Diorgeaaosgabe Donnerstag ■-##> W 12. September 1931 �HifW>�> M�>x �Jl®toS.Zerlin 10 Pf. sääää■ M W(T■ W M■ W M�!W>I �- All-wSlts 15 p(. limg ins Haus) im uaraus za?>Iiar. JB» M» B B MM M M r PastkcMg 4.Z- ewschli-ßlich so Pf. MM IZM MM MVMMM MM M�M Mp—?!. einspall. Nonpanill«.!,. xo Vf. Poi,,-,lungs- und 72 Pf-Pastdeftella». MM» fF�H M M M MMM MM MM)M M£ N.Nam-,.lI« S.- RM.„Klei». An- i-üh»n. Suslandsabmnmi.ni S-Ä.»»> VN MM M MMM MM M-�M,«ig.»" das feiigedruSt. Watt ZS Pf. pro Maimt: für Länder mit«rmabiz. j-fäß I BH M. DUi. Wi M JHbyg�F/ izulälfig zwei sc!!g«dru!k,r«ort.,. i.m Drucksachenoorta v.— M. M| I VM M BH M»\ j�ÄkHHV M roritrrc Bort 12<ßf. Radoil Ii. T-uif. * n| BhI �"�warvtwr X lM 7/ IMs Eirll.ng-Iüch. das erst- Wort IS Pf., >211 IHLV �WS // BBS jrde» totiier« Bort 1U Pf. Won« übtt r«r.ParwSris»«rfchemi wochentäg./ � � �w/ WWUV Z'■■ 15»urfiftabtn zählen für zwei Worte. lich zweimal, Eonniags und Montags VrX Ztmo. IffiBL l Sirbeitsmorft �e.le hg Pf. gamilien. einmal, die Ad-ndansaab« fiir«er»» � v �__ V anzeigen Zeil» 4Ü Pf. Anzeigenannahm« «u?NZ�s! ra®Ete Ablehnung nicht genehmer Anzeigen Jentvawesmi der GoziaSdemsSvaMOen Vavtei DeutfOlandS , li» ,ii>i»i�rBir»�»»mT?BM�BriMWBUiBrii>W�gBirMi�»r'»rrrT«»r"iW»»»»n»W>TNT?»' Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 sfcrnspr.: Dö-choff(A 7) 292—297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. m« Ml WIEWi——— Bl— I__ TU. Sottbon, 16. September. Tic Seeleute bcr atlantischen Flotte finb, tote ber „3 t a r" melbet, tu ben Streit getreten. Ob ber in den englischen Berichten gebraucl�e Ansbruck„Streik" der Gehorsatnsvertoeigernng gleichzusetzen ist, ist eine ttrch unbeanttoortete Frage. Aus bem Linienschiss „A o b n c tj" toeigerte fich bic Mannschaft, bte Boote, bte ben Verkehr zwischen Schiff nnb Land unterhalten, zu besetzen. Auf bem Kreuzer„H o r t" hat am Dienstag- nacht, nachdem im Schiff„Sidst ans" gepfiffen war, eine geheime Versammlung ber Mannschaft statt- gefunden, in ber beschlossen würbe, sich bem Streik anzu- schlieslen. Die Streikbewegung ging am Dienstag von btzn Linienschiffen„Robney" und„V a l i a n t" aus nnb verbreitete fich schnell auf die anberen Schiffe ber Flotte. T ie Groslkampfschiffe„H o o b",„M a l a y a",„R e- pulse",„Warspite" und bie Kreuzer„D o rset» s hi r e",„N o r f o l k" nnb„Ex ete r" sind ebenfalls von per Streikbewegung ergriffen. Die Mannschaften Haben sich zwar noch keine Ausschreitungen zuschulden kommen lassen, jedoch ist die Lage sehr gespannt. Die Matrosen erklären, sie würden auf ihrer Gehorsams- ferweigernng bestehen, wenn die Admiratttät ihre Forderungen nicht erfüllt. vei der Versammlung in der Landkcmline in Znvergsrdon am Sennwgabcnd wurde das sozialistisch? Lied von der„Roten Zahne" gesungen. Aus einigen Schissen ist der Streik nicht einheitlich, und ein Teil der Mannschaften tut seinen Dienst. Am schärfsten wird der Streik auf dem Linienschiff„Rodny" durchgeführt, wo die ver- bindungsboote von Seesoldaten beseht werden muhten. Die ver- sammlnug aus dem Kreuzer„Zork" wurde ganz im Geheimen ver- onslottet. Ein Bote ging im Dunkeln von Raum zu Raum und flüsterte den Riannschaslen zu. dah sie zu der Versammlung im Vorschiff kommen sollten. Aus anderen Schissen spielten sich in der Rächt zum Mittwoch ähnliche Vorgänge ob. Die„Eveuing News" meldet, daß aus den Schorn» steinen der Schisse kein Rauch aussteige, da die F e n e r gelöscht seien. Die Heizer hätten die Arbeit niedergelegt. Von Land aus könne man keine Bewegung an Bord sehen. Die Mannschaften der- hielten sich, soweit man es beobachten könne, a n ß e r- ordentlich still. Bei Morgengrauen sollen sich, wie der„Eveninq Standard" meldet, mehrere hundert Mann des Linienschiffes„Rodney" um den Geschützturm herum versammelt haben. Sie hätten einen Gassenhauer ge- Vorwärts-Verlag G. m. b. H. sungen und einer von ihnen habe mit lauter Stimme ge- rufen, ob die Mannschaften etwa entmutigt seien. Die Besatzung des in der Nähe liegende« Schlachtkreuzers „Hoob" habe laut mit„N e i n" geantwortet und dieser Ruf fei durch die ganze Flotte gegangen. Die an Bord der Kriegsschiffe eingeschifften Seesolbaten hätten sich an den Kundgebungen der Matrosen und Heizer nicht beteiligt. Die Mairosen haben Erfolg. Englische?iegierung gibt nach.— Milderungen versprochen. London, l6. September. sEigeubericht.) Die Unruhen in der englischen Zlotte beschäftigten am Mittwoch das Unterhaus. Der erste Lord der Admiralität, Austen Ehamberlain, erklärte dazu, dah die Beschwerden über gewiste Härten der Soldkürzungen ernstlich geprüft würden. Die Schisse würden in ihre Heimathäsen zurückkehren, wo die Untersuchung stattfinden solle. Die Regierung habe die Vor- schlöge zur Milderung der erwähnten Härten ge- billigt. Die Regierung gibt also nach und ist bereit, einen nicht un- wesentlichen Bestandteil ihres Rotprogramms auszugeben. Das haben die Matrosen erreicht. Mit Recht werden seht andere, ähnlich schwer von dem Rotbudget betrossene Schichten der Bevölkerung sagen, dah die Druckmittel der Zlotte sich wirksamer erwiesen' haben al» die porlamentarischea Einsprüche z. B. der Lehrer, deren Gehaltskürzungen ebenfalls besonders hart empfunden werden. was sich in der englischen Zlotte in den letzten Tagen abgespielt hat, ist ein in der Geschichte der englischen Zlotte noch nicht dagewesener Vorgang. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dah es sich keineswegs um eine Meuterei oder um eine politische Bewegung gehandelt Hot. Es war eine reine Lohn- b e w e g n n g. Die Beschwerden sind ordnungsgemäh an die Offiziere weitergeleitel worden, die, selbst von der Kürzung betroffen. sie mit Sympathie aufgenommen haben. Arbetterrepublik Spanien! Beschluß des spanischen Parlaments. Paris, 16. September. Wie Havas aus Madrid berichtet, hat bas spanische Parlament heute nach einer Rebe bes Sozialisten Araqnistain mit 176 gesen 152 Stimmen beschlossen, Spanien zu einer„A r b e i t e r r e p n b l i k" zn erklären. Postscheckkonto: Berlin 37 236.— Bankkonto: Banl der Arbeiter, A nge ste liien u nd Beamten, Lindenstr. 8. Dt.B.u.Dtkr.-Ges.,Depositenr.,Jernsal«merStr. KS/66. Gerechtigkeit für Polizeibeamte; Ein Wort zu den Vorgängen am Kurfürstendamm. Von.Aldsrt Grzesinski. Die Vorkommnisse am Kurfürstendamm am vergangenen Samstag, die üblen Ausschreitungen der Nationalsozialisten gegen eine religiöse Minderheit haben den Protest aller anständigen Deutschen, wo auch immer politisch sie stehen mögen, hervorgerufen. In der Tat verdienen die planmäßigen Uebcrfälle auf jüdische Gottesdienstbesucher eine besondere Beachtung und heben sich aus den leider zahlreichen politischen Gewalttaten der letzten Zeit besonders ab. Denn wo auch immer politische Verwilderung politische Ausschrei- tungen hervorgerufen hat, waren es politische Gegner, die aus festgefügten politischen Meinungen heraus, besser wohl ge- sagt aus politischen Vorurteilen, sich Gewalttaien gegenseitig zufügten. Hier aber handelt es sich darum, daß sich die Ge- walttaten gegen eine Gruppe von Staatsbürgern richtete, deren politische Ueberzeugung im einzelnen keineswegs fest- steht, die keine andere Verbundenheit als die der religiösen und Rassengemeinschaft kennt, die also auch nicht politisch organisiert ist, über keine streitbaren Wehroerbände verfügt und nichts anderes getan hat, als ein elementares staats- bürgerliches Recht, das Recht auf gemeinsame weltanschau- liche Betätigung in Anspruch zu nehmen. Besonders übel sind diese Dinge, wenn man ihre politischen Auswirkungen be- trachtet. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß nichts so sehr das kulturelle Ansehen eines Volkes schädigt, wie der Verdacht, daß die an sich schon bedauerliche politische Ver- hetzung zu weltanschaulicher und religiöser Verfolgung noch weiter entartet. Man hätte nun erwarten sollen, daß die gesamte Oeffent- lichkeit in der entschiedenen Verurteilung all dieser Vorkomm- nisse sich einigte, und daß die verantwortlichen Urheber der Kurfürstendamm-Aussäireitungen die entsprechend scharfe öffentliche Kritik erfahren würden. Das ist überraschender- weise nur zum Teil geschehen, indem recht große Berliner Zeitungen zwar auch selbstverständliche Bemerkungen der Verurteilung gegen die Nationalsozialisten richteten, im llbri- gen aber die Hauptwucht ihrer kritischen Angriffe gegen die Polizei lenkten. Dieses Verhalten ist kein Einzel- fall mehr, denn seit geraumer Zeit muß man immer wieder beobachten, daß ein nicht unerheblicher Teil der Presse je nach ihrer Einstellung das Verhalten der Polizeibeamten bei bestimmten Ereignissen entweder als zu lax oder als zu scharf bezeichnet, niemals aber anerkennt, wie sehr die Po- lizeibeamtenschaft aller Dienstgrade unter Einsatz ihres ganzen Könnens und unter den größten Anstrengungen dos Menschenmögliche zu leisten bemüht ist. Es scheint, das muß leider gesagt werden, bei manchen öffentlichen Kritikern das Gefühl dafür verlorengegangen zu fein, daß auch der Po- lizeibeamte ein Mensch ist. Es muß den Wert der öffentlichen Kritik außerordentlich vermindern, wenn sie fich stets widerspricht und willkürlich je nach Parteinahme ein zu scharfes oder zu nachgiebiges Auftreten der Polizei- beamten rügt. Eine solche Kritik wirkt zudem verbitternd— wie sollte es anders sein— und erweckt in den Beamten das Gefühl, daß sie es nie rechtmachen können, geschehe, was da wolle. Wenn nun eine derartige Kritik vielfach ohne rechte Ueberlegung auch in Blättern erscheint, die sich zum heutigen Staate bekennen, so ist die Wirkung um so unerfteulicher. Was die Vorgänge am Kurfürstendamm selbst angeht, so hatten die meisten Zeitungen unter dem frischen Eindruck des Ereignisses zunächst geschildert, daß das Eingreifen der Polizei im ganzen rechtzeitig und sachgemäß erfolgt sei. Späterhin aber wurde diese Darstellung geändert und erging sich in lebhaften Klagen über das angeblich nicht rechtzeitige und unentschlossene Verhalten der Polizei. Was ist nun richtig? Richtig ist nur eins: daß nämlich beim ersten Auftauchen der nationalsozialistischen Demonstranten die zunächst verfüg- baren beweglichen Reserven sofort eingesetzt wurden, und daß, als weitere Verstärkung notwendig war, diese umgehend und unter Einsatz von Kraftwagen herangeschasst wurde. Die Kritiker, die sich hiermit nicht zufriedengeben wollen, müssen nun schon die Ansicht vertreten, daß die Polizei bereits dann da zu sein habe, wenn eine Straftat erst begangen wird. Das ist, mit Verlaub zu sagen, eine Zumutung, die man nur an eine mit übernatürlichen Kräften ausgestattete Polizei noch stellen darf. Die Polizei kann nun ihre Kräfte nur dann einsetzen, wenn sie entweder durch irgendwelche Umstände vor- her vom Begehen einer Straftat unterrichtet ist, und das ist naturgemäß nur in den wenigsten Fällen der Fall; in den anderen Fällen aber erst dann, wenn Straftaten wirklich ge- Ein Arbeitsloser für Millionen. Wann wird die in Deuischland veraniworiliche Reichsregiernng endlich handeln? Tätlich erhalten wir Verzweiflungsbriefe von Arbeits- losen, die das Elend und den seelischen Druck der Erwerbs- losigkeit nicht mehr aushalten. Nur diesen einen, der er- schüttern muß, drucken wir heute ab. Wir geben ihn weiter an den Reichskanzler Brüning und seine Minister. „Als Genosse trete ich an Sie mit der Bitte heran, mir endlich ein« konkrete Auskunft über die Lösung der Arbeitslosenfrage zu erteilen. Diese brennendste Tagcssrage, die man durch Vcrtröstunoen und schöne Reden nicht aus der Welt schaffen kann. Vorschläge zur Losung liegen genügend vor(zum Beispiel Arbeitsaufteilung). Warum geschieht nichts, warum will man den Kapitalisten nicht weh tun? Wo es doch die höchste Zeit wäre. Sollen wirNich Millionen verhungern, sollen wirtlich Millionen dauernd aus dem Produktionsprozeß ausgeschaltet werden? Es ist ein trauriges Lcbcn. Jugend ohne Zukunft. Man sieht alle an das Leben ge- stellten Erivartungen und 5)ossnungen wie Wasser im Sieb ocr- rinnen, man ist verurteilt, ein 5iuvdeleben zu sichren. Schon ein Jahr bemühe ich mich, als Techniker eine Stellung zu finden; alles vergebens. Das Resultat: abgerissen, ewig Hunger und Schulden, und das Schlimmste, keine Aussichtch erst wieder heraus bin, selbst wenn ich zehn Jahre Zuchthaus bekomme." Den Biedermann spielte der 40jährige ebenfalls vorbestraft« M. Einst war er Sturmführer bei Rot-Front, auch Rußland delegierter. Jetzt bezeichnete er sich als unorgani- siert. Er hatte sich bereits um 17 Uhr vor dem Sportpalast ein» gefunden. Als die Polizei die Eingänge vor dem Sportpalast frei- zumachen versuchte, wollte er nicht von der Stelle weichen. Dann fand er nichts besseres zu tun, als einem Schupobeamten mit solcher Wucht einen Stoß zu versetzen, daß dieser Mann zu Boden fiel. Wegen Widerstandes und Nichtbefalgung erhielt M. 1 Monat Gefängnis und zwei Tage Haft... Schwere Arbeit hatte die Schupo auch in der G o e b e n st r a ß e. Schulter an Schulter stauten sich hier die Menschen. Drängten die Beamten auf sie ein, so zerstreuten sie sich in den Hausfluren. Als ein Beamter die Treppe hinaufgelaufen war, um die Leute heraus- zuholen, wurde er nach Rückkehr auf die Straße mit Gejohle und Pfeifen empfangen. Ein Mann versuchte ihn mit dem Fuß in den Bauch zu treten. Der Beamte wollte den Mann zwangsstellsn, wurde aber von der Menge daran gehindert, und bedroht. Der Held von vorher trat wieder in Aktion. Die Strafe lautete in diesem Fall auf 1 Monat Gefängnis. Ein anderer Vorfall spielte sich auf dem Nollendorfplatz ab. Auch hier mußten die umliegenden Straßen von der Menschen- nienge geräumt werden. Dem etwa 3Sjährigen 51. gefiel das nicht. Er stellte den Beamten zur Rede. Dieser forderte ihn auf. weiterzugehen. Der Mann tat es. drehte sich um und rief dem Beamten zu:„Dir klebt wohl noch der Kuhmist an den Füßen." Auch jetzt ließ sich der Beamte nicht aus dem Gleichgewicht bringen. Da hob der Mann die Faust zum Schlage auf. Der Beamte kam ihm zu- vor. Das Urteil: drei Wochen Gefängnis wegen Wider- ftandes. Besonders rabiat benahm sich eine etwa 3 3 jährige Frau aus der Gormannstraße. Etwa 200 Menschen, die eben vom Sport- palast zurückgekehrt waren, diskutierten hier eifrig und waren an- scheinend darüber erregt, daß es ihnen nicht gelungen war, in die Versammlung zu gelangen. Als die Beamten die Meng« auf- forderten, auseinanderzugehen, entlud sich die Frau in Schimpf- warten:„Ihr Psnner, ihr Strolche." Die erneute Aufforderung, weiterzugehen, beantwortete sie mit:„Ihr Bluthunde." Als sie nun zwangsgestellt werden sollte, leistete sie Widerstand und schrie: .