. i e d a k t i o n und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3»»,|« Postschecklonto: Berlin Z? 536.— Bankronto:BanrdcrArbcltcr,Angcstelllcn und ,v»nipr.: Donhoif f A 7) 292 297. Telegramm-Adr.: Sozi-ldenwkr-t Berlin. �vrVarkS�ereag T??. M. v. Be°m4n.Lind-nstr.g� Dt.B.u.Disc..G-I.. Dcposit-nr..J°rnIaIem-rSir.v5 W. Jentvalorgmt der GozialdemoLvaMwen V artet Deutfchlands Morgenausgabe Nr. 44? �, �ZZ-4-�-W.Ng Wöchentlich SS Wf-, monatNch 3.60 M. < davon 95 Pf. monatlich für Zufiel» Inng ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug«.32 M. einschließlich SO Pf. Poiizeiwngs» und 72 Pf.Postbestellae- bühren. Auslandsabonnement 6,- PL pro Monat! für Länder mit ermäßig. tem Drucksachenporto S.— M. * Der„Vorwärts" erscheint Wochentag- lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Sandel mit dem Titel„Der Abend", Illustrierte Sonntagsbeilage .Volt und Zeit". Oonnersiag 24. September 4931 Groß-Äerlin Z>f. Auswärts llZ pf. Die einspalt. Nonporeillezeile 80 Pf. Reklamezeile 5.— RM.„Kleine An- zeigen" das fettgedruckte Wort 25 Pf. (zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pf. Rabatt lt. Taiif. Stellengesuche das erste Wort 15 Pf., jedes weitere Wort 10 Pf. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Zeile 60 Pf. Familien- anzeigen Zeile 40 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3, wachen- täglich von 8»/2 bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Friedensstörer Japan! Ergebnis der Verhandlungen in Genf. Genf, 23. September, l�igenberi�ft.) Die Ge Heimsitzung des Völkerbundsrates heute abend dauerte fast drei Stunden. Wiederum weigerte sich der japanische Vertreter Boshizawa. Slngaben über den Stand der Ereignisse in der Mandschurei zu machen. Mächte anzunehmen, wie sie im Rate angeregt wurde. Mit einer solchen Haltung hatte sich Japan bereits vor aller Welt klar ins Unrecht gesetzt. Npn kommt aber das S ch l i m me r e. Als vorläufiges Ergebnis hatte der Ratspräsident, der Spanier Lerroux, einen Beschluß verkündet, dessen erster Punkt dahin ging, „eine dringende Aufforderung an beide Regie- rungcn zu richten, sich jeder Handlung zu ent- halten, die eine Verschlechterung der Lage herbeiführen oder die friedliche Regelung der Frage präjudiziercn könnte." Dessenungeachtet haben die japanischen Truppen ihren Vormarsch in der Mandschurei inzwischen fort- g e s c tz t. Mit der Begründung, daß auch in der n ö r d- l i ch e n Mandschurei japanische Menschenleben und mate- rielle Güter gefährdet seien, schicken sie sich an, nach Mulden nun auch Charbin zu besetzen. Das ist nicht nur eine Herausforderung des Völkerbundes, sondern dar- über hinaus eine ungeheure Verschärfung des Konfliktes auch nach einer anderen Richtung hin. Die japa- nifche Regierung ist sich natürlich dessen voll bewußt, daß sie mit ihrem Vordringen auf Charbin in die sogenannte Jnter- esfensphäre der Sowjetunion gerät und daß sie damit einen vielleicht noch gefährlicheren Konflikt als mit China heraufbeschwört. Angesichts dieses frevelhaften Vorgehens ist es die d r i n- gende Pflicht des Völkerbundes, ohne Zögern und ohne Rücksicht zu handeln, und zwar gegen Japan zu handeln. China steht gegenwärtig völlig aus dem Spiele. Es hat durchaus loyal gehandelt, indem es nicht nur den Rat um Hilfe ersuchte, sondern im voraus erklärte, jede Ent- scheidung, die er treffen würde, anzunehmen. I a p an da- gegen hat zunächst offenkundig passive Resistenz geübt, so- dann direkte Sabotage, und schließlich ist es zur bewußten Brüskierung des Völkerbundes durch Ignorierung seiner Friedensmahnungen übergegangen. Gegenwärtig herrscht in Tokio eine reaktionär-nationalistische Regierung. Diese speku- liert offenbar einerseits auf die Ohnmacht Chinas, andererseits auf die Aktionsunfähigkeit der west- europäischen Großmächte. Sie weiß, daß die chine- fische Republik durch Bürgerkrieg, Hungersnot und Natur- kataftrophen gegenwärtig daran gehindert ist, ihr einen er- folgreichen militärischen Widerstand entgegenzusetzen. Sie hofft außerdem, daß die heutige Wirtschafts- und Finanzkrise, die in Europa und Amerika wütet, die Großmächte daran hindern wird, energisch zugunsten Chinas einzugreifen. Wahr- scheinlich ist ihr ganzes Borgehen in der Mandschurei über- Haupt nur unter diesem doppelten Gesichtspunkt erfolgt, und alle von ihr vorgebrachten Gründe find lediglich üble Vor- wände: die allgemeine weltpolitische Situation erschien den Japanern günstig, um jenen imperialistischen Raub- z u g durchzuführen, der seit Jahrzehnten das eigentliche Ziel der japaerischen Expansionspolitik ist: die förmliche E r o b e- rungdergefamten Mandschurei. Alle Meldungen, die am Mittwochabend aus Genf ein- gelaufen sind, bestätigen, daß sich in den letzten Stunden die Lage nur noch verschärft hat. Japan geht so weit, die An- wendbarkcit des Kellogg-Paktes mit der faden- scheinigen Begründung zu b e st r e i t e n, daß hier nicht ein Krieg, sondern nur ein„Zwischenfall" vorliege! Das japanisch« Kabinett lehnt nach wie vor die beantragte Unter- suchungskommission de- Völkerbundes ab und schlägt dafür immer wieder„direkte" Verhandlungen zwischen Japan und- China vor. Damit meint Japan offenbar Verhandlungen mit den ohnmächtigen, unzuverlässigen, von Nanking praktisch unabhängigen und wahrscheinlich sogar zum Teil bestechlichen chinesischen Marschällen in der Mandschurei. Es folgt damit dem sehr bösen Beispiel, das der fowjct- russische Imperialismus vor zwei Jahren gegeben hatte, als es zu blutigen Konflikten in der nördlichen Mandschurei gekommen war: auch damals lehnte Moskau jede Anwendung des Völkerbundsstatuts oder des Kellogg-Paktes mit der Be- gründüng ab. daß es sich mit den örtlichen Militärbefehls- habern der Mandschurei„direkt" verständigen werde. Es ist gewiß die Pflicht des Völkerbundes, eine mög- lichft freundschaftliche Lösung solcher Konflikt- zu erstreben. solange die Aussicht besteht, ein anständiges Kom- promiß zu erreichen und damit«inen Machtspruch zu ver- meiden. Aber die Suche nach einem Kompromiß muß natür- lich ihre Grenze haben, sobald feststeht, daß die eine Kon- sliktspartei offenkundig bösen Willens ist. Das bisherig« Ver- halten Japans hat diesen Beweis mehr als genügend er- bracht. Die psychologische Lage für den Völkerbund ist info- fern günstig, als gegenwärtig noch feine Vollverfamm- l u ng in Genf versammelt ist. Aber gerade diese Tatsache macht es dem Völkerbund zur doppelten Pflicht, eine klare Entscheidung zu treffen, noch ehe die Jahresversamm- lung geschlossen wird. Die japanische Regierung täuscht sich, wenn sie glaubt, daß die europäischen Wirtschaftssorgen so groß sind, daß die Großmächte nicht fähig sein werden, gegen ihren imperialistischen Friedensbruch Stellung zu nehmen. Selbst die sensationellen Vorgänge in England und alle sonstigen Sorgen der europäischen Völker haben die öffent- liche Meinung der Welt von den Ereignissen im Fernen Osten nicht abzulenken vermocht. Sie verfolgt vielmehr mit größtem Interesse, mit wachsender Besorgnis, aber auch m i t stärkster Empörung nicht nur, was sich in der Mandschurei ereignet, sondern auch was sich in Genf abspielt. Und deshalb würde es für den Völkerbund«ine moralische Katastrophe sein, von der er sich viel- leicht nicht wieder erholen würde, wenn nicht von Genf aus den Japanern ein energische» Halt zugerufen wird. Den Imperialisten in Tokio muß klargemacht werden, daß sogar in der heutigen verworrenen Zeit der Völkerbund in der Lage ist, einen schwächeren Staat gegen eine Großmachtwirksamzuschützen und daß zumindest die im Statut vorgesehenen gemeinsamen Wirtschaft» lichen Zwangsmaßnahmen kein leeres Versprechen, sondern eine machtpolitische Realität sind. ZcilvliÄcverbot. Der Obcrpräsibrn! der 3i>«mpn»umz hat die n a t i o n e l s o z i a l i st i s ch, Tageszeitung.Oberbergischer Bot t" in'Woldbröl wegen Beschimpfung des Reichsautzemninister» Dr. Curtius auf die Dauer von einer Woche verboten. z Gegen die Hetzpropaganda. Eine Rede des preußischen Znnenministcrs. Am Mittwoch, dem 23. September ISZl, fand im preußischen Ministerium des Innern eine Konferenz der preußischen Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten statt, an der auch Vertreter der anderen preußischen Ressorts teil- nahmen. Die Konferenz, die der preußische Minister des Innern, Severing, leitete, wurde von ihm mit einer längeren Ansprache eröffnet. Der Minister führte nach den einleitenden Bcgrützungsworten ungefähr folgendes aus: Die nächsten Monate werden zwei Probleme in den Vorder- grund für Deutschland und vor allem für die preußische Verwaltung stellen. Wie können wir die wachsende Verhetzung durch die radikalen Parteien eindämmen? Wie setzen wir Gemeinden und Staat in den Stand, ihre Aufgaben angesichts der schwierigen finanziellen Lage zu meistern? Diese beiden Fragen stehen im engen Zusammenhang, denn die schwierige wirtschaftliche Lage gibt der Agitation der radikalen Flügclparteien immer wieder neuen Auftrieb und verschafft ihnen Zulauf. Schon im Herbst vorigen Jahres war es zu erkennen, daß neben der allgemeinen Erhöhung der Arbeitslosenzahl vor allem die Zahl der Wohlfahrtscrwerbslosen stärker ansteigen würde. Die preußische Staatsregicrung, vor allem das preußische Ministerium des Innern, ist deshalb wiederholt rechtzeitig bei der Reichsregierung vorstellig geworden, um die daraus für die Genieinden sich er- gebenden schweren finanziellen Folgen zu mildern. Die Reichs- regierung hat die Berechtigung unserer Wünsche dem Grundsatze nach anerkannt. Sowohl der Reichskanzler wie der Rcichssinanzminister erklärten, daß gar nicht daran zu denken sei, daß auch mir der größere Teil des gemeindlichen Defizits— für Preußen im Betrage von rund SM Millionen Mark— vom Reich übernommen würde. Nur eine Hilfe bei dem Tragen der Kosten für die Wohlfahrls- erwerbslosen wurde vom Reich zugesagt, aber auch diese Zusage an die strenge Bedingung geknüpft, daß Staat und Ge- meinden rücksichtslos ihre Ausgaben auf ein Mindest- maß herabschraubten. Deshalb muß das Innenministerium den Gemeinden immer wieder allergrößte Sparsamkeit zur unab- weisbaren Pflicht machen. In seinen weiteren Ausführungen ging dann der Minister auf die letzte Nokverordnung der preußischen Slaatsregierung ein und wies darauf hin, daß trotz aller gegenteiligen Behauptungen diese Notverordnung keine Ausnahmebehandlung der Beamten sei. Die vielfache Kritik, die gerade aus Beamten- kreisen an der Notverordnung in ihren Einzelheiten geübt würde, übersähe die Tatsache, daß eine allgemeine Herabsetzung der Bc- amtengchälter einen neuen Abbau der Löhne und Gehälter der Arbeiter und Angestellten in der Privatwirtschaft eingeleitet hätte, der in feinen Auswirkungen dann wieder zu einem weiteren Gchaltsabbau für die Beamten geführt hätte. Um dieses zu vermeiden, habe die preußische Staatsregierung den Weg des kleineren Uebels gewählt und bei den einzelnen Kategorien Einsparungen vorgenommen. Die preußische. Staats. regierung habe sich in einer Zwangslage befunden, der sich selbst ein rein aus Berufsbcamten zusammengesetztes Kabinett nicht hätte entziehen können. Bei dieser allgemeinen Einsparung— so suhr der Minister fort— konnte natürlich nicht an den Kommunen vorbeigegangen werden. Es ist eine falsche, wenn auch tllidcr weit vcrbreikeke Aussassung, daß die Gemeinden besonders verschwenderisch gewirtschaflct hätten!. Die preußische Staatsregicrung hat sich durch diese falsche, in der Oeffentlichkeit bestehende Meinung, die Svrck) ei.uen wahren Feldzug der Wirtschaft gegen führende kommunale Beamte genährt wurde, nicht beeinflussen lassen. � Aber wir müssen auch vsfen zugeben, dag hier und da bei der Besoldung leitender Kommunaibemnter das richtige Maß nicht innegehalten wprdcn ist. Eine Rcurcgckung war also in dieser Notzeit unvermeidlich. Es muß für die kommunalen Be- amten der Grundsatz gelten: Die vergleichbaren Beamtcngruppen in Gemeinden, Staat und Reich müssen auch gleich besoldet werden. Die radikalen politischen Flügelparteien versuchen natürlich, aus den Sparmaßnahmen der preußischen Stoatsregierung Kapital zu schlagen. Die ungünstige wirtschaftliche Lage fördert dieses Treiben und führt ihnen trotz der festzustellenden Apathie in den Massen der Wähler, die sich auch beim Volksentscheid gezeigt hat, neue Anhänger zu. Trotzdem ist alles Gerede von bevorstehenden Putschen und gewaltsamen Erhebungen grundlos. Ein offener Putsch würde durch die Machtmittel des Staates sofort niedergeschlagen werden. Aber die dauernden Drohungen, die täglichen Zusammenstöße, schaffen eine Beunruhigung der Oeffentlichkeit, die gerade in den kommenden Monaten zu einer schweren Schädigung werden kann. Dieses schwelende, glimmende Feuer, das nie zu ofsener Flamme emporschlägt, schadet auch dem Ansehen und dem Kredit Deutschlands mehr als alles andere. Deshalb ist es Pflicht der leitenden politischen Beamten, in den Provinzen, Bezirken und Kreisen der Meinung entgegenzutreten, als ob wir kurz vor dem Augenblick stünden, in dem die eine oder andere radikale Partei vor der Uebernahme der Macht im Staate stände. Wir müssen mit allen Kräften beweisen, daß die Staatsgewalt unversehrt v o r h a n d e n u n d b e r e i t i st. Wir müssen auch n a ch d r ü ck- lich dem übertriebenen Pessimismus entgegen- treten, daß der kommende Winter das deutsche Volk in eine Katastrophe führen wird. Ein SO-Millionen-Volk kann nicht zugrunde gehen, kann nicht verhungern, muß in Ordnung verwaltet und regiert werden. In seinen weiteren Ausführungen ging der Minister dann auf den Ausgang des Volksentscheids ein, dessen Ergebnis ihn nicht verwundert habe.„Bitter enttäuscht aber hat mich," so erklärte der Minister im Verlauf seiner Ausführungen,„daß zahl- reiche höhere politische Beamte und leitende Polizei- ossiziere und Beamte überhaupt sich aktiv am Volksentscheid beteiligt haben. Ich habe im Frühjahr dieses Jahres im Landtag auf Anfrage erklärt, daß Beamten, die sich am V o l k s b e g e h r e n beteiligten, kein Haar gekrümmt werden würde, aber ich habe auch gesagt, daß ich mir diese Beamten auf ihre geistige Einstellung hin sehr genau ansehen werde. Slm Schluß semer Ausführungen ging Minister Severing dann noch auf den am Sonntag bevorstehenden Besuch der fron- zösischen Minister in Berlin«in. Störungen und Kund- gedungen aus Anlaß des Besuches der französischen Minister seien nicht nur ein Verstoß gegen die elementarste Pslicht der Gastfreund- schast, sondern auch ein Verbrechen an der Erfüllung wahrer nationaler Aufgaben. Lustschuh? Neue Organisation, neue Zeitschrist, neue Kosten. Deutschland ist um eine Organisation reicher: um die Deutsche Luftschutzliga. Diese Organisation hat es sich zum Ziele gesetzt, Propaganda für den Gedanken des Schutzes der Privatbevölkerung gegen Luftangriffe im Kriegsfall zu machen, und organisatorische Maßnahmen zu diesem Zwecke vorzubereiten. Die Organisation gibt eine neue Zeitschrift heraus,„Gasschutz und Luftschutz". Im ersten Heft dieser Zeitschrift wird dargelegt, daß Deutscsi- land umgeben ist von Ländern, die alle mit der Luftwaffe ausgerüstet sind, während Deutschland die Militärfliegerei verboten ist. Es spricht aus diesen Darlegungen eine überaus pessimistische Einstellung gegenüber dem Schutz des Friedens durch Verträge und Rechtsinstitutionen, ein Rechnen mit dem Kriege, das wirklich nicht der Vertiefung des Friedens- godankens und des Friedens willens nützlich ist. Kon- sequenterweise kommen einige der Beiträge in der ersten Nummer der Zeitschrift zu dem Schluß, daß Deutschland sich nicht mit dem passiven Schutz der Bevölkerung begnügen dürfe. So kommt man durch die Luftschutzpropaganda ganz unter der Hand zurPropagandasürDeutschlands Aufrüftunain der Luft. Es erhebt sich die Frage: hat Deutschland angesichts der ungeheuren Notlage wirklich keine andere Organisation nötiger, als eine Liga für Luftschutz? Sollen wir Geld dafür ausgeben, soll die Zivilbevölkerung sich für Geld, das wirklich nützlicher anzuwenden wäre, Gasmasken in den Kleiderschrank hängen? Es muß ganA ernsthaft gefragt werden: stehen dieser Liga öffentliche Mittel zur Verfügung, Mittel des Reichs, der Länder und der Ee- meinden? Im Präsidium der Liga sitzen Oberbürgermeister der größten deutschen Städte. Sollen etwa Gemeinde- organisationen engagiert werden. Gemeindemittel ausgegeben werden? In diesem Fall wäre es notwendig, nach dem S p a r k o m m i s s a r zu rufen, damit nicht für solche Dinge öffentliche Mittel vergeudet werden in einer Zeit der höchsten Not! � Lustiziarif. Ministerbelcidigung immer noch am billigsten. Der veraptvwrtlich« Redakteur dos nationalsozialistischen Blattes für Holstein, Dr. Frocbe, wurde vom Schäffengoricht Itzehoe wegen Beleidigung des Genossen H i ss e r d i n g zu 200 Mark Geld- strafe verurtellt. Er hatte die von un> sckzon mehrfach angeprangerte Verleumdung in seinem Blatt verbreitet, daß Hilserding als Aufsichtsratsmitglied eines Zigarettenkonzorns eine Iahrestantieme von 120 000 Mark bezogen und diesem dafür in seiner Eigenschaft als Minister eine Steuerschuld von fast 30 Millionen Mark erlassen Hobe. Als der„Vorwärts" vor einiger Zeit das rohe Bierbank- geschwätz eines Naziführers in Coburg durch eine satirische Zeichnung niedriger hängte, wurde unser verantwortlicher Redakteur zu 1000(eintausend) Mark Geldstrafe verurteilt, obwohl die im„Vorwärts" kritisierte Aeußerung tot sächlich gefallen war. Der Coburger Einzelrichter aber erklärte die Kritik der Aeußerung für schwer strafbar, weil ihr Urheber sie angeblich„scherzhaft" gemeint hätte. Auch als Scherz wäre diese Aeußerung(die Nazis würden ihre Gegner umbringen und dabei das Kind in der Wiege nicht verschonen) als Ausdruck großer Gefühls- r o h e i t zu werten gewesen. Jedenfalls stellen wir fest, daß die Anprangerung eines tat- sächlich gefallenen rohen Ausspruches fünfmal so hoch bestrast worden ist, wie der denkbar schwerste Vorwurf der Korruption und K ä u f l i ch k e i t gegen einen ehemals amtierenden Minister. Sollte das etwa daran liegen, daß der beleidigte Minister S o. zialdemokrat. der gekränkte Bicrbankschwätzer aber Ratio- n a l s o z i a l i st ist?