BERLIN Sonnabend is. September 1931 10 Pf. Ar. 440 B 220 48. Zahrgang Anietgeopret«: Die einspaltigeNonvareilleicile «o Pf.. Reklamezeile s M. Ermäßigungen nach Tar�. Postscheckkonto: Vorwarts-Verlag G. m. b. Berlin Nr. S7 S3S.— Der Verlag behält sich da« Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Erscheint täglich außer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bezugspreis beide Ausgäben 8ü Pf. pro Woche, 3,K0M. pro Monat. Redaktion und Trredition: BerlinSWk3,Lindenstr.g Fernsprecher: Dönhoff(A 7) 292—297 Notverordnung über Banken Stückwerk und Klickwerk Die Notverordnung über die Banken- kontrolle und über die A k t i e n r e ch t s r c f o r m ist soeben erlassen worden. Die Bankenkontrolle wird nach den ursprünglichen Plänen der Reichsregierung durchgeführt. also durch einen Kommissar im Zusammen- wirken mit einem Kuratorium, dem auster dem Kommis- sar Vertreter der Reichsregierung und der Reichsbank angehören. Unsere wirtschaftsdemokratischen Forderungen über die Zusammensehung des Kuratoriums blieben un- berücksichtigt. Die Aktienrechtsreform beschränkt sich auf die am dringlichsten einer Reform bedürftigen Gebiete. also Publizitätsbestimmungen. Pflichtrevision. Verschär- sung der Strafbestimmungen für die Verwaltungen und für die Funktionen des Aufsichtsrates. Sie enthält aber die bedenkliche Brltimmirng. das; die Vorschriften über die Verschärfung der Publizität und über die Pflichtrevision von der Reichsregierung auf Grund einer Ermächtigung nach ihrem Gutdünken in Kraft geseht werden können und dasi Uebergangsbestimmungen geschaffen werden können. Oer Bankenkommissar. In Durchführung der heute veröffentlichten Not- Verordnung über die Bankenaufsicht wird der Reichspräsident den Ministerialdirektor im preußischen Handelsministerium Dr. E r n st zun: Reichskommissar für das Bankwesen ernennen. Hugenberg sür die Verfassung. Er will keine Verordnungspolitik. Der Parteivorstand der Deutschnationalen Partei hat in den späten Nachtstunden noch folgende Entschließung angenommen: „Die Deutschnationole Volkspartei wendet sich aufs schärfst« gegen jeden Versuch der jetzigen Regierung, auf dem Verordnungswege das Wahlrecht zum Reichstag oder zu einem der Länderparlamente abzuändern. Verfassungsmäßig hat über solche Aenderungen allein die ordnungsmäßige Gesetzgebung zu entscheiden. Versucht eine Ländcrrcgicrung, wie jetzt die p r e u- ß i s ch e, unier Berufung auf eine oerfassungsrechtlich anfechtbare Notoerordnung der Reichsregierung das Wahlrecht des Landtags und daipit ihr« eigenen staatsrechtlichen Grundlagen selbstherrlich abzuändern, dann ist das sowohl vom Standpunkt des Reichsrechts wie des preußischen Staatsrechts ein Verfassungsbruch. Die Deutschnaiionale Volkspartei legt gegen dieses Vorgehen um so schärfere Verwahrung ein, als die derzeitige Regierung in Anbe- tracht der heutigen politischen Einstellung der preußischen Wähler- schaft die moralische Pflicht hat, schleunigst abzutreten und alle Eni- scheidungen grundsätzlicher, einschneidender Natur einer Regierung zu überlassen, die nach der Landtagsneuwahl dem Willen der Wähler entsprechend gebildet ist.' Diese Entschließung könnte ihren inneren Wert haben, wenn sie ehrlich gemeint wäre. Aber haben nicht gerade die Alldeutschen mit Hugenberg an der Spitze immer wieder von Hindenburg verlangt, er solle den Reichstag davonjagen und mit Hilfe des Artikels 48 gar eine neueVerfassung „verordnen"? Hat Hugenberg das alles vergessen? Handelskonfliki Oeutschland— Schweiz. Scharfe Erklärung in Genf. Genf. 19. September.(Eigenbericht.) Die schweizerische Ankündigung von Sperrmaßnahmen gegen ausländische Einsuhr von Industriewaren veranlaßten den deutschen Regierungsvertreter Dr. Posse, heute im Ausschuß, unter ein- dringlichem Hinweis auf die ungeheure Arbeitslosigkeit in Deutsch- lond, die Schweiz sehr deutlich vor den Folgen solcher Maßnahmen zu warnen, ihr die Verantwortung für weitere Schädigung der europäischen Wirtschaft vorzuhalten und stärkste Gegenwehr Deutschlands anzukündigen. Swcki-Schweiz hofft noch auf ein befriedigendes Ergebnis der schwebenden Verhandlungen: die Verschlechterung der Schweizer Granatfeuer in der Mandschurei Japaner beschießen und besehen Mukden Tokio, IS. September.(Reuter.) In der Umgebung von Mulden kam es zu einem Zusammenstoß zwischen japanischen und chinesischen Truppen, nachdem Chinesen versucht hatten, die Brücke der südmandschurischen Eisenbahn zu zerstören. Die Jnpaner nahmen die chinesische Garnison von Peitaying gefangen. Peking, IS. September.(Reuter.) Eine japanische Abteilung eröffnete das Feuer auf das Arsenal von Mulden. Im Anschluß daran beschoß sie auch das chinesische Lager und die Stadt. Von zehn Uhr abends ab fielen alle zehn Minuten Granaten nieder, obwohl die Cinesen das Feuer nicht erwiderten. 7v bis 8v chinesische Soldaten wurden getötet. Als der Gouverneur der Mandschurei, Marschall T s cha ng h- sueliang, diese Nachricht erhielt, befahl er den chinesischen Truppen die Waffen in die Wasfendepots zu bringen und das Feuer nicht zu erwidern. In Peking glaubt man, daß die japanischen Militärbehörden so gehandelt haben, um die Chinesen zu zwingen, die Angelegenheit des Hauptmanns Nakamura zu regeln, der dem japanischen Generalstabe angehörte und im Jpni in der Mongolei ermordet wurde, angeblich von chinesischen Soldaten der Mukdener Armee. Chinas Zögern, auf die japanischen Proteste wegen der Ermordung Nakamuras zu ant- Worten, rief große Erbitterung im japanischen Militär hervor. Gnigegengesehte Darstellungen- nur die Be- schießung steht fest. London, 19. September. Marschall Tschanghsueliang, der sich in Peking aushält, hat ein Telegramm aus Mukden erhalten, daß Mukden von Japanern beschossen wurde und dabei etwa 89 chinesische Soldaten getötet wurden. Nach den chinesischen Berichten haben die Japaner am Freitag um 19 Uhr morgens das Feuer eröffnet. In Abständen von je 19 Minuten seien Granaten in die Stadt gefallen. Das Feuer sei zuerst aus das Arsenal, dann auf das Truppenlager und die Stadt gerichtet worden. Japanische Truppen seien durch das Westtor in die Stadt einmarschiert. Der Marschall behauptet, daß die japanischen Militärs einen Zwischenfall hätten hervor- rufen wollen, um einen Vorwand für die Besetzung von Mulden zu finden. Die chinesischen Truppen hätten sofort bei Beginn der Aktion Befehl erhalten, auf keinen Fall das Feuer zu beantworten. Die chinesischen Bericht« stehen in direktem Gegensatz zu den Meldungen aus Tokio, die besagen, daß die Chinesen zuerst einen Teil der mandschurischen Eisenbahn gesprengt und die japanischen Truppen angegriffen hätten, die die Eisenbahn bewachten. Nach einem scharfen Gefecht hätten die Japaner die Kasernen der chinesischen Truppen besetzt. Japan gesteht den Raubzug ein. Tokio, 19. September. Laut japonisch-militärischer Mitteilung haben die Japaner den Gürtel der Stadt Mukden angegriffen und sind in den Platz eingedrungen, nachdem sie das chinesische Lager nördlich der Stadt besetzt hotten. Es kam im Innern Mukdens zu Scharmützeln zwischen japanischen und mandschurischen Trup- pen. Angesichts der ernsten Lage wurde beschlossen, das Haupt- quartier der japanischen Kwanwng-Armee von Dairen nach Mukden zu verlegen. Ein neuer Zusammenstoß erfolgte bei Kwangtschangtse nördlich Tschangtschun. Dort nahmen die Japaner die Stadt ein, die sie vorher beschossen hatten. Eine un- bestätigte Nachricht aus Mukden besagt, daß das japanische Geschütz- feuer die Stadt Peitajing z e r st ö r t und mehrere hundert Todesopfer gefordert habe. Nach einer anderen Meldung da- gegen hätten die Japaner nur einige Schüsse abgefeuert. Gestern hat japanische Infanterie mehrere Truppenteile der chinesischen Regimenter entwaffnet und die Offiziere in Haft behalten. Bei der Schießerei wurden auch drei chinesische Ar- b e i t e r, die sich zufällig auf der Straße aufhielten, erschossen. Der japanische Kommandierende in Mukden erklärte, daß der ganze Festungsgürtel Mukdens besetzt werden würde, um die japanischen Staatsangehörigen vor„irgendwelchen feindlichen Kundgebungen zu schützen' Der japanische Generalkonsul hat abgelehnt, irgendwelche Erklärungen über die militärische Aktion Japans zu geben. Auch Tsingtau beseht? Isinglau, 19. September. Japanische Truppen sind heute vormittag hier gelandet. Die chinesischen Behörden haben Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ordnung ergriffen. Die— Vergnllgungslokale sind geschloffen worden. Handelsbilanz erzwing« eine Aenderung. Die Schweiz hat zunächst die Abänderung einiger Positionen des bestehenden Handelsvertrages mit Deutschland in Berlin beantragt. An eine Kündigung des Vertrages denkt die Schweiz nicht. Tolles Banditenstück in Köln. Ein Passant erschossen, mehrere verletzt. Köln, IS. September. Ein tolles Banditenstück, bei dem ein Straßenpassant sein Leben einbüßte, und mehrere andere verletzt wurden, verursackste am Freitagabend in der SPichernstraße große Aufegung. Ein Autodieb, der dort einen unbeaufsichtigten Personenkraftwagen rauben wollte, wurde dabei von der Besitzerin überrascht. Aus die Hilferufe der Frau eilte ein mit seiner Familie die Straße passierender ZSjähriger Mann herbei. Der Verbrecher zog sofort einen Revolver und jagte dem Mann eine Kugel in den Kops. Durch einen Bluterguß trat der Tod aus der Stelle ein. Der Autodieb sloh mit einem Komplizen in dem gestohlenen krast- wagen. Auf der Fahrt gab er noch sieben Schüsse ab, durch die zwei Männer und eine Frau verletzt wurden. Das Ueberfallkommando und zwei andere Kraftwagen nahmen die Verfolgung der Banditen aus, die jedoch bisher erfolglos geblieben ist. Wieder eine unruhige Rächt. Zwischenfälle in allen Stadtteilen. Räch Schluß einer Hakenkreuzlerversammlung im Sport- p a l a st kam es gestern in den Rachlstunden an verschiedenen Stellen der Stadt zu Zwischenfällen. Die Polizei, die überall einen verstärkten Palrouillendienst eingerichtet hatte, konnte die Zusammenstöße im Keim ersticken., In der Anklamer Straße auf dem Gesundbrunnen er- öffntten mehrer« Kommunisten auf vier National- s o z i a l i st e n ein Pistolenfeuer. Eine Polizeistreife nahm die Verfolgung der Schützen auf, es gelang den Tätern jedoch zu ent- kommen. An der Ecke Gneisenau- und Nostizstraße bedrohten mehrere Kommunisten von der Sportpalastversammlung heimkehrende Nazis mit Schußwaffen. Daraufhin wurden von der Polizei mehrere kommunistische Verkehrslokale durchsucht, die aber erfolglos verliefen. In der S o n n t a g st r a ß e in Lichten- b e r g wurde ein Passant von Hakenkreuzlern überfallen und er- heblich verletzt. Die Täter flüchteten und entkamen trotz der sofort eingeleiteten polizeilichen Verfolgung. Bei einer Durchsuchung des kommunistischen Parteilokals in der E ck e r t st r a ß e durch Beamte der Politischen Polizei wurden sieben Personen festgenommen und ins Polizeipräsidium gebracht. Kurz nach Mitternacht entstand in der Mariendorfer Straße eine Schlägerei zwischen Kommunisten und Angehörige der NSDAP. Zwei Kommuni st en wurden dabei leicht v c r- re§t Und tmifrtcii dem Urbas-Krantenha u s zugeführt werden. Drei Nationalsozialisten wurden festgenommen und der Abteilung l A zugeführt. Eine Stahlrute konnte beschlagnahmt werden. Jüterbog— Bio Torbagy. Gleiches Gasrohr als Mantel für die Sprengmasse? Budapest. Ig. September. Bei den Aufrciumungsorbeilen in Bia Torbagy fand man aus der gegenüber dem Viadukt liegenden Böschung, in einer Entfernung von etwa S0 bis 100 Meter vom Schauplatz des Attentats, das geborstene Stück einer Röhre, die die bisherige An. nähme widerlegt, dah das zur Ausführung des Attentats verwendete Etrasit in einem Vulconfiber-Koffer eingeschlossen war. Das ge- sundene Röhrenstück dürfte von einem außer Gebrauch gesehteu Gasrohr herrühren und ist ungefähr einen Meter lang mit einem Durchmesser von 3'A Zentimeter. 