„Euer Tod ist euch gewiß. Denkt an den Aülowptatz. Jetzt kommt ihr dran." Vor Gericht erklärt« die Frau, betrunken gewesen zu sein und sich an nichts erinnern zu können. Sie erhielt fünf Mo- nat« Gefängnis. Nach Verbüßung von einem Monat soll ge- prüft werden, ob ihr nicht Bewährungsfrist zuteil werden kann. Kein Gtampfafphalt mehr in Berlin. In der heutigen gemeinsamen Sitzung des Magistrats und der Vorsitzenden der Bezirksämter berichtete Stadtbaurat Hohn über die Frage der Asphaltierung der Straßen. Dazu kann schon jetzt gesagt werden, daß Stampfasphalt in Berlin seit 1029 über- Haupt nicht mehr, auch nicht zu Ausbesserungsarbeiten, oerlegt worden ist, und daß die bisherigen Verträge bereits Ansang September mit Wirkung zum 1. April 1932 zwecks öffentlicher Ausschreibung der Arbeiten gekündigt worden sind. Razzia an der Pfandkammer Die Zunahme der Fahrraddiebslähle.— Der Rabe als„Zinker". 3n der letzten Zeit haben die Zahrraddiebstähle einen solchen Umfang angenommen, daß täglich fast 50 bis 60 An- zeigen von Vestohlenen bei der Kriminalpolizei eingehen. Die Besitzer der Räder find in den meisten Fällen Angestellte oder Ar- beiter, die ihre Maschinen unter Opfern erworben haben. Die Kriminalpolizei hatte verschiedene Händler im Verdacht, daß sie mit den Dieben in Verbindung stehen und ihnen die gc- stohlenen Räder zu billigen Preisen abkaufen. Um die Angelegen- heit gründlich nachprüfen zu können, wurde am Mittwoch von Kriminalbeamten der Dienststelle L. 6 mit Unterstützung von Schutz- Polizeibeamten in der Nähe der Pfandkammer eine Razzia durchgeführt. 4 0 Personen, die sich dort aufhielten, wurden langsam eingekreist und auf den Hof des Grundstücks gedrängt. Hier muhten alle ihre Papier« vorzeigen und fich über den Erwerb der Räder, die sie bei sich führten, genau ausweisen. Zwei Händlern scheint es schwül zumute geworden zu sein, denn sie machten fich heimlich davon und ließen die Räder im Stich. Drei Per- sonen, die keine Ausweise bei fich hatten, mußten mit zur Wache kommen, bei den anderen wurden die Nummern und Marken der zum Kauf oder Versatz vorhandenen Räder aufgeschrieben. An Hand der Listen, die über die gestohlenen Röder geführt werden, wird man feststellen, ob einer der Händler Diebesgut im Besitz gehabt hat. Di«„herrenlosen" beiden Räder, die vermutlich auch aus Dieb- stählen herrühren, wurden beschlagnahmt. Bei einer zweiten Kontrolle, die in einem Keller in der Mariannen st raße durchgeführt wurde, ereignete fich ein heiterer Zwischenfall. In dem Keller betreibt eine Frau einen Fahrradhandel, man sagt aber auch von ihr, daß sie Fahrraddieben ihre Beute gegen geringes Entgelt abnimmt, die Maschinen um- ändert, die Markenschilder entfernt und die Räder dann weiter- verkauft. Die Schilder sollten in einer Kiste besonders verwahrt fein. Als die Beamten in dem dunklen Keller noch umhersuchten. bemerkten sie einen zahmen Raben, der aufgeregt hin- und hcrslatterte. Dabei stieß das Tier eine Kiste um, die mit Geraffel zu Boden fiel. Aus ihr ergoß sich auf den Fußboden ein Strom von Marke»schildern, die von Fahrrädern abgenommen worden waren. Der Rabe hat seiner Herrin damit einen schlechten Dienst erwiesen, denn die Händlerin wird sich wegen Hehlerei zu verantworten haben. Die Schilder sind ebenfalls beschlagnahmt worden. Vom Zechkumpan um 2000 Mark beftohlen. Ein angeblicher Raubüberfall hat durch die Ermittlungsarbeik der Kriminalpolizei seine teilweise Aufklärung gefunden. Der Fleischer Rudolf G. aus der Tilsiter Straße, der in der Brieftasche etwa 2000 Mark bei füll führte, hatte am Mittwoch abend mehrere Lokale aufgesucht. Auf dieser Bierreise ist(3. von einem Berufskollegen, dem Fleischer Georg D r u m b ach aus der Samariterstraße, beobachtet morden. D. sah die gefüllte Brief- tasche und hielt die Gelegenheit für günstig, sie dem bezechten Kollegen abzunehmen. G. hatte die Weste nicht ganz zugeknöpft und die Brieftasche sah etwas heraus. Mit einem schnellen Griff bemächtigte sich D. der Tasche und lief davon. Wie festgestellt wurde. hat der Täter noch in derselben Nacht seine Braut aufgesucht und hat mit ihr einen Teil des Geldes durchgebracht. Bisher ist er nicht in feine Wohnung zurückgekehrt. Frisches Brot aus altem Brot. „Lieblich, wenn auch nicht straffrei." Eme bedeutsame Entscheidung fällie ein Osnabrücker Einzelrichter. Bor ihm hatte fich ein Bäckermeister gegen folgende Anklage zu verantworten: Laut einwandfreien Zeugenaussagen hat er mehrere Tage altes Brot nach Entfernung der Kruste wieder in anderem Teig verwandt, der zur Herstellung von frischem Brot bestimmt war. Dos städtische Untersuchungsamt war ein- geschritten und hatte verschiedene Brotproben untersucht. Ohne weiteres gab der Bäckermeister zu, altes Brot verwandt zu haben, behauptete aber, während des Krieges ermächtigt worden zu fein, altes Brot in gewissem Prozentsatz zur Herstellung von neuem zu verwenden. Im übrigen sei er sich keiner strafbaren Handlung bewußt. Demgegenüber wies ein Vertreter des städtischen Untersuchung»- amtcs auf Reichsgerichtsentscheidungen und Entscheidungen vcr- schieden«? Oberlandesgerichte hin, nach denen die Beimischung von altem Brot in frischen Brotteig als unzulässig und strafbar erklärt wird. Wegen Uebertretung der Lebensmittelgcsetze und Verfäl- schung von Nahrunasmitteln beantragte somit der Amtsanwalt eine Geldstrafe opn 8V Mark stlx den Bäckermeister: im Nichtbei- treibungsfall« eine Gefängnisstrafe von acht Togen. Tatsächlich würde der Bäckermeister wegen des angegebenen Delikts zu SO Mark Geldstrafe verurteilt. Interessant war die Begründung. Es hieß da: wenn es auch allgemein in Bäckereien üblich ist, nicht verkauftes Brot zur Herstellung neuer Brote zu verwenden. so kann diese Gewohnheit aber nicht straffrei machen, da ein« Irre- sührung des Publikums vorliegt, das frische Brot und kein au, allen Substanzen hergestelltes kaufen wolle. Gründung einer„Fnntkammer". A'.cf dem Gebiete des Shmbfimfs interessierte Kreis« haben sich zur Gründung einer„Deutschen F u n k k a m m« r" oereinigt, die zwischen allen am'Rundfmck Jntcrcsfierten eine Verbindung her- stellen soll. Die Funkkammer vertritt ebenso die Belange d«r Seridegesellschasten wie die der Hörer, der am Mikrophon Vor- schanenspieie der Msiadi. Schandflecke der FriedrichsfraSe.-„Murmelspiel" in der Automatenhdlle. Friedrichstrahe an der B e h r e n e ck e. Ein goldbetreßter Portier vor einem lichterüberstrahlten Baraufgang. Schaukästen mit den Aufnahmen tillcrnder Balletts, die entblößtes Frmienfleisch zeigen. Fleischfarbene Plakate vor dem Eingang. Bebauchte Grün- Hütler schaukeln hinein. Fast freut man sich darüber: man kann der Friedrichstraße einen gewissen Reiz nicht absprechen, auch wenn die Lebewelt eine andere geworden ist, auch wenn die Schlepperkolonnen sich wie Schmeißfliegen aus ihre Opfer stürzen, auch wenn man weiß, daß die Klassemädchen der Luxusprostitution ihre.Kluft" bei den Wirtinnen abarbeiten müssen, bis sie im schwarzen Kasten fort- geschafft werden. Aber inon geht nur einen kleinen Schritt weiter und man weiß, daß die trübe Flut der Ackerstraße, deren zähen Unrat mitspü lender Sctflomm vor Iahren noch amOranienburgerTorsich staute, jetzt hier an der Behrenstraße lzall macht. Wie lange noch, und die Friedrichstraße wird überströmt sein von den Ausläufern des zähen, wälzenden Schlammes, die ja schon so zahlreich in die Menschen- arsenale der großen Casös an der Leipziger Ecke sickern. Zwei große, hohe Schaufensterscheiben, an denen noch die Klebestellen der.Zu-oermieten"-Zettel haften, schließen den erschreckend hohen, langgestreckten Raum von der Straße ab. Die Tür ist stets osfcn. Eine trübselige, trostlose Beleuchtung erhellt den Laden mit den vergilbten Tapeten und dem seltsamen Publikum. Der ganze Raum ist angefüllt nzit Automaten. An einer Wand stehen etwa fünfzehn von jenen Filmkurbelautomaten, die wir von der allen Passage her in peinlicher Erinnerung hoben, als besondere Attraktion. Die Passage ist renoviert worden. Aber hier an einer der frequentiertesten Ecken Oer Weltstadt können sich die berlin- freudigen Fremden an Hand letztrangiger Iahrmarktsrummclattrak- tioncn davon überzeugen, wie sich der kleine Moritz„Orientalische Schönheiten".„Susanne im Bade",„Eine Flohjagd" und„Rin ins Btll" vorstellt. Ader auch davon können sie sich überzeugen, wie sich cinc großzügig entfaltete Fremdenverkehrswerbung eine „repräseutable Straße weltstädtischen Nachtlebens" ootjbeiU. Allerdings haben die Berlinbesucher und Berliner eine immerhin be- rechtigte Scheu davor, in diese vorsintslutlichen Sittensilinpanoramen zu blicken, denn die halbwüchsigen Burschen und spitzknochigen Mädchen, die davor herumstehen, flößen ihnen, die ihr Bergnikgen suchen, ebensoviel Entsetzen wie Mitleid ein. Hier inmitten der Filmkurbel-, Streichholz-, Parfüm- und Spielautomaten(Abarten oes verbotenen Bajazzo!) erlebt man ein namenloses Elend, an- gesichts der emkräfteten Mienen der hohlwangigen Gesichter dieser jungen Menschen, die den Schicksalskelch der Bitternis bis zur Neige geleert haben. Born, bei einem Geschicklichkeits spiel, einer Mur- meloariation der Fliegerbomben- und Pferde- renne»spiele stehen allerdings Zufallsgäste, Herren, auch Damen, und betrachten mit stummem Entsetzen diese Schattenspiele oes Luxus, der Lebewelt, die hier vor sich gehen. Aber sie spielen nicht. Wahrscheinlich schreckt der kreischende Diskant der Stimme einer raffenden Croupier« sie ab, zu setzen. Hier spielen Arbeits- lose und Mädchen, auf halbem Wege zur Straße, oerlieren meist oder gewinnen einige Groschen, die sie in dem gegenüberliegenden Automaten für Brötchen anlegen! Aber auch hier, in diesm Automaten erlebt man einen seltsamen Spuk. Die hungrigen Kindsgeschöpse, die hier bei einem an- gebissenen Gabelbisscn auf Anschluß warten, können mll ihren vcr- waschencn Fähnchen nicht die Konkurrenz mit den Edeldirnen auf der abendlichen Straße ausnehmen. Hier gibt es einen„Brötchen» garten", einig« Efeuranken und Lorbeerbäume, die auf einen steinernen Hinterhos getragen sind, einig« bonbonfarbene Aempsl- chen, die süßes Funzellicht verbreiten. An der Wand hängt ein Schild.