__ Hugenberg und pit Reichsgarantie. Die Kredite des Scherl-Derlogs bei der Oanatbank. Auf dem Stettiner Parteitag der Deutschnationalen hat Hugenberg zum Schluß einer seiner Reden wörtlich folgende? erklärt: „Keine Hand soll sich zum Schutze dieser Regierung und dieses marxistischen Systems erheben. Es wäre Verblendung, wenn die Regierung wieder, wie Ebert 1319. auf die Opfer der nationalen Jugend rechnete, auf Freiwillige, die man vorschickt, um sie dann in den Kerker zu werfen. E s darf nicht nochmals vorkommen, daß dieses System durch nationale Kräfte gerettet wird. die man sonst mit Füßen tritt. Personen und Eigentum derjenigen, die sich zu uns bekannt haben, das ist der einzige Wert, den es dann zu schützen gilt bis zu dem Augenblick, in dem die Macht in die Hand der nationalen Opposition übergeht." „Keine Hand soll sich, nach Hugenberg, zum Schutze dieser Regierung und dieses Systems erheben." Das erklärte d er Mann, dessen Scherl-Verlag nach bisher unwidersprochenen Mit- teilungen bei der unter R e i ch s g a r a n ti e stehenden Danatbank mit Millionenkredite hängt. Wie lange gedenkt die Reichsregierung Herrn Hugenberg gegenüber vornehmes Schweigen in diesem Punkte zu beobachten und ihm die Möglichkeit zu geben, das Volt durch seine Presse gegen das System und gegen d i e Regierung aufwiegeln zu lasten, derenGeld und sinanziells Unterstützung er gern beansprucht? Deoisenverordnung und Renlenbezng. Der Reichsmirtichasts- minister hat angeordnet, daß eine Genehmigung nach der Devisen» Verordnung nicht erforderlich ist zur Llusmhrung laufender Renten- Zahlungen"an Berechtigte im Ausland, die von den Trägern der deutschen Unfall-, Invaliden- und Angestelltenversicherung sowie der knappschaftlichen Pensionsversicherung auf Grund der Versicherungs- gefctze oder besonderer Staatsverträge zu leisten sind. Württembergs Desi-il und seine Deckung. In der Sitzung des Finanzausschusses des Landtags teilte Fimmzininister Dr. Dehlin- gcr mit, daß das Defizit des wftrttembergischon Staatshaushalts nunmehr 12 bis 15 Millionen betrage. Bei den Sparmaß» nahmen, di« die württembsrgische Regierung durchführen wolle, handle c? sich in der Hauptsache um Gehaltskürzungen. 3?r. 442* 48. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 24. September 4931 Billigeres Brot für Erwerbslose. Verhandlungen des Magistrais über die Durchführung. 3n Verhandlungen vor dem Rcichsernahrungs- Ministerium haben sich die Vertreter des Germania-Zentral- Verbandes Deutscher Bäckerinnungen, des Verbandes Deutscher Brot- sabriken und der Konsumgenossenschast für Berlin und Umgegend bereit erklärt, sür Erwerbslose und sonstige Unlerstühungsempfänger in Berlin eine Brotvcrbilligung um vier Psennig sür ein 2',�-Vfund-Vrot zu gewähren. Der Stadt Berlin, nnd zwar dem Landcswohlsahrtsaml ist erst gestern nachmittag von dem Er- gebnis dieser Verhandlungen, an denen auch der Deutsche Slädtelag beteiligt war. Kenntnis gegeben worden. Beim Zwcckoerband der Berliner Bäckermeister glaubt man, daß für Berlin wöchentlich Söll 000 verbilligte Brote zur Aus- gäbe gelangen werden. Die Bcthandlungen über die Durchführung der Brotvcrbilligung und über die technische Organisation der Aus- gäbe der Berechtigungsscheine usw. werden von dem Dezernenten des Landcswohlfahrtsamtes, Stadtrat W u tz k y, unverzüglich aufge- nommen werden. Berbilligungen der wichtigsten Lebensmittel, wie Brot, Kartoffeln. Milch, aber auch von Kohlen sind teilweise durch das Entgegenkommen der betreffenden chändler in verschiedenen Großstädten durchgeführt. Gegenwärtig finde» im Reichsernährungs- Ministerium Verhandlungen mit dem Reichs- und Bezirksverdand Berlin des Fleischergewerbcs statt, um auch hier eine Bcr- billigung für Erwerbslose und Unterstützungsempfänger zu schaffen. Meinsiedlung für Arbeitslose? Eine Zuschrift, die sich für Gartensiedlung ausspricht. Zu unserer Veröffentlichung vom 12. September„Zur Klein- siedlung von Arbeitslosen" erhalten wir folgende Zuschrift: „Ich selbst habe hier draußen in B u ch von der Stadtgllter G. m. b. S). zirka 600 Quadratmeter P a ch t l a n d schon seit zehn Jahren und muß Ihnen vollständig beipflichten, daß den größten Teil der Arbeitslosen mit Ihrem Vorschlag bester gedient ist. als den mit vier Morgen Land, Ich bin Krankenpfleger in der Heil- und Pflegeanstalt Buch schon seit 1909 und in, meiner freien Zeit bearbeite ich meinen Garten. Die Arbeitslosen brauchen doch vor allen Dingen eine Tätigkeit, und sie würden bei der Garten- siedlung gleichzeitig zwei Fliegen mit einer Klappe treffen: Erstens eine Tätigkeit und zweitens einen Nutzen haben. Auf Grund meiner langjährigen Tätigkeit in meinem Garten kann ich bestätigen, daß man seine Familie schon ab Mai bis Dezember vollständig mit Gc° müsc, Salat und allem Obst versehen kann bei einer Fläche von 600 Quadratmetern, dazu, je nachdem es lohnt, 6— 10 Zentner Kartoffeln. Ja sogar fehlt in meiner kleinen Küche selten ein Blumenstrauß. Was uns fehlt, ist eine Dauer-Gartengemein- s ch a s t mit einem Pachtvertrag van wenigstens 30 Jahren. Außer- dem: Muß es fein, daß bei dem Kinderheim Buch Rieselfelder mit ihrem Geruch die Lust schädigen? Hier sollte Berlin Dauer- pachtland gründen zum Nutzen) der Arbeiterschaft. Blinde Siraßenhändler im Exisienzkampf. Im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Straße, berieten die blinden Straßeichändler, wie sie ihrer katastrophalen Lage, die sich im kommenden Winter noch tragischer gestalten dürften, Herr werden könnten, der Kampf um die guten Verkaufsplätzc— die sogenannten „Zonen I und II" sind Reservat der Zeitungs- und Blumen- Verkäufer, wofür die Blinden kaum in Frage kommen— ist ein ebenso langer wie aussichtsloser. Dem steht gegenüber, daß die Beschäftigungsmöglichkeit für die Blinden in der Industrie immer geringer wird und daß auf der anderen Seite immer mehr dieser Bedauernswerten gezwungen sind, sich auf den Straßenhandel zu werfen. Zur Steuerung ihrer Notlage haben sich die blinden Siraßenhändler zu einem Händler- a u s s ch u ß vereinigt, dem verschiedene Blindcnorganisationen an- gehören, die sämtlich Vertreter zu der Versammlung entsandten: das Referat des Abends hatte der Ausschußleiter Rex, ein Vertreter der Blindensektion des Internationalen Blindenbundes, im Namen des Blindenbundes für Führhunde sprach besten Geschäftsführer, ebenso sprachen Delegierte des Zentraloerbandcs der Berliner Blinden und des Allgemeinen Blindenvereins. Es wurde beschlossen, eine Resolution in Form einer Denkschrift an die maßgeben- den behördlichen Stellen gelangen zu lassen, in der man mit allem Nachdruck um möglichstes Entgegenkommen zur Linderung des beruflichen und körperlichen Elendes bittet. Ohnedies wird die Existenzmöglichkcit des Straßcnhändlers im allgemeinen durch die große wirtschaftliche Notlage von Tag zu Tag schlechter, wie viel mehr ober erst für jene Menschen, denen es durch den Verlust ihres Augenlichtes an Widerstandskraft für den schweren Existenzkampf gebricht. Der Schuß auf den Wächter. Von den Tätern bisher keine Spur. Der Billeneinbruch am Weddigenwcg in Lichter- selbe konnte von der Kriminalpolizei noch nicht weiter geklärt wcr- .'den, da die Verbrecher jo gut wie keine Spux.m Hinterlasten haben und der niedergeschossene Wächter Oskar Pi r fchcl noch per n c h- in u n g s u n f ä h i g im Lichterfclder Krciskrankcnhaus danieder- liegt. Die Verletzungen Pirschels lzabcn sich schwerer herausgc- stellt als es zuerst den Anschein hatte. Eine Kugel hat die Luströhr« durchschlagen. Man hat P. eine Kanüle eingesetzt, doch ist bei seinem Alter leider das Schlimmste zu befürchten. Bei den Einbrechern scheint es sich um eine Bande zu handeln, die plan- mäßig Beutezüge auf Villen unternimmt und es in der Hauptsache auf echte Tcppiche abgesehen hat. Bereits am Dienstagabend gegen 10 Uhr wurde in der Nähe des Wedoigenweges ein Privatauto bc- obachtct, das die Verbrecher zweifellos zu ihrem Einbruch bcnutzr haben. Der erste Anschlag galt der Villa Weddigenwcg 46. Die Verbrecher waren bereits in das Haus eingedrungen. Sie wurden jedoch durch die Hausbewohner, die gerade nach Haufe kam«n, ver- scheucht. Die Bande tlüchtete zunächst, kehrte dann aber wieder zurück und versuchte in das Dillengrundstück Nr. 50 einzudringen. Hierbei kam es dann zu dem Zusammenstoß mit dem Wächter Pirschel. Obgleich die Täter von mehreren Zeugen gesehen worden sind, der.Dunkelheit-eine hegu chbqre., Pej chreibung lü�hcr nicht zu erlang«». Nur soviel geht aus den Aussogen. überein. stimmend hervor, daß es sich um jüngere gutgekleidere Männer gehandelt hat. Die Verwegenheit der Täter läßt daraus schließen, daß die Polizei es mit«incr ganz gefährlichen Bande zu tun hat, die keinen Augenblick zögert, zur Schußwaffe zu greifen. Insgesamt sind auf den Wächter mindestens 6 bis 8 Schüsse ab- gefeuert worden. Eherechtliche Beralungsstelle. Im Rahmen der ehrenamtlichen Tätigkeit der Rechtsstelle der„Deutschen Liga sür Menschenrechte" wird ab 1. Oktober 1931 jeden Mittwoch von 3.30 Uhr bis 4.30 Uhr, beginnend mit dem 7. Oktober, Herr Rechtsanwalt Dr. Rynarezewski in'den Räumen der Liga. Berlin N. 24, Monbijouplatz 10, Eir�g. IV, Beratungsstunden in allen Fragen des Eherechts abhalten. Berlins neue Fernsprechämter. Die(Schwierigkeit geeigneter Bezeichnungen. Der Umbau des Berliner Fernsprechnetzes zum Selbstanschluß- belricb schreitet unaufhaltsam fort. Alte Ämter sind verschwunden, ncne tauchen plötzlich aus. In kurzer Zeit werden als neue Aemter sich„E m s e r p l a tz".„h e e r st r a ß e".„h e r m s d o r s".„h o ch- m e i st e r p l a h".„Schmargendors" und„Wilmersdorf" präsentieren. Von den 76 Fernsprechämtern in Verlin werden nach Indienststellung der neuen Aemter dann 52 automatisch arbeiten. Die Automatisierung des Netzes ist zu zwei Dritteln bereits durchgeführt. Damit wird auch die Auswahl geeigneter Rufbezeichnungen weniger wichtig als bisher. Die Feststellung geeigneter Amts- bezeich nungen bereitete größere Schwierigkeiten, als man denkt. Die Namen sollen nicht zu lang sein, möglichst mit dem Stadtteil in Verbindung stehen, für jedermann richtig auszuspreche» sein und vor allem der Gefahr der Verwechslung vorbeugen.„Leopold" würde man am Telephon leicht mit„Humboldt",„Goethepark" mit„Bismarck".„Lessing" mit„Westend" verwechseln. Das ist durch phonetische Versuche erwiesen. Die neuen Amtsbezeichnungen müstcn nämlich von der Oberpostdirektion dem Reichspostministcrium vor- geschlagen werden, das ihre Prüfung vor allem auf„phonetische Brauchbarkeit" veranlaßt. Dies geschieht durch Anrufe auf Publi- kumsleitungen aus Räumen, in denen„Bctriebslärm", wie Schreib- moschincngeklapper, laute Unterhaltung und andere Nebengeräusche bei offenstehenden Türen herrschen. Auch auf dem„Amt" wird während der Prüfung für Geräusche gesorgt, die im normale» Dienstbetrieb vorkommen. Es zeigt sich immer wieder, daß unter diesen Voraussetzungen nur ganz wenige Namen den gestellten An- sprächen genügen. Den Grad der„Aussprechbarkeit" kann man sogar auf einer Skala nach„Ncpcr" abmessen. Obwohl aus den Kreisen des Publikums fortgesetzt Vorschläge für Amtsbezeichnungen einlaufen, bleiben nur wenige Namen bei der„Gcbrauchsprüfung" übrig. Bei vollständiger Automatisierung des Netzes wird diese Sorge überflüssig. Verdächtigung um jeden preis. Die„schwarze Kladde" in der Berufungsinstanz. vor der kleinen Strafkammer des Landgerichts I wurde gestern in der Berufungsinstanz die prioalbeleidigungsklage des Redakteurs Dr. F r e i st a d t von der kommunistischen Morgenzeitung gegen den früheren Berliner Stadtrot und jetzige» Oberbürgermeister in Magdeburg. Ernst Reuter, verhandelt. Das Gericht erster Instanz hatte Reuter wegen wörtlicher B»- lcidigung zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt. Gegen dieses llrtef ist von Reuter Berufung eingelegt worden. Der Privatbeleidigun?» klage des Dr. Freiftadt liegt folgender Sachverhalt zugrunde: Ii; Juni 1930 erschienen in der Zeitung fortlaufend äußerst scharfe Ver> öffcntlichungen über eine sogenannte„Schwarze Kladde". Diese sollte nach Angabe der Zeitung ein Geschäftsbuch der früheren Kleidervertriebsgefellfchaft sein, die später auf die Gebrüder Sklarek übergegangen ist. Als der Verlag der Berek(Berliner An- schlags- und Reklamcwesen G.»i. i». H.) den Auftrag zur An- i-hxst>D.ung eines Hläkates«i chensB�rstner Litfaßsäulen gab, in dem auf die Veröffentlichungen in der Zeitung hingewiesen und zu deren Lektüre aufgefordert wurde, lehnte die Berek als städtisches Unter- nehmen die Veröffentlichung des Plakates ab. Wegen dieser Maßnahmen kam es im Aufsichtsrat der Berek zu einer Auseinander- fetzung, in deren Verlauf der Stadtrat Reuter die Kampfcsmethodc» des Blattes als strolchartige Methoden bezeichnete. Durch diesen Ausdruck fühlle sich der Redakteur Dr. Freistadt beleidigt. In der Gerichtsverhandlung der ersten Instanz erklärte Reuter, daß er die Acußerung in seiner Empörung darüber gebraucht habe, daß ehrenhafte städtische Beamte fortgesetzt Verdächtigungen über sich ergehen lassen mußten. Er habe in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt. Das Gericht erster Instanz hatte sich diesen Standpunkt des Der Wagen steht auf dem Hansaplatz. In den Anlagen sitzen Menschen, die Vorbereitungen zu späteren Liebesenga- gements treffen. Ein abgestoßener Lautsprecher, an der Tür eines Restaurants aufgestellt, quäkt die Oberon-Ouvertürc. Harry reicht dem Chauffeur ein Fünfmarkstück und eilt fort, ohne auf Wechselgeld zu warten. Ein paar Takte bleiben in seinem Gedächtnis hasten.„Mein Gatte, mein Hüon...!" singt ein anderer Harry, der sich von dem Verängstigten frei- zumachen sucht. Diese Harry atmet tief die kühlende Luft ein und raunt dem Verängstigten zu, in eine Kneipe zu gehen und sich den Mut zu stärken, um allen Schrecknissen der Welt fest ins Aug- zu schauen. Der andere Harry, der unter den liefen Atemzügen immer größer und muskelkräftigcr wird, entdeckt auch, ehe er dos"Lokal betritt, daß der Hut einen wenig erfreulichen Anblick bietet, er klebt ihm wie ein aus- gewundener Topflappen auf dem Haar und hat sich noch nicht von dem Stoß im Auto erholt. Zwei große, schnell heruntergcgosscne Kognaks lassen den Verängstigten völlig in der Versenkung verschwinden. Der Siegreiche pfeift laut und ausgewachsen die Rezia-Arie. Der Wirt nimmt daran nicht Aergemis.- Kein Gast ist im Lokal vorhanden, außer Harry, der allmählich eine große Wohlig- keit in sich erblühen fühlt. Seine Angst erscheint ihm jetzt albern, sie ist nichts weiter als die Folge eines neurotischen Anfalls. Uebrigens tut Kognak Wunderdinge. Man kommt sich nicht mehr klein und häßlich vor. Ich werde heute abend an Manfred einen langen, genau detaillierten Brief schreiben. Vielleicht tritt er als Teilhaber in die Firma ein. Man hätte dann ständig Reserven. Der Strauß, den er auf die Theke gelegt hat. erinnert ihn an Nora Marx. Er kommt eine halbe Stunde zu spät. Aber das tut nichts. Die Verspätung deutet an. daß er sehr be- schästigt ist und trotzdem noch Zeit gewinnt, den Besuch zu ab- jolvicren. Das ist"unbedingt ein Kompliment. Ferner kann auch die Berspätimz daraus hmwcijev, ihm liege nicht m viel daran, der jungen Dame in die Augen zu sehen. Plaudern bei einer Tasse Tee über die Sorgen moderner Haustöchter! Wenn sie keinen Schnaps hat, mache ich sofort kehrt. Aber die Mäd- chen von heute können sogar Cocktails mixen. Die Villa, in der der verwitwete Direktor Marx mit seiner einzigen Tochter Nora wohnt, ist nur noch zwei Straßen ent- sernt. Das niedliche Hausmädchen nimmt Harry Hut und Mantel ab. So sehen sonst nur die Zofen im Kicntopp aus, konstatiert Harry und mustert die Kleine mit dem winzigen Batist- schürzchen. „Darf ich bitten. Hier!" Die Kinozofe öffnet eine Tür. „Ah, lieber Doktor Harry...! Ich freue mich sehr." Nora Marx schnellt von der Coutch hoch. Schade eigentlich, fällt ihr ein, ich lag gerade so vorteilhaft da. Die Verspätung Harrys ermähnt sie nicht. Sic vergißt sogar, ein pikiertes Ge- ficht aufzusetzen. Siehstewoll! Der gute Ton in allen Lebenslagen, ärgert sich Harry und küßt die ihm bis zur Nase entgegengehaltene, sehr gepflegte Kzand. „... Die hcrrlickicn Blumen!" Nora sieht mit liebevollem Blick auf den Strauß.