Morgenausgabe Nr. 439 A 221 4S.Iahrgang Wöchentlich 85 Pf., monatlich 3.60 M. < davon#5 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pf. PouzeitungS' und 7ZPf.Postbestellge. buhren. Auslandsabonnement 6,— M. pro Monat: für Lander mit ermäßigtem Druckfachcnporto 6,— M. * Der„Vorwärts" erscheint Wochentag- lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Ter Abend" Illustrierte Sonntagsbeilage 9„Volk und Zeit". � f berliner Volksblatt Sonnabend �9. September 1931 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die e i n s p a l t. Nonpareillezeile 80 Pf. Neklamezeile 5,— RM.„Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 2b Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort!2 Pf. Rabatt lt. Tarif. Stellengesuche das erste Wort lü Pf., jedes weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmartt Zeile 60 Pf. Familien- anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3. wachen» täglich von 8Vs bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Äentrawegan der Sozialdemotvatifchen Htavtei DeutsMands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 �ernspr.: Dönhoff(A 7) 292— 297. Delegramm-Adr.! Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postschockkonlo: Berlin 37 S3S.— Banlkonlo: Bankder Arbciler, Angestelllcn und Beamten, Lindenstr. 3. Dt. B. u.Didc.-Gcf., Depositenk.,IerujaIemer Str. 65(68. Unlogische Sparpoliiik. Scharfe Kritik der Arbeiteroppofition im Ltnterhaus. London, 18. September.(Eigenbericht.) Die Opposition hatte am Freitag im Unterhaus einen Graß- k a ni p f t a g. Zum erstenmal wurde diejenige Maßnahme der Notregicrung diskutiert, die die Arbeiterpartei in die Opposition gc- trieben hat, nämlich die A r b c i t s l o s e n p o l i t i k der neuen Regierung. Die Regierung trug schließlich mit219 gegen ISö Stimmen, also mit einer Mehrheit von 61 Stimmen einen Sieg davon. Die Vorlage der Regierung wurde von Reoillc Chamber- l a i n verteidigt. Die Ausgabcnzisfcr siir die Arbeitslosenunterstützung, die er zugrunde legte, rechnet mit einer Arbcitslosenzahl von drei Millionen für diesen Winter. Diese Zahl ist sicher nicht zu hoch gegrisfcn, denn am 1. September wurden bereits über 2 800 000 Arbeitslose gezählt, der höchste Stand, d.cr je in England erreicht wurde. Man muß, wie der Sprecher der Opposition dies am Freitag darlegte, Zweifel- los damit rechnen, daß die Sparmaßnahmen des Not- Programms sehr bald zu einer weiteren Verringerung des Beschäftigungsgrades führen werden. Die Verminderung der Kaufkraft, die infolge der Herabsetzung der Gehälter und der Kür- zung der Arbeitslasenunterstiitzung zu erwarten ist, beginnt schon fühlbar zu werden. Die- Geschäftswelt hat ihren Befürchtungen gegenüber dem Premierminister deshalb bereits Ausdruck verliehen. ?Nacdo)rald antwortete in einem Brief an einen Geschäftsmann, Doch nicht Arbeiterrepublik? Spanischer Parlamentsbeschluß wird umgestoßen. Madrid, 18. September(Eigenbericht). Aus veranlassung des Ministerpräsidenten Z a m o r a sind über die Fassung des von der Nationalversammlung bereits be- schlostcnen Artikels 1 der neuen Verfassung(. Spanien ist eine Arbeilerrepublik") nochmals Verhandlungen ausgewammen worden. Der Artikel wird vorauesichllich folgende Fassung erhallen: „Spanien ist eine demokratische und liberale Republik der Arbeit".(Die Bezeichnung„Arbeilerrepublik" war nur mit knapper Mehrheit von der Nalionaloersammlung beschlossen worden. Red.) Alfons unter Hochverratsanklage. Madrid, 18. September(Eigenbericht). Der Untersuchungsausschuß der Nationalversammlung wird Exkönig Alfons wegen des Staatsstreichs primo de Rivcros des Hochverrats anklagen und als Strafe beaftlragen, daß ihm die Rückkehr nach Spanien aus ewig untersagt wird. Italiens doppeltes Gesicht. Abrüstungsreden in Genf, Militarisierung derZugend daheim Aus Italien wird uns geschrieben: „Die ganze Jugend soll es sein, die mit Leib und Seele ganz und gar dem Faschisnruß gehört." So fordert es Mussolini dieser Tnge in einem öffentlichen Anerkennungsschreiben an den Unterstaatssekrctär Ricci, den Organisator der riesigen Jugendorganisationen des Faschismus. Dieses fafchi» stische Kindcrheer ist in den letzten Monaten weiter gc- wachsen, dank der ungeheuren Propaganda und der Mittel, die vom Staat zur Verfügung gestellt werden. Immerhin: nach den Erklärungen des Führers dieser„Valilla" i'nd Avantgardisten-Organisation sind bisher knapp Zwei Millionen Jugendliche in ihr vereinigt, während gegen- wärtig fünf Millionen Knaben dieses Alters in Italien leben. Vorläufig ist also nur etwas über eii�Drittel der italieni- schen Jugend faschistisch organisiert. Darum der plötzliche Ruf Mussolinis: die ganze Jugend muß es sein! Er propa- gicrb besonders stark, nachdem der Kampf des Faschismus mit dem Papst wgen der katholischen Jugendocrbände, die immerhin auch etwa 800 000 Personen umfassen, inzwischen durch ein Ab- kommen beendet ist, wenigstens äußerlich. Das„angemaßte Mo- nopol auf die Jugend", das der Papst in seiner Juli-Enzyklika noch so überaus heftig bekämpfte, hat er praktisch anerkannt, mit allen geistigen und politischen Folgen, auch mit der von ihm verdammten „h e i d n is ch e n V« r g o t t u n g" des Nationalismus, die nach seinen eigenen Worten in diesen faschistischen Reihen gepflegt wird. Der Weg scheint auch von dieser Seit« aus frei, die ganze Jugend Italiens zu erobern, soweit sie sich oon den vielfachen Verführungen und materiellen Dorteilen, mit .denen das sofchistische Jugcndhcer arbeitet, verlocken läßt. So kann dos faschistische Italien nach Gens die Daten der Rüstungen senden, ohne in sie dieses Jugendheer einzu- in dem er dos Publikum zu vernünftigem aber tüchtigem Kaufen auffordert, und zwar nur zum Kauf von britischen Waren. Der Brief des Ministerpräsidenten wurde von einem Sprecher der Opposition ironisch kritisiert. Er bezeichnete die Sparpolitik der Regierung als verworren und unlogisch: auf der einen Seite kürze sie die Gehälter, auf der anderen fordere sie zum Kaufen auf. Ein konservatives und regierungsfreundliches Blatt wie die„Morning Post" argumentierte übrigens ähnlich wie die Opposition. Es erklärt, daß die zu erwartende Ver- ringerung der Kaufkraft und Steigerung der Arbeitslosigkeit eine Folge des Notprogramms fei, allerdings um dann die Ergänzung dieses Notprogromms durch Schutzzölle zu verlangen. Außer der Kürzung der Arbeitslosenunterstützung empfindet die Opposition die ISprozentige Kürzung der Lchrergchältcr als unerträglich. Auch die Lehreroerbände protestieren heftig. In verschiedenen Londoner Bezirken sind bereits Teilstreiks der Lehrerschaft angekündigt. Vom 1. Oktober an werden sämtliche Londoner Lehrer die Turn- und Sportstunden außerhalb der üblichen Schulstunden ausfallen lassen. Die ihnen auferlegten Opfer werden von ihnen insofern als doppelt ungerecht empfunden, als die Regierung dem Druck der Flotte nachgegeben hat, während sie den Eingaben anderer ebenso schwer betroffener Kreise nicht entsprechen will. schließen, das militärisch ausgebildet wird, ohne ferner jene 18- bis 21 jährigen einzuberechnen, die jetzt obligatorisch zur Militär i- schen Vorausbildung verpflichtet werden, ohne überhaupt mit einem Worte der völligen Rtililarisierung der Jugend Erwähnung zu tun. So kann man Abrüstung predigen! Und man tut es mit Ueberzcugung, aus dem einfachen Grunde, weil Italien rein materiell das Wettrüsten mit Frankreich nicht aushalten kann. Man will ernstlich die Abrüstung in dem Sinne, daß Frankreich seine großen Rüstungen beschränken soll und Italien die Gleichheit der Rüstungen mit diesem stärksten Nachbarn erlangt. Die Wirt- s ch a f t s k r i s c hat auch hier gelehrt, daß man mit weiteren Rüstungen nicht nur nicht vorankommt, sondern immer tiefer in die Nöte hinein. Von der gleichen sehr robusten Ehrlichkeit ist der Genfer Vorschlag Grandis diktiert, eine Rüstungspause bis zum Abschluß der Abrüstungskonferenz eintreten zu lassen. Mit all diesen schönen Vorschlägen und Absichten steht die völlige Militarisierung der Jugend im krassen Widerspruch. Man kann ihr höchstens die eine lleberlegung zugute halten, daß es sich bei dieser Militarisierung der Jugend für den Faschismus nicht so sehr um Soldaten eines künftigen Krieges als um die Heranbildung von Soldaten für die Erhaltung der Macht des Faschismiis im Innern handelt. Denn ohne dieses Jugcndhcer hat der Faschismus keine Zukunft. Wie diese Juge.nd aber, gerade etwa aus innerem Wider- spruch gegen diese Militarisierung, sich später entscheiden wird, das ist die Schicksalsfrage des Landes. Oie Schüsse aus den Konsul. Drei Jahre Gefängnis für einen italienischen Attentäter. Zürich, 18. September.(Eigenbericht.) Das Züricher Schwurgericht verurteilte am Freitag den Süd- tiroler Lina Bassi zu drei Jahren Gefängnis. Der ZZjährige Lino Basti, von Beruf Maurer, hatte am 27. Januar auf den italienischen Generalkonsul in Zürich drei Schüsse abgegeben und ihn so schwer verletzt, daß der Konsul nur durch eine Bluttransfusion gerettet werden konnte. Der Attentäter machte vor der Tat bei den italienischen Bc- Hörden eine Forderung auf Pensionierung geltend, da er sich als Folge seines Dienstes bei der italienischen Polizei ein Nieren- leiden zugezogen habe. Dem Gesuch wurde von den italienischen Behörden aber nicht entsprochen. Am 27, Januar machte Basti einen letzten Versuch, den Konsul umzustimmen. Er erklärte, als ihm die Rückkehr nach Italien als einziger Ausweg dargestellt wurde, habe ihn eine solche Wut gefaßt, daß er die Besinnung verloren hätte. Er wolle sich lieber töten als nach Italien zurückkehren. Der gerichtsärztliche Gutachter nahm teilweise Sinnesverwirrung an. Dos kommunistische Organ in Leipzig ist aus dem gleichen Grunde wie die„Rote Fahne" aus vier Wochen verboten worden. In dem Telegramm an die englischen Matrosen wird indirekt auch eine Aufforderung an die deutsche Wehrmacht zur Meuterei und zu- gleich eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung er- blickt. Ebenso sino die in Berlin erscheinende kommunistische Zeitung B o l k s e ch o und die in Karlsruhe erscheinende kam- mumstische Arbeiterzeitung auf vier Wochen verboten worden. Die Aufträge Rußlands. Kommunistenjubel über Abzahlungsgeschäfie. Von Xurt Heinig. „Eine Milliarde Mark Eowjetauftröge— zahllose Betriebe ganzer Industriezweige in Deutschland existieren nur noch dank der Sowjetunion. Mindestens 200 000 Arbeiter haben ein volles Jahr Arbeit durch die Sowjetaufträgc. Die Sowjetmacht, die die Arbeitslosigteit im Bereich von 150 Mil- lioncn Menschen aus der Welt geschafft hat, demonstriert weithin sichtbor die Ueberlegenheit der sozialistischen Wirt- schaft über den bankrotten Kapitalismus." „Rote Fahne" vom 17. Seiten, ber 1931. Was ist die Wahrheit im deutsch-russischen Außenhandel? Es ist wieder einmal rattwendig, gegenüber dem hysterischen Geschrei, das von den Kommunisten über die Sowjetaufträge gemacht wird, sachlich die Tatsachen festzustellen. Lassen wir zuerst die klaren Zahlen sprechen. Der deutsch-russische Außenhandel umfaßte in den Jahren 1923 bis 1939 die folgenden Werte: Ausfuhr Einfuhr nach Rußtanh von Rußland in Mlll-nen Marl 1925.......... 251 230 � 1926.......... 266 323 1927.......... 330 433 1928.......... 403 378 1929.......... 354 426 1930.......... 431 436 In den jüngst vergangenen sechs Jahren hat also Deutsch- land ferst immer" in Rußland mehr gekauft als die Sowjet- union oon Deutschland ahgenmnmen hat. Wie steht es aber itun mit dem Größenverhältnis des heutigen deutsch-russischen Außenhandels, wenn man es mit der Vorkriegszeit vergleicht? Die deutschen Kommunisten tun so, als ob die Sowjetmacht eine ganz neue großartige deutsch-russische Handelsbeziehunz geschaffen habe. Auch hier wollen wir vorerst die klaren Zahlen sprechen lassen. Der deutch-russischc Außenhandel be- trug in den Jahren 1999 bis 1913: Ausfuhr nach Rußloud in MMioneu Mark 1909.............. 444 1910.............. 547 1911.............. 625 1912.............. 679 1913.............. 