„Flasche Niersteiner 1,60 M.l" In diesem Brötchengarten leisten die vielleicht fünfzehn- oder sechzehnjährigen Mädchen und Jungen alten Herren Gesellschaft und bieten sich an! Die A ck c r st r a ß c hält jetzt an der Bchrenccke. Vielleicht ist es gut, daß der trübe Htrom unaujhaltsam dem Westen entgegen- schlämmt. Wann nmd der Smnpf Btaje» L-tfag-u? I tragenden, der Funkindustrie, des Funkhondels und der Funk- verbände, indem sie Anregungen, Wünsche und Beschwerden der einen wie der anderen Seite sachlich behandelt und niit den zu- ständigen Stellen klärt. Sie wird ferner in allen Fragen, die ab- weichende Interessen berühren, ausgleichend wirken. Di« Grirndungs- Versammlung der„Deutschen Funkkammer" soll am 18. d. M. stotisindcn. Sitz der„Deutschen Funkkammer" ist Berlin W 9, Bellcvucstrahe 5._ Die Höllenmaschine von Bia Torbagy. Auf den Spuren des Eisenbahnotteaiats. Budapest, 16. September. Die Blättermelduogen über die bisherigen Ergebnisse der paii. zeiiichen Erhebung über das Eisenbahaaklentat bei Bia Torbagy werden nunmehr von amtlicher Seite bestäligt. Die Sachverstäud». gen haben festgestellt, daß die Höllenmaschine mit 1 bis IM Kilo Ekrasit gefüllt war. Die Sprengladung war mit einer primitiven Zündvorrichtung verbunden. Trotzdem laß. ihre Zusammenstellung mit Bestimmtheit darauf schließe«, daß ihr Hev> steller eine in Sprengsachen unbedingt sachkundige und geübte Per-. son sein muhte. Das bei der Zündvorrichtung oerwendete Material stammt teils aus dem Auslande, teils aus dem Inlaude. Die Stelle, wo die Bombe gelegt ipurde, ist vermutlich deshalb g«» wählt worden, weil die Täter dort auch dann im Dunkeln arbeiten konnten, wenn auf der Landstraße unter dem Viadukt ein mit Scheinwerfern versehenes Fahrzeug vorbeigefahren wäre. Der Um- stand, daß ein ausgesprochen internationaler Zug gewählt wurde, läßt daraus schließen, daß mau mit dem Attentat eine all- gemeine Panikstimmung auslösen wollte. Aus dem am Tatort zurückgelassenen und auf die Rückseite eines Kuverts geschriebenen Zeilen hat der Gerichtssachverständige festgestellt, daß die Schriftzüge mit der Handschrift des ZSsährigen in Bodo-| peil geborenen Eisendrechslcrs uud Chemikers Marlin Leipnik übereinfiimmeo, der wegen kommunistischer Umtriebe öfter mit der Polizei zu tun gehabt hatte. Die Polizei hat außerdem noch zwei für die Er» Hebungen wichtige Momente entdeckt, über die aber vorläufig nichts veröffentlicht werden kann. Verschiedene Kommunisten wurden verhaftet, deren Ramen vor- läufig geheim gehalten werden. Die Budapester Polizei hat sämt- liche ausländischen Polizeidirrkttonen ersucht, sie bei der Suche nach dem Täter zu unterstützen. Keine Spur von den Ozeanfiiegern. New �ork, 16. September. 1 Von dem Junkersslugzeug VV 33 mit seinen Piloten Johann- s e n und R o d y, das vorgestern von einem Dampfer 400 Meilen östlich von Halifax und 1000 Meilen von New York entfernt gesichtet wurde, fehlt bisher noch immer jede Spur. Die Witterungsverhält- niste in der Gegend, die das Flugzeug noch nicht durchflogen hat, waren in den letzten 48 Stunden die denkbar ungünstigsten. Es herrschten heftige Stürme. Zwei amerikanische Flieger, die in der vergangenen Rocht auffliegen, um noch den verschollenen Fliegern zu suchen, kehrten unverrichteter Dinge znrück. Das deutsche Flugzeug hatte für etwa 60 Stunden Benzin an Bord, das ihm gestern abend gegen 21 Uhr amerikanischer Zeit ausgehen mußte. Es ist d e n k- bar, daß die Flieger irgendwo an der amerikanischen Küste oder vielleicht auf Zteuschottland notlandeten und sich bisher mit der Außenwelt nicht in Verbindung setzen konnten. Sämtlich- Küstenstationen sind angewiesen worden, noch den Fliege« Ausschau zu holten. Dahlienschau im Eporipatk Neukölln. Schon seit einigen Jahren oeranstattet die Deutsche Gar, tenbau- Gesellschaft Dahlieufreilandschaue.i. Diese werden möglichst in städtischen Anlagen untergebracht und umfassen all« gangbaren Sorten und Neuheiten aus der großen Zahl schöner Dahlien. Im Jahr« 1929 fand diese Schau in S ch n e i d e m ü h l. der bedrängten Stadt der Grenzmark statt, im vorigen Jahre im lOOOjährigen Brandenburg. In ittcftnt Jahre hat sie ihre Stätte ganz in der Nähe des Luftschifshafinz, im Sportpark Zteukölln gesunden. Es sind in einem Schau- garten und in einem Sortimentsgarten mehr als4000Dahlisn aufgepflanzt worden, die schon seil Wochen in voller Blüte steher ein farbenprächtiges Bild für den Beschauer. Unter der Obhut des Gartendirektors Poethig vom Bezirksamt Neukölln und Gart-n- architekt Glocker hat sich die Pflanzung trotz der U reimst des Weitcrs, trotz Hagclschlag und Wolkcnbruch in bester Wn'» entwickelt. Am E-nntag. dem 20. Septenfaer mx, io& üjr,««d die Tlr. 435• 48. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Donnerstag- 17. September 1932 Städte und Konsumvereine. Gibt es rechtliche Hinderungsgründe für die Mitgliedschast? Die Durchführung der Winterhilfe für die Arbeitslosen wird vielfach die Einschaltung der Konsumvereine zweckmähig er- icheiaen lassen, hier soll untersucht werden, ob öffentlich-rechtliche hinderungsgründe dem Eintritt von Städten in Konsumgenossen- schaften entgegenstehen. Das Gesetz über die Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften kennt keine Bestimmung, aus der ein derartiges Verbot zu folgern ist. Auch§ 8 Absatz 4 des genannten Gesetzes, der gclegcnt- lich von Gegnern des Eintritts der Kommunen in die Genossen- schaften herangezogen wird, steht einem solchen Eintritt nicht cnt- gegen. Allerdings sieht diese Bestimmung Zweck und Sinn der Ge- ncssenschasten im„Einkauf im großen und Absatz im kleinen". Sie lann unter Verikfsichtigung der wirtschaftlichen Gesamtentwicklung ober nur so verstanden werden, daß unter ihr die Einkaussdeckung iür die Gesamtheit der Genossen und der Absatz an den einzelnen zu verstehen ist. Oeffentlichrechtlich kann der Eintritt der Kommunen in Konsum- eenossenschaften mir unter dem Gesichtspunkt betrachtet werden, ob mit ihm allgemein die Grenzen des kommunalen Selbst- »erwaltungsrechts überschritten werden, oder im einzelnen besondere,«ine derartige kommunale Tätigkeit betreffende Landes- g e s c tz e verletzt werden. Schon hieraus ergibt sich, daß die ösfentlichrechtliche Prüfung für das gesamte deutsche Reichsgebiet nicht einheitlich erfolgen kann. In folgendem soll der Rechtszustand in den für die genossenschaftliche Bewegung maßgeblichsten deutschen Ländern: Preußen, Sachsen und Bayern behandelt werden. In Sachsen ist unsere Frage bereits Gegenstand verwaltungsgerichtlicher Ent- icheidung geworden. Die Stadtverordneten der Stadt Leipzig batten beschlossen, für die Stadt Leipzig sofort die Mitgliedschaft beim Konsumverein Leipzig-Plagwitz zu erwerben. Gegen diesen Beschluß hatte der Stadtrat(Magistrat) bei der Meishauptmann- schast Einspruch erhoben. Nachdem diese den Beschluß der Stadt- > erordnetcn als ungesetzlich aufgehoben hatte, wurde er durch Ent- scheidung des Sächsischen Oberoerwoltungsgerichts für rechts- n, ir kf a m erklärt. Dos Sächsische Oberverwaltungsgericht hatte seiner Entscheidung sogar unterstellt, daß durch den Beschluß der Stadtverordneten der Stadtrat nicht zum Warenbezug von der Kon- sumgenossenschaft gezwungen werden sollte, sondern daß durch diesen Beschluß nur der Eintritt in die Konsumgenossenschaft und damit eine Stärkung des konfumgenossenschastlichen Gedankens herbei- geführt werden sollte. Auch bei dieser Unterstellung wurde der ge- nannte Beschluß der Stadtverordneten für zulässig erklärt. Einmal sei der Eintrüt in die Konsumgenossenschast eine Ge- ircinicangclcgcichcit, zu deren Beschlußsasiung die Stadtverordneten auch im Sinne der Sächsischen Gemeindeordnung befugt seien, hier- aus folgt die grundsätzliche Gesetzmäßigkeit des Beschlusses. Diese aber wird— wie das Urteil weiter mit Recht ausführt—, nicht dadurch beseitigt, daß sich die Stadtverordneten bei Fassung ihres Beschlusses von wirtschaftspolitischen Beweggründen haben leiten lassen. Ob hierin eine schuldhofte Vernachlässigung von Auf- gaben der Gemeinde zu erblicken sei, die ein Einschreiten ig, Wege i-er Staatsaufsicht«rsorderlich maäze, läßt dos Urteil dahingestellt. Dieser Hinweis ist aber ohne besondere Bedeutung, nachdem vorausgehend die Gesetzmäßigkeit des Stodtvcrordnctenbeschlusscs festgestellt worden ist., Ein Einschreiten im Weg« der Staatsaufsicht ist nur zu- lässig gegenüber ungesetzlichen Beschlüsien oder bei ausgesprochenen Vernachlässigungen in der Regelung der Gemeindeangelegenheiten, nicht aber, wenn wie hier bewußt ein« bestimmte Angelegenheit zum Gegenstand kommunaler Regelung gemacht wird. In Bayern hatte der Stadtrat von Nürnberg im Juni 4928 den Eintritt in eine Konsumgenossenschaft beschlossen. Gegen diesen Beschluß war eine Reihe wirtschaftlicher Verbände des Einzelhandels bei der Regierung Mittelfranken vorstellig geworden. Die Regierung als staatliche Aufsichtsbehörde hatte hierauf in einer Verfügung an den Stadtrat folgende Bedenken geltend gemocht: 1. Nach der Satzung der fraglichen Konsumgenossenschaft könnten Mitglieder nur„geschäftsfähige Personen und rechtsfähige Vereine" werden. Es sei fraglich, ob hierunter auch össentlichrechtlich« Körper- schaften zu verstehen seien. 2. Der Beschluß des Stadtrots hätte nach 8 61 Absatz 1 Ziffer 1 der Bayerischen Gemcindeordnung der Genehmigung bedurft. Bis zur Erteilung dieser Genehinigung sei er darum noch nicht rechts- wirksam und dürfe darum noch nicht ausgeführt werden. Durch dies« Bedenken hatte der Stadtrat sich veranlaßt gesehen, seinen Beschluß wieder aufzuheben. Dieser Rüäkzug war sicher vor- eilig. Das erste Bedenken der Regierung hätte durch«ine leicht zu bewirkende Acnderung der Satzung der betreffenden Konsum- genossenschaft ausgeräumt werden können. Sodann aber hätte die Genehmigung, die allerdings ausdrücklich hätte beantragt werden müssen, nicht versagt werden können. Besonder« gesetzlich« Be- stimmungen, die einen Eintritt der Kommunen in Konsumgenosien- schaften verbieten, bestehen in Bayern nickst. Wie auch für das säch- fische Recht kann eine Vernachlässigung von Gemeindeaug«legenheiten in einem solchen Beschluß nicht erblickt werden. Die Gemeinden haben ein durch die Rcichsverfassung geschütztes Recht auf Selbstverwaltung, welches durch Bersagung der Genehmigung ver- letzt worden wäre. In Preuhen hat der Eintritt der Städte in Äonsumgenossenschosten die Ver- waltungegerichie noch nicht beschäftigt. Die hohe Entwicklung des kommunalen Verwaltungsrechts in Preußen vereinfacht die Prüfung dieser Frage. Es ist erster Satz des preußischen Berwoltungsrechts, daß die Betätigung der Selbstverwaltung der Staatsaufsicht unterliegt, daß dies« Staatsaufsicht aber wiederum in dem Recht der Kommunen auf Selbstverwaltung ihre Grenze findet. Die Staatsaufsicht kann also nur bei Kompetenzüberschreitungen oder Gesetzesvcrlctzungen eingreifen. Eine Kompetenzüberschreitung liegt nicht vor, denn der Erwerb der Mitgliedschaft in einer Konsum- gcnossenjchast kaiur. sehr wohl zur lommunaleu Angelegenheit gemacht werden. Eine Gesetzesocrletzung ist ebenfalls nicht gegeben, da Städteordnung und Landgemeindeordnung keine Bestimmung«nt- halten, die dem entgegenstehen. Staatlicher Genehmigung für einen derartigen Beschluß bedarf es in Preußen nicht. Ein Vorgehen im Wege der kommunalen Aufsicht kommt somit in Preußen nicht in Fräge, wie auch der preußische Minister für Handel und Gewerbe in einer Verfügung vom 28. Januar 1928 selbst zum Ausdruck gebracht hat, L. W. Lamaun, Geriditsassessor. Vor der Reform des Aktienrechts. Das Roiwendigste, was sofort geschehen muß. Zm lvlrlschafksprogramm der Reichsregierung dürften auch die nach der Meinung der Reichsregierung vordringlichsten Reformen für das ANienreckst durch Rokerordnung geregelt iverdcn. Mir fassen im solgeaden zusammen, was oach unserer Meinung sofort geschehen muß. Ueber die Dringlichkeit der Verschärfung der Publizi- tätsbe stimmungen und der Pflichtreoision gibt es heute in Deutschland kaum mehr Meinungsverschiedenheiten. Dafür waren die Skandale der letzten Monate eine zu grausame Lehre. Aber es wird darauf zu achten sein, daß diese Bestimmungen weit- gehend genug sind und eine Umgehung ausgeschlossen wird. Die Pflichtreoision ist zumindest bei den größeren Unternehmungen > o f o r t einzuführen: die im ursprünglichen Entwurf vorgesehenen Uebergangsbestimmungen wären eine gefahrbringende Verschleppung. Bei den Publizitötsvvrschriften ist aus Grund der jüngsten Erfahrungen zu fordern, daß vor allem die Verflechtungen mit anderen Unternehmungen(Tochtergesellschaften usw,) aufs Korn genommen werden und daß die Geschäfte der Akticn- ocsellschasten mit ihren eigenen B e r w altu n g S m i t g l i e- dem und deren Bezüge vollständig erfaßt werden. Zur Siche- rung speziell dieser Bestimmungen müssen auch scharfe H a f t u n g s- und Strafbestimmungen erlassen werden, wesentlich schärfere jedenfalls, als der ursprüngliche Entwurf sie vorgesehen hatte. Dringlich erscheint uns auch angesichts des skandalösen Miß- brauchs der Verwallungsmacht in zahlreichen Fällen die Reform des Stimmrechts. Vor allem muß gefordert werden, daß dem Mehrstimmrcchtsunfug durch wesentlich schärsere Maß- nahmen gesteuert wird, als ursprünglich vorgesehen war. Das Zweckmäßigste wäre, das Mehrstimmrecht generell an die(Benehmt- qung durch eine staatliche Stelle zu knüpfen, die nur in Volkswirt- ichastlich berechtigten Ausnahmefällen erteilt werden dürfte. Ebenso muß auch der Unfug des D c p o t st i m m r« ch t s der Banken beseitigt werden, Schließlich ist zu fordern, daß endlich einmal der Mißachtung der Rechte der �Betriebsräte in den Aufsichtsrätcn vieler Unternehmungen ein Riegel vorgeschoben wird. Deshalb ist zu ver» langen, daß die Betriebsräte in jeder vom Aussichtsrat gebildeten .Kommission vertreten sind und von sich aus das Recht zur Em- berufung des Aufsichtsrats erhallen, ebenso wie das Recht, an� der Generaloersammlung teilzunehmen Und dort das Wort zu ergreifen. Alle diese Forderungen sind so vordringlich, daß uns angesichts des unleugbaren Notstandes in der rechtlichen Regelung des Wirt- schostslcbens ihre Durchführung durch Notoerordnung gerecht» fertigt und notwendig erscheint. Mit allen übrigen Bestimmungen der geplanten Aktienrechtsresorm aber hätte sich die Regierung an Reichsrat und Reichstag zu wenden Büromechanisierung bringt Gewinne. Gelbüberfluß bei den Chemnitzer Astrawerken. Die Mechanisierung dos Büroöctriebes hat auch im vergangenen Jahr der Lieferindustrie trotz der anhaltenden Krise beträcht- liche Gewinn« gebracht. So können die Astrawerke in Chemnitz, die in der Hauptsache Rechen- und Buchungs- Maschinen herstellen, für 1936/31«ine Dividende von 6 Proz. zahlen, nachdem im Vorjahr die Ausschüttung von Aktionärs- gewinnen weggefallen war. Die Dividende nlosigkell für 1929/36 beruhte allerdings nicht auf Derlustgeschäftcn, sondern aus der be- sonders ausgeprägten Rcfervepolitik der Gesellschaft. Bei einem Kapital von nur 866 666 M. wird für das letzte Geschäftsjahr ein Reingewinn von rund 143 666 M„ der einer achtzehnprozentigen Dividende entspricht, ausgewiesen. Die niedrige Kapitalisierung des Unternehmens ermöglicht es also der Ver- waltung, neben der für die gegenwärtige Krisenzeit beachtlichen Dividende von 6 Proz. ganz erlzeblichz Mittel aus dem Reingewinn zurückzustellen. So erhöht sich der Gewinnvortrag, der aus neue Jahresrechnung übertragen wird, auf fast 443 666 M., die rund 55 Proz. des Aktienkapitals entsprechen. Es gibt also auch jetzt noch Unternehmen, bei oenen von Geldmangel nicht die Rede sein kann._ Gute vcschästigung bei den Mannheimer Motorenwerken. Die Motorenwerke Mannheim A.