„Bitte!" Sie weist aus die Cautch, schiebt den Teewagen heran und schaltet den elektrischen Samowar ein. „Haben Sie keinen Kognak? Oder wenigstens Likör?" „Doch, inoniüour le docteur, Chartreuse!.. „Brrr... das hätt' ich mir gleist) denken können." „Oh... Warum?" Nora ist besorgt, etwas nicht richtig gemacht zu haben. „Weil mondäne Frauen und kleine Mädchen dieses Zeug aus keinem ersichtlichen Grund trinken." „Und wozu rechnen Sie mich?" Nora ist stolz aus ihren bedeutungsvollen Augenaufschlag. Harry stöhnt. Diese Pose bei der kleinen Gans ist nicht auszuhalten.„Sagen Sie mal, kleine Nora, wie lange soll diese geistvolle Unterhaltung noch dauern? Wir reden wie in einem Roman von Pitigrilli." Nora beschließt, sofort morgen nach einem Werk dieses Autors zu fragen. Der Name ist leider schwer zu behalten, ober der nette junge Mann in der Leihbibliothek wird schon wissen. „Wir können auch anders reden. Cornrne vous voulez!" Sic setzt sich zu Harry und gießt de» Tee in die zarten Scholen- „Tee, Chartreuse, Sandwichs und Keks..." zählt Harry auf.„Mehr kann man nicht verlangen." „Doch, Sie bescheidener Jüngling! Sie können einen Kuß verlangen." Harry lacht, als er sich ihr nähert. „Man merkt, Sie haben viel Erfahrung", erkennt Nora an.„Ich liebe erfahrene Männer. Man ist bei ihnen gut auf- gehoben." „Sie würden also nur einen erfahrenen Mann heiraten?" Harry wütend in sich hinein: ich möchte wissen, warum ich mir dies hier antue. „Heiraten...?! Gott ja, das auch!" Nora kaut an den Worten.„Aber Sie wissen ja, Harry, in unseren Kreisen heiratet man ans Vernunst. Noblcsso obliKe!" Sie ist nicht ganz sicher, ob der Ausdruck hier angebracht ist und fährt schnell fort:„Aber der Mann, den ich liebe, muß erfahren sein, er muß mich die Liebe lehren können." Ein heraus- sordernder Blick trifft Harry. „Haben Sie überhaupt noch etwas hinzuzulernen?" Jetzt quatsche ich schon genau so blöd. Dummheit ist ansteckend. „Harry!" Nora stemmt die Fäuste ins Polster der Cautsch. „Harry, ich kann es Ihnen schwören, wie ich hier sitze mir meinen achtzehn Jahren, bin ich immer noch virgo intacta." Das klingt wie das Bekenntnis einer großen Schuld, einer Schande, die ausgelöscht werden muß. „Vielleicht irrst du dich auch, Kind!" Aergerlich springt Kzarry auf. Das hat ihm wirklich noch gefehlt! Erst das Ge- wäsch von den vornehmen Kreisen, von der noblosso oblig» und jetzt die virgo, die ihm zierlich und wirklich indiskret serviert wird... Und die denkt vielleicht... Nee, bestimmt! Die erwartet, daß ich... Falsch spekuliert. Jungsrau mit den bogenförmig ausrasierten Augenbrauen, ich bin sür diese Ware kein Geldkurs. Eine schöne Enttäuschung könnte dir, mein Herzchen, vielleicht erblühen. Plötzlich sängt er o», fassungslos zu lachen. „Was ist denn geschehen?" fragt Nora erschreckt.„Warum lachen Sie und rennen mir fort?" „Bielleicht Hab' ich Angst, daß du mir was tust!" Der Vater war ein ganz winziger Beamter und hat sich virtuos heraufgeschwindelt, und das Göhr spricht von noblesse, Harry wird seinen Aerger nicht los. Was ist schon uoblosse! Eine Mode von vorgestern. Nora macht Babyaugen.„Ich dir? Wer hat denn hier eine Unschuld zu verlieren?" Sie atinct stoßweise., (Fortsetzung salgt.)! Stadtrats Reuter nicht zu eigen gemacht. In der Urteilsbegründung hotte es aber angeführt, daß die ganze Auzmachung der Veröffentlichungen die Absicht der Sensationsmache erkennen lieh. Die Schriftleitung habe keine Bedenken gehabt, auch völlig ehrenhafte und einwandfreie Beamte durch die Art ihrer Veröffentlichungen in den Verdacht der Korruption zu bringen. Wenn der Angeklagte sich auch im Ausdruck vergriffen habe, so könne ihm daraus kein allzu großer Vorwurf gemacht werden. Die Strafkammer unter Vorsitz des Landgerichtsrats Iakobi kam nach fast achtstündiger Verhandlung und nur kurzer Beratung zu folgendem Urteil: Die Berufung des Angeklagten wird mit der Maßgabe verworfen, daß er zur gleichen Geldstrafe in Höhe von 30 Mark nicht wegen wörtlicher Beleidigung, sondern wegen übler Nachrede verurteilt wird. Wahrung berechtigter Interessen kannte das Gericht nicht anerkennen. Rechtsanwalt Otto Landsberg wird gegen dieses Urteil R e- vifion einlegen. � Oer Ernst der Stunde. Mitgliederversammlung der Weddinger Sozialdemokratie. Im großen Saale der Lockbrauerei in der Chausseestrahe tagte die Mitgliederversammlung des Kreises w e d d i n g der Bcr- liner Sozialdemokratie- Genosse Franz Künstler hielt das ein- teilende Referat. Er skizzierte eingangs die sich geradezu überstürzenden Ereignisse aus der Tribüne der Weltpolitit, die sich naturgemäß auch auf Deutschland auswirken. Die Verantwortung, die heute auf jedem Sozialdemokraten lastet, ist ungeheuer. Vergleiche mit zugespitzten Situationen der Vorkriegszeit verblassen, gegen- wärlig steht die Partei in ihrem s ch w e r st e n Kamps, den sie je auszufechten hatte. Und da geht es nicht an. die Probleme, vor deren Entscheidung wir gestellt sind, mit einer Handbewegung abtun zu wollen. Der Parteitag der Deutschnationalen in Stetlin hat mit aller Deutlichkeit gezeigt, daß die Reaktion ihre» Kamps um die Macht weiterzuführen gewillt ist. Wer di- Bürgerkriegsrüstun- gen der Nationalsozialisten kennt, vermag die Schwere der Stunde einzuschätzen. Wenn 1929 noch das Einkommen der Arbeiter, Angestellten und Beamten Deutschlands rund 45 Milliarden Mark betrug, dann ist dieses Einkommen heute auf 35 Milliarden gesunken. Der Leistungs- abbau in der Arbeitslosenversicherung und bei der Krisenfürsorge wird einen weiteren Abstrich von 590 Millionen bringen, die Renten- und Bcamtenbesoldungskllrzungen KOO Millionen, die Krifenlohn- slcucr und die verdoppelte Zuckersteuer 500 Millionen und die an- deren Kürzungen 400 Millionen, alles zusammen also eine Be- lastung der Werktätigen durch die Notoerordnungen um 2 Mil- liardcn Mark. Wir müssen aber auch die Frage auswerfen, wozu werden diese 2 Milliarden verwandt, und da ergibt sich, daß der größte Teil der Erträgnisse� der Notoerordnungen zur Deckung der Defizite" in den Etats der Sozialversicherungsunternehmen benutzt wird. Diese Tatsache kann bei einer objektiven Betrachtung der Not- vero-dnungen nicht außer acht gelassen werden. Und wir glauben unseren Kritikern gegenüber auch sagen zu können, daß die Leistun- gen der Sozialdemokratie für das werktätige Volk sich immer noch sehen lassen können, 1913 gab das Kaiserreich 1,3 Milliarden für soziale Zwecke aus, in diesem Winter aber wird die Re- publik 7 bis 8 Milliarden ausgeben für soziale Unterstützungen. Daß diese Leistungen erhalten blieben, ist das Werk unserer Partei! Efrst der Buchhalter, dann die Sparer Devaheimskandal vor dem Arbeitsgericht Der Zusammeubruch der D e v a h e i m, von dem lausende kleiner Lousparer betrossen wurden, fand ein bezeichnendes Räch- spiel vor dem Berliner Arbeitsgericht. Der frühere vuchhallungs- ches der Devaheim, R o e s e, der auch für die vauspargesellschast D e u z a g tätig war und ein Gehalt von 1000 M. monatlich bezog, klagte gegen den Konkursverwalter der Devaheim Dr. Reitze! auf Meiterzahlung seines GeHalls und Feststellung, daß seine Forderungen an die Devaheim bevorrechtet sind. Der Kläger wurde kurz nach der- Zahlungseinstellung der Ge- sellschaft von den damals eingesetzten Treuhändern zuerst beurlaubt und dann fristlos entlassen, weil er sich fein Sparguthaben hatte auszahlen lassen, wodurch er den Betrag von etwa 5000 M. der späteren Konkursmasse entzog. Bereits vor der Zahlungseinstellung erließ der Aufsichtsrats- Vorsitzende, der seither in ganz Deutschland bekanntgewordene Pastor C r ä m e r eine Verfügung an die leitenden Stellen der Gesellschaft, in der ausdrücklich jede Auszahlung von der Gegenzeichnung eines besonders eingesetzten Kontrollorgans abhängig gemacht wurde. Durch diese Verfügung verloren sowohl der später in Haft ge- nommene Generaldirektor Dr. I ö p p e l als auch andere Direktoren sowie der Kläger, der zeichnungsbercchtigt war. das Recht, irgend- welche Zahlungen ohne Erlaubnis zu verfügen. Dessenungeachtet bat Roese den Generaldirektor Iöppel um die Rückzahlung seines Sparguthabens, mit der Begründung, daß er als Familienvater sich Oeffentliche Kundgebung Heute, Donnerstag, den 24. September: 108. und 108a Abt.— Köpenick 20 Uhr im Sladttheater, Am Marktplati— Reichstagsabgcordnetcr Philipp Scheidemann spricht Ober;„Die politische und wirtschaftliche Situation". Ferner wird der Film gezeigt; Der Parteitag in Leipzig der Gefahr nicht aussetzen könne, sein ganzes Geld zu verlieren. Roese hatte einen sogenannten Kapitalbildungsvertrag auf 20 000 Mark mit der Gesellschaft und zahlte monatlich 50 M. ein. Iöppel stimmte seinem Verlangen zu und ließ ihn nach Abzug eines ge- wissen Betrages für Zinsen und Prämien einen Scheck auf 4700 M. ausstellen, den sie beide unterzeichneten. Als dann die Zahlungseinstellung erfolgte, wurde Roese wegen dieses Vorganges fristlos entlassen, wiewohl er einen un- kündbaren Vertrag bis Ende 1931 hatte. In der heute durchge- führten Verhandlung erklärte der als Zeuge� vernommene General- direklor Iöppel, daß die Ausstellung des Schecks für den Kläger einwandfrei gewesen sei, denn der als Kontrollorgan eingesetzte Direktor der Versicherungszentrale Möller sei bei der Devaheim überhaupt nicht erschienen, so daß Iöppel zur Aufrechterhaltung des normalen Zahlungsverkehrs ohne seine Erlaubnis alle Zahlungsanweisungen unterschreiben mußte. Davon habe er dem Pastor Crämer Mittellung gemacht. Uebrigens Hütten auch andere Angestellte ihr Geld zurückerhalten. Der Zusammenbruch der Deva- heim wäre nicht erfolgt, wenn ihm nicht die Schließung der D a n a t b a n k vorhergegangen wäre, von der die Gesellschaft 3 Millionen Mark Kredit erhalten sollte. Der darauf vernommene Pastor Crämer bestätigte die An- gaben Dr. Jöppels. Da Direktor Möller sich um die Devaheim nicht gekümmert hatte, so konnte die Anordnung wegen der Aus-� Zahlungen nicht aufrechterhalten werden. Auch der Prokurist Ernemann sagte dasselbe aus und fügte hinzu, er habe sein Amt bei der Gesellschaft niedergelegt, aus Protest gegen die verfehlten Sanierungsmaßnahmen des Haupt- aktionärs, des Jcntralausschusses für die„Innere M i s s i o n", die zum Konkurs geführt hatten. Da der beklagte Konkursverwalter keine genauen Informationen über die näheren Gründe der Entlassung des Klägers hatte, wurde die Verhandlung nach Abschluß der Zeugenvernehmung o« r t a g t. Wenn wir uns weiter in der Welt umsehen, dann steht auch fest, daß unsere außenpolitische Linie des Friedens nie besser gerechtfertigt war, als gegenwärtig. Wir müssen diese Linie weiter verfolgen, trotz aller nationalistischen Hetze gegen die Partei. Zum Schluß wendet sich Genosse Künstler innerpartei- lichen Fragen zu und ermahnt die Genossen, bei aller Kritik Kameradschaftlichkeit walten zu lassen. Die nachfolgende ausgedehnte Debatte bewegte sich denn auch trotz oller sachlichen Schärfe auf einem beachtlichen Niveau. Um 11 Uhr schloß Genosse Frank die Versammlung mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Sieg der Sozialdemokratie. Ii? prozentigc Preissenkung für Sehhilfen. Am 21. September verhanoelten die Spitzenverbände der Optiker und der Krankenkassen im Reichsarbeitsministe- rium über die Senkung der Preise für Sehhilfen. Es wurde ein Abschlag von 15 Proz. aus die im Reichsabkommen vom 25. Oktober 1927 sestgssetzten Preise vereinbart. Die Flucht aus dem Leben. In einem Anfalle geistiger Umnachtung sprang gestern dcr 42jährige Arbeiter Paul B a j o r a t aus dem Fenster seiner im vierten Stockwerk gelegenen Wohnung in der Boxhagener Str. 3 auf den Hof hinab. Schwerverletzt wurde dcr Mann durch die Feuerwehr ins Krankenhaus am Friedrichshain gebracht, wo er baA nach seiner Cinliefevung starb.— Wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten erhängte sich gestern der 60 Jahre alte Auktio- nator Karl Hustenberg aus der Nooalisstr. 2.— Auf dieselbe Weise schied gestern abend dcr 23jährige Sohn des Lichtenrader Großschlächtermeisters B. aus. dem Leben. Der junge Mann hatte in der Wohnung seiner Eltern einen Tisch mit Blumen geschmückt und für zwei Personen Gedecke aufgelegt. Als gegen 18 Uhr Angc- hörige das Zimmer betraten, fanden sie Robert B. erhängt auf. Die Polizei ist bemüht, die Gründe, die den jungen Menschen zum Selbstmord veranlaßt haben, zu klären.— In den Parkanlagen am Fichtcnberg in Steglitz brachte sich gestern abend der 60 Jahre alle Vertreter Jean Vonardel aus dcr Albrcchtstr. 102 in Steglitz aus einer Armeepistole zwei tätliche Schüsse bei. Eröffnuiii neuer Zweigstellen BacSstr» 5S«--«»«.» Andraasstr. 28 �„ Rosanthalerstr. 66«.» Reinlckendorferstr. 22<*«««.»> Das Vertrauen zu uns findet Ausdruck in einem Zugang von: 1128 neuen Einlagen-Kunden in den letxten zehn Wochen. 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HieiflunflssiBci«, uissche usw. ©enlfl qeteaaen« RaoaUttflacbtrob» roit Mütionärc». «erütin. Aiuoillten. isabelhaft billia« Preise. Empfehle TailleumönteLPate lots, Kracke, emo* Knas, Gehrockam tüst. Kosen. Spart. Gehpelze.«Seltacn. hciteläufe in neuer Garteroh«. Weite- her Wen lohnenh. Sothrinaerßrane SS. I Trepp«. Rosen thaler Via»' Wintermäntel für Damen»nd Backfische ab fsa» brit perkauft Wall- fteafte Vlls, p- Hl; U. Bahn Spittel- markt. mshBi Wo? kaufen Sie polierte Schlafzimmer, Birke, Mahagoni, Ahorn, Birnbaum, Nußbaum. schon uon BO,— Mark an? Nur Im grShten Möbelhaus desSilb. ostens, Morig Sit. fchorotfc, Skaliger. strahe 25, Sochbahn Soltbuffcr Tor: An. dreasstrasie SO,««■ genübet Leiser.* Röbel-Schräger nur noch Aastar.ienatlee t5 W. Werbe- Wochcn ba« Ist Preiolenknugüt Preis« nne nie!— SÄlafzimmrr.eiche, , 889,—. Nusbaum ZW.—. Po, lierte!!!— Birke 490,—. Mahagoni .530—. Birnbaum 565-—, 590,—. Spei. fautniuwr. Ciche, mit tteistallpitrin« ?4ä,—. Herronziin. m«r 226.—. 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Grünauer Straße 15 SO, Köpenicker Str. 121 W, Martin-Luther-Str.86 Steglitz: Schlo8straßc121 Lankwitz: ChaHottenst.34 Charlottenburg; Wilmersdorfer Str. 157 Neukölln:ßerlinerStr.12u.l-Iermannstr.27 Schöneberg: Kolonnenstraße 9 Oberschöneweide:Wilhelminenhofstr.40 Moabit: Cotrkowskystraße 31 Moabit: Wilsnacker Straße 25 Spandau: Potsdamer Straße 23 Weißensee: Berliner Allee 247 Tempelhof: Berliner Straße 152 Pankow: Weilankstraße 98 Lichtenberg: Wismarplatz 1 ünierriem »echnische Dripaifchule Dr. Werner, Regle. rungobanmeistcr, Berlin. Neancher straft« 8. Maschinen, bau, Elektrotechnik Hochbau, Tiefbau Steinmcftfchulc. Leiiunaetechnik. Koroiscriebau. Bbitnrlnm. EiniähriAeo. Direi» tor Dr.ssackelmanno Anstalt. Sohra. aolUtatuznus 198. «er- niiemrisen «i'otinungen 5%. BPh»>4. Zimmer-Wohnna« sofort lu periNieten. Velle-Alliance-Llaft 1—8. norn li' s>7achrstuh!>. auo> für Geschitfloairecke aeeianet. Nähere Auskunft beim Por. tier ede: Telrtchon: Tönboff WA.. 