Morgenausgabe Ar. 443 A 223 4S.Iahrgang Wöchentlich 85 Pf., monatlich 3.80 M. (davon 95 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 4.32 M. einschließlich 80 Pf. Postzeiwngs- und VZPf.Postbestellge. bühren. Auslandsabonncmcnt 6— ZII. pro Monat; fiir Länder mit ermlißm» tem Drucksachenporto 5,— M. Der„Vorwärts� erscheint wochenläg- lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe fiir Berlin und im Sandel mit dem Titel„Der Abend" Illustrierte Sonntagsbeilage »Boll und Zeit". Berliner volesbla« Dienstag 22. September �931 Groß-Äerlin pf. Auswärts 45 pf. Die einspalt. Nonpareille�eile 80 Pf. Neklamezeile S,— RM.„Kleine An» zeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Tanf. Stellengesuche das erste Wort 15 Pf, jedes weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmartt Zeile 60 Pf. Familien» anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeiaenannahm« im HauptgefchäftLindenftraße 3, wachen« täglich von S1/« bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nichtgenchmer Anzeigen vor! JentvÄwesan des Gsziatdemotvatischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 gcrnspr.: Dönhoff(A 7) 292—297. Tclegramm-Adr.: Sozialdenwfrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Tostscheckkonto: Berlin 37 SZS.— Bankkonto: BankdcrArbcilcr.Ängcstcllten und Beamten, Lindenstr. 3, Dt. B.u.DiZc.-Ges., Depositen!., Jerusalcmer Str. 65-66. Das Pfund fällt. Warenpreise in London steigen. Die Aufhebung der Goldwährung in England hak an den welk- börscn scharfe Kursciabrüche für das Pfund Sterling zur Folge gehabt. In New Jork sank der Psundkurs von 4.84 auf 4.39 Dollar, also um 11 P r o z., während im weiteren verlaus des gestrigeu Tages bereits Surfe von nur 4,02 Dollar für das Pfund genannt wurden. Der letzte Surs, der einer offensichtlichen Panikstimmung entsprungen ist. stellt bereits eine 20prozentige Entwertung des Pfundes dar. Auch in Paris war das Pfund autzerordentlich schwach. Gegenüber dem Sonnabend sank der Pfundkurs gestern von 123.95 auf 105 Franken, also um 15,3 Proz. In Amsterdam fiel der Pfundkurs von 12,03 auf 11 Gulden, während in Berlin ein Kurs von 19,25 gegen 20,47 M. festgeschl wurden. Die schnell die w a r e o p r e i s e auf den Dährungsmechanismus rcagiereo, zeigte sich bereits an der gestrigen Warenbörse in £ o n d o n, wo sich sofort Preis st eigcrungcn im Umfang von 10 big 12 Proz. durchsetzten. Diese Preissteigerungen erfolgten, weil die warenverkäufer angesichts der£age des Pfundes ihre waren zurückhielten, während auf der anderen Seite ein starker kaufandrang einsetzte. während alle übrigen internationalen Börsen am Montag ge- fchlosien waren, blieb die Pariser Börse geöffnet. Bei dem außer- ordentlich großen Risiko, das Frankreich infolge seines Milliarden- besitzes an englischen Pfundwechscln, Schohanweisungcn und anderen englischen Wertpapieren trägt, herrschte in den Poriser Börsen- kreisen ungeheure Bestürzung. Der Börsenvorstand sah sich bei dem massenhaften Verkanssandrang zu starken Reportierungen. d. h. zur Einschränkung der Verkäufe gezwungen, so daß die Esscktenkurse. die zum großen Teil mit 10 proz. Verlust notiert wurden, keineswegs den wahren Kursstand widerspiegeln. Die Bank von Frankreich allein hat an Pfundwechseln einen Vorrat von 200 Millionen, die rund vier Milliarden Goldmark entsprechen. Bei einem zehnprozenlige,, Kurevcrlust des Pfundes würde also die Bank von Frankreich 400 Millionen Goldmark verlieren. Das ErmächtigungSgeseh. London, 21. September.(Eigenbericht.) Die englische Regierung hat am Montag im Unterhaus fol- gcndes Ermächtigungsgesetz eingebracht: 1. Solange durch Proklamation Seiner Majestät nichls anderes befohlen wird, wird Unterabschnitt 2 des§ 1 der Goldstandard- akle von 1925 außer Kraft gefetzt, unbeachtet dessen, daß Unterabschnitt 1 in Kraft bleibt. 2. Die Bank von England wird hierdurch oller Verpslichlchizcn enthoben, die diese nach dem 18. September 1931 unter dem besagten Unterabschnitt 2 eingegangen ist. und gegen die Bant oder andere Personen können zwecks Ausführung nach dem besagten Zeitpunkt eingegangener Verpflichtungen keinerlei Verfahren eingeleitet werden. Z. Das Schatzamt wird ermächtigt, solche Verordnungen in b e z u g ans Devisen zu erlassen oder andere Maßnahmen zu ergreisen, die für notwendig erachtet werden, um den Schwierig- kellen, die aus der Aushebung des Goldstandards entstehen, zu begegnen und diese Verordnungen von Zeit zu Zeit in geeigneter weise abzuändern. Dieser Teil des Gesetzes fall nach der Annahme des Gesehe» durch das Parlament sechs Monate Gültigkeit haben. Londoner Börse bleibt geschlossen?- London, 21. September.(Eigenbericht.) Die Londoner Börse wird auch am Dienstag gc- schlössen bleiben. Die Frage, wann die Börse wieder geöffnet wird, ist bisher noch nicht entschieden. Es ist jedoch nicht ausge- schlössen, daß die englischen Börsen die ganze Woche über ge- schlössen bleiben. Eine englische Erklärung in Genf. Gens, 21. September.(Eigenbericht.) In der zweiten Kommission des Völkerbundes gab der englische Vertreter Sir Arthur Salt er am Montag in der Geirerat- debatte über die Finanzfragen folgende Erklärung ab: Die Statistik Großbritanniens seit dem Kriege zeigt, daß Eng- lond bestrebt ist, seine Verpflichtungen voll zu erfüllen. Es wird aus diesem Wege fortfahren. Die innere Lage Großbritanniens ist vollkommen gesund. Die augenblickliche Krise ist aus ungesunde Kündigungen van Investierungen auf fremden Märkton zurückzuführen. England ist deshalb gezwungen, sich selbst zu schützen. Di« Banken bleiben für den normalen Ge- schäftsverkehr osseu. Der freien Verfügung über Gold wird keinerlei Einschränkung auseriegt. Die Regierung ist sich nollauf klar, daß der von ihr unternommene Schritt ernste Störungen und Verwirrungen hervorrufen wird, und zwar insbesondere in den Ländern, die in der Vergangenheit besonders vom Londoner Markt abhängig waren. Die Regierung wird sich bemühen, diese Schwierigkeiten soweit als möglich zu verringern und ist zu jeder Zusammenarbeit, die geeignet erscheint, dieses Ziel zu erreichen, bereit. Einladung Hoovers an Laval. Paris, 21. September.(Eigenbericht.) Der amerikanische Botschafter in Paris hat dem französischen Ministerpräsidenten L a v a l eine Ein» ladung des amerikanischen Staatspräsidenten Ho ob er zum Besuch von Washington übermittelt. Laval wird der Einladung voraussichtlich folgen. Sie soll hauptsächlich der Besprechung internationaler Finanz- fragen dienen. Auch Frankreich droht schwerer Schaden. Paris, 21. September.(Eigenbericht.) Die Nachrichten über die englische Währungskrise und die in London ergriffenen Schutzmaßnahmen haben in Paris ungeheures Aufsehen erregt und die Aufmerksamkeit der öffentlichen Meinung von dem japanisch-chinesischcn Konflikt völlig abgelenkt. Auch die französische Regierung, die von dem englischen Ge- schäftsträger schon am Freitagabend von der Entwicklung unterrichtet worden war, ist sich des Ernstes der Lage in England bewußt, die schwere Rückschläge auf die französi scheu Finan- z e n haben kann, da die Bank von Frankreich und das Schatzamt in England über Devisenguthaben in höhe von 10 Milliarden Franken oerfügen. Diese Devisen waren nach der französischen Währungs- krise allmählich aufgekauft und für den Gegenwert waren franzö- fische Noten ausgegeben worden, was eine bedeutende Ueberschreitung der gesetzlichen Notenumlausgrenze zur Folge hatte. Eine Ab- schwächung des englischen Pfundes würde also für Frankreich schwere Verluste bedeuten. Es ist daher begreiflich, daß die französische Regierung der englischen Regierung zugesagt hat, ihr zur Ucberwindung der Krise jede mögliche Hilje zu leisten. Zugleich bemüht sich die französische Regierung, durch geeignete Maßnahmen die direkten Rückschläge der Auf- Hebung des Goldstandards der englischen Währung auf den Pariser Markt abzuschwächen. Zu diesem Zweck fand am Montagvormittag im Finanzministerium eine Unterredung zwischen Finanzminister F l a n d i n, dem Gouverneur der Bank von Frankreich, dem Generaldirektor der Staatsschuldcnoerwaltung und dem Syndikus des Pnristr Börsenmallervcrbandcs statt. Im Aufchluß daran halten die Herren im Innenministerium, in Gegenwart des englischen Ge- schäftsträgers Campbell, eine Besprechung mit Laval. Nach Beendigung dieser Beratung erklärte Minister Flandin, daß die Pariser Börse geöffnet bleibe, aber die Devisennotierungen eingestellt würden. Der Syndikus des Makleroerbandes erklärte in einem Interview, falls- die Baisse bei einigen Papieren 10 Proz. der bis- herigen Notierungen übersteigen sollte, würden die Kurse g e- st r i ch c n werden. Auf jeden Fall würden aber die französischen Renten notiert werden. Außerdem sei beschlossen worden, die Bestimmungen über die Verstärkung der Deckung infolge von Vor- kaufen streng anzuwenden. Auf dem Kassamorkt werde jeder Per- käufer gezwungen werden, die Aktien sofort dem Käufer zu liefern. Der französische Franken fei nicht gefährdet, und es sei kein Grund zu einer Panik vorhanden. Diese Erklärungen übten einige Beruhigung aus, so daß die bei Eröffnung der Börse gehegten Befürchtungen nicht in dem er- warteten Ausmaß eintraten. Rur einige Elektro- und Chemiewerte konnten mit Kurseinbrüchen von 5 bis 10 Proz. notiert werden. Allmählich beruhigte sich die Stimmung und fast alle auf den Markt geworfenen Aktien fanden Käufer, wenn auch nur zu Kursen, die durchschnittlich 10 Proz. niedriger waren. Besonders schwach waren Bankaktien. Für die Bank von Frankreich kam erst nach der Intervention des Syndikus des Börsenmaklcrverbandes ein Kurs mit Abschwächung von 1790 Franken, d. h. etwa 1 3 P r o z. zustande, der bis zum Schluß unverändert blieb. Die französischen Renten konnten sich einigermaßen halten, dagegen waren in der Kulisse, d. h. dem halbamtlichen Markt, auf dem besonders die ausländischen Papiere gehandelt werden. Kursstürze von 10 bis 15 Proz. an der Tagesordnung. Das englische Pfund wurde mit etwa 113 Franken gegenüber dem früheren offiziellen Kurs von 124 Franken gehandelt. Wirtschaft und Politik. Hintergründe der englischen Krise. Von Georg Decker. Die Weltwirtschaftskrise hat in ihrem zweiten Jahre ihren Verlauf wesentlich geändert. Sie hat sich im ungewöhn- lichen stRaße politisiert. Standen zunädjst rein wirtschaftliche Krisenursachen im Vordergrund, die sich Zwangs- läufig aus den Entwicklungsgesetzen der kapitalistischen Wirt- schaft ergaben, so haben sich allmählich die wirtschaftlichen Ursachen und ihre politischen Wirkungen, und die politischen Ursachen und ihre wirtschaftlichen Wirkungen in solchem Maße verflochten, daß es schier unmöglich geworden ist. Wirtschaft und Politik sogar in einer theoretischen Betracht tung, geschweige denn bei der politischen Beurteilung der Ereignisse, voneinander zu trennen. Im zweiten Jahr der Weltwirtschaftskrise sind die Nachwirkungen der Zerstörung des Gleichgewichts der internationalen Zahlungen und der ungleichen Verteilung der Goldvorräte in der Welt, aber auch die Wirkungen der deutschen Septembcrwahlen, des Kampfes um die soziale Politik und namentlich um die Arbeitslosen- Unterstützung in verschiedenen Ländern und dergleichen mehr. mit besonderer Schärfe in Erscheinung getreten. Keine Schilderung einer Etappe der Krisenentwicklung wird er- schöpfend sein, keine Erklärung befriedigend, wenn man nicht diese schicksalsvolle Verflechtung der Wirt- fchaftund der Politik in jedem Falle aufdeckt. Wir übersehen wirtschaftliche Zusammenhänge im gegen- wärtigen Kampfe, um das Pfund nicht, wenn wir unsere Aufmerksamkeit auch auf die politischen Hinter- gründe dieses Kampfes richten. Wir wissen, daß die außerordentliche Zuspitzung der englischen Krise ihren tiefen Grund in der veränderten Lage Englands in der Welt- Wirtschaft und namentlich in der ungünstigen Gestaltung seiner Zahlungsbilanz hat; wir wissen auch, daß die mittel- europäische Bertrauenskrise vor allem England in Mitleiden- schast gezogen hat. Wir wissen, daß in der Welt die Be- fürchtungen für die Sicherheit der nach England gegebenen Kredite deshalb entstanden sind, weil namentlich in Deutsch- land so viele englische Kreksite eingefroren sind. Trotzdem reichen alle diese Gründe nicht aus, umdieakuteGefahr für die Stabilität des Pfundes und die in den letzten Tagen entstandene wahnsinnige Panik zu erklären. Warum ist diese Panik am letzten Freitag ausgebrochen? Früher hieß es: das Vertrauen zum englischen Kredit wird durch die kritische Lage englischer Finanzen erschüttert. Schein- bar sind jetzt die englischen Finanzen in Ordnung gebracht worden, und zwar in der Weise, die den Wünschen der aus- ländischen Geldgeber entspricht. Die kapitalistische Welt hat den Sturz der Arbeiterregierung und die Bildung des neuen Kabinetts mit Jubel aufge- n o m m e n. Snowden hat für feine Sanierungsmaßnahmen begeisterten Beifall gefunden. Warum denn ein neuer„Run" auf England, nachdem die wichtigsten Gründe für das Miß- trauen scheinbar beseitigt sind? Wenden wir uns den Tatsachen zu, die den letzten drastischen Maßnahmen der englischen Regierung unmittelbar vorangegangen sind. Am Freitag fand auf der New» P o r k e r Börse ein scharfer Rückgang der Kurs- werte statt. Besonders stark wurden englische Pa- piere zum Verkauf angeboten, und gleichzeitig setzten von Amerika und Holland verstärkte Kreditabzüge von England ein. Völlig übereinstimmend berichtet die englische und holländische Presse, daß diese erneute Beunruhigung in New Pork durch die Meldungen über die bevor- st ehe n den Neuwahlen und über die damit verbundene Gefährdung des Pfundes hervor- gerufen wurde. Man erzählt sich vom Besuch der Vertreter der Bank von England bei Mac Donald. Die Banken sollen vor Neuwahlen gewarnt haben. Zur Beruhigung wurde von irgend welcher Seite mitgeteilt, daß von einer solchen Warnung keine Rede sein könne, daß die Unterredung bei Mac Donald nur den Maßnahmen gegolten habe, die „notwendig und wünschenswert find, um die Stabilität des Pfundes während der Wah- l e n f i ch e r z u st e l l e n".(„Daily Telegraph" vom 19. Sep- tember.) Kein Wunder, daß eine solche„Beruhigung" die panikartige Stimmung noch verschärft hat! Woher aber diese Furcht vor den Neuwahlen? Es wurde doch allgemein angenommen, daß die Neuwahlen in England einen überragenden Sieg der Konservativen und also eine feste Mehrheit für eine konservative oder wiederum für eine „nationale Regierung" bringen werden. Des Pudels Kern Gnotvden-Rede im Ltnterhaus. Mr gleichmäßige Verteilung des Goldes. Gesteht darin, daß diese Auversickit in bezug auf den kom- wenden Sieg der Konservativen schon im Verschwinden ist. Deshalb wiederholte sich das frivole politische Spiel. Man malt« die furchtbare Gefahr einer neuen sozialistischen Regie- rung, die aus dem Wahlsiege der Arbeiterpartei entstehen kann, an die Wand. Ganz offen schrieben darüber die „Times" am Sonnabend, dem 19. September: „Die Nervosität kann in gewissem Sinne als ein Hinweis auf das Unglück betrachtet werden, welches unser Land treffen würde, falls die sozialdemokratische Regierung wieder an die Macht käme. Diese Möglichkeit allein scheint zu genügen, um die Nervosität in England und im Auslande her- vorzurufen." Wie vor dem Sturz der Arbeiterregierung, so auch jetzt hat tnan mit dem Gespenst des sozialistischen Experimentes gearbeitet. Man wollte die Spießbürger in aller Welt und vor allem in England selbst gegen die englische Arbeiterpartei mobil machen: Der mögliche Erfolg der Arbeiterpartei be- deute eine vollkommene Katastrophe! Darf man sich wundern, wenn die ausländischen Geldgeber auf die Nachrichten über die bevorstehenden Wahlen sofort mit dem Abzug der nach England gegebenen Kredite geantwortet haben? Jetzt wird man natürlich sagen: Das ist gar nicht wahr, von irgendwelchen politischen Absichten kann keine Rede sein. „Wirtschaft, Horatio, Wirtschaft!" Die Aeußerungen und Kommentare der englischen Presse vor dem Zusammenbruch bleiben aber bestehen, und ihre Sprache ist eine unwiderleg- bare Anklage. Es waren wiederum die englischen Kapitalisten und ihre ausländischen Klas- sengenossen, die dem Pfund diesen letzten Stoß versetzt haben. Ihr politisches Treiben allein wird gewiß die besondere englische Krise nicht erklären. Dieses Treiben hat aber zweifelsohne verschärfend gewirkt. Man hat der englischen Währung und damit dem gesamten Welthandel, also rückwirkend auch sich selbst, den schwersten Schlag versetzt, mit dem man den Klassenfeind treffen wollte. Brauchen wir noch eine Lehre aus dieser neuen Er- fahrung zu ziehen? Die kapitalistische Weltordnung ist wirk- lich reif zum Abbruch geworden! Die große historische Auf- gäbe unserer Zeit ist, die Kräfte der Arbeiterschaft zu sammeln, um durch den siegreichen Vormarsch der geeinten Arbeiterklasse die neue Weltordnung durchzusetzen. Prole- tarier aller Länder und eines jeden Landes vereinigt euch— in diesem Zeichen muß und wird der Sozialismus siegen! Llm die Einheit der Partei! Zur heutigen Sitzung de«! Parteiausschusses. Heute tritt der Parteiausschuß in Berlin zu« sammen. Im Mittelpunkt seiner Beratungen wird die Frage stehen, welche Haltung gegenüber den von der Deutschen Friedensgesellschaft ausgehenden Bestrebungen nach Schaffung einer neuen politischen Gemeinschaft einzunehmen ist und in- wiewest Sonderorganisationen zulässig sind. Die Frage der organisatorischen Sonderbestrebungen hat die Partei oftmals beschäftigt. Unter den grundlegenden Be- schlössen besitzt der des Parteitages von Heidel« b e r g, der damals auf Antrag der Zwickauer Bezirks- organisation gefaßt worden ist. die größte Bedeutung. Er verbietet alle Sonderkonferenzen und Sonderveranstaltungen. Gestützt auf diesen Beschluß hat der Parteiausschuß am 14. Juli d. I., als er sich mit dem Mahnruf der Genossen Rosenfeld, Seydewitz und S t r ö b e l beschäftigte, erneut ausgesprochen, daß jede Betätigung für sonderorgani» satorischc Bestrebungen unvereinbar mit den Interessen der Partei sei und als parteischädigende Haltung angesehen werden müsse. Er forderte infolgedessen die Einstellung aller Sonderorganisationen und Bestrebungen zur Errichtung selbständiger Organisationsgebilde in und neben der Partei. Leider ist diesem Beschluß des Parteiausschusses in keiner Weise entsprochen worden. Die Gründung der „Freien V e r l a g s g e s e l l s ch a f t", die Herausgabe der Wochenschrist„Die Fackel" und die damit im Zu- sammenhang stehenden erneuten und erweiterten Versuche nach Schaffung eines festen Organisation s- ap parates zeigen, daß allen Beschlüssen des Partciaus- schusses und der Parteitage zuwider an dem Ausbau der Sonderorganisation gearbeitet wird. Dazu kommt die durch führende Personen der Deutschen Friedensgesellschaft durch Aufrufe und Unterschriftcnsamm- lung geförderte Gründung einer„linkssozialistischen Arbeits- gemeinschaft", die sich offen gegen die Sozialdemokratische Partei wendet und zur Schaffung einer„neuen Gemeinschaft" aufruft. Das ist der Tatbestand, mit dem der Parteiausschuß sich zu beschäftigen haben wird und aus dem heraus er auch zu Entscheidungen gezwungen ist. Es geht nicht darum. politische Meinungsverschiedenheiten zu entscheiden. Es geht lediglich darum, ob die Partei gewillt ist, tatenlos zuzusehen, wie in und neben ihr Sonderorganisationen aufgebaut werden, die über kurz oder lang zur Spaltung führen müssen. Um die Einheit der Partei zu erhalten, darf aber nichts unterbleiben, was geeignet ist, rechtzeitig Gefahren von ihr abzuwehren. Die Liga für Menschenrechte. Erklärung zu ihrem Prozeß. Die Liga für Menschenrechte teilt mit: Hans Schwann mar n i e Präsident der Deutschen Liga für Menschenrechte. Der Vorstand der Deutschen Liga für Menschenrecht« hat vor sechs Iahren bereits alle notwendigen Konseguenzen au, dem eigenmächtigen, sclzädigenden Vorgehen des Herrn Schwann gezogen. Sein Verhalten wurde auf das schärfste oerurteilt. Schwang ist seit Jahren nicht mehr Mitglied der Deutschen Liga sür Meirschcnrcchte. Jede Organisation kann in die Gefahr kommen, solch« Elemente vom Schlage Schwann als Mitglied zu haben. Das Wesentliche ist, dah die Organisation sich von solchen Elementen trennt. Das ist in diesem Falle mit Nachbruck geschehen. Ooudon. 