-G. konnte dos stark nach- lassende Jnlondsgcschäst durch eine Anzahl großer Auslandsaufträge ausgleichen. Unter anderem Hot die Gesellschaft aus Grund der Russenverträge Bestellungen für Schisfsmotore im Werte von rund 13 Millionen Mark erhallen. Don diesen Aufträgen werden bis Ende des Monats S6 Prozent abgeliefert sein. Auch sür das übrige Ausland liegen noch größere Arbeiten vor. Die Ge- sellschaft war im Laufe dieses Jahres bisher nur zu einem Abbau von etwa 16 Prozent der Belegschaft gezwungen, Eine Milliarde Aläly Steuerrück stände ln polen. W» das polnische Finanzministerium mitteilt, betrugen am 31. März d. I. die Ruckstände an direkten Steuern eine Milliarde Zloty. Den größten Aussall stellt die Vermögenssteuer mit 403 Milllonen Zloty dar.(1 Zloty gleich 47 Pfennig) Politik oder Forschung? Institut für Konjunkturforschung und der Wohnungsbau. Von besonderer Seite wird uns geschrieben: Die Kritik darf an den Ausführungen nicht vorübergehen, die das Institut für Konjunkturforschung über die konjunkturellen und polllischen Bedingtheiten der Bautätigkeit macht. Geht man die Vierteljahresberichte durch, so muß man feststellen, daß sich hier ein erstaunlicher Wandel der Ansichten vollzogen hat. Möglicher Umfang und notwendiges Mindestmaß des Wohnungsbaues, vor wenigen Monaten noch an den bevölterungs- und wohnungs- statistischen Untersuchungen des Statistischen Reichsamtes gemessen, werden plötzlich zu gefühlsmäßig bestimmbaren und fragwürdigen Größen. Noch Ende 1936 war zu lesen, daß die Einschränkung der öffentlichen Mittel für den Wohnungsbau„insbesondere die wettere Auffüllung des Wohnungsfehlbestondes in Frage stelle", und daß das Regierungsprogramm„gegenüber einem jährlichen Zuwachsbedarf von rund 256 666 Wohnungeit einen Minderzugang von rund 35 666 Wohnungen bedeute". Anfang Juni wurde da- gegen geschrieben, der Wohnungsmarkt sei„in dem Augenblick, in dem er für die Anbahnung der Wirtschaftskonjunktur besonders wichtig wäre, ü b e r f ü l l t". Konnte man damals im Zweifel sein, wie diese Formulierung auszufassen ist, ob sie bloß zum Ausdruck bringen will, das Wohnungsangebot sei im Verhältnis zur Kauf- kraft der Wohmingsbedürstigen zu groß, oder ob sie besagen will, es gebe überhaupt zu viele Wohnungen, so wird man durch den neuesten Bericht belehrt, was es mit dieser Formulierung auf sich hatte. Es heißt dort:„Das Wohnungsangekot entspricht im ganzen gesehen mengenmäßig bereits ungefähr dem objektiven Bedarf... Die subjektive Nachfrage bleibt im ganzen schon jetzt hinter dem Angebot zurück." Hier wird zweifelsfrei ausgesprochen, was im vorangegangenen Vierteljahresbericht nur angedeutet war: Weiterer Wohnungsbau stoße nicht mehr auf Bedarf, gleichgüllig zu welchem Preis die Wohnungen vermietet werden sollen, und sei somit überflüssig. Man tönnte mit dem Institut für Konjunktursorschung rechten, ob der Sachverhalt, den es vor neun Monaten angab, oder die Meinung, die es heute vorbringt, richtig sind. Das aber hat nicht viel Sinn, denn es liegt auf der Hand, wann das IfK. im Recht war: da die Untersuchungen des Statistischen Reichsamts, die seinerzeit die Grundlage für den Bericht abgaben, heute immer noch beweiskräftig sind, folgt, daß der heutige Standpunkt des IfK. eben falsch ist. Ist er aber auch falsch, so hat er freilich den Borzug, sich mit dem der Regierung zu decken, was die Frage rechtfertigt, ob das Institut sich zur Forschung als zur Politik mehr berufen glaubt. Erschwerend kommt hinzu, daß das IfK, sich die Blöße gerade auf einem Gebiet der Wirtschaftspolitik gegeben hat, das seit nunmehr einem Jahr im Mittelpunkt des Interessenstreits steht. Die Abkehr von der Bauförderungspolitit wegen angeblicher Sättigung des Wohnungsmorktes ist mit der R c a l st e u e r- senk un g vom 1. Dezember 1936 verknüpft, und die jetz-gen De- ballen um das Schicksal der Hauszinssteucr sind überhaupt nur möglich, weil aus bürgerlicher Seile die Existenz des Wohnungs- elends und die Notwendigkeit einer sozialen Baupolitik mit Unter- stützung der Regierung geleugnet wird. Wenn das IfK. dem Stand- punkt der Regierung jetzt offiziell beitritt, muß es sich darüber im klaren fein, daß es sich zugleich für den Abbau der Houszinsstene'' einsetzt. Krisenpoliiik des Zündholzirusts. Obwohl sich durch die Krise der Verbrauch an Zündhölzern fast in keinem einzigen Lande vermindert hat, hat sich doch der schwedi- sche Zündholztrust in den letzten Monaten zu Produktions. einschränkungen gezwungen gesehen. Einige kleinere Fa- briken des Konzerns in Schweden muhten st i l l g e l e g t werde» Das ist darauf zurückzuführen, daß in einigen Ländern auf die Einfuhr von Zündhölzern erhebliche Zölle gelegt wurden, so z. B, in Indien, Australien. Aegypten und China. In den Der- einigten Staaten wurde die Ziindholzeinfuhr vollständig ver- boten, naehdem vorher die Zölle stark erhöht worden waren. Der schwedische Zündholztrust umging diese Hemmungen dadurch, daß seine Untergesellschaft, die International Match Corp., ein großes Aktienpaket der Diamond Match Corp., der größten amerikanischen Zündholzgesellschast, übernahm. Eine ähnliche Taktik verfolgt der Konzern jetzt in Aegypten, wo er, um künftighin trotz der er- höhten Zölle wettbewerbsfähig zu bleiben, in Alexandrien eine große Streichholzfabrik errichtet. Der Schwedentrust und die International Match Corp. ton- trolliercn gegenwärtig 256 Streichholzfabriken in 43 verschiedenen Ländern: mehr als% der Weltproduktion an Zündhölzern stehen jetzt unter Kontrolle des Schwedentrusts. Scharfe Opposition bei der Excelsior-Generalversammluug. Der Schwanengesang, den die Verwaltung der Excelsior-Fahrrodwerke auf der letzten" Generalversammlung anstimmte, fand bei den versammelten Kleinattionären alles andere als ein geneigtes Ohr. Es war allerdings auch eine merkwürdige Taktik, wenn der Aufstchts- ratsvorsitzendc Direktor K l c e m a n n den kleinen Aktionären die Pleite mit dem Hinweis auf die G l a n z d i v i d e n d e n der Vor- triegszeit in Höhe von 25 Proz. versüßen wollte. So kann man aus Generalversammlungen heute denn doch nicht mehr mit der Wurst nach der Speckseite werfen,— Die Angriffe der Aktionäre gipfelten in einer scharfen Kritik an der Direktion, die es weder oerstanden habe, rationell zu arbeiten, noch die sehr hohen Unkosten dem sinkenden Umsatz anzupassen. Die Umsätze bei den Excelsior-Fahrradwerken waren von 1928 bis 1936 von 4,9 bis auf 3.3 Millionen gesunken. Auch die von der Gesellschaft angewandten Verkaufsmethoden im Motorradgcschäft wurde beanstandet. Schließ- lich forderte die Opposition Einsetzung einer Trcuhandkommission, da behauptet wurde, daß ein Großaktionär der Gesellschaft das Werk in der Liquidation billig Wiederkausen wolle. Der Antrag wurde abgelehnt� Die Auslosung der Gesellschaft wurde schließlich gegen 481 Stimmen beschlossen. liesstand im Zemenlabsah. Die Verkäufe der Zementinvustrie hoben im August einen neuen Ties st and erreicht. Er ist gegenüber dem Juli von 452 666 auf 343 666 Tonnen gesunken und liegt um rund 33 Proz. unter den Absatzmengen des August vorigen Jahres, obwohl auch im Hochsommer 1936 die Absatzoerhältnisse in der Zcmentindustrie sehr im argen lagen, Ii' den ersten acht Monaten dieses Jahres liegt der Gesamtabsatz bei Zementindustrie mit 2,78 Millionen Tonnen um 31 Proz, unter der Verkäufen w der gleichen Zeit des Vorjahres, während im Bergleiö zu 1929-die Umsätze mengenmäßig sogar um 42 Proz, gesunken sin' Diese Zahlen sprechen für den Schrumpfungsprozeß tm Baugewe und fih die Folgen der verhängnisvollen Karl- Politik der Zementinduftrie eine bittere Sprache. üiviin Steilbul: Sltt ffillUGt* Der Regen kam in so dicken Strängen vom Himmel, daß es um den Bauernwagen geradezu dunkelte, obgleich es Vormittag war. Blitze zuckten, Donner rollte. Ergeben trottete das schlechtgenährte Pferd die Landstraße hinunter. Der Bauer oben nahm von dem Un- weiter keine Notiz. Er war etwa sechzig Jahre und schien von mäch- tiger, schwerer Gestalt; ein Gesicht mit festem grauem Blick; knapp- geschlossenen Lippen und großen festen Zügen. Von seinem grün- braunen Hut leckten Bäche auf die Arm« hinunter; durch die Stoppeln seiner hageren braunen Backen floß es wie ein unaufhörliches Bad. Am Eingang des Dorfes, das er nun erreicht hatte, kamen ihm zwei Landleute in lehmigen Schaftstiefeln entgegen. Der Wagen rüttelte bis dicht an sie heran. Die beiden Männer waren stehen- geblieben, wie um sich auf eine längere Unterhaltung mit dem Dritten einzurichten. DireU vor ihnen hielt das Pferd. Aber von oben her kam nur ein ruhiges Kopfschütteln, und ein einziges Wort: „Nichts." Die beiden wurden blaß und sahen sich an. Ehe sie sich zu einer Frage entschlossen hatten, war das Gefährt schon wieder in Bewegung. Die beiden zauderten, ob sie ihm folgen sollten. Verloren irrten ihre Blicke in der Landschaft umher. Dann lehnte sich der eine, wie er- schöpft, gegen einen Baum. Sein Blick war verstört, er sah seinen Begleiter nicht an.— Der Regen ließ allmählich nach. Im grauen Himmel klafste ein Riß, ein silbern sich oorkämpfendes Gleißen, das seinen Abglanz auf die bereits beruhigten Felder legte. Den Seitenweg hinunter, der zum Pfarrhaus führte, kam ein Mann mit feinem, leichtgebräuntem Gesicht; in Lodenmantel und Wickelgamaschen, barhäuptig wie er war, zeigten seine blonden Haare die Zerzausung von Regen und Wind. „Da kommt der Lehrer", murmelt« der eine— er war ein hagerer Mensch mit einer abgebrauchten braunen Mütze auf dem schütteren Haar. „War das nicht Wrist?" rief der Lehrer ihnen zu, noch eh« er ganz heran war. Er deutete in die Richtung des weitergezogenen Bauernwagens. „Ja, er kommt aus der Stadt", antwortete der Hagere mürrisch. „Er wollte Kredit besorgen. Aussichtslos." Er schwieg. Nach einer Pause fügte er hinzu: „Bei Wrist soll heute das Vieh geholt werden. Der Gerichts- Vollzieher ist schon im Ort." Der Lehrer antwortete leise:„Ich weiß." „Heute er, morgen wir", sagte der andere Bauer. Der Lehrer machte eine Bewegung, als ob er entgegnen wollte, aber er schwieg. „Was ist nun von all den Reden, die Ihr uns gehalten habt, übriggeblieben", sagte wieder der Bauer mit der armseligen braunen Mütze;„Ihr habt höhere Verkaufspreise und Kredit vorausgesagt. Ob Ihr recht behalten habt, könnt Ihr heute sehn." „Die Zeiten werden sich bessern", sagte der Lehrer so leise wie vorher. „Wann? Wie lange sollen wir warten?" Der andere Bauer, untersetzt und breit, tat den Mund auf: „Bis es den Städtern besser geht, bis sie wieder Geld haben, um unsere Produkte zu kaufen, bis—." Aber, als ob es ihm reute, daß er in seiner verzweifelten Lage überhaupt noch sprach, machte er ein« verächtliche Handbewegung:„Anstatt zu reden, sollten wir lieber..." Er schwieg. Sein Gesicht lief dunkelrot an. „Um Himmels willen, was habt Ihr vor?" fragte der Lehrer, von diesem Gesichtsausdruck erschreckt. Der Bauer setzte sich in Be- wegung, der Hagere folgte ihm.—„Wohin wollt ihr?" rief der Lehrer. „Da hinaus..." Sie gingen zum Dorf hinein. Der Lehrer sah ihnen eine Weile nach. Dann wandte er sich zur Linken, er ging die Landstraße hinunter. Dort, einige hundert Schritte vorm Dorf, stand die Schule— heute übrigens nur von den auf dem Hofe spielen- den Kindern des Lehrers belebt. Es war ein Ferientag. Es fiel jetzt kein Tropfen mehr. Die erste Wirkung der sich durch- arbeitenden Sonne lag silbern über Hecken und Feldern. Von sehr weit her sah wie ein blauer Nebel ein Zug des Gebirges hindurch. Den beiden Bauern, die bereits an den wenigen Häusern des eigentlichen Dorfes vorbei waren, kam ein junges Mädchen entgegen- gelaufen. „Wrists Mädchen", sagte der Hagere.