880 Diese Ziffern zeigen, daß im Jahre 1939 die Sowjetmacht bei ihren Einkäufen in Deutschland glücklich wieder da ange- langt war, wo das alte zaristische Rußland im Jahre 1999 gewesen ist. Hierbei ist zu beachten, daß die in der Zwischen- zeit eingetretene Entwertung des Goldes bei unserem Bei- gleich nicht in Betracht gezogen worden ist. Wollten wir die in der Zwischenzeit eingetretene Goldentwertung von rund 59 Proz. in den Vergleich einbeziehen, so wäre er für die russischen Einkäufe in Deutschland noch ungünstiger. Wie sieht es nun mit der angeblichen Milliarde Mark Sowjetaufträgc im Jahre 1931 aus? Erstens handelt es sich bei dieser Milliarde Mark Sowjetaufträge nicht etwa ausschließlich um Anfuhr des Jahres 1931, sondern um Bestellungen, die bis 1933 abgeliefert werden. Bei genauerer Einzelprüfung der Art der Aufträge ist schon heute erkennbar, daß auch 1931 die deutsche Ausfuhr nach Rußland nicht wesentlich höher sein wird als sie 1939 war. Zweitens kann die Sowjetmacht ihre Einkäujc in Deutschland nicht bar bezahlen. Sie verlangt bis zu vier Jahren Kredit! Drittens könnten die deutschen Unternehmungen die russischen Aufträge überhaupt nicht akzeptieren, wenn nicht das Deutsche Reich, die einzelnen Länder und sogar Gemeinden für die Bezahlung durch die Russen bis zu 79 Proz. der gc- samten Summe die Garantie übernommen hätten. Viertens haben bisher nicht einmal diese Garantien ausgereicht, um den deutschen Unternehmungen zu ermög- lichem die Sowjctwechsel in den Zahlungskreislauf zu bringen. Deswegen mußte eben erst wieder die Reichsbank mit einem besonderen Redislontkredit in Höhe von 139 Millionen Mark einspringen. Fünftens drücken die Russen bei ihren Bestellungen, die sie auf Borg machen und bei denen sie auf Stottern zahlen, so stark auf die Preise, daß der Druck auf die deutschen Arbeiterlöhne besonders stark weitcrwirkt. Warum verlangen die Sowjetbehörden bei ihren Bestellungen nicht, daß die deutschen Unternehmer die Tariflöhne für die russischen Arbeiten einhalten? Sechstens schaffen die russischen Austräge in Deutsch- ) loiib wie jeder Einkauf des Auslandes bei uns selbstverstünd- lief) in gewissem Umfange Arbeit. Die Russen geben sich aber außerdem Mühe, bei uns Arbeitslose zu machen. Die deutschen Sowjetpropheten sollten sich einmal bei den Bekleidungsarbeitern, im besonderen in der Pelzindustrie, aber auch bei den Holzfällern im bayerischen Walde erkun- digen. Da würden sie erfahren, daß die billige russische Ein- fuhr von Bau- und Nutzholz und von verarbeiteten Pelzen in Deutschland schon viele Tausende von Arbeitern brotlos ge- macht hat. Solche Beispiele gibt es noch viele. Siebentens beutet die Sowjetmacht die Völker dort, wo sie kann, geschäftlich genau so aus wie die Großkapita- listen der ganzen Welt. Das russische Benzin zum Beispiel wird in Deutschland gemeinsam auf gleichem Niveau und in Verständigung mit dem Rockefeller-Trust und den englisch- holländischen Deterdingleuten verkauft. Prüft man, wie hier eben geschehen, die Tatsachen der Russenaufträge, dann werden gegenüber früher drei charakteristische Unterschiede sichtbar. Einmal kauft Rußland heute von uns viel weniger als in der Vor- kriegszeit, zum anderen kauft es im Gegensatz zu früher jetzt mit mehrjährigem Kredit, und drittens bilden sich die deutschen Kommunisten ein, daß das alles etwas Großartiges, Neues fei, das„weithin sichtbar die Ueberlegenheit der sozialistischen Wirtschaft über den bankrotten Kapitalismus" demonstriere. Selbstverständlich legen wir in Deutschland auch auf den Außenhandel mit Rußland großen Wert. Er steht aber in unserer Ausfuhr nach der ganzen Welt erst an elfter Stelle. England taufte zum Beispiel im Jahre 193» von uns dreimal soviel(für 1219 Millionen Mark) wie die Sowjetmacht. Ebenso kauften die kleinen Nieder- lande dreimal soviel(für 1206 Millionen Mark) a l s die Sowjetunion. Wenn es nun in Deutschland irgendwo Arbeiter gäbe, die in diesen niederländischen. Einkäufen etwas ganz Besonderes sehen, daraus einen Beweis für die Wirkungstraft ihrer niederländisch- religiösen Ueberzeugung machen und die ganze Welt mit Jubellärm erfüllen wollten, was würde man dann sagen? Die Antwort ist sehr einfach: die Leute haben sich einen cige- ncn Gott gemacht, beten ihn an, sehen nicht mehr die Wahr- heit und sind so trunken, daß sie nüchterne Tatsachen über- Haupt nicht mehr erkennen. Das ist das, was man zu dem hysterischen Geschrei über die Milliarde Sowjetaufträge eben- falls gleicherweise sagen muß. Daß uns gegenüber die Niederlande nicht durch ihre Regierung als Einkäufer auf- treten, während das die russische Regierung tut, zeigt nur, daß in dem einen Lande ein Außenhandelsmonopol existiert und in dem anderen keines. Mit der Lage der arbeitenden Klasse in Ruhland hat das an sich gar nichts zu tun. Germams doeei. Die„Germania" erteilt dem„Tag" eine Lettion. Im„Tag" hat gestern morgen zum dritten- oder vierten- mal Herr von M c d c m sein„cetorum ccvaoo" ausgestoßen „Im übrigen bin ich der Meinung"— Nämlich, daß die Rc- gierung B r ü n i n g verschwinden muß. Dabei plaudert er auch einiges ganz Interessante über die Entstehungsgeschiäite dieser Regierung. Sic ist, wie er erzählt, aus einer Dienstaggesellschäft entstanden, der neben damals dcutsämationalen Abgeordneten auch Herr Brüning angehörte. Ziel dieser Dienstaggesellschäft sei es gewesen, „eine Reichsregierung der Mitte zu bilden, um die Macht der Sozialdemokratie in Prclußen zu breche n". Die Regierung Brüning, heißt es zum Schluß, habe die Aufgadc, die sie vom Reichspräsidenten erhielt und die sie nicht löste, dem Reichspräsidenten zurückzugeben, und dann müsse die nationale Kampffront die Führung über- nehmen. Die„Germania" von gestern abend beschäftigt sich mit diesen Ausführungen des Herrn von Medem in einem Leit- artikel und sagt allerhand Lehrreiches über den Ursprung des Wortes„cstc-rum couseo" und seinen Urheber Cato(gest. im Jahre 149 v. Chr. Geb.). Uns wäre es, aufrichtig gesagt, interessanter gewesen, wenn sie weniger weit ausgeholt hätte und lieber aus die Geschichte der Dlenstaggcsellschast«ingegan- gen wäre. Schließlich wendet sich die„Gennania" jedoch cnt- schlössen der Zukunft zu, um zu bemerken: Eins wird dem„Tag" bestimmt nicht gelingen, daß sein„Oterum censeo" die Reichsregierung ins Wanken bringt und es wird ihm auch nicht gelingen, den Fall Curtius zu einem Falle Brüning und des Kabinetts zu machen. Das können wir dem „Tag" bestimmt versichern. Daraus geht zunächst einmal hervor, daß für die„Ger- mania" ein Fall Curtius existiert. Zweitens aber auch, daß nach ihrer Meinung oder nach ihrem Rat der Reichs- kanzlcr Brüning den Fall seines Außenministers so erledigen wird, daß er selber dabei nicht ins Wanken gerät. Dieser Optimismus ist bemerkenswert. Nach der Lösung der Nach- folgerfrage und nach der Wiedereröffnung des Reichstages wird sich zeigen, ob er auch gerechtfertigt ist. parieidiktaior Hugenberg. Eröffnung des deutschnationalen Parteitag«. Stettin, 18. Septenrber. Als Auftakt zum deutschnationalcn Parteitag fand am Freitag eine Sitzung des Parteivorstandes statt, die von Dr. Hugenberg geleitet wurde. In der Sitzung standen in erster Linie orgoni- s a t o r i s ch e Fragen zur Debatte. Die anschließende politische Aussprache dehnte sich bis in die Nachtstunden aus. lieber die Sitzung wurde ein Bericht ausgegeben, in dem es heißt: Zur Durch- si'chrur.g organisatorischer Maßnahmen wurden dem Parteiführer Dr. Hugenberg besondere Bollmachtcn erteilt. Im Bordergrund der Erörterungen standen Iugeird« und Arbeiter- fragen. In der anschließenden politischen Aussprache wurden eben- falls in bewußter Abkehr von demokratischen Eepflogenheiten das F ü h r e r p r i n z i p in den Vordergrund gestellt. Die Aussprache bcschästie.'a sich vor allem mit den Gefahren, die in den einseitig französischen Kurs unserer Außenpolitik liegen. Der srüh-ce brounschweigische Minister Dr. Fraazea wurde auf scinein Antrag in Kiel alsRechtsanwalt zugelassen und wird seine Praxis hier bereits in nächster Zeit aufnehmen. Oer Zudenpogwm war organisiert.— Die Polizei ließ den Haupträdelsführer Hitler hat in Moabit unter seinem Eide die Legalität seiner Be- wcgung beteuert. Seine SA.-Mannen haben ihm gestern im selben Gcrichtssaal einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Bereits das Ergebnis des ersten Vcrhandlungstages im Prozeß der Kur- fürstendommhelden hat dem angeklagten Studenten Soy recht ge- geben: Der Judenpogrom am Sonnabend, dem 12. September, war planmäßig vorbereitet und nicht minder planmäßig durchgeführk. Die Herren von der obersten Leiiung in eigener Person, der Stabsleiker des Gaues Berlin Ernst, der Oberführer Graf hell- darf, mit der Reitpeitsche in der Hand, und der Führer der Mache des Stabe» Berlin Gewehr pendelten im Auto den Kur- fürstendamm hin und zurück, überwachten die Durchführung der Aktion, erteilten Befehle, kamen ungeschoren nach Hause und gaben mit Ausnahme von Gewehr Fersengeld als es galt, vor Gericht in aller Oeffentlichkeit Rechenschaft abzulegen. Sie ließen ihre SA.-Iungen schuldig werden, brachten ihre Unter- gebenen wegen Landesfriedensbruchs vor den Richter, um selbst wohlgeborgen in irgendeinem Braunen Hause oder sonstwo gut Wetter abzuwarten. Echt nationalsozialistisches Verantwortungs- gefühl! Während die SA.-Jünglinge auf dem Kursürstendamm eine Er- werbslosendemonstration mimen, Hunger! Brot! Arbeit! schreien, fahren die Regisseure in ihrem Auto mit der Reitpeitsch« in der Hand, unter.der Maske harmloser Kurfürstendammautobummler durch die Stpaßen. Auch ein anderes Auto gefiel sich in diesem Pendelverkehr— es gehörte dem Kameradschaftssührer der dritten Jungstahlhelmkameradschaft des Gaues III. Auch er wollte sich nur informieren! Begegnete er sejnen Stahlhelmjungens, so schickte er sie nicht, nach Hause, sondern warnte sie davor, sich fassen zu lassen. In der gestrigen Verhandlung nannten die Stahlhelmleute die SA.- Leute„K a m e r a d e n". Die„Lausejungen", wie Hindenburg die Nationalsozialisten bezeichnete, und die Mitglieder des Stahlhelms, dessen Ehrenmitglied Hindenburg ist, geeint in treuer Käme- r a d s ch a f( b e i m.J u d cm p o g r o m! Das sollte sich die Stahl- helmleitüng ins Stämmbuch schreiben! » In der Nachmittagssitzung im Kurfürstendamm-Pogromprozeß ging die Vernehmung der jugendlichen Angeklagten weiter. Es war innner das gleiche: all« waren sie dabei, niemand von ihnen hotte sich ober in irgendeiner Weise betätigt, der größte Teil war rein zufällig ins Gedränge geraten, ebenso schuldlos verhaftet und aus die Anklagebank gebracht. Tatsächlich ein purer Zufall, daß SA.- Leute von dreizehn verschiedenen Stürmen zu vielen Hunderten sich auf dem Kurfürstendamm ausgerechnet am jüdischen Neujahrstage ein Stelldichein gaben. Da war zum Beispiel der dreißigjährige Betriebsassistent Fischer aus Aehlendorf vom Sturm 4ä. Ein Bekannter, dessen Namen ihm u n b e k a n n t ist, hat ihn aufgefordert, einen kleinen Bummel auf dem Kurfürstendamm zu machen. Der 2tjährige Arbeiter M i ch a l a k vorn Sturm 7 wollte sich bloß das Sträßenbild ansehen. Der 26jährige schwer- kriegsbejchätigte SchMt>Zst�l>.ch�chp»ß, das' Nützliche mit dem Angenehmen zu vereinen— sich die Juden am Neujahrs- tage anzusehen und auf dem Kursürstendannn ein GlaS Bier zu trinken.. Wohl haben irgendwelche Leute hinter ihm gepfiffen, auch hat er„Deutschland erwache!" rufen hören, aber daß er etwa ge- sehen haben sollte, wie das Easö Reimann zertrümmert wurde,— nein, das durchaus nicht,„Eigentümlich", meint der Bor- sitzende.„Sie sind nun der 2 4. Angeklagte, der dos vom Cafö Reimann nicht gesehen hat. Ich kann mir das gar nicht vorstellen!" Der 2Ajährig« Schlächter Hecke stand vor dem Dilemma kegeln zu gehen oder sich auf dem Kurfürstendamm den Klamauk anzusehen. Er entschied sich für dos letztere. Er sah viel Menschen auf der Straße, hörte Rufe aus- stoßen, wollte aber aus den, Knäuel heraus und wanderte nun mit seinem Freund von einem Restaurant ins andere. Und das tot er, das NSDAP.-Mitglied und Leiter einer Betriebszelle, wahrend seine Genossen als gute„Erwerbslose" den„Brillantenjuden" vom Äursürstendomm Hunger, Arbeit und Brat ms Gesicht schrien. Der 22johrige Bocker Oskar Johl vom Sturm 20 hatte ausgerechnet den Kurfürstendamm zum Rendezoousplatz mit feiner Freundin auserwählt. Ein Schäker ganz besonderer Art ist der 24jährige Schlächter Koch. Cr hatte den langen Weg von der Peter»- burger Straße, wo er wechnt, bis zum Kurfürfkendanun bloß zu dem Zweck gemacht, um dort vor allen jüdischen Mitbürgern, denen er begegnete, höflich den Hut zu ziehen und ihnen„Prosit Neujahr" zuzurufen.„Warum taten Sie das?" fragte ihn der Vorsitzende. „Um den Leuten ein« kleine Aufmerksamkeit zu erweisen." Rufe, wie„Inda verrecke", hat er selbstverständlich nicht gehört, geschweige dem, selbst ausgestoßen. Der Sturm 33, berüchtigt durch seine vier Prozesie im ebendemselben Gerichtssaal, ist auch diesmal gut vertreten— mit ganzen fünf Mann. Wieviel Mitglieder dieses Sturmes auf dem Kurfürstendamm ihren Heldenmut an wehrlosen Mitbürgern betätigt haben, verraten die Angeklagten selbstverständlich nicht. Dem Äjährigcn Arbeiter S ch e f f l e r, Mitglied dieses Heldensturnrs, wurde bereits am Freitag erzählt, daß auf dem Kurfürstendamm eine Schlägerei stattfinden würde. Also fuhr er am Sonnabend dahin, hörte„Arbeit, Brot und Hunger" rufen und wurde ganz ungercchtfertigtcrweise von einem Beamten mit dem Gummiknüppel bearbeitet. Der 26jährige Bäcker M a tz d o r f gehört bereit« seit vier Wochen diesem Sturm nicht mehr an: es fehlt ihm das Geld, um alles mitzumachen. Er hoffte, auf dem Kurfürstendamm den jüdischen Silvester mit Feuerwerk zu erleben. Auch den 22jährigen Bäcker A n g e r st e i n vom Sturm 33 hatte die Neugierde zum Kursürstendamm getrieben. Das ist«in ganz Schlauer. Der Klamauk sei hier kün stlich hervorgerufen worden, erklärt er. Eine ähnliche Erklärung mit einer nicht mißzuverstehen- den Anspielung auf die Kommunisten bediente sich auch der ISjähnge Arbeiter Eouvreux und der 21jährlge Böcker Dzicmien. Das war aber alles gewissermaßen nur Kleinzeug. Der ZVjährige Arbeiter Pauke ist aber Führer de» S k u r m 4 3. Im Gegensah zu seinen Mitangeklagten Anker- gebenen bestreitet er. irgendwelche Befehle in bezug auf die Demonstration auf dem Surfürstendamm gegeben zu haben. Die Erwerbslosen, behauptet er, hätten sich einmal die Brillant- juden auf dem Kurfür st endo mm ansehen wollen. Er bestreitet auch, die Scheiben vom Cafä Reimann eingeschlagen zu haben. Die P i st o l e, die bei ihn, gefunden wurde, trägt er l>e- reits zwei Jahre bei sich zum Schutz gegen die Kommunisten. Eine Anweisung von der Obersten SA.-Leitung sei nicht erteilt worden. Kursürstendamm Frechheii der Angeklagieu vor Gerichi. enifliehen.— Oer höfliche Polizeimajor. Wie es aber in Wirklichkeit mit dieser Obersten SA.-Leitung stand, erfuhr man von dem Führer der Wach«des Stabes Berlin-Brandenburg, dem 2Zjährigen Ingenieur GeorgGewehr. Seinen Dienst tut er in der Hedemannstraße. Er hat dort für den Ablauf des Verkehrs zu sorgen. Auch die Autos für die Führer vermittelt er. Bloß an diesem Tage hat er es nicht getan. Am Nachmittag des 12. September bestiegen er. der Skabsleiier Ernst und der'Oberführer Helldorf ein Auto. Man fuhr zuerst in ein Nazilokal, dann in ein anderes und ein drittes, ftgab sich weiter nach Halensee und pendelte von dort aus den Surfürstendamm entlang hin und zurück: etwa fünf- bis sechsmal. „Zu welchem Zweck?" fragte der Vorsitzende.