3n dieses Eisenstück hatte man das Ekrasit hineingezwängt und die Kupferdrähte eingeführt, die mit zwei Taschenlampenbatterien verbunden waren. Zur Herstellung des Kontakts wurde das aus einem Vulcanfiber» Soffer herausgerissene Schl-ß benuht. Das 3üterbogec Akten tat ist, wie festgest-llk. auf ähnliche weise be- gangen worden. Der Verdacht, der sich st.' dem zweiten Tag nach dem Attentat auf den Kommunisten Leipink richtete, soll nach wie vor bestehen. Es find gegen diesen Mann seither noch schwerere Verdachtsmomente aufgetaucht. Außer ihm werden noch andere Kommunisten verfolgt, die verdächtig sind, an der Vorbereitung des Anschlages teilgenommen oder davon Kenntnis gehabt zu haben. Die Polizei Hot die gestern verhafteten Maschinenschlosser Szakacsi und Rezncr, da sie mit dem Attentat nichts geniein hoben, entlassen. Gestern begab sich ein Detcktivoberinspektor im Flugzeug nach Deutschland, van wo er mit dem Berliner Passagierslugzcug bereits heute nach Budapest zurückkehrte. Er brachte Akten und Informationen mit, über deren Inhall jedoch bisher nichts verlautete. Wie wir aus dem Berliner Polizeipräsidium hierzu erfahren, steht man dieser Meldung bisher noch vorsichtig gegen» über. Es ist auch keine offizielle Nachricht von den ungarischen Unter» suchungsbehörden über den Gasrohrfund und der angeblichen selben Materialbcschasfenheit in Berlin eingegangen. Do die Berliner Kriminalpolizei und die mit der Aufklärung des Iüterboger Attentat» betrauten Beamten, Kriminaldirektor Scholz und Kriminalrot G« n n a t, mit den ungarischen Polizeibehörden eng st e Füh» lu n g haben, ist anzunehmen, daß bald eine Klärung der bisher nur von privater Seite verbreiteten Nachricht erfolgen wird. Cisenbahnanschlag einss �4 jährigen. Gr wollte anch mal einen Zug entgleisen sehen. , Limburg, 19. September. Aus der Westerwald st recke Herborn— Western- bürg stieß, wie erst jetzt bekannt wird, der Personenzug 3Ä)2 zwischen den Stationen Fehl-Ritzhausen und höhn auf ein Hindernis, das von dem Schienenräumer der Lokomotive weg» gräumt wurde. Die Untersuchung ergab, daß Rundhölzer von 15 bis 20 Zentimeter Durchmesser und 80 Zentimeter Länge mit Draht an den Schienen. festgebunden waren. Darüber waren wiederum größere Rundhölzer gelegt worden. Das Ganze war mit Steinen beschwert. 50 Meter vor diesem Hindernis war noch«in schwerer Stein auf den Bahnkörper ge- wälzt worden. Die Limburger Bahnpolizei hat den Täter bereits ermittelt. Es handelt sich— man hält es kaum für möglich— um einen 1 4 j a h r i g c n Jungen aus höhn, der das Bieh hütete. Der Junge leugnete zunächst, legte aber schließlich ein Geständnis ob. Er hatte in der Zeitung von den großen Eisenbahnattentaten gelesen und wollte auch einmal einen Zug entgleisen sehen. Hungersnot in Güdofiafrika. Furchtbare Trockenheit.— Hilfsexpeditionen in das Hungergebiet. London, lg. September. 3n letzter Zeit leidet das Zu tut and im Norden Natals in Südoftafrika unter einer furchtbaren Trockenheit. Seit über 12 Monaten hat es nicht mehr geregnet. Es wird berichtet, daß täglich 1000 Stück Vieh sterben. Der Boden ist so hart, daß nicht mehr gepflügt werden kann. Wie„Daily Telegraph" meldet, sind die meisten Eingeborene« am verhungern. Dte Behörden rüsten Hilssexpeditionen aus. Die Qualen unter den Eingeborenen waren so groß, doß sich eine Frau zu einem furchtbaren Kindesopfer entschlossen hat. Sie sperrte zwei Kinder im Alter von zwei bis vier Jahren drei Tage lang ein, führte sie dann fort und gab ihnen ein geheimnisvolles Pulver, worauf die beiden Kinder zusammenbrachen. Die Frau hackte ihre Körper in Stücke und machte daraus„Peku", ein Medikament, von dem die Eingeborenen glauben, daß es den Regen herbeizaubert. Sie, eine zweite Frau und ein Mann wurden im Zusammenhang mit dieser Angelegenheit von den Behörden ver- haftet. Die Angeklagten gehören dem Sekukunistamm an, der Stachelschweine anbetet. Auf dem Schulweg überfahren. Das Opfer eines rasenden Motorradfahrers. Auf dem Wege zur Schule wurde heute früh kurz vor 8 Uhr die 13jährige Schülerin Liesbeth T r e s k o w aus der Port- st r a ß e 4 4 beim Ueberschreiten des Fahrdammes in der C u l m- straße von einem Motorradfahrer umgerissen und lebensgefährlich verletzt. Das Mädchen fand im Elisabeth-Krankenhaus Aufnahm«. Nach übereinstimmenden Zeugenaussagen ist der Motorradfahrer, der in einem gerade unsinnigem Tempo die Straße durch- raste, an dem Unfall schuld. Er ist von der Polizei festgestellt worden. Es wäre wünschenswert, daß die Polizei den Parallel- straßen zur Potsdamer Straße mehr Beachtung schenkt, denn dieser Fall von Autoraserei steht keineswegs vereinzelt da. Bei Neubauteu kein Mieierfchuh. Neue Verordnung des Wohlfahrtsministers. Die angekündigte Verordnung des preußischen Wohlfahrts- Ministers iLier die Aufhebung des M i e t e r s ch u tz es bei Neubauten ist fetzt beim preußischen Staatsrat eingegangen. Sie umfaßt nur einen einzigen Paragraphen, der folgendermaßen lautet: „Die Verordnung über Mieterschutz bei Neubauten vom 16. März 1928 in der Fassung der Verordnungen vom 27. Februar 1931 und vom 20. März 1931 tritt am 1. April 1932 außer Kraft." Ltngewißheit über die Ozeanflieger Wo sind Zohaussen, Rodyund Veiga? Die am Sonntagvormittag bei Lissabon gestarteten und settdem verschollenen Flieger Iohanssen, Rody und Veiga benutzten bekanntlich das Landflugzeug Junkers W. 33, das vor etwa anderthalb Iahren von dem amerikanischen Ozeanflugbegleiter Levine und der amerikanischen Fliegerin Mabel Boll in Dessau für 90 000 M. erworben wurde und den Namen„()ueeri of the air" (Königin der Lust) erhielt. Der Ozeanflieger Bert Acosta überführte damals das Flugzeug sofort nach dem Kauf von Dessau nach London, wo es dann zunächst blieb, da der Ozeanflug nicht ausgeführt wurde. Da O st we st- Ozeanflüge ohne Zwischenlandung auf den Azoren und den Bermudasinseln wenigstens dreimal so gefährlich sind, wie Flüge in umgekehrter Richtung und da Iohanssen zum ersten Male eine unmittelbare Flugverbindung zwischen dem europäischen Kontinent und New Jork versuchte, war ein Mißlingen trotz allen Vorbereitungen, wenn auch nicht wahr- schemlich, so doch aus folgenden Gründen möglich: Der Wasserweg Lissabon— New D o r k ist um etwa ein Drittel länger als der seinerzeit von Köhl und später von Kingsford Smith von Irland nach Neufundland zurückgelegte, so daß das Flugzeug mit einem weit geringeren Betriebsstosfübcrschuß ins letzte Wcgvicrtel kommt, das bekanntlich noch immer die größten Hindernisse birgt. Denn hier erwartet die Flieger nicht nur heftiger Gegenwind und Nebel, sondern als gefährlichster Feind tritt der nahe magnetische Pol in Erscheinung, der den magnetischen Kompaß in seiner Arbeit so erheblich stört, daß hierdurch schwere Kursabweichungen eintreten können, denen auck) die beste Besatzung machtlos gegenübersteht. Alle diese Hindernisse werden wohl auch Iohanssen zum Ver- hängnis geworden sein, der wahrscheinlich durch die genannten Schwierigkeiten zu nördlichem Kurswechsel verführt wurde und dann, nahe der Küste Kanadas entlang fliegend, schließlich mit dem Landflugzeug auf dem nördlichen Atlanttk wegen Betriebsstoff. mangels notlandete. Nach Lage der Verhältnisse istesnichtaus- geschloffen, daß die Flieger irgendwo an den Küsten Neu» fundlands oder des St.- Lorenz-Golfs ihrer Retter harren. Auf olle Fälle darf man die Hoffnung auf Rettung noch nicht aufgeben, wenn die Meldung des Dampfers „Pennland" zutraf, der am 14. September die Junkers W 33 etwa 550 Kilometer vor Halifax bei starkem Gegenwind gesichtet haben will, nachdem das Flugzeug erst etwa 32 Stunden in der Luft war« Von Mongolen abgeschossen. Bericht der deutschen Flieger. London, 19. September. 1 Die beiden deutschen Flieger Otto Köllger und Johannes R a t j«, die bei ihrem Flug über der Mongolei abyeschchsen wurden, sind in Peking eingetroffen. Sie berichten, wie sie ohne Warnung beschossen wurden und der'Boden ihres Flug. zeuges von Gewehrkugeln durchlöchert war. Bewaffnete Soldaten umringten sie bei der Landung. Köllger, dessen Kniescherbe verletzt ist, war auf dem Transport völlig bewußtlos. Ihm mußte später das Bein amputiert werden. Drei Tag« lang wurden sie durch die Steppe nach Ncrga geschleppt, wo sie wegen Spionage ver» urteilt wurden. Sie protestierten, weil die Chinesen ihnen aus- drücklich gesagt hatten, daß die Mongolc! chinesisches Gebiet sei und daß sie deshalb keinen Paß brauchten. Deutsche Kaufleute sandten ihnen Nahrung ins Gefängnis. Die Berufung bei den chinesischen Behörden blieb ohne jeden Erfolg. Als dann plötzlich die Frei« lossung erfolgte, sorgten die Behörden für guten Abtrans- p o r t nach Peking. Die Opfer der Meute Einzelheiien über die Hakenkreuzlerischen Krawalle vom Kurfürstendamm 3m Vrozeß gegen die kursürstendamm-. Helden marschierten heute die Zeugen aus— zu 60 Prozent Polizeibeamte. Der Ausruf der Zeugen ergab erstaunlich wenig jüdische Namen. Schon die ersten Aussagen liehen das Bild der beschämende» Exzesse in ihrem ganzen Ausmaße entstehen. Man brauchte gar nicht erst 3ude zu sein, um Prügel und die schwersten Verletzungen davon- zutragen. Er genügte, wenn man nicht wie ein Nationalsozialist aussah. Unter den Opfern gab es zahlreiche Nichtjnden. die deutsche Staatsangehörige sind, ober auch Ausländer wie Rumänen, Armenier usw. Der erste Verletzte, den man kennen lernt, ist der bZjährige Zahnarzt Hecht — ein Nichtsude. Nach Schluß seiner Sprechstunde befand er sich mit seiner