeleule begaben sich daraus zum slädlischen Sportplatz, wo die Arage erörtert wurde, in welcher Weise der Lohnver- Minderung Widerstand geleistet werden könne. Am Dienstag erhielt niemand Urlaub, aber Gesänge und ge> legentlich« Beifallskundgebungen waren an der Küste l/örbar, woraus geschloffen wurde, daß zum mindesten auf einigen Schiffen die Manschaften ihre Beschwerden erörterten. „Daily Mail" meldet: Als am Montag um 22 Uhr das Signal „Lichter aus!" gesetzt wurde, weigerten sich die Mannschaften, in d' Hängematten zu gehen und blieben noch an Deck, von wo aus noch eine Stunde lang Gesang und Beifallsrufe hörbar waren. Zm übrigen scheint es keine Unordnung gegeben zu haben. Es verlautet, daß der stellvertretende Oberbefehlshaber Konter- admiral T o m k i n s o n sich gestern nach London begeben hat, um mit der Admiralität zu beraten. „Daily Herald" zufolge herrscht auch in dem Marinestützpunkt Rosyth im Firth of Förth Unzufriedenheit. 375 Seeleute des nicht zur Atlantischen Flotte gehörenden Schlachtschiffes„Iran Duke" hätten ihrem Kapitän«in Gesuch gegen die Berminderung der Löhnung überreicht. Der Kapitän habe ihnen erklärt, die Ab- 'iriche seien nicht auf Befehl der Admiralität, sondern entsprechend oer Sparpolitit der Regierung vorgenommen worden. Die Atlantische Flotte besteht einschließlich der Hilfssahrzeuge aus ungefähr vierzig Schiffen mit einer Besatzung von 16 000 Ossi- zieren und Mannschaften. Sie umfaßt u. a. fünf Schlachtschiffe, zwei Schlachtkreuzer, fünf Kreuzer, ein Flugzeugmutterschiff, zwei Zer- störerflotillen und eine Unterseebootsflotille.— Was die Löhnung betrifft, so ist sie beispielsweise bei Unteroffizieren von sieben auf sechs Schilling und bei Vollmatrosen von vier auf drei Schilling pro Tag herabgesetzt worden. Im Unterhaus wird heute der Erste Lord der Admiralität, Sir Austen Chamberlain, von einem Arbeitermitglied über die Angelegenheit befragt werden. Nach weiteren Meldungen sollen die Landurlauber unter dem Einfluß von Alkohol recht geräuschvoll geworden sein, so daß Patrouillen an Land geschickt wurden, um Ausschreitungen zu verhindern. Ein hoher Offizier— der„Daily Mail" zufolge der stellvertretende Flottenchef— flog nach London, um der Admiralität Berirbt zu erstatten. Alle Schisse verblieben im Cromarty Firth. Das Linienschiff„R e p u I s e", das zu Uebungen ausgelaufen war, wurde nach einigen Stunden wieder zurückberufen.„Daily Mail" berichtet, daß Anzeichen der Unzufriedenheit auch unter den Mannschaften der M a r i n e s l u g st a t r o n N o r v a beobachtet werden konnten. Vom kapitalistischen Patriotismus. London, 16. September. Das Unterhausmitglied Mise(linker Flügel der Arbeiter- Partei) fragte den Schatzkanzler, ob ihm bekannt sei, daß britische Unternehmungen, die über Frank-Guthadcn bei Pariser Banken verfügen, in vielen Fällen diese Guthaben dazu benutzen, um b r i- tische Frank-Schatzwechsel zu erwerben, die im Zusannnenhang mit dem kürzlich dem Schatzamt gewährten Kredit ausgegeben wurden, und auf diese Weise 4� P r o z. B e r z i n s u ng statt des Vi P r o z.. das die französischen Banken auf Depot bezahlen, erzielen. Wise fragte ferner, welche Schritt« der Schatzkanzler ge- troffen Hab«, um dies zu verhindern. S n o w d en antwortete, die französische» Tanken, die die Auf- legung der Frank-Schatzwechsel besorgten, hätten versprochen, olles zu tun, um die Zeichnungen auf französische Staats- angehörige zu beschränken, und es seien ihm keine Nachrichten zu- pfrimer sieht Verrat Wien wollten sie aushungern Wien, 16. September.(Eigenbericht.) Pfrimer scheint von der südslawischen Polizei nicht verhaftet worden zu sein, sondern deswegen nach Laibach, der Hauptstadt Sloweniens, gefahren zu sein, um dort die Entscheidung der Banats- regierung über die Gewährung des A s y l r e ch t s abzuwarten, das er in Anspruch nimmt. Dieser„Antipolitiker" gibt sich nämlich jetzt als„politischer Verbrecher" aus und seine Todfeindschaft gegen die Demokratie hindert ihn nicht, vom slawischen„Erbfeind" das demokratische Asylrecht zu begehren, um nicht vor das Gericht jenes Volkes zu kommen, das ihn, wie Pfrimers Aufruf behauptete, zum— Staatsfllhrer berufen hat! Er hatte sich in Marburg im Hotel„Meran" einquartiert und war vollkommen niedergeschlagen. Auf Besragen er- klärte er einem Pressevertreter, man könne ihm jede Frage stellen, nur keine über den Putsch, da er das nicht ertragen könne. Er erklärte lediglich:„Lassen Sie mich in Ruhe, ich kann nur sagen, daH an allem, was geschehen ist, Verrat schuld ist." Pfrimers Sohn, der gleichfalls nach Marburg geflüchtet ist, sagte einem Berichterstatter der„Neuen Freien Presse": Der Putsch wäre zweifellos gelungen, wenn nicht die ganze Bewegung v e r- raten worden wäre. Wir hatten in Steiermark allein 10 000 Mann. Wir besetzten den Semmering(Unwahr! Sie krawallierten nur in Mürzzuschlag am Südabhang. Red.) und die ganze Eisen- bahnlinie. Salzburg und Oberösterreich hätten wir leicht in die Hand bekommen. Unser Hauptziel war, uns dieser Länder zu be- mächtigen und sie zu besetzen. Dann wollten wir konzentrisch a u f Wien losmarschieren und die Hauptstadt in Besitz nehmen. Da mit großem Widerstand der Bevölkerung und der Garnison Wien gerechnet werden mußte, hatten wir vor, Wien auszuhungern. Pfrimers in Marburg eingetroffener Bruder sagte u. a. beim Verhör, daß das Manifest Pfrimers in seiner Druckerei in Judenburg hergestellt worden ist. Gie fordern auch noch! Steierische Heimwehrführer trugen dem Landeshauptmann Dr. R i n t e l e n vor, das Aufgebot vom Sonntag fei„nur" gegen sozialdemokratische Veranstaltungen im Ennotal erfolgt, die man als-- eine Verhöhnung(!) der verzweifelten Volksstimmung nach dem Verzicht auf die Zollunion und den Genfer Anleihe- bedingungen habe empfinden müssen! Mit Ablauf der Fremden- saison ist nämlich das sommerliche Aufmarschverbot außer Kraft getreten, da kann man wieder„streng legal" Arbeiterfeste über- fallen. Erst zur Unterstützung dieser Heimwehr„kundgebung" und zur Hebung ihrer Bedeutung habe Pfrimer den Heimatschutz von ganz Oesterreich aufgeboten—, aber die famose Proklamation sollte erst nach dem Rücktritt der Parteienregierung angeschlagen werden! Da aber Gendarmerie und Militär heranmarschierten, habe man die Proklamation anschlagen müssen, denn sie enthob die Wehrmacht und Polizei ihres Trcugelöbnisscs und das war nötig, um Blut- vergießen zu vermeiden. Wenn so ein Putschist den Verfassungseid aufhebt, sind also anständige Staatsdiener nicht mehr daran ge- bunden. Ist diese Rechtsausfassung auch Wahnsinn, so hat sie doch unstreitig Putschmethode. Schließlich verlangten die Heimwehrler beinahe Amnestie! Rintelen erwiderte, daß gegen alle Schuldigen nach den Vor- schriften des Gesetzes vorgegangen werde. Ein Siaatsschuhgefeh. Wien, 16. September.(Eigenbericht.) Die Regierung plant ein Gesetz zum Schutze des Staates, das im Entwurf bereits fertiggestellt ist und dessen Inhalt sich eng an das Reichsgesetz zum Schutze der Republik an- schließt und für Gewalttaten gegen den Staat hohe Strafen vorsieht(die man aber auch schon an Hand des bestehen- den Strafgesetzes ausreichend bestrafen kann. Red.). Bundespräsidentenwahl am 18. Oktober. Wien, 16. September. Bundespräsident Mitlas teilte dem christlichsozialen Partei- vorstand mit, er habe sich entschlossen, die Kandidatur für die Bundespräsidentenwahl anzunehmen. Die Wahl des Bundes- Präsidenten erfolgt am 18. Oktober durch das ganze Volk. Kandidat der Sozialdemokratie ist Nationalratspräsident Dr. Karl Renner. Die Großdeutschen und Landbündler haben ihre Stellungnahme noch nicht bekanntgegeben. Allgemeine Entwaffnung' Wien, 16. September. Wie die christlichsozialen„Wiener Neuesten Nachrichten" von unterrichteter Seite erfahren, wird die Regierung nunmehr zur Entwaffnung der Heimwehre»schreiten, wobeies als selbstverständlich gelte, daß auch diejenigen Heimwehrvcrbände, die sich nicht an dem Putsch beteiligt haben, sowie alle bewaffneten Formationen, insbesondere auch der Republikanische Schutzbund, in die Entwaffnungsaktion einbezogen werden! Flugzeugunglück in Rumänien. Pilot, Telegraphist und 4 Passagiere verbrannt. Bukarest, 16. September. Heute früh gegen 7 Uhr ist ein dreimotoriges Fokkcrflugzeug ber Cidna-Gesellschaft in der Nähe der Gemeinde Balatschiha im Komitat Mehedinha in einen schweren Sturm geraten und abgestürzt. DaS Flugzeug geriet in Brand. Die vier Passagiere, der Pilot und der Radiotclegraphist, im ganzen seehb Personen, sind verbrannt. Einer der Verunglückten ist der Advokat Brunner aus Berlin, ein zweiter ei» gewisser Sternberg aus Wien. Die Namen der beide« anderen getöteten Passagiere sind noch unbekannt. Großfeuer in Niederschöneweide. Bootelhaus niedergebrannt.— 20 Boote vernichtet. 3n der vergangenen Nacht wurde das Boolshaus der N i e d e r. schöncweider Rudergesell schast in der Berliner Str. 86 durch ein verheerendes Großfeuer völlig eingeäschert. Heber zwanzig wertvolle Vvote wurden ein Raub der Flammen. Das Feuer muß längere Zeit unbemerkt geschwelt haben, denn als die Gefahr kurz vor 2 Uhr entdeckt wurde schlugen bereits aus allen Ecken und Enden des Bootshauses die Fl a m m« n hervor. Das Gebäude, das einen Umfang von 15 mal 20 Meter hat, brannte beim Anrücken des ersten Löschzuges lichterloh. Auf Großfeueralarm rückten drei weitere Löschzllge und das in Köpenick stationierte Feuer- löschboot IV zur Hilfeleistung heran. Mit sechs Schlauchleitungen größter Kaliber wurde die Bekämpfung des Großfeuers aufgenom- me». Ein starker Feuerschein kennzeichnete weithin die Stätte des Brandes. Trotz der gemeinsamen Anstrengungen der Feuerwehren griffen die Flammen auf eine angrenzende Wohnlaube über. Die Bewohner hatten das bewohnte Häuschen rechtzeitig ver- lassen können, so daß glücklicherweise niemand zu Schaden kam. Auch die Wohnlaube brannte völlig nieder. Alle Aufmerksamkeit mußten gegangen, daß diese Schatzwechsel in beträchtlichem Umfang von Engländern erworben würden. Auf eine weitere Frage W i f c s er klärte S n o wd e n zur Begründling der Tatsache, daß Eng- land 4)4 Proz. für den amerikanischen Kredit bezahlte, während die Rate der Federal-Ref«rvc-Vank 1 Proz. betrage, daß der New- Jorker Privatdiskontsatz mit dem in New Port erhaltenen Kredit nichts zu tun habe. Der dem britischen Schatzamt eingeräumte Kredit zwinge die Kreditgeber, die entsprechenden Mittel tatsächlich für ein Jahr festzulegen, ohne daß die Möglichkeit einer Rc- diskontierung bestehe. Auf eine andere Frage erklärte Snowdcn, daß die Bank von England an den K o st e n für den französischen und amerikanischen Kredit nicht teilnehme, da es sich dabei um eine Angelegenheit der Regierung handle, so daß die Kosten vom Schatzamt allein zu tragen seien. die Feuerwehren auf die umliegenden Gebäude richten, die eine Zeitlang durch Funkenflug, der bei dem heftigen Wind herrschte, bedncht waren. Nach mehrstündigem Wassergeben konnte der Brand endlich niedergekämpft werden. Der Schaden