21. September.(Eigenbericht.) Schatzkanzler Snowden brachte am Montagnachmittag im Unterhaus das Gesetz über die Aufhebung des Gold» standards ein. Er erklärt«, daß die Einfuhr und Ausfuhr von Gold, das zum Verkauf z. B. von Südafrika nach London käme, nicht berührt würde. Der Rückzug von Gold, das die Pank von England von ausländischen Regierungen oder ausländischen Zentral- danken zur Aufbewahrung erhalten habe, werde ebenfalls nicht behindert. Was sich geändert habe, sei einzig das Recht, von der Bank von England Gold in Barren wezzunehmen. Jede Ver- pslichtung, Zahlungen in Dollar zu machen, wie dies z. B. für die in New Park begebenen Kriegsanleihebonds der Fall sei, werde natürlich nach wie vor erfüllt werden. Der Schatzkanzler gab sodann eine Schilderung der Er- eignisse, die zur Aufhebung des Goldstandards geführt haben. Er erwähnte die Schwierigkeiten in Deutschland, so» dann dos Mißtrauen, das die Soziallastcn im englischen Budget im Ausland hervorgerufen haben. Die Budgetsonierung habe zunächst den Erfolg gehabt, das Vertrauen wiederherzustellen und die Abzüge zu stoppen. Dann aber habe sich die Regierung in der unglücklichen Lage befunden, keine geschlossene Front herstellen zu können. Damit spielte der Schotzkanzler auf die Slreiiigkeilcn über den Wahltermin und die Tarifpolilik innerhalb der Regierung an. Zur politischen Unsicherheit hätte, so- sagte der Schatzkanzler, die sensationelle Bericht» erstattung über die Creignisie in der englischen Flotte wesentlich beigetrogen. Die Abzüge in den letzten Tagen hätten ein übriges getan. Diese seien in den vergangenen zwei Monaten aus ZOO Millionen Pfund gestiegen, wozu noch 70 Millionen Pfund in Deutschland eingefrorener Kredite kämen. Am Freitag habe die Regierung sowohl in Washington wie auch in Paris oertraulich angefragt, ob die beiden Regierungen bereit feien, weitere Kredite zur Verfügung zu stellen.„Zu beiden Fällen waren die Antworten freundlich, aber boten kein« Aussicht aus Hilfe in dem Umfang, wie es aoiweudig gewesen wäre." Am Sonnabend Hobe die Bank von England dann ein Schreiben an die Regierung gerichtet, in dem sie mitgetellt habe, daß die Kredite von 125 Millionen Dollar und 3100 Millionen Franken der Bank von England in New Park bzw. in Paris erschöpft seien, daß ferner die Kredite von 200 Millionen Dollar in New Park und der von 5 Milliarden in Paris ebenfalls so gut wie oufge- braucht seien. Die massenhaften Anforderungen von Devisen von New park und pari, sowie der Abfloß von Gold nach Holland. hätten die Bank in eine unmögliche Lage verfehl. Sie ersucht daher. von ihrer Verpflichtung. Gold zn verkaufen, entbunden zu werden. England, so fuhr der Schatzkanzler fort, sei bereit, ein« Konferenz über die gleichmäßige Verkeilung deä Goldes einzuberufen, ober die englische Regierung sei sich bewußt, daß andere Mächte(womit Frankreich und Amerika gemeint sind) dies nicht begrüßen würden. Eine solche Konferenz wäre zum Scheitern verurteilt. Unter den Investoren der ganzen Welt sei eine Panik ausgebrochen. Die ganz« Welt scheine darauf ver- s essen zu sein. Wer t e gegen bar zu verkaufen. Diese Ent- wicklung müsse über kurz oder laug zum Zusammenbruch des Welt- kredktfystems führen. Angesichts dieser Panik müsse England zur Selbsthilfe greisen. Snowden gab zu, daß die internationale Wirkung der neuen englischen Währungspolitik ernst sein werde. Sie werde indessen von vorübergehender Rotur sein. Di« von London ab- hängigen Märkte würden ebenso betrosten werden wie England selbst, und es bestehe die Gefalzr, daß die Maschinerie des internatio- nqlen Kredits für einig« Zeit gestört werde.„Ich sehe keinen Grund, warum dos Pfund Sterling zu einem bedeutenden Maß« entwertet werden soll, vorausgesetzt, daß die Finanzen des Landes richtig gehandhabt werden. Mit balanciertem Budget besteht keine Gefahr, daß man zur Rotenpresse wird greifen müssen. Wnl können der Lage ruhig begegnen." Der Führer der Opposition, Hcndersoti, erklärte, daß die Labour Party keine Opposition gegen das Gesetz erheben werde, falls gewisse Fragen befriedigend beantwortet würden. Diese Fragen bezögen sich darauf, ob die Regierung nötigenfalls bereit sei, den Kapitalexport zu unterbinden und die Steigerung der Preise zu verhindern. Tat- sächlich hat der Kapitalexport bei der Herbeiführung der Krise eine weit größere Rolle gespielt als von offizieller Seite zuge- geben wird. Ferner ist der Preis für Weizen und Baum- wolle in Liverpool am Montag sprunghaft gestiegen. Der Schatztonzler nickte bei den Fragen Hendersims mit dem Kopfe, um dessen weitere Ausführungen nicht zu unterbrechen. Es ist ober eine ausführlichere Erklärung der Regierung über diese Punkte zu erwarten, die sicher positiv sein wird und der Opposition erlauben wird, für das Gesetz zu stimmen. Das Gesetz ist noch am Montagabend verabschiedet worden. Das Unterhaus nahm mit 271 gegen 143 Stimmen den Bor- schlag der Regierung an. die Debatte nach der zweiten Lesung zu schließen, und lehnte dann mit 275 gegen 112 Stimmen einen Antrag Campbell Stephens(ILP.) ab. Der Gesehentwurs wurde mit demselbeu Slimmcuoerhältnis in Zweiter Lesung angenommen. Das Haus konstituierte sich dann als Ausschuß zur Erörterung der einzelnen Artikel des Gesetzentwurses. Die Gesetzssvorlage über Aushebung des Goldstandards wurde schließlich im Unterhaus in dritter Lesung in einfacher Ab- stimmung angenommen. Auch im Oberhause wurde die Gesetzes- vorläge oerabschiedet. Der König unterzeichnete sie danach. Noch keine Oevisenverordnung. London, 21. September.(Eigenbericht.) Irgendwelche Maßnahmen zur Beschränkung des De- Visenhandels sind bisher nicht beschlossen worden. Die Re- gierung behält sich jedoch vor, solche Maßnahmen nötigenfalls zu ergreifen. Dorläufig begnügt man sich mit einem Appell und mit Ratschlägen. Die Direktoren der ausländischen Nieder- lasiungen der großen englischen Banken haben eine Konserenz in London abgehalten und einen Ausschuß zur Ueberwachung der Devisentransaktionen gebildet. Alle Kunden, die Devisen anfordern, müssen den Bedarf nachweisen. Man hofft, auf diese Weise um die Ergreifung von Zwangsmaßnahmen herum» zukommen. MatdonaldversprichtKorrekturderDeamieugehälter London. 21. September.(Eigenbericht.) M a cch o n a l d erklärt« am MontagnochmiUag im Unter- haus, daß einige Bevölkerungsklassen durch die Sparmaßnahmen der Regierung in ungerechter Weis« betroffen worden seien. Als einfachstes Mittel, die Ungerechtigkeiten auszugleichen, habe die Regierung beschlossen, daß für die Lehrer, die Polizei, die Marin«, das Heer und die Luftflotte die Kürzungen nicht mehr als zehn Prozent bcicageu sollen. Ursprünglich gingen die Kürzungen bis zu 15 Proz. Dieser Beschluß erstreckt sich jedoch nicht aus die höheren Gehaltsklassen. Ein Mitglied der Opposition fragt« den Ministerpräsidenten. ob die Arbeitslosen, wenn sie zu denselben Mitteln wie die Flotte greifen würden, dl« gleich« Beachtung sindcn würden. Mac- donald gab zu, daß die allgemeine Hcrabdrückung der Ausgaben und die Erhöhung der Besteuerung zweifellos zn einem vorüber- gehenden Anwachsen der Arbeitslosenziffer führen werde. Die Sa- nierungsmaßnahmen seien jedoch unvermeidlich gewesen, wie die Vorgänge der letzten Tage gezeigt hätten. Cm unhaltbares Ltrteil korrigiert. Oer Prozeß um das nationalsozialistische Maschinengekoehr. München. 21. September. Im Frühjahr d. I. hatte das Schöffengericht München vier Reichsbannerleutc. die unter der Angabe, sie seien Rational- sozialistcn und kämen im Auftrag des nationalfoziolistischen Pro- fcssors Bauer, aus der Boschctsriedcr Straße ein dort lagern- des Maschinengewehr entführt hallen, wegen Vergehens gegen das Kriegsgerätegcsctz zu je 50 M. Geldstrafe verurteilt. Auf ihre Berufung wurde heute von der 2. Strafkammer des Land- gcrichts München I dieses Urteil aufgehoben und die Angeklagten freigesprochen. In der Verhandlung legten sie dar, daß sie das Moschinen» gewehr in der Absicht entführt hätten, es der Polizei aus- z u l i e f e r n. Die Ablieferung sei dadurch verzögert worden, daß dos Maschinengewehr erst photographiert werden sollte, um einen Beweis für die Illoyalität der Hitlerleut« in der Hand zu haben. Das Gericht schenkte auf Grund der Aussagen des als Zeuge vernommenen Vizepräsidenten Auer diesen Angaben Glauben und kam daher zur Freisprechung. Putschisten enitassen und gefeiert. Zustizstandal in der Steiermark. Lcoben. 21. September.(Eigenbericht.) Am Montag sind die Leobener Heimwehrputschisten, Major Reichel und Berginspektor Baumgartner, auf freien Fuß gesetzt worden. Sie kehrten von Graz im Triumph nach Leoben zurück. Hier wurden sie von einer Werkskapolle der Alpinen Montan- gesellschaft feierlich empfangen und durch den Ort geleitet. Das steierische Landesschulamt hat angeordnet, daß olle Lehr- kräst«, die an dem Putsch aktiv teilgenommen haben. suspendiert werden. provokatorische Rede GiarhembergS. Wie«, 21. September. Bei einem Führerappell des oberösterreichischen Heimatschutze» in Wels sprach Fürst Starhemberg über den Sonntags» putsch und über seine Verhaftimg. Er erklärt« u. a.:„Wir gehen jetzt erst recht los. und ich möchte den Minister sehen, der unser« Vorbände auflösen kann. Bielleicht ziehen sie uns die Windjacke au», vielleicht wollen sie uns die Hahnenfeder nehmen. Riemal» aber können sie uns den Haß gegen dos morsche System. gegen unsere Ausbeuter(gemeint sind natürlich nicht die schwerindustriellen Geldgeber der Heimwehr. Red.i, die glühend« Liebe zu unserem Vaterland aus dem Herzen reihen. habt bllude, vertrauen zu mir.(!) Ich finde einen Weg(!) med verspreche euch, daß mir uns den Staat erobern werden. Der Kampf geht weiter. Was sich in S t« i c rm a r k ereignete, ist nur als«in Verzweiflung sausbruch zu bezeichnen. wir vrrvrkeilen die steirischen Kameraden aus keinen Fall. Zum Ziichen unserer Solidarität werden wir ein Notopfer in die Wege leiten, damit unser« verhasteten Mitkämpfer in Steiermark ein« entsprechend« Verteidigung bekommen." Abgeordneter Dr. H u e b e r wies darauf hin, daß der Heimat- schütz als Kandidaten für die Bundespräsidcntschajt den General Hülgerth aufgestellt habe, mit dem. wie er sich ausdrückte, die Heimweh? an die Spitze de« Staates den Stahlhelm stattdes Schlapphute» setzen walle. In den Schlingen Ltralzeffs.. Ein sächsifiher Mimstenalrai zvr Oienstentlastvng vsrurieili. Dresden. 21. September.(Eigenbericht.) Die sächsische Disziplinarkammer verurteilte den Ministerialrat im sächsischen Justizministerium Walther Johnson zur Dienstentlassung. Johnson hatte ohne Genehmigung seiner vorgesetzten Behörde im Austrage eines Bergwerksdirektors Herben eine um- fangreiche Geldvermittlertätigkeit entfaltet, um Geld für die Cr-- schliohunz von Kohlenbergwerken zu beschaffen, die Herben angeb- lich in der Altmort entdeckt haben wollt«. Dafür hatte er Ver- gütungen bekommen. Den Gläubigern gegenüber hatte er falsche Angaben gemocht. Mit Ausnahme eines einzigen haben sie ihr Geld nicht wiederbekommen. Johnson hatte auch mit dem be- kannten Hochstapler Uralzeff Verbindungen an» geknüpft. Er hatte diesem Uralzeff Schriftstücke mit dem Dienst» stempol des sächsischen Justizministerium» ausgehändigt, vi« Folg« war, daß Uralzeff aus der Haft entlasten und erst später wieder festgenommen wurde. Außerdem hotte sich der geschäftstüchtig« Miinfterialrat unbeiugtcrweije des Titels Geheimer Iustizrat bedient. Trotz der schweren Verfehlungen wurden Johnson von der Disziplinarkammer 80 Prozent seines Ruhegehalt» auf Lebenszeit zugesprochen. ?!r. 443 ♦ 48. Zakegang i. Beilage des Vorwärts Dienstag, 21. September 1931 Neubaumieter schutzlos? Reichsbund fordert energisch Senkung aller Mieten Der Landesverband Preußen des Reichsbundes deutscher Mieter, Berlin SW�, sendet uns salgende soeben gesaßten Entschließungen: Der am 2t). September 1931 in Berlin versammelte Gesamt. vorstand des Landesverbandes Preußen im Reichsbund Deutscher Mieter e. P.(Sitz Berlin) nimmt mit lcbhastcr Entrüstung Kenntnis von der Verordnung des Herrn Ministers für Volkswohlfahrt vom 12. September, nach welcher der Mieterschutz bei Neubauten am 1.'April 1932 außer Kraft tritt. Durch diese neueste Lockcrungsvcrordnung wird der Zustand herbeigeführk, daß den Iliielcrn von Ileubanwohnungcn, die von privaten mit Hilfe öffentlicher Dlittel errichtet worden sind, vom 1. April 1932 an vom Vermieter beliebig gekündigt werden kann. Gegen diese Lockerungsvcrordnung erhebt der Gesamtvcrband des Landesverbandes Preußen im Reichsbund Deutscher Mieter um so schärfer Protest, als die den privaten Neubaubefitzcrn aus öffent- liehen Mitteln zugeflossenen Beträge an Hauszinssteuerhypotheken von den Altbaumietcrn als Teil der gesetzlichen Miete vielfach unter großen Entbehrungen aufgebracht worden sind. Die Aushebung des Mieterschutzes für Neubauten gerade im gegenwärtigen Zeitpunkt muß um so mehr befremden, als die be- troffcncn Ncubaumieter durch diese Verordnung nunmehr ganz um erwartet den mietrechtlichcn Vorschriften aus der Vorkriegszeit unter- stellt werden, obwohl diese Vorschriften infolge des dauernden Drängens der Mieterorganisationen von der Reichsregierung Brüning durch die Notverordnung von? 1. Dezember 1930 als den heutigen Zeitvcrhältnifscn nicht inchr entsprechend anerkannt worden sind. Billigerwcisc hätte man erwarten dürfen, daß der durch die Abbaumaßnahmen der letzten äahre schon über Gebühr ge. minderte Mieterschutz wenigstens solange aufrechterhalten bleibt, bis das Mickrccht des Bürgerlichen Gesetzbuches noch sozialen Gesichtspunkten umgestaltet ist. Die Wiederinkraftsetzung der mictrcchtlichcn Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches für die Ncubaumieter des privaten Haus- befitzes ist außerdem geeignet, die Verhandlungen der Rcichsrcgierung init den Ländcrrcgicrungcn über die soziale llmgestaltung des Miet- rechtes des Bürgerlichen Gesetzbuches, die Ende September in Berlin stattfinden, ungünstig zu becinslussen. Das ist um so mehr zu bc- dauern, als das jetzt geltende Mictcrschutzgcsctz im K 52 c bereits einige—- wenn auch schüchterne— Ansätze für ein zeitgemäßes soziales Mietrccht enthält. Die völlige Aushebung des Mieterschutzes für Neubauten wird dahin führen, daß der Druck auf den Wohnungsmarkt gerade hinsichtlich der Kleinwohnungen noch mehr verstärkt wird, als dies bereits durch die Abwanderung der Mieter aus den größeren und den mittleren Wohnlukgen und durch die unerträgltche Höhe besonders der Reubaumictcn eingetreten ist. Die Verantwortung�'für die Folgen dieser unsozialen Verordnung muß deren Urhebern über- lassen bleiben. Der am 20. September 1931 in Berlin versammelte Gesamt- vorstand des Landesverbandes Preußen im Reichsbund Deutscher Mieter e. V.(Sitz Berlin) nimmt mit lebhaftem Befremden Kenntnis von der Tatsache, daß die Reichsregicrung trotz fort- schreitenden Abbaues der Löhne und Gehälter, der Kricgsbeschädigteiv- und der Sozialrenten sowie der Wohlfahrtsuntcrstützungen bei gleichzeitiger Steigerung der Steuerlasten und trotz der ungeheuren Zahl von Arbeitslosen und Kurzarbeitern bis zum heutigen Tage keiue Schritte zur Senkung der wohn- und Geschästsraummieten in Alt- und Neubauten unternommen hat, ivie es der R e i ch s b u n d Deutscher Mieter einmütig seit längerer Zeit und mit guten Gründen fordert. Dieses Be- fremden ist um so mehr gerechtfertigt, als die Rcichsrcgierung dauernd mit den Vertretern des Hausbesitzes, des Bauuntcrnehmertums usw. über eine weitere Förderung der rein egoistischen Interessen dieser Kreise verhandelt. Die im Landesverband Preußen im Reichsbund Deutscher Mieter organisierte Mieterschaft steht geschlossen hinter der Forderung des Reichsbundes und des Reichsmietcrtages in Leipzig auf Senkung der Alt- und Neubaumicten bis auf die Höhe der Vor- k r i e g s m i e t e n. Sie ist entschlossen, in eine große Protest- bewegung einzutreten, sobald der Vorstand des Reichsbundes Deutscher Mieter dazu auffordert. Die Mieier iagen. Senkung der Mieten tut not!- Aufruf zum Zusammenschluß Dresden. 21. September. Die Vertreter der Landes- und Provinzialvcrbände des Bundes Deutscher Mietervcreine e. V., Sitz Dresden, tagten am Sonnabend und Sonntag in Dresden, um zur Lage der Mieter Stellung zu nehmen. Im Vordergrund der Verhandlungen stand der Entwurf zu einem Gesetz über das soziale Mietrccht, hinter den sich die Vertreter restlos stellten. Zur Frage der Umgestaltung der Auf- wcrtungs-(Hauszins-)Steuer nahmen die Vertreter die von der Bundeslcitung der Reichsregicrung unterbreiteten Vorlagen einmütig an. Beschlossen wurde serner eine Kundgebung an die Mieter- schaft Deutschlands, in der gegen die Forderungen des Hausbesitzes Stellung genommen wird. Die Mieterschaft fordere: Neuregelung der Mietzinssteuer zur endgültigen Erfassung der durch den Haus- besitz gemachten Entschuldungsgewinne, uneingeschränkte Aufrecht- crhaltung des Mieterschutzes und allgemeine Senkung der Mieten einschließlich gesetzlicher Maßnahmen zur Senkung der Neubaumieten. Die deutsche Mieterschaft lehne es ab, trotz wieder- Holter Warnungen bei den neuen Maßnahmen der Rcichsrcgierung wiederum Lastcnträger zu werden. Der Aufruf schließt mit der Aufforderung an die deutschen Mieter, sich zusammenzuschließen und für die Forderungen des Verbandes zu werben und zu wirken. -»i- Vierjähriger in die Spree gestürzt. Tragischer Tod eines taubstummen Kindes. Beim Spiesen skürzte g�crn äbcnd'cm etwa vierjähriger Zunge in die Spree und ertrank, noch bevor Hilfe zur Stelle war. In der Uebergangsgasse hinter dem Zirkus Busch endet der Fahrdamm in einer schrägabfallcnden Böschung, an der sich die Ladeplätze der Spreekähnc befinden. An dieser Stelle spielten in den gestrigen'Abendstunden mehrere kleine Kinder. Unter ihnen befand sich ein vierjähriger t a u b st u m m c r Knabe, der sich zu weit über die Kaimauer wagte, dabei das Gleichgewicht verlor und zum Entsetzen seiner Spielkameraden in die Spree stürzte. Zlnstatt gleich um Hilfe zu rufen, liefen die Kinder in ihrer Angst davon, und erst Minuten später erfuhren Passanten von dein Unglück. In der Zwischenzeit war das verunglückte Kind, das infolge seines Gebrechens keinen Laut von sich geben konnte, völlig hilflos untergegangen. Die alarmierte Feuerwehr und ein Boot des Polizeiwasserschutzcs nahmen im Lichte der Schemwerfer die Suche nach dem ertrunkenen Jungen auf. Erst nach zweistündigen Be- mühungen konnte die kleine Leiche, die von der Strömung schon ziemlich weit abgetrieben war, geborgen werden. Die Bergungs- aktion der Feuerwehr Hatte eine große Schar Neugieriger angelockt. Ozeanflieger gerettet! LoHannfen, Nody und Veiga an Bord eines Motorschiffes. Dessau, 21. September. Pei den I u n k e r s w c r k c n in Dessau ist am Montagabend ein Kabeltelcgramm folgenden Inhalts eingetroffcn:„M.«. Bclmoira via Caperacenf UN, 148 Stunden schwamm die Maschine. Mir haben sie ver- lassen an Bord Bclmoira. Flugkapitän Fohannsen." Llus diesem Kabeltclcgramn» geht osscnsichtlich hervor, daß sich das Jnnkerswasserflitgzeug trotz schlechten Wetters sechs Tage auf hoher Sc» gehalten hatte. New Jork, 21. September. Der Associated Preß wird aus Halifax gemeldet, daß das Motorschiff„B e l m o i r a", das von Albany im Staate New Jork unterwegs nach Rußland ist, habe die deutschen Ozeanflieger R o d>i, Johannsen und Veiga ausgenommen. Weiter wird mis Toronto von einem Funkspruch berichtet, nachdem die „Belmoira" die Trümmer des Flugzeugs in der Gegend sichtete, wo das Flugzeug Rodys zuletzt gesehen worden ist. Auio gegen Personenzug. Vier Tote und zwei Schwerverletzte. Magdeburg. 