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Auf Drängen der Kartoffelspritbrenner veröffentlicht die Reichsregierung eins Verordnung, durch die der Beimifchungs- zwang von Spiritus zu Benzin von 3� auf 6 Proz. erhöht werden soll Damit keine neue Belastung der Kraftverkehrswirtschaft erfolgt, soll der Treibstoffspirituspreis von 70 auf 50 TO. gesenkt werden. Es wird erwartet, daß so der Absatz an Treibstoffspiritus auf l Million Hektoliter steigt und damit die ungeheuren Vorräte der Branntweinmonopoloerwalrung, die weit größer sind als der gesamte Jahresabsatz, verringert werden. Diese Aktion soll ober in Wahrheit gar nicht der Entlastung des Branntweinmonopols dienen, sondern nur ermöglichen, daß die ostelbischen Brennerei- betriebe wieder wie im vorigen Jahre ihr Kartoffelbrenn- recht möglich st hoch ausnutzen können. Es ist beabsichtigt, das Brennrecht auf 80 Proz. festzusetzen. Was würde nun ein- treten, wenn dieser Vorschlag durchgeführt wird? Die Vorräte des Monopolonits betragen 2 Millionen Hektoliter. Dazu kommt die neue Produktion von weiteren 2 Millionen Hektoliter Kartoffel- sprit und 800 000 Hektoliter Melasse-, Korn- und Obstsprit, so daß also 4,8 Millionen Hektoliter im neuen Betriebsjahr zum Aerkauf zur Berfügung stehen. Abgesetzt werden können aber nur 350 000 Hektoliter Trinkspiritus, l Million Hektoliter Motorspiritus und l,1 Millionen Hektoliter Industrie- und Brennspiritus, also zu- lammen 2,45 Millionen Hektoliter. Am Ende des Betriebsjahres bleiben also 2,25 Millionen Hektoliter übrig Das sind 250 000 Hektoliter mehr als m dresem Jahr, so daß der Negierungsvorschlag keine Besserung, sondern eine Verschlechterung der Lage der Monopolverwaltung bedeutet. Nicht einmal die gesamten Einnahmen der Monopolvcr- waltung werden ausreichen, um das Aufkommen der Branntwein st euer kastenmäßig voll zu sichern. An einen Ueberschuß ist nicht z u denken. Dieser Vorschlag ist also zur Sanierung des Branntwein- Monopols völlig ungeeignet, abgesehen davon, daß es unverantwort- lich ist, ungeheure Kartoffelmengen zu Spiritus zu verarbeiten, während in den Städten Millionen nicht wissen, wie sie über den Winter kommen sollen. Deshalb fordert die Sozialdemo- k r a t i e. dieses Jahr überhaupt keinen Kartoffelspiritus iierzustellen. Das große Geschrei, das die agrarische Presse auf diesen Vorschlag hin angestimmt hat, ist völlig unangebracht Wenn die Regierung unserem Borschlag folgt, kann sie die gesamte Kar- taffelmenge, die sonst zu Spiritus verbrannt wird, den Landwirten zum Preise von 1,20 TO. pro Zentner abkaufen. Das ist ungefähr der Preis, zu dem die Landwirtschaft ihre Kartoffeln durch die Brennerei verwertet. Die Regierung kann sogar den Landwirten drei Viertel ihrer Kartoffclmenge zurückgeben. Wie ist das aber inä glich, ohne neue Mittel aufzubrmgen? Die Rechnung ist durch- aus einfach: Borräte und Neuproduktion von Kartoffclbranntwein betragen 2,8 Millionen Hektoliter. An Absatzmöglichkeiten sind offen: wie bisher bei 3 t- Proz. Treibstoffspiritusabsatz= 600 000 Hektoliter, an Trinkbranntwein= 350 000 Hektoliter, gewerblicher Spiritus— 1,1 Million Hektoliter. Es bleibt also nur ein Reslbestand von 750 000 Hektoliter am Ende des vetriebsjahres. während bei dem Regierungsvorschlag sich 2JS Millionen Hektoliter Vorräte angesammelt haben werden. Die Ausgaben der Branntweinmonopolvcrwaltung werden für. 350 000 Hektoliter Sulfitspiritus und für 450 000 Hektoliter Melasse- usw.-Spiritus 44,5 Millionen Mark betragen, die Einnahmen da- gegen aus dem Berkauf von 350 000 Hektoliter Trinkbranntwein 210 Millionen Mark, für 600 000 Hektoliter Motorspiritus 42 Mil- lionen Mark und für 1,1 Millionen Hektoliter Jndustriesprit 49,5 Millionen Mark, insgesamt also 301,5 Millionen Mark. Es ergibt sich nun folgende Rechnung: Einnahmen des Monopols 301,5 Millionen Mk. davon ab: Ausgaben............ 44,5 Millionen Wertminderung d. Borräte.......... 40.5 85,0„„ 85,0 Millionen Rohüberschuß 216,5 Millionen Mk. Hiervon wird die gesamte Branntweinsteuer in Höhe von 140 Millionen Mark bestritten, so daß ein Reinübcrschuß von 76,5 Mil- lionen verbleibt. Dieser Ueberschuß soll dazu verwandt werden, den Kartoffelbrennereien eine Entschädigung zu zahlen und außerdem sämtlichen Arbeitslosen und ihren Jamilienan- gehörigen ohne irgendwelchen Abzug von der Unterstützung 1K Zentner Kartoffeln je Kops umsonst zu liefern. Die Entschädigung für die Kartoffelbrennercien wird 43,2 Millionen Mark erfordern. Drei Viertel der gesamten sonst zu Spiritus ver- arbeiteten Kartofselmenge in Höhe von 36 Millionen Zentnern er- hält der Landwirt geschenkt mit der Verpflichtung, diese Kaptoffeln einzusäuern und später nach Bedarf zu verfüttern. Damit werden die Bedenken zerstreut, daß zwar die landwiri- schaftlichen Brennereibetriebe entschädigt, die übrigen kartoffelver- kaufenden Landwirte aber geschädigt werden, weil die sonst in den Brennereien verarbeiteten Kartoffelmengen zusätzlich auf den Markt gelangen. Ein Viertel der Gesamtkartoffelmenge, das find 9 Millionen Zentner, sollen die Brennereibetriebe dagegen ab- liefern und zwar in Speisekartoffelqualität. Rechnet man mit 6 Millionen Arbeitslosen, d. h. mit Familienangehörigen 18 Millionen Unterstützungsbedürftige, so braucht man aber 27 Mil- lionen Zentner zur kostenlosen Abgabe. Daß die Brennereibctriebe diese ganze Menge liefern, ist unzweckmäßig, da der überwiegende Teil der Erwerbslosen nicht in den Gebieten wohnt, in denen sich die Kartoffelbrennereien befinden. Von den landwirtschaftlichen Kartoffelbrennereien kann der Bedarf der Erwerbslosen in Ostdeutschland einschließlich Berlin sowie in den angrenzenden Teilen Mitteldeutschlands, das sind 33 Proz des Gesamtbedarfs, beliefert werden. Die restlichen zwei Drittel sollen von den Städten aufgekauft werden. Die Mittel hierzu werden aus dem Ueberschuß der TOoiwpolverwaltung, der nach Abzug der Entschädigung für die Brennereibetriebe noch 33,3 Millionen Mark beträgt, zur Verfügung gestellt. Mit 28,8 Millionen Mark können die Kommunen 18 Millionen Zentner zum Preise von 1,S0 M. kaufen. Folgt die Reichsregierung diesem Borschlag, dann wird nicht nur die gesamte Branntweinsteuer an das Reich abgeführt werden: es kann auch der sonst jedes Jahr der Monopolverwaltung von der Rcichsrcgicrung zur Berfügung gestellte 75-Millioncn-Aredit f ü r wichtigere Zwecke verwandt werden. Ferner werden die Einnahmen aus dem Benzinzoll nicht verringert, weil der Bei- mischnngszwang nicht erhöht zu werden braucht und schließlich wird die Monopoloerwaltuug saniert. Dabei erleidet die Landwirt- schaft keinen Schaden und dos Reich kann allen Bedürftigen 1'- Zentner Kartoffeln kostenlos zur Verfügung stellen. Das sind Gründe, gegen die sich keine vernuust verschließen kann. Es wäre unverantwortlich, wenn diesem Vorschlag nicht gefolgt und statt dessen im alten Schlendrian die Branntwein- Mißwirtschaft zgm Schaden der Gesamtheit weitergetricben wird. -W*-■ III IWHIIM« IIIIM1 M»--« Handelsbilanz der Schuhindustrie bleibt aktiv. 17,2 Mill. Ausfuhrüberschuß von Januar bis August. Die Einfuhr von Leder schuhen ging im August weiter stark zurück und lag mit 20 488 Paar um 30,5 Proz. unter den Ein- fuhrmengon des August vorigen Jahres. Gegenüber dem vorher- geheirden Monat Juli stellt sich der Einfuhrrückgang sogar auf 64,5 Pro;. Andererseits hat d i e Ausfuhr mit 324164 Paar gegenüber dem Vorjahr sogar noch eine leichte Steigerung erfahren, während im Juli die Aussichr etwa 16,5 Proz. höher lag als im Berichts- monat. Der Wert der Einfuhrmengcn im August erreichte 0,29 Millionen, denen ein. Exportwert van 2,52 Millionen gegenüber- steht. Der Ausfuhrüberschuß im August bcläuft sich also auf 2,23 Mil- lionen Mark. Wie gut die deutsche Schuhindustrie im Hinblick auf die all- gemeine Preissenkung in diesem Gewerbe ihren hohen Ausfuhrstand behaupten tonnte, beweist die Tatsache, daß von Januar bis August 1931 der Ausfuhrüberschuß mit 17,2 Millionen Mark nur um 2,6 Millionen unter dem Stande des August 1930 liegt.___ Gute Beschäftigung der holländ'schen Kunstseideindustrie. Wie aus Ede(Holland» berichtet wird, ist die do.tige Kunslscidensabrik der Aku neuerdmgs so stark beschäftigt, daß eine Personalvermeh- runz notwendig war. Neue Textiiverlufie. Mechanische Weberei zu Linden sanierungsreif.—(Skandal der Vorzugsaktien. Der Aufsichtsrat der Mechanischen Weberei gu Linden gibt bekannt, daß die Gesellschaft im Geschäftsjahr 1930 einen Verlust von 3,58 Millionen Mark erlitten Hai. Der Aufsichtsrat sei sich darüber klar, daß infolge der weiteren Ber- schlechterung der Wirtschaftslage im Jahre 1931 eine Sanierung der Gesellschaft durch Zusammenlegung und Wiedererhöhung des Kapstals erfolgen müsse! Bereits im Jahre 1929 hatte die Gesellschaft einen Verlust von 0,5 Millionen Mark zu verzeichnen, der aus dein Reservefonds gedeckt wurde Da der Reservefonds immer noch die respektable Höhe von mehr als 6 Millionen Mark ausweist, kann auch der Verlust des letzten Geschäftsjahres dadurch glatt gedeckt werden. Wenn darüber hinaus eine Zusammenlegung des Kapitals(13,5 Millionen Mark) als notwendig bezeichnet wird, so müssen dock) noch ganz andere Verluste auszuweisen sein. Und diese Verluste stecken in den beiden größten Aktiv- posten der Bilanz verborgen, in den Beteiligungen von 13,2 Millionen Mark und im Waren konto von 8,4 Millionen Mark. Die LiNdener Weberei hat nämlich zu Zeiten guter Kmi- junktur, seit dem Jahre 1926, versucht,• ihre ganze Konkurrenz aufzukaufen und das Monopol in der Samterzeugung zu gewinnen. Zu ihren zwei Werken in Hannoocr-Linden und Oggersheim (Pfalz) kam als drittes der Betrieb von Denisch u. Engler, Zittau. Wichtiger aber war, daß Linden fast das ganze Kapital der Berliner Velvetfabrik Mengers u. Söhne A.-G. und der S. A. F r ö h l i ch s A.- G., Warnsdorf(Tschecho- slowakei) erwarb. Dazu kam später noch die Kapitalmehrheit der Rheinischen Velvetfabrik A.-G., Neersen: und die amerikanische Handelsgesellschaft wurde ganz übernoinnren. Nachdem diese Expansion durchgeführt war(etwa 1928), zeigte es sich, daß der„Unternchmermut" wieder eirnnal gründlich in die Irre gegangen war. Samt ist nämlich als ein Luxus- gegenständ außerordentlich stark Schwankungen der Mode wie der Konjunktur unterworfen. Und das Pech wollte es, daß die Zeit der schlechten Konjunktur zusammensiel mit einer Zeit, in der die Mode von Samt nichts wissen wollt«. Hatte die Lindener Weberei in den Jahren 1924 bis 1927 15 Proz., 1 9 2 8 noch 10 Proz. D i v i d e n d e g e z a h l t, so schloß das Jahr 1929 bereits mit Berlust ab. Jetzt ist man sich klar, daß auf die Beteiligungen und das Warenlager ganz außerordentliche Abschreibungen iiotwendig sind, zu Lasten des Kdpitals, genauer: zu Lasten der Aktionäre. Und damit'kommen wir zu einer Tatsache, die in der Blüten- lese von Berwaltungspraktiken. die die Notwendigkeit der A k t i e n r e f o r m schlagend belegen, selbst unter den heutigen Bor- Hältnissen einzig dastehen dürste. Neben dem Kapital von 13,5 Mil- lionen Mark gibt es nämlich Borzugsaktien in Höhe von 66 000 Mark. Diese Vorzugsaktien sind im Besitz der Danken des Unternehmens, der Deutschen Bank- und Disconto- Gesellschaft und des Bankhauses Ephraim JZi c.9 p t u, Sohn, Hanmwcr.(Gumpel). Diese Banken werden darüber„nur im Em ve rs?a nvms" Wt dir Gesellschaft(das heißt der Verwaltung) verfügen— also auch im Einverständnis mit der Verwaltung das Stimmrecht ausüben. Das Stimmrecht aber beträgt für ge.vöhulich das Hunderlsünszigsache. bei Beschlüssen über Besehung de» Aufsichtsrats. Statutenänderungen und Liquidation dos l20ö.sache. dos Zwölshunderlsache! Damit kann man selbst- verständlich alle» machen: die Gruppe, die die Vorzugsaktien besitzt, braucht dazu nicht eine Stammaktie! Wer aber trägt die Verluste? Etwa die Banken, die Ende 1929 ungefähr 10, Z Millionen Mark zu fordern hatten? Etwa die vorzugeaktionäre? Rein, allein die Slowmaktlonäre! Es ist das alte Lied— eine allmächtige Verwaltung, gestützt durch die S t i m m c n m a ch t der Vorzugsaktien und der Depot- oktien der Banken, operiert solange, bis das Kapital der „freien" Zlktionäre verwirtschaftet ist. Wir wünschen der Ver» waltung(und dem Aufsichtsrat) der Lindener Weberei eine„fröh- liche" Generalversammlung! Wicking wird ausgesaugt. Ein neuer Zementkonzern in Westdeutschland. Die Verhandlungen zwischen dem Wicking-Konzern und der Dyckerhoff u. Söhne A.-G. wegen der Bereinigung des in Schwß- rigkeiten geratenen Wicking-Untcrrwhmcns sind setzt abge» schlössen. Unter der Vorherrschast der FamMe D y ck e r h o f f wird eine neue Gesellschaft gegründet, deren Umlausrapitol auf 27 Millionen ilBJU» ishdie ZZ/z Drozenrbessere Mischung/ ////r l 77-J 7/ //Iii». orienkilischerTabake n© � c'as skärker�und längere Formal* // der Maus 6ergmannX� //— I V/ njBMP ist* die or�hge und gelbe Packung/ der Maus BeramannXA neU> ist" die�MundsKücklose Haus Bergmann/V«/ ■"!/ Cjelbe PackungrPund-Dick'Ohne M�ndshück Orange packung: Mil* Qoldm unds Kuck » Mark bemessen wird. Von diesem Kapital entfallen 1? Millionen auf Dyckerhoff, 6 Millionen werden mit den Forderungen der Gläubigerbanken aufgerechnet und nur 4 Millionen entfallen auf Wecking. Es stellt sich also heraus, dah das Kapital des stolzesten Zementkonzerns in Deutschland, dessen Stellung unerschütterlich schien, von 20 bi» auf 4 Millionen Mark zusammengestrichen ist, das heißt, eine Tausend-Mark-Aklie bis auf 200 M. entwertet wird. Der Zusammenbruch des Wicking-Konzerns ist ein ebenso trau- rigeS wie typisches Beispiel, wie verhängnisvoll jahrelange Mißwirtschaft in der Kapitalinvestition und rücksichtslose Kartell- Politik sich letzten Endes auswirken. Die westdeutsche Wicking-Gruppe gehörte seit jeher zu den mächtigsten und angriffslustigsten Konzernen der deutschen Zementindustrie. Die Außenseiter, die im Revier des von Wicking beherrschten westdeutschen Zementsyndi- kates ihr Leben fristen wollten, können von den rigorosen Angriffs- Methoden dieses Konzerns ein Liedchen singen. Aber die Glanzjahre bis 1929, in denen die Zementindustrie infolge rücksichtsloser Ausnutzung ihres Marktmonopols in Deutschland über die hohen Konjunkturgewinne hinaus gewaltige Sonderprofite Einsteckte, haben die Konzernherren bei Wicking allzu übermütig gemacht. Millionen und aber Millionen wurden noch in einer Zeit sinkender Konjunktur in Reuanlagen gesteckt, obwohl die hervor� ragend eingerichteten Stammbetriebe nur mit knapp 50 proz. ihrer Leistungsfähigkeit ausgenutzt waren. Es war eine herrliche Zeit, wo man erst aus laufenden Betriebs- gewinnen, später mit kurzfristigen Bankkrediten, die ja in Mengen den Konzernen zur Verfügung standen, den Neubau von Mammut- werten finanzierte. Es war auch eine herrliche Zeit für die A k t i o n ä r e, als es Jahr für Jahr Dividenden in Höhe von 10 Proz. absetzte. Die Verwaltung ließ die Aktionäre auch in dem Glauben, daß es mit diesen reichen Gewinnen so weitergehen würde, denn der Geschäftsbericht für 1929 sah die Welt für die Zement- aktionäre noch in den rosigsten Farben. Für die Aktionäre des Wicking-Konzerns ist es also ein böses Erwachen gewesen, als sie jetzt ihr Aktienvermögen bis auf ein Fünftel zu- sam mengeschmolzen fanden. Bei der ungeheuren Verschul- dung des Unternehmens bleibt die Frage ossen, ob nicht noch ganz andere Kapitalverluste eingetreten wären, wenn nicht der Familien- konzern Dyckerhoff Appetit auf Uebernahme der Wicking-Betriebe verspürt hätte. Das durch die Fusion neu entstandene Zementunternehmen wird bei weitem den stärksten Zementtonzern in Deutschland abgeben. Die Leistungsfähigkeit seiner Betriebe entspricht etwa der Kapazität, die die beiden nächst großen Zementkonzerne, die schlcsische und die Heidelberger Gruppe, aufzuweisen haben. Sollen die Siraßen verfalle«? Sparen— aber mit voltomrtfchafiticher Äeraunfi! Sparen ist die Ausgabe des Tages; die Folge ist Abbau auf allen Gebieten. Man muß aber mit Nachdruck darauf hinweisen: es darf keine Sparpsychose entstehen! Die Einschränkung der Ausgabenwirtschaft einer momentanen finanziellen Entlastung zu- liebe darf nicht so weit gehen, daß dadurch Schäden entstehen, die später das Doppelteund Dreifache der heute„gesparten" Summen zu ihrer Behebung erfordern. Diese Gefahr besteht nach Ansicht der Unternehmer- und Arbei- terorganisationen des Straßenbaugewerbes in besonderem Maße auf dem Gebiete des Straßenbaus. In einer Entschlie- ß u n g wenden sie sich energisch gegen den rigorosen Abbau der Aus- gaben der Straßenverwaltungen. In der Zeit seit der Inflation seien Straßen im Werte von vier Milliarden Mark gebaut worden: diese Werte müssen auch in Notzeiten der Volkswirt- schaft erhalten bleiben. Wenn nicht für die Pflege und die Unterhaltung der bestehenden Straßen, die durch den starten Kraftwagenvertehr aufs äußerste beansprucht wurden, die nötigen Mittel ausgewendet würden, so müßten die Unterlassungen von heute morgen in zwei- und dreifacher Höhe bezahlt werden. Die Volkswirt- schaft würde bei Durchführung der geplanten Maßnahmen unendliche Verluste erleiden; in kurzer Zeit würden die Straßen den Ansprüchen für die Personen- und Güterbeförderung nicht mehr ge- wachsen sein. Gefordert wird vom gesamten Straßenbaugewerbe— jetzt liegen bereits 80 Proz. der Straßenbaubetriebe still—, daß wenig st ens die Mittel zur Unterhaltung der bestehenden Straßen bereitgestellt werden. Es wird an das Gutachten der Brauns- Kommission erinnert, das eine Ausdehnung des Straßenbaues empfahl. Die Erträgnisse der Kraftfahrzeug- und Be- triebe st oss steuern müßten in größerem Umfange den: Straßenbau zugeführt werden. Sobald sich die Möglichkeit biete, se- eine Strahenbauanleihe aufzunehmen, die aus dem Aufkommen der Kraftfahrzeugsteuer zu verzinsen und zu tllgen sei. Vertehrstreditbank verfünffacht ihr Kapital. 