ist sehr hoch, zum Teil aber durch Versicherung gedeckt. Die Entstehungsursache konnte noch nicht geklärt werden. ,/Zeht lügen sie auch noch!" Wo blieb Heinz Neumann im Sportpalast? In unserem Bericht über die Sportpalastversammlung hatten wir bemerkt, daß Heinz Neumann sofort, nachdem die kommu- nistischen Schlägerkolonnen in Tätigkeit getreten waren, den Saal verlassen hätte. Diese Darstellung stützt sich auf den Bericht zahl- reicher Augenzeugen und wir halten sie auch jetzt noch für richtig. Die kommunistische Presse oersichert demgegenüber, Heinz Neumann habe erst als einer der letzten den Saal oerlassen. Interessanter als der Streitfall selbst ist die Ueberschrift, unter der es in beiden kommunistischen Morgenblättern registriert' wird. Sie lautet nämlich:„Jetzt lügen sie auch noch!" „Sie" auch? Wer denn noch? Ltngenügender Minderheiienschuh. Genfer Rede des Reichsaußenministers. Genf, 16. September. Dr. C u r t i u s führte heute im politischen Ausschuß der Völker- bundsversammlung über das Minderheitenproblem aus: Es ist unbedingt notwendig, einen Rückblick auf die Jahrestätigkeit des Völkerbundes auf dem Gebiet der Minderheitenbehandlung zu werfen und hierzu kritisch Stellung zu nehmen, Erfahrungen auszutauschen und praktische Anregungen für den Ausbau des Minderheitenoerfahrens beim Völkerbund zu machen. Der im Vor- jähre angenommene Bericht über die Minderheitenfrage anerkennt die heiligen Rechte der Minderheiten auf Sprache, Religion und Kultur und stellt ausdrücklich fest, daß im Minderheitenproblem ein großes Friedensproblem vorliegt. Dr. Curtius stellte jest, imß die Zahl der beim Völkerbund eingegangenen Beschwerden von 57 im vorigen Jahre auf 204 gestiegen ist, aber nur 73 vom Völkerbundesekrelariat als zulässig erklärt worden sind. Die Minderheitenausschüsse des Völkerbundsratz haben im abgelaufenen Jahre allein 66 Sitzungen abgehalten. Die Beschlüsse des Völkerbundsrats in Madrid haben das Minderheitsverfahren ver- vollständigt: in besonders schwierigen Fällen können die Dreieraus- fchllsse erweitert werden, aber davon ist bisher nur ein einziges Mal Gebrauch gemacht worden. Dr. Curtius brachte sodann eine Reihe von Anregungen zur Verbesserung des Befchwerdeverfahrens vor. Gegenwärtig erhält die beschwerdesührende Minderheit ledig- lich eine B e st ä t i g u n g des Eingangs ihrer Beschwerde und hat sodann nur das Recht, noch«ine Zusatzbeschwerde einzureichen, im übrigen träte aber die Minderheit vor dem Völkerbund nickst hervor, erhält keine Kenntnis von den Antworten der Regierung auf die Beschwerde, hat keine Möglichkeit, dazu Stellung zu nehmen. Den Minderheiten muß die Gelegenheit gegeben werden, auch zu dem im letzten Augenblick eingehenden Material der Regierung Stellung zu nehmen, damit die endgültigen Beschlüsse der Ausschüsse aus Grund der letzten Antworten auch der Minderheiten er» folgen. Von dem Recht der Ausschüsse, Rückfrage bei den Minder- heiten zu halten, müßte mehr Gebrauch gemacht werden. Es kommt darauf an, das Vertrauen der Minderheiten zu den Minderheitenausschüssen des Dölkerbundsrates aufrechtzuerhalten. Die Veröffentlichung der Beschlüsse dieses Ausschusses ist nach dem Madrider Verfahren möglich, durch sie muh den Minderheiten Schutz gewährt und Gefahren vermieden werden, die aus Geheim- Haltung für die Minderheiten entstehen können. Von 61 im letzten Jahre gefällten Entscheidungen im Beschwerdeversahren sind lediglich 11 veröffentlicht worden, im Vorjahre von 29 lediglich 3. Oft haben die Regierungen Bedenken gegen die Veröffentlichungen dieser Eni- jcheidungen. Durch die Veröffentlichung würde der Sache ein wesentlicher Dienst geleistet und das Vertrauen der Minderheit zu dem Beschwerdeverfahren des Völkerbundes gestärkt werden. Dr. Curtius schloß mit der Erklärung, er würde sich freuen, wenn diesen Anregungen in liberaler Weise stattgegeben würde. Es muß noch sehr viel getan werden, bis man zu einer Lösung des Minderheitenproblems gelangt, die eine befriedigende Zusam- menarbcit zwischen den Mehrheits- und Minderheitsvölkern schafft. Der Völkerbund darf in seinem Eintreten für die Minderheiten nicht erlahmen. Er darf nie die heiligen Rechte der Minderheiten, die Garantieverpflichtungen des Völkerbundes gegenüber den Minderheiten und die seelische und materielle Not- tage der Minderheiten außer acht lassen! Gelder der Kriedensgesellschast. Ein politischer Beleidigungsprozeß. Gegen die Deutsch« Friedensgescllschaft sind wiederholt Vorwürfe erhoben worden, sie habe aus tschechischen und französi- scheu offiziellen Quellen Zuwendungen erhallen. Der frühere Vorsitzende der Vereinigung, Küster, hat deshalb Klage erhoben gegen die Redakteure Hauswirt von der„Roten Fahne", Fltmming vom„Tag", Gloy von der„Deutschen Handels- wacht"(Organ des Deutschnationalen Handlungsgehilf«nverbandes) und Wcilhäust vom„Siegener Anzeiger". Der Kläger wird von Dr. Kurt Rosenseld vertreten. Alle vier Blätter hatten unter Berufung auf die Vcröffcnt- lichungen aus den Kreisen, die srüher der Deutschen Fricdensgesell- schast nahestanden, die bekannten Vorwürfe wiederholt. In dieser Angelegenheit hat bereits ein Termin stattgefunden. Das frühere Mitglied der Deutschen Friedensgesellschast, Kurt Hitler, der seinerzeit die Kampagne in einer Artikelserie eröffnete, berief sich in jener Verhandlung auf das Zeugnis des Prof. Friedrich Wilhelm Förster in Paris und des früheren Redokteurs R ö t t g e r. Dos Gericht beschloß, Prof. F ö r st e r in Paris zu vernehmen und R ö t t- g«r als Zeugen zu laden. Professor Förster, dessen Aussage in der heutigen Verhandlung verlese» wurde, hat bei seiner konimissarischcn Vernehmung erklärt, daß er nie tschechische oder französische Regie. rungsgelder an die Deutsche Fi icdensgesellschoft vermittelt habe. Es fei ihm nur bekannt, daß sowohl die tschechische als auch die französische Liga für Menschenrechte an ch>ic deutsch« Liga für Menschenrechte zum Zwecke pazifistischer �Propaganda G-lder überwiesen haben Er wisse ferner, daß Herr Schwann für seine schriftstellerische Arbeit von der Pressestelle der polnischen Gesandt- schast ein monatliches Fixum erhalten habe. Der als Zeuge heute vernommene Schriftsteller Röttger be» Wahlkampf bei der BVG. Kommunistische Verleumdungen und gewerkschastliche Abwehr Am Dienstag berichtete der Arbeiterrot der BVG. i n sechs großen Volloersammlung en des Personals über seine Tätigtest. Die RGO. hatte angekündigt, in diesen Versammlungen den Reformisten„die Maske vom Gesicht zu reißen". Die sechs Versammlungen, die vornüttags und abends in Boeckers Festsälen, den Germania-Sälen und der Bockbrauerei in der Fidicin- straße abgehalten wurden, brachten jedoch eine vernichtende Nieder- läge der RGO. Fast einstimmig billigten die Arbeiter der BVG. die Tätigkeit ihres Arbeiterrats und ertellten ihm Entlastung. Die Abendversammlung in Boeckers Festsälcn war dermaßen überfüllt, daß sie polizeilich gesperrt werden mußte. In einem zweieinhalbstündigen Referat gab Genosse Flieger den Bericht. Er machte keinen Hehl daraus, daß ein etwaiger Zu- sammenbruch der BVG. die Existenz von 23 000 Betriebsangehörigen aufs Spiel setzen würde; deshalb ist die Belegschaft außerordentlich interessiert an der Tarifpolitik der Berliner Ver- kehrsgesellschaft. Die am 1. September durchgeführt« Tarifänderung wurde schon im Jahre 1930 von der Betriebsvertretung der Direktion vorge- schlagen, ohne daß die Betriebsoertretung mit ihrem Standpunkt damals durchdrang. Als aber die Schwarzfahrerei überhand- nahm, überzeugte sich auch die Direktion von der Richtigkeit des Standpunktes der Betriebsoertretung. Die Betriebsoertretung muß sich im übrigen dagegen wenden, daß alle Lasten der BVG. aus- gebürdet werden, sie steht vielmehr auf dem Standpunkt, daß die Finanzierung des unterirdischen Verkehrsnetzes Aufgabe der Stadt Berlin ist. Soweit sich bisher übersehen läßt, hat die Tarifänderung der U-Bahn eine vierprozentige Berkehrszunahme gebracht. Es ist zu hoffen, daß der Fünsfahrtenschein die verlorengegangenen Fahrgäste wieder zu Kunden der BVG. nmcht. Im übrigen er- neuerte am Dienstag die Betriebsvertretung ihren Vorschlag, die Erwerbslosen für 10 Bsennig fahren zu lassen. Dadurch würde man Arbeit schassen, man müßte Linien verlängern und Beiwagen einsetzen. Mst großer Sorge erfüllen die Belegschaft die Reorganisations- plane des Bürgermeisters Dr. Elsas, der erklärt, daß man bis zum Ende dieses Jahres noch erhebliche Einsparungen machen müsse, wobei auch vor Entlassungen nicht zurückgeschreckt werden dürfe. Wenn die Betriebsvertretung gegen diese Pläne Stellung nimmt, dann wendet sie sich zugleich mit nicht minderer Schärfe gegen die von der Sensationspresse fortgesetzt ausgestreuten Gerüchte, daß in nächster Zeit 2000 PVG.-Arbeiter entlassen werden sollen. Die Betriebsoertretung wird alles iun, um Eni- lassungen zu vermeiden. Bei Versetzungen nmß allerdings die Berwaltung einiges Verständnis ausbringen, es geht nicht an. Omni- busse in Treptow einzusetzen und sie nach Steglitz zu dirigieren, von wo aus sie dann ihre Linienfahrten machen. Das bedeutet eine unnötige Belastung des Personals. Durch eine der Notoerordnungen werden zusammen mit den Gcmeindearbeitern auch die BVG.--Arbeitcr berührt. Danach sollen Löhn« uister 66 Pf. pro Stunde um einen, unter 88 Pf. um zwei, unter III Pf. um drei und über 111 Pf. um vier Pfennig gekürzt werden. Die BBG.-Arbeiter haben aber schon einen sechs- prozentigen Lohnabbau durch Schiedsspruch er- litten. Es ist bei der außerordentlich schwierigen Rechtslage noch nicht zu übersehen, wie sich die Dinge entwickeln werden, die BVG.- Arbeiter bereiten jedenfalls gemeinsam mit den städtischen Arbeitern den Abwehrkompf vor. Hierzu ist die Geschlossenheit der Belegschaft dringendes Erfordernis, wie ja auch der Lohn- ausaleich bei Arbeitszeitverkürzungen eine Machtfrage ist. Der Ar- beilerverrat der KPD. zersplittert jedoch die Einheilssront der Arbeilerschast. Die freigewerkschaftlichen Arbeiterräte, hinter denen die Mehrheit des BVG.-Perjonals steht, denken auch nicht daran, gegenüber den Nazis den Kopf in den Sand zu stecken. Genosse Flieger teilte mit, daß die Staatsanwaltschaft dem Strafantrag« der Nazis nicht stallgegeben hat, die Flieger der Urkunden- sälschung bezichtigt hatten und ihn„ins Zuchthaus bringen" wollten. Dagegen hat Genosse Flieger jetzt Strafantrag gegen seine Verleumder gestellt. Im übrigen wandten sich die sechs Betriebsversammlungen gegen einen beabsichtigten Raub der Erholungsheime der BVG.