„Um sich zu infor- mieren." Einmal stieg man auch aus und unternahm esiic Jnfor- mationstour zu Fuß. Eigentlich war nichts Auffälliges zu bemerken. Die Leute demonstrierten, schrien„Hunger", vechielten sich aber im großen und ganzen ruhig. Einmal wurde das Auto von einem Major angehalten. ..Graf Helldorf", fagle der Polizeioffizier.„was haben Sie uns hier eingebrockt?"„Das sind doch keine Nalionalsozirlisien". erwiderte darauf Graf Helldorf,„das sind za Erwerbslose. vielleicht sind es Kommunisten, höchstens einige Nationalsozialisten darunter."„Dann sogen Sie Ihren Leuten, daß Sie sich beruhigen sollen, rufen Sie sie zur Ordnung, schicken Sie sie nach Hause", fagle der Zllajor. „Und was geschah?" fragt der Vorsitzende.„Es konnte ja nichts geschehen", meint der Angeklagte,„höchstens bei der Gcdächtniskirche sahen wir unsere Leute. Einmal kam ein Mann auf uns zugelaufen, stellte sich auf das Trittbrett und erzählte was.„Das ist ja aller- Hand", erklärte Helldors.„sehen Sie zu. daß Sie die Leute zum Wittenbergplatz abdrängen." Der Wagen des Stabslciters E r n st wurde schließlich von einem Privatwagen, der ihn längere Zeit beobachtet und verfolgt hatte, g c st c l l t. Alle dvei Herren wurden zur Wache gebracht und nach Fest- slellung ihrer Namen nach hause geschickt. Man wußte ja damals noch nicht, daß die Sache planmäßig organi- siert war. Herr Gewehr ist höchst empört, daß man es gewagt hat, ihn zwei Tage später festzunehmen. Nicht minder empört darüber ist der 27jährige Kaufmann Kühn, der Eigentümer des Autos. Da er beschäftigungslos ist. stellt er seinen Wagen des öfteren der Hcdcmannstraße zur Der- fugung. Auch diesmal fuhr er drei nationalsozialistische Herren, die er nicht kannte— natürlich erkennt er auch seinen Nachbarn, den Angeklagten Gewehr, nicht wieder. Was die Herren auf dem Kur- fürstendamm eigentlich wollten, ahnte er nicht im geringsten, daß sie an Passanten Anweisungen gegeben hätten, hat er nicht bemerkt: auch hat sich niemand auf dos Trittbrett des Autos gestellt, ein Gespräch mit einem Major hat allerdings stattgefunden, eine kleine Spritztour zu Fuß haben seine Fahrgäste tatsächlich gemacht, und von einem Privatauto ist sein Auto wirklich zur Wache gebracht worden. Wieviel er für hie Fahrt bekommen habe, Ist Geschästs- geheinmi»......... And schließlich der Someradschostsführer der Dritten Zungstahl- heimtamerodschast vom Gan III. der 31 jährige Diplomingenieur Wilhelm Brandt.. „Ich habe ein vollkommen reines Gewissen", erklärte er.„Ich hörte. daß es auf dem Kursürstendamm Klamauk geben würde, ich bestieg mit drei Kameroden ein Auto, fuhr zuerst in die Fasancnstraße zum jüdischen Tempel, es war alles ruhig: auch am Kursürstendamm war wenig los: bloß um die Gedächtniskirche herum gingen Gruppen hin und her und riefen: Deutschland erwache! Ich sagte zu meinen Leuten:„Kinder, man sieht ja nichts", lieh zwei Kameraden beim Wagen, ging ein paar Schritte weiter und sah nun Demonstranten in Gruppen von 50, 100 und 200 Mann. Mit einem Wort, einen großen Zirkus. Ich traf auch drei bis vier Kameradschaften vom Chaulottenburger Stahlhelm. Als mich dann ein Beamter aus- forderte, mit meinem Wagen weiterzufahren, fuhr ich auch los: wurde ober später noch von zwei Stahlhclmkameraden angerufen. „Guckt ihr euch das jüdische Neujahr an", fragte ich sie.—„Ja". erwiderten sie grinsend. Der eine erzählte, er hätte ein feststehendes Messer bei sich.„Wenndudich nichtkriegenläßt, dann tut es nichts", sagte ich zu ihm... Der Vorsitzende unterbricht hier die humorvollen Ausführungen des Angeklagten mit der Fest- stcllung, daß er wegen Rödelssührerschoft angeklagt ist und daß er sich dessen wohl nicht bewußt ist. daß bei Bersagung mildernder Umstände die Strafe zehn Jahre Zuchthaus betrogen kann. Der Angeklagte meint darauf, daß er sich gar keiner Schuld bewußt fei, er finde es empörend, wie die Beamten unschuldige Leute behandelt' hätten und daß man ihn. der harmlos der Auf- forderung der Polizei, ins Polizeirevier zu kommen, gefolgt sei, ver- haftet habe. Der harmlose Stahlhclmfllhrer ist bereits einmal wegen Sach- bcschädigung und ein anderes Mal wegen Verstoßes gegen das Republikschutzgesctz bestrast. Uebrigens hat er auf dem Kurfürsten- dämm noch einen zweiten Stahlhelmgemeinschaftsführer getroffen. Die Vernehmung der Angeklagten wurde gestern beendet. Heute folgen die 44 Zeugen der Anklage und wer weiß noch wieviel Zeugen der Verteidigung. Dem Antrag der Verteidiger auf Haft- entlassung wurde nur in bezug auf zwei Angeklagte stattgegeben— wegen Krankheit. Gegen alle übrigen Angeklagten wurde wegen Fluchtverdachts ein Haftbefehl erlassen. In der Ve- gründung des Gerichts hieß es u. a., daß ja der Stabsleiter Ernst und der Oberführer Helldorf tatsächlich ge- flüchtet seien. Auf dem Gerichtstisch liegt nur noch die Reit- peitsche des Herrn von Heldorf... Hitler-Oemonstration in Brannschweig Die Aera Franzen wird von neuem eröffnet. Braunschweig, 18. September.(Eigenbericht.) Der neue Naziminist�r von Braunschweig hat jetzt für seine Bc- rufung an Adolf Hitler seinen Dank abgestattet, indem er das van seinem Lorgänger Franzen verhängte Demonstralionsverdet aufgehoben hat. An, Sonntag spricht Hitler in Braunschweig. Er wünscht zugleich eine Parade über die SA.-Leutc abzunehmen. Was Hitlers Wunsch i st, ist K la g g c z Befehl. So wird m Braunschweig regiert. Nr. 439* 48. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 49. September 4934 Fahrt ins Wochenende. Im Süden Berlins.— Eine Wanderung zu schönen Parks. Berlin ist nicht nur eine Stadt der nüchternen Sachlichkeit. Berlin hat viel für sein schmuckes Aussehen getan. llcberall, wo immer es nur möglich war, gibt es Bäume und Grünflächen und Blumen. Berlin ist geradezu eine Stadt der Parks geworden. Diese Entwicklung ist von der Sozialdemokratie im Rathaus stets geför- dcrt worden. Wir fahren heute mit dc dem Augsburger Lustbild- unternehmen Strehle gehörte. Der Pilot und sein Bezlcitcr fanden dabei den Tod. Großbetrüger gesucht. Hunderttausende erbeutet.— Bisher 80 Anzeigen. ZNonatclang hat es ein Schwindler in Berlin verstanden, zahlreiche auswärtige Geschäftsleute und Firmen, die Generalvertretungen suchten, hinters Licht zu führen. Dem Betrüger dürsten nach vorsichtiger Schätzung über hunderttausend Mark in die Hände gefallen sein. Es handelt sich um den 38 Jahre alten„Kaufmann" Herbert S c l i g s o h n, der zuletzt in der Luitpoldstraßc 23 im Westen Berlins wohnte. Seine Betrügereien beging Scligsohn unter fort- währendem Namenswechsel, so nannte er sich einmal Max 5)eß, das andere Mal hieß er Willi Riedel. S. wird nicht nur von der B e r- liner Staatsanwaltschaft gesucht, sondern auch die Brcslaucr und Kölner Oberstaatsanwaltschaft haben Haftbefehle gegen ihn erlassen. Bisher ist es S. immer gelungen, recht- zeitig zu verschwinden. Ilm die Firmen, mit denen er in„Geschäfts- Verbindung" trat, recht sicher zu wiegen, griindete er vor einiger Zeit die„D c w a g", Deutsche Warcngescllschaft für Handel und Industriebedarf. Es sollte sich angeblich um eine Tochtergesellschaft der in Liquidation befindlichen Deutschen Werke in Spandau han- dein. Durch Zcitungsinserote suchte Seligsohn für seine Waren, die zum größten Teil nicht bezahlt waren, hauptsächlich in der Provinz Generalvertreter. Zum Teil ließ er sich die Auslieferungs- lager gleich bar zahlen oder nahm den Betreffenden hohe Kautionen ab. Durch geschickte Verträge und Drohbriefe gelang es ihm immer, wenn einer der Betrogenen gegen ihn gerichtlich vorgehen wollte, das Schlimmste zu verhüten. Endlich entschlossen sich doch einige Geschäftsleute, die ihr Geld nie wiedersahen, zu einer Anzeige. Innerhalb weniger Wochen haben annähernd 80 Ge- schädigte gegen Seligsohn Anzeige er stattet. Als die Kriminalpolizei einschreiten wollte, war S. bereits geflüchtet. Sein ganzes Büro bestand aus einem Zimmer, das zu seiner Prioatwohnung gehörte.' Wie die jetzt täglich aus allen Teilen des Reiches eingehenden Anzeigen beweisen, hat S., dem in Berlin der Boden zu heiß ge- worden ist, sein Tätigkeitsfeld in die Provinz verlegt. Er reist im Auto umher und findet immer wieder Leute, die ihm aus den Leinz gehen. Die 5)otclrcchnungcn bezahlt er mit ungedeckten Schecks der „Dcwog". In kurzer Zeit muß der Schwindler bereits wieder Taufende erbeutet haben. Von der Polizei wird vermutet, daß der .größte Teil der Betrogenen noch gar keine Anzeige erstattet hat: man rechnet mit weit über hundert weiteren Geschädigten. Spur derIüterboger Verbrecher? Eine seltsame Hostkarte. Darmstadk, 18. September. Die Darmstädter Kriminalpolizei fahndet nach einer Frau Berta K r o c s k i n y, die als Mitwisserin in der'Angelegenheit der jüngsten Eisenbohnattcntatc in Betracht kommen soll und sich am Mittwoch in Heppenheim an der Bergstraße aufhielt. Bon dort cum hatte, sst an die Darmstädtcr Polizei eine a» o n q me P oft- r.ikr g'cjslßickt�M�r ,'jfe mitteilte� daß am Freitag oder Sonn- abend auf den A? ch n c llzu g na ch.A l t o n a in der Nähe der Station Lanzen in Hessen ein Attentat geplant sei. Die Frau erklärte in der Anzeige weiter, sie sei Mitglied einer Bande gewesen, habe aber ihre Verbindung mit dieser gelöst, weil ihr Geliebter eine andere Freundin genommen habe. Sie wolle sich im Walde er- hängen, möchte aber noch erleben, daß das Verbrechen verhindert werde. Sic beschreibt ihren Freund, den sie Klaus nennt, der aber einen anderen Namen haben soll, als einen schwarzhaarigen Mann, der etwas hinke, Goldzähne besitze und eine Narbe aus der Brust habe. Die Karte ist aus Heppenheim nach Darm- stadt geschickt worden. Die Darmstädtcr und die Frankfurter Kriminalpolizei haben gemeinschaftlich die nötigen Maßnahmen ge- trofscn und die Eiscnbahnbchördcn informiert. �OA24/V 34) Z/O/V „Ja, ja!" sagt James. „Geh, fei lieb!" „Ja, ja!" Er gleitet mit den Fingern über ihr.Haar. Sie hängt sich in seinen Arm und zieht ihn ins Neben- zimmer. James trinkt hastig einen Kognak. Er will sich ver- abschieden. Vilma hält ihn nicht zurück. Geh du nur, denkt sie, du kommst wieder. Sie küßt ihn und sieht ihm lächelnd in die Augen. * „Komm ing Arbeitszimmer, ich muß mit dir sprechen." James nickt Fränze flüchtig zu. Er wartet nicht den Kaffee ab, den das Mädchen sofort bringen wird. Harry findet dagegen Zeit, seiner Tante die Hand zu küssen und ihr ein Kompliment über das blühende Aussehen zu machen. Fränze fühlt sich wohl. Sie friert nicht und ist frei von Schmerzen. Außerdem findet heute der jour sir statt. „Bleibst du zum Tee oder willst du noch ins Geschäft?" Fränze mag ihren schönen Neffen gern den literarischen Gästen präsentieren. Man lebt nicht von der Kunst allein. Harry denkt nicht im Traum daran, sich auch nachmittags im Büro zu langweilen. Er hat James bereits schonend dar- auf vorbereitet. Aber er soll Nora Marx besuchen, allerdings erst um sechs Uhr. So bleibt ihm Muße, sich mit den Kunst- beflissenen zu beschäftigen. Sic sind keine aufreizend inter- essanten Leute, treiben es mit dem tierischen Ernst, bilden je- doch ständig Objekte sanften Spottes und harmloser Heiterkeit. James sitzt am Schreibtisch und kaut an der Zigarre. „Warum läßt du mich wgssten?" „Du brauchst nicht zu schnauzen. Man behandelt liebe Tischgäste sanfter und humaner. Bitte, du hast geradezu diktatorisch gefordert, ich solle bei euch essen." „Hör' auf!" James stoppt mit energischer Bewegung den Redestrom.„Bediene dich mit Whisky und gib mir ein .Glas." Da stimmt irgend etwas nicht. James ist sonst nicht sür »vverdünntcn Whislg �xl haben. Während Harry die Gläser füllt, beobachtet er den Onkel. Das volle Gesicht spielt ins Gelbliche. Die Augenbrauen zucken und die Hände sind keinen Moment ruhig. James philosophiert eine Zeitlang über dem Whiskyglas. Dann sagt er stockend: „Ich wollte mit dir eine Angelegenheit besprechen." Er sieht Harry nicht an. Er richtet vielmehr seinen Blick ans einen kleinen Fleck in der hellgrauen Hose.„Etwas Ge- schäftliches," fügt er schnell hinzu.„Ja, ja, etwas Geschäft- lichcs. Schließlich stehst du mir am nächsten." „Ich glaubte, Bilma bedeute dir mehr." Harry kon- staticrt nur eine Tatsache. Er vermeidet jede Schärfe. James schlägt mit der Faust auf die Schreibtischplatte. „Schweig," würgt er hervor. Harry sieht ihn entgeistert an. Was soll das. Ist James verrückt geworden? Will er eine Komödie aufführen? Jeder kednt das Berhältnis. „Entschuldige..." Weiter kommt er nicht. James Hot sich schwerfällig er- hoben und tritt dicht vor ihn. „Ich muß mich entschuldigen. Sei mir nicht böse." Er ergreift Harrys Hände lind preßt sie wie in einem Schraub- stock. Seine Hand ist klebrig. „Mein Gott, was fehlt dir?" Harry weiß sich keinen Reim zu bilden. „Laß nur!" James winkt müde ab. Er tritt ans Fenster. „James, lieber James," Harry zerrt ihn an den breiten Schultern.„Sprich doch endlich, ich bitte dich!" James dreht sich langsam um. Seine Finger tasten durch Harrys Haar.„Es ist doch alles zwecklos." Merkwürdig dünn ist die Stimme geworden.„Völlig zwecklos." Er geht durchs Zimmer, bleibt am Rauchtisch stehen und spielt mit dem Verschluß der Whiskyflasche.„Vilma hat mir gestern abend gedroht. Jawohl, das hat sie getan!" „Gedroht? Womit?" Harry begreift nichts.„Wie kann Vilma dir drohen?" „Ach, keine Drohung im eigentlichen Sinne, das nicht." James versinkt in Schweigen. Es ist so schwer, einen Ein- druck klar zu formen, ihm durch die Sprache einen Sinn zu geben, ein Gefühl, eine Ahnung in die Sphäre des denkenden Bewußtseins zu heben.