jüngeren Frau aus einem Spaziergang. Ecke Fasanen- straße sah er einen Trupp Leute den Kursürstendamm entlang- kommen, Sprechchöre schrien:„Deutschland erwache— Inda verrecke — Schlagt die Juden tot!" Der Zeuge bettat mit seiner Frau den Eingangsslur eines Hauses, aber schon im nächsten Augenblick stürzten auf ihn fünf Mann mit erhobenen Stöcken los. Er erhielt einen Schlag über den Kopf, einen anderen Schlag gegen die Schläfe, fein Gesicht blutet«, feine Brille fiel zu Boden. Sein« Frau lief htlseschreiend aus die Sttoße. Der Zeuge glaubt, einen der Angeklagten wiederzuerkennen. Der Berteidiger stellt die ungezogene Frage: Es war ein Feiertag von Ihnen...? Zeuge: Entschuldigen Sie, ich bin nicht Jude! Noch bezeichnender ist die Schilderung der Frau Hecht. Als sie schreiend und weinend den Fahrdomm entlang lief, erhielt sie von den Demonstranten einen Schlag gegen den Kops. Sie xief:„Lassen Sie mich in Ruhe", und lief weiter, verfolgt von den Rowdys. Erst an der Ecke bei der Firma Kempinski stieß sie auf einen Polizxibecrmten, der gerade von der Fasaneiffttaße herkam. Die nächsten Zeugen sind Polizeibeamte. Der Posizei Hauptmann Obenhaus wurde gegen 9 Uhr mit seinen 20 Beamten«ingesetzt. Ecke Kiisttiner Straße erreichte er die ersten Razittupps. In der Nähe des Cafe Reimann. Grollmannstraßc, kamen verschieden« Personen auf ihn zu, die g e s ch l a g« n und verletzt worden waren. Beim Herannahen seines Wayens stoben die schreienden Trupps stets auseinander. Er ließ mehrmals absteigen, Zwangsstellungen vornehmen und lieferte die Verhafteten in den Polizeirevieren ein. Der Polizeiwachtmeister Schüller hat den Angeklagten Riedel zwangsgestellt. Der Polizeirvachtmeistcr B u ch h o lz den Angeklagten Vonin vom Sturm 49, der auf Befehl seines Führers Ponke an den Krawallen teilgenommen hatte. Der Bursche trug ein Koppel mit kommunistischen Abzeichen! Der Polizenvachtmeister Becker hat den„harmlosen Landarbeiter" «ms Mecklenburg, F e h t k e, festgenommen, als er gerade mit etwa fünf jungen Leuten Fersengeld gab. Man fand bei ihm ein fest- stehendes Messer und sechs Abzeichen der NSDAP. Mit dem SA.-Mann vom Sturm 33, Schubert, der gestern den Mund so voll nahm, hatte sich der Polizeiwachtmeister Laut- Heuser zu befassen. Das Benehmen des jungen Menschen schien reichlich verdächtig, noch verdächtiger seine Hand in der Tasche. Nur ganz zögernd holte er sie auf die Aufforderung des Beamten hin heraus und dann kam der Totschläger zum Vovschein. Die nächste Gruppe der Zeugen sind wieder Opfer der Kursürstendamm-Krawalle. Der Zeuge Dr. Kraft ging gegen 9 Uhr in Begleitung seiner löjährigcn Mutter und seines Freundes in der Richtung zur Kaiser» Wilhelm-Gedächtniskirche. Ecke Knescbeckstraße angelangt, hörte er laute Rufe, sah beide Seiten des Kursürstendamm entlang große j Trupps herantommen, Sprechchörc schrien:„Brot, Arbeit, wir lMen Hunger. Schlagt die Juden tot." Er dachte gerade daran, aus welche Weise er sein« Mutter in Sicherheit bringen könnte, da erhielt er schon einen Schlag über den Kopf, einen anderen gegen die Schläfe, die Mutter klammerte sich schreiend an seinen Ann. Der Freund zog beide zu einer Droschke hin, alle drei wurden verfolgt, konnten jedoch wegkommen. Das Zahnfleisch des Zeugen war aufgelockert, die mncre rechte Backe verletzt. Der Zeuge glaubt, in dem Angeklagten F e t h k c aus Mecklenburg und dem Angeklagten C h a o i e r vom Sturm 34 die Schläger wieder- zuerkennen. Staatsanwalt: Haben Sie nicht unter den Zuhörern einen weiteren Täter wiedererkannt. Vorsitzender: Wollen wir gan,z deutlich sein. Man riskiert unter Umständen, noch einmal Senge zu bekommen. Zeuge: Ich bin mir dessen bewußt. Ich stelle mich aber ganz zur Verfügung. Der Zeuge begibt sich in die Nähe des Zuhörerraumes, sieht sich genau sämtliche Anwesenden an, kann aber den Mann, den er heute morgen vor dem Gerichtsgebäude gesehen hat, und den er genau beschreibt, nicht wiedererkennen. Der Zeuge Dr. Roscnseld ist Lehrer. Am Sonnabend gegen 9 Uhr abends wollte er in dos Cafe Reimann. Plötzlich sah er sich einem Trupp Leuten gegenüber. Er witterte Gefahr, versuchte eine Taxe zu erreichen, im selben Augenblick lief aus ihn dem Tri wo einer zu und schrie ihn an:„Auch solch verfluchter Jude", und die Schläge Hagelten auf ihn nur so nieder. Das ärztliche Attest stellt Verletzungen fest an der S ch l ä f e, über und unter dem Ochten Auge, unter dem linken Auge und einen Bluterguß am Schulter- blatt. Der Zeuge hat bis gestern das Bett gehütet und ist auch heute noch wie benommen. Der Deirtist Pauly hatte kurz vor 9 Uhr an der Kasse des Kino- palastes Ufa am Zoo Karten gelöst. Da die Vorstellung noch nicht begann, schöpfte er mit seiner Begleiterin vor dem Kino etwas frische Luft. Ein Trupp von etwa vierzig Mann befand sich gerade im Anmarsch. Ein Bursche aus diesem Trupp sprang auf ihn zu. rief„Mensch lach nicht". Der Zeug« erwiderte darauf keinen Ton. „Ich wußte", sagt er heute,„was gespielt wurde und daß es Prügel geben würde. Ich bin zwar kein Jude, kann meinem Aus- sehen nach aber für einen solchen geholten werden. Ich zog es also vor, zu schweigen. Aber schon erhielt ich einen Faustschlag ins Gesicht, ich schlug zurück, jetzt stürzten sich mehrere Leute auf mich, ich erhielt einen zweiten Schlag mit einem Schlagring oder mit einem Schlagriemen und stürzte zu Loden. Vorsitzender: Sie sagten, der Mann sprang auf sie zu, und rief:„Mensch lach nicht". Gestern haben aber die Angeklagten die ganze Sache als äußerst lächerlich dargestellt. Der Diplomingenieur INanea ist R u m ä n e. Er sah sich auf dem Kursürstendamm einer Gruppe von 40 Mann gegenüber. Sie riefen ihm etwas von Juden zu und schon hatte er einen Schlag weg, daß er btutete. Der 20iährige Student Aram Ter-Minaflean befand sich gegen 8 Uhr auf dem Wege zur Schlüterstraße, um hier an einer Ver- sammlung seiner Landsleute, der Armenier, teilzunehmen. Da die Versammlung noch nicht eröffnet war, stand er mit einem Freunde vor dem Lokal. Es kam ein Trupp Leute vorbei, 5 bis 6 Mann sielen über die beiden nichtsahnendcn Armenier her. Der Zeuge erhielt Schläge ins Gesicht und Fußtritte, sein Freund wurde niedergeschlagen. Ter-Minassean lief den Rowdys nach. Zur selben Zeit erschien die Polizei auf der Bildfläche. Was mit dem Mann, den er oerfolgte, geschah, weiß er nicht. Er nahm sich eines auf dem Boden liegenden Verwundeten an. Im Polizeirevier wurden später noch fünf bis sechs Leute mit schweren Kopfverletzungen eingeliefert. Der Konditoreibesitzer R e i m a n n schildert in anschaulicher Weise, wie sein Lokal demoliert wurde. Er hörte laute Rufe, sah einen Trupp Demonstranten herankommen, ahnte Böses und forderte feine Gäste, die im Vorgarten saßen, auf, ins Lokal hinein- zugehen. Elwa 25 bis 30 Mann vom Trupp schtvenklen in seinen Vorgarten ab. fielen über die Gäste her. ergriffen Tische und Stühle, schleuderten sie in die Spiegelsenster und zertrümmerten das Geschirr. Reimann begab sich gleich darauf ins Polizeirevier und war hier Zeuge, wie etwa fünf bis sechs schwerverletzte Personen eingeliefert wurden. Der 26jährige Kaufmann Preiß sah von dem Wagen der Straßenbahn aus, wie eine Dame von hinten über den Kopf gc- schlagen wurde. Er sprang ab, um ihr zu Hilfe zu eilen, im selben Augenblick eilte aber bereits die Polizei herbei und räumte die Straß«. Der Zeuge erkennt in dem Angeklagten S ch e f s l c r vom Sturm 33 einen der Leute, die beim Herannahen der Polizei davon- liefen. Die Angeklagten scheinen noch immer nicht den E r n st der Sache erkannt zu haben. Die Aussagen ihrer Opfer rufen bei ihnen zuwellen eine fröhliche Stimmung hervor. Schwindel um die Kremdeolegion Die„narkotisierten Opfer". Vor einer Woche etwa wurde von Lüneburg aus durch die „Telegraphen-Union" eine Meldung verbreitet, nach der zwei Franzosen, die einen Tischlergesellen narkotisiert haben sollten, um ihn in die Fremdenlegion zu verschleppen, vom Lüneburger Gericht zu je vier Jahr Zuchthaus verurteilt roorden sein sollten. Einzig die Fachleute in den verschiedenen Polizeipräsidien, die das Ressort„Fremdenlegionswerber" zu bearbeiten haben, lächelten sehr skeptisch über die Kunde aus Lüneburg. Und prompt erwies sich, wie der„Soz. Pressedienst" mitteilt, die Nachricht als von A bis Z frei erfunden, als hundertprozentiger Schwindel! Irgendein haltloser Schwätzer hatte r e n o m m i e r e n s- halber erzählt, seinem Bruder sei solches widerlahren und er selber habe jetzt ein Schreiben erhalten, daß die Verschlepp« zu Zuchthaus verurteilt worden seien. Das genügte, um die sensationell aufgeputzte Meldung in die Presse zu geben. Daß die Fremdenlegion der vielgerühmten Zivilisation des zwanzigsten Jahrhunderts alles andere als Ehre macht, dedarf keiner Hervorhebung. Da die armen Teufel, die ihre Uniform tragen, nicht nur in allen Kolonialkriegen Frankreichs als billiges Kanonenfutter verbraucht werden, sondern auch zu einem Hungerlohn und unter unwürdigen Arbeitsbedingungen bei Straßen-, Kasernen- und Bahnhofsbauten hart schanzen müssen, unterliegt der Mensch in dieser Truppe militaristischer Unterjochung plus kapitalistischer Ausbeutung. Für den Sozialisten gibt es also angesichts der Fremdenlegion nur eine Losung: Fort mit ihr!, und die Forderung erheben auch unsere französischen Parteifreunde bei jeder Gelegenheit. Aber eines hat die Legion nicht nötig, Werbeagenten auszusenden, die mit Versprechungen, mit List oder mit Gewalt Rekruten ein- fangen: sie kann der bezahlten Werber aus einem sehr einfachen und banalen Grunde völlig entraten: sie verfügt, namentlich seit dem Weltkrieg«, über einen unbezahlten und unbezahlbaren W«b«. der heißt Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosigkeit, der Hunger treibt besonders aus Deutschland, aber auch aus den anderen betroffenen Ländern der Legion Re- kruten in solchen Scharen zu, daß nicht nur ihre verschiedenen sehr starken Infanterie-, Kavallerie- und Artillericformationen überfüllt sind und ständig um neue Kaders erweitert werden, fondern daß auch in sorgfältigster Sicbung nur die kräftigsten und gesündesten der Anwärter genommen werden. Da zwei Fünftel aller sich Meldenden als untauglich abgewiesen werden, wären die französischen Heeresbehörden irrsinnig, wollten sie Geld für eine so überflüssige Einrichtung wie Werber zum Fenster hinauswerfen. Die Berichte über Werber, die junge Menschen mit Bier, Schnaps, Zigaretten oder Schokolade betäuben und dann im Auto über die Grenze bringen, sind deshalb ausnahmslos Märchen. Schon im Vorkriegsdeutschland erhielt der Abgeordnete Dr. M ü l l e r- M e i- n i n g e n im Reichstag einmal von der kaiserlichen Regie- rung auf eine