9 proz. Dividende bei der Bank der Reichsbahn. Die Deutsche Verkehrs-Kredit-Bank, die als Bankinstitut der Deutschen Reichsbahngesellschaft deren Gelder ver- waltet, nimmt eine Erhöhung ihres Kapitals von 4 bis auf 20 Mil- lionen Mark vor. Die Heraufsetzung des Aktienkapitals kommt in- sofern nicht überraschend, als der Gefchästsumfang der Bank schon lange über die schmale Kapitalbasis hinausgewachsen war; aller. dings hatte man nicht mit einer derart umfangreichen Kapital- erhähung gerechnet. Für das am 30. Juni beendete Geschäftsjahr 1930/31 wird eine Dividende von 9 gegen 12 Proz. im vorhergehenden Jahr aus- geschüttet. Die Einnahmen au» dem Frachtstundungsgeschäft gingen im Berichtsjahr von 0,95 auf 0,89 Millionen und die Zinseinnahmen von rund 2 auf 1.8 Millionen zurück. Die Handlungsunkosten zeigen dagegen nur eine geringe Entlastung von 2,38 auf 2,51 Millionen. Der Remgewnm wird mit 0,83 gegen 1,07 Millionen ausgewiesen. Im Zusammenhang mit dem Rückgang des Güterverkehrs bei der Reichsbahn und den erheblichen Einnahmeausfällen ist auch bei den Geschäfte« der Bank ein entsprechender Rückgang eingetreten. Die Summe der ge st undeten Frachten verminderte sich von 1,77 auf 1,42 Milliarden, also etwa in dem gleichen Umfang wie der Güterverkehr bei der Reichsbahn. Die Kontenzahl hat mit 19 373 nur«ine verhältnismäßig schr geringe Senkung erfahren. Größere Ausfälle bei den Frachtschulden waren nicht zu verzeichnen. Die Gläubiger gingen von 416,4 auf 388,7 Millionen Mark zurück, da sich die Einlagen der Reichsbahn entsprechend ihrer sin- kenden Verkehrseinnahmen verringerten. Die Bank sah sich daher gezwungen, in starkem Umfang ihre Bankguthaben zu beanspruchen, die von 301 bis auf 164 Millionen Mark sanken. Im Geschäftsbericht weist die Verwaltung auf die besonderen Schwierigkeiten hin, die im Juli, also nach dem Bilanzstichtag, in der Kreditkrise eintraten. Die Einnahmen der Reichsbahn sanken in dieser Zeit erheblich, anderersells aber mußten die Löhne und Sehäller für die Reichsbahn sichergestellt werden. -1098 amerikanische Banken pleiie. Die Gesamtzahl der Banken, die bis Anfang September im Laufe dieses Jahres in den Vereinigten Staaten ihre Schalter ge- schlössen hatten, beläuft sich jetzt auf 1098. Die Summ« d«r Ein- lagen, die diese Banken verwalteten, beträgt 775 Millionen Dollar oder 3,26 Milliarden Mark. Es handelt sich dabei vorwiegend um kleinere Londwirtschastsbanken, die infolge des Preissturzes für landwirtschaftliche Erzeugnisse von der Krise am schärfsten betroffen wurden._ Die deutsche Rohstahlgewinnung ist im August, nachdem der Juli durch die Russenaufträge eine Erhöhung gebracht hat, wieder zurückgegangen. Sie ist a r b e i t s t ä g l l ch gegen Juli von 29 777 auf 26 499 Tonnen gesunken. »ttai« Thealer Siaatsopcr Unter den Linden. Donnerstag, den 24. September 20 Uhr. Ende 22'/a Uhr. Der fliegende Holländer Slaatlitapiellisiis Qnairaimiurtt. Anfang 20 Uhr Nora Sdiiller-IlKater Charlotteaburg. Anfang 20 Uhr Emilia dalotti ■arfetroMa 9258 Till. au. ai/2U. THE 22 INCENUES HUDSON- WON DCR3 und dai groBa tept.-Programm PI-A�A T|l, 8,«15,511,1,5,8« Das ncua» Varl et«- r Programm• Dia rollende Revue derfODelilan Ralmonda- Ballett ■td weitere»ttrsW. »'/.uhrCASlNO-THEAlERs'üüh. Lothringer Stragc 37. WHitimtiiiMiaiiiaiaiiiiiiiiiiiiiiiuuaiiiiiiiiiiiiiiiiaiiiiaaiiiiaiiiititiiia Houl Sie lachen Tranen Neu! Uber die tolle Posse Dodo, das öffentliche Aergernls Dazu das neue bunte Progr.l Cutschein 1-4 Personen. Parkett nur SO Pf. Fauteuil 1.— Mark. Sessel 1.50 Mark rneiropoi-Theater Täglich»'/, Uhr Sonntags 4 u 8'/« U die ont Pml-Alinhaiii- Opeiette DI« Blume von Hawai Praiu voii 1.— M. an Theater Im AdmiralSDSiasi Täglich Vi* Uhr Die Dnbarry mit Qltta flipar Preise v. 0,50 M an Komiscna oper 8'/» Uhr Thron zu vergeben Operette v.Neidhan Musik v. Witmann Leux, Elster, Lilien. Preise; 0,50-7,- M Iwing-Ttieatei Dir. Dr. Robert Klein Til.: Weidend aram 8848. SV» Uhr Junge Liebe. Mosheim, Brausewetter, Haack, Hemolka. 8.15 Uhr Flora 3434 Baiidieo erliuM Die Seche von der Staatsoper. Cortinis Dollarsegea. Salerao. 12 Bralanos. Rhoenrad-Sent usw., hÖMnd ES Restaurant Berlins Theater desWestens Täglich 8V« Uhr bis inklusive Sonnt. 4(lisdiicilsvorstallaDp Richard Tauber in ,I»aa L,and de« LKchelns" Theater am Ndlendorfplati Täglich 8>.- Uhr Sonntag nadim. 4 Uhr Max Adalbert in: Dar beschleunigte Personenzug Senetags iidm. halbe Prsise von ü.25 M. an Charlottenstr. 90-92. Dönh. 625-626. Gruppe Junger Scltanapleler Heute VI* Uhr von Valantio Katijav. Preise 0.40 bis Garderobe, Programm 0.20 M. Siä(U.oper Charlottenburg Bismarckstraße 34 Donnerstag, d. 24. 9. Turnus I Anfang IS-'e Uhr Götter- dämmerung Ende 22-/- Uhr VoiKsbtlluie Theater am BQIowplatz 8 Uhr Nebeneinander Volkut&dt in 5 Akten von Geoig Kaiser Re�ie: K. H. Martin. WM meater 8 Uhr von Schiller Regit: Mai Reinhanlt Huritirstendamm ineater Bismarck 448/49 8V» Uhr Die schöne Helena von lacqnes onenbndi Reale; Msx nciaiiarüi. ROSE-THEATER M Schmidt): 2. Majordmnus: 3. Kamerad. Toto: 27: 10. Platz: 15, 13: 10. Ferner liefen: Virgil(4.), Feld- Wedel. Patriarch. Lycaon-Rcnae». 1. Citadellc(Böhlke): 2. Alemannia: 3. Orkadicr. Toto: 71: 10. Platz: 12, 15, 11: 10. Ferner liefen:-Taubnessel(4.), Glücksstern, Feuerzauber, Himmelfahrt. Grenzwacht-Renneu. 1. Tcddv(Hahnes); 2. Melodei: 3. Geranium. Toto: 40: 10. Platz: 15, 10, 82: 10. Ferner liefen: Castor 14.), Gaffen- iunac, Honcstus, Sterneck, Jlos, Helmut, Polydor, Aslari, Pcrillo, Heroine, Jlsha. Palestro-Renuea. 1. Ghazi(Huguenin): 2. Walzcrtrauin: 3.-i-arqm- nius Superbus. Toto: 64: 10. Platz: 18, 21, 20: 10. Ferner liefen: Null-Luvert 14.), Laotse, Faro(blieb stehen), Rcichsiiiark. Cocktail, Anskar. Preis von Wtzdlinghovcn. 1. Fachia lHuguenin); 2. Mafaniello: 3. Sonnenglaube. Toto: 25:10. Platz: 18, 23:10. Ferner liefen: Groll (4.), Edelknabe. Fllmenau. Schncllscuer-Rennen. 1. Aroma lBöhlle): 2. Athenais: 3. Rogau. Toto: 57: 10. Platz: 24. 109, 00: 10.- Ferner liefen: Cobra(4.), Kummer, Gardejäger, Obttstolz, Cras' Henriette, Lady, Sbstblütc, Crajova-Rcune«. 1. D �. flohen; 4. Golo. Toto: 94: 10. Platz: 23, 54. 10, 19: 10. Ferner liefen: Silbcrling, Vigor, Moflem, Hellseherin, Eisläuser, Caliquccn, Ziadamcs, Chrislinchen, Fahrt, Luxus. Jsola. illSozialistischeArbetterjugendGroß-Verlm Eilifenbungen für diese Rubrik nur an das Jugendfekretarlat Berlin SW es, Linbenstratze 3 heule. Donnerstag. 19% Uhr: ArASwulder Platz II- Rastenburfler Str. 1K:„Entwicklima der Arbeiter. b«>wmin<—«altplatz 1; ömiiwnburqtc Str. Ä>: 10.Miilutcn.Ref°rate.— «chSnhaufer Barpadt: Snrnenburger Str. 20:„Unl-re Elelluna zur Arbeits- tnenllpflicht'.— Kallesch-, lar: Aorckfir. 11:„Wie lonunt da, Prolctarlot zur Macht?-'— Käsen Heide: Woilertorltr.»: Keltercr Abend.—»apenicker viertel: Wranzelftr. 12«:.Allabol und Nikotin".-«attduller T»r: Britzer Str 30: „Untzere Erziebung in der SAI." � Südwelten: Lindcnftr. 4:„�aqespolltit". Schraebera VI: Kauptstr. 15:„Die Sewcrtschaften"«che- Bedeutnna).— Westend: Sportplatz Westend:„Bilrgerlichc Sugenddeweg-ima und SAT."— Schönewerde I: Berliner Str. 31: sscier stunde.—«äp-nick N: Trestpunit 19 Uhr Beihnbaf Köpenick. Teilnahme an der«undaebuna der Pariei im �vtadt- theater lFalkentrackst).— Maht-dorf: Tiinktionärfitzuna bei Kophcr.— Reinnken. dors-Beft: Seidelftr. 4t �agespolitische Tragen"._. SS®. Westen: Kenthiner Str. 17. 17 Uhr:„Sozialismus und Kirche'. Werbebezirk Mitte: Köpenick-- Str. 92. 19-1 Uhr: W,.B..«..S>tzung Werbebezirk Tiergarten: Ter Chor probt im Mirfikiaal der Kleist-Eehule, Levedawstratzc, von Uhr. Werbebezirk Prenzlauer Berg: Intcreinerte Senoffen beiciligen sich an der Treuieiroeranftalking:„Mexikanliiche Musik", 2» Uhr, Danziger Slr. 2Z iAula). Bri der Aorzeiguna des EAI.-Mitaliedsouches freier Eintritt. Werbebezirk Neukölln: Erwcrbsloic:lz::samm:ntu:ift. Bcrgstr. 2S, Zimmer 5, von 11—14 Uhr. Wir beteiliaen ims geschlossen an der Beranstalwng der Areien Schulaeselllchaft, 19>� Uhr. Saalbau Bergstr. 147. Werbebezirk Lichtenberg: Rote Funlcr 29 Uhr Zusammenkunft im Heim itarlshorst, Trcskowallee 44. 4° SDS. Sieinickeildorf: OeffenNiche Bersammluiig Sonnabend,-20. September, 19>» Uhr, Tegel, Schönebcrger Str. 3:„Zlationaler oder internationaler Sozialismus?" Referent Genosse Dr. Zllotz. ltzreic Aussprache. firheiiBrivohiialiri. Bezirksausschufi Brao-Beriin Funktionäre der Arbeitcrwohlfalirt, Fürsorgertinnen)! Dlenateg, den 29. September, tv-t Uhr, Im großen Saal de» Reiduvirlichafti' rate», Berlin, BeUemestrahe IS: Funktionär- Konferenz Vortrag des Genossen Stadtrat Karl Schneider über;„Abbau dar sozialen Fürsorge als Wirkung der Notverordnung« Saalöffnung 19 Uhr. Beginn pünktlich 19-? Uhr. Besondere Hinladungen ergehen nicht mehr.— Eintritt nur gegen Parteibuch und Funktionärausweis der Arbeiterwohlfahrt 1931. Fürsorger(lnnen). die nicht Funktionäre sind, weisen sich durch Parteibuch aus. parteinachnchten sürGroß-Berlin Einsendungen für dies« Rubrik find « c t Ii n SS«S, Lindeustrah- 3, stets an da,»ezirtrsekretariat 2. Hof, 2 Steppen rechts, zu richten Beginn aller Veranstaltungen IS'/u Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! heute, Donnerstag. 24. September: 4. firei, Prenzlauer«erg. Freie Schulgemeindc: Danzigcr Str. 20. Mit. gliedcrversommlung. Kunstabend:„Mexikanische Musik mit erläuterndem Vortrag". Unkosteirb-itrag 19 Pf. Gäste können eingeMhrt werden. S. 5trci, fireuzberg. Das Material Mr den am 13. Oltobcr beginnen den Kreiskursus sowie die Karten zu der am 13. Oktober im Orpheum statt, findenden Borstcvung der erwerbslosen Schauspieler(Aktuelle Kleinkunst- bilhne) stnd ausgegeben und bei den Abt-iluugsobleuten des Bikdungsaus- schusscs zu haben. II.»reis. 29 Uhr Dersamrnlnng aller SPD.-Zreidenker im Lakai Grund, Meininger Str. ll. n.«dt. Borstamdsfitzuna bei Swi.,. Böhmische Str. 43-44. 90.«dt. Bezirksführer holen heute Flugblätter von der Vorwärts-Spodition Sicgfriedstraßc ab, Morgen, Freitag. 25. September: 7. Krei». Bon IC— 19 Uhr im Volkshaus, Rosineustr. 4, llnierhaltuugsuach. mittag für erwerbslose Parteimitglieder. Parteibuch und Stempelkarte legitimiert. S. Abt. Testspielprobe bei Dobrohlaw, Swinemünber Str. 11. 11. Abt. Zahlabend bei Riedcrstrgtz, Emdencr Ecke Waldenserstrasze. 34. Abt. Ausgabe der Flugblätter von 13— 19 Uhr bei Lehmann, Kaiser» Wilhelm-Sir. 29-31. IW. Abt. sslugblattverbreitunq 18 Uhr(neues Lokal) bei Pamp, Hassckwcrder. stiaßc 12. 117. Abt. IZtzh Uhr Adrechnun« vom S. Quartal bei Klose. Sonnabend, 26. September: 43, Abt Bon 184i Uhr an Abrechnung sämtlicher BezirksDhrer bei Keller, Itzürstrnstr. 1. 83. Abt. Die Abrechnung des 3. Quartals für alle Bezirksführer mit den Ab- teilungskassterern findet von 17—29 Uhr bei dem Genossen Qmmdi, Mvltiestr. 31, Ecke Hindonburgdamm, statt. Erscheinen ist Pflicht. 193. Abt. Der Arbciter-Rad- und Krostfahrer-Bund„Solidarität", Abt. Ober- schöneweide, feiert sein 39. Stiftungsfest im Lokal Bürgerpark in Ober- schöneweide. Da sich der Bund stets der Partei zur Verfügung stellt, bitten wir die Genosse» um»thlreiche Beteiligung. 112. Abt. 29 Uhr Mitglirderoerlammlung im Lokal Sturm i» Wilhelmshaven. Ernst Reumauu:„Zur politischen Lage". Frauenveranstaltungen. 2. Krei». Donnerstag. A. September, iZltz Uhr, bei Stein, Holsteiner Ufer 14, Fimkt io närin n« n ss tzung. 3. Krei,. Donnerstag, 24. Sepiemder. 1044 Uhr, Besichtigung des Rilchwirt- schattsbetricbes in Weißensee, Giersstr. 1. Bezirksausschnh für Arbeiterwohtfahrt. Z. Kreis Tiergarte». Donnerstag. 24. September, 19Vi Uhr, bei Stein, Holstciner Ufer 14, wichtige ftzunttionärinnensitzung. 4. Krei» Prenzlauer«erg. Die Helferveriammluiig der Arbeiterwohlfahrt findet Freitag, 23. September, 19'/s Uhr, im Bezirksamt Prenzlauer Berg, Danzigcr Str.«4, Zimmer 4. statt. 13. Krei« Tempelhof. stzreitag, 2Z. September, 19-4 Uhr, Rathaais. Dorf- straste 42, Sitzungszimmer, Besprechung der Wintcrhilse und Kreisangelegcn- heilen. Bund der Freien Schulgesellschaft. Ortsgruppe Neukölln. Oeffentliche idundgebunq gegen Tdfvlabban und Sehrcrenttasinngen Donnerstag. Ä. September, 19� Uhr, im Städtischen Lichtbildsaal, Neukölln, Bergstr. 147. Elternbeiräte der Liste Schulausbau! Protesttuudgrbuna gegen b-n Schulabbau Zroitag, W, September, 20 Uhr, in den Kammerstilen, Teltowcr Str. 1—4. Arbeitsgemeinschaft der kinderfrcunde Gro�-Acrlin. Krei» Kreuzberg! Die Gruppenleiter werden gebeten, heute möglidfit schon um 19 Uhr in der Norckstrasic zu lein, Dienstag, 29, September. Istst, Uhr, Helfersitzuna, Porckstr. 11. Um Psinktlid>krit wirb gebeten. Schöneberg: All- Helfer kommen beute um 19-/, Uhr zur Heltersttzung Groß. Berlin ins Bezirtcami Kreruzberg, Aorckfir. 11. Ausweise mitbringen. Reinidenbors-Wesi: Alle Rot. unb Iungfalken treffen sich am Sanuabnid, 15% Uhr, Bahnhof Eichborn straze zur Fahrt nadz N(u-Behlcfgnö. Rsiekkchr Sonntag abend, Unkosten 1 M. Krei» Reutäll», Keiserkrei,: Es besuchen alle Helfer die Grpsi.Bcrliner Hrlfero-rsammlitna im Bezirksamt Kreuzberg, Zsordstrajje, um 29 Uhr. Helfer, ausweife iind Mitgliedskarte miibringen.— Gruppe Bauooli: Heute, Donners- tag, Elternvcrsammlung in der Sd>ule Lesstngstrastc um 20 Uhr. Sterbetafel per Groß-Verliner partei-Organisation 39. Abt. Unser Genosse Max Block. Pflsigerstr. 6, ist plötzlich verstorben. Ehre feinem Andenken! Einäscherung Sonnabend. 23, Septemdcr, 17 Uhr, Krematorium Baums chulenweg. Wir bitten um rege Beteiligung. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner..Schwarz-Rot-Gold". Geschäftsstelle: Berlin E. 14, Ecbastianstr 37—38, Ho! Z. Tr. Don»cr»tag, 24. September. Krei» Süden: 29 Uhr Kreisvorftands» sttziiiig im Gaubllro. Wedbing(Sportabicilung): Ab Donnerchag üben alle Sportler wieder in der Turnhalle der Sdnile 169 262, Liliticher Strasse. alle anderen Kameraden, wetide Interesse für Sport baden, werden gebeten, dort zu erscheinen, Friedrichshain. Kam. Tiisching: 19-/-: Uhr Mitglicdcrper- " idt, Kit'""----- sammlung bei Ballschmi icdenstr, 96.— ssreitaq, 2,>. September. Mitte («portabteiluiig): 20 Uhr Sportlersitzung bei Arndt, Sdiröderslr. 2. Lichtenberg: Um 29 Uhr haben Mitgliederversaranlung die Kameradschaften Gustav Tempel und Rummelsburg. Kameradschaft Boxhagen bei Stöbcr, Jung. Eck- Oder- straßc, Zieuwahl � des Kamcradschastsfllhrcrs. Reinickenbars, Kameradschaft Tegel: 29 Uhr Mitgliederoersammhing im Lokal Rotenburg, Sauptstr, 27.— Sonnabend. 26. September. Kreuzberg(Ortsvcrein): Abfahrt zum Gepäckmarsch nur ab Marheineteplotz, Jugend I. 1! und III um 22.44 Uhr, Zug I bis V —.00 Uhr und Zug VI bis Vili 23.14 Uhr. Rur Anhänger besetzen, Adlahrzeit genau rnnehallen, Reinickenderf(Orisoereinl: 17 Uhr Anireien aller Kameraden in Borsigwaidc, Reue Ernst, Ecke Conradstrasst, mit Fahnen zum Platzkonzert. Uraufführung der Zchuloper„Tie Jobsiade". Am Montag, dem 28, Sep° tember, 30 Uhr, findet im großen Saal des Zentralinstitutä für Ersiebunq und Unterricht die Urausführung der Schulopcr„Die Jobfiadc, Text -----~ � MWmMWM Geschäftsstelle des Zentralinstituts für Erziehung und Unterricht, Perlin W. 35, Potsdamer Straße 120, erhältlich, Unsere Stellung zum Küster-Prozeß. In einer Sitzung des Deutschen zeriedcnsbundes am Donnerstag, 24, September, 20 Uhr. im Restaurant „Zum Patzcnhofer", Potsdamer Str. 123°, wird Settatspräsident Frchmuth über„Unsere Stellung zum Küstcr-Prozeß" sprechen. Gäste sind will- kommen. Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, L>ri,flruppe Berlin, Bezirk Zoo. Donnerstag,'24, September, 2fli,(, IIb-, Vortragsabend, Restaurant Grün. Passauer Str. 37a, Referent Kam. Redakteur Philippsborn. Thema:„Hinter den Kulissen des Parlaments". Arbeiter-Abstinenten- Bund, Gruppe Friedrichshain. Donnerstag, 24. Sep- tember, 29 Uhr, im Jugendheim Diesteltneyerstr. ö. Bunter Abend. Eiutrrtt frei, Gäste willkommen. Englisli Conversa ional Club, foundet 1878, Berlins ältester und bekanntester englitd: fvrcchrnder Klub, feiert am 3. Oktober fein 53. Stiftungsfest lm Hotel Nordischer Hof, Invalidenftr. 126,_ Allgemeine Wetterlage. 