21. September. Nach einer Mitteilung der Pressestelle der Reichsbahndirektion Magdeburg ist am Montagnachmittag bei einem unbewachten Ucbergang zwischen den Bahnhöfen Zeppernick und Loburg ein mit sieben weiblichen Personen besetztes und aus Leitz- kau stammendes Auto gegen den Personenzug 1783 gefahren. Der Kraftwagen wurde zertrümmert. Von den Insassen des Wagens wurdcn zwei Frauen und zwei Kinder getötet, eine Frau leicht und zwei Frauen schwer verletzt, Zwei tödliche ilnfälle. Amtsgerichtsrat vom Privatauto überfahren. In Charlottcnburg ereignete sich gestern nachmittag vor dem Hmife Berliner Straße 80 ein tödlicher Verkehrsunfall. Beim lUberfchreiicii des FLHrdamtns ivurde dort der 63 Jahre alte Amts- gerichtsrät Otto Nllse aus der Giterickistraße 26 in Eharlotte ibMg von einem Privatauto überfahren und lebensgefährlich verletzt. Nüst wurde in das Westcndkrankenhaus übergeführt, wo er bald nach seiner Einlieferung an den Folgen innerer Verletzungen starb. Der zweite tödliche Unfall trug sich in der Dorfstraß: in T e in p e l h o f zu. Ein etwa sechsjähriges Mädchen geriet beim Spielen gegen 17 Uhr unter die Räder einer Autodroschke: das unglückliche Kmd wurde noch ein Stück mitgeschleift. Die Verunglückte wurde in das Tempelhofer St. Josefskrankcnhaus eingeliestrt, wo nur noch der inzwischen eingetretene Tod festgestellt werden konnte. Als Harnz den Salon betritt, find die Gaste seiner Tante vollzählig anwesend. Er küßt der verwitweten Frau Re- gierungerat Telles die Hand, begrüßt Frau Beate Bobbe und nickt dem Oberlehrer und Kunstkritiker Dr. Hermann Aronius, der auf Fränze einredet, nicht besonders freundlich zu, denn der Bierernst des kunstbcflissencn Pädagogen geht ihm schwer auf die Nerven. „Onkel läßt sich entschuldigen, er fuhr noch ins Geschäft", unterbricht er das Gespräch über die verschiedenen Auffassun- gen des Don Jofch in dem Dr. Aronius den Typ des männ- lichen Mannes erkennen will. Frau Beate Bobbe atmet auf. Endlich wird es inter- effant. Sie hatte gehofft, den Bruder der Hausfrau, den be- rühmten Sänger Manfred Grumacher zu treffen. Zu ihrem Schmerz mußte sie erfahren, daß er bereits abgereist sei und aller Wahrscheinlichkeit nach in Schottlands Bergen herum- klettere. Immerhin steht jetzt Dr. Harry Silvester zur Ber- fügung, mit dem man auch recht geistvoll plaudern kann. „Lieber Doktor", spricht sie ihn an.„Wie freue ich mich.." Sie vergißt zu sagen, warum sie sich freut und zerkrümelt zierlich einen Keks zwischen den Fingern. Harry ist zerstreut. Wird das Telegramm rechtzeitig Manfred erreichim? Wird James nicht kopfscheu werden? Hoffentlich kann er ihn von Dummheiten abhalten. Er lächelt liebenswürdig in die Gegend und sagt ein paarmal hinter- einander:„Ja... ja..- ja.. „Sie sind abgespannt. Sie Aermster", bedauert Frau Beate Bobbe.„Da tut eine Tasse Tee Wunderdinge...!" „Wie geht es dem Herrn Gemahl?" fragt Harry, nur um die guten Ratschläge im Keim zu ersticken. „O danke, er arbeitet." „Das freut mich." Harry zuckt nxrvös mit dem rechtxn Auge. Herrgott nochmal, was kümmert mich der mickrige Esfig-Bobbe. Bon mir aus soll er Mostrich fabrizieren. Frau Beate Bobbe strengt ihren blonden Kopf nach einem Thema an, würdig dieses literarischen Tees. Sie steht allge- mein in dem Ruf, nicht das Pulver erfunden zu haben, und ganz böse Zungen tuscheln sogar, sie sei dumm. Sie hat sich nun einmal in die Schöngeistigkcit verrannt und betrübt sich von Herzen darüber, daß Essig-Bobbe diese Neigung nicht teilt. Sie kann ihn zwar sonst um den Finger wickeln, aber Bekehrungsversuche auf diesem Gebiet blieben völlig unfrucht- bar. Erich Lobbes Gedanken richten sich einzig und allein auf das Blühen und Wachsen der Essigspaltpilzc. Jedenfalls ist Frau Beate Bobbe stolz darauf, in Fränze Silvesters Salon literarischen Tee zu trinken, um so mehr, da Harry Sit- vcster ein sehr sympathischer, ja ein schöner Mensch ist. „Man trifft so selten Männer von Esprit..." seufzt Frau Beate. Ich hätte etwas mehr Parfüm nehmen sollen, grübelt sie. „Warum selten...? Aber liebe, gnädige Frau, schauen Sie sich doch unseren Dr. Aronius an. Es sprüht förmlich um chn." Frau Beate Bobbe begreist nie sofort. Nach einer Weile kichert sie:„Sie meinen das doch wieder ironisch. Man kennt Sie doch, Sie boshafter Mensch!" „Huch nein!" Harry hört sich ein paar Minuten an, was Dr. Hermann Aronius über den„Ring" auf der Zoppoter. Waldbühne berichtet. „Aber guter Doktor", fährt er dazwischen,„das ist doch Unfug! Was hat Richard Wagners Musik im Wald zu suchen?" „Mein lieber, junger Freund", setzt sich Dr. Aronius in Positur. Er hustet, denn er hat sich vor einigen Tagen er- kältet.„Wie stimmungsvoll, wenn die Vöglcin im Walde zu den Klängen Wagners zwitschern.. „Und die Schncllzugslokomotivcn dazwischenpfeifen", schaltet Harry ein.„Ich habe vor drei Jahren„Lohengrin" dort gehört, und während des Borspiels schienen sich die Loko- motiven zu einem finsteren Komplott verschworen zu haben." „>vie sind zu skeptisch..." Dr. Aronius weiß nicht weiter. Frau Beate Bobbe kommt ihm zu Hilse.„Kunst ist doch überall schön, wo sie uns geboten wird." „Und die Symbole.. gibt Frau Regierungsrat Telles zu Bedenken. Da kann man nix machen", sieht Harry ein. Fränze lächelt. Sie ist gut gelaunt. Erlöst genießt sie das Gefühl, frei von Schmerzen zu sein. Sic streicht sich über die Stirn und das krause braune Haar. Die Babbe hat bestimmt wieder ein paar Pfund zugenommen. Und ich möchte so gern dicker werden, aber ich bekomme von der Sahne nur Magenschmerzen. „Um ans Ihren Herrn Bruder zurückzukommen, verehrte, gnädige Frau", Dr. Hermann Aronius bedient sich mit kleinen Mürbekuchen,„so muß ich gestehen, daß der Mensch hält, was der Künstler verspricht. Welche hohe Auffassung der Kunst!" „... Und welch geniales Köpfchen zum Spekulieren. Der Herr Kammersänger kennt sich in Börsennotierungen genau so gut aus wie in Opernpartituren." „Aber Harry!" Fränze schüttelt vorwurfsvoll den Kopf. „Ich sag dir nur, James könnte glücklich sein, wenn er Manfreds Instinkt für diese Dinge besitzen würde. James und die ganze Börse hier. Warum soll ein Heldcntenor nicht mit Aktien von Standard Ott umgehen können? Bereinigt sich das nicht mit der Idealität eines Tristan? Ra, Wogner war auch kein Heiliger." „Die Jugend liebt es, zu übertreiben. Ich kenne das von meinem Sohn Gert", stellt die. verwitwete Frau Regierungs- rat Telles milde fest. Sic hat die Angewohnheit, beim Sprechen ständig an ihrem Zopf heruiuzuordnen. Der Zopf ist der Schmuck des Weibes, behauptet sie zu jedem, der es hören oder nicht hören will. „Aber von der Jugend wird die Erneuerung des Geistes ausgehen", krächzt Dr. Aronius. In seiner Eigenschaft als Oberlehrer am Luisenlyzeum fühlt er sich verpflichtet, feurig für die junge Generation einzutreten, obgleich sie es im Grunde nicht verdient, wie er es sich in stillen Stunden ein- gesteht.„Mein Katarrh macht mir zu schaffen", er befühlt sorgsam seinen Kehlkopf.„Ja, ja, der plötzliche Wetterumschlag." „Ich weiß ein Mittel, Herr Doktor", Frau Beate legt dem anerkannten Kritiker der„Morgenzeitung" im Eifer die Hand auf den Arm.„Nehnken Sie doch. Pohimbim, mein Mann gebraucht es gegen Erkältungen." Sie sieht befremdet von Dr. Aronius, der fein Gesicht zusommenkneift, zur Regierungs- rätin Telles hinüber, die schockiert die Augenbrauen hochzieht. Fränze wendet sich ab und macht sich an der Teekanne lu schaffen. Frau Bobbes wässrige Augen schauen hilflos. Ihre etwas zu lange Rase hängt traurig im Gesicht herum. Was habe ich denn gesagt, denkt sie. Erich nimmt es ständig. „Dieses Mittel'führt zu gewissen Begleiterscheinungen.. läßt sich Harry vernehmen. Er beendet den Satz nicht, weil ihn Fränze bittend anblickt.(Fortsetzung folgt.) Die abgebissene Nase. Elf Monate Gefängnis für einen eifersüchtigen Liebhaber. Der Lorsitzende der Berufungsverhandlung mag mit seiner Bermuiung recht gehabt haben: Weil der Angeklagte seine Freundin niemand anderen gönnte, biß er ihr, um sie zu verunstalten, die Nase ab. Die Dreißigjährige, Inhaberin eines Brotgeschüstes, kann noch von Glück sagen: Das Stück war nicht ganz abgebissen, die herabhängende Spitze wurde schnell genug augenäht. Aber schön sieht es nicht aus. In der ersten Instanz halte der Mann tl Monate Gefängnis erhalten. Das war ihm zu viel lind er hatte Berufung eingelegt. Nun schilderte er erneut, wie er zu der Tat gekommen, sagte allerdings auch nur die halbe Wahrheit. Den tieferen Sinn seiner unentschuldbaren Handlungsweise brachte er aber in einem prägnanten Satz zum Ausdruck: Wenn man so lange mit einer Frau lebt, kann man doch nicht so schnell weggehen. Im März 1927 lernte der 28iähr!ge P. die S. gelegentlich eines Geburtstages seines Freundes kennen. Vierzehn Tage später wohnte er bereits bei ihr: seitdem mit geringen Unterbrechungen ganze vier Jahre hindurch. Im Jahre 1929 verlor er seine Arbeit, die Arbeitslosenunterstützung reichte nicht, und die Frau steuerte zu seinem Lebensunterhalt bei. In der ersten Zeit trugen beide sich mit dem Gedanken zu heiraten: die Freundin mußte sich aber zuerst von ihrem Manne scheiden lassen. Als es endlich so weit war, zögerte er, eine Ehe einzugehen— aus„finanziellen Gründen". Da begannen die Zwistigkeiten. Sie verbot ihm das Haus, er kam aber immer wieder. Das ging so eine Zeitlang hin und her. Im Februar d. I. schickte sie an ihn in die Wohnung seines Bruders einen eingeschriebenen Brief, in dem sie zum xtenmal die Freundschaft kündigte... und ließ ihn weiter bei sich wohnen. Aus Angst, sagt sie... Am 1. April traf er, nachdem er drei Nächte bei seinem Bruder geschlafen hatte, gegen Abend einen unbekannten Mann bei ihr an. Es kam zu heftigen'Auseinandersetzungen: sie gab ihm zu verstehen, daß er gar kein Anrecht mehr aus sie habe und ruhte nicht eher, als bis er sich zusammen mit dem Mann entfernt hatte. Am nach- sten Morgen kam er wieder. Der Manu vom Abend vorher war gerade damit beschäftigt, die Jalousie in Ordnung zu bringen. Da rief P. seine Freundin ins Hinterzimmer, bat, sie, ihm einen Kuß zu geben und biß ihr die Nase ab.„Er hat mir früher nie einen Kuß gegeben, er war überhaupt niemals zärtlich, immer nur wie ein Tier", sagte sie vor Gericht. Der Mann schiebt aber alle Schuld ihr zu: sie habe ihn mit anderen Männern hintcrzaugen. Das will s i t nicht wahr haben. Der Mann wird seine elf Monate absitzen. Er wird aber nicht aufhören, sich als Opfer der Frau zu betrachten, die er für immer verunstaltet hat. Die Quelle des Grauens. Leichenteilfunde bei.Helsingfors.- Reste von Lustmorden. helsingsors, 21. September. Bei einem einsam gelegenen Moor, einige Kilometer von Helstngfors entfernt, hat ein Chausseur, der an einer Quelle trinken wollte, eine Menge Leichenteile gefunden, einen Kops mit langem Frauenhaar, vier linke Hände, vier rechte Hände, drei linke Füße, sechs rechte Füße und Teile von zehn abgehauenen Fingern, die mit Bindfaden zusammengebunden waren. Die Fundstelle ist 39 MetlT von einer Ehaufsee entfernt. An der gleichen Stelle fand man vor einem Jahr eine abgehauene Frauenhand, ohne daß damals die Polizei das Rätsel lösen komtte, um welchen Mord es sich handelt. Der neue Fund zeigt eine große Aehnlichkeii mit dem vorjährigen. Alle Leichenteile sind in Zeitungspapier eingepackt und zusammengebündelt. Sie zeigen alle scharfe Schnitte. Der gefundene Kops stammt wahrscheinlich von einer älteren Frau, während die gefundenen Hände sowohl Männer- wie Frauenhände sind. Als sich der Chauffeur zur Quelle niederbeugte, sah er plötzlich zu seinem großen Entsetzen ein« Hand nnter dem Wasserspiegel. Cr untersuchte das Wasser mit einer Stange, und im nächsten Augenblick tauchte ein Kops auf. Während des ganzen Nachmittags hat die Polizei die Quelle untersucht und andauernd neue Funde gemacht. Die polizeilichen Untersuchungen wurden bis zum Eintritt der Dunkelheit fortgesetzt und sollen heute morgen wieder aufgenommen wenden. Die Leichenteile haben wahrscheinlich einige Monate i m W a s s e r gelegen.'Alles ist vorläufig noch ein Rätsel. Man nimmt an, daß es sich um Lustmorde von mindestens sechs Opfern handelt. Von den Tätern hat die Polizei noch nicht die geringste Spur. Die Quelle ist sehr tief. Es ist unmöglich, sie leerzupumpen. Während eines Waldbrandes im Jahre 1914 hatte man daraus ununterbrochen mehrere Tag« lang Wasser entnommen, ohne das der Wasserspiegel der Quelle sank. Verpflegung für reisende Tiere. Einer dankenswerten Aufgabe hat sich dieser Tage die Reiche- bahndirektivn Berlin durch den Bau einer Tränk- u n d F/i tterungsanlage für Schlachtvieh, das von Polen und Litauen nach Belgien. Holland und Frankreich befördert wird, entledigt. Jährlich werden von der Reichsbahn zahlreiche Tiertransporte befördert. Dauert die Fahrt länger als 36 Stunden, so müssen die Tier« unterwegs vcrpslegt werden. Zu diesem Zweck hat die Reichsbahn in den verschiedensten Gegenden des Reichs so- genannte Fütterungs- und Tränkanstalten errichtet. Auch über Berlin geht ein großer Teil von Schlachtpferdetran spar- t e n. Vor einiger Zeit erregte es den Unwillen der Oessentlichkeit, als bekannt wurde, daß die Tiere vom Absendeort bis zum Ziel teilweise sogar bis zu 70 Stunden ohne jegliche Pflege und Versorgung blieben.� Auf dem Bahnhos Berlin-Spreeufer in d«r Lehrter Straße, etwa dem Poststadion gegenüber, ist die neue Trän tan st alt für die Transporte von West nach Oft errichtet worden. Bei dem Bau sind alle seuchenpolizeilichcn Vorschriften berücksichtigt worden, so daß die Durchfuhrpserde mit dem Jnlandsvieh nicht in Berührung kommen. Die Boren haben Zementfußböden nnd sind derart ausgestattet, daß sie täglich des- infiziert werden können. Durch diese Slnlage kann den Tieren in Straf atiträge gegen Hetzer Bezirksamt Friedrichshain setzt sich zur Wehr. Die der„Roten Fahne" eigen« Art, die kommunale Wohlfahrts- arbeit hcrabzurcißen und besonders da, wo Sozialdemo- traten Leiter von Wohlfahrtsämtern sind, diese zu verleumden und zu beschimpfen, hat das Bezirksamt Friedrichshain veranlaßt, m allen solchen Fällen Straf«»trag zu stellen. Die Arbeit der Beamten, der Angestellten in den Wohlfahrts- ämtern und die der zahlreichen Ehrenbeamten in der Wohlfahrts- pflege erfordert heute mehr denn je ein hohes Maß von Pflicht- gefühl und Opfermut. Diese in schwerer Zeit der Gemeinschaft dienenden Kräfte noch zu beschimpfen und verleumden, führt dazu, daß unbesonnene Elemente zu tätlichen Angriffen aufgehetzt werden, wie wir sie in letzter Zeit immer häusiger erleben. Vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte sollte sich der Redakteur der„Roten Fahne" Wilde wegen Beleidigung von Wohlfahrts- beamten des Bezirksamts Friedrichshain verantworten. Wie leicht- fertig das Bolfchewistendlatt Verleumdungen weitergibt, zeigt, daß der Herr Wilde in einem vorausgegangenen Termin bereit war, eine Lergleichserklärung zu veröffentlichen,„weil unser Gewährsmann, der uns diese Mitteilung gemacht hat, nicht zu ermitteln ist". Bei der Sch w c r e der Beleidigungen konnte sich das Bezirksamt jedoch auf einen solchen Vergleich nicht einlassen. In dem am Freitag stattgefundenen Termin war es interessant, daß Herr Wilde auf die Frage des Vorsitzenden, ob er noch Redakteur der„Roten Fahne" sei, die'Antwort verweigern wollte. Er gab es jedoch schließlich zu. Die Verantwortlichkeit sür den beleidigenden Artikel lehnte er ab, da er nur für den lokalen Teil zuständig war. Sein Verteidiger machte außerdem geltend, daß für die frühere un- genügende Abgrenzung der presscgesetzlichen Beramwortung in der „Roten Fahne" die Pressepolizei schuldig wäre. Das Gericht beschloß Beweisaufmihme, ob Wilde als zuständiger„Verantwortlicher" anzusehen sei. Zum Schimpfen und Verleumden fehlt den Herren von der„Roten Fahne" also nicht der Mut, sollen sie jedoch den Wahrheitsbeweis antreten oder gar die Verantwortung übernehmen, dann gelten alle Kniffe, die nur möglich sind, um sich zu drücken. Nazimob auf Mäöchenjagd. Aus Waidmannslust schreibt man uns: Die Nationalsozialisten haben in Berlin-Waidmannslust, Dianastraße 66, vor einiger Zeit von einem kapitalistischen Gönner ein Landgrundstück mit einer Villa zur Verfügung gestellt bekommen. Wie andere S'A.-Heime auch ist dieses Haus, von dichten Sträuchcrn und hohen Bäumen umgeben, nach eigenen Angaben der Nazigäste wie eine kleine Kaserne eingerichtet. Ueberflüssigerweise bedroht ein hakenkreuzverziertes Plakat weithin sichtbar unbefugte Nacht- besuchcr mit Lebensgefahr. In den Nachmittags- und Abendstunden wird vor dem Haus von SA.-Leuten regelrecht Posten gestanden. Damit diese Zivilsoldaten, da sie sonst von der Einwohnerschaft kaum beachtet werden, ein wenig Zeitvertreib haben, pöbeln sie mit zärt- lich-frechen Andeutungen vorübergehende Frauen und Mädchen an! Sie treiben ihren„Spaß" sogar so weit, daß sie noch schul- Pflichtige Mädchen belästigen, ihnen nachlaufen und mit Beinstellen zu Fall bringen. Es wäre an der Zeit, wenn die P o l i z e i sich um die Rowdys kümmern würde und besonders in den Abendstunden der Nazibude ihre Aufmerksamkeit schenkte. E- ist ein unmöglicher Zustand, daß Mädchen und Frauen abends aus Angst vor Flegeleien � weit« Umwege machen, um den SA.-Gestalten nicht begegnen zu müssen! In T e g c l ist dieser Tage ebenfalls ein neues Nazilokal mit Nachtlagern und Soldatcnbettcn eingerichtet worden. Recht eigenartig, daß diese Gesellschaft so tagesscheu ist und immer zuerst ihre Heime für nächtlichen Gebrauch einrichtet. Hakenkreuzler spielen Krieg. 4S Nazis bei einer Nachtübung festgenommen. 3m Tegeler Forst wurden in der Rächt vom Sonnabend zum Sonntag 43 hakenkreuzler festgenommen, die sich dort zu cincr streng legalen Nachtübung eingesunden hallen. Zunächst wurden im Tagen 37 des Tegeler Forstes fünf Mann, ossenbar eine„Patrouille" zwangsgestelll. Bei den wetteren Nach- sorschungen stießen Beamte des Ueberfallkommandos auf das„Gros", dessen hauplquarlier sich in einem Lokal in Schulzendorf bei Tegel befand. Die ganze Kolonne muhlc ihr Äriegsspiel unlerbrechen und die Fahrt nach dem Alexanderplah antreten. Trotz des Demonstrationsverbotes formierte sich am Sonntag am Kraiioldplatz in Lichierfelde ein 150 bis 200 Mann starker Z u a von Stahlhelmern. In Marienselde wurde die Marschkolonne von der Polizei mifgelöst und 36 Personen festgenommen. Naziführer Helworf in Moabit. Der Führer der Berliner SA., Graf Helldorf, und sein sogenannter Adjutant Ernst, sind gestern in das Moabiter Untersuchungsgefängnis cingelicsert worden. Beide werden als H a n p t r ä d e I s f ü h r e r bei den Kurfürstendammkrawallcn angesehen. Es ist anzunehmen, daß die Verhandlung vor dem Schnellrichlcr schon in den nächsten Tagen stattfindet. Mit den antisemitischen Ausschreitungen am kurfürfiendamm beschäftigte sich am Sonnabend, dem 19. d.M., eine Sitzung der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde. Die Redner der Fraktionen erhoben schärf st enProte st gegen die rohen und kulturfeindlichen Ausschreitungen. Der Vorsitzende des Gemeinde Vorstandes, Herr Direktor Dr..Kleemann, gab Erklärungen über die von ihm und dem„Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" bei den zuständigen Behörden unternommenen Schritte ab. Er teilte ferner mit. daß seitens der Behörden beruhigende Zusicherungen über den Schutz bei kommenden jüdischen Festtagen gegeben worden sind. zweckmäßiger Weise Futter und Wasser gereicht und eine Pause zur Erholung gegönnt werden. Je noch der Zugfolge können sich die Tier« i» Berlin-Spreeufer 3—8 Stunden außerhalb des Wagens in den Stallungen oder bei warmem Wetter in einem umzäunten Raum unter freiem Himmel anshalien. Festnahme eines Bahnatieniaiers. Teilnahme an der Untat von Bia Torbagy verdächtig. Leoben, 21. September. Auf Grund einer privaten Anzeige oerhaftete die Polizei den in Württemberg geborenen 3ljährigen Maschinenschlosser Walter von Riesen unier dem Verdacht der Teilnahme an dem Eisen- bahnaltentat von Bia Torbagy. Riesen, der leugnet, hatte sich durch Acußerungen über das Attentat verdächtig gemacht. Es wurden bei ihm zahlreiche Zeitungsausschnitte über die Katastrophe von Bia Torbagy gefunden. Er hielt sich auch kurz vor dem Atten- tat in Budapest und Steinamanger auf, will ober Ungarn bereits am 11. September verlassen haben. Das Kreisgericht Leoben setzte sich mit den ungarischen Behörden sogleich in Verbindung. Ausstellung der Mineralwasserfabrifanien. Der Reichsoerband Deutscher Mineralwasser- s a b r i k a n t e n hielt seinen 30. Verbandstag, verbunden mit einer Fachausstellung in der„Ne»en Welt" ab. Der Eröffnung wohnten außer den Vertretern der Staats- und städtischen Behörden Mitglieder aus allen Teilen des Reiches und Delegierte der gleichen Fachverbände ous Oesterreich, Ungarn und Bülgarien bei. Als erster ergriff der Vorsitzends des Berliner Verbandes der Mineralwasser- fabrikanten und Bierverleger, Herr S t a r i ck, das Wort und führte in kurzer Rede aus, daß Berlin trog der Not der Zeit alles getan habe, um der Zlusstellung einen würdigen Rahmen zu geben, und daß man hoffe, bei den Montag und Dienstag stattfindenden Fachberaiungen zu einem Ergebnis zu kommen, wie man dem schwer daniederliegenden Gewerbe wieder die Möglichkeit zu einer gedeihlichen Vorwärisentmicklung geben könne. Aus der Rede des Präsidenten des Reichsverbandes Deuischer Mineralwasserfabritan- ten, Herrn Feldkirch n er, Nürnberg, der den historischen Werde- gang der Entwicklung und Bedeutung seines Verbandes kurz streifte, war zu entnehmen, daß der Verband trotz erheblicher Widerstände von Ansang an sich langsam zu seiner heutigen Größe und volks- wirtschaftlichen Bedeutung entwickelt habe. Er betonte besonders, daß heute nicht die Zeit dazu sei, die Hönde in den Schoß zu legen und kleinmütig zu sagen:„was kann der Einzelne dazu tun?" sondern daß man durchhalten und in gemeinsamer Arbeit Wege finden müsse, die aus den Bedrängnissen der Zeit heraiissühre». Für die deutsche Mineralwasserindustrie komme noch erschwerend die Sonderbelastung durch die Mineralwasser- und Schank- verzehr st euer hinzu, einer Steuerbelastung, die geeignet sei. eine ganze Industrie zu ruinierest nnd trotzdem dem Staat keinerlei Nutzen zu bringen. Im Anschluß an den Begrüßungsakt fand ein Rundgang durch die stark beschickte Ausstellung statt, auf der sich zeigte, daß sich hier in aller Stille eine Industrie entwickelt hat, deren Umfang und Bedeutung der Laie gar nicht zu übersehen vermag. Die neuesten maschinellen Einrichtungen dienen dazu, auf sauberste und hygie- nischste Weise Getränke herzustellen, die in hohem Maße der Volks- Gesundheit dienen.