„Weshalb rennt sie denn? Da ist ein Unglück passiert." Es war Wrists Tochter, die, seit die Mutter gestorben war, die Wirtschaft im Hause besorgte. Von den Söhnen hatten sich zwei als Siedler niedergelassen, der dritte war Arbeiter. Das junge Mädchen rief den beiden Männern etwas entgegen, sie verstanden nichts, die Entfernung war noch zu groß. Ihre Arme fuchtelten, deuteten zu den Feldern hinüber, wo der Hof ihres Vaters, verdeckt von Hecken, lag. Sie rief: „Er hat mich fortgeschickt, weil der Beamte konnnt... Ich habe den Beamten gesehen, mit ihm den Arbeiter, der das Vieh zur Versteigerung treiben soll... Er hat mich fortgeschickt... nun ist er ganz allein im Haus... Es gibt ein Unglück..." Atemlos stand sie vor den beiden Männern und sah unruhig in ihre Augen, als erwartete sie von ihnen Hilfe. Sie war noch unter zwanzig, eher zart als kräftig. Ihr gar nicht derbes Gesicht unter dem wirren blonden Haar war in Schweiß gebadet. „Warum bist du gerannt? Willst du wen holen?"- „Den Lehrer! Der Lehrer meint's gut mit uns!" Sie rannte fort. Die beiden sahen ihr kopfschüttelnd nach. Schweigend gingen sie weiter. Ein Pfad führte von der Landstraße ab zum Gehöft. Dort hinten, der schmalen Rückseite des Hauses gegenüber, stand ein Mann, der seine Aufmerksamkeit auf die in seinem Blickbereich liegenden Ausgänge gerichtet hielt. Es war der Arbeiter, der mit dem Gerichtsvollzieher gekommen war. Der Bau war von jener älteren Art, die Mensch und Tier noch unter einem Dach vereint. Das breite behäbige Haus ließ auf den Wohlstand seines längst ge- storbenen Erbauers schließen.— Aus dem Innern scholl gedämpft dos Bellen eines Hundes. Der Arbeiter erklärte den beiden nähergekommenen Bauern, daß Wrist dem Gerichtsvollzieher den Eintritt in sein Haus verwehrt hotte. Anscheinend hatte der alte Bauer so oerzweifelt fest mit einem Kredit der Bank gerechnet, daß er jetzt, nach seiner Rückkehr aus der Stadt mit gescheiterten Hoffnungen, den Kopf verloren hatte und «inen ganz sinnlosen Widerstand wagte. Sein Vieh, das er nicht hergeben wollte, auf die Weiden eines Nachbarn zu führen, um es so dem Zugriff des Gläubigers zu entziehen— dies hatte ihm ein Ge- fühl von Stolz von vornherein verboten. Er faß in seinem Trotz ver- barrikadiert wie in einer zum Fall verurteilten Festung. Die Bauern gingen zur Einsahrtsseite hinüber. Ueber dem Ein- gang stand in schwer entzifferbaren Lettern ein Spruch:„Wer Gott vertraut, Hot wohl gebaut im Himmel und auf Erden." Dem Tor gegenüber fanden die Bauern den Gerichtsvollzieher, der ihnen aufmerksam entgegensah. Die Bauern fragten ihn: „Worauf wartet Ihr? Was habt Ihr vor?" Die Tochter Wrists hatte den Beamten gebeten, bis zum Er- scheinen des Lehrers mit der Dollstreckung zu warten. Von der Wiv kung des Lehrers versprach sie sich alles. In seiner heiklen Lage war der Gerichtsvollzieher dazu bereit. Seine Worte ließen erkennen, daß er, mit persönlicher Unbeteiligtheit, nur dienst- und pflichtbewußt dem verschlossenen Tor gegenüberstand, auf dem sein scharfer, hell- blauer Blick während der ganzen Unterhaltung haften blieb. Cr war ein untersetzter Mann mit rotem Gesicht und goldblondem Schnurrbart. Wie er sagte, wartete er das Eingreifen des Lehrers ab, um Wrist das Schlimmste zu ersparen. Das Bellen des Hundes aus dem Hause scholl fort.— Es dauerte nicht lange, so kam der Lehrer, von dem verzagten, unglücklichen Mädchen begleitet. Der Lehrer ging sogleich ans Tor, sichtbar faßte er«inen Entschluß— dann klopfte er mit der Faust und rief: „Wrist! seid nicht halsstarrig! öffnet! ich bin's! Ihr wißt, ich bin euer Freund!" Es blieb still. Dann heulte der Hund wieder los. Der Lehrer hatte die Faust zum abermaligen Klopfen angesetzt— da öffnete sich der mannshohe Eingang im Tor und Wrist stand uns gegen- über. Die Zinken nach oben, drohte die Heugabel neben ihm. Aber seine Stimm« war ganz ruhig. Sein Gesicht war gelblich. „Was wollt Ihr?" fragte er. „Nehmt Vernunft an", sagte der Lehrer,„hier ist ein Beamter, dem Ihr gehorchen müßt." „Geht von meinem Hof", antwortete der Bauer. Neben ihm, wie ein Bundesgenosse sein riesiger Hund, der uns ansah und schwieg. Der Bauer überragte den Lehrer um Kopfeslänge, mächtig hingebaut machte er ihn geradezu schmal und klein. „Vater..." begann das ängstliche Mädchen. „Komm du herein", befahl er. Das Mädchen sah fragend den Lehrer an. Der winkte ihr mit den Augen zu. Mit schmalen Schultern ging sie an ihrem Vater vorbei ins Haus. Auf diesen Augenblick schien der Beamte gewartet zu haben. Er schickte sich an, dem Mädchen zu folgen.— Sosort ging Wrist mit der Heugabel vor— der Lehrer, der ein Blutvergießen fürchtete, sprang dem Bauern an die Brust, er hielt ihn an den Aufschlägen seiner Weste gepackt, so daß die Heugabel, die der Bauer in der Linken hielt, nunmehr nur ein Hemmnis bei der Verteidigung für ihn war, er konnte sie nicht mehr zum Stoß an- setzen.— Der Beamte umschlang seine Arme wie mit Fesieln. Von drinnen war für einen Augenblick Aufruhr zu hören— das Mädchen schrie, die Kühe stießen ein kurzes Gebrüll aus, ein wildes Ge- trappel, dazu das Keuchen des angefallenen Mannes, das Aechzen des Kampfes... Aber sie hatten nicht mit dem Tier gerechnet: Schon fuhr der Hund dem Lehrer an den Hals, der Entsetzte ließ los, sprang zurück, riß die andern mit sich— der Bauer hatte schon vorher die Heugabel neben sich hingeworfen, mit den Fäusten griff er vor, er gab dem Lehrer einen Stoß vor die Brust, der den Mann noch einmal zurücktaumeln machte— der Hund fuhr mit wüstem Gekläff zurück, für einen Augenblick stand er wie ein Sieger strack aufgerichtet neben seinem Herrn und sah aus unergründlich dösen Augen die Feinde an. Gleich darauf war die Tür zugeschlagen. Für einen Augenblick herrscht« Stille.— Dann schwang sich der Beamte auf ein Rad und radette davon. Der Arbeiter blieb. Die beiden Bauern hatten sich schon vorher zurückgezogen, sie hatten dem Kampf nur aus dem Hintergrund zugesehen. Stumm sahen sie noch immer herüber. Was sollten sie dem unglücklichen, freiwillig Eingeschlossenen wünschen? Ein möglichst frühzeitiges Ende dieses verzweifelten Zuftandes, in den sein trotziges Herz ihn hineingeführt hatte, in dem es keine Hilfe von außen für ihn gab— wäre dies nicht das glücklichste Ende gewesen? Mittlerweile kamen mehr und immer mehr Leute aus dem Dorf, viel« Frauen darunter, auch Kinder. Sie blieben in leisem Gespräch auf dem Weg. der zum Anwesen führt«. Der Himmel wat jetzt so unschuldig blau, als wäre er es Zell seines Lebens gewesen; unter der Sonne funkelten Gesträuch und Felder, und in der Ferne die bläulichen Hügel standen wie leichter Nebel. Es verging ein Stück Zeit, indes aus dem Hause die Laute der Tiere vernehmlich waren. Vom Bauern blieb nichts zu sehen noch zu hören. Neben dem Lehrer standen jetzt mehrere, augenscheinlich in der Gemeinde einflußreiche Männer in der Nähe des Eingangs... Sie verhietten sich schweigsam.— Dann wurde die Pause durch ein Ereignis jäh abgeschnitten. Der Gerichtsvollzieher, in seinem Gefolge drei Landjäger mtt übergehängtem Gewehr, überdies eine Waffe am Koppel, kamen auf den Weg geradelt. Dies exakte rasche Auftauchen, die militärische Art. wie sie von ihren Rädern sprangen, erfüllte die Zuschauer mit dem ängstlichen Gefühl, daß es jetzt nicht mehr um Geld, nicht mehr um Besitz— sondern um mehr noch, um Menschenleben ging. Die schwärende Empfindung, daß in der nächsten Stunde hier ein uner- bittlicher Kampf zwischen Menschen ausgetragen würde, beengte manchem unter den Zuschauern die Brust. Und ohne Verzug wurde der Kampf vorbereitet. Die Landjäger gingen zum Tor, einer von ihnen klopfte mit dem Gewehrschaft dröhnend gegen das Holz und befahl zu öffnen— feine Stimme machte auch den am wenigsten Be- teiligten den Atem stocken. Keine Antwort. Nur der Hund heulte auf. Dann schwieg auch er.— Ein knapper Befehl an die inzwischen noch angewachsene Menge, sich zu entfernen— und zu dreien näherte sich die bewaffnete Gewalt dem Tor, um es aufzusprengen. Unvermutet befanden sich eine Axt und andere Werkzeuge in ihren Händen. Entschlossen be- gannen sie ihren Angriff. Aber ehe die Leute aus dem Dorf die unter der Wucht dieses plötzlichen Unternehmens aufgeregten Gedanken noch recht konzen- triert hatten— nahm mitten in der Menge ein Gemurmel seinen Ausgang— es pflanzte sich wellengleich fort— schwoll an.— Und nun nahmen alle zugleich etwas wahr, was sie aufschreien ließ... Feine und leichte Schwaden entstiegen dem Haus«. Sogleich wurde ihnen der Brandgeruch merkbar, das furchtbare Brüllen von den Ställen her, das eingesetzt hatte, bekam jetzt einen anderen Sinn. Stimmengewirr in der Menge— eine Kehle hoch über allen:„Der Bauer verbrennt mit seinem Haus!" Die Landjäger traten zurück, sie starrten zum Giebel— Rauch. Wiehern. Heulen, Gebrüll.— Nur vom Bauern selber kein Laut. Entjchtossen stürzten sie sich wieder auf den Eingang los— die Tür brach auf— aber durch Qualm zurückgeschlagen,' konnten die Rückwärtsweichenden nur noch er- kennen, daß die Diele sessellos brannte. Ein Landjäger rannte die lange Seite des Hauses entlang, von der Rückseite her klirrte zer- trümmertes Fensterglas.„Wasier! Löschen!" Gleich darauf kam der Landjäger zurück, die Tochter des Bauern hing bewußtlos über die Schulter. Geschrei füllte die Luft. Der Bauer verbrennt! Die Tiere verbrennen! Ein Mann aus dem Dorf war aufs Rad gestiegen und schon davon.— Und in der nächsten Viertelstunde, in der nach einem letzten wilden Gebrüll kein Laut außer Knacken und Brechen und Prasseln vom brennenden Hause zu vernehmen war, starrte die zusammen- geballte Menge in die herauszüngelnden Flammen. Ohnmächtig sahen die Beamten zu. Endlich kamen die Motorspritzen angerattert— die Feuer schlugen dicht beisammen obenaus wie eine Reih« triumphierender Rachgeister. Die Sparren verkohlten. Löscharbeit war umsonst. Tier und Mensch waren im Brand zugrunde gegangen. Das gerettete Mädchen kam mit dem Leben— aber nicht mit unversehrtem Gemüt davon. Später kamen die Bauern, die sich anfangs im Hintergründe des Belagerungskampfes gehalten hatten— kurz vor dem Ausbruch des Brandes aber verschwunden waren, vor Gericht. Aber ihre Schuld war nicht nachzuweisen, das Urteil sprach sie von der Anklage frei. Und so gilt allgemein die wohlbegründete Ansicht, daß der Bauer Wrist selber dies Ende seines Hofes herbeigeführt hat. Sefenheim Unvergeßlich ist der Blick von der Plättform des Straß- burger Münsters. Ueber enge, schmale, winklige Gassen der Altstadt schweift das Auge in die Ferne, über die breite, grüne Ebene des Rheinstroms bis hinüber nach den dunklen Höhen des tannen- bewaldeten Schwarzwaldgebirges. Breit und gewaltig ziehen auf der anderen Rheinseite die Vogesen nach Belsort hinab. Ein gesegnetes, blühendes Land von unendlicher Lieblichkeit liegt zwischen den beiden Gebirgen. Weinberge, Hopfenfelder, weite Aecker und Wiesen, Obstbäume in reicher Fülle, und von ihnen umrahmt kleine Dörfer und Städte: Das ist das Elsaß, wie es schon Goethe erlebt hat. An klaren, hellen Tagen folgt das Auge mühelos dem Lauf der Bahnlinie, die sich von Straßburg nach Nordwesten zieht. An einem kleinen Dorfe macht sie halt. Es ist Sefenheim, die Heimat der Friederike Brion. Etwa zwei bis drei Stunden braucht man, wenn man den Weg auf der schönen Landstraße, zwischen Acker und Wiese und Feld, mit dem Fahrrad, dem Hauptbeförderungsmittel der Landleute, zurück- legt. Es ist also ein tüchtiger Weg. den Goethe hier zurückgelegt hat, oft spät abends oder nachts, wenn er zu Pferde die Geliebte besuchte, ein Weg allerdings, dessen Lieblichkeit auch heute noch eindrucksvoll und erfrischend ist Wenige Kilometer vor Sesenheim liegt Drusenhelm, eine freundliche, kleine Ortschaft. Hier verweilte Goethe vor seinem ersten Besuch in Sesenheim und überredete den Wirtssohn, ihm seine Kleider zu borgen, um die jungen Mädchen im Pfarrhaus, die ihn kurz vor- her, ebenfalls in einer lustigen Berkleidung, tennengelernt hatten, zu überraschen. Wiesenfußpsade führen auch heute noch, wie damals, in der Richtung der breiten Chaussee auf das nächstliegende Dörfchen, auf Sesenheim, zu. Es ist ein seltsames Gefühl, wenn plötzlich der spitze Kirchturm auftagt, wenn man dann den Ort selbst betritt, in dem sich eine Tragödie abgespielt hat, die man auch heute noch nicht bis ins Letzte kennt. Gegenwärtig ist die Zeit der Ernte, und wieder ist es ganz so, wie Goethe es in„Dichtung und W a h r h e i l" beschrieben hat: Still und menschenleer liegen Straßen und Häuser. Ueberall sind die Haustüren, die Fenster verschlossen. Nur da und dort tönt die Stimme eines spielenden Kindes oder das Anschlagen eines Wachhundes durch die fast bedrückende Stille. Wir suchen nach dem alten Pfarrhaus, das in seiner schlichten Schönheit und seinen malerischen Reizen den Dichter so angeheimelt hat. Doch nur die alte Scheune ist noch erhalten geblieben. Ein neues Gebäude, andere Menschen, eine andere Zeit lösten das Jahr- hundert der Friederike Brion ab. Dennoch ist bis zum heutigen Tage ihr Andenken dort lebendig geblieben, und die Mütter der heirats- fähigen Töchter versäumen nicht, warnend auf dieses klassische Beispiel hinzuweisen, sobald eine von ihnen einen sozial über ihr stehenden Erwählten oder sogar einen„Studierten" auserkoren hat, und ihr Mißtrauen ist nur durch den Ehering und den Trauschein zu überwinden.