„Die Atmosphäre zwischen uns war plötzlich gespannt. Vilma hat nichts klar gesagt. Sie deutete nur an, daß eine Sekretärin allerlei Geschäftliches wisse, be- sonders wenn sie die Geliebte ist. Aber das alles ist nicht so wichtig. Es gibt Schlimmeres, weit Schlimmeres." Jetzt ist der automatische Verschluß an der Whiskyslasche abgebrochen. „Wenn ich an diesen Erikson denke... Wie kann sich ein Mensch derart benehmen!" „Erikson...? 5)ast du mit ihm zu tun? Ich dachte, er verkehrte nur hier privat bei euch?" „Gestern Hab' ich die Geschäftsverbindung mit ihm auf- nehmen müssen. Leider, leider! Marx wollte Geld sehen, sonst hätte er die Aktien verkauft. Dem Mann ist daraus kein Vorwurf zu machen. Der Kurs ist um 4(1 Prozent abge- rutscht, und ich habe doch nur die Hälfte bezahlt. Schöne Ge- schichte!" James lacht auf.„Gebettelt habe ich, bis der Herr sich endlich entschloß. Dieser Erikson, dieser Schieber! Woher hat er heute soviel Geld? Betrügereien und Bestechungen!" Die ruhige Haltung des Großkaufmanns ist dahin. Ein ganz gewöhnlicher Sterblicher schreit seinen Aerger in die Welt und zittert vor dem nächsten Tag.„Endlich gab er mir, aber Sicherheiten mußte ich stellen, daß mir die Augen tränten. Das Haus und einen Teil des Lagers habe ich verpfändet. Dieser Halsabschneider!" Harry sieht nun klar. James mauert auf Aktien, die er vergessen hat, bei der Hausse abzustoßen. Die alte Sache! Leute, die nicht zur Spekulation geboren sind, sollen die Finger davon lassen, sonst verbrennen sie sich ekelhaft. „Ich habe meine paar Dingerchen rechtzeitig verkauft," bemerkt er nebenbei,„aber sag' mal, was willst du machen, wenn der Kurs noch weiter absackt?" „Noch weiter...?? Das ist unmöglich. Das ist völlig ausgeschlossen. Oho, ich würde jetzt kaufen, wenn ich flüssig wäre. Westkohle und weiter fallen, daß ich nicht lache! Be- denke doch, welche riesenhaften Werte hinter der Aktie stehen. Nein, nein, nein, sie wird in den nächsten Tagen wieder steigen!" Er sieht jetzt die Dinge, wie er sie gern sehen möchte. „Lieber James, jede Zlktic ist nur ein fiktiver Wert. Du darfst dir in diesem Augenblick nichts vormachen. Du mußt klar sehen. Die Arbeitslosigkeit steigt und die Produktion fällt. Warum soll also die Aktie steigen. „Weil Werte da sind!" schreit James fassungslos.„Du bist zu jung und zu dumm, um diese Dinge zu begreifen, trotz deines Doktortitels." Harry gerät in Hitze.„Du bist zehn Jahre älter als ich und warst, so idiotisch, dein ganzes Geld in eine Börsen- speknlation hineinzustecken. Ein gutes Geschäft hast du ein- mal seit langer Zeit gemacht, damals mit der Lieferung nach den Randstaaten. Aber du kannst nicht damit rechnen, daß diese Geschäfte zur Tagesordnung gehören. Die Welt erstickt in Getreide. Ritt dich' der Satan?"(Fortsetzung folgt.) Volksgesundheit über alles. fielen die Gciaiiren des Maas der vorbeugenden Gesiuidbeiispilede. Zu einer Aussprache über die Gefahren des Abbaus der vor- beugenden Gesundheilspflege hallen gestern die„Rcichsarbciisgemein- schafl für Zugenderholungs- und lieilsürsorge" und die Spitzen- verbände der Zürsorgeorganisalionen nach dem Preußischen Ministe- rium für Volkswohlfahrt eingeladen. Ministerialdirektor Dr. Schneider begrüßte die Versammlung und machte auf die Ge- fahren aufmerksam, die dem gesamten Volke durch unzweckmäßige Ersparnisse aus dem Gebiet der Fürsorge drohen. Es müsse zweckmäßig gespart werden, nicht schematisch. Nicht richtig sei es, die freiwilligen Aufgaben, die vorbeugende Für- sorge, zu streichen und die Ausgäben für die Pflichtausgaben un- berührt zu lassen. Auch bei den Pflichtaufgaben könne manches rationeller und sparsamer gestaltet werden. Die Stadt Berlin habe z. B. einen neuen Posten in ihren Etat eingestellt, um die Bedürftig- keit der Unterstützten genauer nachprüfen zu können. Das dadurch ermöglichte Ausmerzen bisher gezahlter überflüssiger Unter- stlltzungen bringe sicher hohe Ersparungcn, durch die die Mehrkosten bei weitem wettgemacht würden. Ferner müsse vor dem radikalen Abbau der P c r s o n a l k o st e n gewarnt werden. Je besser ge- schulte und eingearbeitete Kräfte, je besser und im Endergebnis billiger sei ihre Arbeit. Die rechtzeitige gesundheitliche Erfassung eines anfälligen Kindes wäre ungleich billiger als die später not- wendig werdende cheilbchandlung wegen Tuberkulose. Die Volks- gesundheit sei einer der wichtigsten Aktivposten der deutschen Bilanz. Der Direktor des Augusta-Viktoria-chauses in Berlin, Professor Dr. Langstein, kam hierauf auf den augenblicklichen Gesundheitszustand der Zugend zu sprechen. Die Sparpolitik, so führte Dr. Longstein aus, sei zu kurzen Datums, als daß sie sich bereits in den Sterblichkcitsziffcrn der Säuglinge und Kleinkinder und in der Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes zeigen könnte. Es sei abe� bereits heute eine ungünstige Beeinflussung des seelischen und körperlichen Zustandes der älteren Kinder zu beobachten. Mit dem mehr oder weniger starken Aussall an vorbeugender Fürsorge dürfte der Gcsundheits- zustand der Kinder sich verschlechtern, ihre Widerstandsfähigkeit herabgesetzt werden und ihre Sterblichkeit sich erhöhen. Wenn auch heute noch ein befriedigender Ernährungszustand festzustellen sei, würde das im nächsten Jahre nicht mehr der Fall sein. Im Keime befindliche Schäden, die heute durch die vorbeugende Gesund- hcitsfürsorge ohne weiteres gutgemacht werden könnten, würden sich so zu. schweren Gcsundhcitscrschütterungen der Kinder auswirken, daß, wenn deren Reparation überhaupt noch möglich sein würde, sie nur mit den schwersten Opfern an Geld und Zeit würden erkauft werden können. Unter den unzweckmäßigsten Sparmaßnahmen wären besonders zu nennen: Einschränkung der Säuglings- und 5tleinkinderfUrsorgeftellen, der Schulsürsorge, das Schließen von Krippen, Gärten und Kinderhorten, das Aufhören der Entsendung in Erholungsheime und die Entziehung der Milch für Kinder und Erwerbslose! Der folgende Redner, Dr. für. Adolf Wolters, Direktor im Landesfürsorgeverband der Provinz Westfalen, schilderte, wie in den letzten zehn Jahren von den Kommunen in großzügiger Arbeit die vorbeugende Jugenderholungs- und jzcilfllrsorge aufgebaut worden sei. Heute stände man vor einer restlosen Zertrümmerung der Jugendgcsundheitsfürsorge. Die vorbeugende Jugcndgesundheits- fürsorge sei nicht gesetzlich festgelegt. Sie würde darum mit als erste abgebaut in einer Zeit, in der die Kommunen rücksichtslos ihre Mittel zur Unterstützung der Erwerbslosen flüssig machen müßten und die Versicherungsträger die Mittel zur Erfüllung freiwilliger Aufgaben nicht mehr haben. Bei der Schulaufnahme zu Ostern 1931 mußten bereits 20 Proz. der Kinder wegen Unterernährung und allgemeiner Schwäche zurückgesetzt werden. Hunderte von Kindern wären durch die Schulärzte zur dringenden Entsendung in Heime vorgemerkt. Die Heimärzte berichteten über trostlose Ge- svndheitszustände der jetzt entsandten Kinder. Sparsamkeit in der Erholungsfürsorge würde durch verseinerte Spezialisierung der 5)eimfllrsorge erreicht werden. Nur die wirklich guten Heim« würden ausrecht erhalten werden können: die ärztliche Auswahl der Kinder würde noch intensiver und exakter als bisher zu gestalten sein. Nicht einseitige Abstriche einzelner Ausgaben seien zu fordern, sondern tiefgründige Prüfung aller Etatspositionen. Zweifellos könnten in mehreren Fürsorxcftcllen Ersparnisse erzielt werden, und die frei werdenden Mittel müsse man vor allem«für die Jugend- gesundheitsfürsorge verwenden. Ministerialdirektor Dr. Schneider betonte in seinem Schluß- wort, daß alles aufgeboten werden müsse, um den Behörden klar zu machen, welche Gefahren dem Volke drohten, wenn an falscher Stelle „gespart" werden würde. Alles in allem:„Keine Vernachlässigung der Volksgesundheit". Bilanz der Freibäder. Strandbad Wannsee und Müggelsee bleiben geöffnet. Am 15. September haben die städtischen Strand- und Freibäder, mit Ausnahme der Strandbäder Mannsee und Müggelsee, die das ganze Jahr geöffnet bleiben, ihre Pforten geschlossen. Trotz der außerordentlich ungünstigen Witterung in den Com- mermonaten und unter Berücksichtigung der allgemeinen wirt- schaftlichen Lage konnten die städtischen Strand- und Freibäder eine Besucherzahl von 3 564 100 im Vorjahr: 3 652 000) aufweisen. Das Strandbad W a nn s e e, die schönste und größte An- läge der städtischen Freibäder, wurde auch in diesem Jahr von annähernd 1 Million Badegästen aufgesucht. Der Wassersportplatz P l ö tz c n s e e folgt an zweiter Stelle mit 835 000 Besuchern. Das im letzten Jahr im zweiten Bauabschnitt fertiggestellte Strandbad Müggelsee war das Ziel von 310 000 Erholungsuchenden. Das Ergebnis der diesjährigen Badezeit ist: für das Flußbad Lichtenberg 244 000(i. 23. 280 000), Zigeleisce Lübars 167 000(i. 23. 149 000), das Volksbad Jungfern Heide 135000 (i. 23. 133 000), das neu eingerichtete Schwimmbad im Teltow- kanal 130 000, Freibad Adlershof 120 000(i. 23. 114000), Familienbad Westen 97 000(i. 23. 109 000), Schwimmbad im Weißensee 96 000, Freibad Orankesee 84 000, Strandbad Grünau 76 000(i. 23. 81 000), Freibad Oberschöneweide 62 000(i. 23. 60 000), Badeanstalt im S ü d p a r k(Spandau) 55000 (i. 23. 58 000), das Strandbad Wendenschloß 34 000(i. 23. 38 000), Freibad Friedrichshagen 29 000(i. V. 31 000), Planschbad Wilhelm st rand(Oberspree) 29 000(i. 25. 23 000), Flußbad Garten st raße(Köpenick) 27 000(i. A» 28 000), Frei- Böd Wrömännerstruße 29 000(i. V. 33 000), Tegelufer Promenade 17 000. Das Strandbad Wannsee hat zum erstenmal in diesem Jahr auch die Erteilung von Schwimmunterricht eingeführt, und dos Strandbad Müggelsee hat besondere Einrichtungen geschaffen, um die Erteilung von Schulschwimmunterricht für die Kinder der Zentralschule Rahnsdorf zu ermöglichen. „Vertreter für amerikanische Autos". Ein junger Graf unter Anklage des Betruges. Gegen den 22jährigen Grasen Elodwig v. k ö n i g s d o r s s hat die Slaalsanwallschask III Anklage wegen Betrugs in fünf Fällen und versuchter Erpressung in zwei Fällen erhoben. Der jugendliche 2lngeklagt« ist der Sohn des Grafen Eberhard v. Königsdorff, der sich im vorigen Jahr mit feiner Ehefrau wegen Kredit- und Mietschwindels vor dem Schöffen- gericht Charlottenburg zu verantworten hatte. Wegen ähnlicher Betrügereien hat sich nun der Sohn des gräflichen Ehe- paarcs vor demselben Gericht zu verantworten. Die Eltern des Angeklagten hatten früher ein großes Vermögen, waren aber später gänzlich verarmt. Der Angeklagte hatte nichts gelernt und war mittellos im Sommer vorigen Jahres nach Berlin gekommen. Er mietete ein Zimmer und gab an, daß er Vertreter einer amerikanischen Autosirma sei, 900 M. festes Gehalt und Provision beziehe, außerdem von seiner Tante, der kürzlich verstorbenen 2Vitwe eines der größten Industriellen des Rhein- landes, monatliche Unterstützungen erhalten habe. Nachdem er die ersten Mietraten bezahlt hatte, blieb er den Rest schuldig. 2luf diese Weise hat er f ü n f Z i m m c r v c r m i e t e r bzw. Zimmeroermlet«. rinnen um erhebliche Beträge für Miete und verauslagte Mtn- fprechgebühren geschädigt In einem Falle wohnte er bei einem pensionierten Major, der ihn aus der Wohnung hinaussetzen wollte, weil er nicht zahlte. Der 2lngeklagte schrieb nun, daß er die Wohnung auf ein Jahr gemietet habe und nur ziehen werde, wenn er eine Quittung bekomme, daß er seine Mietschulden bezahlt habe. Im anderen Falle werde er wegen des aufgezwungenen Um- zuges eine Schadenersatzklage über 600 M. anstrengen. Eine Zimmeroermieterin hatte einen Freund des Angeklagten gebeten, diesen zu veranlassen, seine Schulden zu bezahlen. Der Angeklagte verlangte von der Frau daraufhin wegen„Kreditschädigung" einen Schadenersatz von 500 M. In beiden Erpressungsfällen hatte der Angeklagte keinen Erfolg, so daß es nur bei dem Versuch gebliebc» ist. Wegen dieser Straftaten sollte sich o. Königsoorff vor dem Schöffengericht Eharlottenburg verantworten. Der Prozeß ver- siel aber der Vertagung, da der Angeklagte durch Rechtsanwalt 2r. Sidney-Mendel die Ladung von Zeugen beantragte, weil er nachweisen will, daß er Aussicht auf Automobilgeschäft« gehabt Hab«, durch di« er seine Schulden hätte bezahlen können. Ein neues„Kalke"- Abenteuer? Hamburg, IS. September. Nach einer 2luslandsmelt»ung au» Port of Spoia soll der Dampfer„Ilse Vormauer", der seinerzeit unter dem Namen „Falk e" bei d«m mißglückten Aufstand in Venezuela eine gewisse Nolle spielte, neuerding» bei der Revolution in Kuba wiederum zum Waffenschmuggel benutzt worden sein. Da» Schiss soll tn- dessen vor einen, kubanischen Kriegsschiff haben flüchten müssen und dank seiner großen Geschwindigkeit auch entkommen sein. Zu dieser Meldung erfährt ein Hamburger Blatt von dem in Bargteheide bei Hainburg wohnhaften Kapitän Ernst Vormauer, der den Dampfer„Falke" seinerzeit, als er in Fort of Spain an der Kette lag, gekauft hatte, folgendes: Vormauer habe den in„Ilse Vormauer" umgetauften Dampfer in Port of Spain noch Havamw befrachtet und den dortigen deutschen Konsul beaustragt, den Dampfer für ihn zu verkaufen, da er keine Rückfracht er- hätten nnd krankheitshalber nach Deutschland hätte zurückkehren müssen. Der deutsche Konsul in Havanna habe angeblich das Schi st an einen deutschen Reichsangehöriaen namens Hausmann aus Brooklyn verkauft. Da die Kau stumme bisher noch nicht zu er- halten gewesen, sei das in Altona beheimatete Schiff auch noch nicht aus dem deutschen Schiffsregister gestrichen worden.'Was mit dem Schifi inzwischen geschehen sei, misse Vormauer nicht, halte aber nach seinen Erfahrungen die Richtigkeit der ausländischen Meldung für möglich. Das Grab unier der Mauer. Ein merkwürdiges Begräbnis fand gestern in Klein-Glicnicke statt. Um 5 Uhr nachmittags wurde die Leiche des Prinzen F r i e d r i ch L e o p o l d von der Kapelle in Nikolassee in den Alten Park nach Glienicke übergeführt. Man glaubte natürlich, daß sich der Prip; an der Seite seiner Kinder auf dem Familienfriedhof be- groben lassen würde. Weit gefehlt! Der Prinz hat den letzten Wunsch geäußert, nicht an der Seite seiner Hohcnzollernkinder be- graben zu werden, sondern unter der Mauer des Fried- Hofs. Noch in der Nacht mußte die Mauer abgerissen werden, um hier eine Gruft zu schassen. Als der Trauerzug ankam, sahen vor der»Gruft die beiden Lieblingshunde des Prinzen, Tain und Max. gehattcn von. zwei Forstmeistern. Friedrich Leopold wollte keine Hokepkreuzler und k e i n c Ii S t a h l h e l m an seinem Grabe sehen. Zehn Förster senkten die Leiche in die Gruft. Von der Familie derer von Hohenzollern war niemand erschienen. Ein gewissenloser Scherz. Bierulk oder Racheakt...