23.Sept. 1934,abds. Efe 'M 0wonabc. Per leuchtete diese etwas konstruierte Folgerichtigkeit nichr ein. Er büßte''ach wie vor mit Ausdauer in der Kirche und ging selten vor Mitternacht. Just in diesen Wochen hatte der Rauchklub Gencralversamm- [11113, bei der Watts Anwesenheit unbedingt erforderlich war, zumal der offiziellen Tagesordnung sich eine fröhliche Sitzung anschloß, als deren Höhepunkt seit jeher des Küsters kunstgerechte Nach- ahmung von Tier- und Frauenstimmen galt. Watt wollte sich er- ncute Triuniph« seiner Kunst unter keinen Umständen entgehen "Rissen. Er ersann ciii perzweifelt«- Mstsel. Per saß büßend und wie es schien, schlummernd im Betstuhl. Die tiefe Ruhe des Kirchraunies durchzog ein zartes Schnarch- geräujch. Plötzlich zuckte der Körper zusammen: mit aufgerissenen Augen stierte er zur Deck«. Was war das? Irgend woher klang in melodisch und engelhaft süßem Eprechgesang:„Geh« heim, Per Wißberg, dir ist vergeben. Die Ernte wird gut. Gehe heim." Immer wieder verkündete die milde Stimme die versöhnende Botschaft. Per saß verzückt. Der bange Zweifel wurde im immer- währenden Klingen des Wortgesanges zu froher Gewißheit. Er dachte: Das Wunder erheischt Dank: jetzt gehe ich vor morgen früh nicht nach Hause. Erst als die Gnadenstimnie mit merklich energischem Untertan das„Gehe heim" nachdrücklicher betonte als das„Die Ernte wird gut", reckte der Alte den knorrigen Körper und ging in tiefem Glück sinnend feines Weges. * Die Generalversammlung des Rauchklubs erreichte, wie in jedem Jahre, ihren festlichen Gipfelpunkt, als der Küster Alexis Watt feine amtliche Tätigkeit als erster Vorsitzender mit der künstlerischen Funltion eines Tier- und Frauenfti�imen-Jniitators vertauschte. Die Begeisterung war herzlich und laut, und als zu vorgerückter Stunde Alexis sich anschickte, mit Engelszungen zu reden, wurde diese Repertoirebereicherung mit immer neuem Beifall hingenom- mcn, der sich teils in Gebrüll, teils in Spenden geistiger Getränke äußerte. So wurde diese Kunst belohnt. Zu gleicher Zeit zog der glückliche Per über seine Felder. Er konnte keine Ruhe finden. Es war ihm, als trüge ihm der Wind aus der Richtung des Rauchklublokales die froh verheißende Wunder- stimme zu. Ab«r es war wohl nur die Einbildung seines vor Freude berauschten Kopfes. Uebrigens wurde, trotz des Wunders, die Ernte nicht gut. Die Sonn« hotte zwar geschienen, d«r Regen war vorschiiftsmähig gefallen und auch der Boden war immer noch gut. Aber Pflug, Egge und Harke hatten ihn zu wenig gepflegt, die Saal hatte zu spät on- gesetzt und an dem nötigen Dung hatte es auch gefehlt. So konnte es, naturnotwsndig, nicht ausbleiben, daß Per Wißberg bezüglich seiner Ernte enttäuscht wurde. Dies« Enttäuschung übertrug sich sofort auf des Bauers Lebens- Haltung. Frohe Sbieipe und frohes Nachtquartier waren wieder wichtige Progrämpunkte. Zudem beantragte er seine Ausnahme in den Räuchklub. Der Küster hatte sich zwar verzweifelt g«gen die Aufnahme von P«r Wißbcrg abwehrt und alle denkbaren Schänd- lichkeitcn der Person und des Eharakters angeführt. Aber es hatte nichts geholfen. Per wurde ein piinkt.'ichcs, rauch- und trinkfestes Mitglied. Sc st dieser Zeit verzichtete d«r Küster auf seine künstlerischen Darbietungen. Er war immer mißmutig und erklärte den Kum- panen seine Reserve aus der mit Fachmiene vorgetragenen Er- kcnntnis, die Nachahmung von Stimmen sei sündhait und gottlos. Als jedoch, nach unmüßigem Genuß des in Schwedens Breiten gebrauten Branntweins, Alexis Watt nicht mehr den notwendigen inneren Widerstand gegen den Ansturm seines kiinstierischen Ehrgeizes fand, stellte er sich beifallsgierig auf den Tisch und kopierte Enten, Pferde, Ochsen und die Frau Bürgermeister, daß es nur so eine Freude war. Als er sich aber in seinem alkoholischen und künstlerischen Rausch dazu oerstieg, mit Engelsstimmen zu reden, wurde Per Wißbcrg plötzlich blaß, trank,»wurde noch blasser, und trank wieder. Aus ungeklärten Gründen«ntipann sich unmittelbar nach der Darbietung eine furchtbare Keilerei, in deren einzelnen Kampf- Handlungen deutlich. Per Wißberg als Angreifer und Alexis Watt als Angriffsobjekb keiintlich iviirdeii.. MersnJiirdigmnes!.- zog sich der Küster bald danach von dem ernst so geliebten Rauchklub zurück und führt seitdem mit sich und seiner Kunst im Zauber seines küster- lichen Arbeitsfeldes ein gottgefälliges Leben. Ja, nack) einigen Schwierigkeiten. Unn das is alles, was fon Liewe drinnc forksmmt? — Nein, auch der eigentliche Held erlebt«ine Liebcsgefchichte, Mit wem dn? — Mit der Lehrerin des Dorfes. Unn die kriegen sich ooch? Oder nich? — Doch, ganz zum Schtuß. Das Buch ist sehr schön. Meindwegen. Nehm dich ichs nich. — Ich kann es Ihnen aber wirklich sehr empfehlen. Ja, ich gloobs schon. Awr wenn ich enn Roman les, da will ich doch geschbannt sinn, wie die Geschichte ausgeht. Schdodd dessen Hamm Sic mir doch nu schon alles klibb unn klar serraden.... WmjmoudW&hanes'.�JllfiilSfclllOVÜ! Der„Heraldo von Mexiko" teilt unter dem 24. Juli folgendes mit: Der fahrplanmäßige Expreßzug von Guadalajara nach Mexiko ist gestern, abend um 7 Vi Uhr ooii der über den San-Juan-Fluß führenden Eisenbahnbrücke herabgestürzt. Bei dieser Katastrophe wurden 28 Menschen getötet, während 42 schwer verletzt wurden. Die Verantwortung für die Katastrophe wird dem Zugführer zu- geschrieben, der am Haltesignal achtlos vorbeigefahren sein soll. Wir schreiben den 27. Juli. Das Gericht ist zusammengetreten. Der Staatsanwalt, Don Tilmonte, ergreift dos Wort:„Meine Herren! Die Eiscnbahnkatastrophc bei San Juan del Rio am 23. dieses Monats hat 28 Menschenleben gekostet, und viele Verletzte liegen schwer danieder. Eine sofort nach der Unglücksstätte entsandte Koni- Mission hat festgestellt, daß der Lokomotivführer Terre das Halte- signal unbeachtet gelassen hat. Sehr schwerwiegend für Terre ist außerdem der Umstand, daß es ihm selbst gelungen ist, abzuspringen und sich in Sicherheit zu bringen. Er beteuert seine Unschuld. Diese Versicherung macht auf mich nicht den geringsten Eindruck. In Anbetracht des Umfonges der Katastrophe und der geradezu un- beschreiblichen Fahrlässigkeit Tcrres verlange ich, daß er zum Tode verurtellt wird." Im Heraldo von Mexiko steht unter dem 29. Juli zu lesen: Heute morgen um 9 Uhr 29 Minute» fand die Hinrichtung des Zugführers Miguel Terre statt. Terre, der bis zum letzten Augen- blick seine Unschuld beteuerte und hartnäckig darauf bestand, daß das Haltesignal auf„Durchfahrt" gestanden habe, ging erhobenen Hauptes in den Tod. Der Staatsanwalt Tilmonte verlas vor der Hinrichtung das Urteil. Da erschien KriminaUnspektor Pablo Juez! Don Tilmonte. der Staatsanwalt, sah auf. Er war außerordentlich überrascht, so früh am Morgen vom Inspektor Juez aufgesucht zu werden. „Ich bitte um Entschuldigung!" Einige Minuten danach saß Pablo Juez, einer der gescheitesten mexikanischen Detektive, ihm gegenüber. Das Gesicht des Detektivs war todernst, als er zu reden begann:„Euer Gnaden, wir haben einen Justizmord be- gangen! Miguel Terre war unschuldig!" Timonte blickte auf. Jeder Blutstropfen schien aus seinem Ge- sicht gewichen zu sein. Sein scharfer Blick bohrte sich in die Augen des anderen.„Was— was sagen Sie, Juez! Mit so ernsten Dingen treibt man doch nicht seinen Spaß!" „Spaß?" Juez sah fast wehmütig in die Augen des Staats- anwalls.„Spaß, sagen Sie, Exzellenz? Ich wollte..." Tilmonte war aufgesprungen. Der ernste, fast feierliche Ton des Detektivs hatte ihm das Blut in die Wangen getrieben. Er zitterte am ganzen Körper.„Mann! Juez! Ist das Ihr Ernst! Ein Justizmord? So reden Sie doch schon...!" Da begann Juez in seiner überlegenen, kühlen Art:„Während der(hcrichlsverhandltzng� fmg� fester Terxe an. mich zu interessieren. Ich bin" ein gsite? Mcnschenttinier.'Tiiid' Nä'Teckre jedesmal' seine Unschuld versicherse. wurde es'mir� nach und nach klar, daß" er unschuldig sein mußte! Aber Sie, Exzellenz, glaubten dem armen Teufel nicht. Sie verlangten seinen Kopf. Und nun hören Sic weiter! Sofort nach der ersten Gerichtsoerhandlung begab Ich mich in dos kleine Bahnwärterhaus bei San Juan del Rio und stellte dort fest— bitte, beachten Sie meine Worte genau!—, daß die Uhr 5 Minuten nachging." Tilmontcs gespannter Blick ruhte auf Juez, etwa wie der eines Angeklagten auf seinem Richter, während dieser das Urteil ver- lieft.„Ja— und was weiter— ist das alles." Mit dem Ausdruck maßlosen Erstaunens blickte Juez dem Staatsanwalt ins Gesicht.„Ist denn das nicht genug, Exzellenz? Das vielbesprochen« Haltesignal ist 18 Kilometer-weit von der Unglücks- stelle entfernt. Da nun der Expreß genau auf die Minute das Haltesignal passierte und dieses wiederum 5 Minuten zu spät auf „Halt" gestellt war, jo mußte Terre dach unbedingt annehmen, die Bahn sei frei. Als das Haltesignal endlich auftauchte, da hatte der Zug bereits die Unglücksstellc erreicht. Durch einen tollkühnen Sprung in der allerletzten Sekunde rettete Terre sein eigenes Leben. das ihm allerdings von der Jury wieder aberkannt wurde, ohne den geringsten Beweis dafür, daß Terre vcrantworilich war." Der„Heraldo von. Mexiko" vom 2. August teilt folgendes mit: Heute morgen wurde der berühmte Detektiv Pablo Esteban Juez in der Nähe des Palastes des Staatsanwalts Don Tilmonte er- mordet aufgefunden. Der weit und breit bekannte Detektiv hinterläßt eine Witwe mit zwei Kindern. Don Tilmonte hat sich großmütig bereit erklärt, sür diese zu sorgen. Unser Land kann mit Recht stolz sein auf diesen Staatsanwalt. Gefährliche Schnecken und Muscheln. Daß die Schnecken und Muscheln nicht so harmlos« Tiere sind, wie man im allgemeinen annimmt, haben die Zoologen längst festgestellt. Vor einiger Zeil gab es große Aufregung, weil der Hauptschutz Hollands gegen das Meer, die Dammpfähle, von Bohrmu schein bedroht wurden, die übrigens nicht nur Holz annagen, sondern auch in den häriesten Stein Löcher bohren, wo erging es mit den antiken Säulen von Pozzuoli bei Neapel. Dies Bohren geht in der Weise vor sich, daß die Muscheltiere eine scharfe Säure absondern, die den Stein ver brennt. Es muh sich also um eine Art Schwefelsäure handeln, und tatsächlich haben Untersuchungen ergeben, daß bestimmtes Schnecke» in ihrem wpeichcl freie Echwesclsäu'rc ausspritzen. Das Bellen eines an Tollwut erkrankten Hundes ist kürzlich in einem Mikrophon aufgefangen und auf einer«challplatte fest- gehalten worden. Diese Platte wird im Rundfunkarchio ausbewahrt und ini Falle des Ausbrechens von 5)undetollwut in einer Gegend der Einwohnerschaft zu Gehör gebracht werden, damit das überaus charakteristische Bellen tollwiitoerdächtiger Hunde rechtzeitig zu entsprechenden Schutzmaßnahmen führen kann. Der Blitz reist Trauben. Wie aus Eroix-Ehalons in Frankreich berichtet wird, brachte in einem Weingarten der Stadt ein ein- schlagender Blitz sämtliche Trauben zur Vollreife. Es wäre inter- eisant, zu dieser seltsamen Nachricht Ansichten der ivissenschastlichen Welt zu erfahren. Aus der guten alten Zeit. Ein Theaterzettel aus dem Jahre 1731 wird im Braunschweiger Stadttheater ausbewahrt. Nach Ankündi- gung des Stückes heißt es darin:.Zur Bckwemlichkeit des Publikums ist ängeordnet. tas die erste Reihe sich hinlegt, die zweutc Reihe knieth. die drlltte sitzt, die vllrte steht, also könnens Alle sehen. Das Lachen ist vcrbothcn, weils ein Drauerspiei ist." Walter JlppeUi JtliS SdChfdH Kastanien. In so ner Kasdanien-Allee, da sieht mr doch so richdj, wie ibbig de Naduhr iß. Bei jeden Schridd mechde mr ofs hassen, daß mr nich off ecne dridd unn schdolbert. Unn deorredisch bedrachdet, kennden das nu alles mal solche große Beime wern. Sowas imboniert mir kolossal. Awr cegendlich isses Ferschwendung. Da heehds immer, dr Mensch soll sich de Naduhr zum Beischbiel nemm, unn soll sich in sein gansen Lähm unn Schdrähm nach dr Naduhr richden. Na. da kennde was Scheenes drbei rauskomm. Sehns«, ich bin Fodegraf. Nu nemmse mal an, enne Mudder läßt bei mir ihr Bccwih fode- grosiern, unn beschdellt ä Halmes Dutzend Bilder. Mehr nimmt Heide ja doch kee Mensch, weil sc alle kee Geld Hamm. Was missde ich denn da machen, wenn ich mich nach dr Naduhr unn ihrn Ge- wohnheeden richden wollde? Da miside ich fon den Beewih filleicht Schdicker fuffzj Bilder machen, unn die iewrigen, die nich bestellt sinn, die kennde ich zum Fensder nausschmeißcn oder in Baobie-- korb haun. Nu sagen Se s«lwer, wie sollde ich denn bei so ner Jewerbrodukdsjohn off meine Kosden komm, wo's bei uns schon sowieso immer schlimmer werd mit den sieln Ammedährsodegrasen. Unn iewrdragen Se das mal off«nn« Gnibbenoffnahme, die mich felwer deier genug kommt. Da wär ich in serzn Dagen bankrodd. So werblich iss doch das ooch nich gem««nt, daß mr sich de Naduhr als Musder nemm soll. Unn bloß aus lauder Sinnlosig- keet wachsen doch die fioin Kasdanien schließlich ooch nich. Die er- filln drwegen alle ihrn Zweck. Blas denn fr ecn? Beime wer» ja doch bloß ausn wcnigsden. Nu, den andern ihre Beschdiinmung iss filleicht, dasse uns Menschen enn schecn Anblick biedcn in ihrn jungfrcilichen Glans unn«ist ihrer kesdlichen braun Farwc. Ach, da gucken doch de meisden iewrhaubt nich hin. Da sin se selwer säpild. De Naduhr kann ooch nich drsor, wenn de Menschen kc« Ferschdändnis Hamm, wie guhd ses midn mecnt. Awr denken Sc doch mal an de Kinder, wie schecn die mit den Kasdanien schbicln! — Ich will Ihn mal was sagen: wenn de Naduhr das avdersch eingerichdet hädde, nämlich daß off den Kasdanienbeim keene Kasdanien wachsen dähden, sondern meindwegen Flaum oder Schbi!- ling«— das wär den Kindern zehnmal liewer. Da dähden die gerne off das Schbi«ln ferzichden. Sie, da kann ich Ihn was erzähln, was Sie filleicht umschdimmt. Mei Walder. der hat forjes Jahr mal eene Kasdanie in ä Fensder geschinissen. Naoierlich habb ich das bezahln missen. Das hat sechs Mark unn fimjnzwansj Fenge gekost. — Unn das soll mich icwerzeigen, daß die Kasdanien nitzlich sinn? Nu heerns«! Jawohl! Schdelln Se sich mal sor, s gäb keene Kasdanien Was hädde dn der da gemacht? Da hädde der enn Schdeen-zenomm. Unn was wär de Folge gewesen? Das war doch ä Dobbelfensder— da wär nich bloß die eißere Scheiwe kabudogegang, sondern ooch die innre mit. So ä Schdeen, der hat doch siel mehr Wucht. Das missen Se doch zugähm. Unn da hädde ich anschdadd eener Scheiwe zwee Scheim bezahln missen. Anschdadd sechs Mark unn simfnzwanzj Fenge zwölf Mark unn fuffzj Fenge. Unn was wär dadrfon wieder de Folge gewesen? Daß der Jung« nadierlich ooch dobbelt sofiel Dresche gekriegt hädde.... Sehn Ses nu ein? In der Leihbibliothek. Gudden Dag, ich mechde ä Buch. Awr ä recht scheenes. — Etwas Aelteres oder etwas Neueres? Nadierlich was Neiercs. Wissen Se, bei den alden Biechern, da schdeert mich das immer kolossal, daß manche Leser solche Schburn drinne hinderlassen Hamm. Da sinn manchmal Seiden rausgerubbt oder Bläddcr zusammgeklebt, weilse txin Lesen scdoje Finger ge- habbt Hamm, unn allemal grab« wo's an indressandsden is. Unn dann gibbds ooch welche, die roochen Zigaredden drbei. unn wemmer nachher so ä Buch ofsschlägt, da schdiebt een de Asche nr so ins Gesicht. Also gähm S« mr liewer nich so ä aldes. — Ich meinte eigentlich, ob Sie«in Buch von einem älteren oder von einem neueren Schriftsteller haben wollten. Ach so. Was issn da dr Undcrschieo?" — Ja, wie soll ich Ihnen das mit wenigen Worten sagen? Zerbrechen Se sich nich weider n Kobb! Gähm Se mr eeivs fon enn ncieren! — Einen Roman? Awr sylbstferschdändlich! Oder Hamm Sie sielleicht gedacht, enne Anleidung zr Herschdellung fon tinsdlichen Schdoffbluhm? Das is nischd sr mich. — Also schön,«inen Roman. Hier ist einer von Paul Keller Zeigen Se mal! Wie heeßt oer? Hubbcrdus? Sie, das kenn ich. Das is doch die Geschichde fon den Hirsch? — Nein, der Roman heißt nur so. weil er im Walde spiqlt. In Wald? Bassiert denn da ooch was? — O, sehr viel. Der Held, der aus der Stadt geflüchtet ist, er- lebt sogar überaus viel Aufregendes. Warum haddn der ausreihen missen? Der hadde woh� ge- maust? Unn nu mußr sich ferschdecken? Unn da kommdr wohl under de Reimer? — Nein. Und gestohlen hat er auch nicht. Aber im benach- harten Dorf geschehen viele seltsame Dinge. Mord, Brandstiftung, Liebe, Haß, Eisersucht Unn fon Liewe kommt nischt drinne for? — Doch. Genug. Wi« ihn das? Was sinn dn da fr Versöhn? — Da sind zum Beispiel Zwillingsschwestcrn, die eine Gastwirt- schaft betreiben. Unn heiraden die doch, alle beede? Der Drotpreis für Erwerbslose Vier Pfennige Ermäßigung, Väckerfpanne noch zu hoch. Im Reichsernähningsmtmster'mm haben wieder einmal Brot- preissentungsverhandlungen stattgesunden, von denen die Oeffcntlichkeit mit der Zeit den Eindruck erhalten hat, daß dabei doch nichts herauskommt und daß der Reichsernährungsminister Schiele nur so tut, als ob er täte. Diesmal geht es um die Frage, eine Bcrbilligung des Brotpreises für die Arbeits- losen in Berlin herbeizuführen. Die Organisationen der Bäcker haben eine Preisermäßigung von 4 Pfennigen für dos 1250 Gramm schwere Brot zugestanden. Das Ministerium, das anfänglich einen größeren Preisnachlaß forderte, hat sich anscheinend mit dieser Kon- Zession zufrieden gegeben und die Angelegenheit dem Berliner Magistrat, der die Einzelheiten zu regeln haben wird, überwiesen. Wir nehmen an, daß der Berliner Magistrat sich die Kon- Zession der Bäckermeister und Brotfabriken noch eiwnal genau an- sehen wird. Wir halten den Preisnachlaß um 4 Pf. für 1250 Gramm für durchaus ungenügend. In den sächsischen Städten haben die Bäcker z. B. einen Nachlaß von 4 Pf. sür 1000 Gramm zugestanden. Was schließlich in Sachsen geht, muß auch anderswo gehen.