Kleine Anfrage den Bescheid: „Die Behauptung, daß auf deutschem Boden eine Werbetätigkeit ausgeübt werde, hat sich bisher in keinem Falle erweisen lassen und hat sich in vielen Fällen als erfunden herausgestellt." Und solche Werber gibt es heute erst recht nicht! Wenn gleichwohl diese Fabel immer wieder auftaucht, so einmal deshalb, weil deutsche Legionäre, nach Ablauf ihrer Dienstzeit oder nach gelungener Flucht in die Heimat zurückkehrend, sich schäme n, ihren freiwilligen Eintritt zuzugestehen und lieber der Welt den Bären von der Betäubung und Verschleppung aufbinden. Dann lebt wohl im Unterbewußtsein des Volkes auch noch eine Erinnerung an die Werber Friedrich Wilhelms I. und Friedrichs II.; die„langen Kerle" des„Soldatcnkönigs" und das Kanonenfutter der Schlesischen Kriege und des Siebenjährigen Krieges wurden in der Tat auf die oben beschriebene Art zusammcngcsangen, und wenn die Zeit auch noch keine Zigaretten und Autos kannte, so ging es mit einem halben Liter Schnaps und einer Reisekalcsche ebenso gut. Unschuldig ober ist auch Frankreich nicht an der Verbreitung solcher Gerüchte. Der Artikel 179 des Versailler Friedens- vertrag? legt Deutschland die Verpflichtung auf,„deutsche Reichsangehörige zu hindern, deutsches Gebiet zu verlassen, um in die Armee, Marine oder die Luftstreitkräfte irgendeiner fremden Macht einzutreten," ober, heißt es weiter:„Diese Bestimmung be- rührt nicht das Recht Frankreichs, gemäß den französischen Militär« gesetzen und Verordnungen Rekruten für die Fremden- l e g i o n anzuwerben." Durch diesen Paragraphen wahrt sich Frank- reich lediglich das Recht, Deutsche in die Legion einzustellen, seine Fassung erlaubt jedoch die fälschliche Auslegung, als plane Frank- reich Legionswerber nach Deutschland zu entsenden. Nicht den Legionswerbern gilt es das Handwerk zu legen, weil es sie nicht gibt, sondern den Brunnenvergiftern, die mit dem Schwindel von den Legionswerbern gegen Frankreich und gegen die deutfch-französische Verständigung die öffentliche Meinung auf- putschen. Oer Mord von Kopsenberg. Maschinengstvehrsalve auf die Arbeiter. Viele tausend Arbeiter, aber auch bürgerliche Republikaner, haben den Genossen K a i n z und G e i ß l e r, den Todesopfern steisrsscher Heimwehrbanditen, in Obcrsteiermark und dann in Wien das letzte Geleit gegeben. Eine ganze Anzahl anderer Genossen liegt schwerverletzt im Krankenhaus. Die Kapfenberger Arbeiterbetriebsräte erzählen schreckliche Einzelheiten über die Schreckenstaten. Nach der Ermordung des Kainz rann das Blut in breiten Bächen bis zum Eingang des Arbeiterheims herab und auf die Straße. Stephan F r ü h w i r t liegt mit schwersten Verletzungen im Werksspital. Er hat einen Lungen- und Herzjchuß. Flöge! wurde mit einer schweren Steck- schußwunde ins Spital von Bruck eingeliefert. Im Arbeiterheim sieht es wüst aus. AlleFenfter sind von den Putschi st en eingeschlagen, die Türen zerdroschen worden. Kainz hinterläßt eine Frau, der tote Franz Geißler eine Frau und drei unversorgte Kinder. Im Werkshotel, dem Hauptquartier der Faschisten, hat man sechs Maschinengewehre und eine große Wenge Ekrafil und Dynamit gefunden. Man konnte es nicht verhindern, daß einige Heimwehrburschen von den ungeheuer erbitterten Arbeitern die wohlverdiente Tracht Prügel erhielten. Dabei sind die wirtschaftlichen Verhältnisse in der Industrie- stadt Kapfenberg sehr traurig. Der Stand der Arbeiter ist im Bölsterwerk bis auf 1899 herabgesunken. Kurzarbeit herrscht, und gegen diese hungernde Bevölkerung werden noch von den satten Ingenieuren und Direktoren die Mordbestien los- gelassen. Starhemberg. Pfrimcr und die anderen sind vermögend. Man müßte sie zum Schodenersatz für die Menschenleben und die Verwüstungen, die ihre Schergen angerichtet haben, zwingen. Die Genossen in Marein. Otto Bauer berichtet in d«„Arbeiter-Zeitung" von dem Besuch, den er und Genosse S e v e r, Vorsitzender d« Parteiorganisa- tion Wien, in Marein und Kapsenberg gemacht haben. Dort wohnen im Konsumvereinshausc zwei Genossen, davon der eine, Genosse Richter, ein pensioniert« Eisenbahn«, der Lokalvertrauensmonn der Partei ist. Seit dem Btuttag von St. Lorentzen, als die Heim- wehr ein Arbeiterfeft überfiel und mehrere Teilnehmer ermordete — olles straflos—. stehen die Arbeit« von Marein unter dem schärfsten Terror. Nur wer sich der Heimwehr verkaufte, behielt seine Arbeit im Böhlerwerk, dessen Besitz« auf Rotary-Tagun- gen und dergleichen mehr humanitäre Reden hält. In der Putsch- nacht eröffneten Heimwehrbanditen, die nicht wagten, ins Konsum- haus einzubrechen, Feuer aus Infonterisgewehren auf die Fenster. Richter sprang, um nicht im Bett erschossen zu Merden, in den„toten Raum" neben der Tür. Vier Stunden hielt« da aus, den Revolver zur Selbstverteidigung in der Hand, während die Ge- schösse spannenbreit an ihm vorbeisausten. Gegemib« dem Konsum- haus ist ein G c n d a r m c r i« p o st e n mit vi« Mann:« hatte sich widerstandslos von der Heimwehr entwaffnen lassen. Erst als nach vier Stunden Genossen von draußen Richter boten, sein und seiner Frau Leben nicht länger in Gefahr zu bringen, ergab er sich, und. wurde als„Gefangener" abgeführt. ' Zwei Tage danach hatte die Heimwchr eine Versammlung: die beiden Genossen konnten es nicht wogen, die Nacht im Konsum- Hause zu verbringen. Noch drei Tage danach war der Heimwehr- sührer, ein Arzt, nicht verhaftet. Um üb«haupt Versammlungen abhalten zu können, haben die Marein« Genossen einen Ke l l e r r a u m unter dem Konsumhaus zu diesem Zweck ausgeschachtet und hergerichtet. Die Genossen hungern, sie werden am Leben bedroht, aber sie verkaufen ihre Gesinnung nicht! Ist die Heldenzeit der sozialistischen Arbeiterbewegung schon vorbei? „Meine Frau— die Hochstaplerin." Glona-Palast. Unsere Zeit gibt dem Hochstapler die ganz große Chance. Diese Feststellung sst sogar in einem Hugenberg-Lichtspieltheater erlaubt. Ab« sie wird weder zur Anklage noch zum Protest, sondern nur zur lustigen Unterhaltung. Das ist zwar sehr kurzweilig: denn Käthe von N a g y ist eine ganz entzückende klein« Frau, die ihren Mann mit genau so viel Urwerschömtheit wie Glück in die Position eines Generaldirektors schiebt. Dieser Mann ist Heinz R ü h m a n n, ein ewig lamentieren- der, tapsiger, gutmütiger Kerl. Er ist nicht nur seiner Frau,« ist auch dem mit aller Selbstverständlichkeit und allen Finessen Geschäfte machenden Silbermann versallen. Fritz Grünbaum spielt den so waschecht und so überwältigend komisch, daß bei der Premiere mehr als einmal seine Worte im Beisallstosen untergingen. Hermann Vallentin ist der vollkommene, Wohlhabenheit reprä- sentierende Großkaufmann, obwohl sich weit mehr als ein Kuckuck bei ihm zu Hause eingenistet hat. Theo L i n g e n ist als Manager ein Ekel übelster Sorte, während Alfred Abel sehr res«vi«t und sympathisch einen unwahrscheinlich reichen Amerikaner zeichnet. Kurt Gerron hatte als Regisseur nicht den Mut, ohne Schla- ger auszukommen, sie unterbrechen störend die Handlung. Gerron, der als Regisseur von Kabarettsilmen Versager auf Versag« lieferte, fuhrt sich als Tonfilmregisseur sehr nett ein. e. b. Em G«harl-Hauptmi-nn-TheaI« in Breslau. Dos Thalia- tbeater in Breslau ist jetzt von der Breslauer Volksbühne erworben worden und joll in Zukunft den Namen„Gerhart-Haupt- mann-Theater" tragen. Für die Leitung der Bühne ist ein auf fünf Jahre vorgesehener Vertrag mit dem Intendanten Barnay abge- schlössen worden. Für das nächste Jahr ist ein Umbau des Theaters geplant. Maria J-rifca wird vor ihrer Fahrt Amerika an der Berliner Staats- vper am Sonnabend 26. September, zugunsten der WohIfahrtSlassen des Vereins„Berliner Presse" eine ihrer berühmtesten Partien, die„ToSca', singen. Im Rase-Theater wird„R o i e Bernd" nur bis einschl. 26. Septem- der gegeben, da anläßlich des 2üiähngcn Jubiläums am 27. September, abends 9.15 Uhr, als Fcstvorstcllung„Der Talisman" von Johann Nestrov in moderner Bearbeitung in Szene geht. Tie Premiere ist am 27. September, abends 6 Uhr. Dl- Sefsing-Bochschnle wird im Herbstguartal eine Reihe aktueller Bor- träge über„Fragen des Tages" veranstalten. Zunächst spricht Dienstag, 8 Uhr, Arnold Rechbcrg über„Rettung aus der Kapital- Verknappung, WirtschastSkrisiS. Arbeitslosigkeit" i« ReichSwirtschastSrat. Ter Film„Kanonen oder Traktaren" verbaten. Tie Filmoberprüf- stelle hat auf Antrag der Regierungen von Bavcrn, Württemberg und Jaden die Zulassung des Bildstreifens„Kanonen oder Traktoren", der von Aowkmp Moskau hergestellt wurde, widerrufen. Sollen wir Goethe seiern? Die Frage klingt etwas m«twürdig. die in der„Literarischen Welt" aufgeworfen wird:„Soll das Goethe-Johr 1932 gefeiert werden?" D« Herausgeber möchte mit einem Nein antworten, da unsere Zeit Goethe zu fremd gegenüberstehe, um ihn ohne Heuchelei würdigen zu können, und da wir heute„ganze andere Sorgen" hätten. Er hat auch bei manchen der hervorragenden Dichter und Gelehrten, die sich geäußert haben, Zustimmung ge- Kunden. So meint Jakob Wassermann:„Der Gedanke einer Goethe-Feier erscheint mir in der Tat manchmal so absurd, als wenn in einem Chikagoer Schlachthaus plötzlich ein Tierapostel aufträte, um mit heiliger Inbrunst das Ochsenevangelium zu pre- digen." Ebenso ist Rudolf P a n n w i tz der Ansicht, daß wir den Goethe-Tog nicht feiern dürfen:„Erst eine ungeheuere voll- kommen« Umkehr— und zu der mag Goethe Helsen und da mag er genannt werden— und dann, nachdem das deutsche Volk durch die Tat bewiesen hat, daß es noch in irgendeinem Sinn fein werden will, dann sei eine schlichte und ehrwürdige Feier einmal wieder gestattet." Die Mehrzahl der Antwortenden weist aber diese negative Ein- stellung zurück: auch sie erkennen die Schwierigkeiten und Hemmnisse an, die heut einer Fei« im Sinne des Meisters entgegenstehen, und Wilhelm Schäfer hebt hervor, daß wir immer Unglück hatten mit unseren Goethe-Feiern, so mit dem 199. Geburtstag, der 1849 gerode in den Katzenjammer nach dem„tollen Jahr" fiel und jetzt 1932:„aber," fragt er,„sollte nicht aus der falschesten Beschäftigung mit Goethe noch ein Körnchen Segen aufgehen können?" Entschieden gegen das„Schweigen über Goethe" wendet sich Thomas Mann: „Die Welt schickt sich an, das Fest zu begehen. Das Theütre Fran- eais will den„Faust" spielen. Die Columbia-Universität in New Tork hat Gerhart Hauptmann zum Redner bestellt und wird ihm ihren Ehrendoktor verleihen. Die Kominission für Literatur und Kunst beim Völkerbunde wird Frühjahr 1932 ihre Sitzungen in Frankfurt a. M. abhalte», und die erste soll ausschließlich und feierlich dem Gedächtnis Goethes geweiht fein. Und Deutschland soll sich in düster-oieldeutiges Schweigen hüllen? Es geht nicht." Auch Thomas Mann sieht die Schattenseiten einer solchen Feier, „und doch," schließt er,„wenn ich die Macht hätte, ich würde den Deutschen nicht verbieten, ein paar Wochen lang von Goethe zu reden." „Ob wir vorbereitet, fähig, würdig und innerlich berechtigt sind, den Todestag Goethes zu feiern, kommt gar nicht in Frage," erklärt der Münchener Romanist Karl Voßler.