„im Inlerejst ihres unehelichen Kindes". In den letzten Tagen erhielten Hunderte von Männern, meist Ehemänner, in den verschiedensten Bezirken Berlins eine auf offener Postkarte»ist Schreidinaschinenschrstt geschriebene Mitteilung, wofföch sich„im" Interesse ihre».u n e h e 1 i ch e n Kindes" in nächster Zeit ein Ju g e n d pf le g e r bei ihnen.einfinden würde. Als Absender war da? Jugendamt genannt, die Karte enthielt keinerlei Unterschrift, der Name des Jugendpflegers war ein fin- giertcr: da die Postkarte als portofreie Dienstsache abgesandt war, mußten die Empfänger auch noch infolge Unzulässigkeit der Sen- dung Strafporto bezahlen. Der Erfolg dieses üblen Scherzes ist von weittragender Bedeutung: es meldeten sich zumeist die Ehe- stauen, die in nur allzu begreiflicher Erregung und Verzweiflung nun vom Jugendamt Rechenschaft und nähere Informationen for- dern. Nicht genug an dem, haben sich vereinzelt wahre Familien- tragödien abgespielt, Frauen erklärten, sie wollten sich scheiden lassen, andere, sie würden Selbstmord begehen, und all diesen Verzweiflungsausbrüchen standen die völlig ahnungslosen Jugend- ämttr machtlos gegenüber. Die Frauen bestürmten die dienst- habenden Beamten mit Bitten um Aufklärung, auf der anderen Seite kamen die Männer und erhoben schwerste Vorwürfe wegen dieser unzutreffenden Behauptung. Die Postkarten sind fast aus- schließlich mit dem Poststempel Berlin N. versehen, sie flogen reichen Leuten im vornehmsten Westen und armen Teufeln in den dürftigste,, Proletarierwohnungen wie ein Blitz aus heiterem Himmel ins Haus. Wie uns dos L a n d e s j u g e n d a m t hierzu erklärend mit- teilt, kann es sich schon aus dem ganz einfachen Grunde nur um Mystifikationen handeln, da derartige Mitteistingen niemals auf einer offenen Postkarte, sondern stets im geschlossenen Brief und unter gänzlich anderem Text versandt werden. Der Absender dieser Karten wird sich vermutlich der Tragweite seiner mehr als gewissenlosen Handlung gewiß nicht bewußt gewesen sein. Ztmeliait!«»emeiutw. Sonntag. U Uhr, Pappelallce 15, Vorieaq ds» iZcitn§. Al stein Nationaligernna und Wirtlchaflstrtsc. Montag, ZI. Srr>- sentbet, 19»- Uhr. Herr A. Hörndl: Wie uerdesseri ich meine«trtschoftlich« iiagtl(Säfte nnlHomnicu. Keine Schließung der Stadiischen Oper. Aufsichtsrat berät Sparmöglichkeiten. Der Arbeitsausschuß des Aufsichtsrats der Städtischen O p e r?l.- G. beschäftigte sich in seiner gestrigen Sitzung unter Vor- sitz von Bürgermeister Lange mit der Wirtschaftslage der Städtischen Oper. Es wurde übereinstimmend festgestellt, daß eine Schließung der Städtischen Oper nicht in Betracht koimnt. Mit der Frage, welche weiteren Sparmaßnahmen sachlicher und per- sönlichcr Art durchzujühren sind und inwieweit der städtische Zu- schuß für die Oper gesenkt werden laniz, mivd der Aufsichtsrat end- gültig beschließen, sobald die-stcntttichen Richttinicn über die Acndc- rung der Bezüge erlassen sind. lleverfalt auf Reichsbannermann. 23or dem Arbeitsamt in der Großen Fronkfnrter Straß« wurde gestern der 25 Jahre alte Kousmann Franz H., der an seinem Rock das ReichsbannerabzeieHen trug, von mehreren Hakenkreuzlern über- fallen, f). setzte sich heftig zur Wehr und hielt sich die Gegner so lange vom Leibe, bis die Polizei erschien. Er gelang, einen der Hauptangreiser sestzunehmen. Ein weiterer lleberfall wurde gestern abend in der K a tz b a ch- st r a ß c in der Rahe eines Dtazisturmlokals auf«inen Reichs- bannermonn verübt. Der Uebersallene setzte sich zunächst zur Wehr, muhte aber schließlich vor der Ueberinacht in ein Geschäft flüchte n. Eine große 2lnzahl Nazis fammellen sich vor dem Laden und ver- langten von der Inhaberin die Auslieferung des Reichs- bannerkamcraden. Diesem war es mittlerweile gelungen, sich durch einen Hinterausgang in Sicherheit zu bringen: so daß er vor dem Schlimmsten bewahrt blieb. Eduard Warnst 75 Jahre all! Am heutigen 19. September voll- endet Genosse Warnst in voller geistiger und körperlicher Frische sein 75. Lebensjahr. Genosse Warnst gehört zu den bekanntesten Fuuktto- nären im 3. Kreis. Gewerkschaftlich organisiert seit 1895 im Dcut- 'schen Metallarbeiter-Verband, lest 1913 Mitglied des ZBdA. und seit 39 Jahren Parteimitglied. Heute noch wirkt der alte Kämpe als Funktionär der 18. Abteilung und nimmt regen Anteil am politischen und gewerkschaftlichen Leben. Ein Ausschuß blinder Händler veranstaltet am Dienstag, dem 22. d. M., im„Rosenthaler Hof", Roscnthaler Str. 11, eine össent- liche Versammlung. ICmdcr zeiel Im Antilopenhaus de» Zoo ist gestern eine Ausstellung von Schülerarbciten eröffnet worden. Die Aus- st c l l u n g. die ollen Besuchern des Zoo kostenfrei zugänglich ist. zeigt eine große Auswahl ialeressanlcr Zeichnungen, Male- r c i e n und Plastiken Berliner Schulen, die im Zoo enl- standen sind, lieber 1200 Arbeiten sind von einer großen Anzahl Berliner Schulen eingereicht worden, von denen zirka SOO gezeigt werden. Der lebendige Geist, der seit einer Reihe von Jahren in den Zeichenunterricht eingezogen ist. und durch Ausstellung van Schüler- arbeiten weitesten Kreisen bekannt wurde, hat hier Arbeiten von zun, Teil sehr starker Wirkung hervorgebracht. Ein» Fülle von äußerst gelungenen, selbständigen Arbeiten deckt die lebendigen De- Ziehungen auf, die zwischen Schule und Zoo bestehen. Mit Recht wie» Obcrschulrot Genosse N y d a h l als Protektor der Ausstellung in seiner Eröffnungsansprache darauf hin, in wie wertvoller Weise der Zoo die moderne Erziehung befruchten kann, wenn nicht durch ein flüchtiges Durcheilen des Zoo, sondern durch eingehendes Be- trachten und Gestalten eine» Tieres lebendige Werte für den Unter- richt geschaffen werden. Ran Hat die Axbeiten in drei Altersgruppen geteilt: nen im Zoo. vom 6. bis 10., vom 11. bis 14. Lebensjahr und für die oberen Klassen. Während bei den Kleinen noch die Phantasie überwiegt, macht sich in der mittleren Gruppe schon die schärfere Beobachtung geltend, um sich bei den Arbeiten der dritten Gruppe so zu steigern, daß man oft meint, reife künstlerische Arbeiten vor sich zu haben. Besonders der mit dem ersten Preise ausgezeichnete Mandrill, eine Zlrbcit aus der Hohenzollcrn-Oberrcalschule, besticht durch die Eigen- art der Gestaltung. In der mittleren Gruppe erhielt den ersten Preis eine Arbeit der Gustav-Strescmann-Echule, in der Unter- stufe die Realschule Adlershof. Eine besonders glückliche Idee der Ausstellungsleitunz war es, diesen Arbeiten auch Studien von Schülern der Staatlichen Kunstschule, den künftigen Zeichenlehrern anzugliedern, durchweg Ar- testen von hohem künstlerischen Niveau. Bei diesem Nachwuchs ist es kein Wunder, wenn die Kinder so zu künstlerischem Sehen er- zogen werden. Mit dem ersten Preise wurde hier die Arbeit von Herbert Pridöhl ausgezeichnet. Die Ausstellung, die eine Bestätigung für den pädagogischen Wert des Zeichenunterrichts liefert, läßt die Gefahr dieser inühsoni aufgebauten Kulturarbeit durch die Notmaßuahmcn besonders be- deutlich erscheinen. Der Zeichenuntcricht in den höheren Schulen soll bekanntlich um die Hglfie, echgcchaui jverbuu Nr. 439* 45. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 49. September 4934 Wo bleibt die Senkung der Zuckerpreise? Deutschlands Zuckerkrise und das Versprechen von zwei Reichsministern. Mit der Notverordnung vom 1. Dezember 1930 hat die Reichs- regierung dem zuckerrübenbauenden landwirtschaftlichen Groß- g r u n d b e s i tz in der Kontingentierung der Zuckererzeugung eine Waffe in die chand gegeben. Mit ihr glaubten die Zuckcrograrier ihren Kampf gegen den bäuerlichen Rübenbau und seine weitere Ausdehnung erfolgreich führen zu können. Ein Scheinerfolg wurde erreicht: in den bäuerlichen Rübcnbaugebietcn Baden. Würt- tcmbcrg, Bayer und Hessen erfuhr der Rübenbau eine weit stärkere Einschränkung als in den anderen Landestcilcn. Die Einfchrän- kung des bäuerlichen Rübcnanbaues, der ohne Verlust betrieben wird, zugunsten des grohbetrieblichen Rübenonbaucs,. der günstigen- falls an der Grenze"der Rentabilität steht und jedenfalls bisher nur durch dos„Lohndumping" der polnischen Wanderarbeiter seinen Bc- fiond sichern konnte, war unwirtschastliäi, aber der Reichscrnährungs- minister Schiele hat bekanntlich andere Sorgen als die, die Wirt- fchaftlichkeit der Landwirtschaft zkk heben: hier wie fast überoll sonst, geht es ja mehr um die Rente einiger tausend Groß- betriebe als um die Interessen der gesamten Landwirtschast. Die Krise der Zuckerbewirtschastung. Ein großes Loch hatte die neue Regelung der Zuckerwirtschast. Die Leitung wurde der„landwirtschaftlichen Sclbstver- w a l t u n g" überlassen, die hier wie meistentells von denjenigen Kreisen der Landwirtschaft gehandhabt wird, die in den vergangenen Jahren den Beweis ihrer Unfähigkeit in der eigenen verlustreichen Bctriebssührung erbracht haben. Mit Hilfe der Kontingentierung wurde eine Einschrästkung der Erzeugung um 2 5 Prozent erreicht. Gleichzeitig wurde im Rahmen der internationalen Zuckervcreinbarungen die deutsche A u s- fuhr begrenzt. Aus der noch in der halbsreien Wirtschast, die vor der Kontingentierung Geltung hatte, durchgeführten Zuckcrkam- pagne 1930/31 wurden rund SO Millionen Zentner Zucker erzeugt, von denen infolge der überhöhten Zuckcrpreise nur etwa 60 Prozent im Inlande verbraucht wurden. Dank der internationalen Vereinbarungen konnten nur 20 Prozent erportiert werden. Da schon aus dem Jahre 1929/30 erhebliche Borräte übernommen werden mußten, dürfte die Zuckerindustrie Ende dieses Monats über rund 15 Millionen Zentner B o r r ä t e verfügen. Aus der neuen Zuckerkampagne ist nur eine Erzeu- gung von etwa 40 Millionen Zentner zu erwarten. Infolge der Zuckerübertcuerung und der im Juni durchgeführten Ver- doppelung der Zucker st euer kann für das Jahr 1931/32 nur mit einem Jnlandsoerbrauch von etwa 26 Millionen Zentner gerechnet werden. Ausgeführt werden dürfen nur 7 Millionen Zentner. Am Ende des Jahres werden also etwa 22 ZNillioncn Zentner, sast ein ganzer Jahresverbrauch, auf Lager gehalten werden. Damit taucht ein f ast unlösbares Problem für die Zuckerwirtschaft auf. Wie sollen die Zuckerlägcr finanziert werden? Fast 4 00 Millionen Mark Kapital liegen unproduktiv in den Zuckerlägern gebunden. Bisher hat das Ausland an der Finon- zierung der Industrie weitgehend mitgewirkt. Seine Neigung hier- zu ist gering geworden, erstens weil man überhaupt in Deutschland nicht gern Kapital anlegt, zweitens weil natürlich die Unwirtschaft- lichkeit der Zuckcrindustrie für keinen Kreditgeber eine Empfehlung ist und weil man drittens die mit Hilfe der Rcichskrcditgesellfchaft überwundene Krise des Hallefchen Bankvereins auf feine Verflochtenheit mit der Zuckerwirtschast der Provinz Sachsen zurück- führt, die bankmäßige Jnteressenahme an der deutschen Zuckerwirt- schaft also durch die Praxis kaum empfohlen ist. Das Rcichsernährungsministerium will nun auch die Finanzie- rung der Zuckerindustrie und ihrer Lager direkt oder indirekt durch die Rcichsbank durchführen lassen, wobei man auch eine Kredit- nufblähung nicht fürchtet. Wir glauben kaum, daß mau in der Reichsbank diesen Wünschen nochkommen kann, die darauf hinaus- lausen, daß durch unverkäufliche Läger.sgedecktc" Kredite gewährt werden. Der Ausweg— Die Preissenkung. Aus der Krise der Zuckcrwirtschast gibt es nur einen Ausweg. den der Reichscrnährungs mini st er und auch der R e i ch s f i n o nzm i n ist e r ausdrücklich als den Weg der Reichs- regierung bezeichkiet hoben: Den deutschen Verbrauchern wurde zum Ausgleich der erhöhten Zucker st euer eine Preis- scntung für Zucker versprochen. Von der Erfül- lung des Versprechensist bis heute nichtszu hören. Diese Preissenkung sollte mit Beginn des neuen Kampagne- jahres in Kraft treten. Sie ist überfällig, und die Roichsrcgie- rung hätte schleunigst den Zuckerpreis entsprechend der Steuer- erhöhung zu senken. Diese Preissenkung wäre auch der Ansang des Weges aus der deutschen Zuckerkrise. Die deutschen Zucker- preise liegen fast 70 Pro z. über de in Vorkriegs- Niveau. Bei einer Preissenkung dieses Ausmaßes ist anzunehmen, daß der Zuckerverbrauch 1931/32 mindestens die Höhe von 1930/31 erreichen, also so hoch sein wird, daß die Z u ck e r b e st ä n d e im Jahre 1931/32 höchstens auf 18 Millionen Zentner wachsen werden. Ihre Ergänzung wird diese Maßnahme noch in doppelter Hinsicht finden müssen. Infolge der Preissenkung wird die zwangsweise Einschränkung von Rübenanbau und Zuckererzeugung überflüssig. Bei dem gesenkten Zuckerpreis