— Darüber hinaus ist es an der Zeit, die Frage des Brot- Preises ganz allgemein aufzuwersen. Wir leben heute in einer fürchterlichen Krise, wie sie die Wirtschaftsgeschichte kaum ge- sehen hat. Wir müssen aber feststellen, daß z. B. in Berlin der Brotprciq höher liegt als im vorigen Winter. Die berühmte Bäckerspanne, der Unterschied zwischen den Preisen sür Mehl und dem Brotpreis, beträgt gegenwärtig in Berlin 1 7 P f. Im vorigen Winter hat er nur 1 5 P f. betragen. Das sind Auswüchse, . die die Oeffentlichkeit nicht hinnehmen kann. Es gibt keine Argu- mente, die die Steigerung der Bäckerspanne in Berlin— und in anderen Städten wird es wohl nicht anders sein— um 2 Pf. rechtfertigen könnte. Dos Bäckergewerbe kann doch schließlich in einer Zeit, die energisch eine Abflachung der Preise fordert und die täglich neuen Lohnabbau bringt, sür sich keine Lohnerhöhungen durchführen. Daß es auch mit einer niedrigeren Bäckcrspanne geht, zeigt z. B. Leipzig, wo sie nur 12 Pf. beträgt. Durch eine Verringerung und Normalisierung der Bäckerspanne kann das Problem des Brotpreises aber nur zum Teil gelöst werden. Schließlich besteht ein bestimmtes, durch die Unkosten ge- botenes Verhältnis zwischen Getreidepreis und Brotpreis. Durch Anwendung vieler Mittel ist der Getrcidepreis in Deutschland mehr als doppelt so hoch als der Getreidepreis im Ausland. Dadurch find wir zu einem Brotpreis gekommen, der der Kaufkraft der breiten Bevölkerung nicht mehr entspricht. Das ist aber ausschlog- gebend. Man muß immer wieder feststellen, daß der Reichs- ernährungsminister Schiele auf allerlei Schliche verfällt, um die Oeffentlichkeit über seine unhaltbare Getreidepreispolitik hinweg- zutäuschen und die Verantwortung von sich abzuwälzen. Dem- gegenüber ist zu betonen, daß die gegenwärtigen Getreidepreise nicht mehr zu halten sind. Man wird der Frage einer Zoll- s e n k u n g nähertreten müssen, um in Deutschland einen Getreide- preis zu erzielen, der der Kaufkraft der breiten Bevölkerung gerecht wird. Der Kampf um das Gold. Scharfe Kontroverse zwischen Frankreich und England in Genf. Genf, 23. September.(Eigenbericht.) In der 2. Äommission de» Völkerbundes kam es am Mittwoch zu einer scharfen Kontroverse zwischen Frankreich und England. Der französische Finanzminister Alandin hielt ein« Art hoch- trabender Bußpredigt von programmatischem Charakter für die französischen Absichten. Einleitend sprach er von der überall gleichen Sünde der Verschwendung auf 5tosten der Zu- kunft. Bei der Krise suche jeder ein« gemeinsame Lösung, die seinen egoistischen Interessen günstig sei. Bei dem Ruf nach Streichung der öffentlichen Schulden als einer wesentlichen Ursache der Wirt- schaft»- und Finanzkrise ziele man besonders auf die politischen Schulden, die eingegangen seien, ohne daß der Schuldner etwas dafür erhalten habe. Eine solche Aendcrung beruhe mehr auf moralischen und politischen Erwägungen, denn auf einer reinen Finanzaktwn. Das stärkste Finanzland habe jahrelang finanzielle Sicherheit gehabt, als seine äußeren Schulden viel größer als heute gewesen seien. Außerdem hätten die Schuldner innere Anleihen in den Gläubigerländcrn. Erleichtere man also das eine Budget, so werde das andere dadurch überlastet. Flandin sprach dann von dem Mißbrauch der kurz- fristigen Privatkredite zum Ersatz der langfristigen An- lochen. Bor allem müßten einmal die bestehenden Kredite erhalten werden durch rigorose Sparsamkeit als Quelle de» Ver- trauens. Die gemeinsame Aktion zur Stärkung diese» Vertrauens könne nur in Form einer internationalen Garantie erfolgen. Eine sogenannte Reuverkeilung der Goldbestände wie» Alandin zurück. Die Golddeckung sei ein automatischer Regularisator. Das sei falsch, weil Li» Voraussetzungen ihres Wirkens, nämlich das Vertrauen, versagt haben. Was die praktischen Maßnahmen zur Herstellung de» freien Warenaustausches anlange, so müßten die reichen Länder den kapitalarmen helfen. Aber ein« Garantie dafür sei der gegen- wärtige gut« Glaube. Das bedeute, daß man die Schleusen des Friedens weit aufreißen müsse, wenn man diese Länder um eine große international« Finanzierungsoperation an- geh«. Verlange man von den reichen Ländern die Wiederherstellung de» Produktionskredits, so müsse man vorher die Verluste der Kreditinflation und noch mehr den Geist der Inflation über- Haupt liquidieren. Nach der Krise der llebertreibung herrsche wieder Mutlosigkest. Aber man könne schon die Heilung sehen, wenn man zu den einfachen Heilmitteln greif«. Sir Artur Saller-England polemisiert« unter auffallend st a r k e m Beifall der gesamten Kommission gegen Flandin. Die Verkleinerung der Bedeutung der ungleichen Ver- teilung des Goldes und der Reparationen könne nicht anerkannt werden. Nach seiner Anschauung habe die Bertrauenskrise stärksten po l it i s ch e n Charakter. Sie könne nur mit politischer Beruhigung, aber nicht durch starr« Aufrechterhaltung gerade der Form beseitigt werden, die sie mit hervorgerufen hätte. Di« Noten- danken sollten bis zur äußersten Grenze des Möglichen und Ver- antwortbaren für das starke Zahlungsmittelb edürfni» gehen. Eine Resolution der Vollversammlung müsse neue politische und finanziell« Wege weisen. Alondl» entgegnete, er wolle sofort antworten, da er abreisen müsse. Eine solche Resolution sei wortlos, weil man sich nicht einig wäre und außerdem die Vereinigten Staaten nicht daran beteiligt wären. Er wandt- sich scharf gegen die inslationistischs Tendenz Salters. Die Deckungsgrundlage der Roten dürfe nicht verlassen werden. Für eine gemeinsame Arbeit sei auch er. Die psychologischen Wirkungen der Goldverteilung seien wichtiger, als Salter sie sehen wolle. In China. Oer Chinese zum japanischen General: �Sie kommen zu spät. Meine eigenen Generale haben mich bereits bis aufs Hemd ausgeplündert!� Kampf dem Hunger! Die Crwerbslosenküchen in Frankfurt.— Ein Weg praktischer Hilfe. In Zronksurt a. M. ist ein großes Hilfswerk aufgebaut worden, das in zunehmendem Maße die Aufmerksamkeit weiter kreise auf sich lenkt. Die schwere Rot. die schon im vergangenen Winter die Gefuhr des h u n g e r n s an die Wand malte, brachte in den an S c b st h i l s c gewohnten Arbeilerkreisen den Gedanken an eine Art genosscnsthastlichcr kücheneinrichtungcn hervor. Ziemlich gleichzeitig wurden damals in drei Arbeitersiedlungen lokale Erwerbslosenküchen eingerichtet: Zede dieser Küchen wurde von Erwerbslosen und deren Frauen völlig uaentgeltlich— lediglich das Essea ist frei— bewirtschaftet. Di« Siedler bildeten mit der Küche einen Verein, an welchen jede» Mitglied je nach Vermögen einen Monatsbeitrag von min- bestens 30 Pf. entrichtet. Gekocht wird ein schinackhastes Eintopfgericht: kleine Familien erhalten 1 Liter, größere 2—3 Liter. Die Portion wird für 10 Pf. verabreicht, während die Selbstkosten 23 bis 25 Pf. betragen. Für die Disferenz zwischen 10 und 23 Pf. tritt in erster Reche her lokale Verein ein. Die gemeinnützige Woh nungsgesellschast, die jene Siedlungen besitzt, hat im wohlverstandenen Interesse ihrer Mieter deren Leistungen oerdoppelt und stellte vor allem die nötigen Lokale für die Küchen. Natiirlüh fehlte dann immer noch Geld und das wurde zunächst von allerhand Or- ganisationen, wie Arbeiterwohlsahrt, Winterhilfe sowie von Privat- Personen gedeckt. Der Konsumverein trat vom ersten Tage an als Lieferant zu stark ermäßigten Preisen und somit als Helfer auf. Der Versuch durfte nach einiger Zeit als geglückt bezeichnet werden, so daß andere Stadtteile ähnliche Gründungen vornahmen und zwar auch außerhalb von Siedlungen. Heute bestehen in Frankfurt a. M. bereits zehn solche Küchen und weitere zehn bis zwanzig sind in Vorbereitung. Die täglich verabreichte Portionenzahl ist im raschen Ansteigen: bis zu Beginn des Winters sollen 10 000 Portionen etwa 25000 Menschen versorgen. Natürlich hatte sich bald als notwendig erwiesen,«ine einheit- liche Stell« zu schassen, an die sich die einzelnen Küchen wegen der Errichtung des Einkaufes, der Beratung und vor allem der Finan- zierung wenden konnten. Aus diesem Grunde wurde vor einem Vierteljahr ein„D a ch v e r e i n der Erwerbslosenküchen" errichtet. Auch dort wird die außerordentlich große Arbeit völlig ehrenamtlich geleitet und zwar im wcsenllichen von Frauen, wie denn überhaupt das Hauptvcrdienst des ganzen Werkes einer ebenso klugen wie energischen Frau zu danken ist. Klugheit, ja Diplomatie ist für das Gelingen eines solchen Unternehmens deshalb nötig, weil es nicht leicht ist, den verschiedenen Richtungen und lokalen Eigenarten Rechnung zu tragen und sie alle unter einen Hut zu bringen. Heute ist es in Frankfurt so, daß neben der Arbeiterwohlsahrt auch die konfessionellen Verbände überall, je nach der Gegend mehr oder weniger aktiv mitarbeiten. Das war nur möglich durch das restlose Vertrauen in die Führung. Die so wichtige Geldfrage ist bisher so gelöst worden, daß die einzelnen Küchenvereine örtlich möglichst viel Geld ausbringen, manche sich dank eines oder mehrerer örtlicher Protektoren fast selbständig finanzieren, die meisten ober in der Regel größere Zu- schüsse mis der Zentralkasse erhalten. Diese Zentralkasse ist bis heute restlos aus freiwilligen Beiträgen aller Bevölkerungs- schichten gespeist worden, die entweder einmalige Beiträge oder aber, wo, wesentlich angenehmer ist, Monatsbeiträg« geben. Es ist«ine der angenehmsten Ueberraschungen gewesen, wie reichlich und wie gern gegeben worden ist und noch gegeben wird. Die Bekämpfung des Hungers leuchtet eben jedem ein. Dansben hat aber großen Eindruck gemacht, daß hier die S e l b st h i l f e sich voll auswirkt. Nicht minder, und das darf nicht verschwiegen werden, ist die Einrichtung deshalb populär, weil Behörden und Bürokratie sich klug beiseite halten. Di« völlig unentgeltliche Leistung aller Beteiligten macht nicht minder großen Eindruck. Vi» heule wandert jede einlaufende Mark zu 100 Proz. in den Topf. (Das Zeutralbüro samt Einrichtung wurde kostenlos von einer Sied- lungsgesellschaft, ein großer Teil der Kochkessel von Organisationen zur Verfügung gestellt ufw.) Sehr angenehm wird es empfunden, daß nicht in Volksküchen, sondern daheim in der Familie gegessen wird. Da man an derartigen Einrichtungen nicht nur mih� Idealismus, sondern auch mit Nüchternheit herangehen muß, so sei ausdrücklich für etwaige Nachahmer erwähnt, daß zur Verhütung naheliegender Menschlichkeiten, aber auch um Ordnung oder Klarheit zu bekommen, die Zentrale eine straff gekettete Re- Visionsabteilung hat: wenn ein derartiger„Revisions- verband" nicht von vornherein funktioniert, so sind peinliche Ueber- raschungen nicht zu vermeiden. Des weiteren kann nicht genug empfohlen werden, in der Propaganda für Beiträge sich mit Nachbarorganisationen, d. h. also vor allem mit der jetzt organisierten Nothilfe sich zu verständigen, schon um das Publikum nicht zu verwirren. In Frankfurt ist der Verein Erwerbslosenküchen als solcher in den Vorstand der Nothilse eingetreten. Dos bisherige Gelingen, auch das sei ausdrücklich betont, wäre nicht möglich gewesen ohne eine prachtvoll« Unter- stützung durch die Presse": jedes der großen Blätter delegierte ein Redaktionsmitglied in den Propagandaausschuß, der wie alle anderen Ausschüsse des Vereins zwar keine Sitzungen abhält, aber um so mehr arbeitet. Frankfurts Beispiel verdient Nachahmung. Und nun zum Schluß die grundsätzliche Frag«: Wie soll sich Partei, wie G e w e r t s ch a f r zu der Frage von Erwerbslosen- tüchen stellen? In Frankfurt besteht darüber Einmütigkeit. Grundsätzlich vertritt man hier den Standpunkt, daß es Sache der Kam- munen sein müßte, für die Bekämpfung der Notstände emzu- treten. Man verschließt sich aber nicht der traurigen Wirtlichkeit, daß dort, wo nichts ist, auch die Partei ihr Recht verloren hat. Wenn auch Partei und Gewerkschaften als solche von einer offiziellen Beteiligung an den Küchen(meiner Ansicht nach mit vollem Recht) absehen, so haben sie selbstverständlich in keiner Weise gegen eine aktive Beteiligung einzelner Parteigenossen und der Arbeiterwohlsahrt Einwendungen. Und diese Mitarbeit an iährender Stelle wird hier namentlich draußen in Bezirken mit Eiser gelnstet. Selbstverständlich erwartet die Organisation, daß das Personal nicht etwa ausgenutzt wird. Vor allen Dingen ist die unerläßliche Bedingung an der Mitarbeit für jeden Sozialdemokraten, daß die Tatsache des wohlfeilen Essens nicht etwa von der ohnehin so bedenklich niedrigen llnkersiühung abgezogen wird. Diese Gefahr liegt nach den herrschenden Bestimmungen solange nicht vor. solange nicht �öffentliche Mittel, sondern freiwillige Spenden das Hilfswerk stützen. Darum wird man sich vor Danaergeschenken hüten müssen. Di« Frankfurter Zentrale ist heute schon damit vollauf be- schäftigt, mündliche und schriftliche Auskünfte zu erteilen, sie wird auch interessierten Lesern des„V o r w ä r t s" gerne Red« und Ant- wort stehen, denn sie würde sich freuen, wenn sie Nachahmungen fände. Ernst Kahn. 500000 Berliner suchen Arbeit. Aber die Reichsanfialt unterstützt nur den vierten Teil. In der ersten Septemberhälstc hat sich die A r b e i t s m a r k t- läge im Bezirke des Landesarbeitsamtes Brandenburg weiter verschlechtert. Die Zahl der Arbeit- suchenden erhöhte sich um IS 375, die Zahl der Unter- stützungsbezieher aber nur um 3329. Der Zugang an Arbeitsuchenden entfiel fast ausschließlich auf Berlin, da hier im Gegensatz zu ländlichen Bezirken in keiner Berufsgruppe durch besondere Ausnahmefähigkeit ein Ausgleich geschaffen werden konnte. In den Arbeitzamtsbezirken der Provinz Brandenburg und der Grenz- mark Posen-Westpreußcn wechselten Zu- und Abgang und nur in den Bezirken Brandenburg a. d. Havel, Deutsch-Krone, Finstcrwalde, Fürstenwalde, Guben, Küstrin, Luckenwalde, Rathenow, Schlochau und Züllichau-Schwiebus kann von einem Ausgleich innerhalb des Arbeitsamtes gesprochen werden. Von den 637 394 Arbeitsuchenden entfielen 486 667 auf Berlin, aus die Provinz Brandenburg 139 269 und auf die Grenzmark Posen-We st preußen 11 458 Personen. Die Zahl der Hauptunter st ützungsempfänger in der ver- sicherungsmäßigen Arbeitslosenunterstützung betrug 170 784, in der Kriscnfürsorge 157 274, zusammen 328 358 Personen. Bon den HauptuNterstlltzungsempfängern in der Arbeitslosenversicherung ent- fielen auf Berlin 121 905, auf die Provinz Brandenburg 45 221, auf die Grenzmark Posen-Westpreußen 3658. In der Krisenfürforge betrugen die entsprechenden Zahlen für Berlin 116 874, Branden- bürg 36 974, Grenzmark Posen-Westpreußen 3726. Bon den?lrbeitsuchendcn wurden aus den Mitteln der Arbeits- losenvcrsicheriing unterstützt in Berlin 25 Pro z., in Brand««- bürg 32,5 Proz., in Posen-Westpreußen 32 Proz. Die„R e i n i- gung* ist in Berlin also am radikalsten vorgenommen worden und liegt nicht nur unter dem Durchschnitt des Landesarbeitsamtes, sondern auch weit unter dem Durchschnitt des Reiches. Lohn oder Arbeitszeit? Vor der Eniftheidung im Vuhrbergbau. Die Hartnäckigkeit, mi: der T c r i s st r e i t im Ruhrberg- bau geführt wird, beweist, daß es sich hier um Fragen handelt, die über den Standpunkt der Tarisparteien Hingus im öffentlichen und allgemeinen Interesse gelöst werden Müssen. Noch dem neuesten Arbeitsmarktbcricht sind Ende August im Ruhrbcrgbau allein 98 000 arbeitslose Bergarbeiter norhandcn. In- zwischen sind neue Entlassungen erfolgt, so daß die Zahl von .Hunderttausend bereits überschritten sein dürfte. Dabei ist ein Ende dieser Abbauwells noch nicht abzusehen. Die Ursachen dieser katastrophalen Verschlechterung sind zum großen Teile zweifellos in dem allgemeinen wirtschaftlichen Nieder- gonge zu sehen. Es spielen aber auch andere Gründe eine ent- scheidende Rolle. Wenn z. B. heute zwei Kohlenhouer im Ruhr- bcrgbau die gleiche Leistung vollbringen wie vor fünf Iahren drei, dann ist diese betriebswirtschaftliche Entwicklung an dem Arbeits- losenproblcm mitschuldig. Daraus ergibt.sich, daß selbst c i n glänzender wirtschaftlicher Aufschwung gar nicht genügt, um die bergmännische Arbeitslosenarmce zu dezimieren. Es war darum für die Bergarbeiteroerbände eine selbst- verständliche Pflicht, das Arbeitszeitabkommen zu kündigen und eine Beseitigung der Mehrarbeit zu fordern. Wenn infolge der zahlreichen Feierschichten durch den Fortfall der Mehrarbeit auch nicht eine sofortige wesentliche Besserung auf dem Arbcitsmarkte eintreten würde, so könnte auf diese Weise doch manche Erleichterung und Entspannung erzielt werden. Vor allem würde man den arbeitslosen Menschen augenfällig beweisen, daß im Rahmen der gegebenen Verhältnisse das Menschenmögliche zur Linderung der Not geschieht. Der schwerarbeitende Bergmann ober, der auf Grund des intensiven Arbeitstempos seine letzten Kräfte hergeben muß, würde jede Erleichterung durch eine kürzere Arbeitszeit dankbar begrüßen. Das waren die Gedankengänge, die zur Kündigung der Mehrarbeit geführt haben und mit denen die Bergarbeitervcrtreter ihre Haltung begründen. Sie sind um so beachtenswerter, nachdem in letzter Zeit sowohl im mitteldeutschen, wie auch im rheinischen Bergbau aus den gleichen Erwägungen heraus die Arbeitszeit verkürzt wurde. Die Ruhrunternehmer haben trotzdem in den bisherigen Ver- Handlungen die Verkürzung der Arbeitszeit grundsätzlich ab- gelehnt. Sie wollen das Arbeitslosenproblem mit anderen Mitteln lösen. Ein Lohnabbau von„nur" 12 Proz. und eine