„Wir sind dazu ver- pflichtet. Jede Gemeinschaft, die mit europäischem Bildungswesen zu tun hat, ist es: keine kann so arm sein, daß sie einem Kaiser im Reiche des Geistes nicht Ehre erweisen könnte: hörbare, sichtbare Ehre. Auch glaube ich nicht, daß die Nacht, in der wir leben, dadurch verkürzt wird, daß man die wenigen Lichter, die noch brennen, zudeckt." Emil Ludwig schlägt vor,„am Gedenktage eine Aus- wähl Goethischer Aussprüche über die Deutschen in allen deutschen Blättern, Universitäten, Schulen, Parlamenten, Vereinen durch den Zwang einer Notverordnung zu publizieren. Hiervon könnten die Deutschen eben jetzt mehr lernen als durch alle die Festreden, in denen sie sich nach einem hundertjährigen Mißverständnis in ihm zu spiegeln wogen werden." Theater am Nollendorsplah. Max Adalbert im„Beschleunigten Personenzug". Im„Beschleunigten Personenzug" von Hans R e i m a n n und Heinrich S p o e r l entwickeln sich die Komplikationen aus einem altbewährten Schwankmotiv, aus dem Seitensprung. Die Kleine, die dem Herrn Stadtobcramtmann Brinkmann aus der Provinz zu einer vergnügten Nacht in Berlin verholfen Hot, klaut aus dem Hotel die Bettwäsche. Da sich Herr Brinkmann teils aus angeborener Korrektheit, teils aus Unersohrenheit mit seinem richtigen Namen ins Gästebuch eingetragen hat, erfolgt gegen ihn und seine Frau ein Ermittlungsverfahren. Aus begreiflichen Gründen will er die wahren Zusammenhänge natürlich nicht ausdecken, und seine Frau kann ihn auch nicht entlasten, denn sie hat in derselben Nacht eben- falls einen Seiteusprzmg gewagt. Und so kommt es zur Krönung der Posie, zur Gerichtsoerhandlung, in der Max Adalbert-Brinkmann zum Vergnügen der Zuschauer den undisziplinierten, naiv-unver- schämten Angeklagten spielt. Aber auch dies letzte der fünf Bilder des Schwanke entschädigt nicht für die Längen und die Althergebrachtheit der Eingangsbilder. Denn ein Verhör vor dem Kriminalkommissar und eine G«ichts- Verhandlung haben wir schon einmal, und zwar im„Ekel" gesehen, Szenen, in denen Adalbert eine wahrhaft umwerfende Komik gezeigt Hot. Die vielfachen Anklänge an diese Adalbertsche Paraderolle wirken im„Beschleunigten Personenzug" nahezu peinlich. Die Kunst Adalberts hebt das Stück über das Niveau der reinen Posse hinaus. Wenn der korrekte Beamte durch tausend Verlegen- heilen gehetzt wird, so ist das die übliche Klamottenkomik, Max Adalbert dämpft aber diese Komik und erzielt gerade damit die stärksten Wirkungen. Seine Gestalt behält auch in den verzwicktesten Situationen überzeugende Natürlichkeit, und sein trockener Humor hat ewas rührend Menschliches. Das sehr zurückhaltende Publikum geht erst in der Gerichtsszene aus sich heraus, in der Adalbert zwischen Verstocktheit und poltern- der Frechheit lustig hin- und herpendelt. Das neu hergerichtete„Theater am Nollendorfplatz" wird mit seinem Eröffnungsstück nicht viel Glück haben. In Anbetracht des „Ekels" ist es kein„Beschleunigter Personenzug", sondern eine Retourkutsche. ckxr. „Oer Damenfriseur." Tholia-Theater. Die Franzosen A r m o u t und G e r b i d o u, die Verfasser der Komödie„Madame hat Ausgang", schrieben ein Lustspiel um den Pariser Damenfriseur Antoine. Dieses Lustspiel hat Robert Blum zu einem musikalischen Schwank verarbeitet, für dessen Musik Walter Bramme verantwortlich zeichnet. Das Thalia-Theat« «öffnet damit die Winterspielzeit. Mario ist der Mann, den die Frauen umschwärmen. Er onduliert wundervoll die Bubiköpfe mit Fingern, deren Berührung erregend wirkt. Von der Köchin bis zur gnädigen Frau wird dies« Herr mit dem sex appeal angehimmelt. Das führt zu Kom- plikationen in der Ehe, denn Marios Frau, eine hübsche, in Anständigkeit eingepökelte Provinzlerin entfesselt sich in Eifersucht. Am Schluß sieht sie ein. daß alles nicht so schlimm war. Ein routiniert gezimmerter Schivank ohne Ambitionen, der in der Szenenführung Raum für Tanzchansons läßt. Kurt Schwabachs Texte sind nicht geiswvll« als die übliche Pro- duktion, und Walter Bromme schreibt einen Tango und ein Tanz- duett, die vielleicht die Anwartschaft auf Schlager haben. Sonst bewegt sich die Musik aus den bekannten Jazz-Bahnen. Kurt Fuß spielt den bezaubernden Figaro. Er ist scharmant, tänzerisch graziös und bringt die Chansons mit dem sicheren Gefühl für Wirkung. Reben ihm Werner Gill«, ein kultiviert« Bonvivant, der auch zu charakterisieren versteht. Grit Haid singt noch mit etwas unsicherer Stimme. Herbert D ö b l i n entwirft hübsche Bühnenbilder.— t. lOOmal„Die schöne Helena". Im Kurfür st endamm- Theater beging gestern Offenbachs ewig junge„schöne Helena" unter Reinhardts Regie das Jubiläum der 199. Aufführung. Der Glanz und die Frische, das wundervolle Jneinanderspiel all« Künste sind immer die gleichen. Frau N o v o t n a ist von ihrem Urlaub zurückgekehrt und ist wieder die Krone aller Helenas. keine Schließung der Stüdiischcn Oper. Der Arbeitsausschuß des Aufsichtsrats der Städtischen Oper A.-E. beschäftigte sich in seiner Freitagsitzung unter Vorsitz von Bürgermeister Lange mit der Wirt- schaftslage d« Städtischen Oper. Es wurde übereinstimmend fest- gestellt, daß eine Schließung der Städtischen Oper nicht in Betracht kommt. Kür Vierzigstundenwoche Beschluß des sranzösischen Gewerkschastskongreffes Paris, 19. September.(Eigenbericht.) -Jer französische Gewerkschaftskongreß ist am Freitagabend nach viertägiger Dauer abgeschlossen worden. Die Nachmittagssitzung war mit den Abstimmungen über die verschiedenen Entschließungen ausgefüllt, die meist e i n st i m m i g und ohne Debatte erfolgten. In der Entschließung über die Sozialversicherung werden zahlreiche Verbesserungen der gesetzlichen Bestimmungen ver- langt; in der über den S ch u l u n t e r r i ch t die Verlängerung der Schulpflicht bis zum Alter von 14 Jahren(zur Zeit 13 Jahre) und die Weiterführung der Reform der Einheitsschule. Die wichtigste Entschließung über die Wirtschaftskrise wurde gleichfalls einstimmig angenommen. In ihr wird der Vorstand der EGT. vor allem beauftragt, für die Durchsetzung folgender Forderungen zu kämpfen: Herabsetzung der Arbeitszeit auf 40 Stunden wöchentlich mit entsprechender Erhöhung der Löhne, bezahlte Ferien für alle Arbeiter, Ausdehnung der Arbeitslosenunterstützung mit dem Ziel der Einrichtung einer Arbeitslosenversicherung. Herabsetzung der Altersgrenze für die Ruhestandspensionen, bessere Organisation des Arbeitsmarktes und eine methodische Politik großer öffentlicher Arbeiten. Zur Erreichung dieser Ziele tritt die Entschließung für die Anwesenheit von Arbeitervertretern in allen nationalen und internationalen Wirtschaftsorganisationen ein. Am Schluß des Kongresses wurde auf Antrag von I o u h a u x die von der Sozialistischen Arbeiter-Jnternationale auf dem Wiener Kongreß angenommene Entschließung über die A b r ü st u n g ein- stimmig gebilligt. Zur Erläuterung fügte Jouhaux folgende Er- klärung hinzu: „Die Abrüstung muß nicht nur durchgeführt, sie muß auch kontrolliert werden. Diese Kontrolle ist rechtlich die Aufgabe der Regierungen, aber tat- sächlich liegt sie in den Händen der Arbeiterorganisationen, die allein die ungesetzliche Herstellung von Waffen verhindern können. Alle Mittel mit Einschluß des Generalstreiks müssen ins Werk gesetzt werden, um eine neue Schlächterei unmöglich zu machen. Die Arbeiterklasse muß den Regierungen die dazu notwendigen Be- schlüsse aufzwingen." Jouhaux erntete mit seinen Worten stür- mischen Beifall. Am Sonnabend tritt der Landesausschuß der EGT. zusammen, um den neuen Bundesvorstand und die neue Verwaltungskommission zu wählen. Die Mitglieder des Bundesvorstandes dürften wieder- gewählt werden. Nur nicht nach Moskau! Kommandierter oder freier Angestellter. Der russische Staatsangehörige T. war vor einigen Jahren bei der RusfischenHandelsvertretung in Berlin und nach seinerEntlassung bei einer Privatfirma in Hamburg längere Zeit beschäftigt. Dann trat er wieder bei der Russischen Handelsvertretung in Berlin ein und erhielt im März d. I. von einer russischen Sowjetbehörde den Befehl, nach Moskau zurückzukehren. T. hatte Grund zu der Annahme, daß ihm in Moskau Gefahr drohe. Er ging deshalb nicht nach Moskau und wurde darum von der Russischen Handelsvertretung f r i st l o s entlassen. Selbst das Gehalt für den Monat März, das er doch durch seine Arbeit bereits verdient hatte, erhielt er nicht. Zu diesem für deutsche Rechtsbegriffe unerhörten Zugriff des Arbeitgebers auf den verdienten Lohn des Angestellten glaubt die Handelsvertretung berechtigt zu sein auf Grund einer Verordnung der Sowjet- r« g i e r u n g, die lautet: „Bürger der UdSSR., die Verfügungen über ihre Rück- kommandierung nicht nachkommen, sind unverzüglich zu entlassen ohne Auszahlung des ihnen zustehenden Arbeitsverdienstes und irgendwelcher wie auch immer beschaffenen Entschädigungen." T. klagte beim Arbeitsgericht in Berlin. Er forderte Zahlung des rückständigen Gehalts und Entschädigung der Kündi- gungsfrist von drei Monaten sowie für ihm zustehende Ferien von einem Monat, insgesamt 3009 M. Der Kläger beanspruchte, daß feine Forderung nach deutschem Rtcht behandelt werde. Das Gericht entschied aber, daß für diesen Fall das russische Recht, soweit es das Arbeitsverhältnis des Klägers betrifft, anzuwenden sei. Der Kläger, der sich in Rot befindet und deshalb dringend Geld braucht, war bereit, sich unter Verzicht auf einen Teil seiner Forde- rung mit der Beklagten zu vergleichen. Aber darauf ging der Ver- treter der Beklagten nicht ein. Er wollte eine grundsätzliche Eni- scheidung herbeiführen. Di« bekam er denn auch durch ein Urteil, wonach die Russische Handelsvertretung dem Kläger 3000 M. zu zahlen hat. Die Urteilsbegründung sagt im wesentlichen, daß das russische Arbeitsrecht im vorliegenden Falle anzuwenden ist, daß aber der angeführte Passus der russischen Verordnung auf den Kläger nicht zutrifft, denn diese bezieht sich sinngemäß nur auf solche Personen, die von der Sowjetbehörde zur Arbeit bei der Handelsvertretung nach Deutschland kommandiert, also gewissermaßen als Beamte anzusehen sind. Zu diesen gehört der Kläger nicht. Er hat bei seiner Uebersiedelung nach Deutschland ver- langt, als Kommandierter behandelt zu werden, weil damit Vorteile im Arbeitsverhältnis verbunden sind. Das Verlangen wurde