__ k■ v* Vermutlich keine Hastentlassung Streckers. Er lehnt selbst den Varograph 51 ob. Für den Schriftsteller Strecker, der sich im Lazarett des Unter- suchungsgesängnisses Moabit unter ärztlicher Beobachtung befindet, düvste von seinem Verteidiger voraussichtlich kein Hastentlassungs- anirag mehr gestellt werden. Strecker hat nämlich seinem Anwalt selbst erklärt, daß er es ablehne, den Schutz des § 51 für sich in Anspruch zu nehmen. Andererseits ist bereits in zwei bis drei Wochen mit der Hauptverlzandlung gegen den Schriftsteller in Potsdam zu rechnen, so daß dann alles weitere dem eigentlichen Prozeß, für den angeblich noch Ueberraschungen bevorstehen sollen, vorbehalten sein wird. Nicht nach Rustland? In einem Artikel vom 17. September in Nummer 180 fordert oie„Rote Fahne" auf:„Soualdemakratische Arbeiter, fahrt in die Sowjetunion. Die russischen Gewerkschaften laden 40 sozialdemokratische Arbeiter zum Studienaufenthalt in der Sowsetunion ein. Aufruf an die SPD.-Arbeiter." Der Be- zirksverbano Berlin der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands bringt doshalb den Mitgliedern den Beschluß des Bezirks- Vorstandes Berlin in die Erinnerung, wonach die Beteili- gung an Rußlnnddelcgationen mit der Zugehörigkeit zur Sozia!- demokranschen Partei unvereinbar ist. Gleichzeitig warnt der Be- zirkrverband die Genossinnen und Genossen, am 9. Oktober in hen Sophiensälen an der von der KPD. einberufenen„Konferenz oppo- sitioneller Sozialdemokraten" teilzunehmen, da es sich um eine aus- gesprochene KP D.-B e r s a m m l u n g handelt. Zwei inlernaiionale Gauner,«in vorbestrafter Mann namens Feiner aus Polen und ein Mann namens Zuckerberg ous der Tschechoslowakei wurden wegen gemeinschasttichen versuchten Diebstahls in zwei Fällen und Pagvergehens nom Schöffengericht Berlin-Mitt« zu empfindlichen Strafen verurteilt. Z. erhielt ein Jahr Gefängnis nnd F. wegen derselben Taten im Rückfall ein Jahr neun Monate Zuchthaus. ermöglicht MAGGI'Wura* XfiJenige Tropfen verbessern schwache Suppen.Soßen, Gemüse, Salate usw. Tlr. 443* 45. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Dienstag, 22. September 1931 Die Aktienrechtsreform. Zwei Schritte vor, ein Schritt zurück. Der«rstc Akt der Aktienrechtsresorm, oer nunmehr kiurch Notverordnung vollzogen wurde, Hot sich die Echternacher Spring. Prozession zum Vorbild genommen: zwei Schritte vor.ejncn Schritt zurück. Die Idee der Notverordnung war: es sollten seno Teile der Aktienrcchtsreform sofort in Krast gesetzt werden, die durch oie bedrohlichen Mitzständc im Attienwesen und durch die Vertrauenserschüttcrung gegenüber der deeitschen Wirtschost be- ionders dringlich geworden waren. Dabei wollte man die Gelegenheit benutzen, um an dem Entwurf jene Aendemngen vorzunehmen, die sich im Vevlaus der öffentlichen Diskussion über oi« Aktienrcchtsreform als zweckmäßig Herausgestell! hatten, und weitere Aenderungcn, die durch die bitteren Lehren der Skandale im Aktien- wcsen noi:re"dia geworden waren Was man aber in Wirklichkeit getan hat, ist etwas ganz an- deres. Man hat zwar einige Verschärfungen vargenont- men, um oie man nach den jüngsten Erfahrungen nicht mehr herum kam: es handelt sich dabei vor allem um die Verschärfung der Vor- schriften über die Verwaltung der Aktiengesellschaften. Aber dem steht eine große Unterlassungssünde und in den entscheidenden Punkten eine oirekte Rückgängigmachung der Reform gegenüber. Die Unterlassungssünde ist darin zu erblicken, daß man zwei Gebiete des Aktienrechts, in denen eine Reform ebenso dringlich und unaufschiebbar ist wie bei den durch die Notverordnung geregelten Gebieten, dem ordentlichen Gefchgebungs- weg überwiesen und damit auf eine sehr lange Bank geschoben hat. Das eine Gebiet betrifft die Frage der M e h r ft i m me n a k t i e n, durch die der Mißbrauch der VerwalWngsmacht zum System erhoben war, der andere die Stellung der Betriebsräte im Aufsichtsrat: die Vertretung der Belegschaft in, Aufsicht-rat wurde und wird vielfach durch Bildung von Unterkam nissionen illusorisch gemacht, und hier schleunigll Wandel zu schaffen, wäre unrcdingt notwendig gewesen. Das alles wiegt aber noch leicht gegenüber der Tatsache, daß die Notverordnung die entscheidenden Bestimmungen der Aktienrcchtsreform, die sie zu regeln vorgibt, nämlich die Vorschriften über die vublizität und über die Pslichtrevision in Wirklichkeit gar nicht in Kraft seht. fondern auf unbestimmte Zeit verschiebt. Nachdem nämlich in der Notverordnung seitenlang Vorschriften über diese Heiden Materien gemacht werden, heißt es plötzlich kurz uno bündig: Die Reichsregierung bestimmt den Zeitpunkt, an dem diese Vor- schristcn in Kraft treten und erläßt die entsprechenden lieber- .eitungsbestimmungen. Damit ist ein staatsrechtliches Unikum geschaffen worden. Auf der einen Seite gibt die Regierung zu, daß im deutschen Attienwesen Notstände aufgetreten sind, die den Erlaß einer Notver- ordnung rechtfertigen und erzwingen. Aus der anderen Seite aber sind kiese Rotstände nach Auffassung der Regierung so wenig dringlich, daß sie einen Ausschub auf unbestimmte Zeit vertragen. Wozu Hot man also eine„Not"oerordnung erlassen, wenn nach Auffassung der Regierung, gor keine Not vorliegt? Nun könnte man zur Rechtfertigung dieses rätsellzaften Vor- oehens der Regierung anführen, daß augenblicklich noch nicht oe- nügcnd ausgebildete Wirts chaftsprüser vorhanden sind, um sämtliche Aktiengesellschaften zu revidieren. Dies alles sei zugegeben. Dann wäre es ober ohne weiteres möglich gewesen, S.'.si bereits die Notverordnung ' die strenge Revisionspfl'cht zunächst nur für einen bestimmten Kreis von großen Akticngescll- Ichaften erlassen und für kleinere Gesellschnftei, die Regierung zu vorübergehenden Erleichterungen cnnä tzligt hätte. Ebenso hätte man die Bilanzvorschriftcn bereits setz, in Kraft setzen können. Aber nicht genug damit, hat die Notverordnung noch eine weitere Sicherung gegen das richtige Funktionieren der P u b l i z i t ä t s b e st i in in u n g e n eingeschaltet. Es wurde nämlich eine neue Bestimmung eingesägt, wonach Bilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen nicht deshalb angefochten werden können, weil sie den Vorschriften der Notoerordnung nicht ent- sprechen. Dos bedeutet nichts weniger als daß es überhaupt keine Möglichkeit gibt, die Einhaltung dieser Vor- schriften zu erzwingen, denn den Aktionären ist das Recht dazu ausdrücklich genommen, das von uns geforderte Aktienamt wurde nicht geschaffen, und der Staatsanwalt kann nur bei direkten Verschleierungen eingreifen. Fugt man all diese Unbegrcislichkeitcn zusammen, so muß man zu dem Schluß kommen, daß die Regierung in ihrer Rotver- ordnung so verfahren ist wie jemand, der ein Rleffer schleif», um eine lebenswichtige Operation durchzuführen, ober dann Angst bekommt, das Rkeffer könnte zu scharf schneiden, und deshalb die klinge herausnimmt. Diese Kritik mußte vorausgeschickt werden, um die Einzel- rcgclungen, die die Notverordnung bringt, richtig beurteilen zu können. Die wichtigsten Bestimmungen dieser Regelung mögen nun- mehr eine kurze Darstellung und Würdigung finden. Es handelt sich im wesentlichen um folgende: 1. Bestimmungen über die Verschärfung der Publizität. Sie betreffen den Geschäftsbericht, die Vermögensbilonz und die Gewinn- und Verlustrechnung und folgen im wesentlichen den Vorschlägen des ursprünglichen Entwurfs. Es werden also ziemlich detaillierte und im großen und ganzen auch ausreichende Vorschriften über die Bilanzgliederung erlassen und damit eine wesentlich größere Bilonzwahrheit und-tlarheit erzwungen als bisher. Einen Fort- ichritt gegenüber dem Entwurf bedeutet es, daß auch die Gesamt- b e z ll g e des Vorstands und des Aussichtsrats angegeben werden müssen. Hingegen blieb unsere Forderung nach Angaben über die Produttion, den Umsatz und die Belegschaft unberücksichtigt. 2. Bestimmungen über die Pflichtrevision. Hier wurden die Vorschläge des Entwurfs übernommen. Es werden also den Wien- gefellschafte« regelmäßige jährliche Revisionen durch unabhängige Prüfer, die von der Gencrawarsommlung bestimmt werden, zur Pflicht gemacht. 3. Bestimmungen über Vorstand und Austichtsrat. Sie sind zum Teil neu, vor allem die Bestimmungen, wonach keine Gesellschaft«ehr als Z0 llufstchtsraksmitglleder zählen und niemand«ehr als 20 Aufsichtsratsmandate betleid« darf. Wir holt« diese Sestmmnmgeu lediglich für eine Verbeugung vor der Volks st immung, die mit Recht über die Häufung einträglicher Aufsichtsratspfründen in der Hand der Großkapitalisten empört ist. Aber wirklicher Wandel wird dadurch nicht geschaffen, denn die Häufung von Aussichtsratsmandaten be- schränkt sich ja nicht auf die Hand voll von Leuten, die mehr als 20 Aufsichtsrotspoftcn bekleiden. Wichtiger erscheint uns die neue Bestimmung, wonach sämtliche Aussichtratsmandate und Satzungsbcstimmungen über den Auffichtsrat mit der nächsten ordentlichen Generalversammlung jeder Aktiengesellschaft erlöschen. Man erhofft sich davon offenbar eine Senkung der Zahl der Aufsichtsratsstellen und eine Reduzierung ihrer Bezüge unter dem Druck der Volksstimmung. Diese Wirkung wäre freilich sicherer erreicht worden, wenn man solche Beschränkungen in die Notverordnung selbst aufgenommen hätte. Zu den neuen Bestimmungen, die über den Entwurf hinaus- gehen, gehört noch die Verschärfung der Strafvorschristen für die Verwaltungsmitglisder bei besonders schweren Fällen des Handelns zum Nachteile der Gesellschaft und der unwahren Dar- stcllung oder Verschleierung des Vermögens- und Geschöftsstandes, In diesen Fällen können Strafen bis 5 Jahre Zuchthaus verhängt werden, während bisher höchstens auf Gefängnis bis zu einem Jahre erkannt werden konnte. Wie schon im Entwurf vorgesehen, werden ferner die Aussichts- rechte und-Möglichkeiten für den Austichtsrat verstärkt. Der Vor- st a n d hat dem Aussichtsrat mindestens vierteljährlich Bericht zu erstatten. Er ist auch sonst dazu verpflichtet, wenn zwei bis drei Mitglieder des Auffichtsrats es verlangen. Schließlich sind Kredite in jedweder Form an Vorstandsmitglieder oder deren Angehörige an die Zustimmung des Aufsichtsrates gebunden. Zusammenfassend kann gesagt worden, daß die Notverordnung einen allerer st cn Ansang zur dringlich notwendigen durch- greifenden Rcjorm des Akticnwelens dargestellt hätte, wenn die Regien, ng nicht im letzten Augenblick Angst vor ihrer eigenen Courage bekommen hätte. Dadurch wurde freilich, wie schon anfangs dar- gestellt, die Reform völlig entwertet und um ihre Wirkung gebracht. Es muß ganz deutlich und ganz offen ausgesprochen werden, daß solche Regierungsmcthodcn nicht geeignet sind, die Vertrauenskrise zu beheben. Soll dies also geschehen und damit die Wirkung erreicht werden, die man sich mit dem Erlaß dieser Notverordnung zum Ziele sehte, so muß die Reichsregierung in den allernächsten Tagen von der Ermächtigung, die ihr zur Inkraftsetzung der B c- stimmungen über die Publizität und über die Pflichtrevision erteilt wurde, den weitest gehenden Gebrauch machen. Die Welle des Hochschutzzolls. Bedenkliche Pläne der Schweiz. Die Schweizer Regierung trägt sich mit der Absicht, den deutsch- schweizerischen 5zandelsvertrag zum nächst- möglichen Termin, den 1. Oktober zu kündigen. Damit würde der deutsch-schweizerifche Handelsvertrag am 31. Dezember d. I. ab- laufen. Die Gründe, die diese Pläne der Schweizer Regierung ver- anlaßt haben, liegen in der zunehmenden Arbeitslosigkeit und der ständig sinkenden Ausfuhr nach Deutschland. Wie der Schweizer Delegierte im Völkerbund, S t u ck i, erklärte, werden Zollerhöhungen nicht beabsichtigt, dafür aber die noch gefährlichere Kantingentio- rung der Einsuhr, das heißt die Beschränkung der Ein- fuhr auf bestimmte Mengen. Die folgende Graphik zeigt, daß Deutschland von den beab- sichtigten Prahibitivmaßnahmen der Schweiz besonders hart be- troffen würde. Wenn auch Deutschlands Anteil an der Gesamt- einfuhr der Schweiz noch nicht wieder den hohen Stand von 1gl3 mit fast 33 Prozent erreicht hat, so ist dieser Anteil doch seit 1923 ununterbrochen von 18 auf 28,4 Prozent gestiegen. Demgegenüber ist der deutsche Anteil an der Ausfuhr der Schweiz von dem Höhepunkt im Jahre 1927 mit 19,4 Prozent bis zum August dieses Jahres aus-rund 10,3 Prozent gesunken. Diese für die Schweiz nicht erfreuliche Entwicklung bietet aber keinen Anlaß zu derart gefährlichen handelspolitischen Experimenten, wie sie jetzt vorgesehen werden. Die Schweizer Regierung weiß, wie es auch ihr Völkerbundsdelegierter Stucki aussprach, nur zu gut, daß die Hauptschuld an der sinkenden Einsuhr nach Deutsch- land die schweren Kauskraftverluste der deutschen Bevölkerung in- folge der anhaltenden Krise tragen. Wenn, wie es in begrenztem Rahmen kürzlich in Frankreich geschah, jede Verschlechterung des Arbeitsmarktes in einem Lande eine Welle von Prahibitivmaßnahmen in Gestalt von Zollcrhöhungen, Einfuhrbegrenzung(Kontingentierung) oder gar Einsuhroerboten auslöst, ja steht Europa vor einer u n a b- sclvlsricls% Anteil an der E in* tmd Avisfiilo? dev Sclvweiz 32.8b SS"..• 01 W-v 11.«f.. o 19."...° 27.«. I A usf ulni' 1913 ZS 2.6 27 2S 29 30 1931 s e h b a r e n Entwicklung. Daß dieser Weg zum Abgrund führen muß, hat der deutsche Vertreter in der Sonnabcndsitzuug des Wirtschastsausschusses der Dölkerbundsversammlung, Ministerial- direktor Dr. Posse, mit scharfer Betonung ausgesprochen. Dr. Posse erklärte im Hinblick auf die handelspolitischen Pläne der Schweiz, daß die weltwirtschaftliche Verschlechterung heute bereits zu eng sei, als daß man ihre Fäden ungestraft zerreißen könne. Derjenige, der ihre Fäden aber zerreißt, würde die Folgen am eigenen Leibe zu spüren bekommen. Es sei auch keine besonders angenehme Sache, den deutschen Markt als Absatzgebiet zu ver- lieren. Es fei leicht, Europa zu zerschlagen, wer aber dies mit- erlebt, wird noch sehen, wie schwer der Wiederausbau wird. Eine ungeheure Verantwortung laste auf den Schultern derer, die mit ihrem Vorgehen den Austakt zum Umsturz des curopäi- scheu Wirtschaftssystems geben. Diese Erklärung Dr. Passes hat im Wirtschaftsausschuß und darüber hinaus in Genf stärksten Eindruck hervorgerufen. Der Schweizer Vertreter Dr. Stucki antwortete, in einer Gegen- erklärung, daß seine Ausführungen eine so scharfe Antwort des deutschen Delegierten nicht gerechtfertigt hätten. Die Schweiz ver- handte seit Januar mit Deutschland und er hoffe, daß man in der gegenwärtigen ernsten Lage eine Lösung finden werde. Es sei nicht zu bestreiten, daß die Krise international die ösfentlichen Finanzen in Unordnung gebracht habe. Wenn ein Heines Land in dieser anormalen Loge gewisse vorübergehende Ausnahmebestimmungen trefft, könne man doch nicht von einer Zerschlagung des europäischen' Wirtschaftssystems sprechen. Die scharfe Polemik des deutschen Vertreters in Genf gegen jegliche weitere Erschwerung der internationalen Wirtschasts- beziehungen ist ein Warnungsruf. Hoffentlich wird auch die deutsche Regierung sich jetzt dazu verstehen, die Sünden in der Handelspolitik der letzten Jahre durch ein Herumreißen des Steuers wiedergutzumachen. Die englischen Zollpläne. Erregung in der französischen Industrie. Die von der englischen Regierung erwogenen Pläne zur Er- schwerung bzw. zur gänzlichen Unterbindung des Imports aus- ländischer Luxuswaren haben in der französischen Exportindustrie, die seit Jahrzehnten in großem Umfange den eng- tischen Markt belieferte, große Erregung ausgelöst. Die Vertreter dieser Industriezweige sind sofort nach dem Bekanntwerden der englischen Pläne bei dem französischen Handelsministerium mit ihren Protesten vorstellig geworden und fordern bei einer Verwirk- lichung der geplanten englischen Zollyiaßnahnien Repressalien der französischen Regierung. Welche verworrenen Ideen im übrigen in der englischen Oeffenklichkeit infolge der Zuspitzung der Wirt- schastskrise verbreitet werden, zeigt ein Schreiben maßgeblicher Wirt- schaftsführer, die sich von einem Boykott ausländischer Waren die allein wirksame Sporpolitik versprechen. Schwere Kolgen auch für Deutschland. Die Zollpläne, die jetzt in England im Zusammenhang mit der Pfundkrisa zur Besserung der englischen Zahlungsbilanz erwogen werden, würden für Deutschland ganz besonders schwer- wiegende Folgen haben. Seit Jahren ist Großbritannien Deutschlands bester Kunde. So betrug in dem besten Exportjohr 1929 die deutsche Ausfuhr nach England l,3l> Milliarden Mark und im folgenden Jahre, also schon in einer Zeit der Weltkrise und des Preisabbaues noch 1,21 Milliarden Mark, während in den ersten sechs Monaten dieses Jahres sich die deutsche Ausfuhr noch Großbritannien auf 312 Millionen Mark belief. Insgesamt wird also auch für 1931 der deutsche Export noch England mehr als eine Milliarde Mark betragen, wobei zu berück- sichtigen ist, daß der wertmäßige Rückgang gegenüber den beiden letzten Jahren zur guten Halste durch den internationalen Preis» obbau bedingt ist. Die Einführung von Hochschutzzöllen würde also Deutschland van ollen Licferantcnlöndern nach England a m a l l e r h a r t e st e n treffen. Gewinnobschluß bei der Sellc-Cyslcr A.-G. Wie das Verlags- unternehmen Dr. S e l l e- C y s l e r A.-G. meldet, konnte der Gesamtumsatz 1939/31 mit 7,73 gegen 8,57 Millionen einigermaßen gehalten werden. Auch der Umsatz der Tochtergesellschafte« blieb mit 3,37 gegen 3,59 Millionen ziemlich stabil. Der Reingewinn in Höhe von rund 169 499 Mark wird diesmal nicht zur Ausschüttung an die Aktionäre vorgeschlagen, obwohl darauf eine Dividende von 19 Proz möglich wäre, sondern es wird der Generalversammlung im Hinblick auf die ungeklärte Ge- schäftslage die Entscheidung hierzu vorbehalten. Die Finanzverhält- nisse sind nach wie vor flüssig, da bei unveränderten Außenständen und Forderungen in Höhe von 2,14 Millionen die Schulden von 1,83 auf 1,71 Millionen gesenkt werden konnten. Im neuen Ge- schäftsjahr hat sich die Beschäftigung aus Jndustrieaufträgen gebessert. Günstiger Abschluß bei Kabelwerk Rheydt. Die Kabelwerk Rheydt A.