Er- Weiterung der Randzechcnklauscl soll die Selbstkosten weiter senken. Gebt uns-die Macht! Die Aufgaben der Gewerkfchastsfunktionäre. lieber die Aufgaben der Gewerkschaftsfunktio- n ä r e in der gegenwärtigen Wirtschaftslage sprach am Dienstag vor den Berliner Betriebsräten des Gesamtoerbandes Genosse Lengersdorsf vom Hauptvorstand dieser Organisation. Der Referent nahm die Währungskrise in England zum Anlaß, den Betriebsräten einen anschaulichen Uebcrblick über die internationalen Verflechtungen des Finanzkapitals und der Wirtschaft zu geben. Obwohl die Auswirkungen der Vorgänge in England heute noch gar nicht abzusehen sind, stehe doch soviel fest, daß sie bestimmt zur Verschärfung der deutschen und der internationalen Wirtschaftskrise beitragen werden. Noch einer knappen, aber den Kern der Sache enthüllenden Darstellung über die Ursachen der gegenwärtigen Wirt- schastskrise umriß Genosse Lengersdorfs die Aufgaben, die den Gewerkschaften, der Partei und den Funktionären dieser Arbeiter- organisationen aus der Krise erwachsen. Die Beschlüsse des Leipziger Parteitages sowohl als die des Frankfurter Gewerkschaftskongresses weisen den Weg, der in nächster Zeit beschritten werden mUß. Wenn vielleicht auch bald weitergehende Forderungen erhoben werden müssen, so sei es zunächst einmal die Hauptaufgabe der Partei und der Gewerkschaftsfunktionäre, für die Forderungen dieser beiden wichtigen Arbeitertongresse den Resonanzboden innerhalb der Arbeiter zu schassen. Die Verwirklichung dieser Forderung ist mehr eine politische als eine gewerkschaftliche Machtfrage. Der Ruf des sozialdemokratischen Parteivorstandes:„Gebt uns die Macht!" muß auch den Gewerkschaftsfunktionären ein Ansporn sein, durch nie er- lahmende Ausklärungs- und Werbearbeit der sozialistischen Wirt- schastsordnung den Weg zu ebnen. Wenn auch die MahnahmcU der Regierung Brüning hinsichtlich der Bankenkontrolle usw. höchst unzureichend sind, so sind sie aber immerhin ei» Beweis dafür, daß man selbst in bürgerlichen Kreisen nicht mehr daran glaubt, mit rein kapitalistischen Mitteln dieser Krise Herr zu werden. Die Maßnahmen der Regierung zeigen jedenfalls, daß, obwohl durch sie nur ein kleiner Teil der sozialistischen Forderungen erfüllt worden ist, die Partei und die Gewerkschaften auf dem richtigen Wege sind. Durch die gewerkschaftliche und politische Ausklärungsarbeit der nächsten Monate muß dafür gesorgt werden, daß die Wirtschaft am End: dieser Krise ein anderes Gesicht hat als vor ihrem Beginn. Einige Patentrcvolutionäre versuchten, in dieser Volwersamm- lung ihre abgestandenen Parolen an den Mann zu bringen, hatten damit aber kein Glück. Auf eine phrasenhafte kommunistische Ent- schließung antwortete die Vollversammlung mit der f a st e i n st i m- m i g e n Annahme einer Entschließung, in der sie sich voll und ganz auf den Boden der Beschlüsie des A2GB. und des Frankfurter Gewerkschaftskongresses stellt. Kommt die Arbeitszeiwerkürzung? Beratungen im Reichsrat. Die Vereinigten Reichsratsausschüsse beschäftigten sich am Mitt- wach mit den Durchführungsbestimmungen zu der durch die Notoerordnung vom S. Juni 1931 der Reichsregierung verliehe- nen Ermächtigung zur Arbeitszeitverkürzung. Nach längerer Aussprache wurde die Vorlage angenommen. Sic wird am Donnerstag die Vollsitzung des Reichsrots beschäftigen. lieber den Inhalt der Durchführungsbestimmungen sind bisher Mit- teilnngen nicht gemacht worden. Scharfe Worte im DBB. Auf dem Kongreß der Postbeamten. Der Rcichsverband Deutscher Post- und Telegraphcnbcainten begann am Mittwoch seinen Z0. Verbandstag. In seiner Erössnungs- ansprach« sagte der Vcrbandsoorsitzende K u g l e r, das soziale Un- recht, das den Beamten schon bisher zugefügt wurde, soll durch neue Notoerordnungen gesteigert werden. Abwehr hiergegen sei das Gebot der Stunde.(Beifall und Zustimmung.) Mit Hilfe einer auf diese Art erzielten Produktionskostenverminde- rung glauben sie einen Mehrabsatz und damit die Möglichkeiten einer Milderung der Arbeitslosen»»! zu finden. Dieser wirtschastspolitischen These stehen aber nicht nur die schwersten grundsätzlichen, sondern auch schwerwiegende sachliche Bc- denken gegenüber. So ist beispislsweise das Einkommen der Berg- arbcitcr infolge der zahlreichen Feierschichten und sonstigen Be- lastungcn derart niedrig, daß eine weitere Schmälcrnng als «ine unerträgliche soziale Härte erscheint. Zweitens ist zu beachten, daß der L o h n k o st e n a n t c i l infolge der andauernden Steige- rung der Leistungsergebnisse seit Anfang vorigen Jahres um zirka ein Fünftel zurückgegangen ist. Drittens taucht die Frage auf, ob die geforderte Kostensenkung unbedingt über das Lohnkonto erfolgen muß. Diese Frage ist um so berechtigter, nachdem das Gehalts- k o n t o im Rohmen der Selbstkostenberechnung zu April dieses Jahres dreimal so hoch war als 1913. Aber von den Lohn- und Arbeitskosten ganz abgesehen, bleiben als weiterer Faktor vor allem die K a p i t a l k o st e n, die auf Grund der beträcht- lichen Fehlleitung von Kapitalien und des nur teilweise ausgenutzten Produktionsapparates keine geringe Bedeutung spielen. Schließlich werden, soweit die Selbstkostenkrise als Argument eine Rolle spielt, wieder die Berechnungen des Reichswirtschafts- ministeriums ins Feld geführt, die einen Verlust von 2 M. je Fördertonne ergeben haben sollen. Wenn diese Behauptung ein wirkliches Beweismittel fiir einen Lohnabbau bilden soll, dann ist es absolut unverständlich, daß man den Gcwerkschastsvertretern diese Akten vorenthalten und cioe Nachprüfung unmöglich gemacht hat. Dann ist es ober auch den Bergarbeitern unbegreiflich, warum die bankerotten Grubenvcrwaltungen immer noch Geld für Werkszeitungen und sonstige Bilderbücher aufbringen. Die springende Frage ist die, ob durch einen weiteren Lohnabbau überhaupt die Arbcitslosennot gemildert werden kann. Diese Frage ist zu verneinen. Der zurückgehende Kohlcnverbrauch ist eine Folge der Wirtschaftskrise. Einem Mchrobsotz auf ausländischen Märkten stehen aber heute bereits verschiedentlich Einfuhrbeschränkungen entgegen. Schon allein aus diesem Grunde ist das Projekt der Unternehmer nicht geeignet, die Krisennot wirtsam zu bekämpfen. Außerdem kommt hinzu, daß die übrigen Kohlenländer aus einen Wettbewerb, der auf Kasten verschlechterter Arbeitsbedingungen geführt wird, sehr rasch mit den gleichen unsozialen Maßnahmen reagieren. Daß auf diese Weise die mißliche Lage nicht gebessert, sondern nur noch ver- schärft wird, ist selbstverständlich. Der Bundesvorsitzendc des DBB. Flügel nennt die Arbeits- losigkeit als letzten und tiefsten Grund für die Not. Darum, so sagt er u. a., begreifen wir nicht, daß es immer noch Menschen in Deutsch- land gibt, die die Gehälter, Pensionen und die Zahl der Beamten verantwortlich dafür machen.(Sehr richtig!) Führer der Wirtschast nennen sich diese Menschen und wissen nicht einmal objektiv zu sein gegenüber einem Berufsstande, der von Anfang an eine feste und starke Stütze des deutschen Staates war und es weiter sein will. Und doch hätten diese Führer allen Grund, einmal vor ihrer eigenen Tür z» kehren.(Lebhafte Zustimmung.) Ist denn die deutsche Be- amtenschaft schuld an den ungeheuren FxhlanlageN der Deutschen llLirtschast, an der falschen Kredltpolitit der Wirtschast, an der über- stürzten Rationalisierung, an der starren Preispolitik der Kartelle und Trusts oder an der Bürokratie, die sich die Wirtschaft in sich auf- baute und die weit hinaus geht über die des Reiches, der Länder und Gemeinden oder an den jetzt unmoralisch hohen Gehältern, die die Wirtschastsfllhrer noch immer einstreichen.(Sehr richtig!) Leider ist es auch noch so, daß nicht die Führer der Gewerkschaften, der Massen des Volkes, das Ohr der Reichsregierung haben, sondern die Kreise, die ich eben charakterisierte. Wollte ein Beamter so wirt- schaften, wäre er längst diszipliniert.(Sehr wahr!) Kenner auf dem Wiener Gewerkschaftskongreß Hueber Ehrenvorsitzender. Wien, 23. September.(Eigenbericht.) Auf dem österreichischen Gewerkschaftskongreß erstattete Dr. Renner am Mittwach ein Referat über die wirt- schastliche und soziale Lage Oesterreichs, in dem er daraus verwies, daß zu derselben Stunde, in der die Sozialdemokratie ihr Wirt- schastsprogramm veröffentlicht und einen Ausweg aus der schwic- rigen Lage gezeigt l>abe, die Heimwchren einen Putsch veranstaltet hätten. Das sei das Dllemma, vor dem die Welt stehe: entweder die Lösung nach dem sozialdenwkratischen Programm oder die Zer- störung der Wirtschast durch die Putschisten. Der bisherige Vorsitzende des Gewcrkschastsbundes Anton H n e b e r, der mit Rücksicht auf sein hohes Aller seine Wiederwahl abgelehnt hat, wurde zum Ehrenvorsitzenden des Gcwcrk- schastsbundes gewählt. Zugleich wird eine Huebcr-Stiftung von 20 000 Schilling(12 000 M.) gegründet werden. Tagung der Landstraßenwärier. Am Freitag und Sonnabend tagte in Dresden die zweite R e i ch s k o n f e r e n z der im Gesamtverband organisierten Landstrahenwärter. Reuter(Berlin) hob in seiner Er- öffnungsansprache die gute Organisation der Landstraßenwärter her- vor, die im Gesamtverband eine Gruppe von 10 000 Mitgliedern bilden. Die Internationale Föderation des Personals öffentlicher Dienste und Betriebe, die ausländischen Bruderorganisationen und das sächsische Finanzministerium hatten Vertreter entsandt. Zu Vor- sitzenden wählte die Konserenz Reuter(Berlin) und Preißler (Dresden). Der erste Tag der Konferenz war vor allem durch E r ö r t e- rungen technischer und Verwaltungsfragen aus- gefüllt. Sie wurden durch ein Referat des Oberbürgermeisters a. D. Dr. H e i) m a n n eingeleitet über die steigende Bedeutung der Landstraßen im Rahmen der modernen Verkehrswirtschast. An den Vortrag Dr. Heymanns schloffen sich Ausführungen des Landesbaurats Kluge über Baustoffe und Maschinen' im deutschen Landstraßenbau und in der Landstraßenunterhaltung. In der Diskussion wies Reuter auf die llnfinnigkeit hin, die sich in den Entlassungen von Landstraßenwärtern zeigt. Die Entlasienen fielen bald der Wohlfahrtsunterstützung zur Last, ohne daß sie den Gemeinden eine Gegenleistung bieten könnten. Der finanzielle Schaden, der im Aersall der Landstraßen hervortrete, sei groß und verursache mehr Kosten, als wenn man Landstraßen- wärter wetterbeschästige. Es wurde eine Entschließung angenommen, die mit allem Nachdruck auf d!« schweren wirtschaftlichen Schäden verweist, die sich aus der Vernachlässigung der Straßen- und Wegeunterhallung er- geben. Die Reichsregierung müsse eine Entlastung der Wegcunter- Haltungspflichtigen durchführen. Ihnen seien durch Umgestaltung der Gcsamtbelastung der Krastvcrkehrswirtschast und durch lang- fristigc In- und Auslandsanleihen die erforderlichen Mittel für ihre Aufgabe zur Verfügung zu stellen. Ein großzügiges Straßenbau- Programm sei dazu angetan, Hunderttausenden von Erwerbslosen in wirtschaftliche Tätigkeit Arbeit und Brot zu geben. Am zweiten Verhandlungstage sprach P o l e n s k e über die Stellung der Landstraßenwärtcr im Gesamtverband. Reuter referierte über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der deutschen Landstraßenwärter und stellte den Grundsatz auf, daß die Staatsstraßenwärter den Tarifverträgen für die Staatsarbeitcr angegliedert werden müssen, wenn auch diese Verträge den Staats- straßenwärtern nicht immer voll und ganz gerecht werden. Es sei unerträglich, daß Landstraßenwärtcr, die qualifizierte Arbeiter sind. nach vieljähriger Beschäftigung oftmals bedeutend schlechter entlohnt werden als ungelernte Gemcindcarbeiter. Nach einer ausgedehnten Ausfprache wurde ein« Entschließung angenommen, die bedauert, daß es best jetzt noch nicht möglich gewesen sei, für die Landstraßenwärtcr in allen Teilen Deutschlands das g'eiche Recht und die gleichen Löhne wie für die Gemeindearbeitsr zu schaffen. Deshalb fordert die Reichskonferenz, die Rcichsfachgruppcn- leitung möge bei ihrer künftigen Arbeit folgende Ziele erstreben: 1. Für alle in den Freistaaten tätigen Landstraßenwärtcr sollen grundsätzlich die Tarifverträge für die Staatsarbeiter gelten unter besonderer Berücksichtigung der Landstraßenwärtcr. 2. Für alle in den Gemeinden und Gcmeindcverbänden tätigen Landstraßenwärter gilt der Reichsmantcltarif der Gemeindearbciter und die dazu ge- hörenden bcwirklichen Zusatzabkommen. 3. Bis zur Erreichung dieses Zieles sollen da, wo überhaupt keine tariflichen oder nur ort- liche Vertröge bestehen, Bezirkstarifverträge geschaffen werden. 4. Für den Inhalt dieser Verträge gilt der von der Rcichssach- gruppenleitung der Kämmereibetriebe aufgestellte„Entwurf eines Tarifvertrages für die Landstraßenwärter" als Muster. 5. Gewährung von Ruhelohn an olle Landstraßenwärtcr. Znnungskrauie? in Aktion. Sic möchten das Krankengeld herabsetzen. Der Houptverband deutscher Jnnungskrankenkasisn, Sitz Hannover, richtete vor einiger Zeit an seine Bezirksverbände ein Rundschreiben. Unter Hinweis auf die Notverordnung vorn 5. Juni 1931, deren Bestimmungen sich aus die Krankenkassen geradezu kata- strophal auswirke, wird ausgeführt, der Krankengeldsotz von 30 Proz. des Grundlohns sei entschieden zu hoch. Die Bczirksverbände der Innungskrankenkassen werden deshalb ermuntert, beim Reichsarbeitsminister vorstellig zu werden, damit der§ 182 Ziffer 2 RVG. dahin geändert wird, daß an Stelle des Grundlohns von 50 proz. nur 35 proz. als Krankengeld gewährt wird. Also, um die Innungskrankcnkasscn aufrecht zu. erhalten, sollen die wohlerworbenen Ansprüche der Versicherten gehörig geschmälert, das Krankengeld um 1? Proz. herabgesetzt'werden, nachdem die Jnnungskrankenkassen bereits sonst überall auf Kosten der Kronken „gespart" haben,„sei es an Krankcnhauspslegekosten oder sonstigen Einschränkungen der Mehrleistung". Jetzt soll nun vor allem an den Varleistungen gespart werden. Der Houptverband deutscher Jnnungskrankenkassen ist sich wohl- bewußt, daß„eine derartige Bestimmung die kreise der versicherten wieder schwer lrefsen wird", doch beruft er sich daraus, daß die. A r- beitslosenoersicherung zum großen Teil höhere Beiträge erhebe und außer den Barleistungen keine Sachseistungen zu ge- währen hat. Die Arbeitnehmermitglieder der Innung?» krankenkasse haben alle Ursache, sich gegen diesen Ver- schlechterungsplan zu wenden. Hoover gegen Lohnkürzung. WZrtfchastsführer halten ihr Versprechen nicht. New Jork. 23. September. Infolge der schlechten Wirtschaftslage find verschiedene große Finnen, so die US. Steel Corporation, die Bethlehem Steel und andere zur Lohnkürzung übergegangen. Diese Maßnahme wird vom Präsidenten hoover aus das schärfste gemißbilligt. Der Präsident weist aus das vor zwei Jahren gegebene versprechen der witrschostssührer bezüglich des Lohnfeiertagcs hin. Die Direktion der General Motors hat von einer Lohnkürzung abgesehen, dagegen die Gehälter der Angestellten um 10 bis 20 Proz. gekürzt. Als erstes wirklich bedeutendes Unternehmen führte die United States River die Fünftagewoche bei einer Lohnkürzung um IIProz. ein. Bon den Lohn- und Gehaltskürzungen werden insgesamt 400 000 Arbeiter und Angestellte betroffen. SPD..Zi«lti»» b-r(ia>(c6«lü|cn VnibdrilLkr. ämitf, 12 Uhr. im tü WairctHAoftcIwu«, cool I. wichtige ZufüauncnJunfl der auf dem Doden Ii der Ämsterdanrer Eewerkschofizrichlimg stehenden NotTegen. tFreie Gewerkfchafts-Zugend Verlin Heute, um IS'Z Uhr, lagen die Gruppen: Köpenick: Jugendheim Grünauer Str. 5(Sähe Bahnhof Spind lersfeldi.>Bom Sinn oder IIn- sinn der Mode.-— Gesuudbruuuen: Jugendheim Rote Gckule, Goten. durger Sir. 2.»Die Trau in Sowjetrnsiland."— TchSuhauser To«: Jugend- heim Tieckstr. 18 ljZeuerm:hrhau!>>. Hcimdcsprcchung.— Teufel hos: Gruppen- heim LiMti-m Germamasir. 1—6. Der Zugang»um Zugrndheim erfolgt durch den Eingang auf der Hinteren Seite der Kchu'e Gühftrahe.»Warum Betriehe- Igte?"— Esidostcn: Zicich�ndcrgcr Str. 66 fZeuerr-chrhauds. Spukodeud.— Moabit: IAgendheim L-Hrter Sir. 18-12...Nalurn-Isienfehaft und mir."— Stoateu: Jugendheim 17. Bo!k»fch»Ie. Gortcnftadt,!tirc!u>:ahchi>«iiu der Schule Litauer Str. 18. Aussprachrabend.— Treptow: Jugendheim de: Schule Wildeubrnchstr. 53 lZugaug rou der Gra-etistrahe in Treptow-).„Trcptou steht Kopf." Ein lustiger Abend.— Die»Freie Angestellten-Bank«. G. m. u. H.' tagt ron 20— ZL Uhr im Lcrbandshause.— Achtung! Am Sonntag. 27. Scp- tembcr, beteiligen-ich all, Iugendmitglieder am Serbsttreffen i» Zossen.— Meldet ei-ch für die Volksbithninobteilung für die arbeitende Jugend iw Iugendsetretariat. Berantwortlich für Politik: Biet,« Schifft Wirtschaft: G.»livgelhüs««: Gewerkschaftsbewegung: 3. Steine«: jZsuilletou: Kr. Zahn Schikowski: Lokales und Sonstiges: Sei*»arstädt: An, eigen: Tb. Glos«: sämtlich in Berlin. Verlag: vorwärts-Bcrlaa G. m. 6. H.. Berlin. Druck: Vorwärts- Buchdrucker'! und Berlagsanstolt Paul Singer n. Co.. Verlin SW 68. Liudenftrah» 8, Hier»» 2 Beilagmu