aber abgelehnt. Der Kläger hat nicht nur bei der Russischen Handels- Vertretung, sondern zwischendurch auch bei Privatfirmen gearbeitet. Auch das spricht dafür, daß er nicht als Kommandierter, sondern als freier Angestellter zu betrachten ist. Als solcher ist er nicht verpflichtet, sich auf Befehl einer Instanz, die nicht sein Arbeitgeber ist, an einen anderen Ort zu begeben und die Beklagte war nicht berechtigt, ihn wegen Nichtbefolgung des Befehls einer Sowjet- behörde fristlos zu entlasten. Schlimmer als die Notverordnung. Schiedsspruch gegen die Magistratsbeamten. Im Tarifstreit der Angestelltenorganisationen mit dem kommu- nalen Arbeitgeberverband Berlin über den Neuabschluß eines Tarif- Vertrags für die beim Magistrat Berlin beschäftigten Angestellten hat gestern unter Vorsitz des Gewerberats Körner der Schlich- tungsausschuß einen Schiedsspruch gefällt. Der Schiedsspruch entspricht fast vollinhaltlich den Dorschlägen der hohen Vcrwaltungsbürokratie des Magistrats, die zwar f ü r s i ch sehr gut gesagt hat, für die Angestellten beim Magistrat jedoch noch schlechtere Gehaltsbedingungen oorfchreibt, als es nach der preußstchen Notverordnung am Platze wäre. Die Ange- stellten der Stadt Berlin werden am Dienstag zu dem Schiedsspruch in einer Versammlung des ZdA. Stellung nehmen. Vereinfachung bei der Reichsanstalt. Wenn der Amtsschimmel nicht wäre! Die ständigen Aenderungen des Arbeitslosenversicherungsgesetzes haben mit der Zeit eine große Rechtsunsicherheit für die Arbeitslosen mit sich gebracht. Spruchoerfahren zur Klärung" von strittigen Rechtsfragen dauern wegen Arbeitsüberlastung des Sprmhfenates meist weit über neun Monate, Da inzwischen aber schon mehrmals die angeschnittenen Fragen infolge neuer Gesetzes- änderungen durch Notverordnungen überholt..waren, hat sich endlich der Präsident der Reichsanstalt mit. dem Spruchsenat des Reichsoersicherungsamtes geeinigt, daß in Zukunft zur Herbei- führung grundsätzlicher Entscheidungen des Spruch- senats strittige Rechtsfragen auch direkt zur Entscheidung vorgelegt werden können. Die Möglichkeit zu diesem Verfahren bietet der Z 1715a der Reichsoersicherungsordnung. Der Präsident der Reichsanstalt verlangt nun, daß ihm die Fälle, die aus der Praxis herauswachsen, persönlich vorgelegt werden, da nur in diesem Falle die Frage eines allgemeinen grundsätzlichen Bedürfnisses hinreichend geprüft werden kann. Der Weg bis zum Präsidenten der Reichsanstalt ist' aber für den Amtsschimmel sehr, sehr weit. Sachbearbeiter, Abteilungsleiter, Arbeitsamtsdirektor, Dezernent beim Landesarbeitsomt, Präsident des Landesarbeitsamtes, Dezernent der Reichsanstalt und endlich Präsident der Reichsonstalt. Wenn nur eine dieser Instanzen der bestimmt nicht schönen, aber meist sehr nützlichen Anschauung Hut- digt:„Gehe nie zu deinem Fürst, wenn du nicht gerufen wirst", so ist es aus mit allen guten und nützlichen Verabredungen zwischen Präsidenten der Reichsanstalt und Spruchsenat. Die Vereinfachung wird also nur dann eine sein, wenn auch der Weg zum Präsidenten der Reichsanstalt vereinfacht wird. Wenn auch nicht olle Fragen zur Entscheidung für den Spruchsenat geeignet sein werden, so wird doch wenigstens der Präsident die ungeheuren Schwierigkeiten keimen lernen, mit'denen die«infachen Angestellten in der Praxis durch die ständigen Gesetzes- änderungen zu kämpsen haben. eBuch ItaUer Simons: Slugo �reufi*) Es war eine lohnende und dankenswerte Aufgabe für Simons, innerhalb der Schristenreihe„Meister des Rechts" das Leben und Wirken des Mannes zu skizzieren, der im November 1918 von Fried- rich Ebert mit der staatsrechtlichen Neugestaltung des in Form und Inhalt zusammengebrochenen Deutschlands beauftragt wurde. Preuß' Lebenslauf, der in der Tragik eines unerfüllten Sehnens nach eigen- ster Mitarbeit am politischen Geschick der Nation dem des liberalen Bürgertums gleicht, ist kurz, aber vollkommen ausreichend und treffend dargestellt.„An keiner deutschen Universität fand er die Stellung, die seiner konstruktiven Kraft, seiner Darstellungsgabe und der Unabhängigkeit seines Forschertriebes gebührt hätte", und nach dem Frieden versagte ihm die Demokratische Partei, deren Mit- schöpser er war, den verdienten Abgeordnetensitz im Reichstag. Die Weimarer Verfassung ist sein Werk, bei deren Schöpfung ihm die Versassungen der Schweiz und der Vereinigten Staaten von Nord- amerika verschiedentlich als Vorbilder gedient haben. In den kurzen prägnanten Auszügen aus Preuß' Werken„Gemeinde, Staat, Reich als Gebietskörperschaften auf Grundlage der Genossenschaftstheorie", „Selbstverwaltung, Gemeinde, Staat, Souveränität",„Reich und Länder" u. a. zeigt Simon die enge Verbundenheit mit der Ideen- weit des Freiherrn vom Stein und der organischen Auffassung Otto von Gierkes. Als Schüler Gierkes ist Preuß begeisterter Verfechter der organischen Welt- und Staatsauffassung, und bekämpft Labands und Jellineks Begriff der Staatssouveränität, den er höchstens als unentbehrliche.Krücke" eines überalterten Obrigkeitsstaates ansieht. Beide Auffassungen sind jedoch irrig— das Volk als Einheit stellt sich als das Subjekt der Souveränität dar. Preuß' mutige und auf- opferungsvolle Verteidigung seines Verfassungswerkes tritt besonders kenntlich in seinen Reden vor der Nationalversammlung hervor. Sein Lebensbild, von Simons in knappen Strichen entworfen, dazu die gut gewählten Auszüge aus seinen Schriften und Reden machen den Band zu einem wertvollen Hilfsmittel für alle Juristen und alle, die intereffiert sind an der Rechts- und Staatsentwicklung unseres Volkes. Wcbner. ») Berlin, Carl Heymanns Verlag. Theater der Woche. Vom 21. bis 28. September. Volksbühne. Theater am BSlowplah: ZZcbeneinander. 27.. 11 Vi Uhr, I. Tanzmatinee: Georgi— Kreutzberg. Slaaksthealer. Staatsoper Unter den Linden! 20. Meistersinger. 21. Boheme. 22. Fidelis. 23. Carmen. 24. Fliegender Holländer. 25. Der Pfcifertag. 26. Tosea. 27. Figeunerdarsn. Städtische Oper, Ilharlottcaburg: 20. Samson und Dalila. 21. Die triftigen Werber von Windsor. 22. Das Epitzenlnch der Königin. 23. Figaros Hochzeit. 24. Gätterdämmerung. 25. Zar und Zimmermann. 26. Der Freischütz. 27. Aida. 28. Rigolctto. Staatliche, Schauspielhaus: 29., 22., 24. Nora. 21., 23., 25. Die natürliche Tochter. 26. Das Mirnbergiiche Ei. 27. Agamemnon. Staatliche« Schiller. Theater: 20., 22. Dr. Klans. 21., 23., 28., 27. Di« Heirat. 24. Emilia Eolottl. 35. Richter von Zalamca, Thealer mit festem Spielplan: Kamwerlpicle: Geschlossen.— Theater de« Westen,: 5 und SM Uhr: Viktoria und ihr Husar. Ab Dienstag Abschiedsvorstellung, Rich. Tauber in Das Land des Lächelns.— Komisch« Oper: Thron zu vergeben.— Deutsche»«iiustlcr. Tdeater: Die Rosenbraut.— Lesfing. Tbeater: Junge Liebe.— Theater am Kur. iiirsteudamm: Die schöne Helena.— Mctrapol-Theater: Die Blume von Hawai. — Berliner Theater? Avantgarde.— E-fin». Theater: Dodo, da» öffentliche Aergernis.— Theater im Bdmiralspalgft: Die Dubarry. Thealer mik wechselndem Spielplan: Deutsche« Theater: Kat. Ab 22. Kabale und Liebe.— Rose Theater: Rose Bernd. 27., 6 und SV, Uhr: Der Talisman. Ab 28., 8 Vi Uhr: Der Talisman. Nachmiliagsveranstaltungen: Doll»bühu«. Theater am BtUompIatz: Nebeneinander.— Komische Oper: 2L. und 27. Thron zu vergeben.— Lesfiag-Theater: Biel Lärm um nichts.— Rose.Zheater: 37. Dos tapfere Schneiderletn. Erstaufführungen der Woche: Moni Ros ioutqo. Deutsches Theater: e. Th e a t e r: Der Talisman. Kabale und Liebe.— Souutag. Weller für Verlin: Im aanzen ctwns kühler, zeitweise auf» heiternü ohne wesentliche Niederschläge, mäßig« Winde aus nord- westlicher Richtung.— Für Deutschland: In Nord- und Mittel- deutsch! and etwas kühler, wechselnd bewölkt und strichweise leichte Schauer. Im ädrigen Reiche Fortdauer des ruhigen und milden Wetters. Berantwortl. Mr die Redaktwn: Rich. Berufteiu, Berlin: Anzeigen: Th. Glocke, Berlin. Berlag: Bonoärts Verlag®. m. b. s.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch» bruckerri und Berlagsanstalt Daul Singer& E«.. Berlin SW 68. LindenstrasU 3. Hierzu 1 Beilage. | Xlie&let, Li XUenier, Licltlspiele usw. Staats Theater Slaalsoper Unter den Linden. Sonnabend, den 19. September 20 Uhr. l Ende 22% Uhr. DerZigeuherbavon Siaitlitepielhain bndmnmiM. Anfang 20 Uhr Die naifirlldie Toditer Sdiiller-Theafer tbirhttnbgig. Anfang 20 Uhr Die Heirat Volks btUine Hinter am BOlowplatz 8 Uhr Nebeneinander killstit ig 5 Ulm roo Ceotg Rais« Regit: R. H.«irlin. Theater desWestens Tägl. 5 u. SV, letzte Vcrstelloagen Viktoria und ihr Husar Preisevon M.O.SOan Ab Donnerstag 4 Absdiiedsvorstellungen Richard Tauber in„V»» Land des littchelns*4 99 Rose Bernd" Traute Hose in der Titelrolle Mittwoch, Sonnabend n. Sonntag 6 und 9 Uhr An allen andern Tagen 8U Uhr. Preise: O.SO-S.OO (>roBe Frankfnrter Straße 132 Vorverkauf: Täglich 11—1 und 3—9 U. E 7, 3422. 1 siadt. Oper Charlottenburg Bismarckstralle 34 Sonnabend, d. 19. 9. Turnus IV Anfang 20 Uhr Zar und Zimmermann Ende gegen 23 Uhr. RariDrstenoamin Theater Bismarck 448/49 8'/, Uhr Die schöne Helena »00 la cones onenbadi Beule: Max Reiahardi. metropoi-Theater Täglich 8V« Uhr Sonntags 4 u 8'/» U die neue Paul-Alirahain- Operette Die Bluene von Hawai Preise»en I.— M. an. Btrbirotu 9256 Tlgl. B u. 8I/2 U. THE 22 INCENUES HUDSONWON OERS und du gros» 8«0t. Programm rrmitm überkommt mich die Hoffnungs- losigkeit. Nachts wache ich manchmal auf, stürze zum Fenster unb reiße die Vorhänge weg. Aber was ist schon- draußen? Wind, Nacht und Sterne.... Kennen Sie diese schlaflosen Nächte, von bitteren Gedanken zergrübelt? Die Aussichtslosigkeit legt sich wie muffige Sackleinwand über mein Denken. Ich renne in meinem Zimmer auf und ab. Ohne Ziel, ohne Zweck. Ich besitze Fähig» leiten und Intelligenz: was nutzt mir das? Lebenswille und-mut gehen vor die Hunde. Ich bin vollkommen mit meinen Nerven zu Ende." Er schwieg. Wir drehten uns Zigaretten. Die Dämmerung sank wie eine schwarze Wolke herab. Er fuhr fort:„Glauben Sie mir: viel schlimmer als die leibliche Not ist die geistige Not! Wir hungern, ja, ober wer zählt die seelischen Auswirkungen der Ar- beitslvsigkeit? Ich renn« einsam in meinem Zimmer auf und ab, wie ein gehetztes Tier, nein, wie«in gefangenes Tier: ich weiß: Du mußt mit ungefähr SO Mark im Monat auskommen, du kannst dir keine Freude gönnen, keine Abwechslung, Ablenkung verschaffen, gar nichts. Was bleibt mir? Vielleicht noch die Freude am ande- ren Geschlecht, die— Gott sei Dank!