-G. in Rheydt hat im Geschäftsjahr 1939/31 noch verhältnismäßig günstig gearbeitet. Zwar ist der Reingewinn von 9,98 auf 9,68 Millionen Mark zurückgegangen, so daß auch die Dividende von 12 aus 8 Proz. ermäßigt werden mußte(Kapital 7.3 Millionen Mark), aber die Abschreibungen waren reichlich und die Bilanz ist wesentlich besser geworden. Der Betrag der flüssi- gen Mittel hat sich erhöht: so stiegen Kasse und Wechsel von 9,14 aus 9,32 Millionen Mark und Äonkguthaben von 3,2 auf 3,5 Millionen Mark. Die«chuldcn sind niit l,5(1,7) Millionen Mark niedrig. Laut Geschäftsbericht ist der Umsatz mengenmäßig 19 Proz., wert- mäßig 25 Proz. niedriger gewesen. Die Aussichten für das laufende Jahr seien ungewiß, da die Beschäftigung schwach geblieben sei. Starke Ausfuhrsteigerung bei den Hirsch Kupfer- und Messtag werken. Der Produktionsstand bei den Hirsch Kupfer- und Messing- werken in Berlin-Eberswalde konnte in den ersten acht Monaten dieses Jahres- bemerkenswerterweise mit 22 399 Tonnen gegen 21899 Tonnen in der gleichen Zeit des Vorjahres noch erhöht werden. Der Anteil des Exportes am Gesamtumsatz stieg in dem gleichen Zeitabschnitt von 39.3 auf 41 B Prozent. Wert» mäßig ist der Umsatz infolge der starken Pxeisembußen«if den Metallmärfteu von 32L auf 23,7 MiNonen gesunken. Programm der Zechenbesiher. Lteberstunden, Lohndruck und verdreifachte„Verwaltungskosten" (Effen, 21 September.(Eigenbericht.) �.e Schlichtungsverhondlungen über die Lohn- und Arbeits- .-ilfrage im Ruhrbergbau am Montag in Essen würben ergebnislos bis auf Dienstag oertagt. Die Gewerkschaftsoertreter erklärten, der katastrophale Rückgang des Beschäftigungsgrades im Bergbau fei nicht nur auf den wirt- schaftlichen Niedergang, sondern vor allem auch auf die Entwicklung des Schichtförderanteils zurückzuführen, da sich die Leistung je Mann und Schicht seit 1327 allein um 30 P r o z. erhöht habe. Da die Arbeitslosigkeit einen unerträg- lichen Grad erreicht habe und immer noch neue Entlassungen er- folgten, sei die weitere Beibehaltung oer Mehrarbeit im Ruhr- bergbau nicht mehr zu verantworten. Zur Beseitigung des un- erträglichen Zustandes müsse deshalb die Arbeitszeit oer- kürzt werden mit dem Ziele, einen stabilen Beschästi- gungsgrad und eine sozial gerechte Verteilung des vorhandenen Arbeitsquantums zu erreichen. Die Zechenoertreter lehnten oie Beseitigung der Mehrarbeit grundsätzlich ab und forderten einen Lohnabbau von zwölf Prozent sowie ein« Erweiterung der Randzechenklausel. Die Ruhrzechen arbeiteten gegenwärtig nach den Berechnungen des Rcichswirtschastsmimsteriums mit einem Verlust von mehr als 2 M. je absotzsähige Tonne. Da nach ihrer Meinung sonstig« Ersparnisse nicht möglich s«ien, könne die notwendige Selbstkostensenkung nur durch einen Lohnabbau herbeigeführt werden. Mit Rücksicht auf die soziale Lage der Bergarbeiter hätten sie ihre Forderung auf 12 Proz. begrenzt. Demgegenüber wiesen die Gewerkschaftsvertreter darauf hin, daß ihnen die Verlustrechnung des Reichswirtschaftsminilteriums nicht zugleitet worden sei und sie infolgedessen die Angaben nicht nachprüfen könnten. Von entscheidender Bedeutung in diesem Zu- sammenhang sei aber die Tatsache, dah seit Anfang vorigen Jahres der Anteil der Lohnkosten am Förderprodukt um etwa 2l> Proz. zurückgegangen sei. Nicht vermindert hätten sich dagegen die V e r w a l t u n g s k o st en, die 1333 51 Pf., im April dieses Jahres aber 1,51 M. je Tonn« betragen hätten. Wenn also absolut Ersparnisse notwendig seien, könnten uno müßten diese auf eine andere Weise als durch Lohnabzug erzielt werden. Auf keinen Fall dürfe man dem schwer arbeitenden Bergmann zumuten, daß er im Vergleich zu anderen Kategorien die längste Arbeits- zeit und den geringsten Lohn habe. Ganz abgesehen davon zeigen auch sämtliche wirtschaftspolitischen Erfahrungen, daß ein weiterer Lohnabbau keine Minderung, sondern nur eine V e r- schärfung der Wirtschaftskrise bedeutet. Angesichts dieser gegensätzlichen Aussassungen war in den Parteiverhandlungen vor dem Schlichter eine Annäherung der Par- teien nicht zu erzielen. Die Beratungen wurden nach zweistündiger Dauer abgebrochen. Es wurde eine kleine Kömmission gebildet, die den ganzen Tag über verhandelte. Auch hier ließ sich eine Einigung nicht erzielen, so daß die Verhandlungen auf Dienstagmittag 12 Uhr vertagt wurden. RGO. will BVG. reformieren. Sie kann aber noch nicht das Einmaleins. Die NGO. bemüht sich neuerdings wieder einmal, die Berliner Verkehrs-Gesellschaft„sturmreif" zu machen. Um sich bei den Ver- kehrsarbeitern besser anbiedern zu können, hat man ein sogenanntes „Kampfprogramm" aufgestellt. In verwirrender Fülle wird von der Absetzung der Direktoren herunter bis zur Anbringung von Scheiben- Wischern alles mögliche gefordert. Bei Lichte besehen erweisen sich diese Forderungen der RGO. jedoch als grober Unfug. So sollen zum Beispiel die Beiträge zur Ruhegehaltstasse in Zukunft von der Direktion bezahlt werden. Das macht pro Mann der Belegschaft im Monat 7 Mark, im Jahr also 84 Mark. Diese Zahl mit der Belegschastszisfer von 22 000 multipliziert, ergibt 1 848 000 Mark. Auch die ersten drei Krankheitstage soll in Zukunft die Direktion bezahlen. Das macht eine Summe von 400 000 Mark. Weiter soll an jeden Schaffner für die monatlich stattfindende Fahr- scheinabrechnung ein Stundenlohn mit 25 Proz. Aufschlag gezahlt werden. Bei 7000 Straßenbahn- und 2000 Omnibusschafsnern und unter Zugrundelegung eines erhöhten Stundenlohnes von 1,38 Mark macht das pro Jahr 143 040 Mark aus. Dann sollen die N a ch t a r b e i t e r in jeder Woche einen turnus« freien Tag erhalten. Bei 25 Betriebsbahnhöfen wären also 75 Mann erforderlich, also 225 000 Mark jährlich. Dann heißt es in dem bunten Strauß von Forderungen: Alle Arbeiter haben einen Anspruch auf einen jährlichen Mindest- urlaub von 24 Tagen. Zieht man den Durchschnitt, dann ergibt sich gegenwärtig im Mittel ein Urlaub von 10 Arbeits- tagen. Die RGO. fordert weitere 14 Tage. Unter Zugrundelegung eines Tagelohnes von 3 Mark wären das für 22 000 Betriebsangehörige 2 772 000 Mark. Wenn aber weiter gefordert wird, daß der Urlaub in der Zeit vom April bis Oktober liegen soll, dann müßten jedesmal im Frühjahr 4000 Mann neu eingestellt werden, die im cherbst wieder auf die Straße fliegen würden. Was aber auch noch Schwierigkeiten hätte, weil die Neuemgeftellten erst angelernt werden mühten. Aehnlich ficht es mit der Forderung aus, alle Arbeiten der BVG. in eigener Regie auszuführen. Die Belegschaften der Firmen Butt u. Co., Elektrothermit usw. müßten also kurzerhand entlassen werden. Von Solidarität keine Spur. Oesterreichischer Gewerkfchastskongreß. Hueber tritt zurück. Wien, 21. September.(Eigenbericht.) Am Montag wurde im großen Saal des Ottakringer Arbeiter- Heims der 11. Kongreß der freien Gewerkschaften Oesterreichs durch Nationalrat I a n« c e k eröffnet. Er wies darauf hin, daß einen Tag nach dem cheimwehrputsch von den Pariser Banken der Schilling nicht angenommen wurde. Trotzdem müsse man erleben, daß die Putschisten in Oesterreich wieder frech werden. Den Arbeitern im alpinen Gebiet dankte der Redner für ihren Mut, mit dem sie zur Gewerkschaft stehen. Janecek verlas dann ein Schreiben des Obmanns des Gewertschastsbundes ch u e b e r, in dem dieser seinen Entschluß mitteilt, mit Rücksicht auf sein hohes Alter von seinem Amt Abschied zu nehmen. Bürgermeister S e i tz, der die Grüße des Vorstandes der Sozialdemokratischen Partei Oesterreichs übermittelte, erklärte, Ge- werkschaften und Partei würden gemeinsam gegen alle Anschläge auf die Lebenshaltung der Arbeiter zu kämpfen wissen. Die Grüße der Gewerkschaftsinternationale überbrachte Schevencls. Im Namen der�freien Gewerkschaften Deutschlands betonte chermann Müller- Lichtenberg, daß, wenn der österreichische Putsch geglückt märe, das ein Signal für die Reaktion aller Länder bedeutet hätte. Die österreichischen Arbeiter seien das Bollwerk gewesen, an dem der Putsch zerschellt sei Gegen Hunger und Kälie. Die Verbilligungsaktion für die Erwerbslosen. Wie das Nachrichtenbüro des Verein- Deutscher Zeitungs- Verleger meldet, rechnet man in maßgebenden Kreisen damit, daß die Verhandlungen der Reichsarbeits-, und Reichsernährungs- und Reichswirtschastsministerien mit den beteiligten Wirtschaftsvertre- tungen auf Verbilligung der Lebenshaltungskosten für die Er- Jn den cheimstättengesellschaften sollen die Mieten um 25 Proz. gesenkt werden. Das fordert sich sehr leicht, cheute zahlt aber die Direktion für die Wohnungen schon einen jährlichen Zuschuß von 121 000 Mark. Die geforderte Mietssenkung würde eine Erhöhung des Zuschusses um 500 000 Mark ersorder- lich machen. Weiter: Restlose Einführung von Scheiben- Wischern bei den Omnibussen und bei der Straßenbahn! Ja!... wenn es nur einen brauchbaren Scheibenwischer gäbe. Wenn die RGO. einen fände, könnt« man ihn anbringen; obwohl die Sache immerhin 200 000 Mark kostet. Es sollen noch für das Personal im Oberflächenvertehr Ausenlhallsräume geschaffen werden. Abgesehen davon, daß die BVG. ohne die Zu- stimmung der Polizei und der Stadt Berlin gar nicht berechtigt ist, solche Hallen zu errichten, würde die Durchführung dieser Forderung immerhin eine Million kosten. Schließlich soll das ge- samt« technische Personal mit Arbeitskleidung versorgt werden. Das sind 8000 Mann, die dann pro Jahr zwei blaue Anzüge zu 3 Mark erhalten würden. Macht auch nochmals 144 000 Mark. Zieht man nun dies« Summen alle zusammen, dann ergibt sich ein Gesamtbetrag von 7 238 040 Mark, wovon rund 6 200000 ständige Mehrausgaben sind. Das ist um die Hälfte mehr als die ganz« Tilgungssumme des Anlage- kapital» der BVG. beträgt. Ueber die gegenwärtige finanzielle Situation der Berliner Verkehrsgesellschaft braucht weiter kein Wort verloren zu werden. Allerdings hat die RGO. einen Decküngsoorschlag: Herabsetzung der Gehälter der Direktoren und leitenden Angestellten auf 500 Mk. im Monat. Hierfür in Frage kämen 400 Mann. Di« Ersparnis würde noch nicht eine Million Mark betragen. Das gesamte Jahres- lohnkonto der BVG. aber beträgt 65 Millionen Mark. Also 85: 1. so sollen die Löhne der Arbeiter„gesichert" werden. Von anderen, ganz blödsinnigen Forderungen wollen wir gar nicht reden. Z. L. Nachtarbeiten sollen nach der RGO. in Wechsel- schichten ausgeführt werden. Das hieße, daß nun auch die Schwerkriegsbeschädigten nachts arbeiten müßten, was aber erfreu- lichcrweise gesetzlich verboten ist. Die Helden der RGO. wollten einmal zeigen, daß auch sie zu reformieren verstünden. Sie haben aber nur gezeigt, daß sie noch nicht einmal da» Einmaleins können. werbslosen mit dem Ende der lausenden Woche zu einem befriedi- genden Abschluß gelangen werden. Noch den Verhandlungen mit Bäckern und Fleischern, die besonders wegen der letzteren Gewerbegruppe noch nicht ganz abgeschlossen sind, stehen für diese Woche vor allem Besprechungen mit dem Reich-oerband der deutschen Industrie bevor. Es wird daran die Frage erörtert, wie man durch eine Verbilligung der Rohstoffe, namentlich der Kohle, den Gewerbekreisen eine Preissenkung zugunsten der Erwerbslosen leichter machen könne. Weiter sind Verhand- lungen angesetzt mit dem Mühlengewerbe und den Ver- tretern der Landwirtschaft. Da der Handel weitgehende Mitwirkung zugesagt hat, ist anzunehmen, daß in absehbarer Zeit die Erwerbslosen, die sich als solche ausweisen können, in den Genuß ihrer verbilligten Lebenshaltung mindestens sür den bevorstehenden Winter gelangen. Die entsprechenden An- Weisungen der Reichsregierung dürften außerhalb des in den Vorverhandlungen noch nicht abgeschlossenen großen Wirt- schoftsprogramms ergehen. Somit scheint man von den phantastischen Plänen einer Na- turalverpslegung und der Naturalsteuerzahlung durch Landwirte sich wieder auf den nüchternen Boden der Wirklichkeit zurückgefunden zu haben. Wir wollen nur hoffen, daß wenigstens hierbei ein prak- tische» Ergebnis herauskommt. Beschlüsse der Gastwirisgehilsen. Tagung des Verbandsbeirats in Berlin. Am 15. und 16. September tagte in Berlin der Beirat des Zentralverbandes der Hotel Restaurant- und Cafä-Ange st eilten. Im Vordergrund der Beratungen standen die Frage der Arbeitszeitverkürzung, Sparmaßnahmen zur Eiche- rung der Verbandsleistungen an die Mitgliedschaft und die höchst sonderbare Haltung der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung gegenüber der gesetzwidrigen Ausübung der tzlrbellsoermitklung für wekbllches, gastwlrtfchaftliches Personal durch den Genfer Verband in Berlin. Die Entschließung auf Arbeitszeitverkürzung betont, daß im Jahresdurchschnitt etwa 80000 Arbeitnehmer im Gast wirtsgewerbe erwerbslos sind. Eine Besserung der selbst im Sommer nicht wesentlich günstigeren Arbeitsmarktlage sei nur durch eine Verkürzung der Arbeitszeit, die Einführung der Füns-lage-Voche zu erwarten. Da auf dem Wege der Verhandlungen mit den Unter» nehmerorganisationen kein« Vereinbarung möglich ist, fordert der Beirat des Zentraloerbandes von der Reichsregierung eine Arbeits» Zeitverkürzung in Form einer Fünf-Tage-Woche auf dem Derord- nungswege. Der Verbandsbeirat p r o t e st i e r t ferner gegen die Sabotage des öffentlichen Arbeitsnachweises durch die angeblich„nicht gewerbsmäßige" Stellenvermittlung des Genfer Verbandes und verlangt sofortige Maßnahmen zur Befestigung dieses gesetzwidrigen Stellenvermittlungsbetriebes. Um die Verbandsfinanzen gesund zu erhalten und die Leistungen des Verbandes für die Mitglieder sicherzustellen, hat der Verbandsbeirot die Gehälter aller Verbandsangestellten wie auch die Spesen ab 1. Oktober um 10 Proz. herabgesetzt, die Gehälter bis einschließlich 200 Mark um 5 Proz. Als Rotmaßnahme vom 1. Oktober 1931 bis 30. September 1332 wird unter Aufrechterhaltung der bisherigen Bezugsdauer der tägliche Unterstützungssatz der Arbeitslosen- und Krankenunterstützung in Höhe des eineinhalbsochen Betrages des wöchentlichen Beitrages auf den einfachen Wochenbeitrag herabgesetzt. Alle übrigen Un- terstützungen bleiben unberührt. Außerdem wurde beschlossen, die notwendige Umstellung der Kassen- und Buchführung der Zweigvererne dem Vorschlage der Hauptverwaltung entsprechend am 1. Januar 1932 durchzuführen. Zur Unterstützung und Förderung der I u g e n d g r u p p e d e- Verbandes wird eine Beitragsmarke im Werte von 20 Pfennig für einen freiwilligen Jugendbeitrag herausgegeben. Berliner Gewerkschaftsschule. Das Winterprogramm. Nachstehend veröffentlichen wir die neuen Unterrichtskurse der Berliner Gewerkschaftsschule: SO t Wa« muh der Betriebsrat und der GcwcrlschastSfuvktiouor vom Betrieb und von der Wirtschasl wissen? Lehrer: Richard S ch u l z c. Beginn: Donnerstag, den 15. Oktober, im Lcibni�-Gnvmauum, Manonnen- plah 27—28., 30. 2. Allgemeine Einführung In die Grundsragcn des Rechtblebens. Lehrer: Dr. Erufl Lcffma u n und H. G u m b c r t. Beginn: Montag, den 12. Oktober, im Leibniz-Gvmnasium, Mariannenplatz 27—23. C. 3. Einführung in wirtschastspolitischc Grund- und Gegenwart?� fragen. Lehrer: Willy Modus. Beginn: Montag, den 12. Oktober, 19 Uhr, im Sophien-Lhzeum, Weinmeisterstr. 14— 15. SO. 4. Berufsschiiksal und Lcbensgestaltnng der arbeitenden Frau. Lehrerin: Margarete H artig. Beginn: Donnerstag, den 15. Oktober, 19.30 Uhr, im Leibniz-Gymnasium, Marianncnplatz 27— 28. E. 5. Boliswirtschoftliche ArbeAsgrupp- für Anfänger. Lehre ri Dr. K r c y h i g unter Mitarbeit von Dr. S u h r. Beginn: Tienslag, den 13. Oktober, 10 Uhr, im Tophien-Lyzeum, Weinmeisterstr. 14—15. SO.«. Einführung in die Wirtschaft des Spätkapitalismus. Lehrer: Dr. Ernst N° l t i n g. Direktor der Staatlichen Fachschule für Wirtschaft und Verwaltung. Beginn: Mittwoch, 14. Oktober. 19 Uhr, im Leibrnz- Gymnasium, Mariannenplatz 27—28. B». 7. Bolkswirtschaftliche Arbeitsgruppe sür Fortgeschrittene. Lehrer: Tiplomoolkswirt Wilhelm H ül s n c r. Beginn: Dicn-Iag, den 13. Okioder, 19 Uhr, im Sitzungssaal des Buchbmdcrvcrbandes, Engelufcr 24—25, Aus- gang C, 3 Tr. Gew. 8. Betriebswirtschaftliche Arbeitsgruppe für Anfänger. Lehrer: Fritz F r'i ck c. Beginn: Dienstag, den 13. Oktober. IL Uhr, im Unter- richtsraum der Gewcrischastsschulc, Engelufcr 24—25, 2. Host 1 Tr. Gew. 9. Betriebswirtschaftliche Arbeitsgruppe für Fortgeschrittene. Lehrer: Direktor Paul K o? k c. Beginn: Freitag, den 10. Oktober, 19 Uhr, ini UntcrrichtSrauni der GewerkschaflSschulc, Engeluser 24— 25,"i Hof. 1 Tr. B«. 10. Arbeitsrechtliche Arbeitsgruppe sür Anfänger. Lehrer: Ministerialrat Joachim. Beginn: Freitag, den 10. Oktober, 19 Uhr, im Sitzungssaal des BuchbrnderverbandeS/ Engelufcr 24— 25, Aufgang C, 3 Tr. SO. 11. Arbcitsrcchtliche Arbeitsgruppe sür Fortgeschrittene, Ucbungcn unter besonderer Berücksichtigung des Lehrlings rechts und der Arbeitslosen- Versicherung. Lehrer: Tr. Ernst F r a e n k e l und B ü r i g. Beginn: Montag, den 12. Oktober, 19 Uhr, im Lcibniz-Gymnasium, Mariannen- Platz 27— 28. C. 12. Arbeitsgruppe für Wirtschaftsrccht. Lehrer: Dr. Franz Neu- mann. Beginn: Montag, den 12. Oktober, 19 Uhr, im Sophicn-Lyzcum, Wernmcistcrstr. 14— 15. SC. 13. Tic deutsche und internationale Gewerkschaftsbewegung. Lehrer: Hermann Schlimme. Beginn: Donnerstag, den 16. Oktober, 19 Uhr, im Leibiiiz-Gymnaslum, Mariannenplatz 27—28. E. 14. Die Gewerkschaften in anderen Ländern. Lehrer: Boitin Ha r t i g. Beginn: Donnerstag, 15. Oktober, 10 Uhr, im Sophien-Lyzeum, Weinmeisterstr. 14— 15. SO. 15. Sozialpolitische Arbeitsgruppe sür Anfänger. Lehrer: Otto Bach. Beginn: Di-nstaga, 13, Oktober, 19 Uhr, im Leibniz-Gymnasium, Marianncnplatz 27—28. HS. 10. Ansängerkursus für Sozial- und Gcwerbebvgicne. Lehrer: Dr. med. Norbert Marx. Beginn: Tonnerslog, den 15, Oktober, 10 Uhr, im Seminarfaal des Hygienischen Instituts, Dorotheenstr. 28». S. L Nationalökonomisches Seminar. Volkswirtschaftliche Aussprachen und Uebunaen, insbesondere über das Lohnprobleni. Leitung: Max Pott- l i tz c r. Beginn: Tonnerstag. den 15. Oktober, 10 Uhr. im Gcwerkschasts- Haus, Engeluser 24—25, 2. Hof, 1 Tr. rechts, Unterrichtsraum der Gcwerk- schaftsschule. S. II. Oeffentlichc Wirtschast und Sozialisiernng. Leiter: Dr. Walter Pähl. Beginn: Montag, den 12. Oktober, 19 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engclufer 24—25, 2. Hof, 1 Tr., Unter richtsraum der Gewerkschaftsschule. II. Sonderkurs« für Jugendsunktionäre der FGJ. und AsA-Jugend. Gegenwartsprobleme und GcgenwartSausgaben der Gewerkschasten, inSbe- sondere der gewerkschaftlichen Jugendarbeit. Beginn: Sonnabend, den 17. Oktober, 10 Uhr. Referenten: Walter E s ch b a ch, Walter M a s ch k c, Hermann M a a h, Erich P I ck e r t. Hörergebühr für jeden Kursus für je 10 Abende 2 M Arbeitslose sind vom Beitrag befreit. Anmeldungen bei Beginn der Kurse oder in den Lehrberatungssprechstunden. Montag und Freitag von 16 bis 19 Uhr, oder schriftlich an die Berliner Gewerkschaftsschule, Engeluser 24/25, 2, Stock, Zimmer 25. f Krei< Gewerkschafts-Zugend Berlin Heute um 191 j Uhr tonen die Kruppen: Adlerehos! Grupprnheim Adlers. Hof, Bismarckltr. I. gurzrefrrate.— Schöneroeid«: Jugendheim Nirder. schLnetp-ide. Berliner Str. 31(Miidchcnschule, im Rettet).„Iugeno- programm des ADKB."— Bontow: Fugsvdhcim Rissingenstr. 48, Zimmer Z. Die Mädels hoben das Wort.— Kewerklcho ftshauo: Engeluker'24—25, Saal 11. ,.9iDO. und ADKB."— Aedding! Iugcndhrim Wittdcnoivslr. 5, 2 Trcppen, Zimmrr U. Liederitdmigsabrnd.— Ren-Lichtendeeg: Iuacndhciin Duntcrstr. 44, »Die Setverksckoften in Zvontreich,"— Zraitlfnrter 211 cc; Stadt, Jugendheim Litauer Str. 13. Distusflon:„Wir und die Rirche".— Lichtenberg: Zugendheim Dosfestr. 22.„Wie kann ich den Semeinichoftegeist der Krupp- pkleg-n?"