wird in einer Zahl landwirtschaftlicher Großbetriebe der Rübenanbau unrentabel werden. In den bäuerlichen Wirt- schaften wird dagegen eine Wirtschaftlichkeit des Rübenanbaues im Rahmen der dort gegebenen ganz andersartig bctricbswirtschaft- lichcn Voraussetzungen nach wie vor gegeben sein. Der mit der .Kontingentierung geführte Kampf der Grasten gegen die Kleinen verliert also durch die Preissenkung seinen Sinn. Die einschlägigen Bestimmungen der Notverordnung vom I.Dezem- ber 1930 können gleichzeitig mit der Einlösung des Preisversprechens der Reichsregierung aufgehoben werden. Mit der zwongsläusigen Einschränkung des Rübenonbaues der Großbetriebe wird auch die Frage der polnischen Wände r- arbeiter gelöst. Das Wanderarbeiterkontingent kann nach der Senkung der Zuckerpreise endgültig entfallen und damit ein„Schönheitsfehler' der d«itschen Wirtschaftspolitik beseitigt werden, der gegen den Wide r?t and Bismarcks von den Großagrariern erkämpft wurde und zu den bösartigsten Schiebungen und Miß- bräuchen geführt hat. Gleichzeitig würde das Problem der Z u ck e r f i n a n z i c r u n g wesentlich leichter zu lösen sein. Statt 400 Millionen Mark Lagerwert würden am Jahresende nur etwa 250 Millionen Mark Logcrwert verbleiben, deren Finanzierung bei gesicherter normalerer Entwicklung der Zuckcrwirtschast wesentlich leichter fallen dürfte. Die Reichsregierung möge also handeln. Indem sie mit ihrem Wort geheiligte Versprechungen einlöst, kann sie den Verbrauchern in dieser Knscnzeit und der Zuckerwirtschoft selbst die fruchtbarsten und wertvollsten Dienste leisten. So ist es richtig! Holzschroubensyndikat zieht die Preisschraube an. Das Kölner Syndikat für die Holzschrauben- f a b r i k c n hat mit untrüglichem Kennerblick die Zeichen der Zeit erkannt. In einer Situation, in der alles darauf öntommt, durch wesentlichen Abbau der gebundenen Kartellpreise den fcstgefrore- uen inländischen Markt wieder aufzutauen, hält es die Gelegenheit für gekommen, die Verbraucher mit einer gewaltigen Preis- erhöhung von 10 Proz. zu belasten. Bereits anfangs dieses Jahres hatte das gleiche Syndikot schon eine Erhöhung seiner Listenpreise um 2 Proz. vorgenommen. Natürlich ist die Syndikatsverwaltung um eine Begründung dieses skandalösen Vorgehens nicht verlegen. Sie erklärt, daß die bisherigen Erlöse nicht genügt haben, um den Mitgliedswerken eine Rente zu sichern. Ganz abgesehen davon, daß dos Syndikat mit dem sturen Anziehen der Preisschraube alles andere erreichen wird als eine Hebung der Rentabilität bei den Mitgliedswcrken, erhebt sich die Frage, ob das Kartell sich nicht die am schlechtesten und teuersten arbeitenden Werke zum Maßstab für die Preis- erhöhung genommen hat. Das skandalöse Vorgehen des Syndikats erhärtet von neuem die Tatsache, daß die Kartcllherren in Deutschland mehr denn je weit davon entfernt sind, die zur Be- Hebung der katastrophalen Wirtschaftslage notwendigen Maßnahmen. zu erkennen. Deutschlands Schicksalsdokument. Der Worilaui des Giillhalieabkommens veröffentlicht. Nachdem das Abkommen über die Stillhaltung der kurzfristigen Auslandskredite am 17. September mit Rückwirkung vom 1. Sep- tember in Kraft getreten ist, ist nunmehr auch sein Wortlaut bekanntgegeben worden. Von den endgültig vereinbarten Bestim- mungen sind die wichtigsten folgende: Die Stillhaltevereinbarungen gelten für die Zeil vom 1. Sep- tember 1931 bis 28. Februar 193Z und erstrecken sich aus sämtliche kurzfristigen Kredite, die van aus? ländischen Banken an deutsche Banken oder Industrie- und Handels- Unternehmungen gegeben werden. Die Kredite, die von ausländischen Privatfirmen gewährt wurden, dürften wohl nach der Devisenver- ordnung ähnlich behandelt werden. Für die kurzfristigen Kredite an deutsche Länder und Kommunen hingegen soll noch ein besonderes Abkommen getroffen werden. Ferner ist von großer Bedeutung, daß der ausländische Besitz an deutschen Wert- papieren nicht unter die Vereinbarung fällt. Werden diese- Wert- Papiere in großem Umfang veräußert, so kann hier unter Um- ständen eine schwerwiegende Beanspruchung an Devisen entstehen. Allerdings hat die Reichsbant auf Grund der Devisenoerordnung das Recht, den Abfluß von Devisen für diese Zwecke zu verhindern. Auch sonst ist die Stillhallung keine hunderlprozentige. Das Abkommen sieht folgende Fälle vor, in denen Kredite zurückgezogen oder sonstige Devisenbeanspruchungen vorgenommen werden können: 1. sind Erntckrcdite und ähnliche Kredite, die aus dem Erlys verkaufter Waren abzudecken sind sowie Lombardkrcditc nach Fälligkeit zurückzuzahlen. 2. sind Dcvisentcrmingcschästc bei Fälligkeit abzu- wickeln und Markguthaben, die zu diesem Zweck erworben wurden, freizugeben. 3. sind von allen übrigen Markguthabcn 2 5 Proz. sofort freizugeben und jeden Monat weitere je 15 Proz., sowcil die Rcichsbank nicht der Bank für internationale Zahlungen unter Angabe von Gründen darlegt, daß diese Zahlungen„ihre Logo gefährden" würden. 4. sind alle Provisionen für die Kredite im voraus und die Zinsen monatlich in Devisen zu zahlen. 5. sind die deutschen Bonken verpflichtet, bei den ausländischen Gläubigerbanken Guthaben für den Geschäftsverkehr„in ange- mcssencr Höhe" zu unterhalten.> Harte Kreditbedingungen. Weiter ist von Bedeutung, daß auch die eigentlichen Kredit- bcdingungen, die die- ausländischen Gläubiger in den Abkommen durchgesetzt haben, recht hart sind. So dürften vor allem hie Zinsbedingungen ziemlich drückend werden, wenngleich im Abkommen bloß gesagt wird, daß es„wünschenswert" ist, daß diese Bedingungen nicht schwerer sind„als den gegebenen Verhältnissen noch angemessen ist". Darüber sind zunächst direkte Ver- cinbarungcn zwischen den Gläubigern und den Schuldnern herbeizuführen, bei Unstimmigkeiten sollen die Notenbanken ent- scheiden. Fcrycr haben die Auslandsgläubiger wichtige zusätzliche Sicherungen für die Kredite durchgesetzt, vor allem für Akzeptkredite eine Neben- sicherung durch Pfandhergabe und Haftung des letzten Schuld- ners, sowie für sämtliche Kredite das Recht, einen bestimmten Bruch- teil des Schuldbetrages(3 bis 20 Proz.) an die Deutsche Golddiskontbant zu übertragen und auf diese Weise die zweifelhasten Schulden besonders gut zu sichern. Denn für die Verbindlichkeiten der Deutschen Golddiskontbank hasten bekanntlich mit 500 Millionen Mark die größten deutschen Unternehmungen. Bei der Beurteilung des Stillhalteabkommens ist zunächst von der außerordentlich wichtigen Feststellung auszu- gehen, daß es für schätzungsweise 614 bis 6 Milliarden kurz- fristige Auslandskredite eine Zurückziehung bis Ende Februar absolut verhindert. Der Betrag aber, der durch das Stillhalte- abkommen freigegeben wird— abgesehen vom Besitz des Auslands an deutschen Wertpapieren— ist auf w e i t über eine M i l- liarde Mark zu schätzen. Damit ist natürlich nicht gesagt, daß die freigegebenen Beträge'auch wirklich in ihrer vollen Höhe von Deutschland abgezogen werden. Immerhin wird doch damit gerechnet werden müssen, daß auf Grund des Stillhasteabkommens in den nächsten Bochen und Monaten recht erhebliche Devifcoanfprüche an die Reichsbank herantreten werden. Dazu kommen noch die Devifcnansprüche, die zur Verzinsung und normalen Tilgung sämtlicher Ausländsanleihen sowie der Reparationsanlcihen erhoben werden müssen. All diesen Devisenansprllchen stehen gewiß die Uebcrschüsse der Handelsbilanz gegenüber, die im letzten Monat stark gc- wachsen sind. Reichsbank und Regierung werden eben sehr energisch darauf sehen müssen, daß die Kapitalsluchtbestimmungen so scharf als mag. (ich gehandhabt werden, damit auch von dieser Seite der Devisen- Zulauf verstärkt wird. Denn die Reichsbank benötigt aufs dring- lichste eine Auffüllung ihres Gold- und Devisenpolsters, um die Währungs- und Kreditlage der deutschen Wirtschaft wieder zu sestigen. Die von uns wiedcrgcgebencn Bestimmungen des Stillhalle- abkommcns sind ober nicht bloß deshalb bedeutungsvoll, weil sie aufzeigen, mit welch schweren Belastungen der Devisenlage die deutsche Wirtschaft in der nächsten Zest zu rechnen haben wird. Sie haben darüber hinaus auch eine weitgehende politische Bedeutung. Die Tatsache nämlich, daß die ausländischen Gläubiger der beut- schcn Wirtschaft sich als Gegenleistung für die kurzfristige Still- Haltung ihrer Kredite eine Verschärfung der Kredit- bedingungcn ausbedungen haben, ist ein weithin sichtbares Zeichen für den Vcrtrauensschwund des Auslands gegen- iiber der deutschen Wirtschaft. Es erweist sich eben, daß die rasche Ilcbcrwindung der akuten Kreditkrise vom Juli dieses Jahres und die Bereitwilligkeit des Auslands zur kurzfristigen Stundung der Kredite noch keineswegs genügt haben, um das vor diesen Ereignissen schon ins Wanken geratene Vertrauen des Auslands zur Kreditwüdigkeit Deutschlands wiederherzustellen. Aber gerade die zaghaften Bestimmungen des Stillhalte- abkommen? beweisen andererseits, daß die Wiederherstellung dieses Vertrauens die unumgängliche Voraussetzung für das „Finden einer dauerhafteren Lösung für das Problem der kurz- fristigen Verschuldung Deutschlands" ist, das von den Unterzeichnern des Stillhalteabkommens und darüber hinaus wohl von der ganzen Welt als eine elementare Lebensnotwcndigkeit der deutschen Wirt- schaft angesehen wird. Und andererseits kann heute nicht mehr de- zweifelt werden, daß es nur zwei Wege gibt, die gleichzeitig beschritten werden müssen. wenn das vertrauen der Welt in Deutschland wiederhergestellt werden soll. Der eine Weg ist der der inneren und der andere der der äußeren Bereinigung. Räch innen gilt es vor allem, die Wirt- schaft durch eine eiserne Stoalskontrolle von all den schweren Mißständen zu reinigen, die sie schon lange untergruben, in der letzten Zeit aber aller Welt deutlich offenbar wurden. Räch außen gilt es, sich endlich einmal nichl nur iu Worten, sondern auch in Taten zu einer Außenpolitik zu bekennen, die von der deutschen Seile her alle voraussehungen für eine internationale Verständigung schafft, wenn diese beiden Wege nicht energisch be- schritten werden, wird die Klipp» des kommenden Februars nicht zu umschiffen sein. Erhöhte Gewinnausschüttung privater Elektrizitätswerke. Die Brandenburgische Elektrizitäts-, Gas- und Wasserwerke Aktiengesellschaft, ein privates Versor» gnngsunternehmen, das eine Anzahl kleinerer Betriebe in der Pro- vinz unterhält, wird, wie der Aussichtsrat jetzt beschlossen hat. nach „reichlichen Abschreibungen" eine Dividende von 614 gegen 811 Proz. im Vorjahr auszahlen. Da die Gesellschaft nach der Verschmelzung mit der A.-G. Körtings Elektrizität»- werke ihr Kapital von 4,2 auf 6L Millionen erhöht hat. ist für die 614prozentige Dividende eine Summe von 422 000 Mark notwendig, während bei dem geringeren Aktienkapital im Vorjahr trotz der höheren Dividende nur 367 000 Mark erforderlich waren. Die. Aktionäre dieser Gesellschaft bekommen also von ben harten Ze�- nicht» M spüren. Arbeitsmarktkatastrophe. Die Auswirkung der Zusammenbrüche. Nunmehr liegen die Zahlen über die Arbeitslosigkeit vor, die die Gewerkschaften des Allgemeinen Deutschen Gewerk- schastsbundes an jedem Monatsende durch eigene Erhebungen fest- stellen. Danach waren Ende August in den Gewerkschaften nicht weniger als 34,1 Proz. der Mitglieder arbeitslos und 20,9 Proz. Kurzarbeiter. Gegenüber dem Vormonat bedeutet das eine außerordentliche Verschärfung. Die Arbeits- losigkeit stieg von 31,6 auf 34,1 Proz., die Kurzarbeit von 18,9 auf 20,9 Proz. In dieser Verschärfung der Arbeitslosigkeit mitten im Sommer drücken sich die Folgen aus, die die großen Zusammenbrüche in der Privatwirtschaft nach sich ziehen mußten. Von der Verschärfung der Arbeitslosigkeit sind mit Ausnahme der Hutarbeiter, bei denen eine leichte Besserung eingetreten ist, sämtliche Berufe be- troffen. Immerhin sank zwar die Arbeitslosigkeit bei den Hutarbeitern von 41,4 auf 39P Proz. und die Kurzarbeit von 16,1 auf 12,9 Proz., aber diese Zahlen oerraten eine katastrophale Wirtschaftslage, zumal die Arbeitslosigkeit in der Hutindustrie eine chronische ist. Be- sonders schwer von der Arbeitslosigkeit betroffen wurden die Bau- berufe und Tabakarbeiter. Bei diesen stieg die Arbeits- losigkeit im August von 24,6 auf 32,4 Proz., die Kurzarbeit von 18 auf 32,3 Proz. Im Deutschen Baugewerksbund, wo die Arbeitslosigkeit bereits Ende Juli die katastrophale Höhe von 56 Proz. erreicht hatte, stieg sie im August weiter a u f 6 2. 8 P r o z. Bei den Zimmerern wuchs die Arbeitslosigkeit von 62,6 auf 68,7 Proz. und bei den Malern sogar von 69,3 auf 68,9 Proz. Bei den Steinarbeitern erhöhte sich die Arbeitslosigkeit von 55,1 auf 69,6 Proz. und in der Gruppe Grobkeramik von 44,5 auf 59,6 Proz. Das sind furchtbare Zahlen. Hier wirken zusammen die Kredit- krise und die Drosselung des Baumarttes durch die Reichsregierung. Die Sparmaßnahmen der Reichsregierung haben hier dazu geführt, daß ex bald keine beschäftigten Arbeiter geben wird, die Beiträge für die Arbeitslosen zahlen. Aber auch in der sogenannten Konjuntturgrupp« sind einzelne und wichtige Industrien besonders hart betroffen. Bei den Buchdruckern stieg die Arbeitslosigkeit von P,5 auf 29,8 Proz., die Kurzarbeit von 6,8 auf 14,2 Proz. Bei den Lithographen stieg die Arbeitslosigkeit von 29,9 auf 33,3 Proz., während die Kurz- arbeit von 18,1 auf 19,7 Proz. stieg. Im gleichen Ausmaß wuchs beitslosigkeit weiter von 59,5 auf 54,2 Proz., während die Kurzarbeit Buchbindern an. Bei den Sattlern, Tapezierern und Portefeuillern stieg die Ar- die Arbeitslosigkeit auch bei den graphischen Hilfsarbeitern und den leicht von 23,7 auf 21 Proz. zurückging. Sehr stark erhöhte sich auch die Arbeitslosigkeit in der Textilindustrie von 21,5 auf 24,2 Proz.