„Was wellet Sie?" meint eine solche Mutter ent- schuldigend und mit einem sorgenden Blick auf ihr blühendes, hoch- gewachsenes„Maidle", das mit ihrer schlanken, biegsamen Gestalt und dem reichen Blondhaar wie ein Abbild der Friederike wirkt, „i möcht's net erlewe, daß es ihr au so geht..." Und man kann ihr nicht widersprechen, denn nicht nur der Goethebiograph, sondern auch die schlichte Frau aus dem Volke, für die Geburt, Heirat und Tod die großen drei Ereignisse des Lebens bedeuten, hat recht... Dann steht man in dem kleinen Göethe-Musemn, das alles aufbewahrt hat, was an den Liebesbund Goethes und Friederikes erinnert: Briefe, Bücher, Bilder, gepreßte Blumen, alte, vergilbte Blätter, bescheidene Schmuckstücke. Es sind tote Gegenstände, aber aus ihnen steigen lebendiges Fühlen und Hoffen, Glückseligkeit, Ent- täuschung, Schmerz, Schuld und Verzweiflung auf, wie sie zwei junge Menschen durchpulsten. Das Bild der lieblichen Pfarrers- tochter in ihrer Nationaltracht, wie sie Goethe beschrieben hat, gleitet unsichtbar durch den Raum, und die stillen Abende im Pfarrhaus, die Gastfreundschaft des freundlichen, in sich gekehrten Vaters, die prüfenden Blicke der hochgewachsenen, immer noch ansehnlichen Mutter, die heitere Gesellschaft der älteren Schwester und des jüngeren Bruders— alles das fügt sich ein in diesen einfachen, länd- lichen Rahmen, der sich verhältnismäßig wenig verändert hat. Die Häuser sind ja heute etwas anders gebaut; Technik und Zivilisation haben auch hier vieles gewandelt; aber das Leben der Bewohner flieht auch heute noch still und ohne die Hetze der Großstadt dahin. Wohl sieht man nicht mehr die ansprechende deutsche Tracht mit den, schwarzen, knappen Mieder und der schwarzen Taffetschürze, aber die heranwachsenden jungen Dorsmädchen, die sich so lieblich aus- nehmen in dieser von Feldern eingerahmten Dorfidylle, scheinen genau so wenig in städtisches Getriebe zu passen, wie Friederike Brion, als sie Goethe in Straßburg besuchte. Aus dem alten Friedhof liegen auch die Gräber des Vaters und der Mutter Brion. „Die man allhie zu Grab getragen, von ihnen wird man immer sagen, dieweil ihr Kind ein Liebesleben dem größten Dichter hat gegeben." Das ist die Grabschrift, die einen verklärenden, versöhnenden Glanz über die Liebestragödie von Sesenheim zu breiten versucht. lieber allem menschlichen Irren, allem Schmerz, aller Vergänglichkeit aber wölbt sich wie zur Zeit der Liebesnächte Goethes und Friede- rikes der tiefblaue Himmel des Elsaß, der den Glanz dieser lieblichen Landschaft widerzustrahlen scheint, und wie zur Zeit Goethes stehen noch heute tage-, ja wochenlang Wolken über den entfernten Gebiraen am Horizont, ohne jemals den reinen Himmel dieser wundersamen Ebene zu trüben. Rasche, vorübergehende Gewitter erquicken das Land, aber Sturm und Regen weichen schnell der Sonne die nltt.- in h-itere und blühende Farben hüllt. Und fast will es' unfastbar scheinen, daß in einem solchen Lande der Schönheit und der idyllischen Dorfer, des blauen Himmels und der gesegneten Ieldev n-J r. Erlebnisse, furchtbarste Tragödien des e nzeln n Mensen � ganzen Volkes abgespielt habe« könne«. 3 �e, Ausstellung von der Deutschen Tarteichau-Gesellschaft besichtigt und ein Rundgang durch den Sportpart Neukölln angeschlossen. Alle Interessenten können an dieser Veranstaltung kostenfrei teilnehmen. Internationale Verständigung. Sprachkenntnisse imSienfie des internationalenSozialismus Das Hinaustragen des Kampfes in dos Internationale, eine Internationale der Tat— das wird heute überall verlangt. Größere Aktivität auf internationalem Gebiete. Weit über die Landesgrenzen hinaus. Das muß die Parole fein. Eine große sozialistische Völker- Wanderung soll anheben, aus der der Kampfeswille verstärkt hervor- gehen möge. Mit dem Elan alleine aber ist's auch nicht getan. Nur zäh« Arbeit führt zum Ziel. Wirkliche Pionierarbeit. Deutsche Gesinnungsfreunde waren es, die sich vor sechs Jahren zusammenfanden in der Fredika, Freunde der interna- tionalen Kleinarbeit. Denn nur durch Kleinarbeit kann die viel schwierigere internationale Annäherung auch unter unseren eigenen Freunden erfolgreich vor sich gehen. Von Deutschland aus wurde vorgestoßen in andere Länder. In Oesterreich, England, Schottland, Irland, Belgien, Frankreich, Holland. Schweiz, Spanien, Tschechoslowakei, Schweden, Dänemark, Finnland können unsere Mitglieder bereits jederzeit ihre Ferien im Haufe einer so- z i a l i st i s ch e n Familie verbringen. All das entstand von unten auf. Sozialistischer Wille setzte sich in die Tat um. Tausende haben bereits solche Besuche ausgeführt und damit der sozialistischen Internationale einen großen Dienst erwiesen. Die in deutscher, englischer und französischer Sprache erscheinende Zeitschrift„Der P i o n i er die in einer Auflage von 9000 herausgegeben wird, legt Zeugnis ab von den beachtenswerten Erfolgen der Jnternatio- nalen der Tat. Um aber wirklich erfolgreich auf internationalem Gebiete sich betätigen zu können, find Sprachkenntnisse erforderlich. Esperanto allein genügt nicht. Daher beginnen nun wieder An- sängerkurse in der englischen und französischen, eventuell auch,- falls genügende Beteiligung, in der spanischen Sprache. Man erlernt die Fremdsprache wie die Muttersprache, nach der direkten Methode. Nach 2Z Abenden, zu je zwei Stunden,«in- mal wöchentlich, ist jeder Teilnehmer bereits in der Lage, Gehabtes frei zu erzählen. Lehrergenossen, die selbst im Auslande lebten, er- teilen den Unterricht. Alle Kurse werden im Zentrum der Stadt abgehalten. Je zwei Kurse Montags, Dienstags, Donnerstags und Freitags von 18� bis 20V: und von 20 bis 22 Uhr. Genossinnen und Genossen, freigewerkschaftlich Organisierte und Sympachisierende wollen ihre Anmeldung schriftlich an die Geschäftsstelle der Fredika «Genosse W. Floerk«), Berlin SW. 19, Kurstr. 32, einreichen. Für Drucksachenmaterial bitten wir 15 Pf. Rückporto beizufügen. Verständigungsarbeil in Frankreich. „Bor kurzer Zeit hat die französische Zeitschrist„So Convaitrc", Organ der Liga für deutsche Studien(Ligue d'ötudcs gcnnaniques), ibren Wirkungskreis auf Deutschland ausgedehnt. In Berlin ist eine Geschäfts- und Korrespondenz stelle ein- gerichtet worden(Adresse: Bodo Jennewitz. Berlin N 4, Garte nftr. 25). In erster Linie dastir gedacht, den französischen Mitgliedern durch objektive Berichte die genügende Deutschlandkenntnis auf allen kulturellen Gebieten zu vermitteln, wendet sich die Zeitschrist auch an die deutsche Oeffentlichkest. Sie verfolgt damit den Zweck, daß man in Deutschland erfährt, wie Franzosen über Deutschland schreiben. Die Zeitschrift ist in französischer Sprache geschrieben. Jahresabonnement 2,50 Mk." Wunder Asiens im Planetarium. „Der tanzende Selsiwa"(Die Wunder Asiens) heißt der neue Film im Planetarium. Herr Dr. Hürlimann, der diese Film- reise durch Indien und Jndochina gemacht hat, hält selbst einen einleitenden Vortrag über dieses Wunderland. Er führt uns nicht durch das politische Indien, er führt uns durch das von Buddha beherrschte Indien, wie es vor Jahrtausenden war und sich bis heute erhalten hat. Von Zürich aus geht die Reise über Italien, Konstantinopel, Damaskus, Bagdad und Vorderindien. Lahore, Delhi, Agra, Benares, Kalkutta werden gezeigt. Das Leben in den Bozoren, die Pilger im heiligen Ganges. Tempel und Paläste von märchenhafter Schönheit ziehen an unseren Augen vorüber. Dann geht die Reise an der fruchtbaren Malabarküste entlang, an mächtigen Kokoshainen vorüber nach der Teeinsel Ceylon. Es folgt dann ein kurzer Blick in das Königreich Nepal, das noch verschlossener als Tibet ist, und in das man erst gelangt, wenn man„das Tal des Todes" passiert hat. Auch hier Tempel von überwältigender Schön- hcit und Lamas, die mit der Gebetmühle Hunderte von Gebeten zum Himmel schicken. Jetzt kommt Hinterindien an die Reihe. In Bangkok, der Hauptstadt Siams, sieht man Tänze der Königstänze- rinnen von fast überwältigendem Kunstausdruck. Weiter kommt man zu Voltsstämmen, die Einsiedler geblieben sind. Ihre Ein- bäume bewegen sie auf malerisch schönen Wasserstraßen mit den Füßen fort. Die Reise endet in China. Vorher gibt es einen interessanten Vortrag über den nördlichen und südlichen Sternenhimmel._ Sturmfahrt nach Helgoland. Helgoland, Deutschlands schwer bedrohte Nordseeinsel, war das Ziel einiger hundert Berliner Wochenendler. Ein Sonderzug der Reichsbahn brachte die Reisenden am Sonnabend nach Hamburg, wo der Zug bei strömendem Regen eintraf. Am Sonntag ging in aller Frühe die Reise mit einem Hapagdainpfer weiter. Da unter- wegs schwere See herrschte, wurde die Ankunft in Helgoland von den meisten Passagieren als eine Erlösung empfunden. Das Aus- booten vollzog sich trotz des heftigen Wellenganges verhältnismäßig schnell. Die Rückfahrt war bei Rückenwind wesentlich angenehmer, und um 1 Uhr nachts traf die Reisegesellschaft in Hamburg ein, von wo unmittelbar die Weiterfahrt nach Berlin erfolgte. Bei aller An- erkennung des Bestrebens der Reichsbahn für billige Wochenend- züge muß dennoch gesagt werden, daß die jetzige vorgeschrittene Jahreszeit für derartige weitführende Expeditionen nicht mehr ge- eignet ist, ganz abgesehen davon, daß die Reise an und für sich sehr strapaziös ist. Es gibt viele Wochenendziele, die bei bedeutend kür- zerer Fahrtdouer den Teilnehmern mehr Erholung und Aus- spamtung zu geben vermögen. Verbrecherjagd im Flugzeug. Am Sonntag, dem 20. September, unterniimnt der Südwe st- funk in Frankfurt a. M. ein besonders interessantes Experi- ment. Er stellt erstmalig«in Flugzeug in den Dienst der Verbrach�rverfalgung. Das mit Empfangsgerät ausgerüstete Polizerflr�zeug soll aus Grund von Rundfuntmeldungen über den Weg, den die im Flugzeug geflüchteten Verbrecher ge- nommen haben, unterrichtet und gesteuert werden. Um recht viele Rundfunkhörer für das neuartige Experiment zu interessieren, dein auch die Polizeiverwaltung größtes Interesse entgegenbringt, hat der Südwesldeutschc Rundfunk Preise für die besten Beobachtungen ausgefetzt. Veranstalter find neben dem Südwcstftmk der Verein m LMchxt gab bht 5«chche Sa�aaffL Allgemeine Wetterlage. lieber dem größeren Teil Rorddeutschlands ging am Mittwoch ein« milde westliche Luftströmung hin, die neben einer fühlbaren Erwärmung starke Bewöltmig uird vielfach Sprühregen verursachte. Der Einfluß des sich lmnmehr verflachenden Hochdruckgebietes er- streckte sich nur auf Süddeuts chlcrnd und teilweise auf den Westen des Reiches, wo meist heitever Hinunel herrschte. Nachmittags trat an der westlichen Ostseeküfte rmd in Meckleiiburg plötzliche Auf- heiberung«m. Sie wird ihren Grund höchstwahrscheinlich darin haben, daß die Abwärtsbewegung der Luft, die an sich in jedem Hochdruckoebiet vorhanden ist, bis zum Wolkenmveau durchbrach und die Wolken zur Aufläsung brachte. Es ist möglich, daß cwn Donnerstag auch in unserem Bezirk d«r gleiche Vorgang stattfindet: im übrigen dürfte mit dem weiteren Zerfall des Hochdruckgebietes der Einfluß eines bei Island gelegenen Tiefs steigen. Wetteraossichten für Berlin. Mild und meist wolkig, nur zeit- weise aufheiternd, später wieder Niederjchlagsneigung, nach Südwest drehende Winde.