— vstende: Jugendheim Rarlshorst, Trrstv-wsll-e 44(Rontschtrle), schon ob 19 Uhr. Hssemann sächselt.— Treptow! Schule Wildenbruchstr. 53—54(Hortzimmer), Zu- flirg Sroetzswoßc. Wir gestoltrn den Abend aus.— Steglitz: Jugendheim lemmingstr. 14h. Bilder aus dem Leben der FKZ.— Aenowolder Platz: ruppenchelm tlhristburger Str. 14.„ZKB. und RKJ."— Zogen dg ruppc dezentralverband«» der Schnhmacher: Jugendheim de» Ostens, Große ssranklurter Straße 1«:„Bub und Mädel". @Iuflendgruppe des Zentralverbandes der Anaesteltten Heut», Dieirstag, finden folgende Bergnstoltung-n statt: Lichtenberg: Jugendheim Gunterstr. 44. Bottenspicl:»Ein Tag auf dem Arbeits- Bericht". Leiter: Heilbrunn.— Rordwest: Jugendheim Lehrter Str. 18—19. Brettspielobend.— Der Sprech,»»d Bcwegungschar übt a!> 30 Uhr in der Turnhalle Baruther Str. 20.— Achtung! Am Sonntag. 27. September, l>«. teiligen sich all« IugendmitgNeder am Hcrhsttreffen in Zossen.— Meldet euch fttr»i« Bolksdichnenobteilung für di» arbeitende Jugend im Jugenvsekretariat. Mensch, Tiger und Schlange. Ein Kampf, den die Maschine entschied. Bombay, 21. September. In der Nähe der indischen Stadt Chandcrmagor wurde von der Polizei eiy grauenhafter Fund gemacht. Auf dem Eiscn- bahndainm der dort verkehrenden Lokalbahn lag der in zwei Teile zerschnittene Körper eines Menschen, um den sich eine ebcnfatls furchtbar zerstümmelte Riesenschlange geringelt hatte. Auf beiden lag ein D s ch u n g e l t i g c r, dessen Körper gleichfalls in Fetzen zerrissen war. Das Rätsel dieses ent' setzlichcn Fundes konnte bald gelöst werden. Es handelte sich um einen Franzosen, der nachts am Eiscnbahndannn entlang gegangen war und die Station erreichen wollte. Dabei wurde er von der Schlange überfallen und es entspann sich zwischen ihnen ein ver- zweiselter Kampf. Den Tiger lockte das Schreien herbei und es gelang ihm, beide, Mensch und Schlange, mit Prankenhicben nieder- zuschlagen. Im selben Augenblick aber sauste der Zug herbei und zermalmte alle drei. Selbstmord eines Lehrlings. Im Wochenendhaus seiner Ellern in Frohnau wurde gestern abend der llsälzrige Lehrling Kurt Stelz erlangt aufgefunden. Die Wiederbelebungsversuche der Feuerwehr blieben ohne Erfolg. Geldschrankeinbrecher drangen in die Filiale der Berliner Konsumgenossenschaft am Schönholzcr Weg 6/10 in Reinickendorf ein und brachen einen Tresor auf. Sie stahlen 656 M. bares Geld. Die„Deutsche Liga für Menschenrechte- legt Wert darauf, fest- zustellen, daß Herr Hans Schwann seit Iahren nicht mehr ihr Mitglied ist und sein eigenmächtiges, schädigendes Bor- gehen seinerzeit von dem Vorstand nach Kenntnisnahme aus das schärfste mißbilligt wurde. Zu unserem Beitrag„Wer nimmt uns? 46 Körperbehinderte werden arbrltslos" vom 16. d. M. bemerken wir ergänzend, daß die bisher vom Sclbsthilfebund der Körperbehinderten geführte Näh- st u b e nunmehr als Privatbetrieb an anderer Stelle weitergeführt wird, während die Fürsorgeabteilung in die allgemeine Krüppel- fürsorgc des Landesverbandes Brandenburg des Selbsthilfebundes übernommen wurde. Das Ende des„Haulilus". Aus Bergen wird gemeldet, daß das U-Boot„Nautilus" verschrottet oder versenkt werden soll, da es keinesfalls nach Amerika zurückfahren könne. Ein Zünsundsiebzigjähriger. Der Invalide Friedrich K r a p k a t, Berlin 0. 112, Rigaer Straße 76, feiert am 24. September seinen 75. Geburtstag. Der Jubilar ist Abonnent des„Vorwärts" seit 1885. Allgemeine Wetterlage. 2iS«pfr.4934.abds. OifaiW wclkwloaO haiferfa Iwlb bedeckt awolkig.abedeekt�Regsn&Graopeln «SdiinastfabihltOwrftst�WnJtftile Nordwestlich von den Britischen Inseln bcsindet sich der Kern eines ausgedehnten Hochdruckgebietes. Aus der Ostseite dieses Hochs fließen kalte polare Lustmaßen in breitem Strome nach Süden. Ganz Mitteleuropa ist von ihnen überflutet. Am Montagabend lagen die Temperaturen in Deutschland vielfach unter 16 Krad. In den Gebirgen hat es oberhalb 1666 Meter geschneit. Die Depressionen, die über dem östlichen Mitteleuropa noch vorhanden sind, wandern nach Rußland ab. Gleichzeitig macht das ivrstlich« Hoch einen Borstoß nach Osten. Damit ist bei uns mit etwas Wctterbesierung zu rechnen. Da aber Deutschland auf der Ostseite des Hochs liegen bleiben wird, dürfte es zunächst noch kühl bleiben. Welkeraussichken für Verlin: Immer noch ziemlich unbeständig und sehr kühl, Neigung zu einzelnen Schauern.— Für Dculschland: In der nordwestlichen Hälfte zeitweise heiter, im übrigen Reiche vorwiegend wolkig, strichweise noch Schauer, allgemein sehr kühl. vekkentlieks Kundgebungen «•at«, Dienstag, den 22. Septem ker 1931 12. Kreis. Steglitz>Lankwitz«Lichterfelde. 20 Uhr im Parkrestaurant SOdende.— Ernst ncilmana,.M. d. L.. und Dr. Frili Karsen sprechen über:„Sozialer Abbau— Kultureller Abbau oder Sozialismus. Alle Einwohner von Steglitz, Lankwitz und Lichtcrtelde sind eingeladen. Donnerstag, den 34« Septembcrt 108. und 108a Abt.« Köpenick. 20 Uhr im StadtihCater, Am Marktplatz.— Rcichslagsabgeordneter Philipp Scheidemann spricht über:„Die politische und wirtschaftlicbe Situation''. Ferner wird der Film gezeigt: Der Parteitag in Leipzig. parieinachrichten fürGroß-Berlin ClsfenbungeR für diese Subtil sind Berlin SB 68, Lindenstrnhe 3, stets nn bns Begicfsfctcetaciat 2. Hos, 2 Treppen recht», zu richten Beginn aller Veranstaltungen 1 Sir Uhr. sofern keine besondere Jeitangabek Heule, Dienstag, 22. September: Z. ft-eis. 5tiei spricht. Mrlglied», buch legitimiert. 10. Abt. Mitaliederoetsammlung sollt aus.— Dasllc Dtskussionsobend bei Sandow, Flensburger Str. 3. 17. Abt. Anla her 39. Senteindeschtile. Mllllrrstt. 158—159, Ecke Triftstraße. Ernst Nenmann!„Wirtschaslspolitit". 21. Abt. Schraderhans, Malplaguetstt. 14— 16. Otto Ziska:.Die nritischaftliche Lage". 23. Abt. Steinacket, Müller. Ecke Seestraße. Friedrich Stampfer, M. d. S.t „Das Kampfprogiamm der Sozialdemokratie". 24. Abt. Altetsbeim, Danzigtr Str. 62. Erich Kuttner, M. d. L.:„Die poN. trsdie Lage". 27. Abt. SchSnhauser Festsäle, Schönhauser Allee 129. Mar Etllmetster:.Polt, lisch« Umlchau". 28. Abt. vruppe 1 bei Bogen. Schwebtet Str.'23. Neferentin Anna Hartoch: „Die Rundschreiben des Papste».— Gruppe 2 bei Mener, Oderberger Straß«.99. Referent Genosse Kürbis:..Kommunale Fragen".— Gruppe 3: Achtung, neues Lokal! Kaufmann, Schönbaufer All» 1SI. Referent Stadtrat Dr. Friedländer.— Gruppe 4 bei Iänecke, Hagenauer Str. 3.— Gruppe 3 bei Parteidt. Därcher Str. 23. Referent Friedrich Stckorn:„Der Frank, furter tbrwerlfchaftstongreß".— Gruppe 6 bei Mooß, Prenzlauer Allee 232. Referent Dr. Mittag:..PsmHologie 29. 34. 38. 39. 42. 31. 96. 99». 114. 124. 134. 14». der Ingend Abt. 20 Uhr Zahlabende in den bekannten Lokalen. Abt. Schulaula Litauer Str. l8. Achtung, bereit, um 19 Uhr. Dr. Otto Friebländer:„Die poliiisdie sage". Abt. 20 Uhr Schmidts Defellschaftshaus, Fruchtstr. 36>. Erich Wendicke: ..KulturabbaiL'. Die Elternbeiräte sind besonder» eingeladen. Abteilung». rorstandssißung um 191» Uhr ebendort. Z!gd) der Abteilungsverigmmlung Funktionärfitiung. Abt. Baugewerksbunb. Eroßbeerenstr. 96. Dr. Ernst Bock:„Die Wirt. fdwftskcifc in England". Abt. BMcherfäle, Blllcherstr. 61. Karl Olttredorf:„Die wirtschaftspolitifche Situation". Abt. Wabliahrtaiaal, Königin. Elisabeth. Str. 8. Stadtrat De. Heuer! Birtichaftotrile und die Stadt Berlin". Mitgliedadnch ist rnitzuieingen. Die Genossen anderer Abteilungen find eingeladen. Abt. Die Mtiglieäcxuerfamtnlung finde, ia-beiz. äichillor-Säle», Bismaeck. straße 110. stmt. Abt. Arbestskeei« innger Parteigenossen: Slogai, Ecke Ilsestrnße. Dr. Deniike:„Der inlerirationole Kongreü in Wien". . Abt. Duschkrug, Rudower Straße. Wisla Driigemllller, M. d. L.: „Preußen". Abt. Zahlabend der 1. Gruppe im Lokal Mainzer Straße Ecke Frankfurter All». Abt. Großer Saal des Lokals Anders, Bahnhorstr. 37. Cladloeoordneter Robert Rechbe:„Die Sparmaßnahmen de« Magistrats". Abt. zahlabend bei Sonnet. Schönower Str.'20. Genosse Schmibt:„Die Auswirkungen der Ztotoerordnungen". Abt. Woitschach, Ernstste. 1. Porstande, und Funktiongrfißung. Donnerstag, 24. September: 13. Krei«, Wldungaausichuß: 20 l!hr RieberschSneweide, Berlin» Str. 38 fReftourant.Zur Dost"). arwerbal»len,»anstaltungen. Arbeitaireise iiinge», Parteigenassen. 3. Abt. Arbeitskreis junger Parteimitglieder bis zu 30 Jahren! Lulaschewski. Seorgenkirchstr. 38. Zir'ammenkunst. 124. Abt. Zniamnoenknast aller emserbalosen Parieiariwlieder nm 13 Uhr im Genassenschaftahana. Netanchthanstraße. Gotiliet Reese:„Arbeitelafigkeit und Wirtschastalrile". Sonntag, 27. September: 4. Kreia. 18 Uhr in der Rultnrabteilnng de» Dentschen Mrtallarbesteruer, bände», Linirr.str. 197, FIlmaeranstaltung der Kinberfreundr. Buksührung der Fllmr„Die Republik der Ikiuder",„Dlr Briider". Unknstrnbeitrog «1 Pf. Die Genassen werden gebeten, recht»ahlreich»n diefer Peran. staltung ,u erscheinen. Karten find»ach an der Abendkafse erhältlich. Arbeitsgemeinschaft der ckindersrennde Groh-Verlin. Krei, Schöneberg: Die Helserfißung muß»gm Dannerstag oirf Milturoch, 33. September,»pmetlegt rortden. Am Donnerstag, 34. Septeniber, treffe» ssd, alle Helfer zur Groß Berliner KeFerveriammlung im Bezirksamt Kreuzberg. ?'oeckstr. 11, plinkllich 19'.» Uhr. Wichtige Tagesordnung. Mittwoch find wir wir immer im Jugendheim der Kolonie Sommerhelm, Silbgelände, piinltlich »Ve Uhr. Prrnzlaner Berg. Gruppe Friedrich Gbert: Dienstag Gemiechte Gruppe. Ans, spradze ttber die Gruppeneinteilung. Rkittwoch Spielen aus dem„Erer", 18 Uhr. Donnerslag Photogruppe, Apparate und Bilder mitbringen. Freitag Ge, mischte Gruppe, Kasperleabend, Szalanar-Arbeitagemeinschalt fällt am Dounerstaa wegen der Helferver, sammlung gus. Nächste Zusamnienkuuft wird noch dekanntgegeben. Sterbetafel der Groß-berliner Partei-Organisation 1. 3lbt. Unser langiilhriger Genosse Emil Hoppe, Artilleriestr, 2, ist am 17. Septembee nach kurzem, fchu'erem Leiden im 61. Lebensjahr verstorben. Ehre seinem Andenken I Emäschernng am Dienstag. 22. September, 16 Uhr, Krematorium Geriditstraße. Wir bitten um zahlreidi« Beteiligung. 3t. Abt. Unser Genosse Hermann B a t h e, Rordkapstr. 8. Ist am 19. September plötzlich an Blutvergiftung verstorben. Ehre seinem Andenken! Dse Einäscherung findet am Mittwoch, 23. September, um 19 Iss-', im fceeig, torium Eerichtftraße, statt. Um rege Beteiligung bittet die AbteilungsleituUg. 32. Abt. Am 19. September verstarb unser Genosse A u g u st B r i e g e r. Ehre seinem Andenken! Einäscherung Miltwodt. 23. September, 11 Uhr, Krerna, lociuni Gertchlsträße. Wir bitten um rege Beteiligung. 93. Abt., Bezirk 113. Am 18. September verstarb unser Genosse Gustav Ziege, Thüringer Str. 33. Ehre seinem Andenken! Einäsdzeruna Minmvch, 23. September, 16 Uhr, Krematorium Baumschulenweg. Wir bitte» um rege Beteiligung. �SozialiflischeMejterj'ugendGroß-Verljn Einlendnngen für diese Rubrik nur an das Iugendsekretariat Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Karten für die Tonberueranstaltung der DB.:„Kampf um Kitsch", am II. Oktober. 13 Uhr, zu 80 Pf., sind im Iugendsekretariat erhältlich. Abteilungaleiter, gebt sosort die Programme für Oktober ab! heule, Dienstag, 19�- Uhr: Arkonaplatz: Clisabethkirchftr. 19:„Jugend und Politik".— Gewerlschasta. Haus: Köpenicker Str. 92:„Jugend und Partei".— Kollnischer Part: Waisen» straße 18:..Sernelle Fragen", 1.— Oranienburger Tor: Tieckstr. 18:„Gemein- echastserzithuug".— Roienthaler Borstadt: Elisadethkirehstr. 19:„Tagespolitik". — Zentrum: Landsberger Sir. 30:„Die Geschichte der SPD."— Brunuenplatz: Panistraße: Politisch-satirischer Abend.— Kumboldthain: Putbusser Str. 3:„Das Mädc! in der SAI."— Leapoldplatz: Ssestr. 81:„Ein Jahr Regierung Brüning". — Dchillerpark: Schöning str. 17:„Arbeiterdichtung".— Weddina: Willdenow. straße 3: Heimabend.— Aruinrplatz und Schönhauser Vorstadt: Sprechäiorprobe, Sbunenburge: Str. 20, Zimmer 4.— Scklönhaufer Vorstadt: Aktuelle Ableilung, Eoldschmidt. Stolpisdie Str. 36.— Arnsioalper Platz I: Rastenburger Str. 16: „Die politischen Parteien", II.- Helmholtzplatz: Gleimstr. Arbei:sgemein, seftait.— Kotbostcn I: Danziger Str. 62. Baracke.3 rechts:„Warum freie Ge. werkschaften?"— Weißensee: Parkstr. 36:„Erziehung zum politische» Denke»". - Wörther Platz: Kastanieuallee 82:„Lehrliugsfraaen".— Hajenhcibe: Wassertorstr. 9: Arbeitsgemeinschaft._ Reicbenberger Viertel: Reichenberger Straße 66: Literaturabcnd.— Süden: Porckstr. 11:„Die Entwick.luna der jreien Eeweek'chaften".— Südwesten: Lindenstr. 4:„Das Wandern".— Schöneberg IV: Hauptstr. 13:„Arbeiterklasse und Kirdie".— Schöneberg V: He.uptstr. 13: 10,Mi»ulen.Reserale.- eharlottendurg. Jüngere: Rosinenstr. 4: „Was will die SAtz.?"— Eharlottenbnrg-Rord: Kaiserin.Augnsta'Allee 9T.i; „Krise des Kapitalismus»nd Aistgade der Arbeiterklassr".— Eharlotten. bnrg-Süd: Wallstr. 76:„Die konstsfionellen Jugendverbäude".— Westend: Sportplatz Westend:„Jugend und Republik".— Lichterseide: Albrechtstr. 14«: „EAI. und Freikörperkultur". Mariendors, R. F.: Dorfstr. 7:-stolitisdi, satirischer Abend.— Ren-Tempelhos: Winsgenstraße:„Ein Blick in das Dritte Reich".— Steglitz i und II: 19 Uhr„Rate Eturmecte". Beteiligung an der Knudgebuna der Partei. Falientracht.— Britz: Chausseestr..18:„Das Kind als Träger der werdenden Gesellsd>aft"._ Reukölln II: Eteiumetzstr. 84:„Abend der Spießbürger".— Reukolln III: Ziethenstr. 38:„Psasfenherrschaft".— Reu- I3fln V: Kaifer, Friedrich, 8�tr. 4;..Bolidiewismus—'Anarchismus".— Reu- lofln VI: Trepwwer Str. s«;„Was ist»ns die Berfassuug wert?" Rr». fafln VII: KMS.:„Parleigeschichte". II.— Seuläfln Villi! RüIIIschule:„Grund f-aaen de- Marxismus".— Reukölln IX: Schierkestr. 44:„Wandern. Spiel und Sport in der SAI." iFrageboge» nicht vrrgrssen.i— Rrntölln X: Bergftr. 29: „Staat, Kirche, Schule".— Rentilln X>: Flughaieustr. 68:„Kiräp: und Prple, Ie:riat".— Karlaharst: Treskowallec 44:..Wirtschastskrise".— Re». Lichtenberg: Haukfstraße:„Die Frau im Dritten Reich".— Hermsdorf: Roonstraße: Arbeits, gemein'chast.— SSG. Schönebera: Hauptstr. 13: 17 Uhr:„Schüler und Arbeiter". SSG. Pankow: Kisfingenftr. 48, 18 Uhr:„Das Kommunistische Manifest". SSG. Wilmer�ors: Wilhelmsaue 123: 17 Uhr:..Was ist Marxismus?" Wc'bebezirk Prenzlauer Berg: Alle Metallarbeiter beteiligen(ich an der Versammlung des DMB., 19U Uhr, Danziger Str. 62, Altersheim. Werbebeziri Reiuickeubors: Wittenau, Hauptstr. 13: Mitgliederversammlung: „Partei und Jugend". Werdebezirt Teltowianal: Beteiligung an der Kreismitgliederversamm- lung der Parte!, 19>ch Uhr Parkrestaurant Südende. Fahnen mitbiingen. Voriräge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schroarz-Rol-Gold". Gelibäklastelle: Berlin S. 14. Sebastiaustr. Hok 2. Tr. Gauoarstaad. Mittwoch. 23. September. 20 Uhr, Iuger.Meiterßßung im Gaubvro, Sebastianstr. 37—38. Aufstellung des Winlerpr«. gramms.— WUmeradorf(Ortsverein): Mittwoch, 28. September. 20 Uhr, Monotsversammlung im Viktoriagarten, Wilhelm-ane 114. Referent Gauvor. sitzender Kam. Stelling.— Mitte lOrtsvercinI: Angermünde. Fahrer müssen W, spätestens den 24. Septembee bei den Kameradsdzaftsiührern weiden. 6. Same. radschaft: giisammeniunft der Angermünde-Fahrcr am 24. Seplember,'29 Uhr, bei Arndt, Schröderftr. 2. Freie Arbeiter.Dteuagrapheu.Beieintguug. Anfängerkurfc: Rordeu: DIens, tag, 22. September, in der Gemeindeschule Schulstr. 99.— Reulölln: Dienstag, 22. Septemoer, in der Karl, Marx. Schule. p.aiser.Fri.'brich, Str. 209— 211.— Südwesten: Freitag. 20. September, in der Gemeirdesämle Gneisenaustr. 7.— Alle Kurse beginnen lg',7 Uhr. Kursuedauer 13 Abende. Kursusbeitrag ein- schließlich Lehrmaterial 10 M.. Erwerbslose 3 M. ksperantagenppe Kankarbo Reukölln. Mittwoch. 23. September, 20 Uhr, Restaurant Rrrlich. Neukölln, Kaiser. Friedrich-Str. 48 la» der Erksttaße), Be- ginn eines neuen Esperantoknesns für Anfänger. Gäste willkommen. Eiperoniagruppe Berlin Rorbwest. Mittwoch, 23. September. 20 Uli", Koudüorei Ramin, Rilsnacker Str. 6l lau der Turmstraße), Vortrag:„Der praktisdie Bert des Esperanto". Probelektion, Ausstellung. Eintritt frei, Gäste willkommen. »«>— maMWaa—WWWem— WW—WaVaWaaaW■...... iiiii»ii.ii............. Achtung, Berliner! Das Gelb liegt aus de« Straße. ES ist Ihnen sicher aufgefallen, daß in den letzten 14 Tagen der Blirgensteig aus einen, n fahren, den Auto mit Münzen beworfen wurde. Diese stammen van„Eorlim". dem Manipulator des Wintergartens. Unter den ausgeworfenen Münzen befinden sid. Tausende, auf denen das Bort..Wertmünze" und die Buchstaben A. B, E oder D stehen. Alle diese Wertmünzen werden ron jetzt ab»am Wintergarten während dos Monats September für alle Vorstellungen eingelöst, und«war wird je eine Wertmünze auf je eint Eintrittskarte mit 1 M. in Zahlung genommen. Im Hause Stralaner Str. 27 kam Molkrnmgrkt) wird ei» Heim für Frauen und Mäbchen eröffnet. Preis 4,30 M. pro Boche inll. Licht, Heizung und Kochgelegenheit. Geräumig« und luftige Zimmer. Beschluß. Der Bezirksausschuß in Morienwerder hat in seiger Sitz»»» am 16. Sep, tembtr 1981, an welclzer leligenommen liabe»: Perwaltungsgerlchledireklor Müller, als Zlorstßender: Oderregiernngsrat Plasse, Regierungsassesior Dr. Wer alter, Rittergutsdesitzer Ortmann. Besitzer Regehr, Brauereietbesitzer Ullrich, Angestellter Heß, als Beisitzer, drschlossen: Der Fleischer Robert Duron. früher wohnlialt in Berlin, jetzt nnbekannteu Ausenthalts, ist für die Dauer der Fürforgechedürftigkeit seines am 1>. Februar 193,1 geborenen,»»terbolte, berechtigicn Kinde» in einer öffentlichen Arbeitsanstalt oder in einer staatlich als geeignet anerkannten Privatanstalt unterzubringen. Gründe: Der Fürsorgeverban» des Kreises Stich« hat auf Grund des 8 20 der Verordnung tider die Fürsorgepflicht vom 13. Februar 1924 und des§ 21 der Preußischen Auoführungsoerordnung vom 17. April 1024 den aus dir PesdUußsomel crstchtltd)en Antrag gestellt und zur Begründung geltend gcma.üt. daß das eheliche Kind Agnes Dura» IN Usuitz aus öffentlidlen Fürsorge. Mitteln mit 10,— RM, monatlid) unterstützt werden muß, weil der Antrags. gegucr für dos Kind nicht sorgt. Von dem Antragsgegner waren Erllärungen nicht zu erlangen, da«r den Aufenthalt mehrfach gewechselt hat und sei» jetziger Wohnsitz trotz Nachfrage» nicht ermittelt werde» konnte. Die Ladung zun: heutige» Termin mußte daher durch öffentlich« Zustellung erfolgen. Es ist offensichtlich, daß Durau seinen Ausenthalt verheimlicht, um sich der Untpr- Haltspflicht feinem Kinde gegenüber zu entziehen. Der Bezirk sausfäniß erblickt in dem Verhalten des Antrogsgegners ein sittliches Verllchulden im Sinn« der oben genannten gesetzlichen Bestimmungen und hält daher die Unterbringung des Antragsgegners in einer öffentlidlen klrbeiisanstalt oder in einer staatlich als geeignet anerkannten Privatanstalt für gcbolen. Gegen diesen Beschluß ist innerhalb zweier Wod)en der Antrag auf münd- lidje Verhandlung im Berwaltungsstreitverfahren zusässig. Der Bezirksausschuß Marienwcider: Müller. Ausfertigung: K. A. U. 313,'31. Kb'NiCIN VON 2>iecd? ©ARB AT Y Q&rifiMunä6 .ersieh: IDöHe IM m Jl. „Marseille ist eine schlimme Stadt, selbst für unsereins", erzählte mir Kapitän chundertniark in einer seiner guten Stunden, in denen zuweilen er sogar Landratten für erträgliche Kumpane hält. „Und wo wir nun mal wieder in St. Pmili sitzen, mitten im Betrieb, muß ich an das schmutzig-buntc Leben da unten denken und daran, wie ich Dörte kennenlernte. Oder habe ich Ihnen die Sache schon mal erzählt? Nein? Also passen Sie auf— es ist wohl allmählich so'n Stücker zwanzig Jahre her— Dcubcl auch, geht die Zeit!