� während gleichzeitig die Kurzarbeit von 38,1 aus 42,7 Proz. wuchs. Bei den Merallarbeitern stieg die Ar- beitslosigkeit gleichfalls sehr stark an, und zwar von 32,4 auf 34 Proz., während die Kurzarbeit von 28,5 auf 29,5 Proz. anzog. Eine derartige Arbeitslosigkeit mitten im Sommer ist mehr als eine Katastrophe. Sie zeigt, daß mit den bisher emp- fohlenen oder angewandten Mitteln der Wirtschaftskrise nicht bei-, zukommen ist. Nur wenn der Staat endlich mit der Politik bricht, die den Kapitalisten freie Hand läßt zur Kapitaloerschleuderung und zur Einstreichung von Uebergewinnen und sich darauf beschränkt, die Opfer dieser„Wirtschaftsführung" zu unterstützen und für die Pleiten einzustehen, nur wenn der Staat endlich entschlossen die Konto olle über die Wirtschast übernimmt, wird eine ernsthafte Bekämpfung der Arbeitslosigkeit möglich sein. Reform der Tariflohnstatistik. Endlich etwas mehr Klarheit über die Löhne. Das Statt st ische Reichsamt ist seit einigen Monaten er- freulicherweise bestrebt, seine Berichterstattung über einige wirt- schaftspolitisch besonders wichtige Gebiete zu oerbessern. Das erste Ergebnis dieser Verbesserungen liegt nunmehr in Gestalt der r e- formierten Tariflohn st ati st ik vor. Vergleicht man die Ergebnisse dieser neuen Statistik mit denen der alten, so muß man feststellen, daß eine Reform hier gerade besonders notwendig war, denn die früher ermittelten Lohnsätze erwiesen sich auf der ganzen Linie als zu hoch. Infolgedessen konnte die Reform gerade zu einer Zeit, die lohnpolitisch so bewegt ist, unmöglich länger, entbehrt werden. Di« Verbesserung der Tariflohnstatistik ist fast völlig durch Er- Weiterung der rechnerischen Grundlagen erzielt worden. Zunächst einmal hat man in allen Gewerben, die schon früher erfaßt wurden, die Zahl der in die Statistik einbezogenen Orte und damit zugleich die Zahl der einbezogenen Personen erhöht: außerdem hat man eine neue Arbeiterkategorie(„A n g e l e r n t e") bei den männlichen Arbeitern htnzugenommen und überall auch die weiblichen Ar- beiter erfaßt. Darüber hinaus sind 5 Industriezweige neu hinzu- gekommen. Diese dreifache Erweiterung hat die Statistik so aus- gebaut, daß sie nunmehr ein Drittel aller Arbeiter und Arbeiterinnen erfaßt. Das Statistische Reichsamt ist auch daran gegangen, zwischen Zeit- und Akkordlohn zu unterscheiden. Damit ist eine der wesentlichsten Fehlerquellen der alten Berechnungsmethode ver- schwunden. Bei der Darstellung der Reform, die in dem demnächst er- scheinenden Vierteljahresheft zu finden sein wird, werden gesonderte Angaben für die Lohnhöhe nach Zeit- und Akkordlohn gemacht sein. Das Statistische Reichsamt sollte erwägen, ob es nicht zweckmäßig wäre, hierüber auch bei den monatlichen Angaben gesondert zu berichten. Zn Zukunft werden nur noch die Stundenlöhne, nicht mehr die Wochen Verdienste angegeben. Diese Beschränkung ist nur zu begrüßen, da sie von jeher nur zu Mißverständnissen und bewußten Fehldeutungen Anlaß gegeben hat. Alles, was bisher gesagt wurde, bezieht sich sowohl auf die Durchschnittslöhne der einzelnen Industrien, als auch auf ihren Ge- samtdurchschnitt. Es sind beträchtliche Unterschiedlichkeiten.zu ver- zeichnen, was darauf beruht, daß die einzelnen Industrien bisher sehr verschieden berücksichtigt waren. So war das Baugewerbe bis- her nur ganz unzureichend einbezogen, Steinkohlenbergbau und chemische Industrie dagegen in durchaus genügendem Maße. Es kann daher auch nicht überraschen, daß die Minderung der Löhne im Baugewerbe ganz besonders groß erscheint. Während nach der alten Statistik der Durchschnittslohn des Maurers zu Jahresanfang 141,9 Pfennig betrug, stellt er sich nach der neuen Statistik auf nur 125,2 Pfennig. Der Durchschnillslohn der Facharbeiter, der im we- fentlichen dem Lohn der Gelernten in der früheren Statistik entspricht, würde nach der alten Statistik etwa 198 Pf. betragen haben. Nach der neuen Statistik beläuft er sich dagegen nur auf 192,1 Pf. Bei den U n g e l e r n t e n ist die Differenz allerdings nur ganz gering. An dieser Minderung des Gesamtdurchschnitts sind alle Industriezweige beteiligt, außerdem hat auf sie die Hinzunahme neuer Industrie» mit besonders niedrigen Lohnsätzen Einfluß. In- folge der Lohnabbautampagn« dieses Jahres ist sogar der Zacharbeilerlohn unter eine ZNark gesunken: er beträgt uur / noch 97 VI Ein lohnpolitisch besonders wichtiges Rebenergebnls der Reform ist darin zu erblicken, daß die großen Differenzen, die von Industrie zu Industrie bestehen sollten, sich fast völlkg verflüchtigt haben. Nach der alten Statistik oerdiente beispielsweise am 1. Juli 1939— um bei einem Termin zu bleiben, der für alle erfaßten Industrien noch Tariflöhne vorsah— der Maurer 17,1 Pf. mehr als der Hauer und 17,4 Pf. mehr als der Tischler: die Differenz zwischen Maurer und Buchdrucker betrug sogar 24,1 Pf. zugunsten des Maurers. In der neuen Statistik ist die Differenz aus 4,1 zusammengeschrumpft. Der Höchstverdienende ist nicht mehr der Maurer, sondern mit einem Pfennig Vorsprung vor diesen und dem Hauer der Tischler. Den überhaupt höchsten Durchschnitt von allen Facharbeitern bezieht jetzt der Brauereiarbeiter mit 122,9 Pf. Aehnlich steht es um die Löhne der Hilfsarbeiter. Der Reichsarbeitsminister hat also keine Hand- habe mehr, die Verbindlichkeitserklärung der erbittertst umkämpften Löhne mit der Begründung abzulehnen, die Löhne seien überhöht. Sttllegung der Bauwirischast drohi. Wann wird die Reichsregierung handeln? Vom Deutschen Baugewerksbuno wird uns geschrieben: Wiederholt haben die Bauarbeitergewerkschaften Eingaben an die zuständigen Behörden und Regierungen gerichtet und auch andere Schritte unternommen, um den verantwortlichen Stellen klar zu machen, daß schleunigst Mahnahmen ergriffen werden müssen, den Baumarkt zu beleben. Am 31. Juli haben die Bauarbeiterverbände an den Reichssinanzminister eine Eingabe �richtet, in der in eindringlicher Weis« auf die Krise am Baumarkt hingewiesen und ersucht wurde, die Gemeinden und sonstigen Träger des Woh- nungsbaues unverzüglich in die Lag« zu setzen, dem Baugewerbe Aufträge zuzuführen. Der Vorstand des Deutschen Bougewerks- bundes wandt« sich am 12. August wieder an den Reichsfinanz- minister und verlangte, die in der erwähnten Eingabe vorgeschlage- nen Mahnahmen beschleunigt durchzuführen. Die Wirtschafts- verbände der Unternehmer haben Ende August ähnliche Forderungen an die Reichsregierung gestellt. Den Bauarbeiterverbänden ist auf ihre beiden Schreiben vom Reichsarbeitsminister Dr. Etegerwald folgende Antwort zugegangen: „Der Herr Reichsminister der Finanzen hat mir als den feder- führenden Minister Ihr« Eingaben vom 31. Juli und 12. August zugeleitet. Die darin aufgeworfenen Fragen bilden zur Zeit den Gegenstand eingehender Prüfung durch die Reichsregierung. Ich bin mit Ihnen der Auffassung, daß alles daran gefetzt werden muß, um die Bauwirtfchaft, deren Schlüsselstellung ich durchaus würdige, soweit nur irgendmöglich in Gang zu halten oder wieder in Gang zu setzen." Danach sind die Forderungen des Baugewerbes endlich Gegen- staad«ingehender Prüfung durch die Reichsregierung geworden. Es ist zu hoffen, daß sich die volkswirtschaftlich richtige Auffassung des'Reichsarbeitsministers im gesamten Kabinett durchfetzt. Weiß man doch, daß der Reichsfinanzminister sehr wenig Verständnis für die Nöte des Baugewerbes zeigt. Eine nachdrückliche Bekämpfung ver Arbeitslosigkeit ist nur möglich, wenn dem Baugewerbe aus- reichend« Beschäftigung geboten wird. Wir stehen vor einem harten Winter. Die Arbeitslosigkeit im Baugewerbe beträgt über 69 Prozent! Es häufen sich die Einstellungen von Bauten und die Zurücknahme von Bauaufträgen. Wenn nicht bald etwas Gründliches geschieht, dann wird es wohl im Baugewerbe eine hundertprozentige Arbeitslosig- k e i t geben. EGT. für Einheiissront. Aber innerhalb der freien Gewerkschaften. Pari», 18. September.(Eigenbericht.) Der Kongreß des französischen Gewerkschafts- bundes hat am Freitag vormittag mit allen gegen 12 Stim- m e n bei 27 Stimmenthaltungen eine Entschließung an- genommen, die' angesichts der Wirtschaftskrise mehr als je die Notwendigkeit einer Einigung der Arbeiterklasse im Rahmen der EGT. betont und alle nationalen und lokalen Verbände auffordert, noch mehr als bisher an der Schaffung einer Achtung, Eisenbahner! Montag 19 in Draesels FesisSlen, Berlin« Holzmarkistr. 72 MWWgMilkKMmWWNiMpMWlllil Tagesordnung; Partei und Gcwcrksdbatt, Referent: Genosse KarlDrcwel vom'Bezirksvorstand Es Ist Pflicht jedes Genossen zu erscheinen und rege Propaganda hierfür zu entfalten. Partei- und Mitgliedsbuch legitimieren ' Der'Werbeaoe.diog der»PD.-Eisenbahner »Wmofphäre der Beruhigung und Wiederversöhmrng zu arbeiten und kein« Bedingungen für die Aufnahme der konununistischen und amo- »omen Gewerkschaftler zu stellen. Aus Antrag eines Vertreter» des Eisenbahneroerbandes beschloß der Kongreß ferner fast einstimmig, der Entschließung eine Er- klärung Iouhaux' anzuhängen, in der die Entschließung kommentiert wird und Iouhaux zusagt, daß sich der Bundesvorstand einem Ein»- gungskvngreß nicht widersetzen werde, wenn sich bei den kommu- nistischen und autonomen Gewerkschaftern der Wille zum Ein- tritt in die EST. in genügendem Maße gezeigt habe und die Gewerkschaften einen außerordentlichen Kongreß zur Durchführung der Gewerkschaftseinheit verlangen. Damit dürfte die Existenz des Ausschusses, der für die Einberufung des Einigungskongresses zur Gründung eines neuen Gewerkschaftskongresses aufgezogen war, endgültig besiegelt sein. Am Schluß der Freitagvormittagssitzung wurde mit der De- batte und den Abstimmungen über die von den Berichterstattern der verschiedenen Kommissionen vorgelegten Entschließungen über alle Probleme der Gewerkschaftsbewegung begonnen. Der Bericht über das Gewerkschastsorgan„Le Peuple" wurde einstimmig gebilligt. ABB. an die Reichsregierung. Zur bevorstehenden Notverordnung. Die preußische Notverordnung mit ihren Sparmaßnahmen gegen Beamte hat dem Allgemeinen Deutschen Beamtenbund Veranlassung gegeben zu einer Eingabe an die Reichsregierung, da angekündigt worden ist, daß nicht nur eine Reihe der in der preußischen Verordnung getroffenen Maßnahmen vom Reiche übernommen, sondern darüber hinaus auch eine Herabsetzung der Pensionen und Hinterbliebenenbezllge vom Reich verfügt werden soll. Di« Eingabe des ADV. wendet sich in der Hauptsach« gegen diese Pensionskürzung, die neben den bisherigen Kürzungen die Bezüge der Pensionäre und Hinterbliebenen zusätzlich kürzen würde, sowie gegen die geplante Verschlechterung der Dienstaltersausrückung. Des weiteren werden vom ADV. schwere Bedenken auch ver. fassungsrechtlicher Art gegen die Verpflichtung zur Ueber- nähme eines Amtes mit geringerem Einkommen sowie.dagegen geltend gemacht, daß die Beamteneigenschaft an die. Aushändigung einer formellen Anstellungsurkunde geknüpft werden soll. Im übrigen tritt der ADV. u. a. dafür ein, daß die in der preußischen Verordnung vorgesehene Ausgleichszulage bei Kürzungen von über 29 Proz. für alle Beamten, und zwar in verbesserter und sozial ausgestalteter Weise eingeführt wird, und daß all« diese neuen Sparmaßnahmen entsprechend ihrem Notcharakter aus«ine be- stimmte, nicht allzu lang bemessene Zeit befriste-t werden. „Revolutionärer Gtreikführer." „Arbeitsunfähiger Kranker." In Düsseldorf hat die kommunistische NGO., wie ermner, lich, vor kurzem einen ihrer bekannten Streiks durchgeführt. Die Streikabstimmung kam mit Hilfe von Wohlfahrtserwerbslosen und Arbeitslosen zustande. An dem Streit beteiligte sich aber nur ein Bruchteil der Gemeindearbeiter. Daß dieser Streik nicht gut aus- gehen konnte, sahen auch die kommunistischen Führer. Daher ver- suchten die Drahtzieher, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Einer der Vorkämpfer der RGO. war der Obmann des Betriebsrates des städtischen Fuhrparks. Als die Situation in Düsseldorf brenzllch wurde, seßtS'er sich hin und schrieb folgenden Brief an die Betriebsleitung: Düsseldorf, den 26. August 1931. „Herr Wing», Oberschirrmeistcr. Teile Sie mit, daß ich vom Arzt von morgen, den 27. August 1931 ab arbeitsunfähig geschrieben bin und gleich zur Spezial- Untersuchung erscheinen werde. Werde also meine Arbeitsunfähig- keit gleich morgen in der Krankenkasse melden." Es ist leider keine Uebertreibung, wenn wir sagen, daß dieses Schreiben und diese feige und hinterhältige Drücke- bergerei nicht die Ausnahme, sondern typisch ist für die„revo- lutionären Unorganisierten" der KPD. Das Verbrechen der KPD. besteht darin, diesen Mauldreschern, die nur mutig sind gegen Ar- beiter, die ihre Führerschaft ablehnen, die Möglichkeit zu geben, ihre feig« Drückebergerei mit dem Schein des Radikalismus zu be- mänteln. Worte und Tatsachen. Ist das sozialistischer Aufbau? In kommunistischen Reden und Zeitungen wird täglich und immer wieder die Behauptung aufgestellt, in Sowjetrußland voll- ziehe sich in rasendem Tempo der sozialistische Aufbau. Das Leben in Sowjetrußland wird' in den rosigsten Farben geschildert, das sich besonders lichtvoll abhebt von dem grauen Hungerelend in Deutschland. Wie verträgt sich das aber mit folgender Bekanntgabe der Firma Hermann Tictz, die auch in den kommunistischen Zeitungen zu lesen ist: Paketversand nach UdSSR. Auf Grund unserer Abmachungen mit der„Derutra" haben wir das ausschließliche und alleinige Recht für Deutschland, Bestellungen von Privat- Personen auf L e b en s m i t t e l sowie aus sämtliche Artikel des t ä g l i ch e n B e d a r f s zur Versendung an Privatpersonen nach Sowjetrußland anzunehmen und in Paketen dahin abzusenden. Die Versendung der Pakete erfolgt durch uns direkt und wir übernehmen für die Ankunft der Pakete die Gewähr. Die Aus- händigung der Pakete an die Empfänger erfolgt ohne weitere Nachzahlung. Verlangen Sie unsere Spezial- angebote! Daß man der noch immerhin kapitalistischen Firma Her- mann Tietz ein Monopol gibt, ist an sich nicht verwunderlich. Die sowjetrussischen Machthaber haben seit jeher grundsätzlich sich mit den Privatkapitalisten vertragen, mit ihnen Geschäft« gemacht, während sie ebenso grundsätzlich die Gewerkschaften, die sozialistischen Parteien und die Genossenschaften bekämpfen. Aber wie müssen die Verhältnisse in einem ausgesprochenen Agrarland wie Sowjetrußland aussehen, wenn man sich genötigt sieht, den Versand von Lebens mittelpaketen vom Ausland her zu organisieren! So etwas gab es gewiß auch einmal in Deutschland. Das war während der ersten Nachkriegsjahre, in den Zeiten der Inflation. Aber Deutschland ist ein Industrieland und hat immer vom Ausland Lebensmittel bezogen. Sowjelrußland ist ein Agrarland und die Bolschewik! herrschen immerhin seit vier- zehn Jahren. Aber vielleicht gerade deshalb... Ii Achtung, U-Satin! Di« SPD..Frattwn der sigiial. und Bahn! lf| U mciftcrei besucht am 20. September beu Sturnioogel. Treffpunkt U Uhr 3 H Haltestelle b«t Gtragenbahnlinle T3, Flughafen. Angehbrig« imb®e. H f'l nassen des Straßenbahn, unb Autobusbetricbes willfsmmen. Allgemeine Wetterlage. 