— Für Deutschland. Im Süden weiterhin trocken und heiter mit kalten Nächten: im übrigen Reiche mildes und wolkiges Wetter, in West- und Nordwestdeutschland Niederschläge. Aus der Partei. Der Schweizer Parteitag tagte soeben im Berner Bolkshaus zur Vorbereitung der Nationalratswohlen am 24. und 25. Oktober. Robert Grimm entwickelte das Wahlprogramm und die Auf- gaben der Partei im Wahlkamxfe. Reinhardt referierte über Kartell- und Trustkontrolle. Grimm und Grab er, letzterer in französischer Sprache, sprachen über die Tätigkeit der Internationale und den Wiener Kongreß. Im Namen der Internationale begrüßte Friedrich Adler den Parteitag. Obwohl die bürgerlichen Par- teien versuchen, durch die Bildung einer Einheitsfront den Vor- marsch der Sozialdemokratie aufzuhalten, sind unsere Wahlaus- sichten außerordentlich gut. Die Sozialdemokratie Griechenlands hat ihren Parteitag am l9. und 20. Juli in Saloniki abgehalten. Schon 1928 war ein Ver- such gemacht worden, aus den nichtkommunistifchen Splittern der alten Bewegung eine Sozialistische Partei zu schaffen, aber ohne Erfolg. Die Partei löste sich schließlich''-~ auf. Es war die Hauptaufgabe des Kongresses in Saloniki, die wieder in Gruppen zersplitterten Kräfte zusammenzufassen. Vertteten waren die Gruppen von Saloniki, Athen, Larissa, Drama, Eavalla, Serres, Verria, Caterini, Kilkis sowie die Frauen- organisation. Pamoyanni erstattete den Bericht, der einstimmig gebilligt wurde. Zum Parteiorgan wurde die in Saloniki er- scheinende„Sozialistische Fahne" gewählt. Saloniki ist Sitz des Parteivorstandes, in den entsandt wurden: D. Pamoyanni, I. Passalidis, S. Someritis, Th. Iconomou, P. Tfafas, G. Zeikos und E. Zanthakis: in die Kontrollkommission: N. Dannws, I. De- laaanos und S. Coulactsidis. Eine Entschließung des Kongresses besagt u. a.: Der Kongreß stellt im Einvernehmen mit dein Vor- schlag der A gr arp artet die Notwendigkeit fest, den Block der demokratischen Linksparteien zu einem antikapitalistischen Block zu machen. Hierbei soll die organisatorische und theoretische Unabhängigkeit der Partei sowie ihr Programm unmittelbarer Forderungen gewahrt bleiben. Die Agrarpartei hat in einer Resolution die Rep ub l i k a n i- s ch e Union aufgefordert, ihre bisherige Taktik auszugeben, den antikapitaliftischen Klassenkampf der Agrarpartei anzuerkennen und dem Block beizutreten. parteinachrichten sürGroß-Berlin Einsendungen für diese Rubrik find « e r l i n«ffl«8, Ltndeustrahe 3, stet« an bat Bezirlisetretariat 2. Hof, 2 Treppen recht», zu richten Beginn aller Beranstaltungen Uhr, sofern keine besondere Zeitangabc: heute. Donnerstag. 17. September: 2b.«dt. Ausspracheabend der jüngercu Parteinrktplicder bei Päse. Kosanie- straße IS. Thema:„Wie höre ich ein«» Bortrag?"„Wie studiere ich ein Buch?" Zcpernick.RSntgcntal. Zahlabend bei Meilel, Dahnhosstrnhr. Alfred Mark- witz: stur politischeü Lage. Morgen. Zreitag. IS. September: Ii. fttcic Rcuköll»-»»«. Sitzung der Obleute der Abte>lung»zcitnng»I»«. misfio» in der„B»r«ärt»"-?Niale, ReSarstr. 2. 15. ton». Lokal Pamp. RiederschSneweidc, Hafielwerderftr. 12, Sitz»«« samt- lichee Zritungslommifswosmitglieder. #2, Abt. Arbeitsfrei, fungrr Partciaenossrn. Heute. 20 Ilhr, inr� bekannten Lokal Vortrag de, S-enofsen Haubach über:„Staat und Polizei". 22. urnd 35. Abt. 20 Uhr bei Simon, Bertheh�vrfcr Str. 0, Sitzung der greidonkerfuiiltioiräre der 27. Aahlgruppe. bb». Abt. Halle am Hufeitai. Sitzung de» Aibteiwngsoorftaiidas, der B-tzirfe. JBtei und d»r M?D..B««chner.»>l»sch>iitzvartr«t»r. UB. Arbritotrei» Parteimitglieder. 20 Uhr bei Schenk, Hackrnbn» t0«8i5.StflI2l51Bi5 Das neue* Varlet*. f Programm• Die rollende Revue derlODeblari Ralmonda- Ballett > weitere*ttralrt. Winrer » Qarren� S.1S lldf Flora 343t Raadfea rlaakt Die Sc du tob der Staaisoper. Corilnit Dollarscgcn. Salcrno. 12 Brataaos. Rhocnrad-SeBs nv. " r* I J »'/«Uhr CASINO-TflEATER»1/. w». Lolhaingcr Slrad« 37. Nur noch bis Freitag! Das Parfüm meiner Fra Sonnabend z.l. Male die tolle Posse Dodo, das öifentiidie Aergernls. Lachen! lachen ohne Ende Gutschein 1-4 Personen. Parkett nur 50 Pf. Fauteuil 1.— Mark, Sessel 1.50 Mark. Relchshallen-Theater Ibends 8 Uhr, Sonntag nachmittag Z'/z Uhr B p 1 1 1 o n SO Jahre Stettiner Sänger Nachmitlags halbe Preise. 50 Jahre KARLSHORST Jubiläums-Meeting 2. Tag Donnerstag, 17. Septbr., 2l/»Uhr Hindenburg- Jagdrennen Senioren- Rennen. BerItaer(|lkTri« N•■ k 6 1 1■. � Laimatr. 7i/76J ROSE-THEATER Rose Bernd" 91 Traufe Rose in der Titelrolle 1 Mittwoch, Sennabend n. Sonntag 6 nnd 9 Uhr] An allen andern Tagen 8ffl Uhr. Preise: 0.30-3.00 4-roßc Frankfurter Straße ISfS I Vorverkauf: Täglich II— I und 3—9 U. E 7, 3422. I sollen durch seriöse Empfehlung ins In- od. Ansland verkauft: werden.— Beiders. Diskretion str.Voranssetznng.— Knormo Ocwlnnbctelligniie garantiert. Anfragen unter H. P. H. 0740 durch Radolf Moauc, Stuttgart, siadi.oper Charlottenburg BismarckstiaBe 34 Donnerstag, d. 17. 9. Turnus IV Anfang 20 Uhr DonPasqoale Ende nach 22 Uhr vouttvuuue Theater an Mlowplatz 8 Uhr Nebeneinander VtlkulMi Ii 5 Mrtn na Cm; Riiscr Ruit:*• H. Martin. I mm-TlieatEi Dir. Dr. Robert Klein Iii.: WtidndtMi Mi. S'/a Uhr Junge Liebe. Kstheim, Brauanrstt.r, Hnck Hemolks. Weißt Du noch? In den xw« Monaten vom 6. November 1918 bis zum 5. Januar 1919 vollzogen rieh die entscheidenden Ereignisse, die nach dem Zusammenbruch von 1918 die Geschichte des republikanischen Deutschlands einleiteten. Als zuverlässiger Führer durch diese Zeit erschien soeben in 2. durchgesehener Auflage 31. bis 38. Tausend Die November- Revolution von Hermann Müller-Franken Erinnerun gen 288 Seiten— Ganzleinen „Niemand wird das Buch ohne sachlichen Nutzen und innere, menschliche Bereicherung lesen." Gerhart Seger im, Volxthlnit für Anjtah* Preis 5.S0 Hark (Für Mitglieder Sonderpreis!) Verlag Der Bücherkreis kt G. m. b. H. Berlin SW'61. Belle-Alliance-Plat* 7 Rm Eonntaz, bem 13. September, nendjieb plötzlich tmb unerwartet mein lieber Mann, unser guter Bater, ber Müller Karl Altenkirch int alter von 77 Iahren. Witwe A, Alfenkirch unb Angehörige. Die Einäscherung erfolgt am Frei. tag, bem 18. September, 16Vs Uhr, im Krematorium Baumschulenmeg. Infolge eines Unfalls verstarb am 13. September der Krankenkassen- angestellte Paul Kohl im 37. Lebensjahre. Während seiner sechsjährigen Tätig- feit im Dienste unserer Kaste hat der Verstorbene sich durch Fleiß und Pflichttreue ausgezeichnet»nd std) durch feine guten Charattereigen- fchoften die größte Hochachtung und Liebe seiner Vorgesetzten und Kollegen ermorden. Wir werden dem leider so früh Verstorbenen ein dauerndes, ehrendes Andenfen bewahren. vor Vorslend nnd die AiijgestelUen der Allge- melnen Orttkrankenkassc Bcrlin-Weißensee. M. Brühmiiller, Vorsitzender. Denttfier MetallaMer-Mi! VcrwalfoBgistellc Berlin Todesanzeige Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser Paul Klawitter geboren 10. September 1891, am 15. September gestorben ist. Ehre seinem Andenfen! Die Einäscherung findet Freitag, den 18. September, 141? Uhr, im Krematorium Baumschuienweg, Kies- holzsiraße, statt. Nrge Beteiligung wird erwartet. Ol« OrlsveTwaltang. Otto Wels in der Berliner Riesenkundgebung am 14. August 1931: ...... In der ausgezeichneten Broschüre des Gen. Faust; .Das Panama der Nordwolle' die ich jedem zur Lektüre empfehlen kann....." Lies diese Broschüre! Sie kostet nur 10 Pf. und ist eine Sensation! 110 000 Exemplare sind schon verkauft und gelesen. Besorge dir die Schrift. Sie isr in der Volksbuchhandlung vorhanden J. H.W. Dietz Nacht. GmbH. Berlin SW 68 Lindenstraße 2.*. Abteilung Sortiment MsMetallaiWeH Adtlunü! Adilung! TenvaUumhmUgiiedes-: Freitag, den 18. September, abend» 7 Uhr, Sitzung der Mittlere» Otts- Verwaltung. vir Ortaverwaltuiig. Uhren von Wiese die sehen präzise Zur Jugendweihe ID0/» aul üiiren, Brillante!) und SGiiinüGHsacasn Passende Geschenke in allen Preislagen, wie Reisewecker. Zigereffen-Etuis, Ketten, Colliers, Feuerzeuge, Manschettenknöpfe, Freundschaflsringe usw. M Rar. gold. Damsn-Armbandunren 10 Wiweizer Wert nstto tt.— m. Süöerne llapren-flpmbanduhpen 11 steine sdtweim Wert..„ T3.—„ HeppBR-Tascbenubren, große ßusuiabi....... vn»„ 3.95-n Zwei Jahre schriftliche Garantie Große Aaswahl in Brillantcn-Geleg�cnheitskänfen S, Kottbusser Damm 2 W, ArtilieriestraBe 30 W, Passaucr Siraße 12 Hermani) lese M\m Theater 8 Uhr Kat Schauspiel nach Ernest Hemingway Duhtkt BöbimburMm; v. Carl Zuckmayei und Heinz Hilpert. Sißie; Demi fiiljert Koriarsiendamm- Theaicr Bismarck 448/49 8'it Uhr Die schöne Helena Mlactnicsoneiiliae Heule: Max ReinDarfli. 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Der Prwatbekidigungsprozeß des Geschäftsführers der Deutschen Friedensgefellschaft Küster gegen die Redakteure des„Tag"', der „Deutschen Volksmacht", der„Siegener Zeitung* und der„Roten Fahne*, die gegen die Friedensgesellschaft den Vorwurf erhoben haben, sie hätte französische, tschechisch« und polnische Regierungs- gelder erhalten, konnte gestern nicht zu Ende geführt werden. Vor- cussichtlich dürste er noch zwei weitere Tage in Anspruch nehmen. Mit jeder neuen Zeugenvernehmung erscheint die Angelegenheit immer verwickelter, es ist nicht leicht, Tatsachen und vage Ver- mutungen auseinanderzuhalten. Bisher hat der Nebenkläger, gegen den die Beklagten einen großen Zeugenapparat ausgeboten haben, nicht schlecht abgeschnitten. Der Nachweis, daß irgend- welche fremde Regierungsgelder durch seine Hände, also durch die Friedensgesellschaft gegangen seien, konnte nicht erbracht werden! Als eine um so problematischere Natur erscheint der frühere Vorsitzende der Berliner Ortsgruppe der Deutschen Friedensgesell- schaft und späteres Prosidialmitglied, der Schriftsteller Hans Schwann. Er war es, der von Prof. Förster in Paris die 30 000 Franken eingehändigt erhiell und sie, wie er behauptete, an das Reichsbanner für die Wahlpropaganda zwecks Schaffung eines pazi- fistifchen Reichstages übermittelt hat. Als dies« Geldübergabe seiner- zeit Gegenstand heftiger Erörterungen in der Oeffentlichkeit wurde, hat der Vorsitzende des Reichsbanners Hörsing erklärt, daß er wohl vom Vorstandsmitglied« der Liga für Menschenrechte Lehmann- Rußbüldt 3000 Mark erhallen habe, daß ihm aber bei der Uebergabe des Geldes versichert worden sei, sie stammten von deutschen republikanischenQuellen. Er hätte selbstverständlich unter keinen Umständen Gelder entgegengenommen, die aus fremdländischen Quellen herrührten. Der Zeuge Schwann blieb trotz wiederholten Vorhaltes der Ver- teidigung bei seiner Behauptung, daß di« ihm von Förster über- gebenen 30 000 Franken von der französischen Liga für Menschen- rechte stammten und für keinen anderen Zweck als den von ihm benannten bestimmt gewesen seien. Die Friedensgesellschaft habe davon keinen Pfennig erhalten. Aeußerst peinlich wurde die Si- tuation für den Zeugen, als ihm von der Verteidigung ein Brief vorgehalten wurde, in dem er unter Berufung auf st.a Ehrenwort mit aller Entschiedenheit bestritten hatte, je direkt oder indirekt aus irgendeiner privaten oder amtlichen französischen Quelle 50 000 Franken oder eine ähnliche Summe erhalten zu haben. Das wäre er berell, hieß es weiter, vor Gericht mit seinem Eide zu erhärten. Dieser Brief war in Verbindung mit einer eidesstattlichen Erklärung geschrieben worden, die die Sekretärin der Deutschen Friedensgesellschaft, Frau Hellmeier, darüber abgegeben hatte, daß die von Schwann in Paris erhaltenen Gelder in deutschen pazi- fistifchen Kreisen verteilt worden seien. Diese Erklärung hat Frau Hellineier später widerrufen. Ueberhaupt spielen Widerrufe in dieser Berhandtung eine große Rolle. So hatte z. B. Prof. Förster widerrufen, die m einem Briefe ausgestellte Behauptung, die Zuwendung an Herrn Schwann stammten von dem französischen Ministerpräsidenten Herriot. Später sagte er, das Geld fei von dem Mitglied des Zentralkomitees der französischen Liga für Menschenrechte durch Vermittlung ihres Vorsitzenden Prof. Bäsch an Schwann überreicht worden. Des- gleichen hatte er auch seine ursprüngliche Erklärung widerrufen müssen, daß die an die Deutsche Liga für Menschenrechte aus der Tschechoslowakei zum Zwecke der Propaganda dez Pazifismus in Deutschland in Höhe von 85 000 Mark zu geflossen en Gelder von dem sogenannten Moriz- Fonds, in Wirklichkeit dem Benesch- Mosaryk-Fond« stammten. Später nannte er eine andere Quelle. Das in Verbindung mit den Vorwürfen gegen Küster aus- geschlossene Mitglied der Deutschen Friedensgesellschaft Dr. H i l l e r, gestern als Zeuge vernommen, glaubte auch jetzt noch die gegen den Kläger erhobener: Vorwürfe, fremde Regierungsgelder empfangen zu haben, aufrechterhalten zu müssen. Es sei zu unterscheiden, sagte er. zwischen der Deutschen Friedensgesellschaft als E. V. und der deutschen Friedensbewegung, wenn man über die Zuwendungen amtlicher ausländischer Gelder spreche� Tatsache sei, daß«ine gewisse Clique, die sich aus prMiinenten Funktionären der Deutschen Friedensgesellschaft und der Deutschen Liga für Menschen- rechte zusammensetzte, solche Gelder erhalten habe, um sie für ihre politischen Ideale zu verwenden. Zu diesen Leuten gehörte u. a. außer Schwann mich Küster. In einem Briese von Prof. Förster an Frau Röttcher, die Geschäftsführerin der Zell- schrift„Das andere Deutschland*, sei di« Summe von 6000 Mark genannt worden, die von dem sogenannten Moriz-Fonds stammen sollten. Später erklärte jedoch Prof. Förster, sie kämen von einem westschweizerischen Fonds. Prof. Förster habe im Jahre 1925 die Bekamitschaft zwischen Schwann und dem tschechischen Mini- stcr Benesch vermlltelt. Die Folge davon sei gewesen, daß 100000 Mark der Liga für Menschenrechte zur Verfügung gestellt, von denen 82 000 Mark ausgezahlt worden feien. Diese Summe sei auch zugegeben worden: es sei nur behauptet worden, daß das Geld aus der Kasse der tschechischen Liga für Menschenrechte stamme. In Wirklichkeit habe aber diese Liga damals überhaupt noch gar nicht existiert. Die Deutsche Liga für Menschenrechte habe aber mit Hilfe der tschechischen Gelder die Deutsche Friedensgesellschaft indirekt sub- ventioniert, indem