— Ich war grad Leichtmatrose geworden,'n richtiger Janmaat, der kein Geld aus der Naht haben konnte, ohne das Jucken in den Fingern zu kriegen. Wir liegen da unten unter einer Sonne, wie Ihr sie nie gesehen habt, und dösen durch die Tage. Eine Fracht soll kommen und kommt nicht. Gegen achtzehn Glas bummel ich mal durch das Viertel hinter den Kais. Wilkins, der mir'n paar Jahre voraus war, hatte mir erzählt, in Marseille gäbe es ein Tingeltangel„El Garon", da würde was an den Tag gegeben. Ich finde das Dings denn auch und komme grad in den Laden rcingcschneit, als'n kleines Mädel tanzt, fein und schlank und blond, wie man es da unten eigentlich nicht findet. Scheint denn auch Elou oons Ganze zu sein, die Dccrn— ein Prachtexemplar,'n büschcn was versteht unsereins ja schließlich davon. Was soll ich sie weiter beschreiben, sie ist direkt zum Vcr- rücktwcrden, alle Kerls jucken sich die Augen, aber das Mädchen verschwindet hinten in einer Art Garderobe. So'n Bengcl wie ich es war, hat feine hundert Schilling zu vcr- liercn, wcnn's hoch koinmt— und vor nichts hat der Sailor wem- ger Respekt als vor Bargeld! Ich warte'ne Weile, höre und sehe nichts von dem Mädel, stehe auf und linse mal hinter den Vorhang, wo sie verschwunden ist. Da ist eine dünne Tür, wacklig und schief, das Licht sickert an den Kan- ten durch und mit dem Licht eine gräßliche französische Stimme: „Was," sagt ein Kerl drinnen,„das ganze Etablissement sitzt voller Gentlemen, sogar Engländer und Deutsche sind da. und du willst dich wieder mal nicht blicken lassen? Das wäre noch schöner — der Bertrag ist unterschrieben, mein Herzblatt, da is nix dran zu klingeln! Che ich es mit was anderem versuche, werde ich dir mal selbst Erziehung beibringen...", worauf irgend etwas an die Tür poltert, ein kleiner Spalt sich öffnet und ich sehe, wie der Wirt das Mädel gerade an den Schultern packt. Hein Seemann ist nu mal Kavalier, wenn's gilt, ein paar sachlich brauchbare Fäuste zu zeigen — davon habe ich nie eine Ausnahme gemacht und mache sie auch heut« nicht. Also— ran! Bei meinem Dazwischentreten muß dem Kncipenonkcl zumute sein wie dem Decksjungcn vorm Klabautermann, an den wir alle nicht glauben wollen— aber dann ist er mit einem Male da. Der Kerl zieht sich in den hintersten Winkel des Stalls zurück, den er Künstlergarderobe nennt und zittert«in bißchen— zu sehr Franzose, um nicht sofort mit grenzenloser Hilflosigkeit eine Verbeugung zu machen und zu sagen: „O, pardon, Monsieur, ich mußte nicht, daß Sie mit Mode- moiselle verabredet waren. Ich gehe schon. Pardon, Monsieur, bon soir, Mademoiselle." Die Klein«— erst jetzt sehe ich ihre dünnen Schultern, ihr über- schmales Gesicht unter schwerem Haar und helle, große, schöne Auge», die vorhin das Scheinwerferlicht korrigierte— weiß nichts Rechtes mit mir anzufangen. Ich habe auch nicht eben die beste Schule im Umgang mit Damen hinter mir. 'ne Tänzerin war oamols'ne Dame für mich, mein Lieber, und auch heute möchte ich behaupten v-ii«?!:'Hündertmark sah mfch drohend an, als erwarte er von einer so morbiden Landratte aufs Bestimmteste eine unpassende Bemerkung. Da ich nickte und ihn, zulächelte, fuhr er, weniger heftig, fort: „Na ja, das ist nun mal meine Meinung! Da stehe ich also, wie ein echter Ianmaat stehst, wenn er zum «rstcnmal im Leben die schlanken Hände so'ncr Frauensperson sieht, die mit Puder und Lippenstift umgeht wie unsereins mit Karte und Kompaß. Schließlich kommt bei ihr so was wie ein Lächeln zustande und sie sagt mit sehr müder Bewegung: „Ich danke Ihnen, Monsieur— gehen wir nun hinaus, nicht wahr, das wollten Sie doch?" Ihre Augen sind dabei merkwürdig. Ich sehe sie heute noch vor mir und weiß in diesem Moment, wie es mir durch die Seele ging. Mit Dummerjungengalantcrie mache ich meinen 2lrin krumm, sie legt einfach ihre kleine Hand hinein— und dann gucken alle im räucherigen Saal uns wütend und neidisch an. Wir setzen uns zu- fmumen an meinen Tisch und der Wirt selber bringt neuen Wein. Soweit alles ganz schön und gut denke» Sie, nu' aber endlich los mit dem Abenteuer, mit Mord und Todschlag oder mit einer eins A sentimentalen Liebesgeschichte. Mensch, haben Sie eine Ahnung von der Tüffeligkeit eines Janmaaten. Er möchte wohl so mit tausend auf eüi Ziel los, parier vous francai.s,,speak von english— und er erzählt an Bord die tollsten Dinge, was für'n Held er ist. Aber in Wahrheit möchte er am liebsten beidrehen und direkt an der Anker- winde die Wut über seine eigene Dummheit auslassen. Die Kleine gibt sich alle Mühe, mich mit lustigen Dingen zu uirterhalten— mit einem Gesicht, das sich müht, einer Pflicht nachzu- kommen, und da wir immer noch nicht den richtigen Kurs zueinander finden, meint sie plötzlich, nach einem Lachen über irgend etwas Albernes hinten im Raum: „Sie hatten doch die Absicht, mich nach Hause zu bringen?" Den Versuch meiner Abwehr ignoriert sie einfach, erklärt sehr bestimm!: „Zahlen Sie! Wir werden gehen. Ich will Sie um nichts bs- trügen. Kommen Sie gleich nach. Vor dem Eingang warte ich— ich hole nur den Mantel aus der Garderobe." Wirklich, als ich auf die Straße trete, steht sie, weiß im Laternen- licht und ganz in einen Schal gewickelt, da und geht dann schwci- gend, schnell und zielbewußt neben mir her. Wir marschieren durch ein paar gewundene Straßen, das Trippeln ihrer Stöckelschuhe pickt dünn durch den Anschlag meiner Kloben auf dem runden Pflaster, hinten blitzen Lichter des Hafens, Schiffs- leider ragen schwer durch plötzlich« Ausblicke zwischen baufälligen Häusern oder Schuppen, und wenn man stehen bleibt und den Atem anhält, kann man das Wasser an die Dalben schlagen hören. Wir kommen in eine krumme Straße— ich sehe sie noch vor mir, Pfützen spiegelten die einzige Laterne mit ihrem langen Schal- ten, und die war schief. Das Mädal schließt hastig eine klein« Haustür auf, leuchtet mit einem im Luftzug iinmer wieder verlöschenden Streichholz auf die Stiegen. Meine geflüsterten Einwände bekommen nur ein„Scht", dann klappert eine leichte Kette gegen Holz, Wohnungsgeruch schlägt uns entgegen, noch eine Tür, ein Zimmer,«ine Lampe und da sitze ich schon auf einem roten Plüschsofa, wie zu Hause. Mir ist etwas aufgefallen:' eben brennt Licht im Zimmer, kehrt sie blitzschnell ein Photo an der Wand um und so hängt es nun, das braune Papier nach vorn. Mein Kopf brennt ganz gehörig. Ich bitte sie um Kaffee. Sie geht hinaus, wohl in die Küche— natüvlich stehe ich auf und drehe das LD wieder hernw. Ei» Seemann, Votlmatw� mit der Mütze eines holländischen Dampfers, ist darauf, ein klarer, gerader Kerl, was sein Gesicht anbetrifft— und sonst eben«in Ianmat, wie ich. Sic kommt, in der Hand ein Tablett, darauf eine Kanne, Tassen, Milch, Zucker und stellt es ab. Erst nachdem auch sie sich gesetzt hat, merkt sie die Sache mit der Photographie und da halte ich sie einfach fest. Immer noch ist der schwere und müde Ausdruck auf ihrem Gesicht. Ich will mehr wissen über den Janmaaten da drüben, meinen Kameraden auf großer Fahrt: da wird sie ganz still. Ich trinke meinen Kaffee, lasse sie in Frieden, denn diese Stimmungen kenne ich einigermaßen— richtig, bald fängt sie von allein an: „Sie sind hier," sagte sie,„und ich will ja tun, was Sie wollen, ich bin ja dazu da. Das hat der Wirt ja auch heute wieder gesagt, und weil es immer noch nichts nützte, wollte er nnch schlagen. Das haben Sie verhindert, deshalb will ich dankbar fein." „So," erkläre ich nun,„was du da denkst, kleine Tänzerin, i't ganz falsch. Ich wollte gar nicht hierher. Du hast einfach gesagt, ich soll initkommcn. Und manchmal bin ich eben'n büschen auf den Mund gefallen. Danke schön für den Kaffee— und denn kann ich ja wieder gehen!" Das sage ich und nehme meine Mütze vom Haken. Was tut sie? Steht mit einem Ruck auf und fragt: „Ist das die Wahrheit? Ja," sogt sie selber weiter,„das ist wohl die Wahrheit, Sie find ja gekommen, als er mich schlagen wollte, und Sie kannten mich nicht." Dabei streichelt sie meine Hand, nimmt mir die Mütze fort, macht wieder mit ihrem hübschen gespitzten Mund„Scht" und schiebt leise einen Vorhang zu einem anderen Zimmer beiseite. Mit ihren beiden Händen trägt sie die Lampe, die da hinein leuchtet. Das Licht fällt auf ein großes Bett und daneben auf eine bunte Wiege, ein Herz ist darauf gemalt, ein paar Blumen, ein Dampfschiff und in holländischen Worten: „Seelebcn ist Not." Ich sehe einen blonden Schopf, zwei kleine Hände, die sich an ein rotes Gesicht pressen, auf und ab geht ein Atem. „Wie alt ist er?" frage ich. „Morgen drei Jahre. Es ist ein Mädel. Sie heißt Dörte." „Dörte," das spricht sie mit ihrem spitzen Französisch so lustig ans, daß ich lachen muß, werde aber gleich wieder ernst und zeige auf das Bild: „Ihr Vater?" „Ja," antwortete sie,„nächstes Jahr macht er sein Examen. Dann muß ich nicht mehr arbeiten. Die Bootsmannsheuer wird schon für uns drei reichen. Wenn er mal Steuermann ist, vier, fünf Jahre noch, dann fängt das Leben erst richtig an." „Warum, zum Teufel, bist du denn Tänzerin?" frage ich sie. „Ich habe nichts anderes gelernt. Zum Nähen sind meine Augen zu schlecht— mein Vater war blind, müssen Sie wissen, schon als ich geboren wurde. Die Augen van meiner Mutter allein haben wohl nicht für mich gelangt.„Er"— sie zeigt auf das Bild— „lernte mich in Le Havre kennen, da tanzte ich in Schenken, Vater spielte dazu. Der Alte ist gestorben, allein konnte ich mich in den Kaschemmen nicht durchschlagen. So habe ich dies angefangen: nach- dem das Kind zur Welt kam und er mir den Ring gab."--— „Marseille ist eine schlimme Stadt für eine Tänzerin," wieder- holte Kapitän 5)undertmark nach einer kleinen Pause,„besonders wenn sie hübsch und jung ist." „Was ist denn aus ihr geworden?" fragte ich schüchtern. „Ja," er rührte lange den Zucker in seinem Grog,„das ist eigentlich eine andere Geschichte. Schließlich kann ich es Ihnen ja ruhig sagen: er ist heutb Kapitän auf einem deutjchcn Küstenfahrer. Sein Haus steht unten in Blankenese, dicht am Strand. Es hat ein Strohdach und grüne Fensterläden. Sie kennen es auch. Die beiden haben noch einen Sohn gekriegt, der musterte gestern bei mir für seine erste Fahrt an." „Und Dörte?" „Dörte," sagte er nachdenklich und schwieg dann, blinzelte in das Scheinwcrferlicht. Ein Mädel mit einem Tarlatanrock und sehr großen hellen Augen trat eben auf die kleine, pappig bemalte Bühne, und der langhaarige Klavierspieler schien sein Instrument mit Fäusten zu bearbeiten,„Dörte— steht da oben. Deshalb bin ich ja heute in dieses Tingeltangel mit Ihnen gegangen. Wir müssen sehen, was sich rette» läßt, der alte Wandertrieb ist wohl durchgeschlagen oder das Blut, das die Mutter mit dem blinden Vater durch die Kneipen von Le Havre trieb. Dörte ist vor einem Monat weggelaufen und Tänzerin geworden— sehen Sie nur hin, das Mädel kann was. — Ob wir beide, wenn wir ihr die Geschichte erzählen, sie wieder nach Hause bringen können?" W.Jteydrich: 9taUlmbu, ein dewl Vor etwa 1000 Iahren, als Normannen und Wikinger mit ihren primitiven Langbooten die Küsten Europas umsegelten und iwrd- westwärts über Island und Grönland bis noch Nordamerika vor- drangen, gab es in der deutschen Nordmark, dem heutigen Schles- wig-Holstein, eine Art Handelszentrale, die den Warenverkehr zwischen den skandinavisch-baltischen Ländern und dem Süden Eu- ropas vermittelte und deren Verbindungen sich wahrscheinlich so- gor bis nach Nordafrika und Westasien erstreckten. Dieser Platz— Haithabu mit Namen— lag am südlichen Ufer der Schlei, gegen- über der heutigen Stadt Schleswig, an jener alten, teilweise künst- lichcn Wasserstraße, die von der Ostsee durch die Schlei über einen Kanal zur Treene und weiter durch die Cider zur Nordsee führte. Also ein Vorläufer des modernen Nordoftseekonals. Dieses Haithabu, einstmals eine reiche und mächtige Stadt mit einer für jene Zeiten gewaltigen Einwohnerzahl von 4— 5000 Menschen. war fast SOO Jahre sozusagen vom Erdboden verschwunden und damit aus, dem Gedächtnis der Well ausgetilgt. Auf dem ehe- .Nialigen StgdigcVietstillzriS der Valier seinen Pfkug. säte und und .erntete sein Öetaide und weidete jeme Rinderherden. Der Berg, auf dem einst ein starkes Kastell gestanden, bedeckte sich mit Wald. Nur noch zwei Nomen erinnerten an die vergessene und verschwun- dene Stadt—„Oldenburg"=„Alte Burg"— und die Dorfbezeichnung Haddeby, die aus„Haithabu" entstanden ist. Allerdings, am Westufer des sogenannten„Haddebyer Meeres" toder„Seite Noor"), einem Zipfel der Schlei, umzog eine gewaltige Erdschanzc im weiten Halbkreise.ein flaches Wiesenareal von etwa b2 Hektar Ausdehnung. Dieser 10— 12 Meter hohe Wall war an drei Stellen von„Toren" durchbrochen, und ob und zu förderte der ackernde Landmann merkwürdige Dinge aus dctp Boden zu Tage, bemalte Topfscherben, Urnen, bronzene Geräte, eiserne Waffen, Beile, Messer, Werkzeuge und anderes. Aber die Erinnc- rung an das alte Haithabu war so gründlich ausgelöscht, daß selbst der ursprüngliche Name verschollen geblieben wäre, wenn er sich nicht auf einigen zufällig entdeckten Runensteinen wiedergefunden hätte. Die entzifferten Inschriften auf zweien derselben lauten: „König Sven setzte diesen Stein über Skartha, seinen Waffen- geführten, der westwärts gefahren war, aber vor Haithabu fiel". Und die andere:„Thurlf aufstellte diesen Stein, der Vasall Svens, über Erik, seinen Hcimdegcn, der fiel, da Helden belagerten HaiN habu. Er war aber ein Steuermann und guter Held". Das war die erste Kunde vom alten 5yaithabu. Aber erst 1908, als man auf der Haddebycr Flur senes berühmte 20 Meter lange Wikingcrboot ausgrub, das sich heute im Schle-wigcr Museum befindet, und unter dem Boot ein großes holzgczimmertes Kammergrab freilegte, in dem sich Knochen, Waffen, Pferdegeschirr und der Schmuck eines germanischen Ede- lings fanden, wurde man auf den Platz näher aufmerksam. Den- noch dauerte es nach etwa 15 Jahre, che man ernsthaft an eine Durchforschung des Geländes gehen konnte und in etwa 2— 3 Metbr Tiefe unter der Oberfläche, unter Humus und„Sandschichten, ganz erstaunliche Dinge aufdeckte. Nach eingehenden Quellenforschungen wissen wir heute wieder von dem alten Haithabu, daß es etwa um 600 n. Chr. von schwe- dischcn Seefahrern und 5)ändlern gegründet worden ist. Seine Muttcrstadt war das schwedische Birka am Mälarsee. In blutigen Kämpfen mußte es gegen die Dänen verteidigt werden, denn ein alter Bericht verkündet, daß die Königin Asfricd bei Haithabu ihren Gatten Knuba und ihren Sohn Sigtrpgg verloren habe. Allen Widerständen und Angriffen zum Trotz aber gedieh Haithabu zu einer machtvollen nordischen Handelsemporc, die während der zwei Jahrhunderte von 850 bis 1050 ihre Glanzzeit erlebte. Die Leute von Haithabu, Händler, Handwerker, Krieger und Seefahrer, er- bauten den oben erwähnten Kanal von der Schlei zur Treene, der die gesicherte Durchfahrt zur Nordsee ermöglichte. Leute aus Hait- habu schifften auf ihren gebrechlichen Langbooten die Elbe, Weser, und den Rhein hinauf und dehnten ihre Fahrten um Europa her- um bis nach dem Mittelmcere, nach Byzanz und Trapezunt aus, so daß sogar ein persischer Chronist jener Zeit von der„großen Stadt am nördlichen Ozean" berichtete, von der man Bernstein, Mühlsteine, Eisen, Pelze und andere kostbare Dinge bezog. Haithabu war zu jener Zeit tatsächlich der einzige große Um- schlagplatz für jene Waren im deutschen Norden. Von Schweden, Finnland und den baltischen Küsten strömten die eigentümlichen Landesprodukte hier zusammen, wurden in Haithabu ausgestapelt und noch Bedarf weiter verschisst. Es muß sich also um eine vcr- hältnismäßig große und befestigte Siedlung gehandelt haben, wie sie zu jenen Zeiten in diesen Breiten noch selten war. Und angc- regt von diesen tziparijchcn Feststellungen und den zahlreichen Gc- legenheitsfundcn bei Haddeby begann die systematische Ausgrabung, deren bisherige Ergebnisse bereits weit über unsere Grenzen hin- aus Aufsehen erregt haben. Ganz einfach war diese Arbeit allerdings auch jetzt noch nicht. Das Gelände von Haithabu befindet sich in bäuerlichem Besitz, und da der Staat für einen Ankauf bisher noch keine Mittel flüssig gc- inacht hat, so waren Nachgrabungen nur im Herbst und Winter möglich, wenn das Land brach lag. Was haben nun die Ausgrabungen in Haithabu bisher wesentliches zutage gefördert? Vor allem zum ersten Male einen oollstön- digen Grundriß einer wikingdcutschen Stadtanlage, von einer Ge- nauigkeit und Uebersichtlichkeit, wie er bisher noch nicht gefunden worden ist. Er ist in kurzen Zügen zu kennzeichnen. Haithabu wurde von Norden nach Süden durch eine Hauptstraße und von Osten nach Westen durch einen Kanal in vier etwa gleich große Stadtbezirke eingeteilt, deren besondere Bestimmung klar zutage liegt: Eiii Wohnviertel, ein Handwerkcrviertcl, ein Speicheroiertel uüd ein �Aräbcrsekd: auf welchem die Gräber in mehreren Schichten übereinander liegen. Bon den Gebäuden sind selbstverständlich nur spärliche Grundreste vorhanden, die jedoch über ihren Zweck klaren Aufschluß geben. Im Wohnviertel findet man die verschicdenor- tigsten Gebrauchsgegenstände, wie sie in jedem Haushalt vorhanden waren. Im Handwerkerviertel liegen gleichartige Dinge in grö- ßeren Mengen beieinander, dazu die Werkzeuge, die zu ihrer An- fcrtigung dienten: Webwirtel, Schmelztiegel, Hämmer, Zangen, Töpferscheiben und anderes. Einige Stellen kennzeichnen sich als Glasmacherstätten, in anderen wurde Schmuck hergestellt. Dann gibt es Schinicdcn, Zimmcrwerkstältcn, Sattlereien, Bootswerften usw. Der Hausbau war denkbar einfach. Steine waren rar und wurden wenig verwendet. Die Häuser bestanden in der Haupt- fache aus Balkengerllsten mit Flechtwcrk und Lchmbewurf. Die Straßen waren— oder vielmehr sind heute noch— regelrecht gepflastert. Ueberall finden sich Brunncnanlagcn. Holzbrllcken ver- mitteltcn den Verkehr über den Kanal. Und am Ufer des Hadde- bycr Meeres findet sich wohlcrhaltenes Faschinenwerk und einge- rammte Pfähle—„Dückdalben"—, die Reste eines sorgfältig aus- gebauten Hafens. Vorläufig ist allerdings erst ein kleiner Teil Haiihabus ein- gehend durchforscht, und niemand weiß, was für Schätze noch im Boden verborgen liegen. Jedoch ist der Ucberblick über die ganze versunkene Stadt bereits jetzt schon vollkommen klar, wenn auch jedes Jahr noch neue, tiefere Aufschlüsse verschafft. Daß Haithabu jedenfalls seinerzeit von überragender Bedeutung für nordische Kul- tur, nordischen Gcwerbefleiß und nordischen Handel und auch ei» politisch hochwichtiger Zcntralpunkt der Grenzmark gewesen ist, bc- weist die Tatsache, daß um 850 der Hamburger Bischof Ansgar hier die erste christliche Missionskirche anlegte, allerdings außerhalb der eigentlichen Stadt im heutigen Haddeby. Daß sie zum Mittelpunkt des christlich-kirchlichen Lebens in dieser Gegend wurde, vcrhin- dcrte der 200 Jahre später eingetretene plötzliche und schreckliche Fall von Haithabu. Wir haben oben Haithabu ein deutsches Pompeji genannt. Das hat seinen besonderen Grund. Die Dänen hatten von Anbeginn immer wieder versucht, den blühenden Ort unmittelbar an ihrer Grenze zu vernichten. Ströme von Blut sind um den Besitz Halt- habus vergossen worden. Endlich, im Jahre 1050 n. Chr., schlug die Todesstunde der glanzvollen Handelsstadt. Em unvermuteter Uebcrfall durch ein dänisches Heer machte der Herrlichkeit ein jähes und fürchterliches Ende. Die Wut der Eroberer verschonte weder Menschen noch Dinge. Haithabu wurde dem Erdboden gleichgemacht und nie wieder ausgebaut. Seine Erbschaft trat das am Nordufer der Schlei gelegene, bis dahin völlig unbedeutende Dorf Sliaswig — Schleswig— an, ohne jedoch die Vorgängerin semals zu er- reichen. Der Platz, auf dem Haithabu gestanden hatte, blieb verödet. Sturmfluten ließen die Reste versanden. Ueber dem Sande bildete sich Humus. Wald flog an, wurde wieder gerodet und in Acker und Wiesen umgewandelt. So ist Haithabu gewissermaßen gleich- falls eine verschüttete Stadt geworden wie Pompeji am Fuße de? Vesuv. Und wie Pompeji ersteht es jetzt langsam wieder aus der Bersunkenheit auf als ein jahrhundertelang vergessen gewesener Zeuge alter Zeiten. Verantwortlich tür Volitik! Virtor Schill: WirMioft:®. Minaeldölrr. Gewcrl>chaf!»bcwca»na: 5. eteiner; iZcuiUclo::: Dr. John Schikowzii: La»lllrs und Eonstiaes: grit, Äarpadt: Anzciaen: Tb. Stocke: sämtlich in Berlin. Verlan: Vorwärts. Verla«®. m. b.£., Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerri und Lerlagsanitalt Vau! Sinne- u. Co.. Berlin SWS- Lindenkttabe 3. Siequ S Bulage». Die Nankbrüche. BANK von'< V*'".