48.Sept.4S34.abd3. j©wo(kBfilos.0 hertar.dhalbbedadfl [a«ollclg,OI)edecla»R«g!ruil»aniie!n inmgR�.EGewItw�Wiiiilain» Auch om Freitag dauerte im ganzen Reiche das feuchtmilde und größtenteils trübe Wetter fort. Die Niederschläge, die stellen- weise vorkamen, waren weist gering, und die Mittagstempcraturen bewegten sich wieder zwischen 16 und 20 Grad. Die Wetterlage hat sich langsam weiter umgestaltet: der östliche Teil des fjochs, das während der letzten Tage Mitteleuropa bedeckte, ist verschwunden: dafür erscheint über dem südöstlichen Mitteleuropa ein flaches Tief, das om Donnerstag abend noch über Griechenland lag. Seine Energie bezieht es aus einem Strom warmer, vom Schwarzen Meer stammender Luft, die auf die in Polen befindliche Luft ausgleitet und hier auf diese Weise zu starken Niederschlägen führt. Es ist von großer Wichtigkeit, die Bahn des Tiefs und die Verlagerung des Schlechtwettergebiets richtig vorher zu bestimmen: daß die Depres- sion sich uns nähert, ist unwahrscheinlich, denn der Druck steigt über Deutschland allgemein. wettcraussichlen für verlin. Weiterhin ruhiges und zunächst noch trübes Wetter, ohne wesentliche Temperawränderung: später zeitweise Aufheiterung wahrscheinlich.— Für Deutschland. Im größten Teil des Reiches beständiges, im Westen zeitweise heiteres, im Osten trübes Wetter. Im(Südosten Regenfällc. Allgemein ziemlich mild. parieinachnchiet? Groß-Aerlin Sin[enlL*ngen für diese Stxdril sind « e r l t» SB Liadesstratz« 3, G stet« bb dB»«»jirkBseeretBriat ?. Hof, 2 Treppen recht», ,1t richte» Beginn aller Veranstaltungen IS'/- Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! Cjcute. Sonnabend. 19. September: » strei». Z-risch-m 18 nnb 19 lld- a»»flBl>c wichti««« aSatcml« in der ,B«rB>Brt»"-S?editiBB«bbR*« Pl-S- 7. und 8. st«!«. Juristische Sp-echsiuud- findet»»n 17 di» 1« Ilde i» Infl-udhei« R-stnenstr. 4 R«tt. Seie«cndeit»um»irchenBUOtritt! 31. Abt. Die Bezirkiftchrcr laden zur AbteilunstSversummiuna am 23. September bestimmt ein.,_ 82. Abt. 29 Uhr bei ScheZh-se. Ad»rnstr. 13«, stesellip«, BeisBirutrus-iR dB» 1. und 2. Dejitl«. must�iiische Unterhaun«» ist gesernt. � � � 1««». Abt. Wittenau. Bei Heese. Berliner Str. 73, Cltcni. und werbeabend der«inderfrennde. Eintritt 20 Ps. Parteigenosfinnen und-Sc Nossen sind hcrzlisizft eingeladen. Morgen, Sonntag. 20. September: g2. Abt. ArbeitgLres» jüngerer Eenosson. Troffen 8 Uhr Bahnhof staiser. striedrich-Sirofse. Fahrgeld«0 Pk.,.,. 138. Abt. Ardeitstrei« jüngerer Parteigenossen. Eeineinsotne Dompferfahrt mt der«A3, für 73 Pf. nach dein Kerbe llinsce. Die«AI. wird die»arten oerteilen. Co soll eine große Fahrt unserer Inzend werden. Frauenveranslallung. 114. Abt.«onntaq. 20.«eptember, 12 Uhr. Treffpunkt H»6>l>ahnh»s War. schauer«traße zur Besichtigung des Botanischen Eartens. Bezirksausschuß für Arbeilerwohlfahrt. Achtnng, ZSrsorgertiiioen), strej»leit«r der Arboiterioahlsahrt! Die An. inelbnnpen für den W-chenendtnrsn» am 29. und 27. Septomder im Aat,»- seenndehnn« llcdersec lZnncn noch di, zum Dentag, dem 21. September, in der Seschästrstellc der Ardciterm-HIsabrt, Lindens, r. 3. 2. Kos. 2 Treppen, oder telephonisch unter TSnhoss 39«:- 508» entgegengenommen«erden. Sozialistische Studentenschaft Berlin. Sonntag, 20. September, Fahrt nach Fiickcnlrug. Wir treffen uno um 8><- Uhr om Bahnhos FriedrichsrraKe. Arbeitsgemeinschaft der kindersreunde Groß-Berlin. stdpenick. Heute, 18 Uhr, Partciheim. Schloß, tr. 27, wichtig«»elfersißun«. Anmeldung zur Hrrdstferiensahrt nach Eaalfetd spätesten» Mittwoch, ZZ. Sw- tember, bei den Helfern. Zlestsaikcn lönncn ieitnehmeu. Unkosten etwa 18 all. Sonntog, 20. September, Treffen zur strri»veranstaltung in Bvhnodorf um 13su Uhr Bahnhof stöpenit?. Essen und 3i Pf. mitbringen.,,, Lichtenberg. Gruppe Nord. Sonntag. 23. September, Fahrt naai Lehmß. Tresspunkt 7'/» Uhr gm Dahnhof Franksnrter Aller. Montag, 21. September, 20 Uhr, streishelferfißung im Leun tbunterstraße. Ersätoinen ist Pflicht.—- Gruppe Mitte. Morgen Elternsahrt nach Brieselang. Trcsspunlt 8 Uhr Bahnhof Stralau. Gummelsburg. PrenziBuer Berg. Bezirk Schä»I>aüscr Vorstadt. Heute, lü'/s Uhr. an her Folleuccke. Treffpunkt zur Fahrt der Jungfalicn nach Bernau-Urßdorf. Un- kosten 80 Pf. Reinickendorf. Eltern, in'3 Werbeobend der künderfreunde Wittenau bei Heefc, Rcinickcirdors.Wcst, Berliner Str. 73. Sonnabend, 12. September, Ig'h Uhr. Ermchfene 20 Pf.. Erwerbelose und Kinder srci. Alle Freunde der Bewegung sind herzlich eingeladen. strei» Reukäll». Zicstfalkenfohrt. Morgen, Sonntag, beteiligen sich alle Ziestfaskei'.aruppe» mit ihren Helfern an der streisfahri. Tresspunkt 7'i Uhr U-Bahn Rathau? NcukäUn. Wimpel mitbringen und in Tracht erfäieinen. — Hrlserlreis. Wir empfehlen unseren IF.. und. RF.-Hclfeen sich morgen. Sonntag, um 30 Uhr an dem BF.. Appell der SAZ. jn Kaulsdors-Stid zu beteiligen.— Arbeitsstunde. Un'ere Arbeitsstunde findet am Montag ad 18 Ubr in der Eanghofersiraße statt. Tiergarten. Lllle Iunfifauen und Roten Fallen treffen sich am Conntag, dem 20. September, V/j Uhr, Bahnhof PuNitzstratze zur Fahrt nach Seegefeld. Spandau«? Forst..'»0 M. Fahrgew mitbringen. Die Nestfalten treffen sich ebenfalls um 9 Uhr Kleiner Tiergarten zur Fahrt nach Faltcnberg. 30 Pf. Fahrgeld mitbringen. Bei s6>le6ittm Wetter fallen beide Fahrten aus. Sterbetafel der Groß«Berliner Partei-Organisation «2. Abt. Unier lieber Genosse Willtelm Batten ist am 14. September ner- swRben. Ehre, feinem Andenken. Die Einäscherung h,t derett» am Zreilleg st»ttg«suni>?n.__, Vorträge, Vereine und Versammlungen # Reichsbanner..Schwarz-Rot-Gold". Defchäkt.ktell»: Berlin S. 14. SebBstionftr. 87�38. Kot l Tt strei» vsten. Alle«ngermündefohree müssen bi? spätesten» 28- September bei ktamerad Frhrerm melden. Ziachmeldungen werden nick/t berücksichtigt.— Sonnt»g, 20. September. Wcbding. Mitglieder de» ststS. noch Friodrichefeide. Treffpunkt und-Abfahrt vom U.Vahnhoi Gesunddrunnen Am 8 UIio.— Montag, 21. Scptcmlcr Neutolln-Srig. 4..»amerabschast. 20 Uhr Mitgliederversammlung in Becker» Fesililtn, Britz. Ehausseestr. gl. Referat Günther Scheele über„Moderner Strafvollzug".— Bernau. Sonnabend, 19.«jeattstio«,, Jü Uhi. driTmendc Mchnae LertamMi»«r Dmeitenumiifaiin. Bezipüsausssiniß Breo-sepiin Funktionäre der Arbeitcrwohlfahrt, Fürsorger(innen)! Dienslag, den 39, September. 19 1 1 Uhr. im große» Saal des ReidtsirirtjdiaftS' rate», Berti». Belieniestrehe 1$; Funktionär- Konferenz Vortrag des Genossen Stadtrai Karl Schneider über: n Abbau der sozialen FUrsorge als Wirkung der Notverordnung" Saalöffnung 19 Uhr. Beginn pünktlich 19'/- Uhr. Besondere Einladungen ergchen nicht mehr.— Eintritt nur gegen Parteibuch und Funktionärausweis der Arbeiterwohlfahrt 1931. Fürsorgersinnen>, die nicht Funktionäre sind, weisen sich durch Parteibuch aus. �>SozialifllscheArbetterjugendGroß-Verlin Einsendungen für diese Rubrik nur an da» Iugendsekretariat Berlin SW 0». Ltnbcnstraße 3 Noirr-Zolken. Appell morgen, Sonntag, in Uauleborf-Süd. Eröffnung 19 Uhr. lO'k Uhr Besprechung der Gruppenführer. KV..— l.z Uhr Wetttämpfe. 13—14 Uhr Masjenspiele, Turnspiele. Untcrholtung. IS— IS'.H Uhr Gelände- spiel. 184» Uhr Sehlußveranstoltung. Alle Sportgeräte mitbrinzen. Falkentracht. Vorsitzenden-stouscrenz. Montag. 21. September, IS'H Uhr, im Preußischen Landtag. Ohne Mitgliedsbuch und Ausweis lein Futritt. Alle Gruppen müssen durch ihre Borsitzenden und dem Fugendbeirat vertreten fein. Sondervorstellung bor Volksbühne für di« arbeitende Jugend. Sonntag. II. Oktober, 15 Uhr. in drr Volksbühne. Theater am Bülowplatz.„Aampf um tütfch." starten zu 80 Pf. sind im Iugendsekretariat crhaltlid). heule, Sonnabend, 19. September. Werbebezirk Web ding: Sprechstunde bei H. Borskn, Borufusstr. 12, Otter- gebäude 4 Tip., von 18 d!» 30 Uhr. Alle Gruppen müssen pünktlich vertreten sei».— Spiedxhorprobe Scestr. 84 von 20 bis 22 Uhr. Alle Genossen müssen nnbebingt erscheinen. Mvrgen. Sonntag, Wetbebezirksircffahrt zum Falken. appsll 1U. Uhr Bahnhof Wedbing. Werbebezirk Teltowkanal: Fuuktionärwochcnendiursus. Treffpunkt 17>.h Uhr Bahnhof Lankwitz. tb-X Uhr Schlesischer Bahichof. Weebebezirk ReukSln: BAdungsousschuß. Der Wochenendkurstis im Pariei. biir» ist auf den nächsten Sonnabend und Sonntag(28., 27. September) verschoben. Morgen, Sonnlag, 20. September. Ar»»wolber Platz II und Rorbosieu l: 7 Uhr Bahnhof Dcißensee. Troff- Punkt zum Falkenappell.— ReukSlln I und V: Uhr Reuterplatz. Treffpunkt zum Falkenappell.— Reukölln VII: 8 Uhr Bahnhof Kaiser-Friedrich-Straße. Fahrt.— Pauk»«(R.-F.): H'h Uhr Rordbohn. Treffpunkt zum Falkenappell. — Reakälln»' und IX: 8 Uhr Bahnhof Neukölln. Treffpunkt zum Falkenappell. Werbebezirk Lichtenberg: zg Uhr Rote Funker bei Willi Äuntz, Friedrichs- feldr. straetkestr. 7. Wichtige Besprechung. Werbebezjrt Reinickendorf: Treffpunkt zur Dampferfahrt b',4 Uhr Tegel, Sechserbrücke. Karstadt zeigt Modeneuheiten. ..CF; geht auch ohne Modenschau", meint das Warenhaus Karstadt am bherinaunplatz,„und was wir an Spesen einsparen, das können wir vom Verkaufspreis in Abzug bringen". Jn der gc- räumigen, übersichtlichen Kanfektionsabteilung des chauses präsentiert sich eine vielseitige Schau modischer Neuheiten. 5)übsche Vormittagskleider in sportlich gearbeiteter Farm, bräunlich, dunkel- grün und marine aus Boucle, Jersey, Afghaleinc, die Mäntel zeigen schmale, schlanke Linie, sehr flott wirken bräunlich gemusterte Dia- gonalstofse mit gleichfarbigem Pelzbesatz aus Karalül, Murmel oder Astrachan, der Äermel ist in Stulpcnfarm gearbeitet, alle Mäntel haben Ledergürtel: hier wird vielfach marengofarbener 5ierrenstoff, Velour, Noppenstoff verwendet. Die Pelzvcrbrämung schmückt die breiten Revers und den Kragen, die Acrmelstulpc ganz oder zum Teil. Für den Nachmittag gibt es sehr hübsche Kleider in weichen, schmiegsamen Wollstoffen wie Crepe Romain, Crepe Kaid in braun, grün,' dunkelblau und schwarz: die Verarbeitung ist schlicht, eine farbige chals- und Aermelgarnitur, schalartig gearbeitet, als Einsatz, als Jabot oder in bloßer Kragcnform gibt dem Kleid eine flotte, kleidsame Note. Die Abendkleider, deren Länge immer noch dem Boden zustrebt, lassen die Figur so schmal wie nur irgend möglich erscheinen, die 5)llftcn sind eng umspannt, ebenso ist die Toille schmal gearbeitet, erst unten fällt der Rock in reichen Weiten. Glänzende Spitzenstoffc, Crepe Georgette. Crepe Satin, daneben auch Samt in braun, grün, leuchtendem Rot und zarten Pastelltönen liefern ein äußerst dekoratives Material: sehr hübsch wirken bunte Jäckchen auf unifarbenen Kleidern, ebenfalls aus weichfallenden, schmiegsamen Gcwebcn. Die Mode betont diesmal den koketten Aermcl, viel Rüschen, Falbeln und Spitzen auf Taille und Rock, überhaupt phan- tasicoollc Schrieideresfekte, wo sie sich nur immer anbringen lassen. Der modische chut zeigt Chasscur- und Postilloncharoktcr, flotte kleine Formen, seitlich oder rückwärts mit einem bunten Fedcrgcsteck hoch- gehalten.___ Rochmittagskassee im Hau» VaterlaBd. Im Haus Vatcrlanb findet seit Sonnabend, 12. September, wieder täglich nadpnittags um 4 Uhr der beliebte Rachmittagskasfee auf der M-eiuterrasse statt. Die Firma stempinski hat der Zeit entsprediend in diesem Jahre die Preise hesonder» hcrahzefetzt. Die Portion ste.ffee tostet nur 50 Pfennig. Es laßt sich daher Nichts Sdiöneres denken, als den Nachmittag im Haus Vaterland bei dem weltbekannt guten und billigln stempinski, Kaffee und der ousgezcid)neten stonzortkapelle auf der Herr- iichen Rheinicrrasic zu verbringen. Aber audi für den Nadimitiagstanz ist Sorg« getragen. Im Palmensaal finden auch täglich um 4 Uhr Tanztees Hei den Klängen drr auegezeichnetn Tanzkapelle Sid stav» Fcllows statt. Auch hier gilt dasselbe' Prinzip: bei billigsten Preisen besten Kaffee und Kuchen. So gibt es für den Ziochmittag nur eine Devise: Ins Haus Vaterland. öer Bär? id.-:*& -fji A / T � �£( Größter Beliebtheii erfreut sich bei allen Zoo-Besuchern die Klnderslube der Tiere, Hier bilden die Jungen Bären des besondere Vergnügen des Rauchers, der mii der Familie Pete: seil langem eng verbunden ist durch Joseääx clsvjxo Borlins meisigerauchto Cigarelte 0/m. 6 Siiich 20