- Betriebskrankenkasse. Es wurde festgestellt, daß diese Erholungsheime noch nicht einmal für die Unterbringung aller bedürftigen Kollegen ausreichen. Bezüglich der Pensionierungen strebt die Betriebsoertretung eine durchgreifende Verjüngung des Personals an. Es ist bei der jetzigen Arbeitslosigkeit nicht zu verarstworien, daß immer noch 66jährige Kollegen arbeiten, während die jungen Männer verzweifelird auf der Straße liegen. Man soll deshalb alle über 60 Jahre alten Kollegen zwangsweise pensionieren. Diese Politik des Arbeiterrats fand die Billigung der Beleg- jchaft. Die Berjmnmelten waren sich darüber klar, daß keine Be- triebsvertretung in der heutigen Situation Berge versetzen kann. So blieb der RGO. kein Feld für die angekündigte„Abrechnung". Klagges, Nazi II von Nraunschweig Michel:.Ich muß schon sagen. Äraunschweiger Wurst ist mir bedeutend lieber als Vraunschweiger Politik.' st ä t i g t e die bekannte Tatsache, daß der Westdeutsche Landesver- band der Friedensgesellschast„aus tschechischen Quellen" 6000 M. erhalten habe._ Lleberfall aus den Briefträger. Das endgültige Urteil: Je zwei Jahre Gefängnis. Der lleberfall auf den Briefträger Assaz im Hausflur So- pernikussiroße 10 am IS. Juli dieses Jahres fand heute morgen unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Jk e n m a n n beim Schöffengericht verlin-INille feine endgültige Erledigung. Die erste Verhandlung vor dem Schnellschöffengcricht ist feinerzeit vertagt worden. Das Gericht unter dem Borsitz des Landgerichtsdirektors Stein- Haus konnte sich nicht entschließen, den Straianträgen de? Staatsanwalts auf drei und vierJahre Zuchthaus ohne weiteres stattzugeben. Es hielt für erforderlich, über die Per- sönlichkeiten der Angeklagten weitere Feststellungen zu treffen und «inen Psychiater mit der Untersuchung ihrer Geistesverfassung zu beauftragen. Wie recht das Gericht damit hatte, bewies die heutige Verhandlung. Die Angeklagten schilderten zum zweiten Male ihre persönlichen Verhältnisse und die Einzelheiten der Tat. Beide, sawoh! der 22jährige H. und der 2l!ahrige M., sind unter äußerst un- günstigen häuslichen Verhältnissen groß geworden. Beide waren arbeitslos. Bride haben vor der Tat buchstäblich g«> hungert. So reiste in ihnen der Entschluß, einen Briefträger zu überfallen und zu berauben. Am 17. Juli beobachteten sie den Briefträger Assaz bei seinen Botengängen schon früher einmal waren sie in der Warschauer Straße einem Briefträger nachgegangen. Sic besorgten sich je eine» Sandsack, folgten Assaz am l8. Juli in die Kopernikusstraße, nahmen Ausstellung im Hausflur Nr. 10, und als Assaz gerade im Begriff war, vom Hausflur in den Hof zu treten, versetzte ihm M. einen Schlag auf den Kopf. Assaz setzte sich zur Wehr, schrie um„Hilfe", beide Uebeltäter flüchteten, konnten aber ergriffen werden: sie waren derart erschöpft, daß ihnen die mitleidigen Beamten ihr Frühstück gaben. Sanitätsrat Dr. Leppmann schilderte ausführlich die un- günstigen Milieuoorhöltnisse und die unglückliche persönliche Anlage der Angeklagten, die bei der Klärung der Tat Berücksichtigung finden müsse. Der Staatsanwalt plädier!« fo� wohl aus Gründen der Erziehung wie auch aus solchen der Ab- schreckung«ruf eine hohe Straf«,, wollte jedoch im Gegensatz züm Staatsanwalt in der ersten Verhandlung für die jungen Leute inil- dernde Umstände gelten lassen und beantragte immerhin»och für beide je drei Jahre Gefängnis. Das Urteil des Gerichts lautete unter Anrechnung der Untersuchungshaft aus je zwei Jahre Gesängnis. Die Nazi— Gchlachienlenker. Neue Feststellungen zu den Kurfürstendamm-Ekandalen. lieber das vorgehen gegen die 43 Naiionalsozialisten, die noch dem Sonnabend-Skandal am kursürstendamm fest- genommen wurden, ist gestern abend die Entscheidung gefallen. Die hakentreuzler werden am kommenden Freitag vor dem Schnell- fchöfsengericht in Eharloltcnburg zur Aburteilung kommen, wegen der großen Zahl der Angeklagten und Zeugen wird die Verhandlung in einem der größten Säle des Gebäudes statt- finden.' 22 Angeklagte befinden sich bereits seit Sonnabend in Haft. Jni Lause des gestrigen Tages wurden abermals 21 Hakenkreuzler festgenommen, die im Verdacht stehen und zum Teil bereits überführt sind, an den Ueberfällen am Kursürstendamm und an dem Sturm auf Cafe Reimann teilgenommen zu haben. Die Untersuchung hat aber auch noch andere interessante Einzelheiten ans Tageslicht ge- bracht. Wenn schon von vornherein feststand, daß die Ueberfälle planmäßig organisiert waren, wurde noch überraschend ermittelt, daß zwei SA.-Führcr, die sich unter den Festgenommenen be- finden, vom Auto die Aktion leiteten und auch entsprechende Anweisungen an die Nazigruppen gaben. Mehrere andere Hauptakteure sollen Berlin heimlich verlassen haben, um sich ihrer Verantwortung zu entziehen. Damit ist die Untersuchung der skandalösen Vorgänge om Kur- fürstendamm noch keineswegs endgültig abgeschlossen, es wird viel- mehr noch mit weiteren F e st n a h in e n zu rechnen sein. Ein erheblicher Teil der gestern Festgenommenen wurde in ihren Woh- nungen ermittelt und von Beamten der Politischen Polizei ins Polizeipräsidium gebracht. Der vermißte Lehrling ertrunken. Eine tragische Aufklärung hat das Verschwinden dez 15 Jahre alten Lehrlings Nathan Schön gefunden, der seit dem 8. September vermißt wurde. Schön, der bei seinen Eltern in der Prenzlauer Straße 58 wohnte, wurde an der Weidendammer Brücke als Leiche aus der Spree gelandet. Land unter Wasser. Die katastrophale lleberschwemmung in China. London. 16. September. Flieger, die dys nberschwmmle Gebiet zwischen Nanking und h a n k o u besucht haben, berichten, wie Reuler aus Schaaghai meldet, daß die ganze Gegend ein großer See fei, aus dem die Hügel des Landes wie kleine Inseln herausraglen. Dschunken segelten, wo srüher Städte und Dörfer gestanden hälkea. lleberall Halle man Strohdächer umherlrciben sehen, an denen sich noch Menschen festhielten. Der größere Teil der«Stadt hankau iiege unter Wasser. Der Zanglse-Zluß sei nicht mehr wiederzuerkennen. Etwa 330 Kilometer oberhalb haükaus trete er in einen großen See. aus dem er erst bei Nanking wieder heransfließe. Graphologie und Schiffahrt Wenn Generaldirektoren Angestellte wären... Es ist eine bekannte Tatsache, daß Industrieunternehmen, Banken, Warenhäuser usw. heutzutage Angestellte nur engagieren, wenn sie vorher durch einen Graphologen oder em grapho- logisches Institut die ch a n d s ch r i s t dieser stellungsuchenden Ange- stellten haben prüfen lassen. Den Vorzug unter mehreren Bewerbern erhält dann derjenige, über den das graphologische Gutachten am günstigsten lautet. Daß neben einigen Zufallstreffern ein hoher Prozentsatz von Fehlurteilen zustande kommt, ist eine Selbst- Verständlichkeit. Die halbwissenschaftliche Methode der Handschriften- Prüfung gehört wie das Horoskop-Stellen, das Deuten der Hand- linien, das Kartenlegen usw. in das Gebiet des Aberglaubens. Aber gerade deswegen ist es nicht erstaunlich, daß unsere„Wirt- schafts f ü h r e r", Bankiers und Großkaufleute solchem Aberglauben huldigen, genau so wie die Krämer und Spießer an die Wunderkraft des Weißkäses der Propheten Weißenberg oder der Zauberröhre des Wunderdoktors Zeileis oder an die Goldmachekunst des Schwind- lers Tausend glauben! Wie tief ist doch der Kapitalismus ge- funken, daß er an die überirdischen und unterirdischen Mächte appellieren muß, um seine Existenzberechtigung zu dokumentieren! Zu den Großfirmen, die die Prüfung der Handschrift als einen Faktor gelten lassen, der beim Engagement ihrer Angestelltep mitbestimmend wird, gehört anscheinend u. a. die große Hamburg- A m e r i k a- L i n i e. Ob die Graphologie dazu beigetragen hat, daß geniale Angestellte besser als die ohne Mitwirkung der Graphologie engagierten am Spinnrad der Dividende wirken, ist uns nicht bekantgeworden. Vielleicht äußert sich einmal die Personal- leitung der Hapag über das Ergebnis dieser„wissenschaftlichen" Methode. Bekanntgeworden ist jedoch eine Geschichte, die es wahrhaftig verdient, in den Analen der Großseeschiffahrt erhallen zu werden: hapag-hamburg uud Norddeutscher Lloyd-Bremen finden sich bekanntlich seit zwei Jahren in einer 50prozentigen Union. Dieser Zustand(der die Vorhölle zur Fusion darstellt!) bedingt einen regen Schriftwechsel zwischen den General- direktoren der beiden Großreedereien. Daß dieser Verkehr nicht immer ohne persönliche Reibungen abläuft, ist schon dadurch ver- ständlich, daß auch die Beziehungen zwischen Hamburg und Bremen nicht zu den„allerfomiliärsten" gehören... Als nun vor einiger Zeit ein persönliches Handschreiben des Generaldirektors des Nord- deutschen Lloyd. Ernst Glässel, in Hamburg einging, kamen die Hamburger Generaldirektoren, an ihrer Spitze Geheimrat Dr. C u n o, Reichskanzler a. D. unseligen Angedenkens, auf den genialen Einfall, den Charakter ihres Bremer Kollegen nach den wissenschaftlichen Methoden der Graphologie deuten zu lassen. Von dem Briefe Glässels wurde die Unterschrift abgeschnitten und der Brief dem Hausgraphologen der Hapag ausge- händigt. Dieser war der Ueberzeugung. daß es sich um einen Ange- stellten handele, dessen Engagement die Hapag vorhabe; er setzte sich hin und prüfte nach seiner Methode die 5)andschrift des ihm unbekannten Lloydgeneraldirektors. Das Gutachten des Graphologen war geradezu nerblüffend und setzte die Generaldirektoren des Hamburger„Äonkurrenz"unter- nehmen? nicht nur in großes Erstaunen, sondern auch in helle Verzückung. Es lautete im Kern: „Der Mann ist ein Hasardeur und Bankrotteur: er würde ihren Betrieb ruinieren, engagieren Sic ihn nicht." Den noch deutlicheren und gravierenderen Schlußsatz des grapho- logischen Gutachtens wollen wir aus Höflichkeit und sozusagen aus „Respekt" vor der anerkannten Autorität eines mit hundert- prozentigem Hanseatengcist getauften„Wirtschaftsführers" aus der Taterstadt Lahusens verschweigen... Nachdem die Hainburger Generaldirektoren sich von ihrem Staunen und Lachen erholt hatten, kam ihnen die Unmöglich- k e i t des Urteils zum Bewußtsein. Sie ließen sich den„erprobten Graphologen" kommen und sprachen also zu ihm: Hören Sie, bester Mann, wir haben Sie als einen tüchtigen Graphologen kennengelernt, der uns selten in Stich gelassen hat. Diesmal haben Sie sich aber geirrt oder uns einen Bären auf- gebunden. Den» der zur Prüfung übergebene Brief stammt nicht von einem Angestellten, den wir engagieren wollen, sondern vom Generaldirektor des Norddeutschen Lloyd, Herrn Ernst Glässel in Bremen. Der Graphologe sank vor dieser„Enthüllung" in die Knie und konnte nur verlegen stammeln: Herr Generaldirektor, geben Sie mir, bitte, das Handschreiben zur nochmaligen noch gewissenhafteren Prüfung zurück. So geschah es auch. Der Graphologe ging erneut noch ge- wissenhafter, noch wissenschaftlicher an die Arbeit und brachte tags- darauf das Ergebnis seiner Prüfung zurück mit dem Bemerken: Ich bcdaure sehr, Herr Generaldirektor, nichts neues berichten zu können, es bleibt bei meinem ersten Urteil!! Der Mann hatte Mut!