— meistens nichts kostet. Aber auch dazu fehlt mir die Lust. Ich habe Opposition, Negation des Bestehenden, Radikalismus längst überwunden. Ich halte nichts von Zusammenrottungen, die auch nur Verzweiflungsakte sind. Ganz selten noch überfällt mich eine sinnlose Wut: ich möchte dann alles entzweischlagen. Bald danach aber tritt als Reaktion darauf müde Resignation ein. Zuerst war das schlimmer: ich habe geflucht, gewettert, gewütet. Ich habe buchstäblich mit der Faust auf den Tisch geschlagen. Nun bin ich still geworden: es ist doch alles zwecklos. Ich bin still, und es ist die Stille vor dem Tode. Ich weiß nur noch nicht, ob es der leibliche oder der geistige Versall sein wird... Meine Not wird bald nicht mehr die Behörden, sondern die Aerzte was angehen. Ich leide oft unter Zwangsvor- stellungen: ich halte es in meinem Zimmer nicht mehr aus. Dies Alleinsein mit dem unheimlichen Nichts. Ich möchte manchmal auf- brüllen, ich sitz« noch öfter da und horche stumpfsinnig in mich hin- ein. Um meinen Schädel ist ein Reifen gespannt, der von Tag zu Tag enger angezogen wird. Manchmal schreie ich wirklich los, es muß gräßlich sein, meine Wirtin kommt dann hineingestürmt und fragt: Fehlt Ihnen was? Mir fehlt natürlich nichts! Ich enteile und unternehme einen planlosen Spaziergang durch die Straßen. Ich laufe, als säßen die Furien hinter mir. Und dann fehlt mir der Mut, nach Hause zu gehen. Ich habe Angst. Sinnlose, wahn- witzige Angst: da zu Hause möge etwas auf mich lauern. Es ist eine richtige Platzangst. Wohnen Sie auch möbliert? Kennen Sie diese meistens trostlosen, mit kitschigen Nippes und gehäkelten Sofa- decken„verzierten" billigen möblierten Zimmer? Meine Wirtin ist sehr anständig, aber ihr Mann ist jetzt auch arbeitslos. Sie werden es kaum glauben: die Not schweißt die Leute nicht aneinander. Im Gegenteil. Die Ehen, die früher durchaus tragfähig waren, zer- fallen jetzt unter der Last der Arbeitslosigkeit. Meine Wirtin ist mit einem Male zänkisch, schrill und streitsüchtig geworden. Ihr Mann schleicht wie ein geprügelter Hund umher, als habe er an allem schuld. Er, der früher gern zu Hause war, streift nun meistens draußen umher. Wie ich. Sind Sie auch arbeitslos? Dann lassen Sie alle Hoffnung fahren! Die uns folgende Generation wird es vielleicht bester haben. Ich bin Sozialist und weiß: es wird eine bessere Zukunft kommen. Aber nicht mehr für uns. Wir sitzen in den Parks, auf den Plätzen und singen wie die Kinder, die sich im Dunkeln fürchten....." Ganz leise sickert die Nacht herunter. Auf uns beide, auf die deutsche Jugend, die 1905 geboren ist... Drüben, vor den gleißen- den Lichtreklamen eines Kinos, gefftern Schemen hin und her. Die Reklamen kündigen den neuesten Militärschwank an. Mein Nachbar schweigt. Er brütet still vor stch hin. Sport am Sonntag Arbeitersportliches und anderes Der dem Arbeiter-Turn- und Sportbund angeschlossene Ruder- oerein„Collegia" veranstaltet in Gemeinschaft mit dem Ruderoerein„B u t a b" vor seinem Bootshaus in Gatow a. d. Havel morgen, Sonntag, um 14 Uhr eine interne Regatta, zu der alle Bundesvereine sowie Freunde des Arbeiter-Rudersports eingeladen sind. Da die Meldungen sehr gut eingelaufen sind— auch Vereine von außerhalb haben gemeldet—, ist guter Sport zu erwarten. Fahrverbindung: Stadtbahn bis Spandau-West, von dort Autobus Nr. 34. Oder Straßenbahn 58 und 75 bis Pichelsdorf, dort Um- steigen in Autobus Nr. 34. Oder halbstündiger Fußweg bis zum Bootshaus. Nach der Regatta Zusammensein im Lokal„Zur Linde" in Gatow., Abschlußsporlsest des ASv. Neukölln. Am Sonntag um 14 Uhr ruft der Arbeiter-Sport-Verein Neukölln alle seine Abteilungen in den Sportpark Neukölln zu seinem Bereinssportfest zusammen. Gymnastik, Mehrkämpfc, Einzelkämpfe, Stafetten und Spiele stehen auf dem Programm. Bei der Vielseitigkeit des Vereins hat die Arbeiterschaft Neuköllns Gelegenheit, sich einen interessanten Sport- nachmittag anzusehen. Eintrittsgeld wird nicht erhoben. Sporlplahweihe beim Arbeitersporkverein Schöneberg. Morgen soll der erste Teil des neuen Platzes des Vereins seinem Zweck übergeben werden. Die drei Spielabteilungen des Vereins werden ihre besten Mannschaften dem Zuschauer zeigen. Hockey, eine Neu- gründung der Schöneberger, Handball- und Fußballspieler werden ab 13 Uhr um die Gunst der Zuschauer werben. Der Sportplatz liegt in der Rubensstraße, in der Nähe der Nathanaelkirche. Der ASD.„wedding" veranstaltet morgen im Schillerpark einen Handballspielertag. Es spielen: Ii) Uhr Jugend: BSV. Wedding— Volkssport Neukölln: 13,30 Uhr Männer: ASV. Wedding 3.— FT. Werlsee 1.: 14,30 Uhr Männer: ASV. Wedding 2.— Bernau 2.; 15,30 Uhr Frauen: ASV. Wedding— Hennigsdorf: 16,20 Uhr: Puhsballspiel: 17 Uhr Männer: ASV. Wedding 1.— FTGB. Süden 1. Arbeiter-Schach. Am Sonntag ab 14 Uhr, veranstaltet die Ab- t eilung Treptow der Freien Arbeiterschachvereinigung Groß-Berlin im Saal von Döhlig in Treptow, Elsenstraße 100, einen Werbotag mit einem sehr reichhaltigen Programm, das u. a. einen Wettkampf der beiden sehr spielstarken Mannschaften Lichtenberg gegen Treptow bringt. Ferner Vorträge über praktische Partieführung, Problem- schach, Lachschach, ein Gästeturnier und zum Schluß Simullanspiele und ein Blitzturnier. Der Eintritt ist frei, und Gäste sind herzlich willkommen, auch solche, die das Schachspiel erst lernen wollen. Die Freien Segler beenden ihre auf zwei Tage berechnet ge- wesenen Herbstwettfahrten auf dem Tegeler See und Müggelsee, der Start ist auf 11 Uhr festgesetzt.- Die Olympia-Radreuubahu hält morgen einen letzten Renntag ab, bei dem Sawall, Krewer, Schön, Dederichs, Urayo und Vre au starten. * Die Herbstregatta des ADAC, auf dem Templiner See bei Pots- dam beginnt um 9 Uhr früh. Der Boxkampf Harry Stein gegen Spunner und Walter Funke gegen Gerhard Bredow findet morgen, Sonntag, LI Uhr. im Luna- park statt. Sarlshorfler Zubiläums-Renuen. Dos Iubiläums-Mee- ting des Vereins für Hindernis-Rennen erreicht morgen, Sonntag, seinen Höhepunkt und sein Ende. Die Rennen beginnen um UX Uhr. Rennen zu Akariendors. Eine interessante Zuchtprüfung, das Ehristian-Schaurte-Rennen, steht Montag, 21. Sep- t e m b e r, im Mittelpunkt der Ereignisse bei den Abendrenncn zu Mariendorf. Die Rennen beginnen um 17 Uhr. kremiere im Spichernring Was am ersten Abend im Spichernring geboten wurde, sah wirklich nicht nach drei Europameistern und einem Weltmeister aus, war meist recht dürftig und niveaulos. Befriedigen tonnte eigentlich nur der Kampf Wieser— Richter, und hier war es nur der erstere, der dafür sorgte, daß Spannung in das Treffen kam. Wenn man sich die Gegner nach dem Kampf betrachtet-, konnte kein Zweifel sein, wer das meiste abbekommen hatte: es war unheimlich, was Richter olles wegsteckte. Bei den Ausfcheidungskämpfcn gab es nur im Mittelgewicht einen Sieger, und das war S c e l i g, der Funkes Hoffnungen, in dieser Gewichtsklosse eine Rolle zu spiel-», zunichte machte. Anfangs hielt sich Funke ganz gut, dann machte sich aber doch der Allersunterfchied bemerkbar— es lagen wohl 10 Jahre zwischen den beiden—, er ließ mit jeder Runde mehr nach. Daß Scelig den völlig ausgepumpten Funke nicht entscheidend abfertigen konnte, beweist, daß nichts hinter seinen Schlägen ist.— Harry Stein konnte auch diesmal den Breslaucr Bartnek nicht schlagen, und so wie er es anstellte, war es auch nicht zu machen. Mit einer soft- und kraftlosen Linken allein konnte er den starken Gegner nicht zwingen. Stein skorte nur, wenn er seine Rechte ins Gefecht nahm und das tat er zu selten, er schien auch mächtigen Respekt vor den saftigen Körperhaken des Breslauers zu haben, es gab wieder keinen Sieger. Auf die ersten beiden Kämpfe näher einzugehen, lohnt nicht, wenn auch der Hannoveraner Schiller dabei vorteilhaft auffiel, hauptsächlich, weil sein Gegner eine Krampe war. Hoffentlich er- hält der Debütant Bosch vorläufig keine Lizenz als Berufsboxer, Mittelmäßigkeiten haben wir schon mehr als genug. Die technischen Ergebnisse waren: Fortmann schlägt Bäsch nach Punkten: Schiller schlägt Heise durch technischen ko. in der dritten Runde: Stein— Bartnek acht Runden unentschieden: Wieser schlägt Richter in acht Runden nach Punkten: Seelig— Funke in acht Runden nach Punkten. Kleiner Sport von uberall Gauherbergskag in Allruppin. Der Gau Mark Brandenburg im Reichsoerband für Deutsche Jugendherbergen veranstaltet am 19. und 20. September seinen diesjährigen Gauherbergstag in Alt- ruppin. Im Anschluß an die Hauptversammlung des Gaues findet die Einweihung der städtischen Jugendherberge Altruppin(68 Betten in 5 Schlafräumen) statt Der Gau weist ferner auf eine neue Jugendherberge in Zehdenick a. d. Havel(zur Zeit 15 Betten) hin, die besonders auch zur Unterkunft für Wasserwanderer geeignet ist. Behelfsanlagen sind ferner geplant von der Stadt Kremmen am Ruppiner Kanal und von der Stadt Trebbin in Verbindung mit einem Segelfluglager. Der Sportpalast eröffnet die Wintersaison am Donnerstag, 8. Oktober, mit einem Boxkampftag, für den Hans S ch ö n r a t h, der anerkannt« Herausforderer des Europameisters Hein Müller und der bisher als Profi in 16 Kämpfen ungeschlagene Walter N e u s e l verpflichtet wurden. Riekhdors wird Professional. Wie so viele gute Amateurboxer wechselt auch der deutsche Bantamgewichtsmeister Riethdorf(Sparta- Berlin) ins Lager der Professionals über. Riethdorf hat feine bereits vor Wochen geäußerte Absicht, Berufsboxer zu werden, bereits jetzt insofern in die Tot umgesetzt, als er sich beim Verein Deutscher Faust- kämpfer angemeldet und Paul Damski zu seinem Manager erkoren hat. Riethdorf steigt am Freitag in Neukölln zum letzten Male als Amateur in den Ring. Freie Schwimmer im Bezirk Zehlendorf. Der neu gegründete Verein„Freie Schwimmer Zehlendorf", hervorgegangen aus der Schwimmabteilung der FT. und SV. Zehlendors, beginnt seinen Winterbetrieb am Dienstag, 22. September, 21.30 Uhr, in der Bade- anstatt der Stabila(ehemalige Kadettenanstalt), Lichtcrfelde, Zehlen- dorfcr Straße. Für Nichtschwimmer werden kostenlose Anfänger- kurse abgehalten. Anmeldungen Dienstags in der Schwimmhalle oder schriftlich bei Willi Braatz, Berlin-Zehlendorf, Forststraße 5. Hallenteium am Kaiserdamm Auf dem Ausstellungsgelände am Kaiserdamm wird den Freun- den des Tennissports Anfang Oktober die größte der Ausstellung?