sie sich auf tausend Exemplare des Organs von Küster„Das andere Deutschland* abonniert habe. Man habe in Paris, Warschau und Prag das Geld nur gegeben, weil man dort gewußt habe, daß eine gewisse Sorte Pazifisten die Politik ver- teidigen würde, die den Geldgebern genehm sei: eine antideutsche und"eine antirussische Politik. Die von Prof. Bäsch in Paris über- reichten 30 000 Franken rührten von Hexriot her. Küster habe mtt Schwann nicht gebrochen, obgleich der Schiedsspruch, der in der Sack)« des Zeugen mtt dem heutigen Kläger gefällt worden sei, ein Weiterwirken Schwanns in der Friedensbewegung für untragbar erklärt habe. Schwann habe unter einem Pseudonym am Organ „Das andere Deutschland* nach wie vor mitgearbeitet. Rechtsanwalt Kurt Rosenseld stellt fest, daß die Behauptungen des Zeugen in bezug auf Küster nur Vermutungen sind. Für die Beurtellung der Stichhaltigkett der gegen den Kläger erhobenen Vorwürfe war die Aussage des Redakteurs Dr. Karl Misch, eines der Schiedsrichter in der Angelegenheit Küster- Hiller. von Bedeutung. Bei dem französischen Fragekomplex sei damals festgestellt worden, bekundete Dr. Misch, daß Küster mit der Sache nichts zu tun gehabt hatte. Bei den tschechischen Geldern hätten die Dinge so gelegen, daß Küster nicht der Vorwurf hätte gemacht werden können, er hätte gewußt, daß das Abonnement der Zeitschrift„Das andere Deutschland* von der Liga fiir Menschenrechte mit ausländischen Geldern bezahlt werde. Mit den Geldern, die Schwann für seine schriftstellerische Tätigkeit von der polnischen Gesandtschaft in Berlin erhallen habe, hätte Küster überhaupt nichts zu schaffen. Dielleicht wäre es richttger gewesen, wenn er Schwann nicht mehr km Organ der Deutschen Friedensgesellschaft beschäftigt hÄtee yarrtta» Hofe«Kto fiw* tanoto beb Aus— das Spiel in Boizenburg! Da es dem Sowjetzar Alexander nicht vergönnt war, an der Spitze seiner Truppen zu sterben, übergibt er dem Vertreter der mecklenburgischen Negierung seinen revolutionären Füllfederhalter. Völkerbund und Minderheiten. Aussprachen im Völkerbundsausschuß. Genf, 16. September.(Eigenbericht.) Die E u r o p a- K o m m i s s i o n hat am Mittwoch im Poli- tischen Ausschuß des Völkerbundes ihren Berechtigung?- schein erhalten. Die Einwände Japans und Perfiens, daß trotz vielen Aufwands nichts erreicht worden fei, drangen nicht durch. Man überwies den wirtschaftlichen Teil der Europaarbeit an die zweite Kommission und nahm ohne Widerspruch eine Entschließung an, in der die Vollversammlung aufgefordert wird, mit B e f r i e- d i g u n g von den bisherigen Arbeiten Kenntnis zu nehmen und Organisation sowie Arbeitsweise der Europa-Kommission anzuer» kennen. Die künftige Arbeit soll sich stärker der Instanzen des Völkerbundes bedienen und ihnen alle Probleme von universellem Interesse übergeben. Das Spezialkomitee zur Beratung des S o w- jetantrages eines wirtschostlichcn Nichtangriffspaktes soll späte r~z asommeng«\feVr werden üffter Beteiligung"auch außereuropäischer Staaten. Dr. C u r t i u s leitete dann die Aussprache über die B e h a v d- lung der Minderheitenpetitionen auf Grund de» Ma- drider Bersahrens ein. Er erinnert an die Mairede des früheren englischen Außenministers Henderson, der die loyale Durchsüh- rung des Minderheitenschutzes als. lebenswichtige Notwen- d i g k e i t für die Erhaltung des Friedens bezeichnete. Die Rats- ausspräche im Mai müsse der Ausgangspunkt für eine ständige Form des Systems für Minderheitenschutz sein. In dem Minder- Heltenkomitee seien 1930 nur 57 Fälle behandelt worden, während in diesem Jahre über 200 anhängig gemacht wurden, von denen 70 als zulässig bezeichnet seien. Die Rechte der Minderheiten zur Auf- rufung des Völkerbundes dürften in keiner Weise beschränkt werden, ebenso dürften keine Vergeltungsmaßnahmen noch Beschwerden einsetzen. Die gute Arbeit der Minderheitenkomitees könne noch erhöht werden, wenn öfters die im Madrider Abkommen von 1929 vorgesehene Erhöhung von 3 auf 5 Mitglieder beanttagt würde. Auch sollten die Regierungen stets ihre Erlaubnis zur Veröffent- lichung der Komitee-Entscheidungen geben, was das Vertrauen der Minderheiten nur stärken werde. Es seien zwar sichtbare Fort- schritte gemacht, aber der Völkerbund müsse seine Aufgabe immer besser erfüllen, die helligen Rechte der Minderhellen zu schützen. Griechenland. Polen, Rumänien. Tschechoslowakei und 3ugo- slawien ließen gemeinsam erklären, daß sie sich jedem Vorschlag widersetzen würden, der über die bestehenden Minderheitenverträge hinausgehe. Gxaf Apponyi-Ungarn verlangte die Veröffent- istchlMg' dpci�MGierungsantworten aus Beschwerden, während der Kanadier Beaubien als einziger die Notwendigkett einer stän» d i g e n Minderhettenkommissivn mit öffentlichen Verhandlungen be» tonte. Lord E e c i l und P e t s ch- Frankreich unterstrichen die Aus- führungen von Curtius. Spanien hat zur Beratung der Minder- hettenftage einen Vertreter aus der setzt autonomen Minderheit Kataloniens entsandt. Dieser erklärte, daß seine Zugehörigkeit zur spanischen Delegation alle Gerüchte über eine drohende Spaltung in Spanien widerlegte. Die Verfahrensfrage allein sei nicht das wichtigste am Minderheitenproblem, man soll« den Minderheiten, so wie es die Republik Spanien jetzt getan habe, ihre kulturellen Freiheiten geben, dann sei das psychologische Problem gelöst. Da kein endgülliger Antrag vorlag, wird der Vollversammlung ein Bericht über die Aussprache erstattet werden. Schiedsgericht bei seinen Feststellungen über Schwann sein« Be- fugnisse überschritten hätte. Einen äußerst peinlichen Eindruck machte die Erklärung des Schriftstellers Röttcher, des früheren Redakteurs der Zeitschrist „Das andere Deutsch lgnd", daß er der Ansicht sei, die deutsche Friedensbewegung dürfe bei ihrer pazifistischen Tätigkeit sich auch fremder Regierungsgelder bedienen. Der Kläger Küster äußerte sich demgegenüber auf die an ihn von der Verteidigung gerichtete Frage, daß er im Gegensatz zu Röttcher dies für vollkommen unzulässig hatte. Heute folgt die Vernehmung des Schriffftellers Schwann zur Frage der tschechischen und der polnischen Gelder. Schielss Schraube ohne Ende. Auch Zinöverbiiligung für Hafer und Weidevieh. Um der Landwirtschaft die Zurückhaltung ihrer Erntevorräte zu erleichtern, und damit eine künstliche Hochhaltung der Preise zu er- möglichen, werden seit einigen Wochen für alle Kredite, die zur Ernte- finanzierung von Weizen, Roggen und Gerste in Anspruch genommen werden, die Zinsen zu Lasten der Reichskasse auf 4 Prozent verbilligt. Damit wird die getreidebauende Land- Wirtschaft vor allen anderen Wirtschaftszweigen, die den Reichsbank- diskont von 8 Proz. zu zahlen haben, bevorzugt. Dieses System der Zinssubventionen ist jetzt nicht nur auf weitere vier Wochen verlängert, sondern es ist auch auf die Hafer verarbeitende Industrie ausgedehnt worden, so daß die gesamte Getreidewirtschaft in den Vorzug der Zinsverbilligung gelangt ist. Dieses ausgezeichnete Mittel, mit dem die Preise hochgehatten wetten können, wallen sich natürlich gern auch die anderen Zweige der Land- Wirtschaft zunutze machen. Jetzt wird bekannt, daß die Mäster von Weidefettvieh in Schleswig, welches in diesem Jahre infolge der kalten und nassen Witterung nicht voll ausgemästet werden konnte, die gleichen Zinssuboentionen wie die Getreidewirtschast erhatten. Da- mtt wird den dortigen Landwirten ermöglicht, anstatt das Dich an den Fleischer zu verkaufen, es an Landwirte, die genügend Futter besitzen, zur Wettermast abzugeben. Urwollständig gemästetes Bich zu schlachten, ist gewiß, volkswirffchaftlich gefchen, eine Berschwen- dung, und wenn den Gräsern, so nennt man di« Landwirte an der Westküste Schleswig-Holsteins, die auf Pachtweiden Ochsen mästen, etwas geHolsen werden sollte, weit sie infolge der Ueberschwemmun- gen Not leiden, wäre auch nichts dagegen«inzuwenden. Abex Wette» ßod«e Schß-x in«cch t foll»sich«, sondern weil die P a ch t p r e i s e für das Weideland viel zu hoch und nicht den inzwischen gesunkenen Fleisch-preisen angepaßt stnd. Im benachbarten Dänemark sind die Pachtpreise noch nicht halb so hoch. Also nur um den Grundbesitzern eine möglichst hohe Bodenrente zu sichern, muß das Reich Subventio- nen über Subventionen zahlen. Und der Herr Gutsbesitzer und Reichsernährungsminister Schiele ist selbstverständlich der erste, der diese Subventionen bewilligt. Oer Zuristenskandal. Landgerichtsdirektor Arndt weiter bevrlavbt. Ain Dienstag wäre der Urlaub des Landgerichtsdirektors Arndt abgelaufen und der Richter hätte am Mittwoch seine Tätig- keit in Moabit wieder aufnehmen müssen. Mit Rücksicht aus die noch schwebende Untersuchung des Falles Glade- S t i n n e s ist jedoch der Urlaub des Landgerichtsdirektors zunächst bis zum Ende dieses Monats verlängert worden, weil bis dahin ein Untersuchungsergebnis vorliegen und die Möglichkeit für ent- sprechende Entscheidungen gegeben sein dürste. Bisher ist also Dr. Arndt lediglich als beurlaubt und keineswegs als vom Dienste suspendiert zu betrachten. Nach allem, was vorgefallen und über die Angelegenheit Glade-Stmnes bekannt geworden ist, häll man es in Moabit ober für ausgeschlossen, daß Dr. Arndt als S t r a f r i ch t e r dorthin zurückkehren wird. Auch wenn festgestellt wird, daß er sich in keiner Weise Verfehlungen hat zuschulden kommen lassen, dürfte seine Versetzung an das Zivil- g e r i ch t außer Zweifel stehen. Im übrigen werden jetzt weitere Vorwürfe gegen Rechtsanwalt Glade laut, und zwar dahingehend, daß er noch während seinerTätigkeitalsGerichtsassessorin ein Steuer- verfahren gegen einen Berliner Kaufmann deshalb verwickelt gewesen sei, weil er auch hier ähnlich wie später im Fall Stinnes eine„vermittelnde und beratende Rolle" gespielt habe. Es handelt sich dabei um die Beziehungen zwischen Glade und einem bekannten Berliner Häusermakler. Genau wie später nach dem Sttnnes-Prozeß von Rechtsanwalt Dr. Samwer soll Glade auch hier längere Zeit hindurch monatliche Zuwendungen in einer Höhe von 300 bis 500 M. erholten haben. In einer seiner Klagen im Fall Stinnes betont Glade auch selbst die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, in die er geraten sei, nachdem regelmäßige Unter- stützungen eines„Freundes* ausgeblieben seien. Bei diesem„Freund* vprniJjtM am den betresseudevcHänjermoSer hcmdeln. Uferloser Lohnabbau! Gefährliche Experimenie Sei den Berliner städtischen Werken. Gestern fanden Verhandlungen zwischen den Direktoren der Städtischen Gas- und Wasserwerke und dem Gc- samtverband und dem Deutschen Mctallarbeiter-Verband über die Neufestsetzung der Löhne in Städtischen Gas- und Wasserwerken statt. Die Direktoren traten dabei mit der erstaun- lichcn iiitb befremdlichen Forderung hervor, die Löhne sämtlicher Arbeiter ob 1. Oktober abzubauen. Arbeiten etwa die Städtischen Gas- und Wasserwerke unentabel? Niemand wird dies zu behaupten wagen. Niemand wird auch be- Haupte» können, daß die Städtischen Gas- und Wasserwerke über- höht« Preis« nehmen. Weshalb also ein Lohnabbau? Geradezu ungeheuerlich ist jedoch das Ausmaß des Lohn- abbaues, den die Dirckrdrcn von den Arbeitern verlangen. Allge- wein sollen nämlich die Lohne um nicht weniger als 12 Pfennig pro Stunde gesenkt werden! Man faßt sich an den Kopf ange- fichts einer derartigen Forderung von Unternehmen, die der Stadt Berlin erkleckliche Ueberschüsse abliefern. Nun haben die Direktoren durchblicken lassen, daß sie gewisser- maßen unter D ruou. ssriitag, 20 Uhr, äri floh- fittlg, ZablonÄiftr. 9. Um jahlrciches und piinklllche» grsch-inen mird g: beten. SPD.-Kenoffcn de, Selotnioetbaafee, beim»e�rkamt Panlew. Freilag, 19% Uhr. Lokal Grob. Flora. Ecke ESrschsirah«. FroNrnn-. oersammlnng. Referat de» Scitoffen Hans Plettner ftbtr;„Tic Wirt- schaftspolitifche Lege". f 1 Aj I«gendgreflve i>es'LentraiverbarLes der Ltnäisiel'ien Svirte,?onncrstag. finden folgende Vcranitaltungen fcaN: Rieders ch«iihau''ei!? Jugendheim Körschstr. 14(gr. Zimmer). Lorir.:„tzu. genö und Gemerkschaft". Referent: Birr.— Osten: Jugendheim der Ebviie Litauer Skr. 18. Vortrag:„Die deutschen Gewerkschaften und ihre politisch« Vertretung im Reichstag". Referent: Huhn.— Treptow: Jugendheim der Schule Wildenbruchsir. 53 l Zu gang von der Grachstrcche in Treptom). Vortrag: ..Ncu« Feit— neue Menschen". Referent: Rachow.— Die Freie Angesteliten- Bgnt e. S- n?. b. K. tagt non 20 bis 22 Uhr'nt Venbandshanz.— Zunend. fi-nktivnilrversammluiig um 70 Ilhr im grohen Sikun.gssaal rniütes Verband». lym'-'-s.— Meldet euch fiir die VolksWlhnenaReilung stid die ar<«itr- de".L-ae-a int ssugendsckrrtariat. o a•. VeraiUwortlich für Politik: Sie:»» Schill: Mrtschaft:®»ltno.i»?«... GewerkschaftAewcguno: J. Stelarr: Feuilleton: Dr. Zohp und Sonll:aes: Frist»arstädt: Air,«igen: Tb. GloSe: sämtlich in«eriin Verla?: Ve:z>orts.Verlaa G. m. b. S.. Berlin. Druck: Dorwärte-Viicho-,,«'-..! und Berlagoanftalt Paul Sinaer u. Co.. Berlin, Hierin 2 B-tiagen. r-eenstrast.