— Alle Achtung! O weh, da wäre ja der Herr Generaldirektor durchgefallen, wenn er den Ehrgeiz gehabt hätte, als Angestellter für 300 Mark statt als Generaldirektor für 30 000 Mark monatlich im Schiffahrts- trust tätig zu sein! Wollte nian boshaft sein, so könnte man in diesem Ausnahmefall verrückterweise mal an die Graphologie glauben!! Damit ist aber die Geschichte nicht zu Ende. Das Urteil des Hainburger Graphologen wurde dem Generaldirektorium des Norddeutschen Lloyd in Bremen zu einer Zeit in die Hände gespielt, als Generaldirektor Glässel auf eine Erholungsreise nach Amerika war, wo er auch wichtige geschäftliche Aufträge zu erledigen hatte. Man kann sich lebhaft vorstellen, welche Schadenfreude ein solcher Hamburger Bericht in Bremen ausgelöst haben mag! Das war ebensoviel wert wie die Ankündigung einer Tantieme! Die Schadenfreude unter Kollegen ist begreiflich. U n b e» g r e i f l i ch aber ist, daß der A u f s i ch t s r a t des Norddeutschen Lloyd sich nicht nur offiziell mit dem graphologischen Zeugnis be- faßte, sondern davon sogar derart beeinflußt war, daß er ernst- lich erwog, dem auf der Reise nach Amerika befindlichen General- direktor Glässel die vollmachten zu den Verhandlungen in Amerika zu entziehen. Denn wer weiß, was passieren könnte, wenn dieser„Hasardeur und Bankrotteur" in Amerika Verhandlungen führte, deren Ergeb- nis das Ende der Hapag-Lloyd-Union sein könnte!! Nun sage noch einer, die Herren„Wirtschaftsführer" der größten Schiffahrtsgesellschaften seien nicht ernst zu nehmen und seien nicht Tag und Nacht um'das Wohlergehen ihrer Angestellten und Fahr- gäste besorgt! Genau so„besorgt" waren die Brüder L a h u s e n, als sie kurz vor der Ausdeckung ihrer 300-Millionen-Verluste, ihrer Bllchcrfälfchungen und Betrügereien zu einer Bremer Graphologm eillen, um von ihr zu erfahren, was aus ihnen und aus ihrem Trust werden würde. .Es gäbe ein probates Mittel, die Furcht der Herren Wirtschasts- führet vor den Sternen und den Korten, vor den Handlinien und den Schristzügen, vor den Eulen und Katzen zu beseitigen, wenn die Herren Lohusen aus der Zelle des Untersuchungsgefängnisses einen Kassiber an ihre Kollegen von der Großindustrie, der Hochfinanz und der Großreederei schrieben, in dem sie ihnen mitteilten, daß die konsultierte Graphologin nicht in der Lage gewesen sei, ihnen(den Brüdern Lahusen) vorauszusagen, daß sie drei Wochen später ihr Pruntschloß Hohehorst mit den 12 marmornen Badezimmern würden mit einer Gefängniszelle ohne Spülklosett wechseln müssen!! .Alkreck Faust(Bremen). Der Tambourmajor. E>o etwas brauchen sie gerade. Tambourmajor gesucht, ausgebildet, perfekt auf beiden Instrumenten, Bedingungen: Pg., SA.-Mann, im Bedarfsfall kann freie Wohnung und Essen gewährt werden. Anruf unter Lichterfelde 039Z. („Angriff" vom 15. Sept.) Im„Angriff" von gestern abend wurde in einem Inserat ein Tambourmajor gesucht. Wohnung und Kost frei. Einer unserer Parteigenossen rief bei der angegebenen Telephonnummer an, um sich zu erkundigen, wie die Nationalsozialisten ihre Leute engagieren. Es meldete sich am Telephon der Sturmführer Lichterfelde und nun entspann sich das folgend« Zwiegespräch: Hier Schlamin. Ich habe Ihre Annonce gelesen und wollte mich melden. Ja, sind Sie Parteigenosie? Aber natürlich, selbstverständlich. Ja, wissen Sie, wir wollen unser Tambourkorps umorganisieren, unser Trommlerzug ist zwanzig Mann stark, alles Militärmusiker, es fehlt uns nur noch der richtige Führer. Können Sie das machen? Aber natürlich, ich habe jahrelang im kommunisti- schen Sportverein den Tarnbourmajor gemacht. Großartig, das brauchen wir gerade! Brauchen Sie denn die Wohnung? Ja, die brauche ich auch gerade. Ich geh' stempeln und wohne bei meinen Eltern in Bernau. Na, dann müssen Sie hier polizeilich gemeldet werden und können hier weiter stempeln gehen. Feines SA.-Heim, gute Verpflegung, da können Sie ja auch gleich essen. Am besten wird sein, ich komme mal rum. Kommen Sie nur, da können Sie gleich hier frühstücken. Hell Hitler! Todesschuß aus Armeepifiole. Tragischer Tod eines jungen Mädchens. Zu das Moabiler Krankenhaus wurde gestern abend von zwei jungen Männern die 25 Zahre alte Kontoristin Erna Gellert mit einer schweren Schußverlehnng am Kopf ciageiiesert. Das Mädchen starb kurze Zeit nach der Einliefernng. Unmittelbar vom Krankenhaus begaben sich die beiden Männer, der 27jährige Hans Jl. und sein Freund, der 25 Zahre alle kauf- männische Angestellte Kurt G. zum 25. Polizeirevier, um über den Tod des Mädchens folgende Angaben zu machen: Das junge Mädchen uud die beiden Freunde hätten sich gestern abend bei verwandten in der Maldstraße In Moabit zu Besuch aufgehallen. 3m Laufe der Unterhaltung habe G. eine spanische Armeepistole hervor- gezogen uud den Anwesenden eine Ladehemmung demonstriert. Danach habe er die geladene Waffe, die unglücklicherweise nicht gesichert war, auf den Tisch gelegt. Angeblich aus Scherz habe Erna Gellert die Pistole plötzlich ergriffen und sie gegen die Schläfe geseht. Dabei habe sich ein Schuß gelöst und das Mädchen sei mit einem Ausschrei leblos zusammengesunken. Die Kriminal- Polizei ist mit der Ausklärung des Vorfalles noch beschäftigt. 7t. und G. sind in hast behalten worden. Krachversammlung in Elberfeld. Elberfeld, 16. September.(Eigenbericht.) Das Reichsbanner veranstaltete hier am Dienstagabeno eine große Kundgsbnng, die von Nationalsozialisten und Kommunisten mehrfach gestört wurde. Die Stadthall«, in der die Veranstaltung mit Scheidemann als Redner vor sich ging, war viele Stunden vor Beginn der Versammlung bis auf den Ktzten Platz gefüllt, so daß sie gesperrt werden mußte. Tausende konnten keinen Einlaß mehr finden. Sie demonstrierten deshalb auf den Straßen, die bis spät abends belebt waren. Trotz der Ankündigung der National- sozialisten und Kommunisten, di« Versammlung unmöglich zu machen, konnte Scheidsmann seine Rede zu Ende führen. All« Störungsver- suche wurden vom Reichsbanner und der Polizei inr Keime erstickt. Als die Versammlung zu Ende war, kam es in der Stadthalle und vor dem Versammlungslokal zu Prügeleien. „Buster ruischi ins Kilmland." Marmorhaus. Dieser Tonfilm Buster Keotons ist ein Versager. Daran trägt weniger die verunglückte deutsche Synchronisierung als das Ma- nuskript die Schuld. Rührung und Kitsch drängen sich vor. Sie nehmen einen zu großen Raum ein und überwuchern die grotesken Szenen, die auch ohne Wort wirken würden. Harald Lloyd gebraucht Wort und Geräusch, um die Komik des sichtbaren Vorgangs zu steigern, bei Keaton erhält der Dialog den Hauptakzent, und dieser Dialog ist nichtssagend. Er begnügt sich mit Romanphrasen und trivialen Redensarten. Die Witze sind ebenfalls nicht neu. Die Handlung spielt in Hollywood. Buster kommt dorchin und wird schließlich wider Willen ein großer Filmstar. Eigentlich sollte es die Schönhettskönigin seiner kleinen Stadt in Arkansas werden. Sehr viel unglückliche Liebe wird aufgefahren, und der Schluß ist eine Variante des Themas„Schlägt vor Lust und Leid auch in des Gauklers Brust ein Herz". Man kokettiert mit der Träne und findet keinen befriedigenden Ausgleich in der Darstellung des Filmmilieus. Die Ironie tritt nur zaghast auf. Allerdings stehen innerhalb dieses Rahmens ein paar Auftritte, die jeden Vergleich mit den alten Keatonfilmen aushalten. So etwa die Szene, in der Keaton den Edelkomparsen mimt und die Film- aufnähme stört, aber diese Kostbarkeiten entschädigen nicht für d's öden Strecken. Die Schauspieler um Keaton sind Konvention. Selbst Anita Page wächst über das süße Girl nicht hinaus. F. 5cli. Geaeralmilsikdlrektor Lee Blech feiert am 17. September die iünfund- zwanzigjährige Zugehörigkeit zur StaatZaper; er wird am selben Abend bi« Verdische Oper„Ter Maskenball" dirigieren. Ein«euer Dichter im Staatstheatcr: Intendant Legal bat das Schau- spiel„Die Herde sucht" ven Fred 91 e u m e V e r für die Staatlichen Schauspiele erwarben. Das Stuck gelangt unter Jürgen Fehlings Regie im Schiller-Thcatcr zur Urgussübrung. Die Premiere jm Thalia. Theater—„Der Damenfriseur"— ist aus Freitag verschoben.. Die Gruppe Junger Schauspieler eröffnet da? Berliner Theater am Donnerstag, 2014 Uhr, mit der Uraufführung von„Avantgarde" von Valentin Katojew. Singe, o Muse, den Fünfjahresplan... Ein interessantes Beispiel für Dichtung im Auftrag teilt Arthur Luther in der Monatsschrift„Ost-Europa" mit. Das Sekretariat der Rapp(russische Gesellschaft proletarischer Schrlftstelleif) veröffent- lichte den solgenden Beschluß:„Es wird für notwendig angesehen, ollen Schriftstelleroerbänden im allgemeinen und jedem proletarischen Schriftsteller im einzelnen den Auftrag zu geben, sich sofort mit der künstlerischen Darstellung der Helden des Fünfjahrplanes zu beschäs- tigen, sowohl der Fabriken als auch einzelner Vorkämpfer, die mit dem Leninorden oder dem Orden der Roten Arbeitsfahne ausge- zeichnet wurden. Dieser Auftrag ist als obligatorisch anzusehen, und innerhalb zwei Wochen muß eine Kontrolle der Ausführung statt- finden." Diese Arbeit ist eine„strenge Prüfung", durch die die Sowjet- schriftsteller ihre Lebensbercchtigung erweisen sollen. Ein Aufrus an die verschiedenen Schriftstellergruppen weist darauf hin:„Die Rapp ist eine Kampsorganisation der Arbeiterklasse und kein Fortdildungs- verein einer Gruppe sreier Literaten. Das müssen wir jetzt durch Taten beweisen.... Es ist notwendig, daß Millionen und aber Millionen die kennen, die für die Sowjetunion arbeiten. Die sich zum Sturm aus den Kapitalismus rüstenden Proletarier der ganzen Welt müssen sie kennen! Damit man kennen lerne, muß von ihnen erzählt werden. Die proletarische Litercstur muß sie der Welt zeigen. Das ist die Aufgabe. Und sie muß unverzüglich gelöst werden, vor den Augen der Armee der den Sozialismus Bauenden. Wir müssen tatkräftig, praktisch teilnehme» an dem Kampf um die bolsche- wistischen Tempi. Bewältigen wir diese Aufgabe, so bringen wir die proletarische Literatur in der Tot einen großen Schritt vor- wärt?..., Der neue Schriftstellertypus ist erst im Entstehen be- griffen, der Typus des an dem sozialistischen Aufbau praktisch Mit- schaffenden Wenn wir diese Aufgabe bewältigen, haben wir einen neuen Schritt zum Ziel der großen Kunst des Bolschewismus gemacht. Der Leser erwartet von uns mehr als bloße Skizzen. Stimmung?