- hallen, die Halle I, für den Hallentennissport wieder zur Verfügung stehen. Die errichteten neuen Hallenplätze werden den höchsten Ansprüchen in bezug auf Beleuchtung, Farbe und Linien- führung entsprechen. Es ist gelungen, den deutsche, Tennismeister Roman Najuch als Lehrer zu verpflichten. Eine Neuerung ist auch das erstmalig in Berlin zur Verfügung stehende Hallen-Ring- t e n n i s, dessen Benutzung sich infolge des geringen Raum- bedarf? für die Beteiligten äußerst billig stellt. Die zweite Hallen- tennissaison am Kaiserdamm erhält eine besondere Note durch die Errichtung eines Meisterschaftsplatzes in der etwa 10 000 Zuschauer fassenden, durch«in« Rolltreppenanlage mit der Halle I verbundenen großen Holle II. Dos gewaltige Fassungsvermögen der Halle gestattet die Festsetzung der Eintrittspreise schon von 50 Pf. an. Die Anlage wird auch Vereinen zur Veranstaltung von Turnieren, Schaukämpfen zur Verfügung gestellt. Der vielbeschäftigte Nurmi Noch immer ist Paavo Nurmi der meistbegehrte Läuser der Welt. Die Vereine wissen seine Anziehungskraft wohl zu schätzen, und so kommt es. daß der Finne von einer Veranstaltung zur anderen gehetzt wird. Am Wochenende absolviert Nurmi zunächst zwei Starts in Polen, am 19. September in Warschau und am 20. September in Königshütt c. Für den 23. September hat sich der S.-C. Schlesien seine Mitwirkung an einem Abendsest in Breslau gesichert. In K a t t o w i tz startet er am 27. September. Dann kommt Nurmi wieder nach Berlin, wo er am 1. Oktober neuerlich beim SEE. sein Können zeigen wird. Es folgt am 4. Ok- tober ein Start in Königsberg. Schließlich bemüht man sich noch um sein« Mitwirkung an Sportfesten in Stettin und Stuttgart. Er hat sich also vom Sportler zum ruhelos umher- reisenden Artisten gewandelt: seine Mitwirkung bei Sportfesten ist für die Vereine lediglich noch eine Frage des guten Ueberfchusfes. Robert Bosch 70 Jahre Am 23. September wird Dr.-Inx. e. h. Robert Bosch, der Be- gründer der Robert-Bosch-A.-G., 70 Jahre alt. Aus kleinen Anfängen hat Robert Bosch ein in der deutschen Autozubehörindustrie Wie Naturfreunde arbeiten Höchstes Gemeinschostsgefühl unter den Mitgliedern bewiesen die letzten Treffen der Naturfreunde in Deutschland, Oesterreich und der Schweiz. Besonders bemerkenswert aber wurden die beiden internationalen Treffen auf dem Hochstuhl in den Karowanken in Kärnten, wo sich Oesterreicher, Ungarn und Jugoslawen trafen und auf dem Hartmannsweiler Kopf im Elsaß unter Teilnahme von Schweizer, französischen und deutschen Naturfreunden. Viel Arbeit brachte der A u s b a u d e r H e i m e. Die Wirt- schaftsnot zwang zu stärkster Konzentration der eigenen Kräfte, denn öffentliche Hilfe ist jetzt nirgends zu erwarten. Neben den Lucken- waldern mit ihrem neueröffneten Heim„Hammcrflicß"— es ist ständig voll belegt— stehen die Köpenicker mit dem Ausbau ihrer Grottewitz-Hütten an der Großen Krampe. Auch die Luchhütte im Naturschutzgebiet des Kremmener Sees wurde beträchtlich erweitert. In anderen Gauen ist man ebenso rührig. In Niederhessen hatte sich hHon die Eröffnung des Ferienheims auf dem Hohen Meißner bewährt. Aber auch das Kasseler Wandcrheim auf dem Großen Steinberg bei Hannooersch-Münden mußte zu einem bewirtschafteten Ferienheim ausgebaut werden. Sehr wertvoll wurde inzwischen das neueröffnete Ferienheim bei Oderbrück im Harz, durch das nun- mehr auch der Südharz den Arbeiterwonderern erschlossen ist. Un- west von St. Andreasberg gelegen, wird es auch zu einem der j wichtigsten Arbeiterwintersport st ützpunkte merdcn. Schließlich ist vor kurzem im Riesengebirge ein langgehegter Wunsch Wirklichkeit geworden. Von Schmiedebcrg Stunden bergan kommt man dort an waldigen Berghängcn zum neuen schlesischen Gau-Ferienheim„Haus Enzian". Auch der Wassersport hat sich bei den Naturfreunden weitere Freunde erworben. Davon zeugt schon allein die Tatsache, daß in den 12 Faltbootsektionen des Gaues Sachsen an 600 Boote vereinigt sind. In Sohland-Wehrsdors-Ostsachsen wurde auch ein neues Bootshaus errichtet. Die M it g l i e d e rb e w e g u n g in der Naturfreunde-Jnter- nationale ist lebendig geblieben. Ein besonderer Fortschritt ist in der Schweiz, in Frankreich und Belgien zu verzeichnen. Im letzteren schloß sich ein schon bestehender Arbeiterwanderbund mit mehreren tausend Mitgliedern den Naturfreunden an. Sehr rege blieb auch trotz aller niederdrückenden äußeren Einwirkungen die Bildungsarbeit. Im besonderen Maße hat man sich dabei euch der erwerbslosen Mitglieder angenommen. Eni dreiwöchiger Kursus der Thüringer im Volksschulhcim Dreißigacker gibt davon beredtes Zeugnis. So verzeichnen wir auch bei den Naturfreunden trotz der Schwere der Zell einen Fortschritt auf der ganzen Linie. ! kilhrcndes Werk entwickelt. Um die Jahrhundertwende erschienen die ' ersten Bosch-Magnetzünder, sie brachten eine Umwälzung hervor. Ohne diese Erfindung wäre die Entwicklung unserer heutigen Automobil-, Flugzeug- und Bootsmotor« nicht möglich gewesen. Robert Bosch, der bereits vor 25 Jahren mit der Einführung des Achtstundentages praktische Sozialpolitik trieb, steht seinem linternehmen noch heute als Aufsichtsratsvorsitzender vor. Lin loirTes Vergnügen Englands Rekordflugzeug gesunken Das englische Vickers Rolls Royce-Rennwasferflugzeug 8 1596. mst dem Leutnant Steinforth, daß am letzten Sonntag in Portsmouth den Geschwindigkeitsweltrekord auf rund 610 Stundenkilometer ver- besserte, ist bei einer Wasserung unweit der Marineslugstation Calshot gekentert und gesunken. Stainforth war mit der Maschine etwa eine halbe Stunde in der Luft gewesen und hatte dabei wieder Geschwindigkeiten von über 600 Stundenkilometer er- zielt. Dann drosselte er den Motor ab und schritt zur Landung, die sich auch glatt zu vollziehen schien. Als die Maschine mit nach immer über 100 Stundenkilometer- Geschwindigkeit etwa 300 Yards auf der Wasseroberfläche dahin- geglitten war, schwenkte sie, anscheinend infolge einer plötzlichen Drehung des Windes, zur Seite und kenterte schließlich. Der Pilot war geistesgegenwärtig genug, sofort den Patentoerschluß der Gurten, mit denen er am Führersitz festgeschnallt ist. zu lösen und ins Wasser zu springen. Seine Kameraden eilten sofort mit einer Motorpinasle zu Hilfe und nahmen den Piloten, der sich an einem der Schwimmer der Maschine festgeklammert hatte, an Bord. Unmittelbar danach versank das Flugzeug. Stainforth ist bei dem Unfall, der bei einer höheren Fluggeschwindigkeit wahrscheinlich tödlich verlaufen wäre. mit einigen durch seine zerbrochene Schutzbrille verursachten Schnitt- wunden im Gesicht davongekommen. Nichtsdestoweniger will aber Stainforth so bald es die Wetterverhältnisi« gestatten, mit der im Schneider-Pokal siegreich gewesenen Schwestermaschine 8 1595 neue Weltrekordversuche unternehmen. Die gesunkene Maschine liegt an einer ziemlich tiefen Stelle, so daß umfangreiche Bergungsarbeiten notwendig find._ 5£®9. JZWtlSipctliaterttjirl: H-uic, SB% Uhr, mit Lichtbiweni im©«HniKliüim auf der B-ib» � kommen. AnschNeß-nd-m Sonntaa A-chrt»um Duomm-Zorst- B«» t t Reimck-ndarl vst: Steffen zur HerbUmandcrun« morgen, eomttos, 7% uyr, Bahnhof Schonhol«. Surnkl-chuna mcht nerg-ff-n Sitte Photooereinignng. Sonntag, 30. Suuetnbet, ffahtt nach Bernau, Sicnnik. und Hells-o. Treffvunft 7 llbr Gesundbrunnen._.. «S«. Repiu». Weihensee. Dienstag, 22. September, 19 Uhr, Beginn ö'» Wintcrtrainings Oder berger Strohe._.__..»„, Freier«örperlnltnrlrei» Zkrenzbcrg. Sonntag. 30. Sei�mb«, Sretfen auf dem Geliinde Mohen-Sansee. Abbau de- Nrei-eigenium». Die angelegt« Fahrt nach Köpenick mild auf den 37. September wrfchoben Adler 08 hält seine Vereinssitzungen jeden Fre�ag, 20 Uhr, b« Franz, Banfom. Karser.Fnetmch.Stie. m, ab. 8ur V�ollständ.�ng der uiitet'n Mannschasten fom'e zur ttnrectcnino des Iugenichetriedes können sich Jnter. -ssenten zur Ausnahme melden. Gäste herzlich mUNammen. Volkssport Renköll». Britz. Sonnabend, 19. September, 30 Mir. 2- Fugend-. 3 lungmädchenabteilung Heimahend. Fugetlbheun Siatitmi« �ritz. balNset. htafte— Montoq. 21. September, 19Vj Uhr, Sannenplatz. Nrwalwnz-ausfchutz. (itzung: Sitrfverletict bereits 1«% Uhr.-2 log, 23. September, miedsr Uedungsb« trieb, Hufetüetchalle iOVj Uhr, Decke mit- 1:11 n®«. Webbing. Anlchtüisl: Baul Rehleldt, Berlin,«ndhicker Str..VW. Kebungsstättcn: Jugend jeden Dienstag und Freitag 20 Uhr Turnhalle Lutticher Strotz." Frauen jeden Dienstag und Dpnuerstag 20 Uhr ebenda: Manner ieben Dienstag Wh Uhr Turnhalle Lutticher Str. 47—18, jeden Freitag 20 Uhr Turn- Halle Litttiäter Str. 3; Hotfepipieler jeden Donnerstag 10�4 Uhr Turnhalle Litttichrr Str. 47—48. Zur Nerpollstinidisuna der Hockepnmnnschaften suchen wir noä, Spieler Ausdunst an den Uebimgsiberben und schriftlich durch die Gr- schäftsstelle des Vereins. 16.05 16.30 18.30 15.00 15.30 20.00 21.00 21.10 22.30 16.00 16.30 17.30 18.00 18.30 18.55 15.00 15.30 19.55 6.30 8.00 8.55 10.05 10.30 11.00 11.30 12.00 12.30 14.10 14.40 15.00 15.20 15.30 16.00 18.30 18.50 15.45 20.00 22.15 7.00 11.00 11.30 12.00 15.00 18.30 1-.55 15.20 20.00 Sonnabend, den 19. September 1931, Berlin. Menschen onteriress. Reiseeriebnisse. Unterhaltungsmusik. Einlage: Zehn Minuten Elim. Die Erzählung äer Woche. Alte Meister. Kabarett in Bagdad(Df. Leo Matthias). Abendkonzert. Tages- und Sportnachrichten(I). Im Funk und auf der Bühne. Wetter-, Tages- und Sportnachrichten(ID. Anschließend bis 0.30 Tanzmusik. Königs Wusterhausen. Pädagogischer Funk(Schul rat Tschentscher). Von Hamburg: Konzert. Viertelstunde für die Gesundheit. Französisch für Anlänger. Die Beduinen(III). Wetter für die Landwirtschall. Stätten der Tragik(I)(Rolf Brandt). Stille Stunde. Wetter(Wiederholung). Sonntat:, 20. September. Berlin. Funkgymnastik. Anschließend; Frühkonzert. Für den Landwirt. Morgenfeier. Stundenglockensp'iel der Potsdamer Oamisonkirche. Anschließend: Glockengeläut des Doms. Wettervorhersage. Von Wien: Konzert auf der Heldenorgel in Knfstein. Von Königswusterhausen; Eltemstunde. Von Leipzig: Reichssendung der Baeh-Kantaten. Ulrich Franz Krolop erzählt Heiteres. Konzert. Dir.: Bruno Seldler-Winkler. Jugendstunde. Märchen. Lieder. Von Alt-Ruppin: Einweihung der Jugendherberge. Alfred Braun: Zum Jubiläum der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger. Gastspiel der Funkgemeinschaft engagementsloser Schauspieler der Bühnengenossenscbaft. Aus dem Kroll-Etablissement: Konzert. Heinrich Pleitler: Erlebnisse eines Tropen Journalisten. Hans Reiminn mit Büchern und Schallplatten. Sportnachrichten. Von Wien:„Bruder Straubinger". Operette in drei Akten von M. West und J. Schnitzer, Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. Königs Wusterhausen. Von Hamburg: Halenkonzert.— Elternstunde: Die Lektüre unserer Kinder. Von Leipzig: Reichssendung der Bach-Kantaten. Dr. Franz Rühlmann: Braunschweiger Dichter. Karl Förster: Die Gladiole. Georg Rendl liest aus seinem..Bienenroman". Dr. Werner Pleister: Erntefeste. Opern, die übertragen werden;..Don Juan".(Felix Stössingcr.) Von Wien:„Bruder Straubinger". Stil Smbetung ber Not im Winter wirb die Firma Kempintzki in nächster Zeit wieder wie rtn vergangenen Jahr täglich die Sveisuna von 500 Arbeitslosen vornehmen.