*' Die Holzwürmer: Eo,jetzt haben wir auch die Bans von England, so dick sie ist, ausgehöhlt!� Hugenbergs Parade. Oer Schrei nach Macht. Der Deutsch nationale Parteitag in Stettin war nichts anderes als eine Parade, die Herrn Hugenberg den Rahmen abgab für Programmreden, in denen er die politische Macht in Deutschland für die sogenannte nationale Opposition forderte. Hugcnberg hat in einer innerpolitifchen Rede sowohl dem Reichskanzler wie dem Reichspräsidenten für diesen Herbst eine Art Ultimatum gestellt. Die Regie- rungsgewalt im Reich wie in Preußen soll noch in diesem Herbst Hugenberg und den Seinen übergeben werden, sonst werde das Chaos«intreten. Die Deutschnationale Volkspartei ist bekanntlich eine zusammengeschrumpfte Partei, die bei den letzten Reichstagswahlen und allen darauf folgenden Wahlen das Gegenteil von Erfolgen �kziell hat. Die Größe des Hugenbergschen Mundwerks steht im umge- kehrten Verhältnis zum wirklichen Einfluß seiner Partei. Indessen hat Herr Hugenberg oerkündet, daß er in voller Uebereinstimmung mit den Nationalsozialisten und dem Stahlhelm vorgehe. Er hat sich gewissermaßen als der Dil- tator vorgestellt, der von Deutschnationalen, Nationalfozia» listen und Stahlhelm gemeinsam designiert worden ist. Die Kampfansage Hugenbergs richtete sich in voller Schärfe gegen den Reichskanzler Brüning und gegen das Zentrum. Die Agitation der Deutschnationalen gegen das Zentrum hat mit dieser Rede Hugenbergs einen Höhepunkt erreicht. Die Schuld an der Krise und ihrer katastrophalen Zuspitzung wird ohne weiteres dem Zentrum zu« geschrieben. Das Zentrum wird als Bundesgenosse des Bolschewismus dargestellt, und schließlich ruft Hugenberg den deutschen Katholiken zu, sie müßten gemeinsam mit der söge- nannten nationalen Opposition Deutschland und Rom gegen das Zentrum und den Bolschewismus retten. Es ist selbstverständlich, daß diese Attacke im Zentrum die schärfste Abwehr hervorruft. Die„Germania* hat gegenüber dem Schrei Hugenbergs nach der Macht mit dürren Worten erklärt, daß das Zentrum sich nicht an einer Rechts- regierung beteiligen werde, wenn die sogenannte nationale Opposition gemeinsam mit den Kommunisten einen Regie- rungssturz herbeiführen werde, und daß das Zentrum nicht gesonnen sei. die Verantwortung zu übernehmen, wenn die Katastrophenpolitiker von der Rechten abermals ein Chaos in Deutschland mit allen unheilvollen Folgen herbeiführen würden. Nach dieser Zuspitzung wird die kommende Tagung des Reichstags, für die Hugenberg eine gemeinsame Attacke mit den Nationalsozialisten ankündigt, hochinteressant werden. Dieser Vorstoß der sogenannten nationalen Opposition ist in großem Stile ein Versuch, die Blicke des Volkes von der Ber- antwortung abzulenken, die die r c ch t s r a d i k a l e n K a t a- st rophen Politiker für die Verlängerung und Ver- schleppung der Krise in Deutschland tragen. Dieser Tagung wohnte neben den unvermeidlichen Hohenzollernprinzen auch Herr Thyssen bei, der Herrn Hugenberg der Sympathie des großen Teils der rheinisch-westfälischen Schwerindustrie ver« sicherte. Hier wird der Zweck der Uebung ganz besonders deutlich sichtbar. Die Bankrotteure in Politik und Wirtschast wollen an die Macht, um ihren Bankrott zu verdecken. Die ganze reaktionäre Front war in Stettin beieinander: die Hohenzollernprinzen, rechtsradikale Generäle der alten Armee, die Vertreter der Schwerindustrie und dazu die um Hugenberg. Es drängt sich ein Vergleich auf: das ist dieselbe Front, die gegen die Friedensresolution des Reichstags vom Jahre 1917 ankämpfte, den Sturz Bethmann-Hollwegs herbei- führte und in der Folge Deutschland in den Abgrund trieb. Der Parteitag von Stettin hat einen tiefen politischen Graben genau an derselben Stelle gezogen, wie damals die Akteure gegen Vethmann und den Reichstag. Es sind nicht nur dieselbenKräfte.die heute diese Attacke fuhren. Sie wollen auch dieselben Mittel be- nutzen. Die Attacke, die Hugenberg in Stettin gegen das Zentrum und den Reichskanzler Brüning geritten hat. soll den Anfang eines groß angelegten propagandistischen Feld- zuges der Verdächtigung, des Wisperns und Lifpelns, der Verleumdungen und angeblichen Enthüllungen aus unbe- kannten Quellen bilden, der in erster Linie gegen Brüning entfesselt werden soll. Die Sozialdemokratie steht dem Reichskanzler Brüning kühl gegenüber. Sie kennt jedoch die rechtsradikalen Draht- zieher. Diese Gestalten, die ungeheure Schuld tragen an dem Zusammenbruch Deutschlands im Weltkriege, die die wahren Väter des Unhells sind, das am Ende des Krieges und nach dem Kriege über Deutschland gekommen ist, wollen heute wieder ihr Haupt erheben. Sie preisen sich als Retter Deutschlands an. Sie können zwar in maßlos verlogenen und dreisten Kundgebungen den Schrei nach der Macht erheben, aber sie werden sich über die Folgen wundern, wenn sie den Versuch unternehmen sollten, dem deutschen Volke ihre Dik- tatur aufzuzwingen! Sturmzeichen im Fernen Osten. Imperialistischer Machtkampf um die Mandschurei. Von?otor Garwy. Ein offener Krieg tobt in der Mandschurei. Die Japaner besetzen chinesische Städte. Auf beide« Seiten gibt es bereits zahlreiche Verluste— Tote und Verwundete. In den besetzten Gebieten wird von den japanischen Okkupations- truppen das Standrecht verhängt. Der Kriegszustand ist d a— wenn nicht de jure, so wenigstens de facto. Der japanische Raubzug in der Mandschurei geschieht merkwürdigerweise in demselben Augenblick, wo in Genf jener Völkerbund tagt, dem beide Seiten— Japan und China— angehören! Beide haben den Kellogg-Pakt unterzeichne:. Aber das Faustrecht geht nach wie vor über das Völkerrecht. Die Ohnmacht des Völkerbundes, durch die jetzige allgemeine Verwirrung im Westen verlchärft, kommt hier am grellsten zum Vorschein. Versagt der berufene Friedenshüter, was bleibt dann? Der japanische Raubzug in der Mandschurei wird osfizös begründet mit dem Zögern Chinas, auf die japanischen Proteste wegen der Ermordung des Hauptmanns N a k a- mura im Juni d. I. zu antworten. Aber diese Gelegenheit scheint nur ein V o r w a n d, eine Ausrede zu sein. Prestige- fragen werden durch kriegerische Maßnahmen nur dann„ge- regelt", wenn dahinter ernstere Machtinteressen stehen. Es ist kaum ein Zufall, daß Japan gerade den Moment der schwer st en Krisensorgen im Westen dazu ge- wählt hat, um seinen Vorstoß in der Mandschurei zu unter- nehmen und hiermit seine Machtstellung auf dem asiatischen Kontinent zu stärken. Wie auch der gegenwärtige Konflikt sich lösen wird, es ist zu erwarten, daß die Verwirrung im Westen, durch das steigende Versagen des kapitalistischen Wirtschafts- systems verursacht, die Großmächte im Osten zur A k t i v i e- rung ihrer Offensiopolitik in China anspornen wird. So wirkt sich die Weltwirtschaftskrise in der Weltpolitik bis in die letzten Schlupfwinkel aus. Die„Aktivierung" der japanischen Chinapolitik wird dar- über hinaus durch die Lage in China selbst ermöglicht. Trotz dem Zusammentritt des Nationalkonventes steht China immer noch im Zeichen der Zerrissenheit und des Bürgerkrieges. In Kanton haben die Rechts- und Linksoppositioncllen der Kuomintang-Partei eine Gegen- regierung gebildet. Wie„Havas" am 18. September drahtet, hat der Diktator der Mandschurei, Tschanghsüh- l i a n g, der bisher die Nankingregierung unterstützt hat, dem Präsidenten Tschangkaischek dringend„vorgeschlagen", seine Äemter niederzulegen, um damit die Aussöhnung mit Kanton zu ermöglichen. In Zentrolchina tobt nach wie vor der blutige Bauernkrieg(sog.„Rote Armeen"). Die un- geheure Ueberschwemmung verschlechterte noch die furchtbare Wirtschaftslage Chinas, die durch die Entwertung des Silbers sich im Tiefstand befindet. Die Schwächung und Uneinigkeit Chinas wird nun durch Japan brutal ausgenutzt, um seine Machtstellung in der Mandschurei zu stärken und vielleicht eine politische Besitzergreifung der Südmandschurei zu erzielen. Japans Politik gegen China war nie ein Spiel auf den Saiten des Rassegefühls, sondern klare imperialistische Machtpolitik. Seit der Besiegung Rußlands wurde die Mandschurei zum Mittelpunkt der japanischen Expansion auf dem Festlande. Nach dein Friedensvertrag von Portsmouch (19V5) war Rußland gezwungen, den südlichen Teil der von ihm gebauten Eisenbahn an Japan abzutreten. Seither war die Mandschurei in zwei Einflußsphären getrennt und es begann«in hartnäckiger Wettbewerb zwischen der oft- chinesischen(d. h. russischen) und der südmondschurischen (d. h. japanischen) Eisenbahn. Die Mandschurei ist auch jetzt der Zankapfel zwischen Rußland und Japan. Ungeheuer sind die Kapitalien, die Japan in das Land investiert hat, das ihm dafür Kohle, Eisen, Oel liefert. Dadurch wird das akute Rohstoffproblem für die japanische Industrie(insbesondere für die Kriegsindustrie) zum Teil gelöst. Die Konkurrenz zwischen der Ostchinabahn und der süd- mandschurischen Bahn spielt sich aber auf fremdem Terri- torium ab. Solange China in seinem Bürgerkrieg und seinen Verwirrungen verblutete, war es nur passiver Zeuge dieser Entwicklung. Aber das Wettbewerbsobjett, nämlich die Man- dfchurei. hat sich inzwischen gerade durch die fremden Eisen- bahnen und industriellen Unternehmungen stark entwickelt und sich aufs engste mit China verguickt. Die chinesische Bauern- kolonisation von Süd nach Nord setzte mächtig ein. Die Be- völkerung stieg von zweieinhalb auf etwa fünf- undzwanzig Millionen. Aus dem Zweikampf der rivalisierenden Großmächte wurde in der Mandschurei das kriegsgefährliche Dreieck: Japan, Rußland und— China. Der chinesisch-japanische Konflikt hat deshalb bald Rußland auf die Szene gebracht. Aus Moskau wird gemeldet, daß der stellvertretende Außenkommissar K a r a ch a n am 20. Sep- tember den japanischen Botschafter in Moskau, H i r a t a, zu einer Aussprache über die Vorgänge in der Mandschurei emp- fangen hat. Es dürfte freilich keinem Zweifel unterstehen, daß Rußland die Hände nicht in den Schoß legen wird. Und darin besteht die große Gefahr, die im Fernen Osten heranreift. Es genügt, den brutalen militärischen Einbruch der Roten Annee im Jahre 1929 in Erinnerung zu bringen, um über die gewaltsamen Methoden der„Beilegung der Konflikte" im Fernen Osten im Bilde zu sein. Vielleicht kommt auch diesmal wie während des russisch- chinesischen Konfliktes im Jahre 1929 die Rivalität der Fremd- mächte China zugute. Hinter Mulden steht Nanking und hinter Nanking steht Amerika. Japan hat nicht nur mit feinem unmittelbaren Rivalen in der Mandschurei, mit Sowjetrußland, sondern auch mit seinem Rivalen im Stillen Ozean überhaupt, mit den Vereinigten Staaten zu rechnen, die für die Einheit Chinas als Aus- beutungsobjekt und gegen seine Aufteilung auf Einflußsphären energisch austreten. Immerhin soll die Beilegung des Konfliktes im Interesse Clstnas und des Weltfriedens auf dem Wege der Ver- ständigung und der Bewahrung der Souve- rönität Chinas erfolgen. Die chinesische Nationalregie- rung hat am 21. September in einer zweiten Note an Japan die sofortige Räumung der von den japanischen Truppen eingenommenen Gebiete gefordert. Diese Forderung muß durch alle Fremdmächte und vor allem durch den Völkerbund energisch unterstützt werden. Der Brandherd im Fernen Osten muß' im Keime erstickt werden. Sonst läuft man Gefahr, einen Weltkrieg im Osten sich entfesseln zu ßajsen, de? auch yach dem Westen übergreifen kann, wo sich gerade jetzt dank der Wirtschaftskrise und der Finanzfata- strophc so viel Brenn- und Sprengstoff aufgehäuft hat. Die endgültige Lösung der immer wieder auftauchenden Konflikte im Fernen Osten kann nur durch die Räumung der Mandschurei von � den Fremdmächten, durch die Verwirklichung der Losung:„Die chinesischen Eisenbahnen den Chinesen" erreicht werden. Die Fremdenherrschaft und die Frcmdenrechtc in China sind an sich eine dauernde Kriegs- gefahr. Aber auch diese einzig mögliche radikale Lösung der Konsliktstoffe in China soll auf dem Wege der Verständigung und keineswegs auf dem Wege des Krieges erstrebt und erzielt werden. Auf jeden Fall muß endlich das neue China aufhören, Objekt der imperialistischen Gelüste und Gewalttaten zu fein. Heute außerordentliche Ratssitzung. Genf. 21. September.(Eigenbericht.) Auf Antrag China» ist der Völkerbundsrat auf Vicnslagvrrn.ittag zu einer außerordentlichen Sitzung einberufen worden. Die Eingabe der chinesische« Regierung fordert aus Grund de» Artikel» 11 de» Völkerbundepakle». daß der Rat geeignete Maßnahmen zur Ausrechlerhottuag de« Frieden, ergreifen möge. Da» Schreiben zählt die Gewalttaten regulärer japanischer Trappen in der Istandschurel und die Fortdauer der militä- rijchrn Ves-Hung verschiedener Städte auf. China Hobe sich jede» widerstände» und jeder 5)andluagon enthalten, die eine Verschärfung der Situation hätten bringen können, ver Rat müsse sofort Schritte tun. um de» Frieden wiederherzustellen und die höhe bzw. den Charakter der China zustehenden Reparationen festzusetze«. Schließlich erklärt sich die chinesische Regierung bereit. jede Entscheidung de» Rate» zu befolgen. Vesorgnisse in Washington. Washington. 21. September. Im Staatsdepartement wird die Entwicklung in der Mandschurei mit Besorgnis verfolgt. Di»! Lage wird für ernst geholten, weil offenbar japanische Truppenteile weit von- einander getrennt liegende strategische Punkte besetzten, obwohl das japanische Kabinett die Einstellung jeglichen Vormarsches angeordnet hat. Man neigt hier der Ansicht zu. daß in erster Linie der Neun- mächteoertrog vom 2. Februar 1922 berührt werde, der Chinas Souveränität garantiert und im Artikel 7 im Falle der Bedrohung dieser Souveränität eine Konferenz der Signa- tare des Vertrages vorsieht. Zur Zeit sei die Lage freilich noch Ungeklärt, um fest« Entschlüsse zu fassen, angesichts der konkreten Lage scheine die Her- onziehung diese» Vertrages jedoch naheliegender als die Her- onziehung des Kellogg-Paktes.(!?) Anschlag auf transsibirischen Expreß— Bussen- einmarsch? Peking. 21. September. Der transsibirische Expresizng ist das Opfer einer Explosion geworden. Er verließ Charbin am Freitagnachmittag in westlicher Richtung: die Explosion erfolgte am Sonuabendvormittag. Die lieber- mittlung der Nachricht von dem Unglück verzdaerte sich. weil durch die Kämpfe zwischen China und Jafm« die Verbindungen unterbrochen sind. Einzel- Herten fehlen noch. Ueber die Zahl der Opfer ist bisher nichts bekannt. I» chinesischen Kreisen wird behauptet. Sowjet- r u ß l a n d plane eine» Einmarsch in die wörd- liche Mandschurei und die Explosion des Zuges stehe damit im Zusammenhang. Tokio meldet chinesischen Gegenangriff. Tokio. 21. September. Die Feindseligkeiten sind gestern abend um 10.30 Uhr in Veitajing bei wukden wieder aufgenommen worden. Starke chinesische Kräfte haben diesen vrl augegrjsfea. VerktBf«o*«it Vorrrt. UengenibgtksTorkdiilt. ' Prell« per Dieniteg 1*4 MItlwoefc. fleiteh o. leiditTtnlerliUch« Waren sind rom Ttreaad aoigtichlsieee. Zusendong von Lebeasmltteln bei Bestellung.?, 5,00 in! Frisches Fleisch Schweinebauch ohne Beilage.......... Pfd. 0,78 Schweinekamm u. 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Pfd. 0,38 'In eile* Hautern euiser Andreasstr. Geflügel Ung. Mastenten Pfd. v. 0,98 Wolgahühner gefroren.......... Pfd. von 0,92 Suppenhühner frisch............. Pfd. von 0,92 Gänse frisch...... Pfd. V. 0,95 Rebhühner..stach von 1,10 Obst Pfirsiche italien.Ia, Pfd. 0,22 Meran-Kurwein..Pfd. 0,22 Kaiserkronen..... Pfd. 0,18 Kochbirnen..... 3 Pfd. 0,28 Kochäpfel....... 3 pfd.0,28 Preisseibeeren 3 Pfd. 0,85 Konserven-/.vose Kohlrabii.Scheib.m.Grün 0,45 Spinat..........•....... 0,45 Haushaltmischung aas getrockneten Erbsen.. 0,50 Erdbeeren............ 1,15 Junge Karotten...... 0,58 Gemüse Kürbis im ganzen, Pfd. 0,04 Blaltspinat....... Pfd. 0,15 Rot- u. Weisskohl Pfd. 0,05 Wirsingkohl....... prd.0,05 Möhren, gewaschen, Pfd. 0,05 Sellerie........... Pfd. 0,1 0 Rosenkohl......... Pfd. 0,25 Kolonialwaren Japanreis......... Pfd. 0,20 Linsen......... Pfd. von 0,1 8 Weisse Bohnen Pfd.v. 0,1 7 Viktoria-Erbsen Pfd.v. 0,20 Bruchmakkaroni.Pfd. 0,44 Pfd. 0�25 Eierbandnudeln..Pfd. 0,46 AUSSTATTUNGS-VERKAUF Wir bieten viel! Wi r sind billig! IPSl 0AIMMIIMÜI-MM OoBnetsfag. Ben 24. September, nadtm. 1 Uhr. im Siftuagslaal I Oes Verbands Hanse», Eingang B c> süsser Strafec 86 8« Erwerbslosen• Versammlung der Sdiwelbcr Die Tagesordnung wird in dcr Ncr. samminng bkfannlgcgcdcn. Ohne Mitgliedsduch und Stempeifarfe fe>n Inf ritt! Vollzähliges Trscheinen wird erwarlei vanaeralag, Ben 24. September. «aihm. S Uhr, in SmaiBs Vereins- Hans. Stali�er Siratze 120 Versammlung der Graveure nnd Ziseleure Tagesordnung: I. Vorfrag des Aollegen Aach» üdcr Rechtsfragen. 2. Vranchenongelegenheitcn. 3. Verschiedenes Ohne Mitgliedsbuch lein Zutritt. ?!ahlreichc« Erscheinen dcr Kollegen ist Pflicht. September. oeter» Fest- vaunerstaq, Ben 24. abenB» Z Uhr. in 1 sülen, Utederstratze 42 Brandien-Versaninilnnd der Sdimlede ans den Grob'. Nittel'. Fuhrwertts-. Braue rel'. Innunis-, Sdiranben- und Nietenbetrleben sowie sämtltdie der Sdiwlede- brandte andesdilossenen Harosseriearbeiter Tagesordnung: 1. Vortrag Uber, Die Notverordnungen� Referee: Kollege Friß gimmer mann. 2. Derbandsangeiegenheiten. 3. Verschiedene». Ohne Mitgliedsbuch kein gulritt. Dos Erschelnen aller Kollegen ist unbedingt notwendig. Vonnerstag. Ben 24. September, abenbs Z Uhr, im<»emer tschast»- hau». Sagelnser 24/26. Grotzer Saal Brandten-Versammland der Rohrleger nnd Setter Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Trost über „Die Wirifchaslsiage". 2. Verbands» und Branchcnangelegsn» heilen. 3. Verschiedenes. Mltgiicdsbuch legitimiert. Zahlreicher Besuch wird erwarlei. vannerstag, de» 24. September, abenB» t Uhr, Im Lakai van Sachse, LinBamer Siratze 28(weBBing) Versammlung der Vldtler. Vtdtterlnnen. Isotterer und(so llererlnnen. Tagesordnung: I. Vortrag: Die Vorgänge in der Ver» liner Metallindustrie. 2. Disfuiston. 3. Branchcnongelcgenheiten und Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Zahlreiche Beteiligung wird erwartet. Aditang, Drablarbeiter! vannerstag, Ben 24. September, abenB» Z Uhr, im Lokal oon Zvagschtitger, ütbalbettftratze 21 Brandien'Versaininlnnd der Brabtarbeiler Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Bericht von den Verhandlungen mit den Arbeitgebern. 3. Msknlston. Alle Kolleginnen und Kollegen haben bcstuninl zu ecschetnen. Mitgliedsduch legitimiert. AdiZnng! Adilangl Ban- u.Geldsdiranksdilosser! Die siir Donnerstag, den 24. September. angesetzte Vranchenversammlung findet erst am Monlag, dem 28. September. abends 6 Uhr, Im ZZarlerresuol des Verbands- haases, Linlenskr. 86 86, Eingang EisüsserStratze8B, 88, Eingang B, statt Wir bitte» die Kollegen, das zu beachten VI« OrbrerereUmg. Theater, Lichtspiele usw. 01 � Staats Theater Staatsoper unter den Linden. Dienstag, den 22. September 20 Uhr. Ende nach 22Vj Uhr. Fi delio. Staatl.SttiaiispicItiJiis Gendimeemirkt. Anfang 20 Uhr Zum 50. Male Nora Scbiller-Iheater Charieltahirä. 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Die Beisetzungen haben bereits stattgefunden. Ehre ihrem Andenken! Die Drisvervaltang. Linoleum Szillat. Kolonie- stratz« 8.__ Eeiegeuheitslanf! 00 Delikatefi. Salz. Zetihcringr und 1 Dose mit ff. Roll- mops! fr. Bismarck- und fsilethering! Seeaal und ff. che- ringssalat! 2 Dosen ff. Oessardinenl 1 Dvsc Braihering und noch 1 Kiste Bückling, ff. Mal- jes. und Lackis» Hering, 12 Sorten 0 Mark sranfo. De. geners lieiukosthaus und Konserven. sabrik, Swine, münde 225. Nisiduagssnisfta. uiascho ustu. von unseren gut geschnittenen sonniren S'i-ZimiusrwoDnungen in unserem Neubau an derTreptower Straße in Neukölln, Nähe Hertzbeigplatz!«nerkannt 91*068 hBIDe ZlmiMri Vorhanden: Locgia, Ofenheizung, aber kein Warm- wasser, jedoch BSStC solide BaURSUa! Einige 2-ZlRiaiBi*- «TOtintragaR mir großer Wohnfläche noch vorhanden. Sie finden bei Vertragsabschluß größtes Verständnis für die heutige Wirtschaftslage uriderhalten NU* 888 82810 Dilentear tluen erftewiehen nretinactucS. 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