- bilder und kurz« Geschichten. Der Leser erwartet von uns die neue Novelle und den neuen Roman. Er will aber auch daß diese Werke Stoßwaffen der sozialistischen Erkenntnis und der Umgestaltung der Welt seien." Alle Verbände, Fabriken, Wtrtschaftsoereinigungen usw. sollen nach diesem Aufruf die Arbeit unverzüglich in Angriff nehmen, und das ausgearbeitete literarische Material wird vor der Veröffentlichung den Arbeiteroersammlungen zur Begutachtung vorgelegt. Eine Soziologie des Lachens. Wie aus Moskau berichtet wird, gibt Lunatscharski, der führende Äulturpolittker Sowjet-Rußlands, eine Physiologie und Soziologie des Lachens heraus Sie soll da? Lachen in Literatur, Karikatur und Musik behandeln und den be- zeichnenden Titel tragen:„Das Lachen, die Kunst des Klassen- kampfes". Neue Kunstquartiere. In einem Hinterhofkeller(Magdeburger Str. 5), dessen Kata- kombenstimmung keinerlei Kunstsalonvornehmtuerci auskommen läßt, haust der um das junge Bildschaffen und speziell um eine zeitkritisch erregte, Hohn grinsende Richtung wesentlich verdiente Kunsthändler Karl Nierendorf. Er hat, unter der dem Geist des Ortes gemäße» Devise.Welt von unten", aus seinen Vorräten alle möglichen wilden Sachen zusammengekramt und ohne jedes Zeremoniell des Hängens recht eng und bunt durcheinander an die Kellerwände gepappt. Otto D i x vor allem taucht immer wieder aus dem krausen Gemisch wüst gelaunter, schreckgesichtiger, auf- sassiger Malereien und Zeichnungen auf: mit Blättern aus seiner gradios-gtcuenhaften Kriegsmappe, mit furchtbar fletschendem Menschenantlitz, mit robusten Matrosenträumen. Die trotzige Urwüchsigkeit seines früheren Werts packt heute wie je. Hinzu komm«» grell kolorierte Pomphletkritzeleien des frühen George G r o f z, die ihre freche und zwingende Wirkung den gemeinen Karikaturen auf Zäunen und Abortwänden abgeguckt haben— kommen M a s e r c e l, H u b b u ch, Ringclnatz, der jüngere Werner Scholz mit einigen seiner flackernden Zornes hinge- malten, in finster blakende Farben getauchten Gestalten des dumpfen und erniedrigten Daseins. Der ganze Hexensabbach kreischt und fegt wie noch nie durch die Gänge und Kellerlöcher: in so guter schlechter Beleuchtung hat man das alles noch nicht gesehen. Eine geradezu prunkhafte Flucht von Räumen hat die G a l e r i e G u r l i t t(in der Matthäikirchstr. 27) bezogen. Solche Erweiterung des Rahmens hat heute etwas Verblüffendes; inmitten eines vielfach verzagenden Kunstbetriebes muß sie imponieren Freilich wird das anspruchsvoll« Gefäß Ausstellungen von Format verlangen und nicht mit Beiläusigkeiten zu füllen sein. Vorerst sieht man Graphik des jungen R L e s s e r. dessen groteske Eckigkeit und flatternde Umriß- führung. dessen spukhafte Note, deullich an Kubin und Feininger geschult, bereits recht eigen anspricht. Außerdem plastische Arbeiten von Ilse Fehling-Witting, der schmale, herbe Köpfe m feiner und behutsamer Durchmodellierung sehr gehaltvoll geraten, während eine größere Terracottagrupp� Zottiger Terrier elh wenig an der äußeren Schnurrigkeit der Erscheinung haften bleibt. W. W. helmholh' Nachlaß. Frau Ellen von Siemens hat der Berliner Akademie der Wisienschost«» den wissenschaftlichen Nachlaß chres Vaters Hermann Helmholg überwiesen. Der große Naturwissen- schasU«r ist von 1870 bis 1804 Mitglied und eine der größten Zierden der Akademie gewesen. Einige der wichtigsten seiner Ar- beilcn hat Helmäoltz in den Sitzungen der Akademie ovrgetrazci». Sein Nachlaß reiht sich dorl nunmehr der Reihe wifsenichaftlicher Hinterlassenschaften an die die Akademie oerwaltet: genannt seien diejenigen von Weierstraß und Dilthey, Eine Anfrage. An die Zfcichsanstalt für Arbeitsvermittlung. Äom Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und dafe-Ange- .eilten, Zweigverein Berlin, wird uns geschrieben: Seit Anfang Jull d. I, betreibt der Genfer Verband der Hotel- und Gaststättenangestellten und seine Unterabteilung, der Ver- band der Arbeitnehmer im Gastwirtsgewerbe Berlin, ohne Genehmi- gung im Haufe Schiffbauerdamm 5. II, eine Stellenvermittlung weiblicher, gastwirtschaftlicher Angestelltem Diese Vermittlung muß nach den vorliegenden Umständen als eine verschleierte gewerbsmäßige Arbeitsvermittlung angesprochen werden, da die Stellung- suchenden trotz Arbeitslosigteit und Armut diesem Verband beitreten und Aufnahmegeld und Beitrag mit S M. zahlen müssen. Von dieser Gesetzesübertretung hat die R e i ch s a n st a l t seit fast zwei Monaten Kenntnis. Dennoch vermittelt der Genfer Verband und seine neugegründete Unterabteilung immer weiter, zum Schaden der von der Reichsanstalt ausgebauten öffentlichen Arbeits- nachweise für weibliche Arbeitnehmer. Will die Reichsanstalt diese gesetzeswidrige Vermittlung noch länger dulden? Die Abbau-Llnternehmer. Tarifttindigung in der Textilindustrie. Wuppertal, 1k. September. Der Verband der Arbeitgeber im Bergischen Jndustriebezirk hat das Tarif- und Lohnabkommen für die rechtsrheinische Textilindustrie vom 26. Januar 1931 am 15. September 1931 zum 15. Oktober 1931 gekündigt. Oer französische Gewerkschaftskongreß. Vegrüßungsarttlel des„Peuple". Paris, 16. September. „Peuple" veröffentlicht anläßlich des heute beginnenden Kon- greffes des Allgemeinen Arbeiterverbandes(EGT.) einen Artikel von Zouhaux, der erklärt, die wirtschaftliche Krise trage dazu bei, die Rotwendigkeit der Abrüstung noch zu verdeutlichen. Die Arbeiterorganisationen müßten diejenigen Regierungen, die noch zögerten, diesen Weg zu beschreiten, dazu anhalten. Sprechchor für proletarische Feierstunden. Die Uebungsstunde findet in dieser Woche wieder am Freitag im Gesangsfaal der Sophicnschule, Weinmeisterstraße 16/17, statt. Probe zur Revo- lutionsseier. Wetter für Verlin: Mild und meist wolkig, später wieder Niederschlagsneigung, nach Südwest drehende Winde.— Für Deutschland: Im Süden weiterhin trocken und heiter mit kalten Nächten, im übrigen Reiche mildes und wolkiges Wetter, in West- und Nord- Westdeutschland Niederschläge. eBuch „S,oo Viere" Ermutigt durch die überaus freundliche Aufnahme des ersten Heftchens läßt Prof. Dr. Heck, der Direktor des Berliner Zoolo- zischen Gartens, jetzt bereits ein zweites folgen. Es kostet 29 Pf.. enthält 60 Bilder und zwei Seiten Schnelltierzeichenvorlagen. Heck wendet sich diesmal an die Schüler von 19 bis 14 Jahren, die er in leicht faßlicher Form unterscheiden lehrt. Ferner werden die Leser etwas mit der Säugetiersystematik, die sich allermeist auf das Gebiß gründet, bekanntgemacht. Wo es angebracht ist, wird zudem Tier- und Heimatkunde zugleich getrieben. Ueberdies sind die wich- tigen Gebiete Schutz und Zucht behandelt. Es wird sogar veran- schaulicht, wie der Mensch, nicht bloß für irgendeinen Zweck, sondern auch um irgendeiner Liebhaberei zu frönen, die Tierkörper stark verändernd gestaltet. Das vorzügliche Bildmaterial unterstützt den lebhaft geschriebenen Text und beide zeigen, daß, wenn allerbester Wille die richtigen Mittel zur Verfügung hat, man selbst bei kleinsten Preisen ein einwandfreies Werk schaffen kann. ICrna Büsing. Rundfunk am Abend« Mittwoch, den 16. September 1931. Berlin. 16.05 Programm der Aktuellen Abteilung. 16.30 Opernkomponisten schreiben Kammermusik. 17.25 Jugendstunde(Lotte Arnheim liest). 17.45 Frhr. Grote liest eigene Arbeiten. 18.10 Dr. Bruno Borchardt: Wissen Sie, was„B. I. Z." bedeutet? 18.35 Interview der Woche. 18.55 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 19.00 Aus der Frühzeit des Brettls(Robert Koppel, James Rothstein) 19.25 Eine halbe Stunde bei Dr. Kaper. 20.00 Breslau: Aus den Memoiren eines Grammophons. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Sinfoniekonzert. Dir.: Werner Wolfs. 22.15 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten(II). 22.45—0.30; Budapest: Zigeunermusik. Königswusterhausen. 16.00 Pädagogischer Funk(Prof. Dr. Felix Lampe). 16.30 Von Hamburg: Konzert. 17.30 Berühmte Orgelmeister. 18.00 Auf den Spuren van Goghs in der Provence(Thea Schleusner). 18.30 Mitteleuropa als Problem(III)(Dr. Borries). 18.55 Wetter für die Landwirtschaft. 19.00 Der Beamte in Frankreich(Dr. Hunold). 19.30 Von Leipzig: Unterhaltungskonzert. 20,30 Rundfunksingstunde. 22.45—0.30: Budapest: Zigeunermusik. Verantwortl. für die Redaktion: Serbert Leptre, Berlin: Anzeigen: Tb. Glocke, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 68. LindenstraKc 3 dieaan 1 Beilaae. TUcslIcz. Lidtlsptele usw Staats Theater Itaatsoper linier den Linden. Mittwoch, den 16. September 19l/a Uhr Ende gegen 23 Uhr. Die Hodizelt des Figaro StaatLSdiauspielhäus Gendarmenmarkt. Anfang 20 Uhr Agamemnon Sdiiller-Iheater Charlottenburg. Anfang 20 Uhr Der Richter von Zalamea VoiKsbtthne Tiieater am Büloarplatz 8 Uhr Zum 1. Male Nebeneinander Volkutidi in 5 Akten«on üetig Kaiur Ragii; 8. H. Martin. DeDlsdiet THeaier 8 Uhr Kat Schauspiel nach Ernest Hemingway Diihdic Bühnenkeartoitoag v Carl Zuckmayer und Heinz Hilpert. Rtgie; Heinz Hilpert Kurlürslenflamm Theater Bismarck 448/49 SVi Uhr Die schöne Helena roa la caaesonenaadi Hegic: Max detahardt. Komische Oper SP, Uhr Thron zu vergeben Operette v.Neidhan Musik v, Witmann Leux, Elster, Lilien, Hendrik, Fels Preise: 0,80—7.. M Barbarossa 92S8 TSgl. 8 u. 81/2 U. THE 22 INCENUES HUDSON- WONDERS und das große Sept.-Programm Theater desWestens Tägl. 5 u. 8Vs letzte Vorstellungen Viktoria und ihr Husar Operette von P. Abraham. Preise der Plätze von M. 0.50 an eillnAatiü Charlottenstr. 90-92. Dönh. 625-626. Gruppe Jungrer Sehaonpleler Morgen 8'U Uhr Uraufführung: von Valentin Hatajew. Preise O.SO bis Garderobe, Programm O.IO M. Theater im Admlralsoalast Täglich 8'/, Uhr Der Sensationserfolg I Die Dobarry mit Gitta Aipar Preise v. 0,50 M an lYietropoi-ineater Täglich 8V, Uhr Sonntags 4 u SVi U- die neue Paul-Abraham- Operette Die Blume von Hawai Preise von 1.— M. an. »v.ührCASlNO-THEArER�� Lothringer Strafe 37. iiiiBiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiBiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiaiieiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiuiiU Nur noch bis Freitag! Das Parfüm meiner Frau Sonnabeud z.l. Male die tolle Posse Dodo, das OffentlKhe Aergernis. Lachen! lachen ohne Ende! Gutschein 1-4 Personen. Parkett nur 50 Pf. Fauteuil 1.— Mark, Sessel 1.50 Mark Winter *A3Cirrerv ii 8.15 Uhr Flora 3434 Handien erlaubt Die 5c di* von der Siaaisoper. Coriinis Dollarsegen. Salerno. 12 Dratanos. Rhoenrad-Sens usw. ü Berliner I|lh-Tri0 N e Ii k B 1 1 B. Lahn.tr. 74/76J HUZI GROSSOESTI LL ATI O N Prlnzesslnnenstrasse 17 Ritter- Ecke Brandenuurgstr OMFM-Jtnyriger* dßezivSz füden-Weften isar.'ot Achtung! Achtung I Bütai Dr. med. Schollen giftfreie Hellweise In Groß- Berlin, vertreten durch den Bto- chemlscfaen Verein Grog- Berlin e. V., Geschäftsstelle Berlin C. 2, Neue Promenade 2. Fernsprecher: D.I. Norden 0383. IlTOOO Mitglieder Aufnahmegebühr 1.— Mk., Monatsbeitrag 0.70 Mk- einschl. Todesfall-Unterstützung 60 Beratungsstellen in Groß-Berlin Institut für Licht- und physikalische Behandlung, Höhensonne, Massagen usw. Man fordere Prospekt durch unsere Geschäftsstelle I Denkt an die Noiuerordoung TACO• Rrottlalingoowerkstattcn G.m.b. H. Charloitbg,Schloßstr. 69, Wilh. 9223/24 Ueparaturcn s&müicher Systeme Filiale TACO-AUTO-DIENST Carl Tauffcnbach Bln. NW6, Luisenstr. 31a, Weidm 3933 Bereiiang/ Aaiozabehfir Gro�'Dampf-ValkanisleranstaM Bruno Hetsdier �andagisf Berlin SO. 16, KOpenldter Sfr. 982 (Nahe Bracken-, Neandentrage) Werkstatt für Kunsfglieder, Leibbinden, BrudibSnder, Plaltfubeinlagen, Krampfaderstr&mpfe. Lieferant der Krankenkassen Berlins a. Umgegend Im Damenfach: Frau Fleischer Otto Schubert mmmm Neukölln ammm Bergstraße 155 Optik/ Bandagen Lieferant sÄmllichcr Krankenkassen. Dachpappen-VerkaDfetc zy billigsten Fabrikpreisen Theodor Seibel Dachdeckermeister, Leiterrüstungen Bcrlin-Hurftendorf Prüh�jtrafjc 26/ Tel. SQdring 1312 Slempelfabritt Werner& Schade Berlin N, Kastanlenallee 43 Fernsprechanschluß Humboldt 101 1-101/ liefert KaotsdiBk- ond Metallstempel prompt maiemotte Berlin G.m.to.H. VORMALS MALEREIGENOSSEN SCHAFT GEaRQNDET ISIS NQ18, LANDSBERGER ALLEE38-39 FERNSPR. E 4 ALEXANDER 5028— 30 ALLE MALERARBEITEN MOEBEL- UND AUTOLACKIERUNG Wäsche nach Gewicht Leihwäsche Dampfwaschcrei Merkur, Berlin Olli Frankfurier Allee 307 Fernspr.: Andreas 2820 I26C inh. Aug. Bachmann Mitgl. d. SPD, VOLCK& GNÄDIG Reparatur-Werkstatt mit eigener Schwei ßaniage für graph. Maschinen Rotations-, Tiefdruck- und Offsetmaschinen Umzüge kompletter Druckereien Berlin SW 61, Gitschiner Str. 15 Tel.; F I, Mpl. 3677.— Nachtanruf: Q 5, Südring 323 uno 2341 F 2, Neukölln 46 59. BOfidier Walzen sind die besten! Buchdrucimi Rldiier Gjm [Bin.-Ctiariottenl]urg 5 Soplile- Charlotte-StraBe 15 In Bahnhof Westend/ C 4. Wilh. 3225-28 Linoleum, Farben, ladcc, Pinsel. DadiUntte, diverse Pappen Ittr InnenbeKielduno kaufen sie am besten und billigsten bei H. Pascheka« Neukölln Tlillring:er Straße 30 ✓ Telephon: F. 2, 4H76 Bei Bedarf in Auflagematratzen fordern Sie nur die weichgepolsterte „PSW" Pladradze (m. garant neuem Material gefüllt). Zu haben in allen einschlägigen Geschäften. Städtisches Bestattungsinstitut Berlin-Niedersriiöneweide Grünauer SiraBe 2(am Bahnhof)/ F3, Oberspree 1808 Erd- und Feuerbestattungen zu behördlich festgesetzten Preisen Kostenlose Erledigung aller Formalitäten fC.Kartseil, Wäsche-Verleih Tel.: Moritzpl. 5.1, 0918. S 42, FUrttonstr 2t Wäsche aller Art" ä _ Gute Beschafienheit, kulante Bedingum-e. J —— Bangiy Karl Liepe, Maicrmcis�r 3ln.-Tegel, Egidystr. 19a(Freie Schotte) Telephon: Tegel 686 Aasffihrund sdmtl. Malerarbeiten sowie Tapezieren von Zimmern 242 fiauklempnere i riedrich Hädicke Be- und Entwässerung � Sanitäre Anlagen TELEPHON DSnholf 9572 IISW 48, Fried ridutr. 24 EleKfro-Notare Ankerwickelei, Repar.' larwerk, Prflf- dation, Reiervemoiore, StSrungihilf Georg Wort» BcrUn-v.'ül GllsmiDCr St. 5 Tel.: Fl Moritzpl da 3611 Wilhelm Schaala Neukölln, Hermannstr. 58 Fleisch- und Wurstwaren zu den billigsten Tagespreisen Vorwärts"- Leser, kauft bei unseren Inserenten I lUeilage Mittwoch, 16. September 1931 NsvMpnd Q,'Jsi„xrfsjiZa Wm VoHödrA 'Der Uordtiroler gafchisrnm Es war in der Zeit unmittelbar nach dem Kriege, als sich auf dem Bahnhaf der Tiroler Hauptstadt Innsbruck die kleinen, bc- henden Soldaten der italienischen Besatzung tummelten, da es all- abendlich in den Straßen und Lokalen der Stadt Zusammenstöße zwischen„Siegern" und„Besiegten" gab, die nicht selten auch blutig verliefen und endlose politische Interventionen nach sich zogen. Tirol war zerhackt und zerschlagen, ein quergespaltener Rumpf— die blutende Trennungslime war und blieb der Brenner, der Schnitt, der Tirol in zwei Teile zerlegte— die neue Grenze. Es gab nun ein Deutschösterreich verbliebenes Nordtirol— und ein an Italien verloren gegangenes Siidtirol. Das bei allen Alpenvölkern so aus- geprägte Nationalgefühl— das nichts mit Nationalismus zu tun hat, sondern nichts anderes als Erdverbundenheit, Heimatsliebe ist — konnte nicht empfindlicher getroffen werden als in der Zerstücke- lung des HeimatlandZd. Ein Grenzlandkonflikt war geschaffen, der sich zwar weniger nach außen hin. bemerkbar machte— trotz der in einem solchen Konflikt unvermeidlichen Zwischenfälle—, der aber immerhin ernst und sckiarf' genug war, um nicht bagatellisiert zu werden. Als zudeth noch der Faschismus in Südtirol die Demütigungen der Brüder jenseits der Grenze bekannt wurden, da wuchs dieses Grenzkandfieber zu wahrer Weißglut, und fast schien es, als würde es zu weittragenden Ereignissen kommen. Befreiung?- krieg analog dem von.1809, da das Gebirgsoölkchen zweimal den großen Franzssenkaiiser vertrieb, schwirrte durch die heißen Köpfe, die aber bald belehrt wurden, daß jene Gegengewaltmaßnahme aus- geschlossen und ins Reich der Historie— der Utopie gehöre. Nehmen wir jedes Bergvolk, ob die wilden Stämme des balkanischen Karstes oder die etwas sanfteren Hirten der Schweizer Berge— ihre Jahrhunderte alte Geschichte berichtet immer wieder von Kampf um Freiheit und Unabhängigkeit. Niemals Angreifer, waren sie dennoch entschlossene Verteidiger gegen die Eroberungs- sucht der Nachbarn.-- Um nun auf die Tiroler zurückzukommen, so sollte man doch annehmen, daß ein so starkes Freiheits- und Unabhängigkeitsgefühl in erster Linie Freiheit und Selbständigkeit eines Volkes voraus- setzt. Und doch stoßen wir auf einen Widerspruch, der so kraß ist, daß er uns unverständlich wird. Dieses Volk, das seine Freiheit um jeden Preis, auch um den von Menschenleben, verteidigen und zurückerlangen wollte, dieses Volk ist zum Teil von einer solchen Unfreiheit und Knechtseligkeit, daß man schon nicht mehr von Freiheitseinschränkung, sondern von einem Rückstands- gebildc aus der Zeit des Feudalismus oder gar der Leibeigenschast sprechen kann. Wir finden ein dem gerstigen Fortschritt nicht nur abhold, sondern geradezu feindlich gesinntes Volk, das in dumpfem Aber- glauben und weltfremder Ahnungslofigkeit verharrt. Aengftlich wacht es über Tradition wie über Altoäterhausrat, den es vor der unhciligen Berührung einer unaufhaltsam fortschreitenden Zeit schützt. Gewiß ist Traditionsgebundenheit eine kaum au-rottbare Eigenschaft des Bauern überhaupt. Und auch in gewisser Hinsicht erklärlich. Denn da leben Generationen auf ihren paar Quadrat- meiern Boden, da hausen sie oft jahrhundertelang auf den gleichen Höfen, da stcht vorm Tore ein Baum, der seinen Schatten auch schon über den längst verwesten Leib des Urahnen kühlend breitete, ja jeder Stein lebt hier mit den Generationen. Das ist eben jene Tradition, die sich zwar von Geschlecht zu Geschlecht fortpflanzt, aber keineswegs mit der Zeit sich fortbewegt. Der Baum vorm Tore ist chr leibhaftiges Symbol. Stellt man sich dazu noch vor, daß diese aus ihrer Muttererde gewachsenen Menschen in weit- abgeschiedenen Hochtälern wie Verschlagene, Versprengte leben, dann ist es um so erklärlicher, daß in diesen Menschen nur zwei Dinge tiefen, sesten Grund haben, und das sind: Religion und Familie. Diese beiden Begriffe sind für sie die Begriffe des Lebens überhaupt, und was darüber hinausgeht, bedeutet für sie Blendwerk und Versuchung des Bösen, Gefahr der Zertrümmerung ihrer selbst. Der Familiengedanke ist für sie sozusagen Ewigkeit«- gedanke, Religiosität, die Folge ihrer Naturnähe, also schon weniger Konfession als Kult. Und vom Glauben zum Aberglauben sind nur zwei Silben Weg. Nun sind freilich die Stätten dieser Bergbewohner keinesfalls so weltabgeschieden geblieben, wie sie vielleicht einstmals waren. Daß man auch mit Naturschönheiten gute, rentable Geschäfte machen kann, blieb unserer Zeit nicht unbekannt. Besonders nach dem Kriege, als alle Grenzen sich wieder öffneten, setzte ein« wahre Reise- und Wanderwut der Völker ein. Der Fremdenvcrkehr, immer moderner und glänzender organisiert, eroberte sich auch das weit- fernste Tal, die einsamste Höhe. Und gerade Tirol wurde da nicht nur wegen seiner Naturschönheit, sondern auch wegen seiner äußerst günstigen Lag« zu einem Mittelpunkt internationalen Völkergetriebcs. Die Fremden indu st ri« blühte immer üppiger, Autobus- verkehr in die entlegensten Täler, Seilschwebebahnen nach den höchsten Gipfeln wurden zu selbstverständlichen Einrichtungen. Nicht zu vergessen noch der rege Gaschof- und Hotelbetrieb. Und man kann es wirklich nicht verschweigen, daß selbst manchem Kuhjungen die Begriffe von ausländischer Valuta besser in den harten, etwas schwer und langsam denkenden Tiroler Schädel gingen als das Abc. Tirol ist eines der ersten Bundesländer Oesterreichs, das die Elektrifizierung der Eisenbahnen durchsetzte. An Wasserkräften ist das„Landl" reich— Edisons Glühbirne brennt man auch in der einsamsten Hütte über 2900 Metern. Die Industrialisierung forderte Arbeiter. Er kam von den Höhen, aus den Tälern. Entgegen allen Familienreglements verliehen die Jungen die„teuere Scholle" und wurden Industriearbeiter. Sie gehörten nunmehr einer n e u e n K l a s s e an, die sie in Berührung mit einer neuen Geistigkeit, mit einer neuen Weltanschauung brachte, und die ihnen praktischer und vernünftiger dünkte, als die alte, überlieferte, mit der sie nichts mehr anzufangen wußten. Da in den Gebirgs- ländern die Bevölkerungsdichte gering ist, so daß die Entfernung einer Siedlung von der anderen, ja sogar eines Menschen von an- deren oft sehr beträchtlich ist, entwickelt sich in dem Verhältnis der Menschen untereinander eine ziemliche Isoliertheit, die auch in Welt- und Menschenscheu oft ausartet. Aus dieser Isoliertheit mußte Einordnung in die Gemeinschaft werden. Diese Gemeinschaft setzt andere Lebensformen voraus: den Sozialismus. Der Sozialismus und seine Aufklärungsarbeit war in Tirol er- folgreich. Das beweisen die Wahlresultate. Das stank den christlich- sozialen Herren, die sich in Oesterreich der Regierung bemächtigt Ton Friedrich XicMneker hatten, in die Nase. Tirol— das war die Hochburg der christlich- sozialen Partei. Um den sozialistischen Gedanken im christlich- sozialen Bundesland zu ersticken, arbeitete die Reaktion mit allen ihren Methoden. Die Tiroler, die sich bis dahin mit einem Heimat- schütz gegen die Gefahr nördlichen Vordringens der Italiener be- gnügten, wurden dahin gebracht, diesen„Heimaffchutz" auch gegen die„inneren Feinde" zu richten— gegen den Sozialismus, genannt Bolschewismus. Dieser„Heimatschutz" war aber nicht Abwehrmaßnahme, sondern Angriff auf die Freiheit und alle Errungenschaften der Arbeiterschaft. Tirol wurde zum Hauptquartier des Heimwehrfaschismus, in dem Herr P a b st als oberster Kriegsherr mit dem Dr. Steidle residierte. Tirol wurde die Wiege des österreichischen Faschismus, der es seinem großen Bruder in Rom gerne nachmachen möchte— ebendasselbe Tirol, das vor zehn und weniger Jahren noch sich gegen den Faschismus in Südtirol vom ganzen Herzen empörte und seine Methoden anklagte, geführt von ebendenselben Nationalisten, die seinerzeit Oesterreich, vor allem Tirol, dem Deutschen Reiche ein- verleiben wollten, ebendieselben Nationalisten, die die Versklavung Südtirols als ein gewichtiges Schlagwort in ihrem Partei- und Wählerprogramm führten— lang ist es her. In Tirol sagt man noch heute, 1899 hätte Kaiser Franz in Wien die Tiroler an die Ucbermacht der napoleonischen Armee aus- geliefert. Was werden die Tiroler in hundert Iahren über die Faschisten sagen, hinter denen heute eine verblendete, verhetzte Gc- folgschaft einherzieht? linier täglich SSrot gib um heule... Ton 9iarl llWllcr China, das ewig unruhige Land, ist von einer neuen Natur- kataftrophe heimgesucht worden. Der sonst so ruhige Pangtse, den wir auf Bildern in seiner Rheinähnlichkeit bewundern können, ist plötzlich zum verderbenbringenden Wellental geworden. Nach allen Richtungen haben die Fluten die friedlichen Felder überfchwemmt. Hochwasser, der schlimmste Schrecken eines Volkes, jagt durch die uralten Täler. Der Bauer, der hier in altgewohnter Weise seinen Acker be- stellte, hat Haus und Hof verloren. Gleichmütig nimmt er fein Schicksal hin.„Kommt Zeit, kommt Rat", denkt der Chinese und schlimmere Schicksalsschläge der harten Natur sind schon über dieses geduldige Volk gekommen. Doch noch liegt das ungebändigte Wasser über dem Lande, da bricht ein neues Unglück herein. Ein Sturm, ein Taifun rast über Nacht durch das Ueberschwemmungsgebiet, wie um das grausame Werk des anderen wütenden Elementes zu vollenden. Tausend Häuser sind dem Erdboden gleichgemacht worden. Viele Flüchtlinge in ihren Booten sind bei dem teuflischen Zusammentreffen ums Leben gekommen. Zerbrochen liegen die Trümmer der Dschunken im Wellenmeer. Obdachlose Menschen, die gerade ihr nacktes Leben gerettet haben, stehen am Ufer und warten... Die Ernte ist ver- nichtet und ein langer Winter steht bevor. Das Gespenst des Hungers kriecht als schlimmste Folge hinterher... Heiße Sonne brütet über den Prärieprovinzen Nordamerikas. Jeder Tag bringt das Getreide weiter zum Reifen und noch liegen die Speicher von der letzten Ernte voll. Ein neuer, guter Ertrag muß die Preise weiter senken. Keiner der Farmer kann von sich aus den Markt beeinflussen und so schaffen sie weiter, um womög- lich durch eine vergrößerte Menge den Preisunterschied wettzu- machen. Und das Wetter ist ihnen günstig. Eine neue Rekordernte wird eingefahren. Die Pools, die Verkaufsorganisationen der Farmer, wissen nicht wohin mit dem Ueberfluß. In aller Heim- lichkeit wurden schon große Mengen vernichtet, aber die Farmer verlangen Zahlung. Sämtliche Märkte der Welt sind überfüllt und die trotzdem hungernden Menschen können nicht zahlen... Die chinesische Regierung macht nach dem Unheil, das ihr Land getroffen hat, dem Bundes-Landwirtschaftsamt der Vereinigten Staaten einen Vorschlag: Sie will IS 999 999 Bushels(etwa 498 999 Tonnen) Weizen ankaufen. Di« Bezahlung kann jedoch erst in zehn Jahren erfolgen. Das Landwirtschaftsamt, lehnt diese Bedingungen ab. Es verlangt eine Zahlungsfrist von 2)4 bis 414 Iahren bei einer Verzinsung von VA Prozent. Darauf können die Chinesen unmöglich eingehen. Die Regie- rung hofft zunächst, aus ihren eigenen Provinzen Weizen und Reis herbeischaffen zu können. Die Zahl der Hungernden wird bereits auf 19 Millionen geschätzt. Zur wirklichen Hilfe wären für die Chinesen unerschwingliche Barmittel notwendig. Andernfalls hält der unerbittliche Sensenmann im Fernen Osten seine reiche Ernte... Zwischen den Hungergebieten Chinas und dem Weizenüberfluß im Westen Amerikas liegt der Pazifische Ozean und eine bequeme Bahnstrecke von etwa 2999 Meilen. Wir können nicht glauben, daß die Amerikaner die Hergabe des Getreides verweigern. Es handelt sich also nur um die Kosten des Transportes. Und deswegen sollen Millionen gelber Menschen dem Hungertode preisgegeben werden. Es gibt in USA. eine Menge charitativer Hilfsorganisationen. Frauenbünde, Heilsarmee und das Rote Kreuz. Um ein paar Seelen zu retten, scheut man sonst nicht den Aufwand für kostspielige Mis- sionsstationen. Wo aber bleiben diese christlichen Helfer, wenn es wirtliches Leid zu mildern gibt? Es wäre bei unserer Technik ein leichtes, in kurzer Zeit Brot in das zerstörte Pangtsetal zu bringen. Die Schiffe liegen untätig in den pazifischen Häfen und die Eisenbahn klagt über schlechten Geschäftsgang. Einige Sonderleistungen und in zwei Wochen könnte die Erlösung für die Hungernden gebracht werden. Wenn, ja wenn die Kapitalisten nicht Angst hätten, dabei einige Dollars zu verlieren... Noch eine andere Weizenmacht grenzt an Chint: Rußland. Wir wollen nicht behaupten, daß dort Ueberfluß an Getreide wäre, aber exportiert wird von dort auf Koste« der Bevölkerung immer- hin genug. Könnte deshalb nicht auch aus dieser Richtung Hilfe kommen? In der Tat haben sich schon Kommunisten in den betroffenen Gebieten eingefunden. Aber wie überall in der Welt, nicht um die Not zu lindern, sondern sie zu vergrößern. Dem Agitationsbedürs- nis aus Moskau ist jedes Mittel gut genug, um Unruhe zu stiften. Wie gemeldet wird, sind bereits einige Grenzorte des lieber- schwemmungsgebietes von kommunistischen Banden besetzt und es besteht die Gefahr, daß sie weiter einzudringen versuchen, um Auf- stände unter der Bevölkerung zu entfachen. Der Hunger genügt nicht, es muß auch noch Bürgerkrieg fein. Kommunismus und Ka- pitalismus können sich zu dieser famosen Hilfeleistung gegenseitig beglückwünschen. Die einen schauen untätig zu, die anderen ver- suchen, den Notstand zu vergrößern, um für sich Gewinn daraus zu schlagen. Am Ende aber grinst der graue Hungertod. Doch das ist ja weit weg, irgendwo hinten in China. Wo aber bleibt die sonst so eifrige Internationale Arbeiter- Hilfe? Tom JCeben und Sterben des allen Stades Ton Stermann Heuberl Als ich es bekam, war es in dem Alter, in dem die Menschen zu heiraten pflegen, aber in dem Fahrräder schon lange verstorben sind und irgendwo in einem Winkel von der Auferstehung des Schrottes träumen. Sicher war es einmal neu und hochmütig, schwarzlackiert wie ein Staatszylinder im Sonnenschein, und sein Besitzer fuhr in kurzen Hosen und mit Schulranzen über das holperige Pflaster eines süddeutschen Städtchens. Dann blieb es einige Zeit im Winkel stehen, um eines Tages wieder hervorgeholt zu werden. Die Klingel und die Bereifung waren altersschwach; sie wurden ersetzt und dann schaukelte der neugebackene Doktor in die chemische Fabrik auf seine erste Arbeitsstelle. Aber mit den Gehaltszulagen fiel das Rad langsam wieder in Ungnade, und nur der Umstand, daß ein kräftiger Junge die Familie erweiterte, rettete dem Rade das Leben. Nun wartete es wieder geduldig, bis der Bengel auf das Rad hinaufwuchs bzw. hinunterwuchs, was die Beine betrifft. Jetzt be- gann das Leben von neuem: der junge Herr fuhr in die Schule und dann ins Kolleg, genau wie der Papa, nur daß die Mädels nicht mehr mit blanken Augen dem unmodern-hohen Gefährt nachschauten, so daß es, wenn möglich, zu Hause gelassen wurde und das Prädikat „Geschäftsrad" erhielt, was eher ein Schimpfwort als eine Lieb- kosung war. Na, und dann bekam ich eben das Rad. Nicht, daß ich irgend- welche Erbansprüche gehabt hätte. Ich tonnte kein Fahrgeld mehr bezahlen: da überließ man es mir zur Nutznießung. Es war so- zusagen eine Ueberfremdung. als ich vorgestern das alte Möbel aus dem Familienband löste und über Bismarckstraße und Tauentzien in die große Stadt entführte. Schon vom ersten Augenblick an merkte ich den passiven Widerwillen seinerseits gegen mich: es ließ sich nur reiten, wenn man es an der Bordschwelle bestieg und blieb bockig stehen, bis sein ehemaliger Besitzer dura» einen handfesten Stoß die Geschichte in Bewegung brachte. So wackelte es nur noch einige Male bedenklich und— dann fuhr es. Jede Verkehrsampel lieh mich zittern: denn halten müssen auf der offenen Straße würde den glatten Tod bedeuten, wenn nicht wieder ein guter Freund den schöpferischen Stoß gibt. Aber auch einem Radfahrer wachsen die guten Freunde nicht wild auf der Straße. Aber dann kam ich doch nach Hause. Zwei Speichen fehlten. Am anderen Morgen waren drei weitere lose, so daß ich sie entfernen mußte, wie man losgeschlagene Zähne zieht. Aber es schaffte mich noch zum Paddeln an die Havel. Und schaffte mich zurück. Zwanzig Meter von meiner Haustür entfernt brach es unter mir zusammen. Ganz vorsichtig und langsam nickte es einmal, zweimal und neigte die Lenkstange und oerschied. Es hatte mir die Quälereien nicht nachgetragen. Die Felgen waren unwahrscheinlich verbogen und zum Heulen komisch. Zwei Jungen und ein Schupo erboten sich, die Räder zurechtzubiegen Aber ich schlug ihre rohe und herzlose Operation ab. Aus einem toten Rade fährt kein anständiger Mensch. Morgen werde ich es in aller Stille auf einem vorstädtischen Schuttplatz bestatten. Die größte Tabakernle bringen die Dereinigten Staaten mit 699 Millionen Kilo, während die Gesamtproduktion der Welt nur etwas mehr als das Doppelte beträgt. In Rußland werden jährlich etwa 179 Millionen Kilo Tabak gebaut. Die Vereinigten Staaten nehmen auch beim Tabakverbrauch die etste Stelle ein, denn jeder Einwohner verbraucht durchschnittlich im Jahr 4.4 Kilo, meist in Zigarettenform. Die Holländer bringen es nur auf 3,2 Kilo, Belgien auf 3,1. O Neuköllner Schulfesi Einen interessanten Versuch unternahmen die Neuköllner Sch u l e n mit der Veranstaltung eines großen Spiel- und Sportfestes. Die Kinder aller Schulen trafen sich gestern vor- mittag im weiten Rund des Stadions. Ohne jede Vorbereitung wurden von 6800 Kindern aus 56 Schulen Vorführungen gezeigt, die die 15 000 Zuschauer immer wieder zu lebhaftem Beifall hin- rissen- Während 1650 Knaben Bewegungsübungen zu zweien zeigten, erfreuten 1400 Mädchen durch gymnastische Vorführungen. Ein Bewegungschor, von 1260 Knaben und Mädchen ausgeführt, stand unter dem Motto:„Aufblühendes Leben." Im Anschluß daran Lln lustiger Sport: Die Puppenwagenstaffette zeigten 890 Mädchen Volkstänze. Scherz und chindernisstaffeln erweiterten das Programm. Hervorzuheben ist noch, daß alle Vor- führungen des Lormittags ohne jede Vorbereitung, weder der Lehrer noch der Kinder geschahen. Der Nachmittag brachte dann die eigentlichen Wettkämpfe, an denen sich rund 800 Kinder beteiligten. Abwechselnd liefen die Knaben und die Mädchen chre Staffeln, bei denen es zu harten Endkämpfen kann So tonnte in der Eröffnungsstaffel die 1. Volks schule vor der 21./23. mit nur 2 Sekunden Vorsprung den Wandere preis an sich bringen Einen noch härteren Kampf gab es in der Altersstufenstaffel. Hier führte von Anfang an die Käthe-Kollwlg Schule vor dem Oberlyzeum. Beim vorletzten Wechsel verloren die Kollwitzer den Stab und mußten dadurch dem Oberlyzeum die Führung überlassen. Trotzdem holten die Kollwitzer noch mächtig auf, so daß sie mit nur'jto Sekunden geschlagen blieben. Ein Fuß- ballspiel. das die Meisterschaft der Neuköllner Schulen entscheiden sollte, wurde leider nicht zu Ende geführt. Von 13 gemeldeten Schulen machte die 15. weltliche Schule mit zwei Mannschaften das Ende unter sich aus. Die �-Mannschaft tonnte mit 2:1 das Spiel für sich entscheiden. Line Hsvelregatta veranstalten die Arbciterrudcrer Nor dem Abschluß der diesjährigen Sommersaison veranstalten die Havel-Wasserfahrvereine am Sonntag, 20. September, um 14 Uhr vor dem Vootshause des Rudervercins Collegia eine interne Regatta. Um den an der Havel beheimateten Kanufahrern eben- fosis Gelegenheit zur Wettfahrt zu geben, haben sich die Vereine entschlossen, auch Kanurennen auszuschreiben. Im ersten Riemenvierer werden sich die bewährten Kräfte des Rudervereins Eollegia mit den Ruderern von Vorwärts und dem Reichsbanner treffen. Auch im Achter werden sich die allen Rivalen Vorwärts, Collegia und jetzt auch Reichsbanner gegenüberstehen. Es ist sehr schwer, im voraus etwas über diesen Kampf zu sagen, jedenfalls wird von allen auch das letzte herausgeholt werden, um den Sieg nach Haufe zu fahren. Schließlich wird die Doppelvierer- Mannschaft des Rudervereins Butab chren Sieg von der Grünauer Regatta gegenüber den Bereinen Fraternitas, Vorwärts und Reichs- danner zu verteidigen haben. In den Kanurennen treffen sich die besten Kräfte der Freien Kanu-Union uird der Freien Schwimmer Charlottenburg mit den guten auswärtigen Paddlern. Die Rennen sind sehr reich beschickt, so daß guter Sport zu erwarten ist. Be- sonders werden die zum ersten Male nn Rennboot sitzenden Frauen der Vereine regstes Interesse erwecken. Es ist alles vorgesehen, um den Gästen und Zuschauern, die recht herzlich zur vorstehenden Deranstaltung eingeladen sind, den Aufenthalt interessaill und angenehm zu machen. Das Bootshaus des Ruderoereins Collegia liegt idyllisch in G a t o w an der Havel. gegenüber von Schildhorn. Es ist von Pichelsdorf in halbstündiger Wanderung oder mll dem Autobus 34 von Bahnhof Spandau-Weft respektive Pichelsdorf zu erreichen. Im Anschluß an die Regatta findet ein Zusammensein im„Gasthaus zur Linde" in Gatow statt. Näheres über die Veranstallung und auch über die Winterarbeit des Vereins gibt Walter Szumann, Berlin-Britz, Parchimer Allee 84, Neukölln 7166. Ober�ensor VBB. Die verhinderte Rundfunkreportage Eine etwas seltsame Ueberraschung erlebten die sportlich inier- essterten Rundfunkhörer am Sonntag. Sie hatten vernommen, daß der Berliner Sender die Reportage des Wiener Professors Schmie» ger über den Fußballänderkampf Deutschland— Oesterreich wenigstens in der zweiten Spielhälfte übertragen würde. Aber am Sonntagvormittag mußte der Rundfunk seinen Abon- nenten mitteilen, daß die Uebertragung nicht st attfinden könne, weil— der Verband Brandenburgischer Ball- spieloereine gegen die Uebertragung Einspruch erhoben habe. Mit Verwunderung und Empörung hörten die Abonnenten des Rundfunks von dieser Maßnahme des DBB., die eine unerträgliche Bevormundung des Rundfunks da: stellt. Die Vereine des VBB., in deren Interesse das Vorgehen des Verbandes angeblich erfolgt ist, sind in Wirklichkeit mitgeschädigt. Oder wollte der VBB. in Vorausahnung der kommenden Dinge den Anhängern des bürgellichen Fußballsports die Blamage der 5: 0- Niederlag« solange wie möglich verheimlichen? 5ciwerer Unfall beim Radrennen Bei nur schwachem Besuch wurden die am Sonntag verregneten Radrennen auf der Bahn in Krefeld am Dienstagabend nach- geHoll. Nachdem Wißbröcker den ersten 40-Kilomster-Lauf sicher gewonnen hatte fuhr sein Schrittmacher gegen die Barriere. Schritt- macher S ch in i d t und Wißbröcker kamen schwer zu Fall, d i c MaschineslogindieZuschauer, wodurch mehrere Personen verletzt wurden. Alle an dem Unglücksfall Beteiligten mutzten m ein Kronkenhaus gebracht werden. Die Rennen wurden daraufhin sofort abgebrochen. ' Das Dritte Reick der DT. «Hoch Kaiser Wilhelm" im Dritten Reich Die„Deutsche Turnerschast" gleicht im deutschen Sport- leben einer politischen Wetterfahne. Je nach der politischen Rich- tung, aus der der Wind kommt, hört man es in ihr rauschen. Sie hat dafür die Patentlosung:„Aus dem Boden der gegebenen Tat- fachen stehen". Vor dem Kriege monarchistentreu und Sozialisten- fresser. während des Krieges eifrigste Kriegsunterstützungiorgani- sation, die den Anspruch erhob, nach Friedensschluß, wie sie sich chn dachte, alleinige Heeresvorschule zu sein, stellte sie sich kurz nach dem Zusammenbruch 1918 aus den Boden der Republik. Mit dem Erstarken der Reaktion in Deutschland treten die in der Deutschen Turnerschaft verborgen gehegten Hoffnungen aus die Wiederkehr der„herrlichen Zeiten" nach außen wieder stärker in Erscheinung. Zum Beweis dafür bringen wir die nachstehenden Ausführungen des„Bayerischen I u g e n d t u r n e r", dem amtlichen Blatt des Bayerischen Turnerbundes, Turnkreis der Deutschen Turner- schaft. „Um die langen Reihen der schlichten Kreuze in Flandern, vor Verdun, in Rußland, auf dem Balkan winden sich unsere Gedanken empor und sehen in das Licht der Sonne, des blauen Himmels, sehen in den Flug der Wolken und grüßen die Stunde vom IS. Zanuar 1S71.(Ausrufung des Deutschen Kaiserreiches in Versailles.)" Dann heißt es: „Mut und Kraft und Opferfähigkeit und Hingabe an das Ganze: Volk, Vaterland. In diesem Sinne gedenken wir des 18. Januar 1871, gedenken wir der 60 Jahre, die feit dem„hoch Kaiser Wilhelm" verflossen sind. Gedenken auch in junger Gläubigkeit und froher Hoffnung des so innig ersehnten„Dritten Reiches", das machtvoll sein möge, gleich dem zweiten, das aber dauern möge 1000 Jahre! Wir wissen aber auch, daß dieses er- sehnte„Dritte Reich" erarbeitet, erkämpft, errungen wer- den will und wohl vorbereitete, mit Wissen und Willen ausgc- rüstete Arbeiter und Kämpfer zu seiner Geburt und noch mehr zu seinem Bestände braucht." Das ist jener Geist, der in der Deutschen Turnerschast gepflegt wird und auf den die Nationalsoziali st en stolz sein können. Vorsitzender des Bayerischen Turnkreises ist der ehemalige Reichs- wehrminister Geßler. Wir fragen, wie lange noch gedenkt die Republik die republikfeindliche Deutsche Turnerschast zu unterstützen? Zakernalionales Rolurfreuodetressen in Hamburg. Der inter- nationale Touristenoerein„Die Naturfreunde", der sich über 16 Länder verbrettet, wird im August nächsten Jahres seine 12. Hauptoersammlung in Hamburg abhatten und mit einem großen internationalen Naturfreundetreffen verbinden. Die Vorbereitungen dazu werden von der deutschen Reichsleitung jetzt schon begonnen. Mehrere Sonderzüge werden notwendig sein, um alle Teilnehmer zum Veranstaltungsort zu bringen. Das internationale Natur- freundetreffen in Hamburg ist zum Ausgangspunkt für Nordland-- reisen vorgesehen, die sich bis Hannnerfest, der nördlichsten Stadt Europas, erstrecken sollen._ Tourist«a»er«ia„Die«atutfremn»«*. Heute(Scfamloetanflalhino der Ods. gruppe, 20 Uhr, Weinmeislerstr. 16—17. Statt des aerhindeiten»«nassen Schrhd«r spricht Dr. Max Deri' Uber»in altuelles Thema.»Äste willloimncn. RV. Borwärt». Donnerstag, 17. Septenidcr, Mitgliederversammlung,»in. toilunq des Ergänzungssports. SB. Moabit. Heute 20 Uhr Handballs, tzung bei RSstel. Putlitzstr. 10. Auf. stellung der Mannschaften. Spiele rpässc mitbringen. Freie g-ltbvotfahrer Berlin,«. v. Mittwoch, 16. SepilUtber, Versammlung aller Sportler(Handballer, Waldläufer, Wintersportler), �ur Linde". User- straße 1Z. gusammentunste Donnerstag, 17. September. Gruppe Norden: Jugendheim Brunnenplatz: Kunterbunter Abend.—»rupve Nordosten: Reu«» Loral, Union». Festsäle, Grrifswalder Str. 221. Alfred Gutheit lommt.— Gruppe Siidosien:„Schlefische Heimat", Reu« Friedrichstr. 1, Vortrag Tausendfrcund: „Bvottrisse. Sonntag, 20. September, Fließfahrten per Auto.— Gruppe Nordosten: Hammerslietz. Baruth.— Gruppe Südosten ,ur Stobberow. Gäste »beroll willkommen. Montag, 2l. September, Funktionärkonferenz.„Zur Linde", Uferstr. 18. Arbeiter.Photp.Sild«. Donnerstag, 17. September, 18 Uhr, Dunkelkammer. Wassertorstr. 9: DmAelkammerphoto»: ab 20 Uhr unser Wettbewerb„Hände". Probeaufnahmen mit Kunstlicht. Frei« Pbotooereioignag. Donnerstag. 17. September, 20 Uhr, Phnstk. zimmer.der Schule Pank. Ecke Wiesenftraß«. Kammerer spricht über„Klein. filmphotogrophie". # Sparen!# uiirvioilen und kOnnefl innen danei hellen Unser Grundsatz: „ft'le Waren in bester BeschaffenIHt zum niedrigsten Preise" ist das beste Sparsystem für alle Hausfrauen� Beachten Sie bitte unsere Preise! Kartoffeln, weiße..... 10 Pfd.2öPf. GEG-Viktoria-Erbsen, handverlesen„ 24„ E"Linsen..•.-•--„ 25 ,, GEG-Weiße Perlbohnen...„ 22„ GEG-Bruchreis.... Pfd. 18 u. 12„ GEG-Graupen....... Pfd. 24„ GEG-Haferflocken...... 26„ GEG-Weizengrieß...... 24„ GEG-Weizenmehl....... 24„ GEG-Bchnittnudeln...... 40„ GEG'/�okkoroni....... 44„ GEG"2ucker, gemahlen....„ 35„ GEG-ßackpulver...... Btl. 3„ GEG-Pflaumenmus..... Pfd. 45„ GEG-Kokosfett in Tafeln... 1/t„.20„ GEG-Margarine... Pfd. 60 u. 40„ GEG-SchmalZ/ garantiert rein.. Pfd. 53„ GEG'Lirnbijrger in Stangen.. l/s„ 34„ GEG-Camembert, vollfett.Schachtel 30„ GEG-Deutsche Fettheringe..Stck. 4,, GEG-Sardellen...... �/«Pfd.OO„ GEG-0»1sardmen..... Dose 40„ GEG-Sauerkohl...... Pfd. 12„ GEG-Zwiebeln........ 3„ Wurst�arsn Thüringer........ Pfd. 1,00 M. Preßwurst......... 0,88„ Sächsische Blutwurst....„ 0,70„ Frische Blut- und Leberwurst.„ 0,60„ Landleberwurst... Pfd. 1,12 u. 0,70„ Feine Leberwurst..... Pfd. 1 ,60„ Berliner Mettwurst.. Pfd. 1,40 u. 1,00„ Hannoversche Kochmettwurst. Pfd. 1,00,, Speck, fett(deutscher)....„ 1,03„ Speck, mager........ 1.20,, KONSUM Genossenschaft Berlin u. Umgegend e.G.m.b.H. Die Mitgliedschaft kann in jeder Abgabestells erworben werden Rätsel-Ecke des„Abend" iWiimtiiiiuiiuuiiiiiiimmiuimwimniiinimiuiHiiuniniiutiifluuuiiiuuiiniuuiiuiuuumiuauiiuuiiiiuiuiiiiiiiiuiiuiuiiminiiiiiiiiniiiuiuuuiniiiininnuiuiHiuniiinna Diamanirätsel Die Buchstaben aaoaaaabbbbbchdb d e e e e eeeeeeeeeeesggggh iiiiiitiiiiikkkll llllllmmnnnnnnnnooooooprrrrrrrrr ssssss ttttttttttttuuuuuuuww sind in oben- stehende Figur so einzutragen, oaß die waagerechten Reihen er. geben: 1. Konsonant: 2. Tier: 3. Garienhämichen: 4. deutsche Hosen- ftadt: 5. Vergrößerungsglas: 6. ästige Formen des Aragonits: 7. Verstellung: 8. Gebirge in Westfalen: 9. Gebirge in Obcrfronken: 10. Vorort von Berlin: 11. künstliches Leder: 12. Getränk: 13. Schlingpflanze: 14. Singstimme: 15. Konsonant.— Die mittelste senkrechte Reihe lautet wie Reche 8 waagerecht. H. S. Grganzungsratsel Werden die Buchstaben z z b e eeiimmnnrssssttü richtig in die leeren Felder cinge- ordnet, so erhält man Warte folgender Bedeutung: 1 Reich in Asien: 2 Vogel: 3. Medikament: 4. Wasserfarbe: 5. mangelhaft ausgebildeter Mensch, z. P E P; E :• i p;e TT PIER Spiralenräisel Waagerecht:2. biblischer Frauenname: 3. Fluß im Harz: 5. Muse; 6. Wüste in Arabien: 8 Alpenhochtal: 9 Ge- genwirkung: 11. exoti- sches Tierprodukt: 12. juristische Person: 14. Nachrichtenmittel: 15, Politiker.— Senk- recht: 1. Spielkarte: 2. Anerkennung: 4 srucht- barer Wüstenstrich: 5. männlicher Vorname: 7. Mineral: 8 bekannter Luslfahrer: 19 Korsen- kaiser: 11. ermordeler Politiker: 13. Tagfalter- galtung: 14. Schreckens- Herrschaft.-ekr.- Magisches Quadrat Die Buchstaben eeeeeeiiillmrr r s sind in die nebenstehende Figur so einzusetzen, daß waagerecht und senkrecht Wörter folgender Bedeutung entstehen: 1. Gewässer; 2. Baum: 3. weiblicher Vorname: 4. Gelreideart. II S. Auslösungen in der nächsten Rätselecke. Auflösungen der letzten Rätselecke K r-e u z w o r tr ät s e l. Waagerecht: 1. Mund; 4. Eickc 6. März: 9. Meise: 10. Braun: 12. Japan: 14. Niet: 17. Torte' 18. Hacke: 22. Alge: 23. Ellen: 25. Oder.— Senkrecht: 1 Menchee' 2. Dur. 3. Lenz: 5. Erbse: 6. Mai; 7. Zigarre; 8. Inge: 10 Bruno' 11. Laube; 13. Amerika; 15. Pute; 16. Zange; 19. Kellner- 20 Sr' 21. Bonn: 24. Ida.'' ».�-�bmogripl,. Schlüsielwörter: Sonne, Frankfurt Lirntenelde. Wolga, Aehre, Weizen,«ommcr. Spruch- Wohlous' die Lust geht fciich und rein, wer lange sitzt muß rosten-' den aller- sonnigsten Soiinensch-iu läßt uns der 5)immcl tosten. Silbenkreuz: 1—2 5>ark«: 1—4 Harfe- 4-«.Teber: 5—6 Leder: 5—1 Lehar